Im Zeichen des Meinungs-Lynch-Mobs

Almond und Verba haben in ihrem Buch “The Civic Culture”, in dem Sie die Grundlagen von Demokratie in u.a. Deutschland untersuchen, sinngemäß ausgeführt, dass eine demokratische Kultur es aushalten müsse, dass es Personen gebe, deren Meinung vom Mainstream abweicht, dass es für eine demokratische Kultur, eine civic culture, wie sie sagen, notwendig ist, sich ständig mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, wobei auseinandersetzen argumentieren, das Treffen begründeter Aussagen meint, das kann man nicht oft genug sagen.

civic cultureIn der ersten Civic Culture Runde war Deutschland noch weit vom Ideal einer civic culture entfernt. Und heute, so scheint es, hat sich daran überhaupt nichts geändert. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, Deutschland werde von einem Mob der Meinungswächter beherrscht, die alle Formen der Äußerung einer Meinung darauf absuchen, ob sie mit der herrschenden Mehrheitsmeinung kongruent sind, ob sie politisch korrekt sind. Schaffen die Aussagen es durch den Filter, dann werden sie geduldet, schaffen sie es nicht, dann bricht ein – wie es dann gewöhnlich heißt – shitstorm los, dessen Ziel darin besteht, die als Vertreter abweichender Meinungen Identifzierten mundtot zu machen. Man kann die entsprechenden Versuche als Versuche eines Meinungs-Lynch-Mob ansehen.

Adressat des Meinungs-Lynch-Mobs im vorliegenden Fall ist der “Allgemeinmediziner Dr. med. Jürgen Freiherr von Rosen, der im osthessischen Gersfeld eine ‘Praxis für naturgemäße Ganzheitsmedizin’ betreibt. Jürgen Freiherr von Rosen hat eine Reihe von Ideen zu Yin und Yang, z.B. sieht er Yin und Yang als Grundgesetz der Natur, eine Meinung, die nicht allzu viele Naturwissenschaftler teilen werden. Das zeigt bereits, von Rosen hat eine Meinung, die man in den Bereich des Okkultiusmus stecken muss und dort eigentlich gewähren lassen kann, denn er richtet keinen Schaden mit seiner seltsamen Überzeugung an, bzw. es gibt keinen Bericht darüber, dass er einen Schaden anrichten würde – und wenn seine Patienten die Überzeugung von von Rosen teilen, warum nicht? Schließlich gibt es auch eine Vielzahl von Deutschen, die sich einbilden, sie würden über ihre sexuelle Orientierung determiniert.

Aber: von Rosen, der seine Meinung im Massenblatt “Reform Rundschau” verbreitet hat, hat einen Fehler gemacht. Hätte er nur von Yin und Yang erzählt, der Okkultismus hätte niemanden gestört – wie gesagt, man ist es in Deutschland weitgehend gewöhnt, das an alles und jedes und vor allem ohne Begründung geglaubt wird. Aber er hat es nicht beim Yin und Yang belassen, er hat aus seiner Überzeugung, dass die Natur von zwei gegensätzlichen Kräften beherrscht wird, einen Schluss gezogen, einen Schluss, der ihm zum Verhängnis geworden ist:

Yin-Yang“Wenn heute auf die Homosexualität so großer Wert gelegt wird und sogar ‘Ehen’ zwischen Homosexuellen geschlossen werden, so ist das ein Verstoß gegen das universelle Gesetz von Yin und Yang bzw. das Gesetz der Polarität”, heißt es in der neuesten Ausgabe im Artikel “Yin und Yang im täglichen Leben”.

Für alle, die es nicht sofort sehen: Das ist Diskriminierung, Homophobie, eine Abwertung von Homosexuellen, denn Homosexuelle müssen auch in okkulten Lehren gleichberechtigt vorkommen, und Homosexuelle können es psychisch und gesellschaftlich nicht ertragen, wenn man sie aus abstrusen Lehren ausschließt oder gar schlussfolgert, dass dann, wenn die Welt von Gegensätzen beherrscht wird, Gleiches auf Dauer nicht bestehen kann.

Wir haben wirklich nicht gewusst, ob wir lachen oder weinen sollen, lachen darüber, dass Homosexuelle ihr Recht auf gleichberechtigte Teilhabe an okkulten Lehren einklagen oder weinen darüber, dass es einen Meinungs-Lynch-Mob zu geben scheint, der gnadenlos jede abweichende und sei es eine noch so schräge abweichende Meinung, verfolgen und durch einen Shitstorm erledigen will.

“Na da wissen wir ja, wo wir nicht mehr einkaufen gehen …”, so zitiert Alexander Becker eine der häufigsten Reaktionen, die sich u.a. auf Facebook eingestellt haben. Eingestellt haben sie sich beim Reformhaus-Verband, denn die Reform Rundschau liegt in Reformhäusern unentgeltlich aus und kann von Kunden mitgenommen werden. Dem Shitstorm, so schreibt Becker weiter, sei vom Vorstand des Reformhaus-Verbandes, von Rainer Plum und Carsten Greve, hervorragend begegnet worden, fast buchstabengetreu und so, wie es in Lehrbüchern zum Krisenmanagement stehe, hätten sich beide verhalten.

Wie haben Sie sich verhalten? Sie sind eingeknickt, haben erklärt, dass sie von dem Artikel nichts wissen, weil die Reform-Rundschau bei einem unabhängigen Verlag und nicht im Auftrag des Reformhaus Verbandes produziert wird, erklärt, dass sie die “diffamierenden und diskriminierenden Äußerungen gegenüber Homosexuellen” nicht hinnehmen und dafür gesorgt haben, dass die entsprechende Ausgabe 11/14 der Reform Rundschau aus den Reformhäusern verschwindet und vernichtet wird. Und auch der Kotau vor dem Meinungs-Lynch-Mob darf nicht fehlen, und zwar in der Form von Dank für den Hinweis auf die Diskriminierung von Homosexuellen.

Und Alexander Becker feiert dieses Verhalten als Erfolg des Krisenmanagements, weil man der Meute den Autor zum Fraß vorgeworfen und sich ansonsten vom Acker gemacht hat.

Das einzige, was wir in diesem vermeintlichen Erfolg sehen können, ist eine weitere Niederlage für die Meinungsfreiheit, denn die fragile öffentliche Meinung in Deutschland erträgt offensichtlich nicht einmal mehr die abstruse Meinung eines Mediziners aus dem osthessischen Gerstfeld, die keinerlei Schaden angerichtet hat.

lynch-mob1Der Kniefall der Reformhaus e.G. vor dem Meinungs-Lynch-Mob macht dagegen deutlich wie einfach es derzeit in Deutschland ist, abweichende Meinungen aus dem öffentlichen Bereich zu verbannen. Er zeigt, wie lächerlich und peinlich die Meinungs-Hegemonie der derzeit von Politikern hoffierten Minderheitenverbände ist, und er zeigt, dass von Unternehmen wie der Reformhaus e.G. dann, wenn es darum geht, die Meinungsfreiheit zu verteidigen, weder Rückgrat noch Unterstützung zu erwarten ist.

Armes Deutschland.

Was wohl passieren würde, wenn Erich von Däniken in einem seiner Alien-Bücher schreiben würde, dass die Aliens, die er z.B. in indischen Darstellungen sieht, keinerlei Homosexualität in ihrer auf Silicon basierten Rasse kennen? A Shitstorm waiting to happen – denn Homosexuelle haben ein Recht, auch bei Aliens vorhanden zu sein. Alles andere ist Diskriminierung.

Unser Dank gilt Eckhard Kuhla für den Hinweis aus den Beitrag von Alexander Becker.

Ein Profx, das zu Straftaten aufruft

Die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und die Zeit machen Stimmung für Lann Hornscheidt, und auch in der Welt wird dafür getrommelt, die Freaks an Universitäten zu belassen, wie es heißt, wohlwissend, dass der Autor die Freaks nicht bezahlen muss, das tun ja andere.

Die Welle des Verständnisses für das Profx, und die Welle der Unkenntnis darüber, was an Universitäten normal und Gegenstand von Wissenschaft ist, die derzeit durch offensichtlich gleichgeschaltete Zeitungen schwappt, hat uns dazu veranlasst, einem Kommentar nachzugehen, den ein Leser mit dem Pseudonym “Lernender” vor einiger Zeit auf ScienceFiles gepostet hat.

Der Kommentar verweist auf eine Reihe von Dingen, die sich schwerlich mit Wissenschaft vereinbaren lassen und die mit dem Namen Lann Hornscheidt verbunden sind.

Doch der Reihe nach.

Fangen wir unsere Reise in die Abgründe von überzeugtem Faschismus, in die Welt derer, die andere mit Heil überziehen wollen, ob diese anderen das nun wollen oder nicht, auf einer Seite an, die weitgehend unlesbar ist und sich XartSplitta nennt.

Lann HornscheidtWie man dem Impressum dieser Seite entnehmen kann, zeichnen “lann hornscheidt” und “ja´n sammla” für den eingetragenen Verein XartSplitta verantwortlich. Diese Verantwortungsübernahme von u.a. Lann Hornscheidt, dem Profx von der Humboldt-Universität ist wichtig, wenn es darum geht, die strafrechtliche Verantwortung für das festzumachen, was jetzt kommt. Das, was jetzt kommt, findet sich auf der Seite, die mit

offene liste: interventions ~ ideen_formen_inspirationen

überschrieben ist und auf die von Lann Hornscheidts Seite bei der Humboldt-Universität verlinkt wird. Und was sich auf dieser Seite findet, ist wirklich unglaublich. Um es eingehend zu würdigen, ist es sinnvoll, den Zweck, den sich XartSplitta gibt, vorweg zu schicken:

XartSplitta ist “…ein projekt, das konkrete visionäre aktionen, ideen und politiken gestaltet, die gegen interdependente diskriminierungen arbeiten. und das alles aus einer trans_xenden perspektive und das heißt: trans*, transgender, genderqueer, genderfluid, gender neutral und alle aktionen und perspektiven,die zwei-geschlechtlichkeit als einzige denk- und lebensform in frage stellen.

In Deutsch: Die “Mannen” von XartSplitta fühlen sich dazu berufen, immer dann zu intervenieren, wenn sie eine Diskriminierung oder etwas Sonstiges wittern, das ihnen nicht passt. Und wie wollen sie intervenieren, u.a. so:

“treffen organisieren, um sich zu überlegen, wie x in veranstaltungen gut eingreifen kann oder unwohlsein zur schau stellen kann oder kollektiv stören kann, damit z. b. öffentliche vorlesungen verhindern, oder andere themen/stimmen hörbar machen”

xartsplitta1Hier findet sich der konkrete Aufruf zu Störaktionen, wie sie z.B. den normalen Ablauf an der Humboldt-Universität wiederholt zum Erliegen gebracht haben und zuletzt einen Polizeieinsatz zur Folge hatten. Wer sich also fragt, wieso Studenten des AStA der Humboldt-Universität in einer Vorlesung verhindern wollen, dass Werke von Rousseau oder Kant besprochen werden, der findet eine mögliche Erklärung bei Profx Lann Hornscheidt, der/die/das zu den entsprechenden Interventionen und damit zur Störung der Vorlesungen oder Veranstaltung seiner/ihrer Kollegen aufruft.

Gut, dass die entsprechenden Kollegen Gleiches nicht mit Gleichem vergelten – bislang. Festgehalten werden kann, dass das “hörbar Machen” bestimmter Stimmen vorraussetzt, dass bestimmte andere Stimmen hier unhörbar gemacht werden. Aber dies wird billigend in Kauf genommen, Meinungsfreiheit gilt nichts,  wie das im Faschismus so üblich ist.

Und weiter geht es mit den Interventionen, und zwar mit einem Aufruf, sich in eine sprachliche Welt zu flüchten, die von normalen Menschen nicht bewohnt wird und die der Geschichte des Herrn sehr ähnelt, die viele in ihrem Deutschbuch gefunden haben, des Herrn, der seinen Tisch Stuhl, seinen Stuhl Schrank und seinen Schrank Kaffeetasse nennt und fortfährt, alle Dinge umzubenennen, so lange, bis ihn niemand mehr versteht:

“mir selbst einen neuen namen geben, neue pronomen aussprechen und in die welt setzen, neue wörter ausdenken und teilen”

Besser kann man den Wahnsinn nicht mehr in Worte fassen oder: “Katabum graz Studa Pux”, wie wir in Anwendung der Aufforderung nach Berlin rufen.

Es folgt ein Aufruf zur Sachbeschädigung, die natürlich damit gerechtfertigt wird, dass man im Namen des Guten, des Queer oder welchen eingebildeten Unsinns auch immer unterwegs ist:

“benannte dinge umbenennen (z. b. mit aufklebern/viel farbe/transpis/im sprechen/auf flugis): institutionen, straßenschilder, öffentliche preise, gebäude, brücken, flughäfen, kleingartenanlagen, parfümflaschen und schokoladenverpackungen, apotheken und kneipen”

Und wem dieser Aufruf zu Straftaten noch nicht deutlich genug ist, dem kann geholfen werden, und zwar in einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig lässt:

xartsplitta“und dann noch weitere dauermögliche intervenierungsaktionen in so vielen unterschiedlichen situationen: mit dem edding über krasse dinge in speisekarten drüberschreiben, klosprüche übermalen_kleben, aufkleba_poster_plakate_bilder abmachen_überkleben, aufstehen und weggehn in diskriminierenden situationen, türen zumachen, radios und fernseher ausschalten, auf einer party die musik ausmachen, tee- und kaffeepackungen wegschmeissen, salzstreua gezielt aufdrehen, bierdeckel neu beschriften, kaugummis auf stühle von sexistischen mackertypen kleben, buchcover umdrehen, sätze in romanen unlesbar machen, seiten in büchern rausreissen, schilder/ettiketten auf kleidung abmachen, sachen in lebensmittelläden hinter andere stellen und so visuell verschwinden lassen, deutschlandfahnen aus dem stadtbild entfernen, in keine kneipen gehen mit  genderistsch_rassistischen speisekarten_klopolitiken_ausbeuterischen arbeitsverhältnissen, überlegen, wo bei wex ich einkaufen gehe, andere trans_x_ende personen auf der straße grüßen beim spazierengehen, support-sms schreiben, nachfragen wenn mir was auffällt, aufmerksam sein in öffentlichen räumen …

Hier wird zu Sachbeschädigung aufgerufen, zur Nötigung, zum Diebstahl und zu manchem mehr.

Man muss sich das ganz klar vor Augen führen, da sitzt ein Profx auf Kosten von Steuerzahlern an einer Berliner Universität und denkt sich Straftaten aus, zu deren Ausführung er Dritte bewegen will bzw. übernimmt die Verantwortung für die entsprechenden Aufrufe zu Straftaten, die von Fiesheiten, wie dem Kaugummi auf Stühlen, über Sachbeschädigungen und Diebstahl von Deutschlandfahnen bis hin zur Beschädigung von Büchern geht, deren Inhalt den Beschädigern nicht gefällt.Knast

All diese Aktionen sollen dadurch gerechtfertigt sein, dass die Herrschaften von XartSplitta sich im Besitz der wahren und reinen Lehre wähnen und ihr Gott ihnen offensichtlich aufgetragen hat, beim Missionieren auf so absurde Dinge wie Gesetze und Eigentum keine Rücksicht zu nehmen. Diese Leute leben davon, dass die Opfer ihrer Übergriffe zu gesittet sind, als dass sie sich mit gleicher Münze zur Wehr setzen, und sie leben davon, dass bislang kein Staatsanwalt auf das Treiben eines sich in öffentlicher Anstellung befindlichen Profx aufmerksam geworden ist und Ermittlungen aufgenommen hat.

Wir haben in einem vergangenen Post Max Weber zitiert mit seinem Bedauern, dass man akademische Rechtschaffenheit nicht lehren könne. Dass man Personen wie das Profx scheinbar nicht daran hindern kann, eine öffentliche Position für seine/ihre Zwecke zu missbrauchen, das ist das eine, aber geht damit einher, dass man zusehen muss, wie eine öffentliche, eine verbeamtete Position an einer Universität dazu genutzt wird, Kollegen, die aus Sicht des Profx falsches Material lehren, zu schaden und Studenten und Dritte zu Straftaten aufzurufen?

Wir glauben nicht und deshalb können wir unsere Forderung, Profx Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität zu entfernen, nur noch einmal bekräftigen.

Krieg und häusliche Gewalt – Unsinn der Woche

Aus dem DIW, von dem wir lange nichts mehr berichtet haben, kommt eine neue Erkenntnis, die sprachlos macht: “Gewaltsame Konflikte erhöhen das Risiko häuslicher Gewalt“, so lautet die Überschrift eines Beitrags, für den Johannes Rieckmann verantwortlich ist. Und für diejenigen unter uns, für die der Zusammenhang nicht gleich ersichtlich ist, die nicht sofort wissen, dass Frauen zuhause und nicht Männer in Kampfhandlungen die Last gewaltsamer Konflikte tragen, hier die prätentiös monströse Einleitung, die Rieckmann seinem Beitrag verpasst in Kurzform.

Die Erfahrungen der Bürger, so schreibt er, prägen die “Überzeugungen, Einstellungen Normen, die gesamte Kultur einer Gesellschaft”. Erfahrungen werden also nicht etwa individuell verarbeitet, quasi da, wo sie anfallen, nein, sie schlagen direkt auf die kollektive Ebene durch.

Aber: Überzeugungen, Einstellungen, Normen, ja die gesamte Kultur einer Gesellschaft sind schwierig zu messen (ungeachtet der Legionen von Arbeiten, die genau das tun: Überzeugungen, Einstellungen, Normen und kulturelle Dimensionen messen), dessen ist sich Rieckmann ohne Angabe von Gründen sicher. Und deshalb misst er nicht Überzeugungen, Einstellungen, Normen, ja die gesamte Kultur einer Gesellschaft, sondern Verhaltensweisen. Denn Verhaltensweisen, so Rieckmann, lassen Rückschlüsse auf das zu, was man so schwierig messen kann, also Überzeugungen, Einstellungen, Normen und die ganze Kultur.

Und so zeigt Rieckmann, wie man sich innerhalb von zwei Absätzen widersprechen kann, indem er behauptet, etwas sei schwierig zu messen, weshalb er es nicht mißt, nur um dann zu sagen, dass er etwas andres mißt, um das, was man schwierig messen kann und deshalb nicht mißt doch zu messen. Wahnsinn hat Methode.

Verhaltensweisen sind für Rieckmann deshalb wichtig, weil er nur Verhaltensweisen im Datensatz hat, keine direkten, sondern nur berichtete, Zweitberichtete, durch Frauen in Kolumbien, zweitberichtete Verhaltensweisen von wem auch immer, der die berichtenden Frauen nach ihrem Bericht mit häuslicher Gewalt in welcher Form und in welchem Ausmaß auch immer, überzogen hat, was nichts daran geändert hat, dass die berichtenden Frauen zum Berichten in der Lage sind, trotz Kampfhandlungen.

scully facepalmHäusliche Gewalt, so Rieckmann, ist nun eine Verhaltensweise, die bestens geeignet sei, um zu messen, wie sich gesellschaftliche Wertsysteme ändern, wie Gesellschaften z.B. brutaler werden. Häusliche Gewalt, von der Frauen berichten, ist dazu viel besser geeignet als Kampfhandlungen, die in Intensität und mit zugehörigen Todesopfern berichtet werden, denn: häusliche Gewalt ist unabhängig von den Kampfhandlungen, so postuliert Rieckmann zu Beginn seines Textes, und häusliche Gewalt erlaubt Rückschlüsse auf Verhaltensänderungen, die für die Gesellschaft in der Rieckmannschen Plausibilitätsmelange wichtig sind. Warum sie das sind, warum Unabhängigkeit von Kampfhandlungen wichtig ist, dass sind Fragen, die Rieckmann nicht beantwortet.

Wozu auch? Die Antworten würden nur einen weiteren Widerspruch zu all den im Text schon vorhandenen Widersprüchen hinzufügen, denn die von Kampfhandlungen unabhängige häusliche Gewalt, die Rieckmann zu Beginn seines Textes postuliert, wird im Verlauf des Textes als von der Kampfhandlung beeinflusst dargestellt, was zeigt, dass sie gar nicht unabhängig von den Kampfhandlungen ist.

Was will uns der Autor also sagen? Nun, Rieckmann bringt Daten für die Jahre 2003 und 2004, die zeigen, wo, in welcher Intensität und mit welcher (Todes-)Folge sich kolumbianische Regierungstruppen entweder mit linken oder rechten Guerillakämpfern auseinander gesetzt haben, mit Daten aus den Jahren 2004 und 2005 in Zusammenhang, in denen “mehr als 41.000 Frauen” (also z.B. 99.999 oder 41.001 oder 9.587.123 Frauen) in Kolumbien zu ihrer Gesundheit befragt wurden. Dass diese Befragung einen internationalen Sponsor hatte, zeigt sich daran, dass auch Fragen zur häuslichen Gewalt, die natürlich nur Frauen betrifft, schon weil nur Frauen befragt wurden, im Gesundheitssurvey enthalten sind.

Das ist die primitivste Art, Daten zu manipulieren: Man fragt einfach nur die Personengruppe, für die man zeigen will, dass sie X sind oder haben oder X unterzogen werden. Das enthebt der Notwendigkeit, absolute Zahlen für eine Personengruppe mit den absoluten Zahlen für eine andere Personengruppe ins Verhältnis zu setzen. Solche Art Relationen machen nur Probleme, und am Ende zeigt sich, dass häusliche Gewalt eine Interaktion zwischen Partnern misst, die von beiden ausgeht und die entsprechend nicht genutzt werden kann, um einen Opferfonds für geprügelte Frauen zu schaffen und aus Steuergeldern zu bestücken.

Derart kritische Gedanken kommen Rieckmann natürlich nicht, denn wäre er kritisch, er hätte nicht das Thema gewählt, das er gewählt hat. Er korreliert munter drauflos und findet, dass mit der Nähe der Konflikthandlungen und deren Intensität, die Wahrscheinlichkeit häuslicher Gewalt steigt, also die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen von häuslicher Gewalt berichten (da viele Männer im Krieg sind oder mit den Kampfhandlungen beschäftigt sind, stellt sich die Frage, wer hier die häusliche Gewalt ausübt).

Da haben wir es also: Nicht die Kampfhandlungen sind für die Verrohung einer Gesellschaft, sofern es sie überhaupt gibt, verantwortlich. Nicht die Toten und Verletzten, die die Kampfhandlungen zurücklassen, sind das, was es als Konsequenz von Kampfhandlungen zu beklagen gibt, schon weil die Toten und Verletzten überwiegend männlich sind, wären sie es nicht, wir hätten es längst in einem aufgeregten Report der UN erfahren, nein, das alles ist unproblematisch oder zweitrangig oder schlicht irrelevant, denn die wichtige Meldung, die es aus Bürgerkriegen zu vermelden gibt, wenn es nach Herrn Rieckmann geht, die lautet:

war causalities“Häusliche Gewalt ist nicht nur ein unmittelbares Problem für die Opfer, sondern gefährdet langfristig auch die Sicherheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft als Ganzes. Wenn häusliche Gewalt ein weitverbreitetes Phänomen ist, fehlen vielen Kindern, die als Zeugen oder Opfer betroffen sein können, Vorbilder friedlicher Konfliktlösung. Ihre Fähigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, wird gestört. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder im späteren Leben selbst gewalttätig werden. Oft wird die Entwicklung ihrer Persönlichkeit gestört. Diese Defizite können unter ungünstigen Umständen in einem Zyklus der Gewalt an künftige Generationen weitergegeben werden. Auf lange Sicht hat dies auch negative gesamtwirtschaftliche Folgen – ein Problem, das letztlich alle Bürger einer Gesellschaft betrifft.”

Ja, ja, Sie haben sicher gedacht, das Problem an Kriegen sind die Opfer, die Toten, die Verstümmelten, die Überlebenden mit ihren Erfahrungen. Sie haben vermutlich gedacht, das Problem mit Kriegen besteht darin, dass Regierungen ihre Bevölkerung verrohen, damit sie sie zu guten Soldaten machen können, sie in den Krieg schicken können. Sie haben vermutlich gedacht, dass Kriege durch ihre Folgen dazu führen, dass Kinder, die im täglichen Leben mit Tot, Verstümmelung und psychologischen Folgen von Krieg konfrontiert sind, abstumpfen und nicht mehr wie normale Menschen funktionieren können. Ja, vielleicht haben Sie sogar gedacht, dass Kriege dazu führen, dass Menschen nicht abstumpfen, sondern ganz im Gegenteil sensibler für ihr Leben und ihre Umwelt werden und ein Interesse daran haben, das Morden zu beenden.

Vergessen Sie alles, was Sie von Kriegen zu wissen glauben. Das Problem an Kriegen sind nicht die Toten, die Verstümmelten, die Gebrochenen, das sind alles vorwiegend männliche Nebensächlichkeiten, die das Hauptproblem, die Katastrophe, das monumental Böse, das aus Kriegen folgt, verdecken, nämlich die häusliche Gewalt, die Kriegsveteranen, Verstümmelte und erfahrene Sodlaten zu Hause ausüben, um sich z.B. ein emotionales Ventil zu schaffen, denn diese häusliche Gewalt, von der die betroffenen Frauen berichten und von der nicht klar ist, welches Ausmaß sie angenommen hat, wer sie begonnen hat, ob sie einseitig oder interaktiv stattgefunden hat, diese häusliche Gewalt, die in der geistigen Einöde Rieckmannscher Phantasie das Bild der einer Göttin gleichen edlen Jungfrau, die vom miesen gewalttätigen Raubritter misshandelt wird, annimmt, diese häusliche Gewalt ist für alle negativen Folgen von Kriegen oder doch für die meisten negativen Folgen verantwortlich, das gilt es zu verstehen.

Und wenn wir das verstanden haben, dann ist es wichtig, beim nächsten Krieg häusliche Gewalt mit Todesstrafe zu bedrohen, um die Verrohung der Gesellschaft zu verhindern, wobei häusliche Gewalt nur dann häusliche Gewalt ist, wenn sie von Männern ausgeht.

Diese Erkenntnis verdanken wir Johannes Rieckmann.

Wer aufgrund dieser Erkenntnis den Impuls spürt, Johannes Rieckmann häuslicher Gewalt zu unterziehen, dem sei davon abgeraten, denn Rieckmann hat einen männlichen Vornamen, weshalb angenommen werden muss, dass er männlich ist und gegen Männer kann keine häusliche Gewalt ausüben werden und andere Formen der Gewalt gegen Männer sind belanglos, wie Rieckmann selbst zeigt.

Doing Gender: Aktuelles Ethnographisches Material

Doing Gender ist unter Genderisten zumindest als Begriff sehr beliebt. Doch hat man den Eindruck, Genderisten haben keine Ahnung, wovon sie eigentlich sprechen, wenn sie den Begriff Doing Gender im Mund führen.

Seiner Herkunft aus dem Symbolischen Interaktionismus entsprechend, meint Doing Gender die eigene Geschlechtsinszenierung, das sich z.B. als Mann produzieren. Damit auch Genderisten eine Vorstellung davon bekommen, was Doing Gender bedeutet, haben wir weder Mühe noch Zeit gescheut, um ethnographisches Material über ein Maori Ritual zu sammeln, das als HAKA bekannt ist.

Die beste Inszenierung eines Haka wird von den “All Blacks”, dem derzeitigen Weltmeister der Rugby Union gegeben. Doing Gender in Perfektion:

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Und noch ein Doing Gender … Transgender, dieses Mal von Johnny Cash,

Hier der Text:

“A Boy Named Sue”

My daddy left home when I was three
And he didn’t leave much to ma and me
Just this old guitar and an empty bottle of booze.
Now, I don’t blame him cause he run and hid
But the meanest thing that he ever did
Was before he left, he went and named me “Sue.”

Well, he must o’ thought that is quite a joke
And it got a lot of laughs from a’ lots of folk,
It seems I had to fight my whole life through.
Some gal would giggle and I’d get red
And some guy’d laugh and I’d bust his head,
I tell ya, life ain’t easy for a boy named “Sue.”

Well, I grew up quick and I grew up mean,
My fist got hard and my wits got keen,
I’d roam from town to town to hide my shame.
But I made a vow to the moon and stars
That I’d search the honky-tonks and bars
And kill that man who gave me that awful name.

Well, it was Gatlinburg in mid-July
And I just hit town and my throat was dry,
I thought I’d stop and have myself a brew.
At an old saloon on a street of mud,
There at a table, dealing stud,
Sat the dirty, mangy dog that named me “Sue.”

Well, I knew that snake was my own sweet dad
From a worn-out picture that my mother’d had,
And I knew that scar on his cheek and his evil eye.
He was big and bent and gray and old,
And I looked at him and my blood ran cold
And I said: “My name is ‘Sue!’ How do you do!
Now your gonna die!!”

Well, I hit him hard right between the eyes
And he went down, but to my surprise,
He come up with a knife and cut off a piece of my ear.
But I busted a chair right across his teeth
And we crashed through the wall and into the street
Kicking and a’ gouging in the mud and the blood and the beer.

I tell ya, I’ve fought tougher men
But I really can’t remember when,
He kicked like a mule and he bit like a crocodile.
I heard him laugh and then I heard him cuss,
He went for his gun and I pulled mine first,
He stood there lookin’ at me and I saw him smile.

And he said: “Son, this world is rough
And if a man’s gonna make it, he’s gotta be tough
And I knew I wouldn’t be there to help ya along.
So I give ya that name and I said goodbye
I knew you’d have to get tough or die
And it’s the name that helped to make you strong.”

He said: “Now you just fought one hell of a fight
And I know you hate me, and you got the right
To kill me now, and I wouldn’t blame you if you do.
But ya ought to thank me, before I die,
For the gravel in ya guts and the spit in ya eye
Cause I’m the son-of-a-bitch that named you “Sue.'”

I got all choked up and I threw down my gun
And I called him my pa, and he called me his son,
And I came away with a different point of view.
And I think about him, now and then,
Every time I try and every time I win,
And if I ever have a son, I think I’m gonna name him
Bill or George! Anything but Sue! I still hate that name!

..

Und hier die Musik dazu:
Johnny Cash

Doing Unsinn

Wir sind mittlerweile ja einiges an Unsinn gewöhnt. Wer die universitäre Welt und ihren Output beobachtet, wie wir das tun, muss sich derzeit ein dickes Fell aufziehen und sich gegen den Unsinn wappnen, der ihn zuweilen in einem Ausmaß trifft, das geeignet ist, weniger gut Gewappnete aus den Latschen zu kippen.

Dennoch ist es möglich, uns regelmäßig zu erstaunen, z.B. dann, wenn uns ein Kommentator, der sich Chaos nennt, erklärt, dass es zu Lann Hornscheidts herausragenden Leistungen gehört, darauf hingewiesen zu haben, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt. Ein Unsinn, auf den Dr. habil. Heike Diefenbach geantwortet hat:

biologisches GeschlechtWie Ihr Pseudonym schon nahelegt zu vermuten, ist der Kommentar, der unter demselben verfasst wurde, chaotisch und peinlich und schmerzt mich als Sozialwissenschaftlerin: so etwas kann nur von jemandem verfasst werden, der in seinem ganzen geistigen Chaos meint, als Wissenschaftlerin durchgehen zu können, wenn er nichts anderes kann als herumzuproleten.

Das ist wirklich sehr peinlich!

Noch peinlicher ist der Bildungsstand, den die Studierenden und Sektenmitglieder an der Humboldt-Uni hier dokumentieren: Glauben Sie das wirklich und im Ernst, dass Profx der Welt die Erkenntnis gebracht hat, es gebe mehr als zwei Geschlechter? Haben Sie irgendwann in Ihrer Schulzeit einen Biologieunterricht gehabt, irgendetwas von einem biologischen und einem genetischen Geschlecht gehört, vom Einfluss von Hormonen auf die körperliche Entwicklung eines Fötus im Mutterleib?

Kann man dermaßen ungebildet und naiv sein und dennoch an eine deutsche Universität gekommen sein? Falls ja, beginnt der Mißstand zweifellos in der Schule und nicht erst an der Humboldt-Uni!

Ein anderer Kommentator, der ebenfalls an der Humboldt-Universität studiert, gibt sich kenntnissreich und weiß, dass Margaret Mead sich im Grabe umdrehen würde, wenn sie wüsste, dass Soziologen und Ethnologen dazu aufrufen, Lann Hornschein von einer wissenschaftlichen Position, die es nachweislich nicht ausfüllen kann oder will, zu entfernen und den Steuerzahlern, die Last des Unterhalts zu nehmen.

Matthias Busch, der Autor des entsprechenden Kommentars, offenbart dabei eine erschreckende Unkenntnis der Arbeiten, für die Margaret Mead schon zu Lebenzeiten berühmt war. Offensichtlich funktioniert Herr Busch ziemlich binär, entgegen aller Vielfaltsbestrebungen und denkt, Margaret ist ein weiblicher Vorname, Margaret Mead daher eine Frau, und entsprechend könne sie nur Feministin sein, und weil sie nur Feministin sein kann, kann sie es nur für gut befinden, dass Personen wie Lann Hornscheidt, die Wissenschaft weit hinter die Inquisition zurückwerfen, an Universitäten Positionen besetzen.

Nun, dem Manne kann geholfen werden, immer vorausgesetzt, das Doing Gender von Matthias Busch ist mit seinem biologischen Geschlecht identisch, was ja nicht so ohne weiteres vorausgesetzt werden kann. Es muss indes gesagt werden, dass die heutige Verwirrung darüber, dass es einen Unterschied zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht gibt, dass man ersteres nun einmal hat (mit den Anomalien im Hinblick auf das genetische Geschlecht, die Heike Diefenbach oben angesprochen hat), während ein soziales Geschlecht mit einer Rolle einhergeht, die man übernimmt und fortan spielt und die an Erwartungen von anderen, die man deshalb soziale Erwartungen nennt, geknüpft ist, dass es diesen Unterschied gibt, ist im Durcheinander sexueller Vielfalt untergegangen, so dass es heute tatsächlich Irrgeleitete gibt, die denken, sie könnten sich von ihrem biologischen Geschlecht verabschieden, sich ein soziales Geschlecht al gusto zulegen und entsprechend so tun, als wären sie etwas anderes.

Dem Herrn Busch, der Margaret Mead so gerne im Munde zu führen scheint, dem sei zunächst ein Buch von Mary Douglas empfohlen (Mary = weiblicher Vorname). Der Titel des Buches lautet:  “Wie Institutionen denken”. Diesem Titel folgt eine schöne Darstellung geschlossener Strukturen, die vermutlich denen entsprechen, in denen sich Herr Busch bewegt. Doch man darf manche Studenten heutzutage ja nicht mehr damit überfordern, in Bibliotheken nach Büchern Ausschau zu halten oder gar auf Google Books nach entsprechenden Büchern zu recherchieren, deshalb hier eine kleine Passage von jetzt Margaret Mead aus dem Buch “Mann und Weib – Das Verhältnis der Geschlechter in einer sich wandelnden Welt”, in der sie den Kern dessen beschreibt, was wir gewöhnlich Genderismus nennen.

Das Buch wurde im Jahre 1949 veröffentlicht!

Mann und Weib“Gerade in der Mittelklasse und unter jenen, die nach einer Stellung in ihr streben, wächst dieser Widerstand am stärksten, weil es gerade die Berufe der Mittelklasse sind, in denen Frauen sich am leichtesten hervortun und in denen sich Männer am ehesten eingeengt vorkommen. Jede aufstrebende Männlichkeit ist dabei unerwünscht und der Aufstiegswille wird, oft unter Hinweis auf eine notwendige Sparsamkeit, geknebelt. Die Mütter der Mittelklasse können, dazu erzogen und immer noch daran gewöhnt, einen großen Teil ihrer Zeit dazu verwenden, ihre heranwachsenden Kinder zu formen, ihnen Liebe zu schenken oder vorzuenthalten, je nachdem, ob die Kinder die richtigen Einstellungen zeigen. Die Tugenden der Mittelklasse – Spartrieb, gutes Haushalten, Pünktlichkeit, Voraussicht, harte Arbeit, Beherrschung momentaner Impulse, Respekt vor der Meinung anderer, Sicheinfügen in den Sittenkodex – sind Tugenden, die erlernt werden können. Jene Fertigkeiten, in denen der Körper eine Rolle spielt und Männer leichter eine Überlegenheit erreichen können – wie Jagen, Reiten oder Fechten -, fehlen auf der Liste der Mittelklasse. Tugenden der Mittelklasse, die durch die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mutter und Kind erlernt werden, werden ursprünglich am Magen-Darm-Kanal-Modell geprägt, als Aufnehmen, Behalten und befohlenes Herausgeben; dabei entsteht für das männliche Kind eine zusätzliche Schwierigkeit, die Herrschaft, die über die Ausscheidung verlangt wird, von der Notwendigkeit zu trennen, über seine impulsive Männlichkeit die Verfügung zu behalten. Das Mädchen steht, obgleich seine speziellen weiblichen Eigenschaften nicht herausgefordert werden, vor einem kleineren Problem, wenn es lernt, die Regeln von Zeit und Ort zu beachten. So muss also der amerikanische Knabe während seiner ganzen Kindheit, daheim und in der Schule, mit Mädchen im Wettbewerb stehen, die ihm bei allen Dingen, für die man gelobt wird, eine Nasenlänge voraus sind – wie zum Beispiel nur dafür Lob erteilt wird, dass man für sich selbst einsteht, nicht aber dafür, dass man kämpft. Die Sportarten mit engen Beziehungen zu körperlicher Kraft und Verwundbarkeit sind das einzige Gebiet, von dem weibliche Konkurrenz ausgeschlossen ist, und sie dienen, und sei es auch nur auf den Seiten der Zeitung, amerikanischen Knaben und Männern als faszinierende Ausflucht. Und ein Ausgleich ist nötig bei einem Spiel, bei dem alle Karten gezinkt sind und bei dem man doch nicht verlieren darf – bei Strafe des Verlustes von Liebe und Selbstachtung” (Mead, 1985: 257-258; Hervorhebungen von uns).

Knapper kann man die Verweiblichung einer Gesellschaft und das Verdrängen männlicher Eigenschaften aus der Domäne der Mittelschicht nicht darstellen.

Bevor man also Name-Dropping betreibt, sollte man sich vergewissern, was die entsprechenden Autoren, mit denen man sich schmücken will, geschrieben haben, und vor allem sollte man die Beherrschung über die eigenen Ausscheidungen erlernen und nicht jedem Impuls, sich zu präsentieren, nachgeben.

Was macht den Professor zum Wissenschaftler? Wissenschaft als Beruf

An Universitäten wird gedacht, so eine Behauptung, die uns nun schon mehrfach begegnet ist und: das Denken ist es, was den Professor vom Kanalarbeiter unterscheidet. Ersterer denk, Letzterer macht, wie man es in aller Einfachheit umschreiben könnte.

Es ist erschreckend, dass ein Unsinn, wie der, dass das bloße Denken, jeder Firlefanz, der einem menschlichen Gehirn einfallen kann, Wissenschaft sei, wenn er einem Positionsträger an einer Universität eingefallen ist, dass eine solche Travestie auf Wissenschaft im 21. Jahrhundert in Zeitungen stehen kann, dass sie von Studenten vorgetragen wird, und zwar in einem Brustton der Überzeugung, der schon von sich aus mit Wissenschaft nicht vereinbar ist, denn Wissenschaft ist ständiger Zweifel, ständiges Problemlösen, wie Thomas Kuhn es genannt hat, dass diese Irrungen von an Universitäten Gesammelten von denselben vorgetragen werden können, ohne dass sie vor Scham im Boden versinken, das ist eine der größten Katastrophen der universitären Ausbildung.

reductio ad absurdumEs ist zudem eine reductio ad absurdum, denn die, die behaupten, universitär sei es, zu denken, sind die ersten, die durch Nicht-Denken auffallen, denn würden sie denken, sie kämen sehr schnell zu der Feststellung, dass Denken als solches nicht die Qualität sein kann, die Wissenschaft konstituiert. Da sie zu diesem Denkergebnis nicht vordringen, können sie also nicht gedacht haben, und da sie selbst an Universitäten studieren oder gar lehren, kann an Universitäten, zumindest in Teilen der Universitäten nicht gedacht werden.

Doch zurück zur Frage: Was ist Wissenschaft bzw. was ist Wissenschaft, wenn es nicht nur Denken ist?

  • Wissenschaft ist die Suche nach Erkenntnis.
  • Damit man etwas als Erkenntnis ansehen kann, muss die entsprechende Erkenntnis mitteilbar sein.
  • Damit Erkenntnis mitteilbar ist, muss sie in einer verständlichen Sprache Aussagen machen, die von anderen nachvollzogen werden können.
  • Damit die Aussagen von anderen nachvollzogen werden können, ist es notwendig, prüfbare Aussagen zu machen, Aussagen, die einen Bezug zur Realität haben, die in der Realität verankert werden können, denn die Realität ist die einzige Variable, die zwei Menschen außerhalb ihres Gehirns gemeinsam haben (sollten).
    • Das kann man leicht demonstrieren: Die Aussage, “Je weniger Ahnung ein Dozent von seinem Fachgebiet hat, desto eher wird er seine Studenten mit formaler Erbsenzählerei traktieren”, ist eine Aussage, die prüfbar ist. Formale Erbsenzählerrei könnte man als Behauptung operationalisieren, dass nur eine bestimmte Art, zu zitieren, die wahre und richtige Art, zu zitieren ist (z.B. nur mit Vornamenakronymen). Die Ahnung, die ein Dozent von seinem Fachbereich hat, wäre über einen Wissenstest erhebbar, in dem z.B. die Grundlagen seines Fachs abgefragt werden.
    • Dagegen ist die folgende Aussage in keiner Weise prüfbar und entsprechend keine wissenschaftliche Aussage: “intersektionalität ist in dieser lesart dann ein akademisch privilegierter, strategischer versuch, eine komplexe gesellschaftliche realität struktureller interdependenter diskriminierungen, die durch große teile vor allem weißer statisierter ableisierter akademisierter feministischer forschung im deutschsprachigen raum in den letzten 40 jahren mehr oder weniger systematisch vereinfacht worden sind, durch eine monolithisierung der kategorie ‚frau‘ (und ‚mann‘), als auch eine ent_wahrnehmung struktureller diskriminierungen gegenüber einer setzung sozialer kategorien, jetzt als theoretischen und methodologischen und damit auch politischen komplexitätsgewinn zu verstehen.” Nur wer denkt, man schaffe Wissenschaft, wenn man einfache Sätze durch die Einführung struktureller Sachverhalte, die der systematischen Vereinfachung durch ableistierte, statisierte, interdepente und vor allem weiße Frauen zwecks Reduzierung der inhärenten Komplexität entzogen sind, kann in solchen Ansammlungen von Worten Wissenschaft sehen. Für alle anderen, die mit Wissenschaft als nachvollziehbarer und prüfbarer Methode zum Erkenntnisgewinn beschäftigt sind, ist es dagegen schlichtes, unwissenschaftliches Geschwätz.
  • Wissenschaft setzt also voraus, dass ein intersubjektives Einverständnis über Inhalt, Bedeutung und Gegenstand einer Aussage erzielt werden kann und dass dieses Einverständnis dazu genutzt werden kann, die Aussage einem empirischen Test zu unterziehen.
  • Damit Aussagen von unterschiedlichen Wissenschaftler auf ihre Übereinstimmung mit der Wirklichkeit geprüft werden können und diese Prüfung auch relevant ist, muss Einverständnis über die Art und Weise reliabler und valider Prüfungen bestehen, und es muss eine Methode vorhanden sein, die gewährleistet, dass die entsprechenden Aussagen auch die Anforderungen an eine prüfbare Aussage erfüllen.
  • Wissenschaft ist demnach eine Methode des Erkenntnisgewinns, wobei Erkenntnis als nachvollziehbare Aussagen gefasst ist, die prüfbar sind und für die entsprechend ein Bewährungsgrad für ihre Übereinstimmung mit der Realität angegeben werden kann.
  • Deshalb kann Wissenschaft nur eine empirische Erfahrungswissenschaft sein, die sich mit einem Gegenstand befasst, der den menschlichen Sinnen und über sie der Prüfung zugänglich ist.

Alles andere ist Humbug und gehört nicht an Universitäten, wie Max Weber bereits festgestellt hat:

Wissenschaft als Beruf“Politik gehört nicht in den Hörsaal. Sie gehört nicht dahin von seiten der Studenten. Ich würde es z.B. ganz ebenso beklagen, wenn etwa im Hörsaal meines früheren Kollegen Dietrich Schäfer in Berlin pazifistische Studenten sich um das Katheder stellen und Lärm von der Art machen, wie es anti-pazifistische Studenten gegenüber dem Professor Foerster, dem ich in meinen Anschauungen in vielem so fern wie möglich stehe, getan haben sollen.
Aber Politik gehört allerdings auch nicht dahin von seiten des Dozenten. Gerade dann nicht, wenn er sich wissenschaftlich mit Politik befasst. Denn praktisch-politische Stellungnahme und wissenschaftliche Analyse politischer Gebilde und Parteistellung ist zweierlei. Wenn man in einer Volksversammlung über Demokratie spricht, so macht man aus seiner persönlichen Stellungnahme kein Hehl: gerade das: deutlich erkennbar Partei zu nehmen, ist ja die verdammte Pflicht und Schuldigkeit. Die Worte, die man braucht, sind dann nicht Mittel wissenschaftlicher Analyse, sondern politischen Werbens um die Stellungnahme der Anderen. Sie sind nicht Pflugscharen zur Lockerung des Erdreiches des kontemplativen Denkens, sondern Schwerter gegen die Gegner: Kampfmittel.

In einer Vorlesung oder im Hörsaal dagegen wäre es Frevel, das Wort in dieser Art zu gebrauchen. Da wird man, wenn etwa von ‘Demokratie’ die Rede ist, deren verschiedene Formen vornehmen, sie analysieren in der Art, wie sie funktionieren, feststellen, welche einzelnen Folgen für die Lebensverhältnisse die eine oder andere hat, dann die anderen nicht demokratischen Formen der politischen Ordnung ihnen gegenüberstellen und versuchen, so weit zu gelangen, dass der Hörer in der Lage ist, den Punkt zu finden, von dem aus er von s e i n e n  letzten Idealen aus Stellung dazu nehmen kann. Aber der echte Lehrer wird sich sehr hüten, vom Katheder herunter ihm irgendeine Stellungnahme, sei es ausdrücklich, sei es durch Suggestion – denn das ist natürlich die illoyalste Art, wenn man ‘die Tatsachen sprechen läßt’ – aufzudrängen.

Warum sollen wir das nun eigentlich nicht tun? Ich schicke voraus, dass manche sehr geschätzte Kollegen der Meinung sind, diese Selbstbeschneidung durchzuführen, ginge überhaupt nicht, und wenn es ginge, wäre es eine Marotte, das zu vermeiden. Nun kann man niemandem wissenschaftlich vordemonstrieren, was seine Pflicht als akademischer Lehrer sei. Verlangen kann man von ihm nur die intellektuelle Rechtschaffenheit: einzusehen, dass Tatsachenfeststellung, Feststellung mathematischer oder logischer Sachverhalte oder der inneren Struktur von Kulturgütern einerseits, und andererseits die Beantwortung der Frage nach dem W e r t  der Kultur und ihrer einzelnen Inhalte und danach: wie man innerhalb der Kulturgemeinschaft und der politischen Verbände h a n d e l n  solle – daß dies beides ganz und gar h e t e r o g e n e  Probleme sind. Fragt er dann weiter, warum er nicht beide im Hörsaal behandeln solle, so ist darauf zu antworten: weil der Prophet und der Demgagoge nicht auf das Katheder eines Hörsaals gehören. Dem Propheten wie dem Demagogen ist gesagt: ‘Gehe hinaus auf die Gassen und rede öffentlich.’ Da, heißt das, wo Kritik möglich ist. Im Hörsaal, wo man seinen Zuhörern gegenübersitzt, haben sie zu schweigen und der Lehrer zu reden, und ich halte es für unverantwortlich, diesen Umstand, daß die Studenten um ihres Fortkommens willen das Kolleg eines Lehrers besuchen müssen, und daß dort niemand zugegen ist, der diesem mit Kritik entgegentritt, auszunützen, um den Hörern nicht, wie es seine Aufgabe ist, mit seinen Kenntnissen und wissenschaftlichen Erfahrungen nützlich zu sein, sondern sie zu stempeln nach seiner persönlichen politischen Anschauung.” (Weber, 1988: 600-602).

Die zitierte Passage stammt von Max Weber. Sie entstammt dem Vortrag: “Wissenschaft als Beruf”, den Weber im Jahre 1919 gehalten hat. Das Thema ist nach wie vor aktuell, denn die Scharlatane, die sich als Wissenschaftler ausgeben und ihren Studenten das Heil verkünden, sind nicht weniger geworden, eher im Gegenteil: Das weitgehende Vergessen, dem die wissenschaftliche Methode an vielen sozialwissenschaftliche Fakultäten anheim gefallen ist, macht deutlich, dass es derzeit darum gehen muss, “Wissenschaft” in SozialWissenschaft zu retten. Die Zeit dazu läuft aus, denn die Demagogen und Propheten, wie sie Weber nennt oder die Scharlatane, wie wir sie bezeichnen, jene, die Studenten ideologisieren und mit einer Sendung segnen, stören den wissenschaftlichen Betrieb und der Gefolgs-Mob, den sie anziehen, macht die Durchsetzung wissenschaftlicher Standards an sozialwissenschaftlichen Instituten und Fakultäten immer schwieriger.

Höchste Alarmstufe: Die EU-Kommission vergeht sich an der Netz-Neutralität

Netz-Neutralität meint den freien und gleichen Zugang zum Internet für jeden, der diesen Zugang wünscht und zu allen Angeboten, die das Internet so bereit stellt. Schon diese Definition macht deutlich, dass es mit der Netz-Neutralität nicht weit her ist, denn längst haben Gutmenschen in Regierungen angefangen, für ihre Bevölkerung zu entscheiden, welche Angebote für sie zuträglich sind und welche nicht. Die Entmündigung der Internetnutzer ist damit jedoch noch nicht am Ende, wie Dokumente der EU-Kommission zeigen, die EDRi “European Digital Rights” zugespielt wurden.

Eu leaked documentBei diesen Dokumenten handelt es sich um so genannte Interinstitutional Files, die die EU-Kommission an die Regierungen der Mitgliedsstaaten verschickt, um eine Regulation im Vorfeld und an der Öffentlichkeit vorbei abzustimmen. Die Regulation, die im vorliegenden Fall Gegenstand der Abstimmung ist, ist die Regulation zum “Single Market for Electronic Communication”, die Regulation, die auch den Zugang zu und den Umgang mit dem Internet regeln soll.

Bei den beiden geleakten Dokumenten handelt es sich einmal um den Interinstitutional File 2013/0309 (COD) und den Anhang zu diesem File.

Es gehört zu den Absonderlichkeiten der Europäischen Union, dass die Europäische Kommission über das Fundamental Rights and Citizen Program Institutionen wie EDRi finanziert, die dann mit geleakten Dokumenten an die Öffentlichkeit gehen, um die Absichten der in diesem Fall Europäischen Kommission zu kritisieren. Da die Vorschläge der EU Kommission, über die mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemauschelt werden soll, nicht so weit gehen wie die entsprechenden Vorschläge des Europäischen Parlaments, kann man schließen, dass EDRi im vorliegenden Fall von Mitgliedern des Europäischen Parlaments vorgeschickt wird, um im inner-Brüsseler-Institutionengezänke dem Europäischen Parlament zu zu arbeiten.

Nach Ansicht von Maryant Fernandéz Pérez, der die geleakten Dokumente für EDRi analysiert hat, macht die EU-Kommission mit ihrem neuen Vorschlag den Weg frei für ein Zweiklassen-Internet, in dem bestimmte und selbstverständlich kontrollierte Inhalte zugänglich sind, während andere Inhalte, z.B. die von kritischen Seiten wie vielleicht ScienceFiles nur denen zugänglich sein werden, die ihren Provider für diesen Zugang extra bezahlen. Dagegen sind die Angebote öffentlicher Medien weiterhin frei zugänglich. Zudem, so Fernandéz Pérez, enthalte der Vorschlag der Juncker-Kommission die Möglichkeit für Nationalstaaten wie bisher, ihre willkürliche Blockade bestimmter Internet-Angebote aufrechzuerhalten und noch auszuweiten.Edri

Kurz: Es sieht danach aus, als plane die EU-Kommission unter der Behauptung, Netz-Neutralität aufrechterhalten zu wollen, also freien und gleichen Zugang zum Internet bereit zu stellen, die Einführung einer Zwei-Klassengesellschaft, die das Internet für diejenigen, die den normalen Zugang wählen, auf das Niveau öffentlich-rechtlicher Medien zusammenstutzt, während es Premium-Nutzern möglich sein wird, sich den Zugang zum Internet wie wir es kennen, zu erkaufen.

Ob der erkaufte Zugang dann ein schneller Zugang ist oder ob der politisch und von der EU gewünschte und kontrollierte Zugang zum öffentlich-rechtlichen Internet dann schnell, der Zugang zum richtigen Internet dagegen langsam ist, ist eine Frage, die wohl dahingehend beantwortet werden wird, dass sogenannte “traffic management measures” genutzt werden, um dem freien Internet den Garaus zu machen.

In der verklausulierten Form, die derartige Anschläge auf die Freiheit regelmäßig annehmen, heißt es zu Artikel 23 in der Kommunikation der Europäischen Kommission:

“Except where specifically requested by an end-user, providers of internet access services shall not apply traffic management measures which block, slow down, alter, degrade or discriminate against specific content, applications or services, or specific classes thereof …”

Wann haben Sie sich jemals an ihren Provider mit der Bitte gewendet, er möge die Verbindung zum Internet für sie langsamer machen oder bestimmte Seiten für sie blocken, sie am Gebrauch bestimmter App-Services hindern oder bestimmte Angebote für sie verändern?

Vermutlich haben Sie sich bestenfalls mit einer Beschwerde über das Kriech-Net der Telekom an den entsprechenden Provider gewendet als mit der Bitte, den Zugang doch noch langsamer zu machen.

Deceibe infeigle obfuscateWas also soll eine derart verquaste Formulierung? Wenn man die Logik der Täuschung, die Regulierer regelmäßig anwenden, nutzt, um diese Passage verständlich zu machen, dann steht hier: Wer den Wunsch äußert, einen ungeblockten und schnellen Zugang zum gesamten Internet zu haben, der soll ihn erhalten. Und wer diesen Wunsch äußert, der muss natürlich für diesen zusätzlichen Wunsch bezahlen. Wer den Wunsch gar nicht äußert, muss mit dem Angebot zufrieden sein, das ihm das öffentlich-rechtliche Internet bietet. Das nennt man auch Schubsen: Man sagt dem normalen Internetanwender erst gar nicht, dass er den Wunsch auf das richtige und nicht das als Standard gesetzte öffentlich-rechtliche Internet äußern könnte und nach ein paar Jahren, kann man den Zugang zum richtigen Internet dann ganz schließen, weil ihn kaum noch jemand kennt.

Und natürlich ist mit freiem und gleichem Zugang zum Internet weder ein gleicher noch ein freier Internetzugang gemeint, wie schon daran deutlich wird, dass Regierungen ohne die Öffentlichkeit zu konsultieren oder gar zu informieren, Provider anweisen können, bestimmte Seiten zu blocken. Und diese Möglichkeit wird nun noch ausgeweitet, und zwar auf die Einführung von Maßnahmen zum “traffic management”, d.h. wenn es Regierung X gerade gefällt, den Zugang zum richtigen Internet zu verlangsamen, um den Zugang zum öffentlich-rechtlichen Internet, weil schneller, attraktiver zu machen, dann kann Regierung X das tun, und zwar mit Bezug auf Punkt 2a der vorgeschlagenen Regelung zu Artikel 23.

alarmMan muss also die höchste Alarmstufe ausrufen, denn die Versuche, das Internet zu regulieren, den Zugang zum Internet zu beschränken, es zu gängeln und von dem freien und offenen Raum, der es derzeit ist, in den institutionalisierten und kontrollierten Raum eines öffentlich-rechtlichen Internets zu überführen, in dem nicht nur der Zugang zu Informationen, sondern auch die entsprechenden Informationen kontrolliert werden können, sind weit fortgeschritten. Höchste Zeit, den entsprechenden Versuchen einen Riegel vorzuschieben.

Überhaupt, wieso maßt sich eine Horde von Bürokraten an, ein Mittel zum Informationsaustausch, das an Universitäten entwickelt wurde und zunächst von Universitäten getragen und betrieben wurde, zu kapern und sich zur Regelung desselben zuständig zu erklären? Wer hat die Bürokraten in Brüssel und Berlin darum gebeten, ihnen das entsprechende Mandat erteilt? Es gibt  nur eine Forderung, die man nach Brüssel und nach Berlin richten kann und muss: Nehmt Eure Hände aus dem Internet.

In den USA ist es gelungen, Präsident Obama dazu zu zwingen, eine Garantie abzugeben, dass die Netz-Neutralität bestehen bleibt. :

  • No blocking
  • No Throttling
  • No Paid Prioritization
  • Increased transparency

Eine derat klare Verpflichtungserklärung sollte EU-Bürokraten eigentlich auch möglich sein, aber wie die geleakten Dokumente zeigen, liefe eine deratige Verpflichtung ihrer Absicht zuwider, das Internet, jenen Hort der freien Meinung zu regulieren und unter ihre Fuchtel zu bekommen.

Noch mehr Grund, den Bürokraten auf ihre gierigen Finger zu schlagen.

Arbeitsdrohnen und Anleiter? – Noch ein Leistungstest bei Schülern

Gerade werden die Ergebnisse von ICILS 2013 vorgestellt. ICILS 2013, das ist die International Computer and Information Literacy Study, die für Deutschland federführend an der Universität Dortmund erstellt wurde. Heute werden die Ergebnisse verkündet und die ministeriale und institutionelle Welt ist voller zufriedener Gesichter, denn “Die Studie zeigt, dass die Mehrzahl unserer Jugendlichen im Umgang mit modernen Computer- und Informationstechniken vertraut ist” [vermutlich ist die Mehrzahl der getesteten 2.225 Schüler der achten Jahrgangsstufe im Umgang mit Computer- und Informationstechniken versierter als Sylvia Löhrmann, von der der zitierte Sprechversuch stammt, im Umgang mit der deutschen Sprache].

Wie dem auch sei, Löhrmann ist zufrieden.

ICLISLöhrmann ist zufrieden damit, dass die 2.225 Achtklässler aus Deutschland im internationalen Vergleich Platz 12 unter 22 teilnehmenden Nationen erreicht haben. Mit einem Kompetenzniveau von durchschnittlich 523 Punkten mussten sich die deutschen Teilnehmer u.a. den Schülern aus der Tschechischen Republik (553 Punkte), aus Ontario, Kanada (547 Punkte), Australien und Dänemark (542) Punkte geschlagen geben, lagen aber vor Schülern aus Thailand (373 Punkte), Argentinien (450 Punkte), Kroatien (512 Punkte) oder der Russischen Föderation (516 Punkte).

Wie immer in Leistungsvergleichsstudien, so werden auch im Rahmen von ICILS Kompetenzstufen berechnet, fünf an der Zahl.

Auf Kompetenzstufe  I finden sich Schüler mit rudimentären und rein rezeptiven Fähigkeiten, die in der Lage sind, auf Anweisung die Maus auf ein bestimmtes Feld zu führen. 7,4% der getesteten deutschen Schüler finden sich auf dieser Kompetenzstufe.

Der Kompetenzstufe II werden die Schüler zugewiesen, die einen kompetenten Umgang mit basalen Wissensbeständen (z.B. wo finde ich das drop down Menue) aufweisen und einfache Fertigkeiten im Umgang mit Informationen haben, d.h. die Cut and Paste beherrschen. 21,8% der getesteten Schüler finden sich auf Kompetenzniveau II.

ICILS national resultsKompetenzniveau III umfasst die Schüler, die mit Hilfestellung Informationen suchen, bearbeiten und einfache Textdokumente erstellen können, mit Hilfestellung! Kompetenzstufe III haben 45,3% der getesteten deutschen Schüler erreicht.

Kompetenzstufe IV sammelt Schüler, die Informationen eigenständig ermitteln und organisieren können und die in der Lage sind, selbständig elaborierte Dokumente zu erstellen. 24% der getesteten deutschen Schüler finden sich hier.

Auf Kompetenzstufe V, die erreicht, wer nicht nur eigenständig suchen und erstellen kann, sondern wer auch in der Lage ist, die gesuchten Informationen und deren Organisation sicher zu bewerten, finden sich 1,5% der getesteten deutschen Schüler.

Anders formuliert 75,5% der getesteten deutschen Schüler aus achten Klassen deutscher Schulen sind nicht in der Lage, selbständig mit dem Medium Computer umzugehen. 98,5% der Achtklässler verfügen über kein eigenes Urteilsvermögen. Sie können nur unter Anleitung Informationen beschaffen, organisieren oder editieren, oder sie können es gar nicht, und sie können, was sie beschafft, organisiert oder editiert haben, nicht beurteilen. Das ist der Kern des Ergebnisses, mit dem Sylvia Löhrmann stellvertretend für alle Kultusminister zufrieden ist.

Offensichtlich hat man unter Kultusministern den Anspruch, mündige Bürger zu erziehen, die in er Lage sind, ein Leben ohne Anleitung zu führen, längst aufgegeben und nähert sich eher einer Gesellschaftsstratifizierung an, die Anleiter an der Spitze sieht und die angeleiteten Massen tun und lassen sieht, was ihnen gesagt wird. Ein Verdacht, der sich bereits im Zusammenhang mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen aufgedrängt hat, dem bereits die Trennung in Arbeitsdrohnen und Anleiter derselben, zu Grunde liegt.

Um ein etwas besseres Verständnis davon zu erreichen, was mit den einzelnen Kompetenzstufen an Fähigkeiten konkret gemeint ist, hier eine Aufgabe, die der Kompetenzstufe III zugeordnet ist und von den getesteten Schülern gelöst werden sollte.

ICILS Kompetenzniveau IIIDie Aufgabe besteht darin, auf eine angegebene Internetseite zu gehen und dort einen  Account anzulegen. Rund 50% der 2.225 deutschen Achtklässler waren dazu in der Lage.

Ansonsten bringt der Computer-Leistungstest die üblichen Ergebnisse:

  • Gymnasiasten schneiden deutlich besser ab als die Schüler anderer Schulen.
  • Mädchen schneiden signifikant besser ab als Jungen.
  • Kinder aus Migrantenfamilien schneiden deutlich schlechter ab als Kinder aus nicht-Migrantenfamilien.
  • Und mit dem sinkenden sozialen Status der Herkunftsfamilie sinkt die Computer-Leistung der Schüler.

Das alles sind bekannte Zusammenhänge, die nun schon seit Jahrzehnten von Schulleistungsstudien und der Bildungsforschung gefunden werden. Die soziale Herkunft bestimmt den Schulerfolg, und entsprechend ist es nicht verwunderlich, da an Gymnasien die Fähigkeiten im Hinblick auf die Beherrschung von Computer und Informationstechnologie verbreiteter sind, dass die soziale Herkunft auch die entsprechenden Fähigkeiten beeinflusst.

Daran, dass Jungen hinter Mädchen zurückbleiben, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Es regt im Zusammenhang mit Schulabschlüssen niemanden auf und hat auch ansonsten kaum einen Effekt auf die Arbeit von Kultusministern oder Lehrern. Wie gesagt, der Verdacht, dass derzeit an einer Gesellschaft gebaut wird, die von Arbeitsdrohnen und deren Anleitern bevölkert wird, ist nicht sofort als Verschwörungstheorie von der Hand zu weisen.

Und wie immer, wenn irgend eine Leistungsstudie Ergebnisse erbracht hat, kommen die zuständigen Politiker mit ihrer zufriedenen Miene und klopfen sich auf die Schulter, denn, egal, was aus der Leistungsuntersuchung als Ergebnis zu vermelden ist: Sie haben es gewusst und fühlen sich bestätigt, oder, in den Worten von Sylvia Löhrmann, dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz:

“„Die Ergebnisse von ICILS unterstreichen die Notwendigkeit und Aktualität der Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Medienbildung in der Schule. Die dort aufgeführten Hand­lungsfelder reichen von der Integration der Medienbildung in Lehr- und Bildungspläne, über die Einbeziehung in die Lehrerbildung und Schulentwicklung bis hin zu Fragen der Aus­stattung und des technischen Supports. Die Länder werden ihr Engagement und ihre Zusam­menarbeit auf Grundlage dieser Empfehlung verstärken, um die vorhandenen Entwicklungs­potenziale an den Schulen besser auszuschöpfen“, betonte KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann.”

Wozu war es eigentlich notwendig, eine teure Leistungsstudie zu finanzieren, wo die Kultusministerkonferenz doch von so intelligenten Wesen bevölkert wird, dass die Ergebnisse bereits vor der Untersuchung bekannt waren und von der Kultusministerkonferenz längst umgesetzt wurden? Sind sich die Kultus-Auguren ihrer eigenen Seher-Fähigkeiten vielleicht doch nicht so sicher?

Wie dem auch sei. Da alles bekannt ist und alles vorhergesehen wurde, ist es weiterhin nicht notwendig, etwas dagegen zu tun, dass in deutschen Schulen nach Herkunft gesiebt wird, dass Jungen immer weiter hinter Mädchen zurückfallen und Migranten gar nicht erst aufschließen. Und natürlich haben die Kultusminister im Vorfeld auch ein bischen nachgeholfen, dass nicht vielleicht doch etwas herauskommt, was nicht herauskommen soll, oder wie es im Bericht zur Untersuchung heißt:

“Ein Bundesländervergleich ist in ICILS 2013 nicht vorgesehen und aufgrund des Stichprobendesigns auch nicht möglich (12).”

Wieso es dieses Stichprobendesign ermöglicht, differenzierte Aussagen nach Schulformen zu machen, aber nicht nach Bundesländern, ist eine Frage, die derzeit unbeantwortet ist. Bestimmt kennt die Kultusministerkonferenz, die ja stets darum bemüht ist, keine Vergleichsdaten zwischen Bundesländern an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, die Antwort auf diese Frage.

Da ICILS 2013 zeigt, dass 75% der deutschen Achtklässler nur unter Anleitung z.B. ihren Weg im Internet finden, stellt sich die Frage, wie die entsprechenden Schüler, an die Inhalte herankommen sollen, vor denen sie z.B. von einem emsig Informationszugänge abschneidenden Ministerium der besorgten und entsprechende Internet-seiten surfenden Gutmenschen angeblich geschützt werden müssen.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die der Anleitung Bedürftigen zu den Informationen kommen, die sie z.B. nach einer Behauptung von Elisabeth Tuider, die heftig für Oralverkehr in Schulen, also die entsprechende Aufklärung wirbt, angeblich haben:

Tuider: “Die Jugendlichen geben die Themen vor – nicht die pädagogisch Tätigen. Und machen wir uns nichts vor: 70 Prozent der 13-jährigen Jungs und 30 Prozent der Mädchen sehen regelmäßig Pornografie – und haben Fragen dazu.”

Da stellt sich nicht nur die Frage, wo Tuider diese Zahlen her hat, es stellt sich auch die Frage, wie sich die 13jährigen Zugang zu den entsprechenden Inhalten verschafft haben, angesichts der weitgehenden Unfähigkeit der in ICILS getesteten 14jährigen, ihren Weg durch das Internet selbständig zu finden.

Entweder hier geht die Phantasie mit Frau Tuider und den Gutmenschen im Besorgtenministerium durch, oder hier geht ihre eigene Normalität, die einem entsprechend den Schrecken ins Gesicht jagen muss, mit ihnen durch.

Warum sind Funktionäre so versessen auf Kinderrechte?

GEwDie GEW, deren Funktionäre von sich behaupten, sie hätten etwas mit Bildung zu tun, wären gar Funktionäre einer Bildungsgewerkschaft, hat wieder eine Pressemitteilung veröffentlicht, eine Pressemitteilung, die von dem, was bei der GEW als Bildung gilt, nur so strotzt, z.B. in dem Satz:

“Info: Als Kinderrechte im engeren Sinn werden die Rechte von Kindern und Jugendlichen bezeichnet.”

Man kann diese Form der GEW-Bildung, die diesen Satz ausgespiehen hat, vornehm als Tautologie bezeichnen, denn dass Kinderrechte die Rechte von Kindern bezeichnen, ist dem Wort Kinderrechte schon immanent. Man nennt es auch die Wortbedeutung.

Man kann diese Form der GEW-Bildung auch als Quatsch bezeichnen, denn dass die Einschränkung von Kinderechten, also deren engerer Sinn, eine Bedeutungsausweitung auf Jugendliche und somit Jugendlichenrechte zum Ergebnis hat, ist ein Unsinn, den sich nur GEW-gebildete Funktionäre ausdenken können.

Verantwortlich für diese Form der GEW-Bildung sind die Stammlesern von ScienceFiles bereits bekannte Ilka Hoffmann, die sich als Fach-Hoffmann der Inklusion sieht, und Norbert Hocke, von dem bislang unbekannt ist, welche Bildungsphantasien er teilt.

Und beide streiten für Kinderrechte, und in schöner Geschlechterteilung kümmert sich der weibliche Funktionär um die Behinderten, während der männliche Funktionär das größere Ganze im Blick hat. Als Konsequenz ergibt sich z.B. Folgendes:

scully facepalm„Kinderrechte im Bildungswesen umzusetzen, bedeutet zum Beispiel: Kein Kind darf beschämt werden“, betonte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Schulen am Mittwoch in Frankfurt a.M. „Wenn man diesen Grundsatz ernst nimmt, muss eine Prüfung bei der selektiven Schulstruktur und der Umsetzung der Inklusion beginnen – und wäre bei Tests und Ziffernnoten noch längst nicht beendet.“

Weiß der Fach-Hoffmann eigentlich, was er da sagt?

Beschämend für Kinder sind Noten und Schulüberstellungen, die sie im Status gegenüber anderen Schülern abwerten, so muss man schließen, was in der Konsequenz heißt, dass das gegliederte Bildungswesen abzuschaffen ist und vor allem keine beschämenden “Ziffernnoten” mehr gegeben werden dürfen. Scheinbar hat der Fach-Hoffmann die Vorstellung, wenn man statt einer “1” ein “A”, statt Ziffernnote eine Buchstabennote vergibt, dann habe dies eine weniger beschämende Wirkung – man muss sich das nur lange genug einbilden, so wie der Fach-Hoffmann.

Was ist übrigens schlecht daran, wenn Kinder sich für eine schlechte Note schämen? Was denkt dieser Fach-Hoffmann eigentlich, wo Motivation und Einsatz herkommen, wenn nicht aus dem Antrieb, sich für seine Leistung nicht schämen zu müssen? Aber es ist vielsagend, dass schlechte Leistungen beim Fach-Hoffmann nicht mit Scham verbunden sind oder sein dürfen. Das lässt eine Vielzahl von Rückschlüssen auf das Schampotential oder die Schamlosigkeit des Fach-Hoffmanns zu.

Norbert Hocke hat, wie gesagt, das große Ganze im Auge, und das hat dann folgende Konsequenz:

Oh No!„Bei allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungen muss die Frage im Mittelpunkt stehen, ob und was sie zum Wohle der Kinder und Jugendlichen beitragen“, unterstrich Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied.”

Die gleiche Frage wie oben, die sich hier aufdrängt: Weiß der Mann, wovon er spricht?

Das Wohl der Kinder und Jugendlichen muss bei allen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Enscheidungen also im Mittelpunkt stehen. Nun gut.

In welcher Weise haben GEW Funktionäre bei der Bestimmung ihrer Entlohnung die Kinderrechte in den Mittelpunkt gestellt?

Welche Rücksicht hat die GDL im Rahmen des Lokführerstreiks auf Kinderrechte genommen?

Wie stellt man die Kinderrechte bei der Bestimmung des Leitzinses durch die EZB in Rechnung, wie bei der Abstimmung über einen Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan, wie, wenn beschlossen wird, dass Hermesbürgschaften für Exporte nach Kenia zu haben sind?

Die Beispiele sollten reichen, um den Unsinn deutlich zu machen, den Hock hier verbreitet.

Man kann demnach feststellen, dass zwei Funktionäre der selbsternannten Bildungsgewerkschaft, die sich zudem als Fach-(Hoff)männer für Bildung ansehen, Unsinn reden, wenn sie über Bildung sprechen.

Double facepalmBleibt noch die Eingangs gestellte Frage: Warum sind Funktionäre derzeit so versessen auf Kinderrechte?

Die Antwort drängt sich förmlich auf: Kinder und Jugendliche (also der Gegenstand der “engeren Kinderrechte”) sind unmündig, brauchen jemanden, der stellvertretend für sie ihre “engeren Kinderrechte” erst einmal bestimmt und dann wahrnimmt, Funktionäre zum Beispiel, so fähige Funktionäre wie Hoffmann und Hock zum Beispiel, Funktionäre, die zwar selten wissen, wovon sie reden, wenn sie den Mund aufmachen, die aber eines genau wissen: Wenn Kinderrechte in welcher Form auch immer z.B. im Grundgesetz verankert sind, dann lässt sich daraus hervorragend Kapital schlagen, denn man kann jeden Unsinn mit dem Verweis auf Kinderrechte rechtfertigen und legitimieren.

Kinderrechte sind das El Dorado einer Funktionärskaste, die schamlos bemüht ist, ihren Einfluss zu sichern und auszuweiten, und zwar, entsprechend der eigenen Schamlosigkeit, um den eigenen Nutzen zu mehren und sicherzustellen, dass sie auch morgen noch bedenken- und schamlos Unsinn erzählen können.

Gesetzes Grenze oder: Die Gedanken sind frei

Wir konnten uns nicht entscheiden, wie wir den vorliegenden Post einleiten sollen. Deshalb gibt es jetzt drei alternative Anfänge:

In der Kriminologie ist die Verdrängung von Kriminalität ein bekanntes Phänomen. Wenn durch z.B. verstärkten Polizeieinsatz in einem räumlich begrenzten Gebiet, z.B. der Taschendiebstahl schwieriger gemacht wird, dann wandern die Taschendiebe in angrenzende Gebiete ab und gehen dort ihrem Handwerk nach.

Oder Alternative 2:

DDR Grenze

Staatlich geförderte Wahl des Wohnsitzes

In der DDR herrschte eine offizielle Meinung, die Parteimeinung, und es war der eigenen Karriere nicht förderlich, wenn man den Genossen Honnecker als senilen Alten oder Genosse Stalin als pathologischen Mörder bezeichnet hat. Geschweige denn, dass es ratsam war, die aus Parteiräson entsprungene Planwirtschaft ob der Tatsache, dass kein Zement, dafür aber doppelt so viel Ziegelsteine wie notwendig, produziert wurden, zu kritisieren. Deshalb gab es in der DDR die private Meinung im Freundeskreis derer, die sich nachträglich häufig als IM – inoffizielle Mitarbeiter der Stasi entpuppt haben.

Oder Alternative 3:

Verträge, und Gesetze sind letztlich Verträge, sind notwendiger Weise unvollständig, da es einerseits Folgen der Gesetze gibt, die man bei Gesetzeslegung nicht gekannt hat, andererseits Reaktionen auf die Gesetze, die man nicht geplant hat, die sich unbeabsichtigt ergeben. Entsprechend sind Gesetze keine 100%tigen Regelungen, sondern Regelungsabsichten, die sich zum Teil ganz anders, als beabsichtigt, entwickeln.

Gesetzgebung, die das Ziel hat, eine Gleichstellung oder eine Gleichheit herzustellen, Gesetzgebung, die nicht Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit zum Ziel hat, Gesetzgebung, die bei Minderheiten mit affirmative action arbeitet, diesen also einen Vorteil einräumt oder Gesetzgebung, die Gleichstellung sicherstellen will, z.B. durch die bekannte, aber vollkommen leere Floskel: “Bei gleicher Eignung werden Frauen bevorzugt” oder wahlweise Behinderte, Gesetzgebung, die sich aufschwingt gegen Vorurteile und Diskriminierung vorzugehen und entsprechend Gender mainstreamed oder Diversity garantieren will, derart angeblich gut gemeinte Gesetzgebung war Gegenstand einer qualitativen Untersuchung, die an der University of Sheffield durchgeführt wurde.

30 Interviewte machen die Grundgesamtheit der Studie aus, die sich mit Gleichheits-Gesetzgebung, dem Equality Act (2010) im vorliegenden Fall, und vor allem mit den Konsequenzen dieser Gesetzgebung aus dem Vereinigten Königreich befasst hat. Die Ergebnisse dieser Studie sind ein herber Rückschlag für alle, die denken, sie könnten Menschen einfach das verordnen, was sie für richtig halten, könnten die Hearts and Minds derjenigen erobern, die sie aus ihrer Sicht richtigen Regelungen unterziehen.

Weit gefehlt. Man kann Menschen nicht per Gesetz zum angeblich Besseren bekehren.

Schlimmer noch. Derart vermeintlich gutgemeinte Gesetze verschlimmern die Situation, die zu verbessern sie angetreten sind.

Konsequenz einmal mehr: Sozialtechnologie funktioniert nicht.

Im Einzelnen hat die Untersuchung gezeigt, dass

  • Sheffield Universitydie Befragten keine Detailkenntnisse über den Equality Act (2010) hatten;
  • die Schaffung von Gleichheit per Gesetz als Form politischer Korrektheit angesehen wurde;
  • die Schaffung von Gleichheit als unfair und ungerechtfertigt angesehen wurde;
  • das Gesetz zur Schaffung von Gleichheit dazu geführt hat, dass die Befragten eine öffentliche und eine private Meinung entwickelt haben, d.h. in der Öffentlichkeit und vor allem am Arbeitsplatz haben sie gesagt, was politisch korrekt ist und von ihnen erwartet wurde, was aber in keiner Weise ihrer Meinung entsprochen hat. Im privaten Kontext haben sie ihrer wirklichen Meinung dann freien Lauf gelassen, wobei die Vorurteile gegen Minoritäten, die sie im öffentlichen Raum nicht mehr äußern dürfen, im privaten Raum um so deutlicher geäußert wurden.
  • die Schaffung von Gleichheit per Gesetz, die damit verbundene politische Korrektheit und das davon ausgehende Sprechverbot für die eigene, nicht politisch korrekte Meinung hat Ärger und Frustration und das Gefühl, zum Schweigen gebracht und aus dem öffentlichen Raum verdrängt worden zu sein, zur Folge.

Letztlich, so Gill Valentine, Autor des Berichts, habe man mit der Gesetzgebung eine Situation geschaffen, die keinem helfe, aber alle schlechter stelle. Diejenigen, denen geholfen werden sollte, sehen sich nunmehr Ressentiments gegenüber, die nicht mehr öffentlich diskutiert werden können, die sie vielmehr im Privaten treffen. Diejenigen, deren Meinung als nicht mehr politisch korrekt angesehen wird, fühlen sich aus dem öffentlichen Raum abgedrängt und reagieren mit Ärger und Frustration, was ihre Vorurteile intensiviert.

Kurz: Ein Gesetz zur Schaffung von Gleichheit mag diejenigen zufrieden stellen, die damit zufrieden sind, sich als vermeintliche Guttuer in der eigenen Gutheit suhlen zu können, diejenigen, die damit eine Veränderung herbeiführen wollten, können damit nicht zufrieden sein, denn sie haben das Gegenteil dessen erreicht, was sie erreichen wollten:

  • Sie haben Vorurteile gegen Minoritäten wo sie vorhanden waren, verschärft, wo sie nicht vorhanden waren, neu geschaffen.
  • Sie haben dafür gesorgt, dass die Gruppen, denen durch die gesetzliche Schaffung von Gleichheit geholfen werden sollte, im Rampenlicht stehen und Dank der größeren Sichtbarkeit und der mit dem Gleichheitsgesetz einhergehenden Wahrnehmung von Unfairness noch größere Resentiments hervorgerufen haben, als zuvor.
  • Und Sie haben es letztlich geschafft, dass eine öffentliche Auseinandersetzung darüber, ob Vorurteile gegen Schwarze, Asiaten, Deutsche oder Schotten eine empirische Basis haben oder schlicht nicht gerechtfertigt sind, verunmöglicht wurde.

Die Vorurteile sind nun privat und für die Sozialtechnologen nicht mehr erreichbar.

Somit kann man schließen:

Die Gedanken sind frei und nicht durch Gesetze veränderbar.

Wer dies dennoch versucht, wird eine vorhandene Situation nur verschlimmern.

Und was für den Equality Act im Vereinigten Königreich gilt, gilt für das Gender Mainstreaming und die Myriaden Programme zur Bevorteilung von Frauen in Deutschland. Am Ende wird sich eine Situation einstellen, die Bürger in öffentlichen Situationen die Versatzstücke aufsagen lässt, die sie auswendig und als politisch korrekt gelernt haben, und in privaten Situationen werden sie ihrem Frust und ihrem Ärger freien Lauf lassen. Wie lange es wohl dauert, bis diese explosive Mischung knallt … ?