Haben Journalisten kein Urteilsvermögen? Idiotentest Teil II

Aus den Redaktionsräumen der Neuen Züricher Zeitung hat uns ein Hinweis auf wiederum einen Beitrag in der Wiener Zeitung erreicht, einen Beitrag von Eva Stanzl und Heiner Boberski. Die zwei Journalisten waren offensichtlich notwendig, um einen Beitrag zu verfassen, dem man das Elend des deutschsprachigen Journalismus, wie es im Idiotentest deutlich geworden ist, sehr klar entnehmen kann.

Das Elend lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

  • Viele Journalisten haben keinerlei Urteilsvermögen.
  • Viele Journalisten ersetzen ihr fehlendes Urteilsvermögen durch einen manischen Glauben an eine Wahrheit, die sich an Positionen festmachen lassen soll.

Vorgeschichte

Unser Beitrag “Idiotentest für Journalisten fordert die ersten Opfer“, gehört mit zwischenzeitlich mehr als 22.000 Lesern zu den am meisten gelesenen Beiträgen auf ScienceFiles. Der Idiotentest wurde in der Weihnachtsausgabe des British Medical Journal veröffentlicht, und zwar von u.a. Dennis Lendrem, den, wie wir aus dem Beitrag in der Wiener Zeitung erfahren, sein Sohn auf den Darwin Award aufmerksam gemacht hat, jenen Spass-Award, den Studenten der Universitäten Berkeley und Stanford ins Leben gerufen haben und seit Mitte der 1980er Jahre an Personen vergeben, die sich durch eine besonders idotische Weise aus dem Genpool entfernt haben.

Lendrem et al., haben die Preisträger nach Geschlecht ausgezählt und deutlich mehr Männer als Frauen gefunden. Eine Auszählung macht noch keine Wissenschaft, so haben sie sich gedacht, und deshalb eine Theory, namentlich die “Male Idiot Theory” erfunden. Und weil eine bloße Erfindung ohne Quellenangabe schnell die Leser misstrauisch gemacht haben, haben sie der Tautologie, die sie als Male Idiot Theory bezeichnen, noch eine Fussnote spendiert, wohlwissend, dass die wenigsten Leser den entsprechenden Verweis am Ende des Textes lesen werden. Die mittlerweile berühmte Beschreibung der Male Idiot Theory lautet:

“According to “male idiot theory” (MIT) many of the differences in risk seeking behaviour, emergency department admissions, and mortality may be explained by the observation that men are idiots and idiots do stupid things.”

Einen solchen Blödsinn wird natürlich kein Wissenschaftler von sich geben und würde man ihn willkürlich mit der Arbeit eines Wissenschaftlers belegen, er oder im Falle seines Todes seine Kollegen würden verärgert reagieren. Also brauchten Lendrem et al. jemanden, who would not mind, being the alleged author of Male Idiot Theory. Wer wäre besser geeignet als ein Satiriker, einer, der es gewohnt ist, andere zu veralbern:

McPherson

Das ist die Publikation, in der James McPherson angebliche die von vielen Journalisten für wissenschaftlich gehaltene “Male Idiot Theory” entwickelt hat.

Muss man jetzt wirklich noch die Frage stellen, ob die angebliche Studie, die eine willkürlich zu Stande gekommene Grundgesamtheit nach Geschlecht auszählt und mit einer erfundenen Male Idiot Theory begründet, auch nur einen Funken Ernst gemeint ist?

Eigentlich nicht – jedenfalls dann nicht, wenn man über ein eigenes Urteilsvermögen verfügt.

Das bringt uns zum Beitrag in der Wiener Zeitung, den Eva Stanzl und Heiner Bobarski verfasst und mit “Vorsicht britischer Humor” betitelt haben.

Fehlendes Urteilsvermögen und Positionsgläubigkeit

Wiener Zeitung

Nicht einmal ohne Gutschein den vollen Preis wert!

Der Beitrag beginnt mit einer Herabwürdigung all der Preisträger des Darwin Awards, die sich um ihr Leben oder ihre Fortpflanzungsfähigkeit gebracht haben, “da sie ihr Hirn nicht einschalten”. Eine merkenswerte Formulierung, die Formulierung mit dem Hirn, das nicht eingeschaltet wird.

Es folgt die folgende Passage:

“Die Medienberichte über diese ‘Beweisstudie’ sind durchaus von Bewusstsein für Skurrilität getragen. Immerhin ist der Herausgeber das renommierte “British Medical Journal” (BMJ), das in seiner “Christmas Edition” auch heuer humorigen Fragestellungen mit standardisierten wissenschaftlichen Methoden zu Leibe rückt, inklusive korrekter Peer Reviews.”

Hier hat man zum ersten Mal den Verdacht, Stanzl und Boberski sind immer noch der Ansicht, das, was Lendrem et al. unter dem Titel “The Darwin Awards: sex difference in idiotic behaviour” veröffentlicht haben, sei in irgend einer Weise ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung und habe auch nur einen minimalen Gehalt.

Der Schrecken, dass dem so ist, wird im Verlauf des Textes noch größer, zitieren die Autoren doch Sätze wie: “Die Studie ist echt und auf der Webseite der Darwin Awards nachprüfbar”, oder “Mein Sohn, Ben, ist ein großer Fan dieses Preises. … Um sie [die Studie] in der BMJ Christmas Edition veröffentlichen zu können, brauchten wir noch einen Risikoforscher und einen Experten für Notfallaufnahmen. … Das BMJ verlangte dann von uns, die Datengrundlage zu erweitern”. Alle diese Zitate stammen von Dennis Lendrem und man muss ihm wirklich zugestehen, dass er sich in die Reihe der britischen Schelme, die wir sehr gut kennengelernt haben, seit wir auf der Insel leben, bestens einreiht. Statt den armen Opfern seines Pranks Erleichterung und Erkenntnis zu verschaffen, macht er das, was Henry James als “turn of the screw” bezeichnet hat, er setzt noch einen drauf.

rechenschieberMuss man wirklich darauf hinweisen, dass eine einfache Auszählung nach Geschlecht auf Basis einer willkürlich zusammengestellten Grundgesamtheit wie dem Darwin Award keinerlei Schluss über diese Grundgesamtheit hinaus zulässt, d.h. mehr Preisträger des Darwin Awards sind männlich als weiblich wäre die einzige Meldung, die verantworliche Zeitungsredakteure, die auch nur rudimentäre Ahnung von Wissenschaft haben, veröffentlichen könnten.

Es ist eigentlich ganz einfach: Eva Stanzl und Heiner Boberski sind Vertreter der Wiener Zeitung. Beide verfügen – wie man ihrem Beitrag entnehmen kann – über kein Urteilsvermögen. Wie die Datenerhebung im Rahmen des Beitrags “Idiotentest für Journalisten …” zeigt, ist das fehlende Urteilsvermögen ein Problem in vielen Redaktionen, was die Basis der JlJ-Theory – Journalists lack Judgement Theory – ist, die wiederum, wenn sie mit den emprischen Daten, die der Beitrag von Stanzl und Boberski darstellt, zu dem Schluss führen muss: Alle Redakteure der Wiener Zeitung haben keinerlei Urteilsvermögen. Richtig oder falsch? Tipp: Mit dem Beitrag von Lendrem et al. verhält es sich ganz genau so.

Doch zurück zu Stanzl und Boberski, die im Anschluss an die Zitate von Lendrem, die man als Journalist nur bringen kann, wenn man nicht merkt, dass man veralbert wird, folgendes fragen:

“Kämpfen Wissenschaftsjournale mit frivolen Mitteln um Leser? Wollen sie Forschung mit seichten Themen popularisieren, damit mehr öffentliche Gelder fließen? Beides ist denkbar. Allerdings gibt es weitaus dümmere Partygespräche als skurrile Studien – und warum soll Wissenschaft nicht auch mal bei Weihnachtsfeiern besprochen werden?”

Dazu muss man wissen, dass Lendrem et al. angekündigt haben, ihre vermeintlichen Studienergebnisse nach Veröffentlichung und während ihrer Teilnahme an Weihnachtsparties zu prüfen, was seltsam ist, da Lendrem ja behauptet hat, dass die Erweiterung der Datenbasis über den Darwin-Award hinaus vom BMJ angeblich gefordert wurde, was nur im Zusammenhang mit der Erstveröffentlichung Sinn macht, die aber bereits erfolgt ist, was Lendrem abermals als jemanden auszeichnet, der sich auf Kosten leichtgläubiger und mit keinem Urteilsvermögen ausgestatteter Journalisten lustig macht.

Offensichtlich kann er es so wenig wie wir glauben, dass es, angesichts der theoretischen Fundierung seiner Studie immer noch Journalisten gibt, die bei ihm nachfragen, die nicht selbst zu dem Schluss fähig sind, dass es keine wissenschaftliche Theorie gibt, die als Kartoon veröffentlicht wurde, so wie man den Begriff “idiotic” in wissenschaftlichen Veröffentlichungen umsonst sucht. Aber: Nichts ist offensichtlich so schwer zu beseitigen, wie das, woran Menschen partout glauben wollen, und Stanzl und Boberski wollen glauben, dass an der Studie etwas dran ist.

Der einzige Fehler an er Studie, den sie ausmachen können, besteht darin, dass sie mutmaßen, es handle sich dabei um ein seichtes Thema, mit dem das BMJ versuche, öffentliche Gelder zu sichern. Wer einmal auf der Homepage des BMJ war, der kringelt sich jetzt vor lachen. Es ist schon lustig, wenn ausgerechnet Journalisten, die nachweislich jeden Unsinn abdrucken, wenn er Auflage bringt, andere in der Weise kritisieren, in der Stanzl und Boberski dies hier tun.

Aber damit nicht genug. Es gibt noch eine denkwürdige Stelle im Text:

rofl“Kann es sein, dass jeder Mensch jede wissenschaftliche Studie nachprüfen muss? Dürfen wir uns auf renommierte Journale nicht verlassen? Schlagen Forscher sich tatsächlich in böser Absicht mit der Erstellung von Studien herum, nur um Schreiberlinge aufs Glatteis zu führen und – aus dem Hinterhalt – zu schauen, ob sie wirklich kritische Geister sind?”

Was glauben Stanzl und Boberski eigentlich, ist die Aufgabe von Journalisten? Natürlich haben Journalisten das, was sie ihren Lesern vorsetzen, zu prüfen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Ergebnis, das mit gesundem Menschenverstand als Fake erkennbar ist, das auf zwei Seiten publiziert ist und das mit genau einer Recherche als offensichtlicher Fake erkennbar ist. Insgesamt dauert es rund 10 Minuten, um die Indizien für den Fake zusammenzutragen. Und das ist eine Leistung, die Journalisten nicht mehr erbringen können?

Es ist noch erbärmlicher als wir gedacht haben.

Und natürlich macht es Spass, die von Stanzl und Boberski als Schreiberlinge titulierten Journalisten, die ihre Leser von morgens bis abends belehren wollen, aufs Glatteis zu führen, schon weil es dadurch möglich ist, die fähigen von den unfähigen Journalisten zu trennen. Die fähigen Journalisten, das sind die mit dem Urteilsvermögen.

Und Urteilsvermögen setzt voraus, dass man nicht Positionsgläubig ist und meint, ein Text sei deshalb gut und richtig, weil ihn ein Positionsinhaber oder eine Institution veröffentlicht haben. Ein Text ist richtig, weil er mit den Fakten übereinstimmt und Urteilsvermögen setzt es voraus, dass man die Fakten zur Kenntnis nimmt und prüft, ob sie die Behauptungen, die sie stützen sollen, auch stützen. Das ist eine Grundqualifikation von Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu leben.

Wissenschaftswächter2Im Text von Stanzl und Boberski werden ScienceFiles, nein ScienceWatch, das sind auch irgendwie wir, als “selbsternannte Wahrheitspolizei” bezeichnet. Das ehrt uns. Wir wären nie soweit gegangen, uns als Wahrheitspolizei zu bezeichnen, aber wenn Stanzl und Boberski uns in entsprechenden Ehren halten wollen, dann soll uns das recht sein. Das Adjektiv “selbsternannt” zeigt abermals die Positionsgläubigkeit der Autoren. Wie sonst, wenn nicht selbsternannt? Wie soll man ein Urteilsvermögen entwickeln, wenn nicht aus eigenem Antrieb heraus? Dass die Position “Journalist”, die Ernennung von X zum Journalisten Urteilsvermögen nicht miteinschließt, das hat die Berichterstattung unter der Überschrift “Männer sind Idioten” eindrücklich und hinlänglich belegt.

Übrigens unterscheidet es Wissenschaftler von Journalisten, dass Wissenschaftler natürlich Watchdogs sind, denn im Gegensatz zu Journalisten sind sie in der Regel keine Wasserträger bestimmter (ideologischer) Interessen und verfügen im Gegensatz zu vielen Journalisten, wie der Idiotentest zeigt, über die Qualifikationen, die es ermöglichen, Unsinn zu erkennen – sie haben schlicht Urteilsvermögen.

Wir stellen entsprechend fest, dass selbstbestimmtes und selbstverantworliches Arbeiten in Teilen der Jorunalie nicht mehr vorhanden ist, nicht einmal der Anspruch hierauf und das – um mit Stanzl und Boberski zu sprechen, es viele gibt, die “ihr Hirn nicht einschalten” (können).

Der Teufel und das Weihwasser …

Vertreterinnen der Gender Studies illustrieren vor breitem Publikum (einmal mehr) ihre Unwissenschaftlichkeit

Dr. habil. Heike Diefenbach zerlegt einmal mehr Vertreter der Gender Studies 

Sabine Hark und Paula Villa haben im Tagesspiegel einen neuen Angriff gegen alle Personen getätigt, die sich fragen, worin die Wissenschaftlichkeit von Gender Studies oder auch nur deren Nutzen bestehen soll. Die Autorinnen des Textes “Das dubiose Gender”, von dem wir auf ScienceFiles bereits berichtet haben, zeigen mit ihrem Text auf eindringliche Weise, was sie vermutlich gerade zurückweisen wollten: wie dubios nicht “gender”, sondern die Gender Studies sind, jedenfalls dann, wenn sie als Kandidat für ein wissenschaftliches Fach gelten wollen.

Und dies zeigt sich in vielen Hinsichten in ihrem Text. Ich werde im Folgenden nur auf einige von ihnen eingehen können, von denen ich meine, dass sie die Unwissenschaftlichkeit der Gender Studies bzw. ihrer Vertreter (hoffentlich aber nicht ALLER Ihrer Vertreter!) besonders deutlich erkennen lassen, die wir aber in unserem ersten Text über das outing von Sabine Hark und Paula Villa als wissenschaftlich unbedarft nicht hinreichend würdigen konnten.

Hier also vier Punkte, anhand der die wissenschaftliche Unbedarfheit der Autorinnen besonders deutlich wird:

Punkt 1: Die Diffamierung von Kritik statt die Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten, oder: der Fehlschluss ad hominem – zum x-sten Mal!

Logik SalmonDer erste Teil des Textes, der beiden genannten Autorinnen, beide Lehrstuhlbesetzerinnen an deutschen Universitäten, besteht allein aus Beschimpfungen und Unterstellungen gegenüber denen, die sie als Kritiker der Gender Studies wahrnehmen. Da ist die Rede von “Anwürfen”, von “Antifeministen”, von “misogyne[n], sexistische[n] und auch [! es gibt nur “und” oder “auch”, aber nicht “und auch”!] Positionen” und davon, dass die Gender Studies “diskreditiert” würden. Die Kritik der Kritiker wird als solche keines Wortes gewürdigt; sie wird einfach in Bausch und Bogen verworfen, weil sie von Leuten kommt, die die Autorinnen in der Weise verunglimpfen, in der sie es tun, und die Verunglimpfung von Personen oder Auffassungen für sie anscheinend dasselbe ist wie eine vernünftige Gegenargumentation.

Wie jeder mehr oder weniger regelmäßige Leser von Sciencefiles weiß, ist das der alte Hut vom Fehlschluss ad hominem und daher eben das: ein nicht ernstzunehmender Fehlschluss, denn (um es wieder einmal zu erklären):

selbst dann, wenn eine Kritik geäußert würde, weil derjenige, der sie äußert, misogyn, sexistisch, antifeministisch oder sonst irgendetwas unflätiges wäre, würde das über die Kritik als solche überhaupt nichts aussagen. Auch, wenn es Vertreterinnen von Gender Studies schwerfällt, es zu verstehen oder zu akzeptieren: auch jemand, der misogyn oder sexistisch … [Beliebiges einsetzen!] ist, kann eine berechtigte Kritik äußern oder eine sachlich berechtigte Frage stellen!

Und die Kritik bzw. die Frage stehen weiter im Raum – mit oder ohne Diffamierung derer, die die Kritik äußern oder die Frage stellen.

Entweder Frau Hark und Frau Villa sind in ihrer Bildungsbiographie noch nicht soweit vorgedrungen, dass sie logische Schlussfolgerungen von Fehlschlüssen zu unterscheiden gelernt hätten [aber was haben Sie dann als Dozierende an einer Hochschule verloren?], oder sie greifen auf diesen plumpen Täuschungsversuch zurück, weil sie damit die Tatsache verdecken wollen, dass sie nicht im Stande sind, der Kritik inhaltlich zu begegnen, also keine Gegenargumente vorbringen können, keine Argumente auf ihrer Seite haben.

In jedem Fall gehen Wissenschaftler genauso mit Kritik NICHT um, denn für Wissenschaftler ist Kritik etwas Produktives und für den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt Notwendiges.

Punkt 2: Und noch ein Fehlschluss: der Schluss von sich auf andere, und die Verwechslung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang

Beckermann LogikMöglicherweise sind sich Hark und Villa selbst nicht ganz sicher, ob der plumpe Trick mit dem ad hominem funktioniert. Also setzen sie noch eins drauf: Kritiker sind misogyn, sexistisch etc, aber die Autorinnen unterstellen ihnen gleichzeitig – doppelt gemoppelt hält bekanntermaßen besser, oder!? – “Statusangst”. Da die Autorinnen schwerlich als ausgewiesene Psychologinnen gelten können und m.W. keinerlei entsprechende empirische Forschung betrieben haben, muss man sich fragen, wie sie auf die Idee kommen, ihren Kritikern “Statusangst” zu unterstellen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es ein solches Konstrukt in der Psychologie überhaupt gibt, und so scheint es naheliegend als Quelle der Idee von der “Statusangst” die Gefühlslage der Autorinnen zu vermuten.

Wenn das zutrifft, so muss die Angst der Autorinnen vor dem sozialen Abstieg oder dem Verlust des “warm glow” der Wissenschaftlichkeit als der Entdeckungszusammenhang der “Statusangst” gelten. Aber wie jeder Wissenschaftler weiß sind Entdeckungszusammenhang und Begründungszusammenhang unabhängig voneinander! D.h. wenn die Autorinnen aufgrund ihrer eigenen Ängste auf die Idee kommen, es könne so etwas wie “Statusangst” geben, das eine Person andere Auffassungen irrational und ungeprüft ablehnen lässt, dann kann das Anlass sein zu prüfen, ob es sich vielleicht nicht nur bei ihnen selbst, sondern auch bei den Kritikern so verhält, aber es ersetzt nicht die entsprechende Prüfung!

Einfach zu behaupten, andere Leute hätten “Statusangst” und jeden Beleg hierfür oder auch nur eine Plausibilisierung dieser Unterstellung anzubieten (wie ich das gerade mit Bezug auf die Autorinnen getan habe), ist vollkommen unwissenschaftlich. Kein Wissenschaftler würde statt mit Belegen mit schlichten Unterstellungen argumentieren wollen, und vor allem wissen Wissenschaftler gewöhnlich, worin sie kompetent sind und worin nicht. Oder anders gesagt: es scheint, dass Hark und Villa sich nicht darüber im Klaren sind, dass sie zumindest in Sachen Psychologie keine Kompetenzen haben, sonst würden sie sich wohl kaum zu einer psychologischen Hobby-Analyse ihrer Kritiker versteigen.

Punkt 3: Fehschlüsse, Fehlschlüsse und noch mehr Fehlschlüsse: diesmal der Fehlschluss ad auctoritatem zur Verschiebung von Verantwortung und zur Vermeidung von Begründungen

Logik f dummiesWenn man sich den Text von Hark und Villa zumutet, dann fällt einem auf, dass er eine positive Argumentation durch die Berufung auf andere Leute, die auch schon gesagt haben, was man selbst gerne sagt, ersetzt. Schon der allererste Absatz des Textes enthält einen solchen Versuch, statt einer Begründung ein argumentum ad auctoritatem zu bringen: wir erfahren, dass im Jahr 1902 eine Schriftstellerin, Intellektuelle und Aktivistin aus Berlin ihre Kritiker beschimpft hat und ihnen “Furcht vor dem weiblichen Geschlecht” unterstellt hat, die deren Position als “dümmliche Verteidigung von Machtansprüchen” entlarve.

Wie unter Punkt 2 erklärt wird natürlich nichts dadurch als “dümmliches” Irgendetwas “entlarvt”, also ein Begründungszusammenhang aufgeklärt, dass jemandem irgendeine Furcht unterstellt wird, also – bestenfalls – auf den Entdeckungszusammenhang rekurriert wird. Das bemerken Frau Hark und Frau Villa aber gar nicht. Sie übernehmen es unkritisch und – noch schlimmer – sie meinen anscheinend, dass die Tatsache, dass jemand, den sie mögen, einmal ähnliche Beschimpfungen und Unterstellungen geäußert habe wie sie, gleichzeitig dieser Person und ihnen selbst Recht gäbe – in was genau auch immer.

Es handelt sich hier um den Fehlschluss ad auctoritatem, bei dem die Autorinnen meinen, das, was sie selbst nicht begründen, sondern nur unterstellen können, dadurch begründen zu können, dass sie auf jemanden verweisen, der auch schon nur unterstellt, aber nicht begründet hat. Das ist eine besonders dumme Form des Fehlschlusses ad auctoritatem. Der “einfache” ad auctoritatem soll eine Art Kurzformel für eine Begründung sein: man verweist auf jemanden, den man als eine Autorität ansieht und lastet sozusagen ihm die Begründung für den eigenen Standpunkt an, bleibt die Begründung aber selbst schuldig (obwohl sie doch angebbar sein muss, wenn man angeblich von jemandem weiß, der so überzeugende Gründe vorgebracht hat; man müsste sich doch dann an diese Gründe erinnern können).

Der sagen wir: degenerative Fehlschluss ad auctoritatem, den Frau Hark und Frau Villa begehen, bezieht sich aber gar nicht auf eine Begründung, die man selbst nicht geben kann, weshalb man an die Autorität weitervermittelt, sondern bloß auf Beschimpfungen und Unterstellungen, die jemand anders auch schon geäußert hat, sozusagen eine Autorität in Ausfälligkeiten.

Zumindest in dieser verschärften Form unterläuft der Fehlschluss ad auctoritatem sicherlich keinem Wissenschaftler.

Das soll nicht heißen, dass die Autorinnen nicht auch den einfachen Fehlschluss ad auctoritatem pflegen. So verweisen Sie, um eine Einschätzung von jemandem, den sie zu den eigenen Reihen zählen, zu begründen, auf einen Naturwissenschaftler, der das auch sage (oder Ähnliches), was in den Augen der Autorinnen anscheinend bedeuten muss, dass das auch richtig so sein müsse.

Dummerweise wirft das die folgende Frage auf: wenn es Naturwissenschaftler und Philosophen gibt, die all das gesagt haben, was die Vertreter von Gender Studies (gewöhnlich in weit unklarerer Sprache) zu sagen haben, wozu sollte dann das Fach “Gender Studies” noch notwendig oder nützlich sein?

Das ist der Fallstrick des Fehlschlusses ad auctoritatem: er verweist immer zurück auf die Überflüssigkeit der eigenen Person – man verkündet ja bloß das. was man für Erkenntnisse anderer Leute hält. Das ist die klassische Tätigkeit des Wasserträgers oder wie man heute so schön sagt: des Multiplikatoren, wissenschaftliches Arbeiten hat aber etwas mit Eigenleistung zu tun!

Punkt 4: Erkenntnistheorie und inhaltliche Einsichten: Verirrungen und Verwirrungen zwecks “name dropping”!?

Frau Hark und Frau Villa benutzen in ihrem Text das Wort “erkenntnistheoretisch”, was ein Wort ist, das normalerweise in wissenschaftlichen Zusammenhängen vorkommt und von ihnen vermutlich adaptiert wurde, um Wissenschaftlichkeit zu suggerieren. Im Zuge der Diffamierung ihrer Kritiker finden die Autorinnen sogar die eigene Einsicht, “[w]as Natur ist und welche Rolle sie für die menschliche Identität und Gesellschaft spielt”, – zu Recht – “völlig trivial”, allerdings nicht einfach so, also inhaltlich besehen, sondern “erkenntnistheoretisch völlig trivial”. Eine inhaltliche “Einsicht” ist also nicht “trivial”, weil offenkundig, sondern “erkenntnistheoretisch” trivial – aha!

Ernst ErkenntnistheorieWas mag das bedeuten? Frau Villa, an der Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft Ihrer Universität, vertritt man eine Auffassung von “Erkenntnistheorie”, die – fast, die Ausnahme sind anscheinend Frau Hark und Frau Villa – uneingeschränkt geteilt werden dürfte. Sie lautet:

“Die Erkenntnistheorie verfolgt zwei Ziele: Zum einen sollen die Natur, der Ursprung und der Umfang menschlicher Erkenntnis aufgeklärt werden, zum anderen soll die Möglichkeit von Erkenntnis erklärt und verteidigt werden.”

Als “erkenntnistheoretisch” ist also zu bezeichnen, was sich auf die Möglichkeit der menschlichen Erkenntnis bzw. die Erkenntnisfähigkeit und den Vorgang der Erkenntnisgewinnung (oder -konstruktion, für die, die’s lieber mögen) bezieht. Eine erkenntnistheoretische Einsicht könnte daher z.B. sein, dass Menschen die Realität niemals direkt wahrnehmen können, sondern sie nur eben durch ihren Wahrnehmungsapparat gefiltert wahrnehmen oder erschließen können.

Die Autorinnen schreiben:

“Was Natur ist und welche Rolle sie für die menschliche Identität und Gesellschaft spielt, ist eben historisch wandelbar. Diese erkenntnistheoretisch völlig triviale Einsicht stellt allerdings für viele … eine schwer zu schluckende Kröte dar”.

Verstehen Sie das? Ich nicht.

Wenn jemand der Meinung ist, dass die Rolle, die Natur für die menschliche Identität spielt, wandelbar ist, dann ist das erstens keine Einsicht, sondern eine These, zweitens ist die “Einsicht” anscheinend doch nicht trivial, denn sie ist doch nach Aussage der Autorinnen eine “schwer zu schluckende Kröte”, und drittens ist sie keine erkenntnistheoretische “Einsicht”; die “Einsicht” hat mit Erkenntnistheorie überhaupt nichts zu tun. Eine “Einsicht” wie die folgende hätte vielleicht etwas mit Erkenntnistheorie zu tun: “Was Natur ist und welche Rolle sie für die menschliche Erkenntnisfähigkeit spielt, ist nicht historisch wandelbar, aber empirisch prüfbar”, aber das ist es eben: hier ginge es um die Möglichkeit und Praxis menschlicher Erkenntnis(findung). Just darum geht es den Autorinnen aber offenkundig nicht.

Das Adjektiv “erkenntnistheoretisch” wird hier also völlig falsch und ohne erkennbaren Anlass benutzt. Es ist anscheinend ein eher hilfloser Versuch, sich wissenschaftlichen Vokabulars zu bedienen, um zu suggerieren, man hätte irgendeine Ahnung von Wissenschaft, man könnte wissenschaftliche Begründungen formulieren, wenn man nur wollte. Gerade die falsche Verwendung von unverstandenen Konzepten macht aber deutlich, dass es sich um Wissenschaftslaien handelt.

Fazit

Um die Autorinnen – frei – zu zitieren: Selbst dann, wenn Gender Studies in irgendeiner bislang unentdeckten Hinsicht tatsächlich wissenschaftlich sein sollten, würden die “Kultur”, das “Volk”, die “Familie” oder welche Dinge auch immer den Autorinnen heilig sind, nicht und sicherlich auch nicht die Wissenschaft untergehen, wenn Gender Studies komplett aus dem Universitätsbetrieb ausgeschlossen und vielleicht in die Volkshochschulen transferiert würden.

Nur wer Statusangst hat, lehrt lieber an einer Universität als einer Volkhochschule, oder!?!

Jetzt gilt’s: 30 Fragen an die Gender-Empörten Hark und Villa

Sabine Hark und Paula Villa haben sich gerade damit hervorgetan, dass sie im Berliner Tagesspiegel einen Beitrag, der mit “Das dubiose Gender” überschrieben ist, platziert haben. In diesem Beitrag inszenieren sie sich als Vertreter der Gender Studies, die als Fach vermeintlichen Diffamierungen ausgesetzt seien, denen die Wissenschatflichkeit abgesprochen werde und die als Ideologie bezeichnet würden.

Popper GrundproblemeNun sind es gerade Vertreter dieser Gender Studies, die sich beharrlich weigeren, über die Basis ihres Fachs, das, was sie zur Wissenschaft macht, ihre Erkenntnismethode, ihre theoretische Fundierung, ihre empirische Bestätigung und ihre nützlichen Forschungsergebnisse Auskunft zu geben. Es sind Genderisten, die bislang jede Kritik als Häresie ansehen und beleidigt darauf reagieren, und es sind Genderisten, die jede Frage nach der Berechtigung der Gender Studies als Majestätsbeleidigung auffassen.

Nachdem Hark und Villa nun behaupten, alle Kritik an Gender Studies sei nicht berechtigt, sei Diffamierung und beruhe auf Statusängsten haben wir die Gelegenheit, die uns zwei Kenner der Gender Studies vor die Flinte geschickt hat, am Schopfe ergriffen und einen Brief an die beiden aus Steuermitteln finanzierten Genderlehrstuhlinhaber geschrieben, in dem wir Sie bitten, doch uns und allen Steuerzahlern Auskunft über das wissenschaftliche Fundament der Gender Studies zu geben.

Hier der Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Dr. Hark, sehr geehrte Frau Dr. Villa,

im Tagesspiegel vom 17. Dezember haben sie einen Beitrag über “[d]as dubiose Gender” veröffentlicht, in dem sie die Gender Studies gegen Kritik, die sie als Diffamierung bezeichnen, verteidigen. Der Beitrag widmet der Klage, über die vermeintilch ungerechtfertigten Angriffe von vor allem “bürgerlichen Medien” auf die Gender Studies viel Raum, nimmt sich viel Raum, um über Gender zu spekulieren und schließt mit dem Versuch einer ad-hoc Erklärung dazu, warum Gender Studies kritisiert werden.

Man hätte nun von Wissenschaftlern erwartet, dass sie auf Kritik mit Argumenten und nicht mit Behauptungen, Unterstellungen und ad-hoc Assoziationen reagieren. Man hätte von Wissenschaftlern erwartet, dass sie einen positiven Teil beitragen, wie Hans Albert die Darlegung der Vorteile und Leistungen einer Wissenschaft genannt hat, in dem sie zeigen, was an Erkenntnissen, verwertbaren Ergebnissen, gesellschaftlichem Nutzen die Gender Studies erbracht haben, und weshalb es für Steuerzahler wichtig war, ist und weiter hin sein wird, Gender Studies an Universitäten zu finanzieren.

Leider findet sich keinerlei positiver Teil in Ihrem Beitrag. Wir führen dies auf den Eifer des Gefechts und eine mangelnde rationale Kälte zurück und hoffen, dass Sie mittlerweile genügend Abstand gewonnen haben, um Fragen zu beantworten, die unter Wissenschaftlern regelmäßig gestellt und, das dürfen wir anfügen, normalerweise ohne Aufgeregtheit und in aller Ruhe beantwortet werden (können). Die Fragen wurden den verschiedensten Vertretern der Gender Studies vorgelegt, keiner hat sich bislang in der Lage gesehen, sie zu beantworten.

Da sie sich im Tagesspiegel als – wie man mit Garfinkel sagen könnte – kompetente kulturelle Kenner der Gender Studies präsentiert haben, gehen wir davon aus, dass es Ihnen ein Leichtes ist, Auskunft über deren wissenschaftliche Fundierung zu geben.

Deshalb bitten wir Sie, die folgenden Fragen zu beantworten und damit zu einer grundlegenden Klärung der Frage, ob Gender Studies ein wissenschaftliches Fach sind oder nicht, beizutragen.

  1. questionmark2Was ist das Patriarchat?
  2. Wo gibt es das Patriarchat?
  3. Wie kann man das Patriarchat unabhängig messen?
  4. Warum zeigt u.a. die ethnologische Forschung, dass es ein Patriarchat nicht gegeben hat?
  5. Wo werden Frauen benachteiligt?
  6. Von wem werden Frauen wo benachteiligt (in Gesetzen, in staatlichen Institutionen, in nicht-staatlichen Institutionen, auf der individuellen Ebene) ?
  7. Wie werden Frauen wo und von wem benachteiligt?
  8. Welche Folgen hat die Benachteiligung konkreter Frauen an konkreten Orten durch konkrete Personen und für wen?
  9. Welche Erkenntnis hat die Forschung im Rahmen von Gender Studies bislang erbracht?
  10. Welcher wissenschaftliche Nutzen geht von dieser Erkenntnis aus?
  11. Wem entsteht dieser Nutzen?
  12. Welche empirischen Erkenntnisse hat die Forschung im Rahmen von Gender Studies erbracht?
  13. Wozu ist es wichtig, diese empirischen Erkenntnisse zu haben?
  14. Wo verläuft die Grenze zwischen Lehrstühlen der Gender Studies und Indoktrination?
  15. Welche Kenntnisse haben Studenten der Gender Studies, die sie vor ihrem Studium nicht bereits hatten?
  16. Welche berufliche Zukunft haben Studenten der Gender Studies?
  17. Welche Belege für den Nutzen der Gender Studies gibt es?
  18. Welche Belege für einen Schaden durch Gender Studies gibt es?
  19. In welchem Verhältnis stehen Nutzen und Schaden der Gender Studies zueinander?
  20. Welches Erkenntnisinteresse haben Gender Studies?
  21. Welche Methoden der Erkenntnisgewinnung nutzen Gender Studies ?
  22. Wie wird sichergestellt, dass Erkenntnisse der Gender Studies nachprüfbar sind und von anderen nachvollzogen werden können?
  23. Gibt es ein theoretisches Konzept “Gender Studies”?
  24. Wenn ja, auf welcher empirischen Basis steht dieses Konzept?
  25. Wenn ja, wie hat sich dieses Konzept an der Empirie bewährt
  26. Was haben Gender Studies an Universitäten zu suchen?
  27. Welchen konkreten Nutzen haben Gender Studies der Wissenschaft gebracht?
  28. Welchen konkreten Schaden haben Gender Studies der Wissenschaft zugefügt?
  29. Wie rechtfertigen Gender Studies ihre Finanzierung durch Steuerzahler?
  30. Welcher Nutzen entsteht Steuerzahlern?

Wir bedanken uns im Voraus für die Antworten und verbleiben mit freundlichen Grüßen,
Dr. habil. Heike Diefenbach
Michael Klein
ScienceFiles.org

Wer unserem Schreiben mehr Nachdruck verleihen will, dadurch, dass er es ebenfalls an Hark und Villa schickt, der kann dies gerne tun.
Die eMail-Adressen lauten:
sabine.hark@tu-berlin.de
und
Paula.Villa@soziologie.uni-münchen.de

Die dubiosen Genderisten: Sabine Hark und Paula Villa haben Statusängste

Wen wundert es, dass Genderisten wie Sabine Hark und Paula Villa, die es beide auf irgend eine Weise geschafft haben, je einen Lehrstuhl in Berlin und München zu besetzen, die Flucht nach vorne antreten?

Offensichtlich bläst den Genderisten der Wind ins Gesicht und sie sehen sich genötigt, “das dubiose Gender”, wie sie es nennen, zu erklären, wie sie meinen, und die Gender Studies gegen die Attacken aus der “bürgerlichen Presse” zu verteidigen, einen Begriff, den man seit dem Kommunistischen Manifest eigentlich in abnehmender Häufigkeit zu lesen gewohnt ist, und der die Gender Studies, die Hark und Villa für sich reklamieren, bereits zu Anfang eines Textes, der sie als Wissenschaft darstellen will, als Ideologie, als sozialistische Ideologie identifiziert.

Ausgerechnet im bürgerlichen Tagesspiegel haben Hark und Villa ihr “dubioses Gender” verbreitet.

Der Beitrag beginnt mit dem üblichen Palaver über die Diffamierungen, denen sich die Gender Studies ausgesetzt sehen, was übersetzt meint: Es gibt auf der einen Seite immer mehr Menschen in Deutschland, die die Frage nach dem Wert und dem Nutzen in Relation zu den Kosten der Gender Studies stellen und auf der anderen Seite Genderisten, die genau diese Fragen nicht beantworten können.

Nach diesem üblichen Palaver, das man mit Erving Goffman als Inszenierung der Opferrolle erklären kann, also als Abwehr berechtigter Kritik durch das, was Genderisten offensichtlich als einzige Reaktionsform kennen: Sich aufgebracht aufblustern und empört bereits die Berechtigung von Frage und Kritik an ihrer heiligen Lehre abwehren, folgt ein dubiose Heilslehre über das dubiose Gender.

Denn eine Heilslehre, eine Ideologie und eben keine Wissenschaft muss es sein, wenn Genderisten nun schon seit Jahren nicht in der Lage sind, auch nur eine der Frage, die z.B. wir gestellt haben, zu beantworten oder auch nur einen belastbaren Befund vorzulegen, der zeigt, dass Genderisten den Anspruch, Wissenschaft zu sein, zu Recht erheben.

Goffman TheaterStatt also die erkenntnistheoretischen Grundlagen darzustellen, statt Ergebnisse aufzufahren, die belegen, dass Gender Studies zu Recht an Universitäten und auf Kosten von Steuerzahlern unterhalten werden (was Gender Studies zu einer zweiten Form der staatlich reglementierten Unterhaltszahlung an vornehmlich Frauen macht), statt also das Credo aufzusagen, das Wissenschaftler im Hinblick auf ihre Methode, den harten Kern ihres Fachs, wie Imre Lakatos es genannt hat, im Schlaf aufsagen können (sollten), statt die Ergebnisse zu präsentieren, die Gender Studies erzielt haben, statt dessen üben sich Hark und Villa in einer primitiven Form von umständlichem Geschwätz, das ärgerlich machen muss, ärgerlich, weil sie damit dokumentieren, dass sie für sich Überlegenheit in Anspruch nehmen und die Welt um sich herum und vor allem die Kritiker der Gender Studies nur als Untermenschen, die die heilige Lehre des Genderismus nicht verstehen, ansehen können.

Zunächst zu den Einsichten zu Gender, die wir Hark und Villa, die, das kann man nicht oft genug betonen, auf Kosten von Steuerzahlern Positionen an Universitäten besetzen, verdanken. Wir analysieren diese Einsichten nach dem Vorbild von Karl Raimund Popper, der in einem Beitrag das prätentiöse Geschwätz von Jürgen Habermas als die dünngeistigen Leerformeln entlarvt hat, die es nun einmal darstellt.

 

Das schreiben Hark und Villa Das ist unsere Übersetzung 
Gender meint zunächst eine Grenzziehung, nämlich die Unterscheidung in Männer und Frauen. Es gibt Männer und Frauen.
Angesiedelt wird diese Differenz [zwischen Männern und Frauen] an einem historisch beweglichen, immer jedoch bestimmten Ort: dem des Körpers. Männer und Frauen unterscheiden sich aufgrund bestimmter Merkmale.
Wurde die Frau im 19. Jahrhundert auf ihre Gebärmutter festgelegt, so sind es aktuell wahlweise das Gehirn, die Hormone oder auch die Chromosomen, die vorgeblich die Wahrheit des Geschlechts in sich tragen. Keine andere Leitdifferenz der Gegenwart ist derat eng an ein biologisches Verständnis geknüpft. Manche behaupten, dass es einen biologischen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt.
Doch selbst wenn der Geschlechterunterschied sich anatomisch oder hormonell dingfest machen ließe, so ist es doch höchst erkenntnisreich, sich mit der Geschichte dieser Tatsache zu befassen. Wir geben zu, es gibt einen biologischen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Wir behaupten, es ist interessant, diesen biologischen Unterschied im Zeitverlauf zu untersuchen. Wir können allerdings nicht sagen, warum es interessant ist und welcher Nutzen damit verbunden ist.
Anders als davon auszugehen, dass es ‘Männer’ und ‘Frauen’ aufgrund ihrer unterstellten genetischen oder hormonellen Ausstattung, ihrer Hoden und Eierstöcke, an und für sich gibt, erforschen die Gender Studies zum Beispiel die historisch konstituierte, kulturell und bisweilen juristisch geregelte sowie subjektiv interpretierte und angeeignete Bedeutung des Geschlechtsunterschieds. Gender Studies pfeiffen auf die Erkenntnisse der Naturwissenschaften und wischen alle Belege dafür, dass Männer ein XY und Frauen ein XX Chromosomenpaar haben, vom Tisch. Statt dessen behaupten Gender Studies, dass soziale und juristische und subjektive Interpretationen, nach der Marke: “Welches Geschlecht möchtens denn haben?” oder “Sie sind ab sofort ein Mann!” oder “Der sieht aus wie ein Mann, der muss ein Mann sein” gibt, die das biologische Geschlecht überlagern.
Es wird also üblicherweise davon ausgegangen [in den Gender Studies], dass es Materialitäten (etwa Strukturen des Gehirns, Anatonomie, Chromosomen, Hormone) gibt, die bei Männern und Frauen wahrscheinlich häufiger oder seltener vorkommen. Zugleich wird aber eben auch davon ausgegangen, dass diese Materialitäten mit sozialen Umständen und Erfahrungen interagieren. Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen und Männer und Frauen spielen soziale Rollen.

 

Kurz, wir verdanken den Gender Studies die Einsicht, dass es Männer und Frauen gibt, dass die Bezeichnungen “Mann” und “Frau” auf Materialitäten rekurriert, z.B. einen biologischen Unterschied, der sich bei der Fortpflanzung als vorteilhaft erwiesen hat und dass Männer und Frauen sich ansonsten sozialer Rollen bedienen oder soziale Rollen spielen, sich inszenieren.

Ja.

Homo sociologicusDiese Erkenntnis verdanken wir den Gender Studies, das behaupten Hark und Villa, und damit zeigen sie, dass die sozialwissenschaftliche Forschung der letzten Jahrzehnte, Jahrhunderte spurlos an ihnen vorbeigegangen ist. Schon Ralf Dahrendorf hat auf die Kann-, Muss- und Soll-Erwartungen, die entsprechende Rollen im sozialen Leben konstituieren, hingewiesen, in den 1960er Jahren und seine Erkenntnisse mit Arbeiten US-amerikanischer Soziologen belegt, die in den 1940er und 1950er Jahren geforscht haben (u.a. Robert K. Merton und Neal Gross, Ward S. Mason und Alexander W. McEachern) und sich vor allem dadurch ausgezeichnet haben, dass sie ihre Erkenntniswelt nicht auf den angeblich nicht vorhandenen, aber doch für Gender Studies konstitutiven Unterschied zwischen Männern und Frauen beschränkt haben.

Wir stellen in Rechnung, dass die Qualität der Ausbildung an deutschen Hochschulen in den letzten Jahrzehnten massiv gelitten hat. Wir stellen in Rechnung, dass Selbstverständlichkeiten, die noch in den 1980er Jahren gelehrt wurden, aus dem Curriculum verschwunden sind, dass Methoden und Wissenschaftstheorie kein fester Bestandteil der Lehre mehr sind, ebenso wenig wie es die Kenntnis der Klassiker eines Faches oder seiner Grundbegriffe ist. Und wir stellen in Rechnung, dass mit der Verschulung von Hochschulen, mit der Einführung von Bachelorstudiengängen, die Oberflächlichkeit herrscht und Lehrstuhlbesetzer wie Hark und Villa, die von sich behaupten, Soziologen zu sein, nur noch rudimentäre Vorstellungen vom erreichten Erkenntnisstand des Faches haben und in voller Überzeugung das soziologische Rad neu erfinden, mit dem Generationen von Soziologen vor ihnen bereits Fahrzeuge betrieben haben. Sie sind insofern als Überzeugungstäter entschuldigt, aber dies kann nicht dazu führen, dass man die Ignoranten in ihrer Ignoranz verharren lässt.

Zwar sollte man über das, was Lehrstuhlbesetzer wie Hark und Villa heute als ihre neue Erkenntnis präsentieren, herzlich lachen, aber es ist nicht zum Lachen, denn Gender Studies sind eine Ideologie, die auf der Überzeugung ihrer Vertreter basiert, dass man die Weltgeschichte durch die Einteilung der sozialen Welt in Männlein und Weiblein erklären kann, Genderisten sind Phantasten, die das Wirken geheimer Mächte annehmen, die sie Patriarchat nennen und den Männlein zuschreiben. Genderisten sind Sexisten, denn sie finden nichts dabei, zu behaupten, dass die Gruppen von Männern und Frauen homogen sind, dass es mehr Unterschiede zwischen beiden Gruppen als innerhalb beider Gruppen gibt, dass man die Männer und die Frauen über einen Kamm scheren kann. Und wie alle sozialistischen Ideologen, so sind Genderisten auch Brunnenvergifter, denn die Verkündung ihres Gender-Heils funktioniert nur, wenn die Welt in antagonistische Gruppen eingeteilt wird, in böse Männer und unschuldige oder dämliche weibliche Opfer.

Und was dem ganzen Hokuspokus die Krone aufsetzt, ist das, was Hark und Villa allen Ernstes als Erklärung dafür angeben wollen, dass Genderisten der Wind ins Gesicht bläst, dass sich tatsächlich diejenigen, die den Gender-Zirkus bezahlen, fragen, was sie da bezahlen und welchen Nutzen dieser Zirkus für die Gesellschaft bringt. Das führen Hark und Villa auf “verbreitete Statusangst”, “Angst vor der Feminisierung” und “Angst vor Uneindeutigkeit” zurück.

Zentrum GspaderbornKann man derart weltfremd sein, dass man tatsächlich denkt, Kritik an Gender Studies, die jeden Beleg ihrer Wissenschaftlichkeit nach wie vor schuldig bleiben, habe etwas mit Statusangst zu tun? Kann man eine derartige Überzeugung haben, wenn man nicht zudem ein Sendungsbewusstsein zur Feminisierung hat? Nein. Es ist immerhin ein Novum für die Wissenschaft, dass angebliche Wissenschaftler die Kritik ihrer Kollegen als Diffamierung aus Statusangst diffamieren. Es ist in hohem Maße lächerlich und nur denkbar für Personen, die keinerlei Idee davon haben, was Wissenschaft ist und welche Rolle die Idee der Kritik in der Wissenschaft spielt.

Wie stellen sich Genderisten eigentlich wissenschaftlichen Fortschritt vor, wenn nicht durch Kritik, dadurch, dass gezeigt wird, das bislang für richtig gehaltene Theorien falsch sind? Die Gemeinsamkeit der Genderisten mit den Päpsten des Mittelalters, die partout nicht durch Fernrohre sehen und die Erde nicht an den Rand einer eher unbedeutenden Galaxie gerückt sehen wollten, drängen sich auf. Nicht durch Zufall, denn Genderismus ist eine Religion, die an Universitäten entsprechend nichts zu suchen hat. Es stellt sich also lediglich die Frage, wie lange es noch dauert, bis die entsprechende Austreibung der Genderisten aus der Wissenschaft stattfindet.

Zudem kann den Unsinn mit der Statusangst nur jemand äußern, der selbst massive Statusangst hat (denn ein normaler Wissenschaftler kommt angesichts von Kritik nicht auf die Idee, die Kritiker zu beschimpfen, er kommt auf die Idee, seine eigene Theorie zu überprüfen). Die Statusangst der Gnderisten speist sich daraus, dass die Blender der Gender Studies, die von sich behaupten, sie seien Wissenschaftler, nun Rede und Antwort über den Sinn und den Nutzen ihres Daseins stehen sollen. Sie haben Angst vor einem zutiefst demokratischen Prozess in der von ihnen so heftig geforderten “polyperspektivischen Gesellschaft”, als dessen Ergebnis sie als das erkennbar werden, was sie tatsächlich sind, Nutznießer an der Wissenschaft und Nutznießer der Ignoranz, mit der der Verbreitung von Gender Studies Lehrstühlen begegnet,und die entsprechende ideologische Inkubation der Wissenschaften geduldet wurde.

Doch damit ist nun Schluss.

Zusammenfassend kann man zum Text von Hark und Villa nur sagen: Und das ist alles? Alles, was die große Verteidigung in einer Tageszeitung umfasst, ist die Erkenntnis, dass es Männer und Frauen und soziale Rollen gibt? Das soll Steuerzahlern gegenüber, als Rechtfertigung dafür ausgegeben werden, dass Millionen von Steuermitteln in den Unterhalt von Gender Studierten gesteckt werden? Ein ärmlicheres Manifest einer Ideologie, die sich gerne als Wissenschaft ausgeben würde, haben wir bislang nicht gesehen.

Weiter zum Thema mit Hadmut Danisch.

Was war 2014?

Demoskopen und Meinungsforscher behaupten regelmäßig, sie würden sich für die Meinung derjenigen interessieren, die sie befragen. Allensbach, Emnid, Infas, die Europäische Kommission über ihren Eurobarometer, sie alle behaupten, die Meinung von Bürgern zu erfragen, und sie alle tun es in der Regel mit geschlossenen Fragen.

Schnell hill esserDie quantitative empirische Sozialforschung unterscheidet Fragen grob in offene und geschlossene Fragen. Offene Fragen geben im Gegensatz zu geschlossenen Fragen keine Antworten vor. Beide Arten, zu fragen, haben ihre Vor- und Nachteile. Die wichtigsten Nachteile, die sich mit geschlossenen Fragen verbinden, lassen sich an einem Beispiel deutlich machen:

Was war für Sie das wichtigste Ereignis im Jahre 2014?

  • Die Bundestagswahl
  • Ebola
  • Die NSA-Affäre um Edward Snowden
  • Mein Geburtstag

Die Ereigniswelt des Jahres 2014 ist durch die Vorgaben doch massiv eingeschränkt, was deutsche Medien bei einem entsprechenden Ergebnis sicher nicht daran hindern würde, entrüstet zu vermelden: Der eigene Geburtstag war für viele im Jahr 2014 wichtiger als Edward Snowden.

Der Nachteil geschlossener Fragen besteht demnach in der Vorgabe der Antworten. Das ist dann, wenn man eine theoretische Annahme prüfen will, kein Problem (weil man klare Vorstellungen darüber hat, was an Antworten kommt und diese Vorstellungen prüfen will), wird aber schnell zum Problem, wenn man einfach nur Informationshierarchien, wie im vorliegenden Fall erfragen will. Dann werden die entsprechenden Befragungen schnell und leicht zur kleinen Manipulation, die bereits durch die Auswahl der Vorgaben Antwortmöglichkeiten aussortiert, die dem Auftraggeber der Befragung vielleicht nicht so angenehm sind oder die er nicht gerne als wichtig identifziert sehen will.

Eine offene Frage vermeidet diese Probleme, denn sie überlässt es den Befragten, welche Ereignisse sie für das Jahr 2014 als wichtig angeben. Eine Studie der Universität Hohenheim ist diesen Weg gegangen, um die Top-10 Medienthemen des Jahres 2014 zu erfragen. Im Zeitraum vom 17. bis 21. November wurden 1.006 Bürger befragt: “Wenn Sie nun an die aktuellen Themen in den Medien denken: Welches Thema hat Sie in diesem Jahr persönlich am meisten beschäftigt bzw. beschäftigt Sie am meisten?”

Man kann darüber streiten, ob der Stimulus “aktuelles Thema” bei einer Frage, die ein ganzes Jahr in Betracht ziehen will, ein Faux Pas ist und vermutlich ist er es, dessen ungeachtet, haben die Befragten die folgende Themenhierarchie angegeben:

topthemen2014

Die vier Topthemen sind demnach alle außenpolitische Themen, die mit Krieg und Seuche zu tun haben. Innenpolitische Themen wie Migration und Wirtschaftspolitik landen weit abgeschlagen auf den Plätzen fünf und sechs, die Fussball-Weltmeisterschaft, die wirtschaftliche Lage und die Eurokrise haben im November weitgehend an Unterhaltungswert eingebüßt und die NSA-Affäre ist kaum jemandem im Erinnerung geblieben.

Dies verweist auf ein Problem teilweise retrospektiver offener Befragungen, und dieses Problem kann auf die Begriffe “Salience” und “Erinnerung” gebracht werden. Salience beschreibt das, was einem gerade besonders präsent ist: Wenn jemand einen Anruf von einem Umfrageinstitut erhält, nachdem er gerade die Tagesschau und darin den Bericht aus der Ukraine gesehen hat, und er wird gefragt, welches in den Medien transportierte Thema ihn 2014 am meisten beschäftigt hat, dann wird er ziemlich sicher mit “Ukraine” oder “Krieg in der Ukraine” antworten. Mit anderen Worten, er wird nicht antworten, was ihn 2014 am meisten beschäftigt hat, sondern was ihn derzeit am meisten beschäftigt.

Entsprechend erhält man mit offenen Fragen eine aktuelle Momentaufnahme, aber mit Sicherheit keinen Überblick über die Themen, die Deutsche im Jahr 2014 am meisten beschäftigt haben. Das verhindert schon die Erinnerung oder besser: die Nicht-Erinnerung, denn: Wer erinnert sich im November daran, dass im Februar die Berichterstattung über die Snowden-Leaks die NSA-Affäre angestoßen hat? Wer daran, dass im Februar der ehemalige Bundespräsident Wulff freigesprochen wurde? Wer außer ein paar Kölnern erinnert sich daran, dass im Mai der 1. FC Köln in die Bundesliga aufgestiegen ist und Europawahlen stattgefunden haben? Ja Europawahlen – das sind die Wahlen, bei denen unbrauchbare nationale Politiker auf hochbezahlte Stellen in Straßburg abgeschoben werden.

Entsprechend sind die Ergebnisse aus Hohenheim ein recht guter Überblick darüber, was die 1006 Befragten Ende November bewegt hat, aber sicher kein Überblick über das, was Deutsche im Jahr 2014 bewegt hat. Insofern die Hohenheimer behaupten, sie hätten das erhoben, was Deutsche, also 1006 von ihnen, als “Top-Thema des Jahres 2014″ benannt haben, ist die entsprechende Behauptung wieder einmal ein Beispiel dafür, wie weit Behauptung und Wirklichkeit auseinander liegen können.

 

“Au weia, Herr Professor” – Noch ein Opfer des Idiotentests

Wissenschaftler, so die Sage, sind der Welt entrückte Personen, die die körperliche Hygiene zu Gunsten dessen, was sie wissen wollen, zurückstellen. Man kennt sie als verhutzelte Männleins, die hinter einem Tisch stehen, auf dem wiederum die unterschiedlichsten Apparaturen mit dampfenden Flüssigkeiten in allen möglichen Farben angeordnet sind. Und ab und zu verpufft etwas und stellt den Kontakt zwischen Wissenschaftler und Welt her. Das sind Naturwissenschaftler.

mad professorSozialwissenschafter leben in einem verbalen Elfenbeinturm, in dem sie sich hinter ihren sprachlichen Konstruktionen verschanzen und nur wenig bis gar nichts aus der Außenwelt an sich heranlassen. Ihre Abgeschiedenheit bezahlen sie damit, dass sie wenig bis nichts mitbekommen, von Entwicklungen in dem, was andere als soziale Netzwerke bezeichnen, nichts wissen, schon weil sie nicht wissen, was soziale Netzwerke sind. Und wenn sich zuweilen einer von ihnen ans Licht der Welt traut, um seine tiefen Erkenntnisse zu einem aktuellen Thema mitzuteilen, dann gibt es regelmäßig ein Fiasko.

Wie zum Beispiel bei Prof. Dr. Alexander Dilger.

Prof. Dr Alexander Dilger ist Professor und Direktor am Institut für Organisationsökonomik der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster und ab und an schreibt er für die Freie Welt oder auf seinem eigenen blog.

Das hätte er dieses Mal besser gelassen.

Denn er schreibt über den Darwin-Award.

Er schreibt über die angebliche Studie, die im British Medical Journal veröffentlicht wurde. Die Studie, die bislang als Idiotentest für Journalisten knapp 20.000 Lesern bekannt ist, denn die Studie ist ein Fake, ein Witz, den sich Wissenschaftler erlaubt haben, denen die Geschlechterbesessenheit moderner Gesellschaften, das zwanghafte Auszählen nach Männlein und Weiblein massiv auf die Nerven geht.

Kaum jemand weiß nicht, dass diese angebliche Studie ein Witz ist. Journalisten, die darauf hereingefallen sind, geben vor, von einer Studie, die belegen soll, dass Männer Idioten sind, nichts zu wissen, nie davon gehört zu haben. Die Studie hat mittlerweile den Status einer heißen Kartoffel, die niemand mehr anfassen mag.

Niemand? Nein, nicht niemand. Prof. Dr. Alexander Dilger hat sich mutig der Kartoffel angenommen und sich gehörig die Hände verbrannt.

Nachdem er seine Leser über den Darwin Award, jenen Zögling von Studenten aus Berkeley und Stanford informiert hat, den er bis vor kurzem vermutlich selbst nicht kannte, schreibt er folgendes:

“Dabei stellt sich heraus, dass viel mehr Männer als Frauen diesen Preis gewinnen. Die angebotene Erklärung über die ‘male idiot theory (MIT)’, wonach Männer Idioten sind, finde ich jedoch nicht so richtig überzeugend. Ableiten lässt sich hingegen, dass Idioten überwiegend Männer sind.”

Die phänomenale Male Idiot Theory von McPherson

Die phänomenale Male Idiot Theory von McPherson

Man kann sich die tiefe Falte auf der professoralen Stirn richtig vorstellen, während das dahinter liegende Gehirn prozessiert, dass die Kartoons von James McPherson, von dem die angebliche Male Idiot Theory stammt, “nicht so richtig überzeugend” sind. Und dem professoralen Zweifel folgt der konstruktive Teil: Man könne ableiten, dass Idioten überwiegend Männer sind.

roflHa! – kann man da nur sagen und nachdem man sich die Tränen aus den Augen gewischt hat feststellen, dass um diese Ableitung zu treffen, eine Vollerhebung aller Idioten notwendig wäre, was es erforderlich machen würde, ein Kriterium für “Idiot” aufzustellen, also z.B. zu sagen, dass Idioten alle diejenigen sind, die es nicht merken, wenn sie veralbert werden – oder so.

Aber damit nicht genug. Unser Professor sucht tatsächlich eine Erklärung für das Ergebnis einer Auszählung, die britische Wissenschaftler aus Spass und auf Grundlage einer willkürlichen und nicht ganz ernst gemeinten Zusammenstellung von Personen, die es geschafft haben, sich auf mehr oder weniger dämliche Weise selbst aus dem Genpool zu entfernen, vorgenommen haben:

Rofl2Dafür gibt es jedoch eine plausiblere Erklärung, nämlich die ungleiche Intelligenzverteilung von Frauen und Männern bei gleicher Durchschnittsintelligenz (siehe die zweite Abbildung in diesem Artikel, den zuerst Herr Vorländer in der Diskussion zu ‘Starre Frauenquote kommt’ verlinkte). Demnach gibt es unter den Männern mehr Idioten, aber auch mehr Höchstbegabte und Genies.”

Das begründet unser Professor mit einer evolutionären Theorie, die selbst die Kartoons von James McPherson in den Schatten stellt: Frauen können nur eine relativ kleine Anzahl von Kindern bekommen, deshalb sind sie geistig im Mittelfeld angesiedelt, Männer können fast beliebig viele Kinder oder gar keine zeugen, deshalb sind sie entweder Deppen oder Genies.

Wenn Sie demnächst im Supermarkt einen desorientierten Menschen dabei beobachten, dass er evolutionäre Gründe für das geschlechtsspezifische Einkaufsverhalten von verdummenden Frauenzeitschriften anführt – melden Sie ihn bei uns, damit wir ihn in seinen Elfenbeinturm zurückverfrachten und ihm jeglichen Kontakt mit der Außenwelt abschneiden können.

Wahl zum “Blog-Teufelchen Wissenschaftskritik”

Die Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres findet dieses Jahr in zwei Abteilungen statt – Mainstream und nicht-Mainstream oder wie auch immer, denn nachvollziehbar ist die Vorauswahl, die Reiner Korbmann getroffen hat, nicht. Aber durch die Trennung wissen wir doch zumindest eines: Es gibt Wissenschaftsblogs und es gibt kritische Wissenschaftsblogs, und da wir zu letzteren gezählt werden, zu den

“populärsten, besten, interessantesten Blogs der „Wissenschaftskritik“, also Blogs, die als Thema die kritische Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftssystem gewählt haben, die sich nicht um Schulwissenschaft drehen, die sich ideologisch oder sachlich mit dem auseinandersetzen, was wir normalerweise als Wissenschaft bezeichnen, oder aber, die sich aus Sicht der Wissenschaft wiederum mit dieser Kritik befassen.”

haben wir daran nichts auszusetzen.

Wenngleich die Verniedlichung ärgerlich ist und die Benennung eher wenig intellektuell dafür ziemlich bescheuert wirkt. Aber: geschenkten Gäulen schaut man nicht in die Mäuler, und schließlich spricht es für unser Konzept, dass wir uns vom Mainstream so deutlich unterscheiden, dass man es nicht übersehen kann (und natürlich haben wir im letzten Jahr so zugelegt, dass die Gefahr besteht, wir werden Wissenschaftsblog des Jahres, und was bedeutet das dann für all die institutionalisierten Blogs?).

drehung_logo_wissenschaftskritik03_kleinWir rufen somit unsere Leser auf, uns zum besten Blog der Wissenschaftskritik zu wählen.

Warum?

Nun, damit wir die Wahl gewinnen und eine Badge für die Widget-Leiste haben; Damit wir in Diskussionen ein nettes ad auctoritatem einwerfen können etwa: “Was willst Du eigentlich? Wir sind Wissenschaftskritik-Blog Nr. 1 und was bist DU? Eben!” Damit wir unseren für 2025 geplanten Börsengang entsprechend vorbereiten können,  und natürlich und altruistisch wie wir sind: Damit bei “Wissenschaft-Kommuniziert” endlich einmal etwas los ist und die Zugriffs-Statistik ungeahnte Höhen erreicht.

Also, Liebe ScienceFiles-Leser: Sie sind gefordert.

Wählen Sie uns zum “Blog-Teufelchen Wissenschaftkritik”.  Einfach auf der Seite scrollen bis zu: Die Wahl des “Blog-Teufelchens Wissenschaftskritik 2014″ und bei Kritische Wissenschaft – critical science ein Häkchen machen!

Wir hätten aber gerne ein anderes Bild, nicht so ein mickriges Teufelchen, mehr etwas in der Art:

Diablo III

Pseudo-Diskussionen: Geheuchelte Bürgerbeteiligung und opportunistische Schubser

Das Markenzeichen einer Diskussion über ein Thema besteht darin, dass zu Beginn der Diskussion nicht feststeht, was das Ergebnis der Diskussion sein wird. Deshalb ist eine Diskussion ein Austausch von Argumenten mit dem Ziel, das beste Argument, das am besten belegte Argument, das am besten mit Fakten belegte Argument zu finden und sich auf dieses Argument zu einigen.

discussionPseudo-Diskussionen sind Diskussionen, deren Ergebnis bereits im Vorfeld feststeht. Pseudo-Diskussionen sind inszenierte Diskussionen, mit denen den Adressaten das Gefühl gegeben werden soll, sie hätten etwas mit zu entscheiden. Pseudo-Diskussionen sind Formen der Persuasion, die eingesetzt werden, um durchzusetzen, was man sowieso beabsichtigt hat, dabei aber so zu tun, als wären Dritte an der Entscheidungsfindung beteiligt worden. Pseudo-Diskussionen werden immer häufiger Bestandteil der öffentlichen Inszenierung von Demokratie, wenn es z.B. darum geht, Anwohnern das Gefühlt zu geben, sie wären an der längst getroffenen Entscheidung, Windräder an die Stelle von Wald zu setzen, in irgend einer Weise beteiligt worden.

“Nudging: Die Kunst der Entscheidungshilfe, so lautet der Titel einer Veranstaltung, die das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz gerade durchgeführt hat. Dabei ging es um:

[d]ie Idee des „Nudgings“ und die Frage, ob das Konzept des kleinen „Schubsers“ in die vermeintlich richtige Richtung auch in der deutschen Verbraucherpolitik Erfolg haben kann…”.

Spannend ist hier das “vermeintlich”, das dem Autor der Pressemeldung in den Text gerutscht ist. Bei dieser Pseudo-Diskussion sollten die folgenden Fragen beantwortet werden, und zwar von dem Pseudo-Wissenschaftler und Handelsreisenden in Sachen Nudging Cass Sunstein und Heiko Maas, der scheinbar seine Märchenwoche noch nicht abgeschlossen hat:

“Ist Nudging nicht undemokratisch? Warum tut sich Deutschland so schwer mit Nudging? Wann eignen sich Nudges besonders gut? Wie unterscheidet man gute von schlechten Nudges?”

no discussionAngeblich wird also darüber diskutiert, ob die “Kunst der Entscheidungshilfe”, ein unglaublicher Euphemismus, undemokratisch ist, was eigentlich keine Frage ist, denn Deutschland tut sich “schwer mit Nudging”, wobei sich “Nudges” doch besonder gut eignen und man sogar “gute von schlechten Nudges” unterscheiden kann.

Glaubt wirklich jemand, hier würde grundsätzlich über die Frage, ob ge-nudged werden soll/darf oder nicht, diskutiert?

Zunächst zum Nudging:

Nudging fusst auf einem grundsätzlichen Missverständnis. In den 1970er Jahren haben Amos Tversky und Daniel Kahneman gezeigt, dass das tatsächliche Verhalten von Menschen von den Modellannahmen eines rationalen Akteurs abweicht. Im Modell das rationalen Akteurs wird angenommen, dass immer die Handlungsalternative gewählt wird, die unter gegebenen Bedingungen mit dem größten Nutzen verbunden ist – wobei die Alternative erreichbar sein muss und gegen anderen Alternativen abgewogen worden sein muss.

Die meisten Menschen machen das nicht. Das ist nichts Neues, war auch nichts Neues, als Tversky und Kahneman ihre Studie veröffentlicht haben. Max Weber hat schon Anfang des 20. Jahrhunderts darauf verwiesen, dass nur die wenigsten Handlungen zweckrational sind. Tversky und Kahneman haben nun zum ersten Mal gezeigt, dass die Handlungen, die Menschen wie Sie oder wir in bestimmten Situationen ausführen, sehr stark vom Modell des objektiv rationalen Akteurs abweichen.

Das “objektiv” ist hier der entscheidende Punkt: Es bezieht sich auf die rationale Entscheidung, die ein informierter und der rationalen Entscheidung kundiger Beobachter getroffen hätte, einer wie Cass Sunstein versteht sich. Wenn Sie also die Wahl haben, zwischen Gammelfleisch und vegetarischer Kost, dann erwartet ein objektiver Beobachter, dass Sie vegetarische Kost zu sich nehmen. Wenn Sie die Wahl haben zwischen einem überteuerten Designerhemd und einem identischen, aber deutlich billigeren Noname-Hemd, dann erwartet ein objektiver Beobachter, dass Sie das billige Noname-Hemd kaufen.

Und genau das tun viele nicht – weil sie, aus Sicht des objektiven Beobachters falsche Heuristiken benutzen, um sich im täglichen Leben zurecht zu finden. Und das will Cass Sunstein ändern. Durch: Nudgen, Schubsen in Deutsch. Und damit hat er die Herzen der Politiker, die ihre Aufgabe darin sehen, die dummen Wähler, denen sie ihr Amt verdanken, zu erziehen, im Sturm erobert.

Nudgen für den guten Zweck wird bereits als “Kunst der Entscheidungshilfe” verkauft, die Sie oder uns in die richtige, die wie es im Text so verräterisch heißt “gute” Richtung schubsen soll. Dumm an Begriffen wie “gut” ist, dass das, was gut sein soll, bestimmt werden muss, was voraussetzt, dass ein gutes Endziel bestimmt wird, auf das hin Gutes getan werden soll.

In einer Demokratie würde man eigentlich erwarten, dass eine Diskussion darüber stattfindet, was als “gut” gelten soll. Im Zeitalter des Schubsens tritt an die Stelle der Diskussion das Dekret der Politiker, die vorgeben, was als gut zu gelten hat.

Nehmen wir z.B. Organspende. Organspende ist gut. Warum? Weil Organspende gelebte Solidarität ist, wie ein deutscher Minister einmal festgestellt hat, obwohl Organspende in der Regel post-hume Solidarität ist. Es ist eine Solidarität, die einen altruistischen Spender vorsieht, einen dankbaren Empfänger und dazwischen eine große Zahl von Personen, die mit dem Organhandel, dem Ausweiden von Spendern und dem Einsetzen von Recycling-Ware in Aufnehmer, viel, sehr viel Geld verdienen – natürlich im Dienste der Nächsten und auf Grundlagen eigener Solidarität – nicht, um die eigene Villa zu finanzieren.

Nehmen wir weiter an, Manche Deutsche wollen einfach nicht einsehen, dass Organspende “gut” ist, dass es gut ist, seine Niere zu geben, seine Leber, seine Augen, was immer verwendbar ist….

Wenn manche Deutsche also widerspenstig sind und einfach nichts Gutes tun wollen mit ihren Organen, dann muss man sie schubsen, in dem man die Organspende obligatorisch macht und nur denen erlaubt, keine Organe zu spenden, die dies explizit und im Beisein eines Vasallen des Staates erklären. Und schon hat man viele Menschen glücklich gemacht und viele in die richtige, die gute Richtung geschubst.

Die Möglichkeiten, die sich für Politiker durch das Schubsen zum Guten auftun, sind immens: Fehlverhalten, also solche, die von Politikern als nicht gut befunden werden (dazu gehören nachweislich keine Kinderpornos auf Dienstcomputern), werden durch Schubsen in die richtige Richtung korrigiert, was in der Regel eine Verteuerung bedeuten wird: (noch höhere) Steuern auf Zucker, Steuern auf Alkohol, Steuern auf Tabak, Steuern auf Nichtbewegung, obligatorische Bewegungskurse, morgens um 8 auf dem Dorfplatz, weil Bewegung gesund ist und viele sich einfach nicht genug bewegen wollen, obligatorische Teilnahme an “Feminismus ist gut”-Veranstaltungen, weil Feminismus gut ist und es immer noch welche gibt, die das nicht einsehen wollen und und und.

Schubsen in den Totalitarismus, so lange, bis die Herumgeschubsten gar nicht mehr wissen, was eine unabhängige, eine autonome Existenz ist.

Doch zurück zur angeblichen Diskussion im Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Warum handelt es sich dabei um eine Pseudo-Diskussion? Die Frage ist einfach zu beantworten, und zwar durch Verweis auf eine der Fragen, die durch Heiko Maas und Cass Sunstein vom Tisch gewischt werden sollen: “Ist Nudging nicht undemokratisch?” Schon die Art, die Frage zu stellen, ist verräterisch: Da gibt es tatsächlich welche, die nicht auf der Höhe der Zeit sind, ewiggestrige Rechte, die denken, Nudging sei undemokratisch. Kann man so blöd sein?

Die erste Frage die sich aufdrängt ist: Wer schubst wen?

Offensichtlich sind Politiker der Meinung, sie schubsen ihre Bevölkerung. War es in Demokratien nicht umgekehrt, waren nicht die Wähler die Souveräne und die Politiker die Repräsentanten? Wie können Politiker dann Wähler schubsen wollen?

Stellen wir uns vor, Karl T. raucht und ist überzeugter Misanthrop, Organspende kommt für ihn nicht in Frage und nichtrauchen auch nicht. Haben Politiker das Recht, ihn nun in Richtung Organspende zu schubsen und zum Nichtraucher zu konvertieren? Oder ist seine Wahl zu respektieren? Offensichtlich sieht eine Demokratie vor, die Wahl von Individuen zu akzeptieren. Die Selbstbestimmung ist ein zentraler Wert in Demokratien, Schubsen ist nicht mit Selbstbestimmung zu vereinbaren.

Schließlich: Was ist der Endzustand, der mit dem “guten Schubsen” erreicht werden soll? Offensichtlich kann der Endzustand nur ein kollektives Gutes sein, was notwendig zur Folge hat, dass individuelle Interessen zu Gunsten des kollektiven Guten geopfert werden. Das zeigt deutlich, dass Schubsen nichts anderes als ein totalitäres Instrument zur Beseitigung individueller Freiheit ist.

Die Pseudo-Diskussion um das Schubsen dient also einzig dazu, das Geschubse, das folgen wird, zu legitimieren und dazu, behaupten zu können, man habe darüber, ob geschubst werden soll, ja schließlich diskutiert, so wie man es derzeit praktiziert, wenn Bürgern in entsprechenden Veranstaltungen erklärt wird, warum sie Windenergie oder sonstige Spleens, die Politiker auf die Kosten der Bürger umsetzen wollen, zu schlucken haben.

Wie kann man Politikern ihrer Freude an der Volkserziehung, die heute Volksschubsen heißt, vergällen?

Wie wäre es, wir schubsen zurück:

true powerViele ökonomische Untersuchungen (und Schubsen kommt zumindest aus einem Randbereich der Ökonomie) haben gezeigt, dass Menschen dazu tendieren, opportunistisch zu handeln, also ihren Vorteil über z.B. einen vereinbarten Vertrag zu stellen. Politiker sind Menschen und schließen mit ihren Wählern einen Vertrag, den man gemeinhin als Parteiprogramm bezeichnet. Um auszuschließen, dass Politiker ihren eigenen Vorteil über den Vertrag mit ihren Wählern stellen, schlagen wir folgendes Schubsen vor: Die Honorierung von Politikern erfolgt auf Darlehensbasis. Zum Ende eines Jahres legt jeder Politiker einen Rechenschaftsbericht vor, und im Internet findet unter den Wählern, die sich in seinem Wahlkreis befinden, eine Abstimmung darüber statt, ob seine Leistung die Gewährung des gesamten Honorars, eines Teil oder gar kein Honorar rechtfertigt. Je nach Ergebnis der Abstimmung, muss der Politiker sein Honorar zurückzahlen oder kann es (zum Teil) behalten.

Oder wie wäre es damit:

Damit Politiker keine unverantwortlichen Entscheidungen im Bundestag treffen, werden per Zufallsauswahl fünf Gesetze einer Legislaturperiode ausgewählt und es wird geprüft, wer von dem Gesetz profitiert, welche positiven und negativen Folgen davon ausgehen. Ergeben sich mehr negative als positive Folgen, so haften die Abgeordneten gemeinsam für die entstandenen Kosten. Sie haben ein Jahr Zeit, um aus den Kosten einen Nutzen zu machen. Gelingt ihnen das nicht, werden die Zuwendungen an die Parteien um den entstandenen Schaden reduziert.

Wer eigene Vorschläge machen will, um Politikern das Schubsen zu vergällen, die Kommentarfunktion ist wie immer offen.

 

Kapitulation

Liebe Leser,

vielen Dank für die Unmengen von Links, die Sie beigetragen haben, die vielen eMails, durch die wir uns derzeit lesen und die wir nicht alle beantworten können, das lässt unsere Manpower einfacht nicht zu. Deshalb bedanken wir uns auf diesem Weg bei all denen, die einen und in vielen Fällen mehrere Links, darunter Hinweise selbst auf indische Zeitungen, namentlich die SUNDAY TIMES OF INDIA, BENGALURU, vom DECEMBER 14, 2014 , in der Kevin Loria den Unsinn von den männlichen Idioten verbreitet, beigetragen haben.

Es ist, so kann man mit Blick auf die geschickten Links feststellen, keine Übertreibung, wenn man sagt, dass die Mehrzahl der deutschen Printmedien, vermutlich fast alle, auf den Scherz aus dem British Medical Journal hereingefallen sind.

Sie sind darauf hereingefallen, weil sie autoritäre Persönlichkeiten mit niedrigen Motiven sind oder weil sie von Wissenschaft überhaupt nichts verstehen oder weil sie nicht lesen, was sie von dpa übernehmen oder weil es kulturell en vogue ist, Männer zu Idioten zu stilisieren und derogativ zu beschreiben und Journalisten Opportunisten sind, die versuchen, das was  sie für den Trend halten, zu treffen oder weil sie über keinerlei eigenes Urteilsvermögen verfügen und deshalb denken, was in wissenschaftlichen Zeitschriften steht, muss Wissenschaft sein oder weil sie einfach Idioten sind.

Bitte suchen sie sich das Passende aus.

Wir wollen an dieser Stelle zunächst mit Udo Ulfkotte feststellen, dass bei den Medien, die ihre Leser mit diesem Unsinn vollgeschüttet haben:

“[e]ine Korrektur und Entschuldigung an die Leser … offenkundig nicht vorgesehen [ist]. Im Gegenteil, die Artikel mit dem geballten Schwachsinn stehen weiter munter in Massen online. Und so einfach ist es, Themen in deutschen Qualitätsmedien zu platzieren. Es reicht, das dort vorherrschende Weltbild zu bedienen.”

Wir haben eine nicht vollständige Liste der Printmedien, deren Journalisten durch den Idiotentest gefallen sind, zusammengestellt. Interessierte mögen sich auch die Kommentare durchlesen, denn dort finden sich weitere Links zu entsprechenden Durchfallern.

Schließlich haben wir noch eine Frage:

Wird die  Idiot-Self-Elimination and Growth Enhancing Theory durch die Ergebnisse von Tyler Vigen bestätigt?

Was meinen Sie?

Anzahl verunglückter Frauen wirkt positiv auf Kreativität und Wohlstand

Nachdem der Darwin-Award in der deutschen Presselandschaft einen so tiefen Eindruck hinterlassen hat, ist es an der Zeit, auf eine noch viele wichtigere Meldung hinzuweisen: Die Anzahl verunglückter Frauen wirkt sich positiv auf die Kreativität aus.

Tyler Vigen, US-amerikanischer Wissenschaftler an der renommierten Harvard Law School und Data Miner hat diesen wichtigen, weil für die Menschheit förderlichen Zusammenhang entdeckt:

works-of-visual-art-copyrighted-us_females-in-new-york-who-slipped-or-tripped-to-their-death

Die Korrelation, von der Vigen berichtet, ist mit 0,94 nahezu perfekt.

Genauer betrachtet Vigen Frauen, die zu dumm zum Laufen sind und wegen ihres unangepassten Schuhwerks in den Tod stürzen. Je mehr dieser Frauen sich aus dem Genpool entsorgen, so zeigt die Korrelation, desto kreativer werden diejenigen, die im Genpool verbleiben, so dass man Vigen attestieren kann, dass er die ISE-GE-Theory, die Idiot-Self-Elimination and Growth Enhancing Theory um einen große Schritt vorangebracht hat.

visual artWissenschaftler wie Herrnstein und Murray haben schon lange darauf hingewiesen, dass in Gesellschaften eine gegebene Intelligenzverteilung vorherrscht und dass diese Intelligenzverteilung den Verlauf einer Glockenkurve angenommen hat. Wenn sich nun all diejenigen, die am linken Rand der Glockenkurve zu finden sind, alle, die einen IQ von deutlich unter 100 aufweisen, die Idioten einer Gesellschaft, wenn sich alle diese Idioten auf die ein oder andere Weise selbst eliminieren, dann bringe dies die Gesellschaft voran, erhöhe deren Intelligenz und über den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Innovation das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand für alle.

Die Wahl von inadäquatem Schuhwerk, die Stolpern und tödliches Stürzen begünstigt, ist – wie Tyler Vigen zeigt – einer der Mechanismen, über den sich Idioten aus dem Genpool beseitigen. Die Schuhindustrie leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Eliminierung derjenigen, die eine Belastung für die Gesamtintelligenz einer Gesellschaft darstellen.

Literatur:

Herrnstein, Richard J. & Murray, Charles (1996) The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life. New York: Free Press.

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