Das Lied der Partei und Aktion: Pay for it

Gestern haben wir auf das Lied der Partei verlinkt. Aber ein Link ist eigentlich nicht genug, um diesem traurigen Zeitzeugen eines kollektiven und menschenverachtenden Geistes, der einst die DDR aus Ruinen auferstehen und in eben diesen Ruinen leben ließ, gebührend Rechnung zu tragen. Deshalb wollen wir dem Lied der Partei, das Louis Fürnberg 1949 geschrieben hat und das über die Dauer der DDR die Hymne der SED war, heute einen würdigen Platz auf ScienceFiles einräumen. Wer nachdem er den Text gelesen hat, immer noch der Meinung ist, man könne und dürfe sozialistische Experimente machen, dem ist nicht mehr zu helfen:

Klicken Sie, um in die richtige Richtung geschubst zu werden!

Klicken Sie, um das Lied auch akkustisch zu genießen!

Sie hat uns alles gegeben,
Sonne und Wind, und sie geizt nie.
Wo sie war, war das Leben,
Was wir sind, sind wir durch sie.
Sie hat uns niemals verlassen,
Frohr auch die Welt, uns war warm.
Uns schützt die Mutter der Massen,
Uns trägt ihr mächtiger Arm.

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht
Und Genossen es bleibe dabei,
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer Recht,
Gegen Lüge und Ausbeuterei.
Wer das Leben beleidigt,
Ist dumm oder schlecht,
Wer die Menschen verteidigt,
Hat immer recht.
So aus Lenin’schem Geist
Wächst von Stalin geschweißt
Die Partei, die Partei, die Partei.

Sie hat uns niemals geschmeichelt.
Sank uns im Kampfe auch immer der Mut.
Hat sie uns leis nur gestreichelt:
“Zagt nicht!” und gleich war uns gut.
Zählt denn noch Schmerz und Beschwerde,
Wenn uns das Gute gelingt.
Wenn man den Ärmsten der Erde,
Freiheit und Frieden erzwingt?

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht …

Sie hat uns alles gegeben,
Ziegel zum Bau und den großen Plan.
Sie sprach: “Meistert das Leben,
Vorwärts Genossen, packt an.”
Hetzen Hyänen zum Kriege,
Bricht euer Bau ihre Macht.
Zimmert das Haus und die Wiege,
Bauleute seid auf der Wacht!

Die Partei, die Partei,
Die hat immer recht …

Deutlicher kann man die Verachtung des Individuums nicht machen. Deutlicher kann man die im Sozialismus angelegte Überschätzung, man wisse, was richtig und gut und wahr ist und könne das Leben anderer planen, für sie sprechen und über sie bestimmen kaum machen. Und wer weiß, vielleicht hat die derzeit in Vergessenheit geratene Hymne ja eine Zukunft, dann, wenn die deutsche Regierung ihre Bevölkerung jetzt schubsen will, in die richtige Richtung schubsen will, setzt das voraus: “Die Regierung, die Regierung, die hat immer recht und Genossen es bleibe dabei …”.

Zum Thema die Bevölkerung Schubsen gibt es eine neue Untersuchung, die Lee Shephard, Ronan E. O’Carroll und Eamonn Ferguson erstellt haben. Über 13 Jahre (2000 bis 2012) haben sie die Spenderaten von Organen in Ländern mit unterschiedlichen Systemen zum Schubsen der Bevölkerung untersucht. Während in manchen Ländern Organspende als Standard gesetzt wird, und Nicht-Spender ihre Nichtspende erklären müssen (opt-out), wird in anderen Ländern das Nichtspenden als Standard gesetzt und Spender müssen ihre Spendewilligkeit erklären (opt-in).

Das Ziel beider Systeme besteht darin, so viel wie möglich Organe zu ernten (to harvest), und entsprechend ist die Menge der geerntete Organe das Maß aller Dinge. Die Ergebnisse: Mehr Organe gibt es bei opt-out Systemen, vermutlich weil viele vergessen, dem System ihre Organe zu entziehen bevor sie der Tod ereilt. Dafür gibt es in opt-in Systemen mehr Lebensspender also Menschen, die eine ihrer Nieren spenden und mit der verbleibenden weiterleben.

Das verkompliziert das Unternehmen “Organspende”, denn wie so oft im Leben erweist sich die Realität als komplexer als die Gedankengänge der nach ihrer eigenen Überzeugung allwissenden Planer. Das gibt einem ein Gefühl der Zufriedenheit, zeigt es doch, dass die Planer planen können wie sie wollen und dennoch hinter ihren Zielen zurückbleiben werden. Egal, wie geschubst wird, immer wird sub-optimal geschubst, denn die gewählte Form der Schubserei bleibt in mindestens einem Punkt hinter dem Ergebnis der abgwählten Form der Schubserei zurück.

Allerdings ist es ärgerlich, wie Planer und Ärzte und all diejenigen, die am Organhandel verdienen, denken, sie könnten mit den Organen ihrer Bevölkerung planen, mit den Organen der naiven Spender, die umsonst hergeben, woran andere sich dann eine goldene Nase verdienen. Deshalb und um die Fronten im Organhandel gerade zu rücken, haben wir eine Aktion gestartet:

If you want my organ – pay for it.

Wenn Ihr eines meiner Organe wollt – zahlt dafür!

Es ist nämlich nicht einzusehen, dass ausgerechnet diejenigen, die die Güter bereitstellen, auf denen die Wertschöpfungskette des Organhandels aufbaut, leer ausgehen.

Pay for it

Deutschland lebt von der Substanz

Die Infrastruktur in Deutschland verfällt vor sich hin. Brücken und Straßen sind in einem beklagenswerten Zustand.

Bei der Daten-Infrastruktur hinkt Deutschland hinterher. Die Geschwindigkeit im Internet erinnert eher an die Erfindung der Langsamkeit als an einen fast paced Service.

Die Bundeswehr verwaltet einen Haufen Ausrüstungsmüll, und die Verteidigungsministerin hofft darauf, dass die private Wirtschaft funktionierende Transportflugzeuge verleiht.

Fotos aus der DDRAber: Wir haben den Staatsfeminismus und den Genderismus. Nichts floriert mehr als das Verbrennen von Geldern für nichtsnutzige Tätigkeiten.

Nicht nur das: die Hilfeindustrie, die Geld kostet, aber nichts produziert, keinen Mehrwert erwirtschaftet, boomt: Nie war es einfacher und lohnender depressiv zu sein wie heute.

Und schließlich: die Interventionen der Bundesregierung in dies und jenes, sie sind die einzige Form, mit der Politik “gestaltet”. Politischer Favoritismus, ein friends-and-family-Programm der Politiker, mit dem sie eigene Grillen finanzieren und das, was sie liebgewonnen haben, fördern, regiert, wo weitsichtige, langfristige und zukunfstweisende Investitionen gefordert wären.

Das sagen nicht nur wir, das sagen immer mehr, u.a. Dr. Christian Growitsch vom Hamburgischen WeltWirtschafts-Institut. Growitsch findet zwar keine deutlichen, aber immerhin semi-klare Worte, mit denen er die Geschenk-Politik, den politischen Favoritismus der Bundesregierung kritisiert, der nicht nur zu Lasten der so oft bemühten nachwachsenden Generationen geht, sondern die heute Lebenden schlechter stellt.

Noch deutlicher: Die politische Aktivistenschar in Berlin verspielt derzeit die Gegenwart und die Zukunft Deutschlands – oder wie Growitsch schreibt:

HWWI“Unterdessen mehren sich die ökonomischen Alarmzeichen: Die konjunkturellen Aussichten verschlechtern sich bereits, das Geschäftsklima sinkt und einzelne Branchen beginnen, die Konsequenzen der Sanktionen gegenüber Russland zu spüren. Vor allem aber liegen die gesamtwirtschaftliche Investitionsquote, der Anteil der Ausgaben für Bildung, Forschung und Entwicklung und die Investitionen in Infrastruktur zum Teil deutlich unter dem Niveau anderer, mit Deutschland konkurrierender Nationen. Anstatt in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik zu betreiben, lebt Deutschland von der Substanz. Gleichzeitig zeigen die politischen Interventionen in bedeutsame Gütermärkte, dass die gegenwärtige Bundesregierung – wie auch viele vor ihr – den Anschein politischer Handlungsfähigkeit über ordnungspolitische Grundsätze stellt.

Um die wirtschaftliche Zukunft der Bundesrepublik nachhaltig zu gestalten, bedarf es eines mutigen Umsteuerns der Politik. Trotz gesellschaftlicher Präferenz für Sozialbehaglichkeit und gegen marktwirtschaftliche Prozesse sollte die Regierung eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik mit klarer ordnungspolitischer Ausrichtung verfolgen. Nur dann kann es gelingen, den in den vergangenen Jahren so schwer erkämpften Wohlstand auch für zukünftige Generationen zu sichern.”

Mit “klarer ordnungspolitischer Ausrichtung” ist die Abstinenz von Interventionen in den Markt gemeint. Der ordnungspolitische Rahmen der Wirtschaft sieht die Verhinderung von Monopolbildung in Märkten, die Verhinderung der Gewährung von Privilegien in Märkten und die Rechtsssicherheit der Marktteilnehmer als Aufgabe des Staates, mehr nicht.

 

Im Gegensatz zu Growitsch sind wir nicht der Ansicht, die “Politik” sei zu so etwas wie “Mut” im Stande. Jahrzehntelanger Nepotismus und Favoritismus haben ihre Spuren hinterlassen und eine politische Klasse von Nutznießer hervorgebracht, die Kinder-Eltern-Zimmer bei der Bundeswehr bauen, während die Ausrüstung verrottet, die mit dem Professorinnenprogramm noch den letzten Rest der Professionalität aus deutschen Universitäten beseitigt, die nachhaltig hohe Strompreise produziert, um ein zu kleines Stromnetz mit hochsubventioniertem, aber nicht konkurrenzfähigem Ökostrom zu belasten und – nichtzuletzt – eine Politikerkaste, die sich über Analverkehr und Homosexualität zu ereifern im Stande ist, während die Infrastruktur daniederliegt.

Von solchen Politikern ist kaum zu erwarten, dass sie etwas zu Wege bringen, was zukunftsweisend, keine Klientelpolitk und vor allem: mutig ist.

Manipulation heißt jetzt Verhaltensbeeinflussung – ziviler Ungehorsam als Gegenmittel

  • Wann stehen Sie auf? Nach 8 Stunden Schlaf? Weniger ist ungesund, mehr ist zu lang!
  • Trinken Sie Alkohol? Mehr als die empfohlene Tagesdosis? Wenn ja, das ist ungesund, hören Sie damit auf?
  • Essen Sie gerne Schokolade, viel Schokolade, am Ende noch Nutella am Morgen? Das ist ungesund! Hören Sie damit auf!
  • Joggen Sie? Treiben Sie Sport? Treiben Sie ausreichend Sport? Ausreichend Sport zu treiben, ist wichtig für die Gesundheit. Fangen Sie damit an!
  • Kümmern Sie sich genug um Ihre Familie? Mindestens 2 Stunden pro Tag und nach der Arbeit sind Pflicht, vor allem für Väter.
  • Sehen Sie mehr als 2 Stunden pro Tag fern? Das ist nicht gut. Reduzieren Sie Ihren Fernsehkonsum!
  • Wie viele Stunden am Tag verbringen Sie vor dem Computer? Mehr als zwei? Auch falsch, weniger ist mehr. Kümmern Sie sich lieber um Ihre alten Eltern!
  • Sind Sie Organspender? Nein! Das geht nicht. Organsspende ist gelebte Solidarität. Deshalb noch heute einen Organspendeausweis beantragen!
  • Beziehen Sie Ökostrom? Wieso nicht? Sie werden doch wohl einen leicht höheren Preis bezahlen, um die nächsten Generation zu schützen?
Goebbels beim Schubsen

Goebbels beim Schubsen

Wieso wollen Sie eigentlich partout das nicht tun, was Ihre Regierung für richtig hält? Die Regierung sitzt nämlich voller Hyper-Intelligenter, die genau wissen, was gut für sie ist. Und zudem haben diese Hyper-Intelligenten ausschließlich und nur und vor allem und ansonsten nichts als ihr Wohl im Sinn. Also, warum zögern Sie, warum machen Sie nicht alles so, wie Ihre Regierung das will?

Nachdem freiwillige Appelle an die Bevölkerung, das Rauchen einzustellen, den Alkoholkonsum zu stoppen, die Arbeitszeit zu halbieren und vor allem die Produktion von Menschenmaterial zu erhöhen, nicht gefruchtet haben, hat sich die Bundesregierung entschlossen, den Rat von noch mehr Hyper-Intelligenten zu beherzigen und die eigene Bevölkerung zu schubsen, in die richtige Richtung zu schubsen, die richtige Richtung, in die die Bevölkerung von sich aus und nicht als ganzes zu gehen bereit ist.

Grundlage des Schubsen, so schreibt die FAZ ist:

“die Annahme, dass Menschen oft falsche, weil für sie langfristig ungünstige Entscheidungen treffen. Sie essen zu viel, sie rauchen, treiben zu wenig Sport oder sparen wenig für ihre Altersvorsorge, was sie später bereuen. Mit Hilfe einfacher psychologischer Methoden könnte man das Verhalten beeinflussen und die Entscheidungsfindung verbessern – so die von der Politik begierig aufgegriffene These von Thaler und Sunstein.”

Thaler und Sunstein sind zwei Ökonomen, die uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren müssen. Sie gehören zu einer Fraktion von behavioural economists, die die Forschungsergebnisse von Amos Tversky und Daniel Kahneman nicht begreifen. Tversky und Kahneman haben wiederholt gezeigt, dass die Annahmen, auf denen der Idealtypus des rationalen Akteurs basiert, nicht für alle Menschen gelten, dass Menschen Entscheidungen aufgrund der unmittelbaren Umstände und aufgrund von Heuristiken treffen, die sich häufig als falsch erweisen.

Auf Basis dieser Ergebnisse bauen Thaler und Sunstein nun ein Kartenhaus, über dessen Eingangsschild dieses Mal nicht “Arbeit macht frei” steht, sondern: “Wir wissen, was gut für Dich ist”. Kein Wunder, dass Regierungen, die sich nurmehr darüber legitimieren, dass sie ihren Bevölkerungen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben, zu Thaler und Sunsteins Methode der Selbstüberschätzung hingezogen sind und nun denken, mit der Methode habe sich ihnen alles Weltwissen mitgeteilt.

Klicken Sie, um in die richtige Richtung geschubst zu werden!

Klicken Sie, um in die richtige Richtung geschubst zu werden!

Nicht nur kommt das Wissen darüber, was gut für die Bevölkerung ist, auf die Regierung hernieder, auch das Wissen darüber, wie man die Bevölkerung dazu bringt, das zu tun, was gut für sie ist. Wir haben es somit mit einem doppelten Irrtum zu tun, einen gefährlichen, doppelten Irrtum, den eigentlich nur unintelligente und beseelte Wahnsinnige machen können, dem Irrtum, man könne anderen durch Planung zum Glück verhelfen, quasi deren Leben für sie leben.

Dieser Irrtum hat eine lange Tradition und ist in den vielen Versuchen, Sozialismus zu leben, am besten dokumentiert. Warum es notwendig sein soll, all die gescheiterten Versuche, die eigene Bevölkerung zu planen und zu führen, abermals zu wiederholen, nur um zu sehen, dass sie wieder scheitern, ist nicht nachvollziehbar und fasst ist man versucht, ein paar Überlebende des real existierenden Sozialsmus zu bitten, die Regierung in die richtige Richtung zu schubsen …

Aber nein, die Regierung wird nicht geschubst, die Hyper-Intelligenten in der Regierung, die immer genau wissen, was für Hans Peter Hampflinger in Obersuhl wichtig und richtig ist, sie wollen schubsen, damit Hans Peter Hampflinger 105 Jahre alt wird und sein Leben korrekt lebt, so wie es sich nach Ansicht der Regierung für ein normales und gutes Leben geziemt. Vorbei sind die Zeiten, in denen man nach seiner Fasson leben konnte, rauchen, trinken, auf der Couch sitzen nach Lust und Laune. Bald gibt es wieder Volksertüchtigung. Morgens ab 6 Uhr: Treffen auf dem Dorfplatz zur Körperertüchtigung.

Wieder die FAZ: “Kanzlerin sucht Verhaltensforscher; Psychologen, Anthropologen und Verhaltensökonomen sollen her und Angela Merkel helfen: Die Regierung will wirksamer regieren und den Bürgern einen Schubs in die „richtige“ Richtung geben.”

Kinder und Jugendliche werden in eigens eingerichteten Erfahrungsgruppen gesammelt, damit man sie in die richtige Richtung schubsen kann, die Richtung, die ihrem Leben den entscheidenden Twist gibt, damit sie ein gesundes Leben führen und immer genau wissen, was von ihnen erwartet wird.

Was ist eigentlich schlimmer:

  • zu wissen, es gibt Wissenschaftler, die sich anmaßen, sie wüssten, was für andere gut ist und diese Anmaßung auch noch als Wissenschaft verkaufen?
  • zu wissen, es gibt eine Regierung, die sich aus Personen zusammensetzt, die doch tatsächlich der Meinung sind, sie wüssten in irgend einem Punkt mehr über das Leben von Hans Peter Hampflinger als Hans Peter Hampflinger selbst über sein Leben weiß?
  • zu wissen, dass es Menschen in Entscheidungspositionen gibt, die nicht davor zurückschrecken in das Leben anderer zu intervenieren, ihnen vorzuschreiben und vorzugeben, wie sie wann und wo zu leben haben?
  • zu wissen, dass man von einem Haufen von Leuten regiert wird, die sich selbst überschätzen, die nicht in der Lage sind, ihre eigenen Beschränkungen zu sehen und doch tatsächlich denken, sie seien im Vollbesitz der Wahrheit und dies befähige sie, anderen zu sagen, was schlecht für sie ist?

Gar nicht so einfach, sich für eine der Alternative zu enscheiden.

Platon hat Sokrates die Worte in den Mund gelegt (hier in der Kurzform): “Ich weiß, dass ich nichts weiß”. Ob Sokrates dies nun gesagt hat oder nicht, sei einmal dahingestellt. Mit dem kurzen Statement will Platon die geistige Überlegenheit von Sokrates deutlich machen, seine geistige Reife, die einem Erkenntnisprozess folgt, eine geistige Reife, die man nachvollziehen kann, wenn man sich intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt hat und mit jeder neuen Erkenntnis einen Wust von Fragen aufgeworfen hat, von denen man vor der neuen Erkenntnis nichts geahnt hat.

Politiker und angebliche Wissenschaftler, die denken, sie könnten für andere bestimmen, was gut für sie ist, können einen deratigen Erkenntnis-Prozess nie erlebt haben. Sie können nie einen Forschungsbereich so durchdrungen haben, dass sich ihnen trotz all der Erkenntnisse, die sie hatten, immer neue und immer mehr Fragen gestellt haben, Fragen, die auf Dinge verwiesen haben, die sie nicht kennen und Fragen, die sie haben vorsichtig werden lassen, vorsichtig in dem, was sie behaupten und in jedem Fall vorsichtig in dem, was sie anderen erzählen, ihnen raten.
Politiker und Thaler und Sunstein kennen diese Vorsicht nicht. Sie wissen genau, sind gewiss, kennen die Wahrheit, sie sind gefährlich, denn sie behaupten, sie könnten die Zukunft vorhersehen und für jeden einzelnen sein Leben so zimmern, dass es optimal verläuft (wobei sich immer die Frage stellt, optimal im Hinblick auf welche und wessen Kriterien).

 

Gegen solche politische Großmannsucht gibt es nur eine Form, sich zur Wehr zu setzen: ziviler Ungehorsam. Gegen eine solche Großmannsucht wird ziviler Ungehorsam zur Pflicht, um Schlimmeres zu verhindern. Also: keine Organe spenden, Rauchen, Trinken, keine GEZ Gebühren zahlen, Steuern nicht bedingungslos zahlen, zeigen, dass man sich nicht zu Spielball politischer Möchtegern-Götter macht und niemals machen wird, Unabhängig leben: keine Kinde, keine Ehe und keine zivile Partnerschaft … – uns scheint, das Überleben der Menschheit hängt davon ab, diesen Besserwissern ohne Kompetenzen, ihre Grenzen aufzuzeigen.

Mit vielen Frauen kommt die Unprofessionalität (und der Niedergang)

Als Wissenschaftler, die einer Reihe von methodologischen und theoretischen Ansätzen verpflichtet sind, reiben wir uns immer öfter verwundert die Augen, wenn wir gewungen sind, Tagespolitik zur Kenntnis zu nehmen. Es scheint, wenn es um Tagespolitik geht, dann ist alles, was Sozialwissenschaftler über Jahrzehnte an Wissen zusammengetragen haben, verloren, dann herrscht die blanke Imagination und wie ich-es-gerne-hätte-Vorstellung. Dann herrscht inkompentente Ahnungslosigkeit, die gepaart mit dem Bemühen, seiner Ideologie zu dienen, regelmäßig in die Katastrophe mündet.

Drei Beispiele:

BartholomewMenschen sind rationale Wesen, die versuchen, mit ihren Handlungen und für sich den optimalen Nutzen zu erreichen. Hat man diese Annahme, dann ist es nicht weiter schwierig, zu der Erkenntnis zu kommen, dass dann, wenn einem Menschen zwei Wege zu einem von ihm präferierten Ziel angeboten werden, ein einfacher, bei dem er sich nur zurücklehnen muss und ein steiniger, bei dem er etwas tun muss, er den ersten Weg wählen wird. Das ist in kurz der Grund dafür, warum ein Wohlfahrtsstaat nicht funktionieren kann, warum ein Wohlfahrtsstaat in jeder Hinsicht ein Race-to-the-Bottom ist (Sehr schön beschrieben hat dies James Bartholemew).

Wenn Menschen miteinander interagieren, kooperieren wollen, etwas miteinander tauschen wollen, dann ist Vertrauen eine notwendige Voraussetzung, denn Interaktionen, weisen immer auf die Zukunft und somit auf das Unbekannte, und sie haben immer eine Vorleistung von einem der Interaktionspartner zum Gegenstand. So hat ein Austausch, bei dem z.B. die Stimme gegen Repräsentation getauscht wird, Vertrauen zur Voraussetzung: Derjenige, der seine Stimme gibt, damit ein Politiker ihn repräsentiert, erwartet, dass er auch vertreten wird, dass der Politiker keine Neben-Repräsentationen hat, die der eigenen Repräsentation entgegen stehen und vor allem, dass Politiker keine eigennützigen Akteure sind, die ihren Vorteil über den Vorteil der von ihnen Repräsentierten stellen, die sich, um mit Oliver Williamson zu sprechen, nicht opportunistisch verhalten. Damit sich Menschen nicht opportunistisch verhalten, muss sichergestellt sein, dass opportunistisches Verhalten nicht nur entdeckt, sondern auch betraft wird. Dies ist in aller Kürze die Erklärung dafür, warum eine repräsentative Demokratie nicht funktionieren kann, denn es ist Wählern kaum möglich auszuschließen, dass der gewählte Politiker von Gewerkschaften oder Unternehmen bezahlt wird oder seine Arbeitszeit damit zubringt, Kinderpornographie zu sammeln.

economics of lifeSchließlich ist es eine der offensichtlichsten und zugleich am meisten in Vergessenheit geratenen Weisheit, die im Alltagsverstand beheimatet ist, dass Kenntnisse, Erfahrung und Leistung sich linear zu einander verhalten. Je mehr Kenntnisse und Erfahrung jemand einsetzen kann, desto besser seine Leistung. Dies – in wissenschaftlich – hat Gary S. Becker in seine Humankapitaltheorie gegossen, die man auf die Basis herunterbrechen kann, dass je mehr formale Bildung jemand erwirbt und je mehr Zeit er für “training-on-the-job” aufwendet, desto höher sein Humankapital ist, desto mehr Wissen und Erfahrung hat er um die Anwendung bestimmter Instrumente in unterschiedlichen Situationen und desto eher findet er eine Lösung für ein Problem, das sich ihm stellt. Das ist in aller Kürze die Erklärung dafür, dass eine Gesellschaft, die auf Teilzeitarbeitnehmer setzt, die die Vollzeitarbeit immer mehr entwertet, eher früher als später einen wirtschaftlichen Niedergang erlebt, der u.a. Infrastruktur, Ausrüstung, Wissen und Arbeitsmoral erfasst.

Und damit sind wir beim Staatsfeminismus angekommen, jener absurden Ideologie, die meint, man könne Menschen zu ideologisch gewünschten Handlungen manipulieren, in dem man entsprechende Anreize setzt, ohne dafür die Kosten verringerter Anstrengung zu zahlen, jene Ideologie, die denkt, man könne Frauen über eine Bevorteilung in Positionen befördern. für die sie nicht qualifiziert sind und hätte diese Diskriminierung der qualifizierten Bewerber nicht damit zu zahlen, dass Letztere und Erstere sich opportunistisch verhalten, Letztere durch Dienst nach Vorschrift, weil sich Leistung für sie nicht lohnt, erstere durch weitgehende Dienstverweigerung, weil sie zur notwendigen Leistung nicht fähig sind. Und schließlich haben wir mit dem Staatsfeminismus eine irrsinnige Ideologie, deren Vertreter denken, man könne in der Hälfte der Zeit dieselbe Menge von Kenntnisse erwerben wie ein anderer, der doppelt so viel Zeit für seine Bildung aufwendet. Wer auch dieser Ansicht ist, der mag einen Jungen, der seit seinem vierten Lebensjahr Gitarre spielt, mit jemandem vergleichen, die immer mal wieder klampft.

Und damit sind wir bei Ursula von der Leyen, die derzeit den Bundesverteidigungsminister gibt.

Der Bundesverteidigungsminister ist derjenige, der u.a. dafür verantwortlich ist, dass die Bundeswehr ihrem Verteidigungsauftrag gerecht wird.

Die Bundeswehr, das ist jene Ansammlung von Soldaten und Material, die in Funktionsweise und Instandhaltung weitgehend dem Zustand deutscher Autobahnen und Brücken entspricht: Die Ausrüstung ist mangelhaft, die meisten Kampfjets sind nicht flugtauglich, das Standardgewehr schießt um die Ecke und das sind nur die Highlights aus einer Armee, die dem entspricht, was man aus sozialistischen Ländern gewohnt ist: Fassaden hinter die man besser nicht blickt.

crash jetAber: Ursula von der Leyen weiß, wo der Schuh drückt. Sie weiß, was notwendig ist, um die Bundeswehr zu einer modernen Armee zu machen. Sie hat in ihrer Halttagstätigkeit als Mutter und Parteiideologe als Abgeordneter und Minister so viele Dinge aufgeschnappt, dass sie zmindest glaubt, sie sei kompetent und könne alle Probleme der Bundeswehr-Welt lösen, quasi nebenbei, halbtags  und im Einklang mit den Vorgaben des Staatsfeminismus, jenes Gottes, dem sie huldigt:

 

Wir zitieren im Original aus einer Pressemeldung vom 30. Mai 2014:

Ursula von der Leyen: „Bundeswehr wechselt auf die Überholspur“

Berlin, 30.05.2014.
Die Bundesministerin der Verteidigung stellt Attraktivitätsoffensive vor – 29 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio Euro in fünf Jahren.

Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen startet ihre Agenda mit konkreten Plänen zur im Januar angekündigten Initiative, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Die umfangreiche Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders “, die in Teilen bereits im Koalitionsvertrag angelegt war, soll für die Beschäftigten der Bundeswehr zügig spürbare Verbesserungen erreichen. Das Paket enthält 29 Maßnahmen, die nicht per Gesetz geregelt werden müssen und von denen die meisten bereits Ende 2015 umgesetzt sein sollen. Im kommenden Herbst soll zusätzlich ein Gesetz zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr (Artikelgesetz) folgen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: „Die Bundeswehr hat viel zu bieten und wir wollen die Besten, die auch anderswo auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben. Die Freiwilligenarmee Bundeswehr soll jedem Vergleich mit der Wirtschaft standhalten. Das gilt in puncto Karrierechancen für junge Männer wie Frauen, Weiterbildung, moderne Arbeitsumgebung und selbstverständlich eine zeitgemäße Vereinbarkeit des Dienstes mit dem Familienleben. Wir haben uns mit der Agenda Bundeswehr in Führung für die nächsten Jahre ehrgeizige Ziele gesetzt. Ab morgen beginnt die Kärrnerarbeit der Umsetzung.“

Die Agenda umfasst u.a.:

Ausweiten flexibler Kinderbetreuung: mehr Belegrechte, mehr Tagespflegeangebote, wo nötig: eigene Kitas, (Aktuell: 275 Belegrechte an 13 Standorten, Großtagespflege an 11 Standorten, 2 Betriebskitas (+ 2 im Bau, 1 in Planung), 350 Eltern-Kind-Zimmer; Ziel: 30 weitere Eltern-Kind-Zimmer in 2014, weitere 45 Belegrechte in 2014, bis 2019 Möglichkeit für 110 neue Großtagespflegeprojekte)
Zentrale Ansprechstellen für alle Probleme rund um Familie und Dienst an jedem Standort (Ziel: bis Ende 2015)

Langzeitarbeitskonten für alle Beschäftigte, Ansparen bei Belastungsspitzen, mehr flexible Zeit für Familie, Weiterbildung, Freizeit, Start: Mitte 2015.

Neue Regeln für Soldatinnen und Soldaten ermöglichen einen deutlich längeren Verbleib auf einem Dienstposten oder an einem Standort (Vorteil für Familie, fachliche Spezialisierung, Reduktion der Belastung durch Pendeln, Ziel: Neue Konzepte ab 2015, Verlängerung der durchschnittlichen Stehzeit von 2-3 auf 4-6 Jahre)

Entwicklung eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements für die gesamte Bundeswehr (z.B. Gesundheitschecks, Sportangebote, Stress- und Suchtprävention; Ziel: ab 2016 für alle Beschäftigten)

Schrittweise Erneuerung der teils in die Jahre gekommenen dienstlichen Unterkünfte und Ersatz des alten Mobiliars
Hochwertigere, moderne Ausstattung (z.B. TV, Kühlschrank, etc; Start: 2015)
Flächendeckend frei zugänglicher Internetzugang in den Unterkünften der Kasernen (Ziel: schrittweise Einführung, Start mit Lehreinrichtungen ab Mitte 2015)

vorderladerZwischenzeitlich hat sich die Überholspur, auf der von der Leyen sich wähnt, als Standstreifen entpuppt, der mit Tornado-II-Jets und sonstigem Gerät verstellt ist. Aber, weitblickend wie sie ist, hat von der Leyen den Krieg der Zukunft vorhergesehen, den Krieg, den Papa und Mama am Computer führen, im modernen Ambiente der familienfreundlichen Kaserne, die gleich neben McDonalds (Vepflegung) und Ikea (modernes Mobiliar) und Indesit (Kühlschrank) gebaut wurde.

Ob es sich bei dieser Vision nicht doch eher um ein Hirngespinst handelt, ist eine Frage, die sich angesichts derzeitiger militärischer Aktivitäten, die die USA, Frankreich und das Vereinigte Königreich entfalten, und zwar mit richtigen Kampfjets und -drohnen, nicht mit virtuellen, besonders dringlich stellt. Aber, mit Blick auf den  “Vorsprungs durch Technik”, den Deutschland bis heute zumindest in der Werbung reklamiert, könnte sich die Vision von der Leyens als absoluter Knüller erweisen, ebenso, wie der beabsichtigte Bau eines deutschen Flugzeugträgers, über den wir bereits in der Vergangenheit berichtet haben – ansonsten wären die 100 Millionen Euro für die von der Laien-Vision aus dem Fenster geworfen und besser in Material und Gerät investiert.

P.S.

Was passiert eigentlich, wenn durch die Benutzung der von Deutschland gelieferten Waffen, mehr Kurden sterben als durch das Einwirken des IS?

Was ist ein Mensch wert?

Allein die Überschrift wird manche schon verärgern. Menschen kann man nicht nach Wert bemessen. Ihren Nutzen kann man nicht in Zahlen angeben. Menschen sind ein Wert an sich, so wird behauptet und mit dieser Behauptung auf den Lippen wird um jeden Menschen, geboren oder ungeboren, gekämpft – oder auch nicht.

Aber: Der Wert eines Menschen variiert massiv mit dem Verwendungszusammenhang.

carnageMenschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind, unterliegen einer seltsamen Metamorphose. Sie werden zu Extremisten und Zivilisten, die bei einem Militärschlag getötet wurden. Die Objektivierung der ehemligen menschlichen Subjekte findet sich nicht nur bei kriegersichen Auseinandersetzung, auch bei ideologischen Auseinandersetungen: politische Gegner werden zu Populisten, Extremisten, Kritiker werden zu prekären Existenzen, zu ärgerlichen weißen Männern. Ziel der Objektivierungen: Den Wert der entsprechend bezeichneten Menschen in Frage stellen.

Und das, obwohl die UN angeblich um jedes Menschenleben kämpft, sich UNICEF weltweit für die Rechte und das Leben von Kindern stark macht. Nur: Sind die Kinder einmal erwachsen, werden die Menschen z.B. zu Palästinensern, die in ihrem Staatsgefägnis aufbegehren, werden sie zu Menschen, über die man nicht mehr so einfach Mitleid ausgießen kann, wie dies bei Kindern noch möglich ist, dann reduziert sich augenscheinlich ihr Wert: Dann werden sie zu Hamas-Extremisten, Islamisten, Terroristen, sie werden Ewiggestrige, die der Moderne im Weg stehen.

Den Möglichkeiten zur Objektivierung von Menschen sind keine Grenzen gesetzt. Immer funktioniert die Objektivierung über Gruppenbildung: Wenn Individuen einer Gruppe zugeordnet werden, werden sie ent-menschlicht, sie sind ab sofort nicht mehr Ahmed Al-Nur, der im Gaza-Streifen wohnt, sondern Hamas-Terroristen, sie sind nicht mehr Arne Hoffmann, der Kritik am Genderismus übt, sondern Männerrechtler, linke Männerrechtler in seinem Fall, sie sind nicht mehr Kevin Preis, dem die Grundschulempfehlung verweigert wird, weil sein Vater als Hilfsarbeiter tätig ist, sondern Kinder aus bildungsfernen Schichten.

Die Objektivierung in Gruppen hat den Vorteil, dass man die individuellen Unterschiede nunmehr ignorieren kann, so tun kann, als wären alle Männer gleich, als wollten alle Frauen nur das eine, als wären alle AfD-Wähler Rechtsextremisten und alle Türken in Deutschland verhinderte IS-Kämpfer. Die entsprechenden psychologischen und sozialpsychologischen Vorteile, die sich mit dieser Form der Objektivierung verbinden, sind unter den Stichworten Stereotype und Vorurteile gut erforscht, sie sollen uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren.

Uns geht es um den Wert von Menschen, und wie die Ausführungen bislang zeigen, ist der Wert von Menschen Gegenstand einer Askription. Trotz aller Bekundungen von der Gleichheit der Menschen, trotz aller Lippenbekenntnisse über den Wert an sich, den jedes menschliche Leben darstellt. Zudem haben Menschen einen inkorporierten Wert, der sich als Summe ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten darstellt -

Brown prejudicez.B: im Hinblick auf ihr Humankapital: Spezialisierte Arbeiter, die in der Lage sind, nachgefragte Leistungen zu erbringen, haben einen höheren Wert als Personen, die es in ihrem Leben nie für notwendig gefunden haben, sich in irgend etwas zu bilden und zu entwickeln. Erwachsene Menschen, die am gesellschaftlichen Leben z.B. durch Arbeit teilhaben, haben einen höheren Wert als Kinder, Letztere kosten die Gesellschaft, erstere bringen einen Beitrag für die Gesellschaft. Entsprechend lächerlich ist die politisch korrekte Routine, die in öffentlich rechtlichen Anstalten die Insassen verpflichtet, die Toten bei einem Flugzeugabsturz nach Alter zu differenzieren.

Aber diese Routine, die Tote nach Wert unterscheidet, denn wollte man nicht behaupten tote Kinder seien mehr Wert als tote Erwachsene, man müsste die Toten nicht in entsprechende Altersgruppen zerlegen, diese Routine, sie hat ihren Sinn, sie wirkt über Objektivierung und Gruppenbildung und vermittelt den Eindruck, dass bestimmten Gruppen von Dritten ein höherer Wert zugeschrieben wird als anderen Gruppen. Dieses soziale Ranking des Wertes von Menschen funktioniert ausschließlich über Gruppen, Gruppen, die mit einer positiven Konnotation versehen sind.

Die Litanei der deutschen Wertzuschreibung beginnt bei Frauen, die höheren Wert haben als Männer, und zwar über eine Opfer-Erzählung, die genutzt wird, Frauen, also solche, die sich auf ihr Geschlecht reduzieren lassen wollen, in allen Lebenslagen zu fördern. Frauen und Kinder stehen in etwa auf einer Stufe. Auch Kinder sind der Gegenstand vielfältiger Förderung und natürlich der Gegenstand von Erziehung, was heute die Vermittlung der Inhalte bedeutet, die die politisch-korrekte Erzählung in Deutschlands umfasst. Weiter sind die Gruppen der Altruisten und zivil Engagierte und Ehrenamtliche und Organspender gut angesehen, bieten den Willigen die Möglichkeit, sich von ihrer Individualität zu transzendieren und einen Wert zugewiesen zu bekommen.

Wie die Sirenen es mit Odysseus versucht haben, so versuchen moderne Profiteure Menschen zu ködern und zu fangen, ihnen etwa ein Leben nach dem Tod zu versprechen, z.B. durch Organspende. Organspende ist nicht nur ein Beispiel dafür, wie der Platz, der nach der vermeintlichen Säkularisierung und dem damit verbundenen Verschwinden des Lebens nach dem Tod freigeworden ist, gefüllt wird, sie ist auch ein Beispiel dafür, wie man Menschen objektiviert, als Organspender in diesem Fall, um sie dann in aller Gemützsruhe ausnehmen zu können, und zwar im doppelten Sinne.

Organspende appelliert an die Menschenliebe, gibt es doch so viele, die auf ein Spenderorgan warten, damit sie weiterleben können. Organspende macht sich das Mitleid von Menschen zunutze und verspricht Ihnen eine soziale Aufwertung, wenn sie ihre nach dem Tod unnützen Organe spenden. Lebendspendern wird, wie z.B. Selbstmordattentätern, eine Art Märtyrerdasein versprochen, wenn sie sich von einer Niere trennen, um einem Dritten das Überleben zu ermöglichen.

Soweit, so gut.

Ganz nebenbei wird über die Organspende eine Hierarchisierung vorgenommen, Organspender sind besondere Menschen, aber das ist nicht ihr einziger Wert, denn Organe, die gespendet werden, haben einen besonderen Wert, werden aufgrund der Nachfrage nach ihnen hoch gehandelt. Eine neue Niere kostet in Ungarn 30.000 Euro, Einbau inklusive. Der Wert von Menschen, von organspendenden Menschen ist demnach ein handfester Wert, er materialisiert sich für alle, die an der Produktkette beteiligt sind: Der Spender erhält einen kleinen Obolus für seine Niere, der Mittelsmann, der die Niere an einen Nachfrager vermittelt hat, erhält einen größeren Obolus und der Arzt, der die Niere entnimmt und einbaut, erhält einen mittelgroßen Obolus. Die Wertschöpfung des Handels mit Organen ist offensichtlich.

human organ tradeDrastisch wird diese Wertschöpfungskette im häufig beklagten “Organ Trafficking”, dessen Geschichte um kriminelle Banden rankt, die Arme in den Ländern Asiens und Afrikas oder Kriegsgefangene ausnehmen, um mit deren Organen einen hohen Profit zu erzielen. Seltsamer Weise bricht die Erzählung vom Organ Trafficking immer auf der Angebotsseite ab und berücksichtigt diejenigen, die auf der Nachfrageseite profitieren, die Ärzte, die sich für Transplantationen hergeben ebenso wie die Empfänger der Organe in keiner Weise, schon um nicht die Mitleids-Erzählung zu ruinieren, nach der Organempfänger arme und auf Hilfe angewiesene Menschen sind, die mit dem Tode ringen und nicht den Eindruck zu erwecken, es gebe eine Hierarche des menschlichen Werts, die die Organ-Lieferanten auf der untersten Stufe sieht.

Nicht nur im Rahmen der beschriebenen Formen des Organ-Handels, auch in Deutschland haben Organe einen Wert – für Krankenhäuser und Ärzte, sie werden abgerechnet und finanziert, eine Organtransplantation ist eine Operation, die dem durchführenden Krankenhaus Umsatz und Reputation verschafft und oft genug verdienen alle Beteiligten noch ein bißchen oder ein bißchen mehr nebenher. Entsprechend haben Spenderorgane auch in Deutschland für die an der Wertschöpfungskette Beteiligten einen Wert, ist Organspende ein Geschäft.

Im Gegensatz zur Organspende im Beispiel aus Ungarn, bei der ein Spender als Verkäufer seiner Niere auftritt und somit etwas mit seiner Organspende verdient, geht der deutsche Spender leer aus: Weder können die Angehörigen nach Tod eines erklärten Spenders seine Spendeprodukte gewinnbringend verkaufen noch können Lebendspender einen Profit aus ihrer Veräußerung gewinnen. Ihr Lohn besteht darin, sich einbilden zu können, sie seien ein guter Mensch und andere würden das auch so sehen, sie dafür schätzen, der Lohn der post-hum Ausgenommenen besteht darin, zu Lebzeiten stolz den Spendeausweis vorzeigen zu können.

Den Profit mit den Organen machen andere, das Gesundheitssystem, die an der Wertschöpfungskette Beteiligten, diejenigen, die davon profitieren, dass andere eine (Organ-)Leistung erbracht haben. Das nennen manche gelebte Solidarität oder wahren Altruismus, und es erfüllt auch alle Kriterien, die man an Sklaverei anlegt, in diesem Fall eine Form freiwilliger Sklaverei, bei der man Menschen einen psychologischen Wertzuwachs verspricht, wenn sie sich in die Gruppe der Organspender einfügen, die wiederum von denjenigen, die in der Wertschöpfungskette erst noch kommen, genutzt werden kann, um ihrerseits unter dem Mantel der Hilfe für Menschen in Organnot, zu profitieren. Die psychologische Werterhöhung des Organspenders entspricht demnach der monetären Werterhöhung bei professionellen Organverwertern.

 

 

Im BMFSFJ sind Kinder an der Macht…

Heute ist ein Tag, an dem der Unsinn Feste feiert.

So haben wir ein paar Pressemeldungen des BMFSFJ nachgearbeitet. Dabei war uns Philip Mayring mit seiner qualitativen Inhaltsanalyse behilflich, vor allem seine Methode der Ankerbeispiele hat sich als sehr nützlich erwiesen, um die Hypothese, dass im BMFSFJ nicht alles mit rechten Dingen zugeht, zu prüfen – Weiterlesen auf eigene Gefahr:

“Kinder an die Macht” – so lautete das heutige (Freitag) Motto beim Kinderaktionstag im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anlässlich des bevorstehenden Weltkindertages am 20. September 2014. In einem Rollenspiel haben Berliner Schülerinnen und Schüler einer 6. Klasse für einen Tag die Hausleitung übernommen. Sie haben einen Einblick in den Arbeitsalltag der Ministerin bekommen und wurden an den politischen Abläufen beteiligt.

Wir lernen: 11- und 12jährige sind in der Lage, das BMFSFJ zu führen und zu leiten. Sind wir eigentlich sicher, dass das BMFSFJ an anderen Tagen von Erwachsenene geleitet und geführt wird oder Erwachsene zumindest an der Führung und Leitung beteiligt sind? Wir haben unsere Zweifel, vor allem, weil die Insassen des BMFSFJ denken, sie hätten Macht.

“Der Weltkindertag ist ein wichtiger Tag für die Kinderrechte. Weltweit wird auf die Rechte von Kindern aufmerksam gemacht, damit die besonderen Bedürfnisse und Wünsche von Kindern im Alltag noch mehr beachtet und auch ernst genommen werden. Mir ist es wichtig, die Kinder zu beteiligen und ihnen Gehör zu verschaffen”, sagte Bundesministerin Manuela Schwesig.

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Der Weltkindertag ist ein wichtiger Tag, weil weitweit darauf aufmerksam gemacht wird, dass der Weltkindertag ein wichtiger Tag ist und weil darauf aufmerksam gemacht wird, dass es wichtig ist, Kinder zu beteiligen, weltweit und nicht nur am Weltkindertag und außerdem ist es wichtig Kindern Gehör zu verschaffen. Wir sind uns zunehmend sicher: Kinder haben im BMFSFJ längst die Macht.

An anderer Stelle:

“Für mich als Kinderministerin gibt es keine wichtigere Aufgabe als den Schutz von Kindern und Jugendlichen.”

Ist das nun ein Genitiv: Ministerin der Kinder oder nicht? Und ist die Kinderministerin nicht auch eine Jugendlichenministerin? Oder ist “Kinderministerin” als: weibliches Kind ist Ministerin gemeint, so wie es hier gemeint ist:

“Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs”

Das BMFSFJ hat also einen Spezialisten in sexuellem Missbrauch beauftragt, unabhängig versteht sich. Dieser Experte für sexuellen Missbrauch, der unabhängig im BMFSFJ ein und aus zu gehen scheint, gepaart mit der Tatsache, dass dort Kinder an der Macht sind und von einer Kinderministerin geführt werden, wirkt irgendwie entnervend. Man fragt sich: Was geht dort vor?

Weiteres qualitatives Analysieren der Pressemeldungen des BMFSFJ bringt es an den Tag. Es geht dort nicht mit rechten Dingen zu:

“Wir können das Unrecht nicht ungeschehen machen. Aber wir übernehmen Verantwortung und wollen die Betroffenen mit den Hilfeleistungen unterstützen”

Die Übernahme von Verantwortung in einem Ministerium, in dem ein unabhängiger “Beauftragter für alle Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs” sein Unwesen treibt, ist das mindeste, wie wir meinen, wenngleich wir Bedenken haben, dass der Kinderministerin das Ausmaß des Problems das aus dem unziemlichen Austausch entsteht, bewusst ist:

“Doch wir müssen in diesem wichtigen Bereich weiterhin Kinder gezielt unterstützen und begleiten”

Man wagt es sich kaum vorzustellen, wobei die Kinderministerin und ihr unabhängiger Experte die Kinder gezielt unterstützen und begleiten wollen, vor allem, weil schon im Hinblick auf die Konsequenzen vorgebaut wird:

“Wir müssen gemeinsam den Betroffenen und ihren Familien und Freunden Unterstützung bieten. Wir dürfen sie nicht allein lassen.”

Und vor allem scheint für das BMFSFJ auch dann, wenn Kinder an der Macht sind, das Parkinsonschen Law der Selbstvermehrung der Verwaltung zu gelten, denn wie die Kinderministerin sagt:

“Wir brauchen nicht nur mehr Plätze, sondern auch gute Plätze.”

KinderministeriumWobei die Sprache natürlich mehr an eine Anstalt als an ein Ministerium erinnert, was letztlich die Erklärung dafür zu sein scheint, warum im BMFSFJ so eine bunte Mischung von Personen, Kindern, Jugendlichen und unabhängigen Experten am Werk ist:

“Wir dürfen Demenzkranke und ihre Angehörigen nicht allein lassen. Sie sollen so lange wie möglich am sozialen Leben teilnehmen und im vertrauten Umfeld leben können.”

Noch Fragen?

 

Alle Zitate in diesem Beitrag sind Originalzitate. Wir haben die Zitate neu angeordnet und in den Kontext unserer Forschungshypothese gestellt, qualitative Sozialforschung (Dokumentenanalyse) in Aktion sozusagen.

Quellen:

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=208348.html

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209878.html

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209848.html

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209570.html

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Presse/pressemitteilungen,did=209628.html

Hochglanz-Unsinn: Credit Suisse versucht sich in Research

Ein Leser aus Basel, bei dem wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken, hat uns auf einen Bericht in der Schweizer Tageswoche aufmerksam gemacht, der wiederum eine Studie von Credit Suisse Research zum Gegenstand hat – eine Hochglanzstudie mit viel Bild und wenig Text.

Credit suisseTitel der Studie: The CS Gender 3000: Women in Senior Management. Titel des Beitrags in der Tageswoche: “Nur 1,7 Prozent: Frauen sind rar in Schweizer Chefetagen”.

Nachdem wir uns von diesem Schock erholt haben und uns ein Blick aus dem Fenster bestätigt hat, dass die Brecon Beacons immer noch da sind, obwohl Frauen in Schweizer Chefetagen rar sind, haben wir uns – widerstrebend und mit wenig Lust, der Studie gewidmet – im notwendigen Ausmaß.

Man schafft es bis Seite 5, um dort einen Widerspruch zu finden, der die ganze Studie für den Papierkorb reif macht. Der Widerspruch steht in zwei “Bulletpoints”, die direkt aufeinander folgen und – nun ja – man kann ihn nicht übersehen, wenn man alle fünf Sinne beisammen hat und über ein Gehirn verfügt, das zumindest die von den Augen kommenden Informationen richtig prozessiert:

“The participation of women in top management tends to be skewed towards areas of less influence and with lower promotion opportunities”.

Also: böse maskuline Kräfte verschieben die meisten Frauen im “Top Management” auf Positionen, auf denen sie wenig Einfluss haben (oder auf denen sie wenig Schaden anrichten können – je nach Interpretation). Soweit das Lamento. Gehen wir einen Punkt weiter:

“Companies displaying greater board gender diversity excess stockmarket returns adjusted for sector bias. Companies with more than one women on the board have returned a compound 3,7% a year over those that have none since 2005″.

Also: Unternehmen, bei denen mehr als eine Frau im Aufsichtsrat sitzt, machen einen höheren Umsatz als Unternehmen, bei denen keine Frau im Aufsichtsrat sitzt.

It’s magic! Es ist der Einfluss des Weiblichen auf den Umsatz von Unternehmen.

Aber, eine Seite zuvor liest man:

“… we acknowledge that we are not able to answer the causality question and this is an important caveat to the observations below in the report. Do better companies hire more women, do women choose to work for more successful companies, or do women themselves help improve companies’ performance. The most likely answer is a combination of the three.”

Wir haben also folgende Situation:

  • Üble maskuline Kräfte verschieben die meisten Frauen auf Vorstandspositionen mit wenig Einfluss.
  • Unternehmen mit mehr als einer Frau auf Vorstandsposten mit wenig Einfluss machen (etwas) mehr Umsatz als Unternehmen keiner Frau auf einem Vorstandsposten.
  • Frauen werden von den erfolgreicheren Unternehmen eher auf Vorstandsposten befördert und Frauen suchen sich lieber einen Vorstandsposten in einem erfolgreichen Unternehmen, auch einen mit wenig Einfluss und die wenigen Frauen im Vorstand, die sich dort auf zumeist unwichtigen Posten finden, helfen dabei, den Umsatz von Unternehmen zu steigern.

It’s simply magic.

Female magic: Zwei Frauen auf unwichtigen Posten in Unternehmen erhöhen den Umsatz, einfach nur durch ihre Anwesenheit, so steht zu vermuten. Die reine Gegenwart reiner Weiblichkeit erhöht den Umsatz um durchschnittlich 3,7%. Auf welchen verschlungenen Pfaden dieser Effekt sich Bahn bricht, wir wissen es nicht: It is magic.

Vielleicht sind die Götter Unternehmen mit mehr als zwei Frauen im Vorstand, auf eher unwichtigen Posten des Vorstands, um 3,7%Umsatz mehr geneigt. Vielleicht sind die Frauen auf den eher unwichtigen Posten im Vorstand kleine Einsteininnen, die durch ihre Genialität selbst vom unwichtigen Posten aus den Umsatz auf ein höheres, ein 3,7% höheres Niveau zu transzendieren im Stande sind.

Was auch immer es ist, wir werden nicht erfahren, was es ist, das den 3,7%weiblichen Einfluss auf den Umsatz transportiert und möglich macht, denn Credit Suisse hat es nicht untersucht.

magic moneyHaben Sie übrigens ein Konto bei Credit Suisse?
Das würden wir uns überlegen.
Die glauben dort an Magie.
Eher beunruhigend.

Bleibt noch anzufügen, dass bei Credit Suisse nicht nur Magier, sondern auch Seher unterwegs sind:

“We see three main obstacles to achieving greater diversity: cultural biases, workplace-related biases; and structural/policy issues.”

Wer diese Hindernisse auch sieht, diese kulturellen, mit dem Arbeitsplatz verbundenen und strukturellen und politischen Hindernisse, der sollte sich im Lottospielen versuchen, denn er sieht offensichtlich wie die Autoren der Credit Suisse Studie etwas, was man nicht mit Daten belegen kann, was man nur dadurch verdichten kann, dass man auf jemanden verweist, der es auch schon gesehen hat… ein richtiges Seher-Netzwerk, aber eben keine Wissenschaft, nicht einmal ansatzweise etwas wie Wissenschaft.

Aber etwas, worüber die Schweizer Tageswoche berichten muss, unter der Überschrift, die oben genannt wurde. Seit der Veröffentlichung des Artikels am 23.9.2014, um 16:19 Uhr sind einige Tage und Stunden vergangen. Die Erde dreht sich immer noch um die Sonne. Die Brecon Beacons stehen auch jetzt noch, wo wir sie erwarten und die mehr als eine Frau im Vorstand von Unternehmen üben weiterhin ihre 3,7%Umsatz-Magie.

Schön!

Es männert: von emanzipatorischer Männlichkeit

Man kann sich kaum noch vor Männlichkeiten retten. Überall “männert” es. Man eilt vom Männerkongress zur Männertagung, zur internationalen Männerkonferenz und man kann sich vor Männerforen kaum mehr retten. Fast, dass man denken könnte, es herrscht ein wahre Mannes-Phobie, eine eher irritierende Entwicklung, wenn man bedenkt, dass Männlichkeit noch vor kurzem in der Krise war und die Angry White Men zu den Prügelknaben des Jahrhunderts stilisisert werden sollen (Nebenbei bemerkt, wer angesichts des Gleichstellungs-Unsinns, der täglich auf uns einprasselt, kein angry white (or black) men ist, der hat aufgehört zu leben).

Die Entdeckung des Mannes durch politische Vereine und Regierungen lässt nichts Gutes vermuten, hat noch bevor man sich näher damit befasst hat den Stallgeruch der Manipulation und des Versuchs, die so vielfältigen Männlichkeiten, die es angeblich gibt, auf eine einzige Männlichkeit, eine staatsdienliche Männlichkeit, wie man sie nennen könnte, zu reduzieren. Kurz: Das Rollenangebot “Männlichkeit”, wie man mit Ralf Dahrendorf sagen könnte, umfasst vielleicht eine Reihe von Kann-Rollen, aber unter diesen Kann-Rollen gibt es genau eine, die zur Muss-Rolle bestimmt werden soll.

Den Anfang dabei macht das Gunda-Werner-Institut, das sich seit Jahren bemüht hat,  Steuergelder einem eigennützigen Verwendungszweck zuzuführen.

Dieses Gunda-Werner-Institut veranstaltet gemeinsam mit dem Forum Männer, einem vom Gunda-Werner-Institut finanzierten Satelliten, die Tagung: “Männlichkeiten zwischen Hegemonie und Vielfalt – Welche? Für wen? Wozu?“.

Dabei geht es offensichtlich um mehrere Männlichkeiten, die zwischen Hegemonie und Vielfalt lavieren, wobei es schwierig ist, sich die entsprechenden Männlichkeiten dabei vorzustellen, wie sie hegemoniale Männlichkeiten und vielfältige Männlichkeiten sind bzw. irgend etwas dazwischen, von dem man wiederum nicht weiß, was es sein könnte, denn: Hegemonie und Vielfalt sind keine Pole desselben Kontinuums. Das Gegenteil von Hegemonie wäre wohl Schwäche oder Hilflosigkeit, während das Gegenteil von Vielfalt in der Homogenität oder Gleichheit zu suchen wäre. Kurz: der Tagungstitel ist Unsinn.

Und weil selten etwas Besseres nachkommt, geht es mit Unsinn weiter:

“Die Tagung «Männlichkeiten zwischen Hegemonie und Vielfalt» nimmt die Fülle männlicher Lebensentwürfe in den Blick, die sich im Spannungsfeld zwischen hegemonialer männlicher Monokultur und parallelkulturellen Konstruktionen von Männlichkeiten entwickelt hat. Gefragt wird, wo und wie welche Bilder von Männlichkeiten (re)konstruiert werden, welche Männlichkeiten für wen und wozu Sinn machen und wo Potenzial für Veränderung und emanzipatorische Entwürfe von Männlichkeiten liegen.”

Es gibt also ein Spannungsfeld zwischen “hegemonialer männlicher Monokultur” und “parallelkulturellen Konstruktionen von Männlichkeit”. Da die Eigenschaft von Parallelen darin besteht, dass sie sich zu keinem Zeitpunkt schneiden, fragt man sich unwillkürlich, wo, wenn hegemoniale männliche Monokulturen und prarallelkulturelle Konstruktionen von Männlichkeit sich nie treffen, die Spannungen herkommen? Die Antwort ist eine Wiederholung und lautet einmal mehr: Unsinn (Der Unsinn erinnert an eine studentische Klausur, die die Aufgabe enthielt, eine Gerade in ein Koordinatenkreuz einzuzeichnen. Aus der Geraden, in der entsprechenden Klausur, wurde eine Kurve, dieser Irrtum ist vermutlich demselben Unverständnis der eigenen Sprache geschuldet).

Und dem Unsinn folgen die Fragen: Wir haben eine Vielzahl von Männlichkeiten und dennoch keine Emanzipation, denn trotz der vielen Männlichkeiten muss erst ausgelotet, ja gefragt werden, wo das Potential für emanzipatorische Entwürfe liegt. Unter emanzipatorischen Entwürfen ist vermutlich das zu verstehen, was man beim Gunda-Werner-Institut und beim Mitveranstalter, dem vom Gunda-Werner-Institut ausgehaltenen Forum Männer als emanzipatorische Männlichkeit ansieht.

Machen wir uns auf die Suche nach der richtigen, emanzipatorischen Männlichkeit.

Das Forum Männer, also der Satellit des Gunda-Werner-Instituts ist ein Gründungsmitglied des Bundesforums “Männer”, jenes Vereins, der die Befreiung der Männer dadurch anstrebt, dass er Männer auf 32 Arbeitsstunden pro Woche festlegen und ihnen Windeln wickeln für die freigewordene Zeit verordnen will. Dieses instrumentelle Bundesforum Männer, dass die Rolle der Nichtregierungs-Organisation spielt, obwohl per Anschubfinanzierung vom Bundesministerium für FSFJ ausgehalten, weist auf seiner Webpage auf die internationale Männerkonferenz zum Thema “Männerpolitik – Beiträge zur Gleichstellung der Geschlechter” hin, die am 6. und 7. Oktober in Wien stattfindet und vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz Österreichs und dem Bundesministerium für FSFJ finanziert wird.

Und wenn sich die Männlichkeiten-Vielfalt, die auf der Tagung beim Gunda-Werner-Institut bereits zur richtigen Männlichkeit verdichtet wurde, mit der Männerpolitik trifft, dann kommt Folgendes dabei heraus:

“Erwerbsarbeit war und ist für viele Männer immer noch der zentrale identitätsstiftende Bezugspunkt. Männeremanzipation führt heraus aus diesem einengenden Männlichkeitsverständnis. Ein zeitgemäßes Rollenbild ermöglicht es Männern, neue Lebensfelder für ein ganzheitlicheres Leben zu entdecken und zu erleben. Das Interesse an den Lebensfeldern Familie und Eigenwelt kommt von den Männern selbst. Kommen Männer dadurch in Balance, dient das dem Wohle aller, insbesondere auch dem partnerschaftlichen Rollenverständnis.”

Das emanzipatorische Potential der Vielfalt der Männlichkeiten, das auf der Tagung des Gunda-Werner-Instituts gesucht werden soll, das Programm der internationalen Männerkonferenz hat es bereits gefunden: Es besteht darin, zunächst einmal die Identitätsstiftung über Arbeit als Männlichkeitsentwurf auszuschließen. Hat man diese Ausprägung der Vielfalt von Männlichkeit, die nicht-moderne und von zu wenig Interesse am Lebensfeld Familie geprägte Version, aus der Vielfalt der Männlichkeiten ausgeschlossen, dann ist der Weg frei für ein ganzheitliches Leben, das Männer in Balance bringt (mit was auch immer), dem Wohle aller dient, insbesondere dem partnerschaftlichen Rollenverständnis und vor allem, und ganz wichtig, das ganzheitlich ist.

Amen.

Die Vielfalt, vor die sich der moderne Mann und die moderne Frau gestellt sehen, das emanzipatorische Potential neuer Männlichkeit und vermutlich auch neuer Weiblichkeit besteht darin, geboren zu werden, zu arbeiten, sich fortzupflanzen, dem Staat als Füller der Sozialkassen dienlich zu sein und wenn es möglich ist, nicht als Pflegefall zu sterben. Es ist schon erstaunlich, was heutzutage als Emanzipation durchgeht.

Zur Erinnerung:

“Emanzipation (lat.) ‘aus der Hand herauswachsen’, Freilassung, Verselbständigung, Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit … Ausgehend von dem berühmten, von I. Kant geprägten Begriff von Aufklärung als ‘Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit’ (‘Unmündigkeit’ ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen), meint Emanzipation die Befreiung des Menschen von sozialen Strukturverhältnissen, die, weil vom Menschen noch unbegriffen, Unmündigkeit erhalten” (Hillmann, 1994: 178).

Die emanzipatorische Männlichkeit, die uns das BMFSFJ und sein Satellit das Bundesforum Männer in trauter Eintracht mit dem Gunda-Werner-Institut und seinem Satelliten dem Forum Männer verkaufen wollen, hat mit einer Befreiung des Menschen von sozialen Strukturverhältnissen überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil: Der männliche Mensch der propagiert werden soll, begibt sich freiwillig in die Abhängigkeit sozialer Strukturverhältnisse. Er geht eine Beziehung ein, in welcher Form auch immer, sucht nach der legalen Weihe dieser Beziehung auf dem Standesamt, geht weiter Verpflichtungen ein, indem er Kinder in die Welt setzt und ist am Ende so sehr im Netz sozialer Strukturen verwoben, dass ihm eine emanzipatorische Männlichkeit nur als Vorstellung in der Midlife-Crisis bleibt.

Denn: eine emanzipatorische Männlichkeit macht sich frei vom Zustand der Abhängigkeit, und zwar dadurch, dass sich die entsprechenden männlichen Menschen ihres Verstandes ohne Leitung durch einen Dritten bedienen. Kurz: Sie entscheiden selbst, welche Form von Männlichkeit sie leben wollen, welche Form von Leben sie leben wollen und welche Verantwortung sie in ihrem Leben übernehmen wollen. Emanzipation setzt Freiheit vom Gunda-Werner-Institut und vom BMFSFJ voraus, denn beiden und ihren foralen-Vasallen geht es darum, Wahlfreiheit für Männer einzuschränken und die “Befreiung aus dem Zustand der Abhängigkeit” zu verhindern.

Das nämlich ist der Horror dieser Institute: Männer, die tatsächlich ihre Männlichkeit leben und sich nicht auf staatlich und kulturell vorgegebene Lebensweisen einlassen. Die als Wanderburschen durch die Welt ziehen, ohne sich zu binden, und die ihr Leben nach ihrer Fasson leben, voll emanzipiert und ohne sich in familiäre oder gesellschaftliche Abhängigkeiten zu begeben.

Wie so oft zeigt sich, dass Begriffe, hier emanzipatorische Männlichkeit, von Seelenanglern als Köder ausgelegt werden, in der Hoffnung, dass möglichst viele anbeißen und ihrem selbstbestimmten Leben damit ein Ende bereiten.

Und zum Abschluss: Anschauungsmaterial, Anschauungsmaterial zur Vielfalt der Männlichkeiten, wie sie beim Forum Männer herrscht (alle Bilder stammen von der Webpage des Forums Männer). Wem dies ein attraktives Angebot ist, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die neue Männlichkeit:

Forum Maenner IForum Maenner IIForum Maenner III

Bundesnachrichtendienst: Projekt RAHAP

Edward Snowden erhält den alternativen Nobelpreis. Das wurde heute in Stockholm bekannt gegeben.

Snowden erhält den Preis für seine Enthüllungen, die zeigen, wie u.a. die NSA ihre Verbündeten ausspioniert, vom Handy von Angela Merkel bis zu den Datenströmen bei Telekom. Die Enthüllungen sind kunstvoll benutzt worden, um die Bemühungen deutscher Nachrichtendienst, die zumindest FOKUS im Jahre 1993 noch kannte, dem Vergessen anheim zu stellen (Recht auf Vergessen).

BND!Wenn im öffentlichen Diskurs der schwarze Peter vergeben wird, dann ist es wichtig, dass man sich selbst mit weißer Weste präsentiert, wichtig, um die Naiven, die doch tatsächlich glauben, Geheimdienste, deren Aufgabe darin besteht, Geheimnisse auszuspionieren, würden vor Freunden halt machen.

Nicht einmal der BND, Geheimdienst im Land der Geheimnis-Altruisten, die niemals einen Freund und Verbündeten ausspähen würden, hat jemals von diesem moralischen Verbot gehört.

Gibt es doch das Projekt RAHAB, ein Cyber-Spionage Projekt, das von Frankfurt aus betrieben wurde (oder wird) und sich auf das Ausspähen von Wirtschaftsinformationen spezialisiert hatte. Krude Wirtschaftsspionage also:

“Project Rahab uses SIGINT — intel­li­gence based on inter­cep­tion of sig­nals, con­ver­sa­tions and elec­tronic com­mu­ni­ca­tions — to gather infor­ma­tion on for­eign busi­ness com­pe­ti­tion that can ben­e­fit Ger­man com­pa­nies. BND offi­cers have pen­e­trated com­puter net­works and data­bases in coun­tries includ­ing Rus­sia, the United King­dom, Japan, France, Italy, and the United States.”

Das kommt einem irgendwie bekannt vor – oder?

In einem Beitrag für die Public Administration Review zieht Edwin Fraumann vom Federal Bureau of Investigation das folgende Fazit:

“The Germans have been very active and quite successful in the field of economic espionage through the utilization of a top secret computer facility outside Frankfurt, which has allowed the Federal Intelligence Service to enter both data networks and databases of companies and governments around the world. This computer espionage operation, code named RAHAB, involves the systematic entry into computer databases. It has accessed computer systems throughout the United States and the world, targeting electronics, optics, avionics, chemistry, computers, and telecommunications” (Fraumann, 1997: 306)

Hat irgend jemand einen Zweifel daran, dass der BND auch heute noch Industriespionage betreibt und Verbündete ausspäht?

RAHAB ist übrigens eine Hure aus dem Buch Josua, die dabei behilflich ist, Jericho zu zerstören.

Heute schon gelacht, z.B. über Christine Lüders?

scully facepalmWir werden jetzt gnadenlose und gendergerechte zudem geschlechtssensible, weil von einem männlichen und einem weiblichen Redaktionsmitglied geprüfte Logik zur Anwendung bringen, um uns über Christine Lüders nicht lustig zu machen, nein, um Nachhilfe zu geben, immer in der Hoffnung, dass auch Leiter von Bundesbehörden, in diesem Fall die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, lernfähig sind. Dass Lüders lernfähig ist, muss man zu ihren Gunsten annehmen, auch wenn es Bestrebungen gibt, die Unschuldsvermutung aufzugeben und durch den Unschuldsnachweis zu ersetzen (das ist jetzt eine heftige Übertragungsleistung, die hier gefordert wird, aber sie zu erbringen, ist möglich). Jedoch wäre das Konzept des lebenslangen Lernens, das Bundesregierung und Politiker ihrer Bevölkerung überstülpen wollen, als defizitär ausgewiesen, träfe es ausgerechnet auf Politiker und Mitglieder der Bundesregierung nicht zu.

Nun zur Nachhilfe.

Christine Lüders stellt heute den Ersten und den Zweiten Bericht der Antidiskrminierungsstelle vor und hat vorab schon einmal ein paar Empfehlungen unter das Politikervolk gebracht. Wir zitieren:

“Nach Ansicht Lüders´ schützt das AGG nicht ausreichend vor sogenannten mehrdimensionalen Benachteiligungen und vor Diskriminierungen im Bildungsbereich. Das AGG verbiete zwar Benachteiligungen wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität, aber in der juristischen Praxis würden meist nur Diskriminierungen aus einem Grund anerkannt. In der Realität seien Menschen aber immer wieder Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen. Lüders nannte das Beispiel von Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen. Gut die Hälfte aller deutschen Betriebe würden keine Kopftuchträgerinnen einstellen wollen. Lüders sprach sich vor dem Ausschuss dafür aus, den Aspekt der mehrfachen Diskriminierung explizit im AGG zu verankern. Nur so könnten beispielsweise höhere Schadensersatzansprüche wegen mehrfacher Diskriminierungen geltend gemacht werden.”

abgezocktEinerseits sind wir als Mehrfachdiskriminierte zwar der Ansicht, dass mehr, anstelle von weniger Schadensersatz immer gut ist, sofern man nicht mit ethischen und moralischen Problemen geschlagen ist, was wir dummerweise sind, so dass wir das unseriöse Angebot von Frau Lüders, doch mehrfach zu profitieren, wo bislang nur ein einmaliges Handaufhalten möglich ist, mit aller Bestimmtheit zurückweisen.

Andererseits wird in der zitierten Passage eine Denk-Unfähigkeit deutlich, die man nicht ungestraft vorbeiziehen lassen kann, schon deshalb nicht, weil die logischen Bestandteile der deutschen Sprache regelrecht um Hilfe schreien.

Nehmen wir das, was Lüders vorträgt, auseinander.

  • Das AGG verbietet Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität.
  • In der Realität sind Menschen Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen.
  • Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen = dreifache Diskriminierung, denn: ethnische Herkunft, Geschlecht und Religion.
  • Deshalb muss Mehrfachdiskriminierung im AGG verankert werden.

Implizit sagt Lüders damit:

  • Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann wird er nicht diskriminiert, da das AGG eine Mehrfachdiskriminierung nicht vorsieht.
  • Hilfsweise: Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann ist das schlimmer als wenn jemand einfach diskriminiert wird.
  • Und warum ist es schlimmer: Weil man nur für eine Diskriminierung Schadensersatz einklagen kann und nicht für mehrere.
  • Bevor wir überhaupt zur Berechnung des Schadensersatzes gelangen, muss die Menge der möglichen Mehrfachdiskriminierungen aus (1) ethnischer Herkunft, (2) Geschlecht, (3) Religion, (4) Weltanschauung, (5) Behinderung, (6) Alter und (7) sexueller Orientierung bestimmt werden. Nach aller Kombinatorik ergeben sich hier 119 zusätzliche Diskriminierungsmöglichkeiten, zu den sieben bereits vorhandenen, die als 119 zusätzliche Seiten an das AGG anzufügen sind.
  • Dumm nur, dass niemand sagen kann, warum z.B. ein homosexueller evangelischer Rollstuhlfahrer nicht als Erzieher in einem katholischen Kindergarten eingestellt wird. Entsprechend müsste man, nähme man Lüders mit ihrer Mehrfachdiskriminierung ernst, erst Horden von Juristen damit beschäftigen, die wahre Ursache der Diskriminierung herauszufinden, um dann eine Diskriminierungshierarchie zu erstellen: Also die Ablehnung des homosexuellen evangelischen Rollstuhlfahrers ist zu 75% auf das Evangelische, zu 15% auf den Rollstuhl und zu 5% auf die Homosexualität zurückzuführen. Alles, was jetzt noch notwendig ist, ist die Bestimmung der Entschädigungssummen und deren prozentuale Verrechnung.
  • Dazu müsste bestimmt werden, was schlimmer ist, also mehr Schadensersatz wert ist: Ist eine weibliche Migrantin mit religiösem Kopftuch mehr wert als ein männlicher homosexueller Rollstuhlfahrer, oder gibt es für einen linksextremen Alten, der denkt, er sei ein Trans und deshalb ein Kopftuch trägt, aus religiösen Gründen versteht sich, mehr als für eine geistig behinderte, lesbische Asiatin, die der AfD nahe steht?

Ob Frau Lüders auch nur die Spur einer Vorstellung davon hat, wovon sie redet?

Und der verwertbare Teil dessen, was Frau Lüders von sich gibt, zum Ende:

“Zu Diskriminierungen komme es bereits im Kindergarten und dies ziehe sich bis an die Hochschulen fort. So würde Migrantenkindern in der Grundschule trotz gleicher Eignung oftmals keine Empfehlung für das Gymnasium ausgestellt.”

Wenn es für Migrantenkinder eine Diskriminierung darstellt, dass bei gleichen Leistungen wie nicht-Migrantenkinder keine gleiche Grundschulempfehlung ausgestellt wird, dann muss festgestellt werden, dass Jungen in deutschen Grundschulen auch diskriminiert werden, denn wie die LAU und die ELEMENT Studie gezeigt haben, erhalten Jungen auch bei gleicher Leistung wie Mädchen seltener eine Grundschulempfehlung für ein Gymnasium als Mädchen.

Wir hoffen, es hagelt entsprechende Beschwerden von Eltern bei der Antidiskriminierungsstelle, wobei: “Das AGG gelte aber leider nicht für das öffentliche Bildungswesen, dies müsse verändert werden”, heißt es weiter. Praktisch – oder? Da, wo am meisten diskriminiert wird, gilt das AGG nicht. Deshalb: Unterstützen wir Christine Lüders doch dabei, diesen nachgewiesenen öffentlichen Hort der Einfach- und Mehrfachdiskriminierung, die Schulen, im HInblick auf Migranten und im Hinblick auf Jungen an den für den Rest der Republik geltenden Standards zu messen.