Stupid on Top: Warum gelangen Ungeeignete in Positionen?

In Medien finden sich Beiträge, bei denen man sich fragt, wie sie möglich waren: Was bringt manche Journalisten dazu, Unsinn, wie den, den Stefan Bach derzeit verbreitet, unkritisch und ungeprüft zu übernehmen?

media-feedBei Hypes wie dem Gender-Hype, bei dem Lügen und Falschaussagen an der Tagesordnung sind, die Basis des Hype darstellen, fragt man sich, wie kann es geschehen, dass Menschen auf diesen Unsinn, den man schon mit wenig Nachdenken als solchen entlarven kann, hereinfallen?

Wenn Funktionäre im Brusttom der Überzeugung schwadronieren, was “Wir” brauchen, fragt man sich, wieso “Wir minus Funktionär” nicht aufstehen, und diesen Funktionär für seine Anmaßung, uns eben einmal zu entmündigen und für uns zu sprechen, ohrfeigen?

Wenn Politiker ihren neuesten Spleen auf Kosten von Steuerzahlern verbreiten und ihn damit zu legitimieren suchen, dass Sie die Welt in düsteren Farben zeichnen, z.B. als eine Welt des Rassismus und der Diskriminierung, um dann ihren Spleen als General-Arznei zu verkaufen, an der die Welt gesunden wird, dann fragt man sich, wieso gehen ihnen viele auf den Leim, glauben den Unsinn, den Politiker verbreiten?

Und, schließlich: Warum gehen immer noch Menschen wählen, trotz einer Geschichte von Jahrzehnten, die zeigt, dass Sie als Stimmvieh missbraucht und nach der Wahl benutzt werden, um das Friends-and-Family-Programm der Politiker zu legitimieren, die sich munter selbst bedienen und auch ihre Freunde nicht vergessen, wenn es darum geht, Steuergelder zu verteilen?

All diese Fragen harren bislang einer Beantwortung.

Bislang.

Denn nun gibt es eine gut gemachte, fundierte und überzeugende wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, warum viele Politikern, Funktionären, Aktivisten und sonstigen Palaverern auf den Leim gehen.

Shakti Lamba und Vivek Nityananda von der Exeter University bzw. der Queen Mary University in London sind für diese Untersuchung verantwortlich, die das Rätsel, wie Dumme oder Ungeeignete es in Positionen schaffen können, ein für alle Mal löst.

Die beiden haben für ihre Untersuchung Studenten rekrutiert, 73 an der Zahl, die sich in Tutorien getroffen und in den meisten Fällen dort zum ersten Mal gesehen haben. Über sechs Wochen wurden die Studenten verfolgt und zu Beginn und zum Ende gebeten, ihre eigene und (unter vier Augen) die Leistung ihrer Komilitonen vorherzusagen. Am Ende des Tutoriums gab es zudem einen Leistungstest, den ein Tutor bewertet hat, ohne zu wissen, wessen Leistung er gerade bewertet.

Aus diesen wenigen Informationen haben die Autoren eine klassische Untersuchung zusammengestellt, in dem sie Selbsttäuschung als Differenz zwischen der für sich selbst vorhergesagten Leistungen und der tatsächlichen Leistung gemessen haben. Täuschung als Differenz der durchschnittlichen Vorhersage für einen Studenten durch seine Komilitonen und seiner tatsächliche Leistung. Schließlich haben die Autoren die Anfälligkeit für Täuschung als Differenz des Mittelwerts der Abweichung zwischen den von Studenten für ihre Komilitonen vorhergesagten Leistungen und deren tatsächlicher Leistung berechnet. Folglich haben die Autoren drei Maße bestimmt:

Selbsttäuschung, Täuschung und Anfälligkeit für Täuschung. Selbsttäuschung liegt vor, wenn jemand seine Leistung besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist. Täuschung liegt vor, wenn Studenten die Leistung eines Kommilitonen besser/schlechter einschätzen als sie tatsächlich ist. Anfälligkeit für Täuschung liegt vor, wenn ein Student die Leistung seiner Kommilitonen besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist.

Die Ergebnisse, die dieses einfache Forschungsdesign ermöglicht, sind bemerkenswert:

  • overconfidenceStudenten, die sich selbst besser einschätzten als sie sind, die – mit anderen Worten – eine ungerechtfertigte Aura der Kompetenz verbreiten, die in Selbstüberschätzung basiert, wurden von ihren Kommilitonen ebenfalls besser eingeschätzt als sie tatsächlich waren.
  • Studenten, die sich selbst als schlechter einschätzten als sie sind, wurden auch von ihren Kommilitonen schlechter eingeschätzt.
  • Auch nach sechs Wochen, in denen die Studenten miteinander Erfahrung machen konnten, änderte sich nichts daran, dass Studenten, die ihre Leistung überschätzt haben , auch von ihren Kommilitonen und in ihrer Leistung überschätzt wurden, während Studenten, die sich selbst unter Wert verkaufen, in der schlechten Einschätzung ihrer Person weiterhin Unterstützung durch ihre Kommilitonen erfahren haben.
  • Für Studenten, die sich besser eingeschätzt haben, als sie es tatsächlich sind, gab es keinerlei Korrelation zwischen der Einschätzung ihrer Leistung und ihrer tatsächlichen Leistung, das gleiche gilt für die Einschätzung ihrer Leistung durch Kommilitonen.
  • Schließlich konnten die Autoren zeigen, dass Studenten, die sich selbst überschätzen auch mit der Einschätzung anderer Studenten Schwierigkeiten haben.

Damit ist das Rätsel, wie prätentiöse, häufig inkompetente und vermutlich nicht sonderlich intelligente Personen in Positionen gelangen können, gelöst: Sie sind gut darin, andere zu täuschen und viele dieser anderen lassen sich von hoher, aber ungerechtfertigter Selbstsicherheit, die auf Selbstüberschätzung basiert, von der Fassade, hinter der sich schlicht nichts oder nur sehr wenig findet, täuschen. Je pompöser also z.B. Funktionäre oder Politiker oder Aktivisten auftreten, desto erfolgreicher sind sie darin, ihre Zuhörer, Adressaten oder Mitglieder zu täuschen. Je mehr Kompetenz sie mitbringen und je zurückhaltender sie sich ausdrücken, eben weil sie mehr Kompetenz haben, desto geringer sind die Chancen von Personen, überhaupt in Positionen, die durch Wahl besetzt werden, zu gelangen.

Das also ist des Pudels Kern.

Doch damit nicht genug:

“Our findings have implications for many types of social interactions but especially for those involving partner-choice (e.g. choosing mates, hiring people for jobs), suggesting that we may be rewarding overconfidence and penalizing underconfidence irrespective of an individual’s capability. Furthermore, if overconfident individuals are more likely to be risk-prone [11] then by promoting such individuals we may be creating institutions such as banks, trading floors and armies, that are also more vulnerable to risk. From our smallest interactions to the institutions we build, self-deception may play a profound role in shaping the world we inhabit”. (5)

Es ist demnach in allen Lebenslagen besser, diejenigen zu goutieren und denjenigen zu vertrauen, die sich nicht durch eine Selbstüberschätzung auszeichen, die nicht prätentiöse sind und vorgeben, sie könnten im “Wir” reden oder für andere entscheiden, wüssten, was für andere gut ist.

pretentiousnessUnd wie merkt man, ob man es mit jemandem zu tun hat, der sich selbst überschätzt und dessen Selbstsicherheit entsprechend auf Inkompetenz basiert, darauf, dass er nicht weiß, was er alles nicht weiß, der vielmehr meint, alles genau zu wissen? Nun, die Antwort auf diese Frage ist einfach: Indem man prüft, ob das, was er sagt, irgend einen Gehalt, irgend eine Verbindung zur Wirklichkeit hat, nachvollziehbar ist. Es reicht in der Regel schon, die Aussagen von wertenden Adjektiven zu befreien, um festzustellen, dass derjenige, der mit der vollen Einbildung seiner Kompetenz schwadroniert, nichts zu sagen hat.

Das Forschungsergebnis von Lamba und Nityananda bestätigt ein Forschungsergebnis zu Inkompetenz, das wir bereits auf ScienceFiels besprochen haben.

Lamba, Shakti & Nityananda, Vivek (2014). Self-Deceived Individuals Are Better at Deceiving Others. Plos One

Das Anstands-Gap: Lügen, Falschaussagen und Gender Pay

Verzweiflung ist etwas, was nur Intelligente empfinden können, denn es bedarf eines gewissen Quantums an Verstand, um über Dinge verzweifelt sein zu können, denn Verzweiflung resultiert aus der Kenntnis, dass das, was die Verzweiflung auslöst, nicht so sein muss, anders sein könnte, ja müsste, wenn Grundlagen, Erkenntnisse weiter verbreitet wären, wenn nicht jeder, der sprechen kann, dächte, er müsse zu allem den Mund aufmachen, wenn nicht …, nun, es ist eben zum verzweifeln.

Niemand hat Verzweiflung angesichts einer Mauer aus Dummheit und stoischem Behauptens, der Baum, gegen den man laufe, sei gar kein Baum, besser zum Ausdruck gebracht als Karl Raimund Popper, der zeitlebens versucht hat, Naheliegendes zu verbreiten, nämlich dass man von begrenztem Wissen nicht auf unbegrenztes Wissen schließen kann – unter Philosophen bekannt als so genanntes Induktionsproblem:

Logik der Forschung“Es ist jetzt 50 Jahre her, seit ich im Jahre 1932 das abgeschlossene Manuskript meines Buches Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie … Rudolf Carnap und Herbert Feigl und einigen anderen Wissenschaftstheoretikern und auch einem Physiker, Franz Urbach, zu lesen gab. [...] Jetzt, nach 50 Jahren, wird die triviale Einsicht, dass es keine probabilistische Induktion gibt, noch immer von den meisten Wissenschaftstheoretikern bekämpft – wenn auch nicht so heftig als vor 20 Jahren. Ich habe in dieser Zeit immer wieder neue [mathematische] Beweise vorgelegt, die mir einfach und überzeugend erschienen. Keiner dieser Beweise wurde je widerlegt. Die induktivistische Einstellung war geradezu Allgemeingut, und sie ist es ja noch immer. So wurden meine Beweise nicht ernst genommen.
Der hier abgegebene Beweis scheint mir (wie der jeweils letzte meiner Beweise) der beste zu sein, und der einfachste, den ich bisher gegeben habe. Er ist auch wohl der letzte, den ich, als 80jähriger, in diesem Buch veröffentlichen werde. (…) Ob mein letzter und einfachster Beweis [...] endlich Beachtung finden wird oder zumindest eine sachliche und ernste Kritik?” (Popper, 1994: 444).

Man sieht, die Ignoranz, mit der von Vertretern bestimmter Interessen Belege ignoriert werden, die die Behauptungen, mit denen sie ihre Interessen durchsetzen wollen, widerlegen, ist kein neues Phänomen. Es scheint, dass das Spiel mit der Dummheit und der Leichtgläubigkeit anderer gerade von denen sehr erfolgreich betrieben wird, die über keinerlei empirische Basis, über keinerlei Belege für ihre Behauptungen verfügen.

Das ist die Einleitung zu einem Hinweis, den wir Günter Buchholz verdanken. Er hat uns auf die Seite “Equal Pay Day” Aufmerksam gemacht. Dort wird die alte Lüge des Gender Pay Gaps in einer Weise vorgebracht, bei der man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Vorab zur Einordnung: Es gibt in westlichen Ländern kein Gender Pay Gap.

Deceibe infeigle obfuscateUnd zur theoretischen Einordnung: Das Gender Pay Gap geht auf Ökonomen wie Oaxaca und Blinder zurück, die eine diskutierbare Behauptung aufgestellt haben, nämlich dass dann, wenn man Lohnunterschiede über Variablen erklärt, die einen Effekt auf die Lohnhöhe haben, Variablen wie Bildung, Erfahrung, Arbeitszeit, Branche usw., und am Ende bleibt ein Residuum, ein Teil, der nicht erklärt werden kann, dann könne man diesen unerklärten Teil als Ergebnis von Diskriminierung auffassen. Wie so oft, bewegen sich die entsprechenden Ökonomen in einer Modellwelt, denn die Interpretation des Residuums als Diskriminierung setzt voraus, dass alle Variablen, die einen Effekt auf die Höhe des Entgelts haben, in der Erklärung berücksichtigt sind. Wenn es unter den Lesern jemanden gibt, der mit empirischen Daten hantiert und es schon einmal geschafft hat, die gesamte Varianz seiner abhängigen Variablen zu erklären, dann soll er sich bitte melden, denn bislang ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem dies gelungen wäre. Kurz: Zu behaupten, dass das, was man nicht erklären kann, Ergebnis von Diskriminierung sei, ohne die Behauptung anhand empirischer Daten zu prüfen, ist gelinde gesagt haarig, ohne Zurückhaltung ein Ausbund an Unfug, den man von gestandenen  Ökonomen so nicht erwartet hätte.

Das rhetorische Figur des Gender Pay Gap ist gefundenes Fressen für all diejenigen, die sich mit seiner Vermarktung selbst bereichern wollen, wie z.B. die oben verlinkte Seite “Equal Pay Day”, eine Seite, die an Unsinnigkeit kaum zu überbieten ist.

Zu Beginn wird behauptet, das (nicht existente) Gender Pay Gap betrage in Deutschland 22%. Der Behauptung folgt der Aufreger der in der weiteren Behauptung besteht, dass Frauen 80 Tage umsonst arbeiten würden, denn 22% von 365 Tagen sind 80 Tage.

Kennen Sie jemanden, der 365 Tage im Jahr arbeitet? Nicht einmal Selbständige machen das. Aber Arbeit und Arbeitstage scheinen den Betreibern der Seite zum Equal Pay Day, um Henrike von Platen ebenso fremd zu sein wie logisches Denken. Zudem scheint es sich zu von Platen und Genossinnen nicht herumgesprochen zu haben, dass es Sonn- und Feiertage gibt, ganz zu schweigen vom bezahlten Urlaub, alles Tage, an denen nicht gearbeitet wird und die von den 365 Tagen abgezogen werden müssen – was sie natürlich nicht werden, denn von Platen und Genossinenn geht es nicht um die Wahrheit, sondern darum, Effekte zu erzielen, Effekte der Bestürzung und der Entrüstung bei Leichgläubigen, bei Dummen, bei denen, die von Platen und Genossinnen für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen.

Und deshalb geht es weiter im Lügen-Konzert. Die 22%, die eben noch als Fanal der Benachteiligung armer Frauen durch böse Bonzen präsentiert wurden, werden sodann berechnet, und zwar als Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und dem durschschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen. Seltsamerweise ergibt die unbereinigte Lohnlücke, die dabei herauskommt, einen Prozentwert, der wiederum die Relation beider durchschnittlichen Bruttostundenlöhne zueinander abbildet, aber es ist ja bekannt, dass diejenigen, die sich für Geschlechterfragen einsetzen mit MINT so ihre Probleme haben und selbst rudimentäres Prozentrechnen ist Mathematik.

Sodann gibt es ein Zugeständnis, nämlich das Zugeständnis, dass man die Leser bislang belogen hat, denn die 22% sind irrelevant, sind ein angeblich unbereinigtes Gap, etwa so, wie es im Vergleich der Entgelte zwischen der Putzfrau Elfriede W und Frau von Platen besteht. Bereinigt man das unbereinigte Gender Pay Gap, also führt man die erklärenden Variablen ein, was der eigentliche Witz an diesem unsäglichen Konstrukt des Gender Pay Gap ist, von denen oben die Rede war, dann so lernen wir, passiert Folgendes:

Lies nothing but lies“Zieht man die erklärbaren Prozentpunkte von den 22 Prozent ab, erhält man den so genannten bereinigten Gender Pay Gap. Der bereinigte Gender Pay Gap lässt sich nicht auf erklärbare, strukturell unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale zurückführen. Das bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde weniger verdienen als Männer. Für den bereinigten Wert des aktuellen Gender Pay Gap liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. Er lag nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts von März 2012 bei durchschnittlich 8 Prozent.”

In der Wissenschaft, also in jenem vermeintlich männlichen Unterfangen, das sich nicht mit Ideologie, sondern mit der Empirie und der Erklärung derselben beschäftigt, ist ein Fehlschluss bekannt: der “Ökologische Fehlschluss”. Der “Ökologische Fehlschluss” hat, wie vermutlich manche, besonders aus dem Lager von Frau von Platen denken, nichts mit Umweltschutz zu tun, nein, er hat etwas damit zu tun, dass man Zusammenhänge, die man auf der Aggregatebene findet, nicht umstandslos auf die Individualebene übertragen kann.

Angenommen, wir finden einen Unterschied im IQ auf der Aggregatebene: Aktivisten, die sich heftigst für bestimmte Dinge einsetzen, weißen im Durchschnitt einen IQ von 65 auf, Personen, die sich mit ihrem Leben beschäftigen, haben im Durchschnitt einen IQ von 130. Aus diesem Zusammenhang nun zu schließen, dass Frau von Platen einen IQ von 65 hat, wäre ein ökologischer Fehlschluss und aus dem selben Grund, aus dem man in unserem Beispiel von der Aggregat- nicht auf die Individualebene schließen kann, wie gerechtfertigt der entsprechende Schluss einem auch erscheinen mag, aus demselben Grund kann man von einem bislang nicht erklärten Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen in seiner bereinigten Varinate nicht auf individuelle Benachteiligung, d.h. bei gleicher Qualifikation geringeres Gehalt schließen.

Wir erwarten nicht, dass Fraun von Platen oder andere Anhängerinnen des Gender Pay Mythos, diese Transferaufgabe zu leisten im Stande sind, aber es wäre, so denken wir, doch wirklich an der Zeit, diese unsinnige Diskussion über einen Gender Pay Gap, den es nicht gibt, zu beenden und die enstprechenden Aktivisten, die nicht einsehen wollen, dass nicht der Mond scheint, sondern die Sonne, auch nachts, in die Wüste gejagt werden, denn der Stumpfsinn, mit dem Falsches verbreitet wird, mit dem versucht wird, die Unwissenheit, Leichtgläubigkeit und emotionale Tangierbarkeit von beeinflussbaren Existenzen auszunutzen, ist nicht mehr tolerierbar.

Ganz davon abgesehen offenbart sich hier ein Anstands-Gap, denn wer versucht, mit Lügen, falschen Behauptungen oder – im günstigsten Fall – mit Aussagen über Zusammenhänge, die er nicht versteht, Dritte zu manipulieren, der ist nicht anständig, der hat ein Anstands-Gap, verglichen mit dem durchschnittlichen Anstand der Normalbevölkerung.

Wenn Frau von Platen die Welt verbessern will, dann soll sie in ein Altenheim gehen und sich dort z.B. in der Pflege alter Menschen nützlich machen.

Ansonsten haben wir ausführlich gezeigt, dass ein Gender Pay Gap nicht existiert.

Nachtrag

In den letzten Tagen wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, dieses Mal unter Überschriften wie:

Frauen erwirtschaften halb so viel Geld wie Männer bzw.
Frauen verdienen nur halb so viel wie Männer

Die Qualitätsjournalie aus ZEIT und Welt ist also in der Lage, ein und dasselbe Ergebnis einmal als erwirtschaftetes Geld und einmal als Verdienst zu verkaufen. Tatsächlich geht der geballte Unfug auf einen politisch korrekten Beitrag aus dem DIW zurück, in dem Stefan Bach, der uns bereits als Laienprediger bekannt ist, Aggregate von Einkommen für Männer und Frauen vergleicht.

Grundlage seines neuerlichen Versuches, Wissenschaft lächerlich zu machen, ist eine Statistik der Einkommens- und Lohnsteuer, in der sich zeigt, dass Frauen rund 50% weniger Einkommen oder Entgelt versteuern als Männer. Warum das so ist, zeigt sich in einer Statistik auf Basis der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer natürlich nicht (Der Fall Schwarzer legt allerdings nahe, den Unterschied als Ergebnis intensiverer Steuerhinterziehung durch Frauen zu sehen). Entsprechend schafft es Herr Bach, Wissenschaft weit hinter Heron von Alexandria zurück zu verfrachten, jedenfalls dann, wenn es irgend jemanden geben sollte, der seinen Unsinn kolportiert, und natürlich wird es genügend Opportunisten geben, die denken, man könne der Tatsache, dass Männer mehr Einkommens- und Lohnsteuer zahlen als Frauen auch nur irgend etwas entnehmen.

Was man dem neuerlichen Bachschen Machwerk entnehmen kann, ist die Tatsache, dass Anstand auch im DIW nicht weit verbreitet ist, dass die Frage ob das Anstands-Gap auch mit einem IQ-Gap verbunden ist, bislang nicht untersucht wurde und dass, schließlich, der Unterschied in der Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer, wie er zwischen Schreibtischtätern wie Herrn Bach und Müllfahrern wie Klaus F. besteht, auf Benachteiligung von F. zurückzuführen ist, weshalb wir hier öffentlich dafür plädieren, die Lehren, die Herr Bach zu ziehen können glaubt, auf ihn selbst anzuwenden!

Wir engagieren uns zivilgesellschaftlich! Gegen die Verschwendung von Steuergeldern

Die Bundesregierung ist bestimmt stolz auf uns.

Oder auch nicht.

BafyaWie dem auch sei, in unserer Reihe “gelebte Demokratie und zivilgesellschaftliches Engagement” haben wir uns heute dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) gewidmet. Für alle, die es nicht Wissen, das BAFzA ist nicht anderes als die Verwaltungsstelle, die die Verwaltung der Verwaltungsaufgaben des BMFSFJ übernommen hat. Das BMFSFJ ist mit einem Haushalt von 7 Milliarden Euro und Personalausgaben von 97 Millionen Euro offensichtlich nicht in der Lage, die Verwaltung der eigenen Verwaltungsaufgaben zu übernehmen.

Folglich wurde mit dem BAFzA ein Ableger gegründet, der nunmehr 241,7 Millionen Euro verwaltet und dafür 40 Millionen Euro Personalaufgaben verheizt. Offensichtlich trifft Parkinson’s Law, das die Selbstvermehrung der Verwaltung beschreibt, dem einzigen Selbtsbefruchter, den die Menschheit kennt, hier voll zu.

Wir haben das BAFzA zum Anlass genommen, um uns zivilgesellschaftlich zu engagieren, noch mehr, als wir das eh schon tun, und ein paar Stichproben der Tätigkeit des BAFzA zu entnehmen:

Ein Verwaltungsstrang, den die BAFzA-Verwalter verwalten ist mit

“Wir für Demokratie” überschrieben.

Der Anspruch liest sich so:

“Die Demokratieprogramme haben komplementären Charakter. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte, sprechen verschiedene Zielgruppen an und verfolgen unterschiedliche Erfolgsstrategien. In ihrer Gesamtheit ergänzen sie sich zu einer ressortübergreifenden, kohärenten Gesamtstrategie der Bundesregierung. Zahlreiche Projekte, Initiativen, zivilgesellschaftliche Gruppen, Verbände, Vereine, Bildungseinrichtungen und ehrenamtlich engagierte Bürger werden gefördert, die einen wichtigen Beitrag zur Prävention extremistischer Tendenzen leisten.

Weitere Informationen über die Bundesprogramme, Initiativen, Projekte und Einzelmaßnahmen, die das demokratische und zivilgesellschaftliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger fördern finden Sie sich auf http://www.wir-fuer-demokratie.de.”;

Demokratieprogramme sind also gleichzeitig unterschiedlich und doch kohärent und korrespondieren und sind ergänzend und, naja, eben gegen extremistische Tendenzen – oder so. Vielleicht hilft der Link ja weiter, der Link in die Programmwirklichkeit, die so aussieht:

Wir für demokratie

Die Selbstbeschreibung haben wir ergänzt, damit der Link ins Off des Internets nicht so leer bleibt. Der Selbstbeschreibung kann man im Wesentlichen entnehmen, was wir bereits geschrieben haben: BAFzA verwaltet Verwaltung. Darüber hinaus kann man der Selbstbeschreibung entnehmen, dass Mitarbeiter des BAFzA wahre Kompetenzmonster sein müssen, denn sie kennen sich in freiwilligem Engagement, demografischem Wandel (ob die Reihenfolge zufällig ist?) und jugendpolitischen Fragen gleichermaßen gut aus, so dass man sich fragt, warum diese offensichtlich überschaubaren Bereiche in unterschiedliche Verwaltungsstränge und “Programme”, wie es oben heißt, aufgespalten wurden.

Doch weiter im Programm:

Toleranz fördern – Kompetenz stärken – eigentlich reicht so ein Titel, um zu wissen, dass man es mit Sprachonanierern zu tun hat, aber der nähere Blick lohnt sich dennoch in Gänze. Was es zu lesen gibt, spottet jeder Beschreibung und lässt selbst Jim Hackers Department of Administrative Affairs im Schatten stehen.

Toleranz foerdern“Das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ist vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit der Umsetzung des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN beauftragt worden.

Die Aufgabe wird im BAFzA von der Regiestelle TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN wahrgenommen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regiestelle koordinieren und organisieren das Bundesprogramm in enger Zusammenarbeit und Abstimmung nach den Vorgaben des BMFSFJ, beraten und betreuen die Programmpartner in allen Belangen rund um das Bundesprogramm, führen in Abstimmung mit dem BMFSFJ die Öffentlichkeitsarbeit durch, wickeln die Antragsbearbeitung bis hin zur Auszahlung der Mittel ab, übernehmen anfallende Verwaltungsaufgaben und vieles mehr.”

Kurz: Die Regiestelle “TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN” wurde vom BMFSFJ eingerichtet, um sich vom BMFSFJ sagen zu lassen, wie das Bundesprogramm “TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN” durchgeführt werden soll. Das, was den Regiestellern in “enger Abstimmung” vom BMFSFJ gesagt wurde, tragen sie dann an die Programmpartner weiter und das, was die Programmpartner sagen, fragen oder wollen, das tragen die Regiesteller dann an das BMFSFJ zurück. Kein Wunder, dass der “Hauptsitz der Regiestelle … sich im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, Bildungszentrum Schleife” befindet (vermutlich in der Endlosschleife).

Und warum sprechen die Bundesministeriellen aus dem FSFJ nicht direkt mit den “Programmpartnern”? Weil Verwaltung nichts mit Effizienz zu tun hat, sondern mit Stellen, je mehr Mitarbeter ein Ministerium kommandieren kann, desto wichtiger ist es in eigener Wahrnehmung. Und für die Wichtigkeit des BMFSFJ kann man schon eimal 241,8 Millionen Euro springen lassen – oder?

Abermals weiter im Programm:

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

BAFzA übernimmt hier die Verwaltung des beim Referat 305 im BMFSFJ angesiedelten Projekts, worin diese Verwaltung, die offensichtlich von zwei Stellen gleichzeitig betrieben wird, auch bestehen mag. Abermals wird hier auf Kosten von Steuerzahlern eine Verwaltungsschleife eingeführt, die man am besten als ministerielles Ping-Pong-Spiel bezeichnet: pro Schlag 7,7 Millionen Euro weg. 7,7 Millionen Euro, das sind die Kosten, die für das Hilfetelefon bislang entstanden sind, Kosten dafür, dass nicht näher genannte “Beraterinnen”, die angeblich “qualifizierte Fachkräfte, die Erfahrungen mit der Beratung von gewaltbetroffenen Frauen haben”, sein sollen, sich am Telefon, z.B. die anonyme Klage einer Ehefrau, die Lust hat, ihren Ehemann billig loszuwerden, anhören. Entsprechende anonyme Verleumdungsmöglichkeiten waren bislang nur aus dem Mittelalter und im Zusammenhang mit der Heiligen Inquisition bekannt.

Aus dem Werbetext:

Kachelmann Inquisition“Das Beratungsangebot des Hilfetelefons umfasst alle Formen von Gewalt gegen Frauen, insbesondere Gewalt in Ehe und Partnerschaft, sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung, sexuelle Belästigung sowie Stalking, Zwangsverheiratung, Menschenhandel und Zwangsprostitution. Das Hilfetelefon berät individuell in all diesen Fällen.”

Wie schön, dass das Telefon individuell berät, es werden also keine Gruppentherapien durchgeführt. Also: zwangsverheiratete, gestalkte, gehandelte und sexuell übergriffene Frauen dieses Landes, meldet Euch! Professionelle Fachkräfte warten auf Eure Denunziation. Warum Denunziation? Weil jemand, der wirklich Opfer von Gewalt geworden ist, sicher an alles denkt, aber nicht an ein nettes Kaffeekränzchen am Telefon.

Einer geht noch.

Das BAFzA veraltet auch die Maßnahmen zu Alter und Pflege und hier das Programm “Altersbilder”, und dieses Mal funktioniert auch der Link. Angekündigt wird der Link wie folgt:

Realistische Altenbilder

Realistische Altenbilder

“Das BAFzA betreut die gleichnamige Internetseite zum “Programm Altersbilder”. Mit dieser Plattform sollen neue, realistische und differenzierte Bilder vom Alter und vom Altern in die breite öffentliche Diskussion gebracht werden. Es werde nicht nur die Auswirkungen spezifischer Altersbilder in den unterschiedlichen Lebensbereichen aufgezeigt, sondern auch alle gesellschaftlichen Akteure für potenziell negative Auswirkungen bestimmter Altersbilder sensibilisiert. So soll angeregt werden, das eigene Bild vom Alter(n) zu überprüfen und das gegenseitige Verständnis untereinander und der Zusammenhalt in der Gesellschaft gefördert werden.”

Wir müssen uns also korrigieren. Das BAFzA verwaltet nicht nur die Verwaltung, es betreut auch Internetseiten, quasi eine Kulanzleistung, die im Etat von 241,7 Millionen Euro enthalten ist. Und weil es so schön ist, hier ein paar Beispiele der realitischen und differenzierten Bilder von Alter, die im Programm “Altersbilder” produziert werden:

Wanderausstellung: “Was heißt schon alt?”
Das Alter in der Karikatur.
Auch 2014 wieder: Neue Bilder von Alter auf der Leinwand.

Na, da weiß man doch, dass seine Steuergelder gut angelegt sind, während in Pflegeheimen der Ausnahmezustand herrscht. Und wie gut es ist, zu wissen, dass die Steuergelder nicht etwa von einer Stelle verwaltet werden, nein, gleich zwei Stellen verwalten sich im Kreis und gegenseitig. Natürlich nur, um Steuerzahlern die höchste und effizienteste, ja die Exzellenz-Verwaltung zukommen zu lassen. Wo früher ein Steuereuro nur 25 Cent Verwaltung kaufen konnte, schafft er es heute auf 50 Cent, Tendenz steigend.

Die Grumph-Offensive: Für eine grumphige Gesellschaft

Da sage noch einer, es gebe heutzutage nichts Neues mehr zu entdecken. Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Für das Zusammenleben von Menschen ist eine Zutat von besonderer Wichtigkeit: Grumph hat sie Michael C. Deepwater genannt, weil ihm kein besserer Begriff eingefallen ist.

“Grumph hat vielfältige Auswirkungen auf das Leben von Menschen”, sagt Deepwater. Grumph beeinflusst direkt die Lebensqualität, die Zufriedenheit, ja Glück als solches, und vor allem wirkt es sich auf die nächste Generation aus: So schone eine grumphige Wirtschaftsweise den Planeten, grumphig angelegte Ressourcen bringen nicht nur mehr Profit, sondern haben auch mehr Ökologie zur Folge. Dass Grumph mit Ökonomie und Ökologie in gleicher Weise vereinbar sei, zeige ein Grumph-Fonds, der Wachstumsraten im zweistelligen Bereich aufweise.

Grumph1Grumph sei, so hat Deepwater feststellen müssen, in der Bevölkerung ungleich verteilt. Tiefenpsychologische Gespräche mit seiner Mutter und deren Schwester hätten gezeigt, dass zu wenig Grumph Diskriminierung zur Folge habe und in Ungerechtigkeit münde. Eine breit angelegte Anti-Diskriminierungskampagne könne hier Verbesserung bringen, unter dem Motto, “Aktiv für das Grumph” oder “Keine Toleranz für Anti-Grumph” müsse in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Grumph für die Zukunft Deutschlands und der ganzen Erde von höchster Wichtigkeit sei.

Eine Diskursanalyse der letzten Gespräche mit seinem Bruder und dessen Freund habe zudem gezeigt, dass unter Verwendung dekonstruktivistischer Techniken, alle fruchtbaren und sinnvollen Aussagen, einen Anteil von Grumph in sich getragen hätten. “Ohne Grumph kein Dialog”, so verallgemeinert Deepwater seine Ergebnisse und regt an, dass ein Programm zur systematischen Erforschung von Grumph aufgelegt werde. Dieses Programm solle sich insbesondere der Frage widmen, welche Faktoren sich negativ auf Grumph auswirken, denn es sei davon auszugehen, dass diese Faktoren die Entwicklung ganzer Generationen, ja von Gesellschaften behindern.

Die letzten Jahrhunderte stehen im Zeichen der Unterdrückung von Grumph. Grumph sei systematisch von einer Anti-Grumph Mafia behindert worden, die eigene wirtschaftliche Interessen befödern wolle. Da sich Grumph positv auf die Friedensliebe und negativ auf Aggression auswirke, sei klar, um welche Interessen es sich handele: Kriegsgewinnler, Rüstungsmagnaten, Kapitalisten und Banker, weiße Männer mit dicken Zigarren seien die Hauptgegner von Grumph, die sich in geheimen Logen und Freimauerbünden der Verhinderung des Einflusses von Grumph, ja zur Beseitigung von Grumph verschworen hätten.

Erst modere Forschung und vor allem die Arbeiten von Paul Thiry d’Holbach, der in seinem “System de la Nature” auf den Seiten 221 und 318 Grumph erwähnt, hätten auf die Bedeutung von Grumph aufmerksam gemacht und die neue revolutionäre, emanzipatorische, befreiende, umwälzende, innovative und die Welt verändernde Grumph-Forschung angeregt, die sich eng an GW Hegel und vor allem die von ihm grundgelegte Lehre der konstruktiven Widersprüchlichkeit anlehnt.

Grumph3Entsprechend sind Grumph-Forscher überall dabei, Grumph systematisch in seinen Eigenschaften und Auswirkungen zu erforschen. Wie sich dabei gezeigt habe, habe Grumph nicht nur positive Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben, auf Prosperität, Wachstum und Zufriedenheit der Bevölkerung, Grumph in reiner oder kombinierter Form, Deepwater spricht hier lieber von intersektioniertem Grumph, bilde die Grundlage aller menschlichen Beziehungen. Jede Handlung, jede Interaktion sei durch das Grumph bestimmt.

Nicht nur das: Grumph ist die Qualität, die Menschen determiniert, ihre Handlungen bestimmt. Kriminelle, Soldaten, Menschen, die Schlechtes tun, sind durch einen Mangel an Grumph ausgezeichnet, wie sich leicht an ihrem Verhalten ablesen lässt. Wer Grumph hat, grumphy ist, wie Michael C. Deepwater sagt, der ist friedlich, gut, freundlich zu seiner Umgebung, der gibt freudig, anstatt zu nehmen: “Grumphy people are simply good people”.

Entsprechend ist es notwendig, das Grumph in uns allen zu fördern. Erste Grumph-Selbsterfahrungs- und Förderkurse werden bereits vereinzelt angeboten. Ziel der Kurse, für deren Besuch derzeit noch Kosten von 19.500 Euro anfallen, ist es, die Teilnehmer zum zertifizierten Grumphologen auszubilden, denn die ungleiche Verteilung von Grumph zeige, dass viele Menschen Grumph-unbewusst oder, schlimmer noch: grumphlos durch die Welt gehen. Einen schlimmeren Zustand kann sich Deepwater nicht vorstellen.

Dabei verfolgt die Ausbildung zum zertifizierten Grumphologen einen körperorientierten Ansatz. Mit seinem anwendungsorientierten Methoden hat er vielfältige Stärken für professionelles Handeln in der grumphologischen Bildung, Beratung und Therapie. Er zeigt auf, wie Grumph gelernt wird und Menschen lebenslang ihren Grumph selbstbestimmt entfalten können. Angesichts der Nachteile, die Menschen und Gesellschaften aus der Nichtentwicklung und Nichtbeherrschung des Ego-Grumph entstehen, sind Kurse, wie der zum Grumphologen von besonderer Wichtigkeit.

Deshalb gibt es bereits heute eine Förderung durch Kultusministerien, die die Kosten der zertifizierten Ausbildung zum Grumphologen übernehmen. Die Einsatzfelder der Grumphologen sind vielfältig: Die Gründung grumphologischer Zentren, die der ganztägigen Vermittlung des Grumph gewidmet sind, und zwar im Rahmen von abgeschlossenen Intensivkursen, die eine Gemeinschaftsbildung der Teilnehmer ohne Einfluss der Umwelt garantieren, ist erstes Ziel der Ausbildung.

Aufbauend auf den grumphologischen Zentren ist dann die Einrichtung so genannter Grumph-Häuser geplant, in denen sich Menschen, die wegen einer Diskriminierung auzfgrund exzessiv gelebten Grumphs Nachteile befürchten, einfinden können, um dort mit Gleichgesinnten in Sicherheit zu leben. Eine Förderung der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Sozialfonds ist hier bereits bewilligt.

Die Wichtigkeit von Grumph macht es darüber hinaus notwendig, Grumph nicht nur und bereits in Schulen zu lehren, sondern allen Bildungseinrichtungen einen Grumph-Berater anzufügen, der Schüler und Studenten, Lehrer und Dozenten in Grumph unterrichtet und darüber wacht, dass Ausbildung, Lehre und Forschung, dem Grumph ausreichend Rechnung tragen. Was als ausreichend zu gelten hat, liegt im Ermessen des jeweiligen Grumph-Beraters.

Grumph hat, wie Eingangs gezeigt wurde, auch positive Effekte auf die Zukunft, auf Ökonomie und Ökologie. Deshalb ist es bereits heute das Ziel, Grumph als Verfassungsauftrag fest im Grundgesetz zu verankern: ” Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung von Grumph und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin”. Dieser grundgesetzliche Auftrag wird sodann genutzt, um Grumph vollumfassend zur Geltung zu verhelfen:

Grumph2Grumphierung der Universitäten; Keine Forschung ohne Grumph-Anteil;

Der Bedeutung von Grumph ist auch sprachlich Rechnung zu tragen;

Grumph-Erziehung und Grumph-Schnupperkurse, Grumph-Tage bereits für die Kleinsten;

Grumph-Berater an Schulen und Hochschulen, die über die Einhaltung von Grumph-Grundsätzen wachen;

Grumphhaltigkeit als Verpflichtung für Unternehmen und Organisationen;

Grumph morgens, Grumph mittags und Grumph abends als Bildungsauftrag öffentlich-rechtlicher Medien;

Grumph-gewogene Entscheidungen als Aufgabe aller;

Festgelegte Grumph-Anteile in Positionen und Funktionen;

Grumph von der Wiege bis zur Bahre;

Keine staatliche Finanzierung ohne einen Nachweis von mindestens 60% Grumph;

Grumph als neue Staatsreligion – Aktiv gegen die Grumph-lose Gesellschaft;

Grumph für die Welt;

Keine Toleranz für Anti-Grumph;

Grumph-Schaltung der Gesellschaft;

Widersprüchler und Anti-Grumphler sind in entsprechenden Anti-Grumph-Umerziehungslagern zu sammeln und auf die Folgen ihres Widerstands gegen Grumph hinzuweisen;

Finale Maßnahmen bei aktivem und fortgesetzem Widerstand sind zu verwenden;

P.S.

Wer nun noch immer nicht weiß, was Grumph ist, der sollte sich schnellstens an einen Grumph-Berater wenden, um diesen Mangel zu beheben, ehe es zu spät ist.

 

 

 

Hitliste der Sprachonanie: Was ist das am häufigsten missbrauchte Wort?

Jährlich versammelt sich eine Gruppe von Personen, die von sich denken, sie seien in irgend einer Weise dazu qualifiziert, das vermeintliche Unwort des Jahres zu bestimmen, um eben dieses zu tun.

Täglich wird man nicht nur in Medien mit salbungsvollen Worten beglückt, die dazu dienen, gewünschte Effekte, besser: Affekte beim Zuhörer, Adressaten auszulösen. Ziel in beiden Fällen ist die Manipulation dessen, an den die Worte gerichtet sind.

Während die Unwort-Bestimmer versuchen, ihre Bewertung von Worten anderen unterzuschieben, sind die Wortonanierer, die sich bestimmter Worte bedienen, um bestimmte, von ihnen gewünschte Wirkungen zu erzielen, davon beselt, Andere glauben zu machen, jemand kümmere sich um ihre Belange, weil sie von diesem Glauben persönlich profitieren können.

In beiden Fällen werden Worte missbraucht, ihrer ursprünglichen Bedeutung, sofern sie eine solche hatten, beraubt und eingesetzt, um die Adressaten der Worte krude und in vielen Fällen plumb zu manipulieren bzw. das zu versuchen.

Wir haben im Folgenden unsere Hitliste der 12 am meisten missbrauchten Worte der deutschen Sprache zusammengestellt. Wir begründen unsere Wahl und geben anschließend unseren Lesern die Wahl: Welches aus dieser Liste ist das am meisten in Sprachonanie missbrauchte Wort? (Wem die Liste nicht ausreicht, der kann sein in Onanie missbrauchtes Wort im Kommentarbereich zur Abstimmung vorschlagen, wir nehmen es dann in die Liste auf).

Kapitalismus

Williamson_MOhrKapitalismus bezeichnet eine Wirtschaftsform – sonst nichts. Im Kapitalismus konkurrieren Anbieter auf freien Märkten um Nachfrager. Aus dem harmlosen Begriff ist ein Feinbild geworden, das auf Neid aufbaut und mit dem manche versuchen, sich auf Kosten der Leichtgläubigen, die denken, ihre Position im Leben (vielleicht auch ihr Versagen im Leben) sei nicht Eigen- sondern Fremdschuld, einen Vorteil zu verschaffen. Kapitalismusonanierer spielen mit Neid und Versagen. Jeder, der ihnen auf den Leim geht, ist Profit für sie (cash-in, wie man im Englischen sagt).

Würde und Ehre

Wow, ist das rechts. Würde und Ehre hat man nur noch als Rechtsextremer oder als Türke, der Ehrenmord betreibt oder gut findet. Vielen ist Würde, also das sich selbst an eigene Prinzipien Binden und das entsprechende Handeln, nur noch als Teil des Konjunktiv II bekannt, wenn überhaupt. Gleiches gilt für die Ehre, also die Grenzziehung, die nach außen und gegenüber anderen erfolgt: Heutzutage legt man sich nicht fest, macht man sich nicht verlässlich, sagt anderen nicht, wo die Grenzen dessen verlaufen, was man sich zumuten lässt, was einem gegen die Ehre geht. Die resultierende Willkürlichkeit macht es möglich, Individuen Würde und Ehre (nicht nur als Konzept) zu entziehen und missliebigen Individuen als Abziehbild und in derogativer Absicht zu unterstellen.

Frauen

Einer der am meisten missbrauchten Begriffe ist sicherlich Frauen, ein Begriff, der in der Regel im Singular als “die Frau” vorkommt. Die Frau ist ein Gegenstand, dem eine Reihe von Dingen zugeschrieben werden können: Benachteiligung, Opferstatus, Hilflosigkeit, Unterdrückung, usw. Als Ergebnis zeigt sich die Frau als hilfoses, zu keiner eigenen Regung und schon gar nicht zu eigener Aktion fähiges Zerrbild auf eine physische Existenz, das immer dann hervorgeholt wird, wenn damit Fördergelder oder andere Formen der Vorteilsnahme erreicht werden sollen.

Diversität

Diversität meint Vielfalt, Pluralismus und ist entsprechend ein individualistisches Konzept. Der Missbrauch des Begriffs hat dazu geführt, dass Diversität zu Uniformität verkommen ist. Diversität meint ausschließlich Gruppen und ist auf einen festen Kanon von Kriterien beschränkt. Diversität ist nicht etwa die Diversität von Menschen, ihre unterschiedliche Lebensgeschichte, ihre unterschiedlichen Kenntnisse, ihr unterschiedliches Aussehen, ihre unterschiedlichen Interessen und Vorlieben. Das alles ist keine Diversität. Diversität im Sinne der heutigen Missbraucher des Wortes, ist reduziert auf Gruppen, die durch ihr Geschlecht, ihren Migrationsstatus und ihre sexuelle Orientierung bestimmt sind. Eine ärmlichere Variante von Diversität kann man sich kaum vorstellen.

Gleichhheit

Peoples_Dice_of_EqualityMit der armseligen Vorstellung von Diversität korrespondiert die ebenso armselige, wenn nicht gar primitive Vorstellung davon, was Gleichheit sein soll. Gleichheit, einst ein Recht für Individuen, das ihnen eine gleiche Behandlung vor dem Gesetz oder einen chancengleichen Zugang zu Ressourcen gewähren sollte, ist zu einem Konzept gruppenbasierter Vorteilsnahme verkommen, bei dem an die Stelle eigener Leistung die Forderung nach Teilhabe an der Leistung anderer getreten ist. Für nutznießende Existenzen ist die Forderung nach Gleichheit, gemeint ist damit Ergebnisgleichheit, somit zum Surrogat für eigene Leistung geworden, zur Forderung nach Zugang zu von anderen erwirtschafteten Ressourcen.

Rechte

Rechte sind etwas, was man hat, so jedenfalls sehen es die meisten Philosophen, denn jeder Mensch ist frei geboren. In den angeblich so modernen Gesellschaften ist dies anders. Hier hat niemand Rechte von sich aus, vielmehr werden hier Rechte gnädig gewährt, und zwar nur an Gruppen. Rechte auf Arbeit, Rechte auf Sozialleistung, Kinderrechte usw. Rechte für wen auch immer zu fordern ist schick, eine erfolgreiche, die Naivität bei den Adressaten ausnutzenden Strategie. Sie mündet regelmäßig in den Aufbau einer Industrie, die denen, denen gnädigerweise Rechte gewährt wurden, angeblich dabei helfen soll, die Rechte auch durchzusetzen, und zwar gegen andere Gruppen, wie: Arbeitende, Steuerzahler oder Eltern.

Hilfe

Hilfe, ein Begriff, den Gutmenschen für sich gepachtet zu haben glauben, ist von der Bezeichnung spontaner Aktion, die z.B. darin besteht, einem Bettler am Wegrand völlig uneigennützig eine Münze in den Hut zu werfen, zu einer administrativen Funktion geworden. Hilfe wird verwaltungstechnisch aufbereitet und setzt die Gewährung von Rechten voraus. Hilfe besteht nicht darin, das Los dessen, dem geholfen werden soll, zu erleichten oder gar zu verbessern, sondern darin, ihn von der Hilfeindustrie abhängig zu machen, damit ihm auf Dauer geholfen werden und Dritte dazu verurteilt werden können, die Hilfe der Hilfeindustrie auf Dauer zu finanzieren.

Erziehung

Eng verzahnt mit Hilfe ist Erziehung. Erziehung ist von der Vermittlung der notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, zu einem Begriff einer Indoktrinationsbürokratie geworden, unter dessen Schutz jede noch so absurde Form vermeintlicher Erziehung, zumeist in Form von “Erziehung zur …” verpackt werden kann. Man wird zur Mündigkeit und Selbständigkeit erzogen, obwohl dies ein Widerspruch in sich ist, soll durch intolerante Vermittlung der richtigen Weltsicht zur Toleranz erzogen werden und natürlich zu einem guten Bürger der sein Engagement für die Demokratie ernstnimmt und sich in die Gemeinschaft der vermeintlichen Demokraten einordnet, ohne darüber nachzudenken.

Toleranz

Toleranz ist eines dieser Erziehungsziele. Toleranz ist gut, und Toleranz wird generell eingefordert, generell von Anderen. Toleranz ist vom “Gewährenlassen” zu einer Form geforderten Verständnisses für Übergriffe Dritter geworden, für Personen, die sich nicht an vorhandene Konventionen oder Regeln halten wollen oder die Dritten etwas aufzwingen wollen, was diese partout nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Dabei hat Toleranz eine eigenartige Verteilungsschiefe erhalten, denn sie umfasst nur bestimmte Handlungen und gilt nicht für Unternehmer, die keine Frauen im Vorstand haben wollen, Fussballspieler, die nur Fussball spielen und sich nicht als schützenwertes Opfer outen wollen oder Eltern, die nicht einsehen, warum man ihren Kindern in der Schule Kenntnisse über Analverkehr vermitteln sollte.

Solidarität

im_here_to_helpDieselbe Einseitigkeit, die Toleranz auszeichnet, zeichnet auch Solidarität aus. Der Begriff, der ursprünglich auf eine Gruppe von Menschen gezielt hat, die sich in der selben Lebenslage befinden, z.B. als Bergarbeiter, hat eine erhebliche Verönderung erfahren. Der Ruf nach Solidarität erschallt immer dann, wenn Steuerzahler oder eine andere finanzkräftige Gruppe dazu gezwungen werden sollen, die Launen von Dritten zu finanzieren. Wer sich solidarisch zeigt, vergibt entsprechend eine frei zu nutzende Einzugsermächtigung, von der er nichts, aber auch gar nichts hat, im Gegensatz zu denen, die den Begriff der Solidarität geprägt haben, und die Solidarität mit einem kranken Kumpel geübt haben, wohlwissend, dass dann, wenn sie selbst krank werden, die anderen Gruppenmitglieder mit ihnen solidarisch sind.

Armut

Armut bezeichnet einen Zustand physischer Mittellosigkeit. Man hat das Bild eines zerlumpten Menschen vor Augen, der versucht, sich mit Nahrung zu versorgen. Armut ist ein instrumenteller politischer Kampfbegriff, geworden, der eingesetzt wird, um Affekte auszulösen und Vorteile zu erheischen, entweder durch die Schaffung eines Hilfemarktes oder durch politische Mandatierung. Entsprechend gelten heute Menschen mit einem Nettoeinkommen von 1.250 Euro monatlich, denen die Wohnung finanziert wird und die eine Vielzahl sonstiger Vergünstigungen aus Steuermitteln erzielen, als arm. Ein Hohn auf all diejenigen, die wirklich arm sind.

Wissenschaft

Von der Armut bis zur Wissenschaft ist es nur ein kurzer Weg. Leider. Einst war Wissenschaft ein methodisches Unterfangen, das dem Erkenntnisgewinn gewidmet ist. Die Fortschritte der Menschheit basieren auf Wissenschaft, darauf, dass Vorstellungen über das Funktionieren bestimmter Dinge an die Welt herangetragen und überprüft werden. Wissenschaft ist nachprüfbar, der Nutzen von Wissenschaft ist klar angebbar. Das jedenfalls war er früher. Heute gelten andere Maßstäbe. Heute ist alles Wissenschaft, was Wissenschaftlichkeit behauptet, als wissenschaftlich bezeichnet wird oder an Orten der Wissenschaft betrieben wird. Im Zeitalter des radikalen Konstruktivismus, der es geschafft hat, auch noch die letzte Bedeutung so lange zu dekonstruieren, bis nichts davon übrig geblieben ist als Willkürm ist Wissenschaft ein Vehikel der Manipulation geworden, das zu Legitimationszwecken missbraucht wird. Man will eine Maßnahme durchsetzen? Ein angeblich wissenschaftliches Gutachten belegt den Wert der Maßnahme. Man will sicherstellen, dass die Günstlinge der Maßnahme auch nach Ablauf der für ihre Durchführung vorgesehenen Zeit duchgefüttert werden? Sogenannte wissenschaftliche Begleitforschung liefert die Blanko-Verlängerung der Maßnahme. Die Willkür, die sich des Etiketts “Wissenschaft” bedient, ist kaum mehr zu überbieten, was heute als wissenschaftliche Studie oder wissenschaftliche Expertise verkauft wird, hat in der Mehrzahl der Fälle weder etwas mit einer wissenschaftlichen, also methodischen, nachprüfbaren und falisifizierbaren Studie zu tun, noch mit Expertise, also Kenntnissen und Fähigkeiten, die eine Person erst dazu befähigen, ein Experte mit einer ausgewiesenen Expertise in einem Feld zu sein und entsprechend eine wissenschaftliche Expertise erstellen, seine Expertise geben zu können.

 

Damit haben wir unsere 12 Worte zusammen. Ein 13. Wort, das auf den ersten Blick in die Reihe gehört, nämlich die Nachhaltigkeit, haben wir nicht aufgenommen, denn auf den zweiten Blick erweist sich der Begriff als grundlegend unsinnig. Angesichts des Platzes, den die Erde im Universum einnimmt, und dem vorhersehbaren Ende, das die Erde nehmen wird, wenn sich die Sonne einst ausdehnt, sofern nicht zuvor ein Meteorit entsprechender Größe der Nachhaltigkeit ein Ende bereitet, wird deutlich, dass der Begriff nicht anders als normativ gemeint sein kann, und entsprechend auch nie anders als als Möglichkeit, von Dritten einen Vorteil zu erheischen, genutzt wurde.

Jetzt sind unsere Leser an der Reihe:

Gesucht ist der am häufigsten missbrauchte Begriff und Anführer der Hitliste der Sprachonanie:

Welcher Begriff ist der am häufigsten missbrauchte Begriff?

Tabus der Altenpflege

Salbungsvolle Worte zum Wochenende:

“Zentrale Anliegen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind es, dass eine qualitätsvolle Pflege gewährleistet wird, ältere Menschen mit Pflegebedarf ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen können und pflegende Angehörige in ihrer Aufgabe angemessen unterstützt werden.”

oder:

“Menschen mit Pflegebedarf müssen sich darauf verlassen können, die erforderlichen Leistungen zu erhalten.”

Altenbild

Altenbild

Die salbungsvollen Worte zum Thema “Altenpflege” werden ergänzt durch einen Altenbericht, in dem Alte fast nur als potentielle ehrenamtlich tätig bürgerlich Engagierte vorkommen. Verlieren sie ihren entsprechenden Wert, weil sie zum Pflegefall werden, dann verschwinden sie nicht nur aus dem Altenbericht, sondern auch aus der öffentlichen Wahrnehmung. Vorhanden ist dann nur noch die Arbeit, die Alte verursachen, etwa in Form der Werbetrommel, die für Altenpflegeberufe gerührt wird, dem Versuch, den eklantanten Fachkräftemangel wegzureden oder den Zahlen, mit denen im Rahmen der Pflegeversicherung jongliert wird. Wer nicht mehr vorkommt, das sind die Insassen von Altenpflegeheimen. Hinter wem sich erst einmal die Tür eines Altenpflegeheimes geschlossen hat, der ist dem Vergessen anheim gestellt, wie sich z.B. im sechsten Altenbericht zeigt, der an wenigen Stellen über zu pflegende Alte redet, aber nicht von ihnen berichtet.

Dies wird sehr deutlich am Begriff des Pflegeheims. Er kommt insgesamt 21 Mal auf den 293 Seiten des Berichts vor, wobei die Zusammenhänge, in denen er vorkommt, sehr auschlussreich sind, wie eine kleine Inhaltsanalyse zeigt:

  • In vier von 21 Zusammenhängen wird von Problemen in Altenpflegeheimen berichtet, ohne die Probleme auch als Probleme zu benennen. Eine Fremduntersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Insassen in Altenpflegeheimen unter Mangelernährung leiden (xii). Jemand anderes findet, dass der hohe Verwendungsgrad freiheitsentziehender Maßnahmen in Altengefängnissen bedenklich sei (162). Schließlich wird angemerkt, dass es keinerlei Forschungsarbeiten zur Prävention von Stürzen alter Menschen in Pflegeheimen gibt (162). Das alles wird in einem distanzierten Ton berichtet, so wie man von Dingen berichten, die nicht sonderlich tangieren, ähnlich der Ebola-Berichterstattung aus Liberia – da gibt es welche, die leiden und sterben…
  • Viel wichtiger scheinen Altersbilder und ihre Auswirkung auf alles Mögliche zu sein, z.B. die Bereitschaft von Migranten, ihre Eltern in Pflegeheime zu stecken. Altersbilder kommen an sieben Stellen im Bericht im Zusammenhang mit Pflegeheim vor (57, 162, 181), und sie bilden, wenn man so will, den Rahmen, innerhalb dessen über Desozialisation (71) gefachsimpelt wird und die “Verknüpfung des Mikrosozialraums Pflegeheim” mit dem “kommunalen Sozialraum” (72) angeregt wird, was natürlich bürgerliches Engagement voraussetzt (71; 73) und etwas dadurch behindert wird, dass die Anzahl der Pflegeheimbewohner von manchen als zu hoch eingeschätzt wird (164), was im Hinblick auf 13% vakante Pflegeheimplätze (189) etwas erstaunt, aber im Zusammenhang mit der Patientenverfügung stehen kann, die vor allem Pflegeheiminsassen machen sollten (179).

limiting harmWie immer, wenn ein Thema in Deutschland offiziell behandelt wird, dann wird nicht das Thema, sondern eine Wunschvorstellung davon behandelt. Dies hat regelmäßig zur Folge, dass vom Thema Betroffene, Alte in Pflegeheimen in diesem Fall, nicht vorkommen, bestenfalls als Kostenfaktor oder Gegenstand freiheitsentziehender Maßnahmen oder als Verursacher von Selbst-Stürzen finden sie Berücksichtigung. Angesichts der angeblich so hoch sozialen Gesellschaft mit all ihren vielen hingebungsvollen Menschen, ist dies mehr als erstaunlich.

Fast so erstaunlich wie die Tatsache, dass ein international heißdiskutiertes Thema, nämlich das Thema der Iatrogenese (iatrogenesis) in Deutschland und im Zusammenhang mit Altenpflege keine Rolle spiel (im Altenpflegebericht kommt der Begriff “Iatrogenese” nicht vor), obwohl es eine sehr prominente Rolle spielen sollte. Iatrogenese bezeichnet Krankheit durch Behandlung, beschreibt die Folgen der Behandlung die manche Alte in Pflegeheimen erfahren.

Nicht nur um den salbungsvollen Worten und dem Schweigen, zu dem Pflegeheiminsassen verurteilt sind, entgegenzuwirken, sondern um eines dieser Tabus der deutschen Gesellschaft zu brechen, in dem der Gender-Firlefanz und die Vorlieben von kleinen Damen, die große Positionsinhaber spielen, wichtiger sind als das Wohlergeben einer ganzen Generation von Alten, hier ein Beispiel aus der Wirklichkeit, wie sie sich in Pflegeheimen abspielt.

Es ist die Wirklichkeit, der sich Herr S täglich gegenübersieht.

Herr S. ist 89 Jahre alt und bislang als rüstiger Rentner durch sein Leben gegangen. Eine Darm-Erkrankung, die ihn körperlich geschwächt hat, lässt dies nicht mehr zu. Also wird er vom Krankenhaus in ein Altenpflegeheim überstellt. Vorher bewohnte er ein eigenes Haus, nun teilt er sich ein Zweibettzimmer. Weil er geschwächt ist, ist er wackelig auf den Beinen. Nach mehreren Stürzen als Folge seiner Versuche, zur Toilette zu gelangen, und nachderm er bei seinem letzten Sturz gut 30 Minuten auf Hilfe warten musste, wird er in Windeln gepackt und zum Bettlägerigen gemacht – denn ein Pfleger, der ihn zur Toilette begleitet, ist nicht verfügbar.

Der Entprivatisierung seiner bisherigen Existenz durch Einlieferung in ein Zweibettzimmer folgt die Demütigung, die ihn zum würdelosen Dasein eines Inkontinenten verurteilt, obwohl er gar nicht inkontinent ist.

Besucher, die ihn an Wochenenden und Wochentags sehen, nehmen eine seltsame Abwesenheit und Interesselosigkeit bei ihm war, aber nur an Wochenenden. Das  hat seine Ursache darin, dass er an Wochenenden ruhig gestellt wird: Die Pflegersituation ist noch schlechter als an Wochentagen, entsprechend müssen die Alten eben medikamentös vor sich hindämmern.

Der Entprivatisierung und Demütigung folgt die medikamentöse Entmündigung, die Herrn S. willentlich seines Willens beraubt.

Nach nur wenigen Wochen im Pflegeheim hat Herr S. eine Lungenentzündung, die seine Überstellung auf die Intensivstation des örtlichen Krankenhauses zur Folge hat. Eine intensive Behandlung verbessert seinen Zustand, was dazu führt, dass er schnellstmöglich wieder aus dem Krankenhaus in sein Pflegeheim zurückgegeben wird, denn die Krankenkasse bezahlt keinen Krankenhausaufenthalt zur Pflege, da Herr S. schon zur Pflege im Pflegeheim ist.

Entprivatisiert, gedemütigt und entmündigt, hilflos, wie man Herrn S. hinterlassen hat, gibt es nur noch eines, das man ihm antun kann, man kann ihn seine Hilflosigkeit spüren lassen, ihn vernachlässigen. Wo die Grenze zwischen der Vernachlässigung und der Körperverletzung verläuft, wer will es entscheiden?

Fixierungen-in-der-PflegeWie lange Herr S. die Pflege noch überleben wird, ist derzeit noch eine offene Frage, deren Beantwortung wohl eher früher als später erfolgen wird. Beantwortet ist jedoch die Frage, was öffentlich finanzierte Altenpflegeheime mit Würde und Respekt vor dem Alter zu tun haben. Auf Basis eines Einzelfalls und dem, was ansonsten im Hinblick auf Iatrogenese (aus Ländern, in denen sie erforscht wird und die entsprechende Forschung kein Tabu darstellt), freiheitsentziehende Maßnahmen, wie das ans-Bett-Fesseln von Alten genannt wird, vermutlich um Alte in die Nähe von Kriminellen zu rücken oder auf Basis der endemischen Stürze, die auf sich gestellte Alte in den eigens für sie eingerichteten Pflegeheimen erleiden, von der weitverbreiteten Mangelernährung ganz zu schweigen, muss man feststellen, dass es eine Schande ist, wie mit pflegebedürftigen Alten in Deutschland verfahren wird.

Aber wen wundert diese Missachtung alter Menschen angesichts einer Meute von Politikern, die Wichtigeres zu tun haben: Frauenförderung, Hilfe für Homosexuelle, Nottelefone für die Massen misshandelter Frauen, Kinderförderung, Beratungsangebote für diejenigen, die sich depressiv fühlen, Netzwerktreffen derjenigen, die nichts anderes machen, als sich in Netzwerken zu treffen, in-vitro-Fertilisation für die Torschluss-Gepanikten, und, nicht zu vergessen, Sexologen für das wichtigste, was die derzeitige Gesellschaft zu kennen scheint …

Nachtrag:

Herr S. ist innerhalb von 48 Stunden nach seiner Rückkehr in das Pflegeheim nach erster Einschätzung an einer Lungenembolie verstorben.

Nachhaltige Indoktrination

Heute muss alles nachhaltig sein. Politik reicht nicht mehr, es muss nachhaltige Politik sein. Umweltschutz reicht schon lange nicht mehr: nachhaltiger Umweltschutz muss her. Personalkonzepte sind nur noch akzeptabel, wenn sie nachhaltig sind, nachhaltig ist der Anbau von Kakaobohnen, Marken sind sogar “top-nachhaltig“, Arbeiten als solches reicht auch nicht mehr, nur nachhaltiges Arbeiten wird belohnt, Nachhaltige Investmentfonds suchen Investoren, wer Rad fährt, fährt nicht mehr Rad, nein, er radelt für die Nachhaltigkeit und, last but not least, ist Friede nicht mehr als einfacher Friede von Wert, sondern nur noch, wenn er ein nachhaltiger Friede ist.

Go GreenDie Beispiele zeigen nachhaltig, dass Nachhaltigkeit in mannigfaltiger Weise verwendet wird und immer ist damit dasselbe Ziel verbunden: etwas durch den Zusatz von “Nachhaltigkeit” zu etwas Besserem, Wichtigerem zu machen, es vor anderen Dingen auszuzeichnen, um auf diese Weise eine nachhaltig positive Wirkung bei Zuhörern und Lesern zu erzielen. Kurz: Nachhaltigkeit ist ein Füllwort, dessen Wirkung nicht über die Kognition erfolgt, denn Nachhaltigkeit hat keine inhaltiche Bedeutung, sondern über die affektive Konnotation von Nachhaltigkeit, die dem Wort “Nachhaltigkeit” immanente Wertung, die man mit: gut, wichtig, schön, wünschenswert, richtig, hervorragend und in jedem Falle anzustreben umschreiben kann.

Dass Nachhaltigkeit ein leerer Begriff ist, zeigen auch die (pseudo-)wissenschaftlichen Versuche, den Begriff zu bestimmen:

Nachhaltigkeit, so kann man diese Anstrengungen zusammenfassen, soll alle Prozesse beschreiben, die eine Erneuerung von Ressourcen gewährleisten und einen Raubbau an Ressourcen verhindern. Diese Beschreibung nachhaltiger Entwicklung, findet sich zum Beispiel im Urtext, dem die Nachhaltigkeit entsprungen ist: dem Brundtland-Bericht. Dort wird eine nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung definiert, “die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff, 1987, S.46). Das beschriebene Kunststück, die bekannten Bedürfnisse heutiger Generationen mit den unbekannten Bedürfnissen zukünftiger Generationen in Einklang zu bringen, wird in der AGENDA 21 weitergeführt. Der Nachhaltigkeit werden nun drei Dimensionen zugewiesen, nämlich (Bolz, 2005, S.37; Rotmans & DeVries, 1997, S.10):

  • eine soziale und wirtschaftliche Dimension, die u.a. der Bekämpfung von Armut dient, Bevölkerungspolitik betreiben will und den Handel umschließt;
  • eine Dimension die die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen sicherstellen soll und u.a. die Bereiche Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik umfasst;
  • eine Dimension die auf die Stärkung der Rolle (Rechte) gesellschaftlicher Gruppen abzielt, worunter vornehmlich Minderheiten, Frauen, aber auch NGOs fallen.

Es ist jedem halbwegs in Wissenschaft Geschulten leicht ersichtlich, dass Nachhaltigkeit kein wissenschaftliches, sondern ein normatives Konzept ist, denn Nachhaltigkeit beschreibt gesellschaftliche Zustände, die aus Sicht derer, die die entsprechenden Zustände als nachhaltig beschreiben, wünschenswert sind. Warum sie das sind, wird regelmäßig nicht begründet, vielmehr werden diejenigen, die nach einer Begründung fragen, durch einen entrüsteten Appell an einen nicht näher bestimmte Verantwortung gegenüber nicht näher bestimmten Dritten oder Dingen mundtot gemacht.

Dass Nachhaltigkeit somit ein Begriff ist, der bestenfalls mit Bezug auf die Ethik bestimmt werden kann, wird spätestens dann deutlich, wenn man die Argumentation der Nachhaltigkeitsapostel umdreht und fragt:

  • Ist es nicht wichtiger das Los der derzeitig lebenden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, anstatt ihnen Einschränkungen mit Blick auf noch nicht geborene Menschen aufzuerlegen?
  • Wieso soll man bekannte Bedürfnisse lebender Generationen zu Gunsten unbekannter Bedürfnisse (noch) nicht lebender Generationen zurückstellen?
  • Warum sollen heute lebende Generationen auf einenhöheren Lebensstandard, der ihnen mögilch ist, verzichten, nur weil Berufspessimisten annehmen, dass zukünftige Generationen zu dumm sein werden, um mit den Herausforderungen, vor die sie gestellt sind, selbst fertigwerden zu können?
  • Ist es überhaupt ethisch vertretbar, von Menschen Verzicht zu fordern und ihnen ein schlechteres anstelle eines besseren Leben zu verordnen?

Dies sind nur einige Fragen, die mit dem Konzept der Lebensqualität oder Nicht-Nachhaltigkeit verbunden sind und die deutlich machen, dass Nachhaltigkeit lediglich dazu dient, moralischen Druck auf Menschen auszuüben, um sie in eine Richtung und zu Handlungen manipulieren zu können, die sie von sich aus nicht vorgenommen hätten.

overpopulationAufgabe einer Wissenschaft, die sich ernst nimmt, wäre es entsprechend den anti-emanzipatorischen Kern, den Nachhaltigkeit umschließt, deutlich zu machen und eine moralische Aufklärung zu betreiben, die Menschen nicht zu Lemmingen des Zeitgeistes macht, sondern sie darüber entscheiden lässt, ob sie sich im Sinne der Nachhaltigkeits-Apostel verhalten wollen oder nicht. Das würde natürlich voraussetzen, dass die Nachhaltigkeitsapostel ihre Argumente dafür präsentieren, warum es für derzeit Lebende einen Nutzen bringen soll, sich nachhaltig zu verhalten und diesen Nutzen auch konkret anzugeben. Anders formuliert: Die Nachhaltigkeitsapostel müssten begründen, warum die Lebensqualität der derzeit lebenden weniger wert sein soll als die Lebensqualität zukünftiger Generationen. Und schon weil ein konkreter Nutzen gefragt ist, wird man vergeblich auf entsprechende Argumente warten (schon weil Nachhaltigkeit, dann, wenn sie ernstgenommen wird, und als Reduzierung des Einflusses von Menschen auf ihre Umwelt operationalisiert wird, logisch zu der Konsequenz führt, dass man einen Geburtenstopp fordern müsste.).

Institutionalisierte Wissenschaft in Deutschland 2014 ist jedoch weit davon entfernt auch nur Spuren einer emanzipativen Auffassung der eigenen Tätigkeit zu enthalten. An die Stelle der Rationalität, die die Idee der Wissenschaft über Jahrhunderte hinweg getragen hat, tritt immer häufiger eine Irrationalität, deren Ziele gerade nicht in der Befreiung von Menschen und der Herstellung von Autonomie bestehen, sondern im Gegenteil darin, Heilsbotschaften zu verkünden, Verhaltensvorschriften zu geben oder, in anderen Worten, Inhaber wissenschaftlicher Positionen in der moralischen Überzeugung schwelgen zu lassen, sie könnten irgend etwas besser für andere beurteilen als diese selbst.

Und so ist es nicht verwundertlich, dass sich vermeintliche Wissenschaftler dafür hergeben, an einer effektiven Verbreitung der Nachhaltigkeits-Saga mitzuwirken. Ziel: “Sachwissen in den Themenfeldern der Nachhaltigkeit zu vertiefen und mit erfahrenen Fachleuten aus der Praxis (z. B. taz, SPIEGEL) die verständliche und spannende Vermittlung der Themen zu üben”. Deutlicher kann man die Tasache nicht mehr machen, dass deutsche Universitäten nicht mehr Erkenntnisgewinn zum Ziel haben, sondern klar sozial-technologische Ziele verfolgen, also dabei mitwirken wollen oder sollen, die Bürger auf den richtigen Weg zu führen, ihnen das richtige Verständnis zu vermitteln, als es in diesen wenigen Zeilen aus dem Zertifikatstudium “Nachhaltigkeit und Journalismus”, das an der Leuphana-Universität Lüneburg angeboten wird, von der wir uns zunehmend fragen, warum sie “Universität” nicht endlich durch Schule ersetzt.

nachhaltig siegelIm Zertifikatstudium, das mit dem Zertifikat “Nachhaltigkeit und Journalismus” endet, eine Auszeichnung, die man sich dann vermutlich auf den Allerwertesten tätowieren lassen darf, werden Grundlagen in “Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften”, “Nachhaltigkeitshumanwissenschaften”, in der “Nachhaltigkeitskommunikation” gelegt, in dem die “Nachhaltigkeitsforschung” der entsprechenden “Nachhaltigkeitswissenschaften” dargelegt und genutzt werden, um einen “Nachhaltigkeitsjournalismus” darauf zu gründen. Bei so viel Nachhaltigkeit muss es auch dem letzten Leser  deutlich werden, dass hier nachhaltige Kaderbildung betrieben werden soll, und zwar in Form nachhaltiger Journalisten, oder, in den Worten von Dr. habil. Heike Diefenbach, von Multiplikatoren, die wie die 12 Apostel in die Welt ziehen und die heilige Botschaft verkünden, nicht die heilige, in diesem Fall, sondern die nachhaltige Botschaft.

Das Pikante am Zertifikatsstudium der Kaderschmiede in Lüneburg findet sich unter dem Punkt “Partner”. Partner des Zertifikatsstudium, das aus Gründen der Verschleierung an einer Institution angeboten wird, die sich (noch) Universität nennt, sind:

  • Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die “treibende gesellschaftliche Kraft für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland”.
  • Die Zeitschrift GEO, des Verlagshauses Gruner und Jahr, die offensichtlich und bislang noch keine nachhaltigen Reportagen produziert.
  • Germanwatch, eine “Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt”.
  • Die Lüneburger Landeszeitung, die derzeit “31.689” nicht nachhaltige Exemplare verkauft.
  • Die taz.panterstiftung, die in Workshops “kritische Journalisten” der Art, wie man sie fast täglich in der “taz” bewundern kann, heranzüchten will.
  • Völkel Naturkostsäfte, bei denen der “Anbau von Bio-Streuobstwiesen und die Förderung von samenfesten Gemüsesorten” ganz hoch im Kurs steht.
  • Und der WWF, der “weltweit die Zerstörung der Natur und Umwelt” stoppen will, woraus man nehmen muss, dass Natur mit Umwelt nichts zu tun hat.

go green 2Die genannten Partner, deren richtige Bezeichnung wohl eher: Sponsoren wäre, machen das Zertifikatsstudium erst möglich, und entsprechend empfehlen wir das Studium der vollen Aufmerksamkeit der GEW, die im regelmäßig auf uns niederkommenden “Privatisierungsbericht”, die Einflussnahme privater Organisationen auf die Bildung beklagt. Und im vorliegenden Fall sind wir ganz und gar einer Meinung mit der GEW: Es ist höchste Zeit die Finanzierung von Zertifikatsstudien zu “Nachhaltigkeit und Journalismus” , die Einflussnahme privater Organisationen auf die Ausgestaltung von Bildung und den Missbrauch universitärer Ressourcen für Indoktrination und Manipulation zu unterbinden.

Literatur

Bolz, Hermann R. (2005). Nachhaltigkeit. Eine weitere Worthülse oder ein wirksamer Beitrag zur Verringerung der Ontologischen Differenz? Norderstedt: Book on Demand.

Hauff, Volker von (Hrsg.)(1987). Unsere gemeinsame Zukunft – Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Köln: Greven.

Rotmans, Jan & De Vries, Bert (1997). Perspectives on Global Change: The TARGETs Approach. Cambridge. Cambridge University Press.

Was in Gaza fehlt: Deutsche Konfliktberatung

Wir haben einen Konflikt – keinen Gaza-Konflikt im kleinen, auch keinen Beziehungs-Konflikt oder einen Arbeitskonflikt oder einen Interessenkonflikt, nein, wir haben einen Konflikt mit Konfliktberatung, einen intellektuellen Konflikt, ein Konflikt, in dem sich Gehirn auf der einen, und Geschreibe auf der anderen Seite gegenüberstehen, unversöhnlich, wie es scheint: Ein Fall für Konfliktberatung.

Reittherapie

©pferdegestützte Beratung

Konfliktberatung ist eines dieser Modefächer, das an Universitäten eine Vielzahl von Coaches hervorbringt, die dann in die Welt ziehen, um dieselbe nicht nur nach zu lösenden Konflikten abzugrasen, nein, um Konfliktteilnehmer zur Konfliktlösung zu beraten. Denn: In der heutigen Zeit braucht man einen Berater, um Konflikte lösen zu können. Würden die Israelis und Hamas das endlich erkennen und deutsche Universitätsabsolventen, z.B. aus Oldenburg endlich als Berater engagieren, der Gaza-Konflikt wäre längst gelöst, einvernehmlich und für beide Seiten zufriedenstellend.

Aber: Im Nahen Osten konfligiert man lieber, und entsprechend sind die Konfliktberater in heimischen Gefilden unterwegs, beraten sie hier so lange, bis Konfliktparteien aufgeben, Konfliktpartei zu sein. Und doch: Irgend etwas ist hier seltsam: Konflikte in Deutschland sind andere Konflikte als Konflikte in der Ukraine oder im Nahen Osten, so meint man.

Konflikt ist ein recht vielfältiger Begriff.

Konflikte entstehen aus der Interaktion von Menschen. Ohne menschliche Interaktion keine Konflikte. Das greift zu kurz, denn jeder kennt den Konflikt, den er mit sich selbst austrägt, z.B. wenn er vor der Wahl steht, noch ein Bier zu trinken oder kein Bier mehr zu trinken. Ausgezeichnet ist dieser intrapersonale Konflikt dadurch, dass man mit sich nicht im Reinen ist und zwei Reize (trinken, nicht trinken) darum konkurrieren, welcher dominant ist. Bei interpersonalen Konflikten ist das auch so: Hier konkurrieren mindestens zwei Menschen oder mindestens zwei Gruppen von Menschen darum, wer dominant ist, wer seine Interessen durchsetzen kann und wer seine Interessen nicht durchsetzen kann, wer dem anderen seine Werthaltung aufzwingen kann, und wer dem anderen seine Werthaltung nicht aufzwingen kann.

Die Versuche, schulische Curricula unter dem Vorwand von Akzeptanz und Toleranz mit linker Ideologie anzureichern, sind Beispiel solcher Wertkonflikte, bei denen eine bestimmte Gruppe einer anderen Gruppe ihre Interessen und ihre Werthaltung aufzwingen will.

Coser soziale KonflikteZiel des Aufzwingens der eigenen Interessen ist es, sich Zugang zu Ressourcen zu verschaffen oder sich Einfluss zu verschaffen, der genutzt werden kann, um Zugang zu Ressourcen zu gewinnen. Und da Ressourcen begrenzt sind, gibt es Konflikt, denn Versuche, anderen etwas aufzuzwängen, sei es ein Windrad auf dem Bergrücken oder eine Beratung über gesundes Leben, entsprechen einem Nullsummenspiel: Das, was derjenige, der seine Interessen durchsetzt, gewinnt, verliert derjenige, gegen den diese Interessen durchgesetzt wurden. Lewis A. Coser hat dies in seiner Konflikttheorie zusammengefasst. Er postuliert, dass Gesellschaften nicht auf Konsensus, sondern auf Zwang aufgebaut sind, Zwang, der mit sozialer Ungleichheit einhergeht und eine Gruppe, z.B. rot-grüne Landespolitiker in die Lage versetzt, einer anderen Gruppe, z.B. Eltern, Schülern und Lehrern, ihre Interessen aufzuzwingen.

Nun verhalten sich nicht alle passiv, wenn ihnen die Interessen anderer aufgezwungen werden sollen. Manche wehren sich. Und weil sich manche wehren, gibt es z.B. im Nahen Osten kriegerische Auseinandersetzungen und in Deutschland nicht, denn in Deutschland hat sich die herrschende Klasse etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um Ressourcenkonflikte nicht gewaltsam austragen zu müssen.

Einerseits wird Individuen das Recht abgesprochen, sich zur Not auch mit Gewalt gegen Übergriffe und Versuche zu wehren, sie zu Handlungen zu zwingen, die sie nicht ausführen wollen. Andererseits wird Gewalt und Aggression in einer beispiellosen konzertierten Aktion verteufelt und z.B. als Ergebnis von zu viel Testosteron oder anderer Fehlentwicklungen dargestellt. Gewalt und Aggression werden stigmatisiert, sie werden diskriminiert, denn man darf sich ihrer nicht mehr als legitimes Mittel oder auch letztes Mittel bedienen, um z.B. den Interessenübergriffen durch Dritte eine Grenze zu ziehen.

Als besonders wichtig im Bemühen, Gewalt und Aggression zu ächten, haben sich Berater, Coaches, Konfliktmanager erwiesen, Mitglieder aus der Mittelschicht, extra an Universitäten und auf Kosten der Arbeiterschicht ausgebildet, um Konflikte zu schlichten, um “Zoff” z.B. am Arbeitsplatz zu verhindern .

Conflict-ManagementDie Prämissen, auf denen Konfliktmanagement basiert, lauten: Konflikte sind außergewöhnliche Ereignisse, die nur selten vorkommen. Sie sind Ereignisse, die es zu vermeiden gilt und vor allem: Sie sind Ereignisse, bei denen Außenstehende eingreifen müssen, um den Konflikt zu beseitigen oder zu bewältigen. Und natürlich gibt es Strategien, um Konflikte zu lösen, was notwendig darauf hinweist, dass Konflikte generell lösbar sind, eine eher seltsame Sichtweise, wenn man bedenkt, dass Konflikte entstehen, weil Ressourcen ungleich verteilt sind. D.h. die Lösung eines Konflikts, z.B. zwischen der Arbeiterschicht, die das Studium der Kinder aus der Mittelschicht finanziert und der Mittelschicht, bestünde darin, den Besuch von Universitäten über Studiengebühren und nicht über Steuermittel zu finanzieren. Auf diese Weise bezahlen diejenigen für Universitäten, die/denen sie auch nutzen, nicht diejenigen, die/denen sie nicht nutzen. Aber: Konfikt! Allein das Wort “Studiengebühr” trägt schon den Konflikt in sich. Ulkiger Weise einen Aufrichtigkeitskonflikt: Studiengebühren schaden den sozial Schwachen. Die können dann nicht mehr studieren, so wird behauptet, ganz so, als täten sie es derzeit. Angehörige der Mittelschicht behaupten das, sie, die derzeit umsonst studieren und natürlich ein Interesse haben, das auch weiterhin zu tun. Und um dieses Interesse durchzusetzen, ist man sich auch nicht zu schade, diejenigen, die den Schaden haben, zu instrumentalisieren und zu behaupten, man nutznieße zu ihrem Besten.

Wie aber Konflikte lösen, wenn ihnen Interessen und Herrschaftsstrukturen zu Grunde liegen?

Gar nicht. Im Deutschland des Jahres 2014 werden Konflikte nicht gelöst, sondern bearbeitet, weggeschwätzt, es wird für Akzeptanz bei denen gesorgt, denen Interessen aufgezwungen werden sollen und, wenn sich die Konfliktparteien nicht bearbeiten und beschwatzen lassen, dann werden sie entfernt, dann gehören sie “nicht ins Boot”, wie man einem fast schon lustigen Beitrag über Arbeitspsychologie in der Welt entnehmen kann. Drei Psychologen-Konflikt-Coach-Coaches haben an diesem Beitrag mitgewirkt, den man wie folgt zusammenfassen kann:

Wir sitzen alle in einem Boot.

Wenn es Konflikte gibt, dann müssen wir reden.

Es ist das Beste, Lösungen für Probleme dann zu finden, wenn es die Probleme gibt, nicht etwa umgekehrt.

Und wer nicht spurt, der muss sich ein anderes Boot suchen.

Natürlich ist das zu krude und nicht die Weise, in der Konfliktmanagement, also der Versuch, Menschen nicht nur um den Verstand, sondern auch um ihre eigenen Interessen zu reden, funktioniert. Er funktioniert vielmehr so:

“Konflikte lassen sich am besten beseitigen, wenn alle Beteiligten in einer gemeinsamen Runde zur Lösung beitragen. Und wenn der Chef selbst Teil des Teams und des Problems ist? ‘Dann gehört er mit ins Boot’, sagt Jansen.”

“Alleingänge eines Teammitglieds sind auch keine Lösung, ebenso wenig wie Vier-Augen-Gespräche. ‘Wenn jemand eine fertige Lösung aus dem Hut zieht, schafft das neuen Konfliktstoff, weil es die Interessen der Teammitglieder verletzt”, sagt der Coach Axel Janßen aus Hamburg.

Ob der Leerformel, die uns Janßen hier als “fertige Lösung” präsentiert, haben wir den oben angesprochenen intellektuellen Konflikt, den Konflikt zwischen Gehirn und Geschwätz. Aber: wir lernen. Wenn es Konflikte gibt, dann muss man ein Boot mieten und alle hineinsetzen, auch den Chef. Aber: beim Bootfahren darf man nicht Titanic spielen:

“Die Ursachen für Konflikte liegen meist nicht offen zutage. ‘Das ist wie mit einem Eisberg: Wir sehen nur die Spitze, die aus dem Wasser ragt, doch die eigentlichen Auslöser lauern unter der Oberfläche'”.

Konfliktmanagement

Konfliktmanagement

Also stellen Sie sich vor, sie sind Inhaber von Lehrstuhl A und haben mit dem Inhaber von Lehrstuhl B eine gemeinsame Sekretärin. Damit gehören Sie zu den Lehrstuhlinhabern, die in Deutschland derzeit als privilegiert anzusehen sind, denn sie haben immerhin Zugriff auf 50% Sekretärin. Theoretisch heißt das. Praktisch belegt Lehrstuhlinhaber B die Sekretärin mit mehr Aufgaben als seinem 50% Anteil entsprechen. Konsequenter Weise kommt es zum Konflikt um die Nutzung der gemeinsamen Ressource. Und weil moderne Gesellschaften aus Idioten bestehen, die nicht mehr sehen, was vor ihren Augen ist, deshalb wissen sie als Lehrstuhlinhaber A nicht, was nun die Ursache des Konfliktes mit Lehrstuhlinhaber B ist. Zwei Drittel des Konflikt-Eisberges, so wissen sie als einschlägiger Leser von Konfliktmanagementbüchern, liegen unter der Oberfläche. Grund genug, einen Konfliktberater, einen Coach, der sie zur Konfliktbeseitigung befähigen will, zu engagieren und Lehrstuhlinhaber A und Lehrstuhlinhaber B und den Coach in ein Boot zu setzen. Die Sekretärin kocht hoffentlich Kaffee, damit Sie auf der Bootsfahrt auch etwas zu trinken haben und los geht’s. Jetzt wird der Konflikt gelöst, und zwar so, wie der Coach das will. Und wer sich dem, was der Coach als Lösung vorschlägt, nicht fügt, der fliegt raus, aus dem Boot:

“Stört ein Kollege Lösungsversuche oder verweigert der Vorgesetzte seine Unterstützung … und wenn … alles nicht funktioniert, ‘würde ich mir einen neuen Arbeitgeber suchen'”

Die ultimative Konfliktlösung: Schwanz einziehen und Feld räumen, ganz so, wie dies im aggressionsfreien und gewaltverängstigten Deutschland im Jahre 2014 die Regel ist. Vielleicht gibt es ja doch einen Grund dafür, dass deutsche Konfliktmanager im Nahen Osten nicht gefragt sind.

Der Feind in unserer Mitte: Gender Studies können an Universitäten nicht mehr einfach geduldet werden

Prof. Dr. Günter Buchholz hat einen Fachartikel an der Fachhochschule Hannover veröffentlicht, der sich – folgt man der Überschrift – mit “Gender Studies – Die Niedersächsische Forschungsevaluation und ihre offenen Fragen” befasst, der sich jedoch bei Lektüre als viel umfassenderer und weitreichenderer, weil weit über Niedersachsen hinausreichender Fachartikel darstellt.

buchholzWer den Beitrag von Prof. Dr. Günter Buchholz gelesen hat, der kann, sofern ihm Wissenschaft und gesellschaftliche Prosperität am Herzen liegen, nicht mehr schweigen, der muss aufstehen und den Feind in unserer Mitte bekämpfen.

Nun, nach diesem pathetischen Anfang ist es notwendig, die Rechtfertigung für diesen pathetischen Anfang, zu liefern, damit auch dem Trägsten unter den Lehrstuhlplattsitzern in Deutschland Dampf unter dem Allerwertesten gemacht wird.

Günter Buchholz hat einen Aufhänger in seinem Beitrag, einen Bericht, der von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen als Evaluationsbericht zur “Geschlechterforschung in Niedersachsen” bezeichnet wird. Es ist dies ein klassischer Fall von Etikettenschwindel, mit dem die Öffentlichkeit absichtlich und mutwillig getäuscht werden soll, denn der Bericht und die Empfehlungen zur Geschlechterforschung ist alles, aber er ist weder eine Evaluation noch etwas, was auch nur entfernt an eine Evaluation erinnert.

Es beginnt damit, dass die Autoren des Werks, Birgit Geissler, Christina von Braun, Ineke Klinge, Birgit Riegraf, Friederike Maier und Ines Weller alle Nutznießerinnnen des Genderismus sind, d.h. auf entsprechenden Lehrstühlen für Gender Studies installiert wurden. Die Evaluation von Gender Studies oder Geschlechterforschung durch Personen, die Gender Studies oder Geschlechterforschung betreiben, gleicht somit dem Unterfangen, die Relevanz und Wirkungsweise von Astrologie durch Astrologen evaluieren zu lassen.

Logik f dummiesNun könnte man uns vorwerfen, hier ein argumentum ad hominem gemacht zu haben, denn prinzipiell ist es denkbar, dass auch Personen, die von Gender Studies profitieren, deren Einkommensquelle vom Bestand der Gender Studies abhängt, zumindest den Versuch unternehmen, die Gender Studies ansatzweise objektiv zu beurteilen. Entsprechend muss man die vermeintliche Evaluation als solche zur Kenntnis nehmen und sein Urteil begründen, um es nicht dem Vorwurf eines argumentum ad hominem auszusetzen.

Im vorliegenden Fall ist das einfach.

Evaluationsstudien untersuchen die Konsequenz von etwas. So kann man die Wirkung von Medikamenten untersuchen, in dem man die Personen, die nach Einnahme eines Medikaments gestorben sind, denen gegenüberstellt, die geheilt wurden. Man kann wissenschaftliche Fachdisziplinen, z.B. die Soziologie, im Hinblick auf ihren gesellschaftlichen Einfluss untersuchen, in dem man soziologische Forschungsergebnisse z.B. im Rahmen der Bildungsforschung zusammenstellt und untersucht, welchen Niederschlag diese Forschungsergebnisse in der Bildungspolitik gefunden haben. Das setzt natürlich voraus, dass es überhaupt Forschungsergebnisse gibt. Schließlich kann man Publikationen von Wissenschaftlern in einem Fachgebiet einer Evaluation zu Grunde legen, dieselben auf der Basis einer Reihe von Kriterien wie: empirische Bewährung, wissenschaftliche Reichweite usw. bewerten. Wie auch immer man im Rahmen einer Evaluationsstudie vorgeht, immer wird der Output bewertet, d.h. die Konsequenzen einer Forschung, deren Niederschlag, das, was man auch als Außenstehender als Ergebnis der entsprechenden Forschung wahrnehmen kann. Und selbstverständlich wird das Ergebnis mit den Kosten, die angefallen sind, um es zu erzielen, gewichtet.

Nur bei den Gender Studies und der angeblichen Evaluationsstudie aus Niedersachsen ist dies nicht der Fall. Hier versuchen die Autorinnen wie Günter Buchholz sehr klar und mit Liebe zum Detail darstellt, zu argumentieren, dass die wissenschaftlichen Kriterien, die seit Jahrhunderten genutzt werden, um den Wert einer wissenschaftlichen Forschung zu bestimmen, für Gender Studies nicht gelten. Gender Studies dürfen nicht an ihrem Output bewertet werden, vielmehr sollen Gender Studies am Input bewertet werden: Je mehr Lehrstühle für Gender Studies, desto besser. Je mehr angebliche Wissenschaftler Gender Studies betreiben, desto besser. Dies ist eine äußerst verquere Logik, die an das Verbot, die katholische Kirche zu kritisieren, erinnert, das es im Mittelalter gegeben hat.

Dazu schreibt Günter Buchholz:

“Damit wird der ministerielle Evaluationsauftrag im Hinblick auf Forschungsleistungen (Output) umgedeutet in eine Untersuchung, die zur Stärkung von Forschungs – Input-Strukturen (Stellen,Professuren, unabhängige Institute, finanzielle Mittel) beitragen soll, welche durch den Nachweis von erbrachten Forschungsleistungen weder gerechtfertigt werden können noch sollen.”

offene gesellschaft bdIIVermutlich ist Günter Buchholz hier zu nachsichtig mit dem Ministerium, das diese angebliche Evaluationsstudie in Auftrag gegeben hat. Denn, wie er selbst in seinem Beitrag feststellt, geht es vor allem darum, sich eine Legitimation dafür zurecht zu legen, Steuerzahlern weiterhin und in immer größeren Ausmaß zur Finanzierung von Gender Studies zur Kasse zu bitten, obwohl Steuerzahlern kein erkennbarer Nutzen aus Gender Studies entsteht. Statt dessen entstehen Steuerzahlern weitere Kosten, die sich mit Zerstörung von Wissenschaft und Behinderung von Erkenntnisfortschritt und Prosperität benennen lassen. Entsprechend kann man davon ausgehen, dass die angebliche Evaluationsstudie mit genau diesem Ziel beauftragt wurde.

Letztlich stellen sich die Gender Studies in der vermeintlichen Evaluations Studie als großangelegter Versuch des Nutznießens auf Kosten von Steuerzahlern dar, so dass Günter Buchholz zu der folgenden abschließenden Evaluation kommt:

“Die Politik ist aus Sicht des Autors aufgefordert, die den Staatsfeminismus ermöglichenden verfassungswidrigen Rechtsnormen aufzuheben und seine Finanzierung umgehend einzustellen; hierbei sind auch Zivilgesellschaft und Justiz gefordert.”

In kurz: Gender Studies sind der Versuch durch die unbelegte Behauptung vermeintlicher Benachteiligung von Frauen, der der Status einer sakrosankten Aussage zugewiesen wird, Steuermittel zu zweckentfremden und in die eigenen Taschen zu leiten. Dazu lagern sich Gender Studierte wie Misteln um Ministerien an, um Förderungen zu erhalten. Dazu ist es zudem notwendig, eine wissenschaftliche Legitimation vorzutäuschen, weshalb Gender Studies an Universitäten installiert wurden. Und da Gender Studies sich zu Wissenschaft verhalten wie Gift zu Gesundheit, schädigen sie die institutionalisierte Wissenschaft, machen sie ganze Fachbereiche lächerlich und führen sie dazu, dass wissenschaftliche Kriterien, für deren Einhaltung gerade in Deutschland schwer gekämpft werden musste, wieder beseitigt werden und die Willkür abermals die Hochschulen Deutschlands mit Beschlag belegt.

Diese Einschätzung ist zu pessimistisch? Sie wird den Gender Studies nicht gerecht? Nun, alle Wissenschaft ist empirisch, und deshalb testen wir unsere Thesen, d.h. nicht wir tun das, sondern Günter Buchholz, und zwar mit einer Befragung, die dazu konzipiert wurde, Gender Studies Betreibern die Gelegenheit zu geben, ihre Wissenschaftlichkeit und ihre Nützlichkeit zu demonstrieren. Die Befragung besteht aus drei Teilen und kann hier als Ganzes heruntergeladen werden.

Wir wollen uns an dieser Stelle auf Teil B beschränken, weil er der Teil ist, mit dem die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies steht und fällt. Die Fragen zur Wissenschaftlichkeit der Gender Studies sind die folgenden:

Buchholz Fragebogen

Ein Wissenschaftler, dem derartige Fragen vorgelegt werden, würde sie mit der größten Freude beantworten, zielen die Fragen doch genau auf das, was seine Wissenschaft ausmacht, die Methode, den harten Kern der Theorie, wie Lakatos dies genannt hat, die Zuordnung zu einer bestimmten Forschungsmethodologie, die Art und Weise der Prüfung von Hypothesen usw.

Entsprechend muss man erwarten, dass dann, wenn Gender Studies Betreiber Wissenschaftler sind, sie diese Fragen mit Freude und Leichtigkeit beantworten (können und wollen). Da die Fragen zudem von einem Kollegen einem Professor im Rahmen eines Forschungsprojekts gestellt wurden, ist deren Beantwortung mit um so größerer Motivation von empirisch arbeitenden Wissenschaftlern zu erwarten.

Um die Beantwortung der Fragen, wurden die folgenden Personen gebeten:

      1. RWTH Aachen, Herrn Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, Rektor
      2. Frau Prof. Dr. Tanja Paulitz
      3. Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Präsident Herr Prof. Dr. Bernd ReissertFrau Prof. Dr. Kristina Bautze
      4. Präsident der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Herrn Prof. Werner Müller-Esterl
      5. Frau Prof. Ulla Wischermann
      6. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      7. Frau Prof. Blunck
      8. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      9. Frau Prof. Raasch
      10. Genderbüro, Frau Dr. Frey,
      11. Universität Trier, Der Präsident Prof. Dr. Jäckel
      12. Frau Prof. Dr. Geier
      13. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Piveteau,
      14. Frau Dr. Ramsauer
      15. TU Berlin, Der Präsident Herr Prof. Dr. Jörg Steinbach
      16. Frau Prof. Dr. Sabine Hark
      17. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Präsident Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer
      18. Frau Prof. Dr. Nina Degele
      19. Frau Prof. Dr. Weber, Rektorin der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
      20. Herr Dr. P. Pohl
      21. Präsident der Universität Hamburg Prof. Dr. Dieter Lenzen
      22. Frau Prof. Lembke
      23. Rektor der Universität Bremen Prof. Dr. Scholz-Reiter
      24. Frau Prof. Eifler
      25. Universität Osnabrück – Der Präsident Prof. Dr. Rollinger
      26. Frau Prof. Dr. Schwarze
      27. Wirtschaftsuniversität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Badelt
      28. Frau Prof. Dr. Hanappi-Egger
      29. Universität Bern, Der Rektor Herr Prof. Dr. Täuber,
      30. Frau Prof. Dr. Schnegg
      31. Herrn Prof. Dr. Umbach, Präsident der Ostfalia – Hochschule
      32. Frau Stephanie Zuber
      33. Ruhr Universität Bochum, Rektor Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Elmar W. Weiler
      34. Frau Prof. Dr. Ilse Lenz
      35. Frau Prof. Dr. Dienel, Präsidentin der HAWK Hildesheim
      36. Frau Prof. Dr. A. Müller
      37. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      38. Frau Prof. Schirmer
      39. Präsident der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Radtke
      40. Frau Prof. Klammer
      41. Universität Gießen, Der Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
      42. Frau Dr. Hergenhan
      43. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Engl
      44. Frau Prof. Dr. Schmitz
      45. Universität Klagenfurt, Der Rektor Herr Prof. Dr. Vitouch
      46. Frau Prof. Dr. Wächter
      47. Herr Prof. Dr. Berger
      48. Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen, Frau Prof. Ulrike Beisiegel
      49. Frau Dr. Uta Schirmer
      50. Universität Bremen, Rektor Herr Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter
      51. Frau Prof. Dr. Christine Eifler
      52. Universität Oldenburg, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. B. Simon
      53. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      54. Frau Prof. Benthien
      55. Heidelberger Institut für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung,
        Frau Prof. Blaettel-Mink, Frau Dr.Kramer
      56. Universität Kassel, Der Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep
      57. Frau Prof. Dr. Tuider
      58. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Bieger
      59. Herr Prof. Dr. Steyart
      60. Technische Universität Berlin, Der Präsident Prof. Dr. Steinbach, Der Vizepräsident Prof. Dr. Thamsen
      61. Frau Prof. Dr. S. Hark
      62. Universität Graz, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. Christa Neuper
      63. Frau Prof. Dr. Angelika Wetterer
      64. Herrn Prof. Dr. Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München
      65. Frau Prof. Paula-Irene Villa
      66. Präsident der HAW Hamburg, Prof. Dr. Michael Stawicki
      67. Frau Prof. Bessenrodt-Weberpals
      68. Präsident der Universität Hamburg,Prof. Dr. Dieter Lenzen
      69. Frau Prof. Rastetter
      70. Deutsche Stiftung Frauen- und Geschlechterforschung
        Frau Dr. Dumont du Voitel,
      71. Universität Siegen, Der Rektor Prof. Dr. Burkhart
      72. Frau Prof. Dr. Moog
      73. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Loprieno
      74. Frau Prof. Dr. Maihofer

Von den verschickten Fragebögen hat Günter Buchholz insgesamt keinen einzigen ausgefüllt zurückbekommen. Mit anderen Worten: Keiner der Angeschriebenen hat an der Befragung des Kollegen Buchholz teilgenommen. Lediglich eine, der angeschriebenen hat ein intensives Telefongespäch mit Günter Buchholz geführt, das letztlich jedoch zu keinem ausgefüllten Fragebogen geführt hat. In fünf Fällen hat Günter Buchholz einen Rückruf erhalten, in dem der Angeschriebene seine “unverhohlene Empörung” zum Ausdruck gebracht hat, was wohl die Art und Weise ist, mit der Buchholz Beschimpfungen am Telefon umschreibt.

Es bleibt also festzustellen, dass Gender Studierte nicht Willens oder nicht in der Lage sind, die oben dargestellten Fragen, die jeder Wissenschaftler aus dem ff beherrschen und mit Freude für seinen Tätigkeitsbereich beantworten können muss, zu beantworten. In beiden Fällen, dem des nicht Wollens und dem des nicht Könnens muss man feststellen, dass es sich bei den Angeschriebenen offensichtlich um keine Wissenschaftler handelt.

Offene Gesellschaft BD1Vielmehr belegt die Befragung von Günter Buchholz einmal mehr in eindrücklicher Weise die Tatsache, dass Gender Studies nichts mit Wissenschaft zu tun haben, dass dann, wenn Gender Studierte um eine Legitimation oder eine wissenschaftliche Begründung für ihre Gender Studies gebeten werden, sie empört reagieren, wie dies für Anhänger eines Kultes, deren Fetisch man hinterfragt, üblich ist. In jedem Fall ist das Bemühen evident, den eigenen Tätigkeitsbereich hermetisch gegen Begutachtung und vor allem gegen eine wissenschaftliche Untersuchung abzuschirmen. Nicht zuletzt ist dies in einem Boykott-Aufruf der Befragung von Günter Buchholz deutlich geworden, den Beate Kortendiek, die dem Steuerzahler in Duisburg-Essen zur Last fällt, verbreitet hat.

Wissenschaftler haben seit dem Advent der rationalen Wissenschaft, seit Philosophen wie Francis Bacon oder Thomas Hobbes, Immanuel Kant oder Karl Raimund Popper die Emanzipation der und Begründung von Wissenschaft als empirische Wissenschaft vorangetrieben haben, einen stetigen und erfolgreichen Kampf gegen die Religion geführt, die regelmäßig versucht hat, Wissenschaft und ihre Erkenntnis zu unterbinden oder für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Die scheinbare Säkularisierung, die angeblich in modernen Gesellschaften eingesetzt hat, hat nur den Gegner im Kampf um freie Wissenschaft und freie Erkenntnis verändert: Nicht mehr Religion versucht, Wissenschaft zu verunmöglichen und freie Erkenntnis zu beseitigen, sondern Ideologie, namentlich der Genderismus, der nichts anderes ist, als die Neuauflage eines feministisch gewendeten Sozialismus.

Wissenschaftler haben nicht über Jahrhunderte gegen den Einfluss der Kirche gekämpft, um nunmehr tatenlos dabei zuzusehen, wie ein neuer Feind aus ihrer Mitte heraus, die Wissenschaft zerstört. Entsprechend ist Widerstand geboten, Widerstand gegen Genderisten und ihre vermeintlichen Studien.

Wir fordern unsere Leser dazu auf, Teil B des Fragebogens, der oben dargestellt ist und hier heruntergeladen werden kann, auszudrucken und Gender Studierte mit diesen Fragen zu konfrontieren wo sie gehen und stehen. Konfrontiert die Gender Studierten so lange mit diesen Fragen, bis sie sich nicht mehr aus ihren Büros trauen! Verlangt Antworten und macht den Gender Studierten klar, dass sie zum Geben von Antworten verpflichtet sind, schließlich werden sie von uns allen bezahlt! Und wenn sie keine Antworten zu geben in der Lage sind oder unwillig sind, Antworten zu geben, dann haben sie an Universitäten nichts zu suchen und sollten schnellstens von dort entfernt werden.

Leitlinien liberaler Bildungspolitik

Manchmal scheint ein Licht am Ende des Tunnels. Selbst im Bereich der (schulischen) Bildung gibt es flackernden Kerzenschein in Deutschland zu beobachten, flackernden Kerzenschein der es ermöglicht einen mit “Bildungspolitik in Brandenburg” überschriebenen Beitrag zu lesen. Kristina Kämpfer hat diesen Beitrag mit dem langweiligen und abschreckenden Titel verfasst und in diesem Beitrag, auf den Seiten 12 bis 19 die Leitlinien liberaler Bildungspolitik versteckt.

light tunnelVermutlich muss man Anklänge an Liberalität im Deutschland des Jahres 2014 verstecken, denn Liberale wollen den Staat stutzen, jenen Staat, der in Deutschland immer mehr Anhänger findet, weil immer mehr bei ihm beschäftigt sind oder von ihm abhängig gemacht werden – und wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Einschub: Das Wachstum des staatlichen Molochs hat mit der Mutation der Dienstleistungsbranche in ein Beraterunwesen zu tun. Die Mutation beginnt in der Regel mit der Schaffung von Studiengängen, wie dem zum Sexologen. Sexologen, werden sie erst einmal auf Menschen losgelassen, schaffen sich ihre eigene Nachfrage, indem sie neue vermeintliche Krankheiten oder Leiden definieren und sie Menschen, die nur allzu willig sind, ihre langweilige Existenz mit mehr oder weniger imaginierten Problemen anzufüllen, aufzuschäwtzen. Letztere fühlen sich existent und wichtig wenn sie leiden: crudito ergo sum. Ist die Nachfrage geschaffen, fehlt noch die Finanzierung, die, angesichts der Nachfrage, die nunmehr zum Indiz für einen Bedarf geworden ist, natürlich über die Krankenkassen erfolgt: Fast ein perfektes perpetuum mobile, mit dem sich die Mittelschicht selbst versorgt, und zwar auf Kosten der Arbeiterschicht, denn es sind Kinder aus der Mittelschicht, die Unsinn wie Sexologie studieren, und es sind eingebildete Kranke aus der Mittelschicht, die auf Kosten der Krankenkassen dieses neue Krankheitsangebot nachfragen.

Doch zurück zur liberalen Bildungspolitik von Kämpfer, deren Leitlinien wie folgt zusammengestellt werden können:

  • (1) Chancengleichheit im Zugang zu Bildung, d.h. keine Hürden beim Zugang zu Grund- und weiterführenden Bildungsangeboten.
  • (2) Bildung ist ein Bürgerrecht – Menschen haben entsprechend einen Anspruch auf Bildung. Zudem ist Bildung eine “entscheidende Komponente einer klugen Wirtschaftspolitik” (14).
  • (3) Bildung schafft Humankapital und ist entsprechend als “eine Investition in die Zukunft” anzusehen.
  • (4) Dem Staat obliegt es, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, allgemeine Standards zu definieren und den Zugang zu Bildungseinrichtungen zu sichern.
  • (5) Bildungseinrichtungen müssen selbständig und frei agieren. Sie müssen im freien Wettbewerb zueinander stehen, d.h. es muss private Bildungseinrichtungen mit denselben Rechten geben wie öffentliche Bildungseinrichtungen, sofern es letztere überhaupt gibt.
  • (6) Frühkindliche Betreuung soll in ausreichendem Maße vorhanden sein, wobei durch die Ausbildung des pädagogischen Personals für eine gewisse Mindestqualität gesorgt werden soll.
  • (7) Lehrpläne sollen abgeschafft und durch “Lernziele in Form von Mindesstandards” ersetzt werden (18).
  • (8) Die Einhaltung der Mindeststandards und die Leistungsabnahme erfolgt durch unabhängige, externe Evaluation, die von entsprechenden Service-Instutionen durchgeführt wird.
  • (9) Die Finanzierung des Bildungssystems erfolgt über Bildungsgutscheine, die bei Bildungseinrichtungen eingelöst werden können.
  • (10) Schulämter können aufgelöst werden.

School-voucherPrinzipiell kann man diesen Leitlinien, die weitgehend auf Eigenverantwortung und Wettbewerb basieren, zustimmen. Die Sicherstellung von Chancengleichheit (1) im Zugang zu Bildung ist grundlegend für eine liberale Bildungspolitik. Allerdings ist es dazu nicht notwendig, Standards durch den Staat (4) formulieren zu lassen. Es reicht, wenn über die Ausgabe von Bildungsgutscheinen (9) gewährleistet wird, dass jeder die Möglichkeit hat, sich die Bildungsinstitution auszusuchen, von der er sich die beste Leistung verspricht. Die Standards der Bildung werden sich über den Wettbewerb von selbst einstellen, ebenso wie die Qualität des Lehrpersonals, denn: Wenn Schüler und Eltern die Schule selbst wählen können, werden sie sich nach der besten Schule umsehen, der Schule mit der besten Reputation und den besten Lernergebnissen.

Damit sie das können, ist es nicht nur notwendig, die Schulen extern von Service-Institutionen evaluieren und die Leistungen der Schüler in zentralen Prüfungen durch diese Service-Institutionen abnehmen zu lassen (8), sondern auch dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse, wie dies z.B. im Vereinigten Königreich der Fall ist, veröffentlicht werden. Auf diese Weise können Eltern z.B. auf einen Blick erkennen, welches Leistungsniveau die Schüler einer Schule erzielen.

Dadurch, dass zentrale (Abschluss-)Prüfungen extern abgenommen werden, wird es auch notwendig, Lernziele festzulegen, die den Schülern bis zur Prüfung bekannt sein müssen (7). Die Lehrpläne können entsprechend entfallen. Damit der Nutzen, der mit dem Beseitigen von Lehrplänen erreicht werden kann, nicht vollständig verloren geht, ist es wichtig sicherzustellen, dass staatliche Institutionen keinerlei Zugriff auf die Lehrinhalte haben, die an Schulen vermittelt werden. Die Bestimmung der Standards und Lehrziele erfolgt durch Service-Institutionen und den Wettbewerb unter den freien und selbständig agierenden Schulen (5). Und nur so ist es möglich sicherzustellen, dass Politiker Schulen nicht weiter dazu missbrauchen, ihre Grillen auszuleben und Schüler mit politisch korrektem Unsinn zu traktieren. Insofern ist sicher auch die Abschaffung von Schulämtern (10) ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Was den angesprochenen Wertekanon angeht, so trägt die Gewährleistung eines gleichen Zugangs zu Bildung, unabhängig von der sozialen Herkunft dazu bei, dass Bildung quasi ein Bürgerrecht ist. Mehr ist nicht erforderlich, schließlich basiert Bildung auf Eigenverantwortung (3). Und wenn man, wie Kämpfer, die Eigenverantwortung von Bildung betont, dann ist es nicht so richtig einsehbar, wieso man “mangelnde Betreuungsmöglichkeiten sowie Teilzeitangebote zulasten von Frauen, … [was] anhand der niedrigeren Erwerbstätigenquote von Frauen gegenüber Männern sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland deutlich wird”, (16) beklagen sollte.

responsibilityGilt Eigenverantwortung bei der Entscheidung, sich fortzupflanzen nicht? Sollten nicht gerade Liberale die Eigenverantwortung auch in diesem Punkt betonen, anstatt in den politisch korrekten Singsang der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf einzustimmen, den Staatsfeministen seit Jahren monoton singen? Wer sich für Kinder entscheidet, dem ist doch wohl zuzumuten, die Konsequenzen seiner eigenen Entscheidung und die Einschränkungen, die sich mit dieser Entscheidung verbinden, selbst zu tragen und die Folgen seiner Entscheidung nicht von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen. Schließlich wird niemand gezwungen, sich fortzupflanzen.

Darüber hinaus haben Mütter in Arbeiterhaushalten über Jahrhunderte genau das vereint, was Mütter aus der Mittelschicht plötzlich als Vereinbarkeitsproblem entdeckt haben: Familie und Beruf, so dass man feststellen muss, dass Mütter aus der Arbeiterschicht offensichtlicht leistungsfähiger sind als Mütter aus der Mittelschicht.

Trotz dieser Kritikpunkte sind die Leitlinien liberaler Bildungspolitik ein guter Anfang; ein Schimmer am Ende des Tunnels und sicher geeignet als Diskussionsgrundlage zu dienen.