Gesinnungs-Schulunterricht: Warum Politiker die besseren Menschen sind

Dass die Sicherung staatlicher Herrschaft, ob in einer Demokratie, einem totalitären System oder einer Diktatur, über die Indoktrination des Nachwuchses, seine Ausbildung zum guten Staatsbürger, zum Untertan führt, zum Subjekt, dessen geistiger Horizont durch das Erlernte konstituiert und begrenzt wird, das wussten Nicolae Ceaușescu und Josef Stalin ebenso gut wie die Bildungspolitiker faschistischer Systeme der 1930er und 1940er Jahre in Deutschland und Italien, die Mitglieder der baden-würrtembergischen Landesregierung oder beliebige Pädagogen, die inhaltliches Wissen und nicht die Entwicklung der formalen Denk- und Schlussfähigkeit zum Gegenstand des Schulunterrichts gemacht haben.

Entsprechend geht es ihnen nicht darum, Schüler zu unabhängigen und individuellen Denkern auszubilden, die in der Lage sind, Meinungen auf Grundlage von Fakten, die sie selbst gesucht und bewertet haben, zu bilden, sondern darum, Schüler zu abhängigen und kollektiven Nach-Denkern zu erziehen, die die vorgegebene Lesart, die vorgegebene Meinung zu Dingen zu artikulieren im Stande sind, nicht aber dazu, das, was ihnen als richtig präsentiert wird, zu hinterfragen.

Dies ist offensichtlich in einem Land, in dem es zum Lehrplan gehört, die richtige demokratische Gesinnung, was regelmäßig die demokratische Gesinnung ist, deren Lobbyisten gerade in der Landesregierung vertreten sind, zu vermitteln.

Mitverantwortung SchulindoktrinationEin besonders krasses Beispiel dafür, wie versucht wird, Schüler mit der richtigen Gesinnung auszustatten, ihnen suggestiv zu vermitteln, wo der Feind steht und sie in einer Weise zu “framen”, d.h. mit einer Wahrnehmungsbeschränkung zu versehen, die die Gefahr, einen Schüler zu produzieren, der in der Lage ist, außerhalb des Mainstreams zu denken, minimiert, liefern die Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufen I und II mit dem Titel “MitVerantwortung“, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden [Die Stiftung Jugend und Bildung ist eine jener Stiftungen, von denen niemand weiß, wie sie sich eigentlich finanzieren. Es gibt keine Hinweise auf Höhe und Herkunft des Stifterkapitals, keine Jahresbilanz, keine Gewinn- und Verlustrechnung.]

Bei der Stiftung scheint es sich, wie ein Blick auf die Liste der Partner nahe legt, um eine Tarnorganisation zu handeln, über die Bundesministerien versuchen, Schulunterricht in den Ländern zu beeinflussen und die Schüler zur gewünschten Gesinnung zu manipulieren, zum Beispiel im Bezug auf das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, dessen heutige Verwendung im Brundlandt-Bericht erfunden wurde (sustainability) und der definiert wurde als Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Es ist nicht rühmlich, dass derartiger Unsinn in der Lage ist, Generationen zu beschäftigen und noch Jahrzehnte, nachdem er geäußert wurde, im Mund geführt wird. Die Definition ist deshalb Unsinn, weil sie die Kenntnis der Bedürfnisse der künftigen Generationen voraussetzt, was offensichtlich nur möglich ist, wenn die Brundtland-Kommission neben dieser Definition auch gleich eine Zeitmaschine erfunden hat, was die Kommission aber mangels Qualifikation nicht nicht leisten konnte.

Aber: Der Begriff der Nachhaltigkeit, der nachhaltigen Entwicklung hat sich wie kaum ein anderer in den letzten Jahrzehnten in den Sprachgebrauch eingefressen: Keine Pressemeldung, die Gutheit reklamieren will, kommt mehr ohne ihn aus, und kein Post in einem Blog, der geadelt werden will, kann darauf verzichten als nachhaltiger Post in einem nachhaltigen Blog zu wirken, natürlich immer unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Generationen künftiger Blogger.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist Gegenstand besagter Schulmaterialien, und damit die Schüler auch nicht auf die Idee kommen, jenes Prinzip der Nachhaltigkeit z.B. auf Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, beginnen die Materialien mit einer apodiktischen Feststellung dessen, was den Schülern als Wahrheit verkauft werden soll:

“Im Prinzip ist es einfach: Wenn man von vorhandenen Ressourcen mehr verbraucht als sich regenerieren kann, ist irgendwann nichts mehr übrig. Um den Raubbau an Natur und Menschen (Stichwort: „Menschenrechte“) künftig zu verhindern, gilt es, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln. Viele tun dies bereits: Politiker und Nichtregierungsorganisationen, Privatleute und ebenso zahlreiche Unternehmen. “

Wie einfach die Welt ist.

Dass Suggestion das Mittel der Wahl ist, mit dem Schüler indoktriniert werden sollen, zeigt sich an den Prämissen, auf denen die aufgestellten Behauptungen basieren:

  • Overpopulation1Derzeit wird Raubbau an Natur und Menschen betrieben – Man fragt sich von wem? Vermutlich von Aliens.
  • Das Gegenmittel gegen diesen angeblichen Raubbau an Natur und Menschen ist Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln, was voraussetzt, dass bis zur Entdeckung der Nachhaltigkeit Menschen keine Verantwortung übernommen haben. Entsprechend sind alle nicht-Nachhaltigkeitsapostel, also Kritiker am Konzept der Nachhaltigkeit, böse Menschen, die Raubbau an Natur und Menschen betreiben.
  • Wer die Guten sind, wird den Schülern auch gleich untergeschoben, denn Verantwortung übernehmen und nachhaltig handeln, das tun alle Politiker, die – ob braun, schwarz, blau, gelb, rot, tiefrot oder grün – in nachhaltiger Gutheit vereint sind und Nichtregierungsorganisationen. Die Macher dieser Materialien sind sich offensichtlich für nichts zu schade.

Nachhaltigkeit kennt, so lernen die Schüler weiter, drei Ebenen, eine ökologische, eine soziale und eine ökonomische Ebene und wie die Ebenen verschränkt sind, dass weiß, so zeigen es die Unterrichtsmaterialien, man ausgerechnet bei der Verbraucherzentrale:

“Wirtschaftswachstum kann nur dann als nachhaltig bezeichnet werden, wenn es nicht gleichzeitig soziale Ungleichheit verschärft oder zu weiteren Umweltbelastungen etwa durch steigende Schadstoffemissionen führt und somit die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen zerstört.”

Wirtschaftswachstum hat demnach neutral zu sein, damit es nachhaltig sein kann und wir stellen mit Erstaunen fest, dass das Wirtschaftswachstum, das die DDR-Bürger nach der Wende zu blühenden Landschaften erfahren haben, nicht den Kriterien der Verbraucherstiftung entspricht: Die Gesellschaft der im selben Mangel verarmten DDRler hat sich differenziert, die soziale Ungleichheit ist gestiegen. Ginge es nach der Verbrauchzentrale, die Vereinigung sie wäre aus Gründen der Nachhaltigkeit rückabzuwickeln.

Umweltbelastungen sind nur bedenklich, so lernen wir weiter, wenn sie zu den bereits vorhandenen hinzukommen und dann, wenn sie die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen zerstören.

Das alles mag für mache gut klingen und doch ist alles vollkommener Unsinn.

Die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen werden durch jeden Menschen, der heute geboren wird, zum Teil zerstört (weil das, was Hans Gegenwart verbraucht für Hans Zukunft nicht mehr zur Verfügung steht) und Teilzerstörung ist die einzige sinnvolle Interpretation, die man der Zerstörung der Lebensgrundlage nachfolgender Generationen geben kann, denn bislang ist es Menschen nicht gelungen, wachstumsfördernde Produktionsformen zu erfinden, die die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen komplett zerstören. Dagegen ist es Menschen durchaus gelungen, Wachstum zu produzieren, das Wohlstand zur Folge hat.

Da jeder Mensch mit jedem Atemzug Schadstoffe ausatmet und zudem mit jedem Atemzug Sauerstoff verbraucht, der für nachfolgende Generationen entsprechend nicht mehr zur Verfügung steht, ist die einzige Schlussfolgerung, die man aus dem Unsinn der Verbraucherzentrale ziehen kann, ein Verbot der Fortpflanzung, denn Fortpflanzung ist der größte Feind der Nachhaltigkeit.

Schließlich wird in den Materialien für den Unterricht in der 7. bis 12. Klasse das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zitiert, auch eine der Koryphäen, die sich auf dem Gebiet der Bildung tummeln, und im BMAS wurde der folgende besonders perfide Unsinn verbreitet:

„Die soziale Verantwortung von Unternehmen beschränkt sich darauf, Profite zu erwirtschaften – diese Position bezog der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den 1970er Jahren. Doch seitdem hat die Gegenposition immer mehr Anhänger gewonnen. Corporate Social Responsibility (CSR) ist die Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg. Denn erstens fördert sie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was der Produktqualität zugute kommt. Zweitens fragen … Verbraucher zunehmend Waren nach, die nachhaltig hergestellt wurden. Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch … Konsumenten führen.“

Friedman Kapitalismus und FreiheitDie Brechstangen-Suggestion des BMAS zeigt Schülern klar, wo die Guten und wo die Bösen zu finden sind. Böse sind Milton Friedman und seine Anhänger, die aber auf dem absterbenden Ast sein sollen, denn “die Gegenposition” zu Friedman hat angeblich immer mehr Anhänger gewonnen, weil nämlich CSR die Motivation von Mitarbeitern fördert und die Produktqualität erhöht (nicht etwa den Umsatz!). Außerdem müssen böse Unternehmer, die Friedman anhängen und unverantwortlich wirtschaften, mit Boykott durch Konsumenten rechnen. Deshalb sind sie zur Verantwortlichkeit bekehrt worden – oder so.

Wenn es darum geht, Schüler zu manipulieren, schreckt man offensichtlich vor nichts zurück, nicht davor, unbelegte Behauptungen aufzustellen, weil sie gerade in die Ideologie passen, nicht davor, Fehlschlüsse ad populum zu formulieren, also zu behaupten, weil angeblich eine Mehrheit an etwas glaubt, müsse diese Mehrheit recht haben (wobei noch zu zeigen wäre, dass sich die CSR-Anhänger tatsächlich in der Mehrheit befinden), und beim BMAS schreckt man auch nicht davor zurück, historische Diskussionen aus dem Zusammenhang zu reißen, zu fälschen, falsche Gegenpositionen aufzustellen und Ökonomen wie Milton Friedman zu denunzieren und zum Feindbild aufzubauen. Tatsächlich hat Milton Friedman Folgendes gesagt:

“In a free economy … there is one and only one social responsibility of business – to use its resources and to engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game, which is to say, engages in open and free competition without deception or fraud”

Das hat Milton Friedman gesagt, weil er der Ansicht war, dass ein Unternehmer, der am Markt bestehen will, gar nicht anders kann als verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, seine Arbeitnehmer angemessen zu entlohnen und auf die Wünsche und Präferenzen seiner Kunden einzugehen. Unternehmer sind – man muss einmal wieder daran erinnern – diejenigen, die andere in Lohn und Arbeit bringen und schon deshalb sozial sind

Versucht ein Unternehmer ohne Rücksicht auf Kundenpräferenzen und Arbeiter zu agieren, dann werden seine Produkte über kurz oder lang nicht mehr gekauft, dann kann er im Wettbewerb mit anderen Unternehmen nicht bestehen. Entsprechend ist der freie Wettbewerb für Friedman die wichtigste Zutat zu dem, was Schülern in den Indoktrinations-Materialien als verantwortlicher Umgang mit Ressourcen dargestellt werden soll. Denn von einem freien Markt werden die Anbieter, die unverantwortlich sind, über kurz oder lang verschwinden – das genau ist der Grund, warum sich Nichtregierungs- und Regierungsorganisationen vor dem freien Markt fürchten.

Die MitVerantwortungs-Materialien, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden, einem Feigenblatt, unter dem bundesministeriale Versuche der Schüler-Indoktrination erfolgen, können vor diesem Hintergrund nur als beschmämendes Dokument der versuchten Manipulation von Schülern zur richtigen Gesinnung bezeichnet werden.
Stiftung Jugend und BildungAber: Da wir immer ernst zu nehmen versuchen, was Bundesministerien und ihre Satelliten von sich geben, nehmen wir auch die Behauptungen zur Nachhaltigkeit ernst. Da Nachhaltigkeit, wie sie in den Materialien beschrieben wird, zur Konsequenz hat, dass der größte Schädling an Nachhaltigkeit menschlicher Nachwuchs ist und von Bundesministerien bekannt ist, dass sie die Produktion von menschlichem Nachwuchs bezuschussen, fordern wir hiermit zu einem Steuerboykott von Bundesministerien auf, denn: “Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch Konsumentinnen und Konsumenten führen”.

Zum Boykott sollte auch gehören, dass Eltern ihre Kinder von Schulen fernhalten, in denen derart primitive Indoktrinationsversuche unternommen werden. Der Boykott dient auch dem Selbstschutz, da Materialien wie die von Jugend und Bildung nicht zur Bildung, sondern zur Verblödung der Schüler beitragen, die ihnen ausgesetzt sind. Bei Schundprosa wir den Materialien der Stiftung Jugend und Bildung ist dies auch nicht anders zu erwarten.

Friedman, Milton (1993). The Social Responsibility of Business is to Increase Profits. In: Chryssides, George D. & Kaler, John H. (eds.). Business Ethics. London: Thompson Learning, pp.249-254.

©ScienceFiles, 2015

Effizientes Regieren durch entmündigte Bürger

Regierungen haben mit ihren Bevölkerungen ihre liebe Not: Bürger zahlen weniger Steuern als Regierungen es für notwendig halten, ja, manche enthalten ihre Steuern gar vor. Viele Bürger wollen einfach nicht einsehen, dass es gut für sie ist, wenn sie nach ihrem vermeintichen Hirntod Organe spenden. Andere rauchen und belasten die Gesundheitskassen, obschon sie über ihre Tabaksteuer die Kosten ihrer infolge des Rauchens eintretenden Krankheiten eigentlich mehr als gedeckt haben sollten, was die Frage aufwirft, was mit den Einnahmen aus der Tabaksteuer geschieht. Wieder andere essen sich dick und kugelrund mit Zucker, Fettsäuren gesättigt und ungesättigt, mit Harnstoff in Fleichverpackung, mit Antibiotika verdünnt in Milch und wollen einfach nicht essen, was gut für sie ist.

Ja, als Regierender hat man seine liebe Mühe und Not mit den dummen Bürgern, jenen Eingebildeten, die der Ansicht sind, sie wüssten selbst am besten, was für sie gut ist, jenen Fehlgeleiteten, die denken, sie könnten ein eigenständiges Leben ohne die richtige Führung durch ihre Regierung leben.

Um die Not der Regierenden zu lindern, tingelt Cass Sunstein durch die Welt und versucht sein Modell Nudging-Science-Cliffdes “Nudging”, des Schubsens an den Mann zu bringen. Cass Sunstein gehört, wie die Regierenden dieser Welt, zu jenen Erleuchteten, die nicht nur wissen, was richtig ist, sondern vor allem wissen, was für Sie, uns und uns alle das Richtige und das Beste ist. Sunstein nutzt sein intimes Wissen über die Wahrheit im täglichen Leben, um die Entscheidungen der Bürger, denen die Sunstein’sche Erleuchtung fehlt, in die richtige Richtung zu beeinflussen, die Bürger so zu manipulieren, dass sie Organe spenden, zuckerfrei essen, Wasser sparen, die Umwelt schützen, ziviles, unentgeltliches Bürgerengagement zeigen, um klammen Kommunen die Arbeiten abzunehmen, die diese Kommunen trotz hoher Grund- und Gewerbesteuereinnahmen nicht mehr leisten können, weil sie sich schon um Gleichstellung und Sozialhilfe kümmern müssen.

Die Manipulationstechnik, die Sunstein erfunden hat, um Bürgern vorzugaukeln, die Entscheidung, die gerade für sie getroffen wurde, sei eigentlich die Entscheidung gewesen, die sie auch selbst getroffen hätten, wenn man sie denn gefragt hätte und sie eine Entscheidung zu treffen gehabt hätten, hat bei der Bundesregierung begeisterte Zustimmung gefunden. Endlich, so mutmaßen die verzweifelten Regierer, haben sie ein Mittel an der Hand, das es ihnen erlaubt, Bürger zu dirigieren, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen, sie zu manipulieren, denn die Entscheidungen, die die Regierenden für die richtigen halten, sind nicht deckungsgleich mit den Entscheidungen, die die Bürger für richtig halten, sie letztlich zu entmündigen, denn mit einem entmündigten Bürger regiert es sich besonders gut.

Der Anfang im Bürger-Schubsen ist bereits gemacht, wie man beim aufmerksamen Lesen einer Pressemeldung der Bundesregierung sehen kann.

Anlass ist die Steuermoral der Deutschen. Trotz der europaweit zweithöchsten Belastung mit Steuern und Abgaben, die Deutsche schultern, reichen die Einnahmen des Finanzministers hinten und vorne nicht, wie die Schlaglöcher auf Bundesautobahnen und die kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Brücken zeigen. Grund für die nicht ausreichenden Steuereinnahmen sind aus Sicht der Regierenden einerseits Bürger, die Steuern vorenthalten, andererseits Bürger, die in ihrer jährlichen Steuererklärung so aberwitzige Dinge wie häusliche Arbeitszimmer, Arbeitsmaterialien, Fortbildungskosten oder gar Pendelkosten geltend machen und dadurch die Steuereinnahmen des Fiskus reduzieren.

Damit schaden Sie der Allgemeinheit, denn der Allgemeinheit werden durch die individuelle Steuererklärung Gelder entzogen und da individuelle Steuerzahler Teil der Allgemeinheit sind, schaden sie sich selbst. Dieser einfache Widerspruch, der belegt, dass Steuererklärungen, in denen Werbekosten geltend gemacht werden, demjenigen, der die Werbekosten geltend macht, ebenso schaden, wie der Allgemeinheit, ist ein Schluss, der Regierenden nur allzu bewusst ist, während individuellen Steuerzahlern die entsprechende Einsicht in der Regel versagt bleibt, denken sie doch, sie würden durch die Rückerstattung von zu viel bezahlter Steuer einen finanziellen Vorteil gewinnen.

Bürger sind – mit anderen Worten – nicht in der Lage einzusehen, dass es nicht nur ihre Pflicht ist, Steuern zu zahlen, sondern dass es in ihrem eigenen Interesse ist, ihnen Vorteile verschafft, so viel wie nur möglich Steuern zu zahlen und vor allem keine Werbekosten und andere Steuervergünstigungen geltend zu machen.

Ein klarer Fall für Nudging.

Und das sieht im vorliegenden Fall wie folgt aus:

Wir zitieren aus einer Pressemeldung der Bundesregierung:

“Weitere Vereinfachungen für Bürgerinnen und Bürger ergeben sich beispielsweise über das Angebot einer vorausgefüllten Steuererklärung.”

Die vorausgefüllte Steuererklärung ist das beste Mittel gegen Bürger, die sich einbilden, ihnen stünde eine Rückerstattung zu, gegen Bürger, die denken, sie könnten mit Kniffen eines Herrn Konz, der Finanzbehörde ein Schnippchen schlagen, und sie ist ein weiteres Mittel auf dem Weg der Bequemlichkeits-Entmündigung, mit der durch angebliche Serviceleistungen von Verwaltungen Bürgern ihre Handlungskompetenz und ihre Handlungsfreiheit Stück für Stück genommen wird.

Ministerialer Betrug: Der Zweck heiligt die Mittel

Es gibt etwas zu feiern im Bundesministerium, das sich angblich Bildung und Forschung widmet:

“Professorinnenprogram fördert 400. Berufung

BMBF Jubel 400Das ist im BMBF ein Grund zum Feiern, nicht nur, weil nach Ansicht der derzeitigen Ministerdarstellerin, Wanka, die 400 Professorinnen, die per Professorinnenprogramm in Positionen gehievt wurden, “[b]esondere Rollenvorbilder für Studentinnen und Studenten” seien (dazu unten mehr).

Nein. Nicht nur deshalb.

Die Jubelmeldung zeichnet das Professorinnenprogramm in gloreichen Farben: 400 Professuren sind mit den 300 Millionen Euro des Professorinnenprogramms, die bislang ausgegeben wurden, gefördert worden. 198 deutsche Hochschulen hätten sich bislang am Professorinnenprogramm beteiligt. Zwei bis drei von “Frauen besetzte Professuren” (1. Lüge), würden für die Dauer von bis zu fünf Jahren gefördert. Das Professorinnenprogramm unterstütze deutsche Hochschulen in ihrem Engagement für mehr Chancengleichheit (2. Lüge) und diene dazu, die “Gleichstellung der Geschlechter zu verbessern” (3. Lüge).

Stellen wir zunächst die Lügen richtig:

Richtigstellung der erste ministerialen Lüge:

Im Rahmen des Professorinnenprogramms werden keine Professuren gefördert, die von Frauen besetzt sind, es werden ausschließlich Professuren gefördert, die mit weiblichen Bewerbern zum Zweck der Förderung durch das Professorinnenprogramm besetzt oder erst geschaffen werden.

Richtigstellung der zweiten ministerialen Lüge:

Das Professorinnenprogramm dient nicht als Unterstützung zur Herstellung von Chancengleichheit, denn Chancengleichheit herrscht dann, wenn Personen unabhängig von Merkmalen, die in ihrer Person begründet liegen, und ausschließlich auf Grundlage ihrer Leistung beurteilt, im vorliegenden Fall auf Professuren berufen werden. Das Professorinnenprogramm macht das weibliche Geschlecht zum diskriminierenden Faktor, der über eine Berufung entscheidet. Folglich unterstützt das Professorinnenprogramm keine Chancengleichheit, sondern schafft Chancengleichheit zu gunsten einer Bevorzugung weiblicher Bewerber ab.

Richtigstellung der dritten ministerialen Lüge:

Das Professorinnenprogramm ist entsprechend kein Mittel zur Gleichstellung der Geschlechter, sondern ein Mittel zur Schlechterstellung männlicher Bewerber auf Professuren an deutschen Hochschulen.

Nun, nachdem die ministerialen Lügen richtig gestellt sind, ist die Laudatio auf 400 durch das Professorinnenprogramm besetzte Lehrstühle eine andere:

400 durch das Professorinnenprogramm besetzte Lehrstühle bedeuten:

  • 400 weibliche Bewerber, die sich nunmehr per ministerialem Dekret Professor nenen dürfen und nichts dabei finden, dass sie sich die Professur mit ihrem Geschlecht erkauft haben, also mit einem Merkmal, auf das sie keinen Einfluss haben, das entsprechend auch nicht als persönliches Verdienst angesehen werden kann. Personen, die sich durch Einsatz ihres Geschlechts einen Vorteil verschaffen, nannte man früher Prostituierte, nicht Professor.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitglieder nicht über das Rückgrat oder die moralische Entwicklung verfügt haben, um eine Beteiligung an der Besetzung von Lehrstühlen aufgrund des Geschlechts und nicht aufgrund der Leistung des Bewerbers, zu verweigern.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitglieder kein Problem damit hatten, männliche Bewerber mutwillig und vorsätzlich über deren Chancen, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden, zu täuschen.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitglieder wohlwissend, dass die ausgeschriebene Stelle, nur dann besetzt wird, wenn eine Förderung durch das Professorinnenprogramm zustande kommt, was die Besetzung durch einen weiblichen Bewerber voraussetzt, vermutlich schadenfroh darüber sind, dass sie den männlichen Bewerbern falsche Hoffnungen gemacht, Zeit und Geld gestohlen haben.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitgliedern man die Beihilfe zum Betrug vorwerfen muss.
  • Und mindestens 2.500 männliche Bewerber, die sich im Glauben, sie hätten eine Chance, berufen zu werden, auf die entsprechenden Ausschreibungen beworben haben, sich haben verschaukeln lassen und hinterher im Nichts verschwunden sind, ohne sich zu wehren, ohne den Mund aufzumachen, ohne ein Wort des Widerspruchs.

ProfessorrinnenprogrammZusammenfassend: Der Zweck heiligt die Mittel und wenn Betrug notwendig ist, um ministeriale Ziele zu erreichen – warum nicht? Schließlich hat der Betrug außer den Kosten für die Steuerzahler keinerlei Folgen: Kein Staatsanwalt ermittelt. Staatsanwälte sind weisungsgebunden und unterstehen den Justizministern der Länder. Kein betrogener männlicher Bewerber zieht vor ein Verwaltungsgericht oder gar Strafgericht. Kein Vertreter der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien hält es für notwendig oder der eigenen Karriere zuträglich, sich öffentlich gegen diese Diskriminierung von Männern und die Prostitution von Frauen auszusprechen. Kein etablierter Professor, bei dem zumindest sicher ist, dass er nicht wegen seines Geschlechts berufen wurde, was die Möglichkeit offen lässt, dass er aufgrund seiner Leistung berufen wurde, meldet öffentlich Kritik an.

In einer Republik der Kuscher und Leisetreter muss sich niemand wundern, wenn die Regierenden sich bei der Wahl ihrer Mittel immer mehr aus dem Fenster der Legalität lehnen, bis sie dann schließlich im Matsch der Kriminalität landen. Es ist in einer Demokratie  eigentlich die Aufgabe der Medien, der Öffentlichkeit, eines jeden Bürgers, die Regierenden zu kontrollieren und Missbrauch von Regierungspositionen zu bekämpfen. Nur so kann eine Demokratie überhaupt funktionieren und vermieden werden, dass Kriminelle und Prostituierte zu Rollenvorbildern für z.B. “Studenten und Studentinnen” aufgebaut werden.

Immer vorausgesetzt, man möchte das verhindern.

Mehr zum Professorinnenprogramm.

Achtsamkeitstraining: FH-Erfurt steht für Entprofessionalisierung

und Infantilisierung

Als Beobachter der deutschen Hochschullandschaft muss man langsam den Eindruck gewinnen, dass es nach unten keinen Boden mehr gibt.

Wer glaubt, Hochschul-Abschlüsse in Prostitution seien ein Witz, der hat die Rechnung ohne die Hochschule Merseburg gemacht, die eben einen solchen Abschluss anbietet.

FH-ErfurtWer glaubt, Hochschulen seien Orte, an denen von Steuerzahlern finanzierte Experten ihres Fachs ihr Wissen einsetzen, um Erkenntnis zu gewinnen, die zu Wachstum und Wohlstand der Gesellschaft führt, der hat seine Rechnung ohne die Genderisten gemacht, deren Programm darin besteht, an Universitäten vorhandenes Wissen zu zerstören und Wachstum und Wohlstand der Gesellschaft zu schädigen.

Und wer bislang geglaubt hat, Hochschulen seien der falsche Ort, um Entwicklungsaufgaben, die es in der Kindheit zu bewältigen gilt, nachzuholen, der hat seine Rechnung ohne die Fachhochschule Erfurt gemacht, die einen Workshop zu “Kompetenz in “Achtsamkeit” anbietet, wie man in der Pressestelle der Fachhochschule Erfurt glaubt.

Die Anbieter der “10-Schritte in mentaler Achtsamkeit”, Prof. Dr. Gerd Hofmeister und Prof. Dr. Cordula Boden sind indes der Ansicht, sie würden einen “Qualifizierungskurs für Trainer/-innen” anbieten, für den es die Kleinigkeit von 3.500,00 Euro zu berappen gilt.

Als Gegenleitung für die 3.500 Euro erhalten die Lernenden in Sachen Achtsamkeit, nein, mentaler Achtsamkeit, Informationen über

  • den “Ausstieg aus dem medialen Autopiloten, SEIN versus TUN”;
  • Informationen darüber, wie man “Achtsamkeit gezielt lenken” und “Konzentration fördern” kann;
  • Es gibt Informationen zum “Atemraum für verschiedene Lebenssituationen”,
  • Informationen zur “Selbstfürsorge” mit der “Work-Life-Balance” und
  • einen Überblick über das “Training der Achtsamen Lebensgestaltung in 10 Schritten”.

Und das Ganze ist für 3.500 Euro quasi geschenkt.

Nur, es wirkt irgendwie esoterisch. Man wartet die ganze Zeit auf die heilenden Steine und das Gong oder Oing, das über “Sitzmeditation” Erkenntnis vermittelt. Dass die Esoterik derart vernachlässigt wird, in der Kursbeschreibung, das liegt daran, dass der Kooperationspartner, Dr. Wilms Expertise Psychological Consulting, nicht zu Wort kommt. Käme er zu Wort, wo er doch immerhin am Kurs, den die FH-Erfurt für schlappe 3.500 Euro anbietet, beteiligt ist, er hätte Folgendes zu sagen:

“Das Hauptanliegen von MBCT (Mindfulness-Based Cognitive Training) ist die wirksame und nachhaltige Verankerung von Fähigkeiten, die als Puffer bei Depressionen, Stress und Burnout-Situationen dienen und die achtsame Monotaskingfähigkeit schulen. Ihr Achtsamkeitstraining ist darauf ausgerichtet, dass Sie achtsam mit sich selbst umgehen, Ihre Wahrnehmung im Hier und Jetzt kultivieren sowie Ihre Gedanken auf hilfreiche und unterstützende Weise restrukturieren. So werden Sie noch empathischer mit sich selbst und anderen umgehen können.

Achtsamkeit bedeutet „Lenken der Aufmerksamkeit in Art und Weise: zielgerichtet, im jetzigen, gegenwärtigen Moment, wertfrei“.

Es ist offensichtlich, dass Hochschulen immer häufiger dazu missbraucht werden, esoterischen Unsinn zu verbreiten und Selbstfindungskurse anzubieten, die man früher selbst an Volkshochschulen umsonst gesucht hätte. Die Zeiten, zu denen Hochschulen der Ort von methodischer Suche nach Erkenntnis, von Systematisierung und Theoriebildung waren, sie geraten immer mehr aus dem Blick. Hochschulen werden derzeit von einer Horde esoterischer Anbieter von Krötentrunken und selbstgerührten Heilelixieren überrannt.

Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, geht diese ganze Entprofessionalisierung einher mit einer Infantilisierung, die man kaum für möglich hält.

Das Erlernen von Achtsamkeit ist Gegenstand der frühkindlichen Entwicklung. Entsprechend wäre der Kindergarten der geeignete Ort, um Achtsamkeitstraining durchzuführen, sofern die Eltern es nicht geschafft haben, ihr Kind vor Besuch des Kindergartens zu Achtsamkeit zu erziehen.

Das scheint für Hochschullehrer, die Lehrstühle besetzen, kein Hinderungsgrund dafür zu sein, “mentales Achtsamkeitstraining”, bei dem die Teilnehmenden lernen “achtsam mit sich selbst umgehen, Ihre Wahrnehmung im Hier und Jetzt [zu] kultivieren sowie Ihre Gedanken auf hilfreiche und unterstützende Weise [zu] restrukturieren”, anzubieten, für 3.500 Euro!

Offensichtlich machen wir etwas falsch.

Offensichtlich haben wir den Markt falsch eingeschätzt und irrtümlicher Weise gedacht, an Hochschulen kämen erwachsene Menschen an, seien erwachsene Menschen beschäftigt.

Enstprechend haben wir uns entschlossen, auch ein paar Trainings anzubieten.

Für nur 3.500 Euro können sich Interessenten für einen der folgenden Kurse anmelden:

  • 10 Schritte zum Essen mit Messer und Gabel. Intensivtraining für Fast-Food-Geschädigte.
  • Schuhe richtig tragen: Wie sie den täglichen Kampf mit dem Schnürsenkel bestehen und dabei ein eigenständiger und mental gesunder Mensch werden bzw. bleiben.
  • Das Einmal-Eins der Sauberkeit: Richtiger Umgang mit Waschlappen und Toilette;
  • Mein, Dein, Nicht-Mein – Woran man fremdes Eigentum erkennt.
  • Schrei Dich frei – frei nach Schröders Roadshow

Jugendkriminalität früher und heute: Machen Sozialarbeiter den Unterschied?

Es gibt Datensätze, die neidisch machen.

Pamela Cox, University of Essex, sowie Barry Godfrey und Zoe Alker, University of Liverpool haben einen solchen Datensatz.

Merseyside500 Personen aus Merseyside und aus Chesire in England sind in diesem Datensatz enthalten. 500 Personen, die zwischen 1870 und 1910 von einem englischen Gericht dazu verurteilt wurden, bis zum Alter von 16 Jahren in einer sogenannten Reformatory School zu verbleiben, also in einer Mischung aus Gefängnis und Schule, die den Inhaftierten eine rudimentäre allgemeine Bildung und bestimmte Fertigkeiten vermitteln sollte.

Bei den 500 Inhaftierten handelt es sich überwiegend um männliche Jugendliche im Alter von 7 bis 14 Jahren. Sie stammten in der Regel aus armen und aus den Verhältnissen, die man heute wohl als zerrüttet bezeichnen würde. Inhaftiert wurden sie in der Mehrzahl der Fälle wegen kleiner Straftaten wie Diebstahl, Störung der öffentlichen Ordnung oder Vagabundiererei.

Für diese 500 überwiegend männlichen Häftlinge waren Cox, Godfrey und Alker in der Lage, ihren weiteren Lebensweg nach der Entlassung aus der Reformatory School zu rekonstruieren. Grundlage dafür waren Dokumente von Gerichten, Informationen aus Vokszählungen, Heirats- und Sterbeurkunden und andere Quellen.

Die Rekonstruktion des weiteren Lebens nach der Entlassung hat Erstaunliches zu Tage befördert:

Nur 22% der Jugendlichen, die aus einer Reformatory School entlassen wurden, wurden wieder straffällig.

Unter diesen 22% waren nur 6%, die ihren weiteren Lebensunterhalt mit Straftaten bestritten haben.

Verglichen mit den Zahlen, vor denen Kriminologen heute stehen, wenn sie die Rückfallwahrscheinlichkeit analysieren bzw. den Anteil der jugendlichen Strafttäter bestimmen, die nach Haftentlassung rückfällig werden, müssen im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts paradiesische Zustände geherrscht haben.

Die wenigen Daten, die dazu für Deutschland zur Verfügung stehen, zeigen folgendes Bild:

Bock KriminologieJehle, Heinz und Sutterer (2003) haben für den Zeitraum von 1994 bis 1998 gezeigt, dass 79% der Jugendlichen, die aus der Haft entlassen werden, rückfällig werden, also wieder Straftaten begehen.

Was ist die Ursache dafür, dass in modernen Staaten wie Deutschland, in denen ein eigenes Jugendstraftrecht vorhanden ist, in denen sich eine große Zahl von Sozialarbeitern darum bemüht, jugendliche Straftäter auf den Pfad des straftatfreien Lebens zurück zu bringen, in denen riesige Verwaltungen, wie die Jugendgerichtshilfe, eigens dazu geschaffen wurden, um jugendlichen Straftätern beiseite zu stehen und dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen im straffreien Leben Fuss fassen können, was ist die Ursache dafür, dass alle diese Helfer in ihrem Bemühen so grandios scheitern?

Cox, Godfrey und Zoe, die auf den britischen Inseln mit einer geringeren als in Deutschland, aber dennoch mit 73% sehr hohen Rückfallrate konfrontiert sind, sehen den Grund dafür, dass das viktorianische System der Behandlung von jugendlichen Strafttätern so erfolgreich war, während das moderne System so gnadenlos versagt, darin, dass die Straftäter nach dem Verlassen der Reformatory School in überwachte Lehrverhältnisse gesteckt wurden. Dort erlernten sie einen Beruf, und auf diese Weise erhielten sie eine Grundlage, auf der es möglich war, ein erfolgreiches und straffreies Leben aufzubauen.

Aus ökonomischer Sicht könnte man entsprechend argumentieren, dass die Kosten für Rückfall-Kriminalität mit jedem Tag, an dem ein jugendlicher Straftäter in seine Ausbildung und somit in ein eigenständiges und mit dem Gesetz konformes Leben investiert hat, gestiegen sind. Die Jugendlichen hatten etwas zu verlieren.

Aber nicht nur das: Die Strafen, die auf einen Rückfalltäter gewartet haben, waren aus heutiger Sicht drakonisch, und aus heutiger Sicht waren bereits die Strafen, die es für einen vermeintlich kleinen Diebstahl gab, drakonisch. Kein Jugendlicher, der im Supermarkt eine Spielkonsole zu stehlen versucht und erwischt wird, muss heute in Deutschland mit einer Inhaftierung rechnen.

Agatha Cristies Geschichte über eine "Reformatory School"

Agatha Cristies Geschichte über eine “Reformatory School”

Im Gegenteil: Das Jugendstrafrecht sieht es vor, Jugendliche mit Samthandschuhen anzufassen. Entsprechend sehen sich Jugendrichter regelmäßig mit denselben Gesichtern konfrontiert, nicht nur mit dem selben Jugendgerichtshelfer, sondern auch mit dem selben jugendlichen Straftäter, und ab der 10ten, vielleicht auch erst nach der 20sten Straftat, je nach Schwere und emotionalem Engagement des Jugendgerichtshelfers, steht eine Verurteilung des Jugendlichen, der oftmals die Grenze zum Heranwachsenden überschritten hat, an.

Wenn ein jugendlicher Strafttäter heute inhaftiert wird, dann ist er nicht zwischen 7 und 14 Jahre, wie noch 1870, sondern mindestens 14 Jahre alt, denn erst mit 14 Jahren fällt er in den Geltungsbereich des Jugendgerichtsgesetzes. Aber mit 14 Jahren wird niemand inhaftiert, denn der Auftrag des Jugendgerichtsgesetzes besteht darin, Jugendliche zu erziehen, wozu ist nicht ganz klar. Dagegen ist klar, dass die Erziehung zunächst darin besteht, von Strafe abzusehen.

Folglich wird in der Regel der erste bis dritte Diebstahl mit einer Weisung enden, vielleicht dem Erbringen von 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Wiederholte Straftaten, sagen wir der vierte bis siebte aktenkundige Diebstahl, werden regelmäßig als Erziehungsversagen der Erziehungsberechtigten gewertet, was eine Hilfe zur Erziehung (§ 12, JGG) zum Ergebnis haben wird. Wenn auch die Hilfe zur Erziehung durch den netten Onkel oder die nette Tante von der Jugendgerichtshilfe nichts bringt außer Diebstahl acht bis 15, dann wird sich der Jugendrichter genötigt sehen, eine Verwarnung auszusprechen oder, wenn er schlecht gelaunt ist, einen Jugendarrest von, sagen wir drei Wochenenden, als Vorgeschmack auf das, was nunmehr mit Sicherheit nachfolgt, denn das deutsche Jugendstrafrecht vergisst nichts (im Gegensatz zu Google).

Erscheinen jugendlichen Straftäter vor einem Richter und kommen mit einer Weisung davon, dann ist diese Weisung einerseits aktenkundig, andererseits eine Mahnung zum straffreien Leben, eine Mahnung mit in Falten gelegter richterlicher Stirn und sonst keinen Folgen für den Jugendlichen. Kommt er wieder, wegen der Diebstähle vier bis acht, dann verurteilt der Jugendrichter nicht nur die Diebstähle vier bis acht, denn es gibt noch die offene Rechnung der Diebstähle eins bis drei. Und so geht das weiter, mit jedem Mal, mit dem ein Jugendlicher vor einem Jugendrichter erscheint, wird die Liste der bei der Strafzumessung zu berücksichtigenden Straftaten in der Weise länger, wie der Jugendliche älter wird. Bis es ihn dann trifft, und er die zwei Jahre, ab denen eine Haftstrafe nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden kann, überschreitet.

Und dann wird er inhaftiert.

Über Jahre hat ein Jugendlicher in Deutschland, wenn er es ins Gefängnis schafft, gute Bekanntschaft mit dem zuständigen Jugendrichter geschlossen. Er ist mit den Sozialarbeitern von der Jugendgerichtshilfe per Du. Er hat gelernt, dass er für Straftaten keine Straffolgen zu tragen hat, daraus den Schluss gezogen, dass es keine Notwendigkeit gibt, seinen Lebenswandel umzustellen. Entsprechend investiert er nicht in Bildung, nimmt in der Regel keine Berufsausbildung auf und sieht die Aussichtslosigkeit seiner Situation erst dann, wenn die Strafen so aufgelaufen sind, dass seine Inhaftierung unumgänglich ist.

Dann hat er eine gute Chance im Verlauf der Haft das 21. Lebensjahr zu erreichen, was ihn für die gleichen Jugendgerichtshelfer und Sozialarbeiter, die ihn die ganze Zeit umschwärmt haben, wie die Motten das Licht, uninteressant macht, weshalb unser junger Straftäter, für den die ganze Zeit Sozialarbeiter gesorgt haben, für den Sozialarbeiter und Jugendgerichtshelfer vor dem Jugendrichter geworben haben, nunmehr alleine da steht, ohne Ausbildung, ohne Beruf, mit Vorstrafe und Zeit im Gefängnis und keinerlei Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Wenn man den Unterschied zwischen der viktorianischen Zeit und der heutigen Zeit im Hinblick auf die Behandlung jugendlicher Straftäter auf zwei Ursachen bringen wollte, dann wären dies:

  • Sozialarbeiter bzw. Jugendgerichtshelfer;
  • Jugendstrafrecht

Das Jugendstrafrecht wird von jugendlichen Straftätern offensichtlich lange Zeit nicht als Strafrecht wahrgenommen. Sie nehmen es nicht ernst. Warum auch? Ihr Erscheinen vor Gericht hat in der Regel keine besonderen Folgen.

Für diese Argumentation spricht ein Ergebnis, das Pichler und Römer (2011) veröffentlicht haben. Sie können zeigen, dass Jugendliche (zwischen 18. und 21. Jahren), die nach Jugendstrafrecht verurteilt wurden, eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit haben, wieder straffällig zu werden, als Jugendliche (zwischen 18. und 21. Jahren), die nach Erwachsenenstrafrecht und somit härter bestraft werden.

Slogan des Jugendamts in Hamm

Slogan des Jugendamts in Hamm

Sozialarbeiter und Jugendgerichtshelfer sind das eigentliche Übel im deutschen Strafrecht. Sie wirken in der Regel erfolgreich dabei mit, die Inhaftierung von Jugendlichen und damit den Marker: “Straftaten haben Folgen”, so lange hinauszuzögern, bis der entsprechende Jugendliche eine erkleckliche Anzahl von Straftaten zusammen hat, um für Jahre im Gefängnis zu verschwinden. Nach Entlassung ist der dann in einem Alter, das ihm auf dem Ausbildungs- und Berufsmarkt keine Chancen belässt. Er ist zu alt, um in der Konkurrenz mit Realschülern und Gymnasiasten um eine Lehrstelle bestehen zu können, hat also Nachteile auch wenn man seine Haftstrafe, die ihn ohnehin als Bewerber disqualifizieren wird, unberücksichtigt lässt.

Aber das alles stört die Jugendgerichtshelfer und Sozialarbeiter, die dafür mitverantwortlich sind, nicht. Sie arbeiten bereits am nächsten Opfer und sind nur zu froh, dass das letzte Dokument des vollständigen Scheiterns ihrer Bemühungen zu alt ist, als dass sie sich noch um ihn kümmern müssten.

©ScienceFiles, 2015

Lann Hornscheidt on the road

Nachdem Arne Hoffmann bereits darauf hingewiesen hat, nachdem Michael in einem Kommentar darauf hingewiesen hat, nachdem uns eine Reihe von eMails nämlichen Inhalts erreicht haben und, nichtzuletzt, nachdem wir immer daran interessiert sind, Genderisten bei ihrer Selbstdarstellung hilfreich zu sein, wollen wir auf einen Beitrag des Blogs “Bonjour Tristesse – Antworten aus der Provinz – Blog für Halle und Umgebung” verlinken.

In einem mutigen Selbstversuch hat der Autor dieses Beitrags, Frauke Zimmermann, sich mehrere Stunden lang einem von Lann Hornscheidt in Halle ausgerichteten Workshop unterzogen. Was dabei herauskommt, wie man seine Ratio vor den Auswirkungen von mehreren Stunden Lann Hornscheidt und davor, ver-x-t zu werden, schützt, Zimmermann beschreibt es in einem ausführlichen post.

Unsere Lieblingsstelle ist die folgende:

“DER LKW
LKWLann und Anna wollen mit einem eindringlichen Beispiel vermitteln, wie machtvoll Sprache sein kann und weshalb man sich mehr auf die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle besinnen sollte. Dass dabei das Leid der Menschen, die an wirklichen Traumata leiden, relativiert und instrumentalisiert wird, scheint der Indoktrinierung mehr als förderlich zu sein:
»Wenn ein Kind einen Unfall mit einem LKW hat und später im Leben nur durch das Aussprechen des Wortes ›LKW‹ verletzt wird, weil es ein Trauma hat, dann wird man aus Rücksicht darauf verzichten, das Wort vor der Person auszusprechen. Das sollte genauso auch für andere verletzende Worte als Grundregel gelten. Ich verstehe nicht, wieso das so schwer zu verstehen ist!« Alle um mich herum stimmen nickend zu! Jetzt ist der Groschen gefallen! Meine Sitznachbarin guckt mir über die Schulter und sagt begeistert: »Wow, das ist so ein gutes Argument. Ein so guter Vergleich! Das muss ich mir auch aufschreiben!”

Lann ist selbstredend das Lann, und Anna, das ist Anna Damm, wie das Lann aus Berlin, von der Humbug-Uni und wohl der Geleitschutz (oder Lann ist das Begleitschutz für Anna Damm) – es ist ja bekannt, dass Feministen sich nur zusammen in die Welt oder auf die Toilette trauen.

Wir sind für die Einsicht im zitierten Absatz besonders dankbar, denn:

Wir haben ein Lann-Trauma.

Jedesmal, wenn jemand das Lann im Munde führt oder auch nur Lann sagt, selbst wenn damit LAN als Local Area Network gemeint ist, jedes Mal wenn wir Lann oder Lan hören, bekommen wir Zustände: Kopfschmerzen, ob der Absurdität des Lannschen oder Bauchschmerzen, ob der Komik des Lannschen, zuweilen verfolgt uns das Lannsche bis ins Bett und mitten in der Nacht fahren wir hoch und lachen los.

Kurz: Wir haben ein Lann-Trauma, das wir ernstzunehmen bitten, dadurch, dass in der großen weiten Welt des Internet, der Printmedien und sonstiger öffentlicher Informationsträger Lann auch in der Variante von Lann Hornscheidt oder das X nicht mehr ausgesprochen wird. Soviel Empathie mit unserem Lann-Trauma können wir ja wohl erwarten – oder? Und damit uns das Lann dauerhaft erspart bleibt, kann nach wie vor der Brief, mit dem wir die Entfernung des Lanns, nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, von der Humboldt-Universität in Berlin fordern, unterstützt werden.

Und nun viel Spaß beim Lesen des Posts von Frauke Zimmermann: 4 Stunden Lann komprimiert und mit Trigger-Warnung: Das Lesen dieses Textes kann zu einem Lann-Trauma führen!

Mehr zum Lann auf ScienceFiles:

Ein Profx, das zu Straftaten aufruft

Umfrage: Kann Lann Hornscheidt an der Humboldt-Universität geduldet werden?

Finanziert Justizministerium eine homophobe Bundesstiftung?

Kennen Sie die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld?

Nein? Wir kannten sie auch nicht, bis uns ein Leser auf die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hingewiesen hat.

BStiftung MagnusDie Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat die Steuerzahler bislang 11 Millionen Euro gekostet. Dieses “Stiftungskapital” stammt aus dem Einzelhaushalt des Bundesjustizministeriums und wurde zum größten Teil (10 Millionen Euro) im Jahr 2011 auf ein Konto der Stiftung einbezahlt. Von dort auswurde es auf unterschiedliche Anlagevermögen verteilt, denn die Stiftung finanziert aus den Zinsen auf das Stiftungsvermögen und nach eigenen Angaben “Forschung”, “Geschichte”, “Diversität” usw.

Im Original:

“Die Stiftung hat zum Ziel, an Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Homosexuellen in Deutschland entgegenzuwirken. Die Stiftung will dabei die Akzeptanz von Menschen mit einer nicht-heterosexuellen Orientierung in der Gesellschaft insgesamt fördern; gleiches gilt für Menschen, die sich nicht ausschließlich als Mann oder Frau definieren.”

Ja. Die 11 Millionen Euro Steuergelder werden eingesetzt zur “Erforschung und Erinnerung der Verfolgung und Repression von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, trans*- und inter*-geschlechtlichen/sexuellen Personen (Abkürzung: LSBTTI).”

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist ein weiterer Beleg dafür, wie sich die Krakenarme der LSBTTI in die Taschen der Steuerzahler winden.

Im Jahr 2014 hat die Bundesstiftung insgesamt 67.649,25 Euro aus den Kapitalerträgen des Stiftungskapitals eingesetzt, um Schwulen und Lesben und den anderen sexuell Orientierten Gutes zu tun, z.B.:

  • The Snout in the Trough

    The Snout in the Trough

    2.000 Euro, um den Vernetzungskongress “Vielfalt aktiv vernetzen” der AG Schwule Theologie e.V. zu finanzieren.

  • 5.000 Euro, um das Vernetzungstreffen für LGBTIQ-Mitarbeiternetzwerke der PrOUT@work-Foundation zu bezahlen.
  • 7.262 Euro, um das Bundesvernetzungstreffen “Bildungs- und Aufklärungsprojekte in Schulen und Jugendeinrichtungen zum Themenfeld Geschlecht und sexuelle Orientierung” zu ermöglichen.
  • 4.611, 25 Euro, damit der Internetauftritt der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft neu gestaltet wurde.
  • 2.000 Euro, um die “Bundesweite Vernetzung christlicher LSBTI-Gruppen”, die die AG Schwule Theologie e.V. aus München für notwendig befunden hat, zu finanzieren.
  • Und 8.823 Euro wurden an Trans Recht e.V. überwiesen. Wofür? Na für ein Vernetzungstreffen zur Entwicklung eines Forschungsdesigns zum Thema Trans*-Gesundheit in Deutschland”.

Während auf der einen Seite in den meisten Altenheimen die Alten in Doppelzimmern gehalten und nach langem Leben jeder Privatheit beraubt werden, werden auf der anderen Seite Steuergelder eingesetzt, um Treffen zu ermöglichen, die dazu dienen, sich kennenlernen und über so weltbewegende Dinge wie die Vernetzung schwuler Theologen zu diskutieren. Auf Theologen, die derartige Prioritäten setzen, können wir gut verzichten – aber das nur nebenbei.

Nun, da klar ist, dass die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld Nutznießer-Netzwerke ausbildet und finanziert, wollen wir uns dem vermeintlichen Vorzeigeschwulen, nach dem die Bundesstiftung benannt ist, etwas näher widmen. Magnus Hirschfeld hat von 1868 bis 1935 gelebt. Der Sohn jüdischer Eltern wird allgemein als Aktivist einer internationalen Schwulenbewegung gefeiert, der sich in der Weimarer Republik u.a. dafür eingesetzt hat, den §175, der Homosexualität von Männern (!sic) unter Strafe gestellt hat, zu streichen.

Jener Magnus Hirschfeld, an den die Stiftung erinnern will, ist also zumindest askriptiv ein wahrer Held, den man bei der Bundesstiftung auch entsprechend feiert:

“Würde man Hirschfeld mit den heutigen Begrifflichkeiten einordnen wollen, so könnte man sagen, dass er ein schwuler Mann war, der voll und ganz hinter dem Konzept der Diversity – der Vielfalt – stand. Und der zumindest einen kleinen Grundstein zur heutigen Queer-Theory gelegt hat, laut der es neben dem biologischem Geschlecht Elemente gibt, die losgelöst von gesellschaftlichen Normierungen zu einer variantenreichen (sexuellen) Identität eines Menschen führen. Auch wenn sich der Mörtel für diesen Grundstein – eine rein medizinisch-biologistische Kategorisierung – als nicht lange tragbar erwies. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten Hirschfelds Überlegungen keine große Rolle mehr in der Sexualwissenschaft.”

Das sind starke Behauptungen, unbelegte, starke Behauptungen, die, wie in kurzer Blick in die Werke von Magnus Hirschfeld zeigt, in keiner Weise zutreffen. Magnus Hirschfeld war kein Grundsteinleger der Queer-Theorie. Er hat keine variantenreichen Identitäten losgelöst vom biologischen Geschlecht gesehen. Im Gegenteil: Für Hirschfeld ist Homosexualität angeboren. Er führt Homosexualität auf eine spezifische Konstellation im Gehirn, also eine Abweichung zum heterosexuellen Gehirn zurück. Er geht davon aus, dass Homosexualität einem besonderen “mannweiblichen Mischungsverhältnis” geschuldet sei, und dass Homosexualität mit einer “stärkeren Labilität des Nervensystems” einhergeht.

Diese Aussagen finden sich auf den Seiten 394 bis 395 seines Standardwerks “Die Homosexualität des Mannes und des Weibes”, das 1914 (und damit lange vor dem Nationalsozialismus, was noch relevant wird) erschienen ist.

Und es kommt noch besser. Auf Seite 391 schreibt der Held der Bundesstiftung, Magnus Hrischfeld, folgende denkwürdigen Sätze:

Hirschfeld Homosexualit't“Auch mir hat sich immer wieder die Überzeugung aufgedrängt, dass die Homosexuellen, ohne selbst Degenerierte zu sein, einen Degenerations-Ersatz darstellen … dergestalt, dass sich die Natur der Homosexuellen als eines Vorbeugungsmittels der Degeneration bedient. Diese Annahme wird durch die Ehen und die Nachkommen der Homosexuellen bestätigt. Ein großer Teil dieser Ehen ist kinderlos. Gehen aber Kinder aus den Verbindungen Homosexueller hervor, so tragen diese zum Unterscheid von ihren Erzeugern vielfach den Stempel geistiger Minderwertigkeit, es sei denn, dass durch eine besonders gesunde Ehehälfte ein relativer Ausgleich geschaffen wird. Jedenfalls ist vom rassehygienischen Standpunkt die Ehe einer oder eines Homosexuellen ein sehr gewagtes Unternehmen. (Hervorhebungen von uns)”

Mit anderen Worten, Magnus Hirschfeld betrachtet Homosexuelle als Freaks of Nature, die sich selbst aus der Fortpflanzungskette ausscheiden bzw. von der Natur aus der Fortpflanzungskette ausgeschieden werden, weil ihr Erbmaterial von einer Qualität ist, die die menschliche Evolution dadurch behindert, dass den Ergebnissen einer Fortpflanzung, an der Homosexuelle beteiligt sind, “geistige Minderwertigkeit” attestiert werden muss. Der schwule Sexualforscher, Jude und Sozialist, den die Bundesstiftung beschreibt, outet sich hier als jemand, der Homosexuelle als Träger minderwertigen Erbgutes ansieht, die von Natur aus deshalb Homosexuell sind, weil ihr minderwertiges Erbgut aus der Evolution entfernt werden muss. Homosexualität als Notwehr der Natur als Mittel zum Ausscheiden minderwertigen Erbgutes aus der menschlichen Evolution.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die doch die Erinnerung an Hirschfeld pflegen, finanzieren und aufrechterhalten will, scheint bislang nur bei dem angekommen zu sein, was man Hirschfeld, da er nun einmal tot ist, unwidersprochen unterstellen kann, nämlich: “deutscher Arzt in Berlin, Sexualforscher und Empiriker, schwul, Sozialist, Jude, und Mitbegründer der weltweit ersten Homosexuellen-Bewegung”.

Das, wie gesagt, kann man Hirschfeld alles gefahrlos und unwidersprochen zuschreiben. Er ist tot. Was er geschrieben hat, das lebt allerdings, und es spricht eine deutliche, eine deutlich homophobe Sprache, eine nette Pointe zu einem weiteren Versuch, sich der Namen Verstorbener für die eigenen Zwecke des Nutznießens zu bedienen [Der Versuch des Niedersächsichen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, sich des Namens von Maria Goeppert Mayer zu bedienen, ist bekanntlich auch in die Hose gegangen].

Diese Erklärung trifft natürlich nur zu, wenn man beim Bundesinstitut “Magnus Hirschfeld” die rassenhygienischen Einsichten zu Homosexuellen, die Magnus Hirschfeld lange vor den Nazis hatte, nicht teilt.

Und man weiß ja nie…

Sozialismus macht dünn – Freiheit erfordert Verantwortung

auch beim Essen …

Davide Dragone und Nicolas R. Ziebarth haben ein Arbeitspapier veröffentlicht, das überschrieben ist mit:

Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from the East German Transition to Capitalism.

Ein interessantes Arbeitspapier mit einer Reihe von zum Teil bekannten Ergebnissen:

banana revolutionDie sogenannte friedliche Revolution in der DDR hat wohl doch Bananen zur Ursache, wie sich daran zeigt, dass Dragone und Ziebarth eine sprunghafte Zunahme des Konsums tropischer Früchte bei Ostdeutschen von 1989 bis 1991 feststellen. Vielleicht ist es auch die Flucht vor der Kartoffel, die die Ostdeutschen zum Marsch auf dem Leipziger Ring veranlasst hat, denn der Konsum von Kartoffeln ist nach Öffnung der Grenzen zu Westdeutschland stark zurück gegangen.

Der veränderte Konsum ist zukunftsweisend, kreiert eine Gewohnheit, denn auch 1998 und 2005 zeigen Ostdeutsche die Konsummuster, die sie sich 1991 angewöhnt haben und: andere Essgewohnheiten als Westdeutsche.

Nicht ganz unproblematische Essgewohnheiten, wie es scheint, denn:

Nicht nur der Verzehr tropischer Früchte hat sprunghaft zugenommen, auch der Verzehr von Fertiggerichten, deren Attraktivität darin besteht, dass sie die Zubereitung von Speisen vereinfachen und beschleunigen und den Aufwand reduzieren. Davon haben in der Vergangenheit vor allem Ehefrauen profitiert, die die neu gewonnene Freiheit in mehr Körpergewicht investiert haben, wie Cutler, Glaeser und Shapiro (2003) für den Zeitraum von 1970 bis 1990 zeigen.

Offensichtlich muss man lernen, mit der neuen Freiheit, sowohl was die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln als auch das Mehr an Zeit angeht, umzugehen.

Für diese Annahme spricht auch, was Dragone und Ziebarth für Ostdeutsche zeigen können. Nach der Wende haben viele Ostdeutsche ihre Nahrung umgestellt: Deutlich weniger Kartoffeln, mehr tropische Früchte und vor allem: mehr Fertiggerichte und entsprechend: mehr Gewicht, mehr Übergewicht, mehr Adipositas, höhere Cholesterol-Werte, höherer Blutdruck und eine Zunahme von Diabetes (Typ II), und alles im Vergleich zu Westdeutschen.

Daraus kann man schließen, dass der ostdeutsche Sozialismus seine Bürger so ausgedorrt hat, dass sie sich, gleich dem fast Verdursteten, der eine Oase erreicht, auf das Angebot an neuen Waren, das ihnen der Kapitalismus zugänglich gemacht hat, gestürzt haben, es in vollen Zügen und mit vollen Mägen genossen und – wie man im Englischen sagt – dabei overindulged haben.

Das an sich wäre nicht schlimm, ergäbe sich daraus keine Gewohnheit. Aber: Es hat sich für viele Ostdeutsche eine Gewohnheit, eine Essgewohnheit ergeben: Scheinbar aus Angst davor, wieder in den ausgemerkelten Zustand sozialistischer Plan-Leere im Konsum-Laden gestürzt zu werden, hat sich eine “was-man-hat,-hat-man-Mentalität” durchgesetzt, durchaus auf Kosten der eigenen Gesundheit, wie die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth zeigen: Im Gegensatz zu Westdeutschen sind Ostdeutsche dicker, übergewichtiger und kränker, gemessen an den drei Indikatoren von Cholesterolwert, Höhe des Blutdrucks und Diabetes.

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kurz: Sozialismus schafft bei denen, die ihm ausgesetzt sind, Entzugserscheinungen, die der einer Drogenabhängigkeit gleichen. Werden Waren, die im Sozialismus entzogen sind, zugänglich, dann führt dies zu einem entsprechenden Torschlusspanik- und Überkonsum, der sich in einer  Konsumtradition festsetzt, die Auswirkungen auf die Gesunheit der so Konsumierenden hat.

Nicht nur, dass sozialistische Systeme ihren Bürger Konsum vorenthalten, sie machen viele ihrer Bürger auch unfähig, dann, wenn der Sozialismus, wie er das regelmäßig tut und wie man es gerade wieder in Venezuela beobachten kann, an der Realität scheitert, normale Konsummuster und Umgangsweisen mit den Produkten zu entwickeln, die ihnen im Sozialismus vorenthalten waren. Entsprechend ist die höhere Adipositas unter Ostdeutschen eine fortdauernde Folge sozialistischer Unmündigkeit, ein kulturelles Erbe sozialistischer Magerkur.

Daten und Methoden
Die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth basieren auf einer breiten Datengrundlage, nämlich dem nationalen Gesundheitssurvey von 1990 und 1992 (2.160 ost- und 4.390 westdeusche Befragte), der Folgestudie zum Gesundheitssurvey von 1996 (2.216 ostdeutsche und 4.203 westdeutsche Befragte) sowie dem Mikrozensus von 2005 (1% der deutschen Bevölkerung, derzeit rund 380.000 Haushalte und rund 820.000 Befragte). Die Analysen werden zum einen mit subjektiven Selbsteinschätzungen, z.B. im Hinblick auf die Veränderung der Konsumgewohnheiten nach der Wende, zum anderen mit objektiven Maßen, Cholesterolspiegel, Bludruck, BMI durchgeführt. Die Autoren rechnen Regressionsanalysen (OLS) mit unterschiedlichen abhängigen und unabhängigen Variablen.

Cutler, David M., Glaeser, Edward L. and Shapiro, Jesse M. (2003). Why have Americans become more obese? Journal of Economic Perspectives 17(3), 93–118 (und NBER, siehe Link).

Dragone, Davide & Ziebarth, Nicolas R. (2015). Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from East German Transition to Capitalism. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No.8967.

Hirntod und Suizidprävention unter Bundestagsabgeordneten

Offensichtlich gibt es Befürchtungen, dass unter Bundestagsabgeordneten die Suizidgefährdung höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Auch scheinen unter Bundestagesabgeordneten Hirntote ihr vegetabiles Dasein zu fristen, ohne dass es jemand bemerkt.

Das geht aus einer Pressemeldung des Deutschen Ethikrats hervor, die mit: “Deutscher Ethikrat diskutiert mit Bundestagsabgeordneten über Hirntod und Suizidprävention” überschrieben ist.

Parlamentarischer AbendDas Thema ist brisant: Suizidale Tendenzen unter Bundestagsabgeordneten müssen wohl endemisch sein, denn die Mittel, die dem Ethikrat zur Beratung von Bundestagsabgeordenten in Sachen Hirntod und zur Prävention von Suizid zur Verfügung stehen, wurden extra erhöht.

Wenn es um die eigene Haut geht, dann ist Bundestagsabgeordneten nichts zu teuer, und dann kommen sie auch in Scharen, wie die Freude von Patricia Lips, die dem Auschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung vorsitzt, belegt, Freude über das “ausschussübergreifende Interesse der Bundestagsabgeordneten des Deutschen Bundestags”.

Geht es um Hirntod und die Prävention von Suizid, dann sind die Reihen im Bundestag gefüllt.

Und auch Norbert Lammers ist voll des Lobes, ob der wichtigen Beratung durch den Ethikrat in Sachen Hirntod und Suizidprävention und, so fügt er hinzu, man sei “nicht nur an Ergebnissen interssiert … die den Erwartungen der Abgeordneten entsprechen. Er wies zudem auf die Bedeutung frühzeitiger grundlegender Orientierung” hin.

Früherkennung nennt man das wohl in anderen Bereichen, Früherkennung von suizidgefährdeten und hirntoten Abgeordneten, Früherkennung auch gegen den Willen der Abgeordneten-Patienten, die dennoch, wie Lammert weiß, an den Ergebnissen des Screenings durch den Ethikrat, an Prävention und Diagnose interessiert sind.

Da passt es dann ins Bild, das die Ratsvorsitzende Christiane Woopen im Gespräch mit den auch an Ergebnissen, die sie nicht erwarten, interessierten Bundestagsabgeordneten anregt, Suizidprävention an die Stelle der Behilfe zur Selbsttötung zu setzen.

Diese Anregung kommt zur richtigen Zeit, wollen die Bundestagsabgeordneten doch demnächst über ein Gesetz zur Regulierung der Beihilfe zur Selbstötung beraten. Angesichts der nicht bezifferbaren aber wohl vorhandenen Prävalenz Hirntoter in Abgeordneten-Kreisen, angesichts der Tatsache, dass die Mitglieder des Ethikrats eigens in den Bundestag geeilt sind, um mit den Abgeordneten über die Prävention von Suizid zu diskutieren, scheint die Intervention der Ethikräte gerade rechtzeitig erfolgt zu sein, um eine Massen-Selbsttötung, wie man sie aus Masada kennt, zuvor zu kommen.

1.7 Millionen Euro für diesen Ethikrat?

Der Deutsche Bundestag unterhält seit 2007 einen Ethikrat, damit der Ethikrat, dem Bundestag, Rat in Sachen Ethik gibt.

1,695 Millionen Euro kostet der Rat in Sachen Ethik die Steuerzahler.

26 Mitglieder des Ethikrates kann man mit 1,695 Millionen Euro finanzieren, eine Pressestelle, ein Büro und ein paar Angestellte. Und damit der Rat in Sachen Ethik auch relevanter Ethik-Rat ist, gibt es einen Auftrag:

deutscherethikrat“Der Deutsche Ethikrat verfolgt die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen insbesondere auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben. Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere:

  1. Information der Öffentlichkeit und Förderung der Diskussion in der Gesellschaft unter Einbeziehung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen;
  2. Erarbeitung von Stellungnahmen sowie von Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln;
  3. Zusammenarbeit mit nationalen Ethikräten und vergleichbaren Einrichtungen anderer Staaten und internationaler Organisationen.”

Ob der Deutsche Ethikrat die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen, und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen … und so weiter ergeben, auch einholt, das ist eine Frage, die wir nicht beantworten können. Belassen wir es bei der Feststellung, dass die Mitglieder des Ethikrates hinter den entsprechenden Fragen her sind.

Bleiben wir bei den drei “insbesondere Aufgaben”.

  1. Wer schon einmal etwas vom Ethikrat gehört hat, vom Ethikrat informiert wurde, bitte melden, sofern er zur Öffentilchkeit oder einer der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen gehört, die vom Ethikrat einbezogen wurden.
  2. Der Ethikrat erweist sich hier als Zulieferer von Legitimation. Bürger: “Ich finde dieses Gesetz nicht ethisch”. Parlamentarier: “Kann gar nicht sein, der Ethikrat hat ausdrücklich zugestimmt”.
  3. Wie immer, wenn Steuerzahler etwas finanzieren, finanzieren sie damit eine Vernetzung dieses Etwas mit anderen Etwasen, die von sich behaupten, sie seien dem finanzierten Etwas ähnlich. Was aus der Netzwerkbildung der Etwase erwächst – wir wissen es nicht, aber vielleicht weiß es ja einer unserer Leser.

SchischkoffNun denkt man bei Ethik, jedenfalls wir tun das, an Fragen des Sollens, an normative Fragen, immerhin ist Ethik die “Sittenlehre [des Aristoteles]” und somit eine “praktische Philosophie, denn sie sucht nach einer Antwort auf die Frage. was sollen wir tun. Für die kantische Ethik ist die Antwort auf diese Frage durch den kategorischen Imperativ gegeben, Die Ethik lehrt, die jeweilige Situation zu beurteilen, und das ethisch (sittlich) richtige Handeln zu ermöglichen” (Schischkoff, 1991: 184).

So betrachtet, ist Ethik eine Aufgabe, die jeder von uns bewältigen könnte und sollte, indem er sich fragt, ob sein Handeln ethischen Maßstäben genügt, ob er, um mit Kant zu sprechen, damit leben könnte, dass sein Handeln zum allgemeinen Gesetz des Handelns wird, dem er dann selbst unterworfen wäre.

Offensichtlich sind Bundestagsabgeordnete nicht von sich aus, zu solchen Erwägungen in der Lage, brauchen sie doch einen Ethikrat, der ihnen sagt, was schicklich, anständig, ethisch ist und was nicht. Damit kommt dem Ethikrat die wichtige Aufgabe der sittlichen Erziehung der Bundestagsabgeordneten zu, und das macht dann neugierig darauf, wer im Ethikrat versammelt ist.

Wir haben die Mitglieder des Ethikrates im Hinblick auf ihre berufliche Qualifikation ausgezählt. Herausgekommen ist Folgendes:

Der Ethikrat hat 26 Mitglieder

  • 10 (38,5%) sind Mediziner;
  • 9 (34,6%) sind Juristen, darunter 4 Bundesbeamte außer Dienst;
  • 6 (23,1%) sind Theologen;
  • 1 (3,8%) ist Philosoph;

Es ist schon interessant, dass man in Deutschland der Ansicht ist, in ethischen Fragen seien Mediziner, Juristen und Theologen in erster Linie  Experten, eine Ansicht, die man nicht anders als amüsiert zur Kenntnis nehmen kann: Mediziner fragen sich eher selten was sie tun sollen, vielmehr kennt man Mediziner vornehmlich als diejenigen, die uns sagen, was wir tun sollen. Juristen sind kraft ihrer Ausbildung vollkommen ungeeignet ethische Fragen zu beantworten. Sie können vorgegebene Fälle lösen und rechtliche Folgen beurteilen (vorausgesetzt, es gibt ein Gesetz), aber sie scheinen nicht unbedingt diejenigen zu sein, denen man ethische Fragen von Ernährung oder die Frage, ob man Sterbehilfe legalisieren soll, übergeben wollte und Theologen, nun Theologen haben keine ethischen Fragen, die wissen schon, denn es steht alles in ihrem heiligen Buch. Entsprechend werden ethische Fragen im Beichstuhl geklärt.

Der arme Philosoph. Er wirkt wie ein Soldat, der die letzte Brücke, die die Zivilisation von der Wildnis trennt, gegen eine Horde von Barbaren verteidigen muss.

Angesichts der Besetzung des Ethikrats, dessen Mitglieder, sagen wir, nicht unbedingt ausgewiesene Experten in ethischen Fragen sind, stellt sich der Ethikrat eher wie eine Interessenvertretung von Medizinern, Juristen und Theologen dar, die sicherstellen wollen, dass die Interessen ihrer Berufsgruppen berücksichtigt werden. Insgesamt scheint der Ethikrat nichts anderes zu sein als eine Legitimationsveranstaltung, die dazu dient, Gesetzentwürfe dann, wenn sie kontrovers sein könnten, mit dem Segen der Ethik-Räte zu versorgen.

Es ist in Deutschland üblich, Gremien zu bilden und in diese Gremien Personen zu berufen, von denen niemand so richtig weiß, warum sie und keine anderen berufen wurden. Der Jungenbeirat des Bundesministeriums für FSFJ ist ein Beispiel, der Ethikrat ist ein anderes. Räte scheinen das zu sein, was man im englischen einen Quango nennt, eine Form des Tausches, politische Gefälligkeit gegen den Platz am kalten Buffet. Das erklärt, warum es Politikern so sehr gefällt, Räte einzusetzen. Und es lässt vermuten, dass der Nutzen, der den Kosten für z.B. den Ethikrat in Höhe von 1,695 Millionen Euro gegenübersteht, hinter diesen Kosten zurückbleibt, und zwar deutlich.

Eine andere Frage ist: Warum sind in Ethikräten keine Arbeiter vertreten? Warum finden sich keine Kraftfahrer oder Produktionsarbeiter oder Chemiefacharbeiter oder Köche oder Bedienungen oder Handwerker oder Postboten oder Malermeister oder Dachdecker? Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ethische Fragen von diesen Personen nicht mindestens so kompetent diskutiert werden können, wie von Staatssekretären a.D., Medizinern, Weihbischöfen oder Juristen.

Aber natürlich geht das nicht. Arbeiter im Ethikrat, was für eine Idee. Die ganze Veranstaltung basiert auf der Symbolik der eingebildeten Überlegenheit, der zugeschriebenen Qualifikation kraft tertiärer Bildung. Wo kämen wir hin, wenn ethische Fragen von jedem dahergelaufenen Arbeiter mitdiskutiert würden?

In eine Demokratie, und das wäre nicht mit den angeblichen ethischen Kriterien der Politiker-Klasse und ihrer Vasallen in den Räten der Republik, der Räte-Republik vereinbar.