Krude Diskriminierung von männlichen Bewerbern: Das Professorinnenprogramm in Aktion

ProfessorrinnenprogrammIn letzter Zeit haben wir auf ScienceFiles drei Beiträge zum Professorinnenprogramm veröffentlicht (1: Gleichberechtigung durch Bevorzugung? Das Professorinnenprogramm ist ein eklatanter Bruch mit dem Grundgesetzt, 2: Master of Funds oder: eine Hand wäscht die andere; 3: Weitere 150 Millionen Euro für die Bevorzugung von Frauen an Universitäten), in denen wir zeigen, dass das Professorinnenprogramm ein Mittel ist,

  • um die staatsfeministische Agenda einer Gleichschaltung von Universitäten und einer erhöhten Kontrolle der Universitäten durchzusetzen,
  • um Universitäten zu entprofessionalisieren und von Stätten der Bildung und Ausbildung, zu Stätten der Kinderbetreuung zu machen und
  • dass es einen eklatanten Bruch mit dem Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes darstellt, da das Programm eindeutig die Bevorzugung von weiblichen Bewerbern auf Lehrstühle und die entsprechende Benachteiligung, d.h.: Diskriminierung männlicher Bewerber zum Ziel hat.

In einem vierten Beitrag “Gleichstellung an Universitäten: Die Worte und die Wirklichkeit” haben wir dann gezeigt, dass sich die eklatante Diskriminierung von männlichen Bewerbern um Lehrstühle an Universitäten bereits in der Wahrscheinlichkeit niederschlägt, mit der männliche im Vergleich zu weiblichen Bewerber auf Lehrstühle berufen werden.

Die Diskriminierung männlicher Bewerber um Professuren ist demnach in vollem Gange. Ein weiterer Beleg dafür wurde uns von einem Leser geschickt, den wiederum sein Sohn auf diesen Beleg aufmerksam gemacht hat und der ungenannt bleiben möchte, weil sein Sohn im universitären Business noch etwas werden will. Soweit hat es der Staatsfeminismus in Deutschland bereits gebracht, dass die freien deutschen Bürger Nachteile oder Repräsalien erwarten, wenn sie auf Belege hinweisen, denen klar und deutlich die Diskriminerung von Männern um Stellen an Universitäten zu entnehmen ist. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass Staatsfeminismus nichts anderes ist als eine totalitäre Ideologie, die keinerlei Widerspruch duldet.

unibi_logoWie offen und deutlich die Diskriminierung von männlichen Bewerbern derzeit an deutschen Universitäten betrieben wird, ist der folgenden Ausschreibung der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld zu entnehmen. Ausgeschrieben ist eine W3-Professur und somit die höchste derzeit von Professoren erreichbare Besoldungsgruppe. Der Lehrstuhl ist ausgeschrieben für “Allgemeine Literaturwissenschaft/Neuere Deutsche Literatur im transnationalen Kontext”. Die Ausschreibung enthält die übliche Beschreibung der Ansprüche, denen ein Bewerber auf den entsprechenden Lehrstuhl zumindest nach außen hin genügen soll. Der vorletzte Absatz der Ausschreibung, der Absatz, in dem früher der Gleichstellungsunsinn “bei gleicher Eignung werden … vorgezogen” stand, lautet zwischenzeitlich wie folgt:

Für die Professur ist voraussichtlich eine Förderung durch das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder möglich. … Die Stellenausschreibung dient der Berufung von Frauen, die noch keine W3-Stelle wahrnehmen.

Die Offenheit, mit der hier potentiellen männlichen Bewerbern mitgeteilt wird, dass sie sich nicht zu bewerben brauchen, wird nur überboten von der Offenheit, mit der offengelegt wird, dass das Professorinnenprogramm zu keinem anderen Zweck ins Leben gerufen wurde, als einen Bewerbungs-Stopp für männliche Bewerber auf Professuren durchzusetzen. Wer vor diesem Hintergrund, wie dies ein Kommentator im Hinblick auf den von uns bereits früh aufgezeigten Bruch mit dem Grundgesetz getan hat, meint, er könne die Dinge schön reden, ähnlich wie dies im Dritten Reich im Sinne von “so schlimm wird es schon nicht kommen/sein” getan wurde, nur um dann von der Realität überrannt zu werden, den kann man nur als fahrlässig und unverantwortlich bezeichnen.

Kaderschmiede HU

Und sie wiederholt sich doch, die Geschichte…

Wir erleben derzeit nicht nur eine Entprofessionalisierung von Universitäten, sondern eine komplette Übernahme von Universitäten durch den Staatsfeminismus. Entsprechend werden sich Universitäten in den nächsten Jahren noch weiter, als sie das sowieso schon haben, von der Suche nach Erkenntnis, der Produktion von Wissen und der ideologischen Freiheit von Forschung und Lehre entfernen. Sie sind auf dem besten Weg, zu Kaderschmieden zu werden, an denen organisierte Gruppen dafür sorgen, dass keinerlei von einer staatsfeministischen Ideologie abweichende Meinungen vertreten oder gar gelehrt werden können und die sich endgültig von einer Stätte der Wissensfindung und Wissensvermittlung zu einer Stätte der ideologischen Indoktrination von und durch Halbtagskräfte entwickeln.

Man muss diese Entwicklung einerseits bedauern, andererseits zur Grundlage eigener Entscheidungen machen und Konsequenzen ziehen: Wer eine Ausbildung jenseits der staatsfeministischen Ideologie will, muss sie außerhalb von Deutschland an Universitäten im Vereinigten Königreich oder in den USA suchen. Wer sich als männlicher Bewerber auf einen Lehrstuhl nicht diskriminieren lassen will, muss sich im Ausland auf entsprechende Stellen bewerben, und wer ein Zeichen setzen will, dass ihm die Richtung, in die sich die deutsche Universitätslandschaft entwickelt, nicht gefällt, der sollte Universitäten wie die Universität Bielefeld, die sich freiwillig zum Erfüllungsgehilfen staatsfeministischer Zerstörer von Universitäten machen, meiden wie die Pest.

Unsinn der Woche: Nicht direkt aus dem Irrenhaus – aber fast

Wahnsinn oder Unzurechnungsfähigkeit wurde über Jahrhunderte dadurch bestimmt, dass er/sie  gegen die boschgesellschaftliche Normalität  verstoßen hat (eine weiche Formulierung) oder sich in irrationalen, nicht nachvollziehbaren Handlungen  niedergeschlagen hat, die für andere Externalitäten und häufig auch den Schaden dessen, der die entsprechenden Handlungen ausgeführt hat, nach sich gezogen haben. Unsere “modernen” Zeiten zeichnen sich dadurch aus, dass die Klasse des Wahnsinns oder der Unzufrechnungsfähigkeit diversifiziert und in einer Unmenge spezifischer Störungen aufgelöst wurde. Ein Beispiel sind Psychosen. Zimbardo schreibt zu Psychosen:

“Psychosen (psychotische Störungen) unterscheiden sich von Neurosen qualiatativ und kategorial, nicht einfach im Schweregrad. Psychose ist die allgemeine Kategorie für eine Reihe schwerer psychischer Störungen, bei welchen Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, des Denkens, und der Emotionalität auftreten. Eine Person, die als psychotisch beschrieben wird, leidet an einer gravierenden organischen oder psychischen Dysfunktion, weshalb sie auf sehr abweichende Art fühlt, denkt und/oder handelt” (Zimbardo, 1995, S.612).

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass eine kollektive Psychose, die Personen erfasst, die sich alle in einem Raum befinden oder die denselben Beruf teilen oder sich häufig sehen müssen, nicht ausgeschlossen ist.

spd_logo_neuDie Drucksache 17/13478 des Deutschen Bundestages wurde am 14. Mai 2013 veröffentlicht. Sie hat einen Antrag der Abgeordneten Ulla Schmidt (Aachen), Siegmund Ehrmann, Angelika Krüger-Leißner, Petra Ernstberger, Iris Gleicke, Ute Kumpf, Christine Lambrecht, Caren Marks, Thomas Oppermann, Dr. h.c. [!sic] Wolfgang Thierse, Brigitte Zypries, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD zum Gegenstand. Der Antrag ist überschrieben mit:

Für die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern auch im Kunst-, Kultur- und Medienbereich.

Die langatmige Einleitung zu diesem bemerkenswerten Extrakt eines zumindest nicht auf den ersten Versuch (und auch nicht auf den zweiten) nachvollziehbaren Assoziierens will ich mir weitgehend sparen, bis auf den Hinweis, dass trotz aller Versuche, die deutsche Sprache allen Sinns zu entleeren, Gleichstellung auf Ergebnisgleichheit zielt und entsprechend nichts mit Gleichberechtigung zu tun hat. Und auch wenn es den Genossen nicht in den Kopf zu gehen scheint, eine ungleiche Verteilung hat per se nichts mit Nachteilen, nichts mit Benachteiligung und sozialer Ungleichheit zu tun. So sitzen im Bundestag deutlich mehr Lehrer und Juristen und deutlich weniger Arbeiter als ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung entsprechen würde. Dennoch fällt keinem Abgeordneten ein, nicht-Juristen, nicht-Lehrer oder gar Arbeiter gleichstellen zu wollen, weil nämlich die Idee, dass die eigene Anwesenheit im Bundestag ungerecht gegenüber z.B. Arbeitern sein könnte und deren direkte Benachteiligung zeigt, keinem noch so engagierten Bundestagsabgeordneten bislang in den Sinn gekommen ist. Vielleicht verstehen die Genossen den Unterschied zwischen einer ungleichen Verteilung und einer Benachteiligung ja auf diese Weise.

Nun zum Antrag, die Kultur gleichzuschalten (gab’s auch schon mal, wenn ich mich richtig erinnere). Der Antrag beinhaltet bemerkenswerte Feststellungen und Forderungen. Meine Lieblingsfeststellung ist die folgende:

Zimbardo“2011 hat der Bundesverband bildendender Künstlerinnen und Künstler (BEK) eine Umfrage zur wirtschaftlichen und sozialen Lage bildender Künstlerinnen und Künstler vorgelegt, der auch für diesen Bereich die vor allem wirtschaftlich nachweisbar schlechtere Situation der bildenden Künstlerinnen offenkundig macht. Neben den vergleichsweise geringeren Einkünften, der häufiger prekären Beschäftigung und der sogar bei der Größe der Ateliers feststellbaren Benachteiligung von Frauen ist es vor allem die heute schon drohende Altersarmut vieler Frauen, die erkennbar ist.

Nicht nur haben die Genossen von der SPD den unglaublichen Umstand offengelegt, dass fiese, vermutlich männliche Vermieter schöner und großzügiger Ateliers nicht an Frauen vermieten oder gar verkaufen wollen, denn anders ist die Benachteiligung “sogar bei der Größe der Ateliers” nicht zu erklären, nein, die Genossen können auch in die Zukunft sehen, und was sie sehen ist Altersarmut, Altersarmut, die sich einstellen muss, weil die bildenden Künstlerinnen offensichtlich Versager, nein Versagerinnen sind, die ohne die Hilfe der SPD keinen Fuß auf den Boden und natürlich weder großes Atelier noch üppige Rente erreichen können. Ohne die SPD, das muss man sich einmal vorstellen, wären die bildenden Künstlerinnen gezwungen, einen gut verdienenden bildenden Künstler zu heiraten, um über den Umweg der Witwenrente der Altersarmut zu entgehen.

Den Feststellungen folgen die Forderungen, deren Erfülluung die Genossen für notwendig ansehen, um “die tatsächliche Gleichstellung von Frauen im Kunst-, Kultur- und Medienbereich … umzuseten”.

Die erste Forderung zur Umsetzung von Gleichstellung betrifft den vom Ministerium für Familie und so weiter mit 20.000 Euro finanzierten “Gabriele Münter Preis”. Er soll auch weiterhin finanziert werden. Sie kennen den Gabriele Münter Preis nicht? Nun ich auch nicht. Betreiben wir also gemeinsam Weiterbilduung:

“Der Gabriele Münter Preis für Bildende Künstlerinnen ab 40 ist mit 20.000 Euro dotiert und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im dreijährigen Turnus in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), dem Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstförderer (GEDOK) und dem Frauenmuseum in Bonn ausgelobt. Neben der Einzelausstellung der Preisträgerin werden Arbeiten von 39 ausgewählten Künstlerinnen aus dem Wettbewerb um den Gabriele Münter Preis 2010 vorgestellt.”

Für die SPD-Fraktion im Bundestag, das kann man an dieser Stelle feststellen, besteht “tatsächliche Gleichstellung” in Kunst usw. darin, dass ausschließlich Frauen über 40 gefördert werden. Auch eine Form der Diskriminierung und für alle Frauen unter 40 und alle Männer aller Altersklassen dann, wenn es um die Wahlentscheidung geht, sicher eine wichtige Information. Damit niemand hinterher kommen und sagen kann, er hätte etwas nicht gewusst.

Punkt 2c der Notwendigkeiten “tatsächlicher Gleichstellung” ist auch nicht schlecht:

Hier wollen die Genossen, dass “… beim Ankauf von Werken der Bildenden Kunst durch die Bundesrepublik Deutschland der Aspekt der Gleichstellung stärker als bisher berücksichtigt wird”.

Jonker Ramp and his SweetheartLeider haben die Genossen vergessen zu sagen, was sie damit meinen. Dürfen nur noch Skulpturen von Hanne Breker oder Bilder von Viola van Gogh gekauft werden oder muss darauf geachtet werden, dass der vielleich sogar erkennbare Gegenstand der Bildenden Kunst, das “Kunstobjekt” gleich zwischen den Geschlechtern verteilt ist. Und wieso kauft die Bundesrepublik Bildende Kunst? Haben Sie die Bundesrepublik entsprechend beauftragt?

Weiter geht’s mit dem, auf das wir alle bereits gewartet haben, denn wie jeder weiß, der sich immer einmal wieder mit dem beschäftigt, was unter dem Rubrum der Gleichstellung abgesondert wird, sind die Gleichsteller allesamt der Meinung es bei Frauen durch die Bank mit kleinen Dummchen zu tun zu haben, die aus eigener Kraft nichts zu Stande bringen. Entsprechend dürfen auch im SPD-Antrag zur Kunst Coaching-Programme, vermutlich zum Gegenstand: wie sichere ich mir ein großes Atelier, und die Förderung von Existenzgründungen (mit der SPD zum großen Atelier!) und die Vernetzung (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer bildender Künstlerinnen) nicht fehlen.

Und wo ich gerade bei dem bin, was nicht fehlen darf.

Was fehlt noch?

Worauf haben sie bislang umsonst gewartet?

Richtig!

Für die SPD-Fraktion sind Frauen, auch dann, wenn sie bildende Künstlerinnen sind, in erster Linie einmal zur Fortpflanzung fähiges Material, und entsprechend darf natürlich nicht fehlen, woran alle Frauen ab ihrer Jugend und dann ständig denken: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch bildende Künstlerinnen dürfen ihren Canvas nicht einfach herausholen und malen wann und wo sie wollen, nein, sie haben das Pinselschwingen mit der Familie zu vereinbaren, und damit sie das können, müssen nach Ansicht der SPD ein familienfreundliches Klima, ein verbessertes Angebot zur Kinderbetreuung und die Förderung von Freistellungsphasen her. Jetzt ist auch klar, warum die Grüße des Ateliers der bildenden Künstlerinnen für die SPD so entscheidend ist, denn im Atelier muss nicht nur Platz für Familienplanung sein, sondern auch Raum fü einen Betriebskindergarten.

How-to-MiroEs handelt sich bei diesem Antrag der SPD-Fraktion um keine Satire, und wer nun denkt, der Antrag und vor allem der Inhalt des Antrags zeige alle Hinweise auf eine vorhandene psychotische Störung, dem will ich an dieser Stelle nicht widersprechen. Statt dessen will ich darauf hinweisen, dass es schon erstaunlich ist, um welche Klientel sich die SPD-Fraktion zu kümmern müssen glaubt. Man erinnere sich, die SPD galt einst als Arbeiterpartei. Davon ist die SPD so weit entfernt, wie die Erde vom Andromeda Nebel. Die heutige SPD ist eine Partei der Mittelschicht, der vermeintlich kunstbeflissenen, die zwar keinen Franz Marc von einem Frans Hals unterscheiden können, aber denken, wenn sie einen Juan Miro Kunstdruck im Treppenhaus hängen haben, dann seien sie als Kenner der Materie erkannt. Und natürlich ist die SPD eine Partei der Fortpflanzung, des Paternalismus und der Gleichstellung, Gleichstellung = ganz wichtig, Gleichstellung ist das beherrschende Motiv, der Fixpunkt, das, was das Fühlen, Denken und Handeln der SPD-Parlamentarier derart beherrscht, dass keine Zeit mehr bleibt für schnöde Dinge des Alltags normaler Menschen, normaler Arbeiter und Arbeiterinnen natürlich.

Zimbardo, Philip (1995). Psychologie. Berlin: Springer.

Weil es noch nicht reicht: SPD fordert Frauenquote für Talkshows. Ob man Wahnsinn noch steigern kann? Wer noch über weitere Facetten des Gender-Wahnsinns, der die gesamte SPD erfasst zu haben scheint, beizutragen weiß, nur zu!

WHO-Strategie gegen Alkohol: Bars und Restaurants verbieten?

Angefangen hat alles gestern Abend, als ich über eine Studie mit dem Titel “Alcohol-selling outlets and mortality in Switzerland – the Swiss National Cohort” gestolpert bin. Bereits ein Titel, wie der vorliegende, legt OLYMPUS DIGITAL CAMERAmittlerweile meine Stirn in Falten. Das vor allem deshalb, weil ich Aggregatdatenanalysen oder von empirischen Analysen, die auf Basis von aggregierten Daten durchgeführt werden, nützlich finde. Und genau deshalb reagiere ich empfindlich auf Unsinn der mit Aggregatdaten angestellt wird, und die vorliegende Analyse von Adrian Spoerri, Marcel Zwahlen, Radoslaw Panczak, Matthias Egger und Anke Huss durchgeführt und in “Addiction” veröffentlicht, ist Unsinn.

Die Autoren haben viel Zeit und vermutlich auch viel Geld in die Analyse eines Zusammenhangs gesteckt, den man, würde man einen Moment lang nachdenken, nicht einmal im Traum untersuchen würde. Doch der Reihe nach.

Zunächst haben die Autoren Daten für 4 376 873 Schweizer zusammengetragen (aus dem Swiss National Census) und darunter für den Zeitraum vom 5. Dezember 2000 bis zum 31 Dezember 2008 8602 “alkoholbedingt” verstorbene Schweizer gefubdeb. Im nächsten Schritt haben sie Cox Regressionen berechnet, eine Form der Sterbetafelanalyse, mit der das Risiko für verschiedene Merkmalsträger unter Kontrolle bestimmter Faktoren berechnet werden kann, im vorliegenden Fall: “alkoholbedingt” zu versterben. Angesichts der Individualdaten, die die Autoren zur Verfügung hatten, hätte ich nun erwartet, dass sie versuchen die Lebensgewohnheiten, die Lebensbedingungen, den Lebensalltag zu modellieren, um z.B. herauszufinden, welche individuellen Faktoren das Risiko, “alkoholbedingt” zu versterben, erhöhen. Weit gefehlt.

Die Autoren haben sich Geo-Daten für die Örtlichkeit von Bars und Restaurants zusammengesucht und für jeden Schweizer in ihrem Datensatz untersucht, wie große die Dichte von Bars und Restaurants in seinem direkten Wohn-Umfeld ist, wobei sein direktes Wohnumfeld einen Umkreis von 1000 Metern hat. Sodann haben sie für jeden Schweizer berechnet, wie weit er laufen muss, um zur nächsten Bar, zum nächsten Restaurant zu kommen, sie haben ihre Individualdaten also aggregiert.

Und dann haben sie Cox-Regressionen gerechnet. Und was ist dabei herausgekommen? Wenig Überraschendes:

“…we observed that alcohol-related mortality was associated with the distance of an individual’s residence to the nearest alcohol-selling outlet as well as with the density of outlets in the immediate neighborhood” (8).

WelschDa diese Zusammenfassung immer noch da war, nachdem ich sie dreimal gelesen habe, muss ich der Tatsache ins Auge sehen, dass das wirklich die Konklusion ist, die die Autoren nach dem Einsatz von viel finanziellen und Zeit-Ressourcen gezogen haben. Das ist erstaunlich und überraschend zugleich, denn, was die Autoren hier messen, ohne es zu merken, ist ein klassisches Artefakt. Im vorliegenden Fall nennt man es “Stadt”. Städte haben die Angewohnheit, nicht nur Menschen zum dort leben anzuziehen, sondern auch alle Formen sonstiger Agglomerationen herzustellen. So finden sich selbst in schweizer Städten immer mehr Schulen, Universitäten, Läden, Supermärkte, Bäcker, Schwimmbäder, Krankenhäuser und eben auch Bars und Restaurants, als z.B. in Ulmitz oder Laupen. Das liegt in der Natur der Sache. Und da man in Ulmitz oder Laupen deutlich weiter laufen muss, um auch nur in die Nähe einer Restaurant- und Bar-Dichte zu kommen, wie die, die sich einem Berner bietet, ist es nicht verwunderlich, dass die Cox-Regression zeigt, dass mit der die Dichte von Bars und Restaurants die Anzahl der alkoholbedingt Verstorbenen steigt. Das hat auch damit zu tun, dass in Städten gewöhnlich mehr Leute leben als in einem Weiler im Berner Oberland. Insofern haben die Autoren hier ein astreines Artefakt produziert, das man mit der Entfernung zu und Dichte von Bäckern, Hautärzten, Parteizentralen und Universitätsangestellten jederzeit wiederholen kann. Wobei ich schon gern wüsste, wie die Autoren das Ergebnis interpretieren, dass sich die Dichte von Hautärzten und die Entfernung zum nächsten Hautarzt positiv auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, alkoholbedingt zu versterben. Aber lassen wir das. Viel interessanter ist, was die Autoren mit ihrem Artefakt machen.

Nun, sie merken gar nicht, dass sie ein Artefakt produziert haben und ziehen daher munter Schlussfolgerungen, die mich erbleichen lassen:

“Our study supports the recommendation by the World Health Organization that community-level interventions reducing alcohol outlet density are useful measures that complement existing interventions”.(8)

Genau das, was die Autoren hier behaupten, zeigen ihre Ergebnisse nicht. Sie zeigen lediglich, dass man durch die Abschaffung von Städten dazu beitragen könnte, dass man weiter laufen muss, um zur nächsten Verkaufsstelle von Alkohol zu kommen und vermutlich könnte man dann eine Cox-Regression rechnen, die zeigt, dass mit der Entfernung zur nächsten Verkaufsstelle das Risiko steigt, von einem Auto überfahren zu werden.

WHOLogoUnd wenn einem der Unsinn, den die Autoren hier verbreiten, nicht schon den Blutdruck in die Höhe getrieben hat, dann schafft das der Verweis auf die busybodies bei der Weltgesundheitsorganisation mit Sicherheit. Die guten Menschen dort sind ja täglich um unser aller Wohl bemüht und erfinden daher täglich neue Formen der Bevormundung. Eine besonders dreiste findet sich in dem 125 Seiten starken Bericht Evidence for the Effectiveness and Cost-Effectiveness of Interventions to Reduce Alcohol-Related Harm”, der von der WHO fianziert und veröffentlicht, sich der Frage widmet, wie man Menschen daran hindern kann, Alkohol zu trinken und auf den Seiten 65 bis 70 die Notwendigkeit, die Anzahl der Verkaufsstellen und deren Öffnungszeiten zu begrenzen, diskutiert. Am besten wir verbieten Bars und Restaurants und untersagen das Verkaufen von Alkohol in Supermärkten zwischen 8 Uhr morgens und 24 Uhr nachts.

Haben Sie eigentlich diese Herrschaften bei der WHO damit beauftragt, sich um Ihre Gesundheit zu kümmern und ihnen vorzuschreiben, was sie wo zu kaufen haben, wie leicht es ihnen fallen darf, an Alkohol heranzukommen und wie viel sie davon trinken dürfen? Ich kann mich nicht erinneren, einen entsprechenden Auftrag erteilt zu haben. Um genau zu sein, ich nehme es sehr negativ, wenn man versucht, mir Vorschriften darüber zu machen, wie ich mich zu verhalten habe. Und besonders negativ nehme ich entsprechende Versuche, wenn sie von selbsternannten Wächtern über meine Gesundheit und ihren willigen, wenngleich methodisch unfähigen Helfern an Universitäten kommen, wie im vorliegenden Fall.

Ich brauche weder die WHO noch Untersuchungen, die mir zeigen, wie einfach es ist, ein statistisches Artefakt zu schaffen. Entsprechend schlage ich vor, die WHO aufzulösen, den Autoren des hier verarbeiteten Beitrags Nachhilfestunden in Statistik zu geben und darüber hinaus jeden Versuch, in vorgeblich guter Absicht in das Leben anderer zu intervenieren, unter Strafe zu stellen. Wer es dennoch tut, muss eine Woche lang Werbefilme und Werbematerialien der WHO über sich ergehen lassen, die mit WHO-freundlichen angeblich wissenschaftlichen Beiträgen unterfüttert sind und anschließend wird er direkt in eine geschlossene Anstalt überführt, wo er sich dann mit der Mehrzahl der Mitarbeiter der WHO zum gepflegten Austausch zusammensetzen kann.

Und ich hoffe, dieser Vorschlag findet die Unterstützung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), denn immerhin sind es seine Mitglieder, denen es an die Existenzgrundlage geht, wenn die WHO und ihre Helfershelfer sich mit ihren abstrusen Forderungen durchsetzen können.

Umverteilung macht unzufrieden

Moderne Wohlfahrtsstaaten zeichnen sich durch eine hohes Maß an Paternalismus aus, zu dessen Finanzierung große Summen von Steuergeldern aufgewendet werden muss. Paternalismus hat generell den Ausgleich sozialer Ungleichheiten zum Gegenstand, wobei die Ungleichheiten in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen geortet werden. Das muntere Ungleichheitsfinden beginnt bei der Einkommensverteilung, führt über den Zugang zum Internet und die Verteilung von Demenz und endet bei Aufsichtsratsposten. Scheinbar ist keine Verteilung frei vom Verdacht, ungleich zu sein, und entsprechend steht jede Verteilung einer Problematisierung durch professionelle Ungleichheits-Bekämpfer offen.

BartholomewBesonderen Aufwind haben die Gegner von Ungleichheiten aller Art durch ein Buch von Richard Wilkinson und Kate Pickett mit dem Namen “The Spirit Level” erhalten, in dem die Autoren gezeigt haben wollen, dass in Gesellschaften, in denen eine größere Einkommensgleichheit herrscht, die zufriedeneren Bürger leben. Dieses Ergebnis hat Christopher Snowdon zwar zwischenzeitlich als falsch bloßgestellt, seine Widerlegung ändert aber nichts daran, dass das Mantra von “Gleich macht glücklich” sich unter Linken aller Provenienz großer Beliebtheit erfreut und immer dann vorgebracht wird, wenn es neue Umverteilungsmaßnahmen zu fordern oder zu rechtfertigen gilt.

Eine neue Untersuchung von Christian Bjornskov, Axel Dreher, Justina A. V. Fischer, Jan Schnellenbach und Kai Gehring (2013) räumt nun mit der Annahme, dass Einkommensumverteilung und damit hergestellte Einkommensgleichheit glückliche und zufriedene Menschen hinterlässt, endgültig auf. Umverteilung, so zeigt sich, macht nur diejenigen glücklich, die davon profitieren und selbst sie nur dann, wenn sie Prinzipien der Fairness nicht zu ihrem Normenkanon zählen.

Ich will ausnahmsweise einmal am Ende der Untersucht von Bjornskov et al. anfangen:

“Inequality is easier to accept if it is the result of unequally distributed skills and chosen effort levels that if it is due to institutional design and low social mobility. Our results suggest that creating a society with such equal opportunities would be superior with regard to fostering higher subjective well-being to a paternalistic and overly redistributive welfare state. (36).

Young EquityDieses Ergebnis ist nicht weiter verwunderlich. Tatsächlich wird hier in Worte gegossen, was Sozialpsychologen im Allgemeinen und J. Stacy Adams (1965) im Besonderen in der Equity Theory zusammengefasst haben und was sich auch unter der Bezeichnung prozedurale Gerechtigkeit (procedural justice) finden lässt: Verteilungen, auch ungleiche Verteilungen, werden dann als gerecht angesehen und hingenommen, wenn sie fair erreicht wurden, wenn sie das Ergebnis entsprechender Anstrengungen darstellen, oder in den Worten von Bjonskov et al. (2013), S.7:

“…we define an income generating process as ‘fair’ if there is a direct link between own investment in human capital, on-the-job effort and individual economic outcome. The weaker this link becomes, i.e., the more the individual outcome depends on chance and at the same time is related to inherited starting positions, the less fair the income generating process is”.

Davon ausgehend machen die Autoren zwei Annahmen:

  1. Die Wahrnehmung einer Einkommensverteilung in einer Gesellschaft als fair oder nicht fair, hat einen Effekt auf die individuelle Zufriedenheit, d.h. wer die Einkommensverteilung als fair ansieht, ist insgesamt zufriedener.
  2. Die Differenz zwischen wahrgenommener Fairness der Eigentumsverteilung und tatsächlicher Verteilung hat einen Effekt auf das Niveau der Zufriedenheit. Je größer die Distanz wahrgenommen wird, desto geringer die Zufriedenheit.

Diese beiden Hypothesen sind meine Zusammenfassung von vier Annahmen, die sich im Text finden und die die Autoren auf der Grundlage des World Value Survey und auf der Basis von rund 300.000 Befragten aus 80 Ländern testen. Die Ergebnisse bestätigen, was hier bereits angerissen wurde: Wahrgenommene Fairness der Einkommensverteilung und die Distanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Fairness, schlagen sich im Niveau der Lebenszufriedenheit der Befragten nieder:

fairness1According to the results, the respondents’ belief that income inequality in their society is the result of a comparably fair market process makes them considerably more satisfied with their lives, while a demand for more government redistribution for correcting the market-income distribution is negatively associated with happiness. … The findings challenge the standard Lerner argument that more redistribution and less income inequality unambiguously leads to an increase in welfare of the average person, and thus, in average welfare. Instead, the model and the empirical analysis suggest that for broad groups of countries the potential effects of inequality depend on the interplay between perceived and actual fairness of the institutional framework” (34). [Wie die Ergebnisse zeigen, sind Befragte, die der Ansicht sind, die Einkommensungleichheit in ihrer Gesellschaft sei das Ergebnis fairer Marktprozesse deutlich zufriedener mit ihrem Leben, während diejenigen, die mehr Umverteilung durch die Regierung verlangen, um die Einkommensungleichheit zu korrigieren unzufrieden mit ihrem Leben sind ... Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu der im Anschluss an Lerner gemachte Standardannahme, nach der Umverteilung und eine geringere Einkommensungleichheit unzweideutig zu einem Wachstum von Wohlfahrt für den durchschnittlichen Bürger und die Gesellschaft als Ganze führt. Vielmehr zeigen das vorliegende Modell und die empirische Analyse, dass der Effekt der Ungleichheit auf die Lebenszufriedenheit für viele Länder davon abhängt, wie sich die durch die Bürger wahrgenommene Fairness zur tatsächlich gegebenen Fairness im jeweiligen Land verhält.]

Damit steht fest, dass Umverteilung nicht zu größerer Zufriedenheit in einer Gesellschaft führt, nicht führen kann, denn Umverteilung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden einer großen Anzahl von Bürgern, die z.B. der Ansicht sind, dass “harte Arbeit sich auf lange Sicht auszahlt”, “Armut ein Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit ist” und “eine Möglichkeit besteht, der Armut durch Arbeit zu entkommen”. Wie Bjornskov et al. in ihren Analysen zeigen können, zeichnen sich Personen, die einem oder allen dreien dieser Aussagen zustimmen, durch eine hohe Lebenszufriedenheit aus.

Dagegen sind diejenigen, die eine “gleiche Einkommensverteilung” fordern, “große Einkommensunterschiede beseitigen wollen” oder “eine Grundsicherung einführen wollen” eher unzufrieden mit ihrem Leben. Zwar kann Umwerteilung die Zufriedenheit der zuletzt genannten Unzufriedenen erhöhen, dies erfolgt jeodch auf Kosten der Zufriedenen, die entsprechend unzufrieden sein werden, was deutlich zeigt, dass die Idee, man könne durch Umverteilung Zufriedenheit und Glück herstellen, nur von Personen stammen kann, die von Umverteilung profitieren.

Dieser Schluss kann auch direkt aus den Ergebnissen von Bjornskov et al. abgeleitet werden. Die Autoren kontrollieren die Zustimmung zu den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit nach Alter, Bildung, Einkommen und Geschlecht und auch nach Kontrolle dieser Variablen bleibt der Zusammenhang zwischen einer höheren Lebenszufriedenheit und der Zustimmung zu “harte Arbeit zahlt sich auf lange Sicht aus”, “Armut ist das Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit” und “Arbeit ist eine Möglichkeit, um Armut zu entkommen” bestehen. Es sind also nicht nur die Reichen und Gutbetuchten (die Besserverdiener), diejenigen, zu deren Lasten die Umverteilung gehen würde, die den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit zustimmen, sondern gerade auch diejenigen, für die die Umverteiler zu handeln in Anspruch nehmen. Wie die Analysen zeigen, wäre es vielen Arbeitern und Angehörigen der Unterklasse lieber, man würde ihnen Chancengleichheit und prozedurale Gerechtigkeit garantieren, ihnen gleiche Startchancen geben und garantieren, dass sich Leistung für sie lohnt, als dass sie ein Interesse daran haben, sich zum Almosen-Empfänger eines umverteilenden Staates zu machen.

socialismDamit stellt sich die Frage, wer diejenigen sind, die mit ihrem Leben unzufrieden sind und so großen Wert auf eine Umverteilung legen, wenn ein Großteil derer ausfällt, die als angebliche Globalisierungsverlierer, weil nicht hinreichend qualifiziert, von Funktionären aus Gewerkschaften und Parteien immer ins Feld geführt werden. Da ein Großteil der Umverteilungsmaßnahmen, wie z.B. alle Familienleistungen und alle finanziellen Begünstigungen, die Verheirateten zu Gute kommen, den Lebensstil der Mittelschicht finanzieren, ist die Antwort auf diese Frage nicht schwierig: unzufrieden und Anhänger der Umverteilung sind die Angehörigen der Mittelschicht, die in prekären Verhältnissen leben, die ständig von der Angst geplagt sind, sozial abzurutschen, weil der Dispo-Kredit ausgeschöpft ist oder die Raten, die für die Finanzierung des Eigenheims auf 600 Quadratmeter Fläche zu zahlen sind, regelmäßig das vorhandene Kapital fast bis auf Null abschmelzen und die doch überschüssiges Kapital so dringend brauchen, um die symbolischen Devotionalien zu kaufen, die den Lebensstil der Mittelschicht und ihre sowie die Außendarstellung ihrer Kinder auszeichnen.

Bjornskov, Christian, Dreher, Axel, Fischer, Justina A. V., Schnellenbach, Jan & Gehring, Kai (2013). Inequality and Happiness. When Perceieved Social Mobility and Economic Reality do not Match. Freiburg: Walter Eucken Institut: Freiburger Diskussionspapiere zur Ordnungsökonomik, Nr. 13/2.

ScienceFiles-News: Bewusste Wahrnehmung muss sich erst entwickeln

Die meisten Philosophen stimmen darin überein, dass die bewusste und willentliche Steuerung des eigenen Lebens eine Eigenschaft ist, die den Mensch zum Menschen macht. Für Kant ist die Entwicklung einer moralischen Urteilfähigkeit der Schritt, der den Mensch zum Menschen macht. Hobbes, der etwas weniger mit “Moral”, dafür mehr mit Vernunft beschäftigt ist, sieht willentliches Handeln, also das, was einen Menschen erst konstituiert, als Ergebnis eines Denkprozesses:

“Wille ist deshalb die Neigung, die beim Überlegen am Schluss überwiegt (Hobbes, 1984[1651], S.47).”

LeviathanWer nicht rational zu denken im Stande ist, ist somit nicht zu willentlicher Entscheidung fähig. Entsprechend schnell sind die meisten Philosophen mit der Frage am Ende, ob menschliche Organismen, die (noch) nicht zum Denken und (moralischen) Urteilen im Stande sind, als vollwertige Menschen gelten können.

Unabhängig von der Frage, was den Idealtypus “Mensch” konstituiert, stellt sich die Frage danach, wann Lebewesen ein “Bewusstsein” entwickelt haben und dementsprechend als aktive Teilnehmer an ihrer Umwelt angesehen werden können, was wiederum die Voraussetzung dafür ist Urteilsfähigkeit zu entwickeln und willentlich zu handeln. Ein Indiz dafür, dass ein Bewusstsein vorhanden ist, ist die Fähigkeit, bewusst wahrzunehmen, die Fähigkeit, auf Reize aus der Umwelt bewusst zu reagieren. Aber wann im Verlauf der menschlichen Entwicklung setzt die Fähigkeit zu bewusster Wahrnehmung ein?

Diese Frage haben Forscher des Centre Nationalede la Recherche Scientific (CNRS) untersucht. Dabei sind sie zu dem Ergebnis gekommen, dass Säuglinge ab 5 Monate über eine ähnliche Form der bewussten Wahrnehmung verfügen wie Erwachsene, dass diese bewusste Wahrnehmung jedoch eine verzögerte Form bewusster Wahrnehmung ist, die in den Anfangsstadien ihrer Entwicklung steht.

Wie misst man bewusste Wahrnehmung? Das ist die zentrale Frage dieser Forschung, deren Antwort darüber entscheidet, ob die Ergebnisse sinnvoll oder sinnlos sind. Die Forscher des CNRS haben bewusste Wahrnehmung auf zwei Ebenen gemessen und an Geschwindigkeit gekoppelt. Die erste Ebene bewegt sich dabei im Millisekundenbereich (200 bis 300 Millisekunden): Hier findet eine unbewusste Verarbeitung von Wahrnungsinformationen statt. Im Gehirn zeigt sich ein stetiger und linearer Anstieg neuronaler Aktivität. Ist ein Schwellenwert neuronaler Aktivität erreicht, dann geht die lineare Antwort in eine nicht-lineare Antwort über, d.h. die neuronale Aktivität wächst in nicht-linearer Weise (z.B. exponentiell). Ab diesem Schwellenwert sprechen die CNRS-Forscher von einer bewussten Wahrnehmung.

Das Maß für bewusste Wahrnehmung ist demnach der Übergang von einer kurzen (bis 300 Millisekunden) Phase des linearen Anstiegs neuronaler Aktivität in eine Phase der nicht-linearen Reaktion auf einen Wahrnehmungsgegenstand.

Vor dem Hintergrundd dieser Operationalisierung haben die Forscher bei 5 Monate alten Säuglingen erste Anfänge einer bewussten Wahrnehmung gemessen: Während die neuronale Aktivität der Säuglinge mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen wurde, wurden ihnen Gesichter gezeigt und die Reaktion auf die Gesichter gemessen. Dabei zeigte sich ein lineares Wachstum neuronaler Aktivität und ein Übergang von der linearen Phase in die nicht-lineare Phase, der als Übergang zu bewusster Wahrnehmung interpretiert wurde. Allerdings fand der Übergang bei Säuglingen deutlich später statt als bei Erwachsenen, und zwar erst nach rund 1 Sekunde.

Self-ConsciousnessDiese langsame Aktivierung von bewusster Wahrnehmung spricht dafür, dass sich bewusste Wahrnehmung erst entwickeln muss und nicht bereits bei Säuglingen und schon gar nicht bei Föten vorhanden ist. Da bewusstes Wahrnehmen die Voraussetzung dafür ist, dass sich ein Mensch, wie er im Idealtypus oben beschrieben wurde, überhaupt entwickeln kann, weisen diese Ergebnisse darauf hin, dass man Säuglinge als Organismen ansehen muss, die das Potential mitbringen, sich zum Mensch zu entwickeln, was jedoch eine Aktivierung von bewusster Wahrnehmung und eine Entwicklung der Denkfähigkeit, der Vernunft voraussetzt. Daraus muss geschlossen werden, dass Föten noch keine vollwertigen menschlichen Lebewesen darstellen und auch Säuglinge sich erst zum menschlichen Lebewesen und zum Menschen entwickeln müssen.

Hobbes, Thomas (1984[1651]). Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Kouider, Sid, Stahlhut, Carsten, Gelskov, Sofie V., Barbosa, Leonardo S., Dutat, Michel, de Gardelle, Vincent, Christophe, Anne, Dehaene, Stanislas & Dehaene-Lambertz, Ghislaine (2013). A Neural Marker of Perceptual Consciousness in Infants. Science 340(6130), pp.376-380.

Die EU- Kommission als Profiteur der Finanztransaktionssteuer

capitalistSeit der Finanzkrise haben Politiker keine Gelegenheit ausgelassen, um Spekulanten, Banker, Kapitaleigner, Aktionäre, um alle, die mit Finanzmitteln handeln, zu diskreditieren. Steigen die Nahrungsmittelpreise, dann sind Spekulanten schuld, wird kein privates Kapital in die Wirtschaft investiert, dann sind Steueroasen schuld, gibt es einen Crash an Börsen, dann sind Hedge-Fonds oder andere Börsen-Spekulanten schuld, und geraten Staaten aufgrund exzessiver Ausgaben in Schieflage, dann sind die Rating-Agenturen schuld. Der ganze Finanzsektor ist eine Ansammlung von politisch Abgeurteilten, die nur deshalb in Freiheit sind, weil sie in Freiheit nützlicher sind als in Gefangenschaft, so könnte man formulieren.

Eine Möglichkeit, Akteure in Finanzmärkten zu benutzen, wurde mit der Finanztransaktionssteuer umgesetzt. Die Finanztransaktionssteuer ist für José Manuel Barroso eine “Frage der Fairness”. Die Zocker, der derzeit gebräuchlichste derogative Begriff, der eingeführt wurde, weil der Begriff des Spekulanten nicht mehr negativ genug war, die Zocker, so titelt die ARD voller Freude, sollen die Zeche zahlen. Längst hat die Mythe der Spekulanten, die für alle Probleme der Welt verantwortlich sind, Eingang in die öffentliche Kultur gefunden und entsprechend ist jedem Politiker, der gegen die Zocker, die Spekulanten, die Kapitalisten zu Felde zieht, Unterstützung sicher. Dies vor allem dann, wenn er sich dafür einsetzt, Kapitalisten, Banker, Besserverdiener, Zocker oder Spekulanten zu bestrafen, z.B. durch (höhere) Steuern.

Die affektiven Gefühle vieler Deutscher gehören dem Heldenpolitiker, der sich gegen das internationale “Großkapital” stemmt, und entsprechend kann der Feldzug gegen das “Großkapital” trefflich dazu genutzt werden, die eigenen Interessen unter einem ganz anderen Rubrum durchzusetzen.

BarrosoSo inszeniert sich José Manuel Barroso gerne als Robin Hood, der für Fairness kämpft und gegen die Spekulierer, die Zocker an den Börsen: “Es ist Zeit”, so zitiert ihn die ARD, “dass der Finanzsektor der Gesellschaft einen Beitrag zurückgibt”. Dies sei eine Frage der Fairness. Was ist er nur für ein guter und fairer Mensch der Herr Barroso. Immer an vorderster Front, wenn es darum geht, gegen den Finanzsektor zu Felde zu ziehen und für “die Gesellschaft” zu kämpfen. Was der Präsident der EU-Kommission freilich vergisst oder verheimlicht, ist: Nicht die Gesellschaft profitiert von der Finanztransaktionssteuer, sondern die EU-Kommission.

So steht, etwas versteckt, aber dennoch zu finden, im “Vorschlag für eine Richtlinie des Rates über die Umsetzung einer Verstärkten Zusammenarbeit im Bereich der Finanztransaktionssteuer”:

“Der Vorschlag der Kommission für einen Beschluss des Rates über das Eigenmittelsystem der Europäischen Union vom 29. Juni 2011 in der geänderten Fassung vom 9. November 2011 sieht
vor, dass die Einnahmen aus der Finanztransaktionssteuer teilweise als Eigenmittel in den EUHaushalt fließen. Die auf der Grundlage des Bruttonationaleinkommens von den teilnehmenden Mitgliedstaaten erhobenen Eigenmittel würden sich entsprechend verringern. Der Europäische Rat hat auf seiner Tagung vom 7. und 8. Februar 2013 die teilnehmenden Mitgliedstaaten ersucht zu prüfen, ob die Finanztransaktionssteuer die Grundlage für eine neue Eigenmittelkategorie für den EU-Haushalt werden könnte” (16).

Es ist also nicht “die Gesellschaft”, die von einer Finanztransaktionssteuer und den erhofften Einnahmen in Höhe von rund 57 Milliarden Euro profitiert, sondern konkret die EU-Kommission, die sich auf diese Weise und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit eine unabhängige Einnahmequelle verschafft. Es ist dies eine erstaunliche Entwicklung für einen bürokratischen Moloch, der, obwohl nie demokratisch legitimiert, zwischenzeitlich die Leben der Europäer in einer Weise reglementiert, die niemand vor 20 Jahren für möglich gehalten hätte. Da mit der angesprochenen Council Directive erstmals der EU-Kommission eine direkte Einnahmequelle verschafft wird, ist die EU-Kommission die einzige, zumindest der Behauptung nach demokratische Exekutive, die legislative Funktionen annehmen und darüber hinaus eigene Einnahmequellen per Steuer erlassen kann. Bislang sind derart weitreichende Befugnisse nur aus totalitären Staaten wie der ehemaligen Sowjetunion, China oder dem Dritten Reich bekannt.

Die Einfachheit, mit der die EU-Kommission sich einen finanziellen Vorteil von 57 Milliarden Euro verschafft hat, ist erschreckend und belegt, wie leicht es politischen Akteuren fällt, ihre Ziele im Schutz affektiver Aufregung, wie man sie im Hinblick auf den Finanzsektor seit Jahren in der Öffentlichkeit und unterstützt von öffentlich-rechtlichen Medien schürt, durchzusetzen. Ich habe keinen Zweifel, dass die EU-Kommission sich in Zukunft nicht nur als Retter “der Gesellschaft” vor dem furchtbaren Finanzsektor darstellen wird, sondern eine minimale Reduktion der Zahlungen der Mitgliedsstaaten an die EU noch als Form der Sparsamkeit und Effizienz verkaufen wird. Es ist so leicht, die Öffentlichkeit an der kollektiven Nase herumzuführen.

Und scheinbar so problemlos, denn wenn mit der Finanztransaktionssteuer herbeigeführt wird, wovor viele Ökonomen warnen, volatile Börsen mit weniger Transaktionsvolumen, die anfälliger für extreme Schwankungen sind, dann kann man dies getrost auf die bösen Spekulanten, die Zocker, den Finanzsektor schieben, und wenn alles nicht hilft, dann können ja Schauprozesse gegen Spekulanten durchgeführt werden, zur allgemeinen Volksbelustigung.

liquidityEs ist schon interessant, dass die Argumente, die für die ökonomische Integration (also die Harmonisierung und den Binnenmarkt) von der Europäischen Kommisison ins Feld geführt werden, z.B. geringere Transaktionskosten, geringere Volatilität der Märkte und höheres Wachstum dann aus dem Fenster geworfen werden, wenn es um die eigenen Einnahmen geht. Dann werden höhere Transaktionskosten, höhere Volatilität der Märkte und ein geringeres Wachstum gerne in Kauf genommen, denn die “Zeche” zahlen alle europäischen Bevölkerungen gemeinsam, und das werden sie müssen, wenn die regelmäßig am Ende entsprechender ökonomischer Analysen stehenden Ergebnisse, dass geringe Liberalisierung oder Integration von Märkten, also eine Reglementierung von Märkten wie sie die EU-Kommission gerade durchdrückt, um die eigenen Finanzierung unabhängig zu gestalten, früher oder später im Chaos bzw. im Crash enden, wie z.B. die folgenden Studien zeigen:

Bekaert, Geert, Harvey, Campbell R. & Lundblad, Christian (2006). Growth Volatility and Financial Liberalization. Journal of International Money and Finance 25 (3): 370-403.

Bekaert, Geert, Harvey, Campbell R. & Lundblad, Christian (2006). Does financial liberalization Spur Growth? Journal of Financial Economics 77 (1)): 3-55.

Kose, M. Ayhan, Prasad, Eswar S. & Terrones, Marco E. (2003). Financial Integration and Macroeconomic Volatility. IMF Staff papers, 50: 119-142.

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Better Off Out: Immer mehr Briten wollen raus aus der EU

ScienceFiles-News

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Blau = Tories, Rot = Labour, Schwarz = keine absolute Mehrheit

Die Kommunalwahlen in England und Wales, die am 4. Mai abgehalten wurden, haben der United Kingdom Independence Party (UKIP) einen großen Zugewinn an Stimmen gebracht. Aus dem Stand hat sich die Partei zu einer lokalen Macht entwickelt und dies, obwohl UKIP nicht in allen Councils eigene Kandidaten zur Wahl gestellt hat. UKIP vertritt im Vereinigten Königreich eine gut begründete ablehnende Haltung gegenüber der Europäischen Union und hat den Austritt aus der Europäischen Union zum Ziel. Der Anstieg der Stimmen für UKIP ist somit ein Indiz für einen größer werdenden Unmut britischer Bürger gegenüber der EU.

Premierminister David Cameron hat sich dazu verpflichtet, spätestens 2017, also nach der nächsten Wahl zum House of Commons, ein Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union abzuhalten. Bis dahin will er die Bedingungen, unter denen das Vereinigte Königreich in der Europäischen Union verbleibt, neu verhandeln und eine britische Souveränität über Entscheidungen, die derzeit in Brüssel getroffen werden und die z.B. die Justiz oder die Ökonomie beeinflussen, wiederherstellen. Sollte dieses Nachverhandeln der Bedingungen einer Mitgliedschaft des Vereinigten Königreiches in der Europäischen Union nicht von Erfolg gekrönt sein, dann, so hat Boris Johnson, Bürgermeister von London und der kommende Mann der Tories, in einem Interview mit BBC Radio 4 gesagt, müsse man die Konsequenzen ziehen und die EU verlassen. Man könne Verhandlungen wie die anstehenden nicht führen, wenn man nicht bereit sei, die Konsequenzen, die sich daraus ergeben könnten, auch zu tragen.

quit_EUDie Bereitschaft, die EU zu verlassen, und die Unzufriedenheit mit der eigenen Mitgliedschaft in der EU nimmt unter Briten ständig zu. Deutliches Anzeichen dafür ist ein Aufstand von Tory-Backbenchern, die nicht hinnehmen wollen, dass David Cameron in seiner anstehenden Regierungserklärung (Queen’s Speech) kein Gesetz auf den Weg bringen will, das ein Referendum über einen Verbleib in der EU zum Gegenstand hat. Das neueste Anzeichen dafür, dass der Widerstand gegen einen Verbleib in der EU nunmehr eine Größenordnung angenommen hat, die alles andere, als einen Erfolg der Nachverhandlungen mit der EU zu einer Austrittserklärung machen würde, ist ein Interview der BBC mit dem Bildungsminister Michael Grove, in dem Grove sagt, er würde für einen Austritt aus der EU stimmen, gäbe es heute eine entsprechende Abstimmung.

Erklärungen für die britischen Resentiments gegen die EU rekurrieren in der Regel auf die suizidale Kapitalmarktpolitik, die die Europäische Union derzeit z.B. als Financial Transaction Tax lanciert, deren Einnahmen in erster Linie der Brüsseler Bürokratie zu Gute kommen sollen.

“The Commission Proposal for a Council Decision on the system of own resources of the European Union of 29 June 2011, as amended on 9 November 2011, set out that part of receipts generated by the FTT [Financial Transaction Tax] shall constitute an own resource for the EU Budget. The GNI-based resource drawn from the participating Member States would be reduced accordingly” (15).

Entsprechend würde der Brüsseler Moloch zu einer Bürokratie, die sich in Teilen unabhängig von ihren Mitgliedern finanziert und damit eine unabhängig von den Mitgliedsstaaten finanzierte eigene Agenda formulieren könnte. Nicht mehr umfassend auf Beiträge aus den Mitgliedsstaaten angewiesen zu sein, gäbe der Europäischen Kommission eine neue Handlungsfreiheit, von der viele im Vereinigten Königreich fürchten, dass sie dazu missbraucht würde, um eine nicht demokratisch legitimiert Europäische Union zu etablieren, in der die sozialistischen kontinentaleuropäischen Traditionen fest verankert sind und die individualistische britische Tradition nicht vorkommen würde.

Die Hinweise darauf, dass die Europäische Kommission bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine eigene Agenda verfolgt, die weder demokratisch legitimiert ist noch von den Mitgliedsstaaten sanktioniert, haben sich über die letzten Jahre stetig vermehrt und sind auch auf ScienceFiles schon mehrfach zur Sprache gekommen:

EU-lack-of-trustSo haben wir darauf hingewiesen, dass die Kommissarin für Justiz, Viviane Reding, die Wahrheit dann zu verbiegen bereit ist, wenn es ihr in den Kram passt. Wie die Erfahrung lehrt, stellen sich die anderen Mitglieder der Kommission dann, wenn sie sich entscheiden müssen, ob sie der Öffentlichkeit die Wahrheit sagen oder sich den Manipulationesversuchen von Kommissionskollegen anschließen sollen, hinter ihre Kommissionskollegen . Schließlich setzt die EU-Kommission bereits heute eine große Zahl von ihr aus europäischen Steuergeldern finanzierter Claqueure ein, um die eigenen Politik auch gegen die öffentliche Meinung in Mitgliedsstaaten als auf breiter Unterstützung fußend, zu missrepräsentieren.

All diesen Versuche, einer Eurokraten-Elite, die eigenen Pfründe zu sichern und dazu auch Manipulation und Täuschung als Mittel einzusetzen, kommen im Vereinigten Königreich nicht gut an. Was aber fast noch schlimmer ist, sind die vielfältigen Versuche der EU, Freiheit zu beschneiden, sei es persönliche Freiheit durch sinnlose Direktiven, die die “ökologische Nachhaltigkeit” höher gewichten als die persönliche Freiheit, sei es durch direkte Eingriffe in die unternehmerische Freeiheit.

Lord-Weatherill“As a former Speaker of the House of Commons I view with increasing alarm and concern the loss of Parliamentary Sovereignty which for centuries has underpinned the freedoms of the British people. Directives and diktats from the European Union which have the force of law – often without parliamentary scrutiny or debate – are steadily eroding our nation’s independence and the electorate is increasingly unaware of what is done in their name. The time has come to call a halt. We would unquestionably be Better Off Out!” The late Rt. Hon. the Lord Weatherill of North East Croydon PC, DL Founding Patron of BETTER OFF OUT

Geht es um ihre persönliche Freiheit, dann hört für die meisten Briten der Spaß auf. Kommt zum Anschlag auf die persönliche Freiheit noch eine kontinentaleuropäische, sozialistische Agenda hinzu, dann ist es für die meisten Briten an der Zeit, zu gehen. Die Einsicht, dass man sich mit der Europäischen Union einen bürokratischen Moloch eingehandelt hat, der zwar noch nicht die Länge und Dicke von Toilettenpapier reguliert, aber vermutlich bereits eine Direktive dazu vorbereitet, und der vor allem die persönliche Freiheit der Europäer sozialistischer Gleichschaltung opfert, hat viele Briten getroffen, wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Folgen sind derzeit noch unüberschaubar. Klar ist indes, dass die Anzahl der Briten, die aus der EU austreten wollen, stetig steigt, und ein Referendum, würde es heute gehalten, sähe vermutlich nicht nur Michael Gove für einen Austritt aus der EU stimmen, sondern auch Michael Klein, Dr. Heike Diefenbach und vermutlich eine Mehrzahl der Briten.

Konstruktion der Wirklichkeit: Die Diskriminierung von Konsumenten

Diskriminierung von Konsumenten in Deutschland weit verbreitet, so ist eine Pressemeldung der Universität Augsburg überschrieben. Und weiter gehts mit der Er-Schreckensmeldung für alle, die dachten, in Deutschland sei der Kunde König:

customerisking“Nahezu jeder dritte Konsument in Deutschland wird beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen diskriminiert. Unter den türkischen Konsumenten machen sogar acht von zehn derart negative Erfahrungen. Zu diesen Ergebnissen kommen nun erstmals Wissenschaftler des Lehrstuhls für Value Based Management der Universität Augsburg mit Hilfe einer deutschlandweit repräsentativen Befragung. ‘Diskriminierung von Konsumenten ist in Deutschland ein weit verbreitetes Phänomen’, so Prof. Dr. Michael Paul.”

Soweit das Intro. Den weiteren Verlauf der Pressemeldung will ich mir an dieser Stelle schenken, die interessierten Leser können nachlesen, was noch in der Meldung steht. Ich will mir den Umstand zu Nutze machen, dass die Pressemeldung auf eine “Präsentation” der Ergebnisse, erstellt von Prof. Dr. Michael Paul und Sarah Germer, M.Sc., verweist. Die Präsentation, so habe ich mir gedacht, wird nämlich all die Fragen beantworten, die die Pressemitteilung aufgeworfen hat. So dachte ich.

Doch der Reihe nach.

Ziel der Studie, so erfährt der Leser gleich auf der ersten Seite der Präsentation, ist es eine erste “Bestandsaufnahme der Diskriminierung von Konsumenten in Deutschland” vorzunehmen. Diskriminierung im Konsum, so heißt es weiter, liege vor wenn:

“ein Kunde beim Kauf von Produkten oder Dienstleistungen aufgrund eines persönlichen Merkmals schlechter als andere Kunden behandelt wird, welche dieses Merkmal nicht aufweisen.”

Lexikon SoziologieDiskriminierung beschreibt also ein Verhalten, das mit einem Nachteil für den so Behandelten endet und von einem typischen Merkmal des Diskriminierten ausgelöst wird. So sieht es auch das Lexikon der Soziologie von Fuchs et al., das ich heute zurate gezogen habe, um auch einmal ein linkslastiges Werk zu zitieren (die Ausgabe von 1988, als Fuchs noch mit einem Nachnamen zufrieden war).

Diskriminierung, Bezeichnung für … Verhaltensweisen durch die andere Menschen oder Gruppen verächtlich gemacht oder benachteiligt … werden” (Fuchs et al., 1988, S.164).

Diskriminierung ist also ein aktives Verhalten, das sich gegen spezifische Merkmalsträger oder Gruppen von Merkmalsträgern richtet. Insofern hat es mich überrascht, dass Paul und Germer ihre Ergebnisse auf Grundlage einer “repräsentativen” Onlinebefragung, wie die Pressemitteilung verrät, die aber nichts desto trotz, wie die Präsentation behauptet, eine disproportional geschichtete Zufallsauswahl mit ethnischer Herkunft als Gewichtungsfaktor ist, gewonnen haben. Geschichtete Zufallsauswahlen teilen die Grundgesamtheit anhand von “Schichtungskriterien” in Gruppen und wählen innerhalb dieser Gruppen zufällig aus. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, wie man eine Online-Umfrage entsprechend gestaltet, da man im Gegensatz zu persönlichen oder telefonischen Umfragen bei Online-Umfragen keinen Einfluss darauf hat, wer wann antwortet. Aber sei’s drum. Derartige methodische Fragen können erörtert werden, wenn die inhaltlichen Fragen geklärt sind, z.B. die Fragen danach, wie denn die Diskriminierungserfahrung von Konsumenten erfragt wurde.

Da Diskriminierung eine aktive Benachteiligung ist, müssten die Befragten nach ihren Opfererfahrungen, nach konkreten Situationen gefragt werden, in denen Sie diskriminiert wurden bzw. das Gefühl hatten, diskriminiert zu werden, was nicht identisch mit “diskriminiert werden” ist. Da in einer standardisierten Online-Befragung konkrete und situative Fragen nicht oder nur schwierig gestellt werden können, müssen die Fragen nach der Diskriminierungserfahrung allgemein formuliert worden sein: Im einfachsten Fall: “Wurden Sie schon einmal beim Einkauf diskriminiert?”, was immer die Befragten dann unter Diskriminierung verstehen mögen, im elaboriertesten “Fall: Diskriminierung ist ein Verhalten, bei dem ihnen z.B. ein Kunde der nach Ihnen kam, vorgezogen wird oder das vorliegt, wenn Sie gar nicht bedient werden. Haben Sie derartiges in den letzten drei Monaten schon einmal erlebt? Wenn ja, was genau haben Sie erlebt?”

Wie genau Paul und Germer Diskriminierungserfahrung erhoben haben, ist ein Geheimnis, denn entsprechende Informationen finden sich in der Präsentation nicht und sind auch ansonsten nicht offen verfügbar. Dies ist ein eklatanter Bruch wissenschaftlicher Spielregeln, der derhalb schwer wiegt, weil die Resultate, die Paul und Germer öffentlich verbreiten, dann, wenn sie zuträfen, erheblich wären. Anders formuliert: Die Operationalisierung von Diskriminierung, die Art und Weise, wie Diskriminierung von Kunden gemessen wurde, ist die entscheidende Information, anhand derer man entscheiden kann, ob das, was Paul und Germer hier als Ergebnisse präsentieren, eine Konstruktion, eine Fabulation ist oder sich in der Wirklichkeit wiederfinden lässt.

Leider legen die beiden vom Lehrstuhl für Value Based Management die rudimentärsten Informationen zu ihrer Forschung nicht offen, was sie nahezu wertlos macht. Dies insbesondere dann, wenn man auf die seltsame Art und Weise der Präsentation der Ergebnisse blickt:

  1. “Die am häufigsten auftretenden Diskriminierungsmerkmale sind Geschlecht, Alter sowie sozioökonomischer Status”, so heißt es auf Seite 10.
  2. “Türkische Konsumenten werden zu einem größeren Anteil aufgrund ihrer Ethnie diskriminiert als andere Ethnien” (12).
  3. “14-25-jährige Konsumenten werden zu einem größeren Anteil aufgrund ihres Alters diskriminiert als andere Altersgruppen.” (12)
  4. “Konsumenten mit einer in Deutschland geringer vertretenen Religion (z.B. jüdisch oder muslimisch) werden zu einem größeren Anteil aufgrund ihrer Religion diskriminiert als andere Religionsgruppen.” (12)
  5. “Konsumenten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1700€ werden zu einem größeren Anteil aufgrund ihres sozio-ökonomischen Status diskriminiert als andere Einkommensgruppen.” (12) [Hervorhebungen sind von mir.]

Die Interpretation der Ergebnisse, die ich hier zitiert habe, ist so falsch, dass ein Student im Grundstudium “Soziologie” damit keine Chance hätte, sein erstes Semester erfolgreich zu beenden.

Methoden eSWas haben die Autoren gemacht? Wer sich mit statistischen Datensätzen und statistischen Programmen auskennt, weiß, die Autoren haben eine Kreuztabelle gerechnet. Damit werden die Kategorien einer abhängigen Variable “Diskriminierung ja/nein” (2 Kategorien) gegen die Kategorien einer unabhängigen Variablen, z.B. “Haushaltsnettoeinkommen mehr als 1700€ ja/nein” (2 Kategorien) gerechnet. Es entstehen vier Felder, und es ist möglich, den Prozentanteil derjenigen zu berechnen, die unter 1700€ verdienen und angegeben haben, dass sie beim Einkauf diskriminiert wurden, was auch immer sie unter Diskriminierung verstehen mögen.

Die beiden Value Based Management Forscher haben derartige Kreuztabellen gerechnet und festgestellt, dass die Anteile der türkischen Konsumenten, der 12-24jährigen Konsumenten, der jüdisch/muslimischen Konsumenten und der unter 1700€ Nettohaushaltseinkommensbezieher, die angeben, diskriminiert zu werden, höher sind als die entsprechenden Anteile in den jeweiligen Vergleichsgruppen.

Damit haben sie eine Korrelation festgestellt, aber sie interpretieren die Korrelation als Kausalität. Das ist der größte Fehler, den man begehen kann. Es ist die beste Methode, um zum Gespött der Zunft zu werden. Um sich zu vergegenwärtigen, warum eine Korrelation eben keine Kausalität ist und auch nicht so interpretiert werden kann, muss man nur das Nettohaushaltseinkommen betrachten, zu dem Paul und Germer Folgendes schreiben: “Konsumenten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als €1700 werden zu einem größeren Anteil aufgrund ihres sozio-ökonomischen Status diskriminiert als andere Einkommensgruppen.”

Konkret hat man sich die Diskriminierung aufgrund des Nettoeinkommens wohl wie folgt vorzustellen:

Verkäufer: “Wer ist der Nächste, bitte?”
Konsument: “Das bin dann wohl ich!”
Verkäufer: beäugt den Konsumenten kritisch: “Wie hoch ist Ihr Haushaltsnettoeinkommmen?”
Konsument: “Weniger als €1700.”
Verkäufer: übergeht den Kunden und wendet sich dem nächsten Kunden zu: “Der nächste bitte”

discriminationEs ist ziemlich offensichtlich, dass das Nettohaushaltseinkommen nicht die Ursache einer Diskriminierungserfahrung sein kann. Gleiches gilt für die ethnische Zugehörigkeit, das Alter oder die Religionszugehörigkeit. Was die beiden Forscher aus Augsburg gemessen haben, immer vorausgesetzt, sie haben Diskriminierung sinnvoll operationalisiert, ist sind Anteile selbst berichteter Diskriminierungserfahrung in bestimmten Merkmalsgruppen, wobei offen ist, ob die selbst berichtete Diskriminierung auch eine Diskriminierung darstellt. Ob die Merkmalsgruppen ursächlich für die Diskriminierungserfahrungen sind, ist eine Frage, die man – wie alle Fragen nach Kausalitäten – im Rahmen empirischer Sozialforschung nur sehr schwierig und ohne eine Theorie überhaupt nicht beantworten kann. Entsprechend wäre es zunächst einmal notwendig, eine Theorie der Kundendiskriminierung zu formulieren, aus der man Hypothesen ableiten kann, die wiederum eine höhere Wahrscheinlichkeit von Personen mit dem Merkmal X postulieren, diskriminiert zu werden. Diese Hypothesen kann man dann prüfen und gegebenenfalls bestätigen.

Ägerlich an der vorliegenden Studie ist, dass sie zu einem Thema produziert wurde, das man als sensibel bezeichnen muss und man insofern davon ausgehen kann, dass die Fehlinterpretation von empirischen Ergebnissen Schaden anrichten wird. Allerdings passt die Studie in eine Reihe von Studien, wie sie von vornehmlich BWLern durchgeführt werden, die wohl denken, man geht ins Feld, stellt irgendwelche Fragen, sammelt entsprechende Daten und dann wirft man den Computer an, lässt das Statistikprogramm laufen und wartet vor dem Bildschirm bis die Wahrheit in Form einer Kausalität gemeldet wird.

Wie hat schon Sokrates gesagt: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Ich wünschte, Value Based Management-Forscher wüssten zumindest, dass sie ziemlich vieles nicht wissen.

Fuchs, Werner, Klima, Rolf, Lautmann, Rüdiger, Rammstedt, Otthein & Wienold, Hanns (1988). Lexikon zur Soziologie. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Wer erzieht hier eigentlich wen? In Herne bestehen ernsthafte Zweifel an der Befähigung des Lehrpersonals

Die Schule am Hölkeskampring in Herne ist zwar derzeit nicht über das Internet zu erreichen, [derzeit, Samstag, 13 Uhr, ist die Homepage wieder zu erreichen] aber für den Fall, Hernedass sie es wäre, könnte man unter “Schulprogramm” eine große Zahl salbungsvoller und wichtiger Ziele, die “die Schule” erreichen will, nachlesen, z.B.:

“Schule hat die Aufgabe, sich einerseits mit der Vermittlung von Wissen auseinanderzusetzen und andererseits Charakter- und Persönlichkeitsbildung zu betreiben”.[Hervorhebungen sind von mir]

Grundlegende soziale Verhaltensweisen sollen den Schülern der Schule beigebracht werden, so heißt es weiter, und als Unterrichts- und Erziehungsziele wird eine ganze Reihe wohlklingender Floskeln angegeben: (1) Befähigung zum selbstkritischen Urteil, (2) eigenverantwortliches Handeln, (3) schöpferische Tätigkeit, (4) Erziehung zur Freiheit und Demokratie, (5) Erziehung zur Toleranz, (6) Achtung vor der Würde des anderen Menschen und Respekt vor Überzeugungen anderer uvm.

Nach einem Bericht in der Westdeutschen Allgemeinen (WAZ), der sich heute zum vierten Mal jährt (12. Mai), frage ich mich allerdings, wer in der Hauptschule am Hölkeskampring erzogen werden soll und für wen die vielen wohlklingenden Ziele formuliert wurden, für die Schüler oder für die Lehrer? Die WAZ berichtet von einem Jungen, der die Hauptschule besucht. Er ist ein Absteiger, der vom Gymnasium auf die Hauptschule gewechselt ist, ein Quereinsteiger, wenn man so will. Er ist 15 Jahre alt und hat seinen Irokesenschnitt in gelb-grün auf Verlangen “der Schulleitung” beseitigt und in eine linksgescheitelte Frisur übertragen. Ja. Und außerdem trägt er Springerstiefel und sagt von sich, er sei “sehr links”.

AldibaskoennekeDie Schulleitung in Person von Rektorin Claudia Aldibas-Könneke sieht dies jedoch anders: Frisur und Springerstiefel seien eine eindeutige rechtsradikale Symbolik, und beides werde “offen zur Schau getragen [Ich frage mich, seit ich das gelesen habe, wie man Schuhe und Frisur anders als offen tragen kann, aber sei's drum]. Nicht nur das: Im Linksscheitel erkennt die gestandene Rektorin eine “Person des Dritten Reiches”, deren Namen ihr nicht einmal über die Lippen kommt und in beidem, dem Scheitel, der an die Person des Dritten Reiches erinnert, also Adolf Hitler, in dem viele lieber eine Unperson sehen, aber gut, und den Springerstiefeln erkennt die Rektorin eine “verbotene Symbolik. Sie widerspricht der Verfassung“. Das hat die Rektorin allen Ernstes verkündet und den linksbescheitelten 15jährigen Springerstiefelträger vom Unterricht ausgeschlossen.

Wer nun denkt, das sei der Gipfel der Idiotie, der hat nicht mit dem Schulamt Herne in Person von Christel Dahmen gerechnet: “Die Schule verhält sich absolut korrekt”, so stellt die Christel vom Schulamt fast diktatorisch, zumindest aber apodiktisch fest (fast wie das ein bescheitelter Herr im Dritten Reich getan hätte, an den man sich hier erinnert fühlt). Und dann sagt die Frau Dahmen vom Schulamt noch, warum die Schule sich absolut korrekt verhält: “Ich bin mit den Maßnahmen voll einverstanden”. Ja dann. Wenn Christel Dahmen mit dem Maßnahmen voll einverstanden ist, dann kann niemand in diesem Land etwas gegen die Maßnahmen einzuwenden haben – oder? Gegen den linksbescheitelten Herrn aus dem Dritten Reich und seine Maßnahmen hatte ja auch niemand etwas einzuwenden, fast niemand.

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Rasta und Springerstiefel – auch ohne Linksscheitel vom Unterricht ausgeschlossen?

Um das wahre Ausmaß dieser Groteske überschauen zu können, muss man sich noch einmal an den Anfang dieses post und die Selbstbeschreibung der Schule am Hölkeskampring erinnern: Die Schule will Wissen vermitteln und Charakter- und Persönlichkeitsbildung betreiben. Bleiben wir zunächst bei der Wissensvermittlung. Würde bitte jemand der Rektorin der Schule das Wissen vermitteln, dass weder ein Linksscheitel noch Springerstiefel noch eine Kombination von beidem der Verfassung widersprechen! Im Gegenteil, wird beides doch durch die Verfassung ausdrücklich als freie Persönlichkeitsentfaltung geschützt (Art. 2 Abs. 1 GG). Wenn hier sich hier jemand verfassungswidrig verhält, dann die Frau mit dem Doppelnamen, die Rektorin spielt und die Christel im Schulamt, die apodiktisch erklärt, dass an Herner Schulen verfassungsrechtlich gewährte Persönlichkeitsrechte nicht gelten.

Nun zu den schönen Worten zur Charakter- und Persönlichkeitsbildung. Was will die Schule am Hölkeskampring alles erreichen:

  • Eigenverantwortliche und schöperische Tätigkeit – Nun, ein Linksscheitel ist aus meiner Sicht nicht so schöpferisch wie ein Irokesenschnitt in grün-gelb, aber gepaart mit Springerstiefel ist es zumindest ein Ausdruck eines Versuchs der Inszenierung einer Persönlichkeit. Und es ist
  • ein Akt von Freiheit und eine Wahrnehmung der demokratischen Grundrechte, seine Persönlichkeit in einer Weise, die nicht jeder Rektorin Geschmack sein mag, zu inszenieren.
  • Aber gerade weil die Inszenierung mit Springerstiefel und Linksscheitel nicht dem Geschmack der Rektorin Aldibas-Könneke entspricht, so hätte sie sich doch gleich selbst zu Toleranz und zur Achtung der Würde anderer Menschen erziehen können und für den Fall, dass ihr das nicht gelingt, den Schulpsychologen um Hilfe bitten können.
  • Der widerum hätte der Rektorin Hilfestellung zur Erlangung der Befähigung zum selbstkritischen Urteil geben können, etwa der Art: Nicht alles, was mich an Adolf Hitler erinnert, ist so gemeint und hat etwas mit dem Dritten Reich zu tun, und möglicherweise habe ich einen Hitler-Komplex oder eine sonstige Form nicht bewältigter Deprivation, wie die intime Kenntnis selbst der Richtung des Hitlerschen Scheitels vermuten lässt (Hätten Sie gewusst, in welche Richtung Hitler seinen Scheitel trug? Ich nicht!).
  • Und da Einsicht der Anfang aller Besserung ist, hätte Rektorin Claudia Aldibas-Könneke am Ende vielleicht sogar Fortschritte in ihrer Charakter- und Persönlichkeitsentwicklung verzeichnen können.

Offensichtlich bestehen beim Lehrkörper der Schule am Hölkeskampring und insbesondere bei der Rektorin erhebliche Defizite und Nachholbedarfe, so dass sich tatsächlich die Frage stellt, wer hier eigentlich wen beschult. Wenn diese Frage irgendwann beantwortet ist, z.B. dann, wenn apodiktische Sätze aus dem Schulamt Der ewige JudeVergangenheit sind und die Ratio auch im Amt in Form von sprachlicher Mäßigung und verlässlicher Einschätzung Einzug gehalten hat, dann mag sich jemand bereit finden, um die Rektorin, den Lehrkörper und die Schüler der Schule am Hölkeskampring darüber zu unterrichten, dass die Art und Weise der Behandlung des linksgescheitelten Springerstiefelträgers in nichts von der Stigmatisierung, den Vorurteilen, von dem Rassismus abweicht, deren Opfer im Dritten Reich Juden geworden sind. Auch Juden wurden anhand von Eigenschaften ihres Aussehen stigmatisiert, auch ihnen wurden negative Konnotationen, also Vorurteile angeheftet. Und vom Zerrbild des ewigen Juden im Dritten Reiches, mit seiner Hakennase und der ihm unterstellten zersetzenden Wirkung auf die Deutschen bis zum Zerrbild des linksgescheitelten Springerstiefelträgers, der die Rektorin der Schule am Hölkeskampring an “eine Person des Dritten Reiches” erinnert, sowie dem ihm unterstellten rechtsradikalen Weltbild ist es wahrlich nicht weit. Bis zu ihrer entsprechenden Unterrichtung sei  der Rektorin Adorno et al. “Studien zum autoritären Charakter” und deren Fortführung durch Milton Rokeach in “The Open and Closed Mind” empfohlen – zur Erlangung von Wissen sowie zur Bildung von Charakter und Persönlichkeit.

Obwohl die Angelegenheit schon drei Jahre alt ist, gibt es keinen Anlass zu denken, das sei Schnee von gestern. Rektorin Aldibas-Könneke sitzt zwischenzeitlich im “Lenkungskreis des regionalen Bildungsnetzwerks Herne”. Derzeit sensibilisiert sie ihre Schüler für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet.

Dagegen ist Christel Dahmen aus der Schulaufsicht ausgeschieden.

Da braut sich was zusammen: US-Psychiater wollen endlich verlässliche Diagnosekriterien

Wer derzeit mit einer psychischen Störung diagnostiziert wird, der wird dies in den USA auf Grundlage der Diagnosekriterien wie sie im noch aktuellen DSM IV, dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorder, und in Europa auf der Grundlage von ICD-10, der International Classification of Diseases (ICD) festgelegt sind.

ADHS_ICD10Mit beiden Klassifikationssystemen verbinden sich erhebliche Probleme: Die Diagnosekriterien sind subjektiv und weich, die auf íhrer Grundlage erstellten Diagnosen oft nicht verlässlich und zuweilen schlicht falsch. Die subjektiven und weichen Kriterien, die von Psychiatern genutzt werden und die aufgrund ihrer Beliebigkeit jedem Wissenschaftler den Schweiß auf die Stirn treiben, sind über die letzten Jahre unter erhebliche Kritik geraten. Die Anzahl der Diagnosen von z.B. psychischen Störungen, von Demenz oder ADHS ist stetig gestiegen, der Verdacht, dass hier eine Pathologisierung normaler Verhaltensweise durch Psychiater und Hersteller von Psychopharmaka erfolgt, wird immer häufiger und immer lauter geäußert (Die Abbildung zeigt die Kriterien, die zur Diagnose von ADHS nach ICD-10 herangezogen werden: Es ist nicht weiter schwierig, mit ADHS diagnostiziert zu werden.).

Vor allem in den USA regt sich Widerstand, sind Psychiater bemüht, ihre Diagnosen nicht auf Willkür zu basieren. Thomas Insel, der Direktor des US-National Institut of Mental Health (NIMH) hat nun in einem Blogpost eine Bombe platzen lassen, deren Druckwellen vermutlich bis Europa zu spüren sein werden. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen DSM V hat er den Entschluss seines Instituts mitgeteilt, aus dem DSM auszusteigen und Projekte zu fördern, deren Ziel darin besteht, objektive Kriterien zur Bestimmung von Verhaltens- und psychischen Störungen aufzustellen.

dr-insel-2011Man könne nicht länger, so sagt Insel, ein Diagnosesystem benutzen, das so unzuverlässig sei, wie das DSM. Die Qualität der Kriterien, die zum Beispiel zur Diagnose einer Borderlinestörung herangezogen würden, entsprächen einer Krankheitsdiagnose, die auf der Qualität von Fieber basiere:

“The weakness is its lack of validity. Unlike our definitions of ischemic heart disease, lymphoma, or AIDS, the DSM diagnosis are based on a consensus about clusters of clinical symptoms, not any objective laboratory measure. In the rest of medicine, this would be equivalent to creating diagnostic systems based on the nature of chest pain or quality of fever”.

Deshalb ist das NIMH, das größte Institute zur Erforschung psychischer Störungen nicht nur in den USA, sondern weltweit vom DSM abgerückt. Deshalb hat Insel angekündigt nur noch Forschung zu finanzieren, die es langfristig erlaube, die schwammigen Diagnosekriterien des DSM in den Mülleimer zu werfen und durch objektive Kriterien, z.B. biologische Marker, zu ersetzen.

Unmittelbar bevor die American Psychiatric Association das überarbeitete DSM V veröffentlicht, ist damit bereits klar, dass das Diagnosesystem keine Zukunft haben wird. Vor diesem Hintergrund wird es interessant sein, zu sehen, wie die Hüter der Kriterien zur Bestimmung psychischer Störungen und von Altersstörungen, die im Genfer Hauptquartier der WHO sitzen, auf die Nachricht aus den USA reagieren.

who-logo-enDie ICD-Kriterien zur Bestimmung psychischer Störungen und von Verhaltensstörungen sind in keiner Weise objektiver oder weniger schwammig als die Kriterien im DSM. Die Kritik von Insel trifft die europäischen Diagnosekriterien somit in gleicher Weise. Ob die WHO jedoch bereit ist, sich auf die Erforschung objektiver oder doch zumindest objektivierbarer Kriterien einzulassen, ist eine offene Frage. Die WHO lebt eher davon, Hysterie und Panikmeldungen über die weite Verbreitung der verschiedensten Krankheiten und Störungen, von ICD10Schweinegrippe bis Alzheimer und Demenz zu verbreiten und wird sich entsprechend schwer damit tun, ihre Konstruktion der Verbreitung von Krankheiten auf objektive oder objektivierbare Kriterien zu stellen. Schließlich wird die WHO von nationalen Regierungen finanziert, und die Finanzierung ist immer einfacher, wenn man die Dringlichkeit und Notwendigkeit der eigenen Anstrengungen massiv übertreibt – dass dabei vermutlich eine große Anzahl, in diesem Fall mit einer nicht vorhandenen psychischen Störung Fehldiagnostizierter auf der Strecke bleiben, ist ein Kollateralschaden, der im Hinblick auf das Ziel, die Existenz und das Wachstum der eigenen Organisation zu sichern, wohl in Kauf genommen wird.

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