Gesinnungsschnüffler: Erkannter Extremist!

Die Briten geben sich seit vielen Jahren viel Mühe, den Zweiten Weltkrieg zu verstehen und scheitern regelmäßig, wenn es darum geht, die Frage zu beantworten, wie eine aus ihrer Sicht Kulturnation in einen Zustand schlittern konnte, der sie aus der Reihe zivilisierter Nationen ausgeschlossen hat.

Einer dieser Versuche, verfilmt unter dem Titel “The Nazis – A Warning from History” hat eine der Serien einem Forschungsprojekt gewidmet. Dessen Bearbeiter fressen sich durch alte Akten der Gestapo und befördern dabei ein Bild dessen zu Tage, was Hannah Arendt die Banalität des Bösen genannt hat – ein Bild, das Nachbarn Nachbarn bespitzeln sieht und das die Suche nach Abweichung bzw. die Suche nach der Möglichkeit, Personen, die einem ein Dorn im Auge sind, per Denunziation zu beseitigen, zu einer Art Volkssport der Bösartigen gemacht hat.

A warning from historyFür Soziologen ist es in diesem Zusammenhang wichtig, auf die Strukturen, die ein solches Verhalten von professionellen Denunzianten begünstigen, zu verweisen, Strukturen, die es ermöglichen, anonym zu denunzieren, Strukturen, die bestimmte denunzierbare Inhalte bereitstellen, und Strukturen, die es den Denunzianten ermöglichen, sich im Glorienschein des politisch Korrekten zu suhlen.

Wir schreiben das Jahr 2014, 69 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Deutschland will mittlerweile ein demokratischer Staat sein, ein Staat, in dem sich die Banalität des Bösen, die Denunziation von Dritten, die eine als politisch nicht korrekt angesehene Meinung vertreten, so wie dies z.B. Sozialdemokraten und Kommunisten im Dritten Reich taten, nicht wiederholen kann – oder?

Erkannte Extremisten

TarnungErkannte Extremisten, das sind Extremisten, die von Dritten als Extremisten erkannt wurden, benannt wurden, die – wie man der Formulierung entnehmen muss – enttarnt wurden, die sich unter nicht-Extremisten geschlichen haben, um diese nicht-Extremisten mit ihrem Extremismus zu verseuchen. Deshalb muss man sie erkennen. Man muss das Übel an der Wurzel packen und ausreisen oder aus der Bundeswehr werfen.

Erkannte Extremisten bei der Bundeswehr, drei an der Zahl, sind Gegenstand einer kleinen Anfrage der Linken und einer entsprechenden Antwort der Bundesregierung. Drei erkannte Extremisten, Rechtsextremisten, denen 309 des Rechtsextremismus in der Bundeswehr Verdächtige gegenüberstehen, 309 Verdächtige, von denen sich der Verdacht, als unerkannter Rechtsextremist die Bundeswehr infiltriert zu haben, für 143 als falsch erwiesen hat.

Deutschland 2014 macht Jagd auf bislang unerkannte Rechtsextremisten (bei der Bundeswehr), die ihre Bürgerrechte und ihre Meinungsfreiheit dadurch verwirkt haben, dass sie erstere für die falsche Ideologie und letztere für die falsche Meinung in Anspruch genommen haben, denn: In Deutschland herrscht bedingte Meinungsfreiheit, was politisch korrekt ist, darf frei gemeint werden.

Erkannte Rechtsextremisten, die bei der Bundeswehr enttarnt wurden, wird übrigens der “Dienst an der Waffe untersagt. Auch werden sie nicht als Ausbilder eingesetzt.” Sie sind also Soldaten zweiter Klasse, zur Strafe.

Nun stellt sich die Frage, wie die vormals unerkannten Rechtsextremisten in der Bundeswehr erkannt wurden, jene Rechtsextremisten, die durch ihr rechtsextremes Wirken eine so große, eine so große Gefahr darstellen, dass sie sich jeder Beschreibung entzieht. Die Antwort auf diese Frage führt zurück zu den Strukturen, die oben beschrieben wurden, jenen Strukturen, die die Banalität des Bösen und die Kultur der Denunziation, die im Dritten Reich geherrscht hat, erst ermöglicht haben.

Wir zitieren aus der Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Linken – Drucksache 18/2788

Verdacht auf rechtsextreme Betätigung Unser Kommentar
“Der Beschuldigte soll während einer Zugfahrt rechtsindizierte Musik der Gruppen ‘Sleipir’, ‘Lunikoff’, ‘Landser’, ‘Stahlgewitter’ und ‘Sturmwehr’ lautstark gehört haben” Das Erkennen der “rechtsindizierten Musik” setzt die Kenntnis der “rechtsindizierten Musik” voraus, weshalb der Denunziant des “lautstark” Hörenden ebenso wie derjenige, der die Anschuldigung prüft, ebenfalls wegen des Hörens “rechtsindizierter Musik” aus der Bundeswehr zu entlassen sind, so wie der Beschuldigte, der aus der Bundeswehr und wegen der “rechtsinduzierten Musik”, die er “lautstark gehört” hat, entlassen wurde.
“Die Beschuldigte soll rechtsextremistisches Liedgut und Bildmaterial auf ihrem privaten Handy und Laptop abgespeichert und in die Liegenschaft gebracht haben” Private Handys und Laptops sind offensichtlich nicht privat, sondern öffentlich. Wie man wohl an Erkenntnisse über das, was auf privaten Handies und Laptops gespeichert ist, kommt?
“Der Beschuldigte soll auf seiner Facebook-Seite ein Bild platziert haben, das einen Hund mit rot-weißer Hakenkreuzbinde darstellt, der den ‘Hitlergruß’ zeigt. Das Bild wurde mit ‘Sieg Wuff’ untertitelt” Wo Denunziation anfängt, hört offensichtlich Satire auf, und es fängt Ermittlung an, wobei Ermittler mit Denunzianten eine völlige Abwesenheit von gesundem Menschenverstand oder auch nur eines Sinns für das Absurde teilen. Noch ein Strukturprinzip: Denunzianten and Denunziations-Verarbeiter nehmen sich unglaublich ernst.
“Der Beschuldigte soll einen Zivilisten als ‘Hitler’ und ‘Nazi’ bezeichnet haben.” Wer das Wort “Hilter” oder “Nazi” in den Mund nimmt, betätigt sich rechtsextrem. Das erklärt die Anzahl rechtsextremer Straftaten…., und was das für Zeitgeschichtler bedeutet … we are hesitant to speculate…
“Bei der Sichtung eines Smartphones wurden beim Beschuldigten eine Vielzahl von Musiktiteln mit verfassungsfeindlichem und rechtsextremem Hintergrund diverser einschlägiger Musikgruppen sichergestellt.” Wer Musik hört haftet für den Text der Musik, die er hört. Wie schön war doch die Zeit, als man englische Lieder hörte, die man nicht verstand – aber vermutlich hätte auch das nichts geholfen und zur fristlosen Entlassung des Soldaten geführt, ganz so wie im vorliegenden Fall. Vorsicht: Smartphones werden gesichtet – Eigentum wird sozialisiert, wenn der Verdacht rechtsextremer Betätigung geäußert wurde.
“Der Beschuldigte soll während einer U-Bahnfahrt den Ausruf “Sieg Heil” getätigt haben” Der Ausruf “Sieg Heil”, den natürlich jeder Hörer in den richtigen Kontext einordnet, weil “Sieg Heil” in Schulen als verbotener Ausruf einer zurückliegenden Epoche gelehrt wird, ist von Meinungsfreiheit nicht abgedeckt.
“Der Beschuldigte soll während eines gemeinsamen Grillabends ein Lied, vermutlich der Gruppe ‘Sleipnir’ von einem Laptop mit dem Textinhalt (sinngemäß) ‘Ich bin Mitglied der NPD’ abgespielt haben”. Die Behauptung der Mitgliedschaft in einer zugelassenen Partei ist rechtsextreme Betätigung, auch wenn sie nurmehr sinngemäß festgestellt werden kann.
“Der Beschuldigte soll im Besitz einer Tätowierung mit dem Wortlaut “Meine Ehre heißt Treue” sein. Des Weiteren soll sich der Beschuldigte extremistisch geäußert haben”. Wer die Worte Ehre und Treue nicht nur kennt, sondern auch in Reihenfolge bringt und benutzt, betätigt sich rechtsextrem und alles, was er sagt, entspricht einer rechtsextremen Äußerung.
“Die beiden Beschuldigten sollen im angetrunkenen Zustand eine Flagge, die das Bundesland Sachsen darstellt, in die Glut eines Feuerbehälters vor der Sporthalle der Kaserne geworfen haben”. Wer Flaggen, die Sachsen darstellen, ins Feuer wirft, handelt rechtsextrem.
“Der Beschuldigte soll ein Bild eines Kameraden auf seinem Handy haben, das diesen mit ausgestrecktem Arm, wie bei einem Hitlergruß zeigt”. Den Arm ausstrecken ist rechtsextreme Betätigung. Freunde mit ausgestrecktem Arm auf dem Handy zu haben, ist rechtsextreme Betätigung und Vorsicht: Der Denunziant schaut über die Schulter … aufs Handy.

SmartphonesDas soll genügen. Es ist ein bedrückender Reigen irrsinniger Beschuldigungen, die man nur als von Hysterie getrieben bezeichnen kann und bei denen man sich lebhaft vorstellen kann, wie die entsprechenden Denunzianten heimlich fremde Handys durchsuchen, wie sich Dienstvorgesetzte nicht zu schade sind, private Smartphones “zu sichten” und wie alle miteinander Freude dabei empfinden, sich in die Privatheit Dritter einzumischen, um diesen Dritten zu schaden. Denn ein anderes Motiv kann Denunziation wie die vorliegende kaum haben, schon weil kein Schaden entsteht, wenn Soldat X die Musik einer Gruppe hört, von der außer ihm kaum jemand je gehört hat oder wenn Soldat Y ein Bild von einem Kameraden mit ausgestrecktem Arm auf dem Handy hat.

Es ist bedrückend, wie normal Gesinnungsspitzelei und Gesinnungsdenunziation in Deutschland längst wieder ist. Dass ausgerechnet Sozialisten in vorderster Front stehen, wenn es darum geht, Andersglaübige, nein: eines anderen Glaubens Bezichtigte zu denunzieren zeigt: Aus Geschichte lernen viele genau nichts.

Sciencefiles ist ein liberales Blog. Wir sind der Ansicht, dass eine Gesellschaft, die demokratisch sein will, auch die absurdesten und abstrusesten Meinungen zulassen muss. Wenn sie demokratisch ist, wird sie es überleben. Ob eine Demokratie es überlebt, wenn Phantasien über die Schädlichkeit falscher Meinungen, mit totalitären Mitteln durchgesetzt werden, ist eine Frage, die in der Geschichte bislang regelmäßig negativ beantwortet wurde.

Die Neu-Entdeckung des Bekannten

Kennen Sie dieses dejá vu Gefühl, wenn Ihnen jemand etwas bahnbrechend Neues anbietet und alles, was Sie zu sehen im Stande sind, ist … ein Telefon oder ein Fahrrad? Das Geheimnis der Neuentdeckung von Bekanntem scheint in Sprache zu liegen, in der Kunst, das Gleiche anders darzustellen, anders zu benennen, etwa wenn aus dem Türklinkenputzer ein Vertreter und dann eine Sales-Representative wird oder wenn Sekretärinnen jetzt Assistent des Managements heißen.

paradigm-shiftDie Sozialwissenschaften scheinen für diese Form der sprachlichen Neu-Entdeckung des Bekannten besonders anfällig zu sein – vor allem im Zuge des Konstruktivismus, dessen Kern ja die sprachliche Konstruktion, zumeist in Nominalverbindungen wie: “durch Bezug auf naturgegebene Körperlichkeit, Polarisierung, Ausgrenzung und Abwertung … mit der tendenziellen Rebiologisierung  … die Restabilisierung der hegemonialen Männlichkeit” (wer uns schreibt, von wem dieser Unsinn kommt, bekommt eine ScienceFiles-Mug von uns), ist.

So hat man vor einiger Zeit die Intersektionalität entdeckt, ein Konzept, das man schon seit Jahrtausenden kennt, und nicht erst die alten Ägypter waren in der Lage, zwei oder gar drei Variablen (Höhe und Länge und Breite) mit einander in Verbindung zu bringen. Die Moderne zeichnet sich nunmehr durch vermeintliche Wissenschaftler aus, die die Intersektionalität neu und doch nur wieder entdecken, jene unbekannte Größe, die sich in der bahnbrechenden Erkenntnis äußert, dass Männer nicht nur Mann, sondern auch Angehörige einer Ethnie sind. Warten wir noch ein Jahrzehnt und die entsprechenden Intersektionalitäts-Künstler werden sich zu der Erkenntnis vorgearbeitet haben, dass es neben Geschlecht, Ethnie, vielleicht Klasse und Alter noch eine wichtige Variable gibt, die bislang vernachlässigt wurde: Bildung… oder so.

Neben der Intersektionalität hat sich ein weiteres neues Konzept über die letzten Monate in die Diskussion eingeweihter Kreise geschlichen: die “Dual-Use-Problematik”. Diese Dual-Use-Problematik besteht in der für manche völlig neuartigen Erkenntnis, dass in “nahezu allen Wissenschaftsgebieten … die Gefahr [besteht], dass Forschungsergebnisse zu schädlichen Zwecken missbraucht werden” (zum Beispiel wenn die Bundesregierung sie in einem Programm umsetzt). Eine wirklich erstaunliche Erkenntnis, vor der die Trümmer von Karthago, jener Stadt, die römischer Belagerungstechnik zum Opfer gefallen ist, verschwinden, im Orkus der Geschichte.

LeopoldinaNeue Erkenntnisse, wie die Dual-Use-Problematik müssen natürlich erst einmal diskutiert werden. Und wie immer, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu diskutieren, ist die Leopoldina an vorderster Front und dieses Mal in Trio mit Ethikrat und DFG, die nicht fehlen dürfen, wenn top-moderne Fragen, die bislang vermeintlich noch niemand gestellt hat, gestellt werden: Was sind die Chancen und Risiken, die sich mit Forschung z.B. zu Viren verbinden? Welche Risiken und Nebenwirkungen, und welche Nutzen verbinden sich mit 3D-Druckern? Diese Fragen, die Gebrauch und Missbrauch betreffen und die schon den Entdecker des Feuers geplagt haben, diese top-aktuellen Fragen werden von Leopoldina und Ethikrat und DFG und unter dem Titel “Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung” diskutiert.

Und spätestens hier endet der Spass, denn: “Es wird die Frage aufgeworfen, wie sinnvoll Publikationsbeschränkungen sind, und wer darüber entscheiden sollte. Zudem werden die Teilnehmer über die möglichen Konsequenzen diskutieren, wenn bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden.”

Wie ausgemacht es schon zu sein scheint, dass “bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden”. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, zu welchem Ergebnis das Symposium zu Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung kommt: Die Verantwortung, die der Wissenschaft zugeschoben wird, wird die Wissenschaftsfreiheit in einem Meer von Regulation und Verboten ersticken, Verbote, die Forschung, deren Ergebnis nicht bekannt sind, weil die entsprechende Forschung noch nicht durchgeführt wurde, verunmöglichen werden. Verbote, die Forschung, die als anti-feministisch angesehen wird und Forschung, die Technologien umfasst, die gerade ungeliebt sind, verunmöglichen werden – ein Ergebnis, das man dann als Fortschritt durch Stillstand verkaufen wird. Nicht vergessen: Wir leben im Konstruktivismus: Es gilt das gesprochene Wort, nicht das, was in der Realität vorhanden ist.

Witziger Weise ist uns heute, just als die Ankündigung des Symposiums zu diesem neuartigen Thema, dem sich Leopoldina, Ethikrat und DFG nun widmen, eintraf, eine Drucksache aus dem Bundestag ins Haus geflattert. Drucksache 18/2940. Eine Unterrichtung der Bundesregierung: Zwischenbericht der Bundesregierung über die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014.

Auch die Bundesregierung übt sich im Konstruktivismus:

“Bei Rüstungsexportentscheidungen in sogenannte Drittstaaten sind die im Jahr 2000 beschlossenen strengen ‘Politischen Grundsätze für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern’ für unser Regierungshandeln verbindlich”.

Rüstungsgüter sind ein sensibler Gegenstand, also sind politische Grundsätze für den Export von Kriegswaffen als streng zu bezeichnen, einfache Grundsätze reichen nicht aus. Und natürlich wird nur exportiert, wenn bekannt ist, was aus den Rüstungsgütern wird. Sicherung des Endverbleibs nennt sich das:

“Der Prüfung und Sicherstellung des Endverbleibs kommt eine besondere Bedeutung zu. Nach den exportkontrollpolitischen Grundsätzen werden Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nur erteilt, wenn zuvor der Endverbleib dieser Güter im Endempfängerland sichergestellt ist.”

Vielleicht führt Israel deshalb die Liste der Länder an, in die Kriegsgerät exportiert wird. Dort weiß man nicht nur, wo es geblieben ist, sondern auch, wer damit getötet wurde. Überhaupt sind ein paar Daten aus der Unterrichtung ganz interessant.

Ruestungsexporte

Insgesamt belaufen sich die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014 auf 2,2 Milliarden Euro – ein erkleckliches Sümmchen. 210 Millionen der Rüstungsexporte betreffen Munition, und für Munition ist der Endverbleib ja in jedem Fall klar.

Die sicheren Drittstaaten oder wichtigesten Abnehmer deutscher Rüstungsgüter, die allesamt sicher und gegen jede Form von Missbrauch gefeit sind, führen zurück zur Dual-Use-Problematik, mit der sich Leopoldina, Ethikrat und DFG in ihrer virtuellen Welt herumschlagen, einer virtuellen Welt, in der das Gute vom Bösen getrennt ist, in der es sprachlich möglich ist, die gute wissenschaftliche Nutzung von der schlechten wissenschaftlichen Nutzung, die Gefahr in der Anwendung vom Nutzen der Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu trennen. Nicht nur das: Es ist sogar möglich vorherzubestimmen, welche Forschung so gefährlich ist, dass man sie besser verbietet. So wie es der Bundesregierung durch ihre “strengen politischen Grundsätze” möglich ist auszuschließen, dass Munition, die in den Libanon, nach Kasachstan oder in die Russische Föderation geliefert wird, im falschen Körper endet.

Die post-rationale Moderne entdeckt nämlich nicht nur ständig Bekanntes von anno dazumal in neuem Gewandt und unter neuem Namen wieder, nein, die post-rationale Moderne kann auch alles, was nicht gut und richtig ist, ausschließen und kontrollieren – sprachlich zumindest, und das ist doch, was zählt: die sprachliche Kontrolle, die in der Sprachwelt etwas vorgaukelt, was es in der wirklichen Welt nicht gibt, etwa so, wie der Begriff “Wissenschaftsverantwortung” vorgaukelt, dass Wissenschaftler die Verantwortung für ihre Entdeckungen hätten, eine absurde Idee von Herbert Marcuse, die in der post-rationalen Moderne wieder en vogue ist und dazu genutzt wird, Kontrolle auszuüben, Kontrolle, die über die Sprache funktioniert und durch die Beseitigung von Möglichkeiten, in die Realität wirkt, der Leopoldina sei Dank!

Es gibt für Wissenschaftler übrigens nur eine Verantwortung und die hat ein scruffy mind in den x-Files formuliert: Not to share their knowledge with an immoral government!

The ugly face of Germans

Ab und zu sind wir mit einer Art von Deutschen konfrontiert, die wir eigentlich längst vergessen hatten, eine Art kleiner Möchte-Gern-Hergott, der es sich angewöhnt hat, sich uneingeladen zu Wort zu melden, nicht um etwas beizutragen, nein, nur um zu (ver)urteilen, ohne Begründung für sein Urteil versteht sich, und der dann, wenn er mit Widerstand konfrontiert ist, Majestätsbeleidigung empfindet und entsprechend reagiert.

Assistiert werden derart psychologisch Beschädigte gewöhnlich durch Bauern, Männer fürs Grobe, die in vergleichbar inhaltsleerer und prätentiöser Art versuchen, Meinung zu machen und vor allem, Kritik zu unterbinden. Vermutlich haben sie in einem der vielen schlechten Managementratgeber gelesen, dass man andere damit plattreden kann, dass man immer die selbe hochtrabende und inhaltsleere Floskel herbetet. Nun, sie haben die Rechnung ohne uns gemacht – bei uns klappt das nicht.

Logik fuer DummiesObwohl: Wir müssen gestehen, wir wissen nicht, wie man mit Personen umgehen soll, die keinerlei Interesse an argumentativem Austausch haben. Ein konstruktiver Umgang, eine Kooperation, ein normaler Austausch von Argumenten ist mit ihnen nicht möglich, denn sie haben keine Argumente, kein Interesse an einem konstruktiven Umgang und schon gar nicht an Kooperation. Sie können einzig Behauptungen aufstellen und Bewertungen über das, was andere getan haben, abgeben, von denen sie in der Regel nicht wissen, warum sie sie gerade abgegeben. Das erfüllt für sie offensichtlich eine Surrogatfunktion, denn die eigene Untätigkeit erscheint dann, wenn sie versuchen, sich als überlegene Denker zu inszenieren, zumindest ihnen erträglich. Werden Sie jedoch aufgefordert, eine Begründung für ihre Behauptungen und Bewertung abzugeben, dann ist das einzige, was sie können, eine weitere Bewertung, eine weitere Behauptung, dieses Mal in Form einer Beschimpfung, anzufügen. Was man mit solchen Personen, die offensichtlich zu einer rationalen Auseinandersetzung weder Willens noch in der Lage sind, tun soll, wir haben keine Ahnung und schwanken zwischen Ignorieren und Verprügeln. Aber eines wissen wir: Von uns erhalten sie keinen fussbreit Kompromiss.

Das war die Theorie. Nun zur Praxis, die uns gestern mit einigen Exemplaren der beschriebenen Gattung konfrontiert hat. Ausgangspunkt ist unser Beitrag über die Europäischen Toleranzwächter und unser Link auf die Petition gegen diese Toleranzwächter, die derzeit auch Change.org läuft.

Die Soap-Opera beginnt damit, dass ein Herr Wahl meint, das “European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance”, also der Vorschlag der Europäischen Toleranzwächter, wie man Toleranz am besten abschaffen kann, sei ja eigentlich gar nicht so schlimm.

Dies hat Heike Diefenbach zum Anlass genommen, ihn zu fragen, ob er möglicherweise einen anderen Text gelesen hat, ihn um eine entsprechende Erklärungen zu bitten und ihn darauf hinzuweisen, dass es auch unter Juden welche gab, die die Rassegesetze nicht besonders schlimm fanden.

Und wer nun denkt, Herr Wahl würde seine Meinung überdenken, oder gar angeben, warum er das angeblich Gelesene nicht schlimm findet, der sieht sich getäuscht, denn wir haben es wohl mit einem gekränkten selbsternannten Herrgöttlein zu tun, dessen Seelchen auf Nachfragen ganz empfindlich reagiert.

Wolf Wahl (friends with Klaus Dantrimont) also commented on Klaus Dantrimont’s link.
Wolf wrote: “Auf diesem Niveau kann ich Ihnen nur Nachhilfe in Englisch anbieten.”

Wenn es etwas gibt, das wir nicht ausstehen können, dann prätentiöses und aufgeblasenes Auftreten, das Luftballon-Syndrom, wie wir es nennen: Pralle Backen und viel Luft.

SciencefilesHeike wrote: “Wolf Wahl, es tut mir sehr leid, dass selbst dieses Niveau für Sie noch zu hoch ist! Sind Sie ein Spaßvogel, oder haben Sie irgendwelche größeren psychologischen Probleme? Falls Letzteres der Fall sein sollte, verschonen Sie doch bitte mich und die Halböffentlichkeit, die Ihre Einlassungen hier lesen kann, damit!”

Michael wrote: “@Wahl Ich bin immer wieder über die Boshaftigkeit von Deutschen erstaunt. Und aus Ihrem Angebot kann ich nur schließen, dass Sie des Englischen weder in Wort noch Schrift mächtig sind, was angesichts der großen Töne, die Sie hier sprechen, doch erstaunlich ist. Eine Kommunikation mit Ihnen ist entsprechend erst möglich, wenn Sie einen Volkshochschulkurs “English for Beginners” hinter sich gebracht haben, damit Sie die Nuancen und Bedeutungen erkennen, die man als Englisch-Sprecher eben kennt, z.B. wenn man wie Dr. habil. Heike Diefenbach im UK lebt, und zwar schon seit fast einer Dekade. Aber vermutlich wird das an Ihrer Überzeugung, Recht zu haben, keine Abstriche machen. – wozu auch, schließlich haben selbst im Warshauer Ghetto noch Juden mit den Nazis kooperiert, in der Hoffnung, es würde Ihnen schon nicht an den Kragen gehen. Ich empfehlen Ihnen daher, die Lektüre dieses Beitrags. Übrigens ist es ein unterirdischer Stil, wenn man wie Sie mit den billigsten aller Managertricks versucht, seine eigene Unkenntnis durch großkotziges Auftreten wett zu machen. Falls Ihnen das zu harsch erscheint, Sie können jederzeit ein Argument vortragen, das ihre Ansicht, sofern Sie eine solche haben, stützt.”

Das wiederum hat einen ersten Verteidigungsversuch zur Folge, der mit einem Verweis auf eine Sachebene erfolgt. Wohlgemerkt, der Verweis auf die Sachebene ersetzt die Sachebene, ganz so, wie manche denken, wenn sie über Fussball schwadronieren, dann seien sie mindestens so gut wie der Bundestrainer, selbst mit Bierbauch:

Klaus wrote: “Uiuiui :-(
Die Sachebene fände ich zielführender.
Ich bin auf das Papier seinerzeit durch Telepolis aufmerksam geworden.
Die Aufnahme des Feminismus in die Liste der zu schützenden Gedankengebäude hat mich damals stutzig gemacht.”

Aber gut: Wer Sachebene will, kann Sachebene haben:

Heike wrote: “@Klaus Detrimont, was die Sachebene betrifft, so wird vielleicht unser Beitrag auf ScienceFiles zum Thema vom Januar 2014 hilfreich sein; er ist auf Deutsch verfasst, enthält allerdings eine Reihe der englischsprachigen Originalzitate. Für manche scheint das ein echtes Verständnishindernis zu sein, das wir vielleicht regelmäßig unterschätzen, aber ich vermute, für Sie nicht. Der Beitrag ist auf ScienceFiles nachzulesen.”

Wie üblich, wenn man die Sachebene in die Diskussion mit selbsternannten Herrgöttern und ihrem Gefolge einführt, wird die von diesen geforderte Sachebene gar nicht positiv aufgenommen. An die Stelle einer Auseinandersetzung mit der Sachebene, die natürlich Lesen, Leseverständnis und intellektuelle Anschlussfähigkeit erfordert, tritt, na was? Richtig: Die Bewertung, die suggerieren soll, man sei so intelligent, überlegen und verständig, dass man in einem Schwung, alle vorgebrachten Argumente vom Tisch wischen und mit der eigenen Bewertung ersetzen kann, immer in der Hoffnung, dass niemand nach der Begründung der Bewertung fragt, am Ende “die Sachebene” wieder ins Spiel bringt:

Nero-CircusKlaus wrote: “Nein, leider nicht hilfreich.
Tut mir leid, aber ich verstehe unter Sacheben etwas anderes als Wertungen und ad hominems gegen die Autoren des Papiers.
Genauso wie hier.
Ich halte das außerdem für überflüssig.
Den Inhalt des Papiers, Meinungsäußerungen, Wertungen, sich lustig machen über Gedankengebäude, als Verbrechen klassifizieren zu wollen, finde ich auch so schon gruselig genug.”

Und – nicht zu vergessen – der Ober-Guru, der es nicht nötig hat, auch nur ein Argument vorzutragen, denn seine Herrlichkeit spricht für sich selbst, wie er denkt, da er sich quasi von einem Heiligenschein der Denkverhinderung umgeben sieht. Denken und Argumentieren hat man in seinen intellektuellen Kreisen nicht notwendig, man weiß und beurteilt und wertet ab, es ist das einzige was man kann:

Wolf wrote: “Danke für den Link Frau D.. Ich muss mich tatsächlich entschuldigen. Ich hätte, statt der Hilfe in Englisch, Hilfe in Deutsch anbieten sollen. Sollten Sie noch einen Anflug von Sachlichkeit verspüren, wecken Sie mich.”

Wie gesagt, derartiges Verhalten macht uns ärgerlich:

Heike wrote: “@Klaus Dantrimont, zur Klarstellung: unser Artikel enthält einen beschreibenden Bericht über den EU-framework und unsere Argumente gegen das, was im Bericht als Planung beschrieben ist. Was sind Ihre Argumente gegen diese Argumente? Überheblicher Blödsinn, der suggerieren soll, man wüsste, was ein logischer Fehler ist, ersetzt keine Argumente. Dessen ungeachtet halten wir fest: Sie haben mir die facebook.Freundschaft angeboten (wobei ich nicht weiß, warum,), und ich habe sie akzeptiert. Sie haben als ein facebook-Freund von mir eine Information erhalten, mit der Sie offensichtlich etwas anfangen konnte, woraufhin ein facebook-Freund von Ihnen völlig grundlos und auf grob unhöfliche Art angefangen hat, herumzupöbeln. DAS sind die Fakten, die ja wohl auch Sie schwerlich werden abstreiten können. Und statt sich für solche Freunde zu schämen, schreiben Sie sich jetzt hier auch noch um Kopf und Kragen. Nein, tut mir leid, ich lege Wert darauf, dass (selbst) unter meinen facebook-Freunden nur Leute sind, die einigermaßen höflichen Austausch pflegen können und einen Anflug von Urteilsvermögen haben. Wenn Sie das Verhalten Ihres seltsamen Freundes Wolf auch nur annähernd normal finden, dann haben Sie offentsichtlich kein Urteilsvermögen, Schade!”

Michael wrote: “@Wahl Vielleicht, sollten Sie zunächst einmal darlegen,
was Sie überhaupt qualifiziert. Sie scheinen mir einer dieser aufgeblasenen Fuzzis zu sein, der selbst nichts zu Stande bringt und bei dem, was andere tun, generell meint, er könne sich mit BEWERTUNGEN hervortun, ohne auch nur eine Spur von Argument oder Begründung vorzubringen. Personen wie Sie habe ich gefressen, und es sind Personen wie Sie, die mich denken lassen, dass Meinungswächter doch einen Punkt haben, wenn Sie ihre Bevölkerung für ausgemachte Trottel halten, denen man vorgeben kann, was man will, ohne dass sich der ehrerbietende Nicker auch nur eine Sekunde überlegt, wozu er gerade wieder nickt. Oder um es noch deutlicher zu formulieren: Leute wie Sie kotzen mich an. Und Klaus Dantrimont, ich hätte gerne EINEN Beleg für ein ad hominem im von Heike Diefenbach verlinkten Text, und damit wir beide über das gleiche sprechen: ad hominem liegt dann vor, wenn eine Abwertung einer Aussage, die Person X gemacht hat, erfolgt, WEIL Person X die Aussage gemacht hat.”

bottomless pitUnd jetzt, da wir an dem Punkt angekommen sind, an dem den Behauptungen der Herren Wahl und Dantrimont Begründungen folgen müssten, nun verstummt die Timeline auf immer. Wie es halt so ist, wenn versucht wird, der Peinlichkeit, dass man etwas begründen soll, was man nicht begründen kann, auf billigste Weise zu entgehen.

Solange dies der deutsche Umgangston und die angebliche Diskussionskultur in Deutschland ist, muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich deutsche Geschichte natürlich und jederzeit wiederholen kann. Wer sollte sich dem Faschismus in den Weg stellen: Diejenigen, die heiße Luft verbreiten und sich davonmachen, wenn ihnen ein Windchen ins Gesicht bläst?

Noch ein kleines Schmankerl zum Schluss: Einer der Aufgeregten, der hier versucht hat, mit uns zu argumentieren, hat eine Petition unterschrieben, auf die wir verlinkt haben, obwohl er die entsprechende Petition offensichtlich für falsch hält, wie man dem, was er von sich gegeben hat, entnehmen muss. Ob die Tatsache, dass die Petition in englischer Sprache abgefasst ist, Ursache des Irrtums war, who knows…

Gegen die Europäischen Toleranzwächter

Wir haben bereits über das European Council on Tolerance and Reconsiliation berichtet. Dem Council gehören Yoram Dinstein, Ugo Genesio, Rein Müllerson, Daniel Thürer und Rüdiger Wolfrum an.

ECTRDas European Council on Tolerance and Reconsiliation ist ein schönes Beispiel dafür, wie heutzutage Organisationen, die aus selbsternannten Gutmenschen bestehen und die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, als Lobbyisten für ein Thema auftreten, das ihnen besonders am Herzen liegt und ihr Pet-Project für andere zum verbindlichen Umgangston zu machen versuchen. (Was wir unter Gutmenschen verstehen, haben wir hier definiert.)

Das European Council on Tolerance and Reconsiliation beschreibt sich selbst als eine “international NGO, established in October 2008 by Aleksander Kwasniewski, former President of Poland and Moshe Kantor, President of the European Jewish Congress. … The European Council on Tolerance and Reconciliation is a non-partisan and non-governmental institution. It is envisaged to be an opinion-making and advisory body on international tolerance promotion, reconciliation and education. It fosters understanding and tolerance among peoples of various ethnic origin; educates on techniques of reconciliation; facilitates post-conflict social apprehensions; monitors chauvinistic behaviors, proposes protolerance initiatives and legal solutions.”

Es ist das Schicksal von Themen, die in den Bereich von Ethik, Philosophie oder Sozialwissenschaften gehören, dass selbsternannte Experten glauben, sie könnten als “opinion-maker” auftreten und anderen erklären, wie man als guter Mensch zu leben hat, wie z.B. Toleranz geht, was Toleranz ist und wem gegenüber man tolerant zu seint hat. Es ist das Los von Menschen, die in Logik und Statistik geschult sind, sich derartige Widersprüche ansehen zu müssen und zu wissen, die Widersprüche ergeben sich aus der Normalverteilung von Intelligenz gepaart mit der negativen Selektion von Politikern und ergänzt um das Faktum, dass es, um die eigenen Beschränkungen zu erkennen, einer Kompetenz bedarf, die, wäre sie vorhanden, die Widersprüche, wie die, in die sich die Möchtegern-Wächter europäischer Toleranz verstricken, gar nicht erst hätte entstehen lassen

Dabei ist nicht nur keine demokratische Legitimation bei dieser Art von Gutmenschen-Lobbyismus vorhanden, es ist auch vollkommen unklar, welche Qualifikation z.B. die oben genannten Personen dazu legitimieren und ausweisen soll, anderen vorzuschreiben, was sie wie wann und wo zu tun oder zu lassen haben. Dessen ungeachtet ist das European Council on Tolerance and Reconcilliation derzeit als Toleranz-Lobbyist unterwegs und versucht, das “European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance” für die Europäische Union verbindlich zu machen.

Wie gesagt, wir haben bereits ausführlich über dieses absurde Machwerk geschrieben. Wir wollen uns daher auf einige Highlights im Text und auf eine komprimierte Form der Darstellung der logischen Fehler in diesem “Toleranz-Statut”, dem gegenüber man, wie wir glauben, keinerlei Toleranz zeigen darf, beschränken.

Die logischen Fehler in Kürze:

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Im Statut wird zunächst definiert, was als eine Gruppe anzusehen ist, nämlich alle Menschen, die ein gemeinsames Merkmal teilen (characteristic of similar nature). Besipiele entsprechender Merkmale sind Rasse, kulturelle Wurzeln, ethnische Abstammung, religiöse Anbindung und – man hat es schon vermisst: sexuelle Orientierung.

Es kann festgestellt werden: welche Menschenmenge als Gruppe gilt, ist einerseits eine Frage der Willkür, andererseits eine Frage des gelebten Rassismus, denn wenn Gutmenschen wie die vom European Council on Tolerance and Reconciliation (ECTR) darauf beharren, dass Schwarze eine eigene Rasse formen und dass das Merkmal der Hautfarbe wichtiger ist als z.B. die jeweilige individuelle Intelligenz, die – benutzte man sie als Grundlage der Gruppeneinteilung – notwendiger Weise schwarz-weiß-gelbe Gruppen von Klugen und Dummen etablieren würde, setzen sie den Rassismus voraus, den sie angeblich bekämpfen wollen. Und sie zeigen sich als Muster-Rassisten, denn sie sind diejenigen, die die Gruppenzugehörigkeit nach Hautfarbe gerade festgeschrieben haben.

Ganz nebenbei erlaubt die Formulierung im Statut eine willkürliche Bestimmung der schützenswerten Gruppen – was die Frage aufwirft, wer die entsprechenden Gruppen bestimmen soll und mit welcher Legitimation und mit welcher Begründung, d.h. wer die schützenswerten und der Toleranz werten Gruppen bestimmen und konstruieren darf. Welche Begründung spricht zum Beispiel dafür die Gruppe der Transsexuellen als Gegenstand besonderer Toleranzbemühungen auszumachen, nicht aber die Gruppe der Golfspieler oder Banker oder Bild-Zeitungsleser?

Es geht weiter im Versuch, die Logik abzuschaffen, in dem Stereotypisierungen als “Group libel” (Gruppen-Verunglimpfung), also derogative Kommentare, Kommentare oder Bezeichnungen, die Gruppen lächerlich machen oder mit falschen Anschuldigungen belegen, unter Strafe gestellt werden sollen: Als Beispiel geben die Toleranzwächter Behauptungen an wie: “Zigeuner sind Diebe” oder “Muslime sind Terroristen”. Ergänzen ließe sich: Deutsche verstehen keinen Spass, Iren sind ein chaotischer Haufen und US-Amerikaner spielen sich als Weltpolizisten auf.

Oder wären die zuletzt genannten Aussagen etwa keine “Group-libel” (Gruppen-Verunglimpfung), wie die Toleranzwächter das nennen? Wenn nein, warum nicht? Wenn doch, dann folgt daraus, dass die Toleranzwächter jede Form der Stereotypisierung unter Strafe stellen wollen. In jedem Fall folgt, dass die Toleranzwächter nur bestimmte, von ihnen zu bestimmende Stereotypisierungen unter Strafe stellen wollen.

Nuts in BedlamLiest man das Statut in Gänze, dann wird Letzteres ganz deutlich. Die Toleranzwächter wollen anderen vorschreiben, über welche Gruppen sie Witze machen dürfen und über welche Gruppen nicht, denn Intoleranz gibt es nach ihrer Ansicht nur im Hiblick auf: Rasse, Hautfarbe, Ethnie, Religion, es gibt sie als totalitäre Ideologie, als Fremdenfeindlichkeit, als anti-Semitismus, als anti-Feminismus und als Homphobie.

Abermals findet sich ein logischer Widerspruch, der zum Himmel schreit, denn Toleranz wird von den Toleranzwächtern für ihre Zwecke nicht formal, sondern inhaltlich gefüllt, und es werden Vorgaben gemacht, welche Form der Intoleranz zu bekämpfen ist, wobei die genannten Formen vermeintlicher Intoleranz sich allesamt dadurch auszeichnen, dass niemand weiß, was damit eigentlich gemeint ist, so dass es eines Schriftgelehrten bedarf, der die Heilige Schrift der Toleranzwächter auslegt und im Einzelfall entscheidet, ob eine Aussage intolerant ist oder nicht.

Der Willkür nächster Schritt.

Und um die Idiotie auf die Spitze zu treiben, konzipieren die Toleranzwächter ihre wahre Lehre der richtigen Toleranz als totalitäre Ideologie, die durch Medien, an Schulen, an Universitäten und in öffentlichen Institutionen vertrieben werden muss. Abweichung vom Lehrplan wird nicht toleriert. Personen, die sich der Intoleranz im von den selbsternannten Toleranzwächtern bestimmten Sinne schuldig machen, werden nicht nur als Straftäter bestraft, sondern können durch die Opfer (bei denen es sich um Gruppen handelt!) zu Schadensersatz gezwungen werden. Und Jugendliche, die sich gegen die korrekte Form der Toleranz vergehen, werden in Umerziehungsprogramme gesteckt, um auf diese Weise die “Kultur der Toleranz” zu erlernen.

Diese Kultur der Toleranz ist so tolerant, dass sie unerbittlich gegen alle vorgeht, die die Setzung dessen, was korrekte und richtige Toleranz ist, nicht teilen und sich davon abzuweichen trauen, denn: “tolerance does not mean that a group can segregate itself from society as a whole, repudiating the need to interface with other groups. … tolerance does not denote acceptance of such practices as female circumcision, forced marriage, polygamy or any form of exploitation or domination of women” (Insofern es sich bei female circumcision oder polygamy um kulturelle Praktiken handelt, die in  nicht-westlichen Kulturen vorhanden sind, verstoßen die Toleranz-Wächter gegen Section 2d , Section 3b(i) und Section 4b ihres eigenen Statuts, weshalb man sie, sofern ihr Statut je in der EU in Kraft tritt, sofort auf Schadensersatz verklagen sollte.)

narrow minded peopleDas Statut zeigt sich hier ganz offen als das, was es sein soll, nämlich als ein Gängelungsinstrument, das von Engstirnigkeit nur so strotzt und in das die Gutmenschen, die es geschrieben haben, das gepackt haben, was ihnen gerade nicht gefällt. Toleranz ist jedoch ein Wert, der nicht inhaltlich bestimmt werden kann, sondern nur formal. Man kann Toleranz nicht auf die Punkte einschränken, die einem gerade in den Kram passen und alles, was einem nicht in den Kram passt als intolerant abwerten, denn auf diese Weise gerät man unwillkürlich in eine Auseinandersetzung darüber, was der Toleranz wert ist und was nicht. Dass die Statuten-Macher des ECTR dies nicht sehen, sagt viel über ihre Motivation und ihren geistigen Horizont.

Vor Jahrzehnten hat Heike Diefenbach schon formuliert: “Toleranz ist, wenn es einem egal ist”. Und genau das ist die grundlegende Charakteristik von Toleranz: Man interessiert sich nicht dafür, wie andere ihr Leben leben, was sie sagen und was sie tun, so lange sie keine Externalitäten für Dritte produzieren, wie sie z.B. das Gutmenschen-Council der Toleranzwächter für all diejenigen produziert, die weiterhin auf das Recht freier Meinungsäußerung bestehen und es nicht zur von Toleranzwächtern genehmigten Form eingeschränkter Meinungsäußerung verkommen lassen wollen.

Pluralismus und Demokratie leben von freier Meinungsäußerung und davon, dass jeder seine Meinung sagen kann, egal, wie abstrus sie ist. Eine Demokratie, die sich dadurch schützen zu müssen glaubt, dass sie bestimmte Formen der Meinungsäußerung ausschließt, hat damit den Schritt in den Totalitarismus gemacht: Die Bestimmung der auszuschließenden Formen wird zu  Widerstand und in jedem Fall zu Streit führen, schon weil es z.B. Leute gibt, die selbsternannten Gutmenschen wie den Pseudo-Toleranzwächtern vom ECTR am liebsten den Mund verbieten würden. Es führt eben kein Weg daran vorbei, dass man sich in Demokratien auch den Unsinn anhören muss, den Bewegte, die keine Argumente, aber viel Überzeung haben, von sich geben – schon weil Parlamentsdebatten im Fernsehen übertragen werden.

Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun, dass selbsternannte Lobbyisten denken, sie könnten den Europäern vorschreiben, welche Form von Toleranz sie zu pflegen und welche Art von Meinung sie zu äußern haben. (Diese Art der Bevormundung widerspricht übrigens den vom Council der Gutmenschen in ihrem Statut niedergelegten Kriterien, weshalb sie sich selbst ad-absurdum führen – der finale Widerspruch, wenn man so will).

Arendt_totalitarismusWir sind auf eine wichtige Petition aufmerksam geworden, die es seit einigen Monaten auch Change.org gibt. Die Petition trägt den Titel: Protect freedom of speech in the EU # FreeSpeechEU und ist an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gerichtet, die über den Lobby-Toleranz-Unsinn, den das Gutmenschen Council aus selbsternannten Toleranz-Wächtern verbrochen hat, abstimmen sollen. (Es schon interessant, wie leicht es manchen Interessen-Lobbyisten fällt, zum Gegenstand parlamentarischer Erörterungen zu werden, während manche anderen, die dummerweise nur steuerzahlender Bürger und nicht Brownie-Punkte vergebende Lobbygruppe sind, keinerlei Gehör finden, obwohl sie angeblich der Souverän sind…).

Wir legen allen unseren Lesern dringend nahe diese Petition, die in englischer Sprache verfasst ist, aber im Wesentlichen die Punkte macht, die wir auch machen, zu unterstützen.

Es geht darum, den Möchtegern-Kontrolleuren das Handwerk zu legen, bevor sie Europa zu einer Festung gemacht haben, nicht gegen die, die von außen kommen, sondern gegen die, die hinter den Gittern der Festung sitzen.

Für alle, die es in sozialwissenschaftlicher Sprache hören wollen: Wir sehen hier die Banalität des Alltäglichen am Werk, die Banalität des Alltäglichen, die Hannah Arendt beschrieben hat, als Grundlage von Totalitarismus, Drittem Reich und Vernichtung all derer, denen gegenüber man nicht toleranz war, weil sie die falschen Meinung vertreten haben.

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Günter Buchholz, der uns das ECTR-Machwerk wieder in Erinnerung gerufen hat.

Der gemeine Abgeordneten-Tourist oder: Es geht ein Ausschuss auf Reisen

HumboldtFrüher gab es Forschungsreisende, Forschungsreisende wie Henry Morton Stanley oder David Livingstone, die sich auf die Suche nach den Quellen des Nils gemacht haben oder sich auch schlicht mit der Erforschung des Kongo begnügt haben. Es gab Reisende wie Hermann Fürst von Pückler-Muskau, der nur Namensgeber des entsprechenden Eises ist, aber zu Fuß durch Frankreich und Italien lief. Es gab Alexander von Humboldt, der Lateinamerika bereist hat als es noch nicht allzu viel zu bereisen gab und viele mehr, die es auf sich genommen haben, andere Länder, andere Menschen und andere Sitten zu studieren und zu erleben.

Nicht zuletzt gibt es in Deutschland eine lange ethnologische Tradition, die Namen wie Johann Reinhold Forster, Georg Forster, Christoph Meiners, Johann Gottfried Herder, Wilhelm von Humboldt, Adolf Bastian, Alfred Kroeber uvm. umfasst. Sie alle einte das Bestreben, von anderen zu lernen und Neues zu entdecken, Neues, das sie an die Zurückgebliebenen dann weitergegeben konnten.

Das war damals.

Heute gibt es Bundestagsabgeordnete. Sie sitzen im Parlament – gelegentlich jedenfalls. Sie heben da die Hand, wo die Fraktion beschlossen hat, dass sie die Hand heben sollen. Sie kosten die Steuerzahler eine Unmenge Geld, und man weiß eigentilch gar nicht so richtig, wofür man Bundestagsabgeordnete bezahlt. Es gibt keinerlei Rechenschaftsbericht z.B. des Abgeordneten Michael Leutert oder der Abgeordneten Katja Mast, in dem die Abgeordneten den Steuerzahlern darlegen, wofür sie ihre Diäten eingestrichen haben. Geschweige denn, dass Abgeordnete sich durch das emsige Verbreiten der Informationen, die sie sich angeblich während der Dauer ihres Abgeordnetendaseins aneignen, auszeichnen würden. Abgeordnete sind wie ein Eimer, in den man einfüllt, aus dem aber nichts mehr herauskommt.

Anders formuliert: der moderne Abgeordnete ist ein Informationenkonsument, etwa in der Weise, in der ein Tourist Informationen konsumiert, wenn er die Anzahl der Konkurrenten um den Liegestuhl an der Sonne sondiert, das Menu des Hotels nach Bekanntem absucht oder die Sehenswürdigkeiten am Urlaubsort in routinisierter Weise abhakt, damit er zuhause zumindest angeben kann, wo er denn gewesen ist.

Humboldt SuedamerikaDer moderne Abgeordnete ist nicht nur Informationskonsument, er ist ein reisender Informationskonsument, der die Welt bereist, um sich berieseln zu lassen und dabei keines seiner Erlebnisse an diejenigen weitergibt, die seine Reise finanziert haben. Alle Erkenntnisse über schicke Hotels, kalte Buffets, einsame Strände, Geheimtipps, billige Einkaufsgelegenheiten und sonstige Vorzüge, die man in anderen Ländern findet, bleiben Wissen des Bundestagsabgeordneten. Und das entsprechende Wissen, das die Abgeordneten horten, ist immens.

Hier eine kleine Auswahl (Pressemeldungen aus einer Woche), die auch belegt, warum der Bundestag immer so leer ist: Die Abgeordneten sind auf Kosten der Steuerzahler verreist.

Der Bildungs- und Forschungsausschuss reist in die Türkei und nach Griechenland, vermutlich, um zu forschen und gebildet zu werden.

“Der Ausschuss wird sich während der Reise schwerpunktmäßig auf die Themen der bilateralen Forschungszusammenarbeit, Universitäten und akademische Ausbildung sowie Wissenschaft und Forschung in den Gastländern konzentrieren.” Offizieller Gegenstand der Reise: Gespräche;

Eine Delegation des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur reist in die USA:

“Ein thematischer Schwerpunkt der Reise nach Washington D.C. und Kalifornien wird das Thema Digitale Infrastruktur sein. In Gesprächen mit Vertretern des Parlamentes und der Regierung sowie von Behörden und Verbänden werden vor allem der Breitbandausbau und Fragen der Regulierung der Telekommunikationsbranche erörtert werden.” Offizieller Gegenstand der Reise: Gespräche;

Der Ausschuss für Arbeit und Soziales reist nach Portugal, das im Spätsommer mindestens so schön sein soll wie Kalifornien:

“[D]ie Delegation [beabsichtigt], sich über die Auswirkungen der Haushaltskonsolidierung auf die soziale Situation zu informieren und insbesondere sich vertraut zu machen, in welcher Weise die verschiedenen EU-Maßnahmen (Jugendgarantie) zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Portugal umgesetzt werden”. Offizieller Gegenstand der Reise: Gespräche;

Vergesst Portugal, Südamerika ist im Herbst eine Reise wert. Entsprechend reist eine Delegation der deutsch-südamerikanischen Parlamentariergruppe nach Ecuador und Kolumbien:

“Die Delegationsreise dient der Vertiefung bilateraler parlamentarischer Kontakte und dem Austausch mit den Mitgliedern der Partnergruppen der Parlamente bzw. verschiedener Parlamentsausschüsse.” Offizieller Gegenstand der Reise: Gespräche;

Der Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages reist nach China. Mit einer Durchschnittstemperatur von 20 Grad Celsius ist Peking im Oktober gut erträglich:

“Die Delegation … führt Gespräche über die Rechtsentwicklung in China mit dem Rechtsausschuss des Nationalen Volkskongresses sowie mit dem Obersten Volksgerichtshof, dem Rechtsamt und weiteren Institutionen sowie NROs. Offizieller Gegenstand der Reise: Gespräche.

Der Unterausschuss Abrüstung führt auch Gespräche, und zwar in Mexiko und Kolumbien:

“Die Delegation wird in Kolumbien und Mexiko jeweils mit Vertretern der Parlamente, der Regierungen und der Zivilgesellschaft zusammentreffen, um sich über zügige Umsetzungsmaßnahmen und die Vorbereitung der 2015 in Mexiko stattfindenden ersten Vertragsstaatenkonferenz auszutauschen”; Mexikaner muss man bekannterweise ständig vor Ort auf die Finger schauen, auch von Kolumbien aus.

Die Mitglieder des Sportausschusses zieht es zu Gesprächen nach Sambia, Südafrika und Namibia:

“Der interparlamentarische Austausch ist weiterer Schwerpunkt der Reise; die Delegation kommt in allen Ländern mit Parlamentariern und Regierungsmitgliedern zusammen. In Sambia sind Gespräche mit dem Minister für Sport und Jugend, dem Parlamentssprecher und dem Parlamentskomitee Sport und Jugend geplant, in Südafrika mit Mitglieder[n] der Nationalversammlung und der Stadtverwaltung Kapstadts. In Namibia trifft die Delegation Vertreter des Ministry of Youth, National Service, Sports and Culture und Mitglieder des Committee for Human Resources, Social and Community Development. Offizieller Gegenstand der Reise: Gespräche;

Der Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit reist nach Bosnien-Herzegowina:

“Die Delegation wird politische Gespräche mit dem Vorsitzenden des Ministerrats, Vjekoslav Bevanda, mit Vertretern und Vertreterinnen der Parteien (einschließlich der Republika Srpska) und mit Vertretern und Vertreterinnen von Nichtregierungsorganisationen und sozialen Bewegungen führen.” Offizieller Zweck der Reise: Gespräche;

Die dargestellten Reisetätigkeiten sind ein kleiner Ausschnitt aus den tatsächlichen Reisen, die Abgeordnete auf Kosten von Steuerzahlern regelmäßig unternehmen, um irgendwo Gespräche zu führen. Das ganze macht den Eindruck eines geschlossenen Club Med: Politiker reisen in andere Länder um dort Politiker zu treffen, um mit diesen Gespräche zu führen. Was genau besprochen wird, niemand weiß es. Kein Reisender verrät es. Es werden eben Gespräche geführt, solche, die man dann als fruchtbar oder offen und ergiebig oder förderlich oder wichtig oder konstruktiv oder was auch immer bezeichnen kann. Nur eines wird von solchen Gesprächen nie bekannt: ihr Inhalt.

The moral dimension

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Angesichts der Demokratie, in der wir angeblich leben und angesichts der notwendigen Kontrolle der Abgeordneten durch die Bevölkerung wäre es an der Zeit, wenn über jede Reise all die Abgeordneten, die daran teilgenommen haben, jeweils einen Bericht verfassen, der dann im Internet veröffentlicht wird und auf dem sie den Gegenstand und das inhaltliche, nicht das geographische Ziel ihrer Reise benennen. Zudem sollte der Bericht die Schritte enthalten, die unternommen wurden, um das Ziel zu erreichen, sowie eine Aufstellung der Erkenntnisse, die die Abgeordneten vor Ort gesammelt haben, nebst einer Beschreibung des Nutzens, den die gesammelten Erkenntnisse und die gesamte Reise des Ausschusses für die deutsche Bevölkerung erbracht hat.

Schließlich wollen wir doch nicht annehmen müssen, dass Bundestagsabgeordnete auf Kosten von Steuerzahlern Betriebsausflüge durchführen, auf denen sie es sich gut gehen lassen.

Wie ehrlich darf Aufklärung sein, z.B. über Ebola?

Die denkwürdige x-Files Serie F. Emasculata enthält einen noch denkwürdigeren Dialog zwischen Mulder und Cancer Man.

XFilesF EmasculataF. Emasculata spielt in Dinwiddie County in Virginia – in einem Gefängnis. Mulder und Scully untersuchen eine mysteriöse Krankheit, die unter den Insassen des Gefängnisses verbreitet wird. Wer sie sich zuzieht, ist in relativ kurzer Zeit tot. Zwei Gefangenen, die sich mit der unbekannten Krankheit infiziert haben, gelingt der Ausbruch aus dem Gefängnis. Im Verlauf der Serie stellt sich heraus, dass die Erkrankung von einem Pharma-Unternehmen absichtlich unter den Insassen herbeigeführt wurde.

Mulder will das entsprechende Unternehmen bloßstellen und die Wahrheit an die Öffentlichkeit bringen. Cancer Man kontert, dass das Wissen um zwei entflohene und infizierte Häftlinge eine Massenpanik zur Folge haben würde. Entsprechend, so Cancer Man, müsse das Wissen um die entflohenen und infizierten Häftlinge geheim gehalten werden, und natürlich auch das Wissen um die Machenschaften des Pharma-Unternehmens.

Die kurze Sequenz aus den x-Files wirft eine interessante Frage auf: Darf eine Regierung oder dürfen offizielle Akteure Informationen vor ihrer Bevölkerung geheim halten, weil sie befürchten, dass ein Wissen um z.B. Träger eines tödlichen Viruses, die in Deutschland unterwegs sind, Aliens, die auf dem Blättersberg in der Pfalz gelandet sind oder die erheblichen gesundheitlichen Folgen, die Fleischkonsum nach sich zieht, zu einer Massenpanik, zu einer kollektiven Hysterie führen würde, die nicht mehr zu beherrschen ist?

In anderer Variante ist dies eine Frage danach, ob man die Mehrzahl seiner Bevölkerung für rationale, urteilsfähige und bedachte Erwachsene oder für irrationale, hysterische und impulsive Kinder hält – eine Frage, die man als Liberaler gerne mit der ersten Alternative beantworten würde, wären da nicht Erfahrungen aus dem Leben in einer ostdeutschen Stadt, nennen wir sie Mad City.

BiohazardMad City liegt im Osten Deutschlands und ist bekannt, für eine Vielzahl von Menschen, die in den Jahren 1989 und 1990 im Kreis um den Stadtkern gelaufen sind. Im Zuge der Anthrax-Hysterie, die auch Mad City im Jahre 2001 erfasst hat, hat sich einer der Blogbetreiber völlig unerwartet und ohne Vorwarnung vier Gestalten im Schutzanzug gegenüber gesehen, die ihm den Eingang in das Haus verwehren wollten, in dem sich seine Wohnung befunden hat. Der Versuch, dem Blogbetreiber ohne Schutzanzug, den Zugang zu verwehren war erfolglos, das vermeintliche Anthrax hat sich vermutlich als verschüttetes Mehl herausgestellt, aber die Geschichte hat uns zu denken gegeben. Bis heute fragen wir uns, welches geistige Make-up jemand haben muss, der befürchtet, sein, also sein, das einzig denkbare Wohnhaus in einem entlegenen Stadtteil von Mad City und vor allem wohl er, als ein Bewohner dieses Wohnhauses für al Kaida eine Reise und vor allem das Verschütten von Anthrax im Vierpersonenlift wert sei?

Allein die Existenz solcher Hysteriker macht nachdenklich und wirft die Frage neu auf: Wieviel Aufklärung darf man seiner Bevölkerung zumuten, was muss, darf, soll man der so genannten Öffentlichkeit vorenthalten?

Nehmen wir z.B. Ebola. Das Virus aus Westafrika, das es dieses Mal, ganz im Gegensatz zu zurückliegenden Ausbrüchen, in die Headlines der Medien geschafft hat. Als wir am 11. August diesen Jahres zum ersten Mal über Ebola berichtet haben, da gab es 1.711 Infizierte und 932 Tote. Wir sind nun gut zwei Monate und 3.515 Tote, darunter 236 Pfleger weiter. Kurz: Das Virus wütet mit zunehmender Intensität und steigenden Opferzahlen. Zwischenzeitlich befürchtet die WHO nach Horrormeldungen deutscher Medien wöchentlich 10.000 neue mit Ebola Infinzierte – Infizierte vornehmlich in Westafrika. Denn: In Deutschland, Europa oder dem Westen kann Ebola nicht zu einer vergleichbaren Epidemie führen, das weiß man z.B. beim Stern:

“Selbst wenn Ebola-Kranke nach Deutschland einreisen: Vor einer Krankheitswelle wie in Westafrika müssen sich die Deutschen trotzdem nicht fürchten. Erstens, weil es hierzulande recht gute Vorsorge-Maßnahmen gibt. Dazu gehört etwa das Netzwerk von Sonderisolierstationen, die speziell auf die Behandlung solcher Erkrankungen ausgelegt sind sowie das medizinische Personal, das speziell für die Versorgung von Patienten unter Isolationsbedingungen geschult ist.”

Anderer Ansicht ist man beim Ersten:

“Viele Menschen machen sich zudem Sorgen, dass Flüchtlinge aus Afrika die Krankheit hier einschleppen. Und manche Experten warnen, dass Krankenhäuser hierzulande nicht ausgerüstet seien für den Notfall. Die Rede ist von etwa 50 Betten für erste Fälle – in ganz Deutschland.”

ebola_micrograph_virus-afriqueNiemand scheint sich Sorgen zu machen, dass medizinisches Personal, das als Helfer für die WHO tätig ist, den Virus nach Deutschland “einschleppt”. Die ganze Terminologie, die man in öffentlich-rechtlichen Medien lesen muss, verweist auf nur eine Quelle des Unheils, unsägliche Flüchtlinge, die die Krankheit “einschleppen”. Das Fremde kommt mittlerweile als Krankheit nach Deutschland, und wie gewöhnlich wird es von noch Fremderen den reinen Deutschen zugemutet, Fremden mit dunkler Haut, die man heute nicht mehr Neger nennen darf, aber denen ansonsten immer noch dieselbe sprachliche Animosität entgegen schlägt, weil sie “einschleppen”, was nicht nach Deutschland gehört.

Da hätte man in Frieden mit sich und der Welt leben können und was passiert: Ebola wird von Schwarzen “eingeschleppt”.

Es ist übrigens ein Irrtum zu denken, Ebola komme immer von außen. Im Jahre 1967 forderte hämorrhagisches Fieber sieben Todesopfer in Marburg. Hämorrhagisches Fieber, die Oberklasse von Erkrankungen wie Ebola, kennt seither die Marburg Virus Disease - eine Variante von Ebola.

Die Sicherheit vor einer Epidemie, so steht überall zu lesen, sei darauf zurückzuführen, dass die medizinische Versorgung in Deutschland so hervorragend sei, die Ausrüstung so hervorragend, das medizinisches Personal perfekt so geschützt, dass Isolierstationen den Ebola-Erkrankten, der natürlich entdeckt werde, noch ehe seine Krankheit Zeit habe, sich anderen zu übergeben, sofort aufnähmen und abschotteten und nur medizinisches Personal an ihn heranließen, bis er entweder auf beiden Füßen oder mit den Füßen voran die Isolierstation verlassen würde, usw.

Trotz aller Sicherheits-Rhetorik kommt sie wieder, die Frage, was man seiner Bevölkerung verheimlichen darf, wie man sie belügen muss, um eine befürchtete Massenpanik zu vermeiden. Es ist dies eine Frage, die regelmäßig an die aktuelle Entwicklung angepasst werden muss. Kann man z.B. angesichts der hohen Zahl von medizinischem Personal, das mittlerweile an Ebola verstorben ist, immerhin 5,2% der Ebola-Opfer, weiterhin behaupten, wenn ein infizierter Patient hinter den Türen der Isolierstation verschwunden ist, dann war es das, für den Virus?

Oder muss man seiner Bevölkerung das Wissen um ein Restrisiko, das sich nun einmal nicht beseitigen lässt, zumuten, ihr ehrlich sagen, dass alle hoffen, aber niemand sicher sein kann, dass sich kein Arzt, kein Krankenpfleger, der die Isolierstation betritt und verlässt, mit dem Virus infiziert und es nach draußen trägt.

Gupta EbolaKurz: Muss die paternalistische Hatung deutscher Politiker und Ärzte aufgegeben werden: Wir haben alles im Griff! Macht Euch keine Sorgen! Wir kümmern uns um Euch! Muss statt dessen eingestanden werden, dass deutsche Politiker und Ärzte genauso wie westafrikanische und US-amerikanische Politiker und Ärzte nicht alle Eventualitäten einplanen und nicht ausschließen können, dass es einen Ausbruch von Ebola in Westeuropa gibt? Dass man bestenfalls das Risiko einer Epidemie minimieren, aber nicht beseitigen kann?

Hätte man es mit einer erwachsenen Bevölkerung zu tun, man müsste ihr reinen Wein einschenken, etwa so, wie es in den USA und in dem hier verlinkten Beitrag geschieht, in dem sich Sanjay Gupta aus seinem Schutzanzug schält und demonstriert, wie einfach es ist, sich trotz Schutzanzug zu infizieren (ein Beispiel dafür, was US-amerikanische Journalisten als Bestandteil ihres Berufes auffassen).

war and revolutionEine Infektion mit Ebola ist demnach auch möglich, wenn man im Schutzanzug unterwegs ist. Genauso ist es möglich, dass Ebola von medizinischen Helfern, Journalisten oder Politikern, die als Krisentouristen reisen, wie man wohl sagt: eingeschleppt wird, denn: es gibt keine 100%tige Sicherheit, egal, was der Öffentlichkeit vorgegaukelt werden soll. Das bringt uns zurück zur Anfangsfrage, die wir für uns und wie der verlinkte Beitrag zeigt, im Sinne der vollständigen Aufklärung beantwortet haben.

Bleibt die Frage übrig, wie sich Politiker und diejenigen, die die Informationshoheit in Händen halten im Hinblick auf die gestellte Frage entscheiden.

Wir wissen es nicht, aber wir wissen, dass man von einer Regierung, die ihre Bevölkerung als infantile Masse, der man das Rauchen, das Trinken und das fettige Essen abgewöhnen muss, die man zum Joggen jagen muss und ansonsten bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens nicht unbeaufsichtigt lassen kann, kaum erwarten kann, dass sie ausgerechnet im Hinblick auf Ebola von ihrer paternalistischen Wolke Abschied nimmt und auf den Boden der Tatsachen zurückkehrt, um der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen.

Die Toilette im Amt: Ein sozialer Brennpunkt

Neue Forschung von Iris Dröscher und Peter Kappeler gerade in der Zeitschrift “Behavioral Ecology and Sociobiology” veröffentlicht, lässt die gerade in Berlin eingerichteten Unisex-Toiletten und nicht nur sie, nein alle Sammeltoiletten in einem neuen Licht erscheinen. Sammel- und Unisex-Toiletten, so legt die Forschung von Dröscher und Kappeler nahe, sind notwendig, um die soziale Kohäsion in öffentlichen Ämtern aufrecht zu erhalten. Sie dienen der Stärkung des inneramtlichen Sozialgefüges und, nicht zuletzt, dem Informationsaustausch.

Unisex_Toilette

Sammeltoiletten, also spezielle Orte zur Ausscheidung von Exkrementen, die von mehreren Personen genutzt werden, finden sich regelmäßig in Ämtern. Wer zum Beispiel auf den Gängen des Amtsgerichts Leipzig warten, kann jeden Tag gegen 15.45 Uhr ein merkwürdiges Schauspiel beobachten, das die Angestellten aus den Zimmern kommen und in einer Form vorab verabredeter stiller Übereinkunft, die einem Ritual gleicht, den Ort gemeinsamer Notdurft aufsuchen sehen.

Warum dies so ist, dieser Frage sind Dröscher und Kappeler in einem größeren Rahmen nachgegegangen. Und ihre Forschung wirft neues Licht auf die Bedeutung von Sammeltoiletten im Allgemeinen und Unisex-Toiletten im Besonderen.

Dröscher und Kappeler haben 14 Probandenen mit Radiosendern ausgestattet und “ihr Verhalten über den Zeitraum eines Jahres beobachtet. Insgesamt kamen dabei über 1000 Beobachtungsstunden zusammen”.

Aus den Ergebnisse lässt sich eindeutig schließen, welche Bedeutung und Wichtigkeit Sammeltoiletten im Allgemeinen und Unisex-Toiletten im Besonderen dabei zukommt, die Kohärenz und das soziale Zusammenspiel in Ämtern aufrecht zu erhalten.

So dienen Sammel- und Unisex-Toiletten nicht nur dazu, die “Vertrautheit und die soziale Bindung zwischen den einzelnen Mitgliedern” des jeweiligen Amtes herzustellen, nein, sie haben eine Vielzahl von Funktionen, sind verlässliche Informationsquellen, d.h. Mitglieder des Amtes tauschen Neuigkeiten aus, wichtige Amtsleistungen werden auf Sammel- und Unisex-Toiletten erbracht und vor allem werden “individuen-spezifische Informationen” ausgetauscht.

Toilet scribbleDie Medien, in denen Informationen auf z.B. Unisex-Toiletten ausgetauscht werden, beschränken sich nicht nur auf Sprache und Schrift. Nein: “Über Duftmarken werden eine Vielzahl an Informationen wie die sexuelle und individuelle Identität transportiert und können außerdem dazu dienen, die eigene Präsenz zu signalisieren”, so Dröscher.

Insbesondere die Möglichkeit, die eigene sexuelle und – so vorhanden – individuelle Identität zu transportieren, die durch Sammel- und Unisex-Toiletten bereitgestellt wird, macht diese Form der gemeinsamen Notdurft-Entsorgung so wertvoll, schaffen die entsprechenden Toiletten in Ämtern doch einen respektierten, tolerierten und akzeptieren Raum, an dem jeder nach seiner Fasson seine sexuelle Identität finden und als Duftnote hinterlassen kann.

Vermutlich hat diese Möglichkeit, das Berliner Abgeordnetenhaus dazu bewogen, den – wie sich zeigt – für Berliner Ämter so wichtigen Schritt zu gehen, und Unisex-Toiletten als zentrale Orte des sozialen Lebens, als Brennpunkt des Austausches mannigfaltiger Informationen zu installieren.

Nicht zuletzt zeigt die Forschung von Dröscher und Kappeler, dass mit Sammel- und Unisex-Toiletten ein Wir-Gefühl im Amt herbeigeführt werden kann, das genutzt werden kann, um Eindringlinge, die im Amt wahrgenommen werden, zu warnen und ihnen zu verstehen zu geben, dass die Amts-Mitglieder in z.B. einer Unisex-Geschlossenheit, wie sie nur Unisex-Toiletten herzustellen, in der Lage sind, zueinander stehen.

Allerdings sind die vielen Vorteile, die Sammel- und Unisex-Toiletten nicht zuletzt für den Arbeitsablauf in Ämtern bieten, mit einem Nachteil verbunden, den die Forscher bislang noch nicht richtig verstehen und entsprechend nicht interpretieren können: Nach Erkenntnissen der Forscher werden Toiletten auch dazu “verwendet, um anzuzeigen, dass hier jemand ist, der seine Partnerin verteidigt”.

Als Konsequenz ergibt sich gerade für Unisex-Toiletten ein Problem. Unisex-Toiletten wurden in der Hoffnung eingerichtet, dass sie dazu beitragen, Geschlechterrollen und Geschleterzuordnungen aufzubrechen. Des weiteren verband sich mit ihnen die  Hoffnung, dass sich Trans- und Intersexuelle, die nicht so richtig wissen, wo sie hingehören, nicht mehr zwischen der dualen Welt des Angebots von Männer- und Damentoiletten entscheiden müssen. Dass Unisex-Toiletten nun dazu führen können, wie die Forschung von Dörner und Kappeler nahelegt, Hegemonialstreben und Dominanz, ja Besitzansprüche zu fördern, ist bislang ein Rätsel, dessen Erforschung nun ansteht.

Dröscher, Iris & Kappeler, Peter M. (2014). Maintenance of Familiarity and Social Bonding via Communal Latrine Use in a Solitary Primate (Lepilemur leucopus). Behavioral Ecology and Sociobiology. Online First. Doi:10.1007.s00265-014-1810-z

Die herbeigerechnete Armut grassiert wieder: Von Armutsgefährdung und von Demenzgefährdung

In Baden-Württemberg und Bayern gibt es die “niedrigste Armutsgefährdung”, so hat es das Statistische Bundesamt heute verkündet. Das ist schön.

Aber was bedeutet es?

Was ist eine Armutsgefährung?

DestatisUmgangssprachlich wird man eine Gefährdung wohl als eine Situation definieren, in der man mit einer Verletzung bedroht wird, etwa durch einen betrunkenen Autofahrer und genau so ist “Gefährdung” auch im Strafgesetzbuch definiert: Wer ein Auto führt, obwohl er zu betrunken oder zu bekifft ist, ein Auto zu führen oder wer sich im Verkehr grob verkehrswidrig und rücksichtslos verhält und deshalb Leib und Leben eines anderen gefährdet, der macht sich nach §315 einer Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Zur Straßenverkehrsgefährdung bedarf es somit einer konkreten Gefahrensituation und der Handlung eines Gefährders.

Nicht so bei der Armutsgefährdung, die man z.B. als Ergebnis einer Handlung ansehen könnte, bei der ein Wegelagerer einen Händler überfällt und um sein Hab und Gut bringt,oder bei der man an den Finanzminister denken kann, der Steuern in einem Umfang erhebt, die die Besteuerungsopfer an den Rand oder in die Armut schicken. Man könnte an Famliengerichte denken, die Männer mit Armut nicht nur gefährden, sondern den Tatbestand der relativen Armut für viele per Urteil zur Unterhaltszahlung verwirklichen. Aber weder Finanzbeamte noch scheidungswillige Ehefrauen, Scheidungsrichter oder Wegelagerer werden als Armutsgefährder verfolgt. Vielmehr gibt es gar keinen Straftatbestand der Armutsgefährdung und keinen Armutsgefährder, die Armutsgefährdung ist vielmehr nicht existent.

Es gibt sie nicht in der wirklichen Welt. Sie schlägt sich, anders als die Straßenverkehrsgefährdung in keiner konkreten Handlung nieder, nein, die Armutsgefährdung ist eine statistische Kennzahl, extra vom Statistischen Bundesamt herbeigerechnet, um all denen, die mit der Bekämpfung von angeblich Armut ihren eigenen Unterhalt verdienen, eine Legitimation für ihr Dasein zu verschaffen.

Armutsgefährdung basiert auf dem Nettoäquivalenzeinkommen. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist schlicht die Summe der Haushaltseinkommen. Dazu zählen nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen (Statistisches Bundesamt, 2013: 159):

  • ArmutsgefaehrdungBundeslaenderEinkommen aus Vermietung und Verpachtung;
  • Familienleistungen (Kindergeld) und Wohnungsbeihilfen;
  • Sozialgeld, Sozialhilfe, bedarfsorientierte Grundsicherung;
  • regelmäßige Geldtransfers zwischen privaten Haushalten (Unterhaltszahlungen);
  • Zinsen, Gewinne aus Kapitalanlagen;
  • Einkünfte von Haushaltsmitgliedern unter 16 Jahren;

Zu diesen Haushaltseinkommen werden personenbezogene Einkommen addiert, also das, woran man – im Gegensatz zu den Mitarbeitern des Statistischen Bundesamts – in erster Linie gedacht hätte, wenn man an Haushaltseinkommen denkt:

  • Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit;
  • Gewinne aus selbständiger Tätigkeit;
  • Arbeitslosengeld I oder II
  • Alters- und Hinterbliebenenrente;
  • Krankengeld und Invaliditätsleistungen;
  • ausbildungsbezogene Leistungen;

Spannend, wie viele Posten aus Transferzahlungen bestehen…

Um das Nettoäquivalenzeinkommen zu berechnen, werden z.B. im Rahmen des Mikrozensus Mitglieder von Haushalten in Deutschland gebeten, für ihren Haushalt anzugeben, welche Einkommen das Haushaltseinkommen konstituieren. Da ein Haushalt aus einem, zwei, zehn, zwanzig Mitgliedern bestehen kann, ergibt sich die erste statistische Regelmäßigkeit, denn mit steigender Zahl der Haushaltsmitglieder steigt das Haushaltseinkommen. Schön zu sehen auf Seite 161 des Datenreports für das Jahr 2013, der Alleinerziehende mit 12.436 Euro im Jahr als die Gruppe ausweist, die das geringste Haushaltseinkommen zur Verfügung hat. Das ist auch kein Wunder, denn zum Haushaltseinkommen trägt maximal eine Person plus ggf. der Staat über Transferzahlungen oder ein zu Unterhaltszahlungen Verurteilter bei. Insofern ist es kein Wunder, dass das durchschnittliche Jahres-Haushaltseinkommen von Alleinerziehenden-Haushalten (12 436 Euro) unter dem Haushaltseinkommen von zwei-Erwachsenen-Haushalten (23 471 Euro) bleibt. Es wäre höchst seltsam, wäre dem nicht so.

Ausgehend von diesem Nettoäquivalenzeinkommen wird nun die so genannte Armutsgefährdung, die von niemandem direkt ausgeht, aber dennoch vorhanden zu sein scheint, berechnet, und zwar als 60% des Medians des Haushalts-Nettoäquivalenzeinkommens. Der Median ist eine statistische Größe, die eine gegebene Verteilung in zwei Hälften zu je 50% teilt. Im Jahre 2010 liegt der Median bei einem Haushaltseinkommen von 19.043 Euro, d.h. unterhalb und oberhalt von 19.043 Euro finden sich jeweils 50% der Haushalte.

Hui buhArmutsgefährdung liegt also bei  60% des Median-Nettoäquivalenzeinkommen vor. Warum? Warum nicht? Wir persönlich tendieren eher zu 57,77892%, aber 60% ist auch in Ordnung, schließlich hat das Ganze nichts mit der Realität zu tun, ist vielmehr ein Griff in die statistische Trickkiste, um einerseits eine vorhandene Verteilung, in diesem Fall die Verteilung des Nettoäquivalenzeinkommens in schicke Teile zu zerlegen und andererseits den Gutmenschen und unkritischen Journalisten etwas vorzuwerfen, auf das sie sich stürzen können. Erstere um vermeintlich Gutes zu tun, Letztere um einen Skandal oder eine bestürzende Ungerechtigkeit anprangern zu können.

Dazu bedarf es jedoch einer griffigen Zahl. Und deshalb liefert das Statistische Bundesamt den Anteil derjenigen, die insgesamt und in Subgruppen unterhalt oder genau auf dem 60%-Schnittpunkt des Median-Äquivalenzeinkommens der Haushalte liegen, der als Armutsgefährdung definiert wurden (wie gesagt, wir sind für 57,77892%, aber das ist natürlich nicht so griffig wie 60%).

Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass alle Haushalte mit demselben Gewicht in die Berechnung des Nettoäquivalenzeinkommens eingehen. Egal, ob die Haushalte aus zwei Erwerbstätigen, einem Rentner mit Enkel, einer nicht arbeitenden Mama mit vier Kindern den entsprechenden Transfereinkommen und Hartz IV, aus einem Studenten oder einer Kommune mit sieben Mitgliedern besteht, die Einkommen werden zusammengeworfen, als ein Haushalt gezählt, durchgeschüttelt und dann wird verkündet:

  • In Bremen gibt es 23,1% Haushalte, die armutsgefährdet sind. Kein Wunder, wenn man die Bremer mit ihrer hinterher hinkenden Infrastruktur mit den reichen Hamburgern in einen Topf wirft.
  • Alleinlebende Männer sind zu 30,7% von Armut gefährdet, ein Fakt, der eher nicht so problematisiert wird und ebenso nicht verwunderlich ist, wenn man die Einkommen von Haushalten, in denen nur einer verdient, mit denen Einkommen von Haushalten, in denen zwei verdienen und der Staat die drei vorhandenen Kinder subventioniert, zusammenwirft.
  • 18 bis 24jährige sind zu 18,9% von Armut gefährdet. Angesichts des hohen Anteils von Studenten in dieser Altersgruppe, die im eigenen Haushalt leben, ebenfalls kein Wunder. Ebensowenig ist es ein Wunder, dass unter 18jährige, die im eigenen Haushalt leben, nicht das durchschnittliche Einkommen eines Pensionärshaushalts, mit dem sie verglichen werden, erreichen.

Kurz: Armutsgefährdung ist ein statistisches Spielzeug, das über die Realität überhaupt nichts aussagt, bestenfalls sagt es aus, dass der Intellekt derer, die ständig Armutsgefährdung im Mund führen, in hohem Maße durch Demenz gefährdet ist, ebenso wie die Lauterkeit der Statistiker, die die Armutsgefährdung regelmäßig berechnen in ständiger Gefahr steht, vollständig zu verschwinden.

Skandal: Jahrzehntelang verheimlichtes Abgeordneten Pay Gap entdeckt

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Politiker in Deutschland, Politiker in Österreich, Politiker in der Schweiz, Politiker bei der UNO, Funktionäre bei NGOs, Funktionäre bei Gewerkschaften, Funktionäre bei Parteien, warum die politische Kaste und die Politiker unterstützende Kaste alle das angebliche Gender Pay Gap morgens, mittags und abends, im Sommer, im Winter, im Frühling, vor dem Länderspiel, im Feuilleton und im Sporteil im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und sonstwo beschwören?

Na?

Nein?

Nun, dann sagen wir es ihnen. Damit soll ein Riesen-Skandal ein Monster-Mega-Skandal vertuscht werden, ein wirkliches Pay Gap, das nicht einmal mit der Humankapitaltheorie erklärt werden kann: Das Abgeordneten Pay Gap (PPG).

bundestagDas Abgeordneten Pay Gap beginnt beim monatlichen Grundeinkommen von Mitgliedern des Bundestages, das bei 9.082 Euro liegt (Wir haben die Diätensteigerung schin eingerechnet). Das Abgeordneten Pay Gap wird nicht auf Bruttostundenlöhne umgerechnet, weil niemand weiß, ob und wenn ja, wieviele Stunden Abgeordnete im Allgemeinen und Bundestagsabgeordnete im Besonderen überhaupt mit Arbeit zubringen. (Hinzu kommt das mathematische Argument, dass man durch “0” nicht teilen kann.).

Der Skandal, der sich um die 9.082 Euro (ab 2015, derzeit: 8.667) Grundgehalt von Abgeordneten rankt, geht weiter, wenn man ihr Monatsverdienst mit dem Monatsverdienst von vergleichbaren Berufsgruppen in Relation setzt.

Nehmen wir z.B. Erzieher. Die meisten Abgeordneten sehen sich ja als eine Art Erzieher, wollen ihren Wählern sagen, was sie essen, trinken, tun und lassen müssen und vor allem, dass sie nicht rauchen sollen. Entsprechend könnte man denken, Abgeordnete verdienen Erziehern entsprechend. Weit gefehlt. Erzieher verdienen im Durchschnitt 2.490 Euro im Monat und somit um 72,6% weniger als Abgeordnete: ein Abgeordneten Pay Gap oder APG von 365% (Bundestagsabgeordnete verdienen um 365% mehr als Erzieher). Ein Skandal, denn während Erzieher zumindest eine Ausbildung zum Erzieher hinter sich gebracht haben, ist Abgeordneter kein anerkannter Ausbildungsberuf. Jeder kann ihn ergreifen – Qualitfikation nicht erforderlich.

Betrachtet man den Ablauf von Debatten im Bundestag, dann könnte man denken, der Beruf mancher Abgeordneter sei dem eines Kindergartenleiters zu vergleichen. Folglich würde man eine Gehaltsentsprechung erwarten. Und wieder ist die Annahme falsch. Ein Kindergartenleiter verdient durchschnittlich 3.075 Euro im Monat und somit 65,1% weniger als ein Abgeordneter. Ein APG von 295%

Auch Sozialarbeiter, und Abgeordnete sind ja verkannte Sozialarbeiter, da sie ständig versuchen, das Leben von Menschen zu verbesseren, die gar nicht wollen, dass ihr Leben verbessert wird, auch Sozialarbeiter schneiden deutlich schlechter ab als Abgeordnete. Mit einem monatlichen Gehalt von durchschnittlich 2.996 Euro bleiben sie 67% unter dem Monatsgehalt von Abgeordneten. Ein APG von 303%.

Vielleicht haben wir auch die Vergleichsgruppe falsch gewählt.

Abgeordnete sind nicht nur Erzieher, nein, vielmehr sind sie Werbetexter, PR-Manager, Marketingfachkräfte, die versuchen, ihrer Bevölkerung etwas aufzuschwätzen, was in diesen Bevölkerungen so gut wie niemand will, vom Erziehungsgeld, das sinkende Geburtenraten produziert hat, bis zum lebenslangen Lernen, das nicht einmal Abgeordnete für notwendig befinden, vermutlich, weil sie nie damit angefangen haben. Nun, auch Werbetexter (2.745 Euro monatlich), PR-Manager (3.886 Euro monatlich) und Marketingfachkräfte (3.890 Euro monatlich) bleiben deutlich hinter Abgeordneten zurück, jedenfalls im Hinblick auf ihr Gehalt. Das entsprechend Abgeordneten-Pay Gap beträgt: 233% (Marketingfachkraft), 232% (PR-Manager) und 331% (Werbetexter).

Welche Vergleichsbasis auch immer man heranzieht, immer öffnet sich ein Abgeordneten Pay Gap unglaublichen Ausmaßes, und es wächst und wächst mit jedem Vergleich:

  • Abgeordnete wollen etwas verkaufen, verdienen aber 451% mehr als ein Verkäufer (2.013 Euro monatlich).
  • Abgeordnete sind besonders gut, wenn es ans Kassieren geht, verdienen aber 467% mehr als ein Kassierer (1.944 Euro monatlich).
  • Manche Abgeordnete haben sich Laien-Kenntnisse des Internets, insbesondere indexierter Seiten angeeignet, verdienen aber dennoch 238% mehr als ein IT-Fachmann.

politicians wagesDamit sind Abgeordnete eine Anomalie für die Humankapitaltheorie, die sagt, dass das Gehalt eine Funktion von Humankapital und Produktivität ist: Je mehr Humankapital ein Individuum hat, je produktiver sein Beitrag für ein Unternehmen oder eine Gesellschaft ist, desto höher ist sein Gehalt. Abgeordneter kann (fast) jeder werden. Es wird demnach weder verlangt, dass in allgemeines noch dass in spezifisches Humankapital investiert wird. Die Produktivität von Abgeordneten lässt sich im Hinblick auf das Bruttosozialprodukt nur negativ angeben, nicht positiv, so dass Abgeordnete zu keiner der Annahmen der Humankapitaltheorie passen.

Sie haben nichts vorzuweisen und verdienen dennoch besser als jeder Arbeiter, der eine Lehre erfolgreich abgeschlossen hat und besser als die meisten, die ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben. Selbst hochspezialisierte Facharbeiter kommen nicht einmal in die Nähe eines Abgeordnetengehalts, und dies nicht einmal, wenn man nur die 9.082 Euro Grundvergütung eines Bundestagsabgeordneten der Berechnung des Abgeordneten Pay Gaps zu Grunde legt und die Kostenpauschale von rund 4000 Euro, die Reisekostenpauschale, die Rentenzahlungen oder die Funktionsbezüge, die es z.B. dann gibt, wenn sich ein Bundestagsabgeordneter in einen Ausschuss bemüht, unberücksichtigt lässt.

Es ist kein Wunder, dass so viel Wind um den Gender Pay Gap gemacht wird, der selbst wenn es ihn gäbe, eine Miniatur wäre, die neben dem Dinosaurier “Abgeordneten Pay-Gap”, wie eine Wanze wirkt. Der viele Wind dient der Vertuschung, hat zum Zweck, über den tatsächlichen Skandal hinwegzutäuschen, darüber, dass Abgeordnete jenseits einer ethisch vertretbaren Grenze mehr verdienen als diejenigen, die sie repräsentieren sollen.

Deshalb fordern wird: Gleichstellung aller Arbeiter mit Abgeordneten, eine Quote für Verkäufer, damit auch sie Spitzenjobs im Parlament besetzen können und, ganz wichtig, ein Abgeordnetenprogramm, das beim Ausklüngeln des nächsten Wahlkreisabgeordneten dann, wenn eine Vorgriffskandidatur für einen Erzieher oder eine Marketingfachkraft oder einen Autoverkäufer geschaffen wird, die Kosten des Wahlkampfes trägt und die entsprechende Parteigliederung mit einer Kopfprämie von 5000 Euro besticht.

Alle Gehaltsdaten mit Ausnahme der Abgeordneten-Gehälter stammen von Lohnspiegel.de

Tag der Entgeltgleichheit: Ob gemeinsames Lügen glaubwürdiger ist?

BMFsfjneuDas Bundesministerium für FSFJ und der DGB tun es nun gemeinsam: Schwesig und Hannack ziehen für die dummen Frauen ins Felde, die sich immer noch für “gleiche und gleichwertige Arbeit” schlechter bezahlen lassen als ihre männlichen Pendants. Die üblichen Behauptungen werden in den üblichen Ton einer nicht zu, aber doch merklichen Empörung gepackt, auf dass die Lüge, die man im Begriff ist zu erzählen, dieses Mal glaubwürdig rüber kommt. Die Lüge ist mittlerweile ein Ladenhüter, eine lahme Krücke, die man wirklich nicht mehr hören kann.

Und dennoch: Monoton, fast wie ein Beschwörungsgesang, wiederholt in stupidem Ton, im Stakkato, das nur aus einem transzendenten Trancezustand gespeist sein kann, wird die Lüge von der angeblich nicht vorhandenen Entgeltgleichheit intoniert, dieses Mal im schrillen Geschreis-Duo von Schwesig und Hannack.

Gut, dass Gary S. Becker, auf den das Gender Pay Gap letztlich zurückgeht, mittlerweile verstorben ist, hoffentlich im Frieden mit sich selbst und in der Überzeugung, dass man es nicht verhindern kann, wenn Minderbemittelte sich ein Konzept aneignen, das sie nicht einmal im Ansatz verstehen.

Wir haben an anderer Stelle schon dargestellt, wie das Gender Pay Gap berechnet wird und welchen Zweck es erfüllt. Hier noch einmal in aller Kürze, die wesentlichen Punkte, immer in der Hoffnung, dass der Intellekt einer Schwesig oder einer Hannack ausreicht, um zu folgen, sofern sie folgen wollen, was ja dann, wenn man sich einen eigenen Vorteil vom nicht-Folgen verspricht, nicht immer der Fall ist.

Also in Kürze:

Wenn man den Stundenlohn von allen erwerbstätigen Männern und allen erwerbstätigen Frauen aufsummiert und die Summen durch die Anzahl der erwerbstätigen Männer bzw. Frauen teilt und das Ergebnis zwischen Männern und Frauen vergleicht, dann ist die Zahl, die sich für Männer ergibt höher als die Zahl, die sich für Frauen ergibt.

Was bedeutet das: Nichts.

Und zum besseren Verständnis: es bedeutet nichts, denn man vergleicht Pferde mit Kartoffeln.

Warum?

  • Weil Männer in anderen Branchen arbeiten als Frauen. Männer sind z.B. häufiger Ingenieur, Frauen sind häufiger im öffentlichen Dienst. Als Ingenieur verdient man besser.
  • Weil Männer länger und mehr und ohne Unterbrechungen arbeiten und häufiger Vollzeit als Frauen.
  • Weil Männer mehr in ihre Karriere investieren als Frauen, sich häufiger weiterbilden und häufiger den Arbeitsplatz wechseln, um Neues zu lernen.
  • Weil Männer bereits ihr Studienfach mit dem Motiv wählen, Geld zu verdienen und Karriere zu machen, während bei Frauen in der Regel das Motiv “Hilfe” vorherrscht, das in die schlecht bezahlten sozialen Berufe mündet. Soziale Berufe werden übrigens nicht deshalb schlechter bezahlt als Ingenieursberufe, weil das böde Patriarchat die entsprechenden Berufe abwertet, sondern deshalb, weil sie nicht ansatzweise so produktiv sind wie Ingenieursberufe und entsprechend weniger Nutzen für die Gesellschaft erwirtschaften. Das kann man jetzt furchtbar finden, man kann schreien und zetern, aber es ändert nichts daran, dass die Erfindung einer winzigen und effizienten Solarzelle mehr Nutzen für eine Gesellschaft einbringt, als die Beaufsichtigung von Kindern in Kindergärten.

Entgeltgleichheit im BetriebAlles ist ganz einfach. Aber, wie es aussieht, nicht einfach genug für Politiker und Funktionäre im Allgemeine und Schwesig und Hannack im Besondern. Die wollen uns nämlich glauben machen, sie seien so dumm, dass sie einfache Zusammenhänge nicht verstehen können. Sie wollen uns glauben machen, sie würden einfach nicht begreifen, dass der 22% Unterschied zwischen Männern und Frauen, der sich im Hinblick auf den Stundenlohn ergibt, sich wegen der oben genannten Unterschiede ergibt, Unterschiede, die man kurz in der Sprache der Humankapitaltheorie zusammenfassen kann in: Frauen machen mehr Investitionen in allgemeines Humankapital (formale Bildung) und weniger in spezifisches Humankapital (Weiterbildung, Überstunden) als Männer und spezifisches Humankapital wird besser bezahlt, weil es für Unternehmen wertvoller ist als allgemeines Humankapital.

Die internationale Forschung hat wieder und wieder und wieder bestätigt, was oben zusammengetragen wurde (z.B.: Chzhen & Mumford, 2009; Fortin, 2006; Hoyes et al., 2010; Lauer, 2000, Mopo, 2011, Nopo, 2009; Nordman & Roubaud, 2005, Ochsenfeld, 2014; Polachek & Xiang, 2009). Nicht zuletzt zeigt dies die Tatsache, dass das Gender Pay Gap seit Jahrzehnten geringer wird, und zwar deshalb, weil der Anteil von Frauen, die Vollzeit arbeiten, und das durchschnittliche Bildungsniveau von Frauen sowie der Anteil von Frauen, der sich auf eine Karrier einlässt, gestiegen ist (Antonczyk et al., 2010; Weinberger & Kim, 2010; Yamaguchi, 2014).

Aber: Was sind schon wissenschaftliche Ergebnisse, wenn Elke Hannack den Mund aufmacht?

“Die Ursachen der Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern sind inzwischen vielfältig wissenschaftlich erforscht. Nur bleiben die Erkenntnisse oft ohne Wirkung. Zwar ist die Lücke geringer, wo Tarifverträge gelten und Betriebs- und Personalräte mitbestimmen, von einer fairen Bezahlung sind wir trotzdem noch weit entfernt. Es gibt ein Handlungsdefizit auf politischer und betrieblicher Ebene. Genau hier setzt das neue Projekt an, indem es die Beteiligten inner- und außerhalb der Betriebe und Verwaltungen auf das Thema aufmerksam macht”, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack”

morons2Wie wahr es doch ist, dass “die Erkenntnise oft ohne Wirkung” bleiben. Bei Elke Hannack zum Beispiel, bei der bleiben die wissenschaftlichen Erkenntnisse vollständig ohne Wirkung. Sie fabuliert von 22% Entgeltungleichheit und hat offensichtlich keine Ahnung, dass jeder, der in der Wissenschaft das unbereinigte Gender Pay Gap für irgend einer Aussage fähig hält, sich diskreditiert und ab dann nur noch milde belächelt wird, wie Hannack von uns zum Beispiel. Sie hat keine Ahnung von all den wissenschaftlichen Ergebnissen, die die 22% Entgeltlücke zum Verschwinden bringen, indem sie die oben zusammengestellten Variablen von Branche, Arbeitszeit, Weiterbildung usw. als erklärende Variablen nutzen. Und, letztlich, offenbart Hannack, dass bei ihr die Welt nach Wunsch geschaffen wird, wenn Sie behauptet, dass die Entgeltlücke da geringer sei, wo Tarifverträge gelten würden, womit sie insinuieren will, dass gewerkschaftliche Verhandlungsmacht den Gender Pay Gap reduziert.

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, wie diese Wunschvorstellung: Das Gender Pay Gap ist regelmäßig im oberen Bereich der Lohnskala geringer als im unteren, was mit dem Bildungsgefälle entlang der Lohnskala (Böheim et al., 2011, Bosio, 2009; Heinze, 2010; Mussida & Picchio, 2014) und der mit der Lohnskala wachsenden Produktivität erklärt werden kann (Lauer, 2000). Es hat also nichts mit Gewerkschaften zu tun. Im Gegenteil: Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass das Gender Pay Gap da geringer ist, wo Gewerkschaften keine oder nur wenig Verhandlungsmacht haben und der Arbeitsmarkt flexibel ist (Antonczyk et al., 2010; Casale & Posel, 2009; de la Rica et al., 2010; Del Bono, & Vuri, 2008). Kurz: Frau Hannack weiß es nicht besser oder sie lügt. Suchen Sie sich aus, was Ihnen am wahrscheinlichsten erscheint.

All die Missverständnisse, all die Lügen und all der Unsinn, der das Gender Pay Gap umgibt, bringt die Entgeltaktivistin Schwesig nicht zum Nachdenken. Im Gegenteil, sie scheint im Widerspruch gerade aufzublühen und bedroht die deutsche Wirtschaft, nachdem sie schon mit dem Elterngeld plus einen Nagel in den Sarg wirtschaftlicher Prosperität geschlagen hat, mit einem weiteren Sargnagel:

“‘Frauen beanspruchen zu Recht gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit. Daher wird mein Ministerium ein Entgeltgleichheitsgesetz vorlegen, das für mehr Transparenz sorgt. Mit diesem Gesetz möchte ich verbindliche Verfahren festlegen, um Lohndiskriminierung zu beseitigen. Derzeit erarbeiten wir die entsprechenden Eckpunkte’, so Schwesig”

Driving-Nail-Coffin[1]Was dabei herauskommt, wenn Legastheniker den Duden neu schreiben, man kann es sich gut vorstellen. Die erste Generation, die dem Genderisten-Wahnsinn entkommen ist, wird sich bei den Schwesigs und den Hannacks bedanken, die die wirtschaftliche Zukunft von Generationen geopfert haben, um ihren Sex-Spleen auszuleben und daraus hoffentliche die Konsequenz ziehen, ein IQ-Gleichheitsgesetz zu verabschieden, das für Transparenz sorgt und Verfahren festlegt, die gewährleisten, dass Personen in öffentlichen Ämtern und an den Spitzen von Ministerien gleiche oder gleichwertige Intelligenz aufweisen, wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Dass das Intelligenz-Gleichheitsgesetz der Zukunft dazu führen wird, dass Gewerkschaften aus dem öffentlichen Leben verschwinden, ist eine nette Begleiterscheinung, die zukünftigen Generation ein besseres Leben verschaffen wird.

P.S.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Die Sozialpolitik eines Landes führt dann, wenn sie Mutterschaft fördert, z.B. durch Anreize, Kinder in die bereits überfüllte Welt zu setzen, dazu, dass das Gender Pay Gap größer wird (Mandel & Shalev, 2009; Nicodemo, 2008). Wie gesagt, Schwesig blüht im Widerspruch erst auf und ist gleich in einem Schaffer und Bekämpfer des Gender Pay Gaps.

Literatur:

Antonczyk, Dirk, Fitzenberger, Bernd & Sommerfeld, Katrin (2010). Rising With Inequality. The Decline of Collective Bargaining, and the Gender Wage Gap. Labour Economics 17(5): 835-847.

Böheim, René, Himpele, Klemens, Mahringer, Helmut & Zulehner, Christine (2011). The Distributiopn of the Gender Pay Gap in Austria. Evidence from Matched Employer-Employee Data and Tax Records. Linz: Johannes Kepler University of Linz; Department of Economics, Working Paper #1107.

Bosio, Giulio (2009). Temporary Employment and Wage Gap with Permanent Jobs: Evidence from Quantile Regression. München: Munick Personal RePEc Archive, MPRA-Paper No. 16055.

Del Bono, Emilia & Vuri, Daniela (2008). Job Mobility and the Gender Wage Gap in Italy. Munich: ifo Institute – Leibnitz Institute for Economic Research, CESifo Working Paper #2435.

De la Rica, Sara, Dolado, Juan José & Vegas, Raquel (2010). Performance Pay and the Gender Wage Gap: Evidence from Spain. Bonn: Institute for the Study of Labor (IZA); Discussion Paper #5032.

Fortin, Nicole (2006). Greed, Altruism and the Gender Wage Gap. Vancouver: University of British Columbia, Department of Economics.

Heinze, Anja (2010). Beyond the Mean Gender Wage Gap: Decomposition of Differences in Wage Distributions Using Quantile Regression. Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), ZEW Discussion Papers 10-043.

Hoyos, Alejandro, Nopo, Hugo & Pena, Ximena (2010). The Persistent Gender Earnings Gap in Colombia, 1994 – 2006. Institute for the Study of Labor (IZA), IZA-Working Paper #5073.

Lauer, Charlotte (2000). Gender Wage Gap in West Germany: How Far to Gender Differences in Human Capital Matter? Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW); ZEW Discussion Paper No. 00-07.

Mussida, Chiara & Picchio, Matteo (2014). The Gender Wage Gap by Education in Italy. Journal of Economic Inequality 12(1). 117-147.

Nicodemo, Catia (2009). Gender Pay Gap and Quantile Regression in European Families. Bonn: Institute for the Study of Labor (IZA), IZA Discussion Papers #3978.

Nopo, Hugo (2011). Gender Earnings Gaps in the World. Bonn: Institute for the Study of Labour (IZA); IZA Working Paper #5736

Nopo, Hugo (2009). The Gender Wage Gap in Peru 1986 – 2000: Evidence from a Matching Comparison Approach. New York: Inter-American Development Bank, Research Department, No. 675.

Nordman, Christophe J. & Roubaud, Francois (2005). Reassessing the Gender Wage Gap: Does Labour Force Attachment Really Matter? Evidence from Matched Labour Force and Biographical Surveys in Madagascar. Paris: Développment institutions and Analyses de Long terme; Document de Travail DT/2005-06.

Ochsenfeld, Fabian (2014). Why Do Women’s Fields of Study Pay Less? A Test of Devaluation, Human Capital and Gender Role Theory. European Sociological Review: online first.

Polachek, Solomon W. & Xiang, Jun (2009). The Gender Pay Gap Across Countries: A Human Capital Approach. Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung; SOEP-Paper #227

Weinberger, Catherine J. & Kuhn, Peter J. (2010). Changing Levels or Changing Slopes? The Narrowing of the Gender Earnings Gap 1959 – 1999. Industrial and Labor Relations Review 63(3): 384-406.

Yamaguchi, Shintaro (2014). Changes in Returns to Task-Specific Skills and Gender Wage Gap.

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2035833