Das Elend der deutschen Soziologie: Post von der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

dgs_2012_03Seit heute haben wir es schriftlich, dass in der deutschen Soziologie jeder behaupten kann, was er will, und zwar ohne Rücksicht auf die Standards wissenschaftlichen Arbeitens. Und nicht nur das: Seit heute haben wir es schriftlich, dass man es bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie nicht problematisch findet, wenn falsch oder gar nicht zitiert wird. Die Kunst, so wissen wir seit heute, besteht darin, es "offen" zu lassen, ob es sich bei bestimmten Textstellen "überhaupt um ein Zitat" handelt. Wer also demnächst von Vroni-Plag als Plagiator identifiziert wird, der kann sich mit der Schützenhilfe der DGS darauf zurückziehen, dass er nur offen lassen wollte, ob es sich bei der von Vroni-Plag identifizierten Stelle um ein Zitat handelt. Und Studenten, denen Dozenten vorwerfen, sie hätten die Regeln des wissenschaflichen Arbeitens nicht berücksichtigt, können sich in Zukunft auf die Position zurückziehen, dass sie nur offen lassen wollten, ob bestimmte Stellen wörtliche Zitate anderer sind, selbst dann, wenn sie explizit in Hochkommata gesetzt wurden, oder ihre eigenen Gedanken darstellen.

Kurz: Seit heute wissen wir: Die DGS gibt die Standards wissenschaftlichen Arbeitens auf, und entsprechend ist die DGS offensichtlich der Ansicht, dass Soziologie keine Wissenschaft ist.

Vorgeschichte

Wir haben uns in einem Schreiben an die Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Soziologie gewendet, weil uns in einer Auftragsarbeit, die Prof. Dr. Michael Meuser für das BMFSFJ verfasst hat, Zitate untergeschoben werden, die nicht von uns sind. Zur Erinnerung, Michael Meuser schreibt:

meuserDiese Daten [PISA-Daten] sowie der Umstand, dass die Schülerinnen im Durchschnitt die Schule mit besseren Noten abschließen als die Schüler, haben die Diskussion über eine vermeintliche Bildungsbenachteiligung der Jungen ausgelöst. In diesem Zusammenhang wird die “Feminisierung” des Lehramts, insbesondere in der Grundschule, als ein Grund hierfür angeführt, also der Umstand, dass Schüler und Schülerinnen überwiegend und in der Grundschule nahezu ausschließlich von Frauen unterrichtet werden (Carrington/McPhee 2008; Diefenbach/Klein 2002)” (Meuser, 2013, S.42

Und weiter:

“Neuere Forschungen verweisen darauf, dass anderseits dasjenige Verhalten eine positive Wertung erfährt, das typischerweise von den Mädchen an den Tag gelegt wird (…). Diefenbach und Klein (2002) sehen dies als eine Folge der Feminisierung des Lehrerberufs” (Meuser, 2013, S.42).

Das Problem mit beiden Zitaten von Meuser ist leicht benannt: Wir haben nie von einer “Feminisierung des Lehramts” geschrieben und entsprechend können wir auch nichts als eine “Folge der Feminisierung” beschrieben haben. In beiden Fällen, in denen Meuser Bezug auf unseren Artikel aus dem Jahre 2002 nimmt, behauptet er unwahre Dinge und schiebt uns eine “Feminisierung” unter, von der wir nie geschrieben haben.

Man kann dies auf zwei Arten erklären: Entweder Meuser weiß nicht, was wir geschrieben haben, oder er will uns dadurch diskreditieren, dass er uns einen in seiner Welt negativ konnotierten Begriff unterschiebt. Beide Erklärungen führen jedoch zum selben Ergebnis, Meuser ist nicht fähig oder willig rudimentäre wissenschaftliche Standards wissenschaftlichen Arbeitens und wissenschaftlicher Lauterkeit einzuhalten.

Die Ethikkommission der DGS

Wir haben uns entsprechend an die Ethikkommussion der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und des Berufsverbands deutscher Soziologen gewendet und uns über diesen Mangel an Aufrichtigkeit oder an wissenschaftlicher Versiertheit beschwert. Seit heute liegt uns die Antwort der Ethikkommission der DGS, erstellt von Prof. Dr. em. Hans-Georg Soeffner, dem ehemaligen Vorsitzenden der DGS, vor.

Wer Sie gerne im O-Ton nachlesen will, der kann dies hier tun.

Wir wollen uns auf zwei Unglaublichkeiten beschränken, die man als Wissenschaftler, die deshalb besonderen Wert auf die Standards wissenschaftlichen Arbeitens legen, weil sie die einzige Möglichkeit darstellen, Wissenschaft von Unsinn abzugrenzen, erst einmal verdauen muss.

So schreibt Soeffner, nachdem er behauptet hat, dass Meuser in den beiden oben zitierten Stellen “offen” gelassen habe, ob es sich um ein wörtliches Zitat aus Klein und Diefenbach handelt, folgendes:

“Eine deutlichere Abgrenzung der Kennzeichnung von Zitaten einerseits und allgemeinen Hervorhebungen andererseits müsste in Meusers Text sicherlich stattfinden. Die bewusste ‘Fälschung eines Zitates’ lässt sich jedoch kaum belegen.”

hans-georg-soeffnerDiese Wertung ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Zum einen steht hier, dass wissenschaftiche Standards, die sich mit dem Zitieren verbinden, nicht ernst zu nehmen sind, man wünscht sie sich, aber wenn sie fehlen, ist das auch nicht schlimm. Zum anderen steht hier “Fälschung eines Zitates” in Anführungszeichen. Warum wohl? Weil Soeffner insinuieren will, dass wir fälschlicherweise von einer Fälschung eines Zitates sprechen, und da wir im Schreiben an die Ethikkommission die Frage, ob Meuser bewusst fälscht oder es einfach nicht besser kann offen gelassen haben, hat er das Wörtchen “bewusst” außerhalb der Anführungszeichen, mit denen er deutlich machen will, dass diese Textstelle nicht von ihm ist, gelassen. Leider hat Soeffner vergessen anzugeben, von wem diese Textstelle ist und zeigt damit, dass er es auch nicht besser kann als Meuser und ganz nebenbei hat er Meuser attestiert, dass er, da eine bewusste Fälschung nicht belegt werden kann, offensichtlich zu wissenschatflichem Arbeiten nicht fähig ist. Aber da sich die “‘Fälschung eines Zitates’ … kaum belegen” lässt, besteht noch Hoffnung, für Soeffner.

Allerdings besteht erhöhte Gefahr, dass dieser Keim der Hoffnung bereits im Keim erstickt wird, weil sich am Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Essen, an dem Hans-Georg Soeffner vor seiner Emeritierung gelehrt hat, keinerlei Hinweise zu den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens finden lassen. In unserem Bemühren das endgültige Abgleiten der Soziologie in die Welt der Ideologie und des Phrasendreschens zu verhindern, waren wir erleichtert, dass wir an der Frierich-Schiller-Universität Jena, an der der derzeitige Vorsitzende der DGS, Stephan Lessenich, lehrt, einen Leifaden für das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten gefunden haben, dessen Seite 2 sich Folgendes wörtlich entnehmen lässt:

  1. “Zitate werden gekennzeichnet – wörtliche und sinngemäße Zitate werden als solche markiert. Wörtliche Zitate stehen in Anführungszeichen, bei sinngemäßen Zitaten wird durch den Konjunktiv und/oder einen Einleitungssatz verdeutlicht, dass es sich um Aussagen anderer handelt.”
  2. “Zitate (ob Wort, Satz oder Abschnitt) müssen belegt werden - am Ende jedes Zitats ist auszuweisen, aus welcher Quelle es stammt.”
  3. “Zitate sind exakt und ehrlich …”

Da die Art und Weise, in der Michael Meuser zu zitieren versucht, mit keinem der drei oben genannten Punkte in Einklang zu bringen ist, steht zu vermuten, dass sich der Dekan der Universität Jena und Vorsitzende der DGS, Stephan Lessenich, im Widerspruch zu dem befinden muss, was Hans-Georg Soeffner als Vorsitzender (oder alleiniges Mitglied?) der Ethikkommission der DGS geschrieben hat. Es wird spannend sein, die Stellungnahme von Lessenich dazu zu lesen (- die wir natürlich einfordern werden).

Zwei abschließend Punkte sind uns noch wichtig:

Soeffner schreibt: “Wenn darüber hinaus auch bei Diefenbach/Klein (2002, S. 949) unmissverständlich festgestellt wird: “Lehrerinnen prägen die Schulkultur”, ist sachlich kaum mehr einzusehen, weshalb der Streit um das Scheinzitat ‘Feminisierung’ – eine ohnehin schwer zu ertragende sprachliche Fehlleistung – die Ethikkommission zweier Fachverbände beschäftigen muss”.

Nassehi_SoziologieEs ist schon erschreckend, dass Vertreter einer Wissenschaft, die sich mit gesellschaftlichen Prozessen beschäftigt, nicht mehr in der Lage sind, zwischen einer Zustandsbeschreibung “Lehrerinnen prägen die Schulkultur” und einem Prozess “Feminisierung” zu unterscheiden und dass sie denken, das eine sei dem anderen gleich. Wenn das in der Soziologie nunmehr normal ist, dann ist es wirklich konsequent, die Soziologie zu schließen, da der Gegenstand der Soziologie nicht mehr vorhanden ist und es auch keine wissenschatfliche Methode gibt, mit der man Zustandsbeschreibungen von Soziologen von dem Gewäsch politischer Kommentatoren in Tageszeitungen unterscheiden könnte.

Esser_SoziologieDa Soeffner überdies der Ansicht ist, bei Meusers Versuch, uns zu zitieren, handle es sich um ein Scheinzitat, gibt er uns in der Sache offensichtlich recht und ist auch der Ansicht, dass Meuser nur den Anschein erwecken will, die “schwer zu ertragende sprachliche Fehlleistung”: Feminisierung stamme von uns. Im Gegensatz zu Soeffner sind wir allerdings der Ansicht, dass es die Aufgabe einer Ethikkommission ist, sich auch mit “schwer zu ertragende[n] sprachliche[n] Fehlleistung[en]” zu beschäftigen, und wenn eine (aus einem Mann bestehende) Ethikkommission das nicht will, dann ist es vielleicht das Beste auch dieses letzte Feigenblatt, das an Zeiten erinnert, an denen die Soziologie den Anspruch hatte, eine Wissenschaft zu sein, fallen zu lassen.

Opp MethodologieVor diesem Hintergrund wäre es eigentlich an der Zeit, dass die großen alten Männer der Soziologie, die es auch in Deutschland gibt und deren Lebenswerk darin besteht, Soziologie als Wissenschaft etabliert zu haben, sich in Bewegung setzen oder zumindest ihre Stimme erheben, um der Zerstörung ihres Lebenswerks ein Ende zu setzen und den ohnehin stark angeschlagenen Ruf der deutschen Soziologie zumindest in den Bereichen, in denen dies noch möglich ist, zu reparieren, um zu retten, was noch zu retten ist.

P.S. Da die Beschwerde von Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner als Vorsitzemden der Ethikkommission von Deutscher Gesellschaft für Soziologie und dem Berufsverband deutscher Soziologen alleine unterzeichnet ist, fragt man sich unwillkürlich, welchen Stellenwert die anderen Mitglieder der Ethik-Kommission in diesem Gremium eigentlich haben – wenn sie überhaupt einen haben.

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16 Responses to Das Elend der deutschen Soziologie: Post von der Ethikkommission der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

  1. qed sagt:

    Zu was deutsche ‘Soziologie’ verkommen ist, hat Frau Diefenbach bereits hier

    http://sciencefiles.org/2012/02/08/und-rosenbrock-zum-allerletzten-hoffentlich/

    hinlänglich beschrieben, so daß uns nun die Antwort dieses altlinken Kaders nicht weiters verwundert.
    Die Konsequenz muß sein, daß eine neue politische Kraft die feministisch- linksideologischen Pseudowissenschaften an deutschen Universitäten radikal schließt und ihre Adepten konsequent in die ‘Produktion’ (von mir aus auch zum Mindestlohn) überführt.

    Es war der Kardinalfehler des ‘Ancien Regime’, in seinem so verschrieenen Verständnis von Demokratie dies nicht bereits in den 60ern getan zu haben.
    Die Geister, die ich rief…

  2. freakacid sagt:

    Schreiben Sie eine Erwiderung, Meuser hat offenbar den Begriff der Feminisierung anders gemeint als Sie ihn interpretieren – vielleicht ja auch anders als geläufige Definitionen.. Vielleicht hat er Sie auch missverstanden, sowas soll vorkommen.

    Seien Sie froh dass Sie zitiert werden, ein viel größeres Problem ist NICHTBEACHTUNG relevanter Literatur (gerade zwischen Schulen).

    Sie schreiben einen Artikel, in dem die Differenz der beiden Aussagen geklärt wird (Zur Differenz von Feminisierung und Schulkulturprägung durch Lehrerinnen), Fehler würden so korrigiert werden. In neueren Publikationen würde Herr Meuser und andere Autoren diese Korrektur dann rezipieren, und Wissenschaft würde einen Fortschritt machen.

    So würde Wissenschaft funktionieren.

    Aber warum Sie da jetzt von vorsätzlicher Täuschung ausgehen, bzw. das als ethisches Problem ansehen kann ich nicht nachvollziehen, damit verlagern Sie die wissenschaftliche Auseinandersetzung hinein in eine Moralische oder Juristische Sphäre, was a) überhaupt nicht notwendig wäre und b) dort nur ein Schulterzucken erntet.

    • Nun, wenn Sie nicht nachvollziehen können, dann will ich Ihnen auf die Sprünge helfen: Ihr gesamtes Gerüst, das Sie hier entwickeln, basiert auf der Annahme, dass man korrekt zitiert wird. Ich entnehmen Ihren Ausführungen, dass Ihnen das Problem hier nicht klar ist: Wir wurden von Meuser nicht korrekt zitiert. Sehen Sie, wie Ihr Gerüst gerade in sich zusammengefallen ist? Und warum sich die Opfer darum kümmern sollen, dass der Täter in Zukunft richtig zitiert, ist mir auch nicht klar. Würden Sie auch von einem Einbruchsopfer verlangen, dass es dem Dieb erklärt, warum Diebstahl nicht gut ist? Es gibt wissenschaftliche Regeln und es gibt die wissenschaftliche Lauterkeit und wenn jemand beides in den Wind schreibt, dann ist das eine ethische Frage oder ein ethisches Problem. Wir führen mit Meuser keine wissenschaftliche Auseinandersetzung, denn das kann man nur mit jemandem, der sich zumindest bemüht, die Gegenseite korrekt wiederzugeben.

    • @freakacid

      Wir wissen nicht, wie Herr Meuser den Begriff “Feminisierung” meint oder benutzt oder was auch immer. Das geht ohnehin vollständig am Punkt vorbei: Er hat den Begriff Feminisierung in Anführungszeichen gesetzt, was ihn eindeutig als ein wörtliches Zitat kenntlich macht, und er hat dies im Zusammenhang mit seiner Behauptung getan, dass Herr Klein und ich irgendetwas auf die Feminisierung zurückführen würden, so dass jemand, der seine Sinne beisammen hat und außerdem ein beliebiges Einführungsbuch in wissenschaftliches Arbeiten gelesen hat, selbstverständlich davon ausgeht, dass der Begriff Feminisierung in unserem Artikel nicht nur zu finden ist, sondern wir etwas auf dieselbe zurückführen.

      Wenn Herr Meuser das nicht gewollt hat, dann ist er als Universitätsprofessor vollkommen fehl am Platze, da er nicht einmal über die rudimentärsten Kenntnisse des korrekten Zitierens unterrichtet ist.

      Raum für Missverständnisse sind ebenfalls nicht gegeben, weil der Begriff Feminisierung im Artikel von Herrn Klein und mir nicht vorkommt. Wenn jemand uns aber wörtlich damit zitiert, dann sehe ich nicht, wie das auf ein Missverständnis zurückgeführt werden kann: entweder der Begriff steht bei uns oder nicht; mehr Möglichkeiten gibt es nicht.

      Im übrigen hätte sich Herr Meuser natürlich entschuldigt, wenn er etwas missverstanden hätte und es nicht seine Absicht gewesen wäre, uns etwas unterzubschieben, was er nicht mag, um uns als Feinde der – seiner – angeblich guten Sache auszuweisen. Seine lapidare bis dümmlich-überhebliche Reaktion auf mein Schreiben an ihn, in dem ich ihn auf seine Fehlrezeption hinweise, zeigt überdeutlich, dass er nicht sieht, dass ihm ein bedauerliches Missverständnis unterlaufen ist, für das er sich entschuldigen wollte

      Nein, es hilft nichts: Entweder Herr Meuser wollte uns bewusst verleumden, oder er hat unseren Text niemals gelesen, sondern einfach übernommen, was andere Autoren bereits fälschlich behauptet haben (wir sollten schon vorher von einigen Leuten als Feindbild aufgebaut werden; z.B. habe ich in einem Fall habe ich ein entsprechenden Erratum durchgesetzt). Ich hätte Letzteres für wahrscheinlicher gehalten, aber die Reaktion von Herrn Meuser lässt mich zweifeln, ob er nicht doch einfach bewusst verleumden wollte. In der Sache ist es egal, denn selbst dann, wenn Herr Meuser nicht bewusst verleumden wollte, sondern einfach nachgeplappert hat, was andere vor ihm behauptet haben, gilt, dass das keine akzeptable Art und Weise ist, in der man wissenschaftlich arbeitet.

      Wenn Leute, die nicht wissenschaftlich arbeiten wollen oder können, auf Studierende losgelassen werden und ironischerweise studentische Arbeiten danach beurteilen sollen, ob sie wiederspiegeln, dass jemand wissenschaftlich arbeiten kann, dann ist das bestenfalls grober Unfug, schlimmstenfalls eine Perversion von Wissenschaft.

      Dies alles wäre nicht möglich, wenn nicht Leute wie anscheinend Sie bereit wären, die Standards wissenschaftlichen Arbeitens außer Kraft zu setzen, wenn einem jemand nett oder sympathisch vorkommt oder man auch nur bei dieser Person in Brot und Lohn steht, so dass es opportun erscheint, ihr zur Seite zu springen.

      Dass man überhaupt über so einen Fall wie die Fehlrezeption Meusers diskutieren muss, so, als gäbe es auch bei offensichtlichen Verletzungen der Zitierstandards irgendetwas zu diskutieren, ist schlichtweg eine Schande für die Wissenschaft(en) und für Wissenschaftler.

  3. freakacid sagt:

    Herr Meuser hat in einem Satz mehrere Zitationen zusammengefasst und mit eigenen Worten widergeben. Die “” bei Feminisierung können Sie als direktes Zitat lesen, vermutlich hat er aber damit eine “ungefähre Wortbedeutung” gemeint, so wie es im deutschen Umgangssprachlich üblich ist. Ich will garnicht in Abrede stellen, dass das unsauber ist, und eigentlich nicht passieren sollte, das aber mit Einbruch oder DIebstahl gleichzusetzen sprengt einfach jede Regel der Verhältnismäßigkeit.

    • Es geht nicht um einen Satz, sondern um zwei Sätze. Aber geschenkt. Ich wundere mich darüber, wie genau Sie wissen, was Herr Meuser getan hat und welche Absicht und Motivation hinter den “” steht. Finden Sie es nicht seltsam, dass man “” interpretieren muss, obwohl sie in der Wissenschaft eine eindeutige Bedeutung haben, und zwar als Kennzeichen für ein direktes Zitat. Wir können natürlich auch alle wissenschaftlichen Standards fallen lassen und wie Soeffner so schön schreibt, offen lassen, was mit den “” gemeint ist, aber mit welchem Recht wollen Sie sich dann noch über Plagiate aufregen?

    • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

      Wenn Herr Meuser sich lediglich umgangssprachlich, aber nicht wissenschaftlich äußern kann, dann muss er es eben unterlassen, sich in der Wissenschaft engagieren zu wollen. Wissenschaft hat ihre Standards des wissenschaftlichen Arbeitens und dazu gehört ein bestimmter Sprachgebrauch. Und dazu gehört, dass eine Wortbedeutung KLAR ist oder GEKLÄRT wird. Ungefähre Wortbedeutungen sind nicht ausreichend, insbesondere dann nicht, wenn man meint, man könne anderen Leuten unterstellen, sie würden bestimmte Bedeutungen mit einer Sache verbinden. Das ist doch einfach albern! Wenn ich Sie ernstnehmen soll, dann darf ich demnächst in Fachpublikationen wohl vom sinnlosen Gebrabbel des Herrn Meuser schreiben – na, so ungefähr meine ich das, und falls er sauer ist, dann war das eben ein Missverständnis meinerseits …. Stellen Sie sich so die Zukunft der Wissenschaft vor?

      Ganz prima, kann ich das nur sagen!

      Wie, darf ich Sie fragen, gedenken Sie, ein wörtliches Zitat oder ein sozialwissenschaftliches Konzept von einer umgangssprachlich dahingeworfenen Floskel zu unterscheiden? Vielleicht fänden Sie es nicht schlimm, wenn keine Unterscheidung mehr möglich wäre. Zumindest Ideologen sind bekanntermaßen Feinde der Wissenschaft und müssen es sein, denn gewöhnlich werden Ideologien durch die Wissenschaft falsifiziert. Sind Sie Ideologe?

    • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

      … nein, unverhältnismäßig erscheint das nur jemandem, der keinen Grund hat, auf sein geistiges Eigentum und die Integrität seiner Argumentationen Wert zu legen.

      Das mag bei Ihnen so sein, aber bei Herrn Klein und mir nicht: Wir lassen uns unser geistiges Eigentum nicht enteignen (das wäre Diebstahl), und wir lassen uns nicht als unser angeblich geistiges Eigentum unterschieben (das wäre ein Komplott, um uns zu schaden oder sich selbst in ein besseres Licht rücken zu wollen, oder Verleumdung). Weder Diebstahl noch Verleumdungen sind bloß “unsauber”. Dementsprechend stehen sie nicht umsonst juristisch unter Strafe.

  4. freakacid sagt:

    p.s. im übrigen, und das kann ich nicht beantworten ohne die Arbeit Meusers genauer anzusehen, gehe ich davon aus dass es sich hier um einen Fehler in einer groben Forschungsübersicht geht, und nciht um eine tiefergehende Theoriearbeit oder etwa um das Kernargument seiner These.

    Wenn sie jeden AUtor der fehlrezipiert oder ungenau (inklusive nur punktuell oder Sinnentfremdet) zitiert hat anklagen wollen: Na dann viel Spaß.

    Das ist ein Problem, aber das sollte innerwissenschaftlich, mit wissenschaftlichen Mitteln am Sachargument geklärt werden, und nicht mit Moarlisierungen und Juristischen Winkelzügen (gut das haben SIe {noch?} Nicht gemacht).

    • Wenn Sie so oft wie wir, mit immer dem gleichen Duktus “fehlrezipiert” worden wären, wie wir, dann würden Sie die Sache vermutlich auch nicht so locker sehen. Im Übrigen geht es um keine Fehlrezeption, sondern darum, dass uns etwas mit derogatorischer Absicht untergeschoben wird, und ich habe jetzt wirklichg keine Lust mehr, mit Ihnen darüber zu diskutieren, ob wir uns, als diejenigen, denen etwas Untergeschoben wird, dafür interessieren müssen, mit welcher Motivation und mit welchem Ziel das geschehen ist. Wir haben Herrn Meuser angeschrieben und ihm die Gelegenheit gegeben, das Ganze richtig zu stellen, er hat darauf verzichtet das zu tun, und das wiederum ist selbstredend.

      Ich hoffe wirklich, dass Sie nicht in der Wissenschaft sind, denn, ja, es gehört zum wissenschaftlichen Standard, dass man richtig rezipiert und dass es eine Horde von angeblichen Wissenschaftlern gibt, die zitieren, was sie nie gelesen und gesehen haben, ändert nichts daran, dass es diesen Standard gibt und dass es darüber hinaus die wissenschaftliche Lauterkeit gebietet, dass man mit fremden Werken sorgsam und fair umgeht, aber das ist natürlich wieder ein moralischer Anspruch und wenn ich Sie richtig verstehe, dann werben Sie für eine amoralische Wissenschaft, ein anything goes in dem Sinne, dass jeder schreiben kann, was er will und keinerlei Standards mehr eingehalten werden, weil dann, wenn jemand bemerkt, dass das so nicht geht, irgend ein busybody aus dem Off kommt und von juristischen Winkelzügen und Moralisierungen faselt.

      Ich habe nicht ihre Toleranz. Ich glaube tatsächlich noch an eine Wahrheit und ich wette, wenn Sie derjenige wären, der betroffen ist, dann würde ihre Toleranz auch ganz schnell verschwinden und Sie würden doch tatsächlich moralisieren. Wenn Sie das abstreiten, dann setzen Sie eine Annonce in die Zeitung und inserieren Sie ihren Hausrat und ihre valuables: Der erste Einbrecher, der vorbeikommt, kriegt alles gratis!

    • Dr. habil. Heike Diefenbach sagt:

      … meinen Sie, wenn es um einen groben Forschungsüberblick geht, dann kann man ja ruhig einmal Leuten Begriffe und Aussagen unterstellen, weil das dann sowieso niemand ernst nimmt? Wahrscheinlich haben Sie Recht. Angesichts der Standards wissenschaftlichen Arbeitens, die Herr Meuser pflegt, sind seine Texte in der Tat nicht ernstzunehmen.

      Nur: Der Mann verdient recht gut an der Uni, soll Studierenden die Standards wissenschaftlichen Arbeitens vermitteln und versucht, bestimmte politische Initiativen mit seinen Texten zu legitimieren – und das Ganze auf Kosten der Steuerzahler!

      Es ist schön, dass Sie mit Herrn Meuser so solidarisch sein möchten, aber es ist sehr bedauerlich, wenn keine Solidarität mehr für mich, für Herrn Klein, für Fachkollegen, für Studierende und für den Steuerzahler mehr übrig bleibt, denn sie alle hat Herr Meuser auf die ein oder andere Weise beschädigt. ich muss sagen, dass das ein sehr merkwürdiges Licht auf Ihr Verständnis für andere Menschen wirft. Mir scheint, Empathie beschränkt sich in der soildarischen Gesellschaft auf diejenigen, die man mag oder denen man ideologisch nahe steht oder von denen man sein Geld verdient, was die Frage aufwirft, was sie dann wert ist bzw. ob sie als Konzept noch Sinn macht.

      Empathie ist aber die Grundvoraussetzung, um Leute gleich zu behandeln – nämlich gemäß klarer Kriterien, die für jeden gelten. Man würde meinen, Leute, die Herrn Meuser ideologisch nahe stehen, wollen Menschen gleich behandeln – Sie nicht?

  5. A.S. sagt:

    Eigentlich wollte ich mich als von ähnlichen Dozenten Geschädigter nicht äußern. Aber nach den Kommentaren jucken alle Finger und Zehen…..
    Professoren an der Uni bekommen (von Steuergeldern finanziert) den Luxus geschenkt sich mit den Themen auseinandersetzen zu können die sie interessieren, ohne dass sie einen “Kunden” finden müssten oder einen Chef zufrieden stellen müssen. Im Gegenzug darf man erwarten dass mit besonderer Sorgfalt und Umsicht gearbeitet wird, dass sich die Äußerungen deutlich unterscheiden von “Ich denke das könnte irgendwie so sein.”
    Ehrlich gesagt bin ich leicht entsetzt.
    Nicht nur über Herrn Meuser, sondern auch über die Kommentare hier. Irgendwie scheint sich kaum jemand daran zu stören, dass Professoren sich in angeblich wissenschaftlichen Texten so äußern wie ich im Wirtshaus nach 3 Bieren und auch nach einer Mitteilung sich nicht entschuldigen wollen……..

  6. freakacid sagt:

    Ich bin tatsächlich als Außenstehender erstaunt über Ihre starken Reaktionen. Ich habe nicht in Abrede gestellt, dass es sich offenbar bei dem Zitat um eine Fehlleistung handelt, aber da Sie offenbar den Begriff der Ideologie als Schimpfwort verwenden und mich in eine Schublade stecken wollen, dann tun sie das bitte.

    Ich persönlich würde mir wünschen dass SIe Ihre Arbeitszeit in etwas produktiveres investieren als ihre Kommentatoren zu beschimpfen.

    (das brauchen Sie nicht zu veröffentlichen).

    • Wenn Sie sich in Schubladen wohlfühlen, dann stecken Sie sich bitte selbst in Schubladen. Wir reagieren nur auf das, was Sie schreiben und normalerweise fragt sich jemand, der eine “starke Reaktion” auf das, was er geschrieben hat, erntet (wenn Sie diese Reaktion schon stark finden, dann sollten Sie froh sein, dass wir gemessen an unserem Arsenal gar nicht stark reagiert haben), dann fragt sich dieser jemand, was er geschrieben hat, um diese Reaktion zu ernten. Und Personen, die in Empathie nicht nur rudimentäre Kenntnisse vom Hörensagen haben, sondern über angwendete Empathie verfügen, hinterfragen gar, was sie selbst geschrieben haben. Soweit ist es bei Ihnen offensichtlich nicht gekommen. Sie wählen die einfachste Variante: Sich schmollend und beleidigt in die Ecke zu stellen und “mit denen red’ ich nicht mehr” zu murmeln und, damit man nicht so dumm in der Ecke steht, kommt gleich noch die Behauptung mit, man werde beschimpft und deshalb rede man nicht mehr mit den anderen. Gut.
      Sie schreiben: “Ich persönlich würde mir wünschen dass SIe Ihre Arbeitszeit in etwas produktiveres investieren als ihre Kommentatoren zu beschimpfen”. Das Fettgedruckte ist eine Tatsachenbehauptung und Sie haben jetzt die einmalige Gelegenheit, diese Behauptung mit Zitaten zu belegen. Wenn Sie das nicht tun (können), müssten wir und alle Leser dieses blogs den Schluss ziehen, dass Sie eine beleidigte Leberwurst sind, die andere für den eigenen Zustand verantwortlich machen will.

    • @freakacid

      Ach, wie mich das langweilt:

      Immer dann, wenn jemand auf einen unserer Artikel hin eine starke Emotion verspürt und dann mehr oder weniger stark emotional in Kommentaren reagiert und daraufhin Widerspruch erntet, verlässt den Kommentatoren seine Stärke, und er stellt dementsprechend seine Segelchen neu in den Wind und übt sich probeweise im Opferstatus, indem er behauptet, es sei eine Beschimpfung oder Beleidigung, wenn ihm widersprochen wird, während sein vorhergehender Widerspruch natürlich nichts von all dem sein könne, sondern nur eine – wahrscheinlich als korrektiv dargestellte – kleine Anmerkung eines “Außenstehenden”.

      In Deutschland scheint derzeit akzeptabel zu sein, was ich aus dem Kindergarten kannte, nämlich dass man, wenn man sein Spielzeug nicht bekommt, zu weinen anfängt und denjenigen, der das Spielzeug hat, aller möglichen Verhaltensunarten beschuldigt. Man kennt das auch in der Psychotherapie; dort heißt dieses Verhalten Projektion:

      “Dem Subjekt zugehörige Elemente (ich würde diesen Leuten gerne sagen, was ich von ihnen halte) werden als dem Umfeld zugehörig erlebt (diese Leute haben mich beschimpft und beleidigt, mir gesagt, was sie von mir halten) und auf dieses projiziert, Von sich selbst wird auf die Umwelt geschlossen” (Bongers & Schulthess 2005: 26).

      Gestalttherapeutisch besehen könnte Ihr Verhalten auch als Egotismus gelten:

      “Der Kontaktverlauf wird verlangsamt und verzögert, meist kurz vor dem Kontaktvollzug. Damit wird verhindert, dass sich der Organismus voll auf den Kontakt einlässt und somit das Risiko einer Beeinflussung oder Veränderung eingeht” (Bongers & Schulthess 2005: 27).

      Damit wird dummerweise auch die Möglichkeit zum persönlichen Wachstum verhindert.

      Falls mein Kommentar auf Ihren Kommentar nun wieder bei Ihnen das Gefühl ausgelöst hat, Sie würden beschimpft, dann seien Sie versichert, dass das nicht meine Absicht war. Damit habe ich Ihnen gegenüber mehr getan als Herr Meuser, für den Sie so viel Verständnis haben, uns gegenüber. Und falls dies Ihr Gefühl noch immer nicht relativiert, dann stellen Sie sich einfach vor, ich hätte unsauber formuliert oder alles sei ein Missverständnis. Mit Bezug auf Herrn Meuser konnten Sie sich das immerhin auch vorstellen.

      P.S. Selbstverständlich ist “Ideologie” kein positives Konzept insofern als Ideologie notwendigerweise Wahrheit – in Teilen oder gänzlich – unterdrücken muss, um sich selbst erhalten zu können. Insofern Wissenschaft Wahrheit im Sinne einer Übereinstimmung mit den Tatsachen sucht, ist Wissenschaft der Feind der Ideologie und umgekehrt.

      Literatur:

      Bongers, Dieter, Peter Schulthess (2005): Gestalttherapie. In: Bongers, Dieter, Andreas Leuenberger, Peter Schulthess, Uwe Strümpfel (2005) (Hg.): Gestaltherapie & Integrative Therapie. Eine Einführung. Bergisch Gladbach: EHP – Verlag Andreas Kohlhage. 13-50.

  7. a sagt:

    Nur ein kleiner Hinweis (Freischalten im Grunde unnötig):

    Zu Vroniplag wird oben derzeit auf die Seite eines Trittbrettfahrers verlinkt (mehr zu diesem und seinen Aktivitäten s.a.: http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Benutzer_Blog:Marcusb/Wildes_Gestocher_von_Martin_Heidingsfelder)

    Der Link zum wohl eigentlich gemeinten Wiki lautet:
    http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Home

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