Es wahlkampft: Nichtwahl als ehrliche Wahlentscheidung

Einmal in vier Jahren entdecken die politischen Parteien ihre Bürger. Einmal in vier Jahren, immer im Schnitt einige Monate vor einem Urnengang, jenem symbolischen Akt, bei dem Wähler ihre Stimme in eine Urne werfen, damit sie gezählt und dann vernichtet wird, “wahlkampft” es. Überall stehen Plakate mit nichtssagenden Parolen, den immerselben Gesichtern, im Fernsehen finden Duelle statt und eine ganze Reihe von Anstrengungen wird unternommen, um den Wählern den Eindruck zu vermitteln, man nehme sie ernst und sei an mehr als ihrer Stimme interessiert.

Erving Goffman hätte seine Freude an dieser Form der öffenlichen Inszenierung, bei der Fassade, dramatische Gestaltung, Idealisierung und Ausdruckskontrolle von so großer Bedeutung sind.

Zunächst ein bischen Begriffsklärung:

Goffman Theater“Unter Fassade verstehe ich also das standardisierte Ausdruckrepertoire, das der Einzelne im Verlauf seiner Vorstellung bewusst oder unbewusst anwendet” (Goffman, 1983, S.23). […] “Ich habe schon angedeutet, dass bei der Darstellung einer Rolle die Fassade einige recht abstrakte Ansprüche an das Publikum stellt, die meist auch bei der Darstellung anderer Rollen erhoben werden. Hierbei handelt es sich um eine der Methoden, durch die eine Darstellung ‘sozialisiert’, das heißt dem Verständnis und den Erwartungen der Gesellschaft, vor der sie stattfindet, angepasst wird. Ich will nun einiges über einen weiteren wichtigen Aspekt dieses Sozialisierungsprozesses ausführen: über die Tendenz der Darsteller, beim Publikum einen auf verschiedene Art idealisierten Eindruck zu erwecken” (Goffman, 1983, S.35). […] “Die notwendige Stimmigkeit des Ausdrucks bei unseren Darstellungen weist uns auf eine entscheidende Diskrepanz zwischen dem allzu-menschlichen Selbst und dem Bild der Persönlichkeit, wie es vor der Gesellschaft erscheint, hin” (Goffman, 1983, S.52).

Kurz zusammengefasst und auf Politiker angewendet, sagt Goffman, dass eine erfolgreiche Darstellung eines Politikers dann erreicht ist, wenn es dem entsprechenden Politiker gelingt, auf der Bühne der Öffentlichkeit und vor seinem Publikum glaubwürdig seine Rolle zu spielen. Die Rolle ist eine Inszenierung der Dinge, die der Politiker glaubt, dass sie seinem Publikum bzw. dem von ihm adressierten Publikum wichtig sind. Die Idealisierung der Darstellung, also die möglichst reine Ansprache der Erwartungen, von denen ein Politiker glaubt, dass sie an ihn gerichtet werden, ist der Schlüssel zum Erfolg, denn nur wenn es einem Politiker gelingt, den Eindruck zu erwecken, er nehme das, was er denkt, dass es seinem Publikum wichtig ist, ernst, ist seine Darstellung glaubwürdig und mithin erfolgreich.

Man beachte, dass der altruistische gute Onkel und die nette Tante von nebenan, die uns Parteien als ihre Politiker verkaufen wollen, in der Beschreibung von Goffman nicht vorkommt. Goffman ist ja gerade an der Beschreibung der Realität mit all ihren Niederungen und eben nicht an der Beschreibung der Symbolik interessiert, die genutzt wird, um die Realität nicht als solche erscheinen zu lassen.

Einmal in vier Jahren gilt es für Politiker zu schauspielern, dann müssen sie zeigen, wie gut sie in der Lage sind, sich glaubwürdig zu inszenieren. Dann wird versucht, Wählern vorzugaukeln, dass das, was sie wollten, genau das ist, was ein bestimmter Politiker anbietet. Die Idealisierung Goffmans, die Anthony Downs als Reduktion auf wenige ideologische Aussagen beschrieben hat, ist deshalb so wichtig, weil kein Wähler sich der Mühe unterzieht, politische Programme zu lesen und mit dem, was er für richtig hält, zu vergleichen. Es geht entsprechend im Wahlkampf nicht darum, “den Menschen” zu zeigen, dass man für sie da ist, sondern darum, “den Menschen” vorzumachen, man verkaufe genau das Waschmittel, das sie sich schon immer gewünscht haben.

Fishermans-Friend-Plakat_02Spätestens hier schreien die Idealisten unter den Lesern, diejenigen, die (immer noch) glauben, Politiker seien tatsächlich ausgezogen, um die Welt zu verbessern und den Menschen alles Heil der Welt zu bringen und nicht etwa auf der Suche nach einer einträglichen Einkommensquelle. Und – wenig überraschend nach der Einleitung zu diesem Beitrag – muss ich feststellen, dass Idealisten diejenigen sind, die die Darstellung von Politikern als glaubwürdig ansehen, die denken, die Inszenierung eines Politikers sei keine Inszenierung, sondern echt. Politiker hätten eine Persönlichkeit, die von Charaktermerkmalen und Charakterzügen ausgezeichnet ist, die Jesus, Buddha und all die anderen Religionsstifter vor Neid hätte erblassen lassen. (Wie diese Persönlichkeit sich mit Parteilisten vereinbaren ließe bzw. mit Parteidisziplin ist eines der Mysterien, die Gläubige an den Altruismus in Politikern pflegen.)

Aber: Politiker im Allgemeinen und Berufspolitiker im Besonderen sind nicht an guten Lösungen oder an der Wohlfahrt einzelner Bürger interessiert: Sie sind an ihrer eigenen Wohlfahrt interessiert und um diese Wohlfahrt zu erreichen, vertreten sie politische Inhalte, inszenieren sie sich in einer Weise, von der sie hoffen, dass sie von möglichst vielen Bürgern geglaubt wird.

WahlbeteiligungNimmt man allerdings die Wahlbeteiligung als Indikator dafür, wie viele Bürger die Inszenierung der Politiker glauben, dann muss man feststellen, dass die Glaubwürdigkeit der Darstellung seit 1983 erheblich gelitten hat und dass vor allem jüngere Wähler nicht glauben, was Ihnen vorgemacht, was für sie inszeniert werden soll. Entsprechend findet sich auf tagesschau.de ein Beitrag mit dem Titel “Politiker erreichen junge Wähler nicht”.

Der Beitrag ist, ganz im Gegensatz zu dem, was man sonst auf Tagesschau.de findet, als informativ zu bezeichnen. Er besteht überwiegend aus dem Verweis auf andere Texte und enthält sich weitgehend der Bewertung. Insofern muss man Manuel Dauenberger, der den Text für Tagesschau.de erstellt hat, hier lobend erwähnen und sich gleich fragen, ob er bei Tagesschau.de eine Zukunft hat.

Markus VoethZwei der verlinkten Texte sind besonders aufschlussreich, nämlich eine Pressemeldung der Universität Hohenheim und ein Beitrag auf “Medienpolitik.net”. Die Pressemeldung der Universität Hohenheim berichtet von Erkenntnissen, die Prof. Dr. Markus Voeth gesammlt hat, und die zeigen, dass der “Facebook-Wahlkampf” die Jungwähler in Baden-Württemberg nicht erreicht. Zwei Dinge sind bemerkenswert: (1) Es gibt einen Facebook-Wahlkampf der Parteien. (2) Die “Jungwähler in Baden-Württemberg” mutieren bei näherem Hinsehen zu 814 17- bis 30jährigen, die ein Abitur oder einen Hochschulabschluss erreicht haben. Und in dieser höchst selegierten Gruppen können Politiker und Parteien nicht punkten, weshalb der Inhaber des Lehrstuhls für Marketing an der Universität Hohenheim, Markus Voeth, den Parteien rät, neben der Qualität des eigenen Angebots, vor allem den Wiedererkennungswert und die Unverwechselbarkeit des eigenen Angebots sicherzustellen, vermutlich in der Weise: der weiße Riese wäscht fünfmal mehr als herkömmliche Waschmittel oder Ariel lässt die Herzen von Hausfrauen höher schlagen, aber nein, es sind ja Parteien: daher: Für mehr Solidarität im WIR oder meine Mudda wird Chef und DU? Aber, so gibt der Professor für Marketing zu bedenken: “Auffällig ist, dass sehr allgemeine Statements oder Worthülsen generell als weniger passend bewertet werden als Claims, die direkt mit den Parteiinhalten in Zusammenhang stehen”. Wären wir im Britischen Unterhaus, ein Hear Hear, wäre dem Professor für Marketing sicher. Da wir ein Wissenschaftsblog sind stellen wir die Frage, ob die zitierte Aussage selbstreferentiell gemeint ist.

DreiKoepfe_ohneRahmenIm Beitrag auf Medienpolitik.net erkennen drei Autoren in einem eher kurzen Text, dass “Social Media” die Politik verändern, so sehr, dass in drei Generationen Politiker zum “Digital Native” geworden seien und in Zukunft “Diskurse über Gesetze und Reformen moderner geführt” würden. Und weil modern (was auch immer modern ist, wenn man nicht annehmen will, allein die Nutzung von #Neuland wie Twitter und Facebook durch Politiker mache Politik schon modern) gut ist, wird diese Entwicklung der “Qualität der legislativen Arbeit … zu Gute kommen”. Man fühlt sich an die selbstreferentielle (?) Aussage aus dem letzten Absatz erinnert. Besonders wichtig an sozialen Medien, so geht es weiter, sei das “Dialogische” und Politiker ihrerseits würden “immer stärker selbst zum Medium” und würden “entscheiden, welche Inhalte sie unters Volk bringen”.

Das Moderne besteht also darin, dass Politiker lernen, sich auch in sozialen Medien zu inszenieren, Themen vorzugeben, wie die Herren von Medienpolitik.net meinen (das Dialogische, das auch vorsieht, dass Politiker Themen aufnehmen, Responsivität nennen das Politikwissenschaftler, ist also zum Monologischen mutiert) bzw. Wählerschichten unverwechselbar und mit Wiedererkennungswert zu erschließen, wie man an der Universität Hohenheim lernen kann. Die Prämissen, auf denen beide Beiträge aufbauen, zeigen, wie richtig die Annahme ist, dass Wahlen Inszenierungen darstellen, die von denjenigen gewonnen werden, die sich am glaubwürdigsten vermarkten. Das spezifisch Deutsche an dieser Form der Politik-Vermarktung scheint jedoch zu sein, dass sie ausschließlich von oben nach unten stattfindet, dass Politiker vorgeben und Wähler dem folgen sollen, was ihnen vorgegeben wird.

SciencefilesUnd deshalb wollen wir von ScienceFiles hier einmal eine radikale These in mehreren Variationen in den Diskussions-Raum werfen.

  • Wer nicht wählen geht, der geht nicht wählen, weil er die Laienspielschar und ihre Inszenierung nicht noch mit Legitimität und der Illusion versorgen will, man hätte geglaubt, was sie behaupten.
  • Nichtwähler wollen Politikern nicht die Genugtuung geben, wieder einmal erfolgreich Wähler über den Tisch gezogen und getäuscht zu haben.
  • Nichtwähler rekrutieren sich zunehmend aus Hochgebildeten, die es nicht ertragen können, eine Schauspielertruppe, die in jedem Provinztheater von der Bühne gebuht würde, zu wählen und mit der Illusion zu versorgen, sie seien gebildet und ihnen würde mit Achtung begegnet.
  • Nichtwahl ist somit die ehrliche Wahlentscheidung, die Politikern deutlich zeigt, dass man ihnen nicht auf den Leim gegangen ist.

Scheinbar findet sich Ehrlichkeit in höheren Anteilen unter jüngeren Wählern.

Goffman, Erving (1983). <a href="“>Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. München: Pieper.

Über Michael Klein
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46 Responses to Es wahlkampft: Nichtwahl als ehrliche Wahlentscheidung

  1. Sabine sagt:

    Dankeschön!

    Das ist die mit Abstand beste und zutreffendste Beschreibung eines Nichtwählers, die ich je gelesen habe! Sie sollten sie direkt mal in den Foren von Zeit, SZ etc. unterbringen. Was habe ich da in den letzten Wochen nicht alles für Dünnpfiffe von Journalisten und Kommentatoren über Nichtwähler lesen mussen – dass unsereins überhaupt noch atmen darf, grenzt an ein Wunder.

    Ich habe übrigens 1990 zum letzten Mal gewählt. Möglicherweise könnte ich mich zu einer Wahlteilnahme entschließen, falls wir dereinst einmal wieder in einer Demokratie leben sollten. Nachdem dieses Ereignis jedoch ähnlich wahrscheinlich ist wie ein Sechser im Lotto, mache ich mir darüber im Moment keine Gedanken.

    • Alexandra Werner sagt:

      Ich kann jedes Wort unterschreiben!
      Alexandra

  2. waldbaer sagt:

    http://rt.com/shows/crosstalk/g20-syria-military-intervention-499/

    Ist das die Wahl?
    Ich war mal Zeitsoldat, und empfinde Trauer und Scham. Ich war so ein Idiot!
    Zurück zum Thema: Also ich werde wählen, Und zwar die Piraten.
    Stellen Sie sich mal vor, alle Nichtwähler würden diese Chaotentruppe (und das meine ich im positive Sinne – “Neudenker”) wählen..
    Also wenn die Kiste eh schon kaputt ist, kann man ja mal kräftig dagegentreten, und gucken, was passiert.
    Vielleicht kommt ja ein PlanB dabei raus.
    “Einmal in vier Jahren gilt es für Politiker zu schauspielern” schreiben Sie.
    Nenee, das machen die immer. Der Unterschied ist nur die Medienpresänz.
    Ich gehe jetzt wieder ins Bett, mit meinem Aluhut, und ziehe mir die Bettdecke über den Kopf, in der Hoffnung, die Amis werden mich schon nicht bombardieren. Ach, Moment, ich lebe ja gar nicht in Syrien. Trotzdem habe ich Angst.
    The Amercan Constitution

    http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_Constitution

    ist eine tolle Idee. Wenn sie das Papier wert wäre, auf dem sie steht. Offenbar hält sich niemand daran.

    • Sabine sagt:

      “Und zwar die Piraten.
      Stellen Sie sich mal vor, alle Nichtwähler würden diese Chaotentruppe (und das meine ich im positive Sinne – “Neudenker”) wählen..”

      Ja, das stelle ich mir gerade vor. Es wird dann keine Bücher mehr geben, keine Theaterstücke, und auch keine Filme mehr.

      Die Piraten wollen das Urheberrecht abschaffen. Blöderweise müssen aber auch Autoren jeden Tag irgendwas essen, und die Miete bezahlen müssen sie auch irgendwie. Deshalb: Unwählbar!

      Ich frage mich, warum man nicht alle Backwaren in Zukunft ebenfalls kostenlos anbietet? Wenn Autoren kein Einkommen mehr brauchen, dann können doch auch Bäcker ohne auskommen – wüsste nicht, was dagegen spräche.

      • waldbaer sagt:

        Was war das denn jetzt für eine seltsame Stellungnahme? *g*
        Bitte informieren Sie sich.

        http://www.piratenpartei.de/politik/wissensgesellschaft/urheberrecht/

        “Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an.”
        Das schreiben die da, und ich stimme zu.
        Ich möchte die Gelegenheit nutzen, darauf hinzuweisen, daß die Piraten ein internationales Netzwerk aufbauen. “Kein Krieg” ist eine Grundidee dabei, die ich voll unterstütze.
        BTW – hier mitzulesen ist immer wieder interessant:

        http://falkvinge.net/

        Ich will jetzt hier keine Wahlwerbung für die Piraten machen, aber mir fällt halt grad nix besseres ein. Nichtwählen finde ich doof, denn das überlässt denen, die ich nicht im Parlament sehen will, die Prozente.
        Gibt es auch konstruktive Vorschläge?

        • Sabine sagt:

          @waldbaer

          “Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an.”

          Gerade die von Ihnen verlinkte Seite der Piraten habe ich schon vor geraumer Zeit sehr gründlich studiert.

          Dass die Piraten mir das Recht an meinem Namen oder das Recht an meinem Bild nicht wegnehmen wollen, erkenne ich an und weiß ich zu schätzen.

          Mir geht es hier jedoch um’s Urheberrecht und nicht um meine Persönlichkeitsrechte.

          Die Piraten behaupten:

          “… verknappen künstlich deren Verfügbarkeit, um aus einem freien Gut ein wirtschaftliches zu machen. Die Schaffung von künstlichem Mangel aus rein wirtschaftlichen Interessen erscheint uns unmoralisch, daher lehnen wir diese Verfahren ab.”

          Die Piraten reden auf ihrer Urheberrechtsseite vor allem von Werken, die auf digitale Weise verbreitet werden. Wie man die Verfügbarkeit eines mp3-Songs oder eines eBooks “künstlich verknappen” und dadurch einen “künstlichen Mangel” verursachen kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein eBook kann man millionenfach verkaufen und es ist immer noch nicht ausverkauft. Ein Ausverkauf ist bei digitalen Angeboten technisch nicht möglich. Die Urheber können lediglich ihre Werke vom Markt nehmen, wenn sie sie – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr länger verkaufen wollen. Dies ist jedoch ihr gutes Recht.

          Tatsächlich wird hier aus rein wirtschaftlichen Interessen (!) ein Werk verkauft anstatt verschenkt. Das hat einen ganz einfachen Grund: Ein Autor ist ein Mensch mit menschlichen Bedürfnissen – beispielsweise nach Nahrung, warmer Kleidung, einem Dach überm Kopf etc. In der Welt des 21. Jahrhunderts sind diese Bedürfnisse nur mittels Geld zu befriedigen. Will ein Autor also nicht von dem Geld leben, das er durch den Verkauf (!) seiner Bücher verdient, bleibt ihm nur der Griff in die Tasche des Steuerzahlers und Hartz IV. Denn dass man Autoren ab sofort ein garantiertes Monatseinkommen von beispielsweise 3.000 Euro zur Verfügung zu stellen hat, damit sie ihre Bücher schreiben können, davon habe ich auf der Website der Piraten nichts gelesen. Doch auch dieses Geld käme natürlich vom Steuerzahler – von wem auch sonst?

          Ich halte es für sehr viel fairer und angemessener, dass nur diejenigen Menschen für den Lebensunterhalt eines Autors aufkommen müssen, die seine Dienste auch in Anspruch nehmen, d.h. seine Bücher lesen.

          Die Piraten schreiben weiter:

          “Darüber hinaus behindern sie [Kopierschutzmaßnahmen wie DRM etc.] auf vielfältige Art und Weise die berechtigte Nutzung von Werken, erschaffen eine vollkommen inakzeptable Kontrollierbarkeit und oft auch Überwachbarkeit der Nutzer und gefährden die Nutzung von Werken durch kommende Generationen, denen der Zugang zu den heutigen Abspielsystemen fehlen könnte.”

          “… die berechtigte Nutzung von Werken …” Überspitzt ausgedrückt heißt das, dass ein Pirat berechtigt ist, alles nach freiem Belieben zu nutzten, was er als Unkreativer nicht selbst geschaffen hat – nicht schaffen konnte, weil er eben unkreativ ist. Er will es aber trotzdem haben, weil er es toll findet – also legt er die Pranke drauf, bezeichnet es als “freies Gut”, und schon ist es seins.

          Und was die “kommenden Generationen” (Plural!) angeht, so wage ich die kühne Prognose, dass 99,99 % dessen, was heutzutage quer und unterschiedslos durch alle Popsender rauf- und runtergenudelt wird, von kommenden Generationen zumindest als akustische Körperverletzung definiert werden wird. Kommende Generationen werden deshalb dankbar sein, dass ihre neuen Abspielsysteme sie dereinst vor derlei Körperverletzungen schützen werden.

          “… und die Interessen der meisten Urheber entgegen anders lautender Behauptungen von bestimmten Interessengruppen nicht negativ tangiert.
          Es konnte in der Vergangenheit kein solcher Zusammenhang schlüssig belegt werden.”

          Tja, man müsste halt zuhören können und andere Menschen ernst nehmen. Dann hätte man schon sehr vieles gehört, von Autoren beispielsweise und von Musikern sowieso. Aber man nennt sich ja nicht umsonst die “Piraten” – die einzige Partei übrigens, die sich einen zutreffenden Namen gegeben hat.

          • waldbaer sagt:

            @Sabine,

            ich stimme Ihrer Ansicht im Prinzip völlig und grundsätzlich zu, bis auf zwei Abweichungen:
            Das, was derzeit “Urheberrecht” heißt, ist eigentlich ein “Verwerterrecht”.
            Man schaue sich nur mal die Geschichte und gegenwärtige Struktur der GEMA, oder auch der VG Wort an.
            In einer Zeit, als materielle Datenträger noch notwendig zur Verbreitung von Inhalten waren, mag das ja noch einigermaßen funktioniert haben, daß die eigentlichern Urheber über den Kauf ebendieser finanziert werden.
            Wobei man in der “Musikindustrie” (dieses Wort scheint ja Kreativität geradezu auszuschließen *g*) auch nicht gerade zimperlich ist. Willkürliches Beispiel Prince./.Sony =TAFKAP

            http://de.wikipedia.org/wiki/Prince#Abgrenzung_von_der_Musikindustrie_.282007.E2.80.932012.29

            Kopieren ist kein Diebstahl, denn man nimmt niemandem etwas weg.
            Deswegen bin ich der Ansicht, daß das derzeitige Urheberrecht den gegenwärtigen Möglichkeiten der Verbreitung von Information nicht Rechnung trägt.
            Auch wenn kopiert wird, muss dem Urheber etwas zukommen.
            Das ist jedenfalls meine Interpretation der Idee der Piratenpartei.
            Und das geht nicht über DRM, denn wer DRM-verseuchtes Material kauft, ist schlechter dran, als einer, der “raubkopiert” – die Nutzung ist eingeschränkt. Man kann nur von bestimmten Geräten (die womöglich auch noch dauer-online sein müssen) Inhalte wiedergeben lassen (ich hab einen iPod und kaufe meine Hörbücher bei Audible. Es nervt!), Oder es kann sogar sowas passieren:

            http://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-loescht-gekaufte-Kindle-eBooks-6887.html

            Der zweite Punkt liegt im Wissenschaftlichen Bereich. Vielleicht hat Herr Klein dazu neuere Informationen, wie das heute so läuft:

            http://www.heise.de/ct/artikel/Wissenschaftliche-Informationsversorgung-289934.html

            Freier Zugang zu Wissen sollte jedem möglich sein, besonders in der Wissenschaft? Oder?

            Ich stelle die These auf: Das heutige “Urheberrecht” passt nicht mehr in die gegenwärtige Gesellschaft. Da muss was Neues her.

            http://www.internet-law.de/2012/04/das-urheberrecht-behindert-unterricht-und-bildung.html

            http://www.kanzleikompa.de/2013/07/29/kamerad-urheber-wegtreten/

            Nunja.
            Es wahlkampft..
            Ich würde mir wünschen, es ginge im Wahlkampf mehr um Argumente, denn um Affektionen. Also grearde wie hier – Diskurse.

            LG waldbaer

            P.S.
            “so wage ich die kühne Prognose, dass 99,99 % dessen, was heutzutage quer und unterschiedslos durch alle Popsender rauf- und runtergenudelt wird, von kommenden Generationen zumindest als akustische Körperverletzung definiert werden wird. Kommende Generationen werden deshalb dankbar sein,”
            LOL
            Der war gut. Ich glaube, so haben meine Großeltern auch mal über meine Musik gedacht, die ich auf Kasseten auf meinem Walkman hatte.
            Panta rhei.

            PP.S. Ich bin Blind, oder mein Browser zeigt mir das nicht an. Ich kann den Link zur Wahlumfrage hier nicht finden! *haarerauf*
            Hätte jemand die Gnade, mir als Antwort hier einen Link in plain ASCII zu zeigen? *liebguck*

            • Sabine sagt:

              “Kopieren ist kein Diebstahl, denn man nimmt niemandem etwas weg.”

              Man sorgt auf diese Weise dafür, dass die Urheber leer ausgehen. Wenn Sie das in Ordnung finden, dann gehen Sie bitte gleich zu Ihrem Chef und erklären ihm, dass Sie ab sofort auf Ihr Gehalt verzichten wollen. Wenn Künstler, Wissenschaftler und andere Urheber in Zukunft für ihre Arbeit nicht mehr entlohnt werden, ist es ja nur fair, wenn Sie ebenfalls ohne Lohn arbeiten. Gleiches Recht für alle!

              Tatsächlich ist mir nur eine Gruppe von Menschen bekannt, die man zwingen kann, kostenlos für andere zu arbeiten. Man nennt sie Sklaven.

              Ziemlich weit oben rechts auf dieser Seite finden Sie übrigens eine große Deutschland-Grafik in Schwarz-Rot-Gold. Klicken Sie da drauf und schon können Sie abstimmen.

              • waldbaer sagt:

                Argumentum ad hominem. Ich beende das Gespräch.

    • jck5000 sagt:

      Waldbaer, Sie wissen aber schon, dass Sie statt der Piraten auch gleich Linke pder Grüne wählen könnten… Egal was draufsteht, es sind immer Gender-Kommunisten drin.

      Ich gebe aber zu, denen ’09 auch meine Stimme gegeben zu haben (im Konjunktiv, ich war dann doch im Urlaub). Mit der gleichen Idee, dass die vielleicht was “ändern”. Das Problem ist, dass sie nichts ändern, und wenn sie es doch täten, sicher nicht in einer Richtung, die ich befürworte.

      Und machen Sie sich keine Sorgen um amerikanische Bomben… solange wir die weiterhin über die Nato finanzieren, sehe ich da kein Risiko – die Hand, die einen füttert….

      • Sabine sagt:

        “Und machen Sie sich keine Sorgen um amerikanische Bomben… solange wir die weiterhin über die Nato finanzieren, sehe ich da kein Risiko – die Hand, die einen füttert….”

        Nee, das Risiko besteht so lange nicht, wie die Amis noch eigene Soldaten hier bei uns bunkern. Erst wenn sie die abziehen, dann wird’s gefährlich. Dann sollte man schleunigst verschwinden.

  3. Philipp Gampe sagt:

    IMHO heißt nichtwählen, sich der Wahl bedingungslos anzuschließen.

    Das Problem in Deutschland ist, dass sich die realen politischen Aktionen (nicht Wahlprogramme – die sind nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind) nicht sonderlich unterscheiden. Natürlich müssten alle Partien die gleichen Probleme löschen, d.h. immer in gewissen Grenzen gleich handeln, aber ein Unterschied in der Richtung der Problemlösung ist nicht zu erkennen.
    Ich vermissen insbesondere Visionen. Keine Partei kann man einer guten Vision aufwarten, wie sie sich das Leben in 10, 25, oder 50 Jahren vorstellt. Alle Leben nur von heute auf morgen (oder im Gestern).

    Anstatt nicht zu wählen, sollte man ein der kleinen Partien wählen, sodass den großen Partien relative Stimmen genommen werden. Damit sinkt dann auch gleich die Legitimität der Regierungskoalition.

    • jck5000 sagt:

      Mit der Argumentation kann man auch die NPD wählen, das würde die Regierungskoalition (egal welche) sicher am meisten ärgern. Ich persönlich würde das aber nicht machen, da ich keine Teilschuld daran haben möchte, wenn zu viele Leute auf eine solche Idee kommen und diese Leute dann am Ende noch eine Stimme im Bundestag haben.

      • A. Behrens sagt:

        Ähm. Bezüglich NPD: Haben Sie mal das Wahlprogramm gelesen? Ich kann da keine großen Unterschiede zur Linken/Grünen feststellen. Mit einer Ausnahme: Bei der Zuwanderung von Ausländern (da ist _kein_ Asylrecht gemeint, sondern wenn Mensch aus dem Land x nach Land y umziehen will, weil er dort bessere wirtschaftliche Verhältnisse für sich selbst erhofft), soll das gleiche Prinzip gelten, wie es beim gesamten Rest der Welt gilt. Also Zuzug nur für Leute die entweder Kohle oder Bildung haben.

        Wenn man das Leistungsprinzip beim Zuwanderungsrecht als Kern der NPD bezeichnet, ist fast der gesamte Globus (einschließlich EU, USA, Russland, Australien, Neuseeland) rechtsradikal.

        Eine mögliche Ausnahme könnte noch sein, dass die NPD gegen den Euro bzw. die EU ist. Aber das sind Extremlinke wie Frau Wagenknecht ja auch und weite Teile der europäischen Bürger.

        Der Rest (die Kommunalpolitik, Wirtschaftspolitik, Finanzwesen) sind deckungsgleich mit den Blockparteien.

        Daher auch hier: Es ist eigentlich völlig schnuppe wen man wählt. Wenn der Stift bei der Wahl zufällig bei der NPD hängenbleibt, ergibt sich trotzdem kein Unterschied.

    • Sabine sagt:

      “IMHO heißt nichtwählen, sich der Wahl bedingungslos anzuschließen.”

      Wählen heißt dann also, die Wahl radikal zu verweigern?

      “Ich vermissen insbesondere Visionen. Keine Partei kann man einer guten Vision aufwarten, wie sie sich das Leben in 10, 25, oder 50 Jahren vorstellt. (…) Anstatt nicht zu wählen, sollte man ein der kleinen Partien wählen …”

      Jetzt müssten Sie mir bloß noch erklären, weshalb ich eine Partei wählen soll, die keine Visionen hat. Sie schrieben ja, dass KEINE Partei irgendwelche Visionen hätte – hier kann ich Ihnen nur zustimmen. Folglich gilt das auch für alle kleinen Parteien. Also, warum soll ich?

  4. Ulrich Hammerla sagt:

    Wer nicht wählen geht, für den wählen die anderen…
    Das erinnert irgendwie an das Brechtzitet: “Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin….”
    Nur geht das Zitat weiter: “… – dann kommt der Krieg zu Euch! Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.”
    Nicht wählen – das ist zu kurz gedacht!

    • Sabine sagt:

      “Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage.”

      Diese Kriegstreiberei habe ich in den letzten Wochen gefühlte zweieinhalbtausend Mal auf SPON gelesen.

      Ich empfinde diesen Brechtschen Quark als Nötigung im Sinne des § 240 StGB.

      Davon abgesehen haben alle Parteien sei 1945 immer wieder bewiesen, dass nicht eine einzige von ihnen jemals FÜR MEINE Sache gekämpft hat. Sie kämpften ausnahmslos immer GEGEN MEINE Sache. Allesamt.

      Gerade wir Deutschen sollten uns gelegentlich einmal daran erinnern, dass es die Meinung der Mehrheit war, die uns und ganz Europa damals in den Abgrund gestoßen hat.

      Aus dieser Perspektive bekommt diese nötigende Kriegstreiberei, wie man sie derzeit stromlinienförmig gleichgeschaltet auf sämtlichen Plattformen findet (ALLE gehen wählen, also geh du gefälligst auch wählen!) eine zutiefst abstoßende Note.

      “… denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.”

      Tja, damit ist die Sache für mich erledigt. Ich kämpfe sehr wohl für MEINE EIGENE Sache, das habe ich immer getan. Ich weiß nur nicht, was MEINE Sache mit der Sache derjenigen zu tun haben soll, die mich jetzt (aus vollkommen egoistischen Gründen, die mit mir nicht das Geringste zu tun haben) zum Mitkämpfen nötigen wollen.

      Für mich und mein Gewissen ist es leider so, dass alles, was derzeit zur Wahl steht (knapp 30 Parteien und Vereine), schlicht unwählbar ist.

      Nicht wählen – das ist intelligent! Intelligenter geht’s nicht!

      • Karl Theo sagt:

        Blödsinn!
        Natürlich haben viele Parteien Gemeinsamkeiten. Natürlich wird viel versprochen und wenig gehalten. Keine Partei ist perfekt.
        Aber es gibt eine Partei die einem mehr zusagt, einen Politiker der kompetenter ist als die anderen. Und sollte man nicht seine Chance nutzen das wählen das einem am meisten zusagt?
        Nicht wählen heißt Gleichgültigkeit und jetzt mal ehrlich als ob sich nichts ändern würde wenn die NPD die meisten Stimmen hätte.
        Die Wahl des kleineren Übels.

  5. qed sagt:

    Diese Thesen von ScienceFiles sprechen mir aus dem Herzen, der ich seit der Abwahl Kohls an keiner einzigen Wahl mehr teilgenommen habe. Damals habe ich noch ‘strategisch’ gewählt und wider jede Überzeugung mein Kreuzchen bei den Spezialdemokraten gemacht- die größte Kanzlerkatastrophe seit Gründung der Republik mußte endlich entsorgt werden. Ich habe es bitter bereut: zwar war der Fette weg, aber was danach kam, war noch mehr zum Gruseln, siehe Freund KasPEER, der den Casinokapitalismus entfesselte und die West-LB vor die Wand fuhr.
    Leider kandidiert die Pogo- Partei nicht mehr, deren einziger Programmpunkt das Versaufen des Kopfgeldes war und das in Hamburg auch mit Freibier umsetzte.
    Kurz angefochten wurde ich durch die Piratten, die mit einem richtigen Paukenschlag auf der Bühne des Staatstheaters erschienen und Arne Hoffmann hell begeisterten- mein Eingeweide grimmte aber zu sehr ob dieser Einfaltspinsel, Antifa- Marodeure, Schmarotzer und Ideologen- das Schicksal der ‘AG Männer’ zeigte schon früh, wohin die Reise geht.

    Mittlerweile sind Nichtwähler eine große Partei, eigentlich die einzige Opposition, die im Einheitsparteienstaat DDR 2.0 existiert.
    Daß diese im Alltagsgeschäft keine Rolle spielt,ist ein Trugschluß. Parteien- Wähler tun dies sicher nicht in einem System, bei dem die sog. ‘Zweitstimmen’ eine wahlentscheidende Rolle spielen und den Blockparteien völlig freie Hand gelassen wird, welche Figuren sie damit ins Spiel bringen- das ist im Prinzip Ständewahlrecht, nicht ein Grünenwähler hat Einfluß darauf, wer nun an die Fleischtöpfe kommt, da m.W. nur ein Einziger, der Kommunist Ströbele ein Direktmandat errungen hat.

    Auch ich bin der Ansicht, daß Nichtwähler eher zu den Durchblickern gehören (bezeichnenderweise gibt es darüber keine großangelegten Untersuchungen!)
    Sie rächen die Mißachtung ihres politischen Willens subtil durch Verweigerung in den Funktionen, die sie kraft Ausbildung und Leistungsvermögen innehaben: der Lehrer, der nur noch leert, der Gutachter, der schlechtachtet oder nur noch sein Mäntelchen in den Wind hängt(Hauptsache, schnell fertig), der Verwalter, der nur noch danach schaut, ob ihm jemand an den Karren fahren kann; der Techniker bei Daimler, dem eh die genital Qualifizierten vorgezogen werden:

    http://agensev.de/agens-meint/daimler-manner-revoltieren-gegen-die-frauenquote/

    er wird seine Leistung soweit zurückfahren wie es geht und ich kenne höhere Beamte, die mit ihrem Tagwerk in einer Stunde fertig sind- nitschewo, was macht das schon, das wollen sie doch so. Die ‘Kontroller’ sind verzweifelt und wenn sie welche rausschmeissen, legen die sich garantiert in die soziale Hängematte wie Millionen von feministisch induzierten Unterhaltssklaven vor ihnen.

    Wir sehen also, politische Wähler- Kastration und Leistungsverweigerung haben viel miteinander zu tun, ganz wie es im ‘real existierenden Sozialismus’ zu sehen war und letztlich zu dessen Ruin führte- es war weder dort noch ist heutzutage hier bekannt, daß die überzeugten Umverteiler mit heroischem, selbständigem Arbeitsplätzeschaffen als sozialistischer Unternehmer sich hervortaten und warum sollten es die Erniedrigten und Beleidigten, die verachteten ‘Nichtwähler’, der Mittelstand anders machen?
    Man lasse sich von den Beschäftigtenzahlen nicht blenden: die Lohnstückkosten als wichtigste Marge steigen hier wieder rasant und genau darin kommt die Zahl der mitzuschleppenden ‘Aussteiger’ zum Ausdruck.

    Sei’s wie es sei:
    Ich werde diesmal wählen gehen und zwar die AfD.
    Nicht, daß mich diese in Begeisterung versetzten- es ist schlicht, weil ein Systemwechsel fällig ist. So wie es einst die Kommunisten im grünen Röckchen auch waren.
    Ein Gespenst soll wieder umgehen in Europa. Das ist entscheidend.

    • Karl Theo sagt:

      Nichtwähler – die einzige “Partei” in Deutschland mit knapp 30% der Stimmen und trotzdem kein Mitbestimmungsrecht. Tolle Sache ;)

      • Ich gehe davon aus, Sie haben bei der letzten Bundestagswahl gewählt. Bitte geben Sie vor diesem Hintergrund an, wo Sie was mitbestimmt haben.

        • Karl Theo sagt:

          Da bestimmte Politiker einen Teil meiner Interessen vertreten bzw. ich gewisse Ansichten von Politikern besser finde als die Ansichten von anderen, und ich mitbestimmen kann wer eine Stimme im Bundestag hat, hab ich sehr wohl ein Mitbestimmungsrecht.

          Grüße
          Karl

          • Das war nicht die Frage. Dass Sie ein Recht haben, mag ja sein, aber wo haben Sie denn konkret mitbestimmt. Was war die letzte Entscheidung, an der Sie mitbestimmt haben?

            • Karl Theo sagt:

              Wer für mich mitbestimmt.

              Grüße
              Karl

              • Sabine sagt:

                “Wer für mich mitbestimmt.”

                Sehen Sie, das ist genau das, was jeder Nichtwähler zum Ausdruck bringt:

                Er sagt mit seiner Wahlverweigerung, dass er nicht will, dass die Leute, die sich zur Wahl gestellt haben, für ihn mitbestimmen – beispielsweise, weil er sie für unfähig hält. Nachdem sich aber nur Unfähige zur Wahl stellen, sind logischerweise alle diese Leute unwählbar. Deshalb verzichtet der Nichtwähler aufs Wählen.

  6. Eine Partei, die ich wählen könnte, hätte das – brennende! – Grundproblem (und die Lösung- natürlich!) der zivilisierten Gesellschaft an vorderster Stelle im Programm und in ihren Wahl-Aussagen. Hat aber keine. Dieses Thema wird gemieden wie das sprichwörtliche Weihwasser vom Teufel. Krankheitsbedingt.

    Meine Petition an den Dt. Bundestag zu diesem frei floatenden, exponentiell wachsenden und gesamtgesellschaftsbedrohenden Problem – mit dem Risiko von vielen Millionen oder Milliarden Opfern (evtl. der gesamten Weltbevölkerung) – wurde 1994/95 mit einer nicht wahrheitsgemäßen wissenschaftlichen Expertise abschlägig beschieden. Meine Korrespondenz mit allen zur Wahl angetretenen Parteien, allen Ministerien und fachlich sonst infragekommenden Ämtern und Stellen ergab gleiche – negative – Ergebnisse. Allein das Umweltbundesamt tat sich mit einem interessanten Literaturhinweis zum Thema hervor.

    Mit “Grundproblem” meine ich die in der Soziologie bekannte “Kollektive Neurose”. Allerdings erkennen die allermeisten, die davon erfahren, nicht die wahre Schwere / Tragweite dieser Störung – auch “Krankheit der Gesellschaft” oder “Gesellschaftsneurose” und anders genannt. Ich selbst nenne sie seit 1992 die “Kollektive ZIVILISATIONS-Neurose”, denn ich sehe den engen Zusammenhang zwischen dieser Kollektiven Neurose und dem Prozeß der Zivilisation.

    Details auf meiner HP http://www.Seelen-Oeffner.de

  7. Jürgen sagt:

    Ich bin auch bekennender Nichtwähler. Aber nicht aus Faulheit, sondern eher aus Frust. Ich bin ganz bei Ihnen. Zutreffender hätten Sie es nicht ausdrücken können. Nur ein mal in 4 Jahren werden wir entdeckt und gehört. So lange ich zurückdenken kann waren die Parolen aus dem Wahlkampf nur Schall und Rauch. Ich bin zwar politisch interessiert, aber doch irgendwie müde vom zuhören. Dieses Jahr bin ich aber wirklich der Meinung, dass ein Regierungswechsel ein großer Fehler wäre. Denn wir alle Wissen, dass es den Menschen niemals recht gemacht werden kann. Im Winter ist es zu kalt und man wünscht sich sehnlichst den Sommer zurück. Wenn der Sommer da ist, ist es viel zu heiß, usw. Ich versuche mich immer nur in die Lage der Politiker zu versetzen und denke darüber nach ob ich oder auch ein anderer, es besser machen würde. Nur im Moment sehe ich niemanden, der dazu in der Lage wäre, die größten Probleme auf an hieb zu lösen.

  8. Meier, Hans (Kempten) sagt:

    Wahl-Logik

    1. Das Wahlecht existiert. Seine Existenz sagt nichts darüber aus, wieviel es wert ist, sprich: was Bürger mit ihrer Wahl tatsächlich entscheiden können.

    2. In Deutschland existziert faktisch keine Gewaltenteilung mehr. Das – nach eigenartigen Regen (Listen und innerhalb derselben alle möglichen Regional-, Richtungs- und Geschlechtsquotierungen, interessanter Weise keine berufsständische) – gewählte Parlament hat nach der Wahl Mehrheitsfraktionen (das einzge, was der Bürger noch “wählen” kann), die dann eine Regierung wählen, die aus den Anführern der jeweiligen Parteien bestehen, so dass fortan die nicht vom Bürger gewählte Regierung dem Parlamen vorschreibt, was es ihr vorzuschreiben hat.

    3. Nichtwählen ist ein legitimer (nicht verbotener) Ausdruck von Misstrauen. Dieser wird von den Parteien dazu missbraucht, die Nichtwählerstimmen nicht mitzuzählen, faktisch also unter den ins Parlament gelangenden Parteien proportional aufzuteilen.

    4. Das System ist so aufgebaut, dass es kaum eine Möglichkeit gibt, es nicht unfreiwillig unterstützen zu müssen. Auch Nichtwählen ist eine solche Form unfreiwilliger Unterstützung.

    5. Vernünftiger wäre es, seine Stimme so einzusetzen, dass sie möglichst wenig missbraucht werden kann, also für eine Partei, deren Prozente ENTWEDER nicht diesem Mechanismus anheimfallen ODER zumindest als Zeichen des Protestes sichtbar sind.

    6. Dieser VORSCHLAG ist ebenso Ausdruck verärgerten Unbehagens wie der VORSCHLAG des Nichtwählens. Wichtiger als beide VORSCHLÄGE ist der ÖFFENTLICHE AUSTAUSCH darüber – das weite Kreise der Bevölkerung ergreifende Unbehagen muss DURCH SOLCHE DISKUSSION sichtbar werden, unübersehbar, geballte Stimmung, “öffentliche Meinung” gegen die Macht der großen (von uns gegen uneren Willen finanzierten) Meinungsdiktierinstitutionen (ÖR Medien).

    • qed sagt:

      Eine wirklich schlaue Analyse und es ist Ihr Punkt 5., dem meine Wahlentscheidung zugrunde liegt.
      Ergänzend wäre anzumerken, daß mehr Elemente ‘direkter Demokratie’ das Phänomen ‘Nichtwähler’ weiter reduzieren, insbesondere gilt dies für regelrechte Ermächtigungsgesetze, wie sie mit dem ESFS und ESM umgesetzt wurden- es ist ein Unding, daß sog. ‘Volksvertreter’ einem unkontrollierbaren, bürokratischen Moloch umfassende Rechte abtreten; die persönliche Haftung muß hier genauso greifen, wie sie es bei uns als Privatperson täte. Es darf auch kein Tabu mehr sein, die Sinnhaftigkeit tausender Parlamentarier zu bezweifeln, die eh stets als Abnicker ihrer Fraktionen fungieren und sich somit selbst auf den Status als Schmarotzer oder organisierte Kriminelle reduzieren.
      Bei der AfD scheinen mir da vernünftige Ansätze vorhanden zu sein, auch was die Öffentliche Meinungsbildung anbelangt.
      Wenigstens diesbezüglich zeigt sich mit dem Netz ein Silberstreif am Horizont.

      • qed sagt:

        Offensichtlich ist meine Interpretation nur die halbe Wahrheit.

        Auf ef ist ein sehr erhellender
        Artikel erschienen über die Pläne einschlägiger Kreise, wie sie das Davonlaufen ihrer Wählerschaft zur Nichtwählerpartei verhindern wollen:

        http://ef-magazin.de/2013/09/10/4470-bundestagswahl-wann-kommt-die-wahlpflicht

        Sehr lesenswert!

  9. Stuergel sagt:

    [ ] Keine der oben genannten Parteien.

    Eine Liste ohne Abgeordnete. Ihre Stühle bleiben leer, sie stimmen mit Enthaltung ab, heben aber die nötigen Quoten an. Bei 25% Stimmen für die KdogP wären Änderungen des Grundgesetzes zum Beispiel unmöglich.

  10. Keinesfalls die Verräterparteien ankreuzen! Es ist genug jetzt!
    Alles andere ist besser. AfD scheint zur Zeit vernünftig zu sein.

    Ansonsten Strafanzeige wegen Durchführung einer nicht legitimierten Wahl erstatten. Wenn das jeder Nichtwähler macht…
    Wie kann ein nicht rechtmäßig gewähltes Parlament ein rechtmäßiges Gesetz erlassen?

    Zum Thema:

    http://thumulla.com/artikel/waehlen_oder_nicht.html

    Carsten

    “Als Chaim Weizmann dem Knabenalter entwuchs und seine Rolle zu spielen begann, hatten die Verschwörer die Karten also bereits gemischt. Dass wir hier so häufig von einer „Verschwörung“ sprechen, ist keineswegs auf eine persönliche Marotte unsererseits zurückzuführen, denn Dr. Weizmann verwendet das Wort mehrfach selbst.”
    Douglas Reed, “Der Streit um Zion”

  11. Karl Theo sagt:

    Nicht ein Argument für diese fragwürdige These/Haltung… Viel mehr wird hier die Deutungshoheit über Politiker und Ihre Interesse beansprucht. Alles nicht sehr Wertfrei,
    Bin hier besseres gewöhnt.

    • Es ist schade, dass sie den kompletten Text vor unserer These übersehen haben, der die Hinleitung zur These enthält. Im übrigen beanspruchen wir natürlich die Deutungshoheit über Politiker. Wir sind Wissenschaftler, haben eine entsprechende Ausbildung und langjährige Erfahrung.
      Ihr Kommentar ist übrigens alles andere als wertfrei (und selbst thesenfrei). Wir sind hier besseres von unseren Kommentatoren gewöhnt.

      • Karl Theo sagt:

        Das heißt Sie stellen hier nur eine These in den Raum die von Ihrer Seite nicht belegt wird?Und das Sie Wissenschaftler sind bedeutet das Sie über alles Bescheid wissen und faktisch jede These die Sie aufstellen richtig ist und somit auch keiner Argumente bedarf?

        Hochachtungsvoll,
        Karl Theo Sturm

        • Ich habe ziemlich mit mir gerungen, ob ich dieser Art von “Wortmeldung” freischalten soll, oder nicht. Wie Sie sehen, habe ich freigeschaltet, was Sie geschrieben haben, und mit der Reaktion werde ich es kurz machen.

          Grundkurs Wissenschaft: Wissenschaft besteht im Aufstellen und im Prüfen von Hypothesen. Im Text sind meine Thesen abgeleitet, so dass jeder, der lesen kann, nachvollziehen kann, wie ich zu den Thesen komme. Die Thesen sind aufgestellt und zur Diskussion gestellt. Aber es ehrt mich, dass Sie mir einen Status der Unhinterfragbarkeit einräumen. Bei Bedarf kann ich Ihnen auch ein Spendenkonto einrichten, aber ich verzichte ausdrücklich darauf, als Guru zu fungieren.

          Ich schlage zudem vor, Sie nehmen ein einschlägiges Buch der Wissenschaftstheorie zur Hand, z.B. die Einführung von <a href="“>Seiffert, damit wir auf gleichem Boden reden und ich nicht Unmengen von Missverständnissen und aus dem nichts kommenden Behauptungen aus der Welt schaffen muss. Wie z.B. kommen Sie zu der Behauptung: Weil ich Wissenschaftler bin bin, wisse ich über alles Bescheid. Es ehrt mich natürlich, dass Sie das denken, aber dem ist nicht so, ich weiß auch, was ich nicht weiß.

          • Karl Theo sagt:

            “Im übrigen beanspruchen wir natürlich die Deutungshoheit über Politiker. Wir sind Wissenschaftler, haben eine entsprechende Ausbildung und langjährige Erfahrung.”
            Ist das nicht so zu verstehen?

            Grüße,
            Karl

  12. Pingback: Wahlvieh macht auch Mist Teil 3 (Aufrufe, Erklärungen, Überlegungen zum Thema Wählen, Abwählen oder nicht Wählen) | Ultimative Freiheit Online

  13. “Regierungen sind nichts, womit man prahlen könnte. Sie sind eine Beleidigung. Ihre Existenz zeigt euch, daß ihr immer noch Barbaren seid, daß die Zivilisation sich noch nicht wirklich durchgesetzt hat; warum solltet ihr sonst eine Regierung brauchen, die über euch herrscht?” -OSHO-

    http://ultimativefreiheitonline.wordpress.com/2013/07/13/wahlvieh-macht-auch-mist-teil-3/

  14. Dennis sagt:

    Ich bitte um eine kurze Stellungnahme zu folgendem Artikel:

    http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-07/nichtwaehler-replik-georg-diez

    Was sagen Sie zu diesen Argumenten?

    • Sabine sagt:

      Ich bin zwar nicht gefragt, aber es juckt mich in den Fingern …

      Hier ein kleiner Absatz aus dem Artikel:

      “Wir laden jeden, der so denkt, gern ein, uns bei unserer Demokratiearbeit in einen scheindemokratischen Staat zu begleiten. Dann wird er erkennen, was für ein Schlag ins Gesicht es für jeden ist, der in Syrien, Aserbaidschan, Weißrussland oder in Mali für Demokratie kämpft, wenn ein deutscher Theaterkritiker aus dem Ohrensessel seiner klimatisierten Berliner Wohnung behauptet, dass freie und faire Wahlen nicht so wichtig seien.”

      Ich übersetze das mal ganz frei in eine Sprache, die Kids (und solche haben diesen Absatz geschrieben!) sehr viel besser verstehen:

      Wir laden jeden, der die Musik von Michael Jackson beschissen findet, gerne ein, mit uns einmal drei Tage und Nächte bei Gluthitze, Sturm, Regen und Schnee auszuharren, nur um ein Ticket für ein Jackson-Konzert im Y-Stadion in X-Stadt zu ergattern. Er wird dann erkennen, was für ein Schlag ins Gesicht es für jeden Jackson-Fan ist, der immer wieder quer durch Europa reist, um ein Ticket zu erjagen, wenn ein spießiger Musikbanause aus dem Ohrensessel seiner klimatisierten Berliner Wohnung behauptet, dass Michael Jacksons Musik einfach nur beschissen ist.

      (Um Missverständnisse gar nicht erst aufkommen zu lassen: Ich habe nix gegen die Musik von Michael Jackson und auch nix gegen Berliner Ohrensessel. Aber der Vergleich war zwingend, weil mindestens so irrational und kindisch wie das Original.)

  15. Pingback: “Die Partei” informiert: Chemtrails, Ufos und Mind Control — Wer steckt dahinter? @ gwup | die skeptiker

  16. Lesenswerter Artikel für alle, die sich mit dem Thema Wählen vs. Nichtwählen auseinandersetzen.

    http://deutschland100.wordpress.com/2013/07/20/das-paradoxon-des-delegitimierten-gut-staats/

  17. Walter sagt:

    Als Nichtwähler wird man in politischen Diskussionen immer mit folgendem konfrontiert: “Wer nicht wählt, der darf sich auch nicht beschweren.”. Was denken Sie über diese Aussage? Wie würden Sie auf so etwas reagieren?

    • Zurückfragen: Wie erklären Wähler, dass sie eine Politik legitimieren, die sie nicht wünschen? Wie erklären Wähler, dass sie politischen Parteien erlauben, Steuergelder für ihre Zwecke und ihre Günstlinge einzusetzen? Wo haben Wähler je mitentschieden? Wieso beschweren sich Wähler, wo sie doch Politiker für all das, was nach der Wahl kommt, durch Ihre Stimme legitimiert haben? usw usw usw.

      • heureka47 sagt:

        Bravo!
        Wahrhaft erwachsene Menschen erkennen, wo das Problem bzw. seine tiefere Ursache liegt.
        In einer Gesellschaft wie der unseren, in der die große Mehrheit pathologisch unweise ist, kann man als Erkennender keine “Verantwortlichen” wählen, die zum einen selbst großmehrheitlich pathologisch unweise sind und sich zudem des “Mehrheitsprinzips” bedienen, um sich legitimieren zu lassen.
        Also wähle ich seit Anfang der 90er nicht mehr und betreibe seitdem meine AKTION MENSCH UMWELT ZUKUNFT (AMUZ) zur Aufklärung über die tiefere Ursache und den Heilungsweg.

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