Gewerkschafts-Marketing: Wie die GEW Kinderarbeit instrumentalisiert

Fünf Schulklassen hat die GEW dafür ausgezeichnet, dass sie “herausragende Beiträge im Rahmen des Ideenwettbewerbs ‘Kinderarbeitsfreie Zonen’ der Bildungsgewerkschaft erarbeitet haben”. Warum sich die GEW Bildungsgwerkschaft nennt, ist uns nicht nachvollziehbar, denn ein größeres Hindernis für Bildung als die GEW lässt sich kaum denken – aber der Reihe nach.

Indoktrination

GEW_Lesbisch und schwulIndoktrination gelingt am ehesten, das wussten die Nazis so gut wie die alten Griechen, wenn man Kinder und Jugendlichen indoktrinär erzieht. In einer etas verwässerten Form ist dies auch im Marketing angekommen: Wenn es gelingt, eine positiv besetzte affektive Verbindung zwischen Kindern und Jugendlichen auf der einen Seite, und einer Marke, z.B. der Marke “Bildungsgewerkschaft” GEW herzustellen, dann gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Bindung auch im Erwachsenenalter fortgeführt wird, z.B. dadurch, dass die nunmehr Erwachsenen zahlendes Mitglied in der “Bildungsgewerkschaft” werden.

Das GEW Projekt “Kinderarbeitsfreie Zone”, das die “Bildungsgewerkschaft” erfolgreich in Schulen getragen hat, erfüllt alle Voraussetzungen für affektives und im Jugendalter beginnendes Marketing. Es ist mit einem Gegenstand verbunden, der Emotionalität transportiert, nämlich mit der Kinderarbeit. Es richtet sich an leicht beeinflussbare Schüler, die sich in der sie umgebenden Welt orientieren wollen, ihren Platz darin suchen. Und wie viele von uns wissen, findet man diesen Platz als Jugendlicher besonders dann, wenn man vermeintlich die Welt verbessern kann. An dieses Befürfnis,  das man fast schon als Artefakt bezeichnen kann, hängt sich die GEW an und präsentiert den Jugendlichen etwas, womit sie vermeintlich die Welt verbessern können: Die Schaffung kinderarbeitsfreier Zonen.

Der Rahmen für das Indoktrinationsprojekt der GEW ist eindeutig:

  • GEW KinderarbeitspropagandaKinder werden durch “Kinderarbeit entwürdigt”;
  • Kinder werden durch Kinderarbeit ausgebeutet und missbraucht;
  • Kinder werden unter fadenscheinigen Begründungen zur Kinderarbeit eingesetzt und gezwungen;
  • Europäer und Deutsche tragen durch den Kauf billiger Waren zur Kinderarbeit bei, denn diese Waren kommen “bei uns nur desalb so günstig auf den Markt … weil sie von Kindern hergestellt werden, die dafür kaum oder gar nicht entlohnt werden”;
  • Kinderarbeit ist somit das Ergebnis des Wirkens internationaler Konzerne, also des internationalen Finanzkapitals, die GEW ist angetreten, dies zu beenden;
  • Dazu hat die GEW eine Stiftung gegründet, die sich “fair childhood” nennt und, ach ja, Schüler, die etwas gegen Kinderarbeit tun wollen können dies auch wie folgt: “sammelt Spenden für Projekte, die Bildung statt Kinderarbeit stark machen wie die GEW-Stiftung ‘fair childhood”;

Erfindung der Kindheit

In der Politikwissenschaft gibt es einen theoretischen Ansatz, der sich Weltkulturansatz nennt (dazu: Meyer, 2005). Sein Kern besteht in der Behauptung, dass sich “westliche Were” über die Welt ausbreiten, Werte, die gerne auch als Strukturprinzipien bezeichnet werden, also Strukturprinzipien wie: Frauenförderung, die den Frauen im Peruanischen Hochland einen eigenen Radiosender gebracht und nach Abschluss der Förderung wieder genommen hat; Strukturprinzipien wie Partizipation (ist ja bekanntlich immer gut – wer auch immer partizipiert, Hauptsache, es wird partizipiert…) im Rahmen von Entwicklungshilfe oder die Schaffung demokratischer Strukturen nach westlichem Vorbild, ohne die es keine Entwicklungshilfe mehr gibt; oder konformes Abstimmungsverhalten in der Vollversammlung der UN, wenn es z.B. darum geht, einen Staat, der sich gegen die Hegemonie westlicher Strukturprinzipien wehrt, zu verurteilen (Dreher, Marchesi & Vreeland, 2007).

Eines der westlichen Strukturprinzipien, an denen die Welt genesen soll, ist die Erfindung von Kindheit und die nachfolgende Kriminalisierung von Kinderarbeit. 1978 hat Helen B. Schwartzmann in ihrem Buch “Transformations: The Anthropology of Children’s Play” ein zweites Kapitel mit der Überschrift “The Invention of Childhood” versehen. Gegenstand des Kapitels ist eine akribische Darstellung der Entdeckung der Kindheit, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts Kinder immer länger in einem Zustand der gesellschaftlichen Unmündigkeit verhaftet hat.

invention of childhoodHugh Cunningham hat ein ganzes Buch der “Invention of Childhood” gewidmet, in dem er nicht nur die über die Jahrhunderte immer länger werdende Kindheit beschreibt, sondern auch die Unstimmigkeiten, die die Bestimmung von Kindheit umgeben, betrachtet: “I ain’t a child, … I’m past eight, I am,’ said a girl selling watercress in mid nineteen-century London, shocking her interlocutor, the investigative Journalist Henry Mayhew who thought childhood ended when you were 15″ (Cunningham, 2013: 12).

Unnütz darauf hinzuweisen, dass man in den von der GEW an Schulen lancierten Materialien zum “Ideenwettbewerb kinderarbeitsfreie Zonen” vergeblich nach einem Hinweis darauf sucht, woran man Kindheit festmacht: am biologischen Alter, an der geistigen Reife? Die Frage, was Kindheit und mithin Kinder sind, wird geschickt offengelassen, denn Indokrination wirkt am besten, wenn man die positiv besetzten Begriffe von anderen mit ihren Vorstellungen füllen lässt. So kann sich jeder über seine Idee von Kinderarbeit ereifern und die GEW in jedem Fall davon profitieren.

Wirklichkeit

Immerhin empfiehlt die GEW im “Ideenwettbewerb-Begleitmaterial“, nachzuforschen, unter dem Begriff Kinderarbeit, um herauszufinden, wo “Kinder – trotz des weltweiten Verbots – arbeiten müssen”.

Wir haben den Nachforschungsauftrag etwas erweitert und unter dem Begriff “Child Labour” gesucht. Gefunden haben wir z.B. einen Beitrag auf ScienceFiles, der zeigt, dass das Verbot von Kinderarbeit dazu führt, dass Kinderarbeit zunimmt. Herausgefunden haben dies Bharadwaj und Lakdewala (2013) am Beispiel von Indien. Das dortige Verbot hat nicht nur dazu geführt, dass nunmehr mehr Kinder zu geringeren Preisen arbeiten müssen, sondern auch dazu, dass Kinder, die bislang zur Schule gegangen sind, die Finanzlöcher in den Familien, die durch das Verbot von Kinderarbeit und die nachfolgend fallenden Löhne für Kinder entstanden sind, schließen müssen.

Oder nehmen wir den Beitrag von Ranjan Ray (2000), der herausgefunden hat, dass Mindestlöhne und eine höhere Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Pakistan von einer Zunahme der Kinderarbeit begleitet waren, während in Peru die Kinderarbeit in Folge eines Sinkens der Löhne von Männern, was wiederum eine Folge höherer Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt darstellt, gestiegen ist. Die westlichen Strukturprinzipien bringen offensichtlich nicht nur Segen.

Akabayashi und Psacharopoulos (1999) haben für Tansania gezeigt, dass das Thema Kinderarbeit komplexer ist, als es die GEW Verantwortlichen gerne hätten. Wie sich in ihrer Studie zeigt, kann man Kinderarbeit nicht einfach verbieten, muss vielmehr die sozialen Strukturen, in die Kinderarbeit vor Ort eingebunden ist, in Rechnung stellen.

Basu (2000) hat gezeigt, dass die Einführung von Mindestlöhnen dazu führt, dass Kinderarbeit zunimmt. Ökonomisch ist dies eine Offensichtlichkeit, denn Mindestlöhne führen zu Entlassungen und der Einkommensverlust, der in Familien, in denen einer oder der Haupt-/Miternährer arbeitslos geworden ist, erfordert nun die Mit-Arbeit von Kindern, um ein Überleben zu sichern.

All die wissenschaftliche Forschung, die die “Bildungsgewerkschaft” so standhaft ignoriert, deutet darauf hin, dass Kinderarbeit ein komplexes Phänomen ist, zu komplex, als dass es sich für Indoktrination eignet. Deshalb hat man die Komplexität bei der GEW besetigt und die einfache Geschichte der internationalen Konzerne (das GEW Synonym für böse), die so wenig Geld bezahlen, dass die armen Menschen in Ländern der dritten Welt nicht subsistent durch Arbeit sein können und die letztlich Kinder in Kinderarbeit und Ausbeutung zwingen, erfunden.

Dass das so ist, das  wissen die Verantwortlichen der GEW ganz genau.

Seltsamerweise ist ihr Wissen nicht bis zur ILO, der Internationalen Organisation für Arbeit vorgedrungen. Dort hat man sich bemüht, Fakten zu Kinderarbeit zu sammeln und die entsprechenden Bemühungen beginnen mit der Aussagen: “It is common knowledge that data on child labour are extremely scarce” (Ashagrie, 1998: 1). Na hätten die Autoren sich an die die deutsche “Bildungsgewerkschaft” gewendet, sie wären fündig geworden – oder auch nicht.

Wie auch immer, die ILO Studie hat ihre eigenen Daten ohne zutun der GEW zusammengestellt und definiert zunächst einmal Kinder als 5 bis 14jährige. Im Jahr 1995 waren nach Schätzung der Autoren 250 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren erwerbstätig, die Mehrzahl davon in Asien (61%), gefolgt von Afrika (32%). 70% der Kinder arbeiten in der Landwirtschaft, 8% im produzierenden Gewerbe oder in Hotels und Restaurants.

Das steht in einem gewissen Gegensatz zu der Behauptung der GEW “Kinder dieser Erde” würden in “Steinbrüchen, Plantagen oder Fabriken” arbeiten. Ebenso wie die eigens erfundene Indoktrinationsgeschichte der internationalen Konzerne, die Kinderarbeit befördern oder erst ermöglichen, erhebliche Risse durch Daten und wissenschaftliche Untersuchungen erhält, die zeigen, dass Kinderarbeit ein mikro-soziales Phänomen ist, das sich maximal auf die Ebene von Kleingewerbetreibenden ausdehnt. Es mag zuweilen den high profile Fall der Kinder geben, die in einer Fabrik arbeiten, dies ist jedoch die Ausnahme. Die Regel sieht Kinder beim reicheren Nachbarn auf dem Feld arbeiten oder in Mumbai in einer kleinen Wäscherei.

Aber das ist nur die Realität, die sich nicht so gut nutzen lässt, um bereits Schüler gegen internationale Konzerne in Stellung zu bringen und eine Bindung zur “Bildungsgewerkschaft”, eine auf Indoktrination begründete, in Schulen herzustellen.

Das Kinderarbeits-Thema ist in die Fussstapfen des Straßenkinder-Themas getreten, das sich als international nicht so erfolgreich erwiesen hat, vor allem deshalb, weil sich Wissenschaftler und Sozialarbeiter aus den entsprechenden Ländern gegen die Übertragung eines westlichen Kinder- und Familienbilds auf ihr Land gewehrt haben. So hat Ennew in den Gutmenschen-Programmen, die Straßenkinder von der Straße bekommen wollen, einen Versuch gesehen, westliche Vorstellungen von Familien als “private arenas for the correct performance of childhood” (Ennew, 1995: 211) durchzusetzen. Juarez (1992: 94 zitiert in de Moura, 2005: 298) ist der Ansicht, die Hilfsprogramme, die auf Straßenkinder abzielten, seien vornehmlich da, um die Organisationen, die Straßenkindern helfen wollen, zu finanzieren, und Aptekar (1994: 206) hat angemerkt, dass Straßenkinder nicht die Opfer ihrer Gesellschaft, sondern häufig reife Jugendliche sind, die das Leben als Straßenkind gewählt haben: “In any attempt to ascertain why certain children become street children, such factors as the psychological status of the child and the child’s family, the perception of life on the streets, and the degree to which a street children culture exists must be considered”.

Selbstverständlich kann internationale Hilfe, hönnen international nutznießende Gutmenschen und deren Organisationen, die sich neuerdings gar “Bildungsgewerkschaft” nennen, nicht auf die Befindlichkeiten und die Selbstbestimmung derer, denen sie ihre Hilfe aufzwingen wollen, Rücksicht nehmen.

darwin-greatEs gibt nur einen Weg zum Heil und die “Bildungsgewerkschaft” weist ihn allen, und wenn nebenbei noch ein paar zahlende Mitglieder anfallen, die die derzeitige und die nachwachsende Generation an Gewerkschaftsfunktionären sichern, um so besser.

Da mittlerweile zwei Beiträge von ScienceFiles in Schulbücher aufgenommen wurden, bleibt zu hoffen, dass wir auch im Hinblick auf Kinderarbeit, einen Beitrag zur Emanzipation von Schülern leisten können, damit sie nicht zu hilflosen und unkritischen Vasallen gewerkschaftlicher Armuts-Profiteure werden.

Bislang von ScienceFiles in Schulbücher aufgenommene Beiträge:

Nachtrag

Besonders erfolgreich scheint die GEW-Indoktrination bei den im Folgenden genannten Preisträgern gewesen zu sein:

    • Lise-Meitner-Gymnasium Königsbach-Stein, Klasse 8a/b; Projekt: Ein kinderarbeitsfreier Spielplatz;
    • Grundschule Mümmelmannsberg Hamburg; Projekt: Stopp Kinderarbeit – Nachdenken, Nähen und Schreiben;
    • Berufliche Oberschule Regensburg, Klasse 12; Projekt: Ein Label gegen Kinderarbeit;
    • Georg-Kerschensteiner-Schule Müllheim, KLasse SG1-1; Projekt: C!LAKKS – Change! Lasst alle Kinder Kinder sein;
    • Theater- und Kunst AG der Hauptschule Kreyenbrück in Kopperation mit dem Jugendtheater “Rollentausch” Oldenburg; Projekt: Global total – die Welt in meinen Händen und Kunstausstellung Recycling Kunst;

Die folgenden Juroren haben sich als Jury für die GEW instrumentalisieren lassen bzw. bereitwillig mit-indoktriniert:

      • Vorsitzender: Otto Herz, ehem. Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW);
      • Martina Hahn, Autorin und Journalistin;
      • Dr. Martin Kasper, Vorsitzender der Stiftung „childaid”;
      • Prof. Dr. Jörg Maywald, Sprecher der National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland;
      • Prof. Dr. Uta Ruppert, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt a. M.;
      • Julia Saldenholz, Mitbegründerin von „Schüler helfen leben” (SHL);
      • Heidemarie Wieczoreck-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung a. D., MdB;

Literatur

Akabayashi, Hideo & Psacharopoulos, George (1999). The Trade-Off Between Child Labour and Human Capital Formation: A Tanzanian Case Study. Journal of Developmental Studies 35(5): 120-140.

Aptekar, Lewis (1994). Street Children in the Developing World: A Review of their Condition. Cross Cultural Research 28(3): 195-224.

Ashagrie, Kebebew (1998). Statistics on Working Children and Hazardous Child Labour in Brief. Geneva: International Labour Office.

Basu, Kaushik (2000). The Intriguing Relation Between Adult Minimum Wage and Child Labour. Economic Journal 110(462): 50-61.

Bharadwaj, Prashant & Lakdawala, Leah K. (2013). Perverse Consequences of Well-Intentioned Regulation: Evidence From India’s Child Labor Ban.

Cunningham, Hugh (2013). The Invention of Childhood. London: BBC Books.

De Moura, Sergio Luiz (2005). The Social Construction of Street Children: Configuration and Implications. In: Frost, Nick (ed.). Child Welfare. Major Themes in Health and Welfare Series. Volume III: Child Placement and Children Away From Home. Abingdon: Routledge, pp.295-310.

Dreher, Axel, Marchesi, Sylvia & Vreeland, James Raymond (2007). The Politics of IMF Forecast. München: CESifo Working Paper Series No. 2129.

Ennew, Judith (1995). Outside Childhood: Street Children’s Rights. In: Franklin, Bob (ed.). The Handbook of Children’s Rights: Comparative Policy and Practice. Abingdon: Routledge, pp.201-214.

Ranjan, Ray (2000). Analysis of Child Labour in Peru and Pakistan: A Comparative Study. Journal of Population Economics 13(1): 3-19.

Schwartzmann, Helen B. (1978). Transformations: The Anthropology of Children’s Play. New York: Plenum.

Feministische Netzwerke an Universitäten – Uboote der Grünen aus Steuermitteln finanziert?

HU-BerlinIm letzten Post haben wir vom Berliner Görenaufstand geschrieben, mit dem eine Initiative feministischer Ideologen erklärt, dass  “eine feministische Kritik dringlicher denn je” sei. Feministische Kritik, das müssen wir als Leser des Pamphlets der Berliner Gören sagen, besteht ganz offensichtilch darin, abstruse Behauptungen aufzustellen, wie die Behauptung, dass Frauen weniger verdienen würden als Männer, Entwicklungen, die einem ideologisch nicht passen, sprachlich zu diskreditieren und mit kleinen Einsprengseln wie “immer noch” suggerieren zu wollen, dass man gerade dabei ist, den entsprechenden Entwicklungen den Garaus zu machen und sich ansonsten in der satten Pose des gesellschaftlichen Betrachters zu gefallen, der den anderen eben einmal verkündet, wie ihm die Welt vorkommt. Nun interessiert es nur wenige andere, wie Feministen die Welt vorkommt, und entsprechend stampfen die feministischen Ideologen mit dem Fuß auf und fordern Aufmerksamkeit etwa in der Weise, in der eine Supermarktkette versucht, mit extra viel Lärm auch noch den letzten Ladenhüter an den Mann zu bringen.

Was vom Aufruf der sich selbst als Wissenschaftlerinnnen bezeichnenden Ideologen zu halten ist, haben wir bereits im letzten Post geschrieben. Das aktuelle Post wollen wir dazu nutzen, ein wenig Netzwerkforschung zu betreiben.

Netzwerke, die Bildung von Netzwerken, von feministischen Netzwerken, steht für Feministen immer hoch auf der Agenda. Nichts, was das BMFSFJ mit Steuergeldern im Rahmen seiner eigenen staatsfeministischen Agenda fördert, kommt ohne Netzwerkbildung aus. Entsprechend wird der Großteil der Fördergelder, also der Steuergelder, dafür verbraucht, Treffen zu organisieren, damit sich die vielen Nutznießer aus dem Programm kennen lernen und gegenseitig auf die Schultern schlagen können (oder damit sie wissen, wo die Konkurrenz um die Mittel des BMFSFJ steht). Das ist zwangsläufig so, denn inhaltlich haben die Projekte des BMFSFJ alle dieselbe Marschrichtung, Jungen in Kindertagesstätten oder soziale Berufe zu treiben und Mutterschaft als das Ereignis hinzustellen, ohne dessen Eintritt Frauen keine höhre Weihe zuteil wird und Männer nicht die Freuden der Work-Life-Balance erleben können.

HBS_logo_de_390x53Entsprechend hat es uns interessiert, welches Netzwerk feministische Ideologen, die sich selbst als “feministische Wissenschaftlerinnen” tarnen, zu kommandieren im Stande sind. Diese Frage ist umso interessanter als der Aufruf der Berliner Gören eine ziemlich spärliche Ressonanz vorzuweisen hat, wovon sich jeder, der das Häuflein der Unterstützer am Ende des Aufrufs betrachtet, selbst überzeugen kann. Also haben wir uns auf die Recherche gemacht und die folgenden Trophäen von unserer Pirsch durch feministisches Gestrüpp mitgebracht.

  • An erster Stelle ist ein alter Bekannter zu nennen, ein Bekannter, der einem eigentlich sofort hätte einfallen müssen, denn immer dann, wenn es darum geht, Steuergelder zweckzuentfremden und eine eigene ideologische Agenda zu unterstützen, ist er da: das Gunda Werner Institut, der Taxmoney-Kill-Tank (TKT) der Heinrich Böll Stiftung

Ist es nicht ein netter Zufall, dass die vollständig aus Steuermitteln finanzierte politische Stiftung der Grünen, nach einem Wahldebakel, das zumindest die Deutschen befriedigt hat, die keine Extremisten in Parlamenten haben wollen, ein Häuflein vermeintlicher Wissenschaftlerinnen aus dem Hut zaubern kann, die genau die Themen als im öffentlichen Diskurs fehlend deklarieren, mit denen Grünen/Bündnis 90 bei der letzten Wahl baden gegangen sind?

Ist es nicht eine feine Sache, wenn man nicht nur die Steuergelder zur Verfügung hat, um ideologische Agitation in eigener Sache zu betreiben, sondern auch über eine Anzahl feministischer Uboote an Universitäten verfügt, so eine Art Sleeper oder sleeping assassin, dessen Aufgabe darin besteht, im richtigen Moment zuzuschlagen und der Wissenschaft den Garaus zu machen und als fünfte Kolonne Unterstützung für die Mutterpartei zu leisten?

Entsprechend hat unsere Netzwerkforschung eine neue Komponente, denn sie erlaubt uns, die Orte, die Hochschulen zu identifizieren, die besonders von den feministischen Ubooten infiltriert sind.

Unsere Recherche hat drei Hochschulen zum Vorschein gebracht, die in besonderer Weise ein “Gender-Problem” zu haben scheinen. Es sind dies

  • Philipps Uni Marburgdie Humboldt-Universität in Berlin (zugegebener Maßen wenig überraschend),
  • die Universität Marburg und
  • die Hamburger Hochschulen, die sich am “Zentrum Genderwissen” beteiligen (es hieße wohl besser Zentrum Genderindoktrination, denn Wissen ist mit Gender unvereinbar).

Eine erfreulich kleine Liste von Hochschulen, die unsere Recherche da erbracht hat. Aber wir befinden uns noch im “Wehret-den-Anfängen-Stadium”, und entsprechend mag es sein, dass die Veröffentlichung des Pamphlets feministischer Ideologen in der zweiten Hälfte der letzten Woche und das dann anstehende Wochenende mit seinen Erfordernissen an die Work-Life-Balance dazu geführt hat, dass nur wenige Unterstützer sich noch am Arbeitsplatz befunden haben, wo sie Zugriff auf HTML-fähige MitarbeitER haben.

Dem kleinen Häuflein von Hochschulen gesellt sich eine interessante Liste ideologischer Unterstützer zu, die vom

  • Neuen Deutschland angeführt wird, was kein Wunder ist, wenn man die ideologische Ausrichtung des Pamphlets kennt. Ob sich hier Annäherungen zwischen der Linken und ihren Ablegern in vor allem Bündnis 90 abzeichnen, bleibt abzuwarten.
  • Neben dem Neuen Deutschland ist bislang der Landkreis Friedland der Linken auf das Pamphlet der feministischen Ideologen angesetzt worden und unterstützt es entsprechend (vermutlich ist eine der Unterzeichnerinnen im Landkreis Friedland für die Linke aktiv).
  • Schließlich gibt es noch eine vermeintlich emanzipatorische Linke, bei der sich offensichtlich auch Genossen finden, die der Ansicht sind, der Neoliberalismus sei schuld daran, dass Frau arbeiten müsse und kündbar sei.

Das also ist das Netzwerk derer, die sich als “feministische Wissenschaftlerinnen” bezeichnen. Und wer bislang noch einen Zweifel hatte, dass die vermeintlichen Wissenschaftlerinnen, Ideologen sind, die die Tatsache, dass sie es auf welchen Wegen auch immer auf eine universitäre Position geschafft haben, missbrauchen, der ist hoffentlich eines Besseren belehrt.

Berliner Görenaufstand: Wie Feministen Wissenschaft missbrauchen

HU-BerlinEin ziemlich missglückter Versuch, das Kommunistische Manifest zu plagiieren, ist gerade in Berlin gestartet worden. Für eine “soziale, geschlechtergerechte und offene Gesellschaft!” geben Mitglieder der Initiative “feministischer Wissenschaftlerinnen” vor, zu streiten. Herausgekommen ist das “[W]ollen, die feministische Debatte neu zu entfachen” (Man beachte den Anklang an Brandstiftung!), eine Perversion von Wissenschaft, ein Missbrauch öffentlicher Positionen und ein EInblick in die Psyche und vor allem ökonomischen Unkenntnisse “feministischer Wissenschaftlerinnen”, der einem das Gruseln lehrt. Doch der Reihe nach.

Beginnen wir zunächst mit dem offensichtlichen WIderspruch bereits in der Unter-Überschrift: “Initiative feministischer Wissenschaftlerinnen”. Man kann nicht zwei Herren dienen: Entweder man ist Wissenschaftler und der wissenschaftlichen Methode verpflichtet, dann hat die Empirie die letzte Entscheidung, was bedeutet dass dann, wenn die Empirie den eigenen Annahmen nicht entspricht, die Annahmen modifiziert werden müssen oder man ist feministisch und somit ein Ideologe, bei dem die Annahmen über der Empirie stehen und in keiner Weise aufgrund von Unverträglichkeit mit empirischen Beobachtungen, veränderlich sind. Sie sind gesetzt und dürfen nicht hinterfragt werden.

Während Wissenschaftler also auf der Suche nach Erkenntnis ihre eigenen Annahmen ständig hinterfragen und bereit sind, falsifizierende Erkenntnisse zur Kenntnis zu nehmen, sind Ideologen in keiner Weise bereit ihre Annahmen, die bei ihnen zu fixen Vorstellungen geworden sind, zu prüfen oder gar mit wissenschaftlichen Methoden wie dem Mittel der Kritik zu hinterfragen. Ideologen verkünden das Heil, und sie verkünden ihre Wahrheit auch gegen alle empirische Evidenz.

Offenkundig wird dies bereits auf der ersten Seite der “Initiativ-Schrift”, auf der behauptet wird, einschlägige Forschung und die alltägliche Erfahrung zeigten:

  • Frauen verdienen weniger als Männer
  • Mütter bringen deutlich mehr Zeit für die Familie auf als Väter
  • Rentnerinnen haben im Schnitt 60% geringeres Einkommen als Rentner

Logik f dummiesWie man in täglicher Erfahrung Aussagen über alle Frauen und alle Männer begründen kann, ist uns nicht nachvollziehbar und eine solche All-Aussage käme auch einem Wissenschaftler nie über die Lippen, hätte er doch Angst, sich lächerlich zu machen. Diese Angst haben Ideologen bekanntermaßen nicht, denn in ihrer hermetischen Welt kommen andere nur als Statisten, derer man sich bedienen kann, vor. Und so wird behauptet, dass alle Frauen weniger verdienen als alle Männer, wohlwissend, dass es Frauen gibt, die mehr verdienen als Männer und dass die Höhe des durchschnittlichen Verdienst von der Anzahl der durchschnittlich geleisteten Arbeit abhängt, was dann, wenn die Daten des Statistischen Bundesamts hinzugezogen werden, die zeigen, dass Frauen durchschnittlich weniger arbeiten als Männer kein Wunder ist. Wenn Frauen durchschnittlich weniger arbeiten als Männer haben sie zwangsläufig mehr Zeit, sich um die Familie zu kümmern und da Rentnerinnen im Durchschnitt weniger in die Rentenkasse eingezahlt haben als Rentner erhalten sie auch weniger aus der Rentenkasse als Männer.

Wer auf Basis von Aussagen, wie den oben zitierten, seine Form der Geschlechtsgleichheit fordert, wer also fordert, dass Männer nicht nur mehr arbeiten, sondern sich mit geringerem Verdienst pro Stunde begnügen als Frauen oder sich trotz mehr Arbeitsstunden mehr um die Familie kümmern oder trotz höherer eingezahlter Rentenbeiträge nur soviel entnehmen wie Frauen im Durchschnitt entnehmen, der outet sich als krasse Form eines sozialistischen Ideologen, der seinen eigenen Spleen in die Welt der Statisten, die er sieht, übertragen will.

Menschen sind für diese feministischen Ideologen nur eine Verfügungsmasse, der man vorgeben muss, was gut für sie ist. Anders ist die Normalität, mit der feministische Ideologen in Paarbeziehungen intervenieren, nicht zu erklären. Mit welcher Legitimation wollen Feministen wie Diana Auth, Brigitte Aulenbacher oder Brigitte Bargetz eigentlich anderen vorschreiben, wie sie ihr Leben, ihre Arbeitsteilung im Leben zu organisieren haben? Woher nehmen sie sich das Recht in die Beziehungen Dritter zu intervenieren? Hier wird ganz deutlich, dass die feministische Ideologie, die Christine Bauhardt oder Ortrun Brand mittragen, eine totalitäre Ideologie ist, die keinerlei Abweichung von der eigenen Heilslehre duldet.

beleidigte Leberwurst

Beleidigte Leberwurst

Nun haben die Verkünder des Heils, also die Mitglieder der “Initiative feministischer” Ideologen festgestellt, dass “[i]m Wahlkampf 2013 … Geschlechtergerechtigkeit [also das, was sie darunter verstehen und was Gleichstellung und eben nicht Gerechtigkeit ist] kein Thema” war. Sowas auch. Wo kommen wir hin, wenn die Mehrheit die Heilslehre, die Sabine Berghahn, Angelika Diezinger oder Magdalena Freudenschuss verkünden, einfach ignoriert? Entsprechend emotional tangiert sind Tatjana Fuchs, Anja Gregor, Jana Günther und Jette Hausotter, dass sie nicht gehört werden, und deshalb stampfen sie gemeinsam mit Annette Henninger, Bettina Jörgens und Karin Jurzcyk mit dem Fuss auf und:

  • “sehen, wie soziale Fragen immer mehr von ökonomischen Interessen an den Rand gedrängt werden …
  • erleben einen neoliberalen Umbruch der Gesellschaften …,
  • halten es für falsch…
  • sind entsetzt…
  • sind besorgt …
  • plädieren für eine Neubelebung einer feministischen Bewegung…

Das einzig Positive, das es hier festzustellen gibt, ist, dass die “Initiative feministischer” Ideologen, also die Berliner Gören, die feministische Bewegung für tot halten, ansonsten wäre eine Neubelebung kaum notwendig. Das macht Mut und gibt die Hoffnung, dass der die Wissenschaft veralbernde, die Wissenschaft schädigende sozialistische Unsinn, den die “Initiative feministischer” Ideologen verkündet, tatsächlich kurz vor dem Absterben ist. Und es zeigt einmal mehr, dass Feminismus in Deutschland und Staatsfeminismus im Besondern ein zutiefst sozialistisches Unterfangen ist, das bei den Berliner Gören auf der Vorstellung aufbaut, man lebe im Paradies und die gebratenen Maiskolben kämen zu allen, die sie bestellten.

economics for dummiesUm den ökonomischen Sachverstand der feministischen Ideologen einschätzen zu können, also den von z.B. Helma Lutz, Gisela Notz, Jasmin Fouati, Barbara Thiessen oder Alexandra Manske muss man sich nur vergegenwärtigen, dass Gelder, die verteilt werden sollen, irgendwoher kommen müssen. In einer Geldwirtschaft ist es nach wie vor so, dass Steuereinnahmen aus dem kommen, was erwirtschaftet und umgesetzt wird. Erwirtschaften und Umsetzen von Gütern, der Transfer von Ressourcen in Kapital setzt, das hat schon Karl Marx gewusst, Arbeit voraus. Arbeit ist die Grundlage aller Ökonomie, denn ohne Arbeit gibt es schlicht nichts, was man verteilen könnte. Diese einfache Annahme, die sich auch dem Alltagsverstand von feministischen Ideologen erschließen sollte, ist bei denselben dennoch völlig unbekannt oder Irene Messinger, Hildegard Maria Nickel, Melanie Plößer und Ute Klammer, haben ihre Welt in die Klasse der Arbeiter und die Klasse der Nutznießer der Arbeiter eingeteilt, also eine moderne Form von Sklaverei, die u.a. Christina Klenner, Sigrid Leitner und Yvonne Loft hier entwerfen.

Nur mit einer solchen Aufteilung in diejenigen, die die Geldmittel erwirtschaften und diejenigen, die sie verbrauchen, ist es zu erklären, wenn Heike Pantelmann, Katharina Pühl, Clarissa Rudolph und Karin Scherschel fordern, Kündigungen zu verunmöglichen, eine “menschenwürdige Grundsicherung” einzuführen, die “Stigmatisierung von Hartz-IV Empfängern” zu beenden, ein sinnvolles, sozial orientiertes Leben jenseits der Erwerbsarbeit einzuführen und öffentlich anzuerkennen, will heißen, zu finanzieren, wenn sie fordern, “Sorgearbeit” [vor allem für sich selbst versteht sich], der Begriff, mit dem der Rohrkrepierer Hausarbeit ersetzt wurde, finanziell aufzuwerten und die “Zentralität von Erwerbsarbeit zurückzudrängen” um Zeit für “private und gesellschaftliche Belange” zu eröffnen [Wir wünschen den Berliner Gören, dass Sie den Mut finden, diesem Lebensentwurf zu folgen und kündigen. Da sie keinen Wert auf materielle Dinge zu legen scheinen, ist der Bezug von Hartz IV für sie doch ausreichend, um eine perfekte Work-Life Balance herzustellen.]

Der US-amerikanische Ökonom Michael E. Porter hat die Typologie der Wealth-driven Society geschaffen und meint damit eine Gesellschaft, die degeneriert ist und und in der aktuelle Generation den Reichtum verleben, den ihre Eltern und Großeltern erwirtschaftet haben. Er meint damit eine Gesellschaft, die vergessen hat, dass die Mittel, die umverteilt werden sollen, eine funktionierende Ökonomie voraussetzen und von Arbeitern und Unternehmern erwirtschaftet werden müssen. Die Berliner Gören sind ein gutes Beispiel für das, was Wealth-driven Societies produzieren: Personen wie Alexandra Scheele, Tanja Schmidt, Karen Schierhorn oder Frauke Schwarting, die in ihrem Leben noch nie genötigt waren, hart zu arbeiten und deshalb keinerlei Wertschätzung für die Arbeit anderer haben.

layz assDiese arbeitenden Anderen werden zu den Sklaven, die man benötigt, um die Gelder zu erwirtschaften, die man umverteilen will. Gerechtigkeitsfragen, an denen die feministischen Ideologen, an denen Brigitte Stolz-Willig, Maria Wersig oder Brigitte Young doch vorgeben, so herausragend interessiert zu sein, kommen ihnen nicht in den Sinn, wenn sie das Geld, das andere erwirtschaftet haben, für ihre ideologischen Spleens aus dem Fenster werfen. Sie haben eben keinerlei Moral und keinerlei Empathie für arbeitende Andere. Sie wissen nicht, was es bedeutet, zu arbeiten und entsprechend wirkt es wie Hohn, wenn ausgerechnet sie sich über die “Prekarisierung von Erwerbsarbeit” mokieren, sie, die gar nicht wissen, wie Arbeit aussieht, sie, die davon ausgehen, dass ihr warmer Arbeitsplatz an der Universität über Nacht von Unbekannten gesäubert wird, dass der Müll, den sie täglich produzieren, von Unbekannten abtransportiert wird, dass die öffentlichen Verkehrsmittel, die sie selbstverständlich benutzen, von Unbekannten bewegt werden. Das alles sind Selbstverständlichkeiten, auf die feministische Ideologen ein Anrecht zu haben glauben. Mehr noch, dieses Anrecht auf die Tätigkeit von Erwerbssklaven geht soweit, dass sie für sich in Anspruch nehmen, nicht nur vom Mehrwert, den Müllfahrer, Zugschaffner oder Putzkolonnen täglich produzieren, dafür finanziert zu werden, dass sie ihre öffentliche Position an Universitäten missbrauchen, um eine “Initiative feministischer” Ideologen vermutlich mit den Ressourcen ihrer Universität und in ihrer Arbeitszeit zu starten, nein, sie nehmen gar in Anspruch, den von Dritten erwirtschafteten Mehrwert nach eigenem Gutdünken umverteilen zu können.

Man muss schon sehr in seiner ideologischen Welt befangen sein, wenn man derartig großkotzig auftritt und sich keinerlei Gedanken über diejenigen macht, deren Leben man mit der eigenen Selbstgerechtigkeit beeinträchtigt. Aber Empathie, das Mitgefühl mit anderen, war nie die Stärke von Ideologen, wenn es darum geht, das eigene Heil zu verkünden, sind Ideologen immer über Leichen gegangen.

Zur Erinnerung

Zur Erinnerung

Das Vernichtendste, das mit diesem Pamphlet einhergeht, ist die Tatsache, dass es auf dem Server einer öffentlich finanzierten Bildungsinstitution, nämlich der Humboldt-Universität in Berlin zu finden ist, dass Personen, die durch welche Form der Protegierung auch immer, in Positionen an wissenschaftlichen Organisationen gelangt sind, diese Position ungehindert dazu missbrauchen können, Wissenschaft zu pervertieren und ihre ideologischen Spleens zu verbreiten. Vermutlich wird sich kein Rektor, schon gar nicht der der Humboldt-Universität fragen, wie sich die politische Agitation der “Initiative” , die Mitarbeiter von Universitäten unterschrieben haben, darunter bislang zwölf Besetzer eines Lehrstuhls und somit verbeamtete öffentliche Angestellte z.B. mit dem Beamtenrecht vereinbaren lässt, das den Missbrauch öffentlicher Ämter zum Zwecke politischer Agitation untersagt, und natürlich wird der Rektor nicht fragen, wie viel von Steuerzahlern finanzierte Arbeitszeit aufgewendet wurde, um den 10seitigen Unsinn zu formulieren.

Deshalb fragen wir das an dieser Stelle in der Hoffnung, dass so mancher Rektor vielleicht doch entdeckt, dass eine Universität der Vermittlung von Wissen dient und entsprechend nicht als Plattform für politische Propaganda missbraucht werden, pervertiert werden kann und – in Ausnahmefällen – auf etwas aufmerksam wird, von dem er dachte, er habe es längst abgegeben: Rückgrat, Rückgrat, sich gegen den Ausverkauf seiner Universität, deren Missbrauch zu stellen.

Und abschließend sind noch zwei Positiva zu benennen:

Erstens, mit diesem Pamplet aus Berlin ist der unsägliche und dumme Streit darüber, ob Feminismus links oder rechts ist, beendet. Feminismus ist mindestens Sozialismus in neuer Umhüllung, ist der Versuch, Menschen die eigene Armut bzw. besser: Verarmung nunmehr als Gleichstellung schmackhaft zu machen.

Zweitens kann jeder Student, jeder Arbeitgeber anhand der Liste der Unterzeichner gleich eine Vorauswahl darüber treffen, wo er besser nicht studiert, sofern er an Wissenschaft und nicht an Ideologie interessiert ist bzw. darüber von wo man besser keine Absolventen einstellt, wenn man daran interessiert ist, leistungsfähige und leistungswillige Mitarbeiter einzustellen.

Die Feinde der Wissenschaft sitzen an Universitäten

- ein offener Brief an Beate Kortendiek
von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein
sciencefiles.org

Vorgeschichte

buchholzProf. Dr. Günter Buchholz führt dereit eine Befragung an deutschen Universitäten durch, mit der er die Entstehung der Genderforschung untersuchen und Informationen über die Ausrichtung und Tätigkeit von Genderlehrstühlen sammeln will. Dies ist, angesichts der Tatsache, dass wenig bis gar nichts über das bekannt ist, was Genderlehrstuhl-Inhaber eigentlich so den lieben langen Tag lang tun, und welchen Nutzen ihr Tun hat, ein sehr löbliches Unterfangen. Vor allem wenn man bedenkt, dass Genderlehrstühle von Steuerzahlern finanziert werden.

Mit seiner Befragung hat Günter Buchholz offensichtlich einen Nerv getroffen, denn gestern Nachmittag hat Arne Hoffmann auf einen Beitrag im Blog der HU-Berlin aufmerksam gemacht, in dem eine Dr. Beate Kortendiek vom "Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW", die ein Auskommen an der Universität Duisburg-Essen gefunden hat, offen dazu aufruft, die Befragung von Prof. Dr. Günter Buchholz zu boykottieren. Ein solches unwissenschaftliches, unkollegiales und allen Regeln wissenschaftlicher Lauterkeit widersprechendes Verhalten, ist selbst unter Genderisten nicht häufig zu finden, und deshalb haben wir uns an die alte Weisheit "Wehret den Anfängen!" erinnert und einen offenen Brief an Beate Kortendiek geschrieben, den wir ihr natürlich auch per Email geschickt haben.

Wer den offenen Brief unterstützen will, und wem es ein Anliegen ist, deutlich zu machen, dass Wissenschaft ein offenes und liberales und eben kein ideologisches Unterfangen ist, der ist herzlich eingeladen, den offenen Brief herunterzuladen und an beate.kortendiek@netzwerk-fgf.nrw.de zu schicken, gerne auch unter Ergänzung eigener Punkte - versteht sich.

Sehr geehrte Frau Kortendiek,

in ihrer Eigenschaft als Koordinatorin des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW haben Sie einen Brief an Mitglieder des Netzwerks geschickt, der im ZtG-Blog der HU-Berlin veröffentlicht wurde. Wir nehmen diesen Brief zum Anlass, Sie aufzufordern, in Zukunft alle Versuche, Wissenschaft und wissenschaftliche Forschung zu behindern oder zu unterbinden bzw. deren Ergebnisse zu beeinflussen zu unterlassen und sich öffentlich bei Prof. Dr. Günter Buchholz zu entschuldigen. Wir tun dies, weil Sie mit Ihrem Schreiben nicht nur der Universität Duisburg-Essen, sondern der Wissenschaft insgesamt einen großen Schaden zugefügt haben.

Begründung:
Sie informieren die Mitglieder des Netzwerkes “Frauen- und Geschlechterforschung” über eine Befragung, die Prof. Dr. Günter Buchholz durchführt und versuchen, Prof. Buchholz nicht nur als Person, sondern auch als Wissenschaftler zu diskreditieren. Dazu bedienen Sie sich Mitteln, die man nicht anders als schäbig bezeichnen kann, was vielleicht noch erträglich wäre, aber Sie begehen darüber hinaus eine Reihe von logischen Fehlschlüssen, die Sie und die von Ihnen vertretene Genderforschung in ein klägliches Licht rücken.

So schreiben Sie im Hinblick auf die von Prof. Buchholz durchgeführte Befragung:

“Die Standards für Forschung (wie sie etwa die DFG vertritt) setzen allerdings Ausgewiesenheit und kritische offene Beschäftigung mit dem Forschungsgegenstand der Geschlechterforschung voraus.”

UNi dui

Logo und Wirklichkeit

Es gibt nach unserer Kenntnis keine Standards der Forschung, die es vorsehen, dass man die Geschlechterforschung erforscht haben muss, bevor man sie erforschen kann. Sie scheinen derzeit die einzige zu sein, die diesen logischen Fehler macht. Man kann einen Forschungsgegenstand schlicht nicht erforschen, bevor man ihn erforscht hat. Auch Ausgewiesenheit ist kein Kriterium, an dem sich wissenschaftliche Forschungsfähigkeit bemisst. Es mag für Ideologen wichtig sein, dass sich nur Ideologen, die eine Ideologie teilen, mit bestimmten Feldern befassen. In der Wissenschaft ist dies nicht so, denn eine – wie sie schreiben – kritische und offene Beschäftigung mit einem Gegenstand setzt gerade keine ideologische Verbohrtheit voraus. Insofern sollten Sie froh sein, dass sich Prof. Buchholz durchgerungen hat, das Thema “Genderforschung” zu untersuchen. Er ist mit Sicherheit offen und dass er kritisch ist, belegen seine von Ihnen zitierten Beiträge, mit denen Sie offensichtlich nicht konform gehen.

Es mangelt ihnen, wie man ihrem Schreiben entnehmen kann, an Kritikfähigkeit und Offenheit, denn anders kann die aufschlussreiche Art, in der Sie versuchen zu insinuieren, die Arbeit von Prof. Dr. Buchholz sei nicht zitierfähig, nicht bezeichnet werden. Kritikfähigkeit meint übrigens nicht nur die Fähigkeit, zu kritisieren, sondern auch die Fähigkeit, Kritik zu akzeptieren und mit Kritik umzugehen. Daran haben Sie offensichtlich noch nie gedacht, was abermals zeigt, dass es Ihnen an intellektueller Offenheit mangelt und was ein Armutszeugnis für den Zustand der Geschlechterforschung darstellt, sofern Sie für Letztere repräsentativ sein sollten.

Aber Sie versuchen nicht nur, die Arbeit von Prof. Dr. Buchholz verächtlich zu machen, sie machen im Zuge ihres Versuchs durchgehend einen grundlegenden logischen Fehler. Spätestens das diskreditiert Sie vollständig als ernstzunehmender Wissenschaftler, denn ein Wissenschaftler weiß, dass die Qualität von Argumenten nicht davon abhängt, wer sie äußert. Da Sie denken, dass die Qualität von Argumenten von dem abhängt, der sie äußert und entsprechend einen Fehlschluss ad hominem begehen, können Sie kein Wissenschaftler sein (Das war übrigens ein astreiner modus tollens). Da Sie aber als Vertreter von Wissenschaft auftreten, schaden Sie der Wissenschaft durch dieses öffentliche Zurschau-Stellen von logischer Inkompetenz.

Frauen und GfDarüber hinaus schaden Sie der Genderforschung, denn durch ihre offensichtliche Angst, die Sie anzutreiben scheint, die Warnlampe vor der Forschung von Prof. Dr. Günter Buchholz zu schwenken, erwecken Sie den Eindruck, es gebe etwas im Bereich der Genderforschung, was man lieber unbeforscht, lieber nicht transparent und lieber geheim halten würde. Die Vertreter einer wissenschaftlichen Disziplin, die so jung ist, wie die Genderforschung, die entsprechend noch zu belegen hat, dass sie überhaupt die Bezeichnung wissenschaftliche Disziplin verdient, z.B. dadurch, dass sie empirische Probleme löst, müssten sich darüber freuen, wenn sich ein Wissenschaftler bereit findet, eine Meta-Analyse der Anstrengungen in der Disziplin vorzunehmen. Nur so ist es möglich, Erreichtes aufzulisten, Schwächen aufzuzeigen und Fehler zu korrigieren. Wenn Sie versuchen, eine Befragung zu boykottieren, die diesem Ziel dient, dann verhindern sie damit wissenschaftlichen Fortschritt, sie verhindern wissenschaftliche Arbeit und Erkenntnis und geben sich als Feind der Wissenschaft zu erkennen, der die Institution “Wissenschaft” offensichtlich für andere als Erkenntniszwecke missbrauchen oder gebrauchen will.

Logik f dummiesNun kann jeder von uns einen schlechten Tag erwischen, und Ihr Brief enthält alle Anzeichen einer emotionalen Erregtheit, eines im Affekt geschriebenen und nicht durchdachten Schreibens. Deshalb haben wir diesen Offenen Brief geschrieben, um Ihnen die Gelegenheit zu geben, sich öffentlich zu entschuldigen und den Schaden, den Sie der Wissenschaft im Allgemeinen und der Genderforschung im Besonderen zugefügt haben, zumindest in Teilen zu reparieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. habil. Heike Diefenbach
Michael Klein

ScienceFiles.org

Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema findet sich auf Genderama bei Arne Hoffmann

Das Ende der Bildung an deutschen Universitäten

Georg Kamphausen hat auf Academics.de einen Beitrag veröffentlicht, der deutlich und mutig zugleich ist und den zumindest ich in dieser Form von einem aktiven Wissenschaftler, der sich derzeit an einer Institution befindet, die sich trotz der “Freiheit der Lehre” doch vor allem durch eine schweigende Menge auszeichnet, nicht erwartet hätte. Entsprechend hat der Text meine Unaufmerksamkeitsschwelle gegenüber deutschen Universitäten nur durchbrechen können, weil er mir von Dr. habil. Heike Diefenbach in die Inbox geschickt wurde, mit der Bemerkung: “bemerkenswert”.

kamphausenUnd in der Tat, der Text des Bayreuther Professoren für Soziologie, Dr. Kamphausen ist bemerkenswert, und deshalb will ich nicht nur dafür sorgen, dass ihn noch mehr bemerken, sondern auch ein paar Bemerkungen am Text entlang vornehmen.

So richtig beginnt der Text von Kamphausen, der die Zustände an deutschen Universitäten, die Entprofessionalisierung und – wie ich hier schon anmerken möchte – die Entkernung von Wissenschaft und ihre Trivialisierung duch den Staatsfeminismus – darstellt, nach der Zwischenüberschrift “Plausibilitätsverlust institutioneller Leitideen”. Aber ich will noch weiter greifen und den Text von seinem Ende her aufrollen:

“Wenn eine Universität mehr leisten soll als Ausbildung (nämlich Bildung), wie erst unlängst der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (Hippler) forderte, dann möchte man gerne wissen, was sich die neuen Bildungsliebhaber (die in den letzten Jahren das Bildungsideal Humboldts lächerlich gemacht haben) unter ‘Bildung und Wissenschaft’ im Zusammenhang der sogenannten Hochschulreform denn vorstellen”.

Wer hier nicht nur Skeptizimus, sondern  Sarkasmus im Hinblick auf die Möglichkeiten, an deutschen Universitäten Bildung vermittelt zu bekommen, liest, der liegt, wie ich meine, richtig und dem wird sich dann im nächsten Schritt die Frage stellen, warum Kamphausen die Fähigkeit deutscher Universitäten, Bildung zu vermitteln, so abschlägig bescheidet.

Diese Frage führt zurück in seinen Text und dort zu Ausführungen, die man unter zwei Überschriften fassen kann:

  1. Deutsche Universitäten haben nicht mehr den Fächerkanon und das Personal, um Bildung zu vermitteln.
  2. Dass deutsche Universitäten zur Vermittlung von Bildung nicht mehr in der Lage sind, liegt an den Ergebnissen der “Netzwerkbildung”.

Da im Beitrag von Kamphausen der Begriff “Staatsfeminismus” ebenso wenig vorkommt, wie der Begriff “Entprofessionalisierung”, bitte ich die Leser nun beide Begriffe im Hinterkopf zu behalten.

Warum haben deutsche Universitäten nicht mehr das Personal und den Fächerkanon, um Bildung zu vermitteln?

brain-drainIch bin mir sicher, dass Kamphausen mit seinen Ausführungen über die fehlende Wissenschaftlichkeit der universitären Ausbildung, bei Dr. habil. Heike Diefenbach auf viel Zustimmung getroffen ist. Beide sind die nach meiner Kenntnis einzigen, die beklagen, dass die Vermittlung der Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens, das was man “Arbeitstechniken”, “Methode”, “Handwerkszeug” nennen könnte, an Universitäten keinen Raum mehr einnimmt. Zitiert wird irgendwie. Wo man Literatur herbekommt und nach welchen Kriterien, man gute Texte von schlechten Texten unterscheidet, dass es überhaupt schlechte Texte gibt, die sich unter die Rubrik “wissenschaftliche Texte” geschmuggelt haben, all diese Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens spielen an deutschen Universitären nur noch eine marginale Rolle, wenn sie überhaupt noch eine Rolle spielen (Diese Abwesenheit von wissenschaftlichen Standards geht nach meiner Beobachtung mit gerade zu aberwitzig abstrusen Anforderungen an die formale Gestaltung einer Arbeit an manchen Fakultäten und Instituten einher. Dabei besteht eine rekursive Kausalität in der Weise, dass je weniger die entsprechenden Fakultäten inhaltlich zu sagen haben, desto wichtiger ist es für sie, formale Feinheiten auszuarbeiten, die man nur als absurd und aberwitzig bezeichnen kann, z.B. wenn darauf bestanden wird, dass in einem Literaturverzeichnis Vornamen der Verfasser abgekürzt werden und ausgeschriebene Vornamen als falsch bezeichnet und mit Punkteabzug bestraft werden – Ganz offensichtlich ist bei der Ausarbeitung dieser Feinheiten, der eigentliche Zweck des Zitierens und der Sinn eines Literaturverzeichnisses aus dem Blick geraten.)

Aber zurück zu Kamphausen. Für Kamphausen ist die beschriebene Entprofessionalisierung der Universität das Ergebnis zweier Prozesse: Einerseits habe insbesondere der Bolognaprozess und die verbale Huldigung der inter- oder transdisziplinären Zusammenarbeit dazu geführt, dass der inhaltliche Kanon an Universitäten zu einem “Themensalat” geworden sei, in den jeder Fachbereich seine Lieblingsingredienzen kippe. Andererseits habe die völlige Abwesenheit von Kriterien, wie den oben genannten, dazu geführt, dass an Universitäten kaum mehr Personal vorhanden sei, das in der Lage wäre, einen sinnvollen wissenschaftlichen Kanon zu bestimmen und ihn auf Grundlage wissenschaftlicher Methoden und Kriterien auch zu vermitteln. Die Konsequenz, die Kamphausen daraus zieht, ist fast schon eine Dystopie:

da.Incompetent“Wie lassen sich philosophische Grundkenntnisse [z.B. die Grundlagen wissenschaftlicher Argumentation oder Logik] verteidigen, wenn die Vermittlung theoretischer Kompetenzen kein ausdrückliches Ziel multi-, trans- und interdisziplinärer Studiengänge mehr ist? Was geschieht, wenn das Selbstverständliche, das unbefragt Gültige nicht mehr selbstverständlich ist? Wasgeschieht, wenn niemand mehr über offensichtliche Dummheiten oder Peinlichkeiten, über schlechten Geschmack und intolerables Verhalten lacht?”

Die Fragen sind relativ leicht zu beantworten. Wenn Kompetenzen verloren gehen, dann reduzieren sich die Maßstäbe, so wie das im Fall “Schavan” geschehen ist. Plötzlich ist richtiges Zitieren nicht mehr ein von einem Wissenschaftler zu beherrschendes Handwerkszeug, eine Selbstverständlichkeit, deren Abwesenheit nur den Schluss zulässt, dass man es hier nicht mit einem Wissenschaftler zu tun hat. Nein, plötzlich ist richtiges Zitieren, sind die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens diskutabel. Plötzlich finden sich angebliche Wissenschaftler, die Gründe kennen, die es rechtfertigen, dass ein Wissenschaftler, das, Logik Salmonwas ihn erst zum Wissenschaftler qualifiziert, nämlich die Beherrschung der wissenschaftlichen Methode, nicht beherrscht. In den Worten der Logik, der Satz des ausgeschlossenen Dritten wird abgeschafft, ab sofort ist etwas und sein Gegenteil wahr. Früher galt das als Wahnsinn und war schon von daher aus der Wissenschaft ausgeschlossen. Heute ist es salonfähig geworden und man ist unwillkürlich an den Zoo erinnert, der von den Affen regiert wird.

Sind die Kriterien von Wissenschaftlichkeit erst einmal beseitigt, dann wird “Wissenschaft” zum Feigenblatt, das Ideologen nutzen, um ihre Ideologie als Wahrheit zu verkaufen. Beispiele dafür haben wir auf ScienceFiles schon mehrfach präsentiert. Und wenn die Ideologie erst einmal als Wissenschaft daher kommt, dann ist auch Peinlichkeit nichts mehr, was abschreckt: weder diejenigen, die die “Expertise” von Hinrich Rosenbrock nach wie vor zitieren noch diejenigen, die sich auf die “Expertise” von Thomas Viola Rieske beziehen, haben ein Problem damit, dass sich beide Autoren u.a. aufgrund ihrer zur Schau gestellten Unfähigkeit zur Prozentrechnung lächerlich gemacht haben. Die Lächerlichkeit von vermeintlichen Argumentationen ist heutzutage entschuldbar.

Warum sind deutsche Universitäten als Ort der Bildung degeneriert?

Die Antwort, die Kamphausen auf diese Frage gibt, könnte deutlicher nicht sein. Netzwerke haben deutsche Universitäten unterwandert, Netzwerke, deren Ziel nicht darin besteht, der Bildung an Universitäten dienlich zu sein, sondern deren Ziel gerade nicht darin besteht, der Bildung an Universitäten dienlich zu sein, Netzwerke, die universitäre Einrichtungen und ihre Ressourcen und ihren Status als Beute ausgemacht haben, der unter den eigenen Jüngern verteilt werden kann.

Dazu Kamphausen: “Der gegenwärtig zu beobachtende ‘Strukturwandel der Öffentlichkeit’ hört auf den Namen Netzwerk, die um der Verwirklichung rein ideenloser Interessen willen sich bilden (und deshalb eine Begriffsakrobatik pflegen, die vollständig wirklichkeitsresistent ist). Es handelt sich um Gruppen, die überein gekommen sind, in einer bestimmten Weise zu denken, man könnte sie als weltanschauliche (ideenlose) Sekten beschreiben, die sich an bestimmte (modische) Themen anklammern und über spezifische Themen, Agenden, Events etc. definieren.

logo_fam_hochKamphausen beschreibt Universitäten als Beute von Ideologen, von denen, die z.B. mit Unterstützung der DFG und des Wissenschaftsrats Universitäten genderisieren und zu Kinderbetreuungsanstalten umfunktionieren wollen, als Beute von denen, die mit Professorinnenprogrammen nicht Wissenschaftler, sondern bestimmte Geschlechtsteile auf Positionen hieven, Geschlechtsteile, die sich als willig gezeigt haben, was wiederum bedeutet, dass ihnen die Grundqualifikation eines Wissenschaftlers, die Kritikfähigkeit fehlt. Er beschreibt Universitäten als Beute von Spruchbeuteln, die Entitäten wie “Intersektionalistät” oder “Gender Mainstreaming” huldigen, oder denen ihre Mitgliedschaft bei Attac und anderen Institutionen, die Ideologie predigen, wichtiger ist als der Lehrstuhl, den sie besetzen.

Diese Netzwerke, die Universitäten unter sich aufteilen, überlappen zum Teil, zum Teile sind sie exklusiv, immer jedoch sind sie auf den Vorteil der Netzwerkangehörigen gerichtet und wahre Stätten der Harmonie durch Opportunismus:

“Netzwerke sind milieuspezifische Kleinwelten ohne Angriffsflächen, ohne Gegner, die nur aus Freunden (Re-Tribialisierung) bestehen. Was sich dabei herausbildet, ist eine von beschreibbaren Fähigkeiten und formalen Kompetenzen völlig absehende Elite der Arrivierten, deren leitende Philosophie der Opportunismus ist”

Was Kamphausen hier beschreibt, kann in seiner Dramatik nicht unterschätzt werden. Er beschreibt Schließungsprozesse, die Unintelligente in einem gemeinsamen Opportunismus miteinander auf Gedeih und Verderb verwoben sehen. Das gemeinsame Netzwerk ist nur deshalb aufrecht zu erhalten, weil es keine Kritik zulässt. Kritik würde unweigerlich die fehlende inhaltliche Tiefe, die fehlende fachliche Eignung oder den Double facepalmUmstand deutlich machen, dass man nichts zu bieten hat. Also vereint die Netzwerkangehörigen das Wissen um die gegenseitige Inkompetenz. Der daraus folgende Pakt der Kritiklosigkeit führt zum Nachzug geeigneter Inkompetenter und zur geradezu feindlichen Abschließung von der Realität, in der feindliche Personen daran erkennbar sind, dass sie Fragen stellen, Fragen, die Inkompetente natürlich nicht beantworten können. Entsprechend werden Universitäten immer mehr zu stummen Anstalten, an denen kein Austausch zwischen den einzelnen, kritik-fragilen Netzwerken stattfindet, sie werden zu Anstalten, die sich immer mehr von der Außenwelt lösen und gegen sie abschotten, zu Sekten, die selbstgenügsam sind und deren Mitglieder auf die nicht-Sektenmitglieder in gleicher Weise herunterschauen, wie sie sie fürchten. Damit ist das Gegenteil von Erkenntnisfortschritt beschrieben: Erkenntnisfortschritt braucht Kritik, braucht Auseinandersetzung, ständigen Streit um die richtige Darstellung der Realität. Wer sich gegen Kritik, Streit und Auseinandersetzung abschottet, zeigt damit, dass sein Bestreben in eine andere Richtung geht, eine Richtung die man unter die Rubrik des ideologisch opportunistischen Schmarotzens an Steuergeldern stellen könnte.

Europäische Meinungsmacher II: Manipulieren scheint in der EU-Kommission an der Tagesordnung zu sein

Ich kann mich noch entfernt an eine Konferenz an der Universität Mannheim erinnern, deren Ziel darin bestanden hat, Wissenschaftler dazu zu bewegen, die Daten des Eurobarometer für ihre Forschung zu nutzen, um dem Eurobarometer eine entsprechende wissenschaftliche Reputation zu verschaffen. In bestimmten Bereichen der empirischen Integrationsforschung hat die EU-Kommission dieses Ziel erreicht und den Eurobarometer als Datenquelle etabliert. In den letzten Jahren hat die Kommission den Eurobarometer jedoch als Mittel entdeckt, mit dem man trefflich die Öffentlichkeit manipulieren kann, in dem man Erfolgsmeldungen verbreitet, die – wie könnte es anders sein – die eigene Politik oder die Vorhaben der Europäischen Kommission legitimieren.

Die Legitimation von Entscheidungen oder Politiken ist heutzutage sehr wichtig, leben doch viele Menschen in der Illusion das politische System, das sie umgibt, sei eine repräsentative Demokratie. Aus der Repräsentation als Idee der Teilhabe, ist zwischenzeitlich die Repräsentation als Idee der Zustimmung geworden. Nicht mehr aktives Tun macht die Repräsentation aus, sondern passives sich-befragen-lassen. In diesem Sinne hat sich die Europäische Kommission mit dem Eurobarometer ein Instrument geschaffen, um das jeder Propagandaminister die EU-Kommission beneidet. Nicht nur kann die EU-Kommission nach Lust und Laune zu bestimmten Themen Umfragen “in Auftrag” geben. Auch kann sich die EU-Kommission sicher sein, dass die entsprechend beauftragten Umfragen regelmäßig mit positiven Ergebnissen aufwarten,  die Politik der Europäischen Kommission bestätigen und in jedem Fall legitimieren. In diesem Sinne haben Europäer nach Angaben der EU-Kommission u.a. einer gesetzlichen Regelung der Frauenquote durch die EU-Kommission mehrheitlich zugestimmt, sich mehrheitlich für die Schaffung einer europäischen Verfassung ausgesprochen, die Initiative der Kommisison zur Einsetzung eines EU-Außenministers begrüßt, sind mehrheitlich mit der GAP zufrieden [Gemeinsame AgrarPolitik] und vieles mehr. Was auch immer die EU-Kommission sich ausdenkt, was auch immer die EU-Kommission ihrer Generaldirektion für Kommunikation zur Legitimation übergibt, immer findet sich in Eurobarometer-Umfragen eine Mehrheit von Europäern ein, um dem jeweiligen Gegenstand auch zuzustimmen.

Die regelmäßige, mehrheitliche Zustimmung ist erstaunlich – jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick ist sie nicht erstaunlich, denn nicht nur gibt es eine Reihe von Techniken der Manipulation und Suggestion in Umfragen, die das Ergebnis der Befragung beeinflussen, auch finden sich alle diese Techniken in den jeweiligen Fragebögen des Eurobarometer. Je nachdem, von welcher Seite man es betrachtet, kann man den Eurobarometer als eine Umfrage ansehen, in der alle Todsünden der empirischen Sozialforschung begangen werden, so dass die Ergebnisse “biased” und nicht valide sind, oder man kann den Eurobarometer als Meisterwerk der Persuasion und Manipulation ansehen, in dem die besagten Techniken so gut eingesetzt werden, dass immer herauskommt, was herauskommen soll – fast immer.

Dies habe ich bereits im März diesen Jahres am Beispiel des Eurobarometer 376, der sich mit der Meinung der Europäer zu “Frauen in Führungspositionen” beschäftigt hat, gezeigt. Suggestive Frage, die Auslassung offensichtlicher Antwortkategorien und widersprüchlich formulierte Fragen, sie alle finden sich im Eurobarometer 376, und sie alle finden sich, um es Viviane Reding, u.a. für Justiz bei der EU-Kommission zuständig (man kann es einfach nicht oft genug betonen) zu ermöglichen, zu behaupten, dass Europäer mehrheitlich für eine gesetzliche Regelung der Frauenquote in Aufsichtsräten seien. Dass es trotz aller Suggestion und Manipulation im Fragebogen doch noch notwendig war, die Antworten der Europäer so zusammenzufassen, dass eine Zustimmung herauskommt und es darüber hinaus noch notwendig war, die befragten Europäer hinters Licht zu führen, um ihre Zustimmung zu ergaunern, zeigt, dass auch Manipulation an ihre Grenzen stößt, Grenzen, die für Frau Reding allerdings nicht gelten.

Was mit Blick auf den Eurobarometer 376 und den persönlichen Feldzug der Frau Reding wie ein Ausrutscher aussieht, ist jedoch die Regel: Die Europäische Kommission manipuliert über ihren Eurobarometer die öffentliche Meinung in Europa und nutzt die so manipulierte öffentliche Meinung, um die eigenen Tätigkeiten und Politiken zu legitimieren, um sich die demokratische Legitimation zu verschaffen, die das Gremium, da berufen und nicht gewählt (sondern nur vom Europäischen Parlament bestätigt), nun einmal nicht hat. Diese Feststellung ist das Ergebnis einer Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen, die mir geschickt wurden bzw. auf die ich aufmerksam gemacht wurde.

Ich habe nicht oft Gelegenheit, kritische Wissenschaftler in diesem blog zu loben und will es daher und ausdrücklich tun. Die im Folgenden benannten Wissenschaftler haben sich um die Wissenschaft und um die Demokratie verdient gemacht, indem sie auf die Manipulationen der Europäischen Kommission hingewiesen, sie offengelegt haben.

Markus Pausch (2008) ist der erste in der Reihe der Wissenschaftler, die sich kritisch mit der Europäischen Kommission und ihrer Nutzung des Eurobarometer auseinandersetzen. Pausch problematisiert die Nutzung des Eurobarometer zur Legitimation politischer Entscheidungen und gründet seine Kritik in erster Linie darauf, dass Europäer (1) regelmäßig zu europäischen Politiken befragt würden, von denen sie nachweislich keine Ahnung haben, (2) die Antworten der Europäer regelmäßig so zusammengefasst würden, dass eine Zustimmung zu Politiken der EU-Kommission dabei herauskommt, und (3) dass über Antwortvorgaben und den Befragungskontext, in dem bestimmte Fragen gestellt werden, bestimmte Antworten präjudiziert werden. Kurz: Pausch kritisiert, dass manipuliert wird, um bestimmte Ergebnisse zu erreichen.


Sylke Nissen (2012), die mir bereits vor einiger Zeit einen Beitrag geschickt hat, in dem sie die Benutzung des Eurobarometer unter unterschiedlichen Aspekten untersucht, ist der zweite der kritischen Wissenschaftler. Nissen zeigt, dass Fragen, die seit Beginn des Eurobarometer im Jahre 1973 und seitdem zweimal jährlich gestellt werden, obwohl sich ihr Wortlaut zwischenzeitlich verändert hat, in einer Reihe dargestellt werden, ganz so als hätte sich der Fragetext nicht verändert. Am Beispiel des selbsterklärten Interesses der Europäer an europäischen Angelegenheiten demonstriert Nissen, wie unterschiedliche Frageformulierungen sich positiv auf das Interesse an europäischen Angelegenheiten auswirken und wie die Europäische Kommission unterschlägt, dass die in der Abbildung dargestellte Entwicklung des Interesses kein erhöhtes Interesse, sondern eine veränderte Frageformulierung zur Ursache hat. Auch Nissen findet eine Reihe von manipulativen und suggestiven Techniken der Frageformulierung, mit denen sichergestellt werden soll, dass die Europäer auch die richtigen Antworten geben, die Antworten, die die Politik der EU-Kommission auch legitimieren, und last but not least, zeigt Nissen Auftraggebereffekte, d.h. wer bezahlt, bestimmt das Ergebnis der Befragung, ein Effekt, der bereits im Zusammenhang mit Eurobarometer 376 und der von Viviane Reding gewünschten Zustimmung zur Zwangsfrauenquote zu sehen war. Ihre Ergebnisse fasst Nissen eher zurückhaltend wie folgt zusammen: “Der öffentliche Gebrauch des Surveys [Eurobaromter] und seiner Ergebnisse macht aus dem Eurobarometer ein Politik-Instrument, in dessen Zentrum nicht mehr die Beobachtungs-, sondern die Interventionsfunktion steht” (16).

Auf die bislang umfassendste Kritik am Eurobarometer hat mich ein Leser dieses blog aufmerksam gemacht. Verfasst wurde sie von Martin Höpner und Bojan Jurczyk (2012), und ich lege die Arbeit angehenden empirischen Sozialforschern ans Herz, denn sie ist im Hinblick auf die korrekte Formulierung von Fragen grundlegend und deutlich informativer als die einschlägigen Lehrbücher. Höpner und Jurczyk konfrontieren die Fragen der Eurobarometer 43 bis 73.4 (von 1995 bis 2010) mit den zehn Grundregeln einer sauberen Umfrageforschung und finden Verstöße gegen acht der zehn Grundregeln:

  1. Fragen sind nicht verständlich oder missverständlich formuliert.
  2. Es werden hypothetische Fragen gestellt, für die keinerlei Kontext bereitsteht und die letztlich in sozial erwünschte Antworten münden.
  3. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Befragte, die von einem Fragegegenstand keine Ahnung haben, sich zu dem entsprechenden Fragegegenstand äußern. Im Gegenteil scheint es das Bemühen der Eurobarometer-Macher zu sein, Befragte zu Dingen wie Galileo, Treibhausgasemissionen in 20 Jahren und so weiter, zu denen sie sich nicht sinnvoll äußern können, zu befragen.
  4. Fragebatterien werden genutzt, um die Zustimmungstendenz, die Befragte in Fragebatterien, in denen sie sich nacheinander zu unterschiedlichen Gegenständen äußern sollen, nun einmal haben, in positive Antworten um zu münzen (zu den Reihefolgeeffekte: (Kirschhofer-Bozenhardt & Kaplitza, 1986, S.104).
  5. Befragte werden durch Unterstellungen in Fragen manipuliert (Manche sagen, dass …).
  6. Befragte werden durch Suggestivfragen manipuliert (… den Euro erfolgreich einführen).
  7. Antwortvorgaben sind einseitig zu Gunsten positiver Antwortmöglichkeiten verzerrt.
  8. Fragen werden in einen Kontext eingebaut, um die Befragten in die Stimmung zur positiven Antwort zu versetzen.

Höpner und Jurczyk finden abschließend und völlig ungewöhnlich für deutsche Wissenschaftler sehr deutliche Worte: “Nicht um mangelnde Sorgfalt geht es uns also, sondern um den begründeten Verdacht strategischer Manipulation. Dieser Verdacht ergibt sich aus der systematischen Gerichtetheit der Verstöße gegen die Regeln guter Umfrageforschung. Denn in ausnahmslos allen Fällen waren die Verstöße so gerichtet, dass sie geeignet waren, die Ergebnisse in eine pro-europäische, integrationsfreundliche Richtung zu lenken. Dass dies ohne Intention geschah, wollen wir ausschließen. Die wissenschaftliche Integrität der Eurobarometer-Befragungen muss also mit einem großen Fragezeichen versehen werden” (345-346).

Ich denke, angesichts der Belege, die allein in diesem post zusammengetragen wurden, muss man kein Fragezeichen mehr hinter die wissenschaftliche Integrität der Eurobarometer-Befragungen setzen, man muss schlicht konzedieren, dass der Eurobarometer keine wissenschaftliche Integrität mehr hat (falls er sie je hatte). Der Eurobarometer ist ein Manipulationsinstrument, ein Mittel zur Legitimationsbeschaffung, dessen sich die Europäische Kommission bedient, um nach Belieben öffentliche Rückendeckung für ihre Politiken herbei zu manipulieren. Es hat schon eine gewisse Ironie, dass das Instrument, mit dessen Hilfe die Europäische Kommission Europäer manipuliert, von den Manipulierten, finanziert wird. Es entbehrt nicht einer gewissen Würze, dass die Manipulationen vermutlich Zustimmung zu Politiken vorgaukeln, die in Wirklichkeit von einer Mehrzahl der Europäer abgelehnt werden (sofern sie sie überhaupt kennen). Und es ist letztlich zynisch, wenn eine nicht demokratisch legitimierte Institution die Manipulation des sogenannten Souveräns nutzt, um diesem Souverän vorzugaukeln, er würde eigentlich die politische Macht in Händen halten. Angesichts des Ausmaßes an Missbrauch kann man eigentlich nur fordern, den Eurobarometer zu schließen, die Steuergelder, die dafür verschwendet werden, einzusparen und die Auskunft darüber, was Europäer wollen und was nicht, Wahlen oder Volksabstimmungen zu  überlassen – damit wäre dann auch die leidige Frage der demokratischen Legitimierung ein für alle Mal beantwortet.

P.S.
Am 11. September haben wir einen Offenen Brief an den Präsidenten der EU-Kommission José Manuel Barroso geschrieben. Darin werden u.a. die Praktiken der Manipulation der Öffentlichkeit angesprochen, die Viviane Reding nutzt. Bislang hat sich Herr Barroso nicht zu einer Antwort genötigt gesehen. Und nachdem ich die Beweislage in diesem post noch einmal habe Revue passieren lassen, ist mir auch klar, warum: in dem Offenen Brief steht für ihn nichts Neues, dass die EU-Kommission scheinbar alle verfügbaren Mittel nutzt, um die Öffentlichkeit zu manipulieren, ist ihm offensichtlich längst oder bestens bekannt.

Literatur:
Höpner, Martin & Jurczyk, Bojan (2012). Kritik des Eurobarometers. Über die Verwischung der Grenze zwischen seriöser Demoskopie und interessengeleiteter Propaganda. Leviathan 40(3): 326-349.

Nissen, Sylke (2012). Beobachtung oder Intervention. Das Eurobarometer im Prozess der Europäischen Integration. Universität Leipzig: Serie Europa – Europe Series No.4/2012.

Pausch, Markus (2008). Die Eurobarometermacher auf der Zauberinsel. Konstruktion einer europäischen öffentlichen Meinung durch Umfrageforschung. SWS-Rundschau 48(3): 356-361.

Bildnachweis:
Tumeke

Manipulation von Umfrageergebnissen: Zustimmungsquoten wie die SED

Im politischen Diskurs ist es unglaublich wichtig, die “öffentliche Meinung” für sich zu reklamieren. Wer zuerst behauptet, er habe die Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite, hat einen first-mover Vorteil und zwingt diejenigen, die ihm widersprechen wollen dazu, nicht über den strittigen Inhalt zu sprechen, sondern über die vermeintliche Mehrheit für den strittigen Inhalt. Nun hat man nicht immer Volkes Mehrheit auf seiner Seite, was zuweilen ärgerlich, zuweilen betrüblich ist. Aber: Die Rettung naht bereits. Volkes Meinung bei einer Einwohnerzahl von rund 81.8 Millionen Bürgern zu erheben, ist, selbst wenn man alle Minderjährigen herausrechnet, ein nahezu unmögliches Unterfangen (Selbst der alle vier Jahre stattfindende Gang zur Urne gibt keinen Überblick über Volkes Meinung, sondern nur die Meinung derjenigen wieder, die sich aufraffen konnten, ihre Stimme in die Urne zu werden.).

Die Schwierigkeit, Volkes Meinung zu bestimmen, hat vieles für sich, denn wer etwas “im Namen des Volkes” behaupten will, kann das erst einmal, bis zum Beweis des mehrheitsfähigen Gegenteils, ungestraft tun. Aber, so einfach, werden manche sagen, ist das nun auch wieder nicht, denn die Sozialwissenschaften haben aus dem Nachlass von Paul E. Lazersfeld ein mächtiges Mittel der Bevölkerungsbefragung, den repräsentativen Bevölkerungssurvey, übernommen. Je nach Auswahlverfahren, so die Spezialisten dieser Befragungsmethode, reichen 1000 Befragte, um verlässlich auf Volkes Meinung zu schließen. Diese Haltung wird wiederum von anderen Spezialisten als naiver Glaube mathematisch und logisch Unbegabter angesehen, aber, wie dem auch sei, gehen wir einmal davon aus, eine repräsentative Befragung sagte wirklich etwas über die Wirklichkeit, über Volkes Meinung aus. Dies wollen uns in jedem Fall all die Politiker und Funktionäre Glauben machen, die bei jeder Umfrage, deren Ergebnis sie berichten, das Wörtchen “repräsentativ” in seinem jeweiligen Kasus besonders betonen. Repräsentativ soll heißen, das Ergebnis ist wahr, unverrückbar und richtig und niemand kann etwas dagegen vorbringen.

Tatsächlich scheinen Politiker und Funktionäre von der Macht der repräsentativen Umfrage so überzeugt zu sein, dass sie nicht einmal davor zurückschrecken, Ergebnisse zu manipulieren, um für sich die repräsentative Kraft von Volkes Meinung in Anspruch nehmen zu können. Ein Beispiel, das ich in diesem Blog bereits besprochen habe, ist Viviane Reding, bei der Europäischen Kommission ausgerechnet für u.a. Justiz zuständig (Gut, dass Lügen nur kurze Beine haben und nicht strafrechtlich verfolgt werden…), die in einer sehr kruden, fast schon primitiven Weise versucht hat, Ergebnisse des Eurobarometer für ihre Zwecke zu manipulieren. Ich habe in diesem Zusammenhang die “hohe” Kunst der Manipulation in Umfragen bereits angsprochen und will mich an dieser Stelle auf einen spezifischen Punkt konzentrieren, der Umfrageforschung zu einem mächtigen Instrument in den Händen der manipulierfreudigen politischen Klasse macht: Die Macht von Suggestivfragen, mit der sichergestellt werden kann, dass die Antworten, die man erhält, auch die Antworten sind, die man erhalten will.

Kurt Holm hat bereits 1975 in seinem unschätzbaren Büchlein, die Befragung, auf die Formen der Manipulation durch geschickte Fragestellung hingewiesen. Die Sicherstellung der “richtigen” Antworten in einer “repräsentativen Umfrage” kennt sieben Strategien, sechs davon, will ich hier nennen (Holm, 1975, S.63):

  • “Man formuliert scheinbar offene Fragen mit expliziten oder impliziten Antwortalternativen (z.B.: “Sind Sie der Meinung, dass die Rentenüberschüsse aufgespart werden sollten?” – es fehlt: oder sollten sie nicht aufgespart werden.);
  • Man formuliert geschlossene Fragen ohne eine vollständige Liste von Antwortmöglichkeiten zu präsentieren. Antworten, die nicht erwünscht sind, werden als Antwortalternativen nicht vorgegeben. (Dies ist eine beliebte Strategie, die man immer wieder beobachten kann: Wie würden Sie die Artikel in der Wikipedia beschreiben? Sachgerecht, neutral, kenntnisreich, weiterführend, grundlegend. Es fehlt: zuweilen diffamierend, falsch, ideologisch eingefärbt usw.);
  • Die verfeinerte Variante der zuletzt genannten Möglichkeit besteht darin, die Antwortvorgaben zwar zu nennen, aber so zu formulieren, dass der Befragte von ihrer Nennung abgestoßen wird (z.B. absichtlich diffamierend und rechtsextrem oder linksextrem);
  • Man kann Befragten auch eine lange Liste von Antwortmöglichkeiten vorlesen und die vom Auftraggeber der Befragung gewünschten Antworten an das Ende der Liste stellen, so dass sie dem Befragten in bester Erinnerung sind und eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, genannt zu werden, als die anderen Antwortmöglichkeiten.
  • Wenn Mehrfachnennung prinzipiell möglich sind, dann lässt man sie nicht zu und zwingt Befragte, sich zwischen zwei Möglichkeiten zu entscheiden. (Welche Informationsquelle halten Sie für besonders verlässlich? Wikipedia, oder Kaffeesatzlesen);
  • “Man formuliert suggestiv – nicht in simpler, auffälliger Weise – sondern dadurch, dass man in einer Frage Argumente für die gewünschte Antwort einbaut”.

Soviel zur Theorie, nun zur Praxis:

Ein besonders schönes Manipulations-Beispiel habe ich gerade auf den Seiten des DGB gefunden. Dort steht die folgende Pressemeldung: “forsa-Umfrage: 80 Prozent gegen Senkung des Rentenbeitrags”. Die Senkung des Rentenbeitrags als Ergebnis der Tatsache, dass man den derzeitigen Beitragszahlern zu viel Beiträge abgeknöpft hat, ist zwischenzeitlich vom Bundeskabinett beschlossen worden, wird vom DGB aber heftig bekämpft. Wie alle sozialistischen Vereinigungen, so hat auch der DGB ein kollektives Weltbild, indem Solidarität zum Schlüssel nicht nur für eigene Bereicherung wird, die Funktionäre sich deutlich höhere Einkommen genehmigen sieht, als die Mitglieder, die z.B. durch ihren Beitrag die Mittel aufbringen, aus denen Funktionäre sich bedienen, sondern auch zum Schlüssel dafür, derzeitige Beitragszahler zu Gunsten einer “kollektiven Nachhaltigkeit” mehr zur Ader zu lassen als notwendig. Da bekannt ist, dass die gesetzliche Rentenversicherung vor allem für männliche Beitragszahler eine negative Rendite erwirtschaftet, kommt diese Verpflichtung zur Solidarität, die dem DGB vorschwebt, dem unkonditionierten Diebstahl gleich.

Aber: Der DGB hat die Mehrheit, nein, die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite. Das beweist eine Umfrage von forsa und das weiß Annelie Buntenbach wie folgt in Worte zu fassen: “Die von der Bundesregierung geplante Beitragssenkung ist unverantwortlich und wird von einer erdrückenden Mehrheit der … Bürger abgelehnt. Die Behauptung, eine Senkung des Rentenbeitrags sei im Interesse der … Arbeitnehmer, ist damit eindrücklich widerlegt”. Ist sie das wirklich?

Zunächst ist es schwer nachvollziehbar, dass Befragte auf die Rückgabe von Beiträgen freiwillig verzichten sollen. Die Mär von der Solidarität kennt zwar den altruistischen Verzichter, der lieber (ver)hungert, bevor er seine Solidarität mit anderen einstellt (oder wie Neil Young sagt: When the benefit comes, I’m last in Line), aber in der Realität ist er mir noch nie begegnet. Nun gut, ich sitze auch nicht im Vorstand des DGB, aber selbst dort ist die Anzahl der Vorstände, die zu gunsten notleidender Alleinerziehender auch nur auf einen Teil ihres üppigen Gehalts verzichten, eher nicht existent. Wie kommt es also, dass 80% von 1001 (!sic) von forsa in einer repräsentativen Umfrage (wie könnte es auch anders sein) Befragte freiwillig auf die Rückgabe von Beiträgen, die einige von Ihnen geleistet haben, verzichten?

Die Antwort ist einfach. Die Antwort verweist zunächst auf Alternative 6 aus der Liste der Möglichkeiten zur Manipulation von Befragungsergebnissen: suggestive Fragen. Forsa hat suggestiv gefragt. Nicht plump suggestiv, nein, ziemlich geschickt. Die gesamte Antwortverteilung hängt nämlich nur an einem einzigen Adjektiv, dem Adjektiv “geringfügig”.

Die Überschüsse der Rentenversicherung, so fragen die Mannen von forsa, sollten genutzt werden, um die Beiträge zur Rentenversicherung geringfügig zu senken oder aufgespart werden.

Die Suggestivkraft des Adjektivs “geringfügig” ist groß, wie man schnell sieht, wenn man sich an den Zusammenhang erinnert, in denen das Wörtchen “geringfügig” sonst eine Rolle spielt: “geringfügig Beschäftigte”, “geringfügige Einkommen”. Geringfügig ist nicht nur negativ konnotiert, es ist auch bedauernswert wenig. Wer erwartet bei dieser Fragestellung, dass viele Befragte für die “geringfügige Senkung” votieren, wenn man von aufgespartem Guthaben doch eigentlich eine Rendite erwarten kann, die nicht geringfügig ist? Dies führt zum nächsten Manipulationstrick in dieser simplen Frage: Sparen ist eine Tätigkeit, die individuelle Beteiligung suggeriert. Wer spart erhält Zinsen. Wem fällt in diesem Zusammenhang wohl ein, dass er als Beitragszahler zwar etwas von einer geringfügigen Beitragssenkung, aber nichts von einer nicht näher klassifizierten (um seine Phantasie nicht zu hemmen) “Aufsparung” hat. Wundern sie sich nicht über das “Auf” anstelle des “An” vor dem Sparen? Aufsparen klingt nach, viel Geld, hohe Zinsen, Ansparen klingt nach wenig Zinsen und lange Wartezeit, abermals eine geschickte Suggestion, um die richtige Antwort sicherzustellen.

Man kann also feststellen, dass dann, wenn es darum geht, Volkes Meinung für sich zu reklamieren, keine Suggestion, kein Trick gescheut wird, denn: die eigene Position wird durch die repräsentative Mehrheit des Volkes geadelt.

Abschließend noch ein bischen Methodologie der empirischen Sozialforschung:
In Umfrageforschung unterscheidet man zwischen standardisierten, halbstandardisierten und offenen Befragungsformen. Der Unterschied besteht im Wesentlichen in der Strickheit der Vorgaben. In standardisierten Umfragen werden den Befragten Antwortalternativen vorgegeben (sogenannte standardisierte Fragen gestellt) in offenen Befragungsformen gibt es zuweilen nicht einmal konkrete Fragen, aber zumeist gibt es einen Leitfaden von Fragen, die dem Befragten gestellt werden und auf die er ohne Antwortvorgaben antworten soll. Die forsa Befragung ist eine standardisierte Befragung, in der Fragen und Antworten vorgegeben wurden.

Die Frage, ob es möglich ist, auf der Grundlage von 1000 Befragten repräsentative Aussagen über die Gesamtheit der Bevölkerung herzustellen, ist unter Forschern umstritten. Ich gehöre zu der Fraktion, die sagt, es sei nicht möglich, auf Grundlage von 1000 Befragten oder auch auf Grundlage von 10000 Befragten repräsentative Aussagen für die Gesamtheit der Bevölkerung zu machen. Dies liegt u.a. an einem inhärenten Problem der Repräsentativität. Das Axiom der Repräsentativität sagt, dass zufällig ausgewählte Befragte für eine Grundgesamtheit repräsentativ sind. Das Axiom basiert auf dem Gesetz der großen Zahl, wonach z.B. mit der Anzahl der Würfe eines Würfels sich die Verteilung von 1, 2, 3, 4, 5 und 6 der statistischen Wahrscheinlichkeit für z.B. eine 1 von 1/6 annähert. Die Frage, wann eine Umfrage für 81 Millionen Deutsche repräsentativ ist, ist somit eine Frage der Menge und man kann feststellen, dass 1000 Befragte mit Sicherheit zu wenige sind, um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Repräsentativität herzustellen. Deshalb behilft man sich mit demographischen Variablen. Der Anteil von Männern und Frauen, von 15 bis 21jährigen und 65 bis 75jährigen, sowie Bewohner von Städten und Dörfern mit weniger als 1000 Einwohnern ist bekannt. Der Anteil der auf die entsprechenden Kategorien in einer Befragung entfällt, kann errechnet werden. Die Abweichung zwischen beiden, der tatsächlichen Verteilung und der Verteilung in der Befragung, die sich z.B. im Hinblick auf den Anteil der 15 bis 21jährigen ergeben hat, wird dann durch “Gewichtung” ausgeglichen. Das bedeutet schlicht, wenn ich in der Gesamtbevölkerung 10,4% 15 bis 21jährige, in meiner Befragung aber nur 5,2% habe, dass die entsprechenden Befragten mit dem Faktor 2 multipliziert werden. Das sehen manche als Garant für Repräsentativität an, ich halte es für Erbsenzählerrei, und falls Sie schon einmal befragt wurden, z.B. von forsa und sich gewundert haben, warum Sie Ihr Alter und die Größe Ihres Wohnorts angeben sollten, jetzt wissen Sie es.

I’m proud to be a Union Man, die D-Rangers spielen Neil Young:

Europäische Meinungsmacher – Wie man Umfrageforschung für seine Zwecke missbraucht

EU-Kommissarin Viviane Reding ist nach eigener Aussgae “zu allem bereit”  [auch zum Rücktritt?]. Die ehemalige Journalistin Viviane Reding hat eine Mission: Sie will den Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten großer Unternehmen erhöhen. Nicht von sich aus, versteht sich. Politiker sind bekanntlich altruistisch und tun nichts für sich, Politikerinnen schon gar nicht. Nein, Reding hat einen Befragtenauftrag: “Dem neuesten Eurobarometer zufolge wollen drei von vier Europäern, dass Frauen per Gesetz bei gleicher Qualifikation dieselben Chancen auf Spitzenposten bekommen”. Wie sich die Zeiten ändern. Früher waren es Wahlen und der Wählerauftrag, der von Politikern in ihrem Sinne ausgelegt wurde und mit der durch die Wahl versehenen Legitimation begründet wurde. Heute leiten Polit-Komissarinnen ihre Legitimation aus Meinungsumfragen ab, die sie vermutlich selbst in Auftrag gegeben haben, um das entsprechende Ergebnis als Legitimation präsentieren können. Starke Behauptung? Hier kommen die Belege:

Als nach dem Zweiten Weltkrieg die empirische Sozialforschung in ihrer quantitativen und standardisierten Form aus den USA nach Europa kam, da hatten die Pioniere der empirischen Sozialforschung, Paul F. Lazersfeld oder Bernard Berelson, bereits erhebliche methodische Vorarbeiten geleistet. Ziel der methodischen Vorarbeiten war es, in standardisierter Form Fragen zu formulieren, die möglichst wenig an Antwort vorgaben. Ziel war es, die Meinung der Befragten zu erforschen, nicht sie vorzugeben. In Deutschland haben sich derart methodische Fragen des “Wie befragt man Menschen, ohne ihnen die Antwort bereits in den Mund zu legen” in einer Vielzahl von “Methoden-Büchern” niedergeschlagen. Z.B. Kurt Holm (1975) hat sich über rund 60 Seiten mit der Art und Weise, wie man Fragen stellt, befasst und im Rahmen seiner Ausführungen auch einen kleinen Katalog der manipulativen Fragen aufgestellt, die es zu vermeiden gilt, wenn man sich als lauterer und an die Meinung der Befragten widerspiegelnden Antworten interessierter Sozialforscher qualifizieren will. Für die folgende Analyse will ich mich auf zwei der sieben von Kurt Holm identifizierten Manipulationstechniken beschränken und meinerseits eine Technik ergänzen, an die Holm nicht gedacht hat:

  • Man lenkt das Denken von Befragten durch Fragetexte in eine bestimmte Richtung, suggeriert ihnen eine Meinung.
  • Man lässt offensichtliche Antwortkategorien in den Antwortvorgaben aus.
  • Man stellt widersprüchliche Fragen, um sich die passende Antwort aussuchen zu können.

Framing oder: Wie stelle ich sicher, dass Befragte in die richtige Richtung gelenkt werden?

Eurobarometer 376, auf den Viviane Reding ihren “Befragtenauftrag” stützt, beginnt die Fragenbatterie, die sich mit Frauen in Führungspositionen beschäftigt, mit einer geradezu genial-subtilen Formulierung:

“Derzeit haben in der Europäischen Union weniger Frauen als Männer eine Führungsposition inne. Bitte sagen Sie mir, ob Sie den folgenden Aussagen zu diesem Thema zustimmen.”

Wem auch immer diese Frage eingefallen ist, er versteht sein Manipulationshandwerk. Fast unbemerkt, suggeriert er in seinem Fragetext den Befragten, ihre Meinung würde zu einem Missstand eingeholt. Die komplette suggestive Wirkung dieser Frage hängt an dem Wörtchen “derzeit”. Derzeit ist eine adverbiale Ergänzung, die sich entsprechend auf das Verb des Satzes (inne haben) bezieht und suggeriert, dass der derzeitige Zustand des Innehabens veränderungsbedürftig ist. Die Richtung der Veränderung ist ebenfalls vorgegeben, denn der Komparativ von wenig “weniger als” bezeichnet den zu verbessernden Umstand sehr deutlich. Die Frageformulierung suggeriert somit eindeutig, dass der zu verändernde Zustand darin besteht, dass weniger Frauen als Männer Führungspositionen inne haben. Damit ist der Rahmen für die weitere Befragung gesetzt. Es geht darum, die geringere Zahl von Frauen in Führungspositionen zu beseitigen. Mit diesem suggestiven Trick gelingt es den Befragern der EU ganz nebenbei, jegliche Form der Begründung als unnötig, weil offensichtlich zu etikettieren. Kaum jemand fragt sich nach einer solchen Eröffnungsfrage, warum es eigentlich mehr Frauen in Führungspositionen geben muss?

Auslassung von Antwortalternativen

Die im letzten Absatz zitierte Frage ist die Einleitung zu einer kleinen Itembatterie, die aus fünf vorgegebenen Ursachen dafür besteht, warum Frauen seltener als Männer Führungspositionen in großen Unternehmen inne haben könnten. Interessant sind an dieser Stelle nicht die Antwortalternativen, die den Befragten vorgegeben werden, interessant sind die Antwortalternativen, die den Befragten nicht vorgegeben werden, z.B.:

  • Viele Frauen streben keine Führungspositionen an.
  • Viele Frauen wollen sich lieber um ihre Familie kümmern.
  • Viele Frauen wollen die Zeit, die sie mit ihrer Familie verbringen, nicht dem beruflichen Fortkommen opfern.
  • Viele Frauen arbeiten lieber teilzeit und können deshalb bei Beförderungen nicht berücksichtigt werden.

Keine dieser Antwortalternativen, die sich aus einer Reihe vorhandener Forschunsergebnisse leicht hätten ableiten lassen (z.B.: Hakim 1991) wird in der Eurobarometer-Befragung gefragt. Zudem fehlt bei allen Antwortalternativen, die den Befragten vorgegeben wurden, eine Differenzierung, wie ich sie hier mit “viele” vorgenommen habe. Die Befrager des Eurobarometers stellen ihre Befragten vor eindeutige Wahlen: Entweder alle Frauen sind weniger bereit für ihre Karriere zu kämpfen als Männer oder keine Frau ist weniger bereit für ihre Karriere zu kämpfen als Männer. Derart apodiktische Setzungen mögen für ideologische Zwecke sinnvoll sein, für empirische Sozialforschung sind sie gänzlich ungeeignet.

Widersprüchliche Frageformulierungen

Mein “Spitzenreiter” unter den manipulativen Befragungsformen, Spitzenreiter deshalb, weil er sich nach meiner Beobachtung besonders häufig in sogenannten Befragungen findet, ist das Stellen zweier leicht variierter, aber widersprüchlicher Fragen oder – in anderen Worten, das offene Manipulieren der Antworten in der Weise, dass man sich aus den beiden Fragen die passende Antwort aussuchen kann. Im Eurobarometer 376 wird diese Manipulationstechnik in besonders haarsträubender Weise angewendet. Frage QE4.1 lautet:

“Was ist Ihrer Meinung nach der beste Weg, um ein ausgewogeneres Verhältnis von Frauen und Männern in Aufsichtsräten von Unternehmen zu erreichen? (1) Freiwillige Maßnahmen, wie z.B. nicht verbindliche Grundsätze der Unternehmensführung und Satzungen; (2) Selbstregulierung, indem die Unternehmen sich ihre eigenen Ziele setzen; (3) Verbindliche rechliche Maßnahmen; (4) Es besteht keine Notwendigkeit, ein ausgewogeneres Verhältnis von Frauen und Männern in den Aufsichtsräten von Unternehmen zu erreichen.”

Dieser Frage folgt die folgende Frage:

QE5: “Einige europäische Länder (z.B. Frankreich, Spanien, die Niederlande, Italien, Belgien und Norwegen [Viele Nennungen schaffen Zustimmung, denn niemand will in der Minderheit sein]) haben bereits gesetzliche Maßnahmen ergriffen, um ein ausgewogeneres Verhältnis von Frauen und Männern in Aufsichtsräten und Unternehmen zu gewährleisten. Sind Sie für oder gegen ein solches Gesetz, unter der Voraussetzung, dass die Befähigung berücksichtigt wird und dass nicht automatisch das eine oder das andere Geschlecht bevorzugt wird?” (1) voll und ganz dafür, (2) eher dafür, (3) eher dagegen, (4) voll und ganz dagegen. [Man fragt sich an dieser Stelle, ob alle Befragten, die sich in QE4.1 gegen eine gesetzliche Regelung ausgesprochen haben, hier gezwungen werden, für oder gegen eine gesetzliche Regelung Stellung zu beziehen oder ob alle, die keine gesetzliche Regelung befürworten, ausgefiltert also nicht mehr befragt wurden. Sollte ersteres der Fall sein, ist dies ein kruder Verstoß gegen die wissenschaftliche Lauterkeit (und ein Mangel an Respekt für die Befragten), ist Letzteres der Fall, dann basieren die Ergebnisse auf QE5 nicht wie Reding behauptet auf allen (befragten) Europäern, sondern lediglich auf den 26%, die sich in QE4.1 für eine gesetzliche Regelung ausgesprochen haben.]

Die erste der beiden Fragen hat zum Ergebnis, dass sich 26% der befragten Europäer für eine gesetzliche Regelung, 51% für eine der beiden freiwilligen Regelungen aussprechen, dass 8% keine Notwendigkeit sehen, ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Aufsichtsräten herzustellen und 15% mit “weiss nicht” antworten. Das ist eine klare Mehrheit von 59%, die keine gesetzliche Regelung als Mittel zur Durchsetzung einer Frauenquote wählen.

Die zweite Frageformulierung führt im Gegensatz dazu zu dem Ergebnis, dass 37% der Europäer von sich sagen, sie seien voll und ganz für die vorgeschlagene gesetzliche Regelung und 38% angeben, sie seien “eher dafür”. Nun eine Frage an die Leser: Welches der beiden Ergebnisse hat sich Frau Reding zu eigen gemacht, um ihren Kreuzzug für eine Frauenquote in Aufsichtsräten mit Befragtenlegitimation zu versehen? Richtig: die zweite und der Einfachheit halber hat sie die beiden Kategorien (“voll und ganz dafür” und “eher dafür”) auch gleich zusammengefasst, und so kommt es, dass angeblich “drei von vier Europäern” wollen, dass “Frauen per Gesetz bei gleicher Qualifikation dieselben Chancen auf Spitzenposten bekommen”.

Als ehemaliger Sozialforscher macht mich derart offene Manipulation und ein derart offener Missbrauch der empirischen Sozialforschung wütend. Allerdings weiß ich derzeit nicht, ob ich wütender auf Polit-Kommissarinnen wie Reding bin oder auf die schweigende Gemeinde der Sozialforscher, die aus Angst, keine Auftragsforschung für öffentliche Auftraggeber mehr durchführen zu dürfen, den Mund hält und dabei zusieht, wie ein einst nützliches Mittel zur Beförderungen wissenschaftlicher Erkenntnis durch Ideologen diskreditiert und missbraucht wird. Selbst der Eurobarometer ist einst mit dem Ziel gestartet, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen. Der erste Verantwortliche für den Eurobarometer, Karl-Heinz Reif, war zwar kein ausgewiesener Papst der empirischen Sozialforschung, aber immerhin Professor für Politikwissenschaft an der Universität Mannheim, so dass man annehmen kann, Kriterien der wissenschaftlichen Lauterkeit waren ihm nicht ganz unbekannt. Leider haben er und viele andere dabei zugesehen, wie die Umfrageforschung von Politikern und Ideologen aller Art gekapert wurde und nunmehr für ihre Zwecke missbraucht wird.

Der Eurobarometer ist als sogenannter Bus konzipiert, d.h. es gibt einen Kern von Fragen, die immer gestellt werden, um den herum Frageplätze gegen Bezahlung bereitgestellt werden. Sein Kern besteht aus Fragen, die seit 1973 wiederkehrend gestellt werden und u.a. die Zufriedenheit mit der demokratischen Verfassung der EU zum Gegenstand haben. Diese Fragen werden zweimal pro Jahr im Rahmen der Standard-Eurobarometer gestellt. Zudem ist es Generaldirektoraten der EU möglich, sich in den Eurobarometer einzukaufen (im Befragungsbus mitzufahren) und Fragen zu stellen, die z.B. für den entsprechenden Polit-Kommissar, der die jeweilige Generaldirektion unter sich hat, von Interesse sind. Wer hat wohl die Fragen bezahlt und gestellt, mit denen Reding nun hausieren geht? Vermutlich Ihre Generaldirektion. Deshalb und weil die Mehrheit der Sozialwissenschaftler den Mund nicht aufbringt, ist es problemlos möglich, sozialwissenschaftliche Methoden zu kapern, für die eigenen Zwecke zu missbrauchen und Befragte und Befragungsergebnisse nach Lust und Laune zu manipulieren.

Die Bereitschaft an Befragungen teilzunehmen, ist über die letzten Jahre stetig gesunken. Manche Befragungsinstitute sind bereits dazu übergegangen, ihre Befragungsteilnehmer zu bezahlen oder mit (kleinen) Geschenken bei der Stange zu halten. Möglicherweise ist es gerade der Missbrauch von Befragungen durch Politiker und Polit-Kommissare, die interepretieren, was ihnen gerade in den Kram passt, der dazu geführt hat, dass immer weniger bereit sind, als “Befragter-Legitimator” für was auch immer herzuhalten. Wie auch immer, so langsam sollte der schweigenden Mehrheit der empirischen Sozialforscher, vor allem der großen Anzahl von Professoren, die für sich in Anspruch nehmen, für das Fach zu stehen (bzw. zu schweigen), etwas zum Missbrauch ihrer Wissenschaft einfallen.

Literatur

Hakim, Catherine (1991). Grateful Slaves and Self-Made Women: Fact and Fantasy in Women’s Work Orientations. European Sociological Review 7(2): 101-121.

Holm, Kurt (1975). Die Frage. In: Holm, Kurt (Hrsg.). Die Befragung I. Tübingen: A. Francke Verlag, S.32-91.

Bildnachweis:
qualdrics

Und Rosenbrock zum Allerletzten – hoffentlich …

Der Kommentar, den Dr. habil. Heike Diefenbach zu “Rosenbrock zum Letzten” geschrieben hat, ist mir zu wertvoll, als dass ich ihm nicht einen eigenen Thread einräumen möchte. Es ist so etwas wie der allerletzte Versuch, die wissenschaftliche Kenntnislosigkeit, die die Heinrich Böll Stiftung und all ihre Adepten fest im Griff hat, zu durchbrechen und der Vernunft zum Einzug zu helfen. Der folgende Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach stellt daher die Fortsetzung der uralten Suche nach Vernunft dar, die schon Bertrand Russell wie folgt beschrieben hat:

“It has been said that man is a rational animal. All my life I have been searching for evidence which could support this.”

Wie UNENDLICH MÜDE einem diese Clownerien der Böll-Stifung machen! Dieses bis in die Absurdität gesteigerte Ausmass an Trotz erinnert mich an einen Zweijährigen, der, wenn er nicht bekommt, was er will, so lange schreit, bis er rot anläuft und an der Folgen der eigenen Hysterie zu ersticken droht.

Um der Böll-Stiftung diesen unschönen (Reputations-)Tod zu ersparen, will auch ich trotz der bleiernen Schwere, die ich angesichts dieser unsäglichen Angelegenheit empfinde, noch einmal eine Entwicklungschance bereitstellen:

Herr Klein hat recht: Die Diskreditierung Andersdenkender durch Worte wie “diffamiert” und ähnliche Kampfbegriffe mag als verzweifelter Versuch derjenigen durchgehen, denen es an Argumenten mangelt und die in ihrer Not zu einer Art Wortmagie (um nicht zu sagen: rituellem Singsang) greifen, von dem sie glauben, sie würde die Argumente der Andersdenkenden irgendwie “bannen”, so wie die Gesänge der Druiden auf dem Schlachtfeld den Kampf gewinnen sollten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Leute, die ernst genommen werden möchten, dermassen ins Lächerlich-Kultische abdriften. Also, lassen Sie uns das korrigieren und noch einmal versuchen, in die Normalität zurückzukehren!

Die Normalität beinhaltet die Möglichkeit der Kritik. Kritik ist berechtigt, wenn sie mit den Tatsachen übereinstimmt. So ist die Kritik, die auf diesem blog geäussert wurde, dass der Text von Herrn R. in keiner Weise ein wissenschaftlicher Text ist, schon deshalb berechtigt, weil der Text von Herrn R. eben insofern keinerlei wissenschaftlichen Standards genügt: Er hat eine intuitive, von keinerlei methodischen Überlegungen im Vorfeld geleitete Vorgehensweise bei der Auswahl seines Datenmaterials und seiner Interpretation desselben gewählt. Das kann jede/r. Das ist nicht Wissenschaft. Und in aller Klarheit muss festgehalten werden, dass es hierüber nichts zu diskutieren oder zu verhandeln gibt. KEINE mir bekannte wissenschaftliche Schule verzichtet auf eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit von Vorgehensweisen oder Interpretationen. Natürlich kann man auf diesen Anspruch verzichten, aber dann spricht man in Zungen, stellt sich jedenfalls außerhalb jeder Wissenschaft.

Dieser blog stellt – anders als Seiten der Böll-Stiftung – die Möglichkeit zum Kommentar bereit. Also hätte es denjenigen, die die Wissenschaftlichkeit von Herrn R.s Text behaupten, ein Leichtes sein müssen, ihre Argumente hier vorzustellen und mit den Kritikern in einen Austausch zu treten. Die Frage ist: Warum taten sie dies nicht?

Die einfache Antwort muss lauten: Sie wissen, dass sie es nicht können, und zwar deshalb, weil die geäußerte Kritik für jeden, der den Text von Herrn R. vor sich hat, nachprüfbar ist und sich bei dieser Prüfung unweigerlich zeigen muss, dass die Kritik berechtigt ist: Sie stimmt mit den Tatsachen überein.

Wir Kritiker geben den Verteidigern des Textes von Herrn R. erneut Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen. So sollten Sie u.a. die folgenden Fragen beantworten:

  1. Was genau war die Forschungsfrage, die im Text von Herrn R. behandelt werden sollte?
    (Die Plausibilisierung der Belegung Andersdenkender mit abwertenden Adjektiven ist keine Forschungfrage, und insbesondere kann sie keine Grundlage dafür sein, dass jemand mit einem akademischen Grad ausgestattet wird.)
  2. Wie genau ist Herr R. bei der Stichprobenauswahl und der Auswahl des von ihm betrachteten Datenmaterials vorgegangen? Wie ist die Auswahl begründet?
  3. Welche Interpretations- oder Analysemethoden hat Herr R. gewählt? Welche Kategorien hat er für seine Interpretation vorher bestimmt? Welche Operationalsierungen zur Messung welcher Größen hat Herr R. im Vorfeld bestimmt? Welcher Ankerbeispiele (um mit Mayring zu sprechen) hat er im Vorfeld für die Zuordnung von Textstellen zu seinen Kategorien verwendet? Warum hat er all dies dem Leser nicht berichtet? Das sind doch wissenschaftliche Mindeststandards?
  4. Wie und mit welcher Begründung hat Herr R. den Transfer von Zuordnungen von Textstellen zu Kategorien in Bewertungen vorgenommen?
  5. Wie begründet Herr R., dass er pauschale Beurteilungen über Sachfragen vornimmt, wenn er von diesen Sachfragen gar nichts versteht? Konkret:
  6. Wie kommt er zu der Einschätzung, Frauen würden keine Gewalt gegen Männer ausüben, oder jedenfalls irgendwie “weniger” Gewalt oder Gewalt, die er anscheinend nicht so schlimm fände, wenn eine Vielzahl von empirischen Studien genau dies falsifiziert?
  7. Wie begründet er seine Einschätzung, nach der man nicht von Jungen als Bildungsverlierern sprechen könne, wenn empirisch belegt ist, dass Jungen im Aggregat sowohl im Vergleich mit sich selbst im Zeitverlauf (also von Jungen mit Jungen über die Zeit hinweg betrachtet) als auch im Vergleich mit Mädchen hinsichtlich verschiedener Indikatoren für Bildungserfolg schlechter abschneiden (als früher)? Dies ist Faktum, das sich aufgrund von Verteilungen ergibt, die die amtliche Bildungsstatistik ausweist. Verteilungsstatistiken sind keine Allaussagen, und deshalb ist z.B. die Ausweisung von Mittelwerten, von Spannweiten usw. nicht deshalb “falsch”, weil es Jungen gibt, die ein Abitur machen. Vielmehr sind diese 20 Prozent in diesen Verteilungsmaßen bereits enthalten – gerade das macht diese Befunde aussagekräftig!
  8. Wie rechtfertigt Herr R., dass er sich Urteile über solche Fragen wie unter Punkt 5 genannt erlaubt, wenn er offensichtlich über keinerlei Grundausbildung in quantitativer Statistik verfügt?
  9. Wie rechtfertigt Herr R. dass er sich Urteile über die Argumente derer, die er als Angehörige einer Männerbewegung einordnet (warum eigentlich?), erlaubt, wenn er deren Aussagen keinerlei methodischer Inhaltsanalyse unterzieht?

Ich denke, dass sind die wichtigsten, aber sicherlich nicht die einzigen Fragen, die überzeugend beantwortet werden müssten, damit Herrn R.s Text den Anspruch erheben kann, ein wissenschaftlicher Text zu sein. Leider sind all diese Fragen unbeantwortet geblieben.

“Diffamiere” ich hier jetzt einen Text, weil ich diejenigen Fragen an ihn stelle, die man normalerweise an einen Text stellt, der ein wissenschaftlicher Text sein soll? Wer dies bejaht, muss als Faschist bezeichnet werden, und zwar aufgrund meiner Definition von jemandem als Faschist, der kritische Nachfragen durch Belegung mit negativen Wertungen unterbinden will.

Last, but not least: Ich fühle seit mehreren Tagen das tiefe Bedürfnis, mich bei allen meinen ehemaligen Studierenden und Absolventen dafür zu entschuldigen, dass ich jemals irgendwelche Maßstäbe und Erwartungen an ihre wissenschaftlichen Arbeiten angelegt und sie entsprechend bewertet habe. Wie ich sehe, habe ich sie ungerecht behandelt, denn akademische Titel werden offensichtlich auch für Textsorten vergeben, die nicht den rudimentären Ansprüchen an wissenschaftliche Texte genügen, sondern bei denen es sich lediglich um ideologische Abhandlungen handelt. Ich kann nur hoffen, dass Sie die Maßstäbe, die ich an sie angelegt habe und denen sie gerecht werden mussten bzw. gerecht geworden sind, ihnen den Erfolg und die Anerkennung eingebracht haben, die sie verdient haben. Leider bin ich mir ziemlich sicher, dass dies zumindest bei der Böll-Stiftung nicht der Fall sein wird. Jedenfalls bleibt festzuhalten: Gemessen an den Maßstäben, die Herrn R.s Text setzt, sind alle meine Absolventen Nobelpreisanwärter!

Bildnachweis:
rationally speaking

Rosenbrock zum Letzten – hoffentlich …

Mit manchen Themen ist es wie mit der sprichwörtlichen Klette, man wird sie einfach nicht mehr los. Und nachdem die Heinrich Böll Stiftung  noch einmal nachgelegt hat, ist es – hoffentlich zum letzten Mal – notwendig, ein paar Dinge klarzustellen. Die heutige Lektion für die Stiftung lautet: Warum Ideologie keine Wissenschaft ist, und warum Manipulation nicht klappt. Ich hoffe, dieses Thema ist nicht zu “komplex”!

Warum Ideologie keine Wissenschaft ist.

Mit Ideologie verbindet sich regelmäßig das Problem, dass sie nicht mit der Realität in Einklang zu bringen ist und deshalb gegen mindestens ein Fundament von Wissenschaft verstößt. Ich will dies an einem Beispiel deutlich machen, das ich in Analogie zu Rosenbrocks Magisterarbeit gewählt habe.

Ich behaupte, die Heinrich Böll Stiftung ist ein Haufen männerfeindlicher religiöser Fanatiker. Um diese Behauptung als Tatsache durchgehen zu lassen, brauche ich eine Legitimation. Früher musste Gott als Legitimation herhalten, heute bedient man sich gemeinhin der Wissenschaft. Wenn Wissenschaft die Legitimationsfunktion übernehmen muss, brauchen wir nunmehr jemanden, der als Wissenschaftler durchgehen kann, der in der Wissenschaft nichts zu verlieren hat, sonst macht er nicht mit, und der ein Interesse daran hat, unsere Sache zu seiner zu machen, z.B. weil er aus seiner Aufgabe seine Identität ableitet oder weil er sich erhofft, nach abgeschlossener Aufgabe mit einer Stelle belohnt zu werden, kurz, wir brauchen einen unbekannten Nachwuchswissenschaftler, den wir aufbauen  und, wenn die Sache schief geht, opfern können. Um nun sicherzustellen, dass die Heinrich-Böll Stiftung auch tatsächlich ein Haufen männerhassender religiöser Fanatiker ist, definieren wir männerhassende religiöse Fanatiker als Personen, die dem Feminismus anhängen, Maskulismus ablehnen, Maskulisten als Extreme diffamieren oder an den rechten politischen Rand rücken, und die sich in Netzwerken, wie z.B. feministischen Foren austauschen und zusammenrotten. Die so definierten männerhassenden religiösen Fanatiker finden wir in allen Schattierungen und Abstufungen auf den Seiten der Heinrich-Böll Stiftung, in den angesprochenen feministischen Foren und blogs, ja selbst in Foren von Spiegel-Online, Welt und FAZ rotten sich feministische Streiter in der definierten und männerhassenden Weise zusammen, und agitieren gegen Männer. Dies führt uns letztlich dazu festzustellen, dass die männerfeindlichen religiösen Fanatiker aus der Heinrich Böll Stiftung ein organisiertes Netzwerk unterhalten, dessen Ziel darin besteht, feministische und männerhassende Inhalte zu verbreiten und die Gesellschaft zu unterminieren. Mit dieser schrecklichen und gesellschaftgefährdenden Schlussfolgerung, die am Ende einer angemessen langen, d.h. viele Seiten füllenden Schrift (je mehr Seiten, desto gelehrter) steht, treten wir an die Presse, verkünden das Unheil, das von dem männerhassenden Kult in der Heinrich Böll Stiftung ausgeht, fordern eine Überwachung durch den Verfassungsschutz und stellen die Behauptung auf, dass die Böll Stiftung zu extremistisch ist, als dass es möglich wäre, mit den dort klumpenden männerhassenden Kultmitgliedern noch ein vernünftiges Wort zu reden. Das hat den Vorteil, dass alles, was nun aus der Böll Stiftung oder anderen, ihr verbundenen Netzwerken kommt als Beleg für diese Behauptung genommen und in Bausch und Bogen diskreditiert werden kann. Gegenmeinungen in Bausch und Bogen zu diskreditieren ist besonders wichtig, denn wir wollen ja niemanden, der hinterfragt, wie wir überhaupt zu unseren Ergebnissen gekommen sind.

Warum Manipulation nicht klappt

Ich bezweifle, dass meine Analogie bei der Heinrich Böll Stiftung zu einer Erkenntnis führt. Erkenntnis setzt Einsicht voraus und vor allem setzt Erkenntnis die Fähigkeit voraus, die Welt jenseits der rosaroten Ideologie wahrzunehmen. Dies sind Bedingungen, die bei der Böll Stiftung nicht mehr anzutreffen sind. Der ideologische Grabenkampf, der dem Stellungskrieg des 1. Weltkriegs ähnelt, ist zu tief eingegraben und die Dummheit derer, die sich im Namen der eigenen heiligen Ideologie verheizen lassen, ist einfach zu groß. Wäre dem nicht so, irgend jemandem bei der Böll Stiftung wäre zwischenzeitlich aufgefallen, dass man dann, wenn man Wissenschaft zu Legitimationszwecken missbrauchen will, zwischenzeitlich mit Widerstand rechnen muss. Im Gegensatz zu der Zeit als Ideologie noch mit Gott begründet werden konnte, und von Gott kaum zu erwarten war, dass er sich gegen seinen Missbrauch zur Wehr setzt, gibt es eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern, die es nicht mehr hinnehmen, dass ihre Profession von Ideologen missbraucht wird. Entsprechend, liebe Böll Stiftung, reicht es nicht mehr unbekannte “Nachwuchs-Wissenschaftler” zu verheizen oder freie Autorinnen, also solche, die Wissenschaft nur von außen kennen, vorzuschicken.

Das bringt mich zurück zur Bausch-und-Bogen-Strategie, von der ich oben geschrieben habe. Wer an der Magisterarbeit von Rosenbrock Kritik übt, wird in Bausch und Bogen diskreditiert. So schreibt, die angesprochene freie Autorin, Didem Ozan, “Zudem wurde Rosenbrock, der die Überschneidung antifeministischer und rechter Ideologien feststellte, selbst als Gehilfe der Rechten ausgewiesen, mit dem Argument, dass er Antifeminist…en in die Nähe von Rechten rücke und damit Rechtsradikalismus verharmlose. Als unwissenschaftlich wurde die Expertise auf sciencefiles.org verleumdet …”. Ein erbärmlicheres Zeugnis der Unkenntnis dessen, was es bedeutet, Wissenschaftler zu sein, habe ich bislang nicht gelesen. Ich will’s ein letztes Mal versuchen: Kritik, die sich z.B. in der Feststellung äußert, dass in Rosenbrocks Magisterarbeit die rudimentärsten Dinge fehlen, die ein methodisches und somit ein wissenschaftliches Vorgehen auszeichnen, hat nichts mit Verleumdung zu tun. Derartige Kritik ist das Grundelixier wissenschaftlichen Fortschritts, nur wenn Fehler beseitigt werden, kann man Verbesserung herbeiführen. Wer keine Fehler beseitigen und Kritik als Verleumdung entlegitimieren will, ist entsprechend weder an Fortschritt noch an Wissenschaft interessiert, er ist ein Feind der Wissenschaft, denn er sieht die eigene Lehre als wahre Religion, der es zu huldigen, die es aber in keinem Fall zu kritisieren gilt. Ein eindrücklicheres Zeugnis, dass zwischen der Heinrich Böll Stiftung und Wissenschaft wirklich gar nichts vermittelt, habe ich selten gelesen. Von einem angeblichen Wissenschaftler erwartet man, dass er sich mit Kritik auseinandersetzt, tut er dies nicht, dann zeigt er damit, das er kein Wissenschaftler ist und mit seinem Text ein anderes Ziel als das Ziel des Erkenntnisgewinns anstrebt, nämlich in diesem Fall die Manipulation der öffentlichen Meinung. Solange es aber noch Wissenschaftler in Deutschland gibt, die dem Kanon der Wissenschaft wie ihn z.B. Karl Raimund Popper beschrieben hat, unterschreiben, wird dieser plumpe Versuch der Manipulation nicht erfolgreich sein.