Soziales Wesen oder kalter Ausnutzer? Auftragsforschung einmal anders

Die Frage: Wie primitiv darf es denn sein?, die wir gestern bereits gestellt haben, lässt sich nahtlos auf den Gegenstand des heutigen Posts übertragen. Der Gegenstand des heutigen Post ist eine Auftragsstudie. In Auftrag gegeben hat sie die Stiftung Familienunternehmen und durchgeführt hat sie das Institut für Mittelstandsforschung an der Universität Mannheim. Verantwortlich zeichnen: “M. Sc. Wirtschaftspsychologe Max Rasser, Dr. Detlef Keese, Dipl. Vwl Niclas Rüffer und Prof. Dr. Michael Woywode”.

Primitivität Teil I: Der Titel der Auftragsforschung lautet: “Soziales Wesen oder kalter Zahlenmensch? Ein empirischer Vergleich der Einstellungen von Unternehmenslenkern zu Steuern, Standorten und Mitarbeitern.”

Logik f dummiesDer erste Teil des Titels besteht aus einer Disjunktion (vermutlich aus einer ausschließenden). Man kann also entweder ein soziales Wesen sein oder ein kalter Zahlenmensch. Wobei man bei ausschließender Disjunktion schließen müsste, dass soziale Wesen keine Menschen sein können, zumindest keine Menschen, die mit Zahlen umgehen können, während umgekehrt Zahlenmenschen aus der Klasse der sozialen Wesen ausgeschlossen sind. Die Auftragsstudie fängt gut an: logischer Unsinn bereits in der Überschrift. Das lässt Schlimmes ahnen (Sollte die Disjunktion nicht ausschließend gemeint sein, dann macht die Überschrift noch weniger Sinn, denn dann kann man soziales Wesen und Zahlenmensch sein. Wie man es dreht und wendet, Unsinn bleibt eben Unsinn).

Auftragsstudien-Nehmer haben nicht nur die Hypothek zu tragen, dass die Ergebnisse den Auftraggebern nicht allzu sehr missfallen dürfen, sie müssen auch die Hypothek eines Vorworts ertragen. Das Vorwort stammt von (hoffentlich reicht die Zeile: ) Prof. Dr. Dr. h. c. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Er hat uns Folgendes mit auf den Weg zu geben, Primitivität Teil II – das Vorwort:

“Der Home oeconomicus ist ein Erklärungsmuster, welches in der Wissenschaft als Grundlage für viele Modelle zur Erklärung wirtschaftlichen Verhaltens dient. Aber das Bild des Menschen, der weiß, wie er für sich den größten Nutzen herausholt und stets nach diesem Muster handelt, greift viel zu kurz. Wer als Familienunternehmer oder Fremdmanager ein Unternehmen führt, der bewegt sich in einer weitaus komplexeren Realität, als es das kolportierte Bild vom Gewinnmaximierer zulässt.”

Der Homo oeconomicus ist also ein Erklärungsmuster, das zur Erklärung genutzt wird, und gleichzeitig ist der homo oeconomicus das Bild eines Menschen, das zu kurz greift, weil die Realität komplexer ist als der Gewinnmaximierer, der weiß, wie er für sich den größten Nutzen herausholt (aus was auch immer).

Da muss man erst einmal tief durchatmen. Die geistige Welt von:  Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes, kennt also Gewinnmaximierer, die wissen, wie sie für sich den größten Nutzen herausholen und Familienunternehmer, die, wie man der Überschrift zur Auftragsarbeit, der er sein Vorwort spendiert hat, entnehmen kann, durch das “Soziale” gesalbt sind.

Primitivität Teil III: Satz des ausgeschlossenen Dritten.

Wenn der Homo oeconomic ein Erklärungsmodell ist, dann kann er keine Handlungsmaxime von Unternehmern sein. Wenn ich annehme, dass Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes mit der Studie über die soziale Salbung von Familienunternehmen einen Nutzen für seinen Verband herausschlagen will, dann ist dies eine Annahme, die der Überprüfung bedarf.

Stiftung FamilienunternehmenIm Jahre 1986 haben Tversky und Kahneman darauf hingewiesen, dass die Prüfung der Annahmen (des homo oeconomicus) zeigt, dass zwischen Annahme und Realität eine große Diskrepanz besteht, weil nämlich die Akteure nicht in der Weise rational handeln, wie es der homo oeconomicus annimmt und vor allem: weil die im Modell angenommene volle Handlungsinformation, bei den Akteuren nicht vorhanden ist. Sie wissen nämlich gerade nicht, wie sie den größten Nutzen für sich herausholen, sondern sie glauben nur zu wissen. Das Problem mit dem homo oeconomicus ist also nicht, dass das Modell nicht in der Lage wäre, die rationalste Wahl unter Alternativen vorherzusagen, sondern dass die Akteure in der Regel nicht die notwendigen Informationen haben, um sich modellkonforn und somit rational zu verhalten. Dieser kurze Ausflug in die Modellwelt des homo oeconomics macht deutlich, dass das Modell offensichtlich zu komplex ist, als dass es von z.B. Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes in seinem Ausmaß erfasst werden könnte.

Primitivität Teil IV: Die Ergebnisse:

Natürlich kommt bei der Befragung heraus, was herauskommen soll:

“Familienunternehmen verfolgen im Vergleich zu Nicht-Familienunternehmen eher soziale und mitarbeiterorientierte Motive. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass 92,2 Prozent der Familienunternehmen es gegenüber 75,5% der Nicht-Familienunternehmen für eher oder sehr wichtig halten, ihren Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten (V).”

Und dann behaupten die befragten Familienunternehmer oder Manager, die ein Unternehmen leiten, an dem eine Familie die Aktienmehrheit hält oder Manager von Unternehmen, die von sich sagen, sie seien ein Familienunternehmen, noch, dass sie sich stark oder sehr stark sozial engagieren und dann kommt das:

“Bei rendite- und qualitätsorientierten Zielen sind beide Unternehmenstypen gleichauf. So stuften beispielsweise in beiden Gruppen 78 bzw. 79 Prozent der Unternehmen das Ziel ‘die Rentabilität des Unternehmens zu steigern’ als sehr wichtig oder eher wichtig ein. (V)”

Ist die angetrebte Rentabilität (die angestrebte Nutzenmaximierung) nun für Familienunternehmen durch soziales Engagement, also quasi durch Buße entschuldigt oder entsprechen Familienunternehmer doch dem Modell des Nutzenmaximierers, nutzen nur andere Mittel, um ihren Nutzen zu maximieren.

Primitivität Teil V: Was passiert, wenn man eine Untersuchung auf Ideologie baut

Der homo oeconomicus ist ein Nutzenmaximierer. Dass der Begriff “Nutzen” umfassender ist, als der Begriff “Gewinn”, ist sowohl Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes als auch den Autoren der Auftragsstudie entgangen. Ebenso, wie ihnen entgangen ist, dass der homo oeconomicus auch die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Nutzen erwirtschaftet werden kann und die Opportunitätskosten durch die Abwahl von Alternativen berücksichtigt (richtig komplex!). Geht man nun wie die Autoren der vorliegenden Studie auftragskonform davon aus, dass es gewinnmaximierende Ausnutzer (also Böse) und soziale Familienunternehmner (also Gute) gibt, dann kann man beide Ergebnisse, das mit der höheren Bedeutung von Arbeitsplatzsicherung und das mit der gleichhohen Bedeutung von Rendite, nur nebeneinander berichten und ansonsten hoffen, dass die Leser den offenkundigen Widerspruch nicht bemerken.

Primitivität Teil VI: Der Widerspruch

ifm MannheimAutoren, die das Soziale pflegen, wollen ihre Leser glauben machen, dass Unternehmen wegen der Arbeitsplätze bestehen. Das ist Zeitgeist-konform, und wer will heute schon durch nicht-konforme Ideen auffallen? Unternehmen gibt es aber dennoch nicht, um Arbeitsplätze zu schaffen. Das Ziel von Unternehmen besteht nach wie vor darin, einen Gewinn, eine Rendite und somit das eigene Überleben zu sichern. Ist die Rendite gesichert, dann folgt alles weitere nach, z.B. sichere Arbeitsplätze. Offensichtlich ist diese grundlegende Erkenntnis, die jeder hat, der schon einmal versucht hat, ein Unternehmen mit gesicherten Arbeitsplätzen, aber ohne Rendite zu führen, bei Nicht-Familienunternehmern noch eher anzutreffen oder die Befragung, die die Autoren durchgeführt haben, ist verzerrt.

Primitivität Teil VII: Die Stichprobe

Manchmal glaubt man nicht, was man da liest:

Dillman“Daher betrug die bereinigte Stichprobe 5551 Erhebungseinheiten. Von diesen verweigerten 4931 Unternehmen die Auskunft und weitere 33 Unternehmen brachen das Interview ab. Schließlich lagen 587 auswertbare Interviews vor, was einer Ausschöpfungsquote von 10,6% entspricht. Dieser Rücklauf von gut 10% kann angesichts der eingeschränkten Auswahl der Zielpersonen und der besonderen Thematik und Anlage des Fragebogens als sehr zufriedenstellendes Ergebnis angesehen werden, da derzeit auch in anderen Unternehmensbefragungen ohne solche besonderen Bedingungen ebenfalls Rücklaufquoten um die 10% erzielt werden (23).”

Hier haben wir uns gekringelt, vor lachen. Peter kommt nach Hause und hat eine 5, aber angesichts des Klassendurchschnitt von 5,1 kann die Note von Peter als zufriedenstellendes Ergebnis angesehen werden. Man glaubt den Unsinn zuweilen gar nicht, der einem zugemutet werden soll. Und nicht einmal der äußerst liberale Don Dillman käme auf die Idee, eine lausige Rücklaufquote von 10% als “zufriedenstellend” zu bezeichnen. Dillman ist der Papst für schriftliche Befragungen. Die Autoren haben aber Telefoninterviews mit Personen in Unternehmen geführt, vermutlich mit den Personen, derer sie habhaft werden konnten, und da fragt man sich dann schon, wie es die Autoren angestellt haben, 90% der Befragten zu verprellen – am Telefon.

Und zum Schluß: Unter den 587 Antwortern, die sich letztlich vermutlich aus Mitleid bereit gefunden haben, die Auftragsstudie der Stiftung Familienunternehmen vor dem Scheitern zu retten, sind 259 aus einem Familienunternehmen, was einen Anteil von gut 44% darstellt. An allen deutschen Unternehmen halten Familienunternehmen jedoch einen Anteil von 95,3%. Wie man vor diesem Hintergrund behaupten kann, auf Basis dieser dünnen und verzerrten Stichprobe ließen sich “repräsentative Aussagen für Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern treffen”, ist nicht nachvollziehbar und eine Erklärung oder gar einen Beleg für diese Behauptung sucht man in der Auftragsarbeit vergeblich.

Tversky, Amos & Kahneman, Daniel (1986). Rational Choice and the Framing of Decisions. Journal of Business 59(4): S251-S.278.

Gender Pay Crap: Können Lügen zur Wahrheit mutieren?

believe the lieWissen Sie eigentlich, dass heute Weltfrauentag ist? Nein, nun, das macht nichts. Der Weltfrauentag hat zwischenzeitlich den Status des Geburtstages von Adolf Hitler. Nur noch eine kleine Minderheit, bestehend aus all denen, die sich von der Tatsache, dass sie weiblich sind oder der Behauptung, dass Frauen benachteiligt sind, einen Vorteil versprechen oder die mit ihrem weiblich Sein oder der Behauptung der Benachteiligung von Frauen ihren Unterhalt bestreiten, begehen diesen Gedenktag an eine Inszenierung, die dazu gedacht war, Equity-Prinzipien und Leistung auszuhöhlen.

Vor allem öffentliche Verwaltungen fühlen sich nach wie vor genötigt, dem alten Fetisch zu huldigen, und so hat sich auch die Europäische Kommission wieder dazu verpflichtet gefühlt, die alte Lüge vom Gender Pay Gap zu wiederholen, ganz so, als könnte man eine Lüge durch ständiges Wiederholen zu einer Wahrheit umformen.

truthDie letzte Wiederholung der EU-Kommissions hat Ratschläge zum Gegenstand, die die Mitgliedsstaaten nutzen sollen, um das nicht existente Gender Pay Gap zu beseitigen. Jetzt, wo man das so liest, zeigt sich noch ein weiterer Nutzen, den Behauptungen wie die eines Gender Pay Gaps haben. Einerseits kann man diese Behauptung im Kontext der Frauenförderung einsetzen, um Programme für Gender Pay Gap Berater, Frauenförderer und sonstige unnötige Beschäftigungen aus dem Boden zu stampfen und zu finanzieren, andererseits kann man dadurch, dass man etwas behauptet, das es nachweislich nicht gibt, ungefährdet den eigenen Aktionismus feiern. Und wenn es gelingt, den eigenen Aktionismus unter dem Rubrum von “gut” zu feiern, dann um so besser.

Interessant an diesem letzten Versuch der EU-Kommission ist, dass kaum mehr Anstrengungen unternommen werden, den Gender Pay Gap so zu verpacken, dass er nicht unmittelbar als Lüge erkennbar ist. So heißt es bereits im ersten Satz der Empfehlungen:

“The gender pay gap is shown as a percentage of men’s earnings and represents the difference between the average gross hourly earnings of male and female employees across the EU economy.”

Das macht deutlich, dass das angebliche Gender Pay Gap nichts mit der Realität, aber viel mit Ideologie zu tun hat. Wie macht es das deutlich? Nun, wenn man das durchschnittliche Monatsgehalt der EU-Parlamentarier von rund 8.000 Euro ohne die üblichen Zuschläge von nochmals in der Regel rund 6.000 Euro berücksichtigt, dann ensteht ein erhebliches EU Pay Gap zwischen Parlamentarieren und Bürgern, z.B. in Deutschland, die sich mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltseinkommen von  rund 3.900 Euro begnügen müssen.

Vermutlich werden EU-Parlamentarier argumentieren, dass sie auch mehr leisten als der durchschnittliche Deutsche und versuchen, das EU-Pay Gap damit zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: Sie werden ein Equitätsargument für sich ins Feld führen, ein Argument, das ihnen bislang, wenn es um das angebliche Gender Pay Gap ging, nie eingefallen ist. Geht es um das Gender Pay Gap, dann ist keine Annahme primitiv genug, und dann nimmt man auch einmal an, dass sich Männer und Frauen in den Berufen, die sie ausüben, der Ausbildung, die sie erwerben, der Motivation, die sie mitbringen und allen sonstigen für das Entgelt relevanten Variablen nicht unterscheiden. Dann besteht die Bevölkerung plötzlich aus Klonen, die alle dieselben Fähigkeiten, Fertigkeiten, Motivationen usw. haben, ein Volk der Hans und Helga Musterdeutschen.

Campbell MythWir sagen, bislang war Politikern und Administratoren keine Annahme primitiv genug, um das herbei phantasierte Gender Pay Gap als Realität verkaufen zu können. In den Empfehlungen der EU-Kommission ist das nun anders. Hier werden plötzlich Ursachen für das Gender Pay Gap angeführt, also Gründe, warum das Gap nicht das normativ verwerfliche Gap ist, das man gerne daraus machen will, sondern dafür, dass Gehaltsunterschiede auf Unterschiede in einer Vielzahl von Variablen und nicht zuletzt auf Unterschiede im Wert der geleisteten Arbeit zurückzuführen sind.

So meint die EU-Kommission:

  • die Tatsache, dass Frauen vor allem in Berufen tätig sind, die schlechter bezahlt werden als die Berufe, in denen Männer tätig sind, sei für das Gender Pay Gap verantwortlich und nennt die sozialen Berufe als Beispiel.

Ja, so ist das in einer Marktwirtschaft: Bezahlung erfolgt nach Leistung und nach Wert der Leistung und wenn einer Leistung kein sonderlich hoher Wert beigemessen wird, wie dies z.B. durch Krankenkassen erfolgt, die Pflegesätze und damit die Einkommen von Pflegern oder Pflegediensten gering halten, dann sind die entsprechenden Verdienstmöglichkeiten gering, ganz so, wie sie auch für Hilfsarbeiter oder Reinigungskräfte gering sind. Das weiß man, und deshalb kann, wer gerne mehr verdienen will, jederzeit Astrophysik studieren und bei NASA zu Spitzenlöhnen einsteigen.

Der nächste Grund, den die EU-Kommission angibt, offenbart das Unternehmen Gender Pay Gap dann vollständig als Farce, die erdacht wurde, um Mittelschichtsfrauen eine Gelegenheit zum Nutznießen zu verschaffen, lautet er doch:

  • die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen;

Wie viele Führungspositionen gibt es eigentlich in Europa? Und welchen Effekt haben die Führungspositionen auf die Einkommensverteilung? Wer hat mehr Einfluss auf den mittleren Stundenlohn, der der Berechnung des Gender Pay Gap zu Grunde gelegt wird, 1000 Pfleger oder eine Managerin bei Mercedes?

Schließlich fallen den Verantwortlichen bei der EU Kommission noch die üblichen vielleicht-Ursachen ein: Die Tatsache, dass mehrheitlich Frauen Kinder erziehen und dass angeblich an Arbeitsplätzen nach Geschlecht diskriminiert wird.

free will2Und deshalb wiederholen wir einmal mehr und monoton: Niemand zwingt Frauen, Kinder in die Welt zu setzen. Niemand zwingt sie, Kinder zu erziehen. Auch Frauen haben einen freien Willen, und wenn sie diesen Willen einsetzen, um Kinder zu bekommen, dann muss man annehmen, dass sie bereit sind, die Folgen, die damit einhergehen, zu tragen. Also wieder nichts mit dem bösen Gender Pay Gap. There is no free lunch, wie Milton Friedman einmal gesagt hat.

Und die alte Litanei, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Gehalt bekommen als Männer, so oft sie auch angestimmt wurde, hat immer noch keinen einzigen Beleg erbracht, keine einzige Frau, die dieselbe Arbeit macht, wie ein Mann und dafür schlechter bezahlt wird, konnte bislang präsentiert werden.

Die schlappen Versuche der EU-Kommission ihre Gender Pay Gap Lüge zu verbreiten, machen deutlich, dass die Gender Pay Gap Nutznießer Bewegung an Fahrt verloren hat. Die EU-Kommission sieht in der Bewegung nurmehr eine Möglichkeit, die eigene Sphäre des Einflusses zu erweitern. Die eigentlichen Nutznießer treffen immer häufiger auf die Frage nach den Belegen für das angebliche Gender Pay Gap. Zeit, den ganzen Unfug zu begraben und ein neues Pay Gap zu öffnen! Wie wäre es damit: Homosexuelle werden für gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Heterosexuelle?

Wer sich mit allen Argumenten gegen das Gender Pay Gap ausrüsten will, dem seien die Beiträge empfohlen, die dazu bereits auf ScienceFiles erschienen sind.

Hartz IV Empfänger sind gar nicht faul

Diese Erkenntnis verdanken wir Philip Frieg und Rebekka Schulz aus dem “Projektteam Testentwicklung 2014″, die unter Mitarbeit von Alexander Weisel aus dem Jobcenter Kaufbeuren zu diesem Wissen gelangt sind. Und weil ihr Beitrag so kurzweilig, ja gute Laune verbreitend ist, wollen wir ihn hier näher besprechen.

Die Überschrift des Beitrag lautet: “Hartz-IV-Empfänger nicht ‘faul’ – Eine Studie zur berufsbezogenen Persönlichkeit von Arbeit Suchenden und Berufstätigen”. Die Überschrift besteht also aus einer Allaussage, bezieht sich auf alle Hartz-IV-Empfänger!

Hartz IV nicht faulFrieg und Schulz beginnen ihre Studie unter Mitarbeit von Weisel damit, dass sie das Bild, das Medien von Hartz-IV-Empfängern zeichnen, kritisieren: Es sei falsch und basiere auf “Äußerungen und Verhaltensweisen einzelner Personen, die in der Regel nicht auf die Allgemeinheit übertragbar sind” (2). Stattdessen, so erfahren wir weiter, bilden sich mit “Vorurteilen behaftete Stereotypen” (2). Wenn also in öffentlichen Medien von “Hartz-IV-Schnorrern” die Rede sei oder von faulen und unwilligen Arbeitslosen, dann sei dies eine “ungerechtfertigte Verallgemeinerung” (2).

Die Neuentwicklung vorurteilsbehafteter Stereotype hat uns besonders gefreut, und wir empfehlen sie allen Sozialpsychologen, die sich damit abquälen, die weitgehend nützlichen Stereotype von den weniger sinnvollen Vorurteilen zu unterscheiden. Wozu? Alles der gleiche Brei, vorurteilsbehaftete Stereotype oder stereotypisierte Vorurteile oder so…, irgendwas halt!

Aber weiter im Text. Was tut man, wenn man zeigen will, dass die “vorurteilsbehafteten Stereotype” (einfach zu gut diese Nominalkonstruktion, fast so gut wie überordnungsbehaftete Hierarchie oder erwärmende Verbrennung…), also, dass die “vorurteilsbehafteten Stereotype” eben vorurteilsbehaftete Stereotype, somit falsch, also halt Vorurteile, stereotypische, sind. Man vergleicht Arbeitslose und Arbeitende und folgert aus der Tatsache, dass Letztere arbeiten und erstere nicht, dass erstere wohl faul sind. Nein. Das war jetzt gemein. Natürlich kann man aus der Tatsache, dass jemand nicht arbeitet, nicht schließen, dass er faul ist. Was hieße dies für all die Hausfrauen? Eben!

Hartz IV SchmarotzerWie also, findet man heraus, ob jemand nicht arbeiten will und es sich statt dessen lieber in der sozialen Hängematte bequem macht? Gar nicht so einfach, denn für die Frage: “Wollen Sie lieber auf Kosten von anderen leben als arbeiten?” wird man sicherlich nur wenig Zustimmung ernten. Wie also untersucht man Faulheit und mithin ein Verhalten?

Nun die beiden vom “Projektteam Testentwicklung, 2014″ unter Mitarbeit von Alexander Weisel sitzen an der Ruhr Universität in Bochum (Alexander Weisel, der Mitarbeiter, sitzt in Kaufbeuren). An der Ruhr Universität Bochum gibt es ein Testzentrum, in dem u.a. das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP) entwickelt wurde. Auf dem Inventar hat nunmehr Hogrefe die Hand, d.h., wer es nutzen will, der muss dafür bezahlen. Und damit es auch jemanden gibt, der für das Inventar bezahlen will, gibt es Marketingmaßnahmen wie diejenige von Frieg und Schulz unter Mitarbeit von Weisel, Alexander.

Sie haben den oben zitierten Aufhänger “Hartz-IV-Empfänger nicht ‘faul’” genutzt, um ihr BIP, also das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung benutzen zu können. Mit anderen Worten, die Frage, ob jemand faul ist, also eine Frage nach dem Verhalten, wollen sie mit Einstellungen, damit ob jemand z.B. von sich sagt, er komme leicht mit anderen ins Gespräch oder er kämpfe auch für seine Meinung, wenn er in der Minderheit sei und so, beantworten. Was genau im Rahmen des BIP gefragt wird, das darf nicht verraten werden, denn der Hogrefe-Verlag, will damit Geld verdienen, dementsprechend ist allzu genaues Wissen hinderlich.

Verraten wird, dass das Inventar so interessante Dimensionen umfasst wie Gestaltungsmotivation, Führungsmotivation, Gewissenhaftigkeit, Flexibilität, Kontaktfähigkeit und Teamorientierung. Und diese Dimensionen haben die beiden aus Bochum und ihr Mitarbeiter aus Kaufbeuren für Arbeitslose und Berufstätige erhoben und verglichen und gezeigt, dass “Arbeitslose … in gleichem Maße freundlich und verträglich sowie entgegen der weitläufigen Meinung durchaus in der Lage [sind], sich zu begeistern. Auch in Bezug auf weitere für den beruflichen Erfolg wichtige Eigenschaften, wie z.B. Durchsetzungsfähigkeit oder Selbstbewusstsein zeigen sich keinerlei Unterschiede zwischen Berufstätigen und Arbeit Suchenden” (10).

Wir erinnern uns, dass sich die beiden Autoren und ihr Mitarbeiter zu Beginn ihrer Arbeit vehement gegen Verallgemeinerungen von wenigen Fällen fauler Hartz-IV-Empfänger gewendet haben. Sie scheinen es vergessen zu haben, denn sie verkünden ihre Ergebnisse vollmundig für alle Arbeitslosen und sind ja auch im Titel ihres Beitrags nicht davor zurückgeschreckt festzustellen, dass alle Hartz-IV-Empfänger nicht faul sind. Die vollmundige Aussage wird umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Ergebnisse von Frieg und Schulz unter Mitarbeit von Weisel auf den Angaben von 407 Personen basiert, darunter 131 Arbeitslose, also auf einer eher bescheidenen Befragtenbasis, die zudem das Problem mit sich bringt, ausschließlich aus Arbeitslosen aus Kaufbeuren zu bestehen, die breit waren, am Test teilzunehmen. Eher nicht das, was man eine repräsentative Auswahl nennt. Aber kein Hinderungsgrund für die Autoren, den Fehler zu begehen, den sie anderen, der Bildzeitung zum Beispiel anlasten – in ihren Worten: vorurteilsbehaftete Stereotypisierung.

Hartz IVDamit nicht genug, der Marketing-Gag, als der die vorliegende “Studie” wohl gedacht ist, denn mal ehrlich, was hat die Tatsache, dass die Einschätzungen, die Arbeitslose im Hinblick auf ihre Person vornehmen, sich von denen, die Erwerbstätige vornehmen, nur wenig unterscheiden (Betonung auf wenig!), mit der Frage, ob Hartz-IV-Empfänger faul sind zu tun? Nichts. Die gezwungene Verwendung des BIP dient somit nicht dazu, die Frage nach der Faulheit zu beantworten, der Aufhänger mit der Faulheit wird vielmehr von den beiden Bochumer Autoren und ihrem Kaufbeurener Mitarbeiter dazu benutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen und das BIP zu bewerben.

Und zu diesem Zweck gehen die Autoren eben einmal über die eigenen Ergebnisse hinweg, die bei Arbeitslosen eher “problematische BIP-Profile” zeigen (10), die sich durch eine unterdurchschnittlich ausgeprägte Gewissenhaftigkeit, Soziabilität, Teamorientierung und Sensitivität auszeichnen. Das alles ist aus der untersten Schublade der Sozialforschung und sollte schnellstens eingestampft werden, schon weil sicher niemand im Testzentrum in Bochum mit “vorurteilsbehafteter Stereotypisierung” in Verbindung gebracht werden will.

Diversität ist nicht an sich gut

Eigentlich braucht man keine wissenschaftlichen Forschungsergebnisse, um bestimmte Dinge zumindest richtig einschätzen zu können. So gibt es selten Dinge, die sich ausschließlich positiv auf andere Dinge auswirken, wenn es sie überhaupt gibt. Nahrung soll zuweilen zu Vergiftungen führen und so manche gutgemeinte Handlung hat schon zu Ergebnissen geführt, die gar nicht beabsichtigt waren.

Bundestags_SalvationTrotz dieser Erkenntnis, die man fast schon als ein Gesetz des gesunden Menschenverstandes ansehen könnte, wollen uns Politiker regelmäßig und in monotoner Leier erzählen, dass von bestimmten Dingen ausschließlich positive Effekte ausgehen. Von Steuern erzählen sie uns, gingen positive Effekt aus, weil diejenigen, die sie ausgeben können, mit mehr Steuern viel mehr Gutes tun können. Von Aufklärung, so wird behauptet, ginge nur Positives aus, denn über den Nutzen der Organspende aufgeklärte Menschen, erklären sich eher bereit, ihre Organe dann, wenn sie sich (hoffentlich) nicht mehr brauchen, zu spenden. Von Regulierung, insbesondere von Regulierung, gingen alle Wohltaten der Welt aus, denn der normale Mensch sei nicht mehr in der Lage, die vielen Informationen, die die moderne Welt ihm zumutet, zu verarbeiten. Deshalb müssten Politiker ihn führen, natürlich nur zu seinem Besten, damit er z.B. nicht raucht, nicht zu viel trinkt, keine Drogen nimmt und sich so verhält, wie andere finden, dass es gut für ihn ist.

Die Liste der Wohltaten, die uns Politiker tagtäglich zukommen lassen wollen, könnte schier endlos verlängert werden. Und über kurz oder lang käme man bei einer weitern Wohltat an, der Wohltat der Diversität. Diversität, so wird uns erzählt, ist ganz besonders gut. Diversität, wenn sie einen höheren Frauenanteil bedeutet, ist für Unternehmen gut. Je höher der Frauenanteil, so die begeisterten Diversitäts-Apostel, desto besser alles, was für Unternehmen wichtig ist, bei der Arbeitsmoral angefangen und bei Umsatz und Gewinn des Unternehmens aufgehört. Und sexuelle Diversität ist ganz besonders gut, quasi die grundlegende Diversität, aus der man alle weiteren Wohltaten ableiten kann. Bringt sexuelle Diversität doch Toleranz und Akzeptanz und Kulanz und Assekuranz mit sich, lauter gute Dinge, die sich noch besser auf alles andere, was gut ist, auswirken.

Wie wohltuend ist es da, wenn man inmitten dieser politischen Inszenierung von Irrsinn auf einen Beitrag stößt, der die schöne neue Welt der Diversität etwas zurechtrückt, ein Beitrag, den Antje Buche, Monika Jungbauer-Gans, Annekatrin Niebuhr und Cornelius Peters in der Dezemberausgabe der Zeitschrift für Soziologie des Jahres 2013 veröffentlicht haben. Der Beitrag trägt den Titel “Diversität und Erfolg von Organisationen”. und er zeichnet sich sofort dadurch aus, dass die Autoren die Realität zur Kenntnis nehmen. Diese Realität sieht konfligierende Forschungsergebnisse im Hinblick auf die Wirkung von Diversität.

Good and badForscher, die Diversität als Ressource ansehen, behaupten, je mehr man davon hat, desto besser. Forscher, die Diversität als mögliches Hindernis in sozialen Interaktionen, die wiederum die Grundlage organisationaler Prozesse sind, ansehen, behaupten, zuviel davon kann schädlich sein. Und wie so oft, wenn sich zwei Forschergruppen streiten, weigert sich die empirische Forschung, Schiedsrichter zu spielen und dokumentiert dies in nicht eindeutigen Befunden. Nicht eindeutige Befunde lassen sich bei näherem Hinsehen jedoch häufig auf Unterschiede in der Operationalisierung und Messung von Konzepten und Unterschiede in der Interpretation von Ergebnissen zurückführen, so dass es wenig überraschend ist, wenn sich zeigt, dass “Diversität sowohl positive als auch negative Effekte haben kann” (Buche et al., 2013, S.487-488). Genau das sagt ja auch der gesunde Menschenverstand.

Die uneinheitlichen Ergebnisse resultieren zudem aus der Tatsache, dass Diversität nicht gleich Diversität ist. Sie wird als Altersdiversität operationalisiert, als kulturelle Diversität, also beileibe nicht nur als Geschlechtsdiversität.

Buche und ihre Mitautoren haben die Diversität nach Alter und nach “kulturellem Cluster” wie sie das nennen, in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung gestellt und sich gefragt, wie sich beides auf den Umsatz von Organisationen auswirkt. Kulturelle Cluster werden von Arbeitnehmern gebildet, die eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Nationalität , einen gemeinsamen historischen Hintergrund, eine gemeinsame Religion haben (Buche et al., 2013, S.491). Die Diversität nach Alter ist dagegen vergleichsweise einfach zu bestimmen. Schließlich haben die Autoren auch den Frauenanteil in ihren Analysen berücksichtigt. Der Frauenanteil ist für sie zwar kein Indikator für Diversität, womit sie ebenfalls eine wohltuende Ausnahme darstellen, nichtsdestrotz ist er in den Analysen enthalten und entsprechend der Interpretation zugänglich.

Die Analysen basieren auf den Daten des IAB-Betriebspanels, das um Daten über Beschäftigte der Bundesagentur für Arbeit (BA) ergänzt wurde. Insgesamz stehen Angaben zu rund 2.900 Betrieben und rund 20.400 Beobachtungen für den Zeitraum von 1998 bis 2008 zur Auswertung zur Verfügung. Die Ergebnisse basieren also auf einer soliden Grundgesamtheit, so dass man fragen kann: Was also, beeinflusst den Umsatz eines Unternehmens und damit dessen unternehmerischen Erfolg?

Die Autoren können die folgenden Einflussfaktoren isolieren:

  • Die in jeder Cobb-Douglas Funktion enthaltenen Produktionsfaktoren von Kapital, Arbeit und Kapitalstock haben einen hohen positiven Einfluss auf den Umsatz eines Unternehmens [Seltsamer Weise benennen die Autoren den in einem Unternehmen vorhandenen Kapitalstock als "Vorleistungen".]
  • Deutlich geringere ebenfalls positive Effekte auf den Unternehmensumsatz gehen von der Anzahl “kultureller Cluster” aus, d.h. je diverser die Beschäftigten im Hinblick auf ihren kulturellen Hintergrund sind, desto höher der Umsatz der Unternehmen.
  • Mit einem höheren Durchschnittsalter wird der Umsatz geringer. Ob sich daraus jedoch Rückschlüsse auf die Altesdiversität ziehen lassen, ist mehr als fraglich.
  • Auch mit einem steigenden Frauenanteil reduziert sich der Umsatz.

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Diversität, so könnte man die Ergebnisse zusammenfassen, wirkt nur als kulturelle Diversität. Je kulturell diverser Unternehmen, desto höher ihr Umsatz. Dagegen geht von einem steigenden Anteil von Frauen in Unternehmen ein negativer Effekt auf den Umsatz aus, ebenso von einem hohen Durchschnittsalter der Belegschaft. Letzteres Ergebnis mag ein Hinweis darauf sein, dass in einem Unternehmen die Alters-Mischung stimmen muss. Dass ein steigender Frauenanteil den Umsatz reduziert ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass das Politiker-Mantra, nach dem am weiblichen Wesen Unternehmen genesen sollen, ganz so, wie dies der gesunde Menschenverstand vorhergesagt hat, falsch ist.

Buche, Antje, Jungbauer-Gans, Monika, Niebuhr, Annekatrin & Peters, Cornelius (2013). Diversität und Erfolg von Organisationen. Zeitschrift für Soziologie 42(6): 483-501.

Wettbewerb um die Besten: Deutsche Universitäten verzichten freiwillig

Wer sich in Literatur zum Thema “Personalmanagement” umtut, der gewinnt eher früher als später den Eindruck, dass der Wettbewerb zwischen Staaten (nicht nur zwischen Unternehmen) und um die “besten Köpfe” heftig und mit allen Mitteln geführt wird. Selbst die deutsche Ministerin, die sich zu Bildung und Forschung äußert, verweist des öfteren darauf, dass der wissenschaftliche Standord Deutschland mit anderen Standorten konkurrieren und für die “besten Köpfe” interessant sein müsse.

Man würde also erwarten, dass deutsche Universitäten sich im internationalen Wettbewerb auch in einer Weise präsentieren, die an Studenten, Dozenten und gestandene Wissenschaftler appelliert, sich um eine Stelle an den entsprechenden Universitäten zu bewerben, eine Weise die die entsprechende Universität als Arbeitsplatz und als Studienort attraktiv macht.

Wir haben ein wenig Recherche betrieben, um die Selbstverortung deutscher Universitäten im “Wettbewerb um die Besten” in den internationalen Kontext einzuordnen. Herausgekommen ist eine Fotostrecke, die die deutsche Selbstverortung mehr als deutlich macht und die Sie nunmehr auf sich wirken lassen sollten.

So präsentiert sich die Bangor University in Gwynedd in Wales:

Bangor1Bangor2

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So präsentiert sich die Harvard University in Cambridge, Massachusetts:

Harvard1Harvard2

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So präsentieren sich die Universität Bayreuth und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus:

Uni Bayreuth_StartseiteTU Cottbus

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So präsentieren sich die Hochschule Wismar und die Friedrich-Schiller-Universität in Jena:

Hochschule WismarUniversitaet Jena

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Die drei zuletzt genannten Universitäten gehören zu den Universitäten, die Mitglied der Initiative “Familie in der Hochschule” sind. Die Initiative wird, wie könnte es anders sein, mit Steuergeldern finanziert, dieses Mal u.a. von der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer gefördert. Darüber hinaus ist die Bertelsmann-Stiftung über das Centrum für Hochschulentwicklung an der Finanzierung ebenso beteiligt wie die Robert Bosch Stiftung. Gemeinsam wollen sie “Standards für die Vereinbarkeit von Familienaufgaben und Studium” aufstellen und “Vorreiterinnen bei der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu mehr Familienorientierung und Wertschätzung von Vielfalt” sein.

Familie in der HochschuleDie beiden zitierten Floskeln stehen in der “Charta Familie in der Hochschule“, die, wenn es nach den Initiatoren geht, von am besten allen deutschen Hochschulen unterschrieben werden soll (Wobei wir uns fragen, was eine Familie, jener Hort der Tradition und des Immergleichen mit Vielfalt zu tun haben soll, aber bitte, jedem seine Einbildung…). In dieser Charta, die mit drei Seiten erfreulich kurz geraten ist, finden sich dennoch recht bemerkenswerte Aussagen:

“Wir sind überzeugt, dass sich Forschungstätigkeit und wissenschaftiche Karriere mit der aktiven Übernahme von Familienaufgaben vereinbaren lässt.”

Wir bei ScienceFiles sind davon überzeugt, dass sich Forschungstätigkeit und wissenschaftliche Karriere nicht mit der aktiven Übernahme von Familienaufgaben vereinbaren lässt, schon weil das Spielen von Kleinkindern mit den Chemikalien im Forschungslabor der TU-Kaiserslautern, vielleicht doch nicht die gute Idee ist. Also haben wir uns gefragt, ob wir eine Gegen-Charta veröffentlichen sollen. Der Vorteil unserer Überzeugung besteht übrigens darin, dass dann, wenn sie sich als falsch erweisen sollte, die Steuerzahler nicht bereits zur Kasse gebeten wurden, wie dies bei der Überzeugung der Unterzeichner der Charta der Fall ist, denn:

“Wir stellen angemessene personelle Ressourcen sowie Sachmittel und Räume für unsere familienorientierte Infrastruktur bereit. Wir schaffen – gegebenenfalls mit Hilfe von Kooperation – zielgruppenspezifische Information, Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Vereinbarkeit.

Rent Seeking SocietzSofern Sie sich gefragt haben, was angesichts des demographischen Wandels aus all den Erziehern, Sozialarbeitern und Pädagogen werden soll – jetzt wissen sie es. Wir stellen einfach überall die doppelte Infrastruktur auf. Und falls sie sich jemals gefragt haben, ob die geistige oder die körperliche Fortpflanzung wichtiger ist, dann wissen sie auch darauf die Antwort: natürlich ist die köperliche Fortpflanzung der heilige Gral, den es in jeder Biographie leer zu trinken gilt. Nicht cogito ergo sum, sondern fecundo ergo sum.

Nett sind auch die folgenden vollmundigen Erklärungen der Charta:

“Wir schöpfen für Studierende mit Familienaufgaben die Gestaltungsspielräume in der Studien- und Prüfungsorganisation aus. Unsere Angebote tragen dazu bei, individuelle Lösungswege zu finden.”

Wie hat man sich das vorzustellen: 25 ECTS-Punkte für Schwangere? Oder Doppelte Punktezahl für Kinderbesitz? Oder: Wer trotz Kindern studiert, von dem kann man nicht die gleiche Leistung erwarten wie von kinderlosen Studenten, deshalb erhalten kinderbesitzende Studenten bei schlechterer Leistung dieselbe Bewertung? Oder finden Seminare an Universitäten jetzt nur noch innerhalb der Öffnungszeiten der Kindergärten statt? Oder gibt es spezielle Angebote für kinderbesitzende Studenten, z.B. Mutter-Kind-Seminare? Fragen über Fragen.

Wie dem auch sei, Kinderbesitz ist eine Last, oder kann eine solche sein, jedenfalls, wenn es nach den Machern der Charta geht. Deshalb haben sie gleich noch eine Möglichkeit ersonnen, um auch die ganzen Studenten der Gesundheitswissenschaften und der Psychologie, die aufgrund des demographischen Wandels und der bereits vorhandenen Therapeutenschwemme von Arbeitslosigkeit bedroht sind, zu versorgen:

“Wir sind uns bewusst, dass die Kumulation von familiären und beruflichen bzw. studienbezogenen Aufgaben eine hohe körperliche und psychiche Belastung bedeuten kann, auch angesichts des demografischen Wandels. Für eine wirksame Entlastung bieten wir familienorientierte und gesundheitsfördernde Maßnahmen an.”

Fröhliches Nutznießen, kann man da nur sagen und sich fragen, wie es die Neanderthaler geschafft haben, die Doppelbelastung von täglicher Nahrungsbeschaffung und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Vielleicht sind sie ausgestorben, weil es keine Kinderbetreuung gab? Es steht außer Zweifel, dass die Maßnahmen, die in der Charta zusammengefasst sind, das rent seeking ganzer Berufsgruppen befördern, schon weil die Schaffung von Arbeitsplätzen für von Arbeitslosigkeit bedrohte Berufsgruppen, explizit vorgesehen ist. Ob die Charta jedoch der Weg ist, um deutsche Hoschulen im internationalen Wettbewerb gut aufzustellen und im Wettbewerb um die besten Köpfe erfolgreich sein zu lassen? Es ist vielleicht alles eine Frage des Marketings: Wir haben zwar keinen Teilchenbeschleuniger für die Forschung, aber eine Rennbahn für die Kleinen im Kindergarten – deshalb Universität Bayreuth oder: Therapie statt Forschung: Universität Cottbus, wir gehen neue Wege.

P.S.
Falls jemand den Hinweis auf den “demografischen Wandel” (“auch angesichts des demografischen Wandels”) im Zitat oben verstanden hat oder meint verstanden zu haben, so soll er sein Wissen bitte nicht für sich behalten.

Das WZB macht jetzt in auftragskonformer Einzelfallgeneralisierung

Erinnern Sie sich noch an die Kindheitstraumata, die Erwachsene in den USA und nicht nur dort, bei sich entdeckt haben? Kindheitstraumata zumeist aus Vergewaltigung, zum Teil auch aus Alien Abductions resultierend, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen haben, die sich als Eingabe der behandelnden Psychiater entpuppt haben? Michael Schermer hat sie detailgetreu zerlegt und analysiert, in seinem empfehlenswerten Buch “Why People Believe Weird Things” – ein Klassiker der ScienceFiles-Bibliothek.

Michael SchermerMan sollte denken, retrospektive Befragungen, die auf Einzelfällen basieren oder die auf den Erinnerungen von Menschen basieren, würden aufgrund dieser schlechten Erfahrung mit Vorsicht behandelt, wenn sie überhaupt behandelt werden. Man sollte denken, dass qualitative Forscher immer dann, wenn Sie Befragten nach Ihrer Erinnerung fragen, das beherzigen, was u.a. Elizabeth Loftus über das “False Memory Syndrom” geschrieben hat, und sie wären entsprechen vorsichtig mit dem, was Ihnen erzählt wird.

Und man sollte denken, qualitative Sozialforscher, die sich mit mehr als 70 Befragten überfordert sehen, wären besonders geübt darin, die Irrungen und Wirrungen des Alltagsverstand, den zu rekonstruieren sie doch angetreten sind, zu erkennen und als solche zu gewichten.

Loftus Repressed MemoryAll das sollte man annehmen und sich darüber so sicher sein, wie man sich darüber sicher sein kann, dass wir bei ScienceFiles Probleme mit qualitativer Sozialforschung haben, wenn sie als Verfahren genutzt wird, das Ergebnisse produziert, die dann ungeprüft als korrekt verkauft oder – schlimmer noch – die dann in einer Weise generalisiert werden, dass man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und alle Hoffnung, die man für die qualitative Sozialforschung vielleicht noch hatte, aufgibt.

Stellen Sie sich vor, Sie beobachten die ScienceFiles-Redakteure dabei, wie sie die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und wenn Sie nach der Ursache dieser Reaktion fragen, hier ist sie: “Erfolgskarrieren beginnen früh”, so ist ein WZBrief Bildung überschrieben und dann geht es weiter: “Wer mehr Frauen an der Spitze will, sollte Mädchen fördern”

Nein, es geht hier nicht um Bergsteigerkurse für Mädchen, es geht um eine qualitative Befragung, um so genannte biographisch-narrative Interviews, also nette Gespräche auf dem Plüsch-Sofa, die auf Tonband aufgenommen werden, um dann vom Forscher nach Herzenslust und zumeist ohne methodologische Fundierung interepretiert werden zu können. Genauer geht es um 62 solcher netten Gespräche, die Hildgard Matthies verarbeitet hat, um jenen WZBrief zu erstellen, der offensichtlich von einer Lobby bestellt wurde, die sich darum sorgt, dass die Geldhähne für die schulische Förderung von Mädchen versiegen könnten.

Manche Leser werden es wissen: Im deutschen Schulsystem haben Jungen Nachteile. Sie werden später eingeschult, bleiben häufiger sitzen, müssen bessere Leistungen erbringen, um dieselben Grundschulempfehlung zu erhalten wie Mädchen, sie werden häufiger auf Sonderschulen abgeschoben, landen häufiger auf der Hauptschule und deutlich seltener auf dem Gymansium, bleiben aber häufiger ohne Schulabschluss und erreichen deutlich seltener ein Abitur als Mädchen.

Hurrelmann Bildungsverlierer

siehe u.a. den Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach: S.245-272.

Wenn es im Schulsystem einen Missstand gibt, den man verändern müsste und wenn es eine Aufgabe gibt, die die Bildungsforschung und die aus Steuermitteln zur Bildungsforschung finanzierten Institutionen wie das WZB in Berlin lösen müssen, dann hat sie Jungen, nicht Mädchen zum Gegenstand.

Aber, es ist 2014, und was schert uns die Realität, wir wollen Mädchen fördern, und warum? Weil 62 nette Gespräche, die Frau Matthies verarbeitet hat, Folgendes erbracht haben:

“Dass Frauen geringere Chancen auf eine gesellschaftliche Führungsposition haben, ist bekannt.”

Das ist der erste Satz und der ist gleich Unsinn, denn sie haben dieselbe Chance wie Männer. Es gibt keinen Gott der Stochastik, der sich gegen Frauen verschworen hat. Wir haben ein deskriptives Ergebnis, nach dem weniger Frauen als Männer in Führungspositionen zu finden sind, und wir haben eine Erklärung dafür, die von Catherine Hakim vorgebracht und belegt wurde, und die besagt: Viele Frauen wählen Karrieren ab und sitzen lieber zu hause oder halbtags im Büro.

Und nun im Zeitraffer, zu dem, was Frau Matthies sonst noch herausgefunden hat:

  1. Loftus_eyewitness testimonyWer in höhere Positionen aufsteigt, hat Förderer, und zwar unabhängig vom Geschlecht.
  2. Die Untersuchung von Frau Matthies wurde aus Mitteln des BMBF und des ESF gefördert. Heureka!
  3. Führungskräfte zeichnen sich durch ein profundes Selbstvertrauen aus, abermals unabhängig vom Geschlecht.
  4. Führungskräfte aus “materiell, kulturell und sozial gut ausgestatteten Milieus” denken schon als Kind von sich, dass sie fähig sind, gestaltend auf die Welt einzuwirken und wollen das “kulturelle Erbe der Familie” weitergeben. Wieder spielt Geschlecht keine Rolle.
  5. Führungskräfte werden von ihren Eltern gefördert, durch Teilnahme am Leistungssport, Sommerurlaube im Ausland und philosophische Gespräche darüber, was “die Welt im Innersten zusammenhält” (in einem Fall) – abermals unabhängig vom Geschlecht.
  6. Wer nicht aus einem “materiell, kulturell und sozial gut ausgestatten Milieu” kommt, braucht einen Paten, um voranzukommen, nein keinen Verwandten in Sizilien, oder vielleicht doch?, in jedem Fall einen “sozialen Paten”, ungeachtet seines Geschlechts.
  7. Der soziale Pate vermittelt den Habitus des Siegers, der einem, egal ob man männlich oder weiblich ist, in das Management von z.B. Solar Millenium hievt.
  8. Wer aus einem “Deprivationsmilieu” kommt (wir nähern uns dem Höhepunkt langsam an), der braucht Hilfe bereits in der Schule (Das gilt für Jungen wie für Mädchen).
  9. Und wer bislang die staatsfeministischen Floskeln vermisst hat: “In unserer Studie ist es insbesondere die Rolle der Mutter, welche von den Frauen mit Blick auf ihren Werdegang als zu überwindende Bezugsfigur konstruiert wird” (4). Und was macht die Bundesregierung: Prämiert das Mutterwerden!
  10. Schließlich kommt, worum es wirklich geht: “Um mehr Frauen aus diesen sozialen Milieus [denen, die nicht so gut materiell, kulturell und sozial ausgestattet sind] für Führungspositionen zu interessieren und zu befähigen, müssten Maßnahmen institutionalisiert werden, die biografisch früher ansetzen. Patenschaftsmodelle für Kinder oder Mentoring-Programme für Schüler/-innen wie sie derzeit ehrenamtlich angeboten … werden.” (4)

Diese Erkenntnisse in zehn Punkten haben sich BMBF und ESF vermutlich mehrere 10000 Euro aus Steuergeldern kosten lassen. Die Erkenntnisse stammen aus Gesprächen mit Führungspersonen, die sich vermutlich gerne an ihren Werdegang erinnern und so manches ausschmücken, aber vielleicht auch nicht, wer weiß, denn geprüft hat es Frau Matthies nicht. In jedem Fall lassen die Gespräche mit Führungspersonen keine derat weitreichenden Schlüsse zu, wie sie hier getroffen werden.

Daraus, dass jemand eine Grundschullehrerin hatte, die ihn dazu bewogen hat, auf ein Gymnasium zu gehen, zu schließen, man müsse Kinder aus deprivierten Milieus in der Schule besonders fördern, nein Mädchen aus deprivierten Milieus müsse man besonders fördern, wie es Matthies tut, entspricht dem in der Logik bekannten Fehlschluss der vorschnellen Generalisierung (hasty generalization) und es gleicht dem Schluss von der Mücke im Garten auf den Elefanten im Glashaus.

hasty generalizationDerartige weitreichende Schlüsse, ergeben sich regelmäßig dann, wenn Forscher schon mit einer Agenda an Befragungsmaterial herantreten, wenn sie nach dem suchen, was sie gerne herauslesen wollen. Nun ist Frau Matthies nicht gerade fündig geworden, in den Biographien der Führungskräfte. Die Belege dafür, dass man Mädchen besonders fördern muss, halten sich doch arg in Grenzen, um nicht zu sagen, es gibt sie schlicht nicht. Dennoch fordert Frau Matthies was sie fordert, auch wenn ihr dabei ein “/innen” in die Quere kommt, und das kann man dann wohl nur mit einem entsprechenden Auftrag begründen, immerhin handelt es sich ja um Auftragsforschung aus dem Hause BMBF und da steht offensichtlich vorne schon fest, was hinten herauskommen muss.

P.S.

Welche Methode zur Gewinnung dieser weitreichenden Schlüsse angewendet wurde, behält Frau Matthies ebenso für sich, und das obwohl es einen Kasten, der mit “Zur Methodik” überschrieben ist, gibt (was Schlimmes befürchten lässt), wie sie es für sich behält, auf welcher Grundlage sie schließt, dass Mädchen früh für Führungspositionen interessiert werden müssen. Immerhin aber gibt sie zu, dass es notwendig ist, Interesse erst zu wecken, was bedeutet, dass es nicht vorhanden ist.

Auch die Formulierungen, mit denen die Ober-, Mittel- und Unterschicht umschrieben werden, sind putzig. Die Oberschicht ist demnach der Strahlemann-Ort, an dem es hochkulturell zugeht. Vermutlich läuft morgens schon Wagner im Ipod. Es ist der Ort, an dem Überfluss herrscht und jeder Wunsch, von “Papa ist will Fussballprofi werden” bis, “Mama ich will in den Club Med nach Tunesien” erfüllt wird, und es ist der Ort, an dem man sozial ist, was auch immer das ist. Die Unterschicht, die ist da, wo man schlicht “depriviert” ist. Das ist weich genug um Hilfe in allen erdenklichen Formen zu erfordern und perfekt, um sich und Legionen sonstiger ungebetener Unterschichts-Deprivations-Überwindungshelfer (deren Ziel doch ausschließlich darin besteht, die Deprivation auch festzuschreiben) über Jahre hinaus ein Auskommen aus den Steuermitteln, die über das BMBF und den ESF verschleudert werden, zu verschaffen.

Pawlows Hund wäre heute Gewerkschaftsfunktionär_in

“Das klassische Experiment ist zwischenzeitlich jedem Schuljungen geläufig geworden. Gibt man einem Hund Fleischpulver ins Maul, so sondert er Speichel ab. Das Futter ist der unkonditionierte Reiz, der Speichelflus der unkonditionierte Reflex. Sodann bietet man das Futter kombiniert mit irgendeinem beliebigen Reflex dar, etwa mit dem Aufleuchten einer Lampe. Nachdem das oft genug in richtigem zeitlichen Zueinander geschehen ist, wird das Licht den Speichelfluss schließlich auch ohne Anwesenheit von Futter auslösen: Jetzt ist das Licht der konditionierte Reiz und die darauf folgende Reaktion der konditionierte Reflex. (Hilgard & Bower, 1973,S.66; Hervorhebung im Original)

Wir wissen nicht, mit welchen unkonditionierten Reizen der Speichelfluss bei manchen Gewerkschaftsfunktionären ausgelöst wurde, aber der konditionierte Reflex, den manche Gewerkschaftsfunktionäre immer dann zeigen, wenn es etwas gibt, was mit a) Unternehmen zu tun hat und etwas, das b) die Möglichkeit bietet, Unternehmen negativ angelastet zu werden, lässt vermuten, dass der unkonditionierte Reiz mächtig ist. Möglicherweise muss man ihn in der Psyche suchen, aber damit wollen wir uns heute nicht aufhalten.

Modern PavlovWir wollen den “konditionierten Reflex” etwas näher beleuchten. Der konditionierte Reflex, den Gewerkschaftsfunktionäre immer verbal ausleben und mit “Wir” beginnen, lautet dieses Mal: “Wir brauchen die Ausbildungsgarantie”. Und obwohl “wir” es begrüßen, dass es mittlerweile selbst Gewerkschaftsfunktionäre einsehen, dass keine Ausbildung zu haben ein Problem darstellt, haben wir Zweifel, dass eine Ausbildung in dem betagten Alter, das manche Gewerkschaftsfunktionäre nunmehr aufweisen, noch einen großen Gewinn bringt.

Nehmen “wir” z.B. Elke Hannack, die stellvertretende DGB-Vorsitzende. Von ihr stammt die Erkenntnis, dass “wir”, also augenscheinlich die Mitglieder des Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes “eine Ausbildungsgarantie” brauchen. Diese Erkenntnis ist der studierten evangelischen Theologin Hannack, die selbst mit über 50 Jahren wohl doch zu alt für eine richtige Ausbildung ist, gekommen, als ihr die neuesten Zahlen vom Bundesinstitut für Berufsbildung erklärt wurden, denn erklären muss man sie der stellvertretenden DGB Vorsitzenden offensichtlich, schließlich hat sie zwar eine Ausbildung, die zur Auslegung der heiligen Schrift qualifiziert, aber keine, die sich mit mehr diesseitigen Dingen, wie Statistiken befasst hat.

Und den Daten hat die evangelische Theologin im Bundesvorstand des DGB, die – wie es beim DGB heißt, während des Studiums als “Packerin und Verkäuferin im Einzelhandel” nicht gearbeitet, aber gejobbt hat, entnommen, dass “kleine und mittlere Unternehmen aus der Ausbildung fliehen”, dass die Quote der Ausbildungsbetriebe mit 21,7% auf dem tiefsten Stand seit 1999 angelangt ist und dass Gaststätten und Hotels ihre Ausbildungsplätze oft nicht besetzen können. Und weil dem so ist, brauchen “wir” die Ausbildungsgarantie und Betriebe “dürfen nicht nur” über den Fachkräftemangel klagen, und “müssen” mehr ausbilden, so Hannack und vermutlich gesprochen im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.

fluchtMal abgesehen davon, dass man in Statistiken keine “flüchtenden Betriebe” finden kann, es sei denn, in Statistiken über flüchtende Betriebe und derartige Statistiken stellt das Bundesinstitut für Berufsforschung (BiBB) nicht bereit, ist die Darstellung der Fakten erstaunlich korrekt, so korrekt, dass es den konditionierten Reflex braucht, der den Speichelfluss auszulösen scheint, scheinbar vorhanden im Wort “Betrieb” gepaart mit “Rückgang der Anzahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge”, denn wenn weniger Ausbildungsverträge im Jahr 2013 als im Jahr 2012 abgeschlossen wurden, dann kann dies nach konditionierter Gewerkschaftslogik nur an Unternehmen liegen, die einfach nicht ausbilden, wo doch die Auszubildenden Schlange stehen, mit der Ausnahme des Hotel- und Gastgewerbes, wie sich selbst zu Hannack herumgesprochen hat.

Irgendwie scheinen die Auszubildenden doch nicht Schlange zu stehen. Beim BiBB weiss man dazu mehr zu sagen:

“2013 konnten 6,2% (2012: 6,0%) der berieblichen Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. [...] Die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze stieg bundesweit um +300 beziehungsweise +0,8% auf 33.500. Dies ist der höchste Wert seit 1996. Dass es zu einem erneuten Anstieg der unbesetzten Ausbildungsplätze kam, obwohl die Zahl der betrieblichen Ausbildungsangebote insgesamt zurückging, zeigt, dass es für die Betriebe zunehmend schwieriger wird, Auszubildende zu finden.”

Wir haben es hier mit einem Problem zu tun, für das man als Gewerkschaftsfunktionär offensichtlich nicht konditioniert ist. Einerseits hat es sich zwar herumgesprochen, dass es Ausbildungsberufe gibt, vor allem im Hotel- und Gastgewerbe, die immer weniger Auszubildende ausüben wollen. Andererseits überfordert es offensichtlich den Intellekt der entsprechenden Funktionäre, eine einfache Überlegung anzustellen, wie sie z.B. der Matching-Theorie von Christopher Pissarides zu Grunde liegt.

HannackFür manche Ausbildungsplätze sind bestimmte Fähigkeiten und Kompetenzen notwendig und nicht alle – das, liebe Gewerkschaftler, ist die herausragende Erkenntnis: nicht alle Bewerber sind für alle Ausbildungsplätze geeignet. Und wenn Unternehmen klagen, dass die schulische Bildung der Bewerber zu mangelhaft ist, als dass eine erfolgreiche Ausbildung auch nur im Bereich des Wahrscheinlichen liegt, dann wäre es eigentlich Aufgabe von Gewerkschaften, die Ursachen dieser “Passungsprobleme”, wie man beim BiBB schreibt, zu untersuchen.

Das setzt natürlich voraus, einen neuen Reflex zu konditionieren, dessen Inhalt sich mit dem bereits konditionierten Reflex, nach dem immer Unternehmen schuld sind, wenn es Probleme gibt, beißt. Aber möglich ist es, denn Pawlow sieht explizit die Möglichkeit der externen oder internen Hemmung oder gar der Extinktion vor.

Lässt man einen Moment die Aussage zu, dass Schüler, selbst dann, wenn sie einen Schulabschluss erreicht haben, zu schlecht ausgebildet sind, um bestimmte Ausbildungen mit einer Aussicht auf Erfolg anzutreten, nimmt man dazu, dass immer weniger, selbst miserabel ausgebildete Schüler sich bereitfinden, um eine Ausbildung in Gewerben mit z.B. unattraktiven Arbeitszeiten anzunehmen und ergänzt als letzte Zutat in den Pawlowschen Cocktail, dass eine Ausbildung Unternehmen Geld kostet, Geld, das man nicht gerne in den Sand setzt, nur um der gewerkschaftlichen Konditionierung zu entsprechen und Schulabsolventen auszubilden, von denen bereits bei Antritt der Ausbildung klar ist, dass sie die Ausbildung nicht erfolgreich beenden werden, dann kommt man bei einer anderen Forderung als der nach einer “Ausbildungsgarantie” an.

Wer weiß, manch kritischer Geist mag sich sogar fragen, was in Schulen schiefläuft, wenn Schulabsolventen nicht fit für die Arbeitswelt sind oder was im Sozialsystem schiefläuft, wenn gering bis gar nicht durch ihre Schulbildung qualifizierte junge Menschen dennoch bestimmte Ausbildungen nicht aufnehmen wollen. Möglicherweise führen entsprechende Überlegungen zu Fragen des Curriculums, also Fragen, wie: Ist es nicht besser, Schülern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen als sie mit Gender-Mainstreaming und Anti-Vergewaltigungskursen zu traktieren? Oder: Welche Rolle spielt die soziale Sicherung im Hinblick auf die Anzahl junger Menschen, die zu denken scheinen, sie hätten weder eine schulische noch eine berufliche Ausbildung nötig?

Alles Fragen, die man stellen kann, die aber bislang nicht in der gewerkschaftlichen Kinditionierung vorgesehen sind.

Mindestlohn und Frauenquote: Gegen alle Ratio mit Volldampf in den Sozialismus

KoalitionsvertragZwei zentrale Ziele, die der Koalitionsvertrag zwischen den beiden sozialistischen Parteien vorsieht, die sich zu einer großen Koalition zusammengefunden haben, haben die Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte und die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns zum Gegenstand. Und ist das nicht schön zu wissen, man hat es mit einer Regierung zu tun, die kein Problem damit hat, allen ökonomischen und allen menschlichen Sachverstand über Bord zu werfen und Ziele zu vereinbaren, die vorhersehbar ins Planungschaos, also den Sozialismus und das ihm regelmäßig folgende Elend führen?

Doch der Reihe nach.

Zunächst zum Mindestlohn. Mit dem Mindestlohn verbinden sich hehre Ziele. Legionen von Gutmenschen sehen im Mindestlohn ein Mittel, um den Armen, Ausgebeuteten, also jenen Anderen, von denen man nur vom Hörensagen weiß, dass sie nachts die Büros säubern, die man tagsüber bevölkert oder von denen man gehört hat, dass sie Hilfsarbeiten für geringen Lohn ausführen, ZU HELFEN. Wie gut man sich doch als Helfer fühlen kann, als moralisch Überlegener, der einen Schattenkampf gegen die ausbeutende Klasse der Bonzen führt.

Soweit die Intention, nun zur Wirkung.

Ein Mindeslohn trägt zu einem rigiden Arbeitsmarkt bei, und rigide Arbeitsmärkte, das ist unter Ökonomen schon seit mittlerweile Jahrhunderten bekannt und eigentlich so hinreichend belegt, dass es selbst Politiker schon einmal gehört haben könnten, rigide Arbeitsmärkte produzieren hohe Langzeitarbeitslosigkeit und hohe Einstiegshürden in Jobs für weniger bis schlecht qualifizierte Arbeitnehmer, also für diejenigen, auf die ein Mindeslohn zielt. Mit anderen Worten, rigide Arbeitsmärkte reduzieren die Chancen von Personen, die nur ein geringes Gehalt mit ihrer Qualifikation erzielen können, überhaupt eine Beschäftigung zu erhalten.

minimum-wageDas ist auch einsichtig, denn Unternehmen sind geschlossene Systeme, die auf der einen Seite Einnahmen haben und auf der anderen Seite Ausgaben. Wenn man ihnen nunmehr an einer Stelle höhere Ausgaben auferlegt, dann stellt sich das Nullsummenspiel so dar, dass, um die Einnahmen gleich zu halten, entweder die Preise erhöht werden müssen oder die höheren Ausgaben an anderer Stelle eingespart werden müssen. Höhere Preise führen dazu, dass letztlich Endabnehmer die Kosten eines Mindestlohns tragen. Einsparungen bei Ausgaben erzielt man am besten dadurch, dass man die Anzahl der nunmehr zu einem Mindestlohn Arbeitenden so reduziert, dass eine geringere Anzahl zu Mindestlöhnen Beschäftigter die Kosten verursacht, die zuvor eine größere Anzahl nicht zu Mindestlöhnen Beschäftigter verursacht hat.

Aber die Arbeit, wer soll die Arbeit der nunmehr nicht mehr Beschäftigten erledigen? Auch hierzu ist die Forschung voller Ergebnisse, die man nur zur Kenntnis nehmen muss, und die man unter den Überschriften “Technologisierung” oder “Neustrukturierung der Arbeit” zusammenfassen kann. In ersterem Fall wird ein Unternehmen versuchen, die zuvor von Beschäftigten, die unter dem Mindestlohn bezahlt wurden, verrichtete Arbeit nunmehr durch den Einsatz von Technologien durch weniger Personal ausführen zu lassen, und Personal einsparen, im zweiten Fall wird die anfallende Arbeit unter den verbliebenen Arbeitnehmern neu verteilt.

Und in jedem Fall wird sich durch die Einführung eines Mindestlohns, die Chance auf eine Beschäftigung für gering Qualifizierte verringern. All das ist lange bekannt, wird aber von Politikern hartnäckig ignoriert, denn man will als guter Helfer der Armen dastehen, und das Perfide daran ist, dass die Helfer der Armen mit ihrer Hilfe einige Arme besser stellen werden, nämlich die, die nunmehr zum Mindestlohn beschäftigt werden, während andere Arme, die Zeche der politischen Hilfe zahlen, und zwar dadurch, dass sie arbeitslos werden und für die Zukunft auf erheblich schlechtere Beschäftigungschancen blicken. Es lebe die Gleichheit!

In einer Pressemeldung des Instituts der deutschen Wirtschaft, auf die uns ein Leser hingewiesen hat, wird zudem argumentiert, dass ein Mindeslohn zu steigenden Lohnerwartungen führt. Angesichts der bekannten negativen Folgen, die ein Mindestlohn hat (siehe oben), scheint dieses Problem jedoch fast vernachlässigbar zu sein, denn Erwartungen sind nicht in Stein gemeiselt.

Wer Lust hat, sich in die Forschung zum Mindeslohn einzulesen, der kann dies mit den folgenden Arbeiten tun:

  1. Wirtschaft f DummiesAbowd, John M., Kramarz, Francis & Margolis, David N., 1999: Minimum Wages and Employment in France and the United States. Washington: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper No. 6996.
  2. Baker, Michael, Dwayne, Benjamin & Shuchita, Stanger, 1999: The Highs and Lows of the Minimum Wage Effect: A Time-Series Cross-Section Study of the Canadian Law. Journal of Labor Economics 17, 2: 318-350.
  3. Bauer, Thomas K., Kluve, Jochen, Schaffner, Sandra & Schmidt, Christoph M., 2009: Fiscal Effects of Minimum Wages: An Analysis for Germany. German Economic Review 10, 2: 224-242.
  4. Bellante, Don, 2007: The Non Sequitur in the Revival of Monopsony Theory. Quarterly Journal of Austrian Economics 10, 2: 15-24.
  5. Brown, Charles, 1999: Minimum Wages, Employment and the Distribution of Income. In: Ashenfelter, Orley & Card, David E. (eds.): Handbook of Labor Economics. Amsterdam: Elsevier, 2101-2163.
  6. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 2000: A Reassessment of the New Economics of the Minimum Wage Literature With Monthly Data from the Current Population Survey. Journal of Labor Economics 18, 4: 653-680.
  7. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 1996: ‚Who Gets What’ From Minimum Wage Hikes: A Re=Examination of Card and Krueger’s Distributional Analysis in Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Industrial and Labor Relations Review 49, 3: 547-552.
  8. Card, David & Krueger, Alan B., 1995: Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Princeton: Princeton University Press
  9. Card, David & Krueger, Alan B., 1995a: Time-Series Minimum-Wage Studies: A Meta-analysis. American Economic Review 85, 2: 238-243.
  10. Dolado, Juan, Kramarz, Francis, Machin, Stephen, Manning, Alan, Margolis, David, Teulings, Coen, Saint-Paul, Gilles & Keen, Michael, 1996: The Economic Impact of Minimum Wages in Europe. Economic Policy 11, 23: 317-372.
  11. Fitzenberger, Bernd, 2008: Anmerkungen zur Mindestlohndebatte: Elastizitäten, Strukturparameter und Topfschlagen. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 42, 1: 85-92.
  12. Fitzenberger, Bernd & Kohn, Karsten, 2006: Skill Wage Premia, Employment and Cohort Effects: Are Workers in Germany All of the Same Type. Bonn: Institute for the Study of Labour, IZA DP No. 2185.
  13. Franz, Wolfgang, 2007: Der trügerische Charme des Mindestlohns. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 4: 431-438.
  14. Galindo-Rueda, Fernando & Pereira, Sonia, 2004: The Impact of the National Minimum Wage on British Firms. Final Report of the Low Pay Commission on the Econometric Evidence From the Annual Respondents Database. London: London School of Economics.
  15. Hammermesh, Daniel, 1995: ‚Myth and Measurement:’ The New Economics of the Minimum Wage. Comment. Industrial and Labor Relations Review 48, 4: 830-834.
  16. Kim, Taeil & Taylor, Lowell J., 1995: The Employment Effect in Retail Trade of California’s 1988 Minimum Wage Increase. Journal of Business and Economic Statistics 13, 2: 175-182.
  17. Leigh, Andrew, 2007: Does Raising the Minimum Wage Help the Poor? Economic Record 83, 263: 432-445.
  18. Machin, Stephen, Manning, Alan & Rahman, Lupin, 2003: Where the Minimum Wage Bites Hard: Introduction of Minimum Wages to a Low Wage Sector. Journal of the European Economic Association 1, 1: 154-180.
  19. Machin, Stephen & Wilson, Joan, 2004: Minimum Wages in a Low-Wage Labour Market: Care Homes in the UK.. Economic Journal 114, 494: C102-C109.
  20. Manning, Alan, 2003: Monopsony in Motion: Imperfect Competition in Labor Markets. Princeton: Princeton University Press.
  21. Metcalf, David, 1999: The Low Pay Commission and the National Minimum Wage. Economic Journal 109 (453): F46-F66.
  22. Müller, Kai-Uwe & Steiner, Viktor, 2009: Labor Market and Income Effects of a Legal Minimum Wage – A Microsimulation Study for Germany. Paper proposed for the IZA Conference “The Economics of the Minimum Wage” Berlin, June 21-23, 2009.
  23. Neumark, David, 2001: The Employment Effects of Minimum Wages: Evidence from a Prespecified Research Design. Industrial Relations 40, 1: 121-144.
  24. Neumark, David, Schweitzer, Mark E. & Wascher, William, 2005: The Effects of Minimum Wages on the Distribution of Family Incomes: A Nonparametric Analysis. Journal of Human Resources 40, 4: 867-894.
  25. Neumark, David & Wascher, William, 2007: Minimum Wages and Employment. IZA Discussion Paper No. 2570. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit/Institute for the Study of Labour (IZA).
  26. Neumark, David & Wascher, William, 2002: Do Minimum Wages Fight Poverty? Economic Inquiry 40, 3: 315-333.
  27. Neumark, David & Wascher, William, 1994: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages. Reply to Card, Katz and Krueger. Industrial and Labor Relations Review 47, 3: 497-512.
  28. Neumark, David & Wascher, William, 1992: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages: Panel Data on State Minimum Wage Laws. Industrial and Labor Relations Review 46, 1: 55-81.
  29. Nickell, Stephen, 1997: Unemployment and Labor Market Rigidities: Europe versus North America. Journal of Economic Perspectives 11 (3): 55-74.
  30. Nickell, Stephen & Bell, Brian, 1995: The Collapse in Demand For the Unskilled and Unemployment Across the OECD. Oxford Review of Economic Policy 11, 1: 40-62.
  31. Nickell, Stephen, Nunziata, Luca & Ochel, Wolfgang, 2005: Unemployment in the OECD Since the 1960s. What Do We Know? Economic Journal 115: 1-27.
  32. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2008: Beschäftigungswirkungen von Mindestlöhnen – eine Erläuterung zu den Berechnungen des ifo Instituts. ifo Schnelldienst 61, 1: 16-20.
  33. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2007: Zur Einführung von Mindestlöhnen: Empirische Relevanz des Niedriglohnsektors. Ifo Schnelldienst 60, 10: 33-35.
  34. Scarpetta, Stefano, 1997: Assessing the Role of the Labour Market Policies and Institutional Settings on Unemployment: A Cross-Country Study. OECD  Economic Studies 26: 43-96.
  35. Spriggs, William E. & Klein, Bruce W., 1994: Raising the Floor: The Effect of the Minimum Wage on Low-Wage Workers. Washington: Economic Policy Institute.
  36. Straubhaar, Thomas, 1996: Schutzzoll auf Arbeit – das neue Gesicht des Protektionismus. List Forum 3: 209-221.
  37. Yelowitz, Aaron S., 2005: How Did the $8.50 Citywide Minimum Wage Affect the Santa Fe Labor Market. Washington: Employment Policies Institute.

Die Frauenquote in Aufsichtsräten, die die SPD als einen ihrer wichtigsten Punkte in die Verhandlungen zur Großen Koalition eingebracht hat, ist ein weiterer Stechschritt in den Sozialismus. Ich will hier nicht noch einmal all die wissenschaftlichen Belege zusammentragen, die zeigen, dass eine Frauenquote in Aufsichtsräten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung der zur Quote gezwungenen Unternehmen auswirkt. Ich habe dies in der Vergangenheit umfassend getan und keine Lust, mich zu wiederholen. Ich halte es vielmehr mit Schopenhauer und verweise, die an Argumenten gegen eine Frauenquote Interessierten auf den grundlegenden Text, der als Written Evidence an das House of Lords (S.106-111) geschickt wurde bzw. auf dessen deutsche Übersetzung:

Eine Frauenquote ist rational nicht begründbar.

arbeiterIch will vielmehr ein wenig Nostalgie betreiben, SPD-Nostalgie. Die SPD, das werden jüngere Leser nicht mehr wissen, war nämlich nicht immer eine Partei der Lehrer, Juristen, Studeinabbrecher und Staatsfeministen, nein, die SPD ist als Arbeiterpartei gestartet und hatte entsprechend Anliegen von Arbeitern zumindest kurzzeitig auf der Rechnung. Von diesen Anliegen hat sich die SPD über die Jahre immer weiter entfernt. Bereits 1914 ist sie durch ihre Zustimmung zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs zur staatstragenden Partei geworden und in der Folge, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die ehemalige Arbeiterpartei zu einer Versammlung pseudo-intellektueller Gutmenschen entwickelt, deren derzeit wichtigstes Ziele in der Fortpflanzung und Förderung von Frauen aus der Mittelschicht besteht.

Arbeiterfrauen und Arbeiter als solche, sind der derzeitigen SPD-Führung nur als diejenigen bekannt, die beim Italiener die Lasagne al forno bringen oder bei Abercombi und Fitch oder bei Dallmayr an der Kasse sitzen bzw. bedienen. Und Arbeiter, gering qualifizierte Arbeiter, sind diejenigen, die die SPD-Spitzenverdiener – zumeist ohne ausgeübten Beruf -, nunmehr in die Arbeitslosigkeit schicken, weil die Symbolik des Mindestlohns wichtiger ist als alle wissenschaftliche Erkenntnis in diesem Bereich.

Die SPD ist zu einer Partei geworden, die die partikularen Interessen von Frauen aus der Mittelschicht bedient, solchen, die sich Hoffnungn machen, über Gewerkschaftssitze oder über Parteikarrieren nunmehr und auf Teilzeit in Aufsichtsräte zu kommen. Für sie wird eigens eine Frauenquote beschlossen, um ihnen ein Nutznießen auf Kosten aller anderen zu ermöglichen. Klarer als durch die Forderung nach einer Mittelschichts-Frauenquote in Aufsichtsräten kann man es als Partei nicht mehr machen, wessen Diener man geworden ist und wessen Interessen man nicht vertritt. Und entsprechend sollte langsam ein #Aufschrei durch die arbeitende Bevölkerung gehen, wenn sich Mitglieder der SPD hinstellen und sich als Arbeitervertreter ausgeben.

Und die CDU? Nun, die CDU hat sich auf beide Deals eingelassen und sich somit von ihrem ökonomischen Sachverstand, den sie noch unter Kohl von Wählern attestiert bekommen hat, verabschiedet. Das deutsche Parteiensystem entwickelt sich mehr und mehr zu einem zentripetalen Parteiensystem, wie es Anthony Downs beschrieben hat, Parteien werden in seinem Bild zu Waschmittelverkäufern, die denselben Inhalt in unterschiedlichen Verpackungen verkaufen. Und der gleiche Inhalt besteht aus dem Giftpulver des Sozialismus, das es bislang noch immer geschafft hat, gesunde Ökonomien und florierende Gesellschaften über kurz oder lang zu zerstören.

Verbot von Kinderarbeit: Aktionismus mit perversen Effekten

Viele Menschen, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, Unrecht, Ungleichheit, Un[passendes Nomen einsetzen] zu bekämpfen, haben ein Dimensionalitätsproblem: Sie sind so beseelt von ihrer Gutheit, dass sie sich nicht vorstellen können, dass Ihre Gutheit negative Effekte produziert, perverse Effekte, wie Sozialwissenschaftler sagen.

Dabei sind die negativen Effekte selbst bester Absichten lange bekannt, ausführlich beschrieben z.B. von Dietrich Dörner in seiner “Logik des Misslingens”.

Logik des MisslingensIm Tanaland, dem virtuellen Staat, den mit diktatorischer Vollmacht ausgestattete Versuchspersonen am Computer regieren konnten, sollten diese Versuchspersonen für das Wohlergehen der in Tanaland lebenden Bewohner sorgen. Alle Versuchspersonen waren voll über die Situation im Tanaland und mögliche und alternative Maßnahmen zur Verbesserung informiert und voller guter Vorsätze und haben unmittelbar die Versorgungslage verbessert: “Bei unserer durchschnittlichen Versuchsperson”, so schreibt Dörner, “kam es etwa im 88. Monat zu einer nicht mehr auffangbaren Hungerkatastrophe … Es war das Übliche: anstehende Probleme (hier: der Nahrungsmittelversorgung und der Gesundheitsfürsorge) wurden gelöst, ohne dass dabei die durch die neuen Problemlösungen entstandenen Fernwirkungen und damit die neuen Probleme, die durch die Problemlösungen erzeugt wurden, gesehen wurden. … “(26)

Die eindimensionale Gutheit, mit der viele Wohltäter der Menschheit ausgestattet zu sein scheinen, führt dazu, dass sie sich nicht vorstellen können, dass von einer “guten” Handlung negative Handlungsfolgen zu erwarten sind, dass Verbote und Rechte zu Konsequenzen führen, die der Absicht, mit der sie eingeführt wurden, zuwiderlaufen.

Nehmen wir zum Beispiel das weltweite Hub des Guten, die Unicef und ihren “Kampf” gegen Kinderarbeit:

younicef“Kinder haben das Recht, zur Schule zu gehen und eine Ausbildung zu machen. Sie haben aber auch das Recht zu spielen und sich zu erholen. Das heißt aber nicht, dass Kinder nach der Schule keinen Finger mehr krumm machen müssen. Natürlich dürfen – und sollen – sie zu Hause mithelfen. Wenn sie 14 Jahre alt sind, können sie bis zu drei Stunden täglich im Familienbetrieb mitarbeiten oder mit Erlaubnis der Eltern auch für Geld “jobben”. Die Arbeit muss jedoch grundsätzlich leicht und für Kinder und Jugendliche geeignet sein. Vor allen Dingen darf die Schule nicht zu kurz kommen.”

Diese wohlklingenden Worte aus der Ferne des warmen Büroplatzes in Deutschland oder in einem anderen Wohlstands-Land geschrieben, klingen hervorragende in den Ohren derer, die sich gut fühlen und Gutes tun wollen, und die Druck auf Regierungen in so genannten Entwicklungs- oder Schwellenländer ausüben wollen, damit die entsprechenden Länder ein Verbot der Kinderarbeit erlassen, denn: Wenn Personen, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, Arbeiten müssen, dann widerspricht dies dem Recht von Kindern, das Unicef verabschiedet hat ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob die eigene Werthaltung von allen geteilt wird oder die eigene Gutheit negative Konsequenzen für Dritte nach sich zieht.

Um genau zu sein, es gibt so gut wie keine Forschung zu den Folgen der Einführung eines Verbots von Kinderarbeit (Arbeit von unter 14jährigen), denn würde ein guter Mensch daran zweifeln, dass nur positive Effekte von einem solchen Verbot ausgehen? So betrachtet muss man wohl davon ausgehen, dass Prashant Bharddawaj und Leah K. Lakdawala keine “guten” Menchen sind, denn die beiden Forscher von der University of California bzw. der University of Michigan haben sich gefragt, ob ein Verbot von Kinderarbeit wirklich und ausschließlich positive Effekte hat.

Ihre entsprechende Forschung hat der Menschheit vermutlich einen größeren Dienst erwiesen als alle Agitation der Unicef im vergangene Jahrhundert, denn ihre Forschung hat zu Tage befördert, was Sozialwissenschaftler, die ihrer Zunft würdig sind, vermutet haben dürften: Ein Verbot von Kinderarbeit hat erhebliche negative Folgen und entsprechend kann man nun auch bei der Unicef nicht mehr behaupten, man habe von negativen Folgen des eigenen Handelns noch nie etwas gehört.

Kinderarbeit_weltweit_08_in_InfoBharadwaj und Lakdawala haben für Indien und anhand von Daten der nationalen Beschäftigungsstudie für die Jahre 1983, 1987 und 1993 untersucht, wie sich das Verbot von Kinderarbeit, das im Jahre 1986 in Kraft getreten ist, auf die Betroffenen ausgewirkt hat. Auf Basis theoretischer Überlegungen, die sich an die Arbeiten von Basu anschließen (2005) entwickeln die Autoren ein ökonometrisches Modell, in dem das Haushaltseinkommen und die Produktionskosten für Unternehmen die entscheidenden Faktoren sind. Die Ergebnisse sind eindeutig:

  • Durch die Einführung des Verbots verringern sich die Löhne von Kindern, die trotz Verbot arbeiten gehen, und es erhöht sich die Zahl der Kinder, die dennoch arbeiten geht. Für Kinder, die zwischen 10 und 13 Jahren alt sind, erhöht sich die Beteiligung am Arbeitsmarkt um zwischen 5,6% und 32% je nach der Branche, in der sie tätig sind. Die Verringerung der Löhne ist Ergebnis der Strafen, die Arbeitgeber, die Kinder beschäftigen, nach in Kraft treten des Verbots von Kinderarbeit, entrichten müssen: um die zusätzlichen Kosten gegenzufinanzieren, reduzieren die Arbeitsgeber die Löhne, was sie problemlos tun können, da sie nicht im selben Maße auf Kinderarbeit angewiesen sind, wie die Haushalte, für die Kinderarbeit einen wichtigen Beitrag zum Haushaltseinkommen leistet.
  • Insbesondere Mädchen sind nach dem Verbot von Kinderarbeit häufiger erwerbstätig. Dies macht unmittelbar Sinn, denn Mädchen sind für arme Familien die Arbeitsmarktreserve und wenn die Löhne von Jungen zwischen 10 und 13 Jahren durch das Verbot von Kinderarbeit sinken, wie oben dargestellt, dann ist es für arme Familien notwendig, die Mädchen ebenfalls arbeiten zu schicken, um die notwendigen Mittel zum Unterhalt der Familie zu erwirtschaften.
  • Eine weitere Konsequenz des Verbots von Kinderarbeit besteht darin, dass Kinder zwischen 10 und 13 Jahren nun eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, eine Schule zu besuchen.

Ein vernichtenderes Beispiel für das Wirken guter Absichten kann man sich kaum vorstellen, denn mit dem Verbot der Kinderarbeit wurde das Gegenteil dessen erreicht, was beabsichtigt wurde: Nicht weniger, sondern mehr Kinder gehen nun einer Arbeit nach. Nicht mehr, sondern weniger Kinder besuchen eine Schule.

Es zeigt sich, dass das Propagieren von Rechten für viele ausschließlich eine psychologische Funktion hat: Sie wollen sich wohlfühlen und scheren sich in keiner Weise darum, was ihre psychologischen Bedürfnisse in der wirklichen Welt anrichten: Wie anders ist es zu erklären, dass z.B. Unicef bis heute keinerlei wissenschatfliche Forschung angestrengt hat, um negative Wirkungen von “Verboten” oder der Verkündung von Rechten zu erforschen?

Das Problem, auf dem Kinderarbeit basiert, kann man nicht durch Verbote lösen, denn das Problem heißt Armut: arme Familien sind auf die Mithilfe von Kindern, deren Beitrag zum Haushaltseinkommen angewiesen. Man könnte nun Armut verbieten, aber das hätte vermutlich dieselbe Wirkung wie ein Verbot von mehr als 8 Sonnenstunden in der Sahara, um die Wassersituation der dort lebenden Nomaden zu verbessern.

Es wird sich, wohl oder übel, auch unter Gutmenschen herumsprechen müssen, dass ihre gutgemeinten Interventionen negative Konsequenzen mit sich bringen (können), und sie werden entsprechend bescheidener auftreten müssen, was natürlich dem eigenen Bedürfnis, sich als gut darzustellen, gewisse Beschränkungen auferlegen wird, Beschränkungen, die man als guter Mensch aber bereitwillig tragen wollen sollte – oder?

Basu, Kaushik (2005). Child labor and the law: Notes on possible pathologies. Economics Letters 87(2), 169–174.

Bharadwaj, Prashant & Lakdawala, Leah K. (2013). Perverse Consequences of Well-Intentioned Regulation: Evidence From India’s Child Labor Ban.

Feministische Netzwerke an Universitäten – Uboote der Grünen aus Steuermitteln finanziert?

HU-BerlinIm letzten Post haben wir vom Berliner Görenaufstand geschrieben, mit dem eine Initiative feministischer Ideologen erklärt, dass  “eine feministische Kritik dringlicher denn je” sei. Feministische Kritik, das müssen wir als Leser des Pamphlets der Berliner Gören sagen, besteht ganz offensichtilch darin, abstruse Behauptungen aufzustellen, wie die Behauptung, dass Frauen weniger verdienen würden als Männer, Entwicklungen, die einem ideologisch nicht passen, sprachlich zu diskreditieren und mit kleinen Einsprengseln wie “immer noch” suggerieren zu wollen, dass man gerade dabei ist, den entsprechenden Entwicklungen den Garaus zu machen und sich ansonsten in der satten Pose des gesellschaftlichen Betrachters zu gefallen, der den anderen eben einmal verkündet, wie ihm die Welt vorkommt. Nun interessiert es nur wenige andere, wie Feministen die Welt vorkommt, und entsprechend stampfen die feministischen Ideologen mit dem Fuß auf und fordern Aufmerksamkeit etwa in der Weise, in der eine Supermarktkette versucht, mit extra viel Lärm auch noch den letzten Ladenhüter an den Mann zu bringen.

Was vom Aufruf der sich selbst als Wissenschaftlerinnnen bezeichnenden Ideologen zu halten ist, haben wir bereits im letzten Post geschrieben. Das aktuelle Post wollen wir dazu nutzen, ein wenig Netzwerkforschung zu betreiben.

Netzwerke, die Bildung von Netzwerken, von feministischen Netzwerken, steht für Feministen immer hoch auf der Agenda. Nichts, was das BMFSFJ mit Steuergeldern im Rahmen seiner eigenen staatsfeministischen Agenda fördert, kommt ohne Netzwerkbildung aus. Entsprechend wird der Großteil der Fördergelder, also der Steuergelder, dafür verbraucht, Treffen zu organisieren, damit sich die vielen Nutznießer aus dem Programm kennen lernen und gegenseitig auf die Schultern schlagen können (oder damit sie wissen, wo die Konkurrenz um die Mittel des BMFSFJ steht). Das ist zwangsläufig so, denn inhaltlich haben die Projekte des BMFSFJ alle dieselbe Marschrichtung, Jungen in Kindertagesstätten oder soziale Berufe zu treiben und Mutterschaft als das Ereignis hinzustellen, ohne dessen Eintritt Frauen keine höhre Weihe zuteil wird und Männer nicht die Freuden der Work-Life-Balance erleben können.

HBS_logo_de_390x53Entsprechend hat es uns interessiert, welches Netzwerk feministische Ideologen, die sich selbst als “feministische Wissenschaftlerinnen” tarnen, zu kommandieren im Stande sind. Diese Frage ist umso interessanter als der Aufruf der Berliner Gören eine ziemlich spärliche Ressonanz vorzuweisen hat, wovon sich jeder, der das Häuflein der Unterstützer am Ende des Aufrufs betrachtet, selbst überzeugen kann. Also haben wir uns auf die Recherche gemacht und die folgenden Trophäen von unserer Pirsch durch feministisches Gestrüpp mitgebracht.

  • An erster Stelle ist ein alter Bekannter zu nennen, ein Bekannter, der einem eigentlich sofort hätte einfallen müssen, denn immer dann, wenn es darum geht, Steuergelder zweckzuentfremden und eine eigene ideologische Agenda zu unterstützen, ist er da: das Gunda Werner Institut, der Taxmoney-Kill-Tank (TKT) der Heinrich Böll Stiftung

Ist es nicht ein netter Zufall, dass die vollständig aus Steuermitteln finanzierte politische Stiftung der Grünen, nach einem Wahldebakel, das zumindest die Deutschen befriedigt hat, die keine Extremisten in Parlamenten haben wollen, ein Häuflein vermeintlicher Wissenschaftlerinnen aus dem Hut zaubern kann, die genau die Themen als im öffentlichen Diskurs fehlend deklarieren, mit denen Grünen/Bündnis 90 bei der letzten Wahl baden gegangen sind?

Ist es nicht eine feine Sache, wenn man nicht nur die Steuergelder zur Verfügung hat, um ideologische Agitation in eigener Sache zu betreiben, sondern auch über eine Anzahl feministischer Uboote an Universitäten verfügt, so eine Art Sleeper oder sleeping assassin, dessen Aufgabe darin besteht, im richtigen Moment zuzuschlagen und der Wissenschaft den Garaus zu machen und als fünfte Kolonne Unterstützung für die Mutterpartei zu leisten?

Entsprechend hat unsere Netzwerkforschung eine neue Komponente, denn sie erlaubt uns, die Orte, die Hochschulen zu identifizieren, die besonders von den feministischen Ubooten infiltriert sind.

Unsere Recherche hat drei Hochschulen zum Vorschein gebracht, die in besonderer Weise ein “Gender-Problem” zu haben scheinen. Es sind dies

  • Philipps Uni Marburgdie Humboldt-Universität in Berlin (zugegebener Maßen wenig überraschend),
  • die Universität Marburg und
  • die Hamburger Hochschulen, die sich am “Zentrum Genderwissen” beteiligen (es hieße wohl besser Zentrum Genderindoktrination, denn Wissen ist mit Gender unvereinbar).

Eine erfreulich kleine Liste von Hochschulen, die unsere Recherche da erbracht hat. Aber wir befinden uns noch im “Wehret-den-Anfängen-Stadium”, und entsprechend mag es sein, dass die Veröffentlichung des Pamphlets feministischer Ideologen in der zweiten Hälfte der letzten Woche und das dann anstehende Wochenende mit seinen Erfordernissen an die Work-Life-Balance dazu geführt hat, dass nur wenige Unterstützer sich noch am Arbeitsplatz befunden haben, wo sie Zugriff auf HTML-fähige MitarbeitER haben.

Dem kleinen Häuflein von Hochschulen gesellt sich eine interessante Liste ideologischer Unterstützer zu, die vom

  • Neuen Deutschland angeführt wird, was kein Wunder ist, wenn man die ideologische Ausrichtung des Pamphlets kennt. Ob sich hier Annäherungen zwischen der Linken und ihren Ablegern in vor allem Bündnis 90 abzeichnen, bleibt abzuwarten.
  • Neben dem Neuen Deutschland ist bislang der Landkreis Friedland der Linken auf das Pamphlet der feministischen Ideologen angesetzt worden und unterstützt es entsprechend (vermutlich ist eine der Unterzeichnerinnen im Landkreis Friedland für die Linke aktiv).
  • Schließlich gibt es noch eine vermeintlich emanzipatorische Linke, bei der sich offensichtlich auch Genossen finden, die der Ansicht sind, der Neoliberalismus sei schuld daran, dass Frau arbeiten müsse und kündbar sei.

Das also ist das Netzwerk derer, die sich als “feministische Wissenschaftlerinnen” bezeichnen. Und wer bislang noch einen Zweifel hatte, dass die vermeintlichen Wissenschaftlerinnen, Ideologen sind, die die Tatsache, dass sie es auf welchen Wegen auch immer auf eine universitäre Position geschafft haben, missbrauchen, der ist hoffentlich eines Besseren belehrt.