Heidenau und die besseren Deutschen der Bundeskanzlerin

In Heidenau in Sachsen herrscht derzeit Ausnahmezustand. Für Rechte ist Heidenau der Aufmarschort, an dem sie ihrem Hass gegenüber Flüchtlingen freien Lauf lassen können. Für Linke ist Heidenau der Aufmarschort, an dem sie ihren Hass gegenüber rechten Deutschen demonstrieren können.

HeidenauPolitikwissenschaftlich ist daran interessant, dass der demokratische Konsens in Deutschland, sofern er denn je vorhanden war, der Konsens, der die Achtung vor den Menschenrechten anderer als Kern umfasst, derzeit von rechts und links aufgelöst wird.

Soziologisch ist daran interessant, dass es viele sich offensichtlich so sehr durch soziale Strukturen determiniert sehen, dass es für sie keinerlei Möglichkeit mehr zu geben scheint, ihren Frust anders als durch Gewalt kund zu tun.

Psychologisch ist daran interessant, dass Gewalt eigentlich das Eskalationsmittel am Ende einer Vielzahl von anderen Mitteln der Umweltpenetration ist, so dass man sich entweder fragen muss, ob die Gewalttäter als pathologische Fälle anzusehen und zu internieren sind oder zu fragen ist, wie lange sie schon vergeblich mit anderen Mitteln versucht haben, Aufmerksamkeit zu erregen.

Philosophisch ist daran interessant, dass es für manche keinerlei Moral oder keinerlei Anstand gibt, der es verhindert, Dritte, in diesem Fall Flüchtlinge, zu instrumentalisieren und auf ihrem Rücken die Kämpfe auszutragen, die man schon immer einmal austragen wollte.

Aus Sicht der Ökonomie ist daran interessant, dass vielen in Deutschland das Wasser durch Steuern und Abgaben und die eigene Unfähigkeit, mehr oder überhaupt den Unterhalt zu sichern, so sehr bis zum Hals zu stehen scheint, dass sie zu Gewalt greifen, die sie noch dazu gegen die Falschen richten.

Dies wiederum ist sozialpsychologisch interessant, denn offensichtlich trauen sich die entsprechenden Deutschen nicht, ihren Ärger bei der für den Ärger verantwortlichen Stelle anzubringen.

Wie dem auch sei, die Größen der deutschen Politk haben reagiert und deutlich gemacht, was in Deutschland im Argen liegt, warum man sich nicht wundern muss, dass der öffentliche Dikurs verroht und auch die Wahl der Mittel aus den Fugen gerät.

“Keinen Millimeter dem rechtsradikalen Pack”, so Vizekanzler Gabriel, der sich offensichtlich bemüht, noch Öl ins Feuer zu gießen, denn die Bezeichnung “rechtsradikales Pack” ist kaum dazu geeignet, Wogen zu glätten. An die Stelle der Staatsmänner von früher, sind Personen getreten, die in ihrer Fähigkeit, zum Pöbeln, denen, die sie anpöbeln, in nichts nachstehen.

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Ob Gabriel auch demnächst nach Leipzig reist, um dort die Polizei gegen die in seiner Sprache dann als “linksradikales Pack” zu bezeichnenden Autonomen zu verteidigen, die Polizeistationen überfallen?

Die Kanzlerin schweigt bislang bzw. sie schickt ihren Pressesprecher vor:

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Steffen Seibert wäre besser ruhig gewesen. Aber er hat sich geäußert. Er hat seine Wertehierarchie deutlich gemacht, die des besseren Deutschen. Vom normalen Deutschen vom Single, vom unverheirateten, vom Kinderfreien, von ihnen allen hätte Seibert also Randale erwartet, von ihnen allen denkt er, dass sie zum Hasserfüllten taugen und das Potential zur Randale in sich tragen.

Vom höchsten Seibertschen Gut, der höchsten Weihe, die man Deutschen als Regierungssprecher verleihen kann, von der Familie mit Kind, hätte er nicht gedacht, dass sie aus Hasserfüllten besteht, die sich an Randale beteiligen, die Hass verbreiten und ihn beschämen.

Nun, jeder bekommt, was er verdient. Und wer derart beschämende Meldungen absetzt, eine derartige Wertehierarchie über seine Bürger stülpt, der muss sich nicht wundern, wenn er von seinen Bürgern als beschämend empfunden wird, so sehr, dass ihn selbst die Bürger, die er so viel höher als andere schätzt, beschämen.

Ob die Meldung so mit Frau Merkel abgesprochen war? Ob die kinderfreie Merkel auch denkt, die Familie mit Kind sei die höchste moralische Entwicklungsform, die man als Deutscher annehmen kann? Wir wissen es nicht.

Anyway, wir sind Waliser…

Bundesdaten zeigen einmal mehr: Der Staatsfeminismus ist komplett gescheitert

Wir sind auf eine sehr nützliche Statistik des Bundes gestoßen. Sie wird beim IAB in Nürnberg geführt und nennt sich eher nichtssagend: Berufe im Spiegel der Statistik.

Die statistischen Daten sind eine Fundgrube für alle, die sich mit z.B. Arbeitsmarktforschung beschäftigen, und sie sind eine Fundgrube für Soziologen, die noch an Daten interessiert sind und die Hypothesen testen wollen …

… zum Beispiel die Hypothese, dass die vielen Programme des Bundes, die der Förderung von Frauen vor allem in MINT-Fächern dienen, etwas gebracht haben.

Professorinnenprogramm, MINT-Förderung, Girls-Day, all die unzähligen Programme, die einer großen Anzahl von Förderen ein Einkommen verschaffen, damit sie zunächst einmal Netzwerktreffen organisieren können, um dann zu überlegen, wie man Mädchen zum Studium von MINT-Fächern und dazu bewegen kann, dass sie sich in gesellschaftlich nützlicher Weise engagieren, sie dienen eigentlich einem Zweck. Nur: Wird dieser Zweck eigentlich erreicht?

Wenn die vielen Programme und Maßnahmen der Frauenförderung erfolgreich wären, dann müsste über die letzten Jahre die Anzahl z.B. weiblicher Ingenieure größer geworden sein, und zwar überproportional zur Anzahl männlicher.

Die oben genannten Daten machen es möglich, diese Hypothese zu testen.

Mehr noch: Sie erlauben es, den Einfluss von Förderprogrammen wie dem Professorinnenprogramm auf Hochschulen und den Effekt, den der Staatsfeminismus auf die Wahl von Berufen hat, auszuweisen …

… und zwar mit folgenden Ergebnissen:

  • IngenieureDie ganzen MINT-Anstrengungen, vom Girls-Day über spezifische Förderprogramme, mit denen Mädchen in ein MINT-Studium getragen werden sollen, haben keinen erkennbaren Effekt. Die Anzahl weiblicher Ingenieure wächst im Vergleich zu männlichen Ingenieuren nicht überproportional.
  • Programme wie das Professorinnenprogramm und die vielen Förderprogramme, die Hochschulen für weibliche Studenten, Dozenten und Professoren ersonnen haben, haben dazu geführt, dass der Anteil der weiblichen Dozenten und Hochschullehrer mittlerweile schneller wächst als der Anteil der männlichen Dozenten und Hochschullehrer: Im Zeitraum von 1999 bis 2011 wächst die Anzahl weiblicher Dozenten und Hochschullehrer um 43,2% schneller als die der männlichen Dozenten und Hochschulehrer.
  • Am höchsten ist das Wachstum in kunst-, medien-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Berufen. Von 1999 bis 2011 ist die Anzahl der Beschäftigten um 87.322 gestiegen. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum ist die Anzahl der Ingenieure um 72.152 Beschäftgte, die der Hochschullehrer und Dozenten um 21.728 Beschäftigte gewachsen. Dies entspricht einem Wachstum von 27,7% für Beschäftigte in kunst-, medien-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Berufen, von 11,5% für Ingenieure und von 50,7% für Dozenten und Hochschullehrer.

Man sieht anhand dieser Daten deutlich, was die Maßnahmen von Bund und Ländern tatsächlich befördern: Sie blähen den Hochschulbereich durch Addition von wenig relevanten Fächern und entsprechenden Hochschullehrern und Dozenten auf und haben die Anzahl derjenigen, die sich in kunst-, medien-, geistes- oder sozialwissenschaftliche Berufe flüchten, um 27,7% erhöht. In beiden Fällen ist der Zuwachs durch ein überproportionales Wachstum von weiblichen Beschäftigen verursacht.

HochschulllehrerEntsprechend kann man davon ausgehen, dass die Förderprogramme, mit denen Bund und Länder den Anteil von Frauen in MINT-Fächern und Berufen fördern wollen, eine interessante Konsequenz mit sich gebracht haben, indem sie den Anteil derjenigen, die durch das Ergreifen eines kunst-, medien-, geistes- oder sozialwissenschaftlichen Berufes in das Lamento derer einstimmen wollen, die beklagen, dass zu wenige Frauen z.B. den Beruf des Ingenieurs ergreifen und die entsprechend an der darauf aufbauenden Förderindustrie partizipieren wollen, erheblich angewachsen ist. Und mit ihnen ist die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu sein, gewachsen: Sie liegt für die entsprechenden Berufe 21% über dem Ausgangswert von 1999.

Im Gegensatz dazu hat sich bei Ingenieuren nichts verändert. Der Anteil von Frauen ist zwar seit 1999 gewachsen. Dies ist jedoch nur eine Zahlenspielerei, denn der Anteil von 12, 7% weiblicher Ingenieure im Jahr 2011 und im Vergleich zu 9,5% im Jahr 1999 entspricht einem Zuwachs um 29.238 weibliche Ingenieure. Im selben Zeitraum ist die Anzahl männlicher Ingenieure um 42.914 gestiegen.

Kurz: Man kann ein Scheitern auf der ganzen Linie vermelden.

geistessozialberufeAlles, was mit der Förderung von Frauen erreicht wurde, ist dass immer mehr Frauen an dieser Förderung partizipieren wollen, nicht jedoch, in dem sie wie intendiert einen der Berufe ergreifen, den die Bundesregierung mit so großer Anstrengung anpreist wie Sauerbier, sondern indem sie sich ihrerseits daran beteiligen wollen, die entsprechenden Berufe des Ingenieurs oder Informatikers Frauen anzupreisen.

Die derzeitige Entwicklung ist als Ausbildung eines weiblichen Wasserkopfes bestens beschrieben, schon weil die Entwicklung nicht, wie es so schön heißt, nachhaltig ist. Mal schauen, wann der Wasserkopf platzt.

Mit Korbflechten zurück auf den Arbeitsmarkt: Wie Bildungsträger Langzeitarbeitslose missbrauchen

Arbeitslosigkeit ist teuer, kostet Steuerzahler viel Geld. 20,1 Milliarden Euro sind im Haushalt von 2015 für Ausgaben im Rahmen der Erstattung von Arbeitslosengeld II vorgesehen. 19,2 Milliarden Euro waren es im Haushalt 2014, 18,9 Milliarden im Jahr davor. Die Tendenz ist demnach steigend. Um die Kosten der Arbeitslosigkeit dadurch zu senken, dass Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden, gibt es sogenannte “Maßnahmen im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik”.

Statistik ArbeitsloseDabei handelt es sich im Wesentlichen um Maßnahmen, die sogenannte Bildungsträger anbieten. Deren Ziel besteht darin, Langzeitarbeitslose in eine Anstellung und aus der Arbeitslosigkeit zu bringen. Entsprechend entstehen im Bemühen, die Kosten der Langezeitarbeitslosigkeit zu reduzieren, zunächst weitere Kosten: 7,2 Milliarden Euro waren im Haushalt 2012 für damals “Arbeitsförderung” vorgesehen. Seit 2013 stehen jährlich 3,9 Milliarden für nunmehr “Eingliederung in Arbeit” bereit.

Ob diese jährlich 3,9 Milliarden Euro sinnvoll eingesetzt sind, daran gibt es erhebliche Zweifel. So kommt eine Untersuchung von Mitarbeitern des IAB in Nürnberg zu dem Ergebnis, dass Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nur dann einen positiven Effekt auf die Arbeitsmarktchancen von Langzeitarbeitslosen haben, wenn das Klima auf dem Arbeitsmarkt positiv ist und wenn die Langzeitarbeitslosen es schaffen, eine Weiterbildung in Unternehmen oder in Anbindung an ein Unternehmen zu erreichen (betriebliche Weiterbildung).

Das Gros der Bildungsmaßnahmen, die von sogenannten Bildungsträgern angeboten werden, hat dagegen keinen bzw. einen negativen Effekt auf die Arbeitsmarktchancen von Langzeitarbeitslosen.

Überträgt man die vorsichtigen Formulierungen, die Mitarbeiter des IAB in der Regel wählen, in Klartext, dann folgt aus dem Ergebnis, dass die meisten Maßnahmen zur Weiterbildung bzw. zur beruflichen Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen nicht dazu dienen, die Langzeitarbeitslosen wieder in “Lohn und Arbeit” zu bringen, sondern den Anbietern der entsprechenden Maßnahmen und ihren Beschäftigten üppigen Lohn und Arbeit zu verschaffen. Anders formuliert, die gut 19 Milliarden Euro, die seit 2012 ausgegeben wurden, um Maßnahmen von Bildungsträgern zu finanzieren, wurden vornehmlich dafür ausgegeben, die Bildungsträger zu finanzieren. Wollte man demnach die Kosten von Arbeitslosigkeit senken oder Hartz-IV-Empfänger finanziell besser stellen, dann wäre die erste Maßnahme: Die Finanzierung von Maßnahmen durch Bildungsträger, die der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt diesen sollen, zu streichen.

Dann wäre auch gewährleistet, dass Maßnahmen, wie die folgende, nicht von Steuerzahlern finanziert werden müssen.

FAB-LogoVorab: Was nun kommt, ist keine Satire. Die FAB gGmbH, die “Kompetenz aus Leidenschaft” sucht, bietet oder schätzt, was auch immer, die FAB, die einen Geschäftsbericht vorlegt, bei dem man denkt, es handle sich um ein Kinderbuch, das keinerlei Inhalt, dafür ganz viel heile Welt vorführt, sie hatte 2013, wie der einzigen verwertbaren Seite des Geschäftsberichts entnommen werden kann, 252 Mitarbeiter und 5 Auszubildende. Im Bereich Bildung bietet die FAB 30 “zertifizierte Maßnahmen” und 27 Kurse mit 831 Teilnehmern. 4 erfolgreiche “Abschlüsse Ausbildung” sind im Jahr 2013 Frucht der Bemühungen der FAB, 53 erfolgreiche Vermittlungen aus Kursen (wohin auch immer) und 105 erfolgreich abgelegte Prüfungen “Deutsch für Zuwanderer”.

Informationen dazu, welchen Umsatz das Unternehmen generiert, welche Mittel eingesetzt werden, um Bildungsangebote zu machen, sucht man im Geschäftsbericht 2013 vergeblich. Die gGmbH ist eben eine Ansammlung guter Menschen, und die sprechen bekanntlich nicht über Geld, sie kassieren es nur – gemeinnütziges Kassieren ohne Rechenschaftspflicht.

Eine der zertifizierten Maßnahmen, deren Ziel darin besteht, Langzeitarbeitslose wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen, nennt sich:

Abenteuer Korbflechten:

FAB korbflechtenDas Projekt „Men Fit For Work“ bei FAB gGmbH für Frauen Arbeit Bildung (FAB) ist ein gemeinsames Projekt mit dem Jobcenter Wetterau für langzeitarbeitslose Männer im Alter über 50 Jahre.

Damit werden seit Beginn des Jahres 2014 neue Akzente gesetzt: In diesem Projekt sind “Männer unter sich”. Sie planen und organisieren weitestgehend eigenständig die Themen und setzen ihre individuellen und unterschiedlichen Ressourcen ein: Jeder Teilnehmer bringt das ein, was er kann und will. Die Männer aktivieren verborgene Kompetenzen und steigern mit ihrem Können und “Know how” ihr Selbstwertgefühl.”

Die Maßnahme ist also eine Form der Tiefenpsychotherapie, deren Ziel nicht etwa darin besteht, denn langzeitarbeitslosen Männern Kompetenzen zu vermitteln, die sie auf dem Arbeitsmarkt benötigen, sondern darin, sie etwas bei sich entdecken zu lassen und ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Und wie könnte man das Selbstwertgefühl besser steigern als mit einem “Werkserlebnis”?

“Das wichtigste Element dieses Projektes ist ein Werkserlebnis, das die Kursteilnehmer durch eine selbstbestimmte Arbeitsweise wieder näher an den Arbeitsmarkt bringen soll. So haben die Teilnehmer bereits mit Kreativität und Freude das Gelände der Kinderfarm Jimbala in Friedberg baulich gestaltet.

Nun wurde ein weiteres Werkserlebnis von der FAB-Projektleiterin, Monika Schamberger organisiert, einen Besuch der staatlich geprüften Korbmacherin Katja Schyrer aus Ranstadt. Sie stellte den Teilnehmern ein traditionelles, heute rar gewordenes Handwerk vor.

Schyrer brachte Bündel ungeschälter, eingeweichter Weide in den Kurs mit. Jeder in der Gruppe war eingeladen mitzumachen und sich an etwas so Neues und Komplexes wie das Flechten eines Korbes heranzuwagen. Das Flechten von Weiden war für die Gruppe eine interessante und anspruchsvolle Aufgabe. Einige Teilnehmer beschwerten sich über “zwei linke Daumen“. Schyrer übernahm nun die fachliche Anleitung und gab Unterstützung beim Flechten, die gern angenommen wurden. [Fehler im Original]”

Ist es nicht erstaunlich, dass die “weitestgehende”, “eigenständige” Planung der Männer dennoch organisatorischer Unterstützung durch die “FAB-Projektleiterin” benötigt?

To be fair, auf die Idee, der staatlich geprüften Korbmacherin Katja Schyrer, vermutlich eine Bekannte der FAB-Projektleiterin Monika Schamberger, einen Besuch abzustatten, vermutlich einen kostenpflichtigen Besuch, was zeigt wie breit der Kreis derer ist, die an “Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt” profitieren, wären die Männer über 50, die an der Maßnahme teilnehmen, vermutlich nicht gekommen.

Wer kommt auf eine solche Idee, wenn es darum geht, einem Langzeitarbeitslosen der mehr als 12 Monate arbeitslos ist, dabei zu helfen, einen Arbeitsplatz zu finden? Beim FAB kommt Monika Schamberger auf die Idee, einen Korb zu flechten und die Vermittlungschancen der Männer ab 50, die nunmehr in ihre Bewerbungen schreiben können, sie hätten schon einmal in ihrem Leben einen Korb geflochten, damit zu erhöhen.

Wie gesagt, das ist keine Satire.

Es ist vielmehr Alltag deutscher Bildungsträger, die sich mit mehr oder weniger sinnlosen Angeboten, mit mehr oder weniger Häme oder Zynismus auf dem Rücken von Langzeitarbeitlosen ein üppiges Auskommen verschaffen.

Die FAB gGmbH ist hier nur ein Beispiel unter vielen.

Aber, wir wollen die folgende Meldung nicht unterschlagen:

“Das Konzept von Men Fit For Work hat sich auch als “Türöffner zum ersten Arbeitsmarkt” bewährt. Jüngstes Beispiel: Einer der Teilnehmer hat aus dem Kurs heraus eine 3-monatige Qualifizierung zum Lageristen aufgenommen und ist inzwischen in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen worden.”

Vielleicht haben die Kurse bei der FAB gGmbH ja den Effekt, dass die Teilnehmer die entwürdigende Art und Weise, in der sie gezwungen werden, auch noch den letzten Unsinn, der in diesem Fall Monika Schamberger eingefallen ist, mitzumachen, sich flux nach einer Arbeit umsehen, schon um dem Kurs “Men Fit For Work” zu entkommen und wieder in der normalen Welt, der Welt sinnvoller Betätigung, Fuss zu fassen.

Junk Science: Homosexuelle werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert

Nick Drydakis wird langsam zu einem Dauergast auf ScienceFiles.

In der Vergangenheit hat er bereits herausgefunden, dass die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr das Verdienst in die Höhe treibt. Warum das so sein soll? Niemand weiß es.

Dann hat Drydakis herausgefunden, dass Homosexuelle weniger mit ihrer Arbeit zufrieden sind als Heterosexuelle, umso weniger, wenn sie sich geoutet haben, und – schlimmer noch – dass Homosexuelle schlechter bezahlt werden als Heterosexuelle.

Drydakis ist “A Man on a Mission” wie es scheint.

junk_scienceNun hat Nick Drydakis die Reihe der Junk Science um einen weiteren Beitrag bereichert, in dem er aus seiner Sicht nachweist, dass Homosexuelle auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Der Beitrag ist in Human Relations erschienen und wird von Sage umsonst feil geboten. Wer ihn haben will: Hier ist der Link.

Die Schlussfolgerungen im Beitrag, sie sind voller Generalisierungen:

Sexuelle Minderheiten sind mit schwerwiegenden Fehlwahrnehmungen und Hürden auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert.

Schwule werden beim Versuch, einen männerdominierten Berufe zu ergreifen, diskriminiert, Lesben beim Versuch, einen frauendominierten Beruf zu ergreifen.

Es gibt einen statistisch signifikanten und negativen Effekt, der von einer homosexuellen Orientierung auf die Berufschancen ausgeht.

Kurz: Homosexuelle werden am Arbeitsmarkt diskriminiert, und zwar alle.

Diese allgemeinen und weitreichenden und hoch generalisierten Schlussfolgerungen basieren auf 5549 Bewerbungsschreiben, die 144 Studenten von 12 Universitäten im Vereinigten Königreich an potentielle Arbeitgeber verschickt haben. Dabei haben sich immer Paare von Studenten auf dieselbe Stelle beworben, Paare, die sich durch eine Angabe im Lebenslauf unterschieden haben: Einer, der beiden Studenten hatte in seinem Lebenslauf den Hinweis, er habe Fähigkeiten (finanzielle und organisationale) im Rahmen seiner Tätigkeit für die Schwulen und Lesben Union an seiner Hochschule erworben, der andere hatte entweder einen Hinweis auf die entsprechende Tätigkeit im Rahmen einer Studenten-Union, die mit Menschenrechten befasst ist oder keinen entsprechenden Hinweis, das geht aus dem Text von Drydakis nicht genau hervor.

Wie dem auch sei, Schwule und Lesben (die sind für Drydakis mit den Aktivisten in schwulen und lesbischen Studenten-Unionen identisch) werden seltener zu Job-Interviews eingeladen als die Vergleichsgruppe (wer auch immer die Vergleichsgruppe sein mag). Und dieses Ergebnis ist die Grundlage, auf der die oben zitierten weitreichenden Aussagen basieren.

Eine ziemlich dünne Grundlage.

Setzt die entsprechende Interpretation doch eine Reihe von Annahmen voraus.

Versetzen wir uns in die Rolle eines Angestellten einer Personalabteilung, denn es sind Angestellte in der Personalabteilung, im HR-Management, die die Bewerbungen lesen und nicht “Unternehmen”, wie Drydakis meint.

Dieser Angestellte ist mit einer Reihe von Bewerbungen auf Stellen konfrontiert, darunter zwei, die Herr Drydakis lanciert hat. Angesichts der Arbeitsmarktlage sind es vermutlich zwei Bewerbungen unter mindestens 50 Bewerbungen.

Unser Angestellter ist also mit in jedem Fall mehr als zwei Bewerbungen konfrontiert.

Er beginnt den Filterprozess.

Er sucht nach geeigneten Kandidaten anhand einer Kriterienliste, die er hoffentlich vorliegen hat, die er aber nicht immer anwenden kann, weil die Anschreiben und Lebensläufe, die er erhält, unterschiedlich sind, weil manche Lebensläufe Angaben, die er bräuchte, nicht enthalten, während andere die entsprechenden Angaben und noch mehr Angaben enthalten, die er für relevant und wichtig erachtet.

DrydakisIIIIrgendwann während er die Bewerbungen durchsieht, stolpert er über die beiden Bewerbungen der Drydakis-Dummies, die sich nach Ansicht von Drydakis nur darin unterscheiden, dass eine der beiden Bewerbungen, den Hinweis auf den Aktivismus in einer Schwulen und Lesben Union enthält (woraus der Personaler dann schließen muss, dass der entsprechende Bewerber schwul oder lesbisch ist).

Dass die beiden Bewerbungen zudem Lichtbilder enthalten, die nicht identisch sind, lassen wir außen vor, und dass belegte Kurse, Ethnizität und Familienstand, selbstberichtete Persönlichkeitscharakteristiken, Fähigkeiten und Freizeitaktivitäten ausreichende Kriterien sind, um zwei Studenten als gleich bis auf den schwulen oder lesbischen Aktivismus anzusehen, das wollen wir auch mit ihm zusammen annehmen.

Machen wir alle diese sehr großzügigen Annahmen, dann müssen wir für unseren Angestellten in der Personalabteilung annehmen, dass ihm diese Gleichheit im Bewerberprofil auffällt.

Wir müssen ferner annehmen, dass ihm nicht nur diese Gleichheit auffällt, sondern auch der für Drydakis entscheidende Unterschied, der in der sexuellen Orientierung, also im schwul-lesbischen Aktivismus bestehen soll.

Zudem müssen wir annehmen, dass dieser Unterschied und nur dieser Unterschied dazu führt, dass die Bewerbung des schwulen und lesbischen Aktivisten ausgesondert wird, während die des Bewerbungs-Partners nicht ausgesondert wird.

Wir müssen darüber hinaus annehmen, dass es keine anderen Gründe für diese Aussonderung gibt, dass der Angestellte in der Personalabteilung also in ähnlicher Weise auf die sexuelle Orientierung fixiert ist, wie Herr Drydakis.

Ziemlich viele Annahmen, wie wir finden.

Geht man seinen Analysen vor diesem Hintergrund etwas auf den Grund, dann ergeben sich folgende Zusammenhänge:

Für männliche Bewerber:

  • In 64,5% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 58,7% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 8,6% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Für weibliche Bewerber:

  • In 65,9% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 60,1% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 5,7% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Es sind die 8,6% bzw. die 5,7%, die Drydakis stören. Sie sind der Ausdruck von Diskriminierung, so meint er.

Nun muss man bedenken, dass die 5549 Bewerbungsschreiben von nur 144 Studenten, darunter 72 heterosexuelle und 72 homosexuell aktivistische Studenten verschickt wurden.

knoweldge gapJeder Student hat somit bis zu 39 Bewerbungen verschickt. Jeder Bewerber geht mit maximal 39 Bewerbungen in die Berechnungen von Nick Drydakis ein. Rechnerisch wäre es daher möglich, dass die insgesamt 312 Fälle, in denen kein homosexuell-aktivistischer Bewerber zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, immer die selben 8 Bewerber betroffen hat, denn 312 / 39 = 8.

Ob dem so ist, könnte man leicht prüfen, hätte Drydakis seine Ergebnisse im Hinblick darauf dokumentiert, ob sich die Einladungen über die Bewerber gleich verteilen. Das hat er aber nicht getan. Das an sich ist schon erstaunlich, denn eine Angabe der Verteilung des Einladungserfolgs über die Bewerber, z.B. als Mittelwert mit Standardabweichung, ist eigentlich Standard. Fehlt die Angabe, dann muss man Schlimmes befürchten.

Aber selbst wenn eine Gleichverteilung der Einladungen bzw. Ablehnungen über die Bewerber zu beobachten wäre, so ist die Annahme, dass es ausgerechnet der homosexuelle Aktivismus gewesen sein soll, auf den Angestellte in Personalabteilungen fixiert sind, doch eine eher gewagte Annahme.

Aber selbst wenn die Angestellten in Personalabteilungen die Fixierung von Drydakis auf die sexuelle Orientierung teilen und nicht etwa negativ auf studentische Aktivisten reagieren, dann wäre noch zu zeigen, dass Diskriminierung und nicht andere Erwägungen hinter ihrer Entscheidung stehen, vermeintlich homosexuelle Bewerber nicht einzuladen.

Möglicherweise hat man im Unternehmen negative Erfahrungen mit homosexuellen Bewerbern gemacht, negative Erfahrungen, die man nie und nimmer der sexuellen Orientierung zugeschrieben hätte. Aber seit es Aktivisten wie Drydakis gibt, haben die entsprechenden Orientierungen eine Prominenz erreicht, die für sich schon dafür sorgt, dass die Anti-Diskriminierungs-Aktivisten das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollen.

Und um den Reigen zu schließen: Wenn manche Homosexuelle nicht mögen, dann ist auch das zu akzeptieren. Man kann freie Bürger ebenso wenig dazu zwingen, einem homosexuellen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben, wie man sie dazu zwingen kann, einem feministischen, sozialistischen, rechtsextremen oder natonalistischen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben. Eine Demokratie muss das aushalten und sich damit abfinden, dass für viele z.B. Personalverantwortliche bereits das Bekenntnis eines Bewerbers zu einem beliebigen Aktivismus ausreicht, um sich für andere Bewerber zu entscheiden.

Gewerkschaft: Männer arbeiten 30% länger als Frauen – im Durchschnitt

Da schau her!

Ausgerechnet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung hat einen Bericht veröffentlicht, der die Realität der Erwerbstätigen in Deutschland abbildet und geeignet ist, Mythen wie dem Gender Pay Gap, das von einer Schar Gläubiger nach wie vor in öffentlichen Andachten gepredigt wird, den Garaus zu machen.

Hat man sich bei der Hans-Böckler-Stiftung am Ende daran erinnert, dass die Mehrzahl der Gewerkschaftsmitglieder männlich ist?

Der WSI-Report ist überschrieben mit “Gender News: Große Unterschiede in den Arbeitszeiten von Frauen und Männern”.

Die großen Unterschiede addieren sich zu dem im Titel genannten Ergebnis: Männer arbeiten im Durchschnitt 30% länger als Frauen. Die wöchentliche Arbeitszeit für Männer beträgt im Durchschnitt 39,6 Stunden, die von Frauen im Durchschnitt 30,3 Stunden. [Beim WSI hat man es vorgezogen, die Pressemeldung aus der Sicht von Frauen aufzuziehen, was dazu führt, dass sich die Prozentuierungsbasis ändert, und Frauen um 23% weniger arbeiten als Männer. So ganz kann man die Manipulation zu Gunsten von Frauen beim WSI offensichtlich doch nicht lassen.]

Unter diesem Gesamtergebnis verbergen sich eine Vielzahl interessanter Einzelergebnisse:

WSI_Arbeitszeit frauen
Bei abhängig beschäftigten Frauen wird die Teilzeitarbeit immer beliebter: Während 1991 noch 68,1% der abhängig beschäftigten Frauen mehr als 35 Stunden pro Woche gearbeitet haben, waren es 2013 nur noch 46,5%. Die Füllhornpolitik der Bundesregierung zeigt hier Wirkung: Viele Frauen haben es weder für Rentenansprüche noch für ihren unmittelbaren Unterhalt nötig, mehr als 35 Stunden zu arbeiten.

Dagegen ist der Anteil der Männer, die wöchentlich 40 Stunden und mehr arbeiten, von 44,9% im Jahre 1991 auf 63,7% im Jahre 2013 gestiegen. Wer die Kosten der Umverteilung in die Taschen von Frauen, die Kosten der Füllhornpolitik, steigender Abgaben und Steuern zu zahlen hat, wird anhand dieser Zahlen mehr als deutlich.

Je höher die Qualifikation, desto länger die Arbeitzszeit. Im Durchschnitt arbeiten hochqualifizierte Männer 42,6 Stunden pro Woche, während hochqualifizierte Frauen es auf 40,8 Wochenstunden bringen und somit auf ungefähr die selbe Anzahl von Wochenstunden, auf die mittel-qualifizierte Männer kommen.

WSI_Arbeitszeit maennerDiese Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache, nicht nur darüber, wer die Steuerlast und die Wohltaten finanziert, die es immer mehr Frauen erlauben, sich auf Teilzeitbeschäftigung zu beschränken, während Männer immer länger arbeiten müssen, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Wir sehen hier eine völlig neue Variante des Alleinernährers. Waren Männer in der Mittelschicht früher häufig Alleinernährer, so sind sie heute die  zwei-Drittel-Ernährer, wobei ihnen früher eine normale Arbeitswoche von nicht mehr als 40 Stunden gereicht hat, um den Lebensstandard auch bei Untätigkeit ihrer Frauen zu sichern.

Heute gehen viele Frauen aus der Mittelschicht einer Teilzeitbeschäftigung oder einer Alibi-Beschäftigung nach, gleichzeitig sind immer mehr Männer genötigt, den Opportunismus oder moral hazard ihrer Frauen durch Arbeitswochen von 45 und mehr Stunden zu kompensieren. Entsprechend ist der Anteil der Männer, die mehr als 45 Stunden arbeiten, von 8,7% der abhängig beschäftigten Männer im Jahre 1991 auf 13,7% der abhängig beschäftigten Männer im Jahr 2013 gestiegen.

Fazit:

Männer arbeiten im Durchschnitt 30% länger als Frauen. Immer mehr Männer arbeiten mehr als 45 Stunden in der Woche, immer weniger Frauen arbeiten mehr als 35 Stunden in der Woche.

Wenn man nun bedenkt, dass es in Deutschland Aktivisten gibt, die von einem Gender Pay Gap faseln und es als Beleg für ungerechte Entlohnung anführen, dann muss man nunmehr die Existenz eines Gender Time Gap konstatieren und fordern, dass Männer entsprechend der Mehrzeit, die sie für Arbeit aufwenden, kompensiert werden, z.B. durch Ruhetage, Tage, an denen es Genderisten verboten ist, den Mund aufzumachen.

P.S.

Der Bericht basiert auf den Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamts.

Öffentlich-rechtlicher Schaum vor dem Mund

Wir müssen heute einmal Wissenschaftler verteidigen, und zwar die fünf Wissenschaftler, die zusammen den Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschatflichen Entwicklung bilden, dessen Aufgabe es u.a. ist, ein Jahresgutachten zu erstellen, in dem die wirtschaftliche Entwicklung auf Grundlage der vergangenen wirtschaftlichen Entwicklung und politischer Entscheidungen prognostiziert wird.

Nun kann man von diesem Sachverständigenrat halten, was man will, aber man wird den darin versammelten fünf Professoren schwerlich absprechen können, dass sie in der Lage sind, wissenschaftliche Expertisen zu erstellen und über die dazu notwendige Expertise auch zu verfügen. Und natürlich erstellen sie das Jahresgutachten nicht alleine, sie sind ja nur zu fünft. Den anderen Wissenschaftlern, die am Gutachten beteiligt waren, sind die Punkte 5 bis 12 des Vorworts zum Jahresgutachten 2014/2015 gewidmet und da sich das Vorwort zu Beginn der 405 Seiten des Berichts findet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Vowort gelesen wird, selbst von Journalisten gelesen wird, recht hoch – so denkt man.

Jedenfalls denkt man das, bevor man den Kommentar von Claus Heinrich gelesen hat, der für den SWR im Hauptstadtstudio tätig ist und dort auf Kosten der Gebührenzahler sein Unwesen in einer Weise treiben darf, das seiner Sozialisation bei taz und SPD leider nur zu gerecht wird. Und dieser Mann wird mit seinem geballten Zorn und einer grüttelten Ladung Unwissen von der ARD auf ihre in diesem Fall Leser losgelassen, und er darf so richtig austeilen, schimpfen und verbal randalieren und dabei deutlich machen, dass er selbst wenn man ihn fragen würde, nicht wüsste, was Anstand und Fairness sein sollen.

Im Originalton:

clausheinrich103~_v-portraetklein8x9“Darauf muss man erst einmal kommen: Der Mindestlohn, der noch gar nicht in Kraft ist, ist schon jetzt schuld an der Eintrübung der Konjunktur in Deutschland. Das behaupten jedenfalls die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten. 100.000 Minijobs seien gefährdet und 40.000 sozialversicherte auch. Der Mindestlohn der Bundesregierung, der ab 1. Januar in Kraft treten soll, sei ein “sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang”.

Wie immer, wenn der Schaum vor dem Mund die Sicht auf den Text versperrt oder der Text durch zu viel tropfenden Speichel unlesbar geworden ist, entgeht dem Keifenden das Wesentliche: Das Jahresgutachten 2014/2015 (!sic) ist ein Gutachten, das die zukünftige Entwicklung abschätzen soll, und zwar auf Grundlage bisheriger Entwicklung und politischer Entscheidungen. Der Mindestlohn ist eine politische Entscheidung, ein Markteingriff, der getätigt wurde. Die Folgen, die die Sachverständigen beschreiben, ergeben sich nach ihrer Ansicht, die sie sich auf Grundlage von Daten gebildet haben, in der Zukunft. Deshalb beschreiben sie Konjunkturaussichten in ihrem Gutachten. Aber das hat der Herr Heinrich auf der Höhe seines Zornes offensichtlich übersehen, ebenso wie er übersehen hat, dass es eine umfangreiche Forschung zum Thema “Mindeslohn” gibt, die einhellig zeigt, dass ein Mindestlohn der Konjunktur schadet.

Und natürlich ist der Mindestlohn ein sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang oder will der zornige Heinrich etwa behaupten, er könne die Zukunft vorhersehen und wisse genau, wie der Mindestlohn sich auf die Konjunktur auswirkt? Wie gesagt, nach aller wissenschaftlichen Forschung kann man sich recht sicher sein, dass sich ein Mindestlohn negativ auf die Konjunktur auwirkt, aber nicht nur darauf, wie ein Blick in den Bericht der Sachverständigen zeigt:

“Der Mindestlohn wird vor allem die Arbeitsnachfrage im Bereich einfacher Tätigkeiten belasten. Dort wird es im Jahr 2015 zu Lohnsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich kommen (Brenke, 2014). Selbst unter der Annahme einer geringen Lohnelastizität der Arbeitsnachfrage und der Tatsache, dass zunächst – etwa aufgrund von Ausnahmeregelungen – nicht bei allen Beschäftigten der Lohn entsprechend angepasst wird, ist von deutlich negativen Beschäftigungseffekten auszugehen (Henzel und Engelhardt, 2014).

Insbesondere bei geringfügig entlohnt Beschäftigten dürfte es wegen der Verdienstgrenzen zu Anpassungen der (vereinbarten) Arbeitszeit bei unverändertem Entgelt kommen. Unabhängig von der Art der Anpassung steigt für die vom Mindestlohn betroffenen Arbeitnehmer die für die Rentabilität ihres Arbeitsplatzes erforderliche Produktivität. Letztere wird vor allem für geringqualifizierte Arbeitnehmer oft schwer zu erreichen sein. Der Sachverständigenrat nimmt daher im Rahmen der Prognose an, dass im Jahr 2015 rund 100 000 Minijobs und etwa 40 000 sozialversicherungspflichtige Stellen weniger entstehen als ohne den Mindestlohn” (110).

Die Zusammenhänge, die hier beschrieben sind, sind nicht nur xfach belegt, sie sind auch einfach nachzuvollziehen: Wenn mich als Arbeitgeber Arbeitnehmer, die eine geringfügige Tätigkeit ausüben, plötzlich mehr kosten, dann werde ich so viele der Arbeitnehmer einsparen, wie notwendig, um die Kosten auf das Ausgangsniveau vor Einführung des Mindestlohns zu drücken. Diese Konsequenz des Mindestlohns ist rational und vorhersehbar, und sie widerspricht dem ideologischen Vorurteil von Herrn Heinrich, der lieber die Augen zuhält und behauptet, die Erde sei eine Scheibe, wie er gerade sehen könne.

Nicht genug damit, dass Herr Heinrich sich aufschwingt, ein Gutachten von 405 Seiten in Bausch und Bogen vom Tisch zu wischen und zudem versucht, denjenigen, die er als Ersteller des Gutachtens ansieht, ans Bein zu pinkeln, er versucht auch aufs Primitivste zu manipulieren, indem er suggeriert, 100 000 Minijobs und 40 000 sozialversicherungspflichtige Jobs seien in Gefahr. Wer die zitierte Stelle liest, der sieht: Sie sind nicht in Gefahr, wie der nicht schlaue Heinrich behauptet, nein, die Sachverständigen fürchten, dass Unternehmen die entsprechenden Stellen gar nicht erst schaffen werden, die sie ohne Mindestlohn geschaffen hätten. Das ist ein Unterschied Herr Heinrich.

Und dann geht es mit dem ehemaligen taz Redakteur und SPD Mitglied ganz durch:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt. Dann relativiert sich auch das neidzersetzte Gemecker über Leute, die 45 Jahre den Buckel krumm gemacht und mit ihren Steuern Universitäten finanziert haben, die sie für sich selbst nie genutzt haben. Und die sich dann von deren hochbezahlten Lehrkräften auch noch dafür beschimpfen lassen [zu] müssen, wenn sie nach 45 Jahren nicht mehr malochen wollen.”

Man kann das Gutachten wieder und wieder durchsuchen: es findet sich keine Stelle, an der die Gutachter “Leute” beschimpfen, “die 45 Jahre den Buckel krum gemacht haben”, um das Studium von ehemaligen taz Redakteuren, die jetzt versuchen, sich als öffentlich-rechtlicher Schaumschläger ein Einkommen zu sichern, zu finanzieren. Die Beschimpfung gibt es nur in der Phantasie, im Kopf von Herrn Heinrich, in dem, angesichts der vielen Phantasien für die Realität kein Platz mehr bleibt, die Realität, die sich auf 405 Seiten eines Berichtes findet, in dem sich die Rente mit 63 nur an vergleichsweise wenigen Stellen überhaupt findet.

Maggy ThatcherUnd natürlich ist es ein Unding, wenn man angesichts steigender Ausgaben für die Sozialversicherung, die schon jetzt mehr als 50% des Bundeshaushalts ausmachen und bis 2018 nach Ansicht der Bundesregierung “stark steigen”, angesichts einer steigenden Lebenserwartung und angesichts einer z.B. durch den Mindestlohn verschlechterten konjunkturellen Aussicht, Steuergeschenke verteilt, wie dies die Parteifreundin von Claus Heinrich mit der Rente ab 63 gemacht hat. Ressourcen sind nun einmal begrenzt. Da kann man mit dem Fuss aufstampfen, da kann man mit dem Kopf gegen die Wand laufen, aber man kann es schlicht nicht ändern: Wenn Geld weniger wird, kann man nicht immer mehr ausgeben. Das müsste selbst Herrn Heinrich einleuchten.

Um seiner Ahnungslosigkeit die Krone aufzusetzen, denkt er, er könne die Sachverständigen nun mit seinem Wissen beeindrucken und ihnen eine Fehlstelle nachweisen:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt.”

Das fabuliert der veritable Herr Heinrich, der aus den Gebühren der Zwangsseher öffentlich-rechtlicher Anstalten finanziert wird. Nun, die fünf Wirtschaftsweisen sind:

  1. Prof. Dr. Peter Bofinger
  2. Prof. Dr. Lars P. Feld
  3. Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender
  4. Prof. Dr. Isabel Schnabel
  5. Prof. Volker Wieland, Ph.D.

Auch in Zeiten der Gender-Manie ist Isabel Schnabel noch als weiblich zu erkennen. Ob Claus Heinrich so sehr vom Genderistischen-Zeitgeist besetzt ist, dass er nicht zu denken in der Lage ist, es könne einen weiblichen Menschen geben, der sich mit kalter, von weißen heteronormativ-patriarchalischen Männern betriebener Ökonomie beschäftigt, ist uns nicht bekannt. Wir tendieren zu der Annahme, dass der keifende Heinrich das Jahresgutachten der Sachverständigen nie in der Hand hatte und keine Idee hat, wer die Wirtschaftsweisen eigentlich sind. Wozu auch: Um als Journalist für die ARD im Hauptstadtbüro tätig zu sein, reicht es offensichtlich, über Schaum vor dem Mund zu verfügen. Kenntnisse in irgend einem Bereich werden nicht erwartet.

Schließlich sei dem Herrn Claus die Expertise des Sachverständigenrates aus dem Jahre 2011 mit dem Titel “Herausforderungen des demografischen Wandels” empfohlen. Darin setzen sich vier Herren und eine Dame, die zum damaligen Zeitpunkt die fünf Wirtschaftsweisen gebildet haben, mit dem Thema Zuwanderung eingehend auseinander.

Aber das weiß Herr Heinrich nicht.

Er weiß eigentlich gar nichts.

Er hat Schaum vor dem Mund und das reicht, um ARD-tauglich zu sein.

Und nun noch das Schmankerl zum Schluss. Auf der Seite des ARD-Hauptstadtstudios versucht sich Claus Heinrich leutselig zu geben und beantwortet die Frage: “Was sehen Sie als die größte Herausforderung im politischen Journalismus [an]?” mit: “Die eigenen Vorurteile nicht für Vorwissen zu halten.”

Das ist es dann wohl, was man Realsatire nennt!

Die Entdeckung der Langzeitarbeitslosen

Arbeitslosigkeit ist ein Kümmergegenstand, und zwar für all diejenigen, die mit Arbeitslosigkeit ihr Geld verdienen, die Mitarbeiter in den Jobcentern, die die Arbeitslosen verwalten, die Weiterbilder, die die Arbeitslosen mit Fähigkeiten ausstatten, die Letztere nur in den seltensten Fällen einsetzen können, uvm.

Als Kümmergegenstand ist Arbeitslosigkeit negativ besetzt. Die affektive Konnotation ist eindeutig: Arbeitslosigkeit ist schlecht, ungewollt, ein Problem für die Arbeitslosen, eine gesellschaftliche Schande, und in jedem Fall ist Arbeitslosigkeit ein Gegenstand, aus dem sich trefflich politisches Kapital schlagen lässt und mit dem sich trefflich heucheln lässt, z.B. wenn man beim DGB durch Tarifverhandlungen Arbeitslose vom Arbeitsmarkt fernhält oder bei politischen Parteien durch die Einführung eines Mindestlohns dafür sorgt, dass Langzeitarbeitslose auch langzeitarbeitslos bleiben – entgegen aller gewerkschaflichen und politischen Rhetorik.

Deutsche DepressionUnd so ganz schlecht ist es ja nicht, wenn Langzeitarbeitslose langzeitarbeitslos sind, denn sie stellen eine Ressource dar, an der all die oben bereits genannten, verdienen können, und die von immer mehr Berufszweigen als ebensolche entdeckt wird. Das jüngste Beispiel ist die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die in einer Pressemeldung vom Leipziger Modellprojekt “Pschychosoziales Coaching” berichtet.

Was “Psychosoziales Coaching” ist, wie man sich psychosoziales Coaching konkret vorzustellen hat, ist wie immer, wenn Therapien angepriesen werden, nicht herauszufinden. Klar ist nur, dass es etwas mit Gruppenprogrammen, “Entspannung, Stressbewältigung, aktivem Alltag, Kontakt und Kommunikation” zu tun hat. Warum es nichts mit Diversität und gutem Essen zu tun hat, war ebenso wenig zu klären.

Psychosoziales Coaching ist wichtig, so steht es in der Pressemeldung, weil “die Mehrheit der älteren Langzeitarbeitslosen (66%) …an psychischen Erkrankungen, die bisher nicht erkannt oder nicht optimal behandelt wurden”, leidet. Wer als älterer Langzeitarbeitsloser gilt – 40jährige, 50jährige oder 60jährige – ist vollkommen unklar, aber dass sie psychosoziales Choaching benötigen, dass ist sicher.

Denn: die Mehrzahl der älteren Langzeitarbeitlosen ist nicht psychisch krank als Folge der Arbeitslosigkeit, sondern arbeitslos wegen der psychischen Erkrankung:

„Viele glauben, dass Langzeitarbeitslose durch die Arbeitslosigkeit psychisch erkranken. Häufig besteht eher ein umgekehrter Zusammenhang: Depressionen aber auch andere psychische Erkrankungen führen zu Arbeitslosigkeit und erschweren den Weg zurück in die Arbeit. Hier setzen wir mit dem Psychosozialen Coaching an: Wir sorgen dafür, dass die psychischen Erkrankungen gut behandelt werden und steigern damit die Chancen für den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben.“ sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Projektleiter und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

chickencoachOb Ulrich Hegerl neben der Plausibilität, dass Depressive arbeitslos werden, und dem Wunsch, die Ressource “Langzeitarbeitslose” für die Therapeutenmeute anzuzapfen, die derzeit an deutschen Universitäten und Fachhochschulen ausgebildet wird und der das Schicksal depressiver Langzeitarbeitsloser zu werden, erspart werden soll, auch einen empirischen Beleg für seine Behauptung hat, ist abermals unklar.

Aber: Wenn z.B. Depression zu Langzeitarbeitslosigkeit führt und entsprechend das größte Hindernis für eine Arbeitsaufnahme darstellt, dann muss die Depression beseitigt werden, durch psychosoziales Coaching, von dem wir immer noch nicht wissen, was genau bei psychosozialem Coaching gemacht wird:

“24% der Teilnehmenden am Psychosozialen Coaching haben inzwischen wieder eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufgenommen, was eine unerwartet hohe Reintegrationsrate darstellt. ‘Das Psychosoziale Coaching ist damit ein wirkungsvoller Baustein, der Barrieren für die Vermittlung in den Arbeitsmarkt abbaut.’ so Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Die 24% sind ein hervorragendes Beispiel, um versteckte Prämissen aufzuzeigen:
Hätte Ulrich Hegerl die versteckte Prämisse, dass psychosoziales Coaching eine Hochleistungstherapie darstellt, 24% wären ihm zu mager, er würde sie als Misserfolg unerwähnt lassen, denn von einer Hochleistungstherapie wie dem psychosozialen Coaching würde man eine Erfolgsquote von mindestes 51% erwarten.

Also hat Ulrich Hegerl eine andere Prämisse, nämlich die, dass psychosoziales Coaching eine wirkungslose Zeitverschwendung darstellt, für die es “unerwartet” ist, wenn 24% der Teilnehmer tatsächlich anschließend eine Arbeit aufnehmen, was ja bedeutet, dass das Coaching an 76% der Teilnehmer spurlos vorbei gegangen ist.

Geht man davon aus, dass eine Intervention eine 50:50 Chance hat, etwas zu bewirken, dann würde man abermals erwarten, dass mindestens 51% der Teilnehmer eine Arbeit aufnehmen, nur dann wäre die Therapie als wirkungsvoll beschrieben. Entsprechend wäre eine Wirkung von 24% deutlich unter dem Ergebnis, das durch Zufall erreicht werden sollte, was bedeutet: Wenn psychosoziales Coaching einen Effekt hat, dann einen negativen: Es schreckt die Langzeitarbeitslosen noch mehr von Arbeit ab als sie sowieso schon abgeschreckt sind.

Wie es der Zufall so will oder: just zu dem Zeitpunkt, da die Depressionshilfe ihren Anspruch auf die Ressource “Lanzeitarbeitslose” anmeldet, wird beim IAB, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, ein Kurzbericht veröffentlich, der mit: ALG-II-Bezieher schätzen ihre Gesundheit schlechter ein, überschrieben ist. Schlechter als was oder wer ist eine offene Frage, die verdeutlich, dass die Zeiten, in denen Komparative auch in Überschriften ausgeführt wurden, vorbei sind.

Die Lektüre des Kurzberichts zeigt, dass Langzeitarbeitslose ihre Gesundheit schlechter einschätzen als Nicht-Arbeitslose, dass sie häufiger rauchen und dicker sind als Nicht-Arbeitslose, dafür weniger trinken und mehr Sport treiben als Nicht-Arbeitslose. Die Ergebnisse, so stellen seine Autoren explizit fest, zeigen nicht, ob die schlechtere Gesunheit, die Langzeitarbeitslose für sich und im Vergleich zu Nicht-Arbeitslosen reklamieren, Folge oder Ursache der Arbeitslosigkeit ist.

Entsprechend bleibt der Kurzbericht hinter dem Leipziger Modellprojekt zurück, denn dort weiß man, dass psychische Krankheit die Ursache von Arbeitslosigkeit ist. Aber in einem sind sich Depressionshilfe und die Autoren des IAB-Kurzberichtes einig: Langzeitarbeitslose sind eine Ressource, die die beratenden Kümmerzunft nicht länger ungenutzt am Rande der Gesellschaft liegen lassen darf.

Kümmern ist angesagt, auf dass die Umkümmerten in die Arbeit flüchten, um den Bekümmerten zu entgehen:

IAB KB23“Daher wird es bei der Vermittlung darauf ankommen, die speziellen Bedürfnisse gesundheitlich Beeinträchtigter noch stärker einzubeziehen [als dies bisher der Fall ist]. Ein erster Schritt ist die gesondere Thematisierung gesundheitlicher Einschränkungen in den Beratungsgesprächen. So können möglicherweise nötige Unterstützungsleistungen erreicht werden. Dabei ist es sinnvoll, einen Teil der Mitarbeiter in Jobcentern speziell im Hinblick auf die Bedarfe gesundheitlich eingeschränkter Leistungsempfänger weiterzubilden …”

Der Glaube an die Sozialtechnologie ist unglaublich: Wir haben zwar keinerlei Indizien oder Anhaltspunkte dafür, dass es eine Hilfestellung gibt, die Jobcentermitarbeiter positiv im Hinblick auf die gesundheitliche Beeinträchtigung von Arbeitslosen geben könnten, aber wir geben sie dessen ungeachtet. Wir haben zwar keinerlei Idee, welche Maßnahme für die Arbeitslosen hilfreich und nützlich sein könnte, welche Maßnahme, sie in eine Arbeit vermitteln könnte, trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung, aber wir machen schon einmal.

Derart ignorant gegenüber den Erfolgsaussichten seiner Bemühungen kann nur sein, wem es nicht um den Erfolg seiner Bemühungen, sondern um die Bemühungen als solche geht. Wer mit 24% Erfolgsquote und 76% Misserfolgsquote zufrieden ist, dem reichen Bemühungen. Wer Langzeitarbeitslose als Ressource anzapfen will, an der er verdienen kann, dem reicht das Bemühen. Wer Langzeitarbeitlose mit seiner Kümmerrhetorik belegen will, damit nicht auffällt, dass sie nur missbraucht werden sollen, dem reicht das Bemühen. Wer Langzeitarbeitslose darüber hinwegtäuschen will, dass nicht ihnen geholfen werden soll, sondern dass den Helfern geholfen werden soll, dem reicht das Bemühen. Wer in der Kümmerindustrie sein Geld verdient, dem reicht das Kümmern, das Bemühen, das auch ohne Erfolg mit selbstgerechter und selbstverliehener Gutheit geadelt und mit einem üppigen Auskommen versüsst wird.

Down-Breeding: Kinderkriegen als Beruf – Kinder als Ressource

Es ist an der Zeit, den Begriff des Down-Breedings aus der ideologischen Ecke zu holen, in die er in jüngerer Zeit geraten ist und ihn zu definieren:

Wir definieren down-breeding als Ergebnis einer Anreizsstruktur, die es Personen, die sich aus eigener Kraft keine Kinder leisten können, erlaubt, den Kinderbesitz zum Ersatzberuf zu machen und von anderen finanzieren zu lassen. Down-breeding verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es regelmäßig diejenigen sind, die für entsprechende Anreize empfänglich sind, die über nicht genug Humankapital verfügen, um eine berufliche Karriere zu machen oder die zwar über genug Humankapital verfügen würden, aber keine Lust haben, ihr eigenes Leben selbst finanziert zu leben.

MPI demographicUnd jetzt ist es an der Zeit, ein gutes Working Paper aus dem Max Planck Institut für demographische Forschung in Rostock, das die Autoren wohl aus Sicherheitsgründen in englischer Sprache verfasst haben, vorzustellen – Titel: Socioeconomic Differences in the Unemployment and Fertility Nexus: A Comparison of Denmark and Germany. Autoren: Michaela Kreyenfeld und Gunnar Andersson.

Die beiden Autoren untersuchen also den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Fertilität. Der gesunde Menschenverstand hätte noch vor 30 Jahren gesagt: Wer es sich nicht leisten kann, Kinder zu bekommen, z.B. weil er arbeitslos ist, der muss es lassen. Heute muss man, um zu sehen, ob der gesunde Menschenverstand noch zutrifft, Daten analysieren – die Daten des Sozio-ökonomischen Panels im vorliegenden Fall und für die Frage, wie die Produktion eines ersten, zweiten oder dritten Kindes mit Arbeitslosigkeit und Bildung zusammenhängt.

Die dargestellte Tabelle zeigt, wie die drei Variablen zusammenhängen:

Kreyenfeld_down breeding

Die Tabelle stellt das Risiko dar, dass die jeweiligen Befragten ein Kind in die Welt setzen. Das Risiko wird nach dem Bildungsstand (low, medium, high) und danach, ob ein Befragter arbeitslos oder erwerbstätig ist, differenziert, wobei diejenigen, die einer Arbeit nachgehen, als Referenzgruppe benutzt werden. Das bedeutet, dass Werte unter der 1 der Referenzgruppe ein geringeres Risiko, Kinder in die Welt zu setzen, angeben, während Werte über 1 ein höheres Risiko angeben. Sternchen geben an, welche Irrtumswahrscheinlichkeit mit den entsprechenden Werten verbunden sind (je mehr Sternchen, desto verlässlicher das Ergebnis).

Was die Tabelle zeigt ist mehrerlei:

  • Frauen mit hoher Bildung haben das geringste Risiko, bei Arbeitslosigkeit, ein Kind in die Welt zu setzen.
  • Frauen mit geringer und Frauen mit mittlerer Bildung, die nicht im Arbeitsmarkt sind (nicht arbeiten und nicht arbeitslos gemeldet sind), die keine Absicht haben, überhaupt einer Arbeit nachzugehen, haben ebenso wie Frauen mittlerer Bildung, die arbeitslos sind, ein relativ höheres Risiko, Kinder in die Welt zu setzen, als Frauen entsprechender Bildung, die einer Arbeit nachgehen.
  • Männer mittlerer Bildung, die arbeitslos sind, haben ein vergleichsweise geringeres Risiko, ein erstes oder ein zweites Kind in die Welt zu setzen als Männer mittlerer Bildung, die arbeiten.
  • Dagegen haben Männer mittlerer Bildung, die arbeitlos sind, ein deutlich höheres Risiko als Männer mittlerer Bildung, die arbeiten, ein drittes Kind in die Welt zu setzen.
  • Tendenziell lässt sich feststellen, dass Arbeitslosigkeit bei Frauen geringer oder mittlerer Bildung gegenüber den entsprechend gebildeten Frauen, die einer Arbeit nachgehen, das Risiko erhöht, Kinder in die Welt zu setzen.

Die Ergebnisse sind ein Beleg dafür, dass es für Frauen geringer und mittlerer Bildung möglich ist, Kinderbesitz als Surrogat einer berufliche Karriere zu inszenieren und Kinderbesitz zum Surrogat-Beruf zu machen. Die Ergebnisse sind zudem ein Beleg dafür, dass es der deutsche Wohlfahrtsstaat geschafft hat, Menschen, die sich Kinder nicht leisten können, zum Kinderkriegen anzureizen, weil sie sich durch die Kinder finanziell besser stellen oder, in den Worten von Kreyenfeld und Andersson: “How can we explain the patterns of elevated fertility among unemployed two-child fathers …? … Another, more likely explanation is that many of these men have poor labor market prospects, and intend to rely on social benefits when having children” (29-30).

Da es sich hierbei um Männer mit mittlerem Bildungsabschluss handelt, also mit wenigstens Realschulabschluss, muss man davon ausgehen, dass der deutsche Wohlfartsstaat es zwischenzeitlich nicht nur geschafft hat, Frauen mit geringer und mittlerer Bildung Anreize zu setzen, die es ihnen ermöglichen, dauerhaft dem Arbeitsmarkt fern zu bleiben und durch die Produktion von Kindern auf Kosten anderer zu leben, sondern dass die entsprechenden Fortpflanzungsanreize zwischenzeitlich auch bei Männern aus der Bildungs-Mittelschicht ihre Wirkung entfalten.

Es ist schon amüsant, wie deutsche Politker es schaffen, einerseits zu schwadronieren, dass es für Deutschland so wichtig sei, dass Frauen und Männer in gleicher Weise am Arbeitsmarkt teilnehmen, während sie andererseits alles tun, um Frauen und nun auch Männer mit Anreizen zum nicht-Arbeiten von eben dieser Teilhabe am Arbeitsmarkt abzuhalten. Entweder sind deutsche Politker schizophren oder sie sind opportunistisch oder sie sind schlicht dumm (kein ausschließendes “oder”).

Man darf gespannt sein, was den Berliner Künstlern der Sozialtechnologie als nächstes einfällt um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands in Frage zu stellen.

Bis dahin können wir nur zitieren, was Richard J. Herrnstein und Charles Murray in einem anderen Zusammenhang und im Bezug auf andere Variablen für denselben Effekt von Wohlfahrtsstaaten geschrieben haben:

Herrnstein Murray“We can imagine no recommendation for using the government to manipulate fertility that does not have dangers. But this highlights the problem: The United States already has policies that inadvertently social-engineer who has babies, and it is encouraging the wrong women. If the United States did as much to encourage high-IQ women to have babies as it now does to encourage low-IQ women, it would rightly be described as engaging in aggressive manipulation of fertility. The technically precise description of America’s fertility policy is that it subsidizes births among poor women, who are also disproportionately at the low end of the intelligence distribution. We urge generally that these policies, represented by the extensive network of cash and services for low-income women who have babies, be ended. The government should stop subsidizing births to anyone rich or poor. The other generic recommendation, as close to harmless as any government program we can imagine, is to make it easy for women to make good on their prior decision not to get pregnant by making available birth control mechanisms that are increasingly flexible, foolproof, inexpensive, and safe” (Herrnstein & Murray, 1994: 548-549).

In Deutschland ist man einen Schritt weiter und ermöglich es der Bildungs-Mittelschicht derzeit, sich ungestört von Fragen der Unterhaltssicherung und auf Kosten anderer fortzupflanzen, um dann an ihre Kinder ihr tiefes Wissen darüber, wie man sich eine Transferexistenz aufbaut und auf Kosten Dritter lebt, weiterzugeben.

Herrnstein, Richard J. & Murray, Charles (1994). The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life. New York: Free Press.

©ScienceFiles, 2014

Neue Töne: Minister sind mit Frauen nicht zufrieden

Minister haben es heuzutage nicht einfach – um nicht zu sagen, sie haben es schwer.

Egal, worum sie sich kümmern, immer stellen sie fest, dass ihre Bürger nicht so sind wie erwartet, dass sie nicht tun, was ministeriell von ihnen erwartet wird, ja, dass sie einfach nicht konform und gefügig sein wollen.

Als besonders widerspenstig haben sich bislang Frauen erwiesen: Man kann ihnen goldene Brücken bauen. Man kann sie bei der Schulbildung bevorzugen, ihnen Stelle an Universitäten nachtragen und sie Unternehmen als Zwangsmitglied in Vorständen verordnen – und? Nichts: Sie treten zurück, finden sich nicht in ausreichender Zahl, nutzen bevorzugte Behandlung, so lange sie es gerne möchten und richten sich ansonsten doch lieber in den heimischen vier Wänden ein.

Und so irren Minister von Baustelle zu Baustelle, um mit ihrem sozialtechnologischen Werkzeugkasten zu reparieren, anzureizen und zu propagieren, was wir angeblich brauchen oder, wahlweise, was eine moderne Wirtschaft braucht:

“Eine moderne Wirtschaft”, so weiß Manuela Schwesig, obwohl sie nicht Ökonomie studiert hat, “braucht die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern. Doch obwohl Frauen heute so gut ausgebildet sind wie nie zuvor, machen sich weniger Frauen als Männer beruflich selbstständig. Deswegen möchte ich Frauen dabei unterstützen, vermehrt Unternehmen zu gründen. Dabei soll es gezielter um die besonderen Belange von Frauen gehen …”

BMFsfjneuBevor wir gezielter auf die Belange von Frauen eingehen, wollen wir darauf hinweisen, dass Schwesig degradiert wurde: Sie ist nicht mehr Minister für Frauen, Senioren, Familie und Jugend, sie ist nur noch Minister für Frauen, “Bundesfrauenminsterin Schwesig”, wie aus der Pressemeldung ihres Ministeriums deutlich wird. Ehrlicher Weise hat das Ministerium für FSFJ, S(enioren), F(amilie) und J(ugend) gestrichen, denn heutzutage gibt es nur noch ein Projekt, das weitreichende, ja globale, wenn nicht universale Konsequenzen hat: Frauen, also die richtigen Frauen, die Schwesig vorschweben (nicht solche, die es gibt): Frauen, die sich selbständig machen.

Selbständigkeit, so erfahren wir per impliziter Prämisse, ist nämlich etwas, was nicht von Ideen, unternehmerischer Kenntnis und vor allem Hingabe und Leistungsbereitschaft geprägt ist, weil man zumindest in der Gründungsphase viel Zeit und Nerven investieren muss, bis der Laden läuft. Nein, Selbständigkeit, so weiß Schwesig woher auch immer, ist etwas, was nach Geschlecht funktioniert. Und wenn sich weniger Frauen als Männer selbständig machen, dann liegt das daran, dass Frauen Hürden haben, die Männer nicht haben, denn natürlich haben Frauen die gleichen Ideen, die gleichen unternehmerischen Kenntnisse (die ihnen vor allem in Studienfächern wie soziale Arbeit, Anglistik, Theaterwissenschaft und Gender Studies vermittelt werden) wie Männer und natürlich haben sie dieselbe Leistungsbereitschaft und Hingabe an einen Beruf. Wir sind nämlich alle ganz gleich, und weil wir alle ganz gleich sind, ist es für Personen wie Schwesig, die derzeit Minister spielt, möglich, die Welt zu verändern.

Zu wenig Frauen machen sich selbständig. Warum? Ja, weil sie an der Selbständigkeit trotz gleicher Ideen, gleicher Kompetenzen, gleicher Leistungsbereitschaft und gleicher Hingabe wie Männer gehindert werden. Von wem? Von den besonderen Belangen. Die “besonderen Belange von Frauen”, das weiß Schwesig, die es vorgezogen hat, in eine abhängige Beschäftigung zu gehen und eben nicht selbständig zu werden, diese besonderen Belange von Frauen sind: “”Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Selbständigkeit und Familie sowie Fragen rund um den beruflichen Wiedereinstieg”.

Also: Frauen machen sich nur deshalb nicht so häufig selbständig wie Männer, weil sie keine Kinderbetreuungsplätze haben, weil sie die Selbständigkeit nicht mit der Familie vereinbaren können und ihnen der berufliche Wiedereinstieg erschwert wird.

Wozu brauchen wir einen George Schumpeter mit seiner Theorie des Entrepreneur, jenes Unternehmers, der “get’s the things done”, der weiß, wie er Ideen in tragfähige Konzepte umsetzt, die es erlauben, ein Unternehmen mit Gewinn zu führen? Wir brauchen keinen Schumpeter, wir haben eine Schwesig. Entsprechend schaffen wir Kindertagesstätten, infantil auch “Kitas” genannt und vereinbaren Familie und Selbständigkeit (wie auch immer), und schon sind auch Frauen in der Lage, “to get things done”. Keine weiteren Kompetenzen von Nöten.

Und wer nach 2 Jahren Selbständigkeit sich doch lieber zunächst einmal um Fortpflanzung und anschließend um Nachwuchs kümmern will, dem erleichtert Schwesig auch gleich den “beruflichen Wiedereinstieg”, wobei man spätestens hier merkt, dass die Bundesfrauenministerin nicht weiß, wovon sie spricht. Anders formuliert: Der soziale Dienst “Ines F”, wird Probleme haben, wieder am Markt Fuss zu fassen, wenn er drei Jahre geschlossen war, um Ines F. die Fortpflanzung und Hege des Nachwuchses zu ermöglichen. Zwischen Selbständigkeit und abhängiger Beschäftigung, das weiß Schwesig natürlich nicht, woher auch, gibt es einen entscheidenen Unterschied: Man kann nicht einfach in Elternzeit gehen.

Aber immerhin erklärt der entsprechende Irrtum, warum Schwesig denkt, die “besonderen Belange von Frauen” hätten irgend etwas mit der Selbständigenquote von Frauen zu tun. Sie haben es nicht. Vielmehr  sind die “besonderen Belange” nicht mit Selbständigkeit zu vereinbaren. Man ist nämlich entweder selbständig oder man pflanzt sich fort.

Zuweilen muss man im Leben Entscheidungen treffen. Und diese Entscheidungen sind der Grund dafür, dass die sozialtechnische Werkzeugkiste der Bundesfamilienministerin nicht greift. Halbtagsjobs für Selbständige gibt es nicht. Und Arbeitszeiten für Selbständige sind auch etwas, das nicht der Stechuhr folgt, die Schwesig gewohnt ist.

Wer arbeiten mehr als 48 Stunden pro Woche?

Insofern ist Bundeswirtschaftsminister Gabriel zuzustimmen, der sagt: “Um mehr Frauen zum Gründen zu bewegen, braucht es vor allem ein Umdenken in den Köpfen… ” Eine seltene Einsicht von einem Politiker. Richtig, es erfordert ein Umdenken in den Köpfen von Politikern, etwa so: Bestimmte Dinge sind miteinander unvereinbar. Selbständigkeit ist nichts, was man halbtags oder nebenbei machen kann. Selbständigkeit erfordert den ganzen Selbständigen, und entsprechend ist Selbständigkeit mit Fortpflanzung und Halbtagsarbeit ebenso unvereinbar wie der Versuch, “Frauen … durch speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Beratungsangebote bei den ersten Schritten in die Selbständigkeit” zu begleiten.

Wie selbständig ist jemand, dem man die Hand führt und dem man Fuss vor Fuss setzt, damit er in die richtige Richtung geht? Wie erfolgversprechend ist ein Unternehmen, bei dem der vermeintlich selbständige Unternehmer in die Selbständigkeit beraten wurde, wenn die Beratung erst einmal beendet ist? Selbständigkeit ist eine Entscheidung, hinter der man stehen muss. Es ist nichts, was man eben einmal so probiert. Und deshalb muss man kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Selbständigen, die Schwesig und Gabriel mit ihrer Umwidmung der Ich-AG in eine Sie-AG produzieren, Kurzzeit-Selbständige sein werden,  deren Selbständigkeit sich genau dann erledigt, wenn sie auf eigenen Füssen stehen müssen.

Entsprechend werden Gabriel und Schwesig auch weiterhin mit den Frauen und deren Bereitschaft, selbständig zu sein, unzufrieden sein. Die einfachste Lösung, um diese Unzufriedenheit zu beheben, wäre indes ein Anerkennen von Realitäten, die (1) dokumentieren, dass wir nicht alle gleich sind, (2) zeigen, dass ungleiche Verteilungen zwischen Männern und Frauen in der Regel einer Ursache geschuldet sind, die man in früheren Zeiten als Arbeitsteilung bezeichnet hat, ja manche sind gar der Meinung, dass erst Arbeitsteilung moderne Gesellschaften möglich macht, (3) es nicht möglich ist, die Welt so zu basteln, wie man sie gerne hätte, und wenn man noch so heftig mit dem Fuss aufstampft, und (4) es an der Zeit ist, den Posten eines Ministers zu verlassen und mit gutem Beispiel in die Selbständigkeit voran zu gehen, z.B. als selbständiger Paketfahrer bei Hermes oder als selbständiger Altenpfleger auf Stundenbasis.

Die Sozialstruktur steht in Teilen auf dem Kopf

Nicht erst seit die OECD ihren Feldzug zur Erhöhung des Anteils von Hochschulabsolventen begonnen hat, gilt das Credo, dass ein höherer Bildungsabschluss mit einem höheren Status, einer höheren Bezahlung und vor allem einem höheren Platz in der Sozialstruktur einer Gesellschaft einhergeht. Unausgesprochen ist dabei die Prämisse, dass mit einem höheren Bildungsabschluss ein höheres Humankapital verbunden ist, das seinen Inhaber dazu in die Lage versetzt, höhere Produktivität zu entwickeln und somit einen höheren Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, als dies einem Inhaber eines geringeren Bildungsabschlusses, sagen wir, dem Inhaber eines Hauptschulabschlusses, der den Beruf des Klempners erlernt hat, möglich ist.

HUman CapitalDie Idee, Humankapital an Bildung zu koppeln, stammt nicht zuletzt vom kürzlich verstorbenen Gary S. Becker, wobei seine Idee eine distinktive qualitative Note beinhalten: Nicht der Bildungsabschluss als solcher ist für Becker das Relevante. Der Bildungsabschluss ist vielmehr die Operationalisierung, die er benutzt, um die höhere Produktivität, die mit mehr Humankapital einhergeht, zu messen.

Die Inflationierung höherer Bildung und die Zulassung immer neuer Studienfächer, deren Verbindung zu einem produktiven Beitrag für die Gesellschaft eher, sagen wir, nicht offensichtlich ist, führt dazu, dass die Annahmen, auf die Becker seine Humankapitaltheorie basiert hat, nur noch in eingeschränktem Maße zutreffen.

Wir behaupten, dass die Inflationierung höherer Bildungsabschlüsse, die Quantifizierung von Bildung anstelle der Qualifizierung über Bildung, wie sie vor allem durch die Überflutung der Universitäten mit weitgehend nutzlosen Studienfächern, die keinen erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen, erfolgt ist, dazu geführt hat, dass die Verbindung zwischen höherem Bildungsabschluss und höherer Produktivität im Aggregat geschwächt wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass es Bildungstitelinhaber gibt, die einen höheren Status, einen höheren Platz in der Sozialstruktur beanspruchen, der ihnen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen, den sie bereitstellen, nicht zukommt. Es führt häufig dazu, dass sie Gehälter in einer Höhe beziehen, die im gesamtgesellschatflichen Vergleich unangemessen und unfair sind.

Wir wollen unsere Hypothese zunächst dadurch prüfen, dass wir die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Absolvent eines Gender Studiums hat, mit den Fähigkeiten vergleichen, die ein Klempner-Geselle am Ende seiner Lehrzeit in einer Prüfung unter Beweis stellen muss.

Das Studium der Gender Studies als Zweitfach an der Humbold Universität Berlin umfasst 6 Module, also z.B. die im folgenden genannten Themen, die das derzeitige Angebot der Gender Studies der HU-Berlin bereithält. Das Wissen, das in Gender Studies vermittelt wird, entstammt damit ausschließlich den sechs der im folgenden genannten und von Studenten gewählten Gebieten. Die Ausbildung zum Klempner ist in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Klempner geregelt. Die im folgenden genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind der Mindesbestand an Kenntnissen, den ein Klempner-Geselle nach Abschluss seiner Ausbildung haben muss.
Hanna Arendt in feministischer Diskussion Manuelles und maschinelles Bearbeiten (u.a.: Werkstoffe und Halbzeuge nach Verwendungszweck unterscheiden und manuell wie maschinell bearbeiten können)
Vom Homo Oeconomicus zur Femina Oeconomica – Die Wirtschaftswissenschaften aus Gender-Perspektive Fügen von Werstücken und Bauteilen (u.a.: Fügwerkzeuge und -verfahren festlegen, Bauteile durch Kaltnieten fügen, Bleche durch Falzen manuell und maschinell fügen
Behinderung ist sexy. Gender und Dis_Ability im Film Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten und Maschinen (u.a.: Bauteile und Baugruppen mit und ohne Hilfsmittel ein- und ausbauen, Sicherheitsmaßnahmen für elektrische Maschinen und Geräte ergreifen.
Die Werke Martha Nussbaums Einbauen von elektrischen Komponenten (u.a.: elektrische Anschlüsse mittels Steckverbindung herstellen, Mängel feststellen, Maßnahmen zur Behebung der Mängel veranlassen
Wissensordnung in Missionszeitschriften: Religion, Natur, Kultur und Geschlechter (18. Jhdt) Entwerfen und Fertigen von Schablonen und Zuschnitten (u.a.: Schablonen aus metallischen und nicht-metallischen Werkstoffen herstellen)
Ambivalenz der Sichtbarkeit: repräsentationskritische Perspektiven Prüfen, Behandeln und Schützen von Oberflächen (u.a. Werkstücke und Halbzeuge auf Materialfehler, Oberflächenschutz und Oberflächengüte prüfen)
Befestigen von Bauteilen und Baugruppen in Mauerwerk, Beton und Holz (u.a. Wandschlitze, Decken- und Wanddurchbrüche herstellen)
Decken und Instandhalten von Dach- und Wandflächen am Bauwerk (u.a.: Verlegetechniken für Schichtenaufbauten bei Dachbegrünung unterscheiden und anwenden)
Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser (u.a.: Formteile für Dachrinnen, insbesondere Dehnungsausgleicher, Rinnenkästen und Rinnenwinkel anfertigen
Anfertigen und Montieren von lufttechnischen Anlagen (u.a.: Formstücke, insbesondere Bögen und Verzweigungen anfertigen und montieren
Transportieren von Bauteilen und Baugruppen (u.a.: Hebezeuge, insbesondere Seilzüge und Winden handhaben
Herstellen von Fugenabschlüssen sowie Durchführung von Wärmedämm- und Dichtungsmaßnahmen (u.a.: Maßnahmen zur Schalldämmung an Rohr- und Aggregatbefestigungen durchführen)
Einbauen von Energiesammlern, Energieumsetzern und nachhaltigen Energienutzungssystemen (u.a.: Energiesammler und Energieumsetzer, insbesondere Sonnenkollektoren und photovoltaische Elemente in Dach- und Wandflächen einbauen
Anbringen von Fangeinrichtungen und von Ableitungen für den äußeren Blitzschutz
Berufausbildung, Arbeits- und Tarifrecht, berufsspezifische Randbedingungen (u.a.: Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung)
Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs (u.a.: Beziehungen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung)
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (u.a.: berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwenden)
Umweltschutz (u.a.: für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes)
Betriebliche und technische Kommunikation (u.a.: technische Unterlagen, insbesondere Skizzen und Zeichnungen lesen, erstellen und anwenden, Aufmaße anfertigen)
Kundenorientierte Kommunikation (Kundenwünsche ermitteln, auf Umsetzbarkeit prüfen mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen, Kosten abschätzen
Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (u.a.: Zeitaufwand und personelle Unterstützung zur Durchführung von Arbeitsaufträgen abschätzen)
Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (u.a.: Normen und Richtlinien zur Sicherung der Qualität, Bauteile auf Maßhaltigkeit, Dichtigkeit und sichere Verbindung prüfen)

 

Es mag der eine oder andere einwenden wollen, dass die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Geselle am Ende seiner Klempnerlehre erworben haben muss, in der Ausbildungsverordnung und der Tabelle umfassender dargestellt sind als dies für die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Rahmen eines Gender Studiums erworben werden, der Fall ist. Darauf gibt es die folgenden Antwort:

“Das Zweitfach Geschlechterstudien/Gender Studies zielt auf die Vermittlung konkreter Kenntnisse, Methoden und Arbeitstechniken im Zusammenhang mit der Analyse der Kategorie Geschlecht… Konkretes Ziel ist, Fähigkeiten zur Analyse von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen sozialen, politischen, historischen und kulturellen Kontexten auszubilden…”

KlempnerSo wird die Zielsetzung im Studienfach Geschlechterstudien von der HU-Berlin selbst beschrieben. Das Studium der Geschlechterstudien hat Geschlechterstudien zum Gegenstand, die mit Methoden und Arbeitstechniken in einem Zusammenhang stehen und deren konkretes Ziel die Fähigkeit zur Analyse von Geschlechterverhältnissen ist. Trotz aller Betonung von Methoden und Arbeitstechniken ist es uns nicht gelungen, einen Einführungskurs in Statistik, Methoden der empirischen Sozialforschung, Logik oder auch nur die Kunst, richtig zu zitieren, zu finden. Kurz: Gegenstand, Nutzen und Ziel von Geschlechterstudien sind unbekannt. Was man mit einem studierten Geschlechterstudienbetreiber soll, ist ebenso unklar. Vermutlich müssen deshalb Ministerien wie das Ministerium für FSFJ ständig geschlechtsbezogene Programme auflegen, um den Absolventen ein Auskommen zu verschaffen, und zwar auf Kosten von Steuerzahlern, woraus der Schluss folgt: Geschlechterstudierte schaden dem Bruttoinlandsprodukt, sie verbrauchen Steuermittel und schaffen keinen erkennbaren Mehrwert.

Dagegen hat man keinerlei Probleme den Mehrwert zu benennen, den ein Klempner erwirtschaftet, ebenso wenig wie man Probleme hat, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu benennen, die ein Klempner nach Abschluss seiner Lehre hat.

Wie kommt es vor diesem Hintergrund, dass Genderstudierte, die doch in der Regel linkem Gedankengut anhängen, für sich in Anspruch nehmen, eine höhere soziale Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, als der Arbeiter Edwin aus der Siedlung? Man kann diese seltsame Erscheinug moderner Gesellschaften, in denen eine Klasse von Studierten, deren einziger Beitrag darin besteht, eine Perspektive auf etwas zu haben, deren Nutzen nicht erkennbar ist, eine höhere Bezahlung, einen höheren Platz in der Sozialstruktur reklamieren kann als ein Klempner, der jeden Arbeitstag aufs Neue die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller befördert, nur als eine Erscheinung gesellschaftlicher Degeneration ansehen und sich wundern, dass all die Bekenntnis-Linken damit so gar keine Probleme haben.

 

©ScienceFiles, 2014