Politiker haben nun einmal ein Interesse an Manipulation

Gerade hat Gert G. Wagner, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung mit einer erstaunlichen Entdeckung aufwarten können: “Regierungsberichte können niemals unabhängig sein”, so sagt er und stellt als Konsequenz seiner Erkenntnis Fragen:

“Wie sinnvoll sind eigentlich derartige Regierungsberichte? Also Berichte, die einen Sachverhalt kritisch darstellen sollen. Wie etwa der Armuts- und Reichtumsbericht, aber auch der Kinder- und Jugendbericht, der Familien oder der Altenbericht. Die eigentliche Frage lautet: Sollten solche Berichte und sachlichen Bestandsaufnahmen nicht besser von unabhängigen Konmissionen oder Sachverständigenräten erstellt werden als von der Regierung selbst, die definitionsgemäß politisch nicht unabhängig ist, und bestimmten Zwängen … unterliegt”.

LeninAn dem Zitat ist einiges bemerkenswert, einiges enttäuschend. Bemerkenswert ist, dass sich jemand, der zum Dunstkreis der Bundestagsparteien zu zählen ist und entsprechend in der Enquete Kommission “Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität” (klingt wie ein Faschingshit) ständiges und erhoffter Maßen sachverständiges Mitglied ist, die Erkenntnis hat und äußert, dass Berichte, die als Auftragsarbeit von der Regierung vergeben und für diese erstellt werden, nicht unbedingt die Realität widerspiegeln müssen, dass sie in Interessen gefärbt sind und entsprechend, je nach Interesse ein verzerrtes Bild der Realität geben. Bemerkenswert ist auch, dass jemand wie Gert G. Wagner von Zwängen spricht, in denen sich z.B. die Regierung befindet und die, wie man dem Absatz entnehmen kann (denn das ist die implizite Prämisse), die die Regierung dazu veranlassen, die Realität zu verzerren (Wenn Sie das nächste Mal lügen, dann sagen Sie einfach, sie unterliegen bestimmten (Sach-)Zwängen, die eine vollumfängliche Darstellung der Wirklichkeit nicht zulassen würden). Das alles, wie gesagt, ist bemerkenswert.

Aber das Zitat  ist gleichzeitig enttäuschend, denn es ist erstens ein alter Hut und zweitens eine Verharmlosung. Dass wir Realität vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen wahrnehmen und dass jede Beobachtung, und sei sie noch so penibel und genau gemacht, aufgrund der Forschungsinteressen, die uns zum Beobachten bringen, notwendig gefärbt ist, ist bekannt. Es zeigt sich z.B. darin, dass wir untersuchen, wie der Ruf des Ochsenfroschs von seinem Auditorium aufgenommen wird, und nicht wie die Darbietungen der Wildecker Herzbuben vom Auditorium aufgenommen werden. Offensichtlich sind wir an Ochsenfröschen und nicht an den Wildecker Herzbuben interessiert. Konsequenter Weise kann man daher nicht behaupten, irgendein Bericht, von wem auch immer erstellt, sei frei von Interessen, sei objektiv. Auch der Bericht eines Sachverständigenrats ist nicht objektiv und von Interessen getragen, aber dazu später.

BullfrogEnttäuschend ist die Passage aus dem kurzen Text von Wagner auch, weil er antippt und vorsichtig formuliert, wo festes Zugreifen und deutliche Worte vonnöten sind. Hier ist Wagner massiv am verharmlosen. Warum sind Regierungen, politische Parteien, ihre Ableger in den Stiftungen und Organisationen, die im öffentlichen Diskurs etwas gelten wollen, so erpicht darauf, Berichte zu erstellen? Die Antwort liegt auf der Hand: Eben wegen ihrer Interessen und weil es in Deutschland immer noch wichtig ist (wie lange noch, bleibt abzuwarten), sich mit dem Schein der Objektivität zu umgeben und seine Interessen hinter scheinbar objektiven Ergebnissen zu verstecken.

Deshalb ist es, entgegen der Ansicht von Gerd Wagner, eine Manipulation, wenn man die Bewertung von Daten verändert, so dass sie den eigenen Interessen genehm ist, aber nicht unbedingt dem, was in den Daten zu finden ist, entspricht. Zu behaupten, dass eine Manipulation nur da vorliege, wo Daten gefälscht werden, wie Gerd Wagner dies zum Anfang seines Textes tut, ist naiv und fahrlässig, denn der Kampf um die öffentliche Meinung ist ein Kampf um die Bewertung von Daten, kein Kampf um die Daten. Dies zeigt sich deutlich daran, dass die Tatsache, dass Jungen im Hinblick auf ihre erreichten Bildungsabschlüsse Nachteile gegenüber Mädchen haben, von kaum mehr jemandem, der nicht als irre gelten will, bestritten wird. Der Kampf tobt nun um die Bewertung der Nachteile: Sind sie das Ergebnis einer Benachteiligung von Jungen durch Lehrerinnen oder sind Jungen selbst schuld, weil sie machohaft auftreten? Vor diesem Hintergrund zu behaupten, eine interessegeleitete Bewertung von Fakten sei keine Manipulation ist sträflich und eines Wissenschaftlers nicht würdig. Doch zurück zum allseitigen Bemühen all der politischen Akteure, die einen “Bericht” in Auftrag geben, die Ergebnisse des Berichts mit ihren Interessen konform zu gestalten und dennoch eine Objektivität des Berichts vorzugaukeln.

freddie-mercury-the-great-pretenderAm besten funktioniert diese Mimikry, wenn die entsprechenden Berichte mit dem Mantel der Wissenschaftlichkeit umgeben werden, dann, wenn ein bestimmter Bericht der Öffentlichkeit als Ergebnis der Arbeit von Experten, eines Expertengremiums oder von Sachverständigen präsentiert werden kann. Meistens weiß zwar niemand, warum die entsprechenden Experten gerade für den Gegenstand des Berichts, an dem sie geschrieben haben, Experten sein sollen, aber das macht nichts, bei Berichten aus dem Dunstkreis von Ministerien, politischen Parteien oder politischen Organisationen ist jeder, der daran mitwirkt, ein Great Pretender.

Jeder Regierungsbericht, jeder Bericht aus den Hallen politischer Parteien oder ihrer Satelliten, der von sich behauptet, er sei objektiv, sei von wissenschaftlichen Sachverständigen erstellt oder werde in welcher Weise auch immer, wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht, ist in der beschriebenen Weise Mimikry, denn wie Wagner zu Beginn seines Textes kurz und eher unfreiwillig preis gibt, ist der wichtigste Bestandteil der enstprechenden Berichte, die darin enthaltene Bewertung der vermeintlichen Ergebnisse aus der Realität. Hier spielt die Musik, hier sind die Interessen, die zur Erstellung des Berichts geführt haben,  und hier wird versucht, zu manipulieren. Manipulationen nehmen die unterschiedlichsten Formen an: Teile der Realität werden gar nicht erst untersucht, Ergebnisse werden umgewertet,  in einen anderen oder in keinen Zusammenhang gestellt, Ergebnisse werden gestrichen oder in einem Wust unnötiger Einzelheiten vergraben, die Möglichkeiten sind schier endlos. Und diese Möglichkeiten der Manipulation werden natürlich von den Auftraggebern der entsprechenden Berichte genutzt, oder  ist hier wirklich jemand so naiv anzunehmen, die Bundesregierung würde das Ergebnis einer Untersuchung veröffentlichen, die zu dem Ergebnis kommt, dass die deutschen Universitäten nur noch Personal zweiter Wahl beschäftigen (Wer das wirklich glaubt, der möge versuchen, an die Datensätze der PISA-E Studie zu kommen, die es ihm erlauben, die gemessenen Leistungen der Schüler nach Bundesland aufzuschlüsseln)? Oder glaubt jemand, die Friedrich-Ebert-Stiftung würde eine Untersuchung veröffentlichen, die zeigt, dass sozialistische Eingriffe in den freien Markt regelmäßig und unausweichlich ins Fiasko führen? Eben!

pseudoscienceFolglich muss man Berichte immer mit Blick auf den Auftraggeber und seine Interessen lesen, um zu wissen, in welche Richtung die Berichte einen bias haben, und welche Bereiche der Realität vermutlich unterschlagen werden. Dieses  Interesse-Problem ist nicht zu lösen, auch nicht durch die von Wagner vorgeschlagene Auslagerung der entsprechenden Berichte in Sachverständigenräte, wie es sie derzeit in der Umwelt- und Wirtschaftspolitik gibt: Sachverständigenräte also, die die Bundesregierung oder das Parlament bestellt. Wie groß ist wohl das kritische Potential solcher Sachverständigenräte? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die in die entsprechenden Sachverständigenräte berufenen  “Experten” keine Zugeständnisse an die Interessen ihrer Auftraggeber machen? Und selbst wenn sich tatsächlich unabhängige Wissenschaftler in Sachverständigenräten finden, wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass der Bericht des Sachverständigenrates nicht dennoch vor seiner Veröffentlichung editiert wird?

Was tun, wenn Sachverständigenräte auch nicht die Lösung sind? Nun, ich finde es überraschend, dass die naheliegende Idee, die einem Demokraten in diesem Zusammenhang eigentlich kommen müsste, nie kommt. Warum sollten die entsprechenden Berichte, die zumeist nichts anderes sind als ein Tätigkeitsnachweis und ein Erfolgsbericht für die entsprechenden Auftraggeber  überhaupt im Auftrag von Regierung oder politischen Parteien und in jedem Fall auf Kosten der Steuerzahler erstellt werden? Verlangt es die demokratische Kontrolle nicht geradezu, dass die entsprechenden Berichte als Kontrollberichte über die Tätigkeit von Regierung und politischen Parteien deren Einfluss ganz und gar entzogen werden? Ist es nicht geradezu demokratisch gefordert, dass die entsprechenden Berichte von Experten erstellt werden, die im Gegenstandsbereich des Berichts ausgewiesen sind, die  von Regierung und politischen Parteien vollkommen unabhängig sind und die im Wettbewerb mit anderen Experten darüber stehen, wer die Berichte über einen bestimmten Gegenstandsbereich verfassst, die dem Ziel objektiver Darstellung am nächsten kommen? Und ist es nicht erforderlich, dass die Qualität der entsprechenden Berichte an den Standards des wissenschaftlichen Arbeitens gemessen werden, damit Berichte wie der von Hinrich Rosenbrock oder der des Bundesjugendkuratoriums schnell als das ideologische Blendwerk identifiiziert und etikettiert werden können, das sie nun einmal sind?

Die Antworten auf diese Fragen weisen alle in die selbe Richtung: In die Richtung eines wissenschaftlichen Gremiums, das z.B. bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft angesiedelt ist und das Mittel zur Erstellung von Berichten über die Wirkung der Politik der Regierung und der politischen Parteien bereithält, um die sich Wissenschaftler und private Unternehmen bewerben können. Über die Vergabe der Mittel wiederum entscheiden Wissenschaftler anhand der Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens, wie wir sie z.B. in unserem Grundsatzprogramm dargelegt haben. Um die Mittel findet Wettbewerb statt und die Ergebnisse werden nach Erstellung der Berichte von einem anderen Gremium, das sich aus Wissenschaftlern zusammensetzt, die nicht über die Vergabe der Mittel entschieden haben und abermals vor dem Hintergrund der Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens geprüft und bewertet. Es ist dies eine formale, keine inhaltliche Prüfung. So wird zum einen verhindert, dass Regierung, politische Parteien und ihre Satelliten Steuergelder zum Fenster hinaus werfen, um damit Berichte zu erstellen, die ihren eigenen Interessen dienen, zum anderen wird gewährleistet, dass die Steuergelder, mit denen z.B. politische Stiftungen ihre Polit-Agitation betreiben, nicht mehr eingesetzt werden, um damit vermeintlich wissenschaftliche Berichte zu erstellen.

Meine Lösung ist eine Marktlösung, und es ist eine Lösung, die ich noch nicht in jeder Hinsicht auf ihre Folgen untersucht habe. In jedem Fall stellt die Lösung jedoch sicher, dass die Frage, ob Berichte von Regierungen, politischen Parteien oder den Satelliten von politischen Parteien die Realität angemessen beschreiben und bewerten, nicht mehr diskutiert werden muss, denn die Regierung ist von der Erstellung entsprechender Berichte ausgeschlossen und die politischen Parteien und ihre Satelliten erstellen Berichte, die eindeutig als Abbild von ihren Interessen identifziert werden und eben mit keinem wissenschaftlichen Anspruch auftreten können.

Bildnachweis:
Scientific American

Ende eines Manipulationsversuchs – BMFSFJ geht mit dem Gender Pension Gap baden

Ich habe auf sciencefiles schon häufig auf die Lethargie und Angst hingewiesen, die Sozialwissenschaftler an den Tag legen. Ganz wie die Theorie der kognitiven Dissonanz von Leon Festinger das vorhersagt, machen viele Sozialwissenschaftler mit ihrer Angst und Lethargie, die sie davor zurückschrecken lassen, sich öffentlich zu äußern, dadurch ihren Frieden, dass sie entweder über-konform sind und sich nur mit Themen befassen, die als politisch-korrekt abgesegnet sind und mit denen man entsprechend nicht Gefahr laufen kann, etwas Interessantes zu produzieren und somit etwas, was zu Widerspruch seitens der politisch Korrekten führen könnte. Oder sie überzeugen sich generell davon, dass die Öffentlichkeit die Komplexität der sozialwissenschaftlichen Gedanken, die sie in ihrem Gehirn beherbergen sowieso nicht verstehen würde (selbst dann nicht, wenn sie im Stande wären, sie verständlich zu äußern) und verharren entsprechend im selbst-zufriedenen Zustand ewiger gedanklicher Schwangerschaft (die Schwangerschaft muss ewig sein, denn am Ende könnte eine Missgeburt oder Todgeburt stehen…).

Ganz im Gegensatz zu dieser Einleitung will ich mit diesem Post aber Hoffnung verbreiten und auf zwei Sozialwissenschaftler, Jürgen Faik und Tim Köhler-Rama verweisen, die zu der vom Aussterben bedrohten Spezies “kritischer Sozialwissenschaftler” gehören und die in der Maiausgabe des Wirtschaftsdiensts deutliche Worte für den Versuch des BMFSFJ gefunden haben, ein Gender Pension Gap zu Gunsten von Frauen herbeizufabulieren. “Gender Pension Gap” ist die Behauptung, dass Frauen von Rentensystem benachteiligt werden . Ich habe über diesen Versuch bereits am 14. Januar diesen Jahres und unter dem Titel “Rentendiebstahl” geschrieben und will mich daher an dieser Stelle zurücklehnen und voller Zufriedenheit das zitieren und kommentieren, was Jürgen Faik und Tim Köhler-Rama im Hinblick auf einen der letzten Manipulationsversuche aus dem BMFSFJ einfällt.

“Obgleich der empirisch überzeugende Beweis noch immer nicht dafür erbracht wurde, ob zwischem den Geschlecht und dem Einkommen tatsächlich eine Ursache-Wirkungsbeziehung besteht oder ob nicht Drittvariablen (Ausbildung, Berufserfahrung, Berufsunterbrechung etc.) mehr oder weniger vollständig die Lohnlücke erklären können, hat der Gender Wage Gap in der Diskussion über die Benachteiligung von Frauen bislang eine sehr erfolgreiche Rolle gespielt. Es liegt (aus frauenpolitischer Sicht) also nahe, einen solchen Index auch für die wichtiger werdende Altersicherungsdiskussion zu nutzen” (319)

In meinem Worten: Wenn man seit Jahren ohne Beleg behauptet, Frauen würden bei der Entlohnung benachteiligt (die Mähr vom Gender Pay Gap), und wenn es gelungen ist, Teile der Öffentlichkeit mit dieser falschen Behauptung zu beeindrucken, dann bietet es sich aus frauenpolitischer Sicht an, die Behauptung, Frauen würden durch das Rentensystem benachteiligt, mit der bereits im öffentlichen Diskurs vorhandenen Behauptung, Frauen würden bei der Entlohnung benachteiligt, zu begründen. Auf diese Weise schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Der neuen, unbelegten Behauptung (Gender Pension Gap) wird durch den Verweis auf die alten, unbelegte Behauptung (Gender Pay Gap) scheinbar eine Begründung und Legitimation verschaft. Gleichzeitig wird dadurch, dass das Gender Pay Gap als Begründung für das Gender Pension Gap angeführt wird, suggeriert, die Existenz des Gender Pay Gaps sei belegt, an seiner Existenz sei nichts zu deuteln oder: “truth can be created by the repetition of a lie”.

Noch einmal zur Erinnerung: das BMFSFJ hat mit Hilfe des Fraunhofer Instituts für Angewandte Informationstechnik versucht, ein Gender Pension Gap zu konstruieren, das Frauen als Opfer eines ungerechten Rentenversicherungssystems stilisiert. Dazu hat Judith Flory, aus deren Feder der Bericht zur Legitimation der BMFSFJ-Phantasie des Gender Pension Gaps stammt, ein Maß “entwickelt”, das abbilden soll, wie sehr Frauen doch bei Rentenansprüchen benachteiligt sind. Wer den Beitrag von Faik und Köhler-Rama liest, muss nunmehr feststellen, (falls ihm mein Beitrag zu diesem Thema nicht ausgereicht hat), dass das “Maß” von Flory keinen der Standards erreicht, die man an eine ordentliche Operationalisierung anlegt:

“Sozialpolitisch führt der Indikator in die Irre, da er eine Benachteiligung von Frauen im Alterssicherungssystem suggeriert. Eher das Gegenteil ist der Fall: Frauen erhalten für denselben Beitrag mehr Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) und weisen aufgrund ihrer durchschnittlich höheren Lebenserwartung signifikant höhere Beitragsrenditen in der gesetzlichen Rentenversicherung auf. Sie profitieren in weit höherem Maße als Männer von Elementen des sozialen Ausgleichs im Rentenrecht. So wurde z.B. die rentenrechtliche Anerkennung von Kindererziehungszeiten … in den vergangenen Jahren starkt aufgewertet” (321).

Die Rendite-Vorteile von Frauen können wie folgt beziffert werden: Ein 1960 geborener Mann wird bei Erreichen des Rentenalters 1,19 Euro pro eingezahltem Euro Rente erhalten, eine 1960 geborene Frau, 1.57 Euro pro eingezahltem Euro. Ein im Jahr 2000 geborener Mann, wird pro eingezahltem Euro einen Verlust von 6 Cent machen und noch 94ct Rente erhalten, während eine im Jahr 2000 geborene Frau 1,21 Euro pro eingezahltem Euro erhalten wird. Dies zeigt deutlich, wohin die “Sozialpolitik”, also die Frauenbevorzugungspolitik im Staatsfeminismus führt.

“Verheiratete Frauen verfügen zwar vielfach über relativ geringe eigenständige Rentenanwartschaften. Der Versorgungsausgleich und die Hinterbliebenenrente sind aber Elemente in der Alterssicherung, die sie faktisch gegen das Scheidung- und das Verwitwungssrisiko absichern. … Sie in einem Index unberücksichtigt zu lassen, der für sich beansprucht, eine Aussage über die Fairness der Alterssicherung von Frauen (im Vergleich zu Männern) zu treffen, unterschlägt eine wesentliche Dimension und ist daher nicht sinnvoll” (322).

Nach meiner Ansicht ist die Unterschlagung von bekannten und offensichtlichen Fakten, die dem Zweck dient, sich im öffentlichen Diskurs widerrechtlich einen Vorteil anzueignen mit einem Ausschluss aus der wissenschaftlichen Gemeinde und einer Publikations-Sperre von mindestens sechs Jahren zu ahnden. Der der Unterschlagung Beihilfe leistenden Institution ist jede öffentliche Förderung zu entziehen.

Falk und Köhler-Rama verweisen im Verlauf ihres Beitrags auf eine Unzahl von Unzulänglichkeiten, Auslassungen und Verletzungen des wissenschaftlichen Standards durch die Auftragsarbeit aus dem Fraunhofer Institut, wobei sie u.a. darauf hinweisen, dass die Unterschiede in der Rentenhöhe wie sie zwischen Männern und Frauen bestehen das Ergebnis von Lebensentscheidungen sind, die Frauen getroffen haben: Wer lieber zu Hause sitzt und Kinder erzieht und nach Übergabe der Erziehungsverantwortung an öffentliche Institutionen sich bestenfalls zu einer Teilzeitarbeit durchringen kann, der trifft diese Entscheidungen wohlwissend, dass er aufgrund weniger Erwerbsarbeit auch weniger Rente erhält. Zudem treffen die meisten Frauen diese Entscheidung im Wissen darüber, dass sie im Alter entweder in gleicher Weise von der Rente ihres Ehemannes profitieren, wie sie dies während seiner Erwerbsarbeit von dessen Lohn getan haben oder, falls ihr Ehemann früher das Zeitliche segnet, dass sie von dessen Rente in Form einer Witwenrente profitieren, die deutlich höher ausfällt als es die Rentenansprüche, die die entsprechenden Frauen im Verlauf ihres Lebens durch Erwerbsarbeit erworben haben.

Vor dem Hintergrund solcher Ergebnisse und vor dem Hintergrund der offenkundigen Tatsache, dass Altersarmut nichts ist, was “Frauen” betrifft, sondern ein Risiko, das vor allem Geringverdiener und Migranten teilen, werden Falk und Köhler-Rama immer mutiger und finden entsprechend die richtigen, deutlichen Worte für den Manipulationsversuch aus dem BMFSFJ, der unter Beihilfe des Fraunhofer Instituts durchgeführt wurde:

“Indem der GPG-Index [Gender Pension Gap-Index] diesen Aspekt [Versorgungsausgleich und Hinterbliebenenrente] gar nicht erfasst, taugt er nicht als Messinstrument in der Alterssicherungsdiskussion. Entgegen seinem eigenen Anspruch misst der GPG-Index auch keine ‘fairen Einkommensperspektiven’, denn er berücksichtigt beispielsweise nicht, dass verheiratete Frauen gegenüber geschiedenen und ledigen Frauen im Hinblick auf die Einkommensanrechnungsvorschriften bevorteilt sind” (322).

Und:

“Auch dieser dem Äquivalenzgedanken in der gesetzlichen Rentenversicherung geschuldete Nivellierungseffekt weist darauf hin, dass die GPG-Suggestion einer unfairen Behandlung von Frauen im bundesdeutschen Alterssicherungssystem verfehlt ist. In diesem Zusammenhang erlaubt der Index auch deshalb keine wissenschaftlich fundierten Aussagen über eine tatsächliche Frauendiskriminierung im Hinblick auf ihre Alterssicherung, weil keine Normierung nach dem Qualifikationsniveau von Frauen und Männern und ihrem früheren Arbeitsvolumen (Teilzeit- versus Vollzeittätigkeiten) vorgenommen werden. Frauen verfügen aber schon deshalb über durchschnittlich geringere eigene Rentenansprüche als Männer weil sie häufiger und länger Teilzeit arbeiten”.

Insbesondere das letzte Zitat entlarvt den Manipulationsversuch aus dem BMFSFJ als das, was er ist, ein Anschlag auf die Gerechtigkeit, dessen Ziel darin besteht, eine Rentengleichheit unabhängig von Leistung herzustellen. Er ist somit ein Anschlag auf das Fundament einer Marktwirtschaft und ein Versuch, Leistung zu diskreditieren. Dass man in Ministerien und sonstigen Ideologiezentren kein Problem damit hat, Leistung, in diesem Fall gar Lebensleistung zu diskreditieren, ist nicht überraschend, und eher auf blanke Unkenntnis des Inhalts zurückzuführen, der mit dem Begriff “Leistung” denotiert ist. Allerdings sägen die BMFSFJler an dem Ast, auf dem sie sitzen, denn wenn alle ihre Ansicht teilen, dass Rentenansprüche nicht mehr auf Leistung basieren sollen, dann stellt sich einem rationalen Akteur die Frage, warum er noch leisten soll, wenn ihm ein Anspruch auch ohne Leistung zugeteilt wird. Dies sollten die BMFSFJler bedenken, am Ende gibt es niemand mehr, der leisten will, und wer kommt dann für die Gehälter der BMFSFJler, die ihrerseits sich etwas leisten wollen, auf? In jedem Fall kann man feststellen, dass der Versuch, ein Gender Pension Gap herbeizuphantasieren, gescheitert ist.

Faik, Jürgen & Köhler-Rama, Tim (2012). Der Gender Pension Gap – Ungeeigneter Indikator. Wirtschaftsdienst (92)5: 319-325

Und Rosenbrock zum Allerletzten – hoffentlich …

Der Kommentar, den Dr. habil. Heike Diefenbach zu “Rosenbrock zum Letzten” geschrieben hat, ist mir zu wertvoll, als dass ich ihm nicht einen eigenen Thread einräumen möchte. Es ist so etwas wie der allerletzte Versuch, die wissenschaftliche Kenntnislosigkeit, die die Heinrich Böll Stiftung und all ihre Adepten fest im Griff hat, zu durchbrechen und der Vernunft zum Einzug zu helfen. Der folgende Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach stellt daher die Fortsetzung der uralten Suche nach Vernunft dar, die schon Bertrand Russell wie folgt beschrieben hat:

“It has been said that man is a rational animal. All my life I have been searching for evidence which could support this.”

Wie UNENDLICH MÜDE einem diese Clownerien der Böll-Stifung machen! Dieses bis in die Absurdität gesteigerte Ausmass an Trotz erinnert mich an einen Zweijährigen, der, wenn er nicht bekommt, was er will, so lange schreit, bis er rot anläuft und an der Folgen der eigenen Hysterie zu ersticken droht.

Um der Böll-Stiftung diesen unschönen (Reputations-)Tod zu ersparen, will auch ich trotz der bleiernen Schwere, die ich angesichts dieser unsäglichen Angelegenheit empfinde, noch einmal eine Entwicklungschance bereitstellen:

Herr Klein hat recht: Die Diskreditierung Andersdenkender durch Worte wie “diffamiert” und ähnliche Kampfbegriffe mag als verzweifelter Versuch derjenigen durchgehen, denen es an Argumenten mangelt und die in ihrer Not zu einer Art Wortmagie (um nicht zu sagen: rituellem Singsang) greifen, von dem sie glauben, sie würde die Argumente der Andersdenkenden irgendwie “bannen”, so wie die Gesänge der Druiden auf dem Schlachtfeld den Kampf gewinnen sollten. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass Leute, die ernst genommen werden möchten, dermassen ins Lächerlich-Kultische abdriften. Also, lassen Sie uns das korrigieren und noch einmal versuchen, in die Normalität zurückzukehren!

Die Normalität beinhaltet die Möglichkeit der Kritik. Kritik ist berechtigt, wenn sie mit den Tatsachen übereinstimmt. So ist die Kritik, die auf diesem blog geäussert wurde, dass der Text von Herrn R. in keiner Weise ein wissenschaftlicher Text ist, schon deshalb berechtigt, weil der Text von Herrn R. eben insofern keinerlei wissenschaftlichen Standards genügt: Er hat eine intuitive, von keinerlei methodischen Überlegungen im Vorfeld geleitete Vorgehensweise bei der Auswahl seines Datenmaterials und seiner Interpretation desselben gewählt. Das kann jede/r. Das ist nicht Wissenschaft. Und in aller Klarheit muss festgehalten werden, dass es hierüber nichts zu diskutieren oder zu verhandeln gibt. KEINE mir bekannte wissenschaftliche Schule verzichtet auf eine intersubjektive Nachvollziehbarkeit von Vorgehensweisen oder Interpretationen. Natürlich kann man auf diesen Anspruch verzichten, aber dann spricht man in Zungen, stellt sich jedenfalls außerhalb jeder Wissenschaft.

Dieser blog stellt – anders als Seiten der Böll-Stiftung – die Möglichkeit zum Kommentar bereit. Also hätte es denjenigen, die die Wissenschaftlichkeit von Herrn R.s Text behaupten, ein Leichtes sein müssen, ihre Argumente hier vorzustellen und mit den Kritikern in einen Austausch zu treten. Die Frage ist: Warum taten sie dies nicht?

Die einfache Antwort muss lauten: Sie wissen, dass sie es nicht können, und zwar deshalb, weil die geäußerte Kritik für jeden, der den Text von Herrn R. vor sich hat, nachprüfbar ist und sich bei dieser Prüfung unweigerlich zeigen muss, dass die Kritik berechtigt ist: Sie stimmt mit den Tatsachen überein.

Wir Kritiker geben den Verteidigern des Textes von Herrn R. erneut Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen. So sollten Sie u.a. die folgenden Fragen beantworten:

  1. Was genau war die Forschungsfrage, die im Text von Herrn R. behandelt werden sollte?
    (Die Plausibilisierung der Belegung Andersdenkender mit abwertenden Adjektiven ist keine Forschungfrage, und insbesondere kann sie keine Grundlage dafür sein, dass jemand mit einem akademischen Grad ausgestattet wird.)
  2. Wie genau ist Herr R. bei der Stichprobenauswahl und der Auswahl des von ihm betrachteten Datenmaterials vorgegangen? Wie ist die Auswahl begründet?
  3. Welche Interpretations- oder Analysemethoden hat Herr R. gewählt? Welche Kategorien hat er für seine Interpretation vorher bestimmt? Welche Operationalsierungen zur Messung welcher Größen hat Herr R. im Vorfeld bestimmt? Welcher Ankerbeispiele (um mit Mayring zu sprechen) hat er im Vorfeld für die Zuordnung von Textstellen zu seinen Kategorien verwendet? Warum hat er all dies dem Leser nicht berichtet? Das sind doch wissenschaftliche Mindeststandards?
  4. Wie und mit welcher Begründung hat Herr R. den Transfer von Zuordnungen von Textstellen zu Kategorien in Bewertungen vorgenommen?
  5. Wie begründet Herr R., dass er pauschale Beurteilungen über Sachfragen vornimmt, wenn er von diesen Sachfragen gar nichts versteht? Konkret:
  6. Wie kommt er zu der Einschätzung, Frauen würden keine Gewalt gegen Männer ausüben, oder jedenfalls irgendwie “weniger” Gewalt oder Gewalt, die er anscheinend nicht so schlimm fände, wenn eine Vielzahl von empirischen Studien genau dies falsifiziert?
  7. Wie begründet er seine Einschätzung, nach der man nicht von Jungen als Bildungsverlierern sprechen könne, wenn empirisch belegt ist, dass Jungen im Aggregat sowohl im Vergleich mit sich selbst im Zeitverlauf (also von Jungen mit Jungen über die Zeit hinweg betrachtet) als auch im Vergleich mit Mädchen hinsichtlich verschiedener Indikatoren für Bildungserfolg schlechter abschneiden (als früher)? Dies ist Faktum, das sich aufgrund von Verteilungen ergibt, die die amtliche Bildungsstatistik ausweist. Verteilungsstatistiken sind keine Allaussagen, und deshalb ist z.B. die Ausweisung von Mittelwerten, von Spannweiten usw. nicht deshalb “falsch”, weil es Jungen gibt, die ein Abitur machen. Vielmehr sind diese 20 Prozent in diesen Verteilungsmaßen bereits enthalten – gerade das macht diese Befunde aussagekräftig!
  8. Wie rechtfertigt Herr R., dass er sich Urteile über solche Fragen wie unter Punkt 5 genannt erlaubt, wenn er offensichtlich über keinerlei Grundausbildung in quantitativer Statistik verfügt?
  9. Wie rechtfertigt Herr R. dass er sich Urteile über die Argumente derer, die er als Angehörige einer Männerbewegung einordnet (warum eigentlich?), erlaubt, wenn er deren Aussagen keinerlei methodischer Inhaltsanalyse unterzieht?

Ich denke, dass sind die wichtigsten, aber sicherlich nicht die einzigen Fragen, die überzeugend beantwortet werden müssten, damit Herrn R.s Text den Anspruch erheben kann, ein wissenschaftlicher Text zu sein. Leider sind all diese Fragen unbeantwortet geblieben.

“Diffamiere” ich hier jetzt einen Text, weil ich diejenigen Fragen an ihn stelle, die man normalerweise an einen Text stellt, der ein wissenschaftlicher Text sein soll? Wer dies bejaht, muss als Faschist bezeichnet werden, und zwar aufgrund meiner Definition von jemandem als Faschist, der kritische Nachfragen durch Belegung mit negativen Wertungen unterbinden will.

Last, but not least: Ich fühle seit mehreren Tagen das tiefe Bedürfnis, mich bei allen meinen ehemaligen Studierenden und Absolventen dafür zu entschuldigen, dass ich jemals irgendwelche Maßstäbe und Erwartungen an ihre wissenschaftlichen Arbeiten angelegt und sie entsprechend bewertet habe. Wie ich sehe, habe ich sie ungerecht behandelt, denn akademische Titel werden offensichtlich auch für Textsorten vergeben, die nicht den rudimentären Ansprüchen an wissenschaftliche Texte genügen, sondern bei denen es sich lediglich um ideologische Abhandlungen handelt. Ich kann nur hoffen, dass Sie die Maßstäbe, die ich an sie angelegt habe und denen sie gerecht werden mussten bzw. gerecht geworden sind, ihnen den Erfolg und die Anerkennung eingebracht haben, die sie verdient haben. Leider bin ich mir ziemlich sicher, dass dies zumindest bei der Böll-Stiftung nicht der Fall sein wird. Jedenfalls bleibt festzuhalten: Gemessen an den Maßstäben, die Herrn R.s Text setzt, sind alle meine Absolventen Nobelpreisanwärter!

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rationally speaking

Rosenbrock zum Letzten – hoffentlich …

Mit manchen Themen ist es wie mit der sprichwörtlichen Klette, man wird sie einfach nicht mehr los. Und nachdem die Heinrich Böll Stiftung  noch einmal nachgelegt hat, ist es – hoffentlich zum letzten Mal – notwendig, ein paar Dinge klarzustellen. Die heutige Lektion für die Stiftung lautet: Warum Ideologie keine Wissenschaft ist, und warum Manipulation nicht klappt. Ich hoffe, dieses Thema ist nicht zu “komplex”!

Warum Ideologie keine Wissenschaft ist.

Mit Ideologie verbindet sich regelmäßig das Problem, dass sie nicht mit der Realität in Einklang zu bringen ist und deshalb gegen mindestens ein Fundament von Wissenschaft verstößt. Ich will dies an einem Beispiel deutlich machen, das ich in Analogie zu Rosenbrocks Magisterarbeit gewählt habe.

Ich behaupte, die Heinrich Böll Stiftung ist ein Haufen männerfeindlicher religiöser Fanatiker. Um diese Behauptung als Tatsache durchgehen zu lassen, brauche ich eine Legitimation. Früher musste Gott als Legitimation herhalten, heute bedient man sich gemeinhin der Wissenschaft. Wenn Wissenschaft die Legitimationsfunktion übernehmen muss, brauchen wir nunmehr jemanden, der als Wissenschaftler durchgehen kann, der in der Wissenschaft nichts zu verlieren hat, sonst macht er nicht mit, und der ein Interesse daran hat, unsere Sache zu seiner zu machen, z.B. weil er aus seiner Aufgabe seine Identität ableitet oder weil er sich erhofft, nach abgeschlossener Aufgabe mit einer Stelle belohnt zu werden, kurz, wir brauchen einen unbekannten Nachwuchswissenschaftler, den wir aufbauen  und, wenn die Sache schief geht, opfern können. Um nun sicherzustellen, dass die Heinrich-Böll Stiftung auch tatsächlich ein Haufen männerhassender religiöser Fanatiker ist, definieren wir männerhassende religiöse Fanatiker als Personen, die dem Feminismus anhängen, Maskulismus ablehnen, Maskulisten als Extreme diffamieren oder an den rechten politischen Rand rücken, und die sich in Netzwerken, wie z.B. feministischen Foren austauschen und zusammenrotten. Die so definierten männerhassenden religiösen Fanatiker finden wir in allen Schattierungen und Abstufungen auf den Seiten der Heinrich-Böll Stiftung, in den angesprochenen feministischen Foren und blogs, ja selbst in Foren von Spiegel-Online, Welt und FAZ rotten sich feministische Streiter in der definierten und männerhassenden Weise zusammen, und agitieren gegen Männer. Dies führt uns letztlich dazu festzustellen, dass die männerfeindlichen religiösen Fanatiker aus der Heinrich Böll Stiftung ein organisiertes Netzwerk unterhalten, dessen Ziel darin besteht, feministische und männerhassende Inhalte zu verbreiten und die Gesellschaft zu unterminieren. Mit dieser schrecklichen und gesellschaftgefährdenden Schlussfolgerung, die am Ende einer angemessen langen, d.h. viele Seiten füllenden Schrift (je mehr Seiten, desto gelehrter) steht, treten wir an die Presse, verkünden das Unheil, das von dem männerhassenden Kult in der Heinrich Böll Stiftung ausgeht, fordern eine Überwachung durch den Verfassungsschutz und stellen die Behauptung auf, dass die Böll Stiftung zu extremistisch ist, als dass es möglich wäre, mit den dort klumpenden männerhassenden Kultmitgliedern noch ein vernünftiges Wort zu reden. Das hat den Vorteil, dass alles, was nun aus der Böll Stiftung oder anderen, ihr verbundenen Netzwerken kommt als Beleg für diese Behauptung genommen und in Bausch und Bogen diskreditiert werden kann. Gegenmeinungen in Bausch und Bogen zu diskreditieren ist besonders wichtig, denn wir wollen ja niemanden, der hinterfragt, wie wir überhaupt zu unseren Ergebnissen gekommen sind.

Warum Manipulation nicht klappt

Ich bezweifle, dass meine Analogie bei der Heinrich Böll Stiftung zu einer Erkenntnis führt. Erkenntnis setzt Einsicht voraus und vor allem setzt Erkenntnis die Fähigkeit voraus, die Welt jenseits der rosaroten Ideologie wahrzunehmen. Dies sind Bedingungen, die bei der Böll Stiftung nicht mehr anzutreffen sind. Der ideologische Grabenkampf, der dem Stellungskrieg des 1. Weltkriegs ähnelt, ist zu tief eingegraben und die Dummheit derer, die sich im Namen der eigenen heiligen Ideologie verheizen lassen, ist einfach zu groß. Wäre dem nicht so, irgend jemandem bei der Böll Stiftung wäre zwischenzeitlich aufgefallen, dass man dann, wenn man Wissenschaft zu Legitimationszwecken missbrauchen will, zwischenzeitlich mit Widerstand rechnen muss. Im Gegensatz zu der Zeit als Ideologie noch mit Gott begründet werden konnte, und von Gott kaum zu erwarten war, dass er sich gegen seinen Missbrauch zur Wehr setzt, gibt es eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern, die es nicht mehr hinnehmen, dass ihre Profession von Ideologen missbraucht wird. Entsprechend, liebe Böll Stiftung, reicht es nicht mehr unbekannte “Nachwuchs-Wissenschaftler” zu verheizen oder freie Autorinnen, also solche, die Wissenschaft nur von außen kennen, vorzuschicken.

Das bringt mich zurück zur Bausch-und-Bogen-Strategie, von der ich oben geschrieben habe. Wer an der Magisterarbeit von Rosenbrock Kritik übt, wird in Bausch und Bogen diskreditiert. So schreibt, die angesprochene freie Autorin, Didem Ozan, “Zudem wurde Rosenbrock, der die Überschneidung antifeministischer und rechter Ideologien feststellte, selbst als Gehilfe der Rechten ausgewiesen, mit dem Argument, dass er Antifeminist…en in die Nähe von Rechten rücke und damit Rechtsradikalismus verharmlose. Als unwissenschaftlich wurde die Expertise auf sciencefiles.org verleumdet …”. Ein erbärmlicheres Zeugnis der Unkenntnis dessen, was es bedeutet, Wissenschaftler zu sein, habe ich bislang nicht gelesen. Ich will’s ein letztes Mal versuchen: Kritik, die sich z.B. in der Feststellung äußert, dass in Rosenbrocks Magisterarbeit die rudimentärsten Dinge fehlen, die ein methodisches und somit ein wissenschaftliches Vorgehen auszeichnen, hat nichts mit Verleumdung zu tun. Derartige Kritik ist das Grundelixier wissenschaftlichen Fortschritts, nur wenn Fehler beseitigt werden, kann man Verbesserung herbeiführen. Wer keine Fehler beseitigen und Kritik als Verleumdung entlegitimieren will, ist entsprechend weder an Fortschritt noch an Wissenschaft interessiert, er ist ein Feind der Wissenschaft, denn er sieht die eigene Lehre als wahre Religion, der es zu huldigen, die es aber in keinem Fall zu kritisieren gilt. Ein eindrücklicheres Zeugnis, dass zwischen der Heinrich Böll Stiftung und Wissenschaft wirklich gar nichts vermittelt, habe ich selten gelesen. Von einem angeblichen Wissenschaftler erwartet man, dass er sich mit Kritik auseinandersetzt, tut er dies nicht, dann zeigt er damit, das er kein Wissenschaftler ist und mit seinem Text ein anderes Ziel als das Ziel des Erkenntnisgewinns anstrebt, nämlich in diesem Fall die Manipulation der öffentlichen Meinung. Solange es aber noch Wissenschaftler in Deutschland gibt, die dem Kanon der Wissenschaft wie ihn z.B. Karl Raimund Popper beschrieben hat, unterschreiben, wird dieser plumpe Versuch der Manipulation nicht erfolgreich sein.

Rosenbrock II: Feministischer Plagegeist

Eigentlich hatte ich nicht vor, mich noch einmal mit der “extended version” der Magisterarbeit von Hinrich Rosenbrock auseinanderzusetzen, deren Erstellung die Heinrich Böll Stiftung bezahlt hat. Aber nachdem mir die Mentorin Rosenbrocks und Lehrstuhlbesetzerin Ilse Lenz empfohlen hat das Inhaltsverzeichnis der Rosenbrockschen  Magisterarbeit zu lesen, um zu sehen, dass den Anforderungen an die wissenschaftliche Methode Rechnung getragen wurde, habe ich mir das Pamphlet also noch einmal angesehen (Die Empfehlung wurde mir durch verlässliche Quellen übermittelt, die sich in den Hochsicherheitstrakt kämpfen konnten, in dem von männlichem Wachschutz geschützt, Rosenbrock es wagte (trotz diverser Morddrohungen, die er erhalten haben will) seine Magisterarbeit “vorzustellen” .)

Ilse Lenz, die einen Lehrstuhl für Soziologie, Soziale Ungleichheit und Geschlecht [http-Adresse “femsoz.html!] an der Ruhr Universität Bochum besetzt, ist also der Meinung, die Arbeit ihres Jüngers sei methodisch in Ordnung, und dies sei durch das Inhaltsverzeichnis belegt. Nun, das Inhaltsverzeichnis enthält tatsächlich Begriffe, die an Methoden erinnern, Diskursanalyse (entfernt), quantitative Inhaltsanalyse (schon eher), aber dann kommt, was jedem Methodiker die Haare zu Berge stehen lässt: “eine Methodenreflexion”. Methodenreflexion betreibt Rosenbrock, grauslig. Methodenreflexion, das klingt wie “geordnetes Chaos” oder anschauliches Sammelsurium, es ist, kurz gesagt, ein Widerspruch. Es gibt keine Reflexion über Methoden, in der Weise, in der Rosenbrock den Begriff der Reflexion verwendet, es gibt Überlegungen zum methodischen Vorgehen. Methodisches Vorgehen beginnt mit einer Fragestellung, damit, dass man sich überlegt, wie man die Fragestellung umsetzt und prüft. Dies umfasst dann Fragen des geeigneten methodischen Vorgehens, der Auswahl der Stichprobe, auf deren Grundlage die Fragegestellung geprüft werden soll. Dies mündet in Fragen der Operationalisierung und der systematischen Art und Weise der Auswertung des Materials und zieht die Frage der Reichweite der Ergebnisse nach sich. All diese Überlegungen stellt man an, bevor man sich ans Werk macht und reflektiert nicht im Verlauf der Arbeit und höchst auszugsweise, was man  machen könnte.

Methoden sind ein Hilfsmittel zum Erkenntnisgewinn und so wie man einen Schlüssel ins Schloss steckt, um eine Tür zu öffnen, so wendet man Methoden nach einem festen Kanon an, um an Erkenntnis zu gelangen. Natürlich hat diese deterministische Vorgehensweise für ideologische Gemüter einen Nachteil, denn so wie man nicht weiß, was hinter der Tür steht, die man aufsperren will, so weiß man bei der Anwendung von Methoden nicht, welche Ergebnisse einem erwarten. Nur wer sicherstellen will, dass er keine Überraschungen erlebt, reflektiert Methoden wie Rosenbrock das tut. Er begeht damit eine bewusste Verfälschung der Realität, er biegt sich die Realität zurecht, so dass sie in seinen ideologischen Kram passt. Und manche, wie Rosenbrock, sind dumm genug, das dann auch noch zu schreiben.

Rosenbrocks methodische Reflexionen dienen dem Ziel, “antifeministische Inhalte” aufzuspüren (Ein kapitaler Verstoss gegen die Lauterkeit wissenschaftlichen Arbeitens, denn Rosenbrock versucht zu verifizieren, setzt also voraus, dass es antifeministische Inhalte gibt, was doch eigentlich zu zeigen wäre). Wie stellt man sicher, dass man auch antifeministische Inhalte findet? Ganz einfach, man sichtet die Daten in der Weise wie Rosenbrock dies auf den rund 134 Seiten getan hat, die seinen methodischen Reflexionen vorausgehen und sucht dann nach etwas, von dem man weiß, dass es schon da ist. Tendenziell antifeministisch sind für Rosenbrock entsprechend Aussagen, die behaupten, “geschlechtsspezifische häusliche Gewalt käme gleichermaßen bei beiden Geschlechtern vor und/oder Frauenfeindlichkeit ausdrücken, z.B. in der Diffamierung aller Hausfrauen als faul. Der Code ‘antifeministisch’ wurde Kommentatoren zugeordnet, die zusätzlich … weitere antifeministische Argumentationen oder typisch antifeministische Begriffe (z.B. ‘Lila Pudel’) bzw. Links (z.B. http://www.manndat.de) enthielten” (Rosenbrock, 2012, S.138).

Damit wäre Herr Rosenbrock in jedem Methodenkurs durchgefallen. (1) Zunächst einmal basiert sein antifeministischer Code auf einem Zirkelschluss, denn er belegt das Explanandum, “antifeministisch”, mit einem anderen “Explanandum”. Dass Manndat “antifeministisch” ist, wäre gerade zu zeigen, wollte man tatsächlich eine wissenschaftliche Arbeit erstellen. Da bereits zu zeigen ist, dass Manndat “antifeministisch” ist, kann man nicht damit zeigen, dass jemand, der auf Manndat verweist, antifeministisch ist. (2) Herr Rosenbrock kann nicht zwischen einer faktischen Aussage und einer Bewertung trennen. Die Behauptung, alle Hausfrauen sind faul, ist zunächst einmal eine Faktenaussage, die man prüfen kann. Unlauter ist es, wenn man ohne die Realität zu kennen, einfach eine Aussage als richtig setzt, und Rosenbrock weiß ebenso wenig wie sonst jemand, ob alle Hausfrauen faul sind, ganz einfach weil die Prüfung einer solchen Aussage feministischem Hochverrat gleichkommt und deshalb der sozialwissenschaftlichen Selbstkasteiung unterliegt, und entsprechend noch nicht vorgenommen wurde. Ergo, ist weder möglich die Aussage, alle Hausfrauen sind faul noch die Aussage alle Hausfrauen sind nicht faul als falsch zu bezeichnen.

(3) Wer also behauptet, Frauen und Männer seien in gleichem Maße zur Gewalt fähig, ist für Rosenbrock ein Antifeminist. Die Prämisse dieser Rosenbrockschen Einschätzung ist die Mär von der reinen Magd, die nicht fähig ist, die Hand zu erheben und zuzuschlagen. Nicht einmal Priester im Zeitalter der Inquisition haben die Meinung vertreten, dass das Geschlecht über die Befähigung zur Gewalt (oder wozu auch immer) bestimme. Rosenbrock offenbart sich hier als Anhänger des nationalsozialistischen Vril-Kults, was die Frage aufwirft, was er in der Wissenschaft will bzw. das Verhältnis zwischen Rosenbrock und Lehrstuhlbesetzerin Lenz in einem seltsamen Licht erscheinen lässt, das ich hier nicht weiter ausbreiten will. Allerdings wäre es schon interessant zu wissen, wie Rosenbrock zum Thema seiner Magisterarbeit gekommen ist und welche Rolle Lehrstuhlinhaber Lenz dabei und bei der Vermittlung der Magisterarbeit von Rosenbrock als Expertise an die Heinrich Böll Stiftung gespielt hat. Findet hier etwa ein reger und lukrativer Handel mit Abschlussarbeiten statt? Und sind die Nebentätigkeiten der Universitätsleitung bekannt?

[Da ich die Aussage, Männer und Frauen stehen sich in Gewalttätigkeit nicht nach, für richtig, da empirisch belegt, erachte und somit für Herrn Rosenbrock als antifeministisch gelte, will ich – um die Gewichte richtig zu setzen und die Abnormität des Kults, zu dem Rosenbrock sich rechnet, deutlich zu machen, kurz auf eine unglaubliche Fleißarbeit im blog “zum Mannsein geboren” hinweisen, dessen Betreiber insgesamt 125 Studien zusammengetragen hat, die sich mit Gewalt von Frauen auseinandersetzen und deren Verfassen somit allesamt dem Lager der Antifeministen zuzurechnen sind. Ich muss sagen, wir Antifeministen haben eindeutige Stärken in empirischer Forschung. Und wenn jeder, der die entsprechenden Fragen empirisch erforscht als antifeministisch gilt, dann ist die Aussage von Rosenbrock, dass Antifeministen ein nur wenige Hundert Personen umfassendes Häuflein seien, nicht haltbar, vielmehr müsste man sich, angesichts der großen Zahl empirischer Forscher im In- und Ausland fragen, ob nicht der Feminismus zu einem Hort der Randständigen geworden ist – falls er je etwas anderes war.]

Wie dem auch sei, Rosenbrock wird bald feststellen, dass er lediglich eine Figur in einem Spiel ist, an dem er kurzfristig teilnehmen durfte, um die ideologischen Miesheiten zu verbreiten, die Jüngern zufallen, weil “Meister” sich für derart niedrige Arbeiten zu schade sind. Deutlich wird dies z.B. darin, dass die eigenen Pfründe der feministischen Rent seeker dadurch gesichert werden sollen, dass jeder Dialog, jede Auseinandersetzung und jede Kritik gleich in Vorhinein als Häresie abgekanzelt werden soll. Und wer ist willfährig genug, um diese schmutzige Arbeit zu leisten: Unser Herr Rosenbrock. Dr. habil Heike Diefenbach hat den Zweck der Dialogverweigerung und Diskreditierung in einem Kommentar auf diesem Blog perfekt auf den Punkt gebracht und in einen größeren Zusammenhang eingeordnet:

“In anderen Ländern wird die Parallele zwischen Rassismus und Sexismus, der von so genannten Feministinnen vertreten wird und im Staatsfeminismus abgesichert wird, ganz klar gesehen. In Frankreich haben sich auch eher linke Autoren (wie Taguieff) gegen die Verunglimpfung der so genannten Neuen Rechten durch die so genannten „Linke“ gewehrt mit dem Hinweis darauf, dass diese Verunglimpfung genau die Praxis sei, die sie an den „Rechten“ kritisieren, nämlich dass moralisiert würde und zu dem führen müsse, was doch angeblich das Programm der Neuen Rechten sei, nämlich zu Totalitarismus und Segregation:

„The idea of absolute corruption, irreversible and complete defilement, returns in anti-racist discourse against the racist enemy from whom it has been borrowed. Thus it appears as a polemical theme common to both racism and anti-racism. This has real consequences for anti-racist action: if racists are unreformable, irredeemable, stained by their sins, then only one strategy becomes available, to dispel them, to ‘neutralise’ them, in a word, segregation“ (Taguieff, zitiert nach Bonnett 2005: 173/174).

(Wer’s nachlesen möchte: Bonnett. Alastair, 2005: Anti-racism. London: Routledge.)

Was (der eher „linke“) Taguieff hier den Antirassisten vorwirft, lässt sich genauso den so genannten Feministinnen bzw. Anti-Maskulinisten vorwerfen, nämlich die Weigerung, die Argumente derer, die (aus Gründen der Vorteilsnahme) zum politischen Gegner stilisiert werden, überhaupt nur als solche zu akzeptieren und die Kommunikation mit ihnen von vornherein als nicht möglich oder unnötig (mit „so was“ spricht man nicht) zu erklären. Und genau das tut Herr Rosenbrock ja im Interview mit Friese und von Bargen, wie man auf den Internet-Seiten der Böll-Stiftung nachlesen kann. Dort sagt er:

„Eine konstruktive Debatte ist mit den von mir untersuchten Gruppen im Normalfall nicht zu führen, da sie politisch Andersdenkende in teilweise extremer Form diffamieren und keinen inhaltlichen Austausch mit ihnen suchen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sie einfach ignorieren kann. Denn trotz ihrer geringen Anzahl (auf welche Statistik sich Herr Rosenbrock hier beruft, bleibt sein Geheimnis, so wie überhaupt alle seine Behauptungen unbelegt bleiben) gelingt es ihnen immer wieder[, hier gehört ein Komma hin, liebe Leute von der Böll-Stifgung] Geschlechterdebatten zu stören und Einzelpersonen einzuschüchtern.“

Der gute Herr Rosenbrock bemerkt nicht, dass er gerade ein Argument macht, das sich gegen ihn selbst wendet: Wenn er – teilweise in extremer Form – politisch Andersdenkende diffamiert und keinen inhaltlichen Austausch mit ihnen sucht, dann ist mit ihm keine konstruktive Debatte zu führen.

Nun ja, Herr Rosenbrock ist nicht der einzige, der nicht logisch korrekt argumentieren kann, aber er ist einer der hoffentlich immer noch Wenigen, die sich dessen nicht einmal im Ansatz bewusst sind und sich dementsprechend mit der Entschlossenheit des Unwissenden um Kopf und Kragen reden, aber dennoch meinen, sie könnten für irgendetwas Experten sein (außer für die Demonstration logischer Fehler).

Er ist ja aber noch sehr jung und unerfahren, und es ist wohl einer großen Naivität geschuldet, dass er sich vor einen Karren hat spannen lassen, den er dann ganz allein aus dem Dreck ziehen darf, wenn’s im Argumentativen mangelt und dasselbe publik wird.

Bleibt noch zu klären, warum Rosenbrock sich überhaupt zu solchen Aussagen in Interviews versteigt. Hat er vielleicht den Auftrag erhalten, die Geschlechterdebatte durch unsinnige Beiträge zu stören oder Einzelpersonen einzuschüchtern?”

Kevin Fuchs sich hat in einem Beitrag für die Freie Welt ebenfalls mit der Rosenbrockschen Magisterarbeit auseinandergesetzt.
Dem Interview Rosenbrocks im WDR hat sich Zum Mannsein geboren gewidmet.

Rentendiebstahl – Gender Pension Gap zu Ungunsten von Männern

Prolog

Im großen Handbuch der Manipulation der Öffentlichkeit steht geschrieben, dass die Manipulation der Öffentlichkeit am besten dann gelingt, wenn ein erfundenes Faktum mit Affekten verbunden wird. Die Verbindung irrationaler Angst mit Atomkraft macht den Ausstieg aus der Kernenergie leicht, die Verbindung deutscher Geburt mit positiven Affekten schafft eine Zuorden-Identität für diejenigen, die von alleine keine Identität zu Stande bringen, die positive Bewertung von Solidarität führt dazu, dass man Arbeitenden in die Tasche greifen kann, um von ihrem Lohn so wichtige Dinge wie in-vitro-Fertilisation, erlebnispädagogische Urlaube von Straftätern in Neuseeland, das DJI in München oder von Bundesministern in Auftrag gegebene Studien zu finanzieren.

Gemäß der Vorgaben im Buch der Manipulation der Öffentlichkeit hat sich das BMFSFJ seit einigen Jahren bemüht, das Gender-Pay-Gap zu etablieren. Wie immer, wenn etwas als Realität etabliert werden soll, das es nicht gibt, wurde mit viel emotionalem Tamtam gearbeitet. Aktivisten und Personen des öffentlichen Lebens rühren die Werbetrommel, deren gehämmerte Meldung eintönig und stumpfsinnig von morgens bis abends lautet: Frauen erhalten weniger Lohn als Männer, und das ist ungerecht, ist ungerecht, ist ungerecht. Wer das nicht glaubt, nach Belegen fragt oder einwirft, warum, wenn das Gender Pay Gap so weit verbreitet ist, es dem Ministerium bislang nicht gelungen ist, auch nur eine Frau zu finden, die öffentlich ihre ungerechte Arbeitsentlohnung anprangert, ist ein Häretiker, ein Ungläubiger, einer, den man früher an den Pfahl gebunden und verbrannt hätte; damals als noch Geistliche die Herren über das Buch der Manipulation der Öffentlichkeit waren und der Glaube ans Jenseits etabliert war, um das Elend im Dieseits und die Zahlung des Zehnten an die Geistlichen (man lebt bekanntlich nicht vom Geist allein) zu begründen.

Das Gender Pay Gap, ist es erst einmal im öffentlichen Bewusstsein verschraubt, dient – wie der Glaube an das Jenseits – als Mittel, um materielle Vorteile zu erheischen: Plätze in Aufsichtsräten, Vorteile bei der Besetzung von freien Positionen in Unternehmen, und es verschafft der Gender Pay Aktivisten Community ein lukratives Auskommen, als Zuarbeiter von ideologischen Inhalten aller Art an das BMFSFJ. Ein solcher Zuarbeiter, Judith Flory vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik, hat im Auftrag des Bundesministeriums für FSFJ nunmehr die Mähr vom Gender Pay Gap genutzt, um eine weitere Mähr aufzusetzen, nämlich die Mähr von Gender Pension Gap.

Das erfundene Gender Pension Gap

Renten, es sei vorweggeschickt, orientieren sich an Beiträgen, jedenfalls in der Theorie, in der Praxis erhalten Mütter Erziehungszeiten angerechnet, in denen sie keine Beiträge in die Rentenkasse gezahlt haben, werden also von allen anderen Rentenbeitragszahlern mitfinanziert. Die Höhe der Rente ist eine Funktion der Höhe der eingezahlten Beiträge und der Länge der Beitragszahlung (jedenfalls bei Normalbürgern, bei Minstern, wie der Bundesfamilienministerin ist das anders, hier besteht schon nach zwei Jährchen ein üppiger Anspruch auf rund 2000 Euro Rente). Dies sei vorweggeschickt.

Der erfundene Gender Pension Gap ergibt sich nun daraus, dass Männer und Frauen, die eine Rente beziehen, die sich, wie gesagt, an der Arbeitszeit und der Höhe des Arbeitsentgelts orientiert, von Judith Flory miteinander verglichen werden. Ein Gender Pension Gap ergibt sich bei der Autorin dann, wenn Frauen weniger Rente erzielen als Männer. Diese, ich will einmal sagen, anachronistische Sicht, bei der die Vorleistungen einfach abgeschnitten werden und einzig die Ergebnisse unterschiedlicher Vorleistungen betrachtet werden (also die Rentenhöhe), führt zu einem erwartbaren Ergebnis, das sich wie folgt zusammen fassen lässt: Wer weniger gearbeitet und weniger verdient hat, erhält weniger Rente als derjenige, der viel gearbeitet und viel verdient hat. Eine solche Ungleichheit mag noch verkraftbar sein, wenn die Unterschiede sich zwischen Männern ergeben, es ist für Genderisten aber völlig intolerabel, wenn sich die Unterschiede zwischen Männern und Frauen ergeben, weshalb sie ein Gender Pension Gap erfinden.

Dieses erfundene Gender Pension Gap, definiert als die Differenz der Rentenhöhe zwischen Männern und Frauen,

  • ist in Westdeutschland deutlich größer als in Ostdeutschland;
  • ist bei Verheirateten deutlich größer als bei Geschiedenen und bei Ledigen kaum vorhanden;
  • wird mit der Höhe des Bildungsabschlusses geringer;
  • ist bei Verheirateten mit Kindern in Westdeutschland am höchsten;

All die beschriebenen Unterschiede lassen sich darauf zurückführen, dass die Rentenhöhe mit der Arbeitszeit und dem Arbeitsentgelt kovariiert und wer nicht oder nicht lange arbeitet, erhält eben eine geringere Rente als derjenige, der viel arbeitet – das gerade ist der Witz am Rentensystem. Dieser Zusammenhang fällt sogar der Autorin der Untersuchung auf, versucht sie doch zu erklären, warum verheiratete Frauen in Ostdeutschland, selbst wenn sie Kinder haben, eine höhere Rente beziehen als Frauen in Westdeutschland: “Das in den alten Ländern stark verbreitete Biografiemuster der Langzeit-Erziehenden findet sich in den neuen Ländern so gut wie nicht” (21). Das Biografiemuster der Langzeit-Erziehenden führt dazu, dass es westdeutsche Frauen im Durchschnitt gerade einmal auf 27 Beitragsjahre bringen, während ostdeutsche Frauen durchschnittlich 39 Erwerbsjahre vorzuweisen haben.

Wer nun denkt, damit sei die Kuh vom Eis, denn es ist doch klar, dass jemand, der sich gegen Arbeit entscheidet, nicht die gleiche Rente für sich reklamieren kann, wie jemand der sich nicht gegen Arbeit entscheidet, sieht sich getäuscht, heißt es doch wenige Seiten weiter: “Die bis dato vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem ungleiche Chancen zur Erwerbsarbeit und strukturelle Nachteile beim beruflichen Wiedereinstieg nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung sowie eine fehlende Kultur des Respekts vor familiärer Verantwortung in der Arbeitswelt als Hauptursache des Gender Pension Gap anzunehmen sind. Hinzu kommt, dass die langfristigen Einkommensrisiken der Kombination von Familie und Beruf, die mit dem (weitgehenden) Verzicht auf eine existenzsicherende Erwerbstätigkeit von Müttern einhergeht, einseitig zulasten fairer Einkommensperspektiven der Frauen gehen” (25).

Das schlägt dem Fass den Boden aus: Weil Mütter, die eigentlich viel lieber bei der Müllabfuhr einer geregelten Arbeit nachgingen, auf diese Tätigkeit selbstlos verzichten und sich für eine Langzeit-Erziehung von Kindern entscheiden, entsteht ein Gender Pension Gap, das wiederum dadurch beseitigt werden muss, dass den entsprechenden Müttern ihr Verzicht auf Arbeit hinreichend entlohnt wird – in Deutsch: Dass Sie höhere Renten erhalten auch wenn sie keine Beiträge leisten. Das ist Rentendiebstahl an den Beitragszahlern, und es ist der Gipfel des Zynismus wie sich zeigt, wenn man einmal kurz die Realität des Rentenbezugs zur Hand nimmt:

Das wirkliche Gender Pension Gap

Männer zahlen mehr in die Rentenkasse als Frauen und haben eine deutlich geringere Rendite als Frauen. Ein 1960 geborener Mann wird noch 1,19 Euro für jeden Euro Rentenbeitrag erhalten. Bei einer 1960 geborenen Frau werden es 1,57 Euro pro eingezahltem Euro sein. Bereits hier schneiden Frauen besser ab als Männer, gemessen am Beitrag, den Frauen einzahlen, erhalten sie eine um 32% höhere Auszahlung als Männer. Ein im Jahre 2000 geborener Mann wird für jeden Euro Beitrag, den er in die Rentenkasse einzahlt, noch 94 Cent erhalten, während eine im Jahre 2000 geborene Frau immerhin 1,21 Euro erhalten wird. Gemessen am Beitrag erhalten Frauen, die im Jahre 2000 geboren wurden, somit 47% mehr Rente als Männer. Es gibt also in der Tat ein Gender Pension Gap.

Mehr noch: Ein im Jahre 1960 geborener Mann wird im Durchschnitt noch rund 15,8 Jahre Rente beziehen, eine im Jahre 1960 geborene Frau noch rund 20,6 Jahre. Der Rentenbezug der entsprechenden Frauen fällt somit um 30% länger aus, Witwenrente wird entsprechend die Rentenbezüge der meisten Frauen und nur weniger Männer aufstocken.

Wer angesichts dieser Zahlen von einem Gender Pension Gap zu Ungunsten von Frauen faselt, muss eigentlich wegen grobem Unfug aus dem Verkehr gezogen und weggesperrt werden. Da zudem das Gender Pension Gap zwischen der Bundesfamilienministerin (bereits nach kurzer Amtszeit rund 2000 Euro Rentenanspruch) und der durchschnittlichen Rente eines Mannes, der am Ende einer 45jährigen Erwerbstätigkeit 977 Euro erhält, bereits beträchtlich ist, fordere ich die Schließung des BMFSFJ und die Nutzung der freiwerdenden Mittel, um die durchschnittliche Rente von Männern, die trotz jahrzehntelanger Arbeit nicht über 1000 Euro Rente kommen, aufzustocken.

Falls man beim Fraunhofer Institut oder beim BMFSFJ etwas über die Wirklichkeit erfahren möchte, obwohl ich daran zweifle, die Rentenrealität kann auf Grundlage der Daten des Deutschen Instituts für Altersvorsorge fast von jedem nachvollzogen werden.

 

NACHTRAG

Was genau auf Männer zukommen wird, kann man einem Vortrag entnehmen, den Eva-Maria Welskop-Deffaa, Leiterin des Bereiches Gleichstellung im BMFSFJ, auf der EU-rentenpolitischen Tagung des BMFSFJ gehalten hat. Wie auf den Seiten von ver.di im Brustton der Überzeugung, man habe Moral und Recht auf seiner Seite, verkündet wird, geht es vornehmlich um Folgendes:

“In einem weiteren Projekt wird daran gearbeitet, das Rentensplitting als Regelfall zu etablieren. Derzeit steht dem jedoch noch das bundesdeutsche Ehegatten-Güterrecht entgegen, das dazu von der Zugewinn-Gemeinschaft in eine Errungenschafts-Gemeinschaft umgewandelt werden solle. In der Diskussion wird positiv hervor gehoben, dass damit den an der Familie beteiligten Männern nahe gebracht wird, dass auch sie Konsequenzen von Familiengründung und –pflege zu tragen haben, nicht nur die Frauen. In der Diskussion wird in Frage gestellt, dass hier wiederum die Folgen privat bzw. in der Familie zu tragen sind, obwohl Familie, Kindererziehung und Pflege doch gesellschaftliche und gesellschaftlich notwendige Aufgaben sind, die eigentlich (durch Ausgleiche) von allen zu tragen sind.

Als drittes Vorhaben werden Anrechnungen von Care-Zeiten überprüft. Beispiel 1: Wie kann die rentenrechtliche Anrechnung von Pflege erleichtert und ausgeweitet werden, etwa während des eigenen Rentenbezuges? Beispiel 2: Kinderberücksichtigungszeiten sind heute nur für Eltern zugänglich, die auch Elternzeit in Anspruch genommen haben. Dies soll gelockert werden.”

Wer sich vor diesem Hintergrund als Mann noch an Fortpflanzung beteiligt ist selber schuld, denn dass ihm demnächst nicht nur Doppel- sondern Vielmehr-fachbelastung ins Haus steht, ist offenkundig.

Bundespolitik-Bestätigungs-Forschung

Wenn Sie am letzten Spieltag der Fussball Bundesliga Adam Nemec dabei beobachtet haben, wie er den Ausgleich für den 1. FC Kaiserslautern im Spiel gegen Hannover 96 erzielt hat, dann waren Sie Zeuge einer gelungen Darstellung “zivilgesellschaftlicher Beteiligung”. Gerade Personen mit Migrationshintergrund wie Adam Nemec zeigen in diesen Situationen, wie groß der “Kompetenzgewinn durch Beteiligungserfahrung” ist und heben damit die “weitreichende Bedeutung der Partizipation” hervor. Gerade bei Heranwachsenden wie Adam Nemec macht dies deutlich wie sehr “zivilgesellschaftliche Beteiligung” zur “Identitätsfindung” beitragen kann.

Zivilgesellschaftliche Beteiligung?

Nein, falsch. Ich habe einen Fehler gemacht. Derartige positive Effekte ergeben sich nicht für Nemec. Nemec wird bezahlt. Eine Bedingung dafür, die beschriebenen positiven Effekte auch ernten zu können, ist aber, dass die Tätigkeit freiwillig und “nicht auf das Erzielen eines persönlichen materiellen Gewinns gerichtet” ist. Ok. Wenn Sie schon einmal Moritz Suer dabei beobachtet haben, wie er ein Tor für die A-Jugend des VFL Hainfeld erzielt hat, dann waren Sie Zeuge einer gelungenen Darstellung “zivilgesellschaftlicher Beteiligung”. Gerade Heranwachsende wie Moritz Suer belegen immer wieder die “weitreichende Bedeutung der Partizipation” und machen durch ihr Engagement deutlich, wie sehr “zivilgesellschaftliche Beteiligung” zur “Identitätsfindung” beitragen kann.

Dieser Bombast, der aus einem Torschützen einen Darsteller zivilgesellschaftlicher Beteiligung macht, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern ein Extrakt aus einem bemerkenswert schlechten Beitrag, den Martina Gille, Johann de Rijke und Wolfgang Gaiser, allesamt Mitarbeiter des Deutschen Jugendinstituts in München, in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft platzieren konnten. Überschrieben ist der Beitrag mit “Zivilgesellschaftliche Beteiligung in der Altersspanne von 13 bis 32 Jahren – Entwicklung, Bedingungsfaktoren, Kontexte”. Die Altersspanne von 13 bis 32 ist nicht etwa willkürlich gewählt, nein, sie beschreibt die Jugendphase, die nach Ansicht der Autoren mit 13 Jahren beginnt und mit 32 Jahren endet. Mit ihrem Beitrag verfolgen die Autoren zwei Ziele: Zum einen wollen Sie Legitimation für staatliche Projekte wie den Bundesfreiwilligendienst schaffen. Zum anderen wollen Sie der wissenschaftlichen Fachöffentlichkeit zeigen, dass man allen Unkenrufen zum Trotz beim DJI doch mit Datensätzen umgehen kann. Ich will mich in diesem Blog nur mit dem ersten Ziel beschäftigen (äußerte ich mich zum zweiten, ich müsste einen neuen Blog anbauen. Aber eines muss ich doch loswerden: Liebe DJI-Datenhuber: Man rechnet keine logistische Regression weil man eine dichotome abhängige Variable hat. Es gibt u.a. inhaltliche Gründe für die Schätzung von Wahrscheinlichkeiten durch logistische Regressionen.).

Das Bundesministerium für FSFJ ist heftig dabei, seinen Bundesfreiwilligendienst zu bewerben: “Freiwilliges Engagement lohnt sich”, so liest man auf der Homepage des BMFSFJ, “[a]ls Freiwillige oder Freiwilliger sammeln Sie wertvolle Lebenserfahrung. Als Einsatzstelle profitieren Sie von engagierter Unterstützung, die Ihrer Arbeit zusätzliche Inspiration verleiht.” Und in fast identischer Formulierung, finden sich die Vorteile der nunmehr als “zivilgesellschaftliches Engagement” bezeichneten Tätigkeiten, bei den DJI-Followern des BMFSFJ: “Kompetenzgewinn durch Beteiligung” (552) spiele eine zentrale Rolle (leider verraten die Autoren nicht wobei), Partizipation habe eine weitreichende Bedeutung (552) (leider sagen die Autoren nicht wofür) und “gerade für Heranwachsende” eröffne  “das Freiwilligenengagement Gelegenheitsstrukturen für die Identitätsfindung und den Erwerb von Lebenskompetenzen” (552). Warum dies so sein sollte, wissen die Autoren offensichtlich auch nicht, und verweisen statt dessen und zum Beleg auf Veröffentlichungen des BMFSFJ und was in Veröffentlichungen des BMFSFJ steht, ist ja bekanntlich richtig – oder würde jemand daran zweifeln?

Aber, unsere drei DJI-Adepten adaptieren nicht nur, was das BMFSFJ schreibt, sie haben auch Daten, Daten, deren Erhebung das BMFSF finanziert hat, und im Gegenzug zur Finanzierung wird nun ideologischer Beistand durch das DJI erwartet. Dumm ist nur, wenn die Daten nicht taugen, um den ideologischen Bombast, der gerade beschrieben wurde, zu stützen. So können die drei Autoren nur zeigen, dass die Mitgliedschaft in Sportverein und in deutlich geringerem Ausmaß auch im Gesangverein, für Jungen wahrscheinlicher ist als für Mädchen, für Jüngere wahrscheinlicher als für Ältere , für Abiturienten wahrscheinlicher als für Hauptschüler, für Westdeutsche wahrscheinlicher als für Ostdeutsche, für Deutsche wahrscheinlicher als für Migranten, für regelmäßige Kirchgänger wahrscheinlicher als für Kirchgangverweigerer und für politisch Interessierte wahrscheinlicher als für politische Desinteressierte. Das ist mehr als banal und nichts davon ist nicht bereits in unzähligen Vorgängerstudien gezeigt worden. Das Problem dieser Art von Datenhuberei oder, vornehmer ausgedrückt, von Variablensoziologie besteht nun darin, dass man sich regelmäßig fragt, was es bringt, wenn man weiß, dass unter den Fussballspielern eine höhere Wahrscheinlichkeit gegeben ist, einen politisch Interessierten zu finden als unter denjenigen, die das Kicken von Bällen in Öffentlichtkeit verweigern. Gille, de Rijke und Gaiser können diese Frage auch nicht beantworten. Schlimmer noch, sie können nicht einmal etwas zum Kompetenzgewinn durch zivilgesellschaftliche Beteiligung beitragen, geschweige denn etwas zur weitreichenden Bedeutung von Partizipation. Wie also die Hyänen im BMFSFJ befriedigen, die die Befragung von 25.000 Personen nicht finanziert haben, um tiefgründige Einsichten über Fussballer und Vereinssänger zu erhalten?

Wie immer, wenn es darum geht, einen ideologischen Ausweg aus einer unhaltbaren Situation zu finden, steht die Variable Geschlecht bereit, um missbraucht zu werden. So auch durch Gille, de Rijke und Gaiser, die aus den oben berichteten Ergebnissen über die Wahrscheinlichkeit, Mitglied in Sport- und/oder Gesangverein zu sein, die Beachteiligung, nein den relativen (?) Ausschluss von “Mädchen und jungen Frauen” entnehmen. Dieses Ergebnis wird die BMFSFJler freuen und mit Sicherheit dazu führen, dass auch die nächste Welle der DJI-Befragung durch das BMFSFJ finanziert wird. Daran wird auch die Tatsache nichts ändern, dass die drei Autoren unvorsichtiger Weise auf Seite 556 verraten haben, dass die Nicht-Mitgliedschaft in Vereinen durch “nicht wollen” erklärt werden kann. Aber, wo die Ideologie der Benachteiligung ihr Haupt erhebt, ist kein Platz für derartig individuelle Erwägungen. Deutscher Schwulst will es, dass Glück nur in Gemeinschaft zu finden ist, und weil dem so ist, gibt es kein nicht Wollen im Hinblick auf Gemeinschaft. Natürlich will jeder und wenn dann doch eine unterschiedliche Wahrscheinlichkeit der Mitgliedschaft in Fussball- oder Gesangsvereinen besteht, dann ist das Ausschluss und dem muss entgegen gewirkt werden.

Ich muss sagen, nach dem Lesen dieses Beitrags bin ich der Meinung, zu viel Gemeinschaft ist nicht gut. Mir scheint, die enge Beziehung zwischen DJI und BMFSFJ den Horizont  der DJI-Mitarbeiter doch erheblich einzuengen, und das kommunitaristische Glucken im eigenen “Geistessaft” wirkt sich äußerst negativ auf wissenschaftliche Unabhängigkeit und Lauterkeit aus. Aber immerhin hilft es dem BMFSFJ weiterhin die eigene Ideologie mit Nachdruck und ohne Selbstzweifel zu verbreiten. Schließlich wäre zu klären, ob die Zeitschrift für Erziehungswissenschaft mittlerweile in finanzielle Abhängigkeit vom BMFSFJ geraten ist. Eine andere Erklärung für den Abdruck dieses “Beitrags” fällt mir nämlich nicht ein.

P.S. Falls jemand eine Idee hat, was die Tatsache, dass Peter Bauer im Verein am Reck turnt, mit zivilrechtlicher Beteiligung zu tun hat, auch wenn das mit dem Kopf-nach-unten-Hängen sicher mit einem Perspektivenwechsel verbunden ist, dann bitte ich denjenigen, mir doch auf die Sprünge zu helfen.

Gille, Martina, de Rijke, Johann & Gaiser, Wolfgang (2011). Zivilgesellschaftliche Beteiligung in der Altersspanne von 13 und 32 Jahren – Entwicklung, Bedingungsfaktoren, Kontexte. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 14: 551-579.

Wider das Expertisenunwesen: Wissenschaftler fordern GEW in einem offenen Brief zu Richtigstellung auf

Auf sciencefiles wurde schon mehrfach über von ihren Verfassern als “Expertisen”, “Studien”, oder “Gutachten” deklarierte Texte berichtet, die unter dem Mantel einer scheinbaren Wissenschaftlichkeit versuchen, Ideologie zu verbreiten.

Heute ist es mir eine Freude von wissenschaftlichem Widerstand gegen die regelmäßig wiederkehrenden Versuche von Politikern, Gewerkschaftern und anderen berufsmäßigen Überzeugern zu berichten.

Wissenschaftler, die ihre Profession und ihren Beruf noch erst nehmen, haben sich zusammengefunden, um mit einer bislang einmaligen Stellungnahme gegen den Missbrauch von Wissenschaft zu verwahren und ihm ein Ende zu setzen. In einem offenen Brief fordern die Wissenschaftler die GEW auf, die von der Gewerkschaft vertriebene “Studie” zum Thema “Bildung von Geschlecht” aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, die darin enthaltenen Fehler und Falschaussagen öffentlich richtig zu stellen und die Studie in keinem Zusammenhang mehr als wissenschaftliche Studie auszugeben.

Unterzeichnet wurde der offene Brief von:

  • Dr. habil. Heike Diefenbach,
  • Prof. Dr. Rainer Geißler,
  • Prof. Dr. Walter Hollstein,
  • Prof. Dr. Klaus Hurrelmann,
  • Dr. Michael Matzner,
  • Dr. Matthias Stiehler,
  • Prof. Dr. Wolfgang Tischner,
  • Dr. Alexander Ulfig,
  • und Michael Klein, M.A.(science watch)

Weitere Unterstützer des Briefes:

  • Dr. Eugen Maus
  • Arne Hoffmann, M.A.
  • Dr. Andreas Kraußer
  • Dr. Berndt Goossens
  • Burkhard Oelemann, Dipl. päd.
  • Torsten Herwig, Dipl. Wirt.Inf.
  • Dr. Bruno Köhler

Wissenschaftler, die wie die Unterzeichner, dem Missbrauch von Wissenschaft nicht mehr tatenlos zusehen wollen, können dem offenen Brief als Unterzeichner beitreten. Dazu reicht es aus, eine entsprechende Email an science watch zu schreiben.

Hier nun der offene Brief im Wortlaut:

Offener Brief an den GEW-Hauptvorstand

Im Auftrag der Max-Träger-Stiftung und unter Verantwortung von Ulf Rödde und Anne Jenter hat Thomas Viola Rieske eine Studie unter dem Titel „Bildung von Geschlecht. Zur Diskussion um Jungenbenachteiligung und Feminisierung in deutschen Bildungsinstitutionen“ erstellt. Die Studie wird von der GEW als Studie angepriesen, die „Fakten und Argumente statt vereinfachender Thesen bietet“. In ihrem Vorwort zur Studie von Thomas Viola Rieske vermittelt Anne Jenter den Eindruck, die folgenden Seiten stellten eine umfassende Analyse vorhandener Fakten dar und erhebt den Anspruch, mit der entsprechenden Analyse zu einer Versachlichung der Diskussion um die Feminisierung der Schule beitragen zu können. Demgegenüber erklärt Thomas Viola Rieske in einem Interview mit der Mitgliederzeitschrift der GEW-Berlin, Anne Jenter habe ihn angesprochen, damit er eine Studie erstelle, deren Ziel darin bestehe, „eine Position“ zur sogenannten „Feminisierungsthese“ zu finden und argumentationsfähig zu werden. Die beiden Darstellungen von Anne Jenter und Thomas Viola Rieske differieren erheblich. Jenters Vorwort zur von Rieske erstellten Studie spricht von „Fakten und Argumenten statt vereinfachender Thesen“, Rieske spricht davon, man habe eine bereits vorhandene Position begründen, also gerade keine Fakten und Argumente sammeln wollen.

Dass Rieske Recht hat, und unter dem Mantel der Wissenschaftlichkeit, eine ideologische „Studie“ vertrieben werden soll, zeigt eine Analyse der „Studie“, die Michael Klein durchgeführt hat und die unter

http://sciencefiles.org/abuse-of-science

nachgelesen werden kann.

Die Analyse erbringt nicht nur eine Vielzahl handwerklicher Fehler, die, wie Dr. habil. Heike Diefenbach in einer Stellungnahme zur Studie schreibt, sie „nicht einmal von Studierenden im Grundstudium akzeptieren würde“ oder zu denen Prof. Dr. Walter Hollstein, sich dahingehend äußert, dass er sich das markante Fehlen wissenschaftlicher Standards in der Studie nur dadurch erklären kann, dass „der Verfasser wohl sämtliche Grundkurse über wissenschaftliches Arbeiten geschwänzt hat“, die „Studie“ ist vor allem ein Sammelsurium an falschen Behauptungen, handwerklichen Fehlern, falschen Darstellungen, Auslassungen, unredlichen Darstellungen und ideologischen Interpretationen. Deshalb kann nur der Schluss gezogen werden, dass die GEW mit dieser „Studie“ nicht nur versucht, die Benachteiligung von Jungen im deutschen Bildungssystem gegen alle Wirklichkeit, weg zu interpretieren, sondern dass die GEW auch versucht, die Fakten und vorhandenen Argumente, die von vielen Wissenschaftlern unter Bezug auf empirische Daten gesammelt wurden, zu diskreditieren. Besonders perfide an diesem Versuch, wissenschaftliche Ergebnisse zu diskreditieren, ist der Versuch, dies gerade unter dem Mantel der Wissenschaftlichkeit zu tun – Wissenschaftlichkeit für die eigene „Studie“ zu reklamieren.

Die Verantwortlichen der GEW haben es bislang nicht für notwendig befunden, auf Fragen, die die Redlichkeit der „Studie“ betreffen, zu antworten. Mehrere Hunderte Emails von Bürgern, die sich u.a. über die Desinformation der Bevölkerung Sorgen machen, sind bislang unbeantwortet geblieben.

Die Unterzeichner dieses offenen Briefes wenden sich daher in aller Schärfe gegen die Versuche der GEW, ideologische Positionen als wissenschaftlich begründet oder begründbar auszugeben, wissenschaftliche Ergebnisse zu diskreditieren oder zu ignorieren und in der Öffentlichkeit ein falsches Bild über die Situation von Jungen im deutschen Bildungssystem zu erwecken. Zudem verurteilen die Unterzeichner die Ignoranz, mit der die Verantwortlichen der GEW den berechtigten Interessen vieler Bürger gegenüber stehen.

Dementsprechend fordern wir die GEW dazu auf, die „Studie“ aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, die darin enthaltenen Fehler und Falschaussagen richtig zu stellen, und es fortan zu unterlassen, die „Studie“ in irgendeinem Zusammenhang als wissenschaftliche Studie auszugeben.

Dr. habil. Heike Diefenbach,
Prof. Dr. Rainer Geißler,
Prof. Dr. Klaus Hurrelmann,
Prof. Dr. Walter Hollstein,
Dr. Michael Matzner,
Dr. Matthias Stiehler,
Prof. Dr. Wolfgang Tischner,
Dr. Alexander Ulfig,
Michael Klein (science watch)

Widerstand gegen GEW-Versuch, die Realität umzudeuten, wächst stetig! GEW bereits mit Fragen von ca. 300 Bürgern konfrontiert – Immer mehr Wissenschaftler melden sich zu Wort

Science watch update

Vielen Dank an alle, die sich bislang an der konzertierten Aktion beteiligt haben. Nach meiner Zählung sind es rund 300, die eine Email an die GEW-Verantwortlichen geschrieben haben. Die Verantwortlichen, Ulf Rödde und Anne Jenter hüllen sich allerdings weiter in beredtes Schweigen.

Unter den Mails, die mich als Referenz erreicht haben, gab es einige, die die Mailaktion zum Anlass genommen haben, sich persönlich an die GEW zu wenden. Stellvertretend für all die anderen, habe ich drei Stellungnahmen ausgewählt und mit der freundlichen Genehmigung der Autoren veröffentlicht.

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M. Hendricks schreibt:

“Insbesondere beziehe ich mich auf eine Aussage in der Studie, die wie folgt lautet:

»Jungen verlassen im Vergleich zu Mädchen die Schule häufiger mit einem niedrigeren oder keinem Schulabschluss … Jedoch sind davon hauptsächlich ein bestimmter Teil von Jungen betroffen: Jungen mit Migrationshintergrund und aus unteren sozialen Schichten…«.

Als Lehrender kann ich nicht begreifen, wie einem in den Sinn kommen kann, den Lehrauftrag für die o.g.  Personengruppe mit einem Argument abzubügeln, das dem Sinn nach »lohnt sich sowieso nicht« gleichkommt. Meine Berufsauffassung sträubt sich komplett gegen ein solches Pflichtverständnis. Die Schulen haben den unbedingten Auftrag, ihre Lehrtätigkeit neutral und ohne Gewichtung bzw. Bevorzugung von bestimmten Personengruppen (egal welcher Art) durchzuführen. Eine Aussage, die bestimmte Schüler – eben vorwiegend männliche – von Grund auf von Themen wie Förderung und persönlichem Respekt ausschließt, ist an einer öffentlichen Schule komplett fehl am Platz. Für mein Verständnis tritt hier Sozialdarwinismus in Reinform zutage. Tröstlich ist allein, dass meine Kollegen und Kolleginnen in den Schulen einem solchen hanebüchenen Unsinn überwiegend nicht folgen (von Ausnahmen abgesehen).

Ich bitte Sie daher dringend,

    • die Studie zurückzuziehen,
    • für die nicht wegzudiskutierende schlechtere Allgemeinsituation der Jungen Konzepte zu entwickeln (dies ist Ihr originärer Auftrag),
    • ideologisch – genderpolitisch – eingefärbte Steuerungsmaßnahmen abzustellen, da Sie damit lediglich eine wissenschaftlich äußerst fragwürdige und nicht verifizierbare Position einnehmen,
      – sich um eine diskutable Datenbasis zu kümmern. 

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Prof. Dr. Walter Hollstein schreibt:

“Unlängst habe ich ihre schrift “Bildung von Geschlecht” gelesen – mit dem Untertitel “zur Diskussion um Jungenbenachteiligung und Feminisierung in deutschen Bildungsinstitutionen”.

Ich war einigermassen entsetzt, dass eine angesehene Gewerkschaft eine ja nicht unbeträchtliche Summe an Geldmitteln für ein solches Machwerk investiert. Abgesehen davon, dass der Verfasser wohl sämtliche Grundkurse über wissenschaftliches Arbeiten geschwänzt hat, ist besonders der selektive Blick auf die Problematik ärgerlich. Der Autor berücksichtigt an Daten und Quellen nur das, was ihm für sein Vorhaben, die offensichtliche Jungenkrise kleinzuschreiben, dienlich ist. Die Arbeitsweise ist ideologisch statt objektiv und sachlich, wie eigentlich etwas sein sollte, das sich “Studie” nennt.

Da das ganze Projekt ja auch unter dem Label “Frauen in der GEW” firmiert, liegt der Verdacht nahe, dass es hier darum geht, die manifesten Probleme von Jungen im Bildungsbereich zu leugnen, um damit weiterhin den Fokus auf der Mädchenförderung zu belassen. Eine solche Politik ist nicht nur unehrlich, sondern auch kurzsichtig. Schon jetzt zeigen sich die auswirkungen der hohen Versagerquoten von Jungen im Bildungssystem u.a. beim Mangel von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt. Sie dokumentieren sich aber auch als allgemeine Orientierungskrise bei Sinnproblemen von Jungen, in Gewalt, zunehmendem Hooliganismus oder der hohen Suizidrate in der Pubertät.

Es ist schon makaber, wenn eine Gewerkschaft das alles nicht zur Kenntnis nimmt. Da es ja nicht nur “Frauen in der GEW” gibt, sondern auch Männer, wäre es ja vielleicht eine vornehme Aufgabe der selben, sich einmal auf aufrichtige und authentische Weise der Probleme der eigenen, heranwachsenden Geschlechtsgenossen anzunehmen.”
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Prof. Dr. Wolfgang Tischner schreibt:

“…als Wissenschaftler und Hochschullehrer kritisiere ich mit allem Nachdruck den Versuch der GEW, wissenschaftlich erwiesene Tatsachen wie die erhebliche Bildungsbenachteiligung von Jungen gegenüber ihren Mitschülerinnen in Deutschland durch eine “Studie”, die nicht den elementarsten Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens in bezug auf Korrektheit, Transparenz, Redlichkeit und logische Argumentation genügt, zu relativieren respektive zu widerlegen.

Es steht zu befürchten, daß der Ruf eines Verbandes, der solche “Studien” in Auftrag gibt und ungeprüft veröffentlicht, Schaden nehmen wird. Dies wäre um so bedauerlicher, als Gewerkschaften innerhalb einer demokratischen Gesellschaft meines Erachtens eine wichtige Aufgabe nicht nur für ihre Mitglieder, sondern für Gesellschaft und Staat insgesamt wahrnehmen.

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Konzertierte Aktion – Email-Aktion für Transparenz und gegen den Missbrauch von Wissenschaft

Science Watch needs youPrivate Unternehmen werden mit einer Fülle von Auflagen bedacht. Alles, um sicherzustellen, dass die Unternehmen sich nicht in unlauterem Wettbewerb ergehen und Verbraucher, z.B. über den wirklichen Inhalt einer Beutelsuppe täuschen.

Die OECD hat eine Reihe von Richtlinien der corporate governance erlassen, die Unternehmen einhalten müssen. Der OECD-Codex umfasst u.a. Offenlegungspflichten von Informationen. Ziel ist es auch hier, die Verbreitung falscher Informationen durch Unternehmen zu verhindern und durch wirksame Kontrolle die Effizienz der entsprechenden Unternehmen zu steigern.

Öffentliche Kontrolle und Auflagen dienen dazu, dass wichtige Informationen zugänglich sind und keine falschen Informationen von Unternehmen verbreitet werden. Diese Maßstäbe der Transparenz und Lauterkeit scheinen für öffentliche Organisationen, z.B. für Gewerkschaften wie die GEW nicht zu gelten Sie unterliegen offensichtlich keiner Kontrolle. Sie fallen unter keinen Codex, und niemand kümmert sich darum, dass die „stakeholder“ von z.B. Gewerkschafen nicht mit falschen Informationen versorgt werden.

Entsprechend hat die GEW eine Studie zum Thema „Bildung und Geschlecht“ veröffentlicht, und jeweils recht kurze Momente medialer Aufmerksamkeit haben die Verantwortlichen befriedigt. Seit die Studie aber näher untersucht wurde und dabei eine große Zahl von Fehlern, Unredlichkeiten und falschen Behauptungen zu Tage getreten ist, sind die Verantwortlichen auf Tauchstation gegangen. Schreiben von science watch an Anne Jenter und Ulf Rödde, die für die Studie verantwortlich sind, mit der Bitte, eine Reihe von Fragen, die die Studie aufgeworfen hat, zu beantworten, haben bislang nur zu dem Verweis von Ulf Rödde geführt, dass Anne Jenter hauptverantwortlich ist.

Um auch für Gewerkschaften wie die GEW die in der Privatwirtschaft seit Jahren geltenden Standards von Rechenschaft und Transparenz durchzusetzen und um zu verhindern, dass in Zukunft falsche Informationen aus dem Hause GEW als vermeintlich wissenschaftliche Studie verbreitet werden, habe ich mich dazu entschlossen, einen Aufruf zu starten.

 Ich bitte alle, die auf diese Seite kommen, sich die Zeit zu nehmen, ein Anschreiben an die GEW, in dem die Verantwortlichen, Anne Jentner und Ulf Rödde, nochmals gebeten werden, eine Reihe dringender Fragen zu beantworten, von hier herunterzuladen, den Text in eine Mail zu kopieren und die Mail an anne.jenter@gew.de und ulf.roedde@gew.de zu schicken. Bitte auch eine Kopie der Mail an science-watch@hotmail.co.uk schicken, damit ich über den Stand der Email-Aktion informiert bin. Die ganze Aktion kann nur dann gelingen, wenn sich möglichst viele daran beteiligen!

 Macht also alle mit. Sagt es weiter. Verschickt die Mail an Bekannte, damit diese sich auch beteiligen können. Es geht  darum, öffentliche Organisationen wie die GEW an den Maßstäben zu messen, die sie so gerne an andere anlegen. Es geht darum, die Wissenschaft aus den Fängen von Ideologen zu befreien, und es geht darum, durch öffentliche Kontrolle die Verbreitung falscher Informationen in Zukunft zu verhindern oder doch zumindest mit Kosten zu belegen.