Nachhaltige Indoktrination

Heute muss alles nachhaltig sein. Politik reicht nicht mehr, es muss nachhaltige Politik sein. Umweltschutz reicht schon lange nicht mehr: nachhaltiger Umweltschutz muss her. Personalkonzepte sind nur noch akzeptabel, wenn sie nachhaltig sind, nachhaltig ist der Anbau von Kakaobohnen, Marken sind sogar “top-nachhaltig“, Arbeiten als solches reicht auch nicht mehr, nur nachhaltiges Arbeiten wird belohnt, Nachhaltige Investmentfonds suchen Investoren, wer Rad fährt, fährt nicht mehr Rad, nein, er radelt für die Nachhaltigkeit und, last but not least, ist Friede nicht mehr als einfacher Friede von Wert, sondern nur noch, wenn er ein nachhaltiger Friede ist.

Go GreenDie Beispiele zeigen nachhaltig, dass Nachhaltigkeit in mannigfaltiger Weise verwendet wird und immer ist damit dasselbe Ziel verbunden: etwas durch den Zusatz von “Nachhaltigkeit” zu etwas Besserem, Wichtigerem zu machen, es vor anderen Dingen auszuzeichnen, um auf diese Weise eine nachhaltig positive Wirkung bei Zuhörern und Lesern zu erzielen. Kurz: Nachhaltigkeit ist ein Füllwort, dessen Wirkung nicht über die Kognition erfolgt, denn Nachhaltigkeit hat keine inhaltiche Bedeutung, sondern über die affektive Konnotation von Nachhaltigkeit, die dem Wort “Nachhaltigkeit” immanente Wertung, die man mit: gut, wichtig, schön, wünschenswert, richtig, hervorragend und in jedem Falle anzustreben umschreiben kann.

Dass Nachhaltigkeit ein leerer Begriff ist, zeigen auch die (pseudo-)wissenschaftlichen Versuche, den Begriff zu bestimmen:

Nachhaltigkeit, so kann man diese Anstrengungen zusammenfassen, soll alle Prozesse beschreiben, die eine Erneuerung von Ressourcen gewährleisten und einen Raubbau an Ressourcen verhindern. Diese Beschreibung nachhaltiger Entwicklung, findet sich zum Beispiel im Urtext, dem die Nachhaltigkeit entsprungen ist: dem Brundtland-Bericht. Dort wird eine nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung definiert, “die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff, 1987, S.46). Das beschriebene Kunststück, die bekannten Bedürfnisse heutiger Generationen mit den unbekannten Bedürfnissen zukünftiger Generationen in Einklang zu bringen, wird in der AGENDA 21 weitergeführt. Der Nachhaltigkeit werden nun drei Dimensionen zugewiesen, nämlich (Bolz, 2005, S.37; Rotmans & DeVries, 1997, S.10):

  • eine soziale und wirtschaftliche Dimension, die u.a. der Bekämpfung von Armut dient, Bevölkerungspolitik betreiben will und den Handel umschließt;
  • eine Dimension die die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen sicherstellen soll und u.a. die Bereiche Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik umfasst;
  • eine Dimension die auf die Stärkung der Rolle (Rechte) gesellschaftlicher Gruppen abzielt, worunter vornehmlich Minderheiten, Frauen, aber auch NGOs fallen.

Es ist jedem halbwegs in Wissenschaft Geschulten leicht ersichtlich, dass Nachhaltigkeit kein wissenschaftliches, sondern ein normatives Konzept ist, denn Nachhaltigkeit beschreibt gesellschaftliche Zustände, die aus Sicht derer, die die entsprechenden Zustände als nachhaltig beschreiben, wünschenswert sind. Warum sie das sind, wird regelmäßig nicht begründet, vielmehr werden diejenigen, die nach einer Begründung fragen, durch einen entrüsteten Appell an einen nicht näher bestimmte Verantwortung gegenüber nicht näher bestimmten Dritten oder Dingen mundtot gemacht.

Dass Nachhaltigkeit somit ein Begriff ist, der bestenfalls mit Bezug auf die Ethik bestimmt werden kann, wird spätestens dann deutlich, wenn man die Argumentation der Nachhaltigkeitsapostel umdreht und fragt:

  • Ist es nicht wichtiger das Los der derzeitig lebenden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, anstatt ihnen Einschränkungen mit Blick auf noch nicht geborene Menschen aufzuerlegen?
  • Wieso soll man bekannte Bedürfnisse lebender Generationen zu Gunsten unbekannter Bedürfnisse (noch) nicht lebender Generationen zurückstellen?
  • Warum sollen heute lebende Generationen auf einenhöheren Lebensstandard, der ihnen mögilch ist, verzichten, nur weil Berufspessimisten annehmen, dass zukünftige Generationen zu dumm sein werden, um mit den Herausforderungen, vor die sie gestellt sind, selbst fertigwerden zu können?
  • Ist es überhaupt ethisch vertretbar, von Menschen Verzicht zu fordern und ihnen ein schlechteres anstelle eines besseren Leben zu verordnen?

Dies sind nur einige Fragen, die mit dem Konzept der Lebensqualität oder Nicht-Nachhaltigkeit verbunden sind und die deutlich machen, dass Nachhaltigkeit lediglich dazu dient, moralischen Druck auf Menschen auszuüben, um sie in eine Richtung und zu Handlungen manipulieren zu können, die sie von sich aus nicht vorgenommen hätten.

overpopulationAufgabe einer Wissenschaft, die sich ernst nimmt, wäre es entsprechend den anti-emanzipatorischen Kern, den Nachhaltigkeit umschließt, deutlich zu machen und eine moralische Aufklärung zu betreiben, die Menschen nicht zu Lemmingen des Zeitgeistes macht, sondern sie darüber entscheiden lässt, ob sie sich im Sinne der Nachhaltigkeits-Apostel verhalten wollen oder nicht. Das würde natürlich voraussetzen, dass die Nachhaltigkeitsapostel ihre Argumente dafür präsentieren, warum es für derzeit Lebende einen Nutzen bringen soll, sich nachhaltig zu verhalten und diesen Nutzen auch konkret anzugeben. Anders formuliert: Die Nachhaltigkeitsapostel müssten begründen, warum die Lebensqualität der derzeit lebenden weniger wert sein soll als die Lebensqualität zukünftiger Generationen. Und schon weil ein konkreter Nutzen gefragt ist, wird man vergeblich auf entsprechende Argumente warten (schon weil Nachhaltigkeit, dann, wenn sie ernstgenommen wird, und als Reduzierung des Einflusses von Menschen auf ihre Umwelt operationalisiert wird, logisch zu der Konsequenz führt, dass man einen Geburtenstopp fordern müsste.).

Institutionalisierte Wissenschaft in Deutschland 2014 ist jedoch weit davon entfernt auch nur Spuren einer emanzipativen Auffassung der eigenen Tätigkeit zu enthalten. An die Stelle der Rationalität, die die Idee der Wissenschaft über Jahrhunderte hinweg getragen hat, tritt immer häufiger eine Irrationalität, deren Ziele gerade nicht in der Befreiung von Menschen und der Herstellung von Autonomie bestehen, sondern im Gegenteil darin, Heilsbotschaften zu verkünden, Verhaltensvorschriften zu geben oder, in anderen Worten, Inhaber wissenschaftlicher Positionen in der moralischen Überzeugung schwelgen zu lassen, sie könnten irgend etwas besser für andere beurteilen als diese selbst.

Und so ist es nicht verwundertlich, dass sich vermeintliche Wissenschaftler dafür hergeben, an einer effektiven Verbreitung der Nachhaltigkeits-Saga mitzuwirken. Ziel: “Sachwissen in den Themenfeldern der Nachhaltigkeit zu vertiefen und mit erfahrenen Fachleuten aus der Praxis (z. B. taz, SPIEGEL) die verständliche und spannende Vermittlung der Themen zu üben”. Deutlicher kann man die Tasache nicht mehr machen, dass deutsche Universitäten nicht mehr Erkenntnisgewinn zum Ziel haben, sondern klar sozial-technologische Ziele verfolgen, also dabei mitwirken wollen oder sollen, die Bürger auf den richtigen Weg zu führen, ihnen das richtige Verständnis zu vermitteln, als es in diesen wenigen Zeilen aus dem Zertifikatstudium “Nachhaltigkeit und Journalismus”, das an der Leuphana-Universität Lüneburg angeboten wird, von der wir uns zunehmend fragen, warum sie “Universität” nicht endlich durch Schule ersetzt.

nachhaltig siegelIm Zertifikatstudium, das mit dem Zertifikat “Nachhaltigkeit und Journalismus” endet, eine Auszeichnung, die man sich dann vermutlich auf den Allerwertesten tätowieren lassen darf, werden Grundlagen in “Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften”, “Nachhaltigkeitshumanwissenschaften”, in der “Nachhaltigkeitskommunikation” gelegt, in dem die “Nachhaltigkeitsforschung” der entsprechenden “Nachhaltigkeitswissenschaften” dargelegt und genutzt werden, um einen “Nachhaltigkeitsjournalismus” darauf zu gründen. Bei so viel Nachhaltigkeit muss es auch dem letzten Leser  deutlich werden, dass hier nachhaltige Kaderbildung betrieben werden soll, und zwar in Form nachhaltiger Journalisten, oder, in den Worten von Dr. habil. Heike Diefenbach, von Multiplikatoren, die wie die 12 Apostel in die Welt ziehen und die heilige Botschaft verkünden, nicht die heilige, in diesem Fall, sondern die nachhaltige Botschaft.

Das Pikante am Zertifikatsstudium der Kaderschmiede in Lüneburg findet sich unter dem Punkt “Partner”. Partner des Zertifikatsstudium, das aus Gründen der Verschleierung an einer Institution angeboten wird, die sich (noch) Universität nennt, sind:

  • Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die “treibende gesellschaftliche Kraft für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland”.
  • Die Zeitschrift GEO, des Verlagshauses Gruner und Jahr, die offensichtlich und bislang noch keine nachhaltigen Reportagen produziert.
  • Germanwatch, eine “Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt”.
  • Die Lüneburger Landeszeitung, die derzeit “31.689” nicht nachhaltige Exemplare verkauft.
  • Die taz.panterstiftung, die in Workshops “kritische Journalisten” der Art, wie man sie fast täglich in der “taz” bewundern kann, heranzüchten will.
  • Völkel Naturkostsäfte, bei denen der “Anbau von Bio-Streuobstwiesen und die Förderung von samenfesten Gemüsesorten” ganz hoch im Kurs steht.
  • Und der WWF, der “weltweit die Zerstörung der Natur und Umwelt” stoppen will, woraus man nehmen muss, dass Natur mit Umwelt nichts zu tun hat.

go green 2Die genannten Partner, deren richtige Bezeichnung wohl eher: Sponsoren wäre, machen das Zertifikatsstudium erst möglich, und entsprechend empfehlen wir das Studium der vollen Aufmerksamkeit der GEW, die im regelmäßig auf uns niederkommenden “Privatisierungsbericht”, die Einflussnahme privater Organisationen auf die Bildung beklagt. Und im vorliegenden Fall sind wir ganz und gar einer Meinung mit der GEW: Es ist höchste Zeit die Finanzierung von Zertifikatsstudien zu “Nachhaltigkeit und Journalismus” , die Einflussnahme privater Organisationen auf die Ausgestaltung von Bildung und den Missbrauch universitärer Ressourcen für Indoktrination und Manipulation zu unterbinden.

Literatur

Bolz, Hermann R. (2005). Nachhaltigkeit. Eine weitere Worthülse oder ein wirksamer Beitrag zur Verringerung der Ontologischen Differenz? Norderstedt: Book on Demand.

Hauff, Volker von (Hrsg.)(1987). Unsere gemeinsame Zukunft – Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Köln: Greven.

Rotmans, Jan & De Vries, Bert (1997). Perspectives on Global Change: The TARGETs Approach. Cambridge. Cambridge University Press.

Der Feind in unserer Mitte: Gender Studies können an Universitäten nicht mehr einfach geduldet werden

Prof. Dr. Günter Buchholz hat einen Fachartikel an der Fachhochschule Hannover veröffentlicht, der sich – folgt man der Überschrift – mit “Gender Studies – Die Niedersächsische Forschungsevaluation und ihre offenen Fragen” befasst, der sich jedoch bei Lektüre als viel umfassenderer und weitreichenderer, weil weit über Niedersachsen hinausreichender Fachartikel darstellt.

buchholzWer den Beitrag von Prof. Dr. Günter Buchholz gelesen hat, der kann, sofern ihm Wissenschaft und gesellschaftliche Prosperität am Herzen liegen, nicht mehr schweigen, der muss aufstehen und den Feind in unserer Mitte bekämpfen.

Nun, nach diesem pathetischen Anfang ist es notwendig, die Rechtfertigung für diesen pathetischen Anfang, zu liefern, damit auch dem Trägsten unter den Lehrstuhlplattsitzern in Deutschland Dampf unter dem Allerwertesten gemacht wird.

Günter Buchholz hat einen Aufhänger in seinem Beitrag, einen Bericht, der von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen als Evaluationsbericht zur “Geschlechterforschung in Niedersachsen” bezeichnet wird. Es ist dies ein klassischer Fall von Etikettenschwindel, mit dem die Öffentlichkeit absichtlich und mutwillig getäuscht werden soll, denn der Bericht und die Empfehlungen zur Geschlechterforschung ist alles, aber er ist weder eine Evaluation noch etwas, was auch nur entfernt an eine Evaluation erinnert.

Es beginnt damit, dass die Autoren des Werks, Birgit Geissler, Christina von Braun, Ineke Klinge, Birgit Riegraf, Friederike Maier und Ines Weller alle Nutznießerinnnen des Genderismus sind, d.h. auf entsprechenden Lehrstühlen für Gender Studies installiert wurden. Die Evaluation von Gender Studies oder Geschlechterforschung durch Personen, die Gender Studies oder Geschlechterforschung betreiben, gleicht somit dem Unterfangen, die Relevanz und Wirkungsweise von Astrologie durch Astrologen evaluieren zu lassen.

Logik f dummiesNun könnte man uns vorwerfen, hier ein argumentum ad hominem gemacht zu haben, denn prinzipiell ist es denkbar, dass auch Personen, die von Gender Studies profitieren, deren Einkommensquelle vom Bestand der Gender Studies abhängt, zumindest den Versuch unternehmen, die Gender Studies ansatzweise objektiv zu beurteilen. Entsprechend muss man die vermeintliche Evaluation als solche zur Kenntnis nehmen und sein Urteil begründen, um es nicht dem Vorwurf eines argumentum ad hominem auszusetzen.

Im vorliegenden Fall ist das einfach.

Evaluationsstudien untersuchen die Konsequenz von etwas. So kann man die Wirkung von Medikamenten untersuchen, in dem man die Personen, die nach Einnahme eines Medikaments gestorben sind, denen gegenüberstellt, die geheilt wurden. Man kann wissenschaftliche Fachdisziplinen, z.B. die Soziologie, im Hinblick auf ihren gesellschaftlichen Einfluss untersuchen, in dem man soziologische Forschungsergebnisse z.B. im Rahmen der Bildungsforschung zusammenstellt und untersucht, welchen Niederschlag diese Forschungsergebnisse in der Bildungspolitik gefunden haben. Das setzt natürlich voraus, dass es überhaupt Forschungsergebnisse gibt. Schließlich kann man Publikationen von Wissenschaftlern in einem Fachgebiet einer Evaluation zu Grunde legen, dieselben auf der Basis einer Reihe von Kriterien wie: empirische Bewährung, wissenschaftliche Reichweite usw. bewerten. Wie auch immer man im Rahmen einer Evaluationsstudie vorgeht, immer wird der Output bewertet, d.h. die Konsequenzen einer Forschung, deren Niederschlag, das, was man auch als Außenstehender als Ergebnis der entsprechenden Forschung wahrnehmen kann. Und selbstverständlich wird das Ergebnis mit den Kosten, die angefallen sind, um es zu erzielen, gewichtet.

Nur bei den Gender Studies und der angeblichen Evaluationsstudie aus Niedersachsen ist dies nicht der Fall. Hier versuchen die Autorinnen wie Günter Buchholz sehr klar und mit Liebe zum Detail darstellt, zu argumentieren, dass die wissenschaftlichen Kriterien, die seit Jahrhunderten genutzt werden, um den Wert einer wissenschaftlichen Forschung zu bestimmen, für Gender Studies nicht gelten. Gender Studies dürfen nicht an ihrem Output bewertet werden, vielmehr sollen Gender Studies am Input bewertet werden: Je mehr Lehrstühle für Gender Studies, desto besser. Je mehr angebliche Wissenschaftler Gender Studies betreiben, desto besser. Dies ist eine äußerst verquere Logik, die an das Verbot, die katholische Kirche zu kritisieren, erinnert, das es im Mittelalter gegeben hat.

Dazu schreibt Günter Buchholz:

“Damit wird der ministerielle Evaluationsauftrag im Hinblick auf Forschungsleistungen (Output) umgedeutet in eine Untersuchung, die zur Stärkung von Forschungs – Input-Strukturen (Stellen,Professuren, unabhängige Institute, finanzielle Mittel) beitragen soll, welche durch den Nachweis von erbrachten Forschungsleistungen weder gerechtfertigt werden können noch sollen.”

offene gesellschaft bdIIVermutlich ist Günter Buchholz hier zu nachsichtig mit dem Ministerium, das diese angebliche Evaluationsstudie in Auftrag gegeben hat. Denn, wie er selbst in seinem Beitrag feststellt, geht es vor allem darum, sich eine Legitimation dafür zurecht zu legen, Steuerzahlern weiterhin und in immer größeren Ausmaß zur Finanzierung von Gender Studies zur Kasse zu bitten, obwohl Steuerzahlern kein erkennbarer Nutzen aus Gender Studies entsteht. Statt dessen entstehen Steuerzahlern weitere Kosten, die sich mit Zerstörung von Wissenschaft und Behinderung von Erkenntnisfortschritt und Prosperität benennen lassen. Entsprechend kann man davon ausgehen, dass die angebliche Evaluationsstudie mit genau diesem Ziel beauftragt wurde.

Letztlich stellen sich die Gender Studies in der vermeintlichen Evaluations Studie als großangelegter Versuch des Nutznießens auf Kosten von Steuerzahlern dar, so dass Günter Buchholz zu der folgenden abschließenden Evaluation kommt:

“Die Politik ist aus Sicht des Autors aufgefordert, die den Staatsfeminismus ermöglichenden verfassungswidrigen Rechtsnormen aufzuheben und seine Finanzierung umgehend einzustellen; hierbei sind auch Zivilgesellschaft und Justiz gefordert.”

In kurz: Gender Studies sind der Versuch durch die unbelegte Behauptung vermeintlicher Benachteiligung von Frauen, der der Status einer sakrosankten Aussage zugewiesen wird, Steuermittel zu zweckentfremden und in die eigenen Taschen zu leiten. Dazu lagern sich Gender Studierte wie Misteln um Ministerien an, um Förderungen zu erhalten. Dazu ist es zudem notwendig, eine wissenschaftliche Legitimation vorzutäuschen, weshalb Gender Studies an Universitäten installiert wurden. Und da Gender Studies sich zu Wissenschaft verhalten wie Gift zu Gesundheit, schädigen sie die institutionalisierte Wissenschaft, machen sie ganze Fachbereiche lächerlich und führen sie dazu, dass wissenschaftliche Kriterien, für deren Einhaltung gerade in Deutschland schwer gekämpft werden musste, wieder beseitigt werden und die Willkür abermals die Hochschulen Deutschlands mit Beschlag belegt.

Diese Einschätzung ist zu pessimistisch? Sie wird den Gender Studies nicht gerecht? Nun, alle Wissenschaft ist empirisch, und deshalb testen wir unsere Thesen, d.h. nicht wir tun das, sondern Günter Buchholz, und zwar mit einer Befragung, die dazu konzipiert wurde, Gender Studies Betreibern die Gelegenheit zu geben, ihre Wissenschaftlichkeit und ihre Nützlichkeit zu demonstrieren. Die Befragung besteht aus drei Teilen und kann hier als Ganzes heruntergeladen werden.

Wir wollen uns an dieser Stelle auf Teil B beschränken, weil er der Teil ist, mit dem die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies steht und fällt. Die Fragen zur Wissenschaftlichkeit der Gender Studies sind die folgenden:

Buchholz Fragebogen

Ein Wissenschaftler, dem derartige Fragen vorgelegt werden, würde sie mit der größten Freude beantworten, zielen die Fragen doch genau auf das, was seine Wissenschaft ausmacht, die Methode, den harten Kern der Theorie, wie Lakatos dies genannt hat, die Zuordnung zu einer bestimmten Forschungsmethodologie, die Art und Weise der Prüfung von Hypothesen usw.

Entsprechend muss man erwarten, dass dann, wenn Gender Studies Betreiber Wissenschaftler sind, sie diese Fragen mit Freude und Leichtigkeit beantworten (können und wollen). Da die Fragen zudem von einem Kollegen einem Professor im Rahmen eines Forschungsprojekts gestellt wurden, ist deren Beantwortung mit um so größerer Motivation von empirisch arbeitenden Wissenschaftlern zu erwarten.

Um die Beantwortung der Fragen, wurden die folgenden Personen gebeten:

      1. RWTH Aachen, Herrn Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, Rektor
      2. Frau Prof. Dr. Tanja Paulitz
      3. Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Präsident Herr Prof. Dr. Bernd ReissertFrau Prof. Dr. Kristina Bautze
      4. Präsident der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Herrn Prof. Werner Müller-Esterl
      5. Frau Prof. Ulla Wischermann
      6. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      7. Frau Prof. Blunck
      8. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      9. Frau Prof. Raasch
      10. Genderbüro, Frau Dr. Frey,
      11. Universität Trier, Der Präsident Prof. Dr. Jäckel
      12. Frau Prof. Dr. Geier
      13. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Piveteau,
      14. Frau Dr. Ramsauer
      15. TU Berlin, Der Präsident Herr Prof. Dr. Jörg Steinbach
      16. Frau Prof. Dr. Sabine Hark
      17. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Präsident Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer
      18. Frau Prof. Dr. Nina Degele
      19. Frau Prof. Dr. Weber, Rektorin der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
      20. Herr Dr. P. Pohl
      21. Präsident der Universität Hamburg Prof. Dr. Dieter Lenzen
      22. Frau Prof. Lembke
      23. Rektor der Universität Bremen Prof. Dr. Scholz-Reiter
      24. Frau Prof. Eifler
      25. Universität Osnabrück – Der Präsident Prof. Dr. Rollinger
      26. Frau Prof. Dr. Schwarze
      27. Wirtschaftsuniversität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Badelt
      28. Frau Prof. Dr. Hanappi-Egger
      29. Universität Bern, Der Rektor Herr Prof. Dr. Täuber,
      30. Frau Prof. Dr. Schnegg
      31. Herrn Prof. Dr. Umbach, Präsident der Ostfalia – Hochschule
      32. Frau Stephanie Zuber
      33. Ruhr Universität Bochum, Rektor Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Elmar W. Weiler
      34. Frau Prof. Dr. Ilse Lenz
      35. Frau Prof. Dr. Dienel, Präsidentin der HAWK Hildesheim
      36. Frau Prof. Dr. A. Müller
      37. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      38. Frau Prof. Schirmer
      39. Präsident der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Radtke
      40. Frau Prof. Klammer
      41. Universität Gießen, Der Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
      42. Frau Dr. Hergenhan
      43. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Engl
      44. Frau Prof. Dr. Schmitz
      45. Universität Klagenfurt, Der Rektor Herr Prof. Dr. Vitouch
      46. Frau Prof. Dr. Wächter
      47. Herr Prof. Dr. Berger
      48. Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen, Frau Prof. Ulrike Beisiegel
      49. Frau Dr. Uta Schirmer
      50. Universität Bremen, Rektor Herr Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter
      51. Frau Prof. Dr. Christine Eifler
      52. Universität Oldenburg, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. B. Simon
      53. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      54. Frau Prof. Benthien
      55. Heidelberger Institut für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung,
        Frau Prof. Blaettel-Mink, Frau Dr.Kramer
      56. Universität Kassel, Der Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep
      57. Frau Prof. Dr. Tuider
      58. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Bieger
      59. Herr Prof. Dr. Steyart
      60. Technische Universität Berlin, Der Präsident Prof. Dr. Steinbach, Der Vizepräsident Prof. Dr. Thamsen
      61. Frau Prof. Dr. S. Hark
      62. Universität Graz, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. Christa Neuper
      63. Frau Prof. Dr. Angelika Wetterer
      64. Herrn Prof. Dr. Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München
      65. Frau Prof. Paula-Irene Villa
      66. Präsident der HAW Hamburg, Prof. Dr. Michael Stawicki
      67. Frau Prof. Bessenrodt-Weberpals
      68. Präsident der Universität Hamburg,Prof. Dr. Dieter Lenzen
      69. Frau Prof. Rastetter
      70. Deutsche Stiftung Frauen- und Geschlechterforschung
        Frau Dr. Dumont du Voitel,
      71. Universität Siegen, Der Rektor Prof. Dr. Burkhart
      72. Frau Prof. Dr. Moog
      73. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Loprieno
      74. Frau Prof. Dr. Maihofer

Von den verschickten Fragebögen hat Günter Buchholz insgesamt keinen einzigen ausgefüllt zurückbekommen. Mit anderen Worten: Keiner der Angeschriebenen hat an der Befragung des Kollegen Buchholz teilgenommen. Lediglich eine, der angeschriebenen hat ein intensives Telefongespäch mit Günter Buchholz geführt, das letztlich jedoch zu keinem ausgefüllten Fragebogen geführt hat. In fünf Fällen hat Günter Buchholz einen Rückruf erhalten, in dem der Angeschriebene seine “unverhohlene Empörung” zum Ausdruck gebracht hat, was wohl die Art und Weise ist, mit der Buchholz Beschimpfungen am Telefon umschreibt.

Es bleibt also festzustellen, dass Gender Studierte nicht Willens oder nicht in der Lage sind, die oben dargestellten Fragen, die jeder Wissenschaftler aus dem ff beherrschen und mit Freude für seinen Tätigkeitsbereich beantworten können muss, zu beantworten. In beiden Fällen, dem des nicht Wollens und dem des nicht Könnens muss man feststellen, dass es sich bei den Angeschriebenen offensichtlich um keine Wissenschaftler handelt.

Offene Gesellschaft BD1Vielmehr belegt die Befragung von Günter Buchholz einmal mehr in eindrücklicher Weise die Tatsache, dass Gender Studies nichts mit Wissenschaft zu tun haben, dass dann, wenn Gender Studierte um eine Legitimation oder eine wissenschaftliche Begründung für ihre Gender Studies gebeten werden, sie empört reagieren, wie dies für Anhänger eines Kultes, deren Fetisch man hinterfragt, üblich ist. In jedem Fall ist das Bemühen evident, den eigenen Tätigkeitsbereich hermetisch gegen Begutachtung und vor allem gegen eine wissenschaftliche Untersuchung abzuschirmen. Nicht zuletzt ist dies in einem Boykott-Aufruf der Befragung von Günter Buchholz deutlich geworden, den Beate Kortendiek, die dem Steuerzahler in Duisburg-Essen zur Last fällt, verbreitet hat.

Wissenschaftler haben seit dem Advent der rationalen Wissenschaft, seit Philosophen wie Francis Bacon oder Thomas Hobbes, Immanuel Kant oder Karl Raimund Popper die Emanzipation der und Begründung von Wissenschaft als empirische Wissenschaft vorangetrieben haben, einen stetigen und erfolgreichen Kampf gegen die Religion geführt, die regelmäßig versucht hat, Wissenschaft und ihre Erkenntnis zu unterbinden oder für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Die scheinbare Säkularisierung, die angeblich in modernen Gesellschaften eingesetzt hat, hat nur den Gegner im Kampf um freie Wissenschaft und freie Erkenntnis verändert: Nicht mehr Religion versucht, Wissenschaft zu verunmöglichen und freie Erkenntnis zu beseitigen, sondern Ideologie, namentlich der Genderismus, der nichts anderes ist, als die Neuauflage eines feministisch gewendeten Sozialismus.

Wissenschaftler haben nicht über Jahrhunderte gegen den Einfluss der Kirche gekämpft, um nunmehr tatenlos dabei zuzusehen, wie ein neuer Feind aus ihrer Mitte heraus, die Wissenschaft zerstört. Entsprechend ist Widerstand geboten, Widerstand gegen Genderisten und ihre vermeintlichen Studien.

Wir fordern unsere Leser dazu auf, Teil B des Fragebogens, der oben dargestellt ist und hier heruntergeladen werden kann, auszudrucken und Gender Studierte mit diesen Fragen zu konfrontieren wo sie gehen und stehen. Konfrontiert die Gender Studierten so lange mit diesen Fragen, bis sie sich nicht mehr aus ihren Büros trauen! Verlangt Antworten und macht den Gender Studierten klar, dass sie zum Geben von Antworten verpflichtet sind, schließlich werden sie von uns allen bezahlt! Und wenn sie keine Antworten zu geben in der Lage sind oder unwillig sind, Antworten zu geben, dann haben sie an Universitäten nichts zu suchen und sollten schnellstens von dort entfernt werden.

Leitlinien liberaler Bildungspolitik

Manchmal scheint ein Licht am Ende des Tunnels. Selbst im Bereich der (schulischen) Bildung gibt es flackernden Kerzenschein in Deutschland zu beobachten, flackernden Kerzenschein der es ermöglicht einen mit “Bildungspolitik in Brandenburg” überschriebenen Beitrag zu lesen. Kristina Kämpfer hat diesen Beitrag mit dem langweiligen und abschreckenden Titel verfasst und in diesem Beitrag, auf den Seiten 12 bis 19 die Leitlinien liberaler Bildungspolitik versteckt.

light tunnelVermutlich muss man Anklänge an Liberalität im Deutschland des Jahres 2014 verstecken, denn Liberale wollen den Staat stutzen, jenen Staat, der in Deutschland immer mehr Anhänger findet, weil immer mehr bei ihm beschäftigt sind oder von ihm abhängig gemacht werden – und wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Einschub: Das Wachstum des staatlichen Molochs hat mit der Mutation der Dienstleistungsbranche in ein Beraterunwesen zu tun. Die Mutation beginnt in der Regel mit der Schaffung von Studiengängen, wie dem zum Sexologen. Sexologen, werden sie erst einmal auf Menschen losgelassen, schaffen sich ihre eigene Nachfrage, indem sie neue vermeintliche Krankheiten oder Leiden definieren und sie Menschen, die nur allzu willig sind, ihre langweilige Existenz mit mehr oder weniger imaginierten Problemen anzufüllen, aufzuschäwtzen. Letztere fühlen sich existent und wichtig wenn sie leiden: crudito ergo sum. Ist die Nachfrage geschaffen, fehlt noch die Finanzierung, die, angesichts der Nachfrage, die nunmehr zum Indiz für einen Bedarf geworden ist, natürlich über die Krankenkassen erfolgt: Fast ein perfektes perpetuum mobile, mit dem sich die Mittelschicht selbst versorgt, und zwar auf Kosten der Arbeiterschicht, denn es sind Kinder aus der Mittelschicht, die Unsinn wie Sexologie studieren, und es sind eingebildete Kranke aus der Mittelschicht, die auf Kosten der Krankenkassen dieses neue Krankheitsangebot nachfragen.

Doch zurück zur liberalen Bildungspolitik von Kämpfer, deren Leitlinien wie folgt zusammengestellt werden können:

  • (1) Chancengleichheit im Zugang zu Bildung, d.h. keine Hürden beim Zugang zu Grund- und weiterführenden Bildungsangeboten.
  • (2) Bildung ist ein Bürgerrecht – Menschen haben entsprechend einen Anspruch auf Bildung. Zudem ist Bildung eine “entscheidende Komponente einer klugen Wirtschaftspolitik” (14).
  • (3) Bildung schafft Humankapital und ist entsprechend als “eine Investition in die Zukunft” anzusehen.
  • (4) Dem Staat obliegt es, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, allgemeine Standards zu definieren und den Zugang zu Bildungseinrichtungen zu sichern.
  • (5) Bildungseinrichtungen müssen selbständig und frei agieren. Sie müssen im freien Wettbewerb zueinander stehen, d.h. es muss private Bildungseinrichtungen mit denselben Rechten geben wie öffentliche Bildungseinrichtungen, sofern es letztere überhaupt gibt.
  • (6) Frühkindliche Betreuung soll in ausreichendem Maße vorhanden sein, wobei durch die Ausbildung des pädagogischen Personals für eine gewisse Mindestqualität gesorgt werden soll.
  • (7) Lehrpläne sollen abgeschafft und durch “Lernziele in Form von Mindesstandards” ersetzt werden (18).
  • (8) Die Einhaltung der Mindeststandards und die Leistungsabnahme erfolgt durch unabhängige, externe Evaluation, die von entsprechenden Service-Instutionen durchgeführt wird.
  • (9) Die Finanzierung des Bildungssystems erfolgt über Bildungsgutscheine, die bei Bildungseinrichtungen eingelöst werden können.
  • (10) Schulämter können aufgelöst werden.

School-voucherPrinzipiell kann man diesen Leitlinien, die weitgehend auf Eigenverantwortung und Wettbewerb basieren, zustimmen. Die Sicherstellung von Chancengleichheit (1) im Zugang zu Bildung ist grundlegend für eine liberale Bildungspolitik. Allerdings ist es dazu nicht notwendig, Standards durch den Staat (4) formulieren zu lassen. Es reicht, wenn über die Ausgabe von Bildungsgutscheinen (9) gewährleistet wird, dass jeder die Möglichkeit hat, sich die Bildungsinstitution auszusuchen, von der er sich die beste Leistung verspricht. Die Standards der Bildung werden sich über den Wettbewerb von selbst einstellen, ebenso wie die Qualität des Lehrpersonals, denn: Wenn Schüler und Eltern die Schule selbst wählen können, werden sie sich nach der besten Schule umsehen, der Schule mit der besten Reputation und den besten Lernergebnissen.

Damit sie das können, ist es nicht nur notwendig, die Schulen extern von Service-Institutionen evaluieren und die Leistungen der Schüler in zentralen Prüfungen durch diese Service-Institutionen abnehmen zu lassen (8), sondern auch dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse, wie dies z.B. im Vereinigten Königreich der Fall ist, veröffentlicht werden. Auf diese Weise können Eltern z.B. auf einen Blick erkennen, welches Leistungsniveau die Schüler einer Schule erzielen.

Dadurch, dass zentrale (Abschluss-)Prüfungen extern abgenommen werden, wird es auch notwendig, Lernziele festzulegen, die den Schülern bis zur Prüfung bekannt sein müssen (7). Die Lehrpläne können entsprechend entfallen. Damit der Nutzen, der mit dem Beseitigen von Lehrplänen erreicht werden kann, nicht vollständig verloren geht, ist es wichtig sicherzustellen, dass staatliche Institutionen keinerlei Zugriff auf die Lehrinhalte haben, die an Schulen vermittelt werden. Die Bestimmung der Standards und Lehrziele erfolgt durch Service-Institutionen und den Wettbewerb unter den freien und selbständig agierenden Schulen (5). Und nur so ist es möglich sicherzustellen, dass Politiker Schulen nicht weiter dazu missbrauchen, ihre Grillen auszuleben und Schüler mit politisch korrektem Unsinn zu traktieren. Insofern ist sicher auch die Abschaffung von Schulämtern (10) ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Was den angesprochenen Wertekanon angeht, so trägt die Gewährleistung eines gleichen Zugangs zu Bildung, unabhängig von der sozialen Herkunft dazu bei, dass Bildung quasi ein Bürgerrecht ist. Mehr ist nicht erforderlich, schließlich basiert Bildung auf Eigenverantwortung (3). Und wenn man, wie Kämpfer, die Eigenverantwortung von Bildung betont, dann ist es nicht so richtig einsehbar, wieso man “mangelnde Betreuungsmöglichkeiten sowie Teilzeitangebote zulasten von Frauen, … [was] anhand der niedrigeren Erwerbstätigenquote von Frauen gegenüber Männern sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland deutlich wird”, (16) beklagen sollte.

responsibilityGilt Eigenverantwortung bei der Entscheidung, sich fortzupflanzen nicht? Sollten nicht gerade Liberale die Eigenverantwortung auch in diesem Punkt betonen, anstatt in den politisch korrekten Singsang der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf einzustimmen, den Staatsfeministen seit Jahren monoton singen? Wer sich für Kinder entscheidet, dem ist doch wohl zuzumuten, die Konsequenzen seiner eigenen Entscheidung und die Einschränkungen, die sich mit dieser Entscheidung verbinden, selbst zu tragen und die Folgen seiner Entscheidung nicht von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen. Schließlich wird niemand gezwungen, sich fortzupflanzen.

Darüber hinaus haben Mütter in Arbeiterhaushalten über Jahrhunderte genau das vereint, was Mütter aus der Mittelschicht plötzlich als Vereinbarkeitsproblem entdeckt haben: Familie und Beruf, so dass man feststellen muss, dass Mütter aus der Arbeiterschicht offensichtlicht leistungsfähiger sind als Mütter aus der Mittelschicht.

Trotz dieser Kritikpunkte sind die Leitlinien liberaler Bildungspolitik ein guter Anfang; ein Schimmer am Ende des Tunnels und sicher geeignet als Diskussionsgrundlage zu dienen.

Das auch noch: Master in Prostitution (Sexologie), M.A.S.c. sex.

Nachdem wir gerade einen Beitrag über die Sex-Besessenheit von rot-grünen Abgeordneten des Niedersächsichen Landtags veröffentlicht haben, ist uns eine Pressemeldung auf den Schreibtisch gekommen, die wir mittlerweile dreimal gelesen haben, weil wir nicht glauben konnten, was da steht.

Hochschule MerseburgDie Hochschule Merseburg bietet einen “berufsbegleitenden Weiterbildungsmaster” in Prostitution (Sexologie) an. Die Fixierung auf Sexualität in Deutschland nimmt immer groteskere Züge an, aber lesen Sie selbst:

“Mit dem berufsbegleitenden Masterstudiengang erlangen zukünftige” Prostituierte “(Sexologen) eine solide theoretische Grundlage in” Prostitution (Sexologie), “auf der das anwendungsorientierte Wissen für die sexuelle Bildung und die Sexualberatung aufbaut”.

Und weiter:

“Die Hospitationen, die Praktika sowie die Fallstudien tragen zudem zu den hohen qualitativen sexologischen Fachkompetenzen der Studierenden bei.”

Und natürlich wird im neuen Studiengang an der Hochschule Merseburg auch an die vielfältigen Vorarbeiten im Bereich LGTBI angeknüpft, also im Hinblick auf die sexuellen Orientierungen von Lesben, Schwulen, Trans-, Bi- und Intersexuellen. Ein Anbieter sexueller Dienstleistungen muss heutzutage divers aufgestellt sein, ein Portfolio der Kenntnisse und Techniken beherrschen, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein:

“Im Masterstudiengang werden Studierende befähigt, …, Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer sowie LGBTI in ihrer sexuellen Gesundheit zu fördern. Kompetente und engagierte Dozierende vermitteln Kompetenzen, wie Fachkräfte mit Sorgfalt, Sensibilität und Freude, Menschen in ihrer Lebenslust und in ihrem sexuellen Wohlbefinden begleiten und beraten können.”

Im Gegensatz zu Universitäten, an denen die Theorie vorherrscht und derzeit noch Trockenkurse in wenig praxisorientierten Fächern gegeben werden, ist der neue Masterstudiengang “Prostitution” (Sexologie) an der Hochschule Merseburg dem Ansatz des learning by doing verpflichtet, nur durch praktische Erfahrung kann Exzellenz sichergestellt werden:

“Die Lehre in den verschiedenen Modulen des Studiengangs verknüpft Theorie und Praxis in einer Weise, welche es den Studierenden ermöglicht, auf einem zuverlässigen Fundament konkreten Wissens, kreative und vielfältige Instrumente für die berufliche Tätigkeit zu entwickeln. Hospitationen, Praktika, Lerngruppen, Lehrtherapie sowie Fallsupervisionen [Früher hat man die einfach Spanner genannt...] unterstützen den Erwerb professioneller Kompetenzen.”

Selbstverständlich gibt es in modernen Studiengängen keine Lehre ohne den internationalen Vergleich. Bekanntlich ermöglicht es der internationale Vergleich, die Welt aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen und darüber hinaus Kenntnisse, Fähigkeiten und Techniken zu erlernen, die zum kulturellen Schatz anderer Gesellschaften gehören:

“Die internationale Zusammenarbeit ermöglicht den Studierenden, das Fachgebiet der Sexualität aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen.”

Kritisch anzumerken, am neuen Studiengang ist jedoch, dass er keine ökonomischen Grundlagen umfasst. Bereits 14jährige lernen, wenn es nach Elisabeth Tuider von der Universität Kassel geht, dass die Führung eines Bordells nicht nur auf die Diversität der Kunden im Hinblick auf deren sexuelle Orientierung und Vorlieben Rücksicht nehmen muss, sondern auch eine ökonomische Grundlage erwirtschaften muss, die einen profitablen Betrieb gewährleistet.

Insofern sollte im vorliegenden Studiengang noch nachgelegt werden.

Wer sich trotz dieser Mängel in Merseburg einschreiben will, der kann dies unter diesem Link tun. Der Studiengang startet im Oktober und hat eine Dauer von 2,5 Jahren, d.h. fünf Semester, er endet mit einem Magister in Prositution (Sexologie) M.A.S.c. sex.

Die Studiengebühren belaufen sich auf 19.500 Euro. Eine Förderung im Programm “Sachsen-Anhalt Weiterbildung Direkt” ist möglich. Das Studium ist berufsbegleitend.

Die Seminare finden in der Regel einmal monatlich jeweils von Donnerstag bis Sonntag statt. Es handelt sich demnach um Intensivkurse.

Petition gegen rot-grüne Paranoia in Niedersachsen

An Niedersachsens Schulen herrscht ein homophobes Klima. Schwulen und Lesben-Bashing steht auf der Tagesordnung. Schon in Kindertagesstätten machen “Kinder aus Regenbogenfamilien Diskriminierungserfahrungen”. Das wissen die Mitglieder der Fraktionen des Grünen Bündnisses 90 und der SPD im Niedersächsischen Landtag. Und weil dem so ist, wollen Sie eine ganze Reihe von Gegenmaßnahmen ergreifen, um den täglichen Pogrom gegen “Kinder aus Regenbogenfamilien” und gegen lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle und intersexuelle Menschen zu verhindern.

Gruene Landtag niedersachsenDie verzweifelten Maßnahmen mit denen die niedersächsischen Kinder in Kindertagesstätten, Grundschulen und weiterführenden Schulen davon abgehalten werden sollen, lesbische, schwule, bisexuelle, transexuelle, intersexuelle und Kinder aus Regenbogenfamlien zu diskriminieren und zu verfolgen, sind in einem Antrag der Fraktion der SPD und des grünen Bündnisses niedergelegt, und sie sehen u.a. vor:

  • Lehrkräfte “für die Diversität der sexuellen und geschlechtlichen Identitäten” zu sensibilisieren.
  • Schulbücher nur noch dann zu genehmigen, wenn die Vielfalt sexueller Identitäten angemessen berücksichtigt ist.
  • Kerncurricula für alle Schüler so zu ergänzen, dass die “Existenz und Lebenswirklichkeit von Menschen verschiedener sexueller Identitäten hinreichend Berücksichtigung” findet.

Dies sind einge der Maßnahmen, die die roten grün gebündnisten Fraktionen in einem Antrag fordern und die der Niedersächsische Landtag beschließen soll. Und wenn man gelesen hat, was hier gefordert wird, dann weiß man gar nicht, wo man beginnen soll – dabei, dass die Forderung einer angemessenen Brücksichtigung ein ebenso großer Unsinn ist wie die Forderung einer rot-grünen Berücksichtigung. Angemessen ist nämlich ein Adjektiv, das ohne eine Bezugsgröße keinen Sinn macht. Und da der Text keine Bezugsgröße enthält, kann man aus “angemessen” nur dann Sinn machen, wenn man schließt, dass eine angemessene Berücksichtigung das ist, was die rot-grün Bebündisten aus 1990 für angemessen halten. Ob jedoch die Bevölkerung und vor allem die Eltern der Kinder, die derart angemessen belehrt werden sollen, der Ansicht sind, es sei angemessen bereits Kinder in der Kindertagesstätte mit dem zu penetrieren, was Rot-Grüne für angemessen halten – ist eine andere Frage, bei deren Beantwortung man die rot grüne Besessenheit mit Sexualität in Rechnung stellen muss.

Dies gesagt, stellt sich die Frage, wie die rot grünen Bündnisser dazu kommen, es für angemessen zu halten, dass bereits Kindern in der Kindertagesstätte die Vielfalt ihrer eigenen Sexualität eingetrichtert werden soll.

Die Antwort finden sich in der Begründung des Antrags, dort heißt es:

  • “Nach wissenschaftlichen Schätzungen sind 5 bis 10% aller Menschen lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell oder intersexuell. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sich in den meisten Schulklassen ein oder mehrere Kinder befinden, die homo, bi, inter- oder transsexuell sind.”

Nun, eine Schätzung ist eine Schätzung und bleibt eine Schätzung, auch dann, wenn man das Wörtchen “wissenschaftlich” davor setzt. Tatsächlich hat Dr. habil. Heike Diefenbach in einer Reihe von Beiträgen sehr klar gezeigt, dass es aus wissenschaftlicher Sicht kaum möglich ist, anzugeben, wie groß die Anteile der entsprechend sexuell Orientierten sind, da sich die meisten Studien, ob der Schwierigkeit, schwule, lesbische, inter- oder transsexuell orientierte Menschen zu finden, mit einem Trick behelfen, den auch das rot-grüne Bündnis aus 1990 im Niedersächsischen Landtag bemüht: Sie schlagen Bisexuelle den Homosexuellen zu. Warum sie das tun, bleibt unbegründet. Faktisch ist ein Bisexueller aber mindest so sehr heterosexuell wie homosexuell. Dass er ausschließlich als homosexuell gezählt wird, liegt daran, dass die Anzahl der Homosexuellen in wissenschatflichen Studien so gering ist, dass man überhaupt keine Aussagen über sie machen kann, wenn man sie nicht durch bisexuell Orientierte anreichert. Insofern ist die Schätzung von 5% bis 10% nicht heterosexueller Menschen eine sehr optimistische Schätzung.

SPD Fraktion NiedersachsenNoch besser ist allerdings der Schluss aus der nicht belegten Schätzung auf die Anzahl der homosexuellen, inter-, trans- und bisexuellen Grund-, Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten. Welcher Wahnsinn die Schreiber des Antrags hier geritten ist, kann nur vermutet werden, und wir sind zurückhaltend hier zu spekulieren. Wir wollen nur soviel sagen: Wenn man davon ausgeht, dass Intelligenz in einer Gesellschaft normalverteilt ist, ergibt sich daraus, dass gut 11% der Bevölkerung mit unterdurchschnittlicher Intelligenz ausgestattet sind. Entsprechend müssen wir annehmen, dass auch 11% derjenigen, die den Antrag von Bündnis90/rot-grün verfasst haben, nur mit unterdurchschnittlicher Intelligenz ausgestattet sind. Es steht daher zu vermuten, dass die 11% einen überproportionalen Einfluss auf die Erstellung des Antrags genommen haben.

Am besten ist jedoch der rot-grüne Biologismus: Es ist demnach biologisch determiniert ob jemand homo-, inter-, trans- oder bisexuell ist. Einmal bisexuell, immer bisexuell. Wenn man derartigen rot-grünen Unsinn liest, dann fragt man sich, waren diese Menschen in ihrem Leben jemals verliebt oder sind sie von Natur aus a-sexuell, so dass ihnen die Erfahrungen mit Sexualität, die man als normaler Mensch macht, vorenthalten bleiben. Und weil sie ihnen vorenthalten bleiben, müssen sie das, was für andere normal ist, zuerst mystifizieren und dann zur bloßen Technik, zur Anwendung von Geschlechtsteilen degradieren,  und wo man sie anwendet, ist biologisch determiniert. Wie gut, dass der biologischen Determinierung klar ist, dass sie sich nur auf die menschliche Spezies bezieht.

Aber verfolgen wir die rot-grün-gebundenen Versuche, zu argumentieren weiter:

  • “Eine Studie des Münchener Meinungsforschungsinstitutes IconKids & youth von 2002 ergab, dass 50 % der Mädchen und 70 % der Jungen in Deutschland Lesben und Schwule nicht oder überhaupt nicht gut finden. Dieser Anteil hat gegenüber 1998 sogar deutlich zugenommen.
    Dies trägt zu einem ausgeprägt homophoben Klima in den Schulen bei. In der Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes „Diskriminierung im vorschulischen und schulischen Bereich“ von 2013 wird beschrieben, dass schon in Kindertagesstätten Kinder aus Regenbogenfamilien Diskriminierungserfahrungen machen. An Schulen gehören „Schwuchtel“, „du Schwuler“ und „Lesbe“ zu den häufigsten von Kindern und Jugendlichen gebrauchten Schimpfworten. In der Studie „Diskrimi-nierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, ebenfalls von 2013, gaben 39,1 % der Befragten an, aufgrund ihrer lesbischen oder bisexuellen Lebensweise schon von anderen Kindern und Jugendlichen gemobbt worden zu sein.”

Nehmen wir einmal an, dass 2002 50% der Mädchen und 70% der Jungen in Deutschland Lesben und Schwule nicht oder überhaupt nicht gut fanden. Dann muss man feststellen, dass dies überhaupt nichts mit einem homophoben Klima zu tun hat. Denn im Gegensatz zu rot grünen Aktivisten tragen Kinder nicht unbedingt das, was sie nicht gut finden, anderen hinterher und versuchen sie zu bekehren. Und normale Menschen denken auch nicht, man müsse Schwule und Lesben gut finden, vielmehr reicht es, sie zu akzeptieren. Und wäre nicht aus demokratischer Sichtweise, die Tatsache, dass 50% der Mädchen und 70% der Jungen nicht affin für Schwiule und Lesben sind, zu akzeptieren (schon weil Rot-Grüne der Meinung sind, das sei biologisch veranlagt)? Akzeptiert man es nicht, dann ist dies ein deutliches Indiz dafür, dass man selbst von einer fixen Idee besessen ist, einer fixen Idee davon, was andere “gut zu finden haben”, einer fixen Idee, die keine abweichende Meinung zulässt und entsprechend nicht anders als als missionierender Faschismus bezeichnet werden kann.

Es ist natürlich glatt gelogen, dass 70% der Jungen und 50% der Mädchen in Deutschland “Lesben und Schwule nicht oder überhaupt nicht gut finden”, denn es gibt keine Studie, in der alle Jungen und Mädchen in Deutschland befragt wurden. Die Studien, in denen Mädchen und Jungen befragt werden, befragen zumeist um die 1000 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Die Behauptung der Rot-Grünen ist somit nicht nur eine übertriebene Verallgemeinerung, sie gehört in die Klasse der Tricks, die Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff in ihrem Buch “Lügen mit Zahlen” und in Kapitel 1 besprechen.

Gehen wir nun dazu über, die im Antrag behaupteten Fakten richtig zu stellen:

Die Behauptung, Kinder aus Regenbogenfamilien würden bereits in der Kindertagesstätte diskriminierende Erfahrungen machen, geht auf die folgende Stelle im zweiten Bericht der Antidiskriminierungsstelle zu Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben zurück.

“In der Kölner Untersuchung Wir sind Eltern. Eine Studie zur Lebenssituation Kölner Regenbogenfamilien aus dem Jahr 2011 berichten 4 % der ingesamt 177 Befragten, dass ihre Kinder diskriminierende Erfahrungen im Kindergarten gemacht haben, die sich durch das Auslachen ihrer Kinder aufgrund der häuslichen Familiensituation gezeigt hätten.”

ADSEs ist also nicht so, dass eine Studie der Antidiskriminierungsstelle zeigen würde, was behauptet wird, vielmehr berichtet der Autor der Antidiskrimierungsstelle im oben benannten Bericht von einer Studie, in der entsprechende Ergebnisse erzielt worden sein sollen. Und was ist von den Ergebnissen zu halten? Da berichten also 4% von 177 Befragten, in Zahlen 7 (sieben!) Personen, davon, dass ihre Kinder in der Schule ausgelacht wurden, weil sie aus einer Regenbogenfamilie stammen. Wir wetten, wenn man Kinder, die in der Schule ausgelacht werden, sammelt und nach den Gründen dafür sucht, dann wird man eine Vielzahl von Gründen finden, und man wird finden, dass nicht nur Kinder aus Regenbogenfamilien ausgelacht werden, und man wird sich fragen, warum es schlimmer sein soll, wenn Kinder aus Regenbogenfamilien ausgelacht werden als wenn z.B. Kinder aus Arbeiterfamilien ausgelacht werden oder dicke Kinder aus dicken Familien oder die Kinder des Bürgermeisters, der die Wahl verloren hat usw. Die Antwort, die man geben muss lautet. Es ist nicht schlimmer. Es ist derzeit nur so, dass eine Horde von Hysterikern durchs Land zieht, die denken, alles sei sexuelle Orientierung und die ihre Manie als Normalität durchzusetzen versuchen.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts sind nicht einmal 1% der Familien in Deutschland Regenbogenfamilien.

Auch die nächste Behauptung, die im Antrag und mit Bezug auf eine Studie der Antidiskriminierungsstelle aufgestellt wird, ist falsch, denn abermals ist es nicht die Antidiskriminierungsstelle, die etwas erhoben und gefunden hat, wie behauptet wird. Vielmehr steht im bereits oben zitierten Bericht der Antidiskriminierungsstelle:

“Für den Bildungsbereich gaben 72,6 % der Befragten an, aufgrund ihrer lesbischen/bisexuellen Lebensweise vergleichsweise schlechter beurteilt worden zu sein. 39,1 % waren schon mindestens einmal von Mitschüler_innen gemobbt worden (LesMigraS 2012, S. 77 ff.)” (30).

Auf Seite 83 der zitierten Studie “LesMigraS” findet sich wiederum eine Abbildung, der Prozentwerte entnommen werden können, die sich für Befragte, die angeben, von Mitschülern schon einmal, zweimal oder mehrmals ausgegrenzt und gemobbed worden zu sein, auf jene 39,1% addieren. Was die Basis dieser Aussage ist, also wie viele Personen die Grundgesamtheit bilden, auf die hier prozentuiert wurde, ist unklar. Die Menge der Befragten, von denen berichtet wird, variiert zischen 380 und 2070. Keinen Zweifel lässt indes die Formulierung der Frage zu, die es nicht erlaubt, einen Zusammenhang zwischen dem Mobbing und der sexuellen Orientierung herzustellen. Abermals versuchen die rot-Grünen im Niedersächsischen Landtag einen Eindruck zu vermitteln, der nicht gerechtfertigt ist.

Man kommt nicht umhin festzustellen, dass im rot-grünen Deutschland der Wahnsinn umgeht, es ist dies ein Wahnsinn, der manisch ist, der Homophobie wittert wo er geht und steht, der Homophobie so hochredet, dass man denkt, es gebe in Deutschland nichts anderes als homophobe Schüler, die wiederum nichts anderes zu tun hätten als nicht-homophobe Schüler zu diskriminieren. Alle Schulen in Niedersachsen sind vom homophoben Virus infiziert, weshalb sich die rot-grünen Landespolitiker aufmachen müssen, die Schulen zu retten und den tausendfach an Niedersächsischen Schulen vermuteten homo-, inter-, trans- und bisexuellen Schülern beiseite zu springen.

Nuts in BedlamEntsprechend gibt es nichts wichtigeres im Bildungssystem, als die Diversität der sexuellen Orientierung. Nichts bestimmt Menschen mehr als ihre sexuelle Orientierung, jedenfalls wenn es nach den rot-grünen Politikern geht. Die Zeiten, in denen man gedacht hat, Menschen würden durch ihr Gehirn bestimmt, sind vorbei. Es gibt wichtigeres als den Geist zu schulen: Der neue Schwerpunkt den Politiker in Niedersachsen setzen wollen, richtet den Blick zwischen die Beine der Schüler nicht mehr auf ihren Kopf. Mathematik ist nur noch richtige Mathematik, wenn sie sexuell vielfältig betrieben wird. Deutsch nur dann ein korrekter Unterricht, wenn den Bedürfnissen von Kindern aus Regenbogenfamilien Rechnung getragen wird, die offensichtlich nach Meinung der rot-Grünen eine andere Sprache sprechen. Und all diese Ausgeburten eines manischen Geistes werden in ein Bedrohungszenario verpackt, das deutsche Schulen in einem homophoben Klima verhaftet sieht, das nur kurz vor dem Konzentrationslager anzusiedeln ist.

Es ist schlicht nicht mehr möglich, rot-grüne Politiker Ernst zu nehmen. Sie haben sich durch ihre sexuelle Manie vollständig deklassiert, und man muss vermuten, dass das Herunterladen von Kinderpornographie, das einige rot-grüne Politiker betrieben haben, kein Einzelfall ist, vielmehr scheint in der rot-grünen Politikersekte eine tiefe sexuelle Deprivation vorhanden zu sein, die dazu führt, dass sie überall, wo sie gehen und stehen, Sex sehen. Derartige Politiker sind folglich ein Fall für eine geschlossene Institution, ein Fall für die Gummizelle, die genug Platz lässt, um gegen homophobe Wände vorzugehen.

Es ist ein Gebot der Stunde, gegen den Unsinn, den rot-grüne Politiker über Schülern ausgießen wollen, vorzugehen. Und dies ist genau, was mit einer Petition, die derzeit auf Change.org zu finden ist, erreicht werden soll:

“Wir lehnen die Absicht der rot-grünen Landesregierung ab, in Niedersachsen sogenannte ‘sexuelle Vielfalt’ zum Unterrichtsthema zu machen”, so der Tenor der Petition.

Wer sich der Petition anschließen und die Normalität gegen die sexuell Depriverten und Manischen verteidigen will, der kann die Petition hier unterstützen.

Niedersachsen ist kein Einzelfall. Der rot-grüne Plan, baden-württembergische Schüler mit Sexualität von kleinauf und unter dem Vorwand der Toleranz für sexuelle Vielfalt zu penetrieren, hat ebenfalls zu heftigem Widerstand und einer Petition geführt.

Wissenschaftszentrum Berlin sucht nach neuer Benennung

“Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) betreibt problemorientierte Grundlagenforschung. Untersucht werden Entwicklungen, Probleme und Innovationschancen moderner Gesellschaften. Die Forschung ist theoriegeleitet, praxisbezogen, oft langfristig angelegt und meist international vergleichend.”

WZBDies ist die Selbstbeschreibung des WZB, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, das aus Steuergeldern, 75% Bund, 25% Land Berlin oder über Drittmittel, zumeist über die Deutsche Forschungsgemeinschaft eingeworben, also ebenfalls Steuergelder, finanziert wird.

Die Selbstbeschreibung klingt nach Wissenschaft: theoriegeleitet meint: nicht willkürlich, praxisbezogen meint vermutlich: Sozialklempnerei, langfristig angelegt meint vermutlich: “Wenn wir keine Ergebnisse produzieren, dann liegt das daran, dass ihr uns zu früh nach Ergebnissen fragt!”. Langfristig werden also theoriegeleitet und praxisbezogen Entwicklungen, Probleme und Innovationschancen moderner Gesellschaften untersucht – so die Behauptung.

Um uns ein Bild davon zu machen, was sich hinter dieser als Wohlklang intendierten Beschreibung verbirgt, haben wir die Außendarstellung des WZB analysiert, die Art und Weise, wie das WZB wahrgenommen werden will.

Die Außendarstellung besteht aktuell aus sieben Themen. Aufmacher ist ein mit “Mehr väterlicher Familiensinn” überschriebener bebilderter Beitrag, der in den Kontext dessen, was wir gewöhnlich als Infantilisierung von Universitäten und Wissenschaft beschreiben, passt, den man jedoch nicht auf der Seite einer wissenschaftlichen Institution vermuten würde, die ernst genommen werden will.

Nebem dem “Mehr” an väterlichem Familiensinn (eine Überschrift, die darauf spekuliert, dass das “Mehr” bei Lesern aufgrund seiner Konnotation zu Familiensinn, einen positiven Affekt auslöst, weil Familiensinn doch gut ist), gibt es einen Hinweis darauf, dass das WZB als “familienfreundlicher Arbeitgeber bestätigt” wurde, einen Hinweis auf einen Beitrag über China, der sich mit den Kosten, nicht etwa mit dem Nutzen des Aufstiegs eines Landes beschäftigt, in dem noch vor wenigen Jahrzehnten Hungersnöte normal waren. Es gibt einen Hinweis auf den Jahresbericht 2013 und einen Aufreger, denn: “Nicht alle Geschwister beteiligen sich an der Pflege der Eltern”. Auf eine Plattform zum Thema Bildung wird verwiesen, und man kann die Behauptung bewundern, dass “Wer sich arm fühlt”, auch eher krank wird.

Klassifiziert man diese sieben Beiträge, dann muss man zunächst einmal feststellen, dass von theoriegeleiteter oder gar problemorientierter Grundlagenforschung weit und breit nichts zu sehen ist, was natürlich daran liegen kann, dass beides langfristig angelegt ist. Da es das WZB erst seit 1969 gibt, ist es vielleicht noch zu früh, die Ergebnisse der problemorientierten Grundlagenforschung zu publizieren. Nein, das ist ungerecht, schließlich haben wir nur eine Querschnittsanalyse ausgeführt, so dass wir nur irritiert feststellen können, dass die Betonung beider, der theoriegeleiteten Forschung und der problemorientierten Grundlagenforschung sich nicht im Beobachtungszeitraum niederschlägt.

WZB PresseAllerdings kann man der Querschnittsanalyse eine klare Schwerpunktsetzung der Außendarstellung entnehmen: Vier soziale Themen, stehen einem Beitrag über China, der der Transformationsforschung zuzurechnen ist, und zwei Hinweisen auf einmal einne Plattform zum Thema Bildung und den Jahresbericht 2013 des WZB gegenüber.

Die vier sozialen Themen widmen sich ausnahmslos Themen, die der politisch korrekte Zeitgeist vorgibt, wobei man nicht genau weiß, ob man lachen oder weinen soll, wenn die “WZB-Ökonomin Maja Adena” erklärt, dass “[w]er wenig Geld hat”, eher krank wird und dann weiß, dass als “arm … aber auch gelten [kann], wer sich arm fühlt”.

“Ältere Menschen, die sich selbst als arm einschätzen, erkranken deutlich häufiger (38 Prozent) und erleiden eher einen gesundheitlichen Rückschlag (48 Prozent). Auch die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben, ist bei ihnen weitaus höher – bei Männern dieser Altersgruppe um 40 Prozent.”

Nun wissen Wissenschaftler schon seit vielen Jahren, dass subjektive Einschätzungen eher ungeeignet sind, um Lebensereignisse wie Krankheit und Tod zu erklären (so wie sie wissen, dass relative Armut und bestimmte körperliche Tätigkeiten, die auf die Gesundheit gehen, mit einander verwoben sind), denn irgendwie hat man Probleme, sich einen Menschen vorzustellen, der sich z.B. angesichts einer Lungenentzündung für gesund erklärt. Zudem stellt sich die Frage, was man eigentlich misst, wenn man Menschen ihre Armut einschätzen lässt. Einschätzungen sind eben subjektiv, und selbst Dagobert Duck war zeitlebens der Ansicht, arm zu sein.

Insofern sind die angeblichen Ergebnisse so nutzlos wie die Prozentzahlen, die so verloren im obigen Zitat stehen und die besonders einsam sind, weil ihnen keine Bezugsgruppe gegönnt wurde: Diese soziale Kälte gegenüber Prozentzahlen hat uns veranlasst die Aktion: “Jede Prozentzahl hat eine Recht auf eine Basis” ins Leben zu rufen. Wer allein umher irrende Prozentzahlen findet, kann sie in Zukunft bei uns abgeben, wir fahnden denn nach der zugehörigen Basis.

Wer sich bislang noch nicht schlecht fühlt, angesichts der problemorientierten Grundlagenforschung, dem kann geholfen werden, z.B. durch die Raben-Kinder, denen ein weiterer Beitrag politischer Korrektheit gewidmet ist. Die bei deratigen Themen resultierende Entrüstung wird von Marcel Raab, Henriette Engelhardt und Thomas Leopold wie folgt verbalisiert:

“Die Mütter werden in erster Linie von den Töchtern gepflegt. Söhne sind nach wie vor seltener bereit, die Pflegearbeit allein zu leisten. In Familien ohne Töchter teilen sich mehrere Brüder die Pflege häufig untereinander auf.”

ideology of social problemsDie operativen Worte hier lauten: “nach wie vor”, sind diese Söhne also seltener bereit, die Pflegearbeit alleine zu leisten. Vielleicht denken diese Söhne, sie seien dazu nicht qualifiziert. Vielleicht denken sie, sie müssten ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir werden es nicht erfahren, denn derartige, nach unserer Ansicht intersektional inspirierte und noch dazu naheliegende Erwägungen wurden in der nicht problemorientierten nicht-Grundlagenforschung nicht berücksichtigt. Statt dessen trifft das Risiko, pflegen zu müssen, das im Text in ironischen Anführungszeichen steht, Geschwister, die näher bei den zu Pflegenden leben. Besonders schlechte Karten haben Kinder, die im Haushalt der zu Pflegenden leben und diejenigen, die von ihren Eltern als potenzielle Pfleger benannt wurden.

Und so lernen wir aus dieser nicht-problemorientierten nicht-Grundlagenforschung, dass es besser ist, so weit wie möglich vom Wohnort der Eltern entfernt zu leben, um Pflegeverpflichtungen, wie sie die neue politische Korrektheit für Kinder postuliert, zu entgehen.

Ein besonderes Kleinod politisch korrekter Forschung liefert Mareike Brünning, die herausgefunden hat, dass schon zwei Monate Elternzeit bei Vätern dazu führen können, dass sie ihre Arbeitszeit nach Ende der Elternzeit um eine Stunde pro Werktag reduzieren, ja selbst ihre Freizeit. Die selbst-nach-zwei-Monaten-Elternzeit-Legitimations-Forschung ist notwendig geworden, weil Väter sich bislang mehrheitlich weigern (75% aller Väter, die Elternzeit nehmen, nehmen die Minimumzeit von 2 Monaten), mehr als zwei Monate ihrer Arbeit fern zu bleiben. Alle Propaganda scheint der Tatsache, dass Männer in der Regel die Hauptverdiener sind und ihre Frauen das ratioanler Weise auch so sehen, machtlos gegenüber zu stehen.

Auch dem Brünningschen Beitrag fehlt nicht die vorgegebene Entrüstung, denn: Männer, die zwei Monate in Elternzeit gehen, beteiligen sich anschließend nicht intensiver an Hausarbeiten als davor. Ob sich Frauen nach einer kurzen Phase der Erwerbstätigkeit intensiver an der Pflege und Wartung des eigenen Autos, an kleineren Reparaturen, wie sie im Haus anfallen oder am Schleppen von Wasserkästen beteiligen, wurde in dieser ideologiegeleiteten Forschung nicht erforscht. Das war auch nicht zu erwarten, denn der sozialen Kälte, die einsamen und ohne Bezugsgruppe verbleibenden Prozentzahlen entgegen gebracht wird, entspricht die abweisende Haltung gegenüber sozialen Beziehungen wie sie z.B. zwischen Ehepartnern bestehen und  generell nicht berücksichtigt werden. Beide, Prozentzahlen und soziale Beziehungen, sind somit Objekte, die man in wissenschaftliche Pflege nehmen und denen man mit viel psychiologischem Aufwand über das Leid ihrer Vernachlässigung, ja Diskriminierung hinweghelfen muss.

In einer Hinsicht ist die ideologiemotivierte Auftragsforschung von Brünning jedoch wichtig. Wenn zuftreffen sollte, dass Männer bereits nach zwei Monaten Elternzeit mit dem Virus außerberuflicher Trägheit infiziert sind und ihre Anstrengungen am Arbeitsplatz reduzieren, dann wird es für Arbeitgeber notwendig, den Fortpflanzungswunsch bei Einstellung zu berücksichtigen. Denn es macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn, dieselben Ressourcen und Mittel in Bildung und Weiterbildung von Mitarbeitern zu investieren, die planen, sich in Elternzeit zu verabschieden und anschließend nicht mehr mit voller Kraft zu arbeiten, die in Mitarbeiter investiert werden, die dies nicht planen.

Die Außendarstellung des WZB ist, so kann man diese kurze Analyse zusammenfassen, von politischer Korrektheit geprägt. Man hat den Eindruck, es handle sich beim WZB um eine Außenstelle des Ministeriums für FSFJ, denn die behandelten Themen sind weitgehend identisch: Jammern über die vermeintliche Doppelbelastung von Frauen, das Anpreisen staatlicher Angebote, die dazu dienen, Menschen in vorgegebene Lebensstile einzuweisen, und der Grundtenor, dass Männer ohne staatliche Bemaßnahmung zu wenig Hausarbeit, zu wenig Kinderbetreuung, zu wenig Vatersinn, zu wenig Pflegebereitschaft haben, überhaupt alles zu wenig sind und haben, was politisch korrekter Weise als wertvoll erachtet wird, ist beiden gemeinsam. Was in beiden Fällen fehlt, ist die Klage über die fehlende Bereitschaft vieler Frauen, sich ein ganzes Arbeitsleben lang ihrem Beruf in Vollzeit zu widmen, Überstunden zu machen, um die eigene Familie zu unterhalten oder gar den Wunsch, sich als Mutter zu verwirklichen auf den Zeitpunkt zu vertagen, ab dem sie  es sich aus eigener Kraft leisten können – aber auf einen solchen Gedanken kann man natürlich nur kommen, wenn man theoriegeleitet und wertfrei vorgeht.

Seit Jutta Allmendinger das WZB leitet, ist es mehr und mehr zu einer ideologischen Anstalt im Dienste der Bundesregierung verkommen. Problemorientierte Grundlagenforschung ist weit und breit nicht zu sehen. Was innovativ an Forschung sein soll, die ein Pflegerisiko für Kinder berechnet und bei der herauskommt, dass diejenigen, die den größten Teil zum Einkommen ihrer Familien beitragen, nämlich die Söhne, in der Regel nicht bereit sind, die wirtschaftliche Existenz ihrer Familien für die Pflege ihrer Eltern zu opfern, ist nicht klar.

Und welche Theorie kann wohl hinter einer Forschung stehen, die untersucht, welche Konsequenzen sich einstellen, wenn Väter zwei Monate in Elternzeit gehen? Eine Humankapitaltheorie, die den Zerfall des Humankapitals bei den entsprechenden Vätern vorhersagt und prüft? Eine Equity-Theorie, aus der folgt, dass Männer, wenn sie erst einmal gesehen haben, dass es mit der behaupteten Doppelbelastung nicht weit her ist, selbst auch weniger bereit sind, in Arbeit zu investieren und sich ausnutzen zu lassen? Selbstverständlich wurde keine dieser Theorien geprüft, sie würden dem von Brünning phantasierten “väterlichen Familiensinn” widersprechen. Und dieser “väterliche Familiensinn”, der als positiver Wert am Ende der Forschung stehen soll, zeigt auch, dass es sich nicht um theorie- sondern um ideologiegeleitete Forschung handelt – Forschung, die sich im WZB unter Allmendinger leider in ständig steigender Penetranz findet.

Dazu passt, dass man beim WZB nun stolz ist, als familienfreundlicher Arbeitgeber bestätigt zu werden. Einst war man froh, einen Sir Ralf Dahrendorf als Gastwissenschaftler gewonnen zu haben. Heute ist man froh, familienfreundlich zu sein. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung ist zum Verweilzentrum Berlin für Kinderbetreuung geworden. Gesucht ist daher eine Bezeichnung, die den irreführende Zusatz Wissenschaftszentrum” beseitigt.

Vielleicht findet ja einer unserer Leser eine bessere Bezeichung für das WZB.

Gesucht: Ein Depp vom Dienst

“Am Institut für Soziologie, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, ist ab sofort befristet bis 30. September 2015 die ganze Stelle einer

Depp vom Dienst Giessen

Lehrkraft für besondere Aufgaben

gemäß §§1 ff WissZeitVG zu besetzen. Bei Vorliegen der tariflichen Voraussetzungen erfolgt die Vergütung nach Entgeltgruppe 13 Tarifvertrag Hessen (TV-H).”

So beginnt eine Ausschreibung der Justus-Liebig-Universität in Giessen, der man entnehmen muss, dass Universitäten in Deutschland nicht nur zunehmenden infantilisiert und entprofessionalisiert werden, nein, sie werden auch zu Anstalten einer modernen Form des Sklavenhandels, in denen eine neue Stufe der Zusatzqualifikation eingeführt wird, die man getrost als Ausbeutung bezeichnen kann.

So soll die Lehrkraft für besondere Aufgaben, die an der Universität Gießen gesucht wird, 14 Lehrveranstaltungsstunden pro Woche leisten, und somit 6 mehr als ein ordentlicher Professor. 14 Lehrveranstaltungsstunden, das sind in der Regel 2 pro Seminar, was die Notwendigkeit mit sich bring, 7 Themen zu finden, auszuarbeiten, auf rund 12 Sitzungstermine und ihre Unterthemen zu verteilen, entsprechend Literatur zu suchen, Aufgabenstellungen zusammenzutragen, Themen für Referate oder sonstige studentische Beiträge zu bestimmen und, schließlich, Klausurfragen zusammenzutragen. Eine derartige Verpflichtung kann nur erfüllen, wer die quantitativen Ansprüche, die an ihn gestellt werden, mit einer geringeren Qualität als möglich oder notwendig, verbindet.

Deshalb: “Lehrkraft für besondere Aufgaben” – dass soll vermutlich wie eine Auszeichnung – “besondere Aufgaben” eben – klingen, damit der arme Schlucker, der sich davon blenden lässt, eine Möglichkeit hat, die kognitiven Dissonanzen, die sich angesichts seiner Ausbeutung bei ihm zwanglsäufig einstellen müssen, zu verarbeiten.

Gleichzeitig macht die enorme Anzahl an Lehrstunden, die die Lehrkraft für besondere Aufgaben zu leisten hat, einen Verfall der Bedeutung von Lehre deutlich, der zur Entprofessionalisierung passt, die an Universitäten allenthalben zu beobachten ist.

Eigentlich sind Professoren diejenigen mit der höchsten Lehrbelastung: 8 Semsterwochenstunden Lehre sieht ihr Deputat vor. Sie waren deshalb die am stärksten mit Lehrverpflichtung Belasteten, weil man davon ausging, dass ein Professor mehr von seinem Feld versteht, als ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und insofern befähigter ist, Lehrveranstaltungen zu halten als ein wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Ob diese Annahme zutrifft, ist eine gänzlich andere Frage – zumal Programme wie das Professorinnenprogramm alles tun, um dafür Sorge zu tragen, dass Professoren die Unwissenheit ihrer Studenten weitgehend teilen, als Form intellektueller Gleichstellung gewissermaßen. Aber, angesichts von mehr Berufsjahren und entsprechend mehr Zeit, Erkenntnis zu sammeln, ist es auch derzeit noch nicht völlig abwegig davon auszugehen, dass Professoren in der Regel mehr Kenntnisse und Wissen haben als wissenschaftliche Mitarbeiter.

Nun scheint jedoch in der post-Bologna Ära  an Universitäten ein Lehr-Notstand eingetreten zu sein, der dazu geführt hat, dass man billige Arbeitskräfte, Lehrsklaven in diesem Falle, einsetzen muss, um den Lehrverpflichtungen, die eingegangen wurden, Herr zu werden. Lehrsklaven zeichnen sich dadurch aus, dass sie 75% mehr Lehrdeputat haben als Professoren und in der untersten Gehaltsstufe ihrer Gehaltsgruppe (E13) 65% weniger verdienen (Grundgehalt) als ein Professor mit W3 Besoldung, also 25.076 Euro netto pro Jahr (2009 Euro pro Monat) im Vergleich zu 49.142  Euro netto bzw. 49% weniger als ein Professor mit W2 Besoldung, d.h. 25.076 Euro netto im Vergleich zu 45.002 Euro netto pro Jahr.

Man sieht, für Verwaltungen ist der Depp vom Dienst, der nun als Lehrkraft für besondere Aufgaben bezeichnet wird, ein Segen, kann man doch die Anzahl der angebotenen Lehrveranstaltungen erhöhen und gleichzeitig die Kosten senken.

exploitation2Aber: Lehrsklave für besondere Aufgaben kann man nicht einfach so werden. Nein. Gesucht ist eine eierlegende Wollmilchsau, die (1) “pädagogisch geeignet” ist, (2) ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Sozialwissenschaften oder Soziologie hat, (3) über mehrjährige universitäre Lehrerfahrung verfügt, (4) im Team arbeiten kann, (5) ein Interesse an Weiterqualifikation mitbringt und (6) “an die Themenfelder Migration, Finanzökonomie, Gender, Bildung, Medien oder Gewalt” anschlussfähig ist.

Wenn Sie also ein Studium abgeschlossen haben, sich für pädagogisch geeignet halten, bereits jahrelang an Universitäten gelehrt haben und in Migration, Finanzökonomie, Gender, Bildung, Medien oder Gewalt anschlussfähig sind, woran auch immer und wie auch immer, wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie sich als Depp vom Dienst qualifizieren und es ihnen gegeben ist, diese Tatsache als “besondere Lehraufgabe” zu verfremden, dann bewerben sich sich bitte unter Angabe des Aktezeichens 382/78427/03 mit den üblichen Unterlagen und bis zum 14. August 2014 beim Präsidenten der Justus-Liebig-Universität Gießen, Erwin-Stein-Gebäude, Goethestraße 58, 35390 Gießen. Deppinnen vom Dienst und Kinderbesitzer werden natürlich bei gleicher Willigkeit, sich missbrauchen zu lassen, vorgezogen.

Wer nicht anschlussfähig ist und, wem mehr nach einem Jahresgehalt von 147.072 Euro der Sinn steht, der kann sich als Mitglied des Europäischen Parlaments bewerben. Bewerbungen nimmt jede Partei entgegen. Für die Migliedschaft sind keinerlei Kenntnisse, kein abgeschlossenes Studium, keine universitäre Lehrerfahrung und keinerlei Bereitschaft zur Weiterqualifikation erforderlich. Es genügt, den Mund aufreißen und Unsinn erzählen zu können.

Die Versklavung von Wissenschaftlern wäre doch nun wirklich etwas, um das sich Gewerkschaftler wie Herr Körzell kümmern müssten, schließlich behaupten die Körzells dieser Welt doch die Rechte der Arbeitnehmer zu vertreten, wenn sie nicht gleich die Rechte der Armen gegen die, wie sie sagen: Heuschrecken dieser Welt verteidigen. Doch: Man hört keinen Körzell sich gegen in seiner Diktion: Heuschrecken wenden, die arme wissenschaftliche Mitarbeiter ausbeuten. Kein Körzell regt sich darüber auf, dass die Ausbeutung mit einem fast sittenwidrig zu nennenden Entgelt einhergeht. Ob Herr Körzell einfach zu feige ist, hier die gleichen großen Töne anzuschlagen, die er anschlägt, wenn der Adressat seiner Ausfälle durch Landesgrenzen von ihm getrennt ist oder ist er einfach kein Vertreter deutscher Arbeitnehmer, so dass ihn die Ungerechtigkeiten des deutschen Entgeltsystems wie es derzeit an Universitäten herrscht, nicht interessieren.

Politik der Schadensbegrenzung – Feminismus und familiengerechte Hochschule

Es könnte sein, dass wir falsch liegen.

Ja, wirklich!

Aber wir müssen anders anfangen.

Haben Sie jemals davon gehört, dass ein Gesetz, eine Maßnahme der Verwaltung, ein Fördertopf gestrichen oder geschlossen worden wäre?

Dass Gesetze gestrichen werden, kann man schon deshalb ausschließen, weil damit ein Präzedensfall geschaffen wäre, ein Präzendesfall, der am Ende dazu führen könnte, dass es weniger Möglichkeiten für Anwälte gibt, an normalen Bürgern z.B. durch Abmahnungen zu nutznießen. Aber nicht nur deshalb: Der Gesetzgeber setzt Recht und hat entsprechend Recht. Das Streichen von Gesetzen ist somit gleichbedeutend mit den Streichen von Recht und das kann nicht rechtens sein, lässt am Ende den Schluss zu, dass der sogenannte Gesetzgeber fehlbar ist, dass er sich einstmals geirrt hat oder unrechtes Recht oder Recht gesetzt hat, wo keines gesetzt werden musste.

Maßnahmen der Verwaltung, Maßnahmen, die auf Gesetzen aufsetzen und mit Mitteln, finanziellen Mitteln verbunden sind, bleiben ebenso bestehen. Maßnahmen und finanzielle Mittel sind Macht, sie definieren den Herrschaftsbereich der kleinen Könige die Verwaltungen bevölkern, Kürzung von Mitteln kommt somit einer Kürzung des Herrschaftsgebiets gleich und kann nur unter Entfernung des Herrschers erfolgen, also durch Königsmord. Wann haben Sie zum letzten Mal von Königsmord gehört? Eben!

flies lightUnd Fördertöpfe, Fördertöpfe haben dem Licht vergleichbare Eigenschaften. Licht zieht allerlei Lebewesen an, von der Stechmücke bis zum verirrten Wanderer, dem das Licht den Weg weist. Genau so ist es mit Fördertöpfen: Sie ziehen vergleichbare Lebewesen an, die sich am Fördertopf laben, und wer wäre so herzlos, die entsprechenden Laber vom Fördertopf zu vertreiben. Deshalb bleiben auch Fördertöpfe bestehen.

Was aber tut man, wenn sich Gesetze, Maßnahmen und Fördertöpfe als schädlich erwiesen haben, wenn sich Anzeichen abzeichnen, und zwar dauerhaft und über mehrere Jahre hinweg, so dass die Anzeichen nicht mehr ignoriert werden können, wenn sich also zeigt, dass ein Nutzen von Gesetz, Maßnahme und Fördertopf nur für die direkt Begünstigten besteht, alle anderen jedoch einen Schaden von Gesetz, Maßnahme und Fördertopf davontragen?

Die Antwort ist einfach.

Man schafft ein neues Gesetz, eine neue Maßnahme einen neuen Födertopf. Ziel: Die negativen Auswirkungen des Gesetzes, der Maßnahmen und des Fördertopfes, deren Schädlichkeit sich nicht mehr von der Hand weisen lässt, zu mildern und nach Möglichkeit zu kaschieren.

Und deshalb könnte es sein, dass wir falsch liegen.

Denn: Wir schreiben seit Jahren davon, dass Universitäten infantilisiert, entprofessionalisiert und zu Kaderschmieden des Genderismus gemacht werden, deren wesentliches Ziel darin besteht, Wissenschaft zu zerstören und Ideologie an ihre Stelle zu setzen.

ProfessorrinnenprogrammDas Professorinnenprogramm zum Beispiel, jenes vom BMBF finanzierte Programm zur Diskriminierung von Männern ist eindeutig ein Programm, das in die Kategorie “schädlich” gehört. Es basiert auf einer Auslegung des Grundgesetzes, die schädlich für den Intellekt ist, denn wer in der Lage ist, zu denken, dass Diskriminerung dann keine Diskriminierung ist, wenn sie auf behaupteter Diskriminierung aufbaut, nun, nun ja, der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, um es einmal in Prosa auszudrücken. Das Programm ist eine schädliche Maßnahme, denn als Folge des Programms werden weibliche Personen an Universitäten und in Positionen installiert, an die sie über freien Wettbewerb und in Konkurrenz mit den Besten kaum gekommen wären. Folglich ist die Entprofessionalisierung und die damit einhergehende Schädigung bzw. Zerstörung von Wissenschaft eine direkte Folge der Maßnahme. Mit 300 Millionen Euro Fördersumme, ist das Professorinnenprogramm ein recht helles Licht, das entsprechend eine große Zahl von Lebewesen anzieht, die hoffen, davon zu profitieren. Kurz: Eine Beseitigung des Professorinnenprogramms ist schlicht nicht möglich.

Dennoch ist das Professorinnenprogramm schädlich – schädlich für Wissenschaft, schädlich für Steuerzahler, schädlich für Innovation, den Standort Deutschland usw. usw.

Was also tun?

Die Lösung steht bereits oben: Ein neues Programm, aufbauend auf einem Gesetz, verbunden mit Maßnahmen und ausgestattet mit einem Fördertopf.

Und das ist, wo wir falsch liegen könnten.

Wir haben bislang geglaubt, die Programme für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Kindergärten, mit denen Universitäten in Deutschland neuerdings für sich werben, die Zertifikate im sogenannten “Audit Beruf und Familie” im Kontext der familiengerechten Hochschule seien Ursache für die Entprofessionalisierung und Infantililsierung der Wissenschaft.

Wir haben geglaubt, hier handelt es sich um einen weiteren Nagel im Sarg der Wissenschaft, um einen weiteren Versuch, Nachzugseffekte zu produzieren und Halb-Professionelle, die nicht genug Wissen, Fähigkeit und Liebe zu ihrem Beruf mitbringen, um sich voll und ganz auf ihre wissenschaftliche Position einzulassen, an die Universität zu locken. Ergo haben wir befürchtet, dass da, wo man einst bis in die Nacht über Forschungsprobleme diskutiert hat, die Öffnungs-, besser Schließungszeiten des Kindergartens, den Erkenntnisgewinn beenden, diktieren oder schlicht: unmöglich machen. Der professionelle Wissenschaftler, so haben wir vorhergesagt, den, den wir alle aus dem Fernsehen kennen, derjenige, der eingesperrt in sein Labor so lange das Licht des Tages nicht mehr sieht, bis er Heureka rufen und einen Durchbruch vermelden kann, dieser Wissenschaaftler ist ein Relikt der Vergangenheit, denn selbst wenn es ihn noch gäbe, so würde ihn doch spätestens 25 Minuten nach Schließung des Kindergartens der aufgeregte Anruf der Kindergärtnerin erreichen, die – obwohl sie bereits seit 25 Minuten Feierabend hat – immer noch gezwungen ist, auf Jonas aufzupassen, Jonas, der nicht abgeholt wurde.

familiengerechte HochschuleUnd auch wenn unsere Befürchtungen berechtigt sind, so sind sie doch – wie wir nun erkennen – zumindest teilweise unbegründet, denn: das “Audit Familie und Beruf”, das Programm “familiengerechte  Hochschule”, sie dienen der Schadensbegrenzung. Sie sollen den Schaden begrenzen, der durch Gleichstellungsprogramme wie das Professorinnenprogramm mittlerweile angerichtet wurde.

Der Schlüssel zum Erfolg: Selbstselektion.

Die Strategie hinter dem Programm: Anreize für unprofessionelle oder halb-professionelle Positionsinhaber an Universitäten setzen, für die Familie vor Beruf geht.

Das kurzfristige Ziel: Durch gezielte Anreize die entsprechenden unprofessionellen oder halb-professionellen Positionsinhaber an Universitäten identifizieren, katalogisieren und so gut es geht davon abhalten, in der Wissenschaft ihr Unwesen zu treiben.

Die Mittel: Kindergartenöffnungszeiten, Eltern-Kind-Zimmer, Eltern-Kind-Veranstaltungen, Eltern-Kind-Parkplätze; Eltern-Kind-Betreuung, einfach alles, was man sich denken kann und was dazu geeignet ist, die Eltern davon abzuhalten, an Universitäten dem nachzugehen, was richtige Wissenschaftler dort tun: Lehre und Forschung.

Das Programm “familiengerechte Hochschule” hat entsprechend das  Ziel, die langfristigen Folgen des Professorinnenprogramms und andere Gleichstellungsprogramme zu minimieren und den Schaden, der der Wissenschaft durch halb-professionelle und der wissenschaftlichen Konkurrenz nicht gewachsene Positionsinhaber entsteht, zu reduzieren.

Langfristig ist wohl zudem vorgesehen eine Trennung zwischen Universitäten über die entsprechenden Anreizssysteme einzuführen, so dass Universitäten, an denen Wissenschaft gelebt wird, von familiengerechten Hochschulen, an denen Halb-Professionelle ein Teilzeitdasein führen, klar getrennt sind.

 

Die Zerstörung der Soziologie als Wissenschaft oder: Warum machen Soziologen nicht den Mund auf?

Seit der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Solidaritätsadresse für Soziologen wie Gerhard Amendt, die Hasskampagnen ausgesetzt sind, veröffentlicht hat, gibt es in einigen Blogs eine Diskussion darüber, ob Soziologie überhaupt eine Wissenschaft darstellt oder nicht. Wir beziehen uns im Folgenden auf die Diskussion, die im Blog von Hadmut Danisch geführt wird.

Eine Anzahl von Kommentatoren, fühlt sich dazu berufen, der Soziologie als Ganzem den Wissenschaftsstatus abzusprechen. Andere kritisieren, dass sofern es Soziologen gibt, die noch Wissenschaftler sind, sich diese nicht zu Wort melden. Generell wird dabei Soziologie irrtümlicher Weise mit Geschlechterforschung und Geschlechterforschung mit Genderismus gleichgesetzt, d.h. in der Außenwahrnehmung vieler gibt es keine Soziologie ohne Genderismus mehr.

Dabei nimmt die nicht pöbelnde Kritik z.B. die folgende Form an:

Danisch“Ein zentraler Fehler der Soziologie ist dabei, dass sie gar nicht das Ziel hat, wissenschaftlich und beschreibend zu sein, sondern dass sie politisch ist, politische Ziele verfolgt, und sich nur darum dreht, wie sie die Gesellschaft gerne sehen und haben möchte. Keine andere Fakultät (außer noch den Juristen) ist so eng mit der Politik verflochten, ist so weit von Wissenschaft entfernt.”

oder:

“Jeder, der auch nur etwas Ahnung von Wissenschaft hat, merkt bei Lesen soziologischer Schriften sofort, dass das mit Wissenschaft nichts zu tun hat, dass es nur ein „so tun als ob”, eben das Nachäffen des Gehabes ist. Zentrales Kernmerkmal dafür ist, dass Soziologie nicht auf Wissen, sondern auf Autoritäten beruht. Nie wird etwas inhaltlich-wissenschaftlich begründet.”

oder:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Beginnt man der Reihe nach, so muss zunächst ein Fehler beseitigt werden: Soziologen, wie alle Sozialwissenschaftler,  wollen nicht nur beschreiben, sie wollen auch erklären. Emile Durkheim, der Begründer der Soziologie, hat versucht, Selbstmord in seinen Formen zu erklären, er hat Methoden zur Erklärungen sozialer Tatbestände entwickelt. Insofern ist z.B. der Anspruch der Soziologie ein weitergehender als er hier gemutmaßt wird: Die berühmte Definition des Gegenstands von Soziologie, die Max Weber gegeben hat, lautet entsprechend: “Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will” (Weber, 1988: 542).

Weber WissenschaftslehreDamit ist Soziologie eine Wissenschaft, deren Zweck darin besteht, soziale Fakten zu verstehen und zu erklären, z.B. zu erklären, wie es dazu kam, dass der Genderismus an deutschen Universitäten Fuss fassen konnte. Um dies erklären zu können, muss man zunächst den Genderismus als die Ideologie, das religiöse Gebäude, das auf der unbelegten Behauptung, Frauen seien benachteiligt, basiert, verstehen, den Genderismus als die religiöse Heilslehre sehen, das politische Programm, die/das er ist. Entsprechend stellt sich nunmehr die Frage: Wie konnte es sein, dass sich eine religiöse Heilslehre wie der Genderismus an Universitäten und u.a. in den Instituten der Soziologie ausbreiten konnte. Die Antwort auf diese Frage wäre entsprechend die von Weber eingeforderte Erklärung sozialer Phänomene.

Um soziale Tatsachen zu verstehen und zu erklären, gibt es einen methodischen Kanon, den wir in unserem Grundsatzprogramm zusammengestellt haben. Er sieht es vor, von allgemeinen Aussagen (Theorien) über soziale Fakten auszugehen und Hypothesen über konkrete soziale Gegenstände zu bilden, die prüfbar sein müssen und damit die Gefahr in sich tragen, an der Realität zu scheitern. Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen von Soziologie im Besondern und Sozialwissenschaften im Allgemeinen hat Karl-Dieter Opp in seinem Buch “Methodologie der Sozialwissenschaften” ausführlich dargestellt, so dass jeder, der von sich behauptet, Sozialwissenschaftler oder Soziologe zu sein, nicht gleichzeitig Unkenntnis über die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Soziologie heucheln kann. Wenn er Unkenntnis kund tut, dann verfolgt er offensichtlich andere als sozialwissenschaftliche oder soziologische Zwecke.

Die zur empirischen Prüfung notwendigen Methoden in qualitativer wie quantitativer Form finden sich in unzähligen Bänden, die dem Thema der Methoden der empirischen Sozialforschung gewidmet sind. Sie finden sich in qualitativer und in quantitativer Form, sie finden sich als Technik zur Fragebogenkonstruktion, als Methoden zur Datenerfassung, als Methoden zur Vermeidung eines Befragungs-Bias, als Darstellung suggestiver Befragungstechniken, die mit einem ethischen Bann belegt sind, schließlich finden sich Legionen von Darstellungen einzelner statistischer Methoden, von univariaten Auszählungen über die Darstellung bivariater Zusammenhänge bis zu multivariaten Verfahren.

RityerDie Soziologie als Fach, ist somit eines der wenigen Fächer der Sozialwissenschaften, die über einen theoretischen Korpus verfügen, den Forscher wie Jeffrey Alexander, Herbert Blumer, Gary Becker, Peter Blau, James Coleman, Randall Collins, Ralf Dahrendorf, Emile Durkheim, Harold Garfinkel, Erving Goffman, Michael Hechter, George C. Homans, Talcott Parsons, Karl-Dieter Opp, Heinrich Popitz,  und viele mehr gelegt haben. Zudem verfügt die Soziologie über eine wissenschaftstheoretische Basis, die von Hans Albert, Karl Raimund Popper, Imre Lakatos oder Thomas Kuhn gelegt wurde und deren Tenor darin besteht, dass wissenschaftliche Aussage nachvollziehbar und vor allem nachprüfbar sein müssen. Aussagen, die nicht an der Realität scheitern können, sind entsprechend keine wissenschaftlichen Aussagen. Schließlich verfügt die Soziologie über eine Vielzahl von Methoden zur empirischen Prüfung, von der Datenerhebung bis zur Datenanalyse.

Kurz und mit Thomas Kuhn gesprochen: Die Soziologie ist eine der wenigen Sozialwissenschaften, die den Sprung aus dem, was Kuhn die vorwissenschaftliche Phase nennt, in die Phase der Normalwissenschaft vollzogen haben.

Und dann kam der Genderismus.

Dann kam die Unterminierung der Soziologie durch eine Religion, die keinerlei theoretische Grundlage hat, statt dessen auf der Verkündung, Frauen seien benachteiligt, aufbaut, wie jede Religion auf einem mystischen Schöpfungsakt aufbaut. Der Genderismus hat keinerlei wissenschaftstheoretische Basis, die den rudimentärsten Kriterien von Wissenschaftlichkeit gerecht wird, im Gegenteil: Nicht Nachvollziehbarkeit oder Nachprüfbarkeit ist das Credo des Genderismus, sondern politische Einflussnahme, so nachzulesen in dem, was prätentiös als feministische Wissenschaftstheorie benannt wird, ein Sammelsurium aus Versuchen, Werturteile, natürlich nur feministisch basierte Werturteile, zum Gegenstand von Wissenschaft zu machen. Werturteile im wissenschaftilchen Erkenntnisprozess waren schon für Max Weber (1988: 609) das Ende von Wissenschaft, und sie sind es bis heute geblieben.

Aber: Genderismus ist ja auch keine Wissenschaft, sondern eine Religion, die die eigenen Werturteile als richtige Werturteile verbreiten will. Da die Zielsetzung von Genderismus darin besteht, die eigenen Werturteile als richtig in der Gesellschaft zu etablieren, gibt es auch keine wissenschaftlichen Methoden und Techniken der Datenerhebung. Die Intuition, die auf der Basis des Gefühls, Recht zu haben, fusst, ersetzt das nachprüfbare und methodengeleitete Vorgehen, das Wissenschaft auszeichnet. Kurz: Genderismus ist eine Heilslehre, eine Religion, die mit Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialwissenschaft im Besonderen nichts zu tun hat.

Wie konnte es dazu kommen, dass sich Genderismus dennoch an Universitäten und hier besonders im Bereich der Soziologie einnisten konnte? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht zu geben. Es gibt bislang keine Forschung, die untersuchen und darstellen würde, wie es gelungen ist, eine Religion an Universitäten zu etablieren. Entsprechend muss man, ganz in soziologischer Tradition, Hypothesen bilden, Hypothesen, die von einem Rational-Choice-Ansatz ausgehen, der wiederum, um mit Max Weber zu sprechen, annimmt, dass Akteure zielgerichtet und zweckrational handeln.

Homo sociologicusDa Genderismus eine Religion ist, die nicht nur die Konsequenz hat, Wissenschaft zu zerstören, sondern auch die Konsequenz, eine Wissenschaft wie die Soziologie in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, ein Unterfangen, das wie die Zitate oben zeigen, schon recht erfolgreich gewesen ist, liegt es nahe anzunehmen, dass eben diese Diskreditierung der Soziologie das Ziel ist, das mit der Unterwanderung der Soziologie durch den Genderismus erreicht werden soll.

Die Frage nach dem Warum, ist leicht zu beantworten: Vor dem Einfall des Genderismus war Soziologie ein Fachbereich, in dem eine Mehrheit klare methodische Standards und wissenschaftstheoretische Grundlagen geteilt hat. Soziologie war eine kritische Wissenschaft (das hat nichts mit der Frankfurter Schule zu tun, eher im Gegenteil: Soziologie war trotz Habermas kritisch). eine Wissenschaft, die Ergebnisse auf geprüfter empirischer Basis erzielt hat, Ergebnisse, die im Gegensatz zu den Machtverhältnissen in der deutschen Gesellschaft und den Ideologien von Politikern standen.

So betrachtet, wäre die Zersetzung der Soziologie, ihre Zerstörung durch staatstreue Genderisten ein gezieltes Vorhaben, eine Hypothese, die nun der Prüfung harrt (Diese Hypothese ist prüfbar und das ist, was sie von einer Verschwörungstheorie unterscheidet).

Und warum haben die alten Soziologen, diejenigen, die dem wissenschaftlichen Korpus der Soziologie verpflichtet sind, dabei zugesehen, wie ihre Wissenschaft zerstört und durch feministischen Kauderwelsch ersetzt wurde, einen Kauderwelsch der die Soziologie, wie die Zitate oben zeigen, in der Außenwahrnehmung so sehr beherrscht, dass Soziologie mittlerweile mit Genderismus gleichgesetzt wird?

Diese Frage können nur die Betroffenen selbst beanwtorten. Vermutlich ist hier ein Prozess am Werk, wie ihn Soziologen beschreiben, die sich mit emergenten Effekten beschäftigen. Jeder Soziologie-Professor ist seine eigene Insel. Die Kosten für eine Organisation von Soziologie-Professoren, die Kosten für die Organisation von Widerstand sind zu hoch, als dass sie überwunden werden könnten. Also sehen sich die Einzelkämpfer-Professoren einem organisierten Auftrieb gegenüber, der als angeblicher politischer Wille, Genderismus in die Wissenschaft implementiert, und zwar ohne auf Widerstand zu treffen.

Dass Fächer per politischem Willen in Universitäten implementiert wurden und nicht aufgrund einer entsprechenden Entscheidung der scientific community ist recht selten: Neben dem Genderismus, gibt es wenige Beispiele, am bekanntesten ist der Marxismus-Leninismus, den die religiösen Herrscher des erfolgreichsten sozialistischen Staates auf deutschem Boden, der immerhin 40 Jahre den Mangel verwaltete, ehe ihm die Banane den Garaus machte, etabliert haben, und das ist übrigens nicht die einzige Gemeinsamkeit beider Religionen.

Damit sind wir zurück beim einem der drei Zitaten von oben:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Das schreibt Hadmut Danisch und damit will er im Umkehrschluss belegen, dass es keine seriösen Wissenschaftler in der Soziologie gibt. Das ganze Argument krankt zwar daran, dass es auf einer Tautologie aufbaut, aber das Anliegen, das dieses Argument hervorgebracht hat, ist legitim, beschreibbar als Frage: Warum machen Soziologen, also die wenigen Wissenschaftler, die es in der institutionalisierten Soziologie noch gibt, nicht den Mund auf (freien Wissenschaftler, wie der Soziologin Dr. habil. Heike Diefenbach kann man sicher nicht den Vorwurf machen, sie würde nicht den Mund aufmachen)?

FestingerWir haben, ehrlich gesagt, keine Antwort auf diese Frage. Eine Hypothese, die wir anbieten können, basiert auf der Theorie kognitiver Dissonanz von Festinger, die bekanntlich vier mögliche Strategien der Verarbeitung kognitiver Dissonanzen sieht, kognitiver Dissonanzen, wie sie sich unwillkürlich einstellen, wenn ein Soziologe, der Wissenschaft betreiben will, mit Vertreter der Genderreligion konfrontiert ist:

(1) Der Soziologieprofessor kann sich einreden, die Gefahr, die von der Gender Sekte in seinem Fachbereich und für seine Wissenschaft ausgeht, sei nur gering, sei vernachlässigbar, die Soziologie als solche vom Genderglauben nicht tangiert.

(2) Er kann sein Verhalten ändern und seinen Beruf als Soziologe an den Nagel hängen.

(3) Er kann sein eigenes Verhalten neu einschätzen und sich sagen, dass er die Methodik und Wissenschaftlichkeit von Soziologie vielleicht zu eng sieht.

(4) Er kann seine Sicht auf Genderismus ändern und sich einreden, dass Genderismus gar keine Religion, sondern eine Wissenschaft ist.

Wir sehen Alternative (1) als die wahrscheinlichste Alternative an. Egal, welche der Alternativen das profunde Schweigen von Soziologen erklärt, mit dem sie der Zerstörung ihrer Wissenschaft zusehen, es bleibt die kognitive Dissonanz. Egal, welche Alternative einzelne Wissenschaftler für sich wählen, die Dissonanz geht davon nicht weg. Sie mag zeitweise in den Hintergrund treten, sie mag abgemildert werden, doch sie kehrt wieder, regelmäßig, und zwar so lange, so lange es noch Wissenschaftler unter den Soziologen gibt, wobei die Außenwahrnehmung der Soziologie, wie der Sozialwissenschaften insgesamt, den Eindruck vermittelt, als wäre es den Genderisten längst gelungen, beide, Soziologie wie Sozialwissenschaften, in der Meinung der Bürger gründlich zu diskreditieren.

Wissenschaftler wollt Ihr sein? Eine pseudo-wissenschaftliche Wortorgie über die AfD

“Türöffner nach Rechts: Die Alternative für Deutschland”, so ist ein Beitrag in “Gegenblende”, dem selbst ernannten Debattenmagazin des DGB, in dem bislang keine einzige Debatte stattgefunden hat, überschrieben. Geschrieben haben den Beitrag Prof. Dr. Samuel Salzborn und Dr. Alexandra Kurth, die beide für sich in Anspruch nehmen, Politikwissenschaftler zu sein. Warum? Weil sie u.a. Politikwissenschaft studiert haben, eine Position an einer Universität einnehmen und behaupten, politikwissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte zu haben.

Gegenblende“Türöffner nach Rechts” gehört in die Kategorie von Texten, die man wohl besser als “Türöffner in den Wahnsinn” bezeichnen würde, denn er hat keinen konkreten Gehalt, ist in Teilen primitiv, arbeitet mit derogativen Adjektiven anstelle von Argumenten, offenbart ein Verständnis von Wissenschaft, das einem das kalte Grausen über den Rücken jagt, ist, mit anderen Worten, ein Pamphlet, das mit Sicherheit nicht von Wissenschaftlern geschrieben wurde.

Stammleser von ScienceFiles wissen: Wir vertreten eine klare Auffassung davon, was Wissenschaft ist und wer sich als Wissenschaftler qualifiziert. Ein Wissenschaftler wird man demnach nicht, weil man studiert hat oder auf eine Position gesetzt wurde. Wissenschaft und Wissenschaftler zeichnen sich durch wissenschaftliche Methoden und vor allem den Versuch aus, nachprüfbare Erkenntnisse zu einem Erkenntnisgegenstand zu produzieren.

Salzborn und Kurth sind nach dieser Definition keine Wissenschaftler, schon deshalb nicht, weil sie sich als Verlautbarungswissenschaftler darstellen, wie wir nun zeigen werden.

Der Beitrag auf “Gegenblende” hat die AfD zum Gegenstand (übrigens ein ziemlich einfallsloser Name für ein “Debattenmagazin”, zumal eine Gegenblende letztlich nichts anderes kann, als das zurückzugeben, was auf sie gerichtet wird. Aber vielleicht sind Gewerkschaftler ja gar nich zu eigenen Ansichten fähig, sondern nur dazu, auf anderer Menschen Ansicht zu reagieren, und dann wäre Gegenblende ja korrekt).

Die AfD, so wird uns mitgeteilt, ist gerade in das Europaparlament eingezogen, mit sieben Sitzen und 7,1% der gültigen Stimmen. Aber es sei fraglich, ob die AfD deshalb als etablierte Partei anzusehen sei. Es ist genau einen Satz lang fraglich, denn im Gegensatz zu ihren “Vorgängern”, so schreiben Kurth/Salzborn, verfüge die AfD über “deutlich mehr Finanzmittel”. Der Hinweis auf die größeren Finanzmittel der AfD im Vergleich zu ihren “Vorgängern”, macht nur dann Sinn, wenn gezeigt werden soll, dass die AfD sich im Gegensatz zu ihren “Vorgängern” etabliert hat, was im direkten Widerspruch zur von Salzborn und Kurth proklamierten Fraglichkeit derselben steht. Aber: Beide wollen in ihrem gegengeblendeten Beitrag zeigen, dass das Programm der AfD Widersprüche aufweist, und deshalb wollen sie der AfD in Punkto Widerspruch wohl nicht nachstehen.

Es ist an der Zeit, ein paar Adjektive fallen zu lassen: antisozial, gewerkschaftsfeindlich und antifeministisch, das sind die drei größten Sünden, die man nach Ansicht von Salzborn und Kurth heutzutage begehen kann (aber die drei größten Lobe in den Augen anderer), und die AfD begeht sie alle, und macht nicht einmal Anstalten, sich in einem gewerkschaftlichen Beichtstuhl einzufinden!

Die AfD, so behaupten die Salborn Kurths, gebe sich ideologiefrei, behaupte, Sachverstand, nicht Ideologie treibe die Partei. Das, so lachen die Autoren, sei doch Unsinn, denn bereits der “neoliberale Wirtschaftswissenschaftler” und “fromme evangelisch-reformierte Christ” Bernd Lucke belege das Gegenteil, und das Gegenteil zeige sich auch in den “marktradikalen”, “staatsfeindlichen”, “antiegalitären” und “antisozialen” Prämissen der AfD. Man hätte an dieser Stelle gerne noch ein paar mehr Adjektive gehabt, aber scheinbar ist das Kurth/Salzbornsche Feindbild eher beschränkt.

Wissen die beiden angeblichen Politikwissenschaftler eigenlich, was sie schreiben? Etwa dann, wenn sie Sachverstand und Ideologie in eine diametrale Stellung zueinander bringen? Nicht dass wir hier anderer Ansicht wären. Wir schreiben seit Jahren, dass man entweder Ideologe oder sachverständig, aber nicht beides sein kann. Und nun sagen zwei studierte und lehrende Politikwissenschaftler, dass Politik mit Sachverstand nicht möglich sei, sondern nur mit Ideologie. Und um ihre Ansicht zu belegen, werfen sie ihre eigene Ideologie geradezu vor die Füße der Leser. Man hat richtig den Eindruck, einem ideologischen Keuchhusten beizuwohnen, der in regelmäßigen Abständen “antisozial”, “staatsfeindlich”, “antiegalitär” und “marktradikal” hervorwürgt.

Alle vier Adjektive haben eines gemeinsam: Sie stellen eine Bewertung dar. Wie die Dinge nun einmal so liegen, sind alle vier Bewertungen Bewertungen die Salzborn-Kurthschen Ursprungs sind und somit ihre Bewertungen, die absolut nichts über die AfD aussagen. Sie sagen aus, was Kurth/Salzborn von der AfD denken, wie sie sie bewerten, und dabei bleibt es auch, denn die vermeintlichen Wissenschaftler können ihren Adjektiv-Keuchhusten mit keinerlei Belegen verbinden.

Adam Smith WealthWie heftiges Husten in der Regel ein Indiz für eine Erkrankung darstellt, so stellt der häufige Gebrauch von wertenden Adjektiven in derogativer und nicht-belegter Weise ein Indiz dafür dar, dass sich jemand im Zustand ideologischer Trance befindet, ein Zustand, der vielleicht durch eine zu große Distanz zwischen Denken und Realität, vielleicht durch neuronale Missfunktionen ausgelöst wird, wie auch immer, er führt dazu, dass sich die ideologisch Benebelten regelmäßig in ideologische Extase schreiben:

Eine Kosteprobe: “Zugleich will die AfD, ganz in der Tradition von Adam Smith, Gewinne privatisieren und Risiken und Verluste verstaatlichen und so vordergründig den “kleinen Mann” entlasten”

Erste Reaktion: Lachen.
Zweite Reaktion: lauteres Lachen.
Dritte Reaktion: Tränen aus den Augen wischen.
Vierte Reaktion: “Die wollen an der Universität sein?”

Besagter Adam Smith, dessen Hauptwerke den Titel “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” und “Theory of Moral Sentiments” tragen, hat im 18. Jahrhundert gelebt, und mithin in einem Jahrhundert, indem sich Fragen nach der Verstaatlichung von Verlusten durch Bankenrettung nicht gestellt haben. Wenn Banken zahlungsunfähig waren, dann gingen sie Bankrott. Ein Wohlfahrtsstaat war nämlich zu Adam Smith Zeiten, der viel Papier dafür benutzt hat, die Vorteile von “sympathy” im ökonomischen Handeln, also von Empathie darzustellen, gänzlich unbekannt, bekannt war dagegen Mildtätigkeit. Und es wird Kurth/Salzborn überraschen, aber Einkommenssteuer war zu Adam Smiths Zeiten ebenso unbekannt wie Lohnsteuer. Ganz offensichtlich haben Salzborn und Kurth nicht einmal den Hauch einer Idee, wer Adam Smith ist, wann er gelebt hat, was er geschrieben hat und wozu er geschrieben hat, und man kann sich nur wiederholen: Die wollen an der Universität sein?

Aber es kommt noch besser: Unter der Überschrift “Antiparlamentarischer Nationalgallismus” gibt es Folgendes zu lesen:

“Zugleich kokettiert die Ideologie des wirtschaftswissenschaftlichen Expertentums, das sich auf vermeintlich neutralen Sachverstand stützt, auch mit der weberianischen Idee der gelenkten und gesteuerten Demokratie, in der vermeintlich neutrale Experten Entscheidungen treffen – und nicht Mehrheiten”.

Gemeint ist hier Max Weber, der den Begriff der plebiszitären Demokratie geprägt hat, und zwar im Zuge seiner (Mit-)Arbeit an der Weimarer Verfassung, die in ihrer Liberalität die Bonner Verfassung weit in den Schatten stellt. Die Idee der Herrschaft des Sachverstands stammt dagegen von Plato, der sie als Herrschaft der Philosophen ausgeführt hat. Abermals weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, ob der völligen Ahnungslosigkeit dieser Positionsinhaber, die an Universitäten auf Studenten losgelassen werden.

Aber ganz so ahnungslos sind sie gar nicht. Es gibt etwas, wovon sie Ahnung haben, von Gender Mainstreaming haben sie Ahnung, oder besser: Sie kennen die einschlägigen Schriften zu Gender Mainstreaming, die das Bundesministerium für FSFJ veröffentlicht hat. Und daraus zitieren die Autoren ausgiebige 17 Zeilen ihres 115 Zeilen langen Beitrags. Man ist fast gewillt, Ihnen auf die Schultern zu klopfen und Fleisskärtchen zu verteilen, aber halt nur fast, denn wieder merken Salzborn-Kurth nicht, was sie schreiben.

So ist bei der AfD ganz furchtbar und antifeministisch, dass sie die “Gleichberechtigung der Geschlechter unter Anerkennung ihrer unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen- und Lebenssituationen” fordert. Das, so merken wir uns, ist antifeministisch.

Jaspers WeberIm Einklang mit der Lehre, mit Gendermainstreaming ist, was das Bundesministerium für FSFJ schreibt, so teilen Kurth Salzborn ihren Lesern mit, also: dass “bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interesse von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig” berücksichtigt werden sollen. Denn: “das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die politischen Akteure, bei allen Vorhaben die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu analysieren und ihre Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter beitragen”.

Sehen Sie den Unterschied zwischen den “unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen und Lebenssituationen” die die AfD Männern und Frauen attestiert und den “unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern”, den “unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen von Frauen und Männern”, die Kurth/Salzborn im Auftrag des BMFSFJ favorisieren?

Wir auch nicht. Beide teilen eine Großzügigkeit, die Menschen Interessen, Bedürfnisse und Rollen zugesteht und beide sind der Ansicht, dass sich Männer und Frauen grundlegend unterscheiden, teilen somit einen entsprechenden Essentialismus und Sexismus. Offensichtlich ist die ideologische Extase, in die sich Kurth/Salzborn geschrieben haben, so umfassend gewesen, dass nichts von der Realität übrig geblieben ist und so endet ihr Beitrag, wie er begonnen hat, mit einem Widerspruch.

Was Personen wie Kurth und Salzborn an Universitäten zu suchen haben, ist uns ein Rätsel, und derzeit sind wir uns auch nicht sicher, ob sie besser im Betreuten Wohnen oder im Vorstand des DGB aufgehoben sind, in jedem Fall gehören sie nicht an eine Universität, schon weil ihnen wissenschaftliches Arbeiten ebenso fremd ist, wie die Werke von Adam Smith und Max Weber .

Letztere kennt übrigens Karl Jaspers aus dem FF und aus seiner Biographie Max Webers wollen wir zwei kurze Zitate entnehmen, die gerade sehr gut passen, und anschließend können Kurth/Salzborn dann zumindest von sich sagen, dass sie zwei Zitate von Jaspers über Weber kennen:

“Die Vernunft der politischen Denkungsart verlangt Erkenntnis. Diese rein und redlich zu vollziehen ist Bedingung der Klarheit des politischen Willens” (Jaspers, 1988: 120).

Mit anderen Worten: Politik kann gerade nicht auf Ideologie beruhen. Sie muss auf Sachverstand, Faktenkenntnis, also auf dem beruhen, was Wissenschaftler in der Vergangenheit gewöhnlich bereit stellen,

“Welche Ziele auch immer in der Politik ergriffen werden, die Politik selber gründet sich, wenn sie groß und ernst ist, jederzeit auf Verantwortung” (Jaspers, 1988: 121).

Aber nicht nur Politiker tragen eigentlich Verantwortung, auch Wissenschaftler tun dies. Wer verantwortungslos schreibt, das Ziel, seine Leser mit Falschheit und Bewertung zu manipulieren verfolgt, das Ziel, seine Leser mit Informationen zu eigener Bewertung fähig zu machen, dagegen nicht, kann entsprechend kein Wissenschaftler sein, bestenfalls ein verantwortungsloser Ideologe und für den weder in Politik noch in Wissenschaft ein Platz ist, aber vielleicht im Betreuten Wohnen.