Macht das Bildungssystem kurzsichtig?

Der Nerd, Inbegriff des neunmalklugen Internet-Freaks, der sich hyperintellektuell gibt, trägt eine. In bestimmten Schichten der Bevölkerung ist es schick, eine zu tragen, um intellektuell zu erscheinen. Lemmi von den Schmökern, der Bücherwurm, den manche noch aus ihrer Jugend kennen, er musste natürlich auch eine haben. Die Rede ist von einer Brille, die Brille, die bis heute als Symbol für Intellektualität gilt, sofern sie nicht als Sonnenbrille daherkommt, die am Ende maskulin oder cool wirken könnte.

NerdDie Symbolik hinter der Brille, also der Glaube, man könne sich durch eine Brille mehr geistigen Gehalt verschaffen, als man tatsächlich hat, ein Glaube, der durch die Optiker Meise Reklame auf unangenehme Weise befördert wird und zuweilen bis zum ersten gesprochenen Wort reicht, diese Symbolik scheint einen wahren Kern zu haben, denn Kurzsichtigkeit weist einen Zusammenhang mit Bildung auf.

Aus Deutschland kommt eine Untersuchung, die Alireza Mirshahi und sieben weitere Autoren in “Opththalmology” veröffentlicht haben. Die Untersuchung trägt den Titel: “Myopia and Level of Eduction”, sie ist gut gemacht, behauptet keine Zusammenhänge, wo keine sind, problematisiert Schwächen an der eigenen Untersuchung und ist eine wohltuende Abwechslung von all den Studien, die aus kaum existenten Zusammenhängen weitreichende und aberwitzige Konsequenzen ziehen, zumeist deshalb, weil sie den Autoren ideologisch passen, wie dies z.B. in der Studie über gleichgeschlechtliche Eltern, die wir vor einigen Tagen besprochen haben, der Fall war.

Mirshahi und seine Koauthoren haben zu acht einen Text verfasst, der auf fünf Seiten kurz und knapp die Ergebnisse einer Analyse berichtet, die auf Grundlage von 4658 Personen im Alter von 35 bis 74 Jahren erstellt wurde. Alle 4658 Personen leben in der Rhein-Main-Region und haben sich bereit erklärt, an der Gutenberg Gesundheitsstudie (GHS) teilzunehmen.

Für die vorliegende Untersuchung wurde die Sehkraft der Befragten untersucht. Dabei haben sich 1.780 der Studienteilnehmer (38,2%) als kurzichtig erwiesen. Um den Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsstand der Teilnehmer zu untersuchen, haben die Autoren zwei Variablen gebildet, die einmal den erreichten Schulabschluss und einmal die Geschichte der beruflichen Bildung zusammenfassen. Von den 4658 Personen haben 26 (0,6%) keinen Schulabschluss erreicht, 1916 (41,1%) einen Hauptschulabschluss, 1008 (21,6%) einen Realschulabschluss und 1553 (33,3%) eine Hochschulreife. Keine Berufsausbildung haben im Anschluss an ihre Schulzeit 368 (7,9%) Befragte aufgenommen, 2157 (46,3%) haben eine Berufsschule, 773 (16,6%) eine Berufsfachschule und 1118 (24,0%) eine Universität besucht.

BrillenDie Auszählung der Sehkraft nach Bildungsabschluss und Berufsausbildung stellt erste Indizien für einen Zusammenhang bereit: 50,9% der Personen, die eine Hochschulreife erreicht haben, sind kurzsichtig – gegenüber 41,6% bzw. 27,1% der Schüler mit Realschul- bzw. Hauptschulabschluss. Dasselbe Bild ergibt sich bei der Berufsbildung: Universitätsabsolventen weisen zu 53% eine Kurzsichtigkeit auf, während Berufsfachschüler und Berufsschüler nur den Anteil von je 34,8% und 34,7% Kurzsichtige umfassen.

Nun muss man einwenden, dass die Ergebnisse auf Basis aller Befragten ausgezählt wurden, d.h. die jeweiligen Gruppen enthalten Alte wie Junge. Da Kurzsichtigkeit mit dem Alter zunimmt, ist es demnach sinnvoll, nach dem Alter zu kontrollieren, es in einer Regressionsanalyse konstant zu halten. Also haben die Autoren Alter konstant gehalten und denselben Effekt festgestellt, der gerade aufgezeigt wurde:

Mit steigender allgemeiner und beruflicher Bildung sinkt die Sehkraft, steigt der Anteil der Kurzsichtigen.

Man muss also feststellen, dass es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Sehkraft gibt, dass Bildung anscheinend einen negativen Effekt auf Sehkraft und einen positiven auf Kurzsichtigkeit hat. Man kann dies die “dark side of education” nennen und sich angesichts der erheblichen Kosten, die mit einer Kurzssichtigkeit und ihren Folgen, von Ablösung der Netzhaut bis zu grünem Star einhergehen, fragen, ob es nicht notwendig wäre, Abiturienten und Studenten gegen diese Folgen von Bildung in einer privaten und obligatorischen Versicherung zu sichern, schon um nicht diejenigen, die keine höhere Bildung anstreben und entsprechend besser sehen, für die Behandlungskosten der Höhergebildeten bezahlen zu lassen.

Besonders findige Rechtsanwälte mit Sehschwäche, die sich nach 8 Semestern Rechtsstudium fast zwangsläufig einstellen muss, könnten sich fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, die OECD, die die Werbetrommel für höhere Bildung weltweit rührt und das Ziel für Deutschland auf 40% Abiturienten und damit ungefähr den OECD Durchschnitt anheben will, haftbar zu machen für die dadurch verursachten höheren Kosten, die individuell und im Aggregat durch die mit der Zunahme höher Gebildeter einhergehende Zunahme der Kurzsichtigkeit verursacht werden.

moleDenn dass ein Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsnievau besteht, steht außer Frage. Allerdings stellt sich die Frage, welcher Art dieser Zusammenhang ist, d.h.: stellt sich die Kurzsichtigkeit als Folge der Bildung ein, also der mit dem längeren Besuch von Bildungsinstitutionen einhergehenden Notwendigkeit, z.B. länger in Bücher oder Computer zu sehen, die direkt vor der Nase des Schülers oder Studenten stehen? Die Erklärung der Verbindung zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsniveau über das Starren in Bücher oder das Starren in Computer ist plausibel. Aber mehr ist sie bislang noch nicht. Der Beleg dafür, dass Kurzsichtigkeit von längerer Verweildauer in Bildungsinstitutionen verursacht wird, fehlt bislang.

Aber es gibt recht gute Indizien, die Mirshahi in einer guten Untersuchung zusammengetragen haben. Dass die Untersuchung nur gut und nicht sehr gut ist, liegt darin begründet, dass es nicht wirklich gelungen ist, intervenierende Variablen auszuschließen: Die Befragten sind zum Befragungszeitpunkt zwischen 35 und 74 Jahren alt. Die Kurzsichtigkeit kann sich irgendwann während, vor oder nach der Schulzeit eingestellt haben, d.h. es ist durchaus möglich, dass nicht berücksichtigte Variablen den Zusammenhang zwischen Sehkraft und Bildung vermitteln oder im schlimmsten Fall direkt erklären. Es hätte, um die Frage zu entscheiden, wie groß die Gefahr ist, durch nicht berücksichtigte Variablen, das gesamte Ergebnis wegzuerklären, geholfen, die erklärte Varianz der linearen Modelle zu berichten. Das haben die Autoren leider nicht getan.

Entsprechend kann die OECD (vorerst) aufatmen, und all diejenigen, die mit Brille einen Intellekt vortäuschen wollen, den sie nicht haben, müssen weiter hoffen, dass die Symbolkraft von Brillen über die nicht kausale Erklärkraft entsprechender wissenschaftlicher Modelle hinwegträgt.

Mirshahi, Alireza et al. (2014). Myopia and Level of Education. Results from the Gutenberg Health Study. Ophthalmology (online first).

 

Erziehungsfaschismus: weil die beste aller Welten so fragil ist

Wenn man durch den Dickicht der derzeitigen pädagogischen Ansätze machetet, dann findet man immer neue Kompetenzen, die in dieser besten aller Welten, in der wir nun einmal leben, notwendig sind, um auch richtig zu leben. Die neuste Blüte, die wir aus dem Urwald pädagogischer Intervention mitgebracht haben, lautet: “demokratiepädagogische Schulentwicklung” und hat die Vermittlung “sozialmoralischer Kompetenzen” zum Gegenstand.

 

Ministry of truth 2Brigitte Latzko und Tina Malti (2010) erklären, was man unter “sozialmoralischen Kompetenzen” zu verstehen hat, und zwar in der Einleitung zu dem von ihnen herausgegebenen Buch “Moralische Entwicklung und Erziehung in Kindheit und Adoleszenz”, das bei Hogrefe erschienen ist. Sozialmoralische Kompetenzen, so lernen wir, spielen eine “Schlüsselrolle”. Wobei? Nun, bei der Verarbeitung des massiven Wandels, der durch “wirtschaftliche Globalisierung und damit einhergehende Individualisierung” auf uns hereinbricht.

Wer täglich wissenschaftliche Texte liest, erreicht eher früher als später, den Zeitpunkt, ab dem er Anfänge wie, “In Zeiten intensiver Globalisierung wird es … ” oder “Globalisierung und eine Individualisierung von Lebenslagen führen dazu…” oder “Globalisierung, zunehmender Wettbewerb und sich verkürzende Produktlebenszyklen machen es erforderlich …”, nicht mehr lesen mag. Eine Unmenge von Wissenschaftlern, so scheint es, lebt und träumt nur von den Folgen der Globalisierung, jenes unglaublich tiefgehenden Wandels, den jeder abstrakt beschreiben, aber niemand in seinen Auswirkungen benennen kann. Man mag sich nur ansatzweise vorstellen, wie die Behauptung, Globalisierung führe zu intensiverem Handel, zu einer Öffnung der Weltmärkte, auf den Händler des 17. Jahrhunderts gewirkt hat, der in seinem Warenhaus Waren aus aller Herren Länder von der Seide bis zum Kaffee gelagert hatte, – ob seine Zeitgenossen ihm auch ständig mit Floskeln wie “Globalisierung” in den Ohren gelegen haben?

Doch zurück zu Latzko und Malti. Sie kennen eine “wirtschaftliche Globalisierung” und eine Individualisierung. Die Individualisierung hat Ulrich Beck in den 1980er Jahren beschrieben, z.B. in seinem Buch von der Risikogesellschaft. Es ist schön zu sehen, dass das entsprechende Konzept mittlerweile auch bei Pädagogen angekommen ist. Beck hat übrigens nicht nur von Individualisierung geschrieben, sondern auch von sekundärer Vergesellschaftung, von der Bildung loser Netzwerke, wie man heute sagen würde, jenseits institutioneller Strukturen der Vergemeinschaftung.

Latzko und Malti sind in Zeiten der Individualisierung stehen geblieben, Zeiten, von denen man sich fragt, wann es sie je gegeben hat, vielleicht in den 1970er und 1980er Jahren, aber sicher nicht nach 2000. Wie individualisiert sind Zeiten, in denen man in erster Linie Gruppenmitglied ist und in zweiter Linie von anti-Individualsierungs-Aposteln belehrt und pädagogisiert wird, wenn man auch nur in einem Punkt abweicht, den die entsprechenden Erzieher für relevant halten?

Wir leben in Zeiten, in denen auf Webpages von Institutionen, die obwohl am Tropf von Ministerien hängend, sich gerne den Anschein der Wissenschaflichkeit geben, also z.B. auf der Seite des Deutschen Jugendinstituts in München (DJI), Sätze wie der folgende stehen können, ohne einen Aufschrei nach sich zu ziehen: “Die Prävention von rechtsextremen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Einstellungen bei jungen Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe …”. Die Gedanken waren einmal frei. Wohlgemerkt, hier ist von “Einstellungen” die Rede, die es zu vermeiden gilt, etwa dadurch, dass die entsprechenden Jugendlichen so imprägniert werden, dass sie für die entsprechenden Einstellungen nicht empfänglich sind. Wie fragil ist eigentlich eine Gesellschaft, deren Zusammenbruch befürchtet wird, wenn ein paar Jugendliche “rechtsextreme Einstellungen” haben?

Hier treffen wird die sozialmoralischen Kompetenzen wieder, die Latzko und Malti beschwören, sozialmoralische Kompetenzen wie: “Reflexionsfähigkeit, Empathie, Kooperation, gegenseitige Achtung, Toleranz, Verantwortungsübernahme, Fürsorge, Konfliktlösungsfähigkeit und soziale Solidarität” (7). Das also ist der moderne Katechismus, der ein Kind und einen Jugendlichen zu richtigen Mitgliedern der Gesellschaft der Guten macht: Dabei handelt es sich um “Resourcen für die demokratische und soziale Handlungsfähigkeit” (7). Und diese Resourcen sind notwendig, weil (Achtung, jetzt geht der Katechismus weiter): “im Zuge der Wertevielfalt pluralistischer Gesellschaften” sozial-moralische Kompetenzen eine Grundlage bilden, um “soziale Kohäsion und Inklusion” zu wahren.

Demokratien, so lernen wir abermals, sind sehr empfindliche Strukturen, geradezu fragil, weshalb man nichts dem Zufall überlassen darf. Bereits Kinder müssen auf ihre Rolle als sozialmoralisch kompetentes Mitglieder der demokratischen Gemeinschaft vorbereitet werden. Wenn sie, weil man ihnen Freiraum in ihrer Entwicklung gelassen hat, sich als intolerant gegenüber als gut befundenen Objekten oder Subjekten erweisen, keine Achtung vor z.B. Versagern empfinden können oder sich weigern darüber nachzudenken, ob es mehr als zwei Geschlechterrollen in modernen Gesellschaften geben soll, also – wie man sagen könnte – reflexionsunwillig sind, dann ist die demokratische Gesellschaft, jenes schwächliche Gebilde, das bereits von “rechtsextremen Einstellungen” gefährdet ist, dem Untergang geweiht.

FreiheitSpätestens hier fragt man sich, wieso man sich für diese welke Demokratie einsetzen soll, die u.a. Demokratiepädagogen vorschwebt,war doch die eigentliche Idee von Demokratie, die Idee einer Vielfalt der Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen. Intolerante, also z.B. Pädagogen, die rechtsextreme Einstellungen nicht akzeptieren und tolerieren, waren kein Problem. Reflexionsunwillige auch nicht, also z.B. Demokratiepädagogen, die nicht darüber nachdenken wollen, ob die Verpflichtung zu Fürsorge und sozialer Solidarität nicht etwas ist, was menschlicher Individualität massiv zuwider läuft, da Individualität eine Freiwilligkeit voraussetzt, die unsere Pädagogen trotz aller Individualisierung, die sie irgendwo zu sehen im Stande sind, nicht bereit sind, anderen zuzugestehen, ja richtig intolerent sind sie gegenüber individueller Entwicklung. So intolerant sind sie, dass sie Erziehungsideale pervertieren und die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit bei Kindern verhindern wollen. Statt dessen wird die kindliche Entwicklung zum geleiteten Prozess, an dessen Ende nur ein Ergebnis, das derzeit für richtig befundene Ergebnis, stehen kann.

Oder, in schwammiger Formulierung:

“Vielmehr muss den Heranwachsenden die Möglichkeit eröffnet werden, sich reflexiv mit der bestehenden Ordnung auseinandersetzen zu können, indem beispielsweise Konflikte zwischen Normen angesprochen, Ausnahmen durchdacht, Lösungsmöglichkeiten abgewogen und Spielräume für eigene Entscheidungen gewährt werden. Montada (2002) fasst zutreffend zusammen, dass Kinder und Jugendliche nur auf diese Weise die Beachtung einer Norm als ihre Entscheidung erleben können, so dass die Norm zu einem Teil ihres Selbst, ihrer Identität wird” (8).

Übersetzt heißt das, man muss Jugendliche so manipulieren, dass sie am Ende des Lernprozesses von Normen denken, sie seien eigenständig zu dem entsprechenden Ergebnis gekommen. Die Art und Weise, in der hier Indoktrination umschrieben wird, ist fast kunstvoll: Heranswachsenden wird gewährt. Was wird ihnen gewährt? Die Möglichkeit, den Blick in den Abgrund zu richten und zu sehen, welche falschen Normen im Abyss lauern. Nicht gewährt wird den Heranwachsenden jedoch, an der Richtigkeit der vorgegebenen Normen zu rütteln, zu fragen, welche Legitimation die Normen vorzuweisen haben, zu fragen, ob das, was ihnen vorgegeben wird, das ist, was sie wollen.

EmileWelch jämmerliches Bild moderne angebliche Demokratien und ihre Kämpfer doch abgegeben. Nicht einmal die Versuche der Weimarer Republik waren derart jämmerlich. An die Stelle der Auseinandersetzung mit Abweichung von der Norm sind Kontrolle und Ausschluss von Abweichung getreten. Was die Demokratiepädagogen als falsche Norm festsetzen, muss Jugendlichen ausgetrieben, was sie als richtige Norm festlegen, muss ihnen eingetrichtert werden. Falsche Einstellungen, also Einstellungen, die den Demokratiepädagogen gerade missfallen, sind auszumerzen bzw. mit präventiven Mitteln vorzubehandeln, auf dass sie sich gar nicht erst einnisten und das Ziel der Erziehung, den sozialmoralisch kompetenten Zombie, der nicht außerhalb dessen, was ihm vorgegeben wird, zu denken im Stande ist, gefährden.

Die Beschreibung trägt nicht durch Zufall alle Insignien eines Erziehungsfaschismus. Anstelle der freien Entwicklung gibt es Vorgaben, Abweichungen werden nicht geduldet, die vermeintliche Demokratie der Pädagogen kennt die Wahrheit und den richtigen Weg zu ihr. Wer solche Pädagogen hat, der braucht keine Faschisten mehr.

Rousseau hat in seinem Emile die Ansicht vertreten, dass es für die Erziehung von Kindern eminent wichtig ist, sie so lange wie möglich von gesellschaftlichen Einflüssen fern zu halten. Wenn man sieht, was manche Pädagogen derzeit als ihre Erziehungsaufgabe definieren, dann muss man ihm Recht geben.

Latzko, Brigitte & Malti, Tina (2010). Einleitung. In: Latzko, Brigitte & Malti, Tina (Hrsg.). Moralische Entwicklung und Erziehung in Kindheit und Adoleszenz. Göttingen: Hogrefe, S.7-16.

Die Sozialstruktur steht in Teilen auf dem Kopf

Nicht erst seit die OECD ihren Feldzug zur Erhöhung des Anteils von Hochschulabsolventen begonnen hat, gilt das Credo, dass ein höherer Bildungsabschluss mit einem höheren Status, einer höheren Bezahlung und vor allem einem höheren Platz in der Sozialstruktur einer Gesellschaft einhergeht. Unausgesprochen ist dabei die Prämisse, dass mit einem höheren Bildungsabschluss ein höheres Humankapital verbunden ist, das seinen Inhaber dazu in die Lage versetzt, höhere Produktivität zu entwickeln und somit einen höheren Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, als dies einem Inhaber eines geringeren Bildungsabschlusses, sagen wir, dem Inhaber eines Hauptschulabschlusses, der den Beruf des Klempners erlernt hat, möglich ist.

HUman CapitalDie Idee, Humankapital an Bildung zu koppeln, stammt nicht zuletzt vom kürzlich verstorbenen Gary S. Becker, wobei seine Idee eine distinktive qualitative Note beinhalten: Nicht der Bildungsabschluss als solcher ist für Becker das Relevante. Der Bildungsabschluss ist vielmehr die Operationalisierung, die er benutzt, um die höhere Produktivität, die mit mehr Humankapital einhergeht, zu messen.

Die Inflationierung höherer Bildung und die Zulassung immer neuer Studienfächer, deren Verbindung zu einem produktiven Beitrag für die Gesellschaft eher, sagen wir, nicht offensichtlich ist, führt dazu, dass die Annahmen, auf die Becker seine Humankapitaltheorie basiert hat, nur noch in eingeschränktem Maße zutreffen.

Wir behaupten, dass die Inflationierung höherer Bildungsabschlüsse, die Quantifizierung von Bildung anstelle der Qualifizierung über Bildung, wie sie vor allem durch die Überflutung der Universitäten mit weitgehend nutzlosen Studienfächern, die keinen erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen, erfolgt ist, dazu geführt hat, dass die Verbindung zwischen höherem Bildungsabschluss und höherer Produktivität im Aggregat geschwächt wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass es Bildungstitelinhaber gibt, die einen höheren Status, einen höheren Platz in der Sozialstruktur beanspruchen, der ihnen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen, den sie bereitstellen, nicht zukommt. Es führt häufig dazu, dass sie Gehälter in einer Höhe beziehen, die im gesamtgesellschatflichen Vergleich unangemessen und unfair sind.

Wir wollen unsere Hypothese zunächst dadurch prüfen, dass wir die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Absolvent eines Gender Studiums hat, mit den Fähigkeiten vergleichen, die ein Klempner-Geselle am Ende seiner Lehrzeit in einer Prüfung unter Beweis stellen muss.

Das Studium der Gender Studies als Zweitfach an der Humbold Universität Berlin umfasst 6 Module, also z.B. die im folgenden genannten Themen, die das derzeitige Angebot der Gender Studies der HU-Berlin bereithält. Das Wissen, das in Gender Studies vermittelt wird, entstammt damit ausschließlich den sechs der im folgenden genannten und von Studenten gewählten Gebieten. Die Ausbildung zum Klempner ist in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Klempner geregelt. Die im folgenden genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind der Mindesbestand an Kenntnissen, den ein Klempner-Geselle nach Abschluss seiner Ausbildung haben muss.
Hanna Arendt in feministischer Diskussion Manuelles und maschinelles Bearbeiten (u.a.: Werkstoffe und Halbzeuge nach Verwendungszweck unterscheiden und manuell wie maschinell bearbeiten können)
Vom Homo Oeconomicus zur Femina Oeconomica – Die Wirtschaftswissenschaften aus Gender-Perspektive Fügen von Werstücken und Bauteilen (u.a.: Fügwerkzeuge und -verfahren festlegen, Bauteile durch Kaltnieten fügen, Bleche durch Falzen manuell und maschinell fügen
Behinderung ist sexy. Gender und Dis_Ability im Film Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten und Maschinen (u.a.: Bauteile und Baugruppen mit und ohne Hilfsmittel ein- und ausbauen, Sicherheitsmaßnahmen für elektrische Maschinen und Geräte ergreifen.
Die Werke Martha Nussbaums Einbauen von elektrischen Komponenten (u.a.: elektrische Anschlüsse mittels Steckverbindung herstellen, Mängel feststellen, Maßnahmen zur Behebung der Mängel veranlassen
Wissensordnung in Missionszeitschriften: Religion, Natur, Kultur und Geschlechter (18. Jhdt) Entwerfen und Fertigen von Schablonen und Zuschnitten (u.a.: Schablonen aus metallischen und nicht-metallischen Werkstoffen herstellen)
Ambivalenz der Sichtbarkeit: repräsentationskritische Perspektiven Prüfen, Behandeln und Schützen von Oberflächen (u.a. Werkstücke und Halbzeuge auf Materialfehler, Oberflächenschutz und Oberflächengüte prüfen)
Befestigen von Bauteilen und Baugruppen in Mauerwerk, Beton und Holz (u.a. Wandschlitze, Decken- und Wanddurchbrüche herstellen)
Decken und Instandhalten von Dach- und Wandflächen am Bauwerk (u.a.: Verlegetechniken für Schichtenaufbauten bei Dachbegrünung unterscheiden und anwenden)
Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser (u.a.: Formteile für Dachrinnen, insbesondere Dehnungsausgleicher, Rinnenkästen und Rinnenwinkel anfertigen
Anfertigen und Montieren von lufttechnischen Anlagen (u.a.: Formstücke, insbesondere Bögen und Verzweigungen anfertigen und montieren
Transportieren von Bauteilen und Baugruppen (u.a.: Hebezeuge, insbesondere Seilzüge und Winden handhaben
Herstellen von Fugenabschlüssen sowie Durchführung von Wärmedämm- und Dichtungsmaßnahmen (u.a.: Maßnahmen zur Schalldämmung an Rohr- und Aggregatbefestigungen durchführen)
Einbauen von Energiesammlern, Energieumsetzern und nachhaltigen Energienutzungssystemen (u.a.: Energiesammler und Energieumsetzer, insbesondere Sonnenkollektoren und photovoltaische Elemente in Dach- und Wandflächen einbauen
Anbringen von Fangeinrichtungen und von Ableitungen für den äußeren Blitzschutz
Berufausbildung, Arbeits- und Tarifrecht, berufsspezifische Randbedingungen (u.a.: Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung)
Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs (u.a.: Beziehungen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung)
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (u.a.: berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwenden)
Umweltschutz (u.a.: für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes)
Betriebliche und technische Kommunikation (u.a.: technische Unterlagen, insbesondere Skizzen und Zeichnungen lesen, erstellen und anwenden, Aufmaße anfertigen)
Kundenorientierte Kommunikation (Kundenwünsche ermitteln, auf Umsetzbarkeit prüfen mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen, Kosten abschätzen
Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (u.a.: Zeitaufwand und personelle Unterstützung zur Durchführung von Arbeitsaufträgen abschätzen)
Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (u.a.: Normen und Richtlinien zur Sicherung der Qualität, Bauteile auf Maßhaltigkeit, Dichtigkeit und sichere Verbindung prüfen)

 

Es mag der eine oder andere einwenden wollen, dass die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Geselle am Ende seiner Klempnerlehre erworben haben muss, in der Ausbildungsverordnung und der Tabelle umfassender dargestellt sind als dies für die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Rahmen eines Gender Studiums erworben werden, der Fall ist. Darauf gibt es die folgenden Antwort:

“Das Zweitfach Geschlechterstudien/Gender Studies zielt auf die Vermittlung konkreter Kenntnisse, Methoden und Arbeitstechniken im Zusammenhang mit der Analyse der Kategorie Geschlecht… Konkretes Ziel ist, Fähigkeiten zur Analyse von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen sozialen, politischen, historischen und kulturellen Kontexten auszubilden…”

KlempnerSo wird die Zielsetzung im Studienfach Geschlechterstudien von der HU-Berlin selbst beschrieben. Das Studium der Geschlechterstudien hat Geschlechterstudien zum Gegenstand, die mit Methoden und Arbeitstechniken in einem Zusammenhang stehen und deren konkretes Ziel die Fähigkeit zur Analyse von Geschlechterverhältnissen ist. Trotz aller Betonung von Methoden und Arbeitstechniken ist es uns nicht gelungen, einen Einführungskurs in Statistik, Methoden der empirischen Sozialforschung, Logik oder auch nur die Kunst, richtig zu zitieren, zu finden. Kurz: Gegenstand, Nutzen und Ziel von Geschlechterstudien sind unbekannt. Was man mit einem studierten Geschlechterstudienbetreiber soll, ist ebenso unklar. Vermutlich müssen deshalb Ministerien wie das Ministerium für FSFJ ständig geschlechtsbezogene Programme auflegen, um den Absolventen ein Auskommen zu verschaffen, und zwar auf Kosten von Steuerzahlern, woraus der Schluss folgt: Geschlechterstudierte schaden dem Bruttoinlandsprodukt, sie verbrauchen Steuermittel und schaffen keinen erkennbaren Mehrwert.

Dagegen hat man keinerlei Probleme den Mehrwert zu benennen, den ein Klempner erwirtschaftet, ebenso wenig wie man Probleme hat, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu benennen, die ein Klempner nach Abschluss seiner Lehre hat.

Wie kommt es vor diesem Hintergrund, dass Genderstudierte, die doch in der Regel linkem Gedankengut anhängen, für sich in Anspruch nehmen, eine höhere soziale Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, als der Arbeiter Edwin aus der Siedlung? Man kann diese seltsame Erscheinug moderner Gesellschaften, in denen eine Klasse von Studierten, deren einziger Beitrag darin besteht, eine Perspektive auf etwas zu haben, deren Nutzen nicht erkennbar ist, eine höhere Bezahlung, einen höheren Platz in der Sozialstruktur reklamieren kann als ein Klempner, der jeden Arbeitstag aufs Neue die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller befördert, nur als eine Erscheinung gesellschaftlicher Degeneration ansehen und sich wundern, dass all die Bekenntnis-Linken damit so gar keine Probleme haben.

 

©ScienceFiles, 2014

Wissenschafts-Prostitution lohnt sich nicht

- das weiß nun auch die Hochschulrektorenkonferenz

HRKNRW

sollte besser heißen: Die Stummen der Hochschulen

Wir könnten jetzt schreiben (und tatsächlich schreiben wir das auch): wir haben es Euch gesagt – oder: Was habt Ihr denn gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich und seine Wissenschaft an die Politik verkauft, sich prostituiert?

Wir haben in einer Vielzahl von Beiträgen darauf hingewiesen, dass eine Entprofessionalisierung und Infantilisierung von Wissenschaft in vollem Gange ist, dass Hochschulen von Ideologen unterwandert und zu Gender-Kaderschmieden umfunktioniert werden, dass Hochschulen für politische Zwecke instrumentalisiert werden und zu Legitimationsanstalten der Staats-Ideologie, des Staatsfeminismus degradiert werden sollen und vieles mehr.

Es kann demnach niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, was passiert, wenn man sich an Ideologen verkauft. Es kann niemand behaupten, er hätte nicht den perfiden Geist hinter einer Mittelkürzung für Universitäten auf der einen Seite und dem Lockstoff “Professorinnenprogramm“, das Hochschulen mit finanziellen Mittel dazu bringen will, ihre Integrität zu verkaufen, gesehen. Und es kann niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, dass vermeintliche Auszeichnungen wie die “familienfreundliche Hochschule“, die eine aberwitzige Verbindung zwischen Fortpflanzung, Familienstand und Wissenschaft herstellen, die analog zu der Verbindung zwischen Binge-Trinken, Depression und Parteizugehörigkeit ist, nur dazu da sind, Hochschulen auf Linie zu bringen, sie gleichzuschalten und für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Aber die Hochschulrektorenkonferenz tut es dennoch.

Honest politicianDie Hochschulrektorenkonferenz, jenes bundesländerübergreifende Kaffeekränzchen aus Wissenschaftler-Rektoren, das bislang immer brav den ideologischen Vorgaben des jeweiligen Kultusherren gefolgt ist und brav und artig, sowohl die Entprofessionalisierung von Hochschulen und deren Umwidmung in Kinderbetreuungsanstalten als auch aktive Eingriffe in die vermeintliche Freiheit von Lehre und Forschung, die Etablierung von weiblichen Kadern als von außen der Wissenschaft aufoktroyierte Gleichstellungstante und den Ausverkauf des Prinzips der Meritokratie, wie er mit dem Professorinnenprogramm betrieben wird, abgenickt hat – vermutlich mit Begeisterung, sofern Gemütsregungen zum Repertoire der Positionsinhaber gehören.

Die Hochschulrektorenkoferenz tut es dennoch.

Ausgerechnet die Hochschulrektorenkonferenz regt sich darüber auf, dass man von Politikern getäuscht worden sei.

Hochschulen quer durch Deutschland leiden unter Mittelknappheit, müssen Fachrichtungen und Institute schließen oder zusammenlegen, weil sie sich die entsprechenden Ausgaben nicht mehr leisten können. Die deutsche Hochschullandschaft ist eine reine Mangelverwaltung. Die ganze Hochschullandschaft? Nein. Der Bereich der Frauenförderung floriert ungeachtet der Mittelknappheit. Es werden vorhandene Professuren durch aus dem Professorinnenprogramm finanzierte Professuren gedoppelt und Professuren für “Gender” verbreiten sich wie Wasserpest. Ob jemand dahinter einen perfiden Plan erkennt: Nützliche Wissenschaft streichen und entsprechende Lehrstühle schließen, dafür Genderlehrstühle, von deren Inhaberinnen bis heute noch kein nützlicher, das gesellschaftliche Wohlergehen befördernder Beitrag gekommen ist, an ihre Stelle setzen, auf dass von Hochschulen und auf absehbare Zeit keine abweichende oder gar innovative Idee mehr komme?

Und das alles hat man bei der Hochschulrektorenkonferenz nicht gesehen? Die Damen und Herren, die sich dort zum Kaffeeklatsch treffen, scheien nicht zu sehen, was an ihren eigenen Hochschulen vorgeht, oder sie sehen  es sehr wohl, was bedeuten würde, ihre Aufregung ist blanke Heuchelei, ein bloßes Entsetzen über entgangene Finanzmittel, die man vermutlich für universitäte Mentorenprogramme zur Vorbereitung weiblicher Absolventen auf die Dissertation verbraten hätte.

Gegenstand der hochschul-rektoralen Aufregung ist eine politische Lüge, eine Täuschung wie sie Politiker ständig vornehmen, so dass jeder, der sich mit Politikern einlässt, eigentlich wissen muss, woran er ist. Nicht so die Hochschulrektoren. Sie haben in treuem Glauben die Übernahme der Finanzierung des Bafoeg durch den Bund begrüsst und den damit verbundenen Ankündigungen, die Bundesländer würden die freiwerdenden Mittel in voller Höhe den Hochschulen und der dortigen Lehre zufließen lassen, geglaubt. In ihrer ganzen Naivität haben sie tatsächlich gedacht, der politische Feind der wissenschaftlichen Erkenntnis, der seine Truppen u.a. in Kultusministerien der Länder versammelt hat, würde die gekürzten Mittel für Forschung und Lehre nun, da die Bafög-Verpflichtungen entfallen sind, den Hochschulen übergeben.

Besondere Verdienste im Kampf gegen Erkenntnis und im Versuch, Wissenschaft durch Ideologie zu ersetzen, haben sich SPD und Grüne erworben. Beide regieren in Hannover. Die Übernahme der Bafög-Finanzierung durch den Bund hat ihnen unverhofft rund 110 Millionen Euro in die Kasse gespült, 110 Millionen Euro, die die Hochschulrektoren in Niedersachsen schon auf ihren Konten verbucht haben.

NS_WissKultAber daraus wird nichts: Die Landesregierung will lieber Kita-Personal anstelle von Wissenschaftlern finanzieren. Kinder statt Wissenschaftler, so lautet das Motto in Niedersachsen. Man fühlt sich unwillkürlich an den Slogan “Kinder statt Inder” erinnert, mit dem Jürgen Rütgers im Jahre 2000 die Charts der Geschmacklosigkeit angeführt hat. Rot-grüne und christdemokratische Politiker scheinen eine Geringschätzung für die Wissenschaft zu teilen, vermutlich, weil sie nie einen Fuss in dieselbe bekommen haben – sofern sie überhaupt studiert haben. Wie dem auch sei: Die niedersächsische Landesregierung will also Kindertagesstätten finanzieren und Ringelreihen tanzen, während die landeseigenen Hochschulen finanziell aus dem letzten Loch pfeifen – Politiker haben eben ihre Prioritäten.

Offensichtlich ist man bei der Landesregierung der Ansicht, Erzieher in Kindertagesstätten seien produktiver und würden mehr zum Bruttoinlandsprodukt beitragen als Wissenschaftler. Seit Universitäten von Feministen und Sozialisten infiltriert werden, ist man fast gewillt, ihnen zuzustimmen, wenngleich es eine offene Frage ist, wer mehr Schaden an der Gesellschaft anrichtet, Erzieher in Kindertagesstätten, die von kleinauf indoktrinieren oder Feministen und Sozialisten an Universitäten, die sozusagen den Feinschliff im fortgeschrittenen Alter übernehmen und dafür sorgen, dass Wissenschaft und vor allem: Sozialwissenschaften in Deutschland zur Staatslegitimation dient.

Entsprechend kann man nur den Kopf schüttelnd zur Kenntnis nehmen, worüber sich Prof. Dr. Jürgen Hesselbach, Vorsitzender der Niedersächsischen Hochschulrektorenkonferenz, beklagt:

„Eine der wichtigsten Ankündigungen vor der Landtagswahl 2013 war die Abschaffung der Studienbeiträge und deren vollständige Kompensation. Den Studierenden und uns wurde damals versprochen, die Hochschulen nicht im Gegenzug an anderer Stelle zu belasten. Wir sehen jetzt, was von den Wahlkampfparolen übrig bleibt: Die für die Kompensation erforderlichen Mittel in Höhe von 130 Millionen Euro holt sich das Land nun de facto fast vollständig von den Hochschulen zurück.“

Herr Hesselbach: Was haben Sie gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich mit Ideologen einlässt, Prinzipien der Wissenschaft verrät und ansonsten zusieht, wie die eigene Hochschule zur Kaderschmiede und zur Abraumhalde für Akademiker-Ausschuss umfunktioniert wird?

Um diesen Post mit dem zu beenden, was Hans Albert nicht müde werdend als Forderung nach dem konstruktiven Teil, gerne auch als Frage: “Und wo ist der konstruktive Teil?” verpackt hat, schlagen wir den Hochschulrektoren vor, ScienceFiles zu abonnieren (rechts oben im Widget-Bereich): Damit sie in Zukunft informiert sind, was an ihren Hochschulen vorgeht und welcher politische Anschlag auf die Integrität von Hochschulen gerade en vogue oder in Vorbereitung ist.

Willkommen in der wissenschaftsfreien Nach-Moderne

Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang sind Phänomene, deren Erforschung weitgehend Historikern überlassen ist, was den Verdacht nahelegt, dass Degeneration und Niedergang Phänomene sind, die nur die Vergangenheit, nicht jedoch die Gegenwart betreffen.

Wir sind der Ansicht, Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang sind die logischen Folgen des derzeit herrschenden Zeitgeistes, der Gutmenschen an allen Ecken der Gesellschaft ihr zerstörerisches Werk verrichten sieht. Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang sind die Folgen politischer Korrektheit die nicht mehr an den Folgen von Handeln interessiert ist, sondern an der richtigen Gesinnung, wer in guter Absicht tötet ist entsprechend entschuldigt.

Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang beginnen da, wo das Verhältnis zur Realität, das Verhältnis zu Wissen, Erkenntnis und letztlich zu Wissenschaft zerrüttet ist, wo Gesellschaftsmitglieder mehr Energie darauf verwenden, Wissen und Erkenntnis, das ihnen nicht genehm ist, zu unterdrücken und Kenntnisse durch Gesinnung zu ersetzen, als darauf, Fortschritt und Innovation im Einklang mit der Realität zu suchen.

Niall FergusonEine der Triebkräfte, die zu der feindlichen Haltung gegenüber Fortschritt, Wissen und Erkenntnis führt, von der wir hier schreiben, ist eine Technikfeindlichkeit, die in Deutschland tief verwurzelt zu sein scheint und periodisch an die Oberfläche gespült wird.

Technikfeindlichkeit geht in den meisten Fällen mit einem moralischen Romantizismus einher, der doch tatsächlich der Ansicht ist, die von ihm herbeiphantasierte Form reiner Natur sei Menschen gegenüber nicht gleichgültig. Natur sei nicht das, dem Menschen jeden Fortschritt in Gesundheit, Hygiene und Lebensbequemlichkeit hätten abringen müssen, sondern eine Art Füllhorn, das nur darauf wartet, über Menschen ausgeschüttet zu werden. Technikfeindlichkeit wird entsprechend zur moralischen Angelegenheit, die in der Regel mit dem Blick auf zukünftige Generationen verklärt wird: zukünftige Generationen, die die Legitimation für heutigen Verzicht und heutiges Leiden darstellen. Der Katholozismus und seine Paradiesvorstellung im Jenseits, die Menschen darüber hinwegtäuschen soll, dass ihr Leben im Dieseits geführt wird und nicht im Jenseits, kehrt in modernisierter Variante zurück.

Es ist in diesem Zwielicht aus Ideologie, Gutmenschentum, romantizistischer Technikfeindlichkeit und Religion, dass wir die DFG und die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, treffen, mithin zwei Organisationen, deren Zweck eigentlich darin bestehen soll, Wissenschaft, Erkenntnis und Fortschritt zu fördern, nicht zu be- oder verhindern.

Beide Organisationen haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt (warum auch nicht), die es sich wiederum zum Ziel gesetzt hat, “Empfehlungen zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung” zu geben (warum auch nicht). Mit “Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung” ist das Machwerk überschrieben, das Herbert Marcuse erfreuen würde, würde er noch leben und Hans Albert und mit ihm alle, die ihr Leben dem Erkenntnisfortschritt verschrieben haben, das Grauen lehren wird.

LeopoldinasDas Werk der Arbeitsgruppe, deren Mitglieder rechts aufgelistet sind, beginnt wie viele ideologischen Schriften mit der irreführenden Behauptung, etwas, in diesem Falle Wissenschaft, sei besonders wichtig: Wissenschaft im Allgemeinen und Forschung im Besonderen “ist eine wesentliche Grundlage für den Fortschritt der Menschheit”. Die Warnung und damit der Widerspruch, folgt auf dem Fuss: “Mit freier und transparanter Forschung gehen jedoch auch Risiken einher”. Die Risiken ergeben sich, nach Ansicht der Mitglieder der Arbeitsgruppe, als Konsequenz der Dual-Use-Problematik von Wissenschaft.

Anglizismen werden einerseits häufig als Form der Distanzierung benutzt, um eigene Verantwortung ins (feindliche) Ausland zu verschieben, andererseits dienen sie häufig dazu, vollkommen triviale Sachverhalte als besonders komplex, kompliziert, gelehrt oder durchdacht erscheinen zu lassen. Die Dual-Use-Problematik besteht darin, dass Forschungsergebnisse “zu schädlichen Zwecken missbraucht werden können”: Nanotechnologie könne in Angriffswaffen münden, Industrieroboter könnten zu Kampfrobotern umfunktioniert werden, Kernenergie “kann nicht nur zu friedlichen Zwecken eingesetzt werden”, psychologie Forschungsergebnisse können zu Gehirnwäsche genutzt werden und linguistische Forschung für “missbräuchliche Kommunikationsüberwachung benutzt werden” (was besonders verräterisch ist, denn eine nicht missbräuchliche Kommunikationsüberwachung wird von den Arbeitsgrupplern offensichtlich befürwortet).

Das also ist die “Dual-Use-Problematik“: Das Küchenmesser kann neben dem Schneiden von Karotten auch zum Erstechen des Nachbarn eingesetzt werden, Streichölzer zum Anzünden von Kerzen und von Scheunen, Autos zur Fortbewegung und zum Überfahren von Feinden, heißes Wasser zum Teekochen und zum Verbrühen, Kissen zum Schlafen und zum Ersticken, Mikrophone zum Aufnehmen von Musik und zum Abhören von Gesprächen, Gürtel zum Halten von Hosen und zum Selbstmord, und so weiter.

Wann immer versucht wird, mit hinter Anglizismen versteckten Trivialitäten zu hantieren, um besonders dringliche Probleme wie im vorliegenden Fall die “ethische Verantwortung” von Wissenschaftlern zu behandeln, ist höchste Vorsicht geboten. Wann immer sich selbsternannte Gutmenschen anschicken, etwas so zu regeln, wie sie denken, dass es zum Guten sei, ist man bestens beraten genau hinzusehen und regelmäßig das Gegenteil zu tun. Schauen wir also, welche Empfehlungen die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, von der nicht klar ist, wer sie mit welchen Interesse eingesetzt hat und ob und wenn ja wie sie legitimiert ist, freien Wissenschaftlern geben:

  1. dfg_logoWissenschaftler müssen nicht nur rechtliche Regeln bei ihrer Forschung beachten, sondern auch ethische Grundsätze. Die Chancen der Forschung sind mit den Risiken für Menschenwürde, Leben, Gesundheit, Freiheit und Eigentum der Menschen, Schutz der Umwelt und anderen Gütern abzuwägen.
  2. Forscher müssen Kenntnis von möglichen Risiken ihrer Forschung erlangen, um die einschlägigen Gefahren einschätzen zu können und Einsatz- und Missbrauchsmöglichkeiten ihrer Forschung mitzudenken.
  3. Risiken der Durchführung und der Verwendung der Forschungsarbeiten sind zu minimieren. Sicherheitsmaßnahmen sind zu treffen, Mitarbeiter und Kooperationspartner sorgfältig auszuwählen, in besonderen Fällen sind “staatliche Sicherheitsstellen” hinzuzuziehen und: “Internationale Kooperation ist zwar ein Grundprinzip erfolgreicher Forschung, im Einzelfall kann sich unter dem Aspekt der Risikominimierung gleichwohl eine Einschränkung der Zusammenarbeit oder ein Verzicht auf Partner oder Mitarbeiter aus bestimmten Staaten empfehlen” (13 – eine ganz offene Empfehlung für nationale Eigenbrödelei und Diskriminierung aufgrund von Staatsangehörigkeit und somit grundgesetzwidrig - erstaunlich).
  4. LeopoldinaVeröffentlichungen sind zu prüfen und sensible Ergebnisse, die missbraucht werden können, verkürzt oder gar nicht darzustellen. Wenn ein Missbrauch nicht zu verhindern ist, ist auf die Veröffentlichung zu verzichten.
  5. Risikoreiche Projekte, deren Nutzen den Schaden nicht übersteigt, sind erst gar nicht durchzuführen. Nutzen wie Schaden muss vor Beginn des Projekts “abgeschätzt” werden.
  6. Verantwortlich sind Wissenschaftler und ihre Vorgesetzten (Wer sind die Vorgesetzen von freien Wissenschaftlern?).

Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll, wenn man derartige, verquaste sozialistische Kontrollphantasien liest. In jedem Fall kann festgestellt werden, dass die DFG offensichtlich von einer Institution, die Erkenntnis und Wissensfortschritt ermöglichen sollte, zu einer Institution, die ihn verhindern soll, verkommen ist. Ob die Leopoldina jemals etwas anderes war, ist noch zu klären.

Generell fällt beim Lesen des Machwerks von DFG und Leopoldina auf, dass immer dann, wenn von Gefahren und Risiken einer Forschung die Rede ist, diese Gefahren individualisiert sind. Es ist der Forscher, der Risiken abschätzen muss. Es sind Dritte, Mitarbeiter und nicht-Deutsche, die das Missbrauchsrisiko darstellen. Dagegen sind der Staat und seine Institutionen heilige Instanzen, die Halt im riskanten Dasein geben, durch rechtliche Regeln und durch staatliche Sicherheitsstellen. Der Kollektivismus feiert neue Feste, der alte romantizistische Unsinn von der fürsorglichen Gemeinschaft der Guten, die der Boshaftigkeit des Einzelnen entgegegensteht, erlebt gerade eine Renaissance, die man nach der Aufklärung und den Verherrungen in der Folge von Romantik und Technikfeindlichkeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts nicht für möglich gehalten hätte: Aber: alte Mythen, besonders alte deutsche Mythen sterben offensichtlich nicht aus. Offensichtlich hat Emile Durkheim Recht, und es gibt so etwas wie ein kollektives Bewusstsein, und in Deutschland ist es voller Romantizismus und Irrationalismus und voller Technikfeinlichkeit.

Jeder Mensch, der einigermaßen mit Verstand ausgestattet ist, weiß, dass Entscheidungen immer die Zukunft betreffen, nie die Vergangenheit oder die Gegenwart, denn wenn ich mich entscheide, ein Eis zu kaufen, dann ist die Entscheidung dann, wenn sie vollzogen ist, Vergangenheit. Wenn ich mich entscheide ein Eis zu kaufen und mich auf den Weg zum Eismann mache, kann es passieren, dass ich Fritz S. treffe und mit ihm ein Streitgespräch über den Labeling Approach beginne, was mich das Eis vergessen lässt (obwohl mich das Streitgespräch erhitzt) und die Entscheidung hinfällig, und selbst wenn ich mein Eis tatsächlich kaufe, so hoffe ich bei jedem Verzehr darauf, dass der Eismann Hygiene einhält und ich nicht Salmonellen esse, die mich so lange quälen, bis ich sie wieder los bin.

Die triviale Entscheidung, ein Eis zu kaufen, kann bereits zu unvorhergesehenen Folgen führen (ich treffe Fritz S. auf dem Weg zum Eismann und vergesse mein Eis), sie ist mit einem Risiko verbunden (Salmonellen) und in jedem Fall eine Entscheidung unter Unsicherheit, denn ich weiß einfach nicht, ob sich mein Plan in der Weise, wie ich ihn mit der Entscheidung, ein Eis zu kaufen, formuliert habe, umsetzen lässt.

Eine triviale Handlung im Alltag ist bereits mit dem Problem konfrontiert, dass man die Zukunft leider nicht vorhersehen kann. Das, wie gesagt, weiß jeder normalbegabte Mensch, nur die Mitglieder der Arbeitsgruppe von DFG und Leopoldina, die wissen es nicht. Sie verlangen, dass Wissenschaftler in die Zukunft schauen und die Nutzen wie die Kosten, die mit ihrer Forschung verbunden sind, genau bestimmen. Aber sie verlangen von Wissenschaftlern nicht nur, dass sie zu Auguren einer zukünftigen Welt werden, nein, sie verlangen auch, dass sie zu moralischen Instanzen des Zeitgeistes werden und nichts tun, was dem Zeitgeist und seiner angeblichen Ethik widersprechen könnte.

Ptolemaeus weltbildNehmen wir zum Beispiel Claudius Ptolemäus, der das geozentrische Weltbild um 150 n.Chr. zum Standard erhoben hat. Nach seiner Ansicht, war die Erde der Mittelpunkt des Universums, von Sonne und Planten umkreist. Hätter er unter der Ägide der Empfehlungen von DFG und Leopoldina gelebt, er hätte sein geozentrisches Weltbild für sich behalten, hätte er doch mit Sicherheit das Risiko erkannt, dass es zur Sicherung der Machtverschränkung zwischen katholischer Kirche und Staat verwendet wird, dass Kritiker des geozentrischen Weltbilds als Häretiker verbrannt werden usw. Diesen Preis wäre der gute Claudius natürlich nicht bereit gewesen, zu zahlen, weshalb er die Veröffentlichung seiner Berechnungen zum geozentrischen Weltbild unterlassen hätte.

Nehmen wir zum Beispiel den namentlich nicht bekannten Erfinder des Rades. Er hätte seine Erfindung nur zur eigenen privaten Nutzung bereit gestellt und deren Verbreitung unterbunden, denn im Traum wären ihm die Visionen von Panzern, Streitwagen, von Rammen und millionenfach überfahrenen Tieren erschienen, und wer will sich schon am Massenmord schuldig machen.

Nun könnte man den Mitgliedern der Arbeitsgruppe zu gute halten, dass sie nicht zu dumm sind, um auch zu wissen, dass man zu Beginn und auch nach Abschluss einer Forschung den Nutzen und die Risiken der entsprechenden Forschung nur begrenzt, wenn überhaupt überschauen kann. Somit stellt sich die Frage, was sie mit ihren Empfehlungen bezwecken.

Die Antwort auf diese Frage ist widerlich: Sie ruft einem die absurde Idee in Erinnerung, dass Missbrauch von Forschung durch die Beteiligung fremdländischer, also nichtdeutscher Forscher wahrscheinlicher ist. Sie ruft einem den potenzierten Unsinn in Erinnerung, dass ausgerechnet staatliche Institutionen die Wächter der Sittenmoral sind, dass Staaten nicht etwa diejenigen sind, die seit Jahrhunderten wissenschaftliche Forschung für kriegerische Zwecke missbrauchen, und es ruft einem die Leichtigkeit in Erinnerung, mit der die DFG-Leopoldinas Transparenz, Intersubjektivität und Offenheit von Wissenschaft, die fundamentalen Kriterien ohne die Wissenschaft nicht möglich ist, über Bord werfen und Wissenschaft zur Aufgabe geheimer Zirkel in abgeschiedenen und vom Staat bewachten Bunkern machen.

Auf Basis dieser Unglaublichkeiten, die die DFG-Leopoldinas geschrieben haben, muss man den Schluss ziehen, dass sie angetreten sind, um Forschung zur nationalen, staatlich-kontrollierten und dem, was gerade als Zeitgeist herrscht verpflichteten Veranstaltung zu machen, zu etwas, das mit Wissenschaft nichts mehr zu tun hat. Sie sind die Totengräber der Wissenschaft. Sie sind angetreten, um die Degeneration und den Niedergang zu beschleunigen und eine neue Klasse von Hohepriestern zu schaffen, deren Zweck darin besteht, von staatlichen Sicherheitsstellen für nützlich gehaltene Forschung zu betreiben, die Ergebnisse geheim zu halten und die dumme Masse der Bevölkerung mit guten und wohlklingenden Botschaften ruhig zu stellen.

Wir befinden uns in der Nach-Moderne, in der das Individuum nichts, die Gruppe alles gilt. Nicht das Individuum hat Rechte, die Gruppe hat Rechte. Die Rechte werden verliehen, vom guten Staat. Geheime Bünde von Forschern, die staatsdienliche und natürlich gute Forschung betreiben, stellen die Legitimation für die Verleihung von zunächst Gruppen- und bald Zugangs- und Existenzrechten bereit. Die richtige Gesinnungs-Lehre ist auf einem Datenträger gesammelt, zu dem nur Eingeweihte und Hohepriester Zugang haben, und einmal wöchentlich wenden sich die Hohepriester an ihre jeweilige Gemeinde mit einer neuen Predigt über das, was angeblich auf dem Datenträger als Information gesammelt ist. Und natürlich wird alles von Steuerzahlern finanziert!

Wie immer stehen Wissenschaftler sprachlos am Rand und warten darauf, dass jemand für sie den Mund aufmacht.

 

Koblenzer Forscher bringen das Wort “Mann” nicht über sich

Obdachlosigkeit oder Wohnungslosigkeit, wie es heute heißt, ist ein Problem, das diejenigen, die es betrifft, vermutlich nicht lustig finden werden. Wer gezwungen ist im Obdachlosenasyl oder in sonstigen Anlaufstellen, die Schlafraum, aber eben keinen Wohnraum zur Verfügung stellen, Unterschlupf zu suchen, dem fehlt – trotz aller Clochard-Romantik, die vornehmlich von Leuten versprüht wird, die in Hotels und nicht im Obdachlosenasyl oder unter der so oft beschworenen Brücke absteigen, ein wesentlicher Bestandteil eines vollwertigen Lebens.

Obdachlosigkeit ist in Deutschland ein Thema, von dem Wissenschaftler nichts wissen wollen, obwohl die Erforschung sozialer Probleme, doch angeblich so viele bewegt. Nun ist Obdachlosigkeit eine Angelegenheit, bei deren Beschäftigung man genötigt sein könnte, den Schutzraum des eigenen Büros zu verlassen und am Ende noch Kontakt mit Obdachlosen aufzunehmen. Das mag einiges erklären.

Wir haben in der Vergangenheit bereits darüber berichtet, wie sehr, das Thema “Obdachlosigkeit” von denen, die sich als Ungleichheitsforscher sehen, links liegen gelassen wird.

ObdachlosenasylNur wenige Ausnahmen gibt es zu berichten und die Ausnahmen, die es zu berichten gibt, zeigen eines: Obdachlosigkeit ist vornehmlich für Männer ein Problem: zwei Drittel der Obdachlosen sind männlich. Angesichts der miserablen Datenlage des sozialen Problems “Obdachlosigkeit”, für das sich nicht einmal die Wissenschaftler interessieren, die durch Kreuzzüge gegen Armut und Hartz IV auffallen, ist es erfreulich, dass an der Hochschule Koblenz ein Forschungsprojekt zum Thema Obdachlosigkeit durchgeführt wurde.

Es ist auch erfreulich, dass sich die Projektverantwortlichen Prof. Dr. Robert Frietsch, Dirk Holbach und Sabine Link getraut haben, mit 161 obdachlosen Menschen “sehr ausführliche persönliche Gespräche” zu führen, die durch Interviews mit “58 Experten…, die in Hilfseinrichtungen und Jobcentern tätig sind”, ergänzt wurden.

Nicht erfreulich ist jedoch die Darstellung eines Problems, dessen männliche Dominanz man kaum leugnen kann, oder doch?

Hochschule Koblenz“Die Ergebnisse”, so berichtet Dirk Holbach, “zeichnen vielschichtige Bilder der Lebensumstände wohnungsloser Menschen”. In Deutsch heißt dies, es ist nicht gelungen, ein oder doch wenige einheitliche Themen zu finden, die den Weg in die Obdachlosigkeit determinieren. Wann immer die Ergebnisse zu diffus sind, als dass man sie zusammenfassen könnte, reden überforderte Wissenschaftler entsprechend von “vielschichtigen Bildern”, Ergebnissen oder Entwicklungen. Weiter im Text: “Auch” in Rheinland-Pfalz, so erfahren wir, liegt das Durchschnittsalter inzwischen bei 35 Jahren, gar jeder vierte ist jünger als 25 Jahre”. Gemeint ist das Durchschnittsalter obdachloser Personen. Worauf sich das “auch” bezieht, ist unklar. Aber: “Besorgnis erregend”, so findet Sabine Link, “ist auch [wieder so ein bezugsloses auch] der kontinuierlich steigende Anteil der Frauen, der jetzt schon 25 Prozent beträgt”.

Anmerkung unsererseits: Die drei Koblenzer Wohnungslosenforscher haben 161 Wohnungslose und 58 Experten bis Ende Mai 2014 befragt. Wie man auf Grundlage dieser Daten einen Trend, einen kontinuierlich steigenden Anteil ermittelt haben will, ist uns ein Rätsel, aber vermutlich hat ein Experte gesagt, dass der Anteil von Frauen ansteigt, fast so gut wie empirische Daten – oder?

Geeigneter Wohnraum ist der erste Schritt auf dem Weg aus der Obdachlosigkeit, so erfahren wir weiter und fangen langsam an uns zu fragen, ob dieses Forschungsprojekt ein schlechter Witz ist, denn dass Reichtum das beste Mittel gegen Armut ist, kann man auch herausfinden, ohne ein Forschungsprojekt durchzuführen. Aber es kommt noch besser:

“Vielfältig und verwoben [ oder vielschichtig; !sic] sind die Problemlagen, in denen die Wohnungslosen stecken: Alkoholsucht, langjährige Arbeitslosigkeit, niedriger Schulabschluss, Überschuldung, Tod enger Bezugspersonen, traumatisierende Gewalterfahrungen – vor allem bei Frauen. Gerade bei den Jüngeren liegt häufig nur ein niedriger Schulabschluss vor. Dazu kommen oft Hafterfahrungen, auch wegen Bagatelldelikten wie zum Beispiel „Schwarzfahren“.

Und weiter:

„Angesichts der vielschichtigen [!sic] Problemlagen der Betroffenen ist es nötig, dass Fachleute der verschiedenen sozialen, medizinischen Bereiche und vor allem auch der Jobcenter kooperieren und sich gemeinsam um die Lösung der einzelnen Probleme kümmern“, weiß Frietsch, „nur so ist eine Rückkehr der Betroffenen in die Gesellschaft mit gesichertem Wohnraum möglich.“

In Punkto Floskeln ist den Koblenzer Forschern der einfache Kleindiek sicher. Die zwischenzeitlich vielschichten Problemlagen erfordern entsprechend ganz viele Fachleute, die sich gemeinsam oder getrennt den Kopf über die Obdachlosen zerbrechen, die besorgniserregender Weise und steigend zu 25% weiblich sind, und alkoholsüchtig und arbeitslos und traumatisiert durch Gewalterfahrungen, “vor allem bei Frauen”, und wegen Schwarzfahren ins Haft kommen, aber doch nur mit einem Mittel in die Gesellschaft re-integriert werden können: mit gesichertem Wohnraum.

Es ist natürlich Unfug zu behaupten, dass Schwarzfahren zu einer Haftstrafe führt. Erst wenn Vorstrafen dazu kommen, die bereits bei der letzten Verhandlung nur mit erheblicher richterlicher Nachsicht in eine Strafaussetzung zur Bewährung gemündet sind, kann ein Schwarzfahren das berühmte Fass zum Überlaufen bringen.

MannUnd hier reicht es, hier ist endgültig der Punkt, an dem wir von diesen angeblichen Forschern genug haben. Sie bringen es im Verlauf ihrer Pressemeldung, die 460 Worte umfasst, nicht über sich, den Begriff “Männer” oder “Mann” auch nur einmal zu verwenden, dagegen wird nicht versäumt darauf hinzuweisen, dass besorgniserregender Weise 25% der Obdachlosen weiblich sind und traumatisiert wegen Gewalterfahrungen und ansonsten sind die Ergebnisse zu vielschichtig, um im Detail berichtet zu werden.

Wozu finanziert man solche Forschung? Wozu lässt man Forscher wie Frietsch, Holbach und Link auf die Welt los? Wozu gibt man ihnen die Mittel, um ein wichtiges Thema zu erforschen, wenn alles, was dabei herauskommt, zu vielschichtig ist, um berichtet werden zu können und zu vielschichtig, um konkrete Hilfe zu ermöglichen, aber gleichzeitig und angeblich dennoch durch eine einzige Lösung beseitigt werden kann, wenn man als Leser damit verulkt wird, dass das beste Mittel gegen Obdachlosigkeit die Bereitstellung von Wohnraum ist und ansonsten dabei zusehen muss, wie Forscher derat gehemmt, feige und politisch korrekt sind, dass ihnen an keiner Stelle über die Lippen oder die Tastatur kommt, dass Obdachlosigkeit ein männliches Phänomen ist.

Deshalb zum Üben:

  • Obdachlosigkeit ist ein männliches Phänomen.
  • Besorgniserregende 75% der Obdachlosen sind Männer.
  • Viele davon sind Alkoholiker (und haben vielleicht ein Gewalttrauma, aber niemand fragt sie).
  • Viele davon sind überschuldet, darunter die meisten aufgrund einer Scheidung, ja, auch das darf man sagen.

Bei diesen vier Punkten wollen wir es belassen, sonst wird die Aufgabe zu vielschichtig für die Koblenzer, und wir wollen ja, dass sie etwas lernen. Man darf die Wahrheit aussprechen, nein, als Forscher MUSS man die Wahrheit aussprechen, sonst ist man die Zahl nicht wert, die auf dem monatlichen Lohnstreifen steht und sich der Verachtung der ScienceFiles-Betreiber sicher.

Und am besten die Koblenzer Forscher wiederholen die Ergebnisse:

  • Obdachlosigkeit ist ein männliches Phänomen.
  • Besorgniserregende 75% der Obdachlosen sind Männer.
  • Viele davon sind Alkoholiker (und haben vielleicht ein Kindheitstrauma, aber niemand fragt sie).
  • Viele davon sind überschuldet, darunter die meisten aufgrund einer Scheidung, ja, auch das darf man sagen.

Der Universitäts-Moron ScienceFiles Preis für den ideologischsten Studentenrat (AStA)

Bereits in der Vergangenheit haben wir von vermeintlichen Studentenvertretern berichtet, die sich vor allem dadurch hervortun, dass sie von Wissenschaft keine, dafür von Agitprop um so mehr Kenntnis haben. An vielen Universitäten scheint der AStA, der sich bezeichnender Weise häufig als “Student_Innen Rat” bezeichnet, die Keimzelle politischer und ideologischer Propaganda zu sein, die mit Wissenschaft nicht zu vereinbaren ist

Viele unserer Leser werden sich noch aus ihrer Hochschulzeit an den AStA erinnern, an dieses Grüppchen aus Vertretern der Hochschulgruppen der Parteien, das sich durch AStA-Wahlen, an denen regelmäßig gut 15% der Studenten teilgenommen haben, in seiner Wichtigkeit bestätigt gefühlt hat. Es gab auch AStAs, die sich sinnvoller Tätigkeit verschrieben haben, das soll nicht bestritten werden, aber sie waren schon damals in der Minderheit. Heute muss man sie vermutlich mit der Lupe suchen.

So haben wir denn von vermeintlichen Studentenvertretern geschrieben, die versuchen, Vorlesungen und die Weitergabe von Wissen zu verhindern, die sich am Boykott von Lehrveranstaltungen beteiligen, die sich auch nicht zu schade dafür sind, sich als Speerspitze für den Versuch, den Informationsgehalt der deutschen Sprache zu beseitigen, missbrauchen zu lassen usw. Und nun hat uns ein Leser auf den “Stura” von der Universität Leipzig aufmerksam gemacht.

Stura_LeipzigDort gibt es ein Grüppchen verbitterter Kader, die sich gegen “sexistischen Kackscheisse” wenden und damit schon vorab deutlich machen, wes Geistes Kind sie sind [die Verwendung des Begriffs "Geistes" an dieser Stelle ist in der Redaktion von ScienceFiles umstritten, die Meinung, es handle sich eher um Geistlosigkeit steht der Position gegenüber, dass die Redewendung sich nicht auf geistige Fähigkeiten in der Person, sondern  auf die Fähigkeiten entsprechender geisthaltiger Getränke bezieht], vor allem zeigen sie, was sie nicht sind: Studenten, die auch nur entfernt an Wissen und Erkenntnis interessiert sind, denn: Sie sind der Meinung, dass sie schon alles wissen und neue Erkenntnis wäre für ihr ausgefeiltes Wissen gefährlich.

Der Stura in Leipzig hat ein Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik, noch so ein Beleg dafür, dass hier kein Wissen, sondern Ideologie verbreitet wird, zeigen beiden Begriffe doch deutlich, dass sich die Studenten, die sich berufen fühlen, für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik zu streiten, für Auserwählte halten, die andere paternalisieren können.

Dieses Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik hat einen Wettbewerb durchgeführt, dessen Ziel es war, 30 Tage lang, “sexistische und diskriminierende Publikationen” zu sammeln und am Ende die Publikation zu prämieren, die sich als sexistischste und diskriminierendste gegen die Konkurrenz behaupten konnte (Wie man sieht, schlummert in jedem Gleichsteller und Antidiskriminierer ein kleiner Voyeur (in der Tradition des Kulturteillesers beim Spiegel), der nichts lieber tut, als sich  mit sexistischer und diskriminierender Darstellung vollzusaugen, vermutlich als Form der Deprivations-Bekämpfung.).

Marius JungMehr als 100 Vorschläge haben das Referat erreicht. Die Wahl war dennoch einfach: Marius Jung und sein Buch “Singen können Sie alle! Handbuch für Negerfreunde” hat das Rennen gemacht und sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Marius Jung, seineszeichens nicht nur Autor eines Buches über Negerfreunde, sondern selbst schwarz, hat es mit Humor genommen und die Leipziger Agitatoren haben versucht, ihren Fauxpas damit zu rechtfertigen, dass sie die Art der Werbung für das Buch von Jung sexistisch und diskriminierend finden. Die Art der Werbung meint das Cover des Buches, auf dem ein muskulöser und lachender Schwarzer zu sehen ist, weitgehend nackt, nur von einer Schleife verhüllt, so dass die Zensur nicht rot wird und, eben an dieser Schleife, haben die möchtegern Studenten vom Referat für … Sie wissen schon, Anstoß genommen: “Hierbei”, so schreiben sie, “zeigt sich unserer Meinung nach eine stereotype Darstellung eines nackten schwarzen Menschen, der durch eine rote Geschenkschleife objektiviert wird”.

Wer das Buchcover betrachtet, sieht einen doch sehr individuellen schwarzen Mann. Offensichtlich sind die Herrschaften aus dem Referat zu sehr auf die Schleife des freundlich lachenden jungen Mannes fixiert.

Wie dem auch sei, wir haben die Aktion des Referats aus Leipzig zum Anlass genommen, um unsererseits einen Wettberwerb zu starten: Wir suchen den AStA, Studentenrat oder das Referat beim AStA, von dem mit Fug und Recht gesagt werden kann, dass es aus Personen besteht, die von Wissenschaft keine, aber auch wirklich gar keine Ahnung haben. Wir zeichnen aus: den Universitäts-Moron!

Die Gewinnvoraussetzung sieht entsprechend vor, dass die Vorschläge mit einer kurzen Begründung eingereicht werden. Und damit unsere Leser eine Vorstellung davon haben, was wir erwarten, legen wir auf Basis der Aktion “Der Preis ist heiß*” des Stura Leiptig, die Latte schon einmal etwas höher und geben hier eine Reihe von Kriterien an, die bei der Preiszumessung berücksichtigt werden können:

Kriterium 1: Verwendung von Worten ohne Sinn und Zweck – Begriffs-Dropping

Die Aktion “Der Preis ist heiß” soll folgendes, wie die Verantwortlichen schreiben: “Dabei soll gezielt die Sichtbarmachung und das Empowerment von Menschen und Empfindungen gefördert werden, welche im Sinne und im Aufgabenbereich des RGL [Referat für Gleichstellung und Lebensweisen] im Vergleich zur vorherrschenden, patriarchal geprägten Mehrheitsgesellschaft oftmals ungehört bleiben oder gänzlich verdrängt werden”.

Suchen Sie nicht nach dem Sinn dieses Satzungetüms, es hat keinen. Es hat nur einen Zweck: zeigen, man macht etwas und ist gut, selbst wenn man Teil der patriarchal geprägten Mehrheitskultur ist…

Kriterium 2: Zirkuläre reduktio ad absurdum

morons2Es gibt eine Vielzahl von Leuten, die den Mund aufmachen und ihn besser gehalten hätten. Viele davon reden sich um Kopf und kragen, schreiben sich um Kopf und Kragen, indem sie sich selbst mehrfach und zirkulär ad absurdum führen, etwa so:

“Grundsätzlich – dieser Fakt ist für uns nicht verhandelbar – hat jeder Mensch eine individuelle Erfahrung und Empfindung bezüglich diskriminierender Benachteiligung und Ungleichheit [es gibt demnach auch nicht diskriminierende Benachteiligung]. Wir vertreten die Ansicht, dass die Deutungshoheit und Definitionsmacht bei den einzelnen Menschen selbst verortet ist. … Daher wehren wir uns ausdrücklich gegen Anfechtungen und Diffamierung. Gleichzeitig verstehen wir einige Reaktionen nicht als individuelle Meinungen, sondern als Ergebnis patriarchal geprägter Strukturen”.

Ein weißer weiser Pfälzer hat nach dem Hören oder Lesen von Passagen wie der zitierten in der Regel gesagt: “Oh Herr, schmeiß’ Hirn.” Wir sind geneigt, ihm zuzustimmen. Nach Ansicht von Kerstin Schmitt, die diesen Unsinn mit “queer-feministischen Grüßen” unterschrieben hat, ist also jeder Mensch Herr über seine Erfahrungen und Empfindungen, hat Deutungshoheit und folgerichtig ist er auch Herrscher über seine Aussagen und Äußerungen, jedenfalls so lange bis seine Aussagen und Äußerungen von Kerstin Schmitt nicht als Anfechtung und Diffamierung und von patriarchal geprägten Strukturen verursacht, angesehen werden. Dann ist es Essig mit der Deutungshoheit und den individuellen Erfahrungen, denn Deutungshoheit hat nur Kerstin Schmitt als möchtegern Hohepriester einer nicht-pratriachalen Struktur, die es vermutlich nur im Hirn von Frau Schmitt gibt, gleich neben der herbeigesehnten patriarchalen Struktur, ohne die das eigene Dasein doch so gar keinen Sinn hat.

Kriterium 3: Purer Unsinn und Grenzdebilität

“Dass nicht die Intention zählt, sondern das Resultat, welches bei den Betroffenen ankommt, ist eine weitere Prämisse des RGL …”

Entsprechend der oben beschriebenen Deutungshoheit der einzelnen über die Frage, ob sie diskriminiert werden oder nicht, hat das Referat aus Leipzig gerade den eigenen Preis als Unsinn deklariert, denn die Referatler oder Räte oder wie sie sich auch nennen mögen, können natürlich keinerlei Aussage darüber machen, wie etwas bei anderen ankommt. Im Übrigen ist es natürlich auch unerheblich, welche Intentionen die Sturas mit ihrer Aktion haben und nur die Ergebnisse zählen: Also, je nach Perspektive, dass sie Marius Jung und sein Buch diskreditiert haben oder dass sie sich lächerlich gemacht haben. Nach ihren eigenen Maßstäben müssten sie entsprechend mit vollstem Verständnins auf eine eventuelle Schadensersatzklage des Carlsen-Verlages und von Herrn Schmitt reagieren.

Ergo:

“Selbstkritisch möchten wir an dieser Stelle feststellen, dass die Perspektive unseres Blickes Teil einer weißen Mehrheitsgesellschaft ist. Aus dieser Perspektive heraus empfinden wir es als Notwendigkeit zu betonen, dass wir nicht den Inhalt des Buches oder den Umgang des Autors mit seiner (Rassismus-)Erfahrung in Frage stellen …”

Wie, bei aller individuellen Deutungshoheit, die Referatsmitglieder es geschafft haben, zu einem “wir” zu kommen, ist uns ein Rätsel (vielleicht ist es gar kein “wir”, sondern die Deutungshoheit der nicht-patriarchalen Struktur “Kerstin Schmitt”, die hier spricht), aber sei’s drum, als Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft, der wir nun auch einmal sind- wenn auch durchaus nicht überall auf der Erde, wollen wir nur noch anmerken, dass es uns, in unserer individuellen Deutungshoheit, die sich auf Jahrzehnte individueller Erfahrung gründet, nicht nachvollziehbar ist, wie man aus der Perspektive des Blickes der Referatler zu dem Unsinn kommen kann, den sie von sich gegeben haben. Aus der Perspektive der Wissenschaftler, die wir sind, müssen wir anfügen, dass es uns kalt den Rücken herunterläuft, wenn wir sehen, was derzeit an deutschen Universitäten herangezüchtet wird.

Die drei Kriterien sind nur Vorschläge unsererseits. Leser können sich eigene Kriterien überlegen, die ihren Vorschlag für die Auszeichnung “Universitäts-Moron”, den Preis für die studentischen Vertreter, die von Wissenschaft nachweislich die geringste Ahnung haben, begründen. Bedingung ist nur, dass die Kriterien nachvollziehbar und prüfbar sind.

Vorschläge bitte per Email an ScienceFiles

Manipulation durch Auslassung: Bildungsberichterstattung 2014

DestatisGerade hat das Statistische Bundesamt die Broschüre “Bildung in Deutschland 2014 veröffentlicht, eine deren Ziel darin besteht, “eine umfassende empirische Bestandsaufnahme” vorzulegen, “die das deutsche Bildungswesen als Ganzes abbildet …” (V). Erstellt wurde die Broschüre von einer “Autorengruppe”, die sich aus Mitgliedern des Deutschen Jugendinstituts (DJI), des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), des Soziologischen Forschungsinstituts an der Universität Göttingen (SOFI) und aus den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder zusammensetzt. Viele Köche haben also in diesem Bildungsbrei gerührt.

Um so erstaunlicher, dass eine Broschüre dabei herausgekommen ist, die an politischer Korrektheit nicht zu überbieten ist und deren Auslassungen an Geschichtsfälschung grenzen, in jedem Fall aber verhindern, dass die Broschüre auch nur in die Nähe einer “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” der Situation der Bildung in Deutschland kommt.

Um dies zu zeigen, muss man nur ein paar Daten vorwegschicken: 44% der weiblichen Schüler haben ihre Schulausbildung im Jahr 2013 mit einem Abitur, also einer Studienberechtigung abgeschlossen, im Vergleich zu rund 35% der männlichen Schüler. Gut 7% der männlichen Schüler sind im Jahre 2013 ohne irgend einen Abschluss geblieben, im Vergleich zu 5% der Mädchen. Merken Sie sich diese Daten, die die nach wie vor für Jungen im deutschen Bildungssystem bestehenden Nachteile deutlich zeigen, denn in der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” der oben genannten Autorengruppe kommen diese Daten nicht vor.

Ganz im Gegensatz zu den schon ans Manische grenzenden Gepflogenheiten alle Daten, die dies erlauben, nach Geschlecht auszuweisen, findet sich im Abschnitt D7 “Schulabgänge und Schulabschlüsse” der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” keinerlei Ausschlüsselung der Schulabgänger von Hauptschulen oder Gymnasien nach Geschlecht.

Seltsam.

Es wird umso seltsamer, wenn man bedenkt, was in der Broschüre alles nach Geschlecht aufgeschlüsselt ist:

  • Alleinerziehende,
  • pädagogisches Personal,
  • die Häufigkeit familiärer Bildungsaktivitäten,
  • Sprachförderungsbedürftige,
  • Lehrkräfte,
  • Freiwilliges Engagement von Neuntklässlern,
  • Studienberechtigung (nur in Prozent),
  • Jugendarbeitslosigkeit,
  • Übergangsquoten vom Gymnasium auf die Hochschule,
  • Personal an Hochschulen,
  • Kinder in Kindertagesstätten,
  • Anteil der Erwerbstätigen nach Bildungsabschluss,
  • Politisches Interesse nach Bildungsabschluss,
  • Disparitäten in Berufsausbildung und Studium.

Ist es nicht erstaunlich, welch abseitige Bereiche dem Autorenteam der Aufschlüsselung nach Geschlecht würdig erschienen sind, und welch wichtige Bereiche nicht? Und dies, obwohl in der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” steht:

“Für die weitere Bildungs- und Erwerbsbiographie ist ein allgemeinbildender Schulabschluss eine wichtige Voraussetzung. Informationen über die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen – d.h. derjenigen Schülerinnen und Schüler mit Hauptschul- oder höher qualifizierendem Abschluss … ermöglichen insofern eine Einschätzung der Qualifizierungsfunktion des Schulsystems (91).

Wer nun denkt, die Wichtigkeit des allgemeinbildenden Schulabschlusses für Absolventinnen und Absolventen habe eine entsprechende Auszählung der Schulabschlüsse nach Geschlecht zur Folge, der irrt sich. Die Ergebnisse, die wir diesem Text vorangestellt haben, kommen in der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” nicht vor. Die Autorengruppe übt sich lieber in Ignoranz gegenüber einem Problem des deutschen Bildungssystems, das, wäre es invers, sähe es also mehr Mädchen ohne Abitur und Schulabschluss, sicher zu einem #Aufschrei führen würde. Aber es betrifft Jungen, deshalb wird es totgeschwiegen. Jungen sind offensichtlich in ihrer Mehrzahl als Arbeitstiere der Zukunft und nicht als Mausschubser in Verwaltungen vorgesehen.

Wer denkt, dass wir angesichts dieser Art von Fälschung durch Unterlassung angewidert sind, der denkt richtig.

Aber es wird noch besser. Gibt es doch ein Kapitel das mit “Chancengleichheit” überschrieben ist (212-214).

Hier gibt es so bemerkenswerte Aussagen wie:

“Junge Frauen haben zwar geringere Übertrittsquoten in eine betriebliche Ausbildung als junge Männer, gleichzeitig treten sie aber wesentlich häufiger in eine vollzeitschulische Ausbildung ein.

In Deutsch: Weil mehr Jungen als Mädchen ohne Abschluss bleiben bzw. keine Studienberechtigung erzielen, gehen mehr Jungen in eine betriebliche Ausbildung. Dagegen studieren mehr Mädchen als Jungen, weil deutlich mehr Mädchen (siehe oben) eine Hochschulreife erwerben. Wer noch nicht genug hat, es geht noch weiter:

dji“Während sich im allgemeinbildenden Schulwesen, aber auch in der beruflichen Ausbildung und im Studium für Frauen eine Erfolgsgeschichte zeigt und Frauen günstigere Bildungsbiographien aufweisen als Männer, stellt sich die Situation am Arbeitsmarkt deutlich anders dar. … Während im Beschäftigungsstatus durchaus günstige Entwicklungen für die Frauen im Beobachtungszeitraum zu erkennen sind, zeigt sich eine umgekehrte Entwicklung im Einkommen. Hier hat sich die Differenz im Nettoäquivalenzeinkommen in den letzten Jahren vergrößert. … Ein ähnliches Bild zugunsten der Männer ergibt sich beim Einkommensvergleich auf Basis des Bruttomonatseinkommens bei Vollzeiterwerbstätigkeit … : hier sind die Geschlechterdifferenzen bei Personen mit hohem Bildungsstand zum Nachteil der Frauen bzw. Vorteil der Männer am größten (213)”

Wenn also Jungen bei Bildungsabschlüssen und beim Zugang zu Universitäten weit hinter Mädchen zurückbleiben, dann ist dies eine Erfolgsgeschichte der Mädchen. Wenn Frauen zu faul sind, ihre Vorteile auch in eine Vollerwerbstätigkeit umzusetzen und sich lieber als Vollzeitmama vom Arbeitsmarkt verabschieden, dann ergeben sich daraus Nachteile für Frauen und Vorteile für Männer.

Und wem es noch nicht reicht bis hierhin, wer noch nicht den Drang verspürt, einen nach dem anderen der sogenannten Autorengruppe zu verprügeln oder ihm doch zumindest seine Verachtung auszusprechen, dem kann geholfen werden:

“Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es über die verschiedenen Bildungsbereiche hinweg offenbar gelungen ist, die früheren Nachteile von Frauen in der Bildungsbeteiligung und im Bildungsstand … zu kompensieren. … Zu beobachten bleibt die Entwicklung der Jungen bzw. Männer in den Bildungsinstitutionen, insbesondere im allgemeinbildenden Schulsystem, in der beruflichen Ausbildung und in der Hochschulbildung. Zwar konnten im Schulsystem im unteren Leistungsbereich Verbesserungen bei den Jungen erzielt werden wie eine niedrigere Abgängerquote ohne oder mit Hauptschulabschluss, aber in der Erreichung der Hochschulugangsberechtigung geht die Schere zwischen Männern und Frauen, wenn auch nur leicht, so doch weiter auseinander” (214).

Manipulationsversuche leben in der Regel von der Verwendung wertender Adjektive und schwammiger Verben. Die Nachteile von Mädchen wurden “kompensiert”.

Die Kompensation folgt dem zweistelligen Funktor “Nachteile”, der ja ein “gegenüber” oder “im Vergleich zu” erfordert, also ein Nullsummenspiel darstellt, das zu Lasten von nicht-Mädchen gegangen ist. Die Nennung der Vergleichsgruppe wird vermieden, das Verb “kompensiert” ist dabei sehr nützlich, suggeriert es doch, Mädchen hätten den Abstand zu einer Vergleichsgruppe aufgeholt, nicht mehr. Dass Jungen erhebliche Nachteile haben, weil sie seltener ein Abitur erreichen als Mädchen, wird durch den Einschub “wenn auch nur leicht”, für den es weder eine Notwendigkeit, noch eine andere Funktion als Verniedlichung gibt, kurzerhand weggeschrieben und dass deutlich mehr Jungen als Mädchen auf Haupt- und Sonderschulen zu finden sind und mit oder ohne Hauptschulabschluss in ihre Berufskarriere entlassen werden, wird gleich ganz in Abrede gestellt, denn bei den Jungen wurden Verbesserungen erzielt, im unteren Leistungsbereich. Dass auch hier fehlt, im Vergleich zu was, die Verbesserungen erreicht wurden, ist sicher kein Zufall.

Autorengruppe Bildungsbericht 2014Derartige Pamphlete verursachen Übelkeit, und man fragt sich unwillkürlich, was sind das für Menschen, die an so etwas mitwirken. Können sie, ob ihres vollständigen Mangels an Empathie mit Jungen, überhaupt als Menschen gewertet werden? Oder sind sie einfach nur Instrumente eines vorgegebenen politisch korrekten Zeitgeistes, der mit Anstand und Moral nicht vereinbar ist und bei denen, die sowohl Anstand als auch Moral besitzen, zu nichts anderem führen kann als Verachtung? Damit den an der Autorengruppe Mitwirkenden auch die angemessene Verachtung zuteil werden kann, haben wir sie in der Abbildung am rechten Rand verewigt.

P.S.

Das vorliegende Pamphlet, das auch als Bildungsbericht 2014 bezeichnet wird, bleibt entsprechend weit hinter seinem Vorgänger dem Bildungsbericht 2012 zurück, in dem zwar auch versucht wurde, die Nachteile von Jungen zu verniedlichen, aber in dem sie doch immerhin noch genannt wurden.

Da spätestens seit wir “Bringing Boys Back In” veröffentlicht haben, der Öffentlichkeit bekannt ist, dass Jungen im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile gegenüber Mädchen haben, fragt man sich, durch welche Form psychologischer Pathologie die Auslassung der Beschreibung der Realität im deutschen Bildungssystem, etwa so: Jungen erwerben seltener ein Abitur als Mädchen oder so: Jungen finden sich öfter auf Sonderschulen wieder als Mädchen, verursacht wird. Offensichtlich ist der Autorengruppe die Pflege dieser Pathologie so wichtig, dass sie es in Kauf nehmen, dass die informierte Öffentlichkeit die entsprechenden Autoren mit Kopfschütteln und Verachtung betrachtet und sich wie wir fragt, aus welchem Abgrund menschlischer Störung dieser Hass auf die Bevölkerungsgruppe der Jungen gespeist wird.

Wo leben wir denn eigentlich? Ministerien finanzieren Betrug

Spiegel Online berichtet über das Professorinnenprogramm, über einen Fall, der beschreibt, was wir erwartet haben: Ein männlicher Bewerber lässt sich von der Formulierung des Ausschreibungstextes täuschen, reist aus den USA an, hält einen Probevortrag, wird von der Berufungskomission als bester Bewerber auf Listenplatz eins gesetzt und … Ja, er hat das falsche Geschlecht. Die Stelle soll aus dem Professorinnenprogramm finanziert werden, und aus dem Professorinnenprogramm werden keine männlichen Bewerber finanziert. Ergo bricht die Humboldt-Universität das Berufungsverfahren ab und, Matthias Aschenbrenner dürfte nun ein für alle Mal von einer Bewerbung an einer Deutschen Universität geheilt sein.

BetrugDie beschriebene Form des Betrugs, mit der männliche Bewerber unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geködert werden, um sich als Feigenblatt auf eine Ausschreibung zu bewerben, haben wir auf ScienceFiles schon mehrfach beschrieben. Die Vielzahl der Ausschreibungen, die wir gesammelt haben und die strategischen Anweisungen, mit denen das BMBF beschreibt, wie im Rahmen des Professorinnenprogramms vorgegangen werden soll, zeigen, dass die Ausschreiber genau wissen, dass sie gegen geltendes Recht verstoßen . Deshalb ziehen sie sich auf Methoden der Täuschung und des Betrugs zurück, auf die Vorspiegelung falscher Tatsachen, nämlich: männliche Bewerber hätten eine Chance, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden.

Die Täuschung ist im Fall von Matthias Aschenbrenner, der sich auf eine Mathematik-Professur an der Humboldt-Universität Berlin beworben hat, so erfolgreich gewesen,  dass, wie der Spiegel berichtet, nicht nur Aschenbrenner und zwei Drittel der Bewerber sich haben täuschen lassen, auch die Mitglieder der Berufungskommission waren offensichtlich nicht darüber unterrichtet, dass die Stelle, die sie besetzen sollen, nur und ausschließlich an weibliche Bewerber vergeben werden darf, dass die männlichen Bewerber nur als Staffage missbraucht werden, die benötigt wird, um nicht offensichtlich gegen geltendes Recht zu verstoßen.

Hätte, so hat ein externes Kommissionsmitglied dem Spiegel gegenüber gesagt, er gewusst, dass männliche Bewerber diskriminiert werden sollen, dann hätte er sich nicht am Berufungsverfahren beteiligt. Das ist moralisch anständig und ehrt das Mitglied, und es ist der Gipfel der Naivität. Wo leben wir eigentlich, wenn sich Professoren, und um einen solches wird es sich hier handeln, als externe Mitglieder in Berufungskommissionen setzen lassen ohne sich den Ausschreibungstext oder die Ausschreibungsmodalitäten genau durchzulesen, wenn sie sich, in aller Unschuld zum Wasserträger machen lassen, sich dazu missbrauchen lassen, den unanständigen und moralisch verkommenen Karren anderer zu ziehen?

Und wo leben wir, wenn Medien wie der Spiegel, die doch angeblich so kritischen Journalismus verbreiten, zu einem Betrug wie dem, der gerade an der Humboldt Universität stattgefunden hat, nichts einfällt, als das:

SPON“Natürlich muss der HU zugute gehalten werden, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt hat: Von knapp 44.000 Professoren in Deutschland waren zuletzt noch immer knapp 35.000 männlich. Der Frauenanteil liegt bei kümmerlichen 20 Prozent, in Naturwissenschaften und Mathematik sieht es besonders düster aus: Nur etwas mehr als jeder zehnte Lehrstuhlinhaber ist in diesen Fächern weiblich.”

Na dann, kann man hier nur sagen, dann ist ja alles in Ordnung: Weil nur “kümmerliche 20 Prozent” der Professoren weiblich sind, ist dies natürlich Legitimation dafür zu betrügen, zu täuschen und männlichen Bewerbern Kosten zu verursachen, und es lässt darüber hinwegsehen, dass an der “HU … ein interner Hinweis” existiert, “dass für ‘vorgezogene Neuberufungen’ auf Professorenstellen ausschließlich Frauen in Frage kommen”.

Was muss eigentlich passieren, bevor deutsche Medien, angebliche Enthüllungsmedien wie der Spiegel, also das Blatt der Mittelschicht, bei dem die Pornographie im angeblichen Kulturteil versteckt wird, Tacheles redet, Ross und Reiter benennt, etwa so:

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert gemeinsam mit den Kultusministerien der Länder und aus Steuermitteln ein Programm, das ausschließlich dazu dient, männliche Bewerber auf Professuren zu täuschen und zu diskriminieren und weibliche Bewerber vorzuziehen.

Da diese Form der Diskriminierung gegen geltendes Recht verstößt, hat das BMBF ein Strategiepapier entwickelt, in dem dargestellt wird, wie genau Ausschreibungen auszusehen haben, so dass nicht offensichtlich wird, dass männliche Bewerber keine Aussicht auf eine Berufung haben. Das BMBF verteilt eine Anleitung zu Betrug und Täuschung, ebenfalls aus Steuermitteln finanziert.

Die Humboldt-Universität ergänzt die Täuschungs-Strategie aus dem BMBF, damit auch wirklich kein männlicher Bewerber berufen wird, mit einem “internen Hinweis”, der sagt: Vorzugsprofessuren gibt es nur für weibliche Bewerber.

Wie deutlich muss man Diskriminierung eigentlich machen, bevor deutsche Journalisten, bevor Hermann Horstkotte und Christoph Titz im vorliegenden Fall, ihren politisch korrekten Stumpfsinn zu überwinden im Stande sind und sehen, was sich vor ihren Augen ereignet?

ProfessorrinnenprogrammUnd wie lange muss man warten, bis sich Moral und Anstand und Empathie verbreiten, z.B. in Form der Frage: Möchtest Du Dir Hoffnung auf eine Professur machen, Dich auf die Professur bewerben, Zeit und Geld investieren, um anzureisen und einen Berufungsvortrag zu halten, nur um dann zu lernen, dass Du von Anfang an nur als Feigenblatt gebrauch bzw. missbraucht wurdest, weil Du nämlich von Anfang an keine Chance auf die entsprechende Professur hattest – aufgrund Deines falschen Geschlechts?

Wie lange muss man noch warten, bis Deutsche, die Anstand und Moral bewahrt haben, sich gegen moralisch verkommene Politagiteure stellen, die im Namen und im Auftrag derer, die sie gewählt haben, Betrug und Täuschung auf eine ganz neue Ebene gestellt haben?

Aber: Es gibt ein Zeichen der Hoffnung. Michael Hartmer, Geschäftsführer der Professorenvereinigung Deutscher Hochschulverband, hält den Abbruch des Verfahrens durch die HU für ‘scheinheilig’ und ‘empörend’. Wir werden ihm unsere Blacklist der Universitäten zukommen lassen, die männliche Bewerber ganz offen diskriminieren und dann sehen, ob verbalen Äußerungen, wonach etwas scheinheilig und empörend ist, auch nicht verbale Handlungen folgen.

Zu guter Letzt kann man den vermeintlich kritischen Journalisten des Spiegel und dem Geschäftsführer der Professorenvereinigung Deutscher Hochschulverband nur empfehlen, ScienceFiles zu lesen. Dann sind sie früher informiert und bei ihrer Erkenntnis nicht von den “Zeichen der Zeit” behindert, die man manchen wie dem sprichwörtlichen Esel die Karotten vor die Nase halten kann, damit sich der Karren in Bewegung setzt, und zwar in die gewünschte Richtung.

Sykophanten für das Land: Muster-Ausschreibung für Universitäten

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen lehrt das Grauen: Die völlige Unkenntnis der Verfasser darüber, was Wissenschaft und wissenschaftliches Arbeiten eigentlich umfasst, die Tatsache, dass immer mehr vermeintlich wissenschaftliche Beiträge sich als politisch korrektes Wiederkäuen politisch korrekter, von politischen Akteuren vorgegebener Inhalte entpuppen, und vor allem, die völlige Unkenntnis vieler Verfasser über ihre eigene Unkenntnis, verbreitet eine Form von Wissenschaftsterror, von der man sich nur schwer erholt.

miscatonic universityHinzu kommen die Versuche, wie sie z.B. aus dem BMBF kommen und z.B. im Rahmen des Professorinnenprogramms betrieben werden, in täuschender Absicht und hinter Floskeln versteckt, Wissenschaft mit Personen zu infiltrieren, die aufgrund eigener Leistung nicht einmal in die Nähe eines Lehrstuhls gelangt wären, weshalb man sie entsprechend fördern und aussichtsreiche Bewerber diskriminieren muss.

Das, was manche Inhaber wissenschaftlicher Positionen produzieren, und der direkte Einfluss, den Ministerien auf deutsche Hochschulen nehmen, lässt nur einen Schluss zu: Ziel ist die Entprofessionalisierung der Universitäten, deren Durchsetzung mit Personen, die nicht willens und nicht in der Lage sind, eigene und vor allem von der Vorgabe des politisch Korrekten abweichende Ideen zu formulieren und die selbst dann, wenn sie es wären, nicht über die Fähigkeiten und Kompetenzen verfügten, sie umzusetzen, ist Teil einer intendierten Zersetzung deutscher Universitäten. Sie wird von politischen Akteuren betrieben, um sich vor Kritik und Widerstand zu schützen, der angesichts zunehmender Verteilungskämpfe um knappe Ressourcen zu erwarten ist, und wenn man auf die Beiträge wissenschaftlicher Positionsinhaber blickt, so muss man feststellen, die entsprechenden Versuche sind schon weit vorangeschritten.

Und dies trotz der Rücksicht, die z.B. Vertreter des BMBF immer noch auf Dinge wie Wahrheit, Informationsgehalt oder gar Anstand zu nehmen müssen glauben, ein Glaube, der sich z.B. darin niederschlägt, dass im Rahmen des Professorinnenprogramms eine Vielzahl von kunstvoll-geschaffenen Begrifflichkeiten benutzt werden muss, um die Wahrheit, dass das Professorinnenprogramm offene Diskriminierung von Männern darstellt, zu verschleiern.

Um Ministerien von der Last, die mit dem Versuch der Täuschung einhergeht, zu befreien und wissenschaftlichen Positionsinhabern die Last, Legitimation des politisch Korrekten in wissenschaftliche Floskeln verpacken zu müssen, zu nehmen, haben wir uns entschlossen, einen Ausschreibungtext der Zukunft für ein Institut der Zukunft zu entwickeln, das dem Problem der Täuschung der Öffentlichkeit endlich und mit Systematik zu Leibe rücken wird.

 

HU-BerlinDie Humboldt-Universität Berlin gehört zu den wichtigsten Universitäten am Standort Berlin und profitiert nicht nur von ihrer räumlichen Nähe zu deutschem Bundestag und Ministerien. Das neugegründete Leopold Gutterer Institut für angewandte politische Legitimationsforschung wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Stadt Berlin finanziert. Es soll zu einem der führenden Kompetenzzentren Europas für die Aufbereitung und Darbietung von richtiger Information ausgebaut werden.

Zu diesem Zweck ist die

Genrikh Yagoda Gründungsprofessur für politische Divulgation (W3)

zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu besetzen.

Die Hauptaufgabe des zukünftigen Lehrstuhlinhabers/der zukünftigen Lehrstuhlinhaberin wird in der Begleitung des Aufbaus des Leopold Gutterer Instituts für angewandte politische Legitimationsforschung bestehen. Neben der Gründungsprofessur sind weitere drei Professuren am Institut vorgesehen, die sich weiteren Teilaspekten der politischen Kommunikation, unter besonderer Berücksichtigung von Auswahl und Darbietung der richtigen Information widmen. Vom Stelleninhaber/der Stelleninhaberin wird weiter erwartet, dass er/sie sich in Lehre und Forschung für das Thema der richtigen politischen Kommunikation engagiert. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Referent_innenRat (ehemals AStA) der Humboldt-Universität ist zu diesem Zweck sinnvoll und aus Gründen der Rekrutierung politischer Aktivisten zu begrüßen, um z.B. Veranstaltungen, die aus Sicht der richtigen Information bedenklich sind, durch Kundgabe der richtigen Information neu zu orientieren.

Der/die Stelleninhaber/in muss in der Benutzung statistischer Methoden ausgewiesen sein. Multivariate Verfahren wie logistische Regressionen oder Two-Way Cross-Random Effect Modelle müssen ihm von der Benutzung her vertraut sein. Mathematische Kenntnisse oder Erwägungen, die sich auf Reliabilität und Validität von statistischen Modellen beziehen, sind nicht erforderlich. Vielmehr werden vom Stelleninhaber/von der Stelleninhaberin moderne Methoden der Interpretation von Daten erwartet, die ihren Anfang nicht bei theoretischen Erwägungen, sondern bei der Idee der richtigen Information nehmen.

Weiter erwarten wir von Bewerbern/von Bewerberinnen, dass sie national wie international durch Publikationen in Fachzeitschriften ausgewiesen sind, die jedoch keinerlei kritische Resonanz und keinerlei kritische Aufmerksamkeit bei Fachkollegen ausgelöst haben. Erfolgreiche Bewerber/Bewerberinnen sollen ein Interesse am jungen Forschungsgebiet politischer Kommunikation der richtigen Information haben und sich durch ein entsprechendes gesellschaftliches Engagement ausweisen (Mitgliedschaften bei Antifa und Attac zum Zwecke der Netzwerkbildung im Hinblick auf Informationsgewinnung und offensiven Informationsverbreitung werden ausdrücklich ermutigt). Kenntnisse in Persuasionsforschung oder in assoziativen Techniken der Informationsaufbereitung sind von Vorteil.

Der/die Stelleninhaber/in sollte in der Lage sein, Vorgaben zur richtigen Information selbständig und weisungsgebunden umzusetzen. Zudem erwarten wir vom zukünftigen Stelleninhaber/von der zukünftigen Stelleninhaberin Kenntnisse in und eine Freude am spontanen Interpolieren, das nicht von eigenen Ideen beeinträchtigt wird. Vielmehr soll der zukünftige Stelleninhaber/die zukünftige Stelleninhaberin gewandt sein, in der Kunst, die Ideen anderer zu adaptieren, zu entstellen und durch eigene Forschung ad absurdum zu führen.

Wir bieten die Möglichkeit, beim Aufbau des Leopold Gutterer Institut als Ansprechpartner/Ansprechpartnerin für die Presse mitzuwirken, ohne dabei für die getroffenen Entscheidungen verantwortlich sein zu müssen. Wir bieten eine interessante Tätigkeit, die Kompetenzen und Fähigkeiten im Umsetzen vorgegebener Entscheidungen verlangt. Dabei steht die Entwicklung diverser Kommunikationsformen, die auf mehreren Wegen die Übermittlung derselben richtigen Information gewährleisten, im Zentrum der fordernden Tätigkeit. Redaktionelle Tätigkeiten, wie z.B. die Anpassung veralteter Schriften an das moderne und richtige Denken, sind Bestandteil der Arbeit, die vom Stelleninhaber/von der Stelleninhaberin erwartet wird. Kenntnisse im Erstellen so genannter “abridge versions”, in denen falsche Informationen weggelassen und richtige Informationen eingefügt werden, sind von Vorteil.

Die Finanzierung der Stelle erfolgt aus den Mitteln des BMBF. Die Stelle ist unbefristet. Bewerber dürfen das 52. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Bei gleicher Eignung werden Bewerber vorgezogen, deren visueller Eindruck keinerlei Anzeichen auf eine vorhandene Individualität vermittelt.

Bewerbungen senden Sie bitte unter Einschluss der üblichen Bewerbungsunterlagen und unter dem Stichwort „Genrikh Yagoda“ an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Hannoversche Straße 28-30, D-10115 Berlin.

Die Bewerbung von behinderten, weiblichen Bewerberinnen mit Kind wird ausdrücklich begrüßt.