Martenstein on Wissenschaft

Wissenschaft ist die Methode zu zweifeln. Es geht darum, Bekanntes in Frage zu stellen, neue Ideen zu entwickeln, sie zu prüfen, die Konsequenzen aus den Testergebnissen zu verarbeiten, die Ergebnisse zu kritisieren, die eigenen Ideen weiterzuentwickeln, sie wieder und wieder an der Realität zu testen. Karl Popper hat Wissenschaft einmal als trial-and-error-Verfahren beschrieben, bei dem es darum geht, die eigene Vorstellung davon, wie etwas in der realen Außenwelt erklärt werden kann, wieder und wieder zu prüfen und mit jeder Prüfung der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Harald Martenstein schreibt in der ZEIT über Wissenschaft.

MartensteinDer Anlass für Martensteins Text sind die Studenten, die in Berlin das blog “Münkler-Watch” betreiben, ein Blog, das sich dem anti-rassistischen Kampf gegen alle, die nicht so sind wie die Betreiber, verschrieben hat, und ein Blog von Münkler-Watchern, die die Wahrheit trotz ihrer nur 20+ Jahre genau kennen, die entsprechend keine Kritik, keinen Zweifel, keine auch noch so kleine Abweichung von ihrer Wahrheit zulassen, Abweichler wie Herfried Münkler folglich überwachen und vor dem Hintergrund der Wahrheit der Watchisten entlarven wollen.

Harald Martenstein versucht in der ZEIT den Watchisten etwas vom Geist der Wissenschaft zu vermitteln. Er tut dies im Ton eines Erziehungsberechtigten, der zu seinen unartigen Gören spricht, jedoch mit viel reformpädagogischem Wohlwollen, dem die Hoffnung, man habe es mit einem Erziehungsgegenstand zu tun, dem grundsätzlich Wissen vermittelbar sei, dem grundsätzlich Erkenntnis möglich sei, inhärent ist.

Also erzählt Martenstein von Ambivalenz und ohne ihn zu nennen, denn sein Erziehungsversuch soll diejenigen, die er erziehen will, ja nicht überfordern, vom Fehlschluss ad hominem, jenem Fehlschluss, der unter Ideologen so endemisch ist, der offenkundig die geistige Kapazität der entsprechenden Ideologen vor ein unlösbares Problem stellt:

Wie – Jemand kann Rassist oder Kapitalist oder sogar Sozialist sein und dennoch einen Satz geäußert haben, der die Realität richtig beschreibt?

Schlimmer noch: Jemand kann ein weißer Mann sein, der das Wort “Neger” schriftlich niedergelegt hat und der dennoch wie Immanuel Kant oder Wilhelm von Humboldt zu den großen Freiheitsdenkern der Menschheitsgeschichte gehört.

Diese schlichte Erkenntnis, die Ideologen so unvorstellbar ist, Martenstein will sie ausgerechnet den Münkler-Watchisten vermitteln. Und im Verlauf seines Erziehungsversuchs vermittelt er nicht nur die Prämisse der Reformpädagogen, nach der jeder erziehbar ist, sondern auch den Eindruck, es sei für Studenten an Hochschulen irgendwie normal auf derart abseitige Ideen, wie die von Münkler-Watch zu kommen, als sei es eine Sache, die einem einfach so einfallen kann, die einfach so harmlos des Wegs kommende Studenten befällt und zu Watchisten konvertiert.

Wie so viele Reform-Pädagogen vergisst Martenstein, dass Handlungen in einen Handlungskontext eingebettet sind, vor dem man sie betrachten muss. Die Watchisten an der HU-Berlin sind nicht vom Himmel gefallen. Es ist kein Zufall, dass die Watchisten sich an der HU-Berlin gegründet haben. Es ist dem Umfeld geschuldet, in dem sich die Watchisten bewegen, denn, so schön eine deratige Idee auch sein mag, die wenigsten Menschen kommen von sich aus auf Ideen. Den meisten muss man Ideen vorgeben und den Watchisten mit Sicherheit, denn die Grundlage des Watchismus ist die Übernahme einer Heilslehre.

Man muss sich erst im Besitz von Wahrheit wähnen, ehe man die entsprechende Wahrheit gegen Andersdenkende verteidigen zu müssen glaubt und selbst wenn man sich im Besitz der Wahrheit wähnt, ist ein Aktivator notwendig, jemanden, der die Wahrheitsjünger in die Welt schickt, um dort ihr Heil zu verkünden und Nicht-Gläubige wahlweise zu bekehren, zu diffamieren oder zu ermorden (nicht umsonst wird eine Verbindung zwischen Hasspredigern und Terroristen, die sich aus welchen Gründen auch immer auf den Islam berufen, hergestellt).

Insofern Martenstein dies nicht berücksichtigt, verharmlost er das Problem der Watchisten.

Heavens gateSeine Erziehungsbemühungen setzen am falschen Punkt an und sind schon deshalb zum Scheitern verurteilt. Wichtiger als die Erziehung der Watchisten, aus denen man sowieso keine Wissenschaftler mehr machen kann, wäre es, die Hintermänner zu identifizieren, jene, die an der HU-Berlin für ein Klima verantwortlich sind, in dem weiße Männer generell des Rassismus, Seximus, und wenn sie nicht behindert sind, des Ableismus verdächtigt werden, in dem vesucht wird, Autoren aus dem Curriculum zu streichen und Aussagen dieser Autoren zu unterdrücken, die nicht in das eigene Weltbild jener Sozial-Macher des Guten passen.

Hier und nicht bei den Watchisten, die nur Figuren in einem Spiel sind, ist der Ansatzpunkt für diejenigen, die die Wissenschaft gegen Ideologen verteidigen wollen. Allerdings wird man bei diesen Ideologen nicht mit Erziehungsbemühungen à la Martenstein weiterkommen. Hier braucht man schon härtere Kaliber, wie z.B. die Entfernung der entsprechenden Ideologen von Universitätet.

Was für eine Vorstellung. Da sollen Dozenten von Universitäten entfernt werden. Was ist mit der Freiheit der Wissenschaft? Nun, die Freiheit der Wissenschaft sieht es nicht vor, dass man dabei zusieht, wie Ideologen sich unter Missbrauch eben der Freiheit der Wissenschaft einnisten und Wissenschaft zerstören. Wissenschaft ist ein Unterfangen, das auf dem Grundkonsens des gegenseitigen Respekts, der wissenschaftlichen Methode und der Freiheit der Meinungen basiert.

Wer vor anderen Wissenschaftlern keinen Respekt hat, sie generell als weiße, sexistische Männer diskreditiert, wer keine wissenschaftliche Methode vorweisen kann, seine Behauptungen weder begründet noch sie kritisieren lässt, wer anderen, die ihre begründete Meinung vortragen, den Mund verbieten will, der hat an Hochschulen nichts zu suchen, denn: derartige Ideologen haben nichts mit Wissenschaft zu tun. Wer die Freiheit der Wissenschaft für sich ins Feld führen will, der muss Wissenschaftler sein, der muss die wissenschaftliche Methode und die Regeln der Wissenschaft akzeptieren, respektieren und (willens sein, sie) an(zu)wenden.

Zensur und Überwachung: Das Ende der Wissenschaftsfreiheit

Die Wissenschaften sehen sich verstärkten Bemühungen ausgesetzt, Wissenschaftsfreiheit zu beseitigen, Wissenschaftler zu kontrollieren, Ideen an politischer Korrektheit auszurichten, unbequeme oder als gefährlich etikettierte Forschung zu verhindern und die Diskussion über wissenschaftliche Erkenntnis zu erschweren:

“The realization of academic freedom depends on controversy: it voices dissent. Linked to free speech, it is marked primarily by critique, speaking against – even offending against – prevailing concepts or norms”.

XindexDies schreibt Thomas Docherty in einem Beitrag über die Beseitigung von Wissenschaftsfreiheit im Vereinigten Königreich (wobei man ergänzen muss, dass Kritik und abweichende Meinungen kein Selbstzweck sind und nur dann als relevant angesehen werden können, wenn sie begründet sind!)

Der Beitrag von Docherty entstammt der Juni-Ausgabe von X index on Censorship, die komplett den Gefahren gewidmet ist, die wissenschaftliche Freiheit derzeit bedrohen. Das Heft versammelt Beiträge aus dem Vereinigten Königreich, Irland, den USA, der Ukraine, der Turkei, China, Mexiko und Indien und beschreibt zum Teil erschreckende Realitäten außerhalb von Deutschland.

Warum gibt es keinen Beitrag aus Deutschland? Vermutlich hat sich kein Wissenschaftler gefunden, der mutig genug ist, die Zustände in Deutschland in einem namentlichen Beitrag zu beschreiben.

Dabei wäre gerade ein Beitrag für Deutschland so wichtig wie kein anderer, denn in Deutschland kumulieren die Gefahren für die Wissenschaftsfreiheit, die für andere Ländern beschrieben werden.

Jemimah Steinfeld für China, Thomas Docherty für das Vereinigte Königreich und Mark Fray für die USA beschreiben Entwicklungen, die es allesamt auch in Deutschland gibt, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt:

Für China: Aussagen, die sich gegen Parteiführer richten oder den Sozialismus in ein schlechtes Licht rücken, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden. Für Deuschland: Aussagen, die sich gegen Feministen oder Feminismus richten, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden.
Für das Vereinigte Könnigreich: Aussagen, in denen die eigene Universität kritisiert wird, schaden dem Markennamen der Universität und dürfen von Akademikern nicht mehr gemacht werden. Für Deutschland: Professoren sind Beamte und dem Beamtenrecht, das Loyalität, also schweigende Zustimmung zum Dienstherr vorsieht, unterworfen.
Für die USA: Triggerwarnungen davor, dass der folgende Text die Lesenden in irgend einer Weise psychisch verletzen könnte, sorgen dafür, dass Hochschulen zur psychiatrischen Anstalt verkommen, an denen jeder seinen Spleen frei ausleben kann. Für Deutschland: Texte, die Lesende mit etwas konfrontieren könnten, was bei diesen zu einer psychischen Krise führt, sollen ganz verboten werden.
Für die USA: Bestimmte Autoren sollen aus dem Curriculum gestrichen werden, weil ihre Arbeiten die Lesenden paychisch belasten könnten. Für Deutschland: In Halle oder in Berlin wollen Studenten die Arbeiten von Autoren, die sie für rassistisch oder sonst etwas halten, nicht mehr im Curriculum sehen. Ins Curriculum darf nur noch aufgenommen werden, was politisch korrekt ist.
Für China: In Vorlesungssälen sollen Videoüberwachungskameras installiert werden, um sicherzustellen, dass Dozenten auch die richtige Lehre vermitteln und sie richtig vermitteln. Für Deutschland: In Deutschland braucht man keine Videoüberwachung. Hier übernehmen Studenten die Überwachung ihrer Dozenten, Studenten, die sich in anonymen Vereinigungen wie Münkler-Watch zusammengeschlossen haben.
Für China: Akademiker werden dadurch zensiert, dass nicht-linientreue Akademiker keine Fördergelder erhalten und durch Peer-Kontrolle von Publikationen ausgeschlossen werden. Für Deutschland: Kein Unterschied. Wer das nicht glaubt, der möge versuchen, einen Beitrag, in dem er die Einvernahme deutscher Universitäten durch den Feminismus kritisiert zu veröffentlichen oder wahlweise ein Forschungsprojekt einreichen, dessen Ziel darin besteht, den Nutzen der wissenschaftlichen Beiträge, die von Genderlehrstühlen produziert werden, zu evaluieren.

Es sieht nicht besonders gut aus, um die Freiheit der Wissenschaft, jenen geflügelten Begriff, mit dem sich immer die Herrscher in Staaten schmücken, die am intensivsten darum bemüht sind, die Freiheit der Wissenschaft einzuschränken oder z.B. durch die Vergabe von Fördermitteln zu kontrollieren oder die Einführung einer Zivilklausel zu verhindern.

ideasaheadDiejenigen, denen die Freiheit der Wissenschaft ein Dorn im Auge ist, sie finden sich immer unter denen, die Heilslehren wie den Feminismus verkünden oder ihre politische Herrschaft zementieren wollen. Beide eint das Bemühen, abweichende Ideen, die die eigene Position in Gefahr bringen oder herausfordern, zu unterdrücken. Vermutlich ist dies der Grund, warum der Feminismus in Deutschland zu einem Staatsfeminsimus geworden ist, der Frauenförderung zur paternalistischen Aufgabe des Staates gemacht hat, mit deren Hilfe es nicht nur möglich ist, Hochschulen zu kontrollieren.

Denn: wer ist eigentlich so naiv zu denken, Frauenförderung an Universitäten würde die intelligentesten Frauen in Positionen befördern? Die intelligentesten Frauen durchschauen, dass sie sich einerseits als Nutznießer von Frauenförderung in eine abhängige Beziehung zu ihrem Förderer begeben und andererseits als entsprechende Nutznießer konstatiert bekommen, dass sie der Hilfe eines väterlichen staatlichen Freundes bedürfen, um überhaupt etwas zu erreichen. Das ist das Gegenteil von Emanzipation und Emanzipation, auch psychologisch als Selbstwirksamkeit beschrieben, ist das, wonach intelligente Menschen streben.

Update: Nutznießer des Professorinnenprogramms

Das meritokratische Prinzip besagt, dass Leistung das Kriterium ist, das über z.B. die Vergabe von Positionen im Bildungswesen entscheidet. Wenn sich also ein guter und ein schlechter Kandidat auf eine Position bewerben, dann sieht das meritokratische Prinzip vor, dass der bessere Kandidat die Position erhält. Es ist also gerade nicht wie in der Politik, wo Kandidaten nach Hausmacht z.B. in den Unterbezirken und weitgehend unabhängig von ihrer Leistung gewählt werden.

ProfessorrinnenprogrammMit dem Professorinnenprogramm ist das meritokratische Prinzip von Hochschulen verschwunden. Nicht mehr die Leistung entscheidet darüber, ob ein Bewerber eine Position erhält, sondern sein Geschlecht. Entgegen aller Mimikry und aller ausgefeilten Versuche, das Professorinnenprogramm nicht als klares Programm zur Diskriminierung von Männern erscheinen zu lassen, ist das Professorinnenprogramm nichts anderes als ein Diskriminierungsprogramm: Positionen an Hochschulen werden für weibliche Bewerber reserviert, nur an weibliche Bewerber vergeben, weibliche Bewerber werden also privilegiert, männliche Bewerber diskriminiert.

Das Professorinnenprogramm ist ein Günstlingprogramm, das der Vergabe von Lehen im Mittelalter entspricht und nicht Leistung, sonder die Bereitschaft, sich als Günstling zu verdingen, belohnt.

Wir haben vor ein paar Tagen eine Liste gestartet, in die all diejenigen aufgenommen werden, die sich nicht zu schade sind, aufgrund ihres Geschlechts und eben nicht aufgrund ihrer Leistung auf eine Professur berufen zu werden. Die Liste wird von unseren Lesern geführt, von denen sich manche als sehr motiviert erwiesen haben. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich und sind schon gespannt auf die weiteren Hinweise, die uns auf die Günstlinge des Professorinnenprogramms erreichen.

Wer Hinweise hat: Eine eMail an uns genügt.

Hochschule Fakultät Name
TU-Berlin Theoretische Physik Dr. Sabina Klapp
TU-Berlin Kunstgeschichte Dr. Bénédicte Savoy
TU-Braunschweig Gender, Technik und Mobilität; Maria Goeppert-Mayer-Frauenförderung Dr. Corinna Bath
Universität Bremen Mathematik Dr. Emily King
Universität Bremen Wirtschaftswissenschaft Dr. Jutta Günther
TU-Chemnitz Literaturwissenschaft Dr. Bernadette Malinowski
TU-Chemnitz Rechtswissenschaft Dr. Dagmar Gesmann-Nuissl
TU-Dresden Umweltwissenschaften Dr. Christina Dornack
Fachhochschule Erfurt Architektur und Stadtplanung Dr. Katrin Großmann
Fachhochschule Erfurt Angewandte Sozialwissenschaften Dr. Ines Herrmann
Fachhochschule Erfurt Angewandte Sozialwissenschaften Dr. Ines Remsperger
Pädagogische Hochschule Freiburg Medizin Dr. Eva Bitzer/td>
Pädagogische Hochschule Freiburg Germanistik Dr. Petra Gretsch
Pädagogische Hochschule Freiburg Pädagogik der frühen Kindheit Dr. Susanne Koerber
Universität Freiburg Anorganische und Analytische Chemie Dr. Anna Fischer
Universität Göttingen Sozialwissenschaften Dr. Claudia Diehl
Universität Göttingen Germanistik Dr. Anke Holler
Universität Göttingen Mathematik Dr. Anja Sturm
Universität Hamburg Betriebswirtschaftslehre Dr. Silke Boenigk
Universität Hamburg Amerikanistik Dr. Astrid Boger
Universität Hamburg Sozialwissenschaften Dr. Anita Engels
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover Kommunikationswissenschaften Dr. Eva Baumann
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover Kinder- und Jugendchorleitung Dr. Friederike Stahmer
Universität Hannover Sprachwissenschaft Dr. Ulrike Altendorf
Universität Hannover Evangelische Theologie Dr. Monika Fuchs
Universität Hannover Sprachpädagogik Dr. Ulrike M. Lüdtke
Universität Hannover Mathematik und Physik Dr. Silke Ospelkaus
Universität Lüneburg Sprachwissenschaft Dr. Anne Barron
Universität Lüneburg Ökologie Dr. Alexandra Klein
Universität Lüneburg Kunstgeschichte Dr. Beate Söntgen
Universität Mainz Medizin Dr. Christine Espinola-Klein
Universität Mainz Physikalische Chemie Dr. Angelika Kühnle
Universität Mainz Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte Dr. Vasiliki Tsamakda
Universität Osnabrück Wirtschaftspsychologie Dr. Christel Kumbrück
Universität Osnabrück Sprachwissenschaft Dr. Christina Noack
Universität Osnabrück Betriebswirtschaftslehre Dr. Kertin Plüm
Universität Osnabrück Betriebswirtschaftslehre Dr. Marion Wendehals
Universität Osnabrück Geschlechterforschung Dr. Barbara Schwarze
Universität Rostock Sonderpädagogik Dr. Tanja Jungmann
Universität des Saarlandes Mikrobiologie Dr. Karin Römisch
Universität Siegen Wirtschaftswissenschaften Dr. Ilona Ebbers
Universität Tübingen Chemie Dr. Doris Kunz
Universität Vechta Geistes- und Kulturwissenschaften Dr. Eva Wilden
Jade Hochschule Wilhelmshaven Tourismuswissenschaft Dr. Ines Behn-Künzel

Wir bitten weiter um zahlreiche Mitarbeit, denn, wie sich hoffentlich langsam herumgesprochen hat: Wir betreiben ScienceFiles nebenbei!

Keine Rechtsgrundlage: Es ist Schluss mit Sprachgenderisierung an Hochschulen

Genderismus ist eine Toleranz schmarotzende Ideologie, die vom Wohlwollen derer lebt, die ihr nicht anhängen. Deren Wohlwollen ausnutzend infiltrieren Genderisten das öffentliche Leben, um dort das zu besetzen, was Lann Hornscheidt mit Blick auf die eigene Position als “statushoch” bezeichnet. Statushoch müssen die besetzten Positionen deshalb sein, weil Genderisten der Ansicht sind, man könne dem deutschen Michel alles aufzwingen, so lange es in der Verpackung amtlicher Vorgaben daherkommt, selbst Rechtsbrüche und Aufrufe zu Straftaten störten den deutschen Michel nicht, solange sie im Amtsdeutsch und als Vorgabe “von oben” kämen.

So die Überzeugung der Genderisten.

Deshalb betreiben sie unverfroren Frauenförderung an Hochschulen. Deshalb zweckentfremden sie ohne Skrupel Mittel des Europäischen Sozialfonds, die eigentlich der Verbesserung der Situation von Arbeitslosen gewidment sind, und deshalb spielen sie sich in einer Weise auf, die anderen suggerieren soll, sie könnten Vorschriften machen bzw. erlassen.

Möglich ist dies, wie gesagt, weil Genderisten die Toleranz und das wohlwollende Desinteresse der meisten z.B. an Hochschulen Beschäftigten ausnutzen. Und ehe sich die Toleranten versehen, sitzen Gleichstellungsbeauftragte ohne weitere Qualifikation in Berufungskommissionen, müssen Ausschreibungen einem neuen ideologischen Duktus angepasst werden, wird frech behauptet, es gäbe gar Rechtsvorschriften, die vorschreiben würden, dass Studenten ihre Ausarbeitungen gendern.

Und dass die Genderisten mit ihrer Indoktrination Erfolg haben, dass sie ihre vollkommen intolerante Ideologie denen, die sie mit wohlwollender Ignoranz haben gewähren lassen, nunmehr vorschreiben und ohne jede Toleranz für abweichende Meinungen versuchen, ihre Ideologie durchzusetzen, das hat einen einfachen Grund: Die meisten anscheinend wohlwollend Ignoranten verfügen einfach nicht über genügend Zivilcourage, um sich gegen die Gender-Ideologen zur Wehr zu setzen, der Genderista Grenzen zu setzen.

So wäre das Professorinnenprogramm vermutlich schnell am Ende, wenn männliche Bewerber, die unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu Berufungsvorlesungen eingeladen wurden, um dann als Bewerber abgelehnt zu werden, weil die ausgeschriebene Stelle nur mit weiblichen Bewerbern besetzt werden darf, gegen dieses Programm vor einem Verwaltungsgericht klagen würden. Sie tun es bislang nicht und das Professorinnenprogramm läuft weiter.

Doch nicht allen fehlt die Zivilcourage, die notwendig zu sein scheint, um gegen Genderista Stellung zu beziehen.

Sebastian Zidek, der an der TU-Berlin “Verkehrswesen” studiert und in diesem Zusammenhang die Pflichtveranstaltung “Einführung in das Verkehrswesen” besucht, fehlt keine Zivilcourage. Da wir im Zeitalter der Role Models leben: Sebastian Zidek ist ein Role Model.

Er hat sich vor rund eineinhalb Monaten erstmals an uns gewendet, und zwar mit einer Frage: “Ist es zulässig”, so hat er uns gefragt, “dass ein Punktabzug vorgenommen wird, wenn eine Hausarbeit nicht gegendert ist”, wenn sie also keine *_Innen enthält?

Tu BerlinDas Beispiel aus Berlin, von der TU, macht nicht nur deutlich, wie Genderista Hochschulen infiltriert haben und nun versuchen, ihre Ideologie als vermeintliche Rechtspflicht getarnt durchzusetzen, es macht auch deutlich, dass man mit Zivilcourage den Genderspuk beenden kann.

Irritiert war der Student des Verkehrswesens Sebastian Zidek u.a. über die folgende Passage aus den Richtlinien des Seminars “Einführung in das Verkehrswesen”:

“Auch die korrekte Verwendung von männlichen und weiblichen Ausdrucksformen und somit einer gendersensiblen Sprache wird in einer wissenschaftlichen Arbeit erwartet. Allgemein bedeutet Gender Mainstreaming „bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.” BMFSFJ 2012″

So einfach geht Infiltration und Indoktrination bei den Genderista: Haben Sie sich erst einmal in Positionen an Hochschulen eingeschlichen, dann beginnen sie dort ihr ideologisches Vernichtungswerk und behaupten frech und unter infamem Verweis auf ein Bundesministerium, es sei Pflicht, gegendert zu schreiben – ganz so, als hinge die Qualität von Argumentationen am Gendern der Sprache, als habe es auch nur im Entferntesten etwas mit Wissenschaft zu tun, ob ein Innen, ein X oder ein *_ die schriftliche Ausarbeitung unlesbar macht [Zwischenzeitlich ist es wohl schon so, dass man Texte minderer Qualität und Texte, die Wissenschaftlichkeit nur vorheucheln, leicht erkennen kann, an der Verwendung gegenderter Sprache.]

Entsprechend haben wir Herr Zidek geraten, sich an seinen Dozenten und die Rechtsabteilung zu wenden, da gegenderte Sprache weder mit den Methoden wissenschaftlichen Arbeitens noch mit der Idee von Wissenschaft vereinbar ist.

Herr Zidek hat getan, was wir ihm geraten haben.

Und er hat Antworten erhalten – von seiner Tutorin [Name liegt der Redaktion vor] kam die folgende unglaubliche Stellungnahme:

“Bei der gendersensiblen Sprache handelt es sich nicht um eine Empfehlung, sondern um Vorgaben seitens der TU Berlin. [1] Diese führen im Gegensatz zum Plagiat zwar nicht zu einer rechtlichen Verfolgung, falls du das meinst, müssen aber dennoch angemessen berücksichtigt werden, da es sonst zu Punktabzug kommt. [2] Dies hat einfach damit zu tun, dass sich die Gleichstellung von Frau und Mann [wer sind die zwei?] inzwischen als gesellschaftlicher Konsens auch in wissenschaftlichen Ausarbeitungen niedergeschlagen hat. Und dafür gibt es tatsächlich (im weiteren Sinne) auch rechtliche Vorgaben in verschiedenen Bereichen [3]. Allerdings bisweilen ohne Konsequenzen, weil natürlich niemandem irgendwelche rechtlichen Folgen drohen, wenn er diese Vorgaben missachtet. Wir sind aber dazu angehalten euch diese gendersensible Sprache nahe zu bringen.[4]

Ein Text voller falscher Behauptungen: Falsch ist die Behauptung, dass es seitens der TU-Berlin eine eindeutige Vorgabe dazu gebe, wissenschaftliche Texte durch Sprachgenderisierung zu entstellen [1]. Falsch ist zudem, dass es eine Rechtsgrundlage oder auch nur eine Handhabe dafür gebe, Zuwiderhandlung gegen diese angebliche Vorgabe mit Punktabzug zu bestrafen. [2] Falsch ist darüber hinaus, dass es einen gesellschaftlichen Konsens zur Gleichstellung von “Frau und Mann” [wer die beiden sind, ist immer noch unbekannt, vielleicht: Adam und Eva?] gebe, geschweige denn, dass in wissenschaftlichen Arbeiten Gleichstellung betrieben werden soll – das kann man nicht anders als als infame Behauptung bezeichnen. [3] Richtig ist wahrscheinlich, dass die Dozenten in einem aus ihrer Sicht höheren Auftrag unterwegs sind oder von wem auch immer darauf angesetzt wurden, Studenten “gendersensible Sprache nahe zu bringen”. Entsprechend muss man feststellen, dass sie sich zu Handlangern von Ideologen gemacht haben und somit an einer Hochschule fehl am Platze sind. [4]

Und weil das alles noch nicht reicht, kommt die Drohung gleich hinterher:

“Du kannst das Ganze natürlich ignorieren, wenn der eine Punkt am Ende aber über den Sprung zur 1.7 entscheidet, wirst du dich ärgern, denn da hilft dann auch alles diskutieren nichts.”

WiderstandZur Erinnerung: Das schreibt eine Dozentin der TU-Berlin. Wir können entsprechend nur nochmals feststellen, dass die Dozentin an der TU-Berlin insofern fehl am Platze ist, als es sich bei der TU-Berlin um eine Hochschule handelt, eine Stätte, an der wissenschaftlich gearbeitet werden soll und an der wissenschaftliche Erkenntnisse an Studenten vermittelt werden sollen. Das jedenfalls werden die meisten Steuerzahler glauben, die die TU-Berlin nach wie vor finanzieren. Die TU Berlin ist keine Stätte der Indoktrination oder des ideologischen Zwangs. Insofern hat sich die Dozentin im Ort geirrt. Sie wäre im Gunda-Werner-Institut der HB-Stiftung besser aufgehoben.

Die frechen und falschen Behauptungen, mit denen Studenten des Studiengangs “Verkehrswesen” an der TU-Berlin, die die Pflichtvorlesung “Einführung in das Verkerhswesen” [!sic] besuchen, gezwungen werden sollen, einen Kniefall vor der Genderideologie zu machen, sind ein gutes Beispiel dafür, wie Genderista rechtsfreie Räume auszunutzen versuchen und dabei auf die normative Kraft des Faktischen vertrauen, denn: Wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter.

Nur: Sie haben in diesem Fall die Rechnung ohne Sebastian Zidek gemacht.

Er hat sich an die Rechtsabteilung der TU-Berlin gewendet und von dort die folgende Auskunft erhalten:

  • Es gibt keine Vorgabe der TU-Berlin, nach der “gendergerechte Sprache” verwendet werden muss [Im Begriff “gendergerecht” kommt der Kniefall vor Ideologen auch schon zum Ausdruck, und man sieht, wie sich die Gendersprache bereits in das universitäre Leben eingeschlichen hat. Die Behauptung, Männer und Frauen seinen grundverschieden, weshalb man ihrer Unvereinbarkeit durch entsprechende Sprachregelungen gerecht werden müsse, ist ebenso falsch, wie der Gebrauch des Begriffes “gerecht”, denn Gerechtigkeit ist ein relationales auf individueller Ebene zu messendes Maß, das sich auf Handlungen und Handlungsergebnisse bezieht, aber nicht auf Ergebnisgleichheit. Zudem ist es falsch, die Menge der Männer und Frauen auf “Mann und Frau” zu verkürzen. Die Unterschiede innerhalb der Gruppen der Männer und Frauen sind bekanntlich größer als die Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Von “Mann und Frau” zu reden ist daher schlicht und ergreifend Sexismus.]
  • Weiter aus der Stellungnahme der Rechtsabteilung: “Grundlagen für die Bewertung bzw. Benotung einer wissenschaftilchen Arbeit sind jedoch Inhalte/Aussagen … Das von Ihnen angesprochene Vorgehen, wegen fehlenden Genderns Punkteabzug zu erteilen, ist jedoch unüblich.”
  • “Mit den Modulverantwortlichen wird diesbezüglich eine Rücksprache unter entsprechenden Hinweisen erfolgen.”

Damit ist ein für alle Mal klar:

Gegenderte Sprache ist an Hochschulen nicht üblich.

Es gibt keine entsprechenden Vorgaben und keine entsprechende Pflicht!

Punkteabzug bei nicht gegenderter Sprache ist unzulässig.

Hochschulen sind Orte der Wissenschaft, keine Orte der Ideologie und Indoktrination. Ein Punktabzug, weil die von Studenten verwendete Sprache den Gepflogenheit folgt, die im Duden festgelegt sind, weil Studenten keine gegenderte Sprache benutzen, ist unzulässig. An der TU-Berlin gibt es somit einen Präzendesfall, der Sebastian Zidek zu verdanken ist und von dem zu hoffen ist, dass er bundesweit Schule macht, denn es ist Zeit, dem Genderspuk ein Ende zu bereiten und die Genderista von deutschen Hochschulen zu entfernen.

Welche Konsequenzen die Dozentin von Sebastian Zidek zu tragen hat, die behauptet hat, es gebe eine Vorgabe der TU-Berlin, die das Gendern von Texten obligatorisch mache, die zudem behauptet hat, die selbe Vorgabe legitimiere Punktabzug, wenn nicht gegendert werde, bleibt abzuwarten. Eine Abmahnung oder ein Disziplinarverfahren wären eigentlich angebracht.

PetitionslogoWelche Konsequenzen den für die Richtlinien des Seminars zur Einführung in das Verkehrswesen Verantwortlichen drohen, die frech behaupten und mit einem Verweis auf das BMFSFJ zu belegen versuchen, dass eine gendersensible Sprache in einer wissenschaftlichen Arbeit erwartet wird, ist ebenfalls noch eine offene Frage.

Offen ist auch die Frage, was die Frage “Wie lautet die Definition von ‘Gender’ nach Kaschuba/Lächle?” in einer Klausur im Fachbereich “Verkehrswesen” zu suchen hat. Sebastian Zidek ist gerade dabei, die entsprechende Frage notfalls vor dem Verwaltungsgericht zu klären.

Zustände, wie der aus dem Fachbereich “Verkehrswesen” berichtete, sind nicht auf die TU-Berlin beschränkt. Wir wissen von einer Dozentin an der Universität Hamburg, die nicht-gegenderte Texte mit Punktabzug bestraft. Und weil dem so ist, ist es so wichtig, dass Studenten, die einer entsprechenden Gender-Willkür ausgesetzt sind, nun auf die Vorarbeit von Sebastin Zidek bauen und sich wehren können. Was die Vorarbeit von Sebastin Zidek Studenten landauf und landab nicht abnehmen kann ist jedoch, Rückgrat zu entwickeln und sich gegen die Genderista, die dabei sind, die deutsche Wissenschaft nicht nur international lächerlich zu machen, sondern von Grund auf zu zerstören, zur Wehr zu setzen.

Wer sich mit der Aufforderung, seine wissenschaftlichen Texte zu gendern, konfrontiert sieht und Näheres zum Vorgehen von Sebastian Zidek wissen will, der kann sich gerne an uns wenden. Wir nehmen an Sebastian Zidek gerichtete Fanpost entgegen.

Linke Bildungspolitik schadet Jungen – noch ein Beleg

Zurück ins Jahr 2002.

Damals haben wir in einem Beitrag für die Zeitschrift für Pädagogik gezeigt, dass Jungen im deutschen Bildungssystem gegenüber Mädchen erhebliche Nachteile haben.

Zunächst wurde das Ergebnis mit allerlei hanebüchenen Behauptungen abgetan.

three apesDann, als klar war, dass man an der Tatsache, dass Jungen im deutschen Bildungssystem Nachteile haben und dass diese Nachteile umso größer sind, je geringer der Anteil männlicher Grundschullehrer ist, nicht rütteln kann, hat sich die Strategie geändert: Nicht mehr das Ergebnis (und die Autoren) wurde(n) bekämpft – jetzt wurde die Schulfrage gestellt: Sind Lehrerinnen an der Misere von Jungen in Schulen schuld oder die Jungen selbst?

In der ganzen Diskussion hat all diejenigen, die sich so heftig ins Zeug gelegt haben, zweierlei nicht interessiert: Die Frage, warum Jungen Nachteile im Bildungssystem haben und überhaupt das Schicksal von tausenden von Jungen. Seit 2002 sind jährlich rund 50.000 Jungen im Vergleich zu Mädchen mit zum Teil deutlich schlechteren Lebenschancen aus ihrer Schulausbildung entlassen worden.

Man kann nicht anders als sich verwundert die Augen darüber reiben, dass die ideologischen Bedürfnisse derer, die unbedingt die Schuldfrage klären müssen, über die Lebenschancen von mittlerweile rund 700.000 Jungen gestellt werden.  Allein dies ist ein hinreichender Indikator für ein jungenfeindliches Klima. Und jährlich nimmt die Anzahl der männlichen Kollateralschäden einer absurden Schulddebatte zu.

Es stört offensichtlich niemaden der so heftig die Schuldfrage Thematisierenden. Vielleicht streiten sie ja nicht für ein chancengleiches Leben von Jungen im Diesseits, sondern dafür, dass im Jenseist klar ist, wer schuld war.

Dieselbe absurde Diskussion haben wir anlässlich unseres Beitrags: Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen im Bildungssystem ab, erlebt. Anscheinend gibt es eine Gilde ideologischer Saubermänner, denen es vor allem darum geht, Ergebnisse, die ihnen nicht in den ideologischen Kram passen, zu bekämpfen. Dass damit auch die Möglichkeit beseitigt wird, die Ursachen der schulischen Nachteile von Jungen zu erforschen und zu beseitigen, ist den ideologischen Saubermännern ganz offensichtlich egal – schließlich sind es ja nicht sie, die unter den derzeitigen Zuständen zu leiden haben.

Dabei sind die Belege, die wir zwischenzeitlich angehäuft haben und die zeigen, dass es einen stabilen Zusammenhang zwischen linken Landesregierungen und Nachteilen von Jungen gibt, dass die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen mit der Linkslastigkeit der Landesregierung steigen, dass es entsprechend naheliegt festzustellen, dass linke Bildungspolitik Jungen schadet, erheblich.

  • Wir haben gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen der LInkslastigkeit von Landesregierungen und dem schulischen Abschneiden von Jungen gibt: Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen im Vergleich zu Mädchen im Bildungssystem ab.

Einige Kommentatoren haben sich an der Art und Weise gestört, in der wir den Index der Linkslastigkeit der Landesregierung gebildet haben. Also haben wir vier alternative Indices berechnet und dabei die Anregungen derer, die sich an unserer ursprünglichen Index-Konstruktion gestört haben, aufgenommen.

  • Die neuerliche Berechnung hat den Zusammenhang bestätigt, und zwar für alle berechneten Indices. Zudem haben wir durch die Umstellung vom eher rustikalen Excel auf das elaborierte SPSS (Version 22), also ein Statistisches Paket aus dem Hause IBM, die Ergebnisse verfeinert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Nachteile von Jungen im Wesentlichen im Hinblick auf die (Fach-)Hochschulreife bestehen, sich vor allem aus der Bevorzugung von Mädchen ergeben.

Das hat bislang die Kritiker an der Konstruktion unseres Index verstummen lassen. Bislang hat sich keiner mehr gemeldet, um einen neuerlichen Einwand vorzubringen oder sich dafür zu bedanken, dass sein Einwand von uns berücksichtigt wurde, obwohl wir schon vorher wussten, dass er belanglos sein würde.

Nun gibt es noch einige Kritiker, die darauf hingewiesen haben, dass in enem Schulabschluss ein Prozess zum Ende kommt, der sich über 12 bzw. 13 Jahre erstreckt, und es deshalb notwendig sei, die gesamte Schulzeit von Schülern im Hinblick auf die Linkslastigkeit der Landesregierungen zu betrachten. Auch diesen Einwand haben wir berücksichtigt.

  • facts2In der neuesten Berechnung haben wir alle Landesregierungen berücksichtigt, die über die Schulzeit derer, die 2013 einen Schulabschluss erreicht haben, Bildungspolitik im entsprechenden Bundesland betrieben haben.
  • Wir haben dies in zweierlei Hinsicht getan: Einmal in einem Index, der die Linkslastigkeit der Regierungen über den gesamten Zeitraum misst. Einmal in einem Index, der die Dauer der Beteiligung linker Parteien an der Regierung über die Dauer der Schulzeit derer, die 2013 die Schule verlassen haben, misst.
  • Die Ergebnisse bestätigen, was sich nunmehr in mehreren verschiedenen Berechungen konstant als Ergebnis gezeigt hat:
    • Für die Intensität der Linkslastigkeit der Landesregierung über die 12 bzw. 13 Jahre der Schulkarriere ergeben sich die folgenden Korrelationskoeffizienten (Pearsons R):
      • mit den Nachteilen von Jungen bei der (Fach-)Hochschulreife: .430
      • mit den Nachteilen von Jungen bei denen, die ohne Schulabschluss bleiben: .090
      • mit den beiden Nachteilen addiert: .326
    • Für die Dauer der Regierungsbeteiligung von linken Parteien ergeben sich die folgenden Korrelationen (Pearsons R):
      • mit den Nachteilen von Jungen bei der (Fach-)Hochschulreife: .386
      • mit den Nachteilen von Jungen bei denen, die ohne Schulabschluss bleiben: .090
      • mit den beiden Nachteilen addiert: .326

Damit steht fest, dass linke Landesregierungen einen negativen Zusammenhang mit den schulischen Leistungen von Jungen aufweisen:

  • Je linker die Landesregierung, desto weiter bleiben Jungen im Bildungssystem hinter Mädchen zurück, desto größer sind die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen;
  • Je  stärker linke Parteien über die Dauer der Schulkarriere von 13 Jahren an der Landesregierung beteiligt waren, desto weiter bleiben Jungen im Bildungssystem hinter Mädchen zurück, desto größer sind die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen;
  • Je länger Linke Parteien in einem Bundesland und über die 13 Jahre der schulischen Karriere an der Regierung beteiligt waren, desto weiter bleiben Jungen hinter Mädchen zurück, desto größer sind die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen.

An diesen Ergebnissen gibt es nichts zu deuteln. 

Nun gibt es natürlich eine Reihe von Ideologen, denen der von uns gezeigt Zusammenhang nicht gefallen wird. Es ist nun an diesen Ideologen die Korrelation zu erklären.

Denn: Es steht fest, dass linke Landesregierungen oder die Beteiligung von linken Parteien an der Landesregierung die Nachteile, die Jungen im Bildungssystem gegenüber Mädchen haben, erhöhen.

Es steht auf Grundlage einer Reihe von Untersuchungen wie den Hamburger LAU-Studien, den Berliner Element-Studien oder den Arbeiten von Dr. habil. Heike Diefenbach u.a. mit den PISA-Daten (2007) fest, dass Jungen mehr leisten müssen, um dieselben Noten oder dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten wie Mädchen.

Es gibt seit 2002 einen Beleg für den Zusammenhang zwischen dem Anteil weiblicher Grundschullehrer und den Nachteilen von Jungen in der Schule: Je höher der Anteil von Grundschullehrerinnen, desto schlechter schneiden Jungen in der Schule ab.

factsDies alles verweist darauf, dass es institutionelle Variablen sind, die dafür verantwortlich sind, dass Jungen Nachteile im deutschen Bildungssystem haben. Die Erklärung über institutionelle Diskriminierung ist auch einleuchtend, denn es macht mehr Sinn anzunehmen, dass in den Kultusministerien der Länder eine Politik der Mädchenbevorzugung verfolgt wird, die zu Lasten von Jungen geht als es Sinn macht anzunehmen, die 700.000 Jungen, die seit 2002 Ausdruck der Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen sind, hätten allesamt dieselbe Faulheit in ihren unterschiedlichen Schulen an den Tag gelegt, was dazu geführt hat, dass sie einheitliche schlechtere Noten als Mädchen und schlechtere Abschlüsse als Mädchen erhalten haben. Eine solche Annahme ist absurd.

Linke Parteien haben sich die Mädchen- und Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben.

Wenn linke Parteien in Regierungsverantwortung stehen, dann werden sie entsprechende Politiken umsetzen, so wie dies z.B. mit dem Bildungsplan in Baden-Württemberg der Fall ist. Schließlich wollen sie ja für diese Politiken gewählt werden (auch wenn es eine andere Frage ist, ob sie für diese Politiken auch gewählt werden).

Entsprechend liegt es nahe, die von uns gefundenen Ergebnisse als Ausdruck dafür zu werten, dass linke Parteien in ihrem Bemühen, Mädchen in Schulen zu fördern, erfolgreich gewesen sind. Dass dabei Jungen geschädigt wurden, liegt in der Natur der Sache, denn man kann nicht die eine Gruppe fördern, ohne dass die andere Gruppe Nachteile durch Nichtförderung haben wird.

Das ist unsere Erklärung für die Korrelation, die wir nun wiederholt in den Daten gefunden haben. Sie mündet in die Feststellung, dass linke Parteien genau das tun, was sie in ihren Programmen verkünden, nämlich Frauen- und Mädchen zu fördern. Die entsprechenden Politiken führen im Bildungsbereich dazu, dass Jungen benachteiligt werden, dass sie deutlich hinter Mädchen zurückbleiben. Jungen sind – wie wir schon einmal festgestellt haben – die Crash Test Dummies linker Bildungspolitik. Ihre Lebenschancen werden geopfert, damit die linken Bildungsideologen sich gut fühlen und behaupten können, sie hätten Gutes getan.

Wer uns kritisieren will, der wird (1) die von uns wieder und wieder gefundene Korrelation anders erklären müssen als wir das getan haben und der wird (2) vor allem einen Beleg dafür bringen müssen, dass linke Bildungspolitik, die Mädchenförderung zum Ziel hat, weitgehend wirkungslos bleibt und (3) in jedem Fall keinen Effekte auf Jungen hat. 

Denn wie Dr. habil. Heike Diefenbach in einem Kommentar angemerkt hat, geht die Korrelation davon, dass man unsere Erklärung angreift, nicht weg. Sie ist da. Sie ist ein Faktum!

©ScienceFiles, 2015

Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deustchland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115.

Erneut belegter Befund: Linke Landesregierung verschärft jungenfeindliches Klima in Schulen

Unser Beitrag “Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen in der Schule ab“, hat einigen Wirbel verursacht. Fast, dass wir uns nach 2002 zurückversetzt fühlen. Damals hat die Veröffentlichung von “Bringing Boys Back In” und die Tatsache, dass wir darin nicht nur die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen im deutschen Bildungssystem gezeigt haben, sondern auch gezeigt haben, dass die Nachteile umso geringer werden, je höher der Anteil männlicher Grundschullehrer ist, viel Staub aufgewirbelt.

Die Reaktionen damals wie heute waren bei gewissen Leuten bestimmter ideologischer Ausrichtung die gleichen: Ungläubiges Staunen, gefolgt von einem Abwehrreflex, gefolgt von entsprechenden Abwehrmaßnahmen, abermals gefolgt vom mehr oder weniger untauglichen Versuchen, unsere Ergebnisse zu diskreditieren.

Wir haben ein deja vu.

BenninghausJenseits dieser Reaktionen gibt es wohl auch eine Reihe von Lesern, die nicht nachvollziehen können, was bei der Berechnung der Zusammenhangsmaße eigentlich gemacht wurde, und weil ich gestern abend einer Reihe von guten Argumenten ausgesetzt war, die allesamt von der wie immer empathischen Dr. habil. Heike Diefenbach gemacht wurden (als Fürsprecher mancher Kommentatoren), haben wir heute die Daten aus dem eher rustikalen Excel in das elaboriertere SPSS (Statistical Package for Social Sciences, IBM SPSS Version 22) übertragen und alles noch einmal und in mehreren Varianten berechnet.

Da etliche Leser mit der Konstruktion des Index Probleme hatten, sie nicht nachvollziehen konnten oder Einwände dagegen erhoben haben, gibt es nunmehr vier Indices:

  • Den Ausgangsindex, ein 5-Minuten-Index, bei dem den Parteien mit steigender Linkslastigkeit steigende Werte zugewiesen werden, und bei dem die entsprechenden Werte addiert werden, wenn Länder von Koalitionen regiert werden.
  • Aber, so ein Einwand, dann hat ja eine Koalition aus CDU und SPD den Wert 5 und somit den Wert, den eine Landesregierung der Linken hätte, wenn es Sie denn gäbe. Also haben wir einen gestreckten Index berechnet, der deratige theoretisch mögliche Überlappungen vermeidet.
  • Dann gibt es einen gestauchten Index, der nicht vom theoretischen Möglichkeitsraum der Parteienkoalitionen ausgeht, sondern von den emprisch vorhandenen Koalitionen. Die entsprechenden Koalitionen auf Landesebene (und die Alleinregierung der CSU) wurden nach aufsteigender Linkslastigkeit sortiert, und es wurden Ihnen Werte von 1 bis maximal 6 zugewiesen, 6 ganz einfach deshalb, weil es sechs verschiedene Zusammensetzungen von Landesregierungen mit Blick auf Parteien gibt [also: 1 = CSU, 2 = CDU + SPD, 3 = CDU + Grüne, 4 = SPD + Grüne; 5 = SPD + Linke; 6 = Linke, SPD + Grüne].
  • Schließlich gibt es für die Daten-Mitteln-Fraktion einen eigenen Index, in dem die Werte für die Koalitionen gemittelt wurden.

Die Daten für die vier Indices und die Daten für die abhängigen Variablen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt, ebenso die Ergebnisse der Berechnungen.

Den Ergebnissen ist voranzuschicken, dass ich beim Übertragen der Daten festgestellt habe, dass ich die Leute in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Linke-SPD-Regierung beglückt habe. Das habe ich korrigiert, und falls sich Leute in Mecklenburg-Vorpommern von dieser Regierungs-Aussicht bedroht fühlen, hier meine Entschuldigung.

Der kleine Fehler hat indes keinerlei Effekt auf die Ergebnisse, denn die statistisch feineren Analysen in SPSS, die es z.B. erlauben das von Dr. habil. Heike Diefenbach ins Spiel gebrachte Eta zu berechnen, also ein Maß, für dessen Berechnung das Skalenniveau der unabhängigen Variablen (hier der Indices) egal ist, bestätigen unser vorgestern veröffentlichtes Ergebnis. Damit sollten alle Diskussionen darüber, ob die Annahme von Linerarität, die der Berechnung von Pearsons r zugrunde liegt, im vorliegenden Fall gerechtfertigt ist oder nicht, beendet sein. Wie überhaupt alle Diskussionen darüber, ob die Ergebnisse, die wir publiziert haben, valide sind, damit beendet sein sollten (immer einen rationalen Diskurs und keinen emotionalen Diskurs vorausgesetzt).

Noch mehr nachteile von Jungen

Die Tabelle zeigt sehr eindrücklich, dass ein Zusammenhang zwischen den berechneten Indices und dem Abschneiden von Jungen in der Schule besteht. Kurz: Dass linke Landesregierungen zu Lasten des schulischen Erfolgs von Jungen gehen, ist abermals und noch eindrücklicher belegt als beim letzten Mal.

Im Einzelnen zeigen die Korrelationen Folgendes:

  • Die Werte für Eta zeigen für alle Arten der Berechnung des Index der Linkslastigkeit der Regierung dasselbe Ergebnis: Linkere Landesregierungen gehen mit größeren Nachteilen von Jungen gegenüber Mädchen beim Abitur und bei denen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, einher als weniger linke Landesregierungen.
  • Der Zusammenhang ist offensichtlich vollkommen unabhängig von der Art und Weise, in der Index berechnet wird. Er ist stabil.
  • Die Werte für Pearson’s R sind generell geringer als die Werte für Eta, was daraufhin deutet, dass die Annahme der Linearität des Zusammenhangs grundsätzlich gilt, dass innerhalb des Lagers der Linken aber Unterschiede vorhanden sind. Das ist insofern plausibel als die Landespolitiken von SPD und Linker in Brandenburg sich von der Landespolitik der Grünen und der SPD in Baden-Württemberg unterscheidet, was letztlich dafür spricht, dass innerhalb der Linken eine gewisse Fragmentierung vorhanden ist.
  • Dass Jungen häufiger die Schule ohne einen Abschluss verlassen als Mädchen lässt sich nicht linear als Ergebnis einer steigenden Linkslastigkeit erklären. Da Eta jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen allen Indices der Linkslastigkeit, insbesondere dem gestauchten Index, der von der tatsächlichen Verteilung der Koalitionen auf Landesebene ausgeht, zeigt, muss man auch hier davon ausgehen, dass das jungenfeindliche Klima, das in allen Analysen zum Ausdruck kommt, innerhalb des linken Lagers immerhin in verschiedenen Graden der Intensität vorhanden ist.

Fazit:

  • Linke Regierungen auf Landesebene verschärfen das ohnehin schon jungenfeindliche Klima in Deutschland noch weiter.
  • Der Effekt linker Bildungspolitik zeigt sich besonders einheitlich bei der Bevorzugung von Mädchen mit Bezug auf die (Fach-)Hochschulreife.
  • Dagegen gibt es offensichtlich keine einheitliche Haltung bei linken Bildungspolitikern im Hinblick auf Schüler, die ohne Schulabschluss ihre Schulausbildung beenden. Das ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Mehrzahl derjenigen, die in ihr Berufsleben ohne einen Schulabschluss entlassen werden, Jungen sind.

Es gibt am Befund also nichts zu rütteln:

Linke Bildungspolitik bevorzugt Mädchen vor allem bei der (Fach-)Hochschulreife und schadet Jungen. Linke Bildungspolitik verschärft ein ohnehin schon jungen- und männerfeindliches Klima in Deutschland.

©ScienceFiles, 2015

(Fach)Hochschulreife: weiblich und wertlos

Beim Statistischen Bundesamt wird darüber gejubelt, dass mehr als jeder dritte Schüler 2013 die Schule mit dem Abitur beendet hat.

Ist das wirklich ein Grund zur Freude?

Als Theodore Schulz im Jahre 1961 seinen Artikel “Investment in Human Capital” veröffentlicht hat, in dem er im Ländervergleich zeigt, dass mit der Anzahl der formal höher Gebildeten in einem Land das Bruttosozialprodukt steigt, da konnte er nicht wissen, dass es 50 Jahre später u.a. bei der OECD Spezialisten geben würde, die tatsächlich denken, man könne das Bruttosozialprodukt nahezu endlos steigern, wenn man den Anteil der formal höher Gebildeten in einem Land von 20% Abiturienten auf 40% oder gar 60% steigern würde.

Dass man etwas derartiges denken könnte, war Schultz, der noch eine Ausbildung in Ökonometrie und Statistik hinter sich gebracht hat, wohl schlicht nicht vorstellbar.

So kann man sich irren.

Heute ist es unter Politikern chick, für andere das Bildungsniveau zu fordern, das man selbst nicht erreicht hat: 40% mit Hochschulreife sollen es sein: Je mehr desto besser, so tönt es.

Und das Resultat dieser Bildungs-Hysterie kann man an den Daten des Statistischen Bundesamts ablesen.

Nachteile Jungen II

Die Abbildung zeigt ein Bildungssystem mit zwei Klassen: Bis einschließlich Rheinland-Pfalz finden sich Länder, denen man zumindest ansatzweise attestieren kann, dass die Bildungshysterie bei ihnen nicht sonderlich ausgeprägt ist, dass die Idee, nach der bestimmte formale Abschlüsse nicht für jeden erreichbar sind und sein können, noch vorhanden ist.

Nicht so in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen, Bremen und Brandenburg. Hier werden formale Bildungsabschlüsse offensichtlich verschenkt. 62,2% der weiblichen Abgänger verlassen in Hamburg die Schule mit einem Abitur, 50,5% sind es in Nordrhein-Westfalen, 43,6% in Berlin, 42,9% in Hessen, 41,8% in Bremen und 41,2% in Brandenburg. Eine wahre Abitur-Epidemie, die interessanter Weise damit einhergeht, dass die Hochschulreife deutlich häufiger weiblichen als männlichen Absolventen attestiert wird. Da sich trotz aller politischen Unterschiede zwischen den Ländern die Vorteile von Mädchen bei der Hochschulreife durch alle Länder ziehen, kann man die entsprechenden Vorteile nur institutionell erklären, als Ergebnis einer entsprechenden Politik.

Als Ergebnis einer Politik, die Schulabschlüsse zu entwerten sucht, denn anders kann man die Tatsache, dass in Hamburg nahezu zwei Drittel der weiblichen Absolventen eine Hochschulreife erreichen, nicht mehr bezeichnen.

Warum wird mit dieser Politik die Hochschulreife entwertet?

Weil individuelle Eigenschaften, die z.B. für schulische Leistung relevant sind, also z.B. Intelligenz, Motivation, Leistungsbereitschaft normalverteilt sind.

Wir haben das in der folgenden Abbildung einmal für Intelligenz dargestellt:

Normalverteilung AbiturVon links nach rechts steigt die Intelligenz an. Der blaue Bereich unter der Kurve gibt den Anteil der Bevölkerung auf dem jeweiligen Niveau an. Der Mittelpunkt (Z-Score von 0) teilt entsprechend die Normalverteilung in zwei gleichgroße Hälften, die linke Hälfte umfasst diejenigen, die unter dem Median der Intelligenz liegen (der bei 50% liegt), die rechte Hälfte umfasst diejenigen, die über dem Median der Intelligenz liegen.

Die Idee höherer formaler Bildung zielt darauf, höhere formale Bildungstitel mit z.B. höherer Intelligenz in Einklang zu bringen. Gehen wir einmal davon aus, dass ein Bildungssystem nicht sozial siebt, wie das deutsche Bildungssystem, das den meisten Kindern aus der Arbeiterschicht den Zugang zu höherer Bildung verwehrt, dann sollte eine Hochschulreife an die sagen wir 30% vergeben werden, die sich auf der mit “Cumulative Percent” bezeichneten Linie ab 70 nach rechts befinden.

Wie man sieht, gibt es Indizien, dass dies in Bayern der Fall ist. Wie man auch sieht, ist es in Hamburg und Nordrhein-Westfalen nicht der Fall. In Hamburg erreichen 62% der weiblichen Absolventen und 54% der männlichen Absolventen eine Hochschulreife, was nur dadurch erreicht werden kann, dass auch Schüler, die links des Median der Intelligenzverteilung zu finden sind, die also nicht zu den 50% der Intelligentesten einer Gesellschaft gehören, mit einer Hochschulreife ausgestattet werden.

Mit anderen Worten, in jedem Fall in Hamburg und in Nordrhein-Westfalen und mit ziemlicher Sicherheit in Berlin, Hessen, Bremen und Brandenburg wird eine Hochschulreife an weibliche Absolventen (und in deutlich geringerem Ausmaß an männliche Absolventen) verschenkt, denen man aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten keine Hochschulreife attestiert kann.

Stellt man nun noch die soziale Selektion innerhalb des Bildungssystems in Rechnung, die dafür sorgt, dass Kinder aus der Mittelschicht, die die kognitiven Fähigkeiten zur Hochschulreife nicht haben, auf Gymnasien mit derselbe ausgestattet werden, während Kinder aus der Arbeiterschicht, die die entsprechenden kognitiven Fähigkeiten, die entsprechende Intelligenz mitbringen, es nicht auf Gymnasien schaffen, dann kann man sich ungefähr vorstellen, warum Hochschullehrer in den letzten Jahren beständig beklagen, dass das Niveau der Studenten immer weiter absinkt.

Zudem zeigt die oberste der beiden Abbildungen ein Zwei-Klassen-Bildungssystem, das nicht mit dem Glaubensbekenntnis der Kultusminister vereinbar ist, nachdem gleiche Bildungschancen in den Ländern vorhandens ein sollen. Dieses Glaubensbekenntnis wird schon durch die soziale Selektion im Bildungssystem zum Spott von Ignoranten oder Zynikern, es kommt durch die in der oberen Abbildung dargestellten Verhältnisse einer bildungspolitischen Bankrotterklärung gleich, denn während in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin, Unmengen von Schülern mit einer Studienberechtigung ausgestattet werden, wird in Sachsen-Anhalt, Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg die entsprechende Studierfähigkeit im Vergleich zu Hamburg nur einem Bruchteil der Absolventen attestiert.

Da in Deutschland wie in kaum einem anderen Land der formale Bildungsabschluss über die Lebenschancen entscheidet, kann man sich ungefähr vorstellen, welche Folgen diese Zwei-Klassen-Bildung hat, bei der Abiturienten aus Hamburg, die kognitiv manchen Real- oder Hauptschülern in Bayern oder Baden-Württemberg nicht das Wasser reichen können, kraft ihrer höheren formalen Bildung Zugang zu anderen gesellschaftlichen Positionen haben als die Real- oder Hauptschüler aus Bayern bzw. Baden-Württemberg.

Man kann sich das Ergebnis dieser Vielfalt kognitiver Fähigkeiten unter dem Dach derselben formalen Bildung ungefähr vorstellen, wenn man Politiker betrachtet.

Schultz, Theodore, W. (1961). Investment in Human Capital. The American Economic Review LI (1): 1-17.

Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen im Bildungssystem ab

Das Statistische Bundesamt hat heute die Zahlen der Schulabsolventen für das Jahr 2013 veröffentlicht. Die Statistik hinkt in Deutschland immer etwas hinterher. Beim Statistischen Bundesamt sind die neuen Zahlen Anlass für eine Jubelmeldung unter der Überschrift: “Mehr als jeder dritte Schüler beendete 2013 die Schule mit dem Abitur“.

Darüber freuen wir uns in einem nachfolgenden Post nicht.

Zunächst haben wir uns die Zahlen der Bildungsabschlüsse nach Geschlecht vorgenommen. Wie Leser dieses Blogs wissen und seit wir 2002 unseren Beitrag “Bringing Boys Back In” veröffentlicht haben, auch der Mehrzahl der deutschen Bevölkerung bekannt ist: Jungen bleiben bei der allgemeinen Schulbildung deutlich hinter Mädchen zurück. Sie erreichen seltener ein Abitur und beenden ihre Schulausbildung häufiger ohne Schulabschluss als Mädchen.

Dass diese Nachteile von Jungen seit 2002 bekannt sind, hat den nachfolgenden Generationen von Jungen, die seitdem das deutsche Bildungssystem durchlaufen haben, wenig geholfen: Deutschen Bildungspolitikern sind die Nachteile von Jungen, das kann man nach nunmehr 13 Jahren gleichlautender Meldungen und weitgehend unveränderter Daten feststellen, schlicht und ergreifend egal. Wir leben im Zeitalter des gehässigen Feminismus, in dem alles getan wird, um Mädchen zu fördern und nichts, um daraus entstehende Nachteile von Jungen zu vermindern.

Noch deutlicher: Heutige Generationen von Jungen werden geopfert, um der Gutmenschen Spleen einer angeblich notwendigen Mädchenförderung durchzusetzen. Es gehört zu den Geheimnissen moderner Psychologie, dass Verantwortliche, die Jungen die Lebenschancen zerstören, von sich denken, sie seien gute Menschen. Vermutlich kann man derartige Kurzschlüsse nur über eine entsprechende Phobie erklären.

Um unseren Lesern einen Eindruck davon zu vermitteln, welches Ausmaß die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen zwischenzeitlich erreicht haben, sind in der folgenden Abbildung die prozentualen Differenzen zwischen Jungen und Mädchen bei den Schülern, die eine (Fach-)Hochschulreife erreicht haben und bei den Schülern, die ohne Schulabschluss geblieben sind, addiert und für die einzlenen Bundesländer dargestellt.

Nachteile Jungen

Die Nachteile, die Jungen gegenüber Mädchen haben, variieren zwischen den Bundesländern erheblich von 6,72 Prozentpunkten in Baden-Württemberg bis 12,44 Prozentpunkten in Mecklenburg-Vorpommern. 12,44% mehr Jungen als Mädchen bleiben in Mecklenburg-Vorpommern ohne Abitur bzw. ohne Schulabschluss. Das sind beträchtliche Differenzen beim Start ins Leben und eigentlich Differenzen, die dem Kultusminister schlaflose Nächte bereiten sollten, schon deshalb weil Worte wie Gerechtigkeit doch gerade von Politikern so gerne im Mund geführt werden. Dass Jungen im deutschen Bildungssystem massiv benachteiligt sind, ist scheinbar für die Gerechtigkeits-Schreier kein Problem.

Was die Frage aufwirft, wie die doch erheblichen Unterschiede zwischen den Bundesländern erklärt werden können. Wer ist dafür verantwortlich, dass in Mecklenburg-Vorpommern Jungen so viel mehr die Paria des Bildungssystems sind als z.B. in Bayern oder Baden-Württemberg.

Da Bildungspolitik Aufgabe der Länder ist und in den letzten Jahrzehnten Landespolitiker mit Vorliebe an den Curricula von Schulen herumgepfuscht haben, liegt der Verdacht nahe, dass die Nachteile von Jungen durch Landespolitiker verursacht sind, Landespolitiker, die so fixiert auf die Förderung von Mädchen sind, dass sie Jungen über die Bildungsklinge springen lassen, gemäß dem Motto, mit jedem Jungen, der im Hinblick auf die Bildung gescheitert ist, haben Mädchen als Gruppe einen Vorteil.

Da feministische Eingriffe und Eingriffe zur Förderung von Toleranz und Vielfalt unter Linken besonders verbreitet sind, haben wir einen Index erstellt, der die Linkslastigkeit einer Landesregierung erfasst. Die Vorgehensweise ist einfach. Zunächst haben wir den Parteien Werte zugewiesen: CSU = 1; CDU = 2; SPD = 3; Grüne = 4, Linke = 5. Dann haben wir die Zusammensetzung der Landesregierung berechnet. Eine Koalition aus CDU und SPD erhält entsprechend den Wert 5, eine aus SPD, Grünen und Linke den Wert 12 zugewiesen. Mit einem steigenden Wert des Index ist entsprechend eine größere Linkslastigkeit der Landesregierung verbunden.

Im nächsten Schritt haben wir unsere diversen Maße für die Nachteile von Jungen mit dem Index korreliert. Die Ergebnisse sind eindeutig:

crash test dummies

  • Je linker die Landesregierung, desto größer die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen bei der Schulbildung; Der Korrelationskoeffizient (r) nimmt mit .46 erhebliche Ausmaße an und erklärt 21% der Varianz.
  • Je linker die Landesregierung desto öfter bleiben Jungen im Vergleich zu Mädchen ohne einen Schulabschluss (r = .45)
  • Je linker die Landesregierung desto seltener erreichen Jungen im Vergleich zu Mädchen eine (Fach-)Hochschulreife (r = .25)

Das sind alarmierende Ergebnisse, die deutliche Indizien dafür lieferen, wodurch die Nachteile von Jungen im Bildungssystem verursacht sind: Die Nachteile sind Ursache linker Bildungspolitik, die an sogenannter Gleichstellung ausgerichtet ist und vollkommen ignorant gegenüber den schulischen Problemen von Jungen zu sein scheint.

Jungen sind die Crash Test Dummies die von linker Bildungspolitik gegen die Wand gefahren werden.

Unsere neuesten Befunde zu diesem Thema haben wir in einem weiteren Post dargestellt. Darüber hinaus haben wir zwischenzeitlich gezeigt, dass die Dauer und Intensität, mit der linke Parteien an der Landesregierung beteiligt sind, ebenfalls negative Effekt auf den schulischen Erfolg von Jungen hat.

©ScienceFiles, 2015

Die Avantgarde der Studentenschaft: Neues von der Humbug-Anstalt zu Berlin

Wofür steht die Humboldt-Universität zu Berlin in der Zwischenzeit?

Nehmen wir unsere Erfahrungen der vergangenen Monate, die Rückmeldungen, die wir erhalten und den Eindruck, den wir als Beobachter aus Wales und somit auch als Beobachter u.a. britischer Medien haben, dann kann man die Außendarstellung der Humboldt-Universität u.a. so zusammenfassen:

HU-BerlinDie Humboldt-Universität hat mit Lann Hornscheidt einen Botschafter für Absurdität, der u.a. in Peru für Kopfschütteln sorgt und ein Fanal dafür, dass selbst der Aufruf zu Straftaten heute nicht mehr dazu führt, dass man aus seiner Position, also der von Lann als statushoch bezeichneten Position als Lehrstuhlbesetzer entfernt wird.

Die Humboldt-Universität hat mit den Gender Studies einen ganzen Studienbereich, bei dem der Verdacht besteht, dass er durch Betrug zustande gekommen ist. In jedem Fall ist er durch politische Intervention geschaffen worden als ideologischer Brückenkopf in einer vermeintlich wissenschaftlichen Institution.

An der Humboldt-Universität findet sich eine Reihe von Studenten, die die Universität umbenennen wollen, weil sie die Brüder Humboldt für rassistische, ableistische, sexistische und sonstistische Schweine halten.

Die Humboldt-Universität beherbergt eine Schmiede für ideologische Kader, die Sekten angehören, von denen man nicht geglaubt hätte, dass es sie noch gibt, z.B. von Trotzkisten (Leon Trotzky ist geistiger Vater und emsiger Anwender so illustrer Techniken der Gewaltherrschaft wie der willkürlichen Massenerschießung und des “roten Terrors”, lange bevor es die Nazis in relevanter Anzahl gab) und von Stasi-Nachwuchs, dessen Hauptaufgabe derzeit darin besteht, den politischen Feind zu überwachen und im Blog “Münkler-Watch” anonym zu diffamieren, nein, zu kritisieren, so jedenfalls die Selbstbeschreibung der Watcher, die Anonymität zum Schutz gewählt haben wollen, nicht etwa, weil sie feige sind oder nicht zu dem stehen können, was sie behaupten.

Und die Humboldt-Universität hat ein “Studierendenparlament”, dass “mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet” hat, die das “Recht von Studierenden, ihre Professoren zu kritisieren, verteidigt”.

In dieser Resolution heißt es:

Nuts in BedlamDas Studierendenparlament weist die heftigen Angriffe von Medien und von Lehrenden unserer Universitat auf »Münkler-Watch« scharf zuruck. Die Studierenden haben nichts anderes getan, als die politischen und akademischen Standpunkte eines Professors zu dokumentieren und zu kritisieren. Dies entspricht nicht nur den Grundsatzen einer kritischen Universität. Das Recht auf freie Meinungsaußerung ist ein grundgesetzlich verbrieftes Recht.

Das gilt auch fur anonyme Kritik. So entschied der Bundesgerichtshof am 23. Juni 2009, dass »die Verpflichtung, sich namentlich zu einer bestimmten Meinung zu bekennen«, nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Dies wurde »die Gefahr begrunden, dass der Einzelne aus Furcht vor Repressalien oder sonstigen negativen Auswirkungen sich dahingehend entscheidet, seine Meinung nicht zu außern«.

Die Anonymität der Studierenden hinter »Münkler-Watch« ist begrundet. Die Hochschulgruppe der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), die ihre Kritik an Herfried Münkler und Jorg Baberowski nicht anonym, sondern öffentlich vorbringt, wird in Stellungnahmen auf der öffentlichen Website der Universität direkt angegriffen.”

Ein Meisterwerk der Begründung aus den Archiven trotzkistischer und damit wirklich antiquierter Propaganda: Die eigenen Aussagen werden als Kritik deklariert, die Aussagen der Gegenseite werden als Angriffe bezeichnet und schon hat man, nach eigener Ansicht, eine Berechtigung aus dem Hinterhalt der Anonymität die eigene (natürlich berechtigte) Kritik zu äußern, um den (natürlich unberechtigten) Angriffen zu entgehen.

Klappt derartige dünne Rabulistik bei jemandem?

Ja, sie klappt beim Studierendenparlament der Humboldt-Universität zu Berlin, das am 11. Juni die Resolution beschlossen hat. Die Studierendenvertreter sind also der Ansicht, das Äußern einer Meinung sei auch aus dem Schutz der Anonymität heraus möglich, wenn jemand Repressalien fürchtet.

Der Antrag stammt, wie gesagt, von den Trotzkisten vom IYSSE (International Youth and Students for Social Equality, die in ihrer Entwicklung 1921 stehen geblieben zu sein scheinen und der Ansicht sind, sie hätten Konsequenzen für ihre Kritik zu erwarten, würden dafür “angegriffen”. Selbst wenn das so wäre, was es definitiv nicht ist, denn dafür ist die entsprechende Kritik einfach zu irrelevant, aber selbst wenn die Aktivisten von der roten Front für ihre Meinung angegriffen werden würden, ist es nicht gerade dieser Angriff, der den Aktivisten zum wirklichen Aktivisten macht?

Man stelle sich vor, das Kommunistische Manifest wäre anonym veröffentlicht worden. Man stelle sich vor, Marx hätte seine Streitschriften gegen die französischen Sozialisten anonym in Zeitungen veröffentlich oder Karl Liebknecht seine Kritik an der SPD anonym vorgetragen? Schon die Beschreibung wirkt lächerlich, denn: Was ist eine Meinung wert, zu der derjenige, der sie so wichtig findet, dass er sie gebeten und ungebeten anderen zumutet, nicht namentlich stehen will?

Nichts.

Chamberlain russian revolutionEntsprechend kann es anonymen Meinungsvertretern nicht um die Vertretung der eigenen Meinung gehen. Sie verfolgen eine andere Agenda, eine Agenda, zu der man öffentlich nicht so gerne steht. Wer will schon öffentlich für Diffamierungen, Fehler, Fehlschlüsse und falsche Behauptungen stehen? Ein Joseph Göbbels vielleicht oder ein Mikhail Alexandrovich Bakunin, aber nicht der moderne Student von heute, der sich nach der spießigen Welt von Kind und Familie sehnt.

Nein, moderner Aktivismus wird anonym geführt, anonym lässt sich viel besser Unbelegtes und Falsches behaupten, besser agitieren. So z.B. wenn der “Korrespondent” der “World Socialist Web Site”, der der 3. Sitzung des 23. Studierendenparlaments der HU-Berlin beigewohnt hat, schreibt:

“Nach einer wochenlangen, von der Universitätsleitung unterstützten Kampagne in den Medien ist die gewählte Vertretung der über 33.000 Studierenden an der HU dem Versuch, kritische Studierende einzuschüchtern und zu verleumden, mutig entgegengetreten.”

Die Opferrolle, die Genderisten für sich reklamieren, wird ihnen also von Trotzkisten streitig gemacht. Das wird lustig. Wie auch immer, die gewählte Vertretung der über 33.000 Studierenden, das klingt richtig gut, … solange man die Wirklichkeit nicht daneben stellt.

Zur Stimmabgabe anlässlich der Wahl zum 23. Studierendenparlament der HU-Berlin waren 37.008 Studenten berechtigt.

2.598 Studenten von 37.008 Studenten haben gewählt. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 7,02%. Die “gewählte Vertretung” vertritt also gerade einmal 2.598 Studenten.

Eine Wahlbeteiligung von 7,02% kann man nur so deuten, dass den Studenten der HU-Berlin ihr Studierendenparlament vollkommen egal ist. Das sollte es aber nicht sein, denn zum einen werden diejenigen, die im Studierendenparlament palavern von Studenten finanziert, auch von den 92,98% der Studenten, die nicht wählen gehen, zum anderen behaupten diejenigen, die im Studierendenparlament der HU-Berlin sitzen, sie würden die gesamte Studentschaft vertreten.

Wer also nicht weiter vom Studierendenparlament der HU-Berlin vereinahmt werden will, wer sich nicht damit abfinden will, als Student mit dem falschen Bewusstsein durch die Avantgarde im Studierendenparlament für dumm verkauft zu werden, der muss sich dafür einsetzen, dass dieses überkommene Instrument aus einer Zeit, in der man dachte, etwas sei demokratisch, wenn man demokratische Instutionen einrichte, verschwindet, aufgelöst wird und die freiwerdenden Mittel einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden.

Damit sich die Leser ein Bild davon machen können, was für ein ideologisch illustres Häuflein von Studenten sich im Studierendenparlament der HU-Berlin zusammenfindet, hier eine Aufstellung der Studenten-Parlamentarier nebst der Studentenliste, der sie zugehören:

Name Studentenliste
Chris Ebert Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste
Marie Kaufmann Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste
Anna Damm Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste
Mia Thiel Jusos HU
Laura Schwesinger Jusos HU
Iris Wohnsledler Jusos HU
Toralf Ließneck Jusos HU
Annika Klose Jusos HU
Georg Heyn Jusos HU
Jonas Kayser Jusos HU
Tine Feddersen RCDS – Die Studentenunion
Tom Callsen RCDS – Die Studentenunion
Franziska Dezember RCDS – Die Studentenunion
Luise Zacharias RCDS – Die Studentenunion
Dustin Kass RCDS – Die Studentenunion
Laura Redmer GRUENBOLDT – gruen alternative Liste
Geraldine Arndt GRUENBOLDT – gruen alternative Liste
Felix Haßelmann GRUENBOLDT – gruen alternative Liste
Florian Robbert GRUENBOLDT – gruen alternative Liste
Lena Hornung GRUENBOLDT – gruen alternative Liste
Iphigenia Andreou GRUENBOLDT – gruen alternative Liste
David Kaupp GRUENBOLDT – gruen alternative Liste
Masanch Ceesay Die LINKE SDS
Rhonda Koch Die LINKE SDS
Anton Thun Die LINKE SDS
Max Manzey Die LINKE SDS
Ana Melina Morr de Perez anti-rassismus liste SCHWARZE LISTE
Olenka N. B. Bordo anti-rassismus liste SCHWARZE LISTE
Sarah Mouwani anti-rassismus liste SCHWARZE LISTE
Marco Ebert Schwule Liste – Die SchwuLis
David Rodriguez Edel PDB – die Partei, die bewegt
Lisa Gottwald Liste unabhängiger Studierender
Johannes Roeder Liste unabhängiger Studierender
Lennart Fey Liste unabhängiger Studierender
Bejamin Dummer Liste unabhängiger Studierender
Jakob Hoffmann Liste unabhängiger Studierender
Annika Schauer Liste unabhängiger Studierender
Katharina Kanthak FSI Charité
Pinkus Tober-Lau FSI Charité
Simon Drees FSI Charité
Andia Mirbagheri FSI Charité
Helge Schumann the autonome alkoholiker_innen
Veronika Belcheva Liste kritischer Studierender
Janian Dobrusskin Liste kritischer Studierender
Kaspar Metzkow Liste kritischer Studierender
Bafta Sarbo Liste kritischer Studierender
Tina Krell Danke, gut – Trackliste
Sven Wurm IYSSE (International Youth and Students for Social Equality
Schada Ghardban Für ewig und drei Tage – Langzeitstudierend
Joao Pedro Presumido Fidalgo Für ewig und drei Tage – Langzeitstudierend
Kristin Wappler AWESOME
Anke Engemann AWESOME
Rosalie Trautmann AWESOME
Hans-Christian Bandholz AWESOME
Wilhelm Tschakert AWESOME
Christine Ilgert Linke Liste an der HU, LiLi
Tobias Roßmann Linke Liste an der HU, LiLi
Isabella Babut Linke Liste an der HU, LiLi
Katharina Paar Linke Liste an der HU, LiLi
Felix Ladendorf Gegen Beitragsverschwendung

Schweizer Studie: Schulerfolg bei Jungen von der richtigen Gesinnung abhängig

Der Inhalt eines Beitrags in der Zeitschrift “Masculinities and Social Change”, den Andreas Hadjar, Susanne Backes und Stefanie Gysin verfasst haben und der mit “School alienation, patriarchal gender-role orientation and the lower educational success of boys” überschrieben ist, ist schnell erzählt:

Hadjar_2015_School alienationJungen, die traditionelle Rollenverteilungen präferieren, die also z.B. denken, Männer seien Haupternährer (eine Überzeugung, die die Realität in den meisten deutschen Familien gut beschreibt) und Frauen die besseren Familien-Kümmerer, stören etwas häufiger den Unterricht als Mädchen, die die entsprechende traditionelle Rollenverteilung präferieren und im Gegensatz zu Mädchen, die den Unterricht stören, wirkt sich das Stören durch Jungen negativ auf deren schulischen Erfolg aus, d.h. sie erhalten schlechte Noten. Eine wichtigere Ursache als die Geschlechtsorientierung dafür, dass Jungen und Mädchen im Unterricht stören, ist deren Entfremdung von der Schule. Letztere schlägt sich direkt (was man erwarten sollte, bei Schülern, die sich vom Unterricht abgenabelt haben und der Schule nichts mehr abgewinnen können) und indirekt über störendes Verhalten auf deren schulische Leistung nieder. Abermals ist es so, dass der Weg über störendes Verhalten die Benotung von Jungen stärker belastet als die Benotung von Mädchen.

Kurz: Jungen werden im Gegensatz zu Mädchen bestraft, wenn sie traditionelle Rollenmuster für richtig halten. Beide, Jungen wie Mädchen, unterscheidet im Hinblick auf das Ausmaß der Entfremdung von der Schule und im Hinblick auf störendes Verhalten im Unterricht wenig. Aber: Jungen werden im Gegensatz zu Mädchen von Lehrern für störendes Verhalten bestraft – wegen falscher Gesinnung:

“The finding, that the effect of school alienation on school deviance is as strong for boys as for girls , but problem behaviour in school only effects boys’ school success, suggests the existence of different forms of deviance in schools and different perceptions of girls and boys behaviour from teachers’ perspective”.

Das ist die größte Annäherung, die man in einer Studie aus deutschsprachigen Landen an Kritik an Lehrern erwarten kann. Dass Lehrer offensichtlich differenzieren, wenn es darum geht, Jungen oder Mädchen für den Unterricht störendes Verhalten zu bestrafen und dass Lehrer offensichtlich traditionale Rollenvorstellungen bei Jungen negativ in deren Benotung einfließen lassen, dass sie mit anderen Worten die falsche Gesinnung der Jungen bestrafen, während Mädchen selbst bei falscher Gesinnung straffrei ausgehen, das muss man auf Grundlage der Analysen von Hadjar, Backes und Gysin als belegt annehmen.

Die Ergebnisse von Hadjar, Backes und Gysin resultieren aus einer quantitativen Befragung von 872 Schülern der achten Klasse aus 49 Schulklassen an schweizer Schulen. Neben der quantitativen Befragung haben die Forscher Gruppengespräche mit Schülern geführt und den Unterricht beobachtet.

Und nun ist es an der Zeit, zwei Fragen zu stellen, von denen sich eine im Text finden sollte, was sie aber nicht tut, während die andere an die Adresse der Autoren geht.

1. Frage:
Wie kann es sein, dass die Frage, ob ein Junge ein traditionelles Rollenmuster präferiert, einen Effekt auf seine Benotung hat? Was wird in Schulen eigentlich bewertet (noch ne Frage)? Die Leistung oder die richtige Gesinnung? Wenn sich in weiteren Studien bestätigen sollte, dass in öffentlichen Schulen Jungen dafür bestraft werden, dass sie ein Rollenmodell präferieren, das die Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung nach wie vor lebt, das mittlerweile in defamatorischer Absicht als pratriarchalisches Geschlechtsrollen-Modell bezeichnet und als Ausdruck männlicher Hegemonie bewertet wird, dann sollte man öffentliche Schulen auflösen und versuchen, auf privater Grundlage Schulen aufzubauen, in denen wieder Leistung und nicht Gesinnung bewertet wird.

Die Autoren beteiligen sich übrigens an der Verbreitung des Eindrucks, ein traditionelles Geschlechtsrollenmodell sei Ausdruck männlichen Hegemoniestrebens, was eine Umschreibung für Unterdrückung von Frauen ist. Von dieser Ansicht sind sie auch nicht dadurch abzubringen, dass in etwa so viele Mädchen wie Jungen diesem traditionellen Modell männlicher Hegemonie anhängen. Aber sei’s drum, wo Ideologie ansetzt, ist Ratio fehl am Platze.

Auch die Tatsache, dass es das Patriarchat nie gegeben hat, wie Dr. habil. Heike Diefenbach im bislang mehr als 2000 Mal heruntergeladenen Beitrag über dasselbe zeigt, schreckt manche nicht vom fast schon manischen Kleben an diesem Symbol für – ja, was eigentlich?: – Die eigene Einbildung? Die eigene Phantasie? Die eigene Störung? Das eigene Operempfinden? – ab.

2. Frage:

Patriarchat_coverHadjar, Backes und Gysin schaffen es, ein großes Trara an Methoden zu nutzen: Quantitative Befragung, Fokusgruppen-Interviews, Beobachtung, und trotz allen methodischen Aufwands sind sie nicht in der Lage jene beiden nicht nur aus unserer Sicht zur Erklärung eines zwischen männlichen und weiblichen Schülern differenziellen Bildungserfolgs relevanten Variablen zu berücksichtigen, nämlich die Kompetenz des Lehrers und das Geschlecht des Lehrers. Es scheint, als würde Forschern heutzutage das Herz in die Hose fallen oder die Finanzierung gestrichen, wenn sie auch nur einen Gedanken an die Frage verschwenden, welchen Eigenschaften von Lehrern es geschuldet ist, dass sie männliche und weibliche Schüler nachweislich unterschiedlich behandeln und bewerten. Wir leben im selbstgewählten geistigen Mittelalter – nur ist es dieses Mal nicht die katholische Kirche, die Forschungsfragen verbietet.

So bleibt unterm Strich festzustellen, dass Hadjar, Backes und Gysin einen weiteren Beleg dafür geliefert haben, dass Jungen in Schulen dafür bestraft werden, dass sie die aus Sicht der Lehrer falsche Gesinnung zeigen. Leistung tritt definitiv hinter den Gesinnungstest zurück.

Hadjar, Backes und Gysin haben dies für die Schweiz gezeigt. Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass die Ergebnisse in Deutschland nicht genauso ausfallen würden – im Gegenteil: Es gibt allen Grund anzunehmen, dass es sich in Deutschland mindestens genauso verhält.

Methodisches zur Studie:
872 Schüler aus 49 Klassen aus allen Schulformen wurden befragt. Der schulische Erfolg wurde anhand der Durchschnittsnote gemessen. Zu Teilnehmern an und Durchführung der Fokusgruppen-Interviews geben die Autoren keine Informationen, auch die Frage, wie häufig Beobachtungen im Unterricht gemacht wurden, bleiibt unbeantwortet.