Verbaler Missbrauch

Uns reicht es!

GEwDie GEW paternalisiert und missbraucht wieder: Kinder aus “finanzschwachen Familien”, also Kinder aus der Arbeiterschicht, aus der bildungsfernen Schicht, neben die Funktionäre aus der GEW vermutlich nie ziehen würden, deren Existenz sie nur aus der Ferne kennen und – Gott bewahre, dass die eigenen Kinder ein “bildungsfernes Kind” mit nach Hause bringen: “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern”, sagen sie dann, fassen die bildungsfernen Kinder mit spitzen Fingern an, denn: mit Bildungsfernen aus den “finanzschwachen Familien” hat man keinen direkten Kontakt, man bedient sich ihrer nur, missbraucht sie für seine eigenen Ziele.

Die GEW, das sei den Lesern ins Stammbuch geschrieben, ist eine Institution, die geschaffen wurde, um Funktionären mit zweifelhafter bis keiner Qualifikation ein Auskommen zu verschaffen. Die Klientel der GEW, Erzieher, Pädagogen, Lehrer, Hochschullehrer, sie sind alle aus der Mittelschicht. Entsprechend versteht sich die GEW nicht als Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, sondern als Interessenvertretung ihrer Klientel. Die Erziehung und die Wissenschaft dienen dazu, den eigenen Versuch zu verschleiern, sich und seine Klientel auf Kosten von Steuerzahlern zu bereichern.

no signalDer neueste Ansatz findet sich als Halteraner Signal. Das Halteraner Signal hat nichts mit der Deutschen Bundesbahn zu tun, und es findet sich auch nicht im Straßenverkehr, es ist auch kein Versuch von Alien, Kontakt aufzunehmen. Überhaupt, warum das Halteraner Signal, Halteraner Signal heißt – niemand weiß es. Aber warum auch nicht.

Jenes Halteraner Signal behauptet, dass es offene Hochschulen nur mit mehr BAföG gibt.

Die GEW versucht wieder einmal, die Kinder aus der Mittelschicht, die studieren wollen, freizuhalten von Kosten. Deshalb fordert die GEW BAföG nicht als Darlehen, sondern als Geschenkt an alle zu verteilen und natürlich die Höhe des BAföGs so zu gestalten, dass Studenten davon leben können: In der Mittelschichts-Klientel der GEW arbeitet man wohl nicht gerne, schon gar nicht während des Studiums, wie es die Kinder aus der Arbeiterschicht immer getan haben. Also: BAföG nicht mehr als Darlehen, sondern als Geschenk, als Geschenk, als Breitenförderung für alle, die denken, sie könnten einmal an eine Hochschule gehen, um mal zu schauen, wie es da so ist. Das ist das Halteraner Signal.

Und natürlich fehlt im Halteraner Signal auch nicht die Stelle, an der sich die Funktionäre aus der Mittelschicht, die über die Arbeiterschicht und ihre Kinder schwadronieren, darüber auslassen, dass ja so wenige Kinder aus der Arbeiterschicht an deutschen Hochschulen ankommen.

Und nicht erst seit gestern ist das so, nein, seit Mitte der 1990er Jahre, so steht es im Halteraner Signal, hat sich nichts daran geändert, dass nur wenige Kinder aus Arbeiterfamilien an Hochschulen ankommen. Davor, so muss man dem entnehmen, war das anders. Und natürlich arbeitet die GEW seit Jahrzehnten und – wie man feststellen muss – vollkommen erfoglos daran, Kinder aus der Arbeiterschicht an Hochschulen zu verfrachten.

Das Halteraner Signal ist ein neuer Versuch, dieses Kunststück zu vollbringen, und zwar durch “politisch gestalteten” Hochschulausbau. Der besteht aus Rahmenbedingungen, die gut sind für Arbeiterkinder und andere, er besteht aus dem “Verzicht auf Studiengebühren”, aus “unterstützenden und motivierenden Studienbedingungen”, aus kostenlosem BAföG für alle und zu guter letzt aus einer “vielfältigeren Studierendenschaft”.

Wenn man derart wohl überlegte, detaillierte und konkrete Halteraner Signale sieht, dann versteht man gar nicht, warum nicht längst 80% der Arbeiterkinder an deustchen Hochschulen studieren – oder?

Selbstverständlich muss die Höhe des BAföG ausreichen, um den Kindern aus der Mittelschichts-Klientel der GEW ein sorgloses und von Arbeit ungetrübtes Studium zu ermöglichen. Dazu darf es kein Darlehen sein, muss jedem gewährt werden. Wo kämen wir hin, wenn die Erben der 600 Quadratmeter Einfamilienhäuser nach dem von Steuerzahlern und somit vielen aus der Arbeiterschicht finanzierten Studium mit Schulden ihr Erbe antreten müssten. Unvorstellbar. Barbarisch.

Außerdem werden durch die Aussicht auf einen “Schuldenberg von bis zu 10.000 Euro … Studienberechtigte aus finanzschwachen Elternhäusern, aber auch junge Frauen … von einem Hochschulstudium abgeschreckt”. Wem noch nicht übel geworden ist, ob der Art und Weise wie hier “finanzschwache Elternhäuser” missbraucht werden, um zu verschleiern, dass es einzig und allein darum geht, die Mittelschichts Klientel der GEW und ihre Kinder besser zu stellen, dem wird dann vielleicht übel, wenn er die Wertigkeit der GEW-Funktionäre sieht, die eine Jungfrau-Maria-Vorstellung kultiviert haben und anbeten, und wo Jungfrauen angebetet werden, da verblassen Jungmänner natürlich, kommen nicht einmal vor.

Wem das alles noch nicht reicht, für den haben wir den “GEW-Vize” Andreas Keller, von dem wir nicht wissen, ob er tatsächlich so dumm ist, wie es das Zitat unten nahelegt oder nur denkt, die anderen seien so dumm, dass er ihnen in den Bart spucken könnte und behaupten, es sei Raureif. Urteilen Sie selbst:

verbal abuse“‘Vom BAföG muss man leben können. Tatsächlich erhalten aber nach Angaben der Bundesregierung nur 19 Prozent der Studierenden BAföG, im Schnitt nicht einmal 450 Euro pro Monat. BAföG-Fördersätze und -Freibeträge müssen daher schnell um mindestens zehn Prozent erhöht und künftig automatisch an steigende Lebenshaltungskosten angepasst werden. Es darf keine weiteren Nullrunden geben’, betonte Keller.”

Eingeweihte wissen: Die Gewährung von BAföG und die Höhe von BAföG sind an das Verdienst der Eltern gekoppelt, wenn also “nur 19 Prozent der Studierenden BAföG” erhalten, dann liegt das daran, dass die Eltern der restlichen 81 Prozent oder die Studierenden selbst zu viel verdienen. Dasselbe gilt für das durchschnittliche BAföG in Höhe von 450 Euro pro Monat, denn es wird auf der Basis des elterlichen Einkommens berechnet. Kurz: BAföG in seiner derzeitigen Form kommt eher denen zu Gute, die es aus “finanzschwachen Familien” an Hochschulen schaffen – also genau denen, derer sich die GEW-Funktionäre nun bedienen, um eine bedingungslose Ausweitung eine “Breitenförderung” durch BAföG zu fordern.

Die Sozialerhebung des Studentenwerks für 2012 zeigt, dass 67,5% der befragten Studenten kein BAföG beantragt haben, weil das Einkommen der Eltern zu hoch ist, 27,5% geben an, das eigene Einkommen sei zu hoch. 19,2% der Studenten geben an, ihr Vater sei Arbeiter, was sich mit den 19% zu decken scheint, von denen die GEW weiß, dass Sie überhaupt nur BAföG beziehen. Überhaupt sei den Funktionären die Lektüre der Sozialerhebung empfohlen, um z.B. zu sehen, dass rund 60% der befragten Studenten angeben, zu arbeiten, um finanziell unabhängig von ihren Eltern zu sein. Rund 63 % der Studenten gehen zumindest gelegentlich einer Erwerbstätigkeit nach, was beweist: es ist möglich, auch ohne die Hilfe der GEW zu studieren.

Es ist wirklich widerlich, wie die GEW versucht, für ihre Klientel hier ein komplett steuerzahlerfinanziertes Studiendasein zu erreichen, damit die eigene Klientel nicht genötigt ist, das zurückzuzahlen, was von der so oft besungenen Gemeinschaft und vor allem von Arbeitenehmern, deren Kinder es nur in den seltensten Fällen an eine Universität schaffen, die also in der Mehrzahl für Hochschulen bezahlen, aber direkt nichts davon haben, bereitgestellt wird, so dass Arbeiter über ihre Steuern das Studium der Mittelschichtskinder finanzieren.

Wie weit der Missbrauch der Arbeiterkinder durch die GEW geht, wird daran deutlich, dass sich unter den BAföG-Empfängern, die es derzeit gibt, vornehmlich Kinder aus “finanzschwachen Familien” befinden müssen, denn wären sie nicht finanzschwach, sie würden kein BAföG erhalten. BAföG ist nämlich ein Mittel, um diesen Kindern und nicht um Kindern aus nicht-finanzschwachen Familien ein Studium zu ermöglichen.

Wir sind selbst Arbeiterkinder und würden uns gerne einmal mit einem Funktionär der GEW auseinandersetzen, vor allem mit denen, die Kinder aus finanzschwachen Familien, vor allem “junge Frauen” missbrauchen, um ihre Kernklientel zu bedienen. Wie es im Englischen heißt: We would like to give them a piece of our mind – um sicherzustellen, dass die entsprechenden Funktionäre den Begriff “finanzschwache Familie” in ihrem kümmerlichen Rest-Dasein nicht mehr missbrauchen – nie mehr.

Wenn es der GEW tatsächlich darum geht, Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” nicht durch einen “Schuldenberg von bis zu 10.000 Euro” vom Studium abzuschrecken, dann schlagen wir vor, eine Fördeurng per BAföG auf Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” zu beschränken und BAföG, das nur noch an Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” vergeben wird, als Zuschuss und nicht als Darlehen zu vergeben.

Trojanische Pferde und schulische Leistungen

Zwei Themen, die heute durch die britische Presse gehen, sind für Bildungsforscher hoch interessant oder sollten es zumindest sein.

Das erste Thema beschäftigt sich mit der Frage, welchen Effekt Kultur auf den Lernerfolg hat. Chris Cook, Redakteur bei der BBC (also ein Journalist), hat sich diese Frage vorgenommen. Ausgehend von der Beobachtung, dass z.B. in Australien die Kinder chinesischer Einwanderer generell bessere Leistungen erzielen als z.B. Kinder weißer Eltern, hat Cook für das Vereinigte Königreich Ergebnisse zusammengetragen. Die Ergebnisse zeigen, dass auch im Königreich die Bildungselite der Schüler aus China stammt. Noch interessanter als dieses Ergebnis ist, dass die guten Leistungen chinesischer Schüler sich zwischen Kindern aus armen und Kindern aus reichen Familien kaum unterscheiden und in jedem Fall besser sind als die Leistungen selbst der besten Kinder aus weißen Famlien.

culture and performance

Will man dieses Ergebnis als Beleg dafür werten, dass die Herkunftskultur einen Effekt auf die schulische Leistung hat, dann muss man daraus den Schluss ziehen, dass Chinesen eine dem Lernen förderliche Kultur haben, bei der sozialstrukturelle Variablen wie Schichtzugehörigkeit oder Einkommen keine Rolle spielen, während Weiße eine eher lernfeindliche Kultur gezimmert haben, die noch dazu eine stratifzierende Kultur ist, d.h. Kinder aus armen Familien schneiden relativ zu Chinesen noch schlechter ab als Kinder aus reichen Familien, ein Umstand, den man in Deutschland gerne mit dem Begriff “bildungsfern” bezeichnet. Hat man diese Erklärung nicht nur geschluckt, sondern auch verdaut, dann stellt sich die Frage, was das nun bedeutet: Was genau macht diesen kulturellen Unterschied aus? Gibt es eine Form der Intelligenz, die kulturell determiniert ist, so dass Chinesen einfach intelligenter sind als der gewöhnliche Weiße?

Wie immer, wenn man sich mit Kultur beschäftigt, fühlt man sich in eine Badewanne versetzt und auf der Jagd nach der Seife. Deshalb schlagen wir vor, Kultur als ein Set der Handlungserwartungen (und Handlungsergebnisse) zu definieren, das von Kulturmitgliedern geteilt wird.

Die Beobachtung, dass Chinesen bessere schulische Leistungen erbringen, kann nunmehr als Ergebnis entsprechender Erwartungen an chinesische Kinder angesehen werden. Es wird erwartet, dass sie die Chance, sich durch Bildung im Leben zu etablieren und zu verbessern, nutzen und das beste aus dieser Chance machen. Das wäre eine Erklärung.

Im Gegensatz dazu, wird von weißen Kindern kaum erwartet, dass sie in der Schule erfolgreich sind. Schule und Lernen sind negativ besetzt, werden mit Anstrengung, Stress und Anforderung verbunden, die man Kindern eigentlich kaum zumuten kann und bei denen man entsprechend immer Verständnis aufbringt, wenn es mit dem Erfüllen der Anforderungen nicht klappt. Dann ist schnell der Schulsozialarbeiter bei der Hand, der eine perfekte Entschuldigung für schulisches Versagen hat – eine Entschuldigung, die den Effekt hat, dass sich die entsprechenden Kinder auch in Zukunft nicht anstrengen werden, wozu auch. Sie sind ja entschudligt.

Kinder und Jugendliche aus MigrantenfamilienAkzeptiert man dieses Ergebnis unseres kurzen Brainstormings, dann stellt sich die Frage, warum der Schulerfolg weißer Schüler im Allgemeinen und deutscher Schüler im besonderen sozial stratifiziert ist, warum Kinder aus Arbeiterfamilien hinter Kindern aus Familien der Mittelschicht zurückbleiben. Auch hier kann man mit Erwartungen arbeiten: Erwartungen von Lehrern und Erwartungen von Schülern. Erstere erwarten von Kindern aus der Arbeiterschicht, dass sie auch bei guten Leistungen in der Grundschule nicht in der Lage sein werden, ein Gymnasium erfolgreich zu durchlaufen. Warum? Weil ihnen angeblich die noch angeblicher so wichtige Unterstützung zu Hause fehlt. Umgekehrt erwarten Kinder aus Arbeiterfamilien vermutlich gar nicht, dass sie von ihren Lehrern irgend eine Art der Förderung erfahren, denken wahrscheinlich selbst, sie seien nicht in der Lage, den kommenden Anforderungen gerecht zu werden. Diese Idee, als Theorie des Stereotype-Threat bekannt und von Dr. habil. Heike Diefenbach erstmals in ihrer Habilitation in Deutschland eingeführt, ist inzwischen gut erforscht und recht gut belegt.

Die Idee, dass Schüler von ihren Eltern zuhause bei Hausaufgaben in Mathematik und Chemie und Deutsch und so weiter, unterstützt werden müssten, ist übrigens eine Erfindung von Mittelschichts-Pädagogen, die eine Legitimation für Mittelschichts-Mütter gesucht haben, damit diese der Arbeit teilweise oder ganz fernbleiben und sich der (schulischen) Erziehung ihrer Kinder widmen können. Aber einmal ehrlich, wer kommt sich nicht absurd und lächerlich dabei vor, wenn er behauptet, Mütter würden ihren Söhnen und Töchtern Algebra vermitteln, ihnen Avogadros Konstante erklären oder sie in fließendem Englisch beim Lernen von Vokabeln unterstützen?

Bildung und Schule bilden keine 100% Überlappung mehr. Das macht der zweite Beitrag deutlich, denn auch England hat nun seinen LBTG oder LGTB – scare, oder wie auch immer die richtige Abkürzung für Homosexuelle und all die anderen sexuell Orientierten sein mag.

Eltern einer Primary School, der Welford Primary School in Birmingham waren überhaupt nicht erfreut darüber, dass ihren Kindern ein Curriculum der “Diversität und sexuellen Orientierung” untergeschoben wurde, um die 4 bis 11jährigen von Homophobie zu heilen. Dies zeigt, der LBTG-Wahnsinn ist grenzüberschreitend und auch in England bereits angekommen, denn natürlich haben 4 bis 11jährige nichts anderes zu tun, als sich homophob zu verhalten – wie auch immer sie das bewerkstelligen wollen.

welfordprimaryschoolDas Pikante an der Geschichte: Die Welford Primary School wurde von Ofsted [Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills] gerade auf so genannte Trojan Horses abgeklopft und für clean befunden. Mit so genannten Trojan Horses war im Fall von Ofsted eine muslimische Unterwanderung gemeint ist, um die Schüler empfänglicher für “segregating boys and girls, banning sex education and spreading the teachings of radical clerics” zu machen.

Etliche Eltern waren jedoch ganz und gar nicht der Meinung, dass die Bildung ihrer Kinder an der Welford Primary School clean sei – nicht etwa im Hinblick auf muslimische Trojan Horses, sondern im Hinblick auf LGTB-Trojan Horses. Eine Konfrontation zwischen Eltern und dem Head-Teacher hatte zur Folge, dass der Head-Teacher unter Polizeischutz die Schule verlassen musste.

Man sieht, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht, kennen Briten keine Zurückhaltung, und wenn es darum geht, mit welchen Inhalten ihre Kinder unterrichtet werden, wollen sie mitreden, nein mitbestimmen. Verwert man ihnen die MItbestimmung, folgt keine Petition, nein, es folgt Aktion.

Offensichtlich sind die entsprechenden Eltern generell gegen Trojanische Pferde in der Ausbildung ihrer Kinder, also Lehrinhalte, die den Kindern eben einmal so untergeschmuggelt werden, egal, ob sie von vermeintlich radikalen Muslimen oder vermeintlich nicht radikalen LGTB-Aktivisten stammen.

Ich als Insel: Atomismus im Denken – oder – GEW sagt: Soldaten sind Lügner

In letzter Zeit begegnet uns immer wieder ein Phänomen, das wir “Atomismus im Denken” getauft haben. Es äußert sich in der Annahme, dass man als “ich” eine Insel darstellt, die in keinerlei Austausch mit anderen ichs verwickelt ist. Das Ich als Insel kann auch national atomisiert werden, dann wenn seltsame Vorstellungen darüber bestehen, was an den Grenzen Deutschlands alles halt macht, Vorstellungen wie sie gerade in einem Kommentar geäußert wurden:

“Demografieprobleme sind nicht international sondern national. Jedes Land muss sie selbst lösen. Und ja in DE haben wir Demografieprobleme. Wir reden gerade nicht über Indien.”

Überbevölkerung, so lernen wir, macht an den Grenzen von Deutschland halt, ebenso wie die Folgen von Überbevölkerung, die sich aus Überfischung, Überdüngung, aus immer häufiger ausbrechenden Epidemien und vielem anderen ergeben, die deutsche Grenze nicht zu überschreiten wagen.

Logik des MisslingensDietrich Dörner hat diese Schau, die nicht über den eigenen Nabel hinausreicht, im beklagenswerten Schicksal von Tanaland beschrieben, einem fiktiven Computerort, den real existierende Versuchspersonen mit guten Vorsätzen und keinerlei Blick auf die Folgen ihres Handelns bzw. keinerlei Erwägung dahingehend, dass man nicht als Atom Entscheidungen trifft, sondern diese Entscheidungen Effekte hervorrufen, in Windeseile von einer Hungersnot in die totale Zerstörung überführt haben.

Der Atomismus im Denken geht häufig mit dem emotionalen Ansinnen, doch gut zu sein, eine Insel im Meer aus Selbstbeweihräucherung darzustellen, einher. Dazu haben wir gerade ein perfektes Beispiel gefunden, nämlich den Atomismus, den die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe derzeit zur Schau stellt.

Tepe hat am Rande der Sitzung der Kultusministerkonferenz 23.000 Unterschriften übergeben, Unterschriften, die im Rahmen einer “Kampagne” gesammelt wurden, die “den wachsenden Einfluss von Rüstungsindustrie und Militär in Bildungseinrichtungen zurückdrängen” will. Also, wenn das Flugabwehrgeschütz demnächst aus dem Pausenhof der Grundschule Salierschule in Bad Dürkheim abgezogen wird, dann wissen sie warum.

Anlässlich der Übergabe der 23.000 Unterschriften hat es sich Marlis Tepe nicht nehmen lassen, den Mund aufzumachen und die Übergabe als Möglichkeit, Public Relations herzustellen zu nutzen, um sich und die GEW als gute Organisation, die gegen Krieg und alles Schlechte zu Felde zieht, darzustellen:

„Bildung und Wissenschaft haben die Aufgabe, die Voraussetzungen für eine friedliche Welt zu ergründen und über Kriegsursachen, Kriegsprofiteure und Kriegsideologie aufzuklären. Es widerspricht dieser Aufgabe, wenn Bundeswehr-Jungoffiziere an Schulen und Hochschulen für den Soldatenberuf werben und dabei über die Realitäten dieses Berufes hinwegtäuschen“

Hier kommt gleich das nächste Problem auf Ursula von der Leyen zu. Nicht nur ist die Bundeswehr eine Armee ohne funktinierende Ausrüstung, nein, die Bundeswehr schickt auch Lügner in Schulen, um die dort versammelten Schüler und Lehrer über die Realität des Soldatendaseins hinwegzutäuschen – wer das nicht glaubt: Marlis Tepe hat es gerade ausgeplaudert! Dem muss man natürlich einen Riegel vorschieben, insbesondere die objektive GEW muss das, die schon seit Jahren beweist, wie sie selbst es mit der Wahrheit hält und welche Bedeutung sie selbst der Wissenschaft zuweist.

Entsprechend hat Tepe die Forderung bekräftigt, nicht nur Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr und den exklusiven Zugang der Lügner von der Bundeswehr zu Schulen zu beenden, sondern Schulen mit einer Zivilklausel auszustatten:

“Bildung und Wissenschaft sollten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, solidarisches Lernen für den Frieden ermöglichen sowie einen Beitrag zur friedlichen Lösung der Probleme und Konflikte in dieser Welt leisten“, so Tepe.

Also Schwerter zu Plugscharen und das sowieso marode Kriegsgerät der Bundeswehr an Schrotthändler verkaufen, die es vielleicht einer besseren Verwendung zuführen können. Und dann die Bundeswehr auflösen.

Der Atomismus im Denken von GEW Tepe ist schon herausragend, fast so herausragend wie ihre Überzeugung, dass man Schüler sehr gut beeinflussen kann, ansonsten müsste man keine Angst vor der Bundeswehr in Schulen haben. Vielleicht will sich die GEW auch ein Monopol auf die Beeinflussung von Schülern errichten, um nach Lust und Laune in Gender, Homosexualität und sonstige Abweichungen von der gesellschaftlichen Normalität zu indoltrinieren.

Doch zurück zum Atomismus im Denken, der bei Frau Tepe so herrausragend ausgeprägt ist. Er kommt in Annahmen zum Ausdruck wie:

  • Schüler kommen einzig und allein in Schulen mit der Bundeswehr in Kontakt.
  • Schüler sind unkritisch und biegsam und deshalb der Einflussnahme der Bundeswehr-Lügner schutzlos ausgeliefert. (Offensichtlich hat es Frau Tepe noch nicht mit Schülern zu tun gehabt).
  • wicked wit winstonEs ist wichtig, Schüler nicht mit Themen wie “Bundeswehr” direkt in Kontakt kommen zu lassen. Statt dessen ist ihnen Pazifismus von Kindesbeinen einzuimpfen. Sie sind gegen Krieg zu imprägnieren, denn es ist nicht vorstellbar, dass ein Land seine Armee benötigen könnte, z.B. um einen Diktator abzusetzen. Gut, dass es 1939 im Vereinigten Königreich einen Winston Churchill gab, der auf Ansinnen, wie das von Tepe vermutlich eine passende Anwtort gefunden hätte, etwa: “It’s the only time I’ve ever seen a rat swimming towards a sinking ship” (Enright, 2011: 33).
  • Der tägliche Kriegsfilm, Mord oder die täglichen Bilder aus Syrien und dem Irak im Fernsehen sind harmloser als der Besuch des Bundeswehr-Lügners in der Schule.
  • Deutschland ist eine Oase umgeben von unüberwindlicher Wüste. Niemand, nicht einmal ein Kamelreiter kann diese Wüste durchqueren und das deutsche Idyll, das ohne Bundeswehr auskommt, erreichen.
  • Die friedliche Welt, die die GEW-Vorsitzende umgibt, die Welt der Blumenkinder und der Liebkosung 24/7 bedarf keines Schutzes, denn wir haben uns alle lieb, und entsprechend sollten wir auch die Polizei abschaffen. Wir brauchen sie nicht.

Atomismus im Denken konfundiert mit der Anstrengung als Gut-Tuender zu erscheinen. Die entsprechende Anstrengung bringt es mit sich, das eigene Handeln absolut zu setzen, jegliche Interaktion auszuschließen und die Adressaten des entsprechenden Handelns als Statisten zu modellieren, die keinerlei eigenes Urteilsvermögen haben.

Es ist schon erstaunlich, dass Personen, die nicht in der Lage sind, die einfachsten Reaktionen auf ihre eigenen Handlungen vorherzuahnen, sich in Überlegenheit wähnen und meinen, sie könnten anderen das Urteilsvermögen absprechen und mit dem eigenen Atomismus ersetzen.

Forcierter Brain-Drain – Hochschulen wird der Garaus gemacht

Zwei Meldungen, scheinbar ohne Bezug zueinander, machen deutlich, wie normal es schon geworden ist, dass Hochschulen im Allgemeinen und wissenschaftliche Forschung im Besonderen von außen gesteuert werden.

Die eine Meldung ist ein Streitgespräch, das unter der Überschrift “Mehr Mitspracherecht in der Forschungsförderung” auf Academics.de veröffentlicht wurde. Gestritten wird darin über die Frage, ob NGOs, die auf Umweltverbände und Kirchenleute reduziert werden, Einfluss auf die Vergabe öffentlicher Fördermittel an Universitäten haben sollen.

Zentral in diesem Streitgespräch zwischen Günter Stock, dem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und Uwe Schneidewind, dem Leiter des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie ist die folgende Passage:

“Stock: Regierungen und Parlamente haben die Aufgabe, gesellschaftliche Anliegen zu sortieren. Wenn ich diese Rolle jetzt teilweise den Nichtregierungsorganisationen, den NGOs, übertrage, dann frage ich: Was legitimiert sie? Mich stört, dass die Zivilgesellschaft mit organisierten Ökoverbänden gleichgesetzt wird. Und dabei lasse ich mich nicht in die Ecke der Technokraten stellen. Als wir Wissenschaftler in Brüssel dafür gekämpft haben, dass im neuen Rahmenprogramm wieder geistes- und sozialwissenschaftliche Themen eine Rolle spielen, da standen wir ziemlich allein. Das waren für die NGOs auch nur Begleitthemen. Also: Wer ist das, die Zivilgesellschaft?

Schneidewind: Zu klären, wer sie in der Forschung vertreten soll: Das ist schon ein Teil der Auseinandersetzung, die wir brauchen. Ich verstehe Ihre Abwehr einfach nicht. Pluralisierung ist doch immer ein Gewinn, selbst für die Grundlagenforschung sind Impulse aus der Gesellschaft inspirierend. Ohne sie gäbe es zum Beispiel kein Max-Planck-Institut für Altersforschung.”

greenpeace_genmais_Was also erreicht werden soll, ist die Mitsprache von z.B. Umweltverbänden darüber, wer für welche Projekte öffentlich gefördert wird. Das findet Uwe Schneidewind wichtig, denn “Pluralisierung ist doch immer ein Gewinn”, und Günter Stock findet es nicht in Ordnung, denn NGOs, also Umweltverbände im vorliegenden Fall, sind ja nicht demokratisch legitimiert. Im Gegensatz zu Parlamenten und Regierung, deren Einflussnahme auf den Gegenstand von Wissenschaft und Forschung Stock offensichtlich in Ordnung findet.

Nun, wir finden ihn nicht in Ordnung, und die Einflussnahme von NGOs auf Forschung fänden wir verheerend. NGOs, das sind die Interessenverbände, die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen und bereits heute von UN, Weltbank und EU hofiert und finanziert werden, um als Claqueure für die entsprechenden Politiken aufzutreten. Wieso man ihnen einen Einfluss auf die Vergabe öffentlicher Forschungsmittel zugestehen sollte, ist ebenso ungeklärt wie die Frage, warum man ausgerechnet Parlamenten und Regierungen einen entsprechenden Einfluss gewährt hat. Wie war das noch einmal mit der Freiheit von Forschung und Lehre und der akademischen Selbstverwaltung?

Was herauskommt, wenn man Politikern und Regierungen einen Einfluss auf Forschung und Lehre einräumt, kann man jederzeit am Beispiel des Professorinnenprogramms und all der ungezählten Landesprogramme, die angeblich Frauen an Hochschulen gleichstellen sollen, während sie Männer diskriminieren und die an Hochschulen zumindest als regulatives Prinzip herrschende Meritokratie zerstören, sehen.

Deshalb ist es erschreckend, wenn im Bundestag darüber diskutiert wird, dass dem Bund die Möglichkeit gegeben werden soll, in Zukunft “dauerhaft in Hochschulprojekte von überregionaler Bedeutung investieren” zu können. Kurz: Hochschulen sollen noch mehr als dies bisher ohnehin schon der Fall ist von selbtsernannten Dirigenten gesteuert werden, die Einfluss auf die Forschung und die Lehre nehmen wollen und dies angeblich nur tun, um “bestehende Barrieren des Wissenschaftssystems zugunsten einer verbesserten Zukunftsperspektive für Hochschulen” aufzubrechen.

ran-an-den-speck-attacDie beste Methode, um Freiheit zu zerstören, war es schon immer, die Einschränkung der Freiheit als Hilfe zu verkaufen. Entsprechend wird das “Aufbrechen der Barrieren” mit erhöhter Einsprache in die Belange von Hochschulen und erhöhter Abhängigkeit von und Kontrolle durch politische Akteure einhergehen. Wer Forscher sein will, ist entsprechend bestens beraten, sich im angelsächsischen Ausland oder in Asien um eine Forschungsförderung zu bemühen.

Denn man muss kein Prophet sein, um die Forschung vorherzusehen, die nach Einflussnahme von Bund, Umweltverbänden und anderen NGOs auf die Hochschulen gefördert werden wird – Projekte wie die folgenden:

  • Die geschlechtersensible Nutzung von Schlaglöchern auf deutschen Autobahnen: eine qualitative Langzeitstudie unter Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma – gefördert vom BMBF;
  • Traumatische Kindheit: Wie Kinder damit umgehen, dass Homer Simpson im Atomkraftwerk arbeitet – gefördert vom Kinderschutzbund;
  • Die Ästhetik des Windrads: Wie man die Wahrnehmung von Windrädern bei ihren Gegnern verändert – gefördert vom Bund für Umwelt und Naturschutz;
  • Meinungsfreiheit und Verantwortung: Vom Missbrauch der Meinungsfreiheit durch Kritik – gefördert von der Friedrich-Ebert und der Heinrich-Böll-Stiftung;
  • Urahne, Großmutter, Mutter und Kind: Entwicklung eines Mehrgenerationenautos – gefördert durch das BMFSFJ und die Heinz-Erhard-Stiftung;
  • Und er bewegt sich doch: Recycling von schwerem Bundeswehrgerät im Rahmen der Initiative “Schwerter zu Pflugscharen” – gefördert durch das Öko-Institut Freiburg;
  • Der ewige Banker – Eine sozialhygenienische Darstellung des Parasiten durch die Jahrhunderte – gefördert von Attac;
  • Smart-Cruz: Ein Device, der Raucher im Umkreis von 1000 Metern von einem Kind aufspürt und über Twitter und andere soziale Netzwerke verbreitet – gefördert von der Deutschen Krebshiilfe;
  • Schneller Brüter – Automatische Fertilisation zur Beseitigung der Geburtenkrise – gefördert von Pro Leben;
  • Richtig Bestechen und richtig bestechen lassen. Fortbildung für FIFA-Funktionäre – gefördert vom Sepp Blatter Fonds und FIFA;

Wenn man die Zivilgesellschaft an der Vergabe von öffentlichen Forschungsmitteln beteiligen will, dann spricht nichts dagegen, die öffentlichen Fördergelder in einen Fonds zu stecken, um dessen Mittel sich Wissenschaftler mit einer Darstellung ihrer Projekte bewerben, über die wiederum im Internet abgestimmt wird. Wieso Interessengruppen und -verbände, die bestenfalls einen kleinen Teit der Zivilgesellschaft repräsentieren, mitbestimmen sollten, ist nicht nachvollziehbar – warum sie das wollen, schon eher: um ihre Interessen durchzusetzen und als Interessen aller zu verkaufen.

Warnung für männliche Akademiker: Genderbetrug an der FU Berlin

Ein Leser von ScienceFiles, dem wir an dieser Stelle recht herzlich danken und dessen abschließende Selbstbeschreibung, wir unseren anderen Lesern nicht vorenthalten wollen: “… Romanist und heilfroh, beruflich weitab vom akademischen Betrieb gelandet zu sein”, hat uns auf eine Ausschreibung an der FU-Berlin, also der Universität, die sich frei nennt, obwohl sie am Tropf des Staatsfeminismus hängt, wie gleich deutlich werden wird, hingewiesen.

FU BErlinDie Ausschreibung schlägt ein neues Kapitel auf im allgegenwärtigen Versuch, männliche Bewerber auf ausgeschriebene Stellen an Universitäten zu täuschen und bei öffentlichen Ausschreibungen die Tatsache zu verheimlichen, dass offen diskriminiert werden wird, weil in der Ausschreibung so getan wird, als können sich männliche und weibliche Bewerber auf die entsprechende Stelle bewerben, tatsächlich aber nur weibliche Bewerber oder niemand auf die Stelle berufen werden wird.

Im vorliegenden Fall ist im Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften am Institut für Romanische Philologie eine W2-Professur ausgeschrieben, die auf 5 Jahre befristet ist. Bis zum 18.9. können “Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen … unter Angabe der Kennung “WE5GalloHisp” an das Dekanat des Fachbereichs “Philosophie und Geisteswissenschaften” gerichtet werden.

Die komplette Ausschreibung vermeidet jede Form der persönlichen Ansprache von Bewerbern. Nicht Anforderungen an Bewerber werden gestellt, sondern “Einstellungsvoraussetzungen” und “Weitere Anforderung”. Nicht an den Bewerber werden Erwartungen an seine künftige Tätigkeit gestellt, etwa in der Formulierung, “vom Stelleninhaber wird erwartet, dass”, nein, auch hier wird der unpersönliche Stil, der die ganze Ausschreibung durchzieht, gewählt: “Erwartungen an die künftige Tätigkeit” heißt es in eher ungewöhnlicher Formulierung.

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, hier habe jemand bewusst versucht, alle Fallstricke, die Staatsfeministen auslegen, zu umgehen, um sich nicht in das Gewirr aus “*”, “innen” oder “Innen” begeben zu müssen. Fast könnte man denken, hier gibt es Widerstand an Universitäten, Widerstand gegen die Verhunzung der deutschen Sprache durch den Zusatz aller möglichen seltsamen Zeichen, damit sich außer Dackel Rudi auch wirklich alle, die von sich denken, sie seien vor allem ihr Geschlechtsteil, angesprochen fühlen.

Fast!

Wäre da nicht ein seltsamer einleitender Satz, der wie folgt lautet:

FU BErlin Ausschreibung romanistikAn der Freien Universität Berlin ist aus Mitteln des “Genderprogramms zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen” die folgende befristete W2-Professur zu besetzen. Deshalb werden insbesondere Frauen aufgefordert, sich zu bewerben.”

Wer geglaubt hat, mit den kunstvollen Formulierungen, die im Rahmen des Professorinnenprogramms angewendet werden, um männliche Bewerber zu täuschen, sei der Gipfel der Gemeinheit erreicht, der sieht sich getäuscht. Die FU-Berlin hat ein neues Kapitel, eine neue Methode zur Täuschung von männlichen Bewerbern aufgeschlagen.

Denn:

Mit “Genderprogramm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen” ist das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre (BCP) gemeint, das ausschließlich eine Förderung von “exzellenten Forscherinnen und Künstlerinnen (!sic)” vorsieht.

3.798.000 Euro gibt der Berliner Senat jährlich dafür aus, um “strukturelle Hemmnisse bei der Verwirklichung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre” dadurch auszuräumen, dass Männer diskriminiert und getäuscht werden. Worin die “strukturellen Hemmnisse” bestehen sollen, hat zwar bislang noch niemand angeben können, aber das macht nichts, denn im Berliner Senat sitzen offensichtlich Imaginäre, die in der Lage sind, daraus, dass “Frauen … auf allen wissenschaftlichen Qualifikationsebenen weiterhin unterrepräsentiert sind” auf “strukturelle Hemmnisse” zu schließen.

Wir haben es schon mehrfach geschrieben, aber man kann es offensichtlich nicht oft genug schreiben: Wenn man aus einem Zustand (weniger A als B) darauf schließen könnte, dass A auf strukturelle Hemnnisse stößt und deshalb seltener ist als B, dann müsste man eine ganze Reihe von A’s fördern: z.B. gibt es in Parlamenten weniger Arbeiter als Beamte, weniger Politikwissenschaftler als Juristen, weniger Verkäuferinnen als abgebrochene Studentinnen, weniger Gebildete als Eingebildete und vor allem weniger Integre als Opportunisten. Wir sind schon gespannt, wann der Berliner Senat die entsprechenden Berliner Programme zur Förderung der genannten Gruppen auflegt.

Zurück zum Berliner Programm. Darin steht unter Punkt 2 “Förderschwerpunkte”:

“2.1 Vorgezogene Nachfolgeberufungen von Frauen auf W 2- und W 3-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach
2.2 Berufungen auf befristete W 2-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach
2.3 Förderung von Maßnahmen zur:
2.3.1 Qualifizierung und Professionalisierung von Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen für eine Professur an Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen,
2.3.2 Stabilisierung der wissenschaftlichen Karriere von Frauen in der Postdoktorandenphase,
2.3.3 Implementierung von Genderaspekten in Forschung und Lehre,
2.3.4 Qualifizierung von Frauen in den Natur- und Technikwissenschaften.
2.4 Aufbau des Dual Career Netzwerkes Berlin.”

Wie man sofort sieht, kommt der Begriff “Frauen” mehrfach, der Begriff “Männer” gar nicht vor, was einfach zu erklären ist, denn das Berliner Programm dient zur Vorteilsnahme, die weiblichen Bewerbern auf Stellen an Universitäten vorbehalten ist, dem, was man früher Quotenfrau genannt hat, also jemand, die sich nicht zu fein ist, die Hilfe vom netten Papa Staat anzunehmen, um auf eine Position zu gelangen, auf die sie sonst nie gelangt wäre.

Nun, da klar ist, dass im Rahmen des “Berliner Programms zur Förderung von Chancengleichheit für Frauen …” nur Frauen gefördert werden, übertragen wir diese Tatsache darauf, dass dieunpersönlich formulierte Ausschreibung der FU-Berlin eine Professur ausschreibt, die aus diesem als “Genderprogramm” bezeichneten Programm gefördert wird.

Deceibe infeigle obfuscateAls Ergebnis ergibt sich eine Täuschung männlicher Bewerber, die man nur auf kriminelle Energie bei den Verantwortlichen der FU Berlin zurückführen kann. Das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen wird als “Genderprogramm” ausgegeben, um darüber hinwegzutäuschen, dass nur Frauen auf die ausgeschriebene Stelle berufen werden können. Die Ausschreibung ist im unpersönlichen, schablonenhaften Stil gehalten, um darüber hinwegzutäuschen, dass die ausgeschriebene Stelle nur an eine Bewerberin vergeben werden kann und wird. Der Zusatz “Daher werden insbesondere Frauen aufgefordert, sich zu bewerben”, ist besonders perfide, denn er gaukelt männlichen Bewerbern vor, sie hätten eine Chance, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden.

Kurz: Die ganze Ausschreibung ist arglistig und dient der vorsätzlichen Täuschung männlicher Bewerber, deren Bewerbung als Feigenblatt dient, damit die Ausschreibung nicht auf den ersten Blick als die Diskriminierung männlicher Bewerber erkannt wird, die sie faktisch ist.

In Deutschland sind Unmengen von Juristen ständig unterwegs, um normale Bürger, die im Impressum ihrer Webpage einen Zahlendreher haben oder einen Paragraphenhinweis vergessen haben, abzumahnen und schnellen Reibach zu machen. Wo sind diese vermeintlichen Juristen eigentlich, wenn es um die systematische Täuschung und Diskriminerung einer Bevölkerungsgruppe geht? Haben sie etwa Angst? Ist es etwa leichter, bei Privatpersonen zu kassieren, die man vielleicht noch mit Juristenlatein beeindrucken kann als gegen tatsächliche Rechtsverstöße vorzugehen? Wozu braucht man eigentlich eine Berufsgruppe wie Juristen, die ein Monopol auf Gängelung von Dritten durch Abmahnungen und Rechtsberatung haben, wenn sich die entsprechenden Juristen lieber gegen Mitglieder der Bevölkerung richten als gegen staatliche Institutionen, deren Kontrolle ihnen eigentlich obliegt?

Wie auch immer, die W2 Professur für Romanische Philologie/Literaturwissenschaft Galloromanistik und Hispanistik wird mit Sicherheit nicht mit einem männlichen Bewerber besetzt. Wer sich dennoch bewirbt, sollte auch gleich die vorvormulierte Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht der Bewerbung beifügen und ansonsten ist wieder einmal festzustellen, dass es erstaunlich ist, dass in einem angeblichen Rechtsstaat, Recht offen gebrochen wird und niemand wehrt sich dagegen.

Übrigens steht im Logo der FU Berlin “Veritas, Justitia, Libertas”. Kann man sich einen größeren Hohn und Spott auf Veritas und Justitia und Libertas vorstellen als eine angebliche Universität, an der Ausschreibungen wie die dargestellte, möglich sind?

quotenfrauEin weiterer Etikettenschwindel, ein weiterer Betrug soll nicht unerwähnt bleiben. Es ist natürlich völliger Unsinn, wenn das Berliner Programm als Programm “zur Förderung der Chancengleichheit” bezeichnet wird. Denn es wird nicht die Chancengleichheit gefördert, weil Chancengleichheit längst besteht, wie die Tatsache belegt, dass an deutschen Universitäten mehr Frauen als Männer studieren. Gefördert wird Ergebnisgleichheit, also der Anteil von Frauen auf Lehrstühlen. Da man das Ergebnis “Professur” jedoch früher (also vor dem Berliner und dem Professorinnenprogramm) nur auf Basis von Leistung erreichen konnte, macht sich hier der Begriff Chancengleichheit besser. So kann man vertuschen, dass nicht der beste Bewerber, sondern die Bewerberin, die sich gerade zur Hure des Staates machen will, auf eine Professur berufen wurde. Hure deshalb, weil sie sich dafür bezahlen lässt, eine Position zu besetzen, die sie nicht im Wettbewerb mit anderen errungen hat, sondern dadurch, diesen Wettbewerb gerade zu vermeiden, und zwar durch den Ausschluss männlicher Bewerber, sich also für politisch-korrekte Zwecke an den Staat und seine Gender-Schergen verkauft.

Eine Bildungs-Quote für Kinder aus der Arbeiterschicht

Bildung auf einen Blick 2014Leser von Tageszeitungen oder Leser der entsprechenden Online-Ausgaben können sich heute an einer mehr oder weniger redigierten, zuweilen auch wortgleich oder etwas gekürzten Fassung einer Pressemeldung von OECD Deutschland erfreuen. Die Pressemeldung ist in ihrem Original mit “Soziale und ökonomische Teilhabe durch Bildung: Deutschland muss seine Chancen nutzen” betitelt, woraus bei der ARD der Titel wurde: “OECD-Bildungsstudie: Deutschland fällt zurück“. Da die Studie “Bildung auf einen Blick” keine Verlaufsdaten berücksichtigt, sondern eine Querschnittsanalyse auf Basis der Daten für das Jahr 2012 darstellt, die Länder der OECD also zu einem Zeitpunkt mit einander vergleicht, wäre es interessant zu wissen, woher der zuständige Redakteur der ARD seine Eingebung über das “Zurückfallen Deutschlands” hat. Aber vermutlich hat der zuständige Redakteur keine Ahnung, worin der Unterschied zwischen einem und mehreren Zeitpunkten besteht, und “Deutschland fällt zurück” klingt eben besser als der sperrige Originaltitel.

Die neue Untersuchung der OECD bringt nichts wirklich Neues:

  • 28% der 25- bis 64jährigen Deutschen verfügen über einen Abschluss, der dem Bereich der tertiären Bildung (also mindestens ein (Fach-)Hochschulabschluss) zuzurechnen ist. Damit liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt, der 33% beträgt.
  • Deutschland, die USA und Israel zeigen im Generationenvergleich keine graviederenden Unterschiede im Anteil höher Gebildeter. Der Anteil an Personen mit einem Abschluss im Bereich der tertiären Bildung bei 25 bis 34jährigen weicht kaum vom entsprechenden Anteil unter Personen im Alter von 55- bis 64 Jahren ab.
  • Die Gehaltsunterschiede zwischen Personen, die ein Abitur erreicht haben und solchen, die einen geringeren Abschluss der sekundären Bildung erreicht haben, betragen 26%. Hochqualifizierte mit tertiärer Bildung erreichen Löhne, die im Durchschnitt um 74% höher sind als die entsprechenden durchschnittlichen Löhne Niedrigqualifizierter (also z.B. von Personen mit Hauptschulabschluss).
  • Und, das Evergreen zum Schluss: Das deutsche Schulsystem ist vertikal nicht durchlässig. Kinder aus der Arbeiterschicht finden sich kaum auf Gymnasien und noch seltener auf Hochschulen. Oder wie Heino von Meyer, der Leiter des OECD Berlin Centres sagt: “Gerade für Schüler aus sozial schwachen Familien bleibt das Versprechen, ‘Aufstieg durch Bildung’ häufig in weiter Ferne. Dabei kann kaum etwas Menschen besser aus Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung herauführen als Bildung”.

Es ist interessant, wie bei Heino von Meyer die Tatsache, dass Kinder aus der Arbeiterschicht seltener auf Gymnasien und Anstalten der tertiären Bildung gesichtet werden, mit etwas ganz anderem verschmilzt, nämlich der Behauptung, Kinder aus der Arbeiterschicht seien Kinder aus sozial schwachen Familien. Und sozial schwache Familien sind zudem bildungsferne Familien, ein weiterer Bestandteil des Gospels, der in der Mittelschicht so beliebt ist und der zum einen den Fehlschluss beinhaltet, Bildungsabschlüsse (als Zertifikate formaler Bildung) seien mit Bildung identisch, zum anderen den Fehlschluss, dass formale Bildung etwas mit sozialer Kompetenz gemein habe.

geschlechtsspezifische_bildungsungleichheitenWer z.B. Vomiteure bei ihrer Arbeit betrachtet, Vomiteure in Medien z.B., die über einen Abschluss der tertiären Bildung verfügen, der kommt nicht umhin festzustellen, dass hier lediglich formale Bildungsnähe gepaart mit inhaltlicher Bildungsimagination vorliegt, der Irrtum, mit dem eigenen formalen Bildungsabschluss ginge auch Bildung einher, weshalb es an der Zeit ist, die bildungsferne Schicht, die der Bildung nur nicht so nahe ist, wie wer auch immer dies für nötig befindet, von der bildungsimaginierenden Schicht zu unterscheiden, in der Bildung aus einem Bildungsabschluss und der Vorstellung von Bildung derselben besteht.

Doch zurück zur Bildung auf einen Blick der OECD, einem umfassenden Werk, das mit Sicherheit mehr als einen Blick voraussetzt, um erfasst zu werden. Dieses Werk zeigt abermals, dass Kinder aus der Arbeiterschicht in deutschen Bildungsinstitutionen Nachteile haben. Ebenso wie Jungen in deutschen Bildungsinstitutionen Nachteile haben. Erstere haben ihre Nachteile gegenüber Kindern aus Mittel- und Oberschicht, Letztere haben ihre Nachteile gegenüber Mädchen. Jungen aus der Arbeiterschicht sind entsprechend die Loser des gesamten Systems, denn sie haben gleich einen doppelten Nachteil, wie diese kurze intersektionale Analyse zeigt.

Gewöhnlich werden Nachteile bestimmter gesellschaftlicher Gruppen von Lobbygruppen aufgenommen und zu Forderungen nach dies und jenem umgewidmet, die den entsprechenden gesellschaftlichen Gruppen helfen sollen. Nur für die Arbeiterschicht und für die Jungen hat sich bislang keine Lobbygruppe gefunden, die über ein ausreichendes Maß an Einfluss verfügt, um das Los der Kindern aus der Arbeiterschicht zu verbessern und das der Jungen aus der Arbeietrschicht gleich doppelt.

Vielmehr haben wir uns an die entsprechenden Meldungen, die im Jahrestakt und vermutlich seit Dezember 1960 als die OECD gegründet wurde, auf uns niederprasseln, gewöhnt. Arbeiterkinder, also die aus den sozial schwachen Familien, also den bildungsfernen Familien kommen so gut wie nicht auf Gymnasien und Hochschulen an. So regelmäßig wie diese Meldung ist die geheuchelte Aufregung darüber, dass dies immer noch so ist. Die Aufregung geht dann ebenso regelmäßig in ein profundes Schweigen über, das regelmäßig vom Nichtstun abgelöst wird.

Natürlich gibt es Programme und Maßnahmen, die von Ministerien finanziert und von vielen Pädagogen durchgeführt werden, deren Ziel offiziell darin besteht, bildunsferne, also sozial Schwache, also eben die Kinder mit dem Vater im Unterhemd, der säuft, an die Schule heranzuführen und mindestens zu Bildungsimaginieren zu machen. Tatsächlich kann man an der kompletten Erfolglosigkeit dieser Programme jedoch ablesen, dass sie nichts anderes als eine ABM für Pädagogen aus der Mittelschicht sind, die ansonsten arbeitslos wären.

Entsprechend müssen wir feststellen, dass alle Aufregung, alle Maßnahmen, alle freiwillige Selbstverpflichtung der staatlichen Bildungsinstitutionen dahingehend, den Anteil von Kindern aus der Arbeiterschicht (oder aus sozial schwachen oder aus bildungsfernen Familien) an Gymnasien und Hochschulen zu erhöhen, bislang ohne Ergebnis geblieben ist. Die entsprechende Erfolglosigkeit, die sich nun schon über Jahrzehnte zieht, zeigt, dass die Bildungsinstitutionen und ihre Angehörigen die entsprechende Selbstverpflichtung nicht einhalten wollen.

Deshalb sehen wir uns gezwungen, dem Beispiel von Staatsfeministen zu folgen und eine Quote für Kinder aus Arbeiterfamilien in den Führungsetagen deutscher Bildung, also an Gymnasien und Hochschulen ins Spiel zu bringen: zunächst 30% der Plätze an Gymnasien und Hochschulen sind demnach für Kinder aus der Arbeiterschicht zu reservieren. Die Quote gilt ab 2018 und wird bis 2025 und schrittweise auf 40% erhöht. Gleiches gilt für die Anteile von Kindern aus Familien der sozial schwachen Bildungsferne unter den Absolventen und Doktoranden.

Über alles weitere bestimmt die Statistik der OECD.

Mythologie im ZDF: Bei 37 Grad (im Schatten?)

Wir danken einem Leser für den Link auf eine Sendung im ZDF. Die Ankündigung der Sendung hat uns bereits deutlich gemacht, dass es nicht notwendig ist, diese Sendung anzusehen, es sei denn, man will reality TV gewürzt mit Mythologie betrachten und sich das Ganze als Erklärung für den Bildungsmisserfolg von Jungen auftischen lassen.

37 GradDer Mythos, an dem Katrin Wegner, die für die Sendung bei 37 Grad verantwortlich zeichnet, strickt, ist der Mythos des plötzlich Jungen befallenden Schulmüdigkeitsvirus. Dieses Virus ist, dem Ebola-Virus vergleichbar, ein fast wahllos zuschlagendes Virus, eine Geißel Gottes, das aus dem Nichts auf seine Opfer fällt. Die Phase der Inkubation ist unterschiedlich lang. Immer jedoch äußert sich das Virus in Schulmüdigkeit, elterlicher, meist alleinerziehend-elterlicher Verzweiflung. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Befallenen nicht mehr zum Schulgang fähig, “Fehlzeiten werden immer länger” und am Ende steht: Schule schwänzen.

Da ist zum Beispiel Phillip (17): “Plötzlich … lassen Wissbegier und Motivation nach, seine Leistungen nehmen rapide ab, und er schwänzt nur noch den Unterricht”. Oder: Jakob –  “Die Probleme des zwölfjährigen Jakob begangen ganz plötzlich in der Grundschule: Ständig saß er unter dem Tisch und zerriss die Arbeitsblätter, statt sie auszufüllen”.

Wir sehen, das Anti-Jungenbildungs-Virus sucht seine Opfer ohne Vorwarnung heim. Gestern noch saß Jakob am und nicht unterm Tisch, heute ist das anders. Oder Philip, er war “ein Überflieger” in der Schule, der ganz plötzlich eine Bruchlandung macht und als Folge lassen “Wissbegier und Motivation nach”. Ein weiterer Beleg für die Hinterhältigkeit des Anti-Jungenbildungs-Virus, das seine Opfer ganz plötzlich heimsucht.

ebola_micrograph_virus-afriqueUnd wie bei Ebola, so ist auch beim Anti-Jungenbildungs-Virus eine Heilung kaum möglich. Bislang gibt es kein Gegenmittel, nicht einmal eine Vermutung darüber, wo das Virus seinen Wirt hat, von wo aus, es seine Opfer befällt. Entsprechend ist die Frage, die Katrin Wegner bei 37 Grad stellt: “Warum scheitern Jungs öfter?”, [schon weil der Bezug fehlt: ... als Mädchen, ... als Väter, .... als ZDF-Redakteure] bislang unbeantwortet. Das einzige, was wir wissen, der schulische Verfall, der bei manchen Jungen noch vor der Grundschule und im Rahmen der Einschulungsuntersuchung einsetzt, tritt plötzlich, unvorhergesehen und natürlich ohne Ursache in der Umgebung der Jungen auf.

Selbstverständlich tut die Umgebung der Jungen, die schulische Umgebung der Jungen, alles, was in ihrer Macht steht, um die Jungen auf ihrem Bildungsweg in gleicher Weise zu unterstützen wie die Mädchen. Es ist ein Rätsel! Tagein, tagaus gehen Jungen zur Schule und dann: ohne Vorankündigung schlägt das Virus zu. Ein Rätsel, das es sonst an keiner Stelle in der deutschen Gesellschaft, ja nicht einmal in der Weltgesellschaft gibt. Sonst gilt immer, dass eine Wirkung eine Ursache hat. Im vorliegenden Fall ist das anders, das fiese Anti-Jungenbildungs-Virus schlägt ohne Grund zu – einfach so, weil es etwas gegen Jungen hat, nicht etwa gegen Mädchen, nein, das Virus, es differenziert nach Geschlecht! Nicht einmal Ebola differenziert nach Geschlecht. Insofern haben wir es mit einem hoch-spezialisierten, schnell-wirksamen Virus zu tun, dass es in nur kurzer Zeit dazu bringt, Patienten, wie den 17jährigen Phillip, in einer Form aktuter Bildungsdemenz aus dem Gymnasium in die Hauptschule zu verfrachten.

Niemand weiß, wie es das tut, wie das Virus die Schulanbindung der befallenen Jungen beeinflusst. Erste Vermutungen, die Wegner hat, verweisen auf Stress und die Familie, auf fehlende Rollenbilder, weil Väter lieber arbeiten als sich um ihre Söhne zu kümmern, so wie sie das über Jahrhunderte lieber getan haben, ohne dass dieses fiese Anti-Jungenbildungs-Virus derart hinterhältig zugeschlagen hätte. Aber heute, im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist das anders. Heute schlägt dieses Virus aus dem Nichts zu, heute ist es, aus seinem jahrhundertelangen Schlaf erwacht und wütet unter Jungen, die nur noch 45% der Besatzung von Gymansien stellen. Ein Kahlschlag von 10% gegenüber Mädchen und das in nicht einmal 20 Jahren. Ebola verblasst im Vergleich zum Anti-Jungenbildungs-Virus.

Hurrelmann BildungsverliererAuf ihrer Suche nach Ursachen für die Bildungsseuche unter Jungen hat Wegner sogar das Undenkbare gedacht und sich getraut, häretische Werke zu lesen, die eine Verbindung zwischen dem immer größer werdenden Anteil weiblicher Lehrer in Schulen und der immer intensiveren Art und Weise, in der das Anti-Jungenbildungs-Virus zuschlägt, herstellen. Das ist natürlich falsch, wie Wegner feststellt, die ihre früher gemachte Annahme fehlender Rollenbilder offensichtlich  und per offenem Widerspruch verworfen hat, und zwar deshalb, weil “Neue Studien [nachweisen], dass Lehrerinnen nicht schuld sind am schlechten Abschneiden der männlichen Schüler”.

Kleiner Einschub: Es gibt natürlich nicht mehrere “Neue” und ungenannt bleibende Studien. Es gibt genau eine (siehe unten) für Deutschland, die mehrfach aufgetischt wurde und ihren Ursprung im Berliner WZB hat. Was zeigt, wie einfach es heutzutage ist, institutionellen Unsinn unter das (Journalisten-)Volk zu bringen und dabei gleich zu vermehren.

In der Mythologie ist bekanntlich kein Platz für Vagheiten. In Mythologien herrscht Wahrheit, alles hat seinen Platz und deshalb ist in Mythologien Wissenschaft, Sozialwissenschaft insbesondere, in der Lage zu beweisen, zu beweisen, dass Lehrerinnen nicht schuld sind. Dieser Gottesbeweis, erbracht von wackeren Helden wie diesen hier, die den Unterschied zwischen Benotung und Schulbesuch nicht kennen und nicht zu wissen scheinen, dass es einen Unterschied macht, ob man auf einer Hauptschule oder auf einem Gymnasium benotet wird. Wegen dieses Unterschieds ist die Vergabe von Noten nur insofern interessant als es erstaunlich ist, dass die gleichen Noten zuweilen sogar bessere Noten, die Jungen im Durchschnitt und im Vergleich zu Mädchen haben, dazu führen, dass weniger Jungen als Mädchen ein Gymnasium besuchen. Insofern muss man den vermeintlich beweisenden Studien dankbar sein, denn ohne die Naivität der entsprechenden Autoren, wäre nie deutlich geworden, dass Jungen trotz durchschnittlich besserer Noten, schlechter in Schulen abschneiden als Mädchen. Was uns zurückbringt zur Frage, warum ist das so?

Warum? Seit Wegner uns bei 37 Grad ihre Mythologie aufgetischt hat, wissen wir es: Wegen des Anti-Jungenbildungs-Virus, das Jungen befällt, das nichts mit Schulen und schon gar nichts mit Lehrerinnen zu tun hat, das auch im Elternhaus nur in Spuren zu finden ist und letztlich am Ende die selbe Ratlosigkeit hinterlässt, mit der man losgegangen ist. Was tun mit einem Virus, von dem man nichts weiß und vor allem nichts wissen will?

Computer VirusOder will man doch? “Über 60 Prozent aller Jungen ab zehn besitzen eine Spielkonsole und sitzen mehr als viereinhalb Stunden täglich am Computer”, so weiß Wegner und damit ist klar: Das Virus wird durch die Computer übertragen. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Alle Welt spricht vom Computer-Virus. Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase mit dem Erfinden von Viren und dem Verkauf entsprechender Anti-Viren-Programme. Und dennoch ist es nicht einmal der WHO in den Sinn gekommen, was Wegner hier durch phantatischen Journalismus aufgedeckt hat: Viren können zwischen Computern und Jungen übertragen werden.

Hervorragend! Die perfekte Erklärung für ein Problem, das man nicht lösen will: Jungen schneiden schlechter in der Schule ab, weil sie beim Spielen von Computerspielen, jedenfalls 60% von ihnen, von einem Anti-Jungenbildungs-Virus befallen werden.

Amen!

Nachhaltige Indoktrination

Heute muss alles nachhaltig sein. Politik reicht nicht mehr, es muss nachhaltige Politik sein. Umweltschutz reicht schon lange nicht mehr: nachhaltiger Umweltschutz muss her. Personalkonzepte sind nur noch akzeptabel, wenn sie nachhaltig sind, nachhaltig ist der Anbau von Kakaobohnen, Marken sind sogar “top-nachhaltig“, Arbeiten als solches reicht auch nicht mehr, nur nachhaltiges Arbeiten wird belohnt, Nachhaltige Investmentfonds suchen Investoren, wer Rad fährt, fährt nicht mehr Rad, nein, er radelt für die Nachhaltigkeit und, last but not least, ist Friede nicht mehr als einfacher Friede von Wert, sondern nur noch, wenn er ein nachhaltiger Friede ist.

Go GreenDie Beispiele zeigen nachhaltig, dass Nachhaltigkeit in mannigfaltiger Weise verwendet wird und immer ist damit dasselbe Ziel verbunden: etwas durch den Zusatz von “Nachhaltigkeit” zu etwas Besserem, Wichtigerem zu machen, es vor anderen Dingen auszuzeichnen, um auf diese Weise eine nachhaltig positive Wirkung bei Zuhörern und Lesern zu erzielen. Kurz: Nachhaltigkeit ist ein Füllwort, dessen Wirkung nicht über die Kognition erfolgt, denn Nachhaltigkeit hat keine inhaltiche Bedeutung, sondern über die affektive Konnotation von Nachhaltigkeit, die dem Wort “Nachhaltigkeit” immanente Wertung, die man mit: gut, wichtig, schön, wünschenswert, richtig, hervorragend und in jedem Falle anzustreben umschreiben kann.

Dass Nachhaltigkeit ein leerer Begriff ist, zeigen auch die (pseudo-)wissenschaftlichen Versuche, den Begriff zu bestimmen:

Nachhaltigkeit, so kann man diese Anstrengungen zusammenfassen, soll alle Prozesse beschreiben, die eine Erneuerung von Ressourcen gewährleisten und einen Raubbau an Ressourcen verhindern. Diese Beschreibung nachhaltiger Entwicklung, findet sich zum Beispiel im Urtext, dem die Nachhaltigkeit entsprungen ist: dem Brundtland-Bericht. Dort wird eine nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung definiert, “die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff, 1987, S.46). Das beschriebene Kunststück, die bekannten Bedürfnisse heutiger Generationen mit den unbekannten Bedürfnissen zukünftiger Generationen in Einklang zu bringen, wird in der AGENDA 21 weitergeführt. Der Nachhaltigkeit werden nun drei Dimensionen zugewiesen, nämlich (Bolz, 2005, S.37; Rotmans & DeVries, 1997, S.10):

  • eine soziale und wirtschaftliche Dimension, die u.a. der Bekämpfung von Armut dient, Bevölkerungspolitik betreiben will und den Handel umschließt;
  • eine Dimension die die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen sicherstellen soll und u.a. die Bereiche Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik umfasst;
  • eine Dimension die auf die Stärkung der Rolle (Rechte) gesellschaftlicher Gruppen abzielt, worunter vornehmlich Minderheiten, Frauen, aber auch NGOs fallen.

Es ist jedem halbwegs in Wissenschaft Geschulten leicht ersichtlich, dass Nachhaltigkeit kein wissenschaftliches, sondern ein normatives Konzept ist, denn Nachhaltigkeit beschreibt gesellschaftliche Zustände, die aus Sicht derer, die die entsprechenden Zustände als nachhaltig beschreiben, wünschenswert sind. Warum sie das sind, wird regelmäßig nicht begründet, vielmehr werden diejenigen, die nach einer Begründung fragen, durch einen entrüsteten Appell an einen nicht näher bestimmte Verantwortung gegenüber nicht näher bestimmten Dritten oder Dingen mundtot gemacht.

Dass Nachhaltigkeit somit ein Begriff ist, der bestenfalls mit Bezug auf die Ethik bestimmt werden kann, wird spätestens dann deutlich, wenn man die Argumentation der Nachhaltigkeitsapostel umdreht und fragt:

  • Ist es nicht wichtiger das Los der derzeitig lebenden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, anstatt ihnen Einschränkungen mit Blick auf noch nicht geborene Menschen aufzuerlegen?
  • Wieso soll man bekannte Bedürfnisse lebender Generationen zu Gunsten unbekannter Bedürfnisse (noch) nicht lebender Generationen zurückstellen?
  • Warum sollen heute lebende Generationen auf einenhöheren Lebensstandard, der ihnen mögilch ist, verzichten, nur weil Berufspessimisten annehmen, dass zukünftige Generationen zu dumm sein werden, um mit den Herausforderungen, vor die sie gestellt sind, selbst fertigwerden zu können?
  • Ist es überhaupt ethisch vertretbar, von Menschen Verzicht zu fordern und ihnen ein schlechteres anstelle eines besseren Leben zu verordnen?

Dies sind nur einige Fragen, die mit dem Konzept der Lebensqualität oder Nicht-Nachhaltigkeit verbunden sind und die deutlich machen, dass Nachhaltigkeit lediglich dazu dient, moralischen Druck auf Menschen auszuüben, um sie in eine Richtung und zu Handlungen manipulieren zu können, die sie von sich aus nicht vorgenommen hätten.

overpopulationAufgabe einer Wissenschaft, die sich ernst nimmt, wäre es entsprechend den anti-emanzipatorischen Kern, den Nachhaltigkeit umschließt, deutlich zu machen und eine moralische Aufklärung zu betreiben, die Menschen nicht zu Lemmingen des Zeitgeistes macht, sondern sie darüber entscheiden lässt, ob sie sich im Sinne der Nachhaltigkeits-Apostel verhalten wollen oder nicht. Das würde natürlich voraussetzen, dass die Nachhaltigkeitsapostel ihre Argumente dafür präsentieren, warum es für derzeit Lebende einen Nutzen bringen soll, sich nachhaltig zu verhalten und diesen Nutzen auch konkret anzugeben. Anders formuliert: Die Nachhaltigkeitsapostel müssten begründen, warum die Lebensqualität der derzeit lebenden weniger wert sein soll als die Lebensqualität zukünftiger Generationen. Und schon weil ein konkreter Nutzen gefragt ist, wird man vergeblich auf entsprechende Argumente warten (schon weil Nachhaltigkeit, dann, wenn sie ernstgenommen wird, und als Reduzierung des Einflusses von Menschen auf ihre Umwelt operationalisiert wird, logisch zu der Konsequenz führt, dass man einen Geburtenstopp fordern müsste.).

Institutionalisierte Wissenschaft in Deutschland 2014 ist jedoch weit davon entfernt auch nur Spuren einer emanzipativen Auffassung der eigenen Tätigkeit zu enthalten. An die Stelle der Rationalität, die die Idee der Wissenschaft über Jahrhunderte hinweg getragen hat, tritt immer häufiger eine Irrationalität, deren Ziele gerade nicht in der Befreiung von Menschen und der Herstellung von Autonomie bestehen, sondern im Gegenteil darin, Heilsbotschaften zu verkünden, Verhaltensvorschriften zu geben oder, in anderen Worten, Inhaber wissenschaftlicher Positionen in der moralischen Überzeugung schwelgen zu lassen, sie könnten irgend etwas besser für andere beurteilen als diese selbst.

Und so ist es nicht verwundertlich, dass sich vermeintliche Wissenschaftler dafür hergeben, an einer effektiven Verbreitung der Nachhaltigkeits-Saga mitzuwirken. Ziel: “Sachwissen in den Themenfeldern der Nachhaltigkeit zu vertiefen und mit erfahrenen Fachleuten aus der Praxis (z. B. taz, SPIEGEL) die verständliche und spannende Vermittlung der Themen zu üben”. Deutlicher kann man die Tasache nicht mehr machen, dass deutsche Universitäten nicht mehr Erkenntnisgewinn zum Ziel haben, sondern klar sozial-technologische Ziele verfolgen, also dabei mitwirken wollen oder sollen, die Bürger auf den richtigen Weg zu führen, ihnen das richtige Verständnis zu vermitteln, als es in diesen wenigen Zeilen aus dem Zertifikatstudium “Nachhaltigkeit und Journalismus”, das an der Leuphana-Universität Lüneburg angeboten wird, von der wir uns zunehmend fragen, warum sie “Universität” nicht endlich durch Schule ersetzt.

nachhaltig siegelIm Zertifikatstudium, das mit dem Zertifikat “Nachhaltigkeit und Journalismus” endet, eine Auszeichnung, die man sich dann vermutlich auf den Allerwertesten tätowieren lassen darf, werden Grundlagen in “Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften”, “Nachhaltigkeitshumanwissenschaften”, in der “Nachhaltigkeitskommunikation” gelegt, in dem die “Nachhaltigkeitsforschung” der entsprechenden “Nachhaltigkeitswissenschaften” dargelegt und genutzt werden, um einen “Nachhaltigkeitsjournalismus” darauf zu gründen. Bei so viel Nachhaltigkeit muss es auch dem letzten Leser  deutlich werden, dass hier nachhaltige Kaderbildung betrieben werden soll, und zwar in Form nachhaltiger Journalisten, oder, in den Worten von Dr. habil. Heike Diefenbach, von Multiplikatoren, die wie die 12 Apostel in die Welt ziehen und die heilige Botschaft verkünden, nicht die heilige, in diesem Fall, sondern die nachhaltige Botschaft.

Das Pikante am Zertifikatsstudium der Kaderschmiede in Lüneburg findet sich unter dem Punkt “Partner”. Partner des Zertifikatsstudium, das aus Gründen der Verschleierung an einer Institution angeboten wird, die sich (noch) Universität nennt, sind:

  • Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die “treibende gesellschaftliche Kraft für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland”.
  • Die Zeitschrift GEO, des Verlagshauses Gruner und Jahr, die offensichtlich und bislang noch keine nachhaltigen Reportagen produziert.
  • Germanwatch, eine “Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt”.
  • Die Lüneburger Landeszeitung, die derzeit “31.689” nicht nachhaltige Exemplare verkauft.
  • Die taz.panterstiftung, die in Workshops “kritische Journalisten” der Art, wie man sie fast täglich in der “taz” bewundern kann, heranzüchten will.
  • Völkel Naturkostsäfte, bei denen der “Anbau von Bio-Streuobstwiesen und die Förderung von samenfesten Gemüsesorten” ganz hoch im Kurs steht.
  • Und der WWF, der “weltweit die Zerstörung der Natur und Umwelt” stoppen will, woraus man nehmen muss, dass Natur mit Umwelt nichts zu tun hat.

go green 2Die genannten Partner, deren richtige Bezeichnung wohl eher: Sponsoren wäre, machen das Zertifikatsstudium erst möglich, und entsprechend empfehlen wir das Studium der vollen Aufmerksamkeit der GEW, die im regelmäßig auf uns niederkommenden “Privatisierungsbericht”, die Einflussnahme privater Organisationen auf die Bildung beklagt. Und im vorliegenden Fall sind wir ganz und gar einer Meinung mit der GEW: Es ist höchste Zeit die Finanzierung von Zertifikatsstudien zu “Nachhaltigkeit und Journalismus” , die Einflussnahme privater Organisationen auf die Ausgestaltung von Bildung und den Missbrauch universitärer Ressourcen für Indoktrination und Manipulation zu unterbinden.

Literatur

Bolz, Hermann R. (2005). Nachhaltigkeit. Eine weitere Worthülse oder ein wirksamer Beitrag zur Verringerung der Ontologischen Differenz? Norderstedt: Book on Demand.

Hauff, Volker von (Hrsg.)(1987). Unsere gemeinsame Zukunft – Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Köln: Greven.

Rotmans, Jan & De Vries, Bert (1997). Perspectives on Global Change: The TARGETs Approach. Cambridge. Cambridge University Press.

Der Feind in unserer Mitte: Gender Studies können an Universitäten nicht mehr einfach geduldet werden

Prof. Dr. Günter Buchholz hat einen Fachartikel an der Fachhochschule Hannover veröffentlicht, der sich – folgt man der Überschrift – mit “Gender Studies – Die Niedersächsische Forschungsevaluation und ihre offenen Fragen” befasst, der sich jedoch bei Lektüre als viel umfassenderer und weitreichenderer, weil weit über Niedersachsen hinausreichender Fachartikel darstellt.

buchholzWer den Beitrag von Prof. Dr. Günter Buchholz gelesen hat, der kann, sofern ihm Wissenschaft und gesellschaftliche Prosperität am Herzen liegen, nicht mehr schweigen, der muss aufstehen und den Feind in unserer Mitte bekämpfen.

Nun, nach diesem pathetischen Anfang ist es notwendig, die Rechtfertigung für diesen pathetischen Anfang, zu liefern, damit auch dem Trägsten unter den Lehrstuhlplattsitzern in Deutschland Dampf unter dem Allerwertesten gemacht wird.

Günter Buchholz hat einen Aufhänger in seinem Beitrag, einen Bericht, der von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen als Evaluationsbericht zur “Geschlechterforschung in Niedersachsen” bezeichnet wird. Es ist dies ein klassischer Fall von Etikettenschwindel, mit dem die Öffentlichkeit absichtlich und mutwillig getäuscht werden soll, denn der Bericht und die Empfehlungen zur Geschlechterforschung ist alles, aber er ist weder eine Evaluation noch etwas, was auch nur entfernt an eine Evaluation erinnert.

Es beginnt damit, dass die Autoren des Werks, Birgit Geissler, Christina von Braun, Ineke Klinge, Birgit Riegraf, Friederike Maier und Ines Weller alle Nutznießerinnnen des Genderismus sind, d.h. auf entsprechenden Lehrstühlen für Gender Studies installiert wurden. Die Evaluation von Gender Studies oder Geschlechterforschung durch Personen, die Gender Studies oder Geschlechterforschung betreiben, gleicht somit dem Unterfangen, die Relevanz und Wirkungsweise von Astrologie durch Astrologen evaluieren zu lassen.

Logik f dummiesNun könnte man uns vorwerfen, hier ein argumentum ad hominem gemacht zu haben, denn prinzipiell ist es denkbar, dass auch Personen, die von Gender Studies profitieren, deren Einkommensquelle vom Bestand der Gender Studies abhängt, zumindest den Versuch unternehmen, die Gender Studies ansatzweise objektiv zu beurteilen. Entsprechend muss man die vermeintliche Evaluation als solche zur Kenntnis nehmen und sein Urteil begründen, um es nicht dem Vorwurf eines argumentum ad hominem auszusetzen.

Im vorliegenden Fall ist das einfach.

Evaluationsstudien untersuchen die Konsequenz von etwas. So kann man die Wirkung von Medikamenten untersuchen, in dem man die Personen, die nach Einnahme eines Medikaments gestorben sind, denen gegenüberstellt, die geheilt wurden. Man kann wissenschaftliche Fachdisziplinen, z.B. die Soziologie, im Hinblick auf ihren gesellschaftlichen Einfluss untersuchen, in dem man soziologische Forschungsergebnisse z.B. im Rahmen der Bildungsforschung zusammenstellt und untersucht, welchen Niederschlag diese Forschungsergebnisse in der Bildungspolitik gefunden haben. Das setzt natürlich voraus, dass es überhaupt Forschungsergebnisse gibt. Schließlich kann man Publikationen von Wissenschaftlern in einem Fachgebiet einer Evaluation zu Grunde legen, dieselben auf der Basis einer Reihe von Kriterien wie: empirische Bewährung, wissenschaftliche Reichweite usw. bewerten. Wie auch immer man im Rahmen einer Evaluationsstudie vorgeht, immer wird der Output bewertet, d.h. die Konsequenzen einer Forschung, deren Niederschlag, das, was man auch als Außenstehender als Ergebnis der entsprechenden Forschung wahrnehmen kann. Und selbstverständlich wird das Ergebnis mit den Kosten, die angefallen sind, um es zu erzielen, gewichtet.

Nur bei den Gender Studies und der angeblichen Evaluationsstudie aus Niedersachsen ist dies nicht der Fall. Hier versuchen die Autorinnen wie Günter Buchholz sehr klar und mit Liebe zum Detail darstellt, zu argumentieren, dass die wissenschaftlichen Kriterien, die seit Jahrhunderten genutzt werden, um den Wert einer wissenschaftlichen Forschung zu bestimmen, für Gender Studies nicht gelten. Gender Studies dürfen nicht an ihrem Output bewertet werden, vielmehr sollen Gender Studies am Input bewertet werden: Je mehr Lehrstühle für Gender Studies, desto besser. Je mehr angebliche Wissenschaftler Gender Studies betreiben, desto besser. Dies ist eine äußerst verquere Logik, die an das Verbot, die katholische Kirche zu kritisieren, erinnert, das es im Mittelalter gegeben hat.

Dazu schreibt Günter Buchholz:

“Damit wird der ministerielle Evaluationsauftrag im Hinblick auf Forschungsleistungen (Output) umgedeutet in eine Untersuchung, die zur Stärkung von Forschungs – Input-Strukturen (Stellen,Professuren, unabhängige Institute, finanzielle Mittel) beitragen soll, welche durch den Nachweis von erbrachten Forschungsleistungen weder gerechtfertigt werden können noch sollen.”

offene gesellschaft bdIIVermutlich ist Günter Buchholz hier zu nachsichtig mit dem Ministerium, das diese angebliche Evaluationsstudie in Auftrag gegeben hat. Denn, wie er selbst in seinem Beitrag feststellt, geht es vor allem darum, sich eine Legitimation dafür zurecht zu legen, Steuerzahlern weiterhin und in immer größeren Ausmaß zur Finanzierung von Gender Studies zur Kasse zu bitten, obwohl Steuerzahlern kein erkennbarer Nutzen aus Gender Studies entsteht. Statt dessen entstehen Steuerzahlern weitere Kosten, die sich mit Zerstörung von Wissenschaft und Behinderung von Erkenntnisfortschritt und Prosperität benennen lassen. Entsprechend kann man davon ausgehen, dass die angebliche Evaluationsstudie mit genau diesem Ziel beauftragt wurde.

Letztlich stellen sich die Gender Studies in der vermeintlichen Evaluations Studie als großangelegter Versuch des Nutznießens auf Kosten von Steuerzahlern dar, so dass Günter Buchholz zu der folgenden abschließenden Evaluation kommt:

“Die Politik ist aus Sicht des Autors aufgefordert, die den Staatsfeminismus ermöglichenden verfassungswidrigen Rechtsnormen aufzuheben und seine Finanzierung umgehend einzustellen; hierbei sind auch Zivilgesellschaft und Justiz gefordert.”

In kurz: Gender Studies sind der Versuch durch die unbelegte Behauptung vermeintlicher Benachteiligung von Frauen, der der Status einer sakrosankten Aussage zugewiesen wird, Steuermittel zu zweckentfremden und in die eigenen Taschen zu leiten. Dazu lagern sich Gender Studierte wie Misteln um Ministerien an, um Förderungen zu erhalten. Dazu ist es zudem notwendig, eine wissenschaftliche Legitimation vorzutäuschen, weshalb Gender Studies an Universitäten installiert wurden. Und da Gender Studies sich zu Wissenschaft verhalten wie Gift zu Gesundheit, schädigen sie die institutionalisierte Wissenschaft, machen sie ganze Fachbereiche lächerlich und führen sie dazu, dass wissenschaftliche Kriterien, für deren Einhaltung gerade in Deutschland schwer gekämpft werden musste, wieder beseitigt werden und die Willkür abermals die Hochschulen Deutschlands mit Beschlag belegt.

Diese Einschätzung ist zu pessimistisch? Sie wird den Gender Studies nicht gerecht? Nun, alle Wissenschaft ist empirisch, und deshalb testen wir unsere Thesen, d.h. nicht wir tun das, sondern Günter Buchholz, und zwar mit einer Befragung, die dazu konzipiert wurde, Gender Studies Betreibern die Gelegenheit zu geben, ihre Wissenschaftlichkeit und ihre Nützlichkeit zu demonstrieren. Die Befragung besteht aus drei Teilen und kann hier als Ganzes heruntergeladen werden.

Wir wollen uns an dieser Stelle auf Teil B beschränken, weil er der Teil ist, mit dem die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies steht und fällt. Die Fragen zur Wissenschaftlichkeit der Gender Studies sind die folgenden:

Buchholz Fragebogen

Ein Wissenschaftler, dem derartige Fragen vorgelegt werden, würde sie mit der größten Freude beantworten, zielen die Fragen doch genau auf das, was seine Wissenschaft ausmacht, die Methode, den harten Kern der Theorie, wie Lakatos dies genannt hat, die Zuordnung zu einer bestimmten Forschungsmethodologie, die Art und Weise der Prüfung von Hypothesen usw.

Entsprechend muss man erwarten, dass dann, wenn Gender Studies Betreiber Wissenschaftler sind, sie diese Fragen mit Freude und Leichtigkeit beantworten (können und wollen). Da die Fragen zudem von einem Kollegen einem Professor im Rahmen eines Forschungsprojekts gestellt wurden, ist deren Beantwortung mit um so größerer Motivation von empirisch arbeitenden Wissenschaftlern zu erwarten.

Um die Beantwortung der Fragen, wurden die folgenden Personen gebeten:

      1. RWTH Aachen, Herrn Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, Rektor
      2. Frau Prof. Dr. Tanja Paulitz
      3. Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Präsident Herr Prof. Dr. Bernd ReissertFrau Prof. Dr. Kristina Bautze
      4. Präsident der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Herrn Prof. Werner Müller-Esterl
      5. Frau Prof. Ulla Wischermann
      6. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      7. Frau Prof. Blunck
      8. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      9. Frau Prof. Raasch
      10. Genderbüro, Frau Dr. Frey,
      11. Universität Trier, Der Präsident Prof. Dr. Jäckel
      12. Frau Prof. Dr. Geier
      13. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Piveteau,
      14. Frau Dr. Ramsauer
      15. TU Berlin, Der Präsident Herr Prof. Dr. Jörg Steinbach
      16. Frau Prof. Dr. Sabine Hark
      17. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Präsident Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer
      18. Frau Prof. Dr. Nina Degele
      19. Frau Prof. Dr. Weber, Rektorin der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
      20. Herr Dr. P. Pohl
      21. Präsident der Universität Hamburg Prof. Dr. Dieter Lenzen
      22. Frau Prof. Lembke
      23. Rektor der Universität Bremen Prof. Dr. Scholz-Reiter
      24. Frau Prof. Eifler
      25. Universität Osnabrück – Der Präsident Prof. Dr. Rollinger
      26. Frau Prof. Dr. Schwarze
      27. Wirtschaftsuniversität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Badelt
      28. Frau Prof. Dr. Hanappi-Egger
      29. Universität Bern, Der Rektor Herr Prof. Dr. Täuber,
      30. Frau Prof. Dr. Schnegg
      31. Herrn Prof. Dr. Umbach, Präsident der Ostfalia – Hochschule
      32. Frau Stephanie Zuber
      33. Ruhr Universität Bochum, Rektor Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Elmar W. Weiler
      34. Frau Prof. Dr. Ilse Lenz
      35. Frau Prof. Dr. Dienel, Präsidentin der HAWK Hildesheim
      36. Frau Prof. Dr. A. Müller
      37. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      38. Frau Prof. Schirmer
      39. Präsident der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Radtke
      40. Frau Prof. Klammer
      41. Universität Gießen, Der Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
      42. Frau Dr. Hergenhan
      43. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Engl
      44. Frau Prof. Dr. Schmitz
      45. Universität Klagenfurt, Der Rektor Herr Prof. Dr. Vitouch
      46. Frau Prof. Dr. Wächter
      47. Herr Prof. Dr. Berger
      48. Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen, Frau Prof. Ulrike Beisiegel
      49. Frau Dr. Uta Schirmer
      50. Universität Bremen, Rektor Herr Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter
      51. Frau Prof. Dr. Christine Eifler
      52. Universität Oldenburg, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. B. Simon
      53. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      54. Frau Prof. Benthien
      55. Heidelberger Institut für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung,
        Frau Prof. Blaettel-Mink, Frau Dr.Kramer
      56. Universität Kassel, Der Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep
      57. Frau Prof. Dr. Tuider
      58. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Bieger
      59. Herr Prof. Dr. Steyart
      60. Technische Universität Berlin, Der Präsident Prof. Dr. Steinbach, Der Vizepräsident Prof. Dr. Thamsen
      61. Frau Prof. Dr. S. Hark
      62. Universität Graz, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. Christa Neuper
      63. Frau Prof. Dr. Angelika Wetterer
      64. Herrn Prof. Dr. Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München
      65. Frau Prof. Paula-Irene Villa
      66. Präsident der HAW Hamburg, Prof. Dr. Michael Stawicki
      67. Frau Prof. Bessenrodt-Weberpals
      68. Präsident der Universität Hamburg,Prof. Dr. Dieter Lenzen
      69. Frau Prof. Rastetter
      70. Deutsche Stiftung Frauen- und Geschlechterforschung
        Frau Dr. Dumont du Voitel,
      71. Universität Siegen, Der Rektor Prof. Dr. Burkhart
      72. Frau Prof. Dr. Moog
      73. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Loprieno
      74. Frau Prof. Dr. Maihofer

Von den verschickten Fragebögen hat Günter Buchholz insgesamt keinen einzigen ausgefüllt zurückbekommen. Mit anderen Worten: Keiner der Angeschriebenen hat an der Befragung des Kollegen Buchholz teilgenommen. Lediglich eine, der angeschriebenen hat ein intensives Telefongespäch mit Günter Buchholz geführt, das letztlich jedoch zu keinem ausgefüllten Fragebogen geführt hat. In fünf Fällen hat Günter Buchholz einen Rückruf erhalten, in dem der Angeschriebene seine “unverhohlene Empörung” zum Ausdruck gebracht hat, was wohl die Art und Weise ist, mit der Buchholz Beschimpfungen am Telefon umschreibt.

Es bleibt also festzustellen, dass Gender Studierte nicht Willens oder nicht in der Lage sind, die oben dargestellten Fragen, die jeder Wissenschaftler aus dem ff beherrschen und mit Freude für seinen Tätigkeitsbereich beantworten können muss, zu beantworten. In beiden Fällen, dem des nicht Wollens und dem des nicht Könnens muss man feststellen, dass es sich bei den Angeschriebenen offensichtlich um keine Wissenschaftler handelt.

Offene Gesellschaft BD1Vielmehr belegt die Befragung von Günter Buchholz einmal mehr in eindrücklicher Weise die Tatsache, dass Gender Studies nichts mit Wissenschaft zu tun haben, dass dann, wenn Gender Studierte um eine Legitimation oder eine wissenschaftliche Begründung für ihre Gender Studies gebeten werden, sie empört reagieren, wie dies für Anhänger eines Kultes, deren Fetisch man hinterfragt, üblich ist. In jedem Fall ist das Bemühen evident, den eigenen Tätigkeitsbereich hermetisch gegen Begutachtung und vor allem gegen eine wissenschaftliche Untersuchung abzuschirmen. Nicht zuletzt ist dies in einem Boykott-Aufruf der Befragung von Günter Buchholz deutlich geworden, den Beate Kortendiek, die dem Steuerzahler in Duisburg-Essen zur Last fällt, verbreitet hat.

Wissenschaftler haben seit dem Advent der rationalen Wissenschaft, seit Philosophen wie Francis Bacon oder Thomas Hobbes, Immanuel Kant oder Karl Raimund Popper die Emanzipation der und Begründung von Wissenschaft als empirische Wissenschaft vorangetrieben haben, einen stetigen und erfolgreichen Kampf gegen die Religion geführt, die regelmäßig versucht hat, Wissenschaft und ihre Erkenntnis zu unterbinden oder für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Die scheinbare Säkularisierung, die angeblich in modernen Gesellschaften eingesetzt hat, hat nur den Gegner im Kampf um freie Wissenschaft und freie Erkenntnis verändert: Nicht mehr Religion versucht, Wissenschaft zu verunmöglichen und freie Erkenntnis zu beseitigen, sondern Ideologie, namentlich der Genderismus, der nichts anderes ist, als die Neuauflage eines feministisch gewendeten Sozialismus.

Wissenschaftler haben nicht über Jahrhunderte gegen den Einfluss der Kirche gekämpft, um nunmehr tatenlos dabei zuzusehen, wie ein neuer Feind aus ihrer Mitte heraus, die Wissenschaft zerstört. Entsprechend ist Widerstand geboten, Widerstand gegen Genderisten und ihre vermeintlichen Studien.

Wir fordern unsere Leser dazu auf, Teil B des Fragebogens, der oben dargestellt ist und hier heruntergeladen werden kann, auszudrucken und Gender Studierte mit diesen Fragen zu konfrontieren wo sie gehen und stehen. Konfrontiert die Gender Studierten so lange mit diesen Fragen, bis sie sich nicht mehr aus ihren Büros trauen! Verlangt Antworten und macht den Gender Studierten klar, dass sie zum Geben von Antworten verpflichtet sind, schließlich werden sie von uns allen bezahlt! Und wenn sie keine Antworten zu geben in der Lage sind oder unwillig sind, Antworten zu geben, dann haben sie an Universitäten nichts zu suchen und sollten schnellstens von dort entfernt werden.

Leitlinien liberaler Bildungspolitik

Manchmal scheint ein Licht am Ende des Tunnels. Selbst im Bereich der (schulischen) Bildung gibt es flackernden Kerzenschein in Deutschland zu beobachten, flackernden Kerzenschein der es ermöglicht einen mit “Bildungspolitik in Brandenburg” überschriebenen Beitrag zu lesen. Kristina Kämpfer hat diesen Beitrag mit dem langweiligen und abschreckenden Titel verfasst und in diesem Beitrag, auf den Seiten 12 bis 19 die Leitlinien liberaler Bildungspolitik versteckt.

light tunnelVermutlich muss man Anklänge an Liberalität im Deutschland des Jahres 2014 verstecken, denn Liberale wollen den Staat stutzen, jenen Staat, der in Deutschland immer mehr Anhänger findet, weil immer mehr bei ihm beschäftigt sind oder von ihm abhängig gemacht werden – und wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Einschub: Das Wachstum des staatlichen Molochs hat mit der Mutation der Dienstleistungsbranche in ein Beraterunwesen zu tun. Die Mutation beginnt in der Regel mit der Schaffung von Studiengängen, wie dem zum Sexologen. Sexologen, werden sie erst einmal auf Menschen losgelassen, schaffen sich ihre eigene Nachfrage, indem sie neue vermeintliche Krankheiten oder Leiden definieren und sie Menschen, die nur allzu willig sind, ihre langweilige Existenz mit mehr oder weniger imaginierten Problemen anzufüllen, aufzuschäwtzen. Letztere fühlen sich existent und wichtig wenn sie leiden: crudito ergo sum. Ist die Nachfrage geschaffen, fehlt noch die Finanzierung, die, angesichts der Nachfrage, die nunmehr zum Indiz für einen Bedarf geworden ist, natürlich über die Krankenkassen erfolgt: Fast ein perfektes perpetuum mobile, mit dem sich die Mittelschicht selbst versorgt, und zwar auf Kosten der Arbeiterschicht, denn es sind Kinder aus der Mittelschicht, die Unsinn wie Sexologie studieren, und es sind eingebildete Kranke aus der Mittelschicht, die auf Kosten der Krankenkassen dieses neue Krankheitsangebot nachfragen.

Doch zurück zur liberalen Bildungspolitik von Kämpfer, deren Leitlinien wie folgt zusammengestellt werden können:

  • (1) Chancengleichheit im Zugang zu Bildung, d.h. keine Hürden beim Zugang zu Grund- und weiterführenden Bildungsangeboten.
  • (2) Bildung ist ein Bürgerrecht – Menschen haben entsprechend einen Anspruch auf Bildung. Zudem ist Bildung eine “entscheidende Komponente einer klugen Wirtschaftspolitik” (14).
  • (3) Bildung schafft Humankapital und ist entsprechend als “eine Investition in die Zukunft” anzusehen.
  • (4) Dem Staat obliegt es, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, allgemeine Standards zu definieren und den Zugang zu Bildungseinrichtungen zu sichern.
  • (5) Bildungseinrichtungen müssen selbständig und frei agieren. Sie müssen im freien Wettbewerb zueinander stehen, d.h. es muss private Bildungseinrichtungen mit denselben Rechten geben wie öffentliche Bildungseinrichtungen, sofern es letztere überhaupt gibt.
  • (6) Frühkindliche Betreuung soll in ausreichendem Maße vorhanden sein, wobei durch die Ausbildung des pädagogischen Personals für eine gewisse Mindestqualität gesorgt werden soll.
  • (7) Lehrpläne sollen abgeschafft und durch “Lernziele in Form von Mindesstandards” ersetzt werden (18).
  • (8) Die Einhaltung der Mindeststandards und die Leistungsabnahme erfolgt durch unabhängige, externe Evaluation, die von entsprechenden Service-Instutionen durchgeführt wird.
  • (9) Die Finanzierung des Bildungssystems erfolgt über Bildungsgutscheine, die bei Bildungseinrichtungen eingelöst werden können.
  • (10) Schulämter können aufgelöst werden.

School-voucherPrinzipiell kann man diesen Leitlinien, die weitgehend auf Eigenverantwortung und Wettbewerb basieren, zustimmen. Die Sicherstellung von Chancengleichheit (1) im Zugang zu Bildung ist grundlegend für eine liberale Bildungspolitik. Allerdings ist es dazu nicht notwendig, Standards durch den Staat (4) formulieren zu lassen. Es reicht, wenn über die Ausgabe von Bildungsgutscheinen (9) gewährleistet wird, dass jeder die Möglichkeit hat, sich die Bildungsinstitution auszusuchen, von der er sich die beste Leistung verspricht. Die Standards der Bildung werden sich über den Wettbewerb von selbst einstellen, ebenso wie die Qualität des Lehrpersonals, denn: Wenn Schüler und Eltern die Schule selbst wählen können, werden sie sich nach der besten Schule umsehen, der Schule mit der besten Reputation und den besten Lernergebnissen.

Damit sie das können, ist es nicht nur notwendig, die Schulen extern von Service-Institutionen evaluieren und die Leistungen der Schüler in zentralen Prüfungen durch diese Service-Institutionen abnehmen zu lassen (8), sondern auch dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse, wie dies z.B. im Vereinigten Königreich der Fall ist, veröffentlicht werden. Auf diese Weise können Eltern z.B. auf einen Blick erkennen, welches Leistungsniveau die Schüler einer Schule erzielen.

Dadurch, dass zentrale (Abschluss-)Prüfungen extern abgenommen werden, wird es auch notwendig, Lernziele festzulegen, die den Schülern bis zur Prüfung bekannt sein müssen (7). Die Lehrpläne können entsprechend entfallen. Damit der Nutzen, der mit dem Beseitigen von Lehrplänen erreicht werden kann, nicht vollständig verloren geht, ist es wichtig sicherzustellen, dass staatliche Institutionen keinerlei Zugriff auf die Lehrinhalte haben, die an Schulen vermittelt werden. Die Bestimmung der Standards und Lehrziele erfolgt durch Service-Institutionen und den Wettbewerb unter den freien und selbständig agierenden Schulen (5). Und nur so ist es möglich sicherzustellen, dass Politiker Schulen nicht weiter dazu missbrauchen, ihre Grillen auszuleben und Schüler mit politisch korrektem Unsinn zu traktieren. Insofern ist sicher auch die Abschaffung von Schulämtern (10) ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Was den angesprochenen Wertekanon angeht, so trägt die Gewährleistung eines gleichen Zugangs zu Bildung, unabhängig von der sozialen Herkunft dazu bei, dass Bildung quasi ein Bürgerrecht ist. Mehr ist nicht erforderlich, schließlich basiert Bildung auf Eigenverantwortung (3). Und wenn man, wie Kämpfer, die Eigenverantwortung von Bildung betont, dann ist es nicht so richtig einsehbar, wieso man “mangelnde Betreuungsmöglichkeiten sowie Teilzeitangebote zulasten von Frauen, … [was] anhand der niedrigeren Erwerbstätigenquote von Frauen gegenüber Männern sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland deutlich wird”, (16) beklagen sollte.

responsibilityGilt Eigenverantwortung bei der Entscheidung, sich fortzupflanzen nicht? Sollten nicht gerade Liberale die Eigenverantwortung auch in diesem Punkt betonen, anstatt in den politisch korrekten Singsang der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf einzustimmen, den Staatsfeministen seit Jahren monoton singen? Wer sich für Kinder entscheidet, dem ist doch wohl zuzumuten, die Konsequenzen seiner eigenen Entscheidung und die Einschränkungen, die sich mit dieser Entscheidung verbinden, selbst zu tragen und die Folgen seiner Entscheidung nicht von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen. Schließlich wird niemand gezwungen, sich fortzupflanzen.

Darüber hinaus haben Mütter in Arbeiterhaushalten über Jahrhunderte genau das vereint, was Mütter aus der Mittelschicht plötzlich als Vereinbarkeitsproblem entdeckt haben: Familie und Beruf, so dass man feststellen muss, dass Mütter aus der Arbeiterschicht offensichtlicht leistungsfähiger sind als Mütter aus der Mittelschicht.

Trotz dieser Kritikpunkte sind die Leitlinien liberaler Bildungspolitik ein guter Anfang; ein Schimmer am Ende des Tunnels und sicher geeignet als Diskussionsgrundlage zu dienen.