Versuche am lebenden Schüler in Schleswig-Holsteins Grundschulen

Jean Jacques Rousseau hat in seinem Emile dafür plädiert, Schüler so lange wie nur möglich vor gesellschaftlichen Einflüssen und gesellschaftlicher Einflussnahmen zu schützen, sie quasi in einem extra-gesellschaftlichen Schutzraum aufwachsen zu lassen. So utopisch und illusionär diese Vorstellung heute auch sein mag, man kann sie immer besser verstehen.

Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat beschlossen, Versuche an Grundschülern zuzulassen. Die grundsätzliche Entscheidung, dass Versuche an Grundschülern durchgeführt werden, ist längst getroffen. Die Frage, die derzeit und angeblich vom Sozialministerium geprüft wird, ist: welche Versuchsanordnung ist die richtige, um Schüler zu den gewünschten Marionetten zu erziehen, oder wie es die Kieler Nachrichten formulieren:

“Die Landesregierung will schon bei Grundschülern Vorbehalte gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle abbauen.”

Dazu ist zunächst Folgendes anzumerken:

Es gibt keinerlei uns bekannte Forschung, die belegen würde, dass Grundschüler überhaupt Vorbehalte gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle haben, dass sie überhaupt wissen, was Lesben, Schwule und Transsexuelle sind bzw. was es bedeutet, sich einer der entsprechenden Gruppen zuzuordnen.

Es gibt bislang keinerlei uns bekannte Forschung dazu, wie sozialtechnologische Versuche, die in der Grundschule unternommen werden, sich im weiteren Verlauf des Lebens der Versuchs-Grundschüler auswirken, ob positiv oder negativ oder überhaupt, das ist eine offene Frage.

Schließlich wollen wir nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass es die Sorge und Aufgabe einer Landesregierung sein sollte, Grundschülern Rechnen und Schreiben beizubringen und z.B. dafür zu sorgen, dass Jungen nicht benachteiligt werden und Kinder aus der Arbeitschicht die gleiche Chance haben, ein Abitur zu erreichen, wie Kinder aus der Mittelschicht.

Aber: Politiker, vor allem dann, wenn sie sich in Machtpositionen wähnen, versuchen Themen aus ihrem Möglichkeitsraum umzusetzen, also aus dem Fundus von Themen, die ihnen in ihrem täglichen Leben begegnen. Und aus dem, was die Landesregierung in Schleswig-Holstein für relevant hält, muss man schließen, dass den Mitgliedern der Landesregierung im täglichen Leben ständig schwule, lesbische oder transsexuelle Menschen über den Weg laufen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Mitglieder der Landesregierung erheblich von einem Normalbürger, der bestenfalls gelegentlich mit entsprechenden Menschen konfrontiert ist, wenn überhaupt (und in der Regel, ohne es zu wissen, schon weil die meisten zwischen Privatheit und öffentlichem Leben unterscheiden können), was auch kein Wunder ist, denn bundesweit gibt es derzeit  68.268 Lebenspartnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, in denen 3.794 Kinder aufwachsen.

Aber, nichts ist selten genug, als dass es nicht in der Grundschule bereits thematisiert werden müsste, und zwar so:

Regenbogennormalitaet

Eine Einschulung erfolgt in der Regel mit 6 Jahren, die Beispielaufgabe wird entsprechend 9- und 10jährigen zugemutet.

Wir haben an dieser Stelle weder Lust noch Zeit abermals darauf hinzuweisen, dass eine Grundschule kein Ort für Indoktrination ist. Es ist lohnender, die Absicht der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung Grundschülern Kinder wie Carol, die bei ihrer “Mutter und deren Lebenspartnerin” lebt und Ergebnis einer künstlichen Befruchtung ist, als Normalität auszuweisen, zu analysieren.

Wir tun dies aus politikwissenschaftlicher und soziologischer Sicht und anhand der folgenden drei Stichpunkte:

  • Deutsche Demokratische Wende
  • Glaube an Sozialtechnologie
  • Schülerversuche und unbeabsichtigte Folgen

Deutsche Demokratische Wende

ist ein Begriff, den wir hiermit einführen, um eine Verballhornung von Demokratie zu beschreiben. In Demokratien gilt die Herrschaft der Mehrheit. Damit diese Herrschaft nicht despotisch über den Kopf von Minderheiten hinweg erfolgt, gibt es das Prinzip des Minderheitenschutzes. Die Deutsche Demokratische Wende (DDW) hat diese Beziehung verkehrt und sieht Minderheiten der Mehrheit vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben, ganz so als hätte die Mehrheit beschlossen, sich dem Diktat der Minderheit zu unterwerfen.

Nun ist das, was in Demokratien beschlossen und in Gesetze gegossen wird, das Ergebnis von Aushandlungsprozessen zwischen Vertretern unterschiedlicher Interessen, im günstigsten Fall, im ungünstigsten Fall ist es das Ergebnis einer Interessen-Hegemonie, d.h. davon, dass es bestimmten Interessenvertretern gelingt, ihre Interessen quasi nach Belieben durchzusetzen.

DDW zeichnet sich durch eine derartige Interessen-Hegemonie aus. Es ist wirklich erstaunlich, wie es einem kleinen Häuflein gut organisierter, vermeintlicher Vertreter der Interessen von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gelungen ist, ihre Interessen bis in Grundschulen hinein und gegen den Willen vieler Eltern durchzusetzen. Offensichtlich wird diese Interessen-Hegemonie dadurch befördert, dass es den entsprechenden Interessenvertetern gelingt, sich als moralisch überlegen darzustellen und von ihrem moralischen Olymp aus, von anderen Akzeptanz und Toleranz zu fordern.

Bislang hat sich kein institutionalisierter Politikwissenschaftler an die Erklärung dieses doch erstaunlichen Umstands gewagt. Niemand interessiert sich für die Interessen-Seilschaften, die zwischen Schwulen- und Lesbenverbänden und Landesregierungen bestehen müssen. Das Thema ist heiß und moderne Wissenschaftler zeichnen sich durch eine blasierte Kälte ihrem Fach gegenüber aus, die man auch als unimaginative Form einer vorauseilenden Feigheit beschreiben kann.

Der Glaube an die Sozialtechnologie

Grundschule SchmidenDer Glaube an die Sozialtechnologie meint heute: die Erziehung zur Gutheit. Da Gutheit ein normativer Begriff ist, ist eine Definition von Gutheit Voraussetzung der entsprechenden Sozialtechnologie, was zurückverweist auf den Erfolg, den Schwulen- und Lesbenverbände damit hatten, ihre Lebensform als Form des guten und richtigen Lebens zu etablieren und Kritik daran als Homophobie zu brandmarken. Mit dem Kultstatus, den Akzeptanz und Toleranz von sexueller Abweichung vom Mainstream derzeit genießt, geht der Glaube einher, dass man dieselbe Akzeptanz und Toleranz einerseits verordnen, andererseits Schülern eintrichtern könne.

Die Idee, man könne Menschen wie Automaten programmieren, sie in Grundschulen zu toleranten und alles akzeptierenden Robotern erziehen und alles, was die derzeitigen Politiker als negativ ansehen, quasi aberziehen, ist eine Idee, die nur Personen haben können, die vom Leben und seiner Mannigfaltigkeit (oder sollen wir sagen: Diversität?) nichts wissen.

Dass sie nichts wissen, macht sie so gefährlich, denn die Unkenntnis lässt sie nicht davor zurückschrecken, Schülerversuche durchzuführen.

Wir haben oben bereits auf die fehlende Forschung hingewiesen, daher in aller Kürze:

  • Niemand weiß, welche psychischen Folgen es bei Schülern hat, wenn ihnen im Alter von 9 oder 10 Jahren die Beschäftigung mit Sexualität zwangsverordnet und sie zur Toleranz gegenüber Lebensformen, die die meisten von ihnen nicht kennen oder vorstellen können, abkommandiert werden.
  • Niemand weiß, ob Schüler, die zur Akzeptanz indoktriniert werden sollen, diese Akzeptanz auch dauerhaft zeigen, ob sie sie überhaupt zeigen oder ob sie mit Reaktanz und entsprechend nicht-Akzeptanz reagieren.
  • Die Schulversuche, wie sie in Schleswig-Holstein durchgeführt werden, haben mit einem Bildungsauftrag nichts gemein. Es sind offene Versuche, in die Persönlichkeitsbildung von Schülern einzugreifen und sie in eine bestimmte Richtung zu lenken.
  • Die Darstellung von schwulen Lebensentwürfen ohne einen Verweis auf Gefahren, wie sie von AIDS ausgehen, ist fahrlässig und weist eine mangelnde Abzeptanz und Verantwortungsbereitschaft für die Folgen, die die entsprechenden Lebensentwürfe haben können, aus.
  • Die Darstellung von Familien als Konsumgut, bei dem man sich zunächst entscheidet, welches Geschlecht man gerne hätte, um sich dann, je nach Notwendigkeit ein Kind zu bestellen, austragen zu lassen oder im Reagenzglas züchten zu lassen, ist eine Darstelung von Konsumerismus, die man nicht mehr als moralisch integer ansehen kann.

Schülerversuche und unbeabsichtigte Folgen

Niemand kann alle Folgen seiner Handlungen vorhersehen. Das ist eigentilch bekannt, und damit zu erklären, dass es niemanden gibt, der in die Zukunft schauen kann, Handlungen aber jetzt ausgeführt werden und in die Zukunft wirken. Das ist eine solche Binsenweisheit, dass man sich fragt, wieso es Personen in Positionen geben kann, die diese Binsenweisheit nicht kennen.

Weil niemand in die Zukunft sehen kann, deshalb versucht man, die Folgen von Handlungen einzuschätzen, z.B. durch wissenschaftliche Forschung, die zeigt, welche Konsequenzen von Handlungen wahrscheinlich zu erwarten sind und welche nicht bzw. man versucht, bekannte negative Effekte auszuschließen.

Die Schleswig-Holsteinische Landesregierung ist offensichtlich voller Hazardeure, die jedoch nicht mit dem eigenen, sondern mit dem Leben von Schülern zu spielen bereit sind. Ohne auch nur einen Funken von belastbarer Forschung, der man die Folgen einer Indoktrination von 9. und 10jährigen mit Regenbogenideologie entnehmen könnte, zu haben, wird munter am lebenden Schüler experimentiert, ganz nach dem Motto, ich will nur Gutes, also muss auch Gutes dabei herauskommen. Naiver und unverantwortlicher kann man sich nicht mehr anstellen.

Die Schleswig-Holsteinische Landesregierung spielt nicht nur absichtlich mit der phsychischen Gesundheit von Schülern, sie nimmt auch Rückschläge, die man vorhersehen kann, in Kauf, vermutlich aus derselben Ignoranz heraus, aus der sie Schülerversuche zulässt.

Was wird wohl passieren, wenn man 9- und 10jährigen in der Schule von Kindern erzählt, die in den oben beschriebenen Regenbogenfamilien aufwachsen? Die Kinder werden damit nichts anfangen können, denn die meisten, wenn nicht alle werden in einer normalen Familie oder bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen (Alleinerziehende Elternteile sind derzeit offensichtlich unter Gutmenschen out). Also werden Sie sich mit dem, was sie in der Schule an für sie unbekannter und angeblicher Normalität gelernt haben, an ihre Eltern wenden.

Echte EinfaltUnd was tun diese Eltern wohl, wenn sie urplötzlich mit einer Frage ihres 9- oder 10jährigen konfrontiert sind, die die eigene gelebte Normalität in der heterosexuellen Beziehung in Frage stellt? Sie werden im günstigsten Fall ihren Kindern erzählen, dass das, was sie in der Schule gelernt haben, im normalen Leben nicht vorkommt, und sie werden sich im ungünstigsten Fall, weil das, was ihren Kindern vermittelt wird, tiefsitzende Normvorstellungen verletzt, heftig und mit entsprechendem Ärger dagegen zur Wehr setzen. In jedem Fall werden die Schüler mit zwei konkurrierenden Normalitäten umgehen müssen und sich zwischen der Normalität, die ihnen in der Schule vorgespielt wird und der, die sie von zu Hause kennen, entscheiden müssen.

Wir halten es für weder fair noch vertretbar, Grundschüler vor eine solche Wahl zu stellen. Vielmehr zeigt sich an dieser Stelle die Verantwortungslosigkeit, mit der offenkundig ignorante und von allen wissenschaftlichen Erkenntnissen bare Politiker, Interessenvertreter und Gutmenschen aller Art, Schüler und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen, um sich selbst als guter Mensch inszenieren zu können und beim nächsten Treffen mit Gleichgesinnten sich im warm glow der eigenen angeblichen Toleranz und Akzeptanz zu wärmen, der doch nicht so weit reicht zu akzeptieren, dass es der Anstand (um nicht zu sagen, die Moral) verlangt, Grundschüler eben nicht als Kollateralschaden für die Durchsetzung der eigenen Interessen ggf. in Kauf zu nehmen.

Vielmehr sind Grundschüler als Menschen in eigenem Recht zu akzeptieren und zu tolerieren und das schließt es aus, sie als Versuchs-Schüler zu benutzen.

Im Übrigen : Toleranz kann man nicht anerziehen, schon gar nicht in inhaltlich konkreter Weise, denn Toleranz ist ein Lebensprinzip, das man entweder hat oder nicht. Das beste, was die Kieler Grundschülerversuche zu bewerkstelligen in der Lage sein werden, ist Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben, als eintrainierte Reaktion auf den Stimulus “Schwule und Lesben”. Diese Toleranz wird sich entsprechend nicht auf andere, Migranten, Politiker, Landespolitiker, Bayern oder Katholiken etc. erstrecken.

©ScienceFiles, 2015

Universität Göttingen: Studenten und Beschäftigte sollen zur Besinnung kommen

Wer hätte es gedacht? Die Universität Göttingen, seit den Göttinger Sieben nicht mehr unbedingt als Trendsetter bekannt, ist wieder einer: In Göttingen sollen Studenten und Beschäftigte zu “individueller und gemeinschaftlicher Besinnung” kommen, was im derzeitigen gesellschaftlichen Klima, sicher eine gute Idee ist.

Dazu hat es sich die Universität Göttingen nicht nehmen lassen, einen “Raum der Stille” einzurichten, denn in Stille kommt man am besten zur Besinnung. Entsprechend erklärt Prof. Dr. Hiltraud Casper-Hehne: “Mit diesem Projekt wollen wir unseren Studierenden und Beschäftigten ermöglichen, im zunehmend verdichteten Wissenschafts- und Studienalltag Ruhe und Besinnung zu finden…”. Gleichzeigt hofft Dr. Hiltraud Casper-Hehne, dass der Raum der Stille genutzt wird, um einen “intensiven … Dialog” zwischen denen, die ihn nutzen, zu fördern.

Das ist auf den ersten (und den zweiten) Blick ein Widerspruch: Wie soll ein Raum der Stille den intensiven Dialog fördern? Nun, der Raum der Stille ist ein “transzendentaler Raum”, d.h. es herrscht die Telepatie, und zwar eine interreligiöse Telepatie, denn der Raum der Stille soll von “Mitgliedern unterschiedlicher Religionsgemeinschaften” dazu genutzt werden, zur Besinnung zu kommen.

Der Dialog erfolgt dann wohl über das jeweilige individuelle Gespräch mit dem jeweiligen Gott, der vom weltlichen Gesprächspartner angehalten wird, mit seinem Kumpel aus Islam, Buddismus oder mit dem jüdischen Gott Kontakt aufzunehmen und einen transzendentalen und interreligiösen Dialog mit einem anderen indidividuellen, weltlichen Gottesanbeter anzubahnen, der im Raum der Stille zugegen ist.

Raum-StilleOb der neue Raum der Stille dem Institut für para-psychologische Phänomene direkt zugeordnet ist, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen, ebenso wenig wie wir in Erfahrung bringen konnten, was ein “spezieller Wandschrank …, in dem die nötigen religiösen Gegenstände und heilige Schriften gelagert werden können, wie beispielsweise ein Gesangbuch, Bibel, Koran oder Gebetteppich”, sowie ein Kompass zur Bestimmung der richtigen Gebetshimmelsrichtung, an einer Universität zu suchen haben.

Wissenschaft und Religion haben nichts miteinander zu tun. Die Ausübung der eigenen Religion hat entsprechend an Universitäten keinen Platz, denn Universitäten sind ein Ort, an dem Erkenntnis gewonnen werden soll. Religion ist dagegen eine Ideologie, die von sich behauptet, bereits im Besitz allen relevanten Wissens, aller relevanten Erkenntnis zu sein. Entsprechend haben Religion oder die Ausübung einer Religion an einer Universität nichts zu suchen.

Der neue Faschismus in Baden Württemberg

Wie normal es derzeit ist, Jungen unter dem Deckmantel der Mädchenförderung zu diskriminieren, zeigt ein Link, den uns ein Lehrer aus Baden-Württemberg geschickt hat (Vielen Dank!). Er sei in einer eMail ausdrücklich ermuntert worden, so schreibt er, Schülerinnen auf das folgende Angebot der Universität Stuttgart hinzuweisen:

Meetscience

Deutschland muss es wirklich gut gehen, wenn man es sich leisten kann, nur bei weiblichen Schülern für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge Reklame zu machen. Offensichtlich handeln die Verantwortlichen der Universität Stuttgart und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die sich neuerdings darin gefällt, die Diskriminierung von Jungen zu finanzieren, auf Grundlage der Prämisse, dass man zuviele Jungen in naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen habe, also in jedem Fall nicht noch mehr brauche, weshalb man auch männliche Schüler nicht für die entsprechenden Studiengänge interessieren müsse.

Einen Eindruck davon, was es bedeutet, naturwissenschaftliche oder technische Fächer an der Universität zu belegen, ist entsprechend nur für weibliche Schüler in der 10. Jahrgangsstufe oder höher wichtig. Jungen sind hier – wie so oft – vernachlässigbar, oder sie werden ihren Weg auch machen, ohne dass sie hinten herumgehoben werden.

Wer Schülern und in Abhängigkeit von Geschlecht Wertigkeiten zuweist, die einen sind es wert, dass man sich besonders um sie kümmert, die anderen nicht, der ist nach allen uns geläufigen Definitionen ein Faschist, und dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft Mittel bereitstellt, um Faschismus zu fördern, das ist eine besorgniserregende, wenn auch keine neue Entwicklung.

Was macht man eigentlich in Gender Studies?

Diese Frage bewegt sicher viele (naja, doch einige), schon weil sich Gender Studies-Anbieter ja beharrlich weigern, Auskunft über die erkenntnistheoretischen und methodologischen Grundlagen und den Nutzen von Gender Studies zu geben und vor allem über ihre Ergebnisse (sofern sie welche haben).

Derzeit kann man also nur sagen kann, dass Gender Studies an Universitäten angeboten werden, ohne dass jemand weiß, ob Gender Studies überhaupt die Qualifikation zu einem wissenschaftlichen Studienbereich nachweisen können. Aber, wenn es darum geht, sich auf Kosten Dritter ein Auskommen zu verschaffen, dann haben derartige Fragen noch nie interessiert. Es gilt sich, jetzt in den Speck zu setzen und Fragen nach dem Zweck, im Speck auszusitzen.

Uni PaderbornUm so besser, dass sich die Universität Paderborn genötigt sieht, einen “Master(teil)studiengang Geschlechterstudien/Gender Studies im Wintersemester 2014/15 anzubieten (also jetzt) und man der Ankündigung dieses angeblichen Studiengangs entnehmen kann, was in diesem angeblichen Studiengang eigentlich vermittelt werden soll:

“Inhaltlich befasst sich das Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies mit der Tatsache, dass die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind.

Am Anfang war das Geschlecht, so kann man diesen Schwulst zusammenfassen. Geschlecht ist Ursache, letzte Begründung und archimedischer Punkt für alles. Parteien sind entsprechend historisch gewachsene und geformte Geschlechterverhältnisse. Die Wirtschaft? Kein Problem: Ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis. Die katholische Kirche. Ja natürlich, die katholische Kirche ganz besonder: ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis.

Alles ist ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis: Die Sozialversicherungen, die Bundesbahn, der Erste Weltkrieg, der Nationalsozialismus, der Holocaust, alle kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens sind ursächlich auf die Geschlechterordnung zurückzuführen.

Das ist eine Tatsache. Wer es nicht glaubt, der kann die entsprechende Tatsache in Paderborn erlernen. Man erhält also im Studienfach Gender Studies intime Kenntnis gesellschaftlicher Geschlechterordnungen und ihrer Verwerfungen, und gleich einem historischen Genderismus, lernt man, wie die ewige Dialektik zwischen Mann und Frau die treibende Kraft des Historizismus ist, den Karl Popper so ausgiebig in seinen Verwerfungen und vor allem seinem Elend beschrieben hat.

Aber, nichts ist so falsch, als dass man es nicht neu verpacken und auflegen könnte, kommt der Historizismus nun als die Menschenheitsgeschichte durchziehender Antagonismus zwischen dem Mann und dem Weib wieder, in Paderborn und – man höre und staune – mit einem Ziel:

worship with us“Ziel des Studienfachs ist das Wissen um die je historischen, kulturellen und politischen Bedingungen der Entstehung von Geschlechterordnungen sowie ihre Wirkungsweisen und Tradierungswege. Die Studierenden erwerben die dafür notwendige Fähigkeit zu kritischer Analyse, eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten und wissenschaftlicher Reflexion; zudem Einsichten in die Möglichkeit der geschlechterbewussten Gestaltung gesellschaftlicher Organisationsformen und Prozesse und deren Vermittlung in öffentlichen Arbeitszusammenhängen.

In Paderborn wird nicht ein Wissen vermittelt, nein das Wissen wird in Paderborn vermittelt, das einzige, wahre und ewigwährende Wissen über die Tatsache der alles durchdringenden Geschlechterordnung, denn am Anfang, das muss man wissen, war nicht etwa das Licht, am Anfang war die Geschlechterordnung. Das ist eine Tatsache, die man in Paderborn lernen wird, und damit wird die Kausalität von Licht und Geschlechterordnung zurecht gerückt, weil den Studenten ein Licht aufgehen wird, das Wissen, geht ihnen auf, um die Tatsache, die Tatsache, auf der alles Wissen basiert und um die sich alles Wissen dreht, dass: “die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind”. Am Anfang war das Geschlecht.

Elend des HistorizismusWir erinnern uns. Nein, was schreiben wir denn, wir erinnern uns nicht, wir reflektieren, und zwar in kritischer Analyse und eigenständig, das ist ganz wichtig, denn Indoktrination gilt erst dann als gelungen, wenn der Indoktrinierte den Sermon eigenständig herbeten kann. Wir reflektieren also, und wie wir so reflektieren, z.B. über die Entwicklung der Dampfmaschine da kommt uns das Wissen, da offenbart sich uns in kritischer Analyse, was wir bislang nicht gesehen haben, was von James Watt die ganze Zeit verdeckt wurde, nämlich: Watt hatte eine Cousine: “Margaret (Peggy) Miller”, die er geheiratet hat, woraus wir kritisch analysierend schließen: Margaret Miller war weiblich. Wir erkennen: Das soziale Leben ist vom Antagonismus zwischen Mann und Frau durchzogen und schließen: Die Entwicklung der Dampfmaschine wäre ohne diesen Antagonismus nicht möglich gewesen. Ziel erreicht.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was macht man mit dieser Einsicht, dieser Offenbarung ob der Ur-Anfänglichkeit von Geschlecht, jenem Wissen um den historischen Genderismus, wie er im ewigen Antagonismus zwischen Mann und Frau zum Ausdruck kommt? Auch hier weiß man bei der Universität Paderborn Rat:

“Im Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies wird auf die Tätigkeit in Berufen vorbereitet werden, in denen „Genderkompetenz“, also der wissens- und reflexionsbasierte Umgang mit Geschlechterfragen und gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen gefragt ist, bzw. auf Tätigkeiten im Feld der Forschung über Geschlechterthemen.”

Die Einsichten der Gender Studies sind also da nachgefragt, wo die Einsichten der Gender Studies nachgefragt werden. Wie mit allen Lehren, die sich nur Auserwählen mitteilen, die sich dem Eingeweihten offenbaren, so geht auch die Nachfrage nach Leistungen von Gender Studierten ausschließlich von anderen Gender Studierten aus, die sich mit Hilfe von Gender Studierten, die Verbündete in Parteien und Institutionen gefunden haben, ein Auskommen als Gender Studierte, die Gender Kompetenz für die anbieten, die sie nachfragen, also andere Gender Studierte, verschafft haben.

Und aus der Tatsache, dass Gender Studierte, die es durch Lobbying in Positionen geschafft haben, von diesen Positionen aus, eine Nachfrage nach Gender Studierten und deren Gender Kompetenz (also dem Wissen um die Ur-Ursprünglichkeit des Antagonismus zwischen Mann und Frau) künstlich geschaffen haben, wird dann geschlossen, dass es eine Nachfrage nach Gender Studierten gibt, so dass Studiengäng für Gender Studies gegründet werden, um die künstlich geschaffene Nachfrage nach Gender Studierten zu befriedigen.

Gender Studies sind damit ein perfektes Beispiel für ein sich selbst erhaltendes System, das alle Merkmale eines autopoietischen Systems im Sinne von Luhmann trägt: Seine Mitglieder beschäftigen sich ausschließlich mit sich selbst. Es gibt keinerlei Nutzen für die umgebende Gesellschaft und die einzige Verbindung zur Außenwelt besteht über die Transfusionsleitungen, über die Steuergelder in das geschlossene Gender System gepumpt werden, denn reflexiv sein und die Ur-Ursprünglichkeit des historischen Antagonismus zwischen Mann und Frau zu erkennen, ist natürlich nur im Erkenntniswert selbstgenügsam, aber deshalb nicht umsonst!

AppleZwar könnte man jetzt argumentieren, dass bereits die katholische Kirche in ihrem in Genesis beschriebenen Mythos von Adam und Eva jenen ewigen und ursprüngliche Antagonismus dargestellt hat, der den naiven Adam von der verschlagenen Eva und mit Hilfe der listigen Schlange getäuscht werden sieht, aber das ist natürlich die falsche Art von Reflexion und kritischer Analyse und eine viel zu unreflexive und un-kritisch-analysierte Darstellung der Ur-Ursprünglichkeit von Geschlecht, die nur zeigt, wie wichtig Gender Studies an Universitäten sind, um die katholische Geschichte von der Erbsünde in den richtigen Kontext patriarchalischer Gottherrschaft einzuordnen.

Die  kritische und reflexive Analyse oder war es die Reflexion in kritischer Analyse?, wie auch immer, die Analyse zeigt, wie wichtig Gender Sponging für Gender Studies ist, und warum Gender Studies gegen das patriarchalische Herrschaftsinstrument der Marktwirtschaft zu Felde ziehen. Warum? Weil es auf einem Markt, auf dem Güter getauscht werden, schlicht keine Nachfrage für Gender Studies gäbe, denn wer nichts anzubieten hat, der kann auch nichts tauschen, der kann nur spongen, Gender-spongen.

Übrigens:

Weitere Informationen und Beratung bei:

Dr. Claudia Mahs

H5.206

Tel:  05251/60-2730

Email: cmahs[at]mail.upb.de

Wissenschaftliche Würdigung

Wir haben, den Inhalt der Paderborner Genderstudien/Gender Studies mit einer Prise Sarkasmus berichtet, denn nur mit Sarkasmus kann man ertragen, was derzeit an deutschen Hochschulen Einzug hält bzw. sich dort längst wie die Made im Speck breit gemacht hat: Gender Studies.

Gender Studies behaupten also, dass es eine  “historisch gewachsene und geformte Geschlechterordnung” gibt, die alle sozialen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen durchzieht. Das ist nichts anderes als die hinlänglich bekannte Behauptung nach der Existenz eines Patriarchats, die Dr. habil. Heike Diefenbach in einer entsprechenden Analyse als falsch und als Ausgeburt sozialistischer und vor allem feuchter Phantasien, wie sie Friedrich Engels hatte, für alle nachvollziehbar identifiziert hat.

Wir treffen die sozialistischen Phantasien in den Gender Studies im Gewandt eines historischen Genderismus, der den im Vergleich dazu geradezu elaborierten historischen Materialismus (der die Welt immerhin noch mit drei Antagonismen, nämlich Sklaven und Sklavenhalter, Lehnsherren und Leibeigenen, Bürger und Proletariat erklären wollte) ersetzen und als einzigen Antagonismus, den angeblich alles prägenden Antagonismus zwischen Mann und Frau zulassen will.

Wer also gedacht hat, primitiver als der historische Materialismus die Menschheitsgeschichte darstellt, geht es nicht mehr, der sieht sich getäuscht. Mit den Gender Studies ist ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte der intellektuellen Entwicklung des Westens erreicht – die soziale, politische und wirtschaftliche Welt ist nicht mehr das Ergebnis des Wirkens vieler Individuen mit je unterschiedlichen Interessen, nein, es ist das Ergebnis des Wirkens des Antagonismus zwischen Mann und Frau.

Und wie die Vertreter des Marxismus-Leninismus an Universitäten installiert wurden, um dort das Heil des Marxismus-Leninismus zu predigen, so sind Gender Studies an Universitäten eingenistet worden, um das Heil der Gender Studies zu verkünden. Und während der Marxismus-Leninismus das kommende Heil als klassenlose Gesellschaft an die Leichtgläubigen seiner Zeit verkauft hat, so verkaufen die Gender Studies heute das Heil einer kommenden und geschlechtslosen Gesellschaft. Abermals sind es die Leichtgläubigen, die auf das angepriesene Krötenelixir hereinfallen und denken, sie könnten sich damit Gehirn antrinken.

Insofern kann man sich lebhaft vorstellen, wen das Angebot aus Paderborn oder das anderer Gender Studie anziehen wird.

 

Ideologie, nicht Leistung, bestimmt den Schulabschluss

Die soziale Stratifizierung in Deutschland wird, wie in kaum einem anderen Land, durch das Bildungssystem aufrecht erhalten: Wer als Kind aus der Arbeiterschicht eingeschult wird, wird in der Regel der Arbeiterschicht erhalten bleiben, ein Bildungsaufstieg ist ihm weitgehend verwehrt. Die Schule ist, wie Soziologen (Charlotte Lütkens (1971) oder Hans-Günter Rolff (1967)) schon früh festgestellt haben, eine Institution, die sich aus Mitgliedern der Mittelschicht rekrutiert und die entsprechend darüber wacht, dass der Abstand zwischen Mittelschicht und Arbeiterschicht erhalten bleibt.

bildungstrichter1Wir können an dieser Stelle da weitermachen, wo wir gestern aufgehört haben: Bei der Social Dominance Theory (Sidanius & Pratto, 1999). Im Rahmen dieser Theorie erklärt sich die Persistenz der deutschen Sozialstruktur, die eine vertikale Mobilität aufweist, die man als fast nicht vorhanden bezeichnen kann, als Ergebnis einer hierarchy enhancing strategy, mit der Mitglieder der Mittelschicht versuchen, ihren Status gegen Mitglieder aus der Arbeiterschicht zu verteidigen und zu verhindern, dass MItglieder aus der Arbeiterschicht an die Ressourcen gelangen, die die Mitglieder der Mittelschicht für sich reserviert haben (also z.B. die Mittelschichtsjobs, bei denen man keine schmutzigen Hände bekommt und für die man aus welchen Gründen auch immer ein Abitur und ein Hochschulstudium benötigt).

Nun stehen Theorien wie die Social Dominance Theory immer vor dem Problem, dass es im täglichen Leben nur individuelles Verhalten gibt, die Theorie aber Aussagen über das Verhalten einer Gruppe macht, im vorliegenden Fall über das Verhalten der Mittelschicht. Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet: Wie schafft man es, dass sich Mitglieder einer Gruppe, Mitglieder der Mittelschicht gleich verhalten, dass sie gleichgeschaltet werden? Die Antwort ist einfach: Durch einen gemeinsamen Mythos, durch eine Ideologie, die die Mitglieder der Gruppe teilen. Der Mythos ist ein konstitutives Gruppenelement, eine Art Geburtsmythos, gleich der Schaffung der Welt in sieben Tagen, dem Grundmythos der christlichen Kirche.

Ein Mythos der Mittelschicht, mit dem die Angehörigen derselben dafür sorgen, dass Kinder aus Arbeiterfamilien keine Chance auf sozialen Aufstieg haben, weil sie frühzeitig ausgesondert oder auf Hauptschulen bzw. bestenfalls Realschulen verteilt werden, geht etwa so:

Um auf dem Gymnasium bestehen zu können, benötigen Schüler die Hilfe der Eltern. Eltern aus der Mittelschicht kümmern sich intensiver um ihre Kinder und geben ihnen mehr Hilfestellung in schulischen Fragen, vom Nachhilfelehrer bis zum Vorlesen und gemeinsamen Erarbeiten der Hausarbeiten als dies Eltern aus der Arbeiterschicht tun. Allgemeiner: Mittelschichtseltern erziehen besser, zeigen effizientere Erziehungspraktiken als Eltern aus der Arbeiterschicht. Und weil dem so ist, weil Kindern aus Mittelschichtsfamilien zuhause eine größere Unterstützung zuteil werden soll, haben sie eine höhere Erfolgsaussicht auf Gymnasien als Kinder aus der Arbeiterschicht, und deshalb erhalten Kinder aus der Mittelschicht selbst bei schlechterer Leistung als Kinder aus der Arbeiterschicht häufiger eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium als Kinder aus der Arbeiterschicht.

Dass es sich dabei um einen Mythos handelt, merkt man schon daran, dass er an die Kinder aus der Arbeiterschicht herangetragen wird und z.B. bei Überstellungen auf Sonderschulen (Kottmann, 2006) und bei Grundschulempfehlungen offen in seinen Konsequenzen sichtbar wird, dass er aber nie geprüft wurde. Niemand hat sich in Deutschland bislang die Mühe gemacht zu untersuchen, ob sich Eltern aus der Arbeiterschicht tatsächlich so krass von Eltern aus der Mittelschicht in schulischen Unterstützungsleistungen unterscheiden wie behauptet.

Die einzige Untersuchung, die sich in neuerer Zeit der Frage elterlicher Unterstützungsleistungen gewidmet hat, hat dies im Hinblick auf Migranten getan und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich türkische Eltern mehr für die schulische Leistung ihrer Kinder engagieren als deutsche Eltern (Diefenbach, 2006: 236-238). Seither wurde das Thema nicht mehr angefasst, wohl um den Mythos, der die Sozialstruktur in Deutschland zementiert, nicht zu gefährden.

Forschung aus dem Vereinigten Königreich leidet in der Regel nicht unter selbstauferlegter Ignoranz oder allgemeiner Phantasielosigkeit, nicht einmal in der Soziologie, und das will etwas heißen. Entsprechend haben Esther Dermott und Marco Pomati von der University of Bristol bzw. Cardiff die Probe aufs Exempel gemacht und untersucht, wie es sich mit der elterlichen Unterstützung von Kindern aus unterschiedlichen Schichten der Bevölkerung verhält. U.a. haben sich die Forscher dafür interessiert, wie viel Zeit die Eltern mit ihren Kindern mit Essen, Fernsehen, Sport und Spielen verbringen. Und sie haben untersucht, wie oft Eltern Kindern vorlesen und wie viel Zeit Eltern investieren, um ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.

Insgesamt können Dermott und Pomati auf 1.655 Haushalte des Vereinigten Königreichs zurückgreifen, die sie anhand des Einkommens in Familien der Arbeiterschicht und den gesellschaftlichen Rest, also vornehmlich die Mittelschicht teilen (Haushalte, die weniger als 60% des Medianeinkommens verdienen, gelten als der Arbeiterschicht zugehörig).

Die nachfolgende Analyse erbringt dann ein Ergebnis, dass den Mythos von der geringeren elterlichen Unterstützung für Kinder aus der Arbeiterschicht oder, anders herum formuliert, den Mythos, dass sich Mittelschichtseltern intensiver um ihre Kinder kümmern als Eltern aus der Arbeiterschicht, zerstört: “The findings support the view that associations made between low levels of education, poverty and poor parenting are ideologically driven rather than based on empirical evidence”.

Bildung als PrivilegÜbertragen auf Deutschland würde dieses Ergebnis bedeuten, dass die meisten Bildungskarrieren von Kindern aus der Arbeiterschicht durch Lehrer, die der Mittelschicht angehören, bereits in einem frühen Stadium beendet werden, nicht weil Anlass besteht zu glauben, dass die entsprechenden Kinder die Leistungen, die zu einem erfolgreichen Abschluss des Abiturs notwendig sind, nicht erbringen können, sondern weil Lehrer, als die Angehörigen der Mittelschicht, die sie nun einmal sind, glauben (wollen), dass die Kinder die entsprechende Leistung mangels elterlicher Unterstützung nicht erbringen werden.

Derzeit gibt es keinen Grund anzunehmen, dass das Ergebnis nicht übertragbar ist, und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben, denn kritische empirische Forschung ist in Deutschland nahezu nicht existent.

Dominanzstrukturen, wie die beschriebene, mit denen die Mittelschicht die Arbeiterschicht manipuliert und die dazu dienen, den eigenen Ressourcenzugang quasi durch einen pre-emptive strike gegen potentielle Aufsteiger aus der Arbeiterschicht zu verteidigen, sind langlebig, sie sind insbesondere in einem Land langlebig, in dem die Ideologie und das, was z.B. Lehrer glauben (wollen), wichtiger sind, als das, was man empirisch bestätigen kann.

Literatur

Diefenbach, Heike (2006). Die Bedeutung des familialen Hintergrunds wird überschätzt. In: Alt, Christian (Hrsg.). Kinderleben – Integration durch Sprache? Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S.219-258.

Kottmann, Brigitte (2006). Selektion in die Sonderschule. Das Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf als Gegenstand empirischer Forschung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.

Lütkens, Charlotte (1971). Die Schule als Mittelklasseninstitution. In: Heintz, Peter (Hrsg.). Soziologie der Schule. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.22-39.

Rolff, Hans-Günter (1997[1967]), Sozialisation und Auslese durch die Schule. Weinheim: Juventa.

Sidanius, Jim & Pratto, Felicia (1999). Social Dominance: An Intergroup Theory of Social Hierarchy and Oppression. Cambridge University Press

Wissenschaftliche Standards? Im Mannheimer Zentrum für Sozialforschung offensichtlich unbekannt

Die “Feminisierung des Lehrerberufs” ist wieder einmal bei uns angekommen.

Stammleser von ScienceFiles werden sich daran erinnern, dass es eine Reihe von angeblichen Wissenschaftlern gibt, die voneinander abschreiben und Dr. habil. Heike Diefenbach und mir unterstellen, wir hätten 2002 in “Bringing Boys Back In” geschrieben, dass eine “Feminisierung des Lehrerberufs” dafür verantwortlich sei, dass Jungen im deutschen Bildungssystem schlechter abschneiden und weit hinter Mädchen zurückbleiben.

Wer uns auch nur ein bißchen kennt, der weiß, dass wir mit Sicherheit nie behaupten würden, dass irgend eine “Isierung” für etwas Konkretes wie die Tatsache, dass Jungen bei der Grundschulempfehlung bessere Leistungen für dieselbe Grunschulempfehlung bringen müssen als Mädchen (in der LAU und in der ELEMENT-Studie belegtes Faktum) verantwortlich ist. Wenn wir jemals eine Ursachenattribuierung vorgenommen hätten, was wir nicht haben, dann hätten wir Lehrerinnen als Ursache dafür benannt, dass Jungen schlechter abschneiden als Mädchen. Aber nicht einmal das haben wir getan, wie jeder weiß, der unseren Beitrag “Bringing Boys Back In” gelesen hat.

Überhaupt kommt der Begriff “Feminisierung” ebenso wenig wie die Konstruktion “Feminisierung des Lehrerberufs” in unserem Beitrag vor. Beide Begriffe sind Produkte der Phantasie all derjenigen, die wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen und mit allerlei Unsinn versuchen, Lehrerinnen vom Verdacht freizusprechen, sie hätten etwas mit der differenziellen Benotung von Jungen und Mädchen zu tun. Daran erkennt man übrigens die Ideologen: Sie interessieren sich nicht für die Ursachen der Nachteile von Jungen, sondern für Schulzuweisungen.

mneugebauDas neueste Machwerk, das dazu dient. Lehrerinnen von aller Verantwortung freizusprechen und in dem wir als ideologischer Feind (der mit der Feminisierung) aufgebaut werden (sollen), stammt von Maria Gerth und Martin Neugebauer vom Mannheimer Zentrum für Sozialforschung und ist in dem von Rolf Becker und Alexander Schulze herausgegebenen Band “Bildungskontexte: Sturkturelle Voraussetzungen und Ursachen ungleicher Bildungschancen” erschienen, und zwar unter dem Titel “Weiblicher Schulkontext und Schulerfolg von Jungen”.

Gerth und Neugebauer zitieren uns auf Seite 432 ihres Beitrages, und zwar als Autoren, die angeblich behauptet haben, die “Feminsierung des Lehrerberufs” sei Ursache für das schlechtere Abschneiden von Jungen im deutschen Bildungssystem. Wir haben oben bereits gesagt, was davon inhaltlich zu halten ist. Hier ist formal anzufügen, dass Gerth und Neugebauer uns zitieren, ohne unseren Text gelesen zu haben. Sie zitieren uns in einer Art und Weise, die aus anderen Zusammenhängen bekannt und berüchtigt ist. Mit anderen Worten, sie schreiben ab, was andere schon über “Bringing Boys Back In” behauptet haben, ohne den Artikel jemals gelesen zu haben.

Wissenschaftliches ArbeitenWären Gerth und Neugebauer Studenten, sie bekämen keinen Schein, schon wegen formaler Mängel und wegen nachgewiesener Unwilligkeit, die Arbeiten, die man zitieren will, auch zu lesen. Warum lesen Gerth und Neugebauer nicht, was sie zitieren? Weil sie uns als Feind aufbauen wollen, als diejenigen, die die “These befeuert” haben, “wonach möglicherweise Lehrerinnen am schulischen Misserfolg von Jungen eine (Mit)verantwortung tragen” (Gerth & Neugebauer, 2013: 431).

Ich kann gar nicht in Worte fassen, welche Verachtung ich für angebliche Wissenschaftler habe (und das ist wirklich alles, was ich für sie haben kann), die sich bereits im Abstract zu ihrem Beitrag als Ideologen outen, Ideologen, denen es nicht darum geht herauszufinden, warum Jungen im deutschen Bildungssystem schlechter abschneiden, sondern die zeigen wollen, wie unhaltbar die befeuerte These doch ist, nach der “möglicherweise Lehrerinnen” am schlechten Abschneiden von Jungen eine “(Mit)verantwortung” tragen.

Derartige Jungfrau Maria-Ideologen, die noch von der unbefleckten Notengebung in deutschen Schulen ausgehen, bewirken bei mir Brechreiz.

Aber nicht nur deshalb – auch wegen der prätentiösen Art, in der die angeblichen Wissenschaftler von einer methodologischen Basis, die man nur als mickrig bezeichnen kann, glauben schließen zu können: dass “die Rekrutierung männlicher Lehrkräfte nicht das Mittel [ist], um die schulischen Nachteile von Jungen gegenüber von Mädchen zu reduzieren”.

Diese Allaussage, die keinen Zweifel mehr zulässt, gründen Gerth und Neugebauer auf die Analyse der Leseleistungen und die Analyse der Deutschnoten bei Grundschulkindern, die im Rahmen der IGLU-2006 Studie untersucht wurden. Weil Jungen, die von Männern (den wenigen, die es in Grundschulen noch gibt) unterrichtet werden, nicht besser abschneiden als Jungen, die von Frauen unterrichtet werden, weder im Hinblick auf Lesekompetenz noch im Hinblick auf die Deutschnote, glauben Gerth und Neugebauer den oben zitierten weitreichenden Schluss ziehen zu können.

Methodologisch ist dazu Folgendes zu sagen: Man kann nur dann sagen, dass Kevin Klein eine bessere Deutschnote gehabt hätte, wenn er statt von Hilda Gans von Peter Wolf unterrichtet worden wäre, wenn man auch weiß, welche Leistung Kevin Klein erbracht hat, als er von Hilda Gans unterrichtet wurde und welche er erbracht hat als er von Peter Wolf unterrichtet wurde. Das machen Gerth und Neugebauer aber nicht.

Sie begehen vielmehr einen Designfehler, bei dem man als empirischer Sozialforscher die Hände über dem Kopf zusammenschlägt: Sie schauen, ob Kevin Klein, der von Hilda Gans unterrichtet wird, eine bessere Deutschnote hat und bessere Leseleistungen erbringt als Maik Groß, der von Peter Wolf unterrichtet wird. Sicher, sie haben nicht nur Kevin Klein, sondern viele Kevin Kleins, aber das ändert nichts daran, dass das Design falsch ist und sie die Aussage, die sie treffen, gar nicht treffen können. Alle sonstigen Fehler haben wir bereits an einem anderen Beispiel, das Neugebauer mit zu verantworten hat, dargestellt.

Ein derartiger Anfängerfehler hätte früher Gelächter bei mir ausgelöst. Heute macht er mich nur ärgerlich, nichtzuletzt, weil ein derartiger Anfängerfehler, diejenigen, die ihn begehen, nicht davon abhält, weitreichende (oder großkotzige?) in jedem Fall nicht gerechtfertigte Schlüsse zu ziehen.

MYESUnd was sagt der Herr Neugebauer zu all dem, z.B. dazu, dass er zitiert, was er nie gelesen hat? Er sagt, dass seine Arbeit den wissenschaftlichen Standards entspricht, was mich dazu veranlasst, seine Schlußfähigkeiten zu adaptieren und in einer weitreichenden Verallgemeinerung aus der Tatsache, dass Neugebauer ganz offensichtlich keine wissenschaftlichen Standards kennt und am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) beschäftigt ist, zu schließen: Am Mannheimer Zentrum sind wissenschaftliche Standards derzeit unbekannt.

Wer am MZES arbeitet und diesen Schluss für falsch hält, der kann sich ja öffentlich von den wissenschaftlichen Standards, die Neugebauer für solche hält, distanzieren.

Als Forschungsschwerpunkt gibt Martin Neugebauer übrigens die empirische Bildungsforschung an. Das lässt Schlimmes befürchten ….

Der widersprechende Mund und das Rückgrat: Zwei Desiderate der Wissenschaft

In der Soziologie wird diskriminiert.

Männer werden diskriminiert, und zwar systematisch.

Und was passiert?

Nichts.

Warum?

Nun, wir haben die letzten Tage eine Reihe von Argumenten gehört, die rechtfertigen sollen, warum sich bislang kein Widerstand unter Soziologen regt und nicht nur unter Soziologen, denn die Diskriminierung von Männern an Hochschulen ist nicht nur ein Problem der Soziologie.

Für die Soziologie ist hieb- und stichfest belegt, dass diskriminiert Professorrinnenprogrammwird. Es wäre aber verwunderlich, wenn die entsprechende Diskriminierung eine Absonderlichkeit der Soziologie wäre, schon deshalb, weil nicht nur die Soziologie mit Polit-Kommissaren, die über Gleichstellung wachen sollen, durchsetzt ist, sondern alle Wissenschaften, und auch deshalb, weil mit dem Professorinnenprogramm ein staatlich finanziertes Mittel geschaffen wurde, um Männer aktiv zu diskriminieren – und zwar fachübergreifend.

Wir sind übrigens der Meinung, dass der Kampf gegen die Diskriminierung von Männern an Universitäten nicht nur eine Angelegenheit von Männern ist. Es ist vielmehr eine Frage von Anstand und Moral, und da wir davon ausgehen, dass Männer und Frauen in gleicher Weise mit Anstand und Moral ausgestattet sind, gehen wir auch davon aus, dass es für anständige und moralische Frauen ebenso wie für anständige und moralische Männer ein Gebot der Stunde ist, dem Gender Mainstreaming oder wie die Versuche der Vorteilsnahme auch immer heißen, die Stirn zu bieten, d.h. Rückgrat zu zeigen und den Mund aufzumachen.

dgs2Dies hat zur Konsequenz, dass aus unserer Sicht Befürworter und Profiteusen des Gender-Spongings ebenso wie Mitläufer, die dabei zusehen, wie mittels Gender-Sponging Meritokratie und Leistung zerstört werden, sich durch einen Mangel bzw. ein vollständiges Fehlen von Anstand und Moral auszeichnen. (Sponging ist der englische Ausdruck für die umgangssprachliche Formulierung von Nutznießen und kommt von Schwamm-Auswringen .)

Und deshalb ist es – wie Immanuel Kant es wohl vormuliert hätte – die Pflicht jedes mit einer Moral ausgestatteten Menschen, wobei die moralische Ausstattung das ist, was den Menschen zum Menschen macht, sich gegen das Gender-Sponging zu stellen und den Mund aufzumachen.

Aber, wie wir gehört haben, geht das nicht, und zwar aus einer Reihe von vermeintlich guten Gründen, die wir in drei Klassen einteilen können:

  • leviathanj

    Der Verwaltungsleviathan und mutige Wissenschaftler

    Es geht nicht, weil es keinen Sinn hat, da man einer schweigenden Mehrheit gegenübersteht.

  • Es geht nicht, weil die Verwaltung, die zu einem wahren Seeungeheuer aufgeblasen wird, das den Leviathan blass aussehen lässt, eine Einheitsfront gegen alle, die den Mund aufmachen würde, wäre da nicht die Einheitsfront der Verwaltung, bildet.
  • Es geht nicht, weil Widerstand von z.B. Professoren zu Lasten der Studenten ginge oder man zum Querulanten wird, wenn man den Mund aufmacht.

Das also ist die Leidensgeschicht des Mundaufmachens und des Rückgratzeigens.

Die schweigende Mehrheit

Wenn die schweigende Mehrheit, die scheinbar interesselos Versuchen, am Status Quo des Gender Mainstreamings etwas zu ändern, gegenübersteht, es verhindert, dass man als z.B. Soziologieprofessor den Mund aufmacht und gegen die Diskriminierung von Männern protestiert, dann fragt man sich, wie konnte es jemals zu einer Veränderung des Status Quo kommen?

Schließlich lautet die Prämisse hinter dem Argument mit der schweigenden Mehrheit, dass es wegen dieser schweigenden Mehrheit unmöglich ist, etwas am Status Quo zu ändern. Da Menschen eine gewisse Trägheit auszeichnet, und man sicher sein kann, dass diese Trägheit nicht erst heute eine Eigenschaft von Menschen ist, stellt sich tatächlich die Frage, wie es überhaupt jemals zu Veränderung, zu Fortschritt kommen konnte, da jedes Aufbehren gegen den Status Quo doch von der schweigenden Mehrheit verhindert wird?

Die Antwort: Jemand muss, trotz der schweigenden Mehrheit den Mund aufgemacht haben, und zwar so lange und so beständig, bis die schweigende Mehrheit zu einer zustimmenden, unterstützenden Mehrheit geworden ist.

Offensichtlich ist das Argument mit der schweigenden Mehrheit falsch.

Die Einheitsfront der Verwaltung

Die Geschichte geht so: Wissenschaftler sind hoch indviduelle Wesen, die aufgrund eigener Individualität nicht unter einen gemeinsamen Hut zu bringen sind, der sie z.B. dazu befähigen würde, sich gegen den gemeinsamen Gegner zu solidarisieren. Im Gegensatz dazu stellt die Verwaltung ein geschlossenes Kollektiv aus Klonen dar, die alle nur eines wollen: Wissenschaftler traktieren. Es sind Klone, für die gilt, was HG Wells am Anfang seines Krieges der Welten schreibt:

Jeff Waynes War of the Worlds“No one would have believed in the last years of the nineteenth century that this world was being watched keenly and closely by intelligences greater than man’s and yet as mortal as his own; that as men busied themselves about their various concerns they were scrutinised and studied, perhaps almost as narrowly as a man with a microscope might scrutinise the transient creatures that swarm and multiply in a drop of water. … Yet across the gulf of space, minds that are to our minds as ours are to those of the beasts that perish, intellects vast and cool and unsympathetic, regarded this earth with envious eyes, and slowly and surely drew their plans against us. And early in the twentieth century came the great disillusionment.”

Die Marsianer von Wells sind die Verwalter, die der Wissenschaft feindlich und wie ein Block gegenüberstehen – bekanntlich werden die Marsianer bei Wells von der Grippe dahingerafft, aber lassen wir das.

Für die Verwaltung gilt wie für alle eingebildeten Entitäten, dass es sie nicht gibt. Die Verwaltung besteht aus Individuen, Sachbearbeiter, die mit Aufgaben betraut sind, und mit denen man entweder reden kann oder denen man soziale Kosten verursachen kann, wenn man nicht mit ihnen reden kann. Allerdings muss man dazu den Mund aufmachen. Will man das nicht, dann bietet es sich an, die vielen einzelnen Sachbearbeiter, die die Verwaltung ausmachen, zu einer Horde von Klonen zu stilisieren, die in etwa so gefährlich sind, wie die Marsianer bei Wells.

Gibt es eigentlich jemanden, der diese Stilisierung von zumeist Halbtagstätigen nicht lächerlich findet?

Querulantentum zu Lasten von Studenten

Querulanten sind in dieser Definition alle, die Kritik am Status Quo üben. Macht ein Professor deutlich, dass er die Diskriminierung von Männern nicht mitträgt und sich deshalb nur an Berufungskommissionen beteiligt, bei denen Bewerber nach Leistung und nicht nach Geschlecht bestimmt werden, dann gilt er nach diesem Scheinargument als Querulant.

Bliebe man in der Logik dieses Arguments, dann wäre es ratsam, die Gedenktage für diejenigen, die versucht haben, Hitler zu ermorden, die Stauffenbergs und die Goerdelers und Leuschners, zu streichen, handelt es sich dabei doch um samt und sonders Querulanten, die versucht haben, den Status Quo des Dritten Reiches zu verändern.

Schließlich das Argument, das einem die Wut ins Gesicht treibt: Wenn sich Professoren wehren, dann geht das zu Lasten der Studenten, z.B. dann, wenn man als Professor nicht den Affen mit sich machen lässt und deshalb die Prüfungsabnahme nach Vorschrift und nicht nach Anzahl der Studenten erfolgt.

cowardStimmt, zuweilen geht das zu Lasten der Studenten, aber auch Studenten sind mit einem Mund und einem Rückgrat ausgestattete Wesen (zumindest theoretisch), die für sich reklamieren, erwachsen und volljährig zu sein. Folglich kann man von Ihnen erwarten, dass sie sich um ihre eigenen Belange kümmern, denn mit dem Erwachsensein-Wollen kommt Verantwortung.

Kurz: Es gibt keinen validen Grund dafür, den Mund nicht aufzumachen. Entsprechend kann man die Weigerung, denselben aufzumachen nur mit Feigheit erklären, ein durchaus legitimes Motiv, verlangt aber, dass der entsprechende Feigling dazu steht, dass er lieber darauf verzichtet, sich als mit Anstand und Moral ausgestatteter Mensch zu erkennen zu geben.

Soziologen, setzt Euch zur Wehr gegen systematische Diskriminierung!

Gestern haben wir die Ergebnisse der Unterschung von Mark Lutter und Martin Schröder  “Who Becomes a Tenure Professor, and Why?” dargestellt. Die Ergebnisse von Lutter und Schröder basieren auf einer Analyse aller Lehrstuhlbesetzungen für den Zeitraum 1980 bis 2013 für das Fach Soziologie und entsprechend auf Informationen über 1.260 Soziologen und 297 ordentliche Lehrstuhlbesetzungen.

PopitzSoziologen, das sind (oder waren einmal) WIssenschaftler, die sich unter anderem mit Fragen der sozialen Ungleichheit oder der Sozialstruktur befasst haben, die untersucht haben, wie vertikale Mobilität verhindert wird, also dafür gesorgt wird, dass Kinder aus Unterschichtsfamilien selbst Unterschichts- und nicht MIttelschichtsfamilien gründen, oder die die Mechanismen des alltäglichen Lebens untersucht haben, mit denen z.B. in Bildungsinstitutionen für soziale Segregation gesorgt wird. Entsprechend war Soziologie eine kritische Wissenschaft, die gesellschaftliche Prozesse analysiert und unerwünschte Entwicklungen aufgezeigt hat.

Zwischenzeitlich ist Soziologie in vielen Teilen zu einer Legitimationswissenschaft verkommen, d.h. Soziologen sehen es nicht mehr als ihre Aufgabe an, die Folgen politischer Entscheidungen auf die Gesellschaft zu analysieren. Die meisten Soziologen sehen es heute als ihre Aufgabe an, die nämlichen politischen Entscheidungen zu legitimieren.

Als Folge hat sich die Soziologie von einer empirischen zu einer Lehnstuhl-Wissenschaft entwickelt. An die Stelle der Analyse dessen, was ist, ist die mehr oder weniger gelangweilte Betrachtung darüber getreten, was man gerne hätte.

Diese Entwicklung von einer kritischen zu einer selbstgefälligen und langatmigen Wissenschaft, deren Vertreter der sie umgebenden Welt nichts mehr zu sagen haben, hat nach unserer Ansicht u.a. mit dem Staatsfeminismus zu tun, mit der Installation von Gender Studies in der Soziologie und mit einer systematischen Untergrabung der Standards der Soziologie dadurch, dass nicht mehr nach Leistung in Positionen berufen wird, sondern nach Geschlecht.

Das hat, wie Lutter und Schröder mit ihrer Untersuchung deutlich gemacht haben, dazu geführt, dass männliche Bewerber auf einen Lehrstuhl in Soziologie massiv und systematisch diskriminiert werden:

  • MPIfG_LutterWeibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: “… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‘gray’ literature as women”.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Eine solche Situation in einem Fach, zu dessen wichtigsten Aufgaben einmal die Analyse sozialer Ungleichheitsstrukturen gehört hat und nach Anspruch der Soziologen, die von sich behaupten, sie würden nach wie vor soziale Ungleichheit oder gar Diskriminerung untersuchen, immer noch gehört, ist der Gipfel der Ironie. Sie wirkt auf uns als wäre ein Gärtner, dessen Aufgabe darin bestanden hat, Unkraut aus einem Park zu entfernen, dazu übergegangen, das Unkraut systematisch anzupflanzen.

Aber ganz davon abgesehen, dass es gerade für die Soziologie eine erstaunliche Transformation darstellt, vom Kritiker sozialer Ungleichheit und von Diskriminierung zum praktischen und Legitimations-Ort sozialer Ungleichheit und Diskriminierung geworden zu sein, ist Diskriminierung und soziale Ungleichheit, da wo sie nicht durch das meritokratische Prinzip gerechtfertigt ist, also dadurch, dass ein Bewerber, der einem anderen vorgezogen wird, nachvollziehbar besser ist als der Bewerber, dem er vorgezogen wurde, immer eine Frage von Moral und Anstand.

Moral insoweit, als es moralisch verwerflich ist, Dritte wegen Eigenschaften zu benachteiligen, die für die vorliegende Entscheidung irrelevant sind. Anstand insoweit, als ein anständiger Mensch sich nicht der Beihilfe zur Diskriminierung schuldig macht.

Deshalb haben wir die Ergebnisse von Lutter und Schröder zum Anlass genommen, um alle Mitglieder des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie anzuschreiben und zu fragen, wie sie zu der systematischen Benachteiligung von Männern in der Soziologie stehen, was sie jungen Männern, die die Soziologie als Ausbildungsfach gewählt haben, raten und welche Schritte sie einzuleiten gedenken, um die systematische Benachteiligung von Männern in der Soziologie zu beenden.

Sehr geehrter …

dgs2

Mark Lutter und Martin Schröder vom Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln haben eine Vollerhebung der Berufungen auf Lehrstühle der Soziologie, die im Zeitraum von 1980 bis 2013 besetzt wurden, durchgeführt und auf Grundlage dieser Daten, für 1.260 Soziologen die Variablen bestimmt, die einen Effekt auf die Besetzung eines Lehrstuhls haben (Veröffentlicht als MPIfG Discussion Paper 14/19 unter dem Titel: “Who Becomes a Tenure Professor, and Why”).

Dabei haben sie eine systematische Diskriminierung von männlichen Soziologen festgestellt, die jedem Wissenschaftler, der sich mit Diskriminierung oder mit sozialer Ungleichheit oder mit der Erforschung von Stereotypen, Vorurteilen und darauf basierenden Ismen, wie Rassismus oder Sexismus beschäftigt, den blanken Schrecken ins Gesicht treiben muss.

Hier ein Auszug der wichtigsten Ergebnisse.

  • Weibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: “… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‘gray’ literature as women”.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Diese Ergebnisse beschreiben eine unhalbare Situation systematischer und insofern wohl institutioneller Diskriminierung von männlichen Bewerbern. Dass eine solche Situation ausgerechnet in der Soziologie mit ihrer Tradition der Erforschung von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit eingetreten ist, kann man wohl nur als Ironie der Geschichte bezeichnen.

Wir nehmen diese Situation zum Anlass, um Sie als Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zu bitten, die folgenden Fragen zu beantworten:

  1. War Ihnen bekannt, dass männliche Bewerber auf eine Professur in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?
  2. Halten Sie die systematische Diskriminierung von männlichen Bewerbern im Verlauf einer universitären Karriere für hinnehmbar?
  3. Wenn ja, warum?
  4. Wenn nein: Was gedenken Sie dagegen zu unternehmen?
  5. Was raten Sie männlichen Abiturienten, die sich mit dem Gedanken tragen, Soziologie zu studieren?
  6. Was raten Sie männlichen Absolventen, die sich mit dem Gedanken tragen, eine wissenschaftliche Karriere in der Soziologie anzustreben?
  7. Was halten Sie von der Tatsache, dass männliche Bewerber in der Soziologie systematisch diskriminiert werden?

Wir bedanken uns für Ihre Antworten und verbleiben mit kollegialen Grüßen,

Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein
ScienceFiles.org

Die eMail ging an:
Peter Berger, Universität Rostock;
Nicole Burzan, Technische Universität Dortmund;
Stephan Lessenich, Ludwig-Maximilians-Universität München;
Michaela Pfadenhauer, Universität Wien;
Uwe Schimank, Universität Bremen;
Paula Irene Villa, Ludwig-Maxilimians-Universität München;
Georg Vobruba, Universität Leipzig;

Erstmals klar belegt: systematische Diskriminierung von Männern an Universitäten

Vergessen Sie alles, was Sie über Meritokratie gehört haben!

Meritokratie, das ist das Prinzip, nach dem diejenigen die die besten Leistungen bringen, diejenigen sind, die mit begehrten Positionen belohnt werden.

Professuren waren einst begehrte Positionen und Meritokratie das Prinzip, mit dem die Professuren besetzt wurden.

state femimism bookUnter der Ägide des Staatsfeminismus ist dies alles anders: Nicht mehr Leistung entscheidet darüber, wer auf Positionen gelangt, sondern Geschlecht. Das ganze Brimborium, das diese Tatsache verdecken soll, z.B. die Floskel: “Bei gleicher Eignung werden weibliche Bewerber bevorzugt”, ist eben nichts Anderes als Brimborium. Es dient dazu, den Leichtgläubigen Fairness vorzugaukeln und den anderen den Mund zu stopfen, weil man bei Kritik behaupten kann, dass z.B. Professuren in Deutschland nicht nach Geschlecht, sondern nach Leistung besetzt werden und nur bei gleicher Leistung weibliche Bewerber bevorzugt werden.

Das kann man so lange behaupten, so lange es keine Belege gibt, die diese Behauptung widerlegen.

Und – offensichtlich haben die staatsfeministischen Instanzen nicht aufgepasst – denn:

Es gibt jetzt eindeutige Belege.

Belege, die man nicht wegdiskutieren kann. Belege, die man nicht weginterpretieren kann und Belege, die man auch nicht als Einzelfall abtun kann, Belege dafür, dass Männer an Hochschulen systematisch diskriminiert werden, dass nicht Meritokratie das Leitmotiv bei der Besetzung von Professuren ist, sondern die Bevorzugung von Frauen, von Frauen, die weniger qualifiziert sind als Männer.

Die Untersuchung, die diese Belege liefert, ist nagelneu, wurde direkt unter der Nase staatsfeministischer Kontrollinstanzen und politischer Korrektheitswächter erstellt, und zwar beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Ein Leser von ScienceFiles, dem wir an dieser Stelle herzlich danken wollen, hat uns auf diese Untersuchung, nach der niemand mehr behaupten kann, er habe nicht gewusst, dass Männer systematisch an Hochschulen diskriminiert werden, aufmerksam gemacht.

Mark Lutter und Martin Schröder haben die Untersuchung “Who Becomes a Tenure Professor, and Why?” durchgeführt und als MPIfG Discussion Paper 14/19 veröffentlicht.

MPIfG_LutterFundierte Untersuchungen benötigen eine gute Datenbasis. Lutter und Schröder haben eine gute Datenbasis: Sie berücksichtigen alle Professuren, die im Fachbereich Soziologie, an 77 Instituten für Soziologie in ganz Deutschland von 1980 bis 2013 besetzt wurden. Damit nicht genug, Lutter und Schröder können den gesamten Weg bis zur Professur, den Tenuretrack nachzeichnen, und zwar für 1.260 Soziologen, die im Beobachtungszeitraum 530 Promovenden wurden, 433 Post-Doc Positionen besetzt haben, 36 Junior- und 297 richtige Professuren erreicht haben. Der Datensatz ist mit einem Wort: beeindruckend.

Und er ist einmalig, denn Lutter und Schröder sowie zwei ungenannt gebliebene Helfer haben sich hingesetzt und aus den veröffentlichten Lebensläufen der 1.260 Soziologen und bis einschließlich 2013 alle Publikationen, die in Zeitschriften, Büchern und als graue Literatur veröffentlicht wurden, gesammelt. Die Publikationen wurden zudem in solche in renommierten Peer-Review-Zeitschriften und weniger renommierten Zeitschriften unterschieden. Insgesamt haben die Autoren 28.545 Publikationen zusammengetragen. Warum? Weil die Anzahl der Publikationen, die wissenschaftliche Produktivität als Indikator für die Kompetenz, das Humankapital, eines Wissenschaftlers gilt.

Die Anzahl der Publikationen und deren Ort der Veröffentlichung wird ergänzt von einer Vielzahl weiterer Informationen, die Lutter und Schröder gesammelt haben. Darunter die wissenschaftliche Sozialisation, d.h.: hat ein Soziologe an einer angesehenen oder an einer Provinzuniversität studiert; seine Mobilität, d.h. wie oft hat er die Universität gewechselt, die Dauer internationaler Aufenthalte, sofern es sie gibt, und vieles mehr, das einen Einfluss auf eine Berufung auf eine Professur ausüben könnte.

Auf Grundlage dieser Daten haben die Autoren dann untersucht, was die Soziologen auszeichnet, die auf eine Professur berufen wurden.

Die auf den ersten Blick gute Nachricht vorab: Die Anzahl der Publikationen ist der beste Prädiktor einer Berufung, wobei die Art der Publikationen eine Rolle spielt: wissenschaftliche Beiträge in Peer-reviewed Zeitschriften sind am wichtigsten, es folgen andere Zeitschriftenbeiträge, eigene Monographien, Herausgeberschaften und Kapitel in Sammelbänden mit einigem Abstand. Graue Papiere wirken sich negativ auf die Berufungschancen aus, in sie zu investieren, lohnt sich entsprechend nicht, wenn man eine Professur anstrebt, es sei denn, es ist ein grauer Schocker, wie das Papier von Lutter und Schröder. Interessanter Weise spielen Auslandsaufenthalte, die man als eine Form der Horizonterweiterung ansehen kann, bei der Berufung keinerlei Rolle, ebenso wenig wie eine Ausbildung an einer renommierten Universität dies tut.

Das war das, was man auf den ersten Blick als gute Nachricht ansehen könnte.

Nun kommen die schlechten Nachrichten, die zeigen, dass die gute Nachricht eben keine gute Nachricht war:

  • Achtung JudenWeibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: “… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‘gray’ literature as women”.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Diese Ergebnisse sind schockierend und ein eindeutiger Beleg dafür, dass an deutschen Universitäten das Prinzip der Meritokratie nicht mehr gilt. Die Arbeit von Lutter und Schröder zeigt, dass das Prinzip der Meritokratie quasi als sekundäre Meritokratie eingesetzt wird, um unter weiblichen Bewerbern den besten Bewerber auszuwählen. Dabei handelt es sich insofern um sekundäre Meritokratie als die besseren männlichen Bewerber, diejenigen mit mehr Publikationen und mit mehr Erfahrung ausgeschlossen wurden.

Daran gibt es nach der Untersuchung von Lutter und Schröder keinen Zweifel. So wenig Zweifel wie es daran gibt, dass diese offene Benachteiligung von Männern einerseits politisch gewollt ist, andererseits Universitäten schädigt, weil geringer qualifizierte Frauen, qualifizierteren Männern vorgezogen und das Prinzip der Meritokratie damit zerstört wird.

Was es heute bedeutet, männlich zu sein, lässt sich am Beispiel einer typisch männlichen Bildungskarriere, wie sie unter dem Staatsfeminismus gegeben ist, wie folgt darstellen:

  • Jungen werden häufiger von der Einschulung zurückgestellt als Mädchen.
  • Wer es als Junge in die Grundschule geschafft hat:
    • hat eine höhere Wahrscheinlichkeit als Mädchen auf eine Sonderschule abgeschoben zu werden;
    • hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, nicht versetzt zu werden als Mädchen;
    • hat eine geringere Wahrscheinlichkeit, selbst bei gleicher oder besserer Leistung eine Grundschulempfehlung für ein Gymnasium zu erhalten als Mädchen;
  • Jungen landen entsprechend häufiger auf Haupt- und Sonderschulen als Mädchen und deutlich seltener auf Gymnasien.
  • Entsprechend haben Jungen einen geringere Wahrscheinlichkeit, ein Abitur zu erreichen als Mädchen.
  • Entsprechend gibt es weniger männliche als weibliche Studenten.
  • Männliche Akademiker, die ein Studium abgeschlossen haben,
    • müssen länger warten, bis sie eine Promovendenstelle, Post-Doc-Stelle oder Juniorprofessur erhalten und benötigen im Durchschnitt zwei Jahre länger, um eine Professur zu erreichen als weibliche Adademiker;
    • Damit männliche Akademiker auf eine Professur berufen werden, müssen sie deutlich mehr publizieren als weibliche Akademiker, d.h. der durchschnittliche männliche Bewerber auf eine Professur ist nicht nur qualifizierter als der durchschnittliche weibliche Bewerber, der durchschnittliche männliche Beweber muss auch zusehen, wie ihm geringer qualifizierte weibliche Bewerber vorgezogen werden.

Wenn man diese systematische Benachteiligung von Jungen und Männern im deutschen Bildungseinrichtungen so heruntertippt, dann kann man nicht anders als festzustellen, dass es sich hierbei um eine Form des bildungspolitischen Kahlschlags handelt, unter dem nachwachsende Generationen leiden werden, denn bislang hat es noch keine Gesellschaft dauerhaft überlebt, dass die Besten von Positionen ferngehalten wurden, um mittelmäßige aber politisch dienliche Kandidaten zu berufen.

©ScienceFiles, 2015

Die überforderte Generation

Schelsky_skeptische GenerationAls Helmut Schelsky die Jugendlichen der Nachkriegsgeneration als “skeptische Generation” typologisiert hat, hat er vermutlich nicht geahnt, welchen Boom an Generationenbildern er damit auslösen würde. Die Liste der Generationen umfasst zwischenzeitlich die Generationen X, Y und Z, es findet sich die Facebook-Generation neben der goldenen Generation, die hoffnungsvolle Generation hat die heimatlose Generation abgelöst. Die unterschätzte Generation konkurriert mit der Online oder Internet-Generation, was wiederum der Maybe-Generation relativ egal ist, während es nicht dabei hilft, die verlorene Generation wiederzufinden oder die belogene Generation aufzuklären. Zu all diesem Durcheinander der Generationen hat sich nunmehr eine neue Generation gesellt: die überforderte Generation.

Die überforderte Generation, die haben der Methusalem der Soziologie, Hans Bertram, und Carolin Deuflhard im Mikrozensus des Statistischen Bundesamts entdeckt. Die überforderte Generation zeichnet sich dadurch aus, dass sie überfordert ist. Von wem sie überfordert wird, das weiß man nicht so richtig, aber dass sie überfordert ist und von was sie überfordert ist, das wissen Betram und Deuflhard genau, denn: Die überforderte Generation sieht sich mit einer im Vergleich zu früheren Generationen längeren Ausbildungsdauer konfrontiert, und deshalb ist die überforderte Generation nach beider Ansicht genötigt, “in der kurzen Zeitspanne etwa zwischen dem 28. und dem 35. Lebensjahr … die beiden zentralen Lebensanforderungen von beruflicher Integration und Familiengründung zeitgleich [zu] bewältigen”.

Das also ist das Schicksal der überforderten Generation: Sie muss zwei vermeintlich zentrale Lebensanforderungen, nämlich Beruf und Familie unter einen Hut bringen.

Doch damit nicht genug:

“Diejenigen, die sich trotz des Widerspruchs zwischen den beruflichen Anforderungen und der Entwicklung von Familienbeziehungen für Kinder entscheiden, sind heute ungleich höheren Anforderungen ausgesetzt als noch die skeptische Generation. Denn die skeptische Generation hatte mit dem Modell der klaren innerfamiliären Arbeitsteilung – mit dem Vater als ökonomischem Versorger und der Mutter als Hausfrau – ein eindeutiges Orientierungsmuster für die Organisation von Fürsorge. Dieses Orientierungsmuster stellt für die überforderte Generation kein Vorbild mehr dar, allerdings hat der gesellschaftliche Wandel auch kein neues Muster für die Organisation von Fürsorge hervorgebracht, sodass die Zeit für Fürsorge in jeder Partnerschaft individuell ausgehandelt werden muss. Die Anforderungen und Ansprüche der Eltern an die Sozialisation der Kinder sind demgegenüber im Kontext der höheren Bildungsanforderungen deutlich gestiegen. Paare schaffen sich den familiären Raum für Fürsorge in der Regel dadurch, dass eine Person – meistens die Mütter – ihre Präsenz am Arbeitsmarkt einschränkt.”

Die überforderte Generation ist demnach die westliche Ausformung des religiösen Märtyrers, der sich – allen Widrigkeiten zum Trotz – dem Heil der nachkommenden Generation opfert.

Entsprechend nehmen es die Mitglieder der überforderten Generation auf sich, wie ihre Eltern der skeptischen Generation eine Arbeitsteilung einzuführen und denjenigen, der beiden Eltern, der am Arbeitsmarkt weniger Humankapital einzusetzen hat und deshalb weniger verdient, zur Erziehung der Kinder abzustellen, schließlich hat man die Wahl für Kinder getroffen und muss die Konsequenzen dieser Wahl tragen.

So beschrieben unterscheidet sich die überforderte Generation jedoch nicht von der skeptischen Generation, die ebenfalls durch Arbeitsteilung Kinder und Broterwerb unter einen Hut gebracht hat: Männer waren die Ernährer und Frauen die Kindererzieher, die sich um den Haushalt gekümmert haben. Wenn das heute immer noch so ist, warum ist die heutige Generation dann eine “überforderte Generation”?

Dilbert Work life balanceDie Antwort ist keine der Fakten, sondern eine der Bewertung, denn heute soll Elternschaft durch die eierlegende Wollmilchsau geleistet werden, die berufliche Karriere und Kindererziehung in jenem absurden Konzept der Work-Life-Balance vereinbaren soll, das auf der Prämisse basiert, dass es keine Beschränkung der Ressourcen und Fähigkeiten gibt und jeder alles kann, wenn er nur will. In dieser absurden Welt sind Angestellte, die halbtags arbeiten, zu den selben Leistungen in der Lage wie Angestellte, die ganztags arbeiten, die Akkumulation von Humankapital und von Fähigkeiten ist keine Funktion von Erfahrung und Leistung mehr, sondern von Wollen: Wer Genie sein will, der kann es, jedenfalls in der Welt der Work-Life-Balancer.

In der realen Welt erfährt die überforderte Generation, deren Mitglieder diesen Unsinn glauben, dass alles anders ist. Hier steht die Ideologie der Halbtags-Genies der Realität von Tagen mit 24 Stunden und Fragen der und Streits über Arbeitsteilung gegenüber. Hier sieht sich das Halbtags-Genie im Beruf mit Ganztags-Genies konfrontiert, die ihm durch die Manager-Genies vorgezogen werden. Und so fühlt sich die überforderte Generation überfordert, weil sie es nicht schafft, in der Hälfte der (Arbeits-)Zeit denselben Wert zu generieren und die selbe Leistung zu erbringen wie andere in der vollen Arbeitszeit.

Wer hätte das gedacht, dass man mit der Hälfte der Anstrengung in der Regel nur die Hälfte der Leistung erbringen kann? Und so erweist sich die überforderte Generation auch als naive, vorsichtig ausgedrückt oder realistisch ausgedrückt: dumme Generation, die sich an Vorgaben orientiert, die ein normaler Mensch für sich ablehnt, denn ein normaler Mensch weiß, dass er sich zwei Dingen nicht in der selben Intensität widmen kann, in der er sich einem Ding widmet, dass er sich mit anderen Worten entscheiden muss, zwischen Karriere und Familie im vorliegenden Fall.

Aber: in der derzeitigen Ideologie, in der alle alles können und Genies durch Wollen entstehen, ist das nicht vorgesehen. Nicht die Entscheidungen des Individuums und die Tatsachen, dass ein Tag 24 Stunden hat und nicht nur zeitliche Ressourcen beschränkt sind, ist für das Scheitern der überforderten Generation wie sie uns Bertram und Deuflhard näher bringen, verantwortlich, sondern der fiese gesellschaftliche Geist der Benachteiligung, der sich immer wieder im täglichen Leben einmischt und hier, warum auch immer, vornehmlich weibliche Menschen aussondert:

“Die Forscher zeigen für Deutschland, dass dies eng mit der schlechteren Bezahlung von Berufen zusammenhängt, in denen überwiegend Frauen arbeiten. Die Entscheidung für eine Einschränkung der Arbeitsmarktpräsenz hat allerdings langfristige Benachteiligungen im Beruf zur Folge, weil beruflicher Erfolg nach wie vor eine kontinuierliche Vollzeiterwerbstätigkeit voraussetzt.”

Ist das nicht ungerecht, dass jemand, der 8 Stunden pro Tag arbeitet, bessere Berufschancen hat als jemand, der nur 4 Stunden pro Tag arbeitet? Dieses ganze Leistungskonzept ist eine einzige Diskriminierung. Diskriminiert werden diejenigen, die wenig oder gar nichts arbeiten, die Faulen und die Lethargischen, während Workoholics auch noch belohnt werden für ihre Sucht, täglich den Standard deutscher Arbeit auf dem Niveau von 8 oder doch zumindest 7 Stunden zu halten.

doing nothingIst es nicht an der Zeit eine Quote für Teilzeit und ab-und-zu-Arbeiter zu fordern? 50% der Positionen in der Parteiführung für Personen, die maximal 20 Stunden pro Woche arbiten, 50% der Nobelpreise an Halbtagskräfte, 50% der Professuren an Personen in Elternzeit, und 50% der Chefsessel bei DAX-Unternehmen für Gelegenheitsarbeiter! Warum Ergebnisgleichheit nicht zu Ende denken und der Meritokratie, dieser absurden Idee, nach der das Entgelt der Leistung und der Fähigkeit entsprechend soll, den Garaus machen?

Das sind Fragen, die die derzeitige Soziologie beschäftigen, die derzeitige Soziologie der überforderten Generation, die komplett dazu übergegangen ist, die Gesellschaft auf die Mittelschicht zu reduzieren, denn: Wer muss denn zwischen 28 und 35 Jahren Familienplanung betreiben, weil er denkt, es gehöre zur gesellschaftlichen Aufgabe, eine Familie zu gründen? Und wer hat mit 18 seine Lehre und mit 21 seine Meisterprüfung hinter sich? Wessen Ausbildung zieht sich denn bis zum St. Nimmerleinstag, wenn auch dem Letzten klar geworden ist, dass der 40jährige in diesem Leben keinen Abschluss in Gender Studies, Anglistik der Spätromantik und Erwachsenenbildung mehr machen wird?

Die überforderte Generation ist eine Veranstaltung der Mittelschicht, denn nur der Mittelschicht kann man Stöckchen hinhalten, erzählen, es sei möglich mit halber Kraft Karriere zu machen und zugleich mit halber Kraft Kinder zu erziehen, und nur in der Mittelschicht kann man welche finden, die das glauben.