Studenten intervenieren: HUmboldt Universität in Humbug-Sanatorium umbenennen

Wir sind zur Abwechslung einmal mit einer Initiative an der Humboldt-Universität einverstanden. Die Initiative, die sich Intervention nennt, will die Universität umbenennen. Das unterstützen wir und haben wir auch in der Vergangenheit bereits unterstützt. Wir haben damals Humbug-Universität vorgeschlagen, angesichts der neuesten Entwicklungen, auf die uns ein Leser von ScienceFiles aufmerksam gemacht hat, schlagen wir nunmehr: Humbug-Sanatorium, vielleicht auch Haus am Zauberberg vor.

Lann HornscheidtEin Insasse des Humbug-Sanatoriums nennt sich Lann Hornscheidt und möchte mit “Sehr geehrtx Profx. Lann Hornscheidt” angesprochen werden. Warum auch nicht, schließlich ist jeder im Humbug-Sanatorium anders und warum soll man den einen nicht mit Profx und den anderen mit Prefx ansprechen? Wenn es bei der Heilung hilft…

Lann Horscheidt wird von Steuerzahlern finanziert, um im Humbug-Sanatorium zu “visualisieren”, um “w_ortungen” zu betreiben und um zu “intervenieren”. Es ist eben dieses Intervenieren, bei dem wir uns mit Lann Hornscheidt treffen, denn Lann Hornscheidt scheint die Feder der Studenten zu führen, die sich berufen fühlen, kritisch wie sie sagen, zu intervenieren, zu intervenieren, um die Humboldt-Universität umzubenennen.

Und es ist die Begründung zu diesem Lann Horscheidtschen Intervenieren, die uns veranlasst hat, die Umbenennung der Humboldt-Universität in Humbug-Sanatorium zu unterstützen.

Deshalb nunmehr die Studixe und Profixin im O-Ton und mit einer Vorabwarnung: Wer nicht in der Lage ist, große Mengen prätentiösen Unsinns zu verarbeiten und befürchtet, dass sein Intellekt leiden könnte, wenn er mit allzuviel behandlungswürdigem Quatsch belastet wird, der soll die nummerierten Absätze meiden und sich auch unsere eingerückte Übersetzung der jeweiligen Textpassage beschränken.

(1) Humboldt ist ein Name, der in der “hegemonialen deutschen kollektiven Erinnerung einen besonderen Platz einnimmt”.

Unsere Übersetzung: Wer Humboldt gut findet, ist ein hegemoniales Schwein, denn Humboldt hat einen besonderen Platz in der “hegemonialen deutschen kollektiven Erinnerung”. Sie kennen doch die hegemoniale kollektive deutsche Erinnerung, das ist die Erinnerung, die immer dann kommt, wenn es darum geht, den Erbfeind im Fussball zu schlagen… oder so.

(2) Alexander und Wilhelm Humboldt “verkörpern deutsche (Ideal-)Vorstellungen von Bildung und Wissenschaft” und werden in “hegemonialen Diskursen verhandelt”.

Humboldt SuedamerikaUnsere Übersetzung: Das kann man nur verstehen, wenn man weiß, dass in Teilen des Humbug-Sanatoriums hegemonial ein Synonym für alles, was schlecht, böse, eben hegemonial ist, ist. Kurz: Alexander und Wilhelm von Humboldt sind Schweine.

(3) Die hegemonialen Diskurse, die Alexander und Wilhelm von Humboldt verhandeln, stellen sie als “kosmpolitische Leitfiguren europäischer Ideen- und Geistesgeschichte, die vermeintlich auf der Grundlage von Neugierde und Weltoffenheit Wissenschaft betrieben” haben, dar.

Unsere Übersetzung: Die Schweine, die im hegemonialen Diskurs diskursieren, behaupten doch glatt, Alexander und Wilhelm, also diese hegemonialen Schweine aus dem 18./19. Jahrhundert, hätten ein Erkenntnisinteresse gehabt, sich gar für andere Kulturen und Ländern interessiert, was sie schon deshalb nicht getan haben können, weil sie in deutscher Sprache und nicht mit x, innen oder sonstigem Indizierungsmerkmal geistiger Verwirrung geschrieben haben. Tatsächlich sind Alexander und Wilhelm ignorante Schweine.

(4) Alexander stammt aus einer preußisch adeligen Familie. … Seine “Forschung stand in der kolonial-rassistischen Tradition von sogenannten ‘Entdeckungsreisen’, also die Reisen ableisierter europäischer männlicher weißer Menschen in bereits bewohnte Gebiete und die daraufolgende Proklamation einer ‘Entdeckung’. Dabei ist hier schon der Gedanke des ‘Entdeckens’ rassistisch. Wer kann wo was für wen ‘entdecken’? Die Ergebnisse seiner Forschungsreise wurden zur weiteren Ausbeutung der Kolonien verwendet und dienten zugleich ihrer ideologischen Untermauerung … Alexander schrieb hauptsächlich über Vegetation und Gesteinsarten…”

Unsere Übersetzung: Alexander ist nicht nur ein Schwein, er ist ein adeliges, preußisches Schwein, das in die anderen Länder gereist ist, um sich dort als adeliges, preußisches Schwein aufzuführen und die Behinderten vor Ort noch kleiner zu machen als sie sowieso schon sind. Alexander ist ein nicht behindertes (ableisiert), europäisches, weißes und vor allem männliches Schwein. Und nun zur Beantwortung der Frage: Wer kann wo was für wen entdecken? U.a. Alexander Fleming konnte das Penicillin, also ein Antibiotikum entdecken, das seither in der Behandlung eingesetzt wird. Nun war Fleming ein europäisches, weißes, ableisiertes und vor allem männliches Schwein, weshalb Lann Hornscheidt und ihre Anhänger im Humbug-Sanatorium für sich jegliche Behandlung mit Antibiotika ausschließen. Man will schließlich nichts mit männlichen Schweinen und ihren Entdeckungen zu tun haben. Denn: Antibiotika sind wie die Schilderungen der Vegetation und Gesteinsarten von Alexander Humboldt Versuche, rassistischer, europäischer, weißer, ableisierter und vor allem männlicher Hegemonie die reassistische, ablesierte, europäische, weiße, männliche und sexistische Hegemonie zu sichern.

(5) “Nichtsdestotrotz wird Alexander häufig als Kritiker der Versklavung von Menschen und dadurch als vermeintlich antirassistisch hergestellt. [kein Tippfehler]. Das ist im Kontext seiner Werke und seines Lebens zynisch, denn seine Wissensbildung wurde durch koloniale Ausbeutung ermöglicht…”.

Unsere Übersetzung: Die weißen, ableistischen, rassistischen und sexistischen und sonstistischen Schweine gehen sogar soweit, das weiße, ableistische, rassistische, kolonialistische und sonstistische Schwein Humboldt als Wissenschaftler zu feiern, obwohl seine Ergebnisse nur durch koloniale Ausbeutung der von ihm beschriebenen Vegetation und Gesteinsarten möglich war.

(6) “Wilhelm von Humboldt hat zur “wirkmächtigen pseudo-wissenschaftlichen Legitimation der sexistischen Diskriminierung von Frauen beigetragen, indem er die asymmetrischen Geschlechterverhältnisse naturalisiert, also vermeintlich biologisch erklärt und legitimiert” hat.

Noch so ein Schwein. Der andere weiße, ableistische, rassistische, kolonialistische, sexistische und sonstistische Humboldt hat behauptet, es gäbe zwei Geschlechter und die seinen verschieden. So ein Schwein.

(7) Wilhelm hat eine “allgemeinmännliche Schulbildung” eingeführt.

So ein sexistisches Schwein, und wir wussten es immer: Bildung ist scheiße, außer sie wird Mädchen zugedacht.

(8) “Die Rezeption der Werke von Alexander und Wilhelm ent_nennt konsequent deren ableistische-kolonial_rassistisch_sexistische Inhalte”.

Wenn über die Humboldt-Schweine geredet wird, wird konsequent unterschlagen, dass sie ableistische, koloniale, rassistische, sexistische, sonstistische und weiße männliche Schweine sind.

(9) “Die beiden Brüder reihen sich ein in den Kanon der unmarkierten Norm einer Vorstellung des Menschen als ableisiert, männlich und weiß …”

Humboldt ideeDa die beiden Brüder ableistische, weiße, koloniale, rassistische, sexistische, männliche und sonstistische Schweine sind, stehen sie in einer Reihe mit dem, was in Deutschland als normaler Mensch gilt, also mit ableistischen, weißen, männlichen, rassistischen, sexistischen, kolonialen und sonstistischen Schweinen.

(10) “Ihre Wissensproduktion und deren (reale) Wirkungsweise waren und sind darin eingebunden und sie haben ableistische_klassistische_rassistische_sexistische Gewalt unterstützt …”.

Man kann es nicht oft genug sagen: Alexander und Wilhelm von Humboldt sind ableistische, klassistische, sonstistische, rassistische, koloniale, männliche und weiße Schweine.

Und deshalb muss die Humboldt-Universität nach Ansicht von Lann Hornscheidt und ihrer Clique umbenannt werden. Ein Ansinnen, das wir aus voller Überzeugung teilen. Eine Umbenennung in Humbug-Sanatorium scheint uns drigend geboten. Einerseits um die Namen von Alexander und Wilhelm von Humbolt davor zu schützen, weiterhin in den Schmutz gezogen zu werden, und zwar auf Steuerzahlers Kosten. Andererseits, um dem dort real existierenden Wahnsinn Rechnung zu tragen und der absurden Vorstellung, beim Humbug-Sanatorium handle es sich um eine Universität ein für alle Mal ein Ende zu bereiten, am Ende denkt noch jemand, das Humbug-Sanatorium habe etwas mit Bildung zu tun, mit Wissen, mit Philosophen wie Wilhelm von Humboldt, der ein liberales Bekenntnis für eine freie Gesellschaft geschrieben hat (Idee zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen), das seinen Teil dazu beigetragen haben mag, dass Deutschland in den heutigen demokratischen Versuch eingemündet ist, jenen Versuch, der wiederum dazu geführt hat, dass Extremisten und X’se es in Positionen geschafft haben, von denen aus sie Personen wie Wilhelm von Humboldt verunglimpfen zu können glauben.

Eigentlich ist das lustig, wenn Personen, die in ihrem Leben bislang noch überhaupt nichts geleistet haben, versuchen, Personen, die auf eine Lebensleistung zurückschauen können, zu verunglimpfen. Es weckt das Bild der neidischen Wanze, die an das Bein des Elefanten pinkelt. Aber der Spass hört da auf, wo diese Personen in öffentlichen Positionen an Universitäten sitzen, in Positionen die der Vermittlung des von den X’sen denunzierten Wissens und nicht der Vermittlung von Hirngespinsten dienen, in Positionen, die von Steuerzahlern finanziert werden.

Deshalb haben wir uns entschlossen, einen Brief an den Kultusminister des Landes Berlin zu schreiben, in dem wir fordern, das Profx Lann Hornscheidt von seinen Pflichten als Profx für Gender Studies und Sprachanalyse mit sofortiger Wirkung zu entbinden (wir entschuldigen uns für diesen sexistischen Verweis), die entsprechende Professur zu streichen und das Geld an Behinderte in Uganda zu spenden. Damit dieser Brief mit dem nötigen Nachdruck und der entsprechenden Ladung Ignoranz-Abschreckung geschrieben werden kann, rufen wir alle ScienceFiles-Leser dazu auf, sich als Unterzeichner an diesem Brief zu beteiligen (Wir veröffentlichen die Namen der Unterstützerauf ScienceFiles.) Wer diesen Brief, den wir vor dem Verschicken ebenfalls auf ScienceFiles veröffentlichen, unterstützen will, der soll uns bitte eine Email schreiben.

Offensichtlich ist Profx Lann Hornscheidt mit dem an Universitäten heimischen Erkenntnisinteresse nicht vertraut und auch nicht in der Lage, den entsprechenden universitären Anforderungen gerecht zu werden, sondern schlicht überfordert und vermittelt deshalb das Bild eines verwirrten Geistes, der seine Position zur Verbreitung von hanebüchenem Unsinn missbraucht.

Die öffentlichen Mittel sind zu knapp, um für derartigen Unsinn aus dem Fenster geworfen zu werden.

Neuer Beleg: Die Diskriminierung von Schülern ist politischer Wille

Jungen und Migranten teilen im deutschen Bildungssystem dasselbe Schicksal: Vielen von Ihnen wird die berufliche Karriere schon verunmöglicht, noch ehe sie begonnen hat. Neue Daten des Leipniz Institut für Länderkunde zeigen dies in beeindruckender und erschreckender Weise. Und sie zeigen vor allem eines: Die Proletarisierung oder moderner: Prekarisierung vieler Jungen, vieler Migranten und einigen Mädchen ist politisch gewollt: Sie ist das Ergebnis politischer Diskriminierung, geplant in den Kultusministerien der Länder und umgesetzt in den lokalen Schulen. Bereits 2002 als wir Bringing Boys Back In veröffentlicht haben, war deutlich, dass Jungen vor allem in den neuen Bundesländern deutlich hinter Mädchen zurückbleiben, Bereits damals konnten wir zeigen, dass – wie von Geisterhand bewegt – im Osten der Republik Jungen noch seltener als im Westen ein Abitur erreichen als Mädchen und noch häufiger ohne einen Schulabschluss oder nur mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen als Mädchen. Radke_GomollaDies ist, bedenkt man, dass das ostdeutsche Schulsystem nach der Wende quasi von der Pike auf nach den Vorstellungen, die westdeutsche Schulplaner von einem gerechten und effizienten Schulsystem hatten, aufgebaut wurde, einerseits erstaunlich und wenn man mit dem Staunen fertig ist, dann ist es andererseits erschreckend, legt es doch den Verdacht nahe, moderne Schulplanung zielt darauf ab, Jungen gegenüber Mädchen zu benachteiligen. Ein weiteres, das Ergebnis in Bringing Boys Back In, das die pädagogische und mediale Diskussion seitdem beherrscht, zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Anteil männlicher Lehrer und dem Abschneiden von Jungen. Je weniger männliche Lehrer in Grundschulen und je mehr weibliche Lehrer in Grundschulen sind, desto schlechter schneiden Jungen ab. Zudem haben Ergebnisse, die u.a. Gomolla und Radke publiziert haben, gezeigt, dass die Nachteile, die wir für Jungen gefunden haben, auch für Migranten vorhanden sind. Entsprechend stellt sich die Frage, welche Prozesse dafür verantwortlich sind, dass Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem deutlich schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Interessanter Weise hat diese Frage bislang kaum jemanden interessiert. Statt dessen gibt es eine, wie wir es nennen: Zeterliteratur, die einzig und allein dem Zweck dient, weibliche Lehrer vom (übrigens von uns nie geäußerten) Verdacht, sie würden männliche Schüler gezielt diskriminieren, zu reinigen und statt dessen die Schuld bei Jungen zu suchen, sie als faul, machohaft und was auch immer zu stilisieren, um ihnen die Schuld an ihrer eigenen Misere zuzuschieben. Es ist ein Markenzeichen vieler Diskussionen um Mißstände in Deutschland, dass die Frage nach der Ursache eines Mißstandes mit der Frage nach der Schuld ersetzt wird. Die Untersuchung der Schuldfrage produziert dann die oben genannte Zeterliteratur, deren Zweck nicht darin besteht, die Ursache bestimmter Missstände zu suchen, sondern darin, eine Form kollektiven Wohlfühlens unter den Anhängern bestimmter Ideologien, im vorliegenden Fall des Genderismus zu schaffen. Dass die Mißstände durch das selbstgerechte Wohlfühlen nicht gelöst werden, deren Lösung vielmehr verhindert wird, ist dabei ohne Belang. Wenn man, wie wir auch schon mehrfach dargestellt haben und nicht zuletzt bereits in Bringing Boys Back In ausgeführt haben, ein kollektives Phänomen vor sicht hat, das systematisch zwischen Gruppen diskriminiert, dann bietet es sich an, nach Erklärungen zu suchen, die die entsprechenden Gruppen als solche betreffen, d.h. im vorliegenden Fall nach institutionellen oder sonstigen für unterschiedliche Schüler gleichen Bedingungen zu suchen, die zum Ergebnis haben könnten, dass Jungen und Migranten systematisch schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Das ist eigentlich offensichtlich: Wenn man die Ursache einer Hungersnot sucht, wird man ja auch nicht versuchen, die Ursache im Essverhalten Einzelner zu finden, sondern vielmehr Umweltfaktoren oder institutionelle Faktoren, wie z.B. die Subventionierung des Anbaus von Mais zur Nutzung als Brennstoff oder eine Dürreperiode betrachten. Die Frage. warum diese offensichtliche Logik für die Frage, warum Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem Nachteile haben, nicht gilt, kann sich jeder aufgrund der ideologischen Hegemonie des Staatsfeminismus selbst beantworten. Leibnitz Institut120x1000Die Forschung, die am Leibniz Institut für Länderkunde durchgeführt wurde, fügt der Diskriminierungsthese, also der Ansicht, dass Jungen und Migranten durch institutionelle Strukturen gezielt benachteiligt werden, einen weiteren Beleg hinzu. Sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Noten schlechtere Grundschulempfehlungen erhalten als Mädchen, und sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Leistungen in Leistungstests in schulischer Benotung schlechter abschneiden (Diefenbach, 2007) als Mädchen. Es muss entsprechend institutionelle Prozesse geben, die eher Jungen als Mädchen, eher Migranten als Nicht-Migranten benachteiligen und die Forschung des Leibniz Institut für Länderkunde zeigt diese Prozesse am Beispiel der Schüler, die ohne Schulabschluss bleiben.

  • Ohne Schulabschluss bleiben in ostdeutschen Ländern deutlich mehr Schüler als in westdeutschen Ländern. Top-Scorer ist Meckelenburg-Vorpommern, wo 12,4% der Schüler ohne einen Schulabschluss bleiben. Es folgen Sachsen-Anhalt (11,5%) und Sachsen (9,8%). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 5,5%.
  • Mehr als 50% derjenigen, die ohne Schulabschluss ihre Berufskarriere beenden, noch ehe sie begonnen hat, kommen von Förderschulen. Wie wir in vergangenen Posts gezeigt haben, sind die Kriterien, die eine Überstellung an eine so genannte Förderschule zur Folge haben, immer weicher geworden (z.B. sozio-emotionale Gründe, von denen niemand so richtig weiß, was sie sein sollen) und bei denjenigen, die an Förderschulen abgeschoben werden, handelt es sich vor allem um Jungen und Migranten. Warum man Schulen als Förderschulen bezeichnen sollte, die es nicht einmal schaffen, den Jugendlichen, die ihnen überantwortet werden, zu einem Schulabschluss zu verhelfen, ist eine Frage, die man wohl nur als politisch-korrekter Bildungspolitiker, der sich an der Realität nicht stört, beantworten kann.
  • Auch bei den Förderschülern, die direkt aus der Berufskarriere ausgesondert und ohne Schulabschluss gelassen werden, führen ostdeutsche Bundesländer: So bleiben z.B. 77% der Förderschüler in Mecklenburg-Vorpommern ohne einen Schulabschluss.

14_08_ohne_Schulabschluss_k2Die Ergebnisse belegen, dass eine Überstellung auf eine Förderschule eine Ursache der erheblichen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und zwischen Migranten und Nicht-Migranten ist, schon weil Jungen und Migranten viel häufiger auf Förderschulen abgeschoben werden als Mädchen und nicht-Migranten. Und warum werden sie häufiger abgeschoben? Weil man sie benötigt, um die Schulen nicht schließen zu müssen. Caroline Kramer, Professor am Institut für Geographie und Geoökologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat diesen Zusammenhang in einer selten zu findenden Offenheit formuliert:

“Zudem unterliegen sie zum Teil dem bildungspolitischen oder bildungsplanerischen Ziel, eine bestimmte Schulart auch bei sinkenden Schülerzahlen an einem bestimmten Standort zu erhalten. Dass dadurch in einigen Ländern oder Regionen bei mehr Schülerinnen und Schülern ein Förderbedarf diagnostiziert wird als in anderen Regionen, muss äußerst kritisch beurteilt werden.”

Das ist politischer Sprenstoff. Es heißt im Klartext: Schüler werden auf Förderschulen nicht etwa deshalb abgeschoben, weil sie dem normalen Schulbetrieb nicht folgen könnten, sondern deshalb, weil es politischer Wille ist, die entsprechenden Förderschulen offen halten zu können und trotz sinkender Schülerzahlen nicht schließen zu müssen. Dass dabei mehrere tausende Schüler jedes Jahr über die Klinge springen, dass ihre Berufskarriere und ihre Lebenschanchen beendet werden, noch ehe sie begonnen haben, ist dann ein Kollateralschaden, der neben dem wichtigen Ziel, Schulen nicht schließen zu müssen, weil es keine Schüler für sie gibt, zurückstehen muss. Die Zerstörung individueller Lebenschancen muss zum Wohle des größeren Ganzen eben in Kauf genommen werden – es ist der politische Wille vor allem im Osten der Republik, dies in Kauf zu nehmen. Zynischer kann Bildungspolitik nicht sein. Und wer hat noch einen Zweifel daran, dass ein Bildungssystem, in dem der politische Wille bestimmt, dass Kinder als Förderschüler geopfert werden müssen, um Förderschulen offen halten zu können, auch männliche Schüler und Migranten opfert, um einem politischen Willen zu huldigen, im ersten Fall dem Willen, per staatsfeministischem Eingriff, Mädchen besser zu stellen als Jungen, im zweiten Fall dem Willen, Migranten auch weiterhin als Paria des Bildungssystems inszenieren zu können? Wenn man die Sonntagsreden bedenkt, die Politiker von sich geben, an die Reden von der Bedeutung der nächsten Generation, von den Bildungschancen, von der Notwendigkeit, Bildung für alle zu ermöglichen und alle gerecht zu behandeln, damit die Kinder eine glückliche Zukunft auf ausreichender Bildung aufbauen können, dann kann man sich eigentlich nur übergeben.   Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115

Originalitätsverdacht

Wer sich auf die Seiten der Deutschen Gesellschaft für Soziologie verirrt, kann dort Originalität bewundern, die einem die Gesichtsmuskeln erschlaffen lässt, nicht wegen Lachens, sondern wegen Gähnens.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie übt sich in jugendlichem, manche werden auch denken, infantilem Selbstlob und klopft sich gegenseitig unter dem Titel “We can be heroes just for one week” auf die Schulter.

Das “We can be heroes…” ist eine Anspielung auf das Lied von David Bowie “Heroes”, dessen Text wir hier verlinkt haben.   Der Text passt nicht ganz zu Soziologen und zum Soziologentag, beschreibt er doch das Elend eines deutsch-deutschen Liebespaares, das der real existierende Sozialismus durch eine real-existierende Mauer getrennt hat.

Heroe for one dayAber, was soll’s. Als Heroes for one week, die sich mittlerweile wieder in ihren kleinen Büros und hinter ihrem Schreibtisch verstecken, haben die Soziologen-Vorständler ihre individuelle Playlist zusammengestellt, die fast schon etwas Selbsterkenntliches, wenn schon nichts Originelles enthält, z.B.: den verzweifelten Ruf: “Enough is Enough” oder “Madness” oder  “Daft Punk” oder “Voodoo People” usw. Wen die Playlists interessieren, sie sind immerhin einer der wenigen derzeitigen soziologischen Beiträge, die Interesse wecken könnten, der kann sie hier finden.

Irgendwie werden wir den Gedanken nicht los, dass manche aus dem Soziologenvorstand bei uns mitlesen und Ideen – sagen wir in Ermangelung des Willens, ein gewisses sprachliches Niveau zu verlassen: übernehmen – ohne Quellenangabe und gänzlich ohne den Bezug. Denn: der Witz an der Untermalung von Posts mit Liedern liegt nicht darin, dass man das eigene Geschmäckle zu Markte trägt und versucht, sich leutselig zu geben, wie die Vorständler, sondern darin, dass die gewählten Musikeinlagen, die wir gelegentlich verlinken, zum Text passen, einen Bezug haben, etwas ergänzen oder verdeutlichen. Aber um etwas zu verdeutlichen, muss man natürlich etwas haben. Um einen Bezug herzustellen, muss man etwas haben, auf das man etwas beziehen kann…. Das ist natürlich ein Problem, denn es erfordert Originalität und Kreativität.

Uns ist die versuchte Originalität des DGS-Vorstands, die jetzt schon seit einigen Tagen Online steht, wieder eingefallen, als wir einen Hilferuf aus der VW-Stiftung gelesen haben.

Offensichtlich stehen bei der VW-Stiftung alle Lampen auf rot.

Offensichtlich hat man bei der VW-Stiftung den Eindruck, die Sozialwissenschaften versinken in einem Meer aus post-modern, gendersensibler, transsexueller, vielleicht auch bisexueller politischer Korrektheit, die vor lauter Empathie für die bildungsfernen Armen, die die prekären Akademiker aufgrund ihrer halben Stellen und gekürzten Einkommen beschwören müssen, um nicht selbst der relativen Armut anheim zu fallen, vollkommen vergessen hat, was Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung und Analysen ist.

Offensichtlich sieht man bei der VW-Stifung eine Krise der deutschen Sozialwissenschaften, eine Krise, die sich durch Nichts auszeichnet, einfach nur nichts, denn nichts ist  es, was als orginell bezeichnet werden kann, nichts ist es, was aus den Sozialwissenschaften kommt und eine innovative Wirkung entfaltet und nichts ist es, was die Sozialwissenschaften derzeit beitragen, um neue und originelle gesellschaftliche Diskurse anzustoßen.

Offensichtlich ist man auch bei der VW-Stiftung angesichts der Umkehr der Verhältnisse, die Sozialwissenschaftler von Kritikern der gesellschaftlichen Verhältnisse und von Wegbereitern gesellschaftlicher Entwicklung zu Anbetern der gesellschaftlichen Verhältnisse und Verhinderern gesellschaftlicher Entwicklung gemacht hat, bestürzt.

Und offensichtlich will man bei der VW-Stiftung nicht länger zusehen.

Im Englischen heißt es: desperate times need desperate measures – und die VW-Stiftung handelt entsprechend:

Schon der Verdacht genügt.

Schon der der Verdacht auf Originalität genügt.

Schon wenn ein Forschungsvorhaben auch nur entfernt verspricht, originell zu sein, dann wird es gefördert:

originalitaetsverdacht“Originalität” ist in den Geistes- und Kulturwissenschaften eines der zentralen Qualitätskriterien. Doch gerade in diesen Disziplinen mit ihren spezifischen Forschungsgegenständen ist die Frage, was “originell”, “neu” oder “innovativ” bedeutet, schwierig zu bestimmen. Was gesichertem Fachwissen und gemeinhin akzeptierten Intuitionen widerspricht, mag genauso dazu gehören wie die Entwicklung eines neuen Ansatzes, einer neuen These, einer neuen Theorie, die Beobachtung eines neuen Phänomens oder auch die Identifizierung von bisherigem Nicht-Wissen.

Die Stiftung möchte mit diesem Angebot Geistes- und Kulturwissenschaftler(innen) ermutigen, Vorhaben mit erkenntnisgewinnender Originalität zu entwickeln. Gefördert wird eine erste Exploration der Forschungsidee.

Im Antrags- und Auswahlverfahren geht die Stiftung in dreierlei Hinsicht neue Wege: Das Verfahren ist schlank, für die Antragsteller(innen) mit wenig Aufwand verbunden und mit einer Entscheidung innerhalb von 4 bis 5 Monaten schnell. Im Begutachtungsverfahren ist es innovativ in der Kombination von stiftungsinterner Vorauswahl und Endauswahl durch eine Expertenjury. Die anonymisierte Begutachtung soll sicherstellen, dass allein die originelle Forschungsidee zählt.

Kann man Verzweiflung besser in Worte fassen?

Ist dieser Hilferuf aus der VW-Stiftung es nicht wert, unterstützt zu werden, verbreitet zu werden?

Wir denken: Ja. Und deshalb verbreiten wir den Hilferuf über ScienceFiles und rufen unsere Leser an Universitäten dazu auf, das Angebot der VW-Stiftung ernst zu nehmen und originelle Forschungsideen einzureichen.

Ja, originelle Ideen, was könnten einmal originelle Ideen sein? – Ein Problem, mit dem sich auch die VW-Stiftung herumschlägt. Wir schlagen folgende Definition vor:

Originell sind Forschungsideen, die mit Sicherheit keine Förderung durch ein Bundesministerium erfahren, deren Gegenstand im Widerspruch zur Mehrheitsmeinung steht, die von Fachzeitschriften nicht gedruckt werden würden, weil sie die kaum vorhandene Vorstellungskraft der Herausgeber oder Gutachter so dehnen, dass das Vorstellungsdefizit allzu deutlich wird, die politisch vollkommen inkorrekt sind  und in denen kein Innen, in welcher Variante der sprachlichen Verballhornung auch immer vorkommt.

Verbaler Missbrauch

Uns reicht es!

GEwDie GEW paternalisiert und missbraucht wieder: Kinder aus “finanzschwachen Familien”, also Kinder aus der Arbeiterschicht, aus der bildungsfernen Schicht, neben die Funktionäre aus der GEW vermutlich nie ziehen würden, deren Existenz sie nur aus der Ferne kennen und – Gott bewahre, dass die eigenen Kinder ein “bildungsfernes Kind” mit nach Hause bringen: “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern”, sagen sie dann, fassen die bildungsfernen Kinder mit spitzen Fingern an, denn: mit Bildungsfernen aus den “finanzschwachen Familien” hat man keinen direkten Kontakt, man bedient sich ihrer nur, missbraucht sie für seine eigenen Ziele.

Die GEW, das sei den Lesern ins Stammbuch geschrieben, ist eine Institution, die geschaffen wurde, um Funktionären mit zweifelhafter bis keiner Qualifikation ein Auskommen zu verschaffen. Die Klientel der GEW, Erzieher, Pädagogen, Lehrer, Hochschullehrer, sie sind alle aus der Mittelschicht. Entsprechend versteht sich die GEW nicht als Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, sondern als Interessenvertretung ihrer Klientel. Die Erziehung und die Wissenschaft dienen dazu, den eigenen Versuch zu verschleiern, sich und seine Klientel auf Kosten von Steuerzahlern zu bereichern.

no signalDer neueste Ansatz findet sich als Halteraner Signal. Das Halteraner Signal hat nichts mit der Deutschen Bundesbahn zu tun, und es findet sich auch nicht im Straßenverkehr, es ist auch kein Versuch von Alien, Kontakt aufzunehmen. Überhaupt, warum das Halteraner Signal, Halteraner Signal heißt – niemand weiß es. Aber warum auch nicht.

Jenes Halteraner Signal behauptet, dass es offene Hochschulen nur mit mehr BAföG gibt.

Die GEW versucht wieder einmal, die Kinder aus der Mittelschicht, die studieren wollen, freizuhalten von Kosten. Deshalb fordert die GEW BAföG nicht als Darlehen, sondern als Geschenkt an alle zu verteilen und natürlich die Höhe des BAföGs so zu gestalten, dass Studenten davon leben können: In der Mittelschichts-Klientel der GEW arbeitet man wohl nicht gerne, schon gar nicht während des Studiums, wie es die Kinder aus der Arbeiterschicht immer getan haben. Also: BAföG nicht mehr als Darlehen, sondern als Geschenk, als Geschenk, als Breitenförderung für alle, die denken, sie könnten einmal an eine Hochschule gehen, um mal zu schauen, wie es da so ist. Das ist das Halteraner Signal.

Und natürlich fehlt im Halteraner Signal auch nicht die Stelle, an der sich die Funktionäre aus der Mittelschicht, die über die Arbeiterschicht und ihre Kinder schwadronieren, darüber auslassen, dass ja so wenige Kinder aus der Arbeiterschicht an deutschen Hochschulen ankommen.

Und nicht erst seit gestern ist das so, nein, seit Mitte der 1990er Jahre, so steht es im Halteraner Signal, hat sich nichts daran geändert, dass nur wenige Kinder aus Arbeiterfamilien an Hochschulen ankommen. Davor, so muss man dem entnehmen, war das anders. Und natürlich arbeitet die GEW seit Jahrzehnten und – wie man feststellen muss – vollkommen erfoglos daran, Kinder aus der Arbeiterschicht an Hochschulen zu verfrachten.

Das Halteraner Signal ist ein neuer Versuch, dieses Kunststück zu vollbringen, und zwar durch “politisch gestalteten” Hochschulausbau. Der besteht aus Rahmenbedingungen, die gut sind für Arbeiterkinder und andere, er besteht aus dem “Verzicht auf Studiengebühren”, aus “unterstützenden und motivierenden Studienbedingungen”, aus kostenlosem BAföG für alle und zu guter letzt aus einer “vielfältigeren Studierendenschaft”.

Wenn man derart wohl überlegte, detaillierte und konkrete Halteraner Signale sieht, dann versteht man gar nicht, warum nicht längst 80% der Arbeiterkinder an deustchen Hochschulen studieren – oder?

Selbstverständlich muss die Höhe des BAföG ausreichen, um den Kindern aus der Mittelschichts-Klientel der GEW ein sorgloses und von Arbeit ungetrübtes Studium zu ermöglichen. Dazu darf es kein Darlehen sein, muss jedem gewährt werden. Wo kämen wir hin, wenn die Erben der 600 Quadratmeter Einfamilienhäuser nach dem von Steuerzahlern und somit vielen aus der Arbeiterschicht finanzierten Studium mit Schulden ihr Erbe antreten müssten. Unvorstellbar. Barbarisch.

Außerdem werden durch die Aussicht auf einen “Schuldenberg von bis zu 10.000 Euro … Studienberechtigte aus finanzschwachen Elternhäusern, aber auch junge Frauen … von einem Hochschulstudium abgeschreckt”. Wem noch nicht übel geworden ist, ob der Art und Weise wie hier “finanzschwache Elternhäuser” missbraucht werden, um zu verschleiern, dass es einzig und allein darum geht, die Mittelschichts Klientel der GEW und ihre Kinder besser zu stellen, dem wird dann vielleicht übel, wenn er die Wertigkeit der GEW-Funktionäre sieht, die eine Jungfrau-Maria-Vorstellung kultiviert haben und anbeten, und wo Jungfrauen angebetet werden, da verblassen Jungmänner natürlich, kommen nicht einmal vor.

Wem das alles noch nicht reicht, für den haben wir den “GEW-Vize” Andreas Keller, von dem wir nicht wissen, ob er tatsächlich so dumm ist, wie es das Zitat unten nahelegt oder nur denkt, die anderen seien so dumm, dass er ihnen in den Bart spucken könnte und behaupten, es sei Raureif. Urteilen Sie selbst:

verbal abuse“‘Vom BAföG muss man leben können. Tatsächlich erhalten aber nach Angaben der Bundesregierung nur 19 Prozent der Studierenden BAföG, im Schnitt nicht einmal 450 Euro pro Monat. BAföG-Fördersätze und -Freibeträge müssen daher schnell um mindestens zehn Prozent erhöht und künftig automatisch an steigende Lebenshaltungskosten angepasst werden. Es darf keine weiteren Nullrunden geben’, betonte Keller.”

Eingeweihte wissen: Die Gewährung von BAföG und die Höhe von BAföG sind an das Verdienst der Eltern gekoppelt, wenn also “nur 19 Prozent der Studierenden BAföG” erhalten, dann liegt das daran, dass die Eltern der restlichen 81 Prozent oder die Studierenden selbst zu viel verdienen. Dasselbe gilt für das durchschnittliche BAföG in Höhe von 450 Euro pro Monat, denn es wird auf der Basis des elterlichen Einkommens berechnet. Kurz: BAföG in seiner derzeitigen Form kommt eher denen zu Gute, die es aus “finanzschwachen Familien” an Hochschulen schaffen – also genau denen, derer sich die GEW-Funktionäre nun bedienen, um eine bedingungslose Ausweitung eine “Breitenförderung” durch BAföG zu fordern.

Die Sozialerhebung des Studentenwerks für 2012 zeigt, dass 67,5% der befragten Studenten kein BAföG beantragt haben, weil das Einkommen der Eltern zu hoch ist, 27,5% geben an, das eigene Einkommen sei zu hoch. 19,2% der Studenten geben an, ihr Vater sei Arbeiter, was sich mit den 19% zu decken scheint, von denen die GEW weiß, dass Sie überhaupt nur BAföG beziehen. Überhaupt sei den Funktionären die Lektüre der Sozialerhebung empfohlen, um z.B. zu sehen, dass rund 60% der befragten Studenten angeben, zu arbeiten, um finanziell unabhängig von ihren Eltern zu sein. Rund 63 % der Studenten gehen zumindest gelegentlich einer Erwerbstätigkeit nach, was beweist: es ist möglich, auch ohne die Hilfe der GEW zu studieren.

Es ist wirklich widerlich, wie die GEW versucht, für ihre Klientel hier ein komplett steuerzahlerfinanziertes Studiendasein zu erreichen, damit die eigene Klientel nicht genötigt ist, das zurückzuzahlen, was von der so oft besungenen Gemeinschaft und vor allem von Arbeitenehmern, deren Kinder es nur in den seltensten Fällen an eine Universität schaffen, die also in der Mehrzahl für Hochschulen bezahlen, aber direkt nichts davon haben, bereitgestellt wird, so dass Arbeiter über ihre Steuern das Studium der Mittelschichtskinder finanzieren.

Wie weit der Missbrauch der Arbeiterkinder durch die GEW geht, wird daran deutlich, dass sich unter den BAföG-Empfängern, die es derzeit gibt, vornehmlich Kinder aus “finanzschwachen Familien” befinden müssen, denn wären sie nicht finanzschwach, sie würden kein BAföG erhalten. BAföG ist nämlich ein Mittel, um diesen Kindern und nicht um Kindern aus nicht-finanzschwachen Familien ein Studium zu ermöglichen.

Wir sind selbst Arbeiterkinder und würden uns gerne einmal mit einem Funktionär der GEW auseinandersetzen, vor allem mit denen, die Kinder aus finanzschwachen Familien, vor allem “junge Frauen” missbrauchen, um ihre Kernklientel zu bedienen. Wie es im Englischen heißt: We would like to give them a piece of our mind – um sicherzustellen, dass die entsprechenden Funktionäre den Begriff “finanzschwache Familie” in ihrem kümmerlichen Rest-Dasein nicht mehr missbrauchen – nie mehr.

Wenn es der GEW tatsächlich darum geht, Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” nicht durch einen “Schuldenberg von bis zu 10.000 Euro” vom Studium abzuschrecken, dann schlagen wir vor, eine Fördeurng per BAföG auf Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” zu beschränken und BAföG, das nur noch an Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” vergeben wird, als Zuschuss und nicht als Darlehen zu vergeben.

Trojanische Pferde und schulische Leistungen

Zwei Themen, die heute durch die britische Presse gehen, sind für Bildungsforscher hoch interessant oder sollten es zumindest sein.

Das erste Thema beschäftigt sich mit der Frage, welchen Effekt Kultur auf den Lernerfolg hat. Chris Cook, Redakteur bei der BBC (also ein Journalist), hat sich diese Frage vorgenommen. Ausgehend von der Beobachtung, dass z.B. in Australien die Kinder chinesischer Einwanderer generell bessere Leistungen erzielen als z.B. Kinder weißer Eltern, hat Cook für das Vereinigte Königreich Ergebnisse zusammengetragen. Die Ergebnisse zeigen, dass auch im Königreich die Bildungselite der Schüler aus China stammt. Noch interessanter als dieses Ergebnis ist, dass die guten Leistungen chinesischer Schüler sich zwischen Kindern aus armen und Kindern aus reichen Familien kaum unterscheiden und in jedem Fall besser sind als die Leistungen selbst der besten Kinder aus weißen Famlien.

culture and performance

Will man dieses Ergebnis als Beleg dafür werten, dass die Herkunftskultur einen Effekt auf die schulische Leistung hat, dann muss man daraus den Schluss ziehen, dass Chinesen eine dem Lernen förderliche Kultur haben, bei der sozialstrukturelle Variablen wie Schichtzugehörigkeit oder Einkommen keine Rolle spielen, während Weiße eine eher lernfeindliche Kultur gezimmert haben, die noch dazu eine stratifzierende Kultur ist, d.h. Kinder aus armen Familien schneiden relativ zu Chinesen noch schlechter ab als Kinder aus reichen Familien, ein Umstand, den man in Deutschland gerne mit dem Begriff “bildungsfern” bezeichnet. Hat man diese Erklärung nicht nur geschluckt, sondern auch verdaut, dann stellt sich die Frage, was das nun bedeutet: Was genau macht diesen kulturellen Unterschied aus? Gibt es eine Form der Intelligenz, die kulturell determiniert ist, so dass Chinesen einfach intelligenter sind als der gewöhnliche Weiße?

Wie immer, wenn man sich mit Kultur beschäftigt, fühlt man sich in eine Badewanne versetzt und auf der Jagd nach der Seife. Deshalb schlagen wir vor, Kultur als ein Set der Handlungserwartungen (und Handlungsergebnisse) zu definieren, das von Kulturmitgliedern geteilt wird.

Die Beobachtung, dass Chinesen bessere schulische Leistungen erbringen, kann nunmehr als Ergebnis entsprechender Erwartungen an chinesische Kinder angesehen werden. Es wird erwartet, dass sie die Chance, sich durch Bildung im Leben zu etablieren und zu verbessern, nutzen und das beste aus dieser Chance machen. Das wäre eine Erklärung.

Im Gegensatz dazu, wird von weißen Kindern kaum erwartet, dass sie in der Schule erfolgreich sind. Schule und Lernen sind negativ besetzt, werden mit Anstrengung, Stress und Anforderung verbunden, die man Kindern eigentlich kaum zumuten kann und bei denen man entsprechend immer Verständnis aufbringt, wenn es mit dem Erfüllen der Anforderungen nicht klappt. Dann ist schnell der Schulsozialarbeiter bei der Hand, der eine perfekte Entschuldigung für schulisches Versagen hat – eine Entschuldigung, die den Effekt hat, dass sich die entsprechenden Kinder auch in Zukunft nicht anstrengen werden, wozu auch. Sie sind ja entschudligt.

Kinder und Jugendliche aus MigrantenfamilienAkzeptiert man dieses Ergebnis unseres kurzen Brainstormings, dann stellt sich die Frage, warum der Schulerfolg weißer Schüler im Allgemeinen und deutscher Schüler im besonderen sozial stratifiziert ist, warum Kinder aus Arbeiterfamilien hinter Kindern aus Familien der Mittelschicht zurückbleiben. Auch hier kann man mit Erwartungen arbeiten: Erwartungen von Lehrern und Erwartungen von Schülern. Erstere erwarten von Kindern aus der Arbeiterschicht, dass sie auch bei guten Leistungen in der Grundschule nicht in der Lage sein werden, ein Gymnasium erfolgreich zu durchlaufen. Warum? Weil ihnen angeblich die noch angeblicher so wichtige Unterstützung zu Hause fehlt. Umgekehrt erwarten Kinder aus Arbeiterfamilien vermutlich gar nicht, dass sie von ihren Lehrern irgend eine Art der Förderung erfahren, denken wahrscheinlich selbst, sie seien nicht in der Lage, den kommenden Anforderungen gerecht zu werden. Diese Idee, als Theorie des Stereotype-Threat bekannt und von Dr. habil. Heike Diefenbach erstmals in ihrer Habilitation in Deutschland eingeführt, ist inzwischen gut erforscht und recht gut belegt.

Die Idee, dass Schüler von ihren Eltern zuhause bei Hausaufgaben in Mathematik und Chemie und Deutsch und so weiter, unterstützt werden müssten, ist übrigens eine Erfindung von Mittelschichts-Pädagogen, die eine Legitimation für Mittelschichts-Mütter gesucht haben, damit diese der Arbeit teilweise oder ganz fernbleiben und sich der (schulischen) Erziehung ihrer Kinder widmen können. Aber einmal ehrlich, wer kommt sich nicht absurd und lächerlich dabei vor, wenn er behauptet, Mütter würden ihren Söhnen und Töchtern Algebra vermitteln, ihnen Avogadros Konstante erklären oder sie in fließendem Englisch beim Lernen von Vokabeln unterstützen?

Bildung und Schule bilden keine 100% Überlappung mehr. Das macht der zweite Beitrag deutlich, denn auch England hat nun seinen LBTG oder LGTB – scare, oder wie auch immer die richtige Abkürzung für Homosexuelle und all die anderen sexuell Orientierten sein mag.

Eltern einer Primary School, der Welford Primary School in Birmingham waren überhaupt nicht erfreut darüber, dass ihren Kindern ein Curriculum der “Diversität und sexuellen Orientierung” untergeschoben wurde, um die 4 bis 11jährigen von Homophobie zu heilen. Dies zeigt, der LBTG-Wahnsinn ist grenzüberschreitend und auch in England bereits angekommen, denn natürlich haben 4 bis 11jährige nichts anderes zu tun, als sich homophob zu verhalten – wie auch immer sie das bewerkstelligen wollen.

welfordprimaryschoolDas Pikante an der Geschichte: Die Welford Primary School wurde von Ofsted [Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills] gerade auf so genannte Trojan Horses abgeklopft und für clean befunden. Mit so genannten Trojan Horses war im Fall von Ofsted eine muslimische Unterwanderung gemeint ist, um die Schüler empfänglicher für “segregating boys and girls, banning sex education and spreading the teachings of radical clerics” zu machen.

Etliche Eltern waren jedoch ganz und gar nicht der Meinung, dass die Bildung ihrer Kinder an der Welford Primary School clean sei – nicht etwa im Hinblick auf muslimische Trojan Horses, sondern im Hinblick auf LGTB-Trojan Horses. Eine Konfrontation zwischen Eltern und dem Head-Teacher hatte zur Folge, dass der Head-Teacher unter Polizeischutz die Schule verlassen musste.

Man sieht, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht, kennen Briten keine Zurückhaltung, und wenn es darum geht, mit welchen Inhalten ihre Kinder unterrichtet werden, wollen sie mitreden, nein mitbestimmen. Verwert man ihnen die MItbestimmung, folgt keine Petition, nein, es folgt Aktion.

Offensichtlich sind die entsprechenden Eltern generell gegen Trojanische Pferde in der Ausbildung ihrer Kinder, also Lehrinhalte, die den Kindern eben einmal so untergeschmuggelt werden, egal, ob sie von vermeintlich radikalen Muslimen oder vermeintlich nicht radikalen LGTB-Aktivisten stammen.

Ich als Insel: Atomismus im Denken – oder – GEW sagt: Soldaten sind Lügner

In letzter Zeit begegnet uns immer wieder ein Phänomen, das wir “Atomismus im Denken” getauft haben. Es äußert sich in der Annahme, dass man als “ich” eine Insel darstellt, die in keinerlei Austausch mit anderen ichs verwickelt ist. Das Ich als Insel kann auch national atomisiert werden, dann wenn seltsame Vorstellungen darüber bestehen, was an den Grenzen Deutschlands alles halt macht, Vorstellungen wie sie gerade in einem Kommentar geäußert wurden:

“Demografieprobleme sind nicht international sondern national. Jedes Land muss sie selbst lösen. Und ja in DE haben wir Demografieprobleme. Wir reden gerade nicht über Indien.”

Überbevölkerung, so lernen wir, macht an den Grenzen von Deutschland halt, ebenso wie die Folgen von Überbevölkerung, die sich aus Überfischung, Überdüngung, aus immer häufiger ausbrechenden Epidemien und vielem anderen ergeben, die deutsche Grenze nicht zu überschreiten wagen.

Logik des MisslingensDietrich Dörner hat diese Schau, die nicht über den eigenen Nabel hinausreicht, im beklagenswerten Schicksal von Tanaland beschrieben, einem fiktiven Computerort, den real existierende Versuchspersonen mit guten Vorsätzen und keinerlei Blick auf die Folgen ihres Handelns bzw. keinerlei Erwägung dahingehend, dass man nicht als Atom Entscheidungen trifft, sondern diese Entscheidungen Effekte hervorrufen, in Windeseile von einer Hungersnot in die totale Zerstörung überführt haben.

Der Atomismus im Denken geht häufig mit dem emotionalen Ansinnen, doch gut zu sein, eine Insel im Meer aus Selbstbeweihräucherung darzustellen, einher. Dazu haben wir gerade ein perfektes Beispiel gefunden, nämlich den Atomismus, den die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe derzeit zur Schau stellt.

Tepe hat am Rande der Sitzung der Kultusministerkonferenz 23.000 Unterschriften übergeben, Unterschriften, die im Rahmen einer “Kampagne” gesammelt wurden, die “den wachsenden Einfluss von Rüstungsindustrie und Militär in Bildungseinrichtungen zurückdrängen” will. Also, wenn das Flugabwehrgeschütz demnächst aus dem Pausenhof der Grundschule Salierschule in Bad Dürkheim abgezogen wird, dann wissen sie warum.

Anlässlich der Übergabe der 23.000 Unterschriften hat es sich Marlis Tepe nicht nehmen lassen, den Mund aufzumachen und die Übergabe als Möglichkeit, Public Relations herzustellen zu nutzen, um sich und die GEW als gute Organisation, die gegen Krieg und alles Schlechte zu Felde zieht, darzustellen:

„Bildung und Wissenschaft haben die Aufgabe, die Voraussetzungen für eine friedliche Welt zu ergründen und über Kriegsursachen, Kriegsprofiteure und Kriegsideologie aufzuklären. Es widerspricht dieser Aufgabe, wenn Bundeswehr-Jungoffiziere an Schulen und Hochschulen für den Soldatenberuf werben und dabei über die Realitäten dieses Berufes hinwegtäuschen“

Hier kommt gleich das nächste Problem auf Ursula von der Leyen zu. Nicht nur ist die Bundeswehr eine Armee ohne funktinierende Ausrüstung, nein, die Bundeswehr schickt auch Lügner in Schulen, um die dort versammelten Schüler und Lehrer über die Realität des Soldatendaseins hinwegzutäuschen – wer das nicht glaubt: Marlis Tepe hat es gerade ausgeplaudert! Dem muss man natürlich einen Riegel vorschieben, insbesondere die objektive GEW muss das, die schon seit Jahren beweist, wie sie selbst es mit der Wahrheit hält und welche Bedeutung sie selbst der Wissenschaft zuweist.

Entsprechend hat Tepe die Forderung bekräftigt, nicht nur Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr und den exklusiven Zugang der Lügner von der Bundeswehr zu Schulen zu beenden, sondern Schulen mit einer Zivilklausel auszustatten:

“Bildung und Wissenschaft sollten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, solidarisches Lernen für den Frieden ermöglichen sowie einen Beitrag zur friedlichen Lösung der Probleme und Konflikte in dieser Welt leisten“, so Tepe.

Also Schwerter zu Plugscharen und das sowieso marode Kriegsgerät der Bundeswehr an Schrotthändler verkaufen, die es vielleicht einer besseren Verwendung zuführen können. Und dann die Bundeswehr auflösen.

Der Atomismus im Denken von GEW Tepe ist schon herausragend, fast so herausragend wie ihre Überzeugung, dass man Schüler sehr gut beeinflussen kann, ansonsten müsste man keine Angst vor der Bundeswehr in Schulen haben. Vielleicht will sich die GEW auch ein Monopol auf die Beeinflussung von Schülern errichten, um nach Lust und Laune in Gender, Homosexualität und sonstige Abweichungen von der gesellschaftlichen Normalität zu indoltrinieren.

Doch zurück zum Atomismus im Denken, der bei Frau Tepe so herrausragend ausgeprägt ist. Er kommt in Annahmen zum Ausdruck wie:

  • Schüler kommen einzig und allein in Schulen mit der Bundeswehr in Kontakt.
  • Schüler sind unkritisch und biegsam und deshalb der Einflussnahme der Bundeswehr-Lügner schutzlos ausgeliefert. (Offensichtlich hat es Frau Tepe noch nicht mit Schülern zu tun gehabt).
  • wicked wit winstonEs ist wichtig, Schüler nicht mit Themen wie “Bundeswehr” direkt in Kontakt kommen zu lassen. Statt dessen ist ihnen Pazifismus von Kindesbeinen einzuimpfen. Sie sind gegen Krieg zu imprägnieren, denn es ist nicht vorstellbar, dass ein Land seine Armee benötigen könnte, z.B. um einen Diktator abzusetzen. Gut, dass es 1939 im Vereinigten Königreich einen Winston Churchill gab, der auf Ansinnen, wie das von Tepe vermutlich eine passende Anwtort gefunden hätte, etwa: “It’s the only time I’ve ever seen a rat swimming towards a sinking ship” (Enright, 2011: 33).
  • Der tägliche Kriegsfilm, Mord oder die täglichen Bilder aus Syrien und dem Irak im Fernsehen sind harmloser als der Besuch des Bundeswehr-Lügners in der Schule.
  • Deutschland ist eine Oase umgeben von unüberwindlicher Wüste. Niemand, nicht einmal ein Kamelreiter kann diese Wüste durchqueren und das deutsche Idyll, das ohne Bundeswehr auskommt, erreichen.
  • Die friedliche Welt, die die GEW-Vorsitzende umgibt, die Welt der Blumenkinder und der Liebkosung 24/7 bedarf keines Schutzes, denn wir haben uns alle lieb, und entsprechend sollten wir auch die Polizei abschaffen. Wir brauchen sie nicht.

Atomismus im Denken konfundiert mit der Anstrengung als Gut-Tuender zu erscheinen. Die entsprechende Anstrengung bringt es mit sich, das eigene Handeln absolut zu setzen, jegliche Interaktion auszuschließen und die Adressaten des entsprechenden Handelns als Statisten zu modellieren, die keinerlei eigenes Urteilsvermögen haben.

Es ist schon erstaunlich, dass Personen, die nicht in der Lage sind, die einfachsten Reaktionen auf ihre eigenen Handlungen vorherzuahnen, sich in Überlegenheit wähnen und meinen, sie könnten anderen das Urteilsvermögen absprechen und mit dem eigenen Atomismus ersetzen.

Forcierter Brain-Drain – Hochschulen wird der Garaus gemacht

Zwei Meldungen, scheinbar ohne Bezug zueinander, machen deutlich, wie normal es schon geworden ist, dass Hochschulen im Allgemeinen und wissenschaftliche Forschung im Besonderen von außen gesteuert werden.

Die eine Meldung ist ein Streitgespräch, das unter der Überschrift “Mehr Mitspracherecht in der Forschungsförderung” auf Academics.de veröffentlicht wurde. Gestritten wird darin über die Frage, ob NGOs, die auf Umweltverbände und Kirchenleute reduziert werden, Einfluss auf die Vergabe öffentlicher Fördermittel an Universitäten haben sollen.

Zentral in diesem Streitgespräch zwischen Günter Stock, dem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und Uwe Schneidewind, dem Leiter des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie ist die folgende Passage:

“Stock: Regierungen und Parlamente haben die Aufgabe, gesellschaftliche Anliegen zu sortieren. Wenn ich diese Rolle jetzt teilweise den Nichtregierungsorganisationen, den NGOs, übertrage, dann frage ich: Was legitimiert sie? Mich stört, dass die Zivilgesellschaft mit organisierten Ökoverbänden gleichgesetzt wird. Und dabei lasse ich mich nicht in die Ecke der Technokraten stellen. Als wir Wissenschaftler in Brüssel dafür gekämpft haben, dass im neuen Rahmenprogramm wieder geistes- und sozialwissenschaftliche Themen eine Rolle spielen, da standen wir ziemlich allein. Das waren für die NGOs auch nur Begleitthemen. Also: Wer ist das, die Zivilgesellschaft?

Schneidewind: Zu klären, wer sie in der Forschung vertreten soll: Das ist schon ein Teil der Auseinandersetzung, die wir brauchen. Ich verstehe Ihre Abwehr einfach nicht. Pluralisierung ist doch immer ein Gewinn, selbst für die Grundlagenforschung sind Impulse aus der Gesellschaft inspirierend. Ohne sie gäbe es zum Beispiel kein Max-Planck-Institut für Altersforschung.”

greenpeace_genmais_Was also erreicht werden soll, ist die Mitsprache von z.B. Umweltverbänden darüber, wer für welche Projekte öffentlich gefördert wird. Das findet Uwe Schneidewind wichtig, denn “Pluralisierung ist doch immer ein Gewinn”, und Günter Stock findet es nicht in Ordnung, denn NGOs, also Umweltverbände im vorliegenden Fall, sind ja nicht demokratisch legitimiert. Im Gegensatz zu Parlamenten und Regierung, deren Einflussnahme auf den Gegenstand von Wissenschaft und Forschung Stock offensichtlich in Ordnung findet.

Nun, wir finden ihn nicht in Ordnung, und die Einflussnahme von NGOs auf Forschung fänden wir verheerend. NGOs, das sind die Interessenverbände, die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen und bereits heute von UN, Weltbank und EU hofiert und finanziert werden, um als Claqueure für die entsprechenden Politiken aufzutreten. Wieso man ihnen einen Einfluss auf die Vergabe öffentlicher Forschungsmittel zugestehen sollte, ist ebenso ungeklärt wie die Frage, warum man ausgerechnet Parlamenten und Regierungen einen entsprechenden Einfluss gewährt hat. Wie war das noch einmal mit der Freiheit von Forschung und Lehre und der akademischen Selbstverwaltung?

Was herauskommt, wenn man Politikern und Regierungen einen Einfluss auf Forschung und Lehre einräumt, kann man jederzeit am Beispiel des Professorinnenprogramms und all der ungezählten Landesprogramme, die angeblich Frauen an Hochschulen gleichstellen sollen, während sie Männer diskriminieren und die an Hochschulen zumindest als regulatives Prinzip herrschende Meritokratie zerstören, sehen.

Deshalb ist es erschreckend, wenn im Bundestag darüber diskutiert wird, dass dem Bund die Möglichkeit gegeben werden soll, in Zukunft “dauerhaft in Hochschulprojekte von überregionaler Bedeutung investieren” zu können. Kurz: Hochschulen sollen noch mehr als dies bisher ohnehin schon der Fall ist von selbtsernannten Dirigenten gesteuert werden, die Einfluss auf die Forschung und die Lehre nehmen wollen und dies angeblich nur tun, um “bestehende Barrieren des Wissenschaftssystems zugunsten einer verbesserten Zukunftsperspektive für Hochschulen” aufzubrechen.

ran-an-den-speck-attacDie beste Methode, um Freiheit zu zerstören, war es schon immer, die Einschränkung der Freiheit als Hilfe zu verkaufen. Entsprechend wird das “Aufbrechen der Barrieren” mit erhöhter Einsprache in die Belange von Hochschulen und erhöhter Abhängigkeit von und Kontrolle durch politische Akteure einhergehen. Wer Forscher sein will, ist entsprechend bestens beraten, sich im angelsächsischen Ausland oder in Asien um eine Forschungsförderung zu bemühen.

Denn man muss kein Prophet sein, um die Forschung vorherzusehen, die nach Einflussnahme von Bund, Umweltverbänden und anderen NGOs auf die Hochschulen gefördert werden wird – Projekte wie die folgenden:

  • Die geschlechtersensible Nutzung von Schlaglöchern auf deutschen Autobahnen: eine qualitative Langzeitstudie unter Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma – gefördert vom BMBF;
  • Traumatische Kindheit: Wie Kinder damit umgehen, dass Homer Simpson im Atomkraftwerk arbeitet – gefördert vom Kinderschutzbund;
  • Die Ästhetik des Windrads: Wie man die Wahrnehmung von Windrädern bei ihren Gegnern verändert – gefördert vom Bund für Umwelt und Naturschutz;
  • Meinungsfreiheit und Verantwortung: Vom Missbrauch der Meinungsfreiheit durch Kritik – gefördert von der Friedrich-Ebert und der Heinrich-Böll-Stiftung;
  • Urahne, Großmutter, Mutter und Kind: Entwicklung eines Mehrgenerationenautos – gefördert durch das BMFSFJ und die Heinz-Erhard-Stiftung;
  • Und er bewegt sich doch: Recycling von schwerem Bundeswehrgerät im Rahmen der Initiative “Schwerter zu Pflugscharen” – gefördert durch das Öko-Institut Freiburg;
  • Der ewige Banker – Eine sozialhygenienische Darstellung des Parasiten durch die Jahrhunderte – gefördert von Attac;
  • Smart-Cruz: Ein Device, der Raucher im Umkreis von 1000 Metern von einem Kind aufspürt und über Twitter und andere soziale Netzwerke verbreitet – gefördert von der Deutschen Krebshiilfe;
  • Schneller Brüter – Automatische Fertilisation zur Beseitigung der Geburtenkrise – gefördert von Pro Leben;
  • Richtig Bestechen und richtig bestechen lassen. Fortbildung für FIFA-Funktionäre – gefördert vom Sepp Blatter Fonds und FIFA;

Wenn man die Zivilgesellschaft an der Vergabe von öffentlichen Forschungsmitteln beteiligen will, dann spricht nichts dagegen, die öffentlichen Fördergelder in einen Fonds zu stecken, um dessen Mittel sich Wissenschaftler mit einer Darstellung ihrer Projekte bewerben, über die wiederum im Internet abgestimmt wird. Wieso Interessengruppen und -verbände, die bestenfalls einen kleinen Teit der Zivilgesellschaft repräsentieren, mitbestimmen sollten, ist nicht nachvollziehbar – warum sie das wollen, schon eher: um ihre Interessen durchzusetzen und als Interessen aller zu verkaufen.

Warnung für männliche Akademiker: Genderbetrug an der FU Berlin

Ein Leser von ScienceFiles, dem wir an dieser Stelle recht herzlich danken und dessen abschließende Selbstbeschreibung, wir unseren anderen Lesern nicht vorenthalten wollen: “… Romanist und heilfroh, beruflich weitab vom akademischen Betrieb gelandet zu sein”, hat uns auf eine Ausschreibung an der FU-Berlin, also der Universität, die sich frei nennt, obwohl sie am Tropf des Staatsfeminismus hängt, wie gleich deutlich werden wird, hingewiesen.

FU BErlinDie Ausschreibung schlägt ein neues Kapitel auf im allgegenwärtigen Versuch, männliche Bewerber auf ausgeschriebene Stellen an Universitäten zu täuschen und bei öffentlichen Ausschreibungen die Tatsache zu verheimlichen, dass offen diskriminiert werden wird, weil in der Ausschreibung so getan wird, als können sich männliche und weibliche Bewerber auf die entsprechende Stelle bewerben, tatsächlich aber nur weibliche Bewerber oder niemand auf die Stelle berufen werden wird.

Im vorliegenden Fall ist im Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften am Institut für Romanische Philologie eine W2-Professur ausgeschrieben, die auf 5 Jahre befristet ist. Bis zum 18.9. können “Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen … unter Angabe der Kennung “WE5GalloHisp” an das Dekanat des Fachbereichs “Philosophie und Geisteswissenschaften” gerichtet werden.

Die komplette Ausschreibung vermeidet jede Form der persönlichen Ansprache von Bewerbern. Nicht Anforderungen an Bewerber werden gestellt, sondern “Einstellungsvoraussetzungen” und “Weitere Anforderung”. Nicht an den Bewerber werden Erwartungen an seine künftige Tätigkeit gestellt, etwa in der Formulierung, “vom Stelleninhaber wird erwartet, dass”, nein, auch hier wird der unpersönliche Stil, der die ganze Ausschreibung durchzieht, gewählt: “Erwartungen an die künftige Tätigkeit” heißt es in eher ungewöhnlicher Formulierung.

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, hier habe jemand bewusst versucht, alle Fallstricke, die Staatsfeministen auslegen, zu umgehen, um sich nicht in das Gewirr aus “*”, “innen” oder “Innen” begeben zu müssen. Fast könnte man denken, hier gibt es Widerstand an Universitäten, Widerstand gegen die Verhunzung der deutschen Sprache durch den Zusatz aller möglichen seltsamen Zeichen, damit sich außer Dackel Rudi auch wirklich alle, die von sich denken, sie seien vor allem ihr Geschlechtsteil, angesprochen fühlen.

Fast!

Wäre da nicht ein seltsamer einleitender Satz, der wie folgt lautet:

FU BErlin Ausschreibung romanistikAn der Freien Universität Berlin ist aus Mitteln des “Genderprogramms zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen” die folgende befristete W2-Professur zu besetzen. Deshalb werden insbesondere Frauen aufgefordert, sich zu bewerben.”

Wer geglaubt hat, mit den kunstvollen Formulierungen, die im Rahmen des Professorinnenprogramms angewendet werden, um männliche Bewerber zu täuschen, sei der Gipfel der Gemeinheit erreicht, der sieht sich getäuscht. Die FU-Berlin hat ein neues Kapitel, eine neue Methode zur Täuschung von männlichen Bewerbern aufgeschlagen.

Denn:

Mit “Genderprogramm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen” ist das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre (BCP) gemeint, das ausschließlich eine Förderung von “exzellenten Forscherinnen und Künstlerinnen (!sic)” vorsieht.

3.798.000 Euro gibt der Berliner Senat jährlich dafür aus, um “strukturelle Hemmnisse bei der Verwirklichung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre” dadurch auszuräumen, dass Männer diskriminiert und getäuscht werden. Worin die “strukturellen Hemmnisse” bestehen sollen, hat zwar bislang noch niemand angeben können, aber das macht nichts, denn im Berliner Senat sitzen offensichtlich Imaginäre, die in der Lage sind, daraus, dass “Frauen … auf allen wissenschaftlichen Qualifikationsebenen weiterhin unterrepräsentiert sind” auf “strukturelle Hemmnisse” zu schließen.

Wir haben es schon mehrfach geschrieben, aber man kann es offensichtlich nicht oft genug schreiben: Wenn man aus einem Zustand (weniger A als B) darauf schließen könnte, dass A auf strukturelle Hemnnisse stößt und deshalb seltener ist als B, dann müsste man eine ganze Reihe von A’s fördern: z.B. gibt es in Parlamenten weniger Arbeiter als Beamte, weniger Politikwissenschaftler als Juristen, weniger Verkäuferinnen als abgebrochene Studentinnen, weniger Gebildete als Eingebildete und vor allem weniger Integre als Opportunisten. Wir sind schon gespannt, wann der Berliner Senat die entsprechenden Berliner Programme zur Förderung der genannten Gruppen auflegt.

Zurück zum Berliner Programm. Darin steht unter Punkt 2 “Förderschwerpunkte”:

“2.1 Vorgezogene Nachfolgeberufungen von Frauen auf W 2- und W 3-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach
2.2 Berufungen auf befristete W 2-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach
2.3 Förderung von Maßnahmen zur:
2.3.1 Qualifizierung und Professionalisierung von Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen für eine Professur an Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen,
2.3.2 Stabilisierung der wissenschaftlichen Karriere von Frauen in der Postdoktorandenphase,
2.3.3 Implementierung von Genderaspekten in Forschung und Lehre,
2.3.4 Qualifizierung von Frauen in den Natur- und Technikwissenschaften.
2.4 Aufbau des Dual Career Netzwerkes Berlin.”

Wie man sofort sieht, kommt der Begriff “Frauen” mehrfach, der Begriff “Männer” gar nicht vor, was einfach zu erklären ist, denn das Berliner Programm dient zur Vorteilsnahme, die weiblichen Bewerbern auf Stellen an Universitäten vorbehalten ist, dem, was man früher Quotenfrau genannt hat, also jemand, die sich nicht zu fein ist, die Hilfe vom netten Papa Staat anzunehmen, um auf eine Position zu gelangen, auf die sie sonst nie gelangt wäre.

Nun, da klar ist, dass im Rahmen des “Berliner Programms zur Förderung von Chancengleichheit für Frauen …” nur Frauen gefördert werden, übertragen wir diese Tatsache darauf, dass dieunpersönlich formulierte Ausschreibung der FU-Berlin eine Professur ausschreibt, die aus diesem als “Genderprogramm” bezeichneten Programm gefördert wird.

Deceibe infeigle obfuscateAls Ergebnis ergibt sich eine Täuschung männlicher Bewerber, die man nur auf kriminelle Energie bei den Verantwortlichen der FU Berlin zurückführen kann. Das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen wird als “Genderprogramm” ausgegeben, um darüber hinwegzutäuschen, dass nur Frauen auf die ausgeschriebene Stelle berufen werden können. Die Ausschreibung ist im unpersönlichen, schablonenhaften Stil gehalten, um darüber hinwegzutäuschen, dass die ausgeschriebene Stelle nur an eine Bewerberin vergeben werden kann und wird. Der Zusatz “Daher werden insbesondere Frauen aufgefordert, sich zu bewerben”, ist besonders perfide, denn er gaukelt männlichen Bewerbern vor, sie hätten eine Chance, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden.

Kurz: Die ganze Ausschreibung ist arglistig und dient der vorsätzlichen Täuschung männlicher Bewerber, deren Bewerbung als Feigenblatt dient, damit die Ausschreibung nicht auf den ersten Blick als die Diskriminierung männlicher Bewerber erkannt wird, die sie faktisch ist.

In Deutschland sind Unmengen von Juristen ständig unterwegs, um normale Bürger, die im Impressum ihrer Webpage einen Zahlendreher haben oder einen Paragraphenhinweis vergessen haben, abzumahnen und schnellen Reibach zu machen. Wo sind diese vermeintlichen Juristen eigentlich, wenn es um die systematische Täuschung und Diskriminerung einer Bevölkerungsgruppe geht? Haben sie etwa Angst? Ist es etwa leichter, bei Privatpersonen zu kassieren, die man vielleicht noch mit Juristenlatein beeindrucken kann als gegen tatsächliche Rechtsverstöße vorzugehen? Wozu braucht man eigentlich eine Berufsgruppe wie Juristen, die ein Monopol auf Gängelung von Dritten durch Abmahnungen und Rechtsberatung haben, wenn sich die entsprechenden Juristen lieber gegen Mitglieder der Bevölkerung richten als gegen staatliche Institutionen, deren Kontrolle ihnen eigentlich obliegt?

Wie auch immer, die W2 Professur für Romanische Philologie/Literaturwissenschaft Galloromanistik und Hispanistik wird mit Sicherheit nicht mit einem männlichen Bewerber besetzt. Wer sich dennoch bewirbt, sollte auch gleich die vorvormulierte Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht der Bewerbung beifügen und ansonsten ist wieder einmal festzustellen, dass es erstaunlich ist, dass in einem angeblichen Rechtsstaat, Recht offen gebrochen wird und niemand wehrt sich dagegen.

Übrigens steht im Logo der FU Berlin “Veritas, Justitia, Libertas”. Kann man sich einen größeren Hohn und Spott auf Veritas und Justitia und Libertas vorstellen als eine angebliche Universität, an der Ausschreibungen wie die dargestellte, möglich sind?

quotenfrauEin weiterer Etikettenschwindel, ein weiterer Betrug soll nicht unerwähnt bleiben. Es ist natürlich völliger Unsinn, wenn das Berliner Programm als Programm “zur Förderung der Chancengleichheit” bezeichnet wird. Denn es wird nicht die Chancengleichheit gefördert, weil Chancengleichheit längst besteht, wie die Tatsache belegt, dass an deutschen Universitäten mehr Frauen als Männer studieren. Gefördert wird Ergebnisgleichheit, also der Anteil von Frauen auf Lehrstühlen. Da man das Ergebnis “Professur” jedoch früher (also vor dem Berliner und dem Professorinnenprogramm) nur auf Basis von Leistung erreichen konnte, macht sich hier der Begriff Chancengleichheit besser. So kann man vertuschen, dass nicht der beste Bewerber, sondern die Bewerberin, die sich gerade zur Hure des Staates machen will, auf eine Professur berufen wurde. Hure deshalb, weil sie sich dafür bezahlen lässt, eine Position zu besetzen, die sie nicht im Wettbewerb mit anderen errungen hat, sondern dadurch, diesen Wettbewerb gerade zu vermeiden, und zwar durch den Ausschluss männlicher Bewerber, sich also für politisch-korrekte Zwecke an den Staat und seine Gender-Schergen verkauft.

Eine Bildungs-Quote für Kinder aus der Arbeiterschicht

Bildung auf einen Blick 2014Leser von Tageszeitungen oder Leser der entsprechenden Online-Ausgaben können sich heute an einer mehr oder weniger redigierten, zuweilen auch wortgleich oder etwas gekürzten Fassung einer Pressemeldung von OECD Deutschland erfreuen. Die Pressemeldung ist in ihrem Original mit “Soziale und ökonomische Teilhabe durch Bildung: Deutschland muss seine Chancen nutzen” betitelt, woraus bei der ARD der Titel wurde: “OECD-Bildungsstudie: Deutschland fällt zurück“. Da die Studie “Bildung auf einen Blick” keine Verlaufsdaten berücksichtigt, sondern eine Querschnittsanalyse auf Basis der Daten für das Jahr 2012 darstellt, die Länder der OECD also zu einem Zeitpunkt mit einander vergleicht, wäre es interessant zu wissen, woher der zuständige Redakteur der ARD seine Eingebung über das “Zurückfallen Deutschlands” hat. Aber vermutlich hat der zuständige Redakteur keine Ahnung, worin der Unterschied zwischen einem und mehreren Zeitpunkten besteht, und “Deutschland fällt zurück” klingt eben besser als der sperrige Originaltitel.

Die neue Untersuchung der OECD bringt nichts wirklich Neues:

  • 28% der 25- bis 64jährigen Deutschen verfügen über einen Abschluss, der dem Bereich der tertiären Bildung (also mindestens ein (Fach-)Hochschulabschluss) zuzurechnen ist. Damit liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt, der 33% beträgt.
  • Deutschland, die USA und Israel zeigen im Generationenvergleich keine graviederenden Unterschiede im Anteil höher Gebildeter. Der Anteil an Personen mit einem Abschluss im Bereich der tertiären Bildung bei 25 bis 34jährigen weicht kaum vom entsprechenden Anteil unter Personen im Alter von 55- bis 64 Jahren ab.
  • Die Gehaltsunterschiede zwischen Personen, die ein Abitur erreicht haben und solchen, die einen geringeren Abschluss der sekundären Bildung erreicht haben, betragen 26%. Hochqualifizierte mit tertiärer Bildung erreichen Löhne, die im Durchschnitt um 74% höher sind als die entsprechenden durchschnittlichen Löhne Niedrigqualifizierter (also z.B. von Personen mit Hauptschulabschluss).
  • Und, das Evergreen zum Schluss: Das deutsche Schulsystem ist vertikal nicht durchlässig. Kinder aus der Arbeiterschicht finden sich kaum auf Gymnasien und noch seltener auf Hochschulen. Oder wie Heino von Meyer, der Leiter des OECD Berlin Centres sagt: “Gerade für Schüler aus sozial schwachen Familien bleibt das Versprechen, ‘Aufstieg durch Bildung’ häufig in weiter Ferne. Dabei kann kaum etwas Menschen besser aus Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung herauführen als Bildung”.

Es ist interessant, wie bei Heino von Meyer die Tatsache, dass Kinder aus der Arbeiterschicht seltener auf Gymnasien und Anstalten der tertiären Bildung gesichtet werden, mit etwas ganz anderem verschmilzt, nämlich der Behauptung, Kinder aus der Arbeiterschicht seien Kinder aus sozial schwachen Familien. Und sozial schwache Familien sind zudem bildungsferne Familien, ein weiterer Bestandteil des Gospels, der in der Mittelschicht so beliebt ist und der zum einen den Fehlschluss beinhaltet, Bildungsabschlüsse (als Zertifikate formaler Bildung) seien mit Bildung identisch, zum anderen den Fehlschluss, dass formale Bildung etwas mit sozialer Kompetenz gemein habe.

geschlechtsspezifische_bildungsungleichheitenWer z.B. Vomiteure bei ihrer Arbeit betrachtet, Vomiteure in Medien z.B., die über einen Abschluss der tertiären Bildung verfügen, der kommt nicht umhin festzustellen, dass hier lediglich formale Bildungsnähe gepaart mit inhaltlicher Bildungsimagination vorliegt, der Irrtum, mit dem eigenen formalen Bildungsabschluss ginge auch Bildung einher, weshalb es an der Zeit ist, die bildungsferne Schicht, die der Bildung nur nicht so nahe ist, wie wer auch immer dies für nötig befindet, von der bildungsimaginierenden Schicht zu unterscheiden, in der Bildung aus einem Bildungsabschluss und der Vorstellung von Bildung derselben besteht.

Doch zurück zur Bildung auf einen Blick der OECD, einem umfassenden Werk, das mit Sicherheit mehr als einen Blick voraussetzt, um erfasst zu werden. Dieses Werk zeigt abermals, dass Kinder aus der Arbeiterschicht in deutschen Bildungsinstitutionen Nachteile haben. Ebenso wie Jungen in deutschen Bildungsinstitutionen Nachteile haben. Erstere haben ihre Nachteile gegenüber Kindern aus Mittel- und Oberschicht, Letztere haben ihre Nachteile gegenüber Mädchen. Jungen aus der Arbeiterschicht sind entsprechend die Loser des gesamten Systems, denn sie haben gleich einen doppelten Nachteil, wie diese kurze intersektionale Analyse zeigt.

Gewöhnlich werden Nachteile bestimmter gesellschaftlicher Gruppen von Lobbygruppen aufgenommen und zu Forderungen nach dies und jenem umgewidmet, die den entsprechenden gesellschaftlichen Gruppen helfen sollen. Nur für die Arbeiterschicht und für die Jungen hat sich bislang keine Lobbygruppe gefunden, die über ein ausreichendes Maß an Einfluss verfügt, um das Los der Kindern aus der Arbeiterschicht zu verbessern und das der Jungen aus der Arbeietrschicht gleich doppelt.

Vielmehr haben wir uns an die entsprechenden Meldungen, die im Jahrestakt und vermutlich seit Dezember 1960 als die OECD gegründet wurde, auf uns niederprasseln, gewöhnt. Arbeiterkinder, also die aus den sozial schwachen Familien, also den bildungsfernen Familien kommen so gut wie nicht auf Gymnasien und Hochschulen an. So regelmäßig wie diese Meldung ist die geheuchelte Aufregung darüber, dass dies immer noch so ist. Die Aufregung geht dann ebenso regelmäßig in ein profundes Schweigen über, das regelmäßig vom Nichtstun abgelöst wird.

Natürlich gibt es Programme und Maßnahmen, die von Ministerien finanziert und von vielen Pädagogen durchgeführt werden, deren Ziel offiziell darin besteht, bildunsferne, also sozial Schwache, also eben die Kinder mit dem Vater im Unterhemd, der säuft, an die Schule heranzuführen und mindestens zu Bildungsimaginieren zu machen. Tatsächlich kann man an der kompletten Erfolglosigkeit dieser Programme jedoch ablesen, dass sie nichts anderes als eine ABM für Pädagogen aus der Mittelschicht sind, die ansonsten arbeitslos wären.

Entsprechend müssen wir feststellen, dass alle Aufregung, alle Maßnahmen, alle freiwillige Selbstverpflichtung der staatlichen Bildungsinstitutionen dahingehend, den Anteil von Kindern aus der Arbeiterschicht (oder aus sozial schwachen oder aus bildungsfernen Familien) an Gymnasien und Hochschulen zu erhöhen, bislang ohne Ergebnis geblieben ist. Die entsprechende Erfolglosigkeit, die sich nun schon über Jahrzehnte zieht, zeigt, dass die Bildungsinstitutionen und ihre Angehörigen die entsprechende Selbstverpflichtung nicht einhalten wollen.

Deshalb sehen wir uns gezwungen, dem Beispiel von Staatsfeministen zu folgen und eine Quote für Kinder aus Arbeiterfamilien in den Führungsetagen deutscher Bildung, also an Gymnasien und Hochschulen ins Spiel zu bringen: zunächst 30% der Plätze an Gymnasien und Hochschulen sind demnach für Kinder aus der Arbeiterschicht zu reservieren. Die Quote gilt ab 2018 und wird bis 2025 und schrittweise auf 40% erhöht. Gleiches gilt für die Anteile von Kindern aus Familien der sozial schwachen Bildungsferne unter den Absolventen und Doktoranden.

Über alles weitere bestimmt die Statistik der OECD.

Mythologie im ZDF: Bei 37 Grad (im Schatten?)

Wir danken einem Leser für den Link auf eine Sendung im ZDF. Die Ankündigung der Sendung hat uns bereits deutlich gemacht, dass es nicht notwendig ist, diese Sendung anzusehen, es sei denn, man will reality TV gewürzt mit Mythologie betrachten und sich das Ganze als Erklärung für den Bildungsmisserfolg von Jungen auftischen lassen.

37 GradDer Mythos, an dem Katrin Wegner, die für die Sendung bei 37 Grad verantwortlich zeichnet, strickt, ist der Mythos des plötzlich Jungen befallenden Schulmüdigkeitsvirus. Dieses Virus ist, dem Ebola-Virus vergleichbar, ein fast wahllos zuschlagendes Virus, eine Geißel Gottes, das aus dem Nichts auf seine Opfer fällt. Die Phase der Inkubation ist unterschiedlich lang. Immer jedoch äußert sich das Virus in Schulmüdigkeit, elterlicher, meist alleinerziehend-elterlicher Verzweiflung. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Befallenen nicht mehr zum Schulgang fähig, “Fehlzeiten werden immer länger” und am Ende steht: Schule schwänzen.

Da ist zum Beispiel Phillip (17): “Plötzlich … lassen Wissbegier und Motivation nach, seine Leistungen nehmen rapide ab, und er schwänzt nur noch den Unterricht”. Oder: Jakob –  “Die Probleme des zwölfjährigen Jakob begangen ganz plötzlich in der Grundschule: Ständig saß er unter dem Tisch und zerriss die Arbeitsblätter, statt sie auszufüllen”.

Wir sehen, das Anti-Jungenbildungs-Virus sucht seine Opfer ohne Vorwarnung heim. Gestern noch saß Jakob am und nicht unterm Tisch, heute ist das anders. Oder Philip, er war “ein Überflieger” in der Schule, der ganz plötzlich eine Bruchlandung macht und als Folge lassen “Wissbegier und Motivation nach”. Ein weiterer Beleg für die Hinterhältigkeit des Anti-Jungenbildungs-Virus, das seine Opfer ganz plötzlich heimsucht.

ebola_micrograph_virus-afriqueUnd wie bei Ebola, so ist auch beim Anti-Jungenbildungs-Virus eine Heilung kaum möglich. Bislang gibt es kein Gegenmittel, nicht einmal eine Vermutung darüber, wo das Virus seinen Wirt hat, von wo aus, es seine Opfer befällt. Entsprechend ist die Frage, die Katrin Wegner bei 37 Grad stellt: “Warum scheitern Jungs öfter?”, [schon weil der Bezug fehlt: ... als Mädchen, ... als Väter, .... als ZDF-Redakteure] bislang unbeantwortet. Das einzige, was wir wissen, der schulische Verfall, der bei manchen Jungen noch vor der Grundschule und im Rahmen der Einschulungsuntersuchung einsetzt, tritt plötzlich, unvorhergesehen und natürlich ohne Ursache in der Umgebung der Jungen auf.

Selbstverständlich tut die Umgebung der Jungen, die schulische Umgebung der Jungen, alles, was in ihrer Macht steht, um die Jungen auf ihrem Bildungsweg in gleicher Weise zu unterstützen wie die Mädchen. Es ist ein Rätsel! Tagein, tagaus gehen Jungen zur Schule und dann: ohne Vorankündigung schlägt das Virus zu. Ein Rätsel, das es sonst an keiner Stelle in der deutschen Gesellschaft, ja nicht einmal in der Weltgesellschaft gibt. Sonst gilt immer, dass eine Wirkung eine Ursache hat. Im vorliegenden Fall ist das anders, das fiese Anti-Jungenbildungs-Virus schlägt ohne Grund zu – einfach so, weil es etwas gegen Jungen hat, nicht etwa gegen Mädchen, nein, das Virus, es differenziert nach Geschlecht! Nicht einmal Ebola differenziert nach Geschlecht. Insofern haben wir es mit einem hoch-spezialisierten, schnell-wirksamen Virus zu tun, dass es in nur kurzer Zeit dazu bringt, Patienten, wie den 17jährigen Phillip, in einer Form aktuter Bildungsdemenz aus dem Gymnasium in die Hauptschule zu verfrachten.

Niemand weiß, wie es das tut, wie das Virus die Schulanbindung der befallenen Jungen beeinflusst. Erste Vermutungen, die Wegner hat, verweisen auf Stress und die Familie, auf fehlende Rollenbilder, weil Väter lieber arbeiten als sich um ihre Söhne zu kümmern, so wie sie das über Jahrhunderte lieber getan haben, ohne dass dieses fiese Anti-Jungenbildungs-Virus derart hinterhältig zugeschlagen hätte. Aber heute, im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist das anders. Heute schlägt dieses Virus aus dem Nichts zu, heute ist es, aus seinem jahrhundertelangen Schlaf erwacht und wütet unter Jungen, die nur noch 45% der Besatzung von Gymansien stellen. Ein Kahlschlag von 10% gegenüber Mädchen und das in nicht einmal 20 Jahren. Ebola verblasst im Vergleich zum Anti-Jungenbildungs-Virus.

Hurrelmann BildungsverliererAuf ihrer Suche nach Ursachen für die Bildungsseuche unter Jungen hat Wegner sogar das Undenkbare gedacht und sich getraut, häretische Werke zu lesen, die eine Verbindung zwischen dem immer größer werdenden Anteil weiblicher Lehrer in Schulen und der immer intensiveren Art und Weise, in der das Anti-Jungenbildungs-Virus zuschlägt, herstellen. Das ist natürlich falsch, wie Wegner feststellt, die ihre früher gemachte Annahme fehlender Rollenbilder offensichtlich  und per offenem Widerspruch verworfen hat, und zwar deshalb, weil “Neue Studien [nachweisen], dass Lehrerinnen nicht schuld sind am schlechten Abschneiden der männlichen Schüler”.

Kleiner Einschub: Es gibt natürlich nicht mehrere “Neue” und ungenannt bleibende Studien. Es gibt genau eine (siehe unten) für Deutschland, die mehrfach aufgetischt wurde und ihren Ursprung im Berliner WZB hat. Was zeigt, wie einfach es heutzutage ist, institutionellen Unsinn unter das (Journalisten-)Volk zu bringen und dabei gleich zu vermehren.

In der Mythologie ist bekanntlich kein Platz für Vagheiten. In Mythologien herrscht Wahrheit, alles hat seinen Platz und deshalb ist in Mythologien Wissenschaft, Sozialwissenschaft insbesondere, in der Lage zu beweisen, zu beweisen, dass Lehrerinnen nicht schuld sind. Dieser Gottesbeweis, erbracht von wackeren Helden wie diesen hier, die den Unterschied zwischen Benotung und Schulbesuch nicht kennen und nicht zu wissen scheinen, dass es einen Unterschied macht, ob man auf einer Hauptschule oder auf einem Gymnasium benotet wird. Wegen dieses Unterschieds ist die Vergabe von Noten nur insofern interessant als es erstaunlich ist, dass die gleichen Noten zuweilen sogar bessere Noten, die Jungen im Durchschnitt und im Vergleich zu Mädchen haben, dazu führen, dass weniger Jungen als Mädchen ein Gymnasium besuchen. Insofern muss man den vermeintlich beweisenden Studien dankbar sein, denn ohne die Naivität der entsprechenden Autoren, wäre nie deutlich geworden, dass Jungen trotz durchschnittlich besserer Noten, schlechter in Schulen abschneiden als Mädchen. Was uns zurückbringt zur Frage, warum ist das so?

Warum? Seit Wegner uns bei 37 Grad ihre Mythologie aufgetischt hat, wissen wir es: Wegen des Anti-Jungenbildungs-Virus, das Jungen befällt, das nichts mit Schulen und schon gar nichts mit Lehrerinnen zu tun hat, das auch im Elternhaus nur in Spuren zu finden ist und letztlich am Ende die selbe Ratlosigkeit hinterlässt, mit der man losgegangen ist. Was tun mit einem Virus, von dem man nichts weiß und vor allem nichts wissen will?

Computer VirusOder will man doch? “Über 60 Prozent aller Jungen ab zehn besitzen eine Spielkonsole und sitzen mehr als viereinhalb Stunden täglich am Computer”, so weiß Wegner und damit ist klar: Das Virus wird durch die Computer übertragen. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Alle Welt spricht vom Computer-Virus. Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase mit dem Erfinden von Viren und dem Verkauf entsprechender Anti-Viren-Programme. Und dennoch ist es nicht einmal der WHO in den Sinn gekommen, was Wegner hier durch phantatischen Journalismus aufgedeckt hat: Viren können zwischen Computern und Jungen übertragen werden.

Hervorragend! Die perfekte Erklärung für ein Problem, das man nicht lösen will: Jungen schneiden schlechter in der Schule ab, weil sie beim Spielen von Computerspielen, jedenfalls 60% von ihnen, von einem Anti-Jungenbildungs-Virus befallen werden.

Amen!