Wissenschaft in Jena: “Ich mach’ mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt”

Frauen gelten in Jena als behindert, so haben wir am 18. Juli im Hinblick auf ein Studienangebot getitelt, das es an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena im Studiengang “Elektrotechnik/Informationstechnik” gibt. Der Beitrag hat eine breite Leserschaft gefunden, ist durch Facebook und Twitter gegangen und wohl auch beim Deutschlandfunk angekommen.

DeutschlandfunkDort hat Markus Dichmann ein Interview mit Ralph Ewerth geführt, jenem Professor, der in Jena für das Angebot eines für Frauen exklusiven Studiengangens (für zwei Semester) verantwortlich ist.

Was an dem Interview bemerkenswert ist, ist das völlige Fehlen auch nur eines Arguments, was zeigt, Ralph Ewerth hat schlicht nicht damit gerechnet, dass ihn jemand fragen könnte, wieso er denkt, Männer, die in Jena an der Ernst-Abbe-Hochschule Elektrotechnik/Informationstechnik studieren wollen, diskriminieren zu müssen und wieso er denkt, Frauen seien zu behindert, als dass sie ohne eine entsprechende Sonderbehandlung auskämen.

Wieso, so fragt Markus Dichmann, “sollen Frauen E-Technik alleine studieren?”

Die Antwort von Ewerth auf das Wesentliche reduziert:

    • Der Anteil weiblicher Studenten ist besonders niedrig.
    • “Wir glauben aber nicht, dass dies naturgegeben ist.”
    • Es liegt daran, dass das Technikinteresse von Jungen in der Kindheit mehr gefördert wird als das Technikinteresse von Mädchen.
    • Das “sagen Studien”.

Ernst Abbe HochschuleIn der Pfalz sagt man dann, wenn jemand versucht, schnell eine Antwort auf eine Frage zu zimmern, die ihn unerwartet getroffen hat, er habe sich seine Antwort zusammengestoppelt. Ewerth, der an einer Hochschule als Professor beschäftigt ist, hat gestoppelt. Nur: Er kannte die Fragen vorab und hatte viel Zeit, sich auf die entsprechenden Fragen vorzubereiten. Deshalb ist es eine Unverschämtheit, dass er denkt, er könne die Zuhörer und Leser des Deutschlandfunks mit derartigen Oberflächlichkeiten und Fehlschlüssen abspeisen:

  • Wenn ein niedrieger Anteil weiblicher Studenten es erfordert und rechtfertigt, dass exklusive Studiengänge für weibliche Studenten eingeführt werden, dann gilt dies auch für niedrige Anteile männlicher Studenten z.B. in Lehramtsstudiengängen, bei Tier- und Zahnmedizin usw. Nähme man also Ernst, was Ewerth argumentiert, es wäre am einfachsten, Hochschulen nur für Männer und Hochschulen nur für Frauen einzuführen.
  • Es ist immer wieder erfrischend, wenn Professoren Erkenntnisse wie die, dass Interessen nicht naturgegeben sind, formulieren. Das macht Mut. Wenn sich Herr Erwerth nun noch durchringen könnte, Präferenzen anzunehmen, z.B. solche, die andersgelagert sind, vielleicht sogar zwischen Männern und Frauen (das soll es geben), dann wäre noch mehr gewonnen, z.B. die Erkenntnis, dass die Vorlieben für Studienfächer, die Präferenzen, die Wahl des Studienfachs bestimmen. Und wer z.B. nur studiert, um sich die Zeit zu vertreiben, der ist mit Anglistik, Gender Studies oder Sozialarbeit besser bedient als mit Informationstechnik.
  • Weil es eine (unbekannte offensichtlich nicht zitierfähige) Studie geben soll, nein Studien geben soll, die zeigen, dass die Technikinteressen von Jungen mehr gefördert werden als die von Mädchen (was angesichts der vollinstitutionalisierten Unterbringung von Kindern in staatlicher Versorgung ab 3 Jahren auch oder gerade Herrn Ewerth zu denken geben sollte…), deshalb werden exklusive Studiengänge an der Ernst-Abbe-Hochschule für Frauen eingeführt. Aber sind die Interessen von Mädchen, die weniger gefördert wurden, auch nach jahrelanger Minderförderung noch vorhanden? Gibt es also doch naturgegeben ein gleichgestelltes Interesse von Jungen und Mädchen an Informationstechnik? Geht Ewerth also entgegen seiner Behauptung doch davon aus, dass Interessen naturgegeben sind, z.B. die Interessen für Rechner, Server usw.? Und wenn diese Interessen trotz Minderförderung dennoch vorhanden sind, warum werden daraus keine Präferenzen für ein Studium der Elektrotechnik? Erstaunlich!

Noch erstaunlicher ist der konstruktivistische Teil des Interviews, in dem Ewerth die ganze Ärmlichkeit des Publicity-Gags aus Jena offenlegt, mit dem die Hochschule versucht, Brownie-Points für politische Korrektheit zu erhalten (wer weiß, vielleicht gibt es zusätzliche Fördermittel vom Bundesministerium für politische Korrektheit, vorauseilenden Gehorsam und anbiederndes Andienen?).

Nun gibt es ja Blogs wie ScienceFiles, die argumentiert haben, dass man dann, wenn man Privilegien an eine soziale Gruppe verteilt, diese soziale Gruppe in Bezug zu anderen sozialen Gruppen besserstellt. Wenn man einem Hürdenläufer, weil er langsamer ist als andere, die Hürden in der Höhe und der Anzahl reduziert, dann verschafft man diesem Hürdenläufer einen Vorteil und damit automatisch den anderen Hürdenläufern einen Nachteil. Man kann von so vielen Seiten auf die niedrigeren Hürden und deren geringere Anzahl blicken, wie man will, es ist und bleibt eine Bevorteilung des langsamen und eine Benachteiligung oder Diskriminierung der schnellen Hürdenläufer.

Und was hat Herr Ewerth dazu zu sagen:

“… wir sehen das nicht als diskriminierende Maßnahme, auch wenn wir jetzt in den ersten zwei Semestern da unterschiedliche Gruppen haben, sondern als Maßnahme, die letztlich zu einer Gleichstellung führen soll.”

Na, wenn “wir”, also Ralph Ewerth und er selbst (im Englischen sagt man: I, myself and me) das nicht als diskriminierende Maßnahme sehen, dann ist das keine diskriminierende Maßnahme. Was sollen überhaupt diese Konventionen von Verständigung? Man muss Diskriminierung eben neu denken! Diskriminierung Jena-Style, die liegt genau dann vor, wenn Ralph Ewerth und er selbst, “wir” in seiner Sprache, etwas als diskriminierend sehen. In Fragen der Diskriminierung gibt es demnach nurmehr die Möglichkeit nach Jena zum Orakel der Elektro- bzw. Informationstechnik zu pilgern und Ralph Ewerth danach zu fragen, ob er etwas als Diskriminierung sieht oder nicht. Das löst dann auch auf einen Schlag alle Begründungsprobleme, mit denen sich die Wissenschaft seit Jahrhunderten herumschlägt. Wir begründen nicht mehr, “wir”, also Ralph Ewerth und er selbst, “wir sehen”. Und was wir sehen, das ist. Das werdet ihr schon sehen!

Ob alles, was Ralph Ewerth und er selbst sehen auch mitteilungsfähig ist, ist jedoch eine andere Frage, deren Beantwortung dadurch erschwert wird, dass auch andere sehen. Vielleicht ist Ralph Ewerth ja dem Rat einer großen Frau der Weltgeschichte, Queen Elizabeth I,  zugänglich, deren Motto “Video et Taceo” (Ich sehe und schweige) er sich vielleicht zum Grundsatz machen sollte.

Was wir indes sehen werden ist, wie viele weibliche Studienanfänger sich im exklusiven Studiengang von Ralph Ewerth für behindert, besonders förderungsbedürftig, mit “gewissen Hemnissen” belastet und voller Bedenken ob der Möglichkeit des Erfolgs im Fach Elektrotechnik/Informationstechnik erklären lassen wollen.

Elizabeth essexDerzeit scheint das Aufkommen nicht sonderlich hoch zu sein. Zwar hat Ewerth “seit einigen Tagen keine neuen Zahlen zusammenbekommen” und die alten Zahlen zwischenzeitlich wohl vergessen, aber von den 30 Studienplätzen, die exklusiv für Frauen in Jena reserviert sind (ob mit oder ohne Frauenparkplätzen im Uniparkhaus gleich neben den Behindertenparkplätzen, war auf die Schnelle nicht zu klären), gibt es noch etliche bis alle zu haben. Deshalb werden auch nach dem 15. August, also nach dem offiziellen Ende der Bewerbungsfrist, noch Bewerbungen zugelassen!

Behindert?
Weiblich?
Kein naturgegebenes Interesse an Elektrotechnik oder doch eines?
“Hemmnisse”?

Auf nach Jena!
Die Ernst-Abbe Hochschule wartet!

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf das Interview.

Pädagogische Saisonarbeiter

Die Saison für Lehrer, sie ist in den meisten Bundesländern derzeit beendet.

Lehrer, die (noch) nicht verbeamtet sind, die sich als “Junglehrer” oder als “Aushilfslehrer” durchs Leben schlagen, Aushilfslehrer, die die Elternzeit kompensieren, die häufig unter Lehrern grassiert, Aushilfslehrer, die von Schule zu Schule springen, um personale Notlagen zu beheben, Aushilfslehrer, die eigentlich die bestbezahlten ihres Faches sein müssten, denn sie sind diejenigen, die sich ständig auf neue Umstände, neuen Lehrstoff und neue Wissensbestände von Schülern einstellen müssen, sie sind die am schlechtesten behandelten im deutschen Schulsystem, und sie sind außerhalb der Schulsaison arbeitslos.

Sie sind die Lehr-Sklaven, die saisonal für die Dauer des Schulhalbjahres beschäftigt werden und zu Beginn der Ferien entlassen werden: Warum soll man Aushilfslehrer bezahlen, wenn keine Schule und kein Unterricht stattfindet? Schließlich muss man schon die Lehrer bezahlen, die in Elternzeit sind und in Urlaub!

Also werden die Aushilfslehrer entlassen und das vor allem in Ländern wie Baden-Württemberg, wo die grün-rote Landesregierung nach eigenen Bekundungen so viel Wert auf die Ausbildung, die Schulbildung, deren Qualität und deren Inhalte legt, so viel Wert, dass ganze Bildungspläne neu erarbeitet werden.

gruen macht schuleUnd bei so viel verbalem Wert auf Ausbildung und Schulbildung und Qualität und Kompetenz und Bildungsgleichheit, der nicht nur in Baden-Württemberg bekundet wird, kann man sich nicht noch um die Lehrer und die Zustände vor Ort kümmern. Genauso wenig wie es möglich ist, die Mittel bereitzustellen, um Aushilfslehrer, die im Juni entlassen und im September wieder eingestellt werden, dauerhaft zu beschäftigen. Es gibt schon wichtigere Ausgaben, die die Landeskassen belasten: Gutachten darüber, ob man bei “Student” eher an männliche oder weibliche Studenten denkt, Projekte zu Rechtsextremismus und Männlichkeit, Netzwerktreffen, damit sich Aktivisten kennenlernen können, Netzwerktreffen, damit Aktivisten Erfahrungen austauschen können und Netzwerktreffen, damit Aktivisten wissen, wo man Mittel beantragen kann, um sich kennenlernen zu können, das alles muss finanziert werden.

Kein Wunder, dass die Mittel nicht reichen, um Lehrer dauerhaft zu beschäftigten.

Kein Wunder, dass Lehrer zu Saison- und Wanderarbeitern werden und sich der Markt der Lehrer zu einem Market for Lemons entwickelt, auf dem sich nur noch die einfinden, die keinen richtigen Job bekommen haben.

Der Market for Lemons, er ist ein ökonomisches Konzept, was erklärt, warum die meisten Politiker das Konzept nicht kennen, obwohl sie Markets for Lemons am laufenden Band schaffen, für Lehrer, für Dozenten, für Sozialarbeiter.

Ein Market for Lemons zeichnet sich nach Angaben von George A. Akerlof, der das Konzept in die Ökonomie eingeführt hat, durch vier Kriterien, die zusammen seine Dynamik beschreiben, aus:

(1) asymmetrische Informationen über die Qualität eines Produkts,

(2) entsprechend geringe Erwartungen der Nachfrager an die Qualität des Produkts,

(3) sich in der Folge verringernde Marktpreise, die

(4) gefolgt werden von einem Rückzug der Anbieter guter Produkte, was in

(5) letzter Instanz zum Market for Lemons führt.

Aushilfs-Lehrer, die Lehrerausfall kompensieren sollen, sie werden nicht aufgrund ihrer Qualifikation und Leistung bezahlt. denn wäre dem so, ihr Gehalt wäre nicht nur höher als das stationärer Lehrer, sie wären auch fest angestellt. Entsprechend verbinden Aushilfs-Lehrer, die auf Zeit beschäftigt werden, geringe Anforderungen mit ihrem Beruf und engagieren sich nicht mehr als notwendig für ihre Arbeit. Folglich sinken die Preise für Aushilfs-Lehrer weiter und Anbieter von Lehrerleistungen, die kompetent und fachlich versiert sind, finden sich immer seltener auf dem Markt der Aushilfslehrer.

Der Market for Lemons ist geschaffen: Aushilfslehrer mit unterdurchschnittlicher Kompetenz werden von staatlichen Stellen mit unterduchschnittlicher Entlohnung angestellt, um an Schulen die so wichtige Bildung an Schüler auf dem so hohen Niveau zu vermitteln, das Kultusminister immer im Munde führen.

Ein Beispiel für hausgemachte Bildungs-Katastrophen.

Schulerfolg eine Sache der Gene?

Die Welt vom heutigen Tag enthält einen merkwürdigen Beitrag, in dem von einer Studie berichtet wird, die der WELT offensichtlich namentlich unbekannte Forscher vom “Kin’s College in London” [gemeint ist das King’s College] in der Zeitschrift “Scientific Reports” veröffentlicht haben. Der Beitrag enthält sogar einen Link auf die entsprechende Zeitschrift, jedoch nicht auf den Beitrag, von dem berichtet wird (vermutlich deshalb weil der Bericht abgeschrieben wurde und im abgekupferten Bericht die Autoren und der Titel ihres Beitrags auch nicht genannt sind).

Berichtet wird Folgendes:

Genetischer Schulerfolg

Die Forscher, die ebenso unbekannt sind, wie der Redakteur, der in der WELT sein Unwesen mit diesem Beitrag getrieben hat, “hatten die Gene von 12.632 Zwillingen analysiert und mit den Noten einer standardisierten Prüfung verglichen, die alle britischen Schüler mit 16 Jahren ablegen”.

Die Rede ist vom GCSE, dem General Certificate of Secondary Education, einer Prüfung, die im Vereinigten Königreich zentral und anonym abgelegt wird. D.h. die Bewertung wird nicht vom Klassenlehrer vorgenommen und dem Bewerter sind weder Name noch Herkunft des Schülers, dessen Arbeit er bewertet, bekannt. Das ist wichtig.

Ebenso wichtig ist der Hinweis, dass die Forscher nicht die Gene von 12.632 Zwillingen analyisiert haben, sondern auf eine Datenbank zurückgegriffen haben, die Angaben zu 12.632 Individuen enthält, die ein Teil von Zwillingen sind, eineiigen (monozygotischen) und zweieiigen (dizygotischen) Zwillingen. Entsprechend nehmen die Forscher, wie in Zwillingsstudien so üblich, an, dass die entsprechenden Zwillinge sich genetisch ähnlich sind bzw. übereinstimmen.

Auch der Hinweis: “Ihre soziale Herkunft spielt kaum eine Rolle” ist falsch. Die soziale Herkunft, so zeigen die Ergebnisse der Studie, die übrigens von Kaili Rimfeld, Yulia Kovas, Philip S. Dale und Robert Plomin stammt, spielt eine geringere Rolle als Gene oder in den Worten der Autoren:

“All GCSEs were highly heritable, demonstrating that genes explain a larger proportion of the individual differences (54-65%) than shared environmental factors, such as home and school environment (14-21%)”.

Mit anderen Worten, Unterschiede in der DNS zwischen den von Rimfeld et al. untersuchten Zwillingen erklären den schulischen Erfolg besser als Unterschiede im sozialen oder im schulischen Umfeld.

Hinzu kommt, dass zwischen den Fächern, die im GCSE abgefragt werden, also zwischen Englisch, Mathematik, Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft, Fremdsprache, Kunst und Wirtschaft hohe Korrelationen in der Leistung bestehen. Wer in einem Fach gut ist, der ist auch in den anderen Fächern gut. Auch diese Interkorrelationen weisen einen hohen Zusammenhang mit den Genen der Zwillinge auf.

Dieses Ergebnis widerspricht den auch in Deutschland populären Annahmen der unterschiedlichen Lernbefähigung für bestimmte Fachbereiche, also der Annahme, dass Sprache und Mathematik zwei unterschiedliche Leistungsbereiche von Schülern sind, die sich gegenseitig fast ausschließen.

Schießlich gibt es eine große Überlappung zwischen dem genetischen Make-up und Intelligenz.

Was macht man nun mit diesen Ergebnissen?

Nun, die Autoren machen Folgendes daraus:

  • Gene sind eine weitere Variable, neben Intelligenz und kognitiven sowie nicht-kognitiven Faktoren, die die schulische Leistung beeinflussen.
  • Gene beeinflussen die schulische Leistung möglicherweise über die Persönlichkeit, die Motivation und die Psychopathologie.
  • Die Träger von Genen sind nicht die passiven Empfänger eines genetischen Erbes, vielmehr stehen sie in einer Wechselwirkung mit ihrer Umwelt, so dass in den Genen angelegte Dispositionen zu einem bestimmten Wahlverhalten bei den Kindern führen, das wiederum in schulische Leistung einmündet.

Was kann man aus diesen Ergebnissen generell und für Deutschland machen?

GCSE-Logo3Zunächst sind die Ergebnisse nicht 1:1 übertragbar, denn: In Deutschland gibt es weder eine zentrale Prüfung noch werden die schriftlichen Leistungen der Schüler von einem Prüfer bewertet, der die Schüler nicht kennt.

Dann ergibt sich aus der Tatsache, dass das deutsche Bildungssystem stark nach sozialer Herkunft selegiert, viel stärker als es dann, wenn man davon ausgeht, dass ein großer Teil der schulischen Leistung über das genetische Make-up eines Schülers vermittelt wird, der Fall sein dürfte, dass etwas nicht stimmen kann, mit dem deutschen Bildungssystem. Entsprechend kann man die Ergebnisse von Rimfeld et al. als weiteren Beleg dafür werten, dass das deutsche Bildungssystem nicht in erster Linie Leistung und Intelligenz, sondern soziale Herkunft und Anpassungsbereitschaft prämiert.

Schließlich muss man angesichts der sozialen Selektion des deutschen Bildungssystems und der entsprechenden systematischen Aussonderung von Schülern aus den angeblich bildungsfernen Schichten, davon ausgehen, dass Lehrer in diesem Aussonderungsprozess eine aktive Rolle spielen, d.h. dass sie ihre Kenntnisse über die soziale Herkunft von Schülern zum Nachteil dieser Schüler verwenden – unter Umständen sogar wohlmeinend.

Die entsprechende Rolle ist ihnen im Vereinigten Königreich verwehrt, in dem unabhängige Prüfer den GCSE abnehmen, Prüfer, die weder die Schüler noch deren sozialen Hintergrund kennen.

Rimfeld, Kaili, Kovas, Yulia, Dale, Philip S. & Plomin, Robert (2015). Pleiotropy Across Academic Subjects at the End of Compulsory Education. Scientific Reports 5 (Article Nr. 11713).

Eingebildete Realität: Geringere Leistung gleiche Note

Das größte Problem, mit dem sich manche in Deutschland derzeit herumschlagen, das ist die Realität.

Sie ist einfach anders als gewünscht.

Sie fügt sich nicht in Modelle, sie beinhaltet Menschen, die sich anders verhalten, als sie sollen, sie widerspricht den einfachsten Wünschen und Einbildungen, und sie ist hartnäckig: Sie geht einfach nicht weg.

Die Versuche, sich der Realität zu entledigen, sie werden immer abstruser und reichen von der Kultbildung, die alle Beziehungen zur Realität abbricht (zu beobachten bei Genderisten, die selbst die in der Welt gesprochene Sprache ablehnen) bis zur vollständigen Negation.

Anonymer-LebenslaufEin Ausdruck für Letzteres ist der Hype der anonymen Bewerbung, der zwischenzeitlich wieder im Abklingen ist. So als würde man einem Bewerber, der in Anonymität ausgewählt, in Person dann alle Vorstellungen und Erwartungen über den Haufen wirft, einen Gefallen tun, haben Ministerien und willfährige Forscher versucht, die anonyme Bewerbung zu propagieren. Aus Gründen der Chancengleichheit versteht sich.

Chancengleichheit ist in diesem Fall statisch gefasst und erstreckt sich nicht auf die Zeit nach ihrer Herstellung, was insofern misslich ist, als enttäuschte Erwartungen Konsequenzen haben. Wenn ein Personalverantwortlicher aufgrund einer anonymen Bewerbung eine bestimmte Erartung an den Bewerber gebildet hat, dann wird er diese Erwartung an den Bewerber herantragen, nachdem die Anonymität gelüftet ist, so wie dies bei nicht-anonymen Bewerbern auch der Fall ist.

Wenn der anonyme Bewerber die Erwartungen nicht erfüllt, dann wird er in seiner neuen Umgebung dieselben Konsequenzen zu tragen haben, die ein nicht-anonymer Beweber, der hinter den Erwartungen zurückbleibt, zu tragen hat. Nur werden sich im Falle des anonymen Bewerbers diejenigen, die ihn eingestellt haben, übers Ohr gehauen vorkommen, sich getäuscht fühlen, eben wegen der Anonymität.

Die Realität hat die heile Welt der anonymen Bewerbung eingeholt.

Die Realität, sie hat auch einen Schüler aus Bayern eingeholt, der sich bis zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig durchgeklagt hat, also vermutlich nicht er, sondern seine Eltern.

Dort ist er mit seiner Klage gescheitert.

BundesverwaltungsgerichtDer Schüler ist Legastheniker und hatte als solcher eine Reihe von Vorteilen gegenüber seinen Mitschülern. Er hatte 10% mehr Zeit für seine Abiturprüfungen, und seine Lese- und Rechtschreibleistungen wurden bei der Notengebung nicht berücksichtigt. Entsprechend enthielt sein Zeugnis den Vermerk: “Aufgrund einer fachärztlich festgestellten Legasthenie wurden Rechtschreibleistungen nicht bewertet. In den Fremdsprachen wurden die schriftlichen und mündlichen Prüfungen im Verhältnis 1:1 bewertet”.

Und diesen Vermerk, den wollte der Schüler bzw. den wollten seine Eltern entfernt wissen. Er hat geklagt. Das Verwaltungsgericht München hat daraufhin entschieden, dass der Hinweis auf die Legasthenie enfernt werden müsse; der Hinweis auf die im Vergleich zu anderen Schülern ungleichen Leistungen, die durch die Noten des Schülers nicht zum Ausdruck gebracht werden, jedoch nicht. Das Oberverwaltungsgericht München hat auf Berufung des Schülers entschieden, dass auch dieser Hinweis gestrichen werden muss. Das Bundesverwaltungsgericht hat auf Revision des Freistaates Bayern entschieden, dass der Vermerk auf die unterschiedliche Bewertungen der Leistungen des Schülers auf dem Zeugnis vorhanden sein muss.

Die rechts-technischen Gründe wollen wir uns sparen. Interessant ist die Argumentation des Bundesverwaltungsgerichts, die da lautet: ungleiche Leistungen dürfen nicht gleich bewertet werden. Wenn Noten die ungleiche Leistung, die ihnen zugrunde liegt, nicht mehr zum Ausdruck bringen und entsprechend eine Vergleichbarkeit der Noten nicht  mehr gegeben ist, dann muss dies auf dem Zeugnis vermerkt werden.

Ein Bekenntnis zum Leistungsprinzip von den Richtern des Bundesverwaltungsgerichts.

Mit weitreichenden Folgen?

Noten aus Bremen, das ist lange bekannt,  sind mit Noten aus Bayern nicht vergleichbar. Schulabschlüsse, die in Berlin erreicht wurden, nicht mit denen, die in Baden-Württemberg erreicht wurden, gleichzusetzen. Die Ansprüche an die Schüler sind zu unterschiedlich, so dass man anhand von PISA-Studien zeigen kann, dass Hauptschüler in Bayern oftmals bessere Leistungen erbringen als Abiturienten in Bremen.

Mit anderen Worten: Was auf dem Zeugnis steht, garantiert keine Vergleichbarkeit der erbrachten Leistungen und spiegelt insofern ein Leistungsvermögen bei Schülern vor, das ihrem tatsächlichen Leistungsvermögen nicht entspricht.

Was tun?

reality checkMan könnte auf die Zeugnisse schreiben: “Dieses Abitur wurde in Bremen erreicht und ist daher nur bedingt mit dem Abitur, das in anderen Bundesländern erreicht wurde, zu vergleichen”. Oder: “Die Noten auf diesem Zeugnis spieglen das Leistungsvermögen des Schülers nur in Bremen, nicht jedoch im Vergleich zu Schülern aus anderen Bundesländern wider”.

Man könnte auch ein Zentralabitur einführen, das die Wettbewerbsverzerrung beseitigt, die derzeit dadurch entsteht, dass die Noten und das Leistungsvermögen, das durch sie ausgedrückt werden soll, zwischen den Bundesländern nicht vergleichbar sind.

Das wäre sicher die beste Lösung, und deshalb wird es sie nicht geben, denn damit würde ein Stück Realität in die schulische Benotung geholt, ein Stück Realität, das es nicht geben wird, so lange deutsche Kultusfürsten über ihre Bildungsparzelle wachen. Die Realität der Nichtvergleichbarkeit von Schulnoten, sie holt die entsprechenden Notenträger dann spätestens im Berufsleben ein – immer vorausgesetzt, sie finden sich auf dem privaten Arbeitsmarkt und nicht im öffentlich-rechtlichen Schutzraum wieder.

Dies führt zurück zum Schüler aus Bayern und seiner Klage.

Welchen Zweck hat er mit seiner Klage verfolgt?

Dass er Legastheniker ist, das wird ein Arbeitgeber spätestens dann merken, wenn er das erste schriftliche Erzeugnis seines neuen Mitarbeiters liest. Und wenn der Arbeitgeber bis dahin im Dunkeln gehalten wurde, keine Ahnung hatte, dass er einen Legastheniker eingestellt hat, wie wird er wohl reagieren? Die Realität der Legathenie lässt sich nun einmal nicht leugnen. Sie geht nicht weg.

… selbst dann nicht, wenn Richter am Oberverwaltungsgericht München in ihrem Urteil, das zwischenzeitlich Makulatur geworden ist, entschieden haben, dass der Vermerk auf die geringere Leistung, die in einer relativen Bevorzugung des legasthenischen Schülers gemündet ist, gestrichen werden muss, was wiederum dem Bundesverwaltungsgericht zu weit ging.

Die Entscheidung der Oberverwaltungsrichter ist die eigentliche Katastrophe: Haben die Richter doch entschieden, dass geringere Leistungen, die aus fachärztlich attestierten Ursachen zur selben Note geführt haben wie bessere Leistungen anderer Schüler, nicht als solche erkennbar gemacht werden müssen. Damit haben sie letztlich jede Form der Benotung ad absurdum geführt und jede Form der Unterscheidung nach Leistungsfähigkeit.

Es mag in der kleinen Welt der Münchner Oberverwaltungsrichter keine besondere Rolle spielen, welche Leistung ein Oberverwaltungsrichter erbringt oder nicht, in der Realität tut es das, und – wie man erfreulicher Weise feststellen kann, am Bundesverwaltungsgericht auch:

“Mit dieser als Notenschutz bezeichneten Maßnahme werden allgemeingültige, von der Person des Schülers unabhängige Anforderungen durch individuelle Anforderungen ersetzt, deren Bezugspunkt das Leistungsvermögen des einzelnen Schülers ist. Eine Fachnote, die durch die Anwendung von Notenschutz zustande gekommen ist, enthält nicht mehr die Aussage, dass der Schüler den der jeweiligen Note entsprechenden Anforderungen genügt. Aufgrund der unterschiedlichen Bewertungsmaßstäbe innerhalb einer Prüfung sind die Prüfungsergebnisse nicht mehr vergleichbar.”

Jetzt müssen die Bundesrichter nur noch den Schritt gehen und ihr Urteil auf die Vergleichbarkeit von Noten zwischen Bundesländern anwenden.

Frauen gelten in Jena als behindert

Leistungsschwache haben gegenüber Leistungsstarken einen Nachteil, einen, nein mehrere Nachteile: Sie sind leistungsschwächer, erzielen entsprechend schlechtere Leistungen, haben Probleme mit dem Selbstbewusstsein, weil sie schlechtere Leistungen als Leistungsstarke erzielen. Das ganze Problem ergibt sich ausschließlich aus dem Vergleich. Würde man Leistungsschwache nicht mit Leistungsstarken konfrontieren, sie würden nicht merken, dass sie leistungsschwach sind und sich entsprechend für leistungsstark halten, wären voller Selbstbewusstsein und würden voller Energie die Lösung von Problemen angehen, so, wie dies Leistungsschwachen, die sich für Leistungsstarke halten, möglich ist.

Ernst Abbe HochschuleEs ist ein Merkmal der Gleichstellungszeit, in der wir leben, dass es Leute gibt, die denken, dadurch, dass man Leistungsschwache in dem Glauben lässt, sie seien leistungsstark könne man etwas Positives erwirken. Dadurch könne man die Leistungsschwachen zu Höchstleistungen motivieren oder sie dazu motivieren, dass sie sich selbst weiterentwickeln, quasi zum leistungsstarken Leistungsschwachen.

Dummerweise gibt es eine Realität. In dieser Realität gibt es wirklich Leistungsstarke, es gibt Probleme, die über den Horizont von eingebildeten Leistungsstarken hinausgehen, deren Lösung sich ihnen nicht erschließt und wenn sich ihnen eine Lösung erschließt, dann ist es oftmals eine, die sich durch einstürzende Bauten auszeichnet.

Kurz: Es bringt nichts, Leistungsschwachen vorzugaukeln, sie seien leistungsstark, sie in einem Schutzraum aufwachsen zu lassen, abgetrennt von der Welt und den wirklich Leistungsstarken.

Es ist, als wollte man den Gehbehinderten vor der Erkenntnis schützen, dass er nicht der schnellste 100 Meter Läufer der Welt ist, dass es Hussein Bolt gibt…

Dennoch ist man an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena angetreten, den beschriebenen Weg zu gehen und Frauen einen Schutzraum zu bieten, in dem sie sich einbilden können, sie seien gar nicht leistungsschwach.

Dazu ist es zunächst notwendig, Frauen generell als leistungsschwach einzustufen.

Das hat man an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena kurzerhand getan.

Es war nicht schwierig, denn: Im Studiengang “Elektrotechnik/Informationstechnik” sind wenige Frauen eingeschrieben.

Folglich müssen Frauen leistungsschwach sein, denn wären sie es nicht, es gäbe mehr von ihnen im Studiengang “Elektrotechnik/Informationstechnik”.

Gibt es aber nicht. Also sind Frauen leistungsschwach und müssen entsprechend gefördert werden.

“Studienbeginn ohne Männer” heißt der Schutzraum, den die Ernst-Abbe-Hochschule in Jena für Frauen geschaffen hat, die zu leistungsschwach sind, um mit Männern von Beginn des Studiums an zu konkurrieren. Dass sie zu leistungsschwach sind, das – wie gesagt – weiß man an der Ernst-Abbe-Hochschule, denn wären sie nicht leistungsschwach, mehr von ihnen wären im Studiengang eingeschrieben.

Deshalb gibt es zwei Semester nur für Frauen und unter Frauen. Das ist natürlich kein Verstoß gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, sondern ein Pilotprojekt:

“In dem Pilotprojekt lernen die Studentinnen in den ersten zwei Semestern unter sich. Vor allem die technischen und mathematischen Grundlagenfächer werden in diesem Zeitraum unterrichtet. Dazu erhalten die Studentinnen auf Wunsch Unterstützung bei der Karriereplanung durch Absolventinnen und viele Studiertipps durch erfahrene Kommilitoninnen.”

Offensichtlich ist man an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena nicht nur der Meinung, Frauen sind leistungsschwächer als Männer, wenn es z.B. um Elektrotechnik/Informationstechnik geht, man denkt auch, die Behinderten benötigen eine entsprechende Rundumbetreuung, man müsse durch Privilegien, die sie gegenüber leistungsstarken Studenten genießen, den Nachteil ausgleichen, der durch die vorhandene Leistungsschwäche verursacht wird.

Kottmann SonderschuleWie erfolgreich das “unter sich” lernen ist, davon wissen die Bildungsforscher, die sich dafür interessieren, ein Lied zu singen. Schüler mit Lernschwierigkeiten werden in Deutschland auf Sonderschlen befördert, damit sie dort unter sich sind und die Nachteile, die sie gegenüber den anderen Schülern haben, aufholen. Die einmal als leistungsschwach, weil aus den unterschiedlichsten Gründen als zurückbleibend klassifizierten Schüler, sollen über die Sonderschule wieder an das Feld der normalen und leistungsstarken Schüler herangeführt werden.

Der Erfolg ist hinlänglich bekannt: Die entsprechenden Schlüler sind ein für alle Mal als leistungsschwach, als Sonderschüler stigmatisiert, sie erreichen in der Regel nicht einmal einen Hauptschulabschluss und starten mit erheblichen Nachteilen in ihr Berufsleben, Nachteile, von denen nicht klar ist, ob sie ohne die Intervention von Sonderschulpädagogen nicht geringer gewesen wären. Aber: Die Bildungspolitiker fühlen sich gut, und darum geht es. Und in Erfurt, da fühlt sich vermutlich Prof. Dr. Ralph Ewert gut. Er ist für das Pilotprojekt “Studienbeginn ohne Männer” verantwortlich und straft es gleich lügen, denn zumindest der Vorname qualifiziert ihn als Mann.

Aber vielleicht lässt er seine Vorlesungen ja von einer weiblichen Vertrauten halten: “Studium ohne Männer, Sie wissen schon”.

Falls das Pilotprojekt, das die Ernst-Abbe-Hochschule hier anbietet, keine Verbesserung des Frauenanteils im Bereich “Elektrotechnik/Informationstechnik” erreicht, liegt dies natürlich nicht daran, dass das Pilotprojekt vollkommen an den Studienfachpräferenzen von Frauen vorbei geht, sondern daran, dass die in jedem Fall leistungsschwachen Frauen durch das Pilotprojekt nicht ausreichend gefördert wurden.

Folglich muss man sich neue Förderungen überlegen und noch tiefgehendere Maßnahmen ergreifen, z.B. die Besetzung der Studienplätze nach Geschlechterproporz “50:50”. Studienplätze werden an Männer erst vergeben, wenn das Frauenkontingent voll ist. Sofern das Frauenkontingent den Studiengang nicht obsolet gemacht hat, muss Frauen natürlich der Abschluss des entsprechenden Studienfaches erleichtert werden. Damit auch bei den Abschlüssen Geschlechtergleichheit erreicht wird, haben generell die Frauen ihre Prüfung bestanden, die notwendig sind, um den Anteil der Männer, die die Abschlussprüfung bestanden haben, auszugleichen – und zwar unabhängig von der Leistung der Frauen – schließlich sind Frauen leistungsschwach.

Politikwirkungsforschung: Große Worte und keine Taten – Bildungspolitik von links

Bildung ist seit jeher ein wichtiges Thema für die politischen Parteien der Linken gewesen. Bildung ist das Mittel der Wahl, mit dem Karl Marx das falsche Bewusstsein der Arbeiter umkrempeln wollte. Rudimentäre Bildung ist die Triebkraft hinter den Arbeiterbildungsvereinen, die es noch in der Weimarer Republik sehr zahlreich gegeben hat.

Arbeiterbildungsverein

Quelle: SPÖ

Bildungsaussagen in Wahlprogrammen linker Parteien bemühen Superlative und deklarieren Bildung als Recht für alle oder als Bürgerrecht oder den gerechten Zugang zu Bildung für insbesondere sozial benachteiligte Milieus, wie es heute heißt (gemeint sind Arbeiter oder Migranten), als Ziel linker Politik. Trotz dieser Deklarationen und Ankündigungen ist ausgerechnet die soziale Schieflage, wenn es zur Bildung kommt, in Deutschland so ausgreprägt wir sonst fast nirgendwo.

An Hauptschulen findet man mehrheitlich Arbeiterkinder.

An Gymnasien findet man mehrheitlich die Kinder von Beamten, Akademikern und Angehörigen der Mittelschicht.

An Universitäten finden sich dann vor allem Beamten- und Akademikerkinder überproportional häufig.

Es scheint eine gewisse Kluft zwischen den Worten und den Taten zu geben.

Wir haben dies zum Anlass für eine neue Untersuchung im Feld der Politikwirkungsforschung genommen. (Wir sind auf den Geschmack gekommen.)

Die Untersuchung hat Bildungspolitik, Hochschulpolitik im Allgemeinen und Hochschulfinanzierung im Besonderen zum Gegenstand.

Zunächst die Worte:

BildungswohlklangSPD: “Die Unterfinanzierung der Hochschulen, insbesondere im Bereich der Grundfinanzierung, schwächt die Hochschulen ausgerechnet in ihrem Kernbereich, der qualifizierten Ausbildung der Studierenden und des wissenschaftlichen Nachwuchses. Mangelnde Betreuung und hohe Abbrecherquoten sind die Folgen. Die wachsende Abhängigkeit der Hochschulen von Projektmitteln verwehrt den Hochschulen die nötige Planungssicherheit und erschwert eine langfristig angelegte Personalpolitik verbunden mit einem Anstieg befristeter Arbeitsverträge.”

Entsprechend setzt sich die SPD dafür ein, Hochschulen unabhängig zu finanzieren, über die so genannte Grundfinanzierung der Hochschulen dafür zu sorgen, dass Professoren sich der Forschung und Lehre widmen können, ohne sich z.B. um die Einwerbung von Drittmitteln zu kümmern.

Bündnis90/Grüne: “Freiheit durch Ausfinanzierung: Wir wollen die Grundfinanzierung der Hochschulen stärken und so die Balance zwischen Grund- und Drittmittel-Finanzierung wieder herstellen”

Auch Bündnis90/Die Grünen wollen sicherstellen, dass die Grundfinanzierung von Hochschulen gesichert ist und sich Professoren nicht um die Einwerbung von Drittmitteln bemühen müssen, um die eigene Existenz sicherzustellen. Die Sicherung der Grundfinanzierung ist für Bündnis90/Grüne eine Frage der Autonomie der Hochschulen, denn sie befürchten, dass Hochschulen über Drittmittelfinanzierung dem Einfluss der Wirtschaft ausgesetzt sind, was nach Ansicht von Bündnis90/Grüne schlecht ist.

Linke: “Hochschulen sollen im Interesse des Allgemeinwohls ausbilden und forschen. Sie dürfen deshalb nicht in Abhängigkeit von Einzelinteressen gebracht werden. Dies ist auch eine Frage der Demokratie. DIE LINKE fordert eine ausreichende öffentliche Finanzierung aller Hochschulen. Wir wollen keine von Privatbanken, Pharma- und Rüstungskonzernen gesponserten Lehrstühle, keinen Aldi-Süd- oder easycredit-Hörsaal.”

Die Idee von Bündnis90/Grüne ist bei der Linken zu Ende gedacht. Anstelle von Aldi-Süd-Hörsälen wollen die Linken lieber Karl-Marx-Hochschulen und Friedrich-Engels-Kindertagesstätten an Hochschulen.

Die Worte der drei linken Parteien sind eindeutig: Die Grundfinanzierung der Hochschulen soll die Unabhängigkeit von Hochschulen sicherstellen und dafür sorgen, dass keine oder nur wenig Drittmittel eingeworben werden müssen. Autonomie und Qualität der Lehre sind, so kann man den entsprechenden Publikationen entnehmen, für SPD, Bündnis90/Grüne und Linke eine Funktion der Höhe der Grundfinanzierung der Hochschulen.

Wir haben vor diesem Hintergrund untersucht, wie die Realität der Grundfinanzierung von Hochschulen mit den wohlklingenden Zielen in den Verlautbarungen linker Parteien zusammenpasst und auf Grundlage unseres Indexes der Linkslastigkeit den Zusammenhang zwischen Dauer und Intensität linker Regierung bzw. Regierungsbeteiligung in den Bundesländern und der Höhe der Grundfinanzierung untersucht. Dazu haben wir die Daten des Statistischen Bundesamts analysiert, und zwar:

  • Die Höhe der Grundmittel auf die Anzahl der Studenten bezogen – als Grundmittel pro Student. Die Werte variieren von 5.510 Euro pro Studenten in Brandenburg bis 8.080 Euro pro Studenten in Sachsen-Anhalt.
  • Die Höhe der Grundmittel auf die Anzahl der Professoren bezogen – als Grundmittel pro Professor. Die Werte variieren zwischen 332.870 Euro pro Professor in Bremen und 551.300 Euro pro Professor im Saarland.
  • Die Höhe der Drittmittel pro Professor. Die Werte variieren zwischen 103.740 Euro Drittmittel pro Professor in Rheinland-Pfalz und 232.870 Euro pro Professor in Sachsen.

Wenn die Ankündigungen, die die drei linken Parteien in ihren Programmen und Verlautbarungen machen, zutreffen, dann sollte man erwarten, dass:

  • mit der Dauer und Intensität der Regierungsbeteiligung linker Parteien die Höhe der Grundmittel pro Student und pro Professor steigt.
  • ein negativer Zusammenhang zwischen der Höhe der Grundmittel und der Höhe der Drittmittel dahingehend besteht, dass für Professoren, die durch hohe Grundmittel abgesichert sind, keine Notwendigkeit besteht, Drittmittel einzuwerben.

Unsere Analysen haben die folgenden Ergebnisse erbracht:

  • Je länger und intensiver linke Parteien in einem Bundesland an der Regierung sind oder daran beteiligt sind, desto geringer sind die Mittel der Grundsicherung der Hochschulen pro Student (r = -.35) und pro Professor (r = -.57).
  • Je geringer die Grundmittel pro Professor ausfallen, desto höher sind die Drittmittel, die pro Professor eingeworben werden (r = -.33).

Unser Politikwirkungsforschung hat somit das Gegenteil dessen erbracht, was linke Parteien durch ihre Politik erreichen zu wollen behaupten:

Die Grundsicherung der Hochschulen wird mit Dauer und Intensität der Regierungsbeteiligung linker Parteien schlechter. Entsprechend erhöht sich die Notwendigkeit der Einwerbung von Drittmitteln. Dies führt in der ideologischen Welt der linken Parteien dazu, dass nicht nur die Autonomie, sondern auch die Unabhängigkeit und damit die Qualität von Forschung und Lehre leidet und macht ALDI- anstelle von Karl-Marx zum Namensgeber des neuen Audimax ist – wohlgemerkt: Die Daten zeigen diese Ergebnisse gerade als Folgen linker Politik!

Kurz: im Bereich der Hochschulfinanzierung sind linke Parteien für das Gegenteil dessen verantwortlich, was sie in ihren Programmen und Verlautbarungen ankündigen.

Die Liste der Politikwirkungen, die linke Parteien, die sich in der Regierung befinden oder die an der Regierung beteiligt sind, zu verantworten haben, ist somit um zwei weitere Folgen gewachsen.

Bislang haben wir gezeigt, dass mit zunehmender Dauer und Intensität linker Regierung(sbeteiligung),

  • die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen bei der allgemeinen Schulbildung größer werden;
  • die Arbeitslosigkeit im Bundesland steigt,
  • die Verschuldung des Bundeslandes steigt,
  • die Aufklärungsquote sinkt,
  • die Aufklärungsquote für Eigentumsdelikte sinkt.

Die Indizien dafür, dass linke Parteien nach Dauer und Intensität ihrer Regierungsbeteiligung differenziert, einen negativen Effekt auf die Lebensumstände der Bevölkerung haben, werden immer zahlreicher.

Mehr Politikwirkungsforschung auf ScienceFiles:

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Nobelpreisverdächtiges aus Kassel: Aus Fehlern kann man lernen

Die Zukunft der deutschen Wirtschaft, die Zukunft von Deutschland als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, die Zukunft als Denkfabrik und Innovationenschmiede, sie ist gesichert.

Denn:

Unikat-ResearchIn Kassel wurde “Fludh”, das Forschungs- und Lehrzentrum für unternehmerisches Denken und Handeln gegründet. Jetzt kann es nur noch bergauf gehen. Und dass es auch bergauf geht, dafür sorgt u.a. Kathrin Rosing, die eine der vier Gründungsprofessuren an Fludh innehat.

Geradezu revolutionäre, innovative, kreative und wissensreiche Aussagen sind es, mit denen Rosing auf sich aufmerksam macht, nobelpreisverdächtige Einsichten in die menschliche Psyche und die Logik unternehmerischen Handelns, die wir ob ihrer Wichtigkeit im Original und (zunächst) unkommentiert dokumentieren:

“Deutschland kann beim Umgang mit Fehlern noch viel lernen … Dabei sind Fehler nicht unbedingt etwas Negatives, im Gegenteil: Viele Innovationen entstehen aus Fehlern. … Ein wichtiger Bestandteil entsprechender Strategie ist das ‘Fehlermanagement’: ‘Wir müssen’, fordert Rosing, ‘eine Wahrnehmung dafür entwickeln, dass Fehler nichts Schlimmes, nichts Negatives sind’ … ‘Fehler können neben negativen auch positive Konsequenzen haben’. … Nach einem Fehler sei eine Ursachenanalyse nötig, bei der es zu erkunden gelte, wie der Fehler entstanden ist, ob und wie er – sollte er sich negativ auswirken – behoben werden kann”.

Sie sehen, es gibt keinen Grund, um den Wissenschaftsstandort Deutschland zu bangen. Gerade im Hinblick auf die Grundlagen des menschlichens Lebens ist Deutschland wieder führend, führend wegen Kapazitäten wie Kathrin Rosing, die die positive Wirkung von Fehlern entdeckt hat, die erkannt hat, dass Fehler nicht nur schlecht, sondern auch gut sein können, dass man Fehlern etwas Produktives abgewinnen kann, dass man sie einem Fehlermanagement unterziehen kann.

Wo seit Jahrtausenden trial-and-error Stümperei betrieben wurde, wo Philosophen vor fast einem Jahrhundert auf Falsifikation als einzige Form des Erkenntnisgewinns verwiesen haben, hier geht Rosing in die Tiefe, hier dringt sie zum wahren, essentiellen, die tiefenpsychologischen Kern des Fehlers vor: Fehler müssen nicht negativ sein.

Lassen Sie diese Erkenntnis auf sich wirken! Betreiben Sie ein Fehlermanagement, wenn sie sich das nächste Mal aus Unachtsamkeit in die falsche U-Bahn setzen, erkennen Sie die positive Wirkung, wenn sie im schönen Starnberg ankommen, und nicht in tristen Halbergmoos wie beabsichtigt.

Fehler müssen nicht nur schlecht sein. Wie gut, dass wir diese Erkenntnis nun in einer Gründungsprofessur verewigt finden. Und wie es möglich war, ins 21. Jahrhundert ganz ohne diese Erkenntnis vorzudringen? Wir wissen es nicht.

Nun im Ernst: Die Erkenntnis des Fludh-Gründungsprofessors aus Kassel ist in ihrer Trivialität so immens, dass man der Superlative verlustig geht. Denn: Wie sonst sollte man lernen, wenn nicht aus Fehlern? Ist das nicht die Erkenntnis, die schon Kleinkindern vermittelt wird, wenn ihre irrige Annahme, man müsse in die Breischüssel patschen, durch eine geordnete Intervention mit Löffeln beseitigt, ihnen neues Wissen per Fehlermanagement geradezu eingelöffelt wird? Und angesichts dieser Trivialitäten des menschlichen Lebens, die nunmehr als wissenschaftliche Erkenntnis verkauft werden, muss man sich dann doch Sorgen um den Wissenschaftsstandort Deutschland machen.

Ein weiterer Wermutstropfen im klaren Wein der Erkenntnis, den Kathrin Rosing anrührt, der betrifft den Mythos, Alexander Fleming habe das Penicilin per Zufall entdeckt, weil er vergessen habe, eine Probe mit Bakterien aufzuräumen. Der Mythos ist der Tatsache geschuldet, dass ihn Fleming befördert hat, um seine Rolle bei der Entwicklung von Penicilin aufzublasen, eine Entwicklung, die weitgehend von Howard W. Florey und Ernst B. Chain geleistet wurde. Auf sie geht die Entwicklung von Penicilin zum Medikament und die erste Behandlung mit Penicilin zurück, nicht auf Alexander Fleming. Wir empfehlen die Rolle, die Fleming an der Entwicklung von Penicilin hatte, somit dem dringenden Fehlermanagement von Kathrin Rosing.

Und dann war noch Rosing. Woran erinnert uns nur Rosing?

An Rosings! Nicht der Genitiv zu Rosing, sondern ein feudaler Landsitz in Jane Austens Pride and Prejudice, bewohnt von Lady Catherine de Bourgh, einem Busybody, der seinen trivialen Senf zu wirklich allem geben muss, bis hin zum Einbauschrank.

Die öffentlich-rechtliche Gender-Einheitsfront bröckelt

three apesWenn es darum geht, den Genderismus zu kritisieren, der sich zwischenzeitlich mit rund 200 Lehrstühlen an deutschen Hochschulen eingenistet hat, dann standen öffentlich-rechtliche Medien bislang ganz und gar nicht in der ersten Reihe.

Nach wie vor ist ScienceFiles das einizige Medium, das kontinuierlich und konstant die Auswüchse des Genderismus an deutschen Hochschulen darstellt und kommentiert, sei es die Diskriminierung von Männern z.B. im Rahmen des Professorinnenprogramms, sei es die Verweigerung jeglichen wissenschaftlichen Dialogs durch die Anhänger des Gender-Kults, die es in aus ihrer Sicht “statushohe Positionen” an Hochschulen geschafft haben, sei es das Fehlen jeglicher wissenschaftlicher Standards und Methoden bei so genannten Gender Studies, sei es der Wahrheitsanspruch und der Charakter als Offenbarungslehre, der Gender Studies vollständig aus dem wissenschaftlichen Programm ausschließt und als das erkennbar macht, was Gender Studies sind, eine Spielart des Sozialismus, eine totalitäre Ideologie.

Die Einheitsfront der schweigenden öffentlich-rechtlichen Medien, die ihrer Aufgabe der Information der Öffentlichkeit, über das, was u.a. an deutschen Hochschulen, ganz zu schweigen von öffentlichen Institutionen und Parteien durch Genderismus angerichtet wird, in keiner Weise nachkommen, und lieber schweigen oder in politischer Korrektheit versinken, diese Einheitsfront, sie bröckelt.

rbb_KutscheraRadio Berlin-Brandenburg bringt am Samstag, den 11. Juli um 12.22 Uhr ein Interview mit Prof. Dr. Ulrich Kutschera, über den wir vor einiger Zeit berichtet haben. Kutschera ist einer der wenigen deutschen Wissenschaftler mit instutioneller Anbindung, die den Mund aufmachen und deutliche Worte zu dem finden, was sich als Gender Studies an deutschen Hochschulen etabliert hat. Für Kutschera gibt es keinen Unterschied zwischen Gender Studies und Kreationismus, und diese Meinung vertritt er auch.

“Die Gender-Forschung, für die es in Deutschland inzwischen 200 Lehrstühle gibt, ist eine wissenschaftliche Macht geworden. Das erfuhr auch der Gast des heutigen “Zwölfzweiundzwanzig”, der renommierte Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera von der Universität Kassel, als ein von ihm im humanistischen Pressedienst erschienener Artikel mit dem Titel “Universitäre Pseudowissenschaft” bereits einen Tag später der Zensur zum Opfer fiel.”

Die Sendung im rbb verspricht, interessant zu werden.

Und was uns besonders freut: ScienceFiles ist als die Informationsquelle genannt, aus der man sich über die Vorgänge um Professor Kutschera informieren kann.

So langsam tut sich selbst in öffentlich-rechtlichen Medien etwas.

Martenstein on Wissenschaft

Wissenschaft ist die Methode zu zweifeln. Es geht darum, Bekanntes in Frage zu stellen, neue Ideen zu entwickeln, sie zu prüfen, die Konsequenzen aus den Testergebnissen zu verarbeiten, die Ergebnisse zu kritisieren, die eigenen Ideen weiterzuentwickeln, sie wieder und wieder an der Realität zu testen. Karl Popper hat Wissenschaft einmal als trial-and-error-Verfahren beschrieben, bei dem es darum geht, die eigene Vorstellung davon, wie etwas in der realen Außenwelt erklärt werden kann, wieder und wieder zu prüfen und mit jeder Prüfung der Wahrheit ein Stück näher zu kommen.

Harald Martenstein schreibt in der ZEIT über Wissenschaft.

MartensteinDer Anlass für Martensteins Text sind die Studenten, die in Berlin das blog “Münkler-Watch” betreiben, ein Blog, das sich dem anti-rassistischen Kampf gegen alle, die nicht so sind wie die Betreiber, verschrieben hat, und ein Blog von Münkler-Watchern, die die Wahrheit trotz ihrer nur 20+ Jahre genau kennen, die entsprechend keine Kritik, keinen Zweifel, keine auch noch so kleine Abweichung von ihrer Wahrheit zulassen, Abweichler wie Herfried Münkler folglich überwachen und vor dem Hintergrund der Wahrheit der Watchisten entlarven wollen.

Harald Martenstein versucht in der ZEIT den Watchisten etwas vom Geist der Wissenschaft zu vermitteln. Er tut dies im Ton eines Erziehungsberechtigten, der zu seinen unartigen Gören spricht, jedoch mit viel reformpädagogischem Wohlwollen, dem die Hoffnung, man habe es mit einem Erziehungsgegenstand zu tun, dem grundsätzlich Wissen vermittelbar sei, dem grundsätzlich Erkenntnis möglich sei, inhärent ist.

Also erzählt Martenstein von Ambivalenz und ohne ihn zu nennen, denn sein Erziehungsversuch soll diejenigen, die er erziehen will, ja nicht überfordern, vom Fehlschluss ad hominem, jenem Fehlschluss, der unter Ideologen so endemisch ist, der offenkundig die geistige Kapazität der entsprechenden Ideologen vor ein unlösbares Problem stellt:

Wie – Jemand kann Rassist oder Kapitalist oder sogar Sozialist sein und dennoch einen Satz geäußert haben, der die Realität richtig beschreibt?

Schlimmer noch: Jemand kann ein weißer Mann sein, der das Wort “Neger” schriftlich niedergelegt hat und der dennoch wie Immanuel Kant oder Wilhelm von Humboldt zu den großen Freiheitsdenkern der Menschheitsgeschichte gehört.

Diese schlichte Erkenntnis, die Ideologen so unvorstellbar ist, Martenstein will sie ausgerechnet den Münkler-Watchisten vermitteln. Und im Verlauf seines Erziehungsversuchs vermittelt er nicht nur die Prämisse der Reformpädagogen, nach der jeder erziehbar ist, sondern auch den Eindruck, es sei für Studenten an Hochschulen irgendwie normal auf derart abseitige Ideen, wie die von Münkler-Watch zu kommen, als sei es eine Sache, die einem einfach so einfallen kann, die einfach so harmlos des Wegs kommende Studenten befällt und zu Watchisten konvertiert.

Wie so viele Reform-Pädagogen vergisst Martenstein, dass Handlungen in einen Handlungskontext eingebettet sind, vor dem man sie betrachten muss. Die Watchisten an der HU-Berlin sind nicht vom Himmel gefallen. Es ist kein Zufall, dass die Watchisten sich an der HU-Berlin gegründet haben. Es ist dem Umfeld geschuldet, in dem sich die Watchisten bewegen, denn, so schön eine deratige Idee auch sein mag, die wenigsten Menschen kommen von sich aus auf Ideen. Den meisten muss man Ideen vorgeben und den Watchisten mit Sicherheit, denn die Grundlage des Watchismus ist die Übernahme einer Heilslehre.

Man muss sich erst im Besitz von Wahrheit wähnen, ehe man die entsprechende Wahrheit gegen Andersdenkende verteidigen zu müssen glaubt und selbst wenn man sich im Besitz der Wahrheit wähnt, ist ein Aktivator notwendig, jemanden, der die Wahrheitsjünger in die Welt schickt, um dort ihr Heil zu verkünden und Nicht-Gläubige wahlweise zu bekehren, zu diffamieren oder zu ermorden (nicht umsonst wird eine Verbindung zwischen Hasspredigern und Terroristen, die sich aus welchen Gründen auch immer auf den Islam berufen, hergestellt).

Insofern Martenstein dies nicht berücksichtigt, verharmlost er das Problem der Watchisten.

Heavens gateSeine Erziehungsbemühungen setzen am falschen Punkt an und sind schon deshalb zum Scheitern verurteilt. Wichtiger als die Erziehung der Watchisten, aus denen man sowieso keine Wissenschaftler mehr machen kann, wäre es, die Hintermänner zu identifizieren, jene, die an der HU-Berlin für ein Klima verantwortlich sind, in dem weiße Männer generell des Rassismus, Seximus, und wenn sie nicht behindert sind, des Ableismus verdächtigt werden, in dem vesucht wird, Autoren aus dem Curriculum zu streichen und Aussagen dieser Autoren zu unterdrücken, die nicht in das eigene Weltbild jener Sozial-Macher des Guten passen.

Hier und nicht bei den Watchisten, die nur Figuren in einem Spiel sind, ist der Ansatzpunkt für diejenigen, die die Wissenschaft gegen Ideologen verteidigen wollen. Allerdings wird man bei diesen Ideologen nicht mit Erziehungsbemühungen à la Martenstein weiterkommen. Hier braucht man schon härtere Kaliber, wie z.B. die Entfernung der entsprechenden Ideologen von Universitätet.

Was für eine Vorstellung. Da sollen Dozenten von Universitäten entfernt werden. Was ist mit der Freiheit der Wissenschaft? Nun, die Freiheit der Wissenschaft sieht es nicht vor, dass man dabei zusieht, wie Ideologen sich unter Missbrauch eben der Freiheit der Wissenschaft einnisten und Wissenschaft zerstören. Wissenschaft ist ein Unterfangen, das auf dem Grundkonsens des gegenseitigen Respekts, der wissenschaftlichen Methode und der Freiheit der Meinungen basiert.

Wer vor anderen Wissenschaftlern keinen Respekt hat, sie generell als weiße, sexistische Männer diskreditiert, wer keine wissenschaftliche Methode vorweisen kann, seine Behauptungen weder begründet noch sie kritisieren lässt, wer anderen, die ihre begründete Meinung vortragen, den Mund verbieten will, der hat an Hochschulen nichts zu suchen, denn: derartige Ideologen haben nichts mit Wissenschaft zu tun. Wer die Freiheit der Wissenschaft für sich ins Feld führen will, der muss Wissenschaftler sein, der muss die wissenschaftliche Methode und die Regeln der Wissenschaft akzeptieren, respektieren und (willens sein, sie) an(zu)wenden.

Zensur und Überwachung: Das Ende der Wissenschaftsfreiheit

Die Wissenschaften sehen sich verstärkten Bemühungen ausgesetzt, Wissenschaftsfreiheit zu beseitigen, Wissenschaftler zu kontrollieren, Ideen an politischer Korrektheit auszurichten, unbequeme oder als gefährlich etikettierte Forschung zu verhindern und die Diskussion über wissenschaftliche Erkenntnis zu erschweren:

“The realization of academic freedom depends on controversy: it voices dissent. Linked to free speech, it is marked primarily by critique, speaking against – even offending against – prevailing concepts or norms”.

XindexDies schreibt Thomas Docherty in einem Beitrag über die Beseitigung von Wissenschaftsfreiheit im Vereinigten Königreich (wobei man ergänzen muss, dass Kritik und abweichende Meinungen kein Selbstzweck sind und nur dann als relevant angesehen werden können, wenn sie begründet sind!)

Der Beitrag von Docherty entstammt der Juni-Ausgabe von X index on Censorship, die komplett den Gefahren gewidmet ist, die wissenschaftliche Freiheit derzeit bedrohen. Das Heft versammelt Beiträge aus dem Vereinigten Königreich, Irland, den USA, der Ukraine, der Turkei, China, Mexiko und Indien und beschreibt zum Teil erschreckende Realitäten außerhalb von Deutschland.

Warum gibt es keinen Beitrag aus Deutschland? Vermutlich hat sich kein Wissenschaftler gefunden, der mutig genug ist, die Zustände in Deutschland in einem namentlichen Beitrag zu beschreiben.

Dabei wäre gerade ein Beitrag für Deutschland so wichtig wie kein anderer, denn in Deutschland kumulieren die Gefahren für die Wissenschaftsfreiheit, die für andere Ländern beschrieben werden.

Jemimah Steinfeld für China, Thomas Docherty für das Vereinigte Königreich und Mark Fray für die USA beschreiben Entwicklungen, die es allesamt auch in Deutschland gibt, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt:

Für China: Aussagen, die sich gegen Parteiführer richten oder den Sozialismus in ein schlechtes Licht rücken, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden. Für Deuschland: Aussagen, die sich gegen Feministen oder Feminismus richten, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden.
Für das Vereinigte Könnigreich: Aussagen, in denen die eigene Universität kritisiert wird, schaden dem Markennamen der Universität und dürfen von Akademikern nicht mehr gemacht werden. Für Deutschland: Professoren sind Beamte und dem Beamtenrecht, das Loyalität, also schweigende Zustimmung zum Dienstherr vorsieht, unterworfen.
Für die USA: Triggerwarnungen davor, dass der folgende Text die Lesenden in irgend einer Weise psychisch verletzen könnte, sorgen dafür, dass Hochschulen zur psychiatrischen Anstalt verkommen, an denen jeder seinen Spleen frei ausleben kann. Für Deutschland: Texte, die Lesende mit etwas konfrontieren könnten, was bei diesen zu einer psychischen Krise führt, sollen ganz verboten werden.
Für die USA: Bestimmte Autoren sollen aus dem Curriculum gestrichen werden, weil ihre Arbeiten die Lesenden paychisch belasten könnten. Für Deutschland: In Halle oder in Berlin wollen Studenten die Arbeiten von Autoren, die sie für rassistisch oder sonst etwas halten, nicht mehr im Curriculum sehen. Ins Curriculum darf nur noch aufgenommen werden, was politisch korrekt ist.
Für China: In Vorlesungssälen sollen Videoüberwachungskameras installiert werden, um sicherzustellen, dass Dozenten auch die richtige Lehre vermitteln und sie richtig vermitteln. Für Deutschland: In Deutschland braucht man keine Videoüberwachung. Hier übernehmen Studenten die Überwachung ihrer Dozenten, Studenten, die sich in anonymen Vereinigungen wie Münkler-Watch zusammengeschlossen haben.
Für China: Akademiker werden dadurch zensiert, dass nicht-linientreue Akademiker keine Fördergelder erhalten und durch Peer-Kontrolle von Publikationen ausgeschlossen werden. Für Deutschland: Kein Unterschied. Wer das nicht glaubt, der möge versuchen, einen Beitrag, in dem er die Einvernahme deutscher Universitäten durch den Feminismus kritisiert zu veröffentlichen oder wahlweise ein Forschungsprojekt einreichen, dessen Ziel darin besteht, den Nutzen der wissenschaftlichen Beiträge, die von Genderlehrstühlen produziert werden, zu evaluieren.

Es sieht nicht besonders gut aus, um die Freiheit der Wissenschaft, jenen geflügelten Begriff, mit dem sich immer die Herrscher in Staaten schmücken, die am intensivsten darum bemüht sind, die Freiheit der Wissenschaft einzuschränken oder z.B. durch die Vergabe von Fördermitteln zu kontrollieren oder die Einführung einer Zivilklausel zu verhindern.

ideasaheadDiejenigen, denen die Freiheit der Wissenschaft ein Dorn im Auge ist, sie finden sich immer unter denen, die Heilslehren wie den Feminismus verkünden oder ihre politische Herrschaft zementieren wollen. Beide eint das Bemühen, abweichende Ideen, die die eigene Position in Gefahr bringen oder herausfordern, zu unterdrücken. Vermutlich ist dies der Grund, warum der Feminismus in Deutschland zu einem Staatsfeminsimus geworden ist, der Frauenförderung zur paternalistischen Aufgabe des Staates gemacht hat, mit deren Hilfe es nicht nur möglich ist, Hochschulen zu kontrollieren.

Denn: wer ist eigentlich so naiv zu denken, Frauenförderung an Universitäten würde die intelligentesten Frauen in Positionen befördern? Die intelligentesten Frauen durchschauen, dass sie sich einerseits als Nutznießer von Frauenförderung in eine abhängige Beziehung zu ihrem Förderer begeben und andererseits als entsprechende Nutznießer konstatiert bekommen, dass sie der Hilfe eines väterlichen staatlichen Freundes bedürfen, um überhaupt etwas zu erreichen. Das ist das Gegenteil von Emanzipation und Emanzipation, auch psychologisch als Selbstwirksamkeit beschrieben, ist das, wonach intelligente Menschen streben.