Erneut belegter Befund: Linke Landesregierung verschärft jungenfeindliches Klima in Schulen

Unser Beitrag “Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen in der Schule ab“, hat einigen Wirbel verursacht. Fast, dass wir uns nach 2002 zurückversetzt fühlen. Damals hat die Veröffentlichung von “Bringing Boys Back In” und die Tatsache, dass wir darin nicht nur die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen im deutschen Bildungssystem gezeigt haben, sondern auch gezeigt haben, dass die Nachteile umso geringer werden, je höher der Anteil männlicher Grundschullehrer ist, viel Staub aufgewirbelt.

Die Reaktionen damals wie heute waren bei gewissen Leuten bestimmter ideologischer Ausrichtung die gleichen: Ungläubiges Staunen, gefolgt von einem Abwehrreflex, gefolgt von entsprechenden Abwehrmaßnahmen, abermals gefolgt vom mehr oder weniger untauglichen Versuchen, unsere Ergebnisse zu diskreditieren.

Wir haben ein deja vu.

BenninghausJenseits dieser Reaktionen gibt es wohl auch eine Reihe von Lesern, die nicht nachvollziehen können, was bei der Berechnung der Zusammenhangsmaße eigentlich gemacht wurde, und weil ich gestern abend einer Reihe von guten Argumenten ausgesetzt war, die allesamt von der wie immer empathischen Dr. habil. Heike Diefenbach gemacht wurden (als Fürsprecher mancher Kommentatoren), haben wir heute die Daten aus dem eher rustikalen Excel in das elaboriertere SPSS (Statistical Package for Social Sciences, IBM SPSS Version 22) übertragen und alles noch einmal und in mehreren Varianten berechnet.

Da etliche Leser mit der Konstruktion des Index Probleme hatten, sie nicht nachvollziehen konnten oder Einwände dagegen erhoben haben, gibt es nunmehr vier Indices:

  • Den Ausgangsindex, ein 5-Minuten-Index, bei dem den Parteien mit steigender Linkslastigkeit steigende Werte zugewiesen werden, und bei dem die entsprechenden Werte addiert werden, wenn Länder von Koalitionen regiert werden.
  • Aber, so ein Einwand, dann hat ja eine Koalition aus CDU und SPD den Wert 5 und somit den Wert, den eine Landesregierung der Linken hätte, wenn es Sie denn gäbe. Also haben wir einen gestreckten Index berechnet, der deratige theoretisch mögliche Überlappungen vermeidet.
  • Dann gibt es einen gestauchten Index, der nicht vom theoretischen Möglichkeitsraum der Parteienkoalitionen ausgeht, sondern von den emprisch vorhandenen Koalitionen. Die entsprechenden Koalitionen auf Landesebene (und die Alleinregierung der CSU) wurden nach aufsteigender Linkslastigkeit sortiert, und es wurden Ihnen Werte von 1 bis maximal 6 zugewiesen, 6 ganz einfach deshalb, weil es sechs verschiedene Zusammensetzungen von Landesregierungen mit Blick auf Parteien gibt [also: 1 = CSU, 2 = CDU + SPD, 3 = CDU + Grüne, 4 = SPD + Grüne; 5 = SPD + Linke; 6 = Linke, SPD + Grüne].
  • Schließlich gibt es für die Daten-Mitteln-Fraktion einen eigenen Index, in dem die Werte für die Koalitionen gemittelt wurden.

Die Daten für die vier Indices und die Daten für die abhängigen Variablen sind in der folgenden Tabelle zusammengestellt, ebenso die Ergebnisse der Berechnungen.

Den Ergebnissen ist voranzuschicken, dass ich beim Übertragen der Daten festgestellt habe, dass ich die Leute in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Linke-SPD-Regierung beglückt habe. Das habe ich korrigiert, und falls sich Leute in Mecklenburg-Vorpommern von dieser Regierungs-Aussicht bedroht fühlen, hier meine Entschuldigung.

Der kleine Fehler hat indes keinerlei Effekt auf die Ergebnisse, denn die statistisch feineren Analysen in SPSS, die es z.B. erlauben das von Dr. habil. Heike Diefenbach ins Spiel gebrachte Eta zu berechnen, also ein Maß, für dessen Berechnung das Skalenniveau der unabhängigen Variablen (hier der Indices) egal ist, bestätigen unser vorgestern veröffentlichtes Ergebnis. Damit sollten alle Diskussionen darüber, ob die Annahme von Linerarität, die der Berechnung von Pearsons r zugrunde liegt, im vorliegenden Fall gerechtfertigt ist oder nicht, beendet sein. Wie überhaupt alle Diskussionen darüber, ob die Ergebnisse, die wir publiziert haben, valide sind, damit beendet sein sollten (immer einen rationalen Diskurs und keinen emotionalen Diskurs vorausgesetzt).

Noch mehr nachteile von Jungen

Die Tabelle zeigt sehr eindrücklich, dass ein Zusammenhang zwischen den berechneten Indices und dem Abschneiden von Jungen in der Schule besteht. Kurz: Dass linke Landesregierungen zu Lasten des schulischen Erfolgs von Jungen gehen, ist abermals und noch eindrücklicher belegt als beim letzten Mal.

Im Einzelnen zeigen die Korrelationen Folgendes:

  • Die Werte für Eta zeigen für alle Arten der Berechnung des Index der Linkslastigkeit der Regierung dasselbe Ergebnis: Linkere Landesregierungen gehen mit größeren Nachteilen von Jungen gegenüber Mädchen beim Abitur und bei denen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, einher als weniger linke Landesregierungen.
  • Der Zusammenhang ist offensichtlich vollkommen unabhängig von der Art und Weise, in der Index berechnet wird. Er ist stabil.
  • Die Werte für Pearson’s R sind generell geringer als die Werte für Eta, was daraufhin deutet, dass die Annahme der Linearität des Zusammenhangs grundsätzlich gilt, dass innerhalb des Lagers der Linken aber Unterschiede vorhanden sind. Das ist insofern plausibel als die Landespolitiken von SPD und Linker in Brandenburg sich von der Landespolitik der Grünen und der SPD in Baden-Württemberg unterscheidet, was letztlich dafür spricht, dass innerhalb der Linken eine gewisse Fragmentierung vorhanden ist.
  • Dass Jungen häufiger die Schule ohne einen Abschluss verlassen als Mädchen lässt sich nicht linear als Ergebnis einer steigenden Linkslastigkeit erklären. Da Eta jedoch einen deutlichen Zusammenhang zwischen allen Indices der Linkslastigkeit, insbesondere dem gestauchten Index, der von der tatsächlichen Verteilung der Koalitionen auf Landesebene ausgeht, zeigt, muss man auch hier davon ausgehen, dass das jungenfeindliche Klima, das in allen Analysen zum Ausdruck kommt, innerhalb des linken Lagers immerhin in verschiedenen Graden der Intensität vorhanden ist.

Fazit:

  • Linke Regierungen auf Landesebene verschärfen das ohnehin schon jungenfeindliche Klima in Deutschland noch weiter.
  • Der Effekt linker Bildungspolitik zeigt sich besonders einheitlich bei der Bevorzugung von Mädchen mit Bezug auf die (Fach-)Hochschulreife.
  • Dagegen gibt es offensichtlich keine einheitliche Haltung bei linken Bildungspolitikern im Hinblick auf Schüler, die ohne Schulabschluss ihre Schulausbildung beenden. Das ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die Mehrzahl derjenigen, die in ihr Berufsleben ohne einen Schulabschluss entlassen werden, Jungen sind.

Es gibt am Befund also nichts zu rütteln:

Linke Bildungspolitik bevorzugt Mädchen vor allem bei der (Fach-)Hochschulreife und schadet Jungen. Linke Bildungspolitik verschärft ein ohnehin schon jungen- und männerfeindliches Klima in Deutschland.

©ScienceFiles, 2015

(Fach)Hochschulreife: weiblich und wertlos

Beim Statistischen Bundesamt wird darüber gejubelt, dass mehr als jeder dritte Schüler 2013 die Schule mit dem Abitur beendet hat.

Ist das wirklich ein Grund zur Freude?

Als Theodore Schulz im Jahre 1961 seinen Artikel “Investment in Human Capital” veröffentlicht hat, in dem er im Ländervergleich zeigt, dass mit der Anzahl der formal höher Gebildeten in einem Land das Bruttosozialprodukt steigt, da konnte er nicht wissen, dass es 50 Jahre später u.a. bei der OECD Spezialisten geben würde, die tatsächlich denken, man könne das Bruttosozialprodukt nahezu endlos steigern, wenn man den Anteil der formal höher Gebildeten in einem Land von 20% Abiturienten auf 40% oder gar 60% steigern würde.

Dass man etwas derartiges denken könnte, war Schultz, der noch eine Ausbildung in Ökonometrie und Statistik hinter sich gebracht hat, wohl schlicht nicht vorstellbar.

So kann man sich irren.

Heute ist es unter Politikern chick, für andere das Bildungsniveau zu fordern, das man selbst nicht erreicht hat: 40% mit Hochschulreife sollen es sein: Je mehr desto besser, so tönt es.

Und das Resultat dieser Bildungs-Hysterie kann man an den Daten des Statistischen Bundesamts ablesen.

Nachteile Jungen II

Die Abbildung zeigt ein Bildungssystem mit zwei Klassen: Bis einschließlich Rheinland-Pfalz finden sich Länder, denen man zumindest ansatzweise attestieren kann, dass die Bildungshysterie bei ihnen nicht sonderlich ausgeprägt ist, dass die Idee, nach der bestimmte formale Abschlüsse nicht für jeden erreichbar sind und sein können, noch vorhanden ist.

Nicht so in Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen, Bremen und Brandenburg. Hier werden formale Bildungsabschlüsse offensichtlich verschenkt. 62,2% der weiblichen Abgänger verlassen in Hamburg die Schule mit einem Abitur, 50,5% sind es in Nordrhein-Westfalen, 43,6% in Berlin, 42,9% in Hessen, 41,8% in Bremen und 41,2% in Brandenburg. Eine wahre Abitur-Epidemie, die interessanter Weise damit einhergeht, dass die Hochschulreife deutlich häufiger weiblichen als männlichen Absolventen attestiert wird. Da sich trotz aller politischen Unterschiede zwischen den Ländern die Vorteile von Mädchen bei der Hochschulreife durch alle Länder ziehen, kann man die entsprechenden Vorteile nur institutionell erklären, als Ergebnis einer entsprechenden Politik.

Als Ergebnis einer Politik, die Schulabschlüsse zu entwerten sucht, denn anders kann man die Tatsache, dass in Hamburg nahezu zwei Drittel der weiblichen Absolventen eine Hochschulreife erreichen, nicht mehr bezeichnen.

Warum wird mit dieser Politik die Hochschulreife entwertet?

Weil individuelle Eigenschaften, die z.B. für schulische Leistung relevant sind, also z.B. Intelligenz, Motivation, Leistungsbereitschaft normalverteilt sind.

Wir haben das in der folgenden Abbildung einmal für Intelligenz dargestellt:

Normalverteilung AbiturVon links nach rechts steigt die Intelligenz an. Der blaue Bereich unter der Kurve gibt den Anteil der Bevölkerung auf dem jeweiligen Niveau an. Der Mittelpunkt (Z-Score von 0) teilt entsprechend die Normalverteilung in zwei gleichgroße Hälften, die linke Hälfte umfasst diejenigen, die unter dem Median der Intelligenz liegen (der bei 50% liegt), die rechte Hälfte umfasst diejenigen, die über dem Median der Intelligenz liegen.

Die Idee höherer formaler Bildung zielt darauf, höhere formale Bildungstitel mit z.B. höherer Intelligenz in Einklang zu bringen. Gehen wir einmal davon aus, dass ein Bildungssystem nicht sozial siebt, wie das deutsche Bildungssystem, das den meisten Kindern aus der Arbeiterschicht den Zugang zu höherer Bildung verwehrt, dann sollte eine Hochschulreife an die sagen wir 30% vergeben werden, die sich auf der mit “Cumulative Percent” bezeichneten Linie ab 70 nach rechts befinden.

Wie man sieht, gibt es Indizien, dass dies in Bayern der Fall ist. Wie man auch sieht, ist es in Hamburg und Nordrhein-Westfalen nicht der Fall. In Hamburg erreichen 62% der weiblichen Absolventen und 54% der männlichen Absolventen eine Hochschulreife, was nur dadurch erreicht werden kann, dass auch Schüler, die links des Median der Intelligenzverteilung zu finden sind, die also nicht zu den 50% der Intelligentesten einer Gesellschaft gehören, mit einer Hochschulreife ausgestattet werden.

Mit anderen Worten, in jedem Fall in Hamburg und in Nordrhein-Westfalen und mit ziemlicher Sicherheit in Berlin, Hessen, Bremen und Brandenburg wird eine Hochschulreife an weibliche Absolventen (und in deutlich geringerem Ausmaß an männliche Absolventen) verschenkt, denen man aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten keine Hochschulreife attestiert kann.

Stellt man nun noch die soziale Selektion innerhalb des Bildungssystems in Rechnung, die dafür sorgt, dass Kinder aus der Mittelschicht, die die kognitiven Fähigkeiten zur Hochschulreife nicht haben, auf Gymnasien mit derselbe ausgestattet werden, während Kinder aus der Arbeiterschicht, die die entsprechenden kognitiven Fähigkeiten, die entsprechende Intelligenz mitbringen, es nicht auf Gymnasien schaffen, dann kann man sich ungefähr vorstellen, warum Hochschullehrer in den letzten Jahren beständig beklagen, dass das Niveau der Studenten immer weiter absinkt.

Zudem zeigt die oberste der beiden Abbildungen ein Zwei-Klassen-Bildungssystem, das nicht mit dem Glaubensbekenntnis der Kultusminister vereinbar ist, nachdem gleiche Bildungschancen in den Ländern vorhandens ein sollen. Dieses Glaubensbekenntnis wird schon durch die soziale Selektion im Bildungssystem zum Spott von Ignoranten oder Zynikern, es kommt durch die in der oberen Abbildung dargestellten Verhältnisse einer bildungspolitischen Bankrotterklärung gleich, denn während in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin, Unmengen von Schülern mit einer Studienberechtigung ausgestattet werden, wird in Sachsen-Anhalt, Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg die entsprechende Studierfähigkeit im Vergleich zu Hamburg nur einem Bruchteil der Absolventen attestiert.

Da in Deutschland wie in kaum einem anderen Land der formale Bildungsabschluss über die Lebenschancen entscheidet, kann man sich ungefähr vorstellen, welche Folgen diese Zwei-Klassen-Bildung hat, bei der Abiturienten aus Hamburg, die kognitiv manchen Real- oder Hauptschülern in Bayern oder Baden-Württemberg nicht das Wasser reichen können, kraft ihrer höheren formalen Bildung Zugang zu anderen gesellschaftlichen Positionen haben als die Real- oder Hauptschüler aus Bayern bzw. Baden-Württemberg.

Man kann sich das Ergebnis dieser Vielfalt kognitiver Fähigkeiten unter dem Dach derselben formalen Bildung ungefähr vorstellen, wenn man Politiker betrachtet.

Schultz, Theodore, W. (1961). Investment in Human Capital. The American Economic Review LI (1): 1-17.

Je linker die Landesregierung, desto schlechter schneiden Jungen im Bildungssystem ab

Das Statistische Bundesamt hat heute die Zahlen der Schulabsolventen für das Jahr 2013 veröffentlicht. Die Statistik hinkt in Deutschland immer etwas hinterher. Beim Statistischen Bundesamt sind die neuen Zahlen Anlass für eine Jubelmeldung unter der Überschrift: “Mehr als jeder dritte Schüler beendete 2013 die Schule mit dem Abitur“.

Darüber freuen wir uns in einem nachfolgenden Post nicht.

Zunächst haben wir uns die Zahlen der Bildungsabschlüsse nach Geschlecht vorgenommen. Wie Leser dieses Blogs wissen und seit wir 2002 unseren Beitrag “Bringing Boys Back In” veröffentlicht haben, auch der Mehrzahl der deutschen Bevölkerung bekannt ist: Jungen bleiben bei der allgemeinen Schulbildung deutlich hinter Mädchen zurück. Sie erreichen seltener ein Abitur und beenden ihre Schulausbildung häufiger ohne Schulabschluss als Mädchen.

Dass diese Nachteile von Jungen seit 2002 bekannt sind, hat den nachfolgenden Generationen von Jungen, die seitdem das deutsche Bildungssystem durchlaufen haben, wenig geholfen: Deutschen Bildungspolitikern sind die Nachteile von Jungen, das kann man nach nunmehr 13 Jahren gleichlautender Meldungen und weitgehend unveränderter Daten feststellen, schlicht und ergreifend egal. Wir leben im Zeitalter des gehässigen Feminismus, in dem alles getan wird, um Mädchen zu fördern und nichts, um daraus entstehende Nachteile von Jungen zu vermindern.

Noch deutlicher: Heutige Generationen von Jungen werden geopfert, um der Gutmenschen Spleen einer angeblich notwendigen Mädchenförderung durchzusetzen. Es gehört zu den Geheimnissen moderner Psychologie, dass Verantwortliche, die Jungen die Lebenschancen zerstören, von sich denken, sie seien gute Menschen. Vermutlich kann man derartige Kurzschlüsse nur über eine entsprechende Phobie erklären.

Um unseren Lesern einen Eindruck davon zu vermitteln, welches Ausmaß die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen zwischenzeitlich erreicht haben, sind in der folgenden Abbildung die prozentualen Differenzen zwischen Jungen und Mädchen bei den Schülern, die eine (Fach-)Hochschulreife erreicht haben und bei den Schülern, die ohne Schulabschluss geblieben sind, addiert und für die einzlenen Bundesländer dargestellt.

Nachteile Jungen

Die Nachteile, die Jungen gegenüber Mädchen haben, variieren zwischen den Bundesländern erheblich von 6,72 Prozentpunkten in Baden-Württemberg bis 12,44 Prozentpunkten in Mecklenburg-Vorpommern. 12,44% mehr Jungen als Mädchen bleiben in Mecklenburg-Vorpommern ohne Abitur bzw. ohne Schulabschluss. Das sind beträchtliche Differenzen beim Start ins Leben und eigentlich Differenzen, die dem Kultusminister schlaflose Nächte bereiten sollten, schon deshalb weil Worte wie Gerechtigkeit doch gerade von Politikern so gerne im Mund geführt werden. Dass Jungen im deutschen Bildungssystem massiv benachteiligt sind, ist scheinbar für die Gerechtigkeits-Schreier kein Problem.

Was die Frage aufwirft, wie die doch erheblichen Unterschiede zwischen den Bundesländern erklärt werden können. Wer ist dafür verantwortlich, dass in Mecklenburg-Vorpommern Jungen so viel mehr die Paria des Bildungssystems sind als z.B. in Bayern oder Baden-Württemberg.

Da Bildungspolitik Aufgabe der Länder ist und in den letzten Jahrzehnten Landespolitiker mit Vorliebe an den Curricula von Schulen herumgepfuscht haben, liegt der Verdacht nahe, dass die Nachteile von Jungen durch Landespolitiker verursacht sind, Landespolitiker, die so fixiert auf die Förderung von Mädchen sind, dass sie Jungen über die Bildungsklinge springen lassen, gemäß dem Motto, mit jedem Jungen, der im Hinblick auf die Bildung gescheitert ist, haben Mädchen als Gruppe einen Vorteil.

Da feministische Eingriffe und Eingriffe zur Förderung von Toleranz und Vielfalt unter Linken besonders verbreitet sind, haben wir einen Index erstellt, der die Linkslastigkeit einer Landesregierung erfasst. Die Vorgehensweise ist einfach. Zunächst haben wir den Parteien Werte zugewiesen: CSU = 1; CDU = 2; SPD = 3; Grüne = 4, Linke = 5. Dann haben wir die Zusammensetzung der Landesregierung berechnet. Eine Koalition aus CDU und SPD erhält entsprechend den Wert 5, eine aus SPD, Grünen und Linke den Wert 12 zugewiesen. Mit einem steigenden Wert des Index ist entsprechend eine größere Linkslastigkeit der Landesregierung verbunden.

Im nächsten Schritt haben wir unsere diversen Maße für die Nachteile von Jungen mit dem Index korreliert. Die Ergebnisse sind eindeutig:

crash test dummies

  • Je linker die Landesregierung, desto größer die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen bei der Schulbildung; Der Korrelationskoeffizient (r) nimmt mit .46 erhebliche Ausmaße an und erklärt 21% der Varianz.
  • Je linker die Landesregierung desto öfter bleiben Jungen im Vergleich zu Mädchen ohne einen Schulabschluss (r = .45)
  • Je linker die Landesregierung desto seltener erreichen Jungen im Vergleich zu Mädchen eine (Fach-)Hochschulreife (r = .25)

Das sind alarmierende Ergebnisse, die deutliche Indizien dafür lieferen, wodurch die Nachteile von Jungen im Bildungssystem verursacht sind: Die Nachteile sind Ursache linker Bildungspolitik, die an sogenannter Gleichstellung ausgerichtet ist und vollkommen ignorant gegenüber den schulischen Problemen von Jungen zu sein scheint.

Jungen sind die Crash Test Dummies die von linker Bildungspolitik gegen die Wand gefahren werden.

Unsere neuesten Befunde zu diesem Thema haben wir in einem weiteren Post dargestellt. Darüber hinaus haben wir zwischenzeitlich gezeigt, dass die Dauer und Intensität, mit der linke Parteien an der Landesregierung beteiligt sind, ebenfalls negative Effekt auf den schulischen Erfolg von Jungen hat.

©ScienceFiles, 2015

Schweizer Studie: Schulerfolg bei Jungen von der richtigen Gesinnung abhängig

Der Inhalt eines Beitrags in der Zeitschrift “Masculinities and Social Change”, den Andreas Hadjar, Susanne Backes und Stefanie Gysin verfasst haben und der mit “School alienation, patriarchal gender-role orientation and the lower educational success of boys” überschrieben ist, ist schnell erzählt:

Hadjar_2015_School alienationJungen, die traditionelle Rollenverteilungen präferieren, die also z.B. denken, Männer seien Haupternährer (eine Überzeugung, die die Realität in den meisten deutschen Familien gut beschreibt) und Frauen die besseren Familien-Kümmerer, stören etwas häufiger den Unterricht als Mädchen, die die entsprechende traditionelle Rollenverteilung präferieren und im Gegensatz zu Mädchen, die den Unterricht stören, wirkt sich das Stören durch Jungen negativ auf deren schulischen Erfolg aus, d.h. sie erhalten schlechte Noten. Eine wichtigere Ursache als die Geschlechtsorientierung dafür, dass Jungen und Mädchen im Unterricht stören, ist deren Entfremdung von der Schule. Letztere schlägt sich direkt (was man erwarten sollte, bei Schülern, die sich vom Unterricht abgenabelt haben und der Schule nichts mehr abgewinnen können) und indirekt über störendes Verhalten auf deren schulische Leistung nieder. Abermals ist es so, dass der Weg über störendes Verhalten die Benotung von Jungen stärker belastet als die Benotung von Mädchen.

Kurz: Jungen werden im Gegensatz zu Mädchen bestraft, wenn sie traditionelle Rollenmuster für richtig halten. Beide, Jungen wie Mädchen, unterscheidet im Hinblick auf das Ausmaß der Entfremdung von der Schule und im Hinblick auf störendes Verhalten im Unterricht wenig. Aber: Jungen werden im Gegensatz zu Mädchen von Lehrern für störendes Verhalten bestraft – wegen falscher Gesinnung:

“The finding, that the effect of school alienation on school deviance is as strong for boys as for girls , but problem behaviour in school only effects boys’ school success, suggests the existence of different forms of deviance in schools and different perceptions of girls and boys behaviour from teachers’ perspective”.

Das ist die größte Annäherung, die man in einer Studie aus deutschsprachigen Landen an Kritik an Lehrern erwarten kann. Dass Lehrer offensichtlich differenzieren, wenn es darum geht, Jungen oder Mädchen für den Unterricht störendes Verhalten zu bestrafen und dass Lehrer offensichtlich traditionale Rollenvorstellungen bei Jungen negativ in deren Benotung einfließen lassen, dass sie mit anderen Worten die falsche Gesinnung der Jungen bestrafen, während Mädchen selbst bei falscher Gesinnung straffrei ausgehen, das muss man auf Grundlage der Analysen von Hadjar, Backes und Gysin als belegt annehmen.

Die Ergebnisse von Hadjar, Backes und Gysin resultieren aus einer quantitativen Befragung von 872 Schülern der achten Klasse aus 49 Schulklassen an schweizer Schulen. Neben der quantitativen Befragung haben die Forscher Gruppengespräche mit Schülern geführt und den Unterricht beobachtet.

Und nun ist es an der Zeit, zwei Fragen zu stellen, von denen sich eine im Text finden sollte, was sie aber nicht tut, während die andere an die Adresse der Autoren geht.

1. Frage:
Wie kann es sein, dass die Frage, ob ein Junge ein traditionelles Rollenmuster präferiert, einen Effekt auf seine Benotung hat? Was wird in Schulen eigentlich bewertet (noch ne Frage)? Die Leistung oder die richtige Gesinnung? Wenn sich in weiteren Studien bestätigen sollte, dass in öffentlichen Schulen Jungen dafür bestraft werden, dass sie ein Rollenmodell präferieren, das die Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung nach wie vor lebt, das mittlerweile in defamatorischer Absicht als pratriarchalisches Geschlechtsrollen-Modell bezeichnet und als Ausdruck männlicher Hegemonie bewertet wird, dann sollte man öffentliche Schulen auflösen und versuchen, auf privater Grundlage Schulen aufzubauen, in denen wieder Leistung und nicht Gesinnung bewertet wird.

Die Autoren beteiligen sich übrigens an der Verbreitung des Eindrucks, ein traditionelles Geschlechtsrollenmodell sei Ausdruck männlichen Hegemoniestrebens, was eine Umschreibung für Unterdrückung von Frauen ist. Von dieser Ansicht sind sie auch nicht dadurch abzubringen, dass in etwa so viele Mädchen wie Jungen diesem traditionellen Modell männlicher Hegemonie anhängen. Aber sei’s drum, wo Ideologie ansetzt, ist Ratio fehl am Platze.

Auch die Tatsache, dass es das Patriarchat nie gegeben hat, wie Dr. habil. Heike Diefenbach im bislang mehr als 2000 Mal heruntergeladenen Beitrag über dasselbe zeigt, schreckt manche nicht vom fast schon manischen Kleben an diesem Symbol für – ja, was eigentlich?: – Die eigene Einbildung? Die eigene Phantasie? Die eigene Störung? Das eigene Operempfinden? – ab.

2. Frage:

Patriarchat_coverHadjar, Backes und Gysin schaffen es, ein großes Trara an Methoden zu nutzen: Quantitative Befragung, Fokusgruppen-Interviews, Beobachtung, und trotz allen methodischen Aufwands sind sie nicht in der Lage jene beiden nicht nur aus unserer Sicht zur Erklärung eines zwischen männlichen und weiblichen Schülern differenziellen Bildungserfolgs relevanten Variablen zu berücksichtigen, nämlich die Kompetenz des Lehrers und das Geschlecht des Lehrers. Es scheint, als würde Forschern heutzutage das Herz in die Hose fallen oder die Finanzierung gestrichen, wenn sie auch nur einen Gedanken an die Frage verschwenden, welchen Eigenschaften von Lehrern es geschuldet ist, dass sie männliche und weibliche Schüler nachweislich unterschiedlich behandeln und bewerten. Wir leben im selbstgewählten geistigen Mittelalter – nur ist es dieses Mal nicht die katholische Kirche, die Forschungsfragen verbietet.

So bleibt unterm Strich festzustellen, dass Hadjar, Backes und Gysin einen weiteren Beleg dafür geliefert haben, dass Jungen in Schulen dafür bestraft werden, dass sie die aus Sicht der Lehrer falsche Gesinnung zeigen. Leistung tritt definitiv hinter den Gesinnungstest zurück.

Hadjar, Backes und Gysin haben dies für die Schweiz gezeigt. Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass die Ergebnisse in Deutschland nicht genauso ausfallen würden – im Gegenteil: Es gibt allen Grund anzunehmen, dass es sich in Deutschland mindestens genauso verhält.

Methodisches zur Studie:
872 Schüler aus 49 Klassen aus allen Schulformen wurden befragt. Der schulische Erfolg wurde anhand der Durchschnittsnote gemessen. Zu Teilnehmern an und Durchführung der Fokusgruppen-Interviews geben die Autoren keine Informationen, auch die Frage, wie häufig Beobachtungen im Unterricht gemacht wurden, bleiibt unbeantwortet.

Der neue Faschismus in Baden Württemberg

Wie normal es derzeit ist, Jungen unter dem Deckmantel der Mädchenförderung zu diskriminieren, zeigt ein Link, den uns ein Lehrer aus Baden-Württemberg geschickt hat (Vielen Dank!). Er sei in einer eMail ausdrücklich ermuntert worden, so schreibt er, Schülerinnen auf das folgende Angebot der Universität Stuttgart hinzuweisen:

Meetscience

Deutschland muss es wirklich gut gehen, wenn man es sich leisten kann, nur bei weiblichen Schülern für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge Reklame zu machen. Offensichtlich handeln die Verantwortlichen der Universität Stuttgart und der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die sich neuerdings darin gefällt, die Diskriminierung von Jungen zu finanzieren, auf Grundlage der Prämisse, dass man zuviele Jungen in naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen habe, also in jedem Fall nicht noch mehr brauche, weshalb man auch männliche Schüler nicht für die entsprechenden Studiengänge interessieren müsse.

Einen Eindruck davon, was es bedeutet, naturwissenschaftliche oder technische Fächer an der Universität zu belegen, ist entsprechend nur für weibliche Schüler in der 10. Jahrgangsstufe oder höher wichtig. Jungen sind hier – wie so oft – vernachlässigbar, oder sie werden ihren Weg auch machen, ohne dass sie hinten herumgehoben werden.

Wer Schülern und in Abhängigkeit von Geschlecht Wertigkeiten zuweist, die einen sind es wert, dass man sich besonders um sie kümmert, die anderen nicht, der ist nach allen uns geläufigen Definitionen ein Faschist, und dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft Mittel bereitstellt, um Faschismus zu fördern, das ist eine besorgniserregende, wenn auch keine neue Entwicklung.

Wissenschaftliche Standards? Im Mannheimer Zentrum für Sozialforschung offensichtlich unbekannt

Die “Feminisierung des Lehrerberufs” ist wieder einmal bei uns angekommen.

Stammleser von ScienceFiles werden sich daran erinnern, dass es eine Reihe von angeblichen Wissenschaftlern gibt, die voneinander abschreiben und Dr. habil. Heike Diefenbach und mir unterstellen, wir hätten 2002 in “Bringing Boys Back In” geschrieben, dass eine “Feminisierung des Lehrerberufs” dafür verantwortlich sei, dass Jungen im deutschen Bildungssystem schlechter abschneiden und weit hinter Mädchen zurückbleiben.

Wer uns auch nur ein bißchen kennt, der weiß, dass wir mit Sicherheit nie behaupten würden, dass irgend eine “Isierung” für etwas Konkretes wie die Tatsache, dass Jungen bei der Grundschulempfehlung bessere Leistungen für dieselbe Grunschulempfehlung bringen müssen als Mädchen (in der LAU und in der ELEMENT-Studie belegtes Faktum) verantwortlich ist. Wenn wir jemals eine Ursachenattribuierung vorgenommen hätten, was wir nicht haben, dann hätten wir Lehrerinnen als Ursache dafür benannt, dass Jungen schlechter abschneiden als Mädchen. Aber nicht einmal das haben wir getan, wie jeder weiß, der unseren Beitrag “Bringing Boys Back In” gelesen hat.

Überhaupt kommt der Begriff “Feminisierung” ebenso wenig wie die Konstruktion “Feminisierung des Lehrerberufs” in unserem Beitrag vor. Beide Begriffe sind Produkte der Phantasie all derjenigen, die wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen und mit allerlei Unsinn versuchen, Lehrerinnen vom Verdacht freizusprechen, sie hätten etwas mit der differenziellen Benotung von Jungen und Mädchen zu tun. Daran erkennt man übrigens die Ideologen: Sie interessieren sich nicht für die Ursachen der Nachteile von Jungen, sondern für Schulzuweisungen.

mneugebauDas neueste Machwerk, das dazu dient. Lehrerinnen von aller Verantwortung freizusprechen und in dem wir als ideologischer Feind (der mit der Feminisierung) aufgebaut werden (sollen), stammt von Maria Gerth und Martin Neugebauer vom Mannheimer Zentrum für Sozialforschung und ist in dem von Rolf Becker und Alexander Schulze herausgegebenen Band “Bildungskontexte: Sturkturelle Voraussetzungen und Ursachen ungleicher Bildungschancen” erschienen, und zwar unter dem Titel “Weiblicher Schulkontext und Schulerfolg von Jungen”.

Gerth und Neugebauer zitieren uns auf Seite 432 ihres Beitrages, und zwar als Autoren, die angeblich behauptet haben, die “Feminsierung des Lehrerberufs” sei Ursache für das schlechtere Abschneiden von Jungen im deutschen Bildungssystem. Wir haben oben bereits gesagt, was davon inhaltlich zu halten ist. Hier ist formal anzufügen, dass Gerth und Neugebauer uns zitieren, ohne unseren Text gelesen zu haben. Sie zitieren uns in einer Art und Weise, die aus anderen Zusammenhängen bekannt und berüchtigt ist. Mit anderen Worten, sie schreiben ab, was andere schon über “Bringing Boys Back In” behauptet haben, ohne den Artikel jemals gelesen zu haben.

Wissenschaftliches ArbeitenWären Gerth und Neugebauer Studenten, sie bekämen keinen Schein, schon wegen formaler Mängel und wegen nachgewiesener Unwilligkeit, die Arbeiten, die man zitieren will, auch zu lesen. Warum lesen Gerth und Neugebauer nicht, was sie zitieren? Weil sie uns als Feind aufbauen wollen, als diejenigen, die die “These befeuert” haben, “wonach möglicherweise Lehrerinnen am schulischen Misserfolg von Jungen eine (Mit)verantwortung tragen” (Gerth & Neugebauer, 2013: 431).

Ich kann gar nicht in Worte fassen, welche Verachtung ich für angebliche Wissenschaftler habe (und das ist wirklich alles, was ich für sie haben kann), die sich bereits im Abstract zu ihrem Beitrag als Ideologen outen, Ideologen, denen es nicht darum geht herauszufinden, warum Jungen im deutschen Bildungssystem schlechter abschneiden, sondern die zeigen wollen, wie unhaltbar die befeuerte These doch ist, nach der “möglicherweise Lehrerinnen” am schlechten Abschneiden von Jungen eine “(Mit)verantwortung” tragen.

Derartige Jungfrau Maria-Ideologen, die noch von der unbefleckten Notengebung in deutschen Schulen ausgehen, bewirken bei mir Brechreiz.

Aber nicht nur deshalb – auch wegen der prätentiösen Art, in der die angeblichen Wissenschaftler von einer methodologischen Basis, die man nur als mickrig bezeichnen kann, glauben schließen zu können: dass “die Rekrutierung männlicher Lehrkräfte nicht das Mittel [ist], um die schulischen Nachteile von Jungen gegenüber von Mädchen zu reduzieren”.

Diese Allaussage, die keinen Zweifel mehr zulässt, gründen Gerth und Neugebauer auf die Analyse der Leseleistungen und die Analyse der Deutschnoten bei Grundschulkindern, die im Rahmen der IGLU-2006 Studie untersucht wurden. Weil Jungen, die von Männern (den wenigen, die es in Grundschulen noch gibt) unterrichtet werden, nicht besser abschneiden als Jungen, die von Frauen unterrichtet werden, weder im Hinblick auf Lesekompetenz noch im Hinblick auf die Deutschnote, glauben Gerth und Neugebauer den oben zitierten weitreichenden Schluss ziehen zu können.

Methodologisch ist dazu Folgendes zu sagen: Man kann nur dann sagen, dass Kevin Klein eine bessere Deutschnote gehabt hätte, wenn er statt von Hilda Gans von Peter Wolf unterrichtet worden wäre, wenn man auch weiß, welche Leistung Kevin Klein erbracht hat, als er von Hilda Gans unterrichtet wurde und welche er erbracht hat als er von Peter Wolf unterrichtet wurde. Das machen Gerth und Neugebauer aber nicht.

Sie begehen vielmehr einen Designfehler, bei dem man als empirischer Sozialforscher die Hände über dem Kopf zusammenschlägt: Sie schauen, ob Kevin Klein, der von Hilda Gans unterrichtet wird, eine bessere Deutschnote hat und bessere Leseleistungen erbringt als Maik Groß, der von Peter Wolf unterrichtet wird. Sicher, sie haben nicht nur Kevin Klein, sondern viele Kevin Kleins, aber das ändert nichts daran, dass das Design falsch ist und sie die Aussage, die sie treffen, gar nicht treffen können. Alle sonstigen Fehler haben wir bereits an einem anderen Beispiel, das Neugebauer mit zu verantworten hat, dargestellt.

Ein derartiger Anfängerfehler hätte früher Gelächter bei mir ausgelöst. Heute macht er mich nur ärgerlich, nichtzuletzt, weil ein derartiger Anfängerfehler, diejenigen, die ihn begehen, nicht davon abhält, weitreichende (oder großkotzige?) in jedem Fall nicht gerechtfertigte Schlüsse zu ziehen.

MYESUnd was sagt der Herr Neugebauer zu all dem, z.B. dazu, dass er zitiert, was er nie gelesen hat? Er sagt, dass seine Arbeit den wissenschaftlichen Standards entspricht, was mich dazu veranlasst, seine Schlußfähigkeiten zu adaptieren und in einer weitreichenden Verallgemeinerung aus der Tatsache, dass Neugebauer ganz offensichtlich keine wissenschaftlichen Standards kennt und am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) beschäftigt ist, zu schließen: Am Mannheimer Zentrum sind wissenschaftliche Standards derzeit unbekannt.

Wer am MZES arbeitet und diesen Schluss für falsch hält, der kann sich ja öffentlich von den wissenschaftlichen Standards, die Neugebauer für solche hält, distanzieren.

Als Forschungsschwerpunkt gibt Martin Neugebauer übrigens die empirische Bildungsforschung an. Das lässt Schlimmes befürchten ….

Erstmals klar belegt: systematische Diskriminierung von Männern an Universitäten

Vergessen Sie alles, was Sie über Meritokratie gehört haben!

Meritokratie, das ist das Prinzip, nach dem diejenigen die die besten Leistungen bringen, diejenigen sind, die mit begehrten Positionen belohnt werden.

Professuren waren einst begehrte Positionen und Meritokratie das Prinzip, mit dem die Professuren besetzt wurden.

state femimism bookUnter der Ägide des Staatsfeminismus ist dies alles anders: Nicht mehr Leistung entscheidet darüber, wer auf Positionen gelangt, sondern Geschlecht. Das ganze Brimborium, das diese Tatsache verdecken soll, z.B. die Floskel: “Bei gleicher Eignung werden weibliche Bewerber bevorzugt”, ist eben nichts Anderes als Brimborium. Es dient dazu, den Leichtgläubigen Fairness vorzugaukeln und den anderen den Mund zu stopfen, weil man bei Kritik behaupten kann, dass z.B. Professuren in Deutschland nicht nach Geschlecht, sondern nach Leistung besetzt werden und nur bei gleicher Leistung weibliche Bewerber bevorzugt werden.

Das kann man so lange behaupten, so lange es keine Belege gibt, die diese Behauptung widerlegen.

Und – offensichtlich haben die staatsfeministischen Instanzen nicht aufgepasst – denn:

Es gibt jetzt eindeutige Belege.

Belege, die man nicht wegdiskutieren kann. Belege, die man nicht weginterpretieren kann und Belege, die man auch nicht als Einzelfall abtun kann, Belege dafür, dass Männer an Hochschulen systematisch diskriminiert werden, dass nicht Meritokratie das Leitmotiv bei der Besetzung von Professuren ist, sondern die Bevorzugung von Frauen, von Frauen, die weniger qualifiziert sind als Männer.

Die Untersuchung, die diese Belege liefert, ist nagelneu, wurde direkt unter der Nase staatsfeministischer Kontrollinstanzen und politischer Korrektheitswächter erstellt, und zwar beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Ein Leser von ScienceFiles, dem wir an dieser Stelle herzlich danken wollen, hat uns auf diese Untersuchung, nach der niemand mehr behaupten kann, er habe nicht gewusst, dass Männer systematisch an Hochschulen diskriminiert werden, aufmerksam gemacht.

Mark Lutter und Martin Schröder haben die Untersuchung “Who Becomes a Tenure Professor, and Why?” durchgeführt und als MPIfG Discussion Paper 14/19 veröffentlicht.

MPIfG_LutterFundierte Untersuchungen benötigen eine gute Datenbasis. Lutter und Schröder haben eine gute Datenbasis: Sie berücksichtigen alle Professuren, die im Fachbereich Soziologie, an 77 Instituten für Soziologie in ganz Deutschland von 1980 bis 2013 besetzt wurden. Damit nicht genug, Lutter und Schröder können den gesamten Weg bis zur Professur, den Tenuretrack nachzeichnen, und zwar für 1.260 Soziologen, die im Beobachtungszeitraum 530 Promovenden wurden, 433 Post-Doc Positionen besetzt haben, 36 Junior- und 297 richtige Professuren erreicht haben. Der Datensatz ist mit einem Wort: beeindruckend.

Und er ist einmalig, denn Lutter und Schröder sowie zwei ungenannt gebliebene Helfer haben sich hingesetzt und aus den veröffentlichten Lebensläufen der 1.260 Soziologen und bis einschließlich 2013 alle Publikationen, die in Zeitschriften, Büchern und als graue Literatur veröffentlicht wurden, gesammelt. Die Publikationen wurden zudem in solche in renommierten Peer-Review-Zeitschriften und weniger renommierten Zeitschriften unterschieden. Insgesamt haben die Autoren 28.545 Publikationen zusammengetragen. Warum? Weil die Anzahl der Publikationen, die wissenschaftliche Produktivität als Indikator für die Kompetenz, das Humankapital, eines Wissenschaftlers gilt.

Die Anzahl der Publikationen und deren Ort der Veröffentlichung wird ergänzt von einer Vielzahl weiterer Informationen, die Lutter und Schröder gesammelt haben. Darunter die wissenschaftliche Sozialisation, d.h.: hat ein Soziologe an einer angesehenen oder an einer Provinzuniversität studiert; seine Mobilität, d.h. wie oft hat er die Universität gewechselt, die Dauer internationaler Aufenthalte, sofern es sie gibt, und vieles mehr, das einen Einfluss auf eine Berufung auf eine Professur ausüben könnte.

Auf Grundlage dieser Daten haben die Autoren dann untersucht, was die Soziologen auszeichnet, die auf eine Professur berufen wurden.

Die auf den ersten Blick gute Nachricht vorab: Die Anzahl der Publikationen ist der beste Prädiktor einer Berufung, wobei die Art der Publikationen eine Rolle spielt: wissenschaftliche Beiträge in Peer-reviewed Zeitschriften sind am wichtigsten, es folgen andere Zeitschriftenbeiträge, eigene Monographien, Herausgeberschaften und Kapitel in Sammelbänden mit einigem Abstand. Graue Papiere wirken sich negativ auf die Berufungschancen aus, in sie zu investieren, lohnt sich entsprechend nicht, wenn man eine Professur anstrebt, es sei denn, es ist ein grauer Schocker, wie das Papier von Lutter und Schröder. Interessanter Weise spielen Auslandsaufenthalte, die man als eine Form der Horizonterweiterung ansehen kann, bei der Berufung keinerlei Rolle, ebenso wenig wie eine Ausbildung an einer renommierten Universität dies tut.

Das war das, was man auf den ersten Blick als gute Nachricht ansehen könnte.

Nun kommen die schlechten Nachrichten, die zeigen, dass die gute Nachricht eben keine gute Nachricht war:

  • Achtung JudenWeibliche Bewerber werden schneller berufen als männliche Bewerber. Männer müssen zwei Jahre länger auf eine Berufung warten als Frauen.
  • Weibliche Bewerber, die auf eine Professur berufen werden, haben deutlich weniger publiziert als männliche Bewerber: “… by the time, men get a tenure, they have published 1.8 times as many SSCI-articles … 1.7 times as many non-SSCI-articles …, 1.4 times as many books …, 1.3 times as many edited volumes …, 1.4 times as many book chapters …, and 1.8 times as much ‘gray’ literature as women”.
  • Für männliche Bewerber ist es schädlich, wenn sie ihre Sozialisation an einer renommierten Universität, z.B. in Heidelberg, Mannheim oder (früher) in München erfahren haben. Dieser Stallgeruch reduziert ihre Wahrscheinlichkeit, eine Professur zu erhalten.

Diese Ergebnisse sind schockierend und ein eindeutiger Beleg dafür, dass an deutschen Universitäten das Prinzip der Meritokratie nicht mehr gilt. Die Arbeit von Lutter und Schröder zeigt, dass das Prinzip der Meritokratie quasi als sekundäre Meritokratie eingesetzt wird, um unter weiblichen Bewerbern den besten Bewerber auszuwählen. Dabei handelt es sich insofern um sekundäre Meritokratie als die besseren männlichen Bewerber, diejenigen mit mehr Publikationen und mit mehr Erfahrung ausgeschlossen wurden.

Daran gibt es nach der Untersuchung von Lutter und Schröder keinen Zweifel. So wenig Zweifel wie es daran gibt, dass diese offene Benachteiligung von Männern einerseits politisch gewollt ist, andererseits Universitäten schädigt, weil geringer qualifizierte Frauen, qualifizierteren Männern vorgezogen und das Prinzip der Meritokratie damit zerstört wird.

Was es heute bedeutet, männlich zu sein, lässt sich am Beispiel einer typisch männlichen Bildungskarriere, wie sie unter dem Staatsfeminismus gegeben ist, wie folgt darstellen:

  • Jungen werden häufiger von der Einschulung zurückgestellt als Mädchen.
  • Wer es als Junge in die Grundschule geschafft hat:
    • hat eine höhere Wahrscheinlichkeit als Mädchen auf eine Sonderschule abgeschoben zu werden;
    • hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, nicht versetzt zu werden als Mädchen;
    • hat eine geringere Wahrscheinlichkeit, selbst bei gleicher oder besserer Leistung eine Grundschulempfehlung für ein Gymnasium zu erhalten als Mädchen;
  • Jungen landen entsprechend häufiger auf Haupt- und Sonderschulen als Mädchen und deutlich seltener auf Gymnasien.
  • Entsprechend haben Jungen einen geringere Wahrscheinlichkeit, ein Abitur zu erreichen als Mädchen.
  • Entsprechend gibt es weniger männliche als weibliche Studenten.
  • Männliche Akademiker, die ein Studium abgeschlossen haben,
    • müssen länger warten, bis sie eine Promovendenstelle, Post-Doc-Stelle oder Juniorprofessur erhalten und benötigen im Durchschnitt zwei Jahre länger, um eine Professur zu erreichen als weibliche Adademiker;
    • Damit männliche Akademiker auf eine Professur berufen werden, müssen sie deutlich mehr publizieren als weibliche Akademiker, d.h. der durchschnittliche männliche Bewerber auf eine Professur ist nicht nur qualifizierter als der durchschnittliche weibliche Bewerber, der durchschnittliche männliche Beweber muss auch zusehen, wie ihm geringer qualifizierte weibliche Bewerber vorgezogen werden.

Wenn man diese systematische Benachteiligung von Jungen und Männern im deutschen Bildungseinrichtungen so heruntertippt, dann kann man nicht anders als festzustellen, dass es sich hierbei um eine Form des bildungspolitischen Kahlschlags handelt, unter dem nachwachsende Generationen leiden werden, denn bislang hat es noch keine Gesellschaft dauerhaft überlebt, dass die Besten von Positionen ferngehalten wurden, um mittelmäßige aber politisch dienliche Kandidaten zu berufen.

©ScienceFiles, 2015

Mogelpackung: Nicht überall wo Wissenschaft drauf steht, ist auch Wissenschaft drin

von Michael Klein

Die neueste Ausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie enthält eine Rezension von Dr. habil. Heike Diefenbach. Wir sind also nicht nur die Kritiker und Beobachter der Wissenschaft, die von außen betrachten, wir sind auch die Kritiker und Beobachter der Wissenschaft, die von innen verändern.

Besprochen hat Dr. habil. Heike Diefenbach das Buch:

Sind Mädchen besser? Der Wandel geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs in Deutschland. Frankfurt a. M.: Campus 2012. 340 Seiten. ISBN 978-3-593-39754-2. Preis: € 39,90 von Marcel Helbig, seines Zeichens Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin.

KfzssDer etwas prätentiös und sprachlich verkümmert daherkommende Titel, dem die Vergleichsbasis fehlt (besser als), gibt also vor, es handle sich um ein Buch, das sich mit der Tatsache befasst, dass Jungen in den letzten Jahrzehnten im deutschen Bildungssystem immer weiter hinter Mädchen zurückgefallen sind – ein Ergebnis, das Diefenbach und Klein bereits 2002 in der Zeitschrift für Pädagogik publiziert haben.

Vor genau 12 Jahren! Denn: publiziert wurde es in der Dezemberausgabe. 12 Jahre steht also der Befund, dass Jungen im Bildungssystem deutlich schlechter abschneiden als Mädchen. Geändert hat sich nichts. Offensichtlich, so kann man wohl nach 12 Jahren feststellen, ist es deutschen Bildungspolitikern vollkommen egal, dass Jungen in der Bildung mit Mädchen nicht gleichgestellt sind, dass sie aktiv benachteiligt werden, wie eine Reihe von Befunden, nicht zuletzt Diefenbach (2007) die LAU und die ELEMENT Studien deutlich machen.

Da 9 der 16 Kultusministerien von Frauen geleitet werden, kann man nunmehr auch die Mär von den Frauen, die angeblich so “caring” sind, so viel mehr “caring” als Männer auf den Müllhalde der Legenden werfen und feststellen: weibliche Kultusminister kümmern sich ebenso wenig darum, dass Jungen in Schulen hinter Mädchen zurückbleiben wie männliche Kultusminister.

Helbig will angeblich – das suggeriert jedenfalls der Titel seines Buches, bei dem es sich um seine Dissertation handelt, – im Zeitverlauf die Entwicklung des geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs betrachten und, so kann man dem kümmerlichen “Sind Mädchen besser” (wieso eigentlich nicht: “Sind Jungen schlechter”?) entnehmen, Erklärungen für den geschlechtsspezifischen Bildungserfolg analysieren.

Dazu Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Rezension:

Mogelpackung“Was Helbig tut, ist vielmehr zweierlei: zuerst rezipiert er einige mögliche Erklärungen für die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen mit Bezug auf ihren formalen Bildungserfolg, die in der Literatur vorgebracht werden, und empirische Studien, die sich auf diese Erklärungen beziehen (lassen); anschließend nimmt er anhand von retrospektiven Daten aus der ALWA-Studie und der NEPS-E8-Studie einen Vergleich von Jungen und Mädchen bzw. Frauen und Männern aus vier Kohorten bzw. Gruppen von Geburtsjahrgängen (die die Jahre von 1944 bis 1986 umfassen) zum Gymnasiumbesuch und dem Erwerb des Abiturs vor und versucht, die Ergebnisse durch einige Variablen zu erklären, die in diesen Studien verfügbar sind (wobei er sechs verschiedene abhängige Variablen benutzt, die sich alle auf den Gymnasiumbesuch oder den Erwerb des Abiturs beziehen).”

Es geht also nicht um die Erklärung eines geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs, wie der Titel suggeriert, sondern um die Erklärung des Besuchs eines Gymnasiums und des Erreichens eines Abiturs. Das Schöne an der Beschränkung dieser Fragestellung ist nun: Die Jungen, die bis zum Gymnasium bereits aussortiert wurden, werden gar nicht erst berücksichtigt. Anders formuliert: Da sich der geschlechtsspezifische Bildungserfolg u.a. darin niederschlägt, dass weniger Jungen als Mädchen am Gymnasium ankommen, untersucht Helbig gerade nicht den geschlechtsspezifischen Bildungserfolg. Er gibt dies nur vor. Sein Ansatz entspricht in etwa der Untersuchung geschlechtsspezifischer kognitiver Kompetenzen, die sich auf eine Auswertung der Preisträgerliste für den Nobelpreis beschränkt. Eine solche Auswertung würde natürlich nicht unter der Überschrift “Sind Männer besser” vorgenommen, sondern unter der Überschrift “Frauen werden benachteiligt”.

Es handelt sich bei der Dissertation also um eine Mogelpackung, wie Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Rezension deutlich zeigt – eine Mogelpackung, die vorgibt, den kompletten Bereich des geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs zu untersuchen, sich aber nur auf einen spezifischen Bereich des Bildungssystems, namentlich das Erreichen eines Abiturs beschränkt. Und es ist keine Verlaufsstudie, wie man erwarten würde, weil die Erklärung einer Entwicklung angekündigt wird. Vielmehr nutzt Helbig retrospektive Daten, also Daten aus Erhebungen, bei denen die Teilnehmer rückblickend über Bildungsaspekte ihres Lebens befragt wurden.

Dass im nächsten Schritt von Helbig eine Datenhuberei entwickelt wird, die man zwischenzeitlich gewöhnt ist, dass die unvermeidliche Logistische Regression seitenweise auf die Leser einstürzt, die nach kurzer Zeit dasselbe Schicksal erleiden wie der Autor, nämlich komplett den Überblick zu verlieren, sei hier nur der Vollständigkeit halber angefügt.

So fragt man sich, warum wurde dieses Buch geschrieben, wenn alles, was im Titel angekündigt wird, nicht gemacht wird? Die Antwort gibt Dr. habil. Heike Diefenbach:

“Damit ist klar, dass Helbig Mädchen tatsächlich für rundum „besser“ hält als Jungen, aber er fragt sich nirgendwo im Buch, warum das so sein sollte, und auf seine Analysen bezieht sich all dies in keiner Weise.

Worauf gründet Helbig dann aber seine Überzeugung? Er liest sie anscheinend aus seiner Rezeption der Literatur im vorderen Teil des Buches heraus – „anscheinend“, weil er bei der Formulierung seiner Überzeugungen keine Rückverweise auf Literatur oder konkrete Studien vornimmt. Fest steht aber, dass seine Rezeption unzureichend oder unangemessen ist. So fehlen wichtige Befunde, die dazu geeignet
gewesen wären, Helbigs persönliche Überzeugung hinsichtlich der schulischen Nachteile von Jungen zu gefährden, darunter der Befund der Autorin dieser Rezension, der anhand der Daten der PISA-2003-Studie gewonnen wurde und nach dem Mathematikleistungen und -noten bei Mädchen deutlich enger miteinander zusammenhängen als bei Jungen und Jungen bei der Benotung gemessen an ihren Leistungen häufiger unterbewertet werden als Mädchen (und Mädchen häufiger als Jungen
ihren Leistungen entsprechend oder überwertet werden) (Diefenbach 2007).”

loss of realityMit anderen Worten, wir haben es wieder einmal mit einem Versuch, die Realität umzuschreiben und als Travestie ihrer selbst darzustellen, zu tun, ein weiterer Versuch im Gesamt all der Versuche, die seit Jahren unternommen werden, um die Nachteile von Jungen im Bildungssystem mit welchen hanebüchenen Rabulistiken auch immer aus der Welt zu reden und dem Bildungssystem als solchem, also Lehrern, Schulen und vor allem Kultusministerien, Absolution zu erteilen. Helbig liefert damit ein erneutes Beispiel dafür, wie Wissenschaft zur Magd politischer Interessen degradiert wird.

Dr. habil. Heike Diefenbach ist eine von ganz wenigen Wissenschaftlern, die den Mut haben, dies auch in wissenschaftlichen Publikationen zum Ausdruck zu bringen, ein Stern, der sich hartnäckig gegen das Schwarze Loch der politischen Korrektheit behauptet, in dem sich die meisten institutionalisierten Wissenschaftler verstecken:

“Welcher Erkenntnisgewinn lässt sich angesichts all dessen aus dem Buch ziehen? Die Doktormutter der Dissertationsschrift von Helbig, Jutta Allmendinger, behauptet in ihrem Vorwort zum Buch: „Im vorliegenden Band findet man alles, was sich zur Frage vom Wandel des Bildungserfolgs nach Geschlecht finden lässt. Es ist ein in jeder Hinsicht gesättigtes Werk geworden“ (S. 11). „[G]esättigt“ ist das Buch aber nur mit (selbstauferlegten?) Rezeptions- und Denkbeschränkungen, sodass der einigermaßen bildungssoziologisch informierte Leser nach Lektüre dieses Buches nur weiß, was dabei herauskommt, wenn Sozialwissenschaft zur Legitimation des Status Quo benutzt wird, wie dies leider zunehmend der Fall ist.”

Neuer Beleg: Die Diskriminierung von Schülern ist politischer Wille

Jungen und Migranten teilen im deutschen Bildungssystem dasselbe Schicksal: Vielen von Ihnen wird die berufliche Karriere schon verunmöglicht, noch ehe sie begonnen hat. Neue Daten des Leipniz Institut für Länderkunde zeigen dies in beeindruckender und erschreckender Weise. Und sie zeigen vor allem eines: Die Proletarisierung oder moderner: Prekarisierung vieler Jungen, vieler Migranten und einigen Mädchen ist politisch gewollt: Sie ist das Ergebnis politischer Diskriminierung, geplant in den Kultusministerien der Länder und umgesetzt in den lokalen Schulen. Bereits 2002 als wir Bringing Boys Back In veröffentlicht haben, war deutlich, dass Jungen vor allem in den neuen Bundesländern deutlich hinter Mädchen zurückbleiben, Bereits damals konnten wir zeigen, dass – wie von Geisterhand bewegt – im Osten der Republik Jungen noch seltener als im Westen ein Abitur erreichen als Mädchen und noch häufiger ohne einen Schulabschluss oder nur mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen als Mädchen. Radke_GomollaDies ist, bedenkt man, dass das ostdeutsche Schulsystem nach der Wende quasi von der Pike auf nach den Vorstellungen, die westdeutsche Schulplaner von einem gerechten und effizienten Schulsystem hatten, aufgebaut wurde, einerseits erstaunlich und wenn man mit dem Staunen fertig ist, dann ist es andererseits erschreckend, legt es doch den Verdacht nahe, moderne Schulplanung zielt darauf ab, Jungen gegenüber Mädchen zu benachteiligen. Ein weiteres, das Ergebnis in Bringing Boys Back In, das die pädagogische und mediale Diskussion seitdem beherrscht, zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Anteil männlicher Lehrer und dem Abschneiden von Jungen. Je weniger männliche Lehrer in Grundschulen und je mehr weibliche Lehrer in Grundschulen sind, desto schlechter schneiden Jungen ab. Zudem haben Ergebnisse, die u.a. Gomolla und Radke publiziert haben, gezeigt, dass die Nachteile, die wir für Jungen gefunden haben, auch für Migranten vorhanden sind. Entsprechend stellt sich die Frage, welche Prozesse dafür verantwortlich sind, dass Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem deutlich schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Interessanter Weise hat diese Frage bislang kaum jemanden interessiert. Statt dessen gibt es eine, wie wir es nennen: Zeterliteratur, die einzig und allein dem Zweck dient, weibliche Lehrer vom (übrigens von uns nie geäußerten) Verdacht, sie würden männliche Schüler gezielt diskriminieren, zu reinigen und statt dessen die Schuld bei Jungen zu suchen, sie als faul, machohaft und was auch immer zu stilisieren, um ihnen die Schuld an ihrer eigenen Misere zuzuschieben. Es ist ein Markenzeichen vieler Diskussionen um Mißstände in Deutschland, dass die Frage nach der Ursache eines Mißstandes mit der Frage nach der Schuld ersetzt wird. Die Untersuchung der Schuldfrage produziert dann die oben genannte Zeterliteratur, deren Zweck nicht darin besteht, die Ursache bestimmter Missstände zu suchen, sondern darin, eine Form kollektiven Wohlfühlens unter den Anhängern bestimmter Ideologien, im vorliegenden Fall des Genderismus zu schaffen. Dass die Mißstände durch das selbstgerechte Wohlfühlen nicht gelöst werden, deren Lösung vielmehr verhindert wird, ist dabei ohne Belang. Wenn man, wie wir auch schon mehrfach dargestellt haben und nicht zuletzt bereits in Bringing Boys Back In ausgeführt haben, ein kollektives Phänomen vor sicht hat, das systematisch zwischen Gruppen diskriminiert, dann bietet es sich an, nach Erklärungen zu suchen, die die entsprechenden Gruppen als solche betreffen, d.h. im vorliegenden Fall nach institutionellen oder sonstigen für unterschiedliche Schüler gleichen Bedingungen zu suchen, die zum Ergebnis haben könnten, dass Jungen und Migranten systematisch schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Das ist eigentlich offensichtlich: Wenn man die Ursache einer Hungersnot sucht, wird man ja auch nicht versuchen, die Ursache im Essverhalten Einzelner zu finden, sondern vielmehr Umweltfaktoren oder institutionelle Faktoren, wie z.B. die Subventionierung des Anbaus von Mais zur Nutzung als Brennstoff oder eine Dürreperiode betrachten. Die Frage. warum diese offensichtliche Logik für die Frage, warum Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem Nachteile haben, nicht gilt, kann sich jeder aufgrund der ideologischen Hegemonie des Staatsfeminismus selbst beantworten. Leibnitz Institut120x1000Die Forschung, die am Leibniz Institut für Länderkunde durchgeführt wurde, fügt der Diskriminierungsthese, also der Ansicht, dass Jungen und Migranten durch institutionelle Strukturen gezielt benachteiligt werden, einen weiteren Beleg hinzu. Sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Noten schlechtere Grundschulempfehlungen erhalten als Mädchen, und sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Leistungen in Leistungstests in schulischer Benotung schlechter abschneiden (Diefenbach, 2007) als Mädchen. Es muss entsprechend institutionelle Prozesse geben, die eher Jungen als Mädchen, eher Migranten als Nicht-Migranten benachteiligen und die Forschung des Leibniz Institut für Länderkunde zeigt diese Prozesse am Beispiel der Schüler, die ohne Schulabschluss bleiben.

  • Ohne Schulabschluss bleiben in ostdeutschen Ländern deutlich mehr Schüler als in westdeutschen Ländern. Top-Scorer ist Meckelenburg-Vorpommern, wo 12,4% der Schüler ohne einen Schulabschluss bleiben. Es folgen Sachsen-Anhalt (11,5%) und Sachsen (9,8%). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 5,5%.
  • Mehr als 50% derjenigen, die ohne Schulabschluss ihre Berufskarriere beenden, noch ehe sie begonnen hat, kommen von Förderschulen. Wie wir in vergangenen Posts gezeigt haben, sind die Kriterien, die eine Überstellung an eine so genannte Förderschule zur Folge haben, immer weicher geworden (z.B. sozio-emotionale Gründe, von denen niemand so richtig weiß, was sie sein sollen) und bei denjenigen, die an Förderschulen abgeschoben werden, handelt es sich vor allem um Jungen und Migranten. Warum man Schulen als Förderschulen bezeichnen sollte, die es nicht einmal schaffen, den Jugendlichen, die ihnen überantwortet werden, zu einem Schulabschluss zu verhelfen, ist eine Frage, die man wohl nur als politisch-korrekter Bildungspolitiker, der sich an der Realität nicht stört, beantworten kann.
  • Auch bei den Förderschülern, die direkt aus der Berufskarriere ausgesondert und ohne Schulabschluss gelassen werden, führen ostdeutsche Bundesländer: So bleiben z.B. 77% der Förderschüler in Mecklenburg-Vorpommern ohne einen Schulabschluss.

14_08_ohne_Schulabschluss_k2Die Ergebnisse belegen, dass eine Überstellung auf eine Förderschule eine Ursache der erheblichen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und zwischen Migranten und Nicht-Migranten ist, schon weil Jungen und Migranten viel häufiger auf Förderschulen abgeschoben werden als Mädchen und nicht-Migranten. Und warum werden sie häufiger abgeschoben? Weil man sie benötigt, um die Schulen nicht schließen zu müssen. Caroline Kramer, Professor am Institut für Geographie und Geoökologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat diesen Zusammenhang in einer selten zu findenden Offenheit formuliert:

“Zudem unterliegen sie zum Teil dem bildungspolitischen oder bildungsplanerischen Ziel, eine bestimmte Schulart auch bei sinkenden Schülerzahlen an einem bestimmten Standort zu erhalten. Dass dadurch in einigen Ländern oder Regionen bei mehr Schülerinnen und Schülern ein Förderbedarf diagnostiziert wird als in anderen Regionen, muss äußerst kritisch beurteilt werden.”

Das ist politischer Sprenstoff. Es heißt im Klartext: Schüler werden auf Förderschulen nicht etwa deshalb abgeschoben, weil sie dem normalen Schulbetrieb nicht folgen könnten, sondern deshalb, weil es politischer Wille ist, die entsprechenden Förderschulen offen halten zu können und trotz sinkender Schülerzahlen nicht schließen zu müssen. Dass dabei mehrere tausende Schüler jedes Jahr über die Klinge springen, dass ihre Berufskarriere und ihre Lebenschanchen beendet werden, noch ehe sie begonnen haben, ist dann ein Kollateralschaden, der neben dem wichtigen Ziel, Schulen nicht schließen zu müssen, weil es keine Schüler für sie gibt, zurückstehen muss. Die Zerstörung individueller Lebenschancen muss zum Wohle des größeren Ganzen eben in Kauf genommen werden – es ist der politische Wille vor allem im Osten der Republik, dies in Kauf zu nehmen. Zynischer kann Bildungspolitik nicht sein. Und wer hat noch einen Zweifel daran, dass ein Bildungssystem, in dem der politische Wille bestimmt, dass Kinder als Förderschüler geopfert werden müssen, um Förderschulen offen halten zu können, auch männliche Schüler und Migranten opfert, um einem politischen Willen zu huldigen, im ersten Fall dem Willen, per staatsfeministischem Eingriff, Mädchen besser zu stellen als Jungen, im zweiten Fall dem Willen, Migranten auch weiterhin als Paria des Bildungssystems inszenieren zu können? Wenn man die Sonntagsreden bedenkt, die Politiker von sich geben, an die Reden von der Bedeutung der nächsten Generation, von den Bildungschancen, von der Notwendigkeit, Bildung für alle zu ermöglichen und alle gerecht zu behandeln, damit die Kinder eine glückliche Zukunft auf ausreichender Bildung aufbauen können, dann kann man sich eigentlich nur übergeben.   Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115

Mythologie im ZDF: Bei 37 Grad (im Schatten?)

Wir danken einem Leser für den Link auf eine Sendung im ZDF. Die Ankündigung der Sendung hat uns bereits deutlich gemacht, dass es nicht notwendig ist, diese Sendung anzusehen, es sei denn, man will reality TV gewürzt mit Mythologie betrachten und sich das Ganze als Erklärung für den Bildungsmisserfolg von Jungen auftischen lassen.

37 GradDer Mythos, an dem Katrin Wegner, die für die Sendung bei 37 Grad verantwortlich zeichnet, strickt, ist der Mythos des plötzlich Jungen befallenden Schulmüdigkeitsvirus. Dieses Virus ist, dem Ebola-Virus vergleichbar, ein fast wahllos zuschlagendes Virus, eine Geißel Gottes, das aus dem Nichts auf seine Opfer fällt. Die Phase der Inkubation ist unterschiedlich lang. Immer jedoch äußert sich das Virus in Schulmüdigkeit, elterlicher, meist alleinerziehend-elterlicher Verzweiflung. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Befallenen nicht mehr zum Schulgang fähig, “Fehlzeiten werden immer länger” und am Ende steht: Schule schwänzen.

Da ist zum Beispiel Phillip (17): “Plötzlich … lassen Wissbegier und Motivation nach, seine Leistungen nehmen rapide ab, und er schwänzt nur noch den Unterricht”. Oder: Jakob –  “Die Probleme des zwölfjährigen Jakob begangen ganz plötzlich in der Grundschule: Ständig saß er unter dem Tisch und zerriss die Arbeitsblätter, statt sie auszufüllen”.

Wir sehen, das Anti-Jungenbildungs-Virus sucht seine Opfer ohne Vorwarnung heim. Gestern noch saß Jakob am und nicht unterm Tisch, heute ist das anders. Oder Philip, er war “ein Überflieger” in der Schule, der ganz plötzlich eine Bruchlandung macht und als Folge lassen “Wissbegier und Motivation nach”. Ein weiterer Beleg für die Hinterhältigkeit des Anti-Jungenbildungs-Virus, das seine Opfer ganz plötzlich heimsucht.

ebola_micrograph_virus-afriqueUnd wie bei Ebola, so ist auch beim Anti-Jungenbildungs-Virus eine Heilung kaum möglich. Bislang gibt es kein Gegenmittel, nicht einmal eine Vermutung darüber, wo das Virus seinen Wirt hat, von wo aus, es seine Opfer befällt. Entsprechend ist die Frage, die Katrin Wegner bei 37 Grad stellt: “Warum scheitern Jungs öfter?”, [schon weil der Bezug fehlt: … als Mädchen, … als Väter, …. als ZDF-Redakteure] bislang unbeantwortet. Das einzige, was wir wissen, der schulische Verfall, der bei manchen Jungen noch vor der Grundschule und im Rahmen der Einschulungsuntersuchung einsetzt, tritt plötzlich, unvorhergesehen und natürlich ohne Ursache in der Umgebung der Jungen auf.

Selbstverständlich tut die Umgebung der Jungen, die schulische Umgebung der Jungen, alles, was in ihrer Macht steht, um die Jungen auf ihrem Bildungsweg in gleicher Weise zu unterstützen wie die Mädchen. Es ist ein Rätsel! Tagein, tagaus gehen Jungen zur Schule und dann: ohne Vorankündigung schlägt das Virus zu. Ein Rätsel, das es sonst an keiner Stelle in der deutschen Gesellschaft, ja nicht einmal in der Weltgesellschaft gibt. Sonst gilt immer, dass eine Wirkung eine Ursache hat. Im vorliegenden Fall ist das anders, das fiese Anti-Jungenbildungs-Virus schlägt ohne Grund zu – einfach so, weil es etwas gegen Jungen hat, nicht etwa gegen Mädchen, nein, das Virus, es differenziert nach Geschlecht! Nicht einmal Ebola differenziert nach Geschlecht. Insofern haben wir es mit einem hoch-spezialisierten, schnell-wirksamen Virus zu tun, dass es in nur kurzer Zeit dazu bringt, Patienten, wie den 17jährigen Phillip, in einer Form aktuter Bildungsdemenz aus dem Gymnasium in die Hauptschule zu verfrachten.

Niemand weiß, wie es das tut, wie das Virus die Schulanbindung der befallenen Jungen beeinflusst. Erste Vermutungen, die Wegner hat, verweisen auf Stress und die Familie, auf fehlende Rollenbilder, weil Väter lieber arbeiten als sich um ihre Söhne zu kümmern, so wie sie das über Jahrhunderte lieber getan haben, ohne dass dieses fiese Anti-Jungenbildungs-Virus derart hinterhältig zugeschlagen hätte. Aber heute, im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist das anders. Heute schlägt dieses Virus aus dem Nichts zu, heute ist es, aus seinem jahrhundertelangen Schlaf erwacht und wütet unter Jungen, die nur noch 45% der Besatzung von Gymansien stellen. Ein Kahlschlag von 10% gegenüber Mädchen und das in nicht einmal 20 Jahren. Ebola verblasst im Vergleich zum Anti-Jungenbildungs-Virus.

Hurrelmann BildungsverliererAuf ihrer Suche nach Ursachen für die Bildungsseuche unter Jungen hat Wegner sogar das Undenkbare gedacht und sich getraut, häretische Werke zu lesen, die eine Verbindung zwischen dem immer größer werdenden Anteil weiblicher Lehrer in Schulen und der immer intensiveren Art und Weise, in der das Anti-Jungenbildungs-Virus zuschlägt, herstellen. Das ist natürlich falsch, wie Wegner feststellt, die ihre früher gemachte Annahme fehlender Rollenbilder offensichtlich  und per offenem Widerspruch verworfen hat, und zwar deshalb, weil “Neue Studien [nachweisen], dass Lehrerinnen nicht schuld sind am schlechten Abschneiden der männlichen Schüler”.

Kleiner Einschub: Es gibt natürlich nicht mehrere “Neue” und ungenannt bleibende Studien. Es gibt genau eine (siehe unten) für Deutschland, die mehrfach aufgetischt wurde und ihren Ursprung im Berliner WZB hat. Was zeigt, wie einfach es heutzutage ist, institutionellen Unsinn unter das (Journalisten-)Volk zu bringen und dabei gleich zu vermehren.

In der Mythologie ist bekanntlich kein Platz für Vagheiten. In Mythologien herrscht Wahrheit, alles hat seinen Platz und deshalb ist in Mythologien Wissenschaft, Sozialwissenschaft insbesondere, in der Lage zu beweisen, zu beweisen, dass Lehrerinnen nicht schuld sind. Dieser Gottesbeweis, erbracht von wackeren Helden wie diesen hier, die den Unterschied zwischen Benotung und Schulbesuch nicht kennen und nicht zu wissen scheinen, dass es einen Unterschied macht, ob man auf einer Hauptschule oder auf einem Gymnasium benotet wird. Wegen dieses Unterschieds ist die Vergabe von Noten nur insofern interessant als es erstaunlich ist, dass die gleichen Noten zuweilen sogar bessere Noten, die Jungen im Durchschnitt und im Vergleich zu Mädchen haben, dazu führen, dass weniger Jungen als Mädchen ein Gymnasium besuchen. Insofern muss man den vermeintlich beweisenden Studien dankbar sein, denn ohne die Naivität der entsprechenden Autoren, wäre nie deutlich geworden, dass Jungen trotz durchschnittlich besserer Noten, schlechter in Schulen abschneiden als Mädchen. Was uns zurückbringt zur Frage, warum ist das so?

Warum? Seit Wegner uns bei 37 Grad ihre Mythologie aufgetischt hat, wissen wir es: Wegen des Anti-Jungenbildungs-Virus, das Jungen befällt, das nichts mit Schulen und schon gar nichts mit Lehrerinnen zu tun hat, das auch im Elternhaus nur in Spuren zu finden ist und letztlich am Ende die selbe Ratlosigkeit hinterlässt, mit der man losgegangen ist. Was tun mit einem Virus, von dem man nichts weiß und vor allem nichts wissen will?

Computer VirusOder will man doch? “Über 60 Prozent aller Jungen ab zehn besitzen eine Spielkonsole und sitzen mehr als viereinhalb Stunden täglich am Computer”, so weiß Wegner und damit ist klar: Das Virus wird durch die Computer übertragen. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Alle Welt spricht vom Computer-Virus. Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase mit dem Erfinden von Viren und dem Verkauf entsprechender Anti-Viren-Programme. Und dennoch ist es nicht einmal der WHO in den Sinn gekommen, was Wegner hier durch phantatischen Journalismus aufgedeckt hat: Viren können zwischen Computern und Jungen übertragen werden.

Hervorragend! Die perfekte Erklärung für ein Problem, das man nicht lösen will: Jungen schneiden schlechter in der Schule ab, weil sie beim Spielen von Computerspielen, jedenfalls 60% von ihnen, von einem Anti-Jungenbildungs-Virus befallen werden.

Amen!