Na dann lasst uns munter diskriminieren: Neue Studie mit überraschenden Ergebnissen

In der Märzausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie ist ein “Was?”-Artikel, ein Beitrag, bei dem man nach wenigen Zeilen und dann regelmäßig, “Was?” fragt. Ein Beitrag, der uns zudem dazu motiviert hat, Brownie Points als Bewertungssystem für wissenschaftliche Beiträge einzuführen. Insgesamt gibt es fünf Brownie Points pro Beitrag zu erreichen. Der Beitrag, den wir hier besprechen, hat es auf 4 Brownie Points in unserer Bewertung gebracht (Inter-Koder-Reliabilität bei .99).

Kölner Zeitschrift für Soziologie und SozialpsychologieDer Beitrag trägt den Titel “Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregelungen sinnvoll sind” und wurde von Volker Müller-Benedict verfasst. Das Ziel des Beitrags ist es zu zeigen, “dass nicht-ökonomische Institutionen sich bei der Auswahl ihres Personal Diskriminierung leisten können, ohne den Erfolg ihrer Arbeit zu beeinträchtigen” (116).

Was?

Der Reihe nach.

Der Beitrag beginnt mit einer Definition von Meritokratie als Prinzip, das Bewerber nach Fähigkeiten und nicht mehr nach Stand auf Positionen zuordnet (Was? Meritokratie basiert auf Leistung, nicht auf Fähigkeit…). Diese Auswahl der Besten, so Müller-Benedict, sei jedoch nur notwendig, wenn “Kosten und Nutzen der Ausgewählten für den Erfolg der Institution wichtig sind” (116). Ein Beispiel für eine Auswahl, die nach seiner Ansicht nicht nach dem meritokratischen Prinzip funktioniert, ist die Immatrikulation an einer Universität, denn: “[s]olange die Zahl und Qualität der abgehenden Studierenden einer Universität nichts mit ihrer Ausstattung oder Reputation oder anderen Zielen zu tun hat, erübrigt sich eine Eingangsselektion” (116).

Was?

Wozu gibt es dann einen Numerus Clausus, wozu gibt es die Zentrale Studienvergabe? Alles unnötige Kosten? Und wozu ist es notwendig, ein Abitur als Hochschulreife zu erwerben? Alles Unfug. Und davon, dass Universitäten Reputation über die geleistete Forschung, die Forschungsleistung ihres wissenschaftlichen Personals generieren, hat Müller-Benedict offensichtlich auch noch nie etwas gehört.

sycophantAber weiter im Text, in dem wir nunmehr erfahren, dass Meritokratie nur bei Konkurrenz funktioniert und nur dann, wenn eine Steuerung über den Preis einer Leistung erfolgen kann. Dennoch gebe es Lohnunterschiede und unterschiedliche Auswahlkriterien für Männer und Frauen, die “sehr dauerhaft” seien, weiß Müller-Benedict und provoziert damit ein: “Was?”, schon weil er jeden Beleg für sein Wissen schuldig bleibt, ganz entgegen aller wissenschaftlichen Standards. Aber, er braucht diese unbelegte Behauptung ja auch nur, um seinen Beitrag an etwas anzuhängen, was zumindest ihm relevant vorkommt und was garantiert, dass er bei der Zielgruppe seines Beitrags auch einen Wohlgefallens-Bonus erhält.

Und das, will Müller-Benedict in seinem Beitrag zeigen: dass das meritokratische Prinzip ungeeignet ist, um “Diskriminierung auf lange Sicht verschwinden zu lassen (117)”.

Was? (musste jetzt sein)

Dazu lernen wir zunächst, dass “inbsesondere Bildungsinstitutionen” seit der “neoliberalen Öffnung von Bildungsmärkten unter einer Art Konkurrenz stehen” (120; eine Voraussetzung für das meritokratische Prinzip), aber das nutzt nichts, denn “funktional gesehen (Was?) simuliert das Bildungssystem für Ausbildung die Abläufe im Wirtschaftsystem nur” (121). Also: Das meritokratische Prinzip kann nach Ansicht von Müller-Benedict an Universitäten nicht funktionieren, weil es zu wenig neoliberale Öffnung gibt.

Deshalb werden Universitäten und andere Bildungsinstitutionen dann, wenn sie diskriminieren, d.h. für Müller-Benedict, dass sie weniger geeignete Bewerber einstellen, weil ihnen die weniger geeigneten aus welchen Gründen auch immer besser gefallen, nicht bestraft. Und das will er belegen, und zwar mit einem mathematischen Modell, das auf normalverteilten Abiturnoten basiert und somit auf der Annahme, dass alle Bewerber auf eine Stelle ein kleines normalverteiltes Abbild der Gesamtheit darstellen.

Hier nun führt Müller-Benedict seine Form der Diskriminierung ein. Sie besteht aus folgender Erkenntnis: “Frauen müssen besser sein als Männer” um eingestellt zu werden, die auf Seite 123 ganz ohne Beleg, quasi als phantasierte Diskriminierung daherkommt (also ein “Was?” provoziert). Aber, wir wollen nicht unfair sein, denn auf Seite 120 schreibt Müller-Benedict: “dass von Frauen wegen der Möglichkeit schwanger zu werden oder wegen unterstellter häufigerer familiärer Verpflichtungen implizit verlangt wird, dieselbe Leistung [wie Männer] in kürzerer Zeit zu erbringen” (abermals ein: “Was?). Woher stammt nun diese erstaunliche Erkenntnis? Sie stammt aus einer Publikation des Bundesministeriums für alle außer Männern. Müller-Benedict hat sich seine vier Brownie-Points redlich verdient (vielleicht darf er demnächst ja ein Gutachten für das Ministerium für alle außer Männern verfassen).

Um seine wilde These zu prüfen, führt Müller-Benedict die folgende Formel ein, die ausgereicht haben dürfte, um die Reviewer bei der KfZSS ins Bockshorn zu jagen. Wir haben die Formel gleich in den Kontext gestellt (die Abbildung darüber, um ein “Was?” zu sparen.)

Mueller-Benedict

Die Abbildung stellt die Verteilung der Abiturnoten dar, je besser die Abiturnoten, desto weiter oben die Bewerber. A steht für akzeptiert und R für zurückgewiesen (rejected), S beschreibt Bewerber, die erfolgreich sind in der Position, für die sie ausgewählt werden, F solche, die ein Reinfall für das Unternehmen sind. GB und GW sind Anteile von Schwarzen (black) und Weißen (white). Sie dienen Müller-Benedict als Maß der Diskriminierung. Sind GB und GW bezogen auf die jeweiligen Bewerber gleich, dann liegt keine Diskriminerung vor, ist es anders, dann liegt Diskriminierung entweder von Schwarzen oder Weißen vor.

Was? Richtig: Im Modell von Müller-Benedict sind keine individuellen Unterschiede vorgesehen. Müller-Benedict vergleich  Gruppen und nicht Indiduen, was zur Konsequenz hat, dass Meritokratie verschwindet, denn Meritokratie kann es nur mit Bezug auf ein Individuum, nicht in Bezug auf eine Gruppe geben.Wenn sich fünf dumme Ws und fünf schlaue Bs auf zwei Stellen bewerben und zwei schlaue Bs werden akzeptiert, dann ist dies für Müller-Benedict eine Diskrminierung der Ws als Gruppe. Wir erinnern uns an seine Normalverteilungsannahme: Sie dient dazu, individuelle Unterschiede zu beseitigen und kollektives Denken zu rechtfertigen.

Müller-Benedict vaiiert nun munter die Anteile von B und W und untersucht, wie sich die Manipulation bei angenommener Normalverteilung auf die Erfolgsquote auswirkt, und siehe da, oh Wunder, sie wirkt sich kaum bis gar nicht aus. Und deshalb folgert Müller-Benedict, dass ein Verstoß gegen das meritokratische Prinzip an nicht-ökonomischen Institutionen nicht geahndet wird, dass Diskriminierung also die Leistung der Institution als Ganze nicht beeinträchtigt. Und deshalb sei die Beseitigung von Diskriminierung eine normative Frage und Quoten seien das richtige Mittel dazu!

Was?

reductioZunächst die reductio ad absurdum: Müller-Benedict will gezeigt haben, dass sich Diskriminierung nicht auf die Erfolgsquote von Institutionen auswirkt. Wenn man also die Folgen einer Diskrminierung nicht messen kann, woher weiß man dann, dass überhaupt eine Diskriminierung vorliegt? Hätte Müller-Benedict mit seiner Analyse Recht, das Problem, das er gelöst haben will, hätte es nie gegeben.

Dann das “neoliberale” Argument. Wenn die Öffnung von Bildungsinstitutionen, der Wettbewerb zwischen ihnen aufgrund geringer Transparenz und z.B. deswegen, weil Studenten keine Studiengebühren zahlen, die Universitäten zwingen würden, um Studenten zu konkurrieren, nicht ausreicht, um die Durchsetzung des meritokratischen Prinzips zu garantieren, wie Müller-Benedict behauptet, dann folgt aus seiner Argumentation, dass die Ausrichtung von Universitäten an ökonomischen Indikatoren nicht weitreichend genug ist.

Es ist es für einen Sozialforscher vernichtend, wenn er das Phänomen, das er zu erforschen gedenkt, entweder aus seiner Phantasie nimmt oder aus der Phantasie anderer, in jedem Fall keine Anstalten macht, zu prüfen, ob z.B. die geringere Anzahl von weiblichen Professoren etwas mit Diskriminerung zu tun hat. Wenn Müller-Benedict demnächst in einem mathematischen Modell zeigt, dass die tatsächliche Diskriminierung von Männern, die er an die Stelle der phantasierten Diskriminerung von Frauen setzen will, von Gott gewollt ist, dann würde uns das nicht wundern.

Dass eine Ungleichverteilung kein Indiz für eine Diskriminierung ist, sollte einem Soziologen bekannt sein, wenn es ihm nicht bekannt ist, dann sollte er sich zu seinen Studenten im ersten Semester setzen und nachholen, was er offenkundig nicht weiß.

Fazit: Müller-Benedict phantasiert sich ein Modell zusammen, um ein Problem zu lösen, das es nicht gibt und folgert daraus, politisch für bestimmte Ideologen nützlich, dass Quoten gut sind, wenn man phantasierte Diskriminierung benutzen will, um selbst zu diskriminieren. Aber dass Müller-Benedict Legitimation liefert, die dazu genutzt werden kann, nunmehr Männer bewusst zu diskriminieren, um eine nicht belegte Diskriminierung, die es nach allen vorliegenden Ergebnissen, wie sie z.B. Catherine Hakim produziert hat, nicht gibt, zu beseitigen, macht nichts, denn die Bildungsinstitution leidet ihn ihrer Erfolgsquote nicht, wie Müller-Benedict gezeigt haben will.

Also lasst uns munter Männer diskriminieren, die Universitäten in Deutschland können kaum mehr schlechter werden. Was? Ja: Man denkt an Müller-Benedict und glaubt es.

Müller-Benedict, Volker (2014). Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregulierungen sinnvoll sind. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 66(1): 115-131.

Eintrittskarte in die Transfer-Existenz: Der Hauptschulabschluss ist nichts mehr wert!

Das neue WZBrief Bildung behandelt ein für Deutschland und vor allem für die Verfechter des dreigliedrigen Bildungssystems heikles Thema, das zu “Problemen auf dem Arbeitsmarkt” führt: den Hauptschulabschluss. Dieser Hauptschulabschluss ist nämlich nichts mehr wert. Er hält immer seltener die Möglichkeit bereit, eine berufliche Ausbildung zu beginnen und ist immer häufiger die direkte Eintrittskarte in die Arbeitslosigkeit und die nachfolgende Transfer-Existenz.

WZBIm Abgangsjahr 2011, das aus welchen Gründen auch immer, nach wie vor der aktuelle Jahrgang auf der Hompage des Statistischen Bundesamtes ist, haben 168.660 Schüler das Schulsystem mit einem Hauptschulabschluss verlassen, 49.560 Schüler sind komplett ohne Schulabschluss geblieben. Derzeit produziert das deutsche Schulsystem also gut 220.000 potentielle Transfer-Existenzen pro Jahr.

Aber das deutsche Ausbildungssystem ist doch weltberühmt für seine Effizienz, dafür dass die weitgehende Integration von Schulabsolventen in die Berufskarriere gelingt – deutlich an der geringen Rate arbeitsloser Jugendlicher? Das jedoch ist, wie Paula Protsch bereits im ersten Absatz des WZBrief Bildung schreibt,  alles nur schöner Schein und hat mit der Wirklichkeit wenig bis gar nichts zu tun:

Arbeitsagentur1“…der schöne Schein trügt. Ein Drittel der Jugendlichen, unter jenen mit Hauptschulabschluss sogar die Hälfte. findet kene Ausbildungsstelle, sondern beginnt eine berufsvorbereitende Maßnahme im sogenannten Übergangssystem. Einige können zu einem späteren Zeitpunkt noch eine Ausbildung beginnen, dennoch gelten über 15 Prozent (2,2 Millionen) der jungen Menschen in Deutschland im Alter von 20 bis 34 [!sic] Jahren als ausbildungslos”

Die hohe Zahl von Jugendlichen, auf die eine Karriere als Langzeitarbeitsloser wartet, setzt sich vornehmlich aus Hauptschülern und Jugendlichen ohne Schulabschluss zusammen und veranlasst Protsch zu der Feststellung, dass “das deutsche Ausbildungssystem … an Integrationskraft verloren [hat], … Hauptschüler bleiben auf der Strecke”. Dies zeigt z.B. eine Auswertung auf der Grundlage von Verlaufsdaten für den westdeutschen Ausbildungsmarkt von den 1950er bis zu den 2000er Jahren: “In den attraktiveren Berufssegmenten wie zum Beipiel Büro-, Elektro-, und Gesundheitsberufen sind längerfristig bis dauerhafte Einschnitte für … Hauptschüler zu beobachten”

[Falls sich jemand wundert, wieso plötzlich 34jährige zu jungen Menschen oder gar Jugendlichen werden, das ist einem alten Trick geschuldet, der einem dabei hilft, Prozentwerte herunterzurechnen. Man erweitert einfach die Basis um ein paar Jahrgänge, wohlwissen, dass mit älteren Jahrgängen die Anzahl der Ausbildungsinhaber steigt und abrakadabra, der Anteil der Ausbildungslosen sinkt! Der Anteil der Jugendlichen, sagen wir der 18 bis 21jährigen, die ohne eine Ausbildung sind, ist also entsprechend höher als ausgewiesen.]

Aber warum bleiben die Hauptschüler, bei denen es sich zu 60% um männliche Jugendliche handelt, auf der Strecke?

Protsch sucht die Antwort auf diese Frage bei Unternehmen. Wo sonst, möchte man resigniert feststellen, angesichts einer deutschen Bildungsforschung, die genau eine Institution, die mit Bildung zu tun und für Bildung verantwortlich ist, mit schöner Regelmäßigkeit auslässt und keiner weiteren Betrachtung würdigt? Aber dazu später. Gehen wir zunächst mit Protsch auf Ursachensuche und in Unternehmen.

London - Buckingham Palace guardHier treffen wir den Gatekeeper und somit auf eine theoretische Anbindung, die einem nicht sofort einleuchtet, sind Gatekeeper doch regelmäßig Positionsinhaber, die einen Zugang kontrollieren. Aber, was einen zunächst wundert, macht in der Welt von Protsch Sinn, in der betriebliche Gatekeeper Hauptschüler daran hindern, auf Ausbildungsplätze zu gelangen. Warum nur? Nun, weil, wie qualitative Interviews mit Gatekeepern in Unternehmen, die Protsch durchgeführt hat, wohl gezeigt haben, dass viele Personalchefs der Ansicht sind, die schulische Ausbildung von Hauptschülern sei zu schlecht, als dass die Hauptschüler den beruflichen Anforderungen gewachsen seien. Entsprechend ziehen viele Unternehmen Realschüler oder Gymnasiasten vor. Und wer kann es ihnen verübeln, basiert doch das nämliche Bildungssystem auf der Behauptung, dass ein Realschulabschluss eine höhere Qualifikation darstellt als ein Hauptschulabschluss. Wer die Wahl zwischen einem Realschüler und einem Hauptschüler hat und sich für den Realschüler entscheidet, handelt entsprechend im Sinne des Bildungssystems.

Nur Protsch ist es nicht recht. Sie beklagt, dass in Einstellungstests “Schulwissen abgefragt wird, das sich eher am Realschulniveau orientiert” und entsprechend Hauptschüler benachteiligt. Ganz nebenbei offenbart Protsch, bei welchen Unternehmen sie ihre qualitativen Interviews geführt hat, nicht beim kleinen Handwerker um die Ecke, sondern bei eher größeren Unternehmen, solche, die mit ihren Bewerbern Einstellungstests durchführen. Und bei solchen Tests, so Protsch, “bleiben … kognitive Lernpotenziale, die in der Schulzeit nicht erkannt wurden, auch weiterhin verborgen (…). Kognitive Grundfähigkeiten werden in betrieblichen Auswahlverfahren insgesamt nur selten erkannt”.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Hier steht: In den neun Jahren, die Hauptschüler letztlich einer Bildungsgängelung unterzogen wurden, ist es Schulen nicht gelungen, deren kognitive Fähigkeiten zu erkennen. Und was Hauptschulen in mehreren Jahren nicht gelungen ist, das soll Unternehmen im Prozess der Selektion geeigneter Bewerber auf eine Ausbildungsstelle gelingen – oder empfiehlt Frau Protsch hier Unternehmen einfach das Risiko einzugehen, dass sich ein Hauptschüler als seiner Schulbildung entsprechend und ohne Lernpotential erweist?

Bernstein Class code controlDie Angst, die deutsche Bildungsforscher davor haben, zu fragen, was an deutschen Schulen los ist, warum die Ausbildung an Hauptschulen offensichtlich so sehr am Bedarf von Unternehmen vorbeigeht oder so miserabel ist, dass Unternehmen (auf Grund schlechter Erfahrungen?) lieber keinen Hauptschüler einstellen, diese Angst grenzt langsam ans Groteske. Gibt es an Institutionen wie dem WZB in Berlin Mitarbeiterbriefings, die der Vermittlung der Norm: “Du sollst keine staatlichen Institutionen und vor allem keine Schulen und ihre Träger hinterfragen” gewidmet sind?

Jedem normalen Menschen, der sieht, dass immer mehr Jugendliche von Hauptschulen in so genannten überbetrieblichen Ausbildungen (zu so hervorragenden und zukunftsweisenden Berufen wie Maurer und Trockenbauer) geparkt werden, bis sie dann in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, muss doch die Frage einfallen, was an Schulen schiefläuft, wenn Hauptschüler häufig nicht einmal die rudimentärsten Ansprüche and Rechtschreibung und Mathematikkenntnisse erfüllen, mangelnde Ausbildungsreife nennt man das mit dem passenden Euphemismus, und entsprechend keinen Ausbildungsplatz finden.

Ist es mittlerweile soweit, dass man nicht einmal mehr nach der Rolle der Schulen fragen darf, sich nicht dafür interessieren darf, was an Schulen unternommen wird, um sicherzustellen, dass die vermittelten Inhalte Schüler in die Lage versetzen, auf dem Arbeitsmarkt eine Ausbildungsstelle zu finden?

Bernstein pedagogy control identityWenn öffentlich finanzierte Institutionen wie das WZB es nicht als ihre vordringlichste Aufgabe ansehen, solche Fragen zu stellen und zu untersuchen, wenn sie lieber auf ein abstruses Konstrukt wie “Gatekeeping” ausweichen, um Unternehmen dafür verantwortlich zu machen, dass Hauptschüler immer seltener eine Lehrstelle finden, dann ist es 5 vor 12 und man sollte sich überlegen, ob man nicht Wissenschaftler an die Stelle der Angsthasen aus dem WZB setzt, Wissenschaftler, die die Fragen stellen, die wehtun, Wissenschaftler, die Schulleiter, Lehrer und allen voran Kultusminister daran erinnern, dass Schulen eine Dienstleistung für Schüler erbringen, dass Schulen Orte sind, die Schüler zur Teilnahme am wirtschaftlichen Leben befähigen sollen.

Ja, richtig, Schulen sind gar nicht die Orte, an denen man wehrlose Opfer mit jedem noch so großen Blödsinn traktieren kann, der ihnen keinerlei Nutzen in ihrem späteren Leben bringt!

Update: Staatlich subventionierte Männerdiskriminierung an Hochschulen

Professorrinnenprogramm

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Die von uns vor einigen Wochen eingeführte Blacklist “Männerdiskriminierung an deutschen Hochschulen” haben zwischenzeitlich mehr als 5.000 Leser eingesehen. Informationen darüber, an welchen Hochschulen in Deutschland nicht mehr Leistung und Fähigkeiten, sondern Geschlecht erster Auswahlgrund für die Berufung auf Professuren oder die Vergabe von Mitarbeiterposten sind, haben also bereits eine relevante Anzahl von Personen erreicht.

Selbst die Antidiskriminierungsstelle ist in diesem Zusammenhang auf unsere Aufforderung hin tätig geworden und hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die Universität Bielefeld aufgefordert, sich zu der Diskriminierung von männlichen Bewerbern auf Lehrstühle, die unter der Floskel “eine Förderung durch das Professorinnenprogramm wird angestrebt” stattfindet, zu stellen. Beide, sowohl das BMBF als auch die Universität Bielefeld, haben der Antidiskriminierungsstelle mitgeteilt, dass sie in der Diskriminierung von Männern kein Problem sehen. Wörtlich heißt es in einer Email der Antidiskriminierungsstelle:

ADS“Beide sehen im Professorinnenprogramm keine Benachteiligung männlicher Bewerber, da das Förderprogramm erst dann zur Anwendung kommt, wenn eine Bewerberin nach bzw. in Folge einer diskriminierungsfreien Bestenauslese erfolgreich ist.”

Anders formuliert, Ausschreibungen unter dem Damoklesschwert des Professorinnenprogramms sollen auch männliche Bewerber zulassen, um der Ausschreibung, die dazu dient, Professorinnen zu berufen, eine Legitimation und einen legalen Anstrich zu verpassen. Die Berufung männlicher Bewerber ist indes zu keinem Zeitpunkt geplant, da dann keine Förderung durch das Professorinnenprogramm stattfinden würde, oder: männliche Bewerber dienen einzig als Feigenblatt.

Eine besonders perfide Form von Ausschreibung ist uns gerade aus Münster auf den Tisch gekommen. Dort ist eine W2-Professur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt “Moderne” ausgeschrieben, und zwar als vorgezogene Nachfolge für Prof. Dr. Werner Jacobsen. Bereits die Bemerkung, dass es sich um eine vorgezogene Nachfolge handelt, also eine Verdoppelung einer existierenden Stelle auf Kosten der Steuerzahler, macht deutlich, dass männliche Bewerber keine Chance haben werden, auf die entsprechende Stelle berufen zu werden, denn, wie heißt es so schön in einer Broschüre des BMBF, die mit Chancengerechtigkeit in Bildung und Forschung überschrieben ist, aber Ergebnisgleichheit durch Diskriminierung meint:

“Eine Vorgriffsprofessur ist eine Professur, die zusätz­lich zu einem derzeit noch besetzten, jedoch in ab­sehbarer Zeit frei werdenden Lehrstuhl geschaffen wurde [Hervorhebung durch uns].” (10)

Muenster-KunsgeschichteEine solche Überfluss-Professur ist nur im Rahmen des Professorinnenprogramm vorgesehen. Nur in diesem Programm gibt es den Luxus zweier Professuren für einen identischen Gegenstand. Nur hier werden Steuerzahler zur Kasse gebeten, um eine Stelle zu finanzieren, für die es überhaupt keinen Bedarf gibt. Entsprechend ist es überraschend, dass sich der Bund der Steuerzahler oder der Bundesrechnungshof bislang mit keiner Silbe zum Professorinnenprogramm geäußert haben, mit dem immerhin 300 Millionen Euro verschleudert werden.

Doch zurück zur Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, an der männliche Bewerber vorsätzlich über ihre Chancen, auf einen Lehrstuhl berufen zu werden, getäuscht werden. Ein weiterer Hinweis, dass männliche Bewerber nur als Staffage in einem abgekarteten Spiel dienen sollen, findet sich, ebenfalls versteckt, im ersten Absatz der Ausschreibung, in dem es heißt:

“Im Institut für Kunstgeschichte des Fachbereichs 8 – Geschichte/Philosophie – der Westfälischen Wilhelms-Universität ist im Rahmen des Professorinnenprogramms des Bundes und der Länder zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen (Professorinnenprogramm II) frühestens zum 01.10.2014 eine W2-Professur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Moderne (vorgezogene Nachfolge Prof. Dr. Werner Jacobsen) zu besetzen.

Der Verweis auf das Professorinnenprogramm II und der Hinweis auf die vorzeitige Besetzung, also die Doppelbesetzung einer vorhandenen Stelle machen deutlich, dass hier mit gezinkten Karten gespielt wird: Männliche Bewerber haben keine Chance auf die Stelle, und entsprechend sollten sich viele männliche Bewerber auf diese Stelle bewerben, denn nur wenn ein abgelehnter männlicher Bewerber gegen seine Ablehnung klagt, ist es, wie die Antidiskriminierungsstelle uns mitgeteilt hat, möglich, die Frage, ob das Professorinnenprogramm klassische und offene Diskriminierung darstellt, juristisch und von einem ordentlichen Gericht prüfen zu lassen.

Da die “Förderung” weiblicher Bewerber und Diskriminierung männlicher Bewerber auf der Prämisse basiert, dass weibliche Bewerber in der Vergangenheit aktiv diskriminiert wurden und nur so die ungleiche Verteilung der Geschlechter auf Professuren zu erklären sei, bestünde ein anderer gangbarer Weg darin, eine Verfassungsklage anzustrengen, denn ein Beleg dafür, dass Frauen, die sich bevor es den Staatsfeminismus gab, auf Professuren beworben haben, diskriminiert wurden, fehlt bislang vollständig. Das Professorinnenprogramm rechtfertigt entsprechend die Diskriminierung von Männern mit einer unbelegten Behauptung, eine Vorgehensweise, die historisch bewanderten Personen sicherlich schlechte Erinnerungen verursacht.

Weitere Ausschreibungen, die gegen die wissenschaftliche Lauterkeit, Anstand und guten Geschmack verstoßen und bei denen männliche Bewerber nur als Staffage vorkommen, kommen von der:

  • Kiel-ZahnheilkundeChristian-Albrechts Universität in Kiel: Hier soll an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Medizinischen Fakultät … zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine W2-Professur für “Prävention und Versorgung in der Zahnheilkunde” besetzt werden. Und: “Vorbehaltlich der Mittelverfügbarkeit soll diese Professur im Rahmen des Professorinnenprogramms II von Bund und Ländern als Vorgriffsprofessur gefördert werden.”
  • Gleiches gilt für eine an der selben Universität am Institut für Informatik der Technischen Fakultät zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu besetzende W3-Professur für Informationssysteme, die ebenfalls vorbehaltlich einer Mittelverfügbarkeit als Vorgriffsprofessur im Rahmen des Professorinnenprogramms II ausgeschrieben ist, bei der im Klartext also nur ein weiblicher Bewerber berufen werden wird.
  • Koblenz-MathematikEbenfalls in perfider und verräterischer nicht-Innen-Schreibweise schreibt die Hochschule Koblenz im “Rahmen des Professorinnenprogramms II 2013 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), bei welchem die Hochschule Koblenz eine Förderung zur Unterstützung ihrer Gleichstellungsbemühungen erhalten hat, … die .. folgende Professur im Fachbereich Ingenieurwesen am Standort Koblenz zum nächstmöglichen Zeitpunkt unbefristet aus: Professur Mathematik und Physik für Ingenieure (Bes.-Gruppe W 2) … Gesucht wird eine Persönlichkeit [!sic], die Grundlagen der Mathematik und Physik in der Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren am Fachbereich Ingenieurwissenschaften vertritt sowie Lehrveranstaltungen in allen unseren Studiengängen anbietet. Die Fachgebiete sollen in Lehre, Weiterbildung und anwendungsbezogener Forschung vertreten werden”. Da die Stelle im Rahmen des Professorinnenprogramms II ausgeschrieben ist, ist sie männlichen Bewerber nicht zugänglich, sie sind von einer Berufung ausgeschlossen.

Die Liste der Hochschulen die sich am Ausverkauf der Wissenschaft beteiligen und nichts dabei finden, nach Geschlecht zu diskriminieren, ist noch um einige Hochschulen länger, aber, da dieses Post bereits kurz von 1000 Worten angekommen ist, behalten wir uns ein weiteres Update der Liste der männerdiskriminierenden Hochschulen vor.

Hier sei nur abnschließend festgestellt, dass sich seit wir uns über die offene Diskriminierung durch die Universität Bielefeld bei der Antidiskrminierungsstelle beschwert haben, eine Veränderung eingetreten ist. Die Tatsache, dass männliche Bewerber nicht berufen werden, da eine Förderung durch das Professorinnenprogramm die Grundlage der Stellenausschreibung ist, wird nicht mehr (so) offen, sondern versteckt transportiert. Wir sind aus dem offenen in das perfide Stadium der Diskriminierung männlicher Bewerber übergewechselt, steuerzahlerfinanzierte Diskriminierung selbstverständlich.

Kann man es noch verantworten, Schulen in öffentlicher Trägerschaft zu belassen?

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Die Frage in der Überschrift ist eine logische Folge einer Zusammenstellung der “Leistungen” bzw. des Versagens des staatlichen deutschen Bildungssystems.

deu_1378xDas System wird von Landesfürsten angeführt, die die Schulbildung ihres jeweiligen Kultus-Fürstentums nutzen, um eigene Standards oder besser keine Standards einzusetzen. Die Vielfürsterei führt dazu, dass Leistungsstudien wie die PISA-Studie zu dem Ergebnis kommen, dass Hauptschüler in Bayern oder Baden-Württemberg oftmals besser ausgebildet sind als Gymnasiasten in Bremen. Dennoch haben schlechter ausgebildete Bremer Gymnasiasten einen formal höheren Schulabschluss, der ihnen andere Karrierewege eröffnet als dies für die im Vergleich zu ihnen besser ausgebildeten Hauptschüler aus Bayern oder Baden-Würrtemberg der Fall ist. Die Vielfürsterrei der Kultus-Fürsten führt somit zu Bildungsungerechtigkeit. Wer diese Ungerechtigkeit beseitigen will, muss die Vielfürsterei beseitigen und Wettbewerb zwischen Schulen ermöglich. Beides ist in einem öffentlich getragenen Bildungssystem nicht möglich.

Die Kultus-Fürsten regieren ihre Kultus-Fürstentümer nicht nur al gusto, sie herrschen wie einst Louis XVI über ihr Reich. Entsprechend wird in manchen Fürstentümern den angestellten Untertanen, die man auch Beamte oder Lehrer nennen kann, je nach Betonung eben einmal die Ausübung von Grundrechten verboten. Im Euphemismus öffentlicher Medien (die man gleich mit abschaffen sollte) heißt das dann: “Das Kultusministerium [von Baden-Württemberg] hat für die Lehrkräfte des Landes … neue Regeln festgelegt, wie diese künftig mit sozialen Netzwerken umgehen sollen – und lässt dabei wenig Spielraum”. Der wenige Spielraum bleibt, wenn alle Kommunikationen, die als dienstlich angesehen werden könnten, ausgeschlossen sind, was im Klartext heißt, wer als Lehrer einen Facebook-Account betreibt, sollte ihn abmelden, denn der deutsche Essentialismus will es, dass er alles, was er mit anderen auf Facebook teilt, in seiner Eigenschaft als Lehrer geteilt haben kann. Wer also Lehrern dazu verhelfen will, als vollwertige Mitglieder der deutschen Gesellschaft, die mit allen Freiheitsrechten ausgestattet sind, die auch andere Mitglieder der deutschen Gesellschaft haben, zu gelten, der muss das öffentliche Schulsystem abschaffen. Privatisierung zur Befreiung der Lehrer!

Doomed KingAktionen wie die letzte gehören zum Verschwiegenheits-Kodex, der unter den Kultus-Fürsten als stillschweigendes Übereinkommen gilt. Der Verschwiegenheits-Kodex sieht z.B. vor, dass aus Steuergeldern finanzierte Untersuchungen, die die Leistungen von Schülern aus den verschiedenen Kultus-Fürstentümern vergleichen, unter Verschluss bleiben. Er sieht vor, dass Schulen und Lehrer nicht bewertet werden und dass Eltern keinerlei Informationen über die Qualität von Schulen zur Verfügung gestellt werden, die es ihnen erlauben würden, die nach ihrer Ansicht beste Schule für ihre Kinder auszusuchen. Eltern und Kinder müssen nehmen, was vorhanden ist, und wer eine schlechte Schule erwischt hat eben Pech gehabt, sofern er nicht in Bremen wohnt. Wer Eltern die Möglichkeit geben will, sich die beste der verfügbaren Schulen auszusuchen bzw. eine schlechte Schule zu vermeiden, muss das Bildungssystem privatisieren und für Transparenz und Wettbewerb zwischen Schulen sorgen.

Der Verschwiegenheits-Kodex wird ergänzt durch einen ideologischen Kodex, der es vorsieht, Schulen zu Anstalten der Indoktrination zu machen, an denen keine eigenständigen und kritischen Schüler erzogen werden, sondern das Gegenteil, unkritische, den staatsfeministische ideologischen Kodex kritiklos mittragende Mitläufer, die weder kritisch hinterfragen noch kritisch denken. Entsprechend nutzen die Kultus-Fürsten das jeweilige Curriculum um ideologische Inhalte zu transportieren, z.B. unter der Überschrift: “Ist der Klimawandel ein Mann?”. Wer verhindern will, dass Kultus-Fürsten die Schulen als Ort missbrauchen, an dem sie ihre Ideologien verbreiten können, der muss das öffentliche Bildungssystem auflösen und durch ein privates Bildungssystem ersetzen.

Lernatlas 2011Der Preis des ideologischen Kodexes besteht in den schulischen Leistungen der Schüler, denn in der Zeit, in der Schüler über den angeblich von Männern verusachten Klimawandel, das vermeintliche Gender Pay Gap oder sexuellen Missbrauch unterrichtet werden, können sie nicht lesen, schreiben oder rechnen lernen. Entsprechend ist es wichtig, Bildungs-Standards zu reduzieren, um das Verschwinden von Kenntnissen in Grammatik, Orthographie, Grundrechenarten und logischem Denken durch die inflationäre Vergabe von Bildungszertifikaten, neuerdings geordnet nach Kompetenzstufen zu ersetzen. Damit wird unter der Hand eine Gesellschaft vorbereitet, in der nicht die Leistung und die Fähigkeiten zählen, sondern andere Faktoren wie z.B. Gefügigkeit, Kritiklosigkeit und Geschlecht. Deutlich ist das Wirken dieses ideologischen Kodexes bereits daran, dass Jungen erhebliche Nachteile bei der schulischen Bildung haben. Gleiches gilt für Migrantenkinder, denen aus ideologischen Gründen auch nach der vierten Generation und nach vollständigem Durchlaufen des institutionalisierten öffentlichen Bildungssystem noch das Stigma angeheftet wird, sie könnten kein Deutsch, und zwar von Kultus-Fürsten, die sofort auf Lehrbetriebe als schuldige verweisen, wenn ein Lehrling nach seiner Maurerlehre keinen Stein gerade auf den anderen setzen kann und von denselben Kultus-Fürsten, die falsches Deutsch wie: “Ist der Klimawandel ein Mann” als für gut befundenes Lehrmaterial zulassen. Und wie in Fürstentümern so üblich, entscheidet die Abstammung über die Lebenschancen, deutlich zu sehen daran, dass es Kinder aus Arbeiterfamilien selten bis gar nicht auf weiterführende Schulen oder gar Universitäten schaffen.

Wer der Entwertung von Leistung, wer der Entwertung von Autonomie und Kritikfähigkeit ein Ende setzen will, wer Bildungs-Gerechtigkeit nicht nur im Mund führen, sondenr herstellen will, der muss das öffentliche Bildungssystem beseitigen und durch ein privates Bildungssystem ersetzen.

Und so könnte es aussehen (als Ausgangspunkt für Diskussionen):

  • Es gibt ab 2015 in Deutschland nur noch private Schulen. Alle öffentlichen Schulen, die keinen privaten Träger finden, werden geschlossen.
  • Es gibt ab 2015 in Deutschland zwei oder drei unabhängige Agenturen, deren Zweck darin besteht, ein Curriculum zu entwerfen, in dem keinerlei Fragen von Lebensart, Lebensstil oder staatsbürgerlicher Gefügsamkeit behandelt werden, dafür ein Schwerpunkt auf kritischem Denken und Eigenständigkeit gelegt wird.
  • Die Agenturen sind mit Wissenschaftlern besetzt, sie konkurrieren miteinander um die beste Form der Prüfung festgelegter Wissensbestände und kontrollieren sich gegenseitig. Sie werden über Gebühren finanziert, die die privaten Schulen entrichten müssen, wobei die privaten Schulen sich die Agentur aussuchen können, von der sie die Prüfungen ihrer Schüler abnehmen lassen wollen
  • Jedes Kind erhält einen Bildungsgutschein. Der Bildungsgutschein finanziert die Ausbildung der Kinder bis zum Alter von 16 Jahren. Dieser Gutschein kann an jeder der privaten Schulen eingelöst werden. Ein eingelöster Gutschein finanziert die Kosten der schulischen Ausbildung des entsprechenden Kindes an der privaten Schule aus öffentlichen Mitteln.
  • Leistungsprüfungen finden – wie oben ausgeführt – zentral statt. Für 16jährige Schüler findet eine Abschlussprüfung auf mehreren Niveaustufen statt. Schüler, die eine Abschlussprüfung auf dem A-Niveau bestehen, haben die Möglichkeit, Bildungsgutscheine für einen weiteren zweijährigen Schulbesuch, an dessen Ende das Abitur steht, abzurufen.

Ach ja: Kultus-Fürsten werden nach Holland ins Exil geschickt und die Kultusministerien erstazlos aufgelöst.

©ScienceFiles, 2013

Privatschulen-Bashing – und plötzlich sind mehr Mädchen schlecht

wgvdlEin Beitrag von Holger im gelben Forum hat mich auf einen Text in der FAZ aufmerksam gemacht, in dem Lisa Becker “Privatschulen als Fluch und Segen für das Bildungssystem” bezeichnet – ein klassischer Widerspruch bereits in der Überschrift. Das lässt nichts Gutes für den weiteren Text erwarten, und in der Tat, der Text hält, was die Befürchtung verspricht. Unter Bezug auf Manfred Weiß und dessen nicht näher bezeichnete Studien, berichtet Lisa Becker zum einen Unsinn, zum anderen soll wohl gezeigt werden, dass Privatschulen gar nicht gut, nein, schlecht sind, nein, eigentlich verboten werden sollten, denn sie spalten die Gesellschaft, ziehen eine selektive Schicht der Bevölkerung an und, naja, sind halt Privatschulen.

Bevor ich mich dem im Einzelnen widme, hier ein Beispiel für den Unsinn, den Lisa Becker verbreitet:

“Sein Ergebnis [Manfred Weiß']: In vielen Ländern kehrt sich der Leistungsvorsprung der Privatschüler in einen Nachteil um, auch in Deutschland. Das heißt, sie schneiden bei Pisa nur deshalb besser ab, weil sie und ihre Mitschüler aus bildungsnahen Elternhäusern kommen”.

FAzWie gesagt, der Widerspruch in der Überschrift hat schon Schlimmes vermuten lassen, und so kommt es: Offensichtlich schneiden Privatschüler in den PISA Studien und im Hinblick auf “literacy” besser ab als Schüler in öffentlichen Schulen. Dieses bessere Abschneiden ist im Gehirn von Becker ein Vorteil. Aus dem Vorteil “besseres Abschneiden” werkelt ihr Gehirn dann einen Nachteil, denn die Privatschüler sind alle aus “bildungsnahen Elternhäusern”. Ja. Verstehen Sie das? Ich nicht. Wie auch immer, “bildungsnahe” Elternhäuser wirken auf Privatschulen zum Nachteil ihrer Kinder führen aber zu besseren Leistungen der Privatschüler im PISA Test. Es ist halt Unsinn, quadrierter Unsinn. (Als wir den Begriff “bildungsnah” vor einiger Zeit auf ScienceFiles eingeführt haben, haben wir das als Reaktion auf den Begriff “bildungsfern” getan und mit einem sarkastischen Hintergedanken, denn bildungsnah, ist ja auch nicht gebildet, sondern nur nah. Es ist schon lustig, welche Karrieren manche im Spaß kreierten Begriffe machen.)

Ich werde weiter unten auflösen, was Becker hier nicht verstanden hat. Nachdem ich den Text in der FAZ gelesen habe und froh darüber war, dass ich die FAZ nicht abonniert habe, sondern umsonst lesen kann (eigentlich müsste man noch etwas dazu bekommen, wenn man solchen Unsinn liest), habe ich mich auf die Suche nach den Werken von Manfred Weiß  gemacht, die in der FAZ zitiert, aber nicht angegeben werden. Gefunden habe ich u.a. eine Veröffentlichung der Friedrich-Ebert-Stiftung (wer hätte das gedacht), erschienen im Netzwerk Bildung und betitelt: “Allgemeinbildende Privatschulen in Deutschland. Bereicherung oder Gefärdung des öffentlichen Schulwesens”, von Manfred Weiß.

FES WeissDie Arbeit ist erstaunlich neutral und deskriptiv. Selbst die Zusammenfassung liest sich – trotz des Titels – über weite Strecken wie ein wissenschaftlicher Text, so dass man sich verwundert die Augen reibt und sich fragt, was bei der Friedrich-Ebert-Stiftung los ist. Aber das Wundern endet mit dem Erreichen von Kapitel 8: “Privatschulen aus systemischer Perspektive”. Die “systemische Perspektive”, das ist die Perspektive, die immer dann eingenommen wird, wenn man Individuen sagen will, dass das, was sie tun, für sie vielleicht einen Vorteil hat, aber systemisch betrachtet, verdammenswert ist, wobei die “systemische Betrachtung” zumeist die ideologisch gewünschte Betrachtung ist. Man kann also bei “systemischen Betrachtungen”, die in einer Veröffentlichung der FES über Privatschulen angestellt werden, vorhersagen, dass sie für Privatschulen nicht positiv ausfallen werden. Und in der Tat, die Erwartung wird nicht enttäuscht.

Privatschulen selektieren die Bevölkerung negativ: Sie tragen dazu bei, dass “bildungsnahe” (Ha!) Eltern ihre Kinder vermehrt auf Privatschulen schicken. Vor allem Mädchen finden sich häufiger auf Privatschulen. Das überlässt den benachteiligten öffentlich-rechtlichen Schulen die “bildungsfernen Kinder” und die Jungen. Schon interessant, welche Wendung manche Diskurse so nehmen und wie sich plötzlich, wenn es ideologisch passt, die selbe Institution, die gegen die Anerkennung der Nachteile von Jungen im schulischen Bildungssystem heftig agitiert, also die FES, plötzlich die Vorteile die Mädchen auf Privatschulen haben, gar nicht mehr gut findet.

Privatschulen haben einen weiteren Nachteil, denn sie geben den Eltern eine Wahlmöglichkeit und führen entsprechend dazu, dass Eltern wählen. Ergebnis: Weniger Migranten auf Privatschulen, ein höherer Anteil von Migranten auf öffentlichen Schulen. Mehr noch: Eltern wollen ihren Kindern auf Privatschulen Vorteile durch Distinktion verschaffen. Unglaublich, wo wir doch alle im Einheitsbrei der öffentlichen Schulen versinken wollen.

Diese beschriebenen negativen Wirkungen von Privatschulen, die Deutschland auf den “Weg in eine neue Art von Klassengesellschaft” schicken, sind bedenklich, wenn man Manfred Weiß folgt, und sie sind der Preis, der für die Existenz von Privatschulen nach seiner Ansicht zu zahlen ist. Das ist, was Weiß selbst am Ende seines Beitrags schreibt, und wäre er nicht so sehr darauf fixiert, den ideologischen Kanon der FES nachzubeten und etwas Schlechtes an den Privatschulen zu finden, er hätte vielleicht ein paar Möglichkeiten erwogen, die in den USA seit Jahrzehnten genutzt werden, um schlechte Lehrer an öffentlichen Schulen zu besserer Leistung zu zwingen.

schooling for moneyAber dazu gleich. Zunächst zum Weltbild des Herrn Weiß, in dem es Junk und nicht-Junk, nein, “bildungsnahe” und “bildungsferne” Kinder gibt. Die bildungsfernen Kinder und natürlich die Migranten, den Junk, die will niemand, nicht einmal öffentliche Schulen, aber sie enden mit ihnen, wenn Privatschulen die Sahne der “bildungsnahen” Kinder abschöpfen. Nettes Weltbild! Die Leistungen einer Schule hängen also davon ab, welche Kinder die entsprechende Schule besuchen. Da stellt sich doch die Frage, was an Schulen anderes als das Zementieren sozialer Unterschiede erfolgt. Wenn man die Verbissenheit betrachtet, mit der “Bildungsforscher” nach “bildungsnah” und “bildungsfern” selektieren, dann kann man nicht anders als heftigste Befürchtungen zu haben, besonders dann, wenn man der Ansicht ist, dass die schulische Vermittlung von Inhalten die Person und die sozialen Hintergründe eines Kindes nicht in Rechnung stellen soll, nein darf. In Deutschland ist wohl alles anders.

Gleichzeitig hat die Leistung, die Schüler erbringen, im Weltbild von Herrn Weiß offensichtlich überhaupt nichts mit der Leistung von Lehrern zu tun. Wäre dies anders, er käme vielleicht auf die Idee, das schlechte Abschneiden von bestimmten Schülern an öffentlichen Schulen hätte etwas mit der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Lehrer zu tun, und der Wettbewerb mit privaten Schulen wäre genau das, was genutzt werden könnte, um schlechte Lehrer loszuwerden und das Lehrniveau in öffentlichen Schulen zu steigern. Aber es geht ja nicht darum, Lehrniveaus zu steigern, sondern den Anteil von Junk-Schülern in Grenzen zu halten. Folglich kommt Weiß auf diese naheliegende Idee nicht.

Außerdem ist diese Idee, private Schulen würden durch Wettbewerb zu einem höheren Niveau des gesamten schulischen Bildungssystems beitragen, natürlich ideologisch nicht gewünscht, und wäre entsprechend und mit hoher Wahrscheinlichkeit von er FES-Redaktion gestrichen worden. Also besser, man hat solche subversiven Ideen erst gar nicht. Und demenstprechend endet Weiß seinen Beitrag mit einer Darstellung des schwedischen (!sic) Schulsystems, die nicht vorteilhaft für die Schweden ist. In Schweden, ja, im gleichheitsfanatischen Schweden, gibt es nämlich seit Jahren ein Schulsystem, in dem private und öffentliche Schulen miteinander konkurrieren. Schüler und Eltern erhalten Bildungsgutscheine und suchen sich eine Schule aus, von der sie sich eine gute Wissensvermittlung erwarten.

Gabriel Sahlgren hat für dieses schwedische Bildungssystem nicht nur nachgewiesen, dass  der Wettbewerb zwischen privaten und öffentlichen Schulen das Gesamt-Bildungsniveau der Schüler erhöht, sondern auch, dass der Wettbewerb dazu führt, die Lesitungsunterschiede zwischen Schülern aus der Unterschicht und Schülern aus der Mittel- und Oberschicht zu nivellieren, also genau das Gegenteil dessen, was Weiß als Folge der Privatschulen ausmacht, ist, was in Schweden durch Privatschulen erreicht wird. Wie nicht anders zu erwarten, fehlen die Arbeiten von Sahlgren in der Arbeit von Weiß. Entweder er kennt sie nicht oder er will sie nicht kennen.

weiss privatschulen

aus: Weiß, 2011, S.43

Bleibt noch auf den Unsinn von Lisa Becker zurückzukommen. Lisa Becker hat die neben stehende Abbildung nicht verstanden. Dort wird für Schüler aus unterschiedlichen Schulen versucht, die bessere Leistung von Schülern auf Privatschulen hinwegzurechnen. Dies geschieht dadurch, dass man private und öffentliche Schulen im Hinblick auf die soziale Herkunft ihrer Schüler und das Geschlecht ihrer Schüler standardisiert. Dann, wenn man dies tut, schneiden Schüler an öffentlichen Schulen immer noch schlechter ab als Schüler an privaten Schulen, ganz im Gegensatz zu dem, was Becker behauptet. Erst wenn die Nachbarschaft der Schulen einbezogen wird (warum man das tun sollte, weiß ich nicht), schneiden öffentliche Schulen besser als private Schulen ab, was kein Wunder ist, denn private Schulen finden sich eher nicht in Berlin-Prenzlauer Berg. Aber wenn es darum geht, öffentliche Schulen gut und private Schulen schlecht zu reden, dann ist offensichtlich jedes Mittel recht.

Weiß, Manfred (2011). Allgemeinbildende Privatschulen in Deutschland. Bereicherung oder Gefährdung des öffentlichen Schulwesens? Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Schriftenreihe des Netzwerk Bildung.

Dazu auch unsere aktuelle Umfrage am rechten Rand in der Widget-Leiste.

Blacklist: Männerdiskriminierung an Hochschulen (#MenDiscrimination)

ProfessorrinnenprogrammWir haben wiederholt davon berichtet, dass männliche Bewerber auf Positionen an Universitäten derzeit offen diskriminiert werden. Die Diskriminierung ist dabei regelmäßig das Resultat eines Landesprogramms zur  Förderung von z.B. einer “geschlechtergerechten Hochschule” oder des vom BMBF koordinierten Professorinnenprogramms. In jedem Fall ist das Ergebnis der entsprechenden Programme eine offene Diskrminierung männlicher Bewerber, was bedeutet, dass z.B. das Landesprogramm “geschlechtergerechte Hochschule” des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW “Geschlechtergerechtigkeit” dann verwirklicht sieht, wenn männliche Bewerber auf Lehrstühle oder Mitarbeiterstellen offen diskriminiert werden.

Ausgewählte Beiträge zur Diskriminierung von Männern an deutschen Hochschulen:

Innovation in NRWWie man sieht, leben wir in einer Zeit hochgradiger geistiger Verwirrung, in der versucht wird, durch Ungerechtigkeit, Gerechtigkeit herzustellen. Dass diese geistige Verwirrung (auch) an Universitäten ausgelebt wird, ist nicht nur alarmierend und erschreckend, es gefährdet nicht nur die Grundlagen der Gewinnung von Erkenntnis und somit von Kreativität, Innovation, Fortschritt und letztlich Wohlstand, es ist auch ein Ausverkauf von Bildung und ein krasser Bruch mit dem meritokratischen Prinzips, das erst die Fortrschritte in Kenntnis und Technologie, wie sie die letzten Jahrtausende gesehen haben, möglich gemacht hat.

Die entsprechenden Programme und die Versuche, Universitäten zu Satelliten der staatsfeministischen Ideologie zu machen, sind eine Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden, sie torpedieren wirtschaftlichen Fortschritt, sie zerstören die Bildung, die den Wohlstand westlicher Staaten erst möglich gemacht hat, und sie diskriminieren Individuen aufgrund willkürlicher Merkmale, in diesem Fall aufgrund von “Geschlechtszugehörigkeit”, zerstören deren Motivation und Lebenschancen.

Decision makingIn einer Zivilgesellschaft ist es für Individuen wichtig, ihre Entscheidungen informiert zu treffen. Wer an einer Hochschule studieren will, muss wissen, ob er Wissen oder Ideologie vermittelt bekommt. Er muss wissen, ob die Lehrstühle an seiner Hochschule von Personen besetzt sind, die sich aktiv an der Diskriminierung von Individuen beteiligen und sich entsprechend als Feinde der Meritokratie zu erkennen geben. Dies ist wichtig, denn die entsprechenden Professoren werden mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Qualität der Leistung von Studenten, sondern die Konkruenz der erbrachten Leistung mit ihrer Ideologie bewerten. Sie sind Feinde des wissenschaftlichen Fortschritts. Wer sich nach Abschluss seines Studiums mit dem Gedanken trägt, an der Universität zu bleiben, muss seine Entscheidung, sich auf eine Stelle zu bewerben, informiert treffen und z.B. wissen, ob die Universität oder Hochschule, an der er sich bewerben will, nach Geschlecht diskriminiert. Hochschulen, die z.B. Bewerber wegen ihres Geschlechts diskriminieren, sind keine Stätten der Bildung und des Wissens, sie sind Stätten der Ideologie an denen keine autonomen Denker, sondern abhängige Vasallen der herrschenden Ideologie zu finden sind.

Die vorliegende Blacklist dient dazu, Informationen, die notwendig sind, um eine informierte Studier- und Bewerbungsentscheidung zu treffen, breitzustellen und die Universitäten, die Bewerber aufgrund ihres Geschlechts diskriminieren, zu nennen, die für die Diskriminierung Verantwortlichen anzugeben und die Folgen und Günstlinge der Diskriminierung zu berichten.

Um die Blacklist auf aktuellem Stand halten zu können, sind wir auf die Mithilfe der Leser dieses blogs angewiesen. Wenn Sie auf Ausschreibungen an Hochschulen stoßen, die offen gegen männliche Bewerber diskrminieren, schicken Sie uns eine Email mit einem Link, und wir nehmen die entsprechende Hochschule in unsere Liste auf. Die im folgenden genannten Hochschulen sind bereits das Ergebnis entsprechender Hinweise, für die wir uns an dieser Stelle bedanken.

Wir haben zudem einen Hashtag (#MenDiscrimination) eingerichtet. Alle die eine Ausschreibung finden, die Männer diskriminiert, können die Ausschreibung per Hashtag (#MenDiscrinimation) über Twitter verbreiten bzw. uns mitteilen.

Hochschule Ausgeschriebene Stelle Verantwortlicher Günstling
Beuth Hochschule für Technik Berlin Professur für Systemprogrammierung und Verteilte Systeme Eine Förderung aus dem Professorinnenprogramm ist scheinheilig “vorgesehen”, bei einer solchen Förderung sind Bewerbungen männlicher Aspiranten Makulatur. Prof. Dr. Heike Ripphausen-Lipa noch nicht besetzt
Beuth Hochschule für Technik Berlin Professur für Sanitärtechnik Eine Förderung aus dem Professorinnenprogramm ist scheinheilig “vorgesehen”, bei einer solchen Förderung sind Bewerbungen männlicher Aspiranten Makulatur. Prodekan Professor Thomas Kretschmer noch nicht besetzt
Universität Bielefeld W3-Professur für Allgemeine Literaturwissenschaft/Neuere Deutsche Literatur im transnationalen Kontext - Die Stelle ist als Förderprofessur im Rahmen des Professorinnenprogramm ausgeschrieben. Gefördert werden ausschließlich weibliche Professoren, entsprechend kann die Professur nicht an männliche Bewerber vergeben werden. Dekan der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft, Prof. Dr. Kai Kaufmann derzeit noch unbesetzt
Universität Bielefeld W3-Professur für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Frühen Neuzeit – Die Stelle ist als Förderprofessur im Rahmen des Professorinnenprogramm ausgeschrieben. Gefördert werden ausschließlich weibliche Professoren, entsprechend kann die Professur nicht an männliche Bewerber vergeben werden. Dekan der Fakultät für Geschichtswissenschaften, Philosophie und Theologie, Prof. Dr. Angelika Epple derzeit noch unbesetzt
Hochschule der Künste Bremen W3-Professur für Figurative Malerei (befristet auf 3 Jahre) – Auch an der Hochschule der Künste Bremen ist nicht Leistung, sondern Geschlecht entscheidend: “Die Hochschule für KÜnste … wird im Rahmen des vom BMBF ausgeschriebenen Professorinnenprogramms gefördert und fordert Künstlerinnen/Wissenschaftlerinnen nachdrücklich auf, sich zu bewerben.” “Dezernat Personal” – endlich einmal eine Hochschule, die zugibt, dass Personalentscheidungen in der Verwaltung und nicht im Fachbereich/der Fakultät getroffen werden. Ausschreibung aus Oktober 2012. Wir recherchieren derzeit den Günstling
Universität Bremen Professur für den Aufgabenbereich Computational Data Analysis - je nach Qualität der Bewerberin als W1, W2 oder W3-Professur ausgeschrieben (Man ist nicht wählerisch an der Universität Bremen). Die Ausschreibung lässt an Deutlichkeit nichts, wohl aber sprachlich viel zu wünschen übrig: “Mit der Maßnahme Professorinnenprogramm des Zukunftskonzepts werden Professuren aus Exzellenzmitteln finanziert, die mit Professorinnen besetzt werden. Prodekan des Fachbereichs 3, Prof. Dr. Alfred Schmidt Ende der Ausschreibung war der 18. Januar 2013 – wir recherchieren derzeit den Günstling
Hochschule Fulda – University of Applied Sciences W2-Professur für Diätetik - Die Stelle ist als Förderprofessur im Rahmen des Professorinnenprogramm ausgeschrieben. Gefördert werden ausschließlich weibliche Professoren, entsprechend kann die Professur nicht an männliche Bewerber vergeben werden Prof. Dr. Karim Khakzar Präsident der Hochschule Fulda derzeit noch unbesetzt
Medizinische Hochschule Hannover Ausgeschrieben sind: Universitätsprofessur für Psychosomatik mit Schwerpunkt Transplantationsmedizin und Onkologie, Universitätsprofessur für Infektionsbiologie des Gentransfers, Universitätsprofessur für funktionelle Genomik. Alle drei Stellen sind explizit im “Rahmen des Professorinnenprogramms II” ausgeschrieben. Obwohl die Stellen nur mit weiblichen Bewerbern besetzt werden können, richten sich die Ausschreibungen auch an männliche Bewerber. Männliche Bewerber werden arglistig getäuscht. Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover: Dr. med. Christopher Baum derzeit nicht besetzt
Christian-Albrechts-Universität Kiel Ausgeschrieben ist eine Vorgriffsprofessur für Prävention und Versorgung in der Zahlheilkunde, die zusätzlich für eine bestehende Professur geschaffen wird und im Rahmen des Professorinnenprogramms ausschließlich an weibliche Bewerber vergeben wird. Dekan der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel, Prof. Dr. Ulrich Stephani noch nicht besetzt
Christian-Albrechts-Universität Kiel Ausgeschrieben ist eine Vorgriffsprofessur für Informationssysteme, also eine Doppelbesetzung einer bereits vorhandenen Professur, die durch das Professorinnenprogramm gefördert wird und entsprechend nur weiblichen Bewerbern zugänglich ist. Dekan der Technischen Fakultät, Prof. Dr. Wilhelm Hasselbrink derzeit noch unbesetzt
Hochschule Koblenz Ausgeschrieben ist eine W2-Professur für Mathematik und Physik für Ingenieure, die bereits durch das Professorinnenprogramm gefördert wird. Eine Berufung männlicher Bewerber auf diese Stelle ist somit ausgeschlossen. Der Vorsitzende der Berufungskommission der Hochschule Koblenz, Prof. Dr. Andreas Huster derzeit noch unbesetzt
Universität Mannheim W3-Professur für anglistische Literatur- und Kulturwissenschaft. Die Ausschreibung erfolgt unter der folgenden Maßgabe: “Eine Förderung aus Mitteln des Professorinnenprogramms ist angestrebt”. Zu Deutsch: die Stelle wird nur an weibliche Bewerber vergeben. Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Dr. Matthias Kohring derzeit noch unbesetzt
Ludwig-Maximilians-Universität München Die LMU zahlt eine Kopfprämie von 25.000 Euro für die Berufung weiblicher Beweber auf W1, W2 und W3 Professuren. Ein so genannter Gleichstellungsausschuss unter Vorsitz des Präsidenten der LMU, Prof. Dr. Bernd Huber. 10. Senatsbericht, S.24 derzeit in Bearbeitung
Westfälische Wilhelms-Universität Münster W3-Professur für Sprachdidaktik/Sprachwissenschaft des Deutschen - Die Stelle ist als Förderprofessur im Rahmen des Professorinnenprogramm ausgeschrieben. Gefördert werden ausschließlich weibliche Professoren, entsprechend kann die Professur nicht an männliche Bewerber vergeben werden Prof. Dr. Christoph Strosetzki, Dekan des Fachbereichs 09 / Philologie derzeit nicht besetzt
Westfälische Wilhelms-Universität Münster Ausgeschrieben ist eine Vorgriffsprofessur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt “Moderne”. Geschaffen wird also eine doppelte Professur, die nur im Rahmen des Professorinnenprogramms möglich und entsprechend nur weiblichen Bewerbern zugänglich ist. Der Dekan des Fachbereichs 8 Geschichte/Philosophie, Prof. Dr. Jürgen Heidrich derzeit noch unbesetzt
Hochschule Ostwestfalen-Lippe W2-Professur für Crossmedia-Journalismus
- Die Ausschreibung erweckt den Eindruck, männliche Bewerber hätten eine faire Chance. Da jedoch “eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm angestrebt” wird, dienen männliche Bewerber nur als Staffage.
Präsident der Hochschule, Dr. Oliver Herrmann derzeit noch unbesetzt
Hochschule Rhein-Waal Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) Gender und Ökonomie – Die Stelle ist ausschließlich für weibliche Bewerber ausgeschrieben. Männliche Bewerber werden durch das Landesprogramm “geschlechtergerechte Hochschule” von einer Bewerbung ausgeschlossen. Prof. Dr. Carola Bauschke-Urban, Lehrstuhl für Gesellschaft und Ökonomie. derzeit noch unbesetzt
Universität Tübingen W3-Professur für Medienwissenschaft (Schwerpunkt Medien und Gesellschaft)-
Die ausgeschriebene Stelle ist an eine Förderung aus dem Professorinnenprogramm gekoppelt, was eine Besetzung mit einem männlichen Bewerber faktisch ausschließt.
Dekan der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Jürgen Leonhardt derzeit noch nicht besetzt
Westsächsische Hochschule Zwickau “Professorin für Wirtschatsmathematik, Operations Research, W2. Männliche Bewerber sind von einer Bewerbung auf die entsprechende Stelle ausgeschlossen. Die Finanzierung erfolgt über das Professorinnenprogramm II Rektorat der Westsächsischen Hochschule in Zwickau derzeit noch nicht besetzt

Alles beim Alten – Entscheidet wirklich Herkunft über Lebenschancen?

In Deutschland gibt es u.a. das folgende Ritual: In regelmäßigen Abständen kehren Themen in der öffentlichen Diskussion wieder, werden dort mehr oder weniger breit getreten und verschwinden nach kurzer oder weniger kurzer Zeit wieder in der Versenkung, aus der sie nach einer gewissen Auszeit wieder auftauchen, um abermals breitgetreten zu werden. Übertragen auf Probleme bedeutet dies die regelmäßige “Sensibilisierung” für bestimmte Probleme und wenn genug sensibilisiert wurde, werden die Probleme wieder ad-acta gelegt (bis zum nächsten Mal) nur eines werden sie nicht: angegangen.

Bildung als PrivilegEin solches “Problem” ist die soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem. Diese ist sattsam bekannt, wird seit Jahrzehnten diskutiert, regelmäßig von der OECD, der Bundesregierung, der Kultusministerkonferenz, der GEW und vielen anderen  beklagt, meist mit der Forderung, mehr Geld in die Bildung zu stecken oder mehr Lehrer einzustellen, aber angegangen wird die soziale Schiefverteilung im deutschen Bildungssystem nicht. Dazu müsste man nach den Ursachen suchen, und wären diese gefunden, man könnte die Probleme nicht mehr dazu nutzen, um sich zu produzieren oder selbst zu bereichern: Was würde z.B. aus der GEW-Forderung nach mehr Lehrern, wenn die Ursachenforschung zu Tage brächte, dass es nicht die Quantität von Lehrern, sondern die Qualität der Lehrer ist, die den Bildungserfolg von Kindern (u.a. aus der Arbeiterschicht) beeinflusst. Das wäre schlecht für die GEW, und entsprechend ist sie so wenig wie all die anderen Genannten an der Suche nach den Ursachen interessiert.

Zwei neue Untersuchungen haben in trauter Eintracht und erneut gezeigt, dass das deutsche Bildungssystem nach sozialer Herkunft siebt und sich der langen Reihe entsprechender Untersuchungen angefügt. Beide bestätigen scheinbar, was alle wissen, nämlich das bereits die Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet.

Über die erste Untersuchung berichtet Daniel D. Schnitzlein im DIW Wochenbericht 4/2013. Ziel seiner Untersuchung ist eine Bestandsaufnahme zur sozialen Ungleichheit in Deutschland. Neu an seiner Studie ist, dass er versucht, soziale Ungleichheit als Transmissionseffekt zwischen Generation und über Geschwisterkorrelationen zu erfassen. Letztlich sind Geschwisterkorrelationen nichts anderes als eine gemessene Ähnlichkeit von Geschwistern im Hinblick auf Bildung, Einkommen, sozialen Status usw. Je stärker die familiäre Herkunft die entsprechenden Lebenschancen beeinflusst, so die damit einhergehende Annahme, desto größer die Geschwisterähnlichkeiten bzw. -korrelationen. Warum dies so sein sollte, das erklärt Herr Schnitzlein leider nicht, aber er berechnet Geschwisterkorrelationen für eine Reihe von Bereichen. Die mit Abstand stärkste Korrelation findet sich für die Schulbildung:

“Für Männer und Frauen liegt der Wert hier deutlich über 0,5 (Männer 0,66, Frauen 0,55), das heißt, über die Hälfte der Variation im formalen Bildungserfolg lässt sich mit familiärem Hintergrund erklären. Um diese Zahlen einzuordnen und bewerten zu können, ist … die Geschwisterkorrelation für die Körpergröße [berechnet worden]… Diese ist mit 0,5 für Brüder und 0,47 für Schwestern klar niedriger als der entsprechende Wert für die Bildung. Bildungserfolg hängt in Deustchland also stärker mit dem Familienhintergrund zusammen als ein weitgehend genetisch determiniertes Merkmal wie die Körpergröße”. (6)

BildungsforschungDamit ist nach Ansicht von Schnitzlein einmal mehr belegt, dass das Elternhaus oder besser: die soziale Schicht, der die Eltern angehören, über den Bildungserfolg in Deutschland bestimmt, und zwar in einem Ausmaß, das kaum anders wäre, würde man Kinder gleich entsprechend ihrer sozialen Schicht verteilen, also Arbeiterkinder auf Hauptschulen und Mittelschichtskinder auf Realschulen und Gymnasien. Wie immer folgt einem solchen Ergebnis die Frage auf dem Fuss, wie man eine solche Determination, die selbst genetische Veranlagung in den Schatten stellt (Körpergröße), erklärt. Leider hat Schnitzlein hier keine Antwort: “Diese Frage ist mit unseren Daten sehr schwer zu beantworten”, so sagt er und verweist auf das “institutionelle Setting” als einen Hauptfaktor. Eine sehr ausweichende Antwort. Warum man also annehmen soll, dass mit dem einen Elternhaus etwas einhergeht, das Kinder dazu befähigt, höhere schulische Weihen zu erreichen, während der Stallgeruch des anderen Elternhauses offensichtlich alle Bildungsbemühungen im Keim erstickt, wird aus der Untersuchung von Schnitzlein nicht deutlich.

Aber Schnitzlein ist nicht der einzige, der im Dunkeln stochert. Auch Eltern und Lehrer stochern im Dunkeln, wenn es darum geht, diese vermeintliche “soziale Vererbung” von Bildungserfolg zu erklären. Das macht eine Umfrage unter Schülern, Eltern und Lehrern deutlich, die das Institut für Demoskopie in Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland durchgeführt hat. Die Ergebnisse stehen unter der Überschrift “Hindernis Herkunft”, womit einmal mehr gesagt wäre, was alle zu wissen meinen. Um so überraschender ist, dass sich unter dem Mantel der Einigkeit und bei näherem Hinsehen erhebliche Differenzen und Widersprüche verbergen. Zunächst die Einigkeit:

“Lehrer wie Eltern sind sich weitgehend darin einig, dass die Ursache für die schlechteren Chancen mancher Kinder weit überwiegend im Elternhaus liegen. 84 Prozent der Lehrer, 79 Prozent der Eltern weisen auf das mangelnde Interesse mancher Eltern hin, sich überhaupt mit ihren Kindern zu beschäftigen. Ähnlich viele sehen die Ursache darin, dass manche Kinder von ihren Eltern nicht gelernt haben, gründlich zu arbeiten …”(4)

Das Elternhaus ist also schuld. Diese Zuweisung ist insofern seltsam, als Kinder eigentlich in die Schule gehen, um Lesen und Schreiben und Rechnen zu lernen. Wo hier das Elternhaus ins Spiel kommt, ist mir nicht nachvollziehbar. Wenn Lehrer der Ansicht sind, damit Kinder etwas lernen sei Unterstützung im Elternhaus notwendig, ein parentaler Schreib-, Lese- und Rechendienst, dann sollten sie als Konsequenz Hausunterricht propagieren und öffentliche Schulen schließen. Aber das wäre eine Frage der Übernahme eigener Verantwortlichkeit durch Lehrer, und mit der Übernahme von Verantwortung haben es Lehrer offensichtlich nicht so:

“Lediglich 15 Prozent der Lehrer, aber 48 Prozent der Eltern sind der Ansicht, dass manche Kinder auch deswegen schlechtere Chancen haben, weil sie in der Schule … benachteiligt werden”.(4)

contradicitons-2Der Einigkeit von oben, folgt somit Uneinigkeit und Widerspruch, denn wenn 79% der Eltern die Ursache für schlechtere Bildungschancen in Elternhäusern (natürlich in anderen, nicht dem eigenen) suchen, aber 48% der Eltern der Meinung sind, mache Kinder würden auch benachteiligt, dann widersprechen sich beide Antworten, es sei denn, man löst den Widerspruch dahingehend, dass man sagt, Kinder aus bestimmten Elternhäusern werden in der Schule benachteiligt. Offensichtlich konfundiert hier die mediale Berieselung, der ja auch Eltern ausgesetzt sind und die gemeinhin die Schuld für schlechtes schulisches Abschneiden im Elternhaus sucht, mit den eigenen Erfahrungen von Benachteiligung der eigenen oder anderer Eltern Kinder in der Schule.

Skurril werden die Antworten auf die Fragevorgaben dann, wenn man eine weitere Frage und die Antworten darauf, berücksichtigt. Nachdem große Einigkeit dahingehend berichtet wurde, dass die Qualifikation von Lehrern und Eltern (!sic) für den Schulerfolg von Kindern von großer Bedeutung ist, folgt:

“Eine vergleichbar wichtige Rolle wie … die Qualifikation der Lehrer, spielt aus Sicht von Lehrern und Eltern die individuelle Begabung der Kinder. Große Teile der Lehrer wie der Elternschaft sind aber überzeugt, dass fehlende Begabung durchaus ausgeglichen werden kann. 52 Prozent der Lehrer und 54 Prozent der Eltern sind der Ansicht, dass jeder Schüler, wenn er sich nur genügend anstrengt und gezielt gefördert wird, erfolgreich sein kann”. (7)

Ich finde es immer wieder erstaunlich wie viel kollektive Einigkeit darüber besteht, dass die soziale Ungleichheit, die das deutsche Bildungssystem produziert, darauf zurückzuführen sei, dass individuelle Schüler nicht begabt genug sind oder sich nicht gebührend anstrengen oder im falschen Elternhaus aufwachsen. Schule kann daran offensichtlich nichts ändern, wie die Vielzahl von Kindern zeigt, die z.B. ohne Schulabschluss bleiben und von denen man annehmen muss, dass sie nicht gezielt gefördert wurden. Allerdings unterliegt dieser Vorstellung eine seltsame Sicht auf Schule, die zur interesselosen Anstalt wird, an der Kinder mit mehr oder weniger Befähigung von interesselosen Lehrern auf die für sie vom Schicksal vorgesehenen Karrierewege gebracht werden. Eigentlich hätte ich gedacht, eine solche religiöse Schicksalsgläubigkeit, wäre durch Säkularisierung weitgehend beseitigt worden – aber offensichtlich ist dem nicht so.

ChalkDie Behauptung, dass Kinder aus der Arbeiterschicht entweder zu faul oder wenn nicht zu faul, dann doch zu wenig begabt oder wenn nicht zu faul und nicht zu wenig begabt, so doch von ihren Eltern beim Lernen alleingelassen sind oder wenn nicht zu faul, zu wenig begabt und alleingelassen, so doch zu wenig oder zu ungezielt in der Schule gefördert werden, als dass sie Erfolg in deutschen Bildungsinstitutionen haben könnten, scheint mir daher die Bearbeitung eines Schuldkomplexes zu sein, eines Schuldkomplexes, der sich daraus speist, dass Schulen Institutionen der Mittelschicht sind, in den Lehrer aus der Mittelschicht, Kinder und Eltern an ihren Mittelschichtsmaßstäben messen. Diese Maßstäbe sehen es vor, dass Eltern als Hilfslehrer fungieren, Kinder ihre Begabung dadurch zeigen, dass sie bereits bevor sie in der Schule lesen lernen, lesen können, die Maßstäbe sehen es weiter vor, dass Kinder ihr Interesse an der Schule, ihre Lernwut durch eine Vielzahl Vereins- und sonstiger Aktivitäten, die ein Mittelschichtsleben so ausmachen (z.B. das Erlenen eines Instruments) unter Beweis stellen und zur Belohnung ihrer Konformität erhalten sie dann eine Empfehlung zum Besuch weiterführender Schulen.

Da Kinder aus Arbeiterfamilien in der Regel bei ihren Eltern wenig Verständnis dafür finden, dass sie sich als Hilfslehrer engagieren sollen, was schon daran scheitert, dass die entsprechenden Eltern entweder arbeiten (die Volltagsmama ist eine Erfindung der Mittelschicht) oder selbst nicht über die Bildung verfügen, von der sie hoffen, dass ihre Kinder sie erreichen, fallen sie bereits durch den ersten Filter ihrer Mittelschichtslehrer. Entsprechend wird ein Minus auf ihrem Konto verbucht, das sie nur dadurch wettmachen können, dass sie alle anderen Kinder im Hinblick auf Lerneifer und Begabung in den Schatten stellen, eine Leistung, die die wenigsten von ihnen zu erbringen im Stande sind. Und deshalb enden die meisten Kinder aus der Arbeiterschicht mit Hauptschulabschlüssen, während die Mittelschichtslehrer für die Kinder ihrer Klasse (Fach-)Hochschulreifen reservieren.

Also: Nicht Herkunft entscheidet also über Lebenschancen, vielmehr sprechen die vorliegenden Ergebnisse dafür, dass Lehrer auf Basis der Herkunft der Kinder und den Assoziationen, die dies bei ihnen auslöst, über die Lebenschancen dieser Kindern entscheiden.

Beim Verfassen dieses Beitrags habe ich von einer Diskussion mit Dr. habil. Heike Diefenbach profitiert und natürlich davon, dass ihre wohlgezielten Bemerkungen dazu geführt haben, den Text stringenter zu machen.

Krude Diskriminierung von männlichen Bewerbern: Das Professorinnenprogramm in Aktion

ProfessorrinnenprogrammIn letzter Zeit haben wir auf ScienceFiles drei Beiträge zum Professorinnenprogramm veröffentlicht (1: Gleichberechtigung durch Bevorzugung? Das Professorinnenprogramm ist ein eklatanter Bruch mit dem Grundgesetzt, 2: Master of Funds oder: eine Hand wäscht die andere; 3: Weitere 150 Millionen Euro für die Bevorzugung von Frauen an Universitäten), in denen wir zeigen, dass das Professorinnenprogramm ein Mittel ist,

  • um die staatsfeministische Agenda einer Gleichschaltung von Universitäten und einer erhöhten Kontrolle der Universitäten durchzusetzen,
  • um Universitäten zu entprofessionalisieren und von Stätten der Bildung und Ausbildung, zu Stätten der Kinderbetreuung zu machen und
  • dass es einen eklatanten Bruch mit dem Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes darstellt, da das Programm eindeutig die Bevorzugung von weiblichen Bewerbern auf Lehrstühle und die entsprechende Benachteiligung, d.h.: Diskriminierung männlicher Bewerber zum Ziel hat.

In einem vierten Beitrag “Gleichstellung an Universitäten: Die Worte und die Wirklichkeit” haben wir dann gezeigt, dass sich die eklatante Diskriminierung von männlichen Bewerbern um Lehrstühle an Universitäten bereits in der Wahrscheinlichkeit niederschlägt, mit der männliche im Vergleich zu weiblichen Bewerber auf Lehrstühle berufen werden.

Die Diskriminierung männlicher Bewerber um Professuren ist demnach in vollem Gange. Ein weiterer Beleg dafür wurde uns von einem Leser geschickt, den wiederum sein Sohn auf diesen Beleg aufmerksam gemacht hat und der ungenannt bleiben möchte, weil sein Sohn im universitären Business noch etwas werden will. Soweit hat es der Staatsfeminismus in Deutschland bereits gebracht, dass die freien deutschen Bürger Nachteile oder Repräsalien erwarten, wenn sie auf Belege hinweisen, denen klar und deutlich die Diskriminerung von Männern um Stellen an Universitäten zu entnehmen ist. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass Staatsfeminismus nichts anderes ist als eine totalitäre Ideologie, die keinerlei Widerspruch duldet.

unibi_logoWie offen und deutlich die Diskriminierung von männlichen Bewerbern derzeit an deutschen Universitäten betrieben wird, ist der folgenden Ausschreibung der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld zu entnehmen. Ausgeschrieben ist eine W3-Professur und somit die höchste derzeit von Professoren erreichbare Besoldungsgruppe. Der Lehrstuhl ist ausgeschrieben für “Allgemeine Literaturwissenschaft/Neuere Deutsche Literatur im transnationalen Kontext”. Die Ausschreibung enthält die übliche Beschreibung der Ansprüche, denen ein Bewerber auf den entsprechenden Lehrstuhl zumindest nach außen hin genügen soll. Der vorletzte Absatz der Ausschreibung, der Absatz, in dem früher der Gleichstellungsunsinn “bei gleicher Eignung werden … vorgezogen” stand, lautet zwischenzeitlich wie folgt:

Für die Professur ist voraussichtlich eine Förderung durch das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder möglich. … Die Stellenausschreibung dient der Berufung von Frauen, die noch keine W3-Stelle wahrnehmen.

Die Offenheit, mit der hier potentiellen männlichen Bewerbern mitgeteilt wird, dass sie sich nicht zu bewerben brauchen, wird nur überboten von der Offenheit, mit der offengelegt wird, dass das Professorinnenprogramm zu keinem anderen Zweck ins Leben gerufen wurde, als einen Bewerbungs-Stopp für männliche Bewerber auf Professuren durchzusetzen. Wer vor diesem Hintergrund, wie dies ein Kommentator im Hinblick auf den von uns bereits früh aufgezeigten Bruch mit dem Grundgesetz getan hat, meint, er könne die Dinge schön reden, ähnlich wie dies im Dritten Reich im Sinne von “so schlimm wird es schon nicht kommen/sein” getan wurde, nur um dann von der Realität überrannt zu werden, den kann man nur als fahrlässig und unverantwortlich bezeichnen.

Kaderschmiede HU

Und sie wiederholt sich doch, die Geschichte…

Wir erleben derzeit nicht nur eine Entprofessionalisierung von Universitäten, sondern eine komplette Übernahme von Universitäten durch den Staatsfeminismus. Entsprechend werden sich Universitäten in den nächsten Jahren noch weiter, als sie das sowieso schon haben, von der Suche nach Erkenntnis, der Produktion von Wissen und der ideologischen Freiheit von Forschung und Lehre entfernen. Sie sind auf dem besten Weg, zu Kaderschmieden zu werden, an denen organisierte Gruppen dafür sorgen, dass keinerlei von einer staatsfeministischen Ideologie abweichende Meinungen vertreten oder gar gelehrt werden können und die sich endgültig von einer Stätte der Wissensfindung und Wissensvermittlung zu einer Stätte der ideologischen Indoktrination von und durch Halbtagskräfte entwickeln.

Man muss diese Entwicklung einerseits bedauern, andererseits zur Grundlage eigener Entscheidungen machen und Konsequenzen ziehen: Wer eine Ausbildung jenseits der staatsfeministischen Ideologie will, muss sie außerhalb von Deutschland an Universitäten im Vereinigten Königreich oder in den USA suchen. Wer sich als männlicher Bewerber auf einen Lehrstuhl nicht diskriminieren lassen will, muss sich im Ausland auf entsprechende Stellen bewerben, und wer ein Zeichen setzen will, dass ihm die Richtung, in die sich die deutsche Universitätslandschaft entwickelt, nicht gefällt, der sollte Universitäten wie die Universität Bielefeld, die sich freiwillig zum Erfüllungsgehilfen staatsfeministischer Zerstörer von Universitäten machen, meiden wie die Pest.

Weitere Infos zur Grundgesetzwidrigkeit des Professorinnenprogramms gibt es bei Prof. Dr. Günter Buchholz.

Gleichstellung an Universitäten: die Worte und die Wirklichkeit

dangerous jobsFalls es sich noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen hat: Frauen sind in Deutschland benachteiligt. Wie und vom wem, das ist bislang ein Geheimnis, aber dass sie benachteilgt sind steht fest, so fest, dass sich eine Unmenge von “guten” Menschen zusammengerottet hat, um mit Programmen, Hilfsaktionen und Förderung dafür zu sorgen, dass die vielen Frauen, die aus eigener Kraft nicht vorankommen, in die Positionen gelangen, die die “guten” Menschen für erstrebenswert halten.

Natürlich sind die “guten Menschen”, die Frauen helfen, aufgrund von Verdienst in die Position gelangt, in der sie nunmehr Frauen helfen wollen und (um?) sich selbst ein Verdienst (zu) verschaffen, und natürlich haben die entsprechenden “guten” Menschen rein altruistische Motive und sind nur mit dem gesellschaftlichen Wohl, dem Wohl und Wehe anderer, mit dem Wohl aller außer dem eigenen beschäftigt. Und sie sind nötig, diese Menschen, die Frauenquoten fordern, Frauenförderung planen, Gutachten in Auftrag geben, um zu untersuchen, wie man die vermeintliche Benachteiligung von Frauen am profitabelsten für alle an der Frauenförderung Verdienenden nutzen kann (Dass als Ergebnis der ganzen Frauenförderung Frauen als Dummchen dargestellt werden, die aus eigener Kraft keinen Fuß auf den Boden bekommen, muss wohl als Kollateralschaden der Gutheit dieser “guten” Menschen angesehen werden).

WissenschaftsratEine dieser Versammlungen von “guten” Menschen (oder selbsternannten Gutmenschen) ist der Wissenschaftsrat. Der Wissenschaftsrat hat schon früh einen Mangel an Frauen in “Führungspositionen der Wissenschaft” ausgemacht und vor allem das Fehlen von weiblichen Professoren beklagt. Die Wissenschaft ist ihrem Anspruch nach die Institution, in der Leistung und Qualifikation zum Vorankommen befähigt, in der Meritokratie herrscht. Daher ist es seltsam, dass der Wissenschaftsrat ausgerechnet Wissenschaftler verdächtigt, weibliche Bewerber um ihre Professorenstellen zu bringen. Aber der Wissenschaftsrat, in dem ja auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, muss das natürlich wissen. Und weil die Wissenschaftsradler das wissen, haben sie eine “Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern” gestartet. Das, was ich fett gesetzt habe, ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig.

Diese Offensive hatte 2011 ihr Fünfjähriges. Und damit auch alle etwas von dem Fünfjährigen haben, hat der Wissenschaftsrat ein Gutachten in Auftrag gegeben und bezahlt, in dem Ziele wiederholt und der Bestand des Erreichten aufgenommen wurde:

“Sie [gemeint sind die Allianzorganisationen zur Offensive für Chancengleichheit] werden verstärkt darauf hinarbeiten, den Frauenanteil bei der Neubesetzung von Entscheidungs- oder Führungspositionen dem jeweiligen Anteil an habilitierten oder entsprechend hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen in den verschiedenen Fächergruppen anzugleichen (8).”

Wie gesagt, das Gutachten wiederholt nicht nur, es nimmt auch Bestand auf, und die Autoren, wer auch immer sie gewesen sein mögen, denn namentlich genannt, sind sie nicht, kommen bei der Aufnahme des Bestands zu folgendem Ergebnis:

“Die erzielten Verbesserungen sind jedoch maßgeblich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Von einer deutlichen Erhöhung des Anteils von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen, der zentralen Zielstellung der Offensive für Chancengleichheit, kann nicht die Rede sein. Zwar gibt es insgesamt eine positive Entwicklung, von einer dem weiblichen Bevölkerungsanteil und dem weiblichen Studierendenanteil angemessenen Repräsentanz ist Deutschland aber noch deutlich entfernt. Dies belegt, dass die Ziele der Offensive für Chancengleichheit noch nicht erreicht und weitere Anstrengungen erforderlich sind” (21).

Ich möchte die Leser auf zwei Dinge aufmerksam machen: Der Anteil der “Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen” wird mit dem “weiblichen Bevölkerungsanteil” verglichen, und die Ziele der Offensive, den Anteil der “Wissenschaftlerinnen” mit eben diesem “weiblichen Bevölkerungsanteil” kongruent zu bekommen, sind nicht erreicht worden (weshalb mehr Steuergeld dafür geopfert werden muss, das zu erreichen, was die Offensive in den vergangenen fünf Jahren nicht erreicht hat).

GWkWir wollen uns an dieser Stelle bei Michael Matzner bedanken, der uns auf einen Bericht der “Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz – GWK”, sinnigerweise in der Friedrich-Ebert-Allee in Bonn ansässig, hingewiesen hat. Der Bericht trägt den Titel “Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung”, präsentiert sich als 16. (!sic) Fortschreibung des Datenmaterials (2010/2011) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen” und ist offensichtlich ein Bericht, von dem wiederum der Wissenschaftsrat nichts weiß, sonst hätte er keine eigene Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben, denn die guten Menschen im Wissenschaftsrat wollen ja nicht das Geld der Steuerzahler vergeuden – oder?

Der Bericht der GWK ist nur ein weiterer im kontinuierlich prasselnden Lamento der fehlenden Frauen, falsch: der benachteiligten Frauen, die  in den Führungspositionen der Wissenschaft nicht ankommen. Er ist entsprechend eine weitere Einnahmequelle für professionelle Frauenbenachteiligungs-Datensammler und ein weiteres schwarzes Loch, das Steuergelder anzieht und verschlingt. Aber: Er beinhaltet Informationen, die Michael Matzner und uns in Verzückung versetzt haben, Informationen zu den Anteilen weiblicher Bewerber auf z.B. Professuren an Universitäten (W1 bis W3). Die folgende Abbildung zeigt die prozentualen Anteile von weiblichen Bewerbern auf eine Professur, den prozentualen Anteil der Frauen, an allen, die es auf eine Liste geschafft haben und den Anteil der Frauen unter denen, die schließlich berufen wurden.

Bewerbungen Berufungen

Ein Blick auf die Abbildung zeigt, dass in fast allen Bundesländern, der Anteil der weiblichen Bewerber auf eine Professur, weit hinter dem “weiblichen Bevölkerungsanteil” zurückbleibt. Die entsprechenden Anteile weiblicher Bewerber liegen in den Bundesländern regelmäßig deutlich unter 30% und betragen im Bundesdurchschnitt und für 2011 24,2 %. Frauen haben offensichtlich kein Interesse an einer Professur, das dem von Männern vergleichbar wäre. Weiter zeigt sich, dass der Anteil von Frauen, die es auf eine Liste schaffen, höher ist als der Anteil weiblicher Bewerber, was einen ersten Hinweis auf die bervorzugte Platzierung von Frauen gibt. Deutschlandweit wurden 2011 27,8 Prozent der Listenplätze an Frauen vergeben. Bei den Berufungen auf eine Professur ist der Frauenanteil abermals höher: Frauen stellen 29,1% der auf eine Professur Berufenen, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass Frauen bevorzugt werden. Wie stark die Bevorzugung ausfällt, welcher Vorteil Frauen aus ihrem Geschlecht erwächst, wenn es um die Berufung auf eine Professur geht, macht die folgende Abbildung deutlich. Die Balken stellen prozentuale Wahrscheinlichkeiten dar: Für Deutschland als Ganzes ergibt sich z.B. das weibliche Bewerber auf eine Professur eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit haben, auf eine Professur berufen zu werden – ein Ergebnis, das nicht so recht zu den Zielen und Ankündigungen passen will, wie sie der Wissenschaftsrat in den oben zitierten Passagen gemacht hat.

Berufungsvorteile

Wie die Abbildung zeigt, gibt es nur wenige Bundesländer, in denen weibliche Bewerber gegenüber männlichen Bewerbern nicht erhebliche Vorteile bei der Berufung auf eine Professur haben. Die Vorteile reichen von einer 46,7% höheren Wahrscheinlichkeit für weibliche Bewerber, berufen zu werden in Sachsen-Anhalt bis zu einer 2,31% höheren Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden, in Bremen. Deutschlandweit haben weibliche Bewerber eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden.

Affirmative ActionDie Daten zeigen einerseits, dass der verglichen mit ihrem Bevölkerungsanteil geringere Anteil von Frauen unter den Professoren darauf zurückzuführen ist, dass sich deutlich weniger Frauen als Männer um die entsprechende Position bewerben (und dies obwohl der Anteil weiblicher Studenten höher ist als der Anteil männlicher Studenten). Sie zeigen darüber hinaus, dass es großer Unsinn ist, anzunehmen, Frauen würden sich entsprechend ihres Bevölkerungsanteils auf Professuren bewerben. Warum ein Gremium wie der Wissenschaftsrat, in dem zumindest auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, sich den Anteil von Frauen in der Bevölkerung zum Maßstab nimmt, ist mir sowieso nicht nachvollziehbar, der Anteil der Personen aus der Arbeiterschicht, an Universitäten in jeder Hierarchiebene und unter den Studenten deutlich unter dem Anteil der Arbeiterschicht an der Bevölkerung, genießt jedenfall keine entsprechende Prominenz unter den Wissenschaftsradlern. Schließlich zeigen die Daten, was sich hinter der angestrebten Gleichstellung an Universitäten wirklich verbirgt: die Begünstigung weiblicher Bewerber und die Diskriminierung männlicher Bewerber. Wie dies mit dem hehren Ziel, für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinner und Wissenschaftlern offensiv sein zu wollen, vereinbart werden kann, ist mir nicht nachvollziehbar.

Für männliche Bewerber, die sich auf eine Professur bewerben wollen und die einer Diskriminierung entgehen wollen, seien die Universitäten und Fachhochschulen der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen empfohlen. Ansonsten kann man männlichen Bewerbern eigentlich nur davon abraten, sich an einer deutschen Hochschule zu bewerben, denn, wie sich zeigt, erfolgt die Auswahl geeigneter Bewerber nicht nach meritokratischen Prinzipien, sondern nach Geschlecht und dies allein sagt schon eine ganze Menge über die deutsche Wissenschaftslandschaft aus, in der schweigende Professoren dabei zusehen, wie alles, was Wissenschaft ausmacht, dem Wahnsinn des Staatsfeminismus geopfert wird.

Das Folgende ist ein Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach, der mir zu wichtig war, als dass ich ihn im Kommentarbereich belassen wollte:

Zum Beitrag zu ergänzen wäre, glaube ich, dass sich angesichts der 16. Fortschreibung des Datenmaterials zu Frauen in Hochschulen …, die mit “Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung” betitelt ist, jedem, der sich einmal halbwegs ernsthaft mit Gleichheit oder Gerechtigkeit in irgendeinem Bereich beschäftigt hat, und insbesondere Bildungsforschern graue Haare wachsen oder sich die Fußnägeln ringeln sollten, denn es sollte doch wohl zumindest diesen Personen klar sein, dass von der Betrachtung von ERGEBNISgleichheit nicht auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von CHANCENgleichheit geschlossen weden kann, denn Chancengleichheit impliziert keineswegs, dass ein Gut, auf das alle die gleichen Chancen haben, am Ende zu gleichen Anteilen auf alle verteilt sein muss. Genau diese Letztere wird aber im Papier betrachtet, in dem es doch eigentlich um Chancengleichheit gehen soll.

Ich verstehe nicht, wie man einen so dummen Denkfehler machen kann. Wie, bitte, kommt man denn überhaupt auf die seltsame Idee, dass Chancengleichheit zu Ergebnisgleichheit führen müsste? Die einzig denkbare logische Verbindung ist herstellbar, wenn man annimmt, dass es keine verschiedenen Menschen gibt, sondern Klone oder Zombies oder irgendwelche Einheiten, die sich in keinerlei Eigenschaften voneinander unterscheiden oder am besten überhaupt keine Eigenschaften haben außer, dass sie Einheiten vom selben sind. Denn nur dann, wenn alle dasselbe wollen und dasselbe machen ist es überhaupt vorstellbar, dass alle bei gegebenen gleichen Chancen die gleichen Wahlen treffen, die sich in Ergebnisgleichheit niederschlagen würden.

Es sollte doch nun wirklich nicht so schwierig sein, das zu verstehen, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt! Man könnte meinen, das Papier sei eine bewusste Irreführung, aber ich bin ziemlich sicher, dass es einfach ein Produkt von Ignoranz gepaart mit dem ewig stupide und gebetsmühlenhaft wiederholten Mantra “Frauen sind benachteiligt – Frauen müssen vom Staat gefördert werden – Frauen sind benachteiligt – Frauen ….” ist.

Denn auch, wenn es mir fernliegt zu behaupten, die Mehrheit der Kollegen Sozialwissenschaftler an deutschen Universitäten würde die konzeptionellen Unterschiede zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit, Nachteilen und Benachteiligung etc. auch nur ansatzweise verstehen (oder sich, obwohl es ihr Job ist, auch nur dafür interessieren), sollte man nämlich in Rechnung stellen, dass der so genannte Wissenschaftsrat alles andere als ein Rat von Wissenschaftlern ist und noch weniger ein Rat von Leuten, die irgendein klares Konzept von Wissenschaft haben. Vielmehr ist die Bezeichnung “Wissenschaftsrat” so irreführend wie der Titel des Papiers, das angeblich von “Chancengleichheit” handelt; in ihm sind nämlich neben Leuten, die einen Job an der Uni haben, “Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens” zugange, also Leute, die aus keinerlei erfindlichem Grund etwas mit Wissenschaft zu tun haben könnten, aber einen Nebenerwerb gebraucht haben und sich anscheinend durch die Vorsilbe “Wissenschaft” im Rat mit einer Aura der Fachkompetenz umgeben zu können glauben.

Vielleicht erklärt das, warum diese Leute Konzepte nicht verstehen und sich um Kopf und Kragen reden, und das Ganze hat unbestreitbar einen gewissen Unterhaltswert, aber dennoch ist nicht zu entschuldigen, was dieser “Rat” meint, von sich geben zu müssen – nicht nur wegen der sachlich falschen und polemischen Aussagen, sondern auch und vielleicht vor allem, weil er dazubeiträgt, Wissenschaft und vor allem Sozialwissenschaften zu einer noch größeren Lachplatte zu machen als sie ohnehin schon sind.

Habe ich als Sozialwissenschaftlerin denn kein Recht auf Chancengleichheit, nämlich die gleiche Chance wie andere Leute in Professionen, noch Ernst genommen werden zu können??????

Master of Funds oder: eine Hand wäscht die andere

ScienceFiles bringt Licht in das Dunkel, das das Begutachtungsgremium des Professorinnenprogramms umgibt.

BMBFDas Professorinnenprogramm war auf ScienceFiles schon mehrfach Thema. 150 Millionen Euro gaben das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerien der Länder im Zeitraum von 2008 bis 2012 aus, um damit Professuren an Universitäten zu schaffen, die ausschließlich weiblichen Aspiranten zu Gute kommen, 150 Millionen Euro werden das BMBF und die Kultusministerien der Länder in den nächsten vier Jahren ausgeben, um damit weibliche Aspiranten auf eigens für sie geschaffene bzw. eigens für sie freigehaltene Professuren zu hieven.

Wir haben schon des öfteren über die seltsame Logik hinter Programmen wie dem Professorinnenprogramm geschrieben, die darauf beruhen, dass ein eingebildetes Unrecht (die angebliche Benachteiligung von Frauen an Universitäten, die niemand belegt hat) durch ein aktuelles und tatsächliches Unrecht (die Bevorzugung von weiblichen und Diskriminierung von männlichen Bewerbern) “wettgemacht” werden soll. Letztlich sind diese Programme nichts anderes als Geschenke an Günstlinge, damit die Günstlinge auch in Zukunft bei Fuß stehen, wenn ihr Herr sie ruft (das Ganze erinnert doch sehr an das Lehnsherren-System des Mittelalters, bei dem Verfügungsrechte, die mit einem Einkommen verbunden waren, im Austausch für Loyalität und Hilfe im Krieg zuerkannt wurden).

Das Professorinnenprogramm sieht es vor, dass sich Universitäten mit einem Maßnahmepaket, dessen Ziel es ist, mehr Frauen in universitäre “Spitzen”positionen zu bringen, um ihren Anteil am 150 Millionen Euro Batzen bewerben. Ihre Bewerbung wird dann von einem Begutachtungsgremium geprüft und wohlwollend oder abschlägig beschieden. Natürlich sitzen in diesem Begutachtungsgremium nur Koryphäen der Wissenschaftlichkeit und Vorbilder der Unabhängigkeit, und natürlich gibt es klare und eindeutige Kriterien für die Vergabe der Mittel – immerhin werden die Mittel von Steuerzahlern aufgebracht und immerhin dienen Universitäten ja dem Erkenntnisfortschritt, entsprechende Sorgfalt muss man bei Eingriffen in die personelle Selbstbestimmung der Universitäten walten lassen (eigentlich widersprechen solche Eingriffe der universitären Selbstbestimmung, aber wen kümmert’s…?).

Seltsamerweise werden weder die Kriterien, die dazu geführt haben, dass Universität X ein paar Millionen Euro erhalten hat, noch die Identitäten der Personen, die die Zuteilung der Mittel basierend auf den klaren und eindeutigen Kriterien beschieden haben, offenbart noch werden die Kriterien offenbart, die benutzt wurden, um die nämlichen Koryphäen und Vorbilder in besagtes Begutachtungsgremium zu berufen. ScienceFiles ist es nun, durch ein gewisses Maß an Insistieren gelungen, ein wenig Licht ins Dunkel des Vergabeprozesses von immerhin 150 Millionen Euro zu bringen, und so kann nunmehr enthüllt werden, wer warum im vergangenen Professorinnenprogramm I 150 Millionen Euro verteilt hat.

Zunächst zur Auswahl der Koryphäen und Vorbilder, die das Begutachtungsgremium bevölkern. Zum Prozess der Auswahl schreibt Christina Hadulla-Kuhlmann, Referatsleiterin 124 im Bundesministerium für Bildung und Forschung in einer Email an ScienceFiles:

“Diese Expertinnen und Experten wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Benehmen mit den Ländern ausgewählt. Neben der Fachexpertise wurden insbesondere folgende Kriterien berücksichtigt: Einbeziehung von Universitäten, Fachhochschulen sowie künstlerische Hochschulen; Einbeziehung der großen Wissenschaftsorganisationen; regionale Streuung, Vertreter/innen aus dem europäischen Ausland; Kenntnisse deutscher Hochschul- und Gleichstellungsstrukturen, Fächerstreuung; Erfahrung mit Begutachtungsverfahren”.

In aller Kürze: Die Positionen im Begutachtunsggremium wurden an Personen vergeben, die sich entwder schon seit Längerem auf einem Karriere-Ticket fortbewegen, das “Gender” als Präfix zu was auch immer hat, an weibliche Personen, die ohne Gender in Positionen gelangt sind und sich für Frauenförderungsvorhaben hergeben und außerdem an Personen aus gesellschaftlichen Bereichen, aus denen mit Sicherheit kein Widerspruch zu erwarten ist.

Die Liste der Begutachter, die auf Grundlage der genannten Kriterien vom “BMBF” zusammen gekommen ist, liest sich wie folgt:

  • An erster Stelle finden wir die ehemalige Präsidentin der Universität Hamburg, Monika Auweter-Kurz, die indes die erste Auswahl-Runde nicht überstanden hat.
  • Gleich an zweiter Stelle finden wir eine alte Bekannte, die besonders für ihre sonderlichen Versuche, die deutsche Sprache mit dadaistischen Elementen zu durchsetzen, in bestimmten Kreisen geschätzt wird und die immer wieder dafür gut ist, in den unmöglichsten Situationen “Geschlecht” zu sehen. Die Rede ist von niemand anderem als der Richterin am Bundesverfassungsgericht Susanne Baer, die bevor sie offiziell richten durfte, einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität in Berlin besetzt hat. Wie es der Zufall so will, profitiert die Humboldt-Universität gleich dreifach vom Professorinnenprogramm I, d.h. drei Professuren – ausschließlich für Frauen -wurden an der Humboldt-Universität geschaffen und aus dem Professorinnenprogramm finanziert.
  • Mit Jutta Dahlhoff folgt ein Vertreter des Leibnitz-Instituts für Sozialwissenschaften. Dahlhoff leitet das Center of Excellence Women in Science, auf dessen Konferenzen wiederum Heike Kahlert, gerne Vorträge zu halten scheint. Man kennt sich im Begutachtungsgremium.
  • Nicht nur finden sich im Begutachtunsggremium viele gute Bekannte, es finden sich auch Multifunktionäre, z.B. Adelheit Ehmke, die, wenn sie nicht gerade als Präsident der European Plattform of Women Scientists tätig ist, im Stiftungsrat der Leuphana Universität Lüneburg sitzt.
  • Der Reigen der Begutachter wird erweitert durch Uta Feser, Präsident der Fachhochschule Neu-Ulm, die damit einer Fachhochschule vorsitzt, der es, ebenso wie der Humboldt Universität von Verfassungsrichterin Baer gelungen ist, gleich drei Lehrstühle aus dem Professorinnenprogramm fördern zu lassen.
  • Wir finden auch männliche Begutachter im Gremium, drei unter 15 Begutachtern, einer davon ist Peer Pasternack, der Direktor des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg. Sie erinnern sich an das Institut für Hochschulforschung? Das ist das Institut, in dem das Professorinnenprogramm I im Auftrag und auf Kosten des BMBF evaluiert und als Erfolg befunden wurde. Wie sich die Kreise doch immer schließen, wäre es nicht so offensichtlich sumpfig, man könnte fast lachen über diese offene Form der Basenwirtschaft.
  • Neben Peer Pasternack hat es Andreas Spiegl von der Akademie der Bildenden Künste in Wien in das Begutachtergremium verschlagen. Wenn Sie dazu Fragen haben, bitte, wir haben keine.
  • Der Reigen wird abgerundet von Christine Färber, die ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen scheint, Seminare im Gender Mainstreaming durchzuführen und insofern gleich in doppelter Hinsicht für das Begutachtungsgremium nützlich zu sein scheint.
  • Der Vollständigkeit halber wollen wir noch die restlichen Begutachter nennen. Es sind dies Karin Lochte, beim Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung zuständig und im Reigen der Gender-Günstlinge somit ein Exot; Elisabeth Maurer, an der Universität Zürich als Gleichstellungsbeauftragte tätig und somit kein Exot; Detlef Müller-Böling, emeritiert, aber immer noch aktiv wie es scheint, Ursula Nelles, Rektor der Westfälischen-Wilhelms-Universität und somit einer Universität, die nicht am Professorinnenprogramm I teilgenommen hat und schließlich Brigitte Voit , die in Polymeren forscht und somit ein weiterer Exot im Gremium der Gender-Experten ist.

BasenwirtschaftJa, das also ist das Gremium der Begutachter, die Mehrzahl davon mit einer ganzen Reihe von Interessen gesegnet, die eher nicht dem Ideal des unabhängigen Begutachters entsprechen und die überwiegende Mehrheit mit erheblichen Interessen im Bereich der Genderforschung, Interessen, die durch die 150 Millionen Euro des Programms sicher keinen Schaden nehmen. Sie alle haben über die Vergabe der Mittel des Programms entschieden und dabei Kriterien angelegt, die in offizieller Lesart klar und eindeutig sind und die tatsächlich dadurch auffallen, dass sie die Kriterien, nach denen der Aufstieg in einer meritokratischen Gesellschaft und insbesondere an Universitäten eigentlich funktionieren soll, nicht enhalten. Wir sprechen von Qualifikation. Kompetenz, Fähigkeit, Leistung … Scheinbar waren die Begutachter der Meinung, das Kriterium “weiblich” umfasse alle genannten Kriterien, weshalb man sich nicht weiter damit beschäftigen müsse.

Und außerdem ist ja nicht Qualität das Ziel des Professorinnenprogramms, sondern Quantität, und deshalb ist es vor allem wichtig, dass die Universitäten, die Mittel aus dem Professorinnenprogramm erhalten:

  • einen Plan zur Erhöhung des Anteils von Frauen in “wissenschaftlichen Spitzenpositionen” präsentieren;
  • einen Plan zur Karriere- und Personalentwicklung für Nachwuchswissenschaftlerinnen vorlegen;
  • einen Plan zur Akquirierung von Studentinnen für Fächer, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, vorlegen”

Und selbstverständlich darf auch die Umgestaltung von Universitäten in Kindertagesstätten nicht Professorinnenprogramm_criteriafehlen, weshalb jede Hochschule, die im Professorinnenprogramm gefördert werden will, ein Konzept für eine familiengerechte Hochschule vorlegen muss, das flexible Arbeitsformen und Arbeitsortwahl sowie Kinderbetreuungsangebote umfasst.

Wem das alles noch nicht reicht, der kann die komplette Liste der Kriterien in der Abbildung nachlesen. Uns bleibt abschließend nur darauf hinzuweisen, dass die Netzwerkbildung, die in Genderkreisen für so wichtig erachtet wird und die in der Besetzung des Begutachtungsgremiums ihren deutlichen Niederschlag gefunden hat, eine Form des Nepotismus, der Basenwirtschaft heraufbeschworen hat, die ihresgleichen sucht und bei näherer Betrachtung vermutlich alle bekannten Versuche, eine Gesellschaft mit einem Netz von Günstlingen zu durchziehen, in den Schatten stellt. Da bleibt einem nur, die alte Weisheit auszugraben, dass Netzwerke die Tendenz zur Implosion in sich tragen, da die Zahl der Günstlinge schneller zu wachsen pfelgt als die Höhe der Mittel, die unter den Günstlingen aufgeteilt werden kann.

P.S.
Auf wiederholte Nachfrage, weil wir es nicht glauben konnten, wurde uns konsistent mitgeteilt: “Eine Aufwandsentschädigung haben die Mitglieder des Begutachtungsgremiums nicht erhalten”. Wow, es gibt ihn noch, den wahren Altruismus – oder hat jemand Zweifel? Wenn, dann nur zu: die Kommentarfunktion ist offen.