Die große Einfalt: Elisabeth Tuider und Sexualerziehung

Erinnern Sie sich noch an Elisabeth Tuider?

Jene “Professorin für Soziologie der Diversität”, die an der Universität Kassel eine Position besetzt, die von Steuerzahlern finanziert wird?

Ein Leser von ScienceFiles hat sich sehr genau an Elisabeth Tuider und ihre Forderungen, z.B. Analverkehr und die Einrichtung eines Bordells zum Gegenstand der Sexualerziehung von Kindern zu machen, erinnert. Und er hat erhebliche Mühen auf sich genommen, um uns einen Artikel, der in der Dezemberausgabe von Konkret veröffentlicht wurde, zuzuschicken. Wir danken ihm an dieser Stelle für seinen Einsatz.

Pirincci

Tuiders Vorstellungen

 

Angesichts der Mühen unseres Lesers verbindet sich mit dem Text natürlich für uns die Verpflichtung, jetzt auch einen Post über Tuider und ihre queeren Ideen zu Sexualerziehung zu machen. Keine verlockende Aussicht, und entsprechend haben wir den Post vor uns hergeschoben – bis heute. Heute hat die Waliser Sonne einen derart erhebenden Einfluss, dass man selbst Tuider ertragen kann.

“Die große Einfalt”, so ist der Beitrag von Tuider überschrieben, gefolgt vom Untertiteil: “Zum Nutzen der Aufgeregtheit um die sexuelle Vielfalt”. Gleich vorweg, wer nun denkt, er bekomme den angekündigten Nutzen im Text genannt, der sieht sich getäuscht. Man muss entsprechend annehmen, dass Tuider mit Nutzen die Gelegenheit meint, einen Beitrag im Konkret verfassen zu können, um ihr mageres W-Gehalt als Professor damit aufzubessern.

Der Beitrag unterteilt sich in drei Teile, die man wie folgt überschreiben kann:

  • Sexualerziehung ist ein Menschenrecht und deshalb gut.
  • Sexualerziehung, die auf der Queer-Theory basiert ist besonders gut.
  • Kritik an Queer-Sexualerziehung, wie sie Tuider vorschlägt, ist sexistisch, homophob und rassistisch und außerdem ist die AfD sexistisch, homophob und rassistisch.

Sexualerziehung ist gut

Tuider konkretNatürlich, so erfährt der Leser im ersten Teil des Beitrags von Tuider, will niemand Kinder und Jugendliche sexualisieren. Im Gegenteil, man wolle sie vor Missbrauch und Gebrauch schützen. Deshalb sei eine “umfassende Sexualerziehung und Information” von Kindern und Jugendlichen ein Bürgerrecht, ein Menschenrecht, nämlich das “Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität”. Deshalb verfolge die Sexualpädagogik die Ziele von “Selbstbestimmung, Gewaltfreiheit und Anerkennung von vielfältigen Sexualitäten und Geschlechtern”. Grundlegen seien dafür die “marxistisch psychoanalytischen Interpretationen von Wilhelm Reich … Ihm zufolge macht die repressive Sexualerziehung ‘ängstlich, scheu, autoritätsfürchtig, gehorsam, im autoritären Sinne brav'”. Und Schuld daran sind für Reich “kapitalistische Systeme”.

Ja, wenn Wilhelm Reich das sagt, dann muss das richtig sein, auch wenn nicht so wirklich bekannt ist, auf welche empirische Basis Wilhelm Reich seine Erkenntnis stützt. Vermutlich ist ihm der Zusammenhang im selben Moment gekommen, in dem sich ihm auch das “Orgon” mitgeteilt hat, jene Lebenskraft des Orgasmus, die Reich mit spezifischen Apparaturen (z.B. dem Orgonoscope) finden zu können glaubte. Wilhelm Reich, der mit Recht als eine der kontroversesten Figuren der an sich schon wenig wissenschaftlichen Psychoanalyse bezeichnet wird, dient also Tuider als Grundlage, um ihre gute Sexualerziehung umzusetzen.

Hite Nazi occult

Darin das Kapitel: Hidden Energies

Es wäre eine eigene Analyse wert zu untersuchen, wie sich die feuchten Träume eines Wilhelm Reich von denen, die Heinrich Himmler mit seiner Adaption des Vril-Kults, der es in Deutschland mittlerweile wieder zum Vorreiter der Emanzipation von Frauen geschafft hat, auf seiner Wewelsburg umgesetzt hat, unterscheiden. Festzustellen bleibt eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Marxisten wie Reich, Nationalsozialisten wie Himmler und Elisabeth Tuider wenn es um die Umsetzung sexueller Phantasien, was man heute wohl Sexualerziehung nennt, geht.

Manche Leser mögen sich fragen, warum Sexualerziehung überhaupt notwendig sein soll. Auf diese Frage gibt Tuider eine eindeutige Antwort: Sexualerziehung wurde von Institutionen als Menschenrecht definiert und deshalb ist Sexualerziehung wichtig und gut. Irrtum ausgeschlossen. Institutionen irren sich nicht, nicht für Tuider. Personen wie Tuider sind es, die für sich in Anspruch nehmen, sie würden Kindern und Jugendlichen eine anti-autoritäre und selbstbestimmte Sexualität vermitteln. Angesichts der Autoritätsgläubigkeit, die Tuider hier selbst offenbart (vermutlich als Ergebnis einer repressiven Erziehung und vielleicht eines verschütteten Orgons), weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Der Vollständigkeit halber sei noch einmal auf den Grundwiderspruch hingewiesen, der sich bei Gutmenschen immer findet: Es ist nicht möglich, Menschen zu Selbstbestimmtheit zu erziehen. Entweder Menschen sind selbstbestimmt, dann brauchen sie keine Erziehung, oder Menschen müssen erzogen werden, und dann sind sie per definitionem nicht selbstbestimmt. Erziehung stellt immer einen Eingriff, eine Intervention dar, und darüber, dass eine Sexualpädagogik wie sie Tuider vorschlägt, die Wahrnehmung derer, die ihr unterzogen werden, gestaltet und verändert, sie mit anderen Worten manipuliert, kommt Tuider auch dann nicht weg, wenn sie Selbstbestimmung als Mantra an allen passenden und unpassenden Stellen in ihren Text streut. Weil Erziehung mit Manipulation einhergeht, deshalb muss mit Erziehung verantwortungsvoll umgegangen werden. Pädagogen, die sich wie Tuider hinter dem Mantra der Selbstbestimmung verstecken, wollen genau diese Verantwortung für ihre eigenen Manipulationen an Kindern und Jugendlichen nicht übernehmen – denn dazu sind sie zu feige.

Queer-Sexualerziehung ist gut

orgone-accumulatorsDer Grund für die Feigheit könnte im Gegenstand der Sexualerziehung liegen, die Tuider favorisiert. Tuider hängt sich nicht nur an den Lehren von Wilhelm Reich an, sie verortet sich auch an der “Schnittstelle von Queer Theory, feministischer Geschlechterforschung und postkolonialen Debatten”. Für die, die in der Welt der Begriffsonanie nicht so heimisch sind, wie Tuider, die Zuordnung ist mit “gut” zu übersetzen, queer, feministisch, postkolonial, das ist gut, weil nicht weiß und nicht männlich und angeblich nicht mit “Heteronormativität, Sexismus und Rassismus” (man kann das auch ganz ander sehen) verbunden. Und deshalb, so geht das Begriffsgeklingel weiter, obliegt es einer “Sexualpädagogik der Vielfalt … für vielfältige, ineinander verwobene Machtverhältnisse zu sensibilisieren”, um “jedes Individuum ganzheitlich” sehen zu können und Vielfalt, “verstanden als Pluralisierung von Sexualitäten, Geschlechtern und Lebensformen” zu vermitteln. Die Ansammlung von Worten könnte man auch abkürzen, in dem man sagt, dass Vielfalt, vielfältig ist und sexuelle Vielfalt vielfältige Sexualitäten umfasst, und deshalb gut ist.

Und weil vielfältige Sexualitäten, warum auch immer, gut sind, deshalb ist es wichtig “Jugendliche dazu zu befähigen und zu unterstützen, mit der existierenden Diversität umzugehen und selbstbestimmt (!sic) zwischen verschiedenen Sexualitäts-, Beziehungs- und Familienentwürfen zu wählen”. Dazu soll es zudem wichtig sein, sich mit der “gesellschaftlichen Dominanzkultur” auseinanderzusetzen, “anderes anzuerkennen”, “ein Empowerment der Schwächergestellten” durchzuführen und – nicht zu vergessen: eine “Auseinandersetzung mit Vielfalt” ist wichtig.

Reich OrgasmusDie ausführliche Darstellung dessen, was man wirklich nur als Geschwätz bezeichnen kann, macht deutlich, dass Tuider nicht schreibt, um verstanden zu werden. Nein, Tuider schreibt, um sich als gut zu inszenieren. Gut ist in ihrem Verständnis, wer den gerade als nützlich oder richtig oder schlicht gut empfundenen Vorgaben von Institutionen folgt und sich für Vielfalt einsetzt. Vielfalt ist Vielfalt ist Vielfalt und vor allem ist Vielfalt für Tuider sexuelle Vielfalt, und sie behauptet von hier aus einfach, dass Vielfalt darin besteht, Kinder und Jugendliche in Schulen mit Abweichungen von dem zu konfrontieren, was sie als heteronormative Dominanzkultur bezeichnet. Da ihre heteronormative Dominanzkultur das ist, was als heterosexuelle Beziehung, die zuweilen in Familien gelebt wird, bekannt ist, meint dies für sie, dass man Kinder und Jugendliche mit Abweichungen von dieser heteronormativen Normalität konfrontieren muss. Denn: Wie Reich gewusst hat, vermutlich durch Versuche in seinem Orgon-Akkumulator, macht die heteronormative Dominanzkultur autoritätshörig und gehorsam und ängstlich und scheu.

Alles schlimme Attribute in den Augen von Tuider, denen durch die verpflichtende Darstellung abweichender sexueller Orientierung und durch die Beschäftigung mit Analverkehr und Bordellen, all den Abweichungen von der heteronormativen Dominanzkultur begegnet werden muss, denn im Zusammenhang mit Analverkehr gibt es in den Augen von Tuider offensichtlich keine Dominanz und sexuelle Beziehungen zwischen Lesben zeichnen sich für sie wohl durch eine Reinheit aus, die eine heterosexuelle Beziehung in den Augen von Tuider wohl nie erreichen wird. Das muss Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, damit sie wissen wie Tuider das sieht und selbstbestimmt zwischen dem, was ihnen vorgegeben wird, auswählen können.

Kurz: Zuerst wird eine Behauptung aufgestellt (Sexualerziehung ist wichtig und deshalb ein Menschenrecht), dann wird die Behauptung bewertet: Sexualerziehung ist gut. Im nächsten Schritt wird Sexualerziehung konkret gefasst als Lehre von den sexuellen Abweichungen von der heteronormativen Mehrheitskultur (für Tuider ist das bezeichnender Weise eine Dominanzkultur) und mit allerlei Abweichendem gefüllt, das, als Vielfalt verpackt, nun Kindern eingetrichtert werden muss, damit sie – Achtung jetzt kommt es: selbstbestimmt wählen können. Wahnsinn hat Methode!

Kritik ist homophob usw.

Schaefers Grundbegriffe

Unsere Empfehlung für Elisabeth Tuider

Nun gibt es Menschen, Eltern, die das, was Tuider vorschlägt, ablehnen, es kritisieren. Für die mit einem eigenen Auftrag vom Reichschen Orgon ausgestattete Tuider ist das Häresie. Wer sie kritisiert, der ist gegen Vielfalt, und weil Wilhelm Reich ein Marxist war, wie sie weiß, und Marxisten angeblich links sind, deshalb ist Kritik rechts, rechtsextrem und weil sie der Queer Theorie und der feministsichen Geschlechterforschung anhängt, deshalb kann die Kritik nur von “männlichen weißen” Personen geäußert werden, die noch dazu homophob sind, denn wer kritisiert, der hat wohl etwas gegen nicht-heteronormative Sexualitäten, also gegen Schwule und Lesben. Und außerdem hat er Angst vor dem sozialen Wandel, jenem sozialen Wandel, als dessen Avantgarde sich Personen wie Tuider empfinden, jenes sozialen Wandels, der darin bestehen soll, dass in Schulen Analverkehr und die Einrichtung eines Bordells auf dem Lehrplan steht.

Tuider hat einen Lehrstuhl für Soziologie der Diversität inne und offensichtlich nicht den geringsten Schimmer davon, was sozialer Wandel, einer der Grundbegriffe der Soziologie meint. “Sozialer Wandel”, so schreibt Wolfgang Zapf, “ist die Veränderung sozialer Strukturen; unter sozialen Strukturen versteht man die (relativ) stabilen Regelmäßigkeiten des sozialen Lebens, z.B. Rollenverhalten, Organisationsmuster und soziale Schichtung“.

Die Einführung von sexuellen Orientierungen und Analverkehr in die Curricula von Schulen hat mit sozialem Wandel entsprechend überhaupt nichts zu tun, bestenfalls mit der Hoffnung, durch diese Einführung sozialen Wandel herbeiführen zu können, eine Hoffnung, die wie alle Sozialtechnologie eher mit wenig Aussicht auf Erfolg verbunden sein dürfte.

Tuider besetzt einen Lehrstuhl für Soziologie und hat von soziologischen Grundbegriffen keine Ahnung. Sie hängt einer abstrusen Lehre an, die selbst unter Psychoanalytikern eher als abseitig angesehen wird (und das will etwas heißen). Sie glaubt an die Autorität von Instanzen und sieht sich dennoch im Stande, Selbstbestimmung zu vermitteln. Sie weiß um die Wichtigkeit von Sexualerziehung, wenn auch nicht klar ist, wo sie dieses Wissen ereilt hat und worauf es gebaut ist. Sexualerziehung wird bei ihr zur Erziehung zu Vielfalt, was seltsamerweise dazu führt, dass nicht Vielfalt, sondern bestimmte von der heteronormativen, also dem normalen Arrangement der Geschlechter, (statistisch) normal, weil vorherrschend, abweichende Formen sexueller Beschäftigung thematisiert werden. Das führt dazu, das Sexualerziehung auf die Vermittlung von Techniken und Praktiken, zum Wissen über sexuelle Abweichung (es ändert auch kein Aufstampfen mit dem Fuss etwas daran, dass alles, was nicht heterosexuell ist, abweichend, weil nicht mehrheitlich praktiziert ist), bei der bezeichnender Weise das auf der Strecke bleibt, was man gewöhnlich Empfindung, in manchen Fällen auch Liebe nennt.

Dass ausgerechnet Leute wie Tuider von Machtstrukturen, von Befreiung und Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen fabulieren, macht betroffen und provoziert die Frage, welcher Zustand Tuider als Zielvorstellung vorschwebt, welche Form der Interaktion zwischen Sexualpartnern das Ziel ihrer Sexualerziehung ist. Dass die entsprechende Interaktion bei ihr mehr dem ähnelt, was man als Kundenbeziehung oder Gütertausch bezeichnet und mit dem, was man als Leidenschaft und Hingabe bezeichnet, nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, weckt ein Gefühl des Mitleids, mit Tuider, aber vor allem mit den Kindern und Jugendlichen, die dieser Form des Brainwashings unterzogen werden (sollen).

Aber man sollte den Tuiderschen Versuch, ihre abstruse Ideologie als Sexualerziehung für Kinder und Jugendliche in die Schule zu tragen, nicht unterschätzen, und entsprechend Tuider auffordern, die empirischen Belege, die es rechtfertigen sollen, Kinder und Jugendliche mit ihren Vorstellungen zu konfrontieren, vorzulegen – immer in der Annahme, es gibt diese Belege und es geht Tuider nicht ausschließlich darum, Kinder und Jugendliche mit dem zu indoktrinieren, was ihr gerade als gut und wahr vorkommt.

Und bedenkt man abschließend noch einmal, dass Tuider einen Lehrstuhl für Soziologie besetzt, dann wird einem Lann Hornscheidt fasst sympathisch und man fragt sich, ob nicht eine weitere Forderung angebracht wäre, eine weitere Forderung, eine Positionsinhaberin ihres Lehrstuhl zu entheben.

Läutet Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Sorgerecht das Ende des Staatsfeminismus ein?

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, namentlich des Ersten Senats in der Besetzung Dr. Ferdinand Kirchhoff, Dr. Michael Eichberger und Dr. Gabriele Britz, in dem es um die Frage geht, wann der Entzug des elterlichen Sorgerechts gerechtfertigt ist, könnte sich als Urteil entpuppen, das auch die Karten im Kampf gegen die staatsfeministische Bevormundung und Infiltrierung von Schulen neu mischt.

Bundesverfassungsgericht_RichterrobenIm Urteil geht es um einen Vater, der um das Sorgerecht für seine Tochter kämpft, die nach Geburt in einer Pflegefamilie untergebracht wurde, weil die Mutter unter einer “gravierenden psychischen Erkrankung” leidet, die sie zwar nicht von Fertilität, wohl aber davon abhält, verantwortlich für ihre eigenen Kinder zu sein. Zu deren Glück ist der Vater aus Ghana nicht gleichgültig und hat sich entsprechend bemüht, das Sorgerecht für seine Tochter zu erhalten.

Das zuständige Jugendamt, das Amtsgericht Paderborn und das Oberlandesgericht Hamm haben es jedoch abgelehnt, dem Vater das Sorgerecht für seine Tochter zuzusprechen, und zwar weil eine Gutachterin gemutmaßt hatte, dass der Vater bestimmt eine “afrikanische Erziehungsmethode” anwenden würde, die eine “autoritäre, gewaltsame und von Unterwerfung der Kinder” geprägte Erziehungsmethode sei und mit “europäischen Erziehungsmethoden” nicht in Einklang zu bringen sei.

Es spricht für sich, dass ein derartiger rassistischer Unsinn, der übrigens keinen Aufschrei bei den üblichen Gutmenschen nach sich gezogen hat, in mehreren deutschen Gerichtssälen geäußert werden kann und von den zuständigen Richtern weder beanstandet noch der ihm gebührenden Lächerlichkeit preisgegeben wird, sondern vielmehr als Gutachten zur Grundlage des eigenen Urteils gemacht wird, in dem dem Vater das Sorgerecht nicht zugesprochen wird.

Wir haben in der letzten Zeit viel Kritik in Richtung Karlsruhe und Verfassungsgericht auf den Weg gebracht, dieses Mal ist es notwendig, die Richter vom ersten Senat zu loben. Sie haben deutlich gemacht, dass derart hanebüchene Mutmaßungen, die viel über den geistigen Zustand der angeblichen Gutachterin und der Richter, die ihrem Gutachten folgen, aussagt, aber nichts über die Frage, um die es eigentlich geht, nämlich die, ob das Kindeswohl gefährdet ist, wenn der Vater aus Ghana seine Tochter erzieht, in Gerichtssälen nichts zu suchen haben.

Vielmehr haben die Karlsruher Richter hohe Hürden für den Entzug des Sorgerechts errichtet und deutlich gemacht, dass nicht Mutmaßungen ausreichen, um eine konkrete Gefährdung des Kindeswohl anzunehmen, vielmehr müsse die Gefährdung entweder schon eingetreten sein und sich z.B. in einer Verwahrlosung des Kindes niederschlagen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Absurde Phantasien über afrikanische Erziehungsmethoden reichen für eine Feststellung der Gefährdung des Kindeswohls nicht aus.

Wer sich genauer für die Hürden interessiert, die die Richter für einen Sorgerechtsentzug aufgebaut haben, dem sei das Urteil empfohlen.

Wir wollen uns auf eine Passage beziehen, die sich in Zukunft und in anderen Bereichen als dem Streit um das Sorgerecht als sehr wichtig erweisen könnte:

“Außerdem folgt aus der primären Erziehungszuständigkeit der Eltern in der Sache, dass der Staat seine eigenen Vorstellungen von einer gelungenen Kindererziehung grundsätzlich nicht an die Stelle der elterlichen Vorstellungen setzen darf (vgl. BVerfGE 60, 79 ; BVerfGK 13, 119 ; 16, 517 ” (Randnummer 29)”

Eltern haben also, wenn es um Erziehung geht, das letzte Wort.

So steht es in Urteil 1 BvR 1178/14.

Was im Bereich des Sorgerechts Recht ist, kann im Bereich der Bildung nur billig sein.

AfirkaÜbertragen auf den Bereich der Bildung folgt entsprechend, dass Eltern nicht stumm und anomisch am Rand stehen müssen, wenn ihre Kinder in öffentlichen Schulen indoktriniert werden oder mit Inhalten traktiert werden, die aus Sicht der Eltern ihren Kindern nicht zumutbar sind. Wenn Kinder entsprechend in frühen Jahren mit ideologischem Ballast belastet werden, wenn sie in sexuelle Techniken eingeführt werden sollen, die nicht einmal ihre Eltern kennen, und Schulen von Stätten der Bildung zu Stätten der ideologischen Gleichschaltung gemacht werden sollen, dann haben Eltern nunmehr eine Handhabe, um ihre Kinder aus dem Unterricht zu nehmen und deren Teilnahme am Unterricht auf nicht-ideologische Bestandteile wie Mathematik, Chemie, Physik und Sport zu beschränken.

Nachtrag:

Für diejenige, die es interessiert, die Oberlandes-Richter in Hamm, die sich dem rassistischen Gutachten über eine “afrikanische Erziehungsmethode” angeschlossen haben, es ihrem Urteil zu Grunde gelegt haben und damit zum einen eine unglaubliche Unkenntnis über einen Kontinent, der vielfältiger kaum sein kann, zur Schau stellen und zum anderen einen gelebten Rassismus, der Rechtsextreme mit Neid erfüllen dürfte, sitzen in der 11. Kammer des Oberlandesgerichtes. Der Geschäftsverteilungsplan des Oberlandesgerichts Hamm benennt die entsprechenden Richter als Richter Grothe, Richterin Feldkemper-Bentrup, Richterin Dr. Watrin und Richter Wissel.

Die Normalität der täglichen Manipulation

Der Informationsdienst Wissenschaft (idw) verbreitet heute eine Pressemeldung aus dem BIBB, dem Bundesinstitut für Berufsbildung. Verantwortlich für die Pressemeldung ist Andreas Pieper, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im BIBB. Die Pressemeldung bezieht sich auf einen Bericht von Ursula Beicht  und Günter Walden, der mit dem Titel: “Berufswahl junger Frauen und Männer: Übergangschancen in betriebliche Ausbildung und erreichtes Berufsprestige” überschrieben ist.

bibbDas ist natürlich ein Ladenhüter, ein Titel, wie ihn sich nur der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Unkundige ausdenken können – ein Titel, der keinen Leser hinter dem Ofen hervorholt. So oder ähnlich muss Andreas Pieper der Presse- und Öffentlichkeitsarbeitsprofi aus dem BIBB gedacht haben, als er seine Pressemeldung verfasst hat und aus dem langweiligen, aber inhaltlich korrekten Titel oben, den folgenden Titel gemacht hat: “Geringere Aussichten junger Frauen bei der Ausbildungsstellensuche“.

Es ist dies ein politisch korrekter Titel, der Pieper bestimmt Browny-Points bei Genderisten in Ministerien einbringt, immerhin gehört das BIBB zum Geschäftsbereich des BMBF und wird aus dem Haushalt des entsprechenden Ministeriums finanziert.

Es ist ein logisch falscher Text, denn “geringere Aussichten” verlangt ein als, einen Bezugspunkt. Entsprechend fragt man sich, geringer als was? – als erwachsene Frauen, als Mähdrescher, als Behinderte, als Transsexuelle?

Es ist ein Titel, der die Opferrolle von Frauen zementieren soll, was Andreas Pieper als guten Soldaten der Genderisten ausweist, er sieht überall Benachteiligung von Frauen, in jedem Winkel, der ihn umgibt.

Und es ist ein manipulativer, irreführender und falscher Titel, der suggeriert, es gebe Strukturen auf dem Ausbildungsmarkt, die “junge Frauen” beim Eintritt in den Arbeitsmarkt behindern, sie gegenüber jungen Männern benachteiligen, sie diskriminieren.

Ob Pieper tatsächlich mit seinem Titel manipulieren will, ob er ein genderistischer Dope ist, der nicht anders kann, als zu manipulieren oder ob er tatsächlich so dumm ist, dass er glaubt, der Report, über den er berichtet, habe an irgend einer Stelle gezeigt, dass junge Frauen nach der Schule von Arbeitgebern benachteiligt werden, das sind Fragen, die dahingestellt bleiben können. Der Report ist selbstredend.

Der Report von Ursula Beicht und Günter Walden zeigt in den für die Überschrift, die Andreas Pieper seiner Pressemeldung gegeben hat, relevanten Stellen Folgendes:

  • Eine mittlere Reife erhöht die Chancen, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu erreichen, beträchtlich.
  • Das Abfassen einer schriftlichen Bewerbung erhöht die Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz zudem.
  • Junge Frauen drängen in ein sehr enges Spektrum von Ausbildungsberufen, die alle eines gemeinsam haben: Man muss sich nicht schmutzig machen, keine Handarbeit ausführen und, wenn es einem gelingt, den entsprechenden kaufmännischen Beruf oder Beruf an einem Schreibtisch in der Dienstleistungsbranche zu ergattern, dann ist es gelungen, einen aus welchen Gründen auch immer unter Jugendlichen als statushöher eingeschätzen Beruf zu ergattern, statushöher im Vergleich zu Berufen im handwerklichen Bereich oder im technischen Bereich, als Berufe, bei denen man sich die Hände schmutzig machen muss, sie zum Arbeiten einsetzen muss.
  • Da sich junge Frauen vornehmlich auf die netten Bürojobs bewerben und in ihrer Berufswahl ein im Vergleich zu jungen Männern sehr eingeschränktes Spektrum von Ausbildungsberufen, das sie überhaupt für eine Ausbildung in Betracht ziehen, offenbaren, sind die entsprechenden Ausbildungsstellen hart umkämpft, und es ist daher schwierig in diese Berufe zu gelangen. Im Gegensatz zu jungen Frauen haben junge Männer ein breites Spektrum von Ausbildungsberufen, auf das sie sich verteilen und folglich eine entspanntere Konkurrenzsituation, solange sie nicht auch Kaufmann oder Mausschubser im Dienstleistungsbereich, also bei einer Verwaltung oder einem Amt werden wollen.

How-to-lie-deceive-spread-disinformation-guide-tactics-size485cDass die meisten jungen Frauen sich nur wenige Berufe vorstellen können, in denen sie eine Ausbildung machen wollen, dass junge Männer sich auf deutlich mehr Berufe verteilen, in denen sie sich eine Ausbildung vorstellen können und dass junge Frauen aufgrund ihrer eigenen Selbstbeschränkung in intensiver Konkurenz zueinander stehen und entsprechend Schwierigkeiten haben, sich im Gedränge durchzusetzen, das ist es, was Andreas Pieper als “geringere Aussichten junger Frauen bei der Ausbildingsplatzsuche” beschreibt.

Primitiver kann ein Manipulationsversuch kaum mehr sein, aber in einem Land, in dem die meisten sowieso nur die Überschriften lesen, wird ein derartiger Versuch durchaus effizient sein.

Bei aller Fixierung auf die Opferrolle von “jungen Frauen”, deren herbeiphantasierte Benachteiligung, ja Diskriminierung auf dem Ausbildungsmarkt, sind Herrn Pieper Ergebnisse des Reports entgangen, die Beicht und Walden zum Teil in blauer Farbe und kursiv dargestellt haben, damit man sie nicht übersieht: Entsprechend haben Hauptschüler, Schüler mit Migrationshintergrund und Schüler, die die Schulausbildung nicht in der Normzeit beendet haben, weil sie z.B. sitzen geblieben sind oder später eingeschult wurden, erheblich schlechtere Aussichten auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz als Schüler, auf die diese Merkmale nicht zutreffen.

Das sind eigentlich berichtenswerte Nachteile. Aber sie betreffen in der Mehrzahl junge Männer, junge Männer, die sich häufiger auf Hauptschulen finden als junge Frauen und junge Männer, die häufiger sitzenbleiben als junge Frauen. Deshalb sind sie nicht berichtenswert. Deshalb kommen sie im Hirn von Pieper nicht vor.

Arbeitsdrohnen und Anleiter? – Noch ein Leistungstest bei Schülern

Gerade werden die Ergebnisse von ICILS 2013 vorgestellt. ICILS 2013, das ist die International Computer and Information Literacy Study, die für Deutschland federführend an der Universität Dortmund erstellt wurde. Heute werden die Ergebnisse verkündet und die ministeriale und institutionelle Welt ist voller zufriedener Gesichter, denn “Die Studie zeigt, dass die Mehrzahl unserer Jugendlichen im Umgang mit modernen Computer- und Informationstechniken vertraut ist” [vermutlich ist die Mehrzahl der getesteten 2.225 Schüler der achten Jahrgangsstufe im Umgang mit Computer- und Informationstechniken versierter als Sylvia Löhrmann, von der der zitierte Sprechversuch stammt, im Umgang mit der deutschen Sprache].

Wie dem auch sei, Löhrmann ist zufrieden.

ICLISLöhrmann ist zufrieden damit, dass die 2.225 Achtklässler aus Deutschland im internationalen Vergleich Platz 12 unter 22 teilnehmenden Nationen erreicht haben. Mit einem Kompetenzniveau von durchschnittlich 523 Punkten mussten sich die deutschen Teilnehmer u.a. den Schülern aus der Tschechischen Republik (553 Punkte), aus Ontario, Kanada (547 Punkte), Australien und Dänemark (542) Punkte geschlagen geben, lagen aber vor Schülern aus Thailand (373 Punkte), Argentinien (450 Punkte), Kroatien (512 Punkte) oder der Russischen Föderation (516 Punkte).

Wie immer in Leistungsvergleichsstudien, so werden auch im Rahmen von ICILS Kompetenzstufen berechnet, fünf an der Zahl.

Auf Kompetenzstufe  I finden sich Schüler mit rudimentären und rein rezeptiven Fähigkeiten, die in der Lage sind, auf Anweisung die Maus auf ein bestimmtes Feld zu führen. 7,4% der getesteten deutschen Schüler finden sich auf dieser Kompetenzstufe.

Der Kompetenzstufe II werden die Schüler zugewiesen, die einen kompetenten Umgang mit basalen Wissensbeständen (z.B. wo finde ich das drop down Menue) aufweisen und einfache Fertigkeiten im Umgang mit Informationen haben, d.h. die Cut and Paste beherrschen. 21,8% der getesteten Schüler finden sich auf Kompetenzniveau II.

ICILS national resultsKompetenzniveau III umfasst die Schüler, die mit Hilfestellung Informationen suchen, bearbeiten und einfache Textdokumente erstellen können, mit Hilfestellung! Kompetenzstufe III haben 45,3% der getesteten deutschen Schüler erreicht.

Kompetenzstufe IV sammelt Schüler, die Informationen eigenständig ermitteln und organisieren können und die in der Lage sind, selbständig elaborierte Dokumente zu erstellen. 24% der getesteten deutschen Schüler finden sich hier.

Auf Kompetenzstufe V, die erreicht, wer nicht nur eigenständig suchen und erstellen kann, sondern wer auch in der Lage ist, die gesuchten Informationen und deren Organisation sicher zu bewerten, finden sich 1,5% der getesteten deutschen Schüler.

Anders formuliert 75,5% der getesteten deutschen Schüler aus achten Klassen deutscher Schulen sind nicht in der Lage, selbständig mit dem Medium Computer umzugehen. 98,5% der Achtklässler verfügen über kein eigenes Urteilsvermögen. Sie können nur unter Anleitung Informationen beschaffen, organisieren oder editieren, oder sie können es gar nicht, und sie können, was sie beschafft, organisiert oder editiert haben, nicht beurteilen. Das ist der Kern des Ergebnisses, mit dem Sylvia Löhrmann stellvertretend für alle Kultusminister zufrieden ist.

Offensichtlich hat man unter Kultusministern den Anspruch, mündige Bürger zu erziehen, die in er Lage sind, ein Leben ohne Anleitung zu führen, längst aufgegeben und nähert sich eher einer Gesellschaftsstratifizierung an, die Anleiter an der Spitze sieht und die angeleiteten Massen tun und lassen sieht, was ihnen gesagt wird. Ein Verdacht, der sich bereits im Zusammenhang mit dem Deutschen Qualifikationsrahmen aufgedrängt hat, dem bereits die Trennung in Arbeitsdrohnen und Anleiter derselben, zu Grunde liegt.

Um ein etwas besseres Verständnis davon zu erreichen, was mit den einzelnen Kompetenzstufen an Fähigkeiten konkret gemeint ist, hier eine Aufgabe, die der Kompetenzstufe III zugeordnet ist und von den getesteten Schülern gelöst werden sollte.

ICILS Kompetenzniveau IIIDie Aufgabe besteht darin, auf eine angegebene Internetseite zu gehen und dort einen  Account anzulegen. Rund 50% der 2.225 deutschen Achtklässler waren dazu in der Lage.

Ansonsten bringt der Computer-Leistungstest die üblichen Ergebnisse:

  • Gymnasiasten schneiden deutlich besser ab als die Schüler anderer Schulen.
  • Mädchen schneiden signifikant besser ab als Jungen.
  • Kinder aus Migrantenfamilien schneiden deutlich schlechter ab als Kinder aus nicht-Migrantenfamilien.
  • Und mit dem sinkenden sozialen Status der Herkunftsfamilie sinkt die Computer-Leistung der Schüler.

Das alles sind bekannte Zusammenhänge, die nun schon seit Jahrzehnten von Schulleistungsstudien und der Bildungsforschung gefunden werden. Die soziale Herkunft bestimmt den Schulerfolg, und entsprechend ist es nicht verwunderlich, da an Gymnasien die Fähigkeiten im Hinblick auf die Beherrschung von Computer und Informationstechnologie verbreiteter sind, dass die soziale Herkunft auch die entsprechenden Fähigkeiten beeinflusst.

Daran, dass Jungen hinter Mädchen zurückbleiben, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Es regt im Zusammenhang mit Schulabschlüssen niemanden auf und hat auch ansonsten kaum einen Effekt auf die Arbeit von Kultusministern oder Lehrern. Wie gesagt, der Verdacht, dass derzeit an einer Gesellschaft gebaut wird, die von Arbeitsdrohnen und deren Anleitern bevölkert wird, ist nicht sofort als Verschwörungstheorie von der Hand zu weisen.

Und wie immer, wenn irgend eine Leistungsstudie Ergebnisse erbracht hat, kommen die zuständigen Politiker mit ihrer zufriedenen Miene und klopfen sich auf die Schulter, denn, egal, was aus der Leistungsuntersuchung als Ergebnis zu vermelden ist: Sie haben es gewusst und fühlen sich bestätigt, oder, in den Worten von Sylvia Löhrmann, dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz:

“„Die Ergebnisse von ICILS unterstreichen die Notwendigkeit und Aktualität der Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Medienbildung in der Schule. Die dort aufgeführten Hand­lungsfelder reichen von der Integration der Medienbildung in Lehr- und Bildungspläne, über die Einbeziehung in die Lehrerbildung und Schulentwicklung bis hin zu Fragen der Aus­stattung und des technischen Supports. Die Länder werden ihr Engagement und ihre Zusam­menarbeit auf Grundlage dieser Empfehlung verstärken, um die vorhandenen Entwicklungs­potenziale an den Schulen besser auszuschöpfen“, betonte KMK-Präsidentin Sylvia Löhrmann.”

Wozu war es eigentlich notwendig, eine teure Leistungsstudie zu finanzieren, wo die Kultusministerkonferenz doch von so intelligenten Wesen bevölkert wird, dass die Ergebnisse bereits vor der Untersuchung bekannt waren und von der Kultusministerkonferenz längst umgesetzt wurden? Sind sich die Kultus-Auguren ihrer eigenen Seher-Fähigkeiten vielleicht doch nicht so sicher?

Wie dem auch sei. Da alles bekannt ist und alles vorhergesehen wurde, ist es weiterhin nicht notwendig, etwas dagegen zu tun, dass in deutschen Schulen nach Herkunft gesiebt wird, dass Jungen immer weiter hinter Mädchen zurückfallen und Migranten gar nicht erst aufschließen. Und natürlich haben die Kultusminister im Vorfeld auch ein bischen nachgeholfen, dass nicht vielleicht doch etwas herauskommt, was nicht herauskommen soll, oder wie es im Bericht zur Untersuchung heißt:

“Ein Bundesländervergleich ist in ICILS 2013 nicht vorgesehen und aufgrund des Stichprobendesigns auch nicht möglich (12).”

Wieso es dieses Stichprobendesign ermöglicht, differenzierte Aussagen nach Schulformen zu machen, aber nicht nach Bundesländern, ist eine Frage, die derzeit unbeantwortet ist. Bestimmt kennt die Kultusministerkonferenz, die ja stets darum bemüht ist, keine Vergleichsdaten zwischen Bundesländern an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, die Antwort auf diese Frage.

Da ICILS 2013 zeigt, dass 75% der deutschen Achtklässler nur unter Anleitung z.B. ihren Weg im Internet finden, stellt sich die Frage, wie die entsprechenden Schüler, an die Inhalte herankommen sollen, vor denen sie z.B. von einem emsig Informationszugänge abschneidenden Ministerium der besorgten und entsprechende Internet-seiten surfenden Gutmenschen angeblich geschützt werden müssen.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie die der Anleitung Bedürftigen zu den Informationen kommen, die sie z.B. nach einer Behauptung von Elisabeth Tuider, die heftig für Oralverkehr in Schulen, also die entsprechende Aufklärung wirbt, angeblich haben:

Tuider: “Die Jugendlichen geben die Themen vor – nicht die pädagogisch Tätigen. Und machen wir uns nichts vor: 70 Prozent der 13-jährigen Jungs und 30 Prozent der Mädchen sehen regelmäßig Pornografie – und haben Fragen dazu.”

Da stellt sich nicht nur die Frage, wo Tuider diese Zahlen her hat, es stellt sich auch die Frage, wie sich die 13jährigen Zugang zu den entsprechenden Inhalten verschafft haben, angesichts der weitgehenden Unfähigkeit der in ICILS getesteten 14jährigen, ihren Weg durch das Internet selbständig zu finden.

Entweder hier geht die Phantasie mit Frau Tuider und den Gutmenschen im Besorgtenministerium durch, oder hier geht ihre eigene Normalität, die einem entsprechend den Schrecken ins Gesicht jagen muss, mit ihnen durch.

Neuer Beleg: Die Diskriminierung von Schülern ist politischer Wille

Jungen und Migranten teilen im deutschen Bildungssystem dasselbe Schicksal: Vielen von Ihnen wird die berufliche Karriere schon verunmöglicht, noch ehe sie begonnen hat. Neue Daten des Leipniz Institut für Länderkunde zeigen dies in beeindruckender und erschreckender Weise. Und sie zeigen vor allem eines: Die Proletarisierung oder moderner: Prekarisierung vieler Jungen, vieler Migranten und einigen Mädchen ist politisch gewollt: Sie ist das Ergebnis politischer Diskriminierung, geplant in den Kultusministerien der Länder und umgesetzt in den lokalen Schulen. Bereits 2002 als wir Bringing Boys Back In veröffentlicht haben, war deutlich, dass Jungen vor allem in den neuen Bundesländern deutlich hinter Mädchen zurückbleiben, Bereits damals konnten wir zeigen, dass – wie von Geisterhand bewegt – im Osten der Republik Jungen noch seltener als im Westen ein Abitur erreichen als Mädchen und noch häufiger ohne einen Schulabschluss oder nur mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen als Mädchen. Radke_GomollaDies ist, bedenkt man, dass das ostdeutsche Schulsystem nach der Wende quasi von der Pike auf nach den Vorstellungen, die westdeutsche Schulplaner von einem gerechten und effizienten Schulsystem hatten, aufgebaut wurde, einerseits erstaunlich und wenn man mit dem Staunen fertig ist, dann ist es andererseits erschreckend, legt es doch den Verdacht nahe, moderne Schulplanung zielt darauf ab, Jungen gegenüber Mädchen zu benachteiligen. Ein weiteres, das Ergebnis in Bringing Boys Back In, das die pädagogische und mediale Diskussion seitdem beherrscht, zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Anteil männlicher Lehrer und dem Abschneiden von Jungen. Je weniger männliche Lehrer in Grundschulen und je mehr weibliche Lehrer in Grundschulen sind, desto schlechter schneiden Jungen ab. Zudem haben Ergebnisse, die u.a. Gomolla und Radke publiziert haben, gezeigt, dass die Nachteile, die wir für Jungen gefunden haben, auch für Migranten vorhanden sind. Entsprechend stellt sich die Frage, welche Prozesse dafür verantwortlich sind, dass Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem deutlich schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Interessanter Weise hat diese Frage bislang kaum jemanden interessiert. Statt dessen gibt es eine, wie wir es nennen: Zeterliteratur, die einzig und allein dem Zweck dient, weibliche Lehrer vom (übrigens von uns nie geäußerten) Verdacht, sie würden männliche Schüler gezielt diskriminieren, zu reinigen und statt dessen die Schuld bei Jungen zu suchen, sie als faul, machohaft und was auch immer zu stilisieren, um ihnen die Schuld an ihrer eigenen Misere zuzuschieben. Es ist ein Markenzeichen vieler Diskussionen um Mißstände in Deutschland, dass die Frage nach der Ursache eines Mißstandes mit der Frage nach der Schuld ersetzt wird. Die Untersuchung der Schuldfrage produziert dann die oben genannte Zeterliteratur, deren Zweck nicht darin besteht, die Ursache bestimmter Missstände zu suchen, sondern darin, eine Form kollektiven Wohlfühlens unter den Anhängern bestimmter Ideologien, im vorliegenden Fall des Genderismus zu schaffen. Dass die Mißstände durch das selbstgerechte Wohlfühlen nicht gelöst werden, deren Lösung vielmehr verhindert wird, ist dabei ohne Belang. Wenn man, wie wir auch schon mehrfach dargestellt haben und nicht zuletzt bereits in Bringing Boys Back In ausgeführt haben, ein kollektives Phänomen vor sicht hat, das systematisch zwischen Gruppen diskriminiert, dann bietet es sich an, nach Erklärungen zu suchen, die die entsprechenden Gruppen als solche betreffen, d.h. im vorliegenden Fall nach institutionellen oder sonstigen für unterschiedliche Schüler gleichen Bedingungen zu suchen, die zum Ergebnis haben könnten, dass Jungen und Migranten systematisch schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Das ist eigentlich offensichtlich: Wenn man die Ursache einer Hungersnot sucht, wird man ja auch nicht versuchen, die Ursache im Essverhalten Einzelner zu finden, sondern vielmehr Umweltfaktoren oder institutionelle Faktoren, wie z.B. die Subventionierung des Anbaus von Mais zur Nutzung als Brennstoff oder eine Dürreperiode betrachten. Die Frage. warum diese offensichtliche Logik für die Frage, warum Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem Nachteile haben, nicht gilt, kann sich jeder aufgrund der ideologischen Hegemonie des Staatsfeminismus selbst beantworten. Leibnitz Institut120x1000Die Forschung, die am Leibniz Institut für Länderkunde durchgeführt wurde, fügt der Diskriminierungsthese, also der Ansicht, dass Jungen und Migranten durch institutionelle Strukturen gezielt benachteiligt werden, einen weiteren Beleg hinzu. Sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Noten schlechtere Grundschulempfehlungen erhalten als Mädchen, und sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Leistungen in Leistungstests in schulischer Benotung schlechter abschneiden (Diefenbach, 2007) als Mädchen. Es muss entsprechend institutionelle Prozesse geben, die eher Jungen als Mädchen, eher Migranten als Nicht-Migranten benachteiligen und die Forschung des Leibniz Institut für Länderkunde zeigt diese Prozesse am Beispiel der Schüler, die ohne Schulabschluss bleiben.

  • Ohne Schulabschluss bleiben in ostdeutschen Ländern deutlich mehr Schüler als in westdeutschen Ländern. Top-Scorer ist Meckelenburg-Vorpommern, wo 12,4% der Schüler ohne einen Schulabschluss bleiben. Es folgen Sachsen-Anhalt (11,5%) und Sachsen (9,8%). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 5,5%.
  • Mehr als 50% derjenigen, die ohne Schulabschluss ihre Berufskarriere beenden, noch ehe sie begonnen hat, kommen von Förderschulen. Wie wir in vergangenen Posts gezeigt haben, sind die Kriterien, die eine Überstellung an eine so genannte Förderschule zur Folge haben, immer weicher geworden (z.B. sozio-emotionale Gründe, von denen niemand so richtig weiß, was sie sein sollen) und bei denjenigen, die an Förderschulen abgeschoben werden, handelt es sich vor allem um Jungen und Migranten. Warum man Schulen als Förderschulen bezeichnen sollte, die es nicht einmal schaffen, den Jugendlichen, die ihnen überantwortet werden, zu einem Schulabschluss zu verhelfen, ist eine Frage, die man wohl nur als politisch-korrekter Bildungspolitiker, der sich an der Realität nicht stört, beantworten kann.
  • Auch bei den Förderschülern, die direkt aus der Berufskarriere ausgesondert und ohne Schulabschluss gelassen werden, führen ostdeutsche Bundesländer: So bleiben z.B. 77% der Förderschüler in Mecklenburg-Vorpommern ohne einen Schulabschluss.

14_08_ohne_Schulabschluss_k2Die Ergebnisse belegen, dass eine Überstellung auf eine Förderschule eine Ursache der erheblichen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und zwischen Migranten und Nicht-Migranten ist, schon weil Jungen und Migranten viel häufiger auf Förderschulen abgeschoben werden als Mädchen und nicht-Migranten. Und warum werden sie häufiger abgeschoben? Weil man sie benötigt, um die Schulen nicht schließen zu müssen. Caroline Kramer, Professor am Institut für Geographie und Geoökologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat diesen Zusammenhang in einer selten zu findenden Offenheit formuliert:

“Zudem unterliegen sie zum Teil dem bildungspolitischen oder bildungsplanerischen Ziel, eine bestimmte Schulart auch bei sinkenden Schülerzahlen an einem bestimmten Standort zu erhalten. Dass dadurch in einigen Ländern oder Regionen bei mehr Schülerinnen und Schülern ein Förderbedarf diagnostiziert wird als in anderen Regionen, muss äußerst kritisch beurteilt werden.”

Das ist politischer Sprenstoff. Es heißt im Klartext: Schüler werden auf Förderschulen nicht etwa deshalb abgeschoben, weil sie dem normalen Schulbetrieb nicht folgen könnten, sondern deshalb, weil es politischer Wille ist, die entsprechenden Förderschulen offen halten zu können und trotz sinkender Schülerzahlen nicht schließen zu müssen. Dass dabei mehrere tausende Schüler jedes Jahr über die Klinge springen, dass ihre Berufskarriere und ihre Lebenschanchen beendet werden, noch ehe sie begonnen haben, ist dann ein Kollateralschaden, der neben dem wichtigen Ziel, Schulen nicht schließen zu müssen, weil es keine Schüler für sie gibt, zurückstehen muss. Die Zerstörung individueller Lebenschancen muss zum Wohle des größeren Ganzen eben in Kauf genommen werden – es ist der politische Wille vor allem im Osten der Republik, dies in Kauf zu nehmen. Zynischer kann Bildungspolitik nicht sein. Und wer hat noch einen Zweifel daran, dass ein Bildungssystem, in dem der politische Wille bestimmt, dass Kinder als Förderschüler geopfert werden müssen, um Förderschulen offen halten zu können, auch männliche Schüler und Migranten opfert, um einem politischen Willen zu huldigen, im ersten Fall dem Willen, per staatsfeministischem Eingriff, Mädchen besser zu stellen als Jungen, im zweiten Fall dem Willen, Migranten auch weiterhin als Paria des Bildungssystems inszenieren zu können? Wenn man die Sonntagsreden bedenkt, die Politiker von sich geben, an die Reden von der Bedeutung der nächsten Generation, von den Bildungschancen, von der Notwendigkeit, Bildung für alle zu ermöglichen und alle gerecht zu behandeln, damit die Kinder eine glückliche Zukunft auf ausreichender Bildung aufbauen können, dann kann man sich eigentlich nur übergeben.   Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115

Trojanische Pferde und schulische Leistungen

Zwei Themen, die heute durch die britische Presse gehen, sind für Bildungsforscher hoch interessant oder sollten es zumindest sein.

Das erste Thema beschäftigt sich mit der Frage, welchen Effekt Kultur auf den Lernerfolg hat. Chris Cook, Redakteur bei der BBC (also ein Journalist), hat sich diese Frage vorgenommen. Ausgehend von der Beobachtung, dass z.B. in Australien die Kinder chinesischer Einwanderer generell bessere Leistungen erzielen als z.B. Kinder weißer Eltern, hat Cook für das Vereinigte Königreich Ergebnisse zusammengetragen. Die Ergebnisse zeigen, dass auch im Königreich die Bildungselite der Schüler aus China stammt. Noch interessanter als dieses Ergebnis ist, dass die guten Leistungen chinesischer Schüler sich zwischen Kindern aus armen und Kindern aus reichen Familien kaum unterscheiden und in jedem Fall besser sind als die Leistungen selbst der besten Kinder aus weißen Famlien.

culture and performance

Will man dieses Ergebnis als Beleg dafür werten, dass die Herkunftskultur einen Effekt auf die schulische Leistung hat, dann muss man daraus den Schluss ziehen, dass Chinesen eine dem Lernen förderliche Kultur haben, bei der sozialstrukturelle Variablen wie Schichtzugehörigkeit oder Einkommen keine Rolle spielen, während Weiße eine eher lernfeindliche Kultur gezimmert haben, die noch dazu eine stratifzierende Kultur ist, d.h. Kinder aus armen Familien schneiden relativ zu Chinesen noch schlechter ab als Kinder aus reichen Familien, ein Umstand, den man in Deutschland gerne mit dem Begriff “bildungsfern” bezeichnet. Hat man diese Erklärung nicht nur geschluckt, sondern auch verdaut, dann stellt sich die Frage, was das nun bedeutet: Was genau macht diesen kulturellen Unterschied aus? Gibt es eine Form der Intelligenz, die kulturell determiniert ist, so dass Chinesen einfach intelligenter sind als der gewöhnliche Weiße?

Wie immer, wenn man sich mit Kultur beschäftigt, fühlt man sich in eine Badewanne versetzt und auf der Jagd nach der Seife. Deshalb schlagen wir vor, Kultur als ein Set der Handlungserwartungen (und Handlungsergebnisse) zu definieren, das von Kulturmitgliedern geteilt wird.

Die Beobachtung, dass Chinesen bessere schulische Leistungen erbringen, kann nunmehr als Ergebnis entsprechender Erwartungen an chinesische Kinder angesehen werden. Es wird erwartet, dass sie die Chance, sich durch Bildung im Leben zu etablieren und zu verbessern, nutzen und das beste aus dieser Chance machen. Das wäre eine Erklärung.

Im Gegensatz dazu, wird von weißen Kindern kaum erwartet, dass sie in der Schule erfolgreich sind. Schule und Lernen sind negativ besetzt, werden mit Anstrengung, Stress und Anforderung verbunden, die man Kindern eigentlich kaum zumuten kann und bei denen man entsprechend immer Verständnis aufbringt, wenn es mit dem Erfüllen der Anforderungen nicht klappt. Dann ist schnell der Schulsozialarbeiter bei der Hand, der eine perfekte Entschuldigung für schulisches Versagen hat – eine Entschuldigung, die den Effekt hat, dass sich die entsprechenden Kinder auch in Zukunft nicht anstrengen werden, wozu auch. Sie sind ja entschudligt.

Kinder und Jugendliche aus MigrantenfamilienAkzeptiert man dieses Ergebnis unseres kurzen Brainstormings, dann stellt sich die Frage, warum der Schulerfolg weißer Schüler im Allgemeinen und deutscher Schüler im besonderen sozial stratifiziert ist, warum Kinder aus Arbeiterfamilien hinter Kindern aus Familien der Mittelschicht zurückbleiben. Auch hier kann man mit Erwartungen arbeiten: Erwartungen von Lehrern und Erwartungen von Schülern. Erstere erwarten von Kindern aus der Arbeiterschicht, dass sie auch bei guten Leistungen in der Grundschule nicht in der Lage sein werden, ein Gymnasium erfolgreich zu durchlaufen. Warum? Weil ihnen angeblich die noch angeblicher so wichtige Unterstützung zu Hause fehlt. Umgekehrt erwarten Kinder aus Arbeiterfamilien vermutlich gar nicht, dass sie von ihren Lehrern irgend eine Art der Förderung erfahren, denken wahrscheinlich selbst, sie seien nicht in der Lage, den kommenden Anforderungen gerecht zu werden. Diese Idee, als Theorie des Stereotype-Threat bekannt und von Dr. habil. Heike Diefenbach erstmals in ihrer Habilitation in Deutschland eingeführt, ist inzwischen gut erforscht und recht gut belegt.

Die Idee, dass Schüler von ihren Eltern zuhause bei Hausaufgaben in Mathematik und Chemie und Deutsch und so weiter, unterstützt werden müssten, ist übrigens eine Erfindung von Mittelschichts-Pädagogen, die eine Legitimation für Mittelschichts-Mütter gesucht haben, damit diese der Arbeit teilweise oder ganz fernbleiben und sich der (schulischen) Erziehung ihrer Kinder widmen können. Aber einmal ehrlich, wer kommt sich nicht absurd und lächerlich dabei vor, wenn er behauptet, Mütter würden ihren Söhnen und Töchtern Algebra vermitteln, ihnen Avogadros Konstante erklären oder sie in fließendem Englisch beim Lernen von Vokabeln unterstützen?

Bildung und Schule bilden keine 100% Überlappung mehr. Das macht der zweite Beitrag deutlich, denn auch England hat nun seinen LBTG oder LGTB – scare, oder wie auch immer die richtige Abkürzung für Homosexuelle und all die anderen sexuell Orientierten sein mag.

Eltern einer Primary School, der Welford Primary School in Birmingham waren überhaupt nicht erfreut darüber, dass ihren Kindern ein Curriculum der “Diversität und sexuellen Orientierung” untergeschoben wurde, um die 4 bis 11jährigen von Homophobie zu heilen. Dies zeigt, der LBTG-Wahnsinn ist grenzüberschreitend und auch in England bereits angekommen, denn natürlich haben 4 bis 11jährige nichts anderes zu tun, als sich homophob zu verhalten – wie auch immer sie das bewerkstelligen wollen.

welfordprimaryschoolDas Pikante an der Geschichte: Die Welford Primary School wurde von Ofsted [Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills] gerade auf so genannte Trojan Horses abgeklopft und für clean befunden. Mit so genannten Trojan Horses war im Fall von Ofsted eine muslimische Unterwanderung gemeint ist, um die Schüler empfänglicher für “segregating boys and girls, banning sex education and spreading the teachings of radical clerics” zu machen.

Etliche Eltern waren jedoch ganz und gar nicht der Meinung, dass die Bildung ihrer Kinder an der Welford Primary School clean sei – nicht etwa im Hinblick auf muslimische Trojan Horses, sondern im Hinblick auf LGTB-Trojan Horses. Eine Konfrontation zwischen Eltern und dem Head-Teacher hatte zur Folge, dass der Head-Teacher unter Polizeischutz die Schule verlassen musste.

Man sieht, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht, kennen Briten keine Zurückhaltung, und wenn es darum geht, mit welchen Inhalten ihre Kinder unterrichtet werden, wollen sie mitreden, nein mitbestimmen. Verwert man ihnen die MItbestimmung, folgt keine Petition, nein, es folgt Aktion.

Offensichtlich sind die entsprechenden Eltern generell gegen Trojanische Pferde in der Ausbildung ihrer Kinder, also Lehrinhalte, die den Kindern eben einmal so untergeschmuggelt werden, egal, ob sie von vermeintlich radikalen Muslimen oder vermeintlich nicht radikalen LGTB-Aktivisten stammen.

Ich als Insel: Atomismus im Denken – oder – GEW sagt: Soldaten sind Lügner

In letzter Zeit begegnet uns immer wieder ein Phänomen, das wir “Atomismus im Denken” getauft haben. Es äußert sich in der Annahme, dass man als “ich” eine Insel darstellt, die in keinerlei Austausch mit anderen ichs verwickelt ist. Das Ich als Insel kann auch national atomisiert werden, dann wenn seltsame Vorstellungen darüber bestehen, was an den Grenzen Deutschlands alles halt macht, Vorstellungen wie sie gerade in einem Kommentar geäußert wurden:

“Demografieprobleme sind nicht international sondern national. Jedes Land muss sie selbst lösen. Und ja in DE haben wir Demografieprobleme. Wir reden gerade nicht über Indien.”

Überbevölkerung, so lernen wir, macht an den Grenzen von Deutschland halt, ebenso wie die Folgen von Überbevölkerung, die sich aus Überfischung, Überdüngung, aus immer häufiger ausbrechenden Epidemien und vielem anderen ergeben, die deutsche Grenze nicht zu überschreiten wagen.

Logik des MisslingensDietrich Dörner hat diese Schau, die nicht über den eigenen Nabel hinausreicht, im beklagenswerten Schicksal von Tanaland beschrieben, einem fiktiven Computerort, den real existierende Versuchspersonen mit guten Vorsätzen und keinerlei Blick auf die Folgen ihres Handelns bzw. keinerlei Erwägung dahingehend, dass man nicht als Atom Entscheidungen trifft, sondern diese Entscheidungen Effekte hervorrufen, in Windeseile von einer Hungersnot in die totale Zerstörung überführt haben.

Der Atomismus im Denken geht häufig mit dem emotionalen Ansinnen, doch gut zu sein, eine Insel im Meer aus Selbstbeweihräucherung darzustellen, einher. Dazu haben wir gerade ein perfektes Beispiel gefunden, nämlich den Atomismus, den die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe derzeit zur Schau stellt.

Tepe hat am Rande der Sitzung der Kultusministerkonferenz 23.000 Unterschriften übergeben, Unterschriften, die im Rahmen einer “Kampagne” gesammelt wurden, die “den wachsenden Einfluss von Rüstungsindustrie und Militär in Bildungseinrichtungen zurückdrängen” will. Also, wenn das Flugabwehrgeschütz demnächst aus dem Pausenhof der Grundschule Salierschule in Bad Dürkheim abgezogen wird, dann wissen sie warum.

Anlässlich der Übergabe der 23.000 Unterschriften hat es sich Marlis Tepe nicht nehmen lassen, den Mund aufzumachen und die Übergabe als Möglichkeit, Public Relations herzustellen zu nutzen, um sich und die GEW als gute Organisation, die gegen Krieg und alles Schlechte zu Felde zieht, darzustellen:

„Bildung und Wissenschaft haben die Aufgabe, die Voraussetzungen für eine friedliche Welt zu ergründen und über Kriegsursachen, Kriegsprofiteure und Kriegsideologie aufzuklären. Es widerspricht dieser Aufgabe, wenn Bundeswehr-Jungoffiziere an Schulen und Hochschulen für den Soldatenberuf werben und dabei über die Realitäten dieses Berufes hinwegtäuschen“

Hier kommt gleich das nächste Problem auf Ursula von der Leyen zu. Nicht nur ist die Bundeswehr eine Armee ohne funktinierende Ausrüstung, nein, die Bundeswehr schickt auch Lügner in Schulen, um die dort versammelten Schüler und Lehrer über die Realität des Soldatendaseins hinwegzutäuschen – wer das nicht glaubt: Marlis Tepe hat es gerade ausgeplaudert! Dem muss man natürlich einen Riegel vorschieben, insbesondere die objektive GEW muss das, die schon seit Jahren beweist, wie sie selbst es mit der Wahrheit hält und welche Bedeutung sie selbst der Wissenschaft zuweist.

Entsprechend hat Tepe die Forderung bekräftigt, nicht nur Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr und den exklusiven Zugang der Lügner von der Bundeswehr zu Schulen zu beenden, sondern Schulen mit einer Zivilklausel auszustatten:

“Bildung und Wissenschaft sollten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, solidarisches Lernen für den Frieden ermöglichen sowie einen Beitrag zur friedlichen Lösung der Probleme und Konflikte in dieser Welt leisten“, so Tepe.

Also Schwerter zu Plugscharen und das sowieso marode Kriegsgerät der Bundeswehr an Schrotthändler verkaufen, die es vielleicht einer besseren Verwendung zuführen können. Und dann die Bundeswehr auflösen.

Der Atomismus im Denken von GEW Tepe ist schon herausragend, fast so herausragend wie ihre Überzeugung, dass man Schüler sehr gut beeinflussen kann, ansonsten müsste man keine Angst vor der Bundeswehr in Schulen haben. Vielleicht will sich die GEW auch ein Monopol auf die Beeinflussung von Schülern errichten, um nach Lust und Laune in Gender, Homosexualität und sonstige Abweichungen von der gesellschaftlichen Normalität zu indoltrinieren.

Doch zurück zum Atomismus im Denken, der bei Frau Tepe so herrausragend ausgeprägt ist. Er kommt in Annahmen zum Ausdruck wie:

  • Schüler kommen einzig und allein in Schulen mit der Bundeswehr in Kontakt.
  • Schüler sind unkritisch und biegsam und deshalb der Einflussnahme der Bundeswehr-Lügner schutzlos ausgeliefert. (Offensichtlich hat es Frau Tepe noch nicht mit Schülern zu tun gehabt).
  • wicked wit winstonEs ist wichtig, Schüler nicht mit Themen wie “Bundeswehr” direkt in Kontakt kommen zu lassen. Statt dessen ist ihnen Pazifismus von Kindesbeinen einzuimpfen. Sie sind gegen Krieg zu imprägnieren, denn es ist nicht vorstellbar, dass ein Land seine Armee benötigen könnte, z.B. um einen Diktator abzusetzen. Gut, dass es 1939 im Vereinigten Königreich einen Winston Churchill gab, der auf Ansinnen, wie das von Tepe vermutlich eine passende Anwtort gefunden hätte, etwa: “It’s the only time I’ve ever seen a rat swimming towards a sinking ship” (Enright, 2011: 33).
  • Der tägliche Kriegsfilm, Mord oder die täglichen Bilder aus Syrien und dem Irak im Fernsehen sind harmloser als der Besuch des Bundeswehr-Lügners in der Schule.
  • Deutschland ist eine Oase umgeben von unüberwindlicher Wüste. Niemand, nicht einmal ein Kamelreiter kann diese Wüste durchqueren und das deutsche Idyll, das ohne Bundeswehr auskommt, erreichen.
  • Die friedliche Welt, die die GEW-Vorsitzende umgibt, die Welt der Blumenkinder und der Liebkosung 24/7 bedarf keines Schutzes, denn wir haben uns alle lieb, und entsprechend sollten wir auch die Polizei abschaffen. Wir brauchen sie nicht.

Atomismus im Denken konfundiert mit der Anstrengung als Gut-Tuender zu erscheinen. Die entsprechende Anstrengung bringt es mit sich, das eigene Handeln absolut zu setzen, jegliche Interaktion auszuschließen und die Adressaten des entsprechenden Handelns als Statisten zu modellieren, die keinerlei eigenes Urteilsvermögen haben.

Es ist schon erstaunlich, dass Personen, die nicht in der Lage sind, die einfachsten Reaktionen auf ihre eigenen Handlungen vorherzuahnen, sich in Überlegenheit wähnen und meinen, sie könnten anderen das Urteilsvermögen absprechen und mit dem eigenen Atomismus ersetzen.

Mythologie im ZDF: Bei 37 Grad (im Schatten?)

Wir danken einem Leser für den Link auf eine Sendung im ZDF. Die Ankündigung der Sendung hat uns bereits deutlich gemacht, dass es nicht notwendig ist, diese Sendung anzusehen, es sei denn, man will reality TV gewürzt mit Mythologie betrachten und sich das Ganze als Erklärung für den Bildungsmisserfolg von Jungen auftischen lassen.

37 GradDer Mythos, an dem Katrin Wegner, die für die Sendung bei 37 Grad verantwortlich zeichnet, strickt, ist der Mythos des plötzlich Jungen befallenden Schulmüdigkeitsvirus. Dieses Virus ist, dem Ebola-Virus vergleichbar, ein fast wahllos zuschlagendes Virus, eine Geißel Gottes, das aus dem Nichts auf seine Opfer fällt. Die Phase der Inkubation ist unterschiedlich lang. Immer jedoch äußert sich das Virus in Schulmüdigkeit, elterlicher, meist alleinerziehend-elterlicher Verzweiflung. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Befallenen nicht mehr zum Schulgang fähig, “Fehlzeiten werden immer länger” und am Ende steht: Schule schwänzen.

Da ist zum Beispiel Phillip (17): “Plötzlich … lassen Wissbegier und Motivation nach, seine Leistungen nehmen rapide ab, und er schwänzt nur noch den Unterricht”. Oder: Jakob –  “Die Probleme des zwölfjährigen Jakob begangen ganz plötzlich in der Grundschule: Ständig saß er unter dem Tisch und zerriss die Arbeitsblätter, statt sie auszufüllen”.

Wir sehen, das Anti-Jungenbildungs-Virus sucht seine Opfer ohne Vorwarnung heim. Gestern noch saß Jakob am und nicht unterm Tisch, heute ist das anders. Oder Philip, er war “ein Überflieger” in der Schule, der ganz plötzlich eine Bruchlandung macht und als Folge lassen “Wissbegier und Motivation nach”. Ein weiterer Beleg für die Hinterhältigkeit des Anti-Jungenbildungs-Virus, das seine Opfer ganz plötzlich heimsucht.

ebola_micrograph_virus-afriqueUnd wie bei Ebola, so ist auch beim Anti-Jungenbildungs-Virus eine Heilung kaum möglich. Bislang gibt es kein Gegenmittel, nicht einmal eine Vermutung darüber, wo das Virus seinen Wirt hat, von wo aus, es seine Opfer befällt. Entsprechend ist die Frage, die Katrin Wegner bei 37 Grad stellt: “Warum scheitern Jungs öfter?”, [schon weil der Bezug fehlt: … als Mädchen, … als Väter, …. als ZDF-Redakteure] bislang unbeantwortet. Das einzige, was wir wissen, der schulische Verfall, der bei manchen Jungen noch vor der Grundschule und im Rahmen der Einschulungsuntersuchung einsetzt, tritt plötzlich, unvorhergesehen und natürlich ohne Ursache in der Umgebung der Jungen auf.

Selbstverständlich tut die Umgebung der Jungen, die schulische Umgebung der Jungen, alles, was in ihrer Macht steht, um die Jungen auf ihrem Bildungsweg in gleicher Weise zu unterstützen wie die Mädchen. Es ist ein Rätsel! Tagein, tagaus gehen Jungen zur Schule und dann: ohne Vorankündigung schlägt das Virus zu. Ein Rätsel, das es sonst an keiner Stelle in der deutschen Gesellschaft, ja nicht einmal in der Weltgesellschaft gibt. Sonst gilt immer, dass eine Wirkung eine Ursache hat. Im vorliegenden Fall ist das anders, das fiese Anti-Jungenbildungs-Virus schlägt ohne Grund zu – einfach so, weil es etwas gegen Jungen hat, nicht etwa gegen Mädchen, nein, das Virus, es differenziert nach Geschlecht! Nicht einmal Ebola differenziert nach Geschlecht. Insofern haben wir es mit einem hoch-spezialisierten, schnell-wirksamen Virus zu tun, dass es in nur kurzer Zeit dazu bringt, Patienten, wie den 17jährigen Phillip, in einer Form aktuter Bildungsdemenz aus dem Gymnasium in die Hauptschule zu verfrachten.

Niemand weiß, wie es das tut, wie das Virus die Schulanbindung der befallenen Jungen beeinflusst. Erste Vermutungen, die Wegner hat, verweisen auf Stress und die Familie, auf fehlende Rollenbilder, weil Väter lieber arbeiten als sich um ihre Söhne zu kümmern, so wie sie das über Jahrhunderte lieber getan haben, ohne dass dieses fiese Anti-Jungenbildungs-Virus derart hinterhältig zugeschlagen hätte. Aber heute, im Deutschland des 21. Jahrhunderts ist das anders. Heute schlägt dieses Virus aus dem Nichts zu, heute ist es, aus seinem jahrhundertelangen Schlaf erwacht und wütet unter Jungen, die nur noch 45% der Besatzung von Gymansien stellen. Ein Kahlschlag von 10% gegenüber Mädchen und das in nicht einmal 20 Jahren. Ebola verblasst im Vergleich zum Anti-Jungenbildungs-Virus.

Hurrelmann BildungsverliererAuf ihrer Suche nach Ursachen für die Bildungsseuche unter Jungen hat Wegner sogar das Undenkbare gedacht und sich getraut, häretische Werke zu lesen, die eine Verbindung zwischen dem immer größer werdenden Anteil weiblicher Lehrer in Schulen und der immer intensiveren Art und Weise, in der das Anti-Jungenbildungs-Virus zuschlägt, herstellen. Das ist natürlich falsch, wie Wegner feststellt, die ihre früher gemachte Annahme fehlender Rollenbilder offensichtlich  und per offenem Widerspruch verworfen hat, und zwar deshalb, weil “Neue Studien [nachweisen], dass Lehrerinnen nicht schuld sind am schlechten Abschneiden der männlichen Schüler”.

Kleiner Einschub: Es gibt natürlich nicht mehrere “Neue” und ungenannt bleibende Studien. Es gibt genau eine (siehe unten) für Deutschland, die mehrfach aufgetischt wurde und ihren Ursprung im Berliner WZB hat. Was zeigt, wie einfach es heutzutage ist, institutionellen Unsinn unter das (Journalisten-)Volk zu bringen und dabei gleich zu vermehren.

In der Mythologie ist bekanntlich kein Platz für Vagheiten. In Mythologien herrscht Wahrheit, alles hat seinen Platz und deshalb ist in Mythologien Wissenschaft, Sozialwissenschaft insbesondere, in der Lage zu beweisen, zu beweisen, dass Lehrerinnen nicht schuld sind. Dieser Gottesbeweis, erbracht von wackeren Helden wie diesen hier, die den Unterschied zwischen Benotung und Schulbesuch nicht kennen und nicht zu wissen scheinen, dass es einen Unterschied macht, ob man auf einer Hauptschule oder auf einem Gymnasium benotet wird. Wegen dieses Unterschieds ist die Vergabe von Noten nur insofern interessant als es erstaunlich ist, dass die gleichen Noten zuweilen sogar bessere Noten, die Jungen im Durchschnitt und im Vergleich zu Mädchen haben, dazu führen, dass weniger Jungen als Mädchen ein Gymnasium besuchen. Insofern muss man den vermeintlich beweisenden Studien dankbar sein, denn ohne die Naivität der entsprechenden Autoren, wäre nie deutlich geworden, dass Jungen trotz durchschnittlich besserer Noten, schlechter in Schulen abschneiden als Mädchen. Was uns zurückbringt zur Frage, warum ist das so?

Warum? Seit Wegner uns bei 37 Grad ihre Mythologie aufgetischt hat, wissen wir es: Wegen des Anti-Jungenbildungs-Virus, das Jungen befällt, das nichts mit Schulen und schon gar nichts mit Lehrerinnen zu tun hat, das auch im Elternhaus nur in Spuren zu finden ist und letztlich am Ende die selbe Ratlosigkeit hinterlässt, mit der man losgegangen ist. Was tun mit einem Virus, von dem man nichts weiß und vor allem nichts wissen will?

Computer VirusOder will man doch? “Über 60 Prozent aller Jungen ab zehn besitzen eine Spielkonsole und sitzen mehr als viereinhalb Stunden täglich am Computer”, so weiß Wegner und damit ist klar: Das Virus wird durch die Computer übertragen. Warum sind wir nicht gleich darauf gekommen? Alle Welt spricht vom Computer-Virus. Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase mit dem Erfinden von Viren und dem Verkauf entsprechender Anti-Viren-Programme. Und dennoch ist es nicht einmal der WHO in den Sinn gekommen, was Wegner hier durch phantatischen Journalismus aufgedeckt hat: Viren können zwischen Computern und Jungen übertragen werden.

Hervorragend! Die perfekte Erklärung für ein Problem, das man nicht lösen will: Jungen schneiden schlechter in der Schule ab, weil sie beim Spielen von Computerspielen, jedenfalls 60% von ihnen, von einem Anti-Jungenbildungs-Virus befallen werden.

Amen!

Petition gegen rot-grüne Paranoia in Niedersachsen

An Niedersachsens Schulen herrscht ein homophobes Klima. Schwulen und Lesben-Bashing steht auf der Tagesordnung. Schon in Kindertagesstätten machen “Kinder aus Regenbogenfamilien Diskriminierungserfahrungen”. Das wissen die Mitglieder der Fraktionen des Grünen Bündnisses 90 und der SPD im Niedersächsischen Landtag. Und weil dem so ist, wollen Sie eine ganze Reihe von Gegenmaßnahmen ergreifen, um den täglichen Pogrom gegen “Kinder aus Regenbogenfamilien” und gegen lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle und intersexuelle Menschen zu verhindern.

Gruene Landtag niedersachsenDie verzweifelten Maßnahmen mit denen die niedersächsischen Kinder in Kindertagesstätten, Grundschulen und weiterführenden Schulen davon abgehalten werden sollen, lesbische, schwule, bisexuelle, transexuelle, intersexuelle und Kinder aus Regenbogenfamlien zu diskriminieren und zu verfolgen, sind in einem Antrag der Fraktion der SPD und des grünen Bündnisses niedergelegt, und sie sehen u.a. vor:

  • Lehrkräfte “für die Diversität der sexuellen und geschlechtlichen Identitäten” zu sensibilisieren.
  • Schulbücher nur noch dann zu genehmigen, wenn die Vielfalt sexueller Identitäten angemessen berücksichtigt ist.
  • Kerncurricula für alle Schüler so zu ergänzen, dass die “Existenz und Lebenswirklichkeit von Menschen verschiedener sexueller Identitäten hinreichend Berücksichtigung” findet.

Dies sind einge der Maßnahmen, die die roten grün gebündnisten Fraktionen in einem Antrag fordern und die der Niedersächsische Landtag beschließen soll. Und wenn man gelesen hat, was hier gefordert wird, dann weiß man gar nicht, wo man beginnen soll – dabei, dass die Forderung einer angemessenen Brücksichtigung ein ebenso großer Unsinn ist wie die Forderung einer rot-grünen Berücksichtigung. Angemessen ist nämlich ein Adjektiv, das ohne eine Bezugsgröße keinen Sinn macht. Und da der Text keine Bezugsgröße enthält, kann man aus “angemessen” nur dann Sinn machen, wenn man schließt, dass eine angemessene Berücksichtigung das ist, was die rot-grün Bebündisten aus 1990 für angemessen halten. Ob jedoch die Bevölkerung und vor allem die Eltern der Kinder, die derart angemessen belehrt werden sollen, der Ansicht sind, es sei angemessen bereits Kinder in der Kindertagesstätte mit dem zu penetrieren, was Rot-Grüne für angemessen halten – ist eine andere Frage, bei deren Beantwortung man die rot grüne Besessenheit mit Sexualität in Rechnung stellen muss.

Dies gesagt, stellt sich die Frage, wie die rot grünen Bündnisser dazu kommen, es für angemessen zu halten, dass bereits Kindern in der Kindertagesstätte die Vielfalt ihrer eigenen Sexualität eingetrichtert werden soll.

Die Antwort finden sich in der Begründung des Antrags, dort heißt es:

  • “Nach wissenschaftlichen Schätzungen sind 5 bis 10% aller Menschen lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell oder intersexuell. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sich in den meisten Schulklassen ein oder mehrere Kinder befinden, die homo, bi, inter- oder transsexuell sind.”

Nun, eine Schätzung ist eine Schätzung und bleibt eine Schätzung, auch dann, wenn man das Wörtchen “wissenschaftlich” davor setzt. Tatsächlich hat Dr. habil. Heike Diefenbach in einer Reihe von Beiträgen sehr klar gezeigt, dass es aus wissenschaftlicher Sicht kaum möglich ist, anzugeben, wie groß die Anteile der entsprechend sexuell Orientierten sind, da sich die meisten Studien, ob der Schwierigkeit, schwule, lesbische, inter- oder transsexuell orientierte Menschen zu finden, mit einem Trick behelfen, den auch das rot-grüne Bündnis aus 1990 im Niedersächsischen Landtag bemüht: Sie schlagen Bisexuelle den Homosexuellen zu. Warum sie das tun, bleibt unbegründet. Faktisch ist ein Bisexueller aber mindest so sehr heterosexuell wie homosexuell. Dass er ausschließlich als homosexuell gezählt wird, liegt daran, dass die Anzahl der Homosexuellen in wissenschatflichen Studien so gering ist, dass man überhaupt keine Aussagen über sie machen kann, wenn man sie nicht durch bisexuell Orientierte anreichert. Insofern ist die Schätzung von 5% bis 10% nicht heterosexueller Menschen eine sehr optimistische Schätzung.

SPD Fraktion NiedersachsenNoch besser ist allerdings der Schluss aus der nicht belegten Schätzung auf die Anzahl der homosexuellen, inter-, trans- und bisexuellen Grund-, Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten. Welcher Wahnsinn die Schreiber des Antrags hier geritten ist, kann nur vermutet werden, und wir sind zurückhaltend hier zu spekulieren. Wir wollen nur soviel sagen: Wenn man davon ausgeht, dass Intelligenz in einer Gesellschaft normalverteilt ist, ergibt sich daraus, dass gut 11% der Bevölkerung mit unterdurchschnittlicher Intelligenz ausgestattet sind. Entsprechend müssen wir annehmen, dass auch 11% derjenigen, die den Antrag von Bündnis90/rot-grün verfasst haben, nur mit unterdurchschnittlicher Intelligenz ausgestattet sind. Es steht daher zu vermuten, dass die 11% einen überproportionalen Einfluss auf die Erstellung des Antrags genommen haben.

Am besten ist jedoch der rot-grüne Biologismus: Es ist demnach biologisch determiniert ob jemand homo-, inter-, trans- oder bisexuell ist. Einmal bisexuell, immer bisexuell. Wenn man derartigen rot-grünen Unsinn liest, dann fragt man sich, waren diese Menschen in ihrem Leben jemals verliebt oder sind sie von Natur aus a-sexuell, so dass ihnen die Erfahrungen mit Sexualität, die man als normaler Mensch macht, vorenthalten bleiben. Und weil sie ihnen vorenthalten bleiben, müssen sie das, was für andere normal ist, zuerst mystifizieren und dann zur bloßen Technik, zur Anwendung von Geschlechtsteilen degradieren,  und wo man sie anwendet, ist biologisch determiniert. Wie gut, dass der biologischen Determinierung klar ist, dass sie sich nur auf die menschliche Spezies bezieht.

Aber verfolgen wir die rot-grün-gebundenen Versuche, zu argumentieren weiter:

  • “Eine Studie des Münchener Meinungsforschungsinstitutes IconKids & youth von 2002 ergab, dass 50 % der Mädchen und 70 % der Jungen in Deutschland Lesben und Schwule nicht oder überhaupt nicht gut finden. Dieser Anteil hat gegenüber 1998 sogar deutlich zugenommen.
    Dies trägt zu einem ausgeprägt homophoben Klima in den Schulen bei. In der Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes „Diskriminierung im vorschulischen und schulischen Bereich“ von 2013 wird beschrieben, dass schon in Kindertagesstätten Kinder aus Regenbogenfamilien Diskriminierungserfahrungen machen. An Schulen gehören „Schwuchtel“, „du Schwuler“ und „Lesbe“ zu den häufigsten von Kindern und Jugendlichen gebrauchten Schimpfworten. In der Studie „Diskrimi-nierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, ebenfalls von 2013, gaben 39,1 % der Befragten an, aufgrund ihrer lesbischen oder bisexuellen Lebensweise schon von anderen Kindern und Jugendlichen gemobbt worden zu sein.”

Nehmen wir einmal an, dass 2002 50% der Mädchen und 70% der Jungen in Deutschland Lesben und Schwule nicht oder überhaupt nicht gut fanden. Dann muss man feststellen, dass dies überhaupt nichts mit einem homophoben Klima zu tun hat. Denn im Gegensatz zu rot grünen Aktivisten tragen Kinder nicht unbedingt das, was sie nicht gut finden, anderen hinterher und versuchen sie zu bekehren. Und normale Menschen denken auch nicht, man müsse Schwule und Lesben gut finden, vielmehr reicht es, sie zu akzeptieren. Und wäre nicht aus demokratischer Sichtweise, die Tatsache, dass 50% der Mädchen und 70% der Jungen nicht affin für Schwiule und Lesben sind, zu akzeptieren (schon weil Rot-Grüne der Meinung sind, das sei biologisch veranlagt)? Akzeptiert man es nicht, dann ist dies ein deutliches Indiz dafür, dass man selbst von einer fixen Idee besessen ist, einer fixen Idee davon, was andere “gut zu finden haben”, einer fixen Idee, die keine abweichende Meinung zulässt und entsprechend nicht anders als als missionierender Faschismus bezeichnet werden kann.

Es ist natürlich glatt gelogen, dass 70% der Jungen und 50% der Mädchen in Deutschland “Lesben und Schwule nicht oder überhaupt nicht gut finden”, denn es gibt keine Studie, in der alle Jungen und Mädchen in Deutschland befragt wurden. Die Studien, in denen Mädchen und Jungen befragt werden, befragen zumeist um die 1000 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren. Die Behauptung der Rot-Grünen ist somit nicht nur eine übertriebene Verallgemeinerung, sie gehört in die Klasse der Tricks, die Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff in ihrem Buch “Lügen mit Zahlen” und in Kapitel 1 besprechen.

Gehen wir nun dazu über, die im Antrag behaupteten Fakten richtig zu stellen:

Die Behauptung, Kinder aus Regenbogenfamilien würden bereits in der Kindertagesstätte diskriminierende Erfahrungen machen, geht auf die folgende Stelle im zweiten Bericht der Antidiskriminierungsstelle zu Diskriminierung im Bildungsbereich und im Arbeitsleben zurück.

“In der Kölner Untersuchung Wir sind Eltern. Eine Studie zur Lebenssituation Kölner Regenbogenfamilien aus dem Jahr 2011 berichten 4 % der ingesamt 177 Befragten, dass ihre Kinder diskriminierende Erfahrungen im Kindergarten gemacht haben, die sich durch das Auslachen ihrer Kinder aufgrund der häuslichen Familiensituation gezeigt hätten.”

ADSEs ist also nicht so, dass eine Studie der Antidiskriminierungsstelle zeigen würde, was behauptet wird, vielmehr berichtet der Autor der Antidiskrimierungsstelle im oben benannten Bericht von einer Studie, in der entsprechende Ergebnisse erzielt worden sein sollen. Und was ist von den Ergebnissen zu halten? Da berichten also 4% von 177 Befragten, in Zahlen 7 (sieben!) Personen, davon, dass ihre Kinder in der Schule ausgelacht wurden, weil sie aus einer Regenbogenfamilie stammen. Wir wetten, wenn man Kinder, die in der Schule ausgelacht werden, sammelt und nach den Gründen dafür sucht, dann wird man eine Vielzahl von Gründen finden, und man wird finden, dass nicht nur Kinder aus Regenbogenfamilien ausgelacht werden, und man wird sich fragen, warum es schlimmer sein soll, wenn Kinder aus Regenbogenfamilien ausgelacht werden als wenn z.B. Kinder aus Arbeiterfamilien ausgelacht werden oder dicke Kinder aus dicken Familien oder die Kinder des Bürgermeisters, der die Wahl verloren hat usw. Die Antwort, die man geben muss lautet. Es ist nicht schlimmer. Es ist derzeit nur so, dass eine Horde von Hysterikern durchs Land zieht, die denken, alles sei sexuelle Orientierung und die ihre Manie als Normalität durchzusetzen versuchen.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts sind nicht einmal 1% der Familien in Deutschland Regenbogenfamilien.

Auch die nächste Behauptung, die im Antrag und mit Bezug auf eine Studie der Antidiskriminierungsstelle aufgestellt wird, ist falsch, denn abermals ist es nicht die Antidiskriminierungsstelle, die etwas erhoben und gefunden hat, wie behauptet wird. Vielmehr steht im bereits oben zitierten Bericht der Antidiskriminierungsstelle:

“Für den Bildungsbereich gaben 72,6 % der Befragten an, aufgrund ihrer lesbischen/bisexuellen Lebensweise vergleichsweise schlechter beurteilt worden zu sein. 39,1 % waren schon mindestens einmal von Mitschüler_innen gemobbt worden (LesMigraS 2012, S. 77 ff.)” (30).

Auf Seite 83 der zitierten Studie “LesMigraS” findet sich wiederum eine Abbildung, der Prozentwerte entnommen werden können, die sich für Befragte, die angeben, von Mitschülern schon einmal, zweimal oder mehrmals ausgegrenzt und gemobbed worden zu sein, auf jene 39,1% addieren. Was die Basis dieser Aussage ist, also wie viele Personen die Grundgesamtheit bilden, auf die hier prozentuiert wurde, ist unklar. Die Menge der Befragten, von denen berichtet wird, variiert zischen 380 und 2070. Keinen Zweifel lässt indes die Formulierung der Frage zu, die es nicht erlaubt, einen Zusammenhang zwischen dem Mobbing und der sexuellen Orientierung herzustellen. Abermals versuchen die rot-Grünen im Niedersächsischen Landtag einen Eindruck zu vermitteln, der nicht gerechtfertigt ist.

Man kommt nicht umhin festzustellen, dass im rot-grünen Deutschland der Wahnsinn umgeht, es ist dies ein Wahnsinn, der manisch ist, der Homophobie wittert wo er geht und steht, der Homophobie so hochredet, dass man denkt, es gebe in Deutschland nichts anderes als homophobe Schüler, die wiederum nichts anderes zu tun hätten als nicht-homophobe Schüler zu diskriminieren. Alle Schulen in Niedersachsen sind vom homophoben Virus infiziert, weshalb sich die rot-grünen Landespolitiker aufmachen müssen, die Schulen zu retten und den tausendfach an Niedersächsischen Schulen vermuteten homo-, inter-, trans- und bisexuellen Schülern beiseite zu springen.

Nuts in BedlamEntsprechend gibt es nichts wichtigeres im Bildungssystem, als die Diversität der sexuellen Orientierung. Nichts bestimmt Menschen mehr als ihre sexuelle Orientierung, jedenfalls wenn es nach den rot-grünen Politikern geht. Die Zeiten, in denen man gedacht hat, Menschen würden durch ihr Gehirn bestimmt, sind vorbei. Es gibt wichtigeres als den Geist zu schulen: Der neue Schwerpunkt den Politiker in Niedersachsen setzen wollen, richtet den Blick zwischen die Beine der Schüler nicht mehr auf ihren Kopf. Mathematik ist nur noch richtige Mathematik, wenn sie sexuell vielfältig betrieben wird. Deutsch nur dann ein korrekter Unterricht, wenn den Bedürfnissen von Kindern aus Regenbogenfamilien Rechnung getragen wird, die offensichtlich nach Meinung der rot-Grünen eine andere Sprache sprechen. Und all diese Ausgeburten eines manischen Geistes werden in ein Bedrohungszenario verpackt, das deutsche Schulen in einem homophoben Klima verhaftet sieht, das nur kurz vor dem Konzentrationslager anzusiedeln ist.

Es ist schlicht nicht mehr möglich, rot-grüne Politiker Ernst zu nehmen. Sie haben sich durch ihre sexuelle Manie vollständig deklassiert, und man muss vermuten, dass das Herunterladen von Kinderpornographie, das einige rot-grüne Politiker betrieben haben, kein Einzelfall ist, vielmehr scheint in der rot-grünen Politikersekte eine tiefe sexuelle Deprivation vorhanden zu sein, die dazu führt, dass sie überall, wo sie gehen und stehen, Sex sehen. Derartige Politiker sind folglich ein Fall für eine geschlossene Institution, ein Fall für die Gummizelle, die genug Platz lässt, um gegen homophobe Wände vorzugehen.

Es ist ein Gebot der Stunde, gegen den Unsinn, den rot-grüne Politiker über Schülern ausgießen wollen, vorzugehen. Und dies ist genau, was mit einer Petition, die derzeit auf Change.org zu finden ist, erreicht werden soll:

“Wir lehnen die Absicht der rot-grünen Landesregierung ab, in Niedersachsen sogenannte ‘sexuelle Vielfalt’ zum Unterrichtsthema zu machen”, so der Tenor der Petition.

Wer sich der Petition anschließen und die Normalität gegen die sexuell Depriverten und Manischen verteidigen will, der kann die Petition hier unterstützen.

Niedersachsen ist kein Einzelfall. Der rot-grüne Plan, baden-württembergische Schüler mit Sexualität von kleinauf und unter dem Vorwand der Toleranz für sexuelle Vielfalt zu penetrieren, hat ebenfalls zu heftigem Widerstand und einer Petition geführt.

Lehrer derzeit nicht gut genug

Manchmal stolpert man über Pressemeldungen, die dazu führen, dass man mehrfach liest, um sicherzustellen, dass man richtig gelesen hat. Die Pressemeldung “Qualitätsoffensive Lehrerbildung gestartet” des BMBF ist eine solche Pressemeldung.

BMBFKurz zur Einordnung: Lehrer, das sind diejenigen, die in Schulen beschäftigt sind. Schulen, das sind die Institutionen, die Kinder und Jugendliche mit einem Bildungsabschluss versorgen sollen. Kinder und Jugendliche werden in Deutschland sehr ungleich mit einem Bildungsabschluss versorgt:

  • Jungen schneiden seit Jahren, ohne dass es jemanden stört, schlechter ab als Mädchen;
  • Kinder aus der Unterschicht bleiben im Hinblick auf schulische Bildung weit hinter Kindern aus Mittel- und Oberschicht zurück, was gelegentlich lamentiert, aber mitnichten verändert wird;
  • Kinder aus Migrationshintergrund, egal, wie lange der Migrationshintergrund zurückliegt, schneiden bei der schulischen Bildung schlechter ab als Kinder ohne Migrationshintergrund, was gewöhnlich mit dem alten Ladenhüter der Sprachbeherrschung erklärt werden soll;

Bildungsforscher, die derartige Muster im Hinblick auf den Bildungserfolg nach Geschlecht, Schicht oder Migrationsstatus sehen und ihr Geld Wert sind, können nur einen Schluss ziehen: Irgendwie müssen die Instutionen zu diesen Ergebnissen führen. Irgendwie müssen Schulen bestimmte Verhaltensweisen bei Lehrern hervorbringen oder nicht unterbinden, die dazu führen, dass Jungen schlechter als Mädchen, Kinder aus der Unterschicht schlechter als Kinder aus der Mittel- und Oberschicht und Kinder mit Migrationshintergrund schlechter als Kinder ohne Migrationshintergrund abschneiden.

Radke_GomollaInstitutionelle und kontextuelle Faktoren, die über das Handeln von Lehrern auf Schüler wirken, sind die einzigen Variablen, die die beschriebenen Muster erklären können. Ein kleines logisches Experiment zeigt, warum: Nehmen wir an, Kinder mit Migrationshintergrund schneiden wegen ihrer Deutschkenntnisse schlechter ab als Kinder ohne Migrationshintergrund wie dies manche immer noch stoisch behaupten. Nehmen wir weiter an, ein Teil dieser Kinder mit Migrationshintergrund gehört der Mittelschicht an, wäre also sozusagen özdemisiert. Nehmen wir weiter an, ein Teil dieser Kinder mit Migrationshintergrund wäre weiblich und özdemisiert: Was folgt daraus für den Bildungserfolg? Es ist schlicht logisch unmöglich etwas über den Bildungserfolg auszusagen, weil die drei Faktoren sich überlagern und ihre Effekte zum Teil gegensätzlich sind. Folglich ist es wenig wahrscheinlich, dass Faktoren, die den Schülern zugeordnet werden können, also Migrationshintergrund, Schichtzugehörigkeit oder Geschlecht, die Muster hervorbringen, die oben berichtet wurden. Es liegt schon näher die Schulen, die schulische Praxis und damit das Handeln von Lehrern als Ursache der Unterschiede im Bildungserfolg anzunehmen.

Als wir im Jahre 2002 von einer Korrelation berichtet haben, die zeigt, dass mit einem steigenden Anteil männlicher Grundschullehrer die schulische Leistung von Jungen besser wird, war ein Aufschrei die Folge. Bis heute sind wird nicht ganz sicher darüber, ob die Häresie darin bestand, festzustellen, dass Lehrer etwas mit dem schlechteren Abschneiden bestimmter Schülergruppen zu tun haben oder darin festzustellen, dass weibliche Lehrer für das schlechtere Abschneiden bestimmter Schülergruppen, hier: männlicher Schüler, verantwortlich sein könnten. Die Tatsache, dass sich anschließend eine Diskussion über die “Feminisierung von Schulen”, also darüber entwickelt hat, dass immer weniger Männer und immer mehr Frauen Lehrer werden/sind, deutet darauf hin, dass die Häresie darin bestand, weibliche Lehrer als Quelle schulischer Nachteile von Jungen ins Spiel zu bringen.

Wie dem auch sei, bis zum heutigen Tag gleicht es einer Gotteslästerung, wenn man darauf hinweist, dass die Institution “Schule” und die darin beschäftigten Lehrer natürlich einen Einfluss auf das schulische Abschneiden von Kindern haben. Und da die Institution Schule eine Institution der Mittelschicht ist, die von Lehrern aus der Mittelschicht bevölkert wird, liegt es zudem nahe anzunehmen, dass die Wirkung der Kategorien “Unterschicht”, “Geschlecht” und “Migrationshintergrund” auf Stereotypen basiert, die in der Mittelschicht gepflegt werden, also z.B. Kinder aus Unterschichtsfamilien haben zuhause nicht die Unterstützung, die sie brauchen, um ein Gymnasium mit Erfolg zu besuchen, oder Jungen sind kleine Machos, die den Unterricht stören und deshalb auf Sonderschulen abgeschoben oder schlechter bewertet werden, oder Kinder mit Migrationshintergrund können kein Deutsch und müssen entsprechend mit Hauptschule und Realschule Vorlieb nehmen. All diese Stereotype haben natürlich nur zufällig den Effekt, dass Gymnasien und Universitäten zum Quasi-Monopol für Kinder aus Mittel- und Oberschicht umfunktioniert werden.

Wie überrascht wir waren, in einer Pressemeldung der derzeitigen Ministerin für B&F zu lesen, was bislang einen gesellschaftlichen Bann aus Medien nach sich gezogen hat, können sich Leser nach diesem Vorspann vermutlich vorstellen: Aus Anlass des Starts der “Qualitätsoffensive Lehrerbildung” hat Frau Wanka eingestanden, dass es vor allem schlechte Lehrer sind, die für die beschriebenen Missstände im deutschen Bildungssystem verantwortlich sind:

stundenplan„Mit dem Programm wollen wir die Hochschulen in ihren Bemühungen unterstützen, die Lehramtsausbildung zu reformieren und die Qualität nachhaltig zu verbessern“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. „(1) Wir wollen die Besten eines Jahrgangs für ein Lehramtsstudium gewinnen und (2) sie über ihr gesamtes Studium hinweg begleiten. Nur wenn es uns (3) gelingt, die Strukturen der Lehrerbildung an den Hochschulen zu optimieren, die pädagogische Praxis stärker als bisher einzubeziehen und Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften besser miteinander kooperieren zu lassen, (4) werden wir auch gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen haben. Und es gehört selbstverständlich auch dazu, dass die (5) Mobilität von Lehramtsstudierenden, Lehrkräften im Vorbereitungsdienst, sowie Lehrerinnen und Lehrern über die Grenzen der Bundesländer hinweg gewährleistet ist.“

Die Prämissen, auf denen dieses Zitat von Frau Wanka beruht, sagen eigentlich alles, über den Zustand des allgemeinen deutschen Bildungssystems:

  • (1): Bislang gelingt es nicht, die besten eines Jahrgangs für das Lehramtsstudium zu gewinnen. Jahrgang meint hier Abiturjahrgang. Dies wird aus (2) deutlich, denn der Satz macht keinen Sinn , wenn nicht Abiturjahrgang gemeint ist. Und wir wollen Frau Wanka heute einmal unterstellen, dass sie mit dem, was sie sagt, Sinn vermitteln will.
  • (3): Die Strukturen der Lehrerbildung sind derzeit nicht optimal, was notwendig bedeutet, dass die Lehrer und die institutionellen Strukturen an Schulen suboptimal sind, und das ist noch der konservativste der möglichen Schlüsse.
  • (4) da “gut ausgebildete … Lehrer” hier an eine deterministische und mit “nur” eingeleitete Bedingung geknüpft sind, muss man schließen, dass die Ministerin der Überzeugung ist, dass derzeit keine gut ausgebildeten Lehrer an deutschen Schulen unterrichten.
  • (5) kann man lesen als Ankündigung, die länderspezifische Eigenbrödelei in Sachen Bildung zu beenden, was gut für Bayern und Baden-Württemberg und schlecht für die Stadtstaaten wäre, in denen derzeit ein Abitur verschenkt wird. Man kann (5) auch als Ankündigung dafür lesen, dass es mit Teilzeitbeschäftigung und der ich-fahr-nicht-weiter-als-5-Kilometer-zu-meinem-Arbeitsplatz-Mentalität unter Lehrern ein Ende hat.

In jedem Fall zeigt die Pressemeldung klar und deutlich, dass man im Ministerium das Problem des deutschen Bildungssystems nicht mehr bei den Schülern sucht, sondern bei der Lehrerschaft, die nicht gut ausgebildet ist, sich nicht aus den Besten eines Jahrgangs zusammensetzt, sondern aus vielen Lehrkräften, die ihren Beruf eher als Hobby und nebenbei, eben in Teilzeit betreiben, etwas, das aufgrund der hohen Anforderungen, die man beim BMBF als an Lehrer gestellt ausgemacht hat, nicht mehr tragbar ist, oder wie es beim Ministerium so schön heißt:

“Im Laufe der Jahre sind die Ansprüche gestiegen. Lehrende sollen unterrichten und erziehen, beraten und die Schulen weiterentwickeln. Kurzum, heute sind Lehrkräfte mehr denn je Experten für das Lehren und Lernen. Sie begleiten junge Menschen in der Regel über mehr als ein Jahrzehnt in einer Entwicklungsphase, die für individuellen Bildungserfolg, Persönlichkeitsbildung, Sozialisation und beruflichen Werdegang prägend ist.”

Das ist nun wirklich nichts, was man in Teilzeit erledigen kann.