LSBTTIQs in Baden-Württembergs Schulen: Keine Akzeptanz von Meinungsvielfalt im Bildungsplan 2015

Als Robert Michels im Jahr 1911 das seither zum Klassiker der politischen Soziologie avancierten Buch “Soziologie des Parteiwesens” veröffentlicht hat und darin sein “ehernes Gesetz der Oligarchie(bildung)” aufgestellt hat, ging es dem überzeugten Sozialdemokraten vor allem darum, die Prozesse aufzuzeigen, die unumkehrbar und zwangsläufig dazu führen, dass Vertreter der Arbeiter, dann, wenn sie in Ämter gewählt sind, keine Vertreter der Arbeiter mehr sein können, sondern zu Lobbyisten und Vertretern ihrer eigenen Interessen werden.

Michels Soziologie des ParteiwesensDie Soziologie des Parteienwesens ist eine Abrechnung mit der naiven Idee der altruistischen Repräsentation von Wählern durch Gewählte. Den Schritt hin zur egoistischen Vertretung eigener Interessen und der Anfälligkeit für Lobbyisten, die politische Gefallen durch kleine Gefälligkeiten ihrerseits goutieren, ist dann Anthony Downs in seiner Ökonomischen Theorie der Demokratie gegangen, so dass man die Entwicklung der Theoriebildung im Hinblick auf die politische Klasse, die in Amt, aber nicht unbedingt in Würden sitzt und immer noch erzählt, sie würde die Interessen ihrer Wähler vertreten, wie folgt zusammenfassen kann:

Politiker sind opportunistische Akteure, die den eigenen Vorteil suchen. Gelangen Politiker in Regierungsverantwortung, dann haben sie die Möglichkeit, politische Gefallen zu verteilen (also von Steuerzahlern finanzierte Geschenke an bestimmte Gruppen). Entsprechend entwickelt sich ein Netzwerk aus Politikern und ihnen nahestehenden Lobbyisten, das auf Gegenseitigkeit basiert, und in dem Gefallen ausgetauscht werden.

Ein sehr gutes Beispiel, an dem man diese zwangsläufige Degeneration politischer Systeme deutlich machen kann, ist die Baden-Württembergische Landesregierung.

Die MItglieder der Landesregierung in Baden-Württemberg haben es sich zum Ziel gesetzt “Vorurteile gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgendern, intersexuellen und queeren Menschen (LSBTTIQ) abzubauen”.

Und wie anders könnte man Vorurteile, deren Existenz man der Bequemlichkeit halber bei der Landesregierung einmal annimmt, abbauen, als dadurch, dass man bereits Kindern im Grundschulalter diktiert und vorschreibt, wie sie die Vielfalt der Welt zu sehen haben, nämlich im Rahmen einer “angstfreien Bildung” in der dem “Verschweigen und Ausgrenzen von LSBTTIQ” ein Ende gesetzt wird.

Die Reihenfolge ist interessant: Erst Verschweigen – dann Ausgrenzen. In unserer Grundschulzeit wurde keinerlei Bezug zu “LSBTTIQ”  hergestellt, was in der Diktion der Landesregierung wohl meint, uns wurde die Existenz von LSBTTIQ verschwiegen. Deshalb müssten wir, gingen wir heute zur Grundschule, auf die Existenz von LSBTTIQ hingewiesen werden, was natürlich voraussetzt, dass man Sechs- bis Neunjährigen erklärt, was ein LSBTTIQ eigentlich ist. Und nachdem man den Sechs- bis Neunjährigen die Existenz von LSBTTIQ in den Kopf gesetzt hat, muss man dafür Sorge tragen, dass die Sechs- bis Neunjährigen den LSBTTIQ auch mit dem gebührenden Respekt begegnen und sich nicht etwa abfällig oder spaßig über LSBTTIQ äußern, auch nicht gegenüber ihren Eltern, denn wer weiß, vielleicht sind die Eltern ja LSBTTIQ und haben das ihren Kindern bislang verschwiegen, es nicht über sich gebracht, sich zu outen, wo outen doch so wichtig ist, weil die Welt darauf warten, dass auch Katharina X und Karsten Z endlich mitteilen, dass sie LSBTTIQ sind.

Und wie verhindert man, dass Sechs- bis Neunjährige sich abfällig über LSBTTIQ äußern oder Späße über LSBTTIQ machen? Man droht ihnen Konsequenzen an oder man versucht, ihnen moralische Kosten zu verursachen. Das ist, was die Landesregierung unter angstfreier Bildung versteht.

zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens_1386755089Auch nachdem sich Widerstand gegen den ursprünglichen Bildungsplan geregt hat, breiter Widerstand, der fasst schon einem Aufstand der Zivilgesellschaft gleichgekommen ist, ist die Landesregierung nicht von ihren Vorhaben abgerückt. Wir haben auf ScienceFiles über die Petition gegen den Bildungsplan und die damit beabsichtigte Sexualisierung von Schulen berichtet und die Reaktion der Landesregierung auf den Widerstand aus der Bevölkerung gewürdigt.

Konfrontiert mit dem Widerstand aus dem ungeliebten Teil der Zivilbevölkerung, hat sich die Landesregierung in die Schmollecke verzogen und den Bildungsplan 2015 erst einmal auf Eis gelegt. In der Schmollecke haben die Mitglieder der Landesregierung dann gebrütet und überlegt, wie sie, die so gerne die Partizipation von Bürgern, deren Beteiligung, die Bürgerbeteiligung, bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten im Mund führen, mit dieser völlig unpassenden und nicht-gewollten Bürgerbewegung umgehen, und wie sie ihren Bildungsplan auch gegen Widerstand durchdrücken können.

Vom Ergebnis der Zeit in der Schmollecke hat uns Gabriel Stängle, der Realschullehrer, der die Petition gegen den Bildungsplan 2015 initiiert hat und der, wie wir seit gestern wissen, zu den regelmäßigen Lesern von ScienceFiles zählt, ausführlich berichtet.

Zusammenfassend kann man sagen: Die Landesregierung Baden-Württemberg tut zweierlei: Zum einen wird versucht, den Widerstand gegen den Bildungsplan 2015 auszusitzen, in der Hoffnung, dass er von selbst verschwindet. Zum anderen wird versucht, den ursprünglichen Plänen, die man vermutlich 1:1 in entsprechenden Vorlagen der Lobbyverbänden von LSBTTIQs findet, eine demokratische Legitimation zu verschaffen, und zwar mit einer Reihe von Taschenspielertricks, die man übel nehmen muss, zeigen sie doch entweder den IQ der dafür Verantwortlichen, was für deren Wähler nicht schmeichelhaft ist, oder die Vorstellung der Verantwortlichen vom IQ der Wähler, was ebenfalls für die Wähler nicht schmeichelhaft ist.

Wir haben uns aus dem Versuch der Landesregierung, nicht als Lobbytruppe für LSBTTIQ zu erscheinen, drei Punkte herausgegriffen, die eine eindeutige Sprache sprechen. Wer genau erfahren möchte, wie das neue Gewand der Sexualisierung von Grundschülern aussieht, sei auf den Beitrag, den Gabriel Stängle in seinem Blog veröffentlicht hat, verwiesen.

Unsere drei Punkte beziehen sich auf:

  • die Chimäre der Bürgerbeteiligung;
  • die vermeintliche Notwendigkeit des Schutzes von LSBTTIQ;
  • die totalitäre Fratze hinter dem Bildungsplan;

Chimäre der Bürgerbeteiligung

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Faktencheck-bw

Wer sich auf der Seite der Landesregierung umschaut, die einzig dem Marketing des Bildungsplans 2015 gewidmet ist, der findet dort bereits nach kurzer Zeit den Marketing-Slogan, mit dem der Prozess, der zum Bildungsplan 2015 geführt hat, vermarktet werden soll: “Gute Politik wächst von unten!”. Das klingt nach Basisdemokratie. Das kling nach Bürgerbeteiligung. Aber es klingt nur danach, denn die “gute Politik”, die von unten wachsen soll, sie erweist sich als Lobby-Politik, wenn man einmal betrachtet, wer für die Landesregierung, die sich natürlich oben wähnt, unten ist. Unten sind (1) Vertreter der im Landtag vertretenen Fraktionen, (2) 12 Vertreter des landesweiten Netzwerks LSBTTIQ, (3) Vertreter kommunaler Landesverbände, (4) Vertreter der Liga der freien Wohlfahrtspflege, (5) Vertreter der AIDS-Hilfe, (6) Vertreter des Landesgeundheitsamts und (7) Vertreter aus den Ministerien, also kurz: “Sie nicht!”

Das sind die Vertreter, die gute Politik von unten sichern sollen. Die gute Politik von unten, ist der Bildungsplan 2015, der soll durch die ausgesuchten Vertreter abgesegnet werden. Das erklärt, warum die angeblich gute Politik ohne die Mitwirkung von Elternvertretern auskommt, warum von den Gegnern des Bildungsplans 2015 niemand in den Beirat gelangt ist, denn diese Gruppen haben vermutlich eine andere Vorstellung davon, wie gute Politik in z.B. Grundschulen aussieht, eine falsche Vorstellung, nämlich nicht die Vorstellung der Landesregierung, und deshalb würden sie im Beirat stören, in dem es darum geht, die Lobbypolitik für LSBTTIQ durchzusetzen.

Lobbypolitik zielt in der Regel auf zwei Dinge: Einfluss und Geld.

Einfluss wird dadurch sichergestellt, dass duch die Sexualisierung von Grundschulen aktive Mitgliederwerbung für LSBTTIQ betrieben wird.

Geld wird durch den “Aufbau einer Geschäftsstelle und die Unterstützung der professionellen Arbeit des Netzwerkes LSBTTIQ” sichergestellt. Das Hauptziel aller Lobbyisten, die nicht für private Unternehmen tätig sind, in Zukunft aus Steuergeldern finanziert zu werden, ist damit erreicht. Damit LSBTTIQ flächendeckend vom Bildungsplan profitieren, sollen “Anlaufstellen für LSBTTIQ” geschaffen werden, von Steuerzahlern finanziert, versteht sich. Damit LSBTTIQ ihren Spleen nicht auf eigene Rechnung ausleben müssen, soll eine “Leistungspflicht der Krankenkassen bei begleitenden Therapien und medizinischen Eingriffen für transsexuelle und transgender Menschen” geschaffen werden und vieles mehr.

Kaum ein Lobbyverband ist erfolgreicher als der der LSBTTIQ. Wie wir schon mehrfach festgestellt haben, ist es erstaunlich, wie ein kleines Häuflein von Aktivisten es schafft, die Mehrheit nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Man kann nur vermuten, welche Form gegenseitiger Gefallensgewährung hinter dem Erfolg der entsprechenden Lobbyisten in z.B. Baden-Württemberg steht.

Vermeintliche Notwendigkeit

Die vermeintliche Notwendigkeit, die eine Bewerbung von Akzeptanz und Toleranz sexueller Vielfalt und deren gesetzliche Verankerung im Bildungsplan 2015 hat, soll über eine Online-Umfrage belegt werden, die die Landesregierung hat durchführen lassen. Es ist nicht bekannt, wer die Online-Umfrage erstellt, ausgewertet und interpretiert hat (Ein Mitarbeiter des Statistischen Landesamts hat wohl die Grafiken für den Bericht erstellt). Falls es sich dabei um Wissenschaftler handelt, so schrecken sie zumindest davor zurück, dass ihr Name mit der Online-Umfrage der Landesregierung in Zusammenhang gebracht wird. Sie wären wissenschaftlich ruiniert, wäre dies der Fall.

UmfragemissbrauchEs gibt eine Reihe von Todsünden empirischer Sozialforschung, die, wenn sie begangen werden, den Effekt haben, die Ergebnisse zu verzerren. Diese Todsünden meiden Wissenschaftler, während Ideologen sie zu nutzen versuchen, denn sie eignen sich, um sicherzustellen, dass am Ende einer Befragung herauskommt, was man herausbekommen will.

Zwei Beispiele mögen genügen, um dies für die Online-Umfrage der Landesregierung Baden-Württemberg zu demonstrieren und die Umfrage damit als auch nur ansatzweise aussagekräftig zu erledigen.

  • Selektivität der Grundgesamtheit
  • Fehlende Vergleichsgruppe

(1)

Eine selektive Grundgesamtheit liegt dann vor, wenn bestimmte Eigenschaften in der Grundgesamtheit überrepräsentiert sind. Stellte man sich vor den Bahnhof in Mannheim und würde die Passagiere der Bundesbahn befragen, was sie von einer steuerlichen Bezuschussung für Bahnreisende halten, das zustimmende Ergebnisse wäre vorhersehbar und man hätte es über eine Selegierung der Grundgesamheit erreicht, denn: führte man dieselbe Umfrage auf dem Angestelltenparkplatz der BASF durch, das Ergebnis wäre sicher ein anderes.

Die Online Umfrage der Landesregierung richtet sich nur an die Buchstabenfolgen-Menschen, also die LSBTTIQs. Sie wurden in ihren Netzwerken angesprochen, auf so genannten Beteiligungsworkshops angesprochen, es wurde eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um einerseits sicherzustellen, dass eine selektive Grundgesamtheit entsteht und andererseits sicherzustellen, dass nur motivierte und in der Regel auch aktivistische Buchstaben-Menschen (also politisierte LSBTTIQ, die nicht für den normalen LSBTTIQ repräsentativ sind) an der Umfrage teilnehmen.

Die Ergebnisse sind entsprechend und die Online-Umfrage ist ein Beispiel dafür, wie man Steuergelder einsetzt, um die Methoden der empirischen Sozialforschung für seine Zwecke zu missbrauchen. So langsam wäre es nicht nur an der Zeit, Politikern jeglichen Umgang mit empirischer Sozialforschung zu verbieten, sondern eine Regelung in Landes- und Bundesgesetze aufzunehmen, nach der Politiker für grobe Verstöße gegen die guten Sitten und die sorgfältige Verwendung von Steuergeldern haften.

(2)

Um die Notwendigkeit des steuerfinanzierten Werbens für LSBTTIQ sowie die Einrichtung entsprechender Geschäfts- und Anlaufstellen, für alle, die sich mit Buchstaben identifizieren, deutlich zu machen, wurde in der Online-Umfrage nach Diskriminierungserfahrungen gefragt. Angesichts der Auswahl der Teilnehmer der Umfrage ist bereits sichergestellt, dass es Berichte von Diskriminierungserfahrungen geben wird. Um aber gar nichts dem Zufall zu überlassen, wurden nur Buchstaben-Menschen befragt, d.h. es fehlt die Vergleichsgruppe. Und wäre die Umfrage nicht bereits durch die Auswahl der Befragten eine Angelegenheit für den Schredder, sie wäre es jetzt.

So findet sich auf Seite 22 des Berichts zur Umfrage, die folgende Abbildung, mit der die furchtbaren Formen der Diskriminierung dargestellt werden sollen, denen sich Buchstaben-Menschen innerhalb der letzten 5 Jahre mindestens einmal oder öfter ausgesetzt gesehen haben.

Buchstabenmenschen

Die Befrager mussten schon wirklich tief in die Trickkiste greifen, um hier überhaupt ein Ergebnis zu erhalten. Erinnern Sie sich eigentlich noch, ob sie in den letzten fünf Jahren einmal angegafft wurden? Wenn ja, dann muss es ein wirklich herausragendes, ein außergewöhnliches Ereignis gewesen sein, eines, das es nicht alle Tage gibt. Aber Sie sind ja auch nicht LSBdingenskirchen. Wären Sie LSBdingenskirchen, das herausragende Beispiel wäre der Beleg für eine weitverbreitete Diskriminerung von LSBundsoweiter.

Die Angaben, die die Befragten zu den in der Abbildung aufgeführten Verfehlungen anderer ihnen gegenüber machen, sind alle subjektiv. Das ist das erste Problem. Das zweite Problem ist: Es sind die subjektiven Eindrücke einer selektiven Grundgesamtheit, die subjektiven Eindrücke von Aktivisten und von anderen, die sowieso schon der Meinung sind, jeder sehe in ihnen nur den LBSTundsoweiter und jeder sei an ihrer sexuellen Orientierung interessiert.

Pointiert formuliert verwundert es nicht, dass jemand der sich vom FBI verfolgt sieht, hinter allem, was ihm im täglichen Leben widerfährt, das Wirken des FBI vermutet. Was verwundert ist, dass derjenige, der sich vom FBI verfolgt fühlt, in seinem Verfolgungswahn zur Legitimation von Gesetzesvorhaben gegen die Verfolgung durch das FBI wird.

Schließlich der letzte Trick aus der Schmutzkiste des Missbrauchs empirischer Sozialforschung. Wurden Sie innerhalb der letzten fünf Jahre schon einmal angegafft, hat man sie einmal imitiert, hat man sie beleidigt, sie nicht ernst genommen worden usw.? Was wäre wohl das Ergebnis, wenn man die entsprechenden Fragen nicht nur LSBx, sondern auch Vertretern der in der Umfrage unterdrückten Mehrheit gestellt hätte? Es hätten sich keine Unterschiede ergeben. Das angebliche Leiden der LSBx hätte sich nicht als Besonderheit von LSBx vermarkten lassen. Ihre unangefochtene Stellung als Top-diskriminierte Gruppe wäre ins Wanken geraten und die Legitimation des Bildungsplans 2015 gleich mit. Und darum geht es ausschließlich, um die Legitimation des Lobbywerks, das als Bildungsplan 2015 unter Missbrauch von Worten wie Toleranz, Akzeptanz und Bildung verkauft werden soll.

Totalitäre Fratze

Damit sind wir bei der totalitären Fratze angekommen, die hinter dem gesamten Werk hervorlugt. Wir haben schon vielfach darüber geschrieben, dass die Vermarkter von Toleranz und Akzeptanz dann, wenn sie auf jemanden treffen, der ihr Produkt nicht kaufen will, plötzlich zu intoleranten, die Entscheidung anderer nicht akzeptierenden kleinen Diktatoren werden, die nicht nur für jede Form des Widerstands einen derogativen Begriff zur Hand haben, sondern Widerstand in keiner Form zulassen, ihm völlig intolerant gegenüberstehen. Die Besetzung des Abnickgremiums, das als Beirat bezeichnet wird, ist ein Beispiel dafür oder eher die Nicht-Besetzung der Ausschluss derer, die die “gute Politik” von unten, die die Landesregierung durchsetzen will, so nicht akzeptieren würden.

Ein anderes Beispiel zeigt, wie sehr die guten Menschen, die gute Politik zu machen vorgeben, vom Heil, das sie zu bringen von einem guten Gott beauftragt wurden (oder auch nur von einem guten Lobbyisten bei einem guten Abendessen in einem guten Hotel in Abu Dhabi, Anreise und Übernachtung natürlich auf Kosten des Lobbyisten), überzeugt sind:

In der Zusammenstellung dessen, was im Bildungsplan 2015 geplant ist, die Gabriel Stängle erstellt hat, findet sich das Folgende:

  • Zuschüsse für Hochschulen kürzen / streichen, die ein veraltetes Menschenbild lehren;

Es soll ja immer noch naive Menschen geben, die denken, universitäre Selbstverwaltung belege die Freiheit von Forschung und Lehre. Es ist Zeit, die entsprechenden Träumer zu wecken: Die universitäre Selbstverwaltung garantiert, dass naive Wissenschaftler Verwaltungsarbeit verrichten, für die sie nicht bezahlt werden, mehr nicht. Wer im Zeitalter von Professorinnenprogramm, im Zeitalter der Installation von seltsamen Personen über seltsame Wege auf noch seltsameren Lehrstühlen immer noch glaubt, Forschung und Lehre seien frei, der wird vielleicht durch den geplanten Eingriff der Baden-Württembergischen Landesregierung aus seinem Traumland geholt.

Denn interessanter noch als die Tatsache, dass die Baden-Württembergische Landesregierung gedenkt, Hochschulen für Wohlverhalten zu belohnen oder für fehlendes Wohlverhalten zu bestrafen, sie gleichzuschalten, ist die Prämisse dahinter, die keinen Zweifel daran lässt, dass entsprechende Praktiken gang und gäbe sind, dass es für Landesregierungen und ihre Häscher ganz normal zu sein scheint, in die Abläufe von Hochschulen steuernd einzugreifen, um ihre Interessen durchzusetzen, bei der Schaffung von Lehrstühlen, bei der Besetzung von Lehrstühlen, bei den Inhalten, die vermittelt werden dürfen usw.

Derartige Normalitäten zeigen, wie sehr Universitäten schon jetzt nichts anderes mehr sind als die Anhängsel von Landesregierungen und -ministerien, die nach Belieben in den universitären Alltag eingreifen und, wenn es ihnen beliebt, eben einmal das richtige Menschenbild vorgeben. Das hatten wir alles schon einmal, aber die Zeit scheint nicht nur alle Wunden zu heilen, sie scheint auch alles Erlernte, alle Lehren zu tilgen, damit sich Geschichte wiederholen kann.

Intuitive Mathematik: Die Lösung aller (MINT-)Probleme

Der Beitrag, den wir vor einigen Tagen über die Reichen-Methode geschrieben haben, hat uns inspiriert. Für alle, die den Beitrag verpasst haben: Die Reichen-Methode besteht darin, dass Kindern in der Grundschule nicht mehr Rechtschreibung beigebracht wird. Vielmehr bringen sich die Kinder selbst eine Laut-Falschschreibung bei, die irgendwie in eine richtige Rechtschreibung überführt werden soll, wobei Korrekturen nicht erfolgen.

Das dürfte erklären, warum korrekte Rechtschreibung zu einer seltenen Spezies geworden ist.

math_solutionDa die Reichen-Methode so überaus erfolgreich damit ist, Konventionen der richtigen Schreibung von Worten zu zerstören und durch eine Schreib-Kreativität ungeahnten Ausmaßes zu ersetzen, haben wir uns gefragt, ob es nicht eine entsprechende Methode geben kann, um all die Probleme, die sich mit Mathematik verbinden, auf dieselbe kreative Art zu potenzieren.

Und: Es gibt die entsprechende Methode.

Wir nennen sie die intuitive Mathematik.

Von intuitiver Mathematik versprechen wir uns das, was Jahrzehnte von Girls-Day, MINT-Indoktrination, Sonderbehandlung an Universitäten und all die anderen Maßnahmen, von denen man sich einen Sturm auf die MINT-Fächer versprochen hat, nicht geleistet haben: steigende Studentenzahlen in MINT-Fächern.

Wir siedeln unsere Methode der intuitiven Mathematik ebenfalls im Bereich der Reformpädagogik an. Das bedeutet: Ziel ist es, die Kinder von den Fesseln des Drills und der Disziplin in Schulen zu befreien und ihr wahres Ich, ihre volle innere Kreativität zum Durchbruch zu bringen. Kindern soll in der Schule und vor allem im Fach Mathematik die Chance geboten werden, nicht nur ihr volles Potential auszuschöpfen, sondern sich frei vom Zwang zu korrekten Antworten zu entfalten. So wie in der Reichen-Methode der Zwang zur richtigen Rechtschreibung entfallen ist, so wird in der intuitiven Mathematik der Zwang zur korrekten Addition, Subtraktion, Division oder Multiplikation gestrichen.

Ziel ist es nicht mehr, Kinder in das Korsett mathematischer Beweise, logischer Ableitung und richtiger Berechung zu zwängen, sondern sie Mathematik fühlen und erleben zu lassen. Deshalb sprechen wir auch von der intuitiven Mathematik. Intuitive Mathematik stellt das Erleben von z.B. Addition gegen den Zwang, Zahlereihen zu lernen. Intuitive Mathematik stellt das Erfüllen eines Ergebnisses an die Stelle der kalten rationalen Berechnung. Und: Intuitive Mathematik macht Mathematik zu einem wahrlich emotionalen Erlebnis, kaltes Kalkül gehört der Vergangenheit an.

In der Grundschule werden den Kindern daher Zahlen am Beispiel beigebracht.

Die Eins als Symbol des Einswerdens mit der Gesellschaft.

Die Zwei als Beispiel für die heterosexuelle oder homosexuelle Gemeinschaft.

Drei, vier und fünf als der Wunsch eines um Fortpflanzung besorgten Staates.

Sechs, sieben, acht, neun und zehn als tägliche Arbeitsstunden besonders erfolgreicher Arbeitshelden des Volkes.

Um die Kinder nicht zu überfordern, wird eine detaillierte Zählung nur bis 10 durchgeführt. Alles, was über 10 hinausgeht, ist viel oder sehr viel. Das hat den Vorteil, dass die gesellschaftlichen Unterschiede, wie sie zwischen jemandem bestehen, der ein Einkommen jenseits von 5000 Euro hat und jemandem, der ein Einkommen unterhalb von 2000 Euro hat, aufgelöst werden. Beide haben für die Kinder viel Einkommen. Entsprechender Konfliktstoff im Hinblick auf soziale Ungleichheit wird durch intuitive Mathematik beseitigt.

Wie intuitive Mathematik im Verlauf der Grundschule gelehrt werden soll, machen wir nun am Beispiel einiger Aufgaben deutlich.

Mathematik-Aufgabe für die zweite Klasse

Mathematik

Überholte Form der Mathematik-Vermittlung

Anna Lena erhält von ihren Eltern viel Taschengeld. Ihren Eltern geht es gut. Kevin erhält nur wenig Taschengeld, weil es seinen Eltern nicht so gut geht. Du darfst für fünf Wochen das Taschengeld zwischen Anna Lena und Kevin aufteilen. Wieviel Taschengeld kannst Du beiden geben und wie viel willst Du Ihnen geben?  Richtig sind alle Antworten, die das Taschengeld so verteilen, dass beide Kinder gleich viel Taschengeld haben.

Mathematik-Aufgabe für die dritte Klasse

Fünf Arbeiter können die Ladung eines LKWs in zwei Stunden ausräumen. Wie viele LKWs sollen die fünf Arbeiter an einem Tag ausräumen, wenn zwei von ihnen halbtags arbeiten, weil sie sich nachmittags um ihre Kinder kümmern, während einer von Ihnen nur zwei Stunden arbeitet, weil er als Funktionär der Gewerkschaft von mehr als zwei Stunden Arbeit freigestellt ist und die verbleibenden Arbeiter drei Stunden am Tag für Mitarbeiter, die im Elternurlaub sind, Arbeit miterledigen müssen? Diskutiere eine familienfreundliche Lösung. Die richtige Antwort lautet, nicht mehr als zwei.

Mathematik-Aufgabe für die vierte Klasse

Ein Banker erhält eine Bonuszahlung von sehr viel Euro am Jahresende. Dem Bankangestellten werden pro Monat viele Euros seines Gehalts als Lohnsteuer abgezogen. Für wie viele Bankangestellte kann der Banker aus seinem Bonus die Lohnsteuer und für wie lange tragen? Kreuze die richtige Antwort an! Sehr viele Mitarbeiter einen Monat lang, viele Mitarbeiter zwei Monate lang, einige Mitarbeiter vier Monate lang. Richtig sind alle Antworten. Wer die erste Alternative nennt, erhält einen Bonuspunkt, weil von seinem Ergebnis die meisten Mitarbeiter profitieren.

Intuitive Mathematik erleichtert nicht nur das Erlernen von Mathematik und wird entsprechend dafür sorgen, dass die Nachfrage nach MINT-Fächern an Universitäten steigt, Intuitive Mathematik eignet sich auch, um Kinder im richten Geist zu erziehen und in die Gesellschaft einzugliedern.

Die Methode intuitiver Mathematik, die wir hier entwickelt haben, wird bislang an deutschen Grundschulen nicht gelehrt, eben deshalb, weil wir sie gerade erst entwickelt haben. Aber hat jemand einen Zweifel, dass es nicht lange dauern wird, bis irgend ein besonders engagierter Reformpädagoge mit einer ähnlich unsinnigen Idee kommt?

©ScienceFiles, 2015

Rechtschreibkatastrophe: Vernachlässigung fängt in den Grundschulen an

Ein Leser von ScienceFiles hat uns auf einen Artikel in der Tageszeitung “Der Westen” aufmerksam gemacht, der mit “Dozenten klagen: Lehramtsstudenten können nicht schreiben” betitelt ist. Die Legasthenie erreicht die Mittelschicht, so muss man wohl konstatieren…

Der Beitrag basiert im Wesentlichen auf der täglichen Rechtschreibkatatrophe, von der Peter Kruck, Wissenschaftslektor und Kommunikationswissenschaftler berichtet: “Die meisten Lehramtsstudenten können keine zwei Sätze fehlerfrei schreiben”. Was Kruck hier beschreibt, ist eine Abwärtsspirale, denn die Lehramtsstudenten, die die Orthografie und die Grammatik des Deutschen nicht mehr beherrschen, gehen an Schulen, um dort Schülern ihre nicht vorhandenen Kenntnisse weiterzugeben.

Das Ende ist absehbar: Rechtschreibkatastrophe.

Die Ursache für dieses Rechtsschreibkatastrophe wird nicht nur im Beitrag aus “dem Westen” in der von Jürgen Reichen entwickelten Methode des “Lesens durch Schreiben” gesehen. Reichen, einer der Reformpädagogen, die man zwischenzeitlich zu fürchten gelernt hat, war der Ansicht, dass Disziplin und Drill in Schulen hinderlich seien, dass es wichtiger sei, Kinder zu kreativen Kindern zu machen und ihnen eine – natürlich: kreative Stimme zu geben.

Seine Methode sieht nicht vor, dass man Kindern Lesen und Schreiben mit der Fibel beibringt, die mühsam jeden einzelnen Buchstaben zur Nachahmung bereitstellt und stückweise zu ersten kleinen Worten zusammenfügt. Derartiger Drill war Reichen zuwider. Kreativität war sein Ziel, und Kreativität ist, was er mit seiner Methode zweifelsohne erreicht hat: Die Art und Weise, in der Kinder heutzutage Worte schreiben, von denen man dachte, man wüsste, wie sie geschrieben werden, ist mit Sicherheit kreativ.

Denn: In Reichens Methode lernen Kinder anhand  der Anlauttabelle. Die Anlauttabelle gibt für jeden Buchstaben des Alphabets ein Beispiel, zeigt einen Affen für ein A, eine Banane für ein B. Und mit dieser Anlauttabelle sollen die Schüler dann selbst herausfinden, wie Worte geschrieben werden, Worte wie “Grummbeer” oder “Kardoffell” oder “Leerer”. Dass die Kinder die Rechtschreibung von Worten zunächst falsch erlernen, ist gewollt. Warum? Niemand weiß es. Vermutlich geht es darum, die kindliche Kreativität anzuzapfen, und vor allem geht es darum, Kinder nicht zur richtigen Rechtschreibung zu zwingen.

Mehr Toleranz für Fehler lautet das Motto in Schulen Nordrhein-Westfalens und anderswo, denn wo genau der Reichen-Wahnsinn zur Anwendung kommt, niemand weiß es. Die Art und Weise, in der Kindern Schreiben und Lesen nicht beigebracht wird, ist Angelegenheit der Schulleitung oder des jeweiligen Lehrers. Daten zur Verbreitung der Reichen Methode, Daten dazu, wer wem wie Schreiben und Lesen nicht beibringt, werden in Deutschland nicht gesammelt.

Für derartige Nebensächlichkeiten interessiert sich in Deutschland niemand, ebenso wenig wie man sich vor der Einführung der Reichen-Methode dafür interessiert hat, ob sie auch hält, was sie verspricht. Bis heute gibt es keine Evaluation des Nutzens oder besser: der Schäden, die mit der Reichen-Methode angerichtet wurden und werden. Wer nach Literatur zur Reichen-Methode sucht, findet eine Vielzahl von Jubel-Literatur, in der beschrieben wird, was die Methode so einzigartig und gut macht. Er findet eines nicht: eine Überprüfung der Methode, eine Evaluation, die den Anspruch mit der Wirklichkeit kontrastiert.

Realität ist immer schädlich für die hehren Ansprüche von Reformern, deshalb werden ihre Ideen immer als Heilslehre verkündet, und nicht geprüft. Wozu auch? Es sind doch nur Kinder, die der neuen Mode unterzogen werden. Und wenn ein, zwei Generationen als Legastheniker ausfallen, dann bezuschussen wir eben die Fortpflanzung und manchen neue Generationen, dieses Mal solche, die Schreiben und Lesen können – hoffentlich.

Dass die Reichen-Methode nicht funktioniert, das ist mittlerweile nicht nur in Handwerk und Unternehmen bekannt, es ist auch an Universitäten gängiges Wissen. Die Rechtsschreibkatastrophe hat die Mittelschicht erreicht.

Und die Verwantwortlichen sitzen in Grundschulen, Verantwortliche wie Tanja Hilker, Deutschlehrerin an der Theodor-Heuss-Grundschule in Essen, die die Kritik an der Reichen-Methode im Interview mit dem Westen zurückweist und einen Einblick in ihre Lehrmethoden gibt:

“Wir sprechen nicht von Korrektur, sondern schreiben unsere Version unter das fehlerhafte Wort”

Theodor Heuss Grundschule EssenJPGDer kurze Satz beschreibt die Ursache der Rechtschreibkatastrophe eindringlich. Korrektur ist als Wort verpönt, ist wohl mit Drill assoziiert oder wird aus sonstigen nicht nachvollziehbaren, vermutlich ideologischen Gründen abgelehnt. Was damit einhergeht, ist die Auflösung dessen, was man Lernen nennt und dessen, wozu man Erziehung in Schulen überhaupt nur braucht: die Möglichkeit, Fehler zu machen, und aus der Korrektur der Fehler zu lernen. Lernen setzt Fehler voraus. Entsprechend bedarf es etwas Falschem, es bedarf der Korrektur dessen, was falsch ist. Wird die Korrektur verweigert, wird demjenigen, der Falsches geschrieben hat, signalisiert, das Falsche sei so falsch gar nicht, sei eben seine “Version” das Wort zu schreiben, warum sollte derjenige, der Falsches geschrieben hat, sich die richtige Rechtschreibung angewöhnen, wo ihm doch signalisiert wird, dass die andere Schreibweise keine Korrektur seiner falschen Schreibweise darstellt, sondern nur eine andere Version der Schreibung.

Das ist De-Motivation par excellence. Es ist Arbeitsverweigerung durch Lehrer, und es ist unfair den Schülern gegenüber, die spätestens beim Übergang von der Grundschule in eine weiterführende Schule davon getroffen werden, dass ab jetzt nur noch eine richtige Schreibung gibt (oder aus Sicht der Kinder zu geben scheint) und nicht mehrere. Dann aber scheint es für ein Umlernen zu spät zu sein, wie die Klage von Ausbildern in Unternehmen und die Erfahrungen von Kruck, die oben beschrieben wurden, zeigen [wobei man sich schon fragen muss, wie Studenten trotz offensichtlicher Rechtschreibschwäche zu einem Abitur gekommen sind].

Ganz nebenbei vermittelt die Reichen-Methode Schülern den Eindruck, man könne spielend lernen und sich Bildung nebenbei aneignen, ein fataler Irrtum, der auch unter Politikern weit verbreitet ist. Bildung, das hat schon Bourdieu beobachtet, ist nichts, was man sich anhand von Symbolen aneignen kann, und selbst wenn man in der Lage ist, sich mit der Kenntnis von Autorennamen zu schmücken, so wird doch schnell deutlich, wer mehr, als den Klappentext eines Buches gelesen hat.

Das führt zum nächsten Irrtum schulischer Erziehung, der dieses Mal von Eltern geteilt wird. So vertritt man bei der Landeselternschaft Grundschule NRW die Ansicht: “Kinder werden den Spaß am Schreiben und Erlernen der Rechtschreibung verlieren”, wenn man sie durch die klassische Methode des richtigen Schreibens von Anfang an in ein Gerüst aus Regeln presse.

Einmal davon abgesehen, dass die Eltern, wenn sie ihren Kindern das spielerische Erlernen des “Lesens durch Schreiben” nach Jürgen Reichen verordnen, eben diese Kinder, die sie vor dem Korsett der klassischen Methode bewahren wollen, in das Korsett der nicht-klassischen Methode zwängen, ist der zitierte Satz das Zeugnis einer infantilisierten Gesellschaft, in der alles, was mit Anstrengung verbunden ist, negativ konnotiert und von Kindern ferngehalten werden muss. Folglich deprivieren die besorgten Eltern ihre eigenen Kinder von der befriedigenden Erfahrung, die auch Kinder haben, wenn sie sich durch Arbeit gezwungen haben, etwas zu erlernen. Die besorgten Eltern deprivieren ihre Kinder von der Erfahrung einer Selbstwirksamkeit, die daraus erwächst, dass die entsprechenden Kinder einen Anspruch, der an sie gestellt wurde, erfüllt haben.

Das nennt man auch Vernachlässigung. Und das Schlimme an dieser Art von Vernachlässigung ist, dass die darunter leidenden Kinder nie erfahren werden, welches Potential in ihnen schlummert, zu welchen Leistungen sie fähig sind, denn man hat ihnen einen spielerischen Zugang verordnet und eines als vollkommen unzumutbar und außerhalb aller pädagogischen Möglichkeiten verortet: Die Kinder zu fordern.

PISA zeigt: Genderismus schadet Mädchen

Durch alle deutsche Blätter dröhnt die gleiche (dpa-)Meldung: Mädchen haben Angst vor Mathematik!

Warum nur? Immerhin werden sie für gleiche Leistungen besser benotet als Jungen.

Da sich im Bericht der PISANER nur Vermutungen finden, haben wir uns der Daten der PISA-Studie bemächtigt, und eine eigene Berechnung angestellt.

Unsere Hypothese: Schuld an der Angst der Mädchen ist der Genderismus, denn Genderismus verstärkt in Mädchen Angst und Hilflosigkeit und zerstört Selbstbewusstsein.

Warum?

cause and effect1) Genderismus versucht Mädchen einzureden, sie würden benachteiligt, wären von bösen rationalen Männern umgeben, die sie entweder ihrer naiven Intuition berauben oder auf sonst eine nicht geklärte Art und Weise benachteiligen, behindern oder … was auch immer wollen.

2) Genderismus, der angeblich von befreiten und emanzipierten Frauen predigt, erzählt gleichzeitig, dass befreite und emanzipierte Frauen nur mit HIlfe von Vater Staat möglich sind.

3) Die schrecklich maskuline Welt, der sich aus Sicht des Genderismus Frauen und Mädchen gegenüber sehen, ist durchsetzt mit männlichen Domänen, die gegen den Zugriff von Frauen und Mädchen verteidigt werden: Die Führungspositionen in der Wirtschaft, die Lehrstühle in der Wissenschaft, die Mathematik und vieles mehr.

1 + 2 basieren auf der Prämisse, dass Mädchen und Frauen hilflose Wesen sind, die nicht selbständig emanzipiert sein können, sondern emanzipiert werden müssen. Ergänzt man noch 3, dann folgt daraus, dass Mädchen und Frauen hilflos männlichen Domänen gegenüberstehen.

Mathematik ist eine männliche Domäne, so behauptet der Genderismus, und deshalb haben Mädchen Angst davor.

Und diese Angst, die haben die PISANER gemessen, und zwar über die Zustimmung zu folgenden Aussagen:

  • scared emoticonIch habe Angst, dass der Mathematikunterricht schwierig für mich sein wird.
  • Ich verkrampfe, wenn ich Mathematikhausaufgaben erledigen soll.
  • Ich werde nervös, wenn ich ein Mathematikproblem lösen soll.
  • Ich fühle mich hilflos, wenn ich ein Mathematikproblem lösen soll.
  • Ich habe Angst, dass ich schlechte Noten in Mathematik bekomme.

Diese Aussagen wurden Jungen und Mädchen in 56 Ländern vorgelegt, und sie wurden gefragt, ob sie der jeweiligen Aussage zustimmen oder nicht. So stimmen z.B. 45,7% der Jungen und 60,5% der Mädchen der ersten Aussage zu, dass sie Angst haben, dass der Mathematikunterricht zu schwierig für sie ist. Im vorliegenden Fall haben also 14,8% mehr Mädchen angeben, sie hätten Angst, dass der Mathematikunterricht zu schwierig für sie sein wird, als Jungen. Diese Differenz ist die Zahl, die uns interessiert.

Wir haben sie für 54 der 56 Länder (Makao und Shanghai haben wir nicht berücksichtigt) und für jede der oben genannten Aussagen in einen neuen Datensatz überführt.

Dogan NationsUnd dann haben wir uns an Mattei Dogan und Dominique Pelassi erinnert, die den Klassiker “How to Compare Nations” schon vor Jahrzehnten geschrieben haben, in dem sie u.a. das “most-different country design” als Methode des internationalen Vergleichs vorstellen.

Was, so haben wir uns gefragt, sind für unsere Hypothese Länder, die eine maximale ideologische Distanz zum Genderismus aufweisen, und es war nicht schwierig, bei muslimischen Ländern als der letzten Trutzburg gegen die Horden des Genderismus anzukommen. In muslimischen Ländern gibt es keine Frauenquote, es gibt keine Unisex-Toiletten, keine Professorinnenprogramme, keine Notwendigkeit, Sexualität in aller Öffentlichkeit zu verhandeln und keine Notwendigkeit, an der Sprache herumzulaborieren, weil sie nicht so ist, wie Genderisten sie gerne hätten. Ein optimaler Gegenpol für unsere Forschung.

Im nächsten Schritt haben wir deshalb aus den Daten des WorldFactbooks, das der CIA netterweise bereitstellt, die Anteile von Muslimen an der Bevölkerung über die Religionszugehörigkeit für die 54 Länder bestimmt und die entsprechenden Anteile dann mit den Differenzen der Angaben zwischen Jungen und Mädchen zu den Aussagen oben auf Länderebene korreliert.

Hier das Ergebnis:

Aussage Korrelation
Ich habe Angst, dass der Mathematikunterricht schwierig für mich sein wird. -0,53
Ich verkrampfe, wenn ich Mathematikhausaufgaben erledigen soll. -0,50
Ich werde nervös, wenn ich ein Mathematikproblem lösen soll. -0,52
Ich fühle mich hilflos, wenn ich ein Mathematikproblem lösen soll. -0,65
Ich habe Angst, dass ich schlechte Noten in Mathematik bekomme. -0,54
Index aus allen fünf Aussagen -0,64

Der Korrelationskoeffizient gibt an, wie sich die Differenz zwischen Jungen und Mädchen im Hinblick auf die vier Aussagen und einen Summenindex, den wir aus den vier Aussagen gebildet haben, im Verhältnis zum Anteil der muslimischen Bevölkerung verändert. Die Ergebnisse sind beeindruckend:

Die Differenz der Angaben zwischen Mädchen und Jungen wird geringer, je höher der Anteil an Muslimen in einer Gesellschaft ist. Anders formuliert, je mehr Mädchen im Vergleich zu Jungen einer der Aussagen oder allen Aussagen zustimmen, desto geringer ist der Anteil der Muslime in der entsprechenden Gesellschaft.

Dies gibt einen Hinweis darauf, dass die Angst vor Mathematik, die Mädchen deutlich öfter als Jungen in Ländern haben, in denen der Genderismus sich als Ideologie etablieren konnte, eben diesem Genderismus geschuldet ist, der es anscheinend dadurch, dass er Mädchen auf die Rolle des unterdrückten Opfers festlegt, dem das ratonale Denken fremd ist, das vor kalter Ökonomie zurückschreckt und das ingsesamt ein Dummchen ist, dem geholfen werden muss, und in jahrzehntelanger Kleinarbeit geschafft hat, das Selbstbewusstsein von vielen Mädchen zu zerstören, und zwar gründlich.

PISA-Studie – Peinlichkeiten in sämtlichen Aussagen

Es gibt wieder eine PISA-Studie: “The ABC of Gender Equality in Education – Aptitude Behaviour, Confidence”, so heißt die Studie, die in der deutschen Presselandschaft das folgende Echo gefunden hat:

Wie der Titel aus der Berliner Zeitung zeigt: Es wurden auch Jungen in der OECD-Studie berücksichtigt, ein Schluss, zu dem man nicht unbedingt kommen muss, wenn man die restlichen Titel der Zeitungen betrachtet.

Insgesamt ist sich die Pressewelt weitgehend einig, dass die OECD-Studie deshalb relevant ist, weil sie Probleme bei Mädchen ausgemacht hat.

Einige wenige Zeitungen scheren aus der Einheitsfront der um Mädchen Besorgten aus:

The ABC of Gender Equality in EducationNehmen wir das Ergebnis, das die deutsche Presselandschaft am wenigsten interessiert, gleich vorweg: Jungen haben einen höhere Wahrscheinlichkeit, im PISA-Test die Kompetenzstufe  2 nicht zu erreichen als Mädchen.

In Deutschland sind die entsprechenden Unterschiede signifikant, aber offensichtlich uninteressant, denn nur der Wirtschaftswoche und der Neuen Osnabrücker Zeitung ist dieses Ergebnis eine Meldung wert.

Erzielt wurde dieses Ergebnis über alle Kompetenzstufen hinweg, d.h. betrachtet man die rudimentärsten Kenntnisse in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft, die in den PISA-Tests abgefragt werden, dann sind 6 von 10, die diese Kenntnisse nicht erreichen, Jungen.

Man stelle sich vor, dieses Ergebnis wäre umgekehrt, das Medienecho wäre mit Sicherheit ein anderes. So aber sind es nur Jungen, die schlechter abschneiden als Mädchen, und man hat sich ja daran gewöhnt, dass Jungen seltener auf Gymnasien ankommen, seltener ein Abitur machen und zwischenzeitlich auch seltener studieren als Mädchen und vor allem daran hat man sich gewöhnt, dass Jungen häufiger auf Haupt- und Sonderschulen enden als Mädchen und letztlich auch häufiger ohne einen Schulabschluss bleiben als Mädchen. Wozu sich noch über diese Punkte sorgen?

Kein Funktionär in Politik, Gewerkschaft oder Bildung will daran etwas ändern, also legen wir diese störenden Fakten aus der Realität beseite und wenden uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu: Hysterie und moralischer Panik, denn in der neuen PISA Studie, die auf den Ergebnissen aus 2012 basiert, in dieser PISA-Studie wurde ein schockierendes, ein unglaubliches, ein den gesellschaftlichen Fortbestand gefährdendes Ergebnis gefunden, hinter dem die Tatsache, dass viele Jungen bereits in der Schule aussortiert werden und ihre Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, minimiert, wenn nicht beseitigt werden, verblasst:

Presse PISA 2015“Mädchen sind schlechter in Mathematik als Jungen und stimmen eher der Aussage zu ‘Ich bin einfach nicht gut in Mathe'”. Das weiß die Tagesschau zu berichten. Mädchen trauen sich Mathe einfach nicht zu, wird daraus geschlossen. Und im Bericht der OECD ist dieser Schocker wie folgt beschrieben: “In der Mehrzahl der PISA-Teilnehmerländer und -volkswirtschaften schneiden leistungsstarke Mädchen in Mathematik schlechter ab als leistungsstarke Jungen; bessere Ergebnisse erzielen sie nirgends. Mädchen vertrauen im Allgemeinen weniger in ihre mathematischen und naturwissenschaftlichen Fähigkeiten. Sie leiden laut eigener Aussage auch häufiger unter Mathematikangst, selbst wenn sie ingesamt hohe Leistungen erzielen”.

Ist das nicht schockierend? Was sind die Tausende von Jungen, die nicht einmal das rudimentärste Kompetenzlevel erreichen, was die hunderttausende Jungen, die seit wir 2002 auf die Nachteile von Jungen hingewiesen haben, ohne Schulabschluss und Chance auf dem Arbeitsmarkt geblieben sind, gegenüber der Angst von leistungsstarken Mädchen vor Mathematik? Wie immer, wenn die Hysterie sich in eine moralische Panik steigert, verblasst die Realität zur Unkenntlichkeit.

Selbst Ergebnisse, die es seit dem Jahre 2007 gibt, verblassen dann, weil es gerade so bequem ist, sie zu vergessen, denn könnte oder wollte man sich erinnern – z.B. daran, dass Mädchen trotz schlechterer Leistungsfähigkeit in PISA mit Blick auf ihre schulische Bewertung und proportional zu Jungen besser benotet werden, es würde die eigene Hysteriefähigkeit beeinflussen.

So hat Heike Diefenbach im Jahre 2007 die Mathematiknoten von PISA-Teilnehmern mit deren PISA-Leistungen verglichen und Folgendes festgestellt: ”

Soziale Arbeit mit Jungen und Maennern“Berechnet man weiter die Anteile von Jungen und Mädchen, die gemessen an den erreichten Punktzahlen im Mathematiktest [in PISA] über- oder unterbewertet sind [also keine korrespondierenden Noten erhalten], so zeigt sich, dass der Anteil derer, die bei der Benotung unterbewertet wurden, unter den Jungen deutlich größer ist als unter Mädchen (26,9% vs. 19,7%), während der Anteil derer, die der erreichten Punktezahl entsprechend benotet (19,8% vs. 22,5%) oder überbewertet (53,3% vs. 57,8%) wurden, unter Mädchen größer ist als unter Jungen.” (Diefenbach, 2007: 104).

Mit anderen Worten, es ist gar nicht notwendig, dass Mädchen Angst vor Mathematik haben, denn sie werden sowieso eher besser benotet als es ihren Leistungen im Test entspricht, während Jungen eher schlechter benotet werden, als es ihren Leistungen entspricht. Also kein Grund zur Sorge. Warum die PISA-Analysten nicht untersucht haben oder rezipiert haben, was Heike Diefenbach 2007 auf Basis der PISA-Daten von 2003 untersucht hat, ist uns ein Rätsel. Vermutlich ist das Ergebnis, dass Mädchen bei der Notengebung gegenüber Jungen bevorzugt werden, politisch gerade nicht erwünscht, oder es stört, wenn man gerade so schön dabei ist, sich in Hysterie und eine moralische Panik hinein zu steigern.

Was kann man tun, um die drohende gesamtgesellschaftliche Katastrophe, die sich daraus ergibt, dass Mädchen behaupten, sie hätten Angst vor Mathematik, noch abzuwenden?

Hier so meint man bei der OECD sind Eltern und Lehrer gefordert, steht doch zu befürchten, dass sie den Mädchen falsche Rollenbilder vorleben oder geringe Erwartungen an die Armen herantragen, die daraus den falschen Schluss ziehen, Angst vor Mathematik zu haben und deshalb schlechter abschneiden als sie es würden, würde man keine falschen Rollenbilder und keine geringen Erwartungen an sie herantragen. Denn: Mädchen sind Wesen, die willenlos auf der Welle der Erwartung in Richtung vorgegebener Rollenbilder treiben, und deshalb muss man den die Hilflosen tragenden Strom in die richtigen Kanäle lenken.

Ganz anders Jungen. Wir erinnern uns an Jungen? Die kommen auch in der PISA-Studie vor und ihnen, also nicht Jungen, sondern den Jungen, die nicht einmal Kompetenzniveau 2 erreichen, also Jungen, die kaum des Rechnens oder Lesens fähig sind, ist auch ein Kapitel im Bericht gewidmet, eines über Underperformance. Diese männlichen Underperformer  sie sind selbst an ihrer Misere schuld, denn sie sind nicht wie Mädchen willenlose Trottel, die von Lehrern und Eltern falsch gesteuert werden, nein Jungen sind selbst für ihr schlechtes Abschneiden zuständig, so kann man staunend in diesem PISA-Machwerk lesen, denn:

  • picard facepalmJungen spielen häufiger Videospiele als Mädchen;
  • Jungen verbringen mehr Zeit vor dem Computer und im Internet als Mädchen;
  • Jungen spielen häufiger Schach oder programmieren Computer als Mädchen;
  • Jungen haben häufiger negative Einstellungen gegenüber der Schule als Mädchen;
  • Jungen kommen häufiger zu spät zur Schule als Mädchen;
  • Und:
  • Jungen lesen seltener außerhalb der Schule als Mädchen;
  • Jungen machen weniger Hausarbeiten als Mädchen;

Ja. Und deshalb soll es mehr Jungen als Mädchen geben, die Kompetenzstufe 2 nicht erreichen.

Die Welt der PISA-Analysten ist so peinlich einfach, dass man sich fragt, ob die PISA-Konsortien aus wissenschaftlichen Underperformern rekrutiert werden. In ihrer einfachen Welt, in der Mädchen nur passiv und willenlos und Jungen nur aktiv und willensstark vorkommen, stellt sich z.B. nicht die Frage, warum Jungen häufiger spät zur Schule kommen als Mädchen, warum sie häufiger negative Einstellungen gegenüber der Schule haben als Mädchen?

Es ist kaum zu erwarten, dass Jungen mit negativen Einstellungen gegenüber der Schule geboren wurden. Wahrscheinlicher ist es, dass sie die entsprechenden negatven Einstellungen auf der Grundlage der Erfahrungen, die sie in der Schule gemacht haben, entwickelt haben. Gesteht man diese Möglichkeit zu, dann stellt sich die Frage, was für Erfahrungen Jungen häufiger als Mädchen in der Schule machen? Sind dies Erfahrungen, dass man bei gleicher oder besserer Leistung schlechter benotet wird als Mädchen, dass man als Junge von Lehrern benachteiligt wird, dass man sich ständig den Unsinn über die Benachteligung von Mädchen anhören muss? Deutsche Schulen werden mittlerweile von einer Mehrzahl von weiblichen Lehrern bevölkert, das mag ein Grund dafür sein, dass Jungen der Schule den Rücken kehren.

Aber selbst wenn man diesen Schluss nicht ziehen will, dann wird man gleiches Recht für alle gelten lassen müssen und zumindest in Erwägung ziehen müssen, dass die Lehrer, die nach Ansicht der PISA-Analysten Mädchen falsche (Rollen-)Erwartungen entgegenbringen, so dass Mädchen Angst vor Mathematik entwickeln,  auch Jungen falsche (Rollen-)Erwartungen entgegen bringen, was zur Folge hat, dass Jungen das Kapitel Schule abhaken.

Und abhaken sollte man auch diese PISA-Geschlechterstudie, die eine Peinlichkeit empirischer Sozialforschung darstellt, eine Aneinanderreihung von “wie-hätte-ich-es-gerne-Aussagen” darstellt (oder was hat Schachspielen und Computer programmieren oder Videospiele spielen damit zu tun, dass Jungen Kompetenzlevel 2 nicht erreichen?) und in einer Aussage kumuliert, die an Peinlichkeit wirklich nicht mehr zu übertreffen ist:

math_solution“Fazit: PISA zeigt, das[s] geschlechtsspezifische Unterschiede bei den schulischen Leistungen nicht auf natürliche Begabungsunterschiede zurückzuführen sind”.

PISA zeigt das natürlich nicht, denn es wurde im Rahmen von PISA keine neurologische Untersuchung durchgeführt. Vielmehr ist diese Aussage ein Schluss, gezogen aus der Beobachtung, dass Mädchen nicht in allen Nationen, die an PISA teilgenommen haben, in Mathematik hinter Jungen zurückbleiben.

Jungen sind auch im Fazit für die PISA-Analysten irrelevant.

Aber es ist erfreulich, dass die PISA-Analysten einerseits bei den Erkenntnissen ankommen, bei denen die Bildungsforschung in den 1950er Jahren bereits angekommen war, andererseits ist es erschreckend zu sehen, welche Vorurteile die PISA-Analysten mit sich herumgetragen haben, scheinen sie doch gedacht zu haben, es gebe biologische Geschlechtsspezifika, die das Erlernen von Inhalten in Mathematik und Naturwissenschaft determinieren.

Man fragt sich unwillkürlich: Wenn die Spezialisten der OECD das gedacht haben, auf welche (eigene) Erfahrung mit ihren Fähigkeiten bzw. nicht vorhandenen Fähigkeiten gründete sich diese Überzeugung? Und: Wenn die PISA-Analysten das all die Jahre und bis gerade eben gedacht haben, wie konnten sie dann stumm beiseite stehen und die Überflutung von Schulen mit aufgrund ihrer Biologie inkompetenten weiblichen Lehrern geschehen lassen?

Fragen über Fragen an ein peinliches Machwerk, das man besser heute als morgen dem Schredder übergibt.

Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115.

Versuche am lebenden Schüler in Schleswig-Holsteins Grundschulen

Jean Jacques Rousseau hat in seinem Emile dafür plädiert, Schüler so lange wie nur möglich vor gesellschaftlichen Einflüssen und gesellschaftlicher Einflussnahmen zu schützen, sie quasi in einem extra-gesellschaftlichen Schutzraum aufwachsen zu lassen. So utopisch und illusionär diese Vorstellung heute auch sein mag, man kann sie immer besser verstehen.

Die Landesregierung in Schleswig-Holstein hat beschlossen, Versuche an Grundschülern zuzulassen. Die grundsätzliche Entscheidung, dass Versuche an Grundschülern durchgeführt werden, ist längst getroffen. Die Frage, die derzeit und angeblich vom Sozialministerium geprüft wird, ist: welche Versuchsanordnung ist die richtige, um Schüler zu den gewünschten Marionetten zu erziehen, oder wie es die Kieler Nachrichten formulieren:

“Die Landesregierung will schon bei Grundschülern Vorbehalte gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle abbauen.”

Dazu ist zunächst Folgendes anzumerken:

Es gibt keinerlei uns bekannte Forschung, die belegen würde, dass Grundschüler überhaupt Vorbehalte gegen Lesben, Schwule und Transsexuelle haben, dass sie überhaupt wissen, was Lesben, Schwule und Transsexuelle sind bzw. was es bedeutet, sich einer der entsprechenden Gruppen zuzuordnen.

Es gibt bislang keinerlei uns bekannte Forschung dazu, wie sozialtechnologische Versuche, die in der Grundschule unternommen werden, sich im weiteren Verlauf des Lebens der Versuchs-Grundschüler auswirken, ob positiv oder negativ oder überhaupt, das ist eine offene Frage.

Schließlich wollen wir nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass es die Sorge und Aufgabe einer Landesregierung sein sollte, Grundschülern Rechnen und Schreiben beizubringen und z.B. dafür zu sorgen, dass Jungen nicht benachteiligt werden und Kinder aus der Arbeitschicht die gleiche Chance haben, ein Abitur zu erreichen, wie Kinder aus der Mittelschicht.

Aber: Politiker, vor allem dann, wenn sie sich in Machtpositionen wähnen, versuchen Themen aus ihrem Möglichkeitsraum umzusetzen, also aus dem Fundus von Themen, die ihnen in ihrem täglichen Leben begegnen. Und aus dem, was die Landesregierung in Schleswig-Holstein für relevant hält, muss man schließen, dass den Mitgliedern der Landesregierung im täglichen Leben ständig schwule, lesbische oder transsexuelle Menschen über den Weg laufen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Mitglieder der Landesregierung erheblich von einem Normalbürger, der bestenfalls gelegentlich mit entsprechenden Menschen konfrontiert ist, wenn überhaupt (und in der Regel, ohne es zu wissen, schon weil die meisten zwischen Privatheit und öffentlichem Leben unterscheiden können), was auch kein Wunder ist, denn bundesweit gibt es derzeit  68.268 Lebenspartnerschaften zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, in denen 3.794 Kinder aufwachsen.

Aber, nichts ist selten genug, als dass es nicht in der Grundschule bereits thematisiert werden müsste, und zwar so:

Regenbogennormalitaet

Eine Einschulung erfolgt in der Regel mit 6 Jahren, die Beispielaufgabe wird entsprechend 9- und 10jährigen zugemutet.

Wir haben an dieser Stelle weder Lust noch Zeit abermals darauf hinzuweisen, dass eine Grundschule kein Ort für Indoktrination ist. Es ist lohnender, die Absicht der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung Grundschülern Kinder wie Carol, die bei ihrer “Mutter und deren Lebenspartnerin” lebt und Ergebnis einer künstlichen Befruchtung ist, als Normalität auszuweisen, zu analysieren.

Wir tun dies aus politikwissenschaftlicher und soziologischer Sicht und anhand der folgenden drei Stichpunkte:

  • Deutsche Demokratische Wende
  • Glaube an Sozialtechnologie
  • Schülerversuche und unbeabsichtigte Folgen

Deutsche Demokratische Wende

ist ein Begriff, den wir hiermit einführen, um eine Verballhornung von Demokratie zu beschreiben. In Demokratien gilt die Herrschaft der Mehrheit. Damit diese Herrschaft nicht despotisch über den Kopf von Minderheiten hinweg erfolgt, gibt es das Prinzip des Minderheitenschutzes. Die Deutsche Demokratische Wende (DDW) hat diese Beziehung verkehrt und sieht Minderheiten der Mehrheit vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben, ganz so als hätte die Mehrheit beschlossen, sich dem Diktat der Minderheit zu unterwerfen.

Nun ist das, was in Demokratien beschlossen und in Gesetze gegossen wird, das Ergebnis von Aushandlungsprozessen zwischen Vertretern unterschiedlicher Interessen, im günstigsten Fall, im ungünstigsten Fall ist es das Ergebnis einer Interessen-Hegemonie, d.h. davon, dass es bestimmten Interessenvertretern gelingt, ihre Interessen quasi nach Belieben durchzusetzen.

DDW zeichnet sich durch eine derartige Interessen-Hegemonie aus. Es ist wirklich erstaunlich, wie es einem kleinen Häuflein gut organisierter, vermeintlicher Vertreter der Interessen von Schwulen, Lesben und Transsexuellen gelungen ist, ihre Interessen bis in Grundschulen hinein und gegen den Willen vieler Eltern durchzusetzen. Offensichtlich wird diese Interessen-Hegemonie dadurch befördert, dass es den entsprechenden Interessenvertetern gelingt, sich als moralisch überlegen darzustellen und von ihrem moralischen Olymp aus, von anderen Akzeptanz und Toleranz zu fordern.

Bislang hat sich kein institutionalisierter Politikwissenschaftler an die Erklärung dieses doch erstaunlichen Umstands gewagt. Niemand interessiert sich für die Interessen-Seilschaften, die zwischen Schwulen- und Lesbenverbänden und Landesregierungen bestehen müssen. Das Thema ist heiß und moderne Wissenschaftler zeichnen sich durch eine blasierte Kälte ihrem Fach gegenüber aus, die man auch als unimaginative Form einer vorauseilenden Feigheit beschreiben kann.

Der Glaube an die Sozialtechnologie

Grundschule SchmidenDer Glaube an die Sozialtechnologie meint heute: die Erziehung zur Gutheit. Da Gutheit ein normativer Begriff ist, ist eine Definition von Gutheit Voraussetzung der entsprechenden Sozialtechnologie, was zurückverweist auf den Erfolg, den Schwulen- und Lesbenverbände damit hatten, ihre Lebensform als Form des guten und richtigen Lebens zu etablieren und Kritik daran als Homophobie zu brandmarken. Mit dem Kultstatus, den Akzeptanz und Toleranz von sexueller Abweichung vom Mainstream derzeit genießt, geht der Glaube einher, dass man dieselbe Akzeptanz und Toleranz einerseits verordnen, andererseits Schülern eintrichtern könne.

Die Idee, man könne Menschen wie Automaten programmieren, sie in Grundschulen zu toleranten und alles akzeptierenden Robotern erziehen und alles, was die derzeitigen Politiker als negativ ansehen, quasi aberziehen, ist eine Idee, die nur Personen haben können, die vom Leben und seiner Mannigfaltigkeit (oder sollen wir sagen: Diversität?) nichts wissen.

Dass sie nichts wissen, macht sie so gefährlich, denn die Unkenntnis lässt sie nicht davor zurückschrecken, Schülerversuche durchzuführen.

Wir haben oben bereits auf die fehlende Forschung hingewiesen, daher in aller Kürze:

  • Niemand weiß, welche psychischen Folgen es bei Schülern hat, wenn ihnen im Alter von 9 oder 10 Jahren die Beschäftigung mit Sexualität zwangsverordnet und sie zur Toleranz gegenüber Lebensformen, die die meisten von ihnen nicht kennen oder vorstellen können, abkommandiert werden.
  • Niemand weiß, ob Schüler, die zur Akzeptanz indoktriniert werden sollen, diese Akzeptanz auch dauerhaft zeigen, ob sie sie überhaupt zeigen oder ob sie mit Reaktanz und entsprechend nicht-Akzeptanz reagieren.
  • Die Schulversuche, wie sie in Schleswig-Holstein durchgeführt werden, haben mit einem Bildungsauftrag nichts gemein. Es sind offene Versuche, in die Persönlichkeitsbildung von Schülern einzugreifen und sie in eine bestimmte Richtung zu lenken.
  • Die Darstellung von schwulen Lebensentwürfen ohne einen Verweis auf Gefahren, wie sie von AIDS ausgehen, ist fahrlässig und weist eine mangelnde Abzeptanz und Verantwortungsbereitschaft für die Folgen, die die entsprechenden Lebensentwürfe haben können, aus.
  • Die Darstellung von Familien als Konsumgut, bei dem man sich zunächst entscheidet, welches Geschlecht man gerne hätte, um sich dann, je nach Notwendigkeit ein Kind zu bestellen, austragen zu lassen oder im Reagenzglas züchten zu lassen, ist eine Darstelung von Konsumerismus, die man nicht mehr als moralisch integer ansehen kann.

Schülerversuche und unbeabsichtigte Folgen

Niemand kann alle Folgen seiner Handlungen vorhersehen. Das ist eigentilch bekannt, und damit zu erklären, dass es niemanden gibt, der in die Zukunft schauen kann, Handlungen aber jetzt ausgeführt werden und in die Zukunft wirken. Das ist eine solche Binsenweisheit, dass man sich fragt, wieso es Personen in Positionen geben kann, die diese Binsenweisheit nicht kennen.

Weil niemand in die Zukunft sehen kann, deshalb versucht man, die Folgen von Handlungen einzuschätzen, z.B. durch wissenschaftliche Forschung, die zeigt, welche Konsequenzen von Handlungen wahrscheinlich zu erwarten sind und welche nicht bzw. man versucht, bekannte negative Effekte auszuschließen.

Die Schleswig-Holsteinische Landesregierung ist offensichtlich voller Hazardeure, die jedoch nicht mit dem eigenen, sondern mit dem Leben von Schülern zu spielen bereit sind. Ohne auch nur einen Funken von belastbarer Forschung, der man die Folgen einer Indoktrination von 9. und 10jährigen mit Regenbogenideologie entnehmen könnte, zu haben, wird munter am lebenden Schüler experimentiert, ganz nach dem Motto, ich will nur Gutes, also muss auch Gutes dabei herauskommen. Naiver und unverantwortlicher kann man sich nicht mehr anstellen.

Die Schleswig-Holsteinische Landesregierung spielt nicht nur absichtlich mit der phsychischen Gesundheit von Schülern, sie nimmt auch Rückschläge, die man vorhersehen kann, in Kauf, vermutlich aus derselben Ignoranz heraus, aus der sie Schülerversuche zulässt.

Was wird wohl passieren, wenn man 9- und 10jährigen in der Schule von Kindern erzählt, die in den oben beschriebenen Regenbogenfamilien aufwachsen? Die Kinder werden damit nichts anfangen können, denn die meisten, wenn nicht alle werden in einer normalen Familie oder bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen (Alleinerziehende Elternteile sind derzeit offensichtlich unter Gutmenschen out). Also werden Sie sich mit dem, was sie in der Schule an für sie unbekannter und angeblicher Normalität gelernt haben, an ihre Eltern wenden.

Echte EinfaltUnd was tun diese Eltern wohl, wenn sie urplötzlich mit einer Frage ihres 9- oder 10jährigen konfrontiert sind, die die eigene gelebte Normalität in der heterosexuellen Beziehung in Frage stellt? Sie werden im günstigsten Fall ihren Kindern erzählen, dass das, was sie in der Schule gelernt haben, im normalen Leben nicht vorkommt, und sie werden sich im ungünstigsten Fall, weil das, was ihren Kindern vermittelt wird, tiefsitzende Normvorstellungen verletzt, heftig und mit entsprechendem Ärger dagegen zur Wehr setzen. In jedem Fall werden die Schüler mit zwei konkurrierenden Normalitäten umgehen müssen und sich zwischen der Normalität, die ihnen in der Schule vorgespielt wird und der, die sie von zu Hause kennen, entscheiden müssen.

Wir halten es für weder fair noch vertretbar, Grundschüler vor eine solche Wahl zu stellen. Vielmehr zeigt sich an dieser Stelle die Verantwortungslosigkeit, mit der offenkundig ignorante und von allen wissenschaftlichen Erkenntnissen bare Politiker, Interessenvertreter und Gutmenschen aller Art, Schüler und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen, um sich selbst als guter Mensch inszenieren zu können und beim nächsten Treffen mit Gleichgesinnten sich im warm glow der eigenen angeblichen Toleranz und Akzeptanz zu wärmen, der doch nicht so weit reicht zu akzeptieren, dass es der Anstand (um nicht zu sagen, die Moral) verlangt, Grundschüler eben nicht als Kollateralschaden für die Durchsetzung der eigenen Interessen ggf. in Kauf zu nehmen.

Vielmehr sind Grundschüler als Menschen in eigenem Recht zu akzeptieren und zu tolerieren und das schließt es aus, sie als Versuchs-Schüler zu benutzen.

Im Übrigen : Toleranz kann man nicht anerziehen, schon gar nicht in inhaltlich konkreter Weise, denn Toleranz ist ein Lebensprinzip, das man entweder hat oder nicht. Das beste, was die Kieler Grundschülerversuche zu bewerkstelligen in der Lage sein werden, ist Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben, als eintrainierte Reaktion auf den Stimulus “Schwule und Lesben”. Diese Toleranz wird sich entsprechend nicht auf andere, Migranten, Politiker, Landespolitiker, Bayern oder Katholiken etc. erstrecken.

©ScienceFiles, 2015

Ideologie, nicht Leistung, bestimmt den Schulabschluss

Die soziale Stratifizierung in Deutschland wird, wie in kaum einem anderen Land, durch das Bildungssystem aufrecht erhalten: Wer als Kind aus der Arbeiterschicht eingeschult wird, wird in der Regel der Arbeiterschicht erhalten bleiben, ein Bildungsaufstieg ist ihm weitgehend verwehrt. Die Schule ist, wie Soziologen (Charlotte Lütkens (1971) oder Hans-Günter Rolff (1967)) schon früh festgestellt haben, eine Institution, die sich aus Mitgliedern der Mittelschicht rekrutiert und die entsprechend darüber wacht, dass der Abstand zwischen Mittelschicht und Arbeiterschicht erhalten bleibt.

bildungstrichter1Wir können an dieser Stelle da weitermachen, wo wir gestern aufgehört haben: Bei der Social Dominance Theory (Sidanius & Pratto, 1999). Im Rahmen dieser Theorie erklärt sich die Persistenz der deutschen Sozialstruktur, die eine vertikale Mobilität aufweist, die man als fast nicht vorhanden bezeichnen kann, als Ergebnis einer hierarchy enhancing strategy, mit der Mitglieder der Mittelschicht versuchen, ihren Status gegen Mitglieder aus der Arbeiterschicht zu verteidigen und zu verhindern, dass MItglieder aus der Arbeiterschicht an die Ressourcen gelangen, die die Mitglieder der Mittelschicht für sich reserviert haben (also z.B. die Mittelschichtsjobs, bei denen man keine schmutzigen Hände bekommt und für die man aus welchen Gründen auch immer ein Abitur und ein Hochschulstudium benötigt).

Nun stehen Theorien wie die Social Dominance Theory immer vor dem Problem, dass es im täglichen Leben nur individuelles Verhalten gibt, die Theorie aber Aussagen über das Verhalten einer Gruppe macht, im vorliegenden Fall über das Verhalten der Mittelschicht. Die Frage, die sich daraus ergibt, lautet: Wie schafft man es, dass sich Mitglieder einer Gruppe, Mitglieder der Mittelschicht gleich verhalten, dass sie gleichgeschaltet werden? Die Antwort ist einfach: Durch einen gemeinsamen Mythos, durch eine Ideologie, die die Mitglieder der Gruppe teilen. Der Mythos ist ein konstitutives Gruppenelement, eine Art Geburtsmythos, gleich der Schaffung der Welt in sieben Tagen, dem Grundmythos der christlichen Kirche.

Ein Mythos der Mittelschicht, mit dem die Angehörigen derselben dafür sorgen, dass Kinder aus Arbeiterfamilien keine Chance auf sozialen Aufstieg haben, weil sie frühzeitig ausgesondert oder auf Hauptschulen bzw. bestenfalls Realschulen verteilt werden, geht etwa so:

Um auf dem Gymnasium bestehen zu können, benötigen Schüler die Hilfe der Eltern. Eltern aus der Mittelschicht kümmern sich intensiver um ihre Kinder und geben ihnen mehr Hilfestellung in schulischen Fragen, vom Nachhilfelehrer bis zum Vorlesen und gemeinsamen Erarbeiten der Hausarbeiten als dies Eltern aus der Arbeiterschicht tun. Allgemeiner: Mittelschichtseltern erziehen besser, zeigen effizientere Erziehungspraktiken als Eltern aus der Arbeiterschicht. Und weil dem so ist, weil Kindern aus Mittelschichtsfamilien zuhause eine größere Unterstützung zuteil werden soll, haben sie eine höhere Erfolgsaussicht auf Gymnasien als Kinder aus der Arbeiterschicht, und deshalb erhalten Kinder aus der Mittelschicht selbst bei schlechterer Leistung als Kinder aus der Arbeiterschicht häufiger eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium als Kinder aus der Arbeiterschicht.

Dass es sich dabei um einen Mythos handelt, merkt man schon daran, dass er an die Kinder aus der Arbeiterschicht herangetragen wird und z.B. bei Überstellungen auf Sonderschulen (Kottmann, 2006) und bei Grundschulempfehlungen offen in seinen Konsequenzen sichtbar wird, dass er aber nie geprüft wurde. Niemand hat sich in Deutschland bislang die Mühe gemacht zu untersuchen, ob sich Eltern aus der Arbeiterschicht tatsächlich so krass von Eltern aus der Mittelschicht in schulischen Unterstützungsleistungen unterscheiden wie behauptet.

Die einzige Untersuchung, die sich in neuerer Zeit der Frage elterlicher Unterstützungsleistungen gewidmet hat, hat dies im Hinblick auf Migranten getan und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich türkische Eltern mehr für die schulische Leistung ihrer Kinder engagieren als deutsche Eltern (Diefenbach, 2006: 236-238). Seither wurde das Thema nicht mehr angefasst, wohl um den Mythos, der die Sozialstruktur in Deutschland zementiert, nicht zu gefährden.

Forschung aus dem Vereinigten Königreich leidet in der Regel nicht unter selbstauferlegter Ignoranz oder allgemeiner Phantasielosigkeit, nicht einmal in der Soziologie, und das will etwas heißen. Entsprechend haben Esther Dermott und Marco Pomati von der University of Bristol bzw. Cardiff die Probe aufs Exempel gemacht und untersucht, wie es sich mit der elterlichen Unterstützung von Kindern aus unterschiedlichen Schichten der Bevölkerung verhält. U.a. haben sich die Forscher dafür interessiert, wie viel Zeit die Eltern mit ihren Kindern mit Essen, Fernsehen, Sport und Spielen verbringen. Und sie haben untersucht, wie oft Eltern Kindern vorlesen und wie viel Zeit Eltern investieren, um ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.

Insgesamt können Dermott und Pomati auf 1.655 Haushalte des Vereinigten Königreichs zurückgreifen, die sie anhand des Einkommens in Familien der Arbeiterschicht und den gesellschaftlichen Rest, also vornehmlich die Mittelschicht teilen (Haushalte, die weniger als 60% des Medianeinkommens verdienen, gelten als der Arbeiterschicht zugehörig).

Die nachfolgende Analyse erbringt dann ein Ergebnis, dass den Mythos von der geringeren elterlichen Unterstützung für Kinder aus der Arbeiterschicht oder, anders herum formuliert, den Mythos, dass sich Mittelschichtseltern intensiver um ihre Kinder kümmern als Eltern aus der Arbeiterschicht, zerstört: “The findings support the view that associations made between low levels of education, poverty and poor parenting are ideologically driven rather than based on empirical evidence”.

Bildung als PrivilegÜbertragen auf Deutschland würde dieses Ergebnis bedeuten, dass die meisten Bildungskarrieren von Kindern aus der Arbeiterschicht durch Lehrer, die der Mittelschicht angehören, bereits in einem frühen Stadium beendet werden, nicht weil Anlass besteht zu glauben, dass die entsprechenden Kinder die Leistungen, die zu einem erfolgreichen Abschluss des Abiturs notwendig sind, nicht erbringen können, sondern weil Lehrer, als die Angehörigen der Mittelschicht, die sie nun einmal sind, glauben (wollen), dass die Kinder die entsprechende Leistung mangels elterlicher Unterstützung nicht erbringen werden.

Derzeit gibt es keinen Grund anzunehmen, dass das Ergebnis nicht übertragbar ist, und das wird wohl auch in Zukunft so bleiben, denn kritische empirische Forschung ist in Deutschland nahezu nicht existent.

Dominanzstrukturen, wie die beschriebene, mit denen die Mittelschicht die Arbeiterschicht manipuliert und die dazu dienen, den eigenen Ressourcenzugang quasi durch einen pre-emptive strike gegen potentielle Aufsteiger aus der Arbeiterschicht zu verteidigen, sind langlebig, sie sind insbesondere in einem Land langlebig, in dem die Ideologie und das, was z.B. Lehrer glauben (wollen), wichtiger sind, als das, was man empirisch bestätigen kann.

Literatur

Diefenbach, Heike (2006). Die Bedeutung des familialen Hintergrunds wird überschätzt. In: Alt, Christian (Hrsg.). Kinderleben – Integration durch Sprache? Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S.219-258.

Kottmann, Brigitte (2006). Selektion in die Sonderschule. Das Verfahren zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf als Gegenstand empirischer Forschung. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.

Lütkens, Charlotte (1971). Die Schule als Mittelklasseninstitution. In: Heintz, Peter (Hrsg.). Soziologie der Schule. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.22-39.

Rolff, Hans-Günter (1997[1967]), Sozialisation und Auslese durch die Schule. Weinheim: Juventa.

Sidanius, Jim & Pratto, Felicia (1999). Social Dominance: An Intergroup Theory of Social Hierarchy and Oppression. Cambridge University Press

Die große Einfalt: Elisabeth Tuider und Sexualerziehung

Erinnern Sie sich noch an Elisabeth Tuider?

Jene “Professorin für Soziologie der Diversität”, die an der Universität Kassel eine Position besetzt, die von Steuerzahlern finanziert wird?

Ein Leser von ScienceFiles hat sich sehr genau an Elisabeth Tuider und ihre Forderungen, z.B. Analverkehr und die Einrichtung eines Bordells zum Gegenstand der Sexualerziehung von Kindern zu machen, erinnert. Und er hat erhebliche Mühen auf sich genommen, um uns einen Artikel, der in der Dezemberausgabe von Konkret veröffentlicht wurde, zuzuschicken. Wir danken ihm an dieser Stelle für seinen Einsatz.

Pirincci

Tuiders Vorstellungen

 

Angesichts der Mühen unseres Lesers verbindet sich mit dem Text natürlich für uns die Verpflichtung, jetzt auch einen Post über Tuider und ihre queeren Ideen zu Sexualerziehung zu machen. Keine verlockende Aussicht, und entsprechend haben wir den Post vor uns hergeschoben – bis heute. Heute hat die Waliser Sonne einen derart erhebenden Einfluss, dass man selbst Tuider ertragen kann.

“Die große Einfalt”, so ist der Beitrag von Tuider überschrieben, gefolgt vom Untertiteil: “Zum Nutzen der Aufgeregtheit um die sexuelle Vielfalt”. Gleich vorweg, wer nun denkt, er bekomme den angekündigten Nutzen im Text genannt, der sieht sich getäuscht. Man muss entsprechend annehmen, dass Tuider mit Nutzen die Gelegenheit meint, einen Beitrag im Konkret verfassen zu können, um ihr mageres W-Gehalt als Professor damit aufzubessern.

Der Beitrag unterteilt sich in drei Teile, die man wie folgt überschreiben kann:

  • Sexualerziehung ist ein Menschenrecht und deshalb gut.
  • Sexualerziehung, die auf der Queer-Theory basiert ist besonders gut.
  • Kritik an Queer-Sexualerziehung, wie sie Tuider vorschlägt, ist sexistisch, homophob und rassistisch und außerdem ist die AfD sexistisch, homophob und rassistisch.

Sexualerziehung ist gut

Tuider konkretNatürlich, so erfährt der Leser im ersten Teil des Beitrags von Tuider, will niemand Kinder und Jugendliche sexualisieren. Im Gegenteil, man wolle sie vor Missbrauch und Gebrauch schützen. Deshalb sei eine “umfassende Sexualerziehung und Information” von Kindern und Jugendlichen ein Bürgerrecht, ein Menschenrecht, nämlich das “Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität”. Deshalb verfolge die Sexualpädagogik die Ziele von “Selbstbestimmung, Gewaltfreiheit und Anerkennung von vielfältigen Sexualitäten und Geschlechtern”. Grundlegen seien dafür die “marxistisch psychoanalytischen Interpretationen von Wilhelm Reich … Ihm zufolge macht die repressive Sexualerziehung ‘ängstlich, scheu, autoritätsfürchtig, gehorsam, im autoritären Sinne brav'”. Und Schuld daran sind für Reich “kapitalistische Systeme”.

Ja, wenn Wilhelm Reich das sagt, dann muss das richtig sein, auch wenn nicht so wirklich bekannt ist, auf welche empirische Basis Wilhelm Reich seine Erkenntnis stützt. Vermutlich ist ihm der Zusammenhang im selben Moment gekommen, in dem sich ihm auch das “Orgon” mitgeteilt hat, jene Lebenskraft des Orgasmus, die Reich mit spezifischen Apparaturen (z.B. dem Orgonoscope) finden zu können glaubte. Wilhelm Reich, der mit Recht als eine der kontroversesten Figuren der an sich schon wenig wissenschaftlichen Psychoanalyse bezeichnet wird, dient also Tuider als Grundlage, um ihre gute Sexualerziehung umzusetzen.

Hite Nazi occult

Darin das Kapitel: Hidden Energies

Es wäre eine eigene Analyse wert zu untersuchen, wie sich die feuchten Träume eines Wilhelm Reich von denen, die Heinrich Himmler mit seiner Adaption des Vril-Kults, der es in Deutschland mittlerweile wieder zum Vorreiter der Emanzipation von Frauen geschafft hat, auf seiner Wewelsburg umgesetzt hat, unterscheiden. Festzustellen bleibt eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Marxisten wie Reich, Nationalsozialisten wie Himmler und Elisabeth Tuider wenn es um die Umsetzung sexueller Phantasien, was man heute wohl Sexualerziehung nennt, geht.

Manche Leser mögen sich fragen, warum Sexualerziehung überhaupt notwendig sein soll. Auf diese Frage gibt Tuider eine eindeutige Antwort: Sexualerziehung wurde von Institutionen als Menschenrecht definiert und deshalb ist Sexualerziehung wichtig und gut. Irrtum ausgeschlossen. Institutionen irren sich nicht, nicht für Tuider. Personen wie Tuider sind es, die für sich in Anspruch nehmen, sie würden Kindern und Jugendlichen eine anti-autoritäre und selbstbestimmte Sexualität vermitteln. Angesichts der Autoritätsgläubigkeit, die Tuider hier selbst offenbart (vermutlich als Ergebnis einer repressiven Erziehung und vielleicht eines verschütteten Orgons), weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Der Vollständigkeit halber sei noch einmal auf den Grundwiderspruch hingewiesen, der sich bei Gutmenschen immer findet: Es ist nicht möglich, Menschen zu Selbstbestimmtheit zu erziehen. Entweder Menschen sind selbstbestimmt, dann brauchen sie keine Erziehung, oder Menschen müssen erzogen werden, und dann sind sie per definitionem nicht selbstbestimmt. Erziehung stellt immer einen Eingriff, eine Intervention dar, und darüber, dass eine Sexualpädagogik wie sie Tuider vorschlägt, die Wahrnehmung derer, die ihr unterzogen werden, gestaltet und verändert, sie mit anderen Worten manipuliert, kommt Tuider auch dann nicht weg, wenn sie Selbstbestimmung als Mantra an allen passenden und unpassenden Stellen in ihren Text streut. Weil Erziehung mit Manipulation einhergeht, deshalb muss mit Erziehung verantwortungsvoll umgegangen werden. Pädagogen, die sich wie Tuider hinter dem Mantra der Selbstbestimmung verstecken, wollen genau diese Verantwortung für ihre eigenen Manipulationen an Kindern und Jugendlichen nicht übernehmen – denn dazu sind sie zu feige.

Queer-Sexualerziehung ist gut

orgone-accumulatorsDer Grund für die Feigheit könnte im Gegenstand der Sexualerziehung liegen, die Tuider favorisiert. Tuider hängt sich nicht nur an den Lehren von Wilhelm Reich an, sie verortet sich auch an der “Schnittstelle von Queer Theory, feministischer Geschlechterforschung und postkolonialen Debatten”. Für die, die in der Welt der Begriffsonanie nicht so heimisch sind, wie Tuider, die Zuordnung ist mit “gut” zu übersetzen, queer, feministisch, postkolonial, das ist gut, weil nicht weiß und nicht männlich und angeblich nicht mit “Heteronormativität, Sexismus und Rassismus” (man kann das auch ganz ander sehen) verbunden. Und deshalb, so geht das Begriffsgeklingel weiter, obliegt es einer “Sexualpädagogik der Vielfalt … für vielfältige, ineinander verwobene Machtverhältnisse zu sensibilisieren”, um “jedes Individuum ganzheitlich” sehen zu können und Vielfalt, “verstanden als Pluralisierung von Sexualitäten, Geschlechtern und Lebensformen” zu vermitteln. Die Ansammlung von Worten könnte man auch abkürzen, in dem man sagt, dass Vielfalt, vielfältig ist und sexuelle Vielfalt vielfältige Sexualitäten umfasst, und deshalb gut ist.

Und weil vielfältige Sexualitäten, warum auch immer, gut sind, deshalb ist es wichtig “Jugendliche dazu zu befähigen und zu unterstützen, mit der existierenden Diversität umzugehen und selbstbestimmt (!sic) zwischen verschiedenen Sexualitäts-, Beziehungs- und Familienentwürfen zu wählen”. Dazu soll es zudem wichtig sein, sich mit der “gesellschaftlichen Dominanzkultur” auseinanderzusetzen, “anderes anzuerkennen”, “ein Empowerment der Schwächergestellten” durchzuführen und – nicht zu vergessen: eine “Auseinandersetzung mit Vielfalt” ist wichtig.

Reich OrgasmusDie ausführliche Darstellung dessen, was man wirklich nur als Geschwätz bezeichnen kann, macht deutlich, dass Tuider nicht schreibt, um verstanden zu werden. Nein, Tuider schreibt, um sich als gut zu inszenieren. Gut ist in ihrem Verständnis, wer den gerade als nützlich oder richtig oder schlicht gut empfundenen Vorgaben von Institutionen folgt und sich für Vielfalt einsetzt. Vielfalt ist Vielfalt ist Vielfalt und vor allem ist Vielfalt für Tuider sexuelle Vielfalt, und sie behauptet von hier aus einfach, dass Vielfalt darin besteht, Kinder und Jugendliche in Schulen mit Abweichungen von dem zu konfrontieren, was sie als heteronormative Dominanzkultur bezeichnet. Da ihre heteronormative Dominanzkultur das ist, was als heterosexuelle Beziehung, die zuweilen in Familien gelebt wird, bekannt ist, meint dies für sie, dass man Kinder und Jugendliche mit Abweichungen von dieser heteronormativen Normalität konfrontieren muss. Denn: Wie Reich gewusst hat, vermutlich durch Versuche in seinem Orgon-Akkumulator, macht die heteronormative Dominanzkultur autoritätshörig und gehorsam und ängstlich und scheu.

Alles schlimme Attribute in den Augen von Tuider, denen durch die verpflichtende Darstellung abweichender sexueller Orientierung und durch die Beschäftigung mit Analverkehr und Bordellen, all den Abweichungen von der heteronormativen Dominanzkultur begegnet werden muss, denn im Zusammenhang mit Analverkehr gibt es in den Augen von Tuider offensichtlich keine Dominanz und sexuelle Beziehungen zwischen Lesben zeichnen sich für sie wohl durch eine Reinheit aus, die eine heterosexuelle Beziehung in den Augen von Tuider wohl nie erreichen wird. Das muss Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, damit sie wissen wie Tuider das sieht und selbstbestimmt zwischen dem, was ihnen vorgegeben wird, auswählen können.

Kurz: Zuerst wird eine Behauptung aufgestellt (Sexualerziehung ist wichtig und deshalb ein Menschenrecht), dann wird die Behauptung bewertet: Sexualerziehung ist gut. Im nächsten Schritt wird Sexualerziehung konkret gefasst als Lehre von den sexuellen Abweichungen von der heteronormativen Mehrheitskultur (für Tuider ist das bezeichnender Weise eine Dominanzkultur) und mit allerlei Abweichendem gefüllt, das, als Vielfalt verpackt, nun Kindern eingetrichtert werden muss, damit sie – Achtung jetzt kommt es: selbstbestimmt wählen können. Wahnsinn hat Methode!

Kritik ist homophob usw.

Schaefers Grundbegriffe

Unsere Empfehlung für Elisabeth Tuider

Nun gibt es Menschen, Eltern, die das, was Tuider vorschlägt, ablehnen, es kritisieren. Für die mit einem eigenen Auftrag vom Reichschen Orgon ausgestattete Tuider ist das Häresie. Wer sie kritisiert, der ist gegen Vielfalt, und weil Wilhelm Reich ein Marxist war, wie sie weiß, und Marxisten angeblich links sind, deshalb ist Kritik rechts, rechtsextrem und weil sie der Queer Theorie und der feministsichen Geschlechterforschung anhängt, deshalb kann die Kritik nur von “männlichen weißen” Personen geäußert werden, die noch dazu homophob sind, denn wer kritisiert, der hat wohl etwas gegen nicht-heteronormative Sexualitäten, also gegen Schwule und Lesben. Und außerdem hat er Angst vor dem sozialen Wandel, jenem sozialen Wandel, als dessen Avantgarde sich Personen wie Tuider empfinden, jenes sozialen Wandels, der darin bestehen soll, dass in Schulen Analverkehr und die Einrichtung eines Bordells auf dem Lehrplan steht.

Tuider hat einen Lehrstuhl für Soziologie der Diversität inne und offensichtlich nicht den geringsten Schimmer davon, was sozialer Wandel, einer der Grundbegriffe der Soziologie meint. “Sozialer Wandel”, so schreibt Wolfgang Zapf, “ist die Veränderung sozialer Strukturen; unter sozialen Strukturen versteht man die (relativ) stabilen Regelmäßigkeiten des sozialen Lebens, z.B. Rollenverhalten, Organisationsmuster und soziale Schichtung“.

Die Einführung von sexuellen Orientierungen und Analverkehr in die Curricula von Schulen hat mit sozialem Wandel entsprechend überhaupt nichts zu tun, bestenfalls mit der Hoffnung, durch diese Einführung sozialen Wandel herbeiführen zu können, eine Hoffnung, die wie alle Sozialtechnologie eher mit wenig Aussicht auf Erfolg verbunden sein dürfte.

Tuider besetzt einen Lehrstuhl für Soziologie und hat von soziologischen Grundbegriffen keine Ahnung. Sie hängt einer abstrusen Lehre an, die selbst unter Psychoanalytikern eher als abseitig angesehen wird (und das will etwas heißen). Sie glaubt an die Autorität von Instanzen und sieht sich dennoch im Stande, Selbstbestimmung zu vermitteln. Sie weiß um die Wichtigkeit von Sexualerziehung, wenn auch nicht klar ist, wo sie dieses Wissen ereilt hat und worauf es gebaut ist. Sexualerziehung wird bei ihr zur Erziehung zu Vielfalt, was seltsamerweise dazu führt, dass nicht Vielfalt, sondern bestimmte von der heteronormativen, also dem normalen Arrangement der Geschlechter, (statistisch) normal, weil vorherrschend, abweichende Formen sexueller Beschäftigung thematisiert werden. Das führt dazu, das Sexualerziehung auf die Vermittlung von Techniken und Praktiken, zum Wissen über sexuelle Abweichung (es ändert auch kein Aufstampfen mit dem Fuss etwas daran, dass alles, was nicht heterosexuell ist, abweichend, weil nicht mehrheitlich praktiziert ist), bei der bezeichnender Weise das auf der Strecke bleibt, was man gewöhnlich Empfindung, in manchen Fällen auch Liebe nennt.

Dass ausgerechnet Leute wie Tuider von Machtstrukturen, von Befreiung und Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen fabulieren, macht betroffen und provoziert die Frage, welcher Zustand Tuider als Zielvorstellung vorschwebt, welche Form der Interaktion zwischen Sexualpartnern das Ziel ihrer Sexualerziehung ist. Dass die entsprechende Interaktion bei ihr mehr dem ähnelt, was man als Kundenbeziehung oder Gütertausch bezeichnet und mit dem, was man als Leidenschaft und Hingabe bezeichnet, nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, weckt ein Gefühl des Mitleids, mit Tuider, aber vor allem mit den Kindern und Jugendlichen, die dieser Form des Brainwashings unterzogen werden (sollen).

Aber man sollte den Tuiderschen Versuch, ihre abstruse Ideologie als Sexualerziehung für Kinder und Jugendliche in die Schule zu tragen, nicht unterschätzen, und entsprechend Tuider auffordern, die empirischen Belege, die es rechtfertigen sollen, Kinder und Jugendliche mit ihren Vorstellungen zu konfrontieren, vorzulegen – immer in der Annahme, es gibt diese Belege und es geht Tuider nicht ausschließlich darum, Kinder und Jugendliche mit dem zu indoktrinieren, was ihr gerade als gut und wahr vorkommt.

Und bedenkt man abschließend noch einmal, dass Tuider einen Lehrstuhl für Soziologie besetzt, dann wird einem Lann Hornscheidt fasst sympathisch und man fragt sich, ob nicht eine weitere Forderung angebracht wäre, eine weitere Forderung, eine Positionsinhaberin ihres Lehrstuhl zu entheben.

Läutet Bundesverfassungsgerichtsurteil zum Sorgerecht das Ende des Staatsfeminismus ein?

Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, namentlich des Ersten Senats in der Besetzung Dr. Ferdinand Kirchhoff, Dr. Michael Eichberger und Dr. Gabriele Britz, in dem es um die Frage geht, wann der Entzug des elterlichen Sorgerechts gerechtfertigt ist, könnte sich als Urteil entpuppen, das auch die Karten im Kampf gegen die staatsfeministische Bevormundung und Infiltrierung von Schulen neu mischt.

Bundesverfassungsgericht_RichterrobenIm Urteil geht es um einen Vater, der um das Sorgerecht für seine Tochter kämpft, die nach Geburt in einer Pflegefamilie untergebracht wurde, weil die Mutter unter einer “gravierenden psychischen Erkrankung” leidet, die sie zwar nicht von Fertilität, wohl aber davon abhält, verantwortlich für ihre eigenen Kinder zu sein. Zu deren Glück ist der Vater aus Ghana nicht gleichgültig und hat sich entsprechend bemüht, das Sorgerecht für seine Tochter zu erhalten.

Das zuständige Jugendamt, das Amtsgericht Paderborn und das Oberlandesgericht Hamm haben es jedoch abgelehnt, dem Vater das Sorgerecht für seine Tochter zuzusprechen, und zwar weil eine Gutachterin gemutmaßt hatte, dass der Vater bestimmt eine “afrikanische Erziehungsmethode” anwenden würde, die eine “autoritäre, gewaltsame und von Unterwerfung der Kinder” geprägte Erziehungsmethode sei und mit “europäischen Erziehungsmethoden” nicht in Einklang zu bringen sei.

Es spricht für sich, dass ein derartiger rassistischer Unsinn, der übrigens keinen Aufschrei bei den üblichen Gutmenschen nach sich gezogen hat, in mehreren deutschen Gerichtssälen geäußert werden kann und von den zuständigen Richtern weder beanstandet noch der ihm gebührenden Lächerlichkeit preisgegeben wird, sondern vielmehr als Gutachten zur Grundlage des eigenen Urteils gemacht wird, in dem dem Vater das Sorgerecht nicht zugesprochen wird.

Wir haben in der letzten Zeit viel Kritik in Richtung Karlsruhe und Verfassungsgericht auf den Weg gebracht, dieses Mal ist es notwendig, die Richter vom ersten Senat zu loben. Sie haben deutlich gemacht, dass derart hanebüchene Mutmaßungen, die viel über den geistigen Zustand der angeblichen Gutachterin und der Richter, die ihrem Gutachten folgen, aussagt, aber nichts über die Frage, um die es eigentlich geht, nämlich die, ob das Kindeswohl gefährdet ist, wenn der Vater aus Ghana seine Tochter erzieht, in Gerichtssälen nichts zu suchen haben.

Vielmehr haben die Karlsruher Richter hohe Hürden für den Entzug des Sorgerechts errichtet und deutlich gemacht, dass nicht Mutmaßungen ausreichen, um eine konkrete Gefährdung des Kindeswohl anzunehmen, vielmehr müsse die Gefährdung entweder schon eingetreten sein und sich z.B. in einer Verwahrlosung des Kindes niederschlagen oder mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Absurde Phantasien über afrikanische Erziehungsmethoden reichen für eine Feststellung der Gefährdung des Kindeswohls nicht aus.

Wer sich genauer für die Hürden interessiert, die die Richter für einen Sorgerechtsentzug aufgebaut haben, dem sei das Urteil empfohlen.

Wir wollen uns auf eine Passage beziehen, die sich in Zukunft und in anderen Bereichen als dem Streit um das Sorgerecht als sehr wichtig erweisen könnte:

“Außerdem folgt aus der primären Erziehungszuständigkeit der Eltern in der Sache, dass der Staat seine eigenen Vorstellungen von einer gelungenen Kindererziehung grundsätzlich nicht an die Stelle der elterlichen Vorstellungen setzen darf (vgl. BVerfGE 60, 79 ; BVerfGK 13, 119 ; 16, 517 ” (Randnummer 29)”

Eltern haben also, wenn es um Erziehung geht, das letzte Wort.

So steht es in Urteil 1 BvR 1178/14.

Was im Bereich des Sorgerechts Recht ist, kann im Bereich der Bildung nur billig sein.

AfirkaÜbertragen auf den Bereich der Bildung folgt entsprechend, dass Eltern nicht stumm und anomisch am Rand stehen müssen, wenn ihre Kinder in öffentlichen Schulen indoktriniert werden oder mit Inhalten traktiert werden, die aus Sicht der Eltern ihren Kindern nicht zumutbar sind. Wenn Kinder entsprechend in frühen Jahren mit ideologischem Ballast belastet werden, wenn sie in sexuelle Techniken eingeführt werden sollen, die nicht einmal ihre Eltern kennen, und Schulen von Stätten der Bildung zu Stätten der ideologischen Gleichschaltung gemacht werden sollen, dann haben Eltern nunmehr eine Handhabe, um ihre Kinder aus dem Unterricht zu nehmen und deren Teilnahme am Unterricht auf nicht-ideologische Bestandteile wie Mathematik, Chemie, Physik und Sport zu beschränken.

Nachtrag:

Für diejenige, die es interessiert, die Oberlandes-Richter in Hamm, die sich dem rassistischen Gutachten über eine “afrikanische Erziehungsmethode” angeschlossen haben, es ihrem Urteil zu Grunde gelegt haben und damit zum einen eine unglaubliche Unkenntnis über einen Kontinent, der vielfältiger kaum sein kann, zur Schau stellen und zum anderen einen gelebten Rassismus, der Rechtsextreme mit Neid erfüllen dürfte, sitzen in der 11. Kammer des Oberlandesgerichtes. Der Geschäftsverteilungsplan des Oberlandesgerichts Hamm benennt die entsprechenden Richter als Richter Grothe, Richterin Feldkemper-Bentrup, Richterin Dr. Watrin und Richter Wissel.

Die Normalität der täglichen Manipulation

Der Informationsdienst Wissenschaft (idw) verbreitet heute eine Pressemeldung aus dem BIBB, dem Bundesinstitut für Berufsbildung. Verantwortlich für die Pressemeldung ist Andreas Pieper, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im BIBB. Die Pressemeldung bezieht sich auf einen Bericht von Ursula Beicht  und Günter Walden, der mit dem Titel: “Berufswahl junger Frauen und Männer: Übergangschancen in betriebliche Ausbildung und erreichtes Berufsprestige” überschrieben ist.

bibbDas ist natürlich ein Ladenhüter, ein Titel, wie ihn sich nur der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Unkundige ausdenken können – ein Titel, der keinen Leser hinter dem Ofen hervorholt. So oder ähnlich muss Andreas Pieper der Presse- und Öffentlichkeitsarbeitsprofi aus dem BIBB gedacht haben, als er seine Pressemeldung verfasst hat und aus dem langweiligen, aber inhaltlich korrekten Titel oben, den folgenden Titel gemacht hat: “Geringere Aussichten junger Frauen bei der Ausbildungsstellensuche“.

Es ist dies ein politisch korrekter Titel, der Pieper bestimmt Browny-Points bei Genderisten in Ministerien einbringt, immerhin gehört das BIBB zum Geschäftsbereich des BMBF und wird aus dem Haushalt des entsprechenden Ministeriums finanziert.

Es ist ein logisch falscher Text, denn “geringere Aussichten” verlangt ein als, einen Bezugspunkt. Entsprechend fragt man sich, geringer als was? – als erwachsene Frauen, als Mähdrescher, als Behinderte, als Transsexuelle?

Es ist ein Titel, der die Opferrolle von Frauen zementieren soll, was Andreas Pieper als guten Soldaten der Genderisten ausweist, er sieht überall Benachteiligung von Frauen, in jedem Winkel, der ihn umgibt.

Und es ist ein manipulativer, irreführender und falscher Titel, der suggeriert, es gebe Strukturen auf dem Ausbildungsmarkt, die “junge Frauen” beim Eintritt in den Arbeitsmarkt behindern, sie gegenüber jungen Männern benachteiligen, sie diskriminieren.

Ob Pieper tatsächlich mit seinem Titel manipulieren will, ob er ein genderistischer Dope ist, der nicht anders kann, als zu manipulieren oder ob er tatsächlich so dumm ist, dass er glaubt, der Report, über den er berichtet, habe an irgend einer Stelle gezeigt, dass junge Frauen nach der Schule von Arbeitgebern benachteiligt werden, das sind Fragen, die dahingestellt bleiben können. Der Report ist selbstredend.

Der Report von Ursula Beicht und Günter Walden zeigt in den für die Überschrift, die Andreas Pieper seiner Pressemeldung gegeben hat, relevanten Stellen Folgendes:

  • Eine mittlere Reife erhöht die Chancen, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu erreichen, beträchtlich.
  • Das Abfassen einer schriftlichen Bewerbung erhöht die Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz zudem.
  • Junge Frauen drängen in ein sehr enges Spektrum von Ausbildungsberufen, die alle eines gemeinsam haben: Man muss sich nicht schmutzig machen, keine Handarbeit ausführen und, wenn es einem gelingt, den entsprechenden kaufmännischen Beruf oder Beruf an einem Schreibtisch in der Dienstleistungsbranche zu ergattern, dann ist es gelungen, einen aus welchen Gründen auch immer unter Jugendlichen als statushöher eingeschätzen Beruf zu ergattern, statushöher im Vergleich zu Berufen im handwerklichen Bereich oder im technischen Bereich, als Berufe, bei denen man sich die Hände schmutzig machen muss, sie zum Arbeiten einsetzen muss.
  • Da sich junge Frauen vornehmlich auf die netten Bürojobs bewerben und in ihrer Berufswahl ein im Vergleich zu jungen Männern sehr eingeschränktes Spektrum von Ausbildungsberufen, das sie überhaupt für eine Ausbildung in Betracht ziehen, offenbaren, sind die entsprechenden Ausbildungsstellen hart umkämpft, und es ist daher schwierig in diese Berufe zu gelangen. Im Gegensatz zu jungen Frauen haben junge Männer ein breites Spektrum von Ausbildungsberufen, auf das sie sich verteilen und folglich eine entspanntere Konkurrenzsituation, solange sie nicht auch Kaufmann oder Mausschubser im Dienstleistungsbereich, also bei einer Verwaltung oder einem Amt werden wollen.

How-to-lie-deceive-spread-disinformation-guide-tactics-size485cDass die meisten jungen Frauen sich nur wenige Berufe vorstellen können, in denen sie eine Ausbildung machen wollen, dass junge Männer sich auf deutlich mehr Berufe verteilen, in denen sie sich eine Ausbildung vorstellen können und dass junge Frauen aufgrund ihrer eigenen Selbstbeschränkung in intensiver Konkurenz zueinander stehen und entsprechend Schwierigkeiten haben, sich im Gedränge durchzusetzen, das ist es, was Andreas Pieper als “geringere Aussichten junger Frauen bei der Ausbildingsplatzsuche” beschreibt.

Primitiver kann ein Manipulationsversuch kaum mehr sein, aber in einem Land, in dem die meisten sowieso nur die Überschriften lesen, wird ein derartiger Versuch durchaus effizient sein.

Bei aller Fixierung auf die Opferrolle von “jungen Frauen”, deren herbeiphantasierte Benachteiligung, ja Diskriminierung auf dem Ausbildungsmarkt, sind Herrn Pieper Ergebnisse des Reports entgangen, die Beicht und Walden zum Teil in blauer Farbe und kursiv dargestellt haben, damit man sie nicht übersieht: Entsprechend haben Hauptschüler, Schüler mit Migrationshintergrund und Schüler, die die Schulausbildung nicht in der Normzeit beendet haben, weil sie z.B. sitzen geblieben sind oder später eingeschult wurden, erheblich schlechtere Aussichten auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz als Schüler, auf die diese Merkmale nicht zutreffen.

Das sind eigentlich berichtenswerte Nachteile. Aber sie betreffen in der Mehrzahl junge Männer, junge Männer, die sich häufiger auf Hauptschulen finden als junge Frauen und junge Männer, die häufiger sitzenbleiben als junge Frauen. Deshalb sind sie nicht berichtenswert. Deshalb kommen sie im Hirn von Pieper nicht vor.