Die Sozialstruktur steht in Teilen auf dem Kopf

Nicht erst seit die OECD ihren Feldzug zur Erhöhung des Anteils von Hochschulabsolventen begonnen hat, gilt das Credo, dass ein höherer Bildungsabschluss mit einem höheren Status, einer höheren Bezahlung und vor allem einem höheren Platz in der Sozialstruktur einer Gesellschaft einhergeht. Unausgesprochen ist dabei die Prämisse, dass mit einem höheren Bildungsabschluss ein höheres Humankapital verbunden ist, das seinen Inhaber dazu in die Lage versetzt, höhere Produktivität zu entwickeln und somit einen höheren Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, als dies einem Inhaber eines geringeren Bildungsabschlusses, sagen wir, dem Inhaber eines Hauptschulabschlusses, der den Beruf des Klempners erlernt hat, möglich ist.

HUman CapitalDie Idee, Humankapital an Bildung zu koppeln, stammt nicht zuletzt vom kürzlich verstorbenen Gary S. Becker, wobei seine Idee eine distinktive qualitative Note beinhalten: Nicht der Bildungsabschluss als solcher ist für Becker das Relevante. Der Bildungsabschluss ist vielmehr die Operationalisierung, die er benutzt, um die höhere Produktivität, die mit mehr Humankapital einhergeht, zu messen.

Die Inflationierung höherer Bildung und die Zulassung immer neuer Studienfächer, deren Verbindung zu einem produktiven Beitrag für die Gesellschaft eher, sagen wir, nicht offensichtlich ist, führt dazu, dass die Annahmen, auf die Becker seine Humankapitaltheorie basiert hat, nur noch in eingeschränktem Maße zutreffen.

Wir behaupten, dass die Inflationierung höherer Bildungsabschlüsse, die Quantifizierung von Bildung anstelle der Qualifizierung über Bildung, wie sie vor allem durch die Überflutung der Universitäten mit weitgehend nutzlosen Studienfächern, die keinen erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen, erfolgt ist, dazu geführt hat, dass die Verbindung zwischen höherem Bildungsabschluss und höherer Produktivität im Aggregat geschwächt wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass es Bildungstitelinhaber gibt, die einen höheren Status, einen höheren Platz in der Sozialstruktur beanspruchen, der ihnen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen, den sie bereitstellen, nicht zukommt. Es führt häufig dazu, dass sie Gehälter in einer Höhe beziehen, die im gesamtgesellschatflichen Vergleich unangemessen und unfair sind.

Wir wollen unsere Hypothese zunächst dadurch prüfen, dass wir die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Absolvent eines Gender Studiums hat, mit den Fähigkeiten vergleichen, die ein Klempner-Geselle am Ende seiner Lehrzeit in einer Prüfung unter Beweis stellen muss.

Das Studium der Gender Studies als Zweitfach an der Humbold Universität Berlin umfasst 6 Module, also z.B. die im folgenden genannten Themen, die das derzeitige Angebot der Gender Studies der HU-Berlin bereithält. Das Wissen, das in Gender Studies vermittelt wird, entstammt damit ausschließlich den sechs der im folgenden genannten und von Studenten gewählten Gebieten. Die Ausbildung zum Klempner ist in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Klempner geregelt. Die im folgenden genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind der Mindesbestand an Kenntnissen, den ein Klempner-Geselle nach Abschluss seiner Ausbildung haben muss.
Hanna Arendt in feministischer Diskussion Manuelles und maschinelles Bearbeiten (u.a.: Werkstoffe und Halbzeuge nach Verwendungszweck unterscheiden und manuell wie maschinell bearbeiten können)
Vom Homo Oeconomicus zur Femina Oeconomica – Die Wirtschaftswissenschaften aus Gender-Perspektive Fügen von Werstücken und Bauteilen (u.a.: Fügwerkzeuge und -verfahren festlegen, Bauteile durch Kaltnieten fügen, Bleche durch Falzen manuell und maschinell fügen
Behinderung ist sexy. Gender und Dis_Ability im Film Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten und Maschinen (u.a.: Bauteile und Baugruppen mit und ohne Hilfsmittel ein- und ausbauen, Sicherheitsmaßnahmen für elektrische Maschinen und Geräte ergreifen.
Die Werke Martha Nussbaums Einbauen von elektrischen Komponenten (u.a.: elektrische Anschlüsse mittels Steckverbindung herstellen, Mängel feststellen, Maßnahmen zur Behebung der Mängel veranlassen
Wissensordnung in Missionszeitschriften: Religion, Natur, Kultur und Geschlechter (18. Jhdt) Entwerfen und Fertigen von Schablonen und Zuschnitten (u.a.: Schablonen aus metallischen und nicht-metallischen Werkstoffen herstellen)
Ambivalenz der Sichtbarkeit: repräsentationskritische Perspektiven Prüfen, Behandeln und Schützen von Oberflächen (u.a. Werkstücke und Halbzeuge auf Materialfehler, Oberflächenschutz und Oberflächengüte prüfen)
Befestigen von Bauteilen und Baugruppen in Mauerwerk, Beton und Holz (u.a. Wandschlitze, Decken- und Wanddurchbrüche herstellen)
Decken und Instandhalten von Dach- und Wandflächen am Bauwerk (u.a.: Verlegetechniken für Schichtenaufbauten bei Dachbegrünung unterscheiden und anwenden)
Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser (u.a.: Formteile für Dachrinnen, insbesondere Dehnungsausgleicher, Rinnenkästen und Rinnenwinkel anfertigen
Anfertigen und Montieren von lufttechnischen Anlagen (u.a.: Formstücke, insbesondere Bögen und Verzweigungen anfertigen und montieren
Transportieren von Bauteilen und Baugruppen (u.a.: Hebezeuge, insbesondere Seilzüge und Winden handhaben
Herstellen von Fugenabschlüssen sowie Durchführung von Wärmedämm- und Dichtungsmaßnahmen (u.a.: Maßnahmen zur Schalldämmung an Rohr- und Aggregatbefestigungen durchführen)
Einbauen von Energiesammlern, Energieumsetzern und nachhaltigen Energienutzungssystemen (u.a.: Energiesammler und Energieumsetzer, insbesondere Sonnenkollektoren und photovoltaische Elemente in Dach- und Wandflächen einbauen
Anbringen von Fangeinrichtungen und von Ableitungen für den äußeren Blitzschutz
Berufausbildung, Arbeits- und Tarifrecht, berufsspezifische Randbedingungen (u.a.: Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung)
Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs (u.a.: Beziehungen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung)
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (u.a.: berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwenden)
Umweltschutz (u.a.: für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes)
Betriebliche und technische Kommunikation (u.a.: technische Unterlagen, insbesondere Skizzen und Zeichnungen lesen, erstellen und anwenden, Aufmaße anfertigen)
Kundenorientierte Kommunikation (Kundenwünsche ermitteln, auf Umsetzbarkeit prüfen mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen, Kosten abschätzen
Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (u.a.: Zeitaufwand und personelle Unterstützung zur Durchführung von Arbeitsaufträgen abschätzen)
Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (u.a.: Normen und Richtlinien zur Sicherung der Qualität, Bauteile auf Maßhaltigkeit, Dichtigkeit und sichere Verbindung prüfen)

 

Es mag der eine oder andere einwenden wollen, dass die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Geselle am Ende seiner Klempnerlehre erworben haben muss, in der Ausbildungsverordnung und der Tabelle umfassender dargestellt sind als dies für die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Rahmen eines Gender Studiums erworben werden, der Fall ist. Darauf gibt es die folgenden Antwort:

“Das Zweitfach Geschlechterstudien/Gender Studies zielt auf die Vermittlung konkreter Kenntnisse, Methoden und Arbeitstechniken im Zusammenhang mit der Analyse der Kategorie Geschlecht… Konkretes Ziel ist, Fähigkeiten zur Analyse von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen sozialen, politischen, historischen und kulturellen Kontexten auszubilden…”

KlempnerSo wird die Zielsetzung im Studienfach Geschlechterstudien von der HU-Berlin selbst beschrieben. Das Studium der Geschlechterstudien hat Geschlechterstudien zum Gegenstand, die mit Methoden und Arbeitstechniken in einem Zusammenhang stehen und deren konkretes Ziel die Fähigkeit zur Analyse von Geschlechterverhältnissen ist. Trotz aller Betonung von Methoden und Arbeitstechniken ist es uns nicht gelungen, einen Einführungskurs in Statistik, Methoden der empirischen Sozialforschung, Logik oder auch nur die Kunst, richtig zu zitieren, zu finden. Kurz: Gegenstand, Nutzen und Ziel von Geschlechterstudien sind unbekannt. Was man mit einem studierten Geschlechterstudienbetreiber soll, ist ebenso unklar. Vermutlich müssen deshalb Ministerien wie das Ministerium für FSFJ ständig geschlechtsbezogene Programme auflegen, um den Absolventen ein Auskommen zu verschaffen, und zwar auf Kosten von Steuerzahlern, woraus der Schluss folgt: Geschlechterstudierte schaden dem Bruttoinlandsprodukt, sie verbrauchen Steuermittel und schaffen keinen erkennbaren Mehrwert.

Dagegen hat man keinerlei Probleme den Mehrwert zu benennen, den ein Klempner erwirtschaftet, ebenso wenig wie man Probleme hat, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu benennen, die ein Klempner nach Abschluss seiner Lehre hat.

Wie kommt es vor diesem Hintergrund, dass Genderstudierte, die doch in der Regel linkem Gedankengut anhängen, für sich in Anspruch nehmen, eine höhere soziale Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, als der Arbeiter Edwin aus der Siedlung? Man kann diese seltsame Erscheinug moderner Gesellschaften, in denen eine Klasse von Studierten, deren einziger Beitrag darin besteht, eine Perspektive auf etwas zu haben, deren Nutzen nicht erkennbar ist, eine höhere Bezahlung, einen höheren Platz in der Sozialstruktur reklamieren kann als ein Klempner, der jeden Arbeitstag aufs Neue die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller befördert, nur als eine Erscheinung gesellschaftlicher Degeneration ansehen und sich wundern, dass all die Bekenntnis-Linken damit so gar keine Probleme haben.

 

©ScienceFiles, 2014

Wissenschafts-Prostitution lohnt sich nicht

- das weiß nun auch die Hochschulrektorenkonferenz

HRKNRW

sollte besser heißen: Die Stummen der Hochschulen

Wir könnten jetzt schreiben (und tatsächlich schreiben wir das auch): wir haben es Euch gesagt – oder: Was habt Ihr denn gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich und seine Wissenschaft an die Politik verkauft, sich prostituiert?

Wir haben in einer Vielzahl von Beiträgen darauf hingewiesen, dass eine Entprofessionalisierung und Infantilisierung von Wissenschaft in vollem Gange ist, dass Hochschulen von Ideologen unterwandert und zu Gender-Kaderschmieden umfunktioniert werden, dass Hochschulen für politische Zwecke instrumentalisiert werden und zu Legitimationsanstalten der Staats-Ideologie, des Staatsfeminismus degradiert werden sollen und vieles mehr.

Es kann demnach niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, was passiert, wenn man sich an Ideologen verkauft. Es kann niemand behaupten, er hätte nicht den perfiden Geist hinter einer Mittelkürzung für Universitäten auf der einen Seite und dem Lockstoff “Professorinnenprogramm“, das Hochschulen mit finanziellen Mittel dazu bringen will, ihre Integrität zu verkaufen, gesehen. Und es kann niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, dass vermeintliche Auszeichnungen wie die “familienfreundliche Hochschule“, die eine aberwitzige Verbindung zwischen Fortpflanzung, Familienstand und Wissenschaft herstellen, die analog zu der Verbindung zwischen Binge-Trinken, Depression und Parteizugehörigkeit ist, nur dazu da sind, Hochschulen auf Linie zu bringen, sie gleichzuschalten und für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Aber die Hochschulrektorenkonferenz tut es dennoch.

Honest politicianDie Hochschulrektorenkonferenz, jenes bundesländerübergreifende Kaffeekränzchen aus Wissenschaftler-Rektoren, das bislang immer brav den ideologischen Vorgaben des jeweiligen Kultusherren gefolgt ist und brav und artig, sowohl die Entprofessionalisierung von Hochschulen und deren Umwidmung in Kinderbetreuungsanstalten als auch aktive Eingriffe in die vermeintliche Freiheit von Lehre und Forschung, die Etablierung von weiblichen Kadern als von außen der Wissenschaft aufoktroyierte Gleichstellungstante und den Ausverkauf des Prinzips der Meritokratie, wie er mit dem Professorinnenprogramm betrieben wird, abgenickt hat – vermutlich mit Begeisterung, sofern Gemütsregungen zum Repertoire der Positionsinhaber gehören.

Die Hochschulrektorenkoferenz tut es dennoch.

Ausgerechnet die Hochschulrektorenkonferenz regt sich darüber auf, dass man von Politikern getäuscht worden sei.

Hochschulen quer durch Deutschland leiden unter Mittelknappheit, müssen Fachrichtungen und Institute schließen oder zusammenlegen, weil sie sich die entsprechenden Ausgaben nicht mehr leisten können. Die deutsche Hochschullandschaft ist eine reine Mangelverwaltung. Die ganze Hochschullandschaft? Nein. Der Bereich der Frauenförderung floriert ungeachtet der Mittelknappheit. Es werden vorhandene Professuren durch aus dem Professorinnenprogramm finanzierte Professuren gedoppelt und Professuren für “Gender” verbreiten sich wie Wasserpest. Ob jemand dahinter einen perfiden Plan erkennt: Nützliche Wissenschaft streichen und entsprechende Lehrstühle schließen, dafür Genderlehrstühle, von deren Inhaberinnen bis heute noch kein nützlicher, das gesellschaftliche Wohlergehen befördernder Beitrag gekommen ist, an ihre Stelle setzen, auf dass von Hochschulen und auf absehbare Zeit keine abweichende oder gar innovative Idee mehr komme?

Und das alles hat man bei der Hochschulrektorenkonferenz nicht gesehen? Die Damen und Herren, die sich dort zum Kaffeeklatsch treffen, scheien nicht zu sehen, was an ihren eigenen Hochschulen vorgeht, oder sie sehen  es sehr wohl, was bedeuten würde, ihre Aufregung ist blanke Heuchelei, ein bloßes Entsetzen über entgangene Finanzmittel, die man vermutlich für universitäte Mentorenprogramme zur Vorbereitung weiblicher Absolventen auf die Dissertation verbraten hätte.

Gegenstand der hochschul-rektoralen Aufregung ist eine politische Lüge, eine Täuschung wie sie Politiker ständig vornehmen, so dass jeder, der sich mit Politikern einlässt, eigentlich wissen muss, woran er ist. Nicht so die Hochschulrektoren. Sie haben in treuem Glauben die Übernahme der Finanzierung des Bafoeg durch den Bund begrüsst und den damit verbundenen Ankündigungen, die Bundesländer würden die freiwerdenden Mittel in voller Höhe den Hochschulen und der dortigen Lehre zufließen lassen, geglaubt. In ihrer ganzen Naivität haben sie tatsächlich gedacht, der politische Feind der wissenschaftlichen Erkenntnis, der seine Truppen u.a. in Kultusministerien der Länder versammelt hat, würde die gekürzten Mittel für Forschung und Lehre nun, da die Bafög-Verpflichtungen entfallen sind, den Hochschulen übergeben.

Besondere Verdienste im Kampf gegen Erkenntnis und im Versuch, Wissenschaft durch Ideologie zu ersetzen, haben sich SPD und Grüne erworben. Beide regieren in Hannover. Die Übernahme der Bafög-Finanzierung durch den Bund hat ihnen unverhofft rund 110 Millionen Euro in die Kasse gespült, 110 Millionen Euro, die die Hochschulrektoren in Niedersachsen schon auf ihren Konten verbucht haben.

NS_WissKultAber daraus wird nichts: Die Landesregierung will lieber Kita-Personal anstelle von Wissenschaftlern finanzieren. Kinder statt Wissenschaftler, so lautet das Motto in Niedersachsen. Man fühlt sich unwillkürlich an den Slogan “Kinder statt Inder” erinnert, mit dem Jürgen Rütgers im Jahre 2000 die Charts der Geschmacklosigkeit angeführt hat. Rot-grüne und christdemokratische Politiker scheinen eine Geringschätzung für die Wissenschaft zu teilen, vermutlich, weil sie nie einen Fuss in dieselbe bekommen haben – sofern sie überhaupt studiert haben. Wie dem auch sei: Die niedersächsische Landesregierung will also Kindertagesstätten finanzieren und Ringelreihen tanzen, während die landeseigenen Hochschulen finanziell aus dem letzten Loch pfeifen – Politiker haben eben ihre Prioritäten.

Offensichtlich ist man bei der Landesregierung der Ansicht, Erzieher in Kindertagesstätten seien produktiver und würden mehr zum Bruttoinlandsprodukt beitragen als Wissenschaftler. Seit Universitäten von Feministen und Sozialisten infiltriert werden, ist man fast gewillt, ihnen zuzustimmen, wenngleich es eine offene Frage ist, wer mehr Schaden an der Gesellschaft anrichtet, Erzieher in Kindertagesstätten, die von kleinauf indoktrinieren oder Feministen und Sozialisten an Universitäten, die sozusagen den Feinschliff im fortgeschrittenen Alter übernehmen und dafür sorgen, dass Wissenschaft und vor allem: Sozialwissenschaften in Deutschland zur Staatslegitimation dient.

Entsprechend kann man nur den Kopf schüttelnd zur Kenntnis nehmen, worüber sich Prof. Dr. Jürgen Hesselbach, Vorsitzender der Niedersächsischen Hochschulrektorenkonferenz, beklagt:

„Eine der wichtigsten Ankündigungen vor der Landtagswahl 2013 war die Abschaffung der Studienbeiträge und deren vollständige Kompensation. Den Studierenden und uns wurde damals versprochen, die Hochschulen nicht im Gegenzug an anderer Stelle zu belasten. Wir sehen jetzt, was von den Wahlkampfparolen übrig bleibt: Die für die Kompensation erforderlichen Mittel in Höhe von 130 Millionen Euro holt sich das Land nun de facto fast vollständig von den Hochschulen zurück.“

Herr Hesselbach: Was haben Sie gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich mit Ideologen einlässt, Prinzipien der Wissenschaft verrät und ansonsten zusieht, wie die eigene Hochschule zur Kaderschmiede und zur Abraumhalde für Akademiker-Ausschuss umfunktioniert wird?

Um diesen Post mit dem zu beenden, was Hans Albert nicht müde werdend als Forderung nach dem konstruktiven Teil, gerne auch als Frage: “Und wo ist der konstruktive Teil?” verpackt hat, schlagen wir den Hochschulrektoren vor, ScienceFiles zu abonnieren (rechts oben im Widget-Bereich): Damit sie in Zukunft informiert sind, was an ihren Hochschulen vorgeht und welcher politische Anschlag auf die Integrität von Hochschulen gerade en vogue oder in Vorbereitung ist.

Willkommen in der wissenschaftsfreien Nach-Moderne

Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang sind Phänomene, deren Erforschung weitgehend Historikern überlassen ist, was den Verdacht nahelegt, dass Degeneration und Niedergang Phänomene sind, die nur die Vergangenheit, nicht jedoch die Gegenwart betreffen.

Wir sind der Ansicht, Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang sind die logischen Folgen des derzeit herrschenden Zeitgeistes, der Gutmenschen an allen Ecken der Gesellschaft ihr zerstörerisches Werk verrichten sieht. Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang sind die Folgen politischer Korrektheit die nicht mehr an den Folgen von Handeln interessiert ist, sondern an der richtigen Gesinnung, wer in guter Absicht tötet ist entsprechend entschuldigt.

Degeneration und gesellschaftlicher Niedergang beginnen da, wo das Verhältnis zur Realität, das Verhältnis zu Wissen, Erkenntnis und letztlich zu Wissenschaft zerrüttet ist, wo Gesellschaftsmitglieder mehr Energie darauf verwenden, Wissen und Erkenntnis, das ihnen nicht genehm ist, zu unterdrücken und Kenntnisse durch Gesinnung zu ersetzen, als darauf, Fortschritt und Innovation im Einklang mit der Realität zu suchen.

Niall FergusonEine der Triebkräfte, die zu der feindlichen Haltung gegenüber Fortschritt, Wissen und Erkenntnis führt, von der wir hier schreiben, ist eine Technikfeindlichkeit, die in Deutschland tief verwurzelt zu sein scheint und periodisch an die Oberfläche gespült wird.

Technikfeindlichkeit geht in den meisten Fällen mit einem moralischen Romantizismus einher, der doch tatsächlich der Ansicht ist, die von ihm herbeiphantasierte Form reiner Natur sei Menschen gegenüber nicht gleichgültig. Natur sei nicht das, dem Menschen jeden Fortschritt in Gesundheit, Hygiene und Lebensbequemlichkeit hätten abringen müssen, sondern eine Art Füllhorn, das nur darauf wartet, über Menschen ausgeschüttet zu werden. Technikfeindlichkeit wird entsprechend zur moralischen Angelegenheit, die in der Regel mit dem Blick auf zukünftige Generationen verklärt wird: zukünftige Generationen, die die Legitimation für heutigen Verzicht und heutiges Leiden darstellen. Der Katholozismus und seine Paradiesvorstellung im Jenseits, die Menschen darüber hinwegtäuschen soll, dass ihr Leben im Dieseits geführt wird und nicht im Jenseits, kehrt in modernisierter Variante zurück.

Es ist in diesem Zwielicht aus Ideologie, Gutmenschentum, romantizistischer Technikfeindlichkeit und Religion, dass wir die DFG und die Nationale Akademie der Wissenschaften, Leopoldina, treffen, mithin zwei Organisationen, deren Zweck eigentlich darin bestehen soll, Wissenschaft, Erkenntnis und Fortschritt zu fördern, nicht zu be- oder verhindern.

Beide Organisationen haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt (warum auch nicht), die es sich wiederum zum Ziel gesetzt hat, “Empfehlungen zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung” zu geben (warum auch nicht). Mit “Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung” ist das Machwerk überschrieben, das Herbert Marcuse erfreuen würde, würde er noch leben und Hans Albert und mit ihm alle, die ihr Leben dem Erkenntnisfortschritt verschrieben haben, das Grauen lehren wird.

LeopoldinasDas Werk der Arbeitsgruppe, deren Mitglieder rechts aufgelistet sind, beginnt wie viele ideologischen Schriften mit der irreführenden Behauptung, etwas, in diesem Falle Wissenschaft, sei besonders wichtig: Wissenschaft im Allgemeinen und Forschung im Besonderen “ist eine wesentliche Grundlage für den Fortschritt der Menschheit”. Die Warnung und damit der Widerspruch, folgt auf dem Fuss: “Mit freier und transparanter Forschung gehen jedoch auch Risiken einher”. Die Risiken ergeben sich, nach Ansicht der Mitglieder der Arbeitsgruppe, als Konsequenz der Dual-Use-Problematik von Wissenschaft.

Anglizismen werden einerseits häufig als Form der Distanzierung benutzt, um eigene Verantwortung ins (feindliche) Ausland zu verschieben, andererseits dienen sie häufig dazu, vollkommen triviale Sachverhalte als besonders komplex, kompliziert, gelehrt oder durchdacht erscheinen zu lassen. Die Dual-Use-Problematik besteht darin, dass Forschungsergebnisse “zu schädlichen Zwecken missbraucht werden können”: Nanotechnologie könne in Angriffswaffen münden, Industrieroboter könnten zu Kampfrobotern umfunktioniert werden, Kernenergie “kann nicht nur zu friedlichen Zwecken eingesetzt werden”, psychologie Forschungsergebnisse können zu Gehirnwäsche genutzt werden und linguistische Forschung für “missbräuchliche Kommunikationsüberwachung benutzt werden” (was besonders verräterisch ist, denn eine nicht missbräuchliche Kommunikationsüberwachung wird von den Arbeitsgrupplern offensichtlich befürwortet).

Das also ist die “Dual-Use-Problematik“: Das Küchenmesser kann neben dem Schneiden von Karotten auch zum Erstechen des Nachbarn eingesetzt werden, Streichölzer zum Anzünden von Kerzen und von Scheunen, Autos zur Fortbewegung und zum Überfahren von Feinden, heißes Wasser zum Teekochen und zum Verbrühen, Kissen zum Schlafen und zum Ersticken, Mikrophone zum Aufnehmen von Musik und zum Abhören von Gesprächen, Gürtel zum Halten von Hosen und zum Selbstmord, und so weiter.

Wann immer versucht wird, mit hinter Anglizismen versteckten Trivialitäten zu hantieren, um besonders dringliche Probleme wie im vorliegenden Fall die “ethische Verantwortung” von Wissenschaftlern zu behandeln, ist höchste Vorsicht geboten. Wann immer sich selbsternannte Gutmenschen anschicken, etwas so zu regeln, wie sie denken, dass es zum Guten sei, ist man bestens beraten genau hinzusehen und regelmäßig das Gegenteil zu tun. Schauen wir also, welche Empfehlungen die Mitglieder einer Arbeitsgruppe, von der nicht klar ist, wer sie mit welchen Interesse eingesetzt hat und ob und wenn ja wie sie legitimiert ist, freien Wissenschaftlern geben:

  1. dfg_logoWissenschaftler müssen nicht nur rechtliche Regeln bei ihrer Forschung beachten, sondern auch ethische Grundsätze. Die Chancen der Forschung sind mit den Risiken für Menschenwürde, Leben, Gesundheit, Freiheit und Eigentum der Menschen, Schutz der Umwelt und anderen Gütern abzuwägen.
  2. Forscher müssen Kenntnis von möglichen Risiken ihrer Forschung erlangen, um die einschlägigen Gefahren einschätzen zu können und Einsatz- und Missbrauchsmöglichkeiten ihrer Forschung mitzudenken.
  3. Risiken der Durchführung und der Verwendung der Forschungsarbeiten sind zu minimieren. Sicherheitsmaßnahmen sind zu treffen, Mitarbeiter und Kooperationspartner sorgfältig auszuwählen, in besonderen Fällen sind “staatliche Sicherheitsstellen” hinzuzuziehen und: “Internationale Kooperation ist zwar ein Grundprinzip erfolgreicher Forschung, im Einzelfall kann sich unter dem Aspekt der Risikominimierung gleichwohl eine Einschränkung der Zusammenarbeit oder ein Verzicht auf Partner oder Mitarbeiter aus bestimmten Staaten empfehlen” (13 – eine ganz offene Empfehlung für nationale Eigenbrödelei und Diskriminierung aufgrund von Staatsangehörigkeit und somit grundgesetzwidrig - erstaunlich).
  4. LeopoldinaVeröffentlichungen sind zu prüfen und sensible Ergebnisse, die missbraucht werden können, verkürzt oder gar nicht darzustellen. Wenn ein Missbrauch nicht zu verhindern ist, ist auf die Veröffentlichung zu verzichten.
  5. Risikoreiche Projekte, deren Nutzen den Schaden nicht übersteigt, sind erst gar nicht durchzuführen. Nutzen wie Schaden muss vor Beginn des Projekts “abgeschätzt” werden.
  6. Verantwortlich sind Wissenschaftler und ihre Vorgesetzten (Wer sind die Vorgesetzen von freien Wissenschaftlern?).

Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll, wenn man derartige, verquaste sozialistische Kontrollphantasien liest. In jedem Fall kann festgestellt werden, dass die DFG offensichtlich von einer Institution, die Erkenntnis und Wissensfortschritt ermöglichen sollte, zu einer Institution, die ihn verhindern soll, verkommen ist. Ob die Leopoldina jemals etwas anderes war, ist noch zu klären.

Generell fällt beim Lesen des Machwerks von DFG und Leopoldina auf, dass immer dann, wenn von Gefahren und Risiken einer Forschung die Rede ist, diese Gefahren individualisiert sind. Es ist der Forscher, der Risiken abschätzen muss. Es sind Dritte, Mitarbeiter und nicht-Deutsche, die das Missbrauchsrisiko darstellen. Dagegen sind der Staat und seine Institutionen heilige Instanzen, die Halt im riskanten Dasein geben, durch rechtliche Regeln und durch staatliche Sicherheitsstellen. Der Kollektivismus feiert neue Feste, der alte romantizistische Unsinn von der fürsorglichen Gemeinschaft der Guten, die der Boshaftigkeit des Einzelnen entgegegensteht, erlebt gerade eine Renaissance, die man nach der Aufklärung und den Verherrungen in der Folge von Romantik und Technikfeindlichkeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts nicht für möglich gehalten hätte: Aber: alte Mythen, besonders alte deutsche Mythen sterben offensichtlich nicht aus. Offensichtlich hat Emile Durkheim Recht, und es gibt so etwas wie ein kollektives Bewusstsein, und in Deutschland ist es voller Romantizismus und Irrationalismus und voller Technikfeinlichkeit.

Jeder Mensch, der einigermaßen mit Verstand ausgestattet ist, weiß, dass Entscheidungen immer die Zukunft betreffen, nie die Vergangenheit oder die Gegenwart, denn wenn ich mich entscheide, ein Eis zu kaufen, dann ist die Entscheidung dann, wenn sie vollzogen ist, Vergangenheit. Wenn ich mich entscheide ein Eis zu kaufen und mich auf den Weg zum Eismann mache, kann es passieren, dass ich Fritz S. treffe und mit ihm ein Streitgespräch über den Labeling Approach beginne, was mich das Eis vergessen lässt (obwohl mich das Streitgespräch erhitzt) und die Entscheidung hinfällig, und selbst wenn ich mein Eis tatsächlich kaufe, so hoffe ich bei jedem Verzehr darauf, dass der Eismann Hygiene einhält und ich nicht Salmonellen esse, die mich so lange quälen, bis ich sie wieder los bin.

Die triviale Entscheidung, ein Eis zu kaufen, kann bereits zu unvorhergesehenen Folgen führen (ich treffe Fritz S. auf dem Weg zum Eismann und vergesse mein Eis), sie ist mit einem Risiko verbunden (Salmonellen) und in jedem Fall eine Entscheidung unter Unsicherheit, denn ich weiß einfach nicht, ob sich mein Plan in der Weise, wie ich ihn mit der Entscheidung, ein Eis zu kaufen, formuliert habe, umsetzen lässt.

Eine triviale Handlung im Alltag ist bereits mit dem Problem konfrontiert, dass man die Zukunft leider nicht vorhersehen kann. Das, wie gesagt, weiß jeder normalbegabte Mensch, nur die Mitglieder der Arbeitsgruppe von DFG und Leopoldina, die wissen es nicht. Sie verlangen, dass Wissenschaftler in die Zukunft schauen und die Nutzen wie die Kosten, die mit ihrer Forschung verbunden sind, genau bestimmen. Aber sie verlangen von Wissenschaftlern nicht nur, dass sie zu Auguren einer zukünftigen Welt werden, nein, sie verlangen auch, dass sie zu moralischen Instanzen des Zeitgeistes werden und nichts tun, was dem Zeitgeist und seiner angeblichen Ethik widersprechen könnte.

Ptolemaeus weltbildNehmen wir zum Beispiel Claudius Ptolemäus, der das geozentrische Weltbild um 150 n.Chr. zum Standard erhoben hat. Nach seiner Ansicht, war die Erde der Mittelpunkt des Universums, von Sonne und Planten umkreist. Hätter er unter der Ägide der Empfehlungen von DFG und Leopoldina gelebt, er hätte sein geozentrisches Weltbild für sich behalten, hätte er doch mit Sicherheit das Risiko erkannt, dass es zur Sicherung der Machtverschränkung zwischen katholischer Kirche und Staat verwendet wird, dass Kritiker des geozentrischen Weltbilds als Häretiker verbrannt werden usw. Diesen Preis wäre der gute Claudius natürlich nicht bereit gewesen, zu zahlen, weshalb er die Veröffentlichung seiner Berechnungen zum geozentrischen Weltbild unterlassen hätte.

Nehmen wir zum Beispiel den namentlich nicht bekannten Erfinder des Rades. Er hätte seine Erfindung nur zur eigenen privaten Nutzung bereit gestellt und deren Verbreitung unterbunden, denn im Traum wären ihm die Visionen von Panzern, Streitwagen, von Rammen und millionenfach überfahrenen Tieren erschienen, und wer will sich schon am Massenmord schuldig machen.

Nun könnte man den Mitgliedern der Arbeitsgruppe zu gute halten, dass sie nicht zu dumm sind, um auch zu wissen, dass man zu Beginn und auch nach Abschluss einer Forschung den Nutzen und die Risiken der entsprechenden Forschung nur begrenzt, wenn überhaupt überschauen kann. Somit stellt sich die Frage, was sie mit ihren Empfehlungen bezwecken.

Die Antwort auf diese Frage ist widerlich: Sie ruft einem die absurde Idee in Erinnerung, dass Missbrauch von Forschung durch die Beteiligung fremdländischer, also nichtdeutscher Forscher wahrscheinlicher ist. Sie ruft einem den potenzierten Unsinn in Erinnerung, dass ausgerechnet staatliche Institutionen die Wächter der Sittenmoral sind, dass Staaten nicht etwa diejenigen sind, die seit Jahrhunderten wissenschaftliche Forschung für kriegerische Zwecke missbrauchen, und es ruft einem die Leichtigkeit in Erinnerung, mit der die DFG-Leopoldinas Transparenz, Intersubjektivität und Offenheit von Wissenschaft, die fundamentalen Kriterien ohne die Wissenschaft nicht möglich ist, über Bord werfen und Wissenschaft zur Aufgabe geheimer Zirkel in abgeschiedenen und vom Staat bewachten Bunkern machen.

Auf Basis dieser Unglaublichkeiten, die die DFG-Leopoldinas geschrieben haben, muss man den Schluss ziehen, dass sie angetreten sind, um Forschung zur nationalen, staatlich-kontrollierten und dem, was gerade als Zeitgeist herrscht verpflichteten Veranstaltung zu machen, zu etwas, das mit Wissenschaft nichts mehr zu tun hat. Sie sind die Totengräber der Wissenschaft. Sie sind angetreten, um die Degeneration und den Niedergang zu beschleunigen und eine neue Klasse von Hohepriestern zu schaffen, deren Zweck darin besteht, von staatlichen Sicherheitsstellen für nützlich gehaltene Forschung zu betreiben, die Ergebnisse geheim zu halten und die dumme Masse der Bevölkerung mit guten und wohlklingenden Botschaften ruhig zu stellen.

Wir befinden uns in der Nach-Moderne, in der das Individuum nichts, die Gruppe alles gilt. Nicht das Individuum hat Rechte, die Gruppe hat Rechte. Die Rechte werden verliehen, vom guten Staat. Geheime Bünde von Forschern, die staatsdienliche und natürlich gute Forschung betreiben, stellen die Legitimation für die Verleihung von zunächst Gruppen- und bald Zugangs- und Existenzrechten bereit. Die richtige Gesinnungs-Lehre ist auf einem Datenträger gesammelt, zu dem nur Eingeweihte und Hohepriester Zugang haben, und einmal wöchentlich wenden sich die Hohepriester an ihre jeweilige Gemeinde mit einer neuen Predigt über das, was angeblich auf dem Datenträger als Information gesammelt ist. Und natürlich wird alles von Steuerzahlern finanziert!

Wie immer stehen Wissenschaftler sprachlos am Rand und warten darauf, dass jemand für sie den Mund aufmacht.

 

Der Universitäts-Moron ScienceFiles Preis für den ideologischsten Studentenrat (AStA)

Bereits in der Vergangenheit haben wir von vermeintlichen Studentenvertretern berichtet, die sich vor allem dadurch hervortun, dass sie von Wissenschaft keine, dafür von Agitprop um so mehr Kenntnis haben. An vielen Universitäten scheint der AStA, der sich bezeichnender Weise häufig als “Student_Innen Rat” bezeichnet, die Keimzelle politischer und ideologischer Propaganda zu sein, die mit Wissenschaft nicht zu vereinbaren ist

Viele unserer Leser werden sich noch aus ihrer Hochschulzeit an den AStA erinnern, an dieses Grüppchen aus Vertretern der Hochschulgruppen der Parteien, das sich durch AStA-Wahlen, an denen regelmäßig gut 15% der Studenten teilgenommen haben, in seiner Wichtigkeit bestätigt gefühlt hat. Es gab auch AStAs, die sich sinnvoller Tätigkeit verschrieben haben, das soll nicht bestritten werden, aber sie waren schon damals in der Minderheit. Heute muss man sie vermutlich mit der Lupe suchen.

So haben wir denn von vermeintlichen Studentenvertretern geschrieben, die versuchen, Vorlesungen und die Weitergabe von Wissen zu verhindern, die sich am Boykott von Lehrveranstaltungen beteiligen, die sich auch nicht zu schade dafür sind, sich als Speerspitze für den Versuch, den Informationsgehalt der deutschen Sprache zu beseitigen, missbrauchen zu lassen usw. Und nun hat uns ein Leser auf den “Stura” von der Universität Leipzig aufmerksam gemacht.

Stura_LeipzigDort gibt es ein Grüppchen verbitterter Kader, die sich gegen “sexistischen Kackscheisse” wenden und damit schon vorab deutlich machen, wes Geistes Kind sie sind [die Verwendung des Begriffs "Geistes" an dieser Stelle ist in der Redaktion von ScienceFiles umstritten, die Meinung, es handle sich eher um Geistlosigkeit steht der Position gegenüber, dass die Redewendung sich nicht auf geistige Fähigkeiten in der Person, sondern  auf die Fähigkeiten entsprechender geisthaltiger Getränke bezieht], vor allem zeigen sie, was sie nicht sind: Studenten, die auch nur entfernt an Wissen und Erkenntnis interessiert sind, denn: Sie sind der Meinung, dass sie schon alles wissen und neue Erkenntnis wäre für ihr ausgefeiltes Wissen gefährlich.

Der Stura in Leipzig hat ein Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik, noch so ein Beleg dafür, dass hier kein Wissen, sondern Ideologie verbreitet wird, zeigen beiden Begriffe doch deutlich, dass sich die Studenten, die sich berufen fühlen, für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik zu streiten, für Auserwählte halten, die andere paternalisieren können.

Dieses Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpolitik hat einen Wettbewerb durchgeführt, dessen Ziel es war, 30 Tage lang, “sexistische und diskriminierende Publikationen” zu sammeln und am Ende die Publikation zu prämieren, die sich als sexistischste und diskriminierendste gegen die Konkurrenz behaupten konnte (Wie man sieht, schlummert in jedem Gleichsteller und Antidiskriminierer ein kleiner Voyeur (in der Tradition des Kulturteillesers beim Spiegel), der nichts lieber tut, als sich  mit sexistischer und diskriminierender Darstellung vollzusaugen, vermutlich als Form der Deprivations-Bekämpfung.).

Marius JungMehr als 100 Vorschläge haben das Referat erreicht. Die Wahl war dennoch einfach: Marius Jung und sein Buch “Singen können Sie alle! Handbuch für Negerfreunde” hat das Rennen gemacht und sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Marius Jung, seineszeichens nicht nur Autor eines Buches über Negerfreunde, sondern selbst schwarz, hat es mit Humor genommen und die Leipziger Agitatoren haben versucht, ihren Fauxpas damit zu rechtfertigen, dass sie die Art der Werbung für das Buch von Jung sexistisch und diskriminierend finden. Die Art der Werbung meint das Cover des Buches, auf dem ein muskulöser und lachender Schwarzer zu sehen ist, weitgehend nackt, nur von einer Schleife verhüllt, so dass die Zensur nicht rot wird und, eben an dieser Schleife, haben die möchtegern Studenten vom Referat für … Sie wissen schon, Anstoß genommen: “Hierbei”, so schreiben sie, “zeigt sich unserer Meinung nach eine stereotype Darstellung eines nackten schwarzen Menschen, der durch eine rote Geschenkschleife objektiviert wird”.

Wer das Buchcover betrachtet, sieht einen doch sehr individuellen schwarzen Mann. Offensichtlich sind die Herrschaften aus dem Referat zu sehr auf die Schleife des freundlich lachenden jungen Mannes fixiert.

Wie dem auch sei, wir haben die Aktion des Referats aus Leipzig zum Anlass genommen, um unsererseits einen Wettberwerb zu starten: Wir suchen den AStA, Studentenrat oder das Referat beim AStA, von dem mit Fug und Recht gesagt werden kann, dass es aus Personen besteht, die von Wissenschaft keine, aber auch wirklich gar keine Ahnung haben. Wir zeichnen aus: den Universitäts-Moron!

Die Gewinnvoraussetzung sieht entsprechend vor, dass die Vorschläge mit einer kurzen Begründung eingereicht werden. Und damit unsere Leser eine Vorstellung davon haben, was wir erwarten, legen wir auf Basis der Aktion “Der Preis ist heiß*” des Stura Leiptig, die Latte schon einmal etwas höher und geben hier eine Reihe von Kriterien an, die bei der Preiszumessung berücksichtigt werden können:

Kriterium 1: Verwendung von Worten ohne Sinn und Zweck – Begriffs-Dropping

Die Aktion “Der Preis ist heiß” soll folgendes, wie die Verantwortlichen schreiben: “Dabei soll gezielt die Sichtbarmachung und das Empowerment von Menschen und Empfindungen gefördert werden, welche im Sinne und im Aufgabenbereich des RGL [Referat für Gleichstellung und Lebensweisen] im Vergleich zur vorherrschenden, patriarchal geprägten Mehrheitsgesellschaft oftmals ungehört bleiben oder gänzlich verdrängt werden”.

Suchen Sie nicht nach dem Sinn dieses Satzungetüms, es hat keinen. Es hat nur einen Zweck: zeigen, man macht etwas und ist gut, selbst wenn man Teil der patriarchal geprägten Mehrheitskultur ist…

Kriterium 2: Zirkuläre reduktio ad absurdum

morons2Es gibt eine Vielzahl von Leuten, die den Mund aufmachen und ihn besser gehalten hätten. Viele davon reden sich um Kopf und kragen, schreiben sich um Kopf und Kragen, indem sie sich selbst mehrfach und zirkulär ad absurdum führen, etwa so:

“Grundsätzlich – dieser Fakt ist für uns nicht verhandelbar – hat jeder Mensch eine individuelle Erfahrung und Empfindung bezüglich diskriminierender Benachteiligung und Ungleichheit [es gibt demnach auch nicht diskriminierende Benachteiligung]. Wir vertreten die Ansicht, dass die Deutungshoheit und Definitionsmacht bei den einzelnen Menschen selbst verortet ist. … Daher wehren wir uns ausdrücklich gegen Anfechtungen und Diffamierung. Gleichzeitig verstehen wir einige Reaktionen nicht als individuelle Meinungen, sondern als Ergebnis patriarchal geprägter Strukturen”.

Ein weißer weiser Pfälzer hat nach dem Hören oder Lesen von Passagen wie der zitierten in der Regel gesagt: “Oh Herr, schmeiß’ Hirn.” Wir sind geneigt, ihm zuzustimmen. Nach Ansicht von Kerstin Schmitt, die diesen Unsinn mit “queer-feministischen Grüßen” unterschrieben hat, ist also jeder Mensch Herr über seine Erfahrungen und Empfindungen, hat Deutungshoheit und folgerichtig ist er auch Herrscher über seine Aussagen und Äußerungen, jedenfalls so lange bis seine Aussagen und Äußerungen von Kerstin Schmitt nicht als Anfechtung und Diffamierung und von patriarchal geprägten Strukturen verursacht, angesehen werden. Dann ist es Essig mit der Deutungshoheit und den individuellen Erfahrungen, denn Deutungshoheit hat nur Kerstin Schmitt als möchtegern Hohepriester einer nicht-pratriachalen Struktur, die es vermutlich nur im Hirn von Frau Schmitt gibt, gleich neben der herbeigesehnten patriarchalen Struktur, ohne die das eigene Dasein doch so gar keinen Sinn hat.

Kriterium 3: Purer Unsinn und Grenzdebilität

“Dass nicht die Intention zählt, sondern das Resultat, welches bei den Betroffenen ankommt, ist eine weitere Prämisse des RGL …”

Entsprechend der oben beschriebenen Deutungshoheit der einzelnen über die Frage, ob sie diskriminiert werden oder nicht, hat das Referat aus Leipzig gerade den eigenen Preis als Unsinn deklariert, denn die Referatler oder Räte oder wie sie sich auch nennen mögen, können natürlich keinerlei Aussage darüber machen, wie etwas bei anderen ankommt. Im Übrigen ist es natürlich auch unerheblich, welche Intentionen die Sturas mit ihrer Aktion haben und nur die Ergebnisse zählen: Also, je nach Perspektive, dass sie Marius Jung und sein Buch diskreditiert haben oder dass sie sich lächerlich gemacht haben. Nach ihren eigenen Maßstäben müssten sie entsprechend mit vollstem Verständnins auf eine eventuelle Schadensersatzklage des Carlsen-Verlages und von Herrn Schmitt reagieren.

Ergo:

“Selbstkritisch möchten wir an dieser Stelle feststellen, dass die Perspektive unseres Blickes Teil einer weißen Mehrheitsgesellschaft ist. Aus dieser Perspektive heraus empfinden wir es als Notwendigkeit zu betonen, dass wir nicht den Inhalt des Buches oder den Umgang des Autors mit seiner (Rassismus-)Erfahrung in Frage stellen …”

Wie, bei aller individuellen Deutungshoheit, die Referatsmitglieder es geschafft haben, zu einem “wir” zu kommen, ist uns ein Rätsel (vielleicht ist es gar kein “wir”, sondern die Deutungshoheit der nicht-patriarchalen Struktur “Kerstin Schmitt”, die hier spricht), aber sei’s drum, als Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft, der wir nun auch einmal sind- wenn auch durchaus nicht überall auf der Erde, wollen wir nur noch anmerken, dass es uns, in unserer individuellen Deutungshoheit, die sich auf Jahrzehnte individueller Erfahrung gründet, nicht nachvollziehbar ist, wie man aus der Perspektive des Blickes der Referatler zu dem Unsinn kommen kann, den sie von sich gegeben haben. Aus der Perspektive der Wissenschaftler, die wir sind, müssen wir anfügen, dass es uns kalt den Rücken herunterläuft, wenn wir sehen, was derzeit an deutschen Universitäten herangezüchtet wird.

Die drei Kriterien sind nur Vorschläge unsererseits. Leser können sich eigene Kriterien überlegen, die ihren Vorschlag für die Auszeichnung “Universitäts-Moron”, den Preis für die studentischen Vertreter, die von Wissenschaft nachweislich die geringste Ahnung haben, begründen. Bedingung ist nur, dass die Kriterien nachvollziehbar und prüfbar sind.

Vorschläge bitte per Email an ScienceFiles

Wo leben wir denn eigentlich? Ministerien finanzieren Betrug

Spiegel Online berichtet über das Professorinnenprogramm, über einen Fall, der beschreibt, was wir erwartet haben: Ein männlicher Bewerber lässt sich von der Formulierung des Ausschreibungstextes täuschen, reist aus den USA an, hält einen Probevortrag, wird von der Berufungskomission als bester Bewerber auf Listenplatz eins gesetzt und … Ja, er hat das falsche Geschlecht. Die Stelle soll aus dem Professorinnenprogramm finanziert werden, und aus dem Professorinnenprogramm werden keine männlichen Bewerber finanziert. Ergo bricht die Humboldt-Universität das Berufungsverfahren ab und, Matthias Aschenbrenner dürfte nun ein für alle Mal von einer Bewerbung an einer Deutschen Universität geheilt sein.

BetrugDie beschriebene Form des Betrugs, mit der männliche Bewerber unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geködert werden, um sich als Feigenblatt auf eine Ausschreibung zu bewerben, haben wir auf ScienceFiles schon mehrfach beschrieben. Die Vielzahl der Ausschreibungen, die wir gesammelt haben und die strategischen Anweisungen, mit denen das BMBF beschreibt, wie im Rahmen des Professorinnenprogramms vorgegangen werden soll, zeigen, dass die Ausschreiber genau wissen, dass sie gegen geltendes Recht verstoßen . Deshalb ziehen sie sich auf Methoden der Täuschung und des Betrugs zurück, auf die Vorspiegelung falscher Tatsachen, nämlich: männliche Bewerber hätten eine Chance, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden.

Die Täuschung ist im Fall von Matthias Aschenbrenner, der sich auf eine Mathematik-Professur an der Humboldt-Universität Berlin beworben hat, so erfolgreich gewesen,  dass, wie der Spiegel berichtet, nicht nur Aschenbrenner und zwei Drittel der Bewerber sich haben täuschen lassen, auch die Mitglieder der Berufungskommission waren offensichtlich nicht darüber unterrichtet, dass die Stelle, die sie besetzen sollen, nur und ausschließlich an weibliche Bewerber vergeben werden darf, dass die männlichen Bewerber nur als Staffage missbraucht werden, die benötigt wird, um nicht offensichtlich gegen geltendes Recht zu verstoßen.

Hätte, so hat ein externes Kommissionsmitglied dem Spiegel gegenüber gesagt, er gewusst, dass männliche Bewerber diskriminiert werden sollen, dann hätte er sich nicht am Berufungsverfahren beteiligt. Das ist moralisch anständig und ehrt das Mitglied, und es ist der Gipfel der Naivität. Wo leben wir eigentlich, wenn sich Professoren, und um einen solches wird es sich hier handeln, als externe Mitglieder in Berufungskommissionen setzen lassen ohne sich den Ausschreibungstext oder die Ausschreibungsmodalitäten genau durchzulesen, wenn sie sich, in aller Unschuld zum Wasserträger machen lassen, sich dazu missbrauchen lassen, den unanständigen und moralisch verkommenen Karren anderer zu ziehen?

Und wo leben wir, wenn Medien wie der Spiegel, die doch angeblich so kritischen Journalismus verbreiten, zu einem Betrug wie dem, der gerade an der Humboldt Universität stattgefunden hat, nichts einfällt, als das:

SPON“Natürlich muss der HU zugute gehalten werden, dass sie die Zeichen der Zeit erkannt hat: Von knapp 44.000 Professoren in Deutschland waren zuletzt noch immer knapp 35.000 männlich. Der Frauenanteil liegt bei kümmerlichen 20 Prozent, in Naturwissenschaften und Mathematik sieht es besonders düster aus: Nur etwas mehr als jeder zehnte Lehrstuhlinhaber ist in diesen Fächern weiblich.”

Na dann, kann man hier nur sagen, dann ist ja alles in Ordnung: Weil nur “kümmerliche 20 Prozent” der Professoren weiblich sind, ist dies natürlich Legitimation dafür zu betrügen, zu täuschen und männlichen Bewerbern Kosten zu verursachen, und es lässt darüber hinwegsehen, dass an der “HU … ein interner Hinweis” existiert, “dass für ‘vorgezogene Neuberufungen’ auf Professorenstellen ausschließlich Frauen in Frage kommen”.

Was muss eigentlich passieren, bevor deutsche Medien, angebliche Enthüllungsmedien wie der Spiegel, also das Blatt der Mittelschicht, bei dem die Pornographie im angeblichen Kulturteil versteckt wird, Tacheles redet, Ross und Reiter benennt, etwa so:

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert gemeinsam mit den Kultusministerien der Länder und aus Steuermitteln ein Programm, das ausschließlich dazu dient, männliche Bewerber auf Professuren zu täuschen und zu diskriminieren und weibliche Bewerber vorzuziehen.

Da diese Form der Diskriminierung gegen geltendes Recht verstößt, hat das BMBF ein Strategiepapier entwickelt, in dem dargestellt wird, wie genau Ausschreibungen auszusehen haben, so dass nicht offensichtlich wird, dass männliche Bewerber keine Aussicht auf eine Berufung haben. Das BMBF verteilt eine Anleitung zu Betrug und Täuschung, ebenfalls aus Steuermitteln finanziert.

Die Humboldt-Universität ergänzt die Täuschungs-Strategie aus dem BMBF, damit auch wirklich kein männlicher Bewerber berufen wird, mit einem “internen Hinweis”, der sagt: Vorzugsprofessuren gibt es nur für weibliche Bewerber.

Wie deutlich muss man Diskriminierung eigentlich machen, bevor deutsche Journalisten, bevor Hermann Horstkotte und Christoph Titz im vorliegenden Fall, ihren politisch korrekten Stumpfsinn zu überwinden im Stande sind und sehen, was sich vor ihren Augen ereignet?

ProfessorrinnenprogrammUnd wie lange muss man warten, bis sich Moral und Anstand und Empathie verbreiten, z.B. in Form der Frage: Möchtest Du Dir Hoffnung auf eine Professur machen, Dich auf die Professur bewerben, Zeit und Geld investieren, um anzureisen und einen Berufungsvortrag zu halten, nur um dann zu lernen, dass Du von Anfang an nur als Feigenblatt gebrauch bzw. missbraucht wurdest, weil Du nämlich von Anfang an keine Chance auf die entsprechende Professur hattest – aufgrund Deines falschen Geschlechts?

Wie lange muss man noch warten, bis Deutsche, die Anstand und Moral bewahrt haben, sich gegen moralisch verkommene Politagiteure stellen, die im Namen und im Auftrag derer, die sie gewählt haben, Betrug und Täuschung auf eine ganz neue Ebene gestellt haben?

Aber: Es gibt ein Zeichen der Hoffnung. Michael Hartmer, Geschäftsführer der Professorenvereinigung Deutscher Hochschulverband, hält den Abbruch des Verfahrens durch die HU für ‘scheinheilig’ und ‘empörend’. Wir werden ihm unsere Blacklist der Universitäten zukommen lassen, die männliche Bewerber ganz offen diskriminieren und dann sehen, ob verbalen Äußerungen, wonach etwas scheinheilig und empörend ist, auch nicht verbale Handlungen folgen.

Zu guter Letzt kann man den vermeintlich kritischen Journalisten des Spiegel und dem Geschäftsführer der Professorenvereinigung Deutscher Hochschulverband nur empfehlen, ScienceFiles zu lesen. Dann sind sie früher informiert und bei ihrer Erkenntnis nicht von den “Zeichen der Zeit” behindert, die man manchen wie dem sprichwörtlichen Esel die Karotten vor die Nase halten kann, damit sich der Karren in Bewegung setzt, und zwar in die gewünschte Richtung.

Sykophanten für das Land: Muster-Ausschreibung für Universitäten

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen lehrt das Grauen: Die völlige Unkenntnis der Verfasser darüber, was Wissenschaft und wissenschaftliches Arbeiten eigentlich umfasst, die Tatsache, dass immer mehr vermeintlich wissenschaftliche Beiträge sich als politisch korrektes Wiederkäuen politisch korrekter, von politischen Akteuren vorgegebener Inhalte entpuppen, und vor allem, die völlige Unkenntnis vieler Verfasser über ihre eigene Unkenntnis, verbreitet eine Form von Wissenschaftsterror, von der man sich nur schwer erholt.

miscatonic universityHinzu kommen die Versuche, wie sie z.B. aus dem BMBF kommen und z.B. im Rahmen des Professorinnenprogramms betrieben werden, in täuschender Absicht und hinter Floskeln versteckt, Wissenschaft mit Personen zu infiltrieren, die aufgrund eigener Leistung nicht einmal in die Nähe eines Lehrstuhls gelangt wären, weshalb man sie entsprechend fördern und aussichtsreiche Bewerber diskriminieren muss.

Das, was manche Inhaber wissenschaftlicher Positionen produzieren, und der direkte Einfluss, den Ministerien auf deutsche Hochschulen nehmen, lässt nur einen Schluss zu: Ziel ist die Entprofessionalisierung der Universitäten, deren Durchsetzung mit Personen, die nicht willens und nicht in der Lage sind, eigene und vor allem von der Vorgabe des politisch Korrekten abweichende Ideen zu formulieren und die selbst dann, wenn sie es wären, nicht über die Fähigkeiten und Kompetenzen verfügten, sie umzusetzen, ist Teil einer intendierten Zersetzung deutscher Universitäten. Sie wird von politischen Akteuren betrieben, um sich vor Kritik und Widerstand zu schützen, der angesichts zunehmender Verteilungskämpfe um knappe Ressourcen zu erwarten ist, und wenn man auf die Beiträge wissenschaftlicher Positionsinhaber blickt, so muss man feststellen, die entsprechenden Versuche sind schon weit vorangeschritten.

Und dies trotz der Rücksicht, die z.B. Vertreter des BMBF immer noch auf Dinge wie Wahrheit, Informationsgehalt oder gar Anstand zu nehmen müssen glauben, ein Glaube, der sich z.B. darin niederschlägt, dass im Rahmen des Professorinnenprogramms eine Vielzahl von kunstvoll-geschaffenen Begrifflichkeiten benutzt werden muss, um die Wahrheit, dass das Professorinnenprogramm offene Diskriminierung von Männern darstellt, zu verschleiern.

Um Ministerien von der Last, die mit dem Versuch der Täuschung einhergeht, zu befreien und wissenschaftlichen Positionsinhabern die Last, Legitimation des politisch Korrekten in wissenschaftliche Floskeln verpacken zu müssen, zu nehmen, haben wir uns entschlossen, einen Ausschreibungtext der Zukunft für ein Institut der Zukunft zu entwickeln, das dem Problem der Täuschung der Öffentlichkeit endlich und mit Systematik zu Leibe rücken wird.

 

HU-BerlinDie Humboldt-Universität Berlin gehört zu den wichtigsten Universitäten am Standort Berlin und profitiert nicht nur von ihrer räumlichen Nähe zu deutschem Bundestag und Ministerien. Das neugegründete Leopold Gutterer Institut für angewandte politische Legitimationsforschung wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Stadt Berlin finanziert. Es soll zu einem der führenden Kompetenzzentren Europas für die Aufbereitung und Darbietung von richtiger Information ausgebaut werden.

Zu diesem Zweck ist die

Genrikh Yagoda Gründungsprofessur für politische Divulgation (W3)

zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu besetzen.

Die Hauptaufgabe des zukünftigen Lehrstuhlinhabers/der zukünftigen Lehrstuhlinhaberin wird in der Begleitung des Aufbaus des Leopold Gutterer Instituts für angewandte politische Legitimationsforschung bestehen. Neben der Gründungsprofessur sind weitere drei Professuren am Institut vorgesehen, die sich weiteren Teilaspekten der politischen Kommunikation, unter besonderer Berücksichtigung von Auswahl und Darbietung der richtigen Information widmen. Vom Stelleninhaber/der Stelleninhaberin wird weiter erwartet, dass er/sie sich in Lehre und Forschung für das Thema der richtigen politischen Kommunikation engagiert. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Referent_innenRat (ehemals AStA) der Humboldt-Universität ist zu diesem Zweck sinnvoll und aus Gründen der Rekrutierung politischer Aktivisten zu begrüßen, um z.B. Veranstaltungen, die aus Sicht der richtigen Information bedenklich sind, durch Kundgabe der richtigen Information neu zu orientieren.

Der/die Stelleninhaber/in muss in der Benutzung statistischer Methoden ausgewiesen sein. Multivariate Verfahren wie logistische Regressionen oder Two-Way Cross-Random Effect Modelle müssen ihm von der Benutzung her vertraut sein. Mathematische Kenntnisse oder Erwägungen, die sich auf Reliabilität und Validität von statistischen Modellen beziehen, sind nicht erforderlich. Vielmehr werden vom Stelleninhaber/von der Stelleninhaberin moderne Methoden der Interpretation von Daten erwartet, die ihren Anfang nicht bei theoretischen Erwägungen, sondern bei der Idee der richtigen Information nehmen.

Weiter erwarten wir von Bewerbern/von Bewerberinnen, dass sie national wie international durch Publikationen in Fachzeitschriften ausgewiesen sind, die jedoch keinerlei kritische Resonanz und keinerlei kritische Aufmerksamkeit bei Fachkollegen ausgelöst haben. Erfolgreiche Bewerber/Bewerberinnen sollen ein Interesse am jungen Forschungsgebiet politischer Kommunikation der richtigen Information haben und sich durch ein entsprechendes gesellschaftliches Engagement ausweisen (Mitgliedschaften bei Antifa und Attac zum Zwecke der Netzwerkbildung im Hinblick auf Informationsgewinnung und offensiven Informationsverbreitung werden ausdrücklich ermutigt). Kenntnisse in Persuasionsforschung oder in assoziativen Techniken der Informationsaufbereitung sind von Vorteil.

Der/die Stelleninhaber/in sollte in der Lage sein, Vorgaben zur richtigen Information selbständig und weisungsgebunden umzusetzen. Zudem erwarten wir vom zukünftigen Stelleninhaber/von der zukünftigen Stelleninhaberin Kenntnisse in und eine Freude am spontanen Interpolieren, das nicht von eigenen Ideen beeinträchtigt wird. Vielmehr soll der zukünftige Stelleninhaber/die zukünftige Stelleninhaberin gewandt sein, in der Kunst, die Ideen anderer zu adaptieren, zu entstellen und durch eigene Forschung ad absurdum zu führen.

Wir bieten die Möglichkeit, beim Aufbau des Leopold Gutterer Institut als Ansprechpartner/Ansprechpartnerin für die Presse mitzuwirken, ohne dabei für die getroffenen Entscheidungen verantwortlich sein zu müssen. Wir bieten eine interessante Tätigkeit, die Kompetenzen und Fähigkeiten im Umsetzen vorgegebener Entscheidungen verlangt. Dabei steht die Entwicklung diverser Kommunikationsformen, die auf mehreren Wegen die Übermittlung derselben richtigen Information gewährleisten, im Zentrum der fordernden Tätigkeit. Redaktionelle Tätigkeiten, wie z.B. die Anpassung veralteter Schriften an das moderne und richtige Denken, sind Bestandteil der Arbeit, die vom Stelleninhaber/von der Stelleninhaberin erwartet wird. Kenntnisse im Erstellen so genannter “abridge versions”, in denen falsche Informationen weggelassen und richtige Informationen eingefügt werden, sind von Vorteil.

Die Finanzierung der Stelle erfolgt aus den Mitteln des BMBF. Die Stelle ist unbefristet. Bewerber dürfen das 52. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Bei gleicher Eignung werden Bewerber vorgezogen, deren visueller Eindruck keinerlei Anzeichen auf eine vorhandene Individualität vermittelt.

Bewerbungen senden Sie bitte unter Einschluss der üblichen Bewerbungsunterlagen und unter dem Stichwort „Genrikh Yagoda“ an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Hannoversche Straße 28-30, D-10115 Berlin.

Die Bewerbung von behinderten, weiblichen Bewerberinnen mit Kind wird ausdrücklich begrüßt.

Das Professorinnenprogramm in vergleichender Analyse: Varianten der Täuschung

Im Rahmen des Professorinnenprogramms werden weiterhin munter und fröhlich männliche Bewerber getäuscht. Daran hat sich auch in den Wochen nichts geändert, seit wir das letzte Update zur staatlich subventionierten Diskriminierung von Männern an deutschen Hochschulen veröffentlicht haben.

deceitDas heißt nur: bei allem Widerstand, die Kosten, die mit der Diskriminierung von männlichen Bewerbern an Hochschulen einhergehen, sind offensichtlich noch nicht hoch genug. Mitglieder von Berufungskommissionen, die sich zu Bütteln des Professorinnenprogramms machen, schleichen noch nicht über Gänge, scheuen noch nicht das Tageslicht. Verwaltungsbeamte, die Mittel für das Professorinnenprogramm über Kontenblätter schieben, sind noch nicht mit derzeit nicht verbuchbaren, weil unvorhergesehenen Kosten des entsprechenden Programms konfrontiert und auch die weiblichen Bewerber, die im Rahmen des Professorinnenprogramms berufen werden, scheinen immer noch zu denken, es gehe vornehmlich darum, eine Professur zu ergattern. Die Idee, dass Studenten sie dafür verachten könnten, dass sie sich zu Günstlingen des Professorinnenprogramms gemacht und dem offenen Wettbewerb mit männlichen Konkurrenten gescheut haben, hat sich bei ihnen anscheinend noch nicht gesetzt.

Zeit, ein weiteres Stück Holz auf das Feuer zu legen.

Heute wollen wir komparativ vorgehen und drei Varianten, mit denen Hochschulen in ihren Ausschreibungen versuchen, männlichen Bewerbern vorzumachen, sie hätten Chancen, auf eine ausgeschriebene Stelle berufen zu werden, präsentieren.

Das erste Beispiel kommt von der Hochschule Heilbronn.

Dort ist eine Professur für das Fachgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftlehre, insbesondere Finanz- und Rechnungswesen und Controlling ausgeschrieben (W2), und zwar mit dem folgenden Zusatz:

Hochschule Heilbronn“Für diese Professur im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen ist eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder geplant. Das Professorinnenprogramm hat zum Ziel, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen, die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen im Wissenschaftssystem nachhaltig zu verbessern und die Anzahl der Wissenschaftlerinnen in den Spitzenfunktionen im Wissenschaftsbereich zu steigern. Die Stellenbesetzung erfolgt unter dem Vorbehalt, dass die Finanzierung der Stelle gesichert ist.”

Die Gleichstellung im Rahmen des Professorinnenprogramms funktioniert über den Ausschluss männlicher Bewerber. Da die Stellenbesetzung im Rahmen des Professorinnenprogramms erfolgt, haben männliche Bewerber keine Chance, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden. Das steht natürlich nicht offen in der Ausschreibung. Vielmehr werden männliche Bewerber bewusst darüber getäuscht, dass beabsichtigt ist, sie als Staffage in einem abgekarteten Spiel zu benutzen.

Der Zusatz: “Die Stellenbesetzung erfolgt unter dem Vorbehalt, dass die Finanzierung der Stelle gesichert ist” bedeutet de facto: Die ausgeschriebene Stelle wird nur dann besetzt, wenn sie im Rahmen des Professorinnenprogramms finanziert wird, und finanziert wird sie nur, wenn ein weiblicher Bewerber berufen werden kann. Denn genau dafür wurde das Professorinnenprogramm geschaffen

Eine andere Variante für die selbe Form von Täuschung findet sich bei der Hochschule Landshut, deren Ausschreibungstext man entnehmen kann, dass die Hochschule nicht an irgendwelchen qualifizierten Kandidaten interessiert ist, sondern an Kandidaten, die in der Reihenfolge: weiblicher Elternteil, weiblicher Kandidat, männlicher Elternteil, männlicher Kandidat berufen werden sollen, unabhängig von Qualifikation. Die Tatsache, dass die Berufung auf eine W2-Professur für Projektmanagement und Führung weiblichen Bewerbern am besten mit Kind vorbehalten ist, wird geradezu kunstvoll im folgenden Wortwust verpackt. Da sage noch einer, an der Hochschule Landshut gebe man sich keine Mühe, beim Täuschen männlicher Bewerber:

Hochschule Landshut“Als zertifizierte familiengerechte Hochschule setzt sich die Hochschule Landshut für die Vereinbarkeit von Beruf/Studium und Familie ein. Die Hochschule Landshut strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen in Forschung und Lehre an. Sie wird deshalb im Rahmen des Professorinnenprogramms II des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und fordert qualifizierte Wissenschaftlerinnen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Bewerbungen aus dem Ausland sind erwünscht. Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei ansonsten im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher
Leistung bevorzugt eingestellt.”

Qualifikation, so kann man dieser Ausschreibung entnehmen, spielt nur noch bei behinderten Bewerbern eine Rolle, und in der Tat, man muss behindert sein, wenn man sich die Mühe macht, Qualifikation zu erwerben, wo man doch bei Kinderbeseitz und weiblichem Geschlecht auch ohne Qualifikation in öffentliche Positionen gehievt wird.

Die letzte Variante der Täuschung, die wir bis auf weiteres vorstellen wollen, kommt von der Fachhochschule Bielefeld. Dort lässt man eigentlich an der Tatsache, dass die Ausschreibung dazu gedacht ist, männliche Bewerber vorzuführen und diejenigen, die arglos genug sind, sich zu bewerben, zu diskrminieren, keinen Zweiel. Die entsprechende Absicht erschließt sich dem des Professorinnenprogramms Kundigen unmittelbar. Alle anderen, die nicht wissen, dass eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm eine Berufung weiblicher Bewerber voraussetzt, haben entsprechend Pech, Kosten und vielleicht, wenn Sie nach erfolgloser Bewerbung auf diesen ScienceFiles-Beitrag stoßen, etwas gelernt:

Fachhochschule Bielefeld“An der Fachhochschule Bielefeld ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt im Rahmen des Professorinnenprogramms II eine Professur zu besetzen. Ziel des Professorinnenprogramms II ist es, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen, die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen im Wissenschaftssystem nachhaltig zu verbessern und die Anzahl der Wissenschaftlerinnen in den Spitzenfunktionen im Wissenschaftsbereich zu steigern.”

Besetzt werden soll wiederum eine W2-Professur, dieses Mal für Wirtschaftsmathematik.

Bleibt zu hoffen, dass die Aufklärung, die wir auf ScienceFiles leisten (oder noch besser: eigene Erkenntnis), möglichst viele männliche Bewerber dazu veranlasst, sich auf eine der drei Positionen zu bewerben und, nachdem ein weiblicher Bewerber berufen wurde, den Ausschreibungstext und die darin enthaltenen Täuschungen zum Anlass zu nehmen, um sich bei der Antidiskriminierungsstelle zu beschweren und vor einem Verwaltungsgericht zu klagen.

Denn: der einzige Weg, staatlich subventionierte Diskriminierungsprogramme zu stoppen, besteht darin, Kosten zu verursachen, Kosten, für die bei der zuständigen Verwaltung kein Kostenkonto eingerichtet ist. Verwaltungen, sind sie erst einmal am Laufen, kennen keine moralischen Grenzen. Hochschulen, die sich am amoralischen Spiel des Professorinnenprogramms beteiligen, zeigen damit ebenso deutlich wie die Mitglieder der entsprechenden Berufungskommissionen, dass sie dieselbe a-Moralität teilen. Folglich hilft es nichts an eine nicht vorhandene Moral zu appellieren. Der einzige Weg, Diskriminerungs-Programme zu beseitigen, ist sie zu verteuern und dafür zu sorgen, dass innerhalb von Verwaltungen Streitigkeiten um die entsprechenden Ressourcen entstehen.

Zum Abschluss noch ein Schmankerl aus der Ausschreibung der Hochschule Landshut:

“Wenn Sie sich für die Professur berufen fühlen, freuen wir uns auf Ihre Onlinebewerbung…”

Wieso man sich bewerben soll, um berufen zu werden, wenn man sich bereits berufen fühlt, ist eine weitere dieser Denk- und Sprechkapriolen, mit denen man heutzutage leben muss, wenn man sich mit deutschen Hochschulen beschäftigt.

Rostocker Ehrendoktorposse: Showdown um Snowden

Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock hat durch den Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wolfgang Schareck, gerade die maximale Strafe für Unkenntnis der rechtlichen Regelungen, auf denen der Universitätsbetrieb in Rostock basiert, erhalten: Er hat die Entscheidung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät Rostock, Edward Snowden den Ehrendoktortitel der Fakultät für Philosophie zu verleihen, beanstandet, den Rat der Fakultät aufgefordert, die Entscheidung aufzuheben und im Falle einer Weigerung, die letztliche Entscheidung im Rahmen der Rechtsaufsicht an das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern verwiesen.

Da versuchen sich Sozialwissenschaftler einmal leutselig zu geben und auf einen Wagen des Volkszorns aufzuspringen, da wollen sie einen mutigen Mann, der in weiten Teilen der USA als Landesverräter gilt, einmal für sein Engagement mit einem Ehrendoktortitel auszeichnen, und was passiert: Ihr Beschluss wird ihnen vom Rektor um die Ohren gehauen.

Uni RostockDabei haben die Mannen von der Philosophischen Fakultät alles ihnen nur mögliche getan, um die Weitergabe von Informationen durch Edward Snowden zu einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung, zu einer Aktion von “wissenschaftliche(r) Bedeutung” zu stilisieren. Sieben Professoren, von Ulrich Beck und Micha Brumlik zu Claus Leggewie und Wolfgang Hoffmann-Riem wurden verschlissen, um die wissenschaftliche Bedeutung der Übergabe von Informationen an Zeitungen zu begründen. Was hat es gebracht? Nichts.

Auch der Versuch, Snowden als Vertreter einer uramerikanischen Freiheitskultur, als in der Tradition US-amerikanischer Bürgerrechtler wie Malcolm X und Dr. Martin Luther King stehend, aufzubauen, ihn zu einem amerikanischen Patrioten zu erklären und seine moralische Integrität und die ethische Dimension seines Handelns zur Grundlage der Verleihung einer Ehrendoktorwürde zu benutzen, hat nichts geholfen, ebenso wenig wie der Verweis darauf, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns und der Persönlichkeit des zu Ehrenden beurteilen” könne.

Am Ende mussten sich die eminenten Professoren, die gemeinsam mit u.a. ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern den Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät in Rostock besetzen, von ihrem Rektor belehren lassen, dass in Mecklenburg-Vorpommern ein Ehrendoktortitel nur “aufgrund besonderer wissenschaftlicher Leitungen” verliehen werden dürfe und dass die “Übergabe eines umfangreichen Datenbestandes an ausgesuchte Medien mit dem Ziel einer Veröffentlichung und Auswertung dieses Datenbestandes durch diese Medien und zu dem Zweck, einen möglicherweise auch wissenschaftlichen Diskurs mit Blick auf die Aktivitäten verschiedener Geheimdienste und ihrer gesellschaftlichen, rechtlichen und sonstigen Implikationen … nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden” könne.

TopitschDie ganze Angelegenheit ist mittlerweile über den Punkt der Peinlichkeit hinaus und man fragt sich, welche Funktion manche Positionsinhaber an Universitäten denselben eigentlich zuweisen. Wenn die Fakultätsräte der Philosophischen Fakultät in Rostock tatsächlich der Ansicht sind, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns” beurteilen könne, dann befördern uns der Herr Dekan Hans-Jürgen von Wensierski und die beiden Prodekane Frau Gesa Mackenthun und Elisabeth Prommer damit um 100 Jahre zurück in die Vergangenheit, und just in die Zeit, als man sich in Deutschland gegen das, was damals als Afterwissenschaft, heute als Pseudowissenschaft bekannt ist, gewehrt hat.

Damit war alles gemeint, was sich an Universitäten breit gemacht hat, ohne über eine wissenschaftliche Methode zu verfügen: Alfred Dippe hat 1895 in seinem Buch “Sozialismus und Philosophie auf den deutschen Universitäten”, festgestellt: “Die Wissenschaft der Sozialdemokratie ist Afterwissenschaft, weil sie der logisch scharfen Kritik nirgends standhalten kann”. Damit war gleichsam ein Startschuss gegeben, ein Startschuss für den Kampf von Wissenschaftlern gegen in bestimmter Gesinnung betriebene Wissenschaft, die eine solche schlicht nicht sein kann, weil Gesinnung sich auf die Wahrnehmung auswirkt und dafür sorgt, dass Forschungsergebnisse verzerrt werden. Nicht nur das: Bestimmte Fragestellungen tauchen im Rahmen einer bestimmten Gesinnung überhaupt nicht auf, oder wann hätte man jemals einen sozialistisch gesinnten Pseudowissenschaftler darüber forschen sehen, wie Transferzahlungen an vermeintlich Arme deren sozialen Aufstieg verhindern und die so oft bejammert Klassengesellschaft zementieren? Wann hätte man je einen Genderisten darüber forschen sehen (oder überhaupt forschen sehen), welchen Schaden der Genderismus im Motivationsgewebe der deutschen Gesellschaft hinterlässt?

Eigentlich sind diese Fragen im deutschen Positivismusstreit hinlänglich bearbeitet worden, aber wie sich zeigt, sind deutsche Sozialwissenschaftler insbesondere resistent gegen Einsichten, die in anderen Wissenschaften als common sense gelten: Wissenschaft ist eine Methode des Erkenntnisgewinns, es ist eine Methode, die bei Problemen beginnt und nach Ursachen sucht. Die Suche muss frei von Einschränkungen und entlang der wissenschaftlichen Methode erfolgen, d.h. es müssen Hypothesen über die Ursachen aufgestellt und es muss der Versuch unternommen werden, diese Hypothesen zu falsifizieren.

Adorno PositivismusstreitEntsprechend ist Wissenschaft unvereinbar mit Gesinnung, und sie ist zuweilen unvereinbar mit den herrschenden moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns. Sie dient der Erkenntnisgewinnung und manche Erkenntnis mag der herrschenden Moral, Ethik oder anderen zivilgesellschaftlichen Dimensionen widersprechen. Wer das nicht glaubt, der soll an Galileo Galilei denken, der sich in erheblichem Konflikt mit den moralischen und ethischen Vorstellungen seiner Zeit befand, geschweige denn, dass ihm sein etwaiges zivilgesellschaftliches Engagement gut bekommen wäre. Wer es nicht glaubt, der möge sich einen Wissenschafler vorstellen, der sich mit Fragen der gentechnischen Veränderung von Mais, Reis oder Getreide beschäftigt und die entsprechende Forschung vor dem Hintergrund der herrschenden moralischen, ethischen oder zivilgesellschaftlichen Engstirnigkeit beurteilen.

Und damit sind wir am Kern des Problems. Die Wissenschaftsauffassung, die die Fakultätsräte in Rostock an den Tag legen, ist eine Auffassung, die der Wissenschaft schadet, eine Mainstream-Auffassung, eine Art der Wissenschafts-compliance mit dem Zeitgeist. Einmal davon abgesehen, dass Edward Snowden keinerlei Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnis geliefert hat, denn wollte man dies behaupten, man müsste jeden Archivar, der ein Buch von einem Wissenschaftler aus dem Mittelalter findet, das als verloren galt, mit einem Ehrendoktortitel ausstatten, mag es für Zeitgeist-Reiter, für Personen, die sich einen Vorteil davon versprechen, dass sie ihr Fähnchen in den Wind des Zeitgeistes hängen, einen gewissen Reiz ausüben, Edward Snowden einen Ehrendoktor anzudienen, aber abgesehen von Opportunismus ist es schwierig, ein anderes Motiv, gar ein wissenschaftliches Motiv ausfindig zu machen.

Daraus folgt, dass wissenschaftliche Motive der Entscheidung des Philosophischen Fakultätsrates nicht zu Grunde liegen können, sondern Motive des Opportunismus, vielleicht gepaart mit einer gewissen Mediengeilheit und dem Versuch, eine ansonsten wenig bemerkenswerte Fakultät in die Presse zu bekommen. Zu diesem Zweck wird dann mit hehren Begriffen geworfen, ein Informant der Presse wird zum Wissenschaftler stilisiert, ihm gar ein großes Verdienst um die Wissenschaft attestiert und die Krönung der salbungsvollen Orgie findet sich in der Behauptung, Wissenschaft müsse dem ethisch-moralisch-zivilgesellschaftlichen Zeitgeist entsprechen.

snowdenDas mag für jene Sozialwissenschaftler, die nicht wissen, was eine wissenschaftliche Methode ist und deren Tätigkeit in Weltanschauung besteht, lauter sein, für richtige Wissenschaftler ist es eine Katastrophe und der Gipfel der Heuchelei. Und wie hoch der Gipfel der Heuchelei ist, kann man durch ein einfaches Entfremdungsexperiment deutlich machen: Stellen Sie sich vor, die an die Presse gegebenen Informationen betreffen nicht die NSA und sind nicht politisch korrekt und dem Zeitgeist entsprechend, also z.B. gibt ein Insider Informationen darüber weiter, wie an Universitäten ein schwunghafter Handel mit Titeln betrieben wird, wie Externe sich bei manchen Professoren einkaufen können, um einen Doktortitel zu erwerben oder noch deftiger: Ein Wissenschaftler analysiert all die Doktortitel, die im Rahmen von Genderstudiengängen vergeben werden und zeigt, dass sie auf keinerlei wissenschaftlicher Basis stehen, keine Methode umfassen, keinerlei Erkenntnis erbringen und darüber hinaus irrelevanten Firlefanz zusammenschreiben. Ob die beiden fiktiven Gestalten dann mit einem Ehrendoktortitel aus Rostock rechnen können?

Um es  klar und deutlich zu sagen: Edward Snowden hat eine bewundernswerte Form von Zivilcourage bewiesen, und er verdient dafür, dass er es möglich gemacht hat, die Überwachung von Bevölkerungen durch ihren Staat zu analysieren und zu bewerten, Hochachtung. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Edward Snowdens gäbe, die es sich zum Ziel setzen, all die Strategien und Methoden, mit denen Staaten ihre Bürger gängeln bzw. im Zaum halten wollen, aufzudecken. Snowden ist also aus der Perspektive einer Ethik der Freiheit ein role model, das leider bislang noch darauf wartet, in Deutschland oder in anderen Ländern Schule zu machen. Aber Snowden ist kein Wissenschaftler und entsprechend niemand, dem man für besondere wissenschaftliche Leistungen einenTitel verleihen kann. Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man sich der Person Snowdens für seine ganz eigenen Zwecke bedienen will.

 

Unabhängigkeit der Wissenschaft? Ha!

Wissenschaft und Forschung sind unabhängig von staatlichem Einfluss, so lautet eine der Lebenslügen, mit der viele Wissenschaftler leben. Die angebliche Selbstverwaltung der Universitäten in Freiheit, die letztlich nur dazu dient, Verwaltungsaufgaben und die dazu gehörigen Vorgaben auf Hochschullehrer und ihre unglücklichen Mitarbeiter am Lehrstuhl abzuwälzen, ist so etwas wie der heilige Gral der Wissenschaft: Alle beten ihn an, niemand hat ihn bislang gefunden.

Dabei hat der Deutsche Hochschulverband bereits im Jahre 1999 auf die typisch verwaltungs-deutsche Art und Weise, in der man Dinge anspricht ohne sie auszusprechen, darauf hingewiesen, dass es mit der Unabhängigkeit von Forschung und Lehre nicht mehr so weit her ist.

Hier ein paar Kostproben aus einer doch bemerkenswerten, weil bemerkenswert einflusslosen Resolution:

Hochschulverband“3. Der Beruf des Universitätslehrers hat durch die Zunahme von Dienstaufgaben, die außerhalb von Forschung und Lehre liegen, an Anziehungskraft verloren. Gerade die Unabhängigkeit in Forschung und Lehre hat aber viele junge Wissenschaftler bewogen, eine universitäre Karriere anzustreben. Eine über das notwendige Maß hinaus gestiegene Zahl von Gremiensitzungen, eine wachsende Verordnungs- und Gesetzesflut, die Auseinandersetzungen mit an diese Vorschriften gebundenen Universitätsverwaltungen, die in der Massenuniversität anfallenden Begutachtungen und Bescheinigungen aller Art – all das ist Gegenstand eines täglich neu zu führenden “Papierkrieges”, der immer weniger Zeit für die Forschung läßt und daher abschreckt. Eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Forschung und Lehre ist dringend notwendig.”

Man hätte auch schreiben können, dass die vielen gesetzgeberischen Eingriffe in die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre dazu geführt haben, dass es Letztere nicht mehr gibt, entweder weil die gesetzgeberischen Eingriffe die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre direkt verunmöglichen oder weil sie über die Zuweisung immer neuer Aufgaben akademischer Selbstverwaltung die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre ersticken, weil vor lauter Selbstverwaltung keine Zeit mehr bleibt, für die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.

Und weiter:

“5. Der Hochschullehrerberuf verliert durch den schleichenden Verlust der Unabhängigkeit an Attraktivität. Die angekündigte Entbeamtung der Hochschullehrer, die Befristung von Dienstverhältnissen und die Einführung von Probedienstverhältnissen öffnet Tür und Tor für eine sachwidrige und vor allem politische Einflußnahme. Offensichtlich ist die Politik nicht länger gewillt, die Universitäten vor einer Ämterpatronage zu schützen. Die sachliche und persönliche Unabhängigkeit der Hochschullehrer ist kein Privileg, das es zu schleifen gilt, sondern unabdingbare Voraussetzung für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie institutioneller Schutz vor Repressalien von innen und außen.”

Auch wenn der Hochschulverband mit der Entbeamtung der Professoren den falschen Feind angreift, so sind seine Gründe doch zu respektieren und die Halboffenheit, mit der hier der direkte Eingriff der Politik in die Forschung und Lehre, in die Verwaltung von Universitäten ausgesprochen wird, ist vielsagend. Gewichtet man diese Halboffenheit mit der Tatsache, dass Missstände schon zum Himmel stinken müssen, bis sie in deutschen Verwaltungen als mögliche, wenngleich leichte Geruchsbeeinträchtigung wahrgenommen werden, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie weit die politische Gleichschaltung an Hochschulen bereits fortgeschritten ist, wie weit die Krakenarme der Politik bereits in die Hochschulen reichen.

Wer sich das nicht vorstellen kann, der möge sich vergegenwärtigen wie wenige Hochschulen sich trauen, die vorgegebene Säue “familiengerechte Universität” und “Förderung von Frauen an Hochschulen” nicht durchs Dorf zu treiben.

stupendous yappi1Wem dies immer noch nicht reicht, dem sei ein druckfrisches Beispiel der politischen Einflussnahme auf Hochschulen vorgeführt. Abermals ist es ein Beispiel aus dem beliebten Thema der “Gleichstellung”. Dazu muss man wissen, dass das Wissen, das an deutschen Hochschulen produziert wird, vom Geschlecht dessen abhängig ist, der es produziert. Und so meinen Politiker zu wissen, dass dann, wenn man mehr Frauen und respektive weniger Männer an Hochschulen etabliert, das Wissen größer wird, weil die vielwissenden Frauen die wenigwissenden Männer verdrängen. Woher die Politiker ihr vermeintliches Wissen haben, ist bislang ungeklärt, vermutlich hat es, wie das vermeintliche Wissen jeder Religion einen Offenbarungscharakter, es teilt sich den Wissenden mit und wem es sich nicht direkt mitteilt, dem kann mit ein wenig monetären Anreizen zum Wissen verholfen werden.

Doch zurück zum druckfrischen Beispiel: Es kommt von der DFG. Die DFG finanziert einen “Instrumentenkasten” voller guter Beispiele, nein: “vorbildliche[r] Beispiele zur Förderung der Chancengleichheit”. Was man unter Chancengleichheit zu verstehen hat, offenbart Generalsekräterin Dorothee Dzwonnek (ob Generalsekretärin im ZK oder sonstwo, war der Pressemedlung nicht zu entnehmen): “Wir müssen starke Zeichen gegen die Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft setzen, die ebenso ungerecht wie eine Vergeudung ganz erheblichen intellektuellen Potenzials ist”.

Die regelmäßige Vermengung von Gleichstellung, Chancengleichheit und Benachteiligung ist entweder Dummheit geschuldet, also Ergebnis einer Unfähigkeit in abstrakten Konzepten zu denken oder Absicht und somit Ergebnis von bad intend, wie man im Englischen sagt, und was man am besten mit Bösartigkeit übersetzen kann. In jedem Fall widerspricht es jeder Form von informierter Diskussion über Bildung und Bildungszugänge.

Bislang ist es noch niemandem gelungen, einen Nachweis darüber zu führen, dass Frauen in der Wissenschaft benachteiligt werden, aber in Glaubenskulten kommt es nicht auf das an, was ist, sondern auch das, was nach Ansicht der Kultmiglieder sein soll: Und die Offenbarung, die zu verbreiten Generalsekretärin Dzwonnek bezahlt wird, lautet nun einmal, Frauen werden an Universitäten benachteiligt. Warum es diese Offenbarung ist, die gepredigt wird, und nicht die Offenbarung, dass der Kalender der Mayas falsch gelesen wurde und Armageddon nicht 2012 sondern 2021 stattfindet, man kann es nur vermuten: Vermutlich lässt sich mit der Benachteiligungs-Offenbarung mehr Geld verdienen; vermutlich lassen sich mehr Günstlinge in eine abhängige Position befördern.

dfg_logoDie Deutsche Forschungsgemeinschaft, die den Instrumentenkasten finanziert, mit dem ein “starkes Zeichen” gegen die Eingeweihten ge-offenbarte Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft gesetzt wird,  ist jene DFG, die sich als “Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland” bezeichnet und von sich behauptet, dass sie der “Wissenschaft in allen ihren Zweigen” diene. Dafür ist die DFG nach außen als privatrechtlicher Verein institutionalisiert worden, um den Anschein, einer unabhängig von politischer Einflussnahme möglichen Wissenschaft und Forschung aufrecht zu erhalten.

Erste Zweifel an dieser Unabhängigkeit wecken Programme und Aktionen wie der Instrumentenkasten, die weniger der Wissenschaft dafür aber den politischen Launen der Regierenden dienen. Und immerhin stellt der Bund (also die Steuerzahler) mit 1,691 Milliarden Euro 67,1% der Mittel bereit, die die DFG im Jahre 2012 zur Verfügung hatte. Weitere 32,7% oder 823 Millionen Euro stammen aus den von Steuerzahlern gefüllten Kassen der Länder. 0,2% der Finanzierung der DFG wird von sonstigen beigetragen.

In der Pfalz gibt es schönes Sprichwort: Wer zahlt, bestimmt!

Nicht so bei der DFG?

Das wichtigste Gremium der DFG, das zentrale Entscheidungsgremium, wie es in der Selbstbeschreibung heißt, ist der Hauptausschuss, der auf Grundlage “der Beschlüsse des Senats die wesentlichen die DFG betreffenden wissenschaftspolitischen Entscheidungen abschließend” trifft. Die Umsetzung der Offenbarung, nach der nicht näher benannte Frauen durch unbekannte, zumindest aber nicht benannte Mechanismen in der Wissenschaft benachteiligt werden, geht demnach auf eine Entscheidung im Hauptausschuss der DFG zurück.

Dieser Hauptausschuss setzt sich aus 82 Mitgliedern zusammen; ein recht großer Ausschuss also. 39 der Mitglieder sind aus der Wissenschaft, 40 Mitglieder gehören den Regierungen der Ländern oder des Bundes an, hinzu kommt ein ständiger Gast aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, ein Vertreter des Stifterverbands und der Präsident der DFG als Vorsitzender des Hauptausschusses. Auch ohne einen Vertreter der Wissenschaft auf ihre Seite zu ziehen, hat die Fraktion der politischen Beamten eine Mehrheit.

Wer zahlt, bestimmt?

Entsprechend wundert es uns nicht, dass sich die DFG zunehmend zu einem Vehikel entwickelt, mit dem ideologischer Einfluss auf die Hochschulen genommen werden soll, z.B. durch die Bereitstellung besagter “vorbildliche[r] Beispiele” im Instrumentenasten für Gleichstellung, Chancengleichheit, gegen Benachteiligung, was auch immer, Bevorzugung von Frauen an Hochschulen halt.

TUDDie “vorbildliche[n] Beispiele” kommen z.B. von der TU Dortmund wo “9 x kluge Zwerge” in der Großtagespflegestelle für Kinder von Beschäftigten in DFG-Projekten gesammelt werden. Oder von der Universität Bremen, wo sich die “AG Familienfreundliches Studium” müht, eine familienfreundliche Infrastruktur zu bauen, nein: mit Steuermitteln bauen zu lassen. Die AG “Gender Medizin”, die sich an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule in Aachen um die “Berücksichtigung der Kategorie ‘Geschlecht’ in Forschung, Klinik und Lehre an der medizinischen Fakultät” kümmert, und dies z.B. über eine Ringvorlesung tut, ist ein weiteres “vorbildliche[s] Beispiel”. Unser Lieblings-vorbildliches-Beispiel stammt indes von der Technischen Universität Dortmund. Es dient der “Sensibilisierung” und basiert auf der Aufnahme von “‘Gender als überprüfbares Qualitätskriterium” im Zuge des Bologna Prozesses.

Klingt wie Indokrtination – ist Indoktrination – oder in den Worten der AG “Gender Studies”:

“Als Hilfestellung für die Akkreditierung fasst die AG „Gender Studies“ die Ergebnisse des Beratungsprozesses zusammen und gibt eine Stellungnahme zu den im Studiengang zu beachtenden Genderaspekten ab. Diese wird Teil des weiteren Verfahrens und mit dem Antrag auf Akkreditierung des Studiengangs dem Rektorat vorgelegt. Zur Unterstützung und Orientierung hat die AG „Gender Studies“ für die Fakultäten erläuternde Materialien für die Implementierung von Genderaspekten entwickelt wie z.B. Frageraster oder Artikel über Gender in der Lehre, die auf der Homepage zum Download bereitstehen.”

Gender als totale Ideologie! Nicht einmal die Nazis haben es geschafft, deutsche Hochschulen komplett zu infiltrieren oder wie Helmut Kohl einmal gesagt hat: Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.

Es geht immer noch tiefer: Wenn Sozialwissenschaftler zu Claqueuren werden

Das Thema “Niedergang der Sozialwissenschaften” hat sich leider über die letzten drei Jahre zu einem zentralen Thema von ScienceFiles entwickelt.

Der Niedergang steht in einem umgekehrten Verhältnis zur Ideologisierung der Sozialwissenschaftlen, zur Installation von Genderisten und Attac Mitgliedern auf Lehrstühlen für z.B. Soziologie oder Politikwissenschaft. Die haben zwar wenig bis keine Ahnung von Soziologie oder Politikwissenschaft, haben die Begriffe “Methode” und “Methodologie” vielleicht gehört, wissen aber nichts damit anzufangen. Anders kann man die unterirdische Qualität von Vielem, was in den Sozialwissenschaften veröffentlicht und u.a. von uns besprochen wurde, kaum erklären.

Die Ideologisierung der Sozialwissenschaften hat dazu geführt, dass viele Sozialwissenschaftler als Heilsbringer unterwegs sind, die wie diejenigen, die im Mittelalter Krötenelilxier gegen Schnupfen verkauft haben, einerseits soziale Probleme schaffen, herbeireden oder schlicht erfinden, andererseits gleich noch die richtig Medizin kennen, an der die Gesellschaft gesunden soll.

worship with usSozialwissenschaftler sind zu Anbetern des Sozialen geworden. An die Stelle einer Gesellschaftskritik ist soziales Marketing getreten. Nirgends findet dies besser seinen Niederschlag wie in der Tatsache, dass Universitäten zu Kinderbetreuungsanstalten umfunktioniert werden.

Dass sie das werden, ist dem Staatsfeminismus geschuldet, dem das Soziale vor allem in Form von Kindern bekannt ist, was wiederum dazu führt, dass Feminismus, der da einst der Emanzipation gewidmet war, zwischenzeitlich in sein Gegenteil verkehrt wurde: Nicht die Eigenverantwortung und Emanzipation, sondern die Abhängigkeit und Kontrolle von Frauen durch das Soziale ist das Ziel des Staatsfeminismus, und weil wir schon dabei sind, wird die Abhängigkeit und Kontrolle von Männern durch eben dieses Soziale gleich mitbetrieben (Im Staatsfeminismus wird Abhängigkeit, als “Verantwortung übernehmen” verkauft).

Sozialwissenschaftler sind zu den besten Herolden der neuen Heilslehre geworden. Sie überschlagen sich geradezu im vorauseilenden Gehorsam und in dem, was Sozialwissenschaftler im Deutschland des 20. und 21. Jahrhunderts wie nichts anderes zu charakterisieren scheint, in Konformität, stillem Erdulden und ängstlichem Wegschauen.

Sie schauen weg, während wenige die Hochschulen zum Tummelplatz der Ideologen machen, und nichts regt sich, wenn Sozialwissenschaftler zu Erfüllungsgehilfen des Staatsfeminismus degradiert werden.

Aus Berlin – von wo sonst – kommt ein passendes Beispiel zu dieser Art wissenschaftlicher Unterwürfigkeit.

WZBJunge Wissenschaft trifft Politik, so heißt eine Reihe, die unter der Moderation von Jutta Almendinger, unter deren Leitung das Wissenschaftszentrum Berlin immer mehr in einer staatsfeminismustragenden Rolle aufgeht, zum 8. Mai erstmals und somit passend zum Jahrestag der letzten deutschen Kapitulation stattfindet. Untertitel: Manuela Schwesig im Gespräch. Für alle, die es nicht wissen: Schwesig gibt derzeit den Minister im Sammelministerium.

Die Einladung zu diesem Treffen enthält alles, was die heutigen Sozialwissenschaften auszeichnet und somit alles, was ihren Niedergang als und ihren Abschied von Wissenschaft beschreibt.

Kostprobe:

wichtig im Leben

Was ist wichtig im Leben?

“Frauen und Männer wünschen sich eine gute Balance zwischen Beruf und Familie: Junge Frauen wollen Kinder, aber auch berufliche Herausforderung. Junge Männer möchten ihre Kinder nicht nur im Schlafanzug sehen. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Noch immer leisten Frauen neben ihrem Beruf zu Hause die meiste Arbeit. Pflege und Kindererziehung sind bis heute ihre Domäne. Die meisten Männer unterbrechen ihren Vollzeitjob für die Kindererziehung nur kurz.”

Sozialwissenschaftler wissen, was Frauen und Männer sich wünschen. Vor allem wissen sie, dass sich Frauen und Männer genau das wünschen, was ihre Regierung für sie vorgesehen hat: Kindlein in die Welt zu setzen. Aber: Die Wirklichkeit sieht anders aus, wie jeder weiß, der den Rückgang der Geburtenziffern in Deutschland kennt. Viele Frauen und Männer in Deutschland wünschen sich eines nicht: Kinder.

Die heutigen Sozialwissenschaften wissen noch viel mehr, nämlich, dass Frauen “noch immer” Pflege und Kindererziehung zur Domäne haben und die meisten Männer trotz aller Versuche, das Gegenteil zu bewirken, “noch immer” ihren Beruf dem Windelnwickeln vorziehen.

Ein wirklich erstaunliches Wissen, das die deutschen Sozialwissenschaften weit hinter die Gebrüder Grimm zurückwirft. Dort treffen sie dann Fragen, über die sich “junge Sozialforscherinnen und Sozialforscher mit Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig austauschen”, Fragen wie:

Gibt es einen Ausweg aus diesen tradierten Rollen? Wie kann partnerschaftlicher Ausgleich gelingen? Welche Rahmenbedingungen braucht es, um Erwerbsarbeit und unbezahlte Familienarbeit zwischen Frauen und Männern fairer zu verteilen? Was kann die Politik, was können Unternehmen tun?

Früher, also damals, als Sozialwissenschaften noch Wissenschaften waren, die nicht zur Legitimation des Staatsfeminismus, sondern zur Forschung über die Gesellschaft genutzt wurden, früher, hätten es sich Sozialwissenschaftler verbeten, dass ihnen früh ergraute und nie jung gewesene Genderisten vorschreiben, über welche Fragen sie sich auszutauschen haben.

ApplauseFrüher hätten Sozialwissenschaftler die Normalitätsvorstellung dieser ergrauten Ewiggestrigen, die nur in verstaubten Paarbeziehungen aus der vor-Viktorianischen Zeit zu denken fähig sind, hinterfragt. Sie hätten gefragt wie diese nicht in Würden Gealterten auf die Idee kommen, die Produktion von Kindern als das höchste Ziel in einer Gesellschaft einfach zu setzen. Sie hätten gefragt, welche Interessen des Staates und seiner grauen Vasallen dahinter stehen, Menschen in die Fortpflanzung zu reden. Sie wären vermutlich bei Freiheitsfragen angekommen. Sie hätten sich wie Fox Mulder vor die Wahl gestellt gesehen, sich von gesellschaftlichen Vorgaben kaufen zu lassen, ab sofort als Elternteil gute Miene zum bösen Spiel zu machen (weil man ja nunmehr Rücksicht auf die Kinder nehmen muss und nicht mehr so kann, wie man will), von Kinderarzt, zu Kindergrippe, zu Schulpsychologen, Sozialarbeiter und Elterngruppe zu laufen oder als Kritiker außerhalb der Gesellschaft und unabhängig zu bleiben und die Regierung, deren Spiel durch Verelterlichung der Gesellschaft so viel einfacher wird, zu kontrollieren.

Sie hätten vielleicht sogar gefragt, ob die Verelterlichung nicht das Macht- und Kontrollmittel par excellence ist, denn die institutionelle Betreuung der Kinder ist so gut wie eine GPS Ortung per Satellit, besser noch, wie George Orwell bereits wusste.

Und ganz zum Schluss hätten sich die Sozialwissenschaftler früherer Zeiten vermutlich geweigert, Erfüllungsgehilfen des Staates zu spielen und Lösungen für dessen Probleme zu erarbeiten, Probleme wie: “unbezahlte Familienarbeit zwischen Frauen und Männern fairer zu verteilen”. Sie hätten darauf verwiesen, dass es nicht Aufgabe des Staates ist (und auch nicht der Staatsfeministen) festzulegen, was in einer Paarbeziehung fair ist. Das ist nämlich die Angelegenheit derer, die eine entpsrechende Beziehung eingehen. Sie hätten weiter festgestellt, dass staatliche Vorgabe oder staatliche Lenkung “richtiger Lebensweisen” ein moralisches Unding sind, das mit der Tatsache nicht vereinbar ist, dass Individuen in erster Linie frei und sich verantwortlich sind und entsprechend keinen staatlichen Mentor benötigen.

1ApplauseCardUnd dann hätten sie doch eine der Fragen beantwortet, die ihnen zum “Austausch” vorgegeben wurden. Was kann die Politik … tun? Die Politik, wer auch immer das sein mag, kann sich raushalten, denn es obligt der Politik in keiner Weise, sich in die individuellen Leben von Bürgern einzumischen. Wenn die Politik voller busybodies steckt, die nichts Sinnvolles mit ihrer Zeit anzufangen wissen und statt dessen lieber dumme Fragen zum Austausch vorgeben, dann kann man der Politik nur den Rat geben, sich sinnvoll zu beschäftigen, z.B. im Altenpflegeheim. Nach neuesten Erkenntnissen fehlen dort Pfleger.

All das werden die Sozialwissenschaftler, die sich am 8. Mai auszutauchen haben, nicht feststellen oder fragen. Das war früher als es noch Sozialwissenschaftler gab. Heute gibt es nur noch akademisch gebildete Claqueure die sich die Zeit mit der Beantwortung vorgegebener und unsinniger Fragen vertreiben.