Warnung für männliche Akademiker: Genderbetrug an der FU Berlin

Ein Leser von ScienceFiles, dem wir an dieser Stelle recht herzlich danken und dessen abschließende Selbstbeschreibung, wir unseren anderen Lesern nicht vorenthalten wollen: “… Romanist und heilfroh, beruflich weitab vom akademischen Betrieb gelandet zu sein”, hat uns auf eine Ausschreibung an der FU-Berlin, also der Universität, die sich frei nennt, obwohl sie am Tropf des Staatsfeminismus hängt, wie gleich deutlich werden wird, hingewiesen.

FU BErlinDie Ausschreibung schlägt ein neues Kapitel auf im allgegenwärtigen Versuch, männliche Bewerber auf ausgeschriebene Stellen an Universitäten zu täuschen und bei öffentlichen Ausschreibungen die Tatsache zu verheimlichen, dass offen diskriminiert werden wird, weil in der Ausschreibung so getan wird, als können sich männliche und weibliche Bewerber auf die entsprechende Stelle bewerben, tatsächlich aber nur weibliche Bewerber oder niemand auf die Stelle berufen werden wird.

Im vorliegenden Fall ist im Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften am Institut für Romanische Philologie eine W2-Professur ausgeschrieben, die auf 5 Jahre befristet ist. Bis zum 18.9. können “Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen … unter Angabe der Kennung “WE5GalloHisp” an das Dekanat des Fachbereichs “Philosophie und Geisteswissenschaften” gerichtet werden.

Die komplette Ausschreibung vermeidet jede Form der persönlichen Ansprache von Bewerbern. Nicht Anforderungen an Bewerber werden gestellt, sondern “Einstellungsvoraussetzungen” und “Weitere Anforderung”. Nicht an den Bewerber werden Erwartungen an seine künftige Tätigkeit gestellt, etwa in der Formulierung, “vom Stelleninhaber wird erwartet, dass”, nein, auch hier wird der unpersönliche Stil, der die ganze Ausschreibung durchzieht, gewählt: “Erwartungen an die künftige Tätigkeit” heißt es in eher ungewöhnlicher Formulierung.

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, hier habe jemand bewusst versucht, alle Fallstricke, die Staatsfeministen auslegen, zu umgehen, um sich nicht in das Gewirr aus “*”, “innen” oder “Innen” begeben zu müssen. Fast könnte man denken, hier gibt es Widerstand an Universitäten, Widerstand gegen die Verhunzung der deutschen Sprache durch den Zusatz aller möglichen seltsamen Zeichen, damit sich außer Dackel Rudi auch wirklich alle, die von sich denken, sie seien vor allem ihr Geschlechtsteil, angesprochen fühlen.

Fast!

Wäre da nicht ein seltsamer einleitender Satz, der wie folgt lautet:

FU BErlin Ausschreibung romanistikAn der Freien Universität Berlin ist aus Mitteln des “Genderprogramms zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen” die folgende befristete W2-Professur zu besetzen. Deshalb werden insbesondere Frauen aufgefordert, sich zu bewerben.”

Wer geglaubt hat, mit den kunstvollen Formulierungen, die im Rahmen des Professorinnenprogramms angewendet werden, um männliche Bewerber zu täuschen, sei der Gipfel der Gemeinheit erreicht, der sieht sich getäuscht. Die FU-Berlin hat ein neues Kapitel, eine neue Methode zur Täuschung von männlichen Bewerbern aufgeschlagen.

Denn:

Mit “Genderprogramm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen” ist das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre (BCP) gemeint, das ausschließlich eine Förderung von “exzellenten Forscherinnen und Künstlerinnen (!sic)” vorsieht.

3.798.000 Euro gibt der Berliner Senat jährlich dafür aus, um “strukturelle Hemmnisse bei der Verwirklichung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre” dadurch auszuräumen, dass Männer diskriminiert und getäuscht werden. Worin die “strukturellen Hemmnisse” bestehen sollen, hat zwar bislang noch niemand angeben können, aber das macht nichts, denn im Berliner Senat sitzen offensichtlich Imaginäre, die in der Lage sind, daraus, dass “Frauen … auf allen wissenschaftlichen Qualifikationsebenen weiterhin unterrepräsentiert sind” auf “strukturelle Hemmnisse” zu schließen.

Wir haben es schon mehrfach geschrieben, aber man kann es offensichtlich nicht oft genug schreiben: Wenn man aus einem Zustand (weniger A als B) darauf schließen könnte, dass A auf strukturelle Hemnnisse stößt und deshalb seltener ist als B, dann müsste man eine ganze Reihe von A’s fördern: z.B. gibt es in Parlamenten weniger Arbeiter als Beamte, weniger Politikwissenschaftler als Juristen, weniger Verkäuferinnen als abgebrochene Studentinnen, weniger Gebildete als Eingebildete und vor allem weniger Integre als Opportunisten. Wir sind schon gespannt, wann der Berliner Senat die entsprechenden Berliner Programme zur Förderung der genannten Gruppen auflegt.

Zurück zum Berliner Programm. Darin steht unter Punkt 2 “Förderschwerpunkte”:

“2.1 Vorgezogene Nachfolgeberufungen von Frauen auf W 2- und W 3-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach
2.2 Berufungen auf befristete W 2-Professuren bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach
2.3 Förderung von Maßnahmen zur:
2.3.1 Qualifizierung und Professionalisierung von Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen für eine Professur an Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen,
2.3.2 Stabilisierung der wissenschaftlichen Karriere von Frauen in der Postdoktorandenphase,
2.3.3 Implementierung von Genderaspekten in Forschung und Lehre,
2.3.4 Qualifizierung von Frauen in den Natur- und Technikwissenschaften.
2.4 Aufbau des Dual Career Netzwerkes Berlin.”

Wie man sofort sieht, kommt der Begriff “Frauen” mehrfach, der Begriff “Männer” gar nicht vor, was einfach zu erklären ist, denn das Berliner Programm dient zur Vorteilsnahme, die weiblichen Bewerbern auf Stellen an Universitäten vorbehalten ist, dem, was man früher Quotenfrau genannt hat, also jemand, die sich nicht zu fein ist, die Hilfe vom netten Papa Staat anzunehmen, um auf eine Position zu gelangen, auf die sie sonst nie gelangt wäre.

Nun, da klar ist, dass im Rahmen des “Berliner Programms zur Förderung von Chancengleichheit für Frauen …” nur Frauen gefördert werden, übertragen wir diese Tatsache darauf, dass dieunpersönlich formulierte Ausschreibung der FU-Berlin eine Professur ausschreibt, die aus diesem als “Genderprogramm” bezeichneten Programm gefördert wird.

Deceibe infeigle obfuscateAls Ergebnis ergibt sich eine Täuschung männlicher Bewerber, die man nur auf kriminelle Energie bei den Verantwortlichen der FU Berlin zurückführen kann. Das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen wird als “Genderprogramm” ausgegeben, um darüber hinwegzutäuschen, dass nur Frauen auf die ausgeschriebene Stelle berufen werden können. Die Ausschreibung ist im unpersönlichen, schablonenhaften Stil gehalten, um darüber hinwegzutäuschen, dass die ausgeschriebene Stelle nur an eine Bewerberin vergeben werden kann und wird. Der Zusatz “Daher werden insbesondere Frauen aufgefordert, sich zu bewerben”, ist besonders perfide, denn er gaukelt männlichen Bewerbern vor, sie hätten eine Chance, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden.

Kurz: Die ganze Ausschreibung ist arglistig und dient der vorsätzlichen Täuschung männlicher Bewerber, deren Bewerbung als Feigenblatt dient, damit die Ausschreibung nicht auf den ersten Blick als die Diskriminierung männlicher Bewerber erkannt wird, die sie faktisch ist.

In Deutschland sind Unmengen von Juristen ständig unterwegs, um normale Bürger, die im Impressum ihrer Webpage einen Zahlendreher haben oder einen Paragraphenhinweis vergessen haben, abzumahnen und schnellen Reibach zu machen. Wo sind diese vermeintlichen Juristen eigentlich, wenn es um die systematische Täuschung und Diskriminerung einer Bevölkerungsgruppe geht? Haben sie etwa Angst? Ist es etwa leichter, bei Privatpersonen zu kassieren, die man vielleicht noch mit Juristenlatein beeindrucken kann als gegen tatsächliche Rechtsverstöße vorzugehen? Wozu braucht man eigentlich eine Berufsgruppe wie Juristen, die ein Monopol auf Gängelung von Dritten durch Abmahnungen und Rechtsberatung haben, wenn sich die entsprechenden Juristen lieber gegen Mitglieder der Bevölkerung richten als gegen staatliche Institutionen, deren Kontrolle ihnen eigentlich obliegt?

Wie auch immer, die W2 Professur für Romanische Philologie/Literaturwissenschaft Galloromanistik und Hispanistik wird mit Sicherheit nicht mit einem männlichen Bewerber besetzt. Wer sich dennoch bewirbt, sollte auch gleich die vorvormulierte Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht der Bewerbung beifügen und ansonsten ist wieder einmal festzustellen, dass es erstaunlich ist, dass in einem angeblichen Rechtsstaat, Recht offen gebrochen wird und niemand wehrt sich dagegen.

Übrigens steht im Logo der FU Berlin “Veritas, Justitia, Libertas”. Kann man sich einen größeren Hohn und Spott auf Veritas und Justitia und Libertas vorstellen als eine angebliche Universität, an der Ausschreibungen wie die dargestellte, möglich sind?

quotenfrauEin weiterer Etikettenschwindel, ein weiterer Betrug soll nicht unerwähnt bleiben. Es ist natürlich völliger Unsinn, wenn das Berliner Programm als Programm “zur Förderung der Chancengleichheit” bezeichnet wird. Denn es wird nicht die Chancengleichheit gefördert, weil Chancengleichheit längst besteht, wie die Tatsache belegt, dass an deutschen Universitäten mehr Frauen als Männer studieren. Gefördert wird Ergebnisgleichheit, also der Anteil von Frauen auf Lehrstühlen. Da man das Ergebnis “Professur” jedoch früher (also vor dem Berliner und dem Professorinnenprogramm) nur auf Basis von Leistung erreichen konnte, macht sich hier der Begriff Chancengleichheit besser. So kann man vertuschen, dass nicht der beste Bewerber, sondern die Bewerberin, die sich gerade zur Hure des Staates machen will, auf eine Professur berufen wurde. Hure deshalb, weil sie sich dafür bezahlen lässt, eine Position zu besetzen, die sie nicht im Wettbewerb mit anderen errungen hat, sondern dadurch, diesen Wettbewerb gerade zu vermeiden, und zwar durch den Ausschluss männlicher Bewerber, sich also für politisch-korrekte Zwecke an den Staat und seine Gender-Schergen verkauft.

Nachhaltige Indoktrination

Heute muss alles nachhaltig sein. Politik reicht nicht mehr, es muss nachhaltige Politik sein. Umweltschutz reicht schon lange nicht mehr: nachhaltiger Umweltschutz muss her. Personalkonzepte sind nur noch akzeptabel, wenn sie nachhaltig sind, nachhaltig ist der Anbau von Kakaobohnen, Marken sind sogar “top-nachhaltig“, Arbeiten als solches reicht auch nicht mehr, nur nachhaltiges Arbeiten wird belohnt, Nachhaltige Investmentfonds suchen Investoren, wer Rad fährt, fährt nicht mehr Rad, nein, er radelt für die Nachhaltigkeit und, last but not least, ist Friede nicht mehr als einfacher Friede von Wert, sondern nur noch, wenn er ein nachhaltiger Friede ist.

Go GreenDie Beispiele zeigen nachhaltig, dass Nachhaltigkeit in mannigfaltiger Weise verwendet wird und immer ist damit dasselbe Ziel verbunden: etwas durch den Zusatz von “Nachhaltigkeit” zu etwas Besserem, Wichtigerem zu machen, es vor anderen Dingen auszuzeichnen, um auf diese Weise eine nachhaltig positive Wirkung bei Zuhörern und Lesern zu erzielen. Kurz: Nachhaltigkeit ist ein Füllwort, dessen Wirkung nicht über die Kognition erfolgt, denn Nachhaltigkeit hat keine inhaltiche Bedeutung, sondern über die affektive Konnotation von Nachhaltigkeit, die dem Wort “Nachhaltigkeit” immanente Wertung, die man mit: gut, wichtig, schön, wünschenswert, richtig, hervorragend und in jedem Falle anzustreben umschreiben kann.

Dass Nachhaltigkeit ein leerer Begriff ist, zeigen auch die (pseudo-)wissenschaftlichen Versuche, den Begriff zu bestimmen:

Nachhaltigkeit, so kann man diese Anstrengungen zusammenfassen, soll alle Prozesse beschreiben, die eine Erneuerung von Ressourcen gewährleisten und einen Raubbau an Ressourcen verhindern. Diese Beschreibung nachhaltiger Entwicklung, findet sich zum Beispiel im Urtext, dem die Nachhaltigkeit entsprungen ist: dem Brundtland-Bericht. Dort wird eine nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung definiert, “die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff, 1987, S.46). Das beschriebene Kunststück, die bekannten Bedürfnisse heutiger Generationen mit den unbekannten Bedürfnissen zukünftiger Generationen in Einklang zu bringen, wird in der AGENDA 21 weitergeführt. Der Nachhaltigkeit werden nun drei Dimensionen zugewiesen, nämlich (Bolz, 2005, S.37; Rotmans & DeVries, 1997, S.10):

  • eine soziale und wirtschaftliche Dimension, die u.a. der Bekämpfung von Armut dient, Bevölkerungspolitik betreiben will und den Handel umschließt;
  • eine Dimension die die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen sicherstellen soll und u.a. die Bereiche Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik umfasst;
  • eine Dimension die auf die Stärkung der Rolle (Rechte) gesellschaftlicher Gruppen abzielt, worunter vornehmlich Minderheiten, Frauen, aber auch NGOs fallen.

Es ist jedem halbwegs in Wissenschaft Geschulten leicht ersichtlich, dass Nachhaltigkeit kein wissenschaftliches, sondern ein normatives Konzept ist, denn Nachhaltigkeit beschreibt gesellschaftliche Zustände, die aus Sicht derer, die die entsprechenden Zustände als nachhaltig beschreiben, wünschenswert sind. Warum sie das sind, wird regelmäßig nicht begründet, vielmehr werden diejenigen, die nach einer Begründung fragen, durch einen entrüsteten Appell an einen nicht näher bestimmte Verantwortung gegenüber nicht näher bestimmten Dritten oder Dingen mundtot gemacht.

Dass Nachhaltigkeit somit ein Begriff ist, der bestenfalls mit Bezug auf die Ethik bestimmt werden kann, wird spätestens dann deutlich, wenn man die Argumentation der Nachhaltigkeitsapostel umdreht und fragt:

  • Ist es nicht wichtiger das Los der derzeitig lebenden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, anstatt ihnen Einschränkungen mit Blick auf noch nicht geborene Menschen aufzuerlegen?
  • Wieso soll man bekannte Bedürfnisse lebender Generationen zu Gunsten unbekannter Bedürfnisse (noch) nicht lebender Generationen zurückstellen?
  • Warum sollen heute lebende Generationen auf einenhöheren Lebensstandard, der ihnen mögilch ist, verzichten, nur weil Berufspessimisten annehmen, dass zukünftige Generationen zu dumm sein werden, um mit den Herausforderungen, vor die sie gestellt sind, selbst fertigwerden zu können?
  • Ist es überhaupt ethisch vertretbar, von Menschen Verzicht zu fordern und ihnen ein schlechteres anstelle eines besseren Leben zu verordnen?

Dies sind nur einige Fragen, die mit dem Konzept der Lebensqualität oder Nicht-Nachhaltigkeit verbunden sind und die deutlich machen, dass Nachhaltigkeit lediglich dazu dient, moralischen Druck auf Menschen auszuüben, um sie in eine Richtung und zu Handlungen manipulieren zu können, die sie von sich aus nicht vorgenommen hätten.

overpopulationAufgabe einer Wissenschaft, die sich ernst nimmt, wäre es entsprechend den anti-emanzipatorischen Kern, den Nachhaltigkeit umschließt, deutlich zu machen und eine moralische Aufklärung zu betreiben, die Menschen nicht zu Lemmingen des Zeitgeistes macht, sondern sie darüber entscheiden lässt, ob sie sich im Sinne der Nachhaltigkeits-Apostel verhalten wollen oder nicht. Das würde natürlich voraussetzen, dass die Nachhaltigkeitsapostel ihre Argumente dafür präsentieren, warum es für derzeit Lebende einen Nutzen bringen soll, sich nachhaltig zu verhalten und diesen Nutzen auch konkret anzugeben. Anders formuliert: Die Nachhaltigkeitsapostel müssten begründen, warum die Lebensqualität der derzeit lebenden weniger wert sein soll als die Lebensqualität zukünftiger Generationen. Und schon weil ein konkreter Nutzen gefragt ist, wird man vergeblich auf entsprechende Argumente warten (schon weil Nachhaltigkeit, dann, wenn sie ernstgenommen wird, und als Reduzierung des Einflusses von Menschen auf ihre Umwelt operationalisiert wird, logisch zu der Konsequenz führt, dass man einen Geburtenstopp fordern müsste.).

Institutionalisierte Wissenschaft in Deutschland 2014 ist jedoch weit davon entfernt auch nur Spuren einer emanzipativen Auffassung der eigenen Tätigkeit zu enthalten. An die Stelle der Rationalität, die die Idee der Wissenschaft über Jahrhunderte hinweg getragen hat, tritt immer häufiger eine Irrationalität, deren Ziele gerade nicht in der Befreiung von Menschen und der Herstellung von Autonomie bestehen, sondern im Gegenteil darin, Heilsbotschaften zu verkünden, Verhaltensvorschriften zu geben oder, in anderen Worten, Inhaber wissenschaftlicher Positionen in der moralischen Überzeugung schwelgen zu lassen, sie könnten irgend etwas besser für andere beurteilen als diese selbst.

Und so ist es nicht verwundertlich, dass sich vermeintliche Wissenschaftler dafür hergeben, an einer effektiven Verbreitung der Nachhaltigkeits-Saga mitzuwirken. Ziel: “Sachwissen in den Themenfeldern der Nachhaltigkeit zu vertiefen und mit erfahrenen Fachleuten aus der Praxis (z. B. taz, SPIEGEL) die verständliche und spannende Vermittlung der Themen zu üben”. Deutlicher kann man die Tasache nicht mehr machen, dass deutsche Universitäten nicht mehr Erkenntnisgewinn zum Ziel haben, sondern klar sozial-technologische Ziele verfolgen, also dabei mitwirken wollen oder sollen, die Bürger auf den richtigen Weg zu führen, ihnen das richtige Verständnis zu vermitteln, als es in diesen wenigen Zeilen aus dem Zertifikatstudium “Nachhaltigkeit und Journalismus”, das an der Leuphana-Universität Lüneburg angeboten wird, von der wir uns zunehmend fragen, warum sie “Universität” nicht endlich durch Schule ersetzt.

nachhaltig siegelIm Zertifikatstudium, das mit dem Zertifikat “Nachhaltigkeit und Journalismus” endet, eine Auszeichnung, die man sich dann vermutlich auf den Allerwertesten tätowieren lassen darf, werden Grundlagen in “Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften”, “Nachhaltigkeitshumanwissenschaften”, in der “Nachhaltigkeitskommunikation” gelegt, in dem die “Nachhaltigkeitsforschung” der entsprechenden “Nachhaltigkeitswissenschaften” dargelegt und genutzt werden, um einen “Nachhaltigkeitsjournalismus” darauf zu gründen. Bei so viel Nachhaltigkeit muss es auch dem letzten Leser  deutlich werden, dass hier nachhaltige Kaderbildung betrieben werden soll, und zwar in Form nachhaltiger Journalisten, oder, in den Worten von Dr. habil. Heike Diefenbach, von Multiplikatoren, die wie die 12 Apostel in die Welt ziehen und die heilige Botschaft verkünden, nicht die heilige, in diesem Fall, sondern die nachhaltige Botschaft.

Das Pikante am Zertifikatsstudium der Kaderschmiede in Lüneburg findet sich unter dem Punkt “Partner”. Partner des Zertifikatsstudium, das aus Gründen der Verschleierung an einer Institution angeboten wird, die sich (noch) Universität nennt, sind:

  • Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die “treibende gesellschaftliche Kraft für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland”.
  • Die Zeitschrift GEO, des Verlagshauses Gruner und Jahr, die offensichtlich und bislang noch keine nachhaltigen Reportagen produziert.
  • Germanwatch, eine “Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt”.
  • Die Lüneburger Landeszeitung, die derzeit “31.689” nicht nachhaltige Exemplare verkauft.
  • Die taz.panterstiftung, die in Workshops “kritische Journalisten” der Art, wie man sie fast täglich in der “taz” bewundern kann, heranzüchten will.
  • Völkel Naturkostsäfte, bei denen der “Anbau von Bio-Streuobstwiesen und die Förderung von samenfesten Gemüsesorten” ganz hoch im Kurs steht.
  • Und der WWF, der “weltweit die Zerstörung der Natur und Umwelt” stoppen will, woraus man nehmen muss, dass Natur mit Umwelt nichts zu tun hat.

go green 2Die genannten Partner, deren richtige Bezeichnung wohl eher: Sponsoren wäre, machen das Zertifikatsstudium erst möglich, und entsprechend empfehlen wir das Studium der vollen Aufmerksamkeit der GEW, die im regelmäßig auf uns niederkommenden “Privatisierungsbericht”, die Einflussnahme privater Organisationen auf die Bildung beklagt. Und im vorliegenden Fall sind wir ganz und gar einer Meinung mit der GEW: Es ist höchste Zeit die Finanzierung von Zertifikatsstudien zu “Nachhaltigkeit und Journalismus” , die Einflussnahme privater Organisationen auf die Ausgestaltung von Bildung und den Missbrauch universitärer Ressourcen für Indoktrination und Manipulation zu unterbinden.

Literatur

Bolz, Hermann R. (2005). Nachhaltigkeit. Eine weitere Worthülse oder ein wirksamer Beitrag zur Verringerung der Ontologischen Differenz? Norderstedt: Book on Demand.

Hauff, Volker von (Hrsg.)(1987). Unsere gemeinsame Zukunft – Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Köln: Greven.

Rotmans, Jan & De Vries, Bert (1997). Perspectives on Global Change: The TARGETs Approach. Cambridge. Cambridge University Press.

Der Feind in unserer Mitte: Gender Studies können an Universitäten nicht mehr einfach geduldet werden

Prof. Dr. Günter Buchholz hat einen Fachartikel an der Fachhochschule Hannover veröffentlicht, der sich – folgt man der Überschrift – mit “Gender Studies – Die Niedersächsische Forschungsevaluation und ihre offenen Fragen” befasst, der sich jedoch bei Lektüre als viel umfassenderer und weitreichenderer, weil weit über Niedersachsen hinausreichender Fachartikel darstellt.

buchholzWer den Beitrag von Prof. Dr. Günter Buchholz gelesen hat, der kann, sofern ihm Wissenschaft und gesellschaftliche Prosperität am Herzen liegen, nicht mehr schweigen, der muss aufstehen und den Feind in unserer Mitte bekämpfen.

Nun, nach diesem pathetischen Anfang ist es notwendig, die Rechtfertigung für diesen pathetischen Anfang, zu liefern, damit auch dem Trägsten unter den Lehrstuhlplattsitzern in Deutschland Dampf unter dem Allerwertesten gemacht wird.

Günter Buchholz hat einen Aufhänger in seinem Beitrag, einen Bericht, der von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen als Evaluationsbericht zur “Geschlechterforschung in Niedersachsen” bezeichnet wird. Es ist dies ein klassischer Fall von Etikettenschwindel, mit dem die Öffentlichkeit absichtlich und mutwillig getäuscht werden soll, denn der Bericht und die Empfehlungen zur Geschlechterforschung ist alles, aber er ist weder eine Evaluation noch etwas, was auch nur entfernt an eine Evaluation erinnert.

Es beginnt damit, dass die Autoren des Werks, Birgit Geissler, Christina von Braun, Ineke Klinge, Birgit Riegraf, Friederike Maier und Ines Weller alle Nutznießerinnnen des Genderismus sind, d.h. auf entsprechenden Lehrstühlen für Gender Studies installiert wurden. Die Evaluation von Gender Studies oder Geschlechterforschung durch Personen, die Gender Studies oder Geschlechterforschung betreiben, gleicht somit dem Unterfangen, die Relevanz und Wirkungsweise von Astrologie durch Astrologen evaluieren zu lassen.

Logik f dummiesNun könnte man uns vorwerfen, hier ein argumentum ad hominem gemacht zu haben, denn prinzipiell ist es denkbar, dass auch Personen, die von Gender Studies profitieren, deren Einkommensquelle vom Bestand der Gender Studies abhängt, zumindest den Versuch unternehmen, die Gender Studies ansatzweise objektiv zu beurteilen. Entsprechend muss man die vermeintliche Evaluation als solche zur Kenntnis nehmen und sein Urteil begründen, um es nicht dem Vorwurf eines argumentum ad hominem auszusetzen.

Im vorliegenden Fall ist das einfach.

Evaluationsstudien untersuchen die Konsequenz von etwas. So kann man die Wirkung von Medikamenten untersuchen, in dem man die Personen, die nach Einnahme eines Medikaments gestorben sind, denen gegenüberstellt, die geheilt wurden. Man kann wissenschaftliche Fachdisziplinen, z.B. die Soziologie, im Hinblick auf ihren gesellschaftlichen Einfluss untersuchen, in dem man soziologische Forschungsergebnisse z.B. im Rahmen der Bildungsforschung zusammenstellt und untersucht, welchen Niederschlag diese Forschungsergebnisse in der Bildungspolitik gefunden haben. Das setzt natürlich voraus, dass es überhaupt Forschungsergebnisse gibt. Schließlich kann man Publikationen von Wissenschaftlern in einem Fachgebiet einer Evaluation zu Grunde legen, dieselben auf der Basis einer Reihe von Kriterien wie: empirische Bewährung, wissenschaftliche Reichweite usw. bewerten. Wie auch immer man im Rahmen einer Evaluationsstudie vorgeht, immer wird der Output bewertet, d.h. die Konsequenzen einer Forschung, deren Niederschlag, das, was man auch als Außenstehender als Ergebnis der entsprechenden Forschung wahrnehmen kann. Und selbstverständlich wird das Ergebnis mit den Kosten, die angefallen sind, um es zu erzielen, gewichtet.

Nur bei den Gender Studies und der angeblichen Evaluationsstudie aus Niedersachsen ist dies nicht der Fall. Hier versuchen die Autorinnen wie Günter Buchholz sehr klar und mit Liebe zum Detail darstellt, zu argumentieren, dass die wissenschaftlichen Kriterien, die seit Jahrhunderten genutzt werden, um den Wert einer wissenschaftlichen Forschung zu bestimmen, für Gender Studies nicht gelten. Gender Studies dürfen nicht an ihrem Output bewertet werden, vielmehr sollen Gender Studies am Input bewertet werden: Je mehr Lehrstühle für Gender Studies, desto besser. Je mehr angebliche Wissenschaftler Gender Studies betreiben, desto besser. Dies ist eine äußerst verquere Logik, die an das Verbot, die katholische Kirche zu kritisieren, erinnert, das es im Mittelalter gegeben hat.

Dazu schreibt Günter Buchholz:

“Damit wird der ministerielle Evaluationsauftrag im Hinblick auf Forschungsleistungen (Output) umgedeutet in eine Untersuchung, die zur Stärkung von Forschungs – Input-Strukturen (Stellen,Professuren, unabhängige Institute, finanzielle Mittel) beitragen soll, welche durch den Nachweis von erbrachten Forschungsleistungen weder gerechtfertigt werden können noch sollen.”

offene gesellschaft bdIIVermutlich ist Günter Buchholz hier zu nachsichtig mit dem Ministerium, das diese angebliche Evaluationsstudie in Auftrag gegeben hat. Denn, wie er selbst in seinem Beitrag feststellt, geht es vor allem darum, sich eine Legitimation dafür zurecht zu legen, Steuerzahlern weiterhin und in immer größeren Ausmaß zur Finanzierung von Gender Studies zur Kasse zu bitten, obwohl Steuerzahlern kein erkennbarer Nutzen aus Gender Studies entsteht. Statt dessen entstehen Steuerzahlern weitere Kosten, die sich mit Zerstörung von Wissenschaft und Behinderung von Erkenntnisfortschritt und Prosperität benennen lassen. Entsprechend kann man davon ausgehen, dass die angebliche Evaluationsstudie mit genau diesem Ziel beauftragt wurde.

Letztlich stellen sich die Gender Studies in der vermeintlichen Evaluations Studie als großangelegter Versuch des Nutznießens auf Kosten von Steuerzahlern dar, so dass Günter Buchholz zu der folgenden abschließenden Evaluation kommt:

“Die Politik ist aus Sicht des Autors aufgefordert, die den Staatsfeminismus ermöglichenden verfassungswidrigen Rechtsnormen aufzuheben und seine Finanzierung umgehend einzustellen; hierbei sind auch Zivilgesellschaft und Justiz gefordert.”

In kurz: Gender Studies sind der Versuch durch die unbelegte Behauptung vermeintlicher Benachteiligung von Frauen, der der Status einer sakrosankten Aussage zugewiesen wird, Steuermittel zu zweckentfremden und in die eigenen Taschen zu leiten. Dazu lagern sich Gender Studierte wie Misteln um Ministerien an, um Förderungen zu erhalten. Dazu ist es zudem notwendig, eine wissenschaftliche Legitimation vorzutäuschen, weshalb Gender Studies an Universitäten installiert wurden. Und da Gender Studies sich zu Wissenschaft verhalten wie Gift zu Gesundheit, schädigen sie die institutionalisierte Wissenschaft, machen sie ganze Fachbereiche lächerlich und führen sie dazu, dass wissenschaftliche Kriterien, für deren Einhaltung gerade in Deutschland schwer gekämpft werden musste, wieder beseitigt werden und die Willkür abermals die Hochschulen Deutschlands mit Beschlag belegt.

Diese Einschätzung ist zu pessimistisch? Sie wird den Gender Studies nicht gerecht? Nun, alle Wissenschaft ist empirisch, und deshalb testen wir unsere Thesen, d.h. nicht wir tun das, sondern Günter Buchholz, und zwar mit einer Befragung, die dazu konzipiert wurde, Gender Studies Betreibern die Gelegenheit zu geben, ihre Wissenschaftlichkeit und ihre Nützlichkeit zu demonstrieren. Die Befragung besteht aus drei Teilen und kann hier als Ganzes heruntergeladen werden.

Wir wollen uns an dieser Stelle auf Teil B beschränken, weil er der Teil ist, mit dem die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies steht und fällt. Die Fragen zur Wissenschaftlichkeit der Gender Studies sind die folgenden:

Buchholz Fragebogen

Ein Wissenschaftler, dem derartige Fragen vorgelegt werden, würde sie mit der größten Freude beantworten, zielen die Fragen doch genau auf das, was seine Wissenschaft ausmacht, die Methode, den harten Kern der Theorie, wie Lakatos dies genannt hat, die Zuordnung zu einer bestimmten Forschungsmethodologie, die Art und Weise der Prüfung von Hypothesen usw.

Entsprechend muss man erwarten, dass dann, wenn Gender Studies Betreiber Wissenschaftler sind, sie diese Fragen mit Freude und Leichtigkeit beantworten (können und wollen). Da die Fragen zudem von einem Kollegen einem Professor im Rahmen eines Forschungsprojekts gestellt wurden, ist deren Beantwortung mit um so größerer Motivation von empirisch arbeitenden Wissenschaftlern zu erwarten.

Um die Beantwortung der Fragen, wurden die folgenden Personen gebeten:

      1. RWTH Aachen, Herrn Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, Rektor
      2. Frau Prof. Dr. Tanja Paulitz
      3. Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Präsident Herr Prof. Dr. Bernd ReissertFrau Prof. Dr. Kristina Bautze
      4. Präsident der Goethe-Universität Frankfurt/Main, Herrn Prof. Werner Müller-Esterl
      5. Frau Prof. Ulla Wischermann
      6. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      7. Frau Prof. Blunck
      8. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      9. Frau Prof. Raasch
      10. Genderbüro, Frau Dr. Frey,
      11. Universität Trier, Der Präsident Prof. Dr. Jäckel
      12. Frau Prof. Dr. Geier
      13. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Piveteau,
      14. Frau Dr. Ramsauer
      15. TU Berlin, Der Präsident Herr Prof. Dr. Jörg Steinbach
      16. Frau Prof. Dr. Sabine Hark
      17. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Präsident Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jochen Schiewer
      18. Frau Prof. Dr. Nina Degele
      19. Frau Prof. Dr. Weber, Rektorin der Ernst-Moritz-Arndt Universität Greifswald
      20. Herr Dr. P. Pohl
      21. Präsident der Universität Hamburg Prof. Dr. Dieter Lenzen
      22. Frau Prof. Lembke
      23. Rektor der Universität Bremen Prof. Dr. Scholz-Reiter
      24. Frau Prof. Eifler
      25. Universität Osnabrück – Der Präsident Prof. Dr. Rollinger
      26. Frau Prof. Dr. Schwarze
      27. Wirtschaftsuniversität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Badelt
      28. Frau Prof. Dr. Hanappi-Egger
      29. Universität Bern, Der Rektor Herr Prof. Dr. Täuber,
      30. Frau Prof. Dr. Schnegg
      31. Herrn Prof. Dr. Umbach, Präsident der Ostfalia – Hochschule
      32. Frau Stephanie Zuber
      33. Ruhr Universität Bochum, Rektor Herr Prof. Dr. Dr. h.c. Elmar W. Weiler
      34. Frau Prof. Dr. Ilse Lenz
      35. Frau Prof. Dr. Dienel, Präsidentin der HAWK Hildesheim
      36. Frau Prof. Dr. A. Müller
      37. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      38. Frau Prof. Schirmer
      39. Präsident der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Radtke
      40. Frau Prof. Klammer
      41. Universität Gießen, Der Präsident Prof. Dr. Joybrato Mukherjee
      42. Frau Dr. Hergenhan
      43. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Engl
      44. Frau Prof. Dr. Schmitz
      45. Universität Klagenfurt, Der Rektor Herr Prof. Dr. Vitouch
      46. Frau Prof. Dr. Wächter
      47. Herr Prof. Dr. Berger
      48. Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen, Frau Prof. Ulrike Beisiegel
      49. Frau Dr. Uta Schirmer
      50. Universität Bremen, Rektor Herr Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter
      51. Frau Prof. Dr. Christine Eifler
      52. Universität Oldenburg, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. B. Simon
      53. Präsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dieter Lenzen
      54. Frau Prof. Benthien
      55. Heidelberger Institut für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung,
        Frau Prof. Blaettel-Mink, Frau Dr.Kramer
      56. Universität Kassel, Der Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep
      57. Frau Prof. Dr. Tuider
      58. Universität Wien, Der Rektor Herr Prof. Dr. Bieger
      59. Herr Prof. Dr. Steyart
      60. Technische Universität Berlin, Der Präsident Prof. Dr. Steinbach, Der Vizepräsident Prof. Dr. Thamsen
      61. Frau Prof. Dr. S. Hark
      62. Universität Graz, Die Präsidentin Frau Prof. Dr. Christa Neuper
      63. Frau Prof. Dr. Angelika Wetterer
      64. Herrn Prof. Dr. Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität München
      65. Frau Prof. Paula-Irene Villa
      66. Präsident der HAW Hamburg, Prof. Dr. Michael Stawicki
      67. Frau Prof. Bessenrodt-Weberpals
      68. Präsident der Universität Hamburg,Prof. Dr. Dieter Lenzen
      69. Frau Prof. Rastetter
      70. Deutsche Stiftung Frauen- und Geschlechterforschung
        Frau Dr. Dumont du Voitel,
      71. Universität Siegen, Der Rektor Prof. Dr. Burkhart
      72. Frau Prof. Dr. Moog
      73. Universität Basel, Der Rektor Herr Prof. Dr. Loprieno
      74. Frau Prof. Dr. Maihofer

Von den verschickten Fragebögen hat Günter Buchholz insgesamt keinen einzigen ausgefüllt zurückbekommen. Mit anderen Worten: Keiner der Angeschriebenen hat an der Befragung des Kollegen Buchholz teilgenommen. Lediglich eine, der angeschriebenen hat ein intensives Telefongespäch mit Günter Buchholz geführt, das letztlich jedoch zu keinem ausgefüllten Fragebogen geführt hat. In fünf Fällen hat Günter Buchholz einen Rückruf erhalten, in dem der Angeschriebene seine “unverhohlene Empörung” zum Ausdruck gebracht hat, was wohl die Art und Weise ist, mit der Buchholz Beschimpfungen am Telefon umschreibt.

Es bleibt also festzustellen, dass Gender Studierte nicht Willens oder nicht in der Lage sind, die oben dargestellten Fragen, die jeder Wissenschaftler aus dem ff beherrschen und mit Freude für seinen Tätigkeitsbereich beantworten können muss, zu beantworten. In beiden Fällen, dem des nicht Wollens und dem des nicht Könnens muss man feststellen, dass es sich bei den Angeschriebenen offensichtlich um keine Wissenschaftler handelt.

Offene Gesellschaft BD1Vielmehr belegt die Befragung von Günter Buchholz einmal mehr in eindrücklicher Weise die Tatsache, dass Gender Studies nichts mit Wissenschaft zu tun haben, dass dann, wenn Gender Studierte um eine Legitimation oder eine wissenschaftliche Begründung für ihre Gender Studies gebeten werden, sie empört reagieren, wie dies für Anhänger eines Kultes, deren Fetisch man hinterfragt, üblich ist. In jedem Fall ist das Bemühen evident, den eigenen Tätigkeitsbereich hermetisch gegen Begutachtung und vor allem gegen eine wissenschaftliche Untersuchung abzuschirmen. Nicht zuletzt ist dies in einem Boykott-Aufruf der Befragung von Günter Buchholz deutlich geworden, den Beate Kortendiek, die dem Steuerzahler in Duisburg-Essen zur Last fällt, verbreitet hat.

Wissenschaftler haben seit dem Advent der rationalen Wissenschaft, seit Philosophen wie Francis Bacon oder Thomas Hobbes, Immanuel Kant oder Karl Raimund Popper die Emanzipation der und Begründung von Wissenschaft als empirische Wissenschaft vorangetrieben haben, einen stetigen und erfolgreichen Kampf gegen die Religion geführt, die regelmäßig versucht hat, Wissenschaft und ihre Erkenntnis zu unterbinden oder für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Die scheinbare Säkularisierung, die angeblich in modernen Gesellschaften eingesetzt hat, hat nur den Gegner im Kampf um freie Wissenschaft und freie Erkenntnis verändert: Nicht mehr Religion versucht, Wissenschaft zu verunmöglichen und freie Erkenntnis zu beseitigen, sondern Ideologie, namentlich der Genderismus, der nichts anderes ist, als die Neuauflage eines feministisch gewendeten Sozialismus.

Wissenschaftler haben nicht über Jahrhunderte gegen den Einfluss der Kirche gekämpft, um nunmehr tatenlos dabei zuzusehen, wie ein neuer Feind aus ihrer Mitte heraus, die Wissenschaft zerstört. Entsprechend ist Widerstand geboten, Widerstand gegen Genderisten und ihre vermeintlichen Studien.

Wir fordern unsere Leser dazu auf, Teil B des Fragebogens, der oben dargestellt ist und hier heruntergeladen werden kann, auszudrucken und Gender Studierte mit diesen Fragen zu konfrontieren wo sie gehen und stehen. Konfrontiert die Gender Studierten so lange mit diesen Fragen, bis sie sich nicht mehr aus ihren Büros trauen! Verlangt Antworten und macht den Gender Studierten klar, dass sie zum Geben von Antworten verpflichtet sind, schließlich werden sie von uns allen bezahlt! Und wenn sie keine Antworten zu geben in der Lage sind oder unwillig sind, Antworten zu geben, dann haben sie an Universitäten nichts zu suchen und sollten schnellstens von dort entfernt werden.

Wissenschaftszentrum Berlin sucht nach neuer Benennung

“Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) betreibt problemorientierte Grundlagenforschung. Untersucht werden Entwicklungen, Probleme und Innovationschancen moderner Gesellschaften. Die Forschung ist theoriegeleitet, praxisbezogen, oft langfristig angelegt und meist international vergleichend.”

WZBDies ist die Selbstbeschreibung des WZB, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, das aus Steuergeldern, 75% Bund, 25% Land Berlin oder über Drittmittel, zumeist über die Deutsche Forschungsgemeinschaft eingeworben, also ebenfalls Steuergelder, finanziert wird.

Die Selbstbeschreibung klingt nach Wissenschaft: theoriegeleitet meint: nicht willkürlich, praxisbezogen meint vermutlich: Sozialklempnerei, langfristig angelegt meint vermutlich: “Wenn wir keine Ergebnisse produzieren, dann liegt das daran, dass ihr uns zu früh nach Ergebnissen fragt!”. Langfristig werden also theoriegeleitet und praxisbezogen Entwicklungen, Probleme und Innovationschancen moderner Gesellschaften untersucht – so die Behauptung.

Um uns ein Bild davon zu machen, was sich hinter dieser als Wohlklang intendierten Beschreibung verbirgt, haben wir die Außendarstellung des WZB analysiert, die Art und Weise, wie das WZB wahrgenommen werden will.

Die Außendarstellung besteht aktuell aus sieben Themen. Aufmacher ist ein mit “Mehr väterlicher Familiensinn” überschriebener bebilderter Beitrag, der in den Kontext dessen, was wir gewöhnlich als Infantilisierung von Universitäten und Wissenschaft beschreiben, passt, den man jedoch nicht auf der Seite einer wissenschaftlichen Institution vermuten würde, die ernst genommen werden will.

Nebem dem “Mehr” an väterlichem Familiensinn (eine Überschrift, die darauf spekuliert, dass das “Mehr” bei Lesern aufgrund seiner Konnotation zu Familiensinn, einen positiven Affekt auslöst, weil Familiensinn doch gut ist), gibt es einen Hinweis darauf, dass das WZB als “familienfreundlicher Arbeitgeber bestätigt” wurde, einen Hinweis auf einen Beitrag über China, der sich mit den Kosten, nicht etwa mit dem Nutzen des Aufstiegs eines Landes beschäftigt, in dem noch vor wenigen Jahrzehnten Hungersnöte normal waren. Es gibt einen Hinweis auf den Jahresbericht 2013 und einen Aufreger, denn: “Nicht alle Geschwister beteiligen sich an der Pflege der Eltern”. Auf eine Plattform zum Thema Bildung wird verwiesen, und man kann die Behauptung bewundern, dass “Wer sich arm fühlt”, auch eher krank wird.

Klassifiziert man diese sieben Beiträge, dann muss man zunächst einmal feststellen, dass von theoriegeleiteter oder gar problemorientierter Grundlagenforschung weit und breit nichts zu sehen ist, was natürlich daran liegen kann, dass beides langfristig angelegt ist. Da es das WZB erst seit 1969 gibt, ist es vielleicht noch zu früh, die Ergebnisse der problemorientierten Grundlagenforschung zu publizieren. Nein, das ist ungerecht, schließlich haben wir nur eine Querschnittsanalyse ausgeführt, so dass wir nur irritiert feststellen können, dass die Betonung beider, der theoriegeleiteten Forschung und der problemorientierten Grundlagenforschung sich nicht im Beobachtungszeitraum niederschlägt.

WZB PresseAllerdings kann man der Querschnittsanalyse eine klare Schwerpunktsetzung der Außendarstellung entnehmen: Vier soziale Themen, stehen einem Beitrag über China, der der Transformationsforschung zuzurechnen ist, und zwei Hinweisen auf einmal einne Plattform zum Thema Bildung und den Jahresbericht 2013 des WZB gegenüber.

Die vier sozialen Themen widmen sich ausnahmslos Themen, die der politisch korrekte Zeitgeist vorgibt, wobei man nicht genau weiß, ob man lachen oder weinen soll, wenn die “WZB-Ökonomin Maja Adena” erklärt, dass “[w]er wenig Geld hat”, eher krank wird und dann weiß, dass als “arm … aber auch gelten [kann], wer sich arm fühlt”.

“Ältere Menschen, die sich selbst als arm einschätzen, erkranken deutlich häufiger (38 Prozent) und erleiden eher einen gesundheitlichen Rückschlag (48 Prozent). Auch die Wahrscheinlichkeit, früher zu sterben, ist bei ihnen weitaus höher – bei Männern dieser Altersgruppe um 40 Prozent.”

Nun wissen Wissenschaftler schon seit vielen Jahren, dass subjektive Einschätzungen eher ungeeignet sind, um Lebensereignisse wie Krankheit und Tod zu erklären (so wie sie wissen, dass relative Armut und bestimmte körperliche Tätigkeiten, die auf die Gesundheit gehen, mit einander verwoben sind), denn irgendwie hat man Probleme, sich einen Menschen vorzustellen, der sich z.B. angesichts einer Lungenentzündung für gesund erklärt. Zudem stellt sich die Frage, was man eigentlich misst, wenn man Menschen ihre Armut einschätzen lässt. Einschätzungen sind eben subjektiv, und selbst Dagobert Duck war zeitlebens der Ansicht, arm zu sein.

Insofern sind die angeblichen Ergebnisse so nutzlos wie die Prozentzahlen, die so verloren im obigen Zitat stehen und die besonders einsam sind, weil ihnen keine Bezugsgruppe gegönnt wurde: Diese soziale Kälte gegenüber Prozentzahlen hat uns veranlasst die Aktion: “Jede Prozentzahl hat eine Recht auf eine Basis” ins Leben zu rufen. Wer allein umher irrende Prozentzahlen findet, kann sie in Zukunft bei uns abgeben, wir fahnden denn nach der zugehörigen Basis.

Wer sich bislang noch nicht schlecht fühlt, angesichts der problemorientierten Grundlagenforschung, dem kann geholfen werden, z.B. durch die Raben-Kinder, denen ein weiterer Beitrag politischer Korrektheit gewidmet ist. Die bei deratigen Themen resultierende Entrüstung wird von Marcel Raab, Henriette Engelhardt und Thomas Leopold wie folgt verbalisiert:

“Die Mütter werden in erster Linie von den Töchtern gepflegt. Söhne sind nach wie vor seltener bereit, die Pflegearbeit allein zu leisten. In Familien ohne Töchter teilen sich mehrere Brüder die Pflege häufig untereinander auf.”

ideology of social problemsDie operativen Worte hier lauten: “nach wie vor”, sind diese Söhne also seltener bereit, die Pflegearbeit alleine zu leisten. Vielleicht denken diese Söhne, sie seien dazu nicht qualifiziert. Vielleicht denken sie, sie müssten ihren Lebensunterhalt verdienen. Wir werden es nicht erfahren, denn derartige, nach unserer Ansicht intersektional inspirierte und noch dazu naheliegende Erwägungen wurden in der nicht problemorientierten nicht-Grundlagenforschung nicht berücksichtigt. Statt dessen trifft das Risiko, pflegen zu müssen, das im Text in ironischen Anführungszeichen steht, Geschwister, die näher bei den zu Pflegenden leben. Besonders schlechte Karten haben Kinder, die im Haushalt der zu Pflegenden leben und diejenigen, die von ihren Eltern als potenzielle Pfleger benannt wurden.

Und so lernen wir aus dieser nicht-problemorientierten nicht-Grundlagenforschung, dass es besser ist, so weit wie möglich vom Wohnort der Eltern entfernt zu leben, um Pflegeverpflichtungen, wie sie die neue politische Korrektheit für Kinder postuliert, zu entgehen.

Ein besonderes Kleinod politisch korrekter Forschung liefert Mareike Brünning, die herausgefunden hat, dass schon zwei Monate Elternzeit bei Vätern dazu führen können, dass sie ihre Arbeitszeit nach Ende der Elternzeit um eine Stunde pro Werktag reduzieren, ja selbst ihre Freizeit. Die selbst-nach-zwei-Monaten-Elternzeit-Legitimations-Forschung ist notwendig geworden, weil Väter sich bislang mehrheitlich weigern (75% aller Väter, die Elternzeit nehmen, nehmen die Minimumzeit von 2 Monaten), mehr als zwei Monate ihrer Arbeit fern zu bleiben. Alle Propaganda scheint der Tatsache, dass Männer in der Regel die Hauptverdiener sind und ihre Frauen das ratioanler Weise auch so sehen, machtlos gegenüber zu stehen.

Auch dem Brünningschen Beitrag fehlt nicht die vorgegebene Entrüstung, denn: Männer, die zwei Monate in Elternzeit gehen, beteiligen sich anschließend nicht intensiver an Hausarbeiten als davor. Ob sich Frauen nach einer kurzen Phase der Erwerbstätigkeit intensiver an der Pflege und Wartung des eigenen Autos, an kleineren Reparaturen, wie sie im Haus anfallen oder am Schleppen von Wasserkästen beteiligen, wurde in dieser ideologiegeleiteten Forschung nicht erforscht. Das war auch nicht zu erwarten, denn der sozialen Kälte, die einsamen und ohne Bezugsgruppe verbleibenden Prozentzahlen entgegen gebracht wird, entspricht die abweisende Haltung gegenüber sozialen Beziehungen wie sie z.B. zwischen Ehepartnern bestehen und  generell nicht berücksichtigt werden. Beide, Prozentzahlen und soziale Beziehungen, sind somit Objekte, die man in wissenschaftliche Pflege nehmen und denen man mit viel psychiologischem Aufwand über das Leid ihrer Vernachlässigung, ja Diskriminierung hinweghelfen muss.

In einer Hinsicht ist die ideologiemotivierte Auftragsforschung von Brünning jedoch wichtig. Wenn zuftreffen sollte, dass Männer bereits nach zwei Monaten Elternzeit mit dem Virus außerberuflicher Trägheit infiziert sind und ihre Anstrengungen am Arbeitsplatz reduzieren, dann wird es für Arbeitgeber notwendig, den Fortpflanzungswunsch bei Einstellung zu berücksichtigen. Denn es macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn, dieselben Ressourcen und Mittel in Bildung und Weiterbildung von Mitarbeitern zu investieren, die planen, sich in Elternzeit zu verabschieden und anschließend nicht mehr mit voller Kraft zu arbeiten, die in Mitarbeiter investiert werden, die dies nicht planen.

Die Außendarstellung des WZB ist, so kann man diese kurze Analyse zusammenfassen, von politischer Korrektheit geprägt. Man hat den Eindruck, es handle sich beim WZB um eine Außenstelle des Ministeriums für FSFJ, denn die behandelten Themen sind weitgehend identisch: Jammern über die vermeintliche Doppelbelastung von Frauen, das Anpreisen staatlicher Angebote, die dazu dienen, Menschen in vorgegebene Lebensstile einzuweisen, und der Grundtenor, dass Männer ohne staatliche Bemaßnahmung zu wenig Hausarbeit, zu wenig Kinderbetreuung, zu wenig Vatersinn, zu wenig Pflegebereitschaft haben, überhaupt alles zu wenig sind und haben, was politisch korrekter Weise als wertvoll erachtet wird, ist beiden gemeinsam. Was in beiden Fällen fehlt, ist die Klage über die fehlende Bereitschaft vieler Frauen, sich ein ganzes Arbeitsleben lang ihrem Beruf in Vollzeit zu widmen, Überstunden zu machen, um die eigene Familie zu unterhalten oder gar den Wunsch, sich als Mutter zu verwirklichen auf den Zeitpunkt zu vertagen, ab dem sie  es sich aus eigener Kraft leisten können – aber auf einen solchen Gedanken kann man natürlich nur kommen, wenn man theoriegeleitet und wertfrei vorgeht.

Seit Jutta Allmendinger das WZB leitet, ist es mehr und mehr zu einer ideologischen Anstalt im Dienste der Bundesregierung verkommen. Problemorientierte Grundlagenforschung ist weit und breit nicht zu sehen. Was innovativ an Forschung sein soll, die ein Pflegerisiko für Kinder berechnet und bei der herauskommt, dass diejenigen, die den größten Teil zum Einkommen ihrer Familien beitragen, nämlich die Söhne, in der Regel nicht bereit sind, die wirtschaftliche Existenz ihrer Familien für die Pflege ihrer Eltern zu opfern, ist nicht klar.

Und welche Theorie kann wohl hinter einer Forschung stehen, die untersucht, welche Konsequenzen sich einstellen, wenn Väter zwei Monate in Elternzeit gehen? Eine Humankapitaltheorie, die den Zerfall des Humankapitals bei den entsprechenden Vätern vorhersagt und prüft? Eine Equity-Theorie, aus der folgt, dass Männer, wenn sie erst einmal gesehen haben, dass es mit der behaupteten Doppelbelastung nicht weit her ist, selbst auch weniger bereit sind, in Arbeit zu investieren und sich ausnutzen zu lassen? Selbstverständlich wurde keine dieser Theorien geprüft, sie würden dem von Brünning phantasierten “väterlichen Familiensinn” widersprechen. Und dieser “väterliche Familiensinn”, der als positiver Wert am Ende der Forschung stehen soll, zeigt auch, dass es sich nicht um theorie- sondern um ideologiegeleitete Forschung handelt – Forschung, die sich im WZB unter Allmendinger leider in ständig steigender Penetranz findet.

Dazu passt, dass man beim WZB nun stolz ist, als familienfreundlicher Arbeitgeber bestätigt zu werden. Einst war man froh, einen Sir Ralf Dahrendorf als Gastwissenschaftler gewonnen zu haben. Heute ist man froh, familienfreundlich zu sein. Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung ist zum Verweilzentrum Berlin für Kinderbetreuung geworden. Gesucht ist daher eine Bezeichnung, die den irreführende Zusatz Wissenschaftszentrum” beseitigt.

Vielleicht findet ja einer unserer Leser eine bessere Bezeichung für das WZB.

Gesucht: Ein Depp vom Dienst

“Am Institut für Soziologie, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, ist ab sofort befristet bis 30. September 2015 die ganze Stelle einer

Depp vom Dienst Giessen

Lehrkraft für besondere Aufgaben

gemäß §§1 ff WissZeitVG zu besetzen. Bei Vorliegen der tariflichen Voraussetzungen erfolgt die Vergütung nach Entgeltgruppe 13 Tarifvertrag Hessen (TV-H).”

So beginnt eine Ausschreibung der Justus-Liebig-Universität in Giessen, der man entnehmen muss, dass Universitäten in Deutschland nicht nur zunehmenden infantilisiert und entprofessionalisiert werden, nein, sie werden auch zu Anstalten einer modernen Form des Sklavenhandels, in denen eine neue Stufe der Zusatzqualifikation eingeführt wird, die man getrost als Ausbeutung bezeichnen kann.

So soll die Lehrkraft für besondere Aufgaben, die an der Universität Gießen gesucht wird, 14 Lehrveranstaltungsstunden pro Woche leisten, und somit 6 mehr als ein ordentlicher Professor. 14 Lehrveranstaltungsstunden, das sind in der Regel 2 pro Seminar, was die Notwendigkeit mit sich bring, 7 Themen zu finden, auszuarbeiten, auf rund 12 Sitzungstermine und ihre Unterthemen zu verteilen, entsprechend Literatur zu suchen, Aufgabenstellungen zusammenzutragen, Themen für Referate oder sonstige studentische Beiträge zu bestimmen und, schließlich, Klausurfragen zusammenzutragen. Eine derartige Verpflichtung kann nur erfüllen, wer die quantitativen Ansprüche, die an ihn gestellt werden, mit einer geringeren Qualität als möglich oder notwendig, verbindet.

Deshalb: “Lehrkraft für besondere Aufgaben” – dass soll vermutlich wie eine Auszeichnung – “besondere Aufgaben” eben – klingen, damit der arme Schlucker, der sich davon blenden lässt, eine Möglichkeit hat, die kognitiven Dissonanzen, die sich angesichts seiner Ausbeutung bei ihm zwanglsäufig einstellen müssen, zu verarbeiten.

Gleichzeitig macht die enorme Anzahl an Lehrstunden, die die Lehrkraft für besondere Aufgaben zu leisten hat, einen Verfall der Bedeutung von Lehre deutlich, der zur Entprofessionalisierung passt, die an Universitäten allenthalben zu beobachten ist.

Eigentlich sind Professoren diejenigen mit der höchsten Lehrbelastung: 8 Semsterwochenstunden Lehre sieht ihr Deputat vor. Sie waren deshalb die am stärksten mit Lehrverpflichtung Belasteten, weil man davon ausging, dass ein Professor mehr von seinem Feld versteht, als ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und insofern befähigter ist, Lehrveranstaltungen zu halten als ein wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Ob diese Annahme zutrifft, ist eine gänzlich andere Frage – zumal Programme wie das Professorinnenprogramm alles tun, um dafür Sorge zu tragen, dass Professoren die Unwissenheit ihrer Studenten weitgehend teilen, als Form intellektueller Gleichstellung gewissermaßen. Aber, angesichts von mehr Berufsjahren und entsprechend mehr Zeit, Erkenntnis zu sammeln, ist es auch derzeit noch nicht völlig abwegig davon auszugehen, dass Professoren in der Regel mehr Kenntnisse und Wissen haben als wissenschaftliche Mitarbeiter.

Nun scheint jedoch in der post-Bologna Ära  an Universitäten ein Lehr-Notstand eingetreten zu sein, der dazu geführt hat, dass man billige Arbeitskräfte, Lehrsklaven in diesem Falle, einsetzen muss, um den Lehrverpflichtungen, die eingegangen wurden, Herr zu werden. Lehrsklaven zeichnen sich dadurch aus, dass sie 75% mehr Lehrdeputat haben als Professoren und in der untersten Gehaltsstufe ihrer Gehaltsgruppe (E13) 65% weniger verdienen (Grundgehalt) als ein Professor mit W3 Besoldung, also 25.076 Euro netto pro Jahr (2009 Euro pro Monat) im Vergleich zu 49.142  Euro netto bzw. 49% weniger als ein Professor mit W2 Besoldung, d.h. 25.076 Euro netto im Vergleich zu 45.002 Euro netto pro Jahr.

Man sieht, für Verwaltungen ist der Depp vom Dienst, der nun als Lehrkraft für besondere Aufgaben bezeichnet wird, ein Segen, kann man doch die Anzahl der angebotenen Lehrveranstaltungen erhöhen und gleichzeitig die Kosten senken.

exploitation2Aber: Lehrsklave für besondere Aufgaben kann man nicht einfach so werden. Nein. Gesucht ist eine eierlegende Wollmilchsau, die (1) “pädagogisch geeignet” ist, (2) ein abgeschlossenes Hochschulstudium in Sozialwissenschaften oder Soziologie hat, (3) über mehrjährige universitäre Lehrerfahrung verfügt, (4) im Team arbeiten kann, (5) ein Interesse an Weiterqualifikation mitbringt und (6) “an die Themenfelder Migration, Finanzökonomie, Gender, Bildung, Medien oder Gewalt” anschlussfähig ist.

Wenn Sie also ein Studium abgeschlossen haben, sich für pädagogisch geeignet halten, bereits jahrelang an Universitäten gelehrt haben und in Migration, Finanzökonomie, Gender, Bildung, Medien oder Gewalt anschlussfähig sind, woran auch immer und wie auch immer, wenn Sie der Ansicht sind, dass Sie sich als Depp vom Dienst qualifizieren und es ihnen gegeben ist, diese Tatsache als “besondere Lehraufgabe” zu verfremden, dann bewerben sich sich bitte unter Angabe des Aktezeichens 382/78427/03 mit den üblichen Unterlagen und bis zum 14. August 2014 beim Präsidenten der Justus-Liebig-Universität Gießen, Erwin-Stein-Gebäude, Goethestraße 58, 35390 Gießen. Deppinnen vom Dienst und Kinderbesitzer werden natürlich bei gleicher Willigkeit, sich missbrauchen zu lassen, vorgezogen.

Wer nicht anschlussfähig ist und, wem mehr nach einem Jahresgehalt von 147.072 Euro der Sinn steht, der kann sich als Mitglied des Europäischen Parlaments bewerben. Bewerbungen nimmt jede Partei entgegen. Für die Migliedschaft sind keinerlei Kenntnisse, kein abgeschlossenes Studium, keine universitäre Lehrerfahrung und keinerlei Bereitschaft zur Weiterqualifikation erforderlich. Es genügt, den Mund aufreißen und Unsinn erzählen zu können.

Die Versklavung von Wissenschaftlern wäre doch nun wirklich etwas, um das sich Gewerkschaftler wie Herr Körzell kümmern müssten, schließlich behaupten die Körzells dieser Welt doch die Rechte der Arbeitnehmer zu vertreten, wenn sie nicht gleich die Rechte der Armen gegen die, wie sie sagen: Heuschrecken dieser Welt verteidigen. Doch: Man hört keinen Körzell sich gegen in seiner Diktion: Heuschrecken wenden, die arme wissenschaftliche Mitarbeiter ausbeuten. Kein Körzell regt sich darüber auf, dass die Ausbeutung mit einem fast sittenwidrig zu nennenden Entgelt einhergeht. Ob Herr Körzell einfach zu feige ist, hier die gleichen großen Töne anzuschlagen, die er anschlägt, wenn der Adressat seiner Ausfälle durch Landesgrenzen von ihm getrennt ist oder ist er einfach kein Vertreter deutscher Arbeitnehmer, so dass ihn die Ungerechtigkeiten des deutschen Entgeltsystems wie es derzeit an Universitäten herrscht, nicht interessieren.

Politik der Schadensbegrenzung – Feminismus und familiengerechte Hochschule

Es könnte sein, dass wir falsch liegen.

Ja, wirklich!

Aber wir müssen anders anfangen.

Haben Sie jemals davon gehört, dass ein Gesetz, eine Maßnahme der Verwaltung, ein Fördertopf gestrichen oder geschlossen worden wäre?

Dass Gesetze gestrichen werden, kann man schon deshalb ausschließen, weil damit ein Präzedensfall geschaffen wäre, ein Präzendesfall, der am Ende dazu führen könnte, dass es weniger Möglichkeiten für Anwälte gibt, an normalen Bürgern z.B. durch Abmahnungen zu nutznießen. Aber nicht nur deshalb: Der Gesetzgeber setzt Recht und hat entsprechend Recht. Das Streichen von Gesetzen ist somit gleichbedeutend mit den Streichen von Recht und das kann nicht rechtens sein, lässt am Ende den Schluss zu, dass der sogenannte Gesetzgeber fehlbar ist, dass er sich einstmals geirrt hat oder unrechtes Recht oder Recht gesetzt hat, wo keines gesetzt werden musste.

Maßnahmen der Verwaltung, Maßnahmen, die auf Gesetzen aufsetzen und mit Mitteln, finanziellen Mitteln verbunden sind, bleiben ebenso bestehen. Maßnahmen und finanzielle Mittel sind Macht, sie definieren den Herrschaftsbereich der kleinen Könige die Verwaltungen bevölkern, Kürzung von Mitteln kommt somit einer Kürzung des Herrschaftsgebiets gleich und kann nur unter Entfernung des Herrschers erfolgen, also durch Königsmord. Wann haben Sie zum letzten Mal von Königsmord gehört? Eben!

flies lightUnd Fördertöpfe, Fördertöpfe haben dem Licht vergleichbare Eigenschaften. Licht zieht allerlei Lebewesen an, von der Stechmücke bis zum verirrten Wanderer, dem das Licht den Weg weist. Genau so ist es mit Fördertöpfen: Sie ziehen vergleichbare Lebewesen an, die sich am Fördertopf laben, und wer wäre so herzlos, die entsprechenden Laber vom Fördertopf zu vertreiben. Deshalb bleiben auch Fördertöpfe bestehen.

Was aber tut man, wenn sich Gesetze, Maßnahmen und Fördertöpfe als schädlich erwiesen haben, wenn sich Anzeichen abzeichnen, und zwar dauerhaft und über mehrere Jahre hinweg, so dass die Anzeichen nicht mehr ignoriert werden können, wenn sich also zeigt, dass ein Nutzen von Gesetz, Maßnahme und Fördertopf nur für die direkt Begünstigten besteht, alle anderen jedoch einen Schaden von Gesetz, Maßnahme und Fördertopf davontragen?

Die Antwort ist einfach.

Man schafft ein neues Gesetz, eine neue Maßnahme einen neuen Födertopf. Ziel: Die negativen Auswirkungen des Gesetzes, der Maßnahmen und des Fördertopfes, deren Schädlichkeit sich nicht mehr von der Hand weisen lässt, zu mildern und nach Möglichkeit zu kaschieren.

Und deshalb könnte es sein, dass wir falsch liegen.

Denn: Wir schreiben seit Jahren davon, dass Universitäten infantilisiert, entprofessionalisiert und zu Kaderschmieden des Genderismus gemacht werden, deren wesentliches Ziel darin besteht, Wissenschaft zu zerstören und Ideologie an ihre Stelle zu setzen.

ProfessorrinnenprogrammDas Professorinnenprogramm zum Beispiel, jenes vom BMBF finanzierte Programm zur Diskriminierung von Männern ist eindeutig ein Programm, das in die Kategorie “schädlich” gehört. Es basiert auf einer Auslegung des Grundgesetzes, die schädlich für den Intellekt ist, denn wer in der Lage ist, zu denken, dass Diskriminerung dann keine Diskriminierung ist, wenn sie auf behaupteter Diskriminierung aufbaut, nun, nun ja, der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, um es einmal in Prosa auszudrücken. Das Programm ist eine schädliche Maßnahme, denn als Folge des Programms werden weibliche Personen an Universitäten und in Positionen installiert, an die sie über freien Wettbewerb und in Konkurrenz mit den Besten kaum gekommen wären. Folglich ist die Entprofessionalisierung und die damit einhergehende Schädigung bzw. Zerstörung von Wissenschaft eine direkte Folge der Maßnahme. Mit 300 Millionen Euro Fördersumme, ist das Professorinnenprogramm ein recht helles Licht, das entsprechend eine große Zahl von Lebewesen anzieht, die hoffen, davon zu profitieren. Kurz: Eine Beseitigung des Professorinnenprogramms ist schlicht nicht möglich.

Dennoch ist das Professorinnenprogramm schädlich – schädlich für Wissenschaft, schädlich für Steuerzahler, schädlich für Innovation, den Standort Deutschland usw. usw.

Was also tun?

Die Lösung steht bereits oben: Ein neues Programm, aufbauend auf einem Gesetz, verbunden mit Maßnahmen und ausgestattet mit einem Fördertopf.

Und das ist, wo wir falsch liegen könnten.

Wir haben bislang geglaubt, die Programme für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Kindergärten, mit denen Universitäten in Deutschland neuerdings für sich werben, die Zertifikate im sogenannten “Audit Beruf und Familie” im Kontext der familiengerechten Hochschule seien Ursache für die Entprofessionalisierung und Infantililsierung der Wissenschaft.

Wir haben geglaubt, hier handelt es sich um einen weiteren Nagel im Sarg der Wissenschaft, um einen weiteren Versuch, Nachzugseffekte zu produzieren und Halb-Professionelle, die nicht genug Wissen, Fähigkeit und Liebe zu ihrem Beruf mitbringen, um sich voll und ganz auf ihre wissenschaftliche Position einzulassen, an die Universität zu locken. Ergo haben wir befürchtet, dass da, wo man einst bis in die Nacht über Forschungsprobleme diskutiert hat, die Öffnungs-, besser Schließungszeiten des Kindergartens, den Erkenntnisgewinn beenden, diktieren oder schlicht: unmöglich machen. Der professionelle Wissenschaftler, so haben wir vorhergesagt, den, den wir alle aus dem Fernsehen kennen, derjenige, der eingesperrt in sein Labor so lange das Licht des Tages nicht mehr sieht, bis er Heureka rufen und einen Durchbruch vermelden kann, dieser Wissenschaaftler ist ein Relikt der Vergangenheit, denn selbst wenn es ihn noch gäbe, so würde ihn doch spätestens 25 Minuten nach Schließung des Kindergartens der aufgeregte Anruf der Kindergärtnerin erreichen, die – obwohl sie bereits seit 25 Minuten Feierabend hat – immer noch gezwungen ist, auf Jonas aufzupassen, Jonas, der nicht abgeholt wurde.

familiengerechte HochschuleUnd auch wenn unsere Befürchtungen berechtigt sind, so sind sie doch – wie wir nun erkennen – zumindest teilweise unbegründet, denn: das “Audit Familie und Beruf”, das Programm “familiengerechte  Hochschule”, sie dienen der Schadensbegrenzung. Sie sollen den Schaden begrenzen, der durch Gleichstellungsprogramme wie das Professorinnenprogramm mittlerweile angerichtet wurde.

Der Schlüssel zum Erfolg: Selbstselektion.

Die Strategie hinter dem Programm: Anreize für unprofessionelle oder halb-professionelle Positionsinhaber an Universitäten setzen, für die Familie vor Beruf geht.

Das kurzfristige Ziel: Durch gezielte Anreize die entsprechenden unprofessionellen oder halb-professionellen Positionsinhaber an Universitäten identifizieren, katalogisieren und so gut es geht davon abhalten, in der Wissenschaft ihr Unwesen zu treiben.

Die Mittel: Kindergartenöffnungszeiten, Eltern-Kind-Zimmer, Eltern-Kind-Veranstaltungen, Eltern-Kind-Parkplätze; Eltern-Kind-Betreuung, einfach alles, was man sich denken kann und was dazu geeignet ist, die Eltern davon abzuhalten, an Universitäten dem nachzugehen, was richtige Wissenschaftler dort tun: Lehre und Forschung.

Das Programm “familiengerechte Hochschule” hat entsprechend das  Ziel, die langfristigen Folgen des Professorinnenprogramms und andere Gleichstellungsprogramme zu minimieren und den Schaden, der der Wissenschaft durch halb-professionelle und der wissenschaftlichen Konkurrenz nicht gewachsene Positionsinhaber entsteht, zu reduzieren.

Langfristig ist wohl zudem vorgesehen eine Trennung zwischen Universitäten über die entsprechenden Anreizssysteme einzuführen, so dass Universitäten, an denen Wissenschaft gelebt wird, von familiengerechten Hochschulen, an denen Halb-Professionelle ein Teilzeitdasein führen, klar getrennt sind.

 

Die Zerstörung der Soziologie als Wissenschaft oder: Warum machen Soziologen nicht den Mund auf?

Seit der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Solidaritätsadresse für Soziologen wie Gerhard Amendt, die Hasskampagnen ausgesetzt sind, veröffentlicht hat, gibt es in einigen Blogs eine Diskussion darüber, ob Soziologie überhaupt eine Wissenschaft darstellt oder nicht. Wir beziehen uns im Folgenden auf die Diskussion, die im Blog von Hadmut Danisch geführt wird.

Eine Anzahl von Kommentatoren, fühlt sich dazu berufen, der Soziologie als Ganzem den Wissenschaftsstatus abzusprechen. Andere kritisieren, dass sofern es Soziologen gibt, die noch Wissenschaftler sind, sich diese nicht zu Wort melden. Generell wird dabei Soziologie irrtümlicher Weise mit Geschlechterforschung und Geschlechterforschung mit Genderismus gleichgesetzt, d.h. in der Außenwahrnehmung vieler gibt es keine Soziologie ohne Genderismus mehr.

Dabei nimmt die nicht pöbelnde Kritik z.B. die folgende Form an:

Danisch“Ein zentraler Fehler der Soziologie ist dabei, dass sie gar nicht das Ziel hat, wissenschaftlich und beschreibend zu sein, sondern dass sie politisch ist, politische Ziele verfolgt, und sich nur darum dreht, wie sie die Gesellschaft gerne sehen und haben möchte. Keine andere Fakultät (außer noch den Juristen) ist so eng mit der Politik verflochten, ist so weit von Wissenschaft entfernt.”

oder:

“Jeder, der auch nur etwas Ahnung von Wissenschaft hat, merkt bei Lesen soziologischer Schriften sofort, dass das mit Wissenschaft nichts zu tun hat, dass es nur ein „so tun als ob”, eben das Nachäffen des Gehabes ist. Zentrales Kernmerkmal dafür ist, dass Soziologie nicht auf Wissen, sondern auf Autoritäten beruht. Nie wird etwas inhaltlich-wissenschaftlich begründet.”

oder:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Beginnt man der Reihe nach, so muss zunächst ein Fehler beseitigt werden: Soziologen, wie alle Sozialwissenschaftler,  wollen nicht nur beschreiben, sie wollen auch erklären. Emile Durkheim, der Begründer der Soziologie, hat versucht, Selbstmord in seinen Formen zu erklären, er hat Methoden zur Erklärungen sozialer Tatbestände entwickelt. Insofern ist z.B. der Anspruch der Soziologie ein weitergehender als er hier gemutmaßt wird: Die berühmte Definition des Gegenstands von Soziologie, die Max Weber gegeben hat, lautet entsprechend: “Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will” (Weber, 1988: 542).

Weber WissenschaftslehreDamit ist Soziologie eine Wissenschaft, deren Zweck darin besteht, soziale Fakten zu verstehen und zu erklären, z.B. zu erklären, wie es dazu kam, dass der Genderismus an deutschen Universitäten Fuss fassen konnte. Um dies erklären zu können, muss man zunächst den Genderismus als die Ideologie, das religiöse Gebäude, das auf der unbelegten Behauptung, Frauen seien benachteiligt, basiert, verstehen, den Genderismus als die religiöse Heilslehre sehen, das politische Programm, die/das er ist. Entsprechend stellt sich nunmehr die Frage: Wie konnte es sein, dass sich eine religiöse Heilslehre wie der Genderismus an Universitäten und u.a. in den Instituten der Soziologie ausbreiten konnte. Die Antwort auf diese Frage wäre entsprechend die von Weber eingeforderte Erklärung sozialer Phänomene.

Um soziale Tatsachen zu verstehen und zu erklären, gibt es einen methodischen Kanon, den wir in unserem Grundsatzprogramm zusammengestellt haben. Er sieht es vor, von allgemeinen Aussagen (Theorien) über soziale Fakten auszugehen und Hypothesen über konkrete soziale Gegenstände zu bilden, die prüfbar sein müssen und damit die Gefahr in sich tragen, an der Realität zu scheitern. Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen von Soziologie im Besondern und Sozialwissenschaften im Allgemeinen hat Karl-Dieter Opp in seinem Buch “Methodologie der Sozialwissenschaften” ausführlich dargestellt, so dass jeder, der von sich behauptet, Sozialwissenschaftler oder Soziologe zu sein, nicht gleichzeitig Unkenntnis über die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Soziologie heucheln kann. Wenn er Unkenntnis kund tut, dann verfolgt er offensichtlich andere als sozialwissenschaftliche oder soziologische Zwecke.

Die zur empirischen Prüfung notwendigen Methoden in qualitativer wie quantitativer Form finden sich in unzähligen Bänden, die dem Thema der Methoden der empirischen Sozialforschung gewidmet sind. Sie finden sich in qualitativer und in quantitativer Form, sie finden sich als Technik zur Fragebogenkonstruktion, als Methoden zur Datenerfassung, als Methoden zur Vermeidung eines Befragungs-Bias, als Darstellung suggestiver Befragungstechniken, die mit einem ethischen Bann belegt sind, schließlich finden sich Legionen von Darstellungen einzelner statistischer Methoden, von univariaten Auszählungen über die Darstellung bivariater Zusammenhänge bis zu multivariaten Verfahren.

RityerDie Soziologie als Fach, ist somit eines der wenigen Fächer der Sozialwissenschaften, die über einen theoretischen Korpus verfügen, den Forscher wie Jeffrey Alexander, Herbert Blumer, Gary Becker, Peter Blau, James Coleman, Randall Collins, Ralf Dahrendorf, Emile Durkheim, Harold Garfinkel, Erving Goffman, Michael Hechter, George C. Homans, Talcott Parsons, Karl-Dieter Opp, Heinrich Popitz,  und viele mehr gelegt haben. Zudem verfügt die Soziologie über eine wissenschaftstheoretische Basis, die von Hans Albert, Karl Raimund Popper, Imre Lakatos oder Thomas Kuhn gelegt wurde und deren Tenor darin besteht, dass wissenschaftliche Aussage nachvollziehbar und vor allem nachprüfbar sein müssen. Aussagen, die nicht an der Realität scheitern können, sind entsprechend keine wissenschaftlichen Aussagen. Schließlich verfügt die Soziologie über eine Vielzahl von Methoden zur empirischen Prüfung, von der Datenerhebung bis zur Datenanalyse.

Kurz und mit Thomas Kuhn gesprochen: Die Soziologie ist eine der wenigen Sozialwissenschaften, die den Sprung aus dem, was Kuhn die vorwissenschaftliche Phase nennt, in die Phase der Normalwissenschaft vollzogen haben.

Und dann kam der Genderismus.

Dann kam die Unterminierung der Soziologie durch eine Religion, die keinerlei theoretische Grundlage hat, statt dessen auf der Verkündung, Frauen seien benachteiligt, aufbaut, wie jede Religion auf einem mystischen Schöpfungsakt aufbaut. Der Genderismus hat keinerlei wissenschaftstheoretische Basis, die den rudimentärsten Kriterien von Wissenschaftlichkeit gerecht wird, im Gegenteil: Nicht Nachvollziehbarkeit oder Nachprüfbarkeit ist das Credo des Genderismus, sondern politische Einflussnahme, so nachzulesen in dem, was prätentiös als feministische Wissenschaftstheorie benannt wird, ein Sammelsurium aus Versuchen, Werturteile, natürlich nur feministisch basierte Werturteile, zum Gegenstand von Wissenschaft zu machen. Werturteile im wissenschaftilchen Erkenntnisprozess waren schon für Max Weber (1988: 609) das Ende von Wissenschaft, und sie sind es bis heute geblieben.

Aber: Genderismus ist ja auch keine Wissenschaft, sondern eine Religion, die die eigenen Werturteile als richtige Werturteile verbreiten will. Da die Zielsetzung von Genderismus darin besteht, die eigenen Werturteile als richtig in der Gesellschaft zu etablieren, gibt es auch keine wissenschaftlichen Methoden und Techniken der Datenerhebung. Die Intuition, die auf der Basis des Gefühls, Recht zu haben, fusst, ersetzt das nachprüfbare und methodengeleitete Vorgehen, das Wissenschaft auszeichnet. Kurz: Genderismus ist eine Heilslehre, eine Religion, die mit Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialwissenschaft im Besonderen nichts zu tun hat.

Wie konnte es dazu kommen, dass sich Genderismus dennoch an Universitäten und hier besonders im Bereich der Soziologie einnisten konnte? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht zu geben. Es gibt bislang keine Forschung, die untersuchen und darstellen würde, wie es gelungen ist, eine Religion an Universitäten zu etablieren. Entsprechend muss man, ganz in soziologischer Tradition, Hypothesen bilden, Hypothesen, die von einem Rational-Choice-Ansatz ausgehen, der wiederum, um mit Max Weber zu sprechen, annimmt, dass Akteure zielgerichtet und zweckrational handeln.

Homo sociologicusDa Genderismus eine Religion ist, die nicht nur die Konsequenz hat, Wissenschaft zu zerstören, sondern auch die Konsequenz, eine Wissenschaft wie die Soziologie in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, ein Unterfangen, das wie die Zitate oben zeigen, schon recht erfolgreich gewesen ist, liegt es nahe anzunehmen, dass eben diese Diskreditierung der Soziologie das Ziel ist, das mit der Unterwanderung der Soziologie durch den Genderismus erreicht werden soll.

Die Frage nach dem Warum, ist leicht zu beantworten: Vor dem Einfall des Genderismus war Soziologie ein Fachbereich, in dem eine Mehrheit klare methodische Standards und wissenschaftstheoretische Grundlagen geteilt hat. Soziologie war eine kritische Wissenschaft (das hat nichts mit der Frankfurter Schule zu tun, eher im Gegenteil: Soziologie war trotz Habermas kritisch). eine Wissenschaft, die Ergebnisse auf geprüfter empirischer Basis erzielt hat, Ergebnisse, die im Gegensatz zu den Machtverhältnissen in der deutschen Gesellschaft und den Ideologien von Politikern standen.

So betrachtet, wäre die Zersetzung der Soziologie, ihre Zerstörung durch staatstreue Genderisten ein gezieltes Vorhaben, eine Hypothese, die nun der Prüfung harrt (Diese Hypothese ist prüfbar und das ist, was sie von einer Verschwörungstheorie unterscheidet).

Und warum haben die alten Soziologen, diejenigen, die dem wissenschaftlichen Korpus der Soziologie verpflichtet sind, dabei zugesehen, wie ihre Wissenschaft zerstört und durch feministischen Kauderwelsch ersetzt wurde, einen Kauderwelsch der die Soziologie, wie die Zitate oben zeigen, in der Außenwahrnehmung so sehr beherrscht, dass Soziologie mittlerweile mit Genderismus gleichgesetzt wird?

Diese Frage können nur die Betroffenen selbst beanwtorten. Vermutlich ist hier ein Prozess am Werk, wie ihn Soziologen beschreiben, die sich mit emergenten Effekten beschäftigen. Jeder Soziologie-Professor ist seine eigene Insel. Die Kosten für eine Organisation von Soziologie-Professoren, die Kosten für die Organisation von Widerstand sind zu hoch, als dass sie überwunden werden könnten. Also sehen sich die Einzelkämpfer-Professoren einem organisierten Auftrieb gegenüber, der als angeblicher politischer Wille, Genderismus in die Wissenschaft implementiert, und zwar ohne auf Widerstand zu treffen.

Dass Fächer per politischem Willen in Universitäten implementiert wurden und nicht aufgrund einer entsprechenden Entscheidung der scientific community ist recht selten: Neben dem Genderismus, gibt es wenige Beispiele, am bekanntesten ist der Marxismus-Leninismus, den die religiösen Herrscher des erfolgreichsten sozialistischen Staates auf deutschem Boden, der immerhin 40 Jahre den Mangel verwaltete, ehe ihm die Banane den Garaus machte, etabliert haben, und das ist übrigens nicht die einzige Gemeinsamkeit beider Religionen.

Damit sind wir zurück beim einem der drei Zitaten von oben:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Das schreibt Hadmut Danisch und damit will er im Umkehrschluss belegen, dass es keine seriösen Wissenschaftler in der Soziologie gibt. Das ganze Argument krankt zwar daran, dass es auf einer Tautologie aufbaut, aber das Anliegen, das dieses Argument hervorgebracht hat, ist legitim, beschreibbar als Frage: Warum machen Soziologen, also die wenigen Wissenschaftler, die es in der institutionalisierten Soziologie noch gibt, nicht den Mund auf (freien Wissenschaftler, wie der Soziologin Dr. habil. Heike Diefenbach kann man sicher nicht den Vorwurf machen, sie würde nicht den Mund aufmachen)?

FestingerWir haben, ehrlich gesagt, keine Antwort auf diese Frage. Eine Hypothese, die wir anbieten können, basiert auf der Theorie kognitiver Dissonanz von Festinger, die bekanntlich vier mögliche Strategien der Verarbeitung kognitiver Dissonanzen sieht, kognitiver Dissonanzen, wie sie sich unwillkürlich einstellen, wenn ein Soziologe, der Wissenschaft betreiben will, mit Vertreter der Genderreligion konfrontiert ist:

(1) Der Soziologieprofessor kann sich einreden, die Gefahr, die von der Gender Sekte in seinem Fachbereich und für seine Wissenschaft ausgeht, sei nur gering, sei vernachlässigbar, die Soziologie als solche vom Genderglauben nicht tangiert.

(2) Er kann sein Verhalten ändern und seinen Beruf als Soziologe an den Nagel hängen.

(3) Er kann sein eigenes Verhalten neu einschätzen und sich sagen, dass er die Methodik und Wissenschaftlichkeit von Soziologie vielleicht zu eng sieht.

(4) Er kann seine Sicht auf Genderismus ändern und sich einreden, dass Genderismus gar keine Religion, sondern eine Wissenschaft ist.

Wir sehen Alternative (1) als die wahrscheinlichste Alternative an. Egal, welche der Alternativen das profunde Schweigen von Soziologen erklärt, mit dem sie der Zerstörung ihrer Wissenschaft zusehen, es bleibt die kognitive Dissonanz. Egal, welche Alternative einzelne Wissenschaftler für sich wählen, die Dissonanz geht davon nicht weg. Sie mag zeitweise in den Hintergrund treten, sie mag abgemildert werden, doch sie kehrt wieder, regelmäßig, und zwar so lange, so lange es noch Wissenschaftler unter den Soziologen gibt, wobei die Außenwahrnehmung der Soziologie, wie der Sozialwissenschaften insgesamt, den Eindruck vermittelt, als wäre es den Genderisten längst gelungen, beide, Soziologie wie Sozialwissenschaften, in der Meinung der Bürger gründlich zu diskreditieren.

Wissenschaftler wollt Ihr sein? Eine pseudo-wissenschaftliche Wortorgie über die AfD

“Türöffner nach Rechts: Die Alternative für Deutschland”, so ist ein Beitrag in “Gegenblende”, dem selbst ernannten Debattenmagazin des DGB, in dem bislang keine einzige Debatte stattgefunden hat, überschrieben. Geschrieben haben den Beitrag Prof. Dr. Samuel Salzborn und Dr. Alexandra Kurth, die beide für sich in Anspruch nehmen, Politikwissenschaftler zu sein. Warum? Weil sie u.a. Politikwissenschaft studiert haben, eine Position an einer Universität einnehmen und behaupten, politikwissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte zu haben.

Gegenblende“Türöffner nach Rechts” gehört in die Kategorie von Texten, die man wohl besser als “Türöffner in den Wahnsinn” bezeichnen würde, denn er hat keinen konkreten Gehalt, ist in Teilen primitiv, arbeitet mit derogativen Adjektiven anstelle von Argumenten, offenbart ein Verständnis von Wissenschaft, das einem das kalte Grausen über den Rücken jagt, ist, mit anderen Worten, ein Pamphlet, das mit Sicherheit nicht von Wissenschaftlern geschrieben wurde.

Stammleser von ScienceFiles wissen: Wir vertreten eine klare Auffassung davon, was Wissenschaft ist und wer sich als Wissenschaftler qualifiziert. Ein Wissenschaftler wird man demnach nicht, weil man studiert hat oder auf eine Position gesetzt wurde. Wissenschaft und Wissenschaftler zeichnen sich durch wissenschaftliche Methoden und vor allem den Versuch aus, nachprüfbare Erkenntnisse zu einem Erkenntnisgegenstand zu produzieren.

Salzborn und Kurth sind nach dieser Definition keine Wissenschaftler, schon deshalb nicht, weil sie sich als Verlautbarungswissenschaftler darstellen, wie wir nun zeigen werden.

Der Beitrag auf “Gegenblende” hat die AfD zum Gegenstand (übrigens ein ziemlich einfallsloser Name für ein “Debattenmagazin”, zumal eine Gegenblende letztlich nichts anderes kann, als das zurückzugeben, was auf sie gerichtet wird. Aber vielleicht sind Gewerkschaftler ja gar nich zu eigenen Ansichten fähig, sondern nur dazu, auf anderer Menschen Ansicht zu reagieren, und dann wäre Gegenblende ja korrekt).

Die AfD, so wird uns mitgeteilt, ist gerade in das Europaparlament eingezogen, mit sieben Sitzen und 7,1% der gültigen Stimmen. Aber es sei fraglich, ob die AfD deshalb als etablierte Partei anzusehen sei. Es ist genau einen Satz lang fraglich, denn im Gegensatz zu ihren “Vorgängern”, so schreiben Kurth/Salzborn, verfüge die AfD über “deutlich mehr Finanzmittel”. Der Hinweis auf die größeren Finanzmittel der AfD im Vergleich zu ihren “Vorgängern”, macht nur dann Sinn, wenn gezeigt werden soll, dass die AfD sich im Gegensatz zu ihren “Vorgängern” etabliert hat, was im direkten Widerspruch zur von Salzborn und Kurth proklamierten Fraglichkeit derselben steht. Aber: Beide wollen in ihrem gegengeblendeten Beitrag zeigen, dass das Programm der AfD Widersprüche aufweist, und deshalb wollen sie der AfD in Punkto Widerspruch wohl nicht nachstehen.

Es ist an der Zeit, ein paar Adjektive fallen zu lassen: antisozial, gewerkschaftsfeindlich und antifeministisch, das sind die drei größten Sünden, die man nach Ansicht von Salzborn und Kurth heutzutage begehen kann (aber die drei größten Lobe in den Augen anderer), und die AfD begeht sie alle, und macht nicht einmal Anstalten, sich in einem gewerkschaftlichen Beichtstuhl einzufinden!

Die AfD, so behaupten die Salborn Kurths, gebe sich ideologiefrei, behaupte, Sachverstand, nicht Ideologie treibe die Partei. Das, so lachen die Autoren, sei doch Unsinn, denn bereits der “neoliberale Wirtschaftswissenschaftler” und “fromme evangelisch-reformierte Christ” Bernd Lucke belege das Gegenteil, und das Gegenteil zeige sich auch in den “marktradikalen”, “staatsfeindlichen”, “antiegalitären” und “antisozialen” Prämissen der AfD. Man hätte an dieser Stelle gerne noch ein paar mehr Adjektive gehabt, aber scheinbar ist das Kurth/Salzbornsche Feindbild eher beschränkt.

Wissen die beiden angeblichen Politikwissenschaftler eigenlich, was sie schreiben? Etwa dann, wenn sie Sachverstand und Ideologie in eine diametrale Stellung zueinander bringen? Nicht dass wir hier anderer Ansicht wären. Wir schreiben seit Jahren, dass man entweder Ideologe oder sachverständig, aber nicht beides sein kann. Und nun sagen zwei studierte und lehrende Politikwissenschaftler, dass Politik mit Sachverstand nicht möglich sei, sondern nur mit Ideologie. Und um ihre Ansicht zu belegen, werfen sie ihre eigene Ideologie geradezu vor die Füße der Leser. Man hat richtig den Eindruck, einem ideologischen Keuchhusten beizuwohnen, der in regelmäßigen Abständen “antisozial”, “staatsfeindlich”, “antiegalitär” und “marktradikal” hervorwürgt.

Alle vier Adjektive haben eines gemeinsam: Sie stellen eine Bewertung dar. Wie die Dinge nun einmal so liegen, sind alle vier Bewertungen Bewertungen die Salzborn-Kurthschen Ursprungs sind und somit ihre Bewertungen, die absolut nichts über die AfD aussagen. Sie sagen aus, was Kurth/Salzborn von der AfD denken, wie sie sie bewerten, und dabei bleibt es auch, denn die vermeintlichen Wissenschaftler können ihren Adjektiv-Keuchhusten mit keinerlei Belegen verbinden.

Adam Smith WealthWie heftiges Husten in der Regel ein Indiz für eine Erkrankung darstellt, so stellt der häufige Gebrauch von wertenden Adjektiven in derogativer und nicht-belegter Weise ein Indiz dafür dar, dass sich jemand im Zustand ideologischer Trance befindet, ein Zustand, der vielleicht durch eine zu große Distanz zwischen Denken und Realität, vielleicht durch neuronale Missfunktionen ausgelöst wird, wie auch immer, er führt dazu, dass sich die ideologisch Benebelten regelmäßig in ideologische Extase schreiben:

Eine Kosteprobe: “Zugleich will die AfD, ganz in der Tradition von Adam Smith, Gewinne privatisieren und Risiken und Verluste verstaatlichen und so vordergründig den “kleinen Mann” entlasten”

Erste Reaktion: Lachen.
Zweite Reaktion: lauteres Lachen.
Dritte Reaktion: Tränen aus den Augen wischen.
Vierte Reaktion: “Die wollen an der Universität sein?”

Besagter Adam Smith, dessen Hauptwerke den Titel “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” und “Theory of Moral Sentiments” tragen, hat im 18. Jahrhundert gelebt, und mithin in einem Jahrhundert, indem sich Fragen nach der Verstaatlichung von Verlusten durch Bankenrettung nicht gestellt haben. Wenn Banken zahlungsunfähig waren, dann gingen sie Bankrott. Ein Wohlfahrtsstaat war nämlich zu Adam Smith Zeiten, der viel Papier dafür benutzt hat, die Vorteile von “sympathy” im ökonomischen Handeln, also von Empathie darzustellen, gänzlich unbekannt, bekannt war dagegen Mildtätigkeit. Und es wird Kurth/Salzborn überraschen, aber Einkommenssteuer war zu Adam Smiths Zeiten ebenso unbekannt wie Lohnsteuer. Ganz offensichtlich haben Salzborn und Kurth nicht einmal den Hauch einer Idee, wer Adam Smith ist, wann er gelebt hat, was er geschrieben hat und wozu er geschrieben hat, und man kann sich nur wiederholen: Die wollen an der Universität sein?

Aber es kommt noch besser: Unter der Überschrift “Antiparlamentarischer Nationalgallismus” gibt es Folgendes zu lesen:

“Zugleich kokettiert die Ideologie des wirtschaftswissenschaftlichen Expertentums, das sich auf vermeintlich neutralen Sachverstand stützt, auch mit der weberianischen Idee der gelenkten und gesteuerten Demokratie, in der vermeintlich neutrale Experten Entscheidungen treffen – und nicht Mehrheiten”.

Gemeint ist hier Max Weber, der den Begriff der plebiszitären Demokratie geprägt hat, und zwar im Zuge seiner (Mit-)Arbeit an der Weimarer Verfassung, die in ihrer Liberalität die Bonner Verfassung weit in den Schatten stellt. Die Idee der Herrschaft des Sachverstands stammt dagegen von Plato, der sie als Herrschaft der Philosophen ausgeführt hat. Abermals weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, ob der völligen Ahnungslosigkeit dieser Positionsinhaber, die an Universitäten auf Studenten losgelassen werden.

Aber ganz so ahnungslos sind sie gar nicht. Es gibt etwas, wovon sie Ahnung haben, von Gender Mainstreaming haben sie Ahnung, oder besser: Sie kennen die einschlägigen Schriften zu Gender Mainstreaming, die das Bundesministerium für FSFJ veröffentlicht hat. Und daraus zitieren die Autoren ausgiebige 17 Zeilen ihres 115 Zeilen langen Beitrags. Man ist fast gewillt, Ihnen auf die Schultern zu klopfen und Fleisskärtchen zu verteilen, aber halt nur fast, denn wieder merken Salzborn-Kurth nicht, was sie schreiben.

So ist bei der AfD ganz furchtbar und antifeministisch, dass sie die “Gleichberechtigung der Geschlechter unter Anerkennung ihrer unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen- und Lebenssituationen” fordert. Das, so merken wir uns, ist antifeministisch.

Jaspers WeberIm Einklang mit der Lehre, mit Gendermainstreaming ist, was das Bundesministerium für FSFJ schreibt, so teilen Kurth Salzborn ihren Lesern mit, also: dass “bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interesse von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig” berücksichtigt werden sollen. Denn: “das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die politischen Akteure, bei allen Vorhaben die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu analysieren und ihre Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter beitragen”.

Sehen Sie den Unterschied zwischen den “unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen und Lebenssituationen” die die AfD Männern und Frauen attestiert und den “unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern”, den “unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen von Frauen und Männern”, die Kurth/Salzborn im Auftrag des BMFSFJ favorisieren?

Wir auch nicht. Beide teilen eine Großzügigkeit, die Menschen Interessen, Bedürfnisse und Rollen zugesteht und beide sind der Ansicht, dass sich Männer und Frauen grundlegend unterscheiden, teilen somit einen entsprechenden Essentialismus und Sexismus. Offensichtlich ist die ideologische Extase, in die sich Kurth/Salzborn geschrieben haben, so umfassend gewesen, dass nichts von der Realität übrig geblieben ist und so endet ihr Beitrag, wie er begonnen hat, mit einem Widerspruch.

Was Personen wie Kurth und Salzborn an Universitäten zu suchen haben, ist uns ein Rätsel, und derzeit sind wir uns auch nicht sicher, ob sie besser im Betreuten Wohnen oder im Vorstand des DGB aufgehoben sind, in jedem Fall gehören sie nicht an eine Universität, schon weil ihnen wissenschaftliches Arbeiten ebenso fremd ist, wie die Werke von Adam Smith und Max Weber .

Letztere kennt übrigens Karl Jaspers aus dem FF und aus seiner Biographie Max Webers wollen wir zwei kurze Zitate entnehmen, die gerade sehr gut passen, und anschließend können Kurth/Salzborn dann zumindest von sich sagen, dass sie zwei Zitate von Jaspers über Weber kennen:

“Die Vernunft der politischen Denkungsart verlangt Erkenntnis. Diese rein und redlich zu vollziehen ist Bedingung der Klarheit des politischen Willens” (Jaspers, 1988: 120).

Mit anderen Worten: Politik kann gerade nicht auf Ideologie beruhen. Sie muss auf Sachverstand, Faktenkenntnis, also auf dem beruhen, was Wissenschaftler in der Vergangenheit gewöhnlich bereit stellen,

“Welche Ziele auch immer in der Politik ergriffen werden, die Politik selber gründet sich, wenn sie groß und ernst ist, jederzeit auf Verantwortung” (Jaspers, 1988: 121).

Aber nicht nur Politiker tragen eigentlich Verantwortung, auch Wissenschaftler tun dies. Wer verantwortungslos schreibt, das Ziel, seine Leser mit Falschheit und Bewertung zu manipulieren verfolgt, das Ziel, seine Leser mit Informationen zu eigener Bewertung fähig zu machen, dagegen nicht, kann entsprechend kein Wissenschaftler sein, bestenfalls ein verantwortungsloser Ideologe und für den weder in Politik noch in Wissenschaft ein Platz ist, aber vielleicht im Betreuten Wohnen.

Die Sozialstruktur steht in Teilen auf dem Kopf

Nicht erst seit die OECD ihren Feldzug zur Erhöhung des Anteils von Hochschulabsolventen begonnen hat, gilt das Credo, dass ein höherer Bildungsabschluss mit einem höheren Status, einer höheren Bezahlung und vor allem einem höheren Platz in der Sozialstruktur einer Gesellschaft einhergeht. Unausgesprochen ist dabei die Prämisse, dass mit einem höheren Bildungsabschluss ein höheres Humankapital verbunden ist, das seinen Inhaber dazu in die Lage versetzt, höhere Produktivität zu entwickeln und somit einen höheren Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, als dies einem Inhaber eines geringeren Bildungsabschlusses, sagen wir, dem Inhaber eines Hauptschulabschlusses, der den Beruf des Klempners erlernt hat, möglich ist.

HUman CapitalDie Idee, Humankapital an Bildung zu koppeln, stammt nicht zuletzt vom kürzlich verstorbenen Gary S. Becker, wobei seine Idee eine distinktive qualitative Note beinhalten: Nicht der Bildungsabschluss als solcher ist für Becker das Relevante. Der Bildungsabschluss ist vielmehr die Operationalisierung, die er benutzt, um die höhere Produktivität, die mit mehr Humankapital einhergeht, zu messen.

Die Inflationierung höherer Bildung und die Zulassung immer neuer Studienfächer, deren Verbindung zu einem produktiven Beitrag für die Gesellschaft eher, sagen wir, nicht offensichtlich ist, führt dazu, dass die Annahmen, auf die Becker seine Humankapitaltheorie basiert hat, nur noch in eingeschränktem Maße zutreffen.

Wir behaupten, dass die Inflationierung höherer Bildungsabschlüsse, die Quantifizierung von Bildung anstelle der Qualifizierung über Bildung, wie sie vor allem durch die Überflutung der Universitäten mit weitgehend nutzlosen Studienfächern, die keinen erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen, erfolgt ist, dazu geführt hat, dass die Verbindung zwischen höherem Bildungsabschluss und höherer Produktivität im Aggregat geschwächt wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass es Bildungstitelinhaber gibt, die einen höheren Status, einen höheren Platz in der Sozialstruktur beanspruchen, der ihnen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen, den sie bereitstellen, nicht zukommt. Es führt häufig dazu, dass sie Gehälter in einer Höhe beziehen, die im gesamtgesellschatflichen Vergleich unangemessen und unfair sind.

Wir wollen unsere Hypothese zunächst dadurch prüfen, dass wir die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Absolvent eines Gender Studiums hat, mit den Fähigkeiten vergleichen, die ein Klempner-Geselle am Ende seiner Lehrzeit in einer Prüfung unter Beweis stellen muss.

Das Studium der Gender Studies als Zweitfach an der Humbold Universität Berlin umfasst 6 Module, also z.B. die im folgenden genannten Themen, die das derzeitige Angebot der Gender Studies der HU-Berlin bereithält. Das Wissen, das in Gender Studies vermittelt wird, entstammt damit ausschließlich den sechs der im folgenden genannten und von Studenten gewählten Gebieten. Die Ausbildung zum Klempner ist in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Klempner geregelt. Die im folgenden genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind der Mindesbestand an Kenntnissen, den ein Klempner-Geselle nach Abschluss seiner Ausbildung haben muss.
Hanna Arendt in feministischer Diskussion Manuelles und maschinelles Bearbeiten (u.a.: Werkstoffe und Halbzeuge nach Verwendungszweck unterscheiden und manuell wie maschinell bearbeiten können)
Vom Homo Oeconomicus zur Femina Oeconomica – Die Wirtschaftswissenschaften aus Gender-Perspektive Fügen von Werstücken und Bauteilen (u.a.: Fügwerkzeuge und -verfahren festlegen, Bauteile durch Kaltnieten fügen, Bleche durch Falzen manuell und maschinell fügen
Behinderung ist sexy. Gender und Dis_Ability im Film Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten und Maschinen (u.a.: Bauteile und Baugruppen mit und ohne Hilfsmittel ein- und ausbauen, Sicherheitsmaßnahmen für elektrische Maschinen und Geräte ergreifen.
Die Werke Martha Nussbaums Einbauen von elektrischen Komponenten (u.a.: elektrische Anschlüsse mittels Steckverbindung herstellen, Mängel feststellen, Maßnahmen zur Behebung der Mängel veranlassen
Wissensordnung in Missionszeitschriften: Religion, Natur, Kultur und Geschlechter (18. Jhdt) Entwerfen und Fertigen von Schablonen und Zuschnitten (u.a.: Schablonen aus metallischen und nicht-metallischen Werkstoffen herstellen)
Ambivalenz der Sichtbarkeit: repräsentationskritische Perspektiven Prüfen, Behandeln und Schützen von Oberflächen (u.a. Werkstücke und Halbzeuge auf Materialfehler, Oberflächenschutz und Oberflächengüte prüfen)
Befestigen von Bauteilen und Baugruppen in Mauerwerk, Beton und Holz (u.a. Wandschlitze, Decken- und Wanddurchbrüche herstellen)
Decken und Instandhalten von Dach- und Wandflächen am Bauwerk (u.a.: Verlegetechniken für Schichtenaufbauten bei Dachbegrünung unterscheiden und anwenden)
Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser (u.a.: Formteile für Dachrinnen, insbesondere Dehnungsausgleicher, Rinnenkästen und Rinnenwinkel anfertigen
Anfertigen und Montieren von lufttechnischen Anlagen (u.a.: Formstücke, insbesondere Bögen und Verzweigungen anfertigen und montieren
Transportieren von Bauteilen und Baugruppen (u.a.: Hebezeuge, insbesondere Seilzüge und Winden handhaben
Herstellen von Fugenabschlüssen sowie Durchführung von Wärmedämm- und Dichtungsmaßnahmen (u.a.: Maßnahmen zur Schalldämmung an Rohr- und Aggregatbefestigungen durchführen)
Einbauen von Energiesammlern, Energieumsetzern und nachhaltigen Energienutzungssystemen (u.a.: Energiesammler und Energieumsetzer, insbesondere Sonnenkollektoren und photovoltaische Elemente in Dach- und Wandflächen einbauen
Anbringen von Fangeinrichtungen und von Ableitungen für den äußeren Blitzschutz
Berufausbildung, Arbeits- und Tarifrecht, berufsspezifische Randbedingungen (u.a.: Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung)
Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs (u.a.: Beziehungen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung)
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (u.a.: berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwenden)
Umweltschutz (u.a.: für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes)
Betriebliche und technische Kommunikation (u.a.: technische Unterlagen, insbesondere Skizzen und Zeichnungen lesen, erstellen und anwenden, Aufmaße anfertigen)
Kundenorientierte Kommunikation (Kundenwünsche ermitteln, auf Umsetzbarkeit prüfen mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen, Kosten abschätzen
Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (u.a.: Zeitaufwand und personelle Unterstützung zur Durchführung von Arbeitsaufträgen abschätzen)
Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (u.a.: Normen und Richtlinien zur Sicherung der Qualität, Bauteile auf Maßhaltigkeit, Dichtigkeit und sichere Verbindung prüfen)

 

Es mag der eine oder andere einwenden wollen, dass die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Geselle am Ende seiner Klempnerlehre erworben haben muss, in der Ausbildungsverordnung und der Tabelle umfassender dargestellt sind als dies für die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Rahmen eines Gender Studiums erworben werden, der Fall ist. Darauf gibt es die folgenden Antwort:

“Das Zweitfach Geschlechterstudien/Gender Studies zielt auf die Vermittlung konkreter Kenntnisse, Methoden und Arbeitstechniken im Zusammenhang mit der Analyse der Kategorie Geschlecht… Konkretes Ziel ist, Fähigkeiten zur Analyse von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen sozialen, politischen, historischen und kulturellen Kontexten auszubilden…”

KlempnerSo wird die Zielsetzung im Studienfach Geschlechterstudien von der HU-Berlin selbst beschrieben. Das Studium der Geschlechterstudien hat Geschlechterstudien zum Gegenstand, die mit Methoden und Arbeitstechniken in einem Zusammenhang stehen und deren konkretes Ziel die Fähigkeit zur Analyse von Geschlechterverhältnissen ist. Trotz aller Betonung von Methoden und Arbeitstechniken ist es uns nicht gelungen, einen Einführungskurs in Statistik, Methoden der empirischen Sozialforschung, Logik oder auch nur die Kunst, richtig zu zitieren, zu finden. Kurz: Gegenstand, Nutzen und Ziel von Geschlechterstudien sind unbekannt. Was man mit einem studierten Geschlechterstudienbetreiber soll, ist ebenso unklar. Vermutlich müssen deshalb Ministerien wie das Ministerium für FSFJ ständig geschlechtsbezogene Programme auflegen, um den Absolventen ein Auskommen zu verschaffen, und zwar auf Kosten von Steuerzahlern, woraus der Schluss folgt: Geschlechterstudierte schaden dem Bruttoinlandsprodukt, sie verbrauchen Steuermittel und schaffen keinen erkennbaren Mehrwert.

Dagegen hat man keinerlei Probleme den Mehrwert zu benennen, den ein Klempner erwirtschaftet, ebenso wenig wie man Probleme hat, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu benennen, die ein Klempner nach Abschluss seiner Lehre hat.

Wie kommt es vor diesem Hintergrund, dass Genderstudierte, die doch in der Regel linkem Gedankengut anhängen, für sich in Anspruch nehmen, eine höhere soziale Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, als der Arbeiter Edwin aus der Siedlung? Man kann diese seltsame Erscheinug moderner Gesellschaften, in denen eine Klasse von Studierten, deren einziger Beitrag darin besteht, eine Perspektive auf etwas zu haben, deren Nutzen nicht erkennbar ist, eine höhere Bezahlung, einen höheren Platz in der Sozialstruktur reklamieren kann als ein Klempner, der jeden Arbeitstag aufs Neue die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller befördert, nur als eine Erscheinung gesellschaftlicher Degeneration ansehen und sich wundern, dass all die Bekenntnis-Linken damit so gar keine Probleme haben.

 

©ScienceFiles, 2014

Wissenschafts-Prostitution lohnt sich nicht

- das weiß nun auch die Hochschulrektorenkonferenz

HRKNRW

sollte besser heißen: Die Stummen der Hochschulen

Wir könnten jetzt schreiben (und tatsächlich schreiben wir das auch): wir haben es Euch gesagt – oder: Was habt Ihr denn gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich und seine Wissenschaft an die Politik verkauft, sich prostituiert?

Wir haben in einer Vielzahl von Beiträgen darauf hingewiesen, dass eine Entprofessionalisierung und Infantilisierung von Wissenschaft in vollem Gange ist, dass Hochschulen von Ideologen unterwandert und zu Gender-Kaderschmieden umfunktioniert werden, dass Hochschulen für politische Zwecke instrumentalisiert werden und zu Legitimationsanstalten der Staats-Ideologie, des Staatsfeminismus degradiert werden sollen und vieles mehr.

Es kann demnach niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, was passiert, wenn man sich an Ideologen verkauft. Es kann niemand behaupten, er hätte nicht den perfiden Geist hinter einer Mittelkürzung für Universitäten auf der einen Seite und dem Lockstoff “Professorinnenprogramm“, das Hochschulen mit finanziellen Mittel dazu bringen will, ihre Integrität zu verkaufen, gesehen. Und es kann niemand behaupten, er hätte nicht gewusst, dass vermeintliche Auszeichnungen wie die “familienfreundliche Hochschule“, die eine aberwitzige Verbindung zwischen Fortpflanzung, Familienstand und Wissenschaft herstellen, die analog zu der Verbindung zwischen Binge-Trinken, Depression und Parteizugehörigkeit ist, nur dazu da sind, Hochschulen auf Linie zu bringen, sie gleichzuschalten und für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Aber die Hochschulrektorenkonferenz tut es dennoch.

Honest politicianDie Hochschulrektorenkonferenz, jenes bundesländerübergreifende Kaffeekränzchen aus Wissenschaftler-Rektoren, das bislang immer brav den ideologischen Vorgaben des jeweiligen Kultusherren gefolgt ist und brav und artig, sowohl die Entprofessionalisierung von Hochschulen und deren Umwidmung in Kinderbetreuungsanstalten als auch aktive Eingriffe in die vermeintliche Freiheit von Lehre und Forschung, die Etablierung von weiblichen Kadern als von außen der Wissenschaft aufoktroyierte Gleichstellungstante und den Ausverkauf des Prinzips der Meritokratie, wie er mit dem Professorinnenprogramm betrieben wird, abgenickt hat – vermutlich mit Begeisterung, sofern Gemütsregungen zum Repertoire der Positionsinhaber gehören.

Die Hochschulrektorenkoferenz tut es dennoch.

Ausgerechnet die Hochschulrektorenkonferenz regt sich darüber auf, dass man von Politikern getäuscht worden sei.

Hochschulen quer durch Deutschland leiden unter Mittelknappheit, müssen Fachrichtungen und Institute schließen oder zusammenlegen, weil sie sich die entsprechenden Ausgaben nicht mehr leisten können. Die deutsche Hochschullandschaft ist eine reine Mangelverwaltung. Die ganze Hochschullandschaft? Nein. Der Bereich der Frauenförderung floriert ungeachtet der Mittelknappheit. Es werden vorhandene Professuren durch aus dem Professorinnenprogramm finanzierte Professuren gedoppelt und Professuren für “Gender” verbreiten sich wie Wasserpest. Ob jemand dahinter einen perfiden Plan erkennt: Nützliche Wissenschaft streichen und entsprechende Lehrstühle schließen, dafür Genderlehrstühle, von deren Inhaberinnen bis heute noch kein nützlicher, das gesellschaftliche Wohlergehen befördernder Beitrag gekommen ist, an ihre Stelle setzen, auf dass von Hochschulen und auf absehbare Zeit keine abweichende oder gar innovative Idee mehr komme?

Und das alles hat man bei der Hochschulrektorenkonferenz nicht gesehen? Die Damen und Herren, die sich dort zum Kaffeeklatsch treffen, scheien nicht zu sehen, was an ihren eigenen Hochschulen vorgeht, oder sie sehen  es sehr wohl, was bedeuten würde, ihre Aufregung ist blanke Heuchelei, ein bloßes Entsetzen über entgangene Finanzmittel, die man vermutlich für universitäte Mentorenprogramme zur Vorbereitung weiblicher Absolventen auf die Dissertation verbraten hätte.

Gegenstand der hochschul-rektoralen Aufregung ist eine politische Lüge, eine Täuschung wie sie Politiker ständig vornehmen, so dass jeder, der sich mit Politikern einlässt, eigentlich wissen muss, woran er ist. Nicht so die Hochschulrektoren. Sie haben in treuem Glauben die Übernahme der Finanzierung des Bafoeg durch den Bund begrüsst und den damit verbundenen Ankündigungen, die Bundesländer würden die freiwerdenden Mittel in voller Höhe den Hochschulen und der dortigen Lehre zufließen lassen, geglaubt. In ihrer ganzen Naivität haben sie tatsächlich gedacht, der politische Feind der wissenschaftlichen Erkenntnis, der seine Truppen u.a. in Kultusministerien der Länder versammelt hat, würde die gekürzten Mittel für Forschung und Lehre nun, da die Bafög-Verpflichtungen entfallen sind, den Hochschulen übergeben.

Besondere Verdienste im Kampf gegen Erkenntnis und im Versuch, Wissenschaft durch Ideologie zu ersetzen, haben sich SPD und Grüne erworben. Beide regieren in Hannover. Die Übernahme der Bafög-Finanzierung durch den Bund hat ihnen unverhofft rund 110 Millionen Euro in die Kasse gespült, 110 Millionen Euro, die die Hochschulrektoren in Niedersachsen schon auf ihren Konten verbucht haben.

NS_WissKultAber daraus wird nichts: Die Landesregierung will lieber Kita-Personal anstelle von Wissenschaftlern finanzieren. Kinder statt Wissenschaftler, so lautet das Motto in Niedersachsen. Man fühlt sich unwillkürlich an den Slogan “Kinder statt Inder” erinnert, mit dem Jürgen Rütgers im Jahre 2000 die Charts der Geschmacklosigkeit angeführt hat. Rot-grüne und christdemokratische Politiker scheinen eine Geringschätzung für die Wissenschaft zu teilen, vermutlich, weil sie nie einen Fuss in dieselbe bekommen haben – sofern sie überhaupt studiert haben. Wie dem auch sei: Die niedersächsische Landesregierung will also Kindertagesstätten finanzieren und Ringelreihen tanzen, während die landeseigenen Hochschulen finanziell aus dem letzten Loch pfeifen – Politiker haben eben ihre Prioritäten.

Offensichtlich ist man bei der Landesregierung der Ansicht, Erzieher in Kindertagesstätten seien produktiver und würden mehr zum Bruttoinlandsprodukt beitragen als Wissenschaftler. Seit Universitäten von Feministen und Sozialisten infiltriert werden, ist man fast gewillt, ihnen zuzustimmen, wenngleich es eine offene Frage ist, wer mehr Schaden an der Gesellschaft anrichtet, Erzieher in Kindertagesstätten, die von kleinauf indoktrinieren oder Feministen und Sozialisten an Universitäten, die sozusagen den Feinschliff im fortgeschrittenen Alter übernehmen und dafür sorgen, dass Wissenschaft und vor allem: Sozialwissenschaften in Deutschland zur Staatslegitimation dient.

Entsprechend kann man nur den Kopf schüttelnd zur Kenntnis nehmen, worüber sich Prof. Dr. Jürgen Hesselbach, Vorsitzender der Niedersächsischen Hochschulrektorenkonferenz, beklagt:

„Eine der wichtigsten Ankündigungen vor der Landtagswahl 2013 war die Abschaffung der Studienbeiträge und deren vollständige Kompensation. Den Studierenden und uns wurde damals versprochen, die Hochschulen nicht im Gegenzug an anderer Stelle zu belasten. Wir sehen jetzt, was von den Wahlkampfparolen übrig bleibt: Die für die Kompensation erforderlichen Mittel in Höhe von 130 Millionen Euro holt sich das Land nun de facto fast vollständig von den Hochschulen zurück.“

Herr Hesselbach: Was haben Sie gedacht, was dabei herauskommt, wenn man sich mit Ideologen einlässt, Prinzipien der Wissenschaft verrät und ansonsten zusieht, wie die eigene Hochschule zur Kaderschmiede und zur Abraumhalde für Akademiker-Ausschuss umfunktioniert wird?

Um diesen Post mit dem zu beenden, was Hans Albert nicht müde werdend als Forderung nach dem konstruktiven Teil, gerne auch als Frage: “Und wo ist der konstruktive Teil?” verpackt hat, schlagen wir den Hochschulrektoren vor, ScienceFiles zu abonnieren (rechts oben im Widget-Bereich): Damit sie in Zukunft informiert sind, was an ihren Hochschulen vorgeht und welcher politische Anschlag auf die Integrität von Hochschulen gerade en vogue oder in Vorbereitung ist.