Ministerialer Betrug: Der Zweck heiligt die Mittel

Es gibt etwas zu feiern im Bundesministerium, das sich angblich Bildung und Forschung widmet:

“Professorinnenprogram fördert 400. Berufung

BMBF Jubel 400Das ist im BMBF ein Grund zum Feiern, nicht nur, weil nach Ansicht der derzeitigen Ministerdarstellerin, Wanka, die 400 Professorinnen, die per Professorinnenprogramm in Positionen gehievt wurden, “[b]esondere Rollenvorbilder für Studentinnen und Studenten” seien (dazu unten mehr).

Nein. Nicht nur deshalb.

Die Jubelmeldung zeichnet das Professorinnenprogramm in gloreichen Farben: 400 Professuren sind mit den 300 Millionen Euro des Professorinnenprogramms, die bislang ausgegeben wurden, gefördert worden. 198 deutsche Hochschulen hätten sich bislang am Professorinnenprogramm beteiligt. Zwei bis drei von “Frauen besetzte Professuren” (1. Lüge), würden für die Dauer von bis zu fünf Jahren gefördert. Das Professorinnenprogramm unterstütze deutsche Hochschulen in ihrem Engagement für mehr Chancengleichheit (2. Lüge) und diene dazu, die “Gleichstellung der Geschlechter zu verbessern” (3. Lüge).

Stellen wir zunächst die Lügen richtig:

Richtigstellung der erste ministerialen Lüge:

Im Rahmen des Professorinnenprogramms werden keine Professuren gefördert, die von Frauen besetzt sind, es werden ausschließlich Professuren gefördert, die mit weiblichen Bewerbern zum Zweck der Förderung durch das Professorinnenprogramm besetzt oder erst geschaffen werden.

Richtigstellung der zweiten ministerialen Lüge:

Das Professorinnenprogramm dient nicht als Unterstützung zur Herstellung von Chancengleichheit, denn Chancengleichheit herrscht dann, wenn Personen unabhängig von Merkmalen, die in ihrer Person begründet liegen, und ausschließlich auf Grundlage ihrer Leistung beurteilt, im vorliegenden Fall auf Professuren berufen werden. Das Professorinnenprogramm macht das weibliche Geschlecht zum diskriminierenden Faktor, der über eine Berufung entscheidet. Folglich unterstützt das Professorinnenprogramm keine Chancengleichheit, sondern schafft Chancengleichheit zu gunsten einer Bevorzugung weiblicher Bewerber ab.

Richtigstellung der dritten ministerialen Lüge:

Das Professorinnenprogramm ist entsprechend kein Mittel zur Gleichstellung der Geschlechter, sondern ein Mittel zur Schlechterstellung männlicher Bewerber auf Professuren an deutschen Hochschulen.

Nun, nachdem die ministerialen Lügen richtig gestellt sind, ist die Laudatio auf 400 durch das Professorinnenprogramm besetzte Lehrstühle eine andere:

400 durch das Professorinnenprogramm besetzte Lehrstühle bedeuten:

  • 400 weibliche Bewerber, die sich nunmehr per ministerialem Dekret Professor nenen dürfen und nichts dabei finden, dass sie sich die Professur mit ihrem Geschlecht erkauft haben, also mit einem Merkmal, auf das sie keinen Einfluss haben, das entsprechend auch nicht als persönliches Verdienst angesehen werden kann. Personen, die sich durch Einsatz ihres Geschlechts einen Vorteil verschaffen, nannte man früher Prostituierte, nicht Professor.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitglieder nicht über das Rückgrat oder die moralische Entwicklung verfügt haben, um eine Beteiligung an der Besetzung von Lehrstühlen aufgrund des Geschlechts und nicht aufgrund der Leistung des Bewerbers, zu verweigern.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitglieder kein Problem damit hatten, männliche Bewerber mutwillig und vorsätzlich über deren Chancen, auf die ausgeschriebene Stelle berufen zu werden, zu täuschen.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitglieder wohlwissend, dass die ausgeschriebene Stelle, nur dann besetzt wird, wenn eine Förderung durch das Professorinnenprogramm zustande kommt, was die Besetzung durch einen weiblichen Bewerber voraussetzt, vermutlich schadenfroh darüber sind, dass sie den männlichen Bewerbern falsche Hoffnungen gemacht, Zeit und Geld gestohlen haben.
  • 400 Berufungskommissionen, deren Mitgliedern man die Beihilfe zum Betrug vorwerfen muss.
  • Und mindestens 2.500 männliche Bewerber, die sich im Glauben, sie hätten eine Chance, berufen zu werden, auf die entsprechenden Ausschreibungen beworben haben, sich haben verschaukeln lassen und hinterher im Nichts verschwunden sind, ohne sich zu wehren, ohne den Mund aufzumachen, ohne ein Wort des Widerspruchs.

ProfessorrinnenprogrammZusammenfassend: Der Zweck heiligt die Mittel und wenn Betrug notwendig ist, um ministeriale Ziele zu erreichen – warum nicht? Schließlich hat der Betrug außer den Kosten für die Steuerzahler keinerlei Folgen: Kein Staatsanwalt ermittelt. Staatsanwälte sind weisungsgebunden und unterstehen den Justizministern der Länder. Kein betrogener männlicher Bewerber zieht vor ein Verwaltungsgericht oder gar Strafgericht. Kein Vertreter der öffentlich-rechtlichen und privaten Medien hält es für notwendig oder der eigenen Karriere zuträglich, sich öffentlich gegen diese Diskriminierung von Männern und die Prostitution von Frauen auszusprechen. Kein etablierter Professor, bei dem zumindest sicher ist, dass er nicht wegen seines Geschlechts berufen wurde, was die Möglichkeit offen lässt, dass er aufgrund seiner Leistung berufen wurde, meldet öffentlich Kritik an.

In einer Republik der Kuscher und Leisetreter muss sich niemand wundern, wenn die Regierenden sich bei der Wahl ihrer Mittel immer mehr aus dem Fenster der Legalität lehnen, bis sie dann schließlich im Matsch der Kriminalität landen. Es ist in einer Demokratie  eigentlich die Aufgabe der Medien, der Öffentlichkeit, eines jeden Bürgers, die Regierenden zu kontrollieren und Missbrauch von Regierungspositionen zu bekämpfen. Nur so kann eine Demokratie überhaupt funktionieren und vermieden werden, dass Kriminelle und Prostituierte zu Rollenvorbildern für z.B. “Studenten und Studentinnen” aufgebaut werden.

Immer vorausgesetzt, man möchte das verhindern.

Mehr zum Professorinnenprogramm.

Junge Union: Schluss mit Gender-Finanzierung – ScienceFiles macht Wahlprogramme

Der wie üblich gut informierte Arne Hoffmann, der offensichtlich insgeheim mit der CDU sympathisiert (das musste jetzt sein :), hat eine Passage im Wahlprogramm der Jungen-Union in Baden-Württemberg entdeckt, die uns freut und an der wir vermutlich nicht ganz unschuldig sind, sind wir doch diejenigen, die seit nunmehr vier Jahren kontinuierlich dargestellt haben, dass Gender Studies mit Wissenschaft nichts zu tun haben, erinnert sei hier nur an den Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach zur Überflüssigkeit der Professuren für Gender Studies oder die zahllosen Beiträge, in denen der faschistoide Kern der Gender Studies herausgearbeitet wird.

Insofern freut uns dieser Eindruck, den wir hinterlassen haben und der sich bei der Jungen Union Baden Württembergs in ihrem Programm für die Landtagswahl 2016 wie folgt liest:

Junge Uion 2016“Wir fordern, Lehrstühle, die sich mit Genderforschung beschäftigen, nicht länger zu finanzieren. Diese sogenannte Forschung ist nichts anderes als knallharte Ideologie ohne Wissenschaftlichkeit. Die frei werdenden Finanzmittel sollen zur Verbesserung echter universitärer Lehre genutzt werden.” (14)

Da kommt Freude auf! Allerdings ist die Forderung unvollständig. Wie im Getränkehandel, in dem Hersteller verpflichtet sind, ihre leeren Flaschen zurückzunehmen, so plädieren wir auch im Hinblick auf Gender Studierte dafür, dass diejenigen, die für die Installierung von Gender Studierten auf universitären Lehrstühlen verantwortlich sind, ihre Gender Studierten zurücknehmen und fortan ihr Einkommen mit den Gender Studierten teilen, damit Letztere dem Steuerzahler nicht über Hartz IV zur Last werden.

Die Abschaffung der Genderforschung ist nur ein Punkt, der Forderungen der Jungen Union, die sich unter “3. Wissenschaft und Forschung” finden. Liest man die verbleibenden Forderungen, dann hat man den Eindruck, entweder die Junge Union besteht hauptsächlich aus Austauschstudenten oder die Studenten in der Jungen Union verfügen über einen Erfahrungshorizont jenseits des Mainstream, finden sich doch Forderungen, wie:

  • die verstärkte Kooperation zwischen Universitäten und Wirtschaft;
  • die Verbesserung der in die Jahre gekommenen Infrastruktur der Hochschulen in Baden-Württemberg;
  • oder gar, als besonderer Affront an die Adresse der Gewerkschaften, deren Funktionäre dem christlichen Glauben so leidenschaftlich anhängen, dass sie den Sonntag zur arbeitsfreien Zone erklärt haben (mit den üblichen Ausnahmen, die sie nicht betreffen), fordern die Jungen Unionisten: “die Öffnungszeiten der kommunalen und landeseigenen Bibliotheken in allen Hochschulstandorten im Land auch an Sonntagen zu ermöglichen”.
  • Aber damit Baden-Württemberg am Ende nicht auf die Standards hochschnellt, die an Hochschulstandorten im angelsächsischen Ausland die Norm sind, wollen die Jungen Unionisten über “verlängerte Öffnungszeiten” von Bibliotheken “auch an anderen Tagen der Woche” nur nachdenken.

Achtung heftiger Gegenwind!Alles in allem ist das, was die Jungen Unionisten in der kommenden Landtagswahl in Baden-Württemberg mit Bezug auf Hochschulen fordern wollen, ein guter Anfang, und abermals können wir feststellen, die Luft für Gender Studierte wird dünner. Die Zeiten des frisch-fröhlichen und unbekümmerten Nutznießens, sie scheinen endlich einem Ende zu zu gehen.

Nachtrag: 

Arne Hoffmann hat zwischenzeitlich auf unseren Beitrag reagiert und sich schockiert gezeigt, ob unserer Annahme, er sympathisiere insgeheim mit der CDU. Entsprechend hat er ein politisches Outing für die nächste Woche angekündigt. Ob das Hoffmannsche politische Outing in Form einer überfüllten Pressekonferenz oder als Performance-Art-Event erfolgen wird, ist derzeit unklar. Wir halten unsere Leser auf dem Laufenden!

Auf dem Weg zur Entfernung des privilegierten Lann-Hornscheidt von der Humboldt-Universität

Vor einiger Zeit haben wir einen Beitrag veröffentlicht, in dem wir die Entfernung von Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität in Berlin gefordert und diese Forderung begründet haben. Die Forderung, der sich zwischenzeitlich 83 Unterstützer angeschlossen haben, hat für einigen Wirbel gesorgt, hat jedoch nicht dazu geführt, dass über die Berechtigung von Lann Hornscheidt, an einer Universität zu lehren, diskutiert wurde. Wir sind noch in dem Stadium, in dem versucht wird, eine notwendige Diskussion durch geheuchelte Empörung zu verhindern.

Notwendig ist die Diskussion deshalb, weil Lann Hornscheidt Steuermittel verzehrt. Lann Hornscheidt erhält aus den unterschiedlichsten Töpfen, die ausschließlich von Steuerzahlern gefüllt werden, ihren/seinen Unterhalt. Und mit dieser Finanzierung geht eine Verpflichtung einher, nämlich die Verpflichtung, denjenigen, die für Lann Hornscheidt bezahlen, zu belegen, wofür sie bezahlen und warum sie dafür bezahlen sollten. Wer die Diskussion über die Legitimation, den Zweck oder den Nutzen von Lehrstuhlinhabern verweigert, der zeigt eine antidemokratische Haltung, die erschreckend ist.

HU-BerlinZudem sind Universitäten Stätten, an denen Erkenntnis erreicht werden soll, was eine klare Methodologie erfordert. Wer diese Methodologie nicht beherrscht oder nicht bereit ist, sich ihren Zwängen zu unterwerfen, Zwängen, die darin bestehen, dass man anderen nachvollziehbar macht, zu welchen Erkenntnissen man gelangt ist und es anderen somit ermöglich, diese Erkenntnisse zu überprüfen, der hat an Universitäten in der Tat nichts verloren, denn Universitäten und Hochschulen im Allgemeinen sind keine Orte, an denen durchgeknallte Spinner, um es einmal pointiert auszudrücken, einen Schutzraum finden, um ihren Unsinn zu verbreiten bzw. ihre persönlichen Idiosynkrasien auszuleben. Dazu sind die gesellschaftlichen Ressourcen zu kostbar, Ressourcen, die z.B. von dem LKW-Fahrer erwirtschaftet werden, der nicht nur den Supermarkt versorgt, in dem Lann Hornscheidt ganz selbstverständlich vorzufinden erwartet, was er/sie/es gerne einkaufen will, sondern der mit seinen Steuern auch das Kapital erwirtschaftet, aus dem Lann Hornscheidt finanziert wird.

Schließlich sind Universitäten sicher keine Orte, an denen zu Straftaten aufgerufen werden darf, wobei die Humboldt-Universität in Berlin offensichtlich eine Ausnahme darstellt, denn die Tatsache, dass Lann Hornscheidt zu Straftaten aufruft, bis heute, hat nicht dazu geführt, dass der scheidende Präsident der Humboldt-Universität sich einen ehrenvollen Abgang verschafft hat.

Das Lann fristet weiter ein steuerzahlerfinanziertes Dasein – trotz wachsenden Widerstands.

Wir haben unsere Leser vor einiger Zeit gefragt, ob Lann Hornscheidt tragbar ist oder von der Humbold Universität entfernt werden muss (Die Umfrage läuft weiterhin). 728 Leser haben sich bis zum jetzigen Zeitpunkt an der Befragung beteiligt. Das Ergebnis ist eindeutig.

Kann Lann Hornscheidt

Es wird interessant sein zu sehen, was der zunehmende Druck bewirkt. Ob sich ein scheidender Präsident daran erinnern mag, dass er Steuerzahlern gegenüber Verpflichtungen hat, sich am Ende gar dazu herablässt, mit Normalsterblichen, also den so gerne in Anspruch genommenen Menschen auf der Straße zu sprechen, um sie von der Notwendigkeit, Lann-Hornscheidt an einer Universität gewähren zu lassen, zu überzeugen, oder davon, dass aus der Tätigkeit von Lann-Hornscheidt der Humboldt-Universität und der deutschen Gesellschaft ein angebbarer Nutzen entsteht?

Wir werden es sehen.

Bis dahin wollen wir unseren Lesern einen neuen Eindruck dessen vermitteln, was derzeit an der Humboldt-Universität von Lann-Hornscheidt in vermeintlichen Lehrveranstaltungen dargeboten wird. Der folgende Anschlag auf die deutsche Rechtschreibung ist komplett und unverändert von Lann-Hornscheidts Webpage bei der HU-Berlin entnommnen. Die Tatsache, dass alles klein geschrieben ist, ist vermutlich der Einbildung geschuldet, dass es auf diese Weise möglich sei, die Privilegierung von manchen Buchstaben zu verhindern, nicht dass sich Großbuchstaben noch einbilden, sie seien etwas Besseres.

Lann Hornscheidt

Quelle: HU-Berlin

“in diesem kurs lernen wir verschiedene modelle zu diskriminierungsanalysen kennen mit einem schwerpunkt auf privilegierungen: welche ansätze gibt es? welche rolle spielen sprachliche handlungen, d.h. wie und wann werden privilegien wie benannt und verhandelt? welche argumentationen gibt es zu privilegierungen und welche effekte haben diese auf politiken, akademische wissensbildungen und (kollektive) selbstbilder? können privilegierungen verändert oder abgelegt werden? wie kann politisch und wissenschaftlich mit privilegien sinnvoll umgegangen werden, wie können sie konzeptualisiert und behandelt werden? wie wird intersektionalität in bezug auf privilegierungen gefasst und umgesetzt? welche konsequenzen hat eine analyse von privilegierungen auf konkrete anti-diskriminierende projekte? ausgehend von einem ansatz sozialer und politischer positionierung und auf der grundlage von betroffenheitskontrollierten forschungsdesgins bietet der kurs eine einführung in mechanismen, analysen und konsequenzen einer privilegierungs-fokussierten intersektionalen arbeitsweise.

arbeitsweise: zu jeder sitzung sollte vorbereitend ein text gelesen werden. im seminar wird mit verschiedenen interaktiven methoden gearbeitet. ein schwerpunkt liegt dabei auf der reflexion eigener sozialer und politischer positionierungen und dem entwerfen von handlungsoptionen.”

Wer sich wöchentlich für zwei Stunden in die angegebene Veranstaltung verirrt hat, der weiß jetzt alles über die Privilegierung von vor allem weißen Männern, von, noch wichtiger, weißen Männern ohne Behinderung und, extrem wichtig, von weißen Männern ohne Behinderung, die heterosexuell sind.

Wer die Veranstaltung durchgestanden hat und eine nicht näher bezeichnete Leistung erbracht hat, vermutlich gilt im Seminar: Dabeisein ist alles, schon um nicht Studenten den Eindruck zu vermitteln, sie wären besser als andere und am Ende durch ihre Leistung privilegiert, wer also die Veranstaltung durch- oder überlebt hat, der weiß nun alles über Privilegien bei anderen, und, nicht zu vergessen, bei sich, wie man dem Text entnehmen kann, der als Einstiegsliteratur benannt ist.

Die Einstiegsliteratur stammt von einer Andrea Smith, die ein Blog mit dem Namen “ANDREA366 The 18 year plan to end global oppression” betreibt, das bereits mit dieser Benennung als unwissenschaftlich ausgewiesen ist. Der Text, der den Einstieg geben soll, kann dahingehend zusammengefasst werden, dass es nicht ausreicht, sich seiner eigenen Privilegierungen im Gesamt der Struktur der Privilegierung bewusst zu werden, vielmehr müsse nicht nur “beyond privilege” gedacht werden, “but beyond the sense of self that claims privilege”.

Nicht nur, dass man sich als weißer Mann seiner Privilegierung als ebensolcher bewusst werden soll (warum auch immer), man soll auch das Ich, das diese Privilegierung aus der Struktur der Gesellschaft (weiß und heteronormativ) ableitet, hinterfragen – oder so. Wie man es anstellt, sein Ich zu hinterfragen, also jenes Ich, das Ich ist und sich als Ich aufführt, das ist eine Frage, die jeder für sein Ich auf der Couch eines Psychiaters seiner Wahl beantworten kann.

Wir wollen hier nichts vorwegnehmen, nur anmerken, dass die gesamte Litanei, die als Lehrveranstaltung über Privilegierung verkauft wird, die wichtigsten Privilegien, die es an Universitäten zu berücksichtigen gilt, auslässt, nämlich die Privilegien auf Kosten von Steuerzahlern freigestellt und in die Lage versetzt zu werden, nicht nur zu studieren, sondern sich auch als Lehrstuhlinhaber einen schönen Lenz damit zu machen, sich über die Privilegierung natürlich der anderen bewusst zu werden.

Heteronormative und sexistische Papiertüten

Der wissenschaftliche Nachwuchs macht wieder von sich reden; dieses Mal der Nachwuchs aus Würzburg, wo angehende Wissenschaftler, diejenigen, die in ein paar Jahren für sich beanspruchen wollen, die intellektuelle Elite des Landes, zumindest im Hinblick auf formale Bildungstitel zu stellen, in Papiertüten den Klassenfeind erkannt haben.

Uni WuerzburgEntsprechend machen sie in einer Weise von sich reden, die zeigt: Zwischen formaler Bildung z.B. einer (Fach-)Hochschulreife und Intelligenz besteht zuweilen bestenfalls eine Schnittmenge, über deren Ausmaß man sich genauer unterhalten müsste.

In Würzburg, an der dortigen Universität, ist es üblich, Erstsemestern Semesteranfangstüten auszuhändigen, in denen sich vornehmlich Werbegeschenke befinden. Schon 2013 hat der “Studentische Konvent” der Universität Würzburg auf Antrag der Referate “Ökologie” und “Gleichstellung” die Abschaffung dieser Semesteranfangstüten beschlossen. Zum Sommersemester 2015 hat sich der Sprecherrat an den Beschluss erinnert und die Semesteranfangstüten abgeschafft.

Erstsemestertuete“Durch die Verteilung der Tüten wurde[n] für eine lange Zeit Berge von Müll produziert, die noch Tage in der Mensa sichtbar waren. Die wenigen kostenlosen Werbegeschenke darin standen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Entsorgung. Schon 2013 wurde folgender Antrag zu den Semesteranfangstüten beschlossen:

Jedoch wurde dieser Beschluss oftmals vernachlässigt. Nun zur nächsten Erstimesse wird es keine Semesteranfangstüten geben.”

Die Begründung, die hier gegeben wird, lautet demnach: Müllvermeidung. Sie ist nachvollziehbar und somit rational, denn wenn die Menge des entstehenden Mülls durch den Gewinn, der den einzelnen Studenten durch die Semesteranfangstüten entsteht, nicht gerechtfertigt ist, dann macht es durchaus Sinn, über den Wert der Tüten nachzudenken – zumindest ist es eine rationale Begründung, was zeigt, dass der derzeitige Sprecherrat an der Universität Würzburg zumindest aus einigen denkfähigen und rationalen Studenten zu bestehen scheint.

Interessant ist auch, dass die Sprecher die Verbannung der Semesteranfangstüten von der “Erstimess” (die infantile Sprache ist überall) ausschließlich mit Müllvermeidung begründen. Dies spricht für sie, denn offensichtlich sind sie der Meinung, die ursprüngliche Begründung des später beschlossenen Antrags, der auf die Referate Ökologie und Gleichstellung zurückgeht, sei so absurd und unsinnig, dass man sie besser nicht wiederholt.

Und damit haben die Studentenräte sicher recht.

Denn wie so oft, wenn Referate, die “Gleichstellung” im Namen führen, an etwas beteiligt sind, zeigt das Produkt, das unter Beteiligung derjenigen, die sich in diesen Referaten zusammenfinden, erstellt wurde, alle Anzeichen eines Ergebnisses, das man nur auf geistige Demenz zurückführen kann.

Und dabei kommen dann Sätze, wie die folgenden heraus:

“Der Sprecher- und Sprecherinnenrat setzt sich bei den Verantwortlichen des Studentenwerks, wie auch bei weiteren Akteurinnen und Akteuren dafür ein, dass die unverhältnismäßig viel Müll produzierenden, heteronormativen, und sexistischen Semesteranfangstüten an der Universität Würzburg nicht mehr ausgeteilt werden.”

Die Sprachverwirrung, sie schreitet voran. Anders formuliert: Es gibt bereits unter Studenten Sprechmaschinen, die ein Inventar von Begriffen haben, die sie unter den Rubriken “gut” und “schlecht” kategorisieren, deren Bedeutung sie aber in keiner Weise kennen.

Die Begriffe “heteronormativ” und “sexistisch” sind solche Begriffe. Beide beziehen sich auf ein Verhalten bzw. wenn man ganz freundlich ist, kann man annehmen “heteronormativ” beschreibe auch eine Einstellung. Papiertüten, jedenfalls die Papiertüten, die wir kennen, haben weder eine Einstellung, weshalb sie nicht heteronormativ sein können, noch zeigen sie ein Verhalten, weshalb es nicht möglich ist, Papiertüten als sexistisch zu bezeichnen.

Und jetzt kann man sie schon hören, die Künstler, die schreien, dass es sexistische Darstellungen gibt. Und doch gibt es die entsprechenden Darstellungen nicht. Es gibt ausschließlich Darstellungen. Und dann gibt es Betrachter von Darstellungen, die diese Darstellungen bewerten, z.B. als sexistisch. Sexistisch ist aber keine Eigenschaft der Darstellung oder der Papiertüte, sondern eine Zuschreibung durch den Betrachter. Man sollte meinen, dass derartige Trivialitäten, die unter Studenten sozialwissenschaftlicher Fächer bereits im ersten Semester verbreitet sein sollten, auch tatsächlich verbreitet sind. Sie sind es aber offensichtlich nicht.

Vielmehr findet sich unter Studenten zunehmend eine Unfähigkeit zwischen eigener Bewertung und Zuschreibung und den Eigenschaften von Objekten zu unterscheiden. Das ist bedenklich, denn diese Studenten sind anfällig für z.B. Rassenlehren, die z.B. Juden bestimmte Eigenschaften zuschreiben und behaupten, die Eigenschaften seien Juden inhärent. Der Rassismus beginnt, so kann man formulieren, bei dem irrigen Glauben, es gebe sexistische Papiertüten.

Wer das denkt, ist natürlich auch hervorragend manipulierbar, denn er bemerkt gar nicht, dass er es ist, der seine Bewertung in seinem Bemühen, z.B. Gutes zu tun, an Objekte heranträgt. Entsprechend einfach ist es diese Zombies zu steuern, z.B. in dem man behauptet, ein Objekt sei irgendetwas, sei rassistisch, sexistisch, extremistisch, was auch immer, eine Behauptung, die darauf abzielt, den Affekt auszulösen, der dann auch regelmäßig kommt, da die Zuschreibung ja als “gut” oder “schlecht” kategorisiert wurde (Der Hund von Pawlow hat für seinen Reiz-Reaktions-Gehorsam, für seine klassische Konditionierung, wenigstens noch Nahrung – also eine Belohnung erhalten. Studenten in Würzburg zeigen Reaktionen auch ohne nachvollziehbare Belohnung. Da sage noch einer, Hunde wären Menschen unterlegen…).

Spätestens bei Begriffen wie “heteronormativ” sollte der Unterschied zwischen dem Objekt und der Bewertung des Objekts einem Studenten, der zur intellektuellen Elite gehören will, jedoch auffallen. Normen sind nichts, was sich direkt beobachten ließe. Normen kann man nur aus gleichförmigem Verhalten erschließen. Wenn alle Bekannten, die man hat, sich regelmäßig dann von einem abwenden, wenn man in der Mensa damit beginnt, über seine  Verdauungsprobleme und die Folgen davon zu sprechen, dann könnte man, wäre man ein aufmerksamer Beobachter und vielleicht sogar ein angehender Soziologe, daraus schließen, dass es eine Norm gibt, die es verbietet, beim Essen über Verdauungsstörungen, deren Folgen und die Art und Weise, wie sie sich äußern, zu sprechen.

Da Papiertüten sich nicht verhalten, können Papiertüten auch nicht heteronormativ sein. Sie können bestenfalls das Ergebnis von normativem Verhalten sein, z.B. wenn sie aus nicht mit Chlor gebleichtem Papier hergerstellt wurden.

Studenten sollten das eigentlich wissen.

Aber was soll man von Studenten erwarten, die Sätze wie die folgenden von sich geben:

Wuerzburger Knalltueten“Die UNICUM-Tüten preisen die Zweigeschlechtlichkeit: es gibt nur die Wahl zwischen Frauen- und Männer-Tüten, die jeweils durch ihren Inhalt als auch durch das rosa und blaue Band geschlechtsstereotyp gekennzeichnet sind. Zu den Produkten sei ein Beispiel in Bezug auf die UNICUM-Tüten im Wintersemester 2012/13 genannt: In den Tüten zu Beginn des Wintersemesters 2012/13 befand sich in den Männer-Tüten ein bekannter Energiedrink, in den Frauen-Tüten fand man selbigen in der „zuckerfrei“-Variante. Hier wird sich also zusätzlich zur Zweigeschlechtlichkeit einem bestimmten Körperbild verschrieben, dem vor allem Frauen zu entsprechen haben, da es gesellschaftlich anerkannt sei.”

Tüten sind also nicht nur heteronormativ und sexistisch, sie preisen auch die Zweigeschlechtlichkeit.

Nun, hätten die Eltern der Studenten, die sich hier über das Lob der Zweigeschlechtlichkeit beschweren, nur von diesem Lob und Preis abgesehen, dann wäre uns einiges an Unsinn erspart geblieben. Z.B. die Notwendigkeit gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass Sexismus nicht in den Gegenständen liegt, sondern in den Betrachtern. Die für die zitierten Sätze Verantwortlichen, sie sind wahre sexistische Monster, die nicht anders können, als in allen Dingen danach zu forsten, ob sie nicht vielleicht sexistisch interpretiert werden können.

Derartige Fixierungen wurden früher auf der Couch von Psychiatern behandelt. Heute sind sie in manchen Bereichen zur Normalität geworden. Die Normativität des faktischen Wahnsinns, die denjenigen, die sich ihr unterwerfen, vorgaukelt, sie seien normal, sie ist in manchen Bereichen total. In diesen Bereichen herrscht ein Glaube, von dem die Besessenen nicht einmal durch die Tatsache abzubringen zu sein scheinen, dass die Umgebung über sie lacht, jene Umgebung, die mit normalen Menschen bevölkert ist, die in Tüten Tüten erblicken und keine sexistischen Fanale, jene Umgebung, in der zuckerfreie Marmelade zum Frühstück gegessen wird, und zwar von zwei gegengeschlechtlichen Frühstückern, die nicht eine Sekunde auf die Idee kommen, mit der zuckerfreien Marmelade verbinde sich ein “bestimmtes Körperbild”.

Warum kommen sie nicht auf die Idee? Weil sie in der ratio-normativen Welt leben, in der die eigene Idiotie nicht in Kanaldeckel und Papiertüten projiziert wird, sondern Papiertüten und Kanaldeckel eben Papiertüten und Kanaldeckel sind.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob es notwendig sein wird, einen antirational-normativen Zug an deutschen Hochschulen einzurichten, in dem diejenigen gesammelt werden, die es aus nicht nachvollziehbaren Gründen an Hochschulen geschafft haben, damit sie von dort direkt in geschlossene Anstalten transferiert werden können, Anstalten, in denen sie von morgens bis Abends über heteronormative Papiertüten und sexistische Kanaldeckel diskutieren können, Anstalten, die am besten vom Bundesministerium für FSFJ finanziert werden, schon wegen vorhandener personeller Überlappungen.

Diese Art der Internierung hätte auch den Vorteil, dass die Internierten nicht anderen vorschreiben können, wie sie z.B: Semesteranfangstüten zu bewerten haben und andere, die diese Tüten vielleicht gerne gehabt hätten, durch ihr Verhalten schädigen.

Weiteres zum #TütenGate gibt es bei Hadmut Danisch.

Am Anfang war das Wort – und dann, dann kam der Rassismus

Vorsicht Invocation!

Was Sie jetzt lesen, kann Sie zum Handeln veranlassen.

Das Lesen des folgenden Textes, kann dazu führen, dass Sie ihre Trägheit überwinden!

Denn: Worte sind Macht. Es werde Licht, so sprach Gott irgendwann und: Bang! Big Bang!

Wir alle wissen, was dann passiert ist.

big-bangWorte sind nicht nur Macht, Worte sind kausal, kausale Kausalität für das, was danach kommt. Wir sagen: Reichtum, und Sie spenden uns Millionen. Sie sagen: Schreibt’ politisch nicht korrekte Posts und unsere Finger, wie von Geisterhand bewegt, wandern über die Tastatur und tippen, tippen politisch Unkorrektes. Nicht, dass wir das wollten, aber wir haben keine Wahl. Unsere Leser zwingen uns dazu. Denn Worte sind Macht, und wir bekommen viele Worte in eMails, die uns auffordern, über dies oder jenes zu schreiben. Obwohl wir das vielleicht gar nicht wollen, was wir gar nicht mehr wissen … Getriebene unserer Leser, die wir sind.

Worte, so können wir festhalten, regieren die Welt.

Wer Worte spricht, der hat Macht. Wer viele Worte spricht, der hat viel Macht. Wer die richtigen Worte spricht, den mögen die Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Wer die falschen Worte spricht, den mögen die DISSen nicht.

Da. Jetzt schreiben wir wieder über einen Hinweis, den wir von einem Leser erhalten haben, einen Hinweis auf einen Beitrag im Westen: “Rassismusforscher sehen Rechtsruck in Asyldebatte“, so ist er überschrieben, und in diesem Beitrag entwickeln die DISSen ihre Theorie der Wortmacht, die wir bereits vorgestellt haben und unter deren Gewalt wir uns gerade wieder befinden, weil uns ein Leser einen Hinweis …, aber das hatten wir schon.

Eine Anwendung für die Theorie der Wortmacht der Duisburger ISSen: Die Kausalität von Wort und Tat am Beispiel von Asylbewerberheimen:

Yappi_on_television_advertEs steht geschrieben im Westen: “Bevor in den 90er Jahren Asylbewerberheime brannten, gab das Institut eine Analyse der Sprachgewohnheiten heraus und nannte sie fast prophetisch „BrandSätze. Rassismus im Alltag”. Heute seien extreme Formulierungen erneut aussprechbar, beobachten die Forscher insbesondere in Internet-Foren und Facebook-Gruppen.”

Wir wissen: Worte steuern Handeln, das bringt z.B. der DISS Martin Dietzsch gekonnt auf den Punkt: “‘In den 90er Jahren sagten viele, ‘ich bin nicht ausländerfeindlich, aber…’ und am Ende brannten Häuser, starben Menschen in Hoyerswerda, Solingen. Heute sagen Menschen ‘Ich bin nicht rechts, aber…’ und spätestens im zweiten Satz äußern sie sich extrem rechts“. Und was danach kommt, das wissen wir seit Tröglitz, denn worüber gesprochen wird, das geschieht auch: Invocation.

Die DISSen aus Dusiburg, Sie haben es erkannt.

Der Papst sagt: Urbi et Orbi und was passiert? Millionen in Rom und dem unbedeutenden Rest der Welt sie schalten ein.

In Deutschland wird über die Gefährlichkeit von Atomkraftwerken diskutiert. Was passiert? Kernschmelze in Fukushima.

Deutsche beschwören die Gefahr islamistischen Terrors, und was passiert? Syrien befindet sich im Krieg mit Islamisten und der Irak auch.

Worte sind Macht – große Macht. Die DISSen, sie WISSen es. Sie wissen es auch wegen ihrer Buches “BrandSätze. Rassimus im Alltag”. Bevor in den 1990er Jahren noch Asylbewerberheime brannten, haben die DISSen ihr Buch veröffentlicht. Invocation.

Ohne dieses Buch hätte es die brennenden Asylbewerberheime angesichts der Kausalität, die die DISSen entdeckt haben, nie gegeben. Sie haben die Macht der Worte, die Macht der gedruckten Worte in einem Feldexperiment und nach allen Regeln der Kunst demonstriert. Sie schrieben, und es brannte.

Auch den Mechanismus, der die Kausalität befördert, den haben die DISSen am eigenen Leib erforscht. So berichtet Iris Tonks von ihren Erfahrungen mit der Macht der Worte: “‘Eine Weile dachte ich, ich kann an keinen Bankautomaten gehen, ohne überfallen zu werden, dabei geht die Kriminalität zurück.’ Dazu geführt hatten Artikel über ‘Klau-Kids’, mit denen Menschen bestimmter Volksgruppen stigmatisiert würden.”

Klau-Kids, Anthrax, AKWs, Terroristen, Mörder, Rechtsextreme, Chaoten, Politiker, Rassismusforscher, alles nur Worte, Worte, die deshalb kausal für Handlungen sind, weil sie Angst induzieren, wie Tonk im Selbstversuch eindeutig belegt hat: Angst, die Handlungen zu Angsthandlungen werden lässt, zu hysterischen Angsthandlungen, unter denen – wie im Fall von Tonks – Banken zu leiden haben, was zeigt, Worte haben auch Folgen, über die sich die Sprecher gar nicht klar sind, wie dann, wenn z.B. Banken leiden, weil Tonks aus Angst vor Klau-Kids kein Geld mehr abhebt.

Was also ist zu tun?
Wie kann man die Macht der Worte brechen?
Durch Schweigen!

Und obwohl es wohltuend wäre, wenn die DISSen Worte vermeiden würden, schon weil dann keine Asylbewerberheime mehr brennen (siehe oben zur Kausalität der DISSen “BrandSätze”), ist es doch nicht die Lösung.

Da die Wirkung von Worten, wie die DISSen gezeigt haben, nicht zu vermeiden ist. Da der Tonks-Selbstversuch eindeutig belegt, dass Worten Taten nachfolgen, und zwar immer, deshalb gibt es nur eine Möglichkeit: Sich die Worte und ihre Kausalität zu nutze machen und nichts Negatives mehr ansprechen, also:

Keine negativen Berichte mehr über Rechtsextremisten. Worten folgen Taten, brennende Asylbewerberheime, wie die DISSen “BrandSätze” gezeigt haben. Um das zu vermeiden schlagen wir vor, in Zukunft von der Schönheit bürgerlichen Engagements im Internet zu berichten, das sich darauf richtet, die eigene Umgebung nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Gleiches gilt für Worte über Kernkraftwerke. Schluss mit der Vielworterei über deren Gefahren. Wir sehen, was passiert. Wir sagen nur: Fukushima (und hoffen, es schmiltz nicht noch einmal, obwohl wir das F-Wort gesagt haben …). Ab sofort werden AKWs nur noch positiv beschrieben. Als Gewinn für den Arbeitsmarkt. Als Gewinn für die Landschaft. Als Gewinn für uns alle, für die nächste Generation und natürlich für die übernächste Generation.

Nur was wir mit den DISSen machen, das wissen wir nicht. Lasst uns also über die DISSen schweigen, bis wir wissen, welcher sprachlichen Verwendung wir sie gefahrlos zuführen können, immerhin sind die Bücher der DISSen “BrandSätze”.

Die DISSen selbst sind übrigens der Meinung, sie seien kritisch – “critical researchers” nennen sie sich, und damit wollen sie an das Portemonnaie von denen, die “critical researchers” unterstützen. Und das Logo des Marketing-Versuchs, mit dem die Drittmittel finanzierten Dissen versuchen, Reibach zu machen, ist einfach zu denkwürdig, als dass wir es an uns vorbeiziehen lassen konnten. Hier ist es:

Support DISS

Nur keine Verantwortung: Die Ausweitung der Kindheit

Die Infantilisierung der Gesellschaft, die letztlich nichts anderes ist, als die Ablehnung Der Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben, diese Infantilisierung, wir haben sie vor einigen Tagen mit Pascal Buchner beschrieben. Gestern kam uns nun eine Pressemeldung auf den Tisch, die diese Infantilisierung perfekt demonstriert.

geschichte_der_kindheitWir wollen den Ausgangspunkt bei Philippe Ariès nehmen, dessen Buch “Die Geschichte der Kindheit”, als es 1975 ins Deutsche übersetzt vorlag, erhebliche Debatten ausgelöst hat, stand es doch im Widerspruch zu der für gültig gehaltenen Lehrmeinung, nach der Kinder unschuldige Wesen sind, die es, um mit Rousseau zu sprechen, so lange wie möglich vor den schädlichen Einflüssen der Gesellschaft zu schützen gelte. Die Kindheit als Phase der Unschuld, sie ist westlichen Gesellschaften seither ins Mark gemeißelt.

Ariès hat die kindliche Unschuld ebenso wie die angebliche natürliche Phase der Kindheit als gesellschaftliches Konstrukt aufgezeigt. Vermutlich im 17. Jahrhundert, so schließt Ariès aus seinen Analysen der Darstellung von Kindern in Literatur und Kunst, sei die Kindheit erfunden worden. Sein Reichtum habe es dem aufkommenden Bürgertum ermöglicht, den entsprechenden Schutzraum für seine Kinder zu schaffen.

Dass es sich bei diesem Schutzraum, bei der erfundenen Kindheit, um ein Phänomen des Bürgertums handelt, an dem Arbeiter, Handwerker, Dienstboten oder andere Schichten der Bevölkerung keinen Anteil hatten, das zeigt Buchner in seiner Darstellung der Entwicklung der Kindheit, und das kann man den Büchern von Charles Dickens entnehmen, in denen z.B. die Figur des kleinen Jungen, der Straßenübergänge für Fußgänger von Pferdemist freihält, regelmäßig zu finden ist.

Die Erfindung der Kindheit, die Schaffung eines Schutzraumes, der Kinder so lange wie nur möglich von Verantwortung fernhält und letztlich auf den Status eines kleinen, nicht-verantwortlichen und formbaren Organismus reduziert, sie ist nicht nur relativ neu, sie wird auch von einem ungeheuren Wachstum der Kindheitsindustrie begleitet.

Wer Kindheitsindustrie hört, der denkt in erster Linie an die spezielle Nahrung, Kleidung, das Spielzeug, die Gegenstände des täglichen Lebens, die auf die angeblich abweichenden Bedürfnisse von Kindern abgestimmt sind, und vieles mehr. Die Kindheitsindustrie umfasst jedoch auch (oder vor allem?) all diejenigen, die mit der Erfindung der Kindheit eine Möglichkeit des Unterhalts erworben haben: die Lehrer, die Kindergärtner, die Kinderärzte, die Kinderpsychologen, die Kindertherapeuten, die Schulpsychologen, die Betreuer, die Sozialarbeiter, Streetworker, die vielen Tausend Beamten der Jugendgerichtshilfe und viele mehr.

Diese Kindheitsindustrie, sie ist stetig gewachsen, und sie ist ständig bemüht, den Gegenstand ihrer Bemühungen so lange wie nur möglich im Stadium der Unmündigkeit, in dem seine Betreuung notwendig ist, zu halten.

Entsprechend endet die Kindheits- und Jugendphase längst nicht mehr mit dem 18. Lebensjahr, mit dem angeblich die Reife vorhanden sein soll, um als volljährig und wahlberechtigt zu gelten. Entsprechend hat man im Strafrecht den Heranwachsenden erfunden, der zwar volljährig, aber nicht voll ernst zu nehmen und nicht voll mündig ist. Er schleppt sich bis zum 21. Lebensjahr und darf darauf hoffen, vor Gericht wie ein unmündiger Jugendlicher, der für seine Handlungen nicht voll verantwortlich ist, behandelt zu werden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik hat gar den Jungerwachsenen erfunden, der dem Heranwachsenden nachfolgt und erst mit dem 25. Lebensjahr erwachsen werden soll. Wenn es darum geht, die Kindheit zu verlängern und aus der Sonderbehandlung der weiterhin unmündig Gehaltenen ein Einkommen zu extrahieren, dann sind der Phantasie offensichtlich keine Grenzen gesetzt.

Entsprechend ist es nicht verwunderlich, wenn die Verlängerung der Unmündigkeit aus dem Strafrecht in die alltägliche Welt übertragen wird und eine neue Phase der Unmündigkeit von Volljährigen geschaffen wird.

Vorreiter scheint hier die Universität Hamburg zu sein, die Folgendes anbietet:

Uni Hamburg

und der Unselbständigkeit?

“Wie ich als Mutter oder Vater mein Kind bei der Studienentscheidung unterstützen kann

Jedes Jahr stehen studieninteressierte junge Erwachsene vor der Frage, welches Studienfach sie wählen sollten. Die Entscheidungen treffen sie oft nicht allein, sondern im Austausch mit den Eltern, die als Rat- und oft auch als Geldgeber gefragt sind. Doch viele Mütter und Väter sind mit Begriffen wie „Credit Points“, „STiNE-Account“ und dem Bachelor- und Mastersystem nicht vertraut. Um den Eltern ein Basiswissen über das universitäre System zu vermitteln und der Frage nachzugehen, ob und wie sie ihre studieninteressierten Kinder bei der Entscheidung für ein Studienfach unterstützen sollten, lädt die Universität Hamburg ein zur

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung der
Zentralen Studienberatung und Psychologischen Beratung der Universität Hamburg (ZSPB).”

Die Verlängerung der Kindheit und damit die Verweigerung der Mündigkeit geht mit einer Verlängerung der Zuständigkeit von Eltern einher. Sie werden von den Betreuern und Beratern, von den Umsorgern, die an der Verlängerung der Unmündigkeit verdienen, in die Pflicht genommen. Sie sind instrumentell dabei, ihre Kinder in Unmündigkeit zu halten. Denn deren Unmündigkeit ist die Einkommensquelle der Betreuer, Berater und Umsorger.

In den meisten Kulturen gibt es Initiationsphasen, die den Übergang von einem Status in den nächsten markieren, z.B. den Übergang von der Kindheit in den Status eines vollwertigen Mitglieds der Gesellschaft. Westliche Kulturen scheinen den umgekehrten Weg zu gehen, sie scheinen die Übergänge beseitigen und die ewige Kindheit, die ewige Verantwortungslosigkeit institutionalisieren zu wollen, die Infantilisierung der Gesellschaft, die die Macht in die Hände von Verwaltungen und all denen legt, die die Verantwortungslosen in ihrem täglichen Leben führen, begleiten und betreuen wollen.

An die Stelle der Initiationsriten, die Kindern und Jugendlichen den Übergang in die Welt der Erwachsenen bzw. das Nehmen einer Entwicklungsstufe signalisieren, tritt langsam aber stetig die durchgehende Betreuung, Beratung, Umsorgung und Umhegung durch die Vertreter der Kinder- und Jugendlichenindustrie, die aus deren Unmündigkeit nicht nur ihren finanziellen Nutzen ziehen.

Und so wird langsam Privatheit und Eigenverantwortung beseitigt und ersetzt durch die Öffentlichkeit z.B. der Bildungsbiographie, um die sich Horden für sich gutmeinender Nutznießer sorgen, die verunmöglichen, was angeblich das höchste Ideal moderner Gesellschaften ist: den selbständigen, eigenverantwortlichen und mündigen Bürger.

P.S.

Es ist sicher kein Zufall, dass das Hamburger Angebot von einem Psychologen und einer Pädagogin gemacht wird.

Her Majesty the Baby: Infantilismus im 21. Jahrhundert

Von erwachsenen Menschen erwartet man unter anderem, dass sie über Urteilsvermögen verfügen, dass sie Dinge beurteilen können, z.B. aufgrund ihrer Erfahrung und dass sie über eine moralische und sittliche Reife verfügen, die dieses Urteilsvermögen erst möglich macht.

angrzBlickt man in die Runde und nimmt diejenigen ins Visier, die Repräsentanten von Wählern sein wollen, dann kommen die ersten Zweifel an der moralischen und sittlichen Entwicklung, die Menschen, die alle körperlichen Anzeichen eines Erwachsenen aufweisen, auszeichnen soll, und wenn die entsprechenden Repräsentanten dann den Mund aufmachen, dann kommen auch erhebliche Zweifel am Urteilsvermögen auf [Wie kann z.B. jemand auch nur rudimentäre Spuren von Urteilsvermögen haben, der versucht, sinnlose Gewalttaten zu rechtfertigen?]

Die Retardierung, die man bei den angesprochenen Repräsentanten feststellen kann, ihr Verbleiben oder ihre Rückkehr in eine infantile Haltung, findet sich auch in anderen Bereichen der Gesellschaft, wo die vernünftige Argumentation dem primitiven Palaver gewichen ist, das regelmäßig der derogativen Wortonanie weicht, die dann nicht nur sprichwörtlich an das Baby erinnert, das mit hochrotem Kopf schreit, weil es nicht bekommt, was es will.

Die in Deutschland verbreitete Vorstellung, man könne Reziprozität verweigern und sich in die Arme des alimentierenden Staates flüchten, die Idee, man könne andere, deren Meinung gerade nicht passt, ausgrenzen und beleidigen und sicher sein, dass man nicht eines Tages mit eben diesen Menschen konfrontiert ist, in einer Interaktion konfrontiert ist, in der man auf deren Kooperation angewiesen wäre, diese Idee ist zu komplex, als dass sie für viele denkbar scheint. Das Verharren in einem Stadium kindlicher Verantwortungslosigkeit gepaart mit der infantilen Gier, alles in den Mund zu stecken, was mit den Händen erreicht werden kann, ist weit verbreitet.

Mit dieser Diagnose stehen wir mitnichten allein.

Einer, der sie bereits 1995 in einem Buch niedergeschrieben hat, ist Pascal Bruckner, den wir gerade wieder lesen. Wir wollen unseren Lesern die Passage, in der Bruckner die verbreitete Lust, im Stadium der Infantilität zu verharren, bespricht, nicht vorenthalten.

Bruckner“In unserer Gesellschaft gibt es zahlreiche Anzeichen für einen allgemeinen Vergnügungswillen, ein allgemeines Zurückgleiten zu Wiege und Rassel: viele erfolgreiche Filme haben Säuglinge zu Hauptpersonen, die schon Helden sind, bevor sie Milchzähne haben, Babys als Mannequins, junge Idole, die mit sieben bereits Multimillionäre sind, launisch und affektiert wie alte Stars […], Miniatursänger von vier Jahren, der Homunkulus, der zum Publikumsliebling wird und stotternd seinen Lebensüberdruß zum Ausdruck bringt. […] Dieser Einbruch der Kinder in die Rock- und Varietészene, das Kino, die früher Jugendlichen vorbehalten waren, diese Blüte von Akteuren und Schnulzensängern erreicht massenhaft jedes Publikum. Allenthalben überbieten sich Knirpse an Affektiertheit, um unsere Herzen zu rühren. Die Babys sind im Kleinformat die Götter unseres Universums, und sie haben die Teenager entthront, die noch gerade gut genug für die Rente sind. Der Imperialismus des Kleinkinds kennt keine Grenzen mehr, die kleinen Herren und Damen beherrschen uns in Sabberlätzchen und Windeln.

Die Erwachsenen säumen nicht, in die Kindheit zurückzufallen, die Uhren rückwärts zu stellen, das Geschehen umzukehren wie die Finger eines Handschuhs. […] ‘Bald ist Schluss mit dem Altern’, titelt eine Illustrierte. Eine unglaubliche Nachricht. Wenn das Altwerden schon nicht mehr eine Zeitfrage ist, wenn es möglich ist, nicht nur die Falten verschwinden zu lassen, die Figur zu verbessern, Haare zu implantieren, die Vergreisung aufzuhalten, vor allem aber, die biologische Uhr zurückzudrehen, dann müsste demnächst auch der letzte Feind, der Tod, besiegt sein. Alle Definitionen von normal und pathologisch werden umgekehrt: Nicht krank sein ist noch das geringste. Man muss uns zuerst von jener tödlichen Krankheit heilen, die Leben heißt, da dies eines Tages zu Ende ist. Man unterschiedet nicht mehr zwischen den Dingen, die gemildert werden können – Aufhalten des körperlichen Verfalls, Verlängerung des Lebens – und dem Unvermeidlichen, der Endlichkeit und dem Tod. Dieser ist nicht mehr das normale Ende des Lebens, sozusagen die Bedingung dafür, dass es das Leben gibt, sondern ein Scheitern der Therapien, die vor allem anderen verbessert werden müssen. Die Maschinen und die Wissenschaft behaupten, sie befreien uns von Zwängen und Mühsal; nun wollen wir uns vom Werden freimachen. Die Moderne gaukelt uns die baldige Beherrschung des Lebens vor, das Vordringen zu einer ‘zweiten Schöpfung’, die nicht mehr von den Zufällen der Natur abhängig ist. Nicht, dass wir sie anstreben, erscheint und irrig, wohl aber die Tatsache, dass sie durch diverse Hindernisse erst so spät realisiert werden kann.

Das aberwitzige Streben nach Vernatwortungslosigkeit zeigt sich auf prosaischere Weise im Fernsehen oder im Radio am Überhandnehmen von schlechtem Niveau (Witzen über Körperteile, schlüpfrigem Humor, dummen Sprüchen und Pennälerwitzen […]). Es ist, als sollten die Zuschauer, von überkandidelten Spaßmachern angeheizt, gemeinsam alle Hemmungen ablegen, ein paar Stunden lang Gewohnheiten und Konventionen vergessen und sich ausgiebig einem glückseligen Schwachsinn hingeben. Wie das zweijährige Kind […], das eine elektromagnetische Ladung abbekommen hat, ein mehrere Meter hoher Riese wird, über Häuser und Gebäude steigt, Wagen und Busse mit seinen kleinen Füßen zertritt und die ganze Stadt tyrannisiert, sind auch wir aus Versehen groß geworden, ohne dass unser Geist mitgewachsen ist, und wir weichen vor keinem Mittel zurück, unsere Kindheit zu verlängern, die durch zu starke Belichtung weiter in uns existiert. Da sich das eigentliche Leben vorher abspielt, verüben wir an uns selbst eine wahre Verführung Minderjähriger und wenden den Lauf der Zeit nach rückwärts, zum Land der ewigen Jugend.

Man wird einwenden, dass es sich hierbei um Verrücktheiten handelt, die viel zu grell und auffällig sind, als dass man ihnen Bedeutung zumessen könnte. Damit jedoch solche seltsamen Dinge möglich sind, müssen wir schon so sehr von Infantilismus durchdrungen sein, dass unsere ganze Umgebung von ihm beeinflusst wird und er sich uns mit einer Selbstverständlichkeit präsentiert, die wir gar nicht mehr bemerken. Es ist, als müsse die Kindheit, in der ersten Person zu sprechen, mit einer furchtbaren Strafe bezahlt werden. Der neue abendländische, nach rückwärts gewandte Adam zerstört sich genüßlich in kindlicher Dummheit, Verwöhnung und Albernheit, Hauptsache, er genießt die Wohltaten dieser Zeit ohne die Fesseln, die eigentlich von ihr zu erwarten sind. Die ‘Kindlichkeit’ unserer Gesellschaft hat nichts mit der zu tun, die es in der traditionellen Welt gab, sie ist nachgeahmt und parodistisch, eine Abweichung von der durch Weißheit und Erfahrung gesetzten Norm. […]
Der Infantilismus des Abendlandes hat nichts mit der Liebe zur Kindheit zu tun, sondern mit der Suche nach einem Zustand außerhalb von Raum und Zeit, in dem alle Symbole dieses Alters hochgehalten werden, um sich daran zu berauschen. Er ist eine Fälschung, eine fratzenhafte Usurpierung, er verunglimpft die Kindheit ebenso, wie er auf dem Reifsein herumtrampelt und bewirkt eine schädliche Verwirrung zwischen dem Kindlichen und dem Kind. Das Baby wird zur Zukunft des Menschen, wenn der Mensch keine Verantwortung mehr für die Welt und für sich übernehmen will.” (Brucker, 1999: 109-113)

Brucker, Pascal (1999). Ich leide also bin ich. Die Krankheit der Moderne. Berlin: Aufbau Taschenbuch-Verlag.

Unter den Blinden sind die Einäugigen die Könige

Freude herrscht in München und Berlin:

Münchner Freude:

“Mit Platz 35 ist die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München in den aktuell veröffentlichten Times Higher Education World Reputation Rankings 2015 wieder Spitzenreiter unter den deutschen Universitäten. Im Vergleich zum vergangenen Jahr, in dem die LMU Platz 46 belegte, konnte sie ihre Position um 11 Plätze verbessern. Sie gehört damit zu den zehn renommiertesten Universitäten in Europa.” [zu Deutsch: Die LMU ist die Nr. 10 unter Europas renommiertesten Universitäten. 7 der 10 renommiertesten europäischen Universitäten finden sich im Vereinigten Königreich].

Berliner Freude zum Ersten:

“HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz zum Erfolg der HU: „Das erfolgreiche Abschneiden der HU im internationalen Hochschulvergleich ist auch das sichtbare Ergebnis der Umsetzung unseres Zukunftskonzept ‚Bildung durch Wissenschaft. Persönlichkeit – Offenheit – Orientierung‘, mit dem wir allen Humboldtianerinnen und Humboldtianern bestmögliche Entfaltungsmöglichkeiten bieten. Dass sich die daraus erwachsenen wissenschaftlichen Spitzenleistungen auch im THE-Reputationsranking niederschlagen, ist ein willkommener Effekt unserer Initiativen.“ [Da fragt man sich, was dem Herrn Olbertz noch einfallen soll, wenn die HU nicht auf Platz 41 im Ranking, sondern auf Platz 35 landet…]

Berliner Freude zum Zweiten:

“Das Magazin Times Higher Education (THE) betrachtet die Freie Universität in seiner neuen Rangliste als eine der 60 angesehensten Universitäten der Welt. Die Hochschule verbesserte sich in diesem Jahr erneut deutlich und kommt nunmehr auf eine Platzierung in der „Gruppe 51–60“, wie das Magazin in London mitteilte. Sie zählt damit zu den vier angesehensten Universitäten Deutschlands und kommt europaweit auf Rang 18. Als Ableger des jährlichen THE World University Rankings liegt der Reputationsliste nach Angaben des Magazins die weltgrößte Befragung ausgewählter Akademiker zugrunde [Wir waren nicht dabei…].”

Das angesprochene THE (Times Higher Education) World Reputation Ranking ist eben ein solches: Ein Reputationsranking, bei dem rund 10.000 Wissenschaftler anhand von 13 Kriterien, die leider unbekannt bleiben müssen, die Reputation von Universitäten bestimmt haben. Auch wenn der Auswahlprozess ebenso unklar ist wie die Art und Weise, in der die Urteile der rund 10.000 Wissenschaftler dann zu einem Gesamt-Reputationsranking verrechnet wurden, kann man sich doch freuen – oder?

Wir meinen: nein.

Denn wenn man das Reputationsranking von THE als valides Maß ansieht, wie dies die Vertreter der drei Universitäten, die hier zitiert wurden, wohl tun, dann muss einem Angst und Bange werden, und zwar deshalb, weil deutsche Universitäten, wenn es um Reputation geht, den Anschluss längst verloren haben.

Der Reputationsscore, der im Rahmen dieses Rankings berechnet wurde, geht von 0 bis 100.

Komprimiert stellt sich das Ranking wie folgt dar:

Platz Universität Score
1 Harvard University (USA) 100
2 University of Cambridge (UK) 84,3
3 University of Oxford (UK) 80,4
4 Massachusetts Institute of Technology (USA) 77,8
5 Stanford University (USA) 72,1
6 University of California (USA) 60,0
7 Princeton University (USA) 35,0
8 Yale University (USA) 33,1
9 California Institute of Technology (USA) 24,1
10 Columbia University (USA) 21,0
11 University of Chicago (USA) 19,8
12 University of Tokyo (JPN) 19,3
[…] […] […]
15 ETH Zürich (CH) 16,7
[…] […] […]
17 University College London (UK) 15,7
[…] […] […]
22 London School of Economics (UK) 12,9
[…] […] […]
25 Lomonosov Moscow State University (RUS) 9,9
26 Tsinghua University (CHN) 9,5
[…] […] […]
29 University of Edinburgh (UK) 8,3
[…] […] […]
31 Kings College London (UK) 8,1
32 Peking University (CHN) 7,7
[…] […] […]
35 Ludwig-Maximilian Universität München (D) 7,2
[…] […] […]
38 Universität Heidelberg 6,4
[…] […] […]
41 Humboldt Universität Berlin (D) 6,3
[…] […] […]
50 University of Manchester 5,2

Wie man anhand der Scores erkennen kann, liegen zwischen den ersten 6 Universitäten und den nachfolgenden Universitäten Lichtjahre der wissenschaftlichen Reputation, während zwischen den Universitäten, die die Plätze 7 bis 22 belegen und dem Rest, mindestens Lichttage liegen.

Insofern scheint das Abschneiden deutscher Universitäten im Reputationsranking eher darauf hinzudeuten, dass deutsche Universitäten, was ihre  Reputation unter den 10.000 Wissenschaftlern angeht, auf deren Angaben dieses Ranking basiert, weit abgehängt sind.

100% Studenten?

Es ist an der Zeit, dem OECD-Irrsinn, dessen Ziel darin besteht, die Quote derer, die studieren, zu erhöhen, ein Ende zu setzen.

OECDAusgangspunkt für diesen Irrsinn ist die Beobachtung von u.a. Theodore Schultz aus den 1960er Jahren, dass im Aggregat betrachtet, Bildungsniveau der Bevölkerung und Wirtschaftswachstum einander bedingen: Je formal gebildeter eine Bevölkerung ist, desto mehr Wachstum gibt es.

Daraus hat man bei der OECD geschlossen, dass die Wirtschaft wächst, wenn man das Bildungsniveau der Bevölkerung erhöht, ein Schluss, der, wenn er richtig wäre, zur Konsequenz hätte, dass das höchste Wirtschaftswachstum dann erreicht wäre, wenn 100% der Bevölkerung eine Hochschule absolviert haben.

Offensichtlich ist diese Prämisse kompletter Unsinn, so dass man sich fragt, wo der Hype mit der formalen Bildung herkommt.

Dazu muss man zunächst einmal feststellen, dass formale Bildung nicht unbedingt Bildung bedeutet. Es mag eine Korrelation zwischen formaler Bildung und Bildung geben, aber ein Abitur sagt nichts über die Bildung dessen, der es hat, aus. Ein Abitur gibt bestenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür an, dass ein Träger des Abiturs mehr Wissen hat als ein Hauptschulabsolvent, ein Schluss, der sich schnell als falsch erweisen kann, wenn – wie in der PISA-E Studie, die Leistungen von Abiturienten aus Bremen hinter denen von Hauptschülern aus Bayern zurückbleiben.

Wenn formale Bildung keine Synonym für Bildung als solche ist, was ist sie dann?

Wir schlagen vor, formale Bildung als Maß der Anpassungsbereitschaft an institutionelle Vorgaben anzusehen mit der Konsequenz, dass der Anteil der Angepassten unter den formal Höhergebildeten größer sein muss als unter den formal Niedriggebildeten.

Diese Definition hat zudem zur Konsequenz, dass formale Bildung nicht per se der Olymp dessen ist, was Menschen erreichbar ist. Und die Definition macht den Weg frei, um die soziale Konstruktion dessen, was formale Bildung ist und was angeblich mit Bildung übereinstimmt, deutlich zu machen.

Ein Professor für Kunstgeschichte mag es unglaublich finden, wenn einer seiner Studenten nicht weiß, wer den Holzsockel von Rodin’s Denker geschnitzt hat.

Ein Professor der Gender Studies mag mit dem Kopf schütteln, wenn die Mehrheit der Menschen seine Einsicht nicht teilt, dass es 100e von Geschlechtern gibt.

Aber: Ein Arbeiter wird mit dem Kopf schütteln, wenn er den “Studierten” dabei beobachtet, wie er völlig unbeholfen versucht, einen Randstein zu setzen oder eine Wand zu streichen.

Und ein Elektriker wird Lachkrämpfe entwickeln, wenn er den Professor der Kulturwissenschaften, der sich damit gebrüstet hat, keine Glühbirne in die Fassung zu drehen, bei eben diesem komplizierten Unterfangen beobachtet (der entsprechende Kulturwissenschaftler ist zwei Redaktionsmitgliedern von ScienceFiles namentlich bekannt).

Kurz: Wissen ist relativ und wird erst dann zu relevantem Wissen, wenn es einer nützlichen Verwendung zugeführt werden kann.

Dies ist der Grund dafür, warum formale Bildung von manchen so überstilisiert, so hochgejubelt wird, denn sie haben nur ihre formale Bildung, den (Hochschul-)Abschluss oder Titel, der ihnen für Wohlgefälligkeit verliehen wurde, der formale Bildungstitel, der ihnen oft genug den Zugang in die Welt des Geschwätzes und der öffentlichen Verwaltung ebnet.

Anders formuliert: Eine Reihe von Inhabern formaler Bildungstitel bleibt, wenn es um die Nützlichkeit des Wissens, das die entsprechenden Inhaber haben, geht, deutlich hinter dem Wissen von Müllfahrern, Maurern, Kanalarbeitern, Tischlern und anderen zurück, die die entsprechenden Inhaber dann regelmäßig als bildungsfern diskreditieren.

Und, nicht zu vergessen, um die sie sich sorgen, weil ihre Kinder in vermeintlich zu geringem Anteil an Hochschulen ankommen. Warum nur, ist das so, so fragen sie sich in aller Heuchelei, denn natürlich sind sie nicht bereit, die steuerzahlerfinanzierten Stellen, die sie sich geschaffen haben, zu teilen.

Überhaupt stellt sich die Hochschullandschaft vor allem in den Sozialwissenschaften mehr und mehr wie ein Wurmfortsatz der Verwaltung dar. Wir haben gestern über ein Forschungsprojekt berichtet, das mit 532.167,60 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, also aus Steuergeldern gefördert wird, und dessen einziger Zweck darin besteht, Fördertöpfe zu indentifizieren und eine Art “best practice des Gefördertwerdens” zu entwickeln. Wohlgemerkt es geht darum, gefördert zu werden, nicht darum, für eine sinnvolle Idee gefördert zu werden.

Hochschulen werden daher immer mehr zum Ort, über den der Zugang in die öffentliche Verwaltung stattfindet und hier in Positionen, deren Nutzen erst noch zu zeigen wäre. Konsequenterweise entstehen an Hochschulen Fächer, deren Nutzen einzig darin besteht, Personal für den öffentlichen Bereich zu rekrutieren und mit Abschlüssen und Titeln auszustatten, Personal, das dann seinerseits Tätigkeiten ausführt, deren Effekt auf das Bruttosozialprodukt im besten Fall nicht vorhanden, im schlechtesten Fall negativ ist. Personal, das in seiner gesellschaftlichen Nützlichkeit weit hinter der eines Müllfahrers und eines Maurers zurückbleibt. Aber: Personal, das auf die angeblich Bildungsfernen herabblicken zu können glaubt, so sehr, dass manche es sich zur Aufgabe machen, den armen Bildungsfernen helfend unter die Arme greifen zu wollen, damit z.B. der Anteil der Studenten aus der Arbeiterschicht größer wird.

Aber vielleicht entspricht die Anzahl der Kinder aus Arbeiterfamilien, die an Universitäten studieren, ja den Präferenzen in der Arbeiterschicht. Vielleicht ist es der Anteil der Kinder aus der Mittelschicht, der verändert werden muss, der reduziert werden muss, weil viele studieren, die nicht die Fähigkeit zum Studieren mitbringen und die dies in Fächern tun, die keinerlei Nutzen für die Steuerzahler mit sich bringen.

Und ist es nicht moralisch verwerflich, etwas Sinnloses wie Gender Studies zu studieren und sich dieses Studium von denen, die man als bildungsfern diskreditiert und die seit ihrem 16. Lebensjahr Steuern zahlen, finanzieren zu lassen?

does education matterDas bringt uns zurück zum OECD Irrsinn. Es mag in den 1960er Jahren und in den Entwicklungsländern, die Theodore Schultz untersucht hat, so gewesen sein, dass mit einem zunehmenden Bildungsniveau das Wachstum gestiegen ist. Es ist für moderne Industrienationen nicht der Fall. Das zeigt Alison Wolf in ihrem Buch “Does Education Matter”. In Industrienationen sind diejenigen mit hoher Bildung nicht vornehmlich diejenigen, die zum Bruttosozialprodukt beitragen. Ökonomisches Wachstum wird getragen von all den Arbeitern, den Selbständigen im Mittelstand, denen, die täglich Produktives tun, und zwar ganz ohne Abitur oder Hochschulstudium.

Dagegen werden die Studierten zunehmend zur Last für eine Gesellschaft, zu Nutznießern der Produktivkraft von Arbeitern und Handwerkern, die den Überschuss erwirtschaften, den Hochschullehrer wie das Profx dann durch angebliches Denken verbrauchen.

Insofern ist es Zeit, die Geschichte vom Kopf auf die Füße zu stellen und die Frage danach, was die vielen angeblich Bildungsnahen, die sich an Hochschulen herumdrücken, denjenigen, die sie finanzieren, für einen Nutzen bringen.

Das ist eine Frage, die die Mehrzahl derer in natur- und ingenieurswissenschaftlichen Fächern nicht fürchten wird. Anders sieht es in Teilen der Sozialwissenschaften aus, wo die Normalität, sich von Arbeitern durchfüttern zu lassen, auf keinerlei empfundene moralische Verpflichtung trifft, etwas anderes als Worte, deren Bezug zur Realität ungeklärt ist, zurückzugeben.

©ScienceFiles, 2015

Gesucht: Studenten aus der Arbeiterschicht

An manchen Universitäten ist es zur Regel geworden, Professoren, die auf Lehrstühle berufen wurden oder Lehrstühle seit Jahren innehaben, einer breiteren Fachöffentlichkeit vorzustellen, indem die entsprechenden Professoren mit ihren Forschungsschwerpunkten und -ergebnissen protraitiert werden.

Das ist zu begrüßen, weil es einerseits Transparenz darüber schafft, was an deutschen Hochschulen geforscht und mit Steuergeldern getan wird, andererseits ist es aufgrund der Lücken zu begrüßen, denn: Um die Forschungsarbeit und sonstigen wissenschaftlichen Tätigkeiten vorstellen zu können, muss es diese Forschungsarbeiten und wissenschaftlichen Tätigkeiten geben. Folglich gibt die Lücke, die entsteht, wenn man die Professoren, die vorgestellt wurden, mit denen, die es nicht wurden, vergleicht erste Hinweise darauf, bei wem es nichts vorzustellen gibt.

SchindlerSteffen Schindler ist Juniorprofessor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Bildung an der Universität Bamberg und ist einer der Professoren, die etwas forschen und tun, was man vorzeigen kann. Schindler beschäftigt sich u.a. mit der Frage, warum Kinder aus Arbeiterhaushalten unter den Studenten nach wie vor unterrepräsentiert sind, und zwar sowohl, wenn man den Bevölkerungsanteil zur Grundlage nimmt als auch, wenn man die Anzahl der Studienberechtigten zur Grundlage nimmt.

Denn: so erzählt Schindler: “Viele Arbeiterkinder entscheiden sich trotz Hochschulreife gegen ein Studium”. Warum also erwerben sie eine Hochschulreife? “Die Hochschulreife”, so fährt Schindler fort, “hat sich zur faktischen Zugangsvoraussetzung für viele Ausbildungsberufe entwickelt”. Aha, so denkt man, Arbeiterkinder machen Abitur, um hinterher eine Lehre machen zu können, während Kinder aus der Mittelschicht ein Abitur als Voraussetzung für ein Studium erwerben.

Aber lesen wir weiter: Arbeiterkinder studieren auch deshalb nicht, weil es ihnen darum geht, “den Status ihrer Eltern zu reproduzieren … Wenn der Statuserhalt das Ziel ist, reicht für Arbeiterkinder die Berufsausbildung”, so erklärt Schindler und gibt damit eine Erklärung, die eine Frage provoziert, schon weil sie ein alter Hut aus dem Jahre 1974 ist (Raymond Boudon): Wenn Statuserhalt das Ziel ist, wie kommt es dann überhaupt zu vertikaler sozialer Mobilität? Oder: Wo kommt die Bildungsexpansion her, die über die letzten Jahrzehnte immer mehr Abiturienten produziert hat und immer mehr Abiturienten hat studieren sehen, was notwendig voraussetzt, dass die Anzahl dêr Studenten aus nicht-Akademikerhaushalten über die letzten Jahrzehnte gestiegen ist. Für diese Studenten kann entsprechend der Statuserhalt nicht das Ziel gewesen sein, sondern der soziale Aufstieg.

Ist die Theorie vom Statuserhalt also eine Theorie begrenzter Reichweite, wie Robert K. Merton wohl sagen würde, eine Theorie, die nur auf Arbeiterkinder zutrifft? Wäre dem so, man wäre nichts gebessert, denn nun stellt sich die Frage: Warum trifft die Theorie vom Statuserhalt nur auf Arbeiterkinder zu?

Das scheint auch Schindler Kopfzerbrechen zu bereiten, weshalb er nachschiebt, dass die meisten Kinder aus Arbeiterfamilien, die ein Abitur erreichen, dies sowieso über den zweiten Bildungsweg, also über Abendschulen und sonstige Möglichkeiten, ein Abitur, in den meisten Fällen ein Fachabitur nachzumachen, erreichen.

Wie sich diese Erkenntnis, die Schindler gegen Ende seines Textes preisgibt, zu der eingangs von ihm geäußerten Überzeugung verhält, dass Arbeiterkinder das Abitur machen, um Zugang zu einem Ausbildungsberuf zu erhalten und um in der Lage zu sein, den Status ihrer Eltern zu erhalten, das ist eine Frage, die man nur mit: “Es ist ein Widerspruch!”, beantworten kann.

Was uns zurück auf Los schickt. Abermals bewaffnet mit den Ergebnissen z.B. der Sozialerhebung des deutschen Studentenwerks und abermals mit der Frage: Warum studieren weniger Arbeiterkinder als Kinder aus Akademikerhaushalten?

Zwei Abbildungen aus der Sozialerhebung sind hier von Interesse:

Soziale Herkunft studenten

Die beiden Abbildungen zeigen den Schulabschluss des Elternteils mit dem höchsten Schulabschluss und den Berufsabschluss des Elternteils mit dem höchsten Berufsabschluss. Dabei kann man drei Ding sehen:

  • Studenten, deren Eltern einen Hauptschulabschluss haben (also mindestens eines ihrer Elternteile) verschwinden seit 1994 systematisch von Hochschulen.
  • Studenten, von deren Eltern mindestens einer eine Lehre oder einen Facharbeiteraschluss hat, machen seit 1997 kein Drittel der Studentenschaft mehr aus.
  • Der Anteil der Studenten aus einem Akademiker-Haushalt oder von Eltern, die (einer davon) ein Abitur erreicht haben, ist seit 1985 kontinuierlich gestiegen.

Diese Entwicklung kann man nicht anders als als soziale Schließung bezeichnen. Hochschulen werden mehr und mehr zur inklusiven Veranstaltung von Akademikern, zu einer Form der Akademiker-Inzucht, die für frisches Blut von außerhalb der akademischen Gemeinde immer stärker geschlossen wird.

Der einzige Mechanismus, der eine solche Entwicklung erklären kann, ist ein institutioneller Mechanismus, eine Art institutionelle Gatekeeper-Funktion, die Akademiker-Kinder durchlässt und insbesondere Kinder aus Arbeiterhaushalten ausschließt. Da Bildung einen Prozess darstellt, den man im vorliegenden Fall mit dem Besuch eines Gymnasiums beginnen lassen kann, liegt der Schluss nahe, dass die Mechanismen, die für die soziale Selektion verantwortlich sind, die in den beiden Abbildungen dargestellt ist, bereits beim Zugang zum Gymnasium greifen.

Entsprechend sollte Herr Schindler, wenn er nun forscht, was dazu führt, dass bestimmte Schüler aus der Arbeiterschicht trotz aller Widrigkeiten immer noch an eine Hochschule gelangen, bei den institutionellen Selektionsprozessen anfangen, die den Zugang zu Gymnasien begleiten.

Aber natürlich ist das politisch nicht korrekte Forschung – wie alle Forschung, die relevante Ergebnisse verspricht.