Das erklärt alles: Aktivisten, Genderisten, Ideologen, Missionare, Überzeugungstäter …

Regelmäßig berichten wir auf ScienceFiles von Menschen, die Eingebungen haben, die etwas empfinden, denen sich etwas offenbart hat, kurz, die in vollkommen irrationaler Weise an bestimmten Inhalten hängen.

Da gibt es die Gruppe der politischen Aktivisten, die mit viel emotionaler Energie gegen diejenigen kämpfen, die sie als Andersgläubige identifiziert haben. Ihr Aktivismus basiert auf der Überzeugung, selbst zu den besseren Menschen zu gehören, eine Überzeugung, die ihnen offenbart wurde, denn begründen können sie die angebliche Überlegenheit ihrer eigenen Position in keiner Weise.

AntifaUntergruppen dieser politischen Aktivisten sind z.B. Genderisten, denen ein Gendergott die Botschaft offenbart hat: Alles ist Geschlecht, Geschlecht ist grundlegend, determiniert das Denken, das Sein, das Universum und den ganzen Rest und die unterschiedlichen Geschlechter, seien es 2 oder “unzählige”, die Hans-Jürgen Voss nicht gezählt hat, sie stehen sich antagonistisch gegenüber: weiblich ist gut, männlich ist schlecht, weiblich ist friedlich, männlich ist kämpferisch, weiblich ist kommunitaristisch, männlich ist konkurrenzsuchend usw.

Die Dualität des Geschlechts passt sich prima in den Alltag politischer Ideologen ein, deren Daseinszweck darin besteht, die Überlegenheit der eigenen Ideologie zu behaupten und alle, die sie anzweifeln, als ideologische Feinde zu betrachten, die manche zu missionieren suchen, in dem sie versuchen, Einfluss auf die Verarbeitung von Informationen durch Menschen zu nehmen. Die Mission dieser Ideologen beginnt in der Schule, in der Schülern bereits das ideologische Heil verkündet wird und sie zieht sich durch das Leben von Menschen, z.B. als Sprachvorgaben, als Umverteilung von Einkommen, als Straßenschild oder Ampelmännchen und vieles mehr.

Und, nicht zu vergessen, es gibt die Überzeugungstäter, die denen, die sich nicht zum richtigen Glauben bekehren lassen wollen, mit Gewalt zu Leibe rücken, die Veranstaltungen stören, Veranstaltungen verhindern wollen, die aufmarschieren, Autos in Brand stecken und, wie in der Geschichte eindrücklicht belegt, Andersdenkende um die Ecke bringen (wollen).

Seit Dekaden mühen sich Sozialpsychologen und Soziologen, Politikwissenschaftler und Psychologen herauszufinden, was die treibende Kraft hinter der Überzeugung der Genannten, hinter Aktivisten, Genderisten, Ideologen, Missionaren und Überzeugungstätern ist. Wie kommt es, dass die entsprechenden Personen ihre Überzeugung als Wahrheit begreifen, davon ausgehen, sie gehörten zu einem kleinen Kreis Erlauchter, denen die Wahrheit offenbart worden sei, denken, ihr eingebildeter Vollbesitz der Wahrheit rechtfertige es, Andersdenkende zum wahren Glauben zu bekehren und zwar mit allen legalen und illegalen Mitteln, die zur Verfügung stehen?

Harvard Medical SchoolForscher von der University of Queensland und der Harvard Medical School könnten die Antwort auf dieses Rätsel der Sozialwissenschaften gefunden haben. Sie haben 31.261 Erwachsene im Alter von 18 Jahren oder älter aus 18 Nationen (darunter Deutschland), die im Rahmen des World Mental Health Survey der WHO befragt wurden, untersucht und sind mit einem erstaunlichen Ergebnis an die Öffentlichkeit getreten,

“Psychotic Experiences in the General Population. A Cross-National Analysis Based on 31.261 Respondents From 18 Countries”, so der Titel des Beitrags, den John McGrath und 24 Ko-Autoren im Journal of the American Medical Association – Psychiatry veröffentlicht haben.

“Wir haben gedacht, dass nur Menschen mit einer Psychose Stimmen hören oder Wahnvorstellungen haben. Aber nun wissen wir, dass Personen, die im täglichen Leben zu funktionieren scheinen und als gesund gelten, diese Erfahrungen haben”, so fasst John McGrath die Überraschung darüber zusammen, dass 5,8% der 31.261 Befragten, also 1.813 Befragte angaben, schon mindestens einmal Stimmen gehört zu haben, die außer ihnen niemand gehört hat oder Wahnvorstellungen gefolgt zu sein.

Gefragt haben McGrath und seine Ko-Autoren u.a. nach den folgenden Halluzinationen oder Wahnvorstellungen:

  • Das Sehen von Dingen, die sonst niemand sieht.
  • Das Hören von Dingen, die sonst niemand hört.
  • Die Überzeugung, eine mysteriöse Macht oder eine Kraft habe wichtige Dinge mitgeteilt.
  • Die Überzeugung, eine mysteriöse Macht oder eine Kraft habe die Gedanken übernommen.
  • Die Überzeugung, eine mysteriöse Macht oder Kraft habe einem etwas Wichtiges mitteilen wollen.

Eh voilá.

Hat noch jemand Fragen?

Wie häufig haben wir uns schon gewundert, dass politische Aktivisten, Extremisten von links wie von rechts durch die Welt laufen und ihr jeweiliges Heil verkünden wollen, ohne dieses Heil in seinen Ursachen und Wirkungen begründen zu können?

Wie lange haben wir uns nun schon gewundert, dass Genderisten nicht in der Lage sind, die einfachsten Fragen zu ihrer wissenschaftlichen Methode und ihrem Erkenntnisinteresse zu beantworten?

Wie intensiv ist unsere Verwunderung regelmäßig, wenn z.B. Politiker im Brustton der Überzeugung den größten Unsinn absondern und dennoch der Überzeugung sind, sie würden ernst genommen?

Nun, das Wundern hat ein Ende.

Die entsprechenden Überzeugten, sie sind im Auftrag des Herrn oder im Auftrag einer mysteriösen Macht oder im Namen einer besonderen Kraft unterwegs, die sich ihnen mitgeteilt hat, als Vision, als Erscheinung, die zu Ihnen und nur zu ihnen gesprochen hat, als Gedanken-Intervenierer oder als einfacher Mitteiler. Wichtig ist, dass die Wahrheit nicht etwa breit gestreut wird, nein, sie teilt sich nur einer kleinen Gruppe Erwählter und besonders leicht zu Überzeugender mit, denen, die nicht hinterfragen, die sich nicht wundern, wenn von ihnen Glauben verlangt und Wissen verweigert wird.

chosen schizophrenicInsgesamt 5,8% der Bevölkerung, so die Berechnungen von McGrath und Kollegen, bildeten sich ein, sie seien erhaben, auserwählt, ihnen habe jemand etwas offenbart und gelten dennoch als normal, sind entsprechend nicht oder noch nicht in psychiatrischer Behandlung. Nicht alle, denen etwas offenbart wurde, bleiben ihr Leben lang Anhänger des Offenbarten. Einige, so sagt McGrath, erholen sich wieder, finden den Weg zurück in die Gesellschaft der Normalen. Andere dageben verharren im Zustand des Apostels und ziehen durch die Welt, um zu missionieren, zu bekehren, zu verkünden, Lehrstühle zu besetzen, in Bürgerschaften und Parlamente gewählt zu werden und vieles mehr.

5,8% ist der Anteil derer, die Stimmen hören und Visionen haben, 5,8% von rund 80 Millionen Deutschen sind 4.640.000 Personen, genug, um Parlamente, Antifa, Rechtsextreme, Linksextreme, Gender Studies, Parteien, Gewerkschaften und vieles mehr zu besetzen.

McGrath, John J. et al. (2015). Psychotic Experiences in the General Population. A Cross-National Analysis Based on 31 261 Respondents From 18 Countries. JAMA-Psychiatry.

Drogenbeauftragte des Bundes ist presse- und öffentlichkeitssüchtig

Am 21. Mai hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung den Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2015 vorgestellt, und die Medien landauf landab sind pflichtschuldigst gefüllt mit Berichten über zu hohen Alkoholkonsum, 2%-Internetsüchtige und zurückgehende Steuereinnahmen aus Tabakabhängigkeit.

Bei all der Fixierung der Medienvertreter auf die Pressemitteilungen aus dem Amt der Drogenbeauftragten, Marlene Mortler, ist den pressemitteilungsabhängigen Journalisten aller Medien die wichtigste neue Kategorie im Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2015 entgangen.

Dabei hätte bereits ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis genügt:

DrogenSuchtbericht 2015“A. Aktuelle Daten und Fakten

  1. Alkohol
  2. Tabak
  3. Medikamente
  4. Illegale Drogen
  5. Pathologisches Glücksspiel
  6. Computerspiel- und Internetabhängigkeit
  7. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Drogenbeauftragten

Ein Hilfeschrei aus dem Amt der Drogenbeauftragten, denn ihre Beamten können es nicht mehr mit ansehen: Die Drogenbeauftragte ist presse- und öffentlichkeitsarbeitssüchtig, und sie belässt es längst nicht mehr bei Pressemitteilungen, nein, Gespräche, Interviews, Erklärvideos, die Drogenbeauftragte tut alles, um in die Medien zu kommen.

Dabei hat schon ihre Pressemitteilungssucht erschreckende Ausmaße angenommen.

Wir zitieren aus dem Drogen- und Suchtbericht, Seite 65:

“Im Jahr 2014 wurden 39 Pressemeldungen veröffentlicht. Das entspricht einem Durchschnitt von 3,25 pro Monat.”

Und als wäre diese Frequenz der Medienkontakte der Drogenbeauftragte nicht schon bedenklich genug, werden Medienvertreter im direkten Anschluss daran aufgefordert, sich unter

http://www.drogenbeauftragte.de/presse

mit Marlene Mortler in Verbindung zu setzen.

Die Dringlichkeit des Appells an Medienvertreter zeigt, die Drogenbeauftragte befindet sich bereits im fortgeschrittenen Stadium der Presse- und Öffentlichkeitsarbeitssucht, in dem das Verlangen in immer kürzeren Intervallen befriedigt werden muss, immer mehr Pressetermine, Pressemitteilungen, Interviews und Gespräche notwendig sind, um das Verlangen von Marlene Mortler, das Verlangen nach Rampenlicht und öffentlicher Aufmerksamkeit zu befriedigen.

Angesichts dieses fortgeschrittenen Stadiums kann man ziemlich sicher sein, dass sich bei Mortler bereits ein Kontrollverlust eingestellt hat, dass sie so sehr nach Presse und Öffentlichkeit verlangt, dass nicht nur ihre sozialen Kontakte zu Freunden, Familie und Bekannten und Mitarbeitern und Parteifreunden längst darunter leiden, sondern, dass sie als Drogenbeauftragte – wie man es nimmt – entweder zu gut oder immer weniger funktioniert.

suchtdrogen_hotline_farbig_a5_grossWie bei allen Junkies im fortgeschrittenen Stadium, so ist es wohl auch bei Mortler so, dass ihre Sucht und das immer größere Verlangen nach Publicity und Rampenlicht von einer zunehmenden Ignoranz gegenüber den Problemen begleitet ist, die ihr großes Verlangen für ihre soziale und amtliche Umgebung darstellt.

Kurz: Zwar hat die Drogenbeauftragte des Bundes über ihre eigene Presse- und Öffentlichkeitsarbeitssucht einen Insiderblick entwickelt. Der Insiderblick geht jedoch zu Lasten ihrer Funktionsfähigkeit. Anders formuliert: Sie macht ihre Arbeit immer weniger oder gar nicht.

Das muss man dem Hilferuf aus dem Amt von Mortler entnehmen, und es lässt uns hilflos: Was tut man, wenn die Drogenbeauftragte presse- und öffentlichkeitssüchtig ist?

Wir wissen es nicht, aber vielleicht weiß es ja einer unserer Leser.

Extremismus und Depression gehen Hand in Hand

Was motiviert Extremisten?

Das ist eine Frage, die viele interessiert, und es ist eine Frage, die wenig bis gar nicht erforscht wurde. Die Ergebnisse, die in den wenigen Forschungen erzielt wurden, die zu dieser Frage vorliegen, sind nicht eindeutig.

So kommt John M. “Matt” Venhaus auf Basis von 2032 Interviews mit Personen, die sich al-Kaida angeschlossen haben, zu keinen Ergebnissen, die man als aussagekräftig bezeichnen kann: der typische al-Kaida Aktivist, es scheint ihn nicht zu geben.

Al-Kaida Kämpfer sind keine in Armut aufgewachsenen oder sonst wie ökonomisch Deprivierten. Sie rekrutieren sich aus allen gesellschaftlichen Schichten, aus der Unter- wie der Oberschicht, aus reichem wie armem Elternhaus. Sie sind keine religiösen Fundamentalisten und fallen auch ansonsten im täglichen Leben durch nichts weiter auf, außer, dass sie sich al-Kaida angeschlossen haben.

Eine Möglichkeit, diese missliche Lage zu überwinden und Erkenntnisse über diejenigen zu gewinnen, die zu Extremisten werden oder werden könnten, besteht darin, den Weg in den Extremismus als Radikalisierungs-Prozess anzusehen, der über die Sympathie mit Handlungen von Extremisten beschrieben werden kann.

Diese Möglichkeit haben Kamaldeep Bhui, Brian Everitt und Edgar Jones in die Tat umgesetzt. Sie haben die Sympathie die 608 Männer und Frauen für extremistische Handlungen aufbringen, analysiert und sich gefragt, durch welche Determinanten diejenigen ausgezeichnet sind, die ein höheres Niveau an Radikalisierung aufzuweisen hatten.

Zur Messung des Niveaus der Radikalisierung, die über die Sympathie mit extremistischen Handlungen erfolgt, nutzen die Autoren ein eigens entwickeltes Instrument, das aus 16 Aussagen zu extremistischen Handlungen bestehet, die Befragte auf einer Skala von -3 bis +3 ablehnen oder befürworten können, darunter

  • Blockupy1die Teilnahme an nicht-gewalttätigem Protest;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Regierung ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Polizei ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt durch organisierte Gruppen, um die eigene Gruppe zu verteidigen;
  • die Begehung kleinerer Straftaten;
  • überhaupt Gewalt einzusetzen;
  • mIt terroristischen Anschlägen drohen;
  • eine terroristische Vereinigung gründen;
  • (Brand-)Bomben nutzen, um Unrecht zu bekämpfen;
  • Selbstmordanschläge verüben, um Unrecht zu bekämpfen

Die Antworten der Befragten auf die ingesamt 16 Aussagen wurden zu einem summarischen Index zusammengefasst, der in drei Teile: “am meisten ablehnend, unentschieden und am meisten sympathisierend” zerlegt und mit einer Reihe von Variablen, darunter ein generelles Maß für Angst und ein generelles Maß für Symptome einer Depression, korreliert wurde.

Ergebnis: Je mehr die Befragten mit extremistischen Handlungen sympathisierten, desto höher ihre Wahrschenlichkeit, depressiv zu sein und krankhaft ängstlich zu sein. Der Effekt der Depression auf die Symapthie mit extremistischen Handlungen ist größer als der Effekt, der von einer krankhaften Angst ausgeht.

Das Schöne an den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones: Sie sind anschlussfähig.

Will man zum Beispiel die Ausschreitungen von Blockupy anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes der EZB in Frankfurt und die Sympathien, die manche mit den Gewalttätern hatten, erklären, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones liefern einen Anhaltspunkt auf eine mögliche Ursache: Depression.

Will man z.B. die Vorgänge an der Humboldt-Universität in Berlin erklären oder die Akzeptanz, die Straftaten in z.B. genderistischen Kreisen dann erfahren, wenn sie als für die eigene Ideologie nützlich angesehen werden, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones, sie liefern einen Anhaltspunkt auf die Ursache: Depression.

Mitglieder extremistischer Vereinigungen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie Andersdenkene verteufeln und bekämpfen, die mit unterschiedlichen Formen extremistischer Handlungen, wie sie oben beschrieben wurden, gegen diejenigen vorgehen, die sie als ihre Gegner ansehen und die Sympathisanten dieser Vereinigungen, sie alle teilen den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones zufolge eine höhere Wahrscheinlichkeit, depressiv zu sein.

Tajfel. social identityDie Ergebnisse sind durchaus plausibel, wenn man die guten alten Theorien sozialer Identität aus der Sozialpsychologie hinzuzieht, die soziale Identität als Fixpunkt von Individuen sehen, die Entwicklungsleistungen nicht erbracht haben, die es nicht geschafft haben, sich eine personale Identität zu erarbeiten, die mit dem Versuch, ein eigenständiges Individuum zu sein, gescheitert sind und deshalb die Surrogat-Identität einer Gruppe, als Mitglied von Antifa, AStA, von schwarzem Block, Münkler-Watch, von Neonazi-Gruppen oder sonstigen Identitätsstiftern übernehmen.

Was, wenn nicht das Scheitern dabei, sich als eigenständige Person zu begreifen, sollte zu Depressionen führen? Was wäre ein besserer Nährboden für Extremismus als die Depression, die sich einstellt, weil man das nicht geschafft hat, was andere anscheinend spielend geschafft haben: Jemand sein?

Bhui, Kamaldeep, Everitt, Brian & Jones, Edgar (2015). Might Depression, Psychosocial Adversity, and Limited Social Assets Explain Vulnerability to and Resistance against Violent Radicalisation. Plos One.

Kuddelmuddel der Geschlechter: Wikipedia hat Probleme mit Lann Hornscheidt

Nicht nur an der Humboldt-Universität zu Berlin hat man Probleme mit Lann Hornscheidt – auch bei Wikipedia.

Ja, bei Wikipedia!

Denn: Bei Wikipedia da hat alles seine Ordnung, seine Geschlechterordnung, und deshalb gibt es ein Problem mit dem Beitrag über Lann Hornscheidt:

Lann Hornscheidt (Kategorie:Mann oder Kategorie:Frau fehlt)”

Das ist jetzt dumm, für das Lann Hornscheidt, das doch weder das eine noch das andere sein will, sondern ein X, ein Lanx oder ein Profx oder ein Fraux oder ein Manx…

Wikipedia Lann Hornscheidt

Wikipedia Arbeitsliste – Personendatenwartung

Was also tun?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Kategoriensystem erweitern oder
  • Kategoriensystem wegwerfen.

Prinzipiell, so schlägt einer derjenigen vor, die sich in der Diskussion um das Geschlecht von Lann Hornscheidt auf Wikipedia engagieren, und was gibt es schon wichtigeres als über das Geschlecht von Lann Hornscheidt zu diskutieren, sei es möglich, Lann Hornscheidt als intersexuell zu kategorisieren.

Intersexuell liegt, wie der Begriff schon sagt, in der Mitte zwischen männlich und weiblich, vielleicht auch nicht, vielleicht auch näher bei männlich oder bei weiblich. Wer weiß. Wo auf auf der Geschlechtsstrecke das Intersexuelle zu verorten ist, ist auch wurscht, denn wichtig ist nur: Die Verortung macht nur mit Bezug auf die Referenzgrößen männlich und weiblich Sinn. Der Dichotomie des Geschlechts, ihr ist nicht zu entkommen, nicht durch die Bezeichnung “intersexuell”.

Was also tun?

Gehen wir von Lann Hornscheidts Wunsch, als X angesprochen zu werden, aus, denn Hornscheidt will weder männlich noch weiblich sein, und des Menschen Wille ist ja bekanntlich sein Himmelreich, und zwar in- und außerhalb der Irrenanstalt.

Warum nicht neben männlich und weiblich sächlich als Kategorie einführen? Schließlich ist sächlich das dritte grammatische Geschlecht der deutschen Sprache, und wer weder männlich noch weiblich sein will, der ist dann eben sächlich: Das Lann Hornscheidt. Die Versachlichung von Lann Hornscheidt hat Vorteile, kann das Lann auf diese Weise doch der Vermaterialisierung als Geschlechtsträger entgehen.

Wikipedia Lann Hornscheidt Diskussion

Diskussion über das Geschlecht von Lann auf Wikipedia

Eine etwas radikalere Lösung greift auf die Einsicht zurück, die Jean Paul Satre hatte, als er von l’Etre et le Néant geschrieben hat, dem Sein und dem Nichts. Wer nicht geschlechtlich sein will, der wäre entsprechend nichts, was auch dem Lannschen Wunsch entgegenkommt, doch mit “X” bezeichnet zu werden. X ist in der Mathematik zwar ein Platzhalter für ein Etwas, aber – eingedenkt der Tatsache, dass Genderisten nach wie vor mit Mathematik ein Problem haben – schlagen wir dennoch vor, das X für Nichts zu setzen und Lann Hornscheidt in die eigens geschaffene Kategorie der Nichtse einzuordnen.

Ob die entsprechenden Vorschläge bei Wikipedia aufgegriffen werden, wir werden es sehen.

Man kann natürlich auch die Fixierung auf Geschlechtsteile vollständig aufgeben und die Einordnung von Personen als Mann oder Frau komplett streichen, zumal sich die Frage stellt, wofür die entsprechende Einordnung überhaupt relevant sein soll.

Aber, wir leben in seltsamen Zeiten, und eine Grundaussage des Genderismus lautet ja, dass das Geschlecht essentiell für alles ist, selbst das Denken wird vom Geschlecht beeinflusst, so behaupten einige schwärmerische Genderisten. Entsprechend wird man sich besonders in Deutschland und ganz besonders bei Wikipedia schwer damit tun, die entsprechende Kategorie einfach zu streichen.

Denn: Wo kämen wir hin, wenn Geschlecht nicht mehr erfasst würde, wenn man Artikel über Albert Einstein ohne den erhellenden Hinweis, die erhellende Kategorisierung lesen könnte, dass Einstein männlich war? Oder Jane Austen weiblich? Oder Lann Hornscheidt nichts (davon)?

Kaffeepulver recyclen!

Es ist seit einiger Zeit bekannt, dass Kaffee sich vorteilhaft auf die Gesundheit auswirkt und z.B. dazu beiträgt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, die Gefahr eines Schlaganfalls zu reduzieren oder Diabetes zu verhindern. Fast wichtiger noch: Kaffee enthält Koffein und somit ein Alkaloid, das anregend auf das zentrale Nervensystem wirkt. Das weiß jeder, der nachts arbeitet oder morgens wach zu werden versucht.

espressoDie positive Wirkung von Kaffee, die oben beschrieben wurde, geht im Wesentlichen auf Polyphenole zurück, genauer auf Flavonide, Chlorogensäuren oder Resveratrol. Für diese leckeren und gesunden Bestandteile des Kaffees gilt somit: Je mehr davon, umso besser.

Also haben sich eine Reihe von Forschern zu Kaffeeforschern weiterentwickelt und in einem ersten Anlauf untersucht, welche Braumethode die beste ist, um die guten und leckeren Stoffe auch in großer Zahl im dampfenden Gebräu zu finden. Das Ergebnis der Arbeit, die sich Mónica Perez-Martinez, Bettina Caemmerer, Maria Paz de Pena, Concepción Cid und Lothar W. KrothJimena Bravo, Isabel Juániz, Carmen Monente, Bettina Caemmerer, Lothar W. Kroh, Maria Paz de Pena und Concepción Cid gemacht haben, ist eindeutig:

Die Espressomaschine ist Tabellenführer.

Es folgt die Cafetiere.

Und der gute alte Filterkaffee ist abgeschlagen.

Wer also seiner Gesundheit einen Polyphenol-Boost verpassen will, dem sei die Espressomaschine empfohlen.

Im zweiten Anlauf haben nun Jimena Bravo, Isabel Juániz, Carmen Monente, Bettina Caemmerer, Lothar W. Kroth, Maria Paz de Pena und Concepción Cif nicht das Gebräu, sondern den Kaffeesatz untersucht.

Welch Gutes mag im Kaffeesatz, im ausgebrüten Kaffeepulver sich verstecken?

Viel Gutes, so das Ergebnis.

Die Menge der Polyphenole, die es vorzieht, im Kaffeepulver zu verbleiben und sich nicht verbrühen zu lassen, ist beträchtlich: Mehr verbleibt im Kaffeesatz als in den Kaffee gelangt. Das gesundheitliche Potential des Kaffeesatzes, es ist höher als das gesundheitliche Potential des Kaffees.

Also: Kaffeepulver mittrinken!

Nein: Kaffeepulver recyclen, mehrfach benutzen, so lange ausbrühen, bis alle Polyphenole den Weg in die Tasse gefunden haben!

Der Gesundheit zuliebe.

Man kann den Kaffeesatz natürlich auch trocknen und als Nahrungszusatz verwenden: Über das Müsli streuen, über die Pasta, in die Suppe, den Möglichkeiten sind keine Grenze gesetzt.

Die Autoren selbst verzichten auf entsprechende Hinweise und regen an, Kaffeesatz als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln zu nutzen.

Wenn demnächst die Kommune, in der sie leben, den Kaffeesatz separat zum Hausmüll sammelt: Sie wissen warum!

Jimena Bravo, Isabel Juániz, Carmen Monente, Bettina Caemmerer, Lothar W. Kroth, Maria Paz de Pena und Concepción Cif (2012). Evaluation of Spent Coffee Obtained from the Most Common Coffeemakers as a Source of Hydrophilic Bioactive Compounds. Journal of Agricultural and Food Chemistry 60(51): 12565-12573.

Mónica Perez-Martinez, Bettina Caemmerer, Maria Paz de Pena, Concepción Cid und Lothar W. Kroth (2010). Influence of Brewing Method and Acidity Regulators on the Antioxidant Capacity of Coffee Brews. Journal of Agricultural and Food Chemistry 58(5): 2958-2965.

Längsschnittstudie: Feinstaub macht dement

Es ist eine dieser kollektiven Studien, bei der das Abtippen der Autorenliste länger dauert als das Schreiben des gesamten Posts, die mit einem Ergebnis aufwartet, das bedenklich stimmen muss: Elissa H. Wilker und 12 weitere Autoren haben diesen Beitrag in der Zeitschrift “Stroke” und unter der Überschrift: “Long-Term Exposure to Fine Particular Matter, Residential Proximity to Major Roads and Measures of Brain Structure” veröffentlicht.

Und wer in einer Stadt wohnt, der sollte nicht nur genau lesen, er sollte auch seine kognitiven Funktionen täglich und aufs Neue prüfen, denn:

  • In Städten ist die Belastung mit Feinstaub aus Kohlekraftwerken, der Verbrennung von Holz, aus Diesel-Motoren uvm. besonders hoch.
  • Feinstaub geht nicht nur auf die Lunge, er geht auch aufs Gehirn. Das haben die 13 Autoren unter Federführung von Elissa H. Wilker von der Harvard T.H. Chan School of Public Health herausgefunden.
  • Besonders feiner Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser von max. 2,5 Mikrometer schrumpft das Gehirn. Eine Erhöhung um 2 Mikrogramm Feinstaub (PM2.5) pro Kubikmeter Luft entspricht einer Schrumpfung des Gehirns um 0,32% und einer um 46% erhöhten Wahrscheinlichkeit, sogenannte verdeckte (oder stille) Hirnschläge zu erleiden.
  • Verdeckte Hirnschläge wiederum erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Demenz, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen oder Depressionen.
  • Die Reduzierung des Gehirnvolumens entspricht einem Lebensjahr, d.h. 2 Mikrogramm zusätzlicher Feinstaub auf Dauer resultieren langfristig im Verlust von einem Lebensjahr für das Gehirn.

Feinstaub DeutschlandDie Ergebnisse sind keine Ergebnisse aus der Kategorie: Wir korrelieren wild herum, dabei wird schon etwas Sinnvolles herauskommen. Man kann sie also nicht einfach vom Tisch wischen. Die Ergebnisse, die Wilker und ihr Team präsentiert haben, basieren auf der Untersuchung von 943 gesunden und mindestens 60jährigen Probanden, die keinerlei Anzeichen von Demenz aufwiesen. Die Probanden wiederum sind Teilnehmer einer longitudinalen Gesundheitsstudie. Für sie liegen mindestens sieben Beobachtungszeitpunkte vor, so dass es möglich ist, ihre Gesundheitsgeschichte nachzuzeichnen und zu kontrollieren.

Das Gehirnvolumen wurde mittels Magnetresonanztomographie bestimmt. Die Messzeitpunkte reichen pro Probanten von 1995 bis 2005. Sonstige Faktoren, von denen bekannt ist, dass sie in einem Zusammenhang mit Demenz oder Wahrnehmungsstörungen stehen, z.B. Alter oder sozioökonomischer Status wurden konstant gehalten.

Es scheint, an der Erkenntnis, dass Feinstaub nicht nur auf die Lunge, sondern auch aufs Gehirn geht und dass entsprechend die Wahrscheinlichkeit, in einer Stadt auf einen Dementen, einen kognitiv Gestörten oder einen Wahrnehmungsgestörten zu treffen im Vergleich zu ländlichen Gegenden überproportional hoch ist, führt kein Weg vorbei.

Erschreckend.

Parlamente sind grundsätzlich in großen Städten.

Große Verwaltungen und Ministerien sind grundsätzlich in großen Städten.

Hochschulen sind grundsätzlich in Städten, in Berlin alleine drei Universitäten.

Angesichts der Ergebnisse von Wilker et al., angesichts dessen, was aus Parlamenten an die Öffentlichkeit dringt und angesichts dessen, was von manchen Universitäten zu hören ist, muss man sich fragen, ob es weiterhin möglich ist, die entsprechenden Institutionen in Städten zu belassen. Aber vielleicht ist das, was man aus Parlamenten und von z.B. Berliner Universitäten zu hören bekommt, auch schlicht ein Zeichen dafür, dass es – um auf der Grundlage der Ergebnisse von Wilker et al. zu sprechen – bereits zu spät ist.

Sozialismus macht dünn – Freiheit erfordert Verantwortung

auch beim Essen …

Davide Dragone und Nicolas R. Ziebarth haben ein Arbeitspapier veröffentlicht, das überschrieben ist mit:

Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from the East German Transition to Capitalism.

Ein interessantes Arbeitspapier mit einer Reihe von zum Teil bekannten Ergebnissen:

banana revolutionDie sogenannte friedliche Revolution in der DDR hat wohl doch Bananen zur Ursache, wie sich daran zeigt, dass Dragone und Ziebarth eine sprunghafte Zunahme des Konsums tropischer Früchte bei Ostdeutschen von 1989 bis 1991 feststellen. Vielleicht ist es auch die Flucht vor der Kartoffel, die die Ostdeutschen zum Marsch auf dem Leipziger Ring veranlasst hat, denn der Konsum von Kartoffeln ist nach Öffnung der Grenzen zu Westdeutschland stark zurück gegangen.

Der veränderte Konsum ist zukunftsweisend, kreiert eine Gewohnheit, denn auch 1998 und 2005 zeigen Ostdeutsche die Konsummuster, die sie sich 1991 angewöhnt haben und: andere Essgewohnheiten als Westdeutsche.

Nicht ganz unproblematische Essgewohnheiten, wie es scheint, denn:

Nicht nur der Verzehr tropischer Früchte hat sprunghaft zugenommen, auch der Verzehr von Fertiggerichten, deren Attraktivität darin besteht, dass sie die Zubereitung von Speisen vereinfachen und beschleunigen und den Aufwand reduzieren. Davon haben in der Vergangenheit vor allem Ehefrauen profitiert, die die neu gewonnene Freiheit in mehr Körpergewicht investiert haben, wie Cutler, Glaeser und Shapiro (2003) für den Zeitraum von 1970 bis 1990 zeigen.

Offensichtlich muss man lernen, mit der neuen Freiheit, sowohl was die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln als auch das Mehr an Zeit angeht, umzugehen.

Für diese Annahme spricht auch, was Dragone und Ziebarth für Ostdeutsche zeigen können. Nach der Wende haben viele Ostdeutsche ihre Nahrung umgestellt: Deutlich weniger Kartoffeln, mehr tropische Früchte und vor allem: mehr Fertiggerichte und entsprechend: mehr Gewicht, mehr Übergewicht, mehr Adipositas, höhere Cholesterol-Werte, höherer Blutdruck und eine Zunahme von Diabetes (Typ II), und alles im Vergleich zu Westdeutschen.

Daraus kann man schließen, dass der ostdeutsche Sozialismus seine Bürger so ausgedorrt hat, dass sie sich, gleich dem fast Verdursteten, der eine Oase erreicht, auf das Angebot an neuen Waren, das ihnen der Kapitalismus zugänglich gemacht hat, gestürzt haben, es in vollen Zügen und mit vollen Mägen genossen und – wie man im Englischen sagt – dabei overindulged haben.

Das an sich wäre nicht schlimm, ergäbe sich daraus keine Gewohnheit. Aber: Es hat sich für viele Ostdeutsche eine Gewohnheit, eine Essgewohnheit ergeben: Scheinbar aus Angst davor, wieder in den ausgemerkelten Zustand sozialistischer Plan-Leere im Konsum-Laden gestürzt zu werden, hat sich eine “was-man-hat,-hat-man-Mentalität” durchgesetzt, durchaus auf Kosten der eigenen Gesundheit, wie die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth zeigen: Im Gegensatz zu Westdeutschen sind Ostdeutsche dicker, übergewichtiger und kränker, gemessen an den drei Indikatoren von Cholesterolwert, Höhe des Blutdrucks und Diabetes.

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kurz: Sozialismus schafft bei denen, die ihm ausgesetzt sind, Entzugserscheinungen, die der einer Drogenabhängigkeit gleichen. Werden Waren, die im Sozialismus entzogen sind, zugänglich, dann führt dies zu einem entsprechenden Torschlusspanik- und Überkonsum, der sich in einer  Konsumtradition festsetzt, die Auswirkungen auf die Gesunheit der so Konsumierenden hat.

Nicht nur, dass sozialistische Systeme ihren Bürger Konsum vorenthalten, sie machen viele ihrer Bürger auch unfähig, dann, wenn der Sozialismus, wie er das regelmäßig tut und wie man es gerade wieder in Venezuela beobachten kann, an der Realität scheitert, normale Konsummuster und Umgangsweisen mit den Produkten zu entwickeln, die ihnen im Sozialismus vorenthalten waren. Entsprechend ist die höhere Adipositas unter Ostdeutschen eine fortdauernde Folge sozialistischer Unmündigkeit, ein kulturelles Erbe sozialistischer Magerkur.

Daten und Methoden
Die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth basieren auf einer breiten Datengrundlage, nämlich dem nationalen Gesundheitssurvey von 1990 und 1992 (2.160 ost- und 4.390 westdeusche Befragte), der Folgestudie zum Gesundheitssurvey von 1996 (2.216 ostdeutsche und 4.203 westdeutsche Befragte) sowie dem Mikrozensus von 2005 (1% der deutschen Bevölkerung, derzeit rund 380.000 Haushalte und rund 820.000 Befragte). Die Analysen werden zum einen mit subjektiven Selbsteinschätzungen, z.B. im Hinblick auf die Veränderung der Konsumgewohnheiten nach der Wende, zum anderen mit objektiven Maßen, Cholesterolspiegel, Bludruck, BMI durchgeführt. Die Autoren rechnen Regressionsanalysen (OLS) mit unterschiedlichen abhängigen und unabhängigen Variablen.

Cutler, David M., Glaeser, Edward L. and Shapiro, Jesse M. (2003). Why have Americans become more obese? Journal of Economic Perspectives 17(3), 93–118 (und NBER, siehe Link).

Dragone, Davide & Ziebarth, Nicolas R. (2015). Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from East German Transition to Capitalism. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No.8967.

Hirntod und Suizidprävention unter Bundestagsabgeordneten

Offensichtlich gibt es Befürchtungen, dass unter Bundestagsabgeordneten die Suizidgefährdung höher ist als in der Gesamtbevölkerung. Auch scheinen unter Bundestagesabgeordneten Hirntote ihr vegetabiles Dasein zu fristen, ohne dass es jemand bemerkt.

Das geht aus einer Pressemeldung des Deutschen Ethikrats hervor, die mit: “Deutscher Ethikrat diskutiert mit Bundestagsabgeordneten über Hirntod und Suizidprävention” überschrieben ist.

Parlamentarischer AbendDas Thema ist brisant: Suizidale Tendenzen unter Bundestagsabgeordneten müssen wohl endemisch sein, denn die Mittel, die dem Ethikrat zur Beratung von Bundestagsabgeordenten in Sachen Hirntod und zur Prävention von Suizid zur Verfügung stehen, wurden extra erhöht.

Wenn es um die eigene Haut geht, dann ist Bundestagsabgeordneten nichts zu teuer, und dann kommen sie auch in Scharen, wie die Freude von Patricia Lips, die dem Auschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung vorsitzt, belegt, Freude über das “ausschussübergreifende Interesse der Bundestagsabgeordneten des Deutschen Bundestags”.

Geht es um Hirntod und die Prävention von Suizid, dann sind die Reihen im Bundestag gefüllt.

Und auch Norbert Lammers ist voll des Lobes, ob der wichtigen Beratung durch den Ethikrat in Sachen Hirntod und Suizidprävention und, so fügt er hinzu, man sei “nicht nur an Ergebnissen interssiert … die den Erwartungen der Abgeordneten entsprechen. Er wies zudem auf die Bedeutung frühzeitiger grundlegender Orientierung” hin.

Früherkennung nennt man das wohl in anderen Bereichen, Früherkennung von suizidgefährdeten und hirntoten Abgeordneten, Früherkennung auch gegen den Willen der Abgeordneten-Patienten, die dennoch, wie Lammert weiß, an den Ergebnissen des Screenings durch den Ethikrat, an Prävention und Diagnose interessiert sind.

Da passt es dann ins Bild, das die Ratsvorsitzende Christiane Woopen im Gespräch mit den auch an Ergebnissen, die sie nicht erwarten, interessierten Bundestagsabgeordneten anregt, Suizidprävention an die Stelle der Behilfe zur Selbsttötung zu setzen.

Diese Anregung kommt zur richtigen Zeit, wollen die Bundestagsabgeordneten doch demnächst über ein Gesetz zur Regulierung der Beihilfe zur Selbstötung beraten. Angesichts der nicht bezifferbaren aber wohl vorhandenen Prävalenz Hirntoter in Abgeordneten-Kreisen, angesichts der Tatsache, dass die Mitglieder des Ethikrats eigens in den Bundestag geeilt sind, um mit den Abgeordneten über die Prävention von Suizid zu diskutieren, scheint die Intervention der Ethikräte gerade rechtzeitig erfolgt zu sein, um eine Massen-Selbsttötung, wie man sie aus Masada kennt, zuvor zu kommen.

Organspende: Wer bekommt wann ein Spender-Organ?

Spannende Fragen zeichnen sich derzeit vornehmlich dadurch aus, dass sie nicht diskutiert werden.

Spannende Fragen sind häufig ethische Fragen, wie sie sich z.B. damit verbinden, dass Lebewesen zu Fress-Objekten reduziert werden, damit, dass Personen sich dazu berufen fühlen, z.B. weil sie in einer Nichtregierungsorganisation tätig sind, anderen Vorschriften darüber zu machen, wie sie zu leben haben, faktisch also danach streben, diese anderen zu entmündigen, oder ethische Fragen, die sich damit verbinden, dass sich Erwachsene das Recht nehmen, Kinder in jedem Alter zum Verfügungsobjekt oder Empfangsobjekt dessen zu machen, was sie gerade als wichtigste Zutat einer erfolgreichen Sozialisation ansehen.

Eine der spannendsten ethischen Fragen, die kaum gestellt und schon gar nicht diskutiert wird, ist die Frage: Nach welchen Kriterien werden eigentlich Spenderorgane vergeben?

Eigentlich sollte man denken, dass eine solche Frage öffentlich diskutiert wird, schon weil regelmäßig in großangelegten Werbeaktionen versucht wird, an Spender-Organe heranzukommen.

human organ tradeBekannt ist lediglich, dass es möglich ist, die Vergabe von Spenderorganen zu beeinflussen und sich ein nettes Nebeneinkommen durch die Manipulation von Wartelisten zu verschaffen. Daraus kann man wiederum schließen, dass es Wartelisten gibt, auf denen Personen gesammelt werden, die warten, auf ein Spender-Organ warten.

Wer oben auf der Liste steht, der erhält wohl ein Spenderorgan.

Was die Frage aufwirft: Wer steht oben? Und diese Frage ist nichts anderes als die Frage danach, welche Kriterien angelegt werden, um Spender-Organe zu vergeben.

Ein wenig Information dazu findet sich auf der Seite von Eurotransplant, einem Zusammenschluss, an dem Österreich, Belgien, Kroatien, Deutschland, Ungarn, Luxembourg, die Niederlande und Slowenien beteiligt sind. Eurotransplant ist im Wesentlichen eine Datenbank, in der alle Personen, die sich in den teilnehmenden Nationen auf einer Warteliste befinden, geführt werden. Wird in einem der teilnehmenden Länder ein Organ entnommen, dann wird auf Grundlage der Datenbank von Eurotransplant und unter Verwendung nicht näher spezifizierter Kriterien eine “Treffer-Liste” von Patienten auf der Warteliste erstellt, die für die Aufnahme des entnommenen Organs in Frage kommen:

“Eurotransplant generates a so-called match list for each donor organ. The match list is generated by a complicated computer algorithm that takes into account all medical and ethical criteria.”

Den Zuschlag erhält derjenige, der die nicht angegebenen ethischen und medizinischen Kriterien am besten erfüllt und auf der Warteliste am weitesten oben steht (Vor allem die ethischen Kriterien, also die Bewertung bestimmter Eigenschaften der Wartenden, z.B. ihr Alter oder die Frage, ob sie rauchen, wären eigentlich zu diskutieren).

Wir sind zurück auf Los und fragen abermals: Wer steht auf der Warteliste oben?

Nähere Informationen finden sich z.B. im Zusammenhang mit der Zuteilung von Spenderlebern oder Spenderlungen. Erstere werden nach MELD (Model for End-stage Liver Disease) vergeben. In aller Kürze bedeutet dies: der Wartende, dem es am schlechtesten geht, der erhält die Spenderleber – ein eher seltsames System, denn der Wartende, dem es am schlechtesten geht, der hat auch mit Transplantation die geringste Überlebenswahrscheinlichkeit und zudem die geringste Wahrscheinlichkeit, das neue Organ auch anzunehmen. Dessen ungeachtet wird eine gespendete Leber nach MELD vergeben.

Bei Lungen ist es anders.

SALE-body partsLungen werden nach LAS (Lung Allocation Score) vergeben. LAS berücksichtigt eine Vielzahl von Variablen, darunter die Dringlichkeit der Lungentransplantation und die Erfolgsaussichten nach der Durchführung der Transplantation. Der High-Score in LAS beträgt 100. In die Berechnung von LAS gehen auch die Art der Lungenerkrankung, Gewicht und Größe sowie das Alter des auf eine Lunge Wartenden ein. So ist das für Wartende über 12 Jahren. Wartende unter 12 Jahren erhalten automatisch einen LAS-Score von 100.

Nun ist die Frage, nach welchen Kriterien ein Spender-Organ zugewiesen wird, eine ethische Frage, denn die Entscheidung, Lunge X an Y zu vergeben, bedeutet, sie an alle anderen nicht zu vergeben. Entsprechend entscheiden die Kriterien, die zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, eine Leber, Niere oder Lunge zu verteilen, häufig über Leben und Tod.

Um so erstaunlicher, dass die Kriterien von Ärzten und anderen, die mit Organtransplantationen ihr Geld verdienen, bestimmt werden und keiner öffentlichen Diskussion zugänglich sind.

Folglich bleiben Fragen wie die folgenden bislang unbeantwortet:

  • Sollen Spender-Organe generell nach Bedürftigkeit vergeben werden? Wer z.B. eine Niere anhand medizinischer Indikatoren am nötigsten hat, der soll sie vordringlich erhalten? Problem damit: Wer ein Spender-Organ am nötigsten hat, ist häufig bereits so krank, dass die Transplantation mit einem hohen Risiko des Scheiterns verbunden ist.
  • Sollen Spender-Organe generell nach Erfolgswahrscheinlichkeit vergeben werden? Entsprechend erhalten Patienten, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Organismus das transplantierte Organ auch annimmt, am höchsten ist, das entsprechende Spender-Organ.
  • Sollen Spender-Organe nach Leistung vergeben werden, z.B. indem die Zuteilung nach Steuerleistung erfolgt? Wer mehr Steuern bezahlt, erhält bevorzugt ein Spender-Organ.
  • Sollen Spender-Organe nach einem Quoten-System vergeben werden, das die sexuelle Orientierung, den Migrationsstatus, das Geschlecht und vorhandene Behinderungen berücksichtigt, was bedeutet, dass z.B. bisexuelle, behinderte Frauen mit Migrationshintergrund bei der Zuteilung von Spender-Organen bevorzugt werden?
  • Oder sollen Spender-Organe per bindender Verfügung verteilt werden, z.B. dadurch, dass ein Spender verfügt, dass seine Leber oder seine Lunge nur an einen Mann, der nicht älter als 38 Jahre ist und der Single ist, vergeben werden darf?

Wie die fünf Möglichkeiten zeigen, verbinden sich mit der Zuteilung von Spender-Organen eine Vielzahl von ethischen Fragen. Ethische Fragen sind immer Fragen der Bewertung, schon deshalb werden sie in Deutschland in der Regel nicht diskutiert, denn würde man sie diskutieren, es würde deutlich, dass die Meinungen auseinander gehen und dass es keine Ideallösung gibt. Das wiederum wäre ein Horror für Verwalter und all diejenigen, die mit Organhandel ihr Geld verdienen – man nennt es übrigens Pluralismus, und Pluralismus, das zeigt sich regelmäßig, ist in Deutschland nicht gerne gesehen, weder als politischer Pluralismus noch als Meinungsvielfalt.

Bei ScienceFiles ist das anders. Wir lassen unsere Leser darüber abstimmen, nach welchen Kriterien die Vergabe von Organen erfolgen soll.

Vergabekriterien bei Organspenden

Massensterben durch Sommerzeit befürchtet

Gelangweilte haben in ihrem Leben ein Problem: Sie müssen sich einen Zeitvertreib suchen, der sie unterhält. Die Moderne und hat mit der Hilfeindustrie, die man mit Peter Saunders als neue Geisel der Menschheit beschreiben könnte, einen perfekten Zeitvertreib für Gelangweilte gefunden.

Mit mehreren Vorteilen:

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Man kann die eigenen Hirngespinnste als Hilfe verkaufen.

Man kann den Verkauf der Hilfe der Allgemeinheit in Rechnung stellen.

Man muss dazu nur ständig neue Situationen oder Umstände entdecken, die der Hilfe bedürfen.

Saunders_Equalities industryEntsprechend ist die Hilfeindustrie die Innovations-Industrie. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neues Leiden entdeckt, eine neue Situation er- oder gefunden oder eine neue Diagnose aufgestellt wird, die dringender Abhilfe bedarf, Abhilfe, die zunächst einmal mit den drohenden Übeln gerechtfertigt werden muss.

Und dieses Jahr hat die Hilfeindustrie die Sommerzeit entdeckt, nicht das Ende der Sommerzeit, das eine Stunde schenkt, sondern den Beginn der Sommerzeit, der eine Stunde stiehlt, ein Diebstahl, der im menschlichen Körper, für den die eine Stunde existenziell ist, Katastrophales bewirken kann: Massensterben an Herzinfarkt nämlich.

Beim NDR weiß man das.

“Jedes Frühjahr werden die Uhren eine Stunde vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt. Die Gewöhnung an die neue Zeit fällt den meisten Menschen jedoch schwerer als gedacht. 23 Prozent der Deutschen klagen nach der Zeitumstellung über Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche oder sogar Depressionen. Ähnliche Symptome, unter denen auch Schichtarbeiter besonders häufig leiden”.

Sätze wie diese kann nur ein gelangweilter Mittelschichtler schreiben, der sich auf die Suche nach einer Möglichkeit gemacht hat, sein Lieblings-Leiden: die Hypochondrie auszuleben. Der Aberwitz dieser Zeilen, die allen Ernstes einen kausalen Zusammenhang zwischen einer Stunde, die Ende März in der Nacht von einem Samstag auf einen Sonntag fehlt, und Depression oder Konzentrationsschwäche herstellen, wird nur durch die Ignoranz des Redakteurs übertroffen, dessen Empathie mit sich selbst und der großen einstündigen Gefahr, in der er schwebt, so immens ist, dass er den Schichtarbeiter, der dieser Gefahr täglich ausgesetzt ist, nur am Rande anführt, ohne daraus die Konsequenzen für sich zu ziehen und in Zukunft auf die Belieferung seines Supermarkts durch einen Lkw-Fahrer im Schichtdienst zu verzichten.

Die fehlende Empathie mit dem Schichtarbeiter ist umso erstaunlicher als derselbe Redakteur im weiteren Verlauf seiner Wort gewordenen Hypochondrie Folgendes zum besten gibt:

“Forscher aus Lübeck haben herausgefunden, dass der Stoffwechsel ihrer Probanden schon nach zwei Tagen Schlafentzug negativ beeinflusst wird. Das passt auch zu den Daten der DAK, die bei ihren Versicherten 25 Prozent mehr Herzinfarkte in den ersten drei Tagen der Sommerzeit zählt.”

Wer nach dem Zitat oben, noch am Verstand des Redakteurs gezweifelt hat, kann den Zweifel nun ad acta legen, er ist unbegründet, Zweifel an Verstand setzt die Möglichkeit von Verstand voraus. Diese Möglichkeit scheint ausgeschlossen, wenn jemand Schlafentzug, den Forscher in Lübeck erforscht haben, mit einer Zeitumstellung und dem Verlust einer Stunde vergleicht, um dann Zahlen der DAK ins Spiel zu bringen, die “bei ihren Versicherten 25 Prozent mehr Herzinfarkte in den ersten drei Tagen der Sommerzeit zählt”.

NDR HypochonderVerstand kann hier ausgeschlossen werden, und zwar nicht nur, weil man doch gerne gewusst hätte, im Vergleich wozu, welcher Zeit oder welchem Ort “25 Prozent mehr DAK Versicherte Herzinfarkte in den ersten drei Tagen der Sommerzeit” erleiden, sondern weil insinuiert wird, dass das “Mini-Jetlag”, das durch die Sommerzeit ausgelöst werden kann, drei Tage unter den Versicherten der DAK wütet, bis 25% mehr der entsprechenden Versicherten endlich ihre Ruhe in Angina Pectoris finden.

Was die unglaubliche Erkenntnis, nach der das Mini-Jetlag, das durch die Umstellung in die Sommerzeit ausgelöst wird, zu mehr Herzinfarkten führt, für Reisen in die USA bedeutet, ob vor Abschluss der entsprechenden Reisen von Versicherten der DAK eine Erklärung verlangt wird, dass sie die Versicherung von Leistungen für eventuell im Abstand von drei Tagen nach der Rückkehr anfallende Herzinfarkte freistellen, diese eminent wichtige Frage, die hat sich der öffentlich-rechtliche Hypochonder gar nicht erst gestellt, was schade ist, hätte man an dieser Frage, doch die ganze Schädlichkeit von Reisen in das neoliberale Ausland aufzeigen können.

Statt dessen begnügt sich “Autor/in Judith König”, der/die nicht aus Bescheidenheit oder Scham unbenannt bleiben will, damit, wichtiges über Chronotypen zu verbreiten, also Chrontypen wie sie und uns:

“Wer Frühaufsteher und wer Langschläfer ist, ist bereits genetisch festgelegt und lässt sich auch nicht umprogrammieren. Wissenschaftler sprechen dabei von verschiedenen Chronotypen. Menschen, die zum Chronotyp “Eule” zählen und erst spät am Tag aktiv werden, leiden meist mehr unter der Sommerzeit als die “Lerchen”, die morgens früh wach und abends früher müde sind.”

Warum Eulen mehr leiden als Lerchen, wo beiden doch eine Stunde Schlaf mit Eintritt in die Sommerzeit gestohlen wird, ist ebenso ein Mysterium wie die Wandelbarkeit von Menschen im Lebenslauf, die zeitweise früh und zeitweise spät aufstehen, ganz nach Notwendigkeit oder Abflugzeiten der Urlaubsflieger.

Seien Sie also gewarnt: Der Beginn der Sommerzeit kann, sofern Sie bei der DAK versichert sind, dazu führen, dass sie noch drei Tage nach der Umstellung der Uhr einen Herzinfarkt erleiden. Die Sommerzeit-Umstellung schlägt regelmäßige Lücken in den Versichertenbestand der DAK, sie ist ein Killer, ein 25%-mehr-Massenkiller, um den wir uns kümmern müssen, in Therapie und Fachgespräch und natürlich im öffentlich-rechtlichen Rundfunkt, jenem Refugium, in dem die gelangweilten Mittelschichtler mit einander wetteifern, wetteifern darüber, wer der größere Hypochonder ist.