Kultureller Niedergang: Warum (nicht nur) Familien verfallen

Michael Gassmann hat ein Problem: Er sieht im Fernsehen nur noch Kochsendungen. Die medialen Versuche, die Komplexität der Nahrungsmittel und der Methoden ihrer Zubereitung zu reduzieren, hat bei Gassmann, Korrespondent für Handel und Konsumgüter bei der Welt, eine kognitive Dissonanz ausgelöst, denn: “Nur jeder zweite Grundschüler isst mittags zu Hause“.

Sie sehen den Zusammenhang?

Wir auch nicht.

Gassmann WeltUngeachtet dessen ist zu beklagen, dass noch vor zehn Jahren 80 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen regelmäßig mittags zu Hause gegessen haben. Heute sind es nur noch rund 50%, weiß Gassmann. Beklagenswert. Aber das hatten wir schon.

Warum beklagenswert?

GfK-Experte für was auch immer, vielleicht für die Essgewohnheiten der Sechs bis Neunjährigen, aber genaues erfährt man nicht, jener GfK-Experte also, Robert Kecskes, weiß: “Damit fehlt immer mehr Familien ein wichtiger Treffpunkt, um sich über familiäre Ereignisse zu unterhalten und von Erlebnissen zu erzählen”.

Mit vollem Mund?

Beim Mittagessen?

Wer hat diesen Experten erzogen.

Doch zurück zum beklagenswerten Inhalt des Beitrags des Korrespondenten der Welt. Damit wir es nicht vergessen, wird es uns eingehämmert: Psychologen sorgen sich: “Die Familien (welche genau bleibt unerwähnt) erleben das gemeinsame Essen als Treffpunkt für die ganze Familie in angenehmer Atmosphäre”. Das weiß Bernd Brixius, auch einer jener Experten für atmosphärische Familienessen.

Struwwelpeter

Geschichten vom familiären Idyll unter besonderer Berücksichtigung des Mittagessens in angenehmer Atmosphäre

Brixius wie die zuvor bemühten namenlos gebliebenen Psychologen sind offensichtlich in Haushalten und an Esstischen großgeworden, an denen schlechte Noten nicht das familiäre Idyll gestört haben, es am Essen nichts auszusetzen gab und auch ansonsten nichts Störendes die “angenehme Atmosphäre”, die Familien und Familienessen inhärent ist, wenn es nach Herrn Gassmann geht, beinträchtigt hat.

Ist es nicht beklagenswert. Dass es dieses Mittagsessensidyll nicht mehr gibt oder nur noch selten oder nicht häufig genug für Herrn Gassmann, denn und zum dritten Mal und dieses Mal darf es Christine Brombach sagen: “Ernährung ist mehr als die Vesorgung des Körpers mit Nährstoffen”. Eine erstaunliche Erkenntnis, die all jene Nahrungsexperten, die denken, Nahrungsaufnahme diene dem Unterhalt des Körpers, in Erklärungsnot bringt.

Doch zurück zur angenehmen Atmosphäre des Mittagessens bei Familien: “Am Familientisch”, so zitiert Gassmann abermals Brombach, am “Familientisch werden Vorstellungen von Essen und Trinken vermittelt, lernen die Kinder von den Eltern, was als ‘richtig’ und ‘falsch’ oder ‘ungesund’ gilt und was nicht”.

So ist das.

Jetzt wissen Sie, warum sie zunehmen. Sie essen in der Kantine, unter dem schlechten Einfluss von Peers. Denn Peers sind ganz schlecht, wie Gassmann weiß, nicht wie die Familie. Die Familie und ihr Mittagstisch, die sind ganz gut und wissen, was richtiges und gesundes und richtig gesundes Essen ist. Deshalb gibt es kein Adipositas in Familien und keine Fehlernährung. Deshalb sind Familienmitglieder immer topfit und voller Mineralien und Spurenelemente.

Sie ist eben ein Idyll, die Familie, ein Ernährungsidyll.

Vor allem das Mittagessen in der Familie ist ein Idyll, eines, das gerade kaputt gemacht wird, wie Gassmann weiß, weil nämlich nur “jeder zweite Grundschüler … mittags zu Hause” isst. Diese Schreckensmeldung ist für Gassmann der Anlass, das Ende der Familien-Gesprächskultur, wie er sie wohl kennt, zu verkünden. Die Schreckensmeldung basiert auf einer Pressemeldung der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg (GfK), die mit “Mittags bliebt die Küche kalt” überschrieben ist und die folgende denkwürde Passage enthält, die Gassmann wohl überlesen hat:

“Vor allem die Klein- und Grundschulkinder essen deutlich seltener zu Hause
als vor zehn Jahren. Bei Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren sind es 41 Prozent weniger, bei den 6- bis 9-Jährigen immer noch 33 Prozent. Dies ist mit dem Ausbau der Ganztagesbetreuung in den Kindergärten sowie den Horten und offenen Ganztagesschulen zu erklären.”

Was nun Herr Gassmann?

Haben Sie auch den Mut, den prognostizierten kulturellen Niedergang aufzuhalten und sich im Sitzstreik vor die Zerstörer der Familienkultur vor Kindergärten, Horte und Ganztagsschulen zu setzen?

Sind Sie das nicht der Esskultur, der Rettung der angenehmen Atmosphäre des familiären Essens und dem gesittenten Sprechen mit vollem Mund im Kreise seiner Lieben schuldig?

Die Welt war auch schon einmal besser.

Die Versuche, hinter angeblichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie denen von Psychologen versteckt, die eigenen Vorlieben als objektive Daten zu verkaufen, sind nicht mehr tolerabel. Die journalistische Angewohnheit, Hinz und Kunz als Experten für dies und das zu verkaufen, ist ermüdend.

Die Regierung baut sich ihr Volk: Volksgesundheit durch Impfpflicht

und die nickende Demenz unter Journalisten, auch Journalisten-Parkinson genannt, schreitet voran …

Der deutsche Volkskörper ist gesund, fit wie die VW-Karosserie, stark wie ein Leopard von Kraus Maffei Wegmann, flexibel wie ERP-Software von SAP und politisch korrekt wie die Deutsche Telekom.

Über die Gesundheit des deutschen Volkskörpers wacht die Regierung mit Argusaugen, denn: German Health ist ein international anerkannter Standard der Volksgesundheit, den es zu bewahren gilt, schließlich steht Deutschland im internationalen Wettbewerb mit anderen Vertreibern von Volksgesundheit.

Und in Zeiten der Globalisierung ist es doppelt wichtig, über die Volksgesundheit zu wachen und die Überlegenheit des gesunden deutschen Menschen unter Beweis zu stellen.

hysteriaUnd nun ist es passiert: Eine Masernepidemie hat ausgerechnet Berlin erschüttert. Eine Epidemie epischen Ausmaßes: “mehr als tausend Menschen” hatten sich nach Erkenntnissen der ARD (1001 oder 79.625 Menschen also) mit dem Virus angesteckt, im letzten Oktober und – Gipfel des Schreckens: “Ein Kleinkind war an den Folgen gestorben”.

Diese Niederlage für die deutsche Volksgesunheit darf es nicht mehr geben. Wenn Deutschland im globalen Gesundheitsmarkt bestehen will, dann ist die Erkrankung an Masern auszumerzen – durch Impfung. Also sprach der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn, der an der Fernuniversität Hagen einen Bachelor in Politikwissenschaft fern-erworben hat, was ihn zum Gesundheitspolitiker qualifizieren muss, als sprach CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn folgende denkwürdige Laudatio auf die Wiederherstellung der Volksgesundheit:

“‘Wir wollen mehr Verbindlichkeit beim Impfen.’ … Einen so massiven Masernausbruch wie dieses Jahr dürfe es in Deutschland nicht wieder geben. ‘Unser Ziel ist, dass möglichst viele Kinder in Kindergärten und Schulen gut geimpft sind”.

Der nämliche Masernausbruch, auf den sich ARD und der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn beziehen, ereignete sich im Oktober 2014, was Spahns Verweis auf “dieses Jahr” wie eine Drohung erscheinen lässt: Wer sich jetzt nicht impfen lässt, nein: “gut” impfen lässt, sich und seine Kinder, dem droht nicht Zwangsimpfung, nein, dem drohen die Masern, und zwar im Oktober 2015, der CDU-Gesundheitspolitiker Spahn hat es gesagt, und der muss es wissen.

Natürlich gibt es keine Impfpflicht im freien Deutschland. Volksgesundheit hin oder her, wir leben in einem freien Land, und da wird Impfung nicht zur Pflicht erklärt. So etwas gibt es nur in totalitären Staaten, in China oder Russland zum Beispiel.

In Deutschland ist das anders. Hier kann ein freier ARD-Journalist frei das nachplappern, was ihm die Presseagentur gerade zur Vorlage gemacht hat:

“Keine Impflicht, aber mehr Druck – so will die Koalition den Impfschutz verstärken. Unter anderem können nichtgeimpfte Kinder künftig von Kitas und Schulen ausgeschlosssen werden, wenn dort die Masern ausbrechen. So sollen Masernwellen verhindert werden.”

Dem Robert-Koch-Institut übermittelte Masernfälle pro Monat und Jahr seit 2001 in Deutschland

Dem Robert-Koch-Institut übermittelte Masernfälle pro Monat und Jahr seit 2001 in Deutschland; RKI, 2015

Das Erstaunlichste an solchen Sätzen ist, dass dem Journalisten, der sie verbrochen hat, nicht die Finger vor Scham abfallen. Weil wir im freien Deutschland leben und Eltern angeblich ein Wort bei der Erziehung ihrer Kinder mitzureden haben, deshalb gibt es natürlich keine Pflicht, sondern nur Druck zur Impfung, Druck, der zu einem Verbot werden kann, sein Kind in eine Kindertagesstätte oder Schule zu bringen.

Das Verbot, den Raum X nicht aufzusuchen, entspricht logisch der Pflicht, Raum X fernzubleiben. Die Pflicht, Raum X fernzubleiben, kann durch Impfung umgangen werden, was wiederum die Impfung zur Pflicht macht. Wie man es dreht und wendet, wie auch immer man es bezeichnen mag, zwei Dinge stehen fest, das Verbot, eine Kindertagestätte oder eine Schule bei fehlender Impfung zu betreten, ist logisch gleichwertig mit der Pflicht, sein Kind impfen zu lassen (wenn man nicht in der ständigen Furcht der Aussperrung aus der Kindertagesstätte oder Schule leben will) und öffentlich-rechtliche Medien sind ein logikfreier Raum.

Wir sehen einmal wieder, große Ideen verlangen drastische Maßnahmen, Einschnitte in individuelle Freiheiten zum Beispiel, denn wenn es um die Volksgesundheit geht, wenn es um das Bestehen des deutschen Volkskörpers im internationalen Gesundheitswettbewerb geht, dann kann auf individuelle Rechte keine Rücksicht genommen werden: fit wie die VW-Karosserie, stark wie ein Leopard von Kraus Maffei Wegmann, flexibel wie ERP-Software von SAP und politische korrekt wie die deutsche Telekom, das ist der deutsche Volkskörper, und daran werden keine Abstriche gemacht, nicht einmal für die Masern.

Masern sind in Deutschland fortan verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Impfung verfolgt!

Ihr Geburtsmonat: Ihre Krankheit

Sag’ mir wann Du geboren bist und ich sage Dir, woran Du mit ziemlicher Sicherheit erkranken wirst.

Das glauben Sie nicht?

Das kommt Ihnen irgendwie spanisch vor (darf man das noch sagen oder ist das schon ethnophob)?

feel sick emoticonNun, dass ihnen das spanisch vorkommt, das liegt daran, dass Sie die Untersuchung von Mary Regina Boland, Zachary Shahn, David Madigan, George Hripcsak und Nicholas P. Tatonetti nicht kennen. Die Bio-Informatiker haben nämlich einen Algorithmus entwickelt, der auf die Suche nach Zusammenhängen geht. Season Wide Association Study (SeaWAS) nennen sie den Algorithmus, der ohne jede Voreinstellung, ohne Bias, wenn man so will, auf Daten losgelassen werden kann, die Daten durchsucht und den Traum erfüllt, den viele Sozialforscher träumen:

Data Speak to Me.

Und in der Tat, er lässt die Daten sprechen der SeaWAS.

Zunächst einmal die Daten von 791.534 männlichen und 956.465 weiblichen Patienten, die zwischen 1985 und 2013 in einem New Yorker Krankenhaus behandelt wurden. Die Autoren haben also das, was man eine linkszensierte Stichprobe nennt, denn gesunde Menschen kommen SeaWAS nicht vor den Algorithmus. Man muss schon krank geworden sein oder krank sein, um geSeaWASt zu werden.

feel sick emoticon 2Für die, die krank geworden sind oder waren zwischen 1980 und 2013 hat SeaWAS den Zusammenhang zwischen 1688 verschiedenen Krankheiten und dem Geburtsmonat analysiert, und zwar auf Grundlage der Annahme, dass die (Umwelt-)Bedingungen, unter denen ein Mensch geboren wird, auf seine Gesundheit durchschlagen. Abermals ist das eine Annahme, die man diskutieren und kritisieren kann, denn Rauchen während der Schwangerschaft ist vermutlich relevanter für die Gesundheit eines Kindes als die Tatsache, dass am Tag der Geburt schlechtes Wetter war, aber sei’s drum.

Wir haben unseren Leser ein Risikoprofil versprochen, und hier ist es:

Sie kennen ihren Geburtsmonat, wir sagen Ihnen, an welcher Krankheit sie sehr wahrscheinlich erkranken oder bereits erkrankt sind:

Geburtsmonat Wahrscheinliche Erkrankung
Januar Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche
Februar Lungenkrebs, Mandelentzündung
März Herzrhythmusstörungen; Herzstillstand, Störung der Mitralklappe, Prostatakrebs, Arteriosklerose, postoperatives Trauma
April Herzinfarkt, chronische Herzdurchblutungsstörungen
Mai KEINE
Juni Schlaganfall, Asthma
Juli KEINE
August Bindehautentzündung
September Chronisches Erbrechen, Bronchitis, Fieber, Asthma, Emotionale Störungen, Psychosoziale Störungen
Oktober Akute Infektion der Atemwege, Infektion durch nichtgiftige Insektenstiche, Arterienerkrankungen, Rachenkatarrh, Kurzsichtigkeit, Sehstörungen, Magenerkrankungen, Erblinden
November HIV, ADHS, Dickdarmkatarrh, Drogensucht, Durchfall, Mandelentzündung, Lernschwächen
Dezember blaue Flecken

Na, wie akkurat ist die Vorhersage?

feel sick emoticon 3Sind sie im März, Oktober oder November geboren?

Oh, je!

Wem das alles noch nicht reicht, der kann genaueres im Journal of the American Medical Informatics Association nachlesen: Artkel und Appendix.

Eine Erklärung für die Zusammenhänge geben die Autoren übrigens nicht, was auch nicht zu erwarten war, wenn die Daten sprechen.

Boland, Mary Regina, Shahn, Zachary, Madigan, David, Hripcsak, George & Tatonetti, Nicholas P. (2015). Birth Month Affects Lifetime Disease Risk. A Phenome-Wide Method. Journal of the American Medical Informatics Association. Online First

Das erklärt alles: Aktivisten, Genderisten, Ideologen, Missionare, Überzeugungstäter …

Regelmäßig berichten wir auf ScienceFiles von Menschen, die Eingebungen haben, die etwas empfinden, denen sich etwas offenbart hat, kurz, die in vollkommen irrationaler Weise an bestimmten Inhalten hängen.

Da gibt es die Gruppe der politischen Aktivisten, die mit viel emotionaler Energie gegen diejenigen kämpfen, die sie als Andersgläubige identifiziert haben. Ihr Aktivismus basiert auf der Überzeugung, selbst zu den besseren Menschen zu gehören, eine Überzeugung, die ihnen offenbart wurde, denn begründen können sie die angebliche Überlegenheit ihrer eigenen Position in keiner Weise.

AntifaUntergruppen dieser politischen Aktivisten sind z.B. Genderisten, denen ein Gendergott die Botschaft offenbart hat: Alles ist Geschlecht, Geschlecht ist grundlegend, determiniert das Denken, das Sein, das Universum und den ganzen Rest und die unterschiedlichen Geschlechter, seien es 2 oder “unzählige”, die Hans-Jürgen Voss nicht gezählt hat, sie stehen sich antagonistisch gegenüber: weiblich ist gut, männlich ist schlecht, weiblich ist friedlich, männlich ist kämpferisch, weiblich ist kommunitaristisch, männlich ist konkurrenzsuchend usw.

Die Dualität des Geschlechts passt sich prima in den Alltag politischer Ideologen ein, deren Daseinszweck darin besteht, die Überlegenheit der eigenen Ideologie zu behaupten und alle, die sie anzweifeln, als ideologische Feinde zu betrachten, die manche zu missionieren suchen, in dem sie versuchen, Einfluss auf die Verarbeitung von Informationen durch Menschen zu nehmen. Die Mission dieser Ideologen beginnt in der Schule, in der Schülern bereits das ideologische Heil verkündet wird und sie zieht sich durch das Leben von Menschen, z.B. als Sprachvorgaben, als Umverteilung von Einkommen, als Straßenschild oder Ampelmännchen und vieles mehr.

Und, nicht zu vergessen, es gibt die Überzeugungstäter, die denen, die sich nicht zum richtigen Glauben bekehren lassen wollen, mit Gewalt zu Leibe rücken, die Veranstaltungen stören, Veranstaltungen verhindern wollen, die aufmarschieren, Autos in Brand stecken und, wie in der Geschichte eindrücklicht belegt, Andersdenkende um die Ecke bringen (wollen).

Seit Dekaden mühen sich Sozialpsychologen und Soziologen, Politikwissenschaftler und Psychologen herauszufinden, was die treibende Kraft hinter der Überzeugung der Genannten, hinter Aktivisten, Genderisten, Ideologen, Missionaren und Überzeugungstätern ist. Wie kommt es, dass die entsprechenden Personen ihre Überzeugung als Wahrheit begreifen, davon ausgehen, sie gehörten zu einem kleinen Kreis Erlauchter, denen die Wahrheit offenbart worden sei, denken, ihr eingebildeter Vollbesitz der Wahrheit rechtfertige es, Andersdenkende zum wahren Glauben zu bekehren und zwar mit allen legalen und illegalen Mitteln, die zur Verfügung stehen?

Harvard Medical SchoolForscher von der University of Queensland und der Harvard Medical School könnten die Antwort auf dieses Rätsel der Sozialwissenschaften gefunden haben. Sie haben 31.261 Erwachsene im Alter von 18 Jahren oder älter aus 18 Nationen (darunter Deutschland), die im Rahmen des World Mental Health Survey der WHO befragt wurden, untersucht und sind mit einem erstaunlichen Ergebnis an die Öffentlichkeit getreten,

“Psychotic Experiences in the General Population. A Cross-National Analysis Based on 31.261 Respondents From 18 Countries”, so der Titel des Beitrags, den John McGrath und 24 Ko-Autoren im Journal of the American Medical Association – Psychiatry veröffentlicht haben.

“Wir haben gedacht, dass nur Menschen mit einer Psychose Stimmen hören oder Wahnvorstellungen haben. Aber nun wissen wir, dass Personen, die im täglichen Leben zu funktionieren scheinen und als gesund gelten, diese Erfahrungen haben”, so fasst John McGrath die Überraschung darüber zusammen, dass 5,8% der 31.261 Befragten, also 1.813 Befragte angaben, schon mindestens einmal Stimmen gehört zu haben, die außer ihnen niemand gehört hat oder Wahnvorstellungen gefolgt zu sein.

Gefragt haben McGrath und seine Ko-Autoren u.a. nach den folgenden Halluzinationen oder Wahnvorstellungen:

  • Das Sehen von Dingen, die sonst niemand sieht.
  • Das Hören von Dingen, die sonst niemand hört.
  • Die Überzeugung, eine mysteriöse Macht oder eine Kraft habe wichtige Dinge mitgeteilt.
  • Die Überzeugung, eine mysteriöse Macht oder eine Kraft habe die Gedanken übernommen.
  • Die Überzeugung, eine mysteriöse Macht oder Kraft habe einem etwas Wichtiges mitteilen wollen.

Eh voilá.

Hat noch jemand Fragen?

Wie häufig haben wir uns schon gewundert, dass politische Aktivisten, Extremisten von links wie von rechts durch die Welt laufen und ihr jeweiliges Heil verkünden wollen, ohne dieses Heil in seinen Ursachen und Wirkungen begründen zu können?

Wie lange haben wir uns nun schon gewundert, dass Genderisten nicht in der Lage sind, die einfachsten Fragen zu ihrer wissenschaftlichen Methode und ihrem Erkenntnisinteresse zu beantworten?

Wie intensiv ist unsere Verwunderung regelmäßig, wenn z.B. Politiker im Brustton der Überzeugung den größten Unsinn absondern und dennoch der Überzeugung sind, sie würden ernst genommen?

Nun, das Wundern hat ein Ende.

Die entsprechenden Überzeugten, sie sind im Auftrag des Herrn oder im Auftrag einer mysteriösen Macht oder im Namen einer besonderen Kraft unterwegs, die sich ihnen mitgeteilt hat, als Vision, als Erscheinung, die zu Ihnen und nur zu ihnen gesprochen hat, als Gedanken-Intervenierer oder als einfacher Mitteiler. Wichtig ist, dass die Wahrheit nicht etwa breit gestreut wird, nein, sie teilt sich nur einer kleinen Gruppe Erwählter und besonders leicht zu Überzeugender mit, denen, die nicht hinterfragen, die sich nicht wundern, wenn von ihnen Glauben verlangt und Wissen verweigert wird.

chosen schizophrenicInsgesamt 5,8% der Bevölkerung, so die Berechnungen von McGrath und Kollegen, bildeten sich ein, sie seien erhaben, auserwählt, ihnen habe jemand etwas offenbart und gelten dennoch als normal, sind entsprechend nicht oder noch nicht in psychiatrischer Behandlung. Nicht alle, denen etwas offenbart wurde, bleiben ihr Leben lang Anhänger des Offenbarten. Einige, so sagt McGrath, erholen sich wieder, finden den Weg zurück in die Gesellschaft der Normalen. Andere dageben verharren im Zustand des Apostels und ziehen durch die Welt, um zu missionieren, zu bekehren, zu verkünden, Lehrstühle zu besetzen, in Bürgerschaften und Parlamente gewählt zu werden und vieles mehr.

5,8% ist der Anteil derer, die Stimmen hören und Visionen haben, 5,8% von rund 80 Millionen Deutschen sind 4.640.000 Personen, genug, um Parlamente, Antifa, Rechtsextreme, Linksextreme, Gender Studies, Parteien, Gewerkschaften und vieles mehr zu besetzen.

McGrath, John J. et al. (2015). Psychotic Experiences in the General Population. A Cross-National Analysis Based on 31 261 Respondents From 18 Countries. JAMA-Psychiatry.

Drogenbeauftragte des Bundes ist presse- und öffentlichkeitssüchtig

Am 21. Mai hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung den Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2015 vorgestellt, und die Medien landauf landab sind pflichtschuldigst gefüllt mit Berichten über zu hohen Alkoholkonsum, 2%-Internetsüchtige und zurückgehende Steuereinnahmen aus Tabakabhängigkeit.

Bei all der Fixierung der Medienvertreter auf die Pressemitteilungen aus dem Amt der Drogenbeauftragten, Marlene Mortler, ist den pressemitteilungsabhängigen Journalisten aller Medien die wichtigste neue Kategorie im Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2015 entgangen.

Dabei hätte bereits ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis genügt:

DrogenSuchtbericht 2015“A. Aktuelle Daten und Fakten

  1. Alkohol
  2. Tabak
  3. Medikamente
  4. Illegale Drogen
  5. Pathologisches Glücksspiel
  6. Computerspiel- und Internetabhängigkeit
  7. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Drogenbeauftragten

Ein Hilfeschrei aus dem Amt der Drogenbeauftragten, denn ihre Beamten können es nicht mehr mit ansehen: Die Drogenbeauftragte ist presse- und öffentlichkeitsarbeitssüchtig, und sie belässt es längst nicht mehr bei Pressemitteilungen, nein, Gespräche, Interviews, Erklärvideos, die Drogenbeauftragte tut alles, um in die Medien zu kommen.

Dabei hat schon ihre Pressemitteilungssucht erschreckende Ausmaße angenommen.

Wir zitieren aus dem Drogen- und Suchtbericht, Seite 65:

“Im Jahr 2014 wurden 39 Pressemeldungen veröffentlicht. Das entspricht einem Durchschnitt von 3,25 pro Monat.”

Und als wäre diese Frequenz der Medienkontakte der Drogenbeauftragte nicht schon bedenklich genug, werden Medienvertreter im direkten Anschluss daran aufgefordert, sich unter

http://www.drogenbeauftragte.de/presse

mit Marlene Mortler in Verbindung zu setzen.

Die Dringlichkeit des Appells an Medienvertreter zeigt, die Drogenbeauftragte befindet sich bereits im fortgeschrittenen Stadium der Presse- und Öffentlichkeitsarbeitssucht, in dem das Verlangen in immer kürzeren Intervallen befriedigt werden muss, immer mehr Pressetermine, Pressemitteilungen, Interviews und Gespräche notwendig sind, um das Verlangen von Marlene Mortler, das Verlangen nach Rampenlicht und öffentlicher Aufmerksamkeit zu befriedigen.

Angesichts dieses fortgeschrittenen Stadiums kann man ziemlich sicher sein, dass sich bei Mortler bereits ein Kontrollverlust eingestellt hat, dass sie so sehr nach Presse und Öffentlichkeit verlangt, dass nicht nur ihre sozialen Kontakte zu Freunden, Familie und Bekannten und Mitarbeitern und Parteifreunden längst darunter leiden, sondern, dass sie als Drogenbeauftragte – wie man es nimmt – entweder zu gut oder immer weniger funktioniert.

suchtdrogen_hotline_farbig_a5_grossWie bei allen Junkies im fortgeschrittenen Stadium, so ist es wohl auch bei Mortler so, dass ihre Sucht und das immer größere Verlangen nach Publicity und Rampenlicht von einer zunehmenden Ignoranz gegenüber den Problemen begleitet ist, die ihr großes Verlangen für ihre soziale und amtliche Umgebung darstellt.

Kurz: Zwar hat die Drogenbeauftragte des Bundes über ihre eigene Presse- und Öffentlichkeitsarbeitssucht einen Insiderblick entwickelt. Der Insiderblick geht jedoch zu Lasten ihrer Funktionsfähigkeit. Anders formuliert: Sie macht ihre Arbeit immer weniger oder gar nicht.

Das muss man dem Hilferuf aus dem Amt von Mortler entnehmen, und es lässt uns hilflos: Was tut man, wenn die Drogenbeauftragte presse- und öffentlichkeitssüchtig ist?

Wir wissen es nicht, aber vielleicht weiß es ja einer unserer Leser.

Extremismus und Depression gehen Hand in Hand

Was motiviert Extremisten?

Das ist eine Frage, die viele interessiert, und es ist eine Frage, die wenig bis gar nicht erforscht wurde. Die Ergebnisse, die in den wenigen Forschungen erzielt wurden, die zu dieser Frage vorliegen, sind nicht eindeutig.

So kommt John M. “Matt” Venhaus auf Basis von 2032 Interviews mit Personen, die sich al-Kaida angeschlossen haben, zu keinen Ergebnissen, die man als aussagekräftig bezeichnen kann: der typische al-Kaida Aktivist, es scheint ihn nicht zu geben.

Al-Kaida Kämpfer sind keine in Armut aufgewachsenen oder sonst wie ökonomisch Deprivierten. Sie rekrutieren sich aus allen gesellschaftlichen Schichten, aus der Unter- wie der Oberschicht, aus reichem wie armem Elternhaus. Sie sind keine religiösen Fundamentalisten und fallen auch ansonsten im täglichen Leben durch nichts weiter auf, außer, dass sie sich al-Kaida angeschlossen haben.

Eine Möglichkeit, diese missliche Lage zu überwinden und Erkenntnisse über diejenigen zu gewinnen, die zu Extremisten werden oder werden könnten, besteht darin, den Weg in den Extremismus als Radikalisierungs-Prozess anzusehen, der über die Sympathie mit Handlungen von Extremisten beschrieben werden kann.

Diese Möglichkeit haben Kamaldeep Bhui, Brian Everitt und Edgar Jones in die Tat umgesetzt. Sie haben die Sympathie die 608 Männer und Frauen für extremistische Handlungen aufbringen, analysiert und sich gefragt, durch welche Determinanten diejenigen ausgezeichnet sind, die ein höheres Niveau an Radikalisierung aufzuweisen hatten.

Zur Messung des Niveaus der Radikalisierung, die über die Sympathie mit extremistischen Handlungen erfolgt, nutzen die Autoren ein eigens entwickeltes Instrument, das aus 16 Aussagen zu extremistischen Handlungen bestehet, die Befragte auf einer Skala von -3 bis +3 ablehnen oder befürworten können, darunter

  • Blockupy1die Teilnahme an nicht-gewalttätigem Protest;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Regierung ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Polizei ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt durch organisierte Gruppen, um die eigene Gruppe zu verteidigen;
  • die Begehung kleinerer Straftaten;
  • überhaupt Gewalt einzusetzen;
  • mIt terroristischen Anschlägen drohen;
  • eine terroristische Vereinigung gründen;
  • (Brand-)Bomben nutzen, um Unrecht zu bekämpfen;
  • Selbstmordanschläge verüben, um Unrecht zu bekämpfen

Die Antworten der Befragten auf die ingesamt 16 Aussagen wurden zu einem summarischen Index zusammengefasst, der in drei Teile: “am meisten ablehnend, unentschieden und am meisten sympathisierend” zerlegt und mit einer Reihe von Variablen, darunter ein generelles Maß für Angst und ein generelles Maß für Symptome einer Depression, korreliert wurde.

Ergebnis: Je mehr die Befragten mit extremistischen Handlungen sympathisierten, desto höher ihre Wahrschenlichkeit, depressiv zu sein und krankhaft ängstlich zu sein. Der Effekt der Depression auf die Symapthie mit extremistischen Handlungen ist größer als der Effekt, der von einer krankhaften Angst ausgeht.

Das Schöne an den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones: Sie sind anschlussfähig.

Will man zum Beispiel die Ausschreitungen von Blockupy anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes der EZB in Frankfurt und die Sympathien, die manche mit den Gewalttätern hatten, erklären, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones liefern einen Anhaltspunkt auf eine mögliche Ursache: Depression.

Will man z.B. die Vorgänge an der Humboldt-Universität in Berlin erklären oder die Akzeptanz, die Straftaten in z.B. genderistischen Kreisen dann erfahren, wenn sie als für die eigene Ideologie nützlich angesehen werden, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones, sie liefern einen Anhaltspunkt auf die Ursache: Depression.

Mitglieder extremistischer Vereinigungen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie Andersdenkene verteufeln und bekämpfen, die mit unterschiedlichen Formen extremistischer Handlungen, wie sie oben beschrieben wurden, gegen diejenigen vorgehen, die sie als ihre Gegner ansehen und die Sympathisanten dieser Vereinigungen, sie alle teilen den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones zufolge eine höhere Wahrscheinlichkeit, depressiv zu sein.

Tajfel. social identityDie Ergebnisse sind durchaus plausibel, wenn man die guten alten Theorien sozialer Identität aus der Sozialpsychologie hinzuzieht, die soziale Identität als Fixpunkt von Individuen sehen, die Entwicklungsleistungen nicht erbracht haben, die es nicht geschafft haben, sich eine personale Identität zu erarbeiten, die mit dem Versuch, ein eigenständiges Individuum zu sein, gescheitert sind und deshalb die Surrogat-Identität einer Gruppe, als Mitglied von Antifa, AStA, von schwarzem Block, Münkler-Watch, von Neonazi-Gruppen oder sonstigen Identitätsstiftern übernehmen.

Was, wenn nicht das Scheitern dabei, sich als eigenständige Person zu begreifen, sollte zu Depressionen führen? Was wäre ein besserer Nährboden für Extremismus als die Depression, die sich einstellt, weil man das nicht geschafft hat, was andere anscheinend spielend geschafft haben: Jemand sein?

Bhui, Kamaldeep, Everitt, Brian & Jones, Edgar (2015). Might Depression, Psychosocial Adversity, and Limited Social Assets Explain Vulnerability to and Resistance against Violent Radicalisation. Plos One.

Kuddelmuddel der Geschlechter: Wikipedia hat Probleme mit Lann Hornscheidt

Nicht nur an der Humboldt-Universität zu Berlin hat man Probleme mit Lann Hornscheidt – auch bei Wikipedia.

Ja, bei Wikipedia!

Denn: Bei Wikipedia da hat alles seine Ordnung, seine Geschlechterordnung, und deshalb gibt es ein Problem mit dem Beitrag über Lann Hornscheidt:

Lann Hornscheidt (Kategorie:Mann oder Kategorie:Frau fehlt)”

Das ist jetzt dumm, für das Lann Hornscheidt, das doch weder das eine noch das andere sein will, sondern ein X, ein Lanx oder ein Profx oder ein Fraux oder ein Manx…

Wikipedia Lann Hornscheidt

Wikipedia Arbeitsliste – Personendatenwartung

Was also tun?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Kategoriensystem erweitern oder
  • Kategoriensystem wegwerfen.

Prinzipiell, so schlägt einer derjenigen vor, die sich in der Diskussion um das Geschlecht von Lann Hornscheidt auf Wikipedia engagieren, und was gibt es schon wichtigeres als über das Geschlecht von Lann Hornscheidt zu diskutieren, sei es möglich, Lann Hornscheidt als intersexuell zu kategorisieren.

Intersexuell liegt, wie der Begriff schon sagt, in der Mitte zwischen männlich und weiblich, vielleicht auch nicht, vielleicht auch näher bei männlich oder bei weiblich. Wer weiß. Wo auf auf der Geschlechtsstrecke das Intersexuelle zu verorten ist, ist auch wurscht, denn wichtig ist nur: Die Verortung macht nur mit Bezug auf die Referenzgrößen männlich und weiblich Sinn. Der Dichotomie des Geschlechts, ihr ist nicht zu entkommen, nicht durch die Bezeichnung “intersexuell”.

Was also tun?

Gehen wir von Lann Hornscheidts Wunsch, als X angesprochen zu werden, aus, denn Hornscheidt will weder männlich noch weiblich sein, und des Menschen Wille ist ja bekanntlich sein Himmelreich, und zwar in- und außerhalb der Irrenanstalt.

Warum nicht neben männlich und weiblich sächlich als Kategorie einführen? Schließlich ist sächlich das dritte grammatische Geschlecht der deutschen Sprache, und wer weder männlich noch weiblich sein will, der ist dann eben sächlich: Das Lann Hornscheidt. Die Versachlichung von Lann Hornscheidt hat Vorteile, kann das Lann auf diese Weise doch der Vermaterialisierung als Geschlechtsträger entgehen.

Wikipedia Lann Hornscheidt Diskussion

Diskussion über das Geschlecht von Lann auf Wikipedia

Eine etwas radikalere Lösung greift auf die Einsicht zurück, die Jean Paul Satre hatte, als er von l’Etre et le Néant geschrieben hat, dem Sein und dem Nichts. Wer nicht geschlechtlich sein will, der wäre entsprechend nichts, was auch dem Lannschen Wunsch entgegenkommt, doch mit “X” bezeichnet zu werden. X ist in der Mathematik zwar ein Platzhalter für ein Etwas, aber – eingedenkt der Tatsache, dass Genderisten nach wie vor mit Mathematik ein Problem haben – schlagen wir dennoch vor, das X für Nichts zu setzen und Lann Hornscheidt in die eigens geschaffene Kategorie der Nichtse einzuordnen.

Ob die entsprechenden Vorschläge bei Wikipedia aufgegriffen werden, wir werden es sehen.

Man kann natürlich auch die Fixierung auf Geschlechtsteile vollständig aufgeben und die Einordnung von Personen als Mann oder Frau komplett streichen, zumal sich die Frage stellt, wofür die entsprechende Einordnung überhaupt relevant sein soll.

Aber, wir leben in seltsamen Zeiten, und eine Grundaussage des Genderismus lautet ja, dass das Geschlecht essentiell für alles ist, selbst das Denken wird vom Geschlecht beeinflusst, so behaupten einige schwärmerische Genderisten. Entsprechend wird man sich besonders in Deutschland und ganz besonders bei Wikipedia schwer damit tun, die entsprechende Kategorie einfach zu streichen.

Denn: Wo kämen wir hin, wenn Geschlecht nicht mehr erfasst würde, wenn man Artikel über Albert Einstein ohne den erhellenden Hinweis, die erhellende Kategorisierung lesen könnte, dass Einstein männlich war? Oder Jane Austen weiblich? Oder Lann Hornscheidt nichts (davon)?

Kaffeepulver recyclen!

Es ist seit einiger Zeit bekannt, dass Kaffee sich vorteilhaft auf die Gesundheit auswirkt und z.B. dazu beiträgt, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, die Gefahr eines Schlaganfalls zu reduzieren oder Diabetes zu verhindern. Fast wichtiger noch: Kaffee enthält Koffein und somit ein Alkaloid, das anregend auf das zentrale Nervensystem wirkt. Das weiß jeder, der nachts arbeitet oder morgens wach zu werden versucht.

espressoDie positive Wirkung von Kaffee, die oben beschrieben wurde, geht im Wesentlichen auf Polyphenole zurück, genauer auf Flavonide, Chlorogensäuren oder Resveratrol. Für diese leckeren und gesunden Bestandteile des Kaffees gilt somit: Je mehr davon, umso besser.

Also haben sich eine Reihe von Forschern zu Kaffeeforschern weiterentwickelt und in einem ersten Anlauf untersucht, welche Braumethode die beste ist, um die guten und leckeren Stoffe auch in großer Zahl im dampfenden Gebräu zu finden. Das Ergebnis der Arbeit, die sich Mónica Perez-Martinez, Bettina Caemmerer, Maria Paz de Pena, Concepción Cid und Lothar W. KrothJimena Bravo, Isabel Juániz, Carmen Monente, Bettina Caemmerer, Lothar W. Kroh, Maria Paz de Pena und Concepción Cid gemacht haben, ist eindeutig:

Die Espressomaschine ist Tabellenführer.

Es folgt die Cafetiere.

Und der gute alte Filterkaffee ist abgeschlagen.

Wer also seiner Gesundheit einen Polyphenol-Boost verpassen will, dem sei die Espressomaschine empfohlen.

Im zweiten Anlauf haben nun Jimena Bravo, Isabel Juániz, Carmen Monente, Bettina Caemmerer, Lothar W. Kroth, Maria Paz de Pena und Concepción Cif nicht das Gebräu, sondern den Kaffeesatz untersucht.

Welch Gutes mag im Kaffeesatz, im ausgebrüten Kaffeepulver sich verstecken?

Viel Gutes, so das Ergebnis.

Die Menge der Polyphenole, die es vorzieht, im Kaffeepulver zu verbleiben und sich nicht verbrühen zu lassen, ist beträchtlich: Mehr verbleibt im Kaffeesatz als in den Kaffee gelangt. Das gesundheitliche Potential des Kaffeesatzes, es ist höher als das gesundheitliche Potential des Kaffees.

Also: Kaffeepulver mittrinken!

Nein: Kaffeepulver recyclen, mehrfach benutzen, so lange ausbrühen, bis alle Polyphenole den Weg in die Tasse gefunden haben!

Der Gesundheit zuliebe.

Man kann den Kaffeesatz natürlich auch trocknen und als Nahrungszusatz verwenden: Über das Müsli streuen, über die Pasta, in die Suppe, den Möglichkeiten sind keine Grenze gesetzt.

Die Autoren selbst verzichten auf entsprechende Hinweise und regen an, Kaffeesatz als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln zu nutzen.

Wenn demnächst die Kommune, in der sie leben, den Kaffeesatz separat zum Hausmüll sammelt: Sie wissen warum!

Jimena Bravo, Isabel Juániz, Carmen Monente, Bettina Caemmerer, Lothar W. Kroth, Maria Paz de Pena und Concepción Cif (2012). Evaluation of Spent Coffee Obtained from the Most Common Coffeemakers as a Source of Hydrophilic Bioactive Compounds. Journal of Agricultural and Food Chemistry 60(51): 12565-12573.

Mónica Perez-Martinez, Bettina Caemmerer, Maria Paz de Pena, Concepción Cid und Lothar W. Kroth (2010). Influence of Brewing Method and Acidity Regulators on the Antioxidant Capacity of Coffee Brews. Journal of Agricultural and Food Chemistry 58(5): 2958-2965.

Längsschnittstudie: Feinstaub macht dement

Es ist eine dieser kollektiven Studien, bei der das Abtippen der Autorenliste länger dauert als das Schreiben des gesamten Posts, die mit einem Ergebnis aufwartet, das bedenklich stimmen muss: Elissa H. Wilker und 12 weitere Autoren haben diesen Beitrag in der Zeitschrift “Stroke” und unter der Überschrift: “Long-Term Exposure to Fine Particular Matter, Residential Proximity to Major Roads and Measures of Brain Structure” veröffentlicht.

Und wer in einer Stadt wohnt, der sollte nicht nur genau lesen, er sollte auch seine kognitiven Funktionen täglich und aufs Neue prüfen, denn:

  • In Städten ist die Belastung mit Feinstaub aus Kohlekraftwerken, der Verbrennung von Holz, aus Diesel-Motoren uvm. besonders hoch.
  • Feinstaub geht nicht nur auf die Lunge, er geht auch aufs Gehirn. Das haben die 13 Autoren unter Federführung von Elissa H. Wilker von der Harvard T.H. Chan School of Public Health herausgefunden.
  • Besonders feiner Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser von max. 2,5 Mikrometer schrumpft das Gehirn. Eine Erhöhung um 2 Mikrogramm Feinstaub (PM2.5) pro Kubikmeter Luft entspricht einer Schrumpfung des Gehirns um 0,32% und einer um 46% erhöhten Wahrscheinlichkeit, sogenannte verdeckte (oder stille) Hirnschläge zu erleiden.
  • Verdeckte Hirnschläge wiederum erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Demenz, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen oder Depressionen.
  • Die Reduzierung des Gehirnvolumens entspricht einem Lebensjahr, d.h. 2 Mikrogramm zusätzlicher Feinstaub auf Dauer resultieren langfristig im Verlust von einem Lebensjahr für das Gehirn.

Feinstaub DeutschlandDie Ergebnisse sind keine Ergebnisse aus der Kategorie: Wir korrelieren wild herum, dabei wird schon etwas Sinnvolles herauskommen. Man kann sie also nicht einfach vom Tisch wischen. Die Ergebnisse, die Wilker und ihr Team präsentiert haben, basieren auf der Untersuchung von 943 gesunden und mindestens 60jährigen Probanden, die keinerlei Anzeichen von Demenz aufwiesen. Die Probanden wiederum sind Teilnehmer einer longitudinalen Gesundheitsstudie. Für sie liegen mindestens sieben Beobachtungszeitpunkte vor, so dass es möglich ist, ihre Gesundheitsgeschichte nachzuzeichnen und zu kontrollieren.

Das Gehirnvolumen wurde mittels Magnetresonanztomographie bestimmt. Die Messzeitpunkte reichen pro Probanten von 1995 bis 2005. Sonstige Faktoren, von denen bekannt ist, dass sie in einem Zusammenhang mit Demenz oder Wahrnehmungsstörungen stehen, z.B. Alter oder sozioökonomischer Status wurden konstant gehalten.

Es scheint, an der Erkenntnis, dass Feinstaub nicht nur auf die Lunge, sondern auch aufs Gehirn geht und dass entsprechend die Wahrscheinlichkeit, in einer Stadt auf einen Dementen, einen kognitiv Gestörten oder einen Wahrnehmungsgestörten zu treffen im Vergleich zu ländlichen Gegenden überproportional hoch ist, führt kein Weg vorbei.

Erschreckend.

Parlamente sind grundsätzlich in großen Städten.

Große Verwaltungen und Ministerien sind grundsätzlich in großen Städten.

Hochschulen sind grundsätzlich in Städten, in Berlin alleine drei Universitäten.

Angesichts der Ergebnisse von Wilker et al., angesichts dessen, was aus Parlamenten an die Öffentlichkeit dringt und angesichts dessen, was von manchen Universitäten zu hören ist, muss man sich fragen, ob es weiterhin möglich ist, die entsprechenden Institutionen in Städten zu belassen. Aber vielleicht ist das, was man aus Parlamenten und von z.B. Berliner Universitäten zu hören bekommt, auch schlicht ein Zeichen dafür, dass es – um auf der Grundlage der Ergebnisse von Wilker et al. zu sprechen – bereits zu spät ist.

Sozialismus macht dünn – Freiheit erfordert Verantwortung

auch beim Essen …

Davide Dragone und Nicolas R. Ziebarth haben ein Arbeitspapier veröffentlicht, das überschrieben ist mit:

Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from the East German Transition to Capitalism.

Ein interessantes Arbeitspapier mit einer Reihe von zum Teil bekannten Ergebnissen:

banana revolutionDie sogenannte friedliche Revolution in der DDR hat wohl doch Bananen zur Ursache, wie sich daran zeigt, dass Dragone und Ziebarth eine sprunghafte Zunahme des Konsums tropischer Früchte bei Ostdeutschen von 1989 bis 1991 feststellen. Vielleicht ist es auch die Flucht vor der Kartoffel, die die Ostdeutschen zum Marsch auf dem Leipziger Ring veranlasst hat, denn der Konsum von Kartoffeln ist nach Öffnung der Grenzen zu Westdeutschland stark zurück gegangen.

Der veränderte Konsum ist zukunftsweisend, kreiert eine Gewohnheit, denn auch 1998 und 2005 zeigen Ostdeutsche die Konsummuster, die sie sich 1991 angewöhnt haben und: andere Essgewohnheiten als Westdeutsche.

Nicht ganz unproblematische Essgewohnheiten, wie es scheint, denn:

Nicht nur der Verzehr tropischer Früchte hat sprunghaft zugenommen, auch der Verzehr von Fertiggerichten, deren Attraktivität darin besteht, dass sie die Zubereitung von Speisen vereinfachen und beschleunigen und den Aufwand reduzieren. Davon haben in der Vergangenheit vor allem Ehefrauen profitiert, die die neu gewonnene Freiheit in mehr Körpergewicht investiert haben, wie Cutler, Glaeser und Shapiro (2003) für den Zeitraum von 1970 bis 1990 zeigen.

Offensichtlich muss man lernen, mit der neuen Freiheit, sowohl was die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln als auch das Mehr an Zeit angeht, umzugehen.

Für diese Annahme spricht auch, was Dragone und Ziebarth für Ostdeutsche zeigen können. Nach der Wende haben viele Ostdeutsche ihre Nahrung umgestellt: Deutlich weniger Kartoffeln, mehr tropische Früchte und vor allem: mehr Fertiggerichte und entsprechend: mehr Gewicht, mehr Übergewicht, mehr Adipositas, höhere Cholesterol-Werte, höherer Blutdruck und eine Zunahme von Diabetes (Typ II), und alles im Vergleich zu Westdeutschen.

Daraus kann man schließen, dass der ostdeutsche Sozialismus seine Bürger so ausgedorrt hat, dass sie sich, gleich dem fast Verdursteten, der eine Oase erreicht, auf das Angebot an neuen Waren, das ihnen der Kapitalismus zugänglich gemacht hat, gestürzt haben, es in vollen Zügen und mit vollen Mägen genossen und – wie man im Englischen sagt – dabei overindulged haben.

Das an sich wäre nicht schlimm, ergäbe sich daraus keine Gewohnheit. Aber: Es hat sich für viele Ostdeutsche eine Gewohnheit, eine Essgewohnheit ergeben: Scheinbar aus Angst davor, wieder in den ausgemerkelten Zustand sozialistischer Plan-Leere im Konsum-Laden gestürzt zu werden, hat sich eine “was-man-hat,-hat-man-Mentalität” durchgesetzt, durchaus auf Kosten der eigenen Gesundheit, wie die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth zeigen: Im Gegensatz zu Westdeutschen sind Ostdeutsche dicker, übergewichtiger und kränker, gemessen an den drei Indikatoren von Cholesterolwert, Höhe des Blutdrucks und Diabetes.

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kurz: Sozialismus schafft bei denen, die ihm ausgesetzt sind, Entzugserscheinungen, die der einer Drogenabhängigkeit gleichen. Werden Waren, die im Sozialismus entzogen sind, zugänglich, dann führt dies zu einem entsprechenden Torschlusspanik- und Überkonsum, der sich in einer  Konsumtradition festsetzt, die Auswirkungen auf die Gesunheit der so Konsumierenden hat.

Nicht nur, dass sozialistische Systeme ihren Bürger Konsum vorenthalten, sie machen viele ihrer Bürger auch unfähig, dann, wenn der Sozialismus, wie er das regelmäßig tut und wie man es gerade wieder in Venezuela beobachten kann, an der Realität scheitert, normale Konsummuster und Umgangsweisen mit den Produkten zu entwickeln, die ihnen im Sozialismus vorenthalten waren. Entsprechend ist die höhere Adipositas unter Ostdeutschen eine fortdauernde Folge sozialistischer Unmündigkeit, ein kulturelles Erbe sozialistischer Magerkur.

Daten und Methoden
Die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth basieren auf einer breiten Datengrundlage, nämlich dem nationalen Gesundheitssurvey von 1990 und 1992 (2.160 ost- und 4.390 westdeusche Befragte), der Folgestudie zum Gesundheitssurvey von 1996 (2.216 ostdeutsche und 4.203 westdeutsche Befragte) sowie dem Mikrozensus von 2005 (1% der deutschen Bevölkerung, derzeit rund 380.000 Haushalte und rund 820.000 Befragte). Die Analysen werden zum einen mit subjektiven Selbsteinschätzungen, z.B. im Hinblick auf die Veränderung der Konsumgewohnheiten nach der Wende, zum anderen mit objektiven Maßen, Cholesterolspiegel, Bludruck, BMI durchgeführt. Die Autoren rechnen Regressionsanalysen (OLS) mit unterschiedlichen abhängigen und unabhängigen Variablen.

Cutler, David M., Glaeser, Edward L. and Shapiro, Jesse M. (2003). Why have Americans become more obese? Journal of Economic Perspectives 17(3), 93–118 (und NBER, siehe Link).

Dragone, Davide & Ziebarth, Nicolas R. (2015). Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from East German Transition to Capitalism. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No.8967.