Volkserziehung: Deutsche sollen die richtige Zivilcourage lernen

Vor einigen Tagen haben wir über die neue Online-Stasi berichtet, deren Ziel darin besteht, Deutschen Zivilcourage und Counterspeech beizubringen. Bereits diese Beschreibung macht deutlich, dass es nur eine richtige Form von Zivilcourage gibt, die Zivilcourage, die von den Online-IMs als einzig richtige Zivilcourage vorgegeben werden soll, die Zivilcourage, die bestimmte ideologische Inhalte umfasst und andere geiselt. Ein Mensch, der in aller Öffentlichkeit Stellung gegen politisch-korrekten Unsinn bezieht, der sich z.B. namentlich bei seiner Universität darüber beschwert, dass Genderismus betrieben, Wissenschaft verunmöglicht und Männer benachteiligt werden, hat entsprechend keine Zivilcourage.

Online Civil CourageDieser Versuch, Zivilcourage vor einen ideologischen Karren zu spannen, rechtfertigt einen genaueren Blick darauf, was Zivilcourage eigentlich sein soll. Und wenn man diesen Blick in vermeintlich wissenschaftliche Texte richtet, dann landet man schnell bei Gerd Meyer und einer Gattung von Text, einem Genre, das man nicht mehr als wissenschaftlichen Text beschreiben kann, vielmehr dem Genre der Volkserziehung zurechnen muss, jenem Genre, zu dem Wissenschaft in Teilen verkommen ist.

So wie sich manche, die es auf wissenschaftliche Positionen geschafft haben, immer noch einbilden, sie hätten eine statushohe Position erreicht, so bilden sich manche ein, weil sie diese angeblich statushohe Position erreicht hätten, könnten sie andere belehren, erziehen, nudgen oder in welcher Form auch immer die Volkserziehung daherkommt.

Gerd Meyer gehört dazu. Er hat seine Bestimmung von “Zivilcourage” in einem Sammelband veröffentlicht, der unter dem Titel “Demokratie-Kompetenz” veröffentlicht wurde – ein Titel, der schon Schlimmes ahnen lässt. Man kann sich die Möchtegern Volkserzieher, wie sie dem dummen Mann von der Straße und seinen Kindern “Demokratie-Kompetenz” beibringen wollen, richtig bildlich vorstellen. Sie, die keinerlei Toleranz dafür haben, dass in einem demokratischen System unterschiedliche Meinungen vorhanden sind (hätten sie diese Toleranz, sie müssten nicht von “Demokratie-Kompetenz” reden). Die Erzieher zur Demokratie, sie entpuppen sich regelmäßig als Autokraten, die keinerlei Abweichung von ihrer Vorstellung davon, was Demokratie ist, zulassen – denn merke: Es gibt nur eine wahre Form von Demokratie, die Form, die ich vorgebe – wodurch Demokratie zu Totalitarismus wird, aber das nur nebenbei.

Gerd Meyer hat eine Definition von Zivilcourage vorgelegt, der man Anhaltspunkte dafür entnehmen kann, warum es Organisationen wie die neue Online-Stasi gibt, die von sich denken, sie könnten Menschen die einzig richtige Zivilcourage beibringen:

Für Meyer ist Zivilcourage ein “Typus sozialen Handelns”, aber “keine Eigenschaft einer Person” (Meyer, 2005: 52).

Zivilcourage hat also für Meyer nichts mit Mut oder mit Engagement eines Einzelnen zu tun. Zivilcourage ist eine Form kollektiver Körperertüchtigung, die man im Zivilcourage-Studio erlernen kann, direkt von Big Brother mit den großen Zivilcourage-Muskeln.

Und so wie Zivilcourage keine Eigenschaft eines Individuums ist, sondern ein frei flottierendes Agens, das sich über Big Brother auch dem letzten Feigling mitteilt, so ist Zivilcourage inhaltlich sehr eng bestimmt und liegt nur dann vor, wenn – wie Meyer weiter ausführt – die folgende Bedingung erfüllt ist:

“Eine Person (oder seltener eine Gruppe) tritt – orientiert an humanen und demokratischen Prinzipien – ein für die legitimen, primär nicht-materiellen Interessen und die Integrität vor allem anderer Personen, aber auch des Handelnden selbst” (Meyer, 2005: 52-53).

Ein vom frei flottierenden Agens der Zivilcourage (zuweilen auch gegen seinen Willen) besetzter Akteur, er ist nach der seltsamen Vorstellung von Meyer das wandelnde Gute, voller reiner Motive, voller demokratischer Absicht, er ist ein St.Martinesker Altruist, der mit gezogenem Mantel durch die Welt zieht, um Letzteren zu teilen und “humane und demokratische Prinzipien” zu verteidigen – gegen Angreifer.

Die inhaltliche Bindung von Zivilcourage an demokratische und humane Prinzipien, die unbestimmt bleiben, sie macht es möglich, Zivilcourage als kollektive Eigenschaft, die sich dem korrekt lernenden Menschen mitteilt, als adelnden Agens der Richtigkeit und des Guten zu bestimmen, als Mittel, mit dem man – schwubs – einen Teil der Bevölkerung von der Tischkante stoßen kann.

Zivilcourage gibt es nur, wenn die Motive des Zivilcouragierten, die richtigen sind, wenn er human und demokratisch ist, wobei z.B. Online-Wächter bestimmen, was human und demokratisch und was nicht human und demokratisch ist, was von einem Monster gesprochene Hassrede ist. Und damit auch ganz klar ist, dass die so beschriebenen Zivilcouragierten die richtigen, die wahren, reinen und einzig demokratisch-humanen Zivilcouragierten sind, darf natürlich der Verweis auf die “nicht-materiellen Interessen” nicht fehlen.

Willkommen im Kindergarten der Phantasie.

Zunächst: Zivilcourage ist natürlich eine individuelle Eigenschaft. Was sonst sollte es sein? Wer kann Courage haben und im täglichen Leben zeigen? Wer handelt, wenn nicht der Einzelne? Die Zivilcourage handelt sicher nicht.

Dann: Handeln gibt es nur als soziales Handeln, denn Handeln setzt voraus, dass es auf andere gerichtet ist. Ist es nicht auf andere gerichtet, dann ist es Verhalten und nicht Handeln. Von einem Sozialwissenschaftler sollte man verlangen können, dass ihm diese in der Soziologie verbreitete Unterscheidung bekannt ist – er sein Handwerkszeug also beherrscht.

Wenn Handeln immer auf andere gerichtet ist und nur Einzelne, nur Individuen handeln können, dann ist klar, dass die Motive des Handelns keine kollektiven, sondern nur individuelle Motive sein können. Man kann Menschen vielleicht einreden, dass sie zivilcouragiert sind und dass sie dann zivilcouragiert sind, wenn sie böse Rechte hauen und arme Linke beklatschen, aber man wird nicht für die entsprechenden Menschen zuhauen oder klatschen können. Das müssen diese schon selbst tun. Entsprechend ist die Vorstellung davon, dass Zivilcourage ein kollektives Agens sei, das sich denen mitteilt, die auf dem richtigen Pfad von Humanismus und Demokratie, also auf dem sind, den z.B. Online-Wächter wie Kahane und Konsorten weisen wollen, vollkommener Unsinn – vollkommener ideologisch motivierter Unsinn.

Denn natürlich hat die Vorstellung, man könne Menschen zu bestimmten Handlungen manipulieren, sie zu Marionetten an der Schnur richtig vorgegebenen Humanismus’ oder richtiger vermeintlich demokratischer Werte machen, etwas. Wer möchte nicht der Zampano sein, der sagt, was Zivilcourage ist und woran man sie erkennt. Wer möchte nicht Macht über andere ausüben, altruistische Macht natürlich, so wie sie die Mitarbeiter der Amadeu-Antonio-Stiftung jeden Tag auszuüben versuchen, wenn sie die Welt der Aussagen in richtige und falsche teilen und andere dazu bringen wollen, ihre Einteilung, ihre vollkommen undemokratische, weil totalitär verordnete, weil nicht begründete Einteilung zu teilen.

Es ist schon verständlich, dass Menschen, die sonst nichts haben, keine Zivilcourage z.B., um etwas anderes als Abhängiger von staatlichen Zuwendungen zu werden, davon träumen, Macht über Dritte ausüben zu können, ihnen den Mund verbieten zu können, sie zu Zombies der politischen Korrektheit machen zu können, die Zivilcourage unnötig macht. Es mag gelingen, manchen, vielleicht auch vielen einzureden, dass sie bessere Menschen und zivilcouragierte Menschen sind, wenn sie Büros der AfD beschädigen und die vorgegebene Bestimmung von Humanismus und Demokratie inhalieren.

Maehlert kleine GeschichteEs wird aber immer Menschen wie uns geben, die die Zivilcourage aufbringen darauf hinzuweisen, dass Online-Wächter die Totengräber von Demokratie sind, weil sie nämlich zerstören, was sie angeblich schützen wollen; die darauf hinweisen, dass ein materiell motivierter Zivilcouragierter, der sich gegen die Beseitigung von Meinungsfreiheit stellt, für der Erhalt einer Demokratie mehr wert ist als 1000 ideologische Zombies, die sich als Kämpfer für das zivilcouragierte Paradies fühlen und ihr Mütchen in so herausragenden Aktionen wie Denunziation und Verleumdung zur Schau stellen.

Versuche, wie der von uns vor einigen Tagen beschriebene Versuch, eine Online-Stasi zu etablieren, sind umsonst, denn sie ziehen nur die Claqueure an, diejenigen, die auf Führung gewartet haben und darauf angewiesen sind, von anderen bestätigt zu bekommen, dass sie gute Menschen sind, die auf der richtigen Seite stehen, Menschen also, denen jede Zivilcourage fehlt.

Zivilcourage erfordert es, eigenen Prinzipien zu folgen und zuweilen oder oft gegen den politisch-korrekten Mainstream zu kämpfen, weil der politisch-korrekte Mainstream intolerant ist, Andersdenkende nicht akzeptiert und weder human noch demokratisch ist. Er ist nicht demokratisch, weil er denen demokratische Rechte verweigern will, die von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen. Er ist nicht human, weil er die eigenen Anhänger enthumanisiert, sie zu Zombies macht, die hinter Vorgaben hertrotten, ihnen das Recht abspricht, eigene Entscheidungen zu treffen und alle, die von den Vorgaben abweichen, als Feinde zum zivilcouragierten Abschuss freigibt.

Der Versuch, den Begriff “Zivilcourage” zu hijacken, er ist ein weiterer Versuch in der zwischenzeitlich schon längeren Reihe der Versuche, die Gesellschaft in zwei Teile zu spalten, in Wutbürger und Gutbürger, Problembürger und Bravbürger, in Fieslinge und Zivilcouragierte. Insofern der Versuch, eine Gesellschaft zu zerteilen und Teile von Ressourcen und Mitsprache auszuschließen, ein anti-demokratisches, totalitäres Unterfangen ist, erweisen sich die Prediger der Zivilcourage, die Online-Wächter als würdige Nachfolger des letzten deutschen Versuches, eine Gesellschaft in ein Gefängnis zu verwandeln und ihre Mitglieder mit gegenseitigem Misstrauen zu infizieren.

Insofern Pamphlete wie das von Gerd Meyer in wissenschaftlichen Verlagen erscheinen und in Büchern, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben, muss man zudem konstatieren, dass einmal mehr der Versuch, gesellschaftlichen Widerspruch durch eine Instrumentalisierung der Wissenschaft, dieses Mal nicht im Namen von Marx und Lenin, sondern im Namen von vermeintlich Humanismus und Demokratie zu unterbinden, im Gange ist. Ist am Ende Zivilcourage notwendig, Zivilcourage, zu der sich auch oder gerade Wissenschaftler aufraffen müssen?

 
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Nazi! Hoch-Zeit für ewiggestrige Beleidiger

Man könnte fast denken, Deutsche wären rückwärtsgewandt, lebten in der Vergangenheit, seien nie so richtig über das tausendjährige Reich hinweggekommen. Jedenfalls legt die Blüte des Begriffs “Nazi”, der sich auch im Jahre 71 nach dem Ende des Dritten Reiches in voller Blüte befindet, diesen Schluss nahe.

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Warum ist dem so?

Versuchen wir eine wissenschaftliche Erklärung, die auf den Ergebnissen von sozialpsychologischer, soziologischer und politikwissenschaftlicher Forschung basiert.

Zunächst fällt bei der Verwendung des Begriffs “Nazi” auf, dass er undifferenziert verwendet wird. Jeder kann sich heute als Nazi qualifizieren. Für manche Schwule sind die, die Homosexuelle nicht mögen, Nazis. Nazis sind alle, die gegen die weitere Aufnahme von Flüchtlingen sind. Die NPD, das sind Nazis. Nazis sind welche, die Springerstiefel tragen. Nazis sind Antisemiten. Wer den Genderismus als großangelegten Versuch der Nutznießung entlarvt, hat gute Chancen, als Nazi, weißer, männlicher Nazi bezeichnet zu werden.

Nazi als Bezeichnung ist ein Sammelbegriff, ein Catch-all Begriff, der je nach Bedarf verwendet werden kann und verwendet wird. Trotz dieser vielen Verwendungen, die der Begriff “Nazi” erfährt, haben alle Verwender eines gemeinsam: Sie wollen denjenigen oder diejenigen, die sie als Nazi oder Nazis bezeichnen, abwerten, beleidigen oder als Bodensatz der Menschheit disqualifizieren, mit dem sich richtige Menschen nicht abgeben.

Warum wollen sie das?

netz-gegen-nazis_largeUm diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, die Einsamkeit des Begriffs “Nazi” in Rechnung zu stellen. Manche wollen “Nazis auf die Fresse” geben. Andere “Nazis keine Chance” geben, wieder andere betreiben ein “Netz gegen Nazis”, und alle stellen sie Behauptungen darüber auf, dass sich bestimmte Personen als Nazis qualifizieren, sagen aber nicht, warum. Der Nazi er kommt ohne Begründung. Warum jemand ein Nazi ist, welche Handlungen er ausgeführt hat, um sich als Nazi zu qualifizieren, was er gesagt oder geäußert hat, es wird nicht im Hinblick auf eine genaue Bestimmung von Nazi bewertet, sondern an sich als Handeln eines “Nazi” oder als Aussage eines “Nazi” deklariert. Anders formuliert: Die meisten, die den Begriff Nazi benutzen, können nicht kognitiv begründen, warum sie ihn benutzen, noch weniger können sie z.B. begründen, warum das, was einer sagt, den sie als Nazi qualifizieren, falsch sein soll. Die Beschimpfung, sie scheint die Ersatzhandlung für nicht vorhandene kognitive Fähigkeiten zu sein.

Die meisten, die den Begriff “Nazi” benutzen, können ihn nur affektiv begründen, denn sie haben eigentlich gar keine Ahnung, warum sie den Begriff benutzen.

Worin besteht dann der Wert der Benutzung des Begriffs “Nazi”?

Das Problem, vor dem Personen stehen, die es nicht schaffen, sich und ihre Einstellungen positiv zu definieren, also mittels einer Begründung, die z.B. in Werten basiert, ist: Sie haben keine Ahnung, warum sie das, was sie behaupten, behaupten, das was sie für richtig halten, für richtig halten, das, was sie tun, tun. Sie sind ein Identitätsvakuum. Ihre Existenz erfährt keine positive Begründung, denn eine positive Begründung setzt einen kognitiven Akt, eine Überlegung voraus.

Diejenigen, die den Begriff “Nazi” in derogativer Absicht benutzen, sind häufig nicht in der Lage, jenen kognitiven Akt auszuführen, was leicht daran erkennbar ist, dass sie die Verwendung von “Nazi” nicht begründen können. Diese Unfähigkeit macht es notwendig, die eigene Positionsbestimmung in Abgrenzung zu anderen vorzunehmen. Nicht: ich bin, sondern: ich bin nicht. Da die kognitiven Fähigkeiten nicht ausreichen, um dieses “ich bin nicht” rational zu begründen, bleibt nur eine affektive Begründung, eine Zuordnung zu einer Gefühlsgemeinschaft, deren Mitglieder sich durch ein affektives “ich bin gegen” verbunden sehen.

Und hier kommt der Begriff “Nazi” ins Spiel.

Kaum ein Begriff hat eine derart eindeutige und weit geteilte, negative Konnotation wie Nazi. Selbst Hitler hat dies so gesehen und den Begriff gehasst (dazu unten mehr). Kaum ein Begriff bietet durch seine Verwendung bzw. Anwendung auf andere die Möglichkeit, sich selbst als Anti-Nazi und somit als Guter von anderen, den Bösen, den Nazis abzugrenzen und ein positives Wir-Gefühl unter den Anti-Nazis herzustellen, die zwar immer noch nicht wissen, warum sie Anti-Nazis sind, aber nun in der Lage sind, sich affektiv zugehörig zu fühlen. Sie sind die da, die, die gegen Nazis sind. Und weil Nazis schlecht sind, müssen diejenigen, die gegen Nazis sind, nicht nur gut sein, sondern auch in allem, was sie behaupten, aussagen und tun, gut sein.

Derartige logische Kurzschlüsse erklären einen Teil der Popularität von “Nazi”, aber sie erklären nur den nicht-kognitiven, den kognitiv armseligen, den affektiven Teil seiner Verwendung.

Opportunismus erklärt den Rest.

Nichts ist einfacher als Gläubige zu instrumentalisieren, vor allem dann, wenn am Glauben die ganze Person hängt, so wie das bei den nicht-kognitiven Verwendern des Begriffs “Nazi” der Fall ist. Nimm’ Ihnen den Begriff, konnotiere ihn positiv und sie verschwinden als Person, hören schlicht auf, sozial zu existieren, sind nun die kognitiven Vakuums in Realität und Vorstellung, die sie vorher nur in der Realität waren.

AntifaEntsprechend ist es wichtig, Nazis und ihre Verderbtheit, vorrätig zu halten, denn gäbe es keine Nazis, die der eigenen eingebildeten Persönlichkeit Existenz verleihen, sie wäre in Gefahr. Das machen sich Opportunisten vom Typ 1 zunutze, indem sie die Werbetrommel für den Kampf gegen Nazis rühren und einerseits mit Verweis auf die vielen Anti-Nazis, denen mindestens ebenso viele Nazis gegenüberstehen müssen, die eigenen Taschen mit Steuermitteln für Projekte und Workshops und allerlei unnötigen Firlefanz füllen, andererseits durch ihre Betonung von Nazis und der Gefahr, die von Nazis ausgeht, nicht nur dafür sorgen, dass der kleine Haufen von Rechten zu einem Millionenheer der Nazis aufgeblasen wird, sie sorgen auch dafür, dass es für Personen, die sich negativ von anderen absetzen und daraus ihre Persönlichkeit gewinnen wollen, schick wird, sich als Nazi zu gerieren.

Mit anderen Worten, diese Opportunisten schaffen und vermehren, was sie vorgeblich bekämpfen und beseitigen wollen, und sie tragen eine nicht geringe Mitschuld daran, dass öffentlicher Diskurs und öffentlicher Umgang miteinander fast schon unmöglich geworden ist.

Schließlich gibt es noch die Opportunisten vom Typ II, die versuchen, politisches Kapital daraus zu schlagen, das sie den nicht-kognitiven Anti-Nazis anbieten, politische Legitimation für ihren Kampf gegen Nazis zu verschaffen. Damit geht das Versprechen einher, den Kampf gegen Nazis auf eine gesellschaftlich beachtete und mit Status versehene Position zu stellen und alle, die gegen Nazis kämpfen, nicht nur der Existenz der Nazis und der Berechtigung des Kampfes zu versichern, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, sich als besonders wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu fühlen.

Das ist schon ein Angebot, vom kognitiven Vakuum zum Vorkämpfer einer friedlichen, demokratischen oder wie auch immer die Begriffe, mit denen man sie fängt, lauten mögen, befördert zu werden, und all dies ohne Anstrengung und ohne die Notwendigkeit, sich zu überlegen, warum man eine Meinung für falsch ansieht, warum man die Meinung hat, die man hat, sofern man eine hat, warum man der Mensch ist, der man ist. Es reicht, andere als Nazi zu bezeichnen, auf die affektive Ladung, die mit dem Begriff transportiert werden soll, zu vertrauen und sich geadelt zu fühlen.

Der Begriff “Nazi” unbegründet und in derogativer Absicht verwendet, er ist deshalb so beliebt, weil er die Einbildung einer Persönlichkeit ermöglicht, weil er sich eignet, um Steuergelder einzuheimsen und weil man politisches Kapital daraus schlagen kann.

GegenNazis“Nazi” ist übrigens ein Begriff, der lange vor es die Nationalsozialisten gab, genutzt wurde, um eine bäuerliche Rückständigkeit in derogativer Weise zu beschreiben. Vorbild waren die bayerischen Ignatiuse. Nazi ist die Kurzform von Ignatius und meinte: Du bist ein rückständiger bayerischer Bauer! Mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten wurde Nazi auf die Mitglieder der NSDAP übertragen, um deren Rückständigkeit deutlich zu machen (u.a. deshalb hat Hitler den Begriff gehasst). Und er hat sich gehalten, der Begriff, bis heute, allerdings unter Verlust seiner kognitiven und Reduzierung auf seine affektiven Komponenten.

Es ist diese inhaltliche Leere vereint mit einer großen negativen affektiven Ladung, die den Begriff “Nazi” so geeignet macht, um als Kampfmittel im politischen Prozess und aus den oben genannten Motiven eingesetzt und genutzt zu werden. Der Erfolg, der damit einhergeht, macht Liberale wie uns nachdenklich, und zwar deshalb, weil wir annehmen, dass Menschen mit einem eigenen Willen ausgestattete Wesen sind,  deren kognitive Fähigkeiten es ihnen erlauben, eigene Entscheidungen zu treffen. Viele Verwender des Begriffs Nazi bleiben deutlich hinter dieser Annahme zurück.

 
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Meinungs-Manipulations-Feldzug gegen die AfD

Es gehört zu den Ironien des eigenen Lebens, dass man als Liberaler regelmäßig (politische) Überzeugungen verteidigt, die in manchen wichtigen Punkten nicht die eigenen sind. Liberale teilen entsprechend das Schicksal, für die Linke rechts zu sein und für die Rechten links. Dabei sind Liberale einfach Prinzipien verpflichtet, dem Prinzip der Meinungsfreiheit oder dem Prinzip der ehrlichen und anständigen, fairen Berichterstattung oder dem Prinzip der einem wissenschaftlichen Ethos entsprechenden und somit korrekten, falsifizierbaren und reliablen Forschung.

Und weil dem so ist, verteidigen wir Männerrechtler gegen Anfeindungen aus dem Lager der Genderisten. Deshalb verteidigen wir Wissenschaftilchkeit, gegen den Versuch von Genderisten, ihr den Garaus zu machen. Deshalb verteidigen wir das Recht von Bürgern anders handeln zu können als ihr Staat dies für richtig hält. Deshalb bekämpfen wir die vielfältigen Versuche, mit denen öffentliche Meinung manipuliert werden soll, Versuche, die nur allzu häufig auf die Mithilfe von Meinungsforschern zurückgreifen, bei denen Manipulation in dem Wörtchen “repräsentativ” verpackt wird.

Und deshalb verteidigen wir die AfD, die sich als demokratische Partei einer Kampagne ausgesetzt sieht, die man nicht mit demokratischen Werten vereinbaren kann und für die man sich als Demokrat eigentlich schämen müsste.

WELt AfdIm neuerlichen Feldzug geht es um die “Hälfte aller Deutschen”, die die AfD angeblich für verfassungsfeindlich hält. Die “Hälfte aller Deutschen”, deren Meinung N24 meldet, das sind 500 Befragte, die dieses Mal von Emnid befragt wurden. Und weil 500 doch sehr weit von 40.000.000 entfernt ist, deshalb braucht es ein Zauberwort, das die Strecke überbrücken hilft: Repräsentativ. Die 500 sind für die deutsche Bevölkerung repräsentativ, sind die deutsche Bevölkerung, sind “die Hälfte aller Deutschen”.

Warum man nicht längst aufwändige Wahlen durch eine repräsentative Befragung von Emnid, bei der 1000 Deutsche zufällig ausgewählt und angerufen werden, ersetzt hat, das ist eines jener Rätsel, das Repräsentativitäts-Fetischisten nicht zu lösen vermögen.

Wie dem auch sei, die “Hälfte aller [1000 von Emnid befragten] Deutschen” hält die AfD für verfassungsfeindlich. Und Repräsentativität ist nicht nur ein Zaubermittel, das es angeblich erlaubt, von wenigen auf alle zu schließen, nein, es ist auch ein Mittel, von wenigen auf noch weniger zu schließen. Repräsentativität ist wie ein Virus der sich in alle Richtungen ausbreitet.

“AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich”, so titelt die WELT in einer Weise, die den journalistischen Ethos zu Grabe trägt. Denn, wie ein Weiterlesen zeigt, es sind nicht alle AfD-Wähler, die die eigene Partei verfassungsfeindlich finden, nein es sind “auch 13 Prozent der AfD-Wähler”, die “ihre Partei” als verfassungsfeindlich einordnen.

Natürlich ist auch dieses Ergebnis repräsentativ, 13% aller AfD-Wähler sind der Meinung, “ihre” Partei sei verfassungsfeindlich.

Doch wie viele sind die 13%?

Rechnen wir es aus.

Emnid hat nach eigenen Angaben “ca. 1000” Personen befragt. Offensichtlich weiß man bei Emnid nicht so richtig, wie viele es tatsächlich waren. Gewähren wir Emnid den “benefit of a doubt” und gehen davon aus, dass es tatsächlich 1000 Befragte waren und nicht weniger, wie das ca. nahelegt.

Nach aller Erfahrung der empirischen Sozialforschung geben von diesen 1000 Befragten auf die Frage, welche Partei sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, rund 75 an, dass sie keine Angabe machen wollen, weitere 75 sagen, dass sie nicht wählen wollen. Diese 150 Befragten sind zu Gunsten von Emnid gerechnet. Tatsächlich dürfte die Anzahl der Befragten, die eine Angabe zu ihrer Wahlabsicht machen, unter 85% aller Befragten liegen. Aber: Geben wir Emnid einmal mehr den “benefit of a doubt”.

Nun meldet N24 Folgendes:

“Bei der Sonntagsfrage kommt die AfD laut N24-Emnid-Umfrage auf 12 Prozent – ein Plus von 2 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die Union verliert dagegen 2 Prozent und landet bei 34 Prozent. Die SPD erreicht 24 Prozent, die Linke 10 Prozent und die Grüne[n] 9 Prozent.”

Es gibt also 12% AfD Wähler unter den Befragten von Emnid. 850 haben eine Angabe zur Wahlintention gemacht. 12% von 850 entsprechen 102 Befragten. 102 Befragte gaben also an, AfD wählen zu wollen. Unter diesen 102 Befragten finden sich 13%, die die AfD für verfassungsfeindlich halten. 13% von 102 sind genau 13 Befragte.

13 Befragte!

13 Befragte rechtfertigen bei der WELT den Titel: AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich.

das-letzte luegenpresseEine solche Schlagzeile hat ebenso, wie die entsprechende Interpretation der Befragung von Emnid nichts mehr mit Journalismus zu tun. Es gibt keinen Ethos, mit dem man einen derartigen Versuch, Leser für dumm zu verkaufen, rechtfertigen könnte. Insofern man nicht annehmen will, dass der für diese Überschrift verantwortliche Redakteur vollkommen debil ist, muss man Absicht unterstellen, Absicht, die AfD zu diskreditieren. Abermals ist dies nichts, was mit einem wie auch immer gearteten Pressethos zu vereinbaren ist. Es ist eher etwas für den Presserat, der doch angeblich darüber wacht, dass Berichterstattung in Deutschland die Prinzipien von Lauterkeit und Fairness achtet.

Wer nach diesem neuerlichen Beleg dafür, wie mit dem Begriff “Repräsentativität” Schindluder getrieben wird, immer noch der Ansicht ist, man könne eine Idealvorstellung der Stochastik in die Wirklichkeit übertragen und von 1000 Befragten auf “alle Deutschen” hochrechnen, der muss sich nicht wundern, dass andere ihn für einen Trottel halten, den man mit einem Verweis auf Repräsentativität nach freiem Belieben manipulieren kann, dem man 13 Befragte als alle AfD-Wähler unterschieben kann.

Alle anderen, die die Argumente, warum das Ideal der Repräsentativität außerhalb der Quadrate des Mathematikheftes nicht erreichbar ist, noch einmal nachlesen wollen, können dies in unserem Beitrag “Mythos der Repräsentativität” tun.

Da man kaum weiter vom journalistischen Ethos entfernt sein kann, als die WELT dies heute demonstriert hat, muss man als anständiger Mensch eine entsprechende Entfernung zwischen sich und die WELT bringen und ein Abo, so vorhanden, nunmehr kündigen.

 

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Boshaftigkeit oder Dummheit: ZDF-heute macht katholische Politik

Fangen wir mit einer Befragung an, die vornehmlich studentische Hilfskräfte der Universität Göttingen wohl unter Anleitung ihres Professors Franz Walter und eines seiner Mitarbeiter am Rande einer Pegida Demonstration, die am 30. Dezember 2015 in Dresden stattgefunden hat, durchgeführt haben. 1.800 Fragebögen haben die Studenten nebst frankiertem Couvert für die Zusendung des ausgefüllten Fragebogens an Teilnehmer der Demonstration verteilt. 610 davon haben sie zurück bekommen.

Auf Grundlage dieser 610 Antworten, die sie erhalten haben, haben die studentischen Hilfskräfte dann u.a. die folgende Abbildung erstellt:

Pegida_2016_Vertrauen

Bitte nicht an der Darstellung stören. Es sind Studenten, die den Möglichkeiten, die Excel bietet, noch mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind. Wer genau hinsieht, der sieht, dass u.a. das Vertrauen in Banken, die Bundeskanzlerin, den Bundespräsidenten, die Bundesregierung, den Bundestag, die Europäische Union, Großkonzerne, das Justizsystem im Allgemeinen, Kirchen, die NATO, öffentlich-rechtliche Medien, Parteien, private Medien bzw. Stadt- und Lokalpolitiker unter den 610 befragten Teilnehmern der Pegida-Demonstration am 30. Dezember 2015 in Dresden nicht sonderlich verbreitet ist. Man kann fast sagen, ein entsprechendes Vertrauen ist nicht vorhanden.

Das an sich ist ein Ergebnis, das man als Delegitimierung eines politischen Systems beschreiben könnte. Das tut aber niemand. Stattdessen fabriziert eine Paula Konersmann von kna, wie es wenig sagend am Ende des Artikels steht, einen Beitrag, der auf heute.de unter der Schlagzeile:

Kreuz ist für Pegida nur Mittel zum Zweck

veröffentlicht wird.

Auf diese Schlagzeile angesichts der Ergebnisse oben, muss man erst einmal kommen. kna, steht übrigens für Katholische Presseagentur. Die Katholische Presseagentur hat offensichtlich einen direkten Zugriff auf die heute-Redaktion beim ZDF, wie man daran sehen kann, dass die heute Redaktion den Unsinn von Konersmann veröffentlicht hat.

heute kreuzDer Unsinn wurde von Konersmann vermutlich geschrieben, um die Aussage des katholischen Erzbischofs Ludwig Schick, der Christen vor einer Teilnahme bei Pegida-Demonstrationen gewarnt hat, empirisch zu stützen und zu belegen, dass “Wer einem Kreuz in Nationalfarben folge, ‘hat nicht verstanden, aus welcher Geschichte und Kultur er selber kommt'”. Wie gut, dass es der Erzbischof nach eigener Behauptung verstanden hat, und wie gut, dass er mit dem Katholischen Pressedienst und mit Paula Konersmann willfährige Instrumente zu haben scheint, die wenn es darum geht, den richtigen Glauben zu befördern, auch einmal im empirischer Sozialforschung dilettieren, und zwar so:

“Nun zeigt sich, dass Geschichte und Kultur den Pegida-Anhängern ohnehin eher Mittel zum Zweck sind. Eine Mehrheit bringt den Kirchen nämlich kaum Vertrauen entgegen. Das geht aus einer Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung hervor. Knapp zwei Drittel der Befragten (65,2 Prozent) gaben demnach an, wenig oder gar kein Vertrauen in die Kirchen zu haben; nur 6,6 Prozent sprachen von vollstem oder viel Vertrauen.”

Was in diesem Absatz mit Frau Konersmann durchgegangen ist, ob es Boshaftigkeit, Dummheit oder was auch immer war, wir wissen es nicht, aber wir wissen Folgendes:

  • Ob “Geschichte und Kultur” für die Pegida-Anhänger nur Mittel zum Zweck ist, weiß niemand, auch die Studenten um Franz Walter, auf deren Befragung sich Frau Konersmann beruft nicht, denn sie haben nicht danach gefragt. Man muss Frau Konersmann also viel Phantasie attestieren, und zwar keine wohlwollende Phantasie.
  • Dass eine Mehrheit der 610 befragten Pegida-Teilnehmer Kirchen kein Vertrauen entgegenbringt, hat nun mit Geschichte und Kultur überhaupt nichts zu tun.
  • Das nicht vorhandene Vertrauen in Kirchen hat nicht einmal etwas mit Religiosität zu tun, denn Religiosität ist eine Eigenschaft von Individuen und nicht von Kirchen. Kirchen als Institution mögen den ein oder anderen religiösen Menschen enthalten, sie sind aber mit Sicherheit nicht religiös.
  • Damit ist die Behauptung, dass Pegida-Anhänger Kreuze mitführen, als Mittel zum Zweck, um sich also in der Vorstellung von Frau Konersmann religiös zu geben, mit institutionellen Symbolen der christlichen Kirchen zu umgeben und leichtgläubige Christen, die es nach Ansicht von Frau Konersmann offensichtlich zu Haufe gibt, zur Pegida zu verführen, hinfällig.

Was man aus dem zitierten Absatz entnehmen kann, ist neben der Intention des katholischen Pressedienstes boshafte Interpretation mit Befragungen zu belegen, die diese Interpretationen in keiner Weise stützen, dass Frau Konersmann offensichtlich der impliziten Prämisse anhängt, dass nur wer der Kirche Vertrauen entgegenbringt, ein Träger eines Kreuzes sein kann. Und so begegnen wir wieder einem alten Bekannten, nämlich dem Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, der in Deutschland endemisch ist, ebenso endemisch wie die Versuche, Pegida-Teilnehmer und AfD-Wähler als fiese Opportunisten, die nur Unheil und Unglück bringen, zu stigmatisieren. Eine Tätigkeit, bei der man nicht unbedingt erwartet hätte, die katholische Kirche und ihren Pressedienst mit Paula Konersmann in der ersten Reihe öffentlich-rechtlicher Anstalten zu finden.

Was ist nur aus der christlichen Nächstenliebe geworden? Gilt die Nächstenliebe nur noch für Flüchtlinge, derer man sich bedienen kann, aber nicht mehr für Andersdenkende, aus denen man keinerlei Nutzen ziehen kann? Ist Nächstenliebe etwa ein Mittel zum Zweck geworden, das Katholiken wie Konersmann denen angedeihen lassen, die sie instrumentalisieren können?

Pegida und Nächstenliebe, das gibt es für Katholiken nicht. Entsprechend ist jedes Mittel geeignet, um die Pegida-Teilnehmer und ihre Anliegen zu diskreditieren, selbst das Mittel einer “nicht im strengen Sinne repräsentativ(en)” Befragung von Studenten der Universität Göttingen, die vom Bundesministerium für Familie und alle anderen außer Männern finanziert wurde.

Goettinger pegidaGeht es um die gute Sache, andere als böse darstellen zu können, dann ist offensichtlich jedes Mittel recht, auch die “nicht im strengen Sinne repräsentative” Befragung, die Konersmann natürlich zu keinem Zeitpunkt in ihrem Beitrag daran hindert, All-Aussagen aufzustellen, die auf alle Pegida-Teilnehmer und nicht nur die 610 nicht im strengen Sinne repräsentativen Teilnehmer zutreffen.

Es scheint: Wo ein Wille ist, wo eine boshafte Absicht ist, wo es darum geht, mit dem flammenden Schwert der eigenen Unkenntnis Dritte zu diskreditieren, ist jedes Mittel ein geeignetes Mittel. Sie haben es weit gebracht, die christlichen Kirchen. Sie verbrennen derzeit niemanden mehr am Pfahl! Was nicht heißt, dass manche es nicht gerne würden …

Tatsächlich stammt der Unsinn der “nicht im strengen Sinne repräsentativen” Befragung von den Göttinger studentischen Hilfskräften, die die Ergebnisse ihrer Befragung wohl unter Anleitung im eigenen Blog präsentieren.

“Nach wie vor gilt: Die Studie ist nicht im strengen Sinne repräsentativ. Unsere Ergebnisse sagen nur etwas über die tatsächlich Befragten aus. Daher sind die Erkenntnisse dieser quantitativen Erhebung nur ein Baustein unseres Projektes, indem noch weitere Methoden wie teilnehmende Beobachtung der Demonstrationen oder die Analyse der PEGIDA-Facebookgruppe eingesetzt werden, um das Phänomen PEGIDA zu erforschen.”

Scheinbar sitzt man in Göttingen der irrigen Annahme auf, dass man Repräsentativität im strengen Sinne durch die Akkumulation von nicht-repräsentativen Erhebungen erreichen könne, der Fehlschluss der Induktion, er kommt offensichtlich wieder in Mode. Dessen ungeachtet, interessiert es uns natürlich, was eine nicht “nicht im strengen Sinne repräsentative” Befragung, die “nicht im strengen Sinne repräsentative” Ergebnisse hervorbringt, eigentlich ist.

Deshalb haben wir den Göttingern eine eMail geschrieben und um Erklärung dieses bislang unbekannten Phänomens der empirischen Sozialforschung gebeten.

Unabhängig von der Antwort kann man feststellen, dass es die Pegida-Teilnehmer geschafft haben, in Deutschland eine Wirkung zu entfalten, die aus Gutmenschen das Schlechteste zum Vorschein bringt, zu dem sie fähig zu sein scheinen. Es wird gelogen, es wird erfunden, es wird wild interpretiert und alles in der Absicht, die bösen Pegida-Teilnehmer als ebensolche zu entlarven – oder welchen Zweck hat dieser Beitrag aus dem katholischen Pressedienst sonst?

Wer solche Gutmenschen hat, der braucht eigentlich keine bösen Menschen mehr, denn selbst wenn unter Pegida-Teilnehmer 90% Rassisten sind, die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen haben und Sympathie für Nationalismus, wo wären die Pegida-Teilnehmer boshafter als diejenigen, die ihrem Rassismus nach innen wenden und nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen Demonstranten dieselbe Boshaftigkeit in Stellung bringen, die sie eben diesen unterstellen?

Studien wie die aus Göttingen und deren Missbrauch durch den Katholischen Pressedienst richten erheblichen Schaden an der empirischen Sozialforschung an. Sie bringen durch einen nicht mit ethischen Grundsätzen zu vereinbarenden Umgang mit in gutem Glauben überlassenen Antworten, Letztere in Misskredit und sorgen dafür, dass die Bereitschaft von Bürgern an einer Befragung teilzunehmen, weiter sinkt. Wer will sich schon als Befragter von christlichen und sonstigen Ideologen als angeblicher Beleg für die Berechtigung von deren jeweiligem Kreuzzug aufbauen und missbrauchen lassen?

Beim “oder” in der Überschrift handelt es sich übrigens um eine nicht-ausschließende Disjunktion.

 
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Die Russen wollen die deutschen Medien diskreditieren

Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir über Verschwörungstheorien geschrieben, also jenen Begriff, der in der Regel in derogativer Weise auf eine Behauptung angewendet wird, die einem nicht in den Kram passt. Dabei sind Verschwörungstheorien ganz normale Theorien, die man prüfen kann oder könnte, wenn man es wollte. Will man aber meist nicht, weil es sowieso unsinnig wäre, wie diejenigen wissen, die es noch nie versucht haben:

“Anders als in der Wissenschaft lässt sich ein Verschwörungstheoretiker mit Argumenten und Fakten nicht vom Gegenteil überzeugen. Hat sich jemand eine Theorie zurechtgelegt, ändert sie sich im Kern erst einmal nicht mehr. Im Gegenteil: Meist wird sie mit der Zeit immer verwobener, alles wird mit allem verknüpft. Das macht den medialen Umgang mit dem Thema auch so schwierig.”

So steht es in einem Artikel über Verschwörungstheorien zu lesen, der in der Rheinischen Post erschienen ist und sich dort in weiten Teilen mit dem Kopp-Verlag und mit Udo Ulfkotte beschäftigt, die beide wiederum der Mainstreampresse kritisch gegenüberstehen. Und weil Sie der Mainstream-Presse kritisch gegenüber stehen, weil Ulfkotte gar von Lügenpresse spricht, deshalb ist er ein Vertreter von Verschwörungstheorien, was im Sinne des Verfassers des Beitrags in der Rheinischen Post bedeutet: Ulfkotte verkauft unhaltbaren und falschen Unsinn an leichtgläubige Deppen, die wiederum nur darauf gewartet haben, dass ihnen jemand ihre wirren Ideen über Weltbeherrschung und Manipulation der Öffentlichkeit bestätigt.

Denn merke: Die deutsche Presse ist nicht manipulativ, nicht gesteuert und in keiner Weise eine Lügenpresse. Wer es behauptet, der ist ein Verschwörungstheoretiker, ein Verbreiter von Verschwörungstheorien, ein gefährlicher Zeitgenosse, wie nun in einem eigens eingerichteten Forschungsnetzwerk belegt werden soll. Und es ist hoch wahrscheinlich, dass dieses Forschungsnetzwerk auch genau zu diesem Ergebnis kommt, denn:

“‘Verschwörungstheorien können zur Radikalisierung von Extremisten beitragen, Spannungen zwischen Nationen befeuern und das Vertrauen in demokratische Institutionen und Medien unterlaufen’, sagt Butter. Und gerade in Zeiten des Internets verbreiten sie sich rasend schnell.”

Wir fassen bis hierhin den offiziellen Stand zu Verschwörungstheorien zusammen, wie er in Mainstreammedien, die sich mit dem Vorwurf “Lügenpresse” zu sein, konfrontiert sehen, Verwendung findet:

Verschwörungstheorien sind abwegige Behauptungen von Manipulateuren, die darauf zielen, dogmatische und in jedem Fall leichtgläubige und fremdhörige Jünger zu verführen, die nur darauf gewartet haben, einem verschwörungskundigen Heiland zu folgen und gegen die Weltkonspiration und die Lügenmedien vorzugehen.

Und jetzt wenden wir uns der Berichterstattung in Mainstreammedien wie der Wirtschaftswoche zu, in der unlängst ein Interview mit “Mr. Tagesthemen Ulrich Wickert” abgedruckt war, das eine bemerkenswerte Passage enthält:

Wickert Luegenpresse“In Deutschland ist es soweit gekommen, dass manche Gruppen von „Lügenpresse“ sprechen. Woher kommt dieses Misstrauen?”

Wickert: “Die deutsche Presse wird gezielt diskreditiert, das kommt nicht nur aus unserer Gesellschaft, sondern auch von außen. Wir erleben aktuell, dass der russische Staat Propaganda gegen deutsche Journalisten macht, um ihr Vertrauen zu erschüttern. Ich persönlich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst den Begriff „Lügenpresse“ in Deutschland verbreitet hat.”

Geheime Mächte diskreditieren die deutsche Presse gezielt und untergraben ihre Glaubwürdigkeit systematisch von innen und von außen. Es gibt eine richtige Weltverschwörung gegen die deutsche Presse. Und wer steckt dahinter? Die Bilderberger? Nein. Der CIA? Nein. Der Geist von Osama Bin Laden? Nein. Die Russen sind es. Die Russen und ihr Muskelmann, der Putin, dieser Macho im Anzug.

Die Luft in den Redaktionen deutscher Medien muss dünn sein, wenn sie schon auf das zurückgreifen, was sie bei anderen mit spitzen Fingern und geringelter Nase goutieren: Verschwörungstheorien!

Aber ist es auch eine?

“Das klingt für mich nach einer Verschwörungstheorie. Haben Sie Belege dafür, dass der russische Geheimdienst Pegida unterstützt?”

Wickert: “Nein. Keineswegs. Ich sage nicht, dass es so ist. Aber wir müssen darüber nachdenken! Und wenn wir uns anschauen, wie sich die russischen Medien mit deutscher Berichterstattung auseinandersetzen, müssen wir sagen: Hier gibt es Versuche der russischen Propaganda, Dinge in Deutschland zu bewegen.”

Wenn jemand eine Aussage über die Realität aufstellt, die er für so wichtig und richtig hält, dass er sie nicht nur aufstellt, sondern auch weitererzählt, dann hat er damit eine Theorie über Zusammenhänge in der Realität zum Besten gegeben. Dass er keine Belege für seine Theorie anfügen kann, ändert nichts daran, dass er eine Theorie aufgestellt hat. Und so sehr sich der Herr Wickert auch winden mag, er hat eine Verschwörungstheorie aufgestellt. Er behauptet eine Verschwörung der Russen, deren Ziel darin besteht, deutsche Medien in Misskredit zu bringen – als wäre dazu eine Verschwörung notwendig.

Nicht nur das, er führt auch Indizien an, die nach seiner Ansicht für seine Verschwörungstheorie sprechen:

“Das ist mir neu, war es doch die Pegida-Bewegung, die dieses Wort [Lügenpresse] gebraucht hat?”

“Ja, aber wie kam die Idee dort auf? Fakt ist, dass der russische Staat ausländerfeindliche Bewegungen in Europa unterstützt, zum Beispiel den Front National in Frankreich. Der hat zugegeben, mehrere Millionen Euro aus Moskau erhalten zu haben. Und wenn ich jetzt KGB-Chef wäre, was würde ich in Deutschland tun? Die Presse diskreditieren, indem ich ein Wort wie „Lügenpresse“ lanciere.”

conspiracy-theoryDas ist nicht nur eine Verschwörungstheorie, das ist eine 1a-Verschwörungstheorie. Da gibt es die deutsche Presse, jene Ansammlung hingebungsvoller, rechtsschaffender und vor allem ehrlicher Menschen, deren Ziel allein darin besteht, die deutsche Medienöffentlichkeit mit der ungeschminkten Wahrheit zu beglücken und deren Mitglieder deshalb bemüht sind, stets alles, ohne Auslassungen und Wertungen zu berichten, wie es sich zugetragen hat. Und da gibt es den Russen und seinen KGB, jene Ansammlung der Bösen, wo man die glückliche heile Welt der hervorragenden Berichterstattung deutscher Medien und der ihr bedingungslos ergebenen Rezipienten nicht mitansehen kann und deshalb Unfrieden stiften will.

Was tun? Den Begriff “Lügenpress” lancieren. Überraschenderweise findet dieser Begriff bei Tausenden und Abertausenden ja bei Millionen deutscher Bürger Anklang, was aufgrund der Ergebenheit, mit der die Bürger den täglichen Wahrheitsberichten des Wahrheitsfunks lauschen, so nicht zu erwarten war und zeigt, wie gefährlich der Russe und seine fiesen Methoden der Massenbeeinflussung doch wirklich sind. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich der Begriff der Lügenpresse unter den Leichtgläubigen, leicht Beeinflussbaren, die nicht mehr sehen, was ist, die die tägliche Wahrheitsberichterstattung nun, unter russischem Einfluss, mit Lügenpresse verwechseln. Die deutsche Wahrheitspresse ist diskreditiert. Der Russe ist schuld, und Ulrich Wickert hat es entdeckt!

Wenn das keine Verschwörungstheorie ist!

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Professionelle Betroffenheit: “Wir weinen” um einen erfundenen Toten

Der Tod eines 24jährigen Syrers, der als Folge des Anstehens am Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales am 27. Januar verstorben sein soll, hat Wellen geschlagen. Die SMS-Mitteilung des Todes liest sich im Dialog zweier Helfer von “Moabit hilft” wie folgt:

“Was hat er?
ich weiß es nicht, er hat 39,4 Fieber, SChüttelfrost und kann nicht mehr sprechen. Ich denke, ich rufe einen Krankenwagen jetzt
>>Mach das definitiv!!!
Sag Bescheid wenn Du Hilfe brauchst! Ich komm auch vorbei danke, hab angerufen

Ok, sitze im krankenwagen herzstillstand
>>ich glaubs nicht F***!!!!!!!! (…) Brauchst DU dort support??? Ich komm vorbei und halt Deine Hand das kann doch nicht sein Du bist doch selbst noch krank
Geht Arabisch – Englisch – Übersetzung auch??? Hasan ist noch wach

Mein Freund Matthias ist Arzt, er bringt wen mit. zum übersetzen
meld mich gleich
>>Ich geb Khaled deine No per Telefon sofort möglich
Er hat versucht dich anzurufen, er macht das fantastisch – Muttersprachler und liebster Mensch – geht das per Telefon und hilft bis der von Matthias kommt?

Danke Reyna, bin in Klinik Matthias ist jetzt hier. Kann ich Khaled noch etwas anrufen?
Kann er mich adden, bitte?
>>Ja!
Ich sag’s ihm
Hab dir seine nr auch geschickt – du hast ihn grade scheint’s weggedrückt

bin in klinik
>>Kannst nicht trl.?
Der hält sich grade für euch noch wach

Nein, er stirbt. kann nicht telenieren
>>Dirk du darfst in der Situation nicht allein sein. Schnips mit dem Finger und ich komm.
Name Klinik reicht

Er ist gerade verstorben Ich melde mich hiermit offiziell ab
>>Ich bin mit allem, was ich habe an Geist und Herz bei dir. Jetzt, den Rest der Nacht und morgen und immer. Tränen”

Die Geschichte ist tragisch, sehr tragisch, wenn sie wahr ist und wenn es stimmt, dass Flüchtlinge stundenlang in der Kälte zubringen müssen, um sich bei einem Amt einen Stempel unter einem Formular abzuholen, das man problemlos über das Internet verbreiten könnte. Und weil der Tod des 24jährigen Syrers so tragisch ist, muss er gleich per Todesanzeige genutzt werden, und zwar so:

Fluechtlinge gestorben.jpg

Auch die deutsche Presse ist betroffen und formuliert Schlagzeilen wie:

24jähriger Syrer: “Moabit hilft” meldet Tod von Flüchtling am LaGeSo.

oder

Flüchtling nach tagelangem Anstehen in Berlin gestorben

oder

Flüchtling nach tagelangem Anstehen in Kälte gestorben

oder

Betroffenheit nach Tod eines jungen Syrers

Und jetzt kommt es:

Der 24jährige Syrer, der in Berlin nach langem Anstehen gestorben sein soll, es gibt ihn nicht.

Die Geschichte ist frei erfunden.

Uns interessiert hier nicht in erster Linie, wieso Dirk, der Helfer von “Moabit hilft” meint, den Tod eines Menschen frei erfinden zu müssen. Diese Frage sollen Psychiater beantworten. Man kann nur erschreckt annehmen, dass Helfer Tote herbeizusehen scheinen, um das Marketing dafür anzukurbeln, die mit Sicherheit schlechten Zustände zu verbessern wie sie z.B. vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales herrschen.

Tagesspiegel toter FluechtlingDie Stimmung unter den Helfern muss entsprechend hysterisch und aufgeladen sein, die ideologische Ladung geradezu explosiv, so dass man die Freude darüber, dass trotz aller schlechter Bedingungen, nichts passiert, in die Hoffnung umkehrt, ein Opfertod möge die schlechten Bedingungen anprangern, wenn schon nicht verändern. Man fühlt sich an die Homosexuellen-Aktivisten erinnert, die partout darauf bestehen, dass Homosexuelle sich öfter das Leben nehmen als Heterosexuelle, und anstatt freudig darüber zu sein, dass die Daten den häufigeren Suizid von Homosexuellen nicht belegen, sind sie verärgert und verbiestert und bezeichnen jeden, der es wagt, an ihrer Todessehnsucht für andere zu sägen, als homophob. Flüchtlingshelfer in Berlin scheinen dieses Syndrom zu teilen.

Die erfundene Geschichte vom Tod des 24jährigen Syrers hat eine Welle der Betroffenheit und einen Berg von Grabkerzen nach sich gezogen. Professionell Betroffene sind zum Ort des Geschehens gepilgert, um sich dort als betroffen, betroffen über den Tod eines Menschen, den sie nicht kannten, zu zeigen.

Das Betroffenheitshappening zeigt deutlich, wozu Flüchtlinge manchen in Deutschland dienen: Aus ihnen lässt sich moralisches Kapital schlagen. Syrer, syrische Flüchtlinge und am besten noch, syrische Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen und sterben, das sind derzeit die besten Mittel, die man instrumentalisieren kann, um die eigene Gutheit und die eigene moralische Überlegenheit zu inszenieren, um sich selbst als Krone der deutschen Schöpfung darzustellen.

Man muss entsprechend entsetzt über die Art und Weise sein, in der Flüchtlinge in Deutschland instrumentalisiert werden. Dies gilt nicht in erster Linie für Dirk, den Helfer, der den Tod des 24jährigen Syrers frei erfunden hat, sondern vor allem für die professionellen Betroffenen, die mit ihren Grabkerzen bereits in den Startklötzen gekauert haben, um endlich ihre moralische Entrüstung loswerden zu können und sich selbst als richtig betroffen und vor allem richtig gut inszenieren zu können.

Derartige moralische Inszenierungen müssen betroffen machen, wenn man die Meldung des toten Syrers als Erschütterungsexperiment auffasst, wie es in der Ethnomethodologie angewendet wird, um kulturelle Überzeugungen zum Vorschein zu bringen. Was die Falschmeldung über den Tod eines 24jährigen Syrers in Berlin zum Vorschein gebracht hat, sind kulturelle Überzeugungen, die in egozentrischen Zirkeln um die eigene Person kreisen und nur dann Kontakt zur Außenwelt aufnehmen, wenn man andere instrumentalisieren kann, um auf ihrem Rücken oder auf ihrer Leiche, eigene Ziele zu erreichen.

Wem dieses Urteil zu harsch erscheint, der kann leicht den Gegenbeweis antreten, in dem er uns die Freudengesänge und Bilder und Happenings der Freude all derer zeigt, die eben noch betroffen und bestürzt, nun erleichtert und erfreut darüber sind, dass kein 24jähriger Syrer in Berlin gestorben ist.

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TU-Braunschweig: Frauen gleich nach Behinderten

Die politisch korrekte Nomenklatur, sie treibt eine große Anzahl von Blüten, wobei jede dieser Blüten erhebliche Zweifel an der geistigen Verfassung der Gehirne weckt, die die Saat ausgebracht haben.

Da ist zum Beispiel die TU-Braunschweig, die derzeit eine “Juniorprofessur (BesGr. W 1) für „Lehr- und Lernforschung am Schülerlabor für Chemie” zu besetzen versucht. Neben der Stellenbeschreibung und dem üblichen politisch-korrekten Marketing-Text, finden Leser, die es bis zum Ende der Ausschreibung durchhalten, die folgenden Hinweise:

TU-Braunschweig MinderbemittelteDie Technische Universität Braunschweig ist bestrebt, den Frauenanteil zu erhöhen und fordert daher Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf.

Frauen werden bei gleichwertiger Qualifikation bevorzugt berücksichtigt. Auf Wunsch kann eine Teilzeitbeschäftigung ermöglicht werden.

Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt.”

Zunächst fällt auf, dass hier ein Komparativ benutzt wird, ohne dass der Maßstab des Vergleichs benannt wird, denn: “gleicher Qualifikation” oder “gleichwertiger Qualifikation” ist ein zweistelliger Funktor, der einen Vergleichsmaßstab verlang. Bei diesem Vergleichsmaßstab handelt es sich um: Männer, um männliche Bewerber.

Jetzt ist es raus, das Wort, das in Ausschreibungen staatlich Abhängiger wie der TU-Braunschweig so peinlich vermieden werden muss: Männer.

Männer sind das non-plus ultra der Ausschreibung, an denen die anderen Bewerberklassen gemessen werden. Es gibt derer zwei, zwei Bewerberklassen, die nicht die Normalität des Qualifikationsniveaus von Männern erreichen:

(1) Frauen und
(2) Behinderte.

Gleich nach Männern in der geistigen Hierarchie der Fähigkeiten kommen an der TU-Braunschweig Behinderte. Von ihnen kann man gleiche Qualifikationen erwarten wie von Männern, wobei männliche Behinderte eine Unterklasse von Männern sind, was die Absurdität der politischen Korrektheit darin Niederschlag finden lässt, dass nunmehr die Hierarchie mit behinderten Männern beginnt, die wiederum vor Männern stehen. Sie alle sind zu gleicher Leistung fähig.

Ja. Und dann gibt es bei Bewerbungen an der TU-Braunschweig noch weibliche Bewerber. Diese Bewerber sind das Problem der Verantwortlichen, denn von ihnen kann nicht die im Vergleich zu männlichen Bewerbern gleiche Leistung wie von Behinderten erwartet werden. Bestenfalls eine gleichwertige Leistung kann von Frauen erwartet werden.

Der Unterschied zwischen “gleiche Leistung” und “gleichwertige Leistung” er ist erheblich, denn: Eine gleiche Leistung kann unabhängig festgestellt werden, objektiv, wenn man so will. Zwei Marathonläufer, die zeitgleich durchs Ziel gegangen sind, haben eine gleiche Leistung erbracht. Zwei Schüler, die alle Aufgaben des Mathematiktests richtig gelöst haben, haben ebenfalls eine gleiche Leistung erbracht.

Eine gleichwertige Leistung ist keine gleiche Leistung. Die Feststellung, dass eine Leistung gleichwertig zu einer anderen Leistung ist, bedarf, wie der Begriff “gleichwertig” schon sagt, einer Bewertung. Die Leistung von A muss von einem Dritten der Leistung von B als gleichwertig bewertet werden.

Damit öffnet sich für die einen eine Schlangengrube, denn wenn man gleichwertig als Maßstab zulässt, dann kann man Debile in den Mensa-Club aufnehmen, denn für einen vollkommen Dementen ist ein IQ von 45 vermutlich eine Leistung, die der 195 des Hochintelligenten gleichwertig sein kann, nimmt man die unterschiedlichen Ausgangspunkte zum Maßstab.

Für diejenigen, die ideologisch unterwegs sind, und ihre Ideologie ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Kosten durchsetzen wollen, eröffnet die Bezeichnung “gleichwertig” gerade die Möglichkeit, die Aufnahme von Debilen in den Mensa-Club einzuklagen.

Übertragen bedeutet dies, dass die bevorzugte Behandlung von weiblichen Bewerbern bei “gleichwertiger Qualifikation” notwendig davon ausgehen muss, dass (1) weibliche Bewerber grundsätzlich unfähig zu gleicher Qualifikation mit männlichen Bewerbern sind und entsprechend (2) von einem tieferen geistigen Ausgangsniveau starten, so dass geringere Qualifikation gemessen am geringeren Ausgangsniveau eine gleichwertige Leistung zu  männlichen Bewerbern mit höherer Qualifikation und mehr IQ darstellen kann.

Kurz: In Braunschweig, an der TU-Braunschweig, da hält man weibliche Bewerber für grundsätzlich dümmer als Männer, weshalb man von ihnen nur gleichwertige, nicht aber gleiche oder gar bessere Qualifikation verlangen kann. Entsprechend stellt sich die politisch-korrekte Hierarchie der Sexisten an der TU-Braunschweig wie folgt dar:

In abnehmender Qualifikation:

1. Behinderte männliche Bewerber,
2. männliche Bewerber,
3. behinderte weibliche Bewerber,
4. weibliche Bewerber.

Was uns wundert ist, dass es tatsächlich weibliche Bewerber geben soll, die sich auf Stellen, wie die von der TU-Braunschweig ausgeschriebene, die ihnen eine a-priori schlechtere Qualifikationen im Vergleich zu Männern und Behinderten bescheinigt, bewerben – aber vielleicht stimmt bei den weiblichen Bewerbern, die sich auf solche Stellen bewerben ja die Annahme der TU-Braunschweig, dass diese Bewerber nicht in dem Maße intelligent sind, wie männliche Bewerber. Wie sonst sollte man erklären, dass die entsprechenden weiblichen Bewerber nicht einmal merken, dass sie beleidigt werden?

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf diese Ausschreibung.

 

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Die Schule der Unaufrichtigkeit

Dr. habil. Heike Diefenbach liest derzeit Robert Spaemann, mit viel Spass und der Konsequenz, dass in der Redaktion von ScienceFiles oft über Spaemann und seine Philosophie gesprochen wird, denn: Seine Ideen sind bemerkenswert und seine Philosophie ist eine faszinierende, stringent argumentierte Philosophie.

Robert Spaemann ist ein deutscher Philosoph, der in den wissenschaftlichen Anstalten Deutschlands kaum rezipiert wird, jedenfalls nicht in dem Ausmaß, das seiner Philosophie und seiner Arbeit gerecht werden würde. Dagegen sind die Arbeiten von Spaemann ins Englische übersetzt und Spaemann gewinnt international die Anerkennung, die ihm in Deutschland bislang versagt bleibt.

Der Grund dafür, dass Spaemann’s Werk in Deutschland nur selten rezipiert oder bearbeitet wird, liegt wohl in der Geradlinigkeit seiner Argumentation und den Inhalten seiner Argumentation, die Gutmenschen und allen, die sich als gut inszenieren wollen, und davon gibt es in Deutschland wahrlich Legionen, nicht gefallen können.

Spaemann_moralische GrundbegriffeSo ist Spaemann der Ansicht, dass Handlungen, Einzelhandlungen, zwar in einem Kontext erfolgen, immer aber für sich stehen und als solche “diskrete Entitäten” alleine die Möglichkeit eröffnen, ethische Urteile über die Handlungen anderer Menschen, über die Sittlichkeit von deren Handlung zu sprechen.

Dies kann Leuten nicht in den Kram passen, die Dritte z.B. dazu zwingen wollen, etwas zu tun, was diese Dritten nicht tun wollen und dies damit rechtfertigen, dass die Handlung das Beste für diese Dritten sei. Als Einzelhandlung betrachtet, stellt der Handlungszwang, dem Dritte unterworfen werden, eine unmoralische Handlung dar und führt dazu, wie Spaemann stringent argumentiert, dass das entsprechende ethische Urteil über den Zwingenden oder den Gutmenschen in unserer Diktion negativ ausfallen muss, mehr noch: die Behauptung eine schlechte Handlung sei im Rahmen eines größeren guten Kontextes notwendig, wird von Spaemann im Anschluss an Pascal als “Schule der Unaufrichtigkeit” offengelegt.

Wir geben im Folgenden Teile seines Beitrags über Einzelhandlungen wider, in dem Spaemann diese Argumentation ausbreitet.

“Wir fragen uns nicht ganz allgemein ‘Wohin soll mein Leben gehen?’, sondern: ‘Was soll ich jetzt tun?’. Und diese Frage beantworten wir durch Benennung eines bestimmten Inhalts, der eine bestimmte Handlung zu dem macht, was sie ist, eines bestimmten ‘Objekts’, wie es in der Sprache der Scholastik hieß. Dieser Inhalt der Handlung ist es, der sie zu einer solchen Handlung macht, und nur indem sie eine solche Handlung ist, ist sie überhaupt eine identifizierbare Handlung.
Nur über solche, durch Universalien bestimmte und identifizierbare Handlungen können wir uns miteinander verständigen. Und nur solche Handlungen können wir voreinander rechtfertigen. Rechtfertigung aber ist jedenfalls dort unverzichtbar, wo andere von den Folgen meines Handelns betroffen sind. Wäre nur das Ganze einer Lebenspraxis beurteilbar, und dies zudem nur unter dem Gesichtspunkt einer universellen Optimierungsstrategie, dann wäre ein die Praxis begleitender sittlicher Diskurs, dann wären auch sittliche Äußerungen wie Lob und Tadel gar nicht möglich. Wir könnten einander nicht in die Karten schauen, und auch jede Mitteilung über den Sinn unseres Handelns, ja jede Kommunikation stünde, statt unter dem Wahrheitsanspruch, unter dem Gebot der Weltoptimierung, also unter einer strategischen Absicht.
[…]
Die menschliche Lebenspraxis aber ist eine Form von Sprache. Handelnd geben wir einander etwas zu verstehen. Ja, handelnd lernen wir erst, uns selbst zu verstehen.
[…]
Im übrigen herrscht eine eigentümliche Asymmetrie zwischen Wahrheit und Falschheit. Für die Wahrheit komplexer Sätze gilt: Eine Konjunktion von Teilsätzen wird durch die Falschheit eines Teilsatzes als Ganze falsch, durch die Wahrheit eines Teilsatzes aber nicht wahr.
[…]
Eine ihrem Typus nach schlechte Einzelhandlung kann nicht durch einen übergreifenden Kontext gutgemacht werden, wohl aber die übergreifende, von einer guten Absicht geleitete Handlungssequenz durch eine schlechte Einzelhandlung schlecht. Mit – ihrem Typus nach – guten Einzelhandlungen verhält es sich umgekehrt: Sie werden durch den schlechten Charakter der Handlungssequenz – also durch deren schlechten ‘Zweck’ – selbst korrumpiert, statt umgekehrt den sittlichen Charakter des Komplexes zu sanieren. Mit anderen Worten, der schlechte Zweck verdirbt das gute Mittel, aber der gute Zweck heiligt nicht das schlechte.
[…]
Es gibt Handlungen, deren moralische Verwerflichkeit deshalb ohne Ansehung des Kontextes von außen beurteilbar ist, ohne dass deshalb über die Gesinnung, also die moralische Qualität der handelnden Person, ein definitives Urteil gefällt werden muss. Über die Lobwürdigkeit einer Handlung kann – aufgrund des Handlungstypus – häufig ebenfalls von außen geurteilt werden, allerdings nur im Sinne eines prima facie Urteils, das durch die Aufdeckung eines korrumpierenden Kontextes revisionsbedürftig werden kann. Worauf es mir ankommt ist, zu zeigen, dass die Annahme von Einzelhandlungen als diskreten Entitäten die Bedingung eines die Lebenspraxis begleitenden ethischen Diskurses ist.
[…]
Fast jede Handlung steht in einer Anzahl verschiedener Kontexte. […] Jeder dieser Kontexte kann dazu dienen, die Handlung zu beschreiben. Komplexe Handlungen sind Handlungen, die wir beschreiben, indem wir sagen, dass jemand etwas tut, indem er etwas anderes tut oder unterlässt.
[…]
Spaemann personenWichtig ist hier, dass es sich nicht um eine zeitliche Folge von Ursachen und Wirkungen, von Mitteln und Zwecken handelt, sondern um eine Integration von Bedeutung. Das Gelingen des Lebens verhält sich zu den Handlungen, die diesem telos dienen, nicht wie der Zweck zu den Mitteln, sondern wie das Ganze zu den Teilen. Die Teile erfüllen eine Funktion für das Ganze, aber sie bilden zusammen selbst dieses Ganze. Die einzelne Handlung aber ist nur dadurch Teil des Ganzen eines gelungenen Lebens, dass sie selbst bereits ein Ganzes ist, indem sie zu einem bestimmten Zeitpunkt die handelnde Person zur Erscheinung bringt. Der Mensch ist der, der dies – und das heißt, der ’so etwas’ – tut.
Die Beschreibung der Handlung, also die Definition des ’so etwas’ kann, wie wir sahen, verschieden sein, aber sie ist nicht beliebig. Ich kann, …, von jemandem sagen: ‘Er hat Peter eine Mitteilung gemacht’ oder ‘er hat Hans beleidigt’ oder ‘er hat sich gerächt’. Aber diese Beschreibungen stehen in einem eindeutigen Verhältnis der Über- und Unterordnung zueinander. Er hat sich gerächt, indem er Hans beleidigte, und er hat Hans beleidigt, indem er gegenüber Peter bestimmte Äußerungen tat. Diese Reihenfolge ist nicht umkehrbar. Vor allem aber: die jeweils spätere Beschreibung hebt die jeweils frühere, grundlegendere nicht auf. Man kann mit Bezug auf sie nicht, wie es der amerikanische Moraltheologe McCormick tut, von einem ‘expanded object’ sprechen, das es erlaubt, eine an sich unsittliche Handlung umzudefinieren und in eine sittliche zu verwandeln: so also zum Beispiel die Handlung der Tötung von zehn unschuldigen Menschen in die Handlung der Rettung von 100 anderen, die, wenn diese Tötung verweigert worden wäre, hätten sterben müssen. Diese konsequentialistische oder ‘proportionalistische’ Sicht läßt nicht nur die identifizierbaren Einzelhandlungen in einem Bedeutungskontinuum untergehen, sie ist auch, worauf schon Pascal hinwies, eine Schule der Unaufrichtigkeit. Die Kunst, die sie lehrt ist: ‘diriger l’intention’. Wem es am besten gelingt, dem, was er tun will, eine gute Absicht zu unterlegen und alles andere zu verdrängen, der hat einen Freibrief, zu tun, was er will. Die einzelne Handlung hat als solche gar keine Identität und daher auch keine sittliche Qualität.”

Aus: Spaemann, Robert (2000). Einzelhandlungen. Zeitschrift für philosophische Forschung 54(4): 514-531.

Wortmagie: Nasenringe und Manegen

Trommelwirbel!
Hokuspokus: Repräsentativ!

In einer groß angelegten, repräsentativen Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut FORSA im Auftrag der Initiative Dialog Milch die Wahrnehmung und das Ansehen der deutschen Milchwirtschaft in den Augen der deutschen Verbraucher untersuchen lassen.”

Europe According to Germany

Alphadesigner’s Mapping Stereotypes Project

Wie groß angelegt die Untersuchung war, niemand weiß es. Die Ergebnisse gibt es ausschließlich in Prozentwerten. Macht alles nichts. Hokuspokus: repräsentative Umfrage!

In der Schweiz wird Jugendverbänden die Unterstützung gekürzt: “Nun zeigt die gfs-Umfrage, dass die Argumentation des Bundesamtes wenig mit der Meinung der Bevölkerung zu tun hat. Kinder- und Jugendlager sind weitherum beliebt, gerade auch solche mit christlichen Inhalten. Die repräsentative Umfrage wurde vom gfs-zürich im Auftrag der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA im letzten Herbst durchgeführt.”

Es folgen Prozentwerte, repräsentative natürlich. Das überzeugt und ersetzt jedes Argument.

Wussten Sie schon: Die 1980er Jahre sind das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen! “Repräsentative Umfrage: Von Aids bis Tschernobyl – das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen

Nun wissen wir es: 1980er! Repräsentativ, repräsentative Prozentwerte natürlich. Widerspruch zwecklos und nicht repräsentativ.

Dafür: Politik – repräsentativ:

Mehrheit der Deutschen für Grenzschließungen: “In einer repräsentativen N24-Emnid-Umfrage fordert eine große Mehrheit der Befragten eine Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik”.

europe-according-to-luxembourg.pngBefrage 1000 und spreche für die Mehrheit der Deutschen. Hokuspokus: repräsentativ.

Nachhaltige Geldanlagen – repräsentativ:

“REPRÄSENTATIVE UMFRAGE ZU NACHHALTIGEN GELDANLAGEN: Verbraucher sind grundsätzlich bereit, viele Milliarden Euro in nachhaltige Geldanlagen zu investieren …”

Nachhaltige Verbraucher gibt es nur in Prozentwerten, aber: repräsentativ, jeder für sich – zumindest.

Weiter geht’s: Waschmaschinen leihen – repräsentativ.

“Immer mehr Deutsche können sich vorstellen, teure Produkte wie ein Auto, eine Waschmaschine oder einen Trockner künftig nicht mehr zu kaufen – sofern es eine bequeme und sichere Möglichkeit gibt, die Dinge stattdessen gehen eine Leihgebühr anlassbezogen zu nutzen. Das ergibt eine neue repräsentative Umfrage unter 1000 erwachsenen Deutschen im Auftrag des US-Softwarehauses Zuora, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.”

Zwar wurden nicht “immer mehr Deutsche” befragt, sondern nur 1000 und nur zu einem Zeitpunkt, aber natürlich: repräsentativ und in Prozentwerten und als Fehlschluss der unzulässigen Verallgemeinerung.

Hasspost online – repräsentativ.

Fast ein Drittel der 14-35-Jährigen hat in den vergangenen drei Monaten in Sozialen Netzwerken Postings von Freunden bemerkt, in denen gehetzt wurde. Das geht aus einer Umfrage von Statista und appinio hervor. Gemeinsam wurden über die Umfrage-App 1.000 Personen zwischen 14 und 35 Jahren befragt.”

europe-in-2009-mapVermissen Sie was?
Kein Problem:

“Weniger als die Hälfte, genau 47 Prozent, gaben in der repräsentativen Umfrage, in der Mehrfachnennungen möglich waren, an, dass sie nicht in Sozialen Medien aktiv seien oder keine der zuvor genannten Aussagen auf sie zutreffe. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass rund die Hälfte der 14-35-Jährigen seit November über ihre Kontakte in Sozialen Medien in einer Form in Kontakt mit hetzerischen oder unseriösen Postings oder Beiträgen gekommen sind.”

Natürlich bedeutet es das nicht, bestenfalls, dass ein Drittel der Befragten mit Inhalten in Kontakt gekommen ist, die sie für hetzerisch oder unseriös halten. Wir zum Beispiel, wir halten diesen Beitrag von statista für hetzerisch oder unseriös [Unzutreffendes bitte streichen] – aber wir sind auch schon älter.

Noch einer: Flughafenausbau – repräsentativ.

Knapp 24 Jahre nach der Eröffnung des Münchner Flughafens wird die Ansiedlung des Airports von den weitaus meisten Bewohnern der Flughafenregion positiv bewertet. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen repräsentativen Befragung, die Flughafenchef Dr. Michael Kerkloh heute gemeinsam mit dem Beauftragten für die Flughafenregion, Rudolf Strehle, am Münchner Airport den Bürgermeistern und politischen Mandatsträgern aus der Region vorstellte.”

Gut für den Flughafenchef, dass herauskommt, was er gerne hört, repräsentative Ergebnisse die gefallen.

Mehr davon:

Repräsentative Stromerzeugung – zuhause.

Für 26 Prozent der Deutschen ist eine Solaranlage auf dem Dach – überwiegend in Kombination mit einem Stromspeicher im Keller – ein wesentliches Entscheidungskriterium bei Kauf oder Anmietung einer Immobilie. Ansonsten hat die Bedeutung von Energiethemen bei der Wohnungs- und Haussuche im Vergleich zum Vorjahr jedoch abgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die fünfte repräsentative Immobilien-Umfrage von LichtBlick. Für die Umfrage hat das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag des IT- und Energieanbieters 2.034 Bundesbürger ab 18 Jahren in einer repräsentativen Untersuchung online befragt.”

Wie gut, dass die vom IT- und Energieanbieter über YouGov Befragten sich ihre (Miets-)Wohnung aussuchen konnten – von wegen Wohnungsknappheit…

Gestern im Aufzug:
Fahrgast 1: “Wir haben eine Studie gemacht, die hat interessante Ergebnisse erbracht.”
Fahrgast 2: “Ist die auch repräsentativ?”
Fahrgast 1: “Ja, sicher.”

europe-according-to-the-future-2022Sie haben eine Umfrage mit dubiosen Ergebnisse? Macht nichts: Minimum 1000 Befragte und das Wörtchen “repräsentativ” und schon ist die Umfrage nicht dubios, sondern aussagekräftig, für alle Deutsche, alle Mieter, alle Anwohner des Münchner Flughafens, alle Milchtrinker … alle, die man gerade brauchen kann oder benutzen will.

Das Schöne an Repräsentativität ist: Jeder kennt sie, jeder führt sie im Munde und kaum jemand weiß, was es ist. Aber das macht nichts, denn das beste Kampfmittel ist der geruchslose Agent: “Ihre Befragung ist ja gar nicht repräsentativ!”, das ist das Sarin der öffentlichen Diskussion, soll zerstören, was nicht gefällt, nicht passt oder nicht zugelassen werden soll.

Andererseits ist nichts einfacher, als leichtgläubige Gemüter am Nasenring der Repräsentativität durch die Manege zu führen und ihnen so ziemlich alles als ihre Meinung unterzuschieben, in diesem Land, in dem die Zustimmung zur Mehrheitsmeinung, zur repräsentativen Mehrheitsmeinung so wichtig ist und in dem sich die Wichtigtuer mit dem Verweis auf die Repräsentativität, jene Schachtel ohne für sie verstehbaren Inhalt, die Klinke der Subordination in die Hand geben.

Was es mit den Prozentzahlen auf sich hat, kann hier nachgelesen werden.

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Meinungsmanipulations-Umfragen: So einfach geht’s

Manche kennen sicher die Geschichte des Ökonomen, der auf einer einsamen Insel strandet. Mit ihm strandet eine Schiffsladung Bohnen in Tomatensoße, in Dosen. Der Ökonom hat keinen Dosenöffner und geht das hartnäckige Problem des Öffnens von Dosen auf betont ökonomische Art an: Nehmen wir an, wir hätten einen Dosenöffner.

Im Gegensatz zu so manchem Leichtgläubigen, der noch an die Repräsentativität glaubt, wird unser Ökonom recht schnell an die Grenzen seiner Modellwelt stoßen, und die Annahme, er habe einen Dosenöffner, durch die Dosenbearbeitung mit verfügbaren Instrumenten ersetzen.

SciencefilesDas unterscheidet diejenige, die daran glauben, man könne eine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung ziehen und die Ergebnisse der Stichprobe dann wieder auf die Bevölkerung hochrechnen, vom Ökonomen: Sie werden nicht mit dem Problem ihrer abstrusen Annahme konfrontiert, denn es gibt keine Möglichkeit, die Behauptung, der vorliegende Datensatz sei repräsentativ für die Bevölkerung zu prüfen.

Aber es gibt eine Vielzahl von Argumenten, mit denen man zeigen kann, dass die theoretisch vielleicht mögliche Ziehung einer repräsentativen Stichprobe in der Realität und an der Realität scheitern muss. Wir haben die entsprechenden Argumente bereits in einem früheren Post zusammengestellt.

Die behauptete Repräsentativität von Befragungen durch Meinungsforschungsinstitute hat in heutigen Gesellschaften häufig den Status des Legitimationsbeschaffers für Regierung, Parteien oder sonstige Interessenverbände. Sie lassen Befragungen durchführen und präsentieren deren Ergebnisse dann stolz als repräsentativ für die Bevölkerung und Unterstützung ihrer Politik oder beabsichtigten Politik.

Weil Meinungsumfragen diesen Status des Legitimationsbeschaffers innehaben, ist die Behauptung, eine Stichprobe von 1000 Befragten sei repräsentativ für die Bevölkerung, zu einem politischen Machtmittel geworden. Die Behauptung der Repräsentativität entlastet Politiker vom Kontakt mit Wählern und verschafft Umfrageinstituten eine stetig sprudelnde Quelle, und ganz nebenbei kann diese Quelle fast nach Belieben manipuliert werden.

Bei Meinungsforschungsinstituten ist es bekannt, dass die Stichproben, die sie ziehen, verzerrt sind, also nicht repräsentativ, wie immer behauptet wird. Deshalb bessern die entsprechenden Institute nach, durch die sogenannte Gewichtung der Daten.

Wer z.B. den ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap betrachtet, dem werden ausschließlich Prozentwerte dargeboten. 44% sehen eher Nachteile als Folge der Zuwanderung nach Deutschland. Gleiches findet sich bei Forsa: “Im stern-RTL-Wahltrend gewinnen CDU/CSU im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt hinzu und kommen auf 39 Prozent.”

Wie viele Befragte diese 39% sind, die angeben, die CDU/CSU wählen zu wollen, wie viele Befragte sich hinter den 44% verstecken, die mehr Nachteile als Folge der Zuwanderung sehen, das erfährt man von keinem Umfrageinstitut und mit gutem Grund, denn würden die entsprechenden Angaben gemacht, die Leser würden sich wundern, sehr wundern. Und dass Sie sich wundern würden, liegt an den tatsächlichen Fallzahlen und an der Gewichtung, die aus tatsächlichen Befragten, repräsentative Befragte machen soll.

Um zu sehen, wie über Gewichtung nicht nur die Daten auf repräsentativ geschminkt werden sollen, sondern auch die Möglichkeit der Manipulation gegeben ist, erklären wir im folgenden die Funktionsweise der Gewichtung.

Nehmen wir an, ein Umfrageinstitut zieht zufällig eine Stichprobe und fragt nach der Partei, die ein Befragter bei einer letzten Wahl gewählt hat und nach der Partei, die er bei der nächsten Wahl wählen will. Das Ergebnis dieser Befragung ist in der folgenden Tabelle dargestellt.

Partei Wahlergebnis Stichprobe Wahlabsicht Stichprobe
CDU 25% 20%
Grüne 20% 15%
SPD 20% 15%
AfD 15% 25%

Tatsächlich hat die letzte Bundestagswahl eine andere Verteilung erbracht, als die Frage nach der letzten Wahlentscheidung in der Stichprobe unseres Meinungsforschungsinstituts. Mit anderen Worten, es ist nicht gelungen, das Wahlergebnis der letzten Wahl in der Stichprobe zu replizieren. Die Stichprobe ist also verzerrt und entsprechend nicht repräsentativ. Die nächste Tabelle zeigt das noch einmal:

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Wahlabsicht Stichprobe
CDU 39% 25% 20%
Grüne 24% 20% 15%
SPD 23% 20% 15%
AfD 5% 15% 25%

Die offensichtliche Abweichung zwischen dem tatsächlichen Ergebnis, das die entsprechende Partei bei der letzten Wahl erreicht hat, und dem Ergebnis, das in der Stichprobe ausgewiesen wird, ist erheblich und offensichtlich eine Abweichung von der Realität, die man doch mit der angeblich repräsentativen Stichprobe abbilden will.

Was tun?

Gewichten!

Wenn die Daten, die man hat, von der Realität abweichen, dann muss man sie eben an die Realität anpassen, sie manipulieren. Das geht wie in der folgenden Tabelle dargestellt, in dem das tatsächliche Wahlergebnis, zum Ergebnis der letzten Wahl, wie es sich in der Stichprobe darstellt, ins Verhältnis gesetzt wird.

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Gewichtungs-faktor Wahlabsicht Stichprobe
CDU 39% 25% 1,56 20%
Grüne 24% 20% 1,2 15%
SPD 23% 20% 1,15 15%
AfD 5% 15% 0,3 25%

Gemessen am tatsächlichen Wahlergebnis, ist die CDU in der Stichprobe um den Faktor 1,56 unterrepräsentiert, die Grünen um den Faktor 1,2, die SPD um den Faktor 1,15 und die AfD um den Faktor 0,33. Mit anderen Worten: Jeder Befragte, der angibt, bei der letzten Wahl die CDU gewählt zu haben, ist 1,56 Befragte wert, jeder Befragte, der angibt, Grüne gewählt zu haben, 1,2 Befragte, jeder Befragte, der angibt, SPD gewählt zu haben, 1,15 Befragte und jeder Befragte, der angibt, AfD gewählt zu haben, 0,3 Befragte.

Nun muss natürlich noch die Frage nach der Wahlabsicht, die dann als Wahlbarometer in Medien zu finden sein wird, angepasst, also mit dem Gewichtungsfaktor gewichtet werden. Das Ergebnis findet sich in der nächsten Tabelle.

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Gewichtungs-faktor Wahlabsicht Stichprobe Wahlabsicht gewichtet
CDU 39% 25% 1,56 20% 31%
Grüne 24% 20% 1,2 15% 18%
SPD 23% 20% 1,15 15% 17%
AfD 5% 15% 0,3 25% 8%

Eh voila. In der letzten Spalte findet sich nun das gewichtet Endergebnis, wie es das Meinungsforschungsinstitut an die Öffentlichkeit geben wird, mit der Behauptung, es sei ein Ergebnis, das auf Grundlage einer repräsentativen Stichprobe gewonnen wurde.

Und warum findet man keine Angaben zur Anzahl der Befragten, die z.B. CDU oder AfD gewählt haben. Die Antwort lautet: Wegen der Gewichtung, denn die Gewichtung hat Auswirkungen auf die Anzahl der Befragten.

Partei Anzahl tatsächlich Befragter Anzahl gewichteter Befragter
CDU 250 390
Grüne 200 240
SPD 200 230
AfD 150 50

Wie man deutlich sieht, verändert die Gewichtung die Anzahl derer, die als Wähler der Parteien ausgewiesen werden. Mit anderen Worten: Gewichtung verfälscht die tatsächlichen Ergebnisse, macht manche Wähler mehrwertig, andere minderwertig und würde, wiese man sie aus, genau dieses offenkundig werden lassen. Das will natürlich niemand, wäre doch damit auch deutlich, welcher Hokuspokus sich hinter der angeblichen Repräsentativität verbirgt.

Die Tatsache, dass das Ergebnis, das als Endergebnis an die Öffentlichkeit gegeben wird, vom Gewichtungsfaktor abhängt, lässt sich nutzen, um das Ergebnis entsprechend bestimmter Interessen zu gewichten. Ein halbes Prozent hier, ein halbes Prozent da, oder die Einrechnung von 2% Fehlerwahrscheinlichkeit, die man als Meinungsforschungsinstitut immer für sich in Anspruch nehmen kann, und das Ergebnis sieht, aus, wie in der nächsten Tabelle dargestellt – wobei die Richtung der Abweichung vermutlich nach dem Motto funktioniert: Wer bezahlt, bestimmt”.

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Gewichtungs-faktor Wahlabsicht Stichprobe Wahlabsicht gewichtet inkl. bezahlter Fehler
CDU 39% 25% 1,56 20% 31% 30%
Grüne 24% 20% 1,2 15% 18% 19%
SPD 23% 20% 1,15 15% 17% 18%
AfD 5% 15% 0,3 25% 8% 7%

Nun wird es sicher den einen oder anderen geben, der denkt, diese ein/zwei Prozent in der letzten Spalte, die seien vernachlässigbar. Um diesen Irrtum aufzuklären, muss man nur überlegen, wie sich diese ein/zwei Prozent dann auswirken, wenn eine Partei versucht, die 5%-Hürde zu überspringen oder dann, wenn die Regierungsbildung zwischen zwei ideologischen Lagern umstritten ist und die letztliche Entscheidung von einem oder zwei Prozenten mehr oder weniger für die eine oder andere Richtung abhängig ist.

Zudem muss man sich klar machen, dass die meisten repräsentativen Wahrheiten, die verkauft werden sollen, in Form der 44%, die negative Folgen von Zuwanderung sehen, verkauft werden sollen, also in einer Form, die keinerlei Überprüfung zulässt. Die Möglichkeit, über Gewichtung das Zünglein an der politischen Waage spielen zu können, ist insofern nicht zu unterschätzen.

Schließlich gewichten Umfrageinstitute in der Regel auch auf Grundlage sozio-demographischer Variablen, also nach Alter, Einkommen und Bildung. Entsprechend sind die Möglichkeiten, in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen, vielfältiger als hier dargestellt.

Wer nun immer noch an die Repräsentativität glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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