Studenten intervenieren: HUmboldt Universität in Humbug-Sanatorium umbenennen

Wir sind zur Abwechslung einmal mit einer Initiative an der Humboldt-Universität einverstanden. Die Initiative, die sich Intervention nennt, will die Universität umbenennen. Das unterstützen wir und haben wir auch in der Vergangenheit bereits unterstützt. Wir haben damals Humbug-Universität vorgeschlagen, angesichts der neuesten Entwicklungen, auf die uns ein Leser von ScienceFiles aufmerksam gemacht hat, schlagen wir nunmehr: Humbug-Sanatorium, vielleicht auch Haus am Zauberberg vor.

Lann HornscheidtEin Insasse des Humbug-Sanatoriums nennt sich Lann Hornscheidt und möchte mit “Sehr geehrtx Profx. Lann Hornscheidt” angesprochen werden. Warum auch nicht, schließlich ist jeder im Humbug-Sanatorium anders und warum soll man den einen nicht mit Profx und den anderen mit Prefx ansprechen? Wenn es bei der Heilung hilft…

Lann Horscheidt wird von Steuerzahlern finanziert, um im Humbug-Sanatorium zu “visualisieren”, um “w_ortungen” zu betreiben und um zu “intervenieren”. Es ist eben dieses Intervenieren, bei dem wir uns mit Lann Hornscheidt treffen, denn Lann Hornscheidt scheint die Feder der Studenten zu führen, die sich berufen fühlen, kritisch wie sie sagen, zu intervenieren, zu intervenieren, um die Humboldt-Universität umzubenennen.

Und es ist die Begründung zu diesem Lann Horscheidtschen Intervenieren, die uns veranlasst hat, die Umbenennung der Humboldt-Universität in Humbug-Sanatorium zu unterstützen.

Deshalb nunmehr die Studixe und Profixin im O-Ton und mit einer Vorabwarnung: Wer nicht in der Lage ist, große Mengen prätentiösen Unsinns zu verarbeiten und befürchtet, dass sein Intellekt leiden könnte, wenn er mit allzuviel behandlungswürdigem Quatsch belastet wird, der soll die nummerierten Absätze meiden und sich auch unsere eingerückte Übersetzung der jeweiligen Textpassage beschränken.

(1) Humboldt ist ein Name, der in der “hegemonialen deutschen kollektiven Erinnerung einen besonderen Platz einnimmt”.

Unsere Übersetzung: Wer Humboldt gut findet, ist ein hegemoniales Schwein, denn Humboldt hat einen besonderen Platz in der “hegemonialen deutschen kollektiven Erinnerung”. Sie kennen doch die hegemoniale kollektive deutsche Erinnerung, das ist die Erinnerung, die immer dann kommt, wenn es darum geht, den Erbfeind im Fussball zu schlagen… oder so.

(2) Alexander und Wilhelm Humboldt “verkörpern deutsche (Ideal-)Vorstellungen von Bildung und Wissenschaft” und werden in “hegemonialen Diskursen verhandelt”.

Humboldt SuedamerikaUnsere Übersetzung: Das kann man nur verstehen, wenn man weiß, dass in Teilen des Humbug-Sanatoriums hegemonial ein Synonym für alles, was schlecht, böse, eben hegemonial ist, ist. Kurz: Alexander und Wilhelm von Humboldt sind Schweine.

(3) Die hegemonialen Diskurse, die Alexander und Wilhelm von Humboldt verhandeln, stellen sie als “kosmpolitische Leitfiguren europäischer Ideen- und Geistesgeschichte, die vermeintlich auf der Grundlage von Neugierde und Weltoffenheit Wissenschaft betrieben” haben, dar.

Unsere Übersetzung: Die Schweine, die im hegemonialen Diskurs diskursieren, behaupten doch glatt, Alexander und Wilhelm, also diese hegemonialen Schweine aus dem 18./19. Jahrhundert, hätten ein Erkenntnisinteresse gehabt, sich gar für andere Kulturen und Ländern interessiert, was sie schon deshalb nicht getan haben können, weil sie in deutscher Sprache und nicht mit x, innen oder sonstigem Indizierungsmerkmal geistiger Verwirrung geschrieben haben. Tatsächlich sind Alexander und Wilhelm ignorante Schweine.

(4) Alexander stammt aus einer preußisch adeligen Familie. … Seine “Forschung stand in der kolonial-rassistischen Tradition von sogenannten ‘Entdeckungsreisen’, also die Reisen ableisierter europäischer männlicher weißer Menschen in bereits bewohnte Gebiete und die daraufolgende Proklamation einer ‘Entdeckung’. Dabei ist hier schon der Gedanke des ‘Entdeckens’ rassistisch. Wer kann wo was für wen ‘entdecken’? Die Ergebnisse seiner Forschungsreise wurden zur weiteren Ausbeutung der Kolonien verwendet und dienten zugleich ihrer ideologischen Untermauerung … Alexander schrieb hauptsächlich über Vegetation und Gesteinsarten…”

Unsere Übersetzung: Alexander ist nicht nur ein Schwein, er ist ein adeliges, preußisches Schwein, das in die anderen Länder gereist ist, um sich dort als adeliges, preußisches Schwein aufzuführen und die Behinderten vor Ort noch kleiner zu machen als sie sowieso schon sind. Alexander ist ein nicht behindertes (ableisiert), europäisches, weißes und vor allem männliches Schwein. Und nun zur Beantwortung der Frage: Wer kann wo was für wen entdecken? U.a. Alexander Fleming konnte das Penicillin, also ein Antibiotikum entdecken, das seither in der Behandlung eingesetzt wird. Nun war Fleming ein europäisches, weißes, ableisiertes und vor allem männliches Schwein, weshalb Lann Hornscheidt und ihre Anhänger im Humbug-Sanatorium für sich jegliche Behandlung mit Antibiotika ausschließen. Man will schließlich nichts mit männlichen Schweinen und ihren Entdeckungen zu tun haben. Denn: Antibiotika sind wie die Schilderungen der Vegetation und Gesteinsarten von Alexander Humboldt Versuche, rassistischer, europäischer, weißer, ableisierter und vor allem männlicher Hegemonie die reassistische, ablesierte, europäische, weiße, männliche und sexistische Hegemonie zu sichern.

(5) “Nichtsdestotrotz wird Alexander häufig als Kritiker der Versklavung von Menschen und dadurch als vermeintlich antirassistisch hergestellt. [kein Tippfehler]. Das ist im Kontext seiner Werke und seines Lebens zynisch, denn seine Wissensbildung wurde durch koloniale Ausbeutung ermöglicht…”.

Unsere Übersetzung: Die weißen, ableistischen, rassistischen und sexistischen und sonstistischen Schweine gehen sogar soweit, das weiße, ableistische, rassistische, kolonialistische und sonstistische Schwein Humboldt als Wissenschaftler zu feiern, obwohl seine Ergebnisse nur durch koloniale Ausbeutung der von ihm beschriebenen Vegetation und Gesteinsarten möglich war.

(6) “Wilhelm von Humboldt hat zur “wirkmächtigen pseudo-wissenschaftlichen Legitimation der sexistischen Diskriminierung von Frauen beigetragen, indem er die asymmetrischen Geschlechterverhältnisse naturalisiert, also vermeintlich biologisch erklärt und legitimiert” hat.

Noch so ein Schwein. Der andere weiße, ableistische, rassistische, kolonialistische, sexistische und sonstistische Humboldt hat behauptet, es gäbe zwei Geschlechter und die seinen verschieden. So ein Schwein.

(7) Wilhelm hat eine “allgemeinmännliche Schulbildung” eingeführt.

So ein sexistisches Schwein, und wir wussten es immer: Bildung ist scheiße, außer sie wird Mädchen zugedacht.

(8) “Die Rezeption der Werke von Alexander und Wilhelm ent_nennt konsequent deren ableistische-kolonial_rassistisch_sexistische Inhalte”.

Wenn über die Humboldt-Schweine geredet wird, wird konsequent unterschlagen, dass sie ableistische, koloniale, rassistische, sexistische, sonstistische und weiße männliche Schweine sind.

(9) “Die beiden Brüder reihen sich ein in den Kanon der unmarkierten Norm einer Vorstellung des Menschen als ableisiert, männlich und weiß …”

Humboldt ideeDa die beiden Brüder ableistische, weiße, koloniale, rassistische, sexistische, männliche und sonstistische Schweine sind, stehen sie in einer Reihe mit dem, was in Deutschland als normaler Mensch gilt, also mit ableistischen, weißen, männlichen, rassistischen, sexistischen, kolonialen und sonstistischen Schweinen.

(10) “Ihre Wissensproduktion und deren (reale) Wirkungsweise waren und sind darin eingebunden und sie haben ableistische_klassistische_rassistische_sexistische Gewalt unterstützt …”.

Man kann es nicht oft genug sagen: Alexander und Wilhelm von Humboldt sind ableistische, klassistische, sonstistische, rassistische, koloniale, männliche und weiße Schweine.

Und deshalb muss die Humboldt-Universität nach Ansicht von Lann Hornscheidt und ihrer Clique umbenannt werden. Ein Ansinnen, das wir aus voller Überzeugung teilen. Eine Umbenennung in Humbug-Sanatorium scheint uns drigend geboten. Einerseits um die Namen von Alexander und Wilhelm von Humbolt davor zu schützen, weiterhin in den Schmutz gezogen zu werden, und zwar auf Steuerzahlers Kosten. Andererseits, um dem dort real existierenden Wahnsinn Rechnung zu tragen und der absurden Vorstellung, beim Humbug-Sanatorium handle es sich um eine Universität ein für alle Mal ein Ende zu bereiten, am Ende denkt noch jemand, das Humbug-Sanatorium habe etwas mit Bildung zu tun, mit Wissen, mit Philosophen wie Wilhelm von Humboldt, der ein liberales Bekenntnis für eine freie Gesellschaft geschrieben hat (Idee zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen), das seinen Teil dazu beigetragen haben mag, dass Deutschland in den heutigen demokratischen Versuch eingemündet ist, jenen Versuch, der wiederum dazu geführt hat, dass Extremisten und X’se es in Positionen geschafft haben, von denen aus sie Personen wie Wilhelm von Humboldt verunglimpfen zu können glauben.

Eigentlich ist das lustig, wenn Personen, die in ihrem Leben bislang noch überhaupt nichts geleistet haben, versuchen, Personen, die auf eine Lebensleistung zurückschauen können, zu verunglimpfen. Es weckt das Bild der neidischen Wanze, die an das Bein des Elefanten pinkelt. Aber der Spass hört da auf, wo diese Personen in öffentlichen Positionen an Universitäten sitzen, in Positionen die der Vermittlung des von den X’sen denunzierten Wissens und nicht der Vermittlung von Hirngespinsten dienen, in Positionen, die von Steuerzahlern finanziert werden.

Deshalb haben wir uns entschlossen, einen Brief an den Kultusminister des Landes Berlin zu schreiben, in dem wir fordern, das Profx Lann Hornscheidt von seinen Pflichten als Profx für Gender Studies und Sprachanalyse mit sofortiger Wirkung zu entbinden (wir entschuldigen uns für diesen sexistischen Verweis), die entsprechende Professur zu streichen und das Geld an Behinderte in Uganda zu spenden. Damit dieser Brief mit dem nötigen Nachdruck und der entsprechenden Ladung Ignoranz-Abschreckung geschrieben werden kann, rufen wir alle ScienceFiles-Leser dazu auf, sich als Unterzeichner an diesem Brief zu beteiligen (Wir veröffentlichen die Namen der Unterstützerauf ScienceFiles.) Wer diesen Brief, den wir vor dem Verschicken ebenfalls auf ScienceFiles veröffentlichen, unterstützen will, der soll uns bitte eine Email schreiben.

Offensichtlich ist Profx Lann Hornscheidt mit dem an Universitäten heimischen Erkenntnisinteresse nicht vertraut und auch nicht in der Lage, den entsprechenden universitären Anforderungen gerecht zu werden, sondern schlicht überfordert und vermittelt deshalb das Bild eines verwirrten Geistes, der seine Position zur Verbreitung von hanebüchenem Unsinn missbraucht.

Die öffentlichen Mittel sind zu knapp, um für derartigen Unsinn aus dem Fenster geworfen zu werden.

Fortpflanzung verbieten und Gender Pay Gap beseitigen

Eigentlich können wir nicht nachvollziehen, wie jemand weiterhin behaupten kann, es gäbe ein Gender Pay Gap, das auf Diskriminierung von Frauen zurückgeführt werden kann, aber diejenigen, bei denen der Wunsch die Wirklichkeit überragt, deren Phantasie von keinerlei empirischem Faktum erreicht werden kann, sind in Deutschland (derzeit?) recht zahlreich, und entsprechend wollen wir eine nagelneue Untersuchung in den Reigen all derer einstellen, die zeigen, dass es keine Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt als Ursache des Gender Pay Gaps gibt, dass das Gap vielmehr ganz rational erklärt werden kann.

Arguing_With_MoronsAltmeister Solomon W. Polachek, der bereits in der Vergangenheit nicht müde geworden ist, an den Verstand der Gender Pay Gapper zu appellieren, und zwar weitgehend erfolglos, was die Frage nach dem Verstand von Gender Pay Gappern auf dramatische Weise neu und auf einer anderen Stufe stellt, aber lassen wir das,… Solomon W. Polachek hat gemeinsam mit Xu Zhang und Xing Zhou einen neuen Anlauf genommen, um zu zeigen, wie man das Gender Pay Gap erklären kann, ganz ohne von hässlichen Bonzen oder sonstigen Ekelgestalten zu phantasieren, die kleine, elfengleiche und verletztliche Weiblein am Ein- und Aufstieg in gutbezahlte(n) Berufe(n) hindern.

Die Erklärung lautet wie folgt:

Bei Heirat oder beim Eingehen einer Partnerschaft sind Männer nach wie vor und durchschnittlich älter als Frauen.

  • Wer älter ist, hat mehr Zeit, sich Humankapital anzueignen.
  • Wer älter ist, hat mehr Zeit, in sein Humankapital zu investieren.
  • Wer älter ist, hat deshalb mehr Erfahrung und ein höheres Einkommen als Jüngere.
  • Wer Kinder in die Welt setzt, muss sich um die entsprechenden Kinder kümmern.
  • Dazu gibt es ein Mittel: Arbeitsteilung.

Arbeitsteilung sieht vor, dass derjenige, für den Kindererziehung geringere Kosten mit sich bringt, zuhause bleibt, während derjenige, der hohe Kosten durch Kindererziehung hätte, weiter arbeiten geht.

  • (Ehe-)Männer sind im Durchschnitt älter als ihre (Ehe-)Frauen.
  • (Ehe-)Männer verdienen im Durchschnitt und wegen ihres höheren Alters (s.o.) mehr als ihre (Ehe-)Frauen.
  • (Ehe-)Männer hätten, blieben sie zuhause, um sich um ihr Kind zu kümmern, höhere Kosten als (Ehe-)Frauen.
  • Deshalb bleiben Frauen zuhause und kümmern sich um ihre Kinder, während Männer weiter arbeiten gehen.
  • Und wenn Frauen zuhause bleiben, wird das Gender Pay Gap nicht nur aufrechterhalten, sondern größer, schon weil ihr Humankapital relativ zu dem von Männern noch geringer wird.

Simpel – oder?

Man muss schon mit erheblichem Unverstand begabt sein, um das nicht verstehen zu können oder mit erheblicher krimineller Energie, um das nicht verstehen zu wollen.

Geprüft haben Polachek, Zhang und Zhou ihre Annahmen auf Basis chinesischer Daten. Manche werden sich noch an die chinesische Einkind-Politik erinnern. Als Folge der Einkind-Politik ist die Altersdistanz zwischen (Ehe-)Männern und (Ehe-Frauen) und die Bildungsdistanz zwischen arbeitenden Männern und arbeitenden Frauen in China gesunken und der Anteil von Frauen, die arbeiten, gestiegen und die Zeit, die Frauen auf dem Arbeitsmarkt zubringen auch.

Als Ergebnis davon, so zeigen Polachek, Zhang und Zhou ist der Gender Pay Gap kleiner geworden.

Quod erat demonstrandum.

Oder im Originalton:

More specifically, fecundity differences between husband and wife can lead to the age and educational differences (i.e., hypogamy) associated with division of labor in the home. This division of labor, in turn, can help exacerbate the gender wage gap. Hence the plausibility of a biological basis for gender wage differences. As fertility declines, as has been the historical trend, marital differences diminish. As these marital differences diminish, so does the division of labor in the home, and the gender wage gap, as well. This appears to be the trend in the US and most other developed countries”.

MoronsThrivingNicht Quoten oder Bevorzugungsprogramme schließen demnach das Gender Pay Gap, sondern Frauen, die in ihre Bildung investieren, die auf dem Arbeitsmarkt präsent sind, wie Männer dies auch sind und vor allem Frauen, die sich nicht fortpflanzen.

Daraus folgt für all die Gender Pay Gapper, dass sie Folgendes fordern müssen:

  • Frauen müssen mehr in ihre Bildung auf dem Arbeitsmarkt investieren.
  • Frauen müssen dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt präsent sein.
  • Und damit sie dies können und ganz wichtig: Frauen dürfen sich nicht mehr fortpflanzen.

Und schon ist das Gender Pay Gap beseitigt.

Als Konsequenz kann man übrigens schließen, dass Programme, die das Fernbleiben vom Arbeitsmarkt für Frauen und Männer belohnen, z.B. Elterngeld Plus, gesamtgesellschaftlichen Schaden anrichten, weil sie dafür sorgen, dass beide ihre Erwerbsbiographie unterbrechen und somit ihren Wert, den Wert ihres Humankapitals reduzieren. Aber das ist ja auch das Ziel der Berliner Sozialklempner: eine Herde von Schaafen, die alle gleich blöcken, gleich Wolle geben und sich nicht darum bemühen, auf die Weide nebenan, auf der mehr Klee vorhanden ist, zu kommen. Dort sind schon die Sozialklempner.

Polachek, Solomon W., Zhang, Xu & Xing, Zhou (2014). A Biological Basis for the Gender Wage Gap: Fecundity and Age and Educational Hypogamy. Bonn: Institute for the Study of Labour, DP #8570.

Sozialismus 2.0: Die ultimative Form der Abhängigkeit

Über die letzten Jahre haben wir über eine Vielzahl von neuen Süchten, z.B. die Internetsucht, nun die Arbeitssucht berichtet. Wir haben unzählige Versuche der Paternalisierung beschrieben, Versuche, Menschen ihr Nutella zu vergällen, sie vom Rauchen abzuhalten, vom Alkohol zu entwöhnen, sie in die richtige Richtung zu schubsen, wobei die angeblich richtige Richtung immer die Richtung ist, die andere für die entsprechend Geschubsten als richtig ansehen, nie die Richtung, die die Geschubsten selbst für richtig halten.

MaxLeninWir haben Versuche beschrieben, die Freiheit der Wissenschaft zu beseitigen, die Wissenschaft an die Kette einer vermeintlichen Verantwortung zu legen, wobei die Verantwortung das ist, was von Dritten als Verantwortung von Wissenschaftlern definiert wird. Im Klartext: Was Dritte denken, dass Wissenschaftler nicht tun sollten, warum auch immer sie das denken. Wir haben eine große Zahl von Beiträgen den Versuchen gewidmet, unter dem Vorwand der Frauenförderung Personen an Universitäten zu installieren, sei es als angebliche Beauftrage für Gleichstellung, sei es als Nutznießerin des Professorinnenprogramms, die mit Wissenschaft wenig bis nichts, dafür viel mit Ideologie zu tun haben. Während man Gleichstellungsbeauftrage mit den Politkommissaren gleichstellen kann, die z.B. an DDR Universitäten dafür gesorgt haben, dass die Lehre nicht von der Heiligen Schrift des angeblich wissenschaftlichen Marxismus-Leninismus abweicht, sind die meisten Professorinnenprogramm-Günstlinge mit denen zu vergleichen, die die heilige Lehre des Marxismus-Leninismus an DDR-Universitäten gepredigt haben.

Schließlich haben wir über eine Vielzahl von Versuchen berichtet, Arme, Armut zu instrumentalisieren oder mit der angeblich bildungsfernen Schicht eine Personengruppe aufzubauen, die für die diffusesten Maßnahmen als Legitimation herhalten muss, Maßnahmen, die allesamt darauf abzielen, eine Transferexistenz zu begründen oder Eingriffe in bislang von staatlichen Häschern unberührte Bereiche der Gesellschaft zu ermöglichen, Eingriffe, die zum Ziel haben, den neuen, den modernen Menschen zu schaffen, den Menschen, der für Sozialismus 2.0 tauglich ist.

Insofern alle Varianten des Sozialismus davon träumen, einen neuen Menschentypus, eine Art Drohne des kommunitaristischen Lebens zu schaffen, ist dies nichts Neues.

Neu ist die Art des Angriffs.

An die Stelle von Zwang, Drohung und Elimination sind subtilere Formen des Übergriffs auf die individuelle Existenz getreten, Übergriffe, die das Ziel verfolgen, die unabhängige, autonome und freie Existenz von Individuen zu beenden und sie in Abhängigkeit vom Staat zu bringen, sie zu Drohnen 2.0 zu machen, die nur leben können, weil ihr Staat, der große und gute Pater Familias für sie sorgt.

Hayek KnechtschaftDies ist der Kern aller neu erfundenen Süchte, aller neuen Maßnahmen und gesetzlichen Regelungen: Die Beseitigung individueller Freiheit und die Diskreditierung aller Formen, die Menschen ein Auskommen unabhängig vom großen Pater Familias, dem Gott der Moderne, dem Staat, ermöglichen. Ziel von Sozialismus 2.0 ist es entsprechend, Freiheit zu beseitigen und Menschen in Abhängigkeit zu bringen.

Instrumentell dabei ist der Feminismus, der es als Errungenschaft oder gar Emanzipation verkaufen will, dass Menschen am Tropf des Staates hängen, sich in eine geförderte Daseinsform überführen lassen, die ihre Staatsdienlichkeit mit allerlei Subventionen belohnt, sei es die Bezuschussung der eigenen Parzelle, auf der das Standardhaus steht, sei es die steuerliche Begünstigung des staatlich erwünschten Lebensstils, sei es die direkte Prämie dafür, dass Menschen, die bislang zumindest die Möglichkeit hatten, ein unabhängiges Leben zu führen, sich fertil verhalten, sich dafür bezahlen lassen und fortan ein Leben in kompletter Abhängigkeit von staatlichen Vorgaben führen.

Instrumentell sind ferner Lehrpläne in Schulen, die mit allerlei ideologischem Ballast überladen werden, so dass Schüler von der ersten Klasse an lernen, wie man ein guter Staatsdiener ist, wie man sich zu einem Gemeinschaftsmenschen entwickelt, der keine Fragen stellt und vor allem eines nicht tut: ein Leben unabhängig vom Staat und seinen Alimenten führen.

Instrumentell dabei ist schließlich ein großangelegter Angriff auf die Arbeit, die Möglichkeit für Menschen, eine Unabhängigkeit zu erreichen und ein Leben zu führen, das nicht vom Staat abhängig ist. Deshalb wird Arbeit verteufelt, derjenige, der gerne arbeitet, zum Süchtigen erklärt. Deshalb wird Arbeit dadurch entwertet, dass jeder Unsinn plötzlich als Arbeit, als Care-Arbeit anerkannt werden soll. Die Überzeugung von Menschen, dass Arbeit zum Leben notwendig ist, wird systematisch untergraben, systematisch durch die Verlockung einer “Work-Life-Balance”, die angeblich Menschen eher zuträglich ist und ihnen mehr Zeit für sich geben soll (was immer das auch bedeuten mag) als Arbeitszeit versüßt und mit der Teilzeitarbeit gekrönt, jenem letzten Steinchen im Versuch, den sozialistischen, vollumfänglich abhängigen Menschen zu schaffen.

Und am Ende sehen wir ihn, den sozialistischen Menschen.

sozialistischer Mensch Sein Leben hängt von den Almosen ab, deren Höhe sein Staat festsetzt und die sein Staat ihm gewährt. Der Verlauf seines Lebens ist vom Staat geplant, die einzelnen Lebensphasen durchläuft der sozialistische Mensch oder besser: die sozialistische Drohne, zu der der alte Mensch geworden ist, in vorgefertigten Bahnen, die ihm nichts bieten, was seine Ausnutzbarkeit durch den Staat beeinträchtigen könnte. Schadstoffe, die die Funktionsweise der sozialistischen Drohne beeinträchten, sind seinem Zugriff ebenso entzogen wie die Möglichkeit, seinem sozialistischen Dahinsiechen ein eigenes Ende zu bereiten, denn die friedliche sozialistische Gesellschaft funktioniert ohne Gegenstände, die durch eine Dual Use Problematik ausgezeichnet sind.

Die neue sozialistische Drohne ist lenkbar, einsetzbar, bewegbar, verfügbar und willfährig, denn sie hat in der Schule gelernt, dass das, was ein sozialistischer Mensch sein will, nicht kritisiert, nicht hinterfragt und vor allem eines nicht tut, nach mehr verlangen, als ihm sein Staat zu geben bereit oder fähig ist.

Willkommen im Sozialismus 2.0.

Arbeitssucht oder: Die Pathologisierung von Freude an der Arbeit und Befriedigung durch Arbeit

Auf den ersten Blick erscheint es wie ein Hohn, dass sich ausgerechnet der (jährlich erscheinende) Fehlzeiten-Report im Jahr 2013 des Themas der “süchtige[n] Arbeitsgesellschaft” angenommen hat, sollte man doch meinen, dass, wer arbeitssüchtig ist, die vergleichsweise niedrigsten Anteile an Fehlzeiten am Arbeitsplatz aufweist.

So geht's: Erst eine Sucht schaffen, dann damit Geld verdienen.

So geht’s: Erst eine Sucht schaffen, dann damit Geld verdienen.

Allerdings werden Themen in Deutschland – wie in vielen anderen Ländern auch – derzeit häufig nicht deshalb behandelt, weil sie nahelägen oder empirisch relevant wären; vielmehr werden Themen behandelt, weil sie zum Zeitgeist passen oder dazu benutzt werden können, gesellschaftspolitische Ziele zu legitimieren und insofern die jeweils gewünschte Stimmung zu machen. Das Thema “Arbeitssucht” darf als ein solches Thema gelten, stellt es die “Sucht” nach Arbeit doch schon rein terminologisch auf eine Stufe mit Drogen- oder Alkoholsucht und weckt es doch Assoziationen von Krankheit, Abhängigkeit und Fatalität für den Lebensalltag von Süchtigen und den Wohlstand der Nation.

In einer Gesellschaft, in der Erwerbsunterbrechungen samt des damit verbundenen Verfalls von Humankapital gut geheißen und auf Kosten der Steuerzahler gefördert werden und gleichzeitig jede Form von Erwerbstätigkeit, die nicht mit einer langfristig gesicherten Einbindung in eine Firma oder den öffentlichen Dienst mit möglichst ebenfalls langfristig vorhersagbarem Arbeitsvolumen und möglichst gleichbleibenden Ansprüchen verbunden ist, als prekär gilt und als dem vielgescholtenen Neoliberalismus geschuldet betrachtet und damit zum Mißstand erklärt wird, in einer solchen Gesellschaft werden Menschen, die gerne arbeiten und viel bzw. über klar geregelte und möglichst kurze Zeiträume hinaus und in Eigenverantwortung arbeiten, insbesondere Selbständige, für die dies Normalitäten sind, wahlweise zu Monstern oder zu bemitleidenswerten, eben weil “prekären” Kreaturen erklärt.

Die Rede von der Existenz einer Arbeitssucht ist geeignet, beides, das Monster und die bemitleidenswerte Kreatur, als die der gerne und viel arbeitende Mensch karikiert wird, miteinander in Einklang zu bringen: die Monströsität des gerne und viel arbeitenden Menschen ist nämlich als aus einer Notlage, d.h. aus dem prekären Erwerbsverhältnis, rekonstruierbar und damit sozusagen entschuldbar, denn das prekäre Erwerbsverhältnis zwingt den Menschen, zu viel und irgendwie falsch oder krankhaft zu arbeiten und eine Sucht nach Arbeit zu entwickeln.

Dagegen ist derjenige, der kein prekäres Arbeitsverhältnis nachweisen kann und einfach viel und gerne arbeitet, kaum entschuldbar; er ist ein Perfektionist oder ein erfolgsorientierter Arbeitssüchtiger (vgl. zu den verschiedenen Typen von Arbeitssüchtigen z.B. Scottl et al. 1997), der seine Arbeit einfach noch besser machen möchte als bisher oder in seinem Arbeitsgebiet erfolgreicher sein möchte als bisher, vielleicht, um irgendwann bessere Arbeitsbedingungen zu haben, die ihm dazu verhelfen können, noch erfolgreicher sein zu können. Er ist in Zeiten der Vereinbarkeitsrhetorik und der Gleichstellungspolitik inklusive ihrer Absage an das Leistungsprinzip ein besonders suspekter Zeitgenosse.

workaholic2Dabei stammt die Vorstellung von der Arbeitssucht aus den späten 1960er-Jahren, genau: aus dem Jahr 1968, und sie wurde von dem Psychologen Wayne E. Oates entwickelt. Er sprach von “workaholism”, um seine eigene Abhängigkeit von seiner Arbeit zu bezeichnen oder jedenfalls das, was von ihm als eine solche wahrgenommen wurde. Seitdem spricht alle Welt von “workaholism” oder “Arbeitssucht”,

  • ohne dass diesem Begriff bis heute eine klare und weithin geteilte Definition zugrundegelegt worden wäre,
  • ohne dass eine überzeugende Begründung dafür vorgelegt worden wäre, warum es eine Sucht oder eine Erkrankung darstellen soll, wenn man mehr als der Durchschnittsmensch arbeitet oder besonders gerne arbeitet,
  • ohne dass es Messinstrumente gibt, die eine Arbeitssucht eindeutig diagnostizieren können und
  • ohne dass – dementsprechend – Klarheit darüber herrschen würde, wie hoch die Prävalenz der ominösen Arbeitssucht ist, so es sie denn gibt bzw. man das Konzept in Ermangelung einer theoretischen Begründung überhaupt als sinnvoll akzeptieren möchte.

Dies alles wird auch im Fehlzeiten-Report 2013 festgestellt. Dennoch wissen die Autoren des Reports ganz genau, dass es Arbeitssucht gibt und die Vorstellung davon sinnvoll ist und dass die Idee es wert ist, ernstgenommen und diskutiert zu werden. Damit stehen die Autoren des Fehlzeiten-Reports nicht allein. Beispielsweise haben Schneider und Bühler im Deutschen Ärzteblatt (2001: A 463) den denkwürdigen Satz formuliert: “Das komplexe Phänomen Arbeitssucht ist trotz zunehmender Relevanz bisher wenig untersucht”. Aha. Schneider und Bühler wissen zwar, dass das einfach als existent vorausgesetzte Phänomen “Arbeitssucht” “wenig untersucht” ist, aber sie dennoch genau, dass es von “zunehmender Relevanz” ist.

Und sie wissen noch mehr: “Häufig fehlt es bislang an dem Bewusstsein, dass es sich bei dieser Sucht um ein ernst zu nehmendes Krankheitsbild handelt und nicht, wie häufig propagiert, um einen positiven Charakterzug oder gar eine Tugend”. Aha. Wer meint, viel zu arbeiten, mache ihm Freude und würde sein eigenes materielles und immaterielles Wohlbefinden, z.B. sein Gefühl der Selbstwirksamkeit, und das anderer Menschen steigern, der ist im Irrtum, denn Schneider und Bühler finden, dass er im Irrtum ist, und Schneider und Bühler haben ihre persönliche Weltanschauung schließlich im Deutschen Ärzteblatt niederlegen dürfen. Dies ist offensichtlich als argumentum ad auctoritatem gedacht, aber als solches ist es eben kein Argument, sondern nur eine persönliche Bewertung der Autoren.

Dass “Arbeitssucht” nicht zu einem sinnvollen Konzept entwickelt werden kann, hat einen einfachen Grund: es ist gegen die empirische Überprüfung an der Realität gleich in mehrfacher Hinsicht immunisiert:

Erstens weiß niemand, was genau “Arbeitssucht” sein soll, so dass jeder empirische Befund nach Belieben so interpretiert werden kann, dass er das Konzept der Arbeittsucht nicht falsifiziert. Definitionen von “Arbeitssucht” sind nämlich weit überwiegend tautologisch, indem sie “Arbeitssucht” z.B. als ein “obsessive need to work” (McGuire 2009: 163) definiert oder als “a progressive, potentially fatal, disorder, characterized by self imposed demands, compulsive overworking, inability to regulate work to the exclusion of most other life activities” (Robinson 1998: 81) oder als “exzessives Arbeiten” (Barth 2011: 44). Oder arbeitssüchtig ist, wer seinem “Arbeitsverhalten verfällt” (Städele & Poppelreuter 2009: 141 ). Kurz: arbeitssüchtig ist man, wenn man arbeitssüchtig ist, auch umschrieben als “von Arbeit besessen” oder einem “Zu-Viel-Arbeiten”. Aber wer legt wie und mit welcher Legitimation fest, was als eine Besessenheit von Arbeit oder ein Zu-Viel-Arbeiten gelten soll? Und damit sind wir beim zweiten Punkt:

worcoholism4Arbeitssucht gilt gewöhnlich als “eine ich-syntone Störung, bei der die ‘Devianzmuster aus der Eigenperspektive zunächst eher selten als störend oder abweichend erlebt werden’ …” (Fehlzeiten-Report 2013: 105)”. Das heißt, der angeblich Arbeitssüchtige verspürt keinen Leidensdruck mit Bezug auf seine Arbeit, und er ist sich nicht bewusst, dass er sich “abweichend” verhält. Dass er von bestimmten Leuten für krank erklärt werden könnte, weil sie es krankhaft finden, wenn er sich abweichend verhält, indem er mehr oder lieber als andere Leute arbeitet, kommt ihm vermutlich gar nicht in den Sinn. Man muss daher prinzipiell bereit sein, als Maßstab für eine Störung oder Erkrankung eine von einer anderen Person festgestellte Abweichung von einem Durchschnittswert zu akzeptieren; die Störung oder Erkrankung besteht dann in der Abweichung vom Durchschnittswert und äußert sich nicht in einem Leidensdruck auf Seiten des Betroffenen.

Messinstrumente, anhand derer “Arbeitssucht” feststellbar sein soll, messen daher entweder eine schlichte Abweichung vom Durchschnittswert oder basieren auf der Annahme, es wäre möglich, ein objektives, d.h. für alle Menschen gleichermaßen angemessenes oder ideales Maß an Arbeit festzulegen, das ja als Voraussetzung für ein Zu-Viel oder Zu-Intensiv gegeben sein muss.

Dies ist aber nicht möglich, weil keine Einigkeit darüber herrscht, was als Arbeit gelten soll und was nicht bzw. wie man Arbeit von Nicht-Arbeit, Freizeit oder was auch immer sinnvoll abgrenzen soll oder kann. Was dem einen als Arbeit gilt, gilt dem anderen als Hobby. Dementsprechend kann “Arbeitssucht” als Phänomen auch nicht sinnvoll eingegrenzt und von anderen Phänomenen abgegrenzt werden. Statt hier für konzeptionelle Klärung zu sorgen, verschieben Arbeitssucht-Forscher das Problem auf die Befragten, wenn sie in einem Messinstrument z.B. nach der Zustimmung zu folgenden Aussagen (Items) fragen: “Ich verbringe mehr Zeit mit Arbeiten als damit, meine Freunde zu treffen oder meinen Hobbies oder anderen Freizeitaktivitäten nachzugehen” (das Item stammt aus der deutschen Version der Dutch Work Addiction Scale (DUWAS), vgl Fehlzeiten-Report 2013, S. 56-59). Oder die Forscher verlassen sich auf Informationen aus zweiter Hand, die wiederum auf subjektiven Interpretationen beruhen wie z.B. durch Erfragen der Zustimmung zu dem Item: “Meine Frau sagt, ich opfere mich zu sehr für meinen Beruf auf” (dieses Item stammt aus einer Skala zur Messung von Arbeitssucht von Schneider und Bühler).

Die Befragten werden schon wissen, wo sie den Unterschied zwischen Arbeit, Hobby und Freizeit sehen, oder die von ihnen berichteten Meinungen von Familienmitgliedern oder anderen Leuten werden als Maßstab akzeptiert. Jedenfalls verzichten die Forscher freiwillig darauf, mit dem, was sie messen wollen, irgendeinen angebbaren Gehalt zu verbinden; das Gemessene wird einfach mit “Arbeitssucht” betitelt, und eine Sucht schreit schließlich nach Behandlung und Prävention, wofür sich trefflich Fördergelder eintreiben lassen.

Weitere Illustrationen der Beliebigkeit hinter der angeblichen “Arbeitssucht” bietet der Fragebogen zur Arbeitssucht, der von Mentzel 1979 entworfen wurde und im Fehlzeiten-Report 2013 vorgestellt wird (was schon zeigt, dass er keineswegs als überwunden gelten kann). Er beinhaltet u.a. die Items “Zeigen Sie auffallendes Selbstmitleid?”, “Vernachlässigen Sie Ihre Ernährung?” und “Haben sich Veränderungen in Ihrem Familienleben ergeben?”, deren Verbindung zu dem, was für den Befragten “Arbeit” ist, bestenfalls als völlig unklar bezeichnet werden kann. Ohnehin dient der Fragebogen nicht der Feststellung von Arbeitssucht, sondern sie wird im Fragebogen zumindest teilweise schon vorausgesetzt wie man an dem folgenden in ihm enthaltenen Item erkennen kann: “Vermeiden Sie in Gesprächen Anspielungen auf Ihre Überarbeitung?”.

Dem Befragten wird also von vornherein und kurzerhand Überarbeitung unterstellt – vermutlich dient dies als Legitimation dafür, dass man ihm diesen Fragebogen zumutet –, und wenn der Befragte keine solche erkennt oder nicht hinreichend unter ihr leidet, dann ist dies ein Indikator für seine Arbeitssucht, womit wir wieder beim oben genannten ersten Punkt angekommen sind, durch den sich das Konzept der Arbeitssucht gegen Prüfung immunisiert.

workaholic3Ein Konzept, das sich gegen seine Überprüfung immunisiert, statt bei seiner Formulierung bewusst Möglichkeiten seiner Überprüfung und Falsifikation zu schaffen, muss eine Glaubensfrage bleiben. Jedenfalls kann es keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben.

Warum wird dann aber versucht, es mit dem Schein der Wissenschaftlichkeit zu umgeben wie dies z.B. im Fehlzeiten-.Report 2013 der Fall ist? Weil Ideologie dann am besten an den Mann und an die Frau zu bringen ist, wenn sie nicht als Ideologie erkennbar wird, und was gilt traditionell als weniger ideologisch als Wissenschaft?!

Wer “Arbeitssucht” schnell und auf einfache Weise als rein ideologisches Konzept erkennen möchte, muss nur kleine Veränderungen in der Formulierung der Items im oben angesprochenen Fragebogen zur Arbeitssucht von Mentzel anbringen und sich dann fragen, auf wie viel Akzeptanz der daraus resultierende Fragebogen zur Familiensucht als einem wissenschaftlichen Konzept stoßen würde.

So könnte man das Item “Versuchen Sie, periodenweise nicht zu arbeiten?” ersetzen durch “Versuchen Sie, sich periodenweise von Aktivitäten mit der Familie freizuhalten?”, um Familiensucht zu messen. Oder man könnte zum selben Zweck das Item “Haben Sie wegen Ihrer Arbeit Schuldgefühle” in das Item “Haben Sie wegen Ihrer Familie Schuldgefühle” ändern. Und die Frage “Wurde Ihnen das Arbeiten zum Zwang?” könnte in die Frage “Wurde Ihnen das Zusammensein mit der Familie zum Zwang?”verändert werden. Schon hätte man ein Instrument zur Messung von Familiensucht.

Wie hoch die Prävalenz für diese durch uns und aufgrund unserer persönlichen Erfahrung – wir haben an uns selbst beobachtet, das wir uns exzessiv oder obsessiv oder _____ (negativ Wertendes nach Belieben hier einsetzen) unseren Familienangehörigen widmen – für real existierend erklärte Sucht ist, bliebe dann zu klären. Aber damit könnte man sich Zeit lassen. Die Prävalenz für das angeblich existierende Phänomen der Arbeitssucht konnte schließlich bis heute – und das bedeutet: seit nunmehr knapp fünf Jahrzehnten – auch nicht festgestellt werden; das ist eben so bei rein ideologischen Konzepten.

Der Leser fragt vielleicht was denn daran falsch oder problematisch oder gar gestört oder krankhaft sei, wenn man sich exzessiv oder obsessiv Familienmitgliedern widmet. Das genau ist der Punkt: nichts – solange man es auf eigene Kosten betreibt, ebenso wenig wie es falsch, problematisch oder gar gestört oder krankhaft ist, wenn man Arbeit über Untätigkeit oder soziales Leben stellt oder sich entschlossen hat, sich mit voller Kraft einer Arbeit zu widmen, die einem wichtig ist, warum auch immer.

Wonach man seinen Lebensalltag orientiert und womit man seine Lebenszeit füllt, ist die eigene Entscheidung. Sie geht niemanden etwas an, und andere Personen sollten diese Entscheidung respektieren, jedenfalls dann, wenn sie ihre eigenen diesbezüglichen Entscheidungen durch andere Menschen akzeptiert sehen möchten. Wer wegen irgendetwas in seinem Leben einen Leidensdruck empfindet, dem steht es frei, Hilfe zu suchen. Aber die Erfindung von substanzunabhängigen Süchten in Abwesenheit entsprechenden Leidensdrucks, um erst einen entsprechenden Leidensdruck zu schaffen, schadet dem arbeitenden Steuerzahler doppelt, nämlich psychologisch und finanziell.

Literatur:

Barth, Volker, 2011: Sucht und Komorbidität: Grundlage für die stationäre Therapie. Heidelberg: ecomed MEDIZIN.

Fehlzeiten-Report, 2013 (Badura, Bernhard et al.): Verdammt zum Erfolg – die süchtige Arbeitsgesellschaft? Berlin: Springer.

McGuire, Gary, 2009: The Secrets of Successful People. New Delhi: Epitome Books.

Mentzel, G. 1979: Über die Arbeitssucht. Zeitschrift für psychosomatische Medizin und Psychoanalyse 25: 115-127.

Oates, Wayne E., 1968: On Being a ‘Workaholic’ (A Serious Jest). Pastoral Psychology 19, 8: 16-20.

Poppelreuther, S. : Kann denn Arbeit Sünde sein? – Von Überstunden und Überallstunden in der modernen Arbeitswelt. S. 101-113 im Fehlzeiten-Report

Robinson, Bryan E., 1998: Chained to the Desk: A Guidebook for Workaholics, Their Partners and Children and the Clinicians Who Treat Them. New York: New York University Press.

Schneider, Christian & Bühler, Karl-Ernst, 2001: Arbeitssucht. Deutsches Ärzteblatt 98, 8: A-463 / B-391 / C-365.

Scottl, Kimberly S., Moore, Keirsten S. & Miceli, Marcia P., 1997: An Exploration of the Meaning and Consequences of Workaholism. Human Relations 50, 3: 287-314.

Städele, Michaela & Poppelreuter, Stefan, 2009: Arbeitssucht – Neuere Erkenntnisse in Diagnose, Intervention und Prävention. S. 141-161 in: Batthyány, Dominik & Pritz, Alfred (Hrsg.): Rausch ohne Drogen: Substanzunabhängige Süchte. Wien: Springer.

Die Neu-Entdeckung des Bekannten

Kennen Sie dieses dejá vu Gefühl, wenn Ihnen jemand etwas bahnbrechend Neues anbietet und alles, was Sie zu sehen im Stande sind, ist … ein Telefon oder ein Fahrrad? Das Geheimnis der Neuentdeckung von Bekanntem scheint in Sprache zu liegen, in der Kunst, das Gleiche anders darzustellen, anders zu benennen, etwa wenn aus dem Türklinkenputzer ein Vertreter und dann eine Sales-Representative wird oder wenn Sekretärinnen jetzt Assistent des Managements heißen.

paradigm-shiftDie Sozialwissenschaften scheinen für diese Form der sprachlichen Neu-Entdeckung des Bekannten besonders anfällig zu sein – vor allem im Zuge des Konstruktivismus, dessen Kern ja die sprachliche Konstruktion, zumeist in Nominalverbindungen wie: “durch Bezug auf naturgegebene Körperlichkeit, Polarisierung, Ausgrenzung und Abwertung … mit der tendenziellen Rebiologisierung  … die Restabilisierung der hegemonialen Männlichkeit” (wer uns schreibt, von wem dieser Unsinn kommt, bekommt eine ScienceFiles-Mug von uns), ist.

So hat man vor einiger Zeit die Intersektionalität entdeckt, ein Konzept, das man schon seit Jahrtausenden kennt, und nicht erst die alten Ägypter waren in der Lage, zwei oder gar drei Variablen (Höhe und Länge und Breite) mit einander in Verbindung zu bringen. Die Moderne zeichnet sich nunmehr durch vermeintliche Wissenschaftler aus, die die Intersektionalität neu und doch nur wieder entdecken, jene unbekannte Größe, die sich in der bahnbrechenden Erkenntnis äußert, dass Männer nicht nur Mann, sondern auch Angehörige einer Ethnie sind. Warten wir noch ein Jahrzehnt und die entsprechenden Intersektionalitäts-Künstler werden sich zu der Erkenntnis vorgearbeitet haben, dass es neben Geschlecht, Ethnie, vielleicht Klasse und Alter noch eine wichtige Variable gibt, die bislang vernachlässigt wurde: Bildung… oder so.

Neben der Intersektionalität hat sich ein weiteres neues Konzept über die letzten Monate in die Diskussion eingeweihter Kreise geschlichen: die “Dual-Use-Problematik”. Diese Dual-Use-Problematik besteht in der für manche völlig neuartigen Erkenntnis, dass in “nahezu allen Wissenschaftsgebieten … die Gefahr [besteht], dass Forschungsergebnisse zu schädlichen Zwecken missbraucht werden” (zum Beispiel wenn die Bundesregierung sie in einem Programm umsetzt). Eine wirklich erstaunliche Erkenntnis, vor der die Trümmer von Karthago, jener Stadt, die römischer Belagerungstechnik zum Opfer gefallen ist, verschwinden, im Orkus der Geschichte.

LeopoldinaNeue Erkenntnisse, wie die Dual-Use-Problematik müssen natürlich erst einmal diskutiert werden. Und wie immer, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu diskutieren, ist die Leopoldina an vorderster Front und dieses Mal in Trio mit Ethikrat und DFG, die nicht fehlen dürfen, wenn top-moderne Fragen, die bislang vermeintlich noch niemand gestellt hat, gestellt werden: Was sind die Chancen und Risiken, die sich mit Forschung z.B. zu Viren verbinden? Welche Risiken und Nebenwirkungen, und welche Nutzen verbinden sich mit 3D-Druckern? Diese Fragen, die Gebrauch und Missbrauch betreffen und die schon den Entdecker des Feuers geplagt haben, diese top-aktuellen Fragen werden von Leopoldina und Ethikrat und DFG und unter dem Titel “Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung” diskutiert.

Und spätestens hier endet der Spass, denn: “Es wird die Frage aufgeworfen, wie sinnvoll Publikationsbeschränkungen sind, und wer darüber entscheiden sollte. Zudem werden die Teilnehmer über die möglichen Konsequenzen diskutieren, wenn bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden.”

Wie ausgemacht es schon zu sein scheint, dass “bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden”. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, zu welchem Ergebnis das Symposium zu Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung kommt: Die Verantwortung, die der Wissenschaft zugeschoben wird, wird die Wissenschaftsfreiheit in einem Meer von Regulation und Verboten ersticken, Verbote, die Forschung, deren Ergebnis nicht bekannt sind, weil die entsprechende Forschung noch nicht durchgeführt wurde, verunmöglichen werden. Verbote, die Forschung, die als anti-feministisch angesehen wird und Forschung, die Technologien umfasst, die gerade ungeliebt sind, verunmöglichen werden – ein Ergebnis, das man dann als Fortschritt durch Stillstand verkaufen wird. Nicht vergessen: Wir leben im Konstruktivismus: Es gilt das gesprochene Wort, nicht das, was in der Realität vorhanden ist.

Witziger Weise ist uns heute, just als die Ankündigung des Symposiums zu diesem neuartigen Thema, dem sich Leopoldina, Ethikrat und DFG nun widmen, eintraf, eine Drucksache aus dem Bundestag ins Haus geflattert. Drucksache 18/2940. Eine Unterrichtung der Bundesregierung: Zwischenbericht der Bundesregierung über die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014.

Auch die Bundesregierung übt sich im Konstruktivismus:

“Bei Rüstungsexportentscheidungen in sogenannte Drittstaaten sind die im Jahr 2000 beschlossenen strengen ‘Politischen Grundsätze für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern’ für unser Regierungshandeln verbindlich”.

Rüstungsgüter sind ein sensibler Gegenstand, also sind politische Grundsätze für den Export von Kriegswaffen als streng zu bezeichnen, einfache Grundsätze reichen nicht aus. Und natürlich wird nur exportiert, wenn bekannt ist, was aus den Rüstungsgütern wird. Sicherung des Endverbleibs nennt sich das:

“Der Prüfung und Sicherstellung des Endverbleibs kommt eine besondere Bedeutung zu. Nach den exportkontrollpolitischen Grundsätzen werden Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nur erteilt, wenn zuvor der Endverbleib dieser Güter im Endempfängerland sichergestellt ist.”

Vielleicht führt Israel deshalb die Liste der Länder an, in die Kriegsgerät exportiert wird. Dort weiß man nicht nur, wo es geblieben ist, sondern auch, wer damit getötet wurde. Überhaupt sind ein paar Daten aus der Unterrichtung ganz interessant.

Ruestungsexporte

Insgesamt belaufen sich die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014 auf 2,2 Milliarden Euro – ein erkleckliches Sümmchen. 210 Millionen der Rüstungsexporte betreffen Munition, und für Munition ist der Endverbleib ja in jedem Fall klar.

Die sicheren Drittstaaten oder wichtigesten Abnehmer deutscher Rüstungsgüter, die allesamt sicher und gegen jede Form von Missbrauch gefeit sind, führen zurück zur Dual-Use-Problematik, mit der sich Leopoldina, Ethikrat und DFG in ihrer virtuellen Welt herumschlagen, einer virtuellen Welt, in der das Gute vom Bösen getrennt ist, in der es sprachlich möglich ist, die gute wissenschaftliche Nutzung von der schlechten wissenschaftlichen Nutzung, die Gefahr in der Anwendung vom Nutzen der Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu trennen. Nicht nur das: Es ist sogar möglich vorherzubestimmen, welche Forschung so gefährlich ist, dass man sie besser verbietet. So wie es der Bundesregierung durch ihre “strengen politischen Grundsätze” möglich ist auszuschließen, dass Munition, die in den Libanon, nach Kasachstan oder in die Russische Föderation geliefert wird, im falschen Körper endet.

Die post-rationale Moderne entdeckt nämlich nicht nur ständig Bekanntes von anno dazumal in neuem Gewandt und unter neuem Namen wieder, nein, die post-rationale Moderne kann auch alles, was nicht gut und richtig ist, ausschließen und kontrollieren – sprachlich zumindest, und das ist doch, was zählt: die sprachliche Kontrolle, die in der Sprachwelt etwas vorgaukelt, was es in der wirklichen Welt nicht gibt, etwa so, wie der Begriff “Wissenschaftsverantwortung” vorgaukelt, dass Wissenschaftler die Verantwortung für ihre Entdeckungen hätten, eine absurde Idee von Herbert Marcuse, die in der post-rationalen Moderne wieder en vogue ist und dazu genutzt wird, Kontrolle auszuüben, Kontrolle, die über die Sprache funktioniert und durch die Beseitigung von Möglichkeiten, in die Realität wirkt, der Leopoldina sei Dank!

Es gibt für Wissenschaftler übrigens nur eine Verantwortung und die hat ein scruffy mind in den x-Files formuliert: Not to share their knowledge with an immoral government!

Gegen die Europäischen Toleranzwächter

Wir haben bereits über das European Council on Tolerance and Reconsiliation berichtet. Dem Council gehören Yoram Dinstein, Ugo Genesio, Rein Müllerson, Daniel Thürer und Rüdiger Wolfrum an.

ECTRDas European Council on Tolerance and Reconsiliation ist ein schönes Beispiel dafür, wie heutzutage Organisationen, die aus selbsternannten Gutmenschen bestehen und die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, als Lobbyisten für ein Thema auftreten, das ihnen besonders am Herzen liegt und ihr Pet-Project für andere zum verbindlichen Umgangston zu machen versuchen. (Was wir unter Gutmenschen verstehen, haben wir hier definiert.)

Das European Council on Tolerance and Reconsiliation beschreibt sich selbst als eine “international NGO, established in October 2008 by Aleksander Kwasniewski, former President of Poland and Moshe Kantor, President of the European Jewish Congress. … The European Council on Tolerance and Reconciliation is a non-partisan and non-governmental institution. It is envisaged to be an opinion-making and advisory body on international tolerance promotion, reconciliation and education. It fosters understanding and tolerance among peoples of various ethnic origin; educates on techniques of reconciliation; facilitates post-conflict social apprehensions; monitors chauvinistic behaviors, proposes protolerance initiatives and legal solutions.”

Es ist das Schicksal von Themen, die in den Bereich von Ethik, Philosophie oder Sozialwissenschaften gehören, dass selbsternannte Experten glauben, sie könnten als “opinion-maker” auftreten und anderen erklären, wie man als guter Mensch zu leben hat, wie z.B. Toleranz geht, was Toleranz ist und wem gegenüber man tolerant zu seint hat. Es ist das Los von Menschen, die in Logik und Statistik geschult sind, sich derartige Widersprüche ansehen zu müssen und zu wissen, die Widersprüche ergeben sich aus der Normalverteilung von Intelligenz gepaart mit der negativen Selektion von Politikern und ergänzt um das Faktum, dass es, um die eigenen Beschränkungen zu erkennen, einer Kompetenz bedarf, die, wäre sie vorhanden, die Widersprüche, wie die, in die sich die Möchtegern-Wächter europäischer Toleranz verstricken, gar nicht erst hätte entstehen lassen

Dabei ist nicht nur keine demokratische Legitimation bei dieser Art von Gutmenschen-Lobbyismus vorhanden, es ist auch vollkommen unklar, welche Qualifikation z.B. die oben genannten Personen dazu legitimieren und ausweisen soll, anderen vorzuschreiben, was sie wie wann und wo zu tun oder zu lassen haben. Dessen ungeachtet ist das European Council on Tolerance and Reconcilliation derzeit als Toleranz-Lobbyist unterwegs und versucht, das “European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance” für die Europäische Union verbindlich zu machen.

Wie gesagt, wir haben bereits ausführlich über dieses absurde Machwerk geschrieben. Wir wollen uns daher auf einige Highlights im Text und auf eine komprimierte Form der Darstellung der logischen Fehler in diesem “Toleranz-Statut”, dem gegenüber man, wie wir glauben, keinerlei Toleranz zeigen darf, beschränken.

Die logischen Fehler in Kürze:

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Im Statut wird zunächst definiert, was als eine Gruppe anzusehen ist, nämlich alle Menschen, die ein gemeinsames Merkmal teilen (characteristic of similar nature). Besipiele entsprechender Merkmale sind Rasse, kulturelle Wurzeln, ethnische Abstammung, religiöse Anbindung und – man hat es schon vermisst: sexuelle Orientierung.

Es kann festgestellt werden: welche Menschenmenge als Gruppe gilt, ist einerseits eine Frage der Willkür, andererseits eine Frage des gelebten Rassismus, denn wenn Gutmenschen wie die vom European Council on Tolerance and Reconciliation (ECTR) darauf beharren, dass Schwarze eine eigene Rasse formen und dass das Merkmal der Hautfarbe wichtiger ist als z.B. die jeweilige individuelle Intelligenz, die – benutzte man sie als Grundlage der Gruppeneinteilung – notwendiger Weise schwarz-weiß-gelbe Gruppen von Klugen und Dummen etablieren würde, setzen sie den Rassismus voraus, den sie angeblich bekämpfen wollen. Und sie zeigen sich als Muster-Rassisten, denn sie sind diejenigen, die die Gruppenzugehörigkeit nach Hautfarbe gerade festgeschrieben haben.

Ganz nebenbei erlaubt die Formulierung im Statut eine willkürliche Bestimmung der schützenswerten Gruppen – was die Frage aufwirft, wer die entsprechenden Gruppen bestimmen soll und mit welcher Legitimation und mit welcher Begründung, d.h. wer die schützenswerten und der Toleranz werten Gruppen bestimmen und konstruieren darf. Welche Begründung spricht zum Beispiel dafür die Gruppe der Transsexuellen als Gegenstand besonderer Toleranzbemühungen auszumachen, nicht aber die Gruppe der Golfspieler oder Banker oder Bild-Zeitungsleser?

Es geht weiter im Versuch, die Logik abzuschaffen, in dem Stereotypisierungen als “Group libel” (Gruppen-Verunglimpfung), also derogative Kommentare, Kommentare oder Bezeichnungen, die Gruppen lächerlich machen oder mit falschen Anschuldigungen belegen, unter Strafe gestellt werden sollen: Als Beispiel geben die Toleranzwächter Behauptungen an wie: “Zigeuner sind Diebe” oder “Muslime sind Terroristen”. Ergänzen ließe sich: Deutsche verstehen keinen Spass, Iren sind ein chaotischer Haufen und US-Amerikaner spielen sich als Weltpolizisten auf.

Oder wären die zuletzt genannten Aussagen etwa keine “Group-libel” (Gruppen-Verunglimpfung), wie die Toleranzwächter das nennen? Wenn nein, warum nicht? Wenn doch, dann folgt daraus, dass die Toleranzwächter jede Form der Stereotypisierung unter Strafe stellen wollen. In jedem Fall folgt, dass die Toleranzwächter nur bestimmte, von ihnen zu bestimmende Stereotypisierungen unter Strafe stellen wollen.

Nuts in BedlamLiest man das Statut in Gänze, dann wird Letzteres ganz deutlich. Die Toleranzwächter wollen anderen vorschreiben, über welche Gruppen sie Witze machen dürfen und über welche Gruppen nicht, denn Intoleranz gibt es nach ihrer Ansicht nur im Hiblick auf: Rasse, Hautfarbe, Ethnie, Religion, es gibt sie als totalitäre Ideologie, als Fremdenfeindlichkeit, als anti-Semitismus, als anti-Feminismus und als Homphobie.

Abermals findet sich ein logischer Widerspruch, der zum Himmel schreit, denn Toleranz wird von den Toleranzwächtern für ihre Zwecke nicht formal, sondern inhaltlich gefüllt, und es werden Vorgaben gemacht, welche Form der Intoleranz zu bekämpfen ist, wobei die genannten Formen vermeintlicher Intoleranz sich allesamt dadurch auszeichnen, dass niemand weiß, was damit eigentlich gemeint ist, so dass es eines Schriftgelehrten bedarf, der die Heilige Schrift der Toleranzwächter auslegt und im Einzelfall entscheidet, ob eine Aussage intolerant ist oder nicht.

Der Willkür nächster Schritt.

Und um die Idiotie auf die Spitze zu treiben, konzipieren die Toleranzwächter ihre wahre Lehre der richtigen Toleranz als totalitäre Ideologie, die durch Medien, an Schulen, an Universitäten und in öffentlichen Institutionen vertrieben werden muss. Abweichung vom Lehrplan wird nicht toleriert. Personen, die sich der Intoleranz im von den selbsternannten Toleranzwächtern bestimmten Sinne schuldig machen, werden nicht nur als Straftäter bestraft, sondern können durch die Opfer (bei denen es sich um Gruppen handelt!) zu Schadensersatz gezwungen werden. Und Jugendliche, die sich gegen die korrekte Form der Toleranz vergehen, werden in Umerziehungsprogramme gesteckt, um auf diese Weise die “Kultur der Toleranz” zu erlernen.

Diese Kultur der Toleranz ist so tolerant, dass sie unerbittlich gegen alle vorgeht, die die Setzung dessen, was korrekte und richtige Toleranz ist, nicht teilen und sich davon abzuweichen trauen, denn: “tolerance does not mean that a group can segregate itself from society as a whole, repudiating the need to interface with other groups. … tolerance does not denote acceptance of such practices as female circumcision, forced marriage, polygamy or any form of exploitation or domination of women” (Insofern es sich bei female circumcision oder polygamy um kulturelle Praktiken handelt, die in  nicht-westlichen Kulturen vorhanden sind, verstoßen die Toleranz-Wächter gegen Section 2d , Section 3b(i) und Section 4b ihres eigenen Statuts, weshalb man sie, sofern ihr Statut je in der EU in Kraft tritt, sofort auf Schadensersatz verklagen sollte.)

narrow minded peopleDas Statut zeigt sich hier ganz offen als das, was es sein soll, nämlich als ein Gängelungsinstrument, das von Engstirnigkeit nur so strotzt und in das die Gutmenschen, die es geschrieben haben, das gepackt haben, was ihnen gerade nicht gefällt. Toleranz ist jedoch ein Wert, der nicht inhaltlich bestimmt werden kann, sondern nur formal. Man kann Toleranz nicht auf die Punkte einschränken, die einem gerade in den Kram passen und alles, was einem nicht in den Kram passt als intolerant abwerten, denn auf diese Weise gerät man unwillkürlich in eine Auseinandersetzung darüber, was der Toleranz wert ist und was nicht. Dass die Statuten-Macher des ECTR dies nicht sehen, sagt viel über ihre Motivation und ihren geistigen Horizont.

Vor Jahrzehnten hat Heike Diefenbach schon formuliert: “Toleranz ist, wenn es einem egal ist”. Und genau das ist die grundlegende Charakteristik von Toleranz: Man interessiert sich nicht dafür, wie andere ihr Leben leben, was sie sagen und was sie tun, so lange sie keine Externalitäten für Dritte produzieren, wie sie z.B. das Gutmenschen-Council der Toleranzwächter für all diejenigen produziert, die weiterhin auf das Recht freier Meinungsäußerung bestehen und es nicht zur von Toleranzwächtern genehmigten Form eingeschränkter Meinungsäußerung verkommen lassen wollen.

Pluralismus und Demokratie leben von freier Meinungsäußerung und davon, dass jeder seine Meinung sagen kann, egal, wie abstrus sie ist. Eine Demokratie, die sich dadurch schützen zu müssen glaubt, dass sie bestimmte Formen der Meinungsäußerung ausschließt, hat damit den Schritt in den Totalitarismus gemacht: Die Bestimmung der auszuschließenden Formen wird zu  Widerstand und in jedem Fall zu Streit führen, schon weil es z.B. Leute gibt, die selbsternannten Gutmenschen wie den Pseudo-Toleranzwächtern vom ECTR am liebsten den Mund verbieten würden. Es führt eben kein Weg daran vorbei, dass man sich in Demokratien auch den Unsinn anhören muss, den Bewegte, die keine Argumente, aber viel Überzeung haben, von sich geben – schon weil Parlamentsdebatten im Fernsehen übertragen werden.

Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun, dass selbsternannte Lobbyisten denken, sie könnten den Europäern vorschreiben, welche Form von Toleranz sie zu pflegen und welche Art von Meinung sie zu äußern haben. (Diese Art der Bevormundung widerspricht übrigens den vom Council der Gutmenschen in ihrem Statut niedergelegten Kriterien, weshalb sie sich selbst ad-absurdum führen – der finale Widerspruch, wenn man so will).

Arendt_totalitarismusWir sind auf eine wichtige Petition aufmerksam geworden, die es seit einigen Monaten auch Change.org gibt. Die Petition trägt den Titel: Protect freedom of speech in the EU # FreeSpeechEU und ist an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gerichtet, die über den Lobby-Toleranz-Unsinn, den das Gutmenschen Council aus selbsternannten Toleranz-Wächtern verbrochen hat, abstimmen sollen. (Es schon interessant, wie leicht es manchen Interessen-Lobbyisten fällt, zum Gegenstand parlamentarischer Erörterungen zu werden, während manche anderen, die dummerweise nur steuerzahlender Bürger und nicht Brownie-Punkte vergebende Lobbygruppe sind, keinerlei Gehör finden, obwohl sie angeblich der Souverän sind…).

Wir legen allen unseren Lesern dringend nahe diese Petition, die in englischer Sprache verfasst ist, aber im Wesentlichen die Punkte macht, die wir auch machen, zu unterstützen.

Es geht darum, den Möchtegern-Kontrolleuren das Handwerk zu legen, bevor sie Europa zu einer Festung gemacht haben, nicht gegen die, die von außen kommen, sondern gegen die, die hinter den Gittern der Festung sitzen.

Für alle, die es in sozialwissenschaftlicher Sprache hören wollen: Wir sehen hier die Banalität des Alltäglichen am Werk, die Banalität des Alltäglichen, die Hannah Arendt beschrieben hat, als Grundlage von Totalitarismus, Drittem Reich und Vernichtung all derer, denen gegenüber man nicht toleranz war, weil sie die falschen Meinung vertreten haben.

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Günter Buchholz, der uns das ECTR-Machwerk wieder in Erinnerung gerufen hat.

Tag der Entgeltgleichheit: Ob gemeinsames Lügen glaubwürdiger ist?

BMFsfjneuDas Bundesministerium für FSFJ und der DGB tun es nun gemeinsam: Schwesig und Hannack ziehen für die dummen Frauen ins Felde, die sich immer noch für “gleiche und gleichwertige Arbeit” schlechter bezahlen lassen als ihre männlichen Pendants. Die üblichen Behauptungen werden in den üblichen Ton einer nicht zu, aber doch merklichen Empörung gepackt, auf dass die Lüge, die man im Begriff ist zu erzählen, dieses Mal glaubwürdig rüber kommt. Die Lüge ist mittlerweile ein Ladenhüter, eine lahme Krücke, die man wirklich nicht mehr hören kann.

Und dennoch: Monoton, fast wie ein Beschwörungsgesang, wiederholt in stupidem Ton, im Stakkato, das nur aus einem transzendenten Trancezustand gespeist sein kann, wird die Lüge von der angeblich nicht vorhandenen Entgeltgleichheit intoniert, dieses Mal im schrillen Geschreis-Duo von Schwesig und Hannack.

Gut, dass Gary S. Becker, auf den das Gender Pay Gap letztlich zurückgeht, mittlerweile verstorben ist, hoffentlich im Frieden mit sich selbst und in der Überzeugung, dass man es nicht verhindern kann, wenn Minderbemittelte sich ein Konzept aneignen, das sie nicht einmal im Ansatz verstehen.

Wir haben an anderer Stelle schon dargestellt, wie das Gender Pay Gap berechnet wird und welchen Zweck es erfüllt. Hier noch einmal in aller Kürze, die wesentlichen Punkte, immer in der Hoffnung, dass der Intellekt einer Schwesig oder einer Hannack ausreicht, um zu folgen, sofern sie folgen wollen, was ja dann, wenn man sich einen eigenen Vorteil vom nicht-Folgen verspricht, nicht immer der Fall ist.

Also in Kürze:

Wenn man den Stundenlohn von allen erwerbstätigen Männern und allen erwerbstätigen Frauen aufsummiert und die Summen durch die Anzahl der erwerbstätigen Männer bzw. Frauen teilt und das Ergebnis zwischen Männern und Frauen vergleicht, dann ist die Zahl, die sich für Männer ergibt höher als die Zahl, die sich für Frauen ergibt.

Was bedeutet das: Nichts.

Und zum besseren Verständnis: es bedeutet nichts, denn man vergleicht Pferde mit Kartoffeln.

Warum?

  • Weil Männer in anderen Branchen arbeiten als Frauen. Männer sind z.B. häufiger Ingenieur, Frauen sind häufiger im öffentlichen Dienst. Als Ingenieur verdient man besser.
  • Weil Männer länger und mehr und ohne Unterbrechungen arbeiten und häufiger Vollzeit als Frauen.
  • Weil Männer mehr in ihre Karriere investieren als Frauen, sich häufiger weiterbilden und häufiger den Arbeitsplatz wechseln, um Neues zu lernen.
  • Weil Männer bereits ihr Studienfach mit dem Motiv wählen, Geld zu verdienen und Karriere zu machen, während bei Frauen in der Regel das Motiv “Hilfe” vorherrscht, das in die schlecht bezahlten sozialen Berufe mündet. Soziale Berufe werden übrigens nicht deshalb schlechter bezahlt als Ingenieursberufe, weil das böde Patriarchat die entsprechenden Berufe abwertet, sondern deshalb, weil sie nicht ansatzweise so produktiv sind wie Ingenieursberufe und entsprechend weniger Nutzen für die Gesellschaft erwirtschaften. Das kann man jetzt furchtbar finden, man kann schreien und zetern, aber es ändert nichts daran, dass die Erfindung einer winzigen und effizienten Solarzelle mehr Nutzen für eine Gesellschaft einbringt, als die Beaufsichtigung von Kindern in Kindergärten.

Entgeltgleichheit im BetriebAlles ist ganz einfach. Aber, wie es aussieht, nicht einfach genug für Politiker und Funktionäre im Allgemeine und Schwesig und Hannack im Besondern. Die wollen uns nämlich glauben machen, sie seien so dumm, dass sie einfache Zusammenhänge nicht verstehen können. Sie wollen uns glauben machen, sie würden einfach nicht begreifen, dass der 22% Unterschied zwischen Männern und Frauen, der sich im Hinblick auf den Stundenlohn ergibt, sich wegen der oben genannten Unterschiede ergibt, Unterschiede, die man kurz in der Sprache der Humankapitaltheorie zusammenfassen kann in: Frauen machen mehr Investitionen in allgemeines Humankapital (formale Bildung) und weniger in spezifisches Humankapital (Weiterbildung, Überstunden) als Männer und spezifisches Humankapital wird besser bezahlt, weil es für Unternehmen wertvoller ist als allgemeines Humankapital.

Die internationale Forschung hat wieder und wieder und wieder bestätigt, was oben zusammengetragen wurde (z.B.: Chzhen & Mumford, 2009; Fortin, 2006; Hoyes et al., 2010; Lauer, 2000, Mopo, 2011, Nopo, 2009; Nordman & Roubaud, 2005, Ochsenfeld, 2014; Polachek & Xiang, 2009). Nicht zuletzt zeigt dies die Tatsache, dass das Gender Pay Gap seit Jahrzehnten geringer wird, und zwar deshalb, weil der Anteil von Frauen, die Vollzeit arbeiten, und das durchschnittliche Bildungsniveau von Frauen sowie der Anteil von Frauen, der sich auf eine Karrier einlässt, gestiegen ist (Antonczyk et al., 2010; Weinberger & Kim, 2010; Yamaguchi, 2014).

Aber: Was sind schon wissenschaftliche Ergebnisse, wenn Elke Hannack den Mund aufmacht?

“Die Ursachen der Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern sind inzwischen vielfältig wissenschaftlich erforscht. Nur bleiben die Erkenntnisse oft ohne Wirkung. Zwar ist die Lücke geringer, wo Tarifverträge gelten und Betriebs- und Personalräte mitbestimmen, von einer fairen Bezahlung sind wir trotzdem noch weit entfernt. Es gibt ein Handlungsdefizit auf politischer und betrieblicher Ebene. Genau hier setzt das neue Projekt an, indem es die Beteiligten inner- und außerhalb der Betriebe und Verwaltungen auf das Thema aufmerksam macht”, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack”

morons2Wie wahr es doch ist, dass “die Erkenntnise oft ohne Wirkung” bleiben. Bei Elke Hannack zum Beispiel, bei der bleiben die wissenschaftlichen Erkenntnisse vollständig ohne Wirkung. Sie fabuliert von 22% Entgeltungleichheit und hat offensichtlich keine Ahnung, dass jeder, der in der Wissenschaft das unbereinigte Gender Pay Gap für irgend einer Aussage fähig hält, sich diskreditiert und ab dann nur noch milde belächelt wird, wie Hannack von uns zum Beispiel. Sie hat keine Ahnung von all den wissenschaftlichen Ergebnissen, die die 22% Entgeltlücke zum Verschwinden bringen, indem sie die oben zusammengestellten Variablen von Branche, Arbeitszeit, Weiterbildung usw. als erklärende Variablen nutzen. Und, letztlich, offenbart Hannack, dass bei ihr die Welt nach Wunsch geschaffen wird, wenn Sie behauptet, dass die Entgeltlücke da geringer sei, wo Tarifverträge gelten würden, womit sie insinuieren will, dass gewerkschaftliche Verhandlungsmacht den Gender Pay Gap reduziert.

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, wie diese Wunschvorstellung: Das Gender Pay Gap ist regelmäßig im oberen Bereich der Lohnskala geringer als im unteren, was mit dem Bildungsgefälle entlang der Lohnskala (Böheim et al., 2011, Bosio, 2009; Heinze, 2010; Mussida & Picchio, 2014) und der mit der Lohnskala wachsenden Produktivität erklärt werden kann (Lauer, 2000). Es hat also nichts mit Gewerkschaften zu tun. Im Gegenteil: Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass das Gender Pay Gap da geringer ist, wo Gewerkschaften keine oder nur wenig Verhandlungsmacht haben und der Arbeitsmarkt flexibel ist (Antonczyk et al., 2010; Casale & Posel, 2009; de la Rica et al., 2010; Del Bono, & Vuri, 2008). Kurz: Frau Hannack weiß es nicht besser oder sie lügt. Suchen Sie sich aus, was Ihnen am wahrscheinlichsten erscheint.

All die Missverständnisse, all die Lügen und all der Unsinn, der das Gender Pay Gap umgibt, bringt die Entgeltaktivistin Schwesig nicht zum Nachdenken. Im Gegenteil, sie scheint im Widerspruch gerade aufzublühen und bedroht die deutsche Wirtschaft, nachdem sie schon mit dem Elterngeld plus einen Nagel in den Sarg wirtschaftlicher Prosperität geschlagen hat, mit einem weiteren Sargnagel:

“‘Frauen beanspruchen zu Recht gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit. Daher wird mein Ministerium ein Entgeltgleichheitsgesetz vorlegen, das für mehr Transparenz sorgt. Mit diesem Gesetz möchte ich verbindliche Verfahren festlegen, um Lohndiskriminierung zu beseitigen. Derzeit erarbeiten wir die entsprechenden Eckpunkte’, so Schwesig”

Driving-Nail-Coffin[1]Was dabei herauskommt, wenn Legastheniker den Duden neu schreiben, man kann es sich gut vorstellen. Die erste Generation, die dem Genderisten-Wahnsinn entkommen ist, wird sich bei den Schwesigs und den Hannacks bedanken, die die wirtschaftliche Zukunft von Generationen geopfert haben, um ihren Sex-Spleen auszuleben und daraus hoffentliche die Konsequenz ziehen, ein IQ-Gleichheitsgesetz zu verabschieden, das für Transparenz sorgt und Verfahren festlegt, die gewährleisten, dass Personen in öffentlichen Ämtern und an den Spitzen von Ministerien gleiche oder gleichwertige Intelligenz aufweisen, wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Dass das Intelligenz-Gleichheitsgesetz der Zukunft dazu führen wird, dass Gewerkschaften aus dem öffentlichen Leben verschwinden, ist eine nette Begleiterscheinung, die zukünftigen Generation ein besseres Leben verschaffen wird.

P.S.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Die Sozialpolitik eines Landes führt dann, wenn sie Mutterschaft fördert, z.B. durch Anreize, Kinder in die bereits überfüllte Welt zu setzen, dazu, dass das Gender Pay Gap größer wird (Mandel & Shalev, 2009; Nicodemo, 2008). Wie gesagt, Schwesig blüht im Widerspruch erst auf und ist gleich in einem Schaffer und Bekämpfer des Gender Pay Gaps.

Literatur:

Antonczyk, Dirk, Fitzenberger, Bernd & Sommerfeld, Katrin (2010). Rising With Inequality. The Decline of Collective Bargaining, and the Gender Wage Gap. Labour Economics 17(5): 835-847.

Böheim, René, Himpele, Klemens, Mahringer, Helmut & Zulehner, Christine (2011). The Distributiopn of the Gender Pay Gap in Austria. Evidence from Matched Employer-Employee Data and Tax Records. Linz: Johannes Kepler University of Linz; Department of Economics, Working Paper #1107.

Bosio, Giulio (2009). Temporary Employment and Wage Gap with Permanent Jobs: Evidence from Quantile Regression. München: Munick Personal RePEc Archive, MPRA-Paper No. 16055.

Del Bono, Emilia & Vuri, Daniela (2008). Job Mobility and the Gender Wage Gap in Italy. Munich: ifo Institute – Leibnitz Institute for Economic Research, CESifo Working Paper #2435.

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Paternalismus für Gehörlose

Tiger teachingFür alle Blogleser, die es noch nicht wissen: Sie können nichts ohne ihre Regierung, ohne Ministerien und Horden von Offiziellen, die sich um Sie kümmern, damit Sie verstehen, wissen und Verantwortung für das, was sie hoffentlich verstehen, übernehmen können. Falls Sie gedacht haben, Sie seien ein autonomes Individuum, begabt mit einem eigenen Urteilsvermögen, falls Sie der Besitz einer Promotion oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung zu der irrigen Meinung verleitet hat, sie seien den Mausschubsern aus Ministerien intellektuell überlegen und würden auch den durchschnittlichen Politiker in “Stadt, Land, Fluss…” spielend schlagen, räumen Sie mit ihrer Selbstüberschätzung auf. Sehen Sie ein, Sie bedürfen der Leitung, Führung, Fürsorge und Paternalisierung durch fähige Verwalter und Politiker mit oder ohne abgeschlossenem Studium, mit oder ohne abgeschlossener Berufsausbildung, mit oder ohne Intelligenz: damit Sie verstehen.

Verstehen müssen Sie nämlich unter anderem Gesetztestexte, und Gesetzestexte, das ist allseits bekannt, sind weithin nicht zu verstehen. Selbst Richter, wie der frühere Leipziger Landrichter Manfred Ommeln verstehen Gesetzestexte nicht. Nicht weil die Gesetzesmacher zu intelligent sind und sich in einer Form Habermasianischem Gebrabbel über den Intelligenzquotienten der Mehrheit erheben. Nein. Sie verstehen Gesetzestexte nicht, weil viele Gesetzestexte Ansammlungen sinnloser Sätze sind, die auf noch sinnlosere Sätze verweisen, die sich an anderer Stelle im selben oder einem anderen Gesetz finden, weil sie voller Verweise sind, die – was Manfred Ommeln in seiner Lektüre des Sozialgesetzbuches fast zum Wahnsinn getrieben hat, die auf etwas verweisen, was es nicht, noch nicht oder nicht mehr gibt.

Aber: Hilfe ist auf dem Weg.

Denn: am 8. Oktover 2013 “fand im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz die Veranstaltung ‘MACHT POLITIK SPRACHE … verständlich?‘ statt, zu der neben den vortragenden Experten auch die Öffentlichkeit eingeladen war”.

Falls Sie sich bislang als Teil der Öffentlichkeit gesehen haben und keine Einladung in ihrem Postfach gefunden haben, dann wissen Sie jetzt: Sie sind zumindest nicht Teil der eingeladenen Öffentlichkeit, was sich auch schnell erklärt, denn:

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sich einig: Gesetzer und Gesetzinnen müssen für alle Bürgerinnen und Bürger verständlich sein.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind sich einig: Gesetzer und Gesetzinnen müssen für alle Bürgerinnen und Bürger verständlich sein.

“So fanden sich Interessierte aus Parlament, Bundesministerien, Justiz, Verbänden, Universitäten und Netzwerken zusammen, um nach den 3 Vorträgen über sehr verschiedene Arten des Verständlichmachens zu sprechen: Kann man Schreiben vom Gericht verständlicher machen? Wie arbeitet die Gesetzesredaktion für die Bundesregierung? Und wie kann man z.B. gehörlosen Menschen den Zugang zu schriftlichen Texten erleichtern?

Wie Sie sehen, sind die Rollen im “Verständlichermachen” eindeutig verteilt. Wenn Sie einen Text nicht verstehen, dann liegt das nicht daran, dass der Text nicht verständlich ist. Nein – schon gar nicht, wenn es ein offizieller, ein Gesetzestext ist. Nein, derart Sätze sind immer verständlich, nur das Verständlichmachen scheitert in der Regel, woran, na: an ihrem Intellekt, dem bislang selbst verständliche Texte nicht verständlich gemacht werden können. Ist es nicht schön, welche Vorstellungen unsere Vertreter in den Ministerien von uns Dummen haben.

Aber: Sie wollen uns natürlich nicht im Regen stehen lassen, uns nicht dabei zusehen, wie wir perfekt verständliche Sätze nicht verstehen können, und deshalb lassen sie sich herab, um schier unlösbare Aufgaben zu lösen, also die Aufgabe, Ihnen und uns einen einfachen Text so verständlich zu machen, dass er auch von Ihnen und uns mit unseren beschränken Mitteln verstanden wird.

Und auch anderen Behinderten wird von den Selbstlosen geholfen, nämlich den Gehörlosen, für die sich die Experten und die eingeladene Öffentlichkeit abgemüht haben, eine Möglichkeit zu finden, um ihnen den Zugang zu schriftlichen Texten zu erleichtern. Eine schier unlösbare Aufgabe, die wiederum uns mit Mitleid erfüllt hat, so dass wir beschlossen haben, den Experten und der geladenen Öffentlichkeit zur Seite zu springen. Es ist ganz einfach, ihr Experten, man macht Gehörlosen schriftliche Texte in der selben Weise verständlich, wie man Blinden akkustische Signale verstänlich macht. Simpel, oder?

Nachdem die Experten, die drei Experten und die geladene und erschienen Öffentlichkeit derart schwierige Fragen diskutiert hat, kam Dr. Stefanie Hubig, Staatssekretärin im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und hat betont (vermutlich hat sie in der Kunst der Betonung von Silben zum Zwecke des Verständlichmachens schriftlicher Zeichen für Taube promoviert). Hubig betont, sie betont das folgende zu Betonende, das aus Gründen des Verständlichmachens betont werden muss:

moral advisory“… gute Regelungen zeichneten sich dadurch aus, dass sie möglichst knapp und verständlich formuliert seien. Denn „Bürgerinnen und Bürger sind in einem aufgeklärten Zeitalter mehr als nur ‚Rechtsunterworfene‘: Als Staatsbürger und Staatsbürgerinnen in einer Demokratie wollen und müssen sie das Recht nicht nur verstehen, sondern auch verantworten und verändern. Voraussetzung hierfür ist aber, dass Gesetze verständlich sind“. Die Bundesregierung trete daher für eine bessere, verständlichere Rechtssetzung ein.”

Falls Sie es also ebenso wenig wie wir gewusst haben, Sie wollen Verantwortung für z.B. das Arbeitnehmerentsendegesetz übernehmen, nicht nur das, Sie wollen es auch verstehen. Sie sind nicht dem Recht unterworfen, nein, Sie haben Mitsprache, dürfen verändern, sofern sie die verständlichen Gesetze verstehen. Wir leben nämlich in einem aufgeklärten Zeitalter und da haben die Macher verständlicher Gesetze beschlossen, dass wir, also Sie und wir, dann, wenn wir gezeigt haben, dass wir Gesetze verstehen, die entsprechenden Gesetze verändern dürfen, was natürlich Anarchie bedeutet und damit es nicht soweit kommt, sind Gesetze so zu fassen, dass sie ein mit normalem Verstand Ausgestatteter nicht verstehen kann – nur so kann die demokratische Despotie der Bildungsimaginierer in ihrer ignoranten Arroganz überleben.

Verbaler Missbrauch

Uns reicht es!

GEwDie GEW paternalisiert und missbraucht wieder: Kinder aus “finanzschwachen Familien”, also Kinder aus der Arbeiterschicht, aus der bildungsfernen Schicht, neben die Funktionäre aus der GEW vermutlich nie ziehen würden, deren Existenz sie nur aus der Ferne kennen und – Gott bewahre, dass die eigenen Kinder ein “bildungsfernes Kind” mit nach Hause bringen: “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern”, sagen sie dann, fassen die bildungsfernen Kinder mit spitzen Fingern an, denn: mit Bildungsfernen aus den “finanzschwachen Familien” hat man keinen direkten Kontakt, man bedient sich ihrer nur, missbraucht sie für seine eigenen Ziele.

Die GEW, das sei den Lesern ins Stammbuch geschrieben, ist eine Institution, die geschaffen wurde, um Funktionären mit zweifelhafter bis keiner Qualifikation ein Auskommen zu verschaffen. Die Klientel der GEW, Erzieher, Pädagogen, Lehrer, Hochschullehrer, sie sind alle aus der Mittelschicht. Entsprechend versteht sich die GEW nicht als Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, sondern als Interessenvertretung ihrer Klientel. Die Erziehung und die Wissenschaft dienen dazu, den eigenen Versuch zu verschleiern, sich und seine Klientel auf Kosten von Steuerzahlern zu bereichern.

no signalDer neueste Ansatz findet sich als Halteraner Signal. Das Halteraner Signal hat nichts mit der Deutschen Bundesbahn zu tun, und es findet sich auch nicht im Straßenverkehr, es ist auch kein Versuch von Alien, Kontakt aufzunehmen. Überhaupt, warum das Halteraner Signal, Halteraner Signal heißt – niemand weiß es. Aber warum auch nicht.

Jenes Halteraner Signal behauptet, dass es offene Hochschulen nur mit mehr BAföG gibt.

Die GEW versucht wieder einmal, die Kinder aus der Mittelschicht, die studieren wollen, freizuhalten von Kosten. Deshalb fordert die GEW BAföG nicht als Darlehen, sondern als Geschenkt an alle zu verteilen und natürlich die Höhe des BAföGs so zu gestalten, dass Studenten davon leben können: In der Mittelschichts-Klientel der GEW arbeitet man wohl nicht gerne, schon gar nicht während des Studiums, wie es die Kinder aus der Arbeiterschicht immer getan haben. Also: BAföG nicht mehr als Darlehen, sondern als Geschenk, als Geschenk, als Breitenförderung für alle, die denken, sie könnten einmal an eine Hochschule gehen, um mal zu schauen, wie es da so ist. Das ist das Halteraner Signal.

Und natürlich fehlt im Halteraner Signal auch nicht die Stelle, an der sich die Funktionäre aus der Mittelschicht, die über die Arbeiterschicht und ihre Kinder schwadronieren, darüber auslassen, dass ja so wenige Kinder aus der Arbeiterschicht an deutschen Hochschulen ankommen.

Und nicht erst seit gestern ist das so, nein, seit Mitte der 1990er Jahre, so steht es im Halteraner Signal, hat sich nichts daran geändert, dass nur wenige Kinder aus Arbeiterfamilien an Hochschulen ankommen. Davor, so muss man dem entnehmen, war das anders. Und natürlich arbeitet die GEW seit Jahrzehnten und – wie man feststellen muss – vollkommen erfoglos daran, Kinder aus der Arbeiterschicht an Hochschulen zu verfrachten.

Das Halteraner Signal ist ein neuer Versuch, dieses Kunststück zu vollbringen, und zwar durch “politisch gestalteten” Hochschulausbau. Der besteht aus Rahmenbedingungen, die gut sind für Arbeiterkinder und andere, er besteht aus dem “Verzicht auf Studiengebühren”, aus “unterstützenden und motivierenden Studienbedingungen”, aus kostenlosem BAföG für alle und zu guter letzt aus einer “vielfältigeren Studierendenschaft”.

Wenn man derart wohl überlegte, detaillierte und konkrete Halteraner Signale sieht, dann versteht man gar nicht, warum nicht längst 80% der Arbeiterkinder an deustchen Hochschulen studieren – oder?

Selbstverständlich muss die Höhe des BAföG ausreichen, um den Kindern aus der Mittelschichts-Klientel der GEW ein sorgloses und von Arbeit ungetrübtes Studium zu ermöglichen. Dazu darf es kein Darlehen sein, muss jedem gewährt werden. Wo kämen wir hin, wenn die Erben der 600 Quadratmeter Einfamilienhäuser nach dem von Steuerzahlern und somit vielen aus der Arbeiterschicht finanzierten Studium mit Schulden ihr Erbe antreten müssten. Unvorstellbar. Barbarisch.

Außerdem werden durch die Aussicht auf einen “Schuldenberg von bis zu 10.000 Euro … Studienberechtigte aus finanzschwachen Elternhäusern, aber auch junge Frauen … von einem Hochschulstudium abgeschreckt”. Wem noch nicht übel geworden ist, ob der Art und Weise wie hier “finanzschwache Elternhäuser” missbraucht werden, um zu verschleiern, dass es einzig und allein darum geht, die Mittelschichts Klientel der GEW und ihre Kinder besser zu stellen, dem wird dann vielleicht übel, wenn er die Wertigkeit der GEW-Funktionäre sieht, die eine Jungfrau-Maria-Vorstellung kultiviert haben und anbeten, und wo Jungfrauen angebetet werden, da verblassen Jungmänner natürlich, kommen nicht einmal vor.

Wem das alles noch nicht reicht, für den haben wir den “GEW-Vize” Andreas Keller, von dem wir nicht wissen, ob er tatsächlich so dumm ist, wie es das Zitat unten nahelegt oder nur denkt, die anderen seien so dumm, dass er ihnen in den Bart spucken könnte und behaupten, es sei Raureif. Urteilen Sie selbst:

verbal abuse“‘Vom BAföG muss man leben können. Tatsächlich erhalten aber nach Angaben der Bundesregierung nur 19 Prozent der Studierenden BAföG, im Schnitt nicht einmal 450 Euro pro Monat. BAföG-Fördersätze und -Freibeträge müssen daher schnell um mindestens zehn Prozent erhöht und künftig automatisch an steigende Lebenshaltungskosten angepasst werden. Es darf keine weiteren Nullrunden geben’, betonte Keller.”

Eingeweihte wissen: Die Gewährung von BAföG und die Höhe von BAföG sind an das Verdienst der Eltern gekoppelt, wenn also “nur 19 Prozent der Studierenden BAföG” erhalten, dann liegt das daran, dass die Eltern der restlichen 81 Prozent oder die Studierenden selbst zu viel verdienen. Dasselbe gilt für das durchschnittliche BAföG in Höhe von 450 Euro pro Monat, denn es wird auf der Basis des elterlichen Einkommens berechnet. Kurz: BAföG in seiner derzeitigen Form kommt eher denen zu Gute, die es aus “finanzschwachen Familien” an Hochschulen schaffen – also genau denen, derer sich die GEW-Funktionäre nun bedienen, um eine bedingungslose Ausweitung eine “Breitenförderung” durch BAföG zu fordern.

Die Sozialerhebung des Studentenwerks für 2012 zeigt, dass 67,5% der befragten Studenten kein BAföG beantragt haben, weil das Einkommen der Eltern zu hoch ist, 27,5% geben an, das eigene Einkommen sei zu hoch. 19,2% der Studenten geben an, ihr Vater sei Arbeiter, was sich mit den 19% zu decken scheint, von denen die GEW weiß, dass Sie überhaupt nur BAföG beziehen. Überhaupt sei den Funktionären die Lektüre der Sozialerhebung empfohlen, um z.B. zu sehen, dass rund 60% der befragten Studenten angeben, zu arbeiten, um finanziell unabhängig von ihren Eltern zu sein. Rund 63 % der Studenten gehen zumindest gelegentlich einer Erwerbstätigkeit nach, was beweist: es ist möglich, auch ohne die Hilfe der GEW zu studieren.

Es ist wirklich widerlich, wie die GEW versucht, für ihre Klientel hier ein komplett steuerzahlerfinanziertes Studiendasein zu erreichen, damit die eigene Klientel nicht genötigt ist, das zurückzuzahlen, was von der so oft besungenen Gemeinschaft und vor allem von Arbeitenehmern, deren Kinder es nur in den seltensten Fällen an eine Universität schaffen, die also in der Mehrzahl für Hochschulen bezahlen, aber direkt nichts davon haben, bereitgestellt wird, so dass Arbeiter über ihre Steuern das Studium der Mittelschichtskinder finanzieren.

Wie weit der Missbrauch der Arbeiterkinder durch die GEW geht, wird daran deutlich, dass sich unter den BAföG-Empfängern, die es derzeit gibt, vornehmlich Kinder aus “finanzschwachen Familien” befinden müssen, denn wären sie nicht finanzschwach, sie würden kein BAföG erhalten. BAföG ist nämlich ein Mittel, um diesen Kindern und nicht um Kindern aus nicht-finanzschwachen Familien ein Studium zu ermöglichen.

Wir sind selbst Arbeiterkinder und würden uns gerne einmal mit einem Funktionär der GEW auseinandersetzen, vor allem mit denen, die Kinder aus finanzschwachen Familien, vor allem “junge Frauen” missbrauchen, um ihre Kernklientel zu bedienen. Wie es im Englischen heißt: We would like to give them a piece of our mind – um sicherzustellen, dass die entsprechenden Funktionäre den Begriff “finanzschwache Familie” in ihrem kümmerlichen Rest-Dasein nicht mehr missbrauchen – nie mehr.

Wenn es der GEW tatsächlich darum geht, Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” nicht durch einen “Schuldenberg von bis zu 10.000 Euro” vom Studium abzuschrecken, dann schlagen wir vor, eine Fördeurng per BAföG auf Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” zu beschränken und BAföG, das nur noch an Kinder aus “finanzschwachen Elternhäusern” vergeben wird, als Zuschuss und nicht als Darlehen zu vergeben.

Freiheitsverlierer

Eine These, vorgebracht auf dem Soziologentag, der so gänzlich ohne jeden Widerhall in den Medien geblieben ist, hat uns über die letzten Tage immer einmal wieder beschäftigt. Anti-Genderismus, so lautet die These, sei im Kern der idealisierte Wunsch nach der Bundesrepublik der 1980er Jahre.

Warum die 1980er Jahre?, so haben wir uns gefragt. Was ist an den 1980er Jahren so besonders, so besonders, dass sich die 1980er Jahre als Feindbild der Genderisten eignen?

Ausgerechnet die 1980er Jahre – die an Diversität kaum zu überbieten sind, und ist nicht Diversität das, was Genderisten nach eigener Behauptung anstreben?

Hayek KnechtschaftWer erinnert sich nicht gerne an die 1980er Jahre, die friedliche Ko-Existenz von Hard und Soft Rock, von AC/DC, Queen, Twisted Sister, R.E.M., von R&B’s most famous Lionel Ritchie, Diana Ross und Freddie Jackson, von Kool and the Gang bis Luther Vandross. Erste Gehversuche im Hip Hop von Run DMC, Public Enemy  und ICE-T beginnen ebenso in den 1980er Jahren wie Post Punk von The Smiths, The Cure oder The Police. Die 1980er Jahre, sie kennen selbst Diversität in sexueller Orientierung von Boy George über Bronsky Beat bis zu den Pet Shop Boys. Homosexualität war in der Musik vorhanden und so sehr akzeptiert, dass man sie nicht einmal thematisieren musste, im Gegensatz zu heute..

Was also gibt es an den 1980er Jahren auszusetzen?

In den 1980er Jahren schreibt Salman Rushdie seine Satanischen Verse, Tony Morrison ihr Beloved, Stephen Hawkins seine Kurze Geschichte der Zeit. Die 1980er Jahre sind die Jahre des Commodore C64, die Arcade Zeit der Computerspiele, die 1980er, sie sind der Beginn der gerade zuende gegangenen Space-Shuttle Ära, der Anfang der IT-Revolution, er findet sich in den 1980er Jahren.

Was also, ist so schlimm an den 1980er Jahren?

Die 1980er Jahre, sie waren sehr geschäftige Jahre für Milton Friedman. Die 1980er Jahre, sie sind u.a. geprägt von Margaret Thatcher und Ronald Reagan- Reaganomics und Thatcherismus stehen für eine kaum gekannte wirtschaftliche Liberalisierung, ein Freiheitsschub wie ihn vor und nach den 1980er Jahren nur wenige Dekaden erlebt haben. Der Aufschwung der Freiheit ist gleichzeitig ein Niedergang der staatlich garantierten Unfreiheit. 1985 tritt mit Michail Gorbatschow der Nachlassverwalter der real existierenden sozialistischen Misswirtschaft sein Amt an und beginnt, das Unternehmen “Sozialismus” in seine Teile zu zerlegen und zu verscherbeln.

Auch das bisherige sozialistische Vorzeige-Land, in dem zumindest die Fassaden den Eindruck erweckt haben, es ginge voran, die DDR, hat Gorbatschow meistbietend feil geboten. Helmut Kohl hat die verlangten Milliarden zugesagt, und seitdem ist der Westen der Republik solidarisch und beim “Aufbau Ost”, der auch im Jahre 25 nach dem Anschluss der ehedem sowjetisch besetzten Zone nicht abgeschlossen ist, wie die Bundesregierung gerade mitgeteilt hat.

Und trotz all dieser Veränderungen zum Positiven, trotz der Tatsache, dass Ostdeutsche mit den Füßen in die Freiheit gewandert sind, in die Freiheit spanischer Strände, die Freiheit tropischer Früchte, westlicher Konsumwaren und richtiger Autos, haben Genderisten ein Problem mit den 1980er Jahren – oder gerade deswegen?

Genau. Sie haben keine Probleme trotz des Freiheitsschubes in den 1980er Jahren, sondern gerade wegen des Freiheitsschubs, denn sie sind Freiheitsverlierer.

Genderismus ist, wie Dr. habil. Heike Diefenbach gezeigt hat, ohne Sozialismus nicht zu denken. Sozialismus ist der Feind aller Freiheit. An die Stelle individueller Verantwortung und Möglichkeiten setzt der Sozialismus die Kontrolle von Individuen und die Planung dessen, was dann als Möglichkeiten für Individuen vorhanden ist, vom sozialistischen Planer genehmigt wird oder von den in sozialistischen Staaten endemischen Knappheiten erlaubt wird. Als Nutzen dafür, dass Bürger im Sozialismus ihre persönliche Freiheit aufgeben, versprechen sozialistische Planer die Sicherheit des individuellen Lebens.

AnthemIndividuelles Leben ist im Sozialismus geplant, vom Kindergarten über die Schule bis in den Betrieb. Ayn Rand hat dies sehr schön in Anthem beschrieben und sie, die vor dem real existierenden Sozialismus aus der Sowjetunion geflohen ist, weiß, wovon sie schreibt. Planung des eigenen Lebens, die Vorgabe dessen, was man zu tun hat, die vermeintliche Sicherheit im sozialistischen Volkskörper, das sind Angebote, die nur für Individuen verlockend sind, die befürchten, wenn sie auf sich gestellt sind, ein eigenverantwortliches Leben führen müssen, sich selbst um ihr Auskommen und ihren Erwerb kümmern müssen, schlechter abzuschneiden, als wenn sie die Brotkrumen aufsammeln, die ihnen sozialistische Planer hinwerfen.

Sie sind Freiheitsverlierer, unfähig ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu leben.

Und plötzlich macht es alles Sinn.

Was haben Horkheimer, Fromm und Marcuse in ihren Studien über Autorität und Familie herausgefunden? Wer ist in der Regel der Agent des Staates in Familien? Wer betreibt die Sache des Staates in Famlien? Frauen, Frauen, die von ihren Männern abhängig sind, weil die Männer das Geld verdienen, von dem Ehefrauen leben. Entsprechend sind es Frauen, die jede Art von Eigeninitiative von Widerstand in ihren Männern bekämpfen. Es sind Ehefrauen, die mit dafür sorgen, dass ihre Ehemänner zur Arbeit trotten und in den Krieg ziehen, die die entsprechenden Ansprüche an ihre Männer stellen, Ansprüche, die darauf abzielen, die Sicherheit der eigenen Existenz, sei es auf Grundlage der Lohnzahlungen der Ehemänner oder auf Grundlage der (Kriegs-)Witwenrente zu sichern.

Aber zwischenzeitlich gibt es doch die Emanzipation der Frauen, die Befreiung der Frauen, die ihnen ein eigenverantwortliches Leben ermöglich hat, die Befreiung durch den Feminismus – oder?

Und genau hier fügt sich die Angst vor der Freiheit, für die die Abwehr der 1980er Jahre steht, mit der angeblichen Emanzipation, denn im Staatsfeminismus, der einzigen Form von Feminismus, die in Deutschland in relevantem Ausmaß vorhanden ist, wurde die Abhängigkeit vom Ehemann gegen die Abhängigkeit vom Staat, von Transferzahlungen von politischen Maßnahmen, von staatlich geschaffenen Möglichkeiten, zu nutznießen, von Quoten und sonstigen Regulativen, die das Leben der angeblich emanzipierten Frauen regeln und planen, ersetzt. Nunmehr sind die entsprechenden Frauen nicht mehr in der prekären Lage, von ihrem Ehemann abhängig zu sein und seine Erwerbsfähigkeit und -willigkeit sichern zu müssen, nunmehr sind sie ein iner prekären Abhängigkeit von ihrem neuen Herrn und Master: dem Staat.

Er gewährt Mittel, fördert, subventioniert, schafft erst das Frauennetzwerk. Er garantiert Arbeitsplätze und plant das Leben, der sich als emanzipiert bezeichnenden Genderisten, dieser Karrikatur auf ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben, nach dem sich Genderisten so sehnen, weil sie fürchten, in einem Leben, das nicht vorherbestimmt, nicht durch den Staat garantiert und nicht in Abhängigkeit vom Staat geführt wird, nicht bestehen zu können. Denn: Sie haben Angst vor der Freiheit. SIe leben in prekären Verhältnissen, sind vom Staat abhängig und sie sind eines nicht: emanzipiert.
Horkheimer FamiileDenn: das vermeintlich emanzipierte Leben moderner Frauen hängt zunächst am Tropf der Förderprogramme, die geschaffen wurden, um benachteiligten Frauen zu helfen. Ein staatskonformes Verhalten erfährt eine Belohung durch Muttscherschaftsgeld und Mutter-Kind-Programme, es verläuft in den geregelten Bahnen terminierter Frauenarztbesuche oder in Abhängigkeit vom Pillenrezept, es hängt von Mentoren ab, die die behinderten Frauen an z.B. die Wissenschaft oder den Wiedereinstieg in den Arbeitsplatz heranführen, verschafft ihnen Startvorteile durch besonderes Coaching, durch frauenspezifische Förderprogramme und hievt sie in Positionen, die sie ohne z.B. das Professorinnenprogramm nie erreicht hätten. Das staatsfeministisch-vorstrukturierte emanzipierte Leben gibt es in den Größen S, XS, XXS.

Könnten die Feministinnen der ersten Stunde sehen, was für ein armselilges Häuflein freiheitsfürchtender und Emanzipation bekämpfender Genderisten sie hinterlassen haben, Tränen des Mitleids und der Verachtung würden in Strömen fließen. Denn Emanzipation ist nicht anders zu denken, als in Form eines selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lebens. Es gibt wohl keine traurigere Form, das eigene Scheitern darzustellen, als sich in die Arme des Staates zu flüchten und zu versuchen, Emanzipation zu Gehorsam und Abhängigkeit umzudeuten.

Horkheimer, Max, Fromm, Erich & Marcuse, Herbert (1987[1936])(Hrsg.): Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Lüneburg: Dietrich zu Klampen Verlag.

©ScienceFiles, 2014