Homo-Mania

L-S-Lebenswesen_2013_webKaum ein Tag, an dem nicht das Thema “Homosexualität” durch die Medien geht. Man könnte fast meinen, die Welt dreht sich um die sexuelle Ausrichtung von Menschen, ganz so als gäbe es nichts Wichtigeres im Leben als die Frage: Bin ich homo- oder heterosexuell? Es mag sein, dass diese Frage für Pubertierende einen gewissen Stellenwert hat, aber Menschen, die über die Pubertät hinaus sind, sollten auch über die damit einhergehende Fixierung auf Sexualität hinaus sein.

UnionsAber dem ist nicht so. Sexualität ist in Deutschland wie in den meisten verklemmten Gesellschaften allgegenwärtig, denn über das, was man nicht macht, muss man reden, denn würde man es machen, man hätte keine Zeit und keinen Anlass, darüber zu reden. Sexualität ist ein Fetisch der Aufgeschlossenheit: Wer sich in die Schlafzimmer anderer einmischt oder aus denselben berichtet, zeigt damit, wie modern und offen er ist, jedenfalls glaubt er, dass er das zeigt. Das Thema “Sexualität” hat so hohen Stellenwert angenommen, dass Doro Moritz, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Baden-Württemberg sich zu folgender bemerkenswerter Aussage versteigt:

“Es ist sicherlich unstrittig, dass Demokratie- und Sexualerziehung zwingender Bestandteil einer umfassenden Bildung und Erziehung sind. Nur eine völlig vorbehaltlose Demokratie- und Sexualerziehung kann aber letztlich dazu beitragen, dass Diskrminierung verlernt, Anerkennung dagegen erlernt wird.”

Wir dürfen von uns behaupten, dass wir eine Vielzahl von Demokratietheorien kennen. Keine davon, kennt einen Zusammenhang mit Sexualerziehung, ja, das Schlagwortverzeichnis aller von uns geprüfter Demokratietheorien von Sternberger bis Sartori kennt nicht einmal das Wort Sex oder ein Wort, das Sex enthält. Das Wissen, dass Demokratie und Sexualität zusammengehören, ist bei allen von uns gepräften Demokratietheoretikern schlichtweg nicht vorhanden. Aber jetzt haben wir ja Frau Moritz, die uns aufklärt und dafür sorgen will, dass wir den Zusammenhang lernen.

Und wir bemühen uns: Wie könnte der Zusammenhang  aussehen? Vielleicht wählen Homosexuelle anders als Heterosexuelle? Vielleicht sind Homosexuelle gegenüber Heterosexuellen nicht offen genug eingestellt, lehnen die Gewährung eines Wahlrechts für Personen, die nicht homosexuell sind, ab? Vielleicht ist auch die Regierungslehre fehlerhaft, weil die entsprechende Verbindung von Sexualität und Demokratie fehlt, und wäre daher um ein homosexuell-heterosexuell repräsentatives Parteiensystem oder eine im Wechsel homo- und heterosexuell präsidentielle Demokratie zu ergänzen? Wer weiß? Vielleicht meldet sich Frau Moritz ja mit einem entsprechenden Beitrag demnächst zu Wort, z.B. in der Zeitschrift für Parlamentsfragen?

Wie dem auch sei, wir wollen heute ein wenig Material zum Bildungsplan 2015 anfüttern, jenem Bildungsplan in Baden-Württemberg, gegen den sich so viel Widerstand regt, weil er ein für alle Mal und ohne Toleranz in den Köpfen der Schüler verankern will, dass homo- und heterosexuelle Paare und all die anderen Formen von Sexualität gleich, gleichgestellt oder was auch immer sind.

Pläne, wie der Bildungsplan 2015, sind der Ausdruck einer Entwicklung, die man nur homo-manisch nennen kann, die Journalisten und Politiker auf der Jagd nach Prominenten, im Moment: prominenten Sportlern, am Besten in einem Männersport wie Fussball sieht, die endlich zugeben sollen, dass sie homosexuell sind.

Die Homo-Mania sieht bei Aktivisten die Augen leuchten, wenn sie ihre Phantasien darüber, was einem als Homosexuellem alles so passieren kann, in Sprache umsetzen, dabei vergessend, dass ihre Phantasien mit der Realität nichts zu tun haben, wie wir in einer Artikelserie gezeigt haben.

Und die Homo-Mania führt dazu, dass angebliche Pädagogen Schulen mit ihren Ergüssen zur Herstellung von Toleranz und Akzeptanz von homosexuellen Menschen überschwämmen. Ergüsse, wie der im folgenden dargestellte, den die GEW Baden-Württemberg zu verantworten hat und der als Anschauungsmaterial dafür dient, was in Schulen ankommen und gelehrt werden wird, wenn der Bildungsplan 2015 umgesetzt wird.

GEW_Lesbisch und schwulDie folgenden Beispiele stammen aus dem Werk: “Lesbische und schwule Lebensweisen – ein Thema für die Schule”. Der Titel, darauf sei explizit hingewiesen, formuliert eine Feststellung, keine Frage. Auf Seite “12_13″ (die neue Zählweise, die die Benachteiligung benachbarter Seitenzahlen verhindern soll…) sind dann folgende Weisheiten zu lesen:

“Der folgende fächerübergreifende Unterrichtsentwurf stellt am Beispiel der sexuellen Orientierung dar, wie eine Auseinandersetzung mit Verschiedenheit in der Schule möglich ist. Leitfaden beim Umgang mit Heterogenität ist dabei der Grundgedanke der Inklusion: Vielfalt ist eine Bereicherung.”

Es ist schon erstaunlich, wie felsenfest die Gutmenschen, die für die Rechte von Homosexuellen streiten, davon überzeugt sind, dass Homosexuelle so eine Art Freaks of Nature sind, die halt anders, sind und durch ihre Andersartigkeit eine unüberbrückbare “Heterogenität” schaffen, die man nur durch “Inklusion” lösen kann, also dadurch, dass man den grundsätzlich verschiedenen Homo- und Heterosexuellen erklärt, dass sie sich deshalb nicht hassen müssen. Und wieder sieht man die Homo-Manie in voller Stärke, denn die kurze Passage basiert auf der Prämisse, dass Unterschiede in der sexuellen Orientierung so offensichtlich, so grundlegend und so prägend sind, dass sie schier unüberwindbare Gräben der Heterogenität aufreißen. Homo- und Heterosexuelle verbindet, in den Augen dieser Fanatiker, keine gemeinsame Menschlichkeit, deshalb muss man die Heterosexuellen lehren, wie Doro Moritz meint, die Homosexuellen zu achten.

[Übrigens: Wenn Vielfalt eine Bereicherung ist, dann werden wir demnächst wohl auch Obdachlose, Krebskranke, Alkoholiker, Junkies, Facharbeiter der BASF, Banker, Putzfrauen und geistig Behinderte in Schulen thematisieren bzw. Schüler zum Coming Out aufforden, darüber dass sie, ihr Vater, ihre Mutter Alkoholiker sind, darüber, dass die eigene Familie am Existenzminimum, die Tante Tablettenabhängig ist, der Zweitwagen wegen finanzieller Schwierigkeiten verkauft werden muss usw.: Vielfalt ist eine Bereicherung. Nicht vergessen!]

Aber wie lernt man Toleranz und Achtung vor Homosexuellen im fächerübergreifenden Unterricht ab der Klasse 7? So:

“Baustein II: Sich einfühlen. Ziel: Die Schüler setzen sich mit der sexuellen Orientierung und dem Coming Out auseinander und nehmen Stellung. Ablauf: – Einzelarbeit: Die Mädchen schreiben einen Antwortbrief auf den Hilferuf einer guten Feundin, der gerade klar geworden ist, dass sie lesbisch ist (erst Phase des Coming Out). Entsprechend beantworten die Jungen den Brief eines Freundes. – Gruppenarbeit: Die Schüler tauschen sich in Gruppen über ihre Briefe aus.” (12_13)

Offensichtlich gelten in Schulen immer dann, wenn es darum geht, den wichtigen Zusammenhang zwischen Demokratie und Sexualität zu vermitteln, die demokratischen Grundrechte nicht, z.B: das Briefgeheimnis, was insbesondere misslich ist, weil die Schüler aufgefordert werden, private Briefe über einen höchst intimen Sachverhalt zu schreiben. Wir können hier keine Erziehung zu Toleranz oder Akzeptanz erkennen. Was wir erkennen, ist ein Voyeurismus von homo-manischen, die jede Gelegenheit nutzen, um Einblick in die intimen Welten anderer zu erzwingen.

Die gemeinsamen Seiten 18_19 der GEW-Materialien für Lehrer sind “den Fakten” gewidmet. Und die gehen wie folgt:

“Ein heterosexuell empfindender Mensch liebt einen Menschen des anderen Geschlechts. Ein homosexuell empfindender Mensch liebt einen Menschen des gleichen Geschlechts. Ein bisexueller Mensch hat die Fähigkeit, Menschen beider Geschlechter zu lieben. Nach dem amerikanischen Sexualwissenschaftler Alfred Kinsey sind die Grenzen zwischen den sexuellen Orientierungen fließend. Nur ein geringer Teil der Bevölkerung empfindet rein hetero- oder homosexuell.”

Tina Turner

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Die sexuelle Orientierung ist also Empfindung, keine Tätigkeit. Und Sexualität ist mit Liebe gleichzusetzen, was die Darsteller in der Porno-Industrie vermutlich erheitern wird, aber lassen wird das, wichtig für den weiteren Verlauf ist die augenscheinliche Konfusion, die Homo-Manische mit sich herumtragen: Sie sind der Ansicht, dass Sexualität und Liebe eins sind, und entsprechend ist es für sie eine vorausgehende Entscheidung, ob man homosexuell oder heterosexuell ist, damit man weiß, in wen man sich verlieben kann.

Und weil für homo-mane wie diejenigen, die hinter der Broschüre der GEW stehen, Liebe und Sexualität eins sind, vermutlich deshalb, weil sie nie über ihre Pubertät hinausgekommen sind und weder Kenntnis vom einen noch vom anderen haben (und schon gar nicht von beidem zusammen), kommt es zu einer Reihe Verwechslungen, die – würden nicht Schüler damit traktiert – etwas Erheiterndes hätten. Z.B. beim “Was-wäre-wenn-Spiel” auf den gemeinsamen Seiten 16_17:

“Was wäre wenn … deine Mutter dir erzählte, dass sie lesbisch ist?” Was wäre wenn … deine lesbische Tante dir erzählte, dass sie schwanger ist? Was wäre wenn … dein Vater dir erzählte, dass er schwul ist?”

Homo-Manie geht mit Essentialismus einher: Man ist schwul oder lesbisch (offensichtlich geht es bei der “Wahl” der sexuellen Orientierung also darum, das eigene Wesen zu entdecken). Beides sind tiefe Aspekte des eigenen Wesens, so tief, dass man selbst soziale Kategorien damit beseitigen kann, die offensichtlich dagegen stehen, denn die große Mehrheit der so gefragten Kinder wird über einen biologischen Vater, eine biologische Mutter verfügen, mit denen sie zusammenleben. Entsprechend unverständig werden sie auf derat dumme Fragen reagieren, vor allem, wo sie bis zur entsprechenden Frage doch der Meinung waren, dass ihre Tante zumindest bislang den Anschein erweckt hat, normal zu sein. Aber, in Zeiten der Vielfalt, die trotz aller Vielfalt dennoch der heiligen und wenig vielfältigen Aufgabe der Fortpflanzung gewidmet sind, ist auch die höchste Bestimmung von Lesben die Vermehrung – wie auch immer sie gelingen mag.

Wir wollen unseren kleinen Einblick in die Welt der Homo-Manen, mit der sie demnächst vielleicht durch ihre Kinder konfrontiert werden, auf den gemeinsamen Seiten 20_21 beenden. Hier haben die Hersteller der GEW-Broschüre eine Verfremdungstechnik benutzt, die seit Harold Garfinkel seine Ethnomethodologie begründet hat, verwendet wird, allerdings von den meisten Autoren richtig, d.h. in einer Weise, die es erlaubt, die Vorurteile von Probanden zu ergründen. Die Art und Weise, wie sie in der GEW-Broschüre verwendet wird, ermöglicht es nur, die erschreckenden Vorstellungswelten zu rekonstruieren, in denen die Macher leben müssen.

Die Beispiele stammen aus der Vertiefungsphase und dem darin zu findenden “heterosexuellen Fragebogen” (Es gibt also bei der GEW selbst Fragebögen mit Geschlechtspräferenzen. Wer noch einen Beleg für die Homo-Manie der Ersteller gebraucht hat, hier ist er!)

Wer weiter lesen will, der sei gewarnt, vor dem kalten Grausen, das ihn ereilt.

Text in der GEW-Broschüre Unsere Rekonstruktion der dahinterstehenden Prämissen
“Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?” Sexualität, die für die Broschürenmacher mit Liebe gleichzusetzen ist, ist eine Frage der Entscheidung. Man setzt sich hin, wägt die Vor- und Nachteile der jeweiligen Orientierungen ab, trifft eine Entscheidung, geht in die Welt und verliebt sich auf Teufel komm’ raus.
“Eine ungleich starke Mehrheit der Kinderbelästiger ist heterosexuell. Kannst Du es verantworten, deine Kinder heterosexuellen Lehrer/innen auszusetzen? Homosexualität ist die erhabene Lebensform. Heterosexualität ist schmutzig und führt zu Übergriffen. Die Sittenlehre der katholischen Kirche hat dies im Mittelalter nicht anders formuliert.
“Was machen Männer und Frauen denn eigentlich im Bett zusammen? Wie können sie wirklich wissen, wie sie sich gegenseitig befriedigen können, wo sie doch anatomisch so unterschiedlich sind?” Nicht nur, sind die Broschüren-Ersteller von einem Voyeurismus getrieben, den man nur als ekelhaft bezeichnen kann, sie haben offensichtlich auch keine Ahnung davon, dass die Befriedigung sexueller Wünsche gerade auf den kleinen anatomischen Unterschieden aufbaut. Poor souls that they are.
“Laut Statistik kommen Geschlechtskrankheiten bei Lesben am wenigsten vor. Ist es daher für Frauen wirklich sinnvoll, eine heterosexuelle Lebensweise zu führen und so das Risiko von Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft einzugehen?” Verhütungsmethoden sind in der Welt der GEW noch nicht angekommen, einer Welt, die von der Überzeugung getragen wird, dass alles Schlechte dieser Welt, also vor allem Geschlechtskrankheiten (und wir wissen ja, wie eng der Zusammenhang zwischen Demokratie und Sexualität für die Homo-Manen bei der GEW ist) von Männern kommt bzw. übertragen wird. Ohne Männer keine Probleme auf dieser Welt, nicht einmal Schwangerschaften…

Uns reicht’s. Wem noch nicht schlecht genug ist, der kann sich die Broschüre der GEW ja in Gänze zu Gemüte führen. Wir wollen es für heute bei der Feststellung belassen, dass es Zeit wird, etwas gegen die Homo-Mania und die Homo-Manischen zu unternehmen, die ihre eigene Deprivation dadurch verarbeiten wollen, dass sie andere stalken, penetrieren und über ihre Sexualität ausquetschen. Da die entsprechenden Lehrmittel in deutschen Schulen zum Einsatz kommen, wäre es zudem an der Zeit, Schulen aus öffentlich-rechtlicher Trägerschaft zu befreien und homo-mane Anstalten wie die GEW von der Erstellung von Lehrmaterialien für Schulen zu bannen.

HIV AIDS GEWEinen Nachtrag können wir uns an dieser Stelle nicht sparen. Die Darstellung homosexueller Lebensentwürfe in der GEW-Broschüre kommt gänzlich ohne einen Verweis auf HIV/AIDS aus. Das ist nicht nur sträflich, sondern gefährlich, denn wenn es einen wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhang gibt, dann den einer erhöhten Sterblichkeit von Homosexuellen im Vergleich zu Heterosexuellen, und zwar wegen HIV/AIDS. Homosexuelle sind nach wie vor eine HIV/AIDS-Risikogruppe. Wer dies in seiner Darstellung homosexueller Lebensstile weglässt oder in einer Weise in Abrede stellt, wie dies in der Textbox geschieht, die der GEW-Broschüre entnommen ist, der trägt eine Mitverantwortung für jede neue Infektion mit HIV/AIDS.

P.S.

Es würde uns brennend interessieren, auf welche Daten sich die Macher der Broschüre beziehen. Woher sie ihre Kenntnisse über die “Statistik”, die Lesben seltener mit Geschlechtskrankheiten ausweist als alle anderen, haben. Leider gibt es keine Quellenangabe für die entsprechende Statistik.

Mehr Toleranz für Homosexuelle: Interventionen emprisch unbegründet, gefährlich und politisch fehlgeleiteter Aktivismus

Mehr Akzeptanz und Toleranz, so haben es sich Politiker landauf landab vorgenommen, wollen sie ihren Bürgern für Homosexuelle beibringen. Entsprechende Interventionen, die vor allem auf Schüler abzielen, sollen dem hehren Ziel dienen. Aber gibt es auch einen Anlass für die entsprechende Intervention? Gibt es Diskriminierung Homosexueller in relevantem Ausmaß? Leiden Homosexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung unter Vorurteilen und bringen sich gar wegen der darauf basierenden Diskriminierung häufiger als Heterosexuelle um? Wir haben die empirische Evidenz zusammengetragen und untersucht, ob es einen Anlaß für Interventionen wie den Baden-Württembergischen Bildungsplan 2015 gibt, der Bürger zu Toleranz und Achtung Homosexueller anhalten soll. Das Ergebnis: Es gibt keine Notwendigkeit für die entsprechenden Interventionen. Sie sind reiner politischer Aktivismus und bringen die Gefahr mit sich, mehr Schaden anzurichten als sie Gutes tun.

Der folgende Beitrag stellt die Ergebnisse zusammen, die wir über drei Beiträge verteilt zusammengetragen haben:

Teil I: Erhöhtes Suizidrisiko bei Homosexuellen?
Teil II: Homosexuelle begehen nicht häufiger Selbstmord als Heterosexuelle
Teil III: Diskriminierung Ursache von Suizid oder psychischer Erkrankung bei Homosexuellen?

Sind Inverventionen zugunsten „des Regenbogens“ notwendig oder sinnvoll?

In diesem abschließenden Teil unserer kleinen „Vorlesungsreihe“ in Sachen Forschungsstand zum Thema „Sexueller Orientierung, Suizidrisiko, psychische Probleme und Diskriminierung“ wollen wir die wichtigsten Ergebnisse unserer Bestandsaufnahme noch einmal zusammenfassen und einige Schlussfolgerungen im Hinblick auf Sinn und Unsinn von Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ aus ihnen ziehen.

Wir halten also zunächst fest:

zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko

  • Der bei Weitem größte Anteil der Vielzahl von Studien, die den Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko zu erforschen versuchen oder vorgeben, erforscht tatsächlich nicht das Suizidrisiko, sondern fragt nach Selbstmordversuchen, Selbstmordgedanken oder –phantasien oder Todeswünschen irgendwann in der Vergangenheit.
  • suicide attemptDer bei Weitem größte Teil der Studien, die den Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko zu erforschen versuchen oder vorgeben, basiert auf selegierten Stichproben Nicht-Heterosexueller, so dass sich die erzielten Ergebnisse nicht verallgemeinern lassen, was wiederum bedeutet, dass keine Aussagen über die Gruppe von Nicht-Heterosexuellen als solcher gemacht werden können.
  • Ein großer Teil von Studien, die den Nachweis eines erhöhten Suizidrisikos bei Nicht-Heterosexuellen erbringen wollen, kann dies schon deshalb nicht, weil keine Vergleichsgruppe Heterosexueller beinhaltet ist.
  • Es existieren derzeit u.W. nur zwei  Studien, die mit tatsächlichen Todesfällen arbeiten, Homo- und Bisexuelle sowie Heterosexuelle als Vergleichsgruppe beinhalten und nicht auf selegierten Stichproben beruhen. Eine der beiden Studien betrachtet nur Jugendliche, die andere nur erwachsene Männer. Beide Studien kommen zu dem Ergebnis, dass keine höhere Suizidrate bei Homo- und Bisexuellen als bei Heterosexuellen zu beobachten ist.
  • Für diese beiden Studien gilt wie für alle anderen auch, dass sie mit sehr niedrigen Fallzahlen arbeiten müssen, weil sowohl das Merkmal „Selbstmord“ als auch das Merkmal „Nicht-Heterosexuell“ vergleichsweise selten anzutreffen ist und die Kombination beider Merkmale noch seltener. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse steht daher in Frage. Dennoch repräsentieren diese beiden Studien aufgrund der Tatsache, dass sie andere grundlegende methodische Mängel überwinden, die alle anderen Studien zum Thema aufweisen, das derzeit Beste, was an Forschung zum Thema verfügbar ist.
  • Eine dieser beiden Studien hat ein im Vergleich zu Heterosexuellen deutlich höheres Risiko Homo- und Bisexueller, an den Folgen einer HIV-Infektion zu sterben, festgestellt.

zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und psychischen Erkrankungen oder psychischen Problemen sowie ihren Ursachen

  • Zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und psychischen Erkrankungen oder Problemen liegt ebenfalls eine Vielzahl von Studien vor, die allerdings mit teilweise denselben, teilweise anderen, jedenfalls aber  erheblichen methodischen Problemen behaftet sind.
  • suicide solutionEs fasst die Forschungslage hierzu vielleicht am besten zusammen, wenn man festhält, dass es viele Befunde gibt, die zusammen betrachtet in die Richtung weisen, dass Nicht-Heterosexuelle (konkret: meist Homosexuelle und Bisexuelle, denn es sind sie, die gewöhnlich in Studien untersucht werden,) ein im Vergleich zu Heterosexuellen erhöhtes Risiko haben, psychisch zu erkranken oder erkrankt zu sein oder psychische Probleme gehabt zu haben oder zu haben. Ein klarer Befund liegt aufgrund methodischer Mängel (darunter: schlechte Indikatoren für psychische Probleme wie z.B. Alkoholkonsum) und aufgrund widersprüchlicher Befunde bislang aber nicht vor, und die Richtung des Zusammenhangs ist ebenfalls ungeklärt.
  • Es findet sich eine Reihe von Studien, die an ihre Befunde Spekulationen über die Ursachen für psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller anschließen. Unter diesen Spekulationen sind vermutete Diskriminierung oder besondere Belastungen aufgrund gesellschaftlicher Stigmatisierung zu finden. Diese Spekulationen sind aber eben dies und können nicht durch die Daten, auf denen die Studien basieren, gestützt werden.
  • Unbekannt ist, inwieweit psychischen Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen zu Selbstmorden bzw. Selbstmordversuchen führen, also als ursächlich für sie bezeichnet werden können.
  • Weiter ist unklar, welche Ursachen psychische Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen haben, denn Studien, die vermutete Ursachen für psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller tatsächlich zu prüfen versuchen, sind sehr selten.
  • Diesen wenigen Studien ist es nicht gelungen, zu klären, welche Ursachen psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller haben, denn selbst dann, wenn sowohl Stress, wie er im täglichen Leben unabhängig von der sexuellen Orientierung anfällt, als auch Stress, der in Verbindung  mit der spezifischen nicht-heterosexuellen Orientierung entsteht, sowie die Wahrnehmung Nicht-Heterosexueller, einer (vermeintlich) stigmatisierten Gruppe anzugehören, und internalisierte Homophobie als erklärende Größen probeweise berücksichtigt werden, erweist sich, dass sie kaum einen Einfluss haben.
  • Was Stigmatisierung und Diskriminierung als vermutete Ursache von psychischen Erkrankungen oder Problemen bei Nicht-Heterosexuellen betrifft, so sind beide Größen unplausible Erklärungsmöglichkeiten, weil es empirische Forschung gibt, die deutlich zeigt, dass weder eine gesellschaftliche Stigmatisierung noch eine nennenswerte Verbreitung homophober Einstellungen in den Ländern bzw. Bevölkerungen der westlichen Staaten zu beobachten ist.

Die wichtigste Schlussfolgerung aus all dem ist, dass es keinerlei durch wissenschaftliche Studien gerechtfertigten Anlass für Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ gibt bzw. kein Anlass dafür besteht, über nicht-heterosexuelle Orientierungen und ihre Normalität aufzuklären oder für (mehr) Akzeptanz von Nicht-Heterosexuellen zu werben, denn:

  • caution nothing dangerousnichts spricht bislang dafür, dass Stigmatisierung und Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen in nennenswertem Ausmaß besteht,
  • dass Gefühle der Stigmatisierung oder Diskriminierung mit Bezug auf psychische Erkrankungen oder Probleme Nicht-Heterosexueller eine nennenswerte Rolle spielen
  • und dass Nicht-Heterosexuelle im Vergleich mit Heterosexuellen ein erhöhtes Suizidrisiko hätten.

Wenn sich sowohl die Petition zum Bildungsplan 2015 als auch die Gegenpetition zu dieser Petition – zu unterschiedlichen Zwecken – auf ein erhöhtes Suizidrisiko von Nicht-Heterosexuellen berufen, dann tun sie dies also fälschlich, oder anders ausgedrückt: mit einem erhöhten Suizidrisiko von Nicht-Heterosexuellen lässt sich, unabhängig davon, wofür oder wogegen es ein Argument sein soll, nicht argumentieren, weil es bislang keinen klaren Beleg dafür gibt, dass es existiert. Selbst dann, wenn man sich statt auf das Suizidrisiko auf häufigere psychische Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen berufen wollte, so müsste festgestellt werden, dass die Forschungslage hierzu ebenfalls alles andere als klar und zufriedenstellend ist, derzeit jedenfalls keine akzeptable Basis für die Forderung nach Interventionen oder nach ihrer Ablehnung abgeben kann.

Das bedeutet aber auch, dass das im Bildungsplan 2015 formulierte Anliegen, mehr Akzeptanz und Toleranz für nicht-heterosexuelle Orientierungen bzw. nicht-heterosexuell Orientierte gegenstandslos ist: es besteht keine Notwendigkeit hierfür, weil es – wie gesagt – keine überzeugenden Belege dafür gibt, dass ein Mangel an Akzeptanz und Toleranz Nicht-Heterosexuellen nennenswerte psychische Schwierigkeiten verursacht, und weil kein Mangel an Akzeptanz oder Toleranz auf Seiten Heterosexueller beobachtet werden kann.

Unintended-Consequences.2Möglicherweise hätte eine stärkere Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht sogar negative Effekte, nämlich dann, wenn sie als Werbung wirkt und bei Schülern eine größere Bereitschaft bewirkt, nicht-heterosexuelle Entwürfe auszuprobieren oder leben zu wollen, was ihr Risiko, an den Folgen einer HIV-Infektion zu sterben erhöht. Eine stärkere Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht müsste vor diesem Hintergrund sehr verantwortungsvoll und jedenfalls nicht in romantisierenden Darstellungen „des Regenbogens“ erfolgen.

Eine weitere negative Folge einer stärkeren Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht könnte sein, dass – entgegen des Anliegens, deren Normalität dazustellen – den Schülern suggeriert wird, sie seien eben nichts Normales, denn Normalitäten sind gewöhnlich nicht Gegenstand (angeblich) massiver Stigmatisierung, die ja als Voraussetzung dafür vorgestellt wird, das mehr Akzeptanz und Toleranz geschaffen werden müsse. Unvoreingenommene Schüler werden daher erst auf die Unnormalität nicht-heterosexueller Orientierungen Aufmerksam gemacht, damit sie anschließend dazu erzogen werden können, ihnen als Normalität zu begegnen, was aber nichts daran ändert, dass diese Schüler gelernt haben, dass es eine bemerkenswerte positive Leistung bzw. Toleranz von ihnen ist, nicht-heterosexuelle Orientierungen als Normalität zu behandeln. Salopp formuliert: dieser Schuss kann  nach hinten losgehen.

Für Schüler mit nicht-heterosexueller Orientierung ist die Botschaft der Darstellung nicht-heterosexueller Orientierungen als normal zunächst dieselbe: anscheinend sind sie es nicht, denn sonst müsste man deren Normalität ja nicht extra betonen. Darüber hinaus wird ihnen suggeriert, sie seien reale oder dauerhaft potentielle Opfer feindlicher Haltungen oder Handlungen, was in ihnen bestehende Ängste verstärken oder neue Ängste entstehen lassen kann. Anders gesagt: man sensibilisiert sie für Dinge, gegen die sie vorher resistent waren, oder man bringt sie sogar dazu, Ablehnung und Diskriminierung schlichtweg zu phantasieren, was ihnen individuelles Leid bereiten und ihre Beziehungen zu anderen ohne jede Not beeinträchtigen kann.

Weil diese möglichen negativen Folgen immerhin erheblich wären, wenn sie einträten, mag ihre Möglichkeit ein hinreichender Grund sein, von Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ oder sonst irgendwelcher sozialer Gruppen abzusehen, besonders wenn es gar keinen Nachweis der Notwendigkeit und positiver Folgen solcher Interventionen gibt.

Wollte man aber unbedingt intervenieren, dann wäre es sinnvoller, eine Intervention zu planen, die direkten Nutzen für diejenigen erbringen kann, in deren Interesse interveniert werden soll, die sie also in die Lage versetzt, selbst zu handeln, statt sich als Opfer erfahren zu müssen, dessen Lebensqualität von der anerzogenen Toleranz anderer Leute abhängt. Solche Konzepte werden derzeit ja auch häufig unter den Stichworten „Resilienz“ und „empowerment“ diskutiert und erprobt. Ginge es im Bildungsplan 2015 darum, die Lebenslage Nicht-Heterosexueller zu verbessern, hätte er ohne Probleme an diese Konzepte anschließen können. Da er dies nicht tut, muss man vermuten, dass Nicht-Heterosexuelle in diesem Zusammenhang nur als das Feigenblatt missbraucht werden, das notdürftig den Versuch bedecken soll, die ideologische (ggf. Um-/) Erziehung der kommenden Generationen – bis auf Weiteres: in Baden-Württemberg – zu bewerkstelligen.

©ScienceFiles, 2014

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Fußball-Nationalmannschaft ist schuld an häuslicher Gewalt: Es geht immer noch dümmer

Wer über die letzten Wochen gedacht hat, dass unsinnige Untersuchungen vor allem von Wissenschaftlern in Deutschland vorgenommen werden, der muss seine Meinung zumindest modifizieren, denn unsinnige Untersuchungen weisen zwar eine gewisse Klumpung in Deutschland auf, sind aber nicht auf Deutschland begrenzt. Dies zeigt eine Studie von Stuart Kirby, Brian Francis und Rosalie O’Flaherty, die demnächst im Journal of Research in Crime and Delinquency veröffentlicht werden wird (derzeit nur Online first verfügbar).

National team 2010Die Studie behauptet einen Zusammenhang zwischen “domestic violence” oder “domestic abuse”, also zwischen häuslicher Gewalt und der Übertragung von Länderspielen der Nationalmannschaft. Untersucht haben die Autoren diesen Zusammenhang auf der Basis von Spielen der englischen Nationalmannschaft während der Fussballweltmeisterschaften in den Jahren 2002, 2006 und 2010 und für Lancashire. Aber natürlich bleibt die Studie hier nicht stehen, vielmehr beanspruchen die Autoren, einen nicht nur in England geltenden Zusammenhang aufgedeckt zu haben und sie entwickeln schon einmal munter Vorschläge, um den Zusammenhang, der für sie so feststeht, zu beseitigen, Vorschläge wie: Alkoholkonsum einschränken, häusliche Gewalt-Sozialarbeiter herumschicken, kritische “flash points” reduzieren und manches mehr.

Es sind Studien wie diese, die einem wünschen lassen, empirische Sozialforscher würden ihre Statistikprogramme und ihre Methoden hüten, wie einst die Maurer im Mittelalter, die sich Freimaurer nannten, ihre Kenntnisse in Statik, Architektur und Baukunst gehütet haben.

Aber es hilft nichts zu jammern, Statistikprogramme sind auf Tastaturdruck jedem, der denkt, er sei fähig, eine Tastatur zu bedienen, zugänglich. Entsprechend muss man sich mit den Folgen dieser Tastaturdrücke auseinandersetzen, Folgen wie der Studie von Kirby, Francis und O’Flaherty.

Logik der ForschungGleich vorweg: Es gibt keinerlei theoretische Fundierung. Eine aus einer Theorie abgeleitete Annahme dazu, warum das Betrachten eines Länderspiels der englischen Nationalmannschaft dazu führen soll, dass die Häufigkeit von häuslicher Gewalt zunimmt, ist schlicht nicht vorhanden, und das ist kein Wunder, ich wüsste auch nicht, wie man mit noch so viel Phantasie einen entsprechenden Zusammenhang theoretisch argumentieren sollte. Anstelle der Theorie gibt es die übliche Ideologie, die Ideologie vom bösen und gewalttätigen Mann, die in ihrer Plumpheit wohl eine besondere Anziehungskraft auf einfache Gemüter ausübt und sich in Sätzen niederschlägt, wie den folgenden:

“Football is full of aggressive intent, about winners and losers, territorial, space-occupying domination, and where loyalty and commitment to the side are prized values.” (4) Und natürlich muss auch klar sein, wo das Problem der aggressiven Absicht seinen Ursprung hat: “soccer … has experienced a long cultural association with both violence and masculinity” (3).

Wir haben es also mit Genderforschung zu tun, die von Personen mit einem Mittelschichtshintergrund betrieben wird, die sich wiederum auf die Unterschicht und deren vermeintlich inadäquate Reaktion auf eine Übertragung eines Spiels der Fussballnationalmannschaft stürzen. Betrachten wir statt dessen doch einmal die inadäquaten methodischen Kenntnisse, die besagte Wissenschaftler, deren in Falten gelegte Stirn man bildlich vor sich sehen kann, zur Schau stellen.

Kirby, Francis und O’Flaherty gerieren sich als “kritisch” und stellen auf Seite 5 ihres Beitrages fest, dass die beiden Begriffe “domestic abuse” und “domestic violence” häufig miteinander verwirrt werden. Während sich Letzteres nämlich auf gewalttätige häusliche Auseinandersetzungen bezieht, ist Ersteres der weitere Begriff, der auch psychische Gewalt umfasst. Damit ist der kritische Gehalt des Beitrages erschöpfend dargelegt und der Legitimationscharakter dieser Übung in “Kritik” wird schnell daran deutlich, dass diese “Kritik” die Autoren nicht daran hindert, im weiteren Verlauf ihres Beitrags beide Begriffe wild durcheinander zu werfen. Als Resultat hat man als Leser keine Chance herauszufinden, was die Autoren nun als abhängige Variable genutzt haben, domestic abuse oder domestic violence.

Damit komme ich zur Messung von “domestic abuse” oder “domestic violence”. Was davon auch immer gemessen wurde, wurde als der Polizei in Lancashire angezeigter Vorfall häuslicher Gewalt gemessen. Die Autoren messen also nicht tatsächliche häusliche Gewalt, sondern angezeigte häusliche Gewalt. Das ist ein erheblicher Unterschied vor allem in einem öffentlichen Klima, in dem Frauen – und natürlich messen die Autoren nur durch Frauen angezeigte häusliche Gewalt – mit der entsprechenden Anzeige dafür Sorge tragen können, dass sie einen Partner, dessen sie vielleicht überdrüssig geworden sind, elegant und mit Hilfe der Staatsgewalt loswerden. Das glauben Sie nicht? Machen Sie den Selbstversuch: Wenn Sie den Begriff häusliche Gewalt hören, welches Geschlecht ordnen Sie dann dem Täter, welches dem Opfer zu? Und diese Zuordnung nehmen sie vor, obwohl Männer wie Frauen mit Händen und Füßen bewehrte Individuen sind, die sich für einen entsprechenden gewalttätigen EInsatz nutzen lassen. Es gibt also keinen tatsächlichen, aber viele kulturelle und ideologische Gründe anzunehmen, häusliche Gewalt gehe ausschließlich oder mehrheitlich von Männern aus, obwohl bereits der gesunde Menschenverstand die Annahme nahelegt, dass häusliche Gewalt, da wo es sie gibt, von beiden Geschlechtern zu gleichen Anteilen ausgeht.

domestic-violenceDie abhängige Variable “häusliche Gewalt”, welche Ausprägung auch immer, sie haben mag (violence oder abuse), wird dann mit Übertragungen von Spielen der englischen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht und selbstverständlich ergibt sich ein Zusammenhang, und zwar für den Tag der Übertragung und den Tag danach. Spielt die englische Nationalmannschaft, dann erhöht sich die Zahl der der Polizei gemeldeten Fälle angeblicher häuslicher Gewalt von 58,2 auf 79,3. Auch am Tag nach der Übertragung ist die Anzahl gemeldeter häuslicher Gewalt mit 70,2 noch höher als an spielfreien Tagen. Das zeigt für die Autoren klar: Spiele der Fussballnationalmannschaft erhöhen die häusliche Gewalt. Für unideologische Betrachter zeigt dies allerdings, dass die Übertragung von Spielen der Nationalmannschaft nichts mit der Anzeige häuslicher Gewalt zu tun hat.

Ich frage mich regelmäßig, welche geistige Enge man bewohnen muss, wenn es einem gelingt, die Welt auf nur zwei Variablen zu reduzieren: Mann und Gewalt, Mann und Fussball, Fussball und Gewalt. Und genauso regelmäßig frage ich mich, was Personen wie Kirby, die doch Wissenschaftler sein wollen, sagen würden, wenn ein anderer “Wissenschaftler” feststellen würde, dass es eine Korrelation zwischen Personen, die unter dem Sternzeichen des Schützen oder des Wassermanns geboren wurden, mit geistiger Demenz gibt, insbesondere dann, wenn die Geburt zwischen 12 Uhr nachts und 2 Uhr morgens stattfand und ein Hund zwischen 1.15 Uhr und 1.30 Uhr gebellt hat. Es dürfte Kirby und seinen Mitautoren sehr schwer fallen zu erklären, was die eigene Studie von diesem Unsinn unterscheidet, vor allem werden sie ein Problem damit haben, dass Demenz eine intersubjektiv klar determinierbare Qualität ist, während berichtete häusliche Gewalt zunächst einmal eine subjektive Behauptung ist, deren Richtigkeit noch zu klären ist.

StaatsanwaltschaftenIn Deutschland verschwinden rund 60% der Tatverdächtigen, die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst wurden, während des Gangs durch die Instanzen. Staatsanwälte verfolgen vermeintliche Straftaten, die als solche noch von der Polizei erfasst wurden, nicht weiter, weil sich keinerlei Indizien für eine Straftat finden lassen, weil der Fall, den die Polizei als ihr berichtet verzeichnet hat, offensichtlich eine Falschmeldung oder ein Falscheintrag war, viele berichteten Fälle erweisen sich als Fehlklassifikation und und und. Dieser Schwund von berichteten Straftaten, der darauf hinweist, dass das, was der Polizei berichtet wird, keinen Überblick darüber, wie häufig bestimmte Straftaten tatsächlich sind, erlaubt, interessiert Forscher wie Kirby nicht. Sie verfolgen eine ideologische Agenda und haben das Bedürfnis, gegen das “Männliche” in der Gesellschaft vorzugehen.

Interessanter Weise haben sich Mittelschichtsmänner wie Feministen dabei Attribute als Feind ausgesucht, die aus ihrer Sicht den Unterschichtsmännern zugeordnet werden müssen: Muskeln, Wettbewerb, Kräftemessen, all das, was eine männliche Kultur ausmacht und all das, was die Leistungsfähigkeit derjenigen, die diese Attribute beklagen, vermutlich übersteigt. Dass sie die Defizite, die sie bei sich feststellen, nach außen projezieren, ist dabei ärgerlich, dass sie wissenschaftliche Zeitschriften dafür missbrauchen, ist noch ärgerlicher, dass die Herausgeber der entsprechenden wissenschaftlichen Zeitschriften dies zulassen, ist am ärgerlichsten, denn sie haben eine besondere Verpflichtung sich gegen die Verwillkürlichung von Wissenschaft und ihre Dienstbarmachung für Zwecke der Kontrolle und der eigenen Bereicherung zu wenden.

Kirby, Stuart, Francis, Brian & O’Flaherty, Rosalie (2013). Can the FIFA World Cup Football (Soccer) Tournament Be Associated with an Increase in Domestic Abuse? Journal of Crime and Delinquency (online first) doi: 10.1177/0022427813494843

Herz-Schmerz-Opus: Die ARD verfälscht munter Daten

Armut macht krankHeute findet sich auf Tagesschau.de ein Herz-Schmerz-Opus, in dem sich Sandra Stalinski über die fetten und diabetischen Armen auslässt. Die selbsternannte Reglementiererin der Armen wartet in ihrem Beitrag mit einer Reihe von Behauptungen, Daten und vermeintlichen Erkenntnissen auf, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie sind falsch. Einmal mehr zeigt sich, dass Journalismus in Deutschland zum Betroffenheits-Fabulieren selbsternannter Möchtegern-Weltverbesserer geworden ist, einmal mehr zeigt sich, dass es derzeit in bestimmten Kreisen schick zu sein scheint, auf die fetten und rauchenden Unterschichtler zu schimpfen. Das ist natürlich meine deutliche Sprache, im Tagesschau.de geeigneten Deutsch heißt das: “Rauchen und Fettleibigkeit sind inzwischen ein Schichten und Bildungsproblem”, so wird Frank Ulrich Montgomery zitiert, der darüber hinaus alarmiert darüber sein soll, dass die “Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander” gehe, was wie er woher auch immer weiß, dazu führen müsse, dass sich “die Gesundheitsprobleme” [Gesundheitsprobleme halt, arme Unterschichtler werden schon ein Gesundheitsproblem haben, das man vermarkten kann] verschärfen.

Fangen wir damit an, dass “Armut krank macht”, wie der unsinnige Titel des ARD-Beitrags behauptet. Nun ist Armut ein Zustand, der als Zustand nicht krank machen, also einen anderen Zustand herbeiführen kann. Man muss die unsinnige Überschrift also transferieren, etwa in: “Arme sind häufiger krank als Nicht-Arme” oder “Kranke sind häufiger arm als Nicht-Kranke”. Beide Aussagen sind voneinander verschieden, und beide Aussagen geben keine Kausalität an. Genau das behauptet aber die Überschrift: Armut sei kausal für Krankheit. Entsprechend war schon meine Operationalisierung ein Entgegenkommen, denn die im unlogischen Raum frei flottierende Autorin impliziert allen Ernstes, dass wer nicht arm ist, nicht krank werden kann, denn Armut macht krankt, nicht Nicht-Armut.

Da es Kranke gibt, die nicht arm sind, ist diese Aussage offenkundig falsch. Mehr noch: Sie stimmt nicht einmal für Arme, denn, wie das Statistische Bundesamt endgültig festgestellt hat:

„Armut ist eine Situation wirtschaftlichen Mangels, die verhindert, ein angemessenes Leben zu führen. Da das Wohlstandsniveau in Deutschland deutlich über dem physischen Existenzminimum liegt, werden in Deutschland und in der EU meist die ‚relative Armut‘ und die ‚Armutsgefährdung‘ betrachtet“ (Deckl, 2011, S.151). Mit anderen Worten, die Armut, von der Stalinski in der ARD fabuliert, gibt es in Deutschland wenn überhaupt, so nur in verschwindend geringem Ausmaß und weil dem so ist, die Armutsforschung aber einen Gegenstand benötigt, behilft man sich mit dem Konzept der „relativen Armut“. Relativ arm sind diejenigen, die weniger als „60% des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens zur Verfügung haben“ (Deckl, 2011, S.151). Diese “relative Armut” ist der Gegenstand der “zahlreichen Studien” von denen Stalinski im ersten Absatz fabuliert, nicht absolute Armut wie Stalinski suggeriert.

Aber Stalinski beruft sich nicht auf die “zahlreichen Studien” zu relativer Armut: Um ihre unsinnge Behauptung zu stützen, dass nämlich Armut krank macht, missbraucht sie Daten aus der “Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland” (DEGS1), wobei interessanter Weise kein Beleg angegeben ist, damit niemand nachprüft, vermutlich. Hier zunächst, was Stalinski der “soeben veröffentlichten Studie des RKI [Robert Koch Institut] zum Thema [Armut macht krank]” entnommen haben will:

ARD Datenfaelschung“36,2% Prozent der Frauen mit niedrigem sozialen Status [sind] adipös, also fettleibig (Männer 28,8 Prozent), während es bei den Frauen mit höherem soziale Status nur 10,5 Prozent (Männer 15,5 Prozent) sind. Ähnlich verhält es sich bei Diabetes mellitus. 11,8 Prozent der sozial benachteiligten Frauen erkranken daran (Männer: 11 Prozent), während es bei den Frauen mit höherem sozialen Status nur 3,2 Prozent sind (Männer: 6,3 Prozent).” Weitere Ergebnisse finden sich in einer Tabelle, die ich hier als Abbildung eingefügt habe.

Wie gesagt, Frau Stalinski gibt die Quelle ihrer Erkenntnis, die entsprechende Veröffentlichung des RKI, der sie den Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit entnommen haben will, nicht preis. Wer die Reihe DEGS1 des RKI kennt, weiß, dass sie eine Vielzahl von Einzelpublikationen enthält, so dass man das Fehlen eines konkreten Belegs im Beitrag von Frau Stalinski als bewusste Unterschlagung werten muss. Unter diesen Einzelpublikationen findet sich eine Publikation mit dem Titel “Sozioökonomischer Status und Gesundheit”, von T. Lampert et al. und im Bundesgesundheitsblatt 56 (Mai 2013) veröffentlicht. Und es ist auf Seite 816 dieser Publikation, dass die Suche nach dem Ursprung der Daten von Stalinski erfolgreich ist.

Zunächst zum Gegenstand. Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass Lampert et al. ihren Beitrag mit “Sozioökonomischer Status …” überschrieben haben und eben nicht mit “Armut”. Sozioökonomischer Status oder SES wiederum ist aus Veröffentlichungen von WHO und OECD bestens bekannt und wird, wie Lampert et al. in ihrem Beitrag so deutlich schreiben, dass es selbst Frau Stalinski gelesen haben könnte, wie folgt berechnet:

Armut

Armut

“Der sozioökonomische Status wird in DEGS mithilfe eines Index erfasst … Der sog. SES-Index wird auf Basis von Informationen zur schulischen und beruflichen Bildung, zur beruflichen Stellung sowie zum Netto-Äquivalenzeinkommen als mehrdimensionaler Punktsummenscore berechnet. Dabei werden die 3 Ausgangsvariablen zunächst in metrische Skalen überführt, die Werte zwischen 1,0 und 7,0 annehmen können. Da die 3 Dimensionen mit dem gleichen Gewicht in die Berechnung des SES-Index eingehen, reicht der Wertebereich von 3,0 bis 21,0. Ausgehend von dem Index wird für die Analysen eine verteilungsbasierte Abgrenzung von 3 Statusgruppen vorgenommen, wobei die niedrige und hohe Statusgruppe jeweils 20% der Bevölkerung und die mittlere Statuusgruppe 60% der Bevölkerung umfasst” (815) [Hervorhebung von mir].

Es ist eine Eigenart dieser Berechnung, dass eine Hausfrau mit Abitur, die – weil auf Elterngeld und in der Ausbildung – unter 60% des Median-Einkommens liegt, zu den unteren 20% im SES-Index zählt, ebenso wie der Bundeswehrsoldat, der Hauptschulabschluss hat und knapp über der 60%-Grenze des Nettoäquivalenzeinkommens liegt. Auch Studenten, die von Bafög und Gelegenheitsjobs leben, haben eine gute Chance, sich in der niedrigen Kategorie von SES wiederzufinden. Kurz: Ein niedriger sozio-ökonomischer Status hat mit Armut überhaupt nichts zu tun. Man sollte von einer Journalistin erwarten können, dass sie in der Lage ist, diesen Unterschied zu erkennen bzw. erkennen zu wollen. Aber natürlich ist dazu eine Transferleistung vonnöten und wie die PISA-Studien gezeigt haben, hapert es mit Transferleistungen bei deutschen Schülern und offensichtlich, so muss man ergänzen, auch oder gerade bei Journalistinnen.

Nun zu den Daten, die belegen sollen, dass Armut krank macht. Ich bitte die Leser sich noch einmal die Tabelle anzusehen, in der von Frauen und Männern und von sozial benachteiligten Frauen und Männer die Rede ist. Es reicht, die Prozentwerte zum schlechten subjektiven Gesundheitszustand zu berücksichtigen. Dazu heißt es in der Publikation des RKI (Lampert et al., 2013):

“Nach den DEGS1-Daten schätzen 25,3% der 18- bis 79-jährigen Erwachsenen in Deutschland ihren allgemeinen Gesundheitszustand als “mittelmäßig”, “schlecht” oder “sehr schlecht” ein. Auf Frauen trifft dies mit 27,1% häufiger zu als auf Männer mit 23,4%.” Vermutlich sehen sie andere Prozentwerte in der Tabelle von Frau Stalinski – falsche! Denn: “Frauen mit niedrigem SES schätzen zu 43,5% ihren allgemeinen Gesundheitszustand als mittelmäßig bis sehr schlecht ein. In der mittleren und höheren Statusgruppe sind es 26,2% bzw. 11,8%. Bei Männern betragen die Vergleichswerte 36,7% in der niedrigen, 22,3 in der mittleren und 14,2 in der hohen Statusgruppe” (816).

Wie sich zeigt, werden auf Tagesschau.de entweder Daten mutwillig gefälscht oder es werden willkürlich irgendwelche Daten präsentiert, in der Erwartung, dass sie niemand nachprüft. So gibt es im Bericht des RKI keine Daten für “sozial benachteiligte” Männer oder Frauen, es gibt keine Daten für einen schlechten subjektiven Gesundheitszustand. Und die Werte, die in der Tabelle für Männer und Frauen angegeben werden, sind falsch, denn es handelt sich um die Werte für Männer und Frauen in der oberen 20%-SES-Gruppe.

Wer nun denkt, damit wäre die Verbreitung falscher Daten am Ende, der sei an das Zitat aus dem Bericht der ARD erinnert: “nur” 11,8% der sozial benachteiligten Frauen, so heißt es da, erkranten an Diabetes mellitus, nur 3,2 Prozent der Frauen mit hohem sozialen Status und die entsprechenden Zahlen für Männer sind 11 Prozent und 6,3%. Was nun steht im Original? Welche Ergebnisse haben die Forscher des RKI tatsächlich veröffentlicht:

“Die Lebensprävalenz für Diabetes mellitus liegt in der 18- bis 79-jährigen Bevölkerung bei 7,4%, wobei nur geringfügige Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen (7,5% gegenüber 7,2%). Mit zunehmendem Alter steigt die Verbreitung von Diabetes mellitus deutlich an, bis auf 17,5% bei 65- bis 79-jährigen Frauen und 21,4% bei gleichaltrigen Männern”. Nun der vermeintlich von Stalinski zitierte Teil: “Von den Frauen mit niedrigem SES wurde bei 11,8% schon einmal Diabetes festgestellt. Die Vergleichswerte für Frauen mit mittlerem und hohem SES betragen 7,3% und 3,2%. Bei Männern lässt sich der Einfluss des sozioökonomischen Status an einer erhöhten Betroffenheit der niedrigen Statusgruppe festmachen. Die Prävalenz beträgt in dieser Gruppe 11,0%, während sie bei Männern mit mittlerem und hohem sozioökonomischen Status bei 6,1% bzw. 6,3% liegt” (816).

counterfeiterMan beachte, dass die zitierte Passage die Daten in einen Rahmen einordnet, der keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigt. Man beachte ferner, dass “soziale Benachteiligung” im Text des RKI nicht vorkommt. Beides entstammt der Phantasie von Frau Stalinski, die sich offensichtlich wünscht, dass Frauen stärker betroffen sind als Männer und es gerne sähe, würden Menschen aufgrund ihres sozioökonomischen Status benachteiligt. Außer Frau Stalinski wünscht sich das jedoch (hoffentlich) niemand, und deshalb beschreibt der soziale Status eine Lebenssituation (die sich ändern kann), er beschreibt einen gegenwärtigen Zustand und keine Handlung Dritter, die Inhaber des entsprechenden sozioökonomischen Status’ benachteiligen oder diskriminieren. Wie gesagt dies alles entspringt der erschreckenden Phantasie von Frau Stalinski.

So einfach ist Meinungsmache in Deutschland. Man stellt eine unsinnige Behauptung auf: Armut macht krank, zitiert dazu eine Person, die vielleicht als “kompetent” durchgeht, die etwas behauptet, was irgendwie unter das Rubrum “Armut macht krank” passt. z.B. weil ähnlich klingende Begriffe verwendet werden. Man sucht im nächsten Schritt Daten, die passen könnten, unterschlägt , dass die Daten nicht Armut sondern sozioökonomischen Status messen (oder versteht den Unterschied nicht), unterschlägt weiter, dass nicht “schlechter Gesundheitszustand”, sondern mittelmässig bis sehr schlechter Gesundheitszustand dargestellt wird, macht aus dem Zustand “niedriger SES” eben einmal “sozial benachteiligt” und schon ergibt sich ein veritabler Brei von Unsinn, der zwar nicht der Empirie entspricht, sondern schlicht fabuliert ist, aber der sich trefflich von denen nutzen lässt, die sowieso und ständig auf der Suche nach Munition für ihre ideologischen Schlachten sind.

Öffentliche Medien haben eine Sorgfaltspflicht. Falsche Informationen, Propaganda und ideologische Verfälschungen haben in Medien, die von Gebührenzahlern finanziert sind, keinen Platz, und entsprechend sollte sich die ARD schnellstens daran machen, diesen falschen Bericht richtig zu stellen und Frau Stalinski zu entlassen, denn wer dermaßen unbedarft ans Werk geht, vor dem muss die lesende Welt geschützt werden.

Ich habe meinerseits eine Email an das RKI geschrieben und eine Stellungnahme angefordert. Hier meine Email an den Präsidenten des RKI:

Sehr geehrter Herr Burger,
die heutige Ausgabe von Tagesschau.de enthält einen Text, in dem unter der Überschrift “Armut macht krank” Daten des RKI präsentiert werden. Nahezu alle präsentieren Daten sind falsch bzw. verfälscht, und es wird der Eindruck erweckt, das RKI werde von einer Anzahl methodisch illiterater Forscher bevölkert, die nicht wissen, was Sie erhoben und ausgwertet haben. Der Beitrag ist für das RKI in höchstem Maße rufschädigend, und ich halte es von daher für ratsam, wenn Sie eine Richtigstellung veranlassen.
Hier der ARD-Beitrag:

http://www.tagesschau.de/inland/armutgesundheit100.html

und hier meine Besprechung des ARD-Textes auf dem Wissenschaftsblog ScienceFiles:

http://sciencefiles.org/2013/05/28/herz-schmerz-opus-die-ard-verfalscht-munter-daten/

P.S.

Man kann natürlich auch das RKI nicht ganz ungeschoren davon kommen lassen. Was die Forscher dazu verleitet hat, die Einschätzung der eigenen Gesundheit als “mittelmäßig” mit den Einschätzungen “schlecht” und “sehr schlecht” zu kombinieren, ist ein Frage, deren Antwort zu finden jedem selbst überlassen ist. Methodisch Versierte werden vermutlich vermuten, dass die Mittelkategorie (wie zumeist) “mittelmäßig” deutlich stärker besetzt ist als die beiden Extremkategorien, und falls dies der Fall sein sollte, haben die RKI-Forscher ihren Teil zur Irreführung der Öffentlichkeit beigetragen. Zudem verkaufen uns die Forscher eine Korrelation als Kausalität “Bei Männern lässt sich der Einfluss des sozioökonomischen Status an einer erhöhten Betroffenheit der niedrigen Statusgruppe festmachen.” Das ist ebenfalls ein massiver Verstoß gegen die wissenschaftliche Lauterkeit, aber ich befürchte, es ist heutzutage dem Fehlen einer Methodenausbildung an den meisten Universitäten anzulasten.

Deckl, Silvia (2011). Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg). Datenreport 2011 . Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

Die Mutation einer Nachricht oder öffentlich-rechtliche Meinungsmache

Medienwirkungstheorien weisen Medien in der Regel Effekte auf den öffentlichen Diskurs zu. Medien strukturieren den öffentlichen Diskurs, in dem sie eine Agenda setzen ( die sie, nolens volens aus der Agenda des öffentlichen Diskurses entnommen haben). Medien geben bestimmten Themen Prominenz oder “Sichtbarkeit” (Salience), sie betonen bestimmte Themen vor anderen (Priming) und haben eine Gatekeeping-Funktion. Besonders die Gatekeeping-Funktion ist sehr interessant, denn die Forschung, Jaeckeldie sich dahiner versteckt, fragt danach, wie bestimmte Themen in die Medien kommen, genauer: Wie Redakteure in Medienanstalten (Anstalten!) aus der Flut der Informationen diejenigen aussortieren, die sie für berichtenswert halten. Untersuchungen in diesem Bereich, die in den USA eine lange Tradition haben, erbrachten dabei regelmäßig Ergebnisse, die die Hoffnung auf “objektive Medien” oder den Glauben an “objektive Medien” heftig erschüttert haben, in dem sie die Auswahl der Themen als Ergebnis von Vorlieben eines bestimmten Redakteurs, Weisungen, von Vorurteilen und Stereotypen, die besonders bei Medienschaffenden in endemischem Ausmaß vorhanden zu sein scheinen, ausgewiesen haben (dazu gibt es gute Abhandlungen in Kepplinger, 1989, S.9-15 und in Jäckel, 2005, S.185-210). Diese Ergebnisse bitte ich die Leser bei der nun folgenden Reise, deren Ziel darin besteht, die Mutation einer Nachricht nachzuvollziehen, im Kopf zu behalten (Übrigens gehen alle angesprochenen Theorien davon aus, dass die Nachricht, die von Medien veröffentlicht wird, irgendwie mit der Realität, über die berichtet wird, übereinstimmt. Eine Annahme, die nicht immer zutreffen muss, wie sich gleich zeigen wird.)

Ausgangsmeldung

Die Reise beginnt mit einem Informationsblatt für Medienvertreter, das auf den Seiten der “Drogenbeauftragten der Bundesregierung” zu finden ist, und mit hoher Wahrscheinlichkeit (es kommen Zahlen darin vor) von Mitarbeitern des Bundeskriminalamts erstellt wurde. Darin finden sich unter “Zahl der Drogentoten”, die folgenden Angaben:

  • Im Jahr 2012 sank die Zahl der drogenbedingten Todesfälle auf 944 (minus 4 Prozent gegenüber 2011 mit 986) und damit auf den niedrigsten Stand seit 1988 (1988: 670).
  • Haupttodesursache: Überdosis von Heroin/Morphin in Verbindung mit anderen Substanzen.
  • Der männliche Anteil der Drogentoten betrug 81 Prozent.
  • Der Altersdurchschnitt der Drogentoten lag mit über 37 Jahren leicht über dem des Vorjahres.

Mutation 1

politiciansWie immer wenn Zahlen, die etwas über einen Ausschnitt der Realität in Deutschland aussagen, veröffentlicht werden, müssen sich “Beauftragte” oder Politiker zu Wort melden, die die Daten mit ihrer jeweiligen Ideologie mischen, um die daraus entstehende Pampe “den Bürgern” servieren zu können. Im vorliegenden Fall hat sich Mechthild Dyckmans, die Rechtswissenschaft studiert hat und von der deshalb niemand erwartet, dass sie mit Zahlen oder mit Realität umzugehen vermag, an den oben dargestellten Informationen, dem darin enthaltenen Datenmaterial, versucht. Das Ergebnis steht in einer “Gemeinsamen Presseerklärung” und lautet:

“Es ist erfreulich, dass immer weniger Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums sterben. Das zeigt, dass unsere Beratungs- und Hilfsangebote sowie die zur Verfügung stehenden Angebote wirken. Aber jeder Drogentote ist einer zu viel. Deshalb müssen wir alles tun, damit diese Angebote erhalten bleiben und noch besser auf Risikogruppen zugeschnitten werden. Besonders über die Gefahren des Mischkonsums muss noch besser aufgeklärt werden. Sorge bereitet mir, dass die Zahl der verstorbenen Frauen angestiegen ist”.

Mutation 1 enthält zunächst einmal einen Fehlschluss, denn ob der Rückgang der Drogentoten etwas mit den Hilfsangeboten zu tun hat, wäre zu klären. Auf Grundlage der zur Verfügung stehenden Daten könnte man auch davon ausgehen, dass die Zahl der Drogentoten trotz der Hilfsangebote zurückgegangen ist. Über die Wirkung von Hilfsangeboten sagen die vorhandenen Daten nämlich schlicht nichts aus. Aber der Drogenbeauftragten ist diese Wertung besonders wichtig, haben doch soziale Probleme, die geringer werden, die unangenehme Konsequenz, dass die Steuermittel, die zur Beseitigung der nämlichen sozialen Probleme eingesetzt werden, reduziert werden könnten. Und die Angst, dass die finanziellen Mittel für die eigene Organisation reduziert werden könnten, hat noch jeden Funktionär auf die Beine gebracht und seiner Phantasie Flügel verliehen. Entsprechend fliegt Dyckmans auf die Erhaltung der Angebote auch bei geringerer Nachfrage und, ja, eigentlich sind trotz Rückgang mehr Mittel notwendig, denn die Angebote müssen noch besser auf Risikogruppen zugeschnitten werden.

Schon komisch, dass dann, wen offensichtlich nicht gut zugeschnitte “Angebote” zu einem Rückgang von Drogentoten führen, die entsprechenden Angebote noch besser zugeschnitten werden müssen. Das ist zumindest legitimationsbedürftig, und was wäre besser, um Ausgaben im heutigen Klima zu legitimieren als Frauen zu instrumentalisierung und einmal mehr zu viktimisieren? Folgerichtig machen Frauen der Drogenbeauftragten Sorgen (den Anlass zur Sorge hat Ihr offensichtlich ein williger Referent aus einer Tabelle, die dem Informationsblatt für Medienvertreter angehängt ist, beschafft) und nicht etwa die 944 Drogentoten, ja nicht einmal die 177 weiblichen Drogentoten machen Frau Dyckman Sorge, sondern der Anstieg um 33 weibliche Drogentote macht ihr Sorgen. Gerechnet auf die Anzahl aller Drogentoten ist dies ein Anstieg um rund 4%, ein Anstieg, den man nicht groß genug reden kann und neben dem die Tatsache, dass 81% der Drogentoten im Jahre 2012 männlich sind, natürlich verblasst und keinerlei Anlass zur “Sorge” bereitet.

Mutation 2

Media distortionMedien, einst von Politikwissenschaftlern als vierte Gewalt aufgebaut und zum Kontrollorgan von politischen Parteien und Herrschaftssystem stilisiert, haben seither regelmäßig und in deutlicher Weise gezeigt, dass sie nichts von beidem sind. Weder kontrollieren Medien noch sind sie eine vierte Gewalt, bestenfalls eine vierte Kolonne. Dafür können Medien jedoch nichts, denn Medien sind einfach nur Begriffshüllen, die von Medienschaffenden bewohnt werden. Und unter diese Medienschaffende verirren sich ganz offensichtlich kaum mehr kritische Geister oder Personen, die versuchen, Nachrichten an die Öffentlichkeit zu vermitteln. Die meisten Medienschaffenden scheinen ihre Aufgabe nicht in der Information, sondern in der Desinformation zu sehen, in der Vermittlung um ideologische Bewertungen angereicherter und sinnentstellter “Inhalte”. Entsprechend dieser “Agenda” ist bei der ARD aus der hier berichteten Meldung, Folgendes geworden:

Mehr Frauen sterben an Drogen. … Dramatisch allerdings ist die Situation bei den Frauen. Im vergangenen Jahr starben 177 und damit 33 mehr als im Jahr zuvor. Drogenbeauftragte Dyckmans (FDP) äußerte sich besorgt: “Hier müssen wir sehen, ob die Angebote nicht ausreichend sind.”

Ich bin mittlerweile zu der Ansicht gelangt, dass Genderismus ein Krankheitsbild darstellt. Personen, die mit Genderismus infiziert sind, zeichnen sich durch eine psychopathologische Fixierung auf das weibliche Geschlecht aus, sehen in Veränderungen von 4% dramatische Situationen und sind permanent im sozialtechnologischen Hilfemodus unterwegs. Ich habe bereits über das Frauenbild dieser selbsternannten Gutmenschen geschrieben und will mich hier nicht wiederholen. Allerdings kann ich es mir nicht verkneifen, einmal mehr darauf hinzuweisen, dass derartige Formen von Wahnsinn, wie sie der Genderismus hervorbringt, früher zur Institutionalisierung oder doch zumindest zur Ruhigstellung der Befallenen geführt haben, während sie heute munter in öffentlich-rechtlichen Sendern herumzuspringen scheinen. Der von mir so gerne zitierte Bertrand Russell hat es einst furchtbar gefunden, dass die einzige Möglichkeit, den Irren, der sich für ein Rührei hält, als irr beurteilen zu können, sich daraus ergeben könnte, dass er sich in der Minderheit befindet. Was er wohl sagen würde, wäre er heute und nur für kurze Zeit deutschen öffentlich-rechtlichen Medien ausgesetzt? – Kaum vorstellbar.

Literatur

Jäckel, Michael (2005). Medienwirkungen. Ein Studienbuch zur Einführung. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Kepplinger, Hans Mathias (1989). Theorien der Nachrichtenauswahl als Theorien der Realität. Aus Politik und Zeitgeschichte B15: 3-16.

Equal Pay Day – Funktionärsgebrabbel und Wirklichkeit

Wissen Sie, warum regelmäßig normale Tage oder ganze Wochen mit irgendwelches Symboliken überfrachtet werden? Da gibt es den Tag der Arbeit, den Muttertag, den Tag der Einheit, den Boy’s Day und den Girl’s Day, den Frauentag und das sind nur einige der besonderen Tage. Der volle Umfang der besonderen Tage bietet sich dem Auge des Betrachters auf den entsprechenden Seiten der UN, jener Organisation, die Blauhelme in Länder schickt, um dort zu sein, die Mandate vergibt, um UNRIC-DELänder, die keine Blauhelme wollen, zu überrennen, und deren Vertreter sich ansonsten mit Reden und Forderungen hervortun. Wen wundert es, wenn die Funktion einer Organisation sich weitgehend in Sprachübungen erschöpft, dass sich die Vertreter der entsprechenden Organisation als besonders kreativ im Erfinden sprachlicher Widmungen für “Tage” zeigen? Wer an diesem Talent der UN-Vertreter zweifelt, der möge einen Blick auf die “Liste der besonderen Tage” werfen. Hier finden sich u.a.:

  1. der internationale Tage des Radios (13. Februar)
  2. der internationale Tag der Muttersprache (21. Februar)
  3. der Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden (8. März)
  4. der internationale Tag des Glücks (20. März)
  5. der Welttag der Poesie (21. März)
  6. welttollwutder Welt Tuberkulose Tag (24.März)
  7. der internationale Tag der Mutter Erde (22. April)
  8. der Internationale Tag des Jazz (30. April)
  9. der internationale Tag gegen Kinderarbeit (12. Juni)
  10. der Tag des öffentlichen Dienstes (23. Juni)
  11. der internationale Tag der Freundschaft (30. Juli)
  12. der Welt-Tollwut Tag (28. September)
  13. der internationale Tag der menschlichen Solidarität (20. Dezember)

Fehlt was? Vermissen Sie einen Tag, z.B. den Tag der Fingerfarben, den Tag der Erfindung des Penicillin, den Tag der Karosserie und des Fahrwerks oder den Tag des Erwachens? Ist noch ein Tag ohne Widmung? Der 8. Mai zum Beispiel oder der 24. Dezember, aber halt, am 24. Dezember, da war schon was. Was nur? Man verliert so leicht den Überblick, bei all den besonderen Tagen des Jahres. Wie dem auch sei, trotz aller Tageswidmungen ist die UN für einen Tag nicht verantwortlich, nämlich den Equal Pay Day. Dafür will nicht einmal, wie es scheint, die UN die Verantwortung übernehmen. Wo der Equal Pay Day herkommt, kann man der in ideologischen Dingen wie immer bestens unterrichteten Wikipedia entnehmen.

Der Equal Pay Day feiert jährlich ein Goldenes Kalb, das vor einigen Jahrzehnten erfunden wurde und dessen bpwKern in der Behauptung besteht, dass Frauen trotz gleicher Qualifikation für die gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als Männer. Diese Behauptung, ein Mantra des Staatsfeminismus, hat dabei geholfen, unzählige Frauenfunktionäre in Lohn und Brot zu bringen und es hat mit dem Begriff “Gender Pay Gap” auch in Deutschland eine anhaltende Präsenz gefunden, wenngleich es in letzter Zeit Bestrebungen gibt, von Entgeltgleichheit zu sprechen. Ungeachtet seines Ursprungs ist der Equal Pay Day ein Fest, das sich Staatsfeministen in Deutschland nicht entgehen lassen können und so finden wir z.B. beim DGB eine traute Runde empörter Aktivistinnen, die die “Entgeltgleichheit endlich gesetzlich regeln” lassen will. (Ist Ihnen schon aufgefallen, dass der Staat als Regler an die Stelle von Gott getreten ist? Früher hat man die Kirche angerufen, um etwas zu regeln, heute den Staat, geändert hat sich indes die Zahl und Gruppe derer, die von den Regelungen profitieren…). Die ScienceFiles-Lesern gut bekannte Ingrid Sehrbrock (“unsere” Ingrid) hat sich dieses Mal Verstärkung geholt und gemeinsam mit Hannelore Buls und Edda Schliepack anlässlich des “diesjährigen Equal Pay Day” ein “RECHT auf Mehr” gefordert.

Wir haben auf ScienceFiles schon wiederholt gezeigt, dass es kein Gender Pay Gap gibt. Da aber manche sich entschlossen haben, begriffstutzig sein zu wollen und weiterhin versucht wird, das Gender Pay Gap in die Hirne der Bundesbürger einzuhämmern, so wie man früher versucht hat, die Erde als Scheibe und im Zentrum des Universums im Hirn von Menschen zu verankern, präsentieren wird hier abermals die gesammelten Beweise der Beiträge auf ScienceFiles, die bislang gezeigt haben, dass das Gender Pay Gap erfundener Unsinn ist.

Das Gender Pay Gap ist eine Erfindung

Unter Statistikern ist es bekannt, dass man mit Daten ziemlich leicht Artefakte erzeugen kann. Artefakte beschreiben z.B. Unterschiede auf Aggregatebene, die keinerlei Sinn tragen, die sich als bloßer Unterschied darstellen, wie ihn z.B. eine Statistik darstellen würde, die den Alkoholkonsum zwischen Deutschland und Ägypten vergleicht und aus der der Schluss abgeleitet werden würde, dass in Deutschland nur Säufer leben, weil der Pro-Kopf-Verbrauch im Vergleich zu Ägypten um ein Vielfaches höher ist. Da in Ägypten das Trinken von Alkohol zumindest in Öffentlichkeit verboten ist, käme vermutlich niemand, der bei Verstand ist, auf die Idee, ein Alk-Gap auszumachen und für Deutschland das Verbot von Wein und Bier zu fordern. Aber das Gender Pay Gap ist etwas anderes sagen diejenigen, die daran glauben, wie alle Gläubige, denen ihr Fetisch genommen wird. Deshalb will ich demonstrieren, wie einfach es ist, ein Pay Gap zu erfinden, in dem ich auch eines erfinde, das Nord-Süd Bundesland Pay Gap oder kurz: das Bundesland Pay Gap.

Bundesland Pay Gap

Die Abbildung zeigt die auf Bundesland aggregierten Bruttoeinkommen der Haushalte in den entsprechenden Bundesländern. Die Daten stammen vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (2009). Wie man sieht, bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern im Hinblick auf das Haushaltseinkommen. Ich habe die rot markierten Bundesländer zu südlichen Bundesländern erklärt und die blauen als nordliche angesehen und die durchschnittlichen Haushaltseinkommen für die beiden Ländergruppen der nördlichen und südlichen Bundesländer berechnet. Als Ergebnis habe ich für die südlichen Bundesländer ein monatliches Haushaltseinkommen von Euro 3396 und für die nördlichen Bundesländer ein solches von Euro 3134 erhalten. Das beweist die Existenz eines Bundesland Pay Gap (wenn man unterstellt, dass die meisten Haushalte ihr Einkommen durch Arbeit erzielen). Das Gap beträgt gut 8%! Ich hoffe, die “Existenz” dieses Bundesland Pay Gap wird ähnliche Reaktionen z.B. bei den Gewerkschaften nach sich ziehen, wie die “Existenz” des Gender Pay Gaps, da das Bundesland Pay Gap viel grundlegender ist als das Gender Pay Gap. Norddeutsche haben wie Süddeutsche zwei Hände, zwei Füße und ein Gehirn, entsprechend ist es unglaublich, dass sie, obwohl gleich ausgestattet, geringere Einkommen erzielen. Eine Ungerechtigkeit, die beseitigt werden muss!

So einfach ist es, ein Pay Gap zu konstruieren.

Dass derart konstruierte “Gaps” auf einer Reihe von Annahmen basieren, die letztlich nicht haltbar sind, weil nämlich die Grundgesamtheit zu diffus ist, als dass sich ein entsprechendes Pay Gap aufrecht erhalten ließe, haben wir erstmals in einem Beitrag vom 20. April 2011 gezeigt. Die Argumentation in ihrer leichten Verständlichkeit lautete: Wenn man zwei Gruppen vergleicht, in denen der Anteil halbtagstägiger, unerfahrener und zeitweise nicht verfügbarer und entsprechend motivierter Arbeiter unterschiedlich hoch ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn unterschiedlich hohe Durchschnitssgehälter daraus resultieren. Da Frauen im Durchschnitt weniger arbeiten als Männer, entsprechend weniger Erfahrung haben, da sie weniger Wert auf eine Karriere legen, entsprechend weniger Motivation mitbringen und andere, in der Regel geringer bezahlte, aber einfacher zu verrichtende Berufe wählen als Männer, muss man sich nicht wundern, wenn die für Frauen aggregierten Einkommen einen geringeren Durchschnitt aufweisen als die für Männer aggregierten Einkommen. Wen das wundert, den kann man nur als dumm bezeichnen.

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Statistik-Grundlagen 2.Semester

Dass Beruf, Berufserfahrung, Ausbildung, Schulabschluss, Berufssparte usw. einen Effekt auf das Verdienst haben, hat man auch bei Eurostat, hauptverantwortlich für die Berechnung des Gender Pay Gap, bemerkt. Entsprechend ist die ursprüngliche Erfindung eines Gender Pay Gap als “unbereinigtes” Gender Pay Gap (22%) nach-spezifiziert worden und ihm ein bereinigtes Gender Pay Gap (8%) an die Seite gestellt worden, das wiederum eine Reihe der Variablen, von denen oben die Rede war, in Rechnung stellt. Über dieses “bereinigte” Gender Pay Gap haben wir bereits am 22. April 2011 berichtet. Damals haben wir darauf hingewiesen, dass dann, wenn man versucht, relevante Variablen zu berücksichtigen, die das Gender Pay Gap als die Erfindung, die es nun einmal ist, erklären, es nützlich wäre, alle relevanten Variablen zu berücksichtigen. Entsprechend haben wir am Beispiel der besser bezahlten Überstunden, von denen Männer mehr machen als Frauen, gezeigt, wie schnell das Gender Pay Gap verschwindet und wie schnell sich zeigt, dass Frauen tatsächlich nicht schlechter, sondern sogar besser bezahlt werden als Männer. Letzteres Ergebnis setzt voraus, dass man den Arbeitsaufwand, die Arbeitszeit in Rechnung stellt und somit ein Maß für Entgeltfairness, nicht Entgeltgleichheit berücksichtigt. Aber natürlich geht es Gewerkschaften nicht um Fairness, sondern um Gleichheit.

Schließlich haben wir in mehreren Beiträgen gezeigt, dass die Gehaltsunterschiede zwischen der Gruppe der Frauen und der Gruppe der Männer nicht auf die Diskrisminierung von Frauen zurückzuführen sind, sondern darauf, dass Frauen bestimmte Lebensentscheidungen treffen, die als Folge ein geringeres Gehalt nach sich ziehen. Während Frauen, so sie diskriminiert würden, dem Willen anderer unterworfen wären, sind sie also für ihr geringeres Durchschnittsgehalt durch ihre eigenen Lebensentscheidungen selbst verantwortlich. Die entsprechenden Beiträge:

Ich finde, wir haben bei ScienceFiles deutlich und selbst für begriffsstutzige Funktionäre nachvollziehbar gezeigt, dass es kein Gender Pay Gap gibt, das man, weil es durch Ungerechtigkeit entstanden ist, beseitigen müsste. Wer dies dennoch fordert, ist entweder dumm oder er versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen. Dies sollte jeder, der die Reden zum “Equal Pay Day” zur Kenntnis nimmt, im Hinterkopf behalten.

Eine Kommissarin für Justiz, die gegen geltendes Recht verstoßen will…

Eigentlich wollte Viviane Reding, EU-Kommissarin für u.a. Justiz, am Dienstag, den 23. Oktober vor die Presse treten und ein weiteres Kapitel auf ihrem Weg in den totalitären Staat “Europa” aufschlagen. Reding ist seit Monaten dabei, die Werbetrommel für Mittelschichtsfrauen im Kostüm, also Frauen wie sie selbst, zu rühren, von denen sie denkt, dass sie es auf Basis eigener Leistung und eigener Verdienste nie in eine Führungsposition großer Unternehmen schaffen werden. Deshalb hat Frau Reding die einzige Möglichkeit, die ihr einfällt gewählt, um diese Frauen “zu fördern”, von denen sie genau weiß, dass sie in großer Zahl vorhanden sind und am beruflichen Aufstieg von dunklen und männlichen Mächten gehindert werden, nämlich Zwang. Wie sie in einer Rede vor dem Harvard Club in Brüssel frank und frei erzählt, habe sie zunächst Unternehmen dazu gedrängt, eine freiwillige Selbstverpflichtung abzugeben, um mehr Frauen in Vorstandspositionen zu hieven. Die Ergebnisse genügen Frau Reding aber nicht, deshalb soll nun das Drängen durch gesetzlichen Zwang ersetzt werden (Man beachte die Aushöhlung von Begriffen wie “Freiwilligkeit”. Ich glaube nicht, das irgend ein Mensch, der bei Verstand ist, behaupten wird, dass die Tatsache, dass er sich von X zu Y hat drängen lassen, ein freiwilliger Akt war, außer Frau Reding versteht sich). Der Zwang, in Gesetzesform gegossen, so hat sich Frau Reding das gedacht, sollte am Dienstag der Presse präsentiert werden.

Die Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt, weil, wie Spiegel-Online zu berichten weiß, die EU-Kommission sich “bei ihrer Sitzung am Dienstag in Straßburg nicht auf einen Gesetzentwurft für eine europaweite Quote einigen” konnte. Für alle, die nun enttäuscht sind wie die Spiegel-Redaktion, hat der Artikel auch gleich noch das Bonbon: “Ich werde nicht aufgeben”, so hat Frau Reding nach Erkenntnissen des Spiegels getweetet. Na dann. Eigentlich hätte man noch gerne gewusst, warum die EU-Kommission den Gesetzentwurf von Reding abgelehnt hat. Aber kritische Fragen, die mit “warum” beginnen, sind im Spiegel offensichtlich nicht vorgesehen, und deshalb habe ich getan, was ich immer tue und auf einen amerikanischen Informanten zurückgegriffen: CNBC. CNBC weiß dann auch mehr über den nicht vorgestellten Gesetzesentwurf. Er habe es nicht durch die EU-Kommission geschafft, weil er gegen geltendes EU-Recht verstoßen habe. Und wenn sich schon die EU-Kommissarin für Justiz nicht um das geltende EU-Recht schert, so muss man feststellen, dass es doch andere Kommissare gibt, die nicht in gleicher Weise wie die EU-Kommissarin für Justiz bereit sind, über geltendes Recht hinwegzugehen. Als Beobachter der politischen Landschaft ist man ja einiges gewohnt, aber ein EU-Kommissar, zuständig für Justiz, der das Recht, das zu schützen seine Aufgabe ist, einfach bricht, ignoriert oder gar nicht kennt, ist ein Novum. Früher war sowas ein Grund zum Rücktritt, heute ist es ein Grund dafür “weiterzukämpfen” – weiterzukämpfen gegen geltendes Recht!

Als Wissenschaftler fragt man sich nun, wie kann es sein, dass ein Justiz-Kommissar sich verhält, wie Paule Panzerknacker? Als Antwort auf diese Frage bieten sich eine Reihe von Erklärungen an, ich will eine der Erklärungen geben und zwei weitere Erklärungen Mike Buchanan überlassen, der einen entsprechenden post gerade im blog der Campaign for Merit in Business publiziert hat.

Wenn man die Verfechter einer Frauenquote, die Kämpfer für eine Besserstellung von Frauen oder allgemein die Staatsfeministen betrachtet, dann wird man den Eindruck nicht los, dass sich die entsprechenden Personen in etwas verrant haben. Ich habe schon mehrfach in diesem blog belegt, dass es keinen Business Case für eine Frauenquote in Vorständen gibt, weder sind mehr Frauen förderlich für die Performanz des Unternehmens noch hat Diversifizität einen positiven Einfluss auf dieselbe noch gibt es eine “gläserne Decke”. Die wissenschaftlichen Belege sind eindeutig. Dennoch behauptet Frau Reding das Gegenteil in ihrer Rede vor dem Harvard Club von Belgien. Eine ähnliche Realitätsflucht kann man im Hinblick auf die monotone Wiederkehr der falschen Behauptung, Frauenquoten würden Gleichheit herstellen, feststellen. Frauenquoten in Vorständen nutzen nicht Frauen, sie nutzen bestenfalls einigen Mittelschichtsfrauen und sind somit nicht geeignet, Gleichheit herzustellen, sondern Ungleichheit, Ungleichheit zwischen Mittelschichtsfrauen auf der einen und Männern und nicht-Mittelschichtsfrauen auf der anderen Seite. Das ist eigentlich einfach zu verstehen. Nur Frau Reding versteht es nicht, wie sie gerade wieder in einer Rede dokumentiert hat. Wenn jemand dermaßen resistent gegen Informationen aus der Außenwelt ist, dann, so haben Psychologen herausgefunden, liegt das oft an einer funktionalen Fixiertheit. Funktionale Fixiertheit kann auf Deprivation, Persönlichkeitsproblemen oder auf der Zugehörigkeit zu kultischen Gruppen basieren, auf allem, was die Wahrnehmung der Realität verhindert. Ob diese Erklärung auf Frau Reding zutrifft, vermag ich nicht mit 100%tiger Sicherheit zu sagen. Deshalb will ich hier eine weitere Erkläungsmöglichkeit anführen, die Mike Buchanan gerade argumentiert hat (hier in meiner Übersetzung seines Beitrags):

“Ist Viviane Reding, EU-Kommissar für Justiz, eine Lügnerin, inkompetent oder beides?

Diese Frage hat sich mir gestellt als ich die Rede gelesen habe, die sie vor dem Harvard Club in Brüssel am 8. Oktober gehalten hat.

In dieser Rede gibt es Fundstücke wie das folgende:

First of all, there is a clear business case. Numerous studies – by Crédit Suisse, McKinsey, Deutsche Bank, Ernst and Young and others – show that companies with more women in top management enjoy better governance and financial performance. The McKinsey study has, for instance, shown that companies with women on their boards outperform their men only rivals with a 42% higher return in sales, 66% higher return on invested capital and 53% higher return on equity. Or take the Crédit Suisse study which shows that, over the past six years, companies with at least one female board member significantly outperformed those with no women on the board in terms of share price performance.

Wie kann Frau Reding ihre Zuhörer, vermutlich handelte es sich dabei um erfahrene Manager, mit diesem absoluten Unsinn beleidigen? Wie wir auf der Seite der Campaign for Merit in Business gezeigt haben, behauptet z.B. die Credit Suisse keinerlei kausale Beziehung zwischen der Anzahl von Frauen in Vorständen und der finanziellen Performanz von Unternehmen. Tatsächlich heißt es in dem Bericht von Credit Suisse:

“There is a significant body of research that supports the idea that there is no causation between greater gender diversity and improved profitability and stock price performance. Instead the link may be the positive signal that is sent to the market by the appointment of more women: first because it may signal greater focus on corporate governance and second because it is a sign that the company is already doing well” (p.17).

Frau Reding verbreitet auch Unwahrheiten über die angeblichen Ergebnisse von McKinsey. In keinem der Berichte von McKinsey, die wir kennen, findet sich auch nur ansatzweise die Behauptung, zwischen dem Anteil von Frauen in Vorständen und der Performanz eines Unternehmens gebe es einen kausalen Zusammenhang. Dagegen gibt es in den meisten McKinsey Berichten den Hinweis, dass die Korrelation zwischen dem Frauenanteil und der Performanz von Unternehmen Ergebnis einer gezielten Förderung von Frauen durch Unternehmen, die es sich leisten können, darstellen kann, Unternehmen also, die einer gesetzlichen Verpflichtung durch vorauseilenden Gehorsam begegnen wollen.”

Der Beitrag von Mike Buchanan, der deutlich macht, dass Frau Reding offensichtlich kein Problem damit hat, Fakten in ihrem Sinne neu zu interpretieren oder in ihrem Sinne wahrzunehmen, eine Eigenschaft, die sie auch im Zusammenhang mit Daten des Eurobarometer an den Tag gelegt hat, dessen Daten sie eben einmal für ihre Zwecke umgedeutet und gedehnt hat, sieht zwei mögliche Erklärungen für dieses Verhalten vor: Lügen oder Inkompetenz. Ich habe diesen beiden Erklärungen mit der funktionalen Fixierung noch eine dritte hinzugesellt, die quasi die Basis bildet, auf der Lügen oder Inkompetenz aufsetzen: Wer Fakten nicht mehr oder nur noch in bereits den eigenen Wünschen entsprechend aufbereiteter Weise wahrnimmt, wer funktional fixiert ist, kommt seiner Außenwelt zwangsläufig wie ein Lügner vor, denn er behauptet etwas, was offensichtlich falsch ist. Er kommt denen, die ihn noch versuchsweise ernst nehmen wollen, inkompetent vor, denn er ist offensichtlich nicht auf der Höhe der Erkenntnis. Funktional Fixierte wiederum tragen alle Merkmale von Mitgliedern eines Kultes und man muss sich spätestens dann, wenn ein EU-Kommissar für Justiz anfängt, seine Glaubenssätze in offenem Widerspruch zu geltendem Recht zu formulieren und versucht, diesen Rechtsbruch anderen aufzuzwingen, fragen, ob derartiges Verhalten noch toleriert werden kann oder ob es nicht an der Zeit zu (medizinischer oder politischer oder juristischer oder psychiatrischer) Intervention ist.

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Farm 4
Phoenix Business Lawyers

“Patriarchat” – Wikipedia, wissenschaftliche Lauterkeit, und was “Patriarchat” nun wirklich ist und nicht ist


Dr. habil. Heike Diefenbach hat – auf Bitte von Fiona Baine von Wikipedia – sich bereit erklärt, einen Beitrag zum Thema “Patriarchat” zu verfassen. Der Beitrag, der zur Veröffentlichung auf Wikipedia vorgesehen war und von Frau Baine als “hervoragender Essay” bezeichnet wird, wird dennoch nicht auf Wikipedia veröffentlicht, denn die “Beweisführung und … Schlussfolgerungen” sind, wie ich es einmal ausdrücken möchte, richtig und nachvollziehbar und in keiner Weise ideologisch.  Offensichtlich sind richtige, wissenschaftliche und nachvollziehbare Beiträge in bestimmten Kreisen bei Wikipedia nicht erwünscht, dafür aber Beiträge, die die feministische Ideologie zelebrieren. Da der ideologische Grabenkampf in Deutschland auch die Wikipedia erreicht hat, und das dort praktizierte Mentorensystem sich als besonders anfällig für ideologisches highjacking erweist, kommt eine wissenschaftliche Darstellung dessen, was über “das Patriarchat” bekannt ist, offensichtlich nicht in Frage. Statt dessen hat Frau Baine einen “eigenen” Beitrag zum Thema “Patriarchat” geschrieben, der in selektiver und nicht nachvollziehbarer Weise auf den Beitrag von Dr habil. Heike Diefenbach zurückgreift und Frau Dr. habil. Heike Diefenbach gebeten, den Text zu begutachten. Ich gebe hier die Antwort von Dr. habil. Heike Diefenbach auf diese Anfrage ungekürzt wieder:

“Ich habe gerade Ihre Version des Patriarchats-Artikels durchgelesen und bin, ehrlich gesagt, entsetzt. Im Text werden faktisch falsche Behauptungen aufgestellt, von denen die haarsträubendsten sind, “Androkratie” sei ein Synonym für “Patriarchat” (als “Vater-!-herrschaft”), ein Begriff, der als Kampfbegriff benutzt wird, sei eigentlich gar keiner, sondern könne “begründet” werden, was ein logisches Unding ist, denn entweder man kann einen Begriff sinnvoll begründen oder er ist bloß ein Kampfbegriff, und das “Patriarchat” wäre von irgendjemandem als empirische Realität “festgestellt” worden, wenn tatsächlich alle Operationalisierungen von “Patriarchat” dasselbe als NICHT existent erweisen, was in meinem Essay ja wohl hinreichend deutlich geworden ist. Ich kann mir nicht erklären, wie es zu einer solchen enormen Fehlrezeption kommen konnte; ich meine: Sie haben meinen Text doch gelesen, oder?

In dieser Form trägt der Eintrag zum “Patriarchat” in der wikipedia nur zur ideologischen Fehlinformation der Leser bei, und wenn der Eintrag nicht in dem Sinn verfasst wird, dass er die Tatsachen, die ich mich zu berichten bemüht habe,widerspiegelt, muss ich leider, leider die Verwendung dessen, was ich geliefert habe, also meines geistigen Eigentums, an dem ich die Rechte bislang nicht abgetreten habe, samt aller Zitate, die ich angeführt habe, einschließlich derer, die Ihnen anscheinend gefallen haben und die Sie übernommen haben, also diejenigenn der Feministinnen, untersagen. Insbesondere muss ich untersagen, dass mein (bislang durchaus guter) Name mit einem solchen ideologischen – entschuldigen Sie bitte; ich weiß nicht, wie ich das sonst nennen soll – Schwachsinn in Verbindung gebracht wird.

Des einen Leid, des anderen Freud, wie es so schön heißt. Weil bei Wikipedia offensichtlich die Ideologie höher im Kurs steht als die Verbreitung korrekten lexikalischen Wissens, wird der Beitrag zum Patriarchat nunmehr in vollem Umfang auf “Kritische Wissenschaft – critical science” veröffentlicht (Der umfangreiche Fussnotenapparat wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit in den posts gekürzt, die zum Abschluss an die Patriarchats-Serie veröffentliche PDF-Datei wird den Fussnotenapparat im vollen Umfang enthalten). Deshalb kann ich den Lesern an dieser Stelle schon einmal die Nase lang machen. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass Dr. habil. Heike Diefenbach als habilitierte Soziologin und studierte Ethnologin weiß, wovon sie spricht, und solange ich sie kenne, hat sie sich regelmäßig darüber beklagt, dass jeder Hanswurst [an dem Begriff Hanswurst habe ich gegen erheblichen Widerstand von Frau Dr. habil. Heike Diefenbach festgehalten!]  zu wissen meint, was das Patriarchat sein soll und kaum einer auch nur entfernt eine Ahnung davon hat, was der Begriff bezeichnet hat bzw. bezeichnen soll(te).

Sie werden daher in diesem und den folgenden Beiträgen nicht nur erfahren, was im Wandel der Zeiten unter einem Patriarchat verstanden wurde und dabei sehen, wie “Patriarchat” zu einem Kampfbegriff des Feminismus umfunktioniert geworden ist. Sie werden die Versuche von Marvin Harris bestaunen können, das Patriarchat als Ressourcenkrieg zwischen mit Keulen bewehrte echten Kerlen darzustellen. Sie werden Zeuge der feuchten Träume, die Friedrich Engels hatte als er vom Patriarchat fabulierte. Sie werden sehen, wie der Begriff in der Familiensoziologie und Ethnologie verwendet wurde und lesen, warum ihn kein Wissenschaftler mehr verwenden mag, und schließlich werden Sie sehen, wie die verschiedenen Stränge in den Staatsfeminismus münden, in dem der Begriff “Patriarchat” zum politischen Allzweckkampfmittel geworden ist.

Ich hoffe, die Leser sind hinreichend gespannt und beginne den Reigen mit Teil 1 der Begriffsgeschichte und einer Einführung in die Thematik!

Patriarchat

von Dr. habil. Heike Diefenbach

Wortherkunft und Wortgebrauch

Der Begriff “Patriarchat” ist abgeleitet vom griechischen πατριάρχης patriarches “Erster unter den Vätern” bzw. “Stammesführer” oder “Führer des Vaterlandes” (aus πατήρ patér „Vater“ und ἄρχων archon. Im Neugriechischen bedeutet αρχη “Beginn, Start”, im Altgriechischen “Macht”. In der Septuaginta wird der Begriff in der Bedeutung von “Erzvater” verwendet. Dementsprechend wurde der Begriff “Patriarch” im Mittelalter und in der frühen Neuzeit als Synonym für die Stammväter der Israeliten vor der Sintflut und nach ihr bis zum Auszug der Israeliten aus Ägypten verwendet. Daraus erklärt sich auch die Assoziation von “Patriarch” mit einem alten Mann, der Kinder, Enkel und Enkelkinder hat, denn von den Stammvätern der Israeliten wird in der Bibel berichtet, dass sie ein sehr hohes Alter erreichten. In der christlichen Kirche wurde der Begriff “Patriarch” schon früh als Ehrentitel für geistliche Würdenträger benutzt, ohne dass dieser Titel notwendigerweise Gewalt über andere Geistliche implizierte. Dies berichtet Johann Christoph Abelung in seinem “Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuches der hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen”, der 1777 in Leipzig erschienen ist. Dort wird das “Patriarchat” als “… die Würde, die Stelle eines Patriarchen in der zweiten Bedeutung”, d.h. mit Bezug auf kirchliche Würdenträger, und als deren “geistliches Gebiet, de[r]en Kirchensprengel” bezeichnet – und es werden keine anderen Wortbedeutungen genannt (Abelung, 1777, S.981).

Die Übertragung des Begriffs “Patriarchat” zur Bezeichnung sozialer bzw. gesellschaftlicher Organisationen, in denen Väter und oder Männer (Letzteres ist dem Begriff eigentlich nicht angemessen) Mütter oder Frauen vermeintlich oder tatsächlich dominieren und über größere Lebenschancen oder Selbstbestimmungsrechte verfügen als Frauen, erfolgte erst im 19. Jahrhundert, und zwar unter dem Einfluss der fortschreitenden Säkularisierung, gesellschaftlicher Umbrüche im Zusammenhang mit der sozialen Frage, der Verbreitung evolutionistischen Gedankengutes in der Folge Darwins und der sich damals gerade entwickelnden Wissenschaft der Sozial- oder Kulturanthropologie oder Ethnologie. In dieser Gemengelage von Ideen, Anliegen und Informationen waren viele fasziniert von der Frage, wie die neu entdeckte Urgeschichte des Menschen ausgesehen habe oder haben könnte, und spekulierten über die Existenz evolutionärer Stufen, die in die Realität der westlichen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts geführt hätten (Eller, 2011, S.109;112). Das Patriarchat wurde als Charakteristikum einer oder verschiedener dieser evolutionären Stufen betrachtet, und je nachdem, wie man die vermutete evolutionäre Entwicklung als Ganze und die zeitgenössischen gesellschaftlichen Verhältnisse bewerten wollte, wurde das Patriarchat als höhere oder niedrigere Entwicklungsstufe menschlicher Gesellschaftsordnung beurteilt. Dementsprechend wurde in dieser Zeit über das Patriarchat selten wertneutral gesprochen.

Einhundert Jahre später definiert Hillmann das “Patriarchat” in seiner sozialwissenschaftlichen Bedeutung jedoch wertneutral als “‘Vaterherrschaft’, Vaterrecht; die Herrschafts- u[nd] Einflussordnung einer Ges[ellschaft], in der die für die Organisation u[nd] den Ablauf der wichtigen soz[ialen] Beziehungen gültigen u[nd] maßgebenden Werte, Normen u. Verhaltensmuster von den jeweils älteren Männern, den Vätern, bestimmt, geprägt, kontrolliert u[nd] repräsentiert werden” (Hillman, 1994, S.656).

In der Familiensoziologie wird als “Patriarchat” – enger und in besserer Entsprechung zur Wortbedeutung und in Anlehnung an die römische Familie bzw. den pater familias – eine Form der familialen Organisation bezeichnet, die dem Familienvater als dem “Herrn des Hauses” die Herrschaft über die anderen Familienangehörigen zuschreibt (Burkhart, 2008, S.118/119), wobei diese Herrschaft gewohnheitsrechtlich oder juristisch verankert sein kann und im Einzelfall zu klären ist, wer warum zur Familie gehört und wer nicht, denn der pater familias muss keineswegs in biologischen Verwandtschaftsbezügen zu allen Angehörigen seiner Familie bzw. seines Haushaltes vorstehen.

Die gänzliche Ablösung des Begriffs “Patriarchat” von Vätern (und Verschiebung hin zu Männern unabhängig von ihrem Vater-Sein oder ihrem Alter) bei gleichzeitiger Unterschlagung der Verpflichtungen, die mit Rechten einhergehen, erfolgte erst im Rahmen des Feminismus, der die deskriptive Bedeutung von “Patriarchat” als einer realen oder hypothetischen Gesellschafts- oder Familienordnung, in der Väter bzw. ältere Männer dominieren, in weiteren wichtigen Hinsichten transformiert hat: Erstens liegt dem Feminismus und insbesondere dem Staatsfeminismus die Annahme zugrunde, dass eine systematische Dominanz von Männern über Frauen (auch) in der westlichen Welt und in modernen Gesellschaften eine empirische Tatsache sei, d.h. dass eine angemessen als “Patriarchat” zu bezeichnende Gesellschaftsordnung tatsächlich existiere. Zweitens ist im Feminismus an die Stelle der deskriptiven Bedeutung von “Patriarchat” die negative Wertung desselben als ein zu bekämpfender Mißstand getreten. Der Begriff “Patriarchat” ist damit zum Kampfbegriff des Feminismus geworden, und zumindest einige Feministinnen bezeichnen und gebrauchen den Begriff “Patriarchat” auch selbst explizit als Kampfbegriff. Diese Auffassung vom “Patriarchat” als real existierender systematischer Unterdrückung von Frauen durch Männer und als Kampfbegriff bringt die prominente Kritikerin eines “kapitalistischen Patriarchats” Maria Mies auf den Punkt: “‘Patriarchy’ literally means the rule of fathers. But today’s male dominance goes beyond the ‘rule of fathers’ it includes the rule of husbands, of male bosses, of ruling men in most societal institutions, in politics and economics, in short, what has been called ‘the men’s league’ or ‘men’s house’. In spite of these reservations, I continue to use the term patriarchy. My reasons are the following: the concept ‘patriarchy’ was rediscovered by the new feminist movement as a struggle concept, because the movement needed a term by which the totality of oppressive and exploitative relations which affect women, could be expressed as well as their systematic character. Moreover, the term ‘patriarchy’ denotes the historical and societal dimension of women’s exploitation and oppression, and is thus less open to biologistic interpretations, in contrast, for example, to the concept of ‘male dominance’” (Mies, 1998, S.37).

Wenn der Begriff “Patriarchat” als Kampfbegriff gebraucht wird, lässt sich dies daran erkennen, dass die konnotative Bedeutung gegenüber der denotativen in den Vordergrund gerückt wird, d.h. eher die Beziehung des Sprechers zum Gemeinten bzw. dessen Bewertung durch den Sprecher als das Gemeinte selbst erläutert wird, so dass der Begriff auf die Bezeichnung eines abzulehnenden Mißstands festgelegt wird, wie dies im oben stehenden Zitat von Mies, aber auch in der folgenden Erläuterung von Walby ihres Gebrauchs des Begriffs “Patriarchat” der Fall ist: “… I shall define patriarchy as a system of social structures, and practices in which men dominate, oppress and exploit women” (Walby, 1989, S.214). Oder die Begriffe “Patriarchat” oder “patriarchalisch” verweisen in tautologischer bzw. zirkulärer Weise aufeinander, statt das Gemeinte zu erläutern, wie im folgenden Beispiel: “I think that there are six main patriarchal structures which together constitute a system of patriarchy. These are: a patriarchal mode of production in which women’s labour is expropriated by their husbands; patriarchal relations within waged labour; the patriarchal state; male violence; patriarchal relations in sexuality; and patriarchal culture” (Walby, 1989, S.220).

Ende Teil 1.

Morgen lesen Sie:

Marvin Harris und die “starken Kerle” und erfahren, was sie schon immer einmal über die Phantasien von Friedrich Engels wissen wollten (oder auch nicht).

Bildnachweis
Intolerable Compliment
Wikipedia
Static gulli

Genderkulturkampf

In einem berühmten Erschütterungsexperiment ist es Harold Garfinkel gelungen, die Wirkung von Kultur und vor allem die Wirkung kultureller Erwartungen offen zu legen:

“The victim waved his hand cheerily [Das Opfer winkt erfreut.]
(S) ‘How are you?’ [Wie geht es Dir?]
(E) ‘How am I in regard to what? My health, my finances, my school work, my peace of mind, my …?’
[Wie geht es mir im Hinblick auf was, meine finanziellen Verhältnisse, meine schulischen Leistungen, meinen Seelenfrieden, meinen...?]
(S) (Red in the face and suddenly out of control) ‘Look! I was just trying to be polite. Frankly, I don’t give a damn how you are’”. [(Rot im Gesicht und plötzlich außer Kontrolle) Schau, ich habe einfach nur versucht, nett zu sein. Ehrlich gesagt, interessiert es mich nicht die Bohne, wie es Dir geht.] (Garfinkel, 1996, S.44).

Die kurze Sequenz verdeutlicht die Macht kultureller Erwartungen. Kulturelle Erwartungen beeinflussen nicht nur die Art und Weise, wie sich Akteure im sozialen Austausch gegenübertreten, sie beeinflussen auch, welche Meinungen und Ansichten Akteure überhaupt voneinander haben. Diese kulturelle Vorab-Bestimmung von Wahrnehmung und Handlungserwartungen hat Geert Hofsteede dazu bewogen, Kultur als kollektive Programmierung des Geistes zu bezeichnen.

Clyde Kluckhohn und Alfred Louis Kroeber haben mehr als 100 Definitionen von Kultur zusammengetragen und im Jahre 1952 den folgenden “Definitionsextrakt” verfasst: „Culture consists of patterns, explicit and implicit, of and for behaviour acquired and transmitted by symbols, constituting the distinctive achievements of human groups, including their embodiment in artefacts; the essential core of culture consists of traditional (i.e. historically derived and selected) ideas and especially their attached values; culture systems may, on the one hand, be considered as products of action, on the other, as conditional elements of future action” (Kluckhohn & Kroeber, 1952, S.181). Etwas salopp formuliert könnte man dieses Zitat wie folgt zusammenfassen: Kultur beinhaltet (normative) Muster, die das Verhalten der kulturellen Mitglieder steuern bzw. anleiten (sollen), wobei die entsprechenden Muster durch die Konfrontation mit der Umwelt entstanden sind. Entsprechend gehen Kluckhohn und Strodtbeck davon aus, dass Kulturen auf Wertorientierungen aufbauen und dass diese Wertorientierungen das Verhalten von Menschen in einer Kultur bedingen (Kluckhohn & Strodtbeck, 1962, S.24).

Wer die Wertorientierungen, die kulturellen Muster, die kulturellen Erwartungen von Menschen beeinflussen kann oder gar kontrolliert, der hat ein mächtiges Instrument der Manipulation zur Hand. Wem es gelingt, kulturelle Muster zu setzen, die es nur erlauben, eine alltägliche Situation in genau einer und keiner anderen Weise zu interpretieren, dem eröffnet sich damit die Möglichkeit, ein gesellschaftliches Klima ganz nach seinen Wünschen und nach seinem Belieben zu schaffen, ein Klima der Gleichschaltung. Wie mächtig diese kulturelle Waffe ist, zeigt das Erschütterungsexperiment von Harold Garfinkel, bei dem der Anlass des Ärgers aufgrund enttäuschter kultureller Erwartung, geringfügig, ja lächerlich ist. Wie viel emotionaler und intensiver reagieren wohl Akteure, die seit sie richtig denken können, in staatlichen Erziehungsanstalten mit immer demselben Genderlamento indoktriniert wurden, auf eine enttäuschte kulturelle Erwartung? Man kann es sich lebhaft vorstellen, und vermutlich wird aus diesem Grund in Publikationen der Bundesregierung eine kulturelle Indoktrination betrieben, die nur noch ein bestimmtes kulturelles Bild von der Beziehung zwischen Männern und Frauen zulassen will, ein Bild, bei dem sich mir die Fussnägel ringeln:

Ich zitiere aus der Broschüre “Kinder- und Jugendhilfe” des Bundesministeriums für FSFJ:

“Ob Sie Ihr Kind in den Kindergarten bringen, Ihre Tochter in ein Mädchenzentrum geht, ob ihre Freunde ein Kind in Pflege genommen oder adoptiert haben, immer haben sie es mit dem Jugendamt zu tun” (7).

Die Drohung, es immer mit dem Jugendamt zu tun zu haben, einmal beiseite lassend, vermittelt die Broschüre ab ihrer ersten Textzeile die kulturelle Gewissheit, dass es Kinder, Töchter und Mädchen gibt. Übertrieben, oder Zufall?

“Sie sind in einer Notfallsituation? Sie suchen eine Tagesbetreuung für Ihre Tochter? Der Vater Ihres Kindes zahlt keinen Unterhalt? Ihr Kind wird in der Schule auffällig?”(9).

Stimmt, es gibt doch mehr als Töchter und Kinder, es gibt noch auffällige Kinder und mindestens einen Vater, der keinen Unterhalt zahlt. Aber sind alle Inhaber eines männlichen Geschlechts schlecht und zahlen keinen Unterhalt?

“Wenn Bianca fragt, wo denn eigentlich die Milch herkommt, und Sven glaubt, dass alle Kühe lila sind …, dann bieten Kindertageseinrichtungen und offene Kinderangebote notwendige Erfahrungen und Anregungen” (21).

Nein, es gibt nicht nur Inhaber männlichen Geschlechts, die schlecht sind und keinen Unterhalt zahlen, es gibt auch Inhaber männlichen Geschlechts, die dumm sind und zu wissen glauben, alle Kühe seien lila, während die Inhaber weiblichen Geschlechts Erkenntnis suchen und wissen wollen, wo die Milch herkommt. Das kulturelle Bild verdichtet sich: weiblich, gut und wissbegierig, männlich, schlecht und dumm.

“Sabrina ist verzweifelt. Der neue Freund der Mutter hatte sich gleich als Herr im Haus bezeichnet, was ihr von Anfang an auf den Keks ging. Als er jetzt auch noch ihre Mutter verprügelte, weil sie kein Geld für seine Kneipentour auf den Tisch legen wollte, und Sabrina, als sie sich dazwischenwarf, gleich mit verdrosch, hat sie sich entschlossen, so nicht weiter leben zu wollen. Über das Kindertelefon erführ sie die Adresse des Mädchenkrisenhauses, in dem sie gleich aufgenommen wurde. … Karstens Vater ist alleinerziehend. Seit einem halben Jahr fühlt er sich immer hilfloser. Die Konflikte im Haus werden zunehmend heftiger, die Anrufe der Lehrerin häufen sich, und jetzt als auch noch die Polizei kam, weil Karsten mit seiner Clique beim Autoknacken erwischt wurde, da stand für ihn fest, Karsten kommt ins Heim” (37).

Inhaber eines männlichen Geschlechts sind schlecht, dumm, faul, trinkende Zuhälter, die ihre Kneipentouren aus den Einkünften ihrer Freundinnen (und Mütter) decken und ansonsten mit der Erziehung ihres straffälligen Sohnes überfordert sind. Dagegen sind Inhaber eines weiblichen Geschlechts gut, wissbegierig, von heldenhaftem Mut getrieben und immer bereit, sich für die Schwachen ins Zeug zu werfen und Unrecht dem zuständigen Mitarbeiter beim Jugendamt zu melden.

Nachdem man die primitiven und wirklich abstossenden Stereotype, die in von Steuerzahlern finanzierten Broschüren des Bundesministeriums für FSFJ verbreitet werden, in Reihenfolge gelesen hat, kann man eigentlich nicht anders als die Schreiber dieser Zeilen zu bedauern; Nicht ob ihrer um Hilfe schreienden Versuche, die deutsche Sprache zu bewältigen, nicht ob ihrer Versuche, kulturelle Erwartungen vorzugeben und dabei einmal eben die Realität auf den Kopf stellen (es sind immer noch in der Mehrzahl Männer, die Alleinernährer sind und entsprechend ist die Wahrscheinlichkeit, dass Säufer ihr eigenes Geld vertrinken sehr hoch), sondern ob der furchtbaren Gedankenwelt, in der diese armen Menschen leben müssen: Wem Beispiele wie die zitierten einfallen, die sich allesamt durch das Muster auszeichnen, männlich böse, weiblich gut, dem ist außerhalb von geschlossenen Anstalten nicht mehr zu helfen, der sollte sich in ärztliche Behandlung begeben. Da die entsprechenden Muster regelmäßig aus dem BMFSFJ kommen, liegt auch der Verdacht nahe, dass es sich beim BMFSFJ gar nicht um ein Ministerium, sondern um eine geschlossene Anstalt handelt. Wie dem auch sei, die Analyse belegt, dass offensichtlich versucht wird, kulturelle Erwartungshaltungen auf äußerst primitive Weise zu beeinflussen, und zwar auf eine Weise, die Sozialpsycholgen unter der Rubrik Sexismus behandeln. Damit verstößt das BMFSFJ gegen das Grundgesetz und so ziemliche alle Regeln des Anstands, aber das wird den Verantwortlichen vermutlich nichts sagen, denn die Bedeutung des Wortes “Anstand” ist in ihrem kulturellen Mileu nicht bekannt.

In Broschüren, für die das BMFSFJ verantwortlich ist, wird also versucht, den Lesern, die sich eigentlich über etwas anderes informieren wollen, unter der Hand ein kulturelles Muster unterzuschieben, das ihnen vorgibt, wie sie Fremdgeschlechtliche zu sehen haben. Da es nicht zu den Aufgaben des BMFSFJ gehört, Denk- und Wahrnehmungsvorgaben zu machen und auch die Verbreitung von Sexismen nicht zum Aufgabenbereich des Ministeriums gehören sollte, wäre es daher an der Zeit, die Verantwortlichen im Ministerium würden Broschüren wie die hier analysierte einstampfen und sich auf die Vermittlung von Informationen und nicht die Vermittlung von Vorurteilen konzentrieren. Dazu, allerdings, wäre Anstand notwendig…

Literatur

Garfinkel, Harold (1996). Studies in Ethnomethodology. Cambridge: Polity Press.

Kluckhohn, Florence & Strodtbeck, Fred (1961). Variations in Value Orientations. Evanston: Row & Peterson.

Kroeber, Alfred Louis & Kluckhohn, Clyde (1952). Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions. Cambridge: Cambridge University Press,

Rosenbrock zum Letzten – hoffentlich …

Mit manchen Themen ist es wie mit der sprichwörtlichen Klette, man wird sie einfach nicht mehr los. Und nachdem die Heinrich Böll Stiftung  noch einmal nachgelegt hat, ist es – hoffentlich zum letzten Mal – notwendig, ein paar Dinge klarzustellen. Die heutige Lektion für die Stiftung lautet: Warum Ideologie keine Wissenschaft ist, und warum Manipulation nicht klappt. Ich hoffe, dieses Thema ist nicht zu “komplex”!

Warum Ideologie keine Wissenschaft ist.

Mit Ideologie verbindet sich regelmäßig das Problem, dass sie nicht mit der Realität in Einklang zu bringen ist und deshalb gegen mindestens ein Fundament von Wissenschaft verstößt. Ich will dies an einem Beispiel deutlich machen, das ich in Analogie zu Rosenbrocks Magisterarbeit gewählt habe.

Ich behaupte, die Heinrich Böll Stiftung ist ein Haufen männerfeindlicher religiöser Fanatiker. Um diese Behauptung als Tatsache durchgehen zu lassen, brauche ich eine Legitimation. Früher musste Gott als Legitimation herhalten, heute bedient man sich gemeinhin der Wissenschaft. Wenn Wissenschaft die Legitimationsfunktion übernehmen muss, brauchen wir nunmehr jemanden, der als Wissenschaftler durchgehen kann, der in der Wissenschaft nichts zu verlieren hat, sonst macht er nicht mit, und der ein Interesse daran hat, unsere Sache zu seiner zu machen, z.B. weil er aus seiner Aufgabe seine Identität ableitet oder weil er sich erhofft, nach abgeschlossener Aufgabe mit einer Stelle belohnt zu werden, kurz, wir brauchen einen unbekannten Nachwuchswissenschaftler, den wir aufbauen  und, wenn die Sache schief geht, opfern können. Um nun sicherzustellen, dass die Heinrich-Böll Stiftung auch tatsächlich ein Haufen männerhassender religiöser Fanatiker ist, definieren wir männerhassende religiöse Fanatiker als Personen, die dem Feminismus anhängen, Maskulismus ablehnen, Maskulisten als Extreme diffamieren oder an den rechten politischen Rand rücken, und die sich in Netzwerken, wie z.B. feministischen Foren austauschen und zusammenrotten. Die so definierten männerhassenden religiösen Fanatiker finden wir in allen Schattierungen und Abstufungen auf den Seiten der Heinrich-Böll Stiftung, in den angesprochenen feministischen Foren und blogs, ja selbst in Foren von Spiegel-Online, Welt und FAZ rotten sich feministische Streiter in der definierten und männerhassenden Weise zusammen, und agitieren gegen Männer. Dies führt uns letztlich dazu festzustellen, dass die männerfeindlichen religiösen Fanatiker aus der Heinrich Böll Stiftung ein organisiertes Netzwerk unterhalten, dessen Ziel darin besteht, feministische und männerhassende Inhalte zu verbreiten und die Gesellschaft zu unterminieren. Mit dieser schrecklichen und gesellschaftgefährdenden Schlussfolgerung, die am Ende einer angemessen langen, d.h. viele Seiten füllenden Schrift (je mehr Seiten, desto gelehrter) steht, treten wir an die Presse, verkünden das Unheil, das von dem männerhassenden Kult in der Heinrich Böll Stiftung ausgeht, fordern eine Überwachung durch den Verfassungsschutz und stellen die Behauptung auf, dass die Böll Stiftung zu extremistisch ist, als dass es möglich wäre, mit den dort klumpenden männerhassenden Kultmitgliedern noch ein vernünftiges Wort zu reden. Das hat den Vorteil, dass alles, was nun aus der Böll Stiftung oder anderen, ihr verbundenen Netzwerken kommt als Beleg für diese Behauptung genommen und in Bausch und Bogen diskreditiert werden kann. Gegenmeinungen in Bausch und Bogen zu diskreditieren ist besonders wichtig, denn wir wollen ja niemanden, der hinterfragt, wie wir überhaupt zu unseren Ergebnissen gekommen sind.

Warum Manipulation nicht klappt

Ich bezweifle, dass meine Analogie bei der Heinrich Böll Stiftung zu einer Erkenntnis führt. Erkenntnis setzt Einsicht voraus und vor allem setzt Erkenntnis die Fähigkeit voraus, die Welt jenseits der rosaroten Ideologie wahrzunehmen. Dies sind Bedingungen, die bei der Böll Stiftung nicht mehr anzutreffen sind. Der ideologische Grabenkampf, der dem Stellungskrieg des 1. Weltkriegs ähnelt, ist zu tief eingegraben und die Dummheit derer, die sich im Namen der eigenen heiligen Ideologie verheizen lassen, ist einfach zu groß. Wäre dem nicht so, irgend jemandem bei der Böll Stiftung wäre zwischenzeitlich aufgefallen, dass man dann, wenn man Wissenschaft zu Legitimationszwecken missbrauchen will, zwischenzeitlich mit Widerstand rechnen muss. Im Gegensatz zu der Zeit als Ideologie noch mit Gott begründet werden konnte, und von Gott kaum zu erwarten war, dass er sich gegen seinen Missbrauch zur Wehr setzt, gibt es eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern, die es nicht mehr hinnehmen, dass ihre Profession von Ideologen missbraucht wird. Entsprechend, liebe Böll Stiftung, reicht es nicht mehr unbekannte “Nachwuchs-Wissenschaftler” zu verheizen oder freie Autorinnen, also solche, die Wissenschaft nur von außen kennen, vorzuschicken.

Das bringt mich zurück zur Bausch-und-Bogen-Strategie, von der ich oben geschrieben habe. Wer an der Magisterarbeit von Rosenbrock Kritik übt, wird in Bausch und Bogen diskreditiert. So schreibt, die angesprochene freie Autorin, Didem Ozan, “Zudem wurde Rosenbrock, der die Überschneidung antifeministischer und rechter Ideologien feststellte, selbst als Gehilfe der Rechten ausgewiesen, mit dem Argument, dass er Antifeminist…en in die Nähe von Rechten rücke und damit Rechtsradikalismus verharmlose. Als unwissenschaftlich wurde die Expertise auf sciencefiles.org verleumdet …”. Ein erbärmlicheres Zeugnis der Unkenntnis dessen, was es bedeutet, Wissenschaftler zu sein, habe ich bislang nicht gelesen. Ich will’s ein letztes Mal versuchen: Kritik, die sich z.B. in der Feststellung äußert, dass in Rosenbrocks Magisterarbeit die rudimentärsten Dinge fehlen, die ein methodisches und somit ein wissenschaftliches Vorgehen auszeichnen, hat nichts mit Verleumdung zu tun. Derartige Kritik ist das Grundelixier wissenschaftlichen Fortschritts, nur wenn Fehler beseitigt werden, kann man Verbesserung herbeiführen. Wer keine Fehler beseitigen und Kritik als Verleumdung entlegitimieren will, ist entsprechend weder an Fortschritt noch an Wissenschaft interessiert, er ist ein Feind der Wissenschaft, denn er sieht die eigene Lehre als wahre Religion, der es zu huldigen, die es aber in keinem Fall zu kritisieren gilt. Ein eindrücklicheres Zeugnis, dass zwischen der Heinrich Böll Stiftung und Wissenschaft wirklich gar nichts vermittelt, habe ich selten gelesen. Von einem angeblichen Wissenschaftler erwartet man, dass er sich mit Kritik auseinandersetzt, tut er dies nicht, dann zeigt er damit, das er kein Wissenschaftler ist und mit seinem Text ein anderes Ziel als das Ziel des Erkenntnisgewinns anstrebt, nämlich in diesem Fall die Manipulation der öffentlichen Meinung. Solange es aber noch Wissenschaftler in Deutschland gibt, die dem Kanon der Wissenschaft wie ihn z.B. Karl Raimund Popper beschrieben hat, unterschreiben, wird dieser plumpe Versuch der Manipulation nicht erfolgreich sein.