Headbanging I: Enge Kulturen

Wir üben uns heute in der Kunst des “headbangings”, eine Kunst, die unter Heavy Metall Fans weit verbreitet ist. Auf Betrachter wirkt Headbanging wie der kontinuierliche Versuch, allen Unsinn der Welt aus seinem Gehirn zu schütteln, und in dieser Variante rufen wir heute zum “headbanging” auf.

Headbanging I:

Soo Min Toh und Geoffrey Leonardelli berichten im Blog der Harvard Business Review von ihrer Arbeit.

Ihre Arbeit hat Strategien, um Frauen in Führungspositionen zu befördern, zum Gegenstand. Der Begriff “Strategie” wird neuerdings in der Bedeutung von Manipulation zuweilen auch in der Bedeutung von Zwang benutzt. Beide Bedeutungen finden sich bei Min Toh und Leonardelli.

HeadbangingMin Toh und Leonardelli haben nämlich Kulturen im Hinblick auf ihre kulturelle Enge (Tightness) untersucht, wobei sie mit kultureller Enge den Grad meinen, in dem geltende Normen klar sind und von den Autoritäten durchgesetzt werden. Enge Kulturen finden sich in Pakistan, China und in Deutschland, offene (loose) Kulturen in den USA, Kanada und Neuseeland.

Wenn man nun den Anteil von Frauen in Unternehmensleitungen erhöhen will, weil man beschlossen hat, dass man das will, dann gibt es, wie Min Tog und Leonardelli schreiben, zwei vermeintliche Strategien, die von der Kultur abhängig sind: In offenen Kulturen müsse man irgendwie weibliche Führervorbilder schaffen, um Frauen, die aufgrund ihres evolutionären Erbes nicht glaubten, zum Führer zu taugen, zu zeigen, dass es doch geht – oder so. In engen Kulturen wie Deutschland ist das nicht notwendig: Hier reiche staatlicher Zwang, denn: wenn die Autoritäten einen Frauenzwang in Unternehmensleitungen einführen, beeilen sich alle, dem neuen Zwang auch Rechnung zu tragen.

Nun zum Headbanging:

“Such strong policy is unlikely to be seriously considered or successful in looser societies. Authorities are more likely to put forth quotas with weak or no sanctions, and the citizenry maybe more resistant, preferring to let capable women rise through the ranks organically“.

Zwang ist also das Mittel der Wahl, wenn ohne Rücksicht auf Verluste und vor allem ohne Rücksicht auf die Fähigkeiten von Frauen, Letztere in Führungspositionen gehievt werden sollen. Das Mittel ist für enge Kulturen wie Deutschland geeignet. Dagegen sieht in offenen Kulturen wie den USA die Bevölkerung doch lieber fähige Personen an der Spitze von Unternehmen.

Eine bessere Beschreibung dessen, worum es bei der sogenannten Frauenförderung geht, haben wir bislang nicht gefunden!

 

Headbanging II: Soziologen und Akif Pirincci

Wissenschaftliche Begleitung in Prozentrechnen

Derzeitige Inhaber politischer Positionen zeichnen sich durch eine Uniformität aus, die es Betrachtern nahezu unmöglich macht, personelle Wechsel nachzuvollziehen oder überhaupt zu bemerken. So unterscheidet sich weder der Duktus noch der Inhalt dessen, was gerade aus dem Bundesministerium für FSFJ kommt, von dem, was vor zwei, fünf, zehn Jahren aus diesem Ministerium gekommen ist. Der derzeitige Darsteller auf dem Ministerposten hat offensichtlich denselben Redenschreiber und in jedem Fall nichts anderes zu sagen als die vorhergehenden Darsteller.

“Wir”, so wird vom neuen Positionsinhaber, der sich Manuela Schwesig nennt, verkündet, “Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen auch in Bundesunternehmen”. Wer hätte das gedacht: “Wir” brauchen mehr Frauen in Führungspositionen. Das alle einschließende “Wir” ist eines der Markenzeichen feministischer und sozialistischer Ideologien, deren Zweck generell darin besteht, das Heil für alle zu verkünden. Also brauchen “Wir” mehr Frauen in Führungspositionen, wahlweise brauchen wir auch eine Reform der Minijobs, das, was wir brauchen, hängt generell davon ab, was diejenigen, die wissen was “wir” brauchen, gerade für sich selbst als vorteilhaft ansehen.

Wozu brauchen wir mehr Frauen in Führungspositionen? Das weiß die derzeitige Darstellerin auf dem Ministerposten auch nicht. Aber die Frage, wozu man mehr Frauen in Führungspositionen benötigt, welcher Nutzen sich damit verbindet, ist im Rahmen feministischer Heilslehre auch Häresie, und von daher ist nicht zu erwarten, dass sie von den Günstlingen, die den Minister-Darsteller umgeben, gestellt wird.

“Mit dem Gesetz zur gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen wird ein längst überfälliger Schritt getan. Es geht uns darum, dass aus einer Selbstverständlichkeit endlich Realität wird: Dass Frauen nämlich ebenso wie Männer Führungsverantwortung übernehmen. Dabei werden wir sehr genau auch auf die Regelungen für Unternehmen der Öffentlichen Hand achten. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen muss signifikant besser werden. Der Public WoB-Index wird uns dabei helfen, die Entwicklung transparent zu machen.”

Das angesprochene Gesetz, das der Deutsche Bundestag wohl im August verabschieden wird, falls nicht doch jemandem einfällt, die Einschränkung der unternehmerischen Freiheit zu thematisieren, die dieses Gesetz darstellt, was im Sozialismus wenig wahrscheinlich ist, ist nicht Gegenstand dieses Posts.

Wir wollen uns dem WoB-Index widmen.

Der WoB-Index ist der Women on Board-Index. Der Women-on-Board-Index wurde gerade im Rahmen einer “Studie” erfunden, die von der Lobbygruppe “FidAR, Frauen in Aufsichtsräten” durchgeführt und mit Sicherheit vom Ministerium für FSFJ finanziert, und “durch den von FidAR beauftragten Kooperationspartner, die Juniorprofessur für Public Management an der Universität Leipzig” (10) begleitet wurde.

Fidar ProzentrechnenDie Kooperation von Seite 10, die von einer “Juniorprofessur” erbracht wurde, ist auf Seite 2 eine “wissenschaftliche Begleitung bei der Erhebung, Aufbereitung und Auswertung der Daten”, die “Jun.Prof. Dr. Ulf Papenfuß” geleistet hat. Autoren sind Monika Schulze-Strelow und Jutta von Falkhausen von FidAR, die offensichtlich nicht in der Lage waren, selbst die Datenerhebung, Datenaufbereitung und Datenauswertung durchzuführen.

Warum nicht? Vielleicht, weil die Datenerhebung, -aufbereitung und -auswertung, die letztlich in den WoB mündet, nichts anderes als krude, simple und jedem Sechstklässler geläufige Prozentrechnung ist. Der WoB ist nämlich nichts anderes als die Anzahl der weiblichen Mitglieder in Aufsichtsrat oder “Top-Management” geteilt durch die Anzahl aller jeweiligen Gremienmitglieder und multipliziert mit 100.

Für derat umfangreiche und komplexe Berechnungen benötigt man heute eine “wissenschaftliche Begleitung”. Und natürlich benötigt man die “wissenschaftliche Begleitung” auch für die “Datenerhebung”, die darin besteht, Unternehmen, an denen Bund oder Länder eine Beteiligung haben, aus dem entsprechenden Beteiligungsbericht zu entnehmen, deren Web-Page aufzurufen und die Seite auszudrucken, der die Mitglieder des jeweiligen Aufsichtsrats und des “Top-Managements” zu entnehmen sind. Hochkomplexe Tätigkeiten wie die genannten, können nicht von den Damen Schulz-Strelow und von Falkenhausen durchgeführt werden. Nein, dazu bedarf es einer “wissenschaftlichen Begleitung”.

Sind die vermeintlich komplexen Informationen, die sich über einfache Prozentrechnung erzielen lassen, dann erst einmal erzielt, so werden sie in einen  “WoB-Index” überführt. Das klingt dann richtig kompliziert und täuscht nicht nur umfangreiche Berechnung und tiefgründige Überlegung vor, nein, es zeigt auch, dass die wissenschaftliche Begleitung in einem Punkt versagt hat: dem Index. Ein Index ist nämlich ein zusammenfassendes Maß, in dem mehrere Informationen kombiniert und verarbeitet werden: Die Preissteigerung über Warengruppen und Dienstleistungen z.B. im Preisindex, die Entwicklung der 100 größten deutschen Aktiengesellschaften im DAX. Kurz: Ein Index gibt eine Veränderung über eine repräsentative Reihe von individuellen Werten wieder.

Deshalb ist der WoB-Index kein Index, es sei denn, den Machern schwebt mehr ein Pranger vor, eine Art schwarze Liste, auf die Unternehmen gesetzt werden, öffentliche im vorliegenden Fall. Genau: 225 öffentliche Unternehmen von 14000, an denen Bund, Länder oder Kommunen einen Anteil haben: also 1,6% aller Beteiligungsunternehmen, die von den Autoren behandelt werden als seien sie repräsentativ für die Unternehmen mit Bundesbeteiligung.

Das ist dann gleich der nächste Lapsus, der der wissenschaftlichen Begleitung von Juniorprofessor Ulf Papenfuß entgangen ist. Die magere Zahl von 225 Unternehmen ist in keiner Weise repräsentativ für die 14000 Unternehmen, an denen die öffentliche Hand beteiligt ist. Das kann man gefahrlos behaupten, denn den Künstlern von Fidar und der “Juniorprofessur für Public Management” ist es nicht einmal in den Sinn gekommen zu prüfen, ob die Auswahl, die sie getroffen haben, in irgend einer Weise repräsentativ für die nicht berücksichtigten Unternehmen ist.

PercentageEntsprechend sind die Ergebnisse, die der vermeintlich komplexen Prozentrechnung, für die wissenschaftliche Begleitung erforderlich war, entnommen werden können, das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Sie sind bestenfalls eine Momentaufnahme, die keinerlei Wert für sich hat, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Dunkelfeld der nicht berücksichtigen Unternehmen systematisch von den untersuchten Unternehmen abweicht. Die Ergebnisse sind ein Beispiel für den Fehlschluss der “hasty generalization”. Anders formuliert: Das BMFSFJ hat gerade wieder Steuergelder dazu verschwendet, das eigene Günstlingsnetzwerk zu unterhalten, den Lobbyverband FiDAR durchzufüttern und im Gegenzug eine komplett nutzlose Studie erhalten.

Aber wir leben in einer Zeit, in der die Kenntnisse in Logik, Methoden und Statistik, die Kenntnisse zu Reichweite und Aussagekraft von Ergebnissen nicht weit verbreitet sind. Am wenigsten sind diejenigen, die gerade den Minister geben dürfen, von entsprechenden Kenntnissen belastet, weshalb sie lauthals und voller Überzeugung und basierend auf komplexen Prozentrechnungen eines weitgehend willkürlich zusammengewürfelten Haufens von Unternehmen verkünden, was “Wir” brauchen.

Wir wissen nicht, was Sie, also unsere Leser brauchen, aber wir wissen was “wir”, ScienceFiles, brauchen, wir brauchen eine Intelligenzinitiative anstelle einer Exzellenzinitiative, und wir brauchen eine Quote: Darsteller ministerieller Rollen müssen einen IQ jenseits von mindestens 75 nachweisen.

Na dann lasst uns munter diskriminieren: Neue Studie mit überraschenden Ergebnissen

In der Märzausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie ist ein “Was?”-Artikel, ein Beitrag, bei dem man nach wenigen Zeilen und dann regelmäßig, “Was?” fragt. Ein Beitrag, der uns zudem dazu motiviert hat, Brownie Points als Bewertungssystem für wissenschaftliche Beiträge einzuführen. Insgesamt gibt es fünf Brownie Points pro Beitrag zu erreichen. Der Beitrag, den wir hier besprechen, hat es auf 4 Brownie Points in unserer Bewertung gebracht (Inter-Koder-Reliabilität bei .99).

Kölner Zeitschrift für Soziologie und SozialpsychologieDer Beitrag trägt den Titel “Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregelungen sinnvoll sind” und wurde von Volker Müller-Benedict verfasst. Das Ziel des Beitrags ist es zu zeigen, “dass nicht-ökonomische Institutionen sich bei der Auswahl ihres Personal Diskriminierung leisten können, ohne den Erfolg ihrer Arbeit zu beeinträchtigen” (116).

Was?

Der Reihe nach.

Der Beitrag beginnt mit einer Definition von Meritokratie als Prinzip, das Bewerber nach Fähigkeiten und nicht mehr nach Stand auf Positionen zuordnet (Was? Meritokratie basiert auf Leistung, nicht auf Fähigkeit…). Diese Auswahl der Besten, so Müller-Benedict, sei jedoch nur notwendig, wenn “Kosten und Nutzen der Ausgewählten für den Erfolg der Institution wichtig sind” (116). Ein Beispiel für eine Auswahl, die nach seiner Ansicht nicht nach dem meritokratischen Prinzip funktioniert, ist die Immatrikulation an einer Universität, denn: “[s]olange die Zahl und Qualität der abgehenden Studierenden einer Universität nichts mit ihrer Ausstattung oder Reputation oder anderen Zielen zu tun hat, erübrigt sich eine Eingangsselektion” (116).

Was?

Wozu gibt es dann einen Numerus Clausus, wozu gibt es die Zentrale Studienvergabe? Alles unnötige Kosten? Und wozu ist es notwendig, ein Abitur als Hochschulreife zu erwerben? Alles Unfug. Und davon, dass Universitäten Reputation über die geleistete Forschung, die Forschungsleistung ihres wissenschaftlichen Personals generieren, hat Müller-Benedict offensichtlich auch noch nie etwas gehört.

sycophantAber weiter im Text, in dem wir nunmehr erfahren, dass Meritokratie nur bei Konkurrenz funktioniert und nur dann, wenn eine Steuerung über den Preis einer Leistung erfolgen kann. Dennoch gebe es Lohnunterschiede und unterschiedliche Auswahlkriterien für Männer und Frauen, die “sehr dauerhaft” seien, weiß Müller-Benedict und provoziert damit ein: “Was?”, schon weil er jeden Beleg für sein Wissen schuldig bleibt, ganz entgegen aller wissenschaftlichen Standards. Aber, er braucht diese unbelegte Behauptung ja auch nur, um seinen Beitrag an etwas anzuhängen, was zumindest ihm relevant vorkommt und was garantiert, dass er bei der Zielgruppe seines Beitrags auch einen Wohlgefallens-Bonus erhält.

Und das, will Müller-Benedict in seinem Beitrag zeigen: dass das meritokratische Prinzip ungeeignet ist, um “Diskriminierung auf lange Sicht verschwinden zu lassen (117)”.

Was? (musste jetzt sein)

Dazu lernen wir zunächst, dass “inbsesondere Bildungsinstitutionen” seit der “neoliberalen Öffnung von Bildungsmärkten unter einer Art Konkurrenz stehen” (120; eine Voraussetzung für das meritokratische Prinzip), aber das nutzt nichts, denn “funktional gesehen (Was?) simuliert das Bildungssystem für Ausbildung die Abläufe im Wirtschaftsystem nur” (121). Also: Das meritokratische Prinzip kann nach Ansicht von Müller-Benedict an Universitäten nicht funktionieren, weil es zu wenig neoliberale Öffnung gibt.

Deshalb werden Universitäten und andere Bildungsinstitutionen dann, wenn sie diskriminieren, d.h. für Müller-Benedict, dass sie weniger geeignete Bewerber einstellen, weil ihnen die weniger geeigneten aus welchen Gründen auch immer besser gefallen, nicht bestraft. Und das will er belegen, und zwar mit einem mathematischen Modell, das auf normalverteilten Abiturnoten basiert und somit auf der Annahme, dass alle Bewerber auf eine Stelle ein kleines normalverteiltes Abbild der Gesamtheit darstellen.

Hier nun führt Müller-Benedict seine Form der Diskriminierung ein. Sie besteht aus folgender Erkenntnis: “Frauen müssen besser sein als Männer” um eingestellt zu werden, die auf Seite 123 ganz ohne Beleg, quasi als phantasierte Diskriminierung daherkommt (also ein “Was?” provoziert). Aber, wir wollen nicht unfair sein, denn auf Seite 120 schreibt Müller-Benedict: “dass von Frauen wegen der Möglichkeit schwanger zu werden oder wegen unterstellter häufigerer familiärer Verpflichtungen implizit verlangt wird, dieselbe Leistung [wie Männer] in kürzerer Zeit zu erbringen” (abermals ein: “Was?). Woher stammt nun diese erstaunliche Erkenntnis? Sie stammt aus einer Publikation des Bundesministeriums für alle außer Männern. Müller-Benedict hat sich seine vier Brownie-Points redlich verdient (vielleicht darf er demnächst ja ein Gutachten für das Ministerium für alle außer Männern verfassen).

Um seine wilde These zu prüfen, führt Müller-Benedict die folgende Formel ein, die ausgereicht haben dürfte, um die Reviewer bei der KfZSS ins Bockshorn zu jagen. Wir haben die Formel gleich in den Kontext gestellt (die Abbildung darüber, um ein “Was?” zu sparen.)

Mueller-Benedict

Die Abbildung stellt die Verteilung der Abiturnoten dar, je besser die Abiturnoten, desto weiter oben die Bewerber. A steht für akzeptiert und R für zurückgewiesen (rejected), S beschreibt Bewerber, die erfolgreich sind in der Position, für die sie ausgewählt werden, F solche, die ein Reinfall für das Unternehmen sind. GB und GW sind Anteile von Schwarzen (black) und Weißen (white). Sie dienen Müller-Benedict als Maß der Diskriminierung. Sind GB und GW bezogen auf die jeweiligen Bewerber gleich, dann liegt keine Diskriminerung vor, ist es anders, dann liegt Diskriminierung entweder von Schwarzen oder Weißen vor.

Was? Richtig: Im Modell von Müller-Benedict sind keine individuellen Unterschiede vorgesehen. Müller-Benedict vergleich  Gruppen und nicht Indiduen, was zur Konsequenz hat, dass Meritokratie verschwindet, denn Meritokratie kann es nur mit Bezug auf ein Individuum, nicht in Bezug auf eine Gruppe geben.Wenn sich fünf dumme Ws und fünf schlaue Bs auf zwei Stellen bewerben und zwei schlaue Bs werden akzeptiert, dann ist dies für Müller-Benedict eine Diskrminierung der Ws als Gruppe. Wir erinnern uns an seine Normalverteilungsannahme: Sie dient dazu, individuelle Unterschiede zu beseitigen und kollektives Denken zu rechtfertigen.

Müller-Benedict vaiiert nun munter die Anteile von B und W und untersucht, wie sich die Manipulation bei angenommener Normalverteilung auf die Erfolgsquote auswirkt, und siehe da, oh Wunder, sie wirkt sich kaum bis gar nicht aus. Und deshalb folgert Müller-Benedict, dass ein Verstoß gegen das meritokratische Prinzip an nicht-ökonomischen Institutionen nicht geahndet wird, dass Diskriminierung also die Leistung der Institution als Ganze nicht beeinträchtigt. Und deshalb sei die Beseitigung von Diskriminierung eine normative Frage und Quoten seien das richtige Mittel dazu!

Was?

reductioZunächst die reductio ad absurdum: Müller-Benedict will gezeigt haben, dass sich Diskriminierung nicht auf die Erfolgsquote von Institutionen auswirkt. Wenn man also die Folgen einer Diskrminierung nicht messen kann, woher weiß man dann, dass überhaupt eine Diskriminierung vorliegt? Hätte Müller-Benedict mit seiner Analyse Recht, das Problem, das er gelöst haben will, hätte es nie gegeben.

Dann das “neoliberale” Argument. Wenn die Öffnung von Bildungsinstitutionen, der Wettbewerb zwischen ihnen aufgrund geringer Transparenz und z.B. deswegen, weil Studenten keine Studiengebühren zahlen, die Universitäten zwingen würden, um Studenten zu konkurrieren, nicht ausreicht, um die Durchsetzung des meritokratischen Prinzips zu garantieren, wie Müller-Benedict behauptet, dann folgt aus seiner Argumentation, dass die Ausrichtung von Universitäten an ökonomischen Indikatoren nicht weitreichend genug ist.

Es ist es für einen Sozialforscher vernichtend, wenn er das Phänomen, das er zu erforschen gedenkt, entweder aus seiner Phantasie nimmt oder aus der Phantasie anderer, in jedem Fall keine Anstalten macht, zu prüfen, ob z.B. die geringere Anzahl von weiblichen Professoren etwas mit Diskriminerung zu tun hat. Wenn Müller-Benedict demnächst in einem mathematischen Modell zeigt, dass die tatsächliche Diskriminierung von Männern, die er an die Stelle der phantasierten Diskriminerung von Frauen setzen will, von Gott gewollt ist, dann würde uns das nicht wundern.

Dass eine Ungleichverteilung kein Indiz für eine Diskriminierung ist, sollte einem Soziologen bekannt sein, wenn es ihm nicht bekannt ist, dann sollte er sich zu seinen Studenten im ersten Semester setzen und nachholen, was er offenkundig nicht weiß.

Fazit: Müller-Benedict phantasiert sich ein Modell zusammen, um ein Problem zu lösen, das es nicht gibt und folgert daraus, politisch für bestimmte Ideologen nützlich, dass Quoten gut sind, wenn man phantasierte Diskriminierung benutzen will, um selbst zu diskriminieren. Aber dass Müller-Benedict Legitimation liefert, die dazu genutzt werden kann, nunmehr Männer bewusst zu diskriminieren, um eine nicht belegte Diskriminierung, die es nach allen vorliegenden Ergebnissen, wie sie z.B. Catherine Hakim produziert hat, nicht gibt, zu beseitigen, macht nichts, denn die Bildungsinstitution leidet ihn ihrer Erfolgsquote nicht, wie Müller-Benedict gezeigt haben will.

Also lasst uns munter Männer diskriminieren, die Universitäten in Deutschland können kaum mehr schlechter werden. Was? Ja: Man denkt an Müller-Benedict und glaubt es.

Müller-Benedict, Volker (2014). Grenzen der Meritokratie oder warum Quotenregulierungen sinnvoll sind. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 66(1): 115-131.

Holtkamps Erzählungen: In Magdeburg ist die Welt noch in Ordnung

Die Ratsherren in Magdeburg werden sich freuen, sind sie doch gerade als letzte aus einem Ranking hervorgegangen, das die Heinrich-Böll-Stiftung finanziert und das Lars Holtkamp und Elke Wiechmann durchgeführt haben.

Fernuni HagenHoltkamp besetzt an der Fernuniversität Hagen einen Lerhstuhl und beschäftigt sich mit Fragen der Kommunalpolitik und der kommunalen Verwaltung. Wiechmann ist seit 2008 akademischer Rat am Lehrstuhl für Politik und Verwaltung von Lars Holtkamp an besagter Fernuniversität Hagen. Beide haben sich seit 2008 zusammengetan, um für die Heinrich-Böll-Stiftung ein Genderanking zu erstellen.

Man kann also getrost feststellen, dass Holtkamp und Wiechmann Wasserträger der Heinrich-Böll-Stiftung sind und am deutschen Genderwerk mitarbeiten. Als Wissenschaftler, der sich mit Kommunalpolitik beschäftigt, wird es Holtmann vielleicht bekannt sein, dass Parteien um so erfolgreicher sind, je mehr lokale Gliederungen sie errichten können. Lokale Gliederungen sind notwendig, um Präsenz vor Ort zu demonstrieren und das Wort zu verbreiten: Damit Unbeteiligte den Eindruck haben, das, was eine bestimmte Partei von sich gibt, sei auch lokal von Relevanz und falle auch lokal auf fruchtbaren Boden.

Black oilMit Ideologien ist es, wenig überraschend, wie mit Parteien. Auch sie bedürfen derjenigen, die das Wort verbreiten, die sich als Wasserträger in den Dienst der großen Sache stellen, sei es die Sache der Bundespartei, sei es die Sache beliebiger Ideologen. Dass es Genderisten in Deutschland gelungen ist, sich in Gremien und Ämtern festzusetzen, dass es gelungen ist, Genderisten auf Kosten von Steuerzahlern zu mästen, sie auf Kosten von Steuerzahlern in Posten zu hieven und sie über die unterschiedlichsten Netzwerke, die kaum jemand mehr überschauen kann, querzufinanzieren, ist der Tatsache zu verdanken, dass es eine Reihe von intellektuellen Wasserträgern gegeben hat und gibt, die die Nachricht der Genderisten: Frauen sind benachteiligt, landauf und landab verkünden und mit der Verkündung einen gewissen Obolus verdienen.

Holtkamp und Wiechmann gehören zu dieser Klasse von Multiplikatoren, die ihre Aufgabe darin sehen, die Gender-Botschaft (vor allem) an den Mann zu bringen. Holtkamp und Wiechmann sind mehr als das. Sie sehen sich als Aufpasser. Aufpasser treten dann auf den Plan, wenn eine Ideologie mit einem totalitären Anspruch sich in einer Gesellschaft festgesetzt hat. Beispiele sind die Politkommissare Lenins und Stalins, die nahezu jeden Lebensbereich penetriert haben, die IMs der ehemaligen DDR sind ein anderes Beispiel, die Wasserträger des Genderismus sind das jüngste Beispiel.

Aufpasser wachen darüber, dass die heiligen Worte der Gender-Botschaft auch auf den Buchstaben genau umgesetzt werden und wenn sie es nicht werden, dann sind es die Aufpasser, die eine Hierarchie der Eskalation begründen, die je nachdem, wie etabliert die entsprechende Ideologie bereits ist und je nachdem, wie totalitär ihre Herrschaftsmethoden bereits sind, vom öffentlichen Anprangern, über öffentliche Sanktionen bis hin zu rigideren Maßnahmen reichen.

Um dieses Zusammenspiel zu verdeutlichen, muss man sich nur daran erinnern, dass die Bundesregierung in ihrer “Nationalen Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung” die Möglichkeit vorsieht, Unternehmen, die sich nicht an die entsprechenden Vorgaben der so genannten Corporate Social Responsibilty halten, von öffentlichen Ausschreibungen auszuschließen. Natürlich ist das Ganze harmloser formuliert: “Die Bundesregierung wird das Kriterium der Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung festigen und weiterentwickeln. Mit der im Gesetz zur Modernisierung des Vergaberechts (2009) geschaffenen Neuregelung können öffentliche Auftraggeber zusätzliche Anforderungen in sozialer und ökologischer Hinsicht an Auftragnehmer stellen, wenn diese in sachlichem Zusammenhang mit dem Auftragsgegenstand stehen” (31). Ob man bald nur noch öffentliche Aufträge erhält, wenn z.B. die Frauenquote eingehalten ist?

Zu Durchsetzung einer Ideologie, die einen totalen Geltungsanspruch hat und keinerlei Toleranz oder Akzeptanz für Abweichung aufbringt, sind Aufpasser entsprechend wichtig. Holtkamp und Wiechmann sind solche Aufpasser. Sie verteilen Fleißkärtchen an die Guten und keine Fleißkärtchen an die nicht-Guten, und zwar im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung.

In diesem Sinne haben die beiden das Genderranking 2013 veröffentlicht, und zwar zu einem idealen Zeitpunkt, wie Sabine Drews, Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung bei der Heinrich-Böll-Stiftung feststellt, finden doch 2014 eine Reihe von Kommunalwahlen statt, die genutzt werden können, “um die Gleichstellung bei kommunalen Mandaten voranzubringen”.

HBS_logo_de_390x53Totalitäre Ideologien wie der Genderismus haben noch ein weiteres Merkmal, das sie eindeutig identifiziert: Sie verkünden das Heil und begründen nichts. Der Anteil der Frauen in kommunalen Ämtern hat dem der Männer zu entsprechen oder ihn zu übertreffen. Warum? Ja, warum? Weil die Genderisten es so wollen? Weil am weiblichen Wesen kommunale Finanzen genesen sollen? Weil es an sich gut ist, wenn Frauen überall beteiligt sind? Niemand weiß es. Niemand hat sich bislang dafür interessiert, welchen Nutzen ein höherer Frauenanteil für kommunale Politik bringt: Sind Kommunen mit mehr Frauen in Ratssesseln höher oder weniger verschuldet? Geht mit einem steigenden Frauenanteil eine schlechtere oder bessere Kommunalpolitik einher? Niemand weiß es und niemand interessiert sich dafür, denn es geht darum, die fixe Idee der Genderisten in die Tat umzusetzen.

Nicht einmal Wissenschaftler, die Holtkampf und Wiechmann doch sein wollen, interessieren sich für das Warum. Sie tun brav und artig, was ihnen aufgetragen wurde, sammeln den Frauenanteil für 79 Kommunen und erstellen ein Ranking. Wozu erstellen sie dieses Ranking, wenn sich damit keinerlei fassbarer, empirischer Nutzen verbinden lässt? Die Antwort ist eindeutig: Das Ranking hat eine Prangerfunktion. Die, die von der Vorgabe der heiligen Genderschrift abweichen, sollen öffentlich gemacht und bloßgestellt werden. Die beiden Wissenschaftler von der Fernuni Hagen finden offensichtlich nichts dabei, sich am Gendertreiben zu beteiligen und dafür alle Werte, die Wissenschaft auszeichnen, sei es die theoretische Fundierung, sei es die empirische Relevanz, die letztlich Erkenntnisgewinn ist, zu verleugnen.

Und sie sehen sich nicht nur als Aufpasser, sie machen sich auch zum Richter über die Städte, für die sie nichts anderes erhoben haben, als die Anzahl von Frauen in kommunalen Ämtern:

“Siegerin in unserem aktuellen Genderranking ist die Stadt Trier. 2008 lag die Stadt noch auf Platz 47 im ersten Genderranking. Nun sind 45,5% Frauen im Trierer Stadtrat vertreten. Das liegt insbesondere daran, dass die SPD und die Grünen ihre Frauenquoten übererfüllen. Auch in den Spitzen dominiert die Geschlechterparität. So sind 50% der Fraktionsvorsitzenden und sogar zwei Drittel der Dezernent/innen weiblich. Die Klassenletzte des dritten Rankings ist die Stadt Magdeburg. Hier sind Frauen in Führungspositionen eine Rarität. Alle Beigeordneten sind hier Männer, alle Fraktionsvorsitzenden sind Männer, und auch die 13 Ausschussvorsitze werden mit 12 Männern und lediglich einer Frau besetzt. Selbst der Vorsitz und der stellvertretende Vorsitz des Ratsausschusses für Familie und Gleichstellung werden von Männern bekleidet. Von modernen Gleichstellungsnormen sind die lokalen Parteien in Magdeburg also noch weit entfernt” (11-12).

Inhaber wissenschaftlicher Positionen sind sich wieder einmal nicht zu schade dafür, die ideologische Drecksarbeit zu machen. Sie sind wieder einmal in erster Reihe, wenn es darum geht, Bewertungen ohne jegliche empirische, dafür aber mit ideologischer Relevanz zu machen. Sie verkünden die frohe Botschaft der Parität von Männlein und Weiblein, von der Wissenschaftler doch angeben können sollten, wofür sie überhaupt gut ist und welchen Nutzen sie z.B. einer Kommune zu bringen im Stande ist, und merken dabei nicht einmal, dass die Parität dann, wenn zwei Drittel der Dezernenten weiblich sind, durchaus nicht eingehalten ist.

Ja, wenn man sich wie Holtkamp und Wiechmann in höherem Auftrag ereifert und nicht in so bodenständigen Angelegenheiten wie wissenschaftlicher Methode oder empirischem Nutzen unterwegs ist, dann merkt man nicht einmal, dass es auch kein Indiz für eine moderne Gleichstellunsgnorm wäre, wenn Frauen den Vorsitz des Ratsausschusses für Familie und Gleichstellung in Magdeburg besetzen würden. Das wäre eher Ausdruck einer doch gänzlich traditionellen Gleichstellungsnorm, aber es wäre im Einklang mit den Genderismus, denn der ist in keiner Weise modern, so wenig modern, wie es die totalitären Systeme vor ihm waren.

MagdeburgInhaber wissenschaftlicher Positionen verteilen Noten und Bewertungen in unglaublich arroganter und gänzlich undemokratischer Manier, denn ein Mandat dafür, ein Genderanking zu erstellen, haben sie ebensowenig wie sie eine Begründung dafür vorweisen können, warum ein höherer Anteil von Frauen in kommunalen Spitzenpositionen einen Nutzen für die davon betroffene Stadt haben soll. Aber so ist das eben mit Ideologen: Sie haben eine Sendung, einen Auftrag, keine Gründe. Sie verkünden das Gute und welcher Nutzen damit einhergeht, nun, das ist eine Frage, auf die sie in ihrem Sendungsbewusstsein bislang noch nicht gestoßen sind. Aber selbst wenn Holtkamp und Wiechmann darauf gestoßen wären, hätten sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht thematisiert, warum? Prostituierte wenden sich ja auch nicht gegen Freier… Aber vielleicht hätte sie der fehlende Nutzen auch gar nicht gestört, nämlich dann nicht, wenn bei Ihnen die Gesinnung an die Stelle wissenschaftlicher Lauterkeit getreten ist.

Die Top-Ten des invertierten Genderranking sieht übrigens wie folgt aus:

  1. Magedeburg
  2. Duisburg
  3. Recklinghausen
  4. Mönchengladbach
  5. Bergisch-Gladbach
  6. Krefeld
  7. Regensburg
  8. Göttingen
  9. Solingen
  10. Salzgitter

Signs and Wonders: Dem Präsident des Deutschen Arbeitgeberverbandes reicht es

Die Woche fängt gut an, und zwar mit einer direkten Nachricht eines Lesers auf Facebook, der uns wiederum auf einen Beitrag von Peter Schmidt aufmerksam gemacht hat. Peter Schmidt, so haben wir uns gefragt, Peter Schmidt, den kennen wir doch, von einer Tagung der International Sociological Association damals in Montréal. Aber, nein, nicht dieser Peter Schmidt, ein anderer Peter Schmidt ist es, auf den uns unser Leser hingewiesen hat, ein Peter Schmidt, den man sich auch merken muss, denn das, was er schreibt, ist der Lichtblick des Tages, ja der Woche.

Peter Schmidt, Präsident des Deutschen Arbeitgeberverbandes, hat genug. Er hat die Nase gestrichen voll, und er findet deutliche Worte. Allein das, macht in im Deutschland der mediokren Einheitsmeiner zu etwas Besonderem.

DAVQuoten, so überschreibt Peter Schmidt seinen Beitrag, “der Einstieg in den Ausstieg aus der freiheitlichen Gesellschaft…” und das macht deutlich, warum es Peter Schmidt reicht: Es geht ihm um den Verlust der Freiheit. Er beklagt, was wir auf ScienceFiles schon seit nunmehr knapp drei Jahren kritisieren: Den stetigen und unaufhörlichen Verlust von Freiheit, die kontinuierliche Erosion selbstverantwortlicher Lebensentwürfe und deren Transformation in nutznießserische Transfer-Marionetten, die man mit einem Zug am Transfer-Faden in die eine wie die andere Richtung lenken kann.

Und Peter Schmidt verzweifelt an demselben, an dem auch wir verzweifeln:

“Wie kommt es, dass eine ganze Gesellschaft sich klaglos in die schleichende Entmündigung begibt? Wie kommt es, dass Unternehmer, die tragende – und finanzierende – Säule, mit Unglauben oder Fatalismus, in jedem Fall aber ohne Gegenwehr, immer stärkere Eingriffe in die unternehmerische Freiheit akzeptieren?”

Anders als ScienceFiles gibt Peter Schmidt jedoch keine Antwort auf diese Frage. Und wir wollen seinen Post zum Anlass nehmen, um eine Antwort zu geben, die auf Thomas Schelling zurückgeht. Thomas Schelling hat ein einfaches Modell entwickelt, um zu erklären, wie es zu Rassen-Segregation in Wohngebieten kommt. Wir wollen sein Modell etwas abwandeln und einen Tipping Point ergänzen, um zu erklären, wie es dazu kommt, dass in einer Gesellschaft die Freiheit eines eigenverantwortlichen Lebens zu Gunsten einer Abhängigkeit vom staatlichen Pater Familias oder heute besser: vom Nanny State aufgegeben wird.

Schelling SegregationMan stelle sich dazu eine Schachbrett vor, auf dem schwarze Steine verteilt sind. Die schwarzen Steine stellen Spieler dar, die ein eigenverantwortliches Leben führen wollen und für die Fairness und gerechte Entlohnung für ihre Anstrengung ein wichtiger Wert in ihrem Leben ist. Nun verteilen wir auf dem Spielbrett ein paar weiße Steine, die für Spieler stehen, die vom System nutznießen wollen. Sie wollen von Transfer und mit so wenig Aufwand wie möglich leben. Es gibt sie als reine Transferempfänger, als lebenslange Mamas, als Funktionäre, als ideologische Nutznießer, die sinnlose Seminare zu noch sinnloseren Themen anbieten. Das Nutznießen von Steuergeldern hat viele Gesichter. Sie alle eint der Versuch, sich ohne allzuviel Aufwand zu bereichern. Setzen wir also einen weißen Stein auf ein Feld.

Jetzt hat sich die Welt für die angrenzenden schwarzen Spieler verändert. Sie sind mit einem weißen Spieler konfrontiert, der aus ihrer Sicht unfair hohe Auszahlungen für wenig oder gar keine Leistung erhält. Je nach dem Toleranzlevel, das die angrenzenden Spieler haben, werden sie früher oder später denken: “Ja bin ich denn dumm?” und ins weiße Lager wechseln und je mehr angrenzende Spieler ins weiße Lager überwechseln, umso mehr schwarze Spieler werden sich die Frage stellen: “Ja bin ich denn dumm?”. Und das Ende kann sich jeder selbst ausrechnen.

Mit anderen Worten, warum wehren sich so wenige dagegen, dass ein stetiger Strom so genannter Gesetzgebung ihre Freiheit reduziert? Weil so viele von diesem Staat, der Freiheit stiehlt, finanziell abhängig sind und profitieren. Ganze Wohngebiete der Mittelschicht hängen auf die ein oder andere Weise am Tropf des Staates und seiner Subventionen, und wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Insofern ist es wohltuend, dass Peter Schmidt den Mut hat, den Mund aufzumachen, wohlwissend, dass er sich damit in die Minderheit derer begibt, die den Mund aufmachen.

Mehr noch: Er hat den Mut zu folgendem Satz:

“Weibliche Politiker vom kommunistischen Rand bis zur CSU stehen untergehakt und solidarisch für staatliche Regulierung.”

Der Mann hat wirklich Mut, und wir wetten, ab heute gilt er als Masku oder als Antifeminist. Aber was er ausspricht, ist ein wiederkehrendes Forschungsergebnis, das Sozialwissenschaftler immer und immer wieder repliziert haben. Wenn es darum geht, sich dem Staat zu überantworten, in die schützenden Arme des Pater Familias zu flüchten, dann ist niemand schneller als vermeintlich nach Emanzipation strebende Frauen.

Horkheimer FamiileDie Forschungen von Max Horkheimer und seiner Mitarbeiter zu Autorität und Familie haben gezeigt, dass der Druck zur Konformität mit staatlichen Systemen, auch mit solchen, die repressiv sind, von den Ehefrauen ausging, die von ihren Männern abhingen. Heike Diefenbach hat in ihrem Beitrag über das Patriarchat gezeigt, wie sehr der Staatsfeminismus mit dem Sozialismus verwoben ist und wie gemeinsam die ideologische Grundlage beiden doch ist, die alles Heil von staatlicher Lenkung und Fürsorge, von – mit anderen Worten einem nicht in Eigenverantwortung geführten Leben sucht. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die neue sozialistische Internationale sich aus weiblichen Geschlechtskämpfern rekrutiert.

Nur mit einem, hat Peter Schmidt nicht recht:

“Auf Sicht dürfte der [Arbeitgeber-]Verband die einzige Stimme sein, die ohne Opportunismus und wie auch immer geartete Verpflichtungen Stellung nehmen kann.”

Das ist falsch. ScienceFiles stellt seit Jahren Informationen bereit und wird auch in den folgenden Jahren Informationen bereit stellen, die die Verheerungen aufzeigen, die von einem Staatsfeminismus und seiner Durchdringung der Gesellschaft ausgehen.

Aber: Ehre, wem Ehre gebürt und deshalb erteilen wir Peter Schmidt das Schlusswort:

“In den nächsten Wochen wird Prinz Karneval die Macht im Land übernehmen. Die Narren, die danach wieder das Ruder übernehmen, sind kaum kompetenter. Nur weniger lustig.”

Unsinn der Woche: Pro-Quote in der Medizin

Stammleser, die ScienceFiles folgen, werden sich vielleicht gefragt haben, warum wir keinen Beitrag zur Frauenquote, die nunmehr per Gesetz und im Schnelldurchgang implementiert werden soll, gebracht haben. Der Grund dafür ist leicht zu benennen: Wir haben schon alles zur Frauenquote geschrieben, was es dazu zu schreiben gibt.

    Eine Frauenquote, die Unternehmen aufgezwungen wird, ist:

  • ein Verstoß gegen das Prinzip der unternehmerischer Freiheit,
  • ein Verstoß gegen das meritokratische Prinzip, denn belohnt wird per Gesetz Geschlecht und nicht Leistung,
  • krudes Nutznießen von weißen Mittelschichtsfrauen, die offensichtlich von sich denken, sie hätten nicht genug Kompetenz und fachliche Qualifikation vorzuweisen, um ohne Quote in entsprechende Positionen zu kommen,
  • und weil dem so ist, ist die Frauenquote ein Race-to-the-Bottom, eine Selbstselektion, bei der leistungsfähige und kompetente männliche und weibliche Personen abgeschreckt und nicht oder wenig leistungsfähige bzw. kompetente weibliche Personen angezogen werden.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Wer das jeweilige Explanans zu diesen Konklusionen lesen will, der sei auf die folgenden Beiträge verwiesen:

  1. Warum man als Frau gegen eine Frauenquote sein muss: Journalisten fragen, Dr. Diefenbach antwortet.
  2. Fiktion und Fakt: Einmal mehr erweist sich die Frauenquoten-Saga als Lüge
  3. Alles Lüge: Feministisches Rent-Seeking durch Frauenquoten
  4. Eine Frauenquote ist rational nicht begründbar
  5. Die gesellschaftlichen Kosten einer gesetzlichen Frauenquote
  6. Wer ist eigentlich für eine Frauenquote?

Wenn wir mit diesem Post unser bisheriges Schweigen brechen, dann deshalb, weil uns ein Hinweis auf einen selten dummen Text in die Mailbox geflattert ist, der nur ein Ergebnis haben kann:

Die Auszeichnung zum “Unsinn der Woche”.

Pro quoteweb-100Dabei handelt es sich um einen von “Ärztinnen und Wissenschaftlerinnnen, Medizinstudentinnen und Frauen aus unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft und des Gesundheitswesens” (man beachte die Hierarchie in dieser Abfolge!) unterzeichneten Offenen Brief, der wirklich an Unsinn kaum zu übertreffen ist.

Damit unsere Leser auch in den vollen Genuss der gesammelten Ladung von Unsinn kommen, hier der Offene Brief im Wortlaut:

“Sehr geehrter Herr Bundesminister, Dekane, Präsidenten, Direktoren und Vorstände!

[Absatz 1]Die Zukunft der Medizin ist weiblich. Heute sind mehr als 60 Prozent der Studierenden im Fach Medizin Frauen. Auf den Führungspositionen der Medizin stagniert die Quote von Ärztinnen seit Jahren unter 10%, an der Spitze stehen über 90% Männer.

[Absatz 2]Erst wenn auch Ärztinnen an entscheidenden Stellen tätig sind und Therapiekonzepte und Strukturen gestalten, werden wir den Gegebenheiten und Anforderungen unseres Gesundheitswesens gerecht – denn auch mehr als die Hälfte unserer Patienten sind weiblich!

Es ist Zeit etwas zu ändern.

[Absatz 3]Wir fordern, dass Führungspositionen in Universitätskliniken und Krankenhäusern und in allen Gremien der Universitäten und der ärztlichen Selbstverwaltung im Laufe der nächsten fünf Jahre zu 40%, bis 2023 zu 50% mit Frauen besetzt werden – und zwar auf allen Hierarchiestufen.

Wir freuen uns auf eine baldige Antwort von Ihnen, die wir auf unserer Website
http://www.pro-quote-medizin.de veröffentlichen möchten.

Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnerinnen”

Wo soll man anfangen? Am besten wir gehen absatzweise vor:

Absatz 1:

Double facepalmWenn die Zukunft der Medizin weiblich ist, weil derzeit 60% der Studenten im Fach Medizin Frauen sind und man der Ansicht ist, dass man die 40% Männer, die Medizin studieren eben einmal als marginale und nicht weiter beachtenswerte Gruppe ansehen kann, dann hat dies dennoch überhaupt nichts mit der Tatsache zu tun, dass heute, also jetzt, 90% der “Führungspositionen der Medizin” mit Männern besetzt sind. Nach wie vor, auch wenn es in der Teilchenphysik Experimente gibt, die die Zeit zurückdrehen können, ist Zeit für die meisten Menschen ein Prozess, der aus der Vergangenheit kommt und über die Gegenwart in die Zukunft verläuft. Wenn man also nicht argumentieren will, dass die 60% weiblichen Studenten sofort auf Führungspositionen gehievt werden müssen, weil sie aus eigener Kraft und aufgrund eigener Qualifikation und vielleicht auch wegen mangelnder Motivation weder bis 2020 noch bis 2023 dazu in der Lage sein werden, dann macht der erste Absatz schlicht und ergreifend keinen Sinn.

Absatz 2

scully facepalmDer im zweiten Absatz enthaltene Biologismus sollte jeden dazu veranlassen, sich die Namen der Unterzeichnerinnen genau zu merken und dann, wenn er als männlicher Patient mit einer der Unterzeichnerinnen als behandeltem Arzt oder Zahnarzt konfrontiert ist, das Weite zu suchen, sind die Unterzeichnerinnen doch der Ansicht, dass weibliche Patienten nur von weiblichen Ärzten behandelt werden können, da nur diese in der Lage sind, die relevanten Therapiekonzepte und Strukturen zu entwickeln.

Wer einen derartigen Unsinn schreibt oder unterschreibt, wer tatsächlich der Ansicht ist, ein entzündeter Blinddarm könne nur von einem weiblichen Arzt fachgerecht aus einem weiblichen Körper entfernt werden, der hat damit nicht nur belegt, dass sein intellektuelles Niveau irgendwo zwischen Unsinn und Wahnsinn oszilliert, sondern auch, dass er eine wandelnde Bedrohung im Arztkittel ist, die vor allem für männliche Patienten gefährlich werden kann. Vielleicht sollte man vor diesem Hintergrund, die rund 19.000 durch Behandlungsfehler Getöteten und die rund 190 000 durch Behandlungsfehler Verletzten, die der AOK Krankenhausreport 2014 benennt, daraufhin untersuchen, ob der behandelnde Arzt weiblich war.

Absatz 3

run for your lifeOffensichtlich sind die Unterzeichnerinnen der Ansicht, allein ein abgeschlossenes Studium in Verbindung mit einem weiblichen Geschlecht qualifiziere den Inhaber dazu, eine Führungsposition einzunehmen. Tatsächliche Leistung und Motivation, nicht zu sprechen von Kompetenz und fachlicher Qualifikation spielen entsprechend keine Rolle. Wer derartiges in die Welt setzt, bei dem sind entsprechende Rückschlüsse darauf, welche Kompetenzen und fachlichen Qualifikationen er denn vorzuweisen hat, mehr als angebracht, denn offensichtlich sind Kompetenzen und fachliche Qualifikationen bei ihm in einem Ausmaß vorhanden, die einem als Patienten das kalte Grausen bereiten. Offensichtlich sind die Unterzeichnerinnen der Ansicht, ihre eigene Kompetenz und fachliche Qualifikation reiche nicht aus, um in Führungspositionen zu gelangen und entsprechend müsse man mit einer Quote nachhelfen. Einer solchen Ärztin will man doch besser nicht in die Hände fallen.

Deshalb sehen wir es als unsere zivilbürgerliche Pflicht hier auf die Liste der Unterzeichnerinnen zu verlinken, damit Leser, sollten sie jemals in die Lage kommen, einen Arzt zu benötigen und in der Lage sein, ein Wörtchen dabei mitzusprechen, wer sie behandelt, wissen, wen sie besser meiden.

Täuschung mit Methode: Munteres Datenmanipulieren im BMBF

Eine Erfolgsmeldung aus dem Ministerium, das angeblich für Bildung und Forschung zuständig ist, hat heute meine Aufmerksamkeit erregt:

Immer mehr Frauen promovieren,

so heißt es in der Pressemeldung. Und zu lesen, ist u.a. Folgendes:

BMBF“Insbesondere Frauen nutzen vermehrt ihre Bildungschancen. Dies zeigt sich auch auf der Ebene der Promotionen: Bei den unter 45-Jährigen ist der Frauenanteil an den Promovierten mit 41 Prozent fast doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der über 55-jährigen (22 Prozent). Im Jahr 2011 waren in Deutschland rund 752.000 Personen promoviert. Über alle Altersstufen hinweg betrug der Anteil der Frauen daran 31 Prozent. Mit 52% stammt etas mehr als Hälfte aller Promovierten aus Nichtakademikerfamilien”.

Was denken Sie? Sind die 752.000 Promovierten, von denen hier die Rede ist, die Grundgesamtheit, die Datenbasis, auf der die dargestellten Prozentwerte errechnet wurden? Die Pressemitteilung erweckt jedenfalls diesen Eindruck. Aber dieser Eindruck ist falsch, wie sich herausstellt, wenn man die Publikation des Statistischen Bundesamts, auf die sich die Erfolgspressemeldung des BMBF bezieht, zu Rate zieht.

Dass 752.000 Personen in Deutschland im Jahre 2011 promoviert waren, ist ein Ergebnis aus dem Mikrozensus. Der Mikrozensus ist eine 1%tige Bevölkerungsstichprobe, von der aus das Statistische Bundesamt seit Jahren munter auf die rund 80 Millionen Deutschen hochrechnet. Wenn man wissen will, zu wie vielen Haushalten und Personen tatsächlich Informationen im Mikrozensus enthalten sind, dann ist GESIS die beste Informationsadresse:

GESIS“Insgesamt nehmen rund 370 000 Haushalte mit 820 000 Personen am Mikrozensus teil; darunter etwa 160 000 Personen in rund 70 000 Haushalten in den neuen Bundesländern und Berlin-Ost. … Befragt werden alle Personen im Haushalt. Fremdauskünfte für andere Haushaltsmitglieder sind unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.”

Es ist also mitnichten so, dass im Mikrozensus Daten zu allen 752.000 Promovierten enthalten sind. Es ist vielmehr so, dass im Mikrozensus ein kleiner Teil der Promovierten enthalten ist, von dem aus die vermutliche Gesamtzahl errechnet oder hochgerechnet wird. Aber, die Aussagen, die in der Erfolgspressemitteilung des BMBF verbreitet werden, basieren nicht einmal auf dem Mikrozensus, sondern auf einer eigens angestellten Erhebung, in deren Verlauf je 10.000 promovierte und 10.000 nicht promovierte Personen angeschrieben und zur Teilnahme aufgefordert wurden. Tatsächliche haben sich 6.782 nicht promovierte Personen und 8.250 promovierte Personen an der Befragung beteiligt (Statistisches Bundesamt, 2013, S.6).

Was in der zitierten Pressemitteilung verkündet wird, basiert also nicht auf Daten über alle Promovierte, sondern auf den Angaben von 8.250 Promovierten, deren Aussagen unter der Annahme, dass die auf Grundlage des Mikrozensus errechnete Zahl von 752.000 Promovierten richtig ist, auf eben diese 752.000 geschätzten Promovierten hochgerechnet wurden.

Hochrechnungen sind so etwas wie Kaffeesatzlesen für Fortgeschrittene. Dabei werden bekannte Verteilungen, wie z.B. die Verteilung der Bildungsabschlüsse, die Verteilung nach Wohnsitz in Stadt oder auf dem Land oder die Verteilung nach Alter der Bevölkerung genutzt, um die vorhandenen Daten proportional hochzurechnen. Im vorliegenden Fall wird die Hochrechnung der Angaben der 8.250 Promovierten jedoch nicht auf tatsächliche Verteilungen in der deutschen Bevölkerung vorgenommen, sondern auf die geschätzten Verteilungen der deutschen Bevölkerung, wie sie auf Grundlage des Mikrozensus hochgerechnet wurden. Dies ist eine Form des Gebraucht-Kaffeesatzlesens, bei der die Ergebnisse von Kaffeesatzleser 1 die Grundlage dessen bilden, was Leser 2 in seinem Kaffeesatz findet. In jedem Fall ist es eine Irreführung der Öffentlichkeit, wenn so getan wird, als lägen Daten für alle Promovierten in Deutschland vor.

Regelmäßig enstehen bei dieser Art von Hochrechnung mehr oder weniger große Diskrepanzen, und entsprechend finden sich dann mehr oder weniger willkürliche Zusammenfassungen von Daten. Haben Sie sich eigentlich gewundert, dass der Anteil der Promovierten unter 45 Jahren mit dem Anteil der Promovierten über 55 Jahren verglichen wurde? Was ist z.B. mit den Promovierten im Alter von 46 bis 54 Jahren? Wieso wurden alle unter 45 Jahren und nicht alle unter 44 oder 40 Jahren zusammengefasst? Eine Antworte auf diese Fragen ist eine methodische, und sie kommt aus dem Statistischen Bundesamt:

Destatis“Ein Vergleich der Befragtenstruktur der Erhebung mit dem Mikrozensus 2011 zeigt, dass die Altersstruktur der Befragten nicht der der Bevölkerung entspricht. So sind jüngere Altersgruppen (Personen bis unter 45 Jahren) bei den Befragten weniger stark vertreten als in der Grundgesamtheit. Ältere Befragte sind dagegen stärker vertreten. Dies wurde zwar durch die Hochrechnung ausgeglichen, so dass die hochgerechneten Ergebnisse die Altersstruktur in der Bevölkerung widerspiegeln. Die Fallzahlen hinter den jüngeren Altersgruppen und somit auch die Auswertungsmöglichkeiten sind allerdings geringer. Die Altersgruppen unter 45 Jahren wurden aus diesem Grund bei der Hochrechnung und auch bei der Ergebnisdarstellung zusammengefasst” (20).

Die Zusammenfassung der Angaben aller unter 45-Jährigen ist demnach aus der Not geboren, weil ansonsten dem Chefstatistiker beim Statistischen Bundesamt die Haare noch steiler zu Berge gestanden hätten als sie das eh schon tun. Festzustellen ist, dass die Basis der Erfolgsaussage, also die Daten über jüngere Promovierte mehr als wackelig ist. So wackelig, dass selbst Daten die mit einer Fehlerwahrscheinlichkeit von 10% hochgerechnet wurden, in der Erfolgsmeldung verwurstet sind, wie ein Blick auf “Tab 1A” im Anhang der Publikation des Statistischen Bundesamts zeigt. Normalerweise macht man bei einer Fehlerwahrscheinlichkeit von maximal 5% einen Schnitt, weil Aussagen jenseits einer Fehlerwahrscheinlichkeit von 5% einfach zu fehleranfällig sind. Nicht so, wenn das BMBF einen Erfolg vermelden will. Dann werden selbst Daten von 8.250 Promovierten, die auf Angaben von 820.000 Personen hochgerechnet wurden, die wiederum auf 80 Millionen Deutsche hochgerechnet wurden, eben einmal als Vollerhebung ausgegeben.

Warum der Vergleich zwischen den weiblichen Promovierten, die unter 45 jahren alt sind und den weiblichen Promovierten, die über 55 Jahre alt sind? Nun, hätte man andere Vergleichsgruppen gewählt, es wäre keine “Verdoppelung” des Anteils der Promovierten dabei herausgekommen, wie die folgende Abbildung, die die Anteile der Promovierten nach Geschlecht darstellt, wie sie aufgrund der Angaben von 8.250 Promovierten auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden, zeigt.

Promovierte DESTATIS

Statistsiches Bundesamt, 2013, S.25

Bleibt noch der letzte Satz aus der zitierten Sequenz der Pressemitteilung: “Mit 52 Prozent stammt etwas mehr als die Hälfte aller Promovierten aus Nichtakademikerfamilien”. Beim Statistischen Bundesamt liest sich dies anders:

Destatis“Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte der Promovierten selbst aus Akademikerfamilien stammt (48 %) (vgl. Tab. 2 und Tab. 3A). Nur 4 % stammen aus Familien, in denen kein Elternteil eine berufliche Ausbildung abgeschlossen hat. Auch im Hinblick auf den höchsten allgemeinbildenden Abschluss der Eltern zeigen Promovierte eine deutliche Tendenz hin zu höheren Abschlüssen: 55 % stammen aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil die Fachhoch-/Hochschulreife als höchsten Abschluss aufweist. Selbst verglichen mit der Struktur der Hochqualifizierten insgesamt weisen Promovierte höhere Anteile von Eltern mit Fachhoch-/Hochschulreife bzw. Fachhoch-/Hochschulabschluss auf” (27-28).

framingWer bislang gelaubt hat, die Form der Manipulation, wie sie in der vorliegenden Pressemitteilung enthalten ist, sei Zufall und der Unkenntnis geschuldet, die in Ministerien herrscht, wenn es um die Realität geht, der sieht sich getäuscht. Die Täuschung hat Methode, und wenn es darum geht, die angeblich so hervorragende Politik der Begünstigung von Frauen an deutschen Universitäten in Lobeshymnen zu besingen, dann ist die Tatsache, dass Promovierte eine sozial höchst stratifizierte Gruppe darstellen, in die Kinder aus Arbeiterfamilien nicht vorstoßen, gute Stimmung zerstörend. Offensichtlich will man das Feiern der eigenen Illusionen nicht von der Realität in Deutschland trüben lassen, die darin besteht, dass Kinder aus klassichen Arbeiterfamilien, kaum eine Chance auf eine wissenschaftliche Karriere haben und dass entsprechend, wenn man unbedingt fördern wollte, es Kinder aus Arbeiterfamilien wären, denen man einen besseren Zugang zu Universitäten und Promotionen ermöglichen müsste, aber mit Sicherheit nicht Frauen. Wie gesagt, dass Promovierte eine weitgehend sich selbstrekruitierende soziale Gruppe sind, die fast hermetisch gegenüber unteren sozialen Klassen abgeschlossen ist, das interessiert das BMBF und allen voran die derzeitige Ministerin Wanka nicht. Sie will sich feiern:

“Diese Entwicklungen sind erfreulich. Die Zahlen steigen: Wir sind auf dem richtigen Weg. Insbesondere verdeutlichen sie, dass es uns gelingt, immer mehr Frauen zu ermutigen, ihre Potentiale auch auszuschöpfen”.

Einmal davon abgesehen, dass dies eine Leerformelsammlung ist (erfreulich, Zahlen steigen, auf dem richtigen Weg), muss man dann wohl feststellen, dass Ministerin Wanka an den Potentialen von Arbeiterkindern kein Interesse hat oder vielleicht denkt sie auch, Arbeiterkinder sind dumm, sonst wären sie keine Arbeiterkinder geworden…

Statistisches Bundesamt (2013). Hochqualifizierte in Deutschland. Erhebung zu Karriereverläufen und internationaler Mobilität von Hochqualifizierten. Wiesbaden: destatis.

Godfrey Bloom: The Absurdity of Gender Quotas for Boardrooms – a politician’s view

Content

Introduction
Zusammenfassung in Deutsch
Godfrey Bloom: The Absurdity of Gender Quotas for Boardrooms

Introduction

SciencefilesToday, we are delighted to present something special to our readers: Godfrey Bloom, Member of the European Parliament who holds a considerable reputation for being outspoken, or to put it differently, who is one of the rare breed of politicians who take a stand agreed to contribute to ScienceFiles. (Godfrey is elected for the constituency of Yorkshire and North Lincolnshire, and he is a Member of the United Kingdom Independence Party, UKIP).

Godfrey is not a lifetime politician. He worked 37 years as an investment banker before becoming a politician. So he knows business and he does not share this distinct and narrow view that most lifetime politicians have and that does prevent them from seeing beyond the walls of their office.

Finally, Godfrey Bloom is one of very view politicians who dare to challenge the ruling ideology of state feminism. He did so in a “speech he gave in the European Parliament, where he told his audience that quotas for women were to be expected in the Sowjet Union, but not in a free society and he does so in this contribution written exclusively for ScienceFiles (Task for German readers: Try to find a German politician who dares standing up against state feminism publicly).

Zusammenfassung für deutsche Leser

Wir haben für deutsche Leser eine kurze Zusammenfassung des Textes erstellt. Sie besteht aus Textstellen, die wir für besonders signifikant ansehen und übersetzt haben.

GERMANYDie Idee, Zwangsquoten für Frauen in den Aufsichtsräten von Unternehmen einzuführen, wurde, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, zum ersten Mal im Jahre 2005 im Ausschuss für Frauenrechte und Geschlechtergleicheit der Europäischen Union erörtert. Der Ausschus hat die Reputation exzentrisch zu sein, und zwar exzentrisch gemessen an den bizarren Standards, die in der Europäischen Union gelten. Nach nunmehr 10 Jahren als Abgeordneter im Europaparlament weiß ich, dass keine noch so abstruse Idee auf lange Sicht nicht als Gesetz verabschiedet wird. Die Gesetzesmaschine in Brüssel spielt auf Zeit, und sie spielt damit, dass nationale Regierungen früher oder später ihren Widerstand gegen absurde Regulierungen aus Brüssel aufgeben werden. Entsprechend wird eine verbindliche Frauenquote für Unternehmen in den Mitgliedsstaaten der EU kommen, früher oder später.

“Vieles von dem, was wir heute als Diskussion über Geschlechtergleichheit ertragen müssen, ist das Produkt politischer Moden. Das Phänomen ist vergleichbar mit Kleidungstrends. … Nahezu jede Frau aus der Generation meiner Mutter in unserer Straße hat Militärdienst geleistet. Frauen haben damals alles getan, was getan werden musste: Sie waren Piloten, haben Lkws gefahren, waren in der Verwaltung und als Krankenschwestern an der Front. Am Armistice Day [Gedenken an die Opfer der Weltkriege] war unsere Stadt voller Frauen, die ihre während des Krieges errungenen Medallien präsentierten. Ich habe die Medaille meiner Mutter immer noch. Für meine Mutter waren die Gedanken so genannter Feministen absurd, lächerlich und zuweilen auch beleidigend.

Wen also repräsentieren diese Frauen, die Geschlechtergleichheit fordern?; Diese Frauen, die gewöhnlich von Männern unterstützt werden, die keinerlei Verbindung zu den sozialen und sportlichen Zirkeln, in denen Männer verkehren, haben. Diese hager und erschöpft wirkenden, politisch korrekten Gestalten, denen am Strand Sand ins Gesicht gekickt wird; die politische Elite der sich liberal gebenden Mittelschicht.

“Der Haupteinwand gegen “affirmative action” zur Durchsetzung von Geschlechter”gleichheit” in Unternehmen ist: affirmative action ist grundsätzlich unmoralisch. Börsennotierte Unternehmen gehören den Aktionären, die ihr Geld in der Firma riskieren. Deshalb sind es Aktionäre, zu deren Nutzen öffentliche Unternehmen betrieben werden und nur Aktionäre. Natürlich sagt der gesunde Menschen- und Unternehmerverstand, dass man sich gut um seine Mitarbeiter und Kunden kümmern muss. Aber die Sorge um diese Stakeholders ist nicht der Grund, ein Unternehmen zu betreiben, und er kann es auch nicht sein. Es ist im Interesse aller, die vom Erfolg eines Unternehmens abhängig sind, dass der Aufsichtsrat nach Leistung und mit den fähigsten Köpfen besetzt ist, egal, ob die Fähigsten groß, klein, männlich, weiblich, schwarz, weiß, gelb, blond, brünett oder rothaarig sind.

Die Idee, dass Frauen der besonderen Hilfe bedürfen, um in leitende Positionen zu gelangen, ist Unsinn. Vielleicht die erfolgreichste Managerin seit dem Krieg, Kate Smith, die die Handelskette W H Smith [Bücher, Büromaterial] vor dem Konkures gerettet hat, hat keiner Hilfe bedurft, um CEO von W H Smith zu werden. Großbritannien hatte einen weiblichen Premierminister ganz ohne Quote, Margaret Thatcher, den erfolgreichsten Premierminister, den Großbritannien in Friedenszeiten je hatte.

Godfrey Bloom: The Absurdity of Gender Quotas

Godfrey bloomThe concept of compulsory quota was first mooted, if my memory serves me right, in the Women’s Rights and Gender Equality Committee in 2005. The committee has a reputation of being eccentric by any standards, even by the bizarre standards of the EU. After nearly ten years as an EU ‘Parliamentarian’ I know that once an idea is suggested, no matter how implausible, it will eventually gain traction and approval, for the Brussels regulatory machine plays the long game. The compulsory female quota therefore will arrive sooner or later in some form. National states will roll over and give in to what they feel is inevitable, the people will shrug their shoulders and sigh believing that the great engine of law making will continue to spew forth belching smoke and poison like the old dark satanic mills of yesteryear.

Many words have been written on the subject of gender equality, feminism, quotas, research statistics, usually by social engineers. They claim resistance is archaic and futile. The intonation of voice, the flicker of the eyebrow, the sardonic conspiratal glance to show solidarity with the ‘sisterhood’ by the female BBC TV presenter, herself a beneficiary of the quota system.

Yet my argument is not about the statistics which might show the experiment in Norway (40% quota now for female directors in public companies) has been a failure, which it appears to have been because as a retired investment strategist I know just how to manipulate statistics even if they were relevant to such an ephemeral debate.

My approach is Socratic. I believe most modern political thought and comment fails because society does not ask the right questions. This is possibly the fault of television, wireless and newspapers which are all part of the establishment. Penetrating questions on political philosophy or economics would expose the questioner as much as the questioned. How, for example, can public service broadcasting challenge government overspending when they are wasteful recipients of public largesse. How close can the Daily Telegraph or Sunday Times go to the wire to expose the failing of a Conservative administration? How could the Daily Mirror criticise the complete mismanagement of the economy or immigration in their term of office. German readers could no doubt fill in the names and parties of their cosy media government conspiracy of silence on the most important issues of the day.

I am always fascinated to hear pseudo philosophical scientific comment from the likes of Richard Dawkins on the impossibility of the creationist theory. Yet any senior physics professor will tell you that 95% of the universe remains unexplained, perhaps unexplainable? The atheist is an absurd figure, the agnostic is the only rational thinker. The answer is patently ‘we don’t know’. We may have a hypothesis or even a theory, but we do not ‘know’, how could we? What arrogance to suggest we do. Of course ‘faith’ is a different concept and not the point at issue here. Or is it?

Let us assimilate such scanty evidence as we have to hand on the implications of enforced equality. Is that which is really on offer a system of engineering equality of out come? Easier by far to achieve but of course there is no moral high ground here, even for a public service broadcaster who has long since had any form of original thought steamed out by the ‘right on politically correct’ thought police.

Much of which we endure today on discussion of gender equality is the result of political fashion. This phenomenon is as familiar as haute cuisine or couture. Indeed they bear direct comparison. Modern feminism was spawned in the bra burning 1970s by rather shrill, bored, middleclass women of a certain physical genre. They punched miles above their weight but represented few women.

Almost every woman of my mother’s vintage in our avenue had military or naval service. Everything had been done by women that could possibly be done. Aircraft delivery pilots, truck driving, administration, front line nursing support, The Armistice Day service in our town was awash with ladies sporting war time medals. I have my mother’s still. My mother thought ‘feminists’ ridiculous, absurd and sometimes offensive.
So who do these women represent? Supported usually by men who seem to have no link with the usual social and sporting male preserves. The slightly effete politically correct chaps who get sand kicked in their face on the beach. You’ve guessed it. The middle class ‘liberal’ political elite. In most walks of life in America or Western Europe overt discrimination is actually illegal. Try advertising ‘male applicant wanted must be under 30, strong, for heavy work, no blacks or Irish need apply’. Yet the political class plough their own furrow. They have women only short lists. So discrimination is alright depending upon what type of discrimination it is; who are the actors? We therefore have a perpetuation of the system. Political women are in office because of the quota system. They are beneficiaries. They want more. If you lack merit why support a world which is meritocratic.

The core objection to ‘affirmative action’ in the field of gender ‘equality’ in commerce is that it is inherently immoral. Public companies are owned by shareholders who risk capital. The company must be run for their benefit and theirs alone. Of course good business sense demands employees and customers are cared for but this is not the mission statement of any company, nor could it be. Everyone concerned and dependent on the well being of a company must have the most meritocratic board members available. They may be tall, short, male, female, black, white, yellow, blond, brunette or red headed.

Margaret ThatcherThe idea that women need special political help to get to positions of authority is nonsense. Probably the most successful woman Chief Executive since the war is Kate Smith who turned around W H Smith, the ailing high street retailer in a sector which was thought to be in a terminal decline. Great Britain had a woman prime minister without a quota system, arguably the most successful peacetime prime minister of all time. I could continue with a list of successful women in a variety of fields but it is both patronizing and unnecessary.

Notwithstanding advance in neuro surgery, incidentally one of the leaders in this field is an Oxford lady surgeon, we know very little about the human mind. Least of all the difference between men and women.

Let us explore for a moment the questions needed to establish the difference between males and females. I am just about as ‘Alpha’ a male can be. Army, rugby, boxing, cricket, commerce etc. I am not ‘new man’, would not be caught dead at a birth of a baby and happy to punch the first man who tries to steal my beer. I had the opportunity to join the board of a FTSE 250 company in 1992. I worked in London, lived in Yorkshire travelled at weekends worked a twelve hour day and was rarely at home. I was 42, had been married for about 5 years with no children.

I decided, after very careful thought, I did not want it. I enjoy hunting, fell walking, cycling, a bit of cricket and country pubs. Although very ‘Alpha’ not particularly ambitious and not motivated by money at all. I was on a package of about £70,000 per annum in 1992. No way big stuff by London standards but very liveable. I am on £65,000 now as an MEP (the same as a Westminster MP). Lifestyle quality is my goal. Most CEOs of FTSE 100 companies in my view are socially dysfunctional. They boast of never seeing their family and working 14 hour days and weekends. This is something to be ashamed of. Now I think that surely a very significant number of women would think the same. Especially with an inbuilt, genetic predisposition to give family higher priority. Perhaps the reason they are under represented in European boardrooms is because they are more balanced with different priorities. Who knows? We do know that if they choose to do it they are as competent as any male. What else do we know? That women are equally now represented in accountancy, law and medicine. Similarly, over represented in certain professions. Radiography, physiotherapy, nursing, midwifery and social services. In short lifestyle and career choices pretty well reflect where anyone with commonsense would expect them to be. The small band of female political activists do not understand their own ‘sisterhood’. Most professional and successful business women laugh at their views and antics although perhaps not as openly as I do. Political correctness is a funny sort of disease and political incorrectness a ‘vice’ which dare not speak its name.

There are many more unexplained differences between the sexes. Women, in spite of years of training in art and music, significant leisure time in the 18th and 19th Centuries have produced few great works. Although if I could have any picture on my drawing room wall it would certainly be by a woman. The estimable Lady Butler, worth googling unless you are French.

Men and women are different yet there is no golden rule. Most women can find the mustard in the pantry quicker than a man, most men can reverse a car better than a woman. Although my wife can reverse a horsebox through a narrow passage way better than most men. My female French colleague is a phenomenal car parker in tiny spaces in French cities. But it is not the norm.

Men and women care about different things on a micro-scale. Leaving the lavatory seat up, wet towels on the bed and the top left off the toothpaste will drive a wife made. A man simply cannot understand what the problem is. Most wives do not regard putting petrol in the car as any part of their responsibility. Men cannot see the point in making the bed if you are going to get back in it tonight.

Let me go further as I must to expose the absurdity of gender quotas for boardrooms, proposed by those with very little knowledge of life outside politics never mind the commercial world. With 40 years of commerce, military and politics under my belt, I think I can offer a view based on experience. Italian army officers do not think like German officers. British officers do not think like most other European officers. American officers are quite unlike the British in spite of a common language and strong historical bond. But it grows more complicated still. The Northern Italian executive has a different nuanced view to the Southern, the Protestant Irish executive is poles apart from his Southern Irish Catholic opposite numbers. (In none of these examples do I suggest one is better than another). A London Human Resource Agency director is a completely different beast from the director of a ship building firm in Barrow in Furness.

A London professional woman has a completely different view and cultural approach to a Yorkshire professional. Notice I have not yet even attempted to illustrate the differences in social class. An upper middle class English woman has more in common with a French woman of her class than a working class British woman. A Japanese woman and a Singapore Chinese are about as different as it is humanly possible to be. So the whole concept of gender quota is no more sensible than having a quota system for size, complexion or hair colour. Indeed what a paradox if there was discrimination based on race which is illegal in most industrialized democracies.

In France where the concept is advanced, rumour has it that it is working better than they thought it might. One is irresistibly drawn into speculation as to the role of the Chairman or Managing Director’s mistress.

You cannot legislate for human nature nor should you.

Gleichstellung an Universitäten: die Worte und die Wirklichkeit

dangerous jobsFalls es sich noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen hat: Frauen sind in Deutschland benachteiligt. Wie und vom wem, das ist bislang ein Geheimnis, aber dass sie benachteilgt sind steht fest, so fest, dass sich eine Unmenge von “guten” Menschen zusammengerottet hat, um mit Programmen, Hilfsaktionen und Förderung dafür zu sorgen, dass die vielen Frauen, die aus eigener Kraft nicht vorankommen, in die Positionen gelangen, die die “guten” Menschen für erstrebenswert halten.

Natürlich sind die “guten Menschen”, die Frauen helfen, aufgrund von Verdienst in die Position gelangt, in der sie nunmehr Frauen helfen wollen und (um?) sich selbst ein Verdienst (zu) verschaffen, und natürlich haben die entsprechenden “guten” Menschen rein altruistische Motive und sind nur mit dem gesellschaftlichen Wohl, dem Wohl und Wehe anderer, mit dem Wohl aller außer dem eigenen beschäftigt. Und sie sind nötig, diese Menschen, die Frauenquoten fordern, Frauenförderung planen, Gutachten in Auftrag geben, um zu untersuchen, wie man die vermeintliche Benachteiligung von Frauen am profitabelsten für alle an der Frauenförderung Verdienenden nutzen kann (Dass als Ergebnis der ganzen Frauenförderung Frauen als Dummchen dargestellt werden, die aus eigener Kraft keinen Fuß auf den Boden bekommen, muss wohl als Kollateralschaden der Gutheit dieser “guten” Menschen angesehen werden).

WissenschaftsratEine dieser Versammlungen von “guten” Menschen (oder selbsternannten Gutmenschen) ist der Wissenschaftsrat. Der Wissenschaftsrat hat schon früh einen Mangel an Frauen in “Führungspositionen der Wissenschaft” ausgemacht und vor allem das Fehlen von weiblichen Professoren beklagt. Die Wissenschaft ist ihrem Anspruch nach die Institution, in der Leistung und Qualifikation zum Vorankommen befähigt, in der Meritokratie herrscht. Daher ist es seltsam, dass der Wissenschaftsrat ausgerechnet Wissenschaftler verdächtigt, weibliche Bewerber um ihre Professorenstellen zu bringen. Aber der Wissenschaftsrat, in dem ja auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, muss das natürlich wissen. Und weil die Wissenschaftsradler das wissen, haben sie eine “Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern” gestartet. Das, was ich fett gesetzt habe, ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig.

Diese Offensive hatte 2011 ihr Fünfjähriges. Und damit auch alle etwas von dem Fünfjährigen haben, hat der Wissenschaftsrat ein Gutachten in Auftrag gegeben und bezahlt, in dem Ziele wiederholt und der Bestand des Erreichten aufgenommen wurde:

“Sie [gemeint sind die Allianzorganisationen zur Offensive für Chancengleichheit] werden verstärkt darauf hinarbeiten, den Frauenanteil bei der Neubesetzung von Entscheidungs- oder Führungspositionen dem jeweiligen Anteil an habilitierten oder entsprechend hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen in den verschiedenen Fächergruppen anzugleichen (8).”

Wie gesagt, das Gutachten wiederholt nicht nur, es nimmt auch Bestand auf, und die Autoren, wer auch immer sie gewesen sein mögen, denn namentlich genannt, sind sie nicht, kommen bei der Aufnahme des Bestands zu folgendem Ergebnis:

“Die erzielten Verbesserungen sind jedoch maßgeblich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Von einer deutlichen Erhöhung des Anteils von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen, der zentralen Zielstellung der Offensive für Chancengleichheit, kann nicht die Rede sein. Zwar gibt es insgesamt eine positive Entwicklung, von einer dem weiblichen Bevölkerungsanteil und dem weiblichen Studierendenanteil angemessenen Repräsentanz ist Deutschland aber noch deutlich entfernt. Dies belegt, dass die Ziele der Offensive für Chancengleichheit noch nicht erreicht und weitere Anstrengungen erforderlich sind” (21).

Ich möchte die Leser auf zwei Dinge aufmerksam machen: Der Anteil der “Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen” wird mit dem “weiblichen Bevölkerungsanteil” verglichen, und die Ziele der Offensive, den Anteil der “Wissenschaftlerinnen” mit eben diesem “weiblichen Bevölkerungsanteil” kongruent zu bekommen, sind nicht erreicht worden (weshalb mehr Steuergeld dafür geopfert werden muss, das zu erreichen, was die Offensive in den vergangenen fünf Jahren nicht erreicht hat).

GWkWir wollen uns an dieser Stelle bei Michael Matzner bedanken, der uns auf einen Bericht der “Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz – GWK”, sinnigerweise in der Friedrich-Ebert-Allee in Bonn ansässig, hingewiesen hat. Der Bericht trägt den Titel “Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung”, präsentiert sich als 16. (!sic) Fortschreibung des Datenmaterials (2010/2011) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen” und ist offensichtlich ein Bericht, von dem wiederum der Wissenschaftsrat nichts weiß, sonst hätte er keine eigene Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben, denn die guten Menschen im Wissenschaftsrat wollen ja nicht das Geld der Steuerzahler vergeuden – oder?

Der Bericht der GWK ist nur ein weiterer im kontinuierlich prasselnden Lamento der fehlenden Frauen, falsch: der benachteiligten Frauen, die  in den Führungspositionen der Wissenschaft nicht ankommen. Er ist entsprechend eine weitere Einnahmequelle für professionelle Frauenbenachteiligungs-Datensammler und ein weiteres schwarzes Loch, das Steuergelder anzieht und verschlingt. Aber: Er beinhaltet Informationen, die Michael Matzner und uns in Verzückung versetzt haben, Informationen zu den Anteilen weiblicher Bewerber auf z.B. Professuren an Universitäten (W1 bis W3). Die folgende Abbildung zeigt die prozentualen Anteile von weiblichen Bewerbern auf eine Professur, den prozentualen Anteil der Frauen, an allen, die es auf eine Liste geschafft haben und den Anteil der Frauen unter denen, die schließlich berufen wurden.

Bewerbungen Berufungen

Ein Blick auf die Abbildung zeigt, dass in fast allen Bundesländern, der Anteil der weiblichen Bewerber auf eine Professur, weit hinter dem “weiblichen Bevölkerungsanteil” zurückbleibt. Die entsprechenden Anteile weiblicher Bewerber liegen in den Bundesländern regelmäßig deutlich unter 30% und betragen im Bundesdurchschnitt und für 2011 24,2 %. Frauen haben offensichtlich kein Interesse an einer Professur, das dem von Männern vergleichbar wäre. Weiter zeigt sich, dass der Anteil von Frauen, die es auf eine Liste schaffen, höher ist als der Anteil weiblicher Bewerber, was einen ersten Hinweis auf die bervorzugte Platzierung von Frauen gibt. Deutschlandweit wurden 2011 27,8 Prozent der Listenplätze an Frauen vergeben. Bei den Berufungen auf eine Professur ist der Frauenanteil abermals höher: Frauen stellen 29,1% der auf eine Professur Berufenen, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass Frauen bevorzugt werden. Wie stark die Bevorzugung ausfällt, welcher Vorteil Frauen aus ihrem Geschlecht erwächst, wenn es um die Berufung auf eine Professur geht, macht die folgende Abbildung deutlich. Die Balken stellen prozentuale Wahrscheinlichkeiten dar: Für Deutschland als Ganzes ergibt sich z.B. das weibliche Bewerber auf eine Professur eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit haben, auf eine Professur berufen zu werden – ein Ergebnis, das nicht so recht zu den Zielen und Ankündigungen passen will, wie sie der Wissenschaftsrat in den oben zitierten Passagen gemacht hat.

Berufungsvorteile

Wie die Abbildung zeigt, gibt es nur wenige Bundesländer, in denen weibliche Bewerber gegenüber männlichen Bewerbern nicht erhebliche Vorteile bei der Berufung auf eine Professur haben. Die Vorteile reichen von einer 46,7% höheren Wahrscheinlichkeit für weibliche Bewerber, berufen zu werden in Sachsen-Anhalt bis zu einer 2,31% höheren Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden, in Bremen. Deutschlandweit haben weibliche Bewerber eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden.

Affirmative ActionDie Daten zeigen einerseits, dass der verglichen mit ihrem Bevölkerungsanteil geringere Anteil von Frauen unter den Professoren darauf zurückzuführen ist, dass sich deutlich weniger Frauen als Männer um die entsprechende Position bewerben (und dies obwohl der Anteil weiblicher Studenten höher ist als der Anteil männlicher Studenten). Sie zeigen darüber hinaus, dass es großer Unsinn ist, anzunehmen, Frauen würden sich entsprechend ihres Bevölkerungsanteils auf Professuren bewerben. Warum ein Gremium wie der Wissenschaftsrat, in dem zumindest auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, sich den Anteil von Frauen in der Bevölkerung zum Maßstab nimmt, ist mir sowieso nicht nachvollziehbar, der Anteil der Personen aus der Arbeiterschicht, an Universitäten in jeder Hierarchiebene und unter den Studenten deutlich unter dem Anteil der Arbeiterschicht an der Bevölkerung, genießt jedenfall keine entsprechende Prominenz unter den Wissenschaftsradlern. Schließlich zeigen die Daten, was sich hinter der angestrebten Gleichstellung an Universitäten wirklich verbirgt: die Begünstigung weiblicher Bewerber und die Diskriminierung männlicher Bewerber. Wie dies mit dem hehren Ziel, für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinner und Wissenschaftlern offensiv sein zu wollen, vereinbart werden kann, ist mir nicht nachvollziehbar.

Für männliche Bewerber, die sich auf eine Professur bewerben wollen und die einer Diskriminierung entgehen wollen, seien die Universitäten und Fachhochschulen der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen empfohlen. Ansonsten kann man männlichen Bewerbern eigentlich nur davon abraten, sich an einer deutschen Hochschule zu bewerben, denn, wie sich zeigt, erfolgt die Auswahl geeigneter Bewerber nicht nach meritokratischen Prinzipien, sondern nach Geschlecht und dies allein sagt schon eine ganze Menge über die deutsche Wissenschaftslandschaft aus, in der schweigende Professoren dabei zusehen, wie alles, was Wissenschaft ausmacht, dem Wahnsinn des Staatsfeminismus geopfert wird.

Das Folgende ist ein Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach, der mir zu wichtig war, als dass ich ihn im Kommentarbereich belassen wollte:

Zum Beitrag zu ergänzen wäre, glaube ich, dass sich angesichts der 16. Fortschreibung des Datenmaterials zu Frauen in Hochschulen …, die mit “Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung” betitelt ist, jedem, der sich einmal halbwegs ernsthaft mit Gleichheit oder Gerechtigkeit in irgendeinem Bereich beschäftigt hat, und insbesondere Bildungsforschern graue Haare wachsen oder sich die Fußnägeln ringeln sollten, denn es sollte doch wohl zumindest diesen Personen klar sein, dass von der Betrachtung von ERGEBNISgleichheit nicht auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von CHANCENgleichheit geschlossen weden kann, denn Chancengleichheit impliziert keineswegs, dass ein Gut, auf das alle die gleichen Chancen haben, am Ende zu gleichen Anteilen auf alle verteilt sein muss. Genau diese Letztere wird aber im Papier betrachtet, in dem es doch eigentlich um Chancengleichheit gehen soll.

Ich verstehe nicht, wie man einen so dummen Denkfehler machen kann. Wie, bitte, kommt man denn überhaupt auf die seltsame Idee, dass Chancengleichheit zu Ergebnisgleichheit führen müsste? Die einzig denkbare logische Verbindung ist herstellbar, wenn man annimmt, dass es keine verschiedenen Menschen gibt, sondern Klone oder Zombies oder irgendwelche Einheiten, die sich in keinerlei Eigenschaften voneinander unterscheiden oder am besten überhaupt keine Eigenschaften haben außer, dass sie Einheiten vom selben sind. Denn nur dann, wenn alle dasselbe wollen und dasselbe machen ist es überhaupt vorstellbar, dass alle bei gegebenen gleichen Chancen die gleichen Wahlen treffen, die sich in Ergebnisgleichheit niederschlagen würden.

Es sollte doch nun wirklich nicht so schwierig sein, das zu verstehen, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt! Man könnte meinen, das Papier sei eine bewusste Irreführung, aber ich bin ziemlich sicher, dass es einfach ein Produkt von Ignoranz gepaart mit dem ewig stupide und gebetsmühlenhaft wiederholten Mantra “Frauen sind benachteiligt – Frauen müssen vom Staat gefördert werden – Frauen sind benachteiligt – Frauen ….” ist.

Denn auch, wenn es mir fernliegt zu behaupten, die Mehrheit der Kollegen Sozialwissenschaftler an deutschen Universitäten würde die konzeptionellen Unterschiede zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit, Nachteilen und Benachteiligung etc. auch nur ansatzweise verstehen (oder sich, obwohl es ihr Job ist, auch nur dafür interessieren), sollte man nämlich in Rechnung stellen, dass der so genannte Wissenschaftsrat alles andere als ein Rat von Wissenschaftlern ist und noch weniger ein Rat von Leuten, die irgendein klares Konzept von Wissenschaft haben. Vielmehr ist die Bezeichnung “Wissenschaftsrat” so irreführend wie der Titel des Papiers, das angeblich von “Chancengleichheit” handelt; in ihm sind nämlich neben Leuten, die einen Job an der Uni haben, “Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens” zugange, also Leute, die aus keinerlei erfindlichem Grund etwas mit Wissenschaft zu tun haben könnten, aber einen Nebenerwerb gebraucht haben und sich anscheinend durch die Vorsilbe “Wissenschaft” im Rat mit einer Aura der Fachkompetenz umgeben zu können glauben.

Vielleicht erklärt das, warum diese Leute Konzepte nicht verstehen und sich um Kopf und Kragen reden, und das Ganze hat unbestreitbar einen gewissen Unterhaltswert, aber dennoch ist nicht zu entschuldigen, was dieser “Rat” meint, von sich geben zu müssen – nicht nur wegen der sachlich falschen und polemischen Aussagen, sondern auch und vielleicht vor allem, weil er dazubeiträgt, Wissenschaft und vor allem Sozialwissenschaften zu einer noch größeren Lachplatte zu machen als sie ohnehin schon sind.

Habe ich als Sozialwissenschaftlerin denn kein Recht auf Chancengleichheit, nämlich die gleiche Chance wie andere Leute in Professionen, noch Ernst genommen werden zu können??????

Deutsche Bank verbreitet Sexismus (oder Rassismus)

Manche Banken, darunter die Deutsche Bank, unterhalten Research-Abteilungen, DB-Research im vorliegenden Fall. Die Aufgabe der entsprechenden Abteilungen ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, die für die Banken relevant sind, aufzuarbeiten, und zuweilen auch eigene db-researchErkenntnisse unter die wissenschaftliche Gemeinde zu bringen. So ist Deutsche Bank Research für die Bretton Woods II These berühmt (und berüchtigt). Das Bretton Woods II System erdacht von Dooley, Folkerts-Landau and Garber in einer Reihe von Beiträgen für DB-Research ist eine Form “unheilige Allianz” zwischen den USA und China. Erstere akzeptieren, dass Letztere ihre Währung (den Renminbi) zu einem fixen Umtauschsatz an den US-Dollar binden (peggen), zu einem Umtauschsatz, der unter dem wahren Wert des Renminbi liegt und es China insofern erlaubt, zu besseren Konditionen zu exportieren, als dies der Fall wäre, wäre der Umtauschkurs zwischen US-Dollar und Renminbi auch nur ansatzweise real. Im Gegenzug dafür, dass die USA im Hinblick auf den Umtauschkurs mit China ein oder gar zwei Augen zudrücken, investiert die Chinesische Nationalbank dann einen Teil des Gewinns in US-amerikanische Staatsanleihen und finanziert damit das US-Haushaltsdefizit. Wie auch immer man zu dieser These steht, sie hat in Fachkreisen eine lebhafte Diskussion hervorgerufen und das Renommee von DB-Research erhöht.

Aber offensichtlich ist man bei der Deutschen Bank weniger an einem guten Renommee in Fachkreisen interessiert. Vielmehr scheinen die Verantwortlichen, vielleicht auch mit Blick auf möglicherweise benötigte staatliche Bailouts beschlossen zu haben, in den allgemeinen Chor politischer Korrektheit einzufallen und in gleichgeschalteter Einheit das Fehlen von Frauen in Führungsetagen von Unternehmen zu beklagen und den Weg zum “gender balanced leadership” zu bereiten. Nicht genug damit, die entsprechende Publikation, die von Claire Schaffnit-Catterjee erstellt wurde, ist Sexismus pur, und sie grenzt an Rassismus, wie ich nun zeigen werde. Zuvor kann ich mir den Hinweis nicht ersparen, dass “Schaffnit” in der pfälzischen Landessprache eine interessante Bedeutung hat…

Allport Nature of PrejudiceNun zum Rassismus. Rassismus ist ein Konzept, das es in vielen Facetten gibt,. Die einzig sinnvolle Facette, die ich kenne, hat Gordon Allport im Jahre 1954 begründet als er Rassismus als:

“… an antipathy based upon a faulty and inflexible generalization. It may be felt or expressed. It may be directed towards a group as a whole or towards an individual because he is a member of that group” (Allport, 1954, S.9).

Rassismus basiert demnach auf einer Übergeneralisierung: der Zuschreibung von bestimmten Merkmalen zu einer Gruppe und allen ihren Mitgliedern. Damit hat Rassismus eine formale Verbindung zu Stereotypen. Better (2008) beschreibt die Bildung von Stereotypen wie folgt:

“Stereotyping is the process of maintaining a standardized image or mental piece of a group or a race to which all members of the group or race are said to conform” (Better, 2008, S.108).

Wer stereotypisiert schert somit die verschiedensten Menschen, sagen wir alle Bayern, über einen Kamm, wenn er sie als Weißwurstesser bezeichnet. Wenn mit dem Weißwurstessen noch eine negative Bewertung verbunden ist, weil Weißwurstesser z.B. fett werden und die Umwelt schädigen, dann ist die Grenze von der Stereotypisierung zum Rassismus überschritten. Die Grenze zwischen Stereotypen und Rassismus ist eine kognitive Grenze, denn Stereotype typisieren, wie der Name schon sagt, und zwar in vollem Bewusstsein, dass die Typisierung in der Realität nicht vorhanden ist. Rassismus ignoriert die Tatsache, dass nicht alle Bayern Weißwurstesser sind und schreibt darüber hinaus allen Bayern noch niedrige Beweggründe als Ursache ihres Weißwurstkonsums zu, die man dann negativ bewerten kann.

Auch Sexismus ist eine Form der Generalisierung wie von Allport beschrieben. Sexismus basiert auf Geschlechts-Stereotypen und auf der Bewertung dieser Stereotypen:

“Like other isms, sexism involves stereotyping and generalizing about women and men and treating them in particular ways based on theses stereotypes” (Rogers, 2010, S.274).

Warum Stereotypisierungen und Generalisierungen ein Problem darstellen und warum bestimmte Stereotypisierungen und Generalisierungen die Grenze zu Sexismus oder Rassismus überschreiten, kann man sich an den bereits benannten Bayern deutlich machen, denn:

  • nicht alle Bayern essen Weißwürste und
  • nicht alle nicht-Bayern nehmen Anstoß am Weißwurstkonsum der Bayern.

Dummies statisticsNun gibt es in der Umfrageforschung aggregierte Daten. Aggregierte Daten entstehen, wenn man z.B. die Antworten, die alle Befragten gegeben haben, zusammenfasst. Diese Zusammefassung erfährt zuweilen die erstaunlichsten Transformationen: Aus 70% Weißwurstessern in Bayern werden plötzlich Bayern, die Weißwurst essen, und aus dem Maß zur Beschreibung univariater Verteilungen, dem so genannten Mittelwert, der besagt, dass ein durchschnittlicher Bayer jährlich 435 Weißwürste ißt, wird der Bayer, der jährlich 435 Weißwürste ißt. Dass der Mittelwert auch über nicht-Weißwurstesser und solche, die mehr als zwei pro Jahr nicht über sich bringen, gebildet wird, und dass es nur 70% der Bayern sind, die überhaupt Weißwürste essen, ist schnell vergessen, wenn die Stereotypisierung einsetzt. Und die Grenze zu Sexismus und Rassismus, die fällt genauso schnell.

Das bringt mich zurück zum “Werk” von Schaffnit-Chatterjee, dem eine ganze Reihe erstaunlicher Einsichten eigen sind, die die Grenze zum Sexismus mit Sicherheit, die zum Rassismus mit hoher Wahrscheinlichkeit hinter sich gelassen haben:

  1. “Hierbei ist wichtig, zu akzeptieren, dass Frauen anders sind …[als Männer]“
  2. “Es geht vielmehr darum, die typischen Eigenschaften von Frauen schätzen zu lernen…”
  3. “Frauen sind offensichtlich in vielerlei Hinsicht ganz anders als Männer.”
  4. “Frauen verfolgen tendenziell einen beziehungsorientierten Kommunikationsstil und sind häufig bescheidener.”
  5. “Frauen müssen mehr Verständnis für die Mitte entwickeln”.
  6. “Frauen werden vor allem von Folgendem angetrieben: Sie wollen etwas bewirken, sie wollen eine Herausforderung spüren, sie wollen an die grundsätzliche Ausrichtung ihres Unternehmens glauben …”

Jedes Lehrbuch der Statistik enthält früher oder später eine Unterscheidung, die Unterschiede zwischen Gruppen solchen innerhalb von Gruppen gegenüberstellt, und regelmäßig folgt der entsprechenden Gegenüberstellung die Feststellung, dass Unterschiede innerhalb von Gruppen größer sind als zwischen Gruppen. Entsprechend ist es ziemlicher Unsinn von “typischen Eigenschaften von Frauen” zu sprechen, denn die individuelle Frau, die vor ihnen steht, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, die typischen Eigenschaft nicht zu zeigen. Eine typische Eigenschaft der Deutschen ist ihr Bierkonsum, der sie mit 109 jährlichen Litern zur Nummer 2 in Europa in Sachen pro Kopf Verbrauch macht und dennoch kann es passieren, dennoch ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Deutsche vor Ihnen kein typischer Deutscher ist, weil er nämlich mehr als 109 Liter oder weniger als 109 Liter oder gar kein Bier trinkt. Insofern macht es keinerlei Sinn, typische Gruppen-Eigenschaften auf Individuen zu übertragen. Es sei denn, man will sich als Sexist oder Rassist einen Namen machen.

Institutional RacismDas gilt auch für den Kommunikationsstil, die Bescheidenheit und das Verständnis für die Mitte und den Antrieb von Frauen. Alle genannten Eigenschaften zeichnen Frauen nicht gegenüber Männern aus, selbst dann nicht, wenn Studien einen Mittelwertunterschied oder einen Prozentwertunterschied zwischen den Gruppen von Männern und Frauen ausweisen. Wer versucht, diese Gruppenunterschiede zu individualisieren und zu Eigenschaften konkreter Individuen zu machen, der macht nichts anderes als der Rechtsextremist, der der Ansicht ist, die (also alle) Türken nähmen den (also allen) Deutschen die (also alle) Arbeitsplätze weg. Beides ist offensichtlicher Unsinn und das Werk aus den Hallen von DB-Research entgeht der Einordnung als rassistisch so wenig wie die zitierte Aussage.

Von den Unterschieden zwischen “Männern” und “Frauen” im Hinblick auf Kommunikationsstil, Antrieb, Bescheidenheit oder Verständnis für die Mitte (was ist das eigentlich?) bleibt demnach nicht viel übrig. Damit stehen Aussagen wie

“Frauen sind offensichtlich in vielerlei Hinsicht ganz anders als Männer” und man müsse akzeptieren, “dass Frauen anders sind”

allein. Es handelt sich bei ihnen um Generalisierungen und Stereotypisierungen, die keinerlei empirische Validität für sich reklamieren können und damit alle Merkmale einer rassistischen (unter der Annahme, die Autorin ist der Ansicht, Frauen seien deshalb “anders” als Männer, weil Frauen eine eigene Rasse darstellen) und sexistischen Aussage (unter der Annahme, die Autorin ist der Ansicht, Frauen seien deshalb anders als Männer, weil sie ein anderes Geschlecht haben) teilen. Folglich bleibt nur festzustellen, dass DB-Research von der Schmiede wirklich interessanter Ideen zu einer Institution verkommen ist, die ihren Zweck wohl darin sieht, den allgegenwärtigen Sexismus (oder Rassismus) des Staatsfeminismus zu verbreiten.

Früh übt sich, wer als verstaatlichte Bank enden will.

Den Hinweis auf dieses Machwerk verdanke ich Hadmut Danisch, wer’s nicht glauben mag, es ist hier zu finden.

Literatur

Better, Shirley J. (2008). Institutional Racism. A Primer in Theory and Strategies for Social Change. Plymouth: Rowman & Littlefield.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2005). Living With Bretton Woods II. Frankfurt a.M.: Deutsche Bank, Global Market Research.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2004a). The US Current Account Deficit and Economic Development: Collateral for a Total Return Swap. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 10727.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2004b). Direct Investment, Rising Real Wages, and the Absorption of Excess Labor in the Periphery. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 10626.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2004c). The revivd Bretton Woods System: The Effects of Periphery Intervention and Reserve Management on Interest Rates and Exchange Rates in Center Countries. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 10332.

Dooley, Michael P., Folkerts-Landau, David & Garber, Peter M. (2003). An Essay on the Revived Bretton Woods System. Cambridge: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper 9971.

Rogers, Anissa T. (2010). Human Behavior in the Social Environment. New York: Routledge.