Philosophie zum Wochenende – Hans Albert: Erkenntnis und Engagement

Hans Albert (1921 -) hat wie kein anderer zur Verbreitung des kritischen Denkens und der Methode des kritischen Rationalismus’ wie ihn Karl Raimund Popper entwickelt hat, in Deutschland beigetragen. Hans Albert ist bis heute ein engagierter Kämpfer gegen die Irrationalität und gegen all jene, die von sich behaupten, sie seien im Vollbesitz der Wahrheit oder doch zumindest im Besitz einer Methode, die unweigerlich zur Wahrheit führt und könnten sich auf dieser Basis für die Gesellschaft engagieren und dort nur Gutes bewirken.

Hans_Albert_2005Zwangsläufig war und ist Hans Albert damit der größte Gegenspieler der Frankfurter Schule in der Variante, die u.a. Jürgen Habermas daraus gemacht hat, also nicht in der Variante, die noch unter der Leitung von Max Horkheimer das Frankfurter Institut für Sozialforschung (IfS) auszeichnete, als noch empirische Studien wie z.B. die über Autorität und Familie durchgeführt und erstellt wurden.

Was man von der Wende, die das IfS unter unter dem Einfluss von Habermas genommen hat, zu halten hat, wird einem schnell deutlich, wenn man z.B. die Titel der derzeitigen Projekte betrachtet, Titel wie “Bürger_in aus Betroffenheit?”, “Erwerbsarbeit und psychische Erkrankung”, “Bedeutung des öffentlichen Integrationsdiskurses für das Selbstverständnis, die Selbstpositionierung und das Integrationshandeln von Migrant_innen. Eine biographieanalytische Untersuchung” oder “Prekäre Autonomie – Die Arbeit von SchriftstellerInnen im flexiblen Kapitalismus”.

Aus heutiger Sicht kann man Hans Albert auch als einen vehementen Gegner aller Heilsbringer oder wie wir heute sagen würden: Gutmenschen sehen, die ihre Heilsbotschaft über ihre Opfer ausgießen, ihre einfachen Botschaften, für die sie Wahrheit reklamieren, zur Grundlage nehmen, um in die Leben anderer Menschen, die sie für inferior halten, zu intervenieren und dort für ihre Ordnung zu sorgen und alles zu dem zu wenden, was sie für das Beste halten. Diese Form der Entmündigung im Namen einer ersponnenen Wahrheit, kulminiert für Albert im wissenschaftsfeindlichen Offenbarungsmodell, jenem Model, das nicht nur die katholische Kirche zur Grundlage ihrer Existenz gemacht hat und das darauf basiert, dass Erleuchteten, wie z.B. dem Papst, beim Lesen der heiligen Schrift ein Licht aufgeht, oder im Schlaf ein Engel mit der Nachricht erscheint, die fortan als Wahrheit verkündet werden soll.

Aber nicht nur die katholische Kirche fährt auf dieser Fahrkarte, um Verbreitung zu finden, Macht zu sichern und zu gewinnen und um die eigenen Taschen zu füllen, auch Kalvinismus, Kommunismus, Faschismus und Feminismus teilen strukturelle Prinzipien mit der katholischen Kirche, die sie zu Feinden von Freiheit, Autonomie, Toleranz und Liberalismus und vor allem von Vernunft machen.

Der folgende Text von Hans Albert aus der Einleitung zu seinem Traktat über kritische Vernunft, widmet sich diesem Totalitarismus der Gutmenschen. Ausgangspunkt ist die nicht zuletzt von Habermas geäußerte Ansicht, dass Erkenntnis und Entscheidung voneinander zu trennen seien (eine Idee, die man sich wirklich genauer überlegen sollte, damit einem klar wird, womit man es bei der post-Habermasschen Frankfurter Schule wirklich zu tun hat).

Albert Traktat“[...] Existenzielle Probleme sind, so scheint man oft anzunehmen, nicht rational zu behandeln, weil sie echte Entscheidungen verlangen, die der kalkulierende Verstand nicht liefern kann. Andererseits scheint es im Bereich der Erkenntnis zwar rationale Analyse zu geben, aber keine Entscheidung und kein Engagement, und den Problemen, die auf diese Weise zu lösen sind, kommt offenbar eo ipso keine existenzielle Bedeutung zu. Während die Verfechter der analytischen und der hermeneutischen Vernunft nicht selten Auffassungen formulieren, die solchen Thesen nahekommen, sind sich die der dialektischen Vernunft oft der Vereinbarkeit von Erkenntnis und Engagement so gewiß, dass in ihrem Denken die politische Stellungnahme sich mitunter ziemlich gradlinig – man möchte sagen: überraschenerweise gar nicht so dialektisch – aus der philosophischen Konzeption ergibt [Anhänger der dialektischen Vernunft  sind z.B. Habermas oder andere post-marxistische Sozialphilosophen].

Nun gibt es ohne Zweifel Zusammenhänge zwischen Erkenntnis und Engagement, zwischen rationalem Denken und existenzieller Entscheidung, zwischen Philosophie und Politik, aber sie sind nicht so einfach, wie sie sich engagierten Denkern oft darstellen. Bestimmte Arten des Engagements korrumpieren nämlich das Denken und leisten infolgedessen auch keinen vernünftigen Beitrag zur Lösung von Problemen, ob es sich dabei nun um kognitive, ethische oder auch soziale und politische oder gar um religiöse Probleme handelt. Es gibt ein totales Engagement, das die unvoreingenommene Wahrheitssuche und das kritisch-rationale Denken beseitigt oder zumindest beeinträchtigt und das im Endeffekt – gleichgültig, ob es im Namen des Glaubens und einer göttlichen Macht, im Namen der Geschichte oder in dem der Vernunft in Erscheinung tritt – immer wieder zu totalitären Konsequenzen geführt hat. Nicht allen, die ein solches Engagement für richtig halten, scheint das bewußt zu sein, aber es gibt viele, die es wissen könnten, weil sie die Geschichte kennen. Mir liegt nichts an zeitgeschichtlichen Totalitarismus-Definitionen, die den Sinn haben, die säkularen politischen Religionen und die durch sie geprägten institutionellen Strukturen als Entartungserscheinungen gegen die politisch-religiösen Traditionen des christlichen Abendlandes abzugrenzen, denn die Geschichte ist voll von totalitären Exzessen, die im Namen des Christentums stattgefunden haben, und zwar bis in die neueste Zeit. Es kommt hier vielmehr darauf an, dass unter gewissen strukturellen Gesichtspunkten Katholizismus, Kalvinismus, Kommunismus und Faschismus [und Staatsfeminismus] zusammengehören, nicht etwa, weil alle diese historisch sehr komplexen Phänomene in jeder Hinsicht gleichartig oder auch nur gleichwertig wären, sondern weil in ihnen das extreme Gegenteil der im analytischen Denken postulierten Neutralität wirksam war oder ist: die blinde Parteilichkeit, der gehorsame Glaube, das unkorrigierbare Engagement. es gibt hier also strukturelle Gemeinsamkeiten, und zwar keineswegs solche, die als oberflächlich beiseite geschoben werden können. Gemeinsamkeiten, die nicht nur psychologisch oder soziologisch von Interesse sind, sondern darüber hinaus erkenntnistheoretisch, ethisch und sozialphilosophisch. Diese Züge gilt es zu erkennen, und zwar unabhängig von den unterschiedlichen Sympathien, die man diesen Erscheinungen entgegenbringen mag.

Viele, die diese Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge durchschauen müssten, versäumen vielfach, darauf aufmerksam zu machen, mitunter aus leicht verständlichen ‘existenziellen’ Gründen, oft auch deshalb, weil sie ihre Art des totalen Engagements als etwas gänzlich Verschiedenes von den anderen Varianten absetzen möchten, etwa, weil die in ihrem Denken enthaltene utopische Komponente sie selbst und andere zu der Illusion verleitet, dieses Engagement müsse, wenn es sich in kollektive Aktion umsetzte, prinzipiell andersartige Konsequenzen haben, als wir sie aus der Geschichte kennen. Aber das ist romantisch-illusionäres Denken, auch wenn es von philosophischen oder theologischen Lehrstühlen herunter gepredigt und von Unzufriedenen willig aufgenommen wird, weil sie mit seiner Hilfe ihre Situation ohne die Anstrengung sachlich-rationaler Analyse und damit ohne die Berücksichtigung der sozialen Kosten der von ihnen propagierten Aktionen artikulieren zu können glauben. Begeisterung für eine heilige Sache führt, wie wir wissen, nicht selten zu Faschismus und Intoleranz, zur Diabolisierung des Gegners und schließlich zu Terror und Gewalt. Das totale Engagement, auch wenn es zur Stützung seiner Ansprüche und Forderungen den Namen einer dialektischen oder kritischen Vernunft [das ist eine Anspielung auf die nach Ansicht von Habermas "kritische" Frankfurter Schule] ins Spiel bringt, kann uns also keineswegs die Rettung vor jenem Irrationalismus bringen, dem ein unter der Neutralitätsforderung stehendes analytisches oder ein an Überlieferungen irgendwelcher Art sich auslieferndes hermeneutisches Denken freien Raum zur Entfaltung geben mögen, und zwar deshalb, weil es selbst nur eine Form dieses Irrationalismus ist.

Es besteht aber keine Notwendigkeit, zwischen völliger Neutralität und totalem Engagement zu wählen, wenn man bereit ist, eine weitere Möglichkeit zu sehen, die es erlaubt, Rationalität und Engagement mit einander zu verbinden: nämlich einen kritischen Rationalismus, wie er sich vor allem in der Philosophie Karl Poppers und in verwandten philosophischen Auffassungen präsentiert. Dieser neue Kritizismus, der die Neutralität des analytischen Denkens überwindet und dem totalen Engagement theologischer und quasi-theologischer Denkweisen mit seinen anti-liberalen Implikationen ein kritisches Engagement für rationales Denken und für die unvoreingenommene Suche nach der Wahrheit und nach offenen Problemlösungen entgegensetzt, die im Lichte neuer Gesichtspunkte jeweils revidierbar sind, knüpft tasächlich an eine alte Tradition an, die sich bis in die griechische Antike zurückverfolgen lässt, die sich in der Entstehungsgeschichte der neuzeitlchen Naturwissenschaft wieder zur Geltung gebracht und in der Periode der Aufklärung für einige Zeit das allgemeine Bewusstsein geprägt hat, die aber seit Beginn des neunzehnten Jahrhunderts den durch den Einbruch neuer Irrationalismen [z.B. Hegel und die Deutsche Romantik] hervorgerufenen Belastungen ausgesetzt war” (Albert, 1991: 4-7; fett gesetzte Hervorhebungen von uns, kursive Hervorhebungen im Original).

Abert, Hans (1991). Traktat über Kritische Vernunft. Tübingen: Mohr Siebeck.

Lottoscheine nur noch mit Warnhinweis

In modernen Gesellschaften findet sich eine Schicht von Umsorgern, deren einziger Lebensinhalt darin besteht, sich für andere einzusetzen. Diese Umsorger sind ihrer Sache so sehr verschrieben, dass sie schon zu einem frühen Zeitpunkt in ihrem Leben allen Versuchungen, doch eine Arbeit oder gar eine körperliche Arbeit aufzunehmen, widerstanden haben, um sich ganz in den Dienst der guten Sache an ihrem Nächsten stellen zu können, um diesem Nächsten mit allen Nachdruck, die Mängel an seinem irdischen Dasen vor Augen zu führen und ihn daran zu hindern, sich selbst zu schädigen, etwa durch das Trinken von zuviel Bier und Schnaps, das Rauchen von Zigaretten (alles Tätigkeiten, die u.a. die potentiellen Spenderorgane nutzlos machen – wer will schon Raucherlungen), das Essen der falschen Fettsäuren, den Mangel an Bewegung oder das Sprechen in nicht durch den richtigen Zusatz umfassender sexueller Orientierung ergänzter Sprache.

©Deutscher Bundestag, 2014

©Deutscher Bundestag, 2014

Um ihren aufreibenden und unermüdlichen Einsatz für das Soziale, das Gute im Menschen, die Mitmenschen und Nächsten und die Nächsten der Nächsten, effizient zu gestalten, haben sich die Besorgten, zähneknirschend und erst nach langem Zieren, einen kleinen Obolus aus dem Steueraufkommen, das von den Umsorgten erwirtschaftet wird, genehmigt, nicht weniger als 10.000 Euro im Monat, sollen den Aufwand entschädigen, der durch das ständige Besorgtsein um die Mitmenschen, auch gerne als “die Bevölkerung” oder “die Bürger” bezeichnet, entsteht.

Das ist gelebter Altruismus.

In einem Urteil aus dem Jahre 2006, genau vom 28. März 2006, haben die Richter des Bundesverfassungsgerichts, genauer des ersten Senats (1 BvR 1054/01), also richterlich Besorgte “dem Gesetzgeber” die Leviten gelesen und ihm erklärt, dass seine gesetzlichen Regelungen zum Spieltriebs der Bevölkerung nicht ausreichend sind. Sie reichen nicht aus, um einerseits besagten Spieltrieb der Bevölkerung durch ein ausreichendes Angebot an Spielmöglichkeiten zu befriedigen, andererseits die Folgen des Spieltriebs, in pathologischem Spielen, in Wett- und Spielsucht, einzudämmen oder gar zu verhindern.

Insbesondere sei das staatliche Monopol auf die Einnahmen aus Glücksspielen in Gefahr:

“Das bayerische Staatslotteriegesetz vom 29. April 1999 ist mit Art. 12 Abs. 1 GG unvereinbar, indem es vor dem Hintergrund des § 284 StGB das Veranstalten von Sportwetten dem Freistaat Bayern und deren Durchführung der Staatlichen Lotterieverwaltung oder einer juristischen Person des Privatrechts, deren alleiniger Gesellschafter der Freistaat Bayern ist, vorbehält, ohne zugleich hinreichende gesetzliche Regelungen zur materiellen und strukturellen Sicherung der Erreichung der damit verfolgten Ziele zu schaffen, insbesondere zur Ausrichtung des Wettangebots an der Begrenzung und Bekämpfung von Wettsucht und problematischem Spielverhalten. Die Beschränkung der Vermittlung von Sportwetten ist aus diesem Grund ebenfalls nicht mit Art. 12 Abs. 1 GG zu vereinbaren” (1 BvR 1054/01, Rn.79).

Bundesverfassungsgericht_RichterrobenDie Nachricht der richtlich Besorgten an die gesetzgeberisch Besorgten ist verheerend, basiert das Bayerische Lotteriegesetz doch auf dem Staatsvertrag zum Glückspielwesen in Deutschland (GlüStV), der zwischen den Ländern und dem Bund geschlossen, die Erträge aus dem staatlichen Monopol auf Glückspiele verteilen soll. Kurz: Der Hinweis der Karlsruher Besorgten an die Besorgten in Berlin und den Landeshauptstätten, dass der Spieltrieb der Bevölkerung, also der Umsorgten, zwar befriedigt, aber die Prävention von Wettsucht nicht ausreichend erfolge, wirkt wie ein Domino dem nach dem Bayerischen Lotteriegesetz vorhersehbar die entsprechenden Gesetze der verbleibenen Ländern und der GlüStV zum Opfer fallen. Anders formuliert: Die Einnahmen aus Glücksspiel sind gefährdet. Ziel muss es somit sein, Glücksspiele anzubieten und gleichzeitig von denselben abzsuchrecken, um Wett- oder Glücksspielsucht zu verhindern. Nur so, könne das staatliche Monopol auf die Einnahmen aus Glücksspielen aufrecht erhalten werden.

Ausnahmsweise befindet sich das Bundesverfassungsgericht hier in Übereinstimmung mit dem Europäischen Gerichtshof, der wiederholt in Entscheidungen darauf hingewiesen hat (z.B. C-338/04; C-359/04 und C-360/04), dass ein staatliches Monopol auf Glücksspiele nur durch ausgewöhnliche Schutzmaßnahmen gerechtfertigt sei, die sich auf die Bevölkerung beziehen, um diese u.a. vor Wett- oder Glücksspielsucht zu schützen.

Entsprechend haben die Besorgten in Bund und Ländern nachgebessert und einen neuen Staatsvertrag zum Glücksspielwesen in Deutschland gezimmert, der nunmehr allen Vorgaben der richterlichen Besorgten  genügen soll. Allerdings haben die europäischen Besorgten aus der Brüsseler Besorgten-Kommission bereits Zweifel daran angemeldet, dass der neue Versuch, dem Spieltrieb der Umsorgten Herr zu werden, ausreichend ist, dem Europäischen Umsorgtenrecht entspreche. Auch aus Karlsruhe lassen sich die ersten kritischen Stimmen von besonders richterlich Besorgten vernehmen, die das neue Umsorgungswerk dem Zwecke des Schutzes vor Glücksspiel- und Wettsucht als nicht angemessen ansehen.

Abermaliges Nachbessern ist angesagt und nachbessern wollen die Besorgten aus Ländern und Bund:

In einer Schublade des Bundesjustizministeriums schlummert derzeit ein Referentenentwurf, der noch in der laufenden Legislaturperiode Gesetz werden sollen. Bereits mit den um die Einnahmen des Bundes und der Länder besorgten Finanzministern abgesprochen, sieht der Vorschlag vor, die Bekämpfung der Wett- und Glücksspielsucht offensiv anzugehen.LottoscheinWarnung 1

So sollen demnächst Lottoscheine nur noch mit Aufdrucken wie:  “Glücksspiel gefährdet ihre Gesundheit ” möglich sein. Alternative Entwürfe sehen vor, z.B. Wohnsitzlose und einen Begleittext auf den Rückseiten von Losen oder Wettscheinen von Oddset aufzudrucken bzw. in Pop-Up Fenstern bei Online-Spielern abzubilden, wobei die Prävention von Wettsucht durch Texte wie die folgenden erreicht werden soll:

Einst hatte ich ein nettes Reihenhaus. Heute bin ich wohnsitzlos. Ich habe alles verspielt. Lassen Sie es nicht so weit kommen.

Oder:

Glücksspiel ruiniert!

GlücksspielopferAndere Vorschläge sind am liberalen Paternalismus ausgerichtet und gehen davon aus, dass z.B. Lottospieler gar nicht Lotto spielen wollen. Demgemäß werden sie im Online-Spiel erst nach wiederholtem Ausfüllen des entsprechenden Loses zugelassen, während es in der Annahmestelle passieren kann, dass z.B. der Kioskbesitzer den Lottozettel in den Papierkorb wirft und erst dann aus dem Papierkorb entnimmt und annimmt, wenn derjenige, der das Los abgeben will, auch ganz sicher ist, dass er Glücksspielen will und es sich auch leisten kann.

Bei der Frage der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit setzt ein weiterer heiß diskutierter Vorschlag an, der das Mitbringen eines aktuellen Kontoauszuges als Voraussetzung für die Teilnahme am Glücksspiel ins Spiel gebracht hat. Geht aus dem Kontoauszug hervor, dass der potentielle Spieler bereits seinen Kontokorrentkredit ausschöpft, sei der dringende Verdacht auf Glücksspielsucht begründet und ihm die Teilnahme zu verweigern. Eine Online-Teilnahme an Glücksspielen ist, geht es nach den Befürwortern dieses Vorschlags, nur noch nach vorheriger Schufa-Auskunft möglich, wobei die Schufa-Auskunft alle sechs Monate aktualisiert werden soll.

Wann die entsprechenden Vorschläge umgesetzt werden, und welches genaue Ausmaß die Warnhinweise annehmen werden, ist derzeit noch unklar und wird erst entschieden, wenn die wissenschaftliche Untersuchung, die am eigens eingerichteten Lehrstuhl für Gender und Glücksspiel an der HU-Berlin derzeit durchgeführt wird, zu einem Ergebnis gekommen ist.

 

Homo-Mania

L-S-Lebenswesen_2013_webKaum ein Tag, an dem nicht das Thema “Homosexualität” durch die Medien geht. Man könnte fast meinen, die Welt dreht sich um die sexuelle Ausrichtung von Menschen, ganz so als gäbe es nichts Wichtigeres im Leben als die Frage: Bin ich homo- oder heterosexuell? Es mag sein, dass diese Frage für Pubertierende einen gewissen Stellenwert hat, aber Menschen, die über die Pubertät hinaus sind, sollten auch über die damit einhergehende Fixierung auf Sexualität hinaus sein.

UnionsAber dem ist nicht so. Sexualität ist in Deutschland wie in den meisten verklemmten Gesellschaften allgegenwärtig, denn über das, was man nicht macht, muss man reden, denn würde man es machen, man hätte keine Zeit und keinen Anlass, darüber zu reden. Sexualität ist ein Fetisch der Aufgeschlossenheit: Wer sich in die Schlafzimmer anderer einmischt oder aus denselben berichtet, zeigt damit, wie modern und offen er ist, jedenfalls glaubt er, dass er das zeigt. Das Thema “Sexualität” hat so hohen Stellenwert angenommen, dass Doro Moritz, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Baden-Württemberg sich zu folgender bemerkenswerter Aussage versteigt:

“Es ist sicherlich unstrittig, dass Demokratie- und Sexualerziehung zwingender Bestandteil einer umfassenden Bildung und Erziehung sind. Nur eine völlig vorbehaltlose Demokratie- und Sexualerziehung kann aber letztlich dazu beitragen, dass Diskrminierung verlernt, Anerkennung dagegen erlernt wird.”

Wir dürfen von uns behaupten, dass wir eine Vielzahl von Demokratietheorien kennen. Keine davon, kennt einen Zusammenhang mit Sexualerziehung, ja, das Schlagwortverzeichnis aller von uns geprüfter Demokratietheorien von Sternberger bis Sartori kennt nicht einmal das Wort Sex oder ein Wort, das Sex enthält. Das Wissen, dass Demokratie und Sexualität zusammengehören, ist bei allen von uns gepräften Demokratietheoretikern schlichtweg nicht vorhanden. Aber jetzt haben wir ja Frau Moritz, die uns aufklärt und dafür sorgen will, dass wir den Zusammenhang lernen.

Und wir bemühen uns: Wie könnte der Zusammenhang  aussehen? Vielleicht wählen Homosexuelle anders als Heterosexuelle? Vielleicht sind Homosexuelle gegenüber Heterosexuellen nicht offen genug eingestellt, lehnen die Gewährung eines Wahlrechts für Personen, die nicht homosexuell sind, ab? Vielleicht ist auch die Regierungslehre fehlerhaft, weil die entsprechende Verbindung von Sexualität und Demokratie fehlt, und wäre daher um ein homosexuell-heterosexuell repräsentatives Parteiensystem oder eine im Wechsel homo- und heterosexuell präsidentielle Demokratie zu ergänzen? Wer weiß? Vielleicht meldet sich Frau Moritz ja mit einem entsprechenden Beitrag demnächst zu Wort, z.B. in der Zeitschrift für Parlamentsfragen?

Wie dem auch sei, wir wollen heute ein wenig Material zum Bildungsplan 2015 anfüttern, jenem Bildungsplan in Baden-Württemberg, gegen den sich so viel Widerstand regt, weil er ein für alle Mal und ohne Toleranz in den Köpfen der Schüler verankern will, dass homo- und heterosexuelle Paare und all die anderen Formen von Sexualität gleich, gleichgestellt oder was auch immer sind.

Pläne, wie der Bildungsplan 2015, sind der Ausdruck einer Entwicklung, die man nur homo-manisch nennen kann, die Journalisten und Politiker auf der Jagd nach Prominenten, im Moment: prominenten Sportlern, am Besten in einem Männersport wie Fussball sieht, die endlich zugeben sollen, dass sie homosexuell sind.

Die Homo-Mania sieht bei Aktivisten die Augen leuchten, wenn sie ihre Phantasien darüber, was einem als Homosexuellem alles so passieren kann, in Sprache umsetzen, dabei vergessend, dass ihre Phantasien mit der Realität nichts zu tun haben, wie wir in einer Artikelserie gezeigt haben.

Und die Homo-Mania führt dazu, dass angebliche Pädagogen Schulen mit ihren Ergüssen zur Herstellung von Toleranz und Akzeptanz von homosexuellen Menschen überschwämmen. Ergüsse, wie der im folgenden dargestellte, den die GEW Baden-Württemberg zu verantworten hat und der als Anschauungsmaterial dafür dient, was in Schulen ankommen und gelehrt werden wird, wenn der Bildungsplan 2015 umgesetzt wird.

GEW_Lesbisch und schwulDie folgenden Beispiele stammen aus dem Werk: “Lesbische und schwule Lebensweisen – ein Thema für die Schule”. Der Titel, darauf sei explizit hingewiesen, formuliert eine Feststellung, keine Frage. Auf Seite “12_13″ (die neue Zählweise, die die Benachteiligung benachbarter Seitenzahlen verhindern soll…) sind dann folgende Weisheiten zu lesen:

“Der folgende fächerübergreifende Unterrichtsentwurf stellt am Beispiel der sexuellen Orientierung dar, wie eine Auseinandersetzung mit Verschiedenheit in der Schule möglich ist. Leitfaden beim Umgang mit Heterogenität ist dabei der Grundgedanke der Inklusion: Vielfalt ist eine Bereicherung.”

Es ist schon erstaunlich, wie felsenfest die Gutmenschen, die für die Rechte von Homosexuellen streiten, davon überzeugt sind, dass Homosexuelle so eine Art Freaks of Nature sind, die halt anders, sind und durch ihre Andersartigkeit eine unüberbrückbare “Heterogenität” schaffen, die man nur durch “Inklusion” lösen kann, also dadurch, dass man den grundsätzlich verschiedenen Homo- und Heterosexuellen erklärt, dass sie sich deshalb nicht hassen müssen. Und wieder sieht man die Homo-Manie in voller Stärke, denn die kurze Passage basiert auf der Prämisse, dass Unterschiede in der sexuellen Orientierung so offensichtlich, so grundlegend und so prägend sind, dass sie schier unüberwindbare Gräben der Heterogenität aufreißen. Homo- und Heterosexuelle verbindet, in den Augen dieser Fanatiker, keine gemeinsame Menschlichkeit, deshalb muss man die Heterosexuellen lehren, wie Doro Moritz meint, die Homosexuellen zu achten.

[Übrigens: Wenn Vielfalt eine Bereicherung ist, dann werden wir demnächst wohl auch Obdachlose, Krebskranke, Alkoholiker, Junkies, Facharbeiter der BASF, Banker, Putzfrauen und geistig Behinderte in Schulen thematisieren bzw. Schüler zum Coming Out aufforden, darüber dass sie, ihr Vater, ihre Mutter Alkoholiker sind, darüber, dass die eigene Familie am Existenzminimum, die Tante Tablettenabhängig ist, der Zweitwagen wegen finanzieller Schwierigkeiten verkauft werden muss usw.: Vielfalt ist eine Bereicherung. Nicht vergessen!]

Aber wie lernt man Toleranz und Achtung vor Homosexuellen im fächerübergreifenden Unterricht ab der Klasse 7? So:

“Baustein II: Sich einfühlen. Ziel: Die Schüler setzen sich mit der sexuellen Orientierung und dem Coming Out auseinander und nehmen Stellung. Ablauf: – Einzelarbeit: Die Mädchen schreiben einen Antwortbrief auf den Hilferuf einer guten Feundin, der gerade klar geworden ist, dass sie lesbisch ist (erst Phase des Coming Out). Entsprechend beantworten die Jungen den Brief eines Freundes. – Gruppenarbeit: Die Schüler tauschen sich in Gruppen über ihre Briefe aus.” (12_13)

Offensichtlich gelten in Schulen immer dann, wenn es darum geht, den wichtigen Zusammenhang zwischen Demokratie und Sexualität zu vermitteln, die demokratischen Grundrechte nicht, z.B: das Briefgeheimnis, was insbesondere misslich ist, weil die Schüler aufgefordert werden, private Briefe über einen höchst intimen Sachverhalt zu schreiben. Wir können hier keine Erziehung zu Toleranz oder Akzeptanz erkennen. Was wir erkennen, ist ein Voyeurismus von homo-manischen, die jede Gelegenheit nutzen, um Einblick in die intimen Welten anderer zu erzwingen.

Die gemeinsamen Seiten 18_19 der GEW-Materialien für Lehrer sind “den Fakten” gewidmet. Und die gehen wie folgt:

“Ein heterosexuell empfindender Mensch liebt einen Menschen des anderen Geschlechts. Ein homosexuell empfindender Mensch liebt einen Menschen des gleichen Geschlechts. Ein bisexueller Mensch hat die Fähigkeit, Menschen beider Geschlechter zu lieben. Nach dem amerikanischen Sexualwissenschaftler Alfred Kinsey sind die Grenzen zwischen den sexuellen Orientierungen fließend. Nur ein geringer Teil der Bevölkerung empfindet rein hetero- oder homosexuell.”

Tina Turner

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Die sexuelle Orientierung ist also Empfindung, keine Tätigkeit. Und Sexualität ist mit Liebe gleichzusetzen, was die Darsteller in der Porno-Industrie vermutlich erheitern wird, aber lassen wird das, wichtig für den weiteren Verlauf ist die augenscheinliche Konfusion, die Homo-Manische mit sich herumtragen: Sie sind der Ansicht, dass Sexualität und Liebe eins sind, und entsprechend ist es für sie eine vorausgehende Entscheidung, ob man homosexuell oder heterosexuell ist, damit man weiß, in wen man sich verlieben kann.

Und weil für homo-mane wie diejenigen, die hinter der Broschüre der GEW stehen, Liebe und Sexualität eins sind, vermutlich deshalb, weil sie nie über ihre Pubertät hinausgekommen sind und weder Kenntnis vom einen noch vom anderen haben (und schon gar nicht von beidem zusammen), kommt es zu einer Reihe Verwechslungen, die – würden nicht Schüler damit traktiert – etwas Erheiterndes hätten. Z.B. beim “Was-wäre-wenn-Spiel” auf den gemeinsamen Seiten 16_17:

“Was wäre wenn … deine Mutter dir erzählte, dass sie lesbisch ist?” Was wäre wenn … deine lesbische Tante dir erzählte, dass sie schwanger ist? Was wäre wenn … dein Vater dir erzählte, dass er schwul ist?”

Homo-Manie geht mit Essentialismus einher: Man ist schwul oder lesbisch (offensichtlich geht es bei der “Wahl” der sexuellen Orientierung also darum, das eigene Wesen zu entdecken). Beides sind tiefe Aspekte des eigenen Wesens, so tief, dass man selbst soziale Kategorien damit beseitigen kann, die offensichtlich dagegen stehen, denn die große Mehrheit der so gefragten Kinder wird über einen biologischen Vater, eine biologische Mutter verfügen, mit denen sie zusammenleben. Entsprechend unverständig werden sie auf derat dumme Fragen reagieren, vor allem, wo sie bis zur entsprechenden Frage doch der Meinung waren, dass ihre Tante zumindest bislang den Anschein erweckt hat, normal zu sein. Aber, in Zeiten der Vielfalt, die trotz aller Vielfalt dennoch der heiligen und wenig vielfältigen Aufgabe der Fortpflanzung gewidmet sind, ist auch die höchste Bestimmung von Lesben die Vermehrung – wie auch immer sie gelingen mag.

Wir wollen unseren kleinen Einblick in die Welt der Homo-Manen, mit der sie demnächst vielleicht durch ihre Kinder konfrontiert werden, auf den gemeinsamen Seiten 20_21 beenden. Hier haben die Hersteller der GEW-Broschüre eine Verfremdungstechnik benutzt, die seit Harold Garfinkel seine Ethnomethodologie begründet hat, verwendet wird, allerdings von den meisten Autoren richtig, d.h. in einer Weise, die es erlaubt, die Vorurteile von Probanden zu ergründen. Die Art und Weise, wie sie in der GEW-Broschüre verwendet wird, ermöglicht es nur, die erschreckenden Vorstellungswelten zu rekonstruieren, in denen die Macher leben müssen.

Die Beispiele stammen aus der Vertiefungsphase und dem darin zu findenden “heterosexuellen Fragebogen” (Es gibt also bei der GEW selbst Fragebögen mit Geschlechtspräferenzen. Wer noch einen Beleg für die Homo-Manie der Ersteller gebraucht hat, hier ist er!)

Wer weiter lesen will, der sei gewarnt, vor dem kalten Grausen, das ihn ereilt.

Text in der GEW-Broschüre Unsere Rekonstruktion der dahinterstehenden Prämissen
“Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?” Sexualität, die für die Broschürenmacher mit Liebe gleichzusetzen ist, ist eine Frage der Entscheidung. Man setzt sich hin, wägt die Vor- und Nachteile der jeweiligen Orientierungen ab, trifft eine Entscheidung, geht in die Welt und verliebt sich auf Teufel komm’ raus.
“Eine ungleich starke Mehrheit der Kinderbelästiger ist heterosexuell. Kannst Du es verantworten, deine Kinder heterosexuellen Lehrer/innen auszusetzen? Homosexualität ist die erhabene Lebensform. Heterosexualität ist schmutzig und führt zu Übergriffen. Die Sittenlehre der katholischen Kirche hat dies im Mittelalter nicht anders formuliert.
“Was machen Männer und Frauen denn eigentlich im Bett zusammen? Wie können sie wirklich wissen, wie sie sich gegenseitig befriedigen können, wo sie doch anatomisch so unterschiedlich sind?” Nicht nur, sind die Broschüren-Ersteller von einem Voyeurismus getrieben, den man nur als ekelhaft bezeichnen kann, sie haben offensichtlich auch keine Ahnung davon, dass die Befriedigung sexueller Wünsche gerade auf den kleinen anatomischen Unterschieden aufbaut. Poor souls that they are.
“Laut Statistik kommen Geschlechtskrankheiten bei Lesben am wenigsten vor. Ist es daher für Frauen wirklich sinnvoll, eine heterosexuelle Lebensweise zu führen und so das Risiko von Geschlechtskrankheiten und Schwangerschaft einzugehen?” Verhütungsmethoden sind in der Welt der GEW noch nicht angekommen, einer Welt, die von der Überzeugung getragen wird, dass alles Schlechte dieser Welt, also vor allem Geschlechtskrankheiten (und wir wissen ja, wie eng der Zusammenhang zwischen Demokratie und Sexualität für die Homo-Manen bei der GEW ist) von Männern kommt bzw. übertragen wird. Ohne Männer keine Probleme auf dieser Welt, nicht einmal Schwangerschaften…

Uns reicht’s. Wem noch nicht schlecht genug ist, der kann sich die Broschüre der GEW ja in Gänze zu Gemüte führen. Wir wollen es für heute bei der Feststellung belassen, dass es Zeit wird, etwas gegen die Homo-Mania und die Homo-Manischen zu unternehmen, die ihre eigene Deprivation dadurch verarbeiten wollen, dass sie andere stalken, penetrieren und über ihre Sexualität ausquetschen. Da die entsprechenden Lehrmittel in deutschen Schulen zum Einsatz kommen, wäre es zudem an der Zeit, Schulen aus öffentlich-rechtlicher Trägerschaft zu befreien und homo-mane Anstalten wie die GEW von der Erstellung von Lehrmaterialien für Schulen zu bannen.

HIV AIDS GEWEinen Nachtrag können wir uns an dieser Stelle nicht sparen. Die Darstellung homosexueller Lebensentwürfe in der GEW-Broschüre kommt gänzlich ohne einen Verweis auf HIV/AIDS aus. Das ist nicht nur sträflich, sondern gefährlich, denn wenn es einen wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhang gibt, dann den einer erhöhten Sterblichkeit von Homosexuellen im Vergleich zu Heterosexuellen, und zwar wegen HIV/AIDS. Homosexuelle sind nach wie vor eine HIV/AIDS-Risikogruppe. Wer dies in seiner Darstellung homosexueller Lebensstile weglässt oder in einer Weise in Abrede stellt, wie dies in der Textbox geschieht, die der GEW-Broschüre entnommen ist, der trägt eine Mitverantwortung für jede neue Infektion mit HIV/AIDS.

P.S.

Es würde uns brennend interessieren, auf welche Daten sich die Macher der Broschüre beziehen. Woher sie ihre Kenntnisse über die “Statistik”, die Lesben seltener mit Geschlechtskrankheiten ausweist als alle anderen, haben. Leider gibt es keine Quellenangabe für die entsprechende Statistik.

Nutznießer perpetuum mobile: Neue Form gestörter Esser entdeckt

Wer denkt, dass es sich bei diesem Beitrag um eine Satire handelt, der irrt. Wir tauchen heute ein, in die Welt derjenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere mit Gesundheitstipps zu stalken, deren Essgewohnheiten genau zu untersuchen und dabei regelmäßig das Ziel zu verfolgen, die entsprechenden Essgewohnheiten zu problematisieren, damit man daraus einen Gewinn schlagen kann, z.B. durch das Loseisen von Steuergeldern für die Behandlung der gerade entdeckten oder erfundenen Störung, z.B. durch das Anbieten von Therapien für die neuentdeckten gestörten Esser.

In der Liste der gestörten Esser finden sich, mit abnehmendem Gewicht zunächst die Adipösen, also diejenigen, deren Umfang im Vergleich zu ihrer Höhe heraussteht, es folgen die ungesunden Esser, die zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viel Protein, zu viel Koffein, zu viel, was auch immer, eben zu viel essen (oder zuweilen auch trinken) und die Reihe wird von denjenigen beendet, die zu wenig essen oder zu wenig von dem Gegessenen bei sich behalten, als Schlankheitsmaßnahme in Form von Anorexia Nervosa oder Bulimie.

pooh bearNun ist man geneigt zu denken, wenn jemand in einer Weise isst, die ihm Probleme bereitet, dann wird dieser jemand über kurz oder lang damit aufhören, wenn er denkt, dass er die Probleme abstellen will. Aber das würde diesem jemand einen freien Willen attestieren, und das ist natürlich schlecht, denn mit einem freien Willen lässt sich kein Geld verdienen. Wenn man anderen helfen will, sie beraten, begleiten oder von ihrer Essstörung therapieren will, dann muss man ihnen zunächst den freien Willen absprechen, sie zu Marionetten der jeweiligen Nahrungsmittel machen, denen man dann notwendig, einen entsprechend freien Schädigungswillen zugestehen muss, der gemeinhin als “Abhängigkeit” beschrieben wird. Abhängigkeiten kann man nun von den unterschiedlichsten Dingen behaupten, je nachdem, wofür gerade Fördermittel bereitgestellt werden.

Und Fördermittel sind dann auch immer wieder der Ausgangspunkt, der zur Entdeckung einer neuen Störung führt, für die man dann wiederum neue Fördermittel beantragen kann oder bereitstellen muss, ein perpetuum mobile des Nutznießens.

Nehmen wir z.B. die Europäische Union, bei der man entdeckt hat, dass nicht nur der Konsum von Milch, sondern auch der von Obst unter Kindern zurückgeht. Wie man zu dieser Entdeckung gelangt ist, welche Rolle die Europäischen Milchseen und Obstberge spielen, die die EU-Kommission mit hohen Subventionen produzieren lässt, ist bislang nicht geklärt, aber geklärt ist, dass die EU-Kommission etwas gegen den zurückgehenden Konsum von Obst und Milch unter Kindern tun muss.

Eu Fruit SchemeGesagt getan: mit dem School Fruit Scheme und dem School Milch Scheme werden 88 Millionen Euro in Obst umgesetzt, das an Schulen vornehmlich in Polen, Deutschland, Rumänien und Frankreich verteilt wird, während das School Milch Scheme 65 Millionen Euro einsetzt, um 300.000 Tonnen Milch an 17 Millionen Schüler in der EU zu verteilen. Alles natürlich, um Gutes zu tun, nicht, weil von Obst und Milch gerade so viel da ist, dass man nicht weiß wohin damit, denn: “… we want to … reverse the downward trend in consumption and raise awareness among children of the potential benefits of these products. This is an important measure for bringing about sustained changes in children’s eating habits and improving awareness of important challenges that society faces”.

Letzteres sagt Dacian Ciolos, den man dazu angeleitet hat, bei der EU-Kommission eine Zuständigkeit für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung vorzutäuschen. Nein, wir wollen jetzt nicht die Frage stellen, was die EU-Kommission dazu legitimiert, sich in die Ernährungsgewohnheiten von Kindern einzumischen und Vorgaben über “gesundes Essen” zu machen. Und wir wollen auch nicht fragen, was wohl die wichtigen Herausforderungen sind, denen sich Gesellschaften gegenübersehen und die man mit dem Konsum von Milch und Obst bei Schulkindern meistern kann. Nehmen wir diese Äußerungen des EU-Kommissars als das, was sie sind, Äußerungen, die mit keinerlei Inhalt geschlagen sind.

Stattdessen wollen wir auf die Gefahren und Möglichkeiten hinweisen, die sich mit den “Schemes” der EU-Kommission verbinden: Die Hauptgefahr heißt “Orthorexia Nervosa”. Sie wurde bereits 1997 erfunden oder gefunden. Die Möglichkeit, die sich daraus ergibt, lautet: Förderung von Aufklärungskursen und von Therapien für Orthorexia Nervosa.

Was ist Orthorexia Nervosa?

orthorexia21Orthorexia Nervosa, so schreibt der Erfinder des Begriffs, Steven Bradman, MD, “indicates an unhealthy obsession with eating healthy food”. Man kann also nicht nur zu viel ungesundes Essen essen, sondern auch zuviel gesunde Nahrungsmittel. An anderer Stelle wird Orthorexia Nervosa definiert als: “Basically, orthorexia is a fixation on eating only healthy or pure foods, or what an individual perceives as healthy or pure.”

Und es wird noch besser, wenn man die Beschreibung dieser “Obsession” oder Besessenheit genauer liest. Es beginnt damit, dass Menschen, die sich gesund ernähren wollen, z.B. in der Weise, wie die EU-Kommission das empfiehlt und wie es Politiker auf ihrem Kreuzzug gegen das Übergewicht und deren Hauptverursacher nahe legen, Fett und Zucker aus ihrer Diät streichen. Sie verzichten also auf Schokoriegel, Zucker und Fett  in allen Formen und erreichen damit, dass die Nährstoffe, die in “gesunden Nahrungsmitteln” enthalten sind, nicht mehr aus denselben und aufgrund des Fehlens von z.B. Fett herausgelöst werden können. (Fett ist z.B. notwendig, um fettlösliche Nährstoffe aufnehmen zu können).

Wenn sich dann die ersten Anzeichen einer Mangelernährung einstellen, dann würde man normalerweise erwarten, dass die davon Betroffenen ihre “Obsession” mit gesunder oder “reiner” Nahrung aufgeben und sich wieder einer gesunden, weil abwechslungsreichen Ernährung zuwenden. Nicht so bei Orthorexia Nervosa. Hier regiert die Besessenheit, ähnlich wie dies bei Staatsfeministen der Fall ist. Ersterer Opfer sehen nicht ein, dass eine Ernährung nur mit  vermeintlich gesunden Nahrungsmitteln ungesund ist und ignorieren die entsprechenden Warnsignale, die ihnen ihr Körper in ausreichender Menge sendet. Letztere sehen nicht ein, dass nicht jeder im gleichen Maße von Geschlecht besessen ist wie sie und ignorieren alle Meldungen, die die Realität ihnen entsprechend sendet.

Health food junkiesUnd so kommt eine Untersuchung aus dem Jahre 2013, die sich mit Orthorexia Nervosa beschäftigt, zu dem Ergebnis, dass Letztere vor allem bei Menschen zu finden ist, die Nahrung einen unverhältnismäßigen Stellenwert zuweisen und deren ungesundes Verhältnis zu Nahrung mit sozialen Problemen einhergeht. Die entsprechende Untersuchung ist beileibe kein Einzelfall. Eine Suche nach “Orthorexia Nervosa” in Google Scholar befördert 431 Beiträge zu Tage, Beiträge wie das 2000 erschienene Buch von Steven Bradman “Health Food Junkies: Orthorexia Nervosa…” oder den Beitrag “Prevalence of Orthorexia Nervosa among Turkish Performance Artists.” in der Zeitschrift Eating and Weight Disorders.

Dies zeigt, die Behandlungs- bzw. Therapierungs-Industrie ist bereits angelaufen. Der Gang der Dinge wird Orthorexia über kurz oder lang in den DSM aufgenommen und unter die Essstörungen eingeordnet sehen. Dies ist der Startschuss für deutsche Rentseeker, sich auf den Zug zu schwingen und die Heilfahrt mitzumachen, deren Passagiere aus Leuten besteht, die vor lauter gesunder Nahrung krank werden, angeblich. Der nächste Schritt wird die EU-Kommission und andere, der Gesundheit zumindest verbal verpflichtete Institutionen Fördergelder für die Untersuchung der als neue Volkskrankheit vor allem unter türkischen Performanzkünstlern diagnostizierten Krankheit bereitstellen sehen, die wiederum genutzt werden, um den Krankheitsstatus der Orthorexia für Europa zu zementieren, was dazu führen wird, dass entsprechende Behandlungen und Therapien durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen getragen werden.

MarsriegelDie EU-Kommission wird ihre Milch und Obst-Schemes überdenken, natürlich nicht abschaffen, dafür ist die Agrar-Lobby zu stark. Vielmehr werden Schulen Nahrungsberater als obligatorisch verordnet werden, die dann, während sie den Kindern in den Schulen erzählen, wie gesund doch Obst und Milch sind, auch erzählen, dass man nicht nur Obst und Milch essen kann, sondern ruhig auch einen Marsriegel … Vielleicht, je nachdem wie die Stimmung in 10 Jahren sein wird, gelingt es dem Mars-Konzern ein “Scheme” bei der EU durchzudrücken, das die Wichtigkeit von Fett für das Herauslösen von Nährstoffen aus Obst betont und deshalb Marsriegel an Schulkinder verteilt, 300.000 Tonnen an 17. Millionen Schüler oder so. Was dann wieder dazu führen wird, dass eine neue Krankheit entdeckt wird, nennen wir sie Nitesco Nervosa, ein obzessives Essen von Obst in Kombination mit Marsriegel, und … na den Rest kennen Sie schon. Fröhliches rent seeken mit dem Nutznießer perpetuum mobile.

Mehr Toleranz für Homosexuelle: Interventionen emprisch unbegründet, gefährlich und politisch fehlgeleiteter Aktivismus

Mehr Akzeptanz und Toleranz, so haben es sich Politiker landauf landab vorgenommen, wollen sie ihren Bürgern für Homosexuelle beibringen. Entsprechende Interventionen, die vor allem auf Schüler abzielen, sollen dem hehren Ziel dienen. Aber gibt es auch einen Anlass für die entsprechende Intervention? Gibt es Diskriminierung Homosexueller in relevantem Ausmaß? Leiden Homosexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung unter Vorurteilen und bringen sich gar wegen der darauf basierenden Diskriminierung häufiger als Heterosexuelle um? Wir haben die empirische Evidenz zusammengetragen und untersucht, ob es einen Anlaß für Interventionen wie den Baden-Württembergischen Bildungsplan 2015 gibt, der Bürger zu Toleranz und Achtung Homosexueller anhalten soll. Das Ergebnis: Es gibt keine Notwendigkeit für die entsprechenden Interventionen. Sie sind reiner politischer Aktivismus und bringen die Gefahr mit sich, mehr Schaden anzurichten als sie Gutes tun.

Der folgende Beitrag stellt die Ergebnisse zusammen, die wir über drei Beiträge verteilt zusammengetragen haben:

Teil I: Erhöhtes Suizidrisiko bei Homosexuellen?
Teil II: Homosexuelle begehen nicht häufiger Selbstmord als Heterosexuelle
Teil III: Diskriminierung Ursache von Suizid oder psychischer Erkrankung bei Homosexuellen?

Sind Inverventionen zugunsten „des Regenbogens“ notwendig oder sinnvoll?

In diesem abschließenden Teil unserer kleinen „Vorlesungsreihe“ in Sachen Forschungsstand zum Thema „Sexueller Orientierung, Suizidrisiko, psychische Probleme und Diskriminierung“ wollen wir die wichtigsten Ergebnisse unserer Bestandsaufnahme noch einmal zusammenfassen und einige Schlussfolgerungen im Hinblick auf Sinn und Unsinn von Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ aus ihnen ziehen.

Wir halten also zunächst fest:

zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko

  • Der bei Weitem größte Anteil der Vielzahl von Studien, die den Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko zu erforschen versuchen oder vorgeben, erforscht tatsächlich nicht das Suizidrisiko, sondern fragt nach Selbstmordversuchen, Selbstmordgedanken oder –phantasien oder Todeswünschen irgendwann in der Vergangenheit.
  • suicide attemptDer bei Weitem größte Teil der Studien, die den Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko zu erforschen versuchen oder vorgeben, basiert auf selegierten Stichproben Nicht-Heterosexueller, so dass sich die erzielten Ergebnisse nicht verallgemeinern lassen, was wiederum bedeutet, dass keine Aussagen über die Gruppe von Nicht-Heterosexuellen als solcher gemacht werden können.
  • Ein großer Teil von Studien, die den Nachweis eines erhöhten Suizidrisikos bei Nicht-Heterosexuellen erbringen wollen, kann dies schon deshalb nicht, weil keine Vergleichsgruppe Heterosexueller beinhaltet ist.
  • Es existieren derzeit u.W. nur zwei  Studien, die mit tatsächlichen Todesfällen arbeiten, Homo- und Bisexuelle sowie Heterosexuelle als Vergleichsgruppe beinhalten und nicht auf selegierten Stichproben beruhen. Eine der beiden Studien betrachtet nur Jugendliche, die andere nur erwachsene Männer. Beide Studien kommen zu dem Ergebnis, dass keine höhere Suizidrate bei Homo- und Bisexuellen als bei Heterosexuellen zu beobachten ist.
  • Für diese beiden Studien gilt wie für alle anderen auch, dass sie mit sehr niedrigen Fallzahlen arbeiten müssen, weil sowohl das Merkmal „Selbstmord“ als auch das Merkmal „Nicht-Heterosexuell“ vergleichsweise selten anzutreffen ist und die Kombination beider Merkmale noch seltener. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse steht daher in Frage. Dennoch repräsentieren diese beiden Studien aufgrund der Tatsache, dass sie andere grundlegende methodische Mängel überwinden, die alle anderen Studien zum Thema aufweisen, das derzeit Beste, was an Forschung zum Thema verfügbar ist.
  • Eine dieser beiden Studien hat ein im Vergleich zu Heterosexuellen deutlich höheres Risiko Homo- und Bisexueller, an den Folgen einer HIV-Infektion zu sterben, festgestellt.

zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und psychischen Erkrankungen oder psychischen Problemen sowie ihren Ursachen

  • Zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und psychischen Erkrankungen oder Problemen liegt ebenfalls eine Vielzahl von Studien vor, die allerdings mit teilweise denselben, teilweise anderen, jedenfalls aber  erheblichen methodischen Problemen behaftet sind.
  • suicide solutionEs fasst die Forschungslage hierzu vielleicht am besten zusammen, wenn man festhält, dass es viele Befunde gibt, die zusammen betrachtet in die Richtung weisen, dass Nicht-Heterosexuelle (konkret: meist Homosexuelle und Bisexuelle, denn es sind sie, die gewöhnlich in Studien untersucht werden,) ein im Vergleich zu Heterosexuellen erhöhtes Risiko haben, psychisch zu erkranken oder erkrankt zu sein oder psychische Probleme gehabt zu haben oder zu haben. Ein klarer Befund liegt aufgrund methodischer Mängel (darunter: schlechte Indikatoren für psychische Probleme wie z.B. Alkoholkonsum) und aufgrund widersprüchlicher Befunde bislang aber nicht vor, und die Richtung des Zusammenhangs ist ebenfalls ungeklärt.
  • Es findet sich eine Reihe von Studien, die an ihre Befunde Spekulationen über die Ursachen für psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller anschließen. Unter diesen Spekulationen sind vermutete Diskriminierung oder besondere Belastungen aufgrund gesellschaftlicher Stigmatisierung zu finden. Diese Spekulationen sind aber eben dies und können nicht durch die Daten, auf denen die Studien basieren, gestützt werden.
  • Unbekannt ist, inwieweit psychischen Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen zu Selbstmorden bzw. Selbstmordversuchen führen, also als ursächlich für sie bezeichnet werden können.
  • Weiter ist unklar, welche Ursachen psychische Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen haben, denn Studien, die vermutete Ursachen für psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller tatsächlich zu prüfen versuchen, sind sehr selten.
  • Diesen wenigen Studien ist es nicht gelungen, zu klären, welche Ursachen psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller haben, denn selbst dann, wenn sowohl Stress, wie er im täglichen Leben unabhängig von der sexuellen Orientierung anfällt, als auch Stress, der in Verbindung  mit der spezifischen nicht-heterosexuellen Orientierung entsteht, sowie die Wahrnehmung Nicht-Heterosexueller, einer (vermeintlich) stigmatisierten Gruppe anzugehören, und internalisierte Homophobie als erklärende Größen probeweise berücksichtigt werden, erweist sich, dass sie kaum einen Einfluss haben.
  • Was Stigmatisierung und Diskriminierung als vermutete Ursache von psychischen Erkrankungen oder Problemen bei Nicht-Heterosexuellen betrifft, so sind beide Größen unplausible Erklärungsmöglichkeiten, weil es empirische Forschung gibt, die deutlich zeigt, dass weder eine gesellschaftliche Stigmatisierung noch eine nennenswerte Verbreitung homophober Einstellungen in den Ländern bzw. Bevölkerungen der westlichen Staaten zu beobachten ist.

Die wichtigste Schlussfolgerung aus all dem ist, dass es keinerlei durch wissenschaftliche Studien gerechtfertigten Anlass für Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ gibt bzw. kein Anlass dafür besteht, über nicht-heterosexuelle Orientierungen und ihre Normalität aufzuklären oder für (mehr) Akzeptanz von Nicht-Heterosexuellen zu werben, denn:

  • caution nothing dangerousnichts spricht bislang dafür, dass Stigmatisierung und Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen in nennenswertem Ausmaß besteht,
  • dass Gefühle der Stigmatisierung oder Diskriminierung mit Bezug auf psychische Erkrankungen oder Probleme Nicht-Heterosexueller eine nennenswerte Rolle spielen
  • und dass Nicht-Heterosexuelle im Vergleich mit Heterosexuellen ein erhöhtes Suizidrisiko hätten.

Wenn sich sowohl die Petition zum Bildungsplan 2015 als auch die Gegenpetition zu dieser Petition – zu unterschiedlichen Zwecken – auf ein erhöhtes Suizidrisiko von Nicht-Heterosexuellen berufen, dann tun sie dies also fälschlich, oder anders ausgedrückt: mit einem erhöhten Suizidrisiko von Nicht-Heterosexuellen lässt sich, unabhängig davon, wofür oder wogegen es ein Argument sein soll, nicht argumentieren, weil es bislang keinen klaren Beleg dafür gibt, dass es existiert. Selbst dann, wenn man sich statt auf das Suizidrisiko auf häufigere psychische Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen berufen wollte, so müsste festgestellt werden, dass die Forschungslage hierzu ebenfalls alles andere als klar und zufriedenstellend ist, derzeit jedenfalls keine akzeptable Basis für die Forderung nach Interventionen oder nach ihrer Ablehnung abgeben kann.

Das bedeutet aber auch, dass das im Bildungsplan 2015 formulierte Anliegen, mehr Akzeptanz und Toleranz für nicht-heterosexuelle Orientierungen bzw. nicht-heterosexuell Orientierte gegenstandslos ist: es besteht keine Notwendigkeit hierfür, weil es – wie gesagt – keine überzeugenden Belege dafür gibt, dass ein Mangel an Akzeptanz und Toleranz Nicht-Heterosexuellen nennenswerte psychische Schwierigkeiten verursacht, und weil kein Mangel an Akzeptanz oder Toleranz auf Seiten Heterosexueller beobachtet werden kann.

Unintended-Consequences.2Möglicherweise hätte eine stärkere Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht sogar negative Effekte, nämlich dann, wenn sie als Werbung wirkt und bei Schülern eine größere Bereitschaft bewirkt, nicht-heterosexuelle Entwürfe auszuprobieren oder leben zu wollen, was ihr Risiko, an den Folgen einer HIV-Infektion zu sterben erhöht. Eine stärkere Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht müsste vor diesem Hintergrund sehr verantwortungsvoll und jedenfalls nicht in romantisierenden Darstellungen „des Regenbogens“ erfolgen.

Eine weitere negative Folge einer stärkeren Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht könnte sein, dass – entgegen des Anliegens, deren Normalität dazustellen – den Schülern suggeriert wird, sie seien eben nichts Normales, denn Normalitäten sind gewöhnlich nicht Gegenstand (angeblich) massiver Stigmatisierung, die ja als Voraussetzung dafür vorgestellt wird, das mehr Akzeptanz und Toleranz geschaffen werden müsse. Unvoreingenommene Schüler werden daher erst auf die Unnormalität nicht-heterosexueller Orientierungen Aufmerksam gemacht, damit sie anschließend dazu erzogen werden können, ihnen als Normalität zu begegnen, was aber nichts daran ändert, dass diese Schüler gelernt haben, dass es eine bemerkenswerte positive Leistung bzw. Toleranz von ihnen ist, nicht-heterosexuelle Orientierungen als Normalität zu behandeln. Salopp formuliert: dieser Schuss kann  nach hinten losgehen.

Für Schüler mit nicht-heterosexueller Orientierung ist die Botschaft der Darstellung nicht-heterosexueller Orientierungen als normal zunächst dieselbe: anscheinend sind sie es nicht, denn sonst müsste man deren Normalität ja nicht extra betonen. Darüber hinaus wird ihnen suggeriert, sie seien reale oder dauerhaft potentielle Opfer feindlicher Haltungen oder Handlungen, was in ihnen bestehende Ängste verstärken oder neue Ängste entstehen lassen kann. Anders gesagt: man sensibilisiert sie für Dinge, gegen die sie vorher resistent waren, oder man bringt sie sogar dazu, Ablehnung und Diskriminierung schlichtweg zu phantasieren, was ihnen individuelles Leid bereiten und ihre Beziehungen zu anderen ohne jede Not beeinträchtigen kann.

Weil diese möglichen negativen Folgen immerhin erheblich wären, wenn sie einträten, mag ihre Möglichkeit ein hinreichender Grund sein, von Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ oder sonst irgendwelcher sozialer Gruppen abzusehen, besonders wenn es gar keinen Nachweis der Notwendigkeit und positiver Folgen solcher Interventionen gibt.

Wollte man aber unbedingt intervenieren, dann wäre es sinnvoller, eine Intervention zu planen, die direkten Nutzen für diejenigen erbringen kann, in deren Interesse interveniert werden soll, die sie also in die Lage versetzt, selbst zu handeln, statt sich als Opfer erfahren zu müssen, dessen Lebensqualität von der anerzogenen Toleranz anderer Leute abhängt. Solche Konzepte werden derzeit ja auch häufig unter den Stichworten „Resilienz“ und „empowerment“ diskutiert und erprobt. Ginge es im Bildungsplan 2015 darum, die Lebenslage Nicht-Heterosexueller zu verbessern, hätte er ohne Probleme an diese Konzepte anschließen können. Da er dies nicht tut, muss man vermuten, dass Nicht-Heterosexuelle in diesem Zusammenhang nur als das Feigenblatt missbraucht werden, das notdürftig den Versuch bedecken soll, die ideologische (ggf. Um-/) Erziehung der kommenden Generationen – bis auf Weiteres: in Baden-Württemberg – zu bewerkstelligen.

©ScienceFiles, 2014

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Mindestlohn und Frauenquote: Gegen alle Ratio mit Volldampf in den Sozialismus

KoalitionsvertragZwei zentrale Ziele, die der Koalitionsvertrag zwischen den beiden sozialistischen Parteien vorsieht, die sich zu einer großen Koalition zusammengefunden haben, haben die Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte und die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns zum Gegenstand. Und ist das nicht schön zu wissen, man hat es mit einer Regierung zu tun, die kein Problem damit hat, allen ökonomischen und allen menschlichen Sachverstand über Bord zu werfen und Ziele zu vereinbaren, die vorhersehbar ins Planungschaos, also den Sozialismus und das ihm regelmäßig folgende Elend führen?

Doch der Reihe nach.

Zunächst zum Mindestlohn. Mit dem Mindestlohn verbinden sich hehre Ziele. Legionen von Gutmenschen sehen im Mindestlohn ein Mittel, um den Armen, Ausgebeuteten, also jenen Anderen, von denen man nur vom Hörensagen weiß, dass sie nachts die Büros säubern, die man tagsüber bevölkert oder von denen man gehört hat, dass sie Hilfsarbeiten für geringen Lohn ausführen, ZU HELFEN. Wie gut man sich doch als Helfer fühlen kann, als moralisch Überlegener, der einen Schattenkampf gegen die ausbeutende Klasse der Bonzen führt.

Soweit die Intention, nun zur Wirkung.

Ein Mindeslohn trägt zu einem rigiden Arbeitsmarkt bei, und rigide Arbeitsmärkte, das ist unter Ökonomen schon seit mittlerweile Jahrhunderten bekannt und eigentlich so hinreichend belegt, dass es selbst Politiker schon einmal gehört haben könnten, rigide Arbeitsmärkte produzieren hohe Langzeitarbeitslosigkeit und hohe Einstiegshürden in Jobs für weniger bis schlecht qualifizierte Arbeitnehmer, also für diejenigen, auf die ein Mindeslohn zielt. Mit anderen Worten, rigide Arbeitsmärkte reduzieren die Chancen von Personen, die nur ein geringes Gehalt mit ihrer Qualifikation erzielen können, überhaupt eine Beschäftigung zu erhalten.

minimum-wageDas ist auch einsichtig, denn Unternehmen sind geschlossene Systeme, die auf der einen Seite Einnahmen haben und auf der anderen Seite Ausgaben. Wenn man ihnen nunmehr an einer Stelle höhere Ausgaben auferlegt, dann stellt sich das Nullsummenspiel so dar, dass, um die Einnahmen gleich zu halten, entweder die Preise erhöht werden müssen oder die höheren Ausgaben an anderer Stelle eingespart werden müssen. Höhere Preise führen dazu, dass letztlich Endabnehmer die Kosten eines Mindestlohns tragen. Einsparungen bei Ausgaben erzielt man am besten dadurch, dass man die Anzahl der nunmehr zu einem Mindestlohn Arbeitenden so reduziert, dass eine geringere Anzahl zu Mindestlöhnen Beschäftigter die Kosten verursacht, die zuvor eine größere Anzahl nicht zu Mindestlöhnen Beschäftigter verursacht hat.

Aber die Arbeit, wer soll die Arbeit der nunmehr nicht mehr Beschäftigten erledigen? Auch hierzu ist die Forschung voller Ergebnisse, die man nur zur Kenntnis nehmen muss, und die man unter den Überschriften “Technologisierung” oder “Neustrukturierung der Arbeit” zusammenfassen kann. In ersterem Fall wird ein Unternehmen versuchen, die zuvor von Beschäftigten, die unter dem Mindestlohn bezahlt wurden, verrichtete Arbeit nunmehr durch den Einsatz von Technologien durch weniger Personal ausführen zu lassen, und Personal einsparen, im zweiten Fall wird die anfallende Arbeit unter den verbliebenen Arbeitnehmern neu verteilt.

Und in jedem Fall wird sich durch die Einführung eines Mindestlohns, die Chance auf eine Beschäftigung für gering Qualifizierte verringern. All das ist lange bekannt, wird aber von Politikern hartnäckig ignoriert, denn man will als guter Helfer der Armen dastehen, und das Perfide daran ist, dass die Helfer der Armen mit ihrer Hilfe einige Arme besser stellen werden, nämlich die, die nunmehr zum Mindestlohn beschäftigt werden, während andere Arme, die Zeche der politischen Hilfe zahlen, und zwar dadurch, dass sie arbeitslos werden und für die Zukunft auf erheblich schlechtere Beschäftigungschancen blicken. Es lebe die Gleichheit!

In einer Pressemeldung des Instituts der deutschen Wirtschaft, auf die uns ein Leser hingewiesen hat, wird zudem argumentiert, dass ein Mindeslohn zu steigenden Lohnerwartungen führt. Angesichts der bekannten negativen Folgen, die ein Mindestlohn hat (siehe oben), scheint dieses Problem jedoch fast vernachlässigbar zu sein, denn Erwartungen sind nicht in Stein gemeiselt.

Wer Lust hat, sich in die Forschung zum Mindeslohn einzulesen, der kann dies mit den folgenden Arbeiten tun:

  1. Wirtschaft f DummiesAbowd, John M., Kramarz, Francis & Margolis, David N., 1999: Minimum Wages and Employment in France and the United States. Washington: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper No. 6996.
  2. Baker, Michael, Dwayne, Benjamin & Shuchita, Stanger, 1999: The Highs and Lows of the Minimum Wage Effect: A Time-Series Cross-Section Study of the Canadian Law. Journal of Labor Economics 17, 2: 318-350.
  3. Bauer, Thomas K., Kluve, Jochen, Schaffner, Sandra & Schmidt, Christoph M., 2009: Fiscal Effects of Minimum Wages: An Analysis for Germany. German Economic Review 10, 2: 224-242.
  4. Bellante, Don, 2007: The Non Sequitur in the Revival of Monopsony Theory. Quarterly Journal of Austrian Economics 10, 2: 15-24.
  5. Brown, Charles, 1999: Minimum Wages, Employment and the Distribution of Income. In: Ashenfelter, Orley & Card, David E. (eds.): Handbook of Labor Economics. Amsterdam: Elsevier, 2101-2163.
  6. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 2000: A Reassessment of the New Economics of the Minimum Wage Literature With Monthly Data from the Current Population Survey. Journal of Labor Economics 18, 4: 653-680.
  7. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 1996: ‚Who Gets What’ From Minimum Wage Hikes: A Re=Examination of Card and Krueger’s Distributional Analysis in Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Industrial and Labor Relations Review 49, 3: 547-552.
  8. Card, David & Krueger, Alan B., 1995: Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Princeton: Princeton University Press
  9. Card, David & Krueger, Alan B., 1995a: Time-Series Minimum-Wage Studies: A Meta-analysis. American Economic Review 85, 2: 238-243.
  10. Dolado, Juan, Kramarz, Francis, Machin, Stephen, Manning, Alan, Margolis, David, Teulings, Coen, Saint-Paul, Gilles & Keen, Michael, 1996: The Economic Impact of Minimum Wages in Europe. Economic Policy 11, 23: 317-372.
  11. Fitzenberger, Bernd, 2008: Anmerkungen zur Mindestlohndebatte: Elastizitäten, Strukturparameter und Topfschlagen. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 42, 1: 85-92.
  12. Fitzenberger, Bernd & Kohn, Karsten, 2006: Skill Wage Premia, Employment and Cohort Effects: Are Workers in Germany All of the Same Type. Bonn: Institute for the Study of Labour, IZA DP No. 2185.
  13. Franz, Wolfgang, 2007: Der trügerische Charme des Mindestlohns. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 4: 431-438.
  14. Galindo-Rueda, Fernando & Pereira, Sonia, 2004: The Impact of the National Minimum Wage on British Firms. Final Report of the Low Pay Commission on the Econometric Evidence From the Annual Respondents Database. London: London School of Economics.
  15. Hammermesh, Daniel, 1995: ‚Myth and Measurement:’ The New Economics of the Minimum Wage. Comment. Industrial and Labor Relations Review 48, 4: 830-834.
  16. Kim, Taeil & Taylor, Lowell J., 1995: The Employment Effect in Retail Trade of California’s 1988 Minimum Wage Increase. Journal of Business and Economic Statistics 13, 2: 175-182.
  17. Leigh, Andrew, 2007: Does Raising the Minimum Wage Help the Poor? Economic Record 83, 263: 432-445.
  18. Machin, Stephen, Manning, Alan & Rahman, Lupin, 2003: Where the Minimum Wage Bites Hard: Introduction of Minimum Wages to a Low Wage Sector. Journal of the European Economic Association 1, 1: 154-180.
  19. Machin, Stephen & Wilson, Joan, 2004: Minimum Wages in a Low-Wage Labour Market: Care Homes in the UK.. Economic Journal 114, 494: C102-C109.
  20. Manning, Alan, 2003: Monopsony in Motion: Imperfect Competition in Labor Markets. Princeton: Princeton University Press.
  21. Metcalf, David, 1999: The Low Pay Commission and the National Minimum Wage. Economic Journal 109 (453): F46-F66.
  22. Müller, Kai-Uwe & Steiner, Viktor, 2009: Labor Market and Income Effects of a Legal Minimum Wage – A Microsimulation Study for Germany. Paper proposed for the IZA Conference “The Economics of the Minimum Wage” Berlin, June 21-23, 2009.
  23. Neumark, David, 2001: The Employment Effects of Minimum Wages: Evidence from a Prespecified Research Design. Industrial Relations 40, 1: 121-144.
  24. Neumark, David, Schweitzer, Mark E. & Wascher, William, 2005: The Effects of Minimum Wages on the Distribution of Family Incomes: A Nonparametric Analysis. Journal of Human Resources 40, 4: 867-894.
  25. Neumark, David & Wascher, William, 2007: Minimum Wages and Employment. IZA Discussion Paper No. 2570. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit/Institute for the Study of Labour (IZA).
  26. Neumark, David & Wascher, William, 2002: Do Minimum Wages Fight Poverty? Economic Inquiry 40, 3: 315-333.
  27. Neumark, David & Wascher, William, 1994: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages. Reply to Card, Katz and Krueger. Industrial and Labor Relations Review 47, 3: 497-512.
  28. Neumark, David & Wascher, William, 1992: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages: Panel Data on State Minimum Wage Laws. Industrial and Labor Relations Review 46, 1: 55-81.
  29. Nickell, Stephen, 1997: Unemployment and Labor Market Rigidities: Europe versus North America. Journal of Economic Perspectives 11 (3): 55-74.
  30. Nickell, Stephen & Bell, Brian, 1995: The Collapse in Demand For the Unskilled and Unemployment Across the OECD. Oxford Review of Economic Policy 11, 1: 40-62.
  31. Nickell, Stephen, Nunziata, Luca & Ochel, Wolfgang, 2005: Unemployment in the OECD Since the 1960s. What Do We Know? Economic Journal 115: 1-27.
  32. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2008: Beschäftigungswirkungen von Mindestlöhnen – eine Erläuterung zu den Berechnungen des ifo Instituts. ifo Schnelldienst 61, 1: 16-20.
  33. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2007: Zur Einführung von Mindestlöhnen: Empirische Relevanz des Niedriglohnsektors. Ifo Schnelldienst 60, 10: 33-35.
  34. Scarpetta, Stefano, 1997: Assessing the Role of the Labour Market Policies and Institutional Settings on Unemployment: A Cross-Country Study. OECD  Economic Studies 26: 43-96.
  35. Spriggs, William E. & Klein, Bruce W., 1994: Raising the Floor: The Effect of the Minimum Wage on Low-Wage Workers. Washington: Economic Policy Institute.
  36. Straubhaar, Thomas, 1996: Schutzzoll auf Arbeit – das neue Gesicht des Protektionismus. List Forum 3: 209-221.
  37. Yelowitz, Aaron S., 2005: How Did the $8.50 Citywide Minimum Wage Affect the Santa Fe Labor Market. Washington: Employment Policies Institute.

Die Frauenquote in Aufsichtsräten, die die SPD als einen ihrer wichtigsten Punkte in die Verhandlungen zur Großen Koalition eingebracht hat, ist ein weiterer Stechschritt in den Sozialismus. Ich will hier nicht noch einmal all die wissenschaftlichen Belege zusammentragen, die zeigen, dass eine Frauenquote in Aufsichtsräten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung der zur Quote gezwungenen Unternehmen auswirkt. Ich habe dies in der Vergangenheit umfassend getan und keine Lust, mich zu wiederholen. Ich halte es vielmehr mit Schopenhauer und verweise, die an Argumenten gegen eine Frauenquote Interessierten auf den grundlegenden Text, der als Written Evidence an das House of Lords (S.106-111) geschickt wurde bzw. auf dessen deutsche Übersetzung:

Eine Frauenquote ist rational nicht begründbar.

arbeiterIch will vielmehr ein wenig Nostalgie betreiben, SPD-Nostalgie. Die SPD, das werden jüngere Leser nicht mehr wissen, war nämlich nicht immer eine Partei der Lehrer, Juristen, Studeinabbrecher und Staatsfeministen, nein, die SPD ist als Arbeiterpartei gestartet und hatte entsprechend Anliegen von Arbeitern zumindest kurzzeitig auf der Rechnung. Von diesen Anliegen hat sich die SPD über die Jahre immer weiter entfernt. Bereits 1914 ist sie durch ihre Zustimmung zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs zur staatstragenden Partei geworden und in der Folge, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die ehemalige Arbeiterpartei zu einer Versammlung pseudo-intellektueller Gutmenschen entwickelt, deren derzeit wichtigstes Ziele in der Fortpflanzung und Förderung von Frauen aus der Mittelschicht besteht.

Arbeiterfrauen und Arbeiter als solche, sind der derzeitigen SPD-Führung nur als diejenigen bekannt, die beim Italiener die Lasagne al forno bringen oder bei Abercombi und Fitch oder bei Dallmayr an der Kasse sitzen bzw. bedienen. Und Arbeiter, gering qualifizierte Arbeiter, sind diejenigen, die die SPD-Spitzenverdiener – zumeist ohne ausgeübten Beruf -, nunmehr in die Arbeitslosigkeit schicken, weil die Symbolik des Mindestlohns wichtiger ist als alle wissenschaftliche Erkenntnis in diesem Bereich.

Die SPD ist zu einer Partei geworden, die die partikularen Interessen von Frauen aus der Mittelschicht bedient, solchen, die sich Hoffnungn machen, über Gewerkschaftssitze oder über Parteikarrieren nunmehr und auf Teilzeit in Aufsichtsräte zu kommen. Für sie wird eigens eine Frauenquote beschlossen, um ihnen ein Nutznießen auf Kosten aller anderen zu ermöglichen. Klarer als durch die Forderung nach einer Mittelschichts-Frauenquote in Aufsichtsräten kann man es als Partei nicht mehr machen, wessen Diener man geworden ist und wessen Interessen man nicht vertritt. Und entsprechend sollte langsam ein #Aufschrei durch die arbeitende Bevölkerung gehen, wenn sich Mitglieder der SPD hinstellen und sich als Arbeitervertreter ausgeben.

Und die CDU? Nun, die CDU hat sich auf beide Deals eingelassen und sich somit von ihrem ökonomischen Sachverstand, den sie noch unter Kohl von Wählern attestiert bekommen hat, verabschiedet. Das deutsche Parteiensystem entwickelt sich mehr und mehr zu einem zentripetalen Parteiensystem, wie es Anthony Downs beschrieben hat, Parteien werden in seinem Bild zu Waschmittelverkäufern, die denselben Inhalt in unterschiedlichen Verpackungen verkaufen. Und der gleiche Inhalt besteht aus dem Giftpulver des Sozialismus, das es bislang noch immer geschafft hat, gesunde Ökonomien und florierende Gesellschaften über kurz oder lang zu zerstören.

Schau Hin! [...] – “Was für ein Dreck!” (O-Ton, Dr. habil. Heike Diefenbach)

Im Speckgürtel des Bundesministerium für FSFJ hat sich eine Aktion eingenistet, die Eltern zeigt, wie man richtig mit neuen Medien und mit alten Medien umgeht. SCHAU HIN! heißt die Aktion, deren Initiatoren ganz offensichtlich davon ausgehen, dass Eltern behinderte Deppen sind, die keinerlei eigenes Urteilsvermögen und keinerlei Kenntnisse in der Erziehung ihrer Kinder haben, schlimmer noch: Eltern könnten eigene von den staatlichen Vorgaben abweichende Erziehungsvorstellungen haben – wehret den Anfängen!

Schau besser nicht hinNachdem ich auf der Seite von SCHAU HIN! etwas herumgesurft habe und leider nicht sehen konnte, welche Antworten man erhält, wenn man der Aufforderung “Fragen Sie Frau Langer” folgt, um herauszufinden, was denn nun ein kindgerechter Umgang mit Medien ist, und mir wieder einmal den kollektiven Frust geholt habe, weil ich wieder einmal auf einer Seite des Bundesministerium zur Förderung aller Arten von Gleichmacherei feststellen musste, dass es wirklich Leute gibt, die der Ansicht sind, es gebe ein Grundrezept zur Behandlung aller Kinder, denn Diversität findet sich bestenfalls in Geschlecht, nicht jedoch im Individuum, wie gesagt, nachdem ich diesen Unsinn abermals als allumfassende Prämisse auf dieser “Gutmenschen-Seite” gefunden habe, hat mich der Frust dazu verleitet, den auf der Seite angebotenen Medienpass zu erwerben.

Meine Reise durch Fernsehland (Deutschland), Internetanien (Mauretanien, #Neuland), Gamespol (Interpol) und Handyitalien hat indes nur bis Gamespol geführt, dann hat es mir gereicht, gereicht ob der unglaublichen Stupidität, der primitiven Stereotype und der wirklich kaum mehr zu ertragenden Paternalisierung, die hier auf die Medienpasserwerber hereinprasselt.

Diese Form des Übergriffes kann man nur damit beantworten, dass man denkt, die Macher des Medienpasses müssen das, was sie da verzapfen, für relevant halten und was das über die geistige Verfassung dieser Macher sagt, will ich hier lieber nicht thematisieren.

Statt dessen hier meine Erfahrungen mit dem Medienpass.

Böse Jungen

Das erste Stereotyp, das einem anspringt, ist das des bösen Jungen. Fragen, die sich auf Jungen beziehen, thematisieren Probleme, Jungen als Probleme:

  • FernsehstundenplanMein 9-jähriger Sohn spielt jeden Tag 4 Stunden Computer, ist er deshalb süchtig?
  • Ich beobachte seit einiger Zeit, dass mein 12-jähriger Sohn Videos ins Internet stellt, die seine Mitschüler in peinlichen Situationen zeigt [zeigen], ist das noch Spaß oder sollte ich eingreifen?
  • Ich habe meinen 11-jährigen Sohn erwischt, wie er sich Filme aus dem Netz heruntergeladen hat, für die er noch viel zu jung ist. Wie soll ich mich verhalten?
    • Richtige Antwort: Sie verbieten ihm, solche Filme herunter zu laden und erklären Ihre Gründe dafür. Vereinbaren Sie mit Ihrem Sohn, dass er Sie in jedem Fall vorher fragen soll, wenn er etwas herunterladen möchte.
  • Manchmal, wenn ich beispielweise koche oder etwas erledigen muss, ist es ganz hiflreich, wenn unser 9-jähriger Sohn sich alleine mit Fernsehen beschäftigt. Ist das ok!
    • Richtige Antwort: Sobald die Besorgungen mehr als ein paar Minuten dauern, sollte ihr Kind beim Fernsehen nicht allein in der Wohnung gelassen werden.

Merke: Jungen sind ein Problem. Man darf sie nie unbeaufsichtigt lassen, denn sie nutzen die kontrolllose Zeit, um Filme herunterzuladen, Online-Spiele zu spielen und Mitschüler in peinlichen Situationen online zu outen.

Das nette Mädchen, das Anleitung braucht

Natürlich gibt es mit Mädchen keine Probleme. Sie sind nicht länger als gut für sie im Internet, stellen nichts ins Internet, was Mitschüler kompromittieren könnte, und natürlich laden Mädchen nie, perish the thought, Filme aus dem Internet, für die sie noch zu jung sind.

Nein: Mädchen sind führungsbedürftig, bedürfen der Anleitung:

  • schau_hin_appUnsere 8-jährige Tochter hat bald Geburtstag. Wir wollen ihr gern ein Computerspiel schenken. Was müssen wir beachten?
    • Richtige Antwort: Achten Sie auf die USK-Kennzeichung auf der Verpackung. Diese gibt Ihnen eine erste Orientierung, welche Spiele für welches Alter geeignet sind.
  • Meine 13-jährige Tochter spielt Onlinespiele auf Schüler-VZ [Wo sonst?]. Auf was sollte sie dabei achten?
    • Richtige Antwort: Achten Sie auf Spieleerweiterungen und Aktualisierungen, die hohe Kosten verursachen könnten.

Merke: Mädchen nutzen nur passiv. Sie bekommen die richtigen Spiele, wo Jungen einfach Online spielen, und Mädchen sind natürlich verantwortungsbewusst, würden nie 4 Stunden am Stück spielen, wie Jungen, wegen der Kosten bei Schüler-VZ. Plumper geht es kaum mehr.

Doch in diesem stereotypen Idyll gibt es neben Jungen noch andere Probleme: Großeltern! Großeltern sind ja dement und der Moderne nicht gewachsen, wie die Macher des Medienpasses wissen, und vor allem sind Großeltern nicht so gleichgeschaltet, wie dies gerade mit Eltern versucht wird. Entsprechend könnte es Großeltern geben, die nichts auf die staatlichen USK-Kennzeichnung geben und sich ein eigenes Urteil zutrauen, ob ein Computerspiel für ihre Enkel geeignet ist oder nicht (und vielleicht schenken Sie auch ein Computerspiel, das sich ihr Enkel gewünchst hat…?). Das kann nicht hingenommen werden:

  • Zum Schulbeginn haben die Großeltern unserem Kind (7) ein Spiel geschenkt, welches erst ab 12 Jahren freigegeben ist? Was sollen wir jetzt tun?
    • Richtige Antwort: Geben Sie das Geschenk den Großeltern zurück. Erklären Sie Ihnen, warum Sie das Spiel an Ihr Kind nicht weitergeben möchten und worauf die Großeltern beim nächsten Kauf achten sollten. Bitten Sie darum, sich vorher mit ihnen abzusprechen.

Auch eine Art, Großeltern zu sagen, dass sie sich aus der Erziehung des kostbaren Nachwuchses, dessen Wohlergeben schon die staatliche Agenda schmückt, heraushalten sollen. Großeltern als subversive Störer der richtigen Erziehung – öfter Mal was Neues.

Und natürlich sind Kinder Kinder, und deshalb müssen sie spielen, und zwar keine Lernspiele, nein:

    • Man hört sehr viel von Lernspielen für Kinder. Muss ich mein Kind auch noch nach der Schule dem Leistungsdruck durch anspruchsvolle Lern- und Denkspiele aussetzen?

Man beachte die Sprache. Kinder werden anspruchsvollen Lern- und Denkspielen ausgesetzt und natürlich wollen richtige Eltern das nicht müssen. Lernen außerhalb des schulischen Curriculum ist offensichtlich nicht erwünscht:

    • Richtige Antwort: Auch Kinder haben ein Recht auf Entspannung und sollen einfach nur Spaß am Spielen haben.

Wer es bislang als Kinderbesitzer noch nicht wusste, der weiß es jetzt:

Kinder sollen nicht außerhalb von Schulen mit Lernstoff konfrontiert werden, den das Ministerium nicht abgesegnet hat. Das sind die Anfänge von Anarchie. Großeltern sind von der Erziehung von Kindern fernzuhalten, denn Großeltern tragen den Keim der Überzeugung, als erwachsener Mensch verfüge man über eigenes Urteilsvermögen in sich. Das ist der Ursprung von Anarchie. Mädchen sind leicht anleitbare Puppen, die man richtig steuern kann, keine Gefahr von Anarchie. Dagegen ist Jungen nicht zu trauen, sie sind insbesondere von Großeltern und deren Geschenken fernzuhalten. Schließlich sind Eltern wirklich Deppen, denn man kann sie mit nichts alleine lassen, wie die Macher des Medienpasses wissen, schon gar nicht mit der Erziehung ihrer Kinder.

Wieso laufen Eltern eigentlich nicht Sturm gegen eine Seite wie “Schau Hin”, die versucht, sie zu staatstreuen Deppen zu degenerieren?

uskWäre es nicht an der Zeit, dass die Damen und Herren, die aus ihrer Sicht pädagogisch wertvolle Ratschläge wie die dargestellten geben, und von denen niemand weiß, welche Kompetenzen, Qualifikationen und Erfahrungen sie dazu befähigen, ihre Qualifikationen und die wissenschaftliche Fundierung ihrer Ansichten an die Öffentlichkeit weitergeben?

Wäre es nicht an der Zeit, dass diejenigen, die Kinderspielzeug nach USK bewerten, ihre Kriterien, dies zu tun, angeben. Also mehr als: “(“USK) ist eine von den Verbänden der Computerspielewirtschaft getragene Institution und hat ihren Sitz in Berlin. Ihr Träger ist die „Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH“.  Gesellschafter dieser gemeinnützigen GmbH sind die Industrieverbände der Spiele entwickelnden, produzierenden und in Deutschland vertreibenden Industrie (BIU e. V. – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware und  G.A.M.E. e. V. – Bundesverband der Entwickler von Computerspielen)”. Immerhin wird hier ein lukrativer Markt etabliert, der nicht nur die Kontrolle von Eltern, sondern auch den Verdienst an Eltern ermöglicht, und da wüsste man schon gerne, nach welchen Kriterien dies erfolgt.

Was sind Gutmenschen?

Was sind eigentlich Gutmenschen? Sind Sie das Gegenteil von “Schlechtmenschen”? Was zeichnet Gutmenschen aus? Diese Fragen werden uns regelmäßig gestellt, und wir haben Sie auch schon mehrfach beantwortet, aber offensichtlich ist das Bedürfnis nach einer eindeutig abgelegten Definition davon, was Gutmenschen sind, sehr groß.

Deshalb haben wir uns ein paar weitergehende Gedanken gemacht und die Definition von Gutmensch, die wir bereits gegeben haben, ausgearbeitet, auch oder insbesondere auf Grundlage der Erfahrungen, die wir seit nunmehr drei Dekaden als Sozialwissenschaftler gemacht haben.

Die Definition von Gutmensch, die wir an anderer Stelle bereits gegeben haben, ist die folgende:

darwin-greatGutmenschen sind Indivdiuen, die  ein Überzeugungssystem haben, auf dem sie den Glauben an bestimmte Dinge gründen, z.B. an einen Gott, an den Teufel “Kapitalismus”, an die Benachteiligung von Frauen, an die Überlegenheit der arischen Rasse oder an die Bedeutung ungeborenen Lebens. Von diesem Überzeugungssystem aus – und das ist das entscheidende Kriterium für Gutmenschen- marschieren sie sie, um andere zu ihrem Heil zu bekehren. Das Kriterium, das den Gutmenschen ausmacht, ist somit sein missionarischer Eifer, der sich wiederum aus der eingebildeten Überlegenheit des eigenen Überzeugungssystems speist.

Ausgehend von dieser Definition kann man nun Gutmenschen klassifizieren. Da Gutmenschen ihr Handeln auf andere ausrichten, es sich also um soziales Handeln handelt, bietet sich die von Max Weber aufgestellte Typologie der Handlungsmodi an, um Gutmenschen zu klassifizieren. Entsprechend kann man Gutemenschen  in zweckrationale Gutmenschen, wertrationale Gutmenschen, affektive Gutmenschen und traditionale Gutmenschen unterscheiden.

  • Zweckrationale Gutmenschen missionieren andere, um sich damit einen eigenen Vorteil zu verschaffen. Sie instrumentalisieren ein Überzeugungssystem, um sich Zugänge zu Ressourcen zu verschaffen. Ein herausragendes Beispiel für zweckrationale Gutmenschen sind all die Günstlinge, die sich im Speckgürtel des Bundesministeriums für FSFJ angelagert haben und unnütze Studien anstellen, die Gender Mainstreaming thematisieren oder die sich durch Gender-Was-auch-immer ein Auskommen verschafft haben, das darauf zielt, die gerade opportune Überzeugung, nach der Frauen in Deutschland benachteiligt sind, gewinnbringend einzusetzen. Entsprechend penetrieren sie unbeteiligte Dritte mit dieser opportunen Überzeugung so lange, bis diese Dritten es nicht mehr hören können, um der gerade opportunen Überzeugung Bedeutung zu geben. Das Ziel dieser Verleihung von Bedeutung besteht natürlich darin, Dritten die Notwendigkeit zu vermitteln, für das “Gute” zu bezahlen, und zwar über Steuern und Abgaben. Solange die von zweckrationalen Gutmenschen missionierten den Mund halten und zahlen, sind zweckrationale Gutmenschen zufrieden. Wir glauben, Hinrich Rosenbrock, der sich an den Staatsfeminismus verkauft hat, ist ein gutes Beispiel für einen zweckrationalen Gutmenchen.
  • concentration campBei wertrationale Gutmenschen ist das anders. Ihnen geht es um die Seele ihrer Opfer. Sie verzichten eher auf materielle Aspekte, als dass sie damit leben könnten, dass es in der Welt da draußen Menschen gibt, die nicht glauben, was sie glauben, die nicht der Ansicht sind, dass Menschen soziale Wesen sind, die nicht der Ansicht sind, aller Sinn des Lebens bestehe in Fortpflanzung, die nicht der Ansicht sind, Feminismus sei das Heil, auf das die Welt seit Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, gewartet hat und die nicht der Ansicht sind, Kapitalismus sei schlecht. Wertrationale Gutmenschen verfolgen ihre Opfer, wenn es sein muss bis ans Kreuz, werten Menschen mit anderer Meinung ab, wo sie ihnen begegnen. Sie sind komplette Faschisten, die über Leichen gehen, wenn es die Gelegenheit ergibt, und das ist der Grund, warum wir derzeit wertrationale Gutmenschen nur in Form verbaler Mörder finden. Während zweckrationale Gutmenschen Opportunisten sind, sind wertrationale Gutmenschen Überzeugungstäter. Ein Beispiel dafür scheint uns das zu sein, was sich hinter dem Pseudonym Fiona Baine (oder hier, manchmal überholen einem die Ereignisse stündlich…) bei Wikipedia versteckt.
  • Affektive Gutmenschen halten sich einfach für gut. Es gehört zu ihrem Selbstbild. Sie hinterfragen nichts und verfolgen keine Ziele, sie bilden einfach die unterstützende Masse, die auf die Führung durch Führer (vermutlich Opportunisten, also zweckrationale Gutmenschen) warten. Heike Diefenbach spricht in diesem Zusammenhang von Wasserträgern.
  • Ob es traditionale Gutmenschen gibt, ist eine Frage, die mit Forschung zu klären wäre. Die logische Analyse legt es nahe, ihre Existenz anzunehmen, allerdings sind die Moden der Ideologien zu kurzlebig, als dass man eine Tradition des Gutmenschentums begründen könnte, die eine bestimmte Ausrichtung hat. Entsprechend müsste man annehmen, dass traditionale Gutmenschen leere Eimer sind, in die wahllos die Ideologie gefüllt werden kann, die gerade en vogue ist und von der behauptet wird, dass sie “gut” sei. Von den opportunistischen, zweckrationalen Gutmenschen wären sie entsprechend nur dadurch unterrschieden, dass sie keinerlei Vorstellung und Zweck mit ihrem “Gutsein” verbinden. Sie sind halt so … gut.

Soweit unsere Definition von Gutmensch.

©ScienceFiles, 2013/2014

Es gutmenschelt wieder: dieses Mal geht es Nutella an den Kragen

NutellaNa, haben Sie heute Ihr Brötchen mit Nutella bestrichen? Wenn ja, dann genießen Sie es, so billig wie bislang, bekommen Sie Ihren Zucker in Zukunft nicht mehr, jedenfalls nicht, wenn es nach der Deutschen Diabetes Gesellschaft geht. Dieselbe in Person Ihres Vorsitzenden, Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, fühlt sich nämlich berufen, die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD, die doch bereits mit so weltbewegenden Themen wie einer Frauenquote überladen sind, mit einer weiteren Absurdität zu überfrachten, nämlich der Forderung nach einer Kaloriensteuer:

Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt Überlegungen im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD, künftig eine Steuer auf besonders kalorienreiche Lebensmittel zu erheben. „Dies wäre ein bedeutender Schritt, um Primärprävention bevölkerungsweit und nachhaltig in Deutschland einzuführen“, heißt es in einem Brief der DDG an die Verhandlungsführer beider Parteien im Ausschuss Gesundheit, Jens Spahn und Karl Lauterbach. Die Fachgesellschaft schlägt gleichzeitig vor, gesunde Lebensmittel steuerlich zu entlasten. Die Kaloriensteuer soll helfen, Ernährungsgewohnheiten zu verändern und Übergewicht zu bekämpfen. Übergewicht ist eine der Ursachen für Diabetes mellitus.

Gibt es eigentlich einen Zusammenhang zwischen Ärger und gesundheitlichen Schädigungen? Wenn ja, dann fordere ich, den Herrschaften von der DDG den Mund zu verbieten, als Form der Primärprävention und meiner Gesundheit zuliebe.

DDGWieder einmal sind also Gutmenschen angetreten, andere zu bevormunden und zu verhindern, dass andere in freier Entscheidung ihr Nutella wählen und den lahmen, nachhaltigen und nach nichts schmeckenden Brotaufstrich, den die DDG wohl empfehlen würde, abwählen. Das darf nicht sein und überhaupt, so weiß Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel: “Der bloße Appell an Verhaltensänderungen sei nachweislich gescheitert.” Ja sowas auch. Da sagt man erwachsenen Menschen, dass es nicht gut ist, Nutella zentimeterdick, ja überhaupt auf sein Brötchen zu schmieren, und was passiert? Ignoriert wird man! Das geht nicht, nicht mit einem Dr. med. Erhard Siegel, nicht mit einer DDG! All diejenigen, die nicht so wollen, wie die DDG, die werden schon sehen, was sie davon haben: Die DDG hat die Politiker zur Hilfe gerufen. Mt einer Kaloriensteuer, so frohlockt Siegel “hätten wir endlich eine effektive Strategie gegen das weitere Ansteigen der Volkskrankheiten wie Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen”.

Das ist erstaunlich, was der Herr Dr. med da behauptet, so erstaunlich, dass man gerne wüsste, wo er seine Erkenntnis über die Wirksamkeit von Steuern auf Kaloriern (!sic) herhat. Alle Forschung, die vor allem im englischsprachigen Ausland und im Hinblick auf die so genannten Sin-Taxes durchgeführt wird, zeigt nämlich einträchtig, dass

  • die entsprechenden Steuern vor allem eines sind: wirkungslos im Hinblick auf die beabsichtigte Wirkung;
  • die entsprechenden Steuern sozial ungerechte Steuern sind, die in erster Linie die sozial Schwachen treffen, denen Gutmenschen doch normalerweise so zugetan sind;
  • die angebliche Entlastung der Gesundheitssysteme eine Illusion ist, da die frühere Mortalität der Kalorienfresser dazu führt, dass hohe Alterskosten, wie sie dem Gesundheitssystem z.B. durch Demenz oder Alzheimer oder Pflegebedürftigkeit entstehen, nicht anfallen;
  • die entsprechenden Steuern eine Form der paternalistischen Selbstbeweihräucherung sind, die langsam unerträglich wird;

Medical paternalismUnd darüber hinaus sind die entsprechenden Steuern nur als Fürsorge verpackt, denn sie dienen in erster Linie dazu, das Steuersäcklein zu füllen, und wozu sie in zweiter Linie dienen, kann man nur vermuten. Seltsamerweise haben Steuern, die einem Finanzminister und einem Etat zu Gute kommen, die also keinerlei direkten Nutzen für diejenigen haben, die sie fordern, eine wohltuende Wirkung auf die entsprechenden Forderer, fast so, als ginge von der Besteuerung Dritter eine Form der Genugtuung aus, die fast schon an Schadenfreude grenzt (oder auch nicht fast), aber das ist natürlich sozial nicht verträglich. Es ist schon besser, sich als besorgt um die Gesundheit Dritter, denen man im täglichen Leben eher aus dem Weg geht, als dass man sich im Zug auch nur für eine Station neben sie setzen würde, darzustellen.

Nun gibt es zwei Formen der fürsorglichen Besteuerer, solche wie Edgar Franke (SPD) und Erwin Rüddel (CDU), die fordern, die Steuern auf Nahrungsmittel, die mehr als 275 Kalorien pro 100 Gramm aufweisen, generell um 50% zu erhöhen. Davon wären Nutella, Kartoffelchips und Schokoriegel und Fast Food und Softdrinks und und und betroffen. Die andere Form der fürsorglichen Besorgnis, die dem netten Dieb-Syndrom entspricht (der Dieb, der erst 100 Euro stiehlt und dann, weil er ein schlechtes Gewissen hat, einen Euro zurückgibt), geht von Status Quo der Besteuerung aus, nimmt mit zunehmender Kalorienzahl mehr und lässt dafür bei den Nahrungsmitteln, die als gesund und (wie könnte es anders sein) nachhaltig angesehen werden, ein wenig nach. Das ist es dann wohl, was Richard Thaler und Cass E. Sunstein liberalen Paternalismus nennen, ein Unding, für das die beiden Sozialwissenschaftler verantwortlich sind und für das sie eigentlich aus der wissenschaftlichen Zunft ausgeschlossen werden müssten.

cartoon cavemenDenn sie geben allen Arten von Gutmenschen die Möglichkeit, eigene Versuche des rent seeking hinter angeblicher Fürsorge zu verstecken. Politiker tun das noch am ehrlichsten, indem sie generell nur in höheren Steuern zu denken in der Lage sind. Fürsorger wie diejenigen von der DDG tun dies im Verborgenen, und zwar über die Kriterien, die bestimmt werden müssen, um die nachhaltigen und vermeintlich gesunden Nahrungsmittel zu identifizieren. Bei dieser Bestimmung wollen die DDGler natürlich mitreden, und sie sind natürlich keiner Einflussnahme von Seiten Dritter zugänglich und haben natürlich auch keinerlei eigenen Nutzen davon, dass sie Dritten vorschreiben, was ihr jeweiliger Lebensstil kostet. Sie sind die puren Altruisten, die reinen Gutmenschen, die vor lauter Fürsorge über Dritte, dahinschmelzen wie der Schnee, der im Moment noch die Black Mountains ziert. Bei so viel Gutheit wird es mir regelmäßig so schlecht, dass ich darüber nachdenke, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, eine Gutmenschen-Steuer einzuführen. Pro Gutmenschen-Vorschlag werden 100.000 Euro fällig, zu zahlen an diejenigen, die Gegenstand des Gutmenschen-Vorschlag sind.