Heteronormative und sexistische Papiertüten

Der wissenschaftliche Nachwuchs macht wieder von sich reden; dieses Mal der Nachwuchs aus Würzburg, wo angehende Wissenschaftler, diejenigen, die in ein paar Jahren für sich beanspruchen wollen, die intellektuelle Elite des Landes, zumindest im Hinblick auf formale Bildungstitel zu stellen, in Papiertüten den Klassenfeind erkannt haben.

Uni WuerzburgEntsprechend machen sie in einer Weise von sich reden, die zeigt: Zwischen formaler Bildung z.B. einer (Fach-)Hochschulreife und Intelligenz besteht zuweilen bestenfalls eine Schnittmenge, über deren Ausmaß man sich genauer unterhalten müsste.

In Würzburg, an der dortigen Universität, ist es üblich, Erstsemestern Semesteranfangstüten auszuhändigen, in denen sich vornehmlich Werbegeschenke befinden. Schon 2013 hat der “Studentische Konvent” der Universität Würzburg auf Antrag der Referate “Ökologie” und “Gleichstellung” die Abschaffung dieser Semesteranfangstüten beschlossen. Zum Sommersemester 2015 hat sich der Sprecherrat an den Beschluss erinnert und die Semesteranfangstüten abgeschafft.

Erstsemestertuete“Durch die Verteilung der Tüten wurde[n] für eine lange Zeit Berge von Müll produziert, die noch Tage in der Mensa sichtbar waren. Die wenigen kostenlosen Werbegeschenke darin standen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Entsorgung. Schon 2013 wurde folgender Antrag zu den Semesteranfangstüten beschlossen:

Jedoch wurde dieser Beschluss oftmals vernachlässigt. Nun zur nächsten Erstimesse wird es keine Semesteranfangstüten geben.”

Die Begründung, die hier gegeben wird, lautet demnach: Müllvermeidung. Sie ist nachvollziehbar und somit rational, denn wenn die Menge des entstehenden Mülls durch den Gewinn, der den einzelnen Studenten durch die Semesteranfangstüten entsteht, nicht gerechtfertigt ist, dann macht es durchaus Sinn, über den Wert der Tüten nachzudenken – zumindest ist es eine rationale Begründung, was zeigt, dass der derzeitige Sprecherrat an der Universität Würzburg zumindest aus einigen denkfähigen und rationalen Studenten zu bestehen scheint.

Interessant ist auch, dass die Sprecher die Verbannung der Semesteranfangstüten von der “Erstimess” (die infantile Sprache ist überall) ausschließlich mit Müllvermeidung begründen. Dies spricht für sie, denn offensichtlich sind sie der Meinung, die ursprüngliche Begründung des später beschlossenen Antrags, der auf die Referate Ökologie und Gleichstellung zurückgeht, sei so absurd und unsinnig, dass man sie besser nicht wiederholt.

Und damit haben die Studentenräte sicher recht.

Denn wie so oft, wenn Referate, die “Gleichstellung” im Namen führen, an etwas beteiligt sind, zeigt das Produkt, das unter Beteiligung derjenigen, die sich in diesen Referaten zusammenfinden, erstellt wurde, alle Anzeichen eines Ergebnisses, das man nur auf geistige Demenz zurückführen kann.

Und dabei kommen dann Sätze, wie die folgenden heraus:

“Der Sprecher- und Sprecherinnenrat setzt sich bei den Verantwortlichen des Studentenwerks, wie auch bei weiteren Akteurinnen und Akteuren dafür ein, dass die unverhältnismäßig viel Müll produzierenden, heteronormativen, und sexistischen Semesteranfangstüten an der Universität Würzburg nicht mehr ausgeteilt werden.”

Die Sprachverwirrung, sie schreitet voran. Anders formuliert: Es gibt bereits unter Studenten Sprechmaschinen, die ein Inventar von Begriffen haben, die sie unter den Rubriken “gut” und “schlecht” kategorisieren, deren Bedeutung sie aber in keiner Weise kennen.

Die Begriffe “heteronormativ” und “sexistisch” sind solche Begriffe. Beide beziehen sich auf ein Verhalten bzw. wenn man ganz freundlich ist, kann man annehmen “heteronormativ” beschreibe auch eine Einstellung. Papiertüten, jedenfalls die Papiertüten, die wir kennen, haben weder eine Einstellung, weshalb sie nicht heteronormativ sein können, noch zeigen sie ein Verhalten, weshalb es nicht möglich ist, Papiertüten als sexistisch zu bezeichnen.

Und jetzt kann man sie schon hören, die Künstler, die schreien, dass es sexistische Darstellungen gibt. Und doch gibt es die entsprechenden Darstellungen nicht. Es gibt ausschließlich Darstellungen. Und dann gibt es Betrachter von Darstellungen, die diese Darstellungen bewerten, z.B. als sexistisch. Sexistisch ist aber keine Eigenschaft der Darstellung oder der Papiertüte, sondern eine Zuschreibung durch den Betrachter. Man sollte meinen, dass derartige Trivialitäten, die unter Studenten sozialwissenschaftlicher Fächer bereits im ersten Semester verbreitet sein sollten, auch tatsächlich verbreitet sind. Sie sind es aber offensichtlich nicht.

Vielmehr findet sich unter Studenten zunehmend eine Unfähigkeit zwischen eigener Bewertung und Zuschreibung und den Eigenschaften von Objekten zu unterscheiden. Das ist bedenklich, denn diese Studenten sind anfällig für z.B. Rassenlehren, die z.B. Juden bestimmte Eigenschaften zuschreiben und behaupten, die Eigenschaften seien Juden inhärent. Der Rassismus beginnt, so kann man formulieren, bei dem irrigen Glauben, es gebe sexistische Papiertüten.

Wer das denkt, ist natürlich auch hervorragend manipulierbar, denn er bemerkt gar nicht, dass er es ist, der seine Bewertung in seinem Bemühen, z.B. Gutes zu tun, an Objekte heranträgt. Entsprechend einfach ist es diese Zombies zu steuern, z.B. in dem man behauptet, ein Objekt sei irgendetwas, sei rassistisch, sexistisch, extremistisch, was auch immer, eine Behauptung, die darauf abzielt, den Affekt auszulösen, der dann auch regelmäßig kommt, da die Zuschreibung ja als “gut” oder “schlecht” kategorisiert wurde (Der Hund von Pawlow hat für seinen Reiz-Reaktions-Gehorsam, für seine klassische Konditionierung, wenigstens noch Nahrung – also eine Belohnung erhalten. Studenten in Würzburg zeigen Reaktionen auch ohne nachvollziehbare Belohnung. Da sage noch einer, Hunde wären Menschen unterlegen…).

Spätestens bei Begriffen wie “heteronormativ” sollte der Unterschied zwischen dem Objekt und der Bewertung des Objekts einem Studenten, der zur intellektuellen Elite gehören will, jedoch auffallen. Normen sind nichts, was sich direkt beobachten ließe. Normen kann man nur aus gleichförmigem Verhalten erschließen. Wenn alle Bekannten, die man hat, sich regelmäßig dann von einem abwenden, wenn man in der Mensa damit beginnt, über seine  Verdauungsprobleme und die Folgen davon zu sprechen, dann könnte man, wäre man ein aufmerksamer Beobachter und vielleicht sogar ein angehender Soziologe, daraus schließen, dass es eine Norm gibt, die es verbietet, beim Essen über Verdauungsstörungen, deren Folgen und die Art und Weise, wie sie sich äußern, zu sprechen.

Da Papiertüten sich nicht verhalten, können Papiertüten auch nicht heteronormativ sein. Sie können bestenfalls das Ergebnis von normativem Verhalten sein, z.B. wenn sie aus nicht mit Chlor gebleichtem Papier hergerstellt wurden.

Studenten sollten das eigentlich wissen.

Aber was soll man von Studenten erwarten, die Sätze wie die folgenden von sich geben:

Wuerzburger Knalltueten“Die UNICUM-Tüten preisen die Zweigeschlechtlichkeit: es gibt nur die Wahl zwischen Frauen- und Männer-Tüten, die jeweils durch ihren Inhalt als auch durch das rosa und blaue Band geschlechtsstereotyp gekennzeichnet sind. Zu den Produkten sei ein Beispiel in Bezug auf die UNICUM-Tüten im Wintersemester 2012/13 genannt: In den Tüten zu Beginn des Wintersemesters 2012/13 befand sich in den Männer-Tüten ein bekannter Energiedrink, in den Frauen-Tüten fand man selbigen in der „zuckerfrei“-Variante. Hier wird sich also zusätzlich zur Zweigeschlechtlichkeit einem bestimmten Körperbild verschrieben, dem vor allem Frauen zu entsprechen haben, da es gesellschaftlich anerkannt sei.”

Tüten sind also nicht nur heteronormativ und sexistisch, sie preisen auch die Zweigeschlechtlichkeit.

Nun, hätten die Eltern der Studenten, die sich hier über das Lob der Zweigeschlechtlichkeit beschweren, nur von diesem Lob und Preis abgesehen, dann wäre uns einiges an Unsinn erspart geblieben. Z.B. die Notwendigkeit gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass Sexismus nicht in den Gegenständen liegt, sondern in den Betrachtern. Die für die zitierten Sätze Verantwortlichen, sie sind wahre sexistische Monster, die nicht anders können, als in allen Dingen danach zu forsten, ob sie nicht vielleicht sexistisch interpretiert werden können.

Derartige Fixierungen wurden früher auf der Couch von Psychiatern behandelt. Heute sind sie in manchen Bereichen zur Normalität geworden. Die Normativität des faktischen Wahnsinns, die denjenigen, die sich ihr unterwerfen, vorgaukelt, sie seien normal, sie ist in manchen Bereichen total. In diesen Bereichen herrscht ein Glaube, von dem die Besessenen nicht einmal durch die Tatsache abzubringen zu sein scheinen, dass die Umgebung über sie lacht, jene Umgebung, die mit normalen Menschen bevölkert ist, die in Tüten Tüten erblicken und keine sexistischen Fanale, jene Umgebung, in der zuckerfreie Marmelade zum Frühstück gegessen wird, und zwar von zwei gegengeschlechtlichen Frühstückern, die nicht eine Sekunde auf die Idee kommen, mit der zuckerfreien Marmelade verbinde sich ein “bestimmtes Körperbild”.

Warum kommen sie nicht auf die Idee? Weil sie in der ratio-normativen Welt leben, in der die eigene Idiotie nicht in Kanaldeckel und Papiertüten projiziert wird, sondern Papiertüten und Kanaldeckel eben Papiertüten und Kanaldeckel sind.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob es notwendig sein wird, einen antirational-normativen Zug an deutschen Hochschulen einzurichten, in dem diejenigen gesammelt werden, die es aus nicht nachvollziehbaren Gründen an Hochschulen geschafft haben, damit sie von dort direkt in geschlossene Anstalten transferiert werden können, Anstalten, in denen sie von morgens bis Abends über heteronormative Papiertüten und sexistische Kanaldeckel diskutieren können, Anstalten, die am besten vom Bundesministerium für FSFJ finanziert werden, schon wegen vorhandener personeller Überlappungen.

Diese Art der Internierung hätte auch den Vorteil, dass die Internierten nicht anderen vorschreiben können, wie sie z.B: Semesteranfangstüten zu bewerten haben und andere, die diese Tüten vielleicht gerne gehabt hätten, durch ihr Verhalten schädigen.

Weiteres zum #TütenGate gibt es bei Hadmut Danisch.

Gender Korrektheit scheitert am gesunden Menschenverstand

– zumindest in Wales!

Zwar ist das Vereinigte Königreich ein Ort relativer Ruhe, wenn es um Gender Unsinn geht, insbesondere Wales erweist sich als resistent gegen Versuche, Gender Mainstream Müll über z.B. die Severn Bridge zu importieren, das heißt jedoch nicht, dass es im Vereinigten Königreich keine Versuche von Genderisten gibt, ihren geisten Durchfall anderen vor die Füße zu werfen.

Tatort: Millenium Stadion, Cardiff

Täter: Regelmäßig ein Männerchor und 70.000 Waliser.

Tat: Gesang: Delilah

Delilah ist ein Lied von Tom Jones aus dem Jahre 1968, das den jüngeren unter uns vermutilch bislang gar nicht bekannt war.

Dank genderistischer Gutmenschen erlebt Delilah derzeit einen Bekanntheitsschub und Sir Tom Jones Woodward, OBE (Officer of the Most Excellent Order of the British Empire), eine entsprechend gesteigerte Nachfrage.

Was ist geschehen?

Genderisten, die ja immer gerne ihre schmutzigen Phantasien anderen in die Schuhe schieben, haben in Delilah einen Aufruf zu häuslicher Gewalt erkannt. Deshalb haben sie eine Kampagne gestartet, um den Walisern das Singen von Delilah vor dem Rugby-Spiel abzugewöhnen, nein, zu verbieten. (Offensichtlich läuft manchen Genderisten so der Speichel, dass sie ihre eigene Sprache nicht mehr beherrschen, denn – wie der Liedtext unten deutlich zeigt -, lebt Delilah in ihrem Haus und das, was gewöhnlich unter häuslicher Gewalt verstanden wird, kommt gar nicht vor.)

Wie immer, wenn die mit allem Wissen und aller Erkenntnis gesalbten Genderisten des Wegs kommen, haben sie keine Skrupel, Dritten Tätigkeiten schlicht zu verbieten, Dritte in ihren Rechten zu beschneiden, sie ihrer Freiheit zu berauben, sie auf Gender-Magerkost zu setzen.

Im vorliegenden Fall haben Sie die Rechnung jedoch ohne den Wirt gemacht, denn: Die Welsh Rugby Union, Hausherr im Millennium Stadium und für die Durchführung der Rugby-Spiele der Waliser Nationalmannschaft verantwortlich hat Delilah im Status mit MacBeth oder Romeo und Julia von Shakespeare verglichen und kategorisch festgestellt, dass es kein Verbot von Delilah vor Rugby-Spielen geben wird, schon weil Delilah ein “secondary national anthem” sei.

Genderisten haben sich somit an Walisern die Zähne ausgebissen. Mehr noch: Sie haben ein Lied popularisiert, das außerhalb von Rugby-Stadien vielen unbekannt war, und sie haben dazu beigetragen, dass Mitglieder der Männerchöre, die vor Spielen der Waliser Nationalmannschaft das Publikum unterhalten, nunmehr in regulären Wechseln der Liedtexte und dann, wenn Delilah dem entsprechenden Wechsel zum Opfer fällt, ein Komplott sehen und dagegen opponieren.

Sie haben das Gegenteil ihrer sauberen Gutmenschen-Kampagne erreicht, und das ist gut so, denn es gibt Grenzen des Unsinns und den Gender-Unsinn haben wir uns schon viel zu lange zumuten lassen.

Damit unsere Leser einen Eindruck von Delilah gewinnen:

Hier der Text und unsere Übersetzung der Hymne des Widerstands gegen Genderismus!

Englisch Deutsch
I saw the light on the night that I passed by her window. Ich habe noch Licht gesehen als ich in der Nacht an ihrem Fenster vorbeiging.
I saw the flickering shadows of love on her blind. Ich habe die flackernden Schatten von Liebe hinter auf ihrer Jalousie gesehen.
She was my woman. Sie war meine Frau
As she deceived me I watched and went out of my mind. Ich sah zu, wie sie mich betrogen hat und habe meinen Verstand verloren.
My, my, my, Delilah. Meine, meine, meine Delilah
Why, why, why, Delilah? Warum, warum, warum, Delilah?
I could see that girl was no good for me. Ich habe eingesehen, das Mädchen ist nicht gut für mich
But I was lost like a slave that no man could free. Aber ich war verloren wie ein Sklave, den niemand befreien kann.
At break of day when that man drove away, I was waiting. Im Morgengrauen, wenn dieser Mann davonfuhr, habe ich gewartet.
I crossed the street to her house and she opened the door. Ich überquerte die Straße zu ihrem Haus und sie öffnete die Tür.
She stood there laughing .Sie stand da und hat gelacht.
I felt the knife in my hand and she laughed no more. Ich spürte das Messer in meiner Hand und sie hat nicht mehr gelacht.
My, my, my Delilah. Meine, meine, meine Delilah
Why, why, why Delilah? Warum, warum, warum Delilah
So before they come to break down the door, Bevor Sie kommen und die Tür aufbrechen
Forgive me Delilah I just couldn’t take any more. Vergib mir Delilah, ich konnte es einfach nicht mehr ertragen.

Die menschenverachtende Hilfe opportunistischer Gutmenschen

Vor einiger Zeit haben wir Gutmenschen wie folgt definiert:

darwin-greatGutmenschen sind Indivdiuen, die ein Überzeugungssystem haben, auf dem sie den Glauben an bestimmte Dinge gründen, z.B. an einen Gott, an den Teufel “Kapitalismus”, an die Benachteiligung von Frauen, an die Überlegenheit der arischen Rasse oder an die Bedeutung ungeborenen Lebens. Von diesem Überzeugungssystem aus – und das ist das entscheidende Kriterium für Gutmenschen – marschieren sie, um andere zu ihrem Heil zu bekehren. Das Kriterium, das den Gutmenschen ausmacht, ist somit sein missionarischer Eifer, der sich wiederum aus der eingebildeten Überlegenheit des eigenen Überzeugungssystems speist.

Dieser Definition fügen wir heute die Spezifizierung des opportunistischen Gutmenschen hinzu.

Der opportunistische Gutmensch ist ein a-moralischer Lobbyist, der ständig auf der Suche nach gesellschaftlichen Gruppen ist, auf deren Rücken er sich ein Auskommen dadurch verschaffen kann, dass er deren angebliche Benachteiligung oder besondere Schutzbedürftigkeit für sich ausnutzt.

Eine besonders erfolgreiche Gruppe opportunistischer Gutmenschen findet sich auf dem Feld der sexuellen Orientierung. Dass dem so ist, hat seine Ursache vermutlich in einer verklemmten Sexualität bei opportunistischen Gutmenschen, die ihre sexuelle Befreiung darin suchen, dass sie anderen, die sie als unterdrückt oder schutzbedürftig etikettieren, eben diese verschaffen wollen. Diese Interpretation liegt nahe, denn es gibt eine Vielzahl gesellschaftlicher Gruppen, denen sich opportunistische Gutmenschen widmen könnten. Dass sie sich mit Vorliebe Gruppen zuwenden, die sie über Sexualität definieren, ist daher vielsagend.

Echte EinfaltDie benannte erfolgreiche Gruppe opportunistischer Gutmenschen, die als a-moralische Lobbyisten unterwegs sind, um einer bestimmten Gruppe Vorteile zu verschaffen, ist die Gruppe der LSBTI-Lobbyisten (lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle und intersexuelle). Sie hat es nicht nur geschafft, eine gesellschaftliche Gruppe, die kaum über das, was man früher Randständigkeit genannt hat, hinauskommt (Ausnahme vielleicht Bisexuelle), zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von politischen Akteuren zu machen. Sie hat es auch geschafft, die LSBTI-Ideologie als Gleichheit verpackt und als Sonderbehandlung in Schulbüchern und somit bereits in Grundschulen zu verankern.

Man stelle sich vor, eine Gruppe von Lobbyisten, die ein Bewusstsein für die Bedeutung eines freien Welthandels für den gesellschaftlichen Wohlstand wecken will, würde versuchen, entsprechende Inhalte in Schulbüchern zu platzieren, nicht nur die GEW-Funktionäre würden mit hochrotem Kopf hektische Interviews gegenüber entrüsteten und agitierten öffentlich-rechtlichen Journalisten geben.

Dass dem so ist, liegt daran, dass es opportunistische Gutmensch in der Regel schaffen, sich als moralischer Entrepreneur zu inszenieren und den Eindruck zu vermitteln, sie würden einen Feldzug für das Gute führen. Das tun sie aber nicht. Im Gegenteil, sie sind a-moralische Lobbyisten, die den eigenen Vorteil auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung und nicht zuletzt der Gruppe, der zu helfen sie vorgeben, suchen.

Dass dem so ist, kann man am Beispiel einer Kleinen Anfrag der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen deutlich machen.

Die Abgeordneten der Fraktion, allen voran Volker Beck aus Köln, sorgen sich um LSBTIs, also um Menschen die sich abweichend von der heterosexuellen Mehrheit definieren. Diese, so befürchten die Abgeordneten der grünen Fraktion, seien eine besonders schutzbedürftige Bevölkerungsgruppe. Dies habe, so das Verdikt der grünen Fraktion, das aus einer tiefen hermeneutischen Erkenntnis gespeist sein muss, “der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) erkannt“.

Gruene BT 3868Die besonders schutzbedürftigen LSBTIs finden sich unter den Millionen Flüchtlingen, die weltweit vor kriegerischen Auseinandersetzungen in Nachbarländer fliehen, z.B. im Bereich der großen Seen in Afrika, also im Bereich von Kenia, Uganda, Burundi, Ruanda usw. Hier, so scheint man bei UNHCR und der Fraktion aus 1990 gebündelten Grünen zu wissen, gibt es ganz viele lesbische, schwule, transsexuelle, bisexuelle und intersexuelle Flüchtlinge, die des besonderen Schutzes des Hohen Flüchtlingskommissars und der grünen Fraktion bedürfen.

Deshalb, so schwebt den Grünen vor, sollten unter den 500 Flüchtlingen, die Deutschland jedes Jahr als Kontingentflüchtlinge aus sicheren Drittstaaten übernimmt, vornehmlich um Länder wie Pakistan oder Uganda, die sich mit Millionen Flüchtlingen konfrontiert sehen, zu entlasten, vor allem LSBTIs aufgenommen werden. Denn die entsprechenden Flüchtlinge seinen besonders schutzbedürftig.

Wir wollen an dieser Stelle nicht darauf eingehen, dass es keinerlei Informationen dazu gibt, wie viele LSBTIs unter den Flüchtlingen z.B. in Burundi oder Uganda sind. Denn: Die Forderung der Grünen wie des Hohen Flüchtlingskommissars wird nicht deshalb erhoben, um den entsprechenden LSBTIs zu helfen, sofern es sie gibt, sie wird erhoben, um ein Thema in der Öffentlichkeit warm zu halten, eine Interventionsnotwendigkeit zu konstruieren, die man für sich, die eigenen Zwecke, den eigenen Vorteil und die eigene Inszenierung als Gutmensch in der Öffentlichkeit nutzen kann. Und weil dem so ist, sind die entsprechenden Gutmenschen, opportunistische Gutmenschen und a-moralische Lobbyisten.

Aber nicht nur deshalb, denn: Die bevorzugte Behandlung vielleicht vorhandener LSBTIs hat zwei Konsequenzen:

  • UNHCRSie schafft unterschiedliche Wertigkeiten unter Flüchtlingen, weist LSBTIs aufgrund ihrer Sonderbehandlung einen höheren Wert zu als anderen Flüchtlingen. Bringt man dies in den Kontext einer Flucht, dann bedeutet es, dass Flüchtlinge, die von sich behaupten, LSBTIs zu sein, eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit haben als andere Flüchtlinge, nicht weil sie wertvoller wären, sondern weil ihnen von opportunistischen Gutmenschen eine höherer Wert zugeschrieben wird.
  • Nun sind die meisten Menschen im Gegensatz zu vielen opportunistischen Gutmenschen nicht dumm. Deshalb wird es sich unter Flüchtlingen herumsprechen, dass man dann, wenn man behauptet, LSBTI zu sein, bessere Chancen hat, z.B. als Kontingentflüchtling nach Deutschland zu kommen. Folglich wird sich die Anzahl von LSBTIs unter Flüchtlingen sprunghaft erhöhen, was die opportunistischen Gutmenschen, die ihre eigen Dummheit so gerne anderen zuschreiben, als Erfolg feiern werden und als Beleg dafür, dass die Einführung einer unterschiedlichen Wertigkeit unter Flüchtlingen richtig war.

Die Differenzierung von Menschen in mehr- und minderwertige, wie sie von opportunistischen Gutmenschen vorgenommen wird, ist das eigentliche Problem, die eigentliche Katastrophe für eine Menschheit, die von sich behauptet, sie sei mit einem Verstand und vor allem mit Moral ausgerüstet, denn die Unterteilung von Menschen in Gruppen, die mehr und minderen Wert haben, ist die Grundlage aller faschistischen und totalitären Systeme seit jeher gewesen, wie u.a. die Grünen, wenn sie im Geschichtsunterricht aufgepasst haben, eigentlich wissen sollten.

 

Unser Verständnis von Opportunismus folgt dem von Oliver Williamson: „By opportunism I mean self-interest seeking with guile. This includes but is scarcely limited to more blatant forms, such as lying, stealing, and cheating. Opportunism more often involves more subtle forms of deceit“ (Williamson, 1985: 47).

Opportunismus ist entsprechend der Versuch mit Arglist den eigenen Vorteil zu verfolgen. Dies umfasst eklatante Formen wie u.a. Lügen, Stehlen und Betrügen und subtile Formen der Täuschung.

Williamson, Oliver E. (1985). The Economic Institutions of Capitalism. New York: Free Press.

©ScienceFiles, 2015

 

Gegen die Europäischen Toleranzwächter

Wir haben bereits über das European Council on Tolerance and Reconsiliation berichtet. Dem Council gehören Yoram Dinstein, Ugo Genesio, Rein Müllerson, Daniel Thürer und Rüdiger Wolfrum an.

ECTRDas European Council on Tolerance and Reconsiliation ist ein schönes Beispiel dafür, wie heutzutage Organisationen, die aus selbsternannten Gutmenschen bestehen und die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, als Lobbyisten für ein Thema auftreten, das ihnen besonders am Herzen liegt und ihr Pet-Project für andere zum verbindlichen Umgangston zu machen versuchen. (Was wir unter Gutmenschen verstehen, haben wir hier definiert.)

Das European Council on Tolerance and Reconsiliation beschreibt sich selbst als eine “international NGO, established in October 2008 by Aleksander Kwasniewski, former President of Poland and Moshe Kantor, President of the European Jewish Congress. … The European Council on Tolerance and Reconciliation is a non-partisan and non-governmental institution. It is envisaged to be an opinion-making and advisory body on international tolerance promotion, reconciliation and education. It fosters understanding and tolerance among peoples of various ethnic origin; educates on techniques of reconciliation; facilitates post-conflict social apprehensions; monitors chauvinistic behaviors, proposes protolerance initiatives and legal solutions.”

Es ist das Schicksal von Themen, die in den Bereich von Ethik, Philosophie oder Sozialwissenschaften gehören, dass selbsternannte Experten glauben, sie könnten als “opinion-maker” auftreten und anderen erklären, wie man als guter Mensch zu leben hat, wie z.B. Toleranz geht, was Toleranz ist und wem gegenüber man tolerant zu seint hat. Es ist das Los von Menschen, die in Logik und Statistik geschult sind, sich derartige Widersprüche ansehen zu müssen und zu wissen, die Widersprüche ergeben sich aus der Normalverteilung von Intelligenz gepaart mit der negativen Selektion von Politikern und ergänzt um das Faktum, dass es, um die eigenen Beschränkungen zu erkennen, einer Kompetenz bedarf, die, wäre sie vorhanden, die Widersprüche, wie die, in die sich die Möchtegern-Wächter europäischer Toleranz verstricken, gar nicht erst hätte entstehen lassen

Dabei ist nicht nur keine demokratische Legitimation bei dieser Art von Gutmenschen-Lobbyismus vorhanden, es ist auch vollkommen unklar, welche Qualifikation z.B. die oben genannten Personen dazu legitimieren und ausweisen soll, anderen vorzuschreiben, was sie wie wann und wo zu tun oder zu lassen haben. Dessen ungeachtet ist das European Council on Tolerance and Reconcilliation derzeit als Toleranz-Lobbyist unterwegs und versucht, das “European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance” für die Europäische Union verbindlich zu machen.

Wie gesagt, wir haben bereits ausführlich über dieses absurde Machwerk geschrieben. Wir wollen uns daher auf einige Highlights im Text und auf eine komprimierte Form der Darstellung der logischen Fehler in diesem “Toleranz-Statut”, dem gegenüber man, wie wir glauben, keinerlei Toleranz zeigen darf, beschränken.

Die logischen Fehler in Kürze:

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Im Statut wird zunächst definiert, was als eine Gruppe anzusehen ist, nämlich alle Menschen, die ein gemeinsames Merkmal teilen (characteristic of similar nature). Besipiele entsprechender Merkmale sind Rasse, kulturelle Wurzeln, ethnische Abstammung, religiöse Anbindung und – man hat es schon vermisst: sexuelle Orientierung.

Es kann festgestellt werden: welche Menschenmenge als Gruppe gilt, ist einerseits eine Frage der Willkür, andererseits eine Frage des gelebten Rassismus, denn wenn Gutmenschen wie die vom European Council on Tolerance and Reconciliation (ECTR) darauf beharren, dass Schwarze eine eigene Rasse formen und dass das Merkmal der Hautfarbe wichtiger ist als z.B. die jeweilige individuelle Intelligenz, die – benutzte man sie als Grundlage der Gruppeneinteilung – notwendiger Weise schwarz-weiß-gelbe Gruppen von Klugen und Dummen etablieren würde, setzen sie den Rassismus voraus, den sie angeblich bekämpfen wollen. Und sie zeigen sich als Muster-Rassisten, denn sie sind diejenigen, die die Gruppenzugehörigkeit nach Hautfarbe gerade festgeschrieben haben.

Ganz nebenbei erlaubt die Formulierung im Statut eine willkürliche Bestimmung der schützenswerten Gruppen – was die Frage aufwirft, wer die entsprechenden Gruppen bestimmen soll und mit welcher Legitimation und mit welcher Begründung, d.h. wer die schützenswerten und der Toleranz werten Gruppen bestimmen und konstruieren darf. Welche Begründung spricht zum Beispiel dafür die Gruppe der Transsexuellen als Gegenstand besonderer Toleranzbemühungen auszumachen, nicht aber die Gruppe der Golfspieler oder Banker oder Bild-Zeitungsleser?

Es geht weiter im Versuch, die Logik abzuschaffen, in dem Stereotypisierungen als “Group libel” (Gruppen-Verunglimpfung), also derogative Kommentare, Kommentare oder Bezeichnungen, die Gruppen lächerlich machen oder mit falschen Anschuldigungen belegen, unter Strafe gestellt werden sollen: Als Beispiel geben die Toleranzwächter Behauptungen an wie: “Zigeuner sind Diebe” oder “Muslime sind Terroristen”. Ergänzen ließe sich: Deutsche verstehen keinen Spass, Iren sind ein chaotischer Haufen und US-Amerikaner spielen sich als Weltpolizisten auf.

Oder wären die zuletzt genannten Aussagen etwa keine “Group-libel” (Gruppen-Verunglimpfung), wie die Toleranzwächter das nennen? Wenn nein, warum nicht? Wenn doch, dann folgt daraus, dass die Toleranzwächter jede Form der Stereotypisierung unter Strafe stellen wollen. In jedem Fall folgt, dass die Toleranzwächter nur bestimmte, von ihnen zu bestimmende Stereotypisierungen unter Strafe stellen wollen.

Nuts in BedlamLiest man das Statut in Gänze, dann wird Letzteres ganz deutlich. Die Toleranzwächter wollen anderen vorschreiben, über welche Gruppen sie Witze machen dürfen und über welche Gruppen nicht, denn Intoleranz gibt es nach ihrer Ansicht nur im Hiblick auf: Rasse, Hautfarbe, Ethnie, Religion, es gibt sie als totalitäre Ideologie, als Fremdenfeindlichkeit, als anti-Semitismus, als anti-Feminismus und als Homphobie.

Abermals findet sich ein logischer Widerspruch, der zum Himmel schreit, denn Toleranz wird von den Toleranzwächtern für ihre Zwecke nicht formal, sondern inhaltlich gefüllt, und es werden Vorgaben gemacht, welche Form der Intoleranz zu bekämpfen ist, wobei die genannten Formen vermeintlicher Intoleranz sich allesamt dadurch auszeichnen, dass niemand weiß, was damit eigentlich gemeint ist, so dass es eines Schriftgelehrten bedarf, der die Heilige Schrift der Toleranzwächter auslegt und im Einzelfall entscheidet, ob eine Aussage intolerant ist oder nicht.

Der Willkür nächster Schritt.

Und um die Idiotie auf die Spitze zu treiben, konzipieren die Toleranzwächter ihre wahre Lehre der richtigen Toleranz als totalitäre Ideologie, die durch Medien, an Schulen, an Universitäten und in öffentlichen Institutionen vertrieben werden muss. Abweichung vom Lehrplan wird nicht toleriert. Personen, die sich der Intoleranz im von den selbsternannten Toleranzwächtern bestimmten Sinne schuldig machen, werden nicht nur als Straftäter bestraft, sondern können durch die Opfer (bei denen es sich um Gruppen handelt!) zu Schadensersatz gezwungen werden. Und Jugendliche, die sich gegen die korrekte Form der Toleranz vergehen, werden in Umerziehungsprogramme gesteckt, um auf diese Weise die “Kultur der Toleranz” zu erlernen.

Diese Kultur der Toleranz ist so tolerant, dass sie unerbittlich gegen alle vorgeht, die die Setzung dessen, was korrekte und richtige Toleranz ist, nicht teilen und sich davon abzuweichen trauen, denn: “tolerance does not mean that a group can segregate itself from society as a whole, repudiating the need to interface with other groups. … tolerance does not denote acceptance of such practices as female circumcision, forced marriage, polygamy or any form of exploitation or domination of women” (Insofern es sich bei female circumcision oder polygamy um kulturelle Praktiken handelt, die in  nicht-westlichen Kulturen vorhanden sind, verstoßen die Toleranz-Wächter gegen Section 2d , Section 3b(i) und Section 4b ihres eigenen Statuts, weshalb man sie, sofern ihr Statut je in der EU in Kraft tritt, sofort auf Schadensersatz verklagen sollte.)

narrow minded peopleDas Statut zeigt sich hier ganz offen als das, was es sein soll, nämlich als ein Gängelungsinstrument, das von Engstirnigkeit nur so strotzt und in das die Gutmenschen, die es geschrieben haben, das gepackt haben, was ihnen gerade nicht gefällt. Toleranz ist jedoch ein Wert, der nicht inhaltlich bestimmt werden kann, sondern nur formal. Man kann Toleranz nicht auf die Punkte einschränken, die einem gerade in den Kram passen und alles, was einem nicht in den Kram passt als intolerant abwerten, denn auf diese Weise gerät man unwillkürlich in eine Auseinandersetzung darüber, was der Toleranz wert ist und was nicht. Dass die Statuten-Macher des ECTR dies nicht sehen, sagt viel über ihre Motivation und ihren geistigen Horizont.

Vor Jahrzehnten hat Heike Diefenbach schon formuliert: “Toleranz ist, wenn es einem egal ist”. Und genau das ist die grundlegende Charakteristik von Toleranz: Man interessiert sich nicht dafür, wie andere ihr Leben leben, was sie sagen und was sie tun, so lange sie keine Externalitäten für Dritte produzieren, wie sie z.B. das Gutmenschen-Council der Toleranzwächter für all diejenigen produziert, die weiterhin auf das Recht freier Meinungsäußerung bestehen und es nicht zur von Toleranzwächtern genehmigten Form eingeschränkter Meinungsäußerung verkommen lassen wollen.

Pluralismus und Demokratie leben von freier Meinungsäußerung und davon, dass jeder seine Meinung sagen kann, egal, wie abstrus sie ist. Eine Demokratie, die sich dadurch schützen zu müssen glaubt, dass sie bestimmte Formen der Meinungsäußerung ausschließt, hat damit den Schritt in den Totalitarismus gemacht: Die Bestimmung der auszuschließenden Formen wird zu  Widerstand und in jedem Fall zu Streit führen, schon weil es z.B. Leute gibt, die selbsternannten Gutmenschen wie den Pseudo-Toleranzwächtern vom ECTR am liebsten den Mund verbieten würden. Es führt eben kein Weg daran vorbei, dass man sich in Demokratien auch den Unsinn anhören muss, den Bewegte, die keine Argumente, aber viel Überzeung haben, von sich geben – schon weil Parlamentsdebatten im Fernsehen übertragen werden.

Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun, dass selbsternannte Lobbyisten denken, sie könnten den Europäern vorschreiben, welche Form von Toleranz sie zu pflegen und welche Art von Meinung sie zu äußern haben. (Diese Art der Bevormundung widerspricht übrigens den vom Council der Gutmenschen in ihrem Statut niedergelegten Kriterien, weshalb sie sich selbst ad-absurdum führen – der finale Widerspruch, wenn man so will).

Arendt_totalitarismusWir sind auf eine wichtige Petition aufmerksam geworden, die es seit einigen Monaten auch Change.org gibt. Die Petition trägt den Titel: Protect freedom of speech in the EU # FreeSpeechEU und ist an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gerichtet, die über den Lobby-Toleranz-Unsinn, den das Gutmenschen Council aus selbsternannten Toleranz-Wächtern verbrochen hat, abstimmen sollen. (Es schon interessant, wie leicht es manchen Interessen-Lobbyisten fällt, zum Gegenstand parlamentarischer Erörterungen zu werden, während manche anderen, die dummerweise nur steuerzahlender Bürger und nicht Brownie-Punkte vergebende Lobbygruppe sind, keinerlei Gehör finden, obwohl sie angeblich der Souverän sind…).

Wir legen allen unseren Lesern dringend nahe diese Petition, die in englischer Sprache verfasst ist, aber im Wesentlichen die Punkte macht, die wir auch machen, zu unterstützen.

Es geht darum, den Möchtegern-Kontrolleuren das Handwerk zu legen, bevor sie Europa zu einer Festung gemacht haben, nicht gegen die, die von außen kommen, sondern gegen die, die hinter den Gittern der Festung sitzen.

Für alle, die es in sozialwissenschaftlicher Sprache hören wollen: Wir sehen hier die Banalität des Alltäglichen am Werk, die Banalität des Alltäglichen, die Hannah Arendt beschrieben hat, als Grundlage von Totalitarismus, Drittem Reich und Vernichtung all derer, denen gegenüber man nicht toleranz war, weil sie die falschen Meinung vertreten haben.

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Günter Buchholz, der uns das ECTR-Machwerk wieder in Erinnerung gerufen hat.

Vomitismus (auch: Ralphismus)

ICD-10Wir beobachten es schon länger, aber ein Beitrag von Stefan Lauer auf Vice.com hat uns in dem, was wir beobachten, so sehr bestätigt, dass wir uns entschlossen haben, die WHO aufzufordern, in den ICD-10 eine neue psychische Störung aufzunehmen: Den Vomitismus, der in seiner ausgeprägten Form zum Ralphismus wird.

Die Diagnose der Störung umfasst aus wissenschaftlicher Sicht vier Kategorien, an denen sich die Anamnese des Vomitismus orientieren sollte:

  • Emotionale Hysteria;
  • Anmaßung und Egomanie;
  • übersteigerte Irrationalität;
  • körperliche Ausscheidungen vor allem in der Mundgegend (bekannt als Schäumen);

Prävalenz

Vomitismus als Störung ist bislang unerforscht. Prävalenzraten liegen entsprechend noch nicht vor. Erste Schätzungen gehen von 1,5% bis 3% Vomiteuren in der Bevölkerung aus. Wie viele psychische Störungen, so sind die Opfer von Vomitismus vornehmlich in der Mittelschicht zu finden. Vor allem unter Medienschaffenden liegen die Prävalenzraten deutlich über dem vermuteten gesellschaftlichen Durchschnitt. Vomitismus in seiner gesteigerten Form wird als Ralphismus bezeichnet.

Emotionale Hysteria

vomiteurVomitismus äußert sich vornehmlich im übermäßigen und ungezügelten Gebrauch derogativer Adjektive. Vomiteure und Vomiteusen generalisieren ihre Gefühle, wobei es sich bei den Gefühlen vornehmlich um Abneigungenhandelt. Vomiteure sind der Ansicht, ihre Abneigungen würden von allen geteilt, seien Gegenstand der allgemeinen Betrachtung.

Vomitismus äußert sich in einer hassgesteuerten Sprache, deren Zweck die Erniedrigung ist. Abweichungen von der eigenen Meinung oder der eigenen Lebensweise werden von Vomiteuren als bedrohlich empfunden und müssen entsprechend abgewertet werden.

Ein gutes Beispiel liefert Stefan Lauer:

“Es gibt diese Themen da draußen, von denen man zwar weiß, dass sie existieren, aber trotzdem ist man froh, dass man nicht darüber berichten muss. Unter anderem einfach deswegen, weil die Protagonisten schon von weitem wie die ärmsten Loser wirken, die man sich nur vorstellen kann. Und irgendwie ist es einem ja auch unangenehm in diese Verlierer-Biotope einzubrechen und auf der kleinen, widerlichen Welt rumzuhacken, die sich die Leute da aufgebaut haben. Lässt man sie halt lieber in ihrem hasserfüllten, niemals endenden Circle-Jerk gewähren …”

Die Passage macht Diagnosekriterium 1 sehr deutlich. Die eigene Welt wird absolut gesetzt und von der Außenwelt (“da draußen”) abgeschotten. Abgegrenzt von der als fremd und gefährlich empfundenen Außenwelt, fristet der Vomiteur sein Dasein, das er gegen jeden Versuch, die Außenwelt (“da draußen”) an ihn heranzutragen, verteidigt. Allerdings ist seine Beziehung zu dem “da draußen” ambivalent, denn einerseits ist das “da draußen” gefährlich, andererseits ist es anziehend und interessant, was in offenen Widersprüchen zum Ausdruck kommt, wie z.B. dem, dass über etwas berichtet wird, über das man eigentlich froh ist, nicht berichten zu müssen, was nur damit erklärt werden kann, dass das “da draußen” einen so großen Reiz auf den Vomiteur ausübt, dass er, obwohl er es nicht muss, nicht anders kann als sich damit zu beschäftigen. Damit erfüllt er das Kriterium des Kontrollverlusts, denn nicht mehr der Vomiteur steuert sein Handeln, sondern das, was ihm angeblich zuwider ist.

Anmaßung und Egomanie

imposterAnmaßung und Egomanie gehen beim Vomitismus Hand in Hand. Der Vomiteur denkt nicht nur, alle Welt interessiere sich für seine Gefühle und Deutungen, dafür, was ihm widerfahren ist, er denkt auch, eine Position, die er inne hat, transzendiere ihn gleichsam vom Positionsinhaber zum fähigen, zum qualifizierten Positionsinhaber, zum Positionsinhaber mit Urteilsvermögen. Vor allem die zuletzt beschriebene Manie wurde im Rahmen Studien, wie sie Harold Garfinkel in seiner berühmten Agnes Studie oder Erving Goffman auf grundsätzlichere Art und Weise betrieben haben, immer wieder offengelegt. Sie besteht darin, dass Personen denken, sie würden wesenhaft eins mit ihrer Position. Weil sie die Position eines Wissenschaftlers inne haben, denken sie, sie seien Wissenschaftler. Weil sie die Position eines Lehrers inne haben, denken sie, sie seien Lehrer. Weil sie die Position eines Journalisten inne haben, denken sie, sie seien Journalist.

Kern dieses Essentialismus ist es, dass nicht Leistung und Fähigkeit als definierende Kriterien zur Bestimmung herangezogen werden, sondern die schlichte Besetzung einer Position, ein Phänomen, auf das die international renommierte Bildungsforscherin Dr. habil. Heike Diefenbach bereits mehrfach hingewiesen hat. Die Egomanie, die Grundlage dieses Essentialismus ist, lässt es nicht zu, dass Vomiteure an ihren Fähigkeiten zweifeln, denn dass es jemanden geben könne, der sie anhand ihrer Fähigkeiten beurteilt, ist ihnen unvorstellbar, während es für sie völlig normal ist, durch die Welt zu schwanken und andere zu beurteilen.

Und so ist Stefan Lauer, der die Position “Redakteur” bei deutschen Ableger von Vice.com besetzt, der Ansicht, er sei ein Redakteur und als solcher in der Lage, Beiträge von allgemeinem Wert und allgemeinem Interesse zu schreiben. Entsprechend werden seine Befindlichkeiten zu einem journalistischen Text, entsprechend werden die Beschimpfungen, die er gerne mag, zu einem journalistischen Text, entsprechend werden alle Standards, die man normalerweise, als “normaldenkender Mensch”, wie Lauer wohl sagen würde, an einen journalistischen Text heranträgt, dem Vergessen anheim gestellt: Es findet keine Weitergabe von Information statt. Es gibt keine Argumentation. Es gibt keine Begründung. Es gibt keinen roten Faden im Text. Alles geht unter im überstarken Drang, ein als Gegener empfundenes Gegenüber vor aller Welt zu erniedrigen und der Lächerlichkeit preis zu geben, ein Bemühen, das mehr über den Vomiteur als über seine Gegner aussagt.

Denn: wie Garfinkel bereits am Beispiel von Agnes, einem Transsexuellen, dargestellt hat, das soziale Geschlecht ebenso wie die soziale Position wird an Ansprüchen und Erwartungen gemessen. Entsprechend muss Agnes lernen, wie sie sich nunmehr als sozial weiblich verhält, angefangen von der Art zu gehen und sich zu kleiden, bis hin zur Art zu sprechen. Gleiches gilt für die soziale Position des Journalisten: Nicht jeder, der Worte zu Papier bringen oder in den Monitor eintippen kann, ist ein Journalist. Nur der, der die sozialen Erwartungen erfüllt, die an Inhaber von entsprechenden Positionen gestellt werden, ist Journalist.

Es zeichnet Vomiteure aus, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse und ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und soziale Ansprüche, die an sie und ihre Position gerichtet sind, nicht zur Kenntnis nehmen. Sie zeichnen sich entsprechend durch eine eindeutige a-Sozialität aus.

Übersteigerte Irrationalität

Free lunchDie beiden genannten Kriterien des Vomitismus werden durch eine übersteigerte Irrationalität ergänzt, die der eigenen Zielverfolgung dient. Die Vomiteure bedienen sich kruder Vorurteile, grober Verallgemeinerungen und heftigstem Rassismus, um ihr Ziel, den von ihnen ausgewählten Feind zu erniedrigen, zu erreichen.

Wieder liefert uns Stefan Lauer hervorragendes Anschauungsmaterial:

“Man kann es sich bildlich vorstellen: deutsche, heterosexuelle Männer, die vom Leben und ihren geschiedenen Frauen enttäuscht sind, sitzen am Rechner und liefern sich hasserfüllte Diskussionen auf Wikipedia. Vermutlich im Unterhemd und mit Bierflasche und Chipstüte in Reichweite. … Aber bei Männerrechstaktivisten wird es innerhalb kürzester Zeit dermaßen unappetitlich und strohdumm, dass man nach einer halben Stunde surfen auf ihren Websites am liebsten den Bildschirm mit Scheuermilch abreiben würde. … Gott sei Dank hat man es hier größtenteils mit traurigen Trollen zu tun, deren Leben ganz anders geworden ist, als sie es sich damals ausgemalt hatten, als sie noch keine Bierbäuche hatten und ihre dritte Scheidung noch in weiter Ferne lag.”

Wie am Beispiel deutlich wird, ist der Vomiteur nicht in der Lage, seine Gedanken und seine Sprache zu kontrollieren. Entsprechend gibt er seine Phantasien von Gruppen, deren Mitglieder (Mehrzahl) er nicht kennt, ab, obwohl er keine Daten über die von ihm gehasste Gruppe hat. Der Realitätsverlust des Vomiteurs ist so ausgeprägt, dass er sich aufschwingt, auf der Basis von sehr begrenzten Informationen eine ganze Gruppe zu diffamieren, ein Vorgang, den man gewöhnlich unter dem Begriff des Rassismus fasst, der ja nichts anderes beschreibt als die negativ stereotypisierte Darstellung einer gesellschaftlichen Gruppe (alle sind: “strohdumm”, “unappetitlich”, “im Unterhemd”, “mit Bierfalsche”, “mit Chipstüte”, “mit Bierbauch” und geschieden).

Auch hier weiß der Vomiteur nicht, dass seine Aussagen mehr über das, was ihm normal vorkommt, deutlich machen als über diejenigen, die er mit seiner Emotionalität verfolgen will. So kann man z.B. über Stefan Lauer sagen, dass er aus einer Mittelschichtsfamilie kommt, in seinem Leben noch keine körperliche Arbeit ausgeübt hat, den Genußfaktor, der davon ausgeht, ein Rugby-Spiel mit Bier und Chips zu verfolgen, nicht kennt. Die Unfähigkeit, die “da draußen” anders als in derart plumpen Vorurteilen wahrzunehmen, die Unfähigkeit zum looking class self, wie es George Herbert Mead genannt hat, ist ein weiteres Charakteristikum der Vomiteure, ein weiterer Beleg für ihre a-Sozialität.

Körperliche Ausscheidungen

evolutionSchließlich kommt es in den besonders schweren Fällen des Ralphismus zum Kontrollverlust über körperliche Ausscheidungen. Ein Hinweis dazu findet sich bei Stefan Lauer z.B. wenn er schreibt, dass er “am liebsten den Bildschirm mit Scheuermilch abreiben würde”, eine Notwendigkeit, die nur dadurch entstehen kann, dass etwas aus Richtung dessen, der vor dem Monitor sitzt, auf den Monitor gelangt ist. Dies ist konsistent mit unseren Hypothesen, nach denen sich bei besonders schweren Fälle von Vomitismus, die wir als Ralphismus bezeichne, ein Kontrollverlust über körperliche Ausscheidungen einstellt, der vom Schaum vor dem Mund über das unkontrollierte Speichelbilden, bis zu sonstigen Ausscheidungen, die die Umwelt in Mitleidenschaft ziehen, etwa in der Weise, die eine Reinigung mit Scheuermilch notwendig macht, reicht.

Alles in allem muss man feststellen, dass Vomiteure die Welt mit ihrer traurigen Existenz heimsuchen und aufgrund ihrer a-Sozialität und ihrer Angst vor denen “da draußen” nicht anders können als Vomiteur zu sein, andere zu beschimpfen und dazu aufzurufen, die “da draußen” zu “dissen”, wie das heute heißt, also: “jemanden herabwürdigen, verächtlich machen, heruntermachen, diskreditieren, diskriminieren”, womit das Bild einer dissoziativen Störung, die sich als Vomitismus äußert, abgerundet wäre.

Nachtrag:

Ein letztes Kriterium, das wir bislang noch nicht angesprochen haben, hat die moralische Entwicklung von Vomiteuren zum Gegenstand. So hat Stefan Lauer seine Beleidigungs-Orgie unter dem Titel “Die traurige Welt der Antifeministen” veröffentlicht und mit einem Gorilla bebildert. Man stelle sich das entsprechende Bild in einem Text über Schwarze vor, man stelle sich die vielen derogativen Adjektive im Text in einem Beitrag über Frauen vor. Wer diese Vorstellung bilden kann und zudem in der Lage ist, eine Verbindung zu moralischer Integrität herzustellen, wird schnell bei der Erkenntnis landen, dass man sich nicht auf ein hohes moralisches Ross setzen und mit Dreck um sich werfen kann, wenn man andere als Dreckschleudern diffamieren will. Dieser letzte Punkt rundet das Bild des Vomitisten als egomanem a-Sozialen ab, der nur in seiner Schutzwelt, die vor denen “da draußen” gesichert ist, existieren kann und der keinerlei moralische Urteilfähigkeit entwickelt hat, wie es nach Ansicht von Piaget bereits Kinder im Alter von rund 10 Jahren zu bilden in der Lage sein sollten.

Mehr schlechte Nachrichten: Hilfsprogramme helfen in erster Linie den Helfern

Wir sind auf den Geschmack gekommen, denn: keiner kann Mythen derart konsequent und vollständig zerstören wie Milton Friedman. Ergo lassen wir ihn im heutigen Post den “Robin-Hood-Mythos” zerstören.

Was Friedman den Robin-Hood-Mythos nennt, fassen wir gewöhnlich unter dem Begriff der Gutmenschen, die sich anderer bedienen, um sich selbst ein Auskommen zu verschaffen. Als wäre dies nicht schlimm genug und zudem ein Verstoß gegen das Kantsche Instrumentalisierungsverbot, würzen es viele Gutmenschen noch besonders, in dem sie denen, die zu instrumentalisieren sie im Begriff sind, erzählen, sie seien nur um deren Wohlergehen besorgt.

Kant praktische VernunftDas Kantsche Instrumentalisierungsverbot, aufgestellt in der Metaphysik der Sitten, besagt: “§38: […] denn der Mensch kann von keinem Menschen […] bloß als Mittel, sondern muss jederzeit zugleich als Zweck gebraucht werden, und darin besteht seine Würde”. Kein Mensch darf nach Ansicht von Kant einen anderen Menschen als Mittel zu seinem Zweck instrumentalisieren. Die menschliche Moralität basiert für Kant darauf, dass diese Form der gegenseitigen Achtung eingehalten wird. Wer andere instrumentalisiert, der kann entsprechend nur unmoralisch sein, was in der Konsequenz bedeutet, dass Gutmenschen unmoralisch sind, weil sie andere und ungefragt zu Mittel degradieren, mit denen sie ihre eigenen Zweck, nämlich daran zu verdienen, anderen angeblich zu helfen, erreichen wollen.

Der Unsinn des paternalistischen Liberalismus gehört in die Klasse dieser Form der Heuchelei, ebenso wie die sogenannten positiven Maßnahmen, die durch Diskriminierung einer gesellschaftlichen Gruppe erreichen wollen, dass eine andere Gruppe, die angeblich diskriminiert wird, nicht mehr diskriminiert wird. Diese positiven Maßnahmen, wie Diskriminierung im politisch korrekten Euphemismus genannt wird, stellen den Versuch dar, Mord durch Mord zu beseitigen, und entsprechend kann man sich ungefährt vorstellen, welchen geistigen Tiefgang diejenigen haben, die sie aus Überzeugung fordern, und man kann sich ungefähr vorstellen, wie zynisch und menschenfeindlich diejenigen sind, die positive Maßnahmen, also explizite Diskriminierung zu ihrem Vorteil anwenden.

Sie sind schon deshalb menschenfeindlich, weil sie Individuen nur in Gruppen wahrzunehmen im Stande sind. Wer nicht Gruppenmitglied ist, ist nicht existent. Dabei wird die eigene Menschenfeindlichkeit hinter Begriffen wie “gesellschaftliche Strukturen” versteckt und eine Grandeur für sich in Anspruch genommen, die der eigenen Intelligenz diametral entgegen steht, etwa so: “Wie bricht man diskriminierende Strukturen und Einstellungen auf, deren Folge die Abwertung und Benachteiligung ganzer gesellschaftlicher Gruppen ist? In Deutschland liegen zu dieser Problematik vor allem Erfahrungen aus der Frauengleichstellungspolitik vor. Sie zeigen, dass trotz vieler Fortschritte in Richtung Geschlechtergerechtigkeit beharrliche strukturelle und kognitive Barrieren verhindern, dass umfassende Erfolge erzielt werden. Klar ist daher, dass ein aktives und konsequentes Handeln sowie langfristiges Engagement von allen Teilen der Gesellschaft gefordert sind.” Behauptungen bilden den Ausgangspunkt, der eine Art moderne Glaubenskongregation nicht nur sich dazu berufen fühlen sieht, den behaupteten Missstand zu beseitigen, sondern in aller Grandeuer auch genau zu wissen, wie und auf welche Art der behauptete Missstand beseitigt werden kann und muss.

Dass Gutmenschen versuchen, sich auf anderer Kosten Vorteile zu verschaffen, ist nicht das Problem an der beschriebenen Verhaltensweise. Dass Gutmenschen versuchen, dies dadurch zu tun, dass sie vorgeben, anderen helfen zu wollen, ist schon ärgerlicher. Am ärgerlichsten ist jedoch die Anmaßung von Gutmenschen, die doch tatsächlich der Ansicht sind, sie könnten darüber entscheiden, was gesellschaftlich angemessen ist, was für welche konkreten Menschen richtig und gut ist und was für ihre jeweiligen Opfer getan werden muss. Die Entmündigung, die Gutmenschen glauben, bei anderen vornehmen zu können, und zwar ungestraft, ist das, was eigentlich ärgerlich ist, vor allem, wenn man den durchschnittlichen IQ von Gutmenschen dabei in Rechnung stellt.

MuellabfuhrWir haben dies schon an der Art und Weise deutlich gemacht, wie sich die Mittelschicht der Unterschicht bedient, z.B. in Form der angeblich bildungsfernen Schichten, die regelmäßig Gegenstand umfassender Förderaufrufe und -maßnahmen werden, ohne dass sich jemals etwas daran ändern würde, dass die vermeintlich bildungsfernen Schichten bildungsfern sind, so dass sich rein empirisch betrachtet feststellen lässt, dass ein Erfolg aller gutmenschlichen Bemühungen nicht erkennbar ist. Das kann auch gar nicht anders sein, denn z.B. in Grundschulen wird bei der Grundschulempfehlung genau die Variable, die eben noch bejammert wurde, die angebliche Bildungsferne, genutzt, um Kinder aus so stereotypisierten Familien, eben wegen ihrer angeblichen Bildungsferne von höherer Bildung fernzuhalten, mit der Begründung, dass ihnen die Unterstützung im Elterhaus fehle.

Wir haben dies auch am Beispiel der Funktionalität der Unterschicht deutlich gemacht, deren Armut wichtig für die Mittelschicht ist, denn, wie John Kenneth Galbraith schreibt: “… the poor in our economy are needed to do the work that the more fortunate do not do and would find manifestly distasteful, even distressing” (412)

Vor diesem Hintergrund wäre es nicht auszudenken, was geschehen würde, hätten all die Hilfsprogramme für die Armen der Gesellschaft, all die Bildungsanstrengungen für die Unterschicht, Migranten und sonstige Gruppen, die die Mittelschicht unter sich verortet, den Erfolg, der als Ziel vorgeheuchelt werden soll: Wer würde den Müll lehren? Wer würde die Schülermasse für Sonderschullehrer stellen? Wer würde Gegenstand all der Hilfsprojekte, von Sozialarbeitern und sonstigen staatlich finanzierten Helfern? Womit würden all die Helferberufe-Inhaber ein Auskommen verdienen, wenn sie tatsächlich nach Abschluss ihrer Tätigkeit geholfen hätten und die Gesellschaft sich in die Richtung verändern würde, die sie erreichen zu wollen vorgeben? Sie wären arbeitslos und müssten am Ende noch den Müll derjenigen leeren, denen sie geholfen haben.

Nicht auszudenken. Und deshalb dienen all die Programme zur Förderung von Migranten, Arbeiterkindern, bildungsfernen oder sonstig benachteiligten Gruppen nicht den Gruppen, denen sie angeblich dienen sollen, sondern denen, die ihnen helfen wollen. Deshalb sind alle Programme, die die Mittelschicht auflegt, um der Unterschicht zu helfen, Umverteilungsmaßnahmen, die von der Unterschicht mitfinanziert werden und ausschließlich der Mittelschicht zu Gute kommen, wie dies mit universitärer Bildung auch der Fall ist, die von 92% der Unterschicht, die nicht auf Universitäten ankommen, für die Kinder der Mittelschicht, die die Mehrzahl der Studenten stellen, mitfinanziert wird – damit die studierten Sozialarbeiter und Sozialpädagogen dann ausziehen können, um der Unterschicht zu sagen, was gut für sie ist.

Kaum einer hat diesen Zusammenhang so gut auf den Punkt gebracht, wie Milton Friedman im Robin-Hood-Mythos
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Rechte statt Freiheit – Eine Analyse der Nach-Moderne

Die Nach-Moderne ist in Rechten unterwegs. Wo die Aufklärung Freiheit propagiert hat, propagiert die Nach-Moderne, die manche als Wiederkehr eines rabenschwarzen Zeitalters ansehen, Rechte. Nicht nur das: Freiheit war für Aufklärer eine individuelle Norm. Sie stritten für die individuelle Freiheit von kollektiven Vorgaben, für die Freiheit, das eigene Leben zu gestalten. Rechte, sind für moderne Rechte-Apostel eine Gruppennorm: Nicht Individuen haben Rechte, sondern Gruppen, nicht die Autonomie des Individuums ist ihr Ziel, sondern die Unterwerfung von Individuen unter Gruppenrechte.

Die Freiheit der Aufklärer ging mit Pflichten für die Individuen einher, Pflichten, wie sie Kant im kategorischen Imperativ formuliert oder Adam Smith in seinem Konzept der “Sympathy” beschrieben hat: Pflichten, die sich unter die Überschrift: “Verantwortliches und empathischen Handeln anderen und sich selbst gegenüber” stellen lassen. Die Rechte der Nach-Moderne gehen mit genau einer und nur einer Pflicht einher, nämlich der Pflicht zur Konformität in mehreren Schattierungen: Vorgegebenes nicht zu hinterfragen, die eigene Person über Gruppenmerkmale zu definieren und nur politisch Korrektes zu denken und zu äußern.

darkagesDie Nach-Moderne ist, wie bereits gesagt, für manche ein rabenschwarzes Zeitalter, für manche, die individuelle Freiheit über die gnädige Gewährung von Rechten durch eine Horde vermeintlich um das Wohl anderer Besorgter stellen. Doch die Stelle individueller Freiheit hat in der Nach-Moderne die Gewährung von Gruppenrechten eingenommen, sie verdrängen die Freiheit und setzen an ihre Stelle ein vorstrukturiertes, vorgeplantes und uniformes Leben als Gruppenmitglied, von der Wiege bis zur Bahre.

Es beginnt mit den Kinderrechten, die im weiteren Verlauf des Lebens zu Rechten von Jugendlichen werden, die später aufgeteilt werden in Frauenrechte und, nein, nicht in Männerrechte. Es folgen für die abhängig Beschäftigten die Arbeitnehmerrechte, für manche folgen Behindertenrechte, andere wiederum haben besondere Rechte weil sie einer Minderheit angehören und immer sind es Gruppenrechte, d.h. immer wird von demjenigen, der sie in Anspruch nehmen will, die Preisgabe seiner indivduellen Freiheit und die bedingungslose Unterordnung unter die Gruppe gefordert.

Als Köder für diese Unterordnung gibt es regelmäßig schöne Worte, die aus dem geistigen Paradies entspringen, das Gutmenschen bewohnen, die denken, man könne ein Leben mit Rechten leben. Wenn es darum geht, das Gute der Rechte für eine Gruppe zu beschwören, die der Verleihung von Rechten als würdig empfunden wurde, was regelmäßig dann der Fall ist, wenn es eine große Zahl von Gutmenschen gibt, die dafür streiten, ist ihnen keine Floskel zu dumm. Diese Gutmenschen sind ihrerseits Mitglied einer Form organisierten Gutmenschentums, wie z.B. Unicef und erzielen über diese Mitgliedschaft ihren Lebensunterhalt. Sie leben quasi davon, für die Rechte anderer zu kämpfen, z.B. für die Rechte der Kinder.

Kinderrechte, so hat Dr. Ralf Kleindiek, seines Zeichens Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, der, wenn es um Kinderrechte geht, zur wahren Floskelsschleuder wird, gerade verkündet, bilden die “Grundlage für ein gutes Aufwachsen eines jeden Kindes”.

Wo Psychologen, wie z.B. Abraham Maslow noch der Meinung waren, an erster Stelle der menschlichen Existenzsicherung stünden Grundbedürfnisse wie Nahrung und Schlaf, ist man heute weiter: Nicht vom Essen lebt das Kind, nein, von Rechten, Rechte sind “die Grundlage für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in der ganzen Welt”. Was herauskommt, wenn Kinder ohne Kinderrechte aufwachsen müssen, ist deutlich sichtbar: Ralf Kleindiek gehört einer Generation an, die ohne Kinderrechte aufwachsen musste!

Kinderrechte UnicefWer nicht schon genug hat und die Kleindieksche Predigt über die Wohltaten der Kinderrechte weiterliest, der wird geradezu bombadiert mit Gutheit. Sie kommt Kübelweise auf ihn hernieder als: “Recht auf Förderung ihrer Fähigkeiten zur bestmöglichen Entfaltung ihrer Persönlichkeit sowie auf Schutz und Beteiligung”,  als Notwendigkeit “Kinder und Jugendliche umfassend vor Gewalt zu schätzen”, als Notwendigkeit “Familien und ihre wirtschaftliche Stabilität in Zeiten der Familiengründung zu fördern, damit Kinder in einem sozial sicheren Umfeld aufwachsen können”. Und damit ist der Sermon noch lange nich zu Ende, aber unsere Leidensfähigkeit, die nur ein bestimmtes Maß an Heuchelei und Ignoranz gegenüber Individuen ertragen kann, ist am Ende.

Das widerwärtige an den hehren Worten, die gute Menschen wie Kleindiek predigen, ist: Es geht ihnen nicht darum, konkreten Individuen zu helfen. Ginge es ihnen darum, sie würden keine unhaltbarenFloskeln in die Welt salbadern, die vor Unernsthaftigkeit nur so triefen und deutlich machen, dass sie sich keinen Cent um das individuelle Wohlergehen von Individuen schehren. Denn ginge es um konkrete Individuen, denen man helfen will, dann wäre es notwenig anzugeben, wovor man sie schützen will und woran man ihre Beteiligung sicher stellen will. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, denjenigen, die sich von Worten täuschen lassen und nicht mehr nach Taten fragen, den Bären vom umfassenden Schutz und der umfassenden Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vor was und an was auch immer aufzubinden, es geht darum, die Begriffe Kinder und Jugendliche für die eigenen Zwecke zu instrumentalisierung und zu missbrauchen.

Ginge es wirklich um die freie Entfaltung der individuellen Persönlichkeit, der Rechtssalbader hätte sich gerade ad absurdum geführt, denn  eine freie Entfaltung setzt die Möglichkeit, gute wie schlechte Erfahrungen zu machen, voraus, und das ist das Gegenteil dessen, was aus dem Bundesfamilienministerium gepredigt wird. Die Sozialtechnologen, die sich so gerne den Kopf über anderer Leute Leben zerbrechen, wollen Erfahrung gerade verunmöglichen, wollen Kindern in einem erfahrungsarmen und vorstrukturierten Raum aufwachsen sehen, der die beschworene “bestmögliche Entfaltung ihrer Persönlichkeit” als den Zynismus enlarvt, der er nun einmal ist, denn die “bestmögliche Entfaltung ihrer Persönlichkeit” gibt es nur in vorstrukturierter und vorgeplanter Weise, wer sich nicht in der Weise entfaltet, wie es vorgesehen ist, wer sich traut, abzuweichen, hat seine Rechte verwirkt und ist aus der Gruppe der Rechteinhaber ausgeschieden. Als Kind oder Jugendlicher wird er entsprechend zum Gegenstand der Sozialhilfe, zum Mahmal einer gescheiterten Sozialisation, das nur noch dazu taugt, von Jugendgerichtshelfern, Schulpsychologen, Sonderpädagogen als Erwerbsgrundlage benutzt zu werden.

Und ginge es wirklich darum, einem individuellen Kind das Aufwachsen in “einem sozial sicheren Umfeld” zu garantieren, was auch immer man unter einem sozial sicheren Umfeld verstehen mag, dem Herrn Kleindiek fiele sicher etwas anderes ein, als finanzielle Unterstützung. Aber es fällt ihm nicht ein. Er äußert seine Floskeln vermutlich täglich und immer auf Gruppen bezogen. Gruppen sind ein guter Gegenstand, um seine Gutheit in Verbalonanie daran abzufeiern: Gruppen können sich nicht wehren. Maßnahmen, die für Gruppen getroffen werden, können individuell so unnützt oder so schädlich sein, wie sie wollen, es macht nichts, denn geholfen wird “den Kindern” und nicht dem kleinen Alfie. Gruppen sind nicht existent, eine Fiktion des menschlichen Geistes, die für Gutmenschen unschätzbare Dienste leistet, da man all seine Gutheit über Gruppen ausgießen kann, ohne jemals durch die negativen Effekte, die das Ausgießen auf feststellbare und benennbare Personen hat, beeinträchtigt zu werden. Man kann sich so richtig gut fühlen, während man durch das Tal des individuellen Leids geht. Und natürlich haben Gruppenrechte einen unschätzbaren Vorteil: Sie führen dazu, dass Individuen, die z.B. die finanziellen Vergünstigungen haben wollen, die regelmäßig an Gruppenrechte gekoppelt sind, sich in Gruppen einordnen und ihrer Individualität abschwören. Plötzlich werden sie zu Eltern, zu Kindern, zu Arbeitslosen, zu Behinderten, und zwar ganz freiwillig.

freedomKriminologen haben einst den Begriff der sekundären Devianz geprägt, der beschreibt, wie Stereotypisierung Lebenchancen von Menschen beeinträchtigt. Dieselben Kriminologen sind davon ausgegangen, dass die Stereotypisierung durch Dritte erfolgt und den so stereotypisierten Individuen aufgezwungen wird. Dass man Rechte als Köder auslegt, um Individuen dazu zu bringen, ihre Freiheit aufzugeben und fortan als Gruppenmitglied zu leben, haben sich die entsprechenden Kriminologen nicht vorstellen können. Man lernt eben nie aus, schon gar nicht als Wissenschaftler.

 

Die Tyrannei des Gemeinsinns

Beim Schmökern sind wir wieder einmal auf Richard Herzingers Bekenntnis zur egoistischen Gesellschaft gestoßen – ein ebenso kruzweiliges wie gutes Buch, fast schon ein zeitgeschichtliches Dokument, mit dem man sich perfekt die langen Abende verweilen kann. Das Buch ist 1997 erschienen, was man sich bei der Lektüre in Erinnerung rufen muss, z.B. wenn von der FDP im Bundestag die Rede ist. Es ist also ein Buch, das mittlerweile 17 Jahre auf dem Deckel hat. Vielleicht ist es deshalb eine so anregende und erfrischende Lektüre, weil es deutlich macht, dass es Gutmenschen und all die anderen die 24/7 sich um das Beste ihrer Mitmenschen sorgen, also um deren Geld, schon immer gegeben hat. Das macht es irgendwie einfacher, sie zu ertragen und verhindert drastischere Maßnahmen, um ihnen den Mund zu stopfen.

Hier eine kleine Auswahl aus Herzingers Buch, ein – wenn man so will – par force Ritt durch 213 lesenswerte Seiten:

Wir wollen euer Bestes oder Das Regiment der Spaßverderber.
Dinner for oneZu Silvester 1996 wartete das Bundesamt für Naturschutz mit einer medienkritischen Ermahnung besonderer Art auf. Der Comedy-Klassiker ‘Dinner for One’, dessen Ausstrahlung zum Jahreswechsel für Generationen von Deutschen zum kultischen Ereignis avanciert ist, sei vom Standpunkt des Artenschutzes aus höchst bedenklich. Denn Freddy Frinton, der angetrunkene Butler, der – the same procedure as every year – seiner hochbetagten und längst vereinsamten Herrin alle trinkfesten Geburtstagsgäste und am Ende noch den Liebhaber ersetzen muss, stolpert in diesem Sketch regelmäßig über ein echtes Tigerfell.

Der Mißbrauch vom Aussterben bedrohter wilder Tierarten als Auslegeware könne im Kontext einer lustigen Fernsehsendung zur Nachahmung anregen. Ein Verbot der Sendung, so fügten die Moralwächter eher resigniert hinzu, sei freilich aufgrund ihrer Beliebtheit kaum durchsetzbar. Zudem sei der Sketch ja schon zu einer Zeit entstanden, als es die Artenschutzkonvention, die die Einfuhr von Tigerfellen nach Europa verbietet, noch nicht gegeben habe.

So sind wir vorerst noch mit der Aufforderung der Bundestugendkontrolleure davongekommen, die Späße unseres Lieblingsbutlers und seiner Miss Sophie nicht länger ohne die angemessene moralische Problematisierung hinzunehmen. Die Betrauchtung des zwerchfellerschütternden kleinen Meisterwerks hatten wir bisher für ein ganz und gar harmloses Vergnügen gehalten. Dabei hätten wir uns doch längst denken können, dass es solche unschuldigen medialen Freuden gar nicht geben kann.
[…]
Das Laster lauert überall und setzt sich auf den subtilsten Ebenen fest. Und überall wachen Gralshüter des Gemeinsinns, die uns auf die verborgenen Gefahren des Spasshabens aufmerksam machen. Der Verzehr von McDonald’s Hamburgern fördert das Abholzen des Regenwaldes, der angeblich der Weidefläche für die Rinderherden der Fast-Food-Kette Platz machen muss. Der Genuß französischen Rotweins ist als Unterstützung für französische Atomtests im Pazifik zu werten. Die dreisten Scherze des Late-Night-Entertainers Harald Schmidt sind ‘menschenverachtend’. Das gleiche gilt für eine Satire über prominente DDR-Oppositionelle, gegen die ehemalige DDR-Bürgerrechtler vergangenen Sommer allen Ernstes eine empörte Protestresolution veröffentlichten. Im Blödelwerk der Satiriker Droste und Henschel werden notorische Bartträger wie Markus Meckel und Lutz Rathenow rituell ermordet und von dem geheimnisvollen Serienkiller rasiert. Während die Autoren damit auf drastische Weise ihre Abneigung gegen die Rauschebartkultur der ewigen Dissidenten ausdrücken wollten, hielten die Betroffenen das Machwerk für eine Aufforderung zum Lynchmord. Eigentlich ein typischer Fall in Deutschland, wo so ungefähr jedes zweite Titelbild der Satirezeitschrift Titanic eine Beleidigungsklage zur Folge hat.

Doch weiter im Text der ewigen Spaßverderber: Der Disney-Zeichentrickfilm ‘Der Glöckner von Notre-Dame’ zieht ehrwürdiges literarisches Kulturgut in den Schmutz der Trivialität und verdirbt die Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder für das Originalwerk von Victor Hugo. Und natürlich ‘verherrlicht’ jeder zweite Hollywood-Film die Gewalt, den Kapitalismus oder das amerikanische Vorherrschaftsstreben. Wer für ‘Rambo’ oder ‘Rocky’ eine Kinokarte löst, fördert nicht nur Kriegstreiberei und Machismus, sondern bezahlt dazu noch einen weiteren Nagel im Sarg der europäischen Kinoindustrie, die unter der gnadenlosen Dominanz des amerikanischen Kulturimperialismus ächzt.
[…]
Das Strickmuster dieser permanenten Appelle an die moralische Korrektheit ist immer das gleiche. Das Feierabendvergnügen des Konsumbürgers wird mit irgendeinem weltbedrohenden apokalyptischen Problem in Verbindung gebracht. Sodann wird insinuiert, dass sich jeder mitschuldig macht, der sich der Verantwortung für dieses Problem auch nur für eine schwache Minute entzieht.
[…]
Das Resentiment gegen Luxus und Verschwendung ist so alt wie die Zivilisation selbst. Über die Spassverderber im Gewande von Hütern einer höheren gemeinschaftlichen Moral hat schon Voltaire Hohn und Spott ausgegossen. Die Verschwendung, hielt er ihnen entgegen, sei die Mutter der Künste, die Quelle aller Zivilisation. Luxus, erklärte Voltaire, schade dem Gemeinwohl nicht, sondern trage zur Stimulierung der Wirtschaft und damit zur Hebung des Lebensstandards aller bei. Je mehr die Reichen für Luxusgüter ausgeben, desto besser für die Hebung der Kaufkraft der Massen.
[…]
Die moderne Konsumgesellschaft ist eine eindrucksvolle Bestätigung für die Auffassung Voltaires. Doch die Tatsache, dass heute alle in Verschwendung und Laster schwelgen und nicht nur eine privilegierte Elite, versetzt die Luxuskritiker in nur noch größere Empörung. Nun mäkeln sie am billigen Geschmack der Massen herum und schütteln den Kopf darüver, für welch erbärmliches Plastikzeug sie sich in Schulden stürzen und wie willig sie dem überbordenden Kommerz auf den Leim gehen.
[…]

Ableitung: Lasst uns endlich in Ruhe!

Tyrannei des GemeinsinnsJetzt ist es aber genug. Mehr und bessere Argumente gegen die Sirenengesänge von der wärmenden Gemeinschaft wollen wir mir nicht einfallen. Aber selbst wenn: Was würde es helfen?
Der Rud nach Gemeinschaft wird trotz der klügsten und abgesichertsten Einwände nicht leiser werden. Denn er ist so etwas wie ein archaisches Beschwörungsritual gegen die Risiken und Verführungen der Freiheit. Wo immer die Menschen in den Besitzt von ein wenig Freiheit kommen, treten zu allen Zeiten und so sicher wie das Armen in der Kirche selbsternannte Aupasser und Aufseher, Mahner und Warner auf den Plan, die ihnen ihren richtigen Gebrauch erklären und sie daran hindern wollen, sie zu ‘missbrauchen’.

Die Apokalyptiker träumen von einer furchtbaren Reinigung, die die Menschheit zu einer Umkehr in irgendeiner wahren Bestimmung zwingen werde. Die bescheideneren Apostel einer ethischen Lebensreform träumen von überschaubaren Nachbarschaften und Gemeinschaften, in denen die Menschen in trauter gegenseitiger Hilfe nach und nach wieder von den Seelenschäden genesen können, die sie bei ihrem Ausflug in die böse Welt der globalisierten Entfremdung erlitten haben.

Aber das Ergebnis aller dieser therapeutischen Bemühungen lässt sich schon voraussagen: Immanuel Kant hat gesagt: ‘Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch gemacht ist, kann nicht ganz Gerades gezimmert werden.’ So ist denn auch die Freiheit nicht nur erhaben und herrlich. Freie Menschen sehen nicht nur aus wie George Washington oder Vaclav Havel, die unser Herz und unseren Verstand mit großen Worten und Taten beflügeln. Freie Menschen sind auch dekadent wie Michael Jackson, ausgekocht wie Madonna oder abgewrackt wie Harald Junke, sie sind Fast-Food-Esser, Schwarzenegger-Fans und Mantafahrer, sie ruinieren die Umwelt und unsere Nerven und beleidigen nicht selten unseren guten Geschmack. Der Alltag der Freiheit ist oft häßlich, öde und empörend. Aber eine bessere Alternative zu dieser konkreten, negativ definierten Freiheit gibt es nicht. Deshalb ist sie das Kostbarste, das wir haben.

Die liberale Gesellschaft ist nicht etwa deshalb eine so große Errungenschaft, weil sie die sozialen und ökonomischen Probleme der Menschheit gelöst hätte oder irgendwann lösen könnte, sondern weil sie ein ziviles Regelwerkt installiert hat, das individuelle Freiräume absichert. Vom Funktionieren dieses Regelwerkes hängt unser ganzes bißchen Freiheit ab, nicht von den guten Absichten und Ideen über das richtige Zusammenleben der Menschen. Absichten und Ideen sind trügerisch und wenden sich, wenn sie realisiert werden, allzu leicht gegen die Intention ihrer Urheber zurück.

fuck offDoch die alltägliche, oftmals unansehnliche Freiheit ist den ewigen Kultur- und Zeitkritikern nicht gut genug. Sie möchten die Menschheit veredeln und doch noch irgend etwas Ordentiliches aus ihr machen. Also gut: Nur zu, ihr Gemeinschaftsprediger. Ihr habt die Welt schon so oft gerettet, da wird es auf dieses eine Mal auch nicht mehr ankommen. Prophezeit dem übertriebenen Individualismus nur recht unverdrossen weiterhin ein böses Ende. Ich ziehe noch den verantwortungslosesten Egoismus eurem verlogenen, stickigen Gemeinsinn vor.
[…]
Lasst eure immergleichen Predigten ruhig auf haltlose moderne Plastikmenschen herunterprasseln. Gebt unsere Seelen endgültig verloren, schließt uns auf immer aus der Gemeinde der Seligen aus, aber fallt uns nicht mehr mit Erziehungsprogrammen auf den Wecker. Rettet vor dem Ungeist des Materialismus, der Atomisierung und der medialen Verflachung, wen ihr wollt, aber versucht uns bitte nicht mehr darüber zu belehren, was gut für uns ist.

Lasst uns endlich in Ruhe!

Auch Lichtgestalten ertrinken im Einheits-Zeitgeist

Erinnern Sie sich noch an den Hype, der um Barack Obama veranstaltet wurde, wie er zur Lichtgestalt, zum Jesus der Minderheiten und Diskriminierten stilisiert wurde, um dann vom Nobelpreiskommittee, das wie ein Surfer immer die Wellen des Zeitgeistes reitet und dabei regelmäßig auf Ufersand aufläuft, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden?

Die Liste der Friedensnobelpreisträger, vor allem in neuerer Zeit, ist wirklich interessant und sei Interessierten als Lektüre empfohlen. Auf ihr finden sich so illustre Organisationen wie die UN oder die Europäische Union, Sie reicht von Muhammad Yunus bis zu Mutter Theresa und sieht Barack H. Obama in den Fussstapfen von Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson.

ObamaDoch zurück zu Barack H. Obama. Wie fast jeder Politiker (und mit ziemlicher Sicherheit jeder Politiker der letzten 20 Jahre), so hat auch die Lichtgestalt Barack Obama viel Helligkeit verloren und ist über die letzten Jahre im Schatten versunken, im Schatten der Alltagspolitik, der kleinen Ränkespiele, des politischen Nepo- und Opportunismus und vor allem: im Gehege der Isomorphie.

Isomorphie ist eines, wenn nicht das Konzept, das moderne Gesellschaften am besten beschreibt. Es geht zurück auf einen Beitrag von Paul J. DiMaggio und Walter W. Powell, der im Jahre 1983 in der American Sociological Review veröffentlicht wurde. Verkürzt und überspitzt formuliert könnte man die Fragestellung, die DiMaggio und Powell faszniert hat, wie folgt beschreiben: Warum werden sich moderne Gesellschaften und ihre Organisationen immer ähnlicher, warum verschwindet die Vielfalt, wird sie ersetzt durch einen Einheitsbrei, der an Uniformität kaum mehr zu überbieten ist?

Während spätere Arbeiten, die im Rahmen des Neo-Institutionalismus erstellt wurden (z.B. Boli & Thomas, 1997), vor allem auf die Rolle von Internationalen Organisationen abstellen, governmental und non-governmental (WWF, Greenpeace, Amnesty International, UN, UNESCO), wenn es darum geht, die internationale Gleichschaltung in Langeweile zu erklären, haben DiMaggio und Powell sich für die grundlegenden Prozesse interessiert und darauf ihr Konzept der Isomorphie begründet.

Isomorphie gibt es in drei Formen:

  • als mimetische Isomorphie oder schlicht Nachahmung; internationale Organisationen kopieren sich gegenseitig, um auf diese Weise Risiken auszuschließen. Als Nebeneffekt des Ausschlusses von Risiken schließen sie Innovationen und Neues aus.
  • als normative Isomorphie, die vornehmlich über die Personalebene wirkt, die Ebene, auf der sich die selben austauschbaren Gestalten einfinden, bei denen man Schwierigkeiten hat, zu entscheiden ob sie nun in einem Gremium der UN, von Greenpeace oder der European Casino Association sitzen bzw. dafür sprechen. Mit dem uniformen Personal, das in immer größerem Ausmaß internationale Organisationen bevölkert, kommen uniforme Ideen, verschwinden neue und witzige Ideen, hält die Routine der Langeweile Einzug. Deshalb kann man vorhersagen, was Greenpeace, UN, Attac oder der Naturschutzbund zur vermeintlichen Finanzkrise zu sagen haben.
  • als Zwang, der sich aus Regulationen ergibt, die international verbindlich gemacht werden: eine EUweite Frauenquote für Unternehmen, Nachhaltigkeit als Unternehmensziel von der UN verordnet, das Verbot von Zigarettenwerbung, die Koppelung von Kampf gegen Diskriminierung mit allem Möglichen von der sexuellen Orientierung bis zur Bewerbung als Zahnarzthelfer… auch hier stellt sich ein uniformes Ergebnis ein: eine regulative Monokultur.

DiMaggio und Powells Konzept ist ein Wurf, wie er nur selten gelingt. Dafür gebührt beiden Autoren Hochachtung.

Das schöne an Konzepten wie dem von DiMaggio und Powell ist ihre breite Anwendbarkeit. Zum Beispiel kann man damit das Verblassen von Lichtgestalten Marke Obama erklären, ihre Entwicklung vom assignierten Propheten zum Paria. Dazu benötigt man nur eine Pressemeldung wie diese: “Science not only for men, says Obama”.

Auch Obama ist nun von der internationalen Hysterie eingeholt worden, deren Ausgangspunkt die unsinnige Annahme darstellt, die Tatsache, dass Naturwissenschaften in weiten Teilen (übrigens ausgerechnet in der angeblich so maskulinen arabischen Welt nicht) männlich dominiert sind und dass diese Dominanz weibliche Aspiranten davon abhält, sich einzubringen.

absolutely_nothing_road_signDas kommt einem doch bekannt vor – oder? Es ist derselbe Unsinn, der in Deutschland als “MINT” durch die Welt geistert und als Grundlage für eine Reihe von Programmen dient, die Mädchen oder Frauen fördern sollen und doch nur den Effekt haben, dass sie Jungen oder Männer abschrecken und wenn dies nicht gelingt, diskriminieren und daher Qualifikationen verschwenden. Der selbe Unsinn findet sich bei EU und UN in entsprechenden Maßnahmen, die darauf abzielen, die Diskriminierung von Frauen zu beseitigen, die extra erfunden werden musste, damit man sie beseitigen kann. Erkennen kann man den gleichen Ursprung dieses Unsinns an seinen Prämissen, seiner Ideologie der Gleichstellung und seinem Anti-Individualismus, oder wie Obama sagt:

“Right now, fewer than one in five bachelor’s degrees in engineering or computer science are earned by women. … That means we’ve got half the field – or half our team we’re not putting on the field”.

Dass es individuelle Präferenzen gibt, dass es gar von vermeintlich wohlmeinenden Egalitaristen und Anti-Individualisten ersonnene Anreizstrukturen gibt, wie sie Catherine Hakim (2002) beschrieben hat,  die dafür sorgen, dass nach Geschlecht differenzierte Anreize zur Aufnahme einer Arbeit und zum Verfolgen einer Karriere geschaffen werden, kommt den modernen Egalitaristen nicht in den Sinn. Sie schwelgen in einem einzigartigen Gleichstellungsrausch, der Gruppen im Aggregat dieselben Wünsche und Fähigkeiten zuschreibt, eine Idee, auf die sie überraschender Weise gar nicht kommen, wenn es um die Wünsche und Fähigkeiten geht, die Politiker und Kriminelle unterscheiden (angeblich). Gesellschaft existiert für die Würdenträger des modernen Anti-Indiviudalismus nur in Form von Gruppen und die Mittelwerte und die Standardabweichung zwischen diesen Gruppen haben im Hinblick auf alle erdenklichen Dinge dem zu entsprechend, was politisch opportun ist. So will es er internationale Einheitsbrei.

Obama CartoonDie Frage, was dazu geführt hat, dass auch Lichtgestalten wie Obama im Einheitsbrei versinken, und dafür sorgen, dass die Erde immer mehr zur Monokultur der Langeweile und der Hirngespinste wird, ist mit DiMaggio und Powell leicht zu beantworten: Pressure Groups, internationale Vereinigungen, Frauenrechtler und NGOs campen vor den Türen der Exekutive und der Legislative, sie infiltrieren jede internationale Organisation mit ihren Interessen und ihrem Personal, schaffen es, z.B. die Millennium-Ziele zu bestimmen und sorgen auf diese Weise dafür, dass die Welt ein Einheitsbrei wird, gebaut auf der dystopischen Illusion allgemeiner Gleichstellung und getrieben von einem menschenverachtenden Anti-Individualismus, der in zukünftigen Generationen, sofern der derzeitige Angriff auf die Integrität der Menschheit überlebbar ist, nur mit Kopfschütteln, ob dieses dunklen Zeitalters goutiert werden wird.

Warum, so bleibt abschließend zu fragen, ist ausgerechnet eine Frauenförderung basierend auf einer erfundenen Diskrimierung von Frauen so erfolgreich, wenn es darum geht, Gruppen, Organisationen, Exekutiven und Legislativen in westlichen Staaten zu inkubieren. Eine Antwort auf diese Frage ist nicht einfach und nach unserem Wissen bislang noch nicht einmal versucht worden. Also versuchen wir es einmal:

Frauenförderung vermengt auf ungute Art Opferstatus, Trägheit und Gutmenschentum. Eine ganze Reihe von Frauen fühlt sich so wohl in einem selbst zugeschriebenen Opferstatus, dass sie auch nichts dagegen einzuwenden haben, von Gutmenschen paternalisiert zu werden, vor allem dann nicht, wenn diese Paternalisierung mit handfesten materiellen Vorteilen einhergeht. Und die Gutmenschen stürzen sich auf Frauenthemen ob der damit verbundenen mythologischen Reinheit, die sich aus dem Neuen Testament ableiten lässt und weil man mit der Frauenbewegung ein williges Opfer bereit hat, dessen Mitglieder sich nur zu gerne an die Hand nehmen und fördern lassen, die geradezu nach dem pater familias, der sie durchfüttert, hungern, nur um nicht in die kalte Welt des Wettbewerbs, dem sie sich nicht gewachsen fühlen, eintauchen zu müssen.

Von hier kann man die Erklärung verallgemeinern und die Attraktivität von Egalitarismus als Ergebnis einer Angst vor Konkurrenz, eines Strebens nach Festschreibung von Nutznießer-Strukturen, von denen man profitiert oder profitieren will, erklären. Über internationale Nutznießer-Allianzen wird die Förderung der eigenen Interessen und somit die Sicherung des eigenen Auskommens verbindlich gemacht, die gesellschaftlichen Strukturen werden festgeschrieben, und es wird verhindert, dass Neues und am Ende für den eigenen Status Gefährliches auftaucht und am Ende noch Einfluss gewinnt. Hier treffen sich die Egalitaristen, die von ihrer Konkurrenz-Angst getrieben, Wettbewerb unterbinden wollen, mit Berufspolitikern, für die neue Ideen von jeher die Gefahr waren, die ihrer Machterhaltung im Wege standen und die die Angst vor Konkurrenz teilen, denn außer Politik haben Berufspolitiker ja nichts gelernt.

©ScienceFiles, 2014

 

Boli, John & Thomas, George M. (1997). World Culture in the World Polity: A Century of International Non-Governmental Organizations. American Sociological Review 62(2): 171-190.

DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

Hakim, Catherine (2002) Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Preference Theory. Oxford: Oxford University Press

Schon die Nähe von McDonalds macht fett – oder etwa nicht?

Wer sagt, Menschen seinen Lebewesen, die mit einem freien Willen ausgestattet sind – Lebewesen, die für sich entscheiden könnten, was gut und was nicht gut für sie ist?

cartoon cavemenEinmal ehrlich, so ein freier Wille ist doch wirklich hinderlich. Er erschwert jegliche Intervention, macht die Legitimation für jede angeblich Präventions-Maßnahme hinfällig. Was machen all die Jugendgerichtshelfer, wenn die Straftat von Maik P. gar nicht durch die Gesellschaft, die Umstände, die Situation, die Peers, den trinkenden Vater oder sonstige missliche Umstände verursacht ist, sondern durch den Entschluss von Maik P., eine Eisenstange zu nehmen und das Gesicht eines Unbeteiligten damit zu traktieren (reale Straftat aus Freiberg in Sachsen)?

Was machten nur all die Sozialarbeiter, die versuchen, Schulschwänzer dazu zu überreden, zur Schule zu gehen, wenn sie einräumen müssten, dass die entsprechenden Jugendlichen der Schule nicht aus systemischen Gründen fernbleiben, sondern weil sie sich dazu entschlossen haben, nicht zur Schule zu gehen?

Und zu guter Letzt, wie wäre es um das Auskommen all derer bestellt, die sich tagein tagaus um das Wohl ihrer Mitmenschen sorgen, darum, dass Letztere nicht rauchen, nicht (zu viel) trinken, sich nicht kugelrund essen, Sport machen, vor allem Sport, damit sie nicht zur Couch Potato verkommen? Was hätten diese emsigen Arbeiter im Dienste am Wohl des Nächsten und (nebenbei natürlich) im Dienste des eigenen Unterhalts den lieben langen Tag zu tun, wenn sie zugestehen müssten, dass derjenige, der raucht, raucht, weil er rauchen will, der, der trinkt, trinkt, weil er trinken will und der der ißt, ißt, weil es ihm schmeckt?

Nicht auszudenken.

Und weil es nicht auszudenken ist, welche Folgen ein freier Wille für die Hilfeindustrie hätte, deshalb gehen wir davon aus, dass Menschen, zumindest alle diejenigen, denen von der Hilfeindustrie geholfen werden soll, unbewusste, tumbe, Trieb gesteuerte und auf jeglichen Reiz reagierende Zellhaufen sind, die man in die richtige Richtung dirigieren muss.

Wenn wir die Kuh des freien Willens vom Eis haben, dann können wir nach Lust und Laune über Menschen forschen, ohne dass wir sie als Menschen zur Kenntnis nehmen müssen, so wie dies z.B. Thomas Burgoine, Nita G. Forouhi, Simon J. Griffin, Nicholas J. Wareham und Pablo Monsivais gerade getan haben. Die fünf Forscher von der Universität Cambridge in England und vom dortigen Centre for Dietary and Activity Research haben sich gefragt, was Menschen dick macht, fett, um genau zu sein, oder adipös, wie es in vornehm heißt.

Adipöse Menschen sind eines der derzeitigen Lieblings-Forschungsobjekte der wissenschaftlichen Helfer der Hilfeindustrie, derjenigen also, die die vermeintliche wissenschaftliche Grundlage liefern, auf die die Hilfeindustrie dann ihre Forderungen gründet und von der aus sie nach Mitteln des Steuerzahlers, nach Geld für ihre eigenen Hilfsaktionen ruft.

Medical paternalismBurgoine und seine vier Mitforscher haben 5.594 Erwachsene im Alter von 29 bis 62 Jahren, die alle in Cambridgeshire leben, nach ihren Essgewohnheiten befragt, ihren Body-Mass-Index berechnet und dann haben die fünf Forscher ihren Befragten die Anzahl von Fast-Food-Restaurants zugespielt, die sich im Umkreis von 100 bis 500 Metern von ihrer Wohnung/ihrem Haus und ihrem Arbeitsplatz befinden. Zudem haben sie untersucht, wie viele Fast-Food-Restaurants sich auf dem Weg zwischen Wohnung/Haus und Arbeitsplatz befinden und dann haben die Forscher die Essgewohnheiten den Body-Mass-Index und die Anzahl der Fast-Food-Restaurants miteinander in Verbindung gebracht (korreliert).

Ergebnis: Zusammenhang!

[Methodischer Einschub; Die Zuordnung von Wohnung/Haus, Arbeitsort und Fast-Food Restaurants (genau: take away food outlets) ist über das britische Postleitzahlensystem recht einfach, da sich innerhalb derselben Postleitzahl nur wenige, in der Regel nicht mehr als 15 Einheiten befinden.]

  • Je mehr Fast-Food Restaurants sich in der Nähe von Wohnung/Haus, Arbeitsplatz oder Strecke zwischen Wohnung/Haus und Arbeitsplatz befinden, desto häufiger haben die Befragten angegeben, Fast-Food zu essen. Der Zusammenhang gilt vor allem für den Arbeitsplatz.
  • Allerdings sind die Zusammenhänge eher gering und addieren sich über eine Woche auf eine halbe Packung McDonald French Fries. Anders formuliert: der signifikante Zusammenhang zwischen der Anzahl von Fast-Food Restaurants in der Umgebung von Wohnung/Haus, Arbeitsplatz oder auf dem Weg zur Arbeit, summiert sich auf genau 39,9 Gramm pro Woche. Würde man alle Fast Food Läden in der Umgebung von Wohnung/Haus und Arbeitsplatz der Befragten abreißen, man würden ihnen pro Woche 39,9 Gramm Fast Food ersparen.
  • Zum Glück gibt es noch den Body-Mass-Index, der zeigt, dass: “[i]ndeed associations were generally stronger with body mass index and odds of obesity than with diet in this study …” (4)

Das alles ist recht dürftig, aber wenn es um die Gesundheit anderer Menschen geht, dann sind 39,9g Fast Food weniger pro Woche ja schon ein Anfang. Seltsam nur, dass die Autoren nicht in der Lage sind, substantielle Effekte zwischen der Anzahl von Fast Food Restaurants und den Essgewohnheiten ihrer Befragten zu finden. Seltsam auch, dass ihnen das nicht zu denken gegeben hat, schon, weil ja die Standardfrage, die sich jeder Sozialwissenschaftler angesichts einer Korrelation stellt, lautet: Was ist hier kausal für was? Body Mass Index für den Besuch von Fast Food Restaurants oder der Besuch von Fast Food Restaurants für den Body Mass Index?

Diese Frage leitet über zu einem anderen Dilemma der Sozialforschung, vor allem der Sozialforschung, die mit Aggregatdaten zu tun hat. Wenn ein Zusammenhang auf Aggregatebene besteht, dann bedeutet dies nicht, dass sich Menschen auch entsprechend verhalten. Wenn ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Fast Food Läden und dem Body Mass Index besteht, wie ihn die Autoren finden, dann heißt dies nicht, dass Erstere Letzteren in die Höhe treiben. Es gibt ja schließlich noch ganz andere Möglichkeiten, fett zu werden, vom Bier über den Rotwein, von der Schokolade über die Chips bis hin zur Pasta, die in Mengen genommen, auch der Figur nicht gut bekommen soll. Das wissen die Forscher um Thomas Bourgoine, jedenfalls kann man ihren Hinweis auf Softdrinks (Seite 4) so lesen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) weiß es nicht. Für ihn sind die Ergebnisse von Bourgoine et al. ein willkommener Anlass, um zu fordern. Was? Geld, Maßnahmen, Eingreifen natürlich:

darwin-great“Der DDG-Geschäftsführer sieht deshalb politischen Handlungsbedarf. „Niemand kann ernsthaft fordern, Fast-Food-Läden zu verbieten“, stellt Garlichs klar. Aber die Politik ist aufgerufen, die Entscheidung für eine gesunde Kost einfacher und attraktiver zu machen. „Wir können beispielsweise durch eine Zucker-Fett-Steuer auf besonders kalorienhaltige Lebensmittel dafür sorgen, dass gesunde Ernährung günstiger ist als etwa Pommes frites“ [oder Spaghetti], so Garlichs. „Ein Mineralwasser sollte günstiger sein als ein Softdrink.“ Darüber hinaus sei eine klare Lebensmittelkennzeichnung sowie die Angabe der Kalorienmengen in Restaurants wichtig.

Und da sind wir wieder beim freien Willen, den Leute wie Dietrich Garlichs ihren Mitmenschen schlicht absprechen, und wir sind bei der daraus sich ergebenden Notwendigkeit von Gutmenschen wie Garlichs, die Bevormundung und Entmündigung der nicht frei Bewillten zu fordern und mit dieser Forderung gleichzeitig die eigene Existenz zu legitimieren. Und weil wir schon dabei sind, bauen wir an dem, was Heike Diefenbach die Schaffung eines sozialen Problems (durch Sozialforscher) genannt hat. Ein solches soziales Problem hat, ist es erst einmal geschaffen, viele Vorteile:

  • Es erlaubt ein erkleckliches Auskommen für all diejenigen, die es bekämpfen wollen.
  • Die Bekämpfung des so geschaffenen sozialen Problems ist positiv konnotiert, d.h. man kann sich noch gut dabei fühlen, wenn man Dritte entmündig und sich auf ihre Kosten Status und Prestige und Einkommen verschafft.

Und mal ehrlich: Wozu ist die Unterschicht, wozu sind die Fetten schon gut, wenn nicht dazu, wohlmeinenden und vermeintlich Bessergestellten ein Auskommen zu verschaffen. Dass man sie ob ihrer Zweckmäßigkeit entmündigen und zu Zellhaufen ohne eigenen Willen erniedrigen muss und ihnen jegliche Verantwortung für das eigene Leben absprechen muss – who cares, sicher nicht die Wissenschaftler, die wie Bourgine et al. die entsprechende Munition für die Hilfeindustrie liefern.

Burgoine, Thomas, Forouhi, Nita G., Griffin, Simon J., Wareham, Nicholas J. & Monsivais, Pablo (2014). Associations Between Exposure and Takeaway Food Outlets, Takeaway Food Consumption, and Body Weight in Cambridgeshire, UK: Population Based, Cross Sectional Study.