Die Neu-Entdeckung des Bekannten

Kennen Sie dieses dejá vu Gefühl, wenn Ihnen jemand etwas bahnbrechend Neues anbietet und alles, was Sie zu sehen im Stande sind, ist … ein Telefon oder ein Fahrrad? Das Geheimnis der Neuentdeckung von Bekanntem scheint in Sprache zu liegen, in der Kunst, das Gleiche anders darzustellen, anders zu benennen, etwa wenn aus dem Türklinkenputzer ein Vertreter und dann eine Sales-Representative wird oder wenn Sekretärinnen jetzt Assistent des Managements heißen.

paradigm-shiftDie Sozialwissenschaften scheinen für diese Form der sprachlichen Neu-Entdeckung des Bekannten besonders anfällig zu sein – vor allem im Zuge des Konstruktivismus, dessen Kern ja die sprachliche Konstruktion, zumeist in Nominalverbindungen wie: “durch Bezug auf naturgegebene Körperlichkeit, Polarisierung, Ausgrenzung und Abwertung … mit der tendenziellen Rebiologisierung  … die Restabilisierung der hegemonialen Männlichkeit” (wer uns schreibt, von wem dieser Unsinn kommt, bekommt eine ScienceFiles-Mug von uns), ist.

So hat man vor einiger Zeit die Intersektionalität entdeckt, ein Konzept, das man schon seit Jahrtausenden kennt, und nicht erst die alten Ägypter waren in der Lage, zwei oder gar drei Variablen (Höhe und Länge und Breite) mit einander in Verbindung zu bringen. Die Moderne zeichnet sich nunmehr durch vermeintliche Wissenschaftler aus, die die Intersektionalität neu und doch nur wieder entdecken, jene unbekannte Größe, die sich in der bahnbrechenden Erkenntnis äußert, dass Männer nicht nur Mann, sondern auch Angehörige einer Ethnie sind. Warten wir noch ein Jahrzehnt und die entsprechenden Intersektionalitäts-Künstler werden sich zu der Erkenntnis vorgearbeitet haben, dass es neben Geschlecht, Ethnie, vielleicht Klasse und Alter noch eine wichtige Variable gibt, die bislang vernachlässigt wurde: Bildung… oder so.

Neben der Intersektionalität hat sich ein weiteres neues Konzept über die letzten Monate in die Diskussion eingeweihter Kreise geschlichen: die “Dual-Use-Problematik”. Diese Dual-Use-Problematik besteht in der für manche völlig neuartigen Erkenntnis, dass in “nahezu allen Wissenschaftsgebieten … die Gefahr [besteht], dass Forschungsergebnisse zu schädlichen Zwecken missbraucht werden” (zum Beispiel wenn die Bundesregierung sie in einem Programm umsetzt). Eine wirklich erstaunliche Erkenntnis, vor der die Trümmer von Karthago, jener Stadt, die römischer Belagerungstechnik zum Opfer gefallen ist, verschwinden, im Orkus der Geschichte.

LeopoldinaNeue Erkenntnisse, wie die Dual-Use-Problematik müssen natürlich erst einmal diskutiert werden. Und wie immer, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu diskutieren, ist die Leopoldina an vorderster Front und dieses Mal in Trio mit Ethikrat und DFG, die nicht fehlen dürfen, wenn top-moderne Fragen, die bislang vermeintlich noch niemand gestellt hat, gestellt werden: Was sind die Chancen und Risiken, die sich mit Forschung z.B. zu Viren verbinden? Welche Risiken und Nebenwirkungen, und welche Nutzen verbinden sich mit 3D-Druckern? Diese Fragen, die Gebrauch und Missbrauch betreffen und die schon den Entdecker des Feuers geplagt haben, diese top-aktuellen Fragen werden von Leopoldina und Ethikrat und DFG und unter dem Titel “Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung” diskutiert.

Und spätestens hier endet der Spass, denn: “Es wird die Frage aufgeworfen, wie sinnvoll Publikationsbeschränkungen sind, und wer darüber entscheiden sollte. Zudem werden die Teilnehmer über die möglichen Konsequenzen diskutieren, wenn bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden.”

Wie ausgemacht es schon zu sein scheint, dass “bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden”. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, zu welchem Ergebnis das Symposium zu Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung kommt: Die Verantwortung, die der Wissenschaft zugeschoben wird, wird die Wissenschaftsfreiheit in einem Meer von Regulation und Verboten ersticken, Verbote, die Forschung, deren Ergebnis nicht bekannt sind, weil die entsprechende Forschung noch nicht durchgeführt wurde, verunmöglichen werden. Verbote, die Forschung, die als anti-feministisch angesehen wird und Forschung, die Technologien umfasst, die gerade ungeliebt sind, verunmöglichen werden – ein Ergebnis, das man dann als Fortschritt durch Stillstand verkaufen wird. Nicht vergessen: Wir leben im Konstruktivismus: Es gilt das gesprochene Wort, nicht das, was in der Realität vorhanden ist.

Witziger Weise ist uns heute, just als die Ankündigung des Symposiums zu diesem neuartigen Thema, dem sich Leopoldina, Ethikrat und DFG nun widmen, eintraf, eine Drucksache aus dem Bundestag ins Haus geflattert. Drucksache 18/2940. Eine Unterrichtung der Bundesregierung: Zwischenbericht der Bundesregierung über die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014.

Auch die Bundesregierung übt sich im Konstruktivismus:

“Bei Rüstungsexportentscheidungen in sogenannte Drittstaaten sind die im Jahr 2000 beschlossenen strengen ‘Politischen Grundsätze für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern’ für unser Regierungshandeln verbindlich”.

Rüstungsgüter sind ein sensibler Gegenstand, also sind politische Grundsätze für den Export von Kriegswaffen als streng zu bezeichnen, einfache Grundsätze reichen nicht aus. Und natürlich wird nur exportiert, wenn bekannt ist, was aus den Rüstungsgütern wird. Sicherung des Endverbleibs nennt sich das:

“Der Prüfung und Sicherstellung des Endverbleibs kommt eine besondere Bedeutung zu. Nach den exportkontrollpolitischen Grundsätzen werden Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nur erteilt, wenn zuvor der Endverbleib dieser Güter im Endempfängerland sichergestellt ist.”

Vielleicht führt Israel deshalb die Liste der Länder an, in die Kriegsgerät exportiert wird. Dort weiß man nicht nur, wo es geblieben ist, sondern auch, wer damit getötet wurde. Überhaupt sind ein paar Daten aus der Unterrichtung ganz interessant.

Ruestungsexporte

Insgesamt belaufen sich die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014 auf 2,2 Milliarden Euro – ein erkleckliches Sümmchen. 210 Millionen der Rüstungsexporte betreffen Munition, und für Munition ist der Endverbleib ja in jedem Fall klar.

Die sicheren Drittstaaten oder wichtigesten Abnehmer deutscher Rüstungsgüter, die allesamt sicher und gegen jede Form von Missbrauch gefeit sind, führen zurück zur Dual-Use-Problematik, mit der sich Leopoldina, Ethikrat und DFG in ihrer virtuellen Welt herumschlagen, einer virtuellen Welt, in der das Gute vom Bösen getrennt ist, in der es sprachlich möglich ist, die gute wissenschaftliche Nutzung von der schlechten wissenschaftlichen Nutzung, die Gefahr in der Anwendung vom Nutzen der Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu trennen. Nicht nur das: Es ist sogar möglich vorherzubestimmen, welche Forschung so gefährlich ist, dass man sie besser verbietet. So wie es der Bundesregierung durch ihre “strengen politischen Grundsätze” möglich ist auszuschließen, dass Munition, die in den Libanon, nach Kasachstan oder in die Russische Föderation geliefert wird, im falschen Körper endet.

Die post-rationale Moderne entdeckt nämlich nicht nur ständig Bekanntes von anno dazumal in neuem Gewandt und unter neuem Namen wieder, nein, die post-rationale Moderne kann auch alles, was nicht gut und richtig ist, ausschließen und kontrollieren – sprachlich zumindest, und das ist doch, was zählt: die sprachliche Kontrolle, die in der Sprachwelt etwas vorgaukelt, was es in der wirklichen Welt nicht gibt, etwa so, wie der Begriff “Wissenschaftsverantwortung” vorgaukelt, dass Wissenschaftler die Verantwortung für ihre Entdeckungen hätten, eine absurde Idee von Herbert Marcuse, die in der post-rationalen Moderne wieder en vogue ist und dazu genutzt wird, Kontrolle auszuüben, Kontrolle, die über die Sprache funktioniert und durch die Beseitigung von Möglichkeiten, in die Realität wirkt, der Leopoldina sei Dank!

Es gibt für Wissenschaftler übrigens nur eine Verantwortung und die hat ein scruffy mind in den x-Files formuliert: Not to share their knowledge with an immoral government!

Tag der Entgeltgleichheit: Ob gemeinsames Lügen glaubwürdiger ist?

BMFsfjneuDas Bundesministerium für FSFJ und der DGB tun es nun gemeinsam: Schwesig und Hannack ziehen für die dummen Frauen ins Felde, die sich immer noch für “gleiche und gleichwertige Arbeit” schlechter bezahlen lassen als ihre männlichen Pendants. Die üblichen Behauptungen werden in den üblichen Ton einer nicht zu, aber doch merklichen Empörung gepackt, auf dass die Lüge, die man im Begriff ist zu erzählen, dieses Mal glaubwürdig rüber kommt. Die Lüge ist mittlerweile ein Ladenhüter, eine lahme Krücke, die man wirklich nicht mehr hören kann.

Und dennoch: Monoton, fast wie ein Beschwörungsgesang, wiederholt in stupidem Ton, im Stakkato, das nur aus einem transzendenten Trancezustand gespeist sein kann, wird die Lüge von der angeblich nicht vorhandenen Entgeltgleichheit intoniert, dieses Mal im schrillen Geschreis-Duo von Schwesig und Hannack.

Gut, dass Gary S. Becker, auf den das Gender Pay Gap letztlich zurückgeht, mittlerweile verstorben ist, hoffentlich im Frieden mit sich selbst und in der Überzeugung, dass man es nicht verhindern kann, wenn Minderbemittelte sich ein Konzept aneignen, das sie nicht einmal im Ansatz verstehen.

Wir haben an anderer Stelle schon dargestellt, wie das Gender Pay Gap berechnet wird und welchen Zweck es erfüllt. Hier noch einmal in aller Kürze, die wesentlichen Punkte, immer in der Hoffnung, dass der Intellekt einer Schwesig oder einer Hannack ausreicht, um zu folgen, sofern sie folgen wollen, was ja dann, wenn man sich einen eigenen Vorteil vom nicht-Folgen verspricht, nicht immer der Fall ist.

Also in Kürze:

Wenn man den Stundenlohn von allen erwerbstätigen Männern und allen erwerbstätigen Frauen aufsummiert und die Summen durch die Anzahl der erwerbstätigen Männer bzw. Frauen teilt und das Ergebnis zwischen Männern und Frauen vergleicht, dann ist die Zahl, die sich für Männer ergibt höher als die Zahl, die sich für Frauen ergibt.

Was bedeutet das: Nichts.

Und zum besseren Verständnis: es bedeutet nichts, denn man vergleicht Pferde mit Kartoffeln.

Warum?

  • Weil Männer in anderen Branchen arbeiten als Frauen. Männer sind z.B. häufiger Ingenieur, Frauen sind häufiger im öffentlichen Dienst. Als Ingenieur verdient man besser.
  • Weil Männer länger und mehr und ohne Unterbrechungen arbeiten und häufiger Vollzeit als Frauen.
  • Weil Männer mehr in ihre Karriere investieren als Frauen, sich häufiger weiterbilden und häufiger den Arbeitsplatz wechseln, um Neues zu lernen.
  • Weil Männer bereits ihr Studienfach mit dem Motiv wählen, Geld zu verdienen und Karriere zu machen, während bei Frauen in der Regel das Motiv “Hilfe” vorherrscht, das in die schlecht bezahlten sozialen Berufe mündet. Soziale Berufe werden übrigens nicht deshalb schlechter bezahlt als Ingenieursberufe, weil das böde Patriarchat die entsprechenden Berufe abwertet, sondern deshalb, weil sie nicht ansatzweise so produktiv sind wie Ingenieursberufe und entsprechend weniger Nutzen für die Gesellschaft erwirtschaften. Das kann man jetzt furchtbar finden, man kann schreien und zetern, aber es ändert nichts daran, dass die Erfindung einer winzigen und effizienten Solarzelle mehr Nutzen für eine Gesellschaft einbringt, als die Beaufsichtigung von Kindern in Kindergärten.

Entgeltgleichheit im BetriebAlles ist ganz einfach. Aber, wie es aussieht, nicht einfach genug für Politiker und Funktionäre im Allgemeine und Schwesig und Hannack im Besondern. Die wollen uns nämlich glauben machen, sie seien so dumm, dass sie einfache Zusammenhänge nicht verstehen können. Sie wollen uns glauben machen, sie würden einfach nicht begreifen, dass der 22% Unterschied zwischen Männern und Frauen, der sich im Hinblick auf den Stundenlohn ergibt, sich wegen der oben genannten Unterschiede ergibt, Unterschiede, die man kurz in der Sprache der Humankapitaltheorie zusammenfassen kann in: Frauen machen mehr Investitionen in allgemeines Humankapital (formale Bildung) und weniger in spezifisches Humankapital (Weiterbildung, Überstunden) als Männer und spezifisches Humankapital wird besser bezahlt, weil es für Unternehmen wertvoller ist als allgemeines Humankapital.

Die internationale Forschung hat wieder und wieder und wieder bestätigt, was oben zusammengetragen wurde (z.B.: Chzhen & Mumford, 2009; Fortin, 2006; Hoyes et al., 2010; Lauer, 2000, Mopo, 2011, Nopo, 2009; Nordman & Roubaud, 2005, Ochsenfeld, 2014; Polachek & Xiang, 2009). Nicht zuletzt zeigt dies die Tatsache, dass das Gender Pay Gap seit Jahrzehnten geringer wird, und zwar deshalb, weil der Anteil von Frauen, die Vollzeit arbeiten, und das durchschnittliche Bildungsniveau von Frauen sowie der Anteil von Frauen, der sich auf eine Karrier einlässt, gestiegen ist (Antonczyk et al., 2010; Weinberger & Kim, 2010; Yamaguchi, 2014).

Aber: Was sind schon wissenschaftliche Ergebnisse, wenn Elke Hannack den Mund aufmacht?

“Die Ursachen der Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern sind inzwischen vielfältig wissenschaftlich erforscht. Nur bleiben die Erkenntnisse oft ohne Wirkung. Zwar ist die Lücke geringer, wo Tarifverträge gelten und Betriebs- und Personalräte mitbestimmen, von einer fairen Bezahlung sind wir trotzdem noch weit entfernt. Es gibt ein Handlungsdefizit auf politischer und betrieblicher Ebene. Genau hier setzt das neue Projekt an, indem es die Beteiligten inner- und außerhalb der Betriebe und Verwaltungen auf das Thema aufmerksam macht”, so die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack”

morons2Wie wahr es doch ist, dass “die Erkenntnise oft ohne Wirkung” bleiben. Bei Elke Hannack zum Beispiel, bei der bleiben die wissenschaftlichen Erkenntnisse vollständig ohne Wirkung. Sie fabuliert von 22% Entgeltungleichheit und hat offensichtlich keine Ahnung, dass jeder, der in der Wissenschaft das unbereinigte Gender Pay Gap für irgend einer Aussage fähig hält, sich diskreditiert und ab dann nur noch milde belächelt wird, wie Hannack von uns zum Beispiel. Sie hat keine Ahnung von all den wissenschaftlichen Ergebnissen, die die 22% Entgeltlücke zum Verschwinden bringen, indem sie die oben zusammengestellten Variablen von Branche, Arbeitszeit, Weiterbildung usw. als erklärende Variablen nutzen. Und, letztlich, offenbart Hannack, dass bei ihr die Welt nach Wunsch geschaffen wird, wenn Sie behauptet, dass die Entgeltlücke da geringer sei, wo Tarifverträge gelten würden, womit sie insinuieren will, dass gewerkschaftliche Verhandlungsmacht den Gender Pay Gap reduziert.

Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, wie diese Wunschvorstellung: Das Gender Pay Gap ist regelmäßig im oberen Bereich der Lohnskala geringer als im unteren, was mit dem Bildungsgefälle entlang der Lohnskala (Böheim et al., 2011, Bosio, 2009; Heinze, 2010; Mussida & Picchio, 2014) und der mit der Lohnskala wachsenden Produktivität erklärt werden kann (Lauer, 2000). Es hat also nichts mit Gewerkschaften zu tun. Im Gegenteil: Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass das Gender Pay Gap da geringer ist, wo Gewerkschaften keine oder nur wenig Verhandlungsmacht haben und der Arbeitsmarkt flexibel ist (Antonczyk et al., 2010; Casale & Posel, 2009; de la Rica et al., 2010; Del Bono, & Vuri, 2008). Kurz: Frau Hannack weiß es nicht besser oder sie lügt. Suchen Sie sich aus, was Ihnen am wahrscheinlichsten erscheint.

All die Missverständnisse, all die Lügen und all der Unsinn, der das Gender Pay Gap umgibt, bringt die Entgeltaktivistin Schwesig nicht zum Nachdenken. Im Gegenteil, sie scheint im Widerspruch gerade aufzublühen und bedroht die deutsche Wirtschaft, nachdem sie schon mit dem Elterngeld plus einen Nagel in den Sarg wirtschaftlicher Prosperität geschlagen hat, mit einem weiteren Sargnagel:

“‘Frauen beanspruchen zu Recht gleichen Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit. Daher wird mein Ministerium ein Entgeltgleichheitsgesetz vorlegen, das für mehr Transparenz sorgt. Mit diesem Gesetz möchte ich verbindliche Verfahren festlegen, um Lohndiskriminierung zu beseitigen. Derzeit erarbeiten wir die entsprechenden Eckpunkte’, so Schwesig”

Driving-Nail-Coffin[1]Was dabei herauskommt, wenn Legastheniker den Duden neu schreiben, man kann es sich gut vorstellen. Die erste Generation, die dem Genderisten-Wahnsinn entkommen ist, wird sich bei den Schwesigs und den Hannacks bedanken, die die wirtschaftliche Zukunft von Generationen geopfert haben, um ihren Sex-Spleen auszuleben und daraus hoffentliche die Konsequenz ziehen, ein IQ-Gleichheitsgesetz zu verabschieden, das für Transparenz sorgt und Verfahren festlegt, die gewährleisten, dass Personen in öffentlichen Ämtern und an den Spitzen von Ministerien gleiche oder gleichwertige Intelligenz aufweisen, wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Dass das Intelligenz-Gleichheitsgesetz der Zukunft dazu führen wird, dass Gewerkschaften aus dem öffentlichen Leben verschwinden, ist eine nette Begleiterscheinung, die zukünftigen Generation ein besseres Leben verschaffen wird.

P.S.

Eine kleine Anmerkung zum Schluss: Die Sozialpolitik eines Landes führt dann, wenn sie Mutterschaft fördert, z.B. durch Anreize, Kinder in die bereits überfüllte Welt zu setzen, dazu, dass das Gender Pay Gap größer wird (Mandel & Shalev, 2009; Nicodemo, 2008). Wie gesagt, Schwesig blüht im Widerspruch erst auf und ist gleich in einem Schaffer und Bekämpfer des Gender Pay Gaps.

Literatur:

Antonczyk, Dirk, Fitzenberger, Bernd & Sommerfeld, Katrin (2010). Rising With Inequality. The Decline of Collective Bargaining, and the Gender Wage Gap. Labour Economics 17(5): 835-847.

Böheim, René, Himpele, Klemens, Mahringer, Helmut & Zulehner, Christine (2011). The Distributiopn of the Gender Pay Gap in Austria. Evidence from Matched Employer-Employee Data and Tax Records. Linz: Johannes Kepler University of Linz; Department of Economics, Working Paper #1107.

Bosio, Giulio (2009). Temporary Employment and Wage Gap with Permanent Jobs: Evidence from Quantile Regression. München: Munick Personal RePEc Archive, MPRA-Paper No. 16055.

Del Bono, Emilia & Vuri, Daniela (2008). Job Mobility and the Gender Wage Gap in Italy. Munich: ifo Institute – Leibnitz Institute for Economic Research, CESifo Working Paper #2435.

De la Rica, Sara, Dolado, Juan José & Vegas, Raquel (2010). Performance Pay and the Gender Wage Gap: Evidence from Spain. Bonn: Institute for the Study of Labor (IZA); Discussion Paper #5032.

Fortin, Nicole (2006). Greed, Altruism and the Gender Wage Gap. Vancouver: University of British Columbia, Department of Economics.

Heinze, Anja (2010). Beyond the Mean Gender Wage Gap: Decomposition of Differences in Wage Distributions Using Quantile Regression. Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), ZEW Discussion Papers 10-043.

Hoyos, Alejandro, Nopo, Hugo & Pena, Ximena (2010). The Persistent Gender Earnings Gap in Colombia, 1994 – 2006. Institute for the Study of Labor (IZA), IZA-Working Paper #5073.

Lauer, Charlotte (2000). Gender Wage Gap in West Germany: How Far to Gender Differences in Human Capital Matter? Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW); ZEW Discussion Paper No. 00-07.

Mussida, Chiara & Picchio, Matteo (2014). The Gender Wage Gap by Education in Italy. Journal of Economic Inequality 12(1). 117-147.

Nicodemo, Catia (2009). Gender Pay Gap and Quantile Regression in European Families. Bonn: Institute for the Study of Labor (IZA), IZA Discussion Papers #3978.

Nopo, Hugo (2011). Gender Earnings Gaps in the World. Bonn: Institute for the Study of Labour (IZA); IZA Working Paper #5736

Nopo, Hugo (2009). The Gender Wage Gap in Peru 1986 – 2000: Evidence from a Matching Comparison Approach. New York: Inter-American Development Bank, Research Department, No. 675.

Nordman, Christophe J. & Roubaud, Francois (2005). Reassessing the Gender Wage Gap: Does Labour Force Attachment Really Matter? Evidence from Matched Labour Force and Biographical Surveys in Madagascar. Paris: Développment institutions and Analyses de Long terme; Document de Travail DT/2005-06.

Ochsenfeld, Fabian (2014). Why Do Women’s Fields of Study Pay Less? A Test of Devaluation, Human Capital and Gender Role Theory. European Sociological Review: online first.

Polachek, Solomon W. & Xiang, Jun (2009). The Gender Pay Gap Across Countries: A Human Capital Approach. Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung; SOEP-Paper #227

Weinberger, Catherine J. & Kuhn, Peter J. (2010). Changing Levels or Changing Slopes? The Narrowing of the Gender Earnings Gap 1959 – 1999. Industrial and Labor Relations Review 63(3): 384-406.

Yamaguchi, Shintaro (2014). Changes in Returns to Task-Specific Skills and Gender Wage Gap.

http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2035833

Freiheitsverlierer

Eine These, vorgebracht auf dem Soziologentag, der so gänzlich ohne jeden Widerhall in den Medien geblieben ist, hat uns über die letzten Tage immer einmal wieder beschäftigt. Anti-Genderismus, so lautet die These, sei im Kern der idealisierte Wunsch nach der Bundesrepublik der 1980er Jahre.

Warum die 1980er Jahre?, so haben wir uns gefragt. Was ist an den 1980er Jahren so besonders, so besonders, dass sich die 1980er Jahre als Feindbild der Genderisten eignen?

Ausgerechnet die 1980er Jahre – die an Diversität kaum zu überbieten sind, und ist nicht Diversität das, was Genderisten nach eigener Behauptung anstreben?

Hayek KnechtschaftWer erinnert sich nicht gerne an die 1980er Jahre, die friedliche Ko-Existenz von Hard und Soft Rock, von AC/DC, Queen, Twisted Sister, R.E.M., von R&B’s most famous Lionel Ritchie, Diana Ross und Freddie Jackson, von Kool and the Gang bis Luther Vandross. Erste Gehversuche im Hip Hop von Run DMC, Public Enemy  und ICE-T beginnen ebenso in den 1980er Jahren wie Post Punk von The Smiths, The Cure oder The Police. Die 1980er Jahre, sie kennen selbst Diversität in sexueller Orientierung von Boy George über Bronsky Beat bis zu den Pet Shop Boys. Homosexualität war in der Musik vorhanden und so sehr akzeptiert, dass man sie nicht einmal thematisieren musste, im Gegensatz zu heute..

Was also gibt es an den 1980er Jahren auszusetzen?

In den 1980er Jahren schreibt Salman Rushdie seine Satanischen Verse, Tony Morrison ihr Beloved, Stephen Hawkins seine Kurze Geschichte der Zeit. Die 1980er Jahre sind die Jahre des Commodore C64, die Arcade Zeit der Computerspiele, die 1980er, sie sind der Beginn der gerade zuende gegangenen Space-Shuttle Ära, der Anfang der IT-Revolution, er findet sich in den 1980er Jahren.

Was also, ist so schlimm an den 1980er Jahren?

Die 1980er Jahre, sie waren sehr geschäftige Jahre für Milton Friedman. Die 1980er Jahre, sie sind u.a. geprägt von Margaret Thatcher und Ronald Reagan- Reaganomics und Thatcherismus stehen für eine kaum gekannte wirtschaftliche Liberalisierung, ein Freiheitsschub wie ihn vor und nach den 1980er Jahren nur wenige Dekaden erlebt haben. Der Aufschwung der Freiheit ist gleichzeitig ein Niedergang der staatlich garantierten Unfreiheit. 1985 tritt mit Michail Gorbatschow der Nachlassverwalter der real existierenden sozialistischen Misswirtschaft sein Amt an und beginnt, das Unternehmen “Sozialismus” in seine Teile zu zerlegen und zu verscherbeln.

Auch das bisherige sozialistische Vorzeige-Land, in dem zumindest die Fassaden den Eindruck erweckt haben, es ginge voran, die DDR, hat Gorbatschow meistbietend feil geboten. Helmut Kohl hat die verlangten Milliarden zugesagt, und seitdem ist der Westen der Republik solidarisch und beim “Aufbau Ost”, der auch im Jahre 25 nach dem Anschluss der ehedem sowjetisch besetzten Zone nicht abgeschlossen ist, wie die Bundesregierung gerade mitgeteilt hat.

Und trotz all dieser Veränderungen zum Positiven, trotz der Tatsache, dass Ostdeutsche mit den Füßen in die Freiheit gewandert sind, in die Freiheit spanischer Strände, die Freiheit tropischer Früchte, westlicher Konsumwaren und richtiger Autos, haben Genderisten ein Problem mit den 1980er Jahren – oder gerade deswegen?

Genau. Sie haben keine Probleme trotz des Freiheitsschubes in den 1980er Jahren, sondern gerade wegen des Freiheitsschubs, denn sie sind Freiheitsverlierer.

Genderismus ist, wie Dr. habil. Heike Diefenbach gezeigt hat, ohne Sozialismus nicht zu denken. Sozialismus ist der Feind aller Freiheit. An die Stelle individueller Verantwortung und Möglichkeiten setzt der Sozialismus die Kontrolle von Individuen und die Planung dessen, was dann als Möglichkeiten für Individuen vorhanden ist, vom sozialistischen Planer genehmigt wird oder von den in sozialistischen Staaten endemischen Knappheiten erlaubt wird. Als Nutzen dafür, dass Bürger im Sozialismus ihre persönliche Freiheit aufgeben, versprechen sozialistische Planer die Sicherheit des individuellen Lebens.

AnthemIndividuelles Leben ist im Sozialismus geplant, vom Kindergarten über die Schule bis in den Betrieb. Ayn Rand hat dies sehr schön in Anthem beschrieben und sie, die vor dem real existierenden Sozialismus aus der Sowjetunion geflohen ist, weiß, wovon sie schreibt. Planung des eigenen Lebens, die Vorgabe dessen, was man zu tun hat, die vermeintliche Sicherheit im sozialistischen Volkskörper, das sind Angebote, die nur für Individuen verlockend sind, die befürchten, wenn sie auf sich gestellt sind, ein eigenverantwortliches Leben führen müssen, sich selbst um ihr Auskommen und ihren Erwerb kümmern müssen, schlechter abzuschneiden, als wenn sie die Brotkrumen aufsammeln, die ihnen sozialistische Planer hinwerfen.

Sie sind Freiheitsverlierer, unfähig ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu leben.

Und plötzlich macht es alles Sinn.

Was haben Horkheimer, Fromm und Marcuse in ihren Studien über Autorität und Familie herausgefunden? Wer ist in der Regel der Agent des Staates in Familien? Wer betreibt die Sache des Staates in Famlien? Frauen, Frauen, die von ihren Männern abhängig sind, weil die Männer das Geld verdienen, von dem Ehefrauen leben. Entsprechend sind es Frauen, die jede Art von Eigeninitiative von Widerstand in ihren Männern bekämpfen. Es sind Ehefrauen, die mit dafür sorgen, dass ihre Ehemänner zur Arbeit trotten und in den Krieg ziehen, die die entsprechenden Ansprüche an ihre Männer stellen, Ansprüche, die darauf abzielen, die Sicherheit der eigenen Existenz, sei es auf Grundlage der Lohnzahlungen der Ehemänner oder auf Grundlage der (Kriegs-)Witwenrente zu sichern.

Aber zwischenzeitlich gibt es doch die Emanzipation der Frauen, die Befreiung der Frauen, die ihnen ein eigenverantwortliches Leben ermöglich hat, die Befreiung durch den Feminismus – oder?

Und genau hier fügt sich die Angst vor der Freiheit, für die die Abwehr der 1980er Jahre steht, mit der angeblichen Emanzipation, denn im Staatsfeminismus, der einzigen Form von Feminismus, die in Deutschland in relevantem Ausmaß vorhanden ist, wurde die Abhängigkeit vom Ehemann gegen die Abhängigkeit vom Staat, von Transferzahlungen von politischen Maßnahmen, von staatlich geschaffenen Möglichkeiten, zu nutznießen, von Quoten und sonstigen Regulativen, die das Leben der angeblich emanzipierten Frauen regeln und planen, ersetzt. Nunmehr sind die entsprechenden Frauen nicht mehr in der prekären Lage, von ihrem Ehemann abhängig zu sein und seine Erwerbsfähigkeit und -willigkeit sichern zu müssen, nunmehr sind sie ein iner prekären Abhängigkeit von ihrem neuen Herrn und Master: dem Staat.

Er gewährt Mittel, fördert, subventioniert, schafft erst das Frauennetzwerk. Er garantiert Arbeitsplätze und plant das Leben, der sich als emanzipiert bezeichnenden Genderisten, dieser Karrikatur auf ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben, nach dem sich Genderisten so sehnen, weil sie fürchten, in einem Leben, das nicht vorherbestimmt, nicht durch den Staat garantiert und nicht in Abhängigkeit vom Staat geführt wird, nicht bestehen zu können. Denn: Sie haben Angst vor der Freiheit. SIe leben in prekären Verhältnissen, sind vom Staat abhängig und sie sind eines nicht: emanzipiert.
Horkheimer FamiileDenn: das vermeintlich emanzipierte Leben moderner Frauen hängt zunächst am Tropf der Förderprogramme, die geschaffen wurden, um benachteiligten Frauen zu helfen. Ein staatskonformes Verhalten erfährt eine Belohung durch Muttscherschaftsgeld und Mutter-Kind-Programme, es verläuft in den geregelten Bahnen terminierter Frauenarztbesuche oder in Abhängigkeit vom Pillenrezept, es hängt von Mentoren ab, die die behinderten Frauen an z.B. die Wissenschaft oder den Wiedereinstieg in den Arbeitsplatz heranführen, verschafft ihnen Startvorteile durch besonderes Coaching, durch frauenspezifische Förderprogramme und hievt sie in Positionen, die sie ohne z.B. das Professorinnenprogramm nie erreicht hätten. Das staatsfeministisch-vorstrukturierte emanzipierte Leben gibt es in den Größen S, XS, XXS.

Könnten die Feministinnen der ersten Stunde sehen, was für ein armselilges Häuflein freiheitsfürchtender und Emanzipation bekämpfender Genderisten sie hinterlassen haben, Tränen des Mitleids und der Verachtung würden in Strömen fließen. Denn Emanzipation ist nicht anders zu denken, als in Form eines selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lebens. Es gibt wohl keine traurigere Form, das eigene Scheitern darzustellen, als sich in die Arme des Staates zu flüchten und zu versuchen, Emanzipation zu Gehorsam und Abhängigkeit umzudeuten.

Horkheimer, Max, Fromm, Erich & Marcuse, Herbert (1987[1936])(Hrsg.): Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung. Lüneburg: Dietrich zu Klampen Verlag.

©ScienceFiles, 2014

Trojanische Pferde und schulische Leistungen

Zwei Themen, die heute durch die britische Presse gehen, sind für Bildungsforscher hoch interessant oder sollten es zumindest sein.

Das erste Thema beschäftigt sich mit der Frage, welchen Effekt Kultur auf den Lernerfolg hat. Chris Cook, Redakteur bei der BBC (also ein Journalist), hat sich diese Frage vorgenommen. Ausgehend von der Beobachtung, dass z.B. in Australien die Kinder chinesischer Einwanderer generell bessere Leistungen erzielen als z.B. Kinder weißer Eltern, hat Cook für das Vereinigte Königreich Ergebnisse zusammengetragen. Die Ergebnisse zeigen, dass auch im Königreich die Bildungselite der Schüler aus China stammt. Noch interessanter als dieses Ergebnis ist, dass die guten Leistungen chinesischer Schüler sich zwischen Kindern aus armen und Kindern aus reichen Familien kaum unterscheiden und in jedem Fall besser sind als die Leistungen selbst der besten Kinder aus weißen Famlien.

culture and performance

Will man dieses Ergebnis als Beleg dafür werten, dass die Herkunftskultur einen Effekt auf die schulische Leistung hat, dann muss man daraus den Schluss ziehen, dass Chinesen eine dem Lernen förderliche Kultur haben, bei der sozialstrukturelle Variablen wie Schichtzugehörigkeit oder Einkommen keine Rolle spielen, während Weiße eine eher lernfeindliche Kultur gezimmert haben, die noch dazu eine stratifzierende Kultur ist, d.h. Kinder aus armen Familien schneiden relativ zu Chinesen noch schlechter ab als Kinder aus reichen Familien, ein Umstand, den man in Deutschland gerne mit dem Begriff “bildungsfern” bezeichnet. Hat man diese Erklärung nicht nur geschluckt, sondern auch verdaut, dann stellt sich die Frage, was das nun bedeutet: Was genau macht diesen kulturellen Unterschied aus? Gibt es eine Form der Intelligenz, die kulturell determiniert ist, so dass Chinesen einfach intelligenter sind als der gewöhnliche Weiße?

Wie immer, wenn man sich mit Kultur beschäftigt, fühlt man sich in eine Badewanne versetzt und auf der Jagd nach der Seife. Deshalb schlagen wir vor, Kultur als ein Set der Handlungserwartungen (und Handlungsergebnisse) zu definieren, das von Kulturmitgliedern geteilt wird.

Die Beobachtung, dass Chinesen bessere schulische Leistungen erbringen, kann nunmehr als Ergebnis entsprechender Erwartungen an chinesische Kinder angesehen werden. Es wird erwartet, dass sie die Chance, sich durch Bildung im Leben zu etablieren und zu verbessern, nutzen und das beste aus dieser Chance machen. Das wäre eine Erklärung.

Im Gegensatz dazu, wird von weißen Kindern kaum erwartet, dass sie in der Schule erfolgreich sind. Schule und Lernen sind negativ besetzt, werden mit Anstrengung, Stress und Anforderung verbunden, die man Kindern eigentlich kaum zumuten kann und bei denen man entsprechend immer Verständnis aufbringt, wenn es mit dem Erfüllen der Anforderungen nicht klappt. Dann ist schnell der Schulsozialarbeiter bei der Hand, der eine perfekte Entschuldigung für schulisches Versagen hat – eine Entschuldigung, die den Effekt hat, dass sich die entsprechenden Kinder auch in Zukunft nicht anstrengen werden, wozu auch. Sie sind ja entschudligt.

Kinder und Jugendliche aus MigrantenfamilienAkzeptiert man dieses Ergebnis unseres kurzen Brainstormings, dann stellt sich die Frage, warum der Schulerfolg weißer Schüler im Allgemeinen und deutscher Schüler im besonderen sozial stratifiziert ist, warum Kinder aus Arbeiterfamilien hinter Kindern aus Familien der Mittelschicht zurückbleiben. Auch hier kann man mit Erwartungen arbeiten: Erwartungen von Lehrern und Erwartungen von Schülern. Erstere erwarten von Kindern aus der Arbeiterschicht, dass sie auch bei guten Leistungen in der Grundschule nicht in der Lage sein werden, ein Gymnasium erfolgreich zu durchlaufen. Warum? Weil ihnen angeblich die noch angeblicher so wichtige Unterstützung zu Hause fehlt. Umgekehrt erwarten Kinder aus Arbeiterfamilien vermutlich gar nicht, dass sie von ihren Lehrern irgend eine Art der Förderung erfahren, denken wahrscheinlich selbst, sie seien nicht in der Lage, den kommenden Anforderungen gerecht zu werden. Diese Idee, als Theorie des Stereotype-Threat bekannt und von Dr. habil. Heike Diefenbach erstmals in ihrer Habilitation in Deutschland eingeführt, ist inzwischen gut erforscht und recht gut belegt.

Die Idee, dass Schüler von ihren Eltern zuhause bei Hausaufgaben in Mathematik und Chemie und Deutsch und so weiter, unterstützt werden müssten, ist übrigens eine Erfindung von Mittelschichts-Pädagogen, die eine Legitimation für Mittelschichts-Mütter gesucht haben, damit diese der Arbeit teilweise oder ganz fernbleiben und sich der (schulischen) Erziehung ihrer Kinder widmen können. Aber einmal ehrlich, wer kommt sich nicht absurd und lächerlich dabei vor, wenn er behauptet, Mütter würden ihren Söhnen und Töchtern Algebra vermitteln, ihnen Avogadros Konstante erklären oder sie in fließendem Englisch beim Lernen von Vokabeln unterstützen?

Bildung und Schule bilden keine 100% Überlappung mehr. Das macht der zweite Beitrag deutlich, denn auch England hat nun seinen LBTG oder LGTB – scare, oder wie auch immer die richtige Abkürzung für Homosexuelle und all die anderen sexuell Orientierten sein mag.

Eltern einer Primary School, der Welford Primary School in Birmingham waren überhaupt nicht erfreut darüber, dass ihren Kindern ein Curriculum der “Diversität und sexuellen Orientierung” untergeschoben wurde, um die 4 bis 11jährigen von Homophobie zu heilen. Dies zeigt, der LBTG-Wahnsinn ist grenzüberschreitend und auch in England bereits angekommen, denn natürlich haben 4 bis 11jährige nichts anderes zu tun, als sich homophob zu verhalten – wie auch immer sie das bewerkstelligen wollen.

welfordprimaryschoolDas Pikante an der Geschichte: Die Welford Primary School wurde von Ofsted [Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills] gerade auf so genannte Trojan Horses abgeklopft und für clean befunden. Mit so genannten Trojan Horses war im Fall von Ofsted eine muslimische Unterwanderung gemeint ist, um die Schüler empfänglicher für “segregating boys and girls, banning sex education and spreading the teachings of radical clerics” zu machen.

Etliche Eltern waren jedoch ganz und gar nicht der Meinung, dass die Bildung ihrer Kinder an der Welford Primary School clean sei – nicht etwa im Hinblick auf muslimische Trojan Horses, sondern im Hinblick auf LGTB-Trojan Horses. Eine Konfrontation zwischen Eltern und dem Head-Teacher hatte zur Folge, dass der Head-Teacher unter Polizeischutz die Schule verlassen musste.

Man sieht, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht, kennen Briten keine Zurückhaltung, und wenn es darum geht, mit welchen Inhalten ihre Kinder unterrichtet werden, wollen sie mitreden, nein mitbestimmen. Verwert man ihnen die MItbestimmung, folgt keine Petition, nein, es folgt Aktion.

Offensichtlich sind die entsprechenden Eltern generell gegen Trojanische Pferde in der Ausbildung ihrer Kinder, also Lehrinhalte, die den Kindern eben einmal so untergeschmuggelt werden, egal, ob sie von vermeintlich radikalen Muslimen oder vermeintlich nicht radikalen LGTB-Aktivisten stammen.

Ich als Insel: Atomismus im Denken – oder – GEW sagt: Soldaten sind Lügner

In letzter Zeit begegnet uns immer wieder ein Phänomen, das wir “Atomismus im Denken” getauft haben. Es äußert sich in der Annahme, dass man als “ich” eine Insel darstellt, die in keinerlei Austausch mit anderen ichs verwickelt ist. Das Ich als Insel kann auch national atomisiert werden, dann wenn seltsame Vorstellungen darüber bestehen, was an den Grenzen Deutschlands alles halt macht, Vorstellungen wie sie gerade in einem Kommentar geäußert wurden:

“Demografieprobleme sind nicht international sondern national. Jedes Land muss sie selbst lösen. Und ja in DE haben wir Demografieprobleme. Wir reden gerade nicht über Indien.”

Überbevölkerung, so lernen wir, macht an den Grenzen von Deutschland halt, ebenso wie die Folgen von Überbevölkerung, die sich aus Überfischung, Überdüngung, aus immer häufiger ausbrechenden Epidemien und vielem anderen ergeben, die deutsche Grenze nicht zu überschreiten wagen.

Logik des MisslingensDietrich Dörner hat diese Schau, die nicht über den eigenen Nabel hinausreicht, im beklagenswerten Schicksal von Tanaland beschrieben, einem fiktiven Computerort, den real existierende Versuchspersonen mit guten Vorsätzen und keinerlei Blick auf die Folgen ihres Handelns bzw. keinerlei Erwägung dahingehend, dass man nicht als Atom Entscheidungen trifft, sondern diese Entscheidungen Effekte hervorrufen, in Windeseile von einer Hungersnot in die totale Zerstörung überführt haben.

Der Atomismus im Denken geht häufig mit dem emotionalen Ansinnen, doch gut zu sein, eine Insel im Meer aus Selbstbeweihräucherung darzustellen, einher. Dazu haben wir gerade ein perfektes Beispiel gefunden, nämlich den Atomismus, den die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe derzeit zur Schau stellt.

Tepe hat am Rande der Sitzung der Kultusministerkonferenz 23.000 Unterschriften übergeben, Unterschriften, die im Rahmen einer “Kampagne” gesammelt wurden, die “den wachsenden Einfluss von Rüstungsindustrie und Militär in Bildungseinrichtungen zurückdrängen” will. Also, wenn das Flugabwehrgeschütz demnächst aus dem Pausenhof der Grundschule Salierschule in Bad Dürkheim abgezogen wird, dann wissen sie warum.

Anlässlich der Übergabe der 23.000 Unterschriften hat es sich Marlis Tepe nicht nehmen lassen, den Mund aufzumachen und die Übergabe als Möglichkeit, Public Relations herzustellen zu nutzen, um sich und die GEW als gute Organisation, die gegen Krieg und alles Schlechte zu Felde zieht, darzustellen:

„Bildung und Wissenschaft haben die Aufgabe, die Voraussetzungen für eine friedliche Welt zu ergründen und über Kriegsursachen, Kriegsprofiteure und Kriegsideologie aufzuklären. Es widerspricht dieser Aufgabe, wenn Bundeswehr-Jungoffiziere an Schulen und Hochschulen für den Soldatenberuf werben und dabei über die Realitäten dieses Berufes hinwegtäuschen“

Hier kommt gleich das nächste Problem auf Ursula von der Leyen zu. Nicht nur ist die Bundeswehr eine Armee ohne funktinierende Ausrüstung, nein, die Bundeswehr schickt auch Lügner in Schulen, um die dort versammelten Schüler und Lehrer über die Realität des Soldatendaseins hinwegzutäuschen – wer das nicht glaubt: Marlis Tepe hat es gerade ausgeplaudert! Dem muss man natürlich einen Riegel vorschieben, insbesondere die objektive GEW muss das, die schon seit Jahren beweist, wie sie selbst es mit der Wahrheit hält und welche Bedeutung sie selbst der Wissenschaft zuweist.

Entsprechend hat Tepe die Forderung bekräftigt, nicht nur Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr und den exklusiven Zugang der Lügner von der Bundeswehr zu Schulen zu beenden, sondern Schulen mit einer Zivilklausel auszustatten:

“Bildung und Wissenschaft sollten ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden, solidarisches Lernen für den Frieden ermöglichen sowie einen Beitrag zur friedlichen Lösung der Probleme und Konflikte in dieser Welt leisten“, so Tepe.

Also Schwerter zu Plugscharen und das sowieso marode Kriegsgerät der Bundeswehr an Schrotthändler verkaufen, die es vielleicht einer besseren Verwendung zuführen können. Und dann die Bundeswehr auflösen.

Der Atomismus im Denken von GEW Tepe ist schon herausragend, fast so herausragend wie ihre Überzeugung, dass man Schüler sehr gut beeinflussen kann, ansonsten müsste man keine Angst vor der Bundeswehr in Schulen haben. Vielleicht will sich die GEW auch ein Monopol auf die Beeinflussung von Schülern errichten, um nach Lust und Laune in Gender, Homosexualität und sonstige Abweichungen von der gesellschaftlichen Normalität zu indoltrinieren.

Doch zurück zum Atomismus im Denken, der bei Frau Tepe so herrausragend ausgeprägt ist. Er kommt in Annahmen zum Ausdruck wie:

  • Schüler kommen einzig und allein in Schulen mit der Bundeswehr in Kontakt.
  • Schüler sind unkritisch und biegsam und deshalb der Einflussnahme der Bundeswehr-Lügner schutzlos ausgeliefert. (Offensichtlich hat es Frau Tepe noch nicht mit Schülern zu tun gehabt).
  • wicked wit winstonEs ist wichtig, Schüler nicht mit Themen wie “Bundeswehr” direkt in Kontakt kommen zu lassen. Statt dessen ist ihnen Pazifismus von Kindesbeinen einzuimpfen. Sie sind gegen Krieg zu imprägnieren, denn es ist nicht vorstellbar, dass ein Land seine Armee benötigen könnte, z.B. um einen Diktator abzusetzen. Gut, dass es 1939 im Vereinigten Königreich einen Winston Churchill gab, der auf Ansinnen, wie das von Tepe vermutlich eine passende Anwtort gefunden hätte, etwa: “It’s the only time I’ve ever seen a rat swimming towards a sinking ship” (Enright, 2011: 33).
  • Der tägliche Kriegsfilm, Mord oder die täglichen Bilder aus Syrien und dem Irak im Fernsehen sind harmloser als der Besuch des Bundeswehr-Lügners in der Schule.
  • Deutschland ist eine Oase umgeben von unüberwindlicher Wüste. Niemand, nicht einmal ein Kamelreiter kann diese Wüste durchqueren und das deutsche Idyll, das ohne Bundeswehr auskommt, erreichen.
  • Die friedliche Welt, die die GEW-Vorsitzende umgibt, die Welt der Blumenkinder und der Liebkosung 24/7 bedarf keines Schutzes, denn wir haben uns alle lieb, und entsprechend sollten wir auch die Polizei abschaffen. Wir brauchen sie nicht.

Atomismus im Denken konfundiert mit der Anstrengung als Gut-Tuender zu erscheinen. Die entsprechende Anstrengung bringt es mit sich, das eigene Handeln absolut zu setzen, jegliche Interaktion auszuschließen und die Adressaten des entsprechenden Handelns als Statisten zu modellieren, die keinerlei eigenes Urteilsvermögen haben.

Es ist schon erstaunlich, dass Personen, die nicht in der Lage sind, die einfachsten Reaktionen auf ihre eigenen Handlungen vorherzuahnen, sich in Überlegenheit wähnen und meinen, sie könnten anderen das Urteilsvermögen absprechen und mit dem eigenen Atomismus ersetzen.

Kinder verstaatlichen

Wenn mehrere Verbände und vermeintliche Wissenschaftler etwas in trauter Eintracht fordern, dann ist höchste Vorsicht geboten, nicht nur, weil gemeinsamer Lobbyismus mehrerer Verbände mit ansprechender Legitimation durch wissenschaftliche Positionsinhaber sich immer auf den Geldbeutel der Steuerzahler richtet, sondern weil dann, wenn mehrere Verbände es schaffen, ihre je unterschiedliche Interessenstruktur unter einen Hut zu bringen, man davon ausgehen kann, dass sie das auf Grundlage einer gemeinsamen Prämisse tun, die denjenigen, die noch glauben, Menschen seien freie, mit eigenem Willen begabte Individuen und nicht abhängige und durch das Kollektiv zu lenkende Herdentiere, das kalte Grausen über den Rücken jagt.

kinderarmut-hat-folgen-bannerNun haben sich “neun Verbände und 13 Wissenschaftler/innen seit 2009″ im Bündnis “KINDERGRUNDSICHERUNG” zusammengefunden und fordern dort, dass Eltern pro Kind eine Grundsicherung von 536 Euro erhalten sollen, und zwar ohne Rücksicht auf den Geldbeutel der Eltern, d.h. wer viel hat, bekommt genauso viel, wie derjenige, der wenig hat. Wie gewöhnlich, wenn Angehörige der Mittelschicht planen, ihren prekären Lebensentwurf, den man mit kreditfinanziertem Eigenheim, zwei Kinder und Leasingfahrzeug zusammenfassen kann, durch Steuerzahler und entsprechende Umverteilung finanzieren zu lassen, werden vermeintlich Arme ausgenutzt, um den eigenen Griff in Steuerzahlers Börse zu legitimieren.

Im vorliegenden Fall werden eben einmal 2,4 Millionen Kinder aus dem Nichts geschaffen, die in Deutschland in Armut leben:

“Die Zahl armer oder von Armut bedrohter Kinder nimmt in Deutschland seit Jahren zu. Aktuell leben mehr als 2,4 Millionen Kinder in Armut.”

Was von dieser Zahl zu halten ist, kann sich jeder selbst vergegenwärtigen, wenn er durch Innenstädte läuft und dort von einer Horde zerlumpter Kinder, die ihn um einen Euro anbetteln, verfolgt wird. Es sind dies die in Armut lebenden Kinder in Deutschland. [Dass arme und von Armut bedrohte Kinder zusammengezählt werden, ist ein so plumper Trick, dass man sich fragt, wieso er dennoch bei vielen klappt. Von Armut bedroht sind wir alle. Dass sich die Bedrohung in den seltensten Fällen in die Tat umsetzt, hat den selben Grund, den es hat, dass nur wenige Opfer ihrer Gewinnbedrohung im Lotto werden.]

Dass Armut in Deutschland bestenfalls darin besteht, dass man sich Xbox und Iphone nicht gleichzeitig leisten kann, macht den entsprechenden Lobbyisten nichts aus, denn ihnen geht es ja nicht um die vermeintlich “2,4 Millionen Kinder”, die in Deutschland “in Armut leben oder von Armut bedroht sind”, sondern um die Kinder der Mittelschicht, die Familien der Mittelschicht, die unter Missbrauch der Imagination von Zuhörern und Lesern und unter Schaffung eines Armutsproletariats bereichert werden sollen, weil ihre Lebensentwürfe, die in weiten Teilen nur durch Transferzahlungen des Staates ermöglicht werden, so prekär geworden sind, dass eigens gegründete Lobbyvereine und Feigenblattwissenschaftler genutzt werden müssen, um der eigenen Klientel ein Überleben ohne Zugriff der Banken auf die mit Hypotheken beladenen Häuser zu gewähren.

Motiv 2

Wir sind ja immer produktiv, und entsprechend schlagen wir an dieser Stelle ein Forschungsprojekt für Nachwuchswissenschaftler vor: Untersucht werden soll der Zusammenhang zwischen dem Bankerhass und der Verschlimmerung der finanziellen Situation in der Mittelschicht. Die zunehmende Prekarisierung der Lebensentwürfe der Mittelschicht, so unsere These, ist Hauptgrund für den vornehmlich durch die Mittelschicht und ihre akademisierten Kinder betriebenen Banken- und Bankerhass.

Zurück zum Text und der These, dass es den “neun Verbänden und 13 Wissenschaftler/innen” nicht darum geht, arme Kinder der Unterschicht zu retten, sondern darum, ihrer Mittelschichtsklientel ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen, um deren prekären Lebenstil durchzufüttern.

Der einfachste Beleg für diese These besteht darin, dass alle, also nicht nur die imaginierten und benutzen armen oder von Armut bedrohten Kinder vom neuen Geldsegen, für den alle Steuerzahler zu sorgen haben, profitieren. Wenn es den “neun Verbänden und 13 Wissenschaftler/innen” wirklich darum gehen würde, die vermeintliche Armut von Kindern zu bekämpfen, sie würden sicher nur armen Kindern geben und nicht armen und reichen in gleicher Weise, so dass sich an der Relation zwischen Kindern aus vermeintlich armen Familien und Kindern aus reichen Familien auch nur nichts verändert. Aber genau das, was so viele immer im Munde führen und was so gut sein soll, genau das, wollen die Bündnissmitglieder nicht: Gleichheit bei Kindern dadurch herstellen, dass man denen, die in Familien mit weniger Einkommen leben, etwas gibt, denen, die in Familien mit mehr Einkommen leben, dagegen nichts.

middleclass povertySchließlich, und das bringt uns zurück zu den Prämissen, auf denen die Forderung dieses Bündnisses basiert, müsste man dann, wenn man die Geschichte der armen Kinder einmal glaubt, fragen: Wie kann man es unterstützen, dass unverantwortliche Eltern Kinder, für deren Unterhalt sie nicht sorgen können, wissentlich, dass sie das nicht können, in die Welt setzen, sich darauf verlassen, dass die Allgemeinheit ihre Unverantwortlichkeit ausgleicht und die Folgen davon finanziert?

Hier zeigt sich, wie instrumentell die Geschichte von den armen Kindern wirklich ist: Die Finanzierung armer Kinder und – wie sich gezeigt hat – die Finanzierung aller Kinder wird zur gemeinschaftlichen Aufgabe, was, letztlich dazu führt, dass Kinder in staatliches Eigentum übergehen, denn ihre Unterhaltung ist offenkundig nur durch Steuergelder möglich, mindestens erwirbt der Staat durch seine Finanzierung, in Form einer Grundsicherung von 536 Euro pro Kind und Monat einen Anteil am Handelsobjekt “Kind”. Entsprechend ist es konsequent, wenn im Rahmen der Verstaatlichung von Kindern deren Ausbildung von Anfang an durch staatliche Stellen übernommen wird, z.B. dadurch, dass ein Besuch der Kindertagesstätte verpflichtend gemacht wird.

Kurz: Wären die “neun Verbände und 13 Wissenschaftler/innen” ehrlich in dem, was sie fordern, sie müssten, mangels vorhandener Armut ihre Karten auf den Tisch legen, zugeben, dass sie (1) die prekären Lebensentwürfe der Mittelschicht, zu der sie selbst gehören, finanzieren wollen und (2) Kinder verstaatlichen, denn nur vor diesem Hintergrund macht es Sinn, dass man sehenden Auges in Kauf nimmt, dass Personen, die sich das weder finanziell noch entwicklungspsychologisch leisten können, Kinder in die Welt setzen (Entwicklungspsychologische Störungen sind offenkundig, wenn man etwas tut, wohlwissend, dass man die Folgen davon nicht tragen kann.).

Die “neun Verbände und 13 Wissenschaftler/innen”, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Tränendrüse mit erfundener Armut zu strapazieren und für sich auszunutzen, sind:

      1. Die Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V., die für die Mär der armen Unterschichtskinder grundlegend wichtig ist.
      2. Der Deutsche Kinderschutzbund, der sich selbst als “die Lobby für Kinder” bezeichnet und ehrlicherweise sagt, dass es ihm darum geht, sich und Eltern zu bereichern.
      3. Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie, die bessere Familienplanung betreiben kann, wenn sie den Wert von Kindern mit finanziellen Argumenten unterfüttern kann.
      4. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, auf Basis des olympischen Gedankens: Dabeisein ist alles.
      5. Der Kirchenkreis Jülich, Evangelische Kirche im Rheinland, der in “presbyterial-synodaler Ordnung die Interessen seiner 85.000 Gemeindemitglieder vertritt”, und anscheinend sind die Lebensverhältnisse der 85.000 aus Jülich besonders prekär.
      6. Die NaturFreunde Deutschlands, Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur: warum auch nicht?
      7. pro familia Bundesverband e.V., hony soit, qui mal y pense
      8. Verband berufstätiger Mütter, um die Notwendigkeit einer Berufstätigkeit seiner Mütter zu beseitigen?
      9. Zukunftsforum familie e.V. ein Ableger der Arbeiterwohlfahrt der offensichtlich denkt, die Zukunft der Familie bestehe in öffentlicher Finanzierung.
      10. Jutta Allmendinger, Präsidentin des WZB, die bei keiner ideologischen Übung fehlen darf;
      11. Hans Bertram von der Humboldt-Universität zu Berlin, der eigentlich längst emeritiert sein sollte;
      12. Ullrich Ginzel, evangelische Hochschule Dresden, der seit 2011 in der Nacherwerbsphase ist, was immer das auch sein mag;
      13. Walter Hanesch, Hochschule Darmstadt, Gesellschaftwissenschaften und soziale Arbeit;
      14. Ernst-Ulrich Huster, Evangelische Fachhochschule RWL;
      15. Heiner Keupp, betreibt Sozial- und Gemeindepsychologie an der LMU in München;
      16. Ronald Lutz sitzt auf dem Lehrstuhl für Menschen in besonderen Lebenslagen an der Fachhochschule Erfurt;
      17. Christiane Meyer, an der TU Dortmund für Armuts-, Lebenslagenforschung und Kindertagesbetreuung zuständig;
      18. Giesela Notz, freiberufliche Wissenschaftlerin für Frauen- und Kinderarmut;
      19. Hans Jürgen Schimke, Bürgermeister a.D. und Professor em.;
      20. Stefan Sell, an der Fachhochschule Koblenz für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften, also (fast) alles verantwortlich;
      21. Margherita Zander, das Sozialwesen von der Fachhochschule Münster;

 

Die Grumph-Offensive: Für eine grumphige Gesellschaft

Da sage noch einer, es gebe heutzutage nichts Neues mehr zu entdecken. Neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Für das Zusammenleben von Menschen ist eine Zutat von besonderer Wichtigkeit: Grumph hat sie Michael C. Deepwater genannt, weil ihm kein besserer Begriff eingefallen ist.

“Grumph hat vielfältige Auswirkungen auf das Leben von Menschen”, sagt Deepwater. Grumph beeinflusst direkt die Lebensqualität, die Zufriedenheit, ja Glück als solches, und vor allem wirkt es sich auf die nächste Generation aus: So schone eine grumphige Wirtschaftsweise den Planeten, grumphig angelegte Ressourcen bringen nicht nur mehr Profit, sondern haben auch mehr Ökologie zur Folge. Dass Grumph mit Ökonomie und Ökologie in gleicher Weise vereinbar sei, zeige ein Grumph-Fonds, der Wachstumsraten im zweistelligen Bereich aufweise.

Grumph1Grumph sei, so hat Deepwater feststellen müssen, in der Bevölkerung ungleich verteilt. Tiefenpsychologische Gespräche mit seiner Mutter und deren Schwester hätten gezeigt, dass zu wenig Grumph Diskriminierung zur Folge habe und in Ungerechtigkeit münde. Eine breit angelegte Anti-Diskriminierungskampagne könne hier Verbesserung bringen, unter dem Motto, “Aktiv für das Grumph” oder “Keine Toleranz für Anti-Grumph” müsse in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Grumph für die Zukunft Deutschlands und der ganzen Erde von höchster Wichtigkeit sei.

Eine Diskursanalyse der letzten Gespräche mit seinem Bruder und dessen Freund habe zudem gezeigt, dass unter Verwendung dekonstruktivistischer Techniken, alle fruchtbaren und sinnvollen Aussagen, einen Anteil von Grumph in sich getragen hätten. “Ohne Grumph kein Dialog”, so verallgemeinert Deepwater seine Ergebnisse und regt an, dass ein Programm zur systematischen Erforschung von Grumph aufgelegt werde. Dieses Programm solle sich insbesondere der Frage widmen, welche Faktoren sich negativ auf Grumph auswirken, denn es sei davon auszugehen, dass diese Faktoren die Entwicklung ganzer Generationen, ja von Gesellschaften behindern.

Die letzten Jahrhunderte stehen im Zeichen der Unterdrückung von Grumph. Grumph sei systematisch von einer Anti-Grumph Mafia behindert worden, die eigene wirtschaftliche Interessen befödern wolle. Da sich Grumph positv auf die Friedensliebe und negativ auf Aggression auswirke, sei klar, um welche Interessen es sich handele: Kriegsgewinnler, Rüstungsmagnaten, Kapitalisten und Banker, weiße Männer mit dicken Zigarren seien die Hauptgegner von Grumph, die sich in geheimen Logen und Freimauerbünden der Verhinderung des Einflusses von Grumph, ja zur Beseitigung von Grumph verschworen hätten.

Erst modere Forschung und vor allem die Arbeiten von Paul Thiry d’Holbach, der in seinem “System de la Nature” auf den Seiten 221 und 318 Grumph erwähnt, hätten auf die Bedeutung von Grumph aufmerksam gemacht und die neue revolutionäre, emanzipatorische, befreiende, umwälzende, innovative und die Welt verändernde Grumph-Forschung angeregt, die sich eng an GW Hegel und vor allem die von ihm grundgelegte Lehre der konstruktiven Widersprüchlichkeit anlehnt.

Grumph3Entsprechend sind Grumph-Forscher überall dabei, Grumph systematisch in seinen Eigenschaften und Auswirkungen zu erforschen. Wie sich dabei gezeigt habe, habe Grumph nicht nur positive Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben, auf Prosperität, Wachstum und Zufriedenheit der Bevölkerung, Grumph in reiner oder kombinierter Form, Deepwater spricht hier lieber von intersektioniertem Grumph, bilde die Grundlage aller menschlichen Beziehungen. Jede Handlung, jede Interaktion sei durch das Grumph bestimmt.

Nicht nur das: Grumph ist die Qualität, die Menschen determiniert, ihre Handlungen bestimmt. Kriminelle, Soldaten, Menschen, die Schlechtes tun, sind durch einen Mangel an Grumph ausgezeichnet, wie sich leicht an ihrem Verhalten ablesen lässt. Wer Grumph hat, grumphy ist, wie Michael C. Deepwater sagt, der ist friedlich, gut, freundlich zu seiner Umgebung, der gibt freudig, anstatt zu nehmen: “Grumphy people are simply good people”.

Entsprechend ist es notwendig, das Grumph in uns allen zu fördern. Erste Grumph-Selbsterfahrungs- und Förderkurse werden bereits vereinzelt angeboten. Ziel der Kurse, für deren Besuch derzeit noch Kosten von 19.500 Euro anfallen, ist es, die Teilnehmer zum zertifizierten Grumphologen auszubilden, denn die ungleiche Verteilung von Grumph zeige, dass viele Menschen Grumph-unbewusst oder, schlimmer noch: grumphlos durch die Welt gehen. Einen schlimmeren Zustand kann sich Deepwater nicht vorstellen.

Dabei verfolgt die Ausbildung zum zertifizierten Grumphologen einen körperorientierten Ansatz. Mit seinem anwendungsorientierten Methoden hat er vielfältige Stärken für professionelles Handeln in der grumphologischen Bildung, Beratung und Therapie. Er zeigt auf, wie Grumph gelernt wird und Menschen lebenslang ihren Grumph selbstbestimmt entfalten können. Angesichts der Nachteile, die Menschen und Gesellschaften aus der Nichtentwicklung und Nichtbeherrschung des Ego-Grumph entstehen, sind Kurse, wie der zum Grumphologen von besonderer Wichtigkeit.

Deshalb gibt es bereits heute eine Förderung durch Kultusministerien, die die Kosten der zertifizierten Ausbildung zum Grumphologen übernehmen. Die Einsatzfelder der Grumphologen sind vielfältig: Die Gründung grumphologischer Zentren, die der ganztägigen Vermittlung des Grumph gewidmet sind, und zwar im Rahmen von abgeschlossenen Intensivkursen, die eine Gemeinschaftsbildung der Teilnehmer ohne Einfluss der Umwelt garantieren, ist erstes Ziel der Ausbildung.

Aufbauend auf den grumphologischen Zentren ist dann die Einrichtung so genannter Grumph-Häuser geplant, in denen sich Menschen, die wegen einer Diskriminierung auzfgrund exzessiv gelebten Grumphs Nachteile befürchten, einfinden können, um dort mit Gleichgesinnten in Sicherheit zu leben. Eine Förderung der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Sozialfonds ist hier bereits bewilligt.

Die Wichtigkeit von Grumph macht es darüber hinaus notwendig, Grumph nicht nur und bereits in Schulen zu lehren, sondern allen Bildungseinrichtungen einen Grumph-Berater anzufügen, der Schüler und Studenten, Lehrer und Dozenten in Grumph unterrichtet und darüber wacht, dass Ausbildung, Lehre und Forschung, dem Grumph ausreichend Rechnung tragen. Was als ausreichend zu gelten hat, liegt im Ermessen des jeweiligen Grumph-Beraters.

Grumph hat, wie Eingangs gezeigt wurde, auch positive Effekte auf die Zukunft, auf Ökonomie und Ökologie. Deshalb ist es bereits heute das Ziel, Grumph als Verfassungsauftrag fest im Grundgesetz zu verankern: ” Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung von Grumph und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin”. Dieser grundgesetzliche Auftrag wird sodann genutzt, um Grumph vollumfassend zur Geltung zu verhelfen:

Grumph2Grumphierung der Universitäten; Keine Forschung ohne Grumph-Anteil;

Der Bedeutung von Grumph ist auch sprachlich Rechnung zu tragen;

Grumph-Erziehung und Grumph-Schnupperkurse, Grumph-Tage bereits für die Kleinsten;

Grumph-Berater an Schulen und Hochschulen, die über die Einhaltung von Grumph-Grundsätzen wachen;

Grumphhaltigkeit als Verpflichtung für Unternehmen und Organisationen;

Grumph morgens, Grumph mittags und Grumph abends als Bildungsauftrag öffentlich-rechtlicher Medien;

Grumph-gewogene Entscheidungen als Aufgabe aller;

Festgelegte Grumph-Anteile in Positionen und Funktionen;

Grumph von der Wiege bis zur Bahre;

Keine staatliche Finanzierung ohne einen Nachweis von mindestens 60% Grumph;

Grumph als neue Staatsreligion – Aktiv gegen die Grumph-lose Gesellschaft;

Grumph für die Welt;

Keine Toleranz für Anti-Grumph;

Grumph-Schaltung der Gesellschaft;

Widersprüchler und Anti-Grumphler sind in entsprechenden Anti-Grumph-Umerziehungslagern zu sammeln und auf die Folgen ihres Widerstands gegen Grumph hinzuweisen;

Finale Maßnahmen bei aktivem und fortgesetzem Widerstand sind zu verwenden;

P.S.

Wer nun noch immer nicht weiß, was Grumph ist, der sollte sich schnellstens an einen Grumph-Berater wenden, um diesen Mangel zu beheben, ehe es zu spät ist.

 

 

 

Hitliste der Sprachonanie: Was ist das am häufigsten missbrauchte Wort?

Jährlich versammelt sich eine Gruppe von Personen, die von sich denken, sie seien in irgend einer Weise dazu qualifiziert, das vermeintliche Unwort des Jahres zu bestimmen, um eben dieses zu tun.

Täglich wird man nicht nur in Medien mit salbungsvollen Worten beglückt, die dazu dienen, gewünschte Effekte, besser: Affekte beim Zuhörer, Adressaten auszulösen. Ziel in beiden Fällen ist die Manipulation dessen, an den die Worte gerichtet sind.

Während die Unwort-Bestimmer versuchen, ihre Bewertung von Worten anderen unterzuschieben, sind die Wortonanierer, die sich bestimmter Worte bedienen, um bestimmte, von ihnen gewünschte Wirkungen zu erzielen, davon beselt, Andere glauben zu machen, jemand kümmere sich um ihre Belange, weil sie von diesem Glauben persönlich profitieren können.

In beiden Fällen werden Worte missbraucht, ihrer ursprünglichen Bedeutung, sofern sie eine solche hatten, beraubt und eingesetzt, um die Adressaten der Worte krude und in vielen Fällen plumb zu manipulieren bzw. das zu versuchen.

Wir haben im Folgenden unsere Hitliste der 12 am meisten missbrauchten Worte der deutschen Sprache zusammengestellt. Wir begründen unsere Wahl und geben anschließend unseren Lesern die Wahl: Welches aus dieser Liste ist das am meisten in Sprachonanie missbrauchte Wort? (Wem die Liste nicht ausreicht, der kann sein in Onanie missbrauchtes Wort im Kommentarbereich zur Abstimmung vorschlagen, wir nehmen es dann in die Liste auf).

Kapitalismus

Williamson_MOhrKapitalismus bezeichnet eine Wirtschaftsform – sonst nichts. Im Kapitalismus konkurrieren Anbieter auf freien Märkten um Nachfrager. Aus dem harmlosen Begriff ist ein Feinbild geworden, das auf Neid aufbaut und mit dem manche versuchen, sich auf Kosten der Leichtgläubigen, die denken, ihre Position im Leben (vielleicht auch ihr Versagen im Leben) sei nicht Eigen- sondern Fremdschuld, einen Vorteil zu verschaffen. Kapitalismusonanierer spielen mit Neid und Versagen. Jeder, der ihnen auf den Leim geht, ist Profit für sie (cash-in, wie man im Englischen sagt).

Würde und Ehre

Wow, ist das rechts. Würde und Ehre hat man nur noch als Rechtsextremer oder als Türke, der Ehrenmord betreibt oder gut findet. Vielen ist Würde, also das sich selbst an eigene Prinzipien Binden und das entsprechende Handeln, nur noch als Teil des Konjunktiv II bekannt, wenn überhaupt. Gleiches gilt für die Ehre, also die Grenzziehung, die nach außen und gegenüber anderen erfolgt: Heutzutage legt man sich nicht fest, macht man sich nicht verlässlich, sagt anderen nicht, wo die Grenzen dessen verlaufen, was man sich zumuten lässt, was einem gegen die Ehre geht. Die resultierende Willkürlichkeit macht es möglich, Individuen Würde und Ehre (nicht nur als Konzept) zu entziehen und missliebigen Individuen als Abziehbild und in derogativer Absicht zu unterstellen.

Frauen

Einer der am meisten missbrauchten Begriffe ist sicherlich Frauen, ein Begriff, der in der Regel im Singular als “die Frau” vorkommt. Die Frau ist ein Gegenstand, dem eine Reihe von Dingen zugeschrieben werden können: Benachteiligung, Opferstatus, Hilflosigkeit, Unterdrückung, usw. Als Ergebnis zeigt sich die Frau als hilfoses, zu keiner eigenen Regung und schon gar nicht zu eigener Aktion fähiges Zerrbild auf eine physische Existenz, das immer dann hervorgeholt wird, wenn damit Fördergelder oder andere Formen der Vorteilsnahme erreicht werden sollen.

Diversität

Diversität meint Vielfalt, Pluralismus und ist entsprechend ein individualistisches Konzept. Der Missbrauch des Begriffs hat dazu geführt, dass Diversität zu Uniformität verkommen ist. Diversität meint ausschließlich Gruppen und ist auf einen festen Kanon von Kriterien beschränkt. Diversität ist nicht etwa die Diversität von Menschen, ihre unterschiedliche Lebensgeschichte, ihre unterschiedlichen Kenntnisse, ihr unterschiedliches Aussehen, ihre unterschiedlichen Interessen und Vorlieben. Das alles ist keine Diversität. Diversität im Sinne der heutigen Missbraucher des Wortes, ist reduziert auf Gruppen, die durch ihr Geschlecht, ihren Migrationsstatus und ihre sexuelle Orientierung bestimmt sind. Eine ärmlichere Variante von Diversität kann man sich kaum vorstellen.

Gleichhheit

Peoples_Dice_of_EqualityMit der armseligen Vorstellung von Diversität korrespondiert die ebenso armselige, wenn nicht gar primitive Vorstellung davon, was Gleichheit sein soll. Gleichheit, einst ein Recht für Individuen, das ihnen eine gleiche Behandlung vor dem Gesetz oder einen chancengleichen Zugang zu Ressourcen gewähren sollte, ist zu einem Konzept gruppenbasierter Vorteilsnahme verkommen, bei dem an die Stelle eigener Leistung die Forderung nach Teilhabe an der Leistung anderer getreten ist. Für nutznießende Existenzen ist die Forderung nach Gleichheit, gemeint ist damit Ergebnisgleichheit, somit zum Surrogat für eigene Leistung geworden, zur Forderung nach Zugang zu von anderen erwirtschafteten Ressourcen.

Rechte

Rechte sind etwas, was man hat, so jedenfalls sehen es die meisten Philosophen, denn jeder Mensch ist frei geboren. In den angeblich so modernen Gesellschaften ist dies anders. Hier hat niemand Rechte von sich aus, vielmehr werden hier Rechte gnädig gewährt, und zwar nur an Gruppen. Rechte auf Arbeit, Rechte auf Sozialleistung, Kinderrechte usw. Rechte für wen auch immer zu fordern ist schick, eine erfolgreiche, die Naivität bei den Adressaten ausnutzenden Strategie. Sie mündet regelmäßig in den Aufbau einer Industrie, die denen, denen gnädigerweise Rechte gewährt wurden, angeblich dabei helfen soll, die Rechte auch durchzusetzen, und zwar gegen andere Gruppen, wie: Arbeitende, Steuerzahler oder Eltern.

Hilfe

Hilfe, ein Begriff, den Gutmenschen für sich gepachtet zu haben glauben, ist von der Bezeichnung spontaner Aktion, die z.B. darin besteht, einem Bettler am Wegrand völlig uneigennützig eine Münze in den Hut zu werfen, zu einer administrativen Funktion geworden. Hilfe wird verwaltungstechnisch aufbereitet und setzt die Gewährung von Rechten voraus. Hilfe besteht nicht darin, das Los dessen, dem geholfen werden soll, zu erleichten oder gar zu verbessern, sondern darin, ihn von der Hilfeindustrie abhängig zu machen, damit ihm auf Dauer geholfen werden und Dritte dazu verurteilt werden können, die Hilfe der Hilfeindustrie auf Dauer zu finanzieren.

Erziehung

Eng verzahnt mit Hilfe ist Erziehung. Erziehung ist von der Vermittlung der notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, zu einem Begriff einer Indoktrinationsbürokratie geworden, unter dessen Schutz jede noch so absurde Form vermeintlicher Erziehung, zumeist in Form von “Erziehung zur …” verpackt werden kann. Man wird zur Mündigkeit und Selbständigkeit erzogen, obwohl dies ein Widerspruch in sich ist, soll durch intolerante Vermittlung der richtigen Weltsicht zur Toleranz erzogen werden und natürlich zu einem guten Bürger der sein Engagement für die Demokratie ernstnimmt und sich in die Gemeinschaft der vermeintlichen Demokraten einordnet, ohne darüber nachzudenken.

Toleranz

Toleranz ist eines dieser Erziehungsziele. Toleranz ist gut, und Toleranz wird generell eingefordert, generell von Anderen. Toleranz ist vom “Gewährenlassen” zu einer Form geforderten Verständnisses für Übergriffe Dritter geworden, für Personen, die sich nicht an vorhandene Konventionen oder Regeln halten wollen oder die Dritten etwas aufzwingen wollen, was diese partout nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Dabei hat Toleranz eine eigenartige Verteilungsschiefe erhalten, denn sie umfasst nur bestimmte Handlungen und gilt nicht für Unternehmer, die keine Frauen im Vorstand haben wollen, Fussballspieler, die nur Fussball spielen und sich nicht als schützenwertes Opfer outen wollen oder Eltern, die nicht einsehen, warum man ihren Kindern in der Schule Kenntnisse über Analverkehr vermitteln sollte.

Solidarität

im_here_to_helpDieselbe Einseitigkeit, die Toleranz auszeichnet, zeichnet auch Solidarität aus. Der Begriff, der ursprünglich auf eine Gruppe von Menschen gezielt hat, die sich in der selben Lebenslage befinden, z.B. als Bergarbeiter, hat eine erhebliche Verönderung erfahren. Der Ruf nach Solidarität erschallt immer dann, wenn Steuerzahler oder eine andere finanzkräftige Gruppe dazu gezwungen werden sollen, die Launen von Dritten zu finanzieren. Wer sich solidarisch zeigt, vergibt entsprechend eine frei zu nutzende Einzugsermächtigung, von der er nichts, aber auch gar nichts hat, im Gegensatz zu denen, die den Begriff der Solidarität geprägt haben, und die Solidarität mit einem kranken Kumpel geübt haben, wohlwissend, dass dann, wenn sie selbst krank werden, die anderen Gruppenmitglieder mit ihnen solidarisch sind.

Armut

Armut bezeichnet einen Zustand physischer Mittellosigkeit. Man hat das Bild eines zerlumpten Menschen vor Augen, der versucht, sich mit Nahrung zu versorgen. Armut ist ein instrumenteller politischer Kampfbegriff, geworden, der eingesetzt wird, um Affekte auszulösen und Vorteile zu erheischen, entweder durch die Schaffung eines Hilfemarktes oder durch politische Mandatierung. Entsprechend gelten heute Menschen mit einem Nettoeinkommen von 1.250 Euro monatlich, denen die Wohnung finanziert wird und die eine Vielzahl sonstiger Vergünstigungen aus Steuermitteln erzielen, als arm. Ein Hohn auf all diejenigen, die wirklich arm sind.

Wissenschaft

Von der Armut bis zur Wissenschaft ist es nur ein kurzer Weg. Leider. Einst war Wissenschaft ein methodisches Unterfangen, das dem Erkenntnisgewinn gewidmet ist. Die Fortschritte der Menschheit basieren auf Wissenschaft, darauf, dass Vorstellungen über das Funktionieren bestimmter Dinge an die Welt herangetragen und überprüft werden. Wissenschaft ist nachprüfbar, der Nutzen von Wissenschaft ist klar angebbar. Das jedenfalls war er früher. Heute gelten andere Maßstäbe. Heute ist alles Wissenschaft, was Wissenschaftlichkeit behauptet, als wissenschaftlich bezeichnet wird oder an Orten der Wissenschaft betrieben wird. Im Zeitalter des radikalen Konstruktivismus, der es geschafft hat, auch noch die letzte Bedeutung so lange zu dekonstruieren, bis nichts davon übrig geblieben ist als Willkürm ist Wissenschaft ein Vehikel der Manipulation geworden, das zu Legitimationszwecken missbraucht wird. Man will eine Maßnahme durchsetzen? Ein angeblich wissenschaftliches Gutachten belegt den Wert der Maßnahme. Man will sicherstellen, dass die Günstlinge der Maßnahme auch nach Ablauf der für ihre Durchführung vorgesehenen Zeit duchgefüttert werden? Sogenannte wissenschaftliche Begleitforschung liefert die Blanko-Verlängerung der Maßnahme. Die Willkür, die sich des Etiketts “Wissenschaft” bedient, ist kaum mehr zu überbieten, was heute als wissenschaftliche Studie oder wissenschaftliche Expertise verkauft wird, hat in der Mehrzahl der Fälle weder etwas mit einer wissenschaftlichen, also methodischen, nachprüfbaren und falisifizierbaren Studie zu tun, noch mit Expertise, also Kenntnissen und Fähigkeiten, die eine Person erst dazu befähigen, ein Experte mit einer ausgewiesenen Expertise in einem Feld zu sein und entsprechend eine wissenschaftliche Expertise erstellen, seine Expertise geben zu können.

 

Damit haben wir unsere 12 Worte zusammen. Ein 13. Wort, das auf den ersten Blick in die Reihe gehört, nämlich die Nachhaltigkeit, haben wir nicht aufgenommen, denn auf den zweiten Blick erweist sich der Begriff als grundlegend unsinnig. Angesichts des Platzes, den die Erde im Universum einnimmt, und dem vorhersehbaren Ende, das die Erde nehmen wird, wenn sich die Sonne einst ausdehnt, sofern nicht zuvor ein Meteorit entsprechender Größe der Nachhaltigkeit ein Ende bereitet, wird deutlich, dass der Begriff nicht anders als normativ gemeint sein kann, und entsprechend auch nie anders als als Möglichkeit, von Dritten einen Vorteil zu erheischen, genutzt wurde.

Jetzt sind unsere Leser an der Reihe:

Gesucht ist der am häufigsten missbrauchte Begriff und Anführer der Hitliste der Sprachonanie:

Welcher Begriff ist der am häufigsten missbrauchte Begriff?

Nachhaltige Indoktrination

Heute muss alles nachhaltig sein. Politik reicht nicht mehr, es muss nachhaltige Politik sein. Umweltschutz reicht schon lange nicht mehr: nachhaltiger Umweltschutz muss her. Personalkonzepte sind nur noch akzeptabel, wenn sie nachhaltig sind, nachhaltig ist der Anbau von Kakaobohnen, Marken sind sogar “top-nachhaltig“, Arbeiten als solches reicht auch nicht mehr, nur nachhaltiges Arbeiten wird belohnt, Nachhaltige Investmentfonds suchen Investoren, wer Rad fährt, fährt nicht mehr Rad, nein, er radelt für die Nachhaltigkeit und, last but not least, ist Friede nicht mehr als einfacher Friede von Wert, sondern nur noch, wenn er ein nachhaltiger Friede ist.

Go GreenDie Beispiele zeigen nachhaltig, dass Nachhaltigkeit in mannigfaltiger Weise verwendet wird und immer ist damit dasselbe Ziel verbunden: etwas durch den Zusatz von “Nachhaltigkeit” zu etwas Besserem, Wichtigerem zu machen, es vor anderen Dingen auszuzeichnen, um auf diese Weise eine nachhaltig positive Wirkung bei Zuhörern und Lesern zu erzielen. Kurz: Nachhaltigkeit ist ein Füllwort, dessen Wirkung nicht über die Kognition erfolgt, denn Nachhaltigkeit hat keine inhaltiche Bedeutung, sondern über die affektive Konnotation von Nachhaltigkeit, die dem Wort “Nachhaltigkeit” immanente Wertung, die man mit: gut, wichtig, schön, wünschenswert, richtig, hervorragend und in jedem Falle anzustreben umschreiben kann.

Dass Nachhaltigkeit ein leerer Begriff ist, zeigen auch die (pseudo-)wissenschaftlichen Versuche, den Begriff zu bestimmen:

Nachhaltigkeit, so kann man diese Anstrengungen zusammenfassen, soll alle Prozesse beschreiben, die eine Erneuerung von Ressourcen gewährleisten und einen Raubbau an Ressourcen verhindern. Diese Beschreibung nachhaltiger Entwicklung, findet sich zum Beispiel im Urtext, dem die Nachhaltigkeit entsprungen ist: dem Brundtland-Bericht. Dort wird eine nachhaltige Entwicklung als eine Entwicklung definiert, “die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Hauff, 1987, S.46). Das beschriebene Kunststück, die bekannten Bedürfnisse heutiger Generationen mit den unbekannten Bedürfnissen zukünftiger Generationen in Einklang zu bringen, wird in der AGENDA 21 weitergeführt. Der Nachhaltigkeit werden nun drei Dimensionen zugewiesen, nämlich (Bolz, 2005, S.37; Rotmans & DeVries, 1997, S.10):

  • eine soziale und wirtschaftliche Dimension, die u.a. der Bekämpfung von Armut dient, Bevölkerungspolitik betreiben will und den Handel umschließt;
  • eine Dimension die die Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen sicherstellen soll und u.a. die Bereiche Klima-, Energie- und Landwirtschaftspolitik umfasst;
  • eine Dimension die auf die Stärkung der Rolle (Rechte) gesellschaftlicher Gruppen abzielt, worunter vornehmlich Minderheiten, Frauen, aber auch NGOs fallen.

Es ist jedem halbwegs in Wissenschaft Geschulten leicht ersichtlich, dass Nachhaltigkeit kein wissenschaftliches, sondern ein normatives Konzept ist, denn Nachhaltigkeit beschreibt gesellschaftliche Zustände, die aus Sicht derer, die die entsprechenden Zustände als nachhaltig beschreiben, wünschenswert sind. Warum sie das sind, wird regelmäßig nicht begründet, vielmehr werden diejenigen, die nach einer Begründung fragen, durch einen entrüsteten Appell an einen nicht näher bestimmte Verantwortung gegenüber nicht näher bestimmten Dritten oder Dingen mundtot gemacht.

Dass Nachhaltigkeit somit ein Begriff ist, der bestenfalls mit Bezug auf die Ethik bestimmt werden kann, wird spätestens dann deutlich, wenn man die Argumentation der Nachhaltigkeitsapostel umdreht und fragt:

  • Ist es nicht wichtiger das Los der derzeitig lebenden Menschen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verbessern, anstatt ihnen Einschränkungen mit Blick auf noch nicht geborene Menschen aufzuerlegen?
  • Wieso soll man bekannte Bedürfnisse lebender Generationen zu Gunsten unbekannter Bedürfnisse (noch) nicht lebender Generationen zurückstellen?
  • Warum sollen heute lebende Generationen auf einenhöheren Lebensstandard, der ihnen mögilch ist, verzichten, nur weil Berufspessimisten annehmen, dass zukünftige Generationen zu dumm sein werden, um mit den Herausforderungen, vor die sie gestellt sind, selbst fertigwerden zu können?
  • Ist es überhaupt ethisch vertretbar, von Menschen Verzicht zu fordern und ihnen ein schlechteres anstelle eines besseren Leben zu verordnen?

Dies sind nur einige Fragen, die mit dem Konzept der Lebensqualität oder Nicht-Nachhaltigkeit verbunden sind und die deutlich machen, dass Nachhaltigkeit lediglich dazu dient, moralischen Druck auf Menschen auszuüben, um sie in eine Richtung und zu Handlungen manipulieren zu können, die sie von sich aus nicht vorgenommen hätten.

overpopulationAufgabe einer Wissenschaft, die sich ernst nimmt, wäre es entsprechend den anti-emanzipatorischen Kern, den Nachhaltigkeit umschließt, deutlich zu machen und eine moralische Aufklärung zu betreiben, die Menschen nicht zu Lemmingen des Zeitgeistes macht, sondern sie darüber entscheiden lässt, ob sie sich im Sinne der Nachhaltigkeits-Apostel verhalten wollen oder nicht. Das würde natürlich voraussetzen, dass die Nachhaltigkeitsapostel ihre Argumente dafür präsentieren, warum es für derzeit Lebende einen Nutzen bringen soll, sich nachhaltig zu verhalten und diesen Nutzen auch konkret anzugeben. Anders formuliert: Die Nachhaltigkeitsapostel müssten begründen, warum die Lebensqualität der derzeit lebenden weniger wert sein soll als die Lebensqualität zukünftiger Generationen. Und schon weil ein konkreter Nutzen gefragt ist, wird man vergeblich auf entsprechende Argumente warten (schon weil Nachhaltigkeit, dann, wenn sie ernstgenommen wird, und als Reduzierung des Einflusses von Menschen auf ihre Umwelt operationalisiert wird, logisch zu der Konsequenz führt, dass man einen Geburtenstopp fordern müsste.).

Institutionalisierte Wissenschaft in Deutschland 2014 ist jedoch weit davon entfernt auch nur Spuren einer emanzipativen Auffassung der eigenen Tätigkeit zu enthalten. An die Stelle der Rationalität, die die Idee der Wissenschaft über Jahrhunderte hinweg getragen hat, tritt immer häufiger eine Irrationalität, deren Ziele gerade nicht in der Befreiung von Menschen und der Herstellung von Autonomie bestehen, sondern im Gegenteil darin, Heilsbotschaften zu verkünden, Verhaltensvorschriften zu geben oder, in anderen Worten, Inhaber wissenschaftlicher Positionen in der moralischen Überzeugung schwelgen zu lassen, sie könnten irgend etwas besser für andere beurteilen als diese selbst.

Und so ist es nicht verwundertlich, dass sich vermeintliche Wissenschaftler dafür hergeben, an einer effektiven Verbreitung der Nachhaltigkeits-Saga mitzuwirken. Ziel: “Sachwissen in den Themenfeldern der Nachhaltigkeit zu vertiefen und mit erfahrenen Fachleuten aus der Praxis (z. B. taz, SPIEGEL) die verständliche und spannende Vermittlung der Themen zu üben”. Deutlicher kann man die Tasache nicht mehr machen, dass deutsche Universitäten nicht mehr Erkenntnisgewinn zum Ziel haben, sondern klar sozial-technologische Ziele verfolgen, also dabei mitwirken wollen oder sollen, die Bürger auf den richtigen Weg zu führen, ihnen das richtige Verständnis zu vermitteln, als es in diesen wenigen Zeilen aus dem Zertifikatstudium “Nachhaltigkeit und Journalismus”, das an der Leuphana-Universität Lüneburg angeboten wird, von der wir uns zunehmend fragen, warum sie “Universität” nicht endlich durch Schule ersetzt.

nachhaltig siegelIm Zertifikatstudium, das mit dem Zertifikat “Nachhaltigkeit und Journalismus” endet, eine Auszeichnung, die man sich dann vermutlich auf den Allerwertesten tätowieren lassen darf, werden Grundlagen in “Nachhaltigkeitsnaturwissenschaften”, “Nachhaltigkeitshumanwissenschaften”, in der “Nachhaltigkeitskommunikation” gelegt, in dem die “Nachhaltigkeitsforschung” der entsprechenden “Nachhaltigkeitswissenschaften” dargelegt und genutzt werden, um einen “Nachhaltigkeitsjournalismus” darauf zu gründen. Bei so viel Nachhaltigkeit muss es auch dem letzten Leser  deutlich werden, dass hier nachhaltige Kaderbildung betrieben werden soll, und zwar in Form nachhaltiger Journalisten, oder, in den Worten von Dr. habil. Heike Diefenbach, von Multiplikatoren, die wie die 12 Apostel in die Welt ziehen und die heilige Botschaft verkünden, nicht die heilige, in diesem Fall, sondern die nachhaltige Botschaft.

Das Pikante am Zertifikatsstudium der Kaderschmiede in Lüneburg findet sich unter dem Punkt “Partner”. Partner des Zertifikatsstudium, das aus Gründen der Verschleierung an einer Institution angeboten wird, die sich (noch) Universität nennt, sind:

  • Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland, die “treibende gesellschaftliche Kraft für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland”.
  • Die Zeitschrift GEO, des Verlagshauses Gruner und Jahr, die offensichtlich und bislang noch keine nachhaltigen Reportagen produziert.
  • Germanwatch, eine “Entwicklungs- und Umweltorganisation, die sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen einsetzt”.
  • Die Lüneburger Landeszeitung, die derzeit “31.689” nicht nachhaltige Exemplare verkauft.
  • Die taz.panterstiftung, die in Workshops “kritische Journalisten” der Art, wie man sie fast täglich in der “taz” bewundern kann, heranzüchten will.
  • Völkel Naturkostsäfte, bei denen der “Anbau von Bio-Streuobstwiesen und die Förderung von samenfesten Gemüsesorten” ganz hoch im Kurs steht.
  • Und der WWF, der “weltweit die Zerstörung der Natur und Umwelt” stoppen will, woraus man nehmen muss, dass Natur mit Umwelt nichts zu tun hat.

go green 2Die genannten Partner, deren richtige Bezeichnung wohl eher: Sponsoren wäre, machen das Zertifikatsstudium erst möglich, und entsprechend empfehlen wir das Studium der vollen Aufmerksamkeit der GEW, die im regelmäßig auf uns niederkommenden “Privatisierungsbericht”, die Einflussnahme privater Organisationen auf die Bildung beklagt. Und im vorliegenden Fall sind wir ganz und gar einer Meinung mit der GEW: Es ist höchste Zeit die Finanzierung von Zertifikatsstudien zu “Nachhaltigkeit und Journalismus” , die Einflussnahme privater Organisationen auf die Ausgestaltung von Bildung und den Missbrauch universitärer Ressourcen für Indoktrination und Manipulation zu unterbinden.

Literatur

Bolz, Hermann R. (2005). Nachhaltigkeit. Eine weitere Worthülse oder ein wirksamer Beitrag zur Verringerung der Ontologischen Differenz? Norderstedt: Book on Demand.

Hauff, Volker von (Hrsg.)(1987). Unsere gemeinsame Zukunft – Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Köln: Greven.

Rotmans, Jan & De Vries, Bert (1997). Perspectives on Global Change: The TARGETs Approach. Cambridge. Cambridge University Press.

Erziehungsfaschismus: weil die beste aller Welten so fragil ist

Wenn man durch den Dickicht der derzeitigen pädagogischen Ansätze machetet, dann findet man immer neue Kompetenzen, die in dieser besten aller Welten, in der wir nun einmal leben, notwendig sind, um auch richtig zu leben. Die neuste Blüte, die wir aus dem Urwald pädagogischer Intervention mitgebracht haben, lautet: “demokratiepädagogische Schulentwicklung” und hat die Vermittlung “sozialmoralischer Kompetenzen” zum Gegenstand.

 

Ministry of truth 2Brigitte Latzko und Tina Malti (2010) erklären, was man unter “sozialmoralischen Kompetenzen” zu verstehen hat, und zwar in der Einleitung zu dem von ihnen herausgegebenen Buch “Moralische Entwicklung und Erziehung in Kindheit und Adoleszenz”, das bei Hogrefe erschienen ist. Sozialmoralische Kompetenzen, so lernen wir, spielen eine “Schlüsselrolle”. Wobei? Nun, bei der Verarbeitung des massiven Wandels, der durch “wirtschaftliche Globalisierung und damit einhergehende Individualisierung” auf uns hereinbricht.

Wer täglich wissenschaftliche Texte liest, erreicht eher früher als später, den Zeitpunkt, ab dem er Anfänge wie, “In Zeiten intensiver Globalisierung wird es … ” oder “Globalisierung und eine Individualisierung von Lebenslagen führen dazu…” oder “Globalisierung, zunehmender Wettbewerb und sich verkürzende Produktlebenszyklen machen es erforderlich …”, nicht mehr lesen mag. Eine Unmenge von Wissenschaftlern, so scheint es, lebt und träumt nur von den Folgen der Globalisierung, jenes unglaublich tiefgehenden Wandels, den jeder abstrakt beschreiben, aber niemand in seinen Auswirkungen benennen kann. Man mag sich nur ansatzweise vorstellen, wie die Behauptung, Globalisierung führe zu intensiverem Handel, zu einer Öffnung der Weltmärkte, auf den Händler des 17. Jahrhunderts gewirkt hat, der in seinem Warenhaus Waren aus aller Herren Länder von der Seide bis zum Kaffee gelagert hatte, – ob seine Zeitgenossen ihm auch ständig mit Floskeln wie “Globalisierung” in den Ohren gelegen haben?

Doch zurück zu Latzko und Malti. Sie kennen eine “wirtschaftliche Globalisierung” und eine Individualisierung. Die Individualisierung hat Ulrich Beck in den 1980er Jahren beschrieben, z.B. in seinem Buch von der Risikogesellschaft. Es ist schön zu sehen, dass das entsprechende Konzept mittlerweile auch bei Pädagogen angekommen ist. Beck hat übrigens nicht nur von Individualisierung geschrieben, sondern auch von sekundärer Vergesellschaftung, von der Bildung loser Netzwerke, wie man heute sagen würde, jenseits institutioneller Strukturen der Vergemeinschaftung.

Latzko und Malti sind in Zeiten der Individualisierung stehen geblieben, Zeiten, von denen man sich fragt, wann es sie je gegeben hat, vielleicht in den 1970er und 1980er Jahren, aber sicher nicht nach 2000. Wie individualisiert sind Zeiten, in denen man in erster Linie Gruppenmitglied ist und in zweiter Linie von anti-Individualsierungs-Aposteln belehrt und pädagogisiert wird, wenn man auch nur in einem Punkt abweicht, den die entsprechenden Erzieher für relevant halten?

Wir leben in Zeiten, in denen auf Webpages von Institutionen, die obwohl am Tropf von Ministerien hängend, sich gerne den Anschein der Wissenschaflichkeit geben, also z.B. auf der Seite des Deutschen Jugendinstituts in München (DJI), Sätze wie der folgende stehen können, ohne einen Aufschrei nach sich zu ziehen: “Die Prävention von rechtsextremen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Einstellungen bei jungen Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe …”. Die Gedanken waren einmal frei. Wohlgemerkt, hier ist von “Einstellungen” die Rede, die es zu vermeiden gilt, etwa dadurch, dass die entsprechenden Jugendlichen so imprägniert werden, dass sie für die entsprechenden Einstellungen nicht empfänglich sind. Wie fragil ist eigentlich eine Gesellschaft, deren Zusammenbruch befürchtet wird, wenn ein paar Jugendliche “rechtsextreme Einstellungen” haben?

Hier treffen wird die sozialmoralischen Kompetenzen wieder, die Latzko und Malti beschwören, sozialmoralische Kompetenzen wie: “Reflexionsfähigkeit, Empathie, Kooperation, gegenseitige Achtung, Toleranz, Verantwortungsübernahme, Fürsorge, Konfliktlösungsfähigkeit und soziale Solidarität” (7). Das also ist der moderne Katechismus, der ein Kind und einen Jugendlichen zu richtigen Mitgliedern der Gesellschaft der Guten macht: Dabei handelt es sich um “Resourcen für die demokratische und soziale Handlungsfähigkeit” (7). Und diese Resourcen sind notwendig, weil (Achtung, jetzt geht der Katechismus weiter): “im Zuge der Wertevielfalt pluralistischer Gesellschaften” sozial-moralische Kompetenzen eine Grundlage bilden, um “soziale Kohäsion und Inklusion” zu wahren.

Demokratien, so lernen wir abermals, sind sehr empfindliche Strukturen, geradezu fragil, weshalb man nichts dem Zufall überlassen darf. Bereits Kinder müssen auf ihre Rolle als sozialmoralisch kompetentes Mitglieder der demokratischen Gemeinschaft vorbereitet werden. Wenn sie, weil man ihnen Freiraum in ihrer Entwicklung gelassen hat, sich als intolerant gegenüber als gut befundenen Objekten oder Subjekten erweisen, keine Achtung vor z.B. Versagern empfinden können oder sich weigern darüber nachzudenken, ob es mehr als zwei Geschlechterrollen in modernen Gesellschaften geben soll, also – wie man sagen könnte – reflexionsunwillig sind, dann ist die demokratische Gesellschaft, jenes schwächliche Gebilde, das bereits von “rechtsextremen Einstellungen” gefährdet ist, dem Untergang geweiht.

FreiheitSpätestens hier fragt man sich, wieso man sich für diese welke Demokratie einsetzen soll, die u.a. Demokratiepädagogen vorschwebt,war doch die eigentliche Idee von Demokratie, die Idee einer Vielfalt der Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen. Intolerante, also z.B. Pädagogen, die rechtsextreme Einstellungen nicht akzeptieren und tolerieren, waren kein Problem. Reflexionsunwillige auch nicht, also z.B. Demokratiepädagogen, die nicht darüber nachdenken wollen, ob die Verpflichtung zu Fürsorge und sozialer Solidarität nicht etwas ist, was menschlicher Individualität massiv zuwider läuft, da Individualität eine Freiwilligkeit voraussetzt, die unsere Pädagogen trotz aller Individualisierung, die sie irgendwo zu sehen im Stande sind, nicht bereit sind, anderen zuzugestehen, ja richtig intolerent sind sie gegenüber individueller Entwicklung. So intolerant sind sie, dass sie Erziehungsideale pervertieren und die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit bei Kindern verhindern wollen. Statt dessen wird die kindliche Entwicklung zum geleiteten Prozess, an dessen Ende nur ein Ergebnis, das derzeit für richtig befundene Ergebnis, stehen kann.

Oder, in schwammiger Formulierung:

“Vielmehr muss den Heranwachsenden die Möglichkeit eröffnet werden, sich reflexiv mit der bestehenden Ordnung auseinandersetzen zu können, indem beispielsweise Konflikte zwischen Normen angesprochen, Ausnahmen durchdacht, Lösungsmöglichkeiten abgewogen und Spielräume für eigene Entscheidungen gewährt werden. Montada (2002) fasst zutreffend zusammen, dass Kinder und Jugendliche nur auf diese Weise die Beachtung einer Norm als ihre Entscheidung erleben können, so dass die Norm zu einem Teil ihres Selbst, ihrer Identität wird” (8).

Übersetzt heißt das, man muss Jugendliche so manipulieren, dass sie am Ende des Lernprozesses von Normen denken, sie seien eigenständig zu dem entsprechenden Ergebnis gekommen. Die Art und Weise, in der hier Indoktrination umschrieben wird, ist fast kunstvoll: Heranswachsenden wird gewährt. Was wird ihnen gewährt? Die Möglichkeit, den Blick in den Abgrund zu richten und zu sehen, welche falschen Normen im Abyss lauern. Nicht gewährt wird den Heranwachsenden jedoch, an der Richtigkeit der vorgegebenen Normen zu rütteln, zu fragen, welche Legitimation die Normen vorzuweisen haben, zu fragen, ob das, was ihnen vorgegeben wird, das ist, was sie wollen.

EmileWelch jämmerliches Bild moderne angebliche Demokratien und ihre Kämpfer doch abgegeben. Nicht einmal die Versuche der Weimarer Republik waren derart jämmerlich. An die Stelle der Auseinandersetzung mit Abweichung von der Norm sind Kontrolle und Ausschluss von Abweichung getreten. Was die Demokratiepädagogen als falsche Norm festsetzen, muss Jugendlichen ausgetrieben, was sie als richtige Norm festlegen, muss ihnen eingetrichtert werden. Falsche Einstellungen, also Einstellungen, die den Demokratiepädagogen gerade missfallen, sind auszumerzen bzw. mit präventiven Mitteln vorzubehandeln, auf dass sie sich gar nicht erst einnisten und das Ziel der Erziehung, den sozialmoralisch kompetenten Zombie, der nicht außerhalb dessen, was ihm vorgegeben wird, zu denken im Stande ist, gefährden.

Die Beschreibung trägt nicht durch Zufall alle Insignien eines Erziehungsfaschismus. Anstelle der freien Entwicklung gibt es Vorgaben, Abweichungen werden nicht geduldet, die vermeintliche Demokratie der Pädagogen kennt die Wahrheit und den richtigen Weg zu ihr. Wer solche Pädagogen hat, der braucht keine Faschisten mehr.

Rousseau hat in seinem Emile die Ansicht vertreten, dass es für die Erziehung von Kindern eminent wichtig ist, sie so lange wie möglich von gesellschaftlichen Einflüssen fern zu halten. Wenn man sieht, was manche Pädagogen derzeit als ihre Erziehungsaufgabe definieren, dann muss man ihm Recht geben.

Latzko, Brigitte & Malti, Tina (2010). Einleitung. In: Latzko, Brigitte & Malti, Tina (Hrsg.). Moralische Entwicklung und Erziehung in Kindheit und Adoleszenz. Göttingen: Hogrefe, S.7-16.