Erziehungsfaschismus: weil die beste aller Welten so fragil ist

Wenn man durch den Dickicht der derzeitigen pädagogischen Ansätze machetet, dann findet man immer neue Kompetenzen, die in dieser besten aller Welten, in der wir nun einmal leben, notwendig sind, um auch richtig zu leben. Die neuste Blüte, die wir aus dem Urwald pädagogischer Intervention mitgebracht haben, lautet: “demokratiepädagogische Schulentwicklung” und hat die Vermittlung “sozialmoralischer Kompetenzen” zum Gegenstand.

 

Ministry of truth 2Brigitte Latzko und Tina Malti (2010) erklären, was man unter “sozialmoralischen Kompetenzen” zu verstehen hat, und zwar in der Einleitung zu dem von ihnen herausgegebenen Buch “Moralische Entwicklung und Erziehung in Kindheit und Adoleszenz”, das bei Hogrefe erschienen ist. Sozialmoralische Kompetenzen, so lernen wir, spielen eine “Schlüsselrolle”. Wobei? Nun, bei der Verarbeitung des massiven Wandels, der durch “wirtschaftliche Globalisierung und damit einhergehende Individualisierung” auf uns hereinbricht.

Wer täglich wissenschaftliche Texte liest, erreicht eher früher als später, den Zeitpunkt, ab dem er Anfänge wie, “In Zeiten intensiver Globalisierung wird es … ” oder “Globalisierung und eine Individualisierung von Lebenslagen führen dazu…” oder “Globalisierung, zunehmender Wettbewerb und sich verkürzende Produktlebenszyklen machen es erforderlich …”, nicht mehr lesen mag. Eine Unmenge von Wissenschaftlern, so scheint es, lebt und träumt nur von den Folgen der Globalisierung, jenes unglaublich tiefgehenden Wandels, den jeder abstrakt beschreiben, aber niemand in seinen Auswirkungen benennen kann. Man mag sich nur ansatzweise vorstellen, wie die Behauptung, Globalisierung führe zu intensiverem Handel, zu einer Öffnung der Weltmärkte, auf den Händler des 17. Jahrhunderts gewirkt hat, der in seinem Warenhaus Waren aus aller Herren Länder von der Seide bis zum Kaffee gelagert hatte, – ob seine Zeitgenossen ihm auch ständig mit Floskeln wie “Globalisierung” in den Ohren gelegen haben?

Doch zurück zu Latzko und Malti. Sie kennen eine “wirtschaftliche Globalisierung” und eine Individualisierung. Die Individualisierung hat Ulrich Beck in den 1980er Jahren beschrieben, z.B. in seinem Buch von der Risikogesellschaft. Es ist schön zu sehen, dass das entsprechende Konzept mittlerweile auch bei Pädagogen angekommen ist. Beck hat übrigens nicht nur von Individualisierung geschrieben, sondern auch von sekundärer Vergesellschaftung, von der Bildung loser Netzwerke, wie man heute sagen würde, jenseits institutioneller Strukturen der Vergemeinschaftung.

Latzko und Malti sind in Zeiten der Individualisierung stehen geblieben, Zeiten, von denen man sich fragt, wann es sie je gegeben hat, vielleicht in den 1970er und 1980er Jahren, aber sicher nicht nach 2000. Wie individualisiert sind Zeiten, in denen man in erster Linie Gruppenmitglied ist und in zweiter Linie von anti-Individualsierungs-Aposteln belehrt und pädagogisiert wird, wenn man auch nur in einem Punkt abweicht, den die entsprechenden Erzieher für relevant halten?

Wir leben in Zeiten, in denen auf Webpages von Institutionen, die obwohl am Tropf von Ministerien hängend, sich gerne den Anschein der Wissenschaflichkeit geben, also z.B. auf der Seite des Deutschen Jugendinstituts in München (DJI), Sätze wie der folgende stehen können, ohne einen Aufschrei nach sich zu ziehen: “Die Prävention von rechtsextremen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Einstellungen bei jungen Menschen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe …”. Die Gedanken waren einmal frei. Wohlgemerkt, hier ist von “Einstellungen” die Rede, die es zu vermeiden gilt, etwa dadurch, dass die entsprechenden Jugendlichen so imprägniert werden, dass sie für die entsprechenden Einstellungen nicht empfänglich sind. Wie fragil ist eigentlich eine Gesellschaft, deren Zusammenbruch befürchtet wird, wenn ein paar Jugendliche “rechtsextreme Einstellungen” haben?

Hier treffen wird die sozialmoralischen Kompetenzen wieder, die Latzko und Malti beschwören, sozialmoralische Kompetenzen wie: “Reflexionsfähigkeit, Empathie, Kooperation, gegenseitige Achtung, Toleranz, Verantwortungsübernahme, Fürsorge, Konfliktlösungsfähigkeit und soziale Solidarität” (7). Das also ist der moderne Katechismus, der ein Kind und einen Jugendlichen zu richtigen Mitgliedern der Gesellschaft der Guten macht: Dabei handelt es sich um “Resourcen für die demokratische und soziale Handlungsfähigkeit” (7). Und diese Resourcen sind notwendig, weil (Achtung, jetzt geht der Katechismus weiter): “im Zuge der Wertevielfalt pluralistischer Gesellschaften” sozial-moralische Kompetenzen eine Grundlage bilden, um “soziale Kohäsion und Inklusion” zu wahren.

Demokratien, so lernen wir abermals, sind sehr empfindliche Strukturen, geradezu fragil, weshalb man nichts dem Zufall überlassen darf. Bereits Kinder müssen auf ihre Rolle als sozialmoralisch kompetentes Mitglieder der demokratischen Gemeinschaft vorbereitet werden. Wenn sie, weil man ihnen Freiraum in ihrer Entwicklung gelassen hat, sich als intolerant gegenüber als gut befundenen Objekten oder Subjekten erweisen, keine Achtung vor z.B. Versagern empfinden können oder sich weigern darüber nachzudenken, ob es mehr als zwei Geschlechterrollen in modernen Gesellschaften geben soll, also – wie man sagen könnte – reflexionsunwillig sind, dann ist die demokratische Gesellschaft, jenes schwächliche Gebilde, das bereits von “rechtsextremen Einstellungen” gefährdet ist, dem Untergang geweiht.

FreiheitSpätestens hier fragt man sich, wieso man sich für diese welke Demokratie einsetzen soll, die u.a. Demokratiepädagogen vorschwebt,war doch die eigentliche Idee von Demokratie, die Idee einer Vielfalt der Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen. Intolerante, also z.B. Pädagogen, die rechtsextreme Einstellungen nicht akzeptieren und tolerieren, waren kein Problem. Reflexionsunwillige auch nicht, also z.B. Demokratiepädagogen, die nicht darüber nachdenken wollen, ob die Verpflichtung zu Fürsorge und sozialer Solidarität nicht etwas ist, was menschlicher Individualität massiv zuwider läuft, da Individualität eine Freiwilligkeit voraussetzt, die unsere Pädagogen trotz aller Individualisierung, die sie irgendwo zu sehen im Stande sind, nicht bereit sind, anderen zuzugestehen, ja richtig intolerent sind sie gegenüber individueller Entwicklung. So intolerant sind sie, dass sie Erziehungsideale pervertieren und die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit bei Kindern verhindern wollen. Statt dessen wird die kindliche Entwicklung zum geleiteten Prozess, an dessen Ende nur ein Ergebnis, das derzeit für richtig befundene Ergebnis, stehen kann.

Oder, in schwammiger Formulierung:

“Vielmehr muss den Heranwachsenden die Möglichkeit eröffnet werden, sich reflexiv mit der bestehenden Ordnung auseinandersetzen zu können, indem beispielsweise Konflikte zwischen Normen angesprochen, Ausnahmen durchdacht, Lösungsmöglichkeiten abgewogen und Spielräume für eigene Entscheidungen gewährt werden. Montada (2002) fasst zutreffend zusammen, dass Kinder und Jugendliche nur auf diese Weise die Beachtung einer Norm als ihre Entscheidung erleben können, so dass die Norm zu einem Teil ihres Selbst, ihrer Identität wird” (8).

Übersetzt heißt das, man muss Jugendliche so manipulieren, dass sie am Ende des Lernprozesses von Normen denken, sie seien eigenständig zu dem entsprechenden Ergebnis gekommen. Die Art und Weise, in der hier Indoktrination umschrieben wird, ist fast kunstvoll: Heranswachsenden wird gewährt. Was wird ihnen gewährt? Die Möglichkeit, den Blick in den Abgrund zu richten und zu sehen, welche falschen Normen im Abyss lauern. Nicht gewährt wird den Heranwachsenden jedoch, an der Richtigkeit der vorgegebenen Normen zu rütteln, zu fragen, welche Legitimation die Normen vorzuweisen haben, zu fragen, ob das, was ihnen vorgegeben wird, das ist, was sie wollen.

EmileWelch jämmerliches Bild moderne angebliche Demokratien und ihre Kämpfer doch abgegeben. Nicht einmal die Versuche der Weimarer Republik waren derart jämmerlich. An die Stelle der Auseinandersetzung mit Abweichung von der Norm sind Kontrolle und Ausschluss von Abweichung getreten. Was die Demokratiepädagogen als falsche Norm festsetzen, muss Jugendlichen ausgetrieben, was sie als richtige Norm festlegen, muss ihnen eingetrichtert werden. Falsche Einstellungen, also Einstellungen, die den Demokratiepädagogen gerade missfallen, sind auszumerzen bzw. mit präventiven Mitteln vorzubehandeln, auf dass sie sich gar nicht erst einnisten und das Ziel der Erziehung, den sozialmoralisch kompetenten Zombie, der nicht außerhalb dessen, was ihm vorgegeben wird, zu denken im Stande ist, gefährden.

Die Beschreibung trägt nicht durch Zufall alle Insignien eines Erziehungsfaschismus. Anstelle der freien Entwicklung gibt es Vorgaben, Abweichungen werden nicht geduldet, die vermeintliche Demokratie der Pädagogen kennt die Wahrheit und den richtigen Weg zu ihr. Wer solche Pädagogen hat, der braucht keine Faschisten mehr.

Rousseau hat in seinem Emile die Ansicht vertreten, dass es für die Erziehung von Kindern eminent wichtig ist, sie so lange wie möglich von gesellschaftlichen Einflüssen fern zu halten. Wenn man sieht, was manche Pädagogen derzeit als ihre Erziehungsaufgabe definieren, dann muss man ihm Recht geben.

Latzko, Brigitte & Malti, Tina (2010). Einleitung. In: Latzko, Brigitte & Malti, Tina (Hrsg.). Moralische Entwicklung und Erziehung in Kindheit und Adoleszenz. Göttingen: Hogrefe, S.7-16.

Manipulation durch Auslassung: Bildungsberichterstattung 2014

DestatisGerade hat das Statistische Bundesamt die Broschüre “Bildung in Deutschland 2014 veröffentlicht, eine deren Ziel darin besteht, “eine umfassende empirische Bestandsaufnahme” vorzulegen, “die das deutsche Bildungswesen als Ganzes abbildet …” (V). Erstellt wurde die Broschüre von einer “Autorengruppe”, die sich aus Mitgliedern des Deutschen Jugendinstituts (DJI), des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), des Soziologischen Forschungsinstituts an der Universität Göttingen (SOFI) und aus den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder zusammensetzt. Viele Köche haben also in diesem Bildungsbrei gerührt.

Um so erstaunlicher, dass eine Broschüre dabei herausgekommen ist, die an politischer Korrektheit nicht zu überbieten ist und deren Auslassungen an Geschichtsfälschung grenzen, in jedem Fall aber verhindern, dass die Broschüre auch nur in die Nähe einer “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” der Situation der Bildung in Deutschland kommt.

Um dies zu zeigen, muss man nur ein paar Daten vorwegschicken: 44% der weiblichen Schüler haben ihre Schulausbildung im Jahr 2013 mit einem Abitur, also einer Studienberechtigung abgeschlossen, im Vergleich zu rund 35% der männlichen Schüler. Gut 7% der männlichen Schüler sind im Jahre 2013 ohne irgend einen Abschluss geblieben, im Vergleich zu 5% der Mädchen. Merken Sie sich diese Daten, die die nach wie vor für Jungen im deutschen Bildungssystem bestehenden Nachteile deutlich zeigen, denn in der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” der oben genannten Autorengruppe kommen diese Daten nicht vor.

Ganz im Gegensatz zu den schon ans Manische grenzenden Gepflogenheiten alle Daten, die dies erlauben, nach Geschlecht auszuweisen, findet sich im Abschnitt D7 “Schulabgänge und Schulabschlüsse” der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” keinerlei Ausschlüsselung der Schulabgänger von Hauptschulen oder Gymnasien nach Geschlecht.

Seltsam.

Es wird umso seltsamer, wenn man bedenkt, was in der Broschüre alles nach Geschlecht aufgeschlüsselt ist:

  • Alleinerziehende,
  • pädagogisches Personal,
  • die Häufigkeit familiärer Bildungsaktivitäten,
  • Sprachförderungsbedürftige,
  • Lehrkräfte,
  • Freiwilliges Engagement von Neuntklässlern,
  • Studienberechtigung (nur in Prozent),
  • Jugendarbeitslosigkeit,
  • Übergangsquoten vom Gymnasium auf die Hochschule,
  • Personal an Hochschulen,
  • Kinder in Kindertagesstätten,
  • Anteil der Erwerbstätigen nach Bildungsabschluss,
  • Politisches Interesse nach Bildungsabschluss,
  • Disparitäten in Berufsausbildung und Studium.

Ist es nicht erstaunlich, welch abseitige Bereiche dem Autorenteam der Aufschlüsselung nach Geschlecht würdig erschienen sind, und welch wichtige Bereiche nicht? Und dies, obwohl in der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” steht:

“Für die weitere Bildungs- und Erwerbsbiographie ist ein allgemeinbildender Schulabschluss eine wichtige Voraussetzung. Informationen über die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen – d.h. derjenigen Schülerinnen und Schüler mit Hauptschul- oder höher qualifizierendem Abschluss … ermöglichen insofern eine Einschätzung der Qualifizierungsfunktion des Schulsystems (91).

Wer nun denkt, die Wichtigkeit des allgemeinbildenden Schulabschlusses für Absolventinnen und Absolventen habe eine entsprechende Auszählung der Schulabschlüsse nach Geschlecht zur Folge, der irrt sich. Die Ergebnisse, die wir diesem Text vorangestellt haben, kommen in der “umfassenden empirischen Bestandsaufnahme” nicht vor. Die Autorengruppe übt sich lieber in Ignoranz gegenüber einem Problem des deutschen Bildungssystems, das, wäre es invers, sähe es also mehr Mädchen ohne Abitur und Schulabschluss, sicher zu einem #Aufschrei führen würde. Aber es betrifft Jungen, deshalb wird es totgeschwiegen. Jungen sind offensichtlich in ihrer Mehrzahl als Arbeitstiere der Zukunft und nicht als Mausschubser in Verwaltungen vorgesehen.

Wer denkt, dass wir angesichts dieser Art von Fälschung durch Unterlassung angewidert sind, der denkt richtig.

Aber es wird noch besser. Gibt es doch ein Kapitel das mit “Chancengleichheit” überschrieben ist (212-214).

Hier gibt es so bemerkenswerte Aussagen wie:

“Junge Frauen haben zwar geringere Übertrittsquoten in eine betriebliche Ausbildung als junge Männer, gleichzeitig treten sie aber wesentlich häufiger in eine vollzeitschulische Ausbildung ein.

In Deutsch: Weil mehr Jungen als Mädchen ohne Abschluss bleiben bzw. keine Studienberechtigung erzielen, gehen mehr Jungen in eine betriebliche Ausbildung. Dagegen studieren mehr Mädchen als Jungen, weil deutlich mehr Mädchen (siehe oben) eine Hochschulreife erwerben. Wer noch nicht genug hat, es geht noch weiter:

dji“Während sich im allgemeinbildenden Schulwesen, aber auch in der beruflichen Ausbildung und im Studium für Frauen eine Erfolgsgeschichte zeigt und Frauen günstigere Bildungsbiographien aufweisen als Männer, stellt sich die Situation am Arbeitsmarkt deutlich anders dar. … Während im Beschäftigungsstatus durchaus günstige Entwicklungen für die Frauen im Beobachtungszeitraum zu erkennen sind, zeigt sich eine umgekehrte Entwicklung im Einkommen. Hier hat sich die Differenz im Nettoäquivalenzeinkommen in den letzten Jahren vergrößert. … Ein ähnliches Bild zugunsten der Männer ergibt sich beim Einkommensvergleich auf Basis des Bruttomonatseinkommens bei Vollzeiterwerbstätigkeit … : hier sind die Geschlechterdifferenzen bei Personen mit hohem Bildungsstand zum Nachteil der Frauen bzw. Vorteil der Männer am größten (213)”

Wenn also Jungen bei Bildungsabschlüssen und beim Zugang zu Universitäten weit hinter Mädchen zurückbleiben, dann ist dies eine Erfolgsgeschichte der Mädchen. Wenn Frauen zu faul sind, ihre Vorteile auch in eine Vollerwerbstätigkeit umzusetzen und sich lieber als Vollzeitmama vom Arbeitsmarkt verabschieden, dann ergeben sich daraus Nachteile für Frauen und Vorteile für Männer.

Und wem es noch nicht reicht bis hierhin, wer noch nicht den Drang verspürt, einen nach dem anderen der sogenannten Autorengruppe zu verprügeln oder ihm doch zumindest seine Verachtung auszusprechen, dem kann geholfen werden:

“Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass es über die verschiedenen Bildungsbereiche hinweg offenbar gelungen ist, die früheren Nachteile von Frauen in der Bildungsbeteiligung und im Bildungsstand … zu kompensieren. … Zu beobachten bleibt die Entwicklung der Jungen bzw. Männer in den Bildungsinstitutionen, insbesondere im allgemeinbildenden Schulsystem, in der beruflichen Ausbildung und in der Hochschulbildung. Zwar konnten im Schulsystem im unteren Leistungsbereich Verbesserungen bei den Jungen erzielt werden wie eine niedrigere Abgängerquote ohne oder mit Hauptschulabschluss, aber in der Erreichung der Hochschulugangsberechtigung geht die Schere zwischen Männern und Frauen, wenn auch nur leicht, so doch weiter auseinander” (214).

Manipulationsversuche leben in der Regel von der Verwendung wertender Adjektive und schwammiger Verben. Die Nachteile von Mädchen wurden “kompensiert”.

Die Kompensation folgt dem zweistelligen Funktor “Nachteile”, der ja ein “gegenüber” oder “im Vergleich zu” erfordert, also ein Nullsummenspiel darstellt, das zu Lasten von nicht-Mädchen gegangen ist. Die Nennung der Vergleichsgruppe wird vermieden, das Verb “kompensiert” ist dabei sehr nützlich, suggeriert es doch, Mädchen hätten den Abstand zu einer Vergleichsgruppe aufgeholt, nicht mehr. Dass Jungen erhebliche Nachteile haben, weil sie seltener ein Abitur erreichen als Mädchen, wird durch den Einschub “wenn auch nur leicht”, für den es weder eine Notwendigkeit, noch eine andere Funktion als Verniedlichung gibt, kurzerhand weggeschrieben und dass deutlich mehr Jungen als Mädchen auf Haupt- und Sonderschulen zu finden sind und mit oder ohne Hauptschulabschluss in ihre Berufskarriere entlassen werden, wird gleich ganz in Abrede gestellt, denn bei den Jungen wurden Verbesserungen erzielt, im unteren Leistungsbereich. Dass auch hier fehlt, im Vergleich zu was, die Verbesserungen erreicht wurden, ist sicher kein Zufall.

Autorengruppe Bildungsbericht 2014Derartige Pamphlete verursachen Übelkeit, und man fragt sich unwillkürlich, was sind das für Menschen, die an so etwas mitwirken. Können sie, ob ihres vollständigen Mangels an Empathie mit Jungen, überhaupt als Menschen gewertet werden? Oder sind sie einfach nur Instrumente eines vorgegebenen politisch korrekten Zeitgeistes, der mit Anstand und Moral nicht vereinbar ist und bei denen, die sowohl Anstand als auch Moral besitzen, zu nichts anderem führen kann als Verachtung? Damit den an der Autorengruppe Mitwirkenden auch die angemessene Verachtung zuteil werden kann, haben wir sie in der Abbildung am rechten Rand verewigt.

P.S.

Das vorliegende Pamphlet, das auch als Bildungsbericht 2014 bezeichnet wird, bleibt entsprechend weit hinter seinem Vorgänger dem Bildungsbericht 2012 zurück, in dem zwar auch versucht wurde, die Nachteile von Jungen zu verniedlichen, aber in dem sie doch immerhin noch genannt wurden.

Da spätestens seit wir “Bringing Boys Back In” veröffentlicht haben, der Öffentlichkeit bekannt ist, dass Jungen im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile gegenüber Mädchen haben, fragt man sich, durch welche Form psychologischer Pathologie die Auslassung der Beschreibung der Realität im deutschen Bildungssystem, etwa so: Jungen erwerben seltener ein Abitur als Mädchen oder so: Jungen finden sich öfter auf Sonderschulen wieder als Mädchen, verursacht wird. Offensichtlich ist der Autorengruppe die Pflege dieser Pathologie so wichtig, dass sie es in Kauf nehmen, dass die informierte Öffentlichkeit die entsprechenden Autoren mit Kopfschütteln und Verachtung betrachtet und sich wie wir fragt, aus welchem Abgrund menschlischer Störung dieser Hass auf die Bevölkerungsgruppe der Jungen gespeist wird.

Europäischer Gerichtshof etabliert Recht, sanktionslos ein Schwein zu sein

Ein Richter, lange als Haftrichter in Chemnitz tätig, war dort für seine besondere Art von Humor bekannt, trocken, fast britisch und in jedem Fall von einer Art, die Pfälzern gefällt. Eines seiner Bonmots, die in Erinnerung bleiben, lautet: Was ist schlimmer als ein Richter? Drei Richter. Was er wohl zu 13 (dreizehn!) Richtern zu sagen gehabt hätte, zu dreizehn Richtern, die die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofes bevölkern, jenem politisch-juristischen Pendant zum Bundesverfassungsgerichts das, ähnlich dem Bundesverfassungsgericht regelmäßig von Horror verzerrte Gesichter in der Welt der gelernten Juristen hinterlässt (So wird unter Richtern erzählt, dass die Berufsrichter vom BGH mit den Laienrichtern vom Bundesverfassungsgericht nur den Ort teilen, an dem sie ansässig sind)?

ECJVor kurzem hat der Europäische Gerichtshof wieder zugeschlagen, mit einem Urteil, das unter der Überschrift “Recht auf Vergessen” gehandelt wird (tatsächlich handelt es sich um ein Recht darauf, vergessen zu werden, was an sich schon absurd ist). Ausgangspunkt ist eine Konstellation, die man nicht anders als seltsam finden kann, eine Konstellation, die Herrn Costeja González im Zentrum sieht. Costeja González war ärgerlich darüber, dass dann, wenn man nach ihm in Google sucht, irgendwo in den Ergebnissen ein Link auf die Tageszeitung La Vanguardia aufgetaucht ist, dem, sofern man ihn nachverfolgt, man entnehmen kann, dass Herr Costeja González am 19. Januar bzw. 9. März gezwungen war, einer Zwangsversteigerung seines Grunstücks zu zu sehen, die ihm Rahmen einer Pfändung vorgenommen wurde, die wiederum Forderungen der Sozialversicherung zum Gegenstand hatte (vermutlich hat Herr González Sozialabgaben für seine Arbeitnehmer nicht abgeführt). Weil Herr Costeja González der Ansicht war, diese alte Berichterstattung über ihn gehe heute niemanden mehr etwas an, hat er dafür gesorgt, dass seine Pfändung europaweit im Jahre 2014 bekannt wird und nicht nur europaweit Costeja González Berühmtheit dafür erlangt hat, dass er 1998 gepfändet wurde.

Als wäre diese Konstellation nicht schon seltsam genug, stänke in gewisser Hinsicht zum Himmel, fügt sie sich perfekt in einen vorhersehbaren Streit zwischen Europäischem Parlament auf der einen sowie Europäischer Kommission und Ministerrat auf der anderen Seite über die neue Datenschutzrichtlinie der EU. Und wie von Geisterhand bewegt, findet sich der Tenor des Urteils (und in Teilen der Wortlaut) der Richter vom Europäischen Gerichtshof als Änderung 23 Erwägung 53 des gerade vom Europäischen Parlament verabschiedeten Textes über die EU-Datenschutzreform. Es gibt eben Zufälle und Zufälle.

Doch es wird noch interessanter, wenn man das Urteil des Europäischen Gerichtshofes liest. Vor allem ab Randnummer 62 wird es interessant, geht es hier doch um die Frage, ob es einer Person möglich sein soll, wahre Informationen über sich aus den Suchergebnissen von Google entfernen zu lassen. Das ist eine spannende Frage, die die 13 Richter aus dem juristischen Pantheon Europas (oder vielleicht ist es mehr ein Panoptikum) natürlich nur aus der abstrakten Sichtweise, die ihnen ihre abgehobene Stellung verleiht, beurteilt haben. Im vermeintlichen Pantheon kümmert man sich nicht um alltäglichen Trivialitäten. Das Entgelt von mehreren 100.000 Euro jährlich erhalten die Richter ja nicht dafür, dass sie Urteile sprechen, denen man Konkretes entnehmen kann, sondern dafür, dass sie interpretationsfähige Vorlagen liefern, die man in alle möglichen Richtungen verbiegen kann, so wie es gerade opportun ist.

Entsprechend ist es wieder einmal an uns, die fehlende Konkretisierung durchzuführen, schon weil die kritischen Journalisten der deutschen Presselandschaft sich wieder in untertäniger Begeisterung ob des Orakelspruchs aus Luxembourg üben.

Fragen wir einmal darauf los:

1)dont forgetSoll Fritz B., der 1998 einen Raubüberfall begangen hat, ein Recht darauf haben, dass der Link auf einen entsprechende Bericht in einer Tageszeitung aus den Suchergebnissen von Google entfernt wird?

2) Soll Hedwig S., die sich über Jahre damit einen Namen gemacht hat, dass sie Prominenten nachstellt, das Recht haben, die Beseitigung der entsprechenden Links aus den Googlesuchergebnissen zu erwirken?

3) Soll Peter F. der mit Kokain angetoffen wurde, ein Recht darauf haben, von Google vergessen zu werden?

4) Sollen Karl-Theodor zu Guttenberg oder Annette Schavan Google dazu zwingen dürfen, alle Links darauf, dass sie ihren Doktortitel zurückgeben mussten, weil sie die Texte anderer als die eigenen ausgegeben haben, zu löschen?

5) Soll Katharina B., die beleidigende Emails an ScienceFiles Mitarbeiter verschickt, ein Recht darauf haben, dass die dunkle Seite ihres Charakters (sofern es eine helle gibt) vergessen wird?

Das sind konkrete Fragen, die die verbalen Spitzfindigkeiten, die Richter am Europäischen Gerichtshof als Urteile verkaufen, nur gestört hätten, die ihre abstrakten Urteile mit Fragen der Umsetzung inkubiert hätten, die der Reinheit der verkündeten Wahrheiten nur schädlich sein könnte. Entsprechend haben sich die Richter mit derart konkreten Fragen, gar nicht beschäftigt, entsprechend überlassen sie diese Art der Drecksarbeit, denen, die den Unsinn aus Luxembourg nun umzusetzen gezwungen sind. Es schreibt sich eben leichter, ohne Bezug zur Realität, dann fließen Sätze wie die folgenden nur so:

forget“Wird somit auf einen Antrag der betroffenen Person gemäß Art. 12 Buchst. b der Richtlinie 95/46 festgestellt, dass die Einbeziehung von Links zu von Dritten rechtmäßig veröffentlichten Internetseiten, die wahrheitsgemäße Informationen zu ihrer Person enthalten, in die Ergebnisliste, die im Anschluss an eine anhand ihres Namens durchgeführte Suche angezeigt wird, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mit Art. 6 Abs. 1 Buchst. c bis e der Richtlinie vereinbar ist, weil sich herausstellt, dass die Informationen in Anbetracht aller Umstände des Einzelfalls den Zwecken der in Rede stehenden Verarbeitung durch den Suchmaschinenbetreiber nicht entsprechen, dafür nicht oder nicht mehr erheblich sind oder darüber hinausgehen, müssen die betreffenden Informationen und Links der Ergebnisliste gelöscht werden.” (Randnummer 94)

Das heißt im Klartext, dass die Richter der Ansicht sind, dass wahre Informationen über Personen, die über eine Googlesuche gefunden werden, unter bestimmten Umständen von Google zu löschen sind (also wenn sie z.B. auf die Beteiligung einer Person an einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes hinweisen …). Mehr noch: Die Richter sind der Ansicht, dieses Recht bestehe selbst dann, wenn der entsprechenden Person “durch die Einbeziehung der betreffenden Information” kein Schaden entsteht (Randnummer 96). Daran schließt sich die Frage an: Wann sind die entsprechenden Links von Google aus dem Suchindex zu löschen?

Weiter mit Randnummer 98. Dort steht, dass die Informationen dann zu löschen sind, wenn “keine besonderen Gründe vorliegen, die ein überwiegendes Interesse der Öffentlichkeit daran rechtfertigen”. Kurz: Die fünf Beispiel-Löschkandidaten von oben haben dann ein Recht auf Löschung, wenn kein öffentliches Interesse der Löschung entgegensteht.

Wann überwiegt das öffentliche Interesse?

Schweigen. Dazu findet sich im Urteil kein Passus. Europäische Richter beschmutzen sich nicht, mit derart konkreten Fragestellungen. Die Umsetzung dessen, was sie wie im Rausch verkünden, erwarten sie von anderen. Von Google im vorliegenden Fall und vom Zeitgeist, wie man anfügen kann, denn man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass die Löschanträge erfolgreich sein werden, die dem Zeitgeist entsprechen und entsprechend politisch korrekt sind. Fritz W. war Mitglied der NPD, wenn auch nur für drei Monate. Egal. Das öffentliche Interesse überwiegt sein Recht auf Löschung. Katharina B. beleidigt gerne aus der Anonymität privater Emails. Das muss gelöscht werden. Ausrutscher sind menschlich, und es sind ja auch nur Einblicke in den Charakter, die man über kurz oder lang am eigenen Leib nachvollziehen kann – warum vorab warnen? Ein kurzer Ausflug in die Pädophilie? Löschen. Ein Politiker, der in der Öffentlichkeit lügt? Löschen. Nacktbilder auf dem Bundestagscomputer? Löschen.

Aber was ist mit moralischen Streitfragen: Karl B, der einst Abtreibungen durchgeführt hat – löschen? Joschka F., der einst mit Steinen auf Polizisten geworden hat – löschen? Was ist mit dem Mitglied X der Antifa, das just den Stand der AfD demontiert hat, hinter dem Theodor W. stand, der als Personalchef bei Bayer über die Bewerbung von X entscheiden soll – den Bericht über die Beteiligung von X am Überfall löschen?

Wie gesagt, derat konkrete Fragen beantworten die Richter in ihrem europäischen Wolkenkuckucksheim nicht. Sie urteilen und werfen ihr Urteil der Meute vor die Nase. Und die Meute der Journalisten nummt das Urteil dankbar auf. Das Recht auf Vergessen geht durch die Medien, als neue Errungenschaft des Schutzes der Privatsphäre wird es verkauft. Das ist einfach, in einem öffentlichen Diskurs, in dem das Zerrbild der datensammelnden Unternehmensmonster die Runde macht, der Unternehmensmonster, die am liebsten die Privatsphäre auspähen würden, wenn man sie nur ließe. Gut, dass der Europäische Gerichtshof dem ein Ende gemacht hat, so wird gelobt. Doch: Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes hat mit der Privatsphäre nur bedingt etwas zu tun. Es hat eher ein großes Reinewaschen zum Gegenstand, ist ein neuer Versuch, das Internet unter juristische Kontrolle zu stellen und als Informationsquelle unbrauchbar zu machen, Freiheit zu beschneiden und als Datenschutz zu verkaufen, ein Spiel, das nur zu einfach zu sein scheint.

Index on censorshipEs ist nicht verwunderlich, dass man in der der deutschen Presselandschaft kein kritisches Wort am Heil, das die 13 Richter verkündet haben, liest und hört. Verwunderlich ist dagegen, dass kritische Töne vom Index on Censorship zu vernehmen sind, Stimmen, die darauf hinweisen, dass das Urteil alles Potential beinhaltet, um als “mechanism for censorship and whitewashing of history” zu dienen, als Mittel, die öffentliche Meinung zu kontrollieren und kritische Stimmen zu unterdrücken.

Bei Index on Censorship ist man sich offensichtlich nicht schlüssig darüber, welche Funktion dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes in Zukunft zugewiesen wird. Wir dagegen sind uns darüber sicher, dass das Urteil dazu dienen wird, Kontrolle über das Internet auszuüben und dazu, eine politisch korrekte Internetwelt zu schaffen, in der das Recht, ein politisch korrektes Schwein zu sein, das der Europäische Gerichtshof gerade verkündet hat, keine Spuren der entsprechenden Schweine hinterlassen wird. Man könnte das Urteil auch als Bankrotterklärung einer Kultur im Niedergang bezeichnen, die vergessen hat, dass es so etwas wie Moral gibt (oder auch nur Anstand) und die der Ansicht ist, dass wahre Aussagen nicht anders zu bewerten sind als falsche Aussagen.

Reaktanz gegen Indoktrination: Schüler der Fridtjof Nansen Realschule als Avantgarde

junoirwahl_logoAn der Fridtjof Nansen Realschule in Gronau hängt der Haussegen schief. Ursache ist eine Wahl-Übung, die zum Anlass der Europawahl 2014 veranstaltete Juniorwahl. Ausrichter der Juniorwahl  ist der Verein Kumulus e.V., dessen Mitglieder  “eine sehr heterogene Masse” bilden, dessen Partner aber weit weniger heterogen vornehmlich aus Ministerien sowie Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung bestehen, und über dessen Finanzierung ebenso wenig Informationen auf der Homepage des Vereins aufzufinden sind, wie darüber, wer die fördernden und wer die sonstigen Mitglieder sind, geschweige denn, dass Angaben über den Vorstand gemacht werden, der nach Satzung vorgesehen ist.

Immerhin wird im Hinblick auf die Juniorwahl gesagt, wozu sie dienen soll:

“Das Hauptziel der Juniorwahl ist es, einen Beitrag zur politischen Sozialisation von Jugendlichen zu leisten. Das Projekt möchte Schülerinnen und Schüler an Prozesse der demokratischen Willensbildung heranführen und sie auf die künftige Partizipation innerhalb des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland vorbereiten.”

Damit zukünftige Generationen also wissen, dass Sie wählen zu gehen haben, steht mit der Juniorwahl ein Übungsmittel bereit, das einer richtigen Wahl im Hinblick auf den Effekt der Wahl kaum nachstehen dürfte. Im Rahmen der Juniorwahl ist nicht nur vorgehesen, dass gewählt wird, sondern auch, dass die Schüler der teilnehmenden Schulen von ihren Lehrern auf die richtige Wahl vorbereitet werden. Und das ist an der Realschule Gronau, der Fridtjof Nansen Realschule, reichlich in die Hose gegangen (darauf hat uns ein Leser von ScienceFiles hingewiesen, dem wir an dieser Stelle herzlich danken).

Lassen wir zunächst die Schulleiterin, Hedwig Poll-Wolbeck, (noch bevor wir wussten, dass die Schule eine LeiterIN haben wird, haben wir getippt, dass sie eine LeiterIN haben wird) den beklagenswerten Zustand bejammern:

Fridtjof Nansen Realschule“… Wir sind betroffen über die Meinungsäußerung unserer Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrganges“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Schule. „Wir akzeptieren natürlich die Wahlfreiheit. Wir schränken diese in keinster Weise ein. Jeder darf die Partei wählen, durch die er vertreten werden möchte. Doch haben auch Lehrer die Freiheit, ihre Meinung zu äußern. Wir möchten mit unserer Reaktion ein deutliches Zeichen gegen Rechts setzen… “

Der beklagenswerte Zustand herrscht in der 10. Klasse der Realschule Gronau, in der doch tatsächlich 25% der Schüler die Freiheit der Wahl dazu genutzt haben, NPD zu wählen. Wer Wahlfreiheit derart ausnutzt, der muss sanktioniert werden, doch lassen wir zunächst die SchulleiterIN weiterjammern und ihr Unverständnis und ihr Unwissen über demokratische Gepflogenheiten kundtun.

Getroffen, so berichten die Westfälischen Nachrichten, fühlten sich die Schulleitung und die Lehrer,”weil die Schule seit vielen Jahren mit Projekttagen und der Teilnahme an Gedenkveranstaltungen ein Zeichen gegen Rechts setzt. Das Thema werde zudem im Unterricht behandelt. ‘Und wir sind eine Europaschule’, betont Poll-Wolbeck”.

Das sind alles sehr gewichtige Argumente, die Hedwig Poll-Wolbeck hier anführt: Wenn Zeichen gegen Rechts gesetzt werden und Gedenkveranstaltungen durchgeführt werden und, besonders wichtig, die Fridtjof Nansen Realschule eine “Europaschule” ist, dann wird hier gefälligst nicht rechts gewählt. Wer könnte angesichts einer Europaschule darauf bestehen, NPD zu wählen, in einer Juniorwahl, für die die gewählten Parteien nicht einmal Wahlkampfkostenerstattung erhalten? Undenkbar. Aber es kommt noch besser:

Die ‘Juniorwahl 2014′ wurde nämlich zudem nicht einfach so durchgeführt, nein, über das Thema wurde im Unterricht gesprochen und die Programme der Parteien waren Thema. Und dennoch haben die Schüler aus “Spass oder Überzeugung”, beides findet Poll-Wolbeck gleich schlimm, für die NPD gestimmt.

Independent studentsTrotz aller Versuche, den Schülern darzulegen, welche Parteien ein richtiger Demokrat bei einer richtigen Wahl wählt, haben die Schüler die Wahl zum Anlass genommen, um von der Wahlfreiheit Gebrauch zu machen und die falsche Partei zu wählen! Eine Provokation wie Poll-Wolbeck auch findet, was bedeutet, dass sie nicht von Überzeugung, sondern von Spass auf Seiten der Schüler ausgeht (oder konfus ist). Und für Provokationen durch 25% der Schüler der 10. Klasse der Realschule Gronau gibt es Sippenhaft: Der geplante Klassenausflug ins Phantasialand wurde abgesagt.

Wer weiß, vielleich war es ja das Ziel der Schüler, um diesen Ausflug herum zu kommen. Möglicherweise ist das Phantasialand für 16jährige nicht mehr so attraktiv wie für ihre Lehrer. Oder, die Schüler haben nicht trotz aller Versuche, sie zur Wahl der richtigen Parteien zu indoktrinieren, sondern wegen dieser Versuche ein Zeichen gesetzt, ein Zeichen das Mut gibt und Hoffnung auf die nächste Generation, die sich nicht einfach von ihren Lehrern mit Inhalten abfüllen und auf das angeblich richtige Gleis setzen lässt, sondern Reaktanz zeigt, Reaktanz gegen politische Korrektheit, und das ist dann ein wichtiges und zu bewahrendes Gut, ist es doch der Grundstock kritischen Denkens und der Meinungsfreiheit.

Reaktanz bei Jugendlichen ist darüber hinaus bereits seit den 1970er Jahren ein vielerforschtes Phänomen, und das Ergebnis, das bei diesen Forschungen immer und immer wieder herauskommt, lautet: Wenn man Jugendlichen vorschreibt, was sie zu tun haben und ihnen das Gefühl gibt, sie hätten keine Wahl, dann erreicht man das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen will. Hier ein paar Beispiele, die wir zusammengestellt haben und die wir vor allem der Schulleiterin und ihren Lehrern der Fridtjof Nansen Realschule in Gronau zur Kenntnisnahme empfehlen, vielleicht ändern sie dann ja etwas an ihrem offensichtlich gar zu verbissenen Ansatz, mit dem sie ein totales Zeichen gegen Rechts setzen wollen.

  • Engs und Hanson (1989) zeigen, dass der Versuch, das gemeinsame Betrinken von Schülern an US-Colleges zu verhinden, durch Verbot und Aufklärung, zur Folge hatte, dass gemeinsames Trinken unter Schülern noch populärer geworden ist, als es vor Verbot und Aufklärungsmaßnahmen war.
  • Allen, Sprenkel und Vitale (1994) zeigen die selbe Reaktanz bei minderjährigen College-Schülern, die einem Alkoholverbot unterliegen und für die die Autoren einen im Vergleich zu nicht minderjährigen College-Schülern höheren Alkoholkonsum als Reaktion auf das Verbot festgestellt haben.
  • Goodstadt (1980) zeigt, dass Dorgenerziehung ähnlich wie Alkoholerziehung dieselben negativen Konsequenzen bei Jugendliche, also Reaktanz zur Folge hat.
  • Bushman (2006) zeigt, dass Warnhinweise, die Sendungen im Fernsehen als besonders gewalttätig und für Minderjährige nicht geeignet ausweisen, sicherstellten, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 21 Jahren die entsprechenden Sendungen nicht nur ansahen, sondern mit besonderem Interesse verfolgten.
  • Beijvank et al. (2009) kommen für entsprechende Warnhinweise auf Videospielen und für Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren zum selben Ergebnis wie Bushman (2007).
  • usk-jugendschutzQuick und Stephenson (2007) zeigten in ihrer Untersuchung, dass Kondomwerbung, die das Ziel hatte, die Nutzung von Kondomen zu befördern, das Gegenteil bei der Mehrzahl der Betrachter erreichte, wobei die Reaktanz vornehmlich von Ärger über die erfolgte Bevormundung getrieben war. Sie konnten zudem zeigen, dass Reaktanz regelmäßig auf Ärger und einer wahrgenommenen Verletzung eigener Persönlichkeitsrechte basiert.
  • Plax et al. (1986) untersuchen Strategien, mit denen Lehrer versuchen, Schüler und Unterrischt zu kontrollieren. Sie können zeigen, dass vor allem der Versuch von Lehrern, Peerdruck oder Zwang zu nutzen, um den Unterricht und die Schüler oder deren Verhalten zu steuern, Reaktanz bei den entsprechenden Schülern zur Folge hatte.
  • Vrugt (1992) hat gezeigt, dass Programme zur Förderung von Frauen an Universitäten, bei männlichen Akademikern Reaktanz auslösten, wobei die Stärke der Reaktanz vom Ausmaß der Bevorzugung von Frauen in den einzelnen Maßnahmen abhing.

Man könnte die Ergebnisse auch als spezifische Form des Gutmenschen-Elends bezeichnen. Indoktrination hat eben ihre Grenzen, und zwar da, wo sie die Persönlichkeitsrechte von Individuen, Schülern im vorliegenden Fall verletzt. Reaktanz wird nicht umsonst von Brehm (1972) als Reaktion auf einen wahrgenommenen Verlust an Freiheit definiert, woraus man schließen muss, dass die Schüler der 10. Klasse der Fridtjof Nansen Realschule in Gronau in Notwehr gehandelt haben.

Es ist daher kein Wunder, wenn Schüler, die regelmäßig mit dem Klagelied des guten Demokraten abgefüllt werden und denen der Singsang der Wahl der richtigen Partei eingetrichtert werden soll, der Klage und des Singsangs überdrüssig werden. Als Pädagoge sollte man eigentlich die Forschung zu Reaktanz kennen und somit wissen, welche Folgen Indoktrinationsversuche haben können. Aber wie es halt so ist, mit der Überzeugung, ein richtig Guter, ein Lehrer an einer Europaschule zu sein, schwindet das Wissen.

REAKTANZ THEORIE (Brehm, 1972):
Die Reaktanz Theorie basiert auf zwei Annahmen:

  • STone throwEin Objekt, ein Ereignis, eine Überzeugung ist umso attraktiver, je weniger es erreicht werden kann bzw. sie als legitim vertretbar oder äußerbar gilt.
  • Wenn eine Person Versuche wahrnimmt, ihr den Zugang zu einem Objekt/einem Ereignis zu versperren oder zu erschweren oder ihr den Ausdruck einer Überzeugung zu erschweren oder zu verunmögilchen, d.h. ihre persönliche Wahl- oder Handlungsfreiheit einzuschränken, wird sie sich diesem Druck dadurch widersetzten, dass sie verstärkt oppositionelles Verhalten zeigt.

Wie so vieles wird auch die Reaktanztheorie in Deutschland häufig fehlrezipiert, und zwar dahingehend, dass Reaktanz generell als negatives und zu bekämpfendes Verhalten gilt. Wie gewöhnlich basiert die Fehlrezeption auf einem Essentialismus, der Reaktanz durchweg als Fehlreaktion auf eine gute Intention definiert (häufig wird es schlicht als Widerstand gegen Veränderung diskreditiert).

 

Literatur

Allen, Daniel N., Sprenkel, David G. & Vitale, Patrick A. (1994). Reactance Theory and Alcohol Consumption Laws: Further Confirmation among Collegiate Alcohol Consumers. Journal of Studies on Alcohol and Drugs 55(2): 34.

Bijvank, Marije Nihe, Konijn, Elly A., Bushman, Brad J. & Roelofsma, Peter H. M. P. (2009). Age and Violent-Content Labels Make Video Games Forbidden Fruits for Youth. Pediatrics 123(3): 870-876.

Brehm, Jack W. (1972). Responses to the Loss of Freedom. A Theory of Psychological Reactance. Morristown: General Learning Press.

Bushman, Brad J. (2006). Effects of Warning and Information Labels on Attraction to Television Violence in Viewers of Different Ages. Journal of Applied Social Psychology 36(9): 2073-2078.

Engs, Ruth & Hanson, David J. (1989). Reactance Theory: A Test With Collegiate Drinking. Psychological Reports 64(3): 1083-1086.

Goodstadt, Michael S. (1980). Drug Education – A Turn On or a Turn Off? Journal of Drug Education 10(2): 89-99.

Plax, Timothy G., Kearney, Patricia, Downs, Timothy M. & Stewart, Robert A. (1986). College Students Resistance Toward Teachers’ Use of Selective Control Strategies. Communication Research Reports 3(1): 20-27.

Quick, Brian L. & Stephenson, Michael T. (2007). Further Evidence That Psychological Reactance Can be Modeled as a Combination of Anger and Negative Cognitions. Communication Research 34(3): 255-276.

Vrugt, Anneke (1992). Preferential Treatment of Women and Psychological Reactance Theory: An Experiment. European Journal of Social Psychology 22(3): 303-307.

Auch Lichtgestalten ertrinken im Einheits-Zeitgeist

Erinnern Sie sich noch an den Hype, der um Barack Obama veranstaltet wurde, wie er zur Lichtgestalt, zum Jesus der Minderheiten und Diskriminierten stilisiert wurde, um dann vom Nobelpreiskommittee, das wie ein Surfer immer die Wellen des Zeitgeistes reitet und dabei regelmäßig auf Ufersand aufläuft, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden?

Die Liste der Friedensnobelpreisträger, vor allem in neuerer Zeit, ist wirklich interessant und sei Interessierten als Lektüre empfohlen. Auf ihr finden sich so illustre Organisationen wie die UN oder die Europäische Union, Sie reicht von Muhammad Yunus bis zu Mutter Theresa und sieht Barack H. Obama in den Fussstapfen von Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson.

ObamaDoch zurück zu Barack H. Obama. Wie fast jeder Politiker (und mit ziemlicher Sicherheit jeder Politiker der letzten 20 Jahre), so hat auch die Lichtgestalt Barack Obama viel Helligkeit verloren und ist über die letzten Jahre im Schatten versunken, im Schatten der Alltagspolitik, der kleinen Ränkespiele, des politischen Nepo- und Opportunismus und vor allem: im Gehege der Isomorphie.

Isomorphie ist eines, wenn nicht das Konzept, das moderne Gesellschaften am besten beschreibt. Es geht zurück auf einen Beitrag von Paul J. DiMaggio und Walter W. Powell, der im Jahre 1983 in der American Sociological Review veröffentlicht wurde. Verkürzt und überspitzt formuliert könnte man die Fragestellung, die DiMaggio und Powell faszniert hat, wie folgt beschreiben: Warum werden sich moderne Gesellschaften und ihre Organisationen immer ähnlicher, warum verschwindet die Vielfalt, wird sie ersetzt durch einen Einheitsbrei, der an Uniformität kaum mehr zu überbieten ist?

Während spätere Arbeiten, die im Rahmen des Neo-Institutionalismus erstellt wurden (z.B. Boli & Thomas, 1997), vor allem auf die Rolle von Internationalen Organisationen abstellen, governmental und non-governmental (WWF, Greenpeace, Amnesty International, UN, UNESCO), wenn es darum geht, die internationale Gleichschaltung in Langeweile zu erklären, haben DiMaggio und Powell sich für die grundlegenden Prozesse interessiert und darauf ihr Konzept der Isomorphie begründet.

Isomorphie gibt es in drei Formen:

  • als mimetische Isomorphie oder schlicht Nachahmung; internationale Organisationen kopieren sich gegenseitig, um auf diese Weise Risiken auszuschließen. Als Nebeneffekt des Ausschlusses von Risiken schließen sie Innovationen und Neues aus.
  • als normative Isomorphie, die vornehmlich über die Personalebene wirkt, die Ebene, auf der sich die selben austauschbaren Gestalten einfinden, bei denen man Schwierigkeiten hat, zu entscheiden ob sie nun in einem Gremium der UN, von Greenpeace oder der European Casino Association sitzen bzw. dafür sprechen. Mit dem uniformen Personal, das in immer größerem Ausmaß internationale Organisationen bevölkert, kommen uniforme Ideen, verschwinden neue und witzige Ideen, hält die Routine der Langeweile Einzug. Deshalb kann man vorhersagen, was Greenpeace, UN, Attac oder der Naturschutzbund zur vermeintlichen Finanzkrise zu sagen haben.
  • als Zwang, der sich aus Regulationen ergibt, die international verbindlich gemacht werden: eine EUweite Frauenquote für Unternehmen, Nachhaltigkeit als Unternehmensziel von der UN verordnet, das Verbot von Zigarettenwerbung, die Koppelung von Kampf gegen Diskriminierung mit allem Möglichen von der sexuellen Orientierung bis zur Bewerbung als Zahnarzthelfer… auch hier stellt sich ein uniformes Ergebnis ein: eine regulative Monokultur.

DiMaggio und Powells Konzept ist ein Wurf, wie er nur selten gelingt. Dafür gebührt beiden Autoren Hochachtung.

Das schöne an Konzepten wie dem von DiMaggio und Powell ist ihre breite Anwendbarkeit. Zum Beispiel kann man damit das Verblassen von Lichtgestalten Marke Obama erklären, ihre Entwicklung vom assignierten Propheten zum Paria. Dazu benötigt man nur eine Pressemeldung wie diese: “Science not only for men, says Obama”.

Auch Obama ist nun von der internationalen Hysterie eingeholt worden, deren Ausgangspunkt die unsinnige Annahme darstellt, die Tatsache, dass Naturwissenschaften in weiten Teilen (übrigens ausgerechnet in der angeblich so maskulinen arabischen Welt nicht) männlich dominiert sind und dass diese Dominanz weibliche Aspiranten davon abhält, sich einzubringen.

absolutely_nothing_road_signDas kommt einem doch bekannt vor – oder? Es ist derselbe Unsinn, der in Deutschland als “MINT” durch die Welt geistert und als Grundlage für eine Reihe von Programmen dient, die Mädchen oder Frauen fördern sollen und doch nur den Effekt haben, dass sie Jungen oder Männer abschrecken und wenn dies nicht gelingt, diskriminieren und daher Qualifikationen verschwenden. Der selbe Unsinn findet sich bei EU und UN in entsprechenden Maßnahmen, die darauf abzielen, die Diskriminierung von Frauen zu beseitigen, die extra erfunden werden musste, damit man sie beseitigen kann. Erkennen kann man den gleichen Ursprung dieses Unsinns an seinen Prämissen, seiner Ideologie der Gleichstellung und seinem Anti-Individualismus, oder wie Obama sagt:

“Right now, fewer than one in five bachelor’s degrees in engineering or computer science are earned by women. … That means we’ve got half the field – or half our team we’re not putting on the field”.

Dass es individuelle Präferenzen gibt, dass es gar von vermeintlich wohlmeinenden Egalitaristen und Anti-Individualisten ersonnene Anreizstrukturen gibt, wie sie Catherine Hakim (2002) beschrieben hat,  die dafür sorgen, dass nach Geschlecht differenzierte Anreize zur Aufnahme einer Arbeit und zum Verfolgen einer Karriere geschaffen werden, kommt den modernen Egalitaristen nicht in den Sinn. Sie schwelgen in einem einzigartigen Gleichstellungsrausch, der Gruppen im Aggregat dieselben Wünsche und Fähigkeiten zuschreibt, eine Idee, auf die sie überraschender Weise gar nicht kommen, wenn es um die Wünsche und Fähigkeiten geht, die Politiker und Kriminelle unterscheiden (angeblich). Gesellschaft existiert für die Würdenträger des modernen Anti-Indiviudalismus nur in Form von Gruppen und die Mittelwerte und die Standardabweichung zwischen diesen Gruppen haben im Hinblick auf alle erdenklichen Dinge dem zu entsprechend, was politisch opportun ist. So will es er internationale Einheitsbrei.

Obama CartoonDie Frage, was dazu geführt hat, dass auch Lichtgestalten wie Obama im Einheitsbrei versinken, und dafür sorgen, dass die Erde immer mehr zur Monokultur der Langeweile und der Hirngespinste wird, ist mit DiMaggio und Powell leicht zu beantworten: Pressure Groups, internationale Vereinigungen, Frauenrechtler und NGOs campen vor den Türen der Exekutive und der Legislative, sie infiltrieren jede internationale Organisation mit ihren Interessen und ihrem Personal, schaffen es, z.B. die Millennium-Ziele zu bestimmen und sorgen auf diese Weise dafür, dass die Welt ein Einheitsbrei wird, gebaut auf der dystopischen Illusion allgemeiner Gleichstellung und getrieben von einem menschenverachtenden Anti-Individualismus, der in zukünftigen Generationen, sofern der derzeitige Angriff auf die Integrität der Menschheit überlebbar ist, nur mit Kopfschütteln, ob dieses dunklen Zeitalters goutiert werden wird.

Warum, so bleibt abschließend zu fragen, ist ausgerechnet eine Frauenförderung basierend auf einer erfundenen Diskrimierung von Frauen so erfolgreich, wenn es darum geht, Gruppen, Organisationen, Exekutiven und Legislativen in westlichen Staaten zu inkubieren. Eine Antwort auf diese Frage ist nicht einfach und nach unserem Wissen bislang noch nicht einmal versucht worden. Also versuchen wir es einmal:

Frauenförderung vermengt auf ungute Art Opferstatus, Trägheit und Gutmenschentum. Eine ganze Reihe von Frauen fühlt sich so wohl in einem selbst zugeschriebenen Opferstatus, dass sie auch nichts dagegen einzuwenden haben, von Gutmenschen paternalisiert zu werden, vor allem dann nicht, wenn diese Paternalisierung mit handfesten materiellen Vorteilen einhergeht. Und die Gutmenschen stürzen sich auf Frauenthemen ob der damit verbundenen mythologischen Reinheit, die sich aus dem Neuen Testament ableiten lässt und weil man mit der Frauenbewegung ein williges Opfer bereit hat, dessen Mitglieder sich nur zu gerne an die Hand nehmen und fördern lassen, die geradezu nach dem pater familias, der sie durchfüttert, hungern, nur um nicht in die kalte Welt des Wettbewerbs, dem sie sich nicht gewachsen fühlen, eintauchen zu müssen.

Von hier kann man die Erklärung verallgemeinern und die Attraktivität von Egalitarismus als Ergebnis einer Angst vor Konkurrenz, eines Strebens nach Festschreibung von Nutznießer-Strukturen, von denen man profitiert oder profitieren will, erklären. Über internationale Nutznießer-Allianzen wird die Förderung der eigenen Interessen und somit die Sicherung des eigenen Auskommens verbindlich gemacht, die gesellschaftlichen Strukturen werden festgeschrieben, und es wird verhindert, dass Neues und am Ende für den eigenen Status Gefährliches auftaucht und am Ende noch Einfluss gewinnt. Hier treffen sich die Egalitaristen, die von ihrer Konkurrenz-Angst getrieben, Wettbewerb unterbinden wollen, mit Berufspolitikern, für die neue Ideen von jeher die Gefahr waren, die ihrer Machterhaltung im Wege standen und die die Angst vor Konkurrenz teilen, denn außer Politik haben Berufspolitiker ja nichts gelernt.

©ScienceFiles, 2014

 

Boli, John & Thomas, George M. (1997). World Culture in the World Polity: A Century of International Non-Governmental Organizations. American Sociological Review 62(2): 171-190.

DiMaggio, Paul J. & Powell, Walter (1983). The Iron Cage Revisited: Institutional Isomorphism and Collective Rationality in Organizational Fields. American Sociological Review 48(2): 147-160.

Hakim, Catherine (2002) Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Preference Theory. Oxford: Oxford University Press

Ein Drittel der Bevölkerung kann sich Steuern nicht mehr leisten

Fast jeder Fünfte in Deutschland war 2012 von Geldknappheit oder sozialer Ausgrenzung betroffen, wie die ARD mit Bezug auf eine Pressemeldung des Statistischen Bundesamts berichtet. Soziale Ausgrenzung, in diesem Zusammenhang eine Erfindung der ARD, besteht vermutlich darin, dass man nicht das Geld hat, um eine Fahrkarte zu bezahlen, die notwendig ist, um nach Mainz oder Stuttgart zu fahren und dem verantwortlichen Redakteur, wegen groben Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht eine (oder mehrere) Ohrfeigen zu geben.

dummheitDie Geldknappheit in Deutschland ist soweit vorgedrungen, wie der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts, die wiederum auf einem Blick in die Daten der Erhebung “EU-SILC” basiert, zu entnehmen ist, dass verschuldeten Haushalte, also vornehmlich solche aus der Mittelschicht, es sich nicht mehr leisten können, plötzlich auftretende und unerwartete Ausgaben für ein leckendes Dach, am bankeigenen Haus oder abfallende Auspuffrohre am Eigentum von BMW-Finance zu ersetzen.

Ganz düster sieht es für den jährlichen Ausflug an das Mittelmeer der Spanier, Griechen, Franzosen oder Italiener aus, den deutsche Pauschaltouristen so gerne vornehmen. 22% der Bevölkerung können sich diese Wohltat, den täglichen Kampf um 2 Quadratmeter Strand, nicht gönnen und müssen statt dessen zu Hause in den eigenen vier Mietwänden ihr trauriges Dasein, vermutlich mit geliehenen blue-ray DVDs und einer Sommerliebe-in-der-Südsee-Schnulze vertreiben.

Aber es kommt noch schlimmer:

“8,2 % der Bevölkerung Deutschlands war es 2012 darüber hinaus aus finanziellen Gründen nicht möglich, mindestens jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Geflügel oder Fisch beziehungsweise eine entsprechende vegetarische Mahlzeit einnehmen zu können”.

Was das Statistische Bundesamt verschweigt, ist: Die 8,2% der Bevölkerung können es sich nicht leisten, weil die Steuern unsozial und zu hoch sind. 7% Mehrwertsteuer sind alleine für den Kauf von Nahrungsmitteln zu entrichten, 7%, die für die 8,2% der Bevölkerung den Unterschied zwischen einer “Mahlzeit mit Fleisch, Geflügel oder Fisch beziehungsweise eine[r] entsprechenden vegetarischen Mahlzeit” oder keiner machen.

Kurz: Die Steuern, der Finanzminister, der deutsche Staat sind schuld.

Es sind ja nicht nur die sieben Prozent. Man muss ja als von Armut Bedrohter auch etwas trinken. Trinkt man etwas, muss man 19% Umsatzsteuer bezahlen, ergänzt um Kaffee- oder Teesteuer, Brandwein- oder Sektsteuer, selbst Wasser wird besteuert. Wie soll man da, als von Armut Bedrohter, sein Dasein fristen, wie seinen Urlaub finanzieren, wie McDonalds vermeiden?

Ein Ding der Unmöglichkeit. und doch ist nicht alles so trübe wie es aussieht. Weiß doch die ARD, dass es im EU-Durchschnitt “noch mehr Menschen sind, die sich das nicht leisten können”.

Was? Na “das” eben.

Anhang:

Unerwartete Ausgaben beginnen übrigens bei 940 Euro.

Unabhängigkeit der Wissenschaft? Ha!

Wissenschaft und Forschung sind unabhängig von staatlichem Einfluss, so lautet eine der Lebenslügen, mit der viele Wissenschaftler leben. Die angebliche Selbstverwaltung der Universitäten in Freiheit, die letztlich nur dazu dient, Verwaltungsaufgaben und die dazu gehörigen Vorgaben auf Hochschullehrer und ihre unglücklichen Mitarbeiter am Lehrstuhl abzuwälzen, ist so etwas wie der heilige Gral der Wissenschaft: Alle beten ihn an, niemand hat ihn bislang gefunden.

Dabei hat der Deutsche Hochschulverband bereits im Jahre 1999 auf die typisch verwaltungs-deutsche Art und Weise, in der man Dinge anspricht ohne sie auszusprechen, darauf hingewiesen, dass es mit der Unabhängigkeit von Forschung und Lehre nicht mehr so weit her ist.

Hier ein paar Kostproben aus einer doch bemerkenswerten, weil bemerkenswert einflusslosen Resolution:

Hochschulverband“3. Der Beruf des Universitätslehrers hat durch die Zunahme von Dienstaufgaben, die außerhalb von Forschung und Lehre liegen, an Anziehungskraft verloren. Gerade die Unabhängigkeit in Forschung und Lehre hat aber viele junge Wissenschaftler bewogen, eine universitäre Karriere anzustreben. Eine über das notwendige Maß hinaus gestiegene Zahl von Gremiensitzungen, eine wachsende Verordnungs- und Gesetzesflut, die Auseinandersetzungen mit an diese Vorschriften gebundenen Universitätsverwaltungen, die in der Massenuniversität anfallenden Begutachtungen und Bescheinigungen aller Art – all das ist Gegenstand eines täglich neu zu führenden “Papierkrieges”, der immer weniger Zeit für die Forschung läßt und daher abschreckt. Eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Forschung und Lehre ist dringend notwendig.”

Man hätte auch schreiben können, dass die vielen gesetzgeberischen Eingriffe in die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre dazu geführt haben, dass es Letztere nicht mehr gibt, entweder weil die gesetzgeberischen Eingriffe die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre direkt verunmöglichen oder weil sie über die Zuweisung immer neuer Aufgaben akademischer Selbstverwaltung die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre ersticken, weil vor lauter Selbstverwaltung keine Zeit mehr bleibt, für die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.

Und weiter:

“5. Der Hochschullehrerberuf verliert durch den schleichenden Verlust der Unabhängigkeit an Attraktivität. Die angekündigte Entbeamtung der Hochschullehrer, die Befristung von Dienstverhältnissen und die Einführung von Probedienstverhältnissen öffnet Tür und Tor für eine sachwidrige und vor allem politische Einflußnahme. Offensichtlich ist die Politik nicht länger gewillt, die Universitäten vor einer Ämterpatronage zu schützen. Die sachliche und persönliche Unabhängigkeit der Hochschullehrer ist kein Privileg, das es zu schleifen gilt, sondern unabdingbare Voraussetzung für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie institutioneller Schutz vor Repressalien von innen und außen.”

Auch wenn der Hochschulverband mit der Entbeamtung der Professoren den falschen Feind angreift, so sind seine Gründe doch zu respektieren und die Halboffenheit, mit der hier der direkte Eingriff der Politik in die Forschung und Lehre, in die Verwaltung von Universitäten ausgesprochen wird, ist vielsagend. Gewichtet man diese Halboffenheit mit der Tatsache, dass Missstände schon zum Himmel stinken müssen, bis sie in deutschen Verwaltungen als mögliche, wenngleich leichte Geruchsbeeinträchtigung wahrgenommen werden, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie weit die politische Gleichschaltung an Hochschulen bereits fortgeschritten ist, wie weit die Krakenarme der Politik bereits in die Hochschulen reichen.

Wer sich das nicht vorstellen kann, der möge sich vergegenwärtigen wie wenige Hochschulen sich trauen, die vorgegebene Säue “familiengerechte Universität” und “Förderung von Frauen an Hochschulen” nicht durchs Dorf zu treiben.

stupendous yappi1Wem dies immer noch nicht reicht, dem sei ein druckfrisches Beispiel der politischen Einflussnahme auf Hochschulen vorgeführt. Abermals ist es ein Beispiel aus dem beliebten Thema der “Gleichstellung”. Dazu muss man wissen, dass das Wissen, das an deutschen Hochschulen produziert wird, vom Geschlecht dessen abhängig ist, der es produziert. Und so meinen Politiker zu wissen, dass dann, wenn man mehr Frauen und respektive weniger Männer an Hochschulen etabliert, das Wissen größer wird, weil die vielwissenden Frauen die wenigwissenden Männer verdrängen. Woher die Politiker ihr vermeintliches Wissen haben, ist bislang ungeklärt, vermutlich hat es, wie das vermeintliche Wissen jeder Religion einen Offenbarungscharakter, es teilt sich den Wissenden mit und wem es sich nicht direkt mitteilt, dem kann mit ein wenig monetären Anreizen zum Wissen verholfen werden.

Doch zurück zum druckfrischen Beispiel: Es kommt von der DFG. Die DFG finanziert einen “Instrumentenkasten” voller guter Beispiele, nein: “vorbildliche[r] Beispiele zur Förderung der Chancengleichheit”. Was man unter Chancengleichheit zu verstehen hat, offenbart Generalsekräterin Dorothee Dzwonnek (ob Generalsekretärin im ZK oder sonstwo, war der Pressemedlung nicht zu entnehmen): “Wir müssen starke Zeichen gegen die Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft setzen, die ebenso ungerecht wie eine Vergeudung ganz erheblichen intellektuellen Potenzials ist”.

Die regelmäßige Vermengung von Gleichstellung, Chancengleichheit und Benachteiligung ist entweder Dummheit geschuldet, also Ergebnis einer Unfähigkeit in abstrakten Konzepten zu denken oder Absicht und somit Ergebnis von bad intend, wie man im Englischen sagt, und was man am besten mit Bösartigkeit übersetzen kann. In jedem Fall widerspricht es jeder Form von informierter Diskussion über Bildung und Bildungszugänge.

Bislang ist es noch niemandem gelungen, einen Nachweis darüber zu führen, dass Frauen in der Wissenschaft benachteiligt werden, aber in Glaubenskulten kommt es nicht auf das an, was ist, sondern auch das, was nach Ansicht der Kultmiglieder sein soll: Und die Offenbarung, die zu verbreiten Generalsekretärin Dzwonnek bezahlt wird, lautet nun einmal, Frauen werden an Universitäten benachteiligt. Warum es diese Offenbarung ist, die gepredigt wird, und nicht die Offenbarung, dass der Kalender der Mayas falsch gelesen wurde und Armageddon nicht 2012 sondern 2021 stattfindet, man kann es nur vermuten: Vermutlich lässt sich mit der Benachteiligungs-Offenbarung mehr Geld verdienen; vermutlich lassen sich mehr Günstlinge in eine abhängige Position befördern.

dfg_logoDie Deutsche Forschungsgemeinschaft, die den Instrumentenkasten finanziert, mit dem ein “starkes Zeichen” gegen die Eingeweihten ge-offenbarte Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft gesetzt wird,  ist jene DFG, die sich als “Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland” bezeichnet und von sich behauptet, dass sie der “Wissenschaft in allen ihren Zweigen” diene. Dafür ist die DFG nach außen als privatrechtlicher Verein institutionalisiert worden, um den Anschein, einer unabhängig von politischer Einflussnahme möglichen Wissenschaft und Forschung aufrecht zu erhalten.

Erste Zweifel an dieser Unabhängigkeit wecken Programme und Aktionen wie der Instrumentenkasten, die weniger der Wissenschaft dafür aber den politischen Launen der Regierenden dienen. Und immerhin stellt der Bund (also die Steuerzahler) mit 1,691 Milliarden Euro 67,1% der Mittel bereit, die die DFG im Jahre 2012 zur Verfügung hatte. Weitere 32,7% oder 823 Millionen Euro stammen aus den von Steuerzahlern gefüllten Kassen der Länder. 0,2% der Finanzierung der DFG wird von sonstigen beigetragen.

In der Pfalz gibt es schönes Sprichwort: Wer zahlt, bestimmt!

Nicht so bei der DFG?

Das wichtigste Gremium der DFG, das zentrale Entscheidungsgremium, wie es in der Selbstbeschreibung heißt, ist der Hauptausschuss, der auf Grundlage “der Beschlüsse des Senats die wesentlichen die DFG betreffenden wissenschaftspolitischen Entscheidungen abschließend” trifft. Die Umsetzung der Offenbarung, nach der nicht näher benannte Frauen durch unbekannte, zumindest aber nicht benannte Mechanismen in der Wissenschaft benachteiligt werden, geht demnach auf eine Entscheidung im Hauptausschuss der DFG zurück.

Dieser Hauptausschuss setzt sich aus 82 Mitgliedern zusammen; ein recht großer Ausschuss also. 39 der Mitglieder sind aus der Wissenschaft, 40 Mitglieder gehören den Regierungen der Ländern oder des Bundes an, hinzu kommt ein ständiger Gast aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, ein Vertreter des Stifterverbands und der Präsident der DFG als Vorsitzender des Hauptausschusses. Auch ohne einen Vertreter der Wissenschaft auf ihre Seite zu ziehen, hat die Fraktion der politischen Beamten eine Mehrheit.

Wer zahlt, bestimmt?

Entsprechend wundert es uns nicht, dass sich die DFG zunehmend zu einem Vehikel entwickelt, mit dem ideologischer Einfluss auf die Hochschulen genommen werden soll, z.B. durch die Bereitstellung besagter “vorbildliche[r] Beispiele” im Instrumentenasten für Gleichstellung, Chancengleichheit, gegen Benachteiligung, was auch immer, Bevorzugung von Frauen an Hochschulen halt.

TUDDie “vorbildliche[n] Beispiele” kommen z.B. von der TU Dortmund wo “9 x kluge Zwerge” in der Großtagespflegestelle für Kinder von Beschäftigten in DFG-Projekten gesammelt werden. Oder von der Universität Bremen, wo sich die “AG Familienfreundliches Studium” müht, eine familienfreundliche Infrastruktur zu bauen, nein: mit Steuermitteln bauen zu lassen. Die AG “Gender Medizin”, die sich an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule in Aachen um die “Berücksichtigung der Kategorie ‘Geschlecht’ in Forschung, Klinik und Lehre an der medizinischen Fakultät” kümmert, und dies z.B. über eine Ringvorlesung tut, ist ein weiteres “vorbildliche[s] Beispiel”. Unser Lieblings-vorbildliches-Beispiel stammt indes von der Technischen Universität Dortmund. Es dient der “Sensibilisierung” und basiert auf der Aufnahme von “‘Gender als überprüfbares Qualitätskriterium” im Zuge des Bologna Prozesses.

Klingt wie Indokrtination – ist Indoktrination – oder in den Worten der AG “Gender Studies”:

“Als Hilfestellung für die Akkreditierung fasst die AG „Gender Studies“ die Ergebnisse des Beratungsprozesses zusammen und gibt eine Stellungnahme zu den im Studiengang zu beachtenden Genderaspekten ab. Diese wird Teil des weiteren Verfahrens und mit dem Antrag auf Akkreditierung des Studiengangs dem Rektorat vorgelegt. Zur Unterstützung und Orientierung hat die AG „Gender Studies“ für die Fakultäten erläuternde Materialien für die Implementierung von Genderaspekten entwickelt wie z.B. Frageraster oder Artikel über Gender in der Lehre, die auf der Homepage zum Download bereitstehen.”

Gender als totale Ideologie! Nicht einmal die Nazis haben es geschafft, deutsche Hochschulen komplett zu infiltrieren oder wie Helmut Kohl einmal gesagt hat: Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.

Die Luft wird dünner: Genderismus vor dem Ende?

Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist das Gespenst der Krise. Ganze Soziologentage kümmern sich um die Krise. Der 37. Soziologentag 2014, Anfang Oktober in Trier, steht gar unter dem Motto: “Routinen der Krise – Krise der Routinen”:

Soziologentag_2014“Wir leben in Krisenzeiten. Krisendiagnosen sind allgegenwärtig. Die Liste konstatierter Krisenszenarien reicht von der Finanz- und Schuldenkrise über die Staats- und Legitimationskrise bis hin zur Krise des Politischen, der Öffentlichkeit und des Bildungsystems. Im europäischen Raum erfahren Krisendeutungen nochmals eine Zuspitzung: Unter dem Label der Euro(pa)krise werden der Verlust des europäischen Zusammenhalts, sich im Gefolge einer weltweiten Finanzkrise entwickelnde Renationalisierungen, soziale Verwerfungen sowie irreversible Asymmetrien befürchtet.”

Ganz Europa ist in der Krise? Nein, nicht ganz Europa. Ein kleiner, krisenresistenter Ort harrt allen Zeichen der Krise. Der Vorstand der deutschen Gesellschaft für Soziologie und alle seine Mitglieder scheinen sich bislang als krisenfest erwiesen zu haben. Sie trotzen der Krise – beobachten, was sie andere erleiden sehen oder träumen. Moderne Soziologen, so muss man wissen, sind nämlich Beobachter der Gesellschaft, bystander, wie man im Englischen sagt. Sie lassen auf sich wirken, beschreiben, finden und merken an, und immer im Rahmen des politisch Korrekten, nicht dass man Aufmerksamkeit auf sich lenkt, am Ende die Soziologie in eine Krise stürzt, eine Selbstverständniskrise, eine Daseinszweckkrise, aus der sie wohl kaum wieder herauskäme, es sei denn als Phönix.

Und dennoch erreichen selbst Soziologen die Zeichen einer internen Krise. Eine Krise dessen, was man ein Glaubenscredo nennen könnte, das in weiten Teilen der Soziologengemeinde uneingeschränkte Gültigkeit erreicht: Das Credo des Staatsfeminismus. sozialer Wandel

Der Wind of Change, den die Scorpions einst besungen haben, er bläst deutschen Soziologen ins Gesicht, sofern sie auf der Fahrkarte des Genderismus unterwegs sind. Und das sind nicht wenige. Mit 27 Lehrstühlen, die sich dem Thema “Frauen- und Geschlechterforschung” verschrieben haben, ist die Soziologie der Fachbereich, an dem die Inkubation am weitesten fortgeschritten ist. Insofern ist es bemerkenswert, dass in einer Sozialwissenschaft, die sich der Beobachtung der Gesellschaft und der Erklärung gesellschaftlicher Prozesse verschrieben hat, erst jetzt erste Anzeichen der Krise ankommen, erste Anzeichen davon, dass die Fördertöpfe für Frauen- und Geschlechterforschung in Zukunft nicht mehr so ungehindert sprudeln könnten, wie bislang, und das wäre dann in der Tat eine Krise (die einzig denkbare).

Deshalb haben sich Paula-Irene Villa von der LMU München und Sabine Hark von der TU-Berlin (mit brennender Sorge, wie man sagen könnte und) in einer impulsiven ad-hoc Aktion entschlossen, eine ebenso impulsive ad-hoc Gruppe beim 34. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Trier zu beantragen. Und obwohl der 34. DGS Kongress bereits vor 6 Jahren in Jena stattgefunden hat, wurde die ad-hoc Gruppe (obwohl für den 34. Kongress beantragt) für den 37. Kongress der DGS in Trier bewilligt. Vielleicht war man bei den Veranstaltern mitleidig, ob der offensichtlichen Eile und Aufregung, in der die Krisen-ad-hoc-Gruppen-Sitzung beantragt wurde oder ob der Unkenntnis gegenüber der eigenen Kongressgeschichte.

Also wird zumindest eine Krise, die im Oktober 2014 in Trier zur Sprache kommt, die Soziologie intern betreffen. Und es ist eine wirklich unglaubliche Krise.

Da gibt es in Deutschland, wie Paula-Irene Villa und Sabine Hark feststellen, Menschen, die wehren sich dagegen, dass ihren Kindern im Unterricht sexuelle Vielfalt nahegebracht wird, was im Wesentlichen bedeutet, dass ihnen homosexuelle Lebensentwürfe unter weitgehender Auslassung der mit ihnen verbundenen Probleme (z.B. AIDS) präsentiert werden.

Da gibt es Menschen, die die ständige Berieselung mit Themen des Genderismus (interessanter Weise verwendet Feministen nun auch den Begriff des Genderismus) durch Medien, die das ständige Lamentieren über ein nicht existentes Gender Pay Gap, eine nicht vorhandene gläserner Decke, eine angebliche Doppelbelastung und zu wenig Frauen in Führungspositionen nicht mehr hören wollen und können.

Schlimmer noch, gibt es doch Menschen, die ihre Meinung offen aussprechen, die von einer Allmacht der Homo- oder Frauen-Lobby reden, und das ganze, so der Eindruck der beiden Autor.I.*nnen, “mit dem diskursiven Phantasma eines anti-demokratischen Tugendterrors” oder “Tugendfurors” oder einfach als “omnipräsente und repressive Political Correctness” rahmen. Dabei, so schreiben sie weiter, “steht der Genderismus als vorgeblich hoch-gefährliche Ideologie und ‘staatlich verordnetes Umerziehungsprogramm’ im Zentrum der Krisendiskurse”.

Gender Road christian churchWem es nicht gleich klar geworden ist, zB. durch das Adjektiv “vorgeblich”, das ganz und gar unwissenschaftlich jedem Leser die richtige Interpretation des Geschriebenen nahelegen soll, dem sei gesagt: Es ist natürlich so, dass der Genderismus das Heil ist, an dem man nicht mit “diskursiven Phantasmen” herumkritisieren darf. Maßnahmen, die unter der Ägide des Genderismus getroffen werden, sind entsprechend auch dann, wenn sie eine Quote für Frauen vorschreiben, alles andere als repressiv, sondern emanzipierend und befreiend, befreiend, weil sie, wie das Fegefeuer die Seelen der dem Genderismus nicht Zugewandten göttlicher Gnade zuführen, und natürlich sind Abwehrreaktionen gegen das Heil, das der Genderismus bringt, lediglich darauf zurückzuführen, dass die Abwehrer unsicher und nicht erleuchtet sind.

Deshalb lautet die These der gerade für 2008 (34. Kongress) bewilligten ad-hoc Gruppe, die dennoch 2014 (37. Kongress) stattfinden soll: “Dabei steht der ‘Genderismus’ als vorgeblich hoch-gefährliche Ideologie und ‘staatlich verordnetes Umerziehungsprogramm’ im Zentrum jener Krisendiskurse, in denen sich, so die These dieser ad-hoc Gruppe, womöglich nicht nur Unsicherheiten und Abwehrreaktionen gegenüber gesellschaftichen Emanzipations- und Reflexivierungsprozessen artikulieren, sondern vor allem die erneute Befestigung der heteronormativen Geschlechterordnung auf der Agenda steht”.

So einfach ist das. Die heteronormative Geschlechterordnung ist schlecht. Der Genderismus ist gut, ist das Heil. Was Genderisten verkünden, ist Wahrheit. Wer sich gegen die Wahrheit sperrt, ist ein Ungläubiger, der aus Angst vor der Erleuchtung lieber im Dunkeln verbleibt, sich gegen die Emanzipation sperrt, die Emanzipation, die viele Arbeitsplätze für Frauen an Universitäten bringt und Männer von Ausschreibungen ausschließt, sie diskriminiert, auf dass die heteronormative Geschlechterordnung von der Agenda verschwinde.

Wer Genderismus ablehnt und sich gegen Lehrxs und Mülleimx sperrt, sitzt inmitten eines Krisendiskurses, ist in seiner Männlichkeit, seiner Familienorientierung, seiner Nationalität, seiner Rechtsgläubigkeit, seiner ethnischen Zugehörigkeit gestört – kurz: falsch, muss entsprechend bekehrt werden. worship with usBei so viel Heil und missionarischem Eifer, der darauf verschwendet wird, Menschen zu bekehren, die sich gegen Bevormundung und Traktierung mit dem, was die Frauen Villa und Hark für richtig und wahr halten, wehren, wäre es eigentlich konsequent, die ad-hoc Gruppe würde sich als eigenständige Kirche von der DGS abspalten. Angesichts der Nützlichkeit, die der Genderismus-Kult für den Staatsfeminismus hat, wäre es nicht verwunderlich, wenn der Gender-Kirche das Recht eingeräumt würde, Steuern zu erheben.

Wenn sich die Mitglieder dieser Gender-Glaubens-Kongregation jedoch weiterhin innerhalb der DGS herumdrücken, sich weiter ausbreiten, dann wird selbst dem stoischsten Soziologen irgendwann der Verdacht kommen, die DGS befinde sich in einer Krise. Das kann dann Motto beim 48. Soziologentag 2034: “Krise der Soziologie – Soziologie der Krise” – an der Humbug Universität in Berlin sein.

Festgestellt werden muss jedenfalls, dass die DGS von außen betrachtet, bereits jetzt in einer tiefen Krise steckt. Aus einer Wissenschaft, deren Ziel darin bestand, gesellschaftliche Prozesse zu untersuchen und zu erklären, die sich auch als wissenschaftliche Kontrollinstanz der Exekutive verstanden hat, ist eine Legitimationswissenschaft geworden, die schon tanzt lange bevor die Exekutive gepfiffen hat. Sie ist in Teilen zu einem Diskutierkränzchen verkommen, in dem sich Gelangweilte und vom Leben nicht weiter Tangierte treffen, um sich über die Probleme anderer zu unterhalten oder – anders formuliert – beim Kaffeetrinken über nicht Anwesende zu tratschen – die soziologische Variante des Stammtisches und sicher nichts, was mit Steuermitteln finanziert werden kann und muss.

Vom Land der Dichter und Denker zum Land der Schwätzer

In der DDR gab es rund 30 Lehrstühle für vermeintlich Philosophie, die doch nichts anderes vorsahen, als die Verbreitung der Staatsideologie des Marxismus-Leninismus. In der DDR herrscht Mangel, was letztlich darauf zurückzuführen ist, dass sich Wirtschaft nicht planen lässt, auch wenn man es ideologisch noch so gerne hätte.

In Deutschland gibt es derzeit 189 Lehrstühle für Frauen- und Geschlechterforschung, deren Zweck darin besteht, den Staatsfeminismus an Universitäten zu verankern, Wissenschaft zu unterminieren und vor allem Sozialwissenschaft gleichzuschalten, als Wissenschaft zu beseitigen und der Indoktrination zugänglich zu machen. Dies wird u.a. deutlich, wenn man die Fachbereiche betrachtet, in denen die Frauen- und Geschlechterforscher vor allem etabliert wurden.

Strassenschaeden

von Michael Schnell

Und während  es sich die Frauen- und Geschlechterforscher auf Steuerzahlers Kosten bequem machen, stellt der Schleswig-Holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) fest, dass nicht genug Mittel vorhanden sind, um die rudimentärsten Reparaturen an Straßen durchzuführen, weshalb er eine einmalige Abgabe für Autofahrer fordert. Eigentlich sollte man meinen, die Grundlagen, auf denen eine Wirtschaft basiert, und die Infrastruktur ist eine dieser Grundlagen, sind so wichtig, dass die benötigten Mittel bereitgestellt und wenn nötig an anderer Stelle eingespart werden. Und während man klar bennen kann, was der Vorteil einer Instand gesetzten Straße ist, so kann man doch den praktischen Nutzen, den 189 Lehrstühle für Frauen- und Geschlechterforschung erbringen, nicht angeben. Folglich muss man von einem ideologischen Nutzen, einem Nutzen durch Indoktrination ausgehen.

zefg-logoFür diese Annahme sprechen Daten, die in der Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen. und Geschlechterforschung der FU-Berlin gesammelt werden. Daten, die ein bedrückendes Bild fortschreitender Ideologisierung wissenschaftlicher Hochschulen zeigen.

Insgesamt 189 Lehrstühle für Frauen- und Geschlechterforschung gibt es deutschlandweit an Universitäten und Fachhochschulen, wobei sich eine eindeutige Klumpung in Berlin feststellen lässt (zum Vergleich: deutschlandweit gibt es 40 Lehrstühle für Wissenschaftstheorie oder Logik an 32 Universitäten):

37 der 189 Lehrstühle (19,6%) finden sich an Berliner Hochschulen. Damit finden sich an den acht Berliner Hochschulen ebenso viele Lehrstühle für Frauen- und Geschlechterforschung wie an 12 Universitäten in Nordrhein-Westfalen.

Führend unter den Universitäten in NRW sind die Universität Bielefeld und die Ruhr-Universität Bochum mit jeweils 7 bzw. 6 Professuren für Frauen- und Geschlechterforschung. Damit gibt es an beiden Universitäten jeweils mehr Professuren als an allen Bayerischen Universitäten zusammengenommen.

Ein Blick auf die Fachbereiche, die vor allem mit Frauen- und Geschlechterforschung infiltriert werden, zeigt zum einen, wie Soziologie als Wissenschaft langsam aber sicher beseitigt wird, er zeigt darüber hinaus einen Schwerpunkt auf den Fächern, die ohnehin weiblich dominiert sind (Erziehungswissenschaft, Kunstwissenschaft, soziale Arbeit).

  • Universitäten
    • Soziologie: 27 Lehrstühle
    • Erziehungswissenschaft: 15 Lehrstühle
    • Literaturwissenschaften: 15 Lehrstühle
    • Kunst, Kunstwissenschaften: 8 Lehrstühle
    • Geschichtswissenschaft: 5 Lehrstühle
  • Hochschulen
    • Soziale Arbeit: 16 Lehrstühle
    • Ingenieur- und Technikwissenschaften: 8 Lehrstühle
    • Kunst, Kunstwissenschaften: 8 Lehrstühle

Interessant in diesem Zusammenhang, sind die Lehrbereiche der Lehrstühle für Geschlechter- und Frauenforschung. Hier finden wir so interessante Dinge wie:

  • Gender Studies BraunschweigFrauenspezifische Gesundheitsforschung mit dem Schwerpunkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Neuere deutsche Literatur mit einem Schwerpunkt im Bereich der literatur- und kulturwissenschaftlichen Geschlechterforschung
  • Theater- und Tanzwissenschaft mit Schwerpunkt Gender Studies
  • Geschichte Lateinamerikas unter besonderer Berücksichtigung der Gender- und Globalisierungsforschung
  • Philosophie, unter besonderer Berücksichtigung der Ethik und der interdisziplinären Geschlechterforschung
  • Genderstudien in der Mathematik
  • Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie in der Physik unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterforschung
  • Cultural Studies, Schwerpunkt Gender Studies
  • Junior-Professur für geographische Entwicklungsforschung mit Schwerpunkt Genderforschung
  • Theologie und Geschlechterstudien (Konstruktion und Regulierung verschiedenen religiösen und säkularen Wissens über Geschlecht, Kollektivkörper und Leben)
  • Gender und Globalisierung
  • Gender und Diversity Management
  • Geschlechterstudien und Europäische Ethnologie
  • Soziologie der Arbeit und der Geschlechterverhältnisse
  • Didaktik der Bildenden Kunst unter Berücksichtigung der Geschlechterforschung in der Lehre
  • Gender and Emotion in Cognitive Interaction Technology (Sexuelle Gewalt; Messung impliziter und expliziter Einstellungen)
  • Pädagogische Diagnose und Beratung unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse
  • FrauenundgeschlechterforschungUmwelt und Gesundheit in den Gesundheitswissenschaften unter besonderer Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Aspekte
  • Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechtergeschichte
  • Geschlechtersoziologie
  • Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Berufsorientierung und Arbeitswelt unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse
  • Medienöffentlichkeit und Medienakteure unter besonderer Berücksichtigung von Gender
  • Soziologie – Geschlechter- und Sozialstrukturforschung
  • Gender Studies (Soziologie)
  • Neuere und Neueste Geschichte / Geschlechtergeschichte
  • Film- und Fernsehwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der medialen Konstruktion von Gender
  • Frauenforschung in Rehabilitation und Pädagogik bei Behinderung
  • Erziehungswissenschaft – Weiterbildung und Frauenbildung

utter devastationMan muss diese geballte Ladung an Frauen- und Geschlechterforschung erst einmal verdauen und mit den unterschiedlichen Meldungen des eigenen Intellekts umgehen. Einerseits stellt der Ausverkauf der Wissenschaft, wie er hier dargestellt wurde, einen der größten Angriffe auf die Integrität von Wissenschaft und Wissenschaft im Allgemeinen dar, den man sich vorstellen kann. Andererseits vermittelt die gezwungene Hinzufügung von “unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse” den Eindruck, dass es lediglich darum gegangen ist, überflüssige Gestalten, die nichts gelernt haben, was durch die Gesellschaft nachgefragt wird, auf Lehrstühle zu hieven, wobei die Phantasie nicht sonderlich weit entwickelt ist und sich auf das Anhängen von Geschlechter- oder Frauenforschung beschränkt, ob es nun passt oder nicht.

Es wäre also nicht verwunderlich, wenn es demnächst einen Lehrstuhl für die Erforschung der Bestäubung von Apfelblüten unter besonderer Berücksichtigung der Konstruktion von Gender gibt oder einen Lehrstuhl Organische Chemie und Frauenforschung.

Aus soziologischer Sicht bedrückend ist die Zersäbelung einer Gesellschaft an der sich diejenigen, die sich auf den entsprechenden Lehrstühlen herumdrücken, schuldig machen. Sie vermitteln das Bild, das Sozialisten immer so gerne vermittelt haben, das der angeblich antagonistischen Gruppen, die keine Gemeinsamkeiten aufweisen und deshalb muss man Geschichte als Frauengeschichte neu schreiben oder suggerieren, dass die Rehabilitation bei Frauen anders funktioniert als bei Männern.

Diese Zersäbelung ist Teil eines Syndroms: Sie geht z.B. einher mit einer Überhöhung homosexueller Lebensweisen (unter der kleinen Auslassung von AIDS) und einer Vergiftung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern durch eine Dämonisierung von Männern und eine Heiligsprechung von Frauen. In dem Gewirr aus eigener Vorteilsnahme, vermeintlich richtiger Gesinnung und Geschlechtermanie bleibt so ziemlich alles auf der Strecke, was Menschlichkeit ausmacht, vor allem bleibt das Urteilsvermögen auf der Strecke, ihm wird vom Schwarz-Weiß-Denken der Garaus gemacht.

Wenn man bedenkt, dass der Beitrag zur Erkenntnis, der von Genderforschern ausgeht, wie Dr. habil. Heike Diefenbach auf ScienceFiles argumentiert hat, verschwindend gering ist, stellt sich die Frage, ob man die Liste, die an der FU-Berlin geführt wird, nicht nutzen sollte, um die darauf verzeichneten Lehrstühle abzuwickeln und die freiwerdenden Mittel in die Aufrechterhaltung der Infrastruktur zu stecken.

“Lernt lieber Logik” – Ein Rat für die kleinen Feministen

Dr. habil. Heike Diefenbach hat es auf sich genommen, die eMails, die uns regelmäßig von Studenten und Universitätsangehörigen erreichen, zu beantworten. Von Zeit zu Zeit, wenn es sich anbietet, veröffentlichen wir Antworten, um damit vielleicht zukünftige Fragesteller zum selben Thema zum Selbststudium zu bringen. Beim Gendersprech, also der Diskussion über das generische Maskulinum, die in bestimmten Kulten wohl immer noch geführt wird, ist jeder Versuch, die potentiellen Fragesteller durch posts und mit einem pre-emptive strike zu erledigen, bislang gescheitert. Entsprechend ist Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer letzten Antwort noch deutlicher geworden als sie das sowieso schon ist und hat u.a. auf einen seltsamen Widerspruch hingewiesen.

Logik SalmonFeministen, die das generische Maskulinum abschaffen oder ergänzen oder – was wollen die eigentlich? – also die irgend etwas damit wollen, weil sie sich z.B. durch den Begriff “Mathematiker” nicht in ihrer Weiblichkeit angesprochen sehen, behaupten, Begriffe wie “Mathematiker” machten sie unsichtbar, was schlimm ist, da doch für sie “weiblich” das einzige sie definierende Kriterium zu sein scheint. Kurz: Die entsprechenden Feministen zeichnen sich durch ein nahezu komplett abwesendes von Selbstbewusstsein aus. Und anstatt sich anzustrengen, etwas zu tun oder gar zu leisten, setzen sie sich hin und frönen ihrem Minderwertigkeitskomplex. Statt sich zu emanzipieren, suhlen sie sich in ihrer angeblichen Unsichtbarkeit. Statt etwas zu tun und zu leisten und sich dadurch sichtbar zu machen, diskutieren sie sich die Köpfe heiß über einen Unsinn, den man nurmehr als Glaubensinhalt bezeichnen kann, was zur Konsequenz hat, dass Feminismus als Kult angesehen werden muss, dessen Zweck darin besteht, den eigenen Minderwertigkeitskomplex anzubeten.

Es ist vor diesem Hintergrund, dass Dr. habil. Heike Diefenbach den entsprechend Selbst-Minderwertigen den Rat gibt, doch besser Logik zu lernen, Logik macht nämlich unter anderem frei und verhilft zur Emanzipation. Und war nicht Emanzipation ein Ziel, das die Frauenbewegung ano dazumal hatte?

Hier nun die Antwort auf die studentische Frage nach der Unsichtbarkeit von Frauen im Begriff “Mathematiker”.

sciencefilesAllerdings muss ich zugeben, dass mich das Thema in der Tat nervt, denn wenn Sie ScienceFiles mehr oder weniger regelmäßig verfolgen, dann wissen Sie ja, dass für uns Ältere das Thema seit nunmehr mehreren Jahrzehnten schlicht und einfach “ausgelutscht” ist, wie man so schön sagt, und genauso “schmeckt” uns das Thema dann auch – schal, und das an guten Tagen, an schlechten Tagen dreht sich einem der Magen angesichts dessen, was da wieder einmal aufgetischt werden soll, um. Es ist einfach ein uralter Hut (aus den 1970er-Jahren!), der immer wieder bemüht wird, den sich aber niemand aufsetzen mag,der seine Sinne beisammen hat, und es ist furchtbar langweilig, und es ist für uns Ältere einfach traurig und völlig unverständlich, dass junge Leute sich tatsächlich empfänglich zeigen für den alten iodeologischen Schwachsinn einiger ewig Gestriger, der bei uns nicht an den Mann (und an die Frau, versteht sich :-)) zu bringen war. Wir verstehen nicht, was für jüngere, aufgeschlossene Leute an diesem Unsinn attraktiv sein kann, wie sie es mit ihrem Selbstbild vereinbaren, und wir können nicht anders als uns zu wundern, besonders über die jungen Frauen, die es doch heute weiß Gott nicht notwendig haben, sich selbst als Opfer (sogar der deutschen Sprache!) anzusehen oder zu präsentieren. Wir fragen uns: ist das Opportunismus, also eine Art der Vorteilsnahme durch Opferstatus, z.B. indem man echter Konkurrenz aus dem Weg gehen kann und sich eine nette kleine, vom Steuerzahler finanzierte Nische in Genderprogrammen einrichten kann, wo man nicht wirklich arbeiten und konkurrieren und etwas können muss, oder ist das tatsächlich das traurige, unbeabsichtigte Ergebnis des Feminismus, dass junge Frauen heute tatsächlich glauben, sie seinen unfähig, ihr eigenes Leben zu gestalten und die Verantwortung dafür zu übernehmen? Beides ist für uns wie gesagt sehr, sehr traurig und unverständlich: in der Generation von Frauen, die bislang die besten Möglichkeiten, die wenigsten Hindernisse und die größte Bildung aufzuweisen hat, gibt es welche, die über keinerlei Selbstbewusstsein- außer durch Gruppenzugehörigkeit zu einer biologischen Hälfte der Menschheit – verfügen und Angst davor haben, ihre eigene Frau zu stehen, und sich statt dessen in Selbstmitleid und Benachteiligungsrhetorik ergehen. Als Soziologen fasziniert uns die Frage, wie das möglich ist, aber als Liberale und als Menschen finden wir das einfach entsetzlich.

[...]

Und Sie erscheinen mir durchaus klug und engagiert, so dass ich mich frage: wieso können Sie anscheinend etwas damit anfangen? Man muss Ihnen doch sicherlich nicht erneut erklären, dass alles als “eine Frage der Macht” stilisiert werden kann, wenn man sich selbst ausschließt, um sich eine Sonderbehandlung aufgrund des in Anspruch genommenen Opferstatus’ zu sichern? Wenn sich tatsächlich irgendwo auf dieser Erde ein paar Frauen nicht angesprochen fühlen sollten, wenn eine Stelle für “Mathematiker” ausgeschrieben ist, dann zeigt das, wie man Leute durch ideologische Indoktrination verdummen kann, aber sonst nichts, denn offensichtlich haben besagte Frauen gelernt, sich selbst nur als Geschlechtsteile auf Füßen zu betrachten statt z.B. als Mathematiker. Das Ziel von Frauen war einmal, nicht nur oder vorrangig als Geschlechtsteile in der Gesellschaft verkehren zu können, sondern sich ebenso als Mathematiker oder Professoren, Sportler oder was auch immer verstehen und präsentieren zu können wie Männer, also (z.B.) einen Berufsethos als für die eigene Persönlichkeit ausschlaggebend beanspruchen zu können, und ich würde sagen, sehr viele Frauen (und ich auch) haben das geschafft. Und nun ist diese Idee so weit degeneriert und in ihr Gegenteil verkehrt worden – insofern Geschlecht vor jeder anderen Eigenschaft und jeder anderen Lebensäußerung kommt -, dass diese Frauen (und ich auch) entsetzt sind und sich fragen, warum einige Frauen so schwach sind, dass sie ganz bewusst auf Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortlichkeit verzichten und sich in eine kuschelige Arme-Opfer-Nische flüchten, statt ihre Möglichkeiten, die sie ohne jeden Zweifel haben, zu nutzen (und das erklärt zu einem guten Teil, warum ich mich entschlossen habe, die Uni zu verlassen, d.h. nicht als Lehrkraft an der Universität für ein lächerliches Gehalt im Modul-Lehrprogramm zum Sprachrohr irgendwelcher ministerialer Vorgaben zu verkommen; ich kann und will deutlich mehr als das!). Wenn Sie sich vor allem als Geschlechtsteil definieren, dann haben Sie vermutlich eine affektive Bindung an Menschen, die zufällig auch Frauen sind und schütten Ihr Mitleid ungebeten über die vermeintlich Minderwertigen aus, aber als Sozialwissenschaftler fragen Sie sich, wessen Interessen eigentlich damit gedient ist, wenn sich “helfende Hände” dieser Frauen annehmen – sicherlich nicht denen von Frauen, die selbstbestimmt leben und ein Gefühl der Selbstwirksamkeit als ihr natürliches individuelles Recht auffassen, jedenfalls nicht meinen, und ich glaube, besonders nicht Ihren (da Sie jünger sind und Ihr Leben noch in vieler Hinsicht werden gestalten müssen), auch, wenn Sie das vielleicht (noch) nicht so klar erkennen.

Logik f dummiesDaher habe ich nur noch einen Hinweis für Sie zu diesem Thema zu geben: Fragen Sie sich, warum Sie sich immer wieder auf fruchtlose “Diskussionen” mit Ideologen einlassen, die ganz und gar nach der Fleischwolf-Methode funktionieren und daher in der Wissenschaft völlig fehl am Platz sind: Ja, WENN ich denke, ich sei vor allem Träger eines biologischen Geschlechts, statt eines ganzen Menschen, und WENN ich davon ausgehe, dass Leute des anderen Geschlechts eine ebenso verzerrte Wahrnehmung von sich selbst haben wie ich, und WENN ich glaube, dass diese Leute aus unbekannten Gründen (was, bitte, sollte oder könnte das denn sein?) einfach Lust dazu haben, mich zu benachteiligen und von “Macht” fernzuhalten, und WENN ich mich von Macht fernhalten lasse oder selbst fernhalte, indem ich mich prinzipiell ausgeschlossen und nicht angesprochen fühle, ja, DANN bin ich benachteiligt, und zwar durch mich selbst, und DANN finde ich es ganz wichtig, dass jemand anders (Männer? der Staat? oder die Duden-Redaktion?) mir armem Würstchen zur “Macht” verhilft. Aber finden Sie nicht, dass jede einzelne dieser absurden Vorstellungen genauso krankhaft – oder sagen wir in Untertreibung: unbegründet – ist ist wie jede andere Form der Phobie oder Paranoia und keinerlei Verbindung mit der realen Welt aufweist?

[...]

Wenn Sie mir als älterer Kollegin – in aller Freundschaft – diesen Hinweis erlauben: Lernen Sie lieber Logik und Methodologie, statt sich mit den Minderwertigkeitskomplexen anderer Leute zu beschäftigen – dann haben Sie einen Gewinn in Form von Qualifikation und Urteilsvermögen für jeden Aspekt Ihres Lebens, nicht nur für Ihre wissenschaftliche Zukunft. Denken Sie an Ihr persönliches Wachstum und weniger an die psychologische und kognitive Stagnation anderer Leute, die sich in der Regel ja gar nicht entwickeln wollen.