Der Zweck heiligt die Mittel: Klimawandel rechtfertigt auch Lügen

Alea iacta est, soll Julius Caesar gesagt haben, als er den Rubikon in Norditalien überschritten hat, um einen Bürgerkrieg zu beginnen. Der Rubikon ist seither das Symbol für einen “point of no return”, einen Punkt, von dem aus es kein Zurück gibt.

KuhnAuch in den Wissenschaften gibt es derartige “points of no return”. Sie sind sogar wichtig, denn neue Erkenntnisse können, wie Thomas Kuhn das sehr anschaulich beschrieben hat, wissenschaftliche Revolutionen auslösen, die die Welt in einem anderen Licht zeigen und von denen aus es in der Tat kein Zurück gibt.

Doch nicht jede Überschreitung des Rubicon hat positive Effekte, wie schon der Urschritt Caesars zeigt. Manche Dinge gehen in der Tat zu weit, und man wünscht sich selbst als Liberaler, sie wären nie publiziert wurden. Der angeblich liberale Paternalismus, den Cass Sunstein und Richard Thaler propagieren, ist ein solcher Rubikon, jedenfalls für Liberale, behauptet er doch, dass man “im Namen des Guten” die Willensfreiheit von Menschen etwas biegen dürfe, um sie in die Richtung des vorgeblich Guten zu “nudgen”.

Dieser vermeintlich liberale Paternalismus hat die Tore geöffnet für all diejenigen, die nichts dabei finden, wenn sie Dritte im “Namen des Guten”, also immer im Namen dessen, was sie für gut halten, manipulieren, ja belügen. Ein besonders krasses Beispiel dieser Form wissenschaftlicher Unlauterkeit macht derzeit die Runde in der US-amerikanischen Bloggosphere und u.a. Rothbardian hat darauf hingewiesen.

Das Beispiel ist ein Beitrag von Fuhai Hong und Xiaojian Zhao, veröffentlicht in der Aprilausgabe des American Journal of Agricultural Economics, und es ist betitelt mit: “Information Manipulation And Climate Agreements”.

Was man unter diesem Titel zu lesen bekommt, spottet jeder wissenschaftlichen Lauterkeit.

Das Ausgangsproblem ist ein ökonomisches, das als Free-Rider-Problem bekannt ist und besonders im Zusammenhang mit International Environmental Agreements diskutiert wird. Die Anreize, diesen Abkommen nicht beizutreten, sind nämlich sehr hoch, denn diejenigen Länder, die sich verpflichten z.B. ihren Ausstoß an CO2 zu reduzieren, reduzieren automatisch für die Länder mit, die sich nicht dazu verpflichten. CO2 hält sich nicht an die Landesgrenzen, in welcher Menge es auch immer ausgestoßen wird. Entsprechend kommt eine Reduzierung durch wenige allen zu Gute, eine Situation wie gemacht für das Trittbrettfahren.

Wohlgemerkt, die Prämisse, auf der diese ganze Argumentation basiert, lautet: Es ist wichtig und vorteilhaft, internationale Umweltabkommen zu schließen, wichtig und vorteilhaft für alle.

Hong und Zhao starten von dieser Prämisse und der damit verbundenen Behauptung, dass ein internationales Abkommen zum Umweltschutz, das dem Klimawandel vorbeugen soll, sinnvoll ist. Das setzt zwangsläufig voraus, dass die Autoren den Klimawandel als gegeben annehmen und die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun, ebenfalls.

Nun beobachten die Autoren Spannendes:

“… it appears that many of the points made in the film [Al Gores Film: An Inconvenient Truth] are controversial, and some have argued that it exaggerated the threat of global warming. … The IPCC [Intergovernmental Panel on Climate Change] has tended to over-generalize its research results and accentuate the negative side of climate change. Following its lead the mainstream media has gone even further. It is a routine and accepted practice that elements in the IPCC reports that indicate the possibility of high levels of crop damage in certain African countries are reported by the media without any qualifying considerations … Taken together, considerable evidence suggests that international mainstream media and pro-environmental organizations have the tendency to accentuate or even exaggerate the damage caused by climate change” (851-852).

Nudging-Science-CliffWer nun denkt, er hat hier einen kritische Beitrag vor sich, dessen Ziel darin besteht, den Alarmismus, die Hysterie und die Art und Weise, in der versucht wird, eine Klimapanik herbei zu manipulieren, offen zu legen, der sieht sich getäuscht. Hong und Zhao sind nämlich angetreten, die “Betonung (accentuation)” oder gar “Übertreibung (exaggeration)” die Medien, Umweltorganisationen, Regierung oder Al Gore betreiben, zu rechtfertigen. Und sie tun dies auf eine bestimmte ökonometrische Weise, bei der man zuerst Begriffe in Buchstaben und Zahlen übersetzt, z.B. N, N-1 und p (am besten hoch i), die so geschaffene Denotation in Gleichungen überträgt, die sicherstellen, dass das, was man vorne hineinsteckt, auch hinten herauskommt und dann zu dem unglaublichen Ergebnis kommt, dass dann, wenn man zwei Länder annimmt, von denen das eine die Darstellung der Schäden, die durch Klimaerwärmung entstehen, übertreibt, das andere nicht, dass man dann sagen kann: Wenn die Übertreibung dazu führt, dass Land zwei (das nicht übertreibende Land) einem Klimaabkommen mit dem ersten Land zustimmt, dass sich dann für alle ein positiver Wohlfahrtseffekt ergibt. Der positive Wohlfahrtseffekt soll sich dann ergeben, wenn die Berichterstattung über die Folgen der Klimaerwärmung übertrieben ist (post hoc-Argument). Allerdings, so die Autoren, könne man nicht sagen, wie die Übertreibung der Folgen durch das eine, vom anderen Land aufgenommen werde (ex-ante Argument), was dazu führt, dass die Folgen der Übertreibung als unklar eingeschätzt werden müssen.

In den Worten der Autoren:

“In equilibrium we find that the message sender may have a strict incentive to exaggerate the damages of climate change when it is less severe, which eventually increases the global welfare ex post. Interestingly, relying on information manipulation will give rise to a negative externality for all the players in the other state when the climate problem is more severe. Intuitively, in this state people will be aware of the message sender’s suppression, and exhibit rational scepticism even if the problem of climate change is indeed severe. Thus, from the ex ante viewpoint, it is not clear whether such information manipulation is welfare enhancing or not.” (852-853)

Also: “When the media or pro-environmental organizations have private information on the damage caused by climate change, in equilibrium they may manipulate this information to increase pessimism regarding climate change, even though the damage may not be as great. Consequently, more countries (with overpessimistic believes about climate damage) will be induced to participate in an IEA (International Environmental Agreement]  in this state, thereby leading to greater global welfare ex post” (859)

Der Zweck heiligt demnach die Mittel. Und um den euphemistischen Begriff der “Informationsmanipulation”, den die Autoren nutzen, einmal in das zu übersetzen, was er eigentlich meint: Es ist demnach gerechtfertigt, die Öffentlichkeit über die Folgen des Klimawandels zu belügen, weil auf lange Sicht die Folgen des angenommenen Klimawandels durch die Folgen der Lüge, also den Beitritt zu internationalen Klimaabkommen auch durch Länder, die dem Klimawandel und seinen Folgen pessimistisch gegenüberstehen, ihn z.B. als nicht wissenschaftlich fundiert ablehnen, einen positiven Wohlfahrtseffekt für alle ergeben.

Man sieht hier schön, wie hinten herauskommt, was vorne hereingesteckt wurde, denn wenn wir nur einen Moment annehmen, Umweltabkommen hätten einen Wohlfahrts-schädlichen Effekt, weil sie Innovationen verhindern und Wachstum reduzieren, dann ergibt sich, dass das Belügen der Öffentlichkeit sich ex ante und ex post negativ auf die Wohlfahrt auswirkt.

save the planetDas Ergebnis hat Konsequenzen: Wenn ich die Öffentlichkeit und über Mainstream Medien über z.B. die deutsche Abhängigkeit von russischem Ergas belüge, um die Anbindung an die NATO zu stärken, dann kann ich, wenn es am Ende des dritten Weltkrieges mehr Überlebende in den Ländern der NATO als in den Ländern, die Russland folgen, gibt, darauf verweisen, dass die Lüge einen Wohlfahrtseffekt erzielt hat, oder so.

Wir sind derzeit noch unschlüssig darüber, what we find more disgusting, die Tatsache, dass Wissenschaftler sich anschicken, die Informations-Manipulation durch Mainstream Medien und NGOs zu rechtfertigen oder die Tatsache, dass man heutzutage der Öffentlichkeit auch sagen kann, dass man sie belügt, ohne dass man vor eben dieser Öffenlichkeit Angst haben muss.

Hong, Fuhai & Zhao, Xiaojian (2014). Informaton Manipulation and Climate Agreements. American Journal of Agricultural Economics 96(3): 851-861.

Rezension: Manipulation – Missbrauch psychologischer Tricks

von Dr. habil. Heike Diefenbach

Handelman, Sapir, 2009: Thought Manipulation: The Use and Abuse of Psychological Trickery. Santa Barbara: Praeger. 190 Seiten, gebundene Ausgabe, £22.00 bei amazon.co.uk, EUR 25,90 bei amazon.de

HandelmanSapir Handelman ist Ökonom und Philosoph und beschäftigt sich vorrangig mit politischer Theorie und Konfliktforschung, und dies wird in seinem Buch über Manipulation sehr deutlich. D.h. es handelt sich erfreulicherweise bei diesem Buch nicht um ein Buch, das eine Art Inventar von Manipulationstechniken darstellt, obwohl der Titel des Buches dies nahelegen mag, sondern um eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Manipulation, der eine Unterscheidung zwischen begrenzender und befreiender Manipulation zugrunde liegt. Diesem Buch bzw. seinem Autoren kommt dementsprechend das Verdienst zu, das Phänomen der Manipulation aus seinem einseitig negativen Gebrauch als Kampfbegriff herauszulösen, um auch befreiende Manipulation oder solche, die zumindest dazu gedacht ist, den zu Manipulierenden aus einer Fixierung zu befreien, als eben solche: als (befreiende) Manipulation erkennbar zu machen. Das bedeutet keineswegs, dass Manipulation in diesem Buch als prinzipiell oder überwiegend unproblematisch, legitim oder akzeptabel dargestellt würde – im Gegenteil: es macht deutlich, dass man sich (1) zunächst darüber klar werden muss, dass Manipulationen zu unterschiedlichen Zwecken überall und in allen Lebensbereichen vorgenommen werden und dass sich (2) die Frage, ob oder inwieweit sie in bestimmten Lebensbereichen oder Zusammenhängen legitim oder akzeptabel sind, keineswegs sozusagen „von alleine“ oder ein für alle Mal beantwortet, sondern in einer offenen Gesellschaft [!] jeweils verhandelt werden muss. Handelman bietet mit diesem Buch also so etwas wie eine Vorarbeit zu einer politischen Theorie der Manipulation an. Jedenfalls benennt er als Hauptzweck seines Buches „…to present challenging and arousing questions regarding individual freedom of choice via the analysis of manipulative strategies” (S. xi). Und solche Fragen aufzuwerfen, gelingt dem Buch zweifellos.

Doch zunächst zum Aufbau des Buches: Das Buch enthält neben einer Einführung, die kurz die Schwierigkeit aufzeigt, Manipulation zu definieren, und – ebenfalls kurz – den Aufbau des Buches beschreibt, 12 Kapitel, eine Bibliographie und einen Begriffs- und Namensindex, der es einfach macht, Stellen in dem Buch, an dem bestimmte Dinge oder Autoren behandelt werden, zu finden bzw. wiederzufinden, was sehr hilfreich ist und in der weit überwiegenden Zahl englischsprachiger Fachbücher üblich ist, in den meisten deutschsprachigen Fachbüchern aber bislang leider fehlt.

In den Kapiteln 1 bis 4 bemüht sich Handelman darum zu klären, was man unter Manipulation sinnvollerweise verstehen sollte, denn „[m]anipulation is not exactly persuasion, not precisely coercion, and not merely similar to deception. The elusive phenomenon is located somewhere in the gray area between those motivating actions, and this gray place presents essential difficulties in characterizing manipulation and measuring its impact” (S. ix). Anschließend geht der Autor – auf der Basis seiner Klärung des Konzeptes von Manipulation – in den Kapiteln 5 bis 11 auf Manipulation in der Werbung, im Wahlkampf, auf manipulative politische Führung und auf Manipulation im Rahmen psychotherapeutischer Behandlung ein. Kapitel 12 enthält eine Schlussfolgerung und ist mit gerade einmal eineinhalb Seiten das deutlich kürzeste Kapitel des Buches. Es ist auch das einzige Kapitel, das keine Anmerkungen enthält. Bei allen anderen Kapiteln folgen dem Text Endnoten, in denen Handelman Literaturbelege bringt oder ergänzende Ausführungen macht, die in dem meisten Fällen sehr hilfreich sind, weil sie das im Text Dargestellte zusätzlich klären oder in einen Kontext stellen, der dabei hilft, die Relevanz des im Text Dargestellten erst richtig zu würdigen.

Metallica_Master_Of_PuppetsManipulation ist für Handelman (1) eine „motivating action“, also eine motivierende Handlung, die (2) jemanden dazu bringen soll, das zu tun, was der Manipulator möchte, dass er tut (S. 4), wobei (3) die manipulierte Person der Auffassung ist, sie handle so, wie sie handelt, aus freiem Willen (S. 5-7). Entscheidend ist für Handelman bezüglich der Manipulation außerdem, dass sie (4) die Kritikfähigkeit des Manipulierten und damit seine Autonomie einschränkt (S. 8-11; 14-16). Keine Fälle von Manipulation wären für Handelman also alle Fälle, in denen einem Menschen eine bestimmte Handlung abgepresst wird, z.B. durch physische Gewalt. Statt dessen wird Manipulation als Einschränkung der Kritikfähigkeit beim Manipulierten durch Irreführung („misleading“) erreicht, und zwar durch komplexe Irreführung, denn das, was Handelman einfache Irreführung nennt, ist für ihn Täuschung im Sinne von Betrug oder Schwindel („deception“) (S. 13). Die komplexe Irreführung, die die Manipulation charakterisiert, beruht also nach Handelman nicht auf Betrug oder Lügen, sondern auf der mehr oder weniger geschickten Darstellung einer Sachlage auf eine Weise, die keine andere Handlung als die vom Manipulator gewünschte zuzulassen scheint.

Manipulation unterscheidet sich nach Handelman also von Täuschung („deception“) dadurch, dass sie auf komplexer Irreführung und nicht Betrug oder Schwindel beruht, von Überredung („persuasion“) dadurch, dass jemand durch Sprachmächtigkeit im Sinne des Wortes überredet wird, dabei aber nicht oder kaum irregeführt wird, und von Zwang oder Nötigung („coercion“) dadurch, dass keine physische Gewalt ausgeübt oder angedroht wird (S. 23-26).

Angesichts dieses Verständnisses von Manipulationen und aus liberaler Sicht stellt Handelman die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit von Manipulationen bzw. der Verantwortlichkeit von Manipulatoren und Manipulierten. Die Extrempositionen bei der Beantwortung dieser Frage stellen die Auffassungen dar, dass jemand, der sich in Abwesenheit von Betrug oder Schwindel und physischer Gewalt manipulieren lässt, prinzipiell selbst die (Haupt-/)Verantwortung dafür trägt, wenn er manipuliert wird, und dass jemand, der manipuliert wird, prinzipiell ein Opfer des Manipulators ist, das selbst keine Verantwortung für seine Manipulation trägt. Beiden extremen Auffassungen erteilt Handelman eine Absage, denn seiner Ansicht nach lassen sich Menschen auf der einen Seite häufig willig und sogar bewusst manipulieren, und auf der anderen Seite gibt es Versuchungen, die für (die meisten) Menschen so stark sind, dass ihnen nicht widerstanden werden kann. Für Handelman stellt sich daher auf den Punkt gebracht die Frage: „Where exactly does human weakness end and free choice begin?“ (S. 39).

pink floyd3Statt diese Frage zu beantworten, bietet Handelman an, die ethische Beurteilung von Manipulationen danach vorzunehmen, ob sie begrenzende oder befreiende Manipulationen sind. Während begrenzende Manipulationen den Denk- und Vorstellungshorizont der Adressaten reduzieren sollen, zielen befreiende Manipulationen darauf ab, den Denk- und Vorstellungshorizont der Adressaten zu erweitern (S. 45/46). Dabei ist es für Handelman irrelevant, ob eine Manipulation mit Zustimmung oder in Kooperation mit der Zielperson stattfindet oder nicht, wie man vielleicht hätte meinen können (oder jedenfalls ich gemeint hätte). Dementsprechend ist eine Psychotherapie, die eine Fixierung irgendeiner Art aufbrechen und dem Klienten neue Handlungsmöglichkeiten aufzeigen soll, nach Handelman nicht deshalb eine „gute“ Manipulation, weil der Klient sie bewusst nachgefragt hat oder sich bewusst auf sie einlässt, sondern deshalb, weil sie eine befreiende, den Horizont der Zielperson erweiternde Manipulation ist oder zumindest diese Zielsetzung hat.

Seiner Darstellung legt Handelman aber noch ein zweites Kriterium – neben Begrenzung oder Befreiung – zugrunde; er unterscheidet nämlich außerdem emotionale und intellektuelle Manipulationen („emotional manipulations“; „intellectual manipulations“; S. 46), wobei die emotionalen Manipulationen darauf abzielen, jemanden dazu zu bringen, impulsiv oder gewohnheitsmäßig, jedenfalls nicht aufgrund von Überlegung und Abwägung von Handlungsmöglichkeiten, zu handeln, während die intellektuellen Manipulationen darauf abzielen, die Zielperson zu Überlegungen und Erwägungen zu führen, die zu dem Handeln führen, das der Manipulator wünscht (S. 46). Wichtig ist Handelman zu betonen, dass beide, emotionale und intellektuelle, Manipulationen gleichermaßen als Mittel bei begrenzenden und bei befreienden Manipulationen zum Einsatz kommen können. Was Handelman hier tut, ist also, eine Vierfeldertafel zu entwerfen, durch die Manipulationen gemäß ihrer Zielsetzung (begrenzend oder befreiend) und gemäß der zum Einsatz kommenden Mittel (emotional oder intellektuell) charakterisiert werden können.

FWWfeatherFür die ethische Beurteilung einer Manipulation ist nach Handelmans eigener Darstellung wie gesagt allein die Zielsetzung ausschlaggebend. Einige der Formulierungen, die Handelman wählt, lassen aber vermuten, dass er auch die gewählten Mittel unterschiedlich wertet. So heißt es z.B. auf S. 47: “Emotional manipulations are meant to confuse and limit the target’s ability to provide any logical explanation for his actions, while intellectual manipulations are built to supply the target with an adequate rationalization to behave in a way that the manipulator wants”. Intellektuelle Manipulationen sind also, so darf man schlussfolgern, insofern wirksamer als emotionale als sie den Manipulierten mit (später abruf- bzw. erinnerbaren) „guten“ Gründen versieht, während emotionale Manipulationen dies nicht tun und damit Gefahr laufen, später erkannt (und vermutlich bereut) zu werden. So deutlich schreibt Handelman dies allerdings nicht; er legt nur die  Schlussfolgerung nahe. Falls es zutrifft, dass Handelman intellektuelle Manipulationen höher wertet als emotionale, dann ist dies keine moralische Höherbewertung, z.B. weil Erstere eher mit befreienden Manipulationen und Letztere eher mit begrenzenden einhergingen – sie tun es nach Handelman explizit nicht –, sondern insofern eine Höherbewertung als Erstere wirksamer sind als Letztere.

Der gesamte folgende Inhalt des Buches ist der Darstellung von Beispielen zunächst begrenzender und anschließend befreiender Manipulationen aus verschiedenen gesellschaftlichen oder Lebensbereichen gewidmet. In Kapitel 6 stellt Handelman Überlegungen zur (begrenzenden und emotionalen) Manipulation durch Werbung in einem freien Markt an, in Kapitel  7 zu Manipulation im Wahlkampf, und zwar am Beispiel von Wahlkämpfen in Israel. In Kapitel 8 diskutiert Handelman –  in Auseinandersetzung mit Niccolò Machiavellis “Der Fürst” – die Möglichkeit des politischen Manipulators als Retters der Gesellschaft aus Krisen, und in den Kapiteln 9 bis 10 geht es um befreiende Manipulationen in Form von Psychotherapie, wobei Handelman – mit Bezug auf Sigmund Freud (einerseits) und Thomas Szasz (andererseits) – die Fragen zu beantworten versucht, wer in einer psychotherapeutischen Beziehung wen manipuliert, und wessen Manipulation des anderen Voraussetzung für eine gelingende Psychotherapie ist.

Kapitel 11 schließt thematisch eng an die Kapitel 9 und 10 an insofern es die Trauminterpretation nach Freud zum Ausgangspunkt nimmt, um die allgemeine Frage danach zu stellen, ob und ggf. wie es möglich ist, eine mentale Abschottung von der umgebenden Welt (wie sie psychisch Kranke und Ideologen definiert), durch Manipulation aufzubrechen. Handelman ist der Auffassung, dass es in diesem Zusammenhang nur darum gehen kann, konstruktiven oder aktiven Skeptizismus statt paralysierenden Zweifel oder passiven Skeptizismus im Adressaten der Manipulation zu wecken (S. 149/150), aber darüber, wie genau dies bewerkstelligt werden kann, schreibt Handelman leider nichts. Das Kapitel schließt dementsprechend mit der Bemerkung: “The strategy to market new ideas often needs to be [...] more sophisticated than the ideas themselves. This is where manipulation enters the picture” (S. 150), was den Leser umso dringlicher fragen lässt: “Ja, aber wie genau?”.

Im sehr kurzen Schlusskapitel, das mit “Conclusion” überschrieben ist, bringt Handelman das Anliegen seines Buches besser als in seinem Vorwort (vgl. S. xi) und auf eine Weise auf den Punkt, die erst nach Lektüre des Buches richtig verständlich wird: “As illustrated throughout, trying to cope directly with such questions [wie die nach der ethischen Vertretbarkeit von Manipulationen, ihrem Verhältnis zum freien Willen des Menschen, den Nutzen und Kosten von Manipulationen oder ihrer prinzipiellen Vermeidbarkeit] would tax even the Wisdom of Solomon. Trying to solve problems that exceed human comprehension, especially in ethics and politics, can turn into a utopian mission that endangers our liberty, like in Orwell’s 1984. Therefore, some paradigm shift is required. Instead of concentrating on the problem of manipulation, let us take a step back to examine the bigger picture: how to build the foundations of a decent, stable society?” … The debate over the decent social order is much more vital and critical than any [...] discussion on manipulation. … Manipulation can serve as an instrument to explore major obstacles and difficulties that the open society must overcome (S. 153/154).

Hayek Constitution of LibertyHandelman beschäftigt sich mit Manipulation also nicht um ihrer selbst willen, sondern zu dem Zweck, die Frage danach zu stellen, wie eine “gute” Gesellschaft aussehen soll oder kann, und an vielen Stellen im Buch – inklusive des Verweises auf die “open society” im gerade wiedergegebenen Zitat – wird deutlich, dass eine “gute” Gesellschaft für den Autoren nur eine liberale Gesellschaft sein kann. Allerdings legen verschiedene Stellen im Buch die Vermutung nahe, dass Handelman bereit wäre, vom Liberalismus im Interesse befreiender Manipulationen Abstriche zu machen, und als liberaler Leser fragt man sich, ob Handelman so weit gehen würde, dem so genannten liberalen Paternalismus das Wort zu reden, der bezeichnenderweise “liberaler Paternalismus” heißt und nicht “paternalistischer Liberalismus”, womit deutlich erkennbar wird, dass er nicht als Variante des Liberalismus (miss) zu verstehen ist.

Dessen ungeachtet dürften liberale ebenso wie anders orientierte Leser das Buch mit Gewinn lesen, zum einen, weil es sich um eine Klärung des vagen Konstruktes der Manipulation bemüht und damit alle anspricht, die sich für Manipulation interessieren, zum anderen, weil es – wie vom Autoren angestrebt – tatsächlich viele interessante und keineswegs einfach zu beantwortende Fragen aufwirft, so dass das Buch eine Menge “food for thought” bietet.

Damit ist aber auch gesagt, dass das Buch voraussichtlich viele Leser unbefriedigt lassen wird, eben deshalb, weil es anfangs mit seinen konzeptionellen Ausführungen den Eindruck erweckt, es ginge vor allem um das Konstrukt “Manipulation”, mit fortschreitender Lektüre aber immer deutlicher wird, dass Manipulationen dem Autor dazu dienen, die Bedingungen einer “guten” Gesellschaft zu diskutieren. Wem das Buch also anfänglich gefällt, weil es das Konstrukt “Manipulation” behandelt, wird wahrscheinlich finden, dass es später unnötig viele Ausführungen ethischer und sozialpolitischer Art enthält und diese Ausführungen nicht auf klar nachvollziehbare Weise die Felder illustrieren, die Handelman durch seine beiden Dimensionen des Manipulationskonstruktes kreiert hat. Dagegen könnten Leser, die sich gerade von den Überlegungen zu ethischen und sozialpolitischen Fragen angesprochen fühlen, die Konzentration auf Manipulation als unnötige Reduktion oder falsche Akzentsetzung empfinden und teilweise auch das Gefühl haben, die  Fragen, die Handelman aufwirft, seien bereits von anderen liberalen Autoren aufgeworfen worden und benötigten keine Herleitung aus der Beschäftigung mit Manipulation. Wie beide Stränge des Buches zusammenpassen und warum Handelman das Buch so geschrieben hat, wie er es geschrieben hat, wird dem Leser nämlich vermutlich erst im Verlauf der Lektüre oder sogar erst gegen oder am Ende des Buches klar, und es mag sein, dass man als Leser den einmal entstandenen Eindruck einer gewissen Unstrukturiertheit des Buches oder Inkonsequenz des Autors bei der Behandlung seiner Themen nicht mehr revidieren oder korrigieren kann oder mag.

roter FadenBei mir selbst habe ich jedenfalls bei der Lektüre der Beispiele im Anschluss an die Behandlung des Manipulationskonstruktes eine gewisse Ungeduld dahingehend festgestellt, wann der Autor seine Ausführungen auf diese Behandlung des Konstruktes zurückbinden würde, und eine gewisse Enttäuschung, als ich bemerkte, dass er dies nur teilweise und auf oft kurze, für mich unbefriedigende Art, tut. Weniger freundlich ausgedrückt: ich fand die Kapitel des Buches für sich genommen aufschlussreich oder interessant, aber im Gesamtzusammenhang etwas wirr, bis ich mich an den Stil des Buches gewöhnt und seinen inneren Zusammenhang, wie Handelman ihn sieht, akzeptiert hatte. Oder anders gesagt: Ich empfand die Lektüre des Buches – auf einer Metaebene betrachtet – als solche als eine gute Übung in Sachen (kognitiver) Liberalismus, wenn man so sagen will.

Die Übung in Sachen Sich-Leiten-Lassen und Akzeptieren von Zusammenhängen, wie ein anderer sie sieht und beschreibt, schult die Geduld und die Fähigkeit, sich auf die Gedankengänge Anderer einzulassen – wovon, wie ich glaube, die meisten von uns nur profitieren können –, aber sie sollte sich m.E. nicht auf die sprachliche Darstellung ausweiten: Leider wird die Lektüre des Buches dadurch erschwert, dass es eine Reihe sprachlicher Fehler enthält, die wirklich störend sind und die wohl der Tatsache geschuldet sind, dass Englisch nicht die Muttersprache des Autors ist und das Buch nicht (anständig) vom Verlag lektoriert wurde. Bei den meisten dieser Fehler ist zwar offensichtlich, was gemeint ist; sie sind also nicht sinnentstellend, aber bei Stellen, die unklar bleiben, fragt man sich unwillkürlich, ob die Unklarheit der sprachlichen Darstellung geschuldet ist, oder ob es sich um eine Unklarheit der Argumentation handelt, und angesichts des Inhaltes und Anspruchs des Buches schadet dies dem Anliegen des Autors und beeinträchtigt die Lesefreude stellenweise erheblich.

Trotz dieser Mängel – oder dessen, was ich beim Lesen als Mängel empfunden habe, – habe ich das Buch mit Gewinn gelesen, und ich würde es anderen zur Lektüre empfehlen, wobei ich auch empfehlen würde, das Schlusskapitel gleich nach der Einführung zu lesen, weil der Gesamtrahmen des Buches dann klarer und die folgende Lektüre dementsprechend erleichtert wird. Das Buch wird wahrscheinlich wenige Leser rundum zufriedenstellen, aber es wird alle Leser zumindest in einiger Hinsicht zufrieden stellen, denn es bietet insgesamt gesehen – wie oben gesagt – viel “food for thought” und wird dementsprechend jeweils bestimmte Leser mit Bezug auf jeweils bestimmte Inhalte besonders ansprechen.

Gewerkschafts-Marketing: Wie die GEW Kinderarbeit instrumentalisiert

Fünf Schulklassen hat die GEW dafür ausgezeichnet, dass sie “herausragende Beiträge im Rahmen des Ideenwettbewerbs ‘Kinderarbeitsfreie Zonen’ der Bildungsgewerkschaft erarbeitet haben”. Warum sich die GEW Bildungsgwerkschaft nennt, ist uns nicht nachvollziehbar, denn ein größeres Hindernis für Bildung als die GEW lässt sich kaum denken – aber der Reihe nach.

Indoktrination

GEW_Lesbisch und schwulIndoktrination gelingt am ehesten, das wussten die Nazis so gut wie die alten Griechen, wenn man Kinder und Jugendlichen indoktrinär erzieht. In einer etas verwässerten Form ist dies auch im Marketing angekommen: Wenn es gelingt, eine positiv besetzte affektive Verbindung zwischen Kindern und Jugendlichen auf der einen Seite, und einer Marke, z.B. der Marke “Bildungsgewerkschaft” GEW herzustellen, dann gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Bindung auch im Erwachsenenalter fortgeführt wird, z.B. dadurch, dass die nunmehr Erwachsenen zahlendes Mitglied in der “Bildungsgewerkschaft” werden.

Das GEW Projekt “Kinderarbeitsfreie Zone”, das die “Bildungsgewerkschaft” erfolgreich in Schulen getragen hat, erfüllt alle Voraussetzungen für affektives und im Jugendalter beginnendes Marketing. Es ist mit einem Gegenstand verbunden, der Emotionalität transportiert, nämlich mit der Kinderarbeit. Es richtet sich an leicht beeinflussbare Schüler, die sich in der sie umgebenden Welt orientieren wollen, ihren Platz darin suchen. Und wie viele von uns wissen, findet man diesen Platz als Jugendlicher besonders dann, wenn man vermeintlich die Welt verbessern kann. An dieses Befürfnis,  das man fast schon als Artefakt bezeichnen kann, hängt sich die GEW an und präsentiert den Jugendlichen etwas, womit sie vermeintlich die Welt verbessern können: Die Schaffung kinderarbeitsfreier Zonen.

Der Rahmen für das Indoktrinationsprojekt der GEW ist eindeutig:

  • GEW KinderarbeitspropagandaKinder werden durch “Kinderarbeit entwürdigt”;
  • Kinder werden durch Kinderarbeit ausgebeutet und missbraucht;
  • Kinder werden unter fadenscheinigen Begründungen zur Kinderarbeit eingesetzt und gezwungen;
  • Europäer und Deutsche tragen durch den Kauf billiger Waren zur Kinderarbeit bei, denn diese Waren kommen “bei uns nur desalb so günstig auf den Markt … weil sie von Kindern hergestellt werden, die dafür kaum oder gar nicht entlohnt werden”;
  • Kinderarbeit ist somit das Ergebnis des Wirkens internationaler Konzerne, also des internationalen Finanzkapitals, die GEW ist angetreten, dies zu beenden;
  • Dazu hat die GEW eine Stiftung gegründet, die sich “fair childhood” nennt und, ach ja, Schüler, die etwas gegen Kinderarbeit tun wollen können dies auch wie folgt: “sammelt Spenden für Projekte, die Bildung statt Kinderarbeit stark machen wie die GEW-Stiftung ‘fair childhood”;

Erfindung der Kindheit

In der Politikwissenschaft gibt es einen theoretischen Ansatz, der sich Weltkulturansatz nennt (dazu: Meyer, 2005). Sein Kern besteht in der Behauptung, dass sich “westliche Were” über die Welt ausbreiten, Werte, die gerne auch als Strukturprinzipien bezeichnet werden, also Strukturprinzipien wie: Frauenförderung, die den Frauen im Peruanischen Hochland einen eigenen Radiosender gebracht und nach Abschluss der Förderung wieder genommen hat; Strukturprinzipien wie Partizipation (ist ja bekanntlich immer gut – wer auch immer partizipiert, Hauptsache, es wird partizipiert…) im Rahmen von Entwicklungshilfe oder die Schaffung demokratischer Strukturen nach westlichem Vorbild, ohne die es keine Entwicklungshilfe mehr gibt; oder konformes Abstimmungsverhalten in der Vollversammlung der UN, wenn es z.B. darum geht, einen Staat, der sich gegen die Hegemonie westlicher Strukturprinzipien wehrt, zu verurteilen (Dreher, Marchesi & Vreeland, 2007).

Eines der westlichen Strukturprinzipien, an denen die Welt genesen soll, ist die Erfindung von Kindheit und die nachfolgende Kriminalisierung von Kinderarbeit. 1978 hat Helen B. Schwartzmann in ihrem Buch “Transformations: The Anthropology of Children’s Play” ein zweites Kapitel mit der Überschrift “The Invention of Childhood” versehen. Gegenstand des Kapitels ist eine akribische Darstellung der Entdeckung der Kindheit, die seit Mitte des 18. Jahrhunderts Kinder immer länger in einem Zustand der gesellschaftlichen Unmündigkeit verhaftet hat.

invention of childhoodHugh Cunningham hat ein ganzes Buch der “Invention of Childhood” gewidmet, in dem er nicht nur die über die Jahrhunderte immer länger werdende Kindheit beschreibt, sondern auch die Unstimmigkeiten, die die Bestimmung von Kindheit umgeben, betrachtet: “I ain’t a child, … I’m past eight, I am,’ said a girl selling watercress in mid nineteen-century London, shocking her interlocutor, the investigative Journalist Henry Mayhew who thought childhood ended when you were 15″ (Cunningham, 2013: 12).

Unnütz darauf hinzuweisen, dass man in den von der GEW an Schulen lancierten Materialien zum “Ideenwettbewerb kinderarbeitsfreie Zonen” vergeblich nach einem Hinweis darauf sucht, woran man Kindheit festmacht: am biologischen Alter, an der geistigen Reife? Die Frage, was Kindheit und mithin Kinder sind, wird geschickt offengelassen, denn Indokrination wirkt am besten, wenn man die positiv besetzten Begriffe von anderen mit ihren Vorstellungen füllen lässt. So kann sich jeder über seine Idee von Kinderarbeit ereifern und die GEW in jedem Fall davon profitieren.

Wirklichkeit

Immerhin empfiehlt die GEW im “Ideenwettbewerb-Begleitmaterial“, nachzuforschen, unter dem Begriff Kinderarbeit, um herauszufinden, wo “Kinder – trotz des weltweiten Verbots – arbeiten müssen”.

Wir haben den Nachforschungsauftrag etwas erweitert und unter dem Begriff “Child Labour” gesucht. Gefunden haben wir z.B. einen Beitrag auf ScienceFiles, der zeigt, dass das Verbot von Kinderarbeit dazu führt, dass Kinderarbeit zunimmt. Herausgefunden haben dies Bharadwaj und Lakdewala (2013) am Beispiel von Indien. Das dortige Verbot hat nicht nur dazu geführt, dass nunmehr mehr Kinder zu geringeren Preisen arbeiten müssen, sondern auch dazu, dass Kinder, die bislang zur Schule gegangen sind, die Finanzlöcher in den Familien, die durch das Verbot von Kinderarbeit und die nachfolgend fallenden Löhne für Kinder entstanden sind, schließen müssen.

Oder nehmen wir den Beitrag von Ranjan Ray (2000), der herausgefunden hat, dass Mindestlöhne und eine höhere Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Pakistan von einer Zunahme der Kinderarbeit begleitet waren, während in Peru die Kinderarbeit in Folge eines Sinkens der Löhne von Männern, was wiederum eine Folge höherer Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt darstellt, gestiegen ist. Die westlichen Strukturprinzipien bringen offensichtlich nicht nur Segen.

Akabayashi und Psacharopoulos (1999) haben für Tansania gezeigt, dass das Thema Kinderarbeit komplexer ist, als es die GEW Verantwortlichen gerne hätten. Wie sich in ihrer Studie zeigt, kann man Kinderarbeit nicht einfach verbieten, muss vielmehr die sozialen Strukturen, in die Kinderarbeit vor Ort eingebunden ist, in Rechnung stellen.

Basu (2000) hat gezeigt, dass die Einführung von Mindestlöhnen dazu führt, dass Kinderarbeit zunimmt. Ökonomisch ist dies eine Offensichtlichkeit, denn Mindestlöhne führen zu Entlassungen und der Einkommensverlust, der in Familien, in denen einer oder der Haupt-/Miternährer arbeitslos geworden ist, erfordert nun die Mit-Arbeit von Kindern, um ein Überleben zu sichern.

All die wissenschaftliche Forschung, die die “Bildungsgewerkschaft” so standhaft ignoriert, deutet darauf hin, dass Kinderarbeit ein komplexes Phänomen ist, zu komplex, als dass es sich für Indoktrination eignet. Deshalb hat man die Komplexität bei der GEW besetigt und die einfache Geschichte der internationalen Konzerne (das GEW Synonym für böse), die so wenig Geld bezahlen, dass die armen Menschen in Ländern der dritten Welt nicht subsistent durch Arbeit sein können und die letztlich Kinder in Kinderarbeit und Ausbeutung zwingen, erfunden.

Dass das so ist, das  wissen die Verantwortlichen der GEW ganz genau.

Seltsamerweise ist ihr Wissen nicht bis zur ILO, der Internationalen Organisation für Arbeit vorgedrungen. Dort hat man sich bemüht, Fakten zu Kinderarbeit zu sammeln und die entsprechenden Bemühungen beginnen mit der Aussagen: “It is common knowledge that data on child labour are extremely scarce” (Ashagrie, 1998: 1). Na hätten die Autoren sich an die die deutsche “Bildungsgewerkschaft” gewendet, sie wären fündig geworden – oder auch nicht.

Wie auch immer, die ILO Studie hat ihre eigenen Daten ohne zutun der GEW zusammengestellt und definiert zunächst einmal Kinder als 5 bis 14jährige. Im Jahr 1995 waren nach Schätzung der Autoren 250 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 14 Jahren erwerbstätig, die Mehrzahl davon in Asien (61%), gefolgt von Afrika (32%). 70% der Kinder arbeiten in der Landwirtschaft, 8% im produzierenden Gewerbe oder in Hotels und Restaurants.

Das steht in einem gewissen Gegensatz zu der Behauptung der GEW “Kinder dieser Erde” würden in “Steinbrüchen, Plantagen oder Fabriken” arbeiten. Ebenso wie die eigens erfundene Indoktrinationsgeschichte der internationalen Konzerne, die Kinderarbeit befördern oder erst ermöglichen, erhebliche Risse durch Daten und wissenschaftliche Untersuchungen erhält, die zeigen, dass Kinderarbeit ein mikro-soziales Phänomen ist, das sich maximal auf die Ebene von Kleingewerbetreibenden ausdehnt. Es mag zuweilen den high profile Fall der Kinder geben, die in einer Fabrik arbeiten, dies ist jedoch die Ausnahme. Die Regel sieht Kinder beim reicheren Nachbarn auf dem Feld arbeiten oder in Mumbai in einer kleinen Wäscherei.

Aber das ist nur die Realität, die sich nicht so gut nutzen lässt, um bereits Schüler gegen internationale Konzerne in Stellung zu bringen und eine Bindung zur “Bildungsgewerkschaft”, eine auf Indoktrination begründete, in Schulen herzustellen.

Das Kinderarbeits-Thema ist in die Fussstapfen des Straßenkinder-Themas getreten, das sich als international nicht so erfolgreich erwiesen hat, vor allem deshalb, weil sich Wissenschaftler und Sozialarbeiter aus den entsprechenden Ländern gegen die Übertragung eines westlichen Kinder- und Familienbilds auf ihr Land gewehrt haben. So hat Ennew in den Gutmenschen-Programmen, die Straßenkinder von der Straße bekommen wollen, einen Versuch gesehen, westliche Vorstellungen von Familien als “private arenas for the correct performance of childhood” (Ennew, 1995: 211) durchzusetzen. Juarez (1992: 94 zitiert in de Moura, 2005: 298) ist der Ansicht, die Hilfsprogramme, die auf Straßenkinder abzielten, seien vornehmlich da, um die Organisationen, die Straßenkindern helfen wollen, zu finanzieren, und Aptekar (1994: 206) hat angemerkt, dass Straßenkinder nicht die Opfer ihrer Gesellschaft, sondern häufig reife Jugendliche sind, die das Leben als Straßenkind gewählt haben: “In any attempt to ascertain why certain children become street children, such factors as the psychological status of the child and the child’s family, the perception of life on the streets, and the degree to which a street children culture exists must be considered”.

Selbstverständlich kann internationale Hilfe, hönnen international nutznießende Gutmenschen und deren Organisationen, die sich neuerdings gar “Bildungsgewerkschaft” nennen, nicht auf die Befindlichkeiten und die Selbstbestimmung derer, denen sie ihre Hilfe aufzwingen wollen, Rücksicht nehmen.

darwin-greatEs gibt nur einen Weg zum Heil und die “Bildungsgewerkschaft” weist ihn allen, und wenn nebenbei noch ein paar zahlende Mitglieder anfallen, die die derzeitige und die nachwachsende Generation an Gewerkschaftsfunktionären sichern, um so besser.

Da mittlerweile zwei Beiträge von ScienceFiles in Schulbücher aufgenommen wurden, bleibt zu hoffen, dass wir auch im Hinblick auf Kinderarbeit, einen Beitrag zur Emanzipation von Schülern leisten können, damit sie nicht zu hilflosen und unkritischen Vasallen gewerkschaftlicher Armuts-Profiteure werden.

Bislang von ScienceFiles in Schulbücher aufgenommene Beiträge:

Nachtrag

Besonders erfolgreich scheint die GEW-Indoktrination bei den im Folgenden genannten Preisträgern gewesen zu sein:

    • Lise-Meitner-Gymnasium Königsbach-Stein, Klasse 8a/b; Projekt: Ein kinderarbeitsfreier Spielplatz;
    • Grundschule Mümmelmannsberg Hamburg; Projekt: Stopp Kinderarbeit – Nachdenken, Nähen und Schreiben;
    • Berufliche Oberschule Regensburg, Klasse 12; Projekt: Ein Label gegen Kinderarbeit;
    • Georg-Kerschensteiner-Schule Müllheim, KLasse SG1-1; Projekt: C!LAKKS – Change! Lasst alle Kinder Kinder sein;
    • Theater- und Kunst AG der Hauptschule Kreyenbrück in Kopperation mit dem Jugendtheater “Rollentausch” Oldenburg; Projekt: Global total – die Welt in meinen Händen und Kunstausstellung Recycling Kunst;

Die folgenden Juroren haben sich als Jury für die GEW instrumentalisieren lassen bzw. bereitwillig mit-indoktriniert:

      • Vorsitzender: Otto Herz, ehem. Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW);
      • Martina Hahn, Autorin und Journalistin;
      • Dr. Martin Kasper, Vorsitzender der Stiftung „childaid”;
      • Prof. Dr. Jörg Maywald, Sprecher der National Coalition für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland;
      • Prof. Dr. Uta Ruppert, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt a. M.;
      • Julia Saldenholz, Mitbegründerin von „Schüler helfen leben” (SHL);
      • Heidemarie Wieczoreck-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung a. D., MdB;

Literatur

Akabayashi, Hideo & Psacharopoulos, George (1999). The Trade-Off Between Child Labour and Human Capital Formation: A Tanzanian Case Study. Journal of Developmental Studies 35(5): 120-140.

Aptekar, Lewis (1994). Street Children in the Developing World: A Review of their Condition. Cross Cultural Research 28(3): 195-224.

Ashagrie, Kebebew (1998). Statistics on Working Children and Hazardous Child Labour in Brief. Geneva: International Labour Office.

Basu, Kaushik (2000). The Intriguing Relation Between Adult Minimum Wage and Child Labour. Economic Journal 110(462): 50-61.

Bharadwaj, Prashant & Lakdawala, Leah K. (2013). Perverse Consequences of Well-Intentioned Regulation: Evidence From India’s Child Labor Ban.

Cunningham, Hugh (2013). The Invention of Childhood. London: BBC Books.

De Moura, Sergio Luiz (2005). The Social Construction of Street Children: Configuration and Implications. In: Frost, Nick (ed.). Child Welfare. Major Themes in Health and Welfare Series. Volume III: Child Placement and Children Away From Home. Abingdon: Routledge, pp.295-310.

Dreher, Axel, Marchesi, Sylvia & Vreeland, James Raymond (2007). The Politics of IMF Forecast. München: CESifo Working Paper Series No. 2129.

Ennew, Judith (1995). Outside Childhood: Street Children’s Rights. In: Franklin, Bob (ed.). The Handbook of Children’s Rights: Comparative Policy and Practice. Abingdon: Routledge, pp.201-214.

Ranjan, Ray (2000). Analysis of Child Labour in Peru and Pakistan: A Comparative Study. Journal of Population Economics 13(1): 3-19.

Schwartzmann, Helen B. (1978). Transformations: The Anthropology of Children’s Play. New York: Plenum.

Über Unsinn kann man nicht diskutieren

Der folgende Kommentar, der uns in abgewandelter Form zwischenzeitlich auch als eMail erreicht hat, zu einem Thema, das uns nur noch bleischwer macht, hat uns dazu veranlasst uns noch einmal, ein letztes Mal, mit dem Unfug auseinander zu setzen, der als “Diskussion über des generische Maskulinum” bekannt ist. Und nachdem wir das letzte Mal als wir uns zu diesem Thema geäußert haben, bereits die Überschrift: “Kann man so dumm sein?” gewählt haben, muss man zwischenzeitlich diese Frage wohl bejahen und anfügen, dass uns die Worte ausgehen, um diese Dummheit zu behandeln.

Hier nun der Kommentar von Sarah H.:

Anonymityich bin derzeit auch in einer Diskussion über das generische Maskulinum verwickelt und wollte sie mal fragen, was sie dazu und zu dem Wikipedia-Artikel und den dort aufgezählten Studien sagen:

http://www.unternehmer.de/marketing-vertrieb/152957-geschlechtergerechte-sprache-texten-ist-die-kritik-daran-berechtigt

http://de.wikipedia.org/wiki/Generisches_Maskulinum

Vor allem würde mich die Erkenntnisse von Josef Klein interessieren und ihre Bewertung dazu. Weiter unten im Wikipedia-Artikel wird ja sogar gesagt, dass sich Frauen auf Berufsausschreibungen mit spezifisch weiblichen oder geschlechtsneutralen Ausdrücken eher melden, als wenn das generische Maskulinum verwendet worden war und somit die Verwendung sogar praktische Auswirkungen hat.

Siehe: Sandra L. Bem, Daryl J. Bem: Does Sex-biased Job Advertising “Aid and Abet” Sex Discrimination? In: Journal of Applied Social Psychology. 3, Nr. 1, 1973, S. 6–18.

Hier habe ich im Übrigen interessante Gegenargumente gefunden:

http://www.vds-münchen.de/fileadmin/galerie/2009-08-01__Artikel_Sprachfeminismus.pdf

Ihre Meinung dazu würde mich interessieren!

In letzter Zeit müssen wir unsere Stühle regelmäßig wieder auf “Höhe” bringen, denn man sinkt immer so tief…, wird so schwer …

Als wir heute morgen über Bäume gesprochen haben, hatten wir beide die Assoziation: Apfelbaum. Müssen wir nun eine Quote für Birnenbäume und Kirschbäume in unseren Gehirnen einführen? Und Was ist mit der kompletten Klasse der Nadelbäume? Müssen die jetzt vor geistiger Diskriminierung geschützt werden?

Nuts in BedlamWie dieser Anfang deutlich macht, kann man über bestimmte Gegenstände nicht diskutieren. Das generische Maskulinum bzw. dessen Verballhornung durch welche aberwitzigen Zusätze auch immer, ist so ein Gegenstand. So wenig, wie man darüber diskutieren kann, ob Juden einer anderen Rasse angehören, genau so wenig kann man darüber diskutieren, ob in Kollektivbegriffen, die alle Angehörigen einer Klasse enthalten, z.B. die Klasse der Pendler, auch wirklich alle enthalten sind. Eine solche “Diskussion” können vielleicht Insassen geschlossener Anstalten mit ihren Therapeuten führen, aber nicht Wissenschaftler, die sich ernsthaft mit einem Thema beschäftigen.

Entsprechend verwahren wir uns an dieser Stelle gegen den Versuch, Absurditäten als Gegenstand wissenschaftlicher Argumentation anzupreisen und haben eigentlich nicht mehr dazu zu sagen als Folgendes:

  • Pendler meint Pendler unabhängig davon, ob es Pendler mit grüner Augenfarbe, Schuhgröße 44, Glatze oder Sehfehler sind und auch ganz unabhängig davon, welche sexuelle Orientierung oder welches Geschlecht die Pendler haben. Es ist gerade der Sinn von Kollektivbegriffen, eine Klasse auf Grundlage von einem Merkmal zu bilden und niemanden oder nichts, der/das dieses Merkmal trägt, auszuschließen. Darüber gibt es nichts zu diskutieren!
  • Wenn es Personen gibt, die bei Pendler aus welchen Gründen auch immer an männliche Pendler denken, vielleicht, weil im Pendlerzug immer deutlich mehr Männer als Frauen sitzen, dann ist das deren Angelegenheit (Die entsprechende Person bildet also z.B. eine Korrelation auf Basis von Alltagserfahrung, die richtig oder falsch sein kann.). Niemand hat das Recht, die Assoziation von denen zu kontrollieren, die Begriffe lesen oder hören. Die Gedanken sind frei, wie es so schön heißt, und auch darüber gibt es gar nichts zu diskutieren.
  • Wenn es Sprachgestörte gibt, die bei Pendler ausschließlich an männliche Pendler denken und sich nicht angesprochen sehen, weil sie weiblich sind, dann ist das deren Problem und vielleicht noch das Problem ihres Therapeuten, mehr nicht. Auch darüber gibt es nichts zu diskutieren. Und entsprechende “Studien” sind das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt sind, wie sich schon daran zeigt, dass es keinerlei Theorie darüber gibt, warum kollektive Begriffe selektive Wirkungen entfalten sollen. Wenn ich behaupte, dass soziale Konstruktionen dafür verantwortlich sind, wie das in diesen “Studien” regelmäßig getan wird und dann eine Studie konzipiere, die die Behauptung als gegeben setzt und die Auswirkungen dieser Phantasie beobachtet, dann ist das ein Beispiel für einen Zirkelschluss, noch dazu einen primitiven, aber kein Beispiel für Wissenschaft.
  • Dass auf Wikipedia über das generische Maskulinum gestritten wird, ist nicht verwunderlich, verwunderlich ist nur, dass der Gegenstand der vermeintlichen Diskussion auf Wikipedia noch nicht in den ICD-10, den Katalog der mentalen Störungen aufgenommen wurde bzw. dass de.Wikipedia überhuapt noch gelesen wird.
  • Es sollte Lesern von ScienceFiles nicht nur bekannt sein, was wir von de.Wikipedia halten, und entsprechend sollte es ein einfacher Schluss sein, dass wir mit Sicherheit nichts, von dem Unsinn, der dort verzapft wird, halten und ihn schon gar nicht lesen, höchstens, wenn wir dafür einen Stundenlohn erhalten, der mindestens dem Stundensatz eines Psychotherapeuten entspricht und wir den Auftrag haben, all die persönlichen Störungen und logischen Fehlschlüsse aufzulisten, die auf de.Wikipedia ausgetauscht werden. Es sollte Lesern von ScienceFiles auch bekannt sein, was wir von einer Diskussion über das “generische Maskulinum” halten. Wer es nicht bereits aus der Lektüre eines der Texte, die wir dazu geschrieben haben, ableiten kann, der möge die Suchfunktion benutzen.
  • Auch im Dritten Reich haben die Ideologen versucht, damals ihre Rassenkunde mit pseudo-wissenschaftlichen Argumenten zu untermauern. Dass sich Ideologen gerne mit dem Mantel von Wissenschaft umgeben, ist bekannt. Ebenso bekannt ist, dass ihnen der Mantel hoffnungslos zu groß ist. Das ist im Hinblick auf die Rassenstudien der Nazis deutlich, es ist ebenso im Hinblick auf die Sprachstudien von Feministen deutlich. Karl Raimund Popper hat als Kriterien, die Wissenschaft von Ideologie trennen, die Falsifizierbarkeit und die intersubjektive Prüfbarkeit genannt. Keine der angeblichen Studien,erfüllt auch nur die rudimentärsten der Anforderungen. Entsprechend werden wir uns bestenfalls mit diesem Unsinn auseinandersetzen, um die Kategorie “Unsinn der Woche” zu bestücken.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat den Kommentar und die zugehörige eMail zum Anlass einer Antwort-eMail genommen, die wir hier wiedergeben. Ferner, um die Bleischwere darzustellen und zu zeigen, was man von diesen vermeintlichen Studien und dem antiquierten Versuch, die Gedanken von Menschen zu bestimmen, zu halten hat, hier noch ein Kommentar, den Dr. habil. Heike Diefenbach vor einigen Tagen in gleicher Sache abgegeben hat.

Zunächst also ein Ausflug in die Vergangenheit, der deutlich macht, wie alt dieser Unsinn schon ist, der gerade einmal wieder aufgewärmt wird:

sciencefiles“Vielleicht können unsere jüngeren Leser.I.nnen (so richtig, “Striesen”?) nicht so richtig würdigen, was für ein unerträglich alter und “abgegessener” – wie man so schön sagt – Langweiler die feministische Sprachumerziehung ist. Daher der folgende Hinweis:

Im Jahr 1980 ist in der Zeitschrift “Women’s Studies International Quarterly” (die es aus unerfindlichen Gründen immer noch gibt, wenn auch unter einem anderen Namen, und die sich in ungebrochener Tradition auch im aktuellen Heften hervortut mit Beiträgen wie “Translation in the Feminine: Theory, Commitment and (Good) Praxis” von Manuela Palacios) ein Beitrag von Maija Blaubergs erschienen mit dem Titel:

“An Analysis of Classic Arguments Against Changing Sexist Language”, und zwar im Band 3, Heft 2-3 auf den Seiten 135-147.

Da ist also im Jahr 1980 die Rede von CLASSIC Arguments gegen Versuche, das Sprachverhalten der Menschen gemäß feministischer Ideologie zu manipulieren, weil es angeblich sexistisch sei. 1980 liegt jetzt fast DREIeinhalb Dekaden zurück, und damals waren die Gegenargumente schon klassisch. Das sagt eigentlich alles. D.h. nein, es sagt sehr viel, aber nicht alles: Anfügen muss man noch, dass nach dreieinhalb Dekaden die klassischen Argumente nach wie vor einer Entkräftung harren und die meisten Menschen noch immer meinen, es gehöre zu ihren Persönlichkeits- oder Freiheitsrechten, so zu sprechen, wie sie es für richtig halten.

Und weil das so ist, unter Feminst.I.nnen oder Genderist.I.nnen aber der (!) Typus “trotzige Göre” durchaus vorkommt, wenn nicht überzufällig häufig repräsentiert ist, deswegen muss der Sprachumerziehungs-Langweiler durch ältere Personen, die nach dreieinhalb Dekaden noch immer ihre Probleme zu bewältigen versuchen, aber statt dessen in Selbstgerechtigkeit meinen, anderen Leuten Probleme andichten zu können, die sie natürlich zu lösen im Stande sind, wieder einmal aufgelegt und die des Deutschen kundige Leserschaft mit Langeweile überzogen werden.

Naja, wer hat jemals behauptet, dass sich im Feminismus/Genderismus irgendetwas weiterentwickeln müsse oder irgendeine Idee bis auf Weiteres als falsifiziert akzeptiert werden müsste?

Ebenso wenig hat sich die Argumentationsqualität verändert. Wer sich davon überzeugen möchte, der sehe sich die von Blaubergs so bezeichnete “Analyse” der klassischen Argumente an, und er wird feststellen, dass in ihrem Text keine Analyse stattfindet und keines der Gegenargumente gegen die feministische Sprachumerziehung, die sie aufzählt, auf irgendeine Weise entkräftet wird. Sie nennt sie einfach nur und liefert viele Zitate, die sie illustrieren. Anscheinend meint Blaubergs, dass jemand sich so äußert, spräche für sich. So ist ihre Darstellung zu “The ‘Sexist Language Is Not Sexist’ Arguments” auf S. 140 gerade einmal eine halbe Seite lang und umfasst wenig mehr als drei Zitate, deren Inhalte sie nicht mag. Die Analyse derselben durch Blaubergs besteht in Folgendem, das Sie direkt an die Zitate anschließt:

“The contention that proponents of changing sexist language unnecessarily interpret language as sexist indicates either ignorance of, misunderstanding of, or denial of the validity of the detailed explanations by linguists, psychologists, sociologists, and others of the sexism inherent in the use of masucline terms as alleged generics” (S. 140).

Aha. Wer anderer Meinung ist und die “detailed explanations” von Vertretern verschiedener Fachbereiche, die im übrigen von Blaubergs nicht genannt werden können (sie nennt außer sich selbst nur zwei Autoren in einer Fussnote), nicht als solche akzeptiert, der ist ignorant oder hat das alles misverstanden oder bestreitet die Validität dieser “explanations”. Zumindest für Letzteres gäbe es auch wirklich gute Gründe, und auf diese geht Blaubergs selbstverständlich nicht ein.”

Es folgt die eMail an Sarah H., die man als zusammenfassende und abschließende Stellungsnahme ansehen kann:

sciencefiles“Es gibt einige solcher Studien, d.h.Versuche, die Sinnhaftigkeit von Sprachumerziehung wissenschaftlich zu begründen, aber erstens kann das Ganze nur sinnhaft erscheinen, wenn man die Prämissen teilt, die die Verfasser solcher Studien haben, und die meisten Leute scheinen sie nun einmal nicht zu teilen, und zweitens kenne ich unter diesen Studien keine vernünftige, also keine, die nicht deutliche methodische Mängel hätte, was nicht verwunderlich ist, und sei es nur, weil es ziemlich schwierig ist zu erheben, woran Leute wann tatsächlich gedacht haben. Die direkte Frage löst einen Reflexionsprozess aus, der abbildet, was Leute jetzt, da sie gefragt werden, denken, und die indirekte Messung ist weitgehend ohne Aussage (…).

Aber das sind grundsätzliche Probleme, wenn man Gedanken messen möchte bzw. den Einfluss eines Stimulus auf Gedanken oder Assoziationen; meist haben diese Studien noch ganz andere methodische Mängel (selegierte Stichproben u.ä.). Ungeachtet dessen, was Studien herausgefunden haben wollen, geht es, glaube ich, niemanden etwas an, was jemand anderes denkt oder nicht denkt oder zu denken hat oder nicht zu denken hat, wenn er (oder sie ;-)) einen bestimmten Begriff hört.

Die Aussage: “Du bist nicht der Maßstab” ist dann unglaublich anmaßend, wenn sie jemanden davon überzeugen soll, dass anscheinend jemand anderes der Maßstab dafür sei, wie er zu sprechen habe, nur nicht er selbst. Oder anders gesagt: Die Aussage fällt auf denjenigen zurück, der sie äußert. Warum sollte derjenige, der sie äußert, dazu qualifiziert oder berechtigt sein, einen Maßstab für die Sprechweise anderer Leute zu setzen? Das ist eine – gelinde gesagt – totalitäre Vorstellung, die Individualrechte (wie das Recht auf Selbstbestimmung oder auf freie Meinungsäußerung) mit Füßen tritt.

Was soll denn der Schaden sein, der angerichtet wird, wenn es tatsächlich Leute geben sollte, die bei “Mathematiker” die Assoziation einer vollbesetzten Männertoilette haben, auf der über die Entdeckung der Zahl pi durch die alten Ägypter gesprochen wird? Mir ist das (als Mensch und als Frau) völlig wurscht.

Und schließlich: Das gesamte Anliegen feministischer/genderistischer Sprachumerziehung basiert auf der Unfähigkeit, biologisches und grammatikalisches Geschlecht zu unterscheiden, bzw. auf völlig inkonsequenter “Rosinenpickerei”, wenn man biologisches und grammatikalisches  Geschlecht schon nicht unterscheiden kann (denn wenn man nicht aussuchen würde, was einem gerade in den Kram passt, dann würde man sich konsequenterweise gegen die Massenkastration von Männern verwahren, die passiert, wenn man im Plural “die Männer” sagt.

Kurz: Ich finde diesen Unsinn einfach nur quälend, und meine Zeit sowie die jedes halbwegs intelligenten Menschen ist zu wertvoll, um sich mit den persönlichen Obsessionen einiger Leute zu beschäftigen, die sie zu den Obsessionen anderer Menschen machen wollen.”

Es ist wirklich an der Zeit, den ICD-10 um eine weitere Spielart der obzessiven Impulsstörung zu erweitern, die obzessiv-impulsive Sprachstörung (wir schlagen den Code F42.3 vor), die sich darin äußert, dass die davon Befallenen anderen Vorschreiben wollen, wie sie zu sprechen haben und die dazu führt, dass das soziale Leben und das Funktionieren der entsprechend Gestörten in Mitleidenschaft gezogen wird, dass sie vor lauter Obzession nicht mehr normal funktionieren können und langsam aber sicher sozial verarmen, weil sich niemand mehr ihrer Störung aussetzen will.

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“Die Männer sind Kriegstreiber” – Wie primitiv darf es denn sein?

Wie erfolgreich kann Indoktrination eigentlich sein?

Diese Frage haben wir uns nicht vor dem Hintergrund der Vernunft, die Menschen nach Meinung vieler Philosophen vor Tieren auszeichnen soll, gestellt, sondern vor dem Hintergrund der folgenden Kommentare:

Anonymity(1) “Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel – aber wenn ich sehe, was für eine Kriegstreiberei die Männer in den letzten 2 Jahrtausenden betreiben, ist es nicht verwunderlich, dass sie sich irgendwie unbeliebt gemacht haben, irgendwann ist dann auch mal genug. Wer sich da wundert, ist wohl etwas naiv.”

(2) “Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin! Dann wären auch keine 850.000 Männer im Krieg umgekommen. Schon mal auf die Idee gekommen nicht mitzumachen im System?”

(3) “Brecht ist lange tod. Man sollte doch mal neue Konzepte entwickeln. Aber ich sehe schon, die Männer haben scheinbar nichts dazugelernt und würden auch diesmal für einen 3. Weltkrieg wieder ins Verderben rennen. Wacht mal auf!”

Die drei Kommentare, von einem Leser, der sich nicht entscheiden kann, ob er sich Florian, Sebastian oder Gerold nennen will, lassen die oben gestellte Frage virulent werden, konkret: Ist es möglich, Menschen so sehr zu indoktrinieren, dass sie entgegen allen Menschenverstands und entgegen aller Vernunft, auf die primitivste Form der Verallgemeinerung ausweichen und eine sich selbst verordnete geistige Form der Gleichschaltung betreiben, die man nur als psychotisch bezeichnen kann?

Wie sieht es im Gehirn eines Menschen aus, der denkt, das Merkmal “männliches Geschlecht” sei so mächtig, dass es alle anderen Unterschiede zwischen den Merkmalsträgern so marginalisiert, dass sie keinerlei nenneswerten Unterschied mehr begründen? Wie sehr muss man indoktriniert worden sein, wenn man denkt, Männer verfügten über eine genetische Prädisposition zum Kriegstreiben, seien als Männer für Kriege und alles Schlechte auf der Welt verantwortlich? Welche absurde Jungfrau Maria Vorstellung muss man mit sich herumtragen, wenn man denkt, Männer, und zwar alle, seinen die einmütigen Triebkräfte der Weltgeschichte in den vergangenen Jahrhunderten und hätten bis heute “nichts dazu gelernt”, während Frauen in all ihrer Reinheit vergeblich gegen das männliche Kriegstreiben angekämpft haben?

Wir geben zu, dass wir eine gewisse Faszination mit der dargestellten Form der Verallgemeinerung verbinden. Entlang ihr verläuft nämlich ein Rubikon, wer ihn übertritt, hat die Welt der Vernunft verlassen.

Rein empirisch ist es Unsinn, eine biologische Prädisposition von Männern anzunehmen, einen Krieg zu führen. Was sagen allein die Amazonen dazu, von den Frauen der Kelten, die Tacitus als so furchterregend beschrieben hat, ganz zu schweigen (Man denke nur an Boudicca, die einen Aufstand gegen die Römer angeführt, um nicht zu sagen angezettelt hat).

Auch biologisch determinierte Kriegstreiberei ist schlicht Unsinn, weder wurde bislang das Männer-führen-Kriegs-Gen gefunden noch konnte bislang das Mysterium geklärt werden, warum sich die vermeintliche biologische Determinierung nur zu manchen Zeiten Bahn bricht.

Rein soziologisch ist es blanker Unsinn, denn Männer leben seit Jahrtausenden mit Frauen zusammen, und wer eine entsprechende Erfahrung hat, der weiß, dass ein Zusammenleben aus Kompromissen und gegenseitiger Beeinflussung besteht. Wer dies nicht kennt, der mag die Studien über Autorität und Familie lesen, die Horckheimer, Fromm und andere erstellt haben. Darin wird deutlich, dass Frauen in Familien häufig die beharrende Kraft sind, die Männer davon abhält aufzubegehren und dazu drängt, sich konform zu verhalten.

KitchenerDer Kommentator a.behrens hat hierzu einen sehr guten Beitrag gebracht und auf die White Feather Bewegung im Vereinigten Königreich zur Zeit des Ersten Weltkrieges hingewiesen. Damals hatte das Vereinigte Königreich keine Wehrpflicht und kein nenneswertes Heer. Die Zahl der Soldaten, die in die Gräben Frankreichs geschickt werden konnten, hing entsprechend davon ab, welche Rekrutierungserfolge die britische Armee auf der Insel vorweisen konnte. In dieser Situation hat sich die White Feather Bewegung gegründet, deren Aktivistinnen Männer, die sie nicht in Uniform in der Öffentlichkeit angetroffen haben, mit einer weißen Feder beschämen wollten (und da Männer damals noch Stolz hatten, war dies eine sehr wirkungsvolle Waffe) – oder wie a.behrens kommentiert und zitiert:

“Ah, das hier: http://en.wikipedia.org/wiki/White_feather

Zitat:

————-
In August 1914, at the start of the First World War, Admiral Charles Fitzgerald founded the Order of the White Feather with support from the prominent author Mrs Humphrey Ward. The organization aimed to shame men into enlisting in the British Army by persuading women to present them with a white feather if they were not wearing a uniform.[2]

This was joined by prominent feminists and suffragettes of the time, such as Emmeline Pankhurst and her daughter Christabel. They, in addition to handing out the feathers, also lobbied to institute an involuntary draft of men, including those who lacked votes due to being too young or not owning property.[3][4][5]
————-

Daher bitte: Wer sind genau die Kriegs_treiber_ und wer sind die Kriegsopfer? UK hatte 850.000 tote Männer. Oh natürlich, wie kann man eine solche Frage stellen. Die Männer sind natürlich einfach nur tot, aber keine Opfer. Die Opfer sind wie immer die Frauen, die nun ganz allein zu hause sein mussten…”

Wer Verstädnisschwierigkeiten hat, der kann sich eine gute Darstellung der entsprechenden Aktionen auch in “Das Haus am Eaton Place” ansehen. Dort wird der Footman Edward Barnes so sehr/so lange von Frauen gemobbed, dass/bis er sich zur britischen Armee meldet.

eaton placeRein historisch betrachtet, ist es ein kaum zu steigernder Unsinn, denn dieselben Männer, die doch alle Kriegstreiber und schlecht sind, sind Widerstandskämpfer, Deserteure, Kriegsverweigerer uvm., folglich sind die Männer Kriegstreiber und Kriegsgegner in einem. Nicht nur, zeigt die Generalisierung aller Männer als von einem Motiv getrieben, eine erschreckende Unbildung im Hinblick auf historische Tatsachen, sie erweist sich auch als bar jeglicher Form von Empathie (noch so eine Eigenschaft, die Philosophen offensichtlich fälschlicherweise als der Conditio humana eigen angenommen haben). Der Kommentator rjb hat sich die Mühe gemacht, einen Zeitzeugenbericht des Jahres 1917 anzuführen, quasi als Nachhilfe in Empathie:

“Aus dem Wikipedia-Artikel über Carl Ludwig Siegel, nachmals ein sehr bedeutender Mathematiker, eine Andeutung, wie sich dieses Nicht-Hingehen praktisch gestaltete: “Er studierte ab 1915 in Berlin Astronomie, Physik und Mathematik …1917 wurde er einberufen. Da er den Wehrdienst verweigerte, wurde er in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Nach eigenen Worten überstand er die Zeit nur, da Edmund Landau, dessen Vater in der Nachbarschaft eine Klinik hatte, ihn unterstützte.”

Wem dieser Zeitzeugenbericht nicht ausreicht, der mag sich den von Alexander Roslin angeführten zu Gemüte führen.

Aber natürlich hätten all diejenigen, die heute so sicher sind, dass Männer Kriegstreiber sind und sie selbst von jedem Makel frei, zu jeder Zeit jede Sanktion und jede Form der Erniedrigung standhaft auf sich genommen und ihren Mann gestanden.

Fazit:

Wie eine Indoktrination gelingen kann, die dazu führt, dass Behauptungen aufgestellt werden, die man bereits mit oberflächlichem Nachdenken als falsch erweisen kann, ist uns ein Rätsel, das wir lediglich mit dem Hinweis auf Denkverweigerung oder Unfähigkeit, außerhalb vorgegebener Schablonen zu denken, erklären können. Beides ist vernichtend für die oben angeführte Annahme vieler Philosophen, nach der Menschen eigentlich mit Vernunft begabte Wesen sind, und zwar alle Menschen.

Und natürlich stellt sich die Frage, womit Schüler in Deutschland derzeit indoktriniert werden bzw. was sie überhaupt noch in deutschen Schulen lernen.

Sprachwissenschaft und österreichische Juristinnen: Weil nicht zusammengeht, was nicht zusammenpasst

Seit Jahrzehnten nun, versuchen Genderisten, die Realität zu verändern. Denn: in der Realität gibt es nicht nur eine klare Vorstellung darüber, dass Geschlecht nicht nur sozial bestimmt ist, sondern auch irgend etwas mit Biologie zu tun hat, in der Realität gibt es auch eine klare Sprachkonvention, die den Genderist*_Innen, wie Sie gerne beschrieben werden wollen, nicht gefällt.

LMU GendersprechUnd deshalb versuchen sie Sprache zu gendern. Also normal verständliche Sätze: “Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor. Heiße Magister, heiße Doktor gar, und ziehe schon an die zehen Jahr, herauf, herab und quer und krumm meine Schüler an der Nase herum.” In: “Da steh’ ich nun, ich arme_*r Tor_*In, und bin so klug als wie zuvor. Heiße Magister*_In, heiße Doktor*_In gar, und ziehe schon an die zehen Jahr, herauf, herab und quer und krumm meine Schüler*_Innen an der Nase herum”, umzuformen.

Diese Form der Verballhornung von Sprache, so schreibt der Verein österreichischer Juristinnen in einer Stellungnahme, auf die uns ein Leser von ScienceFiles aufmerksam gemacht hat, diene der “Verständlichkeit und Präzision” und die dargestellte Schreibweise habe sich “im Alltagsgebrauch als eine wesentilche Variante der Sichtbarmachung der weiblichen und männlichen Form etabliert” (2).

Kennen Sie Beispiele aus dem Alltagsgebrauch, also außerhalb esoterischer Zirkel, die die entsprechende Verstümmelung von Sprache benutzen, um ihre Zusammengehörigkeit gegen die Fremden da draußen, die nicht Angehörigen des Sprachkults, zu dem sie sich zählen, deutlich machen? Wir nicht. Aber sei’s drum, eine Regel im psychiatrischen Umgang mit neurotischen Patienten besteht ja darin, sie langsam von ihrer Neurose zu entwöhnen und sie deshalb zunächst nicht mit der Absurdität ihrer Position zu konfrontieren.

Entsprechend wollten wir uns auch an diese Regel halten, aber die Stellungnahme der österreichischen Juristinnen ist einfach zu schön, als dass man sie an sich vorbeiziehen lassen kann.

Nuts in BedlamDie Stellungnahme wurde übrigens abgegeben, um gegen den Vorschlag des Österreichischen Normeninstituts Front zu machen, das im aktuellen Entwurf zur ÖNORM A 1080 vorschlägt, Texte so zu gestalten, dass sie auch vorlesbar sind, was sowohl den Schrägstrich als auch das BinnenI z.B. aus Titeln und Bezeichnungen auschließt. Dagegen laufen in Österreich Genderisten Sturm, die es vorziehen, einen Kollektivbegriff so zu interpretieren, dass damit nur männliche Bürger angesprochen seien. Um die aus dieser eigenen Interpretation resultierende eigene Minderwertigkeit und den zugehörigen Komplex zu überwinden, soll deshalb nicht von Bürgern, sondern von BürgerInnen die Rede sein, was wieder anderen nicht gefällt, die sich nur von Bürger_innen angesprochen fühlen, oder war es Bürger_Innen? Wie dem auch sei, hier fehlen wieder anderen die Transgender-Menschen, die ja bekannter Maßen an jeder Straßenecke stehen und sich über ihre sprachliche Nichtberücksichtigung beklagen, weshalb aus Bürger_Innen Bürger*_Innen werden soll, damit auch alle berücksichtigt sind, die derzeit als berücksichtigenswert angesehen werden.

Doch zurück zur Stellungnahme der österreichischen Juristinnen, die wirklich einige sprachliche Perlen enthält, deren Besprechung wir zwei Feststellungen vorausschicken wollen:

  • juristinnenLogo_endversionEs gibt in allen Sprachen Kollektivbegriffe und die Unterscheidung zwischen grammatikalischem und biologischem Geschlecht. Ein Trottel kann entsprechend weiblich oder männlich sein (biologisches Geschlecht) obwohl er im Singular ein männliches grammatikalisches Geschlecht aufweist. Dass die Trottel im Plural zu weiblich wechseln hat nun mit Transgender nichts zu tun und auch keinen Bezug zum österreichischen Verein der Juristinnenn, es liegt schlicht an der Sprachkonvention, die sich über Jahrhunderte herausgebildet hat (Oder wie ist es mit “die Person”, die in Singular und Plural weiblich ist und entsprechend Männer generell ausschließt, wenn man die verqueren Behauptungen von Genderisten einmal ernst nimmt.)
  • Sprachwissenschaft untersucht die Form, die Grammatik, die Etymologie und die Verwendung von Sprachen. Wenn, wie in der Stellungnahme der österreichischen Juristinnen, auf Studien Bezug genommen wird, die untersuchen, welche kognitiven Assoziationen sich mit Begriffen verbinden, dann ist dies eine psychologische, keine sprachwissenschaftliche Forschung. Zu den schrägen Studien, die die österreichischen Juristinnen hier anführen, werden wir uns in einem der nächsten Posts äußern, wenn wir genug Stamina entwickelt haben, um uns mit diesem wirklich sehr dunklen Kapitel angeblich wissenschaftlicher Forschung (in den USA nennt man diese Art der Forschung mittlerweile junk science) zu befassen.

Nun endlich zur Stellungnahme.

Gleich zu Beginn steht der folgende Satz:

“Bevor auf die einzelnen Punkte des og. Entwurfs eingegangen wird, ist grundsätzlich anzumerken, dass der im Entwurf an mehreren Stellen erfolgte Vorschlag, die männliche Formulierung für die Bezeichnung aller Geschlechter als „allgemeingültige Form“ zu verwenden, aus Sicht des VöJ klar abzulehnen ist. Die dadurch erfolgte – nicht neue, aber definitiv mit der modernen Realität nicht mehr konforme – Konstruktion von „männlich“ als Norm (und damit Gleichsetzung von Mann = Mensch) macht die Notwendigkeit einer tatsächlich geschlechtergerechten Sprache einmal mehr deutlich” (1).

Logik f dummiesWer es also schriftlich gebraucht hat, dass Mann und Mensch nicht gleichzusetzen ist, dem haben es die österreichischen Juristinnen gerade geliefert. Männer sind demnach keine Menschen, und wer als Mann gerade eine österreichische Juristin als Verteidiger oder Vertreter in einem Zivilprozeß engagiert hat, sollte sich das noch einmal gründlich überlegen. Da nach der queeren Logik der Genderisten Männer keine Person (die Person und die Personen) sein können, ist diese Aussage eigentlich nicht verwunderlich, macht aber deutlich, dass Juristen sich der Frage widmen sollten, welchen Status im Hinblick auf “Personenrechte” Männer eigentlich noch einnehmen.

Es ist schon erstaunlich, wie wenig mit Sprache gerade diejenigen umgehen können, die wie die österreichischen Juristinnen am lautesten schreien, wenn es darum geht, anderen vorzuschreiben, wie sie zu schreiben und sprechen haben (vermulich war “Mensch = Mann” und nicht “Mann = Mensch” gemein). Soll hier die eigene Behinderung zur Norm erhoben werden, damit sie nicht mehr auffällt? Das würde zum oben angesprochenen Minderwertigkeitskomplex derer passen, die der Ansicht sind, sie seien aus Kollektivbegriffen ausgeschlossen.

Dass die österreichischen Juristinnen auch mit der Sprachlogik, noch so ein Ding, mit dem sich Sprachwissenschaftler befassen sollten, ein Problem haben, wird deutlich, wenn man zwei Textstellen, zwischen denen einige Textpassagen liegen, mit einander in Verbindung bringt. So heißt es an einer Stelle im Text:

Sprache soll Realität abbilden und daher verständlich sein. Eine Sprache, die lediglich männliche Formulierungen verwendet, wenn es tatsächlich um Männer und Frauen geht, bildet weder die Realität ab, noch ist sie verständlich: zahlreiche sprachwissenschaftliche Studien belegen, dass Texte, die ausschließlich die männliche Sprachform verwenden, bei Rezipienten und Rezipientinnen eine kognitive Überrepräsentanz von Männern bei gleichzeitiger gedanklicher Nichteinbeziehung von Frauen erzeugen. Frauen werden daher eben nicht „mitgemeint“ (2).

Einige Zeilen später liest man:

Im Zusammenhang mit geschlechtersensibler Formulierung ist darauf zu verweisen, dass weibliche Sprachformen, obwohl der männlichen Form ja angeblich „allgemeine Bedeutung“ zukommt, ja durchaus allgegenwärtig verwendet werden – und zwar vor allem in jenen Konstellationen, wo es geschlechterstereotyp „passend“ erscheint, also beispielsweise „Kindergärtnerinnen“ oder „Putzfrauen“. (3)

Was nun? Soll Sprache Realität abbilden und verständlich sein oder nicht? Vielleicht können sich die österreichischen Juristinnen, die sich aus welchen Gründen auch immer “Juristinnen” und nicht Jurist*_innen nennen, entscheiden. In der Realität ist es nun einmal so, dass Kindergärtnerinnen rund 90% der Beschäftigten in Kindergärten ausmachen. Entsprechend sprechen Menschen, die mit der Realität konfrontiert sind und denen es nicht darum geht, eigene Phantasien auszuleben, die mit der Realität nicht stimmig zu bekommen sind, ganz selbstverständlich von Kindergärtnerinnen.

Und dann finden sich auch männliche Putzfrauen, ein Unding für die österreichischen Juristinnen, und dennoch eine ganz einfache sprachliche Sache, denn Putzfrau sagt nicht, dass alle Putzfrauen weiblich sind, Putzfrau ist ein Kollektivbegriff, der etwas über die Funktion desjenigen aussagt, der die Position “Putzfrau” ausfüllt, und rein gar nichts über sein Geschlechtsteil.

Um es einmal wieder zu wiederholen: Nur Manische sehen überall Geschlechtsteile.

Sprache als Politik

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Schließlich, um die Sache rund zu machen, gibt es noch ein logisches Problem, das die österreichischen Juristinnen lösen sollten: Wenn, wie sie behaupten, Frauen in Bürger, Gärtner oder Hauswart nicht mitgemeint sind, da die Begriffe sich durch ein männliches grammatikalisches Geschlecht auszeichnen und angeblich die Assoziation “männliches Geschlecht” auslösen sollen, dann ist die logische Konsequenz dieser Behauptung, dass Männer sich in weiblichen Pluralen wie “die Bürger”, “die Österreicher”, “die Römer” nicht “mitgemeint” fühlen können und entsprechend eine männliche Ergänzung zum weiblichen Plural notwendig wäre.

Vielleicht sollte man langsam darüber nachdenken, Sprachneurotiker in geschlossene Anstalten zu stecken, wo sie sich so lange gegenseitig in _innen, der/die und mit so vielen * wie sie wollen ansprechen können, bis sie der verbliebene Verstand auch noch verlassen hat und sie vielleicht das Zeitliche segnen. In jedem Fall lautet unser Vorschlag an österreichische Menschen (Männer ausdrücklich eingeschlossen), die einen Anwalt brauchen, Fragen Sie, ob Ihr Anwalt Mitglied im Verein österreichischer Juristinnen ist. Wenn ja, suchen Sie sich einen anderen, denn entweder, sie verstehen nicht, was die entsprechende Juristin da schreibt, weil es schlicht unlesbar ist oder weil sie nicht logisch denken kann oder weil sie sie nicht als Mensch ansehen kann.

Noch ein paar Punkte zum Abschluss:

  • Wenn irgendwelche Unnormalen ihre unnormale Interpretation von Sprachbedeutung nutzen wollen, dann dürfen Sie das gerne tun, so lange sie nicht anfangen, andere damit zu penetrieren.
  • Wenn die Unnormalen aber damit anfangen, Dritten vorschreiben zu wollen, wie sie Sprache benutzen, wenn sie diesen Dritten vorgeben wollen, was sie bei Kollektivbegriffen zu denken haben, dann ist die Grenze zum Faschismus überschritten , und das ist nicht hinnehmbar.
  • Wenn jemand bei Gärtner lieber an männliche Gärtner denkt, dann ist das seine Freiheit und seine Angelegenheit und kein Dritter hat das Recht, sich hier einzumischen.
  • Wieso nehmen sich eigentlich österreichische Juristinnen das Recht, Dritten vorschreiben zu wollen, was sie zu denken und wie sie zu sprechen haben?
  • Was haben Juristinnen überhaupt mit Sprachkonventionen zu tun? Sie werden dafür bezahlt, Recht auszulegen, nicht dafür, sich zu Dingen zu äußern, von denen sie nachweislich keine Ahnung haben.
  • Was gedenken österreichische Juristinnen mit Menschen zu tun, die sich weigern, ihre Sprachverballhornung mitzumachen?

Schließlich: Dieser alte Hut, der bereits in den 1970er Jahre niemanden interessiert hat, sollte nun wirklich ad acta gelegt werden. Aber anscheinend denken Genderisten, wenn sie alle 10 Jahre denselben Unsinn aufwärmen, würde das Gelächter über ihre Sprachunkenntnis irgendwann verstummen. Da die Fälle von Alzheimer derzeit zunehmen, stellt sich uns die Frage, ob die Zunahme einen Zusammenhang aufweist mit den zyklisch wiederkehrenden Versuchen von Genderisten, die Sprach-Realität zu etwas anderem zu verbiegen oder ob Alzheimer am Ende gar kein Krankheitsbild ist, sondern Ergebnis der gesellschaftspolitischen Entwicklung in einer bestimmten Generation.

Salience: Wenn die Unnormalität Feste feiert

Choice Values FramesSalience ist ein interessantes Konzept, beschreibt es doch das Zusammenspiel von zuweilen falscher Wahrnehmung und der Bildung von Stereotypen. Ein schönes Beispiel für Salience ist Risikowahrnehmung. Kaum jemand hat ein Problem damit, nach Pompeji zu reisen, obwohl der Vesuv jederzeit ausbrechen kann. Aber viele haben ein Problem mit Kernenergie, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze geringer ist, als die Ausbruchswahrscheinlichkeit des Vesuv. Die Erklärung für diese Fehlwahrnehmung wird in der Regel mit Salience gegeben: Fukushima ist überall und beeinflusst die Risikowahrnehmung von Kernenergie, über den Vesuv wird bestenfalls als Touristenattraktion berichtet, nicht jedoch als tickende Zeitbombe in einem dicht besiedelten Gebiet.

Ein anderes sozialpsychologisches Konzept wurde von Tversky und Kahneman als Ankerheuristik bezeichnet. Es beschreibt den Umstand, dass der Ausgangspunkt eines Denkprozesses dessen Ergebnis beeinflusst.

Testpersonen wurden gebeten, das Produkt zweier Zahlenreihen zu schätzen, wobei sie nicht länger als drei Sekunden auf die Zahlenreihen blicken konnten. Zahlenreihe 1: 1*2*3*4*5*6*7*8; Zahlenreihe 2: 8*7*6*5*4*3*2*1. Hunderte von Testpersonen an den Universitäten Stanford, British Columbia und Tel Aviv, kamen durchschnittlich zu einem Ergebnis von 512 im ersten Fall und von 2.250 im zweiten Fall. Das richtige Ergebnis in beiden Fällen lautet: 40.320. Offensichtlich wirkte die erste Zahl der Reihe als Anker, der das Ergebnis beeinflusst.

witchcraftVerallgemeinernd kann man sagen, dass die Voraussetzungen, mit denen man an ein Thema herangeht, das Ergebnis beeinflussen, wenn nicht gar determinieren. Ein Zusammenhang, der auch unter dem Namen “Framing” bekannt ist. Framing liegt vor, wenn Archäologen große Gefäße nur als Opferbecken und alles, was sie nicht verstehen, als rituelle Gegenstände zu interpretieren im Stande sind. Framing liegt vor, wenn Sozialarbeiter in allem, was nicht ihrer Vorstellung von normal entspricht, einen behandelswerten Zustand erblicken. Framing liegt vor, wenn Soziologen an alle Forschungsgegenstände mit einer affektiven Abwehrhaltung gegen das, was sie z.B. als Neoliberalismus ansehen, herangehen, und Framing liegt vor, wenn Politikwissenschaftler die Europawahlergebnisse besprechen ohne ein Wort auf die nicht vorhandene demokratische Legitimation der EU-Kommission zu verschwenden.

Und Framing grenzt an das Manische, wenn die eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit nicht mehr hinterfragt wird und für bare Münze genommen wird. Der größte Narr ist derjenige, der nicht merkt, dass er sich lächerlich macht.

Dies bringt uns zu zwei Pressemeldungen deutscher Universitäten, die eine Verquickung von Salience und Framing/Ankereffekt zeigen, die nicht nur geeignet ist, Rückschlüsse auf den mentalen Zustand derer zu erlauben, die dafür verantwortlich sind, sondern die auch als sozialgefährlich einzustufen sind, denn sie graben an den Grundfesten der gesellschaftlichen Normalität.

Die erste Pressemeldung kommt aus Bielefeld und hat eine Tagung mit dem Titel “Female Intellectuals in the 20th and 21st Century” zum Gegenstand. Auszüge lesen sich wie folgt:

zif_logo“The 20th century has been named the “Century of the Intellectuals”. Numerous studies have portrayed the history of intellectuals. They all have a common trait: the blocking out of women. The aim of the conference is to enlarge the gallery of males, which the history of intellectuals has constructed, by adding portraits of women in the role of intellectuals and thereby correcting this gallery.”

Und an anderer Stelle:

„Wir wollen eine Debatte über die Frage eröffnen, ob und inwiefern das politische Engagement von Frauen über vorherrschende Idealtypen des Intellektuellen erfasst werden kann. Gibt es einen spezifischen Typus weiblichen Engagements oder bringt der Blick auf Frauen diese Typologie ins Wanken?“, sagt die Leiterin der Tagung, die Bielefelder Historikerin Professorin Dr. Ingrid Gilcher-Holtey.”

Die zweite Pressemeldung kommt von der Ernst-Moritz-Arndt Unversität in Greifswald und ist überschrieben mit: “Von vierzehn Frauen, die auszogen, um ihren Weg zu gehen”, eine moderne Version des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten also. In dieser Pressemeldung heißt es:

Logo Uni Greifswald“Sie nehmen in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenpositionen ein und könnten unterschiedlicher kaum sein: Sie organisieren Unternehmen, tüfteln an Enzymen oder physikalischen Phänomenen, konstruieren Maschinen, arbeiten als Richterin oder sind Journalistinnen. So unterschiedlich ihre Aufgabengebiete auch sein mögen, eines haben alle gemeinsam: Sie sind Karrierefrauen.”

Die beiden Pressemeldungen eignen sich hervorragend, um über die Diskussion dessen, was Salience bewirkt, das Framing der Autoren und vielleicht sogar ihren mentalen Zustand zu erschließen.

Beide Pressemeldung haben gemeinsam, dass sie so tun, als wäre die Tatsache, dass Frauen Karriere machen, dass es Frauen im öffentlichen Leben gibt, eine Errungenschaft des Genderismus. Anders formuliert: Beide Pressemeldungen arbeiten am Mythos der unsichtbaren Frauen, die über die Jahrtausende keinerlei Platz im öffentlichen Leben einer Gesellschaft gefunden hätten.

Dabei geht Frau Ingrid Gilcher-Holtey von der Universität Bielefeld gar so weit zu behaupten, dass Frauen aus der “Galerie der Intellektuellen des 20. Jahrhunderts” absichtlich, vermutlich von bösen Männern herausgehalten werden. Was Personen wie Gilcher-Holtey, die Verschwörungstheorien aus der untersten Schublade vertreiben (manche Verschwörungstheorien sind intelligent, aber die von Gilcher-Holtey ist nur primitiv), an Universitäten zu suchen haben, ist eine Frage, die andere beantworten müssen, ebenso wie die Frage, wieso öffentliche Fördergelder benutzt werden, um Treffen von Sektenmitgliedern an Universitäten zu organisieren, an denen sie dann ihrem Glauben huldigen können.

Was uns angeht, wir kennen keine Galerie der Intellektuellen, die nur Männer beinhaltet, aber wir kennen eine ganze Reihe von weiblichen Intellektuellen, obwohl wir noch nicht von den Sektenmitgliedern aus Bielefeld missioniert wurden. Ganz davon abgesehen, dass man sich kaum mehr retten kann vor Listen wie dieser, die die weiblichen Helden des 20. Jahrhunderts besingen sollen. Seltsamerweise fehlen dabei immer Frauen wie Emmy Noether (Mathematiker), Maria Mitchell (Astronom), Anna Atkins (Botaniker), Ida Freund (Chemiker), Lise Meitner (Kernphysiker), Ruth Benedict (Anthropologe), Phyllis Starkey (Biochemiker), Amanda Chessell (Informatiker), Mamie Clarke (Psychologe) und viele andere, die in ihren Fächern bekannt sind und in den vorhandenen Bibliotheken leicht auffindbar sind, jedenfalls dann, wenn einem die Manie, Frauen würden aus öffentlichen Galerien (was immer das auch sein mag) herausgehalten, nicht davon abhält, die Augen aufzumachen und sie zu benutzen.

Damit zur Pressemeldung aus Greifswald, die die Prämisse der Außergewöhnlichkeit weiblicher Karrieren feiert und auf der weiteren Prämisse basiert, dass man selbst als Frau Karriere machen kann, dann halt als Karrierefrau. Wie schön. Und damit die Nachricht auch wirklich ankommt, werden all die berichteten Unterschiede zwischen den 14 mecklenburg-vorpommerschen Stadtmusikanten beseitigt und ihr eines sie auszeichnendes Merkmal der Weiblichkeit gefeiert, das doch gar keine Behinderung ist und es selbst Frauen ermöglich, Karriere zu machen.

impact-factorWenn derartige Pressemeldungen überhaupt etwas erreichen, außer einem Kopfschütteln und einem Post auf ScienceFiles, der zeigt, in welchem manischen Frame sich die entsprechenden Verantwortlichen befinden (An ScienceFiles ist mit Dr. habil. Heike Diefenbach eine weibliche Intellektuelle beteiligt, aber mit dem Urteil und der Ratio von aktuellen Intellektuellen haben es die Manischen in Bielefeld nicht so, sie sind mehr darn interessiert, ihre eigene Unnormalität zu feiern. Das ist auf dem Rücken von Toten leicht möglich, denn die können sich nicht wehren, während Lebende Antworten geben können, die nicht in das ideologische Raster von Feministen passen könnten.), dann ist es eine Form von Salience, die all die Frauen, die es in der normalen öffentlichen Wahrnehmung gibt, von denen jeder Schüler schon einmal in dem ein oder anderen Zusammenhang gehört hat und von denen sicherlich jeder, der sich mit den entsprechenden Bereichen befasst, Kenntnis hat, als Abnormitäten dargestellt werden.

Sie werden zum unnnormalen Auswuchs im von feministischen Vorurteilen beherrschten Gehirn.  So will es die Manie derer, die denken, Frauen waren, bevor es den Feminismus gab, dumme, abhängige und vor allem hilflose Opfer fieser Männer. In ihrem Versuch, die Geschichte umzuschreiben und als patriarchalisch beherrschtes Gefängnis zu phantasieren, in dem außerhalb des eigenen Hauses für Frauen kein Platz war, werden die Frauen, die nicht in das phantasierte Stereotyp dieser Feminsten passen, eben als Kollateralschaden aus der Geschichte beseitigt. Ganz so wie sie meinen, es Männern vorwerfen zu können, und frei nach dem Motto: Besser keine Frauen als unterdrückte Frauen.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass die Anzahl der Frauen in Wissenschaft und Forschung, die Anzahl unter denen, die Patente anmelden und die Anzahl unter denen, die Wissenschaft und Intellektualität nach außen repräsentieren, nach wie vor geringer ist als die der Männer und dass sie es auch über die letzten Jahrhunderte war. Daran kann auch der Feminismus nichts ändern, denn über die Wahrheit haben Feministen keine Gewalt. Aber Wahrheit und Empirie interessieren Ideologen nicht, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben.

Jedoch kann festgestellt werden, dass es Bereiche gibt, in denen sich eine große Anzahl von Frauen klumpt, die von einer geschlechtlichen Selbstbetrachtung beherrscht sind und deren wie es in der Wissenschaft neuerdings heißt “impact factor”, wenn es um Erkenntnis und Wissensfortschritt geht, gleich null ist.

Homo-Mania II: Gewerkschaft für Exzessiven Wahnsinn

Nachdem wir Lesbische und Schwule Lebensweisen, ein Thema für die Schule gerade erst unter dem Thema “Homo-Mania” behandelt haben (Die GEW hat die genannten Unterrichtsmaterialien übrigens zwischenzeitlich von der eigenen Homepage verschwinden lassen. Gut, dass wir eine Sicherungskopie haben…), hat uns ein Leser auf ein weiteres Werk aus dem Hause GEW aufmerksam gemacht. Zu verantworten hat es dieses Mal der GEW-Hauptvorstand und dort die im Vorstandsbereich “Frauenarbeit” installierte, den Lesern von ScienceFiles als Unsinn des Jahres 2012 Preisträgerin bestens bekannte, Anne Jenter.

GEW Praxishilfen fuer die SchuleDas Werk behauptet von sich, eine Studie zu sein (es erinnert eher an einen Comic als etwas Ernstzunehmendes), trägt den Titel “Geschlecht und sexuelle Vielfalt”, den Untertitell “Praxishilfen für den Umgang mit Schulbüchern” und ist ein weiterer Beleg dafür, dass in bestimmten Kreisen der deutschen Gesellschaft eine Manie grassiert, eine Homo-Mania, die die davon Betroffenen täglich auf der Suche nach Homo-, Inter-, Trans- und sonstigen Sexuellen sein lässt und sie chronisch z.B. die Forderung stellen lässt: “Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und sexueller Orientierung oder Identität” auch “in Englisch- und Biologiebüchern” zu thematisieren (16). Warum in Englisch- und Biologiebüchern? Warum nicht? Manien zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Gegenstand eher willkürlich gewählt wird.

Schauen wir uns die angebliche Studie genauer an:

“Melanie Bittner hat im Auftrag der GEW und mit Unterstützung der Max-Traeger-Stiftung eine Studie erstellt: Geschlechterkonstruktion und die Darstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter+ (LSBTI) in Schulbüchern. Eine gleichstellungsorientierte Analyse”, so heißt es auf Seite 9 der angeblichen Studie.

Übersetzt lautet die Passage: Melanie Bittner, Absolventin, Oh Wunder, der Humboldt-Universität, dann wohl kurz wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Susanne Baer, und seit 2011 selbständige “Trainerin, Forscherin und Beraterin zu Gender, Diversity und Antidiskriminierung” hat ihren bisher “größten Auftrag” von der GEW zugeschustert bekommen, und die Max-Traeger-Stiftung hat ihn finanziert. Wie wir seit Thomas Viola Rieske wissen, ist die GEW, vor allem der Vorstandsbereich “Frauenarbeit”, ständig auf der Suche nach Absolventen, die man verheizen kann, neuestes Opfer: Melanie Bittner.

Bittner hat im Auftrag der GEW Schulbücher untersucht, Schulbücher für Biologie und Englisch. Warum Schulbücher in Biologie und Englisch? Niemand weiß es. Wie wurden die untersuchten Schulbücher ausgewählt? Niemand weiß es. Welche Fragestellung wurde untersucht? Nun, es gibt zwar keine Fragestellung, aber es gibt eine Vorgabe, und es gibt eine Absicht, die mit der “Studie” verfolgt werden soll. Die Vorgabe steht schon im zitierten Abschnitt oben und ist mit “gleichstellungsorientierte Analyse” beschrieben. Da wir es mit Homo-Manen zu tun haben, ist die Fragestellung demnach: Werden in Biologie- und Englischbüchern auch alle die verschiedenen sexuellen Orientierungen in angemessenem Maße behandelt, die einem Homo-Manen so einfallen? Was ist ein angemessenes Maß? Niemand weiß es.

Bleibt noch die Absicht. Die Absicht lässt sich einem Teil der vermeintlichen Studie entnehmen, der mit “Theorie – Worum es geht” überschrieben ist. Dort finden sich zum einen erstaunliche Sätze wie: “Ein Großteil der Schüler … ist regelmäßig mit Schulbüchern konfrontiert” (8) Und: “Die Bücher (re)konstruieren Wissen und stellen damit Wirklichkeit her. Diese wird gesellschaftlich ausgehandelt” (8).

Falsche Rekonstruktion der Wirklichkeit

Falsche Rekonstruktion der Wirklichkeit

Den letzten Satz muss man in aller Ruhe analysieren: Es gibt also da draußen, nennen wir das da draußen einmal die Natur, Wissen. Dieses Wissen wird nun in Schulbüchern rekonstruiert oder gar konstruiert. Und dann wird das (re-)konstruierte Wissen den Schülern als Wirklichkeit verkauft. So deutlich haben wir bislang noch nirgends gelesen, dass es in Schulbüchern nicht darum geht, Schülern Wissen zum Beispiel über ihre Sprache oder über ein paar Grundregeln der Mathematik zu vermitteln, sondern darum, ihnen ein ganz bestimmtes, gerade gesellschaftlich konstruiertes Wissen zu vermitteln, sie also zu indoktrinieren.

Denn: Gesellschaft besteht ja nicht nur aus der GEW, sondern aus ganz vielen anderen, und die haben nicht unbedingt die selbe Meinung und das selbe Wissen (sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr). Wenn man nun behauptet, Schulbücher seien (Re-)Konstruktionen der Wirklichkeit, dann gibt man damit notwendiger Weise zu, dass es die (Re-)Konstruktionen der Sieger, derjenigen gesellschaftlichen Gruppen sind, die sich durchgesetzt haben, mit ihrer Weltsicht oder ihrer Manie. Damit wären wir wieder bei der Homo-Mania, denn das Ziel von Studien, wie der von Anne Jenter beauftragten, besteht darin, das zu bestimmen, was in Schulbüchern (re-)konstruiert wird.

Und weil die (Re-)Konstruktion dem Ausleben einer Manie gewidmet ist, soll in Schulbüchern und an allen Ecken und Enden von Homo-, Bi-, Inter- und all den anderen Sexuellen die Rede sein, soll die “Heteronormativität” gebrochen werden.

Welche geilen Phantasien dabei in den Köpfen der Homo-Manen herumgeistern, mit welchem schamlosen Übergriff Sie schon 11- und 12jährige penetrieren wollen, das können die Leser, die es wollen, selbst nachlesen. Wir wollen uns an dieser Stelle den urplötzlich auftauchenden Geschichtsbücher, von denen im Kapitel “Die Schlbuch-Studie” offensichtlich niemand wusste, die im Kapitel “Praxis: Mit Schulbüchern umgehen”, aber dennoch auftauchen, widmen.

Dort findet sich zunächst die Krisenbeschreibung: “LSBTI bleiben aber außen vor” (30; also all die xy-Sexuellen). Dagegen ist die “Gleichberechtigung der Frau” Thema in allen Schulbüchern, die wie auch immer Eingang in die vermeintliche Schulbuch-Studie gefunden haben. Interessanter Weise reden die Diversitäts-Apostel, denen es so um die Gleichtstellung geht, immer von “der Frau” nie von “den Frauen”, was auf einen grundlegenden Essentialismus schließen lässt, der nicht in der Lage ist, vom biologischen Geschlecht zu abstrahieren und zuzulassen, dass die Unterschiede zwischen Frauen größer sind als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Das eben ist der Kern einer Manie: Die Verabsolutierung weniger Variablen, hier: Geschlecht und Sexualität.

Und nun versetzen Sie sich in ihre Schlzeit zurück. Wir behandeln den siebenjährigen Krieg und die Rolle, die Friedrich der Große darin gespielt hat. Und während wir Friedrich dem Großen, der nach der Schlacht bei Lobositz durch die Reihen seiner verbliebenen siegreichen Soldaten reitet, folgen, erklärt der Geschichtslehrer: “Übrigens, liebe Schüler, Friedrich der Große war schwul”. Jedenfalls war er dann, wenn es nach dem Willen der GEW geht, schwul:

GEW: "Der alte Fritz war schwul!"

GEW: “Der alte Fritz war schwul!”

“Erwähen Sie beiläufig, wenn Persönlichkeiten auch Beziehungen mit dem gleichen Geschlecht hatten … Friedrich der Große (1712-1786), preußischer König mit Sitz auf Schloss Sansouci, hatte womöglich eine Beziehung zu seinem Jugendfreund Katte, der hingerichtet wurde. Friedrich wurde von seinem Vater zwangsverheiratet, verbannte aber nach dessen Tod seine Frau auf ein anderes Schloss und duldete an seinem Wohn- und Arbeitssitz kaum Frauen” (32).

Das sind erstaunliche Einsichten in die sexuelle Orientierung von Friedrich dem Großen, die die GEW hier gewonnen hat. Selbstverständlich wäre der siebenjährige Krieg ganz anders verlaufen, wenn bekannt gewesen wäre, dass der alte Fritz schwul ist. Denn schwul muss er in den Augen der Homo-Manen gewesen sein, schon wegen seines Jugendfreunds, und da es für Männer nach Ansicht der GEW nur einen Grund geben kann, sich mit Frauen abzugeben, kann auch die Tatsache, sofern sie denn zutrifft, dass Friedrich der Große es lieber mit Voltaire als mit Frauen zu tun hatte, keinen anderen Grund haben, als dass Friedrich der Große schwul war. Denn: Einmal schwul, immer schwul.

Wie so oft, entpuppen sich die Diversitäts-Fanatiker als Spießbürger par excellence, die Angst vor Diversität haben und ihre Manie in einem Biologismus gründen, der sich gewaschen hat. Es ist wirklich nicht mehr erträglich, dass Homo-Mane frei herumlaufen dürfen und gar versuchen, die Normalität der ihrer Meinung nach konstruierten Welt zu beseitigen und mit ihrer manischen Re-Konstruktion zu ersetzen. Jemand sollte diesen Homo-Manen langsam zeigen, wie unnormal sie sind.

Niemand, der bei normalem Verstand ist, läuft durch die Welt und sortiert Menschen nach sexueller Orientierung. Homo-Mane tun das. Niemand, der bei normalem Verstand ist, denkt, dass es für die Beurteilung von Friedrich dem Großen relevant ist, dessen sexuelle Orientierung “beiläufig” einfließen zu lassen. Homo-Mane tun das. Und niemand, der sich noch an die gesellschaftliche Konstruktion von Anstand und Verantwortung erinnert, überfällt 11- oder 12jährige mit seiner Manie und verfolgt sie so lange, bis auch sie nicht mehr Menschen, sondern nur noch sexuelle Orientierungen sehen. Homo-Mane tun das!

Das Europäische Parlament finanziert eigene Internet-Trolle

Die Europäische Kommission ist in ihrer Außendarstellung sehr um den Datenschutz von Iternetnutzern besorgt und die Europäische Kommission findet sehr salbungsvolle Worte, wenn es darum geht, die Meinungsfreiheit im Internet zu verteidigen, z.B. der “EU Representative” Stavros Lambrinidis:

The EU is committed to promote human rights in all areas of its external action without exception, in particular, using the link between new technologies and human rights as important avenues for promoting democracy. The “Arab Spring” has shown to the world how ICTs can be a powerful force to support human rights activists and in general a driver of democratization processes.

Today we see signs that the objective of an open Internet for all seems to be more and more shared by a number of governments in the MENA region. The Commission’s information society policy in our discussions with public authorities, telecommunication regulators and civil society stakeholders in the MENA region can build on this increasing support as part of its approach to secure a fair, open, competitive and transparent market for telecommunications, a connected ICT research environment, a diverse media landscape and an open and vibrant Internet for all.”

eu-flagGleichzeitig, so scheint es, wenn Berichte, die sich nun seit einiger Zeit in britischen Medien und Online-Nachrichten halten, zutreffen, dass das EU-Parlament rund 3 Millionen Euro ausgibt, um EU-Trolle zu finanzieren, deren Ziel darin besteht, EU-kritische Diskussionen im Internet und hier vor allem in sozialen Meiden zu übernehmen, zu entschärfen und letztlich zum Verstummen zu bringen.

Die Berichte über die entsprechende Strategie des Europäischen Parlaments, gehen auf ein parlamentsinternes Dokument zurück, das dem Daily Telegraph zugespielt wurde. Ziel des Europäischen Parlaments ist es demnach, ein Instrument zur Überwachung der öffentlichen Meinung zu implementieren, das darauf abzielt, frühzeitig zu erkennen, ob EU-kritische Diskussionen in Blogs und sozialen Medien das Potential haben, die Aufmerksamkeit der Mainstream-Medien zu erlangen. Dabei sollen vor allem Diskussionen in Ländern überwacht werden, von denen bekannt ist, dass sie ein großes EU-kritisches Potential in der Bevölkerung haben.

Die Überwachung soll wiederum die “institutionellen Kommunikatoren des EU-Parlaments” in die Lage versetzen, die aktuellen EU-kritischen Themen, die diskutiert werden, zu erkennen, um schnell und gezielt darauf reagieren zu können, z.B. dadurch, dass sie in die Debatte im Internet eingreifen und versuchen, die Diskussion in eine EU-freundliche Richtung zu lenken.

Enemies of the InternetParliament’s institutional communicators must have the ability to monitor public conversation and sentiment on the ground and in real time, to understand ‘trending topics’ and have the capacity to react quickly, in a targeted and relevant manner, to join in and influence the conversation, for example, by providing facts and figures to deconstructing myths.” [...] “In order to reverse the perception that ‘Europe is the problem’, we need to communicate that the answer to existing challenges… is ‘more Europe’ – not ‘less Europe’.”

Paul Nuttall, Vizevorsitzender von UKIP wird vom Telegraph u.a. mit der folgenden Aussage zitiert: “It strikes me bizarre that the EU administration is playing such an explicitely political role with a brief to target Eurosecptics”.

Dieser Kommentar geht jedoch weitgehend am Thema vorbei. Die Aufgabe der Öffentlichkeit, die Aufgabe der Medien ist es, demokratische Institutionen zu kontrollieren. Die ganze Demokratietheorie basiert auf der Möglichkeit von demokratischer Kontrolle: Parlament kontrolliert Regierung, Öffentlichkeit kontrolliert Parlament. Dass nun das Europäische Parlament sich anschickt, die öffentliche Kontrolle dessen, was im Parlament und in der EU geschieht, zu beeinflussen und gezielt “intstitutional communicators” einsetzen will, um die Diskussionen über die EU und das Europäische Parlament zu beeinflussen, ist entsprechend ein Bruch mit allem, was man als Grundlage von Demokratie ansehen kann.

GEW PropagandaMan möge sich die Reaktion von öffentlichen Funktionären vorstellen, wenn Unternehmerverbände versuchen würden, das viele Falsche, was in deutschen Schulen über die Marktwirtschaft gelehrt wird, zu beeinflussen, wenn sie darauf bestünden, Unterricht in deustchen Schulen zu überwachen und, sofern wieder eine Mythe über die Marktwirtschaft verbreitet wird, zu versuchen, die Diskussion an sich zu reißen und den Mythos zu beseitigen. Man kann sich das Geschrei lebhaft vorstellen.

Und wenn man nun hört, was Parlamentarier, was Funktionäre und so genannte Volksvertreter dazu zu sagen haben, dass das Europäische Parlament Trolle finanziert, die das Internet überwachen, um EU-kritische Diskussionen zu unterbinden, dann hört man weitgehend nur: Nichts, oder in den Worten des Daily Telegraph: “Parliament Officials declined to comment on the confidential documents and ongoing private discussions within the EU assembly’s administration”.

Sartori_DemokratietheorieDie Geschwindigkeit, mit der zur Zeit demokratische Grundlagen beseitigt werden, ist atemberaubend. Vor einiger Zeit haben wir darüber berichtet, dass die EU-Kommission eigene Claqueure bezahlt, die für die Notwendigkeit bestimmter Regelungen durch die EU-Kommisson Lobbyarbeit machen sollen. Nun berichten wir darüber, dass das Europäische Parlament versucht, die öffentliche Diskussion darüber, wie u.a. das Europäische Parlament seine Arbeit macht, zu beeinflussen. Egal, ob die EU-Parlamentarier fürchten, ihre lukrativen Posten im Parlament an Mitglieder EU-kritischer Parteien zu verlieren, egal, ob sie vermeintliche Mythen über die EU in den entsprechenden Diskussionen aufklären wollen, der Versuch, die Meinungsbildung in der Bevölkerung zu überwachen und durch Trolle gezielt zu beeinflussen, ist in demokratischen Systemen nicht vorgesehen, und vor allem ist er nicht akzeptabel.

Früher kannte man noch die Gewaltenteilung, hat davon gehört, dass Exekutive und Legislative und Judikative nicht in einer Hand sein sollen. Früher gab es ein Bewusstsein dafür, dass Parlamente und Regierungen, die nicht durch die Öffentlichkeit überwacht werden können, z.B. weil sie über Parteien Medien beherrschen oder über vermeintliche politische Stiftung Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen können, über kurz oder lang zu nepotistischen Anstalten verkommen, die nur noch dazu da sind, sich und die eigene Klientel zu bereichern.

Mit der Gründung der EU und deren Weiterentwicklung zu einem antidemokratischen Moloch, der keinerlei Basis in irgendeiner Demokratietheorie findet, hat man zunächst die Trennung zwischen Exekutive und Legislative beseitigt und nunmehr ist man dabei die Kontrolle in demokratischen Systemen zu verändern. An die Stelle der Kontrolle durch die Öffentlichkeit, tritt nunmehr die Überwachung, Kontrolle und Manipulation der Öffentlichkeit. Entsprechend sollte man langsam daran denken, die EU nicht mehr als demokratische Institution zu verstehen, denn ein System, das keine Trennung zwischen Exekutive und Legislative kennt und das Anstrengungen unternimmt, die eigene Kontrolle zu verunmöglichen und eine Deutungshegemonie derart zu etablieren, dass nur richtig ist, was aus Brüssel kommt, ist keine Demokratie, sondern eine Oligarchie mit massiver Tendenz zum Totalitarismus.

ScienceFiles-Club

Vorreiter in Sachen Totalitarismus: Baden-Württemberg ist queer

Gleich vorweg gilt es, einen Irrtum zu beseitigen, der sich bei Politikern aller Couleur findet und der sich über die letzten Jahrzehnte zu einem Vorurteil verfestigt hat, das nicht mehr toleriert werden kann: Es gibt nicht eine Demokratietheorie, aus der Politiker den Auftrag ableiten könnten, ihre Wähler zu erziehen bzw. ihren Wählern Vorgaben zu machen. Die entsprechenden Versuche der Volkserziehung stammten bislang ausnahmslos aus totalitärer Feder.

Schmidt DemokratietheorieIm Gegenteil: Die Politikwissenschaft kennt den Begriff der Responsivität. Damit ist gemeint, dass Politiker das, was in der Bevölkerung diskutiert wird, aufnehmen und vertreten. Insofern ist die Abhängigkeitsbeziehung eindeutig: Politiker sind von ihrer Bevölkerung abhängig, nicht umgekehrt, sie werden ja auch von der Bevölkerung bezahlt: Politiker als solche und Politiker in Regierungsverantwortung insbesondere sind Repräsentanten ihrer Wähler und haben entsprechend keinerlei Mandat, das es ihnen erlauben würde, auf ihre Wähler einzuwirken, in welcher Form auch immer.

Nun gibt es in Baden-Württemberg das Bestreben, das Ländle zu einem – wie es in vollmundigen Worten heißt – “Vorreiter für Offenheit und Vielfalt zu machen”. Offenheit und Vielfalt ist dabei eher eng und wenig vielfältig als Akteptanz von “lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgendern, intersexuellen und queeren Menschen” definiert, ganz so, als gäbe es nichts anderes auf der Welt als Sexualität – was für Frederic S. Perls wohl ein Zeichen einer fortgeschrittenen Neurose wäre.

Sartori_DemokratietheorieDoch zurück zum Vorreiter für Offenheit und Vielfalt. Offenheit und Vielfalt will natürlich geplant werden, und so ist beim Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren ein Aktionsplan “Für Akzeptanz und gleiche Rechte Baden Württemberg” angesiedelt, dessen Ziel darin besteht, die Offenheit und Vielfalt, also die sexuellen Orientierungen, die man als Synonym von Offenheit und Vielfalt nimmt, herzustellen. Das soll ganz umfassend geschehen, wie man einem Flyer aus dem Ministerium entnehmen kann, also in jedem gesellschaftlichen Bereich, auf den die Landesregierung regelnden Zugriff hat, angefangen bei den Schulen, über die Arbeitswelt bis in die Bereiche von Justiz und Polizei.

Für die Bildung gibt es einen Bildungsplan 2015, in dem die Umsetzung der Themen “sexuelle Orientierung/Akzeptanz sexueller Vielfalt” einem Positionspapier der Fraktion der Grünen entsprechend wie folgt erfolgen soll:

  • Sexuelle Orientierung und Akzeptanz sexueller Vielfalt müssen verpflichtend in Form von Lerninhalten / -modulen im Bildungsplan als Querschnittsthema in den unterschiedlichen Fächern und Klassenstufen sowie verpflichtend in der Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte verankert werden.
  • Schulbücher und Lernmaterialien sind in diesem Sinne zu überarbeiten.
  • Eine explizite Vorgabe in den fächerbezogenen Lehrplänen ist nötig, in welchen
    Fächern und Jahrgängen sexuelle Vielfalt behandelt werden muss (Empfehlung:
    Prioritätenverschiebung weg vom naturwissenschaftlichen hin zum Ethik-,
    Sozialkunde- oder Sprachenunterricht).
  • Die Richtlinien zur Sexualerziehung sind in diesem Sinne zu überarbeiten.

Es geht also im Bildungsplans 2015 nicht darum, Schülern (noch) mehr Aufklärung über Homosexualität im Unterricht angedeihen zu lassen, wie die Zeit nahelegt. Es geht auch nicht darum, wie der Focus mutmaßt, Homosexualität ausführlicher zu besprechen. Es geht darum, sexuelle Orientierungen zum fächerübergreifenden Querschnittsthema zu machen und in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte zu verankern, und es geht darum, die Lehrbücher so umzuschreiben, dass sie den sexuellen Phantasien weniger entsprechen.

Man kann sich also in Baden-Württemberg auf Mathematikaufgaben vorbereiten, die Zweitklässler zwei Transgender und vier Intersexuelle addieren sehen und auf Lesebücher, in denen die Queer-Mama und der Transgender Papa einkaufen gehen – oder so. Eigentlich lag es uns gerade nahe, das Ganze als Indoktrination zu bezeichnen, aber es ist mehr als Indoktrination, es erinnert in seiner übersteigerten Sexualisierung, die wo sie geht und steht nur Trans-, Inter-, Homo- oder XY-Sexualität sieht, eher an den auf  Edward Bulwer-Lytton zurückgehenden Vril-Kult der Nazis, jene Ausgeburt eines völlig kranken Geistes, die bis heute in Deutschland weitgehend verschwiegen wird – mit gutem Grund wie es scheint.

Um es noch einmal zu sagen: Baden-Württemberg will zum Vorreiter in Sachen Offenheit und Vielfalt werden, und Vielfalt und Offenheit kann von der derzeitigen Landesregierung und ihren Mitgliedern offensichtlich nur in Sexualität gedacht werden. Wie armselig ist das eigentlich.

Nun hat sich die Landesregierung irgendwie, keiner weiß wieso, verpflichtet gesehen, eine Bürgerbeteiligung am Aktionsplan “Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg” durchzuführen. Also tingelt man übers Land und veranstaltet Workshops nach Impulsvorträgen wie: “Die Universität fordert und fördert Akzeptanz” vom Rektor der Universität Mannheim, Ernst-Ludwig von Thadden, der sich offensichtlich für nichts zu schade ist und außerdem nicht mit zweistelligen Funktoren umgehen kann (denn man hätte sich schon gewünscht zu erfahren, für oder von was nun Akzeptanz gefordert bzw. gefördert werden soll, aber, was frag’ ich, Akzeptanz ist immer gut, also lasset uns fordern und fördern! Was auch immer. Vielleicht plant die Universität Mannheim ja auch einen neuen Studiengang der Offenheit und Akzeptanz, in dem dann spätere Schreiber von Schulbüchern in bi-, inter-, trans-, und xy-Sexualität unterwiesen werden…).

Auch nicht schlecht ist der Impulsvortrag zum Thema “Erwartungen und Handlungsbedarf aus Sicht der Community”, macht er doch deutlich, worum es bei der Bürgerbeteiligung geht, nämlich nicht darum, die Bürger zu beteiligen, sondern darum, dass: “berechtigte Erwartungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, intersexuellen und transgender Menschen auch Gehör finden“.

Es ist nicht vorgesehen, dass sich auch Bürger beteiligen, die die entsprechenden Kriterien nicht erfüllen. Geplant sind Jubelveranstaltungen, in deren Verlauf die geplante Offenheit, die doch nicht mehr offenbart als eine geistige Armut, die nicht über den eigenen Schritt hinausreicht, nicht Bürgerbeteiligung, am Ende noch Bürgerbeteiligung in kritischer Absicht, zelebriert wird. Und gar völlig intolerabel sind Versuche, den Bildungsplan 2015 zu verhindern oder doch in normalen Bahnen, die auch von allen akzeptiert werden, zu verorten.

Stefan Fulst BleiUnd so kommt es, dass ein Stefan Fulst-Blei, der bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion sein will, eine Onlinepetition, deren Ziel darin besteht, nicht etwa Aufklärung über Homosexualität aus dem Lehrplan zu streichen, sondern darin z.B. die Überbetonung einzelner Gruppen und ihrer Interessen im Bildungsplan zu verhindern, z.B. darin, das Wissenschaftsprinzip in Schule, Unterricht und Lehrerbildung zu verankern, dass dieser Fulst-Blei die entsprechende Online-Petition und ihre mehr als 70.000 Unterzeichner wie folgt verunglimpft: “Die jetzige Onlinepetition birgt den Geist massiver Intoleranz und ist pädagogisch wie politisch unterste Schublade”.

zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens_1386755089Fulst-Blei ist offensichtlich niemand, der mehr als drei Sätze liest, denn die Online-Petition hat mehr als drei Sätze, und er ist mit Sicherheit niemand, der seine dahingeworfenen Sätze des Begründens für würdig hält. Er ist jemand, dem wir lieber heute als morgen das Recht, sich in der Öffentlichkeit zu äußern, entziehen würden, und zwar so lange, bis er den notwendigen Ernst, die notwendige Kompetenz und die notwendige Fairness nachgewiesen hat, um am öffentlichen Diskurs wieder teilnehmen zu können.

Darüber hinaus fehlt ihm offensichtlich das notwendige Maß an Offenheit und Toleranz, was insbesondere fatal ist, da es sich bei der Online-Petition um ein zutiefst demokratisches Mittel der Einflussnahme auf den politischen Prozess handelt. Insofern Fulst-Blei dieses Mittel und alle, die es unterstützen, diskreditiert, macht er mehr als deutlich, dass er nicht einmal das kleine Einmaleins der Demokratie beherrscht. Folglich wäre es angebracht, im Hinblick darauf, dass Baden-Württemberg doch zum Vorreiter in Sachen Offenheit und Vielfalt werden will, Fulst-Blei eine Nachschulung zu verpassen, damit sich Baden-Württemberg nicht als besonders offen für Diffamierung und Einfalt aller Art auszeichnet.

Offenheit und Toleranz sind eben ein zweischneidiges Schwert, denn man kann beides nicht nur anderen zur Pflicht machen, man muss beides auch gegenüber anderen walten lassen. Daher wäre es an der Zeit, dass die Baden-Württembergische Landesregierung offen und tolerant für große Teile ihrer Bevölkerung wird, die sich offensichtlich zum Ziel gesetzt haben zu verhindern, dass die Neurosen von wenigen, den Lehrplan der vielen bestimmen – denn einmal ehrlich, wie viele bi, tri, trans, inter und sonstig Sexuellen gibt es denn in Baden-Württemberg? Mehr als die rund 72.000, die bislang die Petition unterschrieben haben?

Es ist an der Zeit sich gegen diejenigen zu stellen, deren einziger Lebensinn darin zu bestehen scheint, sich Vorstellungen über die sexuellen Orientierungen anderer zu machen. Politiker werden nicht dafür bezahlt, dass sie ihre eigenen Deprivationen zu Politik machen, sondern dafür, dass sie den Auftrag ihrer Wähler umsetzen. Derzeit formulieren gerade mehr als 70.000 Menschen einen Auftrag an die Baden-Württembergische Landesregierung. Es wird spannend sein zu sehen, wie offen und tolerant die Mitglieder der Landesregierung gegenüber diesem Wählerauftrag sind.

Um es noch einmal für diejenigen zusammenzufassen, die immer schnell mit Emotionen bei der Hand sind: Die sexuelle Orientierung ist kein Schulfach, sondern Privatsache. In Schulen geht es darum, die Grundlagen dafür zu legen, dass sich Menschen Wissen und Kompetenzen selbst aneignen können. Sexuelle Orientierungen sind weder Wissen noch Kompetenzen und haben entsprechend nichts in Schulen zu suchen.

P.S.

Gegen den Lehrer, der die Online-Petition gestartet hat, ist nach Angaben des Focus Strafanzeige erstattet und eine Dienstaufsichtsbeschwerde gestellt worden. Es ist also bereits soweit, dass man damit rechnen muss, für die Wahrnehmung demokratischer Rechte mit einer Strafanzeige oder einer Dienstaufsichtsbeschwerde überzogen zu werden. Tiefer kann ein demokratisches Gemeinwesen eigentlich nicht mehr sinken, und es wäre angebracht, Gabriel Stängle, der die Petition erstellt hat, zur Seite zu springen und sich mit ihm solidarisch zu erklären, denn wenn erst die Angst vor der Wahrnehmung demokratischer Rechte umgeht, dann ist es ganz vorbei, mit dem demokratischen Versuch, der einst Bonner Republik genannt wurde. Und noch ein Tipp zur Soforthilfe: Keinen Beruf ergreifen, der auch nur entfernt an staatliche Institutionen angebunden ist.