ARD will Gebührenzahler verschaukeln

oder veralbern,

oder sind die so dumm?

Gestern haben wir unsere Leser Zahlen der ARD nachrechnen lassen.

Ausgangspunkt ist diese Passage auf Tagesschau.de:

Von Astrid Corall, NDR

ARD mehr geldDas Zahlenwerk der ARD ist gut 2400 Seiten dick. Detailliert steht dort, wie viel Geld der Senderverbund in den kommenden vier Jahren aus seiner Sicht benötigt. Und das sind knapp 400 Millionen Euro mehr pro Jahr als jetzt – das entspricht rund 2,2 Prozent.

Die Passage behauptet, die 400 Millionen Euro, die die ARD mehr haben möchte, entsprächen einer Steigerung von nur “rund 2.2 Prozent”.

Zwischenzeitlich haben das 272 unserer Leser nachgerechnet und 185 (68%) haben die richtige Lösung: Wenn 400 Millionen Euro eine Steigerung von 2,2% darstellen, dann muss die ARD ein Budget von rund 18,2 (18,181818…) Milliarden Euro haben.

Hat sie aber nicht.

Die ARD hat ein Jahresbudget von rund 6,3 Milliarden Euro.

Entsprechend stellen 400.000.000 Euro zusätzlich ein Wachstum von 6,35% dar, nicht 2,2%, also rund dreimal so viel.

Die 400.000.000 Euro sollen jährlich fließen, was bedeutet, in vier Jahren beläuft sich das Budget der ARD auf 7,9 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 25,4% entspricht, also 12Mal so hoch, wie die ARD behauptet.

Will die ARD ihre Leser verschaukeln, bewusst hinters Licht führen oder sind die Verantwortlichen bei der ARD, hier Astrid Corall und ihr Intendant Lutz Marmor, zu dumm, um einen Taschenrechner zu bedienen und eine Prozentzahl richtig auszurechnen?

Wie immer, wenn wir etwas nicht wissen, fragen wir unsere Leser:

Verschaukeln oder zu dumm?

ARD Finanzierung: Intransparenz, Manipulation, Täuschung oder Unvermögen?

ARD braucht 400 Millionen Euro pro Jahr mehr.

Na dann!

Uns würden schon ein paar Milliönchen pro Jahr mehr reichen.

Und Ihnen?

Aber wir sind nicht die ARD, deshalb haben wir keinen, den wir zwangsverpflichten können, die 400 Millionen Euro, die zu 1,6 Milliarden Euro über die nächsten vier Jahre werden sollen, zu bezahlen, nicht einmal die paar Milliönchen, die wir gerne hätten, können wir erzwingen.

Weil die ARD 400.000.000 Euro pro Jahr mehr “braucht”, deshalb gibt es einen Beitrag auf tagesschau.de, in dem von einem 2.400 Seiten dicken Zahlenwerk die Rede ist. Auf einer oder mehreren dieser 2.400 Seiten steht: Die ARD braucht 400 Millionen Euro pro Jahr mehr!

Was auf den restlichen 2.399 Seiten steht? Niemand weiß es.

Am wenigsten weiß es wohl Astrid Corall vom NDR, der die Aufgabe zugewiesen wurde, den ARD-Zwansgfinanzierenden schmackhaft zu machen, dass es die öffentlich-rechtliche Durchschnittskost in Zukunft mit 400 Millionen Euro mehr zu finanzieren gilt.

Das macht man, so steht es wohl in der öffentlich-rechtlichen Handreichung zur Manipulation von Gebührenzahlern, am besten dadurch, dass man außer den 400 Millionen Euro, die man zwangsläufig nennen muss, keine weiteren großen Zahlen nennt und ansonsten nur Gründe für die Steigerung nennt, denen eine hohe Akzeptanz zugewiesen wird:

  • ARD_Karte.svgLöhne sind gestiegen. Das ist immer gut. Wer will schon, armen Arbeitnehmern ihren Lohn beschneiden.
  • Umstellungsprojekte, das klingt auch gut, vor allem, wenn das, was umgestellt wird, sowieso auf geteilte Meinungen stößt. Umstellung hat etwas von Aufbruch, von besser machen. Wer würde nicht dafür bezahlen wollen?
  • Außerdem: “Seit sechs Jahren sind die Rundfunkgebühren nicht gestiegen, Anfang April sank der Beitrag sogar erstmals in der Geschichte”. Das kann so nicht weitergehen. Deshalb: 400 Millionen Euro mehr – pro Jahr.
  • Und von “Zeit zu Zeit” braucht die ARD halt doch mehr Geld, “um die Programmqualität zu halten”. Der ist gut – oder?.
  • Deshalb gleich noch einmal: “Gutes Programm kostet Geld”!
  • Ein Teil der Mehreinnahmen kommt Kitas zugute. Wie schön – oder? Vor allem mit Blick auf den Livestream aus der Kita – Programmqualität halt!
  • Trotz all der Gründe, die eigentlich zwingend mehr Geld für die ARD nach sich ziehen, gibt man sich bei der ARD umgänglich: “Wir sind uns bewusst, dass das Geld der Beitragszahler wirklich sehr knapp ist. Aber ich glaube, wr haben da wirklich Maß gehalten und möchten auch weiterhin ein gutes Programmangebot machen” [man beachte das “weiterhin”]. Das sagt Lutz Marmor, der Intendant des NDR, der muss es wissen. Und einmal ehrlich: läppische 400 Millionen Euro im Jahr, das ist schon maßgehalten.

Und bei all den guten Gründen und all der Begründung dafür, dass es gar nicht anders geht, als der ARD 400.000.000 Euro pro Jahr mehr zu spendieren, hat kaum einer der Leser bemerkt, dass im Beitrag von Corall nur insgesamt zwei Informationen enthalten sind: 400.000.000 Euro pro Jahr mehr will die ARD. Eine Steigerung um 2,2% ist das:

“Das Zahlenwerk der ARD ist gut 2400 Seiten dick. Detailliert steht dort, wie viel Geld der Senderverbund in den kommenden vier Jahren aus seiner Sicht benötigt. Und das sind knapp 400 Millionen Euro mehr pro Jahr als jetzt – das entspricht rund 2,2 Prozent.”

Da kann niemand sagen, in Beiträgen öffentlich rechtlicher Sender würden – in diesem Fall die Leser – intellektuell überstrapaziert. Das Motto Öffentlich-Rechtlicher lautet wohl eher: intellektuelle Unterforderung der Leser auf dem Niveau der Programmmacher.

Da machen wir nicht mit.

Statt dessen haben wir ein Rätsel für unsere Leser, denn bei all der Begründung der Wichtigkeit, Unausweichlichkeit und Unabwendbarkeit der zusätzlichen Finanzierung von 400.000.000 Euro ist doch glatt vergessen worden, die Höhe der Mittel, die derzeit der ARD zufließen und damit die Basis der Prozentuierung, zu benennen.

Deshalb unser Rätsel:

Zwei Daten haben sich in den Beitrag verirrt:

400.000.000 Euro will die ARD mehr.

400.000.000 Euro mehr entsprechen nach den Angaben im Beitrag einer Steigerung von 2,2%.

Wie hoch ist das Budget der ARD, das auf Grundlage dieser beiden Zahlen berechnet werden kann?

Wer unfairer Weise rumgoogled und den ergoogelten Wert mit seinem errechneten Wert vergleicht, kann zu dem Ergebnis kommen, dass man bei der ARD nicht Prozentrechnen kann oder bewusst falsche Prozentzahlen angibt.

Es mag stimmen!

Wie viel Geld verbraucht die ARD pro Jahr?

 

Ahnungslose Journalisten: Manipulation so einfach wie nie!

In den  letzten Tagen konnte man bewundern, wie die Erfindung der unbezahlten Arbeit vorangetrieben wurde. Anlass ist u.a. eine Pressemeldung des Statistischen Bundesamts, die mit “Jeder dritte Vater wünscht sich mehr Zeit für seine Kinder” überschrieben ist.

Punkt 1 der Pressemeldung lautet:

  • Väter und Mütter leisten pro Woche knapp 10 Stunden mehr bezahlte und unbezahlte Arbeit als Personen ohne Kinder. Dies ist vor allem auf ein höheres Pensum an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.

DestatisDie Pressemitteilung ist Teil eines großen Presseauftriebs, bei dem man u.a. Roderich Egeler, den Präsidenten des Statistischen Bundesamts, hat viel über unbezahlte Arbeit erzählen hören. Seine wichtigsten Punkte sind die folgenden:

  • Frauen ab 18 Jahre arbeiten mit 45,5 Stunden in der Woche eine Stunde mehr als Männer. Das ist auf das größere Volumen an unbezahlter Arbeit zurückzuführen.
  • Väter und Mütter leisten pro Woche 10 Stunden mehr Arbeit (also bezahlte und unbezahlte Arbeit) als Personen ohne Kinder.
  • Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Kinderbetreuung auf wie Väter.

Abermals ist die unbezahlte Arbeit an vorderster Front zu finden. Sie ist die Ursache allen Übels, sie soll offensichtlich zum neuen Gap aufgebaut werden, das z.B. von der Darstellerin, die derzeit Bundesminister für FSFJ mimt, aufgenommen wird, um die 32 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich für Eltern zu fordern, weil die so überlastet sind. Schließlich arbeiten sie 10 Stunden mehr unbezahlt (und bezahlt?) als Personen ohne Kinder.

Nur: Was ist diese unbezahlte Arbeit?

Von denen, die die unbezahlte Arbeit anführen, sagt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Von den Journalisten, die mit unbezahlter Arbeit konfrontiert werden, fragt niemand, was sich dahinter verbirgt.

Die unbezahlte Arbeit, sie ist ein Mysterium, das der Erkundung durch ScienceFiles harrt.

Nehmen wir eine Grafik zum Ausgangspunkt, die Roderich Egeler unvorsichtiger Weise mit seiner Präsentation verteilt hat:

Roderich egeler prae

Wenn man der Abbildung auch nicht entnehmen kann, was die geheimnisvolle “unbezahlte Arbeit” sein soll, so weiß man doch, was es nicht ist:

  • Schlaf und Körperpflege sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Erwerbstätigkeit und Bildung sind keine unbezahlte Arbeit.
  • Essen ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Sonstiges ist keine unbezahlte Arbeit.
  • Freizeit ist keine unbezahlte Arbeit.

Immerhin.
Die Suche nach der unbezahlten Arbeit, sie ist damit bei Egeler ans Ende gelangt, denn Egeler erzählt nur von der unbezahlten Arbeit, er sagt nicht, was es ist, das hier gearbeitet wird und unbezahlt bleibt.

Unsere Suche führt uns daher weg von Egeler und hin zur Zeitverwendungserhebung, die “Aktivitäten in Stunden und Minuten für ausgewählte Personengruppen” umfasst. Sie bildet die Grundlage für die Aussagen Egelers und zeichnet sich dadurch aus, dass “unbezahlte Arbeit” in keiner Weise, weder als Begriff noch als Datum in der gesamten Ergebung, auf den gesamten 162 Seiten vorkommt.

Was also wurde hier als unbezahlte Arbeit zusammengeschustert?

Nun, die Daten in der Zeitverwendungserhebung, sie sind in Kategorien unterteilt, und zwar die folgenden:

  • Physiologische Regeneration (Schlafen, Essen und Trinken);
  • Erwerbstätigkeit;
  • Qualifikation, Bildung;
  • Haushaltsführung und Betreuung der Familie;
  • Ehrenamt, freilliges Engagement, Unterstützung anderer Haushalte, Versammlungen;
  • Soziales Leben und Unterhaltung;
  • Sport, Hobbys, Spiele;
  • Mediennutzung;

Halten wir Egeler zu Gute, dass er Mediennutzung, soziales Leben und Unterhaltung, ebenso wie Sport, Hobbys und Spiele und Ehrenämter, freiwilliges Engagement und Unterstützung anderer Haushalte sowie Versammlungen, nicht als unbezahlte Arbeit ansieht, dann bleibt für die unbezahlte Arbeit der Punkt “Haushaltsführung und Betreuung der Familie”.

Folglich umfasst die unbezahlte Arbeit:

  • Zubereitung von Mahlzeiten inkl. Geschirrspülen;
  • Instandhaltung von Haus und Wohnung, inkl. Wäschewaschen;
  • Gartenarbeit, Pflanzen- und Tierpflege;
  • Bauen und handwerkliche Tätigkeiten;
  • Einkaufen und Inanspruchnahme von Fremdleistungen;
  • Betreuung von Kindern im Haushalt;
  • Unterstützung, Pflege und Betreuung von erwachsenen Haushaltsmitgliedern,
  • Andere Tätigkeiten im Bereich Haushaltsführung, darunter: Wegzeiten;

Wie so oft kommt man dann, wenn man nur einen kurzen Blick in die Daten wirft, auf denen der ideologische Popanz aufgesetzt ist, der Journalisten präsentiert wird, die nur darauf zu warten scheinen, die entsprechenden ideologischen Kröten roh und ungekaut zu schlucken, zu der Frage: Halten die ihre Mitmenschen wirklich für so dumm?

x fuer uDenkt Herr Egeler, wenn er behauptet, dass Väter und Mütter pro Woche 10 Stunden mehr arbeiten als Personen ohne Kinder, dann kommt niemand darauf, dass in die angebliche Mehrarbeit die Zeit für Kinderbetreuung, die bei Kinderfreien zwangsläufig 0 Stunden, 0 Minuten und 0 Sekunden einnimmt, mit eingerechnet wurde?

Welch’ billiger Versuch, die Öffentlichkeit hinter das Licht zu führen ist das denn? Ganz zu schweigen von den Wegzeiten, die anfallen, um Kinder von A nach B zu kutschieren und den Zubereitungszeiten für Mittagessen, die bei vollerwerbstätigen Kinderlosen durch Essen in der Kantine, das nicht als unbezahlte Arbeit, sondern als bezahlte Arbeit angerechnet wird, ersetzt wird.

Gibt es in Deutschland wirklich eine nennenswerte Anzahl von Leuten, die auf derart billige Tricks und grobe Versuche, andere hinters Licht zu führen, hereinfällt – außer Journalisten?

Es ist erschreckend.

So erschreckend, wie die Funktionsfähigkeit des alten Tricks der Auslassung. Mütter wenden doppelt so viel Zeit für die Betreuung von Kindern auf “als”, (steht so im Original) Väter, so verkündet Herr Egeler. Die Journalisten, die an seinem Speichel hängen, sie tragen es willig weiter. Und sie merken nicht einmal, dass hier etwas seltsam ist, dass etwas fehlt, etwas von Seite 3 der Egelerschen Präsentation.

Männer verbringen im Durchschnitt 25 Stunden und 13 Minuten pro Woche mit Erwerbsarbeit, Frauen 16,09 Stunden. Frauen verwenden 10,15 Stunden für Kinderbetreuung, wie man aus der Pressemeldung des Statistischen Bundesamts entnehmen kann, Männer 7,075 Stunden. D.h. Männer arbeiten in der Woche 8 Stunden und 54 Minuten mehr als Frauen, verbringen aber nur 7,075 Stunden weniger mit Kinderbetreuung als Frauen.

Was bitte machen die Frauen in den verbliebenden 1,52 Stunden? Fernsehschauen?

Anyway, wozu ist es wichtig, die Zeitverwendung von Männern und Frauen zu kontrollieren? Ah, wir haben es vergessen, die Laiendarstellerin im BMFSFJ, die den Minister gibt, will wieder etwas fordern: 32 Stunden für Eltern maximale Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich… und wer darf es bezahlen: Die Kinderfreien, weil sie vollerwerbstätig sind und in der Kantine essen.

Es wird übrigens niemand dazu gezwungen, Kinder in die Welt zu setzen. Wer sich dafür entscheidet, von dem muss angenommen werden, dass er sich überlegt hat, was er tut und entsprechend die Verantwortung für seine Entscheidung übernimmt. Die Verantwortung umfasst auch die Arbeit, die Kinder verursachen. Dass sie Arbeit verursachen, ist eigentlich hinreichend bekannt, so dass es etwas seltsam, weil zu offen nutznießerisch wirkt, wenn nun gejammert wird, dass die Betreuung von Kindern unbezahlte Arbeit sei und Eltern ein Ausgleich gewährt werden müsse.

Die Arbeit am Kinde, sie ist übrigens keine unbezahlte Arbeit, sie wird mit allerlei Vergünstigungen bezahlt, vom Kindergeld über den Kinderfreibetrag, die Bereitstellung von Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten aus Steuergeldern, über Muttergeld und Barbeträge im Rahmen von Hartz IV bis zu all den anderen Vergünstigungen, die ausgelöst werden, weil die großartige Leistung menschlicher Fertilität erbracht wurde.

Was nimmt eigentlich die Drogenbeauftragte?

Hat man als Bürger eigentlich nicht einmal mehr ein Recht darauf, mit Stil belogen und intelligent manipuliert zu werden?

Offensichtlich nicht.

Denn scheinbar stehen ganze Ämter und “gemeinnützige Projekte” unter dem Einfluss die Geisteskraft reduzierender Drogen, immer vorausgesetzt, es gibt etwas zu reduzieren.

Als Ergebnis werden wir mit einer Pressemeldung konfrontiert, die jegliche Anstrengung zur guten Lüge, jedes Bemühen um einen gelungenen Täuschungsversuch vermissen lässt.

Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt stärken“, so verkündet die Drogenbeauftrage der Bundesregierung.

DrogenbeauftragteDamit geht es schon los.

Wir wissen nicht, in welcher Welt die Drogenbeauftrage lebt, wir leben in einer erfahrbaren Welt, die Computer als entsprechend erfahrbare Objekte enthält. Dass die Drogenbeauftragte denkt, Kinder und Jugendlichen und vermutlich auch sie lebten in einer “digitalen Welt” ist aus drogenpräventiven Gründen höchst bedenklich und führt uns zur Annahme, dass es eine Drogenbeauftragtensucht geben muss.

Entsprechend wäre Marlene Mortler, das ist die Drogenbeauftragte der Bundesregierung (für alle, die es nicht wissen und entsprechend auch nichts versäumt haben), selbstreflexiv, wenn sie sagt: “Viele Jugendliche und Erwachsene zeigen bereits heute Anzeichen einer … abhängigkeit.” Anzeichen wie das folgende:

“Mehr als 50% der befragten Eltern fühlen sich hinsichtlich des Umgangs mit digitalen Medien in ihrer Kindererziehung unzureichend informiert”, erklärt Marlene Mortler und dokumentiert damit eindrücklich, dass sie mindestens doppelt sieht, denn weiter unten im Bericht (dazu gleich) heißt es: “Mehr als 23% der befragten Eltern zum Thema “Mein Kind im Umgang mit den Medien” fühlen sich hinsichtlich des Umgangs mit digitalen Medien in ihrer Kindererziehung unzureichend informiert”.

100% der Drogenbeauftragten des Bundes, so müssen wir folgern, sind nicht in der Lage, einen Satz aus einem Teil der Pressemeldung richtig in einen anderen Teil der Pressemeldung zu kopieren. In welcher virtuellen Welt leben die 100%igen Drogenbeauftragten eigentlich?

Etwas mehr Mühe würde man schon erwarten. Immerhin sollen Steuerzahler wieder erleichtert werden, um Steuergelder, die Marlene Mortler, im Hochgefühl der Freigiebigkeit, an das “gemeinnützige Projekt des Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte des Instituts für Medizinökonomie & Medizinische Versorgungsforschung der Rheinischen Fachhochschule Köln” verschenken will, dessen Schirmherrschaft Mortler übernommen hat.

Heutzutage sind bereits die Forschungsprojekte gemeinnützig, was bedeutet, dass Gemeinnützigkeit nicht mehr über das Ergebnis, sondern über die Intention gemessen wird: Wir wissen zwar nicht, was herauskommt, aber wir wissen, es wird gemeinnützig sein. Oder wissen wir doch schon, was herauskommt?

Punkt 8 der Erkenntnisse, die bereits jetzt im Rahmen der “BLIKK” Pre-Test-Projekt-Phase generiert wurden” [BLIKK, das ist das gemeinnützige Projekt) stellt fest:

“8. Im Rahmen dieser Pre-Test-Projektphase konnte belegt werden, dass diese BLIKKStudie eine Forschungsrelevanz im digitalen Medienzeitalter hat.”

Tosh legalize it

Was auch immer die Drogenbeauftragte nimmt, wir fordern: Legalize It.

BLIKK ist gemeinnützig, ist nützlich, ist forschungsrelevant! Das wissen die BLIKKER schon jetzt. Fragt sich, warum noch geforscht werden muss? Die Antwort: Um Steuergelder zu verbauchen, Steuergelder für forschungsrelevante Erkenntnisse, wie die folgenden, die in der “‘BLIKK’Pre-Test-Projekt-Phase generiert wurden”:

“5-jährige Kinder sind nach Angaben Ihrer Eltern auffällig unruhig.”

Das verflixte fünfte Jahr also. Sind Kinder erst einmal 6 Jahre alt, dann hat sich das mit der auffallenden Unruhe, dann wird die Unruhe zur nicht mehr auffallenden oder es fallen andere Dinge als Unruhe auf. Also Eltern: Da müsst Ihr durch, oder ihr zieht in Mortlers digitale Welt und feiert den fünften Geburtstag doppelt als 10.!

Mitglieder der ScienceFiles-Redaktion sind nach Durchlesen der Pressemeldung der Drogenbeauftragten übrigens auffallend agitiert. Eines spielt gar Diablo!

Ein weiteres Ergebnis, das in der “BLIKK Pre-Test-Projekt-Phase” generiert wurde:

“Eltern sehen sich als Vorbilder beim Verhalten „gegenüber anderen Menschen“ (5,2) und der Ernährung (4,6) aber nur bedingt im Umgang mit digitalen Medien (3,2)”

So so, Eltern sehen sich als Vorbilder im Verhalten gegenüber anderen Menschen. Das erklärt einiges. Vor allem die (5,2) sagt eigentlich alles, besonders im Vergleich zur (4,6) bei der Ernährung. Die Probleme der Erziehung sie sind durch die BLIKK Pre-Test-Projekt-Phase nicht nur eindeutig benannt, nein, sie sind schon gelöst, mit 6,7 auf der unbekannten Richterskala des drogeninduzierten Verlustes geistiger Fähigkeit.

Ein Ergebnis geht noch, eines aus der BLIKK Pre-Test-Projekt-Phase, quasi das Ergebnis, das die Pre-Test-Projekt-Phase als Pre-Test-Projekt-Phase weit über die anderen Pre-Test-Projekt-Phasen aus den anderen Drogenfeten der Drogenbeauftragten heraushebt:

“20% der Mütter von Säuglingen fühlen sich den neuen Aufgaben in der Kindesversorgung innerhalb der ersten drei Monate nicht gewachsen. Diese Beobachtung ist auch im Zusammenhang mit den 30-prozentigen Angaben hinsichtlich der Hinweise für eine Säuglings-Eltern-Beziehungsstörungen zu sehen.”

Wir haben lange gerätselt, was der Hinweis auf die “30-prozentigen Angaben” dem normalintelligenten Menschen sagen will. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir verstanden haben, dass es sich dabei um einen heimlichen Hinweis auf die Ursache dieser Pressemeldung handelt, die offenkundig im Drogenrausch entstanden ist.

Hier ist die Ursache:

waidlaliebe07

30% Vol.

Wie immer, wenn Pressemeldungen im Rauschzustand verfasst werden, schleicht sich die ein oder andere unbeabsichtigte Information ein. Z.B. die Anzahl der Befragten, die in der “BLIKK Pre-Test-Projekt-Phase” befragt wurden. Es handelt sich dabei um: 26 Versprengte.

In Worten: Sechsundzwanzig.

Nehmen wir die 26 Eltern mit ihren Angaben zu 60 Kindern und machen wir die manipulative Pressemeldung zu einer faktenbasierten Pressemeldung:

Manipulationsversuch Realität
Mehr als 23 % der befragten Eltern zum Thema „Mein Kind im Umgang mit Medien“,
fühlen sich hinsichtlich des Umgangs mit digitalen Medien in ihrer Kindeserziehung
unzureichend informiert
6 befragte “Eltern zum Thema „Mein Kind im Umgang mit Medien“, fühlen sich hinsichtlich des Umgangs mit digitalen Medien in ihrer Kindeserziehung
unzureichend informiert.
Mehr als 60% der 9-10 jährigen Kinder (U-11) können sich weniger als 30-Minuten ohne
Nutzung von digitalen Medien beschäftigen
36 9-10 jährige Kinder (U-11) können sich weniger als 30-Minuten ohne Nutzung von digitalen Medien beschäftigen
“Im Rahmen dieser Pre-Test-Projektphase konnte belegt werden, dass diese BLIKKStudie
eine Forschungsrelevanz im digitalen Medienzeitalter hat.”
Wer von der Drogenbeauftragten Steuergelder erhalten will, muss 26 Eltern einsammeln, z.B. im Kindergarten vor Ort, sie unsinnige Fragen fragen, einen ominösen 30% Anteil behaupten und aufgrund von 6 Befragten einen Drogennotstand erklären. Das genügt.

Woran liegt es, dass man als Bürger nicht einmal mehr mit Stil belogen wird und nicht mit Witz und Intelligenz versucht wird, Bürger zu manipulieren?

Fragen wir nicht uns, fragen wir unsere Leser:

Woher kommt die plumpe Form von Manipulation und Lüge?

Exportweltmeister auch für Dummheit?

Die Sozialistische Republik Vietnam ist wie China ein Land im Aufwind. Die Kommunistische Partei von Vietnam, die 458 der 500 Sitze in der Nationalversammlung innehat, hat sich von sozialistischer Planwirtschaft verabschiedet und durch Privatisierung sowie die Öffnung vietnamesischer Märkte einen Aufschwung zuwege gebracht, der sich in einer Wachstumsrate von 5,5% (2014) niederschlägt (zum Vergleich: die deutsche Wirtschaft wuchs mit durchschnittlich 1,3% im Jahre 2014). Vietnam zählt aufgrund des geringen Lohnniveaus zu den Faktor getriebenen Ländern (billige Produktionsmöglichkeiten), 17,9% der Vietnamesen sind in der Landwirtschaft, 38,1% in der Industrie und 44% in der staatlichen Verwaltung beschäftigt.

VietnamVietnam hat in den letzten Jahren die Armut verringert. Die Armutsrate liegt bei 10,1%. Die Lebenserwartung der Vietnamesen beträgt rund 74 Jahre. Nahezu alle Vietnamesen verfügen über eine Schulausbildung. Rund 50% haben eine Schulausbildung von 6 Jahren hinter sich (Grundschule), 33% gehen 10 Jahre zur Schule (Haupt- und Realschule) und 17% mehr als 10 Jahre (Abitur). Die Sparguthaben im Land belaufen sich auf 29,4% des Bruttosozialprodukts (in Deutschland sind es 23,9%). Vietnam erwirtschaftet einen Außenhandelsüberschuss von 10,5 Milliarden US-Dollar (2013) und rangiert im Hinblick auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit als Unternehmensstandort auf Platz 68 von 144 im Rahmen des Global Competitiveness Reports untersuchten Ländern.

Probleme gibt es in Vietnam vornehmlich mit infektiösen Erkrankungen wie Diarrhoe, Typhus oder Hepatitis, also Krankheiten, die auf unzureichende sanitäre Anlagen zurückzuführen sind sowie mit Malaria und Dengue Fieber.

Wer also unbedingt Entwicklungshilfe in Vietnam leisten will, wem es darum geht, den Menschen vor Ort zu helfen, dem bietet sich im Hinblick auf die genannten Infektionskrankheiten eine entsprechende Möglichkeit.

Nun könnte man die Notwendigkeit von Entwicklungshilfe in Vietnam generell diskutieren, denn das Land zählt mit Sicherheit nicht zu den Armenhäusern der Erde, aber das wollen wir gar nicht tun, obwohl die GIZ, also die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Vietnam eine Vielzahl von Programmen betreibt, darunter

  • Schaffung “nachhaltiger Infrastruktur”,
  • Beratung zur sozialen Sicherung,
  • soziale Integration von Menschen mit Behinderungen,
  • Förderung der Zivilgesellschaft,
  • Unterstützung des Ausbaus der Windkraft,
  • National angemessene Maßnahmen zur Emissionsminderung,
  • Ausbau erneuerbarer Energien,
  • Umwelt- und klimagerechte Stadtentwicklung,
  • Schutz und nachhaltige Nutzung von Biodiversität und Ökosystemleistungen der Wälder,
  • Hochwasserschutz und Entwässerung mittelgroßer Küstenstädte zur Anpassung an den Klimawandel,
  • Anpassung an den Klimawandel durch Förderung der Biodiversität,

Deutschlands wirtschaftliche Zukunft, wenn man die Entwicklungshilfe zum Maßstab nimmt, scheint bei Windkraft und erneuerbaren Energien gesehen zu werden, oder die entsprechenden heimische Märkte sind einfach nicht mehr ausreichend für das vorhandene Angebot …

Die vorhandenen Projekte sollen durch ein weiteres Projekt ergänzt werden, das die Bedeutung und Geltung deutscher Errungenschaften, Leistungen und Intelligenz auch den Menschen in Vietnam vor Augen führt, vor allem den lokalen Regierungen der im Mekong-Delta sich befindenen Provinzen.

Ziel des Projekts ist es, den Vietnamesen die Kunst des integrierten Küstenmanagements nahe zu bringen, und wie dieses erfolgen soll, kann man der folgenden Ausschreibung der GIZ entnehmen:

GIZ„Als Bundesunternehmen unterstützt die GIZ die Bundesregierung dabei, ihre Ziele in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Mit der Entsendung von qualifizierten Fachkräften als Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer leistet die GIZ einen Beitrag zur dauerhaften Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort.”

Die “Lebensbedingungen der Menschen vor Ort” sollen durch integriertes Küstenmanagement verbessert werden.

Wie genau?

So:

“Frauen sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen, etwa durch Überflutungen und andere Extremwetterereignisse; zugleich spielen Frauen eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels. Daher ist es notwendig, gender-sensitive Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln. Ihre Aufgaben: Als Entwicklungshelfer/in unterstützen Sie die Regierung der Küstenprovinz Ca Mau sowie die Regierungen weiterer vier Provinzen darin, die Themen Gender und Klimawandel stärker miteinander zu verzahnen. Ziel ist es, dass Frauen im Mekong-Delta weniger vom Klimawandel betroffen sind.

sad_clownWer vorhatte in der Provinz Ca Mau Urlaub zu machen, sollte es besser lassen, denn die Menschen vor Ort sind mit hoher Wahrscheinlichkeit der Ansicht, dass Deutsche nicht mehr alle Tassen im Schrank haben – jedenfalls dann, wenn die Menschen in der Provinz Ca Mau wie die meisten Menschen dieser Erde zur Bildung von Stereotypen neigen.

Da kommen doch tatsächlich welche nach Ca Mau und in das Mekong-Delta und erzählen, dass immer dann, wenn es einen Taifun, Hochwasser oder Überschwemmungen gibt, sich die Fluten dann, wenn sie auf einen Mann treffen, teilen, den Mann unversehrt lassen und sich statt dessen auf Frauen stürzen, um diese zu ertränken. Über diese Geschichte lacht vermutlich halb Vietnam, und die Kommunistische Partei nimmt diese Geschichte im irrigen Glauben, Deutschland sei eine Marktwirtschaft, vermutlich zum Anlass, die geistige Überlegenheit des kommunistischen Systems und seiner Menschen zu loben.

Deutschland hat einen neuen Exportschlager: Genderismus. Exportiert werden Personen, die auf der Normalverteilung der Intelligenz links zu finden sind. Ziel des Exports ist es, die Welt über Deutsche lachen zu lassen. Vermutlich ist das Teil einer Charme-Offensive, die das Bild des deutschen Spießers mit dem Bild des deutschen, gutmütigen Narren ersetzen soll.

Die Daten zu Vietnam stammen aus dem CIA World Factbook, vom General Statistics Office of Viet Nam, von der Weltbank und aus dem Global Competitiveness Report für die Jahre 2014/2015

Freies Manipulieren mit Umfragedaten: Wenn es um Griechenland geht, ist scheinbar alles erlaubt

Wenn es darum geht, eine Meinungshoheit in der öffentlichen Diskussion zu erreichen, dann kommt Umfragen regelmäßig eine große Bedeutung zu, nicht einfach Umfragen, nein: repräsentativen Umfragen, also Umfragen, bei denen alle Elemente einer Grundgesamtheit dieselbe Wahrscheinlichkeit hatten, in die Auswahl zu gelangen.

Repräsentativ ist eine Umfrage für Deutschland dann, wenn alle Deutschen, dieselbe Chance hatten, daran teilzunehmen.

Ein Ding der Unmöglichkeit, wie wir schon einmal am Beispiel einer Telefonumfrage gezeigt haben (fast alle Meinungsforschungsinstitute machen vornehmlich Telefonumfragen):

telephone surveyNehmen Sie an, Sie haben ein Befragungsinstitut mit einem Telefonpool und rufen abends von 17 Uhr bis 22 Uhr die Personen an, die sie aus dem Telefonbuch zufällig gezogen haben:

  • Alle, die nicht im Telefonbuch stehen, eine Geheimnummer haben, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht zuhause sind, weil sie z.B. Schicht arbeiten oder in einer Kneipe sitzen, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht ans Telefon gehen, weil sie sich beim Abendessen oder bei was auch immer nicht stören lassen wollen, sind nicht im Datensatz;

Wie man es dreht und wendet, der Datensatz ist nicht repräsentativ, denn nicht alle Elemente der Grundgesamtheit haben dieselbe Wahrscheinlichkeit, an der Befragung teilzunehmen (das wäre zu einer anderen Uhrzeit nicht anders).

Und die genannten, sind nicht die einzigen systematischen Ausfälle:

  • Wer im Krankenhaus liegt, der fällt aus.
  • Wer in Urlaub ist, der fällt aus.
  • Wer obdachlos ist, der fällt aus.
  • Wer stumm ist, der fällt aus.
  • Wer gehörlos ist, der fällt aus.
  • Wer entmündigt wurde, der fällt aus.
  • Wer im Gefängnis sitzt, der fällt aus.
  • Bei wem die Telekom das Telefon gesperrt hat, weil er seine letzten beiden Rechnungen nicht bezahlt hat, der fällt aus.

Das sollte eigentlich ausreichen, um den Mythos von der repräsentativen Befragung ein für alle Mal auszurotten.

Aber das tut es nicht!

Warum? Weil die angeblich repräsentative Befragung zu einer unverzichtbaren Waffe im Krieg um die Meinungshoheit im öffentlichten Diskurs geworden ist. Der Vorwurf, das sei ja gar nicht repräsentativ, eignet sich perfekt, um missliebige Ergebnisse zu diskreditieren. Die Behauptung, die eigene Befragung sei repräsentativ, adelt die Ergebnisse und macht sie glaubwürdiger, jedenfalls in den Augen der Repräsentativitätsapostel.

Nicht zuletzt hängen wirtschaftliche Interessen an der Repräsentativität. Man stelle sich vor, die Umfrageinstitute, die ihren Umsatz auf Basis der Leichtgläubigkeit von Politikern und Funktionären erwirtschaften, könnten nicht die angebliche repräsentative Auswahl der 1000 Hanseln, die ihre repräsentativen Befragungen regelmäßig versammeln, vorschützen. Was würde ihre Umfrage dann von einer Umfrage, die ScienceFiles im Internet durchführt, unterscheiden?

Nichts!

Und zu guter letzt, innerhab des Rahmens der mit der Behauptung einer repräsentativen Umfrage gesteckt wird, lässt es sich trefflich manipulieren, wie dies gerade bei der WELT der Fall ist.

Die WeltDort berichtet Jan Dams von einer YouGov-Umfrage mit immerhin 1.380 Befragten, die natürlich repräsentativ ist, was sonst könnte sie sein. In dieser Befragung haben sich 48% der Befragten für einen Austritt Griechenlands aus der EU ausgesprochen.

Dies ist der Aufhänger, dem der folgende Absatz folgt:

“Viele fragen sich, schmeißt man dem schlechten Geld gutes hinterher? Bringen die neuen Reformprogramme etwas in einem Land, das sich mit ihnen nicht identifiziert? Ist Griechenland mit seiner bislang so unwilligen Politik und seinen oft korrupten Eliten überhaupt reformfähig? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte jüngst in einem Interview, ein Grexit sei für Griechenland vielleicht die bessere Alternative. Vielen in seiner Partei und in der Bevölkerung spricht er damit aus dem Herzen, wie die Umfrage zeigt.”

Das nennt man in der Sozialpsychologie Framing, und es wirkt wie folgt:

“Mit 56 Prozent halten deutlich mehr als die Hälfte der Deutschen den geplanten Deal mit Griechenland für schlecht. 23 Prozent davon bewerten ihn sogar als sehr schlecht. Nur zwei Prozent sehen ihn sehr positiv, weitere 27 Prozent eher positiv.”

Hand aufs Herz: Wer hat nach dem Lesen des letzten Absatzes gedacht, die 56%, die den Deal mit Griechenland negativ bewerten, tun dies vor allem deshalb, weil sie Griechenland lieber aus der Eurozone verschwinden sehen würden, weil Sie denken, Griechenland wird gutes Geld hinterher geworfen, weil sie am Erfolg der Reformprogramme zweifeln?

framingUnd genau darin besteht die Manipulation, denn die Frage WARUM die Befragten den Deal mit Griechenland negativ bewerten, die wurde entweder nicht gestellt oder von Jan Dams absichtlich unterschlagen. Diese Frage ist jedoch erheblich, immerhin sind große Teile der Linken gegen den Griechenland-Deal, weil sie gerne noch mehr Geld anderer Leute an Griechenland verschenken würden als die Bundesregierung das sowieso schon tut.

Ungeachtet der Frage, wie man zu diesen Linken steht, würde man doch erwarten, dass ihre Meinung in einer angeblich repräsentativen Umfrage irgendwie auftaucht und ins Gewicht fällt. Dass Sie es scheinbar nicht tut, ist das Ergebnis des oben genannten Framings, der Art der Präsentation der Ergebnisse, die leichtgläubige Leser in die gewünschte Richtung manipuliert und den Anschein erweckt, 56 Prozent der von YouGov Befragten, wären mit dem Deal nicht zufrieden, weil er ihnen nicht weit genug geht.

Wir finden den Deal auch unterirdisch und das Abwirtschaften des Euro, das die Bundesregierung und vor allem die EZB dadurch betreiben, dass sie den Geldmarkt mit Euro fluten und den Euro zur Ramschwährung entwickeln, unverantwortbar, aber das hat nichts damit zu tun, dass die Präsentation der Umfrage von YouGov in der Welt manipulativ ist. Scheinbar denken manche, sie könnten ihre Meinung besser vertreten, wenn sie den Eindruck erwecken, sie seien in der Mehrheit.

Wie dem auch sei, die YouGov-Umfrage kann man natürlich nicht nur wegen der angeblichen Repräsentativität kritisieren. Sie ist auch unvollständig, was vermutlich der fehlenden Phantasie, die Meinungsforscher vor allen auszeichnet, geschuldet ist. Hätten die Meinungsforscher Phantasie und zudem Mut, sie würden die Deutschen fragen, ob sie nicht selbst aus der Eurozone oder gar der EU aussteigen und ihre DM zurückhaben wollen.

Wir tun dies seit einiger Zeit. Zwischenzeitlich haben sich 2.359 Leser an dieser Befragung beteiligt. 2.174 (92%) haben angegeben, dass Deutschland nicht in der EU verbleiben soll.

Wer noch nicht abgestimmt hat, der kann das nunmehr tun:

Deutschland: Better off out?

For(z)sa Niggemeier oder: Sind Anhänger von Grünen und Linker leichter zu manipuliern als andere?

Das Corpus delicti:

forsa“Hat sich Kanzlerin Angela Merkel alles in allem richtig verhalten oder hätte sie Griechenland zu einem Ausstieg aus dem Euro zwingen sollen? [Weiß nicht war eine Antwortalternative]”

Diese Frage hat das Umfrageinstitut “Forsa” seinen rund 1000 Befragten gestellt, die immer dann herhalten müssen, wenn Umfragen mit dem Prädikat “repräsentativ” versehen werden sollen, und diese Frage hat den Ärger von “Medienblogger Stefan Niggemeier” geweckt:

“Forsa hat die Frage so formuliert, dass jeder, der einen erzwungen „Grexit“ ablehnt, seine Zufriedenheit mit Merkel ausdrücken — oder „weiß nicht“ sagen muss. Das wäre auch die Option, die zum Beispiel jemand wie der Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman wählen müsste, der — nicht als einziger — von Merkel forderte, einen „weniger zerstörerischen“ Plan für Griechenland vorzulegen. In der Welt von „Stern“ und Forsa kann man nur noch härter mit Griechenland umgehen als die Bundesregierung. Schon die Formulierung der beiden Antwortmöglichkeiten ist unseriös und manipulativ. “

Grund des Niggemeierschen Ärgers ist der hohe Anteil von “alles in allem richtig gemacht”, den Forsa selbst für Anhänger der Grünen und der Linken ausweist. Und offensichtlich ist Stefan Niggemeier der Ansicht, die arglosen Anhänger der Grünen oder der Linken seien von Forsa mutwillig in die falsche Antwort getrickst worden. Natürlich ist Paul Krugman intelligenter als die vielen Anhänger der Grünen und der Linken, die nach Angaben von Forsa ihre Zufriedenheit mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel zum Ausdruck gebracht haben.

Das Problem dieser Kontroverse, in die sich nun auch Soziologen eingemischt haben (ja, es gibt noch welche), und zwar Michael Häder, dem eine Notenskala zur Bewertung der Verhandlungskunst von Angela Merkel lieber wäre und Andreas Diekmann, den das Oder an der Frageformulierung stört: Sie wird auf Grundlage unterschiedlicher Prämissen geführt.

Rollen wir das Feld von hinten auf.

Holm_Selbstverständlich ist die Frageformulierung von Forsa manipulativ. Im Knigge der empirischen Sozialforschung steht unter den do-nots der gezielten Manipulation von Antwortverhalten: “Man formuliert geschlossene Fragen ohne eine vollständige Liste von Antwortmöglichkeiten zu präsentieren. Antworten, die nicht erwünscht sind, werden nicht vorgegeben” (Holm, 1975: 64).

Stefan Niggemeier hat mit seiner Kritik also recht. Wenn es Forsa darum gegangen wäre, ein Bild davon zu erhalten, was die von Forsa befragten Deutschen von den Verhandlungskünsten ihrer Kanzlerin halten, dann hätte die Alternative: Merkel hätte Griechenland (noch mehr) Schulden erlassen sollen, in der ein oder anderen Variante, die dann auch Paul Krugmann ankreuzen kann, dazu gehört.

Aber: Es geht um Umfrageforschung, nicht um Wissenschaft.

Gibt es wirklich noch jemanden in Deutschland, der der Ansicht ist, Umfrageforschung werde durchgeführt, um objektive Meinungsbilder der Bevölkerung abzufragen?

Kann man so naiv sein?

Wir haben in zurückliegenden Posts nicht nur gezeigt, wie Umfrageforschung genutzt werden soll, um Befragte zu manipulieren und, wenn das nichts nutzt, Ergebnisse zu frisieren. Wir haben uns schon zur Unmöglichkeit einer repräsentativen Stichprobe geäußert. Wir haben schon darauf hingewiesen, dass Umfrageforschung Auftragsforschung ist, und verdi als Auftraggeber einer Umfrage über private Bildungseinrichtungen kein großes Interesse an unangenehmen Ergebnissen hat, wie das Deutsche Jugendinstitut kein großes Interesse an einem Nachlassen der Fremdenfeindlichkeit hat, wenn die Entscheidung über eine Weiterförderung des Bereiches Extremismus und Fremdenfreindlichkeit durch das BMFSFJ wieder ansteht.

Das Giftarsenal der Umfrageforschung, ergänzt um die immer geringer werdende Verbreitung der Kenntnisse darüber, wie man quantiative empirische Sozialforschung überhaupt betreibt, beides verbindet sich zu einer höchst fruchtbaren Mischung, wenn es darum geht, Ergebnisse zu produzieren, die einem in den Kram passen oder doch zumindest: es zu versuchen.

UmfragemissbrauchDenn: auch unter denjenigen, die von Umfrageforschern befragt werden, finden sich intelligente Wesen. Und so ist es für uns regelmäßig ein Rätsel, dass diejenigen, die wie Stefan Niggemeier glauben, man könne durch vermeintliche repräsentative Auswahl von Befragten und eine korrekte Formulierung der Fragen, der Wahrheit nicht nur auf die Spur kommen, nein, sie direkt messen, nicht bereit sind, ebenfalls anzunehmen, dass die Verteilung der intelligenten Befragten denselben Gesetzen der Repräsentativität folgt, dass sie, mit anderen Worten, zufällig verteilt sind, sich unter Befragten, die der CDU/CSU anhängen, im selben Anteil finden wie unter Befragten, die der Linken oder den Grünen anhängen (Es geht hier um das formale Argument, nicht um die inhaltliche Wertung!).

Wenn man annimmt, dass in vermeintlich repräsentativen Befragungen, die auf der zufälligen Auswahl von Befragten basieren, die Anzahl der Intelligenten ebenfalls zufällig verteilt ist und man zudem annimmt, dass es Intelligenten auffällt, wenn man sie manipulieren will, dann folgt daraus, dass die entsprechend Intelligenten den Braten riechen, der mit der Forsa-Frage gegrillt werden soll.

Was folgt daraus?

Anhänger von CDU und CSU werden eher zustimmen, auch dann, wenn sie den manipulativen Charakter der Frage erkennen, denn sie sind mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel vermutlich wirklich zufrieden.

Anhänger von Linke und Grünen, die gerne die Alternative “hätte Griechenland noch mehr Schulden erlassen sollen” gewählt hätten, wie Stefan Niggemeier meint, hätten entsprechend “weiß nicht” als Anwtortalternative wählen müssen, da die von ihnen präferierte Antwortalternative nicht vorhanden war. Das haben sie aber nicht getan, was zwei Möglichkeiten offen lässt: Entweder die Anhänger der Grünen und der Linken sind tatsächlich mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel zufrieden oder sie sind dümmer als der Rest der Befragten, denn sie haben den manipulativen Braten nachweislich nicht gerochen, sich in die falsche Antwort tricksen lassen.

Welche Alternative darf es sein, Herr Niggemeier?

Tipping Point: Mediale Gender-Berieselung nervt immer mehr

… zu diesem Schluss kommen wir angesichts der Vielzahl der Hinweise, die uns erreichen, Hinweise auf mediale Berichterstattung, die ihren Lesern einhämmern will, dass Frauen benachteiligt sind, dass Frauen an Hochschulen benachteiligt sind, dass Frauen in Führungspositionen benachteiligt sind, dass Frauen Opfer sind, dass Frauen immer Opfer sind und deshalb die Hilfe der Genderindustrie benötigen, dass Frauen, die Genderindustrie benötigen, um ein Einkommen zu haben …. Nein, das nicht. Und dass immer mehr Frauen die Nase voll haben, von dieser Genderindustrie erst entmündigt und dann bevormundet zu werden, …. Nein, das auch nicht.

Die Zahl derer, die von der Gender-Indoktrination die Nase voll haben, sie steigt ebenso, wie die Zahl derer, die nur noch genervt reagieren, wenn sie etwas von Gender hören, wie zum Beispiel der folgende, freundlich grüßende Leser aus Mutterstadt:

“Hallo,

das muss bitte dringend auf ihrer Seite kommentiert werden!

Danke!”

enough“Das”, ist ein Beitrag auf Sol.de, dem Portal für Saarbrücken und den Rest vom Saarland (ist nicht mehr viel), der wie folgt überschrieben ist:

Studie: Frauen in Führungspositionen machen privat mehr Abstriche”

Als wer? Als früher? Als Vollerwerbstätige?

Und weiter geht es:

“Frauen in Führungspositionen machen für ihre Karriere einer Studie zufolge privat mehr Abstriche als Männer. Sie sind seltener verheiratet und haben seltener Kinder als Männer in vergleichbaren Positionen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin mitteilte. 68 Prozent leben – mit oder ohne Trauschein – mit ihrem Partner zusammen; bei den Männern sind es 77 Prozent. 29 Prozent der Frauen haben Kinder bis 16 Jahre, bei den Männern sind es 37 Prozent.”

Die Abstriche, für alle diejenigen, denen es entgangen ist, bestehen darin, dass 9% weniger Frauen, die das DIW in Berlin in Führungspositionen kodiert hat (dazu gleich mehr) als Männer nicht mit einem Partner zusammenleben und 8% weniger der entsprechenden Frauen Kinder unter 16 Jahren im Haushalt leben haben als Männer.

Alle, die das lesen und Single sind, die keine Kinder unter 16 Jahre im Haushalt leben haben, vielleicht, weil die entsprechenden Kinder schon erwachsen sind oder über 16 Jahre alt sind, aber immer noch im Haushalt leben, aufgemerkt: Sie machen Abstriche, ob Sie das wissen, wollen oder nicht.

Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, ist keine Aussage borniert genug. Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, dann wird regelmäßig deutlich, wie beschränkt die heile Welt der Genderisten tatsächlich ist, denn: zum Glück gehören Kinder unter 16 Jahren, die im Haushalt leben und ein fester Parter. Früher nannte man das Spießer.

Fuehrungskraefte MonitorUnd wie so oft in letzter Zeit, wenn Gender-Ideologie in die Köpfe der Bevölkerung gehämmert werden soll, kommt das, was angeblich ein wissenschaftliches Ergebnis ist, vom DIW in Berlin, von jenem DIW, das immer noch von sich behauptet, es betreibe wissenschaftliche Forschung, auch wenn es offensichtlich beim DIW in Berlin die Agenda gibt, zum Musterknaben, nein, zum Mustermädchen der Bundesregierung und der Genderideologie zu werden.

Die vermeintlichen Abstriche, die Sol.de berichtet, was wiederum einen unserer Leser so sehr genervt hat, dass er uns eine Dringlichkeits-eMail geschrieben hat, sie finden sich im allerletzten Satz einer Pressemeldung des DIW, die viele Sätze davor hat, Sätze, in denen noch der ein oder andere furchtbare Nachteil von “Frauen in Führungspositionen” bejammert wird.

Verantwortlich  für die neuerliche Jammer-Orgie, die vom DIW als Führungskräfte-Monitor 2015 verkauft wird, sind Elke Holst, Anne Busch-Heizmann und Anna Wieber.

Sie haben sich am Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) versucht (oder hatten einen männlichen Helfer, der rechnen kann, denn wie wir aus dem nämlichen DIW regelmäßig zu hören bekommen, sie es ja sehr duster aus im Bezug auf Rechnen, Mathematik, Statistik, Technik, kurz: MINT unter Frauen!), um ihre Jammer- oder jämmerlichen Erkenntnisse zu fabrizieren. Das SOEP ist einer der wenigen longitudinalen Datensätze, die es in Deutschland gibt: In regelmäßigen Abständen werden immer dieselben Befragten interviewt. So die Theorie.

In der Praxis gibt es die sogenannte Panelmortalität, ein Ergebnis des tatsächlichen Sterbens von Befragten und ein Ergebnis schleichender Lustlosigkeit, die sich einstellt, wenn man jedes Jahr denselben langweiligen Fragebogen ausfüllen soll. Obwohl das SOEP ein longitudinaler Datensatz ist, wird meist im Querschnitt gerechnet, d.h. für ein einziges Jahr. So auch im vorliegenden Fall: Das ist einfacher. Dafür braucht man weniger Kenntnisse in Statistik und Methoden, im Umgang mit Daten.

Beliebt ist das SOEP, weil man Sätze schreiben kann wie: “Insgesamt standen im letzten Erhebungsjahr 2013 Informationen zu mehr al 24.000 Befragten zur Verfügung” (15). Das klingt gut, klingt nach viel, nach sehr viel in Standards quantitativer empirischer Sozialforschung gemessen. Nur: Die SOEP-Befragten im Datensatz haben die Angewohnheit, immer dann, wenn eine spezifische Gruppe gesucht wird, wegzuschmelzen wie das Eis in der Sonne.

Entsprechend bleiben Holst, Busch-Heizmann und Wieber auf letztlich 1.550 Personen sitzen, darunter 445 “weibliche Angestellte, von denen aber nur 28 mit umfassenden Führungsaufgaben betraut sind” (16). Und weil man mit 28 Befragten nicht sinnvoll arbeiten kann, haben die Autorinnen die 28 Frauen in “Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben” kurzerhand mit den 417 Frauen, die “sonstige Leitungsfunktionen oder hochqualifizierte Tätigkeiten (Abteilungsleiter, wissenschaftlicher Angestellter, Ingenieur) ausüben”, zusammengeworfen.

Und so wird man dann als Mittelbauler an der Hochschule, der in anderen Zusammenhängen wegen seines Zeitvertrags und seiner Sklavenarbeit ähnlichen Ausnutzung beklagt wird, urplötzlich zur Führungskraft und alles, damit das DIW einen Führungskräfte-Monitor vertreiben kann, in der neuen Reihe “Politikberatung kompakt”.

Nur: Der Führungskräfte-Monitor ist kein Führungskräfte-Monitor. Er ist eine Mogelpackung, die man als Wissenschaftler, der sich mit Methoden auskennt und seine Arbeit mit lauteren Mitteln verfolgt, links liegen lassen muss: Links, da wo er hingehört, denn der Führungskräfte-Monitor ist nicht zufällig Bestandteil der Reihe “Politikberatung kompakt”, und es ist kein Zufall, dass die Reihe “Politikberatung kompakt” besser politisch-korrekter Etikettenschwindel heißen würde. Denn: so wenig, wie auf Grundlage des Führungskräfte-Monitor Aussagen über Führungskräfte möglich sind, so wenig ist die Politikberatung des DIW eine Politikberatung. Die Beratung ist vielmehr eine Legitimierung, eine Politiklegitimierung.

DIW POlitikberatungUnd Legitimierung findet regelmäßig dadurch statt, dass angeblich herrschende Zustände bejammert werden, so wie das im seinerseits bejammernswerten Führungskräfte-Monitor der Fall ist, dessen Autoren durch die Republik ziehen und in Medien aller Art den falschen Eindruck erwecken, sie könnten Aussagen über Führungskräfte machen, hätten Führungskräfte in relevanter Anzahl befragt, wenn sie mit Sicherheit weniger als 100 Geschäftsführer und Direktoren unter den 1.550 Personen, die sie als Führungskräfte verkaufen wollen, haben.

Das nennt man auch Vorspiegelung falscher Tatsachen, schon deshalb, weil durch die Verwendung des Begriffs “Führungskräfte” bei denen, die ihn hören, ganz bestimmte Assoziationen erweckt werden, eben die Assoziation von Geschäftsführer, von Top-Manager, jedenfalls nicht die Assoziation von Abteilungsleiter im Finanzamt oder von wissenschaftlichem Angestellten. Dass diese Assoziation bei denen, die Führungskraft hören, erweckt wird, ist Absicht und unlauter, es ist das, was man beim DIW nun Politikberatung nennt, worunter offensichtlich Methoden verstanden werden, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, zu manipulieren und letzten Endes zu betrügen.

Und einmal ehrlich: Nie war es einfacher als heute, derartige Manipulationen als angebliche wissenschaftliche Studie verpackt, unters Volk zu bringen: Die meisten Journalisten verfügen nicht einmal über rudimentäre Kenntnisse wissenschaftlicher Methoden und drucken gierig, was ihnen als wissenschaftlich verkauft wird, so lange es der politischen Korrektheit entspricht jedenfalls.

Die Größe, die in dem ganzen Manipulations- und Betrugsszenario keiner der Möchtegern-Manipulatoren auf der Rechnung hat, das sind die Leser, diejenigen, die manipuliert werden sollen, die vermeintlich Dummen da draußen, denen man nach Ansicht derer, die es versuchen, ein X für ein U vormachen kann.

Schlechte Nachrichten für Manipulateure:

Vielen Lesern reicht es. Sie können das Wort “Gender” mittlerweile nicht mehr hören und sind zu intelligent, als dass sie sich von angeblichen Wissenschaftlern, die nicht weiter kommen als Längsschnittsdaten im Querschnitt zu betrachten und Prozentwerte auszuzählen, von denen niemand weiß, warum sie ausgezählt werden, hinters Licht führen lassen.

Es wird Zeit, dass Institute wie das DIW dafür sorgen, dass an den Studien, die das Institut produziert, mindestens ein Angestellter des Instituts beteiligt ist (so es ihn noch gibt), dem es um Wissenschaft und nicht um Ideologie und Manipulation geht. Die Glaubwürdigkeit des DIW steht auf dem Spiel – sofern sie nicht längst durch Personen wie Elke Holst, Anne Busch-Heizmann oder Anna Wieber verspielt worden ist.

Gesinnungs-Schulunterricht: Warum Politiker die besseren Menschen sind

Dass die Sicherung staatlicher Herrschaft, ob in einer Demokratie, einem totalitären System oder einer Diktatur, über die Indoktrination des Nachwuchses, seine Ausbildung zum guten Staatsbürger, zum Untertan führt, zum Subjekt, dessen geistiger Horizont durch das Erlernte konstituiert und begrenzt wird, das wussten Nicolae Ceaușescu und Josef Stalin ebenso gut wie die Bildungspolitiker faschistischer Systeme der 1930er und 1940er Jahre in Deutschland und Italien, die Mitglieder der baden-würrtembergischen Landesregierung oder beliebige Pädagogen, die inhaltliches Wissen und nicht die Entwicklung der formalen Denk- und Schlussfähigkeit zum Gegenstand des Schulunterrichts gemacht haben.

Entsprechend geht es ihnen nicht darum, Schüler zu unabhängigen und individuellen Denkern auszubilden, die in der Lage sind, Meinungen auf Grundlage von Fakten, die sie selbst gesucht und bewertet haben, zu bilden, sondern darum, Schüler zu abhängigen und kollektiven Nach-Denkern zu erziehen, die die vorgegebene Lesart, die vorgegebene Meinung zu Dingen zu artikulieren im Stande sind, nicht aber dazu, das, was ihnen als richtig präsentiert wird, zu hinterfragen.

Dies ist offensichtlich in einem Land, in dem es zum Lehrplan gehört, die richtige demokratische Gesinnung, was regelmäßig die demokratische Gesinnung ist, deren Lobbyisten gerade in der Landesregierung vertreten sind, zu vermitteln.

Mitverantwortung SchulindoktrinationEin besonders krasses Beispiel dafür, wie versucht wird, Schüler mit der richtigen Gesinnung auszustatten, ihnen suggestiv zu vermitteln, wo der Feind steht und sie in einer Weise zu “framen”, d.h. mit einer Wahrnehmungsbeschränkung zu versehen, die die Gefahr, einen Schüler zu produzieren, der in der Lage ist, außerhalb des Mainstreams zu denken, minimiert, liefern die Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufen I und II mit dem Titel “MitVerantwortung“, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden [Die Stiftung Jugend und Bildung ist eine jener Stiftungen, von denen niemand weiß, wie sie sich eigentlich finanzieren. Es gibt keine Hinweise auf Höhe und Herkunft des Stifterkapitals, keine Jahresbilanz, keine Gewinn- und Verlustrechnung.]

Bei der Stiftung scheint es sich, wie ein Blick auf die Liste der Partner nahe legt, um eine Tarnorganisation zu handeln, über die Bundesministerien versuchen, Schulunterricht in den Ländern zu beeinflussen und die Schüler zur gewünschten Gesinnung zu manipulieren, zum Beispiel im Bezug auf das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, dessen heutige Verwendung im Brundlandt-Bericht erfunden wurde (sustainability) und der definiert wurde als Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Es ist nicht rühmlich, dass derartiger Unsinn in der Lage ist, Generationen zu beschäftigen und noch Jahrzehnte, nachdem er geäußert wurde, im Mund geführt wird. Die Definition ist deshalb Unsinn, weil sie die Kenntnis der Bedürfnisse der künftigen Generationen voraussetzt, was offensichtlich nur möglich ist, wenn die Brundtland-Kommission neben dieser Definition auch gleich eine Zeitmaschine erfunden hat, was die Kommission aber mangels Qualifikation nicht nicht leisten konnte.

Aber: Der Begriff der Nachhaltigkeit, der nachhaltigen Entwicklung hat sich wie kaum ein anderer in den letzten Jahrzehnten in den Sprachgebrauch eingefressen: Keine Pressemeldung, die Gutheit reklamieren will, kommt mehr ohne ihn aus, und kein Post in einem Blog, der geadelt werden will, kann darauf verzichten als nachhaltiger Post in einem nachhaltigen Blog zu wirken, natürlich immer unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Generationen künftiger Blogger.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist Gegenstand besagter Schulmaterialien, und damit die Schüler auch nicht auf die Idee kommen, jenes Prinzip der Nachhaltigkeit z.B. auf Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, beginnen die Materialien mit einer apodiktischen Feststellung dessen, was den Schülern als Wahrheit verkauft werden soll:

“Im Prinzip ist es einfach: Wenn man von vorhandenen Ressourcen mehr verbraucht als sich regenerieren kann, ist irgendwann nichts mehr übrig. Um den Raubbau an Natur und Menschen (Stichwort: „Menschenrechte“) künftig zu verhindern, gilt es, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln. Viele tun dies bereits: Politiker und Nichtregierungsorganisationen, Privatleute und ebenso zahlreiche Unternehmen. “

Wie einfach die Welt ist.

Dass Suggestion das Mittel der Wahl ist, mit dem Schüler indoktriniert werden sollen, zeigt sich an den Prämissen, auf denen die aufgestellten Behauptungen basieren:

  • Overpopulation1Derzeit wird Raubbau an Natur und Menschen betrieben – Man fragt sich von wem? Vermutlich von Aliens.
  • Das Gegenmittel gegen diesen angeblichen Raubbau an Natur und Menschen ist Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln, was voraussetzt, dass bis zur Entdeckung der Nachhaltigkeit Menschen keine Verantwortung übernommen haben. Entsprechend sind alle nicht-Nachhaltigkeitsapostel, also Kritiker am Konzept der Nachhaltigkeit, böse Menschen, die Raubbau an Natur und Menschen betreiben.
  • Wer die Guten sind, wird den Schülern auch gleich untergeschoben, denn Verantwortung übernehmen und nachhaltig handeln, das tun alle Politiker, die – ob braun, schwarz, blau, gelb, rot, tiefrot oder grün – in nachhaltiger Gutheit vereint sind und Nichtregierungsorganisationen. Die Macher dieser Materialien sind sich offensichtlich für nichts zu schade.

Nachhaltigkeit kennt, so lernen die Schüler weiter, drei Ebenen, eine ökologische, eine soziale und eine ökonomische Ebene und wie die Ebenen verschränkt sind, dass weiß, so zeigen es die Unterrichtsmaterialien, man ausgerechnet bei der Verbraucherzentrale:

“Wirtschaftswachstum kann nur dann als nachhaltig bezeichnet werden, wenn es nicht gleichzeitig soziale Ungleichheit verschärft oder zu weiteren Umweltbelastungen etwa durch steigende Schadstoffemissionen führt und somit die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen zerstört.”

Wirtschaftswachstum hat demnach neutral zu sein, damit es nachhaltig sein kann und wir stellen mit Erstaunen fest, dass das Wirtschaftswachstum, das die DDR-Bürger nach der Wende zu blühenden Landschaften erfahren haben, nicht den Kriterien der Verbraucherstiftung entspricht: Die Gesellschaft der im selben Mangel verarmten DDRler hat sich differenziert, die soziale Ungleichheit ist gestiegen. Ginge es nach der Verbrauchzentrale, die Vereinigung sie wäre aus Gründen der Nachhaltigkeit rückabzuwickeln.

Umweltbelastungen sind nur bedenklich, so lernen wir weiter, wenn sie zu den bereits vorhandenen hinzukommen und dann, wenn sie die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen zerstören.

Das alles mag für mache gut klingen und doch ist alles vollkommener Unsinn.

Die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen werden durch jeden Menschen, der heute geboren wird, zum Teil zerstört (weil das, was Hans Gegenwart verbraucht für Hans Zukunft nicht mehr zur Verfügung steht) und Teilzerstörung ist die einzige sinnvolle Interpretation, die man der Zerstörung der Lebensgrundlage nachfolgender Generationen geben kann, denn bislang ist es Menschen nicht gelungen, wachstumsfördernde Produktionsformen zu erfinden, die die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen komplett zerstören. Dagegen ist es Menschen durchaus gelungen, Wachstum zu produzieren, das Wohlstand zur Folge hat.

Da jeder Mensch mit jedem Atemzug Schadstoffe ausatmet und zudem mit jedem Atemzug Sauerstoff verbraucht, der für nachfolgende Generationen entsprechend nicht mehr zur Verfügung steht, ist die einzige Schlussfolgerung, die man aus dem Unsinn der Verbraucherzentrale ziehen kann, ein Verbot der Fortpflanzung, denn Fortpflanzung ist der größte Feind der Nachhaltigkeit.

Schließlich wird in den Materialien für den Unterricht in der 7. bis 12. Klasse das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zitiert, auch eine der Koryphäen, die sich auf dem Gebiet der Bildung tummeln, und im BMAS wurde der folgende besonders perfide Unsinn verbreitet:

„Die soziale Verantwortung von Unternehmen beschränkt sich darauf, Profite zu erwirtschaften – diese Position bezog der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den 1970er Jahren. Doch seitdem hat die Gegenposition immer mehr Anhänger gewonnen. Corporate Social Responsibility (CSR) ist die Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg. Denn erstens fördert sie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was der Produktqualität zugute kommt. Zweitens fragen … Verbraucher zunehmend Waren nach, die nachhaltig hergestellt wurden. Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch … Konsumenten führen.“

Friedman Kapitalismus und FreiheitDie Brechstangen-Suggestion des BMAS zeigt Schülern klar, wo die Guten und wo die Bösen zu finden sind. Böse sind Milton Friedman und seine Anhänger, die aber auf dem absterbenden Ast sein sollen, denn “die Gegenposition” zu Friedman hat angeblich immer mehr Anhänger gewonnen, weil nämlich CSR die Motivation von Mitarbeitern fördert und die Produktqualität erhöht (nicht etwa den Umsatz!). Außerdem müssen böse Unternehmer, die Friedman anhängen und unverantwortlich wirtschaften, mit Boykott durch Konsumenten rechnen. Deshalb sind sie zur Verantwortlichkeit bekehrt worden – oder so.

Wenn es darum geht, Schüler zu manipulieren, schreckt man offensichtlich vor nichts zurück, nicht davor, unbelegte Behauptungen aufzustellen, weil sie gerade in die Ideologie passen, nicht davor, Fehlschlüsse ad populum zu formulieren, also zu behaupten, weil angeblich eine Mehrheit an etwas glaubt, müsse diese Mehrheit recht haben (wobei noch zu zeigen wäre, dass sich die CSR-Anhänger tatsächlich in der Mehrheit befinden), und beim BMAS schreckt man auch nicht davor zurück, historische Diskussionen aus dem Zusammenhang zu reißen, zu fälschen, falsche Gegenpositionen aufzustellen und Ökonomen wie Milton Friedman zu denunzieren und zum Feindbild aufzubauen. Tatsächlich hat Milton Friedman Folgendes gesagt:

“In a free economy … there is one and only one social responsibility of business – to use its resources and to engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game, which is to say, engages in open and free competition without deception or fraud”

Das hat Milton Friedman gesagt, weil er der Ansicht war, dass ein Unternehmer, der am Markt bestehen will, gar nicht anders kann als verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, seine Arbeitnehmer angemessen zu entlohnen und auf die Wünsche und Präferenzen seiner Kunden einzugehen. Unternehmer sind – man muss einmal wieder daran erinnern – diejenigen, die andere in Lohn und Arbeit bringen und schon deshalb sozial sind

Versucht ein Unternehmer ohne Rücksicht auf Kundenpräferenzen und Arbeiter zu agieren, dann werden seine Produkte über kurz oder lang nicht mehr gekauft, dann kann er im Wettbewerb mit anderen Unternehmen nicht bestehen. Entsprechend ist der freie Wettbewerb für Friedman die wichtigste Zutat zu dem, was Schülern in den Indoktrinations-Materialien als verantwortlicher Umgang mit Ressourcen dargestellt werden soll. Denn von einem freien Markt werden die Anbieter, die unverantwortlich sind, über kurz oder lang verschwinden – das genau ist der Grund, warum sich Nichtregierungs- und Regierungsorganisationen vor dem freien Markt fürchten.

Die MitVerantwortungs-Materialien, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden, einem Feigenblatt, unter dem bundesministeriale Versuche der Schüler-Indoktrination erfolgen, können vor diesem Hintergrund nur als beschmämendes Dokument der versuchten Manipulation von Schülern zur richtigen Gesinnung bezeichnet werden.
Stiftung Jugend und BildungAber: Da wir immer ernst zu nehmen versuchen, was Bundesministerien und ihre Satelliten von sich geben, nehmen wir auch die Behauptungen zur Nachhaltigkeit ernst. Da Nachhaltigkeit, wie sie in den Materialien beschrieben wird, zur Konsequenz hat, dass der größte Schädling an Nachhaltigkeit menschlicher Nachwuchs ist und von Bundesministerien bekannt ist, dass sie die Produktion von menschlichem Nachwuchs bezuschussen, fordern wir hiermit zu einem Steuerboykott von Bundesministerien auf, denn: “Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch Konsumentinnen und Konsumenten führen”.

Zum Boykott sollte auch gehören, dass Eltern ihre Kinder von Schulen fernhalten, in denen derart primitive Indoktrinationsversuche unternommen werden. Der Boykott dient auch dem Selbstschutz, da Materialien wie die von Jugend und Bildung nicht zur Bildung, sondern zur Verblödung der Schüler beitragen, die ihnen ausgesetzt sind. Bei Schundprosa wir den Materialien der Stiftung Jugend und Bildung ist dies auch nicht anders zu erwarten.

Friedman, Milton (1993). The Social Responsibility of Business is to Increase Profits. In: Chryssides, George D. & Kaler, John H. (eds.). Business Ethics. London: Thompson Learning, pp.249-254.

©ScienceFiles, 2015

Effizientes Regieren durch entmündigte Bürger

Regierungen haben mit ihren Bevölkerungen ihre liebe Not: Bürger zahlen weniger Steuern als Regierungen es für notwendig halten, ja, manche enthalten ihre Steuern gar vor. Viele Bürger wollen einfach nicht einsehen, dass es gut für sie ist, wenn sie nach ihrem vermeintichen Hirntod Organe spenden. Andere rauchen und belasten die Gesundheitskassen, obschon sie über ihre Tabaksteuer die Kosten ihrer infolge des Rauchens eintretenden Krankheiten eigentlich mehr als gedeckt haben sollten, was die Frage aufwirft, was mit den Einnahmen aus der Tabaksteuer geschieht. Wieder andere essen sich dick und kugelrund mit Zucker, Fettsäuren gesättigt und ungesättigt, mit Harnstoff in Fleichverpackung, mit Antibiotika verdünnt in Milch und wollen einfach nicht essen, was gut für sie ist.

Ja, als Regierender hat man seine liebe Mühe und Not mit den dummen Bürgern, jenen Eingebildeten, die der Ansicht sind, sie wüssten selbst am besten, was für sie gut ist, jenen Fehlgeleiteten, die denken, sie könnten ein eigenständiges Leben ohne die richtige Führung durch ihre Regierung leben.

Um die Not der Regierenden zu lindern, tingelt Cass Sunstein durch die Welt und versucht sein Modell Nudging-Science-Cliffdes “Nudging”, des Schubsens an den Mann zu bringen. Cass Sunstein gehört, wie die Regierenden dieser Welt, zu jenen Erleuchteten, die nicht nur wissen, was richtig ist, sondern vor allem wissen, was für Sie, uns und uns alle das Richtige und das Beste ist. Sunstein nutzt sein intimes Wissen über die Wahrheit im täglichen Leben, um die Entscheidungen der Bürger, denen die Sunstein’sche Erleuchtung fehlt, in die richtige Richtung zu beeinflussen, die Bürger so zu manipulieren, dass sie Organe spenden, zuckerfrei essen, Wasser sparen, die Umwelt schützen, ziviles, unentgeltliches Bürgerengagement zeigen, um klammen Kommunen die Arbeiten abzunehmen, die diese Kommunen trotz hoher Grund- und Gewerbesteuereinnahmen nicht mehr leisten können, weil sie sich schon um Gleichstellung und Sozialhilfe kümmern müssen.

Die Manipulationstechnik, die Sunstein erfunden hat, um Bürgern vorzugaukeln, die Entscheidung, die gerade für sie getroffen wurde, sei eigentlich die Entscheidung gewesen, die sie auch selbst getroffen hätten, wenn man sie denn gefragt hätte und sie eine Entscheidung zu treffen gehabt hätten, hat bei der Bundesregierung begeisterte Zustimmung gefunden. Endlich, so mutmaßen die verzweifelten Regierer, haben sie ein Mittel an der Hand, das es ihnen erlaubt, Bürger zu dirigieren, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen, sie zu manipulieren, denn die Entscheidungen, die die Regierenden für die richtigen halten, sind nicht deckungsgleich mit den Entscheidungen, die die Bürger für richtig halten, sie letztlich zu entmündigen, denn mit einem entmündigten Bürger regiert es sich besonders gut.

Der Anfang im Bürger-Schubsen ist bereits gemacht, wie man beim aufmerksamen Lesen einer Pressemeldung der Bundesregierung sehen kann.

Anlass ist die Steuermoral der Deutschen. Trotz der europaweit zweithöchsten Belastung mit Steuern und Abgaben, die Deutsche schultern, reichen die Einnahmen des Finanzministers hinten und vorne nicht, wie die Schlaglöcher auf Bundesautobahnen und die kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Brücken zeigen. Grund für die nicht ausreichenden Steuereinnahmen sind aus Sicht der Regierenden einerseits Bürger, die Steuern vorenthalten, andererseits Bürger, die in ihrer jährlichen Steuererklärung so aberwitzige Dinge wie häusliche Arbeitszimmer, Arbeitsmaterialien, Fortbildungskosten oder gar Pendelkosten geltend machen und dadurch die Steuereinnahmen des Fiskus reduzieren.

Damit schaden Sie der Allgemeinheit, denn der Allgemeinheit werden durch die individuelle Steuererklärung Gelder entzogen und da individuelle Steuerzahler Teil der Allgemeinheit sind, schaden sie sich selbst. Dieser einfache Widerspruch, der belegt, dass Steuererklärungen, in denen Werbekosten geltend gemacht werden, demjenigen, der die Werbekosten geltend macht, ebenso schaden, wie der Allgemeinheit, ist ein Schluss, der Regierenden nur allzu bewusst ist, während individuellen Steuerzahlern die entsprechende Einsicht in der Regel versagt bleibt, denken sie doch, sie würden durch die Rückerstattung von zu viel bezahlter Steuer einen finanziellen Vorteil gewinnen.

Bürger sind – mit anderen Worten – nicht in der Lage einzusehen, dass es nicht nur ihre Pflicht ist, Steuern zu zahlen, sondern dass es in ihrem eigenen Interesse ist, ihnen Vorteile verschafft, so viel wie nur möglich Steuern zu zahlen und vor allem keine Werbekosten und andere Steuervergünstigungen geltend zu machen.

Ein klarer Fall für Nudging.

Und das sieht im vorliegenden Fall wie folgt aus:

Wir zitieren aus einer Pressemeldung der Bundesregierung:

“Weitere Vereinfachungen für Bürgerinnen und Bürger ergeben sich beispielsweise über das Angebot einer vorausgefüllten Steuererklärung.”

Die vorausgefüllte Steuererklärung ist das beste Mittel gegen Bürger, die sich einbilden, ihnen stünde eine Rückerstattung zu, gegen Bürger, die denken, sie könnten mit Kniffen eines Herrn Konz, der Finanzbehörde ein Schnippchen schlagen, und sie ist ein weiteres Mittel auf dem Weg der Bequemlichkeits-Entmündigung, mit der durch angebliche Serviceleistungen von Verwaltungen Bürgern ihre Handlungskompetenz und ihre Handlungsfreiheit Stück für Stück genommen wird.