Freies Manipulieren mit Umfragedaten: Wenn es um Griechenland geht, ist scheinbar alles erlaubt

Wenn es darum geht, eine Meinungshoheit in der öffentlichen Diskussion zu erreichen, dann kommt Umfragen regelmäßig eine große Bedeutung zu, nicht einfach Umfragen, nein: repräsentativen Umfragen, also Umfragen, bei denen alle Elemente einer Grundgesamtheit dieselbe Wahrscheinlichkeit hatten, in die Auswahl zu gelangen.

Repräsentativ ist eine Umfrage für Deutschland dann, wenn alle Deutschen, dieselbe Chance hatten, daran teilzunehmen.

Ein Ding der Unmöglichkeit, wie wir schon einmal am Beispiel einer Telefonumfrage gezeigt haben (fast alle Meinungsforschungsinstitute machen vornehmlich Telefonumfragen):

telephone surveyNehmen Sie an, Sie haben ein Befragungsinstitut mit einem Telefonpool und rufen abends von 17 Uhr bis 22 Uhr die Personen an, die sie aus dem Telefonbuch zufällig gezogen haben:

  • Alle, die nicht im Telefonbuch stehen, eine Geheimnummer haben, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht zuhause sind, weil sie z.B. Schicht arbeiten oder in einer Kneipe sitzen, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht ans Telefon gehen, weil sie sich beim Abendessen oder bei was auch immer nicht stören lassen wollen, sind nicht im Datensatz;

Wie man es dreht und wendet, der Datensatz ist nicht repräsentativ, denn nicht alle Elemente der Grundgesamtheit haben dieselbe Wahrscheinlichkeit, an der Befragung teilzunehmen (das wäre zu einer anderen Uhrzeit nicht anders).

Und die genannten, sind nicht die einzigen systematischen Ausfälle:

  • Wer im Krankenhaus liegt, der fällt aus.
  • Wer in Urlaub ist, der fällt aus.
  • Wer obdachlos ist, der fällt aus.
  • Wer stumm ist, der fällt aus.
  • Wer gehörlos ist, der fällt aus.
  • Wer entmündigt wurde, der fällt aus.
  • Wer im Gefängnis sitzt, der fällt aus.
  • Bei wem die Telekom das Telefon gesperrt hat, weil er seine letzten beiden Rechnungen nicht bezahlt hat, der fällt aus.

Das sollte eigentlich ausreichen, um den Mythos von der repräsentativen Befragung ein für alle Mal auszurotten.

Aber das tut es nicht!

Warum? Weil die angeblich repräsentative Befragung zu einer unverzichtbaren Waffe im Krieg um die Meinungshoheit im öffentlichten Diskurs geworden ist. Der Vorwurf, das sei ja gar nicht repräsentativ, eignet sich perfekt, um missliebige Ergebnisse zu diskreditieren. Die Behauptung, die eigene Befragung sei repräsentativ, adelt die Ergebnisse und macht sie glaubwürdiger, jedenfalls in den Augen der Repräsentativitätsapostel.

Nicht zuletzt hängen wirtschaftliche Interessen an der Repräsentativität. Man stelle sich vor, die Umfrageinstitute, die ihren Umsatz auf Basis der Leichtgläubigkeit von Politikern und Funktionären erwirtschaften, könnten nicht die angebliche repräsentative Auswahl der 1000 Hanseln, die ihre repräsentativen Befragungen regelmäßig versammeln, vorschützen. Was würde ihre Umfrage dann von einer Umfrage, die ScienceFiles im Internet durchführt, unterscheiden?

Nichts!

Und zu guter letzt, innerhab des Rahmens der mit der Behauptung einer repräsentativen Umfrage gesteckt wird, lässt es sich trefflich manipulieren, wie dies gerade bei der WELT der Fall ist.

Die WeltDort berichtet Jan Dams von einer YouGov-Umfrage mit immerhin 1.380 Befragten, die natürlich repräsentativ ist, was sonst könnte sie sein. In dieser Befragung haben sich 48% der Befragten für einen Austritt Griechenlands aus der EU ausgesprochen.

Dies ist der Aufhänger, dem der folgende Absatz folgt:

“Viele fragen sich, schmeißt man dem schlechten Geld gutes hinterher? Bringen die neuen Reformprogramme etwas in einem Land, das sich mit ihnen nicht identifiziert? Ist Griechenland mit seiner bislang so unwilligen Politik und seinen oft korrupten Eliten überhaupt reformfähig? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte jüngst in einem Interview, ein Grexit sei für Griechenland vielleicht die bessere Alternative. Vielen in seiner Partei und in der Bevölkerung spricht er damit aus dem Herzen, wie die Umfrage zeigt.”

Das nennt man in der Sozialpsychologie Framing, und es wirkt wie folgt:

“Mit 56 Prozent halten deutlich mehr als die Hälfte der Deutschen den geplanten Deal mit Griechenland für schlecht. 23 Prozent davon bewerten ihn sogar als sehr schlecht. Nur zwei Prozent sehen ihn sehr positiv, weitere 27 Prozent eher positiv.”

Hand aufs Herz: Wer hat nach dem Lesen des letzten Absatzes gedacht, die 56%, die den Deal mit Griechenland negativ bewerten, tun dies vor allem deshalb, weil sie Griechenland lieber aus der Eurozone verschwinden sehen würden, weil Sie denken, Griechenland wird gutes Geld hinterher geworfen, weil sie am Erfolg der Reformprogramme zweifeln?

framingUnd genau darin besteht die Manipulation, denn die Frage WARUM die Befragten den Deal mit Griechenland negativ bewerten, die wurde entweder nicht gestellt oder von Jan Dams absichtlich unterschlagen. Diese Frage ist jedoch erheblich, immerhin sind große Teile der Linken gegen den Griechenland-Deal, weil sie gerne noch mehr Geld anderer Leute an Griechenland verschenken würden als die Bundesregierung das sowieso schon tut.

Ungeachtet der Frage, wie man zu diesen Linken steht, würde man doch erwarten, dass ihre Meinung in einer angeblich repräsentativen Umfrage irgendwie auftaucht und ins Gewicht fällt. Dass Sie es scheinbar nicht tut, ist das Ergebnis des oben genannten Framings, der Art der Präsentation der Ergebnisse, die leichtgläubige Leser in die gewünschte Richtung manipuliert und den Anschein erweckt, 56 Prozent der von YouGov Befragten, wären mit dem Deal nicht zufrieden, weil er ihnen nicht weit genug geht.

Wir finden den Deal auch unterirdisch und das Abwirtschaften des Euro, das die Bundesregierung und vor allem die EZB dadurch betreiben, dass sie den Geldmarkt mit Euro fluten und den Euro zur Ramschwährung entwickeln, unverantwortbar, aber das hat nichts damit zu tun, dass die Präsentation der Umfrage von YouGov in der Welt manipulativ ist. Scheinbar denken manche, sie könnten ihre Meinung besser vertreten, wenn sie den Eindruck erwecken, sie seien in der Mehrheit.

Wie dem auch sei, die YouGov-Umfrage kann man natürlich nicht nur wegen der angeblichen Repräsentativität kritisieren. Sie ist auch unvollständig, was vermutlich der fehlenden Phantasie, die Meinungsforscher vor allen auszeichnet, geschuldet ist. Hätten die Meinungsforscher Phantasie und zudem Mut, sie würden die Deutschen fragen, ob sie nicht selbst aus der Eurozone oder gar der EU aussteigen und ihre DM zurückhaben wollen.

Wir tun dies seit einiger Zeit. Zwischenzeitlich haben sich 2.359 Leser an dieser Befragung beteiligt. 2.174 (92%) haben angegeben, dass Deutschland nicht in der EU verbleiben soll.

Wer noch nicht abgestimmt hat, der kann das nunmehr tun:

Deutschland: Better off out?

For(z)sa Niggemeier oder: Sind Anhänger von Grünen und Linker leichter zu manipuliern als andere?

Das Corpus delicti:

forsa“Hat sich Kanzlerin Angela Merkel alles in allem richtig verhalten oder hätte sie Griechenland zu einem Ausstieg aus dem Euro zwingen sollen? [Weiß nicht war eine Antwortalternative]”

Diese Frage hat das Umfrageinstitut “Forsa” seinen rund 1000 Befragten gestellt, die immer dann herhalten müssen, wenn Umfragen mit dem Prädikat “repräsentativ” versehen werden sollen, und diese Frage hat den Ärger von “Medienblogger Stefan Niggemeier” geweckt:

“Forsa hat die Frage so formuliert, dass jeder, der einen erzwungen „Grexit“ ablehnt, seine Zufriedenheit mit Merkel ausdrücken — oder „weiß nicht“ sagen muss. Das wäre auch die Option, die zum Beispiel jemand wie der Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman wählen müsste, der — nicht als einziger — von Merkel forderte, einen „weniger zerstörerischen“ Plan für Griechenland vorzulegen. In der Welt von „Stern“ und Forsa kann man nur noch härter mit Griechenland umgehen als die Bundesregierung. Schon die Formulierung der beiden Antwortmöglichkeiten ist unseriös und manipulativ. “

Grund des Niggemeierschen Ärgers ist der hohe Anteil von “alles in allem richtig gemacht”, den Forsa selbst für Anhänger der Grünen und der Linken ausweist. Und offensichtlich ist Stefan Niggemeier der Ansicht, die arglosen Anhänger der Grünen oder der Linken seien von Forsa mutwillig in die falsche Antwort getrickst worden. Natürlich ist Paul Krugman intelligenter als die vielen Anhänger der Grünen und der Linken, die nach Angaben von Forsa ihre Zufriedenheit mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel zum Ausdruck gebracht haben.

Das Problem dieser Kontroverse, in die sich nun auch Soziologen eingemischt haben (ja, es gibt noch welche), und zwar Michael Häder, dem eine Notenskala zur Bewertung der Verhandlungskunst von Angela Merkel lieber wäre und Andreas Diekmann, den das Oder an der Frageformulierung stört: Sie wird auf Grundlage unterschiedlicher Prämissen geführt.

Rollen wir das Feld von hinten auf.

Holm_Selbstverständlich ist die Frageformulierung von Forsa manipulativ. Im Knigge der empirischen Sozialforschung steht unter den do-nots der gezielten Manipulation von Antwortverhalten: “Man formuliert geschlossene Fragen ohne eine vollständige Liste von Antwortmöglichkeiten zu präsentieren. Antworten, die nicht erwünscht sind, werden nicht vorgegeben” (Holm, 1975: 64).

Stefan Niggemeier hat mit seiner Kritik also recht. Wenn es Forsa darum gegangen wäre, ein Bild davon zu erhalten, was die von Forsa befragten Deutschen von den Verhandlungskünsten ihrer Kanzlerin halten, dann hätte die Alternative: Merkel hätte Griechenland (noch mehr) Schulden erlassen sollen, in der ein oder anderen Variante, die dann auch Paul Krugmann ankreuzen kann, dazu gehört.

Aber: Es geht um Umfrageforschung, nicht um Wissenschaft.

Gibt es wirklich noch jemanden in Deutschland, der der Ansicht ist, Umfrageforschung werde durchgeführt, um objektive Meinungsbilder der Bevölkerung abzufragen?

Kann man so naiv sein?

Wir haben in zurückliegenden Posts nicht nur gezeigt, wie Umfrageforschung genutzt werden soll, um Befragte zu manipulieren und, wenn das nichts nutzt, Ergebnisse zu frisieren. Wir haben uns schon zur Unmöglichkeit einer repräsentativen Stichprobe geäußert. Wir haben schon darauf hingewiesen, dass Umfrageforschung Auftragsforschung ist, und verdi als Auftraggeber einer Umfrage über private Bildungseinrichtungen kein großes Interesse an unangenehmen Ergebnissen hat, wie das Deutsche Jugendinstitut kein großes Interesse an einem Nachlassen der Fremdenfeindlichkeit hat, wenn die Entscheidung über eine Weiterförderung des Bereiches Extremismus und Fremdenfreindlichkeit durch das BMFSFJ wieder ansteht.

Das Giftarsenal der Umfrageforschung, ergänzt um die immer geringer werdende Verbreitung der Kenntnisse darüber, wie man quantiative empirische Sozialforschung überhaupt betreibt, beides verbindet sich zu einer höchst fruchtbaren Mischung, wenn es darum geht, Ergebnisse zu produzieren, die einem in den Kram passen oder doch zumindest: es zu versuchen.

UmfragemissbrauchDenn: auch unter denjenigen, die von Umfrageforschern befragt werden, finden sich intelligente Wesen. Und so ist es für uns regelmäßig ein Rätsel, dass diejenigen, die wie Stefan Niggemeier glauben, man könne durch vermeintliche repräsentative Auswahl von Befragten und eine korrekte Formulierung der Fragen, der Wahrheit nicht nur auf die Spur kommen, nein, sie direkt messen, nicht bereit sind, ebenfalls anzunehmen, dass die Verteilung der intelligenten Befragten denselben Gesetzen der Repräsentativität folgt, dass sie, mit anderen Worten, zufällig verteilt sind, sich unter Befragten, die der CDU/CSU anhängen, im selben Anteil finden wie unter Befragten, die der Linken oder den Grünen anhängen (Es geht hier um das formale Argument, nicht um die inhaltliche Wertung!).

Wenn man annimmt, dass in vermeintlich repräsentativen Befragungen, die auf der zufälligen Auswahl von Befragten basieren, die Anzahl der Intelligenten ebenfalls zufällig verteilt ist und man zudem annimmt, dass es Intelligenten auffällt, wenn man sie manipulieren will, dann folgt daraus, dass die entsprechend Intelligenten den Braten riechen, der mit der Forsa-Frage gegrillt werden soll.

Was folgt daraus?

Anhänger von CDU und CSU werden eher zustimmen, auch dann, wenn sie den manipulativen Charakter der Frage erkennen, denn sie sind mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel vermutlich wirklich zufrieden.

Anhänger von Linke und Grünen, die gerne die Alternative “hätte Griechenland noch mehr Schulden erlassen sollen” gewählt hätten, wie Stefan Niggemeier meint, hätten entsprechend “weiß nicht” als Anwtortalternative wählen müssen, da die von ihnen präferierte Antwortalternative nicht vorhanden war. Das haben sie aber nicht getan, was zwei Möglichkeiten offen lässt: Entweder die Anhänger der Grünen und der Linken sind tatsächlich mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel zufrieden oder sie sind dümmer als der Rest der Befragten, denn sie haben den manipulativen Braten nachweislich nicht gerochen, sich in die falsche Antwort tricksen lassen.

Welche Alternative darf es sein, Herr Niggemeier?

Tipping Point: Mediale Gender-Berieselung nervt immer mehr

… zu diesem Schluss kommen wir angesichts der Vielzahl der Hinweise, die uns erreichen, Hinweise auf mediale Berichterstattung, die ihren Lesern einhämmern will, dass Frauen benachteiligt sind, dass Frauen an Hochschulen benachteiligt sind, dass Frauen in Führungspositionen benachteiligt sind, dass Frauen Opfer sind, dass Frauen immer Opfer sind und deshalb die Hilfe der Genderindustrie benötigen, dass Frauen, die Genderindustrie benötigen, um ein Einkommen zu haben …. Nein, das nicht. Und dass immer mehr Frauen die Nase voll haben, von dieser Genderindustrie erst entmündigt und dann bevormundet zu werden, …. Nein, das auch nicht.

Die Zahl derer, die von der Gender-Indoktrination die Nase voll haben, sie steigt ebenso, wie die Zahl derer, die nur noch genervt reagieren, wenn sie etwas von Gender hören, wie zum Beispiel der folgende, freundlich grüßende Leser aus Mutterstadt:

“Hallo,

das muss bitte dringend auf ihrer Seite kommentiert werden!

Danke!”

enough“Das”, ist ein Beitrag auf Sol.de, dem Portal für Saarbrücken und den Rest vom Saarland (ist nicht mehr viel), der wie folgt überschrieben ist:

Studie: Frauen in Führungspositionen machen privat mehr Abstriche”

Als wer? Als früher? Als Vollerwerbstätige?

Und weiter geht es:

“Frauen in Führungspositionen machen für ihre Karriere einer Studie zufolge privat mehr Abstriche als Männer. Sie sind seltener verheiratet und haben seltener Kinder als Männer in vergleichbaren Positionen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin mitteilte. 68 Prozent leben – mit oder ohne Trauschein – mit ihrem Partner zusammen; bei den Männern sind es 77 Prozent. 29 Prozent der Frauen haben Kinder bis 16 Jahre, bei den Männern sind es 37 Prozent.”

Die Abstriche, für alle diejenigen, denen es entgangen ist, bestehen darin, dass 9% weniger Frauen, die das DIW in Berlin in Führungspositionen kodiert hat (dazu gleich mehr) als Männer nicht mit einem Partner zusammenleben und 8% weniger der entsprechenden Frauen Kinder unter 16 Jahren im Haushalt leben haben als Männer.

Alle, die das lesen und Single sind, die keine Kinder unter 16 Jahre im Haushalt leben haben, vielleicht, weil die entsprechenden Kinder schon erwachsen sind oder über 16 Jahre alt sind, aber immer noch im Haushalt leben, aufgemerkt: Sie machen Abstriche, ob Sie das wissen, wollen oder nicht.

Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, ist keine Aussage borniert genug. Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, dann wird regelmäßig deutlich, wie beschränkt die heile Welt der Genderisten tatsächlich ist, denn: zum Glück gehören Kinder unter 16 Jahren, die im Haushalt leben und ein fester Parter. Früher nannte man das Spießer.

Fuehrungskraefte MonitorUnd wie so oft in letzter Zeit, wenn Gender-Ideologie in die Köpfe der Bevölkerung gehämmert werden soll, kommt das, was angeblich ein wissenschaftliches Ergebnis ist, vom DIW in Berlin, von jenem DIW, das immer noch von sich behauptet, es betreibe wissenschaftliche Forschung, auch wenn es offensichtlich beim DIW in Berlin die Agenda gibt, zum Musterknaben, nein, zum Mustermädchen der Bundesregierung und der Genderideologie zu werden.

Die vermeintlichen Abstriche, die Sol.de berichtet, was wiederum einen unserer Leser so sehr genervt hat, dass er uns eine Dringlichkeits-eMail geschrieben hat, sie finden sich im allerletzten Satz einer Pressemeldung des DIW, die viele Sätze davor hat, Sätze, in denen noch der ein oder andere furchtbare Nachteil von “Frauen in Führungspositionen” bejammert wird.

Verantwortlich  für die neuerliche Jammer-Orgie, die vom DIW als Führungskräfte-Monitor 2015 verkauft wird, sind Elke Holst, Anne Busch-Heizmann und Anna Wieber.

Sie haben sich am Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) versucht (oder hatten einen männlichen Helfer, der rechnen kann, denn wie wir aus dem nämlichen DIW regelmäßig zu hören bekommen, sie es ja sehr duster aus im Bezug auf Rechnen, Mathematik, Statistik, Technik, kurz: MINT unter Frauen!), um ihre Jammer- oder jämmerlichen Erkenntnisse zu fabrizieren. Das SOEP ist einer der wenigen longitudinalen Datensätze, die es in Deutschland gibt: In regelmäßigen Abständen werden immer dieselben Befragten interviewt. So die Theorie.

In der Praxis gibt es die sogenannte Panelmortalität, ein Ergebnis des tatsächlichen Sterbens von Befragten und ein Ergebnis schleichender Lustlosigkeit, die sich einstellt, wenn man jedes Jahr denselben langweiligen Fragebogen ausfüllen soll. Obwohl das SOEP ein longitudinaler Datensatz ist, wird meist im Querschnitt gerechnet, d.h. für ein einziges Jahr. So auch im vorliegenden Fall: Das ist einfacher. Dafür braucht man weniger Kenntnisse in Statistik und Methoden, im Umgang mit Daten.

Beliebt ist das SOEP, weil man Sätze schreiben kann wie: “Insgesamt standen im letzten Erhebungsjahr 2013 Informationen zu mehr al 24.000 Befragten zur Verfügung” (15). Das klingt gut, klingt nach viel, nach sehr viel in Standards quantitativer empirischer Sozialforschung gemessen. Nur: Die SOEP-Befragten im Datensatz haben die Angewohnheit, immer dann, wenn eine spezifische Gruppe gesucht wird, wegzuschmelzen wie das Eis in der Sonne.

Entsprechend bleiben Holst, Busch-Heizmann und Wieber auf letztlich 1.550 Personen sitzen, darunter 445 “weibliche Angestellte, von denen aber nur 28 mit umfassenden Führungsaufgaben betraut sind” (16). Und weil man mit 28 Befragten nicht sinnvoll arbeiten kann, haben die Autorinnen die 28 Frauen in “Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben” kurzerhand mit den 417 Frauen, die “sonstige Leitungsfunktionen oder hochqualifizierte Tätigkeiten (Abteilungsleiter, wissenschaftlicher Angestellter, Ingenieur) ausüben”, zusammengeworfen.

Und so wird man dann als Mittelbauler an der Hochschule, der in anderen Zusammenhängen wegen seines Zeitvertrags und seiner Sklavenarbeit ähnlichen Ausnutzung beklagt wird, urplötzlich zur Führungskraft und alles, damit das DIW einen Führungskräfte-Monitor vertreiben kann, in der neuen Reihe “Politikberatung kompakt”.

Nur: Der Führungskräfte-Monitor ist kein Führungskräfte-Monitor. Er ist eine Mogelpackung, die man als Wissenschaftler, der sich mit Methoden auskennt und seine Arbeit mit lauteren Mitteln verfolgt, links liegen lassen muss: Links, da wo er hingehört, denn der Führungskräfte-Monitor ist nicht zufällig Bestandteil der Reihe “Politikberatung kompakt”, und es ist kein Zufall, dass die Reihe “Politikberatung kompakt” besser politisch-korrekter Etikettenschwindel heißen würde. Denn: so wenig, wie auf Grundlage des Führungskräfte-Monitor Aussagen über Führungskräfte möglich sind, so wenig ist die Politikberatung des DIW eine Politikberatung. Die Beratung ist vielmehr eine Legitimierung, eine Politiklegitimierung.

DIW POlitikberatungUnd Legitimierung findet regelmäßig dadurch statt, dass angeblich herrschende Zustände bejammert werden, so wie das im seinerseits bejammernswerten Führungskräfte-Monitor der Fall ist, dessen Autoren durch die Republik ziehen und in Medien aller Art den falschen Eindruck erwecken, sie könnten Aussagen über Führungskräfte machen, hätten Führungskräfte in relevanter Anzahl befragt, wenn sie mit Sicherheit weniger als 100 Geschäftsführer und Direktoren unter den 1.550 Personen, die sie als Führungskräfte verkaufen wollen, haben.

Das nennt man auch Vorspiegelung falscher Tatsachen, schon deshalb, weil durch die Verwendung des Begriffs “Führungskräfte” bei denen, die ihn hören, ganz bestimmte Assoziationen erweckt werden, eben die Assoziation von Geschäftsführer, von Top-Manager, jedenfalls nicht die Assoziation von Abteilungsleiter im Finanzamt oder von wissenschaftlichem Angestellten. Dass diese Assoziation bei denen, die Führungskraft hören, erweckt wird, ist Absicht und unlauter, es ist das, was man beim DIW nun Politikberatung nennt, worunter offensichtlich Methoden verstanden werden, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, zu manipulieren und letzten Endes zu betrügen.

Und einmal ehrlich: Nie war es einfacher als heute, derartige Manipulationen als angebliche wissenschaftliche Studie verpackt, unters Volk zu bringen: Die meisten Journalisten verfügen nicht einmal über rudimentäre Kenntnisse wissenschaftlicher Methoden und drucken gierig, was ihnen als wissenschaftlich verkauft wird, so lange es der politischen Korrektheit entspricht jedenfalls.

Die Größe, die in dem ganzen Manipulations- und Betrugsszenario keiner der Möchtegern-Manipulatoren auf der Rechnung hat, das sind die Leser, diejenigen, die manipuliert werden sollen, die vermeintlich Dummen da draußen, denen man nach Ansicht derer, die es versuchen, ein X für ein U vormachen kann.

Schlechte Nachrichten für Manipulateure:

Vielen Lesern reicht es. Sie können das Wort “Gender” mittlerweile nicht mehr hören und sind zu intelligent, als dass sie sich von angeblichen Wissenschaftlern, die nicht weiter kommen als Längsschnittsdaten im Querschnitt zu betrachten und Prozentwerte auszuzählen, von denen niemand weiß, warum sie ausgezählt werden, hinters Licht führen lassen.

Es wird Zeit, dass Institute wie das DIW dafür sorgen, dass an den Studien, die das Institut produziert, mindestens ein Angestellter des Instituts beteiligt ist (so es ihn noch gibt), dem es um Wissenschaft und nicht um Ideologie und Manipulation geht. Die Glaubwürdigkeit des DIW steht auf dem Spiel – sofern sie nicht längst durch Personen wie Elke Holst, Anne Busch-Heizmann oder Anna Wieber verspielt worden ist.

Gesinnungs-Schulunterricht: Warum Politiker die besseren Menschen sind

Dass die Sicherung staatlicher Herrschaft, ob in einer Demokratie, einem totalitären System oder einer Diktatur, über die Indoktrination des Nachwuchses, seine Ausbildung zum guten Staatsbürger, zum Untertan führt, zum Subjekt, dessen geistiger Horizont durch das Erlernte konstituiert und begrenzt wird, das wussten Nicolae Ceaușescu und Josef Stalin ebenso gut wie die Bildungspolitiker faschistischer Systeme der 1930er und 1940er Jahre in Deutschland und Italien, die Mitglieder der baden-würrtembergischen Landesregierung oder beliebige Pädagogen, die inhaltliches Wissen und nicht die Entwicklung der formalen Denk- und Schlussfähigkeit zum Gegenstand des Schulunterrichts gemacht haben.

Entsprechend geht es ihnen nicht darum, Schüler zu unabhängigen und individuellen Denkern auszubilden, die in der Lage sind, Meinungen auf Grundlage von Fakten, die sie selbst gesucht und bewertet haben, zu bilden, sondern darum, Schüler zu abhängigen und kollektiven Nach-Denkern zu erziehen, die die vorgegebene Lesart, die vorgegebene Meinung zu Dingen zu artikulieren im Stande sind, nicht aber dazu, das, was ihnen als richtig präsentiert wird, zu hinterfragen.

Dies ist offensichtlich in einem Land, in dem es zum Lehrplan gehört, die richtige demokratische Gesinnung, was regelmäßig die demokratische Gesinnung ist, deren Lobbyisten gerade in der Landesregierung vertreten sind, zu vermitteln.

Mitverantwortung SchulindoktrinationEin besonders krasses Beispiel dafür, wie versucht wird, Schüler mit der richtigen Gesinnung auszustatten, ihnen suggestiv zu vermitteln, wo der Feind steht und sie in einer Weise zu “framen”, d.h. mit einer Wahrnehmungsbeschränkung zu versehen, die die Gefahr, einen Schüler zu produzieren, der in der Lage ist, außerhalb des Mainstreams zu denken, minimiert, liefern die Unterrichtsmaterialien für die Sekundarstufen I und II mit dem Titel “MitVerantwortung“, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden [Die Stiftung Jugend und Bildung ist eine jener Stiftungen, von denen niemand weiß, wie sie sich eigentlich finanzieren. Es gibt keine Hinweise auf Höhe und Herkunft des Stifterkapitals, keine Jahresbilanz, keine Gewinn- und Verlustrechnung.]

Bei der Stiftung scheint es sich, wie ein Blick auf die Liste der Partner nahe legt, um eine Tarnorganisation zu handeln, über die Bundesministerien versuchen, Schulunterricht in den Ländern zu beeinflussen und die Schüler zur gewünschten Gesinnung zu manipulieren, zum Beispiel im Bezug auf das Prinzip der Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, dessen heutige Verwendung im Brundlandt-Bericht erfunden wurde (sustainability) und der definiert wurde als Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Es ist nicht rühmlich, dass derartiger Unsinn in der Lage ist, Generationen zu beschäftigen und noch Jahrzehnte, nachdem er geäußert wurde, im Mund geführt wird. Die Definition ist deshalb Unsinn, weil sie die Kenntnis der Bedürfnisse der künftigen Generationen voraussetzt, was offensichtlich nur möglich ist, wenn die Brundtland-Kommission neben dieser Definition auch gleich eine Zeitmaschine erfunden hat, was die Kommission aber mangels Qualifikation nicht nicht leisten konnte.

Aber: Der Begriff der Nachhaltigkeit, der nachhaltigen Entwicklung hat sich wie kaum ein anderer in den letzten Jahrzehnten in den Sprachgebrauch eingefressen: Keine Pressemeldung, die Gutheit reklamieren will, kommt mehr ohne ihn aus, und kein Post in einem Blog, der geadelt werden will, kann darauf verzichten als nachhaltiger Post in einem nachhaltigen Blog zu wirken, natürlich immer unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Generationen künftiger Blogger.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist Gegenstand besagter Schulmaterialien, und damit die Schüler auch nicht auf die Idee kommen, jenes Prinzip der Nachhaltigkeit z.B. auf Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, beginnen die Materialien mit einer apodiktischen Feststellung dessen, was den Schülern als Wahrheit verkauft werden soll:

“Im Prinzip ist es einfach: Wenn man von vorhandenen Ressourcen mehr verbraucht als sich regenerieren kann, ist irgendwann nichts mehr übrig. Um den Raubbau an Natur und Menschen (Stichwort: „Menschenrechte“) künftig zu verhindern, gilt es, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln. Viele tun dies bereits: Politiker und Nichtregierungsorganisationen, Privatleute und ebenso zahlreiche Unternehmen. “

Wie einfach die Welt ist.

Dass Suggestion das Mittel der Wahl ist, mit dem Schüler indoktriniert werden sollen, zeigt sich an den Prämissen, auf denen die aufgestellten Behauptungen basieren:

  • Overpopulation1Derzeit wird Raubbau an Natur und Menschen betrieben – Man fragt sich von wem? Vermutlich von Aliens.
  • Das Gegenmittel gegen diesen angeblichen Raubbau an Natur und Menschen ist Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig zu handeln, was voraussetzt, dass bis zur Entdeckung der Nachhaltigkeit Menschen keine Verantwortung übernommen haben. Entsprechend sind alle nicht-Nachhaltigkeitsapostel, also Kritiker am Konzept der Nachhaltigkeit, böse Menschen, die Raubbau an Natur und Menschen betreiben.
  • Wer die Guten sind, wird den Schülern auch gleich untergeschoben, denn Verantwortung übernehmen und nachhaltig handeln, das tun alle Politiker, die – ob braun, schwarz, blau, gelb, rot, tiefrot oder grün – in nachhaltiger Gutheit vereint sind und Nichtregierungsorganisationen. Die Macher dieser Materialien sind sich offensichtlich für nichts zu schade.

Nachhaltigkeit kennt, so lernen die Schüler weiter, drei Ebenen, eine ökologische, eine soziale und eine ökonomische Ebene und wie die Ebenen verschränkt sind, dass weiß, so zeigen es die Unterrichtsmaterialien, man ausgerechnet bei der Verbraucherzentrale:

“Wirtschaftswachstum kann nur dann als nachhaltig bezeichnet werden, wenn es nicht gleichzeitig soziale Ungleichheit verschärft oder zu weiteren Umweltbelastungen etwa durch steigende Schadstoffemissionen führt und somit die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen zerstört.”

Wirtschaftswachstum hat demnach neutral zu sein, damit es nachhaltig sein kann und wir stellen mit Erstaunen fest, dass das Wirtschaftswachstum, das die DDR-Bürger nach der Wende zu blühenden Landschaften erfahren haben, nicht den Kriterien der Verbraucherstiftung entspricht: Die Gesellschaft der im selben Mangel verarmten DDRler hat sich differenziert, die soziale Ungleichheit ist gestiegen. Ginge es nach der Verbrauchzentrale, die Vereinigung sie wäre aus Gründen der Nachhaltigkeit rückabzuwickeln.

Umweltbelastungen sind nur bedenklich, so lernen wir weiter, wenn sie zu den bereits vorhandenen hinzukommen und dann, wenn sie die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen zerstören.

Das alles mag für mache gut klingen und doch ist alles vollkommener Unsinn.

Die Lebensgrundlagen nachfolgender Generationen werden durch jeden Menschen, der heute geboren wird, zum Teil zerstört (weil das, was Hans Gegenwart verbraucht für Hans Zukunft nicht mehr zur Verfügung steht) und Teilzerstörung ist die einzige sinnvolle Interpretation, die man der Zerstörung der Lebensgrundlage nachfolgender Generationen geben kann, denn bislang ist es Menschen nicht gelungen, wachstumsfördernde Produktionsformen zu erfinden, die die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen komplett zerstören. Dagegen ist es Menschen durchaus gelungen, Wachstum zu produzieren, das Wohlstand zur Folge hat.

Da jeder Mensch mit jedem Atemzug Schadstoffe ausatmet und zudem mit jedem Atemzug Sauerstoff verbraucht, der für nachfolgende Generationen entsprechend nicht mehr zur Verfügung steht, ist die einzige Schlussfolgerung, die man aus dem Unsinn der Verbraucherzentrale ziehen kann, ein Verbot der Fortpflanzung, denn Fortpflanzung ist der größte Feind der Nachhaltigkeit.

Schließlich wird in den Materialien für den Unterricht in der 7. bis 12. Klasse das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) zitiert, auch eine der Koryphäen, die sich auf dem Gebiet der Bildung tummeln, und im BMAS wurde der folgende besonders perfide Unsinn verbreitet:

„Die soziale Verantwortung von Unternehmen beschränkt sich darauf, Profite zu erwirtschaften – diese Position bezog der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den 1970er Jahren. Doch seitdem hat die Gegenposition immer mehr Anhänger gewonnen. Corporate Social Responsibility (CSR) ist die Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg. Denn erstens fördert sie die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was der Produktqualität zugute kommt. Zweitens fragen … Verbraucher zunehmend Waren nach, die nachhaltig hergestellt wurden. Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch … Konsumenten führen.“

Friedman Kapitalismus und FreiheitDie Brechstangen-Suggestion des BMAS zeigt Schülern klar, wo die Guten und wo die Bösen zu finden sind. Böse sind Milton Friedman und seine Anhänger, die aber auf dem absterbenden Ast sein sollen, denn “die Gegenposition” zu Friedman hat angeblich immer mehr Anhänger gewonnen, weil nämlich CSR die Motivation von Mitarbeitern fördert und die Produktqualität erhöht (nicht etwa den Umsatz!). Außerdem müssen böse Unternehmer, die Friedman anhängen und unverantwortlich wirtschaften, mit Boykott durch Konsumenten rechnen. Deshalb sind sie zur Verantwortlichkeit bekehrt worden – oder so.

Wenn es darum geht, Schüler zu manipulieren, schreckt man offensichtlich vor nichts zurück, nicht davor, unbelegte Behauptungen aufzustellen, weil sie gerade in die Ideologie passen, nicht davor, Fehlschlüsse ad populum zu formulieren, also zu behaupten, weil angeblich eine Mehrheit an etwas glaubt, müsse diese Mehrheit recht haben (wobei noch zu zeigen wäre, dass sich die CSR-Anhänger tatsächlich in der Mehrheit befinden), und beim BMAS schreckt man auch nicht davor zurück, historische Diskussionen aus dem Zusammenhang zu reißen, zu fälschen, falsche Gegenpositionen aufzustellen und Ökonomen wie Milton Friedman zu denunzieren und zum Feindbild aufzubauen. Tatsächlich hat Milton Friedman Folgendes gesagt:

“In a free economy … there is one and only one social responsibility of business – to use its resources and to engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game, which is to say, engages in open and free competition without deception or fraud”

Das hat Milton Friedman gesagt, weil er der Ansicht war, dass ein Unternehmer, der am Markt bestehen will, gar nicht anders kann als verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen, seine Arbeitnehmer angemessen zu entlohnen und auf die Wünsche und Präferenzen seiner Kunden einzugehen. Unternehmer sind – man muss einmal wieder daran erinnern – diejenigen, die andere in Lohn und Arbeit bringen und schon deshalb sozial sind

Versucht ein Unternehmer ohne Rücksicht auf Kundenpräferenzen und Arbeiter zu agieren, dann werden seine Produkte über kurz oder lang nicht mehr gekauft, dann kann er im Wettbewerb mit anderen Unternehmen nicht bestehen. Entsprechend ist der freie Wettbewerb für Friedman die wichtigste Zutat zu dem, was Schülern in den Indoktrinations-Materialien als verantwortlicher Umgang mit Ressourcen dargestellt werden soll. Denn von einem freien Markt werden die Anbieter, die unverantwortlich sind, über kurz oder lang verschwinden – das genau ist der Grund, warum sich Nichtregierungs- und Regierungsorganisationen vor dem freien Markt fürchten.

Die MitVerantwortungs-Materialien, die von der Stiftung Jugend und Bildung vertrieben werden, einem Feigenblatt, unter dem bundesministeriale Versuche der Schüler-Indoktrination erfolgen, können vor diesem Hintergrund nur als beschmämendes Dokument der versuchten Manipulation von Schülern zur richtigen Gesinnung bezeichnet werden.
Stiftung Jugend und BildungAber: Da wir immer ernst zu nehmen versuchen, was Bundesministerien und ihre Satelliten von sich geben, nehmen wir auch die Behauptungen zur Nachhaltigkeit ernst. Da Nachhaltigkeit, wie sie in den Materialien beschrieben wird, zur Konsequenz hat, dass der größte Schädling an Nachhaltigkeit menschlicher Nachwuchs ist und von Bundesministerien bekannt ist, dass sie die Produktion von menschlichem Nachwuchs bezuschussen, fordern wir hiermit zu einem Steuerboykott von Bundesministerien auf, denn: “Unverantwortliches Handeln hingegen kann zum Boykott durch Konsumentinnen und Konsumenten führen”.

Zum Boykott sollte auch gehören, dass Eltern ihre Kinder von Schulen fernhalten, in denen derart primitive Indoktrinationsversuche unternommen werden. Der Boykott dient auch dem Selbstschutz, da Materialien wie die von Jugend und Bildung nicht zur Bildung, sondern zur Verblödung der Schüler beitragen, die ihnen ausgesetzt sind. Bei Schundprosa wir den Materialien der Stiftung Jugend und Bildung ist dies auch nicht anders zu erwarten.

Friedman, Milton (1993). The Social Responsibility of Business is to Increase Profits. In: Chryssides, George D. & Kaler, John H. (eds.). Business Ethics. London: Thompson Learning, pp.249-254.

©ScienceFiles, 2015

Effizientes Regieren durch entmündigte Bürger

Regierungen haben mit ihren Bevölkerungen ihre liebe Not: Bürger zahlen weniger Steuern als Regierungen es für notwendig halten, ja, manche enthalten ihre Steuern gar vor. Viele Bürger wollen einfach nicht einsehen, dass es gut für sie ist, wenn sie nach ihrem vermeintichen Hirntod Organe spenden. Andere rauchen und belasten die Gesundheitskassen, obschon sie über ihre Tabaksteuer die Kosten ihrer infolge des Rauchens eintretenden Krankheiten eigentlich mehr als gedeckt haben sollten, was die Frage aufwirft, was mit den Einnahmen aus der Tabaksteuer geschieht. Wieder andere essen sich dick und kugelrund mit Zucker, Fettsäuren gesättigt und ungesättigt, mit Harnstoff in Fleichverpackung, mit Antibiotika verdünnt in Milch und wollen einfach nicht essen, was gut für sie ist.

Ja, als Regierender hat man seine liebe Mühe und Not mit den dummen Bürgern, jenen Eingebildeten, die der Ansicht sind, sie wüssten selbst am besten, was für sie gut ist, jenen Fehlgeleiteten, die denken, sie könnten ein eigenständiges Leben ohne die richtige Führung durch ihre Regierung leben.

Um die Not der Regierenden zu lindern, tingelt Cass Sunstein durch die Welt und versucht sein Modell Nudging-Science-Cliffdes “Nudging”, des Schubsens an den Mann zu bringen. Cass Sunstein gehört, wie die Regierenden dieser Welt, zu jenen Erleuchteten, die nicht nur wissen, was richtig ist, sondern vor allem wissen, was für Sie, uns und uns alle das Richtige und das Beste ist. Sunstein nutzt sein intimes Wissen über die Wahrheit im täglichen Leben, um die Entscheidungen der Bürger, denen die Sunstein’sche Erleuchtung fehlt, in die richtige Richtung zu beeinflussen, die Bürger so zu manipulieren, dass sie Organe spenden, zuckerfrei essen, Wasser sparen, die Umwelt schützen, ziviles, unentgeltliches Bürgerengagement zeigen, um klammen Kommunen die Arbeiten abzunehmen, die diese Kommunen trotz hoher Grund- und Gewerbesteuereinnahmen nicht mehr leisten können, weil sie sich schon um Gleichstellung und Sozialhilfe kümmern müssen.

Die Manipulationstechnik, die Sunstein erfunden hat, um Bürgern vorzugaukeln, die Entscheidung, die gerade für sie getroffen wurde, sei eigentlich die Entscheidung gewesen, die sie auch selbst getroffen hätten, wenn man sie denn gefragt hätte und sie eine Entscheidung zu treffen gehabt hätten, hat bei der Bundesregierung begeisterte Zustimmung gefunden. Endlich, so mutmaßen die verzweifelten Regierer, haben sie ein Mittel an der Hand, das es ihnen erlaubt, Bürger zu dirigieren, damit sie die richtigen Entscheidungen treffen, sie zu manipulieren, denn die Entscheidungen, die die Regierenden für die richtigen halten, sind nicht deckungsgleich mit den Entscheidungen, die die Bürger für richtig halten, sie letztlich zu entmündigen, denn mit einem entmündigten Bürger regiert es sich besonders gut.

Der Anfang im Bürger-Schubsen ist bereits gemacht, wie man beim aufmerksamen Lesen einer Pressemeldung der Bundesregierung sehen kann.

Anlass ist die Steuermoral der Deutschen. Trotz der europaweit zweithöchsten Belastung mit Steuern und Abgaben, die Deutsche schultern, reichen die Einnahmen des Finanzministers hinten und vorne nicht, wie die Schlaglöcher auf Bundesautobahnen und die kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Brücken zeigen. Grund für die nicht ausreichenden Steuereinnahmen sind aus Sicht der Regierenden einerseits Bürger, die Steuern vorenthalten, andererseits Bürger, die in ihrer jährlichen Steuererklärung so aberwitzige Dinge wie häusliche Arbeitszimmer, Arbeitsmaterialien, Fortbildungskosten oder gar Pendelkosten geltend machen und dadurch die Steuereinnahmen des Fiskus reduzieren.

Damit schaden Sie der Allgemeinheit, denn der Allgemeinheit werden durch die individuelle Steuererklärung Gelder entzogen und da individuelle Steuerzahler Teil der Allgemeinheit sind, schaden sie sich selbst. Dieser einfache Widerspruch, der belegt, dass Steuererklärungen, in denen Werbekosten geltend gemacht werden, demjenigen, der die Werbekosten geltend macht, ebenso schaden, wie der Allgemeinheit, ist ein Schluss, der Regierenden nur allzu bewusst ist, während individuellen Steuerzahlern die entsprechende Einsicht in der Regel versagt bleibt, denken sie doch, sie würden durch die Rückerstattung von zu viel bezahlter Steuer einen finanziellen Vorteil gewinnen.

Bürger sind – mit anderen Worten – nicht in der Lage einzusehen, dass es nicht nur ihre Pflicht ist, Steuern zu zahlen, sondern dass es in ihrem eigenen Interesse ist, ihnen Vorteile verschafft, so viel wie nur möglich Steuern zu zahlen und vor allem keine Werbekosten und andere Steuervergünstigungen geltend zu machen.

Ein klarer Fall für Nudging.

Und das sieht im vorliegenden Fall wie folgt aus:

Wir zitieren aus einer Pressemeldung der Bundesregierung:

“Weitere Vereinfachungen für Bürgerinnen und Bürger ergeben sich beispielsweise über das Angebot einer vorausgefüllten Steuererklärung.”

Die vorausgefüllte Steuererklärung ist das beste Mittel gegen Bürger, die sich einbilden, ihnen stünde eine Rückerstattung zu, gegen Bürger, die denken, sie könnten mit Kniffen eines Herrn Konz, der Finanzbehörde ein Schnippchen schlagen, und sie ist ein weiteres Mittel auf dem Weg der Bequemlichkeits-Entmündigung, mit der durch angebliche Serviceleistungen von Verwaltungen Bürgern ihre Handlungskompetenz und ihre Handlungsfreiheit Stück für Stück genommen wird.

Wissenschaftsfreiheit – Witz oder Wirklichkeit?

Wenn man zum ersten Mal Thomas Kuhns “Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen” liest, mutet seine Vorstellung, dass ein Wissenschaftler den Übergang von einem Paradigma in ein anderes Paradigma nur durch eine Konversion, die Kuhn mit einer plötzlichen Erleuchtung und ähnlich einer religiösen Konversion beschreibt (vor allem in seinem Beitrag “Reflections on my Critics” im von Lakatos und Musgrave herausgegebenen Band: Criticism and the Growth of Knowledge hat er diese Idee weiter ausgearbeitet), schaffen können soll, doch eher seltsam und fremd an.

In der Regel ist man jung, wenn man Kuhns “Struktur wissenschaftlicher Revolutionen” liest.

KuhnEin Paradigma, das zur Erinnerung, ist für Kuhn so etwas wie ein autoritärer Erzieher, der den Wissenschaftlern, die ihm folgen, nicht nur sagt, wie sie die Welt betrachten sollen, er gibt ihnen auch Rätsel auf und stellt die Lösungen bereit. Weil Wissenschaftler sich nicht so gerne als Abhängige darstellen, sprechen sie lieber von einer Theorie, nicht so gerne von einem autoritären Erzieher.

Ein Paradigma ist jedoch mehr. Es ist nicht nur Theorie in Satzform, es ist auch Weltsicht und Methode, d.h. wer in einem Paradigma lebt, der sieht die Welt aus der Perspektive des Paradigmas, er nutzt Methoden, die im Paradigma zur Verfügung gestellt werden, und die Forschungsfragen, die er beantwortet, finden sich ausschließlich im Rahmen seines Paradigmas.

Wenn Archäologen oder Ägyptologen eine Pyramide sehen, dann sehen sie automatisch das Grab eines Pharaos. Sie können gar nicht anders, denn in ihrem Paradigma sind Pyramiden Gräber. Andere, die sich außerhalb des Paradigmas befinden, sehen etwas Anderes, ein Kraftwerk, eine Sternwarte uvm. Und alle versuchen sie die Sichtweise, die ihnen ihr Paradigma vorgibt, mit Funden zu belegen.

Um aus einem Grabseher einen Kraftwerkseher zu machen, ist einiges an Überzeugungsarbeit notwendig und vermutlich braucht es mehr als Überzeugungsarbeit, vermutlich ist wirklich eine Konversion, ein Übertritt von einem Glauben zu einem anderen, notwendig.

Dass dem so ist, das wird einem dann klar, wenn man älter wird, wenn man z.B. betrachtet, wie hartnäckig sich bestimmte Mythen halten, wie schwer, ja nahezu unmöglich es ist, Menschen davon zu überzeugen, dass ihre Sicht der Welt nicht mit den Tatsachen übereinstimmt.

Um zu erklären, warum sich falsche Überzeugungen halten, warum es Personen gibt, die an ein Gender Pay Gap glauben (wollen), warum es Wissenschaftler gibt, die glauben wollen, sie seien in der Lage, Entscheidungen für andere zu treffen und, letztlich, warum es Wissenschaftler gibt, die nach wie vor an die Wissenschaftsfreiheit glauben, ist eine psychologische Erklärung notwendig, eine Erklärung, die auf die Verquickung eigener Interessen, der eigenen Biographie und der wissenschaftlichen Tätigkeit rekurriert, wobei der “scientific community”, die Thomas Kuhn in diesem Zusammenhang beschrieben hat, die Rolle des Aufpassers zukommt, der darüber wacht, dass keine abweichenden Ideen, keine, das gemeinsame Paradigma (vom Gender Pay Gap bis zur Wissenschaftsfreiheit) in Frage stellenden Ideen, produziert werden und Anhänger finden.

Wie sehr manche Wissenschaftler an Mythen hängen, kann man am Beispiel der Freiheit von Forschung und Lehre deutlich machen, jener arg strapazierten Leerformel, mit der Verwaltungen einerseits Wissenschaftler unter Einführung der wissenschatflichen Selbstverwaltung zu ihren Handlangern machen, andererseits vom Forschen abhalten.

Aber Freiheit von Forschung und Lehre findet nicht nur innerhalb des Rahmens statt, den die Verwaltung vorgibt. Sie findet ausschließlich innerhalb der engen Grenzen statt, die politische Ideologien setzen: Mit dem Professorinnenprogramm wird von Ministerien aktiv in die Struktur von Hochschulen eingegriffen.

Es wird Hochschulen, die finanziell auf dem letzten Loch pfeifen, eine Kröte als Köder vorgehalten und Mephisto spricht: “Du gibst Deine Freiheit auf und berufst, wie von uns gewünscht, ausschließlich Frauen auf Lehrstühle, und wir finanzieren Dich in Gegenleistung.”

Die Bologna-Reform hat Hochschulen zu Anstalten wiederkehrender Langeweile in EU-gerechten Modulen gemacht, in denen immer dasselbe gelehrt wird und kein Platz mehr ist für Ideen und interessante Forschung.

Die Reform des Hochschulrahmengesetzes hat die Besoldung von Professoren so stark reduziert, dass ein Lehrstuhl nur noch für diejenigen interessant ist, die überzeugt sind, auf dem freien Arbeitsmarkt kein Bein auf den Boden zu bekommen. Entsprechend gestaltet sich die institutionalisierte Wissenschaftslandschaft.

Die an Universitäten verbliebenen Wissenschaftler sind nicht nur der täglichen Intervention der Herrscher über die politische Korrektheit, der Gender-Kommissare auf entsprechenden Gleichstellungsstellen und ihren Wasserträgern in ASta und sonstigen Studentengremien ausgesetzt, in denen sich der politische Nachwuchs sammelt, dem nichts an Studium, dafür viel an politischer Agitation gelegen ist, sie werden auch immer mehr zu Vasallen und Erfüllungsgehilfen von Ministerien und den politischen Vereinen der Parteien, die Auftragsforschung verteilen, um Ergebnisse, die sie vorgeben, als wissenschaftlich verkaufen zu können.

Kurz: Wer heute noch an Wissenschaftsfreiheit glaubt, der ist ein Träumer, den man mit mindestens 10 Paukenschlägen wecken muss.

Akademie Wissenschaften HamburgEin Paukenschlag könnte an der Akademie der Wissenschaften in Hamburg in Vorbereitung sein. Unter dem Titel “Wie frei ist die Forschung?” lädt die Akademie der Wissenschaften in Hamburg zu vier Vorlesungen zum Thema “Freiheit der Forschung und Lehre” ein, unter denen sich zumindest zwei Vorträge finden, die Anlass zu der Hoffnung geben, dass sich in den institutionalisierten Wissenschaften ein Paradigmenwechsel ankündigt.

So will Torsten Wilholt in seinem Vortrag “Argumente für die Forschungsfreiheit” zusammentragen und die Grundlagen der Forschungsfreiheit bestimmen, ein Vorhaben, das man zum Ausgangspunkt nehmen kann, um das tatsächliche Ausmaß der Freiheit der Forschung nicht nur zu bewerten, sondern, sofern noch etwas an Freiheit übrig geblieben ist, gegen weitere Eingriffe zu verteidigen. Und natürlich kann man die Grundlage zum Ausgangspunkt nutzen, um die Freiheit von Forschung wieder herzustellen und sie vor allem gegen die Einflussnahme von Politikern über Ministerien und sonstige Institutionen der Exekutive zu verteidigen.

Der unseres Erachtens interessanteste Vortrag kommt von Martin Carrier, der an der Universität Bielefeld Professor für Wissenschaftsphilosophie ist. Er untersucht den Widerspruch zwischen “Autonomie und gesellschaftlichen Ansprüchen” und tut dies unter der Überschrift “Forschungsfreiheit und Forschungsbedarf”.

Gesellschaftliche Ansprüche, so Carrier, werden in immer größerem Ausmaß an die Wissenschaft herangetragen. Dabei ließen Auftragsforschung und Programmforschung die Grundlagenforschung mit ihrer wissenschaftlichen Auswahl von Forschungsthemen streckenweise in den Hintergrund treten. Dies ist eine sehr vorsichtige Formulierung u.a. dafür, dass Ministerien Hochschulen zunehmend als ihre Außenstellen ansehen, an die man sich wendet, wenn es Bedarf für die Legitimation eines politischen Vorhabens gibt.

Dann sucht man nach dem geeigneten Wissenschaftler an der geeigneten Hochschule, der entweder in ein Gremium des Ministeriums berufen wird, aus dem heraus er Drittmittelforschung beauftragen kann, oder der direkt auf die Gehaltsliste des Ministeriums gesetzt wird, um seinerseits die gewünschte Drittmittelforschung auszuführen. Da Drittmittel eine wichtige Finanzierungsquelle für chronisch unterfinanzierte Hochschulen sind und sich im Lebenslauf von Wissenschaftlern wie Empfehlungsschreiben auswirken, nutzen Politiker über Ministerien die Möglichkeit aus, wissenschaftliche Freiheit zu beseitigen und Hochschulen zu Satelliten der eigenen Interessen zu machen.

Wir hoffen, der Vortrag von Martin Carrier wird diesem Zusammenhang gebührend Rechnung tragen.

Doch Lügenpresse? Oder ist die gezielte Manipulation von Medienrezipienten erlaubt?

Derzeit ist ein Teil der deutschen Journalisten, vor allem öffentlich-rechtliche Journalisten, mit Selbstmitleid beschäftigt, hat man sie doch als Lügenpresse bezeichnet. Solcher “Hetze”, wie es bei der Tagesschau heißt, muss mit moralischer Aufgeregtheit begegnet werden.

Das Ziel ist einfach zu benennen: Den Begriff der Lügenpresse als rechten Begriff brandmarken, und alles zerstören, was den Begriff z.B. zu einer vielleicht pointierten, aber dennoch legitimen Kritik an der Praxis der Berichterstattung vor allem in öffentlich-rechtlichen Medien macht.

Und hier entlarven sich die empörten Journalisten dann von selbst, denn: Ginge es ihnen nicht einfach nur darum, den Begriff der Lügenpresse zu instrumentalisieren, um Kritik an ihrer eigenen Praxis der Berichterstattung im Keim zu ersticken, sie würden sich sicher dafür interessieren, welche Ursache der Benutzung des Begriffs vorausgeht, welche Beobachtungen und Einschätzungen, diejenigen, die den Begriff benutzen, auf Grundlage welcher Medienberichterstattung gemacht und gebildet haben.

ManipulationstechnikenEin derartiges Vorgehen würde man von reifen Vertretern entsprechender Medien erwarten. Statt dieses Vorgehens findet man durch die Bank das infantile Aufstampfen mit dem Fuss, bei dem man sich den roten Kopf des Kleinkindes, das seinen Willen durchsetzen will, dazudenken muss.

Dabei gäbe es genügend Anlass für Vertreter der Medien, Selbstkritik zu üben und sich mit den eigenen Praktiken zu befassen. Wir haben auf ScienceFiles bereits eine Vielzahl entsprechender Beispiele dokumentiert und wollen an dieser Stelle nur zwei herausgreifen:

Die Geilheit, man kann es nicht anders bezeichnen, mit der sich Journalisten auf einen dpa-Text gestürzt haben, der von einer Studie berichtet hat, die angeblich zeigt, dass alle Männer Idioten sind, verweist darauf, dass es bei den entsprechenden Journalisten bei mehr als nur der Intelligenz im Argen liegt.

Dieselbe Geilheit haben wir im Zusammenhang mit dem Werdegang einer Pressemeldung der GEW, die von Fällen des sexuellen Missbrauchs an 40% der deutschen Schulen berichtet, eine krude Falschmeldung (oder Lüge?), dargestellt.

In allen Fällen zeichnet sich die Berichterstattung durch eine Voreingenommenheit (bis hin zu Gehässigkeit) aus, die in Auslassungen von Fakten, tendenziösen Darstellungen und suggestiven Formulierungen ihren Niederschlag findet.

Dass es sich bei den von uns dokumentierten Fällen nicht um Einzelfälle handelt, zeigt sich an Erfahrungen mit der Medienberichterstattung, von denen Werner J. Patzelt, seines Zeichens Professor für Politikwissenschaft in Dresden berichtet.

Es geht um PEGIDA.

PEGIDA ist schlecht, von islamophoben und xenophoben Rechtsextremisten getragen, so das Bild, das die Medien vermitteln wollen. Patzelt hat in einer Befragung von PEGIDA-Teilnehmern eine ganz andere Realität gefunden und darüber die Presse informiert.

Wir dokumentieren hier einen Teil seiner Beschäftigung damit, was die Medienvertreter aus seiner Forschung gemacht haben. Es ist dies eine Beschäftigung mit Manipulation, Auslassung, tendenziöser und suggestiver Darstellung, die zumindest ein Indiz dafür liefert, dass der Begriff der Lügenpresse so falsch nicht ist.

Werner patzeltWerner J. Patzelt: “Am Medienecho unserer Studie zu PEGIDA fällt einiges auf.

1) Man hätte die zentrale Aussage so formulieren können: “Zwei Drittel der Demonstranten sind ‘gutwillige Bürger'”. Mitbekommen hat man: “Ein Drittel der Demonstranten sind rechtsnationale Ausländerfeinde”.

2) Man hätte das von mir für diese dritte Gruppe gewählte Wort “Xenophobie” zutreffender übersetzen können. Xenophobie heißt nämlich nichts anderes als “Fremdenfürchtigkeit” oder “Furcht vor dem Fremden”. Gewählt aber wurde meist die – mit einem nun wirklich sehr besonderen Akzent versehene – Verdeutschung “Ausländerfeindlichkeit”. (Ich freilich hätte das voraussehen und gleich von “rechtsnationaler Fremdenfürchtigkeit” schreiben sollen).

3) Als ein zentraler Befund hätte sich vermitteln lassen: “Die meisten Pegida-Demonstranten sind keine Ausländerfeinde, sondern wollen, dass Deutschland weiterhin Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylbewerber aufnimmt”.

4) Man hätte herausstellen können, dass in den Augen von Pegida-Demonst[r]anten nicht die Bürgerkriegsflüchtlinge Anlass von Zorn über so manche Politik unseres Landes sind, sondern dass der Kristallisationspunkt von Empörung der Eindruck ist, aus dem Asylrecht sei eine Art Autobahn zum selbstbestimmten Einwandern nach Deutschland geworden.

5) Angesichts der fast regelmäßigen Verbindung des Wortes “Pegida” mit der Eigenschaftsbezeichnung “islamfeindlich” (oder wenigstens “islamkritisch”) hätte sich mitteilen lassen, dass zwar über die Hälfte der Befragten nicht einmal einen Islam, welcher so friedlich wie das heutige Christentum wäre, als zu Deutschland passend ansieht, dass fast ein Drittel der Demonstranten das aber sehr wohl tut. Davon ausgehend, hätte sich wiederum erklären lassen, wie unterschiedlich die Pegida-Demonstranten dieses Thema angehen, das für die Zukunft unserer Gesellschaft doch überaus wichtig ist.

6) Nur sehr wenige Berichte kamen ohne den Hinweis aus, unsere Studie sei “nicht repräsentativ”. Oft klang das danach, so richtig dürfe man sich auf ihre Befunde nicht verlassen. Dabei kommt unsere Untersuchung dem anzustrebenden Ideal der Repräsentativität näher als jede der anderen vorliegenden Untersuchungen.”

Wie nennt man eine Presse, die tendenziös berichtet, suggestiv berichtet und versucht, die Meinung, die sich Leser auf Grundlage der Berichterstattung bilden, gezielt zu beeinflussen?

Repräsentativität fällt Medienvertretern immer dann als Totschläger ein, wenn sie Ergebnisse delegitimieren wollen, die ihnen nicht in den Kram passen. Da ein zufällig gewählter deutscher Jorunalist eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, zwar den Begriff der Repräsentativität schon mindestens einmal benutzt zu haben, aber keinerlei Ahnung zu besitzen, was das Konzept der Repräsentativität eigentlich besagt, ist die Verwendung des Begriff in derogativer Form, die delegitimieren soll, quasi zwangsläufig.

Zwangsläufig deshalb, weil bei Themen, die in der politisch korrekten Welt der Medien gerne gesehen werden, gewöhnlich niemand auf die Idee kommt, nach Repräsentativität zu fragen. So hat kein Journalist, die sexuellen Missbrauchsfälle an 40% deutscher Schulen, die die GEW hochgerechnet hat, auf Repräsentativität geprüft, und niemand kommt auch nur ansatzweise auf die Idee, Forschung, die sich mit Homosexuellen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften befasst, auf Repräsentativität zu prüfen, obwohl es hier mehr als angebracht wäre.

Abstrakte Bedrohung = konkreter Unsinn?

Der Linken im Bundestag kommt das Verdienst zu, sich um die Klarheit der deutschen Sprache zu bemühen.

So geschehen in einer Kleinen Anfrage, die als Drucksache 18/3495 in den Katakomben des Bundestags verschwinden wird, wenn ihr nicht ein bißchen Publizität zuteil wird, zum Beispiel durch uns.

In der kleinen Anfrage interessieren sich die Linken um Gregor Gysi für den Begriff der “abstrakten Bedrohung” und fragen die Bundesregierung unter anderen:

1. Wie definiert die Bundesregierung den Begriff der  abstrakten Bedrohung“, bzw. was sind für die Bundesregierung Charakteristika einer „abstrakten Bedrohung“?

Eine berechtigte Frage, wie wir finden, schon weil die Bundesregierung die “abstrakte Bedrohung” nutzt, um Bundeswehrsoldaten in aller Herren Länder zu schicken, wo sie dann versuchen sollen, in konkreter Person und mit konkreter Bewaffnung gegen einen abstrakten Feind vorzugehen.

active endeavourSo z.B. im Antrag der Bundesregierung auf Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der NATO-geführten Operation Active Endeavour im gesamten Mittelmeer.

Darin heißt es:

“Vor dem Hintergrund einer derzeit als abstrakt zu bewertenden terroristischen Bedrohungssituation und der tatsächlichen Einsatzrealität beschränkt sich die Operation jedoch auf Seeraumüberwachung und Lagebildaustausch.”

und:

“Die Bedrohung durch einen maritimen Terrorismus wird derzeit jedoch als abstrakt bewertet.”

und:

Obwohl die Bedrohungslage im Einsatzgebiet abstrakter Natur ist, wird angesichts der noch geltenden völkerrechtlichen Rechtsgrundlagen für OAE … eine Zustimmung des Deutschen Bundestages im Sinne des Parlamentsbeteiligungsgesetzes
für erforderlich gehalten.”

Man kann wohl davon ausgehen, dass eine abstrakte Bedrohung keine konkrete Bedrohung ist, und weil die abstrakte Bedrohung nicht konkret ist, weiß man eigentlich gar nicht so wirklich, ob die abstrakte Bedrohung überhaupt eine Bedrohung ist oder ob es sich nicht viel eher um ein Hirngespinst von Politikern handelt, die sich gerne ihre Selbstwirksamkeit dadurch beweisen, dass sie Soldaten in diesem Fall ins Mittelmeer und auf das schicken, was man im Englischen als Wild Goose Chase bezeichnet, auf Steuerzahler Kosten versteht sich.

Auch ein Blick in den Duden bring wenig Erfreuliches zu Tage:

Drei Bedeutungen kennt der Duden für “abstrakt”:

1. (besonders Philosophie) die wesentlichen, gesetzmäßigen o. ä. Züge aus etwas Konkretem, sinnlich Wahrnehmbarem ableitend.

Diese Bedeutung setzt voraus, dass es einen konkreten Gegenstand, eine konkrete Bedrohung im vorliegenden Fall gibt, aus dem man die Züge der abstrakten Bedrohung herausarbeiten kann, quasi als das, was viele konkrete Bedrohungen latent gemeinsam haben. Das trifft im vorliegenden Fall nicht zu, denn gäbe es eine konkrete Bedrohung im Mittelmeer, dann wäre die entsprechende Bedrohung sicher benannt.

2. sich [nur] im Gedanklichen, Theoretischen bewegend [und keinen unmittelbar feststellbaren Bezug zur Wirklichkeit habend]

Kurz: diejenigen, die eine abstrakte Bedrohung sehen, leiden unter Hinrgespinsten und sollten schnellstens, ehe sie noch größeren Schaden an den Geldbörsen der Steuerzahler anrichten, in eine geschlossene Institution abgeschoben werden.

abstract art“3. (von Kunstwerken des 20. Jahrhunderts) nicht etwas sinnlich Wahrnehmbares, sondern den gedanklichen, abstrakten Gehalt von etwas darzustellen suchend”.

Passt auch nicht, denn es werden Soldaten und keine Künstler ins Mittelmeer geschickt.

Wie man den Begriff der “abstrakten Bedrohung” auch dreht und wendet, immer kommt sprachlicher Unfug dabei heraus, der wohl erfunden wurde, um vorzugaukeln es gäbe etwas, das unbeschreibbar furchtbar und gefährlich ist, und das man durch die Entsendung von konkreten Soldaten behandeln muss.

Man nennt dies im Englischen Scaremongering, und im Deutschen ist damit der Versuch umschrieben, mit Angst Politik zu machen, und zwar durch die Erfindung einer nicht vorhandenen Bedrohung, einer deshalb als abstrakt bezeichneten Bedrohung, die dazu dienen soll, Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen, denn Bürger, die vor etwas Abstrakten Angst haben, sind leichter zu manipulieren und zu regieren.

Wer den Stellenwert von “abstrakter Bedrohung” prüfen will, der kann die Forderung einbringen, die Politiker mit abstrakten, nicht mehr mit konkreten Bezügen zu entlohnen.

Die Neu-Entdeckung des Bekannten

Kennen Sie dieses dejá vu Gefühl, wenn Ihnen jemand etwas bahnbrechend Neues anbietet und alles, was Sie zu sehen im Stande sind, ist … ein Telefon oder ein Fahrrad? Das Geheimnis der Neuentdeckung von Bekanntem scheint in Sprache zu liegen, in der Kunst, das Gleiche anders darzustellen, anders zu benennen, etwa wenn aus dem Türklinkenputzer ein Vertreter und dann eine Sales-Representative wird oder wenn Sekretärinnen jetzt Assistent des Managements heißen.

paradigm-shiftDie Sozialwissenschaften scheinen für diese Form der sprachlichen Neu-Entdeckung des Bekannten besonders anfällig zu sein – vor allem im Zuge des Konstruktivismus, dessen Kern ja die sprachliche Konstruktion, zumeist in Nominalverbindungen wie: “durch Bezug auf naturgegebene Körperlichkeit, Polarisierung, Ausgrenzung und Abwertung … mit der tendenziellen Rebiologisierung  … die Restabilisierung der hegemonialen Männlichkeit” (wer uns schreibt, von wem dieser Unsinn kommt, bekommt eine ScienceFiles-Mug von uns), ist.

So hat man vor einiger Zeit die Intersektionalität entdeckt, ein Konzept, das man schon seit Jahrtausenden kennt, und nicht erst die alten Ägypter waren in der Lage, zwei oder gar drei Variablen (Höhe und Länge und Breite) mit einander in Verbindung zu bringen. Die Moderne zeichnet sich nunmehr durch vermeintliche Wissenschaftler aus, die die Intersektionalität neu und doch nur wieder entdecken, jene unbekannte Größe, die sich in der bahnbrechenden Erkenntnis äußert, dass Männer nicht nur Mann, sondern auch Angehörige einer Ethnie sind. Warten wir noch ein Jahrzehnt und die entsprechenden Intersektionalitäts-Künstler werden sich zu der Erkenntnis vorgearbeitet haben, dass es neben Geschlecht, Ethnie, vielleicht Klasse und Alter noch eine wichtige Variable gibt, die bislang vernachlässigt wurde: Bildung… oder so.

Neben der Intersektionalität hat sich ein weiteres neues Konzept über die letzten Monate in die Diskussion eingeweihter Kreise geschlichen: die “Dual-Use-Problematik”. Diese Dual-Use-Problematik besteht in der für manche völlig neuartigen Erkenntnis, dass in “nahezu allen Wissenschaftsgebieten … die Gefahr [besteht], dass Forschungsergebnisse zu schädlichen Zwecken missbraucht werden” (zum Beispiel wenn die Bundesregierung sie in einem Programm umsetzt). Eine wirklich erstaunliche Erkenntnis, vor der die Trümmer von Karthago, jener Stadt, die römischer Belagerungstechnik zum Opfer gefallen ist, verschwinden, im Orkus der Geschichte.

LeopoldinaNeue Erkenntnisse, wie die Dual-Use-Problematik müssen natürlich erst einmal diskutiert werden. Und wie immer, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu diskutieren, ist die Leopoldina an vorderster Front und dieses Mal in Trio mit Ethikrat und DFG, die nicht fehlen dürfen, wenn top-moderne Fragen, die bislang vermeintlich noch niemand gestellt hat, gestellt werden: Was sind die Chancen und Risiken, die sich mit Forschung z.B. zu Viren verbinden? Welche Risiken und Nebenwirkungen, und welche Nutzen verbinden sich mit 3D-Druckern? Diese Fragen, die Gebrauch und Missbrauch betreffen und die schon den Entdecker des Feuers geplagt haben, diese top-aktuellen Fragen werden von Leopoldina und Ethikrat und DFG und unter dem Titel “Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung” diskutiert.

Und spätestens hier endet der Spass, denn: “Es wird die Frage aufgeworfen, wie sinnvoll Publikationsbeschränkungen sind, und wer darüber entscheiden sollte. Zudem werden die Teilnehmer über die möglichen Konsequenzen diskutieren, wenn bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden.”

Wie ausgemacht es schon zu sein scheint, dass “bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden”. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, zu welchem Ergebnis das Symposium zu Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung kommt: Die Verantwortung, die der Wissenschaft zugeschoben wird, wird die Wissenschaftsfreiheit in einem Meer von Regulation und Verboten ersticken, Verbote, die Forschung, deren Ergebnis nicht bekannt sind, weil die entsprechende Forschung noch nicht durchgeführt wurde, verunmöglichen werden. Verbote, die Forschung, die als anti-feministisch angesehen wird und Forschung, die Technologien umfasst, die gerade ungeliebt sind, verunmöglichen werden – ein Ergebnis, das man dann als Fortschritt durch Stillstand verkaufen wird. Nicht vergessen: Wir leben im Konstruktivismus: Es gilt das gesprochene Wort, nicht das, was in der Realität vorhanden ist.

Witziger Weise ist uns heute, just als die Ankündigung des Symposiums zu diesem neuartigen Thema, dem sich Leopoldina, Ethikrat und DFG nun widmen, eintraf, eine Drucksache aus dem Bundestag ins Haus geflattert. Drucksache 18/2940. Eine Unterrichtung der Bundesregierung: Zwischenbericht der Bundesregierung über die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014.

Auch die Bundesregierung übt sich im Konstruktivismus:

“Bei Rüstungsexportentscheidungen in sogenannte Drittstaaten sind die im Jahr 2000 beschlossenen strengen ‘Politischen Grundsätze für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern’ für unser Regierungshandeln verbindlich”.

Rüstungsgüter sind ein sensibler Gegenstand, also sind politische Grundsätze für den Export von Kriegswaffen als streng zu bezeichnen, einfache Grundsätze reichen nicht aus. Und natürlich wird nur exportiert, wenn bekannt ist, was aus den Rüstungsgütern wird. Sicherung des Endverbleibs nennt sich das:

“Der Prüfung und Sicherstellung des Endverbleibs kommt eine besondere Bedeutung zu. Nach den exportkontrollpolitischen Grundsätzen werden Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nur erteilt, wenn zuvor der Endverbleib dieser Güter im Endempfängerland sichergestellt ist.”

Vielleicht führt Israel deshalb die Liste der Länder an, in die Kriegsgerät exportiert wird. Dort weiß man nicht nur, wo es geblieben ist, sondern auch, wer damit getötet wurde. Überhaupt sind ein paar Daten aus der Unterrichtung ganz interessant.

Ruestungsexporte

Insgesamt belaufen sich die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014 auf 2,2 Milliarden Euro – ein erkleckliches Sümmchen. 210 Millionen der Rüstungsexporte betreffen Munition, und für Munition ist der Endverbleib ja in jedem Fall klar.

Die sicheren Drittstaaten oder wichtigesten Abnehmer deutscher Rüstungsgüter, die allesamt sicher und gegen jede Form von Missbrauch gefeit sind, führen zurück zur Dual-Use-Problematik, mit der sich Leopoldina, Ethikrat und DFG in ihrer virtuellen Welt herumschlagen, einer virtuellen Welt, in der das Gute vom Bösen getrennt ist, in der es sprachlich möglich ist, die gute wissenschaftliche Nutzung von der schlechten wissenschaftlichen Nutzung, die Gefahr in der Anwendung vom Nutzen der Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu trennen. Nicht nur das: Es ist sogar möglich vorherzubestimmen, welche Forschung so gefährlich ist, dass man sie besser verbietet. So wie es der Bundesregierung durch ihre “strengen politischen Grundsätze” möglich ist auszuschließen, dass Munition, die in den Libanon, nach Kasachstan oder in die Russische Föderation geliefert wird, im falschen Körper endet.

Die post-rationale Moderne entdeckt nämlich nicht nur ständig Bekanntes von anno dazumal in neuem Gewandt und unter neuem Namen wieder, nein, die post-rationale Moderne kann auch alles, was nicht gut und richtig ist, ausschließen und kontrollieren – sprachlich zumindest, und das ist doch, was zählt: die sprachliche Kontrolle, die in der Sprachwelt etwas vorgaukelt, was es in der wirklichen Welt nicht gibt, etwa so, wie der Begriff “Wissenschaftsverantwortung” vorgaukelt, dass Wissenschaftler die Verantwortung für ihre Entdeckungen hätten, eine absurde Idee von Herbert Marcuse, die in der post-rationalen Moderne wieder en vogue ist und dazu genutzt wird, Kontrolle auszuüben, Kontrolle, die über die Sprache funktioniert und durch die Beseitigung von Möglichkeiten, in die Realität wirkt, der Leopoldina sei Dank!

Es gibt für Wissenschaftler übrigens nur eine Verantwortung und die hat ein scruffy mind in den x-Files formuliert: Not to share their knowledge with an immoral government!

Trojanische Pferde und schulische Leistungen

Zwei Themen, die heute durch die britische Presse gehen, sind für Bildungsforscher hoch interessant oder sollten es zumindest sein.

Das erste Thema beschäftigt sich mit der Frage, welchen Effekt Kultur auf den Lernerfolg hat. Chris Cook, Redakteur bei der BBC (also ein Journalist), hat sich diese Frage vorgenommen. Ausgehend von der Beobachtung, dass z.B. in Australien die Kinder chinesischer Einwanderer generell bessere Leistungen erzielen als z.B. Kinder weißer Eltern, hat Cook für das Vereinigte Königreich Ergebnisse zusammengetragen. Die Ergebnisse zeigen, dass auch im Königreich die Bildungselite der Schüler aus China stammt. Noch interessanter als dieses Ergebnis ist, dass die guten Leistungen chinesischer Schüler sich zwischen Kindern aus armen und Kindern aus reichen Familien kaum unterscheiden und in jedem Fall besser sind als die Leistungen selbst der besten Kinder aus weißen Famlien.

culture and performance

Will man dieses Ergebnis als Beleg dafür werten, dass die Herkunftskultur einen Effekt auf die schulische Leistung hat, dann muss man daraus den Schluss ziehen, dass Chinesen eine dem Lernen förderliche Kultur haben, bei der sozialstrukturelle Variablen wie Schichtzugehörigkeit oder Einkommen keine Rolle spielen, während Weiße eine eher lernfeindliche Kultur gezimmert haben, die noch dazu eine stratifzierende Kultur ist, d.h. Kinder aus armen Familien schneiden relativ zu Chinesen noch schlechter ab als Kinder aus reichen Familien, ein Umstand, den man in Deutschland gerne mit dem Begriff “bildungsfern” bezeichnet. Hat man diese Erklärung nicht nur geschluckt, sondern auch verdaut, dann stellt sich die Frage, was das nun bedeutet: Was genau macht diesen kulturellen Unterschied aus? Gibt es eine Form der Intelligenz, die kulturell determiniert ist, so dass Chinesen einfach intelligenter sind als der gewöhnliche Weiße?

Wie immer, wenn man sich mit Kultur beschäftigt, fühlt man sich in eine Badewanne versetzt und auf der Jagd nach der Seife. Deshalb schlagen wir vor, Kultur als ein Set der Handlungserwartungen (und Handlungsergebnisse) zu definieren, das von Kulturmitgliedern geteilt wird.

Die Beobachtung, dass Chinesen bessere schulische Leistungen erbringen, kann nunmehr als Ergebnis entsprechender Erwartungen an chinesische Kinder angesehen werden. Es wird erwartet, dass sie die Chance, sich durch Bildung im Leben zu etablieren und zu verbessern, nutzen und das beste aus dieser Chance machen. Das wäre eine Erklärung.

Im Gegensatz dazu, wird von weißen Kindern kaum erwartet, dass sie in der Schule erfolgreich sind. Schule und Lernen sind negativ besetzt, werden mit Anstrengung, Stress und Anforderung verbunden, die man Kindern eigentlich kaum zumuten kann und bei denen man entsprechend immer Verständnis aufbringt, wenn es mit dem Erfüllen der Anforderungen nicht klappt. Dann ist schnell der Schulsozialarbeiter bei der Hand, der eine perfekte Entschuldigung für schulisches Versagen hat – eine Entschuldigung, die den Effekt hat, dass sich die entsprechenden Kinder auch in Zukunft nicht anstrengen werden, wozu auch. Sie sind ja entschudligt.

Kinder und Jugendliche aus MigrantenfamilienAkzeptiert man dieses Ergebnis unseres kurzen Brainstormings, dann stellt sich die Frage, warum der Schulerfolg weißer Schüler im Allgemeinen und deutscher Schüler im besonderen sozial stratifiziert ist, warum Kinder aus Arbeiterfamilien hinter Kindern aus Familien der Mittelschicht zurückbleiben. Auch hier kann man mit Erwartungen arbeiten: Erwartungen von Lehrern und Erwartungen von Schülern. Erstere erwarten von Kindern aus der Arbeiterschicht, dass sie auch bei guten Leistungen in der Grundschule nicht in der Lage sein werden, ein Gymnasium erfolgreich zu durchlaufen. Warum? Weil ihnen angeblich die noch angeblicher so wichtige Unterstützung zu Hause fehlt. Umgekehrt erwarten Kinder aus Arbeiterfamilien vermutlich gar nicht, dass sie von ihren Lehrern irgend eine Art der Förderung erfahren, denken wahrscheinlich selbst, sie seien nicht in der Lage, den kommenden Anforderungen gerecht zu werden. Diese Idee, als Theorie des Stereotype-Threat bekannt und von Dr. habil. Heike Diefenbach erstmals in ihrer Habilitation in Deutschland eingeführt, ist inzwischen gut erforscht und recht gut belegt.

Die Idee, dass Schüler von ihren Eltern zuhause bei Hausaufgaben in Mathematik und Chemie und Deutsch und so weiter, unterstützt werden müssten, ist übrigens eine Erfindung von Mittelschichts-Pädagogen, die eine Legitimation für Mittelschichts-Mütter gesucht haben, damit diese der Arbeit teilweise oder ganz fernbleiben und sich der (schulischen) Erziehung ihrer Kinder widmen können. Aber einmal ehrlich, wer kommt sich nicht absurd und lächerlich dabei vor, wenn er behauptet, Mütter würden ihren Söhnen und Töchtern Algebra vermitteln, ihnen Avogadros Konstante erklären oder sie in fließendem Englisch beim Lernen von Vokabeln unterstützen?

Bildung und Schule bilden keine 100% Überlappung mehr. Das macht der zweite Beitrag deutlich, denn auch England hat nun seinen LBTG oder LGTB – scare, oder wie auch immer die richtige Abkürzung für Homosexuelle und all die anderen sexuell Orientierten sein mag.

Eltern einer Primary School, der Welford Primary School in Birmingham waren überhaupt nicht erfreut darüber, dass ihren Kindern ein Curriculum der “Diversität und sexuellen Orientierung” untergeschoben wurde, um die 4 bis 11jährigen von Homophobie zu heilen. Dies zeigt, der LBTG-Wahnsinn ist grenzüberschreitend und auch in England bereits angekommen, denn natürlich haben 4 bis 11jährige nichts anderes zu tun, als sich homophob zu verhalten – wie auch immer sie das bewerkstelligen wollen.

welfordprimaryschoolDas Pikante an der Geschichte: Die Welford Primary School wurde von Ofsted [Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills] gerade auf so genannte Trojan Horses abgeklopft und für clean befunden. Mit so genannten Trojan Horses war im Fall von Ofsted eine muslimische Unterwanderung gemeint ist, um die Schüler empfänglicher für “segregating boys and girls, banning sex education and spreading the teachings of radical clerics” zu machen.

Etliche Eltern waren jedoch ganz und gar nicht der Meinung, dass die Bildung ihrer Kinder an der Welford Primary School clean sei – nicht etwa im Hinblick auf muslimische Trojan Horses, sondern im Hinblick auf LGTB-Trojan Horses. Eine Konfrontation zwischen Eltern und dem Head-Teacher hatte zur Folge, dass der Head-Teacher unter Polizeischutz die Schule verlassen musste.

Man sieht, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht, kennen Briten keine Zurückhaltung, und wenn es darum geht, mit welchen Inhalten ihre Kinder unterrichtet werden, wollen sie mitreden, nein mitbestimmen. Verwert man ihnen die MItbestimmung, folgt keine Petition, nein, es folgt Aktion.

Offensichtlich sind die entsprechenden Eltern generell gegen Trojanische Pferde in der Ausbildung ihrer Kinder, also Lehrinhalte, die den Kindern eben einmal so untergeschmuggelt werden, egal, ob sie von vermeintlich radikalen Muslimen oder vermeintlich nicht radikalen LGTB-Aktivisten stammen.