Das Ende naht, wenn die Korruption zur Normalität geworden ist

Die Geschichte ist voller Beispiele für den Niedergang von Nationen und deren Ende in Dekadenz, Willkür und schließlich Bürgerkrieg. Die Bibliotheken stehen voller Bücher von Historikern, in denen sie versuchen, den Niedergang und das Absinken einst wohlhabender Nationen in Armut, Elend und Bedeutungslosigkeit zu erklären.

Beschreibungen des Niedergangs von Nationen enthalten regelmäßig Variablen wie den Verfall von Standards, den Niedergang der Qualität kultureller Erzeugnisse, die Beschreibung geistiger Exzesse, die Widersprüche zum Normalfall erheben, der immer hektischer werdenen Bemühungen gesellschaftlicher Gruppen, sich auf Kosten anderer gesellschaftlicher Gruppen einen privilegierten Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen zu verschaffen und die Herrschaft der Willkür, die Rechtssätze aushölt und Kooperation zwischen Mitgliedern der Gesellschaft unmöglich macht.

Inwieweit die beschriebenen Faktoren in Deutschland bereits sichtbar sind, ist eine Frage, die jeder Leser für sich selbst beantworten muss.

Ein Faktor, der für uns die größte Relevanz hat und den wir regelmäßig mit Staunen zur Kenntniss nehmen, ist die Normalität die Korruption und Willkür in Deutschland angenommen haben.

Olson Rise and decline of nationsBesonders deutlich wird dies an der Nicht-Geltung von Rechtssätzen bzw. an der wilkürlichen Geltung derselben und der willkürlichen Vermengung von Begrifflichkeiten, die nahelegt, dass Sinn und Bedeutung von Begriffen entweder keine Rolle spielen, weil es darum geht, sich auf Kosten anderer und unter Missbrauch wohlklingender Begriffe zu bereichern oder dass  Sinn und Bedeutung von Begriffen bei denen, die hektisch um ihren Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen kämpfen, gänzlich unbekannt sind. Damit ist letztlich der Unterschied zwischen bösartiger oder arglistiger Täuschung und Dummheit beschrieben.

So steht im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz § 2 Abs. 1:

“(1) Benachteiligungen aus einem in § 1 genannten Grund sind nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig in Bezug auf:
1. die Bedingungen, einschließlich Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen, für den Zugang zu unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, unabhängig von Tätigkeitsfeld und beruflicher Position, sowie für den beruflichen Aufstieg,”

Und im § 1, auf den hier Bezug genommen wird, steht:

“Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.”

Entsprechend ist es unzulässig, Stellen nur für Schwule oder nur für Behinderte oder nur für SPD-Mitglieder oder nur für Personen über 55 Jahren oder nur für weibliche Bewerber auszuschreiben.

Eine Ausschreibung, die sich nur an z.B. einen der oben genannten Personenkreise richtet, verstößt entsprechend gegen geltendes Recht.

Die erste Stufe der Korruption beginnt da, wo das entsprechende Recht willkürlich angewendet wird, von denen, die sich für die herrschende Klasse halten. Dies ist regelmäßig der Fall, wenn im Rahmen des Professorinnenprogramms Stellen ausgeschrieben werden. Eine Förderung im Rahmen des Professorinnenprogramms ist nur möglich, wenn ein weiblicher Bewerber berufen wird. Die Stellen stehen regelmäßig unter dem Vorbehalt der Förderung aus dem Professorinnenprogramm. Ergo richten sich die entsprechenden Ausschreibungen ausschließlich an weibliche Bewerber und verstoßen gegen die §§ 1 und 2 Abs. 1 des AGG.

Stört das jemanden – außer uns und unsere Lesern?

Juristen zum Beispiel, denen ein staatliches Monopol auf Recht eingeräumt wird?

Die Antidiskriminierungsstelle, die aus Steuermitteln finanziert wird, und angeblich zur Aufgabe hat, derartige Verstöße gegen das AGG zu ahnden?

Nein. Denn bislang sind die entsprechenden Ausschreibungen unbeanstandet geblieben, hatten keine rechtlichen Folgen. Es herrscht Korruption und Willkür.

Und das Professorinnenprogramm ist nicht das einzige Anzeichen für Korruption und Willkür.

Ein Leser hat uns auf eine Stellenausschreibung der Universität Hamburg hingewiesen. Besetzt werden soll eine W3-Professur für Biochemie/Molekularbiologie RNA Biochemie (Kennziffer 2240/W3). Die Beschreibung der erforderlichen Qualifikationen richtet sich an “Bewerberinnen und Bewerber”. Die ausgeschriebene Stelle ist jedoch im Rahmen “eines Sonderprogramms für Professorinnen in der Chemie” zu besetzen.

Das Sonderprogramm für Professorinnern in der Chemie ist Teil des Allgemeinen Gleichstellungsprogramms der Universität Hamburg , das der Förderung von ausschließlich weiblichen Bewerbern dient.

UHamburg SonderprogrammKurz: Die Ausschreibung richtet sich nur an weibliche Bewerber, ein männlicher Bewerber wird auf die entsprechende Stelle nicht berufen werden. Die Ausschreibung verstößt gegen die §§ 1 und 2 Abs. 1 AGG, und abermals stört es niemanden, wenn sich eine öffentliche Institution wie die Universität Hamburg nicht an öffentliches Recht hält.

Willkür und Korruption sind in Deutschland längst zur Normalität geworden, und sie werden von den anderen Insignien eines geistigen Niedergangs begleitet.

So steht in der Ausschreibung der Universität Hamburg weiter, dass die “Universität Hamburg” den “Anteil von Frauen in Forschung und Lehre erhöhen” möchte und deshalb ein allgemeines Gleichstellungsprogramm initiiert wurde, das das Ziel hat “ein starkes Gefälle der Anteile von männlichen und weiblichen Stelleninhabern” abzuschwächen. Dadurch soll eine “gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern im Wissenschaftsbereich” erreicht werden.

Wie so oft, geht es hier munter durcheinander. Das Ziel besteht in der Herstellung von Ergebnisgleichheit, und zwar dadurch, dass vorherbestimmt wird, welches Geschlecht ein Stelleninhaber haben darf und welches nicht, also dadurch dass gegen die §§ 1 und 2 Abs. 1 AGG mutwillig verstoßen wird. Dadurch wird keine gleichberechtigte Teilhabe erreicht, es wird vielmehr das Gegenteil von Gerechtigkeit nämlich Ergebnisgleichheit erreicht: Dadurch das die Chancengleichheit der Bewerber durch die Bevorzugung weiblicher Bewerber beseitigt wird, werden männliche Bewerber benachteiligt, was kaum als Gerechtigkeit oder Versuch zur Herstellung einer gleichberechtigten Teilhabe bezeichnet werden kann.

Gleichberechtigt ist eine Teilhabe dann, wenn nur Kriterien, die nicht ausschließlich in der Person des Bewerbers begründet liegen, bei einer Auswahl berücksichtigt werden, d.h. seine Leistung oder Qualifikation. Leistung oder Qualifikation ist aber unabhängig von Geschlecht, und entsprechend kann eine Auswahl, die gerade nach Geschlecht erfolgt unter keinen Umständen gerecht sein. Allerdings scheinen diejenigen, die eine Auswahl nach Geschlecht treffen wollen, der Ansicht zu sein, dass Geschlecht mit Leistung korreliert und weibliche Bewerber entsprechend weit hinter männlichen Bewerbern zurückbleiben, so dass sie einer Förderung bedürfen.

Schließlich geht ein gesellschaftlicher Niedergang regelmäßig damit einher, dass Wissen verloren geht, dass Kompetenzen und Qualifikationen verschwinden, was sich abermals regelmäßig darin äußert, dass fachfremde Kriterien genutzt werden, um über den Mangel an Wissen, Kompetenzen und Qualifikationen hinwegzutäuschen.

So beginnt die Ausschreibung der Universität Hamburg mit den folgenden Sätzen:

“Die Universität Hamburg versteht sich als Universität der Nachhaltigkeit. Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit sind für uns selbstverständlich. Ebenso gehört der Umgang mit kultureller Vielfalt, die Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen verschiedener Herkunft und Lebensweisen zu unserem Alltag.”

Die Universität Hamburg präsentiert sich als Sozialveranstaltung, deren Ziel darin besteht, Harmonie unter denen herzustellen, die sich an die Universität Hamburg verirrt haben. Diese Selbstbeschreibung ähnelt mehr der Beschreibung einer Kirche als der einer Stätte des Wissens.

Überhaupt ist das vollständige Fehlen von Begriffen, die einen Bezug zu Erkenntnis herstellen, deren Suche an Universitäten früher zumindest an erster Stelle stand, markant, z.B. in From von: Universität mit modernen Forschungslabors, an der innovative Entwicklungen geleistet wurden; enge Zusammenarbeit mit Forschern in Industrie und an anderen Universitäten; hervorragende Infrastruktur; optimale Ausstattung der Arbeitsplätze usw.

Es scheint ein Problem moderner Gesellschaften zu sein, dass der Zeitgeist so gänzlich unempfindlich auf Anzeichen einer um sich greifenden Dekadenz, eines geistigen und gesellschaftlichen Niedergangs reagiert, so dass Willkür und Korruption zu normal geworden sind, als dass sie von denen, die beim Staat angestellt sind, noch bemerkt würden.

In Berlin scheint das Lügen an der Tagesordnung zu sein

Nein, in diesem Post geht es nicht um den Bundestag.

Es geht um Berlin, den Senat von Berlin und um die Humboldt Universität.

Die Humboldt-Universität, seit jeher ein Vorreiter in Männerdiskriminierung, ist abermals angetreten die naiven unter den Männern, die es unter Akademikern ja immer noch geben soll, zu schädigen und über’s Ohr zu hauen.

HU W2 Betrug1Der neuerliche Versuch, männliche Bewerber zum Narren zu halten, erfolgt dieses Mal nicht im Rahmen des Professorinnenprogramms, sondern im Rahmen eines ominösen “Frauenförderprogramms der Humboldt-Universität”, von dem offensichtlich nicht einmal die “Zentrale Frauenbeauftragte der Humboldt-Universität” etwas weiß. Wie in allen Kaderschmieden und Ideologiezentren, so ist auch an der HU-Berlin, alles zentral, nur die Einrichtung eines Zentralkomitees hat man sich offensichtlich noch nicht getraut. Und natürlich ist auch alles ominös und geheim, was mit Finanzierung zu tun hat.

Doch zurück zum alltäglichen Lügen, an das sich die Mehrheit der Deutschen offensichtlich gewöhnt zu haben scheint. So wie man sich an den Begriff “Lügenpresse” gewöhnt hat, so scheint man auch mit Lügenuniversität oder Lügensenat kein Problem zu haben.

Die Humboldt-Universität zu Berlin schreibt eine W2-Professur für Gender-Studies für die Region Südasien mit dem Schwerpunkten entweder im Bereich Literatur- oder Medienwissenschaft aus.

Die Erkenntnisse, die vom Stelleninhaber erwartet werden, sind in der Ausschreibung nicht umschrieben, deshalb ergänzen wir sie: Gewünscht wird der Nachweis, dass es auch in Südasien Männer und Frauen gibt und dass Männer und Frauen in Medien und Literatur eine Rolle spielen.

Das gesagt, nun zum offenen Täuschungsversuch:

“Die W2-Professur ist zum 01.10.2016 befristet für 5 Jahre zu besetzen. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen des Frauenförderprogramms der Humboldt-Universität zu Berlin für W1/W2-Professuren.”

Das ist eigentlich deutlich und sollte jedem einleuchten: Frauenförderung ist keine Männerförderung, und wenn Gelder ausschließlich zur Frauenförderung bereit stehen, werden keine Männer gefördert. Die ausgeschriebene Stelle kann nur mit weiblichen Bewerbern besetzt werden, die Ausschreibung richtet sich folglich ausschließlich an weibliche Bewerber und verstößt somit gegen das Antidiskrminierungsgesetz.

Der Verstoß gegen Gesetze ist an der Humboldt-Universität kein Problem, wie Leser von ScienceFiles wissen. Dass ein Profx der HU-Berlin zu Straftaten aufruft, ist ebenso kein Problem, wie die Bedrohung und das Stalking von Professoren oder die Tatsache, dass das Zustandekommen der Gender-Studies doch zumindest als fragwürdig anzusehen ist, wenn man es nicht offen als Schiebung und Betrug einordnen will.

Also: Kein Problem, dass die Ausschreibung gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstößt. Die HU-Berlin ist ein rechtsfreier Raum, Gesetze haben dort bestenfalls Unterhaltungswert.

Dass man sich abschließend in besagter Ausschreibung über männliche Bewerber lustig macht, die so dumm oder naiv sind, sich auf die entsprechende Stelle zu bewerben, das sei hier nur am Rande erwähnt. Die entsprechende Häme findet sich in der folgenden Standardformulierung:

“Die Humboldt-Universität strebt eine Erhöhung des Anteils von Frauen in Forschung und Lehre an und fordert qualifizierte Wissenschaftlerinnen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Bewerbungen aus dem Ausland sind erwünscht. Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt. Bewerbungen von Menschen mit Migrationshintergrund sind ausdrücklich erwünscht.”

Da die Professur aus dem Programm der HU-Berlin zur Frauenförderung finanziert wird, von dem nicht einmal die zentrale Gleichstellungsbeauftragte zu wissen scheint, richtet sich das Bemühen der HU-Berlin als politisch korrekter Täuscher zu erscheinen, nur an weibliche Behinderte, weibliche Migranten oder weibliche Bewerber aus dem Ausland.

Die Frage, wo das Geld für das ominöse Frauenförderungsprogramm der HU-Berlin herkommt, hat uns auf die Seite des Berliner Senats, genauer: der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen geführt, eine Seite, deren Überschrift bereits die Frage aufwirft, ob bei der Senatsverwaltung chronische Lügner arbeiten, Debile, die der Begriffe der deutschen Sprache nicht mächtig sind oder bösartige Täuscher, die versuchen, die Tatsache, dass sie partikulare Gruppenbevorzugung mit 3,8 Millionen Euro finanzieren, zu verschleiern.

Die Überschrift der Seite lautet: “Berliner Chancengleichheits-Programm“.

“Das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre (Berliner ChancengleichheitsProgramm – BCP) wurde 2001 vom Berliner Senat eingerichtet.”

Wir müssen aufgrund dieser Einleitung unsere Frage mit den drei Antwortalternativen, chronische Lügner, bösartige Täuscher oder Debile auf den Berliner Senat ausweiten und fragen: Besteht der Berliner Senat aus chronischen Lügnern, bösartigen Täuschern oder Debilen?

Abermals werden sich die Stammleser von ScienceFiles an unseren Idiotentest für Verteilungsfragen erinnern. Darin haben wir die Begrifflichkeiten, die so gerne durcheinander geworfen werden, definiert und geordnet.

Chancengleichheit liegt vor, wenn keinem Individuum oder keiner gesellschaftlichen Gruppe durch Privilegien der Zugang zu Positionen im Vergleich zu anderen Individuen oder gesellschaftlichen Gruppen erleichtert wird (oder durch negative Sanktionen erschwert wird). Chancengleichheit ist das Gegenteil von “affirmative action”, also von Maßnahmen der positiven Diskriminierung.

Berliner Senat WettabspracheNun geht es im Berliner ChancengleichheitsProgramm aber nicht darum, gleiche Startbedingungen zu schaffen, sondern darum, den Ausgang des Rennens um eine wissenschaftlichen Position zu beeinflussen, plastischer formuliert, die Verantwortlichen wollen mit den Schiedsrichtern im Berufungsausschuss eine Absprache treffen, um den Ausgang des Wettkampfes zwischen Bewerbern vorab zu bestimmen (Sie wollen die Schiedsrichter kaufen). Wettbetrug nennt man das in anderen Zusammenhängen.

Dass es dem Senat nicht um Chancengleichheit geht, sondern darum, Absprachen über den Ausgang von Berufungsverfahren zu treffen [Match-Fixing nennt man das im Englischen], sieht man anhand der Liste der Förderschwerpunkte:

  • Vorgezogene Nachfolgeberufungen von Frauen auf W2-/W3-Stellen bei Unterrepräsentanz von Professorinnen im jeweiligen Fach
  • Berufungen auf befristete W2-Professuren bei Unterrepräsentanz im jeweiligen Fach
    Qualifizierung und Professionalisierung von Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen für eine Professur an Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen
  • Stabilisierung der wissenschaftlichen Karriere von Frauen in der Postdoktorandenphase
  • Verankerung von Gender-Aspekten in Forschung und Lehre
  • Qualifizierung von Frauen in den Natur- und Technikwissenschaften
  • Gegenfinanzierung des Professorinnenprogramms [gemeint ist der Landesanteil am Bundesbetrugsprogramm]

Es geht also ausschließlich darum, Frauen zu privilegieren, Ihnen Vorteile gegenüber Männern zu verschaffen. Das ist keine Chancengleichheit, sondern die Herstellung von Ergebnisgleichheit über z.B. Berufungsabsprachen. Man kann es auch schlicht Betrug nennen.

Was uns zurückbringt zur Frage, ob in Berlin debile, bösartige Täuscher oder chronische Lügner den Senat bevölkern. Und diese Frage geben wir an unsere Leser weiter, und zwar mit dem Hinweis, dass chronische Lügner sich von bösartigen Täuschern dadurch unterscheiden, dass sie krank sind und entsprechend nicht wirklich wissen, was sie tun.

Erklärung für offensichtliche Lügen

Bleibt abschließend noch die Frage: Was macht eigentlich die Antidiskriminierungsstelle? Weiß das jemand?

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf die Ausschreibung an der HU-Berlin.

Vergendereit noch Mal: Universität Graz im Sumpf politischer Korrektheit versunken

Ein ScienceFiles-Leser hat uns einen Aushang der Technischen Universität Graz zur Verfügung gestellt, mit dem wir unsere Leser in einen fröhlichen Feierabend entlassen wollen.

Der Aushang wurde rund 50 ausgesuchten Personen an deutschen und österreichischen Universitäten mit der Bitte übermittelt, ihn doch und ausschließlich an geeignete Bewerberinnen weiterzugeben oder wie es im Anschreiben heißt:

“Da die Technische Universität Graz eine Erhöhung des Frauenanteils insbesondere in Leitungsfunktionen und beim wissenschaftlichen Personal anstrebt, werden Sie höflich um Weitergabe an geeignete Bewerberinnen ersucht.”

Die politische Korrektheit, die die Stellenausschreibung durchzieht, sie fehlt im Anschreiben. Wenn sich Genderisten unter ihresgleichen wähnen, dann fällt die Maske der Vielfalt, dann weicht sie dem, worum es eigentlich geht, die Diskriminierung von Männern.

Gibt es eigentlich jemanden, außer Genderisten, der das nicht unmoralisch, widerlich und abstoßend findet?

Bewegen sich Genderisten in der Öffentlichkeit, dann sind sie so politisch korrekt, dass sie vor lauter politischer Korrektheit gar nicht mehr wissen, wo vorne und hinten ist, und so kommt es, dass sie nicht mehr wissen, wen sie wann wie nicht und wen wann und wo doch und dennoch nicht, oder so, diskriminieren wollen und dürfen oder nicht, vielleicht auch doch? Sie verfangen sich im Netz ihrer politischen Korrektheit und offenbaren dabei, worum es eigentlich geht: Die Diskriminierung von Männern.

Im Original:

Vergendereit noch mal“Die Technische Universität Graz bemüht sich aktiv um Vielfalt und Chancengleichheit. Insbesondere darf die Entscheidung bei Personalauswahlverfahren nicht zum Nachteil der Bewerberinnen und Bewerber auf Kriterien wie z.B. Lebensalter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, sexuelle Orientierung oder besondere Bedürfnisse aufgrund einer Behinderung gestützt werden.

Die Technische Universität Graz strebt eine Erhöhung des Frauenanteils, insbesondere in Leitungsfunktionen und beim wissenschaftlichen Personal an und lädt deshalb qualifizierte Frauen ausdrücklich zur Bewerbung ein. Bis zur Erreichung eines ausgewogenen Zahlenverhältnisses werden bei gleicher Qualifikation Frauen vorrangig aufgenommen.

Allgemeine Voraussetzungen:
Die Beherrschung der deutschen und englischen Sprache in Wort und Schrift in dem für die jeweilige Verwendung erforderlichen Ausmaß.

Reisekosten, die im Zusammenhang mit dem Auswahlverfahren entstehen, werden von der TU Graz nicht ersetzt.”

Oh, diese Grazer Universitäts-Korrekten, die vor lauter Nicht-Diskriminierungsbemühung diskriminieren, was das Zeug hält:

  • Bewerber, die nicht in Graz wohnen, werden benachteiligt. Ihnen entstehen Reisekosten. Und trägt  die “aktiv um Vielfalt und Chancengleichheit” bemühte Universität Graz die Reisekosten? Nein. Wie soll Vielfalt entstehen, wenn die Bewerber alle aus Graz stammen, weil die Reisekosten nicht erstattet werden?
  • Bewerber, die der deutschen und englischen Sprache nicht mächtig sind, die z.B. nur Deutsch und Niederbayerisch oder Englisch und Suaheli oder Suaheli und Deutsch oder Türkisch und Deutsch sprechen, werden benachteiligt. Die Universität Graz ist nicht an Sprach-Diversität interessiert. Nur Deutsch- und Englischssprecher erwünscht. Skandalös. Lasst das nicht den Herrn Hollande lesen!
  • Frauen werden “bis zur Erreichung eines ausgewogenen Zahlenverhältnisses” bevorzugt, was auch immer ein ausgewogenes Zahlenverhältnis ist. Wir, bei ScienceFiles, wir finden 5:1 ausgewogen. Bei Real Madrid ist man der Ansicht 1:2 sei gar nicht ausgewogen, und bei Abstimmungen innerhalb des Vorstands der GDL wird nur ein Zahlenverhältnis von alle für und niemand dagegen als ausgewogen angesehen. Wie dem auch sei. Das Zahlenverhältnis bei der Universität Graz hat zur Folge, dass Alter, ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, sexuelle Orientierung oder besondere Bedürfnisse hinter dem Geschlecht zurückstehen müssen.
  • Wir finden entsprechend eine klare Besetzungspräferenz für: alte, katholische, sozialistische, lesbische, behinderte Frauen mit Migrationshintergrund. Auf wen genau diese Diversität der Eigenschaften zutrifft, in Graz bewerben. Die Chancen stehen gut.
  • Die Chancen für Chancengleichheit stehen übrigens nicht gut, denn Chancengleichheit kann nur verwirklichen, wer auf keinerlei Eigenschaften, die in der Person der Bewerber begründet liegen, einen Bonus verteilt, also weder auf Alter, noch auf ethnische Zugehörigkeit, Religion, Weltanschauung, sexuelle Orientierung, besondere Bedürfnisse oder Geschlecht. Man kann, mit anderen Worten, Chancengleichheit nicht herstellen, indem man Bewerbern mit bestimmten Eigenschaften bessere Chancen einräumt als anderen – auch in Graz nicht.
  • Man kann indes nach einem willkürlichen Merkmal gleichstellen, auch so lange bis ein vermeintlich “ausgewogenes Zahlenverhältnis” hergestellt ist. Das ist dann aber das Gegenteil von Chancengleichheit, denn Chancengleichheit ist blind im Hinblick auf das Ergebnis, legt also gerade keinen Wert auf ein angeblich “ausgewogenes Zahlenverhältnis”, denn nur so können gleiche Chance gewahrt werden.
  • Daher muss man feststellen, dass die Ausschreibung der Universität Graz ein herausragendes Beispiel für politisch korrekten Unsinn ist, das in zukünftigen Generationen für erhebliche Heiterkeit sorgen wird, ob der Dummheit, die aus den Zeilen quillt.

Ach ja, bei all der politischen Korrektheit wäre es fast verloren gegangen: Gesucht wird ein Doktorand “zur Verstärkung des Teams ‘Embedded Automotive Systems’.

Neuer Beleg: Die Diskriminierung von Schülern ist politischer Wille

Jungen und Migranten teilen im deutschen Bildungssystem dasselbe Schicksal: Vielen von Ihnen wird die berufliche Karriere schon verunmöglicht, noch ehe sie begonnen hat. Neue Daten des Leipniz Institut für Länderkunde zeigen dies in beeindruckender und erschreckender Weise. Und sie zeigen vor allem eines: Die Proletarisierung oder moderner: Prekarisierung vieler Jungen, vieler Migranten und einigen Mädchen ist politisch gewollt: Sie ist das Ergebnis politischer Diskriminierung, geplant in den Kultusministerien der Länder und umgesetzt in den lokalen Schulen. Bereits 2002 als wir Bringing Boys Back In veröffentlicht haben, war deutlich, dass Jungen vor allem in den neuen Bundesländern deutlich hinter Mädchen zurückbleiben, Bereits damals konnten wir zeigen, dass – wie von Geisterhand bewegt – im Osten der Republik Jungen noch seltener als im Westen ein Abitur erreichen als Mädchen und noch häufiger ohne einen Schulabschluss oder nur mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen als Mädchen. Radke_GomollaDies ist, bedenkt man, dass das ostdeutsche Schulsystem nach der Wende quasi von der Pike auf nach den Vorstellungen, die westdeutsche Schulplaner von einem gerechten und effizienten Schulsystem hatten, aufgebaut wurde, einerseits erstaunlich und wenn man mit dem Staunen fertig ist, dann ist es andererseits erschreckend, legt es doch den Verdacht nahe, moderne Schulplanung zielt darauf ab, Jungen gegenüber Mädchen zu benachteiligen. Ein weiteres, das Ergebnis in Bringing Boys Back In, das die pädagogische und mediale Diskussion seitdem beherrscht, zeigt einen Zusammenhang zwischen dem Anteil männlicher Lehrer und dem Abschneiden von Jungen. Je weniger männliche Lehrer in Grundschulen und je mehr weibliche Lehrer in Grundschulen sind, desto schlechter schneiden Jungen ab. Zudem haben Ergebnisse, die u.a. Gomolla und Radke publiziert haben, gezeigt, dass die Nachteile, die wir für Jungen gefunden haben, auch für Migranten vorhanden sind. Entsprechend stellt sich die Frage, welche Prozesse dafür verantwortlich sind, dass Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem deutlich schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Interessanter Weise hat diese Frage bislang kaum jemanden interessiert. Statt dessen gibt es eine, wie wir es nennen: Zeterliteratur, die einzig und allein dem Zweck dient, weibliche Lehrer vom (übrigens von uns nie geäußerten) Verdacht, sie würden männliche Schüler gezielt diskriminieren, zu reinigen und statt dessen die Schuld bei Jungen zu suchen, sie als faul, machohaft und was auch immer zu stilisieren, um ihnen die Schuld an ihrer eigenen Misere zuzuschieben. Es ist ein Markenzeichen vieler Diskussionen um Mißstände in Deutschland, dass die Frage nach der Ursache eines Mißstandes mit der Frage nach der Schuld ersetzt wird. Die Untersuchung der Schuldfrage produziert dann die oben genannte Zeterliteratur, deren Zweck nicht darin besteht, die Ursache bestimmter Missstände zu suchen, sondern darin, eine Form kollektiven Wohlfühlens unter den Anhängern bestimmter Ideologien, im vorliegenden Fall des Genderismus zu schaffen. Dass die Mißstände durch das selbstgerechte Wohlfühlen nicht gelöst werden, deren Lösung vielmehr verhindert wird, ist dabei ohne Belang. Wenn man, wie wir auch schon mehrfach dargestellt haben und nicht zuletzt bereits in Bringing Boys Back In ausgeführt haben, ein kollektives Phänomen vor sicht hat, das systematisch zwischen Gruppen diskriminiert, dann bietet es sich an, nach Erklärungen zu suchen, die die entsprechenden Gruppen als solche betreffen, d.h. im vorliegenden Fall nach institutionellen oder sonstigen für unterschiedliche Schüler gleichen Bedingungen zu suchen, die zum Ergebnis haben könnten, dass Jungen und Migranten systematisch schlechter abschneiden als Mädchen und nicht-Migranten. Das ist eigentlich offensichtlich: Wenn man die Ursache einer Hungersnot sucht, wird man ja auch nicht versuchen, die Ursache im Essverhalten Einzelner zu finden, sondern vielmehr Umweltfaktoren oder institutionelle Faktoren, wie z.B. die Subventionierung des Anbaus von Mais zur Nutzung als Brennstoff oder eine Dürreperiode betrachten. Die Frage. warum diese offensichtliche Logik für die Frage, warum Jungen und Migranten im deutschen Schulsystem Nachteile haben, nicht gilt, kann sich jeder aufgrund der ideologischen Hegemonie des Staatsfeminismus selbst beantworten. Leibnitz Institut120x1000Die Forschung, die am Leibniz Institut für Länderkunde durchgeführt wurde, fügt der Diskriminierungsthese, also der Ansicht, dass Jungen und Migranten durch institutionelle Strukturen gezielt benachteiligt werden, einen weiteren Beleg hinzu. Sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Noten schlechtere Grundschulempfehlungen erhalten als Mädchen, und sie ergänzen Ergebnisse, die zeigen, dass Jungen selbst bei besseren Leistungen in Leistungstests in schulischer Benotung schlechter abschneiden (Diefenbach, 2007) als Mädchen. Es muss entsprechend institutionelle Prozesse geben, die eher Jungen als Mädchen, eher Migranten als Nicht-Migranten benachteiligen und die Forschung des Leibniz Institut für Länderkunde zeigt diese Prozesse am Beispiel der Schüler, die ohne Schulabschluss bleiben.

  • Ohne Schulabschluss bleiben in ostdeutschen Ländern deutlich mehr Schüler als in westdeutschen Ländern. Top-Scorer ist Meckelenburg-Vorpommern, wo 12,4% der Schüler ohne einen Schulabschluss bleiben. Es folgen Sachsen-Anhalt (11,5%) und Sachsen (9,8%). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 5,5%.
  • Mehr als 50% derjenigen, die ohne Schulabschluss ihre Berufskarriere beenden, noch ehe sie begonnen hat, kommen von Förderschulen. Wie wir in vergangenen Posts gezeigt haben, sind die Kriterien, die eine Überstellung an eine so genannte Förderschule zur Folge haben, immer weicher geworden (z.B. sozio-emotionale Gründe, von denen niemand so richtig weiß, was sie sein sollen) und bei denjenigen, die an Förderschulen abgeschoben werden, handelt es sich vor allem um Jungen und Migranten. Warum man Schulen als Förderschulen bezeichnen sollte, die es nicht einmal schaffen, den Jugendlichen, die ihnen überantwortet werden, zu einem Schulabschluss zu verhelfen, ist eine Frage, die man wohl nur als politisch-korrekter Bildungspolitiker, der sich an der Realität nicht stört, beantworten kann.
  • Auch bei den Förderschülern, die direkt aus der Berufskarriere ausgesondert und ohne Schulabschluss gelassen werden, führen ostdeutsche Bundesländer: So bleiben z.B. 77% der Förderschüler in Mecklenburg-Vorpommern ohne einen Schulabschluss.

14_08_ohne_Schulabschluss_k2Die Ergebnisse belegen, dass eine Überstellung auf eine Förderschule eine Ursache der erheblichen Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen und zwischen Migranten und Nicht-Migranten ist, schon weil Jungen und Migranten viel häufiger auf Förderschulen abgeschoben werden als Mädchen und nicht-Migranten. Und warum werden sie häufiger abgeschoben? Weil man sie benötigt, um die Schulen nicht schließen zu müssen. Caroline Kramer, Professor am Institut für Geographie und Geoökologie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat diesen Zusammenhang in einer selten zu findenden Offenheit formuliert:

“Zudem unterliegen sie zum Teil dem bildungspolitischen oder bildungsplanerischen Ziel, eine bestimmte Schulart auch bei sinkenden Schülerzahlen an einem bestimmten Standort zu erhalten. Dass dadurch in einigen Ländern oder Regionen bei mehr Schülerinnen und Schülern ein Förderbedarf diagnostiziert wird als in anderen Regionen, muss äußerst kritisch beurteilt werden.”

Das ist politischer Sprenstoff. Es heißt im Klartext: Schüler werden auf Förderschulen nicht etwa deshalb abgeschoben, weil sie dem normalen Schulbetrieb nicht folgen könnten, sondern deshalb, weil es politischer Wille ist, die entsprechenden Förderschulen offen halten zu können und trotz sinkender Schülerzahlen nicht schließen zu müssen. Dass dabei mehrere tausende Schüler jedes Jahr über die Klinge springen, dass ihre Berufskarriere und ihre Lebenschanchen beendet werden, noch ehe sie begonnen haben, ist dann ein Kollateralschaden, der neben dem wichtigen Ziel, Schulen nicht schließen zu müssen, weil es keine Schüler für sie gibt, zurückstehen muss. Die Zerstörung individueller Lebenschancen muss zum Wohle des größeren Ganzen eben in Kauf genommen werden – es ist der politische Wille vor allem im Osten der Republik, dies in Kauf zu nehmen. Zynischer kann Bildungspolitik nicht sein. Und wer hat noch einen Zweifel daran, dass ein Bildungssystem, in dem der politische Wille bestimmt, dass Kinder als Förderschüler geopfert werden müssen, um Förderschulen offen halten zu können, auch männliche Schüler und Migranten opfert, um einem politischen Willen zu huldigen, im ersten Fall dem Willen, per staatsfeministischem Eingriff, Mädchen besser zu stellen als Jungen, im zweiten Fall dem Willen, Migranten auch weiterhin als Paria des Bildungssystems inszenieren zu können? Wenn man die Sonntagsreden bedenkt, die Politiker von sich geben, an die Reden von der Bedeutung der nächsten Generation, von den Bildungschancen, von der Notwendigkeit, Bildung für alle zu ermöglichen und alle gerecht zu behandeln, damit die Kinder eine glückliche Zukunft auf ausreichender Bildung aufbauen können, dann kann man sich eigentlich nur übergeben.   Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deutschland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115

Heute schon gelacht, z.B. über Christine Lüders?

scully facepalmWir werden jetzt gnadenlose und gendergerechte zudem geschlechtssensible, weil von einem männlichen und einem weiblichen Redaktionsmitglied geprüfte Logik zur Anwendung bringen, um uns über Christine Lüders nicht lustig zu machen, nein, um Nachhilfe zu geben, immer in der Hoffnung, dass auch Leiter von Bundesbehörden, in diesem Fall die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, lernfähig sind. Dass Lüders lernfähig ist, muss man zu ihren Gunsten annehmen, auch wenn es Bestrebungen gibt, die Unschuldsvermutung aufzugeben und durch den Unschuldsnachweis zu ersetzen (das ist jetzt eine heftige Übertragungsleistung, die hier gefordert wird, aber sie zu erbringen, ist möglich). Jedoch wäre das Konzept des lebenslangen Lernens, das Bundesregierung und Politiker ihrer Bevölkerung überstülpen wollen, als defizitär ausgewiesen, träfe es ausgerechnet auf Politiker und Mitglieder der Bundesregierung nicht zu.

Nun zur Nachhilfe.

Christine Lüders stellt heute den Ersten und den Zweiten Bericht der Antidiskrminierungsstelle vor und hat vorab schon einmal ein paar Empfehlungen unter das Politikervolk gebracht. Wir zitieren:

“Nach Ansicht Lüders´ schützt das AGG nicht ausreichend vor sogenannten mehrdimensionalen Benachteiligungen und vor Diskriminierungen im Bildungsbereich. Das AGG verbiete zwar Benachteiligungen wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität, aber in der juristischen Praxis würden meist nur Diskriminierungen aus einem Grund anerkannt. In der Realität seien Menschen aber immer wieder Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen. Lüders nannte das Beispiel von Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen. Gut die Hälfte aller deutschen Betriebe würden keine Kopftuchträgerinnen einstellen wollen. Lüders sprach sich vor dem Ausschuss dafür aus, den Aspekt der mehrfachen Diskriminierung explizit im AGG zu verankern. Nur so könnten beispielsweise höhere Schadensersatzansprüche wegen mehrfacher Diskriminierungen geltend gemacht werden.”

abgezocktEinerseits sind wir als Mehrfachdiskriminierte zwar der Ansicht, dass mehr, anstelle von weniger Schadensersatz immer gut ist, sofern man nicht mit ethischen und moralischen Problemen geschlagen ist, was wir dummerweise sind, so dass wir das unseriöse Angebot von Frau Lüders, doch mehrfach zu profitieren, wo bislang nur ein einmaliges Handaufhalten möglich ist, mit aller Bestimmtheit zurückweisen.

Andererseits wird in der zitierten Passage eine Denk-Unfähigkeit deutlich, die man nicht ungestraft vorbeiziehen lassen kann, schon deshalb nicht, weil die logischen Bestandteile der deutschen Sprache regelrecht um Hilfe schreien.

Nehmen wir das, was Lüders vorträgt, auseinander.

  • Das AGG verbietet Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexueller Identität.
  • In der Realität sind Menschen Opfer von Benachteiligungen aus verschiedenen Gründen.
  • Frauen mit Migrationshintergrund, die aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen = dreifache Diskriminierung, denn: ethnische Herkunft, Geschlecht und Religion.
  • Deshalb muss Mehrfachdiskriminierung im AGG verankert werden.

Implizit sagt Lüders damit:

  • Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann wird er nicht diskriminiert, da das AGG eine Mehrfachdiskriminierung nicht vorsieht.
  • Hilfsweise: Wenn jemand mehrfach diskriminiert wird, dann ist das schlimmer als wenn jemand einfach diskriminiert wird.
  • Und warum ist es schlimmer: Weil man nur für eine Diskriminierung Schadensersatz einklagen kann und nicht für mehrere.
  • Bevor wir überhaupt zur Berechnung des Schadensersatzes gelangen, muss die Menge der möglichen Mehrfachdiskriminierungen aus (1) ethnischer Herkunft, (2) Geschlecht, (3) Religion, (4) Weltanschauung, (5) Behinderung, (6) Alter und (7) sexueller Orientierung bestimmt werden. Nach aller Kombinatorik ergeben sich hier 119 zusätzliche Diskriminierungsmöglichkeiten, zu den sieben bereits vorhandenen, die als 119 zusätzliche Seiten an das AGG anzufügen sind.
  • Dumm nur, dass niemand sagen kann, warum z.B. ein homosexueller evangelischer Rollstuhlfahrer nicht als Erzieher in einem katholischen Kindergarten eingestellt wird. Entsprechend müsste man, nähme man Lüders mit ihrer Mehrfachdiskriminierung ernst, erst Horden von Juristen damit beschäftigen, die wahre Ursache der Diskriminierung herauszufinden, um dann eine Diskriminierungshierarchie zu erstellen: Also die Ablehnung des homosexuellen evangelischen Rollstuhlfahrers ist zu 75% auf das Evangelische, zu 15% auf den Rollstuhl und zu 5% auf die Homosexualität zurückzuführen. Alles, was jetzt noch notwendig ist, ist die Bestimmung der Entschädigungssummen und deren prozentuale Verrechnung.
  • Dazu müsste bestimmt werden, was schlimmer ist, also mehr Schadensersatz wert ist: Ist eine weibliche Migrantin mit religiösem Kopftuch mehr wert als ein männlicher homosexueller Rollstuhlfahrer, oder gibt es für einen linksextremen Alten, der denkt, er sei ein Trans und deshalb ein Kopftuch trägt, aus religiösen Gründen versteht sich, mehr als für eine geistig behinderte, lesbische Asiatin, die der AfD nahe steht?

Ob Frau Lüders auch nur die Spur einer Vorstellung davon hat, wovon sie redet?

Und der verwertbare Teil dessen, was Frau Lüders von sich gibt, zum Ende:

“Zu Diskriminierungen komme es bereits im Kindergarten und dies ziehe sich bis an die Hochschulen fort. So würde Migrantenkindern in der Grundschule trotz gleicher Eignung oftmals keine Empfehlung für das Gymnasium ausgestellt.”

Wenn es für Migrantenkinder eine Diskriminierung darstellt, dass bei gleichen Leistungen wie nicht-Migrantenkinder keine gleiche Grundschulempfehlung ausgestellt wird, dann muss festgestellt werden, dass Jungen in deutschen Grundschulen auch diskriminiert werden, denn wie die LAU und die ELEMENT Studie gezeigt haben, erhalten Jungen auch bei gleicher Leistung wie Mädchen seltener eine Grundschulempfehlung für ein Gymnasium als Mädchen.

Wir hoffen, es hagelt entsprechende Beschwerden von Eltern bei der Antidiskriminierungsstelle, wobei: “Das AGG gelte aber leider nicht für das öffentliche Bildungswesen, dies müsse verändert werden”, heißt es weiter. Praktisch – oder? Da, wo am meisten diskriminiert wird, gilt das AGG nicht. Deshalb: Unterstützen wir Christine Lüders doch dabei, diesen nachgewiesenen öffentlichen Hort der Einfach- und Mehrfachdiskriminierung, die Schulen, im HInblick auf Migranten und im Hinblick auf Jungen an den für den Rest der Republik geltenden Standards zu messen.

Update: Männerdiskriminierung durch das Professorinnenprogramm

BlacklistDie Blacklist der Universitäten, die Männer bei der Bewerbung auf W-Professuren diskriminieren hat einen neuen Eintrag. Ein Leser hat uns auf eine Ausschreibung der Hochschule Ostwestfalen-Lippe aufmerksam gemacht. Auf den ersten Blick ist die Ausschreibung vorsichtiger formuliert als die brachiale und keinen Zweifel an der beabsichtigten Diskriminierung aufkommen lassende Ausschreibung der Universität Bielefeld. (Die Ausschreibung der Uni Bielefeld ist zwischenzeitlich aus dem Internet verschwunden. Wir warten noch auf die Stellungnahme der Universität Bielefeld und die Stellungnahme des BMBF, also darauf, wie beide versuchen, die Diskriminierung von Männern zu etwas Anderem zu machen. Die entsprechende Aufforderung an das BMBF und die Universität Bielefeld durch die Antidiskriminierungsstelle ist bislang offensichtlich unbeantwortet geblieben. Vielleicht fällt den Gender-Bewegten in Ministerium und Universität ja nichts ein, was nicht schon auf den ersten Blick als Unsinn enttarnt werden kann…:).

Zurück zur Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

logo-hs-owlAusgeschrieben ist eine W2-Professur für Crossmedia-Journalismus. Der Aufzählung der üblichen Qualifikationen, die die gesuchte “Persönlichkeit” mitbringen muss, folgt die folgende Beschreibung der Einstellungsvoraussetzungen.

“Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe vertritt das Prinzip Qualität durch Vielfalt und wünscht sich daher eine Erhöhung des Frauenanteils beim wissenschaftlichen Personal. Im Falle der Berufung einer Frau wird eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm angestrebt.”

Warum man, wenn man “Diversität” erhöhen will, ausgerechnet auf Geschlecht setzt, was nun wirklich keine große Varianz aufweist, wird sich mir nie erschließen. Wenn die Ostwestfalen-Lipper sich “Qualität durch Vielfalt” wünschen, dann schlage ich vor, sie versuchen die IQ-Verteilung ihrer Dozenten im rechten Teil der Normalverteilung anzusiedeln. Aber, was ich wieder sage, Intelligenz, als bräuchte man im Zeitalter der Schlüsselkompetenzen noch etwas anderes als “soziale Kompetenz”, “Mediennutzungs-” und “Kommunikationskompetenz”, also das, womit man hofft, andere plattreden zu können, selbst mit dem größten Unsinn.

ProfessorrinnenprogrammDas wirklich perfide an der Ausschreibung aus Ostwestfalen-Lippe ist, dass so getan wird, als sei der Ausgang des Berufungsverfahrens offen und als hätten Männer, die sich auf die W2-Professur bewerben, eine faire Chance. Die haben sie nicht. Dies zu sehen ist einfach, denn welche Institution wird bei der Berufung eines Professors darauf verzichten, eine weibliche Bewerberin, selbst wenn sie weniger qualifiziert ist als ein männlicher Konkurrent, zu berufen, wenn der Institution die Kosten der Stellenfinanzierung abgenommen werden, vom Professorinnenprogramm. Also: Wenn Sie die Wahl haben, zwischen einem Bewerber, der zwar besser ist, aber rund 240.000 Euro im Jahr kostet und einem Bewerber, der schlechter ist, aber den sie umsonst bekommen, welchen Bewerber wählen Sie dann? Eben!

Deshalb sollten sich nur Männer auf die W2-Professur “Crossmedia-Journalismus” der Hochschule Ostwestfalen-Lippe bewerben, die bereit sind, gegen ihre Nichtberücksichtigung zu klagen – der Gerechtigkeit, der Fairness halber.

Die Sonderschule als Abstellplatz für (zu) männliche Schüler?

StammsitzDie heiße Phase des Umzugs liegt nun hinter uns. Wir sind an unserem neuen Sitz (siehe Bild) angekommen und reverse-packing ist derzeit unsere Hauptbeschäftigung. In Kürze gibt es also wieder aktuelle ScienceFiles-Beiträge. Bis dahin setzen wir unser Umzugs-Dossier fort.

Bislang haben wir den Rückzug der Männer aus der Schule beschrieben, die negativen Konsequenzen für Jungen, die sich daraus ergeben, dargestellt, sowie die Nutzung des Catch-All Konzepts der sozial-emotionalen Störung, um Jungen aus der Schule fernzuhalten, offen gelegt. Trotz der zunehmenden Nutzung der Diagnose "sozial-emotionale Störung", um Jungen von einer Einschulung zurück zu stellen, gelingt es unpassenden Jungen, sich in den schulischen Alltag an Grundschulen einzuschleichen und die hier mehrheitlich weiblichen Grundschullehrer vor Probleme zu stellen, die ihre pädagogischen Fähigkeiten sowie die Fähigkeiten der allgegenwärtigen Schulpsychologen um Längen übersteigen. Entsprechend kommt das "soziale-emotionale Störungs-Verdikt" in Grundschulen abermals zum Einsatz, dieses Mal um vornehmlich Jungen, die sich als zu männliche Schüler erweisen, auf Sonderschulen abzuschieben.

Die Sonderschule als Abstellplatz für (zu) männliche Schüler?

von Dr. habil Heike Diefenbach und Michael Klein

Sonderschueler201112Es gibt in Deutschland wohl kaum ein schlimmeres Verhängnis, das einen Schüler ereilen kann, als auf eine Sonderschule überwiesen zu werden. Wer auf eine Sonderschule abgeschoben wird, der ist nicht nur stigmatisiert, seine Bildungskarriere ist bereits zu Ende noch ehe sie begonnen hat.  So haben im Schuljahr 2011/2012 rund 75% der Absolventen von Sonderschulen dieselbe ohne jeglichen Schulabschluss verlassen, gut 23% haben einen Hauptschulabschluss, 2,5% einen Realschulabschluss und 0,2% eine Hochschulreife erreicht. Diese Zahlen, die den Euphemismus, der hinter der politisch korrekten Bezeichnung “Förderschule” steht, als eben solchen, nein als Zynismus entlarven, sind der Grund dafür, dass wir nicht von Förder- sondern von Sonderschulen sprechen. Es mag politisch korrekt sein, von Förderschulen zu reden, es ist empirisch korrekt, von Sonderschulen zu sprechen, denn gefördert wird hier niemand, hier wird lediglich ausgesondert: Am Ende der Sonderschule stehen 75% Absolventen ohne gültigen Abschluss, ein Ergebnis, das sie mit Sicherheit auch ohne die vermeintliche  Förderung erreicht hätten.

Obwohl ein solches Ergebnis, wie es die Abbildung darstellt, eigentlich dazu führen müsste, dass Sonderschulen beseitigt werden, da sie ein Lebenschancen-Killer par excellence sind und darüber hinaus keinerlei positiver Nutzen bestimmbar ist, der daraus erwachsen würde, dass man Kinder auf Sonderschulen überweist, sind Sonderschulen ein fester Bestandteil des deutschen Schulsystems, und wie Dr. Diefenbach immer sagt: “Wenn erst einmal institutionelle Plätze für was auch immer geschaffen sind, dann werden diese Plätze auch gefüllt, egal, ob Bedarf besteht oder nicht”. Schließlich, so könnte man anschließen, hängen Arbeitsplätze von Sonderschullehrern davon ab, dass der Nachschub an Sonderschülern auch fließt.

Kottmann SonderschuleNun sollte man meinen, dass Lehrer dann, wenn sie Kinder auf Sonderschulen überweisen, besonders sorgfältig und verantwortungsbewusst sind. Immerhin geht mit der Überweisung so gut wie sicher ein Ende der beruflichen Karrieremöglichkeiten und ein erheblicher Einschnitt in die Lebenschancen,  des von der Überweisung betroffenen Kindes einher, wie die Zahlen oben deutlich belegen. Diese Annahme stellt sich jedoch als frommer Wunsch heraus, wie ein genauer Blick auf die Überstellung an Sonderschulen, den Brigitte Kottmann (2006) angestellt hat, zeigt. Die Überweisung auf Sonderschulen scheint sich auf soziale Determinanten wie Geschlecht, soziale Schicht und ethnische Zugehörigkeit und auf disziplinarische Erwägungen zu gründen. Das Wohl des betreffenden Kindes scheint eher keine, bis eine marginale Rolle zu spielen.

Dazu passen Ergebnisse, die Heike Diefenbach unlängst im von Michael Matzner und Wolfgang Tischner herausgegebenen Sammelband “Handbuch Jungenpädagogik” veröffentlicht hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kritierien, die eine Überstellug auf eine Sonderschule rechtfertigen, über die letzten Jahrzehnte immer weicher geworden sein müssen, da u.a. eine Verlagerung stattgefunden hat, vom “Förderschwerpunkt Lernen” auf den “Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung”. So werden zwischenzeitlich rund 40.000 Kinder jährlich wegen angeblicher Defizite ihrer emotionalen Jungenpaedagogik 2Auflund sozialen Entwicklung auf Sonderschulen abgeschoben, rund 85% davon sind Jungen. Dies ist nicht nur ein Indiz dafür, dass Sonderschulplätze zunehmend mit weichen und kaum nachvollziehbaren, weil nicht explizit formulierten Kriterien gefüllt werden, es ist auch ein Indiz dafür, dass die Institution “Sonderschule” ihren Anteil an den vorhandenen Ressourcen von Schulkinder fordert, koste es, was es wolle. Der Hunger nach Sonderschülern, den die Institution “Sonderschule” entwickelt, wird zu 67% mit Jungen gefüllt, und da Jungen diejenigen sind, denen in Schulen die größten disziplinarischen Probleme nachgesagt, zugewiesen oder angedichtet werden, liegt der Verdacht nahe, dass Sonderschulen regelrecht dazu genutzt werden, um Kinder abzuschieben, die dem, was Lehrer als Idealbild vom guten Schüler haben, nicht entsprechen.

Und obwohl wir angesichts dieser Vorgeschichte auf einiges gefasst waren und obwohl Heike Diefenbach bereits mehrfach darauf hingewiesen hat, dass der Anteil der Jungen unter den Sonderschülern bemerkenswert stabil ist, ist das, was wir im Folgenden darstellen werden, nicht nur unglaublich, sondern ein Ergebnis, das wir in unseren langen Karrieren als Sozialforscher in dieser Dramatik und Konsistenz bislang nur einmal gesehen haben.

Die folgende Abbildung (links) zeigt die Entwicklung der Anzahl der Kinder, die sich auf Sonderschulen befinden, und zwar für den Zeitraum von 1993 bis 2012. Wie sich zeigt, sind die nominalen Schwankungen in der Anzahl der Kinder, die auf Sonderschulen überwiesen werden, beträchtlich, was die Abbildung auf der rechten Seite noch deutlicher macht.

Sonderschueler nach GeschlechtSonderschueler Veraenderung

Im Durchschnitt verändert sich die Anzahl der Sonderschüler im Beobachtungszeitrum um jährlich 6.986 Schüler. Die Schülerzahlen auf Sonderschulen verändern sich damit im Durchschnitt um jährlich zwei Prozent. Man sollte annehmen, dass sich diese Veränderung auch auf das Verhältnis von Jungen und Mädchen auf Sonderschulen auswirkt. Wie die nächste Abbildung zeigt, ist dies aber nicht der Fall.

Sonderschueler Anteile

Die Anteile von Jungen und Mädchen, die über einen Zeitraum von 20 Jahren auf Sonderschulen überwiesen wurden, sind stabil. Sie variieren lediglich im Nachkommabereich, zwischen 63,17% und 63,81% bei Jungen und zwischen 36,83% und 36,19% bei Mädchen. Der Mittelwert beträgt über 20 Jahre hinweg 63,47% für den Anteil männlicher und 36,53% für den Anteil weiblicher Sonderschüler. Die Standardabweichung beträgt für den Anteil männlicher und weiblicher Jugendlicher 0,20, über einen Zeitraum von zwanzig Jahren. Dies ist ein Ergebnis, das einen empirischen Sozialforscher die Stirn runzeln lässt und wären die Daten keine amtlichen Daten, sondern Befragungsdaten, er würde nach einem Bias oder nach einer sonstigen Art von Fehler suchen, der bei der Erhebung bzw. der Erfassung der Daten gemacht worden sein könnte.

Hier handelt es sich aber um amtliche Daten. Jeder Sonderschüler, der über den betrachteten Zeitraum auf eine Sonderschule überwiesen wurde, ist hier erfasst. Die Tatsache, dass die Anteile von Jungen und Mädchen über den Beobachtungszeitraum standardisiert zu sein scheinen, muss also anders erklärt werden, aber wie?

Es ist weitgehend ausgeschlossen, dass ein Verlauf, wie ihn die letzte Abbildung zeigt, durch Zufall und ohne das standardisierende Zutun von Menschen zu Stande kommt. Wenn aber Zufall ausgeschlossen und sozial verursachte Systematik angenommen werden muss, dann bleibt nur die Erklärung, dass entweder die Stereotype, die von deutschen Lehrern landauf landab gepflegt werden, so erstaunlich identisch sind, dass die Anteile von Jungen, die bundesweit auf Sonderschulen überwiesen werden, in Bremerhaven wie in Hof nahezu identisch sind, oder es bleibt die Erklärung, dass die Zuweisung auf Sonderschulen nach einem fest vorgegebenen Schlüssel, nach einer fest vorgegebenen Quote erfolgt, d.h. per Vorgabe an Schulen der Art: Im Schuljahr 2012/2013 müssen x Jungen und y Mädchen auf die Sonderschule überwiesen werden.

Was auch immer der Fall ist, angesichts der Tatsache, dass ein Sonderschulbesuch das Ende des Traums von der Berufskarriere bedeutet und die Lebenschancen der Betroffenen in umfassender Weise beeinträchtigt, ihnen ein Leben in Abhängigkeit von Jugend-, Sozial- und sonstigen -arbeitern vorgibt, sind die vorliegenden Ergebnisse wohl auf eine Form von Zynismus bzw. böser systemischer Banalität zurückzuführen, die sprichwörtlich über Leichen geht, und der institutionellen Notwendigkeit, Sonderschüler zugewiesen zu bekommen, die Leben der entsprechenden Quoten-Sonderschüler opfert.

Rund 25.000 der gut 400.000 Schüler auf deutschen Sonderschulen wurden wegen Seh-, Hörbehinderung oder wegen einer nicht weiter spezifizierten Krankheit auf die Sonderschule überwiesen, d.h. rund 375.000 Sonderschüler finden sich auf Sonderschulen weil ihnen eine Lernschwäche, ein Rückstand in ihrer sozio-emotionalen, ihrer körperlichen oder ihrer geistigen Entwicklung attestiert wird. Wie oben bereits festgestellt, nehmen die Überweisungen wegen sozio-emotionaler Entwicklungsrückstände stetig zu, haben sich im Beobachtungszeitraum fast verdoppelt. Die Förderschwerpunkt übergreifenden Überweisungen auf Sonderschulen haben sich nahezu um das Sechsfache gesteigert.

Diesen Überweisungsgründen, die wachsenden Überweisungszahlen trotz zurückgehender Schülerzahlen aufweisen, ist gemein, dass die Kritierien, die zur entsprechenden Überweisung auf eine Sonderschule führen, unbekannt und nicht objektivierbar sind. Es gibt keinerlei Vorgaben dazu, wann und warum eine Überweisung auf eine Sonderschule erfolgen soll und welche objektivierbaren Kriterien erfüllt sein müssen, um eine solche Überweisung zu veranlassen, schon weil es, wie gesagt, keine objektivierbaren Kriterien gibt.

Angesichts der Folgen, die eine Sonderschulüberweisung für den Betroffenen hat, ist dieses Ausmaß an Willkür unglaublich, und es macht eigentlich nur Sinn, wenn man annimmt, dass es eben nicht darum geht, Schüler zu fördern, sondern darum, die Plätze an Sonderschulen zu füllen.

Krude Diskriminierung von männlichen Bewerbern: Das Professorinnenprogramm in Aktion

ProfessorrinnenprogrammIn letzter Zeit haben wir auf ScienceFiles drei Beiträge zum Professorinnenprogramm veröffentlicht (1: Gleichberechtigung durch Bevorzugung? Das Professorinnenprogramm ist ein eklatanter Bruch mit dem Grundgesetzt, 2: Master of Funds oder: eine Hand wäscht die andere; 3: Weitere 150 Millionen Euro für die Bevorzugung von Frauen an Universitäten), in denen wir zeigen, dass das Professorinnenprogramm ein Mittel ist,

  • um die staatsfeministische Agenda einer Gleichschaltung von Universitäten und einer erhöhten Kontrolle der Universitäten durchzusetzen,
  • um Universitäten zu entprofessionalisieren und von Stätten der Bildung und Ausbildung, zu Stätten der Kinderbetreuung zu machen und
  • dass es einen eklatanten Bruch mit dem Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes darstellt, da das Programm eindeutig die Bevorzugung von weiblichen Bewerbern auf Lehrstühle und die entsprechende Benachteiligung, d.h.: Diskriminierung männlicher Bewerber zum Ziel hat.

In einem vierten Beitrag “Gleichstellung an Universitäten: Die Worte und die Wirklichkeit” haben wir dann gezeigt, dass sich die eklatante Diskriminierung von männlichen Bewerbern um Lehrstühle an Universitäten bereits in der Wahrscheinlichkeit niederschlägt, mit der männliche im Vergleich zu weiblichen Bewerber auf Lehrstühle berufen werden.

Die Diskriminierung männlicher Bewerber um Professuren ist demnach in vollem Gange. Ein weiterer Beleg dafür wurde uns von einem Leser geschickt, den wiederum sein Sohn auf diesen Beleg aufmerksam gemacht hat und der ungenannt bleiben möchte, weil sein Sohn im universitären Business noch etwas werden will. Soweit hat es der Staatsfeminismus in Deutschland bereits gebracht, dass die freien deutschen Bürger Nachteile oder Repräsalien erwarten, wenn sie auf Belege hinweisen, denen klar und deutlich die Diskriminerung von Männern um Stellen an Universitäten zu entnehmen ist. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass Staatsfeminismus nichts anderes ist als eine totalitäre Ideologie, die keinerlei Widerspruch duldet.

unibi_logoWie offen und deutlich die Diskriminierung von männlichen Bewerbern derzeit an deutschen Universitäten betrieben wird, ist der folgenden Ausschreibung der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft an der Universität Bielefeld zu entnehmen. Ausgeschrieben ist eine W3-Professur und somit die höchste derzeit von Professoren erreichbare Besoldungsgruppe. Der Lehrstuhl ist ausgeschrieben für “Allgemeine Literaturwissenschaft/Neuere Deutsche Literatur im transnationalen Kontext”. Die Ausschreibung enthält die übliche Beschreibung der Ansprüche, denen ein Bewerber auf den entsprechenden Lehrstuhl zumindest nach außen hin genügen soll. Der vorletzte Absatz der Ausschreibung, der Absatz, in dem früher der Gleichstellungsunsinn “bei gleicher Eignung werden … vorgezogen” stand, lautet zwischenzeitlich wie folgt:

Für die Professur ist voraussichtlich eine Förderung durch das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder möglich. … Die Stellenausschreibung dient der Berufung von Frauen, die noch keine W3-Stelle wahrnehmen.

Die Offenheit, mit der hier potentiellen männlichen Bewerbern mitgeteilt wird, dass sie sich nicht zu bewerben brauchen, wird nur überboten von der Offenheit, mit der offengelegt wird, dass das Professorinnenprogramm zu keinem anderen Zweck ins Leben gerufen wurde, als einen Bewerbungs-Stopp für männliche Bewerber auf Professuren durchzusetzen. Wer vor diesem Hintergrund, wie dies ein Kommentator im Hinblick auf den von uns bereits früh aufgezeigten Bruch mit dem Grundgesetz getan hat, meint, er könne die Dinge schön reden, ähnlich wie dies im Dritten Reich im Sinne von “so schlimm wird es schon nicht kommen/sein” getan wurde, nur um dann von der Realität überrannt zu werden, den kann man nur als fahrlässig und unverantwortlich bezeichnen.

Kaderschmiede HU

Und sie wiederholt sich doch, die Geschichte…

Wir erleben derzeit nicht nur eine Entprofessionalisierung von Universitäten, sondern eine komplette Übernahme von Universitäten durch den Staatsfeminismus. Entsprechend werden sich Universitäten in den nächsten Jahren noch weiter, als sie das sowieso schon haben, von der Suche nach Erkenntnis, der Produktion von Wissen und der ideologischen Freiheit von Forschung und Lehre entfernen. Sie sind auf dem besten Weg, zu Kaderschmieden zu werden, an denen organisierte Gruppen dafür sorgen, dass keinerlei von einer staatsfeministischen Ideologie abweichende Meinungen vertreten oder gar gelehrt werden können und die sich endgültig von einer Stätte der Wissensfindung und Wissensvermittlung zu einer Stätte der ideologischen Indoktrination von und durch Halbtagskräfte entwickeln.

Man muss diese Entwicklung einerseits bedauern, andererseits zur Grundlage eigener Entscheidungen machen und Konsequenzen ziehen: Wer eine Ausbildung jenseits der staatsfeministischen Ideologie will, muss sie außerhalb von Deutschland an Universitäten im Vereinigten Königreich oder in den USA suchen. Wer sich als männlicher Bewerber auf einen Lehrstuhl nicht diskriminieren lassen will, muss sich im Ausland auf entsprechende Stellen bewerben, und wer ein Zeichen setzen will, dass ihm die Richtung, in die sich die deutsche Universitätslandschaft entwickelt, nicht gefällt, der sollte Universitäten wie die Universität Bielefeld, die sich freiwillig zum Erfüllungsgehilfen staatsfeministischer Zerstörer von Universitäten machen, meiden wie die Pest.

Weitere Infos zur Grundgesetzwidrigkeit des Professorinnenprogramms gibt es bei Prof. Dr. Günter Buchholz.

Gibt es eine inoffizielle Jungenquote für Sonderschulen?

Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein

Sonderschueler201112Es gibt in Deutschland wohl kaum ein schlimmeres Verhängnis, das einen Schüler ereilen kann, als auf eine Sonderschule überwiesen zu werden. Wer auf eine Sonderschule abgeschoben wird, der ist nicht nur stigmatisiert, seine Bildungskarriere ist bereits zu Ende noch ehe sie begonnen hat.  So haben im Schuljahr 2011/2012 rund 75% der Absolventen von Sonderschulen dieselbe ohne jeglichen Schulabschluss verlassen, gut 23% haben einen Hauptschulabschluss, 2,5% einen Realschulabschluss und 0,2% eine Hochschulreife erreicht. Diese Zahlen, die den Euphemismus, der hinter der politisch korrekten Bezeichnung “Förderschule” steht, als eben solchen, nein als Zynismus entlarven, sind der Grund dafür, dass wir nicht von Förder- sondern von Sonderschulen sprechen. Es mag politisch korrekt sein, von Förderschulen zu reden, es ist empirisch korrekt, von Sonderschulen zu sprechen, denn gefördert wird hier niemand, hier wird lediglich ausgesondert: Am Ende der Sonderschule stehen 75% Absolventen ohne gültigen Abschluss, ein Ergebnis, dass sie mit Sicherheit auch ohne die vermeintliche  Förderung erreicht hätten.

Obwohl ein solches Ergebnis, wie es die Abbildung darstellt, eigentlich dazu führen müsste, dass Sonderschulen beseitigt werden, da sie ein Lebenschancen-Killer par excellence sind und darüber hinaus keinerlei positiver Nutzen bestimmbar ist, der daraus erwachsen würde, dass man Kinder auf Sonderschulen überweist, sind Sonderschulen ein fester Bestandteil des deutschen Schulsystems, und wie Dr. Diefenbach immer sagt: “Wenn erst einmal institutionelle Plätze für was auch immer geschaffen sind, dann werden diese Plätze auch gefüllt, egal, ob Bedarf besteht oder nicht”. Schließlich, so könnte man anschließen, hängen Arbeitsplätze von Sonderschullehrern davon ab, dass der Nachschub an Sonderschülern auch fließt.

Kottmann SonderschuleNun sollte man meinen, dass Lehrer dann, wenn sie Kinder auf Sonderschulen überweisen, besonders sorgfältig und verantwortungsbewusst sind. Immerhin geht mit der Überweisung so gut wie sicher ein Ende der beruflichen Karrieremöglichkeiten und ein erheblicher Einschnitt in die Lebenschancen,  des von der Überweisung betroffenen Kindes einher, wie die Zahlen oben deutlich belegen. Diese Annahme stellt sich jedoch als frommer Wunsch heraus, wie ein genauer Blick auf die Überstellung an Sonderschulen, den Brigitte Kottmann (2006) angestellt hat, zeigt. Die Überweisung auf Sonderschulen scheint sich auf soziale Determinanten wie Geschlecht, soziale Schicht und ethnische Zugehörigkeit und auf disziplinarische Erwägungen zu gründen. Das Wohl des betreffenden Kindes scheint eher keine, bis eine marginale Rolle zu spielen.

Dazu passen Ergebnisse, die Heike Diefenbach unlängst im von Michael Matzner und Wolfgang Tischner herausgegebenen Sammelband “Handbuch Jungenpädagogik” veröffentlicht hat. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kritierien, die eine Überstellug auf eine Sonderschule rechtfertigen, über die letzten Jahrzehnte immer weicher geworden sein müssen, da u.a. eine Verlagerung stattgefunden hat, vom “Förderschwerpunkt Lernen” auf den “Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung”. So werden zwischenzeitlich rund 40.000 Kinder jährlich wegen angeblicher Defizite ihrer emotionalen Jungenpaedagogik 2Auflund sozialen Entwicklung auf Sonderschulen abgeschoben, rund 85% davon sind Jungen. Dies ist nicht nur ein Indiz dafür, dass Sonderschulplätze zunehmend mit weichen und kaum nachvollziehbaren, weil nicht explizit formulierten Kriterien gefüllt werden, es ist auch ein Indiz dafür, dass die Institution “Sonderschule” ihren Anteil an den vorhandenen Ressourcen von Schulkinder fordert, koste es, was es wolle. Der Hunger nach Sonderschülern, den die Institution “Sonderschule” entwickelt, wird zu 67% mit Jungen gefüllt, und da Jungen diejenigen sind, denen in Schulen die größten disziplinarischen Probleme nachgesagt, zugewiesen oder angedichtet werden, liegt der Verdacht nahe, dass Sonderschulen regelrecht dazu genutzt werden, um Kinder abzuschieben, die dem, was Lehrer als Idealbild vom guten Schüler haben, nicht entsprechen.

Und obwohl wir angesichts dieser Vorgeschichte auf einiges gefasst waren und obwohl Heike Diefenbach bereits mehrfach darauf hingewiesen hat, dass der Anteil der Jungen unter den Sonderschülern bemerkenswert stabil ist, ist das, was wir im Folgenden darstellen werden, nicht nur unglaublich, sondern ein Ergebnis, das wir in unseren langen Karrieren als Sozialforscher in dieser Dramatik und Konsistenz bislang nur einmal gesehen haben.

Die folgende Abbildung (links) zeigt die Entwicklung der Anzahl der Kinder, die sich auf Sonderschulen befinden, und zwar für den Zeitraum von 1993 bis 2012. Wie sich zeigt, sind die nominalen Schwankungen in der Anzahl der Kinder, die auf Sonderschulen überwiesen werden, beträchtlich, was die Abbildung auf der rechten Seite noch deutlicher macht.

Sonderschueler nach GeschlechtSonderschueler Veraenderung

Im Durchschnitt verändert sich die Anzahl der Sonderschüler im Beobachtungszeitrum um jährlich 6.986 Schüler. Die Schülerzahlen auf Sonderschulen verändern sich damit im Durchschnitt um jährlich zwei Prozent. Man sollte annehmen, dass sich diese Veränderung auch auf das Verhältnis von Jungen und Mädchen auf Sonderschulen auswirkt. Wie die nächste Abbildung zeigt, ist dies aber nicht der Fall.

Sonderschueler Anteile

Die Anteile von Jungen und Mädchen, die über einen Zeitraum von 20 Jahren auf Sonderschulen überwiesen wurden, sind stabil. Sie variieren lediglich im Nachkommabereich, zwischen 63,17% und 63,81% bei Jungen und zwischen 36,83% und 36,19% bei Mädchen. Der Mittelwert beträgt über 20 Jahre hinweg 63,47% für den Anteil männlicher und 36,53% für den Anteil weiblicher Sonderschüler. Die Standardabweichung beträgt für den Anteil männlicher und weiblicher Jugendlicher 0,20, über einen Zeitraum von zwanzig Jahren. Dies ist ein Ergebnis, dass einen empirischen Sozialforscher die Stirn runzeln lässt und wären die Daten keine amtlichen Daten, sondern Befragungsdaten, er würde nach einem Bias oder nach einer sonstigen Art von Fehler suchen, der bei der Erhebung bzw. der Erfassung der Daten gemacht worden sein könnte.

Hier handelt es sich aber um amtliche Daten. Jeder Sonderschüler, der über den betrachteten Zeitraum auf eine Sonderschule überwiesen wurde, ist hier erfasst. Die Tatsache, dass die Anteile von Jungen und Mädchen über den Beobachtungszeitraum standardisiert zu sein scheinen, muss also anders erklärt werden, aber wie?

Es ist weitgehend ausgeschlossen, dass ein Verlauf, wie ihn die letzte Abbildung zeigt, durch Zufall und ohne das standardisierende Zutun von Menschen zu Stande kommt. Wenn aber Zufall ausgeschlossen und sozial verursachte Systematik angenommen werden muss, dann bleiben nur die Erklärung, dass entweder die Stereotype, die von deutschen Lehrern landauf landab gepflegt werden, so erstaunlich identisch sind, dass die Anteile von Jungen, die bundesweit auf Sonderschulen überwiesen werden, in Bremerhaven wie in Hof weitgehend identisch sind, oder es bleibt die Erklärung, dass die Zuweisung auf Sonderschulen nach einem fest vorgegebenen Schlüssel, nach einer fest vorgegebenen Quote erfolgt, d.h. per Vorgabe an Schulen der Art: Im Schuljahr 2012/2013 müssen x Jungen und y Mädchen auf die Sonderschule überwiesen werden.

Was auch immer der Fall ist, angesichts der Tatsache, dass ein Sonderschulbesuch das Ende des Traums von der Berufskarriere bedeutet und die Lebenschancen der Betroffenen in umfassender Weise beeinträchtigt, ihnen ein Leben in Abhängigkeit von Jugend-, Sozial- und sonstigen -arbeitern vorgibt, sind die vorliegenden Ergebnisse wohl auf eine Form von Zynismus bzw. böser systemischer Banalität zurückzuführen,, die sprichwörtlich über Leichen geht, und der institutionellen Notwendigkeit, Sonderschüler zugewiesen zu bekommen, die Leben der entsprechenden Quoten-Sonderschüler opfert.

Rund 25.000 der gut 400.000 Schüler auf deutschen Sonderschulen wurden wegen Seh-, Hörbehinderung oder wegen einer nicht weiter spezifizierten Krankheit auf die Sonderschule überwiesen, d.h. rund 375.000 Sonderschüler finden sich auf Sonderschulen weil ihnen eine Lernschwäche, ein Rückstand in ihrer sozio-emotionalen, ihrer körperlichen oder ihrer geistigen Entwicklung attestiert wird. Wie oben bereits festgestellt, nehmen die Überweisungen wegen sozio-emotionaler Entwicklungsrückstände stetig zu, haben sich im Beobachtungszeitraum fast verdoppelt. Die Förderschwerpunkt übergreifenden Überweisungen auf Sonderschulen haben sich nahezu um das Sechsfache gesteigert. Allen den Überweisungsgründen, die wachsenden Überweisungszahlen trotz zurückgehender Schülerzahlen aufweisen, ist gemein, dass die Kritierien, die zur entsprechenden Überweisung auf eine Sonderschule führen, unbekannt und nicht objektivierbar sind. Es gibt keinerlei Vorgaben dazu, wann und warum eine Überweisung auf eine Sonderschule erfolgen soll und welche objektivierbaren Kriterien erfüllt sein müssen, um eine solche Überweisung zu veranlassen, schon weil es, wie gesagt, keine objektivierbaren Kriterien gibt. Angesichts der Folgen, die eine Sonderschulüberweisung für den Betroffenen hat, ist dieses Ausmaß an Willkür unglaublich, und es macht eigentlich nur Sinn, wenn man annimmt, dass es eben nicht darum geht, Schüler zu fördern, sondern darum, die Plätze an Sonderschulen zu füllen.

Gleichstellung an Universitäten: die Worte und die Wirklichkeit

dangerous jobsFalls es sich noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen hat: Frauen sind in Deutschland benachteiligt. Wie und vom wem, das ist bislang ein Geheimnis, aber dass sie benachteilgt sind steht fest, so fest, dass sich eine Unmenge von “guten” Menschen zusammengerottet hat, um mit Programmen, Hilfsaktionen und Förderung dafür zu sorgen, dass die vielen Frauen, die aus eigener Kraft nicht vorankommen, in die Positionen gelangen, die die “guten” Menschen für erstrebenswert halten.

Natürlich sind die “guten Menschen”, die Frauen helfen, aufgrund von Verdienst in die Position gelangt, in der sie nunmehr Frauen helfen wollen und (um?) sich selbst ein Verdienst (zu) verschaffen, und natürlich haben die entsprechenden “guten” Menschen rein altruistische Motive und sind nur mit dem gesellschaftlichen Wohl, dem Wohl und Wehe anderer, mit dem Wohl aller außer dem eigenen beschäftigt. Und sie sind nötig, diese Menschen, die Frauenquoten fordern, Frauenförderung planen, Gutachten in Auftrag geben, um zu untersuchen, wie man die vermeintliche Benachteiligung von Frauen am profitabelsten für alle an der Frauenförderung Verdienenden nutzen kann (Dass als Ergebnis der ganzen Frauenförderung Frauen als Dummchen dargestellt werden, die aus eigener Kraft keinen Fuß auf den Boden bekommen, muss wohl als Kollateralschaden der Gutheit dieser “guten” Menschen angesehen werden).

WissenschaftsratEine dieser Versammlungen von “guten” Menschen (oder selbsternannten Gutmenschen) ist der Wissenschaftsrat. Der Wissenschaftsrat hat schon früh einen Mangel an Frauen in “Führungspositionen der Wissenschaft” ausgemacht und vor allem das Fehlen von weiblichen Professoren beklagt. Die Wissenschaft ist ihrem Anspruch nach die Institution, in der Leistung und Qualifikation zum Vorankommen befähigt, in der Meritokratie herrscht. Daher ist es seltsam, dass der Wissenschaftsrat ausgerechnet Wissenschaftler verdächtigt, weibliche Bewerber um ihre Professorenstellen zu bringen. Aber der Wissenschaftsrat, in dem ja auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, muss das natürlich wissen. Und weil die Wissenschaftsradler das wissen, haben sie eine “Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern” gestartet. Das, was ich fett gesetzt habe, ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig.

Diese Offensive hatte 2011 ihr Fünfjähriges. Und damit auch alle etwas von dem Fünfjährigen haben, hat der Wissenschaftsrat ein Gutachten in Auftrag gegeben und bezahlt, in dem Ziele wiederholt und der Bestand des Erreichten aufgenommen wurde:

“Sie [gemeint sind die Allianzorganisationen zur Offensive für Chancengleichheit] werden verstärkt darauf hinarbeiten, den Frauenanteil bei der Neubesetzung von Entscheidungs- oder Führungspositionen dem jeweiligen Anteil an habilitierten oder entsprechend hoch qualifizierten Wissenschaftlerinnen in den verschiedenen Fächergruppen anzugleichen (8).”

Wie gesagt, das Gutachten wiederholt nicht nur, es nimmt auch Bestand auf, und die Autoren, wer auch immer sie gewesen sein mögen, denn namentlich genannt, sind sie nicht, kommen bei der Aufnahme des Bestands zu folgendem Ergebnis:

“Die erzielten Verbesserungen sind jedoch maßgeblich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Von einer deutlichen Erhöhung des Anteils von Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen, der zentralen Zielstellung der Offensive für Chancengleichheit, kann nicht die Rede sein. Zwar gibt es insgesamt eine positive Entwicklung, von einer dem weiblichen Bevölkerungsanteil und dem weiblichen Studierendenanteil angemessenen Repräsentanz ist Deutschland aber noch deutlich entfernt. Dies belegt, dass die Ziele der Offensive für Chancengleichheit noch nicht erreicht und weitere Anstrengungen erforderlich sind” (21).

Ich möchte die Leser auf zwei Dinge aufmerksam machen: Der Anteil der “Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen” wird mit dem “weiblichen Bevölkerungsanteil” verglichen, und die Ziele der Offensive, den Anteil der “Wissenschaftlerinnen” mit eben diesem “weiblichen Bevölkerungsanteil” kongruent zu bekommen, sind nicht erreicht worden (weshalb mehr Steuergeld dafür geopfert werden muss, das zu erreichen, was die Offensive in den vergangenen fünf Jahren nicht erreicht hat).

GWkWir wollen uns an dieser Stelle bei Michael Matzner bedanken, der uns auf einen Bericht der “Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz – GWK”, sinnigerweise in der Friedrich-Ebert-Allee in Bonn ansässig, hingewiesen hat. Der Bericht trägt den Titel “Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung”, präsentiert sich als 16. (!sic) Fortschreibung des Datenmaterials (2010/2011) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen” und ist offensichtlich ein Bericht, von dem wiederum der Wissenschaftsrat nichts weiß, sonst hätte er keine eigene Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben, denn die guten Menschen im Wissenschaftsrat wollen ja nicht das Geld der Steuerzahler vergeuden – oder?

Der Bericht der GWK ist nur ein weiterer im kontinuierlich prasselnden Lamento der fehlenden Frauen, falsch: der benachteiligten Frauen, die  in den Führungspositionen der Wissenschaft nicht ankommen. Er ist entsprechend eine weitere Einnahmequelle für professionelle Frauenbenachteiligungs-Datensammler und ein weiteres schwarzes Loch, das Steuergelder anzieht und verschlingt. Aber: Er beinhaltet Informationen, die Michael Matzner und uns in Verzückung versetzt haben, Informationen zu den Anteilen weiblicher Bewerber auf z.B. Professuren an Universitäten (W1 bis W3). Die folgende Abbildung zeigt die prozentualen Anteile von weiblichen Bewerbern auf eine Professur, den prozentualen Anteil der Frauen, an allen, die es auf eine Liste geschafft haben und den Anteil der Frauen unter denen, die schließlich berufen wurden.

Bewerbungen Berufungen

Ein Blick auf die Abbildung zeigt, dass in fast allen Bundesländern, der Anteil der weiblichen Bewerber auf eine Professur, weit hinter dem “weiblichen Bevölkerungsanteil” zurückbleibt. Die entsprechenden Anteile weiblicher Bewerber liegen in den Bundesländern regelmäßig deutlich unter 30% und betragen im Bundesdurchschnitt und für 2011 24,2 %. Frauen haben offensichtlich kein Interesse an einer Professur, das dem von Männern vergleichbar wäre. Weiter zeigt sich, dass der Anteil von Frauen, die es auf eine Liste schaffen, höher ist als der Anteil weiblicher Bewerber, was einen ersten Hinweis auf die bervorzugte Platzierung von Frauen gibt. Deutschlandweit wurden 2011 27,8 Prozent der Listenplätze an Frauen vergeben. Bei den Berufungen auf eine Professur ist der Frauenanteil abermals höher: Frauen stellen 29,1% der auf eine Professur Berufenen, was ein weiterer Hinweis darauf ist, dass Frauen bevorzugt werden. Wie stark die Bevorzugung ausfällt, welcher Vorteil Frauen aus ihrem Geschlecht erwächst, wenn es um die Berufung auf eine Professur geht, macht die folgende Abbildung deutlich. Die Balken stellen prozentuale Wahrscheinlichkeiten dar: Für Deutschland als Ganzes ergibt sich z.B. das weibliche Bewerber auf eine Professur eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit haben, auf eine Professur berufen zu werden – ein Ergebnis, das nicht so recht zu den Zielen und Ankündigungen passen will, wie sie der Wissenschaftsrat in den oben zitierten Passagen gemacht hat.

Berufungsvorteile

Wie die Abbildung zeigt, gibt es nur wenige Bundesländer, in denen weibliche Bewerber gegenüber männlichen Bewerbern nicht erhebliche Vorteile bei der Berufung auf eine Professur haben. Die Vorteile reichen von einer 46,7% höheren Wahrscheinlichkeit für weibliche Bewerber, berufen zu werden in Sachsen-Anhalt bis zu einer 2,31% höheren Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden, in Bremen. Deutschlandweit haben weibliche Bewerber eine um 20,25% höhere Wahrscheinlichkeit, auf eine Professur berufen zu werden.

Affirmative ActionDie Daten zeigen einerseits, dass der verglichen mit ihrem Bevölkerungsanteil geringere Anteil von Frauen unter den Professoren darauf zurückzuführen ist, dass sich deutlich weniger Frauen als Männer um die entsprechende Position bewerben (und dies obwohl der Anteil weiblicher Studenten höher ist als der Anteil männlicher Studenten). Sie zeigen darüber hinaus, dass es großer Unsinn ist, anzunehmen, Frauen würden sich entsprechend ihres Bevölkerungsanteils auf Professuren bewerben. Warum ein Gremium wie der Wissenschaftsrat, in dem zumindest auch vermeintliche Wissenschaftler sitzen, sich den Anteil von Frauen in der Bevölkerung zum Maßstab nimmt, ist mir sowieso nicht nachvollziehbar, der Anteil der Personen aus der Arbeiterschicht, an Universitäten in jeder Hierarchiebene und unter den Studenten deutlich unter dem Anteil der Arbeiterschicht an der Bevölkerung, genießt jedenfall keine entsprechende Prominenz unter den Wissenschaftsradlern. Schließlich zeigen die Daten, was sich hinter der angestrebten Gleichstellung an Universitäten wirklich verbirgt: die Begünstigung weiblicher Bewerber und die Diskriminierung männlicher Bewerber. Wie dies mit dem hehren Ziel, für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinner und Wissenschaftlern offensiv sein zu wollen, vereinbart werden kann, ist mir nicht nachvollziehbar.

Für männliche Bewerber, die sich auf eine Professur bewerben wollen und die einer Diskriminierung entgehen wollen, seien die Universitäten und Fachhochschulen der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen empfohlen. Ansonsten kann man männlichen Bewerbern eigentlich nur davon abraten, sich an einer deutschen Hochschule zu bewerben, denn, wie sich zeigt, erfolgt die Auswahl geeigneter Bewerber nicht nach meritokratischen Prinzipien, sondern nach Geschlecht und dies allein sagt schon eine ganze Menge über die deutsche Wissenschaftslandschaft aus, in der schweigende Professoren dabei zusehen, wie alles, was Wissenschaft ausmacht, dem Wahnsinn des Staatsfeminismus geopfert wird.

Das Folgende ist ein Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach, der mir zu wichtig war, als dass ich ihn im Kommentarbereich belassen wollte:

Zum Beitrag zu ergänzen wäre, glaube ich, dass sich angesichts der 16. Fortschreibung des Datenmaterials zu Frauen in Hochschulen …, die mit “Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung” betitelt ist, jedem, der sich einmal halbwegs ernsthaft mit Gleichheit oder Gerechtigkeit in irgendeinem Bereich beschäftigt hat, und insbesondere Bildungsforschern graue Haare wachsen oder sich die Fußnägeln ringeln sollten, denn es sollte doch wohl zumindest diesen Personen klar sein, dass von der Betrachtung von ERGEBNISgleichheit nicht auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von CHANCENgleichheit geschlossen weden kann, denn Chancengleichheit impliziert keineswegs, dass ein Gut, auf das alle die gleichen Chancen haben, am Ende zu gleichen Anteilen auf alle verteilt sein muss. Genau diese Letztere wird aber im Papier betrachtet, in dem es doch eigentlich um Chancengleichheit gehen soll.

Ich verstehe nicht, wie man einen so dummen Denkfehler machen kann. Wie, bitte, kommt man denn überhaupt auf die seltsame Idee, dass Chancengleichheit zu Ergebnisgleichheit führen müsste? Die einzig denkbare logische Verbindung ist herstellbar, wenn man annimmt, dass es keine verschiedenen Menschen gibt, sondern Klone oder Zombies oder irgendwelche Einheiten, die sich in keinerlei Eigenschaften voneinander unterscheiden oder am besten überhaupt keine Eigenschaften haben außer, dass sie Einheiten vom selben sind. Denn nur dann, wenn alle dasselbe wollen und dasselbe machen ist es überhaupt vorstellbar, dass alle bei gegebenen gleichen Chancen die gleichen Wahlen treffen, die sich in Ergebnisgleichheit niederschlagen würden.

Es sollte doch nun wirklich nicht so schwierig sein, das zu verstehen, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt! Man könnte meinen, das Papier sei eine bewusste Irreführung, aber ich bin ziemlich sicher, dass es einfach ein Produkt von Ignoranz gepaart mit dem ewig stupide und gebetsmühlenhaft wiederholten Mantra “Frauen sind benachteiligt – Frauen müssen vom Staat gefördert werden – Frauen sind benachteiligt – Frauen ….” ist.

Denn auch, wenn es mir fernliegt zu behaupten, die Mehrheit der Kollegen Sozialwissenschaftler an deutschen Universitäten würde die konzeptionellen Unterschiede zwischen Gleichheit und Gerechtigkeit, Nachteilen und Benachteiligung etc. auch nur ansatzweise verstehen (oder sich, obwohl es ihr Job ist, auch nur dafür interessieren), sollte man nämlich in Rechnung stellen, dass der so genannte Wissenschaftsrat alles andere als ein Rat von Wissenschaftlern ist und noch weniger ein Rat von Leuten, die irgendein klares Konzept von Wissenschaft haben. Vielmehr ist die Bezeichnung “Wissenschaftsrat” so irreführend wie der Titel des Papiers, das angeblich von “Chancengleichheit” handelt; in ihm sind nämlich neben Leuten, die einen Job an der Uni haben, “Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens” zugange, also Leute, die aus keinerlei erfindlichem Grund etwas mit Wissenschaft zu tun haben könnten, aber einen Nebenerwerb gebraucht haben und sich anscheinend durch die Vorsilbe “Wissenschaft” im Rat mit einer Aura der Fachkompetenz umgeben zu können glauben.

Vielleicht erklärt das, warum diese Leute Konzepte nicht verstehen und sich um Kopf und Kragen reden, und das Ganze hat unbestreitbar einen gewissen Unterhaltswert, aber dennoch ist nicht zu entschuldigen, was dieser “Rat” meint, von sich geben zu müssen – nicht nur wegen der sachlich falschen und polemischen Aussagen, sondern auch und vielleicht vor allem, weil er dazubeiträgt, Wissenschaft und vor allem Sozialwissenschaften zu einer noch größeren Lachplatte zu machen als sie ohnehin schon sind.

Habe ich als Sozialwissenschaftlerin denn kein Recht auf Chancengleichheit, nämlich die gleiche Chance wie andere Leute in Professionen, noch Ernst genommen werden zu können??????