The ugly face of Germans

Ab und zu sind wir mit einer Art von Deutschen konfrontiert, die wir eigentlich längst vergessen hatten, eine Art kleiner Möchte-Gern-Hergott, der es sich angewöhnt hat, sich uneingeladen zu Wort zu melden, nicht um etwas beizutragen, nein, nur um zu (ver)urteilen, ohne Begründung für sein Urteil versteht sich, und der dann, wenn er mit Widerstand konfrontiert ist, Majestätsbeleidigung empfindet und entsprechend reagiert.

Assistiert werden derart psychologisch Beschädigte gewöhnlich durch Bauern, Männer fürs Grobe, die in vergleichbar inhaltsleerer und prätentiöser Art versuchen, Meinung zu machen und vor allem, Kritik zu unterbinden. Vermutlich haben sie in einem der vielen schlechten Managementratgeber gelesen, dass man andere damit plattreden kann, dass man immer die selbe hochtrabende und inhaltsleere Floskel herbetet. Nun, sie haben die Rechnung ohne uns gemacht – bei uns klappt das nicht.

Logik fuer DummiesObwohl: Wir müssen gestehen, wir wissen nicht, wie man mit Personen umgehen soll, die keinerlei Interesse an argumentativem Austausch haben. Ein konstruktiver Umgang, eine Kooperation, ein normaler Austausch von Argumenten ist mit ihnen nicht möglich, denn sie haben keine Argumente, kein Interesse an einem konstruktiven Umgang und schon gar nicht an Kooperation. Sie können einzig Behauptungen aufstellen und Bewertungen über das, was andere getan haben, abgeben, von denen sie in der Regel nicht wissen, warum sie sie gerade abgegeben. Das erfüllt für sie offensichtlich eine Surrogatfunktion, denn die eigene Untätigkeit erscheint dann, wenn sie versuchen, sich als überlegene Denker zu inszenieren, zumindest ihnen erträglich. Werden Sie jedoch aufgefordert, eine Begründung für ihre Behauptungen und Bewertung abzugeben, dann ist das einzige, was sie können, eine weitere Bewertung, eine weitere Behauptung, dieses Mal in Form einer Beschimpfung, anzufügen. Was man mit solchen Personen, die offensichtlich zu einer rationalen Auseinandersetzung weder Willens noch in der Lage sind, tun soll, wir haben keine Ahnung und schwanken zwischen Ignorieren und Verprügeln. Aber eines wissen wir: Von uns erhalten sie keinen fussbreit Kompromiss.

Das war die Theorie. Nun zur Praxis, die uns gestern mit einigen Exemplaren der beschriebenen Gattung konfrontiert hat. Ausgangspunkt ist unser Beitrag über die Europäischen Toleranzwächter und unser Link auf die Petition gegen diese Toleranzwächter, die derzeit auch Change.org läuft.

Die Soap-Opera beginnt damit, dass ein Herr Wahl meint, das “European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance”, also der Vorschlag der Europäischen Toleranzwächter, wie man Toleranz am besten abschaffen kann, sei ja eigentlich gar nicht so schlimm.

Dies hat Heike Diefenbach zum Anlass genommen, ihn zu fragen, ob er möglicherweise einen anderen Text gelesen hat, ihn um eine entsprechende Erklärungen zu bitten und ihn darauf hinzuweisen, dass es auch unter Juden welche gab, die die Rassegesetze nicht besonders schlimm fanden.

Und wer nun denkt, Herr Wahl würde seine Meinung überdenken, oder gar angeben, warum er das angeblich Gelesene nicht schlimm findet, der sieht sich getäuscht, denn wir haben es wohl mit einem gekränkten selbsternannten Herrgöttlein zu tun, dessen Seelchen auf Nachfragen ganz empfindlich reagiert.

Wolf Wahl (friends with Klaus Dantrimont) also commented on Klaus Dantrimont’s link.
Wolf wrote: “Auf diesem Niveau kann ich Ihnen nur Nachhilfe in Englisch anbieten.”

Wenn es etwas gibt, das wir nicht ausstehen können, dann prätentiöses und aufgeblasenes Auftreten, das Luftballon-Syndrom, wie wir es nennen: Pralle Backen und viel Luft.

SciencefilesHeike wrote: “Wolf Wahl, es tut mir sehr leid, dass selbst dieses Niveau für Sie noch zu hoch ist! Sind Sie ein Spaßvogel, oder haben Sie irgendwelche größeren psychologischen Probleme? Falls Letzteres der Fall sein sollte, verschonen Sie doch bitte mich und die Halböffentlichkeit, die Ihre Einlassungen hier lesen kann, damit!”

Michael wrote: “@Wahl Ich bin immer wieder über die Boshaftigkeit von Deutschen erstaunt. Und aus Ihrem Angebot kann ich nur schließen, dass Sie des Englischen weder in Wort noch Schrift mächtig sind, was angesichts der großen Töne, die Sie hier sprechen, doch erstaunlich ist. Eine Kommunikation mit Ihnen ist entsprechend erst möglich, wenn Sie einen Volkshochschulkurs “English for Beginners” hinter sich gebracht haben, damit Sie die Nuancen und Bedeutungen erkennen, die man als Englisch-Sprecher eben kennt, z.B. wenn man wie Dr. habil. Heike Diefenbach im UK lebt, und zwar schon seit fast einer Dekade. Aber vermutlich wird das an Ihrer Überzeugung, Recht zu haben, keine Abstriche machen. – wozu auch, schließlich haben selbst im Warshauer Ghetto noch Juden mit den Nazis kooperiert, in der Hoffnung, es würde Ihnen schon nicht an den Kragen gehen. Ich empfehlen Ihnen daher, die Lektüre dieses Beitrags. Übrigens ist es ein unterirdischer Stil, wenn man wie Sie mit den billigsten aller Managertricks versucht, seine eigene Unkenntnis durch großkotziges Auftreten wett zu machen. Falls Ihnen das zu harsch erscheint, Sie können jederzeit ein Argument vortragen, das ihre Ansicht, sofern Sie eine solche haben, stützt.”

Das wiederum hat einen ersten Verteidigungsversuch zur Folge, der mit einem Verweis auf eine Sachebene erfolgt. Wohlgemerkt, der Verweis auf die Sachebene ersetzt die Sachebene, ganz so, wie manche denken, wenn sie über Fussball schwadronieren, dann seien sie mindestens so gut wie der Bundestrainer, selbst mit Bierbauch:

Klaus wrote: “Uiuiui :-(
Die Sachebene fände ich zielführender.
Ich bin auf das Papier seinerzeit durch Telepolis aufmerksam geworden.
Die Aufnahme des Feminismus in die Liste der zu schützenden Gedankengebäude hat mich damals stutzig gemacht.”

Aber gut: Wer Sachebene will, kann Sachebene haben:

Heike wrote: “@Klaus Detrimont, was die Sachebene betrifft, so wird vielleicht unser Beitrag auf ScienceFiles zum Thema vom Januar 2014 hilfreich sein; er ist auf Deutsch verfasst, enthält allerdings eine Reihe der englischsprachigen Originalzitate. Für manche scheint das ein echtes Verständnishindernis zu sein, das wir vielleicht regelmäßig unterschätzen, aber ich vermute, für Sie nicht. Der Beitrag ist auf ScienceFiles nachzulesen.”

Wie üblich, wenn man die Sachebene in die Diskussion mit selbsternannten Herrgöttern und ihrem Gefolge einführt, wird die von diesen geforderte Sachebene gar nicht positiv aufgenommen. An die Stelle einer Auseinandersetzung mit der Sachebene, die natürlich Lesen, Leseverständnis und intellektuelle Anschlussfähigkeit erfordert, tritt, na was? Richtig: Die Bewertung, die suggerieren soll, man sei so intelligent, überlegen und verständig, dass man in einem Schwung, alle vorgebrachten Argumente vom Tisch wischen und mit der eigenen Bewertung ersetzen kann, immer in der Hoffnung, dass niemand nach der Begründung der Bewertung fragt, am Ende “die Sachebene” wieder ins Spiel bringt:

Nero-CircusKlaus wrote: “Nein, leider nicht hilfreich.
Tut mir leid, aber ich verstehe unter Sacheben etwas anderes als Wertungen und ad hominems gegen die Autoren des Papiers.
Genauso wie hier.
Ich halte das außerdem für überflüssig.
Den Inhalt des Papiers, Meinungsäußerungen, Wertungen, sich lustig machen über Gedankengebäude, als Verbrechen klassifizieren zu wollen, finde ich auch so schon gruselig genug.”

Und – nicht zu vergessen – der Ober-Guru, der es nicht nötig hat, auch nur ein Argument vorzutragen, denn seine Herrlichkeit spricht für sich selbst, wie er denkt, da er sich quasi von einem Heiligenschein der Denkverhinderung umgeben sieht. Denken und Argumentieren hat man in seinen intellektuellen Kreisen nicht notwendig, man weiß und beurteilt und wertet ab, es ist das einzige was man kann:

Wolf wrote: “Danke für den Link Frau D.. Ich muss mich tatsächlich entschuldigen. Ich hätte, statt der Hilfe in Englisch, Hilfe in Deutsch anbieten sollen. Sollten Sie noch einen Anflug von Sachlichkeit verspüren, wecken Sie mich.”

Wie gesagt, derartiges Verhalten macht uns ärgerlich:

Heike wrote: “@Klaus Dantrimont, zur Klarstellung: unser Artikel enthält einen beschreibenden Bericht über den EU-framework und unsere Argumente gegen das, was im Bericht als Planung beschrieben ist. Was sind Ihre Argumente gegen diese Argumente? Überheblicher Blödsinn, der suggerieren soll, man wüsste, was ein logischer Fehler ist, ersetzt keine Argumente. Dessen ungeachtet halten wir fest: Sie haben mir die facebook.Freundschaft angeboten (wobei ich nicht weiß, warum,), und ich habe sie akzeptiert. Sie haben als ein facebook-Freund von mir eine Information erhalten, mit der Sie offensichtlich etwas anfangen konnte, woraufhin ein facebook-Freund von Ihnen völlig grundlos und auf grob unhöfliche Art angefangen hat, herumzupöbeln. DAS sind die Fakten, die ja wohl auch Sie schwerlich werden abstreiten können. Und statt sich für solche Freunde zu schämen, schreiben Sie sich jetzt hier auch noch um Kopf und Kragen. Nein, tut mir leid, ich lege Wert darauf, dass (selbst) unter meinen facebook-Freunden nur Leute sind, die einigermaßen höflichen Austausch pflegen können und einen Anflug von Urteilsvermögen haben. Wenn Sie das Verhalten Ihres seltsamen Freundes Wolf auch nur annähernd normal finden, dann haben Sie offentsichtlich kein Urteilsvermögen, Schade!”

Michael wrote: “@Wahl Vielleicht, sollten Sie zunächst einmal darlegen,
was Sie überhaupt qualifiziert. Sie scheinen mir einer dieser aufgeblasenen Fuzzis zu sein, der selbst nichts zu Stande bringt und bei dem, was andere tun, generell meint, er könne sich mit BEWERTUNGEN hervortun, ohne auch nur eine Spur von Argument oder Begründung vorzubringen. Personen wie Sie habe ich gefressen, und es sind Personen wie Sie, die mich denken lassen, dass Meinungswächter doch einen Punkt haben, wenn Sie ihre Bevölkerung für ausgemachte Trottel halten, denen man vorgeben kann, was man will, ohne dass sich der ehrerbietende Nicker auch nur eine Sekunde überlegt, wozu er gerade wieder nickt. Oder um es noch deutlicher zu formulieren: Leute wie Sie kotzen mich an. Und Klaus Dantrimont, ich hätte gerne EINEN Beleg für ein ad hominem im von Heike Diefenbach verlinkten Text, und damit wir beide über das gleiche sprechen: ad hominem liegt dann vor, wenn eine Abwertung einer Aussage, die Person X gemacht hat, erfolgt, WEIL Person X die Aussage gemacht hat.”

bottomless pitUnd jetzt, da wir an dem Punkt angekommen sind, an dem den Behauptungen der Herren Wahl und Dantrimont Begründungen folgen müssten, nun verstummt die Timeline auf immer. Wie es halt so ist, wenn versucht wird, der Peinlichkeit, dass man etwas begründen soll, was man nicht begründen kann, auf billigste Weise zu entgehen.

Solange dies der deutsche Umgangston und die angebliche Diskussionskultur in Deutschland ist, muss man kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass sich deutsche Geschichte natürlich und jederzeit wiederholen kann. Wer sollte sich dem Faschismus in den Weg stellen: Diejenigen, die heiße Luft verbreiten und sich davonmachen, wenn ihnen ein Windchen ins Gesicht bläst?

Noch ein kleines Schmankerl zum Schluss: Einer der Aufgeregten, der hier versucht hat, mit uns zu argumentieren, hat eine Petition unterschrieben, auf die wir verlinkt haben, obwohl er die entsprechende Petition offensichtlich für falsch hält, wie man dem, was er von sich gegeben hat, entnehmen muss. Ob die Tatsache, dass die Petition in englischer Sprache abgefasst ist, Ursache des Irrtums war, who knows…

Gegen die Europäischen Toleranzwächter

Wir haben bereits über das European Council on Tolerance and Reconsiliation berichtet. Dem Council gehören Yoram Dinstein, Ugo Genesio, Rein Müllerson, Daniel Thürer und Rüdiger Wolfrum an.

ECTRDas European Council on Tolerance and Reconsiliation ist ein schönes Beispiel dafür, wie heutzutage Organisationen, die aus selbsternannten Gutmenschen bestehen und die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, als Lobbyisten für ein Thema auftreten, das ihnen besonders am Herzen liegt und ihr Pet-Project für andere zum verbindlichen Umgangston zu machen versuchen. (Was wir unter Gutmenschen verstehen, haben wir hier definiert.)

Das European Council on Tolerance and Reconsiliation beschreibt sich selbst als eine “international NGO, established in October 2008 by Aleksander Kwasniewski, former President of Poland and Moshe Kantor, President of the European Jewish Congress. … The European Council on Tolerance and Reconciliation is a non-partisan and non-governmental institution. It is envisaged to be an opinion-making and advisory body on international tolerance promotion, reconciliation and education. It fosters understanding and tolerance among peoples of various ethnic origin; educates on techniques of reconciliation; facilitates post-conflict social apprehensions; monitors chauvinistic behaviors, proposes protolerance initiatives and legal solutions.”

Es ist das Schicksal von Themen, die in den Bereich von Ethik, Philosophie oder Sozialwissenschaften gehören, dass selbsternannte Experten glauben, sie könnten als “opinion-maker” auftreten und anderen erklären, wie man als guter Mensch zu leben hat, wie z.B. Toleranz geht, was Toleranz ist und wem gegenüber man tolerant zu seint hat. Es ist das Los von Menschen, die in Logik und Statistik geschult sind, sich derartige Widersprüche ansehen zu müssen und zu wissen, die Widersprüche ergeben sich aus der Normalverteilung von Intelligenz gepaart mit der negativen Selektion von Politikern und ergänzt um das Faktum, dass es, um die eigenen Beschränkungen zu erkennen, einer Kompetenz bedarf, die, wäre sie vorhanden, die Widersprüche, wie die, in die sich die Möchtegern-Wächter europäischer Toleranz verstricken, gar nicht erst hätte entstehen lassen

Dabei ist nicht nur keine demokratische Legitimation bei dieser Art von Gutmenschen-Lobbyismus vorhanden, es ist auch vollkommen unklar, welche Qualifikation z.B. die oben genannten Personen dazu legitimieren und ausweisen soll, anderen vorzuschreiben, was sie wie wann und wo zu tun oder zu lassen haben. Dessen ungeachtet ist das European Council on Tolerance and Reconcilliation derzeit als Toleranz-Lobbyist unterwegs und versucht, das “European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance” für die Europäische Union verbindlich zu machen.

Wie gesagt, wir haben bereits ausführlich über dieses absurde Machwerk geschrieben. Wir wollen uns daher auf einige Highlights im Text und auf eine komprimierte Form der Darstellung der logischen Fehler in diesem “Toleranz-Statut”, dem gegenüber man, wie wir glauben, keinerlei Toleranz zeigen darf, beschränken.

Die logischen Fehler in Kürze:

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Im Statut wird zunächst definiert, was als eine Gruppe anzusehen ist, nämlich alle Menschen, die ein gemeinsames Merkmal teilen (characteristic of similar nature). Besipiele entsprechender Merkmale sind Rasse, kulturelle Wurzeln, ethnische Abstammung, religiöse Anbindung und – man hat es schon vermisst: sexuelle Orientierung.

Es kann festgestellt werden: welche Menschenmenge als Gruppe gilt, ist einerseits eine Frage der Willkür, andererseits eine Frage des gelebten Rassismus, denn wenn Gutmenschen wie die vom European Council on Tolerance and Reconciliation (ECTR) darauf beharren, dass Schwarze eine eigene Rasse formen und dass das Merkmal der Hautfarbe wichtiger ist als z.B. die jeweilige individuelle Intelligenz, die – benutzte man sie als Grundlage der Gruppeneinteilung – notwendiger Weise schwarz-weiß-gelbe Gruppen von Klugen und Dummen etablieren würde, setzen sie den Rassismus voraus, den sie angeblich bekämpfen wollen. Und sie zeigen sich als Muster-Rassisten, denn sie sind diejenigen, die die Gruppenzugehörigkeit nach Hautfarbe gerade festgeschrieben haben.

Ganz nebenbei erlaubt die Formulierung im Statut eine willkürliche Bestimmung der schützenswerten Gruppen – was die Frage aufwirft, wer die entsprechenden Gruppen bestimmen soll und mit welcher Legitimation und mit welcher Begründung, d.h. wer die schützenswerten und der Toleranz werten Gruppen bestimmen und konstruieren darf. Welche Begründung spricht zum Beispiel dafür die Gruppe der Transsexuellen als Gegenstand besonderer Toleranzbemühungen auszumachen, nicht aber die Gruppe der Golfspieler oder Banker oder Bild-Zeitungsleser?

Es geht weiter im Versuch, die Logik abzuschaffen, in dem Stereotypisierungen als “Group libel” (Gruppen-Verunglimpfung), also derogative Kommentare, Kommentare oder Bezeichnungen, die Gruppen lächerlich machen oder mit falschen Anschuldigungen belegen, unter Strafe gestellt werden sollen: Als Beispiel geben die Toleranzwächter Behauptungen an wie: “Zigeuner sind Diebe” oder “Muslime sind Terroristen”. Ergänzen ließe sich: Deutsche verstehen keinen Spass, Iren sind ein chaotischer Haufen und US-Amerikaner spielen sich als Weltpolizisten auf.

Oder wären die zuletzt genannten Aussagen etwa keine “Group-libel” (Gruppen-Verunglimpfung), wie die Toleranzwächter das nennen? Wenn nein, warum nicht? Wenn doch, dann folgt daraus, dass die Toleranzwächter jede Form der Stereotypisierung unter Strafe stellen wollen. In jedem Fall folgt, dass die Toleranzwächter nur bestimmte, von ihnen zu bestimmende Stereotypisierungen unter Strafe stellen wollen.

Nuts in BedlamLiest man das Statut in Gänze, dann wird Letzteres ganz deutlich. Die Toleranzwächter wollen anderen vorschreiben, über welche Gruppen sie Witze machen dürfen und über welche Gruppen nicht, denn Intoleranz gibt es nach ihrer Ansicht nur im Hiblick auf: Rasse, Hautfarbe, Ethnie, Religion, es gibt sie als totalitäre Ideologie, als Fremdenfeindlichkeit, als anti-Semitismus, als anti-Feminismus und als Homphobie.

Abermals findet sich ein logischer Widerspruch, der zum Himmel schreit, denn Toleranz wird von den Toleranzwächtern für ihre Zwecke nicht formal, sondern inhaltlich gefüllt, und es werden Vorgaben gemacht, welche Form der Intoleranz zu bekämpfen ist, wobei die genannten Formen vermeintlicher Intoleranz sich allesamt dadurch auszeichnen, dass niemand weiß, was damit eigentlich gemeint ist, so dass es eines Schriftgelehrten bedarf, der die Heilige Schrift der Toleranzwächter auslegt und im Einzelfall entscheidet, ob eine Aussage intolerant ist oder nicht.

Der Willkür nächster Schritt.

Und um die Idiotie auf die Spitze zu treiben, konzipieren die Toleranzwächter ihre wahre Lehre der richtigen Toleranz als totalitäre Ideologie, die durch Medien, an Schulen, an Universitäten und in öffentlichen Institutionen vertrieben werden muss. Abweichung vom Lehrplan wird nicht toleriert. Personen, die sich der Intoleranz im von den selbsternannten Toleranzwächtern bestimmten Sinne schuldig machen, werden nicht nur als Straftäter bestraft, sondern können durch die Opfer (bei denen es sich um Gruppen handelt!) zu Schadensersatz gezwungen werden. Und Jugendliche, die sich gegen die korrekte Form der Toleranz vergehen, werden in Umerziehungsprogramme gesteckt, um auf diese Weise die “Kultur der Toleranz” zu erlernen.

Diese Kultur der Toleranz ist so tolerant, dass sie unerbittlich gegen alle vorgeht, die die Setzung dessen, was korrekte und richtige Toleranz ist, nicht teilen und sich davon abzuweichen trauen, denn: “tolerance does not mean that a group can segregate itself from society as a whole, repudiating the need to interface with other groups. … tolerance does not denote acceptance of such practices as female circumcision, forced marriage, polygamy or any form of exploitation or domination of women” (Insofern es sich bei female circumcision oder polygamy um kulturelle Praktiken handelt, die in  nicht-westlichen Kulturen vorhanden sind, verstoßen die Toleranz-Wächter gegen Section 2d , Section 3b(i) und Section 4b ihres eigenen Statuts, weshalb man sie, sofern ihr Statut je in der EU in Kraft tritt, sofort auf Schadensersatz verklagen sollte.)

narrow minded peopleDas Statut zeigt sich hier ganz offen als das, was es sein soll, nämlich als ein Gängelungsinstrument, das von Engstirnigkeit nur so strotzt und in das die Gutmenschen, die es geschrieben haben, das gepackt haben, was ihnen gerade nicht gefällt. Toleranz ist jedoch ein Wert, der nicht inhaltlich bestimmt werden kann, sondern nur formal. Man kann Toleranz nicht auf die Punkte einschränken, die einem gerade in den Kram passen und alles, was einem nicht in den Kram passt als intolerant abwerten, denn auf diese Weise gerät man unwillkürlich in eine Auseinandersetzung darüber, was der Toleranz wert ist und was nicht. Dass die Statuten-Macher des ECTR dies nicht sehen, sagt viel über ihre Motivation und ihren geistigen Horizont.

Vor Jahrzehnten hat Heike Diefenbach schon formuliert: “Toleranz ist, wenn es einem egal ist”. Und genau das ist die grundlegende Charakteristik von Toleranz: Man interessiert sich nicht dafür, wie andere ihr Leben leben, was sie sagen und was sie tun, so lange sie keine Externalitäten für Dritte produzieren, wie sie z.B. das Gutmenschen-Council der Toleranzwächter für all diejenigen produziert, die weiterhin auf das Recht freier Meinungsäußerung bestehen und es nicht zur von Toleranzwächtern genehmigten Form eingeschränkter Meinungsäußerung verkommen lassen wollen.

Pluralismus und Demokratie leben von freier Meinungsäußerung und davon, dass jeder seine Meinung sagen kann, egal, wie abstrus sie ist. Eine Demokratie, die sich dadurch schützen zu müssen glaubt, dass sie bestimmte Formen der Meinungsäußerung ausschließt, hat damit den Schritt in den Totalitarismus gemacht: Die Bestimmung der auszuschließenden Formen wird zu  Widerstand und in jedem Fall zu Streit führen, schon weil es z.B. Leute gibt, die selbsternannten Gutmenschen wie den Pseudo-Toleranzwächtern vom ECTR am liebsten den Mund verbieten würden. Es führt eben kein Weg daran vorbei, dass man sich in Demokratien auch den Unsinn anhören muss, den Bewegte, die keine Argumente, aber viel Überzeung haben, von sich geben – schon weil Parlamentsdebatten im Fernsehen übertragen werden.

Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun, dass selbsternannte Lobbyisten denken, sie könnten den Europäern vorschreiben, welche Form von Toleranz sie zu pflegen und welche Art von Meinung sie zu äußern haben. (Diese Art der Bevormundung widerspricht übrigens den vom Council der Gutmenschen in ihrem Statut niedergelegten Kriterien, weshalb sie sich selbst ad-absurdum führen – der finale Widerspruch, wenn man so will).

Arendt_totalitarismusWir sind auf eine wichtige Petition aufmerksam geworden, die es seit einigen Monaten auch Change.org gibt. Die Petition trägt den Titel: Protect freedom of speech in the EU # FreeSpeechEU und ist an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gerichtet, die über den Lobby-Toleranz-Unsinn, den das Gutmenschen Council aus selbsternannten Toleranz-Wächtern verbrochen hat, abstimmen sollen. (Es schon interessant, wie leicht es manchen Interessen-Lobbyisten fällt, zum Gegenstand parlamentarischer Erörterungen zu werden, während manche anderen, die dummerweise nur steuerzahlender Bürger und nicht Brownie-Punkte vergebende Lobbygruppe sind, keinerlei Gehör finden, obwohl sie angeblich der Souverän sind…).

Wir legen allen unseren Lesern dringend nahe diese Petition, die in englischer Sprache verfasst ist, aber im Wesentlichen die Punkte macht, die wir auch machen, zu unterstützen.

Es geht darum, den Möchtegern-Kontrolleuren das Handwerk zu legen, bevor sie Europa zu einer Festung gemacht haben, nicht gegen die, die von außen kommen, sondern gegen die, die hinter den Gittern der Festung sitzen.

Für alle, die es in sozialwissenschaftlicher Sprache hören wollen: Wir sehen hier die Banalität des Alltäglichen am Werk, die Banalität des Alltäglichen, die Hannah Arendt beschrieben hat, als Grundlage von Totalitarismus, Drittem Reich und Vernichtung all derer, denen gegenüber man nicht toleranz war, weil sie die falschen Meinung vertreten haben.

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Günter Buchholz, der uns das ECTR-Machwerk wieder in Erinnerung gerufen hat.

Mit vielen Frauen kommt die Unprofessionalität (und der Niedergang)

Als Wissenschaftler, die einer Reihe von methodologischen und theoretischen Ansätzen verpflichtet sind, reiben wir uns immer öfter verwundert die Augen, wenn wir gewungen sind, Tagespolitik zur Kenntnis zu nehmen. Es scheint, wenn es um Tagespolitik geht, dann ist alles, was Sozialwissenschaftler über Jahrzehnte an Wissen zusammengetragen haben, verloren, dann herrscht die blanke Imagination und wie ich-es-gerne-hätte-Vorstellung. Dann herrscht inkompentente Ahnungslosigkeit, die gepaart mit dem Bemühen, seiner Ideologie zu dienen, regelmäßig in die Katastrophe mündet.

Drei Beispiele:

BartholomewMenschen sind rationale Wesen, die versuchen, mit ihren Handlungen und für sich den optimalen Nutzen zu erreichen. Hat man diese Annahme, dann ist es nicht weiter schwierig, zu der Erkenntnis zu kommen, dass dann, wenn einem Menschen zwei Wege zu einem von ihm präferierten Ziel angeboten werden, ein einfacher, bei dem er sich nur zurücklehnen muss und ein steiniger, bei dem er etwas tun muss, er den ersten Weg wählen wird. Das ist in kurz der Grund dafür, warum ein Wohlfahrtsstaat nicht funktionieren kann, warum ein Wohlfahrtsstaat in jeder Hinsicht ein Race-to-the-Bottom ist (Sehr schön beschrieben hat dies James Bartholemew).

Wenn Menschen miteinander interagieren, kooperieren wollen, etwas miteinander tauschen wollen, dann ist Vertrauen eine notwendige Voraussetzung, denn Interaktionen, weisen immer auf die Zukunft und somit auf das Unbekannte, und sie haben immer eine Vorleistung von einem der Interaktionspartner zum Gegenstand. So hat ein Austausch, bei dem z.B. die Stimme gegen Repräsentation getauscht wird, Vertrauen zur Voraussetzung: Derjenige, der seine Stimme gibt, damit ein Politiker ihn repräsentiert, erwartet, dass er auch vertreten wird, dass der Politiker keine Neben-Repräsentationen hat, die der eigenen Repräsentation entgegen stehen und vor allem, dass Politiker keine eigennützigen Akteure sind, die ihren Vorteil über den Vorteil der von ihnen Repräsentierten stellen, die sich, um mit Oliver Williamson zu sprechen, nicht opportunistisch verhalten. Damit sich Menschen nicht opportunistisch verhalten, muss sichergestellt sein, dass opportunistisches Verhalten nicht nur entdeckt, sondern auch betraft wird. Dies ist in aller Kürze die Erklärung dafür, warum eine repräsentative Demokratie nicht funktionieren kann, denn es ist Wählern kaum möglich auszuschließen, dass der gewählte Politiker von Gewerkschaften oder Unternehmen bezahlt wird oder seine Arbeitszeit damit zubringt, Kinderpornographie zu sammeln.

economics of lifeSchließlich ist es eine der offensichtlichsten und zugleich am meisten in Vergessenheit geratenen Weisheit, die im Alltagsverstand beheimatet ist, dass Kenntnisse, Erfahrung und Leistung sich linear zu einander verhalten. Je mehr Kenntnisse und Erfahrung jemand einsetzen kann, desto besser seine Leistung. Dies – in wissenschaftlich – hat Gary S. Becker in seine Humankapitaltheorie gegossen, die man auf die Basis herunterbrechen kann, dass je mehr formale Bildung jemand erwirbt und je mehr Zeit er für “training-on-the-job” aufwendet, desto höher sein Humankapital ist, desto mehr Wissen und Erfahrung hat er um die Anwendung bestimmter Instrumente in unterschiedlichen Situationen und desto eher findet er eine Lösung für ein Problem, das sich ihm stellt. Das ist in aller Kürze die Erklärung dafür, dass eine Gesellschaft, die auf Teilzeitarbeitnehmer setzt, die die Vollzeitarbeit immer mehr entwertet, eher früher als später einen wirtschaftlichen Niedergang erlebt, der u.a. Infrastruktur, Ausrüstung, Wissen und Arbeitsmoral erfasst.

Und damit sind wir beim Staatsfeminismus angekommen, jener absurden Ideologie, die meint, man könne Menschen zu ideologisch gewünschten Handlungen manipulieren, in dem man entsprechende Anreize setzt, ohne dafür die Kosten verringerter Anstrengung zu zahlen, jene Ideologie, die denkt, man könne Frauen über eine Bevorteilung in Positionen befördern. für die sie nicht qualifiziert sind und hätte diese Diskriminierung der qualifizierten Bewerber nicht damit zu zahlen, dass Letztere und Erstere sich opportunistisch verhalten, Letztere durch Dienst nach Vorschrift, weil sich Leistung für sie nicht lohnt, erstere durch weitgehende Dienstverweigerung, weil sie zur notwendigen Leistung nicht fähig sind. Und schließlich haben wir mit dem Staatsfeminismus eine irrsinnige Ideologie, deren Vertreter denken, man könne in der Hälfte der Zeit dieselbe Menge von Kenntnisse erwerben wie ein anderer, der doppelt so viel Zeit für seine Bildung aufwendet. Wer auch dieser Ansicht ist, der mag einen Jungen, der seit seinem vierten Lebensjahr Gitarre spielt, mit jemandem vergleichen, die immer mal wieder klampft.

Und damit sind wir bei Ursula von der Leyen, die derzeit den Bundesverteidigungsminister gibt.

Der Bundesverteidigungsminister ist derjenige, der u.a. dafür verantwortlich ist, dass die Bundeswehr ihrem Verteidigungsauftrag gerecht wird.

Die Bundeswehr, das ist jene Ansammlung von Soldaten und Material, die in Funktionsweise und Instandhaltung weitgehend dem Zustand deutscher Autobahnen und Brücken entspricht: Die Ausrüstung ist mangelhaft, die meisten Kampfjets sind nicht flugtauglich, das Standardgewehr schießt um die Ecke und das sind nur die Highlights aus einer Armee, die dem entspricht, was man aus sozialistischen Ländern gewohnt ist: Fassaden hinter die man besser nicht blickt.

crash jetAber: Ursula von der Leyen weiß, wo der Schuh drückt. Sie weiß, was notwendig ist, um die Bundeswehr zu einer modernen Armee zu machen. Sie hat in ihrer Halttagstätigkeit als Mutter und Parteiideologe als Abgeordneter und Minister so viele Dinge aufgeschnappt, dass sie zmindest glaubt, sie sei kompetent und könne alle Probleme der Bundeswehr-Welt lösen, quasi nebenbei, halbtags  und im Einklang mit den Vorgaben des Staatsfeminismus, jenes Gottes, dem sie huldigt:

 

Wir zitieren im Original aus einer Pressemeldung vom 30. Mai 2014:

Ursula von der Leyen: „Bundeswehr wechselt auf die Überholspur“

Berlin, 30.05.2014.
Die Bundesministerin der Verteidigung stellt Attraktivitätsoffensive vor – 29 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio Euro in fünf Jahren.

Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen startet ihre Agenda mit konkreten Plänen zur im Januar angekündigten Initiative, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Die umfangreiche Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders “, die in Teilen bereits im Koalitionsvertrag angelegt war, soll für die Beschäftigten der Bundeswehr zügig spürbare Verbesserungen erreichen. Das Paket enthält 29 Maßnahmen, die nicht per Gesetz geregelt werden müssen und von denen die meisten bereits Ende 2015 umgesetzt sein sollen. Im kommenden Herbst soll zusätzlich ein Gesetz zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr (Artikelgesetz) folgen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: „Die Bundeswehr hat viel zu bieten und wir wollen die Besten, die auch anderswo auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben. Die Freiwilligenarmee Bundeswehr soll jedem Vergleich mit der Wirtschaft standhalten. Das gilt in puncto Karrierechancen für junge Männer wie Frauen, Weiterbildung, moderne Arbeitsumgebung und selbstverständlich eine zeitgemäße Vereinbarkeit des Dienstes mit dem Familienleben. Wir haben uns mit der Agenda Bundeswehr in Führung für die nächsten Jahre ehrgeizige Ziele gesetzt. Ab morgen beginnt die Kärrnerarbeit der Umsetzung.“

Die Agenda umfasst u.a.:

Ausweiten flexibler Kinderbetreuung: mehr Belegrechte, mehr Tagespflegeangebote, wo nötig: eigene Kitas, (Aktuell: 275 Belegrechte an 13 Standorten, Großtagespflege an 11 Standorten, 2 Betriebskitas (+ 2 im Bau, 1 in Planung), 350 Eltern-Kind-Zimmer; Ziel: 30 weitere Eltern-Kind-Zimmer in 2014, weitere 45 Belegrechte in 2014, bis 2019 Möglichkeit für 110 neue Großtagespflegeprojekte)
Zentrale Ansprechstellen für alle Probleme rund um Familie und Dienst an jedem Standort (Ziel: bis Ende 2015)

Langzeitarbeitskonten für alle Beschäftigte, Ansparen bei Belastungsspitzen, mehr flexible Zeit für Familie, Weiterbildung, Freizeit, Start: Mitte 2015.

Neue Regeln für Soldatinnen und Soldaten ermöglichen einen deutlich längeren Verbleib auf einem Dienstposten oder an einem Standort (Vorteil für Familie, fachliche Spezialisierung, Reduktion der Belastung durch Pendeln, Ziel: Neue Konzepte ab 2015, Verlängerung der durchschnittlichen Stehzeit von 2-3 auf 4-6 Jahre)

Entwicklung eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements für die gesamte Bundeswehr (z.B. Gesundheitschecks, Sportangebote, Stress- und Suchtprävention; Ziel: ab 2016 für alle Beschäftigten)

Schrittweise Erneuerung der teils in die Jahre gekommenen dienstlichen Unterkünfte und Ersatz des alten Mobiliars
Hochwertigere, moderne Ausstattung (z.B. TV, Kühlschrank, etc; Start: 2015)
Flächendeckend frei zugänglicher Internetzugang in den Unterkünften der Kasernen (Ziel: schrittweise Einführung, Start mit Lehreinrichtungen ab Mitte 2015)

vorderladerZwischenzeitlich hat sich die Überholspur, auf der von der Leyen sich wähnt, als Standstreifen entpuppt, der mit Tornado-II-Jets und sonstigem Gerät verstellt ist. Aber, weitblickend wie sie ist, hat von der Leyen den Krieg der Zukunft vorhergesehen, den Krieg, den Papa und Mama am Computer führen, im modernen Ambiente der familienfreundlichen Kaserne, die gleich neben McDonalds (Vepflegung) und Ikea (modernes Mobiliar) und Indesit (Kühlschrank) gebaut wurde.

Ob es sich bei dieser Vision nicht doch eher um ein Hirngespinst handelt, ist eine Frage, die sich angesichts derzeitiger militärischer Aktivitäten, die die USA, Frankreich und das Vereinigte Königreich entfalten, und zwar mit richtigen Kampfjets und -drohnen, nicht mit virtuellen, besonders dringlich stellt. Aber, mit Blick auf den  “Vorsprungs durch Technik”, den Deutschland bis heute zumindest in der Werbung reklamiert, könnte sich die Vision von der Leyens als absoluter Knüller erweisen, ebenso, wie der beabsichtigte Bau eines deutschen Flugzeugträgers, über den wir bereits in der Vergangenheit berichtet haben – ansonsten wären die 100 Millionen Euro für die von der Laien-Vision aus dem Fenster geworfen und besser in Material und Gerät investiert.

P.S.

Was passiert eigentlich, wenn durch die Benutzung der von Deutschland gelieferten Waffen, mehr Kurden sterben als durch das Einwirken des IS?

Hitliste der Sprachonanie: Was ist das am häufigsten missbrauchte Wort?

Jährlich versammelt sich eine Gruppe von Personen, die von sich denken, sie seien in irgend einer Weise dazu qualifiziert, das vermeintliche Unwort des Jahres zu bestimmen, um eben dieses zu tun.

Täglich wird man nicht nur in Medien mit salbungsvollen Worten beglückt, die dazu dienen, gewünschte Effekte, besser: Affekte beim Zuhörer, Adressaten auszulösen. Ziel in beiden Fällen ist die Manipulation dessen, an den die Worte gerichtet sind.

Während die Unwort-Bestimmer versuchen, ihre Bewertung von Worten anderen unterzuschieben, sind die Wortonanierer, die sich bestimmter Worte bedienen, um bestimmte, von ihnen gewünschte Wirkungen zu erzielen, davon beselt, Andere glauben zu machen, jemand kümmere sich um ihre Belange, weil sie von diesem Glauben persönlich profitieren können.

In beiden Fällen werden Worte missbraucht, ihrer ursprünglichen Bedeutung, sofern sie eine solche hatten, beraubt und eingesetzt, um die Adressaten der Worte krude und in vielen Fällen plumb zu manipulieren bzw. das zu versuchen.

Wir haben im Folgenden unsere Hitliste der 12 am meisten missbrauchten Worte der deutschen Sprache zusammengestellt. Wir begründen unsere Wahl und geben anschließend unseren Lesern die Wahl: Welches aus dieser Liste ist das am meisten in Sprachonanie missbrauchte Wort? (Wem die Liste nicht ausreicht, der kann sein in Onanie missbrauchtes Wort im Kommentarbereich zur Abstimmung vorschlagen, wir nehmen es dann in die Liste auf).

Kapitalismus

Williamson_MOhrKapitalismus bezeichnet eine Wirtschaftsform – sonst nichts. Im Kapitalismus konkurrieren Anbieter auf freien Märkten um Nachfrager. Aus dem harmlosen Begriff ist ein Feinbild geworden, das auf Neid aufbaut und mit dem manche versuchen, sich auf Kosten der Leichtgläubigen, die denken, ihre Position im Leben (vielleicht auch ihr Versagen im Leben) sei nicht Eigen- sondern Fremdschuld, einen Vorteil zu verschaffen. Kapitalismusonanierer spielen mit Neid und Versagen. Jeder, der ihnen auf den Leim geht, ist Profit für sie (cash-in, wie man im Englischen sagt).

Würde und Ehre

Wow, ist das rechts. Würde und Ehre hat man nur noch als Rechtsextremer oder als Türke, der Ehrenmord betreibt oder gut findet. Vielen ist Würde, also das sich selbst an eigene Prinzipien Binden und das entsprechende Handeln, nur noch als Teil des Konjunktiv II bekannt, wenn überhaupt. Gleiches gilt für die Ehre, also die Grenzziehung, die nach außen und gegenüber anderen erfolgt: Heutzutage legt man sich nicht fest, macht man sich nicht verlässlich, sagt anderen nicht, wo die Grenzen dessen verlaufen, was man sich zumuten lässt, was einem gegen die Ehre geht. Die resultierende Willkürlichkeit macht es möglich, Individuen Würde und Ehre (nicht nur als Konzept) zu entziehen und missliebigen Individuen als Abziehbild und in derogativer Absicht zu unterstellen.

Frauen

Einer der am meisten missbrauchten Begriffe ist sicherlich Frauen, ein Begriff, der in der Regel im Singular als “die Frau” vorkommt. Die Frau ist ein Gegenstand, dem eine Reihe von Dingen zugeschrieben werden können: Benachteiligung, Opferstatus, Hilflosigkeit, Unterdrückung, usw. Als Ergebnis zeigt sich die Frau als hilfoses, zu keiner eigenen Regung und schon gar nicht zu eigener Aktion fähiges Zerrbild auf eine physische Existenz, das immer dann hervorgeholt wird, wenn damit Fördergelder oder andere Formen der Vorteilsnahme erreicht werden sollen.

Diversität

Diversität meint Vielfalt, Pluralismus und ist entsprechend ein individualistisches Konzept. Der Missbrauch des Begriffs hat dazu geführt, dass Diversität zu Uniformität verkommen ist. Diversität meint ausschließlich Gruppen und ist auf einen festen Kanon von Kriterien beschränkt. Diversität ist nicht etwa die Diversität von Menschen, ihre unterschiedliche Lebensgeschichte, ihre unterschiedlichen Kenntnisse, ihr unterschiedliches Aussehen, ihre unterschiedlichen Interessen und Vorlieben. Das alles ist keine Diversität. Diversität im Sinne der heutigen Missbraucher des Wortes, ist reduziert auf Gruppen, die durch ihr Geschlecht, ihren Migrationsstatus und ihre sexuelle Orientierung bestimmt sind. Eine ärmlichere Variante von Diversität kann man sich kaum vorstellen.

Gleichhheit

Peoples_Dice_of_EqualityMit der armseligen Vorstellung von Diversität korrespondiert die ebenso armselige, wenn nicht gar primitive Vorstellung davon, was Gleichheit sein soll. Gleichheit, einst ein Recht für Individuen, das ihnen eine gleiche Behandlung vor dem Gesetz oder einen chancengleichen Zugang zu Ressourcen gewähren sollte, ist zu einem Konzept gruppenbasierter Vorteilsnahme verkommen, bei dem an die Stelle eigener Leistung die Forderung nach Teilhabe an der Leistung anderer getreten ist. Für nutznießende Existenzen ist die Forderung nach Gleichheit, gemeint ist damit Ergebnisgleichheit, somit zum Surrogat für eigene Leistung geworden, zur Forderung nach Zugang zu von anderen erwirtschafteten Ressourcen.

Rechte

Rechte sind etwas, was man hat, so jedenfalls sehen es die meisten Philosophen, denn jeder Mensch ist frei geboren. In den angeblich so modernen Gesellschaften ist dies anders. Hier hat niemand Rechte von sich aus, vielmehr werden hier Rechte gnädig gewährt, und zwar nur an Gruppen. Rechte auf Arbeit, Rechte auf Sozialleistung, Kinderrechte usw. Rechte für wen auch immer zu fordern ist schick, eine erfolgreiche, die Naivität bei den Adressaten ausnutzenden Strategie. Sie mündet regelmäßig in den Aufbau einer Industrie, die denen, denen gnädigerweise Rechte gewährt wurden, angeblich dabei helfen soll, die Rechte auch durchzusetzen, und zwar gegen andere Gruppen, wie: Arbeitende, Steuerzahler oder Eltern.

Hilfe

Hilfe, ein Begriff, den Gutmenschen für sich gepachtet zu haben glauben, ist von der Bezeichnung spontaner Aktion, die z.B. darin besteht, einem Bettler am Wegrand völlig uneigennützig eine Münze in den Hut zu werfen, zu einer administrativen Funktion geworden. Hilfe wird verwaltungstechnisch aufbereitet und setzt die Gewährung von Rechten voraus. Hilfe besteht nicht darin, das Los dessen, dem geholfen werden soll, zu erleichten oder gar zu verbessern, sondern darin, ihn von der Hilfeindustrie abhängig zu machen, damit ihm auf Dauer geholfen werden und Dritte dazu verurteilt werden können, die Hilfe der Hilfeindustrie auf Dauer zu finanzieren.

Erziehung

Eng verzahnt mit Hilfe ist Erziehung. Erziehung ist von der Vermittlung der notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, zu einem Begriff einer Indoktrinationsbürokratie geworden, unter dessen Schutz jede noch so absurde Form vermeintlicher Erziehung, zumeist in Form von “Erziehung zur …” verpackt werden kann. Man wird zur Mündigkeit und Selbständigkeit erzogen, obwohl dies ein Widerspruch in sich ist, soll durch intolerante Vermittlung der richtigen Weltsicht zur Toleranz erzogen werden und natürlich zu einem guten Bürger der sein Engagement für die Demokratie ernstnimmt und sich in die Gemeinschaft der vermeintlichen Demokraten einordnet, ohne darüber nachzudenken.

Toleranz

Toleranz ist eines dieser Erziehungsziele. Toleranz ist gut, und Toleranz wird generell eingefordert, generell von Anderen. Toleranz ist vom “Gewährenlassen” zu einer Form geforderten Verständnisses für Übergriffe Dritter geworden, für Personen, die sich nicht an vorhandene Konventionen oder Regeln halten wollen oder die Dritten etwas aufzwingen wollen, was diese partout nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Dabei hat Toleranz eine eigenartige Verteilungsschiefe erhalten, denn sie umfasst nur bestimmte Handlungen und gilt nicht für Unternehmer, die keine Frauen im Vorstand haben wollen, Fussballspieler, die nur Fussball spielen und sich nicht als schützenwertes Opfer outen wollen oder Eltern, die nicht einsehen, warum man ihren Kindern in der Schule Kenntnisse über Analverkehr vermitteln sollte.

Solidarität

im_here_to_helpDieselbe Einseitigkeit, die Toleranz auszeichnet, zeichnet auch Solidarität aus. Der Begriff, der ursprünglich auf eine Gruppe von Menschen gezielt hat, die sich in der selben Lebenslage befinden, z.B. als Bergarbeiter, hat eine erhebliche Verönderung erfahren. Der Ruf nach Solidarität erschallt immer dann, wenn Steuerzahler oder eine andere finanzkräftige Gruppe dazu gezwungen werden sollen, die Launen von Dritten zu finanzieren. Wer sich solidarisch zeigt, vergibt entsprechend eine frei zu nutzende Einzugsermächtigung, von der er nichts, aber auch gar nichts hat, im Gegensatz zu denen, die den Begriff der Solidarität geprägt haben, und die Solidarität mit einem kranken Kumpel geübt haben, wohlwissend, dass dann, wenn sie selbst krank werden, die anderen Gruppenmitglieder mit ihnen solidarisch sind.

Armut

Armut bezeichnet einen Zustand physischer Mittellosigkeit. Man hat das Bild eines zerlumpten Menschen vor Augen, der versucht, sich mit Nahrung zu versorgen. Armut ist ein instrumenteller politischer Kampfbegriff, geworden, der eingesetzt wird, um Affekte auszulösen und Vorteile zu erheischen, entweder durch die Schaffung eines Hilfemarktes oder durch politische Mandatierung. Entsprechend gelten heute Menschen mit einem Nettoeinkommen von 1.250 Euro monatlich, denen die Wohnung finanziert wird und die eine Vielzahl sonstiger Vergünstigungen aus Steuermitteln erzielen, als arm. Ein Hohn auf all diejenigen, die wirklich arm sind.

Wissenschaft

Von der Armut bis zur Wissenschaft ist es nur ein kurzer Weg. Leider. Einst war Wissenschaft ein methodisches Unterfangen, das dem Erkenntnisgewinn gewidmet ist. Die Fortschritte der Menschheit basieren auf Wissenschaft, darauf, dass Vorstellungen über das Funktionieren bestimmter Dinge an die Welt herangetragen und überprüft werden. Wissenschaft ist nachprüfbar, der Nutzen von Wissenschaft ist klar angebbar. Das jedenfalls war er früher. Heute gelten andere Maßstäbe. Heute ist alles Wissenschaft, was Wissenschaftlichkeit behauptet, als wissenschaftlich bezeichnet wird oder an Orten der Wissenschaft betrieben wird. Im Zeitalter des radikalen Konstruktivismus, der es geschafft hat, auch noch die letzte Bedeutung so lange zu dekonstruieren, bis nichts davon übrig geblieben ist als Willkürm ist Wissenschaft ein Vehikel der Manipulation geworden, das zu Legitimationszwecken missbraucht wird. Man will eine Maßnahme durchsetzen? Ein angeblich wissenschaftliches Gutachten belegt den Wert der Maßnahme. Man will sicherstellen, dass die Günstlinge der Maßnahme auch nach Ablauf der für ihre Durchführung vorgesehenen Zeit duchgefüttert werden? Sogenannte wissenschaftliche Begleitforschung liefert die Blanko-Verlängerung der Maßnahme. Die Willkür, die sich des Etiketts “Wissenschaft” bedient, ist kaum mehr zu überbieten, was heute als wissenschaftliche Studie oder wissenschaftliche Expertise verkauft wird, hat in der Mehrzahl der Fälle weder etwas mit einer wissenschaftlichen, also methodischen, nachprüfbaren und falisifizierbaren Studie zu tun, noch mit Expertise, also Kenntnissen und Fähigkeiten, die eine Person erst dazu befähigen, ein Experte mit einer ausgewiesenen Expertise in einem Feld zu sein und entsprechend eine wissenschaftliche Expertise erstellen, seine Expertise geben zu können.

 

Damit haben wir unsere 12 Worte zusammen. Ein 13. Wort, das auf den ersten Blick in die Reihe gehört, nämlich die Nachhaltigkeit, haben wir nicht aufgenommen, denn auf den zweiten Blick erweist sich der Begriff als grundlegend unsinnig. Angesichts des Platzes, den die Erde im Universum einnimmt, und dem vorhersehbaren Ende, das die Erde nehmen wird, wenn sich die Sonne einst ausdehnt, sofern nicht zuvor ein Meteorit entsprechender Größe der Nachhaltigkeit ein Ende bereitet, wird deutlich, dass der Begriff nicht anders als normativ gemeint sein kann, und entsprechend auch nie anders als als Möglichkeit, von Dritten einen Vorteil zu erheischen, genutzt wurde.

Jetzt sind unsere Leser an der Reihe:

Gesucht ist der am häufigsten missbrauchte Begriff und Anführer der Hitliste der Sprachonanie:

Welcher Begriff ist der am häufigsten missbrauchte Begriff?

Die Zerstörung der Soziologie als Wissenschaft oder: Warum machen Soziologen nicht den Mund auf?

Seit der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie eine Solidaritätsadresse für Soziologen wie Gerhard Amendt, die Hasskampagnen ausgesetzt sind, veröffentlicht hat, gibt es in einigen Blogs eine Diskussion darüber, ob Soziologie überhaupt eine Wissenschaft darstellt oder nicht. Wir beziehen uns im Folgenden auf die Diskussion, die im Blog von Hadmut Danisch geführt wird.

Eine Anzahl von Kommentatoren, fühlt sich dazu berufen, der Soziologie als Ganzem den Wissenschaftsstatus abzusprechen. Andere kritisieren, dass sofern es Soziologen gibt, die noch Wissenschaftler sind, sich diese nicht zu Wort melden. Generell wird dabei Soziologie irrtümlicher Weise mit Geschlechterforschung und Geschlechterforschung mit Genderismus gleichgesetzt, d.h. in der Außenwahrnehmung vieler gibt es keine Soziologie ohne Genderismus mehr.

Dabei nimmt die nicht pöbelnde Kritik z.B. die folgende Form an:

Danisch“Ein zentraler Fehler der Soziologie ist dabei, dass sie gar nicht das Ziel hat, wissenschaftlich und beschreibend zu sein, sondern dass sie politisch ist, politische Ziele verfolgt, und sich nur darum dreht, wie sie die Gesellschaft gerne sehen und haben möchte. Keine andere Fakultät (außer noch den Juristen) ist so eng mit der Politik verflochten, ist so weit von Wissenschaft entfernt.”

oder:

“Jeder, der auch nur etwas Ahnung von Wissenschaft hat, merkt bei Lesen soziologischer Schriften sofort, dass das mit Wissenschaft nichts zu tun hat, dass es nur ein „so tun als ob”, eben das Nachäffen des Gehabes ist. Zentrales Kernmerkmal dafür ist, dass Soziologie nicht auf Wissen, sondern auf Autoritäten beruht. Nie wird etwas inhaltlich-wissenschaftlich begründet.”

oder:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Beginnt man der Reihe nach, so muss zunächst ein Fehler beseitigt werden: Soziologen, wie alle Sozialwissenschaftler,  wollen nicht nur beschreiben, sie wollen auch erklären. Emile Durkheim, der Begründer der Soziologie, hat versucht, Selbstmord in seinen Formen zu erklären, er hat Methoden zur Erklärungen sozialer Tatbestände entwickelt. Insofern ist z.B. der Anspruch der Soziologie ein weitergehender als er hier gemutmaßt wird: Die berühmte Definition des Gegenstands von Soziologie, die Max Weber gegeben hat, lautet entsprechend: “Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will” (Weber, 1988: 542).

Weber WissenschaftslehreDamit ist Soziologie eine Wissenschaft, deren Zweck darin besteht, soziale Fakten zu verstehen und zu erklären, z.B. zu erklären, wie es dazu kam, dass der Genderismus an deutschen Universitäten Fuss fassen konnte. Um dies erklären zu können, muss man zunächst den Genderismus als die Ideologie, das religiöse Gebäude, das auf der unbelegten Behauptung, Frauen seien benachteiligt, basiert, verstehen, den Genderismus als die religiöse Heilslehre sehen, das politische Programm, die/das er ist. Entsprechend stellt sich nunmehr die Frage: Wie konnte es sein, dass sich eine religiöse Heilslehre wie der Genderismus an Universitäten und u.a. in den Instituten der Soziologie ausbreiten konnte. Die Antwort auf diese Frage wäre entsprechend die von Weber eingeforderte Erklärung sozialer Phänomene.

Um soziale Tatsachen zu verstehen und zu erklären, gibt es einen methodischen Kanon, den wir in unserem Grundsatzprogramm zusammengestellt haben. Er sieht es vor, von allgemeinen Aussagen (Theorien) über soziale Fakten auszugehen und Hypothesen über konkrete soziale Gegenstände zu bilden, die prüfbar sein müssen und damit die Gefahr in sich tragen, an der Realität zu scheitern. Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen von Soziologie im Besondern und Sozialwissenschaften im Allgemeinen hat Karl-Dieter Opp in seinem Buch “Methodologie der Sozialwissenschaften” ausführlich dargestellt, so dass jeder, der von sich behauptet, Sozialwissenschaftler oder Soziologe zu sein, nicht gleichzeitig Unkenntnis über die wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Soziologie heucheln kann. Wenn er Unkenntnis kund tut, dann verfolgt er offensichtlich andere als sozialwissenschaftliche oder soziologische Zwecke.

Die zur empirischen Prüfung notwendigen Methoden in qualitativer wie quantitativer Form finden sich in unzähligen Bänden, die dem Thema der Methoden der empirischen Sozialforschung gewidmet sind. Sie finden sich in qualitativer und in quantitativer Form, sie finden sich als Technik zur Fragebogenkonstruktion, als Methoden zur Datenerfassung, als Methoden zur Vermeidung eines Befragungs-Bias, als Darstellung suggestiver Befragungstechniken, die mit einem ethischen Bann belegt sind, schließlich finden sich Legionen von Darstellungen einzelner statistischer Methoden, von univariaten Auszählungen über die Darstellung bivariater Zusammenhänge bis zu multivariaten Verfahren.

RityerDie Soziologie als Fach, ist somit eines der wenigen Fächer der Sozialwissenschaften, die über einen theoretischen Korpus verfügen, den Forscher wie Jeffrey Alexander, Herbert Blumer, Gary Becker, Peter Blau, James Coleman, Randall Collins, Ralf Dahrendorf, Emile Durkheim, Harold Garfinkel, Erving Goffman, Michael Hechter, George C. Homans, Talcott Parsons, Karl-Dieter Opp, Heinrich Popitz,  und viele mehr gelegt haben. Zudem verfügt die Soziologie über eine wissenschaftstheoretische Basis, die von Hans Albert, Karl Raimund Popper, Imre Lakatos oder Thomas Kuhn gelegt wurde und deren Tenor darin besteht, dass wissenschaftliche Aussage nachvollziehbar und vor allem nachprüfbar sein müssen. Aussagen, die nicht an der Realität scheitern können, sind entsprechend keine wissenschaftlichen Aussagen. Schließlich verfügt die Soziologie über eine Vielzahl von Methoden zur empirischen Prüfung, von der Datenerhebung bis zur Datenanalyse.

Kurz und mit Thomas Kuhn gesprochen: Die Soziologie ist eine der wenigen Sozialwissenschaften, die den Sprung aus dem, was Kuhn die vorwissenschaftliche Phase nennt, in die Phase der Normalwissenschaft vollzogen haben.

Und dann kam der Genderismus.

Dann kam die Unterminierung der Soziologie durch eine Religion, die keinerlei theoretische Grundlage hat, statt dessen auf der Verkündung, Frauen seien benachteiligt, aufbaut, wie jede Religion auf einem mystischen Schöpfungsakt aufbaut. Der Genderismus hat keinerlei wissenschaftstheoretische Basis, die den rudimentärsten Kriterien von Wissenschaftlichkeit gerecht wird, im Gegenteil: Nicht Nachvollziehbarkeit oder Nachprüfbarkeit ist das Credo des Genderismus, sondern politische Einflussnahme, so nachzulesen in dem, was prätentiös als feministische Wissenschaftstheorie benannt wird, ein Sammelsurium aus Versuchen, Werturteile, natürlich nur feministisch basierte Werturteile, zum Gegenstand von Wissenschaft zu machen. Werturteile im wissenschaftilchen Erkenntnisprozess waren schon für Max Weber (1988: 609) das Ende von Wissenschaft, und sie sind es bis heute geblieben.

Aber: Genderismus ist ja auch keine Wissenschaft, sondern eine Religion, die die eigenen Werturteile als richtige Werturteile verbreiten will. Da die Zielsetzung von Genderismus darin besteht, die eigenen Werturteile als richtig in der Gesellschaft zu etablieren, gibt es auch keine wissenschaftlichen Methoden und Techniken der Datenerhebung. Die Intuition, die auf der Basis des Gefühls, Recht zu haben, fusst, ersetzt das nachprüfbare und methodengeleitete Vorgehen, das Wissenschaft auszeichnet. Kurz: Genderismus ist eine Heilslehre, eine Religion, die mit Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialwissenschaft im Besonderen nichts zu tun hat.

Wie konnte es dazu kommen, dass sich Genderismus dennoch an Universitäten und hier besonders im Bereich der Soziologie einnisten konnte? Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht zu geben. Es gibt bislang keine Forschung, die untersuchen und darstellen würde, wie es gelungen ist, eine Religion an Universitäten zu etablieren. Entsprechend muss man, ganz in soziologischer Tradition, Hypothesen bilden, Hypothesen, die von einem Rational-Choice-Ansatz ausgehen, der wiederum, um mit Max Weber zu sprechen, annimmt, dass Akteure zielgerichtet und zweckrational handeln.

Homo sociologicusDa Genderismus eine Religion ist, die nicht nur die Konsequenz hat, Wissenschaft zu zerstören, sondern auch die Konsequenz, eine Wissenschaft wie die Soziologie in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, ein Unterfangen, das wie die Zitate oben zeigen, schon recht erfolgreich gewesen ist, liegt es nahe anzunehmen, dass eben diese Diskreditierung der Soziologie das Ziel ist, das mit der Unterwanderung der Soziologie durch den Genderismus erreicht werden soll.

Die Frage nach dem Warum, ist leicht zu beantworten: Vor dem Einfall des Genderismus war Soziologie ein Fachbereich, in dem eine Mehrheit klare methodische Standards und wissenschaftstheoretische Grundlagen geteilt hat. Soziologie war eine kritische Wissenschaft (das hat nichts mit der Frankfurter Schule zu tun, eher im Gegenteil: Soziologie war trotz Habermas kritisch). eine Wissenschaft, die Ergebnisse auf geprüfter empirischer Basis erzielt hat, Ergebnisse, die im Gegensatz zu den Machtverhältnissen in der deutschen Gesellschaft und den Ideologien von Politikern standen.

So betrachtet, wäre die Zersetzung der Soziologie, ihre Zerstörung durch staatstreue Genderisten ein gezieltes Vorhaben, eine Hypothese, die nun der Prüfung harrt (Diese Hypothese ist prüfbar und das ist, was sie von einer Verschwörungstheorie unterscheidet).

Und warum haben die alten Soziologen, diejenigen, die dem wissenschaftlichen Korpus der Soziologie verpflichtet sind, dabei zugesehen, wie ihre Wissenschaft zerstört und durch feministischen Kauderwelsch ersetzt wurde, einen Kauderwelsch der die Soziologie, wie die Zitate oben zeigen, in der Außenwahrnehmung so sehr beherrscht, dass Soziologie mittlerweile mit Genderismus gleichgesetzt wird?

Diese Frage können nur die Betroffenen selbst beanwtorten. Vermutlich ist hier ein Prozess am Werk, wie ihn Soziologen beschreiben, die sich mit emergenten Effekten beschäftigen. Jeder Soziologie-Professor ist seine eigene Insel. Die Kosten für eine Organisation von Soziologie-Professoren, die Kosten für die Organisation von Widerstand sind zu hoch, als dass sie überwunden werden könnten. Also sehen sich die Einzelkämpfer-Professoren einem organisierten Auftrieb gegenüber, der als angeblicher politischer Wille, Genderismus in die Wissenschaft implementiert, und zwar ohne auf Widerstand zu treffen.

Dass Fächer per politischem Willen in Universitäten implementiert wurden und nicht aufgrund einer entsprechenden Entscheidung der scientific community ist recht selten: Neben dem Genderismus, gibt es wenige Beispiele, am bekanntesten ist der Marxismus-Leninismus, den die religiösen Herrscher des erfolgreichsten sozialistischen Staates auf deutschem Boden, der immerhin 40 Jahre den Mangel verwaltete, ehe ihm die Banane den Garaus machte, etabliert haben, und das ist übrigens nicht die einzige Gemeinsamkeit beider Religionen.

Damit sind wir zurück beim einem der drei Zitaten von oben:

“Denn wären diese Leute seriöse Wissenschaftler, hätten schon längst Selbstreinigungskräfte eingesetzt und die seriöse Soziologie hätte sich von dem ganzen Genderschwachsinn längst drastisch distanziert und die rausgeworfen.”

Das schreibt Hadmut Danisch und damit will er im Umkehrschluss belegen, dass es keine seriösen Wissenschaftler in der Soziologie gibt. Das ganze Argument krankt zwar daran, dass es auf einer Tautologie aufbaut, aber das Anliegen, das dieses Argument hervorgebracht hat, ist legitim, beschreibbar als Frage: Warum machen Soziologen, also die wenigen Wissenschaftler, die es in der institutionalisierten Soziologie noch gibt, nicht den Mund auf (freien Wissenschaftler, wie der Soziologin Dr. habil. Heike Diefenbach kann man sicher nicht den Vorwurf machen, sie würde nicht den Mund aufmachen)?

FestingerWir haben, ehrlich gesagt, keine Antwort auf diese Frage. Eine Hypothese, die wir anbieten können, basiert auf der Theorie kognitiver Dissonanz von Festinger, die bekanntlich vier mögliche Strategien der Verarbeitung kognitiver Dissonanzen sieht, kognitiver Dissonanzen, wie sie sich unwillkürlich einstellen, wenn ein Soziologe, der Wissenschaft betreiben will, mit Vertreter der Genderreligion konfrontiert ist:

(1) Der Soziologieprofessor kann sich einreden, die Gefahr, die von der Gender Sekte in seinem Fachbereich und für seine Wissenschaft ausgeht, sei nur gering, sei vernachlässigbar, die Soziologie als solche vom Genderglauben nicht tangiert.

(2) Er kann sein Verhalten ändern und seinen Beruf als Soziologe an den Nagel hängen.

(3) Er kann sein eigenes Verhalten neu einschätzen und sich sagen, dass er die Methodik und Wissenschaftlichkeit von Soziologie vielleicht zu eng sieht.

(4) Er kann seine Sicht auf Genderismus ändern und sich einreden, dass Genderismus gar keine Religion, sondern eine Wissenschaft ist.

Wir sehen Alternative (1) als die wahrscheinlichste Alternative an. Egal, welche der Alternativen das profunde Schweigen von Soziologen erklärt, mit dem sie der Zerstörung ihrer Wissenschaft zusehen, es bleibt die kognitive Dissonanz. Egal, welche Alternative einzelne Wissenschaftler für sich wählen, die Dissonanz geht davon nicht weg. Sie mag zeitweise in den Hintergrund treten, sie mag abgemildert werden, doch sie kehrt wieder, regelmäßig, und zwar so lange, so lange es noch Wissenschaftler unter den Soziologen gibt, wobei die Außenwahrnehmung der Soziologie, wie der Sozialwissenschaften insgesamt, den Eindruck vermittelt, als wäre es den Genderisten längst gelungen, beide, Soziologie wie Sozialwissenschaften, in der Meinung der Bürger gründlich zu diskreditieren.

Land der Phantasten und Affektredner

Aus dem Land der Dichter und Denker ist das Land der Phantasten und Affektredner geworden.

Bereits in der Vergangenheit haben wir in einem Beitrag einen Punkt angetippt, den wir als Nukleus der Zerstörung einer auch in Deutschland noch rudimentär vorhandenen Wissenschafts- und demokratischen Kultur ansehen: Die Ausbreitung von Affektrednern nun auch in Universitäten, nachdem Sie bereits weite Bereiche des öffentlichen Lebens durchsetzt haben.

Affektredner, das sind für uns Menschen, die Behauptungen aufstellen, die ihnen (a) gut gefallen, an denen sie (b) emotional hängen oder von denen sie sich (c) einen Vorteil versprechen und von denen sie (d) keinerlei Ahnung haben, ob sie richtig sind.

Logik der ForschungDer entscheidende Punkt an dieser Definition ist Punkt (d). Er beschreibt das mutwillige Aufstellen von Behauptungen, für die nicht einmal die Spur eines Beleges vorhanden ist: Vollmundiges Angeben hat man das früher genannt, von Menschen, die den Mund zu voll nehmen, hat man früher gesprochen. Heute scheint das den-Mund-zu-voll -Nehmen die Normalität geworden zu sein, und was besonders fatal ist, es scheint die Normalität in der Wissenschaft geworden zu sein.

Wer sich mit den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Themen beschäftigt, von Fragen der Bildung über soziale Ungleichheit, von politischer Ideologie bis zur Ökonomie, von Managementlehren bis zu Fragen erneuerbarer Energien, der kommt über kurz oder lang nicht umhin eine Gemeinsamkeit zu finden, die alle Bereiche überspannt: Empirische Untersuchungen, in denen eine Fragestellung entwickelt und geprüft wird, sind Mangelware. Wenn es sie überhaupt gibt, dann finden sie sich zumeist in grauen Papieren oder internationalen, nicht jedoch oder so gut wie nicht, in deutschen wissenschaftlichen Zeitschriften.

An dieser Beobachtung ändert auch der häufiger anzutreffende Versuch nichts, Daten in welcher Form auch immer in eine Arbeit einzubauen. Die entsprechenden Versuche sind in der Regel von keinerlei Sachverstand über Fragen der Datenerhebung getrübt. An die Stelle des entsprechenden Sachverstands tritt die Überzeugung, dass man eklektizistisch ein paar Dinge aus der Empirie entnehmen könne, um die eigene Behauptung zu bestätigen. Mit empirischer Sozialforschung hat dies soviel zu tun wie das Morgengebet im Vatikan mit wissenschaftlichem Fortschritt.

An Stelle empirischer Arbeiten, die einer Fragestellung und der Prüfung gewidmet sind, findet man eine typisch deutsche Version vermeintlich wissenschaftlicher Arbeiten, die von einem Anliegen des Schreibers getrieben sind und keinerlei Versuch unternehmen, dieses Anliegen mit empirischen Fakten zu konfrontieren. Diese Form deutscher vermeintlicher Wissenschaft gibt es als Verlautbarungswissenschaft und als Affektwissenschaft.

Verlautbarungswissenschaft kommt regelmäßig in dem Tenor daher: “Ich aber sage euch” (und ihr glaubt es gefälligst). Verlautbarungswissenschaft nimmt ihre Legitimation daraus, dass der Verlautbarer denkt, er habe eine wissenschaftliche Position inne und müsse entsprechend Wissenschaftler sein. Das bedeutet, dass er dem, was er von sich gibt, einen höheren Stellenwert zuweist, als dem, was ein Normalbürger von sich gibt. Wodurch diese Arroganz gerechtfertigt ist, ist unklar, denn Verlautbarungswissenschaftler können in der Regel keinen Grund angeben, warum das, was sie sagen, relevanter sein soll als das, was andere, die keine wissenschaftliche Position inne haben, sagen.

SokalUm über diesen Umstand hinwegzutäuschen, bedienen sich die Verlautbarungswissenschaftler einer Sprache, die so gesteltzt ist, dass selbst sie beim nächsten Lesen Schwierigkeiten haben, zu benennen, was sie eigentlich in den vielen von ihnen benutzen Worten ausdrücken wollten. Sätze wie: “In der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Ansätzen verfolge ich ein Verständnis, das Diskurse als institutionalisierte Regelsysteme von Bedeutungen und Wissen versteht, die sich als handlungsleitend für Subjekte konstituieren und sowohl Macht strukturieren als auch institutionell materiell werden” (Claus, 2014, 102). Bei solchem verbalen Unsinn hat man regelmäßig den Eindruck, der Autor verfolge im wahrsten Sinne des Wortes einen Ansatz, allerdings ohne ihn jemals einzuholen.

Die treibende Kraft hinter Verlautbarungswissenschaftlern ist ihr Auftrag. Dabei handelt es sich entweder um einen ideologischen Auftrag, der sich in der entsprechenden Gesinnung niederschlägt oder um einen Auftrag, der ihnen von einer sie bezahlenden Institution zugewiesen wurde.

Neben den Verlautbarungswissenschaftlern, die ihren Unsinn in wortreiche Satzkonstruktionen durchsetzt mit Nomen und nominalen Konstruktionen verpacken, so dass naive Zeitgenossen der Meinung sind, hier handle es sich um wichtige Gedanken (Wohl niemand hat den Affektrednern so sehr die Luft abgelasen wie Karl Raimund Popper in seiner Übersetzung von Habermas, gibt es noch Affektwissenschaftler. Sie nutzen ihre Texte dazu, um einem vermeintlich tiefen Empfinden, das sie zu haben sich einbilden, von dem sie aber nicht wissen, warum sie es haben, Ausdruck zu verleihen, und damit eine Leserschaft zu beglücken, in der niemand weiß, was ihm die emotionalisierte Anekdote sagen will, sofern er nicht selbst von einer tiefen Emotion, die gerade anschlussfähig ist, weggespült wird.

Diese beiden Formen von institutionalisierten Wissenschaftlern, bei denen es sich nicht um Wissenschaftler, sondern um Scharlatane handelt, finden sich zu Hauf an deutschen Universitäten (Beispiele finden sich z.B. hier und hier). Die Verbreitung der “wie es mir beliebt” oder “wie kommt mir die Welt vor” oder “was mir gefällt” Wissenschaft hat zur Folge, dass wissenschaftliche Standards sinken und jeder, der schreiben kann, meint, er habe zu bestimmten Themen etwas mitzuteilen, sei deshalb ein Experte mit Expertise, weil ihm der Auftrag erteilt wurde, eine Expertise zu erstellen.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat in einem Kommentar sehr deutlich gemacht, dass gerade das, was das Erstellen eines interessanten und informierten wissenschaftlichen Textes erst möglich macht, nämlich das Vorhandensein von Expertise, von Wissen und Erfahrung beim Schreiber, in Deutschland kaum mehr mit einem wissenschaftlichen Text  oder einer Expertise in Verbindung gebracht wird. Wie viele Begriffe, so ist auch der Begriff der Expertise völlig sinnentlehrt. Folglich kann ein Student der Genderwissenschaft, der alle Kenntnisse über Methoden und wissenschaftliche Standards vermissen lässt, dem Glauben anheimfallen, er sei Experte und könne wissenschaftliche Texte verfassen, die sich durch Expertise auszeichnen.

AndreskiDie Aushöhlung der Begriffe und die damit notwendig verbundene Beseitigung von Standards hat bereits dazu geführt, dass man in Deutschland Texte als wissenschaftliche Beiträge veröffentlichen kann, die in anderen Ländern und in der dortigen Wissenschaftscommunity lediglich zu Erheiterung führen würden. Die Konsequenzen dieser Zerstörung von Normen und Standards sich jedoch weitreichender.

Die Konfrontation von Aussagen mit der Wirklichkeit ist der einzige Weg, um überhaupt etwas zu lernen, um Fortschritt und Erkenntnis zu erzielen. Wer diese Konfrontation meidet oder gar nicht weiß, was man von ihm will, wenn man ihn nach Belegen für seine Behauptungen fragt, nimmt entsprechend einen mentalen Regress. Eine Gesellschaft, in der die Standards so weit gefallen sind, dass es möglich ist, unfundierte Behauptungen als wissenschaftliche Aussagen auszugeben, eine Gesellschaft, in der der Öffentliche Diskurs nicht darüber geführt wird, ob eine Behauptung mit der Realität im Einklang steht, sondern darüber, ob eine bestimmte Behauptung ideologisch wünschenswert und gut ist oder nicht, in einer solchen Gesellschaft vollziehen sich ein kognitiver Regress und ein Brain-Drain der besonderen Art: Diejenigen, die die alten Standards noch kennen und auf Übereinstimmung mit der Wirklichkeit Wert legen, wandern ab oder äußern sich nicht mehr in der Öffentlichkeit. Als Folge degeneriert der öffentliche Diskurs weiter. Konsequenterweise finden sich Leute ein, die behaupten, um des Behauptens Willen. Schließlich wird eine Gefahr Wirklichkeit, die kein Demokratietheoretiker thematisiert hat: In kognitiv regressiven oder degenerierenden Gesellschaften, in Gesellschaften in denen der Diskurs von spontan verbalisierenden Affektrednern berherrscht wird,  herrschen Unvernunft und Unverstand. Sie regieren gegen die Wirklichkeit an, mit allen Konsequenzen, die dies für diese Gesellschaften hat und solange es sich eben durchhalten lässt.

Insofern machen sich die Wissenschaftler, die am Rande stehen und der Zerstörung ihrer Wissenschaft durch Ideologen, Genderisten, Sozialisten, durch Verlautbarungs- und Affektwissenschaftler zusehen, nicht nur an der Wissenschaft, sondern an der Gesellschaft als Ganzer schuldig. Aber: Schweiger ist der meisten deutschen Wissenschaftler beste Rolle. Österreicher, zum Beispiel, bringen den Mund auf, wo deutsche Wissenschaftler schweigen, schweigen, weil sie zwar nicht den Mund, dafür aber die Hosen voll haben.

©ScienceFiles,2014

Genetischer Fehlschluss: Die Basis von Gesinnungs-Sekten

Im letzten Post haben wir am Beispiel des Fehlschlusses ad-hominem dargestellt, wie der entsprechende Fehlschluss eingesetzt werden kann, um Gesinnungs-Sekten zu konstituieren. Eine Gesinnungs-Sekte ist für uns ein Zusammenschluss von Gleich-Gläubigen, die sich um einen Glaubensinhalt, z.B. eine politische Ideologie oder ein anderes religiöses Überzeugungssystem ansammeln. Die Migliedschaft in Gesinnungs-Sekten hat für einige der Mitglieder den Anreiz, sich durch die Bereitstellung von Glaubensinhalten einen persönlichen Nutzen, z.B. in From politischer Ämter zu verschaffen. Für die Mehrzahl der Mitglieder in Gesinnungs-Sekten ist es die Bereitstellung eines sozialen Nutzens, der den Anreiz zur Mitgliedschaft darstellt.

Tajfel. social identityDer soziale Nutzen kann mit Tajfel und Turner als soziale Identität beschrieben werden, als Möglichkeit, durch Zugehörigkeit zu einer Gesinnungs-Sekte die nicht vorhandene persönliche Identität zu kompensieren. Die entsprechenden Mitglieder sind in der Regel nicht in der Lage, sich selbst einen Lebenssinn, ein Lebensziel, eben eine personale Identität zu geben, die sie von ihrer Umwelt unterscheidet. Entsprechend nehmen sie das erstbeste Angebot, das ihnen eine Surrogat-Identität verspricht, an und werden Mitglied einer Gesinnungs-Sekte. Wie die von uns besprochene Forschung zu den Mitgliedern von al-Kaida gezeigt hat, ist die Frage, welche Organisation die gesuchte soziale Identifikation bereit stellt, dem Zufall oder der sozialen Umgebung geschuldet, was abermals die Beliebigkeit der gewählten Surrogat-Identität deutlich macht und zudem die Möglichkeit eröffnet, über den Trend zu Mitgliedschaften in Gesinnungs-Sekten die intellektuelle Stimmung innerhalb einer Gesellschaft zu beschreiben.

Da Gesinnungs-Sekten auf einem Überzeugungs-System basieren, das nicht rational, sondern emotional begründet ist, da die Wahl der Mitgliedschaft in einer Gesinnungs-Sekte nur bei denen, die damit einen Unterhalt erwirtschaften wollen, eine rationale Wahl ist, die Inhalte aber dennoch ein Glaubensystem darstellen, das durch empirische Fakten rasch zum Einsturz gebracht werden kann (Man stelle sich vor, Globalisierungsgegner müssten die Existenz des “Finanzkapitals” oder die gemeinsame Agenda des Finanzkapitals belegen, oder Linke müssten nachweisen, dass sich nicht Funktionäre, sondern Unternehmer über Gebühr bereichern, oder Rechtsextremisten müssten zeigen, dass Ausländer einen negativen Effekt auf das Bruttosozialprodukt haben…) , ist es von entscheidender Wichtigkeit, das Glaubenssystem nicht mit empirischen Fakten zu konfrontieren, es gegen empirische Fakten abzuschirmen.

Zu diesem Zweck kommen logische Fehlschlüsse zum Einsatz. So haben wir im letzten Post dargestellt, dass der Fehlschluss ad hominem ein Mittel darstellt, um nicht über Argumente diskutieren zu müssen. Statt dessen wird versucht, die Person zu diskreditieren. Ein weiterer Fehlschluss, der geeignet ist, das eigene Überzeugungssystem der Gesinnungs-Sekte erst gar nicht in Kontakt mit kritischen Argumenten kommen zu lassen, ist der genetische Fehlschluss.

Der genetische Fehlschluss besteht in einer Vermengung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang. Umstände, die die Entdeckung z.B. einer Theorie betreffen, werden auf die Theorie übertragen und als Beleg für deren Falschheit gewertet.

Logik Salmon“Zum Beispiel: Die Nazis verwarfen die Relativitätstheorie, weil Einstein, ihr Entdecker, ein Jude war.
Das ist ein ganz klarer Fall eines genetischen Fehlschlusses. Das nationale oder religiöse Umfeld, aus dem derjenige kommt, der eine Theorie aufstellt, ist sicherlich nur für den Entdeckungszusammenhang von Bedeutung. Die Nazis bewerteten so etwas, als ob es zum Begründungszusammenhang gehört” (Salmon, 1983: 28).

Der Entdeckungszusammenhang bezieht sich auf die Umstände, unter denen eine Entdeckung gemacht wurde. Er rekurriert auf z.B. kulturelle Gründe, die die Archäologie z.B. über Opfergefäße nicht hinauskommen sieht oder Politikwissenschaft und Soziologie von Wissenschaften, deren Ziel die Beobachtung und Kontrolle der sozialen und politischen Auswirkungen bestimmter Akteurskonstellationen (oder Regierungsysteme) war, zu Legitimationswissenschaften eben dieser Akteurskonstellationen gemacht hat, oder er rekurriert auf religiöse Umfeldvariablen, die z.B. zu Galileos Zeiten die Erforschung bestimmter Inhalte unter Strafe gestellt haben. Variablen des Entdeckungszusammenhangs konstituieren den Möglichkeitsraum für Entdeckungen. Sie haben überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob die Entdeckung, die Beobachtung, die Theorie, die Aussage über die Welt richtig ist.

Die Richtigkeit von Aussagen über die Welt, von Beobachtungen oder Theorien zu prüfen, ist Gegenstand des Begründungszusammenhangs. Die Prüfung der Richtigkeit hat ausschliesslich das zum Gegenstand, was über die Welt ausgesagt wird. Nichts anderes. Entsprechend ist es mehr als offensichtlich, dass die Schuhgröße, die Nationalität, die Wahlteilnahme, die Augenfarbe, die sexuelle Orientierung (heute ja so wichtig), die Fremdsprachenkenntnisse oder die Tatsache, dass der Entdecker einer Theorie in einem Anfall von Wut seinen lärmenden Nachbarn erschlagen hat, überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob die Aussagen über die Welt richtig oder falsch sind. Wer dies dennoch behauptet, begeht einen genetischen Fehlschluss.

Eigentlich sollte man denken, dieser Zusammenhang ist offensichtlich und dennoch gibt es Zeitgenossen, die Aussagen ablehnen, gar nicht erst zur Kenntnis nehmen, weil sie aus einem “neoliberalen Kontext” kommen, weil sie von einem Wissenschaftler stammen, der quantitativ arbeitet, weil ein religiöser Terrorist sie gemacht hat, dem die Römer habhaft werden konnten und  der wie Adam Smith denkt, die Grundlage menschlichen Zusammenlebens sei Empathie (sympathy bei Adam Smith), also die Überzeugung, dass man durch Kooperation einen höheren Nutzen erwirtschaften kann als ohne Kooperation und – abgesehen davon – ist sei besser, sich Menschen zum Freund und eben nicht zum Feind zu machen.

flies around a lightDie Anziehungskraft, die der genetische Fehlschluss ausübt, führt zurück in die Sozialpsychologie und zum Problem, dass man als Mensch eine Identität ausbilden muss, ein Bild von sich. Dieses Problem nutzen die Bereitsteller von Gesinnungs-Inhalten, um die sich Gesinnungs-Sekten bilden können, geschickt und zur eigenen Bereicherung aus und dieses Problem ist es, was ihnen letztlich Mitglieder zutreibt, Herdentiere auf der Suche nach einer Identität. Die Gesinnungs-Sekte bietet diese Identität, man ist wer, wenn man sich als Kämpfer gegen die Globalisierung, als moderner Robin Hood, als Mitläufer in der Regierungspartei, als Mitglied in der Jugendbande, postulieren kann. Es zeigt den anderen, welche Glaubens-Inhalte man vertritt und macht es zugleich notwendig, die entsprechenden Inhalte gegen Kritik zu immunisieren, wie Hans Albert wohl sagen würde. Die wirksamste Form, die Folgen von Kritik zu vermeiden, besteht darin, Kritik zu delegitimieren oder sie gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen.

Hier helfen der Fehlschluss ad hominem und der genetische Fehlschluss. Ersterer, indem er die Abwertung und Beleidigung dessen, der ein Argument vorbringt, an die Stelle der Auseinandersetzung mit dem Argument setzt, Letzterer, indem er ganze Gruppen von Argumenten gleich ganz ausschließt, weil sie von Menschen geäußert werden, die ein negativ bewertetes Merkmal, eine negativ bewerte Eigenschaft aufweisen, die zu einem negativ bewerteten Zeitpunkt gelebt haben, in einer negativ bewerteten Organisation Mitglied sind … Die Möglichkeiten der Kritik-Immunisierung, die der genetische Fehlschluss eröffnet, sind schier endlos.

Der stärkste Beleg dafür, dass Fehlschluss ad hominem und genetischer Fehlschluss ausschließlich dazu dienen, eine Diskussion über Argumente zu vermeiden, ist übrigens die schlichte Existenz beider: Hätten die Nutzer von ad hominem Fehlschlüssen, die Gebraucher von genetischen Fehlschlüssen nicht Angst vor Argumenten oder das Bestreben, einer Argumentation zu entgehen, sie würden mit Sicherheit nicht auf die Verwendung von ad hominem Fehlschlüssen oder genetischem Fehlschluss zurückgreifen, sondern sich den entsprechenden Argumenten stellen.

Wer Argumente hat, scheut nicht die Auseinandersetzung mit anderen vorgebrachten Argumenten – im Gegenteil: er sucht sie!

 

Ad hominem – weit verbreitete persönliche Diskreditierung

Er ist allgegenwärtig, der Fehlschluss ad hominem: “Britischer Rechtspopulist Farage gewinnt Fernsehduell”, “Putin, der Polit-Macho in Moskau, ist schwer berechenbar”, “Das Institut der Wirtschaft hat halt auch seine eigene Agenda. Ich kennen da auch andere Zahlen…”, Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass diese Seite einen kommerziellen Hintergrund hat. Zumindest wird hier versucht Geld zu verdienen”. Jemand, der nicht selbst betroffen ist, kann das nicht beurteilen, “der ist ja ein Antifeminist, Neoliberaler, Macker, Homophober, Xenophober… . Die Beispiele für den Fehlschluss ad hominem sind Legion. Eine beliebige Seiten von Mainstream-Medien im Internet, eine beliebige Rede von Politikern im Bundestag wird entsprechend zur Fundgrube, für diesen in Deutschland doch weit verbreiteten Fehlschluss.

Logik SalmonWie Wesley C. Salmon schreibt, zeichnet es den Fehlschluss ad hominem aus, dass versucht wird, jemanden, der ein Argument vorgebracht oder eine Aussage gemacht hat, schlechtzumachen, “indem man seine Person, seinen Charakter oder seine Herkunft attackiert. … Es ist vollkommen klar, dass die nationale, soziale und religiöse Herkunft desjenigen, der eine Theorie aufstellt, für deren Wahrheit oder Falschheit ohne Bedeutung ist” (Salmon, 1983: 195).

Der Fehlschluss ad hominem kommt, wie Robert Paul Churchill (1990: 465) unterscheidet, als “abusive ad hominem” daher und als “circumstancial ad hominem”. Ersterer ist eine persönliche Attacke gegen eine Person, deren Kern aus der Unterstellung besteht, diese Person weise persönliche Defizite auf, so dass alles, was diese Person sagt, falsch sein müsse. Letzteres ist eine Attacke, die sich gegen die Situation richtet, in der eine bestimmte Person sich befindet. Wer z.B. Parteivorsitzender einer EU-kritischen Partei ist, dessen Aussagen zur EU müssen falsch sagen.

Schließlich hat Dr. habil. Heike Diefenbach eine Variante des Fehlschlusses ad hominem identifiziert, den Fehlschluss der politischen Korrektheit, der eine vermittelte Form des ad hominem ist. In diesem Fall richtet sich der Angriff nicht gegen die Person des Aussagenden, sondern gegen eine dritte Person oder dritte Personen, die sich die Aussagen zu eigen gemacht haben und die “böse” sind.

In jedem Fall zeichnet sich ein Fehlschluss ad hominem dadurch aus, dass nicht die Aussage des Gegenüber Gegenstand der Betrachtung ist, sondern der Aussagende. Die angebliche Falschheit der Aussage soll über das Hilfskonstrukt des derogativen Umgangs mit dem Aussagenden belegt werden.

Nun ist der Fehlschluss ad hominem, so aufgelöst, nicht unbedingt ein ausgefeiltes Unterfangen. Vielmehr ist er ein so primitives und offenkundiges Unterfangen, dass man sich fragt, warum er (a) angewendet wird und (b) warum er zuweilen erfolgreich zu sein scheint bzw. bei wem er erfolgreich sein kann.

Churchill_LogicWer einen Fehlschluss ad hominem benutzt, versucht zu manipulieren. Er versucht sein Gegenüber, seine Zuhörer, seine Leser vom Argument, das gemacht wurde, abzulenken und statt dessen die Person des Argumentierenden in den Mittelpunkt zu stellen. Er tut dies entweder, um von der Tatsache abzulenken, dass das gemachte Argument, das seiner eigenen Sache nicht förderlich ist, valide ist, oder er tut es, um von der Tatsache abzulenken, dass er selbst über keinerlei Argument verfügt, um gegen ein vorgebrachtes Argument zu argumentieren.

Wer einen Fehlschluss ad hominem hört und glaubt oder ihn sich zu eigen macht, ist offensichtlich leichter über emotionale als über intellektuelle Kanäle ansprechbar. Um sein Verhalten zu erklären, muss man entsprechend in die Sozialpsychologie wandern und von dem Ausflug die Forschung von Amos Tversky und Daniel Kahneman mitbringen.

Auf deren Grundlage bietet es sich an, den Fehlschluss ad hominem als Form der Manipulation zu betrachten, deren Ziel darin besteht, den Ankereffekt auszunutzen und die Reaktion bei Zuhörern in einer für die eigenen Behauptungen positiven Weise zu rahmen (Framing). Ankereffekte ebenso wie das Framing beeinflussen die Wahrnehmung von Menschen. Geschickt gesetzte Anker (Rechtspopulist) können die Einschätzung bei einem Publikum manipulieren. Geschickt geframte Aussagen (der unberechenbare Politi-Macho Putin) können dazu führen, dass Leser oder Zuhörer sich von offensichtlichen Alternativen ablenken lassen, dieselben nicht mehr in Rechnung stellen. In beiden Fällen besteht das Ziel darin, die Aufmerksamkeit der Zuhörer bzw. Leser zu dirigieren und für die eigenen Zwecke zu leiten.

Wer ist nun anfällig für Fehlschlüsse ad hominem?

Die Frage ist einfach zu beantworten, wenn man sie neu stellt: Wem reicht es aus, Autoren in Wort und Schrift als homophob, rechtspopulistisch, antifeministisch, dumm, usw. zu titulieren ohne sich mit dem, was sie sagen oder schreiben auseinanderzusetzen? Wem reicht es aus, Betroffenheitsbehauptungen der Art, wer das nicht erlebt hat, kann nicht mitreden, gelten zu lassen?

In der Regel handelt es sich entweder um Personen, die sich einen privaten Vorteil verschaffen wollen, indem sie eine Diskussion über vorhandene Argumente im Keim zu ersticken versuchen und statt dessen auf die Person des Argumentierers ausweichen. Und in der Regel handelt es sich bei den Rezipienten, auf die ein Fehlschluss ad hominem erfolgreich angewendet werden kann, um dass, was Julian Rotter als Personen mit einem externen Locus of Control bezeichnet hat. Sie sind nicht in der Lage, sich ein eigenes Urteil zu bilden und ständig auf der Suche nach Führung.

Rotter personalityDie entsprechende Führung kann keine intellektuelle sein, denn würden sie auf intellektuelle Führung reagieren, sie könnten auch eigene Urteile fällen, bräuchten also keine Vorgaben.  Es handelt es sich also um eine emotionale Manipulation im Sinne des hie vor einigen Tagen besprochenen Sapir Handelman. Die entsprechende Führung ist also eine emotionale, die Begriffe liefert, die im Wertsystem der Geführten alle oben rangieren und wichtig sind. So löst z.B. die Bezeichnung einer Person als homophob bei Ihnen nicht die Frage aus, auf welcher Grundlage diese Aussage getroffen wurde, sondern ein korrespondierendes Gefühl, das von einfacher Ablehnung bis zu Hass reicht.

Ein Fehlschluss ad hominemkann nicht nur negativ motiviert sein, er kann auch positiv formuliert sein (dann spricht man von einem Fehlschluss ad autoritatem). In diesem Fall soll vom Fehlen eines Arguments dadurch abgelenkt werden, dass z.B. auf bestimmte übermenschliche Fähigkeiten eines Führers rekurriert wird, wie dies im Dritten Reich der Fall war, oder die Wahrheit von Aussagen auf einem Offenbarungsmodell basiert (wie dies Hans Albert genannt hat), bei dem sich einem Erleuchteten die Wahrheit mitteilt, die er dann an seine Jünger weitergibt, die wiederum die Wahrheit des Weitergegebenen mit Verweis auf den Erleuchteten belegen (im Kern ist der ad hominem Fehlschluss ein Zirkelschluss).

Damit kommen wir bei den Gefahren der Fehlschlüsse ad hominem an, die man wie folgt zusammenfassen kann:

  • Fehlschlüsse ad hominem vergiften die Atmosphäre und fördern die Grüppchen- der Sektenbildung;
  • Fehlschlüsse ad hominem appellieren an niedere Instinkte und führen die entsprechende Sektenbildung somit auf Basis niederer Instinkte herbei, oder Fehlschlüsse ad hominem appellieren an übermenschliche Erleuchtung und führen die entsprechende Sektenbildung auf Basis eines irrationalen Glauben-Wollens herbei;
  • Fehlschlüsse ad hominem sollen eine sachliche Auseinandersetzung mit Argumenten verhindern und verhindern entsprechend das Lernen, denn Lernen setzt eine Auseinandersetzung mit kontroversen Gegenständen voraus, sonst ist es ein stupides Repetieren;
  • Fehlschlüsse ad hominem sind somit eine Gefahr für die so oft beschworene Zivilgesellschaft und befördern statt dessen eine Kultur der Ablehnung und des Abschlusses in Gesinnungs-Sekten.

Aus einer weiten Verbreitung von Fehlschlüssen ad hominem und einer entsprechend weit verbreiteten Bereitschaft, persönliche Attacken vor inhaltliche Diskussionen zu stellen, muss man also schließen, dass keine demokratische Diskussionskultur vorhanden ist. Rhetorikbücher mit Titeln wie: “Wie behalte ich in jedem Fall recht”, deren Ziel in der Manipulation des Gegenüber und in seiner Überredung oder Mundtotmachung besteht und somit nicht in der Schaffung einer lebhaften Diskussion über ein Thema sind entsprechend Gift für eine demokratische Diskussionskultur.

Gerechtigkeit ist…

Es kommt selten etwas Besseres nach, so eines dieser ewigen Pfälzer Sprichworte, die einem immer dann einfallen, wenn man damit konfrontiert ist, dass, na was: selten etwas Besseres nachkommt. Nachgekommen ist mit der neuen Regierung eine neue Ministerin für Familie und all die anderen (minus Männer) und wer über die Pressemitteilungen liest, der hat nicht den Eindruck, es habe sich etwas zum Besseren verändert – in Gegenteil.

Aber, und damit sind wir bei einer anderen Pfälzer Weisheit, die ein leider zwischenzeitlich verstorbener und heftig vermisster Pfälzer gerne geäußert hat: Es ist nichts so schlecht, als dass es nicht für ebbes gut ist! (digital remastered high-germanized version)

So auch die Pressemeldung unter dem Titel: “Förderung für ungewollt kinderlose Paare wird aufgestockt”. Gerade diese Pressemeldung eignet sich hervorragend, um ein paar (sozio-)logische Erkenntnisse zu verbreiten.

Beginnen wir mit dem Textteil des Bundes:

succesful cloning“Kinderwünsche dürfen keine Kostenfrage sein”, sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. “Gerade für Paare mit kleinen und mittleren Einkommen stellen die hohen Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro oft ein großes Problem dar. Familienpolitik beginnt bereits vor der Geburt eines Kindes.”

Soziologie umfasst einen Bereich, der gemeinhin als Sozialstrukturanalyse beschrieben wird. Die Sozialstrukturanalyse hat z.B. die folgenden Ergebnisse erbracht: Familien, die sich Kinder eigentlich nicht leisten können, für die Kinder entsprechend eine Kostenfrage sind, produzieren mehr Kinder für die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, und dies vor allem deshalb, weil sie durchschnittlich später eingeschult werden, weil sie häufiger sitzen bleiben oder auf Sonderschulen landen, weil sie häufiger eine Hauptschulabschluss, wenn überhaupt einen Abschluss erreichen, kurz: Die Paare, die sich einen Kinderwunsch aus Kostengründen nicht erfüllen können, sind auch die Paare, deren Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Kinder anderer Paare, eine Karriere auf Transferzahlungen zu starten.

Geissler SozialstrukturWarum das so ist, ist eine andere Frage, deren Antwort man als Konflikttheoretiker damit geben könnte, dass die Mittelschicht ständig neues Fleisch in der Unterschicht braucht, auf das sie heruntersehen kann, um sich ihre eigene Überlegenheit zu bestätigen. Entsprechend wäre die Finanzierung, die den Paaren angedeihen gelassen wird, die sich wegen zu geringer Einkommen, ihren “Kinderwunsch” nicht erfüllen können, Geld, das zur Psycho-Hygiene der Mittelschicht eingesetzt wird. Und damit es auch klappt, sorgen Mittelschichtsinstitutionen wie sie die Schulen oder das BMFSFJ darstellen dafür, dass Kinder aus der Unterschicht auch nicht in die Weidegründe der Mittelschicht vordringen.

Weiter geht es im Text, und da die Förderung ungewollt kinderloser Paare in Sachsen-Anhalt stattfindet, kommt auch ein Vertreter der dortigen politischen Kaste zu Wort, ein Norbert Bischoff. Er hat auch besonderes Wissen, das er an den Leser bringen will:

“Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, ungewollt kinderlose Paare nicht über Gebühr mit der Finanzierung für notwendige Behandlungen allein zu lassen. Über die Kosten darf keine Sozialauswahl erfolgen.”

Norbert Bischoff

Norbert Bischoff: Schaffer der Bischoff-Gerechtigkeit

Wir sehen: nicht nur die Bundesministerin ist uninformiert über einfache gesellschaftliche Zusammenhänge, auch der Landesminister. Zwei, die sich gesucht und gefunden haben, ein nettes Paar, so zu sagen. Gerechtigkeit ist also, wenn ein Wunsch, der mangels finanzieller Ressourcen nicht erfüllt werden kann, durch die Allgemeinheit erfüllt wird. Ist das so? Nun, dann hätten wir gerne einen Dienst-Ferrari. Oder gilt das Wunschkonzert nur für “notwendige Behandlungen”, wie der Minister einschränkt?

Nun, falls dem so ist, trifft eine logische Keule, denn die Behandlungen sind gar nicht notwendig: Es gibt kein Naturgesetz, das die künstliche Befruchtung zur lebenserhaltenden Maßnhme werden lässt. Das würde sich auch mit dem vermeintlichen Kinderwunsch ins Gehege kommen, denn wäre die Behandlung notwendig, der Kinderwunsch wäre ein Kinderzwang. Der Herr Minister hat offensichtlich keine Ahnung, wovon er spricht, auch nicht davon, was Gerechtigkeit ist.

Gerechtigkeit ist nämlich nicht, wenn andere für meine Wünsche zahlen. Das mag Politikern aufgrund ihrer hohen Gehälter, die viele trotz intellektueller Mittelmäßigkeit (im besten Fall) beziehen, so vorkommen, aber es ist nicht so. Gerechtigkeit ist, wenn man für eine Anstrengung und im Vergleich zur Anstrengung eines anderen, eine der Anstrengung und ebenfalls im Vergleich zum anderen entsprechende Auszahlung erhält. Wenn zwei Arbeiter die gleiche Arbeit in gleicher Intensität verrichten und der eine 5 Stunden, der andere aber 7 Stunden arbeitet, dann ist es gerecht, dass derjenige, der länger gearbeitet hat, auch mehr Lohn erhält.

(Wir wollten eigentlich ein Beispiel mit Politikern machen, aber hier versagt die Equität, denn Politiker werden ja für ihre Existenz und nicht für ihre Leistung bezahlt. Wen wundert es da noch, dass sie keinerlei Ahnung davon haben, was als Gerechtigkeit anzusehen ist.).

red ferrariAber für Herrn Bischoff ist Gerechtigkeit, wenn ein Wunsch erfüllt wird, der mit so hohen Kosten verbunden ist, dass ihn sich der Wünschende nicht selbst erfüllen kann. Diese, nennen wir sie Bischoff-Gerechtigkeit, wollen wir zum Anlass nehmen, um ein kleines Wunschkonzert zu starten. Also, Liebe Leser von ScienceFiles, wünschen Sie sich etwas aus dem breiten Angebot der Bischoff-Gerechtigkeit.

Gibt es etwas, das sie gerne hätten, das Sie sich aber nicht leisten können und für das Sie der Meinung sind, dass es keine Sozialauswahl geben darf? Dann teilen Sie es uns und dem Herr Bischoff mit. Nutzen Sie dazu sein eigens eingerichtetes Kontaktformular und ergänzen Sie das Stichwort: Bischoff-Gerechtigkeit.

Wir haben uns von Herrn Bischoff eine einsame Insel gewünscht, auf der man keine Nachrichten aus Deutschland empfangen kann.

island in the sun
Und Sie?

Nachtrag

Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem der Ausstieg aus der furchtbaren Kerntechnik beschlossen ist, in einem Land, in dem die Gentechnologie mit mystischen Kräften, die allesamt Schreckliches hervorbringen, verbunden und entsprechend abgelehnt wird, dennoch und über Steuergelder finanziert an Erbgut herumexperimentiert werden darf. Und ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem das so genannte ungeborene Leben (ein netter Widerspruch) von so vielen Beschützern verteidigt wird, befruchtetes Erb-Material dem Absterben preisgegeben oder auf Eis gelegt wird? Und ist es nicht erstaunlich, mit welcher Vasallentreue sich die heftigen Kinderwünscher Dritten anvertrauen, sich unter deren Obhut begeben und keine Sekunde daran zweifeln, dass das, was da in ihnen heranwächst auch wirklich ihres ist?

Krise der Sozialwissenschaften – Einige Thesen gegen den Niedergang

Aus Anlass der Australian Science Communicators Conference 2014 ist in Australien eine Diskussion darüber ausgebrochen, warum es trotz aller Anstrengungen nicht gelingen will, Mneschen für Wissenschaft zu begeistern und – mehr noch – warum es eine Gruppe von Menschen gibt, die in Umfragen konstant von sich sagen, sie seien nicht an Wissenschaft interessiert – ein für manche australische “Science Communicators” irritierendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass Menschen mit den Ergebnissen von Wissenschaft und Forschung in ihrem täglichen Leben umgeben sind wie nie zuvor.

Während die australischen Science Communicators das in Teilen der Bevölkerung vorhandene Desinteresse zum Anlass nehmen, um ihre Methoden zu hinterfragen, mit denen sie Wissenschaft und wissenschaftliche Ergebnisse vermitteln, wollen wir diese Diskussion zum Anlass nehmen, um für Deutschland und bezogen auf die Sozialwissenschaften zu fragen, wo es im Argen liegt [Wobei wir uns den Hinweis nicht sparen können, dass es in anderen Ländern ein Problem darstellt, wenn es Wissenschaftlern nicht gelingt, ihre Forschung in der Bevölkerung zu legitimieren.].

Albert TraktatUnser kleines Traktat beginnt mit dem Eurobarometer 340, der im Jahr 2010 im Feld war. Damals haben 32%der befragten Deutschen angegeben, Sie seien an wissenschaftlichen Entdeckungen und technologischen Entwicklungen sehr interessiert (30% im EU-27 Durchschnitt, 51% der befragten Deutschen sagen von sich, sie seien etwas interessiert) und 70% haben voll und ganz oder eher der Aussage zugestimmt, dass Wissenschaftler nicht die Wahrheit sagen, “da sie in finanzieller Hinsicht mehr und mehr von der Industrie abhängig sind” (58% im EU-27 Durchschnitt).

Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass Wissenschaft und wissenschaftliche Ergebnisse in der Öffentlichkeit auf ein reges Interesse stoßen, wenngleich eine pessimistische Grundhaltung zu überwiegen scheint, die wissenschaftliche Ergebnisse zunächst einmal entgegen gebracht wird. Dass diese pessimistische Grundhaltung hier am Beispiel einer finanziellen Abhängigkeit von der Industrie abgefragt wird, ist eine der Eigenarten des Eurobarometers, der keinerlei kritische Fragen gegenüber den Versuchen von Regierungen, wissenschaftliche Ergebnisse in ihrem Sinne zu verzerren enthält.

Wenn man davon ausgeht, dass viele Menschen in Deutschland an Wissenschaft interessiert sind und wenn man die beschriebene skeptische Grundhaltung einmal als gegeben annimmt, dann stellt sich die Frage, warum dennoch bestimmte Bereiche der Wissenschaft eher belächelt werden, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden, und warum man in Foren und Blogs regelmäßig auf eine Haltung trifft, die z.B. Sozialwissenschaften als unfundierte ideologische Veranstaltung abtut, die nur dazu da ist, ideologische Moden und Trends zu rechtfertigen.

scientificmethodDie Antwort auf diese Frage scheint sich von selbst aufzudrängen: Deutsche Sozialwissenschaften sind in Teilen ideologische Veranstaltungen und Forschungen werden immer häufiger als Auftragsforschung z.B. der Bundesregierung durchgeführt, die dazu dienen soll, bestimmte, ideologisch gewünschte Ergebnisse zu produzieren. Wir selbst haben mehrfach darüber berichtet. Mehr noch: Manche Besetzer sozialwissenschaftlicher Lehrstühle sehen es als ihre Aufgabe oder Bestimmung an, ihre Sicht der Welt quasi wie ein Evangelium an Studenten und alle, die ihnen zuhören mögen, zu verbreiten und verstärken damit ein Bild in der Öffentlichkeit, das Sozialwissenschaften als willkürliche al-gusto-Veranstaltung darstellt. Und selbstverständlich hat die Unterminierung der Sozialwissenschaften durch Politkomissare des Genderismus und die Zersetzung wissenschaftlicher Fakultäten durch Lehrstühle der Frauen- oder Geschlechterforschung nicht dazu geführt, die Sozialwissenschaften reliabel und vertrauenswürdig zu machen. Ganz im Gegenteil tragen die universitären Positionen, die eigens geschaffen wurden, um Frauen ein Auskommen zu verschaffen, dazu bei, die wissenschaftliche Professionalität restlos zu beseitigen.

Vor diesem Hintergrund haben wir einige Thesen aufstellen, die das Elend der deutschen Sozialwissenschaften beschreiben und Wege aus der Krise aufweisen sollen:

  • Die Sozialwissenschaften haben eine Methode und dennoch führen sich viele Sozialwissenschaftler auf, als wären sich in der von Thomas Kuhn beschriebenen Vor-Wissenschaft.
    1. Einst war eine methodologische Grundausbildung ebenso wie die Wissenschaftstheorie ein fester Bestandteil des sozialwissenschaftlichen Curriculums. Heute herrscht methodologische Willkür, und eine wissenschaftstheoretische Ausbildung findet an den meisten Universitäten nicht mehr statt.
    2. TopitschAls Konsequenz hat sich ein methodologisches “anything goes” entwickelt, das selbst Paul Feyerabend das Fürchten lehren würde und das dazu führt, dass sich Sozialwissenschaftler aus der Außenansicht oftmals wie ein Haufen von Beseelten, um nicht zu sagen Besessenen darstellen, die ohne Ziel und Zweck Dinge erforschen, von denen niemand weiß, geschweige denn sie selbst, warum.
    3. Nicht nur ist die Rigorosität der Forschung einer methodischen Beliebigkeit gewichen, die die Korrelation von Variablen zum heiligen Kalb erkohren hat, das an die Stelle der theoretischen Ableitung getreten ist, auch die aus dieser Rigorosität folgende theoretische Begründung von Forschung ist verschwunden. Anything goes gilt nicht nur im Hinblick auf die Forschungsmethoden, sondern auch im Hinblick auf die häufig skurrilen und keinerlei Erkenntnisgewinn bringenden Themen.
    4. In diesem Sumpf aus methodischer Willkür und methdologischer Unkenntnis gedeihen esoterische Nutznießer der Sozialwissenschaften sowie Bekenntnis- und Gesinnungsforscher, die ihren Sinn und Zweck darin sehen, ihre geistige Verfassung, ihren geistigen Frame, das was sie für richtig halten, an die Welt heranzutragen und – wenig überraschend – in der Welt wiederzufinden.
  • Die Sozialwissenschaften tun als Fächergruppe überhaupt nichts, um einen einheitlichen Standard der Wissenschaftlichkeit durchzusetzen.
    1. Für einen neutralen Beobachter müssen sich die Sozialwissenschaften an deutschen Universitäten wie ein bunt zusammengewürfeltes Durcheinander wilder Ideen darstellen, das nichts Gemeinsames hat. Das sozialwissenschaftliche Schriftum hält für jeden noch so ausgefallenen Wunsch etwas bereit: Wer eine Berechtigung sucht, Forschung al-gusto zu betreiben, um machen zu können, was er will ohne sich der Gefahr einer Kontrolle auszusetzen, wird in manchen der so genannten Lehrbücher zur qualitativen Sozialforschung, z.B. unter dem Stichwort “Experteninterviews” fündig. Wer eine Rechtfertigung dafür sucht, dass er den ideologischen Kampf für die vermeintlich Armen aufnehmen und die Einflüsse des “menschenverachtenden Kapitalismus” zurückdrängen will, wird ebenfalls fündig. Wer seine Karriere als Politiker mit dünngeistigen Sätzen oder der Bildung von Netzwerken vorbereiten will, der ist ebenfalls in den Sozialwissenschaften gut aufgehoben. Selbst Bundesverfassungsrichter werden schon in den Sozialwissenschaften gemacht.
    2. Sozialwissenschaftler, die einer Methode verpflichtet sind und ernsthaft Sozialwissenschaft betreiben, wenden sich nicht gegen das wilde Treiben, das sie umgibt. Viele forschen in ihrem Elfenbeinturm und sind nach wie vor der Ansicht, Medienkontakte würden die eigene Foschung inkubieren und darüber hinaus sei es ihnen nicht zuzumuten, mit denjenigen, die ihre Forschung bezahlen, Kontakt aufzunehmen, sie für ihre Forschung zu interessieren.
    3. Und viele Sozialwissenschaftler sehen dabei zu, wie ihre Fächer von Ideologen und Politkommissaren aller Art überlaufen und übernommen werden. Sie stehen am Rand und lassen geschehen.

Um Sozialwissenschaften in Deutschland auch in der öffentlichen Wahrnehmung zu etwas zu machen, das ernsthaft betrieben wird und mit gesicherten Ergebnissen aufwarten kann, sehen wir die folgenden Maßnahmen für unverzichtbar:

  • Eine verpflichtende Ausbildung von Studenten in Logik, Methoden und Methodologie der Sozialwissenschaften und damit die Schaffung eines gemeinsamen Standards der Wissenschaftlichkeit und vor allem der intersubjektiven Prüfbarkeit wissenschaftlicher Ergebnisse.
  • Die Verpflichtung aller Fachbereiche auf die Regeln der formalen Logik und die Einhaltung methodischer Standards, die sich auf die Form der Forschung, nicht auf deren Inhalt beziehen.
  • Die Durchsetzung dieser klaren Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens an Universitäten und die Schließung aller Fachbereiche und Beseitigung aller Lehrstühle, die nicht im Stande sind, Ergebnisse zu produzieren, die nachprüfbar sind oder einen Erkenntnisgewinn insofern bereitstellen, dass nützliches Wissen bereitgestellt wird, das dadurch definiert ist, dass es andere in die Lage versetzt, Probleme zu lösen.
  • Eine Verpflichtung für Wissenschaftler nicht nur alle eigenen Daten und Methoden offenzulegen, sondern der Öffentlichkeit ein Dialogangebot zu machen, d.h. über die vielfältigen Formen sozialer Netzwerke die eigene Forschung zur Diskussion zu stellen.
  • blogger comicDa nicht zu erwarten ist, dass öffentliche Medien plötzlich die Sozialwissenschaften entdecken, wird es notwendig sein, eine eigene Plattform für die Diskussion mit der Öffentlichkeit zu schaffen.
  • Schließlich muss Wissenschaft und Forschung unabhängig von politischen Institutionen und Auftraggebern betrieben werden. Ministerien mögen Forschungsanfragen an Sozialwissenschaftler stellen, eine Finanzierung der Forschung muss aber unabhängig von Ministerien erfolgen. Das Ziel muss entsprechend eine unabhängige Finanzierung von Hochschulen sein, was letztlich nur über Bildungsfonds und Studiengebühren erfolgen kann, wobei die Studiengebühren über Bildungsgutscheine, die an Studenten ausgegeben werden und die eine Freiheit der Wahl der Universität beinhalten, finanziert werden.

©ScienceFiles, 2014