Hausgemachte deutsche Klimawandel-Panik

Wer in Deutschland ein Wort des Zweifels an diejenigen richtet, die behaupten, Klimawandel sei ein Ergebnis menschlicher Aktivitäten, durch eine Reduzierung von CO2 bekämpf-, wenn nicht umkehrbar, und zudem ein einmaliges historisches Ereignis, dessen Auswirkungen auf den Wasserstand man auf die Dezimalstelle genau berechnen könne, der macht sich zur Zielscheibe von Anfeindungen, denn: In Deutschland herrscht Einheit, eine Einheitsmeinung, eine mediale Einheitsmeinung, die gebetsmühlenähnliche Gesänge menschengemachter, CO2 verursachter und genauer, aufs Milli-Grad genauer Erwärmungsberechnung in regelmäßigen Abständen anstimmt.

In den USA ist das nicht so. In den USA ist man bescheidener. Dort sieht man Klimawandel als Natur-Phänomen, an dem Menschen nur einen sehr kleinen Anteil haben. Und in den USA gibt es eine offene Diskussion darüber, wie groß der Anteil von Menschen an Klimaveränderungen  ist, in Medien, in Zeitungen, im Fernsehen. In Deutschland gibt es das nicht. Hier herrscht die anthropozentrische Gewissheit: Menschen sind schuld. Ausschließlich und nur Menschen machen den Klimawandel, den Klimawandel, dessen Auswirkungen man genau, ganz genau in entsprechenden Modellen berechnen kann.

Gleick ChaosJames Gleick erzählt zu Beginn seines Buches “Chaos” eine Geschichte von Edward Lorenz. Lorenz ist ein, wenn nicht der Pionier der computergestützten Wettervorhersage, der in den 1960er Jahren seine Kollegen mit seinen Wetter-Modellen erschreckt hat. Jener Edward Lorenz war eines Nachmittags im Massachusetts Institute of Technology auf dem Weg in sein Büro. Sein Computer sollte mit den Berechnungen eines Wettermodells, so die Erwartung von Lorenz, fertig sein. Damals dauerte es noch Stunden, wenn nicht Tage, Computer-Modelle zu berechnen. Lorenz hat sich nicht geirrt. Der Computer war mit seinem Berechnungen am Ende, mit seinen Kontrollberechnungen, denn bei dem Ergebnisausdruck, den Lorenz nun in den Händen hielt, handelte es sich um die Ergebnisse derselben Berechnung, desselben Modells, das er bereits am Vortag hatte berechnen lassen. Nur: Er erkannte die Ergebnisse nicht wieder. Sie waren vollkommen anders, so verschieden von den Vortagsergebnissen, wie sie nur sein konnten.

Ein Rätsel für Lorenz, denn: Wie kann dasselbe Modell, wie können dieselben Parameter zwei völlig verschiedene Ergebnisse liefern? Nach einiger Zeit der Verwunderung hatte Lorenz den Fehler gefunden. Er hatte Werte gerundet. Aus dem Wert .506127 im ursprünglichen Modell hatte er der Bequemlichkeit halber und weil er gedacht hat, dass Veränderungen der vierten Nachkommastelle sich nicht auf das Modell auswirken, den Wert .506 gemacht. Die vierte Nachkommastelle, sie war relevant. So relevant, dass zwei vollkommen unterschiedliche Ergebnisse aus ihrem Vorhandensein bzw. ihrem Fehlen resultierten.

Warum wir das erzählen?

Nun, es ist ein Lehrstück dafür, wie das Ergebnis einer Modellberechnung vom Dateninput abhängt, dafür, wie sich bereits kleinste Änderungen auf das Ergebnis auswirken, dafür, wie leicht man Fehler produzieren kann, wenn man ab der vierten Nachkommastelle rundet.

Trotz all dieser Unwägbarkeiten, trotz der Anfälligkeit von Prognosemodellen, die man regelmäßig beobachten kann, wenn man nach einer Wettervorhersage sucht, die mehr als eine Woche umfasst und die sich im Nachhinein als richtig herausstellt, trotz all der Annahmen, die in ein Modell einfließen, das die Entwicklung z.B. der Erdtemperatur vorhersagen soll, trotz all der Fragen, die mit nicht nur der Bestimmung von Anfangsparametern, sondern auch mit der Frage, welche Parameter überhaupt berücksichtigt werden sollen, verbunden sind, trotz all dieser Schwierigkeiten, wollen uns Apostel des Klimawandels erzählen, ihre Modelle seien akkurat, würden die Realität und die zukünftige Realität genau erfassen, bis auf die vierte Nachkommastelle genau.

Kein Zweifel an den Ursachen von Klimawandel wird zugelassen. Klimawandel wird von Menschen gemacht, ist eine Funktion des  CO2-Ausstoßes, ist durch 47,5687% mehr Windkraftanlagen und 85,1142% mehr Solaranlagen zu verhindern (und natürlich durch die entsprechende steuerliche Förderung und Begünstigung von alternativen Methoden der Energiegewinnung).

Dieses Glaubensbekenntnis wiederholen vor allem deutsche Medienvertreter immer und immer wieder. Kritische Stimmen, die einen relevanten Einfluss von Menschen auf das Erdklima in Frage stellen, sie kommen in deutschen Medien und ganz im Gegensatz zu US-amerikanischen Medien nicht zu Wort. Wer daran zweifelt, dass Klimawandel nur von Menschen verursacht wird, der gilt in Deutschland als Para-Wissenschaftler oder als Verrückter.

Nicht so in den USA. Dort diskutieren die Wissenschaftler, die den Klimawandel für “man made” halten, mit denen, die denken, die Einflüsse von Menschen seien im kosmischen Konzert interstellarer Kräfte wie Sonnenstürme nicht weiter von Bedeutung. US-Amerikaner haben entsprechend die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung darüber zu bilden, welche von beiden Fraktionen die besseren Argumente auf ihrer Seite hat.

Nicht so in Deutschland. Hier ist per Dekret verordnet, wer Recht hat und wer nicht und überraschenderweise finden sich Wissenschaftler, die in Medien das Glaubensbekenntnis der nur menschlichen Ursache des Klimawandels wiederholen und die Zweifel an Modellen des Klimawandels (vor allem an deren vierter Stelle nach dem Komma) entweder nicht haben oder nicht äußern.

Warum ist die Berichterstattung zwischen den USA und Deutschland so unterschiedlich. Warum wird in Deutschland ein menschengemachter Klimawandel als Gewissheit präsentiert, wenn eine große Zahl selbst deutscher Wissenschaftler daran erhebliche Zweifel hat?

Diese Frage hat sich Senja Post von der Universität Koblenz-Landau gestellt und beantwortet. Die Antwort findet sich in der Januarausgabe der Zeitschrift “Public Understanding of Science”.

Grundlage der Antwort sind schriftliche Interviews mit 123 Wissenschaftlern, die sich mit dem Erd-Klima beschäftigen, sei es als Meteorologe, als Geologe, als Physiker, Chemiker oder Forstwissenschaftler. Den Antworten dieser 123 Wissenschaftler sind u.a. die folgenden Ergebnisse zu entnehmen:

  • Dass ein Klimawandel im Gange ist, ist unter den deutschen Wissenschaftlern nicht umstritten.
  • Dass Menschen einen Einfluss auf das Klima ausüben, ist weitgehend eine geteilte Ansicht, umstritten ist dagegen, ob der menschliche Einfluss auf das Klima relevant ist. Die 123 Klima-Wissenschaftler teilen sich hier in zwei fast gleichgroße Gruppen.
  • Je präsenter Wissenschaftler in Medien sind, je mehr Kontakt sie zu Journalisten haben, desto überzeugter sind die entsprechenden Wissenschaftler, dass der Klimawandel menschengemacht und CO2-verursacht ist oder umgekehrt.

Post fast ihre Ergebnisse wie folgt zusammen:

“This study shows that the more climate scientists are engaged with the media the less they intend to point out uncertainties about climate change and the more unambiguously they confirm the publicly [also in Medien] held convictions that it is man-made, historically unique, dangerous and calculable” (Post, 2016: 69).

In den Medien kommen also nur Klima-Wissenschaftler vor, die den Klimawandel als menschengemachte, historisch einmalige und berechenbare Erscheinung präsentieren, die Zweifel am Klimawandel, Probleme mit dem Modellen, auf denen die Vorhersagen der Klimawandel-Apostel basieren, entweder nicht kennen oder nicht zulassen. Die Klima-Wissenschaftler, nach den Ergebnissen von Post 50% der in Deutschland zu findenden Klima-Wissenschaftler, die Zweifel an Modellen haben und der Ansicht sind, der Klimawandel sei weder historisch einmalig noch haben menschliche Aktivitäten einen relevanten Anteil daran, sie kommen in der Medienöffentlichkeit schlicht nicht vor.

Warum ist das so?
Drei Erklärungen drängen sich auf:

  • Die Wissenschaftler, die sich zum Klimawandel in Medien äußern, sind Opportunisten und biedern sich bei Journalisten, die keinen Zweifel am Klimawandel nachfragen, an.
  • Die Wissenschaftler, die sich zum Klimawandel in Medien äußern, kennen keine Zweifel an Modellen, sind also Überzeugungstäter.
  • Die Wissenschaftler, die sich zum Klimawandel in Medien äußern, kennen zwar, Zweifel, stellen diese aber zurück im Hinblick auf den eigenen Vorteil und weil sie der Ansicht sind, die Impfung der Öffentlichkeit dahingehend, dass Klimawandel ein menschengemachtes, wichtiges und mit viel Steuergeldern zu bekämpfendes Phänomen sei, sei wichtiger als der Hinweis darauf, dass die Frage, ob der menschliche Beitrag zum Klimawandel relevant ist, umstritten und alles andere als geklärt ist.

Ob sich Journalisten gezielt Opportunisten, Überzeugte oder Überzeugungstäter unter Wissenschaftlern suchen oder Letztere sich bei ersteren anbiedern, ist eine offene Frage.

EEG SubventionenBeantwortet ist dagegen die Frage, warum in deutschen Mainstream-Medien keine Wissenschaftler zu Wort kommen, die dem Klimawandel kritisch gegenüberstehen: Daran, dass der Klimawandel menschengemacht und berechenbar ist, hängen erhebliche Interessen. Die gesamte alternative Energienindustrie und ihre Subventionierung hängt davon ab und das komplette Seelenheil der alternativ-linken Ideologen, die einen Teil ihres Überlegenheitsanspruches über Andersgläubige aus ihrer Einsicht in den menschengemachten Klimawandel ableiten.

Bislang hat der Artikel von Post noch keinen Widerhall in deutschen Medien gefunden, fast so, als wollte man bestätigen, was Post herausgefunden hat, dass kritische wissenschaftliche Stimmen, die Zweifel am Klimawandel äußern, in deutschen Mainstream-Medien unterdrückt werden. Auch der Pressestelle der Universität Koblenz-Landau, scheint der Beitrag ihrer Mitarbeiterin keine Pressemeldung wert zu sein, das, obwohl die Pressestelle der Universität Koblenz -Landau eher zu den Pressestellen gehört, die lieber eine Pressemeldung zu viel als eine zu wenig veröffentlichen.

Post, Senja (2016). Communicating Science in Public Controversies: Strategic Considerations of the German Climate Scientists. Public Understanding in Science 26(1): 61-70.

 
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Medienkrise: Universitätsprofessor glaubt seiner Tageszeitung nicht mehr!

Der “Medienjournalist, Autor und Dozent” Fritz Wolf hat heute.de ein Interview gegeben, ein Interview zum Thema “Medien in der Krise” und ein Interview, das von Vorurteilen und Fehlschlüssen nur so strotzt.

Stellen Sie sich ein Mitglied der journalistischen Mittelschicht vor, wie es leger in einen Sessel gestreckt, die Stirn in die zur Vorspiegelung eines wachen Intellekts angemessene Anzahl von Falten gelegt, Fragen beantwortet, die mehr den Status von Stichworten haben.

Fritz Wolf dürfte in diese Pose passen. Stellen wir ihn uns also vor, wie ihm in besagter legerer Pose ein Stichwort zugeworfen wird:

Stichwort “Medienkritik”.

Was gibt es dazu an Vorurteilen bei Fritz Wolf?

  • Die Kritik an Medien ist so massiv, weil es das Internet gibt.
  • Misstrauen an Medien gibt es schon länger, eine Zuspitzung der Kritik erst, seit “man sich im Internet zu einer fünften Gewalt aufschwingen kann”.
  • Kritiker an Medien sind Systemkritiker.
  • Kritiker an Medien waren früher rechts.
  • Kritiker an Medien sind heute rechts und aus der bürgerlichen Mitte.
  • Journalisten äußern sich “pointiert”, Kritiker von Journalisten sind “Shitstormer”

heute wolfDer Feind der Medien, die Systemkritiker, sie sitzen rechts und finden sich auch in der bürgerlichen Mitte. Folgerichtig muss man schließen, dass für Fritz Wolf die Medien, zum einen Systemmedien sind, denn nur wenn die Medien Systemmedien sind, macht sein Hinweis auf die rechten Systemkritiker Sinn. Zum anderen müssen diese Systemmedien aus der Logik von Frits Wolf heraus, links sein, denn die Kritik an den Systemmedien kommt ja von rechts und aus der bürgerlichen Mitte.

In der Eigenwahrnehmung mancher Journalisten, ist es demnach so, dass sie sich plötzlich in der Kritik sehen, eine Kritik, deren Ausmaß erst durch das Internet möglich geworden ist, in dem sich nach Ansicht von Wolf Schreihälse zur “fünften Gewalt” aufschwingen können.

Da die Politikwissenschaft und insbesondere die Regierungslehre nur drei Gewalten kennt, nämlich Legislative, Exekutive und Judikative, wäre es interessant zu erfahren, wem Wolf die vierte Gewalt zugedacht hat. In jedem Fall sind Schreihälse im Internet bestenfalls fünfte Gewalt für ihn, eine zweite Öffentlichkeit, mit der sich Journalisten, die es doch bislang gewohnt waren “Torwächter” zu sein, d.h. darüber zu bestimmen, was berichtet wird und was nicht, nun herumschlagen müssen.

Schlimmer noch:

“Wolf: Systemkritiker von rechts gab es schon immer. Neu ist, dass das Misstrauen in die bürgerliche Mitte rutscht. Ich habe neulich mit einem Universitätsprofessor zu tun gehabt, der glaubt plötzlich dem Internet und nicht mehr seiner Tageszeitung und dem Fernsehen. Ich hatte immer noch gedacht, das sei die Geisteshaltung einer Minderheit. Da baut sich eine gesellschaftliche Opposition auf, von der wir noch nicht wissen, wo sie hinführen kann.”

Wie viele Fehlschlüsse kann man eigentlich in einem so kurzen Absatz unterbringen?

Falsche bzw. ungeprüfte Annahmen:

  1. Alle Universitätsprofessoren sind aus der bürgerlichen Mitte.
  2. Ein Universitätsprofessor steht für die gesamte bürgerliche Mitte.
  3. Alle Tageszeitungen schreiben die Wahrheit.
  4. Das Fernsehen berichtet die Wahrheit.
  5. Das gesamte Internet lügt.
  6. Ein Universitätsprofessor steht nicht nur für die gesamte bürgerliche Mitte, sondern auch für eine Geisteshaltung der Mehrheit.

Fehlschluss der unzulässigen Verallgemeinerung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens; Fehlschluss ad auctoritatem; Fehlschluss der unzureichenden Statistik; Post-hoc Fehlschluss … Fritz Wolf ist eine wahre Fundgrube für Fehlschlüsse aller Art.

Logik SalmonEntsprechend empfehlen wir ihm die Lektüre von Wesley C. Salmons kleinem Büchlein “Logik”, vor allem die Darstellung der Fehlschlüsse ist in diesem Büchlein hervorragend.

Und vielleicht kann Wolf dann ja in Zukunft auch Widersprüche vermeiden wie den folgenden.

In der ersten Hälfte, sagt Wolf auf ein ihm zugeworfenes Stichwort: “Solange Journalisten zurückdenken können, waren sie die Torwächter. Bei ihnen gingen alle Informationen ein, wurden bewertet, aussortiert, aufgeblasen.”

Hier ist Wolf also der Meinung, dass von den eingehenden Informationen, dass es alle Informationen waren, die bei Journalisten eingingen, ist ein weiterer Fehlschluss, welche “aussortiert” wurden. Dass Journalisten also eine Auswahl treffen und nicht über alles berichten, was bei ihnen eingeht, ist Wolf zu diesem Zeitpunkt des Interviews noch bewusst.

Zwei Minuten später hat er es vergessen. Nun reagiert er auf die Stichworte “Schweigekartell” und “CSU” wie folgt:

“Diese angeblichen Tabus gibt es nicht. Es wird doch über alles geredet, geschrieben, gesendet.”

Mit anderen Worten: Journalisten sortieren nicht aus, sondern geben alles (den neuerlichen Fehlschluss unzulässiger Verallgemeinerung nehmen wir einmal hin) weiter, sind also Durchleiter und nicht Torwächter.

Kann man von einem Medienjournalisten, Autor und Dozenten heutzutage nicht mehr erwarten, dass er sich innerhalb von zwei Minuten nicht widerspricht? Scheinbar nicht. Daraus könnte man die Hypothese ableiten, dass nicht die Medien in der Krise sind, sondern Journalisten, und zwar in einer Glaubwürdigkeitskrise, die einerseits aus den Widersprüchen folgt, die manche von ihnen innerhalb von wenigen Zeilen aufzustellen im Stande sind, die andererseits damit zusammenhängt, dass die Arbeit von Journalisten transparenter geworden ist: Es gibt nunmehr die Möglichkeit, das, was Journalisten schreiben oder als “Torwächter” nicht durchlassen, im Internet zu prüfen bzw. nachzulesen und sie damit zu konfrontieren.

Und das irritiert “Medienjournalisten, Autoren und Dozenten” wie Fritz Wolf erheblich. Sind die schönen Zeiten, wo man noch ungestraft schreiben konnte, was und worüber man wollte tatsächlich vorbei? Sie müssen es sein, denn selbst Universitätsprofessoren glauben nicht mehr, was in Tageszeitungen steht.

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Ohne Liberalismus keine Wissenschaft

In unserer Blauen Reihe haben wir einen neuen Beitrag veröffentlicht, von dem wir denken, dass er nie so wichtig war, wie heute.

Denn heute finden sich an Universitäten alle möglichen Ideologen und Scharlatane, die ihre Position, die manche als “statushohe Position” wähnen, ausnutzen, um ihre Ideologie oder ihre Wunder-Erkenntnisse als Wissenschaft auszugeben und unters von ihnen als dumm verachtete Volk zu bringen.

Heute gibt es staatliche Eingriffe in die Wissenschaft, wie noch zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte. Bürokraten planen, wie viele Stellen an Hochschulen für welche Zwecke vorhanden sein sollen. Ideologen bilden an Hochschulen ideologische Brückenköpfe und unterminieren auf diese Weise die wenigen Versuche, Wissenschaft zu betreiben, die es heute in den (Sozial-)Wissenschaften noch gibt.

Das Ergebnis dieser anti-wissenschaftlichen Interventionen kann jeder in Tageszeitungen sehen, in denen sich institutionalisierte Wissenschaftler, deren Wissenschaftlichkeit darin besteht, einen Lehrstuhl zu besetzen, die Wahrheiten verkünden und solche, die Bürger im Auftrag der politischen Korrektheit beschimpfen, um die entsprechenden Kolumnen schlagen.

Liberalismus_coverDas Ergebnis findet sich zudem in angeblich wissenschaftlichen Expertisen, deren einziger Zweck darin besteht, politisch Gewolltes mit dem Anschein der Wissenschaftlichkeit zu legitimieren, ein Zweck, für den sich institutionalisierte Wissenschaftler nur zu gerne gebrauchen lassen.

Die Aussichten für die (Sozial-)Wissenschaft, die sich aus diesen Missbräuchen ergeben, sind düster und für den Wissenschaftsstandort Deutschland noch düsterer. Mit dem Einzug von Ideologen, Marxisten, Sozialisten, Kommunitaristen, paternalistischen Anti-Liberalen und Genderisten wurde das Ende der (Sozial-)Wissenschaften eingeläutet.

Um zu verhindern, dass die deutsche (Sozial-)Wissenschaft in die vollkommene Bedeutungslosigkeit abgleitet und die institutionalisierte Wissenschaft sich zu einer totalen Institution entwickelt, in der nur noch Mainstream und politisch Korrektes gedacht werden darf, ist es notwendig sich der Tatsache zu erinnern, dass Wissenschaft ein liberales Unterfangen ist und entsprechend ohne Liberalismus Wissenschaft nicht möglich ist.

Der neue Beitrag in unserer Blauen Reihe führt Argumente zusammen, die zeigen, dass Wissenschaft nur in einem liberalen Geist und einem liberalen Umfeld möglich ist.

Der Beitrag Wissenschaft und Liberalismus kann hier heruntergeladen werden.

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Verschwörer gegen Verschwörungstheorien

Monumente wie Stonehenge, die Pyramiden in Ägypten oder Südamerika konnten nur mit Hilfe von Aliens gebaut werden.

ISIL VTISIS/ISIL ist eine Kreation des Mossad, des israelischen Geheimdienstes.

Der Anschlag auf das World Trade Center in 2001 ist eine Aktion, die CIA und Mossad gemeinsam durchgeführt haben.

Die Mondlandung hat es nie gegeben.

Die Bilderberger regieren die Erde. Politiker sind nur Marionetten.

Alles was schlecht und böse ist, wird vom Teufel ausgeheckt.

Die bösen Bonzen wollen über freien Handel die nationalen Völker zerstören.

Die bösen internationalen Bonzen wollen über freien Handel die Rechte von Arbeitnehmern beseitigen.

AIDS geht auf einen chemischen Kampfstoff zurück, den die USA in Afrika erproben wollten.

Kapitalismus ist eine patriarchalische Verschwörung, deren Ziel darin besteht, Frauen zu unterdrücken.

Und so weiter…

Es gibt einen scheinbar nicht enden wollenden Strom an so genannten Verschwörungstheorien. Und hier fängt schon das Problem an. Warum sind die oben zusammengestellten Beispiele Beispiele für eine Verschwörungstheorie?

Mit etwas Abstand betrachtet, sind alle so genannten Verschwörungstheorien Behauptungen über die Realität. Der Zusatz “Verschwörung” dient offensichtlich dazu, sie zu klassifizieren, eine Gemeinsamkeit mancher Theorien zu betonen, die darin besteht, dass hinter ihnen die Annahme steht, dass bestimmte Ereignisse von Personen oder Gruppen von Personen mit bestimmten Interessen herbeigeführt wurden oder werden sollen, um sich einen Vorteil zu verschaffen und in der Regel die Betrachter der Ereignisse zu täuschen und zu manipulieren.

So verhält es sich mit der Mondlandung, die in den Augen mancher ein Fake sein soll. So ist es bei der Erklärung der Ursache von 9/11, die manche nicht in Al-Kaida sehen. So ist es bei den Monumentalbauten, die gar nicht von Menschen, sondern von Aliens errichtet worden sein sollen, beim Kampfstoff AIDS und bei der Ansicht, es gebe ein kapitalistisches Patriarchat, das anstatt Gewinn zu machen, Frauen unterdrücken wolle.

Jenseits dieser Gemeinsamkeit wird der Begriff “Verschwörungstheorie” häufig dazu genutzt, um eine Theorie zu diskreditieren, denn eine Verschwörungstheorie ist keine wirkliche Theorie, so soll suggeriert werden, vielmehr eine absurde Theorie oder eine Theorie, wie sie nur im Geist von Gestörten oder Dummen entstehen kann: Wer glaubt noch an den schwarzen Mann?

Indes, wer entscheidet, welche Behauptung über die Realität eine Verschwörungstheorie ist? Was unterscheidet die Ansicht, es gebe einen von Menschen gemachten Klimawandel von der Ansicht, der Mossad stecke hinter den Anschlägen von 9/11 und hinter ISIS?

Auf den ersten Blick würde man sagen: Was eine Verschwörungstheorie von einer nicht-Verschwörungstheorie unterscheidet, ist nicht nur der oben beschriebene Bezug auf Drahtzieher und Interessen, die hinter Ereignissen stecken stecken, sondern auch die empirische Unhaltbarkeit der entsprechenden Verschwörungstheorie.

Sciencefiles

Wenn jedoch das Kriterium empirischer Bewährung herangezogen wird, um die Theorie des Klimawandels von der Theorie des Mossad-finanzierten ISIS/ISIL zu differenzieren, dann braucht man keine Bezeichnung “Verschwörungstheorie”, dann reicht es, auf die empirische Bestätigung für beide Behauptungen zu schauen.

Da es vielen nicht reicht, auf die empirische Bestätigung von Behauptungen, die als Theorien daherkommen, zu schauen, sie vielmehr darauf bestehen, von Verschwörungstheorien zu sprechen, muss man annehmen, dass es den entsprechenden Verschwörungstheorie-Sprechern darum geht, die von ihnen als Verschwörungstheorie bezeichneten Theorien zu diskreditieren.

Und warum tun sie das? Die einzige Antwort, die auf diese Frage möglich ist, lautet: Weil die Aussage der entsprechenden Theorien ihren Interessen widerspricht, weil sie ein Interesse daran haben, Theorien nicht zu prüfen bzw. nicht an ihrem empirischen Gehalt zu messen, sondern vorab zu diskreditieren. Denn: Was wäre leichter als die Evidenz zur Behauptung, “der Mossad finanziert ISIL” zu betrachten und festzustellen, es gibt keine? Was wäre leichter als den Unsinn des kapitalistischen Patriarchats, das Frauen unterdrückt, aufgrund der fehlenden empirischen Belege aus der Welt zu schaffen?

Wenn beides, trotz der damit verbundenen Einfachheit, nicht erfolgt, dann muss man annehmen, dass es Interessen gibt, die die entsprechende Aufklärung verhindern und somit den entsprechenden Interessenvertretern die Möglichkeit geben, neuerlich von einer Verschwörungstheorie zu sprechen, der nämlich, die wir gerade aufgestellt haben, und auf diese Weise zu verhindern, das jemand die Frage, welche Interessen hinter der Nicht-Prüfung so genannter Verschwörungstheorien steht, stellt, untersucht und beantwortet.

Somit ist klar: So genannte Verschwörungstheorien sind ganz normale Theorien, die man an der Realität prüfen könnte und anschließend entweder als falsch oder als bewährt bewerten könnte. Die Bezeichnung “Verschwörungstheorie” ist somit unnötig und dient einzig dazu, die entsprechenden Behauptungen zu diskreditieren.

Deshalb wäre es ein interessantes Unterfangen, den Ursprung, die Verbreitung und die Behandlung so genannter Verschwörungstheorien zu untersuchen. Ein Forschungsnetzwerk, so haben wir heute gelesen, das an der Universität Tübingen koordiniert wird, soll genau dieses tun, so hatte es auf den ersten Blick jedenfalls den Anschein. Doch der Anschein trügt:

“‘Verschwörungstheorien können zur Radikalisierung von Extremisten beitragen, Spannungen zwischen Nationen befeuern und das Vertrauen in demokratische Institutionen und Medien unterlaufen’, sagt Butter. Und gerade in Zeiten des Internets verbreiten sie sich rasend schnell.”

Ob es sich bei der Behauptung, dass Verschwörungstheorien zur Radikalisierung von Extremisten beitragen können, um eine Verschwörungstheorie im Einklang mit der Verwendung, die der Begriff im Rahmen des Forschungsnetzwerkes findet, handelt, konnten wir nicht klären.

Dafür konnten wir klären, wer das Forschungsnetzwerk finanziert: Die Europäische Union, die sich nun auch in die Reihe derer eingereiht hat, die überall Extremismus sehen und beobachten und erkunden und erklären und vermeiden und beseitigen und dazu beitragen wollen, dass es verunmöglicht wird, über Behauptungen auf einer normalen Basis zu diskutieren, weil sie bereits als Verschwörungstheorie gebrandmarkt sind und die Arbeit des Forschungsnetzwerkes dazu geführt hat, Verschwörungstheorien generell in die Extremismusecke zu schieben.

Es ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg in die totalitäre Gesellschaft, in der die öffentliche Diskussion zusehens von allem gereinigt wird, das abweichend und nicht gemainstreamed ist. Die pure politisch-korrekte Langeweile, sie winkt schon in Sichtweite, ebenso wie die gesellschaftliche Sprachlosigkeit, die sich einstellen muss, wenn alles, was vom Mainstream abweicht als extremistisch und als Verschwörungstheorie aussortiert wurde.

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Herablassend apodiktisch: Neuer deutscher Journalismus

Herablassend apodiktisch – diese Qualifikation trifft nicht nur auf Journalismus zu, aber im Journalismus ist es besonders ärgerlich, wenn Schreiber denken, sie seien in der Lage, Leser von oben herab zu belehren.

Logik f dummiesAls apodiktisch bezeichnet Aristoteles in seiner Logik Aussagen, die keinen Widerspruch zulassen, d.h. der Wahrheitswert der Aussage ist unstrittig und selbstevident. Die wissenschaftliche Darlegung, also die Darlegung begründeten und wahren Wissens, ist nicht nur die höchste Form eines Syllogismus, sondern auch eine solche apodiktische Aussage für Aristoteles.

Damit sich ein Syllogismus, also die Übertragung eines Wahrheitswertes von Prämissen auf eine Konklusion als apodiktisch und wissenschaftliche Darlegung auszeichnet, müssen die Prämissen wahr, grundlegend, unmittelbar, bekannter als und kausal zur Konklusion sein. Kurz: eine apodiktische Aussage muss eine Vielzahl von Bedingungen erfüllen, damit sie als solche gelten kann.

Oder müsste, denn die Verbreitung apodiktischer Aussagen, ihre Präsenz im Alltag, steht in keinem Verhältnis zur Schwierigkeit, eine Aussage als apodiktische Aussage zu qualifizieren. Entsprechend ist die Bedeutung: “keinen Widerspruch zulassend”, die apodiktischen Aussagen bei Aristoteles u.a. aufgrund ihrer wohl-Begründetheit zugewiesen wird, zwischenzeitlich zur Darstellungsform geworden: Trägt man Aussagen in einer sprachlichen Form vor, die keinen Widerspruch zulässt, so das Kalkül, dann übertragen sich die Eigenschaften der ursprünglichen apodiktischen Aussage, z.B. wahr, bekannt, kausal auf das, was der Behauptende mit Verve von sich gibt. Das logische Kriterium ist zu einem rhetorischen Mittel geworden, einem vielverwendeten rhetorischen Mittel, das nicht nur den Zweig der Beraterindustrie hat begründen helfen, sondern sich in Zeitungen immer breiter macht.

Wir zitieren aus dem gestrigen RSS-Feed der Welt:

Was-Apodixis:

  • Was Sie bei E-Mails besser machen müssen!
  • Was sich im deutschen Tennis ändern muss!
  • Was beim Kauf von Rohstoffen jetzt zu beachten ist!

Die Was-Apodixis, sie basiert darauf, dass derjenige, der sie nutzt, suggerieren will, er sei auf dem Olymp des Wissens angekommen, sei ein solch intellektuelles Schwergewicht, dass er nicht nur weiß, was Sie, also Sie, bei E-Mails alles falsch machen, sondern auch wie Sie, Sie, ja wirklich: Sie, es besser machen müssen, nicht etwa können, nein müssen, denn ihre Fehler, ja, Ihre Fehler, sie sind so sehr zum Haare ausraufen, dass man Ihnen nicht mehr dabei zusehen kann, wie Sie sie machen.

Die Was-Apodixis hindert den, der sie hat, nicht daran, sich mit den Trivialitäten des Lebens zu beschäftigen. Wahres Wissen macht nicht vor Tennis halt und erklärt mit Inbrunst, “Was sich im deutschen Tennis ändern muss”. Gleichzeitig findet sich die Was-Apodixis auch beim Kauf von Rohstoffen, drückt sich hier in intimem Marktwissen aus, das der Wissende dankenswerter Weise nicht einsetzt, um selbst reich zu werden, sondern ausschließlich, um seine Leser zu belehren.

ApodixisDie Was-Apodixis wird in der Regel von der Wie-Apodixis ergänzt:

  • Wie man sein Weihnachtsgeld am besten investiert!
  • Wie sich ein Nischen-Studium auszahlen kann!
  • Wie man mit dem Klamottenkauf Gutes tun kann!

Im Gegensatz zur allumfassenden und statischen Was-Apodixis hat die Wie-Apodixis einen dynamischen Charakter. Sie ist darauf gerichtet, minderwertiges Handeln bei denen, die es begehen, mit dem Wissen des wohlwollenden Beobachters zu verbessern: Wie bei der Was-Apodixis gibt es auch bei der Wie-Apodixis keine Handlung, die zu trivial wäre, als dass sie nicht verbessert werden müsste.

Entsprechend wird der Fehlinvestition von Weihnachtsgeld der Krieg erklärt, denjenigen, die sich mit einem Nischen-Studium in ein Loch gegraben haben, aus dem sie scheinbar nicht entrinnen können, eine Leiter, nein, die Leiter gewiesen, und selbst dem egoistischen, selbstsüchtigen Konsum, wie er im “Klamottenkauf” seinen Niederschlag findet, wird der altruistische Ausweg gewiesen, dessen Kenntnis sich im Besitz des Allwissenden befindet, der angetreten ist, sein Wissen mit uns zu teilen – in Springers Welt.

Schließlich findet sich noch die Warum-Apodixis, eine besondere Form der herablassend apodiktischen Erklärung, die z.B. in der folgenden Form auftritt:

  • Warum wir in der Nacht auf Montag so schlecht schlafen!

Wie, sie schlafen nicht schlecht, in der Nacht auf den Montag? Ausgeschlossen, denn wir, wir schlafen in der Nacht auf den Montag nicht nur schlecht, sondern so schlecht. Wir, also auch Sie! Warum-Apodixis widmet sich kausalen Zusammenhängen, deren Kenntnis denjenigen, der sie nun teilt, vermutlich ereilt hat, als er in der Nacht auf Montag “so schlecht” geschlafen hat, dass er darüber nachgedacht hat, warum er “so schlecht” schläft. Die Ursache, die er nach drei Stunden Grübeln in viel zu fettem Essen und einem durch Alkohol zu benebelten Kopf mit entsprechenden Auswirkungen auf den Verdauungstrack ausgemacht hat, hat der so Erleuchtete dann in mutiger, wenngleich fehlschlüssiger Verallgemeinerung auf alle, uns alle, übertragen. So erhellt macht er sich nach durchwachter Nacht ans Schreibwerk, um seine neue Erkenntnis an uns alle zu verkünden: Warum wir in der Nacht auf Montag so schlecht schlafen!

Und wir, die wir trotz aller Behauptung, gut geschlafen haben, wir sehen, was den herablassend apodiktischen Journalismus ausmacht: Ein Geist, ein Kleingeist, der nur in Spuren von Logik erfasst wird, die hemmungslose Verallgemeinerung der eigenen Phantasien und keinerlei Verstand, der ein warnendes Wort dahingehend verlauten lässt, dass es dem eigenen mickrigen Kenntnissstand nicht angemessen sein könnte, versuchte man, andere zu belehren, in welcher Form von Apodixis auch immer.

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Akademisierte Hate Speech: Ein Erklärungsvorschlag

von Dr. phil. habil. Heike Diefenbach

Der folgende Erklärungsvorschlag für die zunehmende Häufigkeit, mit der man in Deutschland aus angeblich bildungsnahem Munde hate speech vernehmen muss (z.B. hier und hier), zumindest aber Verunglimpfungen und Beschimpfungen ganzer Personengruppen, ist schon seit einiger Zeit in meinem Kopf “gereift”. Ich melde auf diesen Erklärungsvorschlag explizit mein copyright an und beanspruche ihn als mein geistiges Eigentum, das ich im Übrigen in Zukunft noch zu einer durch weitere Argumente, wissenschaftliche Literatur und möglichst auch empirische Daten ergänzten Argumentationskette weiterzuentwickeln und weiterzuverwenden beabsichtige. Ich bitte, diesen Text als einen groben Entwurf der Argumentationskette aufzufassen, die ich bislang entworfen habe und noch weiterentwickeln werde. Die Argumentationskette – soweit sie bislang gediehen ist – hat sehr von der Diskussion mit anderen ScienceFiles-Mitarbeitern profitiert, und für diese Diskussionen will ich ihnen und allen voran Michael Klein meinen Dank aussprechen.

Wir haben in Deutschland zur Zeit eine sehr große und prekäre Mittelschicht, der der Statuserhalt in weiten Teilen nur mit Hilfe staatlicher Unterstützung in Form von Beamtentum, Hochschullehrer-, Projekt- und anderen Stellen an staatlichen Institutionen gelingen kann, die ihrerseits vom Erwerb formaler Bildungstitel abhängig (gemacht) sind. Die Verbitterung der Angehörigen dieser prekären Mittelschicht darüber, dass sie ihren Status nicht aus eigener Kraft erhalten oder verbessern können, war m.E. latent immer, soll heißen: lange vor dem Phänomen der hate speech aus akademischem Mund, vorhanden.

Geh sterbenDiese Annahme macht Sinn, wenn man davon ausgeht, dass Menschen das Empfinden von Selbstwirksamkeit brauchen, um den Respekt vor sich selbst entfalten und erhalten zu können. Wenn der Erhalt des eigenen Status aber nicht aus eigener Kraft möglich ist, sondern ständig latent bedroht ist, weil der Staat gibt, der Staat aber auch nimmt, dann kann sich schwerlich Respekt vor sich selbst und Vertrauen in die Fähigkeit einstellen, sich aus eigener Kraft und unabhängig von staatlichen Einrichtungen ein gutes Leben zu schaffen.

Wie gesagt ist m.E. das Gefühl der Verbitterung notwendig mit dem akademischen Prekariat verbunden, aber es konnte bislang überspielt werden oder wurde vielleicht bei einigen tatsächlich dadurch ausgeglichen, dass sie sich in der Annahme wähnen konnten, dass die Menschen “da draußen” das Prekariat samt der Arbeitsbedingungen, unter denen es seinen monatlichen Obolus vom Staat verdienen muss, als solches nicht erkennen würden und daher – statt diese prekären Existenzen zu bemitleiden – sie ob ihrer formalen Bildungsnähe und ihres Prestiges bewundern oder beneiden würden und sogar ihre unbegründeten Behauptungen und Anleitungen zum rechten Leben in der “guten” Gesellschaft fraglos akzeptieren würden. Solange diese Illusion in irgendeiner Weise haltbar war, solange konnte die Verbitterung über die Selbstunwirksamkeit ertragen werden, ging sie doch – so die Annahme – mit einem nach außen hin hohen Prestige und (damit) mit der Möglichkeit einher, den sozialen Status der Herkunftsfamilien zu halten, einen sozialen Abstieg also zu vermeiden.

Dass wir in Deutschland derzeit eine Welle des verbalen Hasses in Form von pauschalen Unterstellungen und akademisierten Beleidigungen auf Seiten des akademischen Mittelschichts-Prekariates beobachten müssen, erklärt sich m.E. daraus, dass sich die oben beschriebene Illusion nicht mehr aufrechterhalten lässt. Die Angehörigen dieses Prekariats können nicht mehr umhin zu bemerken, dass die Leute “da draußen” ihre unbegründeten Behauptungen und Beurteilen und ihre Überlegenheitsansprüche nicht mehr akzeptieren und sich nicht mehr mit Schablonen abfertigen lassen wie der Vorstellung, dass überall, wo “Bildung” oder “Wissenschaft” draufsteht, auch “Bildung” oder “Wissenschaft” drin ist. Sie merken, dass mit der Entwicklung einer Zivilgesellschaft ihr Prestige und ihr sozialer Status, die ihnen die Positionsgesellschaft zugeschrieben hat, gefährdet sind.

Sie sind deshalb notwendigerweise die Fürsprecher des status quo (ganz so, wie das Horkheimer für die Ehefrauen in der traditionellen Kleinfamilie begründet hat), und je stärker der Angriff auf die Positionsgesellschaft von ihnen wahrgenommen wird, desto stärker wird ihr Empfinden für die eigene prekäre Situation und desto stärker fühlen sie den Druck, gegen alles, was den status quo in Frage stellt, vorgehen zu müssen.

Dabei ist auch – im Anschluss an die Argumentation von Raymond Boudon – zu berücksichtigen, dass für diese Leute der Verlust ihres Prestiges bzw. ihres sozialen Status ungleich bedrohlicher ist als für Leute, die einen Arbeiterhintergrund haben (wie z.B. ich ihn habe), denn wenn sie ihn verlieren, dann bedeutet das einen sozialen Abstieg im Vergleich zu ihrer Familientradition oder zumindest im Vergleich zu ihren Eltern, während akademische Bildung und Universitätskarriere für jemanden mit Arbeiterhintergrund ohnehin schon mehr sind als er erwarten konnte bzw. als von seinen Eltern für ihn erwartet wurde, so dass beides für ihn nicht “Pflicht” ist, ganz davon abgesehen, dass – nunmehr auch im Anschluss an Pierre Bourdieu – zu erwarten ist, dass wahrscheinlich wichtige seiner Bezugspersonen, die der Arbeiterschicht entstammen, seine akademische Bildung oder Karriere (zumindest) nicht uneingeschränkt positiv betrachten.

Angesichts des Zusammenbrechens der Positionsgesellschaft (hoffentlich zugunsten einer Zivilgesellschaft) beißt sich die Katze sozusagen in den Schwanz:

Wenn die Position des Akademikers aus der Mittelschicht nur dem Statuserhalt gedient hat oder mehr als der Befriedigung einer Lust an Wissenschaft, verbunden mit einem entsprechenden Berufsethos, dann fehlen ihm die Mittel, Überzeugungsarbeit zu leisten, denn das setzt gute Begründungen und Argumentationsfähigkeit voraus, also alles das, was er nicht geübt hat, weil er von Anfang an kein großes Interesse an Wissenschaft als solcher hatte und er während der vergangenen Jahre oder gar Jahrzehnte von niemandem dazu gezwungen wurde, sich hierin zu üben; sein Prestige kam ja einfach mit dem Bildungstitel und der Anstellung an der Uni oder irgendeinem An-Institut.

U.a.. aus diesem Grund ist es dem akademischen Mittelschichts-Prekariat nun nicht möglich, den neuen Anforderungen, die eine zunehmend kritikfähige und -bereite Öffentlichkeit stellt, gerecht zu werden. (Zumindest ein weiterer Grund ist vorstellbar: vielleicht fehlt ihm sogar die grundsätzliche Bereitschaft hierzu, weil der gepflegte Dünkel es als Zumutung erscheinen lässt, wenn die Öffentlichkeit Begründungen einfordert oder Verdikten, die von einer Position aus verkündet werden, widerspricht.) Es kann daher nur negativ auf die neuen Ansprüche reagieren, d.h. mit Abwehr.

M.E. haben auch die Versuche der letzten beiden Jahrzehnte, die Vergabe von gesellschaftlichen Gütern durch das meritokratische Prinzip durch Herstellung von Ergebnisgleichheit zu ersetzen, dazu beigetragen, dass wir in Deutschland zunehmend mit hate speech auf Seiten des Mittelschichts-Prekariats bzw. akademischen Prekariats konfrontiert werden:

Die Illusion vom hohen Prestige, die ihrerseits u.a. durch Vorstellungen von Gebildet-Sein – angezeigt durch formale Bildungstitel oder bestimmte Positionen an Universitäten – gespeist wird bzw. wurde, erfordert, dass Gebildet-Sein etwas ist, worauf man stolz sein kann, also etwas, was man sich erarbeitet hat, was aber nicht jeder hinterhergeworfen bekommt, nur, weil er zufällig irgendein Merkmal wie ein bestimmtes Geschlecht oder eine bestimmte Hautfarbe mit sich herumträgt. Wenn Bildungstitel und Positionen an Universitäten aber zunehmend aufgrund von Gleichstellung z.B. nach dem Merkmal “Geschlecht” vergeben werden, dann gerät das akademische Mittelschichts-Prekariat gleich von zwei Seiten unter Druck:

Auf der einen Seite klagt die Öffentlichkeit ohnehin schon Begründungen und überhaupt eine Kommunikation mit ihr (und nun zusätzlich noch über Fragen der Verteilungsgerechtigkeit) ein, auf der anderen Seite fällt der Staat seinem akademischen Prekariat in den Rücken, indem er dessen Prestige noch weiter senkt als es ohnehin schon gesunken ist, denn er erklärt ja durch die Gleichstellung nach bildungsfremden Merkmalen die Bildung, die bislang Akademikern unterstellt wurde und die sie vielleicht tatsächlich hatten, für irrelevant, um eine Position zu ergattern. Sie werden also von dem Staat, von dessen Gnaden sie ihren Status erhalten haben, zwar benutzt, um seine Ideologie zu legitimieren, aber gleichzeitig diskreditiert.

Sie können sich hiergegen jedoch nicht wehren, eben weil sie vollständig vom Staat abhängig sind und keine Alternativen sehen, die ihnen eine befriedigende und einträgliche Existenz auf dem Arbeitsmarkt (jenseits staatlicher Einrichtungen) erlauben würden. Also schweigen sie zu der staatlichen Unterwanderung ihres Prestiges oder versuchen, das Beste aus dem Schlechten zu machen, indem sie u.a. Genderismus und Gleichstellung zu ihrem Thema machen. Sie passen sich also dem staatlichen Willen an, um die Position nicht zu verlieren, mit der ihr sozialer Status verbunden ist.

Aber sie befinden sich in einer lose-lose-situation, in der die Anpassung zur Sicherung der vermeintlich prestigeträchtigen beruflichen Position die Aushöhlung der Prestigeträchtigkeit dieser Position bewirkt, die für das akademische Prekariat doch so wichtig ist. Die Öffentlichkeit dürfte nämlich vor einer Profession, in der Positionen nicht nach Leistung, sondern nach Geschlecht oder sozialer Herkunft oder sonst einem bildungsfremden Merkmal vergeben wird, nämlich noch weniger Respekt haben als vor einer Profession, die voller Leute ist, die sich zu schade dafür sind, ihr Wissen in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit unter Beweis zu stellen. Letzteren wird oder wurde bislang immerhin die Möglichkeit zugestanden, dass sie über relevantes Wissen verfügen, bei Gleichgestellten ist die Frage nach deren Wissen per definitionem verfehlt.

Welche Folgen es für die institutionalisierte Wissenschaft haben wird, wenn sie in der breiten Öffentlichkeit vollständig diskreditiert ist, kann nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden, aber wahrscheinlich wird der Staat zukünftig nicht mehr so viele Positionen für Mittelschichtler an Universitäten, Instituten und An-Instituten samt der damit verbundenen Gehälter und Fördergelder rechtfertigen können, wie er es bisher getan hat, und das wiederum bedeutet, dass die Aufgabe des Statuserhaltes für Mittelschichtler zukünftig noch schwieriger zu lösen sein wird als bisher.

Angesichts dieser vertrackten Situation greift das akademische Mittelschichts-Prekariat zu dem Mittel, das ihm – wie oben argumentiert mittel- bis langfristig fälschlich – als das günstigste und am einfachsten zu handhabende erscheint: es nutzt den seiner Auffassung nach noch verbliebenen Rest von Prestige zur Diskreditierung von Kritik am status quo, und zwar mittels akademisierter Beschimpfungen einzelner Personen und zunehmend häufig ganzer Personengruppen.

VollidiotDiese Beschimpfungen sind insofern akademisiert als sie – ohne weitere Begründung – verbalen Bezug auf wissenschaftliche oder auch nur theoretische Konzepte nehmen und aus dem hergestellten verbalen Bezug den Anspruch auf tatsächliche Angemessenheit der negativen Beurteilung ableiten, die mit der in Frage stehenden Betitelung vorgenommen wird. Die Beschimpfung soll auf diese Weise transformiert werden in eine wissenschaftlich begründete und damit (bis auf Weiteres) unabweisbare negative Beurteilung. Aus dem Wichtigtuer oder Geltungssüchtigen wird der Narzisst, aus dem, der kein Abitur hat, ein Bildungsferner (vielleicht mit dem Gehirn eines frühen hominiden Vorfahren des modernen Menschen) oder jemand auf der untersten Kompetenzstufe, aus jemandem, der den status quo kritisiert, ein Extremist, Rechter oder ein Phobiker, mindestens aber ein Unzufriedener, Frustrierter oder Querulant.

Dabei ist entscheidend, dass die negativ wertende Betitelung von Personen oder Personengruppen tatsächlich nicht das theoretisch und empirisch begründete Ergebnis einer Analyse ist, sondern die negativ wertende Betitelung eine bloße Behauptung darstellt. Wenn z.B. Uli Hoeneß von Herrn Bandelow in einem Mainstream-Medium als Narzisst samt dessen negativer Eigenschaften beurteilt wird, dann ist diese Unterstellung durch Herrn Bandelow durch nichts begründet als durch seinen gusto; Herr Hoeneß hat nämlich keine Persönlichkeitsskalen für Herrn Bandelow ausgefüllt, die die Bezeichnung “Narzisst” begründen könnten, und dementsprechend drückt Herr Bandelow damit lediglich sein Vorurteil gegen (Leute wie?) Herrn Hoeneß aus.

Durch akademisierte Beschimpfungen und aus ihnen zusammengesetzte hate speeches hoffen diejenigen, die sie pflegen, Kritik am status quo und Widerspruch von vornherein delegitimieren und damit abweisen zu können. Gleichzeitig entlastet der verbal geäußerte Hass kurzzeitig von der (m.E. übrigens angemessenen) angestauten Angst vor dem Statusverlust.

Ein solches Verhalten macht aber der Öffentlichkeit nur weiterhin deutlich, dass das akademische Prekariat nichts zu bieten hat, was ihm Prestige einbringen und einen hohen oder auch nur vergleichsweise höheren sozialen Status rechtfertigen könnte. Und vom Staat ist bis auf Weiteres nicht zu erwarten, dass er seine Politik der Diskreditierung von Leistung und Wissen beendet. Das akademische Prekariat kann sich also durch seine hate speech nicht aus seiner lose-lose-Situation befreien, sondern nur die oben angesprochene kurzzeitige Erleichterung finden, die die Beschimpfung anderer Personen gibt: immerhin hört man, während man selbst beschimpft, nicht die Kritik an der eigenen Person, Position oder Einstellung, oder anders ausgedrückt: Das zu hören, was man nicht hören möchte, kann vielleicht vermieden werden, wenn man selbst möglichst viel und laut spricht, so die Hoffnung.

Die Angst vor dem im Prinzip für alle erkennbaren sozialen Abstieg, vor dem, was um so mehr als soziale Schande empfunden werden dürfte, je stärker man sich vorher von den “Bildungsfernen” und den Andersdenkenden “da draußen” abgesetzt hat, bringt das akademische Mittelschichts-Prekariat anscheinend zu nennenswert großen Anteilen dazu, die Idee der Wissenschaft nur allzu bereitwillig aufzugeben – sofern es sie jemals kennengelernt hat. Für die institutionalisierte Wissenschaft ist dies und die daraus resultierende zunehmende Häufigkeit, mit der akademisierte Beschimpfungen und hate speeches geäußert werden, ein überaus peinliches Eingeständnis ihrer Inkompetenz und Hilflosigkeit.

Aber vielleicht handelt es sich dabei um einen notwendigen und unvermeidlichen Prozess: die Spreu trennt sich vom Weizen, und Wissenschaftler, die Wissenschaft betreiben wollen und können, werden klar unterscheidbar von Akademikern, die bloß möglichst hohes Prestige haben möchten und den sozialen Status erhalten möchten, den ihre Herkunftsfamilie aufzuweisen hatte und hinter den sie auf keinen Fall zurückfallen möchte. In absehbarer Zukunft ist es dann vielleicht und hoffentlich wieder möglich, bei der Erwähnung einer wissenschaftlichen Studie etwas anderes beim Zuhörer zu produzieren als ein Abwinken, ein gelangweiltes Gähnen oder ein zynisches Grinsen.

©Heike Diefenbach, 2015

Das Gehirn ohne Hochschulabschluss ist xenophob:

Die Sicht des Borwin Bandelow auf fremdenfeindliche Einstellungen

Einem Leser und Stammkommentator von Sciencefiles haben wir den Hinweis auf einen Text zu verdanken, der am 09. Oktober 2015 auf T Online der Öffentlichkeit zugemutet wurde und dieselbe über die “Sicht des[!] Psychologen” auf fremdenfeindliche Einstellungen unterrichtet.

TONLINEPsychologenNun ist allgemein bekannt, dass es auf der Erde nicht nur einen einzigen Psychologen gibt, sondern sehr viele, so dass sich erstens die Frage stellt, warum bei T Online dennoch so getan wird, als gäbe es nur einen einzigen, und zweitens wer der Psychologe ist, dessen Sicht als die einzig mitteilenswerte Sicht von Psychologen auf fremdenfeindliche Einstellungen zur Veröffentlichung ausgewählt wird.

Wer sich das, was die konventionellen Medien seit mehreren Jahren der Öffentlichkeit anbieten, zu Gemüte führt, ist vielleicht nicht überrascht zu erfahren, dass es sich bei dem Psychologen, dessen Sicht hier vorgestellt wird, um Borwin Bandelow handelt. Und wer die seit längerer Zeit in Deutschland übliche Form der Diskreditierung Andersdenkender durch akademisierte Beschimpfungen und Beleidigungen in Rechnung stellt, ist vermutlich nicht überrascht zu erfahren, dass die zur Veröffentlichung ausgewählte psychologische Sicht auf fremdenfeindliche Einstellungen nicht diejenige ist, fremdenfeindliche Einstellungen als solche, d.h. als Einstellungen gegenüber einem bestimmten Einstellungsobjekt, hier: Zuwanderern oder Flüchtlingen, betrachtet, sondern sie von vornherein als eine Form der Erkrankung einordnet, nämlich als Xenophobie, d.h. als der Realität unangemessene Angst vor Fremden bzw. Fremdem.

Zur Darstellung fremdenfeindlich oder auch nur fremdenskeptisch eingestellter Menschen als xenophob bedient sich Bandelow eines Sammelsuriums von Versatzstücken aus Argumentationsfiguren, die wiederum verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Forschungsfeldern entstammen. Es mag daher hilfreich sein, sich zunächst klar zu werden, welche diesbezüglichen Qualifikationen Bandelow hat oder eben nicht hat.

Bandelow ist an der Universität Göttingen als Hochschullehrer angestellt, weshalb er ein Professor ist, er “arbeitet als stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Göttingen” und ist “Angstforscher”, so erfährt der Leser des Textes, der als Interview präsentiert wird, das eine Person namens Franziska Höhnl mit Herrn Bandelow geführt haben soll oder vielleicht tatsächlich geführt hat. (Eigene Erfahrungen von Redaktionsmitgliedern von Sciencefiles wie Heike Diefenbach mit den mainstream-Medien deuten eher in die Richtung, dass Herr Bandelow, der bereits seit Jahren und anscheinend bereitwilligst auf Anfragen von Personen reagiert, gebeten wurde, einen kurzen Text zu verfassen, der dann im Nachhinein strukturiert und mit fingierten, vermutlich als pädagogisch wertvoll erachteten Zwischenüberschriften versehen wurde.)

Borwin_Bandelow

Borwin Bandelow

Im Zusammenhang mit diesem in Interviewform abgefassten Text ist es wie gesagt wichtig festzuhalten, was Bandelow alles nicht ist bzw. wofür er formal nicht qualifiziert ist, und zwar weder formal noch tatsächlich (wie im Folgenden noch deutlich erkennbar werden wird): er ist kein Anthropologe, insbesondere kein Paläoanthropologe, kein Neurologe, kein Biologe, kein Ethnologe, kein Kognitionsforscher, kein Sozialwissenschaftler, kein Politikwissenschaftler. Dennoch setzt er seine Sicht auf fremdenfeindliche Einstellungen zusammen aus vage antizipierten Argumentationsfiguren aus all diesen Disziplinen; er kombiniert sie unbelastet von einem konzeptionellen Verständnis derselben auf geradezu expressionistische Weise. Wie für den expressionistischen Künstler gilt für Bandelow: “Er sieht nicht, er schaut. Er schildert nicht, er erlebt. Er gibt nicht wieder, er gestaltet … Die Tatsachen haben Bedeutung nur soweit, als durch sie hindurchgreifend die Hand des Künstlers nach dem greift, was hinter ihnen steht …” (Edschmid, zitiert nach Krause 2015: 45).

Aber der Reihe nach:

Für den “Angstforscher” Bandelow sind Menschen, die für den gemeinen Sozialwissenschaftler oder Sozialpsychologen (mehr oder weniger) fremdenfeindliche Einstellungen haben, xenophob. Wie Bandelow korrekt sagt oder schreibt, deutet der Wortteil “-phobie” in “Xenophobie” darauf hin, dass die Angst vor dem Fremden eine unangemessene Angst ist, denn nur dann, wenn eine Angst der realen Bedrohung unangemessen ist, wird sie als Phobie bezeichnet:

“a phobia or phobic anxiety is not an “[a]daptive anxiety [that] serves a protective function because it signals real dangers and motivates a person to take action to avoid stress or negative experiences” (Graczyk and Connolly 2008: 217).

“Instead, a phobic anxiety leads a person to “misconstrue…] an innocuous situation as posing a threat or exaggerate[…] the actual danger” (Beck and Emery 1985: 30),

so that he or she will “develop anticipatory anxiety even when thinking about possibly encountering the dreaded phobia object or situation” (Basavanthappa 2011: 339).

Bandelow versucht, die Unangemessenheit einer phobischen Angst am Beispiel einer Spinnenphobie zu erläutern, “die heute in Deutschland nicht mehr nötig ist, denn es gibt hier keine Spinne mehr, die beißt, sticht oder kratzt”. Insofern ist die Angst vor Spinnen unbegründet, und deshalb gilt sie als der Realität unangemessen.

Dem mag man zustimmen oder nicht, aber das Beispiel verstellt den Blick auf die Tatsache, dass es nur in Ausnahmefällen hinreichend klar zu entscheiden sein dürfte, ob eine Angst angemessen oder unangemessen ist, und zwar insbesondere dann, wenn es sich um eine Angst handelt, die sich auf soziale Phänomene oder Entwicklungen bezieht, deren Folgen in der Zukunft (notwendigerweise) unbekannt sind und nur als vermutete Erwartungen formuliert werden können. Welche Einschätzung angemessen waren oder nicht, weiß man letztlich erst in der Rückschau, aber in der Gegenwart lassen sich Einschätzungen über Zukünftiges danach beurteilen, wie gut sie begründet sind. Wer bestimmte Einschätzungen der sozialen Folgen sozialer Phänomene von vornherein, d.h. ohne Prüfung der Begründungen für diese Einschätzungen, als krankhaft oder netter ausgedrückt: unangemessen beurteilt, setzt seine persönliche Einschätzung absolut und erweist sich als unfähig, in einer pluralistischen Gesellschaft zu funktionieren.

So ist es möglich, wenn nicht wahrscheinlich, dass Menschen, denen Bandelow eine Xenophobie unterstellt, Ängste haben, die ihnen durchaus der Situation angemessen vorkommen, während sie Bandelow selbst unangemessen vorkommen. Genau darin besteht ja das Problem: über die Angemessenheit von Ängsten oder Erwartungen negativer Folgen starker Zuwanderung sind Menschen in Deutschland (und nicht nur dort) derzeit unterschiedlicher Auffassung. Die Kommunikation der Menschen mit unterschiedlichen Einschätzungen wird aber verunmöglicht, wenn jemand sein persönliches Angemessenheitsempfinden von Erwartungen absolut setzt und Menschen mit anderem Angemessenheitsempfinden kurzerhand für phobisch erklärt.

Genau das tut Bandelow aber, und vielleicht könnten wir unseren Text an dieser Stelle beenden. Aber wie gesagt sind wir der Meinung, dass es wichtig ist, Einschätzungen auf ihre Begründung hin prüfen, und deshalb betrachten wir im Folgenden, was Bandelow zur Begründung seiner Sicht vorzubringen hat.

Bandelow ist der Auffassung, dass Xenophobie evolutionspsychologisch bedingt ist, und um dies zu erläutern, unternimmt er einen spekulativen Ausflug in die Paläoanthropologie:

Flying elephants“Früher sind wir als Höhlenbewohner in Stämmen organisiert durch die Wälder gezogen. Die Nahrungsmittel waren zu knapp, um für alle zu reichen. Entwicklungsgeschichtlich war es wohl ein Überlebensvorteil, sich zusammenzurotten[!], den eigenen Stamm zu verteidigen und Mitglieder anderer Stämme zu erschlagen. Auch[,] wenn das heute keinen Vorteil mehr darstellt, werden wir eben mit der überflüssigen Xenophobie, dieser alten Abwehrhaltung, geboren”.

Bandelow erweist sich hier als Märchenonkel, der sich eine nette Gesichte zusammengesponnen hat, um die Kindlein vielleicht nicht von der Geschichte, aber doch von der Moral der Geschichte zu überzeugen – zu mehr taugt diese Geschichte auch nicht, denn sie besteht aus nichts außer unbelegten, teilweise überhaupt unprüfbaren und unplausiblen Behauptungen

Deshalb weiß man auch nicht, wo man damit anfangen soll, das obige Zitat einer Kritik zu unterziehen; vielleicht bei der starken Behauptung, dass “wir” nicht nur schon einmal gelebt hätten, sondern auch noch – vom mittleren Pleistozen bis zum Holozän und ohne Variationen – “als Höhlenbewohner”, die “in Stämmen organisiert” waren? Wir von ScienceFiles sind uns ziemlich sicher, dass wir vorher noch niemals gelebt haben, jedenfalls nicht als Höhlenbewohner und zusammen mit Herrn Bandelow.

Darüber hinaus dürften die diversen Hominiden in kleinen Gruppen, vermutlich Verwandtschaftsgruppen bzw. “simple bands”, und nicht in “Stämmen” (“tribes”) gelebt haben (der eilige Leser sei diesbezüglich verwiesen auf Peoples & Bailey 2009: 288).

Oder soll man bei der Annahme ansetzen, dass Nahrungsmittel für Hominide und vormoderne Menschen überall und permanent “zu knapp” gewesen seien, um “für alle zu reichen”? Sie ist nämlich durch nichts belegt. Vielmehr ist plausibel, davon auszugehen, dass Überbevölkerung schon angesichts im Vergleich zur Moderne zweifellos deutlich höherer Säuglings- und Müttersterblichkeit bestenfalls in Ausnahmefällen aufgetreten ist und dass es saisonale Unterschiede hinsichtlich der Sicherheit der Nahrungsmittelversorgung gab und die kleinen Gruppen von Hominiden sozusagen ihre saisonalen Runden drehten (vgl. Sutton & Anderson 2014: 162-170).

Prof FacepalmWenn keine Dauerknappheit an Ressourcen herrschte, ist es auch wenig plausibel anzunehmen, dass unterschiedliche Gruppen einander “erschlagen” haben sollen, um einen “Überlebensvorteil” zu erhalten. Und nichts spricht dagegen, dass unterschiedliche Gruppen Kooperationsbeziehungen eingegangen sind, die für beide Seiten nützlich gewesen sind, also z.B. den Austausch von verschiedenen Lebensmitteln oder von Lebensmitteln gegen Arbeitskraft gepflegt haben (vgl. Sutton & Anderson 2014: 174), aber auch den Austausch von Heirats- bzw. Fortpflanzungspartnern, denn wären Fortpflanzungspartner nicht exogam, also außerhalb der eigenen Gruppe, gesucht und gefunden worden, so wäre das Überleben einer Gruppe aufgrund mangelnder Variation im Genpool mittel- bis langfristig nicht möglich gewesen.

Festhalten kann man an dieser Stelle also, dass das, was Bandelow als die evolutionären Grundlagen der “Angst vor dem Fremden” postuliert, allein seiner Phantasie entspringt und darüber hinaus unplausibel ist.

Als wäre das noch nicht genug, behauptet Bandelow auch noch, dass die von ihm herbeiphantasierten “Urängste” “überliefert” seien, und seine Version der “Überlieferung” ist anscheinend eine evolutionsbiologische bzw. genetische “Überlieferung”, denn

“[e]in großes Problem der überlieferten Urängste ist, dass sie in einem primitiven Teil des Gehirns entstehen, dass keinen Hochschulabschluss hat”.

Davon abgesehen, dass es die Urängste, sofern es sie geben sollte, kalt lassen dürfte, wo genau sie im menschlichen Gehirn entstehen, es also sicherlich nicht ihr Problem ist, ob sie in einem primitiven Teil des Gehirns entstanden sind oder an der Hochschule oder sonst wo, würde diese Art der “Überlieferung” alle derzeit lebenden Menschen betreffen, denn sie alle haben Gehirne, die entwicklungsgeschichtlich ältere und jüngere Regionen umfassen. Wenn die “Urängste” in den “primitiven” Gehirnregionen entstehen, müssen sie notwendigerweise in den Gehirnen aller zur Zeit lebenden Menschen samt ihrer hominiden Vorfahren entstanden sein bzw. entstehen, auch in den Gehirnen, die “Hochschulabschluss ha[ben]”, was immer das auch bedeuten mag.

Genauso kann man also nicht erklären, warum manche Menschen mehr Angst vor dem Fremden haben als andere oder aus Bandelows Sicht: unangemessene Angst vor dem Fremden haben, während andere keine Angst vor Fremden haben. Das ist nämlich anscheinend das Oppositionspaar, das Bandelow herstellt, denn Bandelow argumentiert ja gerade, dass es vor sehr langer Zeit in der Menschheitsgeschichte vielleicht angemessen gewesen sein mag, das Fremde oder den Fremden zu fürchten, dies aber heute eben nicht mehr so sei. Und deshalb können heute den Xenophoben nur Angstfreie gegenüberstehen; eine angemessene Angst vor dem Fremden kann für Bandelow in der Gegenwart nicht existieren.

Das mag für Bandelow so sein, für viele andere Menschen aber nicht, und gerade hierin besteht ja das Problem. Bandelow scheint das aber überhaupt nicht zu verstehen, oder er räumt es per Dekret des Psychologen Bandelow einfach aus dem Weg.

Tatsächlich muss Bandelow sich als Vertreter einer mentalen Avantgarde unter den Menschen fühlen, der zu einem solchen Dekret eben kraft mentaler Überlegenheit qualifiziert ist, denn er behauptet, dass:

“Xenophobie dazu führt, dass ein Großteil der Bevölkerung übergroße Ängste vor dem hat, was auf uns zukommt”,

er ist hiergegen aber selbstverständlich immun.

Dabei lässt diese Aussage große Zweifel an seinem Status als dem “Großteil der Bevölkerung” mental überlegen aufkommen, denn erstens ist “Xenophobie” nicht als “übergroße Ängste vor dem, was auf uns zukommt”, definiert, sondern als unangemessene Angst vor dem Fremden, was Bandelow immerhin am Anfang des Textes/Interviews noch wusste. Vielleicht ist der Psychologe etwas zerstreut!? Und zweitens ist es Unsinn, weil unlogisch, zu behaupten, dass Xenophobie zu sich selbst in einer übersteigerten Form führen könnte. “Xenophobie” ist nur das griechisch-stämmige Fremdwort für “Angst vor dem Fremden”, und deshalb behauptet Bandelows oben zitierte Aussage, dass er meint, dass die Angst vor dem Fremden dazu führe, dass übergroße Angst vor dem, “was auf uns zukommt” entstünde, womit er vermutlich fortgesetzte Zuwanderung und deren soziale Folgen meint.

Wir müssen zugeben, dass für uns nicht zufriedenstellend rekonstruierbar ist, was Herr Bandelow uns sagen möchte. Das, was er hier geschrieben oder gesagt hat, macht so jedenfalls keinen erkennbaren Sinn.

Das ist aber noch längst nicht das Ende der Wirrnis in dem, was Bandelow als seine Sicht beschreiben will. Er behauptet nämlich weiter, dass “eher vernunftgesteuerte Menschen” “eher” “die ökonomischen und demographischen Vorteile, wenn junge und arbeitsfähige Menschen in das alternde Deutschland einwandern”, “betonen”, während “das … bei den ängstlicheren Menschen” “verhallt”, “weil das primitive Angstsystem auf solche Überlegungen überhaupt nicht reagiert”.

Bandelow behauptet also, dass “vernunftbegabtere Menschen”, die anscheinend durch den Angstforscher mit weniger ängstlichen Menschen gleichgesetzt werden, der Gehirnregionen verlustig gegangen sind, die entwicklungsgeschichtlich die ältesten bzw. älteren sind, aus denen die “Urängste” entstehen, denn sonst würde ja auch bei ihnen das “primitive Angstsystem” wirken, das auf “Überlegungen überhaupt nicht reagiert”.

Oder bei ihnen werden diese älteren Gehirnregionen irgendwie durch die entwicklungsgeschichtlich jüngeren Gehirnregionen kurzgeschlossen, während das bei den xenophoben Menschen nicht der Fall ist. Herr Bandelow hätte zweifellos davon profitiert, Rücksprache mit Neurologen zu halten, bevor er seine These aufstellt, nach der entwicklungsgeschichtlich jüngere Teile des Gehirnes entwicklungsgeschichtlich ältere einfach kurschließen (“overriding a circuit” wäre wohl der angemessene englischsprachige Ausdruck), und das auch nur bei manchen Menschen, aber nicht bei anderen.

A propos “Kurzschluss”:

Double facepalmDass nach Bandelow bei “eher vernunftgesteuerten Menschen” die älteren Gehirnregionen kurzgeschlossen werden, liegt daran, dass ihr Gehirn “[..]einen Hochschulabschluss hat”, so Bandelow im Originalton. Oder anders ausgedrückt: für Bandelow erwerben nicht Menschen einen formalen Bildungsabschluss, was immer dieser auch abbilden mag, sondern Gehirne haben formale Bildungsabschlüsse! Selbst dann, wenn man Bandelow zugute halten will, dass er hier mit einer vollständig verfehlten Metapher hantieren möchte, so muss man ihm doch zumindest eine grandiose Naivität hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen kognitiven Leistungen und formalen Bildungsabschlüssen bescheinigen.

Wir fürchten, dass die Sache noch ernster liegt und Bandelow eine Art Zwei-Gehirne-Menschlichkeit postulieren will, die sich erschreckend leicht in eine Unterscheidung zwischen (Ober-/)Menschen und Untermenschen übersetzen lässt: Das mit Hochschulabschluss versehene Gehirn kennzeichnet den homo sapiens sapiens, während das nicht so geadelte Gehirn im besten Fall das eines homo sapiens ist, im schlechten Fall z.B. das eines Australopithecus. Und deshalb hat Unrecht, wer in den Augen Bandelows dumm ist – oder so ähnlich muss sich Bandelow das wohl vorstellen.

Immerhin wirft Bandelows Sicht ein ganz neues Licht auf die menschliche Evolution: Hätten Hominide statt des aufrechten Gangs Institutionen erfunden, die den formalen Bildungsabschluss “Hochschulabschluss” vergeben, dann wären die älteren Gehirnregionen gar nicht erst entstanden, sondern die Gehirnentwicklung der Hominiden wäre gleich zu den jüngeren, “intelligenteren Teile[n] des Gehirns” übergegangen. (Entspricht das ungefähr der Vorstellung der EU-Bildungspolitiker, durch einen Anteil von 40 Prozent Abiturienten in jeder Geburtskohorte 40 Prozent Gebildete oder gar kluge Menschen zu erschaffen?) Damit wären die “Urängste” entfallen, und die Hominiden bis hin zu uns jetzt existierenden Menschen hätten nicht jeden Morgen beim Aufstehen mit der Schwerkraft kämpfen müssen, und die Mitglieder der Sciencefiles-Redaktion wären bei der gemeinsamen Besteigung des Pen y fan nicht immer außer Puste und rot im Gesicht, bis sie oben ankommen, sondern würden wie die Schäfchen auf ihren vier Beinen einfach hinaufhoppeln – welch’ wunderbare Vorstellung!

Dummerweise könnten die jüngeren Gehirnregionen dann nicht die jüngeren sein, sondern wären notwendigerweise die alten, weil es ja keine älteren gäbe, aber was soll’s?! Wer lässt sich eine in die Vergangenheit verlagerte SF-Geschichte schon durch Fakten oder gar die Gesetze der Logik verderben? Nicht Herr Bandelow jedenfalls!

Und wo er schon dabei ist, u.a. in Paläoanthropologie herumzudilettieren und die Gesetze der Logik außer Kraft zu setzen, gibt er auch gleich noch seine Unfähigkeit, ein vernünftiges Argument aufzubauen, und seine Unkenntnis des Forschungsstandes zur sogenannten Kontakthypothese zum Besten:

“Wenn ich eine Angsttherapie mache, wird immer empfohlen, sich mit der Angst auseinanderzusetzten …. Wer Angst vor Fahrstühlen hat, muss Fahrstuhl fahren. Nach 100 Versuchen ist klar: Es passiert nichts [vorausgesetzt, es passiert tatsächlich nichts, und der Fahrstuhl bleibt nicht stecken!]. Genauso ist das, wenn man mehr Kontakt mit Fremden hat. Das erklärt, warum in Gebieten mit besonders wenigen Ausländern die Angst vor ihnen größer ist. Die Antwort ist also Begegnung, um Vorbehalte abzubauen”.

Erstaunt hat uns an dieser Stelle zunächst, dass Bandelow hier unumwunden zugibt, mehrere Angsttherapien gemacht zu haben, und wir fragen uns, worauf sich seine in ihnen behandelte Phobie bezieht. Ratlos zurückgelassen hat uns die Frage, welchen Vergleich Bandelow hier anstellen will, denn mit dem Wort “größer” impliziert er ja einen Vergleich, aber es erfolgt keiner (“größer” ist ein zweistelliger Funktor!). Das, was wohl als Argumentkette gedacht war, ist für uns nicht rekonstruierbar, weil wir keinen Mittelterm identifizieren können, der irgendetwas mit irgendetwas anderem in eine logische Verknüpfung bringen würde.

Aber wir entnehmen dem Wort-Wirrwarr immerhin, dass Bandelow meint, Xenophobe würden ihre unangemessene Angst vor dem Fremden verlieren, wenn sie mehr mit Fremden zu tun hätten, mehr “Begegnung” stattfände. Diese Vorstellung ist in der sozialpsychologischen und sozialwissenschaftlichen Literatur als Kontakthypothese bekannt. Sie stammt keineswegs von Bandelow, sondern wurde bereits in den 1950er-Jahren von Gordon Allport entwickelt und im Jahr 1954 von Allport publiziert.

Bandelows Empfehlung von mehr “Begegnung” ist ein neuerliches Zeugnis von Naivität und schlichter Unkenntnis, naiv, weil es theoretisch möglich ist, dass der Kontakt mit Fremden dazu führen kann, dass Xenophobe ihre Ängste als eben nicht unangemessenen zu betrachten lernen, sondern der Kontakt sie in ihrer Überzeugung, ihre Ängste seien der realen Situation angemessen, bestärken können. Unkenntnis zeigt seine Empfehlung insofern als die Kontakthypothese inzwischen empirisch weitgehend und sicher in ihrer einfachen Form als uneingeschränkte Zusammenhangsthese falsifiziert ist (wie u.a. die Arbeiten von Pettigrew und Kollegen zeigen, so z.B. Pettigrew & Tropp 2006; Pettigrew et al. 2011). Dass Bandelow dies nicht weiß oder sein diesbezügliches Wissen unterschlägt, stellt für einen Psychologen gleichermaßen eine bemerkenswerte Peinlichkeit dar.

Bandelow meint aber – trotz Ignoranz gegenüber der politikwissenschaftlichen Forschung vor allem von Werner Patzelt – genau zu wissen, dass “der Vorwurf, dass Pegida und AfD Fremdenangst bewusst für ihre Zwecke nutzen”, stimmt. Der Psychologe ist seines eigenen Erachtens anscheinend auch Politikwissenschaftler, Gesellschaftsbeobachter, empirischer Sozialforscher und überhaupt alles, was einen vielleicht dazu qualifizieren könnte, eine entsprechende Frage mit der Inbrunst der Überzeugung zu beantworten. So weiß er auch zu berichten, dass

“[d]ie Rechtsnationalen […] sich diebisch [freuen], dass das Flüchtlingsthema jetzt wieder akut ist, …”

– dies alles bar jeder rationalen Begründung für die eigene Einschätzung. Oder vielleicht irren wir uns, und Bandelow ist als ein sogenannter Maulwurf in den entsprechenden Kreisen unterwegs und verfügt über eigene Erfahrungen in dieser Richtung!? Wir wissen es nicht.

Wir wissen aber, dass Bandelow sich schon seit Langem und gerne in der Öffentlichkeit moralisierend und – aus dem Schutz seiner Anstellung als Lehrkraft an einer deutschen Universität heraus, die für Menschen, die den Fehlschluss ad auctoritatem nicht verstehen, den Nachweis seiner Fähigkeit zum analytischen Denken und (damit) wissenschaftlichen Arbeit ersetzt, – teilweise beleidigend über Personen äußert, die ihm persönlich nicht sympathisch sind.

So hat er im Rahmen seiner Ferndiagnose der Persönlichkeit von Uli Hoeneß als Narzisst, die er am 09.05.2013 in der Frankfurter Allgemeinen zum Besten gab, das Folgende gesagt:

Borwin_Bandelow“Ein Narzisst ist jemand, der Ehrgeiz und Geltungsdrang hat. Das ist kein psychiatrisches Problem, denn das muss nichts Schädliches sein. Narzisstische Menschen haben ungemein viel Energie, können häufig andere Menschen begeistern – und zugleich sehr hart sein. Die eignen sich daher oft als Manager. Und die definieren sich darüber, wie sie bei anderen ankommen: ob sie häufig im Fernsehen sind und in der Presse zitiert werden. Die Hauptantriebskraft dahinter ist die Angst, nicht von allen geliebt zu werden, wenn sie nicht dauernd demonstrieren, dass sie die Besten sind. Da kehren viele den Moralisten raus, predigen Wasser, aber trinken Wein” (Hervorhebung d.d.A.).

Bei so viel Erkenntnis über die Möglichkeit der unangemessenen Selbstbezogenheit mancher Menschen würde man vermuten, dass diesbezüglich auch für Selbsterkenntnis Platz bleibt, aber eine Analyse von Herrn Bandelow der eigenen Person z.B. als Narzisst, der vom Beifall einer (politisch korrekten) Masse lebt, oder als pluralismusphobe Persönlichkeit, die Menschen mit von seinen eigenen abweichenden Angemessenheitsauffassungen nicht akzeptieren kann, sondern sie – vielleicht zwecks Erhalt der eigenen fragilen Identität – für psychisch krank erklären muss, haben wir bislang noch nicht gehört.

Die vollständige Abwesenheit jeglicher Selbstreflexion mit Bezug auf psychologische Befindlichkeiten zeugt entweder von einem bemerkenswerten Mangel an Fähigkeit zur Reflexion der eigenen Person oder eigener Standpunkte, oder es handelt sich um eine Art Abwehrzauber, der vielleicht eine primitive Reaktion auf primitive Ängste darstellt und etwa so zusammengefasst werden könnte: wenn ich andere Menschen probeweise negativ beurteile oder beschimpfe, dann kann ich dadurch vielleicht die Gefahr bannen, selbst von anderen Menschen negativ beurteilt zu werden.

Wir befürchten allerdings, dass die intelligenteren Teile des Gehirns jedem eher vernunftgesteuerten Menschen sagen sollten, dass solch primitive Reaktionen nicht (mehr?) den realen Verhältnissen in der heutigen realen Welt angemessen sind.

Aber wir haben kein Interesse daran, die Persönlichkeit von Herrn Bandelow durch ein mehr oder weniger inhaltsleeres und beliebiges Schlagwort zu charakterisieren. Uns geht es darum festzuhalten, dass man Bandelow angesichts des Sammelsuriums von vorgefassten Meinungen, Stereotypen, Assoziationen und unbelegten Behauptungen, das er nun schon seit Jahren zum Besten gibt, als Wissenschaftler negativ beurteilen muss – da hilft weder Wortmagie noch das Motto “Frechheit siegt” noch der Job an der Universität oder der Klinik.

Wenn er aber als Wissenschaftler versagt, von welchem Interesse ist dann die private Meinung von Herrn Bandelow? Richtig: von ebenso viel oder wenig Interesse wie die Meinung irgendeiner zufällig ausgewählten Person aus der Bevölkerung.

Wenn er dennoch mit dem Anspruch auftritt oder präsentiert wird, nicht nur Psychologe, sondern sogar der Psychologe zu sein, der als Autorität oder zumindest als überdurchschnittlich kompetent gelten soll, dann kann man hieraus nur den Schluss ziehen, dass es sich bei dem Interview von Franziska Höhn mit Borin Bandelow um einen Versuch der Meinungsmanipulation – mittels akademisierter Beschimpfung zwecks Diskreditierung der Sicht von Teilen der Bevölkerung – handelt, und zwar um einen sehr primitiven, der wohl aus entsprechend primitiven Gehirnen stammen muss, oder?! Und das, obwohl zumindest das Gehirn von Bandelow einen Hochschulabschluss haben sollte …

Literatur:

Allport, Gordon W., 1954: The Nature of Prejudice. Cambridge: Addison-Wesley.

Basavanthappa, B. T., 2011: Essentials of Mental Health Nursing. New Delhi: Jaypee. Print.

Beck, Aaron T. & Emery, Gary, with Ruth L. Greenberg, 1985: Anxiety Disorders and Phobias. A Cognitive Perspective. New York: Basic Books. Print.

Graczyk, Patricia & Connolly, Sucheta D., 2008: Anxiety Disorders in Childhood, pp. 215-238 in: Gullotta, Thomas & Blau, Gary M. (eds): Handbook of Child Behavioural Issues. Evidence-Based Approaches to Prevention and Treatment. New York: Routledge, Taylor & Francis.

Krause, Frank, 2015: Literarischer Expressionismus. Göttingen: V & R unipress

Peoples, James & Bailey, Garrick, 2009: Humanity: An Introduction to Cultural Anthropology. Belmont: Wadsworth, Cengage Learning.

Pettigrew, Thomas F. & Tropp, Linda R., 2006: A Meta-Analytic Test of Intergroup Contact Theory. Journal of Personality and Social Psychology 90, 5: 751-783.

Pettigrew, Thomas F., Tropp, Linda R., Wagner, Ulrich & Christ, Oliver, 2011: Recent Advances in Intergroup Contact Theory. International Journal of Intercultural Relations 35, 2: 271-280.

Sutton, Mark Q. & Anderson, E. N., 2014: Introduction to Cultural Ecology. Lanham: AltaMira.

Datenfuzzis: Über den Zusammenhang zwischen Quatsch und Unsinn

Nach einem langen Arbeitstag, der schon mit der Mondfinsternis begonnen hat, hat man etwas Ruhe und Erholung verdient – so meint man. Jedenfalls hat man nicht die Studie von Chan, Ghose und Seamans mit dem Titel “The Internet and Racial Hate Crime” verdient.

junk_scienceChan, Ghose und Seamans wissen, wie man Wissenschaftler zur Verzweiflung treibt, wie man Blogbetreiber dazu bringt, ein Post zu schreiben, ein Post über den Zusammenhang zwischen Quatsch und Unsinn.

Der wichtigste Satz der Studie von Chan, Ghose und Seamans findet sich auf Seite 29 und lautet: “This paper has several limitations”.

Ihre Studie sie hat in der Tat viele Beschränkungen. Die ganze Studie ist eine einzige Beschränkung.

Chan, Ghose und Seamans betreiben eine Form von Forschung, die man als Suche von Regressionsanwendern nach passenden Daten beschreiben kann. Auf ihrer Suche nach Daten, mit denen sie ihre Regressiongleichung füllen können, sind sie über die Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen ins Internet (broadband im Englischen) und die Zahl so genannter Hate Crimes, also Hasskriminalität gestolpert.

Warum auch nicht. Warum, das ist so ein Schlüsselwort, zu dem wir noch kommen.

Also haben sich Chan, Ghose und Seamans gedacht, bringen wir die Regressionsgleichung zur Anwendung, y(Hasskriminalität) = b0 + b1(DSL-Anschluss)+ b2(Sonstiges – was so anfällt) [Wer es mag, kann die Werte auch logarithmieren.]. Und natürlich ist etwas dabei herausgekommen: Mit einem zusätzlichen DSL-Anbieter steigt die Häufigkeit von Hasskriminalität um 1200 bis 4800 Fälle (in den USA). Und wenn der DSL-Anbieter in einem Gebiet anbietet, in dem es schon viel Rassismus gibt, dann wird alles noch schlimmer, was für die Autoren zeigt, dass Individuen online gehen, “um sich dort eine Rassenidentität zu konstruieren” (das ist unsere Übersetzung dessen, was im Text mit den Limitations tatsächlich steht, auf Seite 27 im zweiten Absatz, für alle, die es nachlesen wollen).

Was meinen Sie zu dieser Studie?

Nun, was uns angeht, wir haben sofort gedacht, warum nicht Mikrowelle? Wir sind der Überzeugung, dass mit der Verbreitung von Mikrowellen mit mindestens 800 Watt die Häufigkeit von Hasskriminalität steigt, weil die Anwender von Mikrowellen offensichtlich durch die Mikrowellen in ihrem Rassismus bestärkt werden.

Natürlich wirken sich Tiefkühlgeräte reduzierend auf die Anzahl der Fälle von Hasskriminalität aus, da man sich in einer Tiefkühltruhe sein Mütchen kühlen kann.

Wenn jedoch Mikrowellen und Tiefkühlgeräte in Gebieten aufeinander treffen, die sowieso schon durch Rassismus geprägt sind, dann steht zu befürchten, dass die Konstruktion einer rassistischen Identität gestört ist – vielleicht auch nicht.

Ganz davon abgesehen hängt die Häufigkeit von Hasskriminalität natürlich mit der Anzahl der roten Ampeln zusammen, schon weil durch rote Ampeln die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, rot zu sehen.

Das war der kathartische und destruktive Teil.

Why god has no phdNun zurück zum Wörtchen “warum”.
Was ist so besonders am Wörtchen, “warum”?
Nun, “warum” ist so etwas wie der Nukleus der Wissenschaft.

Es kann in destruktiver Absicht genutzt werden, um Junk Science wie die von Chan, Ghose und Seamans produzierte mit genau einem Wort, nämlich: “Warum?” zu zerstören. In der langen Version: Warum sollte es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen und der Häufigkeit von Hasskriminalität geben?

Und warum kann konstruktiv verwendet werden: Warum sollte es einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Anbieter von DSL-Verbindungen und der Häufigkeit von Hasskriminalität geben?

Hmm, mal überlegen.

Und wenn dieses Überlegen zu einem Ergebnis kommt, z.B: weil die Anbieter von DSL-Verbindungen ihren Kunden ohne deren Wissen Hasskriminalität fördernde Sequenzen auf den Monitor bringen, die deren Hasskriminalität steigern, dann hat man nicht nur ein Antwort, sondern eine Hypothese, die man PRÜFEN muss.

Denn Wissenschaft besteht nicht darin, Regressionsgleichungen mit wild zusammengeklaubten Daten zu füllen, sondern darin, Zusammenhänge zu erklären und diese Erklärung zu prüfen. Damit aus dem “paper” von Chan, Ghose und Seamans Wissenschaft wird, müssen sie also nicht nur Hypothesen darüber aufstellen, warum die Anzahl der DSL-Anbieter einen Einfluss auf die Häufigkeit von Hasskriminalität haben soll, nein, sie müssen diese Hypothesen auch prüfen.

Nur so wird Wissenschaft daraus.

Und nur dieses Vorgehen unterscheidet Wissenschaft von Hirngespinsten und, nun ja, Chan, Ghose und Seamans sind bislang bei Hirngespinnsten stehen geblieben – bei Hirngespinnsten in Form einer Regressionsgleichung.

Inquisition 2.0: Vom genderistischen Pack

Vorrede: Wir sind Anatol Stefanowitsch wirklich dankbar, für seine Klärung der Bedeutung der Begriffe “Pack” und “Mob”. So weiß man doch, dass die Meldung auch ankommt.

Die Zeit der Zurückhaltung ist vorbei!

Es gibt in Deutschland eine Sekte, deren Mitglieder so sehr mit ihrer physischen Existenz unzufrieden sind, dass sie sie am liebsten verleugnen wollen. Dabei steigern sie sich so sehr in die Ablehnung ihrer physischen Existenz, dass sie sich einbilden, sie könnten ihr Geschlecht frei wählen, denn Geschlecht, sei sozial konstruiert. Dieser Irrtum, der sich spätestens dann als solcher herausstellen wird, wenn zwei, die sich einbilden, Trans zu sein, beim Versuch, ihren (sozial konstruierten) Kinderwunsch zu verwirklichen, feststellen, dass sie beide männlich sind, hat bei den von ihm Befallenen die Form einer Manie angenommen.

Nun wäre das alles kein Problem, würden die entsprechenden Sektenmitglieder unter sich bleiben, sich in geschlossenen Räumlichkeiten aufhalten und den Kontakt mit der normalen Welt meiden. Das tun sie aber nicht. Ihre Psychose ist so weit entwickelt, dass sie die Existenz von anderen Menschen, die die Fakten dieses Planeten und des biologischen Lebens auf ihm anerkennen, nicht ertragen können und entsprechend versuchen, Letztere zu missionieren und wenn das nicht klappt, sie (bislang nur) mundtot zu machen.

Wer wissen will, wie es möglich war, dass Hitler und seine Konsorten, die Opportunisten, die Hühnerzüchter und die Wahsinnigen ein Land übernehmen konnten, das man bis dato – selbst nach dem 1. Weltkrieg noch – als der Rationalität zugänglich betrachtet hat, der muss nur beschreiben, wie es den Genderista seit mehreren Jahrzehnten gelingt, öffentliche Positionen zu besetzen, Verwaltungen zu infiltrieren und selbst Hochschulen vor ihren Karren zu spannen.

Hochschulen sind besonders wichtig, sind sie doch der Ort, an dem sich Faktensucher und -finder sammeln, also ein Ort, von dem die größte Gefahr für die Genderisten ausgeht, die größte Gefahr für ihr Projekt der Realitätsverweigerung. Daher müssen Hochschulen zerstört werden.

Und wie im Dritten Reich, so sehen auch heute die meisten derjenigen, die man als Wissenschaftler ansehen können sollte, dem irren Treiben derer zu, die keine Idee von Wissenschaft haben, aber wissen, dass sie das, wofür Wissenschaft steht, die Erkenntnis über die Wirklichkeit, zerstören müssen.

Nicht alle sehen zu.

Wir sehen nicht zu.

Und Prof. Dr. em. Günter Buchholz sieht nicht zu.

Und Prof. Dr. Walter Krämer sieht nicht zu.

Und Prof. Dr. Ulrich Kutschera sieht nicht zu.
U.Kutschera

Kutschera hat dabei fast so deutliche Worte gefunden wie wir oder Prof. Dr. Buchholz und die Gendersekte als ebensolche bloßgestellt. Der Genderismus sei eine “quasi-religiöse Strömung”, die “unter dem Schlagwort, Deckmantel oder der Tarnkappe des Gender Mainstreaming Fuß fasst und immer mehr – gleich einem Krebsgeschwür – auch Fachgebiete erobern möchte”.

Das sagt Kutschera nicht einfach so, sondern nachdem er sich intensiv mit dem, was Genderisten zusammenschreiben und als wissenschaftlich verkaufen wollen, auseinander gesetzt hat. Das Lesen der Gender-Literatur habe ihn, so sagt er, entsetzt und verärgert zurückgelassen und weiter: Genderismus ist ein “Frontalangriff gegen rational-naturwissenschaftliches Denken, die Biomedizin als Ganzes sowie unsere naturalistische Wissenschaftstheorie”.

Damit ist Genderismus hervorragend charakterisiert, denn die Verleugnung der Realität, die wir oben beschrieben haben, sie erfordert es, rationales Denken zu suspendieren und Willkür wie Irrationalität Tür und Tor zu öffnen. Beides, Willkür und Irrationalität, hat jedoch an Hochschulen nichts verloren. Um so schlimmer, dass sich mit 190 Lehrstühlen für Gender Studies die Anhänger der Sekte bereits fest an deutschen Hochschulen installieren haben.

Nun könnte man denken, einer wie Ulrich Kutschera, der den Mut hat, die Fakten so darzustellen, wie sie sind und der gegen die Unterminierung der Wissenschaften, ihre Zerstörung durch den Genderismus zu Felde zieht, ihm laufen die Wissenschaftler in Massen zu: Studenten, die einmal Wissenschaftler werden wollen, Dozenten, die es angeblich schon sind, sie alle, die dem wissenschatflichen Programm verpflichtet sind, das Erkenntnisgewinn durch die Aufstellung und Prüfung von Aussagen über die Wirklichkeit anstrebt und deshalb Nachvollziehbarkeit und Falsifizierbarkeit von Aussagen erfordert, also genau das, was Genderisten fürchten wie der Teufel das Weihwasser, sie alle sammeln sich hinter Ulrich Kutschera, um gemeinsam mit ihm die Genderista zu bekämpfen.

Weit gefehlt.

Wie sich im Dritten Reich kaum jemand sich getraut hat, gegen den grassierenden Wahnsinn, der sich auch an Hochschulen eingenistet hat, seine Stimme zu erheben, so schweigt die Mehrzahl der angeblichen Wissenschaftler auch heute.

Die, die den Mund aufmachen, das sind die Ideologen.

Z.B. die Ideologen im ASta der Universität Kassel. Den ASta-Mitgliedern ist ein Interview von Ulrich Kutschera im RBB aufgestoßen, in dem Kutschera nicht nur darlegt, dass er Genderismus für einen “Frontalangriff gegen rational-naturwissenschaftliches Denken” hält und entsprechend der Genderismus als Kult und nicht als wissenschaftliche Disziplin zu betrachten ist, sondern seine Aussagen auch begründet.

Ein wissenschaftliches Vorgehen, das die Argumente prüfbar macht. Selbst Mitgliedern des ASta, die ja einmal Wissenschaftler sein wollen, angeblich, wäre es möglich, die Aussagen von Kutschera und die Begründung seiner Aussagen zu prüfen. Dazu müssten sie die Fachliteratur lesen, die Forschungsergebnisse zur Kenntnis nehmen und sich ein Urteil bilden, ein Urteil darüber, ob es empirische Fakten gibt, die den Aussagen von Kutschera widersprechen. Das wäre eine wissenschaftliche Vorgehensweise.

Aber im ASta der Universität Kassel sitzen keine angehenden Wissenschaftler. Dort sitzen Ideologen. Entsprechend üben sie sich im ideologischen Meuchelmord und haben nicht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Kutschera gesucht, sondern die Denunziation hinter seinem Rücken, und zwar bei den großen Brüdern, die im Präsidium der Universität Kassel sitzen:

Kassel asta-logo“Unserer Auffassung nach sind die Behauptungen Kutscheras bezüglich der Genderforschung unhaltbare Unterstellungen, die dazu dienen die Forschung zu diffamieren. Er bezeichnet wörtlich die Genderforschung als „Krebsgeschwür“, „Pseudowissenschaft“ und „quasi-religiöse Strömung bzw. Weltanschauung“. Weiter vergleicht er die Genderbewegung mit spirituellen Praxen, dem Kreationismus und sektenförmigen Strukturen. Er spricht von „ein bisschen seriös klingende deutsche Genderbücher“, nennt diese aber nicht explizit und sagt, die Lehrenden/Forschenden seien „Gott sein Dank nur noch W2 besoldet. Das ist ein besseres Lehrergehalt. Ein kleiner Trost.“ Mit dieser Aussage beleidigt er offenkundig seine Kolleg*innen und impliziert gleichzeitig, dass immer noch zu viel Geld für diese Forschung ausgegeben werde. Außerdem erzeugt er mit der Aussage „Wir stehen kurz vor einer Genderisierung der Biologie, dagegen werden wir uns
verwahren“ ein klares Feindbild.”

Mit diesem Schreiben haben sich die Möchtegern-Wissenschaftler aus dem ASta komplett disqualifiziert, denn es findet sich auch nicht die Spur eines Arguments in ihrem Schreiben. Wir wissen nun, welche Aussagen Kutscheras den ASta-Ideologen missfallen haben. Wir wissen nicht, warum sie ihnen missfallen haben, wobei warum nicht nach einer psychologischen Begründung fragt, sondern nach einer empirischen in den Fakten basierten Begründung – jedenfalls in der Wissenschaft. Es wäre also zu zeigen, dass Kutschera Unrecht hat, wenn er die Metapher des “Krebsgeschwürs” verwendet. Es wäre zu zeigen, dass die Gender Studies keine Pseudowissenschaft sind. Es wäre zu zeigen, dass die Gender Studies keine quasi-religiöse Strömung sind und so weiter.

Wissenschaftler und solche, die es werden wollen, würden sich so verhalten, sie würden versuchen, Gegenargumente zu formulieren. Ideologen wählen andere Wege, sie schwärzen diejenigen, die ihnen nicht passen, hinter deren Rücken beim Papa an.

Und der Papa, in diesem Fall das Präsidium der Universität Kassel, es hat in der Zwischenzeit eine an Armseligkeit nicht mehr zu überbietende Stellungnahme verbreitet:

Uni Kassel„Die Universität Kassel legt in ihrem Entwicklungsplan dar, dass sie Gleichstellung und Diversity (Vielfältigkeit) als zentrale Themen ihrer Entwicklung begreift. Dazu gehört u.a. die Erhöhung des Anteils von Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen. Sie hat sich verpflichtet, eine Organisationskultur zu pflegen, die von gegenseitiger Anerkennung und Teilhabe aller Mitglieder der Hochschule geprägt ist.

Die Universitätsleitung wird mit Herrn Prof. Kutschera das Gespräch suchen, um ihn an diese Grundsätze zu erinnern. Den Lehrenden der Universität steht es grundsätzlich frei, sich an der öffentlichen Debatte zu beteiligen; dieses Recht respektiert die Leitung der Universität Kassel selbstverständlich. Die Hochschulleitung ist zugleich der Auffassung, dass diese Debatte in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts stattfinden soll, auch des Respekts gegenüber anderen wissenschaftlichen Disziplinen.“

In Deutsch: Die Universität Kassel hat sich schon mit dem Genderismus ins Bett gelegt und die Wissenschaft an eine staatliche Alimentierung verkauft. Letztere gibt es nur dann, wenn Gleichstellung und Diversity verwirklicht wird, was nicht Meinungsvielfalt meint, wie man im vorliegenden Fall deutlich sehen kann, sondern Meinungseinfalt und in jedem Fall keine Kritik an der Gender Sekte umfasst. Entsprechend wird die Universitätsleitung mit Herrn Prof. Kutschera das Gespräch suchen, nicht etwa mit den Vertretern der Gender Studies, die auch an der Univeristät Kassel ihr Unwesen treiben.

Die Universitätsleitung hat offensichtlich nichts dagegen, dass die Einrichtung von Kindertagesstätten die Forschung ersetzt und Gender Sektenmitglieder ihre Messen an Universitäten lesen. Nein, die Universitätsleitung lässt sich im Rahmen des Professorinnenprogramms vielmehr dafür bezahlen, dass sie Wissenschaft an die Gender Sekte verhökert.

Und natürlich dürfen die Männleins nicht fehlen, die sich schützend vor die armen Gender Sektierer stellen. Dieses Mal in Form von Winfried Streitkamp, der die Gender Studies als Dekan der Gesellschaftwissenschaften, also des Fachbereichs, in dem die Gender Studies in Kassel angesiedelt sind, in Schutz nimmt und den Kollegen Kutschera ob seines “beleidigenden Stils” anfeindet. Auch Streitkamp ist nicht an wissenschaftlichem Austausch und Argumenten interessiert, sondern daran, Wissenschaft an die Gender Sekte zu verhökern und ansonsten den Schwanz einzuziehen.

Langsam wird es Zeit, dass sich diejenigen, die noch wissen, dass Wissenschaft keine Ideologie und keine al Gusto-Behauptungen umfasst, hinter Ulrich Kutschera stellen und mit ihm das “Krebsgeschwür” des Genderismus an einer weiterer Verbreitung hindern.

PetitionslogoEs wird Zeit, dass sich Studenten, die studieren, weil sie etwas wissen wollen, weil sie an methodischem Vorgehen und am Erkenntnisprozess interessiert sind, die nicht Ideologie, sondern Wissenschaft betreiben wollen, zu Wort melden und den AStA der Universität Kassel, dessen Mitglieder sie über ihre Studiengebühren dafür finanzieren, dass sie sich als Denunzianten verdingen und ansonsten jede Wissenschaftlichkeit vermissen lassen, in die Wüste jagen, wo man ihn vermutlich auch nicht haben will. In jedem Fall ist die große schweigende Mehrheit der Studenten, jene 90%, die sich nicht an der Wahl des ASta beteiligt haben, aufgerufen, dessen ideologischem Treiben ein Ende zu setzen.

Zudem ist es an der Zeit, der Gleichstellung, zu der sich die Universität Kassel verpflichtet haben will, ein Ende zu setzen, denn weder gibt es einen demokratischen Beschluss dazu, dass Gleichstellung in der Gesellschaft oder an Universitäten umgesetzt werden soll, noch verträgt sich Gleichstellung, die auf Ergebnisgleichheit zielt, mit den Grundsätzen der Meritokratie, also der Belohnung von Leistung und nicht von Geschlecht, auf denen das gesamte Bildungswesen angeblich basiert. Wenn an der Universität Kassel nicht mehr die studentische Leistung oder die Leistung von Dozenten honoriert wird, sondern die Tiefe der Verneigung vor der Genderista, dann sollte das Präsidium der Universität seinen Studenten reinen Wein einschenken, damit Studenten, die an Wissenschaft interessiert sind, die Universität Kassel, bei der es sich ja dann nicht mehr um eine Universität, sondern um eine Gleichstellungsanstalt handelt, meiden können.

Schließlich hat niemand den Vertretern der Gender Studies verwehrt, sich gegen die Kritik, bei Gender Studies handle es sich um einen Kult, eine pseudo-Wissenschaft, eine religiöse Sekte, zu wehren und die Gründe darzulegen, warum die Kritik falsch und die Gender Studies doch eine Wissenschaft sind. Wir haben es den Genderista sogar sehr einfach gemacht, in dem wir ein paar Fragen aufgestellt haben, deren Beantwortung einem Wissenschaftler sehr leicht fallen sollte, die er quasi im Schlaf beantworten können muss, Fragen nach Methode, Methodologie, Erkenntnisgewinn und Nutzen seiner Forschung.

Leider hat sich bislang kein Genderist bereit gefunden, die entsprechenden Fragen zu beantworten, woraus man nur den Schluss ziehen kann, dass die Genderisten nicht in der Lage sind, die entsprechenden Fragen zu beantworten, was wiederum bedeutet, dass Genderisten keine Wissenschaftler sind.

Hadmut Danisch hat die Stellungnahme des Präsidiums der Universität Kassel zum Anlass genommen, um den Verantwortlichen der Universität Kassel u.a. die folgenden Fragen zu stellen:

  • Wie ist es mit der Freiheit von Forschung und Lehre vereinbar, wenn Druck auf Wissenschaftler ausgeübt wird, weil deren fachliche Überzeugung den politischen Vorgaben nicht entspricht?
  • Auf welcher formalen Rechtsgrundlage muss sich ein Wissenschaftler für die von ihm vertretene fachliche Auffassung vor dem Präsidium einer Universität, also Teil der Exekutive, „verantworten”?
  • Wie steht die Universität Kassel zum Thema „Gender”?
  • Worin liegen nach Auffassung der Universität Kassel die wissenschaftlichen Grundlagen für die in „Gender Studies” und „Gender Mainstreaming” vertretenen Thesen, dass Geschlechter keinen biologischen Ursprung haben, sondern nur gesellschaftlich-sozial erzeugt würden?

Auf die Antworten der Universitätsleitung darf man gespannt sein.

Künstliche Beatmung: Tagesspiegel macht Marketing für Gender Studies

Kann man einen Patienten, der auf der Intensivstation künstlich beatmet wird als Kandidaten für eine Professur an einer beliebigen Universität präsentieren?

Eine Marketing-Kampagne, von der wir nicht wissen, wer sie bezahlt, aber wissen, dass der Tagesspiegel in Berlin [Wo sonst?] sie durchführt, soll diese Frage beantworten.

Intensive careKünstlich beatmet und mit Steuergeldern mangels tatsächlicher Nachfrage am Leben erhalten, wird seit einigen Jahrzehnten ein Patient, der sich Gender Studies nennt. Mit viel Geld wurden die entsprechend Leidenden auf Lehrstühlen platziert. Dort werden sie mit noch mehr Geld von Steuerzahlern unterhalten, damit sie Studenten produzieren, die mit abermals viel Geld von Steuerzahlern finanziert werden, damit sie in Projekten Unterschlupf finden und dort vermeintliche Forschung betreiben können, die nicht interessant ist und die niemand benötigt. Ein derartiges Grab für Steuergelder, das dem Versuch geopfert wird, eine wissenschaftliche Totgeburt zu aktivieren, ist nur in moderen Staaten möglich, die mehr Wert auf die Versorgung von Klientel und das Verschaffen von Pöstchen als auf den effizienten und effektiven Einsatz von Steuergeldern legen.

Und nun, nun regt sich Widerstand gegen die intravenöse Gabe von Steuergeldern, dagegen, dass Studiengänge, die niemand braucht, die Studenten mit Abschlüssen produzieren, die niemand braucht, aus Steuergeldern finanziert werden – und plötzlich gibt ein Gender-Mob, wie wir nach der Definition von Anatol Stefanowitsch wohl sagen müssen, Zeichen eines kurzen, aufflackernden Lebens von sich.

Keine Angst vorm bösen Gender, so der Titel des Tages-Kommuniques aus der Intensivstation.

hate_speech1Und es geht gleich zur Sache, mit einer Gegenüberstellung des “anonymen Internets” und von “Qualitätszeitungen”. Da im Tagesspiegel von Qualitätszeitungen geschrieben wird, gehen wir davon aus, dass der Tagesspiegel selbst nicht dazu gehört. In diesen Qualitätszeitungen, zu denen der Tagesspiegel nicht gehört, da werden die Gender Studies “attackiert” und “diffamiert”, und deshalb veröffentlicht der Tagesspiegel nun in loser Folge Texte zur Genderforschung.

Deshalb kann der Tagesspiegel auch keine Qualitätszeitung sein. Er ist wohl eher das, was man im Englischen eine “hired gun” nennt, also eine Form der Printprostitution, die höchstbietend Druckzeilen zur Verfügung steht, auf denen z.B. Lobbyarbeit für Gender Studies gemacht werden kann, vermutlich von Steuerzahlern über den Umweg eines Ministeriums finanziert, das ein Interesse an weiteren lebenserhaltenden Maßnahmen für die Gender Studies hat.

Wie auch immer, der erste Text stammt von Ilse Lenz.

Ilse Lenz ist emeritiert und hat entsprechend viel Zeit, viel Zeit, um das, was sie innerlich zerfrisst, von sich zu geben.

“Früher waren die Weiber schuld”, so beginnt ihr Text, der den Glauben an die Überlebensfähigkeit der Gender Studies wiederherstellen soll. Ein denkbar schlechter Anfang, denn früher waren nicht die Weiber, sondern die Juden schuld. “Kleine, aber stimmgewaltige Kreise”, so geht es weiter, forderten die Abschaffung der Gender Studies, würden die Gender Studies als “unwissenschaftlich”, “pervers” oder “gleich Wahnsinn” bezeichnen.

BlumerDer Feind, dem Lenz hier unterstellt, er wolle den Gender Studies die künstliche Beatmung auf Kosten der Steuerzahler abstellen, er steht überall, wo nicht links ist, “im neoliberalen, rechtskonservativen und rechtsextremen Spektrum”, auch “fundamentalistisch kirchliche Gruppen, Männerrechtler, AfD und Pegida” zählen dazu. Kurz: Es sind all diejenigen, die Ilse Lenz fürchtet, die die ideologische Basis der Gender Studies, die sich im Sozialismus findet, nicht teilen bzw. die der Ansicht sind, Steuermittel müssten sinnvoll eingesetzt werden und nicht dazu, Studien an Hochschulen zu ermöglichen, die niemand braucht.

Ilse Lenz fürchtet die Genannten zurecht, denn die vielen Zeilen, die ihr der Tagesspiegel bereitgestellt hat, um dafür zu werben, dass Gender Studies auch weiterhin künstlich beatmet werden, sie sind verschwendet, ebenso verschwendet, wie all die Steuergelder, mit denen Gender Studies an Hochschulen unterhalten werden.

Dass die Mittel verschwendet sind, zeigt sich an dem bemitleidenswerten Versuch, mit dem Lenz die Wissenschaftlichkeit der Gender Studies belegen will.

Gender Studies hätten gezeigt, dass sozial gestaltet und konstruiert werde. Herbert Blumer hat vor rund einem Jahrhundert den Symbolischen Interaktionismus begründet, der gezeigt hat, was Lenz nun gerne den Gender Studies zuschreiben würde, und Blumer hat es in einer Art und Weise wissenschaftlich begründet, von der Gender Studies nur träumen können, theoretisch argumentiert und empirisch geprüft nämlich. Warum soll man Gender Studies dafür bezahlen, dass sie etwas, was gut gemacht wurde, für sich reklamieren und weit schlechter machen?

Ilse Lenz hat keine Antwort.

Die Geschlechterforschung habe, so Lenz weiter, wahrgenommen, dass Wissenschaft “auf menschlichen Erkenntnismöglichkeiten aufbaut und auf den Bedingungen der Sprache”. Hier kann man sich nur die Augen reiben, denn die Bedingungen menschlicher Erkenntnis, sie sind der Gegenstand von Philosophie und Erkenntnistheorie, von Wissenschaftslehre und Wissenschaftssoziologie spätestens seit Francis Bacon sein Novum Organum Scientiarum veröffentlich hat. Das war 1620. Warum soll man Gender Studies dafür finanzieren, dass sie Erkenntnisse finden, die seit mindestens 400 Jahren bekannt sind – bestens bekannt sind?

Abermals hat Ilse Lenz keine Antwort.

Es gebe auch ethnomethodologische Richtungen in den Gender Studies, so Lenz weiter, die das Doing Gender zeigen würden. Auch hier erweist sich Ilse Lenz als hoffnungslos kenntnislos, denn die Ethnomethodologie ist keine Richtung der Gender Studies. Sie ist eine von Harold Garfinkel in den 1950er und 1960er Jahren begründete und von u.a. Aaron Cicourel methodisch ausgearbeitete Forschungsrichtung, die sich auch mit der Kategorie “Geschlecht” befasst hat. Im Gegensatz zu den Gender Studies hat die Ethnomethodologie eine Methodologie und eine Erkenntnistheorie, und entsprechend haben es Ethnomethodologen nicht nötig, sich mit fremden Federn zu schmücken, wie dies die Gender Studis offensichtlich tun müssen. Warum soll man das Leben der Gender Studies weiterhin künstlich verlängern, wenn ihre Methode ausschließlich darin besteht, Forschung anderer zu plagiieren und als eigene Forschung zu verkaufen?

Schon wieder hat Ilse Lenz keine Antwort.

Schließlich behauptet Ilse Lenz, dass die Gender Studies Kritik aufgeschlossen gegenüber stehen würden. Da sie diese Behauptung in Sätze einkleidet, in denen von “selbst ernannten (Hass-)Prediger[n], die beliebig festlegen wollen, was unwissenschaftlich sein soll”, fragen wir uns, wo bei Ilse Lenz die Hasspredigt beginnt und wo die Kritik aufhört.

Um dem Gerücht vorzubeugen, dass Kritik für Gender Studierte aus Zustimmung bestehe und Hasspredigt da anfange, wo die Gender Studierten auf Fragen keine Antworten wissen, was ja nahezu die gesamte Erkenntnisgeschichte der Wissenschaft umfasst, wollen wir Ilse Lenz abermals die Gelegenheit geben, Fragen zu den methodischen und erkenntnistheoretischen Grundlagen der Gender Studies zu beantworten, Fragen, die jeder Wissenschaftler im Schlaf beantworten können muss, Fragen, die zu beantworten auch Gender Studierten leicht fallen sollte, sofern es sich bei Ihnen um Wissenschaftler handelt.

Wir haben entsprechend die folgende Liste von Fragen an den Tagesspiegel geschickt, mit der Bitte, die Liste an Ilse Lenz weiterzuleiten, da “selbstverständlich … Kritik in der Geschlechterforschung wichtig und willkommen ist”.

  1. questionmark2Was ist das Patriarchat?
  2. Wo gibt es das Patriarchat?
  3. Wie kann man das Patriarchat unabhängig messen?
  4. Warum zeigt u.a. die ethnologische Forschung, dass es ein Patriarchat nicht gegeben hat?
  5. Wie könnte ein moderner Patriarchats-Begriff die sozialistisch-ideologische Voreinstellung eines Friedrich Engels überwinden und das Patriarchat empirisch messen?
  6. Wo werden Frauen benachteiligt?
  7. Von wem werden Frauen wo benachteiligt (in Gesetzen, in staatlichen Institutionen, in nicht-staatlichen Institutionen, auf der individuellen Ebene) ?
  8. Wie werden Frauen wo und von wem benachteiligt?
  9. Welche Folgen hat die Benachteiligung konkreter Frauen an konkreten Orten durch konkrete Personen und für wen?
  10. Welche Erkenntnis hat die Forschung im Rahmen von Gender Studies bislang erbracht?
  11. Welcher wissenschaftliche Nutzen geht von dieser Erkenntnis aus?
  12. Wem entsteht dieser Nutzen?
  13. Welche empirischen Erkenntnisse hat die Forschung im Rahmen von Gender Studies erbracht?
  14. Wozu ist es wichtig, diese empirischen Erkenntnisse zu haben?
  15. Wie grenzen sich Lehrstühle der Gender Studies von Indoktrination ab?
  16. Welche Kenntnisse haben Studente der Gender Studies, die sie vor ihrem Studium nicht bereits hatten?
  17. Welche berufliche Zukunft haben Studenten der Gender Studies?
  18. Welche Belege für den Nutzen der Gender Studies gibt es?
  19. Welche Belege für einen Schaden durch Gender Studies gibt es?
  20. In welchem Verhältnis stehen Nutzen und Schaden der Gender Studies zueinander?
  21. Welches Erkenntnisinteresse haben Gender Studies?
  22. Welche Methoden der Erkenntnisgewinnung nutzen Gender Studies ?
  23. Welche Erkentnisse der Gender Studes sind neu?
  24. Wie wird sichergestellt, dass Erkenntnisse der Gender Studies nachprüfbar sind und von anderen nachvollzogen werden können?
  25. Gibt es ein theoretisches Konzept “Gender Studies”?
  26. Wenn ja, auf welcher empirischen Basis steht dieses Konzept?
  27. Wenn ja, wie hat sich dieses Konzept an der Empirie bewährt
  28. Was haben Gender Studies an Universitäten zu suchen?
  29. Welchen konkreten Nutzen haben Gender Studies der Wissenschaft gebracht?
  30. Welchen konkreten Schaden haben Gender Studies der Wissenschaft zugefügt?
  31. Wie rechtfertigen Gender Studies ihre Finanzierung durch Steuerzahler?
  32. Welcher konkrete Nutzen entsteht Steuerzahlern durch Gender Studies?
  33. Wie legitimieren Gender Studierte ihre Existenz wenn nicht durch selbsternanntes Expertentum und selbst zugewiesene Relevanz?

Weitere Argumente, warum die Gender Studies keine Wissenschaft sind und an Hochschulen nicht gebraucht werden, finden sich im Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach: “Brauchen wir Professuren für Genderforschung an Universitäten und Hochschulen?