“Selbsternannte (Hass-)Prediger”

“[S]elbst ernannte  wissenschaftsferne (Hass-)Prediger, die beliebig festlegen wollen, was ‘unwissenschaftlich’ sein soll”, hat Ilse Lenz entdeckt.

Wir fragen uns: Was könnte dieser Satz bedeuten?

Welcher (Hass-)Prediger sagt von sich, er sei ein (Hass-)Prediger? Also: “Hey, wollt Ihr mal so richtigen Hass gepredigt bekommen. Kommt zu mir, dem einzig wahren (Hass-)Prediger!”

Wem einer bekannt ist, bitte bei uns melden.

Ist es nicht vielmehr so, dass (Hass-)Prediger von anderen als solche bezeichnet werden, in durchaus diffamierend gemeinter Weise? Wenn ja, dann ist Ilse Lenz hier ihre Logik durcheinander geraten (sofern sie eine hat), und sie meint nicht selbsternannte (Hass-)Prediger, sondern fremdernannte.

Preston CredoVerräterisch ist es, das Adjektiv “selbsternannt”. Für Ilse Lenz ist es offensichtlich negativ konnotiert. Was in anderen Ländern den Kern einer freien Gesellschaft ausmacht, das ist für Ilse Lenz negativ: nämlich dass man sich selbst, als der Bürger der man ist, dazu ernennt, die Regierung oder deren Handlanger zu kontrollieren, eine Selbsterenennung, die häufig in relativ kurzer Zeit in eine institutionalisierte Form überwechselt, weil noch mehr denken, sie müssten sich selbsternennen, und weil es in freien Gesellschaften die Kompetenz von einzelnen ist, die überzeugt, andere überzeugt, andere, nicht Ilse Lenz.

Für Ilse Lenz hat selbsternannt eine negative Konnotation. Für sie zählen offensichtlich nur fremdernannte (Hass-)Prediger in diesem Fall. Sie glaubt an Positionen nur dann, wenn sie von oben verliehen wurden, wenn der Pater Familias der kleinen Ilse auf die Schulter klopft und ihr ein Eis spendiert, dann ist das mehr wert als wenn die kleine Ilse sich Geld verdient und ein Eis davon kauft.

Es gibt eben mindestens zwei Arten von Menschen, solche, die etwas von sich aus leisten wollen und solche, die etwas verliehen bekommen wollen, am besten für keine Leistung. Das erklärt dann auch, dass Genderisten nun, da sie nach ihren Leistungen gefragt werden, den Frager mit einem Unverständnis anblicken, das nicht mehr zu überbieten ist.

Und es sind häufig Adjektive, Adjektive wie “selbsternannt”, eigentlich gebraucht, um andere abzuwerten, die zeigen, mit was oder wem man es zu tun hat. Geht der Versuch der Diskreditierung dann derart in die Hose, wie bei Ilse Lenz, die Personen, die von sich sagen, sie seien (Hass-)Prediger unterstellt, sie würden festlegen wollen, was “‘unwissenschaftlich’ sein soll”, dann atmet daraus nicht nur der Untertanengeist und die fast schon manische Anbindung an den Übervater, sondern auch ein Unverständnis davon, was Wissenschaft von Nicht-Wissenschaft trennt.

Denn: Ob etwas Wissenschaft ist oder nicht, das hat nichts damit zu tun, ob die Kriterien von einem selbsternannten (Hass-)Prediger stammen oder nicht. Es ist eine Frage der Kriterien, nicht der Person, die sie aufstellt. Und wie es die Wissenschaftsgeschichte nun einmal so will, jene Wissenschaftsgeschichte, das sei zugegeben, die Genderisten wie Ilse Lenz nicht kennen, gelten als Wissenschaft jene Aussagen über die Realität, die (1) nachvollziehbar und (2) prüfbar sind, die (3) an der Realität scheitern können und (4) eine (nach Möglichkeit neue) Erkenntnis über die Realität beinhalten.

Ob ein selbsternannter (Hass-)Prediger diese Kriterien vorbringt oder ein fremdernannter Untertan, das ist vollkommen wurscht. Wem es nicht wurscht ist, der gibt damit ein gutes Beispiel für den Fehlschluss ad hominem, der in Deutschland so weitverbreitet und der doch so vollkommen unwissenschaftlich ist.

Kulturstaatsministerin Grütters heimliche Bewunderin von Akif Pirincci?

Eigentlich, wir geben es offen zu, eigentlich wollten wir in diesem Post wieder eine Gedenkminute für die Logik einlegen, jene Logik, auf der nicht zuletzt die Sprache basiert, jene Logik, die dafür sorgt, dass Sprache nicht zum sinnentleerten Gebrabbel verkommt und eine Information transportiert, jene Logik, die in den Äußerungen von Monika Grütters so häufig und so beklagenswert fehlt.

Das beklagenswerte Fehlen hat beklagenswerte Überschriften in Pressemeldungen zur Folge, Überschriften wie: “Kulturstaatsministerin Grütters: LIT-potsdam macht Literatur zum sinnlichen Erlebnis“.

Wie lesen Sie?

Sinnlos? Bar aller sinnlichen Erlebnisse oder unter Einsatz ihrer Augen durch Dechiffrierung der lustigen Zeichen, in die ein anderer seine Information verpackt hat?

Es ist nicht vorstellbar, dass jemand so ganz ohne Einsatz zumindest eines seiner sieben Sinne etwas erlebt. Auf irgend einem Weg muss die Information von der Außenwelt ja in das Gehirn vordringen.

Pirincci cave canemAber schon Plato hat in seinem Höhlengleichnis darauf hingewiesen, dass alles Erleben eine Illusion sein kann, dass es nur philosophische Bildung gibt, um sicherzustellen, dass das sinnliche Erleben, das wir uns gerade einbilden, Sie, der Sie denken, sie würden diesen Post hier lesen und entsprechend sinnlich erleben, auch tatsächlich einen Gegenstand in der Außenwelt hat.

Was macht Sie eigentlich so sicher, dass Sie das hier lesen? Vielleicht träumen Sie? Vielleicht sind sie ein “brain in the wet”, das den Körper, den sie behaupten zu haben, nur simuliert, recht erfolgreich, wie wir sehen?

Vielleicht sind sie Monika Grütters, die nur dann sinnlich Literatur erleben kann, wenn sie nach Potsdam, zur LIT:potsdam fährt, wie sie glaubt, um sich dort mit vielen anderen der Tatsache zu versichern, dass sie erlebnisfähig ist, in kollektiver Halluzination das sinnlich Erfahrbare erfährt, denn: “Inspirierende Festivals wie LIT:potsdam machen Literatur als sinnliche Freude erlebbar”.

Oh weh, auch LIT:potsdam hilft nicht, die Illusion der eigenen Existenz zu vertreiben und Letztere als Faktum zu etablieren. Auch in Postdam, bei LIT:potsdam kann man nur “sinnliche Freude” erleben, also sich einbilden, dass man sich freut, sich als abgeschlossenes System erleben, das von sich denkt, es würde Literatur erleben und sich deshalb freuen.

Aber lassen wir das, denn, wie gesagt, wir wollten eigentlich nur eine Gedenkminute für die Logik einlegen, eigentlich deshalb, weil wir, durch sinnliches Erlesen des Textes, den Monika Grütters für die Teilnehmer der kollektiven Halluzination in Potsdam wohl gesprochen hat, zum akkustischen Erhören, zu einem Erlebnis gelangt sind, das man nur als “sinnliche Freude” bezeichnen kann, schon weil wir nicht wissen, wie man es sonst bezeichnen soll.

“Sinnliche Freude” hat, wie wir erleben, eine Erinnerung an einst, zum Eingang dieses Textes  sinnliche erfahrbar gemachte Aussagen zur Folge, Aussagen über Logik und deren Gedenken, in Minuten. Also gedenken wir in Minuten im Minutentakt logischer Schlüsse wie dem der Bejahung des Konsequens, einem Fehlschluss, dessen sinnlich erfahrbares Potential, dessen Kapazität für sinnliche Freude so massiv unterschätzt wird:

Monika Grütters: „Die Lust am Lesen wird uns erhalten bleiben, wenn wir sie pflegen und kultivieren wie hier in Potsdam. Aber die Freiheit des Wortes, die literarische Vielfalt müssen wir mit allen politischen Kräften schützen und verteidigen. Denn wir brauchen sie, die mutigen Dichter, die sprachgewaltigen Schriftsteller, die verwegenen Vordenker, die Geistesgrößen einer Gesellschaft. Sie sind der Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft, der verhindert, dass intellektuelle Trägheit und politische Bequemlichkeit die Demokratie einschläfern.“

Erleben Sie? Spüren die das sinnliche Erleben des Erlesenen in ihrem Gehirn sich zur sinnlichen Freude steigern?

Sind sie endlich sinnlich erfreut? Beeilen Sie sich: Wir haben nicht alle Zeit der Welt!

Denn: Wer hätte das gedacht?
Wer hätte gedacht, dass sich hinter der biederen Sprachfassade der Monika Grütters, derartige Untiefen verstecken?
Wer hätte die sprachliche Euphorie vorhergesehen, die Wallung der Überraschung, ja die sinnlich kaum mehr zu steigendernde Freude darüber, dass Monika Grütters zu den Bewunderern von Akif Pirincci gehört?

Wie anders kann man die zitierte Stelle verstehen als als sinnliche Erklärung an die Adresse von Akif Pirincci, als literarische Liebeserklärung an den so häufig Gescholtenen und durch den Schmutz Gezogenen?

Was ist Pirincci anderes als ein “Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft”?

Was ist Pirincci anderes als ein Antidot gegen geistige Trägkeit und politische Bequemlichkeit?

Niemand bringt Gutmenschen, Sozialisten, Feministen und Politiker derart in Wallung sinnlichen Erlebens wie Akif Pirincci mit seiner einmaligen Art sinnliche Erfahrung in Schriftzeichen zu kodieren, eine Art, die man am besten als Expletives Schreiben bezeichnet, ein neues Genre, das der sprachgewaltige Pirincci geschaffen hat, ein expletives Stachel-im-Fleisch der Gesellschaft Genre, eines verwegenen Vordenkers!

Endlich wird “dem kleinen Akif“, wie er sich selbst nennt, die entsprechende Wertschätzung, die auf tiefempfundener sinnlicher Freude bei Grütters beruhen muss, zuteil. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Preise von Buchhandel und allen anderen sinnlich freudalen Preisverteilern auf Pirincci einstürzen.

Welch’ sinnliche Freude und so schön logisch fehlgeschlossen, in voller Bejahung des Konsequens.

Von Grünen als Arznei verordnet: Psychologische Defekte und logische Fehler

Sicher, wir können uns nicht jedem Unsinn widmen.

Wir diskutieren das regelmäßig in der Redaktion. Denn wir sind ein Wissenschaftsblog, ein Wissenschaftsblog, das u.a. versucht Wissenschaft, ihre Methoden und Regeln zu popularisieren. Das ist dann regelmäßig der Punkt, an dem wir denken, okay, diesen Unsinn müssen wir doch verarbeiten, um daran die gesammelte Unfähigkeit zum logischen Denken und die gesamten psychologischen Defekte, die sich oft in einzigartiger Weise zu einem Syndrom, meist dem der Fixierung verdichten, deutlich zu machen.

Und deshalb schreiben wir heute über Claudia Roth, die es zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags gebracht hat.

Claudia Roth fordert, wie die Welt am Sonntag mit Bezug auf die angebliche Fussballbegeisterung der grünen Roth schreibt, eine Frauenquote bei der FIFA. Das ist wohl ihre Art, sich selbst ins Gespräch zu bringen. Denn der FIFA, so Roth, würde es “guttun, wenn endlich viel mehr Frauen in die Führungsgremien aufrücken würden, vielleicht sogar festgelegt durch eine Quote”.

Claudia Roth hat aus der Geschichte gelernt: Nicht mehr am deutschen Wesen, soll die Welt genesen, sondern am weiblichen Wesen. Das weibliche Wesen, es tut der FIFA gut, was, da die FIFA vor allem an Korruption leidet, nur bedeuten kann, dass eine Frauenquote die Korruption bei FIFA reduzieren würde. Das jedenfalls denkt Claudia Roth, und es ist ein klassischer Fehlschluss.

Es ist der sattsam bekannte Fehlschluss der Bejahung des Konsequens.

Die Grünen haben bei der letzten Bundestagswahl 3,3% an Wählerstimmen verloren und sind auf mageren 8,6% geendet. Dem Bundesvorstand der Grünen gehören drei Männer und drei Frauen an, eine Frauenquote von 50%. Und was passiert: Die Grünen verlieren bei der Bundestagswahl 2013. Da sieht man, was passiert, wenn man eine Frauenquote in Führungsgremien von Parteien einführt: Die Wahlergebnisse gehen in den Keller.

Vermutlich wird Claudia Roth hier vehement widersprechen und vielleicht darauf verweisen, dass das Geschlecht von Vorstandsmitgliedern keinen Einfluss auf das Wahlergebnis hat.

Und Recht hat Sie.

Logik f dummiesJetzt bleibt Ihr nur noch, denselben Schluss auf die Korruptionsaffäre bei FIFA zu übertragen. Auch Korruption hat nichts mit Geschlecht zu tun, sondern etwas mit Gelegenheit. Wer nicht in einer Position ist, in der er Bestechungsgeld empfangen und bestimmte Abstimmungsgefallen verkaufen kann, oder wer keine Bestechungsgelder zahlen kann, um z.B. bestimmte Konsequenzen aus Irland zu vermeiden, der wird auch kaum vor die Frage gestellt werden, ob er sich korrupt verhalten soll oder will und sich damit Vorteile verschafft oder nicht.

Es ist wie bei der Grünen Partei oder der Heinrich-Böll-Stiftung: Erst die Finanzierung der Partei bzw. Stiftung durch Steuergelder ermöglicht es, allerlei Multiplikatoren durchzufüttern und mit Expertisen, Vorträgen und Aufträgen zu versorgen. Netzwerke nennt man das bei den Grünen, Korruption oder Basenwirtschaft wäre das angemessenere Wort.

Zurück zum Fehlschluss der Bejahung des Konsequens.

Der liegt immer dann vor, wenn das Antecedens nicht vollständig über das Konsequens erklärt werden kann, wenn Korruption bei FIFA das Ergebnis des Wirkens von Funktionären, quasi ein strukturelles Ergebnis der Organisationsform einer totalen Institution ist. Dass die FIFA jedem Mitglied, das sie öffentlich kritisiert, ein Bußgeld auferlegt oder versucht wird, die entsprechenden Mitglieder aus eben dieser Rolle zu verdrängen, dass es bei FIFA um sehr viel Geld geht und es entsprechend eine Vielzahl von Interessengruppen gibt, die intern um die Verteilung der Ressourcen balgen, und zwar mit allen Mitteln, das hat mit Geschlecht überhaupt nichts zu tun.

ArneWer denkt, Korruption habe etwas mit Geschlecht zu tun, und Frauen seien nicht korrupt, der muss offensichtlich der Ansicht sein, dass Frauen die besseren Menschen sind, eine sexistische Ansicht, die noch dazu auf der Prämisse basiert, dass Frauen nicht opportunistisch handeln, was dem Sexismus einen Biologismus beigibt, der bislang noch durch kein anti-Opportunismus-Gen belegt werden konnte. Das führt letztlich dazu, dass man annehmen muss, Frauen handeln unter Auslasssung des Großhirns und über eine Art Kurzschluss, der unter Auslassung der Ratio direkt zwischen den Geschlechtsteilen und dem Kleinhirn verläuft, eine eher abwegige Annahme, die häufig von denjenigen gemacht wird, die allzu sehr auf die Geschlechtsteile als Erklärungsvariable für alles fixiert sind.

Die Frauenquote wird dann bei derart fixierten zum Allheilmittel gegen alle Probleme dieser Welt:

Gibt es Korruption bei FIFA, eine Frauenquote wird es richten;

Gibt es einen Kamikaze-Piloten bei German Wings, eine Frauenquote im Cockpit wird es richten;

Gibt es eine Dürre im Kongo, eine Frauenquote in der Regierung wird es richten;

Klimaerwärmung: Frauenquote bei Energieunternehmen;

Tsunami: Frauenquote bei der Küstenwache;

Erdbeben: Frauenquote bei Seismographischen Instituten;

Schlechtes Wetter: Frauenquote beim Wetterdienst;

Schlechte Fahrbahn: Frauenquote bei Straßenbauunternehmen;

Schlechte Ernte: Frauenquote in landwirtschaftilchen Betrieben;

GehirnZurückgehender Umsatz: Frauenquote im Marketing;

Zugunglück: Frauenquote bei Lokführern;

Häusliche Gewalt: Frauenquote bei Ehepaaren;

Die Bevölkerung wird immer dicker: Frauenquote bei Ernährungswissenschaftlern;

Die Bevölkerung wird immer dümmer: Frauenquote bei Kognitionspsychologen;

Man muss nicht in Logik bewandert sein und die Namen der Fehlschlüsse kennen, um einerseits zu erkennen, dass die Forderung nach einer Frauenquote, wie sie dieses Mal Claudia Roth aufgestellt hat, auf gesteigerte geistige Verwirrung hinweist und andererseits zu sehen, dass die entsprechende Fixierung auf Geschlechtsteile der Ratio und der Vernunft nicht zuträglich ist und in den Zuständigkeitsbereich von Neurologen und Psychiatern fällt.

Kulturstaatsministerin verharmlost Holocaust!?

Gleich vorweg:

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

Das ist der dritte Absatz im § 130 des Strafgesetzbuches. Uns interessiert hier die Verharmlosung des Holocausts, die vermutlich dann vorliegt, wenn man Ausmaß und Schwere des Holocaust zu relativieren versucht.

Was in § 130 Strafgesetzbuch nicht geregelt wird, ist die Frage, ob die entsprechende Verharmlosung auch dann strafbar ist, wenn sie darauf zurückzuführen ist, dass jemand sich vollmundig, in politisch-korrekter Wonne, als Opfer der Sprache, die er zu bedienen versucht, und in einer prätentiösen Art und Weise, die darauf zurückzuführen ist, dass ihm die Schuhe, die er zu füllen versucht, viel zu groß sind, um den Verstand redet – immer vorausgesetzt, Verstand ist vorhanden.

Nehmen wir zum Beispiel Monika Grütters, die immer noch den Kulturstaatsminister geben darf.

Wir haben schon überlegt, ob wir eine Grütters Rubrik einrichten sollen, die an die Stelle der Rubrik “Unsinn der Woche” tritt. Zu einem Ergebnis sind wir schon deshalb noch nicht gelangt, weil die Grüttersche Sprachkanone schneller schießt, als wir in der Lage sind, die verbalen Leichen einzusammeln und auszustellen.

Grütters hatte, wie die meisten deutschen Politiker, in der Woche zum 8. Mai das peinlich Betroffenheitsprogramm zu absolvieren, mit dem Politiker dem Holocaust, der sonstigen Verbrechen der Nationalsozialisten und dem Ende des Zweiten Weltkriegs gedenken.

  • Peinlich ist es deshalb, weil es Sonntagsreden beinhaltet, wo Schweigen angesichts der Greueltaten angebracht wäre.
  • Peinlich ist es auch deshalb, weil die Sonntagsreden regelmäßig trivialisieren, was doch so furchtbar ist.
  • Peinlich sind sie vor allem, weil sie von Leuten wie Monika Grütters gehalten werden, von der nicht bekannt ist, wieso sie überhaupt denkt, sie sei befähigt, entsprechende Reden zu halten.

So hat sie anlässlich des 10jährigen Bestehens des Holocaust-Museums in Berlin u.a. Folgendes zu Protokoll geben:

1: „Mitten im Herzen Berlins, mitten im Parlaments- und Regierungsviertel, direkt neben dem Brandenburger Tor erinnert das Holocaust-Denkmal an die unerträglichen Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes an den Juden Europas begangen worden sind. Dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas kommt eine zentrale Bedeutung in unserem Gedenken an das Unfassbare zu.“

Und weiter:

2: „Sechs Millionen Menschen wurden ermordet, allein weil sie Juden waren, unter ihnen 1,5 Millionen Kinder. Ihre Ermordung war ein gezielter Völkermord, an dieses Menschheitsverbrechen muss für alle Zukunft erinnert werden.“

Es stellt sich wirklich die Frage, ob Redeversuche, wie der von Monika Grütters nicht den Straftatbestand des §130 Abs. 3 erfüllen, denn:

zu 1:

  • So unerträglich, wie Grütters behauptet, können ihr die Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes an den Juden Europas begangen worden sind, nicht sein. Wären sie unerträglich, Grütters wäre entweder tot, wegen der Unerträglichkeit oder doch zumindest sprachlos. Da sie in der Lage ist, die zitierten Sätze zu Protokoll zu geben, muss man daraus schließen, dass ihr die Verbrechen, “die im Namen des deutschen Volkes an den Juden Europas begangen worden sind”, eben doch erträglich sind, was letztlich bedeutet: So unerträglich können die Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes an den Juden Europas begangen worden sind, nicht gewesen sein. Das erfüllt nach unserer Ansicht den Tatbestand der Verharmlosung des § 130 Abs. 3 StGB.
  • Auch unfassbar kann der Holocaust nicht sein, im Gegenteil: Er ist geeignet, um Grütters-Reden zu füllen. Wäre er unfassbar, was wollte Grütters dazu sagen außer: “unfassbar”, um damit ihre Unfähigkeit, etwas geistig zu prozessieren zum Ausdruck zu bringen. Sie sagt aber viel mehr als “unfassbar”, was nur den Schluss zulässt, dass der Holocaust für sie durchaus fassbar, ja sogar denkbar ist, wäre dem nicht so, sie würde schweigen.

zu 2.

  • “Sechs Millionen Menschen wurden ermordet, … unter ihnen 1,5 Millionen Kinder”. Wenn es einem Redner nicht genug ist, auf 6 Millionen Tote hinzuweisen, wenn er darüber hinaus eine bestimmte Gruppe unter den 6 Millionen hervorheben muss, die 1,5 Millionen Kinder im vorliegenden Fall, dann folgt daraus, dass dieser Redner eine bestimmte Hierarchie von Lebenswertigkeit zur Prämisse hat: Der Tod der 1,5 Millionen Kinder ist schlimmer als der Tot der restlichen 4,5 Millionen Erwachsenen. Aus dieser Relativierung folgt zudem, dass der Tod der restlichen 4,5 Millionen Erwachsenen im Vergleich zu den 1,5 Millionen Kindern verschmerzlich ist, denn wäre dem nicht so, man müsste die Gruppe der Kinder nicht herausheben, könnte es enstprechend bei der Feststellung von 6 Millionen Toten belassen. Wer selbst Tote differenziert, der macht damit deutlich, dass auch im Tod Unterschiede bestehen, und er verharmlost damit den Massenmord, denn offensichtlich gehen 4,5 Millionen weniger relevante und 1,5 Millionen relevante tote Juden auf das Konto der Nazis. Auch hier erfüllt Grütters nach unserer Ansicht den Tatbestand des § 139 Abs. 3 StGB.
  • Schließlich: “Dieses Menschheitsverbrechen muss für alle Zukunft erinnert werden”. Zunächst gibt es niemanden, der für alle Zukunft etwas erinnern kann, selbst Gesellschaften verschwinden, wie die Anasazi oder die alten Ägypter. Zudem wird die Ausbreitung der Sonne in ein paar hundert Millionen Jahren nicht nur der Erde, sondern auch der Erinnerung an den Holocaust ein Ende bereiten, sofern es noch jemanden geben sollte, der sich daran erinnert. Die patetische Formulierung, die Grütters hier gewählt hat, ist offenkundiger Unsinn.
  • Die Verharmlosung der Nazi-Verbrechen als “Menschheitsverbrechen” ist mehr als Unsinn. Der Begriff “Menscheitsverbrechen”, d.h. Verbrechen der Menschheit, legt nahe, die gesamte Menschheit habe sich zusammengetan, um 6 Millionen Juden im Namen des deutschen Volkes zu ermorden, was wiederum bedeutet, dass Juden nicht zur Menschheit gehören und zeigt: Grütters verharmlost nicht nur den Holocaust, sie gliedert Juden auch aus der Menschheit aus, was sie im besten Fall zum Anti-Semiten macht.

Zusammenfassen kann man feststellen, dass es kaum erträglich ist, Personen wie Grütters auf der Lohnliste zu haben, die nicht nur vom steuerzahlenden Teil des deutschen Volkes finanziert werden, sondern sich zudem anmaßt auch “im Namen des deutschen Volkes” zu fabulieren und dabei nicht nur den Holocaust zu verharmlosen, sondern auch Juden eben einmal aus der Menschheit auszugliedern.

Eigentlich ein Unding und kaum zu glauben, so wie nicht zu glauben ist, dass noch kein Staatsanwalt gegen Grütters ermittelt.

Oh, diese Emmas: Falsches wird auch durch Wiederholung nicht richtig

Vor einiger Zeit haben wir von einer klassischen Studie berichtet, die David Dunning et al. (2003) erstellt haben. Darin haben sich Dunning et al. gefragt, warum falsche Überzeugungen so langlebig sind, warum Inkompetente ihre Inkompetenz nicht bemerken, warum Dumme dumm bleiben. Ihre Antwort ist eindeutig:

truthWer in einem Feld nicht kompetent genug ist, kann auch seine Überzeugung nicht revidieren, denn er bemerkt nicht, dass er inkompetent ist. Dieses Ergebnis steht am Ende einer Reihe von Experimenten, die Dunning et al. durchgeführt haben: Um Beschränkungen der eigenen Kompetenz zu überwinden, müssten diejenigen, die den entsprechenden Beschränkungen unterliegen, die entsprechenden Beschränkungen kennen. Würden sie die entsprechenden Beschränkungen aber kennen, wären sie nicht zu inkompetent, die entsprechenden Beschränkungen zu überwinden: “The skills needed to produce logically sound arguments, for instance, are the same skills that are necessary to recognize when a logically sound argument has been made” (Dunning et al., 2003: 85).

Der Grund dafür, dass man immer aus den selben Quellen mit dem selben Unsinn konfrontiert wird, liegt demnach in einer intellektuellen Beschränkung, die das verhindert, was Menschen eigentlich auszeichnen soll: zu lernen. Lernen setzt jedoch Offenheit für Fakten voraus, Offenheit für der eigenen Überzeugung widersprechende Fakten und Ideen. Wer diese Offenheit nicht hat, kann nicht lernen und bleibt entsprechend dumm.

Ein Beispiel für fortgesetzte Dummheit, die auf verminderte oder nicht vorhandene Lernfähigkeit und damit einhergehende Inkompetenz zurückzuführen ist, ist ein neuerlicher Beitrag in “Emma”. Darin beklagen sich die Emmas zunächst darüber, dass ihr Highjacking, mit dem Sie versucht haben, aus dem Absturz von Germanwings Flug 4U9525 ideologisches Kapital zu schlagen, auf erheblichen Widerstand gestoßen ist. Die Idee einer Frauenquote im Cockpit ist, das kann man feststellen, nicht gut angekommen.

Normale Menschen, die auf Widerstand treffen, nehmen diesen Widerstand zur Kenntnis und ziehen daraus ihre Lehren – mit anderen Worten: Sie lernen. Nicht so die Emmas (wie alle Genderisten). Sie haben sich nach Verstärkung umgesehen. Und wo kleine Kinder nach dem großen Bruder Ausschau halten, haben die Redaktions-Emmas nach der vermeintlich großen Schwester Ausschau gehalten und in “Gabriela Stoppe, Psychiaterin und Vizepräsidentin des Schweizer Dachverbands für Suizidprävention” gefunden.

Stoppe “findet” den Frauenanteil unter Piloten, Lokführern und Postauto-Chauffeuren “zu tief”:

scully facepalm“Es wäre nicht nur wegen der Durchmischung sinnvoll, mehr Frauen für den Transport von Menschen zu engagieren, sondern vor allem wegen der Sicherheit”, sagt Stoppe. Ihre Aussage begründet sie damit, dass Frauen eine deutlich tiefere Suizidrate haben. “Es war nur eine Frage der Zeit, dass auch in Europa ein Pilot mit dem Flugzeug einen Suizid begeht.”

“Durchmischung”, eine interessante Wortwahl, ist also das Mittel gegen männlichen Suizid am Steuer. Und weil es noch nicht reicht, mit der Inkompetenz, kommt noch folgender Satz:

“Der Suizid ist bei Männern zwischen 15 und 44 Jahren in der Schweiz die häufigste Todesursache. 240 Männer haben sich 2012 das Leben genommen.”

So klein ist die Schweiz nun auch nicht, dass die 240 toten Selsbtmörder im Jahre 2012 die häufigste Todesursache unter Männern darstellen würden. Tatsächlich weiß man bei Statistik Schweiz davon überhaupt nichts, ist vielmehr der Ansicht, Selbstmord sei nicht die häufigste odesursache. Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Unfälle die häufigsten Todesursachen von Männern seien, auch in der Gruppe der 15 bis 44jährigen der häufigste Grund für ein Ableben. Falls Frau Stoppe diesen Unsinn tatsächlich erzählt hat, und vieles spricht dafür, kann man nicht anders, als Inkompetenz zu attestieren.

Schweiz Todesursachen

Doch damit nicht genug. Nehmen wir die Behauptung, eine Frauenquote im Cockpit würde die Wahrscheinlichkeit, dass Nachfolger von Andreas Lubitz ein Flugzeug mit 149 weiteren Menschen an Bord gegen einen Berg fliegen, reduzieren, für kurze Zeit Ernst. Sagen wir, 30% aller Piloten müssen ab nächstes Jahr weiblich sein, eine Zahl, die zwar nicht erreicht werden kann, weil jährlich nur rund 4% der Verkehrsflugzeugführer-Lizenzen, die das Luftfahrtbundesamt vergibt, an Frauen vergeben werden, aber ignorieren wir diesen kleinen empirischen Rückschlag der Ideologie zu liebe und fragen uns vielmehr, wie wir verhindern, dass sich unter den verbleibenden 70% männlichen Piloten kein Selbstmörder befindet.

Und wie wir uns diese Frage so stellen, stellen wir fest, dass der Anteil der weiblichen Piloten sich erst dann spürbar auf die Gefahr, einen männlichen Selbstmörder im Cockpit zu haben, auswirkt, wenn er 100% wäre. Ein 100%tiger Frauenanteil brächte zwar die Luftfahrindustrie zum Erliegen, angesichts der 472 Lizenzen, die im Jahr 2013 an weibliche Verkehrsflugzeugführer erteilt wurden, aber, auch diesen Einbruch der Realität ignorieren wir der Ideologie zu liebe und gehen nunmehr von 100% weiblichen Piloten aus.

Unter Frauen gibt es auch Selbstmörder!

Double facepalmZu dumm. Um die Gefahr eines weiblichen Selbstmörders im Cockpit zu reduzieren, benötigen wir nunmehr männliche Piloten mit dem bekannten Problem männlicher Selbstmörder. Und wären wir nun mit Verstand begabte Wesen, dann würden wir daraus den Schluss ziehen, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Selbstmörder in einem Cockpit zu finden, überhaupt nichts mit Geschlecht oder Quote zu tun hat, dass, mit anderen Worten, die Frau Pusch, die den Unsinn in die Welt gesetzt hat, und die Frau Stoppe, die nichts Besseres kann, als diesen Unsinn zu wiederholen, nichts desto trotz einen himmelschreienden Unsinn in die Welt gesetzt haben, der erhebliche Zweifel nicht nur an ihren mathematischen und logischen Grundkenntnissen weckt.

Somit ist auch der Versuch der Emmas, sich gegen die Kritik, auf die ihr Vorschlag, eine Frauenquote im Cockpit durchzusetzen, gestoßen ist, dadurch zu verteidigen, dass man auf “Gabriela Stoppe, Psychiaterin und Vizepräsidentin des Schweizer Dachverbands für Suizidprävention” verweist, die diesen Vorschlag gut “findet”, gescheitert. Und dass er scheitern musste, leuchtet mit mäßigem Verstand begabten Menschen eigentlich sofort ein, denn wenn etwas falsch ist, dann bleibt es unabhängig von der Anzahl derer, die es dennoch “gut finden” , falsch. Die Erde dreht sich nun einmal um die Sonne, egal, ob die Emmas das gerne anders hätten oder nicht.

Wer versucht, eine offensichtlich falsche Behauptung weiterhin aufrecht zu erhalten, der zeigt damit nur, wie abgrundtief inkompetent er ist.

Aber eines muss man den Emmas lassen: Sie haben einen gewissen Unterhaltungswert. Vor allem dabei zu zusehen, wie Emmas, die sich für emanzipiert halten, die von sich behaupten, sie hätten ein Urteilsvermögen, beim ersten Anzeichen von Kritik und unter Einsatz des Fehlschlusses ad auctoritatem unter die Fittiche einer vermeintlichen Autorität flüchten und dort Schutz suchen wollen, ist erbaulich (oder erbämlich, je nachdem).

Die Neu-Entdeckung des Bekannten

Kennen Sie dieses dejá vu Gefühl, wenn Ihnen jemand etwas bahnbrechend Neues anbietet und alles, was Sie zu sehen im Stande sind, ist … ein Telefon oder ein Fahrrad? Das Geheimnis der Neuentdeckung von Bekanntem scheint in Sprache zu liegen, in der Kunst, das Gleiche anders darzustellen, anders zu benennen, etwa wenn aus dem Türklinkenputzer ein Vertreter und dann eine Sales-Representative wird oder wenn Sekretärinnen jetzt Assistent des Managements heißen.

paradigm-shiftDie Sozialwissenschaften scheinen für diese Form der sprachlichen Neu-Entdeckung des Bekannten besonders anfällig zu sein – vor allem im Zuge des Konstruktivismus, dessen Kern ja die sprachliche Konstruktion, zumeist in Nominalverbindungen wie: “durch Bezug auf naturgegebene Körperlichkeit, Polarisierung, Ausgrenzung und Abwertung … mit der tendenziellen Rebiologisierung  … die Restabilisierung der hegemonialen Männlichkeit” (wer uns schreibt, von wem dieser Unsinn kommt, bekommt eine ScienceFiles-Mug von uns), ist.

So hat man vor einiger Zeit die Intersektionalität entdeckt, ein Konzept, das man schon seit Jahrtausenden kennt, und nicht erst die alten Ägypter waren in der Lage, zwei oder gar drei Variablen (Höhe und Länge und Breite) mit einander in Verbindung zu bringen. Die Moderne zeichnet sich nunmehr durch vermeintliche Wissenschaftler aus, die die Intersektionalität neu und doch nur wieder entdecken, jene unbekannte Größe, die sich in der bahnbrechenden Erkenntnis äußert, dass Männer nicht nur Mann, sondern auch Angehörige einer Ethnie sind. Warten wir noch ein Jahrzehnt und die entsprechenden Intersektionalitäts-Künstler werden sich zu der Erkenntnis vorgearbeitet haben, dass es neben Geschlecht, Ethnie, vielleicht Klasse und Alter noch eine wichtige Variable gibt, die bislang vernachlässigt wurde: Bildung… oder so.

Neben der Intersektionalität hat sich ein weiteres neues Konzept über die letzten Monate in die Diskussion eingeweihter Kreise geschlichen: die “Dual-Use-Problematik”. Diese Dual-Use-Problematik besteht in der für manche völlig neuartigen Erkenntnis, dass in “nahezu allen Wissenschaftsgebieten … die Gefahr [besteht], dass Forschungsergebnisse zu schädlichen Zwecken missbraucht werden” (zum Beispiel wenn die Bundesregierung sie in einem Programm umsetzt). Eine wirklich erstaunliche Erkenntnis, vor der die Trümmer von Karthago, jener Stadt, die römischer Belagerungstechnik zum Opfer gefallen ist, verschwinden, im Orkus der Geschichte.

LeopoldinaNeue Erkenntnisse, wie die Dual-Use-Problematik müssen natürlich erst einmal diskutiert werden. Und wie immer, wenn es darum geht, neue Erkenntnisse zu diskutieren, ist die Leopoldina an vorderster Front und dieses Mal in Trio mit Ethikrat und DFG, die nicht fehlen dürfen, wenn top-moderne Fragen, die bislang vermeintlich noch niemand gestellt hat, gestellt werden: Was sind die Chancen und Risiken, die sich mit Forschung z.B. zu Viren verbinden? Welche Risiken und Nebenwirkungen, und welche Nutzen verbinden sich mit 3D-Druckern? Diese Fragen, die Gebrauch und Missbrauch betreffen und die schon den Entdecker des Feuers geplagt haben, diese top-aktuellen Fragen werden von Leopoldina und Ethikrat und DFG und unter dem Titel “Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung” diskutiert.

Und spätestens hier endet der Spass, denn: “Es wird die Frage aufgeworfen, wie sinnvoll Publikationsbeschränkungen sind, und wer darüber entscheiden sollte. Zudem werden die Teilnehmer über die möglichen Konsequenzen diskutieren, wenn bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden.”

Wie ausgemacht es schon zu sein scheint, dass “bestimmte Forschungsarbeiten untersagt werden”. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, zu welchem Ergebnis das Symposium zu Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung kommt: Die Verantwortung, die der Wissenschaft zugeschoben wird, wird die Wissenschaftsfreiheit in einem Meer von Regulation und Verboten ersticken, Verbote, die Forschung, deren Ergebnis nicht bekannt sind, weil die entsprechende Forschung noch nicht durchgeführt wurde, verunmöglichen werden. Verbote, die Forschung, die als anti-feministisch angesehen wird und Forschung, die Technologien umfasst, die gerade ungeliebt sind, verunmöglichen werden – ein Ergebnis, das man dann als Fortschritt durch Stillstand verkaufen wird. Nicht vergessen: Wir leben im Konstruktivismus: Es gilt das gesprochene Wort, nicht das, was in der Realität vorhanden ist.

Witziger Weise ist uns heute, just als die Ankündigung des Symposiums zu diesem neuartigen Thema, dem sich Leopoldina, Ethikrat und DFG nun widmen, eintraf, eine Drucksache aus dem Bundestag ins Haus geflattert. Drucksache 18/2940. Eine Unterrichtung der Bundesregierung: Zwischenbericht der Bundesregierung über die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014.

Auch die Bundesregierung übt sich im Konstruktivismus:

“Bei Rüstungsexportentscheidungen in sogenannte Drittstaaten sind die im Jahr 2000 beschlossenen strengen ‘Politischen Grundsätze für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern’ für unser Regierungshandeln verbindlich”.

Rüstungsgüter sind ein sensibler Gegenstand, also sind politische Grundsätze für den Export von Kriegswaffen als streng zu bezeichnen, einfache Grundsätze reichen nicht aus. Und natürlich wird nur exportiert, wenn bekannt ist, was aus den Rüstungsgütern wird. Sicherung des Endverbleibs nennt sich das:

“Der Prüfung und Sicherstellung des Endverbleibs kommt eine besondere Bedeutung zu. Nach den exportkontrollpolitischen Grundsätzen werden Genehmigungen für die Ausfuhr von Rüstungsgütern nur erteilt, wenn zuvor der Endverbleib dieser Güter im Endempfängerland sichergestellt ist.”

Vielleicht führt Israel deshalb die Liste der Länder an, in die Kriegsgerät exportiert wird. Dort weiß man nicht nur, wo es geblieben ist, sondern auch, wer damit getötet wurde. Überhaupt sind ein paar Daten aus der Unterrichtung ganz interessant.

Ruestungsexporte

Insgesamt belaufen sich die Rüstungsexporte im ersten Halbjahr 2014 auf 2,2 Milliarden Euro – ein erkleckliches Sümmchen. 210 Millionen der Rüstungsexporte betreffen Munition, und für Munition ist der Endverbleib ja in jedem Fall klar.

Die sicheren Drittstaaten oder wichtigesten Abnehmer deutscher Rüstungsgüter, die allesamt sicher und gegen jede Form von Missbrauch gefeit sind, führen zurück zur Dual-Use-Problematik, mit der sich Leopoldina, Ethikrat und DFG in ihrer virtuellen Welt herumschlagen, einer virtuellen Welt, in der das Gute vom Bösen getrennt ist, in der es sprachlich möglich ist, die gute wissenschaftliche Nutzung von der schlechten wissenschaftlichen Nutzung, die Gefahr in der Anwendung vom Nutzen der Anwendung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse zu trennen. Nicht nur das: Es ist sogar möglich vorherzubestimmen, welche Forschung so gefährlich ist, dass man sie besser verbietet. So wie es der Bundesregierung durch ihre “strengen politischen Grundsätze” möglich ist auszuschließen, dass Munition, die in den Libanon, nach Kasachstan oder in die Russische Föderation geliefert wird, im falschen Körper endet.

Die post-rationale Moderne entdeckt nämlich nicht nur ständig Bekanntes von anno dazumal in neuem Gewandt und unter neuem Namen wieder, nein, die post-rationale Moderne kann auch alles, was nicht gut und richtig ist, ausschließen und kontrollieren – sprachlich zumindest, und das ist doch, was zählt: die sprachliche Kontrolle, die in der Sprachwelt etwas vorgaukelt, was es in der wirklichen Welt nicht gibt, etwa so, wie der Begriff “Wissenschaftsverantwortung” vorgaukelt, dass Wissenschaftler die Verantwortung für ihre Entdeckungen hätten, eine absurde Idee von Herbert Marcuse, die in der post-rationalen Moderne wieder en vogue ist und dazu genutzt wird, Kontrolle auszuüben, Kontrolle, die über die Sprache funktioniert und durch die Beseitigung von Möglichkeiten, in die Realität wirkt, der Leopoldina sei Dank!

Es gibt für Wissenschaftler übrigens nur eine Verantwortung und die hat ein scruffy mind in den x-Files formuliert: Not to share their knowledge with an immoral government!

Gerechtigkeit ist…

Es kommt selten etwas Besseres nach, so eines dieser ewigen Pfälzer Sprichworte, die einem immer dann einfallen, wenn man damit konfrontiert ist, dass, na was: selten etwas Besseres nachkommt. Nachgekommen ist mit der neuen Regierung eine neue Ministerin für Familie und all die anderen (minus Männer) und wer über die Pressemitteilungen liest, der hat nicht den Eindruck, es habe sich etwas zum Besseren verändert – in Gegenteil.

Aber, und damit sind wir bei einer anderen Pfälzer Weisheit, die ein leider zwischenzeitlich verstorbener und heftig vermisster Pfälzer gerne geäußert hat: Es ist nichts so schlecht, als dass es nicht für ebbes gut ist! (digital remastered high-germanized version)

So auch die Pressemeldung unter dem Titel: “Förderung für ungewollt kinderlose Paare wird aufgestockt”. Gerade diese Pressemeldung eignet sich hervorragend, um ein paar (sozio-)logische Erkenntnisse zu verbreiten.

Beginnen wir mit dem Textteil des Bundes:

succesful cloning“Kinderwünsche dürfen keine Kostenfrage sein”, sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig. “Gerade für Paare mit kleinen und mittleren Einkommen stellen die hohen Behandlungskosten von mehreren Tausend Euro oft ein großes Problem dar. Familienpolitik beginnt bereits vor der Geburt eines Kindes.”

Soziologie umfasst einen Bereich, der gemeinhin als Sozialstrukturanalyse beschrieben wird. Die Sozialstrukturanalyse hat z.B. die folgenden Ergebnisse erbracht: Familien, die sich Kinder eigentlich nicht leisten können, für die Kinder entsprechend eine Kostenfrage sind, produzieren mehr Kinder für die Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, und dies vor allem deshalb, weil sie durchschnittlich später eingeschult werden, weil sie häufiger sitzen bleiben oder auf Sonderschulen landen, weil sie häufiger eine Hauptschulabschluss, wenn überhaupt einen Abschluss erreichen, kurz: Die Paare, die sich einen Kinderwunsch aus Kostengründen nicht erfüllen können, sind auch die Paare, deren Kinder eine höhere Wahrscheinlichkeit haben als Kinder anderer Paare, eine Karriere auf Transferzahlungen zu starten.

Geissler SozialstrukturWarum das so ist, ist eine andere Frage, deren Antwort man als Konflikttheoretiker damit geben könnte, dass die Mittelschicht ständig neues Fleisch in der Unterschicht braucht, auf das sie heruntersehen kann, um sich ihre eigene Überlegenheit zu bestätigen. Entsprechend wäre die Finanzierung, die den Paaren angedeihen gelassen wird, die sich wegen zu geringer Einkommen, ihren “Kinderwunsch” nicht erfüllen können, Geld, das zur Psycho-Hygiene der Mittelschicht eingesetzt wird. Und damit es auch klappt, sorgen Mittelschichtsinstitutionen wie sie die Schulen oder das BMFSFJ darstellen dafür, dass Kinder aus der Unterschicht auch nicht in die Weidegründe der Mittelschicht vordringen.

Weiter geht es im Text, und da die Förderung ungewollt kinderloser Paare in Sachsen-Anhalt stattfindet, kommt auch ein Vertreter der dortigen politischen Kaste zu Wort, ein Norbert Bischoff. Er hat auch besonderes Wissen, das er an den Leser bringen will:

“Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, ungewollt kinderlose Paare nicht über Gebühr mit der Finanzierung für notwendige Behandlungen allein zu lassen. Über die Kosten darf keine Sozialauswahl erfolgen.”

Norbert Bischoff

Norbert Bischoff: Schaffer der Bischoff-Gerechtigkeit

Wir sehen: nicht nur die Bundesministerin ist uninformiert über einfache gesellschaftliche Zusammenhänge, auch der Landesminister. Zwei, die sich gesucht und gefunden haben, ein nettes Paar, so zu sagen. Gerechtigkeit ist also, wenn ein Wunsch, der mangels finanzieller Ressourcen nicht erfüllt werden kann, durch die Allgemeinheit erfüllt wird. Ist das so? Nun, dann hätten wir gerne einen Dienst-Ferrari. Oder gilt das Wunschkonzert nur für “notwendige Behandlungen”, wie der Minister einschränkt?

Nun, falls dem so ist, trifft eine logische Keule, denn die Behandlungen sind gar nicht notwendig: Es gibt kein Naturgesetz, das die künstliche Befruchtung zur lebenserhaltenden Maßnhme werden lässt. Das würde sich auch mit dem vermeintlichen Kinderwunsch ins Gehege kommen, denn wäre die Behandlung notwendig, der Kinderwunsch wäre ein Kinderzwang. Der Herr Minister hat offensichtlich keine Ahnung, wovon er spricht, auch nicht davon, was Gerechtigkeit ist.

Gerechtigkeit ist nämlich nicht, wenn andere für meine Wünsche zahlen. Das mag Politikern aufgrund ihrer hohen Gehälter, die viele trotz intellektueller Mittelmäßigkeit (im besten Fall) beziehen, so vorkommen, aber es ist nicht so. Gerechtigkeit ist, wenn man für eine Anstrengung und im Vergleich zur Anstrengung eines anderen, eine der Anstrengung und ebenfalls im Vergleich zum anderen entsprechende Auszahlung erhält. Wenn zwei Arbeiter die gleiche Arbeit in gleicher Intensität verrichten und der eine 5 Stunden, der andere aber 7 Stunden arbeitet, dann ist es gerecht, dass derjenige, der länger gearbeitet hat, auch mehr Lohn erhält.

(Wir wollten eigentlich ein Beispiel mit Politikern machen, aber hier versagt die Equität, denn Politiker werden ja für ihre Existenz und nicht für ihre Leistung bezahlt. Wen wundert es da noch, dass sie keinerlei Ahnung davon haben, was als Gerechtigkeit anzusehen ist.).

red ferrariAber für Herrn Bischoff ist Gerechtigkeit, wenn ein Wunsch erfüllt wird, der mit so hohen Kosten verbunden ist, dass ihn sich der Wünschende nicht selbst erfüllen kann. Diese, nennen wir sie Bischoff-Gerechtigkeit, wollen wir zum Anlass nehmen, um ein kleines Wunschkonzert zu starten. Also, Liebe Leser von ScienceFiles, wünschen Sie sich etwas aus dem breiten Angebot der Bischoff-Gerechtigkeit.

Gibt es etwas, das sie gerne hätten, das Sie sich aber nicht leisten können und für das Sie der Meinung sind, dass es keine Sozialauswahl geben darf? Dann teilen Sie es uns und dem Herr Bischoff mit. Nutzen Sie dazu sein eigens eingerichtetes Kontaktformular und ergänzen Sie das Stichwort: Bischoff-Gerechtigkeit.

Wir haben uns von Herrn Bischoff eine einsame Insel gewünscht, auf der man keine Nachrichten aus Deutschland empfangen kann.

island in the sun
Und Sie?

Nachtrag

Ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem der Ausstieg aus der furchtbaren Kerntechnik beschlossen ist, in einem Land, in dem die Gentechnologie mit mystischen Kräften, die allesamt Schreckliches hervorbringen, verbunden und entsprechend abgelehnt wird, dennoch und über Steuergelder finanziert an Erbgut herumexperimentiert werden darf. Und ist es nicht erstaunlich, dass in einem Land, in dem das so genannte ungeborene Leben (ein netter Widerspruch) von so vielen Beschützern verteidigt wird, befruchtetes Erb-Material dem Absterben preisgegeben oder auf Eis gelegt wird? Und ist es nicht erstaunlich, mit welcher Vasallentreue sich die heftigen Kinderwünscher Dritten anvertrauen, sich unter deren Obhut begeben und keine Sekunde daran zweifeln, dass das, was da in ihnen heranwächst auch wirklich ihres ist?

Im Krefelder Rathaus grassiert der Wahnsinn

KrefeldEin Leser von ScienceFiles, dem wir an dieser Stelle herzlich danken, hat uns ein besonderes Kleinod zugespielt, ein Kleinod, das den Wahnsinn, der in öffentlichen Verwaltungen endemisch zu sein scheint und der sich in “Programmen” niederschlägt, die auch den standhaftesten Leser durch ihre logischen Fehler, den darin enthaltenen, gesammelten Unsinn und den allgegenwärtigen Kampf mit den Fällen der deutschen Sprache niederstrecken, in komprimierter Weise vorführt.

Nun ist das “Programm zur Chancengleichheit” der Stadt Krefeld, das “Maßnahmen zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern bei der Stadtverwaltung Krefeld” enthält und damit schon im Titelblatt zu erkennen gibt, dass die Schreiber des Programms, genauso wie diejenigen, die es verabschiedet haben, nicht wissen, wovon sie reden, die Grundlage der Einstellungen, die die Stadt Krefeld als Dienstleister vornimmt.

Krefeld ChancengleichheitInsofern ist die Vermengung von Chancengleichheit und Gleichberechtigung vielleicht kein Zufall, denn Chancengleichheit hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun da erstere z.B. auf gleiche Chancen beim Zugang zu Positionen abzielt, während letztere die Behandlung von Bewerben auf Positionen beschreibt. Chancengleichheit baut somit auf vorhandenen individuellen Merkmalen, während Gleichberechtigung auf zugewiesenen kollektiven Merkmalen basiert und damit notwendigerweise indivdiuelle Merkmale diskriminiert. Die weitere Lektüre des Programms zeigt jedoch, dass die Vermengung vermutlich nicht intentional ist, denn die Schreiber des Programms sind nicht nur der deutschen Sprache hoffnungslos ausgeliefert, sie führen auch und ganz offensichtlich einen Kampf mit Begriffen und versuchen, Leser durch die Verwendung möglichst vieler zumindest für sie gelehrt klingender Begriffe zu erschlagen.

Aus diesem Bemühen resultieren dann so aufschlussreiche Sätze wie: “Diversity Management ist in erster Linie ein ‘Human-Ressource-Ansatz'”. Boah ey! Die Hülse, die man auch als Grumpf ist in erster Linie ein Mampf-Ansatz umschreiben kann, hakt indes daran, dass der Schreiber sich, wie Buridans Esel, nicht zwischen deutscher und englischer Sprache entscheiden kann. Entsprechend ist Diversity Management entweder in erster Linie ein “Human-Resource-Approach” oder ein “Human-Ressourcen-Ansatz”.

Das bringt uns zum Thema deutsche Sprache.

Der verlorene Kampf mit der Sprache

Duden GrammatikDer Kampf mit der deutschen Sprache ist allgegenwärtig im Krefelder Programm zur Chancengleichheit der Verwaltungs-Legastheniker, die man ja auch nicht diskriminieren darf, nur weil sie nicht wissen, wie man z.B. Konjunktionen richtig verwendet:

“Familienfreundlichkeit der Kommune nach außen und innen trägt dazu bei, sowohl ihr Ansehen in der Bevölkerung als auch ihre Attraktivität als Arbeitgeberin zu erhöhen und gleichzeitig als Vorbild für andere (auch private) Arbeitgeber/innen zu sein (24).”

Möglicherweise könnte Heidegger dieser Seinsbetrachtung etwas abgewinnen, wenn er noch leben würde. Als normaler Sprecher der deutschen Sprache muss man jedoch darauf bestehen, dass das dritte “als” nicht vom infinitiv erweiterten Sein gefolgt wird oder, wenn man auf das Sein besteht, ersatzlos entfällt.

Auch Relativsätze haben es schwer im Programm der Krefelder:

“Da das Programm zur Chancengleichheit auf einem Ratsbeschluss beruht, haben sich auch die Stadt Krefeld und die Fraktionen an ihn gebunden” (10).

Dass man grammatikalisch männlichen Personalpronomen in einem Programm zur … Sie wissen schon, ablehnend, ja fast feindlich gegenübersteht, rechtfertigt nicht, sie willkürlich einzusetzen. Oder wollen die Schreiber tatsächlich betonen, dass die Stadt Krefeld und die Fraktionen sich an die Beschlüsse halten, die sie selbst treffen? Wohl kaum. Wahrscheinlicher ist, dass der Schreiber abermals von den Möglichkeiten der deutschen Sprache überwältigt wurde. Vielleicht war es ihm auch peinlich, den Ratsmitgliedern zu sagen, dass sie für den Unsinn, der im Programm zur Chancengleichheit steht, verantwortlich sind.

Der verlorene Kampf mit der Logik

Was die Schreiber an Defiztiten in der Verwendung der deutschen Sprache offenbaren, machen sie quasi wieder wett, durch einen umfassenden Einsatz logischer Fehler. Aber: Sprache hat etwas mit Logik zu tun. Wäre dem nicht so, man hätte Schwierigkeiten, sich zu verständigen. Etwas solche:

“Und es geht doch: Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden, Achim Exner, hat einige Zeit sein Amt in Teilzeit ausgeübt, um sein Kind selbst betreuen zu können” (16).

Logik f dummiesMan kann nur vermuten, dass mit dem trotzigen “Und es geht doch”, etwas gezeigt werden soll, was von den Schreibern des Programms positiv bewertet wird. Also nicht, was sie zeigen, nämlich dass Achim Exner nach der Teilzeit, die er genommen hat, um “sein Kind selbst betreuen zu können”, zum “ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden” geworden ist. Demnach, wäre “es geht doch” als Möglichkeit gemeint, Oberbürgermeister, die sich nur mit halber Kraft ihrem Amt widmen, loszuwerden.

Aber so wird es vermutlich nicht gemeint sein. Vielmehr soll Exner vermutlich als Beispiel für die Möglichkeit der zumindest kurzfristigen Ämterführung in Teilzeit angestrengt werden. Und damit stellt sich die Frage: Und? Das Beispiel zeigt, dass Achim Exner Teilzeit Oberbürgermeister war – mehr nicht. Soll es mehr zeigen? Nun, wenn das die Absicht hinter “es geht doch” ist, dann handelt es sich hier um einen individualistischen Fehlschluss, denn aus der Tatsache, dass Exner Teilzeit-OB war, ergibt sich schlicht und ergreifend nichts, was sich auf andere Oberbürgermeister oder wen auch immer übertragen ließe.

Nicht nur den individualistischen Fehlschluss beherrschen die Schreiber des Programms zur Chancengleichheit der Stadt Krefeld, nein, auch den ökologischen Fehlschluss beherrschen sie:

“Frauen haben in der Regel die besseren Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse. Mit externen Ausschreibungen kann dieses Potenzial auch für die Stadtverwaltung Krefeld erschlossen werden.” (14)

Der ökologische Fehlschluss ist unter Genderisten allseits beliebt, doch ändern die Vielzahl der Fehlschließerinnen nichts daran, dass es sich um einen Fehlschluss handelt. Nehmen wir der Einfachheit halber an, dass 70% der Beschäftigten der Stadt Krefeld in der Lage sind, die deutsche Sprache in ausreichendem Maße als Instrument so zu handhaben, dass eine Verständigung mit ihnen im Prinzip möglich ist, während dies für 30% der Beschäftigten nicht der Fall ist. Greifen wir nunmehr einen wahllosen Beschäftigten heraus. Können wir sicher sein, dass er die deutsche Sprache in ausreichendem Maße beherrscht und entsprechend nicht an der Formulierung des Programmes zur Chancengleichheit beteiligt war? Nein, denn die Wahrscheinlichkeit, einen nicht des Deutschen mächtigen Beschäftigen zu erwischen, beträgt 30%.

Jetzt wird es schwierig. Wie kann man die gewonnene Erkenntnis auf die zitierte Textstelle übertragen?Wenn Frauen in der Regel bessere Bildungsabschlüsse erreichen als Männer, dann ist dies eine Aussage im Aggregat, die nicht gewährleistet, dass die Frau, die sich gerade bei der Stadt Krefeld bewirbt, auch einen besseren Bildungsabschluss hat als männliche Bewerber (vielmehr mag das Krefelder Programm als Hinweis darauf dienen, dass es sich eher umgekehrt verhält). Und einmal mehr erweist sich ein Satz im Programm als Unsinn.

Die Wahrheit

Die Wahrheit findet sich auf S.18 des “Programms”, hier räumen die Schreiber mit “Missverständnissen” auf – ein für alle Mal:

“Entgegen vielen Missverständnissen sorgt die Gleichstellungsstelle nicht dafür, dass Frauen nur aufgrund ihres Geschlechts bevorzugt werden” [Hervorhebung durch uns]

TruthNa bitte. Damit sind hoffentlich all diejenigen, die fabulieren, dass Frauen nur wegen ihres Geschlechts bevorzugt werden, ruhig gestellt. Allerdings stellt sich nunmehr die Frage, wegen was Frauen in Krefeld sonst noch bevorzugt werden. Leider gibt es im “Programm zur Chancengleichheit” hierzu keine weiteren Ausführungen, so dass wir den Ball an unsere Leser weiterspielen müssen und deren investigative Fähigkeiten anfragen:

An alle Leser:

Bitte finden Sie heraus, durch was, außer durch ihr Geschlecht, Frauen, die bei der Stadt Krefeld beschäftigt sind oder sein wollen noch (vermutllich gegenüber männlichen Bewerbern und Angestellten) bevorzugt werden.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass im Zeitalter des Employer Brandings (So ist das nicht, wir können auch mit Begriffen werfen…) die Stadt Krefeld für normal intelligente Menschen kein attraktiver Arbeitgeber ist, muss man als normal intelligenter Mensch doch nicht nur damit rechnen, mit unsinnigen und unlogischen Programmen konfrontiert zu werden, sondern auch mit Ratsherren und einer Verwaltungsspitze, die diesen Unsinn verabschiedet haben und sich nun “daran gebunden” fühlen.

Um aller Götter Willen – Eine Pressemeldung aus Berlin

Haben Sie heute schon Vielfalt gespürt? Oder hat ihnen Integration bereits eine wie auch immer geartete Empfindung verschafft? Nein? Nun, dann geht es Ihnen wie Dr. Maria Wünsche, die für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der SRH Hochschule in Berlin verantwortlich ist. Sie hat die folgende höchst interessante Empfindung nicht gehabt:

SRH_berlin

“Von Vielfalt und Integration ist in der Medien- und Kommunikationsbranche wenig zu spüren. Dadurch geht viel Potential und Kreativität verloren, findet Prof. Dr. Anabel Ternès und engagiert sich für Chancengleichheit.”

Nicht nur, regieren Gefühle und nicht Wahrnehmungen an der SRH Berlin. Die Gefühle werden auch gleich durch Empfindungen als nicht ausreichend gewichtet. Und wie immer, wenn Gefühle regieren, ist die Assoziationskette von Vielfalt und Integration über die Kommunikationsbranche zu Potential und Kreativität höchts willkürlich oder wie Dr. habil. Heike Diefenbach kommentiert: Weil Fische nicht Fahrrad fahren können, ist der Weltfriede in Gefahr. Ist doch offensichtlich, oder haben Sie etwa andere Empfindungen?

Und es geht weiter mit Unsinn in der Pressemeldung aus Berlin:

“Die viel gepriesene Vielfalt in unserer Gesellschaft ist insbesondere in Kommunikationsberufen deutlich unterrepräsentiert.”

Ich finde, wir sollten eine Quote für Vielfalt einrichten. Sagen wir 40% Vielfalt in den Führungsetagen von Bürokratien und nur noch 60% Einfalt in den Presseabteilungen von Universitäten.

Hoecker_nonne_Wer es noch nicht bemerkt hat, in der Pressemitteilung aus Berlin geht es um “Nachwuchstalente nicht-deutscher Herkunft”, also um “PR-Managerinnen mit Kopftuch”, wie man der Überschrift der Pressemeldung entnehmen kann. Die Vielfalt in der PR-Branche braucht nämlich “Frauen mit Kopftuch”.

Das ist ein interessanter Ansatz, Vielfalt durch die Förderung einer bestimmten Klientel herstellen zu wollen. Und warum Frauen mit Kopftuch? Keine Ahnung oder: warum nicht? Ich meine, in der Welt der Empfindungen, die Dr. Maria Wünsche (nomen est omen) und Prof. Dr. Anabel Temés zu teilen scheinen, hat sich halt ein positives starkes Gefühl eingestellt als von Frauen mit Kopftüchern die Rede war. Und dann haben die beiden sich in der PR-Welt umgesehen und gesagt: “Hey, hier gibt es gar keine Frauen mit Kopftuch. Dabei ist Vielfalt doch wichtig. Deshalb müssen wir Frauen mit Kopftuch in die PR-Welt bringen, damit Vielfalt hergestellt ist.”

Ja.

Und warum fehlt in der PR-Branche die Kopftuch-Vielfalt?

Anabel Ternès, Professorin für Kommunikationsmanagement an der SRH Hochschule Berlin, […]. „Viele junge Menschen aus Einwandererfamilien wollen lieber in klassische Ingenieurberufe gehen. Sie sehen in [der] Kommunikationsbranche keine Perspektive. Eine türkisch-stämmige Schülerin gestand mir, sie interessiere sich sehr für PR-Arbeit, sorge sich aber, ob sie als Frau mit Kopftuch in dieser Branche akzeptiert würde.

Wenn eine türkisch-stämmige Schülerin im Beichtstuhl von Anabel Ternès sitzt und gesteht, dass sie lieber in die PR-Branche ginge, aber nicht sicher ist, ob sie als Frau mit Kopftuch in dieser Branche akzeptiert würde, dann ist das natürlich eine ausreichende Grundlage für eine Verallgemeinerung. Denn, wo es eine türkisch-stämmige Frau mit Kopftuch gibt, sind bekanntlich mehr und alle sind Potential für die PR-Branche und natürlich schon deshalb geeignet, weil sie weiblich und nicht-deutsch sind, wegen der Vielfalt, Sie erinnern sich?

Interessanter Weise scheinen die Sorgen um die Akzeptanz, die sich türkisch-stämmige Frauen mit Kopftuch machen, für klassische Ingenieursberufe nicht zu gelten, woraus man in der Logik der Genderisten messerscharf schließen muss, dass das maskuline Klima, wie es in der männlich dominierten Ingenieurswissenschaft vorherrscht, für Frauen mit Kopftuch und türkischer Abstammung – jedenfalls in deren eigener Wahrnehmung – günstiger ist als das mit hohem Frauenanteil durchsetze Klima in der PR-Welt.

Ich habe die klare Empfindung, dass ein zu hoher Frauenanteil schlecht ist für Frauen mit Kopftuch. Offensichtlich haben Frauen mit Kopftuch Bedenken, dass sie von Frauen ohne Kopftuch nicht akzeptiert werden. Aber jetzt gibt es ja Prof. Dr. Anabel Ternès, die ausgezogen ist, um zu ändern und um Vielfalt herzustellen:

big bubba“Um das [das halt!] zu ändern, setzt sich Anabel Ternès als Mentorin bei verschiedenen Initiativen aktiv für mehr Vielfalt und Chancengleichheit ein. Im Stipendien- und Mentorenprogramm der Deutschlandstiftung Integration „Geh deinen Weg“ unterstützt sie junge Menschen mit Migrationshintergrund, die sich durch besonderes gesellschaftliches, kulturelles oder sportliches Engagement auszeichnen [weshalb man das Programm besser “Geh’ unseren vorgegebenen Weg” oder “Geh’ unsere ausgetretenen Pfade” nennen würde]. Die „Neuen Deutschen Medienmacher“ ist ein Verbund von Medienschaffenden, die sich für mehr Vielfalt in den Medien stark machen. Als Mentorin begleitet die Professorin eine junge Frau mit türkischem Hintergrund auf ihrem Weg zu einer erfolgreichen PR-Managerin.”

Vielfalt, Chancengleichgeit, gut, mehr Vielfalt, mehr Migrationshintergrund, gut. Mentorin, Migrantionshintergrund, Kopftuch?, Engagement, gut, PR-Managerin, gut. Gelegenheit, Auskommen, Verdienst, prima. Das ist meine Zusammenfassung der letzten Absätze, wer will, der kann passende Verben und Artikel einsetzen und die Sätze entsprechend vervollständigen.

do-you-cloneDie große Einfalt hat sich der Vielfalt bemächtigt. Vielfalt ist, wenn weibliche Menschen in Positionen gehievt werden, denn weibliche Menschen sind von Natur aus Vielfalt. Im Gegensatz zu männlichen Menschen, die von Natur aus, nicht Vielfalt sind oder zumindest nicht weiblich oder nicht gut oder was auch immer, jedenfalls nicht Vielfalt. Vielfalt ist nicht mehr ein Ergebnis, sondern eine Zutat. Man nehme zwei Frauen, eine mit, eine ohne Kopftuch, ergänze eine behinderte Frau, eine Frau, die mit 14 Jahren der Gewerkschaft Verdi beigetreten ist, und noch eine, die nicht Verdi beigetreten ist, aber bei den Grünen mitarbeitet und schon hat man Vielfalt – oder vielleicht nicht Vielfalt, aber einen Grund Fördergelder anzufordern, von irgend einer Vereinigung die gut sein will und deshalb Vielfalt fördert, also die beschriebene Vielfalt.

Wer gedacht hat, Vielfalt beziehe sich auf das Ergebnis, der sieht sich enttäuscht in seiner Hoffnung, dass das Programm öffentlich-rechtlicher Sender in Zukunft besser wird als es heute ist: Vielfalt ist, wenn derselbe Langweiler von Frauen-Vielfalt produziert wird.

Anonymität und das Betreiben von Blogs

Eigentlich ist heute ein Tag, an dem man es sich gut gehen lassen sollte, und das werden wir auch, wenn dieses Post veröffentlicht ist und wir “on the road” sein werden, tun. Es ist ein Tag, wie aus dem Bilderbuch. Im GowerSüdosten sieht man den Gower, im Nordosten tauchen gerade die Brecon Hills aus dem Dunst auf, kurz: Ein Tag zum Genießen. Vor den Genuss gaben die Götter bekanntlich die Arbeit gesetzt und so will ich mich heute und in aller Kürzen mit etwas Beschäftigen, das mich schon seit längerem stört: Anonymität und Scheinheiligkeit.

Beides stört mich nicht, nein, es ärgert mich, jedenfalls dann, wenn ich gerade Lust habe, mich zu ärgern und jetzt gerade habe ich Lust mich zu ärgern (und dann ist gut!).

ScienceFiles ist über die letzten zwei Jahre, die es das blog nun gibt, stetig gewachsen. Derzeit haben wir täglich und im Durchschnitt 1.500 Besucher, bei nach wie vor steigender Tendenz. Mit dieser zunehmenden Bekanntheit geht nicht nur eine größere Verbreitung von unseren Inhalten einher, die zunehmende Bekanntheit hat auch die Konsequenz, dass es zu bestimmten Themen kaum mehr möglich ist, in den Kommentarspalten zu Beiträgen in Süddeutscher Zeitung, ZEIT, Spon, Welt oder FAZ keinen Link auf ScienceFiles zu finden, Letztere, wie kaum anders zu erwarten, in kritischer Absicht, um der heilen Welt der Ideologie im Artikel einen Schuss Realität von ScienceFiles entgegen zu setzen.

Entsprechend bleiben die Versuche, ScienceFiles zu diskreditieren nicht aus, wobei ich sagen muss, sie sind erstaunlich selten, was wir darauf zurückführen, dass unsere Argumentation eine wissenschaftliche Basis hat, und es entsprechend notwendig ist, uns mit Argumenten zu begegnen. Argumente, wiederum, benötigen eine Erkenntnisgrundlage, eine empirische Basis, und wo soll man eine empirische Basis herbekommen, die unseren Argumenten widerspricht, unsere Argumente in Frage stellt? Dazu müsste man sich um Fakten kümmern, sich in die von uns behandelten Materien einarbeiten und, viel schwieriger, uns einen Fehler in der Argumentation nachweisen.

Aber, vereinzelt gibt es Kommentatoren in Foren oder den entsprechenden Spalten von Zeitungen, die versuchen, ScienceFiles in Misskredit zu bringen und zwar auf eine Art und Weise, die mich deshalb ärgert, weil sie dumm ist und offen logische Fehler in die Welt schreit. Da gibt es z.B. den Kommentator Der Weisse Wal, bei der Süddeutschen Zeitung. Moby Dick, wenn man so will. Er meint folgendes vorbringen zu können, um ScienceFiles zu diskreditieren:

Okay … was jemand in seinem anonymen Blog schreibt [gemeint ist ScienceFiles], gilt ab dann automatisch als bewiesene Tatsache, das leuchtet ein.

SZ-LogoBei so viel Unsinn auf wenig Platz, weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Also erstens ist das ein Fehlschluss ad hominem, denn ob jemand grün, gelb, blau, anonym, betrunken oder Kaffeetrinker ist, hängt in keiner Weise mit der Gültigkeit seiner Argumente zusammen. Erster Fehler. Zweiter Fehler, wenn man anonymen Quellen nicht trauen könnte, wie Der Weisse Wal sagt, was heißt das wohl für seinen gerade geschriebenen Text, den er als Anonymer schreibt. Er kreiert hier ein Kreter-Paradox (der Kreter, der sagt: Alle Kreter lügen), denn wenn man anonymen Quellen nicht trauen kann, dann ist der Aussage vom anonymen weißem Wal, wonach man anonymen Quellen nicht trauen kann, selbstreferentiell, dann kann man ihm auch nicht trauen usw.  Schließlich ist ScienceFiles kein anonymes blog, wie jeder weiß, der lesen kann.

MIgrantenfamilienScienceFiles wird von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein mit Unterstützung einer Reihe von Lesern und Informanten betrieben und zu behaupten, wir seien anonym oder so unbekannt, wie der Weisse Wal, der sich nicht einmal traut, seinen unbedeutenden Klarnamen anzugeben, ist Unsinn. Ich darf mit Stolz vermelden, dass Dr. habil. Heike Diefenbach und ich es geschafft haben, die Genderisten-Gemeinde 2002 mit einem Beitrag in helle Aufruhr zu versetzen, und bis heute haben Sie sich nicht davon erholt. Dr. Diefenbach ist die bedeutendste deutsche Soziologin, die nicht nur im Marquis Who is Who in the World seit Jahren einer der wenigen vertretenen deutschen Sozialwissenschaftler ist, sie blickt vielmehr auf eine große Anzahl von Publikationen zu Bildungsthemen, Themen soziologischer Theoriebildung sowie methodische Beiträge. Wer vor diesem Hintergrund der Ansicht ist, wir seien ein anonymes blog, an dessen Geisteszustand muss gezweifelt werden.

PsiramZweifel am Geisteszustand bringen mich zum nächsten Kommentatoren, der meint, er könne ScienceFiles diskreditieren. Der anonyme, ich wäre gern groß, aber leider muss ich mich in meiner virtuellen Welt mit dem Nickname “General Winter” begnügen, findet sich im Forum von Psiram. Psiram ist ein Wiki für “notwendigen Realismus zu den Themen Esoterik, Religion, Gesundheit, und hilft Ihnen dabei, Ihren Geldbeutel zu schonen”.

Dazu sage ich jetzt nichts, schon weil der einizge notwendige Realismus, der mir zum Thema “Esoterik” einfällt mit “Un” anfängt und “sinn” aufhört. Statt dessen will ich den Gedankengang von General Winter, mit dem er die Frage beantwortet, was von ScienceFiles zu halten ist, verfolgen. Er beginnt wie folgt:

Ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass diese Seite einen kommerziellen Hintergrund hat. Zumindest wird hier versucht Geld zu verdienen. Die Links zu Amazon sind noch das Harmloseste. Ganz unten steht zwar dies:

Es folgt ein Verweis auf die Möglichkeit, ScienceFiles zu spenden. Für alle, die es noch nicht entdeckt haben, die Möglichkeit befindet sich ganz unten, also: scrollen, scrollen und spenden! Und der Eindruck, den General Winter von ScienceFiles gewonnen hat, wird dadurch verstärkt, dass wir auf unsere Seiten Textconsulting, auf der man wissenschaftliche Leistungen aller Art nachfragen kann, sowie Vortrag und Rede, auf der man Reden und Vorträge nachfragen kann, verlinken. So also entsteht der Eindruck, mit ScienceFiles solle Geld verdient werden.

Ich fange einmal hinten an und wiederhole mich: ad hominem. General Winter, selbst wenn mit ScienceFiles Geld verdient werden sollte, würde dies nichts an der Qualität der Argumente ändern. Wenn Sie so große Probleme mit dem Geldverdienen haben, General Winter, dann suchen Sie bitte keinen Arzt mehr auf und versterben Sie bitte an der nächsten Gripppe, denn Ärzte machen ihren Job, um Geld zu verdienen.

Ich weiß natürlich nicht, wie das in einer esoterischen Welt ist, vielleicht lebt man in esoterischen Welten ja von Luft und Hass, aber ich glaube, dem ist nicht so. Eher lebt man in esoterischen Welten auf Kosten Dritter, die dafür aufkommen, dass man sich selbst mit dem Schein von “Unentgeltlichkeit” umgeben und die entsprechende Scheinheiligkeit zur Schau tragen kann.

ScheidungstransmissionWie dem auch sei, wir bei ScienceFiles geben ganz offen zu, dass wir von etwas leben müssen. Wir geben ganz offen zu, dass wir unseren Lebensunterhalt immer selbst und nie über Transferleistungen finanziert haben, darauf sind wir sogar stolz und, noch was, General Winter, wir geben sogar zu, dass es uns Geld kostet, ScienceFiles zur Verfügung zu stellen. WordPress will Geld, die Zeit, die wir für ScienceFiles aufwenden, können wir nicht für Kunden aufwenden. Das mag in der General Winter Welt, in der man durch die Umsonst-Angebote schmarotzt ohne selbst etwas beizusteuern, anders sein, aber in der wirklichen Welt ist es nun einmal so, dass nichts umsonst ist, there is no free lunch. Und die Kosten, die ScienceFiles derzeit verursacht, übersteigen den finanziellen Nutzen, den wir daraus ziehen, bei weitem, aber wir haben natürlich einen Nutzen davon, virtuellen Generalen wie Winter, einen Fehlschluss nachzuweisen. Wir geben zu, dabei genießen wir eine intrinsische Belohnung. In jedem Fall  will ich nicht zu tief in diese Welt zivilbürgerlichen Engagements, die General Winter so unbekannt ist, einsteigen. Aber: General Winter, hören Sie auf zu schmarotzen und beteiligen sie sich, leisten Sie ihren Beitrag zum Gemeinwesen, fangen Sie mit ScienceFiles an. Wo der Link zur Spende für ScienceFiles ist, wissen Sie ja, und sie dürfen beim Spenden sogar anonym bleiben.