Warum Schwätzer schwätzen

ScienceFiles-Aphorismen

Stanislav Andreski hat 1974 ein Buch unter dem Titel “Social Science as Socery” veröffentlich.

1977 wurde es in Deutschland unter dem Titel: “Die Hexenmeister der Sozialwissenschaften” veröffentlicht. Obwohl schon 41 Jahre alt, ist das Buch so aktuell wie eh und je.

junk scienceDie Menge der Hexenmeister in den Sozialwissenschaften, die nach dem Einmarsch von Genderisten und Sozialisten in die Sozialwissenschaften um den Meister gekürzt werden kann, denn meisterlich ist nicht einmal mehr das Geschwätz, hinter dem die Unkenntnis verborgen werden soll, hat zugenommen.

Fragen der Sozialwissenschaften sind hinter Fragen der Ideologie zurückgetreten.

Sozialwissenschaftler sind häufig keine Sozialwissenschaftler mehr, sondern verkappte Sozial-Interventionisten, die entweder versuchen, ein Heil, das sie entdeckt zu haben glauben, an die Gemeinde der Gläubigen weiterzugeben oder die versuchen, die letzte Wahrheit, die sich ihnen offenbart hat, an Politiker zu verscherbeln, von denen sie wiederum erwarten, dass sie die Bevölkerung entsprechend dieser letzten Wahrheit erziehen.

Auf der Strecke geblieben sind wissenschaftliche Methoden, die Forschungsergebnisse nachvollziehbar machen, denn nachvollziehbar sollen sie nicht mehr sein. Sie sollen geglaubt werden, und was man glaubt, muss man nicht nachvollziehen.

Auf der Strecke geblieben ist die Suche nach Erkenntnis, denn die Forschung, sofern sie überhaupt noch stattfindet, dient der Bestätigung dessen, was man sowieso schon zu wissen gemeint hat, oder sie dienen schlicht dazu, politische Handlungen zu legitimieren.

GefuehlsjunkAuf der Strecke geblieben ist die wissenschaftiche Lauterkeit, die Wissenschaft ist Magd und Prostituierte des Staates zugleich. Für öffentliche Forschungsgelder forschen Wissenschaftler was ihnen aufgetragen wird. Für öffentliche Finanzierung betrügen Universitäten männliche Bewerber. Und weibliche Bewerber haben keinerlei Probleme damit, sich auf eine Stelle berufen zu lassen, auf die sie nie gelangt wären, wäre es mit rechten Dingen zugegangen.

Anstelle der Abhandlung über den moralischen Verfall, den man vermutlich über psychologische Störungen erklären kann, wollen wir mit Andreski die Frage beantworten, warum die Schwätzer, die sich in die Sozialwissenschaften eingeschlichen haben, munter gegen alle Realität anschwätzen können, warum sie niemand (außer uns) mit Fakten konfrontiert? Kurz: Wir fragen nach den Motiven des Schwätzens und nach den Motiven, Schwätzern zu glauben.

“Herr Andreski, Ihr Einsatz”:

Andreski“Selbst die oberflächlichste Untersuchung menschlicher Glaubensvorstellungen enthüllt, dass der Mensch keine angeborene Neigung hat, nach der Wahrheit zu suchen, dass vielmehr Absurdität und Obskurität für die meisten Menschen eine große Anziehungskraft haben. Wie wir gleich sehen werden, gibt es mehrere Gründe für diese Neigung, der allgemeinste aber ist die Tatsache, dass Klarheit und Logik dem Denken schwere Beschränkungen auferlegen, die verhindern, dass wir uns mit ganzem Herzen unseren Wünschen, Abneigungen und Launen hingeben. Um es in den unexakten, aber suggestiven Freudschen Begriffen auszudrücken: Logik und Klarheit sind die Hüter des Realitätsprinzips, welches den Fluss unserer Ideen hindert, dem Lustprinzip zu folgen, während Letzteres uns auf die Maximierung der geistigen Anstrengungen durch den Glauben führt, dass das, was wir gerne wahrhaben möchten, wahr ist, ungeachtet dessen, ob es tatsächlich der Fall ist” (Andreski, 1977: 95).

Einerseits ist damit erklärt, warum in manchen Bereichen, die sich als Sozialwissenschaften ansehen, z.B. im Feminismus, die Logik abgelehnt wird, andererseits ist damit erklärt, warum Fragen nach Methodologie, Theorie und Erkenntnisinteresse von vielen, denen wir sie gestellt haben, nicht beantwortet werden: Sie haben ihre Laune zur Wissenschaft erhoben und ein Auskommen damit gefunden. Sie haben keine Ahnung, was wir von ihnen wollen, denn von Methodologie, Theorie oder Erkenntnisinteresse haben sie noch nie etwas gehört. Das alles klingt für sie nach kontrolliertem Denken und nach Arbeit und beides ist in ihrem Leben bislang scheinbar noch nicht vorgekommen.

Vom Ökologischen Fehlschluss: Arbeitslosigkeit und Selbstmord

Manche Wissenschaftler versuchen, mit Zahlen zu beeindrucken.

Daten für 63 Länder.

Durchschnittlich 233.000 Selbstmorde pro Jahr.

Längsschnittdaten für 12 Jahre.

Alles auf den ersten Blick beeindruckend.

Die durchschnittlich 233.000 Selbstmorde in 63 Ländern, haben Carlos Nordt, Ingeborg Wanke, Erich Seifritz und Wolfram Kawohl nicht nur gesammelt, nein, sie haben die durchschnittlich 233.000 Selbstmorde auch in Zusammenhang gebracht, mit der Arbeitslosenrate.

suizidale arbeitslosigkeitUnd siehe das: es korreliert.

Wer hätte das gedacht?

Konsequenz der Untersuchung:

Wildes Assoziieren: “In particular, the interaction of fiscal austerity with economic shocks and weak social protection seems to escalate health and social crisis, at least in Europe.” (6)

Da die Autoren weder Sparpolitik noch ökonomische Schocks noch die Intensität der sozialen Sicherung noch das, was sie als Gesundheits- und soziale Krise bezeichnen, in ihrem Beitrag geprüft haben, ist die zitierte Aussage reine Phantasie, die nur Aufschluss über die politische Verortung der Autoren zulässt und mit Wissenschaft nichts zu tun hat.

Noch eine Konsequenz der Untersuchung:

“Efforts at suicide prevention should be extended to professionals working with individuals at risk of unemployment, such as social workers and human resource management professionals” (6)

Konsequenz 2 darf natürlich nicht fehlen, denn, so steht zu vermuten, die gesamte Untersuchung wurde nicht duchgeführt, um wissenschaftliche Erkenntnis zu gewinnen, sondern dazu, weitere Fördergelder und weitere Maßnahmen der öffentlichen Hand für Sozialberufler zu legitimieren. Scheinbar gibt es unter Sozialberuflern in der Hilfeindustrie einen wachsenden Wettbewerb darüber, wer mit öffentlichen Mitteln welcher Klientel Glück, Gesundheit oder Leben bringen darf.

Dass die Studie keinem wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse folgt, zeigt zudem ein Kardinalfehler der empirischen Sozialforschung, der häufig mit Aggregatdaten in Verbindung gebracht wird und der den Namen “ökologischer Fehlschluss” trägt. Manche meinen, dass immer dann, wenn man Aggregatdaten miteinander korreliert, ein ökologischer Fehlschluss vorliegt. Das ist natürlich falsch und einer mangelnden Methodenkenntnis geschuldet, die durch eine fehlende logische Grundbildung verstärkt wird.

Deshalb zum ökologischen Fehlschluss:

  • flaws and fallaciesNordt, Warnke, Seifritz und Kawohl finden in ihren Daten einen Zusammenhang zwischen der Selbstmordrate je 100.000 Einwohner und der Arbeitslosenrate, und zwar auf Landesebene.
  • Daraus schließen Sie, dass Arbeitslose ein höheres Risiko haben, sich umzubringen.
  • Das ist ein ökologischer Fehlschluss.

Warum?
Darum:

  • Die Arbeitslosenrate und die Suizidrate, die Nordt, Warnke, Seifritz und Kawohl in ihren Analyen benutzen, beziehen sich auf jeweils eines der 63 Länder im Datensatz der Autoren.
  • Sie finden demnach, dass die Arbeitslosenrate für Länder mit der Selbstmordrate für dieselben Länder korreliert.
  • Ein Zusammehang zwischen Arbeitslosigkeit und Selbstmord, so er bestünde, wäre jedoch ein individueller, denn es wären nicht Länder, die sich umbringen, wenn sich ihre Arbeitslosenrate erhöht, sondern Individuen.
  • Also behaupten die Autoren, dass man vom Zusammenhnag auf Länderebene eine Äquivalenz zum Zusammenhang auf Individualebene herstellen kann.
  • Und damit geben sie sich dem Gelächter, vielleicht auch einem gutmütigen Abwinken bei denen preis, die von Methoden eine Ahnung haben.

Wenn man auf Länderebene einen Zusammenhang findet, dann benötigt man nämlich eine Hypothese, die man wiederum prüfen muss, um auf die Individualebene zu gelangen. James Coleman hat dies mit seiner berühmten Badewanne deutlich gemacht, Brückenhypothesen führen vom Aggregat zum Individuum, eine Theorie erklärt, warum sich Arbeitslose häufiger umbringen sollen als nicht-Arbeitslose und eine Aggregierungsregel erklärt, wie man von den arbeitslosen Selbstmördern zur Selbstmordrate gelangt.

Das ist natürlich fortgeschrittene Sozialtheorie, die man vermutlich von Autoren, die im Lancet-Psychiatry veröffentlichen, nicht unbedingt erwarten kann, aber man kann schon erwarten, dass sie sich ab und zu die Frage nach dem Warum stellen: Warum sollte der Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate pro Land und Suizidrate pro Land darauf zurückzuführen sein, dass Arbeitslose sich häufiger umbringen als nicht-Arbeitslose?

Warum nicht darauf, dass eine höhere Arbeitslosenrate ein Indikator für höhere staatliche Sozialleistungen ist, was wiederum von höherer Steuerlast begleitet wird und dazu führt, dass sich die Mittelschichtsväter, die den Lebensstandard, den die von ihnen Abhängigen Frau und zwei Kinder gewohnt sind, nicht mehr aufrecht erhalten können, umbringen, obwohl sie noch einer geregelten Arbeit nachgehen, die nur nicht mehr genug Geld einbringt.

Warum nicht darauf, dass Arbeitslosigkeit dazu führt, dass Arbeitslose in Parks sitzen, Bier trinken und Krach machen, was die Selbstmordquote unter depressiven Anwohnern erhöht?

Warum nicht darauf, dass eine Arbeitslosenquote ein Indikator für Unternehmenspleiten ist und wie schon Durkheim in seinem Buch “Der Selbstmord” gezeigt hat, gibt es einen Anstieg der anomischen Selbstmorde in Zeiten wirtschaftlicher Krise, was u.a. darauf zurückgeführt werden kann, dass gescheiterte Unternehmer mit der Schmach des Scheiterns nicht leben können oder wollen.

Durkheims SelbstmordÜberhaupt, Durkheim, Emile Durkheim hat seiner Untersuchung des Selbstmords mehr als 450 Seiten gewidmet, Seiten, auf denen er mit Aggregatdaten argumentiert. Und obwohl er keine statistischen Verfahren zur Verfügung hat, im Gegensatz zu Nordt, Warnke,  Seifritz und Kawohl, ist seine Analyse um ein Vielfaches besser und schärfer, und zwar deshalb, weil er sich Fragen zur Zweckmäßigkeit seiner Methode stellt, weil er Theorien diskutiert, die das Ziel haben, die Motive für Selbstmord zu erklären, weil er sich fragt, wie man die Ursachen von Selbstmord auffinden kann und viele Fragen mehr stellt, die sich den Autoren von der Universität in Zürich nicht einmal im Traum stellen, denn für sie scheint festzustehen, dass Arbeitslosigkeit Selbstmord befördert.

Warum? Weil es ihnen plausibel erscheint.

Aber vielleicht haben Sie ja Recht, vielleicht erhöht die Arbeitslosigkeit von X die Wahrscheinlichkeit von Selbstmorden in seinem Umfeld, Selbstmorde von Personen, die nun häufiger mit X konfrontiert sind.

Dennoch: Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Zusammenhang zwischen Arbeitslosenrate und Suizidrate, der auf Ebene eines Landes gefunden wird, ein Beleg dafür ist, dass sich Arbeitslose häufiger umbringen als nicht-Arbeitslose. Und falls es einen Beleg geben sollte, so findet er sich sicherlich nicht in der Arbeit von Nordt, Warnke, Seifritz und Kawohl, die man damit gefahrlos dem Schredder überantworten kann.

Natürlich ist kein Fehlschluss groß genug, als dass ihn Jorunalisten nicht aufgreifen würden. Und so findet sich bereits im Wiener Standard ein Beitrag, der mit “Arbeitslosigkeit führt zu mehr Suiziden” überschrieben ist – ein Titel, der der Phantasie des Journalisten entsprungen sein muss, der den Beitrag verfasst hat und ein Titel der deutlich macht, dass auch oder gerade unter Journalisten das Urteilsvermögen darüber, ob eine angeblich wissenschaftliche Studie korrekte oder sinnvolle Ergebnisse erbracht hat, durch ideologische Vorlieben ersetzt worden ist.

Es hat nun einmal so zu sein, dass Arbeitslose sich häufiger umbringen. Also Arbeitslose – Ihr wisst, was zu tun ist!

Nordt, Carlos, Warnke, Ingeborg, Seifritz, Erich & Kawohl, Wolfram (2015). Modelling Suicide and Unemployment: a Longitudinal Analysis Covering 63 Countires, 2000-2011.

Nennt mich schlicht: Gott! Herr Gott!

Im November-Heft von “Forschung und Lehre” hat Lann Hornscheidt irgendwie einen Beitrag publiziert bekommen, denn davon das Lann Hornscheidt Forschung betreibt, ist nichts bekannt und von Lehre, naja, stülpen wir lieber den Mantel des X darüber.

Person of Colour, die es vor Rassismus schützen will.

Person of Colour, die es vor Rassismus schützen will.

Mit “Gendergerechte Sprache” ist der Beitrag überschrieben. Er (der Beitrag) wendet sich gegen “andorgendernde Maskulina” und “tradierte rassistische Begriffe”, also gegen Begriffe wie “der Haushalt” und “die Kolonien”.

Diese, so das Lann Hornscheidt, sollten nicht verwendet werden, weil sich im ersten Fall Frauen nicht “mitgemeint fühlen”, im zweiten Fall PoCs gerne einen anderen Begriff hätten (PoCs, das sind Leute, die leicht erröten, people of colour). Entsprechend, so es, das Lann Hornscheidt weiter, sollte die Gesellschaft (also alle) die “neue Selbstbenennung von Personen” akzeptieren, denn: “Soziale Veränderung zeigt sich im Versuch sprachlicher Veränderung”.

Kurz: Wir alle sollen jeden so ansprechen, wie er das will, damit sich derjenige “mitgemeint” fühlen kann, und es zu einer sozialen Veränderung kommt, die “ich-bin- mitgemeint-soziale-Veränderung”.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, Lann Hornscheidt hat recht.

Denn:

Wann immer Politiker u.a. mich mit “Liebe Bürger oder Bürgerinnen” oder mit “Liebe Wähler oder Wählerrinnen” ansprechen, fühle ich mich nicht mitgemeint.

Mein Nachname ist Klein, ganz im Gegensatz zu meiner Statur, die ist groß. Wann immer mich jemand mit “Herr Klein” anspricht, fühle ich mich nicht mitgemeint, schon angesichts der Legionen von Kleins, die es da draußen gibt. Und wie könnte ich mich mit “Klein” mitgemeint fühlen, wo ich doch groß bin?

Nein, Lann Hornscheidt hat Recht, hier muss eine soziale Veränderung her, hier muss eine angemessene Ansprache von mir, dem Individuum das ich bin, her.

Gleiches gilt für meinen Vornamen: Michael. Ein In-Name der 1960er Jahre.

Wer heißt nicht alles Michael? Ich bin mir sicher, kennte ich alle Michaele, die wenigsten davon könnte ich leiden. Wie also soll es möglich sein, dass ich mich mit Michael identifziere, dass ich mich dann, wenn jemand “Michael” zu mir sagt, mitgemeint fühle?

Nein, so geht das nicht.

Deshalb habe ich kurz über die soziale Veränderung nachgedacht, die sich in einer veränderten Ansprache meiner Person zeigen würde.

Was ist eine angemessene Bezeichnung für mich, durch die ich mit “mitgemeint fühlen” kann?

Mal sehen.

Ich bin, wie gesagt, groß, knapp 2 Meter hoch.

Ich halte mich für intelligent.

Ich habe eine Universität besucht und denke.

Ich beziehe keinerlei Transferleistungen meines Staates und habe immer auf eigenen Beinen gestanden, in voller Höhe.

Das genau ist es: Ich bin etwas ganz Besonderes und bislang nie in den Genuss staatlicher Transferleistungen gekommen.

karel-gott

Unglaublich: Da ist noch ein Gott … Mehr Informationen durch Click!

Staatliche Transferleistungen sind Steuergelder. Steuergelder sind Tributzahlungen an einen Staat, der mich bislang keines Groschens gewürdigt hat, obwohl ich von körperlich hoher Statur, groß, imposant, (eigen)mächtig bin – obwohl ich denke und deshalb Respekt verdiene, ja Anerkennung, Ehrerbietung ob der Qualität meines Denkens, das an Universitäten begründet wurde – ein ganz besonderes Denken, mein Denken! Eigentlich zu schade, um es der schnöden Welt mitzuteilen. Was ich dennoch tue, aus reinem Altruismus, aus Menschenliebe, aus Nächstenliebe und aus Gründen der intellektuellen Emanzipation, die ich anderen dadurch ermögliche, dass ich ihnen den Weg zur Wahrheit, zum richtigen Ergebnis des Denkens, zum Heil, zum Paradies weise – kurz: Ich bin gottgleich und entsprechend will ich auch als solcher angesprochen werden und in den Genuss von Tributzahlungen der Steuerbürger kommen. Nur wenn man mich mit Gott oder Eure Heiligkeit anspricht, fühle ich mich mitgemeint.

Ich meine, was ist falsch daran?

Lann Hornscheint fühlt sich nur bei Profx mitgemeint, ich nur bei Gott.

Gleiches Recht für alle – oder? Oder will man mir in sexistisch, ableistisch, rassistisch feministischer Weise die sprachliche und damit die soziale Existenz absprechen?

Deshalb bitte in Zukunft: Gott!

Vorname?

“Herr” reicht.

Falls jemand unter den Lesern dieses Dekrets sich bei “Leser” nicht mitgemeint fühlt, so möge er uns mitteilen, wie er sonst angesprochen zu werden wünscht. Wir werden es in Erwägung ziehen.

So, nun haben wir keine Zeit mehr für Euch. Wir müssen, gemeinsam mit Frau Gott göttliches tun.

Die guten Sitten – Neues aus der Anstalt

Die Sozialpsychologie kennt das Framing. Framing sagt letztlich, dass man durch die Formulierung von Aussagen, durch den Einbau negativer oder positiver Begriffe, bei den Adressaten der Aussagen bestimmte Wahrnehmungen und Bewertungen hervorrufen kann. Die Sozialpsychologie kennt die Projektion, die letztlich eine Form der Neurose darstellt, bei der die eigenen Befürchtungen nach außen verlagert und Dritten unterstellt werden. Die International Classification of Diseases (ICD-10) kennt die Manie (F30.1), die sich unter anderem in Wahrnehmungsstörungen niederschlägt;

Perceptual disorders may occur, such as the appreciation of colours as especially vivid (and usually beautiful), a preoccupation with fine details of surfaces or textures, and subjective hyperacusis. The individual may embark on extravagant and impractical schemes, spend money recklessly, or become aggressive, amorous, or facetious in inappropriate circumstances…

Soweit zur Theorie, nun zur Diagnose.

Die Diagnose beginnt im §8 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugen im Straßenverkehr:

Nuts in Bedlam(1) Die nach Landesrecht zuständige Behörde (Zulassungsbehörde) teilt dem Fahrzeug ein Kennzeichen zu, um eine Identifizierung des Halters zu ermöglichen. Das Kennzeichen besteht aus einem Unterscheidungszeichen (ein bis drei Buchstaben) für den Verwaltungsbezirk, in dem das Fahrzeug zugelassen ist, und einer auf das einzelne Fahrzeug bezogenen Erkennungsnummer. Die Zeichenkombination der Erkennungsnummer sowie die Kombination aus Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummer dürfen nicht gegen die guten Sitten verstoßen.

Die weitere Diagnose führt uns in die juristische Anstalt und die Frage, was als Verstoß gegen die guten Sitten anzusehen ist:

LU-MP“Die sog. Sittenwidrigkeit liegt vor, wenn etwas gegen die guten Sitten verstößt. Nach Ansicht der Rechtsprechung ist etwas sittenwidrig, wenn es gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht denkenden Menschen verstößt (BGH 10, 232; 69 297).” Oder: “Definition: Sittenwidrig ist das, was der herrschenden Rechts- und Sozialmoral entgegensteht.” Oder: “a) objektiv: auffälliges Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung. b) subjektiv: Unerfahrenheit, Willensschwäche, Mangel an Urteilsvermögen oder Zwangslage des Ausgebeuteten. c) Ausbeutung = Ausnutzung der Situation.”

Wie kann ein gegen die guten Sitten verstoßendes Kennzeichen aussehen?

Woran ist es zu erkennen?

Daran: DE – PP – 88 oder daran: STA – SI- 89 oder daran: SE – D – 89 oder daran: WAN – ZE – 99 oder daran: NK – WD – 47?

Weit gefehlt.

Man erkennt die sittenwidrigen Kennzeichen daran:

  1. KZ
  2. und dran: NS
  3. und daran: SA
  4. und daran: HJ
  5. und daran: AH
  6. und daran: SS
  7. und daran: HH
  8. und daran: N-PD
  9. und daran: N-SU
  10. und daran: IZ-AN
  11. und daran: HEI-L
  12. und daran: 18
  13. und daran: 88
  14. und daran: 14

Haben Sie die Sittenwidrigkeit erkannt?

Hier die Auflösung:

  1. ROW-DYKZ bedeutet natürlich Konzentrationslager und nicht etwa KennZeichen.
  2. NS bedeutet nicht Neue Sachlichkeit sondern natürlich Nationalsozialismus, was sonst?
  3. SA bedeutet SturmAbteilung nicht SonderAngebot;
  4. HJ bedeutet HitlerJugend und somit Pech für alle Hans-Jürgen, die ohne Wunschkennzeichen bleiben müssen. bad luck!
  5. AH ist nicht die Altherrenmannschaft sondern Adolf Hitler, für alle die es nicht wussten.
  6. SS ist die Sturmstaffel und nicht der SendeSchluss;
  7. HH, ja, da haben Sie gedacht, das sei Hansestadt Hamburg, aber nein, es ist Heinrich Himmler!
  8. NPD
  9. und NSU können wir überspringen, weil offensichtlich: NPD = Norwegian Petroleum Directorate und NSU ist Näh- und Strickunion;
  10. IZ-AN ist Nazi rückwärts, für alle, die es nicht gemerkt haben und wohl ein Präzedenzfall für ZK und AS;
  11. 18 ist: AH in Verkleidung, als Code, wenn man so will, nämlich der erste und der achte Buchstabe des Alphabets und AH, also 18 ist natürlich Adolf Hitler;
  12. in gleicher Unlogik ist 88 natürlich wieder der Hühnerzüchter aus München und
  13. 14 ist, nein nicht AD, sondern das als “14 Words bekannte rassistische Glaubensbekenntnis der White-Power-Bewegung der USA”.

Wir kannten die 14 Words nicht, entsprechend harmlos ist uns die Zahl 14 bislang vorgekommen. Aber nun haben wir ja eine Kleine Anfrage der Linken, aus der dies alles hervorgeht.

KI-NGEs gibt in Deutschland tatsächlich Landkreise bzw. Städte, die die Zeichenkombinationen, die oben dargestellt sind, nicht verwenden, die Zahlenkombinationen wie die oben dargestellten 18, 88, 14, nicht zulassen, weil damit ein geheimes Wissen einhergeht, das jedem Verkehrsteilnehmer sofort einleuchtet oder das “von Neonazis als Erkennungscode genutzt werden kann”. Man fragt sich wirklich, ob die entsprechenden Verwaltungsmenschen nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als ihre Einbildung in Kennzeichen zu lesen?

Für alle, die sich gefragt haben, ob sie von einem Sack voller Narren regiert und verwaltet werden, dürfte die Frage nunmehr beantwortet sein. Bleibt nur noch die Frage, welche der oben dargestellten Formen mentaler Störung bei den entsprechenden Verwantwortlichen vorhanden ist.

Wir haben dazu nur eines zu sagen: IQ – KA – 70 oder 22 14 19 9 14 14.

Übrigens die geheime Nachricht in den Lottozahlen dieser Woche, die die Nazis hineingeheimnist haben, lautet: YZCCBC-IDF (hat also offensichtlich etwas mit Israel zu tun!)

Öffentliche Verkehrsmittel sind schuld an Bildungsungleichheit

Eine Revolution, ein Paradigmenwechsel in der Bildungsforschung bahnt sich an!

Unglaublich wichtige Erkenntnisse aus der Welt der Bildungsforschung haben heute unser Augenmerk erregt. Dabei ist das Ergebnis einer Untersuchung, nein, was sage ich, einer “korrelativ angelegten Studie” (wenn jemand weiß, was das ist, dann soll er sich bitte bei uns melden, denn wir kennen nur quantitative Befragungen, die in einen Datensatz münden, der in Zeilen und Spalten organisiert ist und es z.B. erlaubt, Kreuztabellen oder Korrelationen zu berechnen. Insofern ist jeder Datensatz grundsätzlich der Berechnung von Korrelationen zugänglich, was die Frage, was eine “korrelativ angelegte Studie” ist, umso dringlicher macht), also eine “korrelativ angelegte Studie” hat ein besonders interessantes Ergebnis gebracht, nämlich den Stein der Bildungsweisen, nein, die Erklärung für alles, worauf die Bildungsforschung seit Jahrzehnten gewartet hat: Die Erklärung für Bildungsungleichheit.

Universitaet_zu_Koeln-SiegelBildungsungleichheit, also z.B. die soziale Stratifizierung von Bildungsabschlüssen: je höher der Bildungsabschluss desto weniger Kinder aus Arbeiterhaushalten, oder die Stratifizierung nach Geschlecht: Jungen machen seltener ein Abitur als Mädchen, dafür bleiben sie häufiger ohne Schulabschluss als Mädchen, oder die Stratifizierung nach Herkunft: Migranten, egal, wie viele Generationen vor ihnen die Einwanderung nach Deutschland stattfand, schneiden im deutschen Schulssystem schlechter ab als nicht-Migranten, all diese Formen der Bildungsungleichheit sind auf einen Schlag und mit einer “korrelativ angelegten Studie”, die Ralf Rummer, Professor für Allgemeine Psychologie und Instruktionspsychologie an der Unversität Erfurt und Petra Herzmann, Professor für Empirische Schulforschung an der Universität Köln durchgeführt haben, gelöst.

Schlechte Schulnoten, so eine (idealistische) Annahme, sind ursächlich für schlechte Schulabschlüsse und ursächlich für Grundschulempfehlungen, die auf Hauptschulen und nicht auf Gymnasien verweisen. Bildungsungleichheit resultiert (idealtypisch und) somit aus schlechten Schulnoten und den sich daraus ergebenden Schulwahlen. Entsprechend ist die Ursache schlechter Schulnoten mittelbar ursächlich für die Bildungsungleichheit in Deutschland (das ist eine einfach Anwendung der Transitivität der Implikation). Und nach langer Suche haben deutsche Forscher nun die mittelbare Ursache für die Bildungsungleichheiten gefunden: Öffentliche Verkehrsmittel sind schuld! Schlimmer noch: je mehr Zeit Schüler in öffentlichen Verkehrsmitteln verbrachten, desto negativer die Wirkung der öffentlichen Verkehrsmittel auf die schulische Leistung.

Uni erfurtDieses revolutionäre Ergebnis haben Ralf Rummer und Petra Herzmann bisher nur als Pressemeldung über die Universität Erfurt lanciert. Eine Veröffentlichung behalten sich die beiden Revolutionäre der Bildungsforschung offensichtlich noch vor, denn auch der Bitte von ScienceFiles, doch Näheres über die Ergebnisse und die Art und Weise, wie sie zustande gekommen sind, mitzuteilen, wurde von Ralf Rummer bislang mit Schweigen begegnet. Und so müssen wir die Brocken kommentieren, die uns die Pressemitteilung der Universität Erfurt bereitstellt.

Der Umsturz in der Bildungsforschung, dieser Paradigmenwechsel, der die Suche nach den an der Bildungsungleichheit Schuldigen ein für alle Mal von Schülern oder Lehrern oder von den Eltern von Schülern auf die öffentlichen Verkehrsmittel konzentriert, basiert auf den Angaben von “137 Schülerinnen und Schüler[n] der 6. Jahrgangsstufe eines großen, im ländlichen Raum angesiedelten Gymnasiums in Nordrhein Westfalen”, die Rummer und Herzmann “ins Visier” genommen haben. Erlegt haben sie dabei, wie schon gesagt, die bisherige Bildungsforschung, mit einer “korrelativ angelegten Studie”, wie bereits festgestellt (Ich kann die Studenten der Universität Köln, an der Petra Herzmann “empirische Schulforschung” lehrt, nur ermuntern, die Vorlesungen insbesondere zu “Methoden der empirischen Schulforschung” zu besuchen, denn dort werden scheinbar Geheimnisse ausgebreitet und revolutionäre Neuerungen eingeführt – man merkt, ich bin immer noch nicht über die “korrelativ angelegte Studie” weg gekomemn).

Doch zurück zu den “bahn”brechenden Ergebnissen, dazu verrät uns die Pressemeldung:

Schulbus“Erstaunlich: Die Daten weisen signifikante korrelative Zusammenhänge [das sind dann wohl Zusammenhänge, wie man sie nur in korrelativ angelegten Studien finden kann…?] zwischen dem in öffentlichen Verkehrsmitteln absolvierten Schulweg [ich habe meinen Schulweg immer mit, nie in öffentlichen Verkehrsmittel absolviert…] und der Gesamtdurchschnittsnote und der Durchschnittsnote der Kernfächer aus: Je länger Schüler in Bussen, Bahnen oder Pkw unterwegs waren, desto schlechter fielen ihre Schulnoten aus”. Aber: “Darüber hinaus zeigte sich, dass Kinder mit langen Fahrzeiten sogar mehr Zeit auf die Erledigung der Hausaufgaben … verwendeten als Kinder mit kürzeren Anfahrtszeiten”. Und: “Interessanter Weise zeigt sich kein Effekt der zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad zurückgelegten Zeiten”. Und deshalb: “Rummer: ‘Basierend auf weiteren statistischen Analysen haben wir festgestellt, dass nicht in erster Linie fehlender Schlaf oder weniger häusliche Lernzeit für die beeinträchtigende Wirkung langer Fahrzeiten verantwortlich ist, sondern dass sich die in Bussen und Bahnen oder Pkw verbrachte Zeit direkt in negativer Weise auf die Schulleistungen auswirkt”.

Damit haben wir die Hauptschuldigen: alles, was mit Motorkraft betrieben wird, ist schuld an der Bildungsungleichheit und nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, nein, auch der Pkw ist schuld, während Fahrrad fahren und zu Fuß gehen als zumindest nicht leistungsbeeinträchtigend identifiziert sind. Schlimmer noch: Wer mit Motorkraft und in (öffentlichen) Verkehrsmitteln zur Schule kommt, dem hilft auch ein Mehr an Aufwand zur Erledigung der Hausaufgaben nicht, um die negative Wirkung der Verkehrsmittel zu kompensieren.

Was folgt aus diesen Ergebnissen? Zunächst muss man Vorsicht walten lassen, denn es ist nicht klar, wie lange die schädlichen Fahrzeiten eigentlich sind, da die Pressemeldung ohne ein relevantes Datum veröffentlicht wurde. Aber ignorieren wir diese Hürde, so ist die Forderung klar: Hausunterricht muss her oder Schüler müssen wieder per Rad oder zu Fuß zur Schule fahren/laufen. Wie Charles Dickens berichtet, war es z.B. im 18. Jahrhundert üblich, dass Schüler mehrere Stunden auf sich nahmen, um zu Fuß zur Schule zu kommen. Und natürlich wirkt sich diese Leibesertüchtigung nicht nur positiv auf die schulische Leistung aus, wie uns die Forscher aus Erfurt und Köln gerade gezeigt haben, nein, sie wirkt sich auch positiv auf Adipositas und körperliche Tüchtigkeit aus und: mens sana in corpore sano!

Schulweg_ErfurtLeider gibt es in der Pressemeldung einen abschließenden Satz, der den Paradigmenwechsel in Frage stellt und den Verdacht nährt, dass hier Artefakte berichtet werden und die öffentlichen Verkehrsmittel gar nicht schuld sind: bei Kindern mit überdurchschnittlichen Leistungen hat ein in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegter Schulweg keinen negativen Effekt auf die schulische Leistung. Also wirkt sich der Schulweg “korrelativ” auf die Leistung aus bzw. er wirkt sich nicht auf die schulische Leistung aus, jedenfalls dann, wenn die Leistungen “überdurchschnittilch” sind. Man fragt sich zunehmend, was die beiden Forscher da eigentlich gerechnet haben, und noch mehr frage ich mich, was man im Rahmen der “empirischen Schulforschung” an der Universität Köln eigentlich so lernt.

Bleibt abschließend noch darauf hinzuweisen, dass der nach wie vor mögliche Paradigmenwechsel bislang dadurch erschwert ist, dass es keinerlei theoretische Grundlage für den gemessenen Zusammenhang gibt. Wie (öffentliche) Verkehrsmittel Bildungsungleichheit verursachen, ist bislang ein Rätsel, leistungsmindernde Abgase oder leistungsmindernde und wenig kognitiv erbauliche Landschaften sind zwei ad-hoc Hypothesen, deren Gültigkeit erst noch zu klären sein wird. Aber es besteht kein Zweifel, dass irgend ein Forscher an irgend einer Universität in Deutschland einen “korrelativen” Datensatz hat oder gerade ein paar Fragen im Kopf hat, die er schon immer einmal stellen wollte und die dann, sind sie erst “korrelativ” untersucht, ganz wichtige, ja revolutionäre Erkenntnisse liefern. Wir haben dann eine weitere Antwort auf der Suche nach der passenden Frage.

Lass’ uns eine Sucht erfinden – Heute: Eßsucht –

Öfter einmal etwas Neues, so habe ich mir heute gedacht, und ausgerechnet einen alten Bekannten aus der Forschung zur Internetsucht gefunden: Dieselbe Skala, die zur Messung von Internetsucht und Spielsucht benutzt wird, wird nunmehr auch benutzt, um Eßsucht zu messen – unter dem Namen Yale Food Addiction Scale. Klingt doch gleich viel besser als Eßsucht – oder?

Nun aber ernsthaft, auch wenn die neuen Süchte aus dem Boden schießen, wie Pilze nach dem Regen. Die neue Suchtschwämme passt perfekt in dieses Zeitalter des Paternalismus, in dem sich selbsternannte Wächter über das Körpergewicht, den Teergehalt der Lunge, den Promillespiegel des Blutes an allen Ecken und Ende zu Wort melden, immer mit der Prämisse im Hinterkopf, dass Otto Normalverbraucher nicht in der Lage ist, das richtige Quantum Fett, Nikotin oder Alkohol selbst für sich zu bestimmen. Diese schleichende Entmündigung schlägt sich in Regulierungen nieder, die Otto Normalverbraucher daran hindern sollen, sich über Gebühr zu betrinken (es sei denn, es ist gerade Kölner Karneval). Und sie schlagen sich darin nieder, dass immer neue Süchte erfunden werden, die zum einen Süchtige, also Kranke, schaffen, denen man dann zum anderen, und zwar auf Kosten der Steuerzahler helfen kann.

Und die neueste Erfindung ist die Eßsucht. Vorbei sind die Zeiten eines Igor Maslow, in denen die Nahrungsaufnahme noch als Grundbedürfnis angesehen wurde. Vorbei die Zeiten, in denen Nahrungsaufnahme ein geselliges Ereignis war, bei dem die Bewohner Gallischer Dörfer um ein großes Feuer saßen. Auch die Nahrungsaufnahme wird heutzutage reglementiert, anhand von Angaben zu Kohlenhydraten, Kalorienmenge und ungesättigten Fettsäuren, und die Folgen der Nahrungsaufnahme werden als Body-Mass-Index (BMI) kategorisiert. Der BMI rangiert von zu dünn bis zu fett, und ab einer gewissen Grenze, wird der BMI-Träger zu einem Fall für diejenigen, die sich gerne um sein Wohlbefinden kümmern wollen.

EsssuchtDer neueste Schrei auf diesem Gebiet ist, wie gesagt, die Eßsucht, die anhand der Yale Food Addiction Scale (YFAS) gemessen wird. Die YFAS ist eine aufgepeppte Variante der Internet Addiction Scale (Eine der Skala zur Messung von “Internetsucht” finden interessierte Leser hier), was an sich schon die mannigfaltige Einsetzbarkeit der Sucht belegt. Und weil es so schön ist, hier ein paar Fragen aus der YFAS, mit denen Eßsucht gemessen werden soll.

Als Antwortkategorien für diese Fragen stehen (1) nie, (2) einmal im Monat, (3) 2 bis 4 Mal im Monat, (4) 2 bis 3 Mal in der Woche und (5) 4 Mal in der Woche bis täglich zur Verfügung.

    1. Ich esse bis ich mich unwohl fühle.
    2. Mein Eßverhalten sorgt für erhebliche Probleme.
    3. Meine Eßgewohnheiten verursachen mir erhebliche psychische Problemen, z.B. Depressionen, Angst, Selbst-Verachtung und Schuldgefühle.
    4. Ich habe festgestellt, dass ich immer größere Mengen von Nahrung aufnehmen muss, um das gute Gefühl zu erreichen, das ich mit Essen erreichen will oder um negative Gefühle zu unterdrücken.
    5. Wenn ich damit anfange, bestimmte Nahrungsmittel zu mir zu nehmen, dann esse ich immer mehr als ich geplant habe.
    6. Zuweilen esse ich bestimmte Nahrungsmittel obwohl ich gar nicht nicht hungrig bin.
    7. Wenn ich bestimmte Nahrungsmittel nicht im Haus habe, dann fahre ich in einen Laden, um sie zu kaufen, und zwar auch dann, wenn ich andere Nahrungsmittel zuhause habe.
    8. Es gab Zeiten, da habe ich private oder berufliche Treffen gemieden, weil ich dort bestimmte Nahrungsmittel nicht bekommen habe.
    9. Wenn ich damit aufhöre, bestimmte Nahrungsmittel zu mir zu nehmen, dann habe ich das heftige Verlangen danach, die entsprechenden Nahrungsmittel zu mir zu nehmen.
    10. Ich habe erhebliche Schwierigkeiten, in meinem täglichen Leben zu funktionieren (tägliche Routine, Beruf, Schule, soziale Aktivitäten, Familie), und zwar wegen meiner Eßgewohnheiten.

Und so geht das weiter. Wer die gesamte YFAS nachlesen will, der kann dies hier tun. Wer sich dafür interessiert, wie aus den Einzelitems eine Einteilung nach Eßsucht und nicht-Eßsucht gezaubert wird, der kann sich hier kundig machen.

GesundheitsfoederungWie ich schon oben bemerkt habe, finden sich nahezu identische Items zur Messung von Internetsucht. Der einzige Unterschied besteht darin, dass an den Stellen, die sich oben auf Nahrung beziehen, Internet, im Internet sein usw. steht. Die entsprechenden Items sind also multifunktional, und wer gerne eine eigene Abhängigkeit erfinden will, der ist herzlich dazu eingladen uns die entsprechende Abhängigkeit nebst den zugehörigen Items zu schicken. Denkbar wäre z.B. eine aus dem Fenster-Schau-Sucht (auch als Hans-Guck-in-die-Luft-Syndrom bekannt), eine #Aufschrei-Sucht (auch als Gender-Sucht bekannt), eine Unsinn-Sucht (auch als das unter Funktionären weitverbreitete Spruchbeutelsyndrom bekannt) und vieles mehr. Wer Spass hat, kann die drei Süchte, die wir hier vorgeschlagen haben, gerne in die Items der YFAS packen und wie gesagt an uns schicken. Wir leiten Sie dann an die WHO und die American Psychiatric Association weiter und beantragen die Aufnahme der neuen Sucht in das DSM bzw. den ICD-10.

Wo es eine Skala gibt, da gibt es natürlich auch Forschung, und entsprechend findet sich bei Plos One ein Beitrag von 12 Autoren (eigentlich müsste man hier von einer Zusammenarbeits-Sucht sprechen), die gemeinsam einen sechseitigen Beitrag mit dem Titel “Food Addiction: Its Prevalence and Significant Association with Obesity in the General Population” verfasst haben (jeder Autor hat demnach eine halbe Seite beigesteuert), in dem so erstaunliche Dinge stehen wie:

      • 5,4% der Neufundländer (in Kanada) sind Eß-Süchtige. Eß-Süchtige finden sich häufiger unter Frauen (6,7%) als unter Männern (3%).
      • 88,6% der Eß-Süchtigen sind adipös, aber (das haben die Autoren vergessen, auszurechnen, deshalb habe ich es nachgeholt) nur 7,7% der Adipösen sind eßsüchtig.
      • “The third major finding from the current study is the significant correlation between ‘food addiction’ and the severity of obesity in the general Newfoundland population” (4). Die “general Newfoundland population” besteht im vorliegenden Fall aus 237 Männern und 415 Frauen. Wikipedia behauptet, auf Neufundland würden rund 479.000 Menschen leben, so dass hier eine gewisse Diskrepanz zu den Angaben der Autoren besteht.

cartoon cavemenSo ist das. Wer zu viel ißt, ist nicht etwa selbst verantwortlich, dass er zuviel in sich hineinstopft, nein, er ist süchtig nach Essen und weil er das ist, muss ihm geholfen werden, und zwar ärztlich, psychologisch, er braucht einen Gesundheitscoach, einen direkten Ansprechpartner bei der Krankenkasse, einen extra Vertrausmann im Unternehmen, sofern er arbeitet, wenn nicht ist der Vertrauensmann beim Arbeitsamt anzusiedeln, die WHO muss eine task force “food addiction” einrichten, die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Sonderforschungsbereich mit dem Titel “Warum eß’ ich nur so viel?”, mit dem Bewusstsein gebildet wird, finanzieren, und das BMFSFJ muss ein Forschungsprojekt in Auftrag geben, das den besorgniserregenden Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Geschlecht im neugegründeten Forschungsgang “Gender Fatness” untersucht.

Niemand ist derzeit so erfolgreich wie Sozialbesorgte, sich mit steuerzahlerfinanzierten Tätigkeiten zu versorgen. Fast, dass man den Hut ziehen müsste, wäre es nicht so offenkundig, so durchschaubar und methodisch so abgrundtief schlecht.

Die kleine Welt der Genderisten – Netzwerkforschung auf ScienceFiles

von Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein

Six Degrees of Separation

Jeder Mensch hat Bekannte, Leute die er besser kennt und solche, die er vielleicht lieber nicht kennen würde. Sozialwissenschaftler nennen die Menge von Bekannten ein soziales Netzwerk. Wie groß ist ein soziales Netzwerk, und wie sehr ist es in sich geschlossen? Diese Fragen haben sich die amerikanischen Sozialpsychologen Jeffrey Travers und Stanley Milgram bereits in den 1960er Jahren  gestellt und beantwortet. Dazu benötigten sie einen Börsenmakler aus Boston und Personen, die diesen nicht kannten und so weit wie möglich von ihm entfernt waren, sozial wie räumlich. Travers und Milgram fanden diese Personen in Nebraska und gaben ihnen eine Aufgabe. Sie sollten einen Brief zum Bostoner Börsenmakler befördern. Allerdings nicht per Post, sondern durch ihre Bekannten: “Geben Sie den Brief an einen ihrer Bekannten, den sie mit dem Vornamen anreden und von dem sie glauben, er könne den Brief selbst oder über einen weiteren Bekannten dem Börsenmakler übergeben.” Die Bedingung lautete auch hier: Derjenige, der letztlich den Brief übergibt, muss den Börsenmakler mit dem Vornamen anreden. Tatsächlich kam eine erkleckliche Anzahl von Briefen in Boston an. Erstaunlicher war jedoch, was Travers und Milgram in der Folge herausfanden: Im Durchschnitt ging ein Brief lediglich durch sechs Hände, ehe er am Ziel ankam. Ein erstaunliches Ergebnis angesichts von 250 Millionen US-Amerikanern.

Die Welt ist ein Dorf

WattsIm Jahr 1998 haben die Physiker Duncan Watts und Steven Strogatz eine Renaissance von Travers und Milgrams alter Forschung bewirkt und zu hektischer Betriebsamkeit unter Wissenschaftlern Anlaß gegeben. Die Betriebsamkeit, die bis heute anhält, hat den “small-world-effect” zum Gegenstand. Ist dieser am Werk, dann wird aus einer unüberschaubaren Menge von Menschen, die nichts mit einander zu tun zu haben scheinen, eine kleine Welt, in der jeder mit jedem verbunden werden kann. So zeigten Watts und Strogatz, dass es durchschnittlich nur dreier Bekannter bedarf, um jeden der 200.000 Schauspieler, die in der Movie-Data-Base abgelegt sind, mit jedem anderen zu verbinden. Doch nicht nur beim Film gibt es kleine Welten, auch in der Wirtschaft: Die Ökonomen Bruce Kogut und Gordon Walker (1999) haben für Deutschland gezeigt, wie klein die Welt der 500 größten Unternehmen ist: Fünf Bekannte sind im Schnitt notwendig, um jedes beliebige deutsche Großunternehmen mit jedem anderen zu verbinden.

Schnittstellen und Inhalte

Die beschriebenen Forschungen sind ähnlich und doch trennt sie ein entscheidender Punkt. Travers und Milgram waren an der generellen Durchlässigkeit der Sozialstruktur, der generellen Verknüpfung der amerikanischen Gesellschaft interessiert und wählten nicht umsonst die größtmögliche räumliche Entfernung und variierten nicht umsonst die soziale Position ihrer  Ausgangspersonen im Vergleich zum Börsenmakler. Watts und Strogatz oder Kogut und Walker beschäftigen sich mit insofern “geschlossenen Gesellschaften” als die Gruppen, die sie untersuchen, ein gemeinsames Merkmal aufweisen, das sie bereits innerhalb der Struktur ihrer Gesellschaft verortet. Sie geben somit das soziologische an der Forschung von Milgram auf und interessieren sich nur noch für den Verknüpfungsgrad.

New Beginning

SciencefilesWir auf ScienceFiles wollen die Forschung von Travers und Milgram wieder beleben, und zwar in ihrer ursprünglichen Version. Wir gehen davon aus, dass die Methode von Travers und Milgram eine geeignete Methode ist, um Netzwerke unterschiedlicher sowohl räumlicher als auch sozialer Distanz/Nähe aufzuspüren, Netzwerke ersten, zweiten und x-ten Grades. Wenn z.B. ein Angestellter im Bauamt der Stadt X, dem Schreiner Y, der ihm persönlich bekannt ist, einen Hinweis auf eine Ausschreibung gibt, dann ist dies ein Netzwerk ersten Grades. Wenn der Schreiner einem bekannten Maler den Tipp des Angestellten im Bauamt weitergibt, dann ist dies ein Netzwerk zweiten Grades usw. Wenn ein Leiter eines Fachbereichs einer politischen Stiftung einem Bekannten einen Tipp auf eine Veröffentlichung in seinem Fachbereich gibt, in der Erwartung, der Bekannte werde die Veröffentlichung weitertragen, sich, wie Dr. habil. Heike Diefenbach dies nennt, als Multiplikator betätigen, dann ist dies ein Netzwerk ersten Grades. Unsere Modellierung  hat zudem den Vorteil, dass man unabhängig von der Gradierung des Netzwerks, “Gedankenwelten” erforschen kann, also nicht nur soziale und räumliche, sondern auch die Nähe im Hinblick auf das, was Philip E. Converse (1964) Überzeugungssysteme (belief systems) genannt hat.

Während die Bestimmung des Grades der Nähe zum Ausgangspunkt in einem Netzwerk ab einem bestimmten Punkt in der Zeit, problematisch wird, weil die Komplexität der Geflechte so groß geworden sein kann, dass man keine klare Trennung mehr zwischen den einzelnen Entfernungsgraden zum Ausgangspunkt herstellen kann, so kann man doch sagen, dass alle, die sich dem Netzwerk anschließen oder anschließen lassen, eine gewisse Gedankenwelt teilen.

Die Gedankenwelt der Genderisten und der Gender-Kritiker

Die letzte Veröffentlichung aus der ideologischen Schmiede der Heinrich-Böll-Stiftung (HB-Stiftung), dem Gunda-Werner-Institut, ist perfekt geeignet, um unsere neue Methode deutlich zu machen.

Die Veröffentlichung des Werkes:

Frey, Regina, Gärtner, Marc, Köhnen, Manfred & Scheele, Sebastian (2013). Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie. Argumente im Streit um Geschlechterverhältnisse. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Gunda-Werner Institut.

hat eine Reihe von Reaktionen nach sich gezogen, und es hat auf Seiten der Genderismus-Kritiker eine recht schnelle Verbreitung gefunden.

Beiträge, die auf eine Vernetzung ersten Grades schließen lassen und einer gemeinsamen Gedankenwelt der Gender-Kritik entspringen, finden sich auf

  1. Alles Evolution
  2. Genderama
  3. ScienceFiles
  4. Danisch
  5. Zettels Raum
  6. Feuerbringer-Magazin
  7. Spiegel Online
  8. Telepolis

Die Blog-Betreiber und Redakteure finden sich in einer gemeinsamem Gedankenwelt zusammen und sind miteinander über bestimmte moralische Vorstellungen, wissenschaftliche Standards und methodische Kenntnisse verbunden. Wer sich die Mühe macht, die Links oben zu klicken, wird feststellen, dass alle Kritiker sich mit dem Werk aus der HB-Stifung argumentativ auseinandersetzen und in zumeist elaborierter Weise auf die vielen Fehler, Auslassungen und Fehlschlüsse im Werk der HB-Stiftung hinweisen. Ein deutlicher Beleg, der wissenschaftlichen Standards verpflichteten Gedankenwelt, die sie teilen.

Der Gedankenwelt der Kritiker der neuesten Veröffentlichung aus dem Hause Heinrich-Bölls, stehen diejenigen gegenüber, die das Werk nicht wegen seiner Mängel kritisieren, sondern im Gegenteil, die die darin vertretene Gedankenwelt teilen. Die Liste der Bekanntschaften ersten Grades, die eine gemeinsame Gedankenwelt teilen, ist jedoch recht kurz. Trotz einer intensiven Recherche ist es uns nicht gelungen, mehr als drei Bekannte ersten Grades zu finden, die mit dem Werk aus der HB-Stiftung in Verbindung gebracht werden wollen:

  1. GZ Uni PaderbornAuf der Seite des Zentrum für Geschlechterstudien der Universität Paderborn findet ich ein Verweis auf das Werk aus der HB-Stiftung als “Tipp der Woche”. Warum der Tipp der Woche, Tipp der Woche ist, wird nicht begründet. In der Gedankenwelt der Genderisten kommen Argumente und Begründungen nicht vor, sie werden durch affektive Bindungen, Emotionen und “Argumentationshilfen” ersetzt.
  2. Legal Gender HBAuf den Seiten der Legal Gender Studies , die der Universität Hamburg zugeordnet sind, weist Dr. jur. Ulrike Lembke, Juniorprofessorin für Öffentliches Recht und Legal Gender Studies an der Universität Hamburg, auf die “lesenswerte Argumentationshilfe” aus der HB-Stiftung hin und behauptet, die “lesenswerte Argumentationshilfe” würde zeigen, wie sehr die Kritik des Genderismus als unwissenschaftlich auf “einem Doppelstandard” basiere. Der Doppelstandard wird  leder nicht näher spezifiziert , ein Doppelstandard halt (Die Wirkung von Doppelstandard soll nach Ansicht von Juniorprofessorin Lembke wohl über die affektive Konnotation “Doppelstandard = schlecht” erfolgen).
  3. neue WegeHBDie letzte Nennung des Werkes aus der HB-Stiftung, die letzten Bekannte ersten Grades der HB-Stiftung findet sich – ausgerechnet – auf den Seiten von neue Wege für Jungs.. Dort heißt es: “Die Publikation geht dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit nach und gibt Argumente für eine Auseinandersetzung an die Hand. Im Schlagwort “Genderismus” zum Beispiel werden unterschiedlichste Sachverhalte aus Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik vermischt. Mit dieser Publikation möchten wir OrganisationsvertreterInnen und AktivistInnen sowie Institutionen, die in diesem Bereich unterwegs sind, dabei unterstützen, in Kampagnen gegen (pro)feministische Veröffentlichungen die entsprechenden Anwürfe zu verorten und sachbezogen zu reagieren.” Das sachliche Reagieren auf Anwürfe wäre sicher glaubwürdiger, wenn Kritik am Genderismus nicht generell als Anwürfe bezeichnet würde. Man kann eben nicht verbergen, wes’ Geistes Kind man ist, und totalitäre Geister oder closed minds können eben nicht anders als Kritik am eigenen Glaubenssystem, eben weil sie affektiv und nicht rational daran hängen, als “Anwurf” abzuwehren. Und wes’ Geistes Kind hinter der Seite “Neue Wege für Jungs” steht, wird auch mehr als deutlich. Fragt sich nur, wer hier wen bezahlt…

Die Liste derjenigen, die öffentlich mit der Gedankenwelt der HB-Stiftung in Verbindung gebracht werden wollen, ist nicht lang, aber die Gemeinsamkeiten sind offensichtlich: Keine Argumente und weil man keine Argumente hat, erwartet man sich Hilfe von einer “Argumentationshilfe”  (oder wie Heike Diefenbach sagt: “Wer etwas argumentieren will, wofür ihm eine Argumentationshilfe zur Verfügung gestellt werden muss, dem ist  nicht mehr zu helfen), und weil man keine Argumente hat, gibt es nur affektive und keinerlei rationale Reaktionen oder den schlichten “Tipp”. Kurz: Genderisten zeigen wieder einmal deutlich, dass sie eine Sekte und nicht anderes als eine Sekte sind, die sich um einen gemeinsamen emotionalen Kern reiht, der vielleicht gefühlt wird, aber eines sicher nicht: rational argumentiert.

©ScienceFiles, 2013

Literatur

Converse, Philip E. (1964). The Nature of Belief Systems in Mass Public. In: Apter, David E. (ed.). Ideology and Discontent. London:  Free Press, pp.206-261.

Kogut, Bruce & Walker, Gordon (1999). The Small World of Firm Ownership in Germany. Social Capital and Structural Holes in Large Firm Acquisition – 1993-1997.

Travers, Jeffrey & Milgram, Stanley (1969). An Experimental Study of the Small World Problem. Sociometry 32(4): 425-443.

Watts, Duncan J. & Strogatz, Steven H. (1998). Collective Dynamics of ‘Small-World’ Networks. Nature 393: 440-442.

Sind Frauen die besseren Autofahrer?

AXAInteressanter Weise ist die Frage, ob Männer oder Frauen die besseren Autofahrer sind, eine Frage, die nicht nur die Gemüter zu erhitzen scheint, sondern eine Frage, auf die eine bzw. mehrere Antworten periodisch wiederkehrend durch die Medien geistern. Die Folge X dieses Evergreens wurde gerade durch eine Befragung eingeleitet, die im Auftrag der AXA unter dem Label “AXA Verkehrssicherheits-Report 2012″ durchgeführt wurde, wobei “gerade” zu relativieren ist, denn die Pressemitteilung unter der Überschrift “Frauen fahren besser Auto” stammt vom 13. Juni 2013, während die telefonische Befragung zwischen dem 4. und 15. Juli 2012 durchgeführt wurde. Den 1.102, davon 541 männliche und 561 weibliche Befragten wurden eine ganze Reihe von Fragen zur “Verkehrssicherheit” gestellt, darunter Fragen zu Maßnahmen zur Unfallvorbeugung, zum Verhalten deutscher Autofahrer, zum Strafmaß in der Straßenverkehrsordnung und vielem mehr, in die Öffentlichkeit hat es indes lediglich die Einschätzung der 1.102 Deutschen darüber, wer denn nun besser Auto fährt, Frauen oder Männer, geschafft (Fragetext: Wer sind Ihrer Meinung nach die besseren Fahrer: Männer oder Frauen?).

24% der Befragten sind der Ansicht, Männer seien die besseren Fahrer, 38% der Befragten sind der Ansicht, Frauen seien die besseren Fahrer und 35 Prozent sehen keinen Unterschied. Dieses unscheinbare Ergebnis dazu, was 1.102 im Auftrag der AXA Befragte meinen, ist, was Medienschaffende zu interessieren scheint.

Bereits die Pressemitteilung titelt: “Umfrage: Frauen fahren besser Auto”. Die WELT titelt unter “Verkehrssicherheit” “Die Jungspunde mögen noch scherzen, die älteren Autofahrer haben es längst erkannt: Frauen sind  die besseren Autofahrer. Das haben sie in einer Umfrage jetzt auch zugegeben”. Und der Focus schreibt in einem Beitrag, der mit der Meldung in der WELT fast identisch ist: “Frauen fahren besser Auto als Männer – glauben Männer”.

BadDRiverEs ist schon erstaunlich, wie leicht es Meinungen über die Realität gelingt, die Realität zu verdrängen und sich selbst an ihre Stelle zu setzen, wenn sie als “Umfrage” daherkommen. Um es noch einmal zu betonen: Gefragt wurden 1.102 Deutsche wer nach ihrer Meinung besser Auto fährt. Damit ist keinerlei Aussage darüber gemacht, wer tatsächlich besser Auto fährt. Vielmehr ist unter Einstellungsforschern hinlänglich bekannt, dass Fragen nach Meinungen vom eigenen Verhalten und von den sozialen Normen, die den Befragten umgeben, beeinflusst werden. Entsprechend spielen Stereotype bei diesen Meinungen eine große Rolle, Stereotype wie sie aus den selben Medien, die nunmehr die Frage danach, wer besser Auto fährt, beantwortet haben wollen, täglich verbreitet werden, Stereotype von vorsichtigen und sorgenden Frauen und draufgängerischen und egoistischen Männern. Was misst vor einem solchen kulturellen Hintergrund wohl eine Frage wie die oben zitierte?

Die Befragung, die von Welt und Focus zitiert wird, hat also überhaupt nichts mit der Frage zu tun, wer besser Auto fährt, sondern damit, was wer glaubt, wer besser Auto fährt. Das hat man beim Focus scheinbar auch erkannt und behauptet, Männer würden glauben, dass Frauen besser Auto fahren. Wie ein Blick in die Befragungsergebnisse (Seite 21) zeigt, ist dies schlicht falsch, denn 31% der Männer glauben, dass Männer die besseren Fahrer sind, während 24% der Männer der Ansicht sind, Frauen wären die besseren Autofahrer. Dagegen sind 17% der Frauen der Ansicht, Männer wären die besseren Autofahrer und 52% sind der Ansicht, Frauen seien die besseren Autofahrer. Diese geschlechtshomogenen Antworten deuten einmal mehr darauf hin, dass das öffentliche Klima von einer Dichotomie durchzogen ist, die männliche Eigenschaften negativ und weibliche Eigenschaften positiv bewertet.

Die WELT insinuiert im oben zitierten Abschnitt (der sich wortgleich im Focus wiederfindet), dass ältere Autofahrer längst erkannt hätten, dass Frauen die besseren Autofahrer seien, was notwendig voraussetzt, dass es eine feststehende Erkenntnis dahingehend gibt, dass Frauen die besseren Fahrer sind (und nebenbei hätte man Längsschnittdaten benötigt, um einen Erkenntnisprozess zu modellieren). Wenn dies aber so wäre, dann hätte es der AXA-Befragung nicht bedürft und die WELT hätte sich ihren Beitrag sparen können (was vielleicht auch besser gewesen wäre). Tatsächlich sinkt mit dem Alter der Befragten der Anteil derjenigen, die der Ansicht sind, Männer seien die besseren Fahrer, und zwar von 43% bei den 18- bis 24-jährigen auf 14% bei über 65-jährigen. Da mit einem steigenden Alter der Befragten in Umfragen unweigerlich ein steigender Anteil weiblicher Befragter einhergeht, weil es mehr weibliche als männliche Alte gibt, ist dieses Ergebnis kaum überraschend. Vielmehr bestätigt es abermals den oben vermuteten kulturellen Bias in den Daten. In keinem Fall, es sei abermals betont, sagt die Meinung von über 65-jähringen darüber, ob Männer oder Frauen die besseren Autofahrer sind, etwas darüber aus, wer tatsächlich der bessere Autofahrer ist.

Dies wirft die Frage auf, anhand welcher Kriterien man überhaupt bestimmen kann, ob Männer oder Frauen die besseren Autofahrer sind. Ich gehe einfach einmal davon aus, dass die Frage, ob Männer oder Frauen die besseren Autofahrer sind, eine Frage ist, die interessant ist, obwohl ich daran erhebliche Zweifel habe. Aber gut, wie operationalisiert man “guter Autofahrer”?

Eine ganze Reihe von Variablen kommt einem in den Sinn:

  • unfallfreies Fahren,
  • umsichtiges, andere nicht gefährdendes Fahren,
  • zügiges, andere nicht hinderndes und nervendes Fahren,

LKWFür die genannten drei Kriterien des guten Fahrens (es gibt sicher noch mehr, aber belassen wir es dabei), ist Fahr-Erfahrung eine Variable, die sich positiv auf alle drei Kriterien auswirkt. Entsprechend müsste man in die Bestimmung des guten Fahrers auch seine Fahr-Erfahrung einrechnen, seine Kilometerleistung pro Jahr. Zudem ist ein guter Fahrer in der Lage, nicht nur mit dem Peugeot 106, sondern auch mit einem Mercedes Sprinter oder vielleicht mit einem 7.5 Tonnen LKW sicher zu fahren. Zur Fahrmenge kommt somit die Art des Fahrzeugs, um zu bestimmen, ob ein Fahrer ein guter Fahrer ist.

SmartAll diese Determinanten des “guten Fahrers” misst die Frage, die in der Befragung der AXA gestellt wurde, nicht. Sie misst statt dessen, die Meinung der Befragten und um sich zu vergegenwärtigen wie unsinnig dieses Verfahren ist, wie ungeeignet es ist, um den “guten Fahrer” zu bestimmen, muss man sich nur die Antwort vergegenwärtigen, die die Fahrerin des Kleinwagens, die es auf der Autobahn nie über die mittlere Spur hinaus schafft und dieselbe für die gesamte Autobahnfahrt blockiert, gibt, die sieht, dass sie ständig von männlichen “Rasern” überholt wird, obwohl sie bereits mit 100 am Limit dessen fährt, was sie für vertretbar hält. Man muss fragen, welche Antwort der Papa gibt, der immer gerne einen Peugeot 206 RC gefahren wäre, aber aufgrund familialer Verprlichtungen es nie über den Opel Astra hinausgeschafft hat, er, der aus Sorge um den Nachwuchs die 80 Kilometer Marke auf Landstraßen nicht überschreitet und ständig von rasenden Einzelfahrern überholt wird, zuweilen sogar von einem LKW, dessen Fahrer es einfach nicht mehr ausgehalten hat?

Man stelle sich die Frage danach, was die Frage “Wer sind Ihrer Meinung nach die besseren Fahrer: Frauen oder Männer?” misst, vor dem Hintergrund eines gesellschaftlichen Klimas, das Arne Hoffmann bereits vor Jahrzehnten zu dem Buchtitel “Sind Frauen die besseren Menschen” veranlasst hat und vor diesem Hintergrund kann man dann eigentlich nur erstaunt sein, erstaunt darüber, dass “nur” 38% der Befragten der Ansicht sind, Frauen seien die besseren Autofahrer.

Dass Befragungen immer häufiger von Personen durchgeführt werden, die von Methoden empirischer Sozialforschung nicht viel bzw. keine Ahnung haben, daran haben wir uns bei ScienceFiles mittlerweile leider gewöhnen müssen. Dass nunmehr auch “Spezialisten” am Werk sind, die den Unterschied zwischen einer Meinung und einem Faktum nicht mehr kennen oder nicht mehr kennen wollen, ist für uns jedoch eine neue Qualität oder ein weiterer Schritt auf dem Weg in den konstruktivistischen Wahnsinn.

Herz-Schmerz-Opus: Die ARD verfälscht munter Daten

Armut macht krankHeute findet sich auf Tagesschau.de ein Herz-Schmerz-Opus, in dem sich Sandra Stalinski über die fetten und diabetischen Armen auslässt. Die selbsternannte Reglementiererin der Armen wartet in ihrem Beitrag mit einer Reihe von Behauptungen, Daten und vermeintlichen Erkenntnissen auf, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie sind falsch. Einmal mehr zeigt sich, dass Journalismus in Deutschland zum Betroffenheits-Fabulieren selbsternannter Möchtegern-Weltverbesserer geworden ist, einmal mehr zeigt sich, dass es derzeit in bestimmten Kreisen schick zu sein scheint, auf die fetten und rauchenden Unterschichtler zu schimpfen. Das ist natürlich meine deutliche Sprache, im Tagesschau.de geeigneten Deutsch heißt das: “Rauchen und Fettleibigkeit sind inzwischen ein Schichten und Bildungsproblem”, so wird Frank Ulrich Montgomery zitiert, der darüber hinaus alarmiert darüber sein soll, dass die “Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander” gehe, was wie er woher auch immer weiß, dazu führen müsse, dass sich “die Gesundheitsprobleme” [Gesundheitsprobleme halt, arme Unterschichtler werden schon ein Gesundheitsproblem haben, das man vermarkten kann] verschärfen.

Fangen wir damit an, dass “Armut krank macht”, wie der unsinnige Titel des ARD-Beitrags behauptet. Nun ist Armut ein Zustand, der als Zustand nicht krank machen, also einen anderen Zustand herbeiführen kann. Man muss die unsinnige Überschrift also transferieren, etwa in: “Arme sind häufiger krank als Nicht-Arme” oder “Kranke sind häufiger arm als Nicht-Kranke”. Beide Aussagen sind voneinander verschieden, und beide Aussagen geben keine Kausalität an. Genau das behauptet aber die Überschrift: Armut sei kausal für Krankheit. Entsprechend war schon meine Operationalisierung ein Entgegenkommen, denn die im unlogischen Raum frei flottierende Autorin impliziert allen Ernstes, dass wer nicht arm ist, nicht krank werden kann, denn Armut macht krankt, nicht Nicht-Armut.

Da es Kranke gibt, die nicht arm sind, ist diese Aussage offenkundig falsch. Mehr noch: Sie stimmt nicht einmal für Arme, denn, wie das Statistische Bundesamt endgültig festgestellt hat:

„Armut ist eine Situation wirtschaftlichen Mangels, die verhindert, ein angemessenes Leben zu führen. Da das Wohlstandsniveau in Deutschland deutlich über dem physischen Existenzminimum liegt, werden in Deutschland und in der EU meist die ‚relative Armut‘ und die ‚Armutsgefährdung‘ betrachtet“ (Deckl, 2011, S.151). Mit anderen Worten, die Armut, von der Stalinski in der ARD fabuliert, gibt es in Deutschland wenn überhaupt, so nur in verschwindend geringem Ausmaß und weil dem so ist, die Armutsforschung aber einen Gegenstand benötigt, behilft man sich mit dem Konzept der „relativen Armut“. Relativ arm sind diejenigen, die weniger als „60% des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens zur Verfügung haben“ (Deckl, 2011, S.151). Diese “relative Armut” ist der Gegenstand der “zahlreichen Studien” von denen Stalinski im ersten Absatz fabuliert, nicht absolute Armut wie Stalinski suggeriert.

Aber Stalinski beruft sich nicht auf die “zahlreichen Studien” zu relativer Armut: Um ihre unsinnge Behauptung zu stützen, dass nämlich Armut krank macht, missbraucht sie Daten aus der “Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland” (DEGS1), wobei interessanter Weise kein Beleg angegeben ist, damit niemand nachprüft, vermutlich. Hier zunächst, was Stalinski der “soeben veröffentlichten Studie des RKI [Robert Koch Institut] zum Thema [Armut macht krank]” entnommen haben will:

ARD Datenfaelschung“36,2% Prozent der Frauen mit niedrigem sozialen Status [sind] adipös, also fettleibig (Männer 28,8 Prozent), während es bei den Frauen mit höherem soziale Status nur 10,5 Prozent (Männer 15,5 Prozent) sind. Ähnlich verhält es sich bei Diabetes mellitus. 11,8 Prozent der sozial benachteiligten Frauen erkranken daran (Männer: 11 Prozent), während es bei den Frauen mit höherem sozialen Status nur 3,2 Prozent sind (Männer: 6,3 Prozent).” Weitere Ergebnisse finden sich in einer Tabelle, die ich hier als Abbildung eingefügt habe.

Wie gesagt, Frau Stalinski gibt die Quelle ihrer Erkenntnis, die entsprechende Veröffentlichung des RKI, der sie den Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit entnommen haben will, nicht preis. Wer die Reihe DEGS1 des RKI kennt, weiß, dass sie eine Vielzahl von Einzelpublikationen enthält, so dass man das Fehlen eines konkreten Belegs im Beitrag von Frau Stalinski als bewusste Unterschlagung werten muss. Unter diesen Einzelpublikationen findet sich eine Publikation mit dem Titel “Sozioökonomischer Status und Gesundheit”, von T. Lampert et al. und im Bundesgesundheitsblatt 56 (Mai 2013) veröffentlicht. Und es ist auf Seite 816 dieser Publikation, dass die Suche nach dem Ursprung der Daten von Stalinski erfolgreich ist.

Zunächst zum Gegenstand. Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass Lampert et al. ihren Beitrag mit “Sozioökonomischer Status …” überschrieben haben und eben nicht mit “Armut”. Sozioökonomischer Status oder SES wiederum ist aus Veröffentlichungen von WHO und OECD bestens bekannt und wird, wie Lampert et al. in ihrem Beitrag so deutlich schreiben, dass es selbst Frau Stalinski gelesen haben könnte, wie folgt berechnet:

Armut

Armut

“Der sozioökonomische Status wird in DEGS mithilfe eines Index erfasst … Der sog. SES-Index wird auf Basis von Informationen zur schulischen und beruflichen Bildung, zur beruflichen Stellung sowie zum Netto-Äquivalenzeinkommen als mehrdimensionaler Punktsummenscore berechnet. Dabei werden die 3 Ausgangsvariablen zunächst in metrische Skalen überführt, die Werte zwischen 1,0 und 7,0 annehmen können. Da die 3 Dimensionen mit dem gleichen Gewicht in die Berechnung des SES-Index eingehen, reicht der Wertebereich von 3,0 bis 21,0. Ausgehend von dem Index wird für die Analysen eine verteilungsbasierte Abgrenzung von 3 Statusgruppen vorgenommen, wobei die niedrige und hohe Statusgruppe jeweils 20% der Bevölkerung und die mittlere Statuusgruppe 60% der Bevölkerung umfasst” (815) [Hervorhebung von mir].

Es ist eine Eigenart dieser Berechnung, dass eine Hausfrau mit Abitur, die – weil auf Elterngeld und in der Ausbildung – unter 60% des Median-Einkommens liegt, zu den unteren 20% im SES-Index zählt, ebenso wie der Bundeswehrsoldat, der Hauptschulabschluss hat und knapp über der 60%-Grenze des Nettoäquivalenzeinkommens liegt. Auch Studenten, die von Bafög und Gelegenheitsjobs leben, haben eine gute Chance, sich in der niedrigen Kategorie von SES wiederzufinden. Kurz: Ein niedriger sozio-ökonomischer Status hat mit Armut überhaupt nichts zu tun. Man sollte von einer Journalistin erwarten können, dass sie in der Lage ist, diesen Unterschied zu erkennen bzw. erkennen zu wollen. Aber natürlich ist dazu eine Transferleistung vonnöten und wie die PISA-Studien gezeigt haben, hapert es mit Transferleistungen bei deutschen Schülern und offensichtlich, so muss man ergänzen, auch oder gerade bei Journalistinnen.

Nun zu den Daten, die belegen sollen, dass Armut krank macht. Ich bitte die Leser sich noch einmal die Tabelle anzusehen, in der von Frauen und Männern und von sozial benachteiligten Frauen und Männer die Rede ist. Es reicht, die Prozentwerte zum schlechten subjektiven Gesundheitszustand zu berücksichtigen. Dazu heißt es in der Publikation des RKI (Lampert et al., 2013):

“Nach den DEGS1-Daten schätzen 25,3% der 18- bis 79-jährigen Erwachsenen in Deutschland ihren allgemeinen Gesundheitszustand als “mittelmäßig”, “schlecht” oder “sehr schlecht” ein. Auf Frauen trifft dies mit 27,1% häufiger zu als auf Männer mit 23,4%.” Vermutlich sehen sie andere Prozentwerte in der Tabelle von Frau Stalinski – falsche! Denn: “Frauen mit niedrigem SES schätzen zu 43,5% ihren allgemeinen Gesundheitszustand als mittelmäßig bis sehr schlecht ein. In der mittleren und höheren Statusgruppe sind es 26,2% bzw. 11,8%. Bei Männern betragen die Vergleichswerte 36,7% in der niedrigen, 22,3 in der mittleren und 14,2 in der hohen Statusgruppe” (816).

Wie sich zeigt, werden auf Tagesschau.de entweder Daten mutwillig gefälscht oder es werden willkürlich irgendwelche Daten präsentiert, in der Erwartung, dass sie niemand nachprüft. So gibt es im Bericht des RKI keine Daten für “sozial benachteiligte” Männer oder Frauen, es gibt keine Daten für einen schlechten subjektiven Gesundheitszustand. Und die Werte, die in der Tabelle für Männer und Frauen angegeben werden, sind falsch, denn es handelt sich um die Werte für Männer und Frauen in der oberen 20%-SES-Gruppe.

Wer nun denkt, damit wäre die Verbreitung falscher Daten am Ende, der sei an das Zitat aus dem Bericht der ARD erinnert: “nur” 11,8% der sozial benachteiligten Frauen, so heißt es da, erkranten an Diabetes mellitus, nur 3,2 Prozent der Frauen mit hohem sozialen Status und die entsprechenden Zahlen für Männer sind 11 Prozent und 6,3%. Was nun steht im Original? Welche Ergebnisse haben die Forscher des RKI tatsächlich veröffentlicht:

“Die Lebensprävalenz für Diabetes mellitus liegt in der 18- bis 79-jährigen Bevölkerung bei 7,4%, wobei nur geringfügige Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestehen (7,5% gegenüber 7,2%). Mit zunehmendem Alter steigt die Verbreitung von Diabetes mellitus deutlich an, bis auf 17,5% bei 65- bis 79-jährigen Frauen und 21,4% bei gleichaltrigen Männern”. Nun der vermeintlich von Stalinski zitierte Teil: “Von den Frauen mit niedrigem SES wurde bei 11,8% schon einmal Diabetes festgestellt. Die Vergleichswerte für Frauen mit mittlerem und hohem SES betragen 7,3% und 3,2%. Bei Männern lässt sich der Einfluss des sozioökonomischen Status an einer erhöhten Betroffenheit der niedrigen Statusgruppe festmachen. Die Prävalenz beträgt in dieser Gruppe 11,0%, während sie bei Männern mit mittlerem und hohem sozioökonomischen Status bei 6,1% bzw. 6,3% liegt” (816).

counterfeiterMan beachte, dass die zitierte Passage die Daten in einen Rahmen einordnet, der keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen zeigt. Man beachte ferner, dass “soziale Benachteiligung” im Text des RKI nicht vorkommt. Beides entstammt der Phantasie von Frau Stalinski, die sich offensichtlich wünscht, dass Frauen stärker betroffen sind als Männer und es gerne sähe, würden Menschen aufgrund ihres sozioökonomischen Status benachteiligt. Außer Frau Stalinski wünscht sich das jedoch (hoffentlich) niemand, und deshalb beschreibt der soziale Status eine Lebenssituation (die sich ändern kann), er beschreibt einen gegenwärtigen Zustand und keine Handlung Dritter, die Inhaber des entsprechenden sozioökonomischen Status’ benachteiligen oder diskriminieren. Wie gesagt dies alles entspringt der erschreckenden Phantasie von Frau Stalinski.

So einfach ist Meinungsmache in Deutschland. Man stellt eine unsinnige Behauptung auf: Armut macht krank, zitiert dazu eine Person, die vielleicht als “kompetent” durchgeht, die etwas behauptet, was irgendwie unter das Rubrum “Armut macht krank” passt. z.B. weil ähnlich klingende Begriffe verwendet werden. Man sucht im nächsten Schritt Daten, die passen könnten, unterschlägt , dass die Daten nicht Armut sondern sozioökonomischen Status messen (oder versteht den Unterschied nicht), unterschlägt weiter, dass nicht “schlechter Gesundheitszustand”, sondern mittelmässig bis sehr schlechter Gesundheitszustand dargestellt wird, macht aus dem Zustand “niedriger SES” eben einmal “sozial benachteiligt” und schon ergibt sich ein veritabler Brei von Unsinn, der zwar nicht der Empirie entspricht, sondern schlicht fabuliert ist, aber der sich trefflich von denen nutzen lässt, die sowieso und ständig auf der Suche nach Munition für ihre ideologischen Schlachten sind.

Öffentliche Medien haben eine Sorgfaltspflicht. Falsche Informationen, Propaganda und ideologische Verfälschungen haben in Medien, die von Gebührenzahlern finanziert sind, keinen Platz, und entsprechend sollte sich die ARD schnellstens daran machen, diesen falschen Bericht richtig zu stellen und Frau Stalinski zu entlassen, denn wer dermaßen unbedarft ans Werk geht, vor dem muss die lesende Welt geschützt werden.

Ich habe meinerseits eine Email an das RKI geschrieben und eine Stellungnahme angefordert. Hier meine Email an den Präsidenten des RKI:

Sehr geehrter Herr Burger,
die heutige Ausgabe von Tagesschau.de enthält einen Text, in dem unter der Überschrift “Armut macht krank” Daten des RKI präsentiert werden. Nahezu alle präsentieren Daten sind falsch bzw. verfälscht, und es wird der Eindruck erweckt, das RKI werde von einer Anzahl methodisch illiterater Forscher bevölkert, die nicht wissen, was Sie erhoben und ausgwertet haben. Der Beitrag ist für das RKI in höchstem Maße rufschädigend, und ich halte es von daher für ratsam, wenn Sie eine Richtigstellung veranlassen.
Hier der ARD-Beitrag:

http://www.tagesschau.de/inland/armutgesundheit100.html

und hier meine Besprechung des ARD-Textes auf dem Wissenschaftsblog ScienceFiles:

http://sciencefiles.org/2013/05/28/herz-schmerz-opus-die-ard-verfalscht-munter-daten/

P.S.

Man kann natürlich auch das RKI nicht ganz ungeschoren davon kommen lassen. Was die Forscher dazu verleitet hat, die Einschätzung der eigenen Gesundheit als “mittelmäßig” mit den Einschätzungen “schlecht” und “sehr schlecht” zu kombinieren, ist ein Frage, deren Antwort zu finden jedem selbst überlassen ist. Methodisch Versierte werden vermutlich vermuten, dass die Mittelkategorie (wie zumeist) “mittelmäßig” deutlich stärker besetzt ist als die beiden Extremkategorien, und falls dies der Fall sein sollte, haben die RKI-Forscher ihren Teil zur Irreführung der Öffentlichkeit beigetragen. Zudem verkaufen uns die Forscher eine Korrelation als Kausalität “Bei Männern lässt sich der Einfluss des sozioökonomischen Status an einer erhöhten Betroffenheit der niedrigen Statusgruppe festmachen.” Das ist ebenfalls ein massiver Verstoß gegen die wissenschaftliche Lauterkeit, aber ich befürchte, es ist heutzutage dem Fehlen einer Methodenausbildung an den meisten Universitäten anzulasten.

Deckl, Silvia (2011). Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung. In: Statistisches Bundesamt (Hrsg). Datenreport 2011 . Ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland. Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.

Wahlprüfsteine und Stolpersteine: Das Rollenverständnis des Bundesforum Männer

Bald sind Wahlen, also die Ereignisse, bei denen Stimmzettel in Wahlurnen gesammelt, gezählt und als Legitimation für alles missbraucht werden, was später folgt – im Namen der Wähler versteht sich.  Entsprechend ist die einzige Macht, die ein Wähler tatsächlich hat, die, der Wahl fern zu bleiben. Nur so kann er verhindern, dass nach der Wahl mit seiner (Zu)Stimm(ung)e Schindluder getrieben wird. Aber das nur vorweg.

Wahlen sind nicht nur nekrophile Handlungen an einem morbiden Regierungssystem, ihr Vorfeld ist auch der Anlass dafür, dass eine ganze Reihe von “pressure groups” oder von “single interest groups” versuchen, sich in Szene zu setzen. Eine dieser Gruppen ist das Bundesforum Männer, jene Interessenvertretung für Männer, die am Tropf des Ministeriums für alle außer Männer hängt. (In modernen Zeiten finanzieren die Regierungen Lobby-Gruppen gleich selbst, das hat den Vorteil, dass man nicht mit Ansprüchen konfrontiert wird, mit denen man nicht konfrontiert werden will bzw. nicht schon im Vorfeld gerechnet hat.). Das Bundesforum Männer hat die bevorstehende Bundestagswahl zum Anlass genommen, um Wahlprüfsteine zu veröffentlichen, Wahlprüfsteine, in denen wichtige Themen, die Männer bewegen oder betreffen, angesprochen sein sollen.

ArneWer sich mit “Männerthemen” beschäftigt, dem fallen eine Menge Themen ein, die Männer betreffen. Die Reihe reicht von der im Vergleich zu Frauen niedrigeren Lebenserwartung von Männern über die Nachteile von Jungen im Bildungssystem, das Abschieben von Jungen auf Sonderschulen bis zum Prostatakrebs. dessen Früherkennung immer noch brachialer Fingermethoden bedarf. Es gibt also eine Vielzahl von Themen, die Männer betreffen und von denen man erwarten würde, dass sie eine Organisation, die sich als Interessenvertretung von Männern sieht, aufgreift. Die wohl umfangreichste Zusammenstellung dieser Männerthemen findet sich immer noch in  Arne Hoffmanns Buch “Sind Frauen die besseren Menschen?”

Beim Bundesform ist alles anders. Beim Bundesforum “Männer” interessiert man sich nicht um schnöde Fragen des Lebensalltags von Männern (von dem Monsterproblem “Beschneidung”, über das sogar steuerzahlerfinanzierte Tagungen abgehalten werden müssen, einmal abgesehen), beim Bundesforum Männer interessiert man sich für die Agenda des Staatsfeminismus, macht man sich zur fünften Kolonne des Staatsfeminismus. Dies war die Behauptung, der Beleg folgt auf dem Fuss, und zwar per Dokumentenanalyse.

Die Dokumentenanalyse ist eines der nützlicheren Instrumente qualitativer Sozialforschung, vornehmlich deshalb, weil man prüfen kann, ob eine Interpretation einem Dokument Gewalt antut. Eine ziemlich umfassende und bei umfangreichen Dokumenten unhandliche bis kaum nutzbare Methode, der Dokumentenanalyse wurde von Barney Glaser und Anselm Strauss entwickelt, um, wie man sagen könnte, der theoretischen Basis, dem unausgesprochenen Hintergrund, dem, was eine Gedankenfolge zusammenhält, auf die Spur zu kommen. Man kann die Methode entsprechend nutzen, um dem, was hinter vielen Worten steht, aber nie direkt ausgesprochen wird, auf die Spur zu kommen. Und genau in dieser Weise habe ich die Grounded Theory und im Hinblick auf die Wahlprüfsteine des Bundesforum Männer benutzt.

Grounded TheoryMethodischer Einschub: Grounded Theory ist eine umfangreiche und schnell ausufernde Methode, die Sätze und Aussagen in fünf Elemente zerlegt, nämlich Phänomene (das, was die Aussagen, Sätze verbindet), kausale Zustände (das, was vom Phänomen verursacht wird), den Kontext (das, in dessen Rahmen kausale Zustände nur Sinn machen), Handlungsstrategien (das, was gemacht werden soll, um ein Phänomen zu “bearbeiten”) und intervenierende Zustände (das, was die Bearbeitung des Phänomens erschwert oder vereinfacht). Die so zerlegten Sätze werden dann über stufenweise komplexerwerdende Kodierformen (offen, axial und selektiv) zu einer Geschichte verwoben, die eine Theorie darüber aufstellt, was die analysierte Gedankenwelt im Innersten zusammenhält.

Der Wahlprüfsteine des Bundesforums Männer sind nicht allzu viele, so dass die Grounded Theory angewendet werden kann, ohne dabei den Überblick zu verlieren. Entsprechend habe ich die Gedankenwelt, in der die Mannen des Bundesforums leben, wie folgt und durch axiales Kodieren auf drei Kategorien reduziert:

  1. Traditionale Männerbilder sind schlecht und müssen verändert werden;
  2. Männer wollen Kinder und haben ein Vereinbarkeitsproblem;
  3. Umerziehung ist das Mittel um 1 und 2 umzusetzen, dazu braucht es hauptamtliche “Männerhelfer”;

Dieses “Männerbild” ist – wenig überraschend – dasselbe Männerbild, das vom Bundesministerium für FSFJ, allen Aktivisten der staatsfeministischen Bewegung und allen denjenigen geteilt wird, die sich bei feministischen Netzwerken (diejenigen, die über die öffentliche Finanzierung verfügen) andienen wollen. Das Bundesforum Männer wird hier seiner Stellung als Satellit in finanzieller Umlaufbahn zum BMFSFJ voll und ganz gerecht.

Doch zu den Fundstellen im Einzelnen:

Bundesforum_Maenner_gross1“Jungen, Männer und Väter stehen vor großen Herausforderungen. Traditionelle Rollenmuster passen vielfach nicht mehr zu heutigen Anforderungen und Bedürfnissen [wessen?]. … Eine konsequente Gleichstellungspolitik sollte helfen, eineingende Geschlechterrollen zu überwinden. … setzt voraus, dass sie vielfältige Formen von Männlichkeit erleben können … Das Bundesforum Männer fordert entsprechend geschulte Fachkräfte, die Jungen und ihren Bezugspersonen die Möglichkeit bieten, sich mit tradierten Geschlechtervorstellungen auseinanderzusstzen …, um ihnen neue Perspektiven zu eröffnen. .. Gewalthandeln ist Teil traditioneller Männlichkeitsstrukturen. … Männern muss allgemein zugestanden werden, dass sie verletztbar sind. (…) Nur so können traditionelle Männlichkeitsrollen erweitert, kann erlerntes gewalttätiges Verhalten hin zu einer gewaltfreien Sozial- und Konfliktkompetenz verändert werden. … Väter haben Vereinbarkeitsproblem. Väter wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. … Dazu gehören verlässliche Betreuungsangebote für Kinder, Arbeitszeitmodelle, die an Phasen und Ereignisse des Lebens orientiert sind… “.

Die Belege für die drei oben genannten Kategorien zeigen nicht nur deutlich, dass es dem Bundesforum Männer nicht um Männer oder Jungen geht, denn dazu müsste man Männer und Jungen als solche Ernst nehmen, sie respektieren, was voraussetzt, dass man auch Männer mit traditionellem Rollenverständnis respektiert, sondern darum, die staatsfeministische Agenda, nach der Männer vom, wie man formulieren könnte, hegemonialen Mannskerl zum devoten Waschlappen, der die einengende Geschlechterrolle traditionaler Männlichkeit, mit der tief in Falten gelegten hohen Stirn und ansonsten angsterfüllter Untätigkeit getauscht hat, transformiert werden. Devote Waschlappen sind für Herrschaftssysteme von allergrößtem Wert, weil von ihnen kein Widerspruch zu erwarten ist, man kann sich ihrer etwa in der Weise sicher sein, wie sich das BMFSFJ sicher sein kann, dass vom Bundesforum Männer nichts kommt, was kritisch oder kontrovers oder der BMFSFJ-Vorgabe widersprechend ist. Soviel zum traditionalen Männerbild.

Obwohl der neue Mann des Bundesforums nicht traditional ist, hat er doch einen massiven “traditionalen Bias” wie man sagen könnte, denn er ist nur als Vater und trotz allem Ausprobierens von verschiedenen Formen der Männlichkeit denkbar. Aber da ein hegemonal männlicher Vater ein bread winner oder main income earner ist, kann der neue Mann, der mit der hohen Stirn und dem verlorengegangenen Lebenssinn, nur einer sein, der sich am Vereinbarkeitsproblem beteiligt, das Frauen seit Jahrzehnten angedichtet wird. Der neue Mann hat den Wunsch zu haben, nicht nur Kinder zu produzieren, sondern sich auch um sie zu kümmern, am besten als halbtagskraft in der “Kita”, damit “absurde” Träume an z.B. ein einsames Haus am See auch gar nicht erst aufkommen und das lebenslange Leben am Tropf der “Gemeinschaft”, als Transfer-Lebensentwurf gewährleistet ist.

chickenelectionUnd wo wir gerade beim Tropf der Gemeinschaft sind: Natürlich braucht der neue Mann Unterstützung und Beratung und Hilfestellung und all das fordert das Bundesforum Männer für seinen “neuen Mann” und legt damit die Grundstruktur erfolgreichen Nutznießens frei: (1) Man erfinde ein Problem, z.B. eines mit hegemonialer Männlichkeit, (2) man mache das Problem bei Politikern populär (denn Politiker glauben bekanntlich jeden Unsinn) und (3) fordere die Einrichtung von Beratungs- oder Hilfestellen, um das gerade erst geschaffene Problem dauerhaft im öffentlichen Diskurs zu verankern und sich selbst eine weitere Einnahmequelle zu verschaffen. Dies Form des Nutznießens ist in “modernen Gesellschaften” endemisch. Das Bundesforum Männer ist nur eine Ausprägung davon.

P.S.

Das Bundesforum Männer behauptet  in seinen “Wahlprüfsteinen”, dass traditionelle Männlichkeit mit Gewalt einhergeht: “Gewalthandeln ist Teil traditioneller Männlichkeitskonstruktionen”. Ich habe im Text darauf verzichtet, diesen staatsfeministischen Unsinn zu thematisieren, will aber an dieser Stelle nicht darauf verzichten, Frauen, die von sich nicht der Ansicht sind, dass sie zu keinerlei körperlicher Form von Gewalt oder Selbstverteidigung fähig und entsprechend friedfertige Dummchen sind, aufrufen, nach Berlin, zum Bundesforum zu fahren, und einem der Anwesenden “neuen Männer” eine Kostprobe weiblicher Gewalt zu geben, etwa in Form einer Ohrfeige. Keine Sorge, eine Anzeige wegen “einfacher Körperverletzung” wird es nicht geben, denn Gewalt ist Teil traditioneller Männlichkeit, und entsprechend kann eine Ohrfeige, von einer Frau an ein Mitglied des Bundesforum verteilt, nur eine Form der Liebkosung oder was auch immer, jedenfalls keine Gewalt sein.

P.P.S.
Dr. habil. Heike Diefenbach, Expertin u.a. in Fragen hegemonialer Männlichkeit, ist nach Lektüre des Textes zum Schluss gelangt, dass es an der Zeit wäre, Männer am Diskurs über Männer zu beteiligen, also nicht Männer, die sich als neue Männer inszenieren, sondern normale Männer (statistisch normal versteht sich), die männliche Lebensentwürfe, z.B. als Dachdecker, Bauarbeiter oder Leiter eines Unternehmens leben. Aber Sie sieht ja auch ein grundsätzliches Demokratiedefizit in der Verfasstheit der Republik.

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