Meinungsterror und gesteuerte Medien? Umfrage: Deutsche haben Angst, ihre Meinung zu sagen

In unserer Befragung zu Parteien, Demokratie und Freiheitsrechten, die wir derzeit online haben, erfragen wir u.a. die Einschätzung von Freiheitsrechten. Treffen die folgenden Aussagen voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht zu, so fragen wir u.a. für die Aussagen,

  • dass Deutschland freie und unabhängige Medien hat;
  • dass man in Deutschland ohne Angst in der Öffentlichkeit seine Meinung kundtun kann;
  • dass man in Deutschland vor Gericht gleichbehandelt wird;
  • dass in Deutschland die Erziehungsrechte von Eltern respektiert werden.

Die Ergebnisse, die wir hier als Zwischenstand nach 600 Befragten präsentieren, sind ernüchternd um nicht zu sagen: erschreckend. Die Mehrzahl unserer Befragten ist der Ansicht,

  • dass es in Deutschland keine freien und unabhängigen Medien gibt,
  • dass man in Deutschland nicht ohne Angst in der Öffentlichkeit seine Meinung äußern kann;
  • dass man in Deutschland vor Gericht nicht gleichbehandelt wird;
  • dass in Deutschland das Erziehungsrecht der Eltern nicht respektiert wird;

Die entsprechenden Einschätzungen sind nicht etwa etwas häufiger, sie sind viel häufiger als die Einschätzungen, die man in einer Demokratie als Einschätzungen der Mehrheit erwarten würde. Die folgenden beiden Abbildungen machen dies sehr deutlich.

SN_Freiheitsrechte_1

Eine deutliche Mehrheit der Befragten ist also der Ansicht, dass es in Deutschland, rudimentäre Freiheitsrechte, die in Demokratien gewährleistet sein müssen, damit sich die entsprechenden Regierungssysteme auch Demokratie nennen können, nicht gewährleistet sind. Folglich muss man konstatieren, dass die deutsche Demokratie zumindest in einer Glaubwürdigkeitskrise steckt, so richtig, glaubt niemand mehr, dass Deutschland durch ein demokratisches Regierungssystem ausgezeichnet ist.

Dies wird auch deutlich, wenn man analysiert, wer insbesondere der Ansicht ist, dass die entsprechenden Freiheitsrechte nicht gewährleistet sind. Wir stellen dies für diejenigen dar, die der Meinung sind, man könne in Deutschland nicht öffentlich seine Meinung sagen, ohne Angst zu haben.

Die entsprechende Einschätzung findet sich häufiger unter:

  • Wählern von SPD, AfD, FDP und Bündnis90/Grüne;
  • unter Personen, die ihre politische Orientierung mit rechts der Mitte angeben oder sich in der politischen Mitte verorten;

Und das war es im Wesentlichen, denn die Angst, sie zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten: In welcher sozialen Schicht sich die Befragten verorten, macht keinen Unterschied. Wie alt sie sind, macht keinen Unterschied. Wie hoch ihr Einkommen ist, macht keinen Unterschied. Welchen Bildungsabschluss ein Befragter erreicht hat, macht keinen Unterschied.

Angst Munch.jpgDie Angst, in der Öffentlichkeit eine Meinung zu äußern, sie geht durch nahezu alle politischen Lager (auch wenn sie ab der Mitte des politischen Spektrums nach rechts zunimmt), sie durchzieht alle Bevölkerungsschichten, scheint allgegenwärtig zu sein.

Und dies, obwohl es in Deutschland angeblich keine Repressionen dafür gibt, seine Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern. Angeblich ist hier wohl das operative Wort, wenngleich sich natürlich die Frage stellt, ob die Einschätzung auf der Befürchtung von Konsequenzen oder der Erfahrung von Konsequenzen basiert. Unabhängig davon kann man jedoch feststellen, dass bei allen, denen die Demokratie in Deutschland am Herzen liegt, die Alarmglocken läuten müssten, denn wenn die Meinungsfreiheit verloren ist oder aus Angst nicht mehr genutzt wird, ob diese Angst nun begründet ist oder nicht, dann ist die Demokratie tot.

In jedem Fall ist eine in der Bevölkerung verbreitete Angst, die eigene Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern, ein Zeichen für einen massiven Vertrauensverlust gegenüber den demokratischen Institutionen in Deutschland, von denen offensichtlich nicht erwartet wird, dass sie die Möglichkeit garantieren, die eigene Meinung ohne Konsequenzen und letztlich angstfrei in der Öffentlichkeit auszusprechen. Auch ein solcher Vertrauensverlust hat ein Verenden demokratischer Institutionen und damit den Tod der Demokratie zur Folge. Denn in einer Gesellschaft, in der Grundvertrauen nicht vorhanden ist, einer Gesellschaft, in der aus Angst niemand mehr mit dem anderen spricht, findet kein öffentlicher Diskurs statt und deshalb kann auch keine Konsensbildung stattfinden.

Bleibt abschließend noch die Frage: Warum ist die Angst vor den Konsequenzen einer öffentlichen Meinungsäußerung in Deutschland so verbreitet? Aus sozialpsychologischer Sicht wird man diese Angst wohl als Ergebnis der Jagd auf die Meinungsfreiheit bewerten, jene Jagd, die unter dem Stichwort “Hasskommentare” geführt wird und mit der besonders Korrekte die Meinungsfreiheit korrekt erdrosseln und dabei sind, sie zu beseitigen.

Die Befragung zu Parteien, Demokratie und Freiheitsrechten läuft weiterhin. Wer sich noch nicht beteiligt hat, der möge dies bitte hier nachholen.

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Den etablierten Parteien laufen die Hochgebildeten davon

Forschung LIVE!

Wir haben uns nicht nur vorgenommen, mit SurveyNET eine Seite zu betreiben, auf der wir unsere eigene Sozialforschung machen und auf der wir dem Stand der Methoden und der Methodologie gerecht werden wollen, wir haben uns auch vorgenommen, den Lesern von ScienceFiles und SurveyNET hautnah die Ergebnisse laufender Befragungen zu präsentieren, sie quasi am Puls der Befragung zu halten und an der Befragung, an der sie mitgewirkt haben, weiter teilhaben zu lassen.

Und das tun wird jetzt!

diagram.pngUnsere derzeit laufende Befragung zum Extremismus beginnt mit zwei Fragen, in denen die Wahlentscheidung bei der letzten Bundestagswahl und die Wahlabsicht für die nächste Bundestagswahl erfragt werden.

Wir haben auf Grundlage der ersten 200 Teilnehmer an der Befragung beide Fragen zueinander ins Verhältnis gesetzt und dabei folgende Auffälligkeiten festgestellt:

  • CDU/CSU, FDP und SPD verlieren an die AfD. Dabei sind die Verluste von CDU/CSU und FDP an die AfD höher als die der SPD, aber selbst die Verluste der SPD sind beachtlich.
  • Die AfD schafft etwas, was in der Vergangenheit nur wenigen Parteien gelungen ist, nämlich die Mobilisierung von Nichtwählern. Rund die Hälfte der Befragten, die bei der letzten Bundestagswahl nicht gewählt haben, plant AfD zu wählen. Der Anteil derjenigen, die bei der letzten Bundestagswahl nicht gewählt haben in unserem Sample beträgt derzeit rund 20%.

Nun stellt sich die Frage, wer sind die Wechsler, die CDU/CSU, FDP und SPD in Richtung AfD davonlaufen wollen und wer sind die Nichtwähler, die durch die AfD aktiviert werden, sich wieder an einer Wahl zu beteiligen?

Wir haben die Wechsler zur AfD vorläufig nach drei Merkmalen untersucht: Schulabschluss, Studium und Einkommen. Hier die Ergebnisse:

  • Wechsler von der CDU/CSU zur AfD haben in der Regel ein Abitur und ein abgeschlossenes Studium und ein hohes Einkommen.
  • Wechsler von der SPD zur AfD haben in der Regel ein Abitur und ein mittleres Einkommen.
  • Wechsler von der FDP zur AfD haben in der Regel ein Abitur, ein abgeschlossenes Studium und ein mittleres bis hohes Einkommen.
  • Nichtwähler, die beabsichtigen, bei der nächsten Wahl AfD zu wählen, haben in der Regel ein Abitur und ein abgeschlossenes Studium und finden sich am unteren und am oberen Ende der Einkommensskala.

Die AfD rekrutiert demnach Hochgebildete, Akademiker und die Bezieher von hohen Einkommen. Ein Ergebnis, das bei den etablierten Parteien die Alarmglocken läuten lassen sollte, denn offensichtlich fühlen sich Hochgebildete, Studierte und Bezieher mittlerer bis hoher Einkommen durch CDU/CSU, SPD und FDP nicht mehr repräsentiert, ein Ergebnis, das durch die Mobilisierung hochgebildeter und studierter Nichtwähler bei der letzten Bundestagswahl durch die AfD noch bestärkt wird.

Das Ergebnis ist ein Zwischenstand. Die Befragung läuft nach wie vor. Wer daran teilnehmen will, kann dies hier tun:

Befragung zum Thema “Extremismus”

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Wissenschaflich gelöst: Das Geheimnis ewigen Lebens

Nach all den unsinnigen Studien, die wir über die letzten Monate hier besprechen mussten, ist es wohltuend, eine theoretisch wie empirisch gut gemachte Studie besprechen zu können, die gerade im British Medical Journal veröffentlicht wurde.

Fiona F, Stanaway, Danijela GnjidicFiona M. Blyth, David G. Le CouteurVasi NaganathanLouise WaiteMarkus J. SeibelDavid J HandelsmanPhilip N. Sambrook und Robert G. Cumming, an der University of Sydney bzw. im North Shore Hospital Sydney beschäftigt, sind für eine Studie verantwortlich, die allen Regeln der wissenschaftlichen Methode entspricht und eine fundierte Grundlage für weitergehende Forschungen bereitstellt.

TombstoneAusgangspunkt der Studie ist ein Problem, das die Menschheit seit Anbeginn der Zeitrechnung bewegt: Wie entgeht man dem Tod bzw. konkreter: Wie kann man dem Sensenmann ein Schnippchen schlagen? Eine Reihe von Voruntersuchungen hat in dieser Hinsicht einen Zusammenhang erbracht, der so interessant ist, dass die Antwort auf die ungelöste und Jahrtausende alte Frage endlich im Rahmen des Möglichen erscheint.

Es gibt einen gut belegten Zusammenhang zwischen der Laufgeschwindigkeit und der Todeswahrscheinlichkeit: Je langsamer Menschen laufen, desto höher ist ihre Wahrscheinlichkeit, zu sterben. Diesen gut belegte Befund haben Stanaway und Co-Autoren genutzt, um eine mutige Antizipation zum Ausgangspunkt ihrer Forschung zu machen: Schnellere Laufgeschwindigkeit, so ihre Hypothese, ist eine Möglichkeit, dem Sensenmann zu enteilen.

Doch wie schnell läuft der Sensenmann? Was ist seine durchschnittliche Geschwindigkeit, die man überbieten muss, um ihm zu enteilen?

1705 Männer im Alter von 70 Jahren und mehr haben dabei mitgeholfen, die Antwort auf diese Frage zu finden. Auf einer Strecke von 6 Metern wurde für die Männer ihre mittlere Laufgeschwindigkeit bestimmt. Sie beträgt 0,88 Meter pro Sekunde. Dann wurde die gesundheitliche Entwicklung der Männer über die nächsten 59,3 Monate verfolgt.

266 der Männer sind im Zeitraum dieser 59,3 Monate gestorben, so dass die von Stanaway und Co-Autoren durchgeführten Kurvenanalysen einen eindeutigen Wendepunkt bestimmen konnten, ab dem sich die Todeswahrscheinlichkeit im Verhältnis zur Geschwindigkeit reduziert: 0,82 Meter pro Sekunde!

Grim Reaper sitting

Never sit down!

Wer schneller als 0,82 Meter pro Sekunde läuft, hat eine um den Faktor 1,23 geringere Wahrscheinlichkeit, zu sterben als jemand, der langsamer als 0,82 Meter pro Sekunde läuft. Im Einklang mit der theoretischen Fragestellung und der Ausgangshypothese bedeutet dieses Ergebnis: Der Sensenmann ist mit einer durchschnittlichen Grim walking speed.mediumGeschwindigkeit von 0,82 Metern pro Sekunde unterwegs: Wer ihm dauerhaft enteilen will, muss Zeit seines Lebens eine Laufgeschwindigkeit von mindestens 0,83 Metern pro Sekunde einhalten. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will und verhindern will, vom Sensenmann eingeholt zu werden, für den empfiehlt sich eine Laufgeschwindigkeit von 1,36 Metern pro Sekunde, also ca. 5 Stundenkilometer: “no men walking at speeds of 1.36 m/s (…) or above were caught by Death (n = 22; 1,4%)” (Stanaway et al., 2015: 1283).

Nachtrag

Angesichts der journalistischen Katastrophe, die sich vor einem Jahr im Zusammenhang mit der Male Idiot Theory eingestellt hat, weisen wir an dieser Stelle darauf hin, dass die von uns besprochene Studie in der Weihnachtsausgabe des British Medical Journal erschienen ist, die in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes ist.

Stanaway, Fiona F. et al. (2015). How fast does the Grim Reaper walk? BMJ British Medical Journal 343(7837): 1282-1283.

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Neues vom Klimawandel: Ist der Wahnsinn eine Frau?

Wir kapitulieren wieder einmal vor der Masse der Leserhinweise!

Schon vor gut zwei Jahren haben wir über ein Pamphlet berichtet, das mit dem Titel “Ist der Klimawandel ein Mann” überschrieben im schulischen Unterricht eingesetzt wird, um Schüler ganz offensichtlich zu indoktrinieren und  – wie man wohl in Anpassung an das trendende Wort der Hetze sagen muss: Geschlechterhetze zu betreiben.

Maßgeblich verantwortlich für das unsägliche und unsäglich dumme Pamphlet war Gotelind Alber, die überall als Diplom Physikerin gehandelt wird und dennoch nichts anderes zu tun scheint, als in Gendernetzwerken Steuergelder einzusammeln.

Prof FacepalmNun hat sich besagte Gotelind Alber wieder zu Wort gemeldet. Nicht, dass sie etwas Neues zu sagen wüsste. Nein. Sie erzählt immer noch denselben Unsinn- nunmehr in der ZEIT. Und wenn Sie sich bislang gewundert haben, warum die ZEIT ihnen fast täglich die eMailBox mit Gratis-Abonnement-Angeboten vollmüllt, nun wissen sie warum. Wer Unsinn druckt, wie den, den Alber von sich gibt, der hat entsprechende Probleme, Leser, die dafür bezahlen wollen, zu finden.

Klimakonferenz: Der Mann als Klimarisiko“, so der Titel eines Beitrags, den man bereits nach diesem Titel aus der Hand legen kann: Fehlschluss der unzulässigen Generalisierung; Fehlschluss der Bejahung des Konsequens: Ein Satz, zwei Fehlschlüsse: Gotelind Alber.

Den Inhalt dessen, was folgt, kann man schnell zusammenfassen: Männer fahren mehr und größere Autos als Frauen, deshalb tragen sie mehr als Frauen zum Klimawandel bei. Zudem essen Männer mehr Fleisch als Frauen und kümmern sich weniger um die Kinder als Frauen, was abermals Männer als verantwortlicher für den Klimawandel auszeichnet.

Dicke Autos, mehr Autofahren und mehr Fleisch, das macht die männliche Umweltsau, während das weibliche Umweltlieschen zuhause sitzt und sich ums Kindlein kümmert.

Oh No!Und so wie der Mann ein Klimarisiko ist, sind es auch die Männer, die mehr fahren als die Frauen. Der Tag an dem Durchschnittswerte auch zum Gebrauch durch Dipl. Physikerinnen freigegeben wurden, die sich als Mitglieder in Gendernetzwerken verdingen müssen, er war ein rabenschwarzer Tag. Der Tag, an dem der Durchschnitt zum normalen und vor allem modalen Rollenbild einer mathematikfeindlichen Genderbewegung geworden ist, die von Standardabweichung noch nichts gehört hat.

Aber lassen wir das, denn die Sprache von Logik und Mathematik, sie ist eine Sprache, die die Diplom Physikerin Gotelind Alber nicht verstehen wird, sie versteht nur Gendersprech.

Damit Männer sich von der ihnen zugewiesenen Rolle des Klimarisikos befreien können, ist es zunächst einmal notwendig, dass Männer nicht mehr zur Arbeit pendeln, dieselbe also niederlegen und entsprechend auch kein Geld mehr nach Hause bringen, von dem Frau und Kind(er) unterhalten werden.

Lkw-Fahrer im Besonderen sind aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen und sich vor allem zu weigern, Waren zu transportieren, die für das Klima schädlich sind. Hier ist in erster Linie an alle Waren zu denken, die zur Kinderpflege und Kinderernährung vorgesehen sind, denn der Mensch ist das größte Klimarisiko: Der Mensch verbraucht Ressourcen, die nicht nachwachsen, er heizt seine Wohnung mit fossilen Brennstoffen, er fährt Auto mit fossilem Brennstoff, er isst Fleisch und verbaut nicht nachhaltige Werkstoffe nicht nur in Kinderzimmern, kurz: Er ist das Klimarisiko par excellence, das es zum Schutz des Klimas zu vermeiden gilt.

Wie die jährliche Statistik zeigt, ist die Notwendigkeit der Nachwuchsvermeidung mitnichten in den Kernbestand des Wissens der Bevölkerung eingegangen. Allein 2014 kamen 714 996 Kinder in Deutschland zur Welt und immer sind es Frauen, die für die Geburt maßgeblich verantwortlich sind, was zeigt: Mütter sind das eigentliche Klimarisiko, über das es in Paris zu verhandeln gilt!

Schluss! Nein, ein Alber geht noch:

“Zu hoffen ist, dass dann der tief in unserer Kultur verwurzelte Mythos von der Beherrschung und Kontrolle der Natur, den der Klimawandel Lügen straft, überwunden werden kann.”

Nach Alber muss man Unsinn neu definieren. Wie seltsam, dass der Mythos der “Kontrolle der Natur” die Grundlage von nicht nur Berechnung, sondern auch von Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel ist. Wenn es nicht möglich ist, die Natur und damit auch den Klimawandel in Teilen zu beherrschen, wenn dies ein patriarchalischer Mythos ist, was will Alber dann eigentlich?

Wie dem auch sei, nehmt der Diplom Physikerin den Computer weg, jenes Zeichen einer patriarchalischen Naturbeherrschung, schaltet ihr den Strom ab, verweigert ihr die Heizung, denn all das, es sind nur patriarchalische Herrschaftsstrukturen, die den Mythos der Beherrschung der Natur aufrechterhalten sollen, oder war es die Herrschaft der Vernunft über den Wahnsinn?

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Verbitterung und Zuwanderung: Wenn Meinungsforscher zu Meinungsmachern werden wollen

Wissenschaft zerfällt derzeit in fünf Gruppen:

  • Legitimationsbeschaffer, die politische Vorhaben, Moden oder Trends befüttern;
  • Möchte-Gern-Manipulateure, die sich bei Regierungen damit andienen wollen, dass sie auf Grundlage von fragwürdiger Forschung herausgefunden haben wollen, wie man Bürger traktieren muss, damit sie tun, was sie nach Ansicht Dritter tun sollen;
  • Akademisiserte Beleidiger, die das wissenschaftliche Idiom missbrauchen, um krude Beleidigungen zu verpacken;
  • Wissenschaftler, die sich nicht an die Öffentlichkeit trauen;
  • Eine handvoll Wissenschaftler, die versuchen, in der Öffentlichkeit Gehör für Wissenschaft und Bewusstsein für ihre Methoden, Methodologie und Ergebnisse zu schaffen.

Wohin die Studie gehört, über die wir im Folgenden berichten, das ist eine Beurteilung, die wir unseren Lesern überlassen.

Beginnen wir mit der PR.
Die folgende Beschreibung findet sich in der Pressemeldung des DIW:

diw_logo“Je verbitterter Menschen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich wegen Zuwanderung nach Deutschland Sorgen machen. Das gilt für Frauen und Männer aus allen gesellschaftlichen Schichten. So lauten die zentralen Ergebnisse einer Studie auf der Basis von Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP), die Ökonomen des Ifo Instituts in München und der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg erstellt haben. Die Studie wurde jetzt als 800. SOEPpaper veröffentlicht.”

Problem- und Wutbürger sind also Verbitterungsbürger, verbitterte Bürger, so das zentrale Ergebnis des 800. SOEP-Papers, dem wir uns nun etwas Genauer widmen. Um das zu tun, messen wir das SOEP-Paper am Anspruch, den es nach Ansicht des DIW erfüllt:

“Das Gefühl von Verbitterung wird in der Psychologie als eine Mischung aus Ärger und Hoffnungslosigkeit beschrieben, die daraus resultiert, dass Menschen sich von anderen Menschen oder vom Schicksal benachteiligt fühlen.”

Das ist die SOLL-Beschreibung. Das, was gemessen werden soll. Verbitterung = Ärger und Hoffnunglosigkeit als Ergebnis von Benachteiligung.

Nun zur IST-Beschreibung, denn die Autoren des 800. SOEP-Papers, die gezeigt haben wollen, dass Verbitterung mit Sorgen über die Zuwanderung verbunden ist, deren Ursache ist, wie die Autoren in ihrem Paper suggerieren wollen, diese Autoren, Panu Poutvaara und Max Friedrich Steinhardt, sie haben Verbitterung bei Befragten wie folgt erhoben:

SOEP FP Equity“Die folgenden Aussagen kennzeichnen verschiedene Einstellungen zum Leben und zur Zukunft. In welchem Maße stimmen Sie persönlich den einzelnen Aussagen zu? Im Vergleich mit anderen habe ich nicht das erreicht,
was ich verdient habe.” Die Befragten haben die Möglichkeit, Ihre Zustimmung zu dieser Aussage auf einer siebenstufigen Skala von “Stimme überhaupt nicht zu” bis “Stimme voll zu” abzugeben.”

Und das soll Verbitterung messen.

Wer also der Ansicht ist, dass seine Anstrengungen nicht angemessen honoriert werden, weil er z.B. als Mann gegenüber Frauen bei der Rente benachteiligt wird oder weil sein Verdienst als Müllfahrer, ohne den das öffentliche Leben in Deutschland zusammenbrechen würde, hinter dem eines Politikers zurückbleibt, ohne den das öffentliche Leben in Deutschland weiterlaufen würde wie mit ihm, der ist also verbittert. Das behaupten die beiden Autoren des 800. SOEP-Papers.

Und deshalb haben sie die Aussage aus der Skala, in der sie sich befunden hat (siehe Abbildung oben), herausgelöst und dies damit begründet, dass die Aussage nicht mit Aussagen übereinstimmt, die Julian Rotter im Jahre 1966 zusammengestellt hat, um das von ihm entwickelte Konzept “Locus of Control” zu messen. Und weil es nicht mit diesen Aussagen übereinstimmt, deshalb sind die Autoren der Überzeugung, dass es sich bei der oben genannten Aussage um ein gutes Maß für Verbitterung handelt. Warum auch nicht?

Die Aussage, dass man im Vergleich zu anderen nicht das erreicht habe, was man verdient hätte, ist übrigens ein Lehrbuchbeispiel für Equität, für Fairness in der Behandlung. Offensichtlich sind die Befragten der Ansicht, die Auszahlung, die sie für ihre Anstrengungen erhalten, sei im Vergleich zur Auszahlung, die Vergleichspersonen für ihre Anstrengungen erhalten, nicht fair. Eine Ansicht, die man gut nachvollziehen kann, wenn man sich ansieht, wer heute alles Lehrstühle besetzen darf, sich als Politiker aufführen darf und was die entsprechenden Darsteller im Vergleich zu unserem Müllfahrer verdienen.

SOEP 800Was das mit Verbitterung zu tun hat? Wir wissen es nicht. Dafür wissen wir, dass es etwas mit der Wahrnehmung von Fairness zu tun hat, und wir wissen, dass die Antwort auf die Aussage keinerlei Hinweis darauf gibt, wem der entsprechende Befragte die Schuld dafür gibt, dass er nicht erreicht hat, was er verdient, ob er den Nachbarn, seine Ehefrau, den Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz oder den lieben Gott oder sich selbst verantwortlich macht, das weiß niemand. Man hätte einen Hinweis darauf gewinnen können, wenn man die restlichen Aussagen, die in der Skala vorhanden sind, berücksichtigt hätte. Aber genau das haben Panu Poutvaara und Max Friedrich Steinhardt nicht getan. Warum wohl?

Sie wollen lieber logistische Regressionen, was sonst, geordnete logistische Regressionen berechnen, bei denen dann herauskommt, dass mit steigender Zustimmung zu der Aussage, man habe nicht erreicht, was man verdient habe, die Sorgen über Zuwanderung größer werden. Und das ist quer durch die Sozialstruktur so, wie die Autoren zeigen, ohne sich zu wundern. Es ist für Gering- und Besserverdiener der Fall, für Angestellte, Rentner und nicht-Erwerbstätige (also z.B. Studenten), es ist für Gering- und Hochqualifizierte der Fall, für Männer wie Frauen, Junge und Alte, Ostdeutsche und Westdeutsche.

Und alles, weil die Befragten verbittert sind, wie die Autoren behaupten – eine wahre Volksverbitterung. Verbitterung, nur zur Erinnerung, soll eine Mischung aus Ärger und Hoffnungslosigkeit beschreiben, die daraus resultiert, dass Menschen sich von anderen Menschen oder vom Schicksal benachteiligt fühlen. Poutvaara und Steinhardt messen, dass jemand denkt, er sei nicht fair behandelt worden, unterstellen ihm er fühle sich deshalb benachteiligt und phantasieren, dass derjenige, dem sie unterstellen, er sei der Ansicht, benachteiligt worden zu sein, bestimmt ärgerlich und hoffnungslos ist.

Warum Autoren wie Poutvaara und Steinhardt überhaupt noch Umfragen auswerten, ist eine Frage, deren Antwort sich uns nicht erschließt. Weder hindern sie die Daten daran, das zu interpretieren, was sie phantasieren, noch haben sie Probleme damit, Befragten Dinge zu unterstellen, die die Befragten nie gesagt haben. Forschung als freies Phantasieren.

Was haben die Autoren gezeigt?

Sie zeigen, dass Menschen, die der Ansicht sind, sie seien nicht fair behandelt worden, sich mehr Sorgen “über die Zuwanderung nach Deutschland” machen. Vermutlich machen sich die entsprechenden Menschen auch mehr Sorgen über ihre Gesundheit und den globalen Terrorismus, nur haben Poutvaara und Steinhardt das nicht untersucht.

Eine weitere phantastische Glanzleistung vollbringen die Autoren, wenn sie “sich Sorgen machen” mit “negativer Einstellung” gleichsetzen. Wer sich also Sorgen über Zuwanderung macht, der hat ihrer Ansicht nach eine negative Einstellung zu Zuwanderern, was logisch zu dem Schluss führt, dass Eltern, die sich Sorgen über ihre Kinder machen, eine negative Einstellung gegenüber ihren Kindern haben müssen. Wer sich Sorgen über die Gesundheit seines Erbonkels macht, ist entsprechend als Erbschleicher enttarnt! Machen Sie sich eigentlich Sorgen über das, was alles als SOEP-Paper veröffentlicht wird?

Mit ihrer Phantasie wollen Poutvaara und Steinhard es jedoch nicht bewenden lassen. Ein wenig Unterstellung muss schon auch noch sein:

“Increasing bitterness is associated with growing worries about
immigration. One explanation is that those who are bitter have spiteful or envious preferences (Falk et al. 2005). They are deeply disappointed from life and wish to deny opportunities to improve one’s life also to others, including immigrants. An alternative interpretation behind the link between bitterness and attitudes towards immigration is that opportunities and potential success of others could make own failure hurt even more.”

Wer also denkt, er sei in seinem Leben hinter seinen Möglichkeiten geblieben, weil er nicht fair behandelt wurde, wer sich zudem Sorgen über die Zuwanderung nach Deutschland macht, der ist entweder eine gescheiterte Existent, die verhindern will, mit erfolgreichen Migranten konfrontiert zu werden oder ein bösartiger (spiteful) Neidhammel, der alles daran setzt, Zuwanderern die Möglichkeit, ihr eigenes Leben zu verbessern, zu verbauen.

Sind diese Unterstellungen, die auf keinerlei empirischer Basis vorgenommen werden, nun erschreckend, erstaunlich oder schlicht der Ausdruck wissenschaftlicher Boshaftigkeit, die von Neidhammeln ausgeht, die andere verunglimpfen, um darüber hinwegzutäuschen, dass sie es im Leben an keine oder nur eine drittklassige Hochschule geschafft haben, obwohl Hochschulen derzeit mangels Angebot so ziemlich jeden als wissenschaftlichen Mitarbeiter rekrutieren, sofern er seinen Namen richtig schreiben kann?

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Repräsentativität: Einblicke in die Alchemistenlabors der Meinungsforscher

Es hat nicht lange gedauert, bis ein anonymer Kommentator, der eine geistige Verwandtschaft mit der Sesamstraße empfindet und sich entsprechend als “Bert1984” von “sesamstraße.de” mit seinem Kommentar verewigt hat, das Wörtchen repräsentativ in Stellung gebracht hat, um die Ergebnisse der Umfrage von ScienceFiles, an der sich zwischenzeitlich 751 Leser beteiligt haben, von denen inszwischen 72% (N = 540) der Ansicht sind, in Deutschland sei eine totalitäre Regierungsform gegeben, in Frage zu stellen.

Anlass genug, uns einmal mehr dem Konzept der “Repräsentativität” zu widmen, ein Konzept, um das Meinungsforschungsinstitute sehr viel Trara machen.

Beginnen wird doch einmal mit der Worbedeutung von Repräsentativität. Etwas soll für etwas anderes repräsentativ sein. In der Regel machen 1000 Befragte bei Meinungsforschungsinstituten einen repräsentativen Sample aus, von dem aus Aussagen über die Bevölkerung in Deutschland gemacht werden. 1000 Befragte sollen also für rund 80 Millionen Einwohner repräsentativ sein.

Die nächste Frage, die sich aufdrängt lautet: repräsentativ im Hinblick worauf?

Menschen können über eine Vielzahl von Merkmalen beschrieben werden: Schuhgröße, Augenfarbe, Intellekt, Sprachfähigkeit, Haarlänge, Sauberkeit, Nasenlänge, Lebensstil, Einstellung zu Gewalt, zu Flüchtlingen, Laufgeschwindigkeit, Körperfülle, Fitness, Wohnort, Fernsehkonsum, Beeinflussbarkeit, Kaffeeverbrauch, um nur einige zu nennen.

Was sind also die Merkmale, die im Alchemistenlabor der Meinungsforscher genutzt werden, um angeblich Repräsentativität herzustellen?

Zunächst ist es eine Zufallsauswahl, d.h.: Wenn jeder deutsche Bürger dieselbe Chance hat, befragt zu werden, wenn es also für den langhaarigen Lispeler mit Schuhgröße 45 ebenso wahrscheinlich ist, befragt zu werden, wie für den Aktivisten der Antifa, der gerade wieder eine Polizeiwache in Leipzig angesteckt hat, dann soll eine Auswahl repräsentativ sein, egal, ob der Lispler oder der Antifa dann auch befragt wurde. Was zählt, ist die gleiche Wahrscheinlichkeit, befragt zu werden.

Schnell hill esserDas ist die wohlwollende Definition von Repräsentativität. Eine exakte Definition, die die Problematik, die sich mit Repräsentativität verbindet und regelmäßig dazu führt, dass das Unternehmen “Repräsentatitivität” scheitert, wäre: Eine Stichprobe ist dann ein repräsentatives Abbild einer Grundgesamtheit, wenn alle Merkmale und Merkmalskombinationen, die im Hinblick auf die Fragestellung von Wichtigkeit sind, im selben Anteil vorhanden sind wie in der Grundgesamtheit. Nur dann sind die entsprechenden Merkmale oder Merkmalskombinationen nämlich angemessen repräsentiert. Diese Definition macht einerseits die Problematik von “Repräsentativität” deutlich, denn um die Kriterien von Repräsentativität zu erfüllen, muss vorab bekannt sein, was erst untersucht werden müsste. Andererseits zeigt die Definition, warum der Ausrede über die Zufallsstichprobe für viele Repräsentativitäts-Alchemisten so wichtig ist.

Aber selbst wenn man den Repräsentativitäts-Alchemisten ihre Zufallsauswahl lässt, ergeben sich Probleme, die unüberwindbar sind. So haben wir bereits in der Vergangenheit dargelegt, dass es nicht möglich ist, die Voraussetzungen zu erfüllen, die an eine Zufallsauswahl auch nur der erwachsenen Wohnbevölkerung in Deutschland gestellt werden. Eine Vielzahl von Gründen steht der Auswahl einer repräsentativen Menge von erwachsenen Deutschen per Zufallsauswahl im Wege.

Nehmen wir an, sie wollen eine Telefonumfrage durchführen. Das ist die Umfrageform, die derzeit am häufigsten genutzt wird. Nehmen wir weiter an, Sie haben ein Befragungsinstitut mit einem Telefonpool und rufen abends von 17 Uhr bis 22 Uhr die Personen an, die sie aus dem Telefonbuch zufällig gezogen haben:

  • Alle, die nicht im Telefonbuch stehen, eine Geheimnummer haben, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht zuhause sind, weil sie z.B. Schicht arbeiten oder in einer Kneipe sitzen, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht ans Telefon gehen, weil sie sich beim Abendessen oder bei was auch immer nicht stören lassen wollen, sind nicht im Datensatz;

Wie man es dreht und wendet, der Datensatz ist nicht repräsentativ, denn nicht alle Elemente der Grundgesamtheit haben dieselbe Wahrscheinlichkeit, an der Befragung teilzunehmen (das wäre zu einer anderen Uhrzeit nicht anders).

Und die genannten, sind nicht die einzigen systematischen Ausfälle:

  • Wer im Krankenhaus liegt, der fällt aus.
  • Wer im Pflegeheim ist, der fällt aus.
  • Wer in Urlaub ist, der fällt aus.
  • Wer obdachlos ist, der fällt aus.
  • Wer stumm ist, der fällt aus.
  • Wer gehörlos ist, der fällt aus.
  • Wer entmündigt wurde, der fällt aus.
  • Wer im Gefängnis sitzt, der fällt aus.
  • Bei wem die Telekom das Telefon gesperrt hat, weil er seine letzten beiden Rechnungen nicht bezahlt hat, der fällt aus.

Das sollte eigentlich ausreichen, um die Repräsentativität ein für alle Mal in das Reich der Mythologie zu entlassen.

Wie wir schon einmal festgestellt haben, ist es das aber leider nicht. Die Lust an einen Mythos zu glauben, ist einfach größer als die Vernunft, von einem liebgewonnenen Mythos Abschied zu nehmen.

Umfrageinstitute wissen in der Regel, dass die Daten, die sie erheben, nicht repräsentativ sind. Deshalb bessern sie nach. Wer jemals einen Datensatz zu Gesicht bekommen hat, der eine repräsentative Stichprobe darstellen soll, der wird die Phalanx der Gewichtungsvariablen kennen, die zu Beginn des Datensatzes abgelegt ist.

Diese Gewichte dienen abermals dazu, die Repräsentativität herzustellen, die man doch angeblich bereits durch die angebliche Zufallsauswahl hergestellt hat. Hat man aber nicht, wie die Existenz dieser Gewichte belegt, womit wir wieder bei den eingangs gestellten Fragen sind:

Woraufhin soll eine Auswahl von Befragten repräsentativ sein?

Was sind die Merkmale zur Herstellung von Repräsentativität?

Was sind die Merkmale, die einen Deutschen ausreichend beschreiben?

Survey ResearchUmfrageforscher gehören nicht zu den Einfallsreichen unter den Forschern, entsprechend gibt es keine Gewichtungsmerkmale wie Lebensstil, Augenfarbe, Schuhgröße, Bierverbrauch oder Body-Mass-Index. Nein, zur repräsentativen Beschreibung der Deutschen reicht es nach Ansicht der Repräsentativitäts-Alchemisten aus, sie nach Alter, Geschlecht und zuweilen Wohnort zu differenzieren – was Hohn und Spott für alles ist, was die empirische Sozialforschung in den letzten Jahrzehnten herausgefunden hat.

21,5% der Deutschen sind über 65 Jahre alt. Sind im Datensatz nur 16,5% über 65 Jahre alt, so werden die über 65jährigen mit dem Faktor 1,3 multipliziert, um dem Datensatz den Anschein der Repräsentativität zu geben. Das Durchschnittsalter der männlichen Deutschen ist 45,4 Jahre, das der weiblichen Deutschen 47,5 Jahre. Ist das Durchschnittsalter der männlichen Deutschen im Datensatz 55,4, dann werden sie durch Gewichtung mit dem Faktor 0,82 entsprechend verjüngt, sind die weiblichen Deutschen im Datensatz im Durchschnitt 35,4 Jahre alt, dann werden sie um den Faktor 1,3 gealtert.

Repräsentativität ist also nichts anderes als eine nicht haltbare Behauptung über die Auswahl der Befragten ergänzt um Rechentricks, die aus einer nicht repräsentativen Stichprobe in der Weise eine repräsentative Stichprobe machen sollen, wie Alchemisten aus Stroh Gold gemacht haben.

Damit kommen wir zurück zur Aussage, dass die ScienceFiles-Umfrage nicht repräsentativ ist. Sicher ist sie das nicht. Sie ist vermutlich auch selegiert, da es sich bei den Lesern von ScienceFiles um überdurchschnittlich kritische Zeitgenossen handeln dürfte.

Nur: Das ist kein Problem.

Die Umfrage ist nicht repräsentativ, behauptet nicht einmal repräsentativ zu sein und streut Lesern entsprechend nicht den Sand in die Augen, mit dem Meinungsforschungsinstitute ihre 1000 Befragten zu etwas anderem machen wollen, als sie sind: 1000 Befragte. Wir haben zwischenzeitlich 751 Befragte und es werden nach wie vor mehr.

Die Ergebnisse basieren somit auf den Angaben von 751 Befragten, die in einer sozialen Umwelt leben, die mit anderen Menschen interagieren, Meinungen austauschen und beeinflussen. Und insofern es sich bei den Lesern von ScienceFiles um eine überdurchschnittlich kritische Auswahl von Lesern handelt, kann man davon ausgehen, dass viele von Ihnen einen erheblichen meinungsbildenden Effekt auf ihre Umgebung ausüben (Seit der Erie-County Studie von Lazarsfeld, Berelson und Gaudet aus dem Jahre 1940 gibt es dafür den Begriff des Opinion Leader (Meinungsführer)).

Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, selbst wenn es in ganz Deutschland nur die 751 Leser von ScienceFiles gäbe, die der Ansicht sind, Deutschland habe eine totalitäre Regierungsform, wäre das nicht Grund genug, die Ursachen dafür festzustellen und zu versuchen, die entsprechenden Ursachen zu beheben. Wäre es nicht nur eine lohnende Aufgabe, weil es ja nur 751 Leser sind, sondern eine selbst für Politiker machbare Aufgabe, sich um die 751 Leser, die in ihrer Mehrheit die Legitimität der deutschen Regierungsform anzweifeln, zu kümmern.

Angesichts des Tohuwabohu, das um die wenigen LSTTIQ oder wie das aktuelle Akrnonym gerade lautet, gemacht wird, angesichts der Tatsache, dass zwanzig vermeitliche Rechtsextremisten, die in der Nähe des Erzgebirges gesichtet worden sein sollen, ganze Busladungen von Aktivisten auf die Straße bringen (mit oder ohne Finanzierung durch die thüringische Landesregierung), sollte es doch ein Leichtes und eine entsprechend leichte Übung für Politiker sein, die paar Hundert ScienceFiles-Leser, die jedes Vertrauen in ihre Regierung verloren haben und der Regierungsform die Legitimität absprechen, zu adressieren und vom Besseren zu überzeugen.

Das jedenfalls sollte man meinen.

Und wie gesagt, die Annahme, dass die 751 ScienceFiles-Leser nur für sich stehen und nicht nur der sichtbare Teil der Bürger sind, die mit dem politischen System, mit der vorhandenen Regierungsform keine Legitimität verbinden, ist eine sehr konservative und eine statische Annahme.

Die Geschichte ist voller Beispiele dafür, dass wenige Unzufriedene schnell zu vielen Unzufriedenen und zum gesellschaftlichen Flächenbrand geworden sind. In der Chaostheorie ist dieser Umstand als Butterfly-Effect bekannt. Es gibt viele Gründe, die Legitimitätsprobleme der deutschen Regierungsform ernst zu nehmen und den Kopf nicht in den Sand zu stecken oder hochnäsig auf die vermeintlich Wenigen herabzublicken, die zu wenige sind, als dass man sie ernst nehmen wollte.

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Fazit: Die Behauptung der Repräsentativität sollte kritische und vernünftige Zeitgenossen eigentlich dazu führen, hellhörig zu werden und sich zu fragen, warum aus den Angaben von 1000 Befragten mehr gemacht werden soll, als die Angaben von 1000 Befragten, d.h.: sich zu fragen, wer ein Interesse daran hat, Repräsentativität zu behaupten und welcher Nutzen für wen mit dieser Behauptung verbunden wird. In einer Zeit, in der Legionen der Ansicht sind, soziale Fakten seien konstruiert, ist es doch eine einfache Übung, das soziale Konstrukt der “Repräsentativität” auf den Nutzen für seine Konstrukteure und die Interessen, die dahinterstehen, hin zu untersuchen.

Umfrage: 91% von 3.446 ScienceFiles-Lesern sagen nein zum Verbleib in der EU

Die Europäische Union ist als Europäische Gemeinschaft mit großen Zielen gestartet. Ökonomische, demokratische Integration, Völkerverständigung, ein Europa der Nationen, alle Völker Europas vereint unter einem Dach, den Superlativen waren keine Grenzen gesetzt.

eu-flagWie so oft, wenn Hoffnungen und Träume mit den Träumern und Hoffern durchgehen, hat die Ernüchterung auch im Zusammenhang mit der EU schnell eingesetzt. Sie ist zu einem administrativen Monster verkommen, das Regulationen speit und sich um die Saugleistung von Staubsaugern kümmert. Die EU ist zum Selbstbedienungsladen für Politiker geworden, die eine neue Möglichkeit gefunden haben, Parteien und ihre Vereine auf Kosten der Steuerzahler zu finanzieren, und ansonsten zeichnet sich die EU durch regelmäßige Aufführungen aus, bei denen Regierungschefs aus 27 Ländern sich nicht über das zu spielenden Theaterstück einigen können.

Und natürlich darf man auch den Verhandlungszirkus mit Griechenland nicht vergessen, eine der wenigen Quellen der Unterhaltung im tristen Alltag der EU. Denn: jeden Morgen wacht man mit Spannung auf. Was haben die griechischen Parlamentarier nun wieder ausgeheckt? Worüber im Hilfspaket der 230+ Milliarden Euro, die bereits nach Griechenland geflossen sind und weiter fließen werden, könnte man heute streiten wollen? Wie lange dauert es, bis der Euro sich von seiner heutigen Talfahrt erholt? Erholt er sich überhaupt oder erreicht er neue Tiefen im Vergleich zum Britischen Pfund und zur Freude britischer Investoren, denen sich Kauf- und Investitionsgelegenheiten in Deutschland zu besten Preisen bieten: Buy one, get one half price…

Es ist kein Wunder, dass sich der Widerstand gegen diese Form der EU immer stärker regt. Wer wollte schon ein Europa der Regulierer, der Bleistiftschubser und der Politiker-Travestien?

Wie groß der Widerstand ist, der sich gegen die EU regt, das haben wir auf ScienceFiles anhand einer Umfrage erfahren, die wir nach wie vor aktiv gestellt haben. “Soll Deutschland die EU verlassen?”, so haben wir unsere Leser gefragt.

Zwischenzeitlich haben 3.446 Leser eine Antwort auf diese Frage gegeben, eine in ihrer Deutlichkeit unerwartete Antwort, optieren doch 91,5% unser Leser dafür, dass Deutschland die EU verlässt. 3.154 Leser sagen also nein zu dieser EU. Das Potential der EU-Müden, es ist gewaltig, das kann man auf Grundlage dieses Ergebnisses sagen.

Soll Deutschland in der EU bleiben

Und bevor der Einwand kommt, “Eure Umfrage ist ja gar nicht repräsentativ”: Zum Mythos der Repräsentativität der Umfragen der Meinungsforschungsinstitute mit ihren regelmäßig mageren 1.000 Befragten haben wir uns bereits hier geäußert.

Man kann unsere Ergebnisse schlicht nicht vom Tisch wischen. Wer in Deutschland verantwortlicher Politiker und in der EU verantwortlicher Bürokrat sein will, der muss die Ergebnisse zur Kenntnis nehmen und bei seinen Handlungen in Rechnung stellen, dass es Widerstand gegen die EU gibt. Die Theorie der Responsivität, die immer noch durch die Politikwissenschaft geistert, sie sieht in einem solchen Fall vor, dass sich Politiker der Bedenken und der Kritik, die ihre Wähler an der EU äußern, widmen, sie aufnehmen und versuchen, in Brüssel und anderswo etwas zum Besseren zu verändern.

Bislang kennen Politiker in Deutschland den Responsivitäts-Modus jedoch nicht. Sie kennen nur den Modus des Aussitzens. Wie lange man Widerstand unter den eigenen Wählern aussitzen kann, das ist eine Frage, die derzeit beantwortet wird. Wer zur Beantwortung beitragen will, der kann sich an unserer Umfrage beteiligen, die nach wie vor aktiv ist.

Deutschland: Better off out?

Was, wenn Ideologie Ignoranz und Unkenntnis trifft? Dann wird ein Beitrag in der ZEIT daraus.

Er geistert schon seit Tagen durch die Liste der Referrer im Dashboard von ScienceFiles, der Beitrag von Catherine Newmark, die als Kulturjournalistin bei der ZEIT arbeitet. “Aus Angst vor einem anderen Leben”, so der Titel des Beitrags, den wir nun tagelang ignoriert haben, nur um neuerlich, dieses Mal von Friedrich Dominikus, darauf hingeweisen zu werden, per Kommentar und so:

“Und das hier betrifft dieses Blog direkt:
http://www.zeit.de/kultur/2015-07/gender-studies-feminismus-10nach8

Wir sind nicht der Meinung, dass uns jeder Fall, in dem ein angeblicher Journalist der Ansicht ist er könne seinen Senf selbst zu Sachen geben, von denen er keine Ahnung hat, direkt betrifft, aber sei’s drum.

Ansgt der ZEITFrau Newmark maßt sich in der ZEIT an, sie könne beurteilen, was Wissenschaft ist und bewerten, dass Kritik am Genderismus und an Gender Studies polemisch und Beschimpfung sei. Nun, vielleicht betrifft uns das doch, schließlich kritisieren wir die Gender Studies als unwissenschaftlich. Entsprechend setzen wir uns dann doch mit dem auseinander, was Newmark da von sich gegeben hat.

Zunächst zum Titel “Angst vor einem anderen Leben”, die natürlich Gender-Kritiker haben: Wer Gender Studies also nicht gaaaanz toll findet, die fehlende Methode, das fehlende Erkenntnisinteresse und die vollkommene Abwesenheit einer Methodologie kritisiert, der hat also “Angst vor einem anderen Leben”, jedenfalls für Newmark, die hier das Hilflosigkeits-Mantra der Genderisten wiederholt, das wir langsam nicht mehr hören können.

Wenn die Genderisten so anomisch sind und so verschreckt auf grundlegende Fragen der Existenzberechtigung von Gender Studies an Hochschulen reagieren, weil sie keinerlei Antworten auf diese Fragen haben, dann ist es doch wohl die denkbar schlechteste Strategie, den anderen zu unterstellen, sie hätten Angst, wie Newmark dies wieder einmal versucht, denn dann muss man sagen, wovor die Gender-Kritiker angeblich Angst haben.

Aber selbst wenn Kritiker der Gender Studies “Angst vor einem anderen Leben” hätten, würde das die Gender Studies nicht zur Wissenschaft machen. Das ist nur einer der vielen Fehler im Text von Newmark, einer der vielen Fehler, die belegen, was sie doch aus der Welt schaffen will, dass Gender Studies Ideologie und nicht Wissenschaft sind.

Das ist, wie gesagt, nicht der einzige Fehler. Es folgt ein ganzes Rudel:

So haben nach Ansicht von Frau Newmark, die besser bei ihrem Schwerpunkt Film geblieben wäre, immer angenommen, davon hat sie Ahnung, die Gender-Kritiker Angst vor: “progressiver Sexualkunde”, vor der “Homo-Ehe”, vor Veränderung, jedenfalls vor der Veränderung, die den Genderisten vorschwebt.

Diese Form der Diskreditierung von Kritik hört man mittlerweile regelmäßig aus den Reihen der Genderisten. Dass sie damit ausgerechnet dagegen vorgehen wollen, dass die “akademischen Gender Studies … polemisch als Ideologie beschimpft” werden, ist nicht mehr Ironie, es ist schon lächerlich in einer nicht mehr zu steigernden Weise.

Genderisten fühlen sich also beschimpft, wenn man sie als Ideologen bezeichnet.

Seltsam.

Nach den eigenen Erkenntnissen von Frau Newmark wollen Gender Studies “progressive Sexualkunde” und “Homo-Ehen” durchsetzen. Das aber ist der Gegenstand von Ideologie, das Durchsetzenwollen der eigenen Weltsicht, dessen, was man für gut hält. Und das genau ist die Grundlage des Vorwurfs Gender Studies seien keine Wissenschaft sondern Ideologie.

Es ist wirklich beschämend, dass Personen wie Newmark in Zeitungen, die sich für intellektuelle Höchstleistungen halten, zu Wort kommen und dort zum intellektuellen Tiefstflug ansetzen können, indem sie zunächst zeigen, dass sie keine Idee davon haben, was eine Ideologie ist und dann offenkundig machen, dass sie genau so wenig eine Idee davon haben, was der Unterschiede zwischen Wissenschaft und Ideologie ist.

Logik der ForschungWissenschaft ist eine Methode der Erkenntnis. Sie unterscheidet sich von Ideologie dadurch, dass Aussagen aufgestellt werden, die an der Empirie scheitern können. Die Aussage: “Ich finde progressive Sexualkunde gut”, formuliert eine persönliche Vorliebe und hat mit Wissenschaft nichts zu tun. Dass die Besetzer der Gender Studies Lehrstühle es geschafft haben, ihre persönlichen Vorlieben an Hochschulen zu tragen, macht Gender Studies nicht zur Wissenschaft und die, die die Lehrstühle besetzen nicht zu Wissenschaftlern, so wenig wie jemand, weil er bei der ZEIT schreibt, ein Journalist ist.

Wissenschaft ist nicht nur eine Methode, Wissenschaft ist auch auf Erkenntnisgewinn ausgerichtet: Wissenschaftler wollen etwas über die Wirklichkeit erfahren. Deshalb vermeiden Wissenschaftler wertende Begriffe wie “beschimpft” oder “progressiv”. Denn die entsprechenden Bewertungen schreiben einen Zustand fest, was bedeutet, der, der festschreibt, der weiß schon, er will entsprechend nicht mehr wissen, ist Ideologe und an Wissenschaft nicht interessiert. Insofern von Genderisten außer Bewertungen nicht viel bekannt ist, muss abermals festgestellt werden, dass Genderisten keine Wissenschaftler sind.

Sie sind in gewisser Hinsich psychologisch Geschädigte, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen gerne Wissenschaftler wären, und weil sie es nicht werden können, deshalb schlagen sie wild um sich, diffamieren und beleidigen, so wie Catherine Newmark (Begründung folgt jetzt):

“Es ist leicht, sich über jemanden wie Herrn Kutschera lustig zu machen, dessen Polemik getragen wird von einer traditionellen naturwissenschaftilchen Abneigung gegen alles Geisteswissenschaftliche”.

Dazu kann man nur sagen: Es ist leicht, sich über Catherine Newmark lustig zu machen, deren Unkenntnis getragen wird von einer traditionellen Angst vor allem, was die Naturwissenschaften ausmacht.

Und ebenso leicht ist es, die Ignoranz und Unkenntnis von Frau Newmark bloßzustellen und als die Ideologie aufzuzeigen, die sie nun einmal ist. Am Ende des Textes, den die ZEIT zu drucken bereit war, stellt Newmark Fragen:

“Als wir aus “feministischer Theorie” und “Feminismus” “Gender Studies” gemacht haben, weil wir nicht mehr nur unsere Probleme, sondern auch die aller anderen Geschlechter ernst nehmen wollten, haben wir da übersehen, dass es eine Menge Menschen gibt, die gar nicht befreit werden wollen? Denen es nicht angenehm ist, darüber nachzudenken, dass die Dinge nicht so sein müssen, wie sie “immer” (also seit den 1950ern) waren? […] Oder, um einige Gedanken des renommierten Geschlechterforschers Stefan Hirschauer aufzunehmen, der in einem polemischen Text, bewusst das Risiko des Applauses von der falschen Seite in Kauf nehmend, allerlei Missstände in den akademischen Gender Studies angeprangert hat: Ist die Inklusivität von Gender Studies wirklich nur der “dünne rhetorische Lack” über einer in weiten Teilen ganz traditionellen feministischen “Gegenwissenschaft”, die sich vor allem die Sache der Frauen auf die Fahnen geschrieben hat?”

Opp_MethodologieEinmal von der wirklich plumpen Art, die Gegenseite zu diffamieren, als in den 1950er Jahren stehen geblieben oder als polemisch zu diskreditieren wie die Kritik Stefan Hirschauers, der sich zudem bei Anti-Genderisten anbiedert, zeigt diese Passage abermals, dass Frau Newmark nicht einmal den Funken einer Idee hat, was unter Wissenschaft zu verstehen ist. Wissenschaft stellt Fragen und nimmt Kritik gierig auf, weil man die eigene Theorie verbessern kann, wenn man Fehler, auf die Kritik aufmerksam macht, ausmerzt. Hermentisch und diffamierend wie Newmark reagieren nur Ideologen wie Newmark, die zu ignorant sind, um zu verstehen, was der Wert von Kritik ist, und zu wenig Kenntnisse von Wissenschaft haben, als dass sie es je über die Ideologie hinausgebracht hätten. Ihre Welt besteht nur aus Glaubenssystemen, und ihr eigenes Glaubenssystem ist natürlich das richtige.

Warum? Diese Frage können Genderisten nicht beantworten, denn sie sind keine Wissenschaftler und glauben daher, dass ihr Glaubenssystem richtig ist und alle anderen bekehrt werden müssen, bekehrt zum richtigen Glauben, zum Genderglauben, dem progressiven Glauben, der nach den 1950er Jahren eingesetzt hat, irgendwann und irgendwie. Ist auch egal, denn Gender ist Wahrheit und weil Gender Wahrheit ist (und entsprechend keine Wissenschaft sein kann), deshalb weiß Newmark auch ganz genau, welche Antwort auf die vielen Fragen, die sie zum Abschluss ihres Textes stellt, gegeben werden muss:

“Ich glaube: nein.”

Gründe für diesen Glauben hat sie keine. Wieso auch? Newmark ist wie alle Gender Studierte ein Ideologe, der guckt wie ein Auto, wenn man ihn nach wissenschaftlichen Methoden fragt, nach Erkenntnisinteresse, Erkenntnisbeitrag, nach der Rolle von Kritik, der schlicht keine Ahnung von Wissenschaft hat, bei dem sich Ideologie, Ignoranz und Unkenntnis in der Weise treffen, dass es nur zu einem Beitrag in der ZEIT reicht.

Dass die Gender Studies keine Wissenschaft sind, zeigt sich schon daran, dass die entsprechenden Lehrstuhlbesetzer bis heute nicht in der Lage waren, grundlegende Fragen nach ihrer Methode, Methodologie, nach ihrem Erkenntnisinteresse, ihrem Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt oder ihrem gesellschaftlichen Nutzen zu beantworten. Sie haben eine solche Angst vor den entsprechenden Fragen, dass sie selbst Versuche aus den Reihen der Wissenschaft, den Kern der Gender Studies zu finden und seine Nähe zur Wissenschaft zu bestimmen, boykottieren.

So und jetzt ein und für alle Mal:

Gender Studies sind keine Wissenschaft. Das haben wir an einer Vielzahl von Beispielen gezeigt. Jeder Gender Studierte, der den Mund aufmacht, belegt eindrücklich, dass Gender Studies keine Wissenschaft sind. Seine Ahnungslosigkeit im Hinblick auf wissenschaftliche Methoden und Standards, auf Methodologie und Erkenntnisziel macht dies überdeutlich. Warum die Gender Studierten dennoch so versessen darauf sind, sich Wissenschaftler zu nennen? Wir wissen es nicht, aber es kann sich eigentlich nur um etwas handeln, das im DSM V behandelt wird.

EU-Referendum: Macht die Formulierung der Frage einen Unterschied?

Während in Deutschland die Frage danach, ob die Bevölkerung Deutschlands die Möglichkeit haben soll, über Verbleib in oder Austritt aus der EU zu entscheiden, von offizieller Seite nicht ernsthaft erwogen, ja, nicht einmal thematisiert wird, werden im Vereinigten Königreich derzeit Pläne darüber geschmiedet, wie die Frage lauten soll, die im Rahmen des EU-Referendums, das die alte und die neue Tory-Regierung durchzuführen angekündigt hat, gestellt wird.

In der britischen Presse wird berichtet, dass David Cameron die Frage “Should the UK remain a member of the EU?” erwäge, und weiter hieß es bei der BBC am 27. Mai 2015: “The prime minister is said to believe this would allow those who want Britain to remain in the EU to style themselves as the Yes campaign”. Matt Qvortrup, der Professor für angewandte Politikwissenschaft an der Coventry University ist, betrachtet dies als “an attempt to be the positive campaign because nobody likes to be seen as negative”.

Wenn es stimmen sollte, dass jeder oder zumindest die Mehrheit der Menschen lieber zustimmt als widerspricht, jeder lieber “ja” sagt als “nein”, lieber die Bereitschaft signalisiert, ein Projekt (neu) anzugehen, als es zu beenden, dann erscheint es wichtig, dass die Frage, die im Rahmen des EU-Referendums gestellt wird, so formuliert wird, dass nicht über den Austritt aus der EU, sondern über den Verbleib in ihr zu entscheiden ist. Wenn man sich wünscht, dass am Ende des Referendums eine Mehrheit für den Verbleib in der EU steht, würde man seinem Ziel also ein Stück näher kommen, wenn man fragt: “Soll das Vereinigte Königreich [oder Deutschland …] ein Mitglied der EU bleiben?”, statt zu fragen: “Soll das Vereinigte Königreich [oder Deutschland …] seine Mitgliedschaft in der EU beenden?” oder “Soll das Vereinigte Königreich [oder Deutschland …] aus der EU austreten?”.

Die Frage ist, ob es tatsächlich so ist, dass die Mehrheit der Menschen lieber “ja” sagt als “nein” und ob dies in allen möglichen Situationen zutrifft oder nicht. Im Vereinigten Königreich gibt es Leute, die das so sehen, einfach, weil sie die Erfahrungen aus der Vergangenheit entsprechend interpretieren. So wurde die britische Bevölkerung im Jahr 1975 gefragt “Do you think the UK should stay in the European Community (Common Market)?”, zu Deutsch: “Sind Sie der Ansicht, dass das Vereinigte Königreich in der Europäischen Gemeinschaft … bleiben sollte?”. Damals hat sich eine Mehrheit der Bevölkerung für den Verbleib ausgesprochen, also die “ja”-Option statt der “nein”-Option gewählt. Aber was gibt es aus Sicht der empirischen Sozialforschung dazu zu sagen?

Tatsächlich ist die Tendenz von Personen, einer Frage oder Aussage in Befragungen zuzustimmen oder sie positiv zu bewerten, bereits im Jahr 1946 von Lee J. Cronbach in einem Aufsatz über “Response Sets and Test Validity” berichtet worden. In diesem Aufsatz beschreibt Cronbach die Ergebnisse einiger methodischer Experimente, die er mit Studierenden durchgeführt hat, und unter dem Stichwort “Bias; acquiescence” schreibt er:

“When students are offered two alternatives, as ‘True’ versus ‘False’, ‘Like’ versus ‘Dislike’, ‘Agree’ versus ‘Disagree’, etc., some use one more than the other. This effect has been demonstrated in the true-false test and in personality and attitude tests … Individual differences in asquiescence (tendeny to say ‘Yes’ or ‘True’) are reliable by split-half and parallel-test-with-elapsed-time methods …” (Cronbach 1946: 479-480).

Eine Zustimmungstendenz bedeutet, dass jemand eine Präferenz dafür hat, “ja” zu sagen oder zuzustimmen oder etwas positiv zu bewerten, unabhängig vom Inhalt der Frage. Fragt man also nach Zustimmung zur Aussage “Deutschland hat von der Mitgliedschaft in der EU überwiegend Vorteile”, dann wird eine Person mit Zustimmungstendenz ihr zustimmen, statt ihr nicht zuzustimmen oder sie abzulehnen, und dasselbe wird sie tun, wenn man sie nach ihrer Zustimmung zur Aussage “Deutschland hat von der Mitgliedschaft in der EU überwiegend Nachteile” fragt.

Schnell hill esserSeit Cronbachs Veröffentlichung (und einer bekannten Folgeveröffentlichung im Jahr 1950) und einer entsprechenden, sehr bekannt gewordenen Untersuchung von Berg und Rapaport aus dem Jahr 1954 ist die so genannte Zustimmungs- oder Ja-Sage-Tendenz in der methodischen Literatur über empirische Sozialforschung immer wieder untersucht worden, und die Diskussion hat sich längst dahingehend entwickelt, dass nicht mehr direkt die Frage nach der Existenz der Zustimmungstendenz gestellt wird, sondern danach gefragt wird, ob die Zustimmungstendenz als Persönlichkeitseigenschaft bzw. als Antwortstil einer Person aufzufassen ist, oder ob die Zustimmungstendenz der Befragungssituation geschuldet ist oder den Eigenschaften der in der Befragung verwendeten Messinstrumente. Ebenfalls diskutiert wird, ob Zustimmungstendenzen kulturell bedingt sind und entsprechend in verschiedenen Kulturen – meist werden aber tatsächlich Angehörige verschiedener Staaten, nicht Kulturen, untersucht – unterschiedlich stark ausgeprägt sind, was für die Zuverlässigkeit von Ergebnissen aus interkulturell oder international vergleichenden Studien von erheblicher Bedeutung ist (vgl. z.B. Herk et al. 2004).

Auch, wenn diese Diskussionen (noch) nicht beendet und die entsprechenden Fragen (noch) nicht geklärt sind, kann man versuchen, die Zustimmungstendenz zu identifizieren und ihr idealerweise entgegenzuwirken. So gilt die Formulierung von so genannten ungleichgerichteten Aussagen, wie sie von Converse und Presser 1986 vorgeschlagen wurde, im Rahmen von Fragebatterien als gute Praxis in der empirischen Sozialforschung. Bestimmte Überzeugungen werden im Rahmen einer Reihe von Fragen erhoben, die sich in der Richtung der Formulierung unterscheiden. Wenn Personen konsistente Überzeugungen zu einer bestimmten Sache haben, sollten sie diese Überzeugung auch bei in der Formulierung unterschiedlich gerichteten Fragen äußern. Bei einem Referendum wird aber aus Gründen der Klarheit und aus Kostengründen nur eine einzige Frage zu der Sache gestellt, über die entschieden werden soll, so dass diese Lösung bei einem Referendum nicht in Frage kommt.

Alternativ könnte man eine so genannte “balanced question”, zu Deutsch: “ausbalancierte Frage(formulierung)” stellen. Eine ausbalancierte Frageformulierung würde mit Bezug auf das oben gewählte Beispiel z.B. lauten: “Hat (Ihrer Meinung nach) die Mitgliedschaft in der EU für Deutschland eher Vorteile oder eher Nachteile?”, und die Antwortvorgaben für diese Frage müssten lauten: “eher Vorteile” und “eher Nachteile”. Und im Rahmen des EU-Referendums könnte eine ausbalancierte Frage lauten: “Soll das Vereinigte Königreich [Deutschland …] weiterhin Mitglied der EU bleiben, oder soll es nicht weiterhin Mitglied der EU bleiben?”

Es scheint, dass ausbalancierte Frageformulierungen die Zustimmungstendenz tatsächlich reduzieren, aber sie können unnötig lang und umständlich formuliert auf die Befragten wirken. Deshalb sind einige Studien durchgeführt worden, die testen, ob oder welche Unterschiede es macht, wenn die Balance in Frageformulierungen unterschiedlich hergestellt wird. Man unterscheidet inzwischen zwischen vollständiger und minimaler Balance und erfreulicherweise haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass es keinen nennenswerten Unterschied macht, ob eine vollständige oder eine minimale Balance in der Frageformulierung verwendet wird (Schaeffer et al. 2005).

Eine vollständig balancierte EU-Referendums-Frage könnte lauten:

“Soll das Vereinigte Königreich [Deutschland …] weiterhin Mitglied der EU bleiben, oder soll es nicht weiterhin Mitglied der EU bleiben?”, und die Antwortvorgaben müssten lauten: “Es soll weiterhin Mitglied in der EU bleiben”, und “Es soll nicht weiterhin Mitglied in der EU bleiben”.

Eine minimal balancierte Formulierung könnte lauten:

“Soll das Vereinigte Königreich [Deutschland …] weiterhin Mitglied der EU bleiben oder nicht?”, und die Antwortkategorien könnten lauten: “soll Mitglied bleiben” und “soll nicht Mitglied bleiben”.

Weil die Forschung Belege dafür erbracht hat, dass die Zustimmungstendenz besonders bei Fragen zu beobachten ist, denen dichotome Antwortvorgaben wie “ja” und “nein” oder “stimme zu” und “stimme nicht zu” beigegeben sind (Krosnick 1999), ist es tatsächlich eine brisante Frage, wie eine Frage im Rahmen eines Referendums gestellt wird, ob also z.B. gefragt wird: “Soll …. aus der EU austreten?” oder “Soll … Mitglied in der EU bleiben?”. Wer sich nicht dem Vorwurf aussetzen möchte, er wolle die Befragten in Richtung einer bestimmten Entscheidung “drücken”, muss daher eine minimal balancierte Frageformulierung verwenden.

Im Vereinigten Königreich sollte dementsprechend nicht gefragt werden:

“Should the UK remain a member of the EU?” (“yes”/”no”),

sondern

“Do you think the UK should or should not remain a member of the EU?” (“should”/”should not”).

Number 10Diese Frageformulierung ist hinreichend kurz und verständlich und sie ist geeignet die Zustimmungstendenz zu verringern. Falls man sich in Number 10 Downing Street dennoch aus strategischen Gründen entschließen sollte, die erste Frageformulierung zu wählen, so ist dies zwar ein Verstoß gegen die Regeln der Kunst der empirischen Sozialforschung, aber dieselbe bietet dennoch Trost: In der Studie über Antwortmuster der Befragten in sechs EU-Staaten von Herk et al. (2004) hat sich gezeigt, dass “… British tended to display the lowest acquiescence of all EU repondents” (357).

Wen wundert’s? Uns nicht. Und die Deutschen werden ja ohnehin nicht danach gefragt, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht – außer von uns.

Und in diesem Zusammenhang bleibt anzumerken, dass unsere eigene Befragung nach dem Verbleib Deutschlands in der EU auch nicht den Regeln der Kunst entsprochen hat, was die Frageformulierung betrifft (was aber anscheinend niemand bemerkt hat, auch oder gerade nicht unter denen, denen das Abstimmungsergebnis nicht gefällt). Nur: Sie reduziert die Zustimmungstendenz nicht, und dennoch antworten – derzeit – knapp 93 Prozent der Befragten mit “nein”!

Literatur:

Berg, Irwin A. & Rapaport, Gerald M., 1954: Response Bias in an Unstructured Questionnaire”. The Journal of Psychology: Interdisciplinary and Applied 38,2: .475-481.

Converse, Jean M. & Presser, Stanley, 1986: Survey Questions: Handcrafting the Standardized Questionnaire. Beverly Hills: Sage.

Cronbach, Lee J., 1950: Further Evidence on Response Sets and Test Design. Educational and Psychological Measurement 10, 1: 3-31.

Cronbach, Lee J., 1946: Response Sets and Test Validity. Educational and Psychological Measurement 6, 4: 475-494.

Herk, Hester van, Poortinga, Ype H. & Verhallen, Theo M. M., 2004: Response Styles in Rating Scales: Evidence of Method Bias in Data From Six EU Countries. Journal of Cross-Cultural Psychology 35, 3: 346-360.

Krosnick, Jon A., 1999: Maximizing Questionnaire Quality, pp. 37-58 in: Robinson, J. P., Shaver, P. & Wrightsman, L. (eds.): Measures of Political Attitudes. San Diego: Academic Press.

Schaeffer, Eric M., Krosnick, Jon A., Langer, Gary E. & Merkle, Daniel M., 2005: Comparing the Quality of Data Obtained by Minimally Balanced and Fully Balanced Attitude Questions. Public Opinion Quarterly 69, 3: 417-428.

DEXIT? Laufende ScienceFiles-Umfrage: Immer mehr wollen aus der EU austreten

Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein

Die Umfrage darüber, ob Deutschland aus der EU austreten soll, die wir vor nunmehr drei Tagen online gestellt haben, und die immer noch läuft (siehe unten), erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Zwischenzeitlich haben sich 1.612 Leser von ScienceFiles an der Umfrage beteiligt, die Verteilung der Antworten fällt nun noch deutlicher aus als wir vor zwei Tagen berichtet haben.

Soll Deutschland in der EU bleiben 2

Wie auch immer man es dreht und wendet, in Deutschland gibt es ein großes Potential von Menschen, die mit der EU unzufrieden sind und ihr lieber heute als morgen den Rücken kehren würden. Allein auf ScienceFiles haben sich 1.494 Leser gegen einen Verbleib in der EU ausgesprochen und damit mehr als in Umfragen von Emnid, Allensbach oder Forsa überhaupt befragt werden (Die entsprechenden Umfrageinstitute sind in der Regel froh, wenn sie 1000 Befragte zusammenbekommen).

Aber: Eure Umfrage ist doch gar nicht repräsentativ, so haben wir zu hören bekommen, obwohl wir auf dieses Thema bereits im Text eingegangen sind.

Da ist er wieder, der Mythos der Repräsentativität, den Umfrageinstitute seit Jahrzehnten nähren, hegen und pflegen, um den Anschein zu erwecken, ihre Gewichtungskünste, also die Instrumente aus der Giftküche der Sozialforschung, die wir bereits in einem zurückliegenden Post offengelegt haben, würden dabei helfen, dass aus 1000 Befragten, die man per Telefon zur Beantwortung standardisierter Fragebögen gedrängt hat, ein repräsentatives Abbild der deutschen Bevölkerung wird.

Das Interessante ist: Es gibt Leute, die das glauben.

Es gibt Leute, die denken, es sei möglich, eine Zufallsauswahl aus der Grundgesamtheit sagen wir aller erwachsenen Deutschen ab 18 Jahren zu ziehen und dabei sicherzustellen, dass jedes Element der Grundgesamtheit dieselbe Möglichkeit hat, in diese Stichprobe zu gelangen, weshalb diese Stichprobe von 1000 Befragten repräsentativ sei.

Nun, wer schon einmal mit Datensätzen von Meinungsforschungsinstituten gearbeitet hat und die geschätzt 12 verschiedenen Gewichtungsfaktoren zum Anfang der Datensätze in Erinnerung hat, mit denen die Abweichung des eigentlich doch repräsentativen Datensatzes im Hinblick auf die Altersverteilung, die Verteilung nach Geschlecht, die Verteilung nach Stadt und Land korrigiert werden soll, der kann nicht anders als über die Naivität der Repräsentativitätsgläubigen zu schmunzeln: Wäre die Zufallsauswahl repräsentativ, man müsste sie nicht gewichten – oder?

Schnell hill esserAber derart intime Kenntnisse von Datensätzen sind gar nicht notwendig, um den Unsinn hinter der Idee, man könne eine repräsentative Zufallsauswahl aus der Grundgesamtheit der deutschen Bevölkerung im Alter ab 18 Jahren ziehen, zu erkennen.

Die Prämisse hinter der Zufallsauswahl setzt eine identische Erreichbarkeit aller Elemente der Grundgesamtheit voraus.

Utopischer kann eine Prämisse kaum sein.

Nehmen Sie an, Sie haben ein Befragungsinstitut mit einem Telefonpool und rufen abends von 17 Uhr bis 22 Uhr die Personen an, die sie aus dem Telefonbuch zufällig gezogen haben:

  • Alle, die nicht im Telefonbuch stehen, eine Geheimnummer haben, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht zuhause sind, weil sie z.B. Schicht arbeiten oder in einer Kneipe sitzen, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht ans Telefon gehen, weil sie sich beim Abendessen oder bei was auch immer nicht stören lassen wollen, sind nicht im Datensatz;

Wie man es dreht und wendet, der Datensatz ist nicht repräsentativ, denn nicht alle Elemente der Grundgesamtheit haben dieselbe Wahrscheinlichkeit, an der Befragung teilzunehmen (das wäre zu einer anderen Uhrzeit nicht anders). Und die genannten, sind nicht die einzigen systematischen Ausfälle:

  • Wer im Krankenhaus liegt, der fällt aus.
  • Wer in Urlaub ist, der fällt aus.
  • Wer obdachlos ist, der fällt aus.
  • Wer stumm ist, der fällt aus.
  • Bei wem die Telekom das Telefon gesperrt hat, weil er seine letzten beiden Rechnungen nicht bezahlt hat, der fällt aus.

Aber natürlich ist der Datensatz, der von einem Meinungsforschungsinstitut stammt, sind die Ergebnisse, die von einem der bekannten Institute veröffentlich werden, repräsentativ. Auf irgendeine magische Art und Weise mutieren sie von einer verzerrten zu einer nicht verzerrten, einer repräsentativen Stichprobe, nicht in der Realität, aber in der Vorstellungskraft derjenigen, die unbedingt an die Repräsentativität glauben wollen.

Das sind dann witzigerweise diejenigen, die die Tatsache, dass 1.494 Leser von ScienceFiles aus der EU austreten wollen, als nicht repräsentativ vom Tisch wischen wollen, um im nächsten Satz darüber zu klagen, dass von den 25 Hanseln in der angeblich repräsentativen Stichprobe von 1000 Befragten des Instituts X, die von sich sagen, sie seien homosexuell 60%, also 15, angeben, sie seien schon einmal diskriminiert worden. Skandal! Und was sind schon 1.494 ScienceFiles-Leser im Vergleich zu 15 diskriminierten homosexuellen Hanseln? Nicht repräsentativ!

Viele Deutsche wollen einfach glauben, glauben, dass Dinge, die ihnen nicht gefallen, z.B. dass 1.494 Leser von ScienceFiles sagen, sie wollen die EU verlassen, nicht repräsentativ sind, während Dinge, die ihre Agenda unterstützen, sagen wir 15 diskriminerungserfahrene Homosexuelle aus einer Stichprobe von 1.000 am Telefon befragten Deutschen, die repräsentativ sein soll, auch tatsächlich korrekt und repräsentativ ist.

Dorroch MeinungsmacherIn der Pfalz sagt man: Heär, pätz äm Ochs ins Härn und meint damit, es ist besser sich die sinnlose Mühe, die darin besteht, Gläubige von der Unsinnigkeit ihres Glaubens überzeugen zu wollen, zu ersparen. Mancher Deutscher Weltbild ist nur in Ordnung, wenn Glaubensinhalte wie der an die Repräsentativität von Umfragedaten unbeeindruckt von empirischer Realität stehen bleiben. Also lassen wir sie in ihrer Glauben.

Sicher, unsere Umfrage ist verzerrt. ScienceFiles spricht in erster Linie kritische Leser an. Wir haben vornehmlich berufstätige Leser, viele davon sind an Hochschulen beschäftigt, unsere Leser sind mehrheitlich männlich. Kurz: Wir haben ähnliche Verzerrungen wie Umfrageinstitute, die regelmäßig zu viele erwerbslose, zu wenige junge und zu viele weibliche Befragte in ihren Stichproben finden.

Deshalb gewichten sie ihre Datensätze.

Wir tun das nicht. Warum auch? Sind 1.494 Befragte, die bislang die EU verlassen wollen, nicht genug? Muss man sie heruntergewichten, minimalisieren, marginalisieren, das Problem ihrer Existenz wegrechnen, damit man sich in seiner EU-heilen Welt wieder wohlfühlen kann?

Das Ganze erinnert an eine Begebenheit, die sich vor einigen Jahren ereignet hat, als Dr. habil. Heike Diefenbach als wissenschaftlicher Berater im Familienbeirat der Stadt Leipzig saß. Von ihr damit konfrontiert, dass damals järhlich rund 6% der Leipziger Jungen ohne einen Schulabschluss blieben, meinte der  damalige Beigeordnete, in dessen Zuständigkeit der Familienbeirat gefallen ist: “Na, das sind ja nicht viele”. Nun, bei rund 43.000 Schülern an Leipziger Schulen, und rund 22.000 männlichen Schülern stehen pro Jahr hinter den 6% 1.320 Einzelschicksale, d.h. in fünf Jahren 6.600 Einzelschicksale. Mman muss schon sehr mit Engels sympathisieren und von der Lumpigkeit des Individuums überzeugt sein, um darin nicht viele und kein Problem zu erkennen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn wir politische Verantwortung in Deutschland tragen würden, dann würde uns das Ergebnis der nach wie vor laufenden Umfragen von ScienceFiles schlaflose Nächte bereiten.

Deutschland: Better off out?