Die Flüchtlinge und der Arbeitsmarkt

Es ist schon erstaunlich, wie viele ökonomische Modelle es mittlerweile dazu gibt, welchen Effekt die Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt in Deutschland haben. Noch erstaunlicher ist die große Zahl derjenigen, die genau zu wissen scheinen, welches Bildungsniveau die Flüchtlinge haben, die nach Deutschland kommen, welche Berufserfahrung, wenn überhaupt, sie mitbringen und wie einfach bzw. wie schwer es sein wird, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren und von Nettobeziehern von Transferleistungen zu Nettoerbringern von Transferleistungen zu machen.

Um so wichtiger sind die wenigen Stimmen, die regelmäßig darauf hinweisen, dass über die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, ihre Verbleibeabsichten, ihre Ausbildung, ihren soziodemographischen Hintergrund schlicht ganz wenig bis nichts bekannt ist. Wir sind eine dieser wenigen Stimmen und haben schon vor Monaten die Frage gestellt: Wer kommt da eigentlich? Bis heute hat sich kein Ministerium oder keiner derjenigen, die Flüchtlinge so unbedingt und schnell wie möglich integrieren wollen, bei uns gemeldet, um entweder die Ergebnisse unserer Befragung von Flüchtlingen zu erfragen oder sich anzubieten, die Befragung weiter unter Flüchtlingen zu verbreiten.

ScienceFiles-Umfrage-refugeesFast, dass man den Eindruck gewinnen könnte, dass Flüchtlinge Allzweck-Mittel für die unterschiedlichsten Bedürfnisse darstellen. Politiker können sie benutzen, um sich abwechselnd als großer Humanist oder intensiver Warner vor den Folgen unkontrollierter Einwanderung zu produzieren. Andere können sie nutzen, um dies und jenes zu fordern, und zwar für sich und unter dem Vorwand, dass man Flüchtlingen helfen wolle. Wieder anderer können Flüchtlinge nutzen, um sie alle unter einen Hut zu stopfen und den Hut auf einen Strohmann zu setzen, der genutzt werden soll, um Deutsche zu erschrecken.

Um so wichtiger sind, wie gesagt, Stimmen, die darauf hinweisen, dass wir nichts über die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland  kommen bzw. kürzlich gekommen sind, wissen und es deshalb notwendig wäre, etwas über Flüchtlinge in Erfahrung zu bringen.

Und jetzt kommt’s: Wir loben das DIW in Berlin, nicht das ganze DIW, sondern Julia Schmieder, die sich mit dem Stand der Erkenntnis zu den Arbeitsmarkt- und Beschäftigungseffekten beschäftigt hat, die Flüchtlinge haben können oder auch nicht.

Selbst am DIW findet sich ab und zu ein Ansatz von wissen wollen, von Wissenschaft – erstaunlich.

Die Ergebnisse, zu denen Schmieder gelangt, sind – wie es beim DIW nun einmal notwendig ist, geschmeidig gemacht, damit sie politisch erträglich sind und nicht am Ende der Eindruck entsteht, das DIW beherberge kritische Wissenschaftler. Deshalb haben wir uns die Freiheit genommen, die Ergebnisse in deutliche Sprache zu übersetzen:

DIW-Original ScienceFiles-Klartext
“In der kurzen Frist können Gruppen von einheimischen Arbeitnehmern vorübergehend negativ, andere positiv durch Einwanderung betroffen sein. Die Effekte sind heterogen und werden durch die Eigenschaften der Einwanderer relativ zu denen der Einheimischen bestimmt.” Da wir nicht wissen, wer kommt (welche Eigenschaften Flüchtlinge mitbringen, also welche Bildung, Kenntnisse, Fähigkeiten), ist alles möglich: Bringen Flüchtlinge wenig Bildung mit, haben sie Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen und wenn sie es schaffen, dann verdrängen Sie Geringgebildete in Deutschland vom Arbeitsmarkt, bringen sie viel Bildung mit, dann integrieren sie sich relativ schnell in den Arbeitsmarkt.
“Die Flexibilität der Löhne bestimmt ob der einheimische Markt über Löhne oder Beschäftigung reagiert. Die relativ starren Löhne im deutschen Arbeitsmarkt können sich nur begrenzt anpassen. Durch den 2014 eingeführten Mindestlohn sind Löhne im unteren Einkommensbereich noch weniger flexibel geworden. Dies macht Verdrängungseffekte durch Einwanderung in diesen Lohnsegmenten wahrscheinlicher und gleichzeitig Lohneffekte unwahrscheinlicher.” Weil Gewerkschaften durch ihr Tarifdiktat es verunmöglicht haben, dass der Preis für Arbeitskraft einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herstellt und vor allem der Mindestlohn dazu geführt hat, dass es für Unternehmen nicht nur unrentabel, sondern schlicht unmöglich ist, Arbeitsplätze für Geringqualifizierte zu schaffen, werden Flüchtlinge, wenn sie vornehmlich aus Geringqualifizierten bestehen, die einheimischen Geringqualifizierten verdrängen. Auswirkungen auf das Lohnniveau haben Zuwanderer nicht, können sie schlicht nicht haben, denn Gewerkschaften sehen lieber die Arbeitslosigkeit steigen als das Lohnniveau sinken.
“Die langfristigen Effekte von Einwanderung sind theoretisch unklar und konnten bisher empirisch nicht überzeugend untersucht werden. Genau dies sind jedoch die Effekte, die in der öffentlichen Debatte von Bedeutung sein sollten.” Wie sich Flüchtlinge langfristig auf den Arbeitsmarkt auswirken, das weiß niemand, will auch derzeit niemand wissen, weil Politiker und Verantwortliche sich lieber als Pro- oder Contra-Flüchtlinge produzieren, anstatt eine Bestandsaufnahme von Bildungsniveau und Qualifikation der Flüchtlinge zu machen und auf dieser Basis konkret zu planen.

Schließlich verweist Schmieder noch auf Studien aus dem Ausland, wo man nicht in vollem Gottvertrauen eine Katastrophe, die in die Richtung des Blickenden zieht, auf sich zukommen lässt, sondern versucht, über die Gewinnung von Erkenntnis Katastrophenreduzierung zu betreiben. So haben Foged und Peri (2015) für Dänemark gezeigt, dass Flüchtlinge in das untere Arbeitsmarktsegment integriert wurden, also den Markt für Geringqualifizierte, während die dänischen Geringqualifizierten in das nächst höhere Arbeitsmarktsegment übergewechselt sind. Aber natürlich hat Dänemark eine rigidere Arbeitsmarktpolitik als Deutschland und keine großzügigen Zahlungen an Arbeitslose.

Kurz: Während in Deutschland hitzig über alles Mögliche diskutiert wird, was mit Flüchtlingen zu tun hat, vergeht weiter Zeit, wandern weiter Flüchtlinge zu, gibt es weiterhin keine Informationen, die Institutionen des Arbeitsmarkt Hinweise dazu geben könnten, wo Bedarfe und wo Überschuss zu erwarten sind, der deutsche Dampfer ist weiterhin führerlos im Atlantik des Arbeitsmarktes unterwegs. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter nicht schlechter wird.

Literatur:

Foged, Mette & Peri, Giovanni (2015) Immigrants’ Effect on Native Workers: New Analysis on Longitudinal Data.

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Kapitalismushetzer in guter Nazi-Tradition

Bleiben wir doch bei dem Begriff des Kapitalismushetzers, denn Kommentare wie der folgende, lassen keine Abschwächung des Begriffs zu.

“[…] Efrischend aber zu beobachten dass inzwischen auch weite Teile des rechten Millieus eine kritische Haltung zum Kapitalismus einnehmen.

Es ist einfach zu offensichtlich geworden dass Kapitalismus eine mörderische, gesellschaftszersetzende und planetenzerstörende bösartige Ideologie ist! […]”

Wie wäre es mit ein wenig Geschichte, damit Kapitalismushetzer wie unser Kommentator, die ein mythologisches Weltbild zu haben scheinen, in dem dämonische Ideologien arme Menschen heimsuchen, wissen, in wessen Tradition sie, die sie sich als links im politischen Spektrum wähnen, befinden.

Struve Elites against democracyZunächst etwas Definitorisches, damit wir auch alle wissen, wovon wir sprechen, denn mit dem Begriff “Kapitalismus” scheint sich zwar ein ganzer Rattenschwanz von aggressiver Ablehnung und emotionaler Empörung zu verbinden, aber sehr wenig Wissen, was Kapitalismus eigentlich meint.

Dabei reicht es, im Glossar ökonomischer Textbücher zu lesen, um zu erfahren, was Kapitalismus ist. So schreiben Baumol und Blinder: “Capitalism. Method of economic organisation in which private individuals own the means of production, either directly or indirectly through corporations”. Kapitalismus ist also eine Organisationsform der Wirtschaft, bei der die Produktionsmitteln in privater und nicht in staatlicher Hand sind.

Wer entsprechend gegen Kapitalismus ist, ist gegen privates Eigentum an Produktionsmitteln.

Mit Kapitalismus als Organisationsform verbinden sich eine Reihe von Institutionen, im Wesentlichen Märkte, auf denen freie Akteure miteinander tauschen (so wie sie Oliver Williamson 1985 beschrieben hat), Institutionen, die die Verwendung von Ressourcen und den Tausch auf Märkten organisieren (im Wesentlichen Unternehmen wie sie Ronald Coase 1937 beschrieben hat). Mit Kapitalismus als Organisationsform verbindet sich das Prinzip des Wettbewerbs als evolutionäres Prinzip, das Fortschritt und Wachstum bedingt, (so wie es Josef Schumpeter 1942 beschrieben hat) und mit Kapitalismus verbindet sich eine Ethik, die man als meritokratischen Tausch beschreiben kann, der für höhere und knappere Leistungen einen höheren Preis vorsieht.

Nun, nachdem wir Kapitalismus eindeutig bestimmt haben, müssen wir etwas gestehen, Kapitalismus und Liberalismus sind miteinander verwandt und beides sind Ideen, die in Deutschland seit Jahrhunderten als undeutsch beschrieben werden.

Damit kommen wir zur Tradition, in der sich die heutigen Kapitalismushetzer befinden, zur nationaler, zur national-sozialistischen Tradition.

Manche Kommentatoren haben immer einmal wieder darauf hingewiesen, dass Nationalsozialismus Sozialismus mit nationaler Färbung ist. Das ist nicht nur richtig, es ist auch lange bekannt. Friedrich August von Hayek hat es bereits 1944 in seiner Road to Serfdom im 12. Kapitel dargelegt, unter Bezug auf nationalsozialistische Heilige wie Moeller van den Bruck, der in seinen Schriften Liberalismus als undeutsch, als Feind alles Deutschen, Kapitalismus und Liberalismus als Ursache der Kapitulation Deutschlands im Jahre 1918 benannt hat.

Von ihm und vom Tat-Kreis hat sich dann eine spezifisch deutsche national-sozialistische Tradition entwickelt, die bis heute reicht.

Nehmen wir zum Beispiel die beliebte Kritik am Wachstum als Mittel, über das im Kapitalismus Fortschritt und Reichtum erwirtschaftet wird. Wachstum sei nicht nur umweltschädlich. Es sei auch nicht sozial, so liest man, es mache Bonzen reich und Arme ärmer, so lautet die Litanei und vor allem gehe es zu Lasten der nächsten Generationen. Die Wachtumsgesellschaft sei an ihre Grenzen gestoßen, so wie der Kapitalismus, jenes, wie unser oben zitierter Kommentator meint, bösartige System, das er so hasst, dass er die Errungenschaften des Kapitalismus jeden Tag ganz selbstverständlich benutzt.

Besagte Kritiker stehen in einer nationalsozialistischen Tradition, die mit dem Namen von Ferdinand Fried verbunden ist. Fried hat im Jahre 1931 in Leipzig sein Buch “Das Ende des Kapitalismus” veröffentlicht. Darin verkündet er, dass die Wachstumsidee, die dem Kapitalismus über seinen Mechanismus von Markt und Wettbewerb innewohnt, nicht nur an ihre Grenzen gestoßen sei, sondern die nationale deutsche Wirtschaft zerstöre. Entsprechend votiert er für ein staatliches Alimentierungssystem, das Unternehmen, die insolvent sind, am Leben erhält, da sie Bestandteil der nationalen deutschen Volkswirtschaft sind, deren Verfassung so völlig verschieden von Liberalismus und Kapitalismus, beides undeutsche Ideen, sei.

Es ist schon erstaunlich, dass man die Ideen von Fried heute, 84 Jahre später, bei der politischen Linken und anderen Kapitalismushetzern findet, die von sich denken, sie seien in jeder Weise vom Nationalsozialismus verschieden. Zumindest im Hinblick auf ihre Einstellung zum und Hetze gegen den Kapitalismus sind sie es in keiner Weise.

Und so ist es an der Zeit, die Worte zu widerholen, die von Hayek zum Ende seines 12. Kapitels und im Hinblick auf “Edelnazis” wie Fried, 1944 geschrieben hat:

Hayek Serfdom“Fight against liberalism in all its forms, liberalism that had defeated Germany, was the common idea which united socialists and conservatives in one common front. … In the later twenties and till the advent of power of Hitler a circle of young men gathered round the journal Die Tat and led by Ferdinand Fried became the chief exponent of this tradition in the intellectual sphere. Fried’s Ende des Kapitalismus is perhaps the most characteristic product of this group of Edelnazis, as they were known in Germany […] Conservative Socialism (and, in other circles ‘Religious Socialism’) was the slogan under which a large number of writers prepared the atmosphere in which ‘National Socialism’ succeeded.” (Hayek, 2007 [1944]: 185)

Und allen Linken, die sich darin gefallen, gegen den Kapitalismus zu hetzen und an dem Ast zu sägen, auf dem sie sitzen, kann man nur sagen: Nice company you keep!

Literatur:

Baumol, William J. & Blinder, Alan S. (1988). Economics. Principles and Policy. San Diego: Harcourt Brace Jovanovich.

Coase, Ronald H. (1937). The Nature of the Firm. Economica 16 (4): 386-405.

Schumpeter, Joseph A. (1942). Capitalism, Socialism and Democracy. New York: Harper.

Williamson, Oliver E. (1985). The Economic Institutions of Capitalism. New York: Free Press.

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Warum Kapitalismushetze unter Sozialwissenschaftlern so verbreitet ist

An sozialwissenschaftlichen Fakultäten muss man in der Regel nicht lange suchen, um den ersten Dozenten zu finden, der ein Problem mit dem Kapitalismus hat, der Kapitalismus manchmal kritisiert, häufig diffamiert und mit einer Inbrust hasst, die seine Äußerungen wohl als das qualifizieren, was man in Anlehnung an den Zeitgeist als  “Kapitalismushetze” bezeichnen muss.

Warum ist das so?

Auf der Suche nach einer Antwort, sind wir bei mises.org auf einen Beitrag gestoßen, der 1956 von Ludwig von Mises geschrieben wurde, den damals dieselbe Frage bewegt hat wie uns heute.

Ludwig_von_Mises.jpg“Der kleine Mann hat meist keine Gelegenheit, sich in den Kreisen derjenigen zu bewegen, die erfolgreicher waren als er selbst. Er bewegt sich in dem Kreis der anderen kleinen Leute. Er trifft seinen Vorgesetzten nie „gesellschaftlich“. Er kann nie aus eigener Erfahrung lernen, wie verschieden von ihm ein Unternehmer oder ein leitender Angestellter ist in bezug auf jene Fähigkeiten und Gaben, die erforderlich sind, um die Verbraucher erfolgreich zu befriedigen. Sein Neid und das Ressentiment, das durch ihn erzeugt wird, richten sich nicht gegen ein lebendiges Wesen aus Fleisch und Blut, sondern gegen blasse Abstraktionen, wie z. B. „Management“, „Kapital“ und „Wall Street“. Es ist unmöglich, einen solchen schwachen Schatten mit der gleichen Bitterkeit der Gefühle zu verabscheuen, die man gegen einen Mitmenschen hegen kann, dem man täglich begegnet.

Die Sache sieht anders aus vom Standpunkt der Leute, die dank besonderer Umstände ihrer Beschäftigung oder Familienverbindungen einen persönlichen Kontakt haben mit den Erwerbern der Belohnungen, die, wie sie glauben, von Rechts wegen ihnen selbst zukommen. In ihrem Fall nehmen die durch enttäuschten Ehrgeiz hervorgerufenen Gefühle einen besonders giftigen Charakter an, da sich ihr Haß gegen konkrete Lebewesen richtet. Sie verabscheuen den Kapitalismus, weil er die Stellung, die sie selbst gerne haben möchten, einem anderen Menschen zugewiesen hat.

So sieht es bei den Leuten aus, die man Intellektuelle zu nennen pflegt. Betrachten wir zum Beispiel den praktischen Arzt. Die tägliche Routine und Erfahrung hält jedem Arzt die Tatsache vor Augen, daß es eine Hierarchie gibt, in der alle Ärzte nach ihren Verdiensten und Leistungen abgestuft werden. Diejenigen, die mehr leisten als er, diejenigen, deren Methoden und Erfindungen er lernen und praktizieren muß, um auf dem laufenden zu sein, waren seine Kommilitonen in der medizinischen Fakultät, sie haben während ihrer Ausbildung mit ihm im Hospital gearbeitet, und sie nehmen an den gleichen Sitzungen des medizinischen Verbandes teil. Er trifft sie am Krankenbett seiner Patienten sowohl wie bei gesellschaftlichen Veranstaltungen. Einige unter ihnen sind seine persönlichen Freunde oder sind mit ihm verwandt – und sie alle behandeln ihn mit der größten Höflichkeit und sprechen ihn an als ihren „lieben Kollegen“. Aber dennoch übertreffen sie ihn weit in der allgemeinen Wertschätzung – und oft auch in der Höhe ihres Einkommens. Sie haben ihn überflügelt und gehören nun zu einer anderen Klasse. Wenn er sich mit ihnen vergleicht, so fühlt er sich gedemütigt. Aber er muß vorsichtig darauf achten, daß niemand sein Ressentiment und seinen Neid bemerkt. Selbst das kleinste Anzeichen solcher Gefühle würde als sehr schlechtes Benehmen betrachtet werden und ihn in den Augen aller herabsetzen. Er muß seine Demütigung herunterschlucken und seinen Zorn auf ein stellvertretendes Ziel ablenken. Er klagt die wirtschaftliche Organisation an, das ruchlose System des Kapitalismus. Bestände dieses ungerechte System nicht, so würden seine Fähigkeiten und Talente, sein Eifer und seine Leistungen ihm den reichen Lohn gebracht haben, den sie verdienen.

Das gleiche gilt für viele Juristen und Lehrer, Künstler und Schauspieler, Autoren und Journalisten, Architekten und Wissenschaftler, Ingenieure und Chemiker. Sie fühlen sich ebenso in ihren Hoffnungen getäuscht, weil sie der Aufstieg ihrer erfolgreichen Kollegen, ihrer früheren Schulkameraden und alten Bekannten quält. Ihr Ressentiment ist vertieft eben durch diesen beruflichen und ethischen Kodex, der einen Schleier der Kameradschaft und Kollegialität über die Realität des Wettbewerbs wirft.

Um den Abscheu des Intellektuellen vor dem Kapitalismus zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, daß dieses System sich seiner Ansicht nach in einer bestimmten Anzahl von Standesgenossen verkörpert, deren Erfolg er übelnimmt, und die er für die Vereitelung seines eigenen übergroßen Ehrgeizes verantwortlich macht. Sein leidenschaftlicher Widerwille gegen den Kapitalismus ist lediglich eine Tarnkappe für den Haß gegen einige seiner erfolgreichen „Kollegen“.

Luwig von Mises (1958 [1956]) Die Wurzeln des Antikapitalismus, veröffentlicht auf Mises.org.

Die Frage, warum gerade unter Sozialwissenschaftlern so viele Kapitalismushasser zu finden sind, kann damit wie folgt beantwortet werden:

  • Gerade in den Sozialwissenschaften findet sich eine große Zahl von Personen, die Angst vor Wettbewerb haben und anders als Naturwissenschaftler auch nicht mit Unternehmen, die sich im Wettbewerb mit anderen Unternehmen befinden, konfrontiert sind.
  • Nach den Leistungen der meisten Sozialwissenschaftler gibt es keinerlei Nachfrage von Institutionen des Kapitalismus, also von Unternehmen oder Märkten.
  • Viele Sozialwissenschaftler sind an Hochschulen hängenbegblieben, weil sie auf dem freien Markt keinen Fuss auf den Boden gebracht haben oder es gar nicht erst versucht haben. Sie sind nicht nur hängen-, sondern auch übriggeblieben, denn wer die Chance hat, einen gut bezahlten Job in einem Unternehmen anzunehmen, der tut es.
  • Die Kürzung des Verdienst institutionalisierter Wissenschaftler durch die Einführung der W-Besoldung und die Tatsache, dass Sozialwissenschaftler im Gegensatz zu Naturwissenschaftlern in der Regel nichts zu bieten haben, was ihnen außerhalb des staatlichen Expertisen- und Berichts(un)wesens die Möglichkeit gibt, ein Zubrot zu verdienen, sie also keine nennenswerten Nebeneinkünfte haben, um ihr im Vergleich zu in der Wirtschaft Beschäftigten karges Gehalt aufzubessern, führt zu Verbitterung, die durch die Konfrontation mit erfolgreichen Kollegen, die den Sprung in die freie Wirtschaft geschafft haben, noch erhöht wird.

Wir haben es also, um ein Konzept zu entleihen, das ein Sozialwissenschaftler unlängst eingeführt hat, bei Kapitalismushassern im wahrsten Sinne des Wortes mit Wut-Sozialwissenschaftlern und je nach Perspektive auch mit Problem-Sozialwissenschaftlern zu tun.

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Marktversagen: Warum man zum Konsummuffel wird

Wir haben in der Redaktion von ScienceFiles immer einmal wieder eine Diskussion über Marktversagen, in der Regel darüber, ob es Marktversagen überhaupt gibt. Diese Frage, sie ist entschieden: Es gibt Marktversagen, aber nicht in der Weise, wie es die Schul-Ökonomie meint.

Kurz zur Erinnerung, Marktversagen ist in der klassischen Ökonomie in folgenden Situationen wahrscheinlich:

  • MankiwDie auf Märkten vorhandenen (vollständigen!) Informationen sind asymmetrisch unter den Marktteilnehmern verteilt. Das ist deshalb ein Problem, weil das neoklassische Modell des Wettbewerbs auf der Idee eines perfekten Wettbewerbs basiert, die wiederum voraussetzt, dass alle marktrelevanten Informationen für alle Marktteilnehmer verfügbar sind.
  • Die Produktion von Gütern hat zuweilen Effekte auf Dritte, die unentgeltlich in den Genuss des Gutes gelangen bzw. unentgeltlich Kosten, die mit der Produktion des Gutes verbunden sind, zu tragen haben. Weder der zusätzliche Nutzen noch die zusätzlichen Kosten sind im Preis, zu dem das Gut angeboten wird, enthalten (=externe Effekte).
  • Bestimmte Güter (öffentliche Güter) werden nicht produziert, weil von ihrem Genuss niemand ausgeschlossen werden kann und ihr Konsum nicht rivalisierend ist, man also mit ihrer Herstellung keinen Gewinn machen kann.
  • Bestimmte gesellschaftliche Gruppen betreiben rent seeking und verzerren auf diese Weise die Marktpreise (z.B. die Hersteller alternativer Energie).

Ob das, was die klassische Ökonomie da beschreibt, einen Widerhall in der Realität findet, und zwar in einer Zeit, in der Regierungen allerorten in die Märkte eingreifen und in einer Weise regulieren, die dazu führt, dass man sowieso nicht mehr von der Existenz unabhängiger Märkte sprechen kann, unabhängiger Märkte, auf denen ein Austausch erfolgen kann, der auf den Annahmen baut, die die klassische Ökonomie formuliert (frei verfügbare Informationen, Transaktionskosten nahe Null, Preis als Indikator für Nachfrage und Angebot und nicht als Indikator für staatliche Eingriffe usw.), das war in der Redaktion umstritten.

Das ist es nicht mehr.

Es gibt Marktversagen.

Made in China, aber nicht nur.

Und Weihnachten hat es an den Tag gebracht.

Beispiel 1:

Smartphones.

Haben Sie schon einmal versucht, ein Smartphone zu finden, das auch tut, was es zu tun vorgibt?

Wir haben das versucht. Mehrfach.

Samsung S4Ergebnis: Smartphone 1 konnte ganz tolle Bilder machen und hatte eine gute Tonqualität bei der Wiedergabe von Musik und Videos. Aber man konnte nicht telefonieren. Ein Telefon, mit dem man nicht telefonieren kann. Das Telefon hat die SIM-Karte nicht erkannt. Ein Blick in entsprechende Foren hat gezeigt: Das ist regelmäßig der Fall, ein Problem, das viele Käufer des entsprechenden – in deutschen Medien als “eines der besten Smartphones” beworbenen Telefons haben.

Smartphone 2, das dieses Mal mit einer italienischen und nicht mit einer russischen Bedienungsanleitung nach Wales geliefert wurde, es hat tatsächlich zugelassen, dass man damit telefoniert. Erst nach ein paar Umstellungen im Betriebssystem des Telefons und erst nachdem es uns gelungen ist, das Smartphone, das ganz und gar nicht smart, sondern vollkommen stur auf den Airplane Modus bestanden hat, von den Vorteilen eines Betriebs außerhalb desselben zu überzeugen. Ein Telefon, mit dem man telefonieren kann und nicht nur spielen. Genial.

Und das haben wir jetzt und telefonieren … – ja, wir telefonieren mit einem Telefon!

Beispiel 2:

Fernbedienung für eine Kamera.

Wireless Shutter releaseEigentlich nichts besonderes, so denkt man. Man braucht einen Empfänger, einen Sender und einen Anschluss an der Kamera. Das denkt man, bevor die Packung des in China hergestellten Produkts eintrifft. Die (anscheinend englische) Bedienungsanleitung muss ein Legastheniker geschrieben haben, in jedem Fall jemand, der der englischen Sprache überhaupt nicht mächtig ist. Was er von seinen Lesern will? Niemand weiß es.

Versuche, in YouTube Hinweise auf die Verwendung der Gerätschaften zu finden, die trotz scheinbar einfacher Bedienung nicht funktionieren, führen zu einem Käufer eben derselben Fernbedienung, der eben dieselben Probleme hat: Kein Kontakt zwischen Sender und Empfänger und damit: Keine Fernbedienung der Kamera.

In jedem Fall, in dem ein Produkt nicht hält, was es verspricht, folgt dasselbe Ritual: Return and Refund. Barcode ausdrucken, Produkt abholen lassen, Gutschrift erhalten und nach einem Ersatz Ausschau halten, einem Ersatz, der dieses Mal hoffentlich funktioniert.

Mit anderen Worten: Die verdeckten Transferkosten, die sich mit dem Kauf angeblich funktionierender technischer Produkte verbinden, sind immens. Nicht genug, dass man auf die Informationen, die man im Vorfeld einholt, rundum verzichten könnte, denn entweder die Kundenbewertungen sind geteilt oder es wird trotz guter Bewertungen ein nicht funktionierendes Produkt geliefert. Kurz: Man kann sich nicht angemessen über das informieren, was tatsächlich kommt. Die klassische Ökonomie mit ihrer Annahme der verfügbaren Informationen liegt hier granatenmäßig daneben.

Und dann sind da die Transferkosten. Astronomisch: Stunden gesucht, um das beste Gerät zu finden, Stunden versucht, das Ding ans Laufen zu bringen. Eine halbe Stunde verdaut, dass alle Versuche, den gelieferten Mist funktionsfähig zu machen, scheitern. Eine weitere Stunde damit zugebracht, die Etiketten für die Rücksendung auszudrucken und die Rücksendung für die Abholung bereit zu machen. Und dann geht alles von vorne los, denn man will ja ein funktionierendes Smartphone und eine funktionierende Fernbedienung für die Kamera.

Va banque Spiel nächste Runde.

Ja, es gibt Marktversagen. Die Vielzahl von Junk, die als angebliches Produkt, das mit einem entsprechenden Funktionsversprechen geliefert wird, das sich schnell als Lüge erweist, sie ist Zeugnis davon.

Und seither diskutieren wir in der Redaktion darüber, wie es sein kann, dass derartiger Junk von Firmen vertrieben wird, die so großen Wert auf ihr Image und ihre Reputation legen, ohne dass sich der entsprechende Junk auf die Reputation der entsprechenden Firmen auswirkt (Die insgesamt drei Smartphones, die nicht funktionieren, waren alle teure Produkte von Samsung.

Leben wir am Ende gar nicht im vielbesprochenen Informationszeitalter?

Nachtrag:

Die beiden Smartphones, die nun funktionieren, sind einmal von Samsung und einmal von UMI (Emax) – es kommt auch Funktionierendes aus China!

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Junge Deutsche haben Angst vor Altersarmut

So das Ergebnis einer natürlich repräsentativen Studie, die TNS Emnid für die tecis AG durchgeführt hat. Wie viele Befragte die repräsentative Studie umfasst, das verrät uns niemand. Vielmehr sollen die Leser der entsprechenden Pressemitteilung ausschließlich mit Prozentwerten abgefertigt werden:

  • 54% der 19- bis 39jährigen Deutschen haben große Angst (15%) oder machen sich Gedanken darüber (39%), dass sie im Alter ohne ausreichendes Einkommen auskommen müssen.
  • 23% rechnen damit, dass ihre Rente rund ein Viertel ihres letzten Nettoeinkommens betragen wird.
  • 14% gehen von noch weniger als einem Viertel des letzten Nettoeinkommens als verfügbarem Renteneinkommen aus.
Emnid altersarmut

Quelle: obs/tecis Finanzdienstleistungs AG

Ob sich die Prozentwerte auf fünf, 30 oder 914 Befragte beziehen, das erfährt der Leser der Pressemeldung nicht. Es ist auch nicht das Ziel der Pressemeldung, dem Leser ein paar Indikatoren dafür an die Hand zu geben, dass er glauben kann, die Ergebnisse der Befragung seien gültig oder irgendwo in der Nähe von richtig. Das Ziel der Pressemeldung ist vielmehr, für die Produkte der tecis Ag zu werben, denn

“… die tecis Finanzleistungen AG legt ihren Beratungsschwerpunkt auf die Vermittlung investmentbasierter Vorsorge- und Versicherungsprodukte mit dem Ziel, allen Einkommensgruppen die Partizipation am Kapitalmarkt zu ermöglichen.”

Früher hatten Unternehmen einmal das Ziel, Gewinn zu erwirtschaften und man war als Kunde zufrieden und beruhigt, denn so lange ein Unternehmen Gewinn erwirtschaften wollte und auch hat, war die Gefahr, dass die eigene Einlage bei Versicherung X in deren Insolvenzmasse untergeht, weitgehend gebannt. Heute ist das nicht mehr so. Heute wollen sich selbst AGs als altruistische Dienstleister an der Gemeinschaft verkaufen, die natürlich keinerlei Umsatz und schon gar keinen Gewinn erwirtschaften wollen.

Und in diesem noblen Unterfangen, so beobachten wir immer häufiger, interessieren sich manche Unternehmen, also diese Organisationen, die nicht mehr dem Gewinnmaximierungsprinzip verpflichtet sind, dafür, was “die Menschen” im Land so denken. Hier kommt die repräsentative Umfrage ins Spiel, jene Geheimwaffe im Arsenal der Marketing-Spezialisten, mit der sie versuchen, nicht nur die Zweifler an ihrer Gemeinschafts-Hingabe zu erlegen, sondern auch das eigene Marketing in ein gesamtgesellschaftliches Anliegen zu verpacken, in Caritas, Hilfe, in Beseitigung von Angst …

AltersarmutDa ist zum Beispiel die repräsentativ erfragte Angst vor Altersarmut der tecis AG, die TNS Emnid gefunden hat. Gehen wir davon aus, es waren die üblichen 1000 Befragten, die Emnid zusammengetrommelt hat und gehen wir davon aus, das Ergebnis sei auf eine nachvollziehbare und korrekte Art und Weise zu Stande gekommen.

54% der befragten 19- bis 39jährigen (ob noch andere Altersgruppen befragt wurden, verrät die Tecis AG nicht) sagen, sie hätten große Angst vor Altersarmut oder machen sich Gedanken über Altersarmut.

19- bis 39jährige!

Angst hat man gewöhnlich vor Dingen, die man nicht beeinflussen kann, denen man sich ausgeliefert fühlt. Nun sollte man denken, 19- bis 39jährige haben noch ein paar Jahre Zeit, um der Angst vor Altersarmut, die derzeit ab 67 beginnen kann, zu begegnen und ihre Geschicke in die eigenen Hände zu nehmen. Aber scheinbar sehen sich diejenigen, die Angst vor Altersarmut haben oder sich Gedanken darüber machen, schon im Alter zwischen 19- und 39 Jahren außer Stande, auf die eigenen Geschicke, was die Rentenhöhe angeht, Einfluss zu nehmen. Offensichtlich fühlen sich diese 19- bis 39jährigen gefangen in einem Leben, dessen Verantwortung bzw. Führung ihnen aus den Händen genommen ist, ohne Perspektive und ohne Selbstwirksamkeit.

Erschreckend.

Bartholomew_Und ein Beispiel dafür, was staatliche Fürsorge in sogenannten Solidarsystemen mit Menschen macht: Sie degenerieren zu unverantwortlichen und nicht mehr zur Führung des eigenen Lebens fähigen oder willigen Zombies, etwa so, wie James Bartholomew dies in seinem Buch “The Welfare State We’re in” beschrieben hat. Soziale Sicherungssysteme bringen Menschen in eine ausweglose Situation, insofern ihnen die finanziellen Mittel genommen werden, die sie benötigen, um ein sorgenfreies Alter erleben zu können, machen sie zu Abhängigen eines Systems, das ihnen den Eindruck vermittelt, sie seien Gefangene ohne Aussicht auf Verbesserung ihrer Situation und degeneriert sie schließlich zu Personen, die zur Führung des eigenen Lebens nicht mehr willig oder fähig sind.

Well done!

Ob sich unter solchen anomischen Personen viel Kundschaft für die tecis AG findet lässt, ist eine Frage, die die Umsatzzahlen der tecis AG beantworten werden. In jedem Fall zeigt das Beispiel der Umfrage, derer sich die tecis AG bedienen möchte, um einerseits als sozial verantwortlich zu erscheinen und andererseits Kunden für die eigenen Produkte zu begeistern, dass bei solchen Befragungen zuweilen tatsächlich etwas herauskommt, meist jedoch nicht das, was herauskommen soll und immer nur dann, wenn man die Daten gegen den Strich bürstet und sie nicht zum Anlass für ein Marketing nimmt, das versucht, Ertrunkenen Rettungswesten zu verkaufen.

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1+1 = … nun, das hängt von der Perspektive ab.

Kennen Sie Dirk Lange?

Dirk Lange hat einen ersten Gastbeitrag in der ZEIT geschrieben.

Dirk Lange ist Professor für Didaktik der Politischen Bildung an der Leibnitz-Universität in Hannover.

Und Dirk Lange wettert gegen den “Neo-Liberalismus”, in der ZEIT. Das ist die Zeitung, die ihnen jede Woche das eMail-Fach vollspamt mit der Bitte, doch die ZEIT für drei oder vier Wochen zu testen.

Die gute Nachricht vorweg: Der Gastbeitrag ist kurz.
Die schlechte Nachricht hinterher: Der Gastbeitrag ist schlecht, sehr schlecht.

ZEIT Lange UnsinnGegenstand des Gastbeitrags ist der Bildungsplan der Baden-Württembergischen Landesregierung, mit dem “Wirtschaft” als Schulfach eingeführt werden soll.

Dass Wirtschaft als Schulfach eingeführt werden soll, das hat Personen wie Dirk Lange für Hoffnung gemacht, Hoffnung deshalb, weil Wirtschaft von einer grün-roten Landesregierung auf den Lehrplan gesetzt wurde. Ideologische Freude von Dirk Lange offensichtlich. Deshalb hofft er, er hofft, weil für ihn der Inhalt eines Schulfaches durch Ideologie bestimmt wird.

Nicht so für die Baden-Württembergische Landesregierung, die sehr zum Leidwesen von Dirk Lange in Unterrichtsfach Wirtschaft auch Wirtschaft gelehrt haben will. Verrat! Hochverrat! Gesinnungsverrat!

Die Schule darf nicht zur “Arena von Lobbyisten” werden, so ereifert sich Dirk Lange in seinem Beitrag. Es dürfe nicht nur eine Perspektive auf Wirtschaft geben, vielmehr müssten Wirtschaftsfragen “in ökologische, soziale, politische und ethische Kontexte eingebunden werden”. Das Einbinden in einen Kontext, es ist der Ideologen liebstes Kunststück.

Man stelle sich vor, Mathematik würde in den entsprechenden Kontext eingebunden, in den ökologischen Kontext wo ein Sack Dünger und ein Bauer zu einer Umweltverschmutzung werden, in den sozialen Kontext wo keine Leistung zu einem Transferbezug berechtigt, in den politischen Kontext, wo eine Abstimmung, zwei Homosexuelle auf nunmehr eine Familie reduziert oder in einen ethischen Kontext, in dem diskutiert werden muss, ob es der 3 gegenüber fair ist, wenn man die zwei davon abzieht.

Das ist es dann wohl, was Lange meint, wenn er davon schreibt, dass es im Unterricht darum ginge, den Schülern mehr als eine Perspektive darzulegen. Es gibt aber nur eine Perspektive auf Mathematik. Eins und eins ist unter jeder gesellschaftlich denkbaren Konstellation zwei, wäre es anders, es wäre keine Mathematik.

Aber in der Wirtschaft ist das anders, so meint Lange und nimmt damit für sich in Anspruch, er könne das beurteilen:

Prof Facepalm“In diesem Fall wird der Homo Oeconomicus zum Leitbild der ökonomischen Bildung. Dabei wird beansprucht, mit Modellierungen der ökonomischen Verhaltenslehre die soziale Welt zu erklären. Dies soll quasi eine Alternative zu den diskursiven Formen sein, in denen sich die Unterrichtsfächer der politischen Bildung bislang mit ökonomischen Phänomenen auseinandergesetzt haben.”

Also doch: Diskursive Formen in der Mathematik. Lasst uns darüber diskutieren, was herauskommt, wenn man 2 mit 2 multipliziert! Die diskursiven Formen, sie sollen Alternative zu dem sein, was den Korpus eines Faches ausmacht. Das behauptet Lange allen Ernstes, und er behauptet noch mehr: Der Homo Oeconomicus, er werde fälschlicherweise zum Leitbild der ökonomischen Bildung gemacht.

Der Homo Oeconomicus, er ist das Leitbild der ökonomischen Bildung, das Leitbild des rational handelnden Akteurs. Wenn Sie die Alternative haben, mit 50 Euro Aktien zu kaufen, die einen garantierten Gewinn (Wahrscheinlichkeit = 100%) von 10.000 Euro in einem Jahr abwerfen oder im Lotto zu spielen und auf einen Gewinn von 100.000 Euro mit einer Wahrschenlichkeit von kleiner als 0,0001% zu hoffen, dann erwarten Ökonomen in der Tat, dass sie die Aktie kaufen und nicht Lotto spielen. Leute wie Dirk Lange wollen darüber diskutieren, ob es nicht unter bestimmten gesellschaftlichen, ölkologischen, sozialen oder sonstigen Erwägungen besser ist, dass Geld für die Lotterie zu opfern (Für wen das besser ist, ist klar und Dirk Lange käme hier in gefährliche Nähe zum Lobbyismus für Glückspielanbieter, die ja auch einen Gewinn machen wollen).

Der Homo Oeconomicus er ist nun einmal nichts anderes als ein Akteur, der sich zweckrational verhält. Zweckrational bedeutet, danach bestrebt zu sein, seinen Nutzen zu maximieren. Huch, jetzt ist er rausgerutscht, der böse Begriff der Nutzenmaximierung. Und doch, selbst St. Martin der Begründer moderner Lichterfeste, er hat seinen Nutzen maximiert und seinen Mantel nur zur Hälfte gespendet. Das hat ihm Befriedigung ob seiner guten Tat verschafft und dafür gesorgt, dass er nicht erfroren ist. Vermutlich wollte Dirk Lange mit St. Martin diskutieren, ob es nicht sozial wünschenswerter gewesen wären, 9/17 des Mantels an den Armen zu spenden und eine Frostbeule und einen abgestorbenen Finger in Kauf zu nehmen, ob des größeren Zugewinns an eingebildeter Gutheit.

Leute wie Dirk Lange, die von Ökonomie so offensichtlich keine Ahnung haben, dass sie denken, es gebe eine Ökonomie jenseits des Homo Oeconomicus, die Ökonomie reflexhaft ablehnen und zu einer sozialistischen Heilslehre machen wollen, die machen uns wirklich krank. Selbst die Behavioral Economics, die sich explizit vom allumfassend informierten Akteur, dem, wie man sagen könnte, Homo Oeconomicus des reinen Modells abgewendet haben, gehen davon aus, dass Menschen danach streben, sich rational zu verhalten.

Rationales Verhalten ist die Grundlage von Ökonomie und ökonomischen Modellen, mehr noch, es ist die Grundlage aller Gesellschaftswissenschaften, einfach deshalb, weil man Wissenschaft zumachen kann, Tür schließen, Kette drum, Schlüssen wegwerfen, wenn man nicht annehmen würde, Menschen verhalten sich rational, zweckrational, wie ein Homo Oeconomicus, jedenfalls die meiste Zeit ihres Lebens (Auch Fächer, die Irrationalität, Störung oder Psychopathologie zu ihrem Gegenstand gemacht haben, hängen vond er Rationalität als dem Standard ab, von dem aus sie die Abweichung erst messen können.).

Ließe man die Annahme rationalen Handelns fallen, man müsste Beiträge wie den, den Dirk Lange gerade in der ZEIT als Gastbeitrag unterbekommen hat, als unsinnige Ansammlung von Worten, geschrieben, um dem Dadaismus zu neuen Höhen zu verhelfen, ansehen. Aber nicht einmal Dirk Lange tut das. Er spekuliert damit, dass es Menschen gibt, die einschätzen, sie hätten einen Gewinn, wenn sie seinen Beitrag lesen. Er spekuliert mit der Unsicherheit, die eine weitere Variable in ökonomischen Modellen darstellt. Denn: Man weiß erst, wie ein Pudding schmeckt, wenn man ihn gegessen hat. Insofern erweist sich beabsichtigte Nutzenmaximierung nicht immer als Nutzenmaximierung.

Nehmen Sie uns. Wir haben den ZEIT-Beitrag von Lange, das sei zugegeben, bereits mit Bedenken angelesen, dachten aber dennoch, dass wir einen Nutzen vom Lesen haben könnten (p < .15). Statt unseren Nutzen zu maximieren, haben wir unseren Ärger maximiert, Ärger darüber, dass Leute, die so offensichtlich bar jeder Kenntnis sind, eine wilde Aneinanderreihung von Behauptungen als lesenswerten Gastbeitrag tarnen.

Solche wilden Behauptungen zum Beispiel:

Oh No!“Dabei haben die vergangenen Jahre doch gezeigt, wie die Omnipotenz wirtschaftswissenschaftlicher Erklärungsmodelle an ihre Grenzen stößt – und damit auch der “neoliberale Zeitgeist” im Bildungswesen. Bestes Beispiel ist die globale Finanzkrise seit den Jahren 2007/2008.”

Wüsste (Konkunktiv!) Dirk Lange, wovon er schreibt, hätte er mehr Kenntnis von Ökonomie, als sein Feindbild, das er als Ökonomie missversteht, er wüsste, dass die Krise von 2007/2008 perfekt mit den Modellen der Ökonomie vorhergesagt werden konnte, dass Bubbles, wie der durch den Subprime Mortgage Boom ausgelöste, in einer Vielzahl von ökonomischen Modellen dargestellt sind, dass die entsprechenden Bubbles von manchen Ökonomen gar als rationale Bubbles angesehen werden, mit deren Hilfe, fehlinvestiertes und geparktes Kapital befreit werden kann, und vor allem wüsste er, dass das Problem mit den Bubbles das Handeln von Menschen ist, die ab einem bestimmten Punkt nicht mehr rational handeln, sondern in der von Lange favorisierten Weise, mit Blick auf den gesellschaftlichen und sozialen Kontext, mit Blick auf die Panik des Nebenmanns oder dessen glasigen Blick, mit dem er weitere Asset-Backed Securities kauft und weiteres Geld seiner Bank verbrennt. Er wüsste, dass die Finanzkrise 2008 eine Vertrauenskrise war, die u.a. davon ausgelöst wurde, dass niemand richtig wusste, was er kauft oder als Sicherheit akzeptiert, wenn er ABS kauft oder akzeptiert, in denen Mortgages gebündelt sind, ganz so, wie man das von rationalen Akteuren auch erwartet.

Aber all das weiß Herr Lange nicht. Wie auch? Er macht Didaktik und keine Ökonomie. Ökonomie, das sind für ihn furchterregende mathematische Modelle und böse Annahmen über nutzenmaximierendes Verhalten,  Annahmen, die ihm nie ins Haus kommen würden, und deshalb hat er seinen Gastbeitrag auch umsonst geschrieben – oder?

Jedenfalls sollte Lange aufhören, sich darüber zu wundern, dass in Wirtschaft Wirtschaft und in Mathematik Mathematik unterrichtet wird. Das mit den vielen Perspektiven, von denen aus man den Gegenstand eines Faches betrachten muss, das funktioniert in der Mathematik ebenso wenig wie in der Wirtschaft, nicht einmal im Hinblick auf den Gastbeitrag von Lange in der Zeit funktioniert es, denn egal, wie man auf den Beitrag blickt, es bleibt immer Unsinn.

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Simulation oder Manipulation: Flüchtlinge als “langfristig lohnende Investition”

Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die derzeitige Diskussion darüber, welche Kosten und Nutzen sich mit dem Zuzug von rund einer Millionen Flüchtlingen verbinden einen erheblichen Mangel aufweist: Niemand weiß, wer nach Deutschland geflüchtet ist, kennt das durchschnittliche Bildungs- und Ausbildungsniveau, geschweige denn die vorhandene Arbeitsmotivation.

Entsprechend bewegen sich alle, die sich mit dem Thema “Kosten und Nutzen von Flüchtlingen” beschäftigen, im Bereich der Spekulation. Spekulieren Wissenschaftler, dann bezeichnen sie das zuweilen als Simulation, wobei eine Simulation an sich eine sinnvolle Methode ist, jedenfalls dann, wenn die Variablen, die in die Simulation eingehen, zumindest ansatzweise plausibel sind.

Das genau ist bei Flüchtlingen nicht der Fall. Hier herrscht die reine Spekulation. Dass man auch mit reiner Spekulation Positives simulieren kann, haben gerade Marcel Fratzscher und Simon Junker im Wochenbericht des DIW gezeigt. Sie haben berechnet, simuliert, um genau zu sein, und sind nach der Simulation der Ansicht, “dass die Gesellschaft die Kosten der Flüchtlingsintegration als Investition in die Zukunft begreifen sollte” (1086), da langfristig die Wirtschaftsleistung und das Pro-Kopf-Einkommen steigen wird und langfristig der “Nettobeitrag der Flüchtlingsmigration zur gesamtwirtschaftlichen Leistung positiv sein wird” (1087)

Das Ergebnis klingt plausibel und passt zu Befunden, wie sie die Migrationsforschung z.B. anhand der Zuwanderung in die USA reihenweise produziert hat.

Aber leider auch nicht mehr, denn Fratzscher und Junker leisten der Migrationsforschung mit ihrer Simulation einen Bärendienst.

DIW Integration FluechtlingeZunächst fehlt jeglicher Hinweis darauf, was die beiden eigentlich wie berechnet haben. Sie simulieren, so sagen sie, das muss reichen. Drei Szenarien sind es, ein Basisszenario, ein pessimistisches Szenario und ein optimistisches Szenario. Alle drei Szenarien basieren auf Annahmen (siehe Abbildung), die man plausibel finden kann, oder auch nicht. So gehen die Autoren z.B. davon aus, dass 73% der Flüchtlinge im erwerbsfähigen Alter sind und 80% davon, am Arbeitsmarkt partizipieren werden (im optimistischen Szenario gar 85%).

Angesichts einer Beschäftigtenquote der deutschen Bevölkerung, die irgendwo in der Gegend von 70% liegt, scheinen 80% Partizipationsquote für Migranten in jedem Fall etwas hoch gegriffen, selbst dann, wenn man in Rechnung stellt, dass die Flüchtlinge eher jung und überwiegend männlich sind. Vielleicht sind es ja alles neue Männer, die sich der Kindererziehung widmen wollen, anstelle sich einen Arbeitsplatz zu suchen?

Welche Kosten sich mit Flüchtlingen verbinden, das hängt auch von der Antwort auf die Frage ab, wie viele der 80% am Arbeitsmarkt Partizipationswilligen, die die Autoren angenommen haben, auch einen Arbeitsplatz finden. Hier nehmen Fratzscher und Junker an, dass nach 5 Jahren Aufenthalt 60% der Flüchtlinge arbeitslos sind (immer auf das Basisszenario bezogen) und nach 11 Jahren noch 30% der Flüchtlinge.

“Zudem”, so schreiben sie weiter, “dürfte das Qualifikationsniveau vieler Flüchtlinge auch in Zukunft vergleichsweise niedrig sein; anzunehmen ist daher, dass sie vor allem im Bereich geringqualifizierter Beschäftigung eine Anstellung finden (1085).”

Ein Schuss ins Dunkle, denn Fratzscher und Junker haben ebenso wenig wie sonst jemand auch nur die Spur einer Idee davon, welches Qualifikationsniveau die 160.000 Flüchtlinge aufweisen, die allein im September zugereist sind. Sie können nur spekulieren, und das tun sie dann auch.

Die Kostenseite des Zuzugs von Flüchtlingen wird durch 12.000 Euro pro Jahr und Flüchtling für Unterbringung, Integration und Versorgung der Flüchtlinge ergänzt. Warum 12.000 Euro? Warum nicht? 12.000 Euro sind ein Drittel des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens der deutschen Bevölkerung und warum sollte man nicht Kosten in dieser Höhe annehmen? Hinzu kommen 7.200 Euro pro Jahr und Flüchtling, der arbeitslos ist und mit Hartz-IV unterhalten wird.

Bis hier haben wir weitgehend willkürliche Annahmen dazu, wie viele Flüchtlinge am Arbeitsmarkt partizipieren wollen, wie viele das können, mit welcher Qualifikation sie das tun und welche Kosten sich damit verbinden. Die Simulation bis hier, ist ein nettes Rechenspiel, dessen Ergebnis man als ebensolches Rechenspiel ansehen kann.

Nun wird es abenteuerlich. Fratzscher und Junker wollen zeigen, dass sich die Investitionen in Flüchtlinge rentieren, dass langfristig ein positiver Effekt auf den gesellschaftlichen Wohlstand davon ausgeht. Entsprechend ist es nunmehr notwendig, den Nutzen zu schätzen, und zwar so:

DIW Integration Fluechtlinge2“Auch die monetären Transfers, wie sie beispielsweise Asylbewerbern zufließen, deren Antrag bewilligt wurde, die aber keiner Beschäftigung nachgehen, führen zu zusätzlicher Konsumnachfrage. Diese wird teilweise durch höhere Importe bedient, kurbelt aber auch die heimische Wirtschaftsleistung an – was einen Multiplikator von kleiner als 1 bedeutet. Zudem erhöhen öffentliche Bauinvestitionen, die Wohnraum für Flüchtlinge schaffen, oder die sozialen Sachleistungen des Staates, die etwa für
die Versorgung der Flüchtlinge anfallen, in gleichem Ausmaß die Wirtschaftsleistung. Da mit einigen dieser Maßnahmen Einkommen für andere private Haushalte generiert werden, die wiederum die Nachfrage erhöhen, führen diese Ausgaben zu einem überproportionalen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage” (1085).

Es ist diese Art des Unsinns, die seriöse Wissenschaften und ökonomische Modelle in Misskredit bringt. Sie tut das deshalb, weil die heile Modellwelt an einer falschen Stelle ansetzt und so tut, als fiele das Geld, das als Transfer in die Taschen von Flüchtlingen gesteckt wird, vom Himmel, sei Mana, das nunmehr eingesetzt werden könne, um per Konsum gesellschaftlich Gutes zu tun.

Das Geld fällt aber nicht vom Himmel, es kommt aus den Taschen der Steuerzahler. Nehmen wir Steuerzahler Bäcker und Steuerzahler Maurer. Beider Abzüge summieren sich – sagen wir auf 100 Euro. Die 100 Euro werden an das Finanzamt Gier gezahlt, das wiederum 10 Euro von den 100 Euro abknappt, um den Beamten Gierling zu bezahlen. 10 Euro werden für Gebäude und Infrastruktur aufgewendet. Bleiben in unserem kleinen Gedankenexperiment 80 Euro übrig. Davon werden 40 Euro an die Flüchtlinge Syrien und Irak verteilt. Beide haben nun 20 Euro zur Verfügung, die sie, in unserem Modell für Essen (als einzige Konsumausgabe) aufwenden. Sagen wir, Bäcker ist der einzige, der die Nachfrage von Syrien und Irak befriedigen kann, dann kommen 40 Euro bei ihm an. Weitere 40 Euro werden eingesetzt, um Maurer mit dem Bau von Flüchtlingsunterkünften zu beauftragen. Entsprechend kommen von den 100 Euro, die Bäcker und Maurer an Steuern gezahlt haben, 80 Euro wieder bei Ihnen an, unter der Annahme, dass sie die einzigen Anbieter der entsprechenden Leistungen und Syrien und Irak keine anderen Bedürfnisse als die haben, die von Bäcker gedeckt werden. Wir können dieses Spiel Runde um Runde spielen, immer werden Bäcker und Maurer einen Verlust von 20% machen, so lange, bis Syrien und Irak aus eigenen Mitteln die Leistungen von Bäcker und Maurer nachfragen. Über die Konsumausgaben von Arbeitslosen, so zeigt sich, ist nun einmal keinerlei Mehrwert zu schaffen – auch wenn Linke dies standhaft behaupten und Karl Marx damit zum Verzweifeln gebracht hätten, denn nach seiner Ansicht beruht Mehrwert auf Arbeit und nicht auf Konsum.

Kurz: Die Arbeit von Fratzscher und Junker leistet ernsthaften Wissenschaftlern, die Modelle und Simulationen einsetzen, um konkrete und wohlbegründete Fragestellungen zu beantworten, einen Bärendienst, und sie leistet auch Flüchtlingen einen Bärendienst, indem sie etwas politisch Erwünschtes herbeizurechnen versucht.

Wir sind übrigens der Überzeugung, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, dann, wenn sie zu einer subsistenten und nicht durch den Staat subventionierten Existenz befähig, einen positiven Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands haben wird, aber um diesen Effekt zu erreichen, muss man Flüchtlinge in Arbeit bringen, nicht zu Transferempfängern machen, die man dann mit absurden Rechentricks zu Mehrwertstiftern umdeutet. Insofern ist abermals festzustellen, dass das Fehlen jeglicher verlässlicher Daten über das Qualifikationsniveau von Flüchtlingen eine Katastrophe ist.

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Wolfsburger Killer: Studie lastet Volkswagen mindestens 59 vorzeitige Tode an

“If only everything in life was as reliable as a Volkswagen.”
“It’s not a car, it’s a Volkswagen!”

Mit diesen Slogans hat Volkswagen im angelsächsischen Ausland seine Fahrzeuge beworben. Zeitweise hat sich Volkswagen in seinen Werbespots einen richtig witzigen und ganz und gar undeutschen “touch” gegeben.

used VwDoch das könnte alles für die Katz’ gewesen sein, denn Volkswagen steht neuerdings für Betrug, dafür, dass mit Hilfe von Software Abgaswerte vorgegaukelt werden, die nicht vorhanden sind, um die entsprechenden Grenzwerte virtuell, wenn schon nicht materiell zu unterschreiten.

Der Betrug ist zwischenzeitlich aufgeflogen und Volswagen sieht sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, alleine in den USA rund 482.000 Dieselfahrzeuge zurückzurufen und umzurüsten.

Die Kosten für die Umrüstaktion sowie die zu erwartende Strafe durch die US-amerikanische Environmental Protection Agency werden das Defizit von 3,5 Milliarden Euro im Dritten Quartal 2014 weiter steigen lassen, und ob die 6,7 Milliarden Euro ausreichen, die VW zurückgelegt hat, um die Kosten zu decken, die aus dem Abgas-Betrug entstehen werden, ist fraglich.

Und als wäre dies nicht schon genug, kommt nun noch eine Studie von MIT und der Harvard University dazu, eine Studie, die Steven Barrett, Raymond L Speth, Sebastian D. Eastham, Irene C. Dedoussi, Akshay Ashok, Robert Malina und David W. Keith in den Evironmental Research Letters veröffentlicht haben.

Die Studie trägt den Titel “Impact of the Volkswagen emissions control defeat device on US public health“. Und es ist eine gut gemachte Studie – das gleich vorweg.

Ausgangspunkt sind drei Variablen:

  • Durch den Betrug hat VW rund 482.000 Autos in den USA abgesetzt, die rund 40Mal so viel Stickoxid, Ozon und letztlich Feinstaub produzieren, wie gesetzlich erlaubt ist.

Die zusätliche Belastung durch Feinstaub haben die Autoren mit

  • Verkaufszahlen von VW für die Zeit von 2008 bis 2015 kombiniert
  • sowie mit einer Schätzung der Kilometerzahl, die ein VW im Verlauf eines Jahres durchschnittlich zurücklegt.

Auf Grundlage dieser Variablen wurden dann im nächsten Schritt die zusätzliche Belastung mit Feinstaub für Regionen der USA und auf Grundlage lokaler Verkaufszahlen berechnet und mit bekannten Daten zum Gesundheits- bzw. Todesrisiko, das von der Feinstaubbelastung ausgeht, ins Verhältnis gesetzt.

Rund 59 zusätzliche Tote durch die Feinstaubbelastung, die VW mit seinem Betrug verursacht hat, sind das Ergebnis der Berechnung. 59 Personen werden als Folge der höheren Belastung mit Feinstaub im Durchschnitt ein bzw. zwei Jahrzehnte früher sterben als sie ohne die höhere Belastung mit Feinstaub gestorben wären.

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Figure 1. Annual excess VW light duty diesel vehicle NOx emissions in kilotonnes (million kg). Results from 2008 through 2015 (blue) are estimates of actual excess emissions. Results from 2016 onward (red) are forecast based on the existing in-use vehicle fleet assuming no new sales of non-compliant vehicles from September 2015 and no retrofitting (used to calculate the benefit of a return to compliance). The shaded region indicates the 95% confidence interval. The discontinuity is due to the difference in the baseline for past (based on FTP-75 drive cycle measurements) and future (based on a return to regulatory limit) emissions. Barrett et al. (2015).

“We estimate that ~59 early deaths will be caused by 2008–2015 excess emissions with a monetized cost of ~$450m. (…) Morbidity impacts include ~31 cases of chronic bronchitis, ~34 hospital admissions, ~120 000 minor restricted activity days, ~210 000 lower respiratory symptom days, and ~33 000 days of increased bronchodilator usage.”

Die Berechnungen machen deutlich, wie wichtig es für Volkswagen sein wird, die 482.000 Volkswagen, die in den USA die Abgasnorm nicht erfüllen, so schnell wie möglich umzurüsten, um zusätzliche Kosten zu vermeiden:

“If no recall is made we estimate that the existing affected vehicles will cause ~140 early deaths from 2016, with a monetized cost of ~$910m. However, if the vehicles are recalled and brought into compliance by the end of 2016 then 93% of these deaths and 92% of the costs can be avoided. … , this means that bringing the vehicles into compliance in 2016 can avert 66% of total early deaths and 62% of monetized costs.”

Die Schätzung von Kosten in Höhe von 910 Millionen US-Dollar, Kosten, die durch den vorzeitigen Tod von Personen entstehen, sollten Volkswagen Beine machen, denn die in den USA notorisch hohen Schadensersatz- und Schmerzensgeldzahlungen sind darin noch gar nicht enthalten, und man kann sicher sein, dass findige Anwälte, die auf der Suche nach einem hohen Einkommen sind, die Angehörigen von vorzeitig an Bronchitis oder sonstigen Erkrankungen der Atemwege, die auf Feinstaub zurückgeführt werden können, Verstorbenen zusammentrommeln werden, um eine Sammelklage gegen VW anzustrengen – und das wird dann richtig teuer.

Barrett, Steven R. H., Speth1, Raymond L., Eastham2, Sebastian D., Dedoussi, Irene C., Ashok, Akshay, Malina, Robert & Keith, David W. (2015) Impact of the Volkswagen emissions control defeat device on US public health.

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Armut für alle: Klimawandel trifft Religion und das Mercator Institut in Potsdam

Ottmar Edenhofer, Christian Flachsland und Brigitte Knopf vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Potsdam sind im Auftrag des Herrn unterwegs, nein, sie wandeln in den Spuren von Papst Franziskus. Franziskus hat in der Enzyklika “Laudato si” den Klimawandel thematisiert. Nicht etwa dadurch, dass er das tut, wofür er doch qualifizierter sein sollte als jeder andere: Zu seinem Dienstherren beten. Nein, er hat Vorschläge unterbreitet, Vorschläge, die zumindest in Potsdam auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein scheinen.

Armut und Klimawandel müssen gleichzeitig bekämpft werden. Menschengemachter Klimawandel, sofern es ihn außerhalb der entsprechenden Computermodelle gibt, wird auf Treibhausgase und hier vor allem auf Kohlendioxid zurückgeführt, Kohlendioxid, das u.a. bei der Vebressung fossiler Brennstoffe entsteht. Und weil dem so ist, argumentieren Edenhofer, Flachsland und Knopf in ihrer Eucharistiefeier, die unter “Commentary” in der Rubrik “Opinion & Comment” bei Nature veröffentlicht wurde, deshalb müsse Schluss sein, mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe:

“Even with the use of carbon capture and storage (CCS) technology, achieving the 2 C objective would require the majority of fossil resources to remain unutilized. This would devalue the assets of fossil fuel resource owners. In this conflict between the interests of the poor and those of fossil fuel resource owners, the Pope weighs in for the former”

Oder in Deutsch:

“Edenhofer und die Co-Autoren Christian Flachsland und Brigitte Knopf betonen in ihrer Analyse, dass das Zwei-Grad-Ziel nur dann mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zu erreichen sei, wenn die große Mehrheit der fossilen Reserven im Boden bleibt. Und sie geben einen Ausblick: ‘Ökonomische Analysen haben gezeigt, dass die Begrenzung der Atmosphäre als CO2-Deponie einschneidende Folgen für die globale Verteilung des Reichtums hätten’, heißt es in dem Artikel. „Dies würde das Vermögen der Besitzer von fossilen Reserven entwerten.“

Bei derartig in religiöser Überzeugung vorgetragenen Behauptungen macht es immer Sinn, sich zunächst zu fragen, von wem hier eigentlich geredet wird: Wer sind denn die reichen fossil-fuel Besitzer, die den Autoren vorschweben? Wer sind die Produzenten, wer die Exporteure von Kohle, die es in der seltsamen Argumentation der Autoren und auf Kosten der Armen verunmöglichen, das heilige Zwei-Grad-Ziel zu erreichen?

Die Folgenden:

Coal_Prod coal export

Die reichen Kohlebesitzer, sie finden sich in Asien, vornehmlich in der Transitionsökonomie von China und diejenigen, die durch Export von umweltschädlicher Kohle dazu beitragen, das Weltklima, dieses hohe Gut, zu zerstören, und zwar so sehr, dass sich selbst der alte Papst schon um seine Zukunft sorgt, sie finden sich in Indonesien, in Australien, Kolumbien, Südafrika und Russland.

Nun haben wir Kohle als Beispiel für einen fossilen Brennstoff benutzt, weil die Stromversorgung weltweit immer noch überwiegend auf der Verstromung von Kohle beruht. Kohle wird zudem in der Stahlproduktion genutzt und ist insofern eine Ressource, die am wirtschaftlichen Aufschwung und an der damit verbundenen Bekämpfung von Armut erheblichen Anteil hat. Man kann es so formulieren: Ohne Kohle kein Wachstum, ohne Wachstum keine Bekämpfung von Armut.

Und genau diesen Zusammenhang will der Papst und wollen mit ihm Edenhofer, Flachsland und Knopf aufheben. Die Kohle, die sich derzeit noch im Boden befindet, sie soll dort bleiben, wenn es nach den Autoren und dem Papst geht. Daraus, so wissen die vier, ergeben sich dann “einschneidende Folgen für die globale Verteilung des Reichtums”.

Da haben die Autoren Recht: Stoppte man die Nutzung von Kohle von einem Tag auf den anderen, China käme vollständig zum Erliegen, in Deutschland gäbe es, trotz aller nachhaltigen Energieprojekte viel zu wenig Strom, um die industrielle Produktion aufrecht zu erhalten und Privathaushalte mit Strom zu versorgen, Kolumbien, Südafrika und Indonesien würden wichtige Exportgüter verlieren, die jeweiligen Volkswirtschaften eine Existenzkrise durchleben und selbst die USA wären am Rande des wirtschaftlichen Kollaps.

Die bislang einzige klar bennbare Ursache von Klimawandel

Die bislang einzige klar bennbare Ursache von Klimawandel

Insofern der Verzicht auf Kohle einen wirtschaftlichen Effekt hätte, der die durchlebte Wirtschaftskrise zum unscheinbaren Event reduziert, gäbe es tatsächlich keine Armen mehr, denn wenn alle von Armut betroffen sind, dann gibt es niemanden mehr, der durch Reichtum hervorsticht … Vielleicht mit Ausnahme des Papstes. Er hat in den Katakomben des Vatikans Kunst- und Kulturschätze aus mehreren Jahrhunderten Raubzug versammelt, die ihn nach dem wirtschaftlichen Kollaps vermutlich zum reichsten Mann der Welt machen würden.

Den Göttern zum Dank wird es soweit nicht kommen.

Dafür ist z.B. Xi Jinping zu rational und zu sehr daran interessiert auch den Lebensstandard der armen Bauern im Westen Chinas zu erhöhen. Es ist eben ein frommer Wunsch, dass durch ein Beenden der Nutzung von Kohle die Welt eine bessere, die Atmosphäre eine sauberere und die Welt eine reiche wird. Das Gegenteil ist der Fall: Ohne Kohle kann der Energiebedarf nicht gedeckt werden (oder für Linke: Ohne Strom aus Kohle kein Betrieb von Smartphones bzw. für den Papst: Ohne Strom aus Kohle nur noch himmlisches Licht im Vatikan). Ohne Kohle wird auch die Atmosphäre auf absehbare Zeit zunächst keine sauberere, denn Treibhausgase benötigen einige Jahrzehnte um in die Atmosphäre vorzudringen, und ohne Kohle keine reiche Welt, denn dummerweise setzt die Verteilung an Arme voraus, dass etwas zum Verteilen erwirtschaftet wurde und zur Erwirtschaftung dessen, was verteilt werden soll, ist Kohle derzeit unabdingbar.

Wir schlagen deshalb vor, der Papst und die Drei von Mercator kümmern sich um etwas, wovon sie etwas verstehen. Beim Papst ist dies Beten, bei den drei Mercatorianern wissen wir nicht, was das sein könnte.

Nur noch Vorsprung durch Betrug? Verliert Deutschland den Anschluss?

Der Volkswagen-Konzern ist nicht in der Lage, die Werte bei Diesel-Abgasen zu erreichen, die in den USA vorgeschrieben sind. Also wird bei Volkswagen manipuliert, um vorzuspiegeln, man habe die entsprechenden Standards erreicht.

VWUmsonst, wie sich herausstellt, denn die Manipulation ist zwischenzeitlich aufgeflogen, der Markt in den USA für Dieselfahrzeuge von Volkswagen in absehbarer Zukunft schlicht zerstört, die Aktie des Unternehmens im freien Fall an der Börse und der Werbespruch, “Vorsprung durch Technik” mittlerweile zur Lachnummer geworden, ist Volkswagen doch nicht einmal in der Lage, Abgaswerte einzuhalten, die von anderen Autobauern eingehalten werden können.

Es gibt einige Risse in der Fassade des Standorts Deutschland, des Exportweltmeisters, dessen Autobauer den Weltmarkt noch vor den Japanern beherrschen oder besser: beherrschten und dessen Erfindungen und Innovationen die treibende Kraft hinter der Ökonomie des Landes sind (oder sein sollen).

Verliert Deutschland den Anschluss?

Am 17. September wurde in London der diesjährige “Global Innovation Index 2015” (GII) veröffentlicht. Der Index ist ein Gemeinschaftswerk der Cornell University, von INSEAD, World Intellectual Property und AT Kearney und erscheint jährlich. Untersucht werden 7 Bereiche, die für die Innovationen, die die Wirtschaft eines Landes treiben, wichtig sind: (1) die Institutionen eines Landes, (u.a. das Ausmaß der staatlichen Eingriffe in den Markt), (2) das vorhandene Humankapital des Landes (u.a.: Anzahl der Tertiär-Gebildeten, Ausgaben für Bildung, für Forschung und Technik usw.), (3) die Infrastruktur für Innovationen (u.a. Verbreitung von neuen Technologien), (4) die Effizienz des Marktes (u.a. Investorenschutz), (5) die Effizienz der Wirtschaft (u.a. das Humankapital von Arbeitern), (6) der “Output” aus Forschung und Technik bzw. aus der Anwendung von Wissen (z.B. die Anmeldung von Patenten, der Anteil neuer Technologien an den Exporten oder die von Wissenschaftlern veröffentlichten Fachbeiträge), und (7) die Neuheit der Produkte (u.a. gemessen in Trademarks).

Insgesamt gehen eine Vielzahl von Indikatoren in die Erstellung des Rankings des Global Innovation Index (GII) ein, und die Top-10 der Nationen, gemessen an ihrer Innovationskraft, sind die folgenden:

  1. Schweiz
  2. Vereinigtes Königreich
  3. Schweden
  4. Niederlande
  5. Vereinigte Staaten von Amerika
  6. Finnland
  7. Singapur
  8. Irland
  9. Luxemburg
  10. Dänemark

Sie lesen richtig. Unter den Top-10 findet sich kein Deutschland. Deutschland findet sich auf Platz 12 und betrachtet man die 7 Einzelindikatoren, die oben dargestellt wurden, dann schneidet Deutschland besonders schlecht in den folgenden Bereichen ab:GII_2015

  • Institutionen: zu intensive Eingriffe/Regulation in den/des Markt/es behindern die Innovationsfähigkeit Deutschlands (Platz 20 von 114);
  • Infrastruktur: u.a.: die Schaffung und Bereitstellung von Kapital ist in Deutschland besonders schlecht (Platz 112);
  • Markteffizienz: u.a.: der Investorenschutz ist unterentwickelt (Platz 49);
  • Effizienz der Wirtschaft: u.a.: Deutschland ist für ausländische Investoren nicht interessant (Platz 115);

Die vier Mangelbereiche weisen alle in die selbe Richtung, nämlich in eine Gängelung von Akteuren auf Märkten durch die Regierung und nachgeordnete Regulationsbehörden und als Ergebnis die Schaffung von Bedingungen, die einerseits für Investoren nicht attraktiv sind, es andererseits verhindern, dass Kapitalbildung in nennenswertem Ausmaß betrieben werden kann, Kapitalbildung, die wiederum für Investitionen in Forschung und Technik von besonderer Wichtigkeit ist.

Angesichts der Feindlichkeit, die aus Deutschland internationalen Freihandelsabkommen entgegenschlägt, angesichts der Feindlichkeit und der Verbote, mit der/denen Forschung in Bereichen von Biotechnologie oder Nuklearenergie begegnet wird, angesichts der vielfältigen Eingriffe deutscher Regierungen in die Unternehmensfreiheit und den Markt, bis zur Vorschrift, wie hoch der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder zu sein hat, ist es kaum verwunderlich, dass Deutschland langsam den Anschluss an die Weltspitze verliert, wenn es um Innovationen geht.

Betrachtet man die Anzahl der wissenschaftlichen Beiträge in Fachzeitschriften, die aus Deutschland kommen, dann fällt Deutschland noch weiter zurück, auf Platz 31 unter 141 Nationen. Im Vergleich zum GII von 2010 ist dies eine Verschlechterung um 14 Plätze, im Vergleich zum GII von 2012 eine Verschlechterung um 12 Plätze. Ob hier die staatlichen Interventionen in Hochschulen, die Programme zur Entprofessionalisierung der Hochschulen bereits abgebildet sind, ist eine spnanende derzeit nicht einmal beforschte Frage. In jedem Fall ist sicher, dass Programme, die darauf zielen, Geschlecht und nicht Leistung zur Grundlage der Stellenvergabe zu machen, zum einen dazu geeignet sind, bestenfalls mittelmäßige Bewerber auf Positionen zu befördern, zum anderen dazu geeignet sind, Bewerber mit hohem Humankapital von einer Bewerbung in Deutschland abzuschrecken und den Weg ins Ausland antreten zu lassen.

Insofern wäre das neue Motto “Vorsprung durch Betrug” wegweisend, da es das Ergebnis eines Brain Drains zusammenfasst, einer Abwanderung von Fachkräften, die es deutschen Unternehmen unmöglich macht, international mitzuhalten. Volkswagen wäre entsprechend ein Indikator dafür, dass es bereits 5 nach 12 ist und kaum mehr Zeit bleibt, um deutsche Hochschulen wieder nach Meritokratie zu organisieren und u.a. mit absurden staatlichen Eingriffen in die Geschlechtskomposition von Unternehmen aufzuhören.