Wissenschaftler wollt Ihr sein? Eine pseudo-wissenschaftliche Wortorgie über die AfD

“Türöffner nach Rechts: Die Alternative für Deutschland”, so ist ein Beitrag in “Gegenblende”, dem selbst ernannten Debattenmagazin des DGB, in dem bislang keine einzige Debatte stattgefunden hat, überschrieben. Geschrieben haben den Beitrag Prof. Dr. Samuel Salzborn und Dr. Alexandra Kurth, die beide für sich in Anspruch nehmen, Politikwissenschaftler zu sein. Warum? Weil sie u.a. Politikwissenschaft studiert haben, eine Position an einer Universität einnehmen und behaupten, politikwissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte zu haben.

Gegenblende“Türöffner nach Rechts” gehört in die Kategorie von Texten, die man wohl besser als “Türöffner in den Wahnsinn” bezeichnen würde, denn er hat keinen konkreten Gehalt, ist in Teilen primitiv, arbeitet mit derogativen Adjektiven anstelle von Argumenten, offenbart ein Verständnis von Wissenschaft, das einem das kalte Grausen über den Rücken jagt, ist, mit anderen Worten, ein Pamphlet, das mit Sicherheit nicht von Wissenschaftlern geschrieben wurde.

Stammleser von ScienceFiles wissen: Wir vertreten eine klare Auffassung davon, was Wissenschaft ist und wer sich als Wissenschaftler qualifiziert. Ein Wissenschaftler wird man demnach nicht, weil man studiert hat oder auf eine Position gesetzt wurde. Wissenschaft und Wissenschaftler zeichnen sich durch wissenschaftliche Methoden und vor allem den Versuch aus, nachprüfbare Erkenntnisse zu einem Erkenntnisgegenstand zu produzieren.

Salzborn und Kurth sind nach dieser Definition keine Wissenschaftler, schon deshalb nicht, weil sie sich als Verlautbarungswissenschaftler darstellen, wie wir nun zeigen werden.

Der Beitrag auf “Gegenblende” hat die AfD zum Gegenstand (übrigens ein ziemlich einfallsloser Name für ein “Debattenmagazin”, zumal eine Gegenblende letztlich nichts anderes kann, als das zurückzugeben, was auf sie gerichtet wird. Aber vielleicht sind Gewerkschaftler ja gar nich zu eigenen Ansichten fähig, sondern nur dazu, auf anderer Menschen Ansicht zu reagieren, und dann wäre Gegenblende ja korrekt).

Die AfD, so wird uns mitgeteilt, ist gerade in das Europaparlament eingezogen, mit sieben Sitzen und 7,1% der gültigen Stimmen. Aber es sei fraglich, ob die AfD deshalb als etablierte Partei anzusehen sei. Es ist genau einen Satz lang fraglich, denn im Gegensatz zu ihren “Vorgängern”, so schreiben Kurth/Salzborn, verfüge die AfD über “deutlich mehr Finanzmittel”. Der Hinweis auf die größeren Finanzmittel der AfD im Vergleich zu ihren “Vorgängern”, macht nur dann Sinn, wenn gezeigt werden soll, dass die AfD sich im Gegensatz zu ihren “Vorgängern” etabliert hat, was im direkten Widerspruch zur von Salzborn und Kurth proklamierten Fraglichkeit derselben steht. Aber: Beide wollen in ihrem gegengeblendeten Beitrag zeigen, dass das Programm der AfD Widersprüche aufweist, und deshalb wollen sie der AfD in Punkto Widerspruch wohl nicht nachstehen.

Es ist an der Zeit, ein paar Adjektive fallen zu lassen: antisozial, gewerkschaftsfeindlich und antifeministisch, das sind die drei größten Sünden, die man nach Ansicht von Salzborn und Kurth heutzutage begehen kann (aber die drei größten Lobe in den Augen anderer), und die AfD begeht sie alle, und macht nicht einmal Anstalten, sich in einem gewerkschaftlichen Beichtstuhl einzufinden!

Die AfD, so behaupten die Salborn Kurths, gebe sich ideologiefrei, behaupte, Sachverstand, nicht Ideologie treibe die Partei. Das, so lachen die Autoren, sei doch Unsinn, denn bereits der “neoliberale Wirtschaftswissenschaftler” und “fromme evangelisch-reformierte Christ” Bernd Lucke belege das Gegenteil, und das Gegenteil zeige sich auch in den “marktradikalen”, “staatsfeindlichen”, “antiegalitären” und “antisozialen” Prämissen der AfD. Man hätte an dieser Stelle gerne noch ein paar mehr Adjektive gehabt, aber scheinbar ist das Kurth/Salzbornsche Feindbild eher beschränkt.

Wissen die beiden angeblichen Politikwissenschaftler eigenlich, was sie schreiben? Etwa dann, wenn sie Sachverstand und Ideologie in eine diametrale Stellung zueinander bringen? Nicht dass wir hier anderer Ansicht wären. Wir schreiben seit Jahren, dass man entweder Ideologe oder sachverständig, aber nicht beides sein kann. Und nun sagen zwei studierte und lehrende Politikwissenschaftler, dass Politik mit Sachverstand nicht möglich sei, sondern nur mit Ideologie. Und um ihre Ansicht zu belegen, werfen sie ihre eigene Ideologie geradezu vor die Füße der Leser. Man hat richtig den Eindruck, einem ideologischen Keuchhusten beizuwohnen, der in regelmäßigen Abständen “antisozial”, “staatsfeindlich”, “antiegalitär” und “marktradikal” hervorwürgt.

Alle vier Adjektive haben eines gemeinsam: Sie stellen eine Bewertung dar. Wie die Dinge nun einmal so liegen, sind alle vier Bewertungen Bewertungen die Salzborn-Kurthschen Ursprungs sind und somit ihre Bewertungen, die absolut nichts über die AfD aussagen. Sie sagen aus, was Kurth/Salzborn von der AfD denken, wie sie sie bewerten, und dabei bleibt es auch, denn die vermeintlichen Wissenschaftler können ihren Adjektiv-Keuchhusten mit keinerlei Belegen verbinden.

Adam Smith WealthWie heftiges Husten in der Regel ein Indiz für eine Erkrankung darstellt, so stellt der häufige Gebrauch von wertenden Adjektiven in derogativer und nicht-belegter Weise ein Indiz dafür dar, dass sich jemand im Zustand ideologischer Trance befindet, ein Zustand, der vielleicht durch eine zu große Distanz zwischen Denken und Realität, vielleicht durch neuronale Missfunktionen ausgelöst wird, wie auch immer, er führt dazu, dass sich die ideologisch Benebelten regelmäßig in ideologische Extase schreiben:

Eine Kosteprobe: “Zugleich will die AfD, ganz in der Tradition von Adam Smith, Gewinne privatisieren und Risiken und Verluste verstaatlichen und so vordergründig den “kleinen Mann” entlasten”

Erste Reaktion: Lachen.
Zweite Reaktion: lauteres Lachen.
Dritte Reaktion: Tränen aus den Augen wischen.
Vierte Reaktion: “Die wollen an der Universität sein?”

Besagter Adam Smith, dessen Hauptwerke den Titel “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” und “Theory of Moral Sentiments” tragen, hat im 18. Jahrhundert gelebt, und mithin in einem Jahrhundert, indem sich Fragen nach der Verstaatlichung von Verlusten durch Bankenrettung nicht gestellt haben. Wenn Banken zahlungsunfähig waren, dann gingen sie Bankrott. Ein Wohlfahrtsstaat war nämlich zu Adam Smith Zeiten, der viel Papier dafür benutzt hat, die Vorteile von “sympathy” im ökonomischen Handeln, also von Empathie darzustellen, gänzlich unbekannt, bekannt war dagegen Mildtätigkeit. Und es wird Kurth/Salzborn überraschen, aber Einkommenssteuer war zu Adam Smiths Zeiten ebenso unbekannt wie Lohnsteuer. Ganz offensichtlich haben Salzborn und Kurth nicht einmal den Hauch einer Idee, wer Adam Smith ist, wann er gelebt hat, was er geschrieben hat und wozu er geschrieben hat, und man kann sich nur wiederholen: Die wollen an der Universität sein?

Aber es kommt noch besser: Unter der Überschrift “Antiparlamentarischer Nationalgallismus” gibt es Folgendes zu lesen:

“Zugleich kokettiert die Ideologie des wirtschaftswissenschaftlichen Expertentums, das sich auf vermeintlich neutralen Sachverstand stützt, auch mit der weberianischen Idee der gelenkten und gesteuerten Demokratie, in der vermeintlich neutrale Experten Entscheidungen treffen – und nicht Mehrheiten”.

Gemeint ist hier Max Weber, der den Begriff der plebiszitären Demokratie geprägt hat, und zwar im Zuge seiner (Mit-)Arbeit an der Weimarer Verfassung, die in ihrer Liberalität die Bonner Verfassung weit in den Schatten stellt. Die Idee der Herrschaft des Sachverstands stammt dagegen von Plato, der sie als Herrschaft der Philosophen ausgeführt hat. Abermals weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, ob der völligen Ahnungslosigkeit dieser Positionsinhaber, die an Universitäten auf Studenten losgelassen werden.

Aber ganz so ahnungslos sind sie gar nicht. Es gibt etwas, wovon sie Ahnung haben, von Gender Mainstreaming haben sie Ahnung, oder besser: Sie kennen die einschlägigen Schriften zu Gender Mainstreaming, die das Bundesministerium für FSFJ veröffentlicht hat. Und daraus zitieren die Autoren ausgiebige 17 Zeilen ihres 115 Zeilen langen Beitrags. Man ist fast gewillt, Ihnen auf die Schultern zu klopfen und Fleisskärtchen zu verteilen, aber halt nur fast, denn wieder merken Salzborn-Kurth nicht, was sie schreiben.

So ist bei der AfD ganz furchtbar und antifeministisch, dass sie die “Gleichberechtigung der Geschlechter unter Anerkennung ihrer unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen- und Lebenssituationen” fordert. Das, so merken wir uns, ist antifeministisch.

Jaspers WeberIm Einklang mit der Lehre, mit Gendermainstreaming ist, was das Bundesministerium für FSFJ schreibt, so teilen Kurth Salzborn ihren Lesern mit, also: dass “bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interesse von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig” berücksichtigt werden sollen. Denn: “das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die politischen Akteure, bei allen Vorhaben die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu analysieren und ihre Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter beitragen”.

Sehen Sie den Unterschied zwischen den “unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen und Lebenssituationen” die die AfD Männern und Frauen attestiert und den “unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern”, den “unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen von Frauen und Männern”, die Kurth/Salzborn im Auftrag des BMFSFJ favorisieren?

Wir auch nicht. Beide teilen eine Großzügigkeit, die Menschen Interessen, Bedürfnisse und Rollen zugesteht und beide sind der Ansicht, dass sich Männer und Frauen grundlegend unterscheiden, teilen somit einen entsprechenden Essentialismus und Sexismus. Offensichtlich ist die ideologische Extase, in die sich Kurth/Salzborn geschrieben haben, so umfassend gewesen, dass nichts von der Realität übrig geblieben ist und so endet ihr Beitrag, wie er begonnen hat, mit einem Widerspruch.

Was Personen wie Kurth und Salzborn an Universitäten zu suchen haben, ist uns ein Rätsel, und derzeit sind wir uns auch nicht sicher, ob sie besser im Betreuten Wohnen oder im Vorstand des DGB aufgehoben sind, in jedem Fall gehören sie nicht an eine Universität, schon weil ihnen wissenschaftliches Arbeiten ebenso fremd ist, wie die Werke von Adam Smith und Max Weber .

Letztere kennt übrigens Karl Jaspers aus dem FF und aus seiner Biographie Max Webers wollen wir zwei kurze Zitate entnehmen, die gerade sehr gut passen, und anschließend können Kurth/Salzborn dann zumindest von sich sagen, dass sie zwei Zitate von Jaspers über Weber kennen:

“Die Vernunft der politischen Denkungsart verlangt Erkenntnis. Diese rein und redlich zu vollziehen ist Bedingung der Klarheit des politischen Willens” (Jaspers, 1988: 120).

Mit anderen Worten: Politik kann gerade nicht auf Ideologie beruhen. Sie muss auf Sachverstand, Faktenkenntnis, also auf dem beruhen, was Wissenschaftler in der Vergangenheit gewöhnlich bereit stellen,

“Welche Ziele auch immer in der Politik ergriffen werden, die Politik selber gründet sich, wenn sie groß und ernst ist, jederzeit auf Verantwortung” (Jaspers, 1988: 121).

Aber nicht nur Politiker tragen eigentlich Verantwortung, auch Wissenschaftler tun dies. Wer verantwortungslos schreibt, das Ziel, seine Leser mit Falschheit und Bewertung zu manipulieren verfolgt, das Ziel, seine Leser mit Informationen zu eigener Bewertung fähig zu machen, dagegen nicht, kann entsprechend kein Wissenschaftler sein, bestenfalls ein verantwortungsloser Ideologe und für den weder in Politik noch in Wissenschaft ein Platz ist, aber vielleicht im Betreuten Wohnen.

Die Sozialstruktur steht in Teilen auf dem Kopf

Nicht erst seit die OECD ihren Feldzug zur Erhöhung des Anteils von Hochschulabsolventen begonnen hat, gilt das Credo, dass ein höherer Bildungsabschluss mit einem höheren Status, einer höheren Bezahlung und vor allem einem höheren Platz in der Sozialstruktur einer Gesellschaft einhergeht. Unausgesprochen ist dabei die Prämisse, dass mit einem höheren Bildungsabschluss ein höheres Humankapital verbunden ist, das seinen Inhaber dazu in die Lage versetzt, höhere Produktivität zu entwickeln und somit einen höheren Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, als dies einem Inhaber eines geringeren Bildungsabschlusses, sagen wir, dem Inhaber eines Hauptschulabschlusses, der den Beruf des Klempners erlernt hat, möglich ist.

HUman CapitalDie Idee, Humankapital an Bildung zu koppeln, stammt nicht zuletzt vom kürzlich verstorbenen Gary S. Becker, wobei seine Idee eine distinktive qualitative Note beinhalten: Nicht der Bildungsabschluss als solcher ist für Becker das Relevante. Der Bildungsabschluss ist vielmehr die Operationalisierung, die er benutzt, um die höhere Produktivität, die mit mehr Humankapital einhergeht, zu messen.

Die Inflationierung höherer Bildung und die Zulassung immer neuer Studienfächer, deren Verbindung zu einem produktiven Beitrag für die Gesellschaft eher, sagen wir, nicht offensichtlich ist, führt dazu, dass die Annahmen, auf die Becker seine Humankapitaltheorie basiert hat, nur noch in eingeschränktem Maße zutreffen.

Wir behaupten, dass die Inflationierung höherer Bildungsabschlüsse, die Quantifizierung von Bildung anstelle der Qualifizierung über Bildung, wie sie vor allem durch die Überflutung der Universitäten mit weitgehend nutzlosen Studienfächern, die keinen erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen, erfolgt ist, dazu geführt hat, dass die Verbindung zwischen höherem Bildungsabschluss und höherer Produktivität im Aggregat geschwächt wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass es Bildungstitelinhaber gibt, die einen höheren Status, einen höheren Platz in der Sozialstruktur beanspruchen, der ihnen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen, den sie bereitstellen, nicht zukommt. Es führt häufig dazu, dass sie Gehälter in einer Höhe beziehen, die im gesamtgesellschatflichen Vergleich unangemessen und unfair sind.

Wir wollen unsere Hypothese zunächst dadurch prüfen, dass wir die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Absolvent eines Gender Studiums hat, mit den Fähigkeiten vergleichen, die ein Klempner-Geselle am Ende seiner Lehrzeit in einer Prüfung unter Beweis stellen muss.

Das Studium der Gender Studies als Zweitfach an der Humbold Universität Berlin umfasst 6 Module, also z.B. die im folgenden genannten Themen, die das derzeitige Angebot der Gender Studies der HU-Berlin bereithält. Das Wissen, das in Gender Studies vermittelt wird, entstammt damit ausschließlich den sechs der im folgenden genannten und von Studenten gewählten Gebieten. Die Ausbildung zum Klempner ist in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Klempner geregelt. Die im folgenden genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind der Mindesbestand an Kenntnissen, den ein Klempner-Geselle nach Abschluss seiner Ausbildung haben muss.
Hanna Arendt in feministischer Diskussion Manuelles und maschinelles Bearbeiten (u.a.: Werkstoffe und Halbzeuge nach Verwendungszweck unterscheiden und manuell wie maschinell bearbeiten können)
Vom Homo Oeconomicus zur Femina Oeconomica – Die Wirtschaftswissenschaften aus Gender-Perspektive Fügen von Werstücken und Bauteilen (u.a.: Fügwerkzeuge und -verfahren festlegen, Bauteile durch Kaltnieten fügen, Bleche durch Falzen manuell und maschinell fügen
Behinderung ist sexy. Gender und Dis_Ability im Film Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten und Maschinen (u.a.: Bauteile und Baugruppen mit und ohne Hilfsmittel ein- und ausbauen, Sicherheitsmaßnahmen für elektrische Maschinen und Geräte ergreifen.
Die Werke Martha Nussbaums Einbauen von elektrischen Komponenten (u.a.: elektrische Anschlüsse mittels Steckverbindung herstellen, Mängel feststellen, Maßnahmen zur Behebung der Mängel veranlassen
Wissensordnung in Missionszeitschriften: Religion, Natur, Kultur und Geschlechter (18. Jhdt) Entwerfen und Fertigen von Schablonen und Zuschnitten (u.a.: Schablonen aus metallischen und nicht-metallischen Werkstoffen herstellen)
Ambivalenz der Sichtbarkeit: repräsentationskritische Perspektiven Prüfen, Behandeln und Schützen von Oberflächen (u.a. Werkstücke und Halbzeuge auf Materialfehler, Oberflächenschutz und Oberflächengüte prüfen)
Befestigen von Bauteilen und Baugruppen in Mauerwerk, Beton und Holz (u.a. Wandschlitze, Decken- und Wanddurchbrüche herstellen)
Decken und Instandhalten von Dach- und Wandflächen am Bauwerk (u.a.: Verlegetechniken für Schichtenaufbauten bei Dachbegrünung unterscheiden und anwenden)
Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser (u.a.: Formteile für Dachrinnen, insbesondere Dehnungsausgleicher, Rinnenkästen und Rinnenwinkel anfertigen
Anfertigen und Montieren von lufttechnischen Anlagen (u.a.: Formstücke, insbesondere Bögen und Verzweigungen anfertigen und montieren
Transportieren von Bauteilen und Baugruppen (u.a.: Hebezeuge, insbesondere Seilzüge und Winden handhaben
Herstellen von Fugenabschlüssen sowie Durchführung von Wärmedämm- und Dichtungsmaßnahmen (u.a.: Maßnahmen zur Schalldämmung an Rohr- und Aggregatbefestigungen durchführen)
Einbauen von Energiesammlern, Energieumsetzern und nachhaltigen Energienutzungssystemen (u.a.: Energiesammler und Energieumsetzer, insbesondere Sonnenkollektoren und photovoltaische Elemente in Dach- und Wandflächen einbauen
Anbringen von Fangeinrichtungen und von Ableitungen für den äußeren Blitzschutz
Berufausbildung, Arbeits- und Tarifrecht, berufsspezifische Randbedingungen (u.a.: Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung)
Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs (u.a.: Beziehungen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung)
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (u.a.: berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwenden)
Umweltschutz (u.a.: für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes)
Betriebliche und technische Kommunikation (u.a.: technische Unterlagen, insbesondere Skizzen und Zeichnungen lesen, erstellen und anwenden, Aufmaße anfertigen)
Kundenorientierte Kommunikation (Kundenwünsche ermitteln, auf Umsetzbarkeit prüfen mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen, Kosten abschätzen
Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (u.a.: Zeitaufwand und personelle Unterstützung zur Durchführung von Arbeitsaufträgen abschätzen)
Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (u.a.: Normen und Richtlinien zur Sicherung der Qualität, Bauteile auf Maßhaltigkeit, Dichtigkeit und sichere Verbindung prüfen)

 

Es mag der eine oder andere einwenden wollen, dass die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Geselle am Ende seiner Klempnerlehre erworben haben muss, in der Ausbildungsverordnung und der Tabelle umfassender dargestellt sind als dies für die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Rahmen eines Gender Studiums erworben werden, der Fall ist. Darauf gibt es die folgenden Antwort:

“Das Zweitfach Geschlechterstudien/Gender Studies zielt auf die Vermittlung konkreter Kenntnisse, Methoden und Arbeitstechniken im Zusammenhang mit der Analyse der Kategorie Geschlecht… Konkretes Ziel ist, Fähigkeiten zur Analyse von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen sozialen, politischen, historischen und kulturellen Kontexten auszubilden…”

KlempnerSo wird die Zielsetzung im Studienfach Geschlechterstudien von der HU-Berlin selbst beschrieben. Das Studium der Geschlechterstudien hat Geschlechterstudien zum Gegenstand, die mit Methoden und Arbeitstechniken in einem Zusammenhang stehen und deren konkretes Ziel die Fähigkeit zur Analyse von Geschlechterverhältnissen ist. Trotz aller Betonung von Methoden und Arbeitstechniken ist es uns nicht gelungen, einen Einführungskurs in Statistik, Methoden der empirischen Sozialforschung, Logik oder auch nur die Kunst, richtig zu zitieren, zu finden. Kurz: Gegenstand, Nutzen und Ziel von Geschlechterstudien sind unbekannt. Was man mit einem studierten Geschlechterstudienbetreiber soll, ist ebenso unklar. Vermutlich müssen deshalb Ministerien wie das Ministerium für FSFJ ständig geschlechtsbezogene Programme auflegen, um den Absolventen ein Auskommen zu verschaffen, und zwar auf Kosten von Steuerzahlern, woraus der Schluss folgt: Geschlechterstudierte schaden dem Bruttoinlandsprodukt, sie verbrauchen Steuermittel und schaffen keinen erkennbaren Mehrwert.

Dagegen hat man keinerlei Probleme den Mehrwert zu benennen, den ein Klempner erwirtschaftet, ebenso wenig wie man Probleme hat, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu benennen, die ein Klempner nach Abschluss seiner Lehre hat.

Wie kommt es vor diesem Hintergrund, dass Genderstudierte, die doch in der Regel linkem Gedankengut anhängen, für sich in Anspruch nehmen, eine höhere soziale Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, als der Arbeiter Edwin aus der Siedlung? Man kann diese seltsame Erscheinug moderner Gesellschaften, in denen eine Klasse von Studierten, deren einziger Beitrag darin besteht, eine Perspektive auf etwas zu haben, deren Nutzen nicht erkennbar ist, eine höhere Bezahlung, einen höheren Platz in der Sozialstruktur reklamieren kann als ein Klempner, der jeden Arbeitstag aufs Neue die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller befördert, nur als eine Erscheinung gesellschaftlicher Degeneration ansehen und sich wundern, dass all die Bekenntnis-Linken damit so gar keine Probleme haben.

 

©ScienceFiles, 2014

Mehr schlechte Nachrichten: Hilfsprogramme helfen in erster Linie den Helfern

Wir sind auf den Geschmack gekommen, denn: keiner kann Mythen derart konsequent und vollständig zerstören wie Milton Friedman. Ergo lassen wir ihn im heutigen Post den “Robin-Hood-Mythos” zerstören.

Was Friedman den Robin-Hood-Mythos nennt, fassen wir gewöhnlich unter dem Begriff der Gutmenschen, die sich anderer bedienen, um sich selbst ein Auskommen zu verschaffen. Als wäre dies nicht schlimm genug und zudem ein Verstoß gegen das Kantsche Instrumentalisierungsverbot, würzen es viele Gutmenschen noch besonders, in dem sie denen, die zu instrumentalisieren sie im Begriff sind, erzählen, sie seien nur um deren Wohlergehen besorgt.

Kant praktische VernunftDas Kantsche Instrumentalisierungsverbot, aufgestellt in der Metaphysik der Sitten, besagt: “§38: [...] denn der Mensch kann von keinem Menschen […] bloß als Mittel, sondern muss jederzeit zugleich als Zweck gebraucht werden, und darin besteht seine Würde”. Kein Mensch darf nach Ansicht von Kant einen anderen Menschen als Mittel zu seinem Zweck instrumentalisieren. Die menschliche Moralität basiert für Kant darauf, dass diese Form der gegenseitigen Achtung eingehalten wird. Wer andere instrumentalisiert, der kann entsprechend nur unmoralisch sein, was in der Konsequenz bedeutet, dass Gutmenschen unmoralisch sind, weil sie andere und ungefragt zu Mittel degradieren, mit denen sie ihre eigenen Zweck, nämlich daran zu verdienen, anderen angeblich zu helfen, erreichen wollen.

Der Unsinn des paternalistischen Liberalismus gehört in die Klasse dieser Form der Heuchelei, ebenso wie die sogenannten positiven Maßnahmen, die durch Diskriminierung einer gesellschaftlichen Gruppe erreichen wollen, dass eine andere Gruppe, die angeblich diskriminiert wird, nicht mehr diskriminiert wird. Diese positiven Maßnahmen, wie Diskriminierung im politisch korrekten Euphemismus genannt wird, stellen den Versuch dar, Mord durch Mord zu beseitigen, und entsprechend kann man sich ungefährt vorstellen, welchen geistigen Tiefgang diejenigen haben, die sie aus Überzeugung fordern, und man kann sich ungefähr vorstellen, wie zynisch und menschenfeindlich diejenigen sind, die positive Maßnahmen, also explizite Diskriminierung zu ihrem Vorteil anwenden.

Sie sind schon deshalb menschenfeindlich, weil sie Individuen nur in Gruppen wahrzunehmen im Stande sind. Wer nicht Gruppenmitglied ist, ist nicht existent. Dabei wird die eigene Menschenfeindlichkeit hinter Begriffen wie “gesellschaftliche Strukturen” versteckt und eine Grandeur für sich in Anspruch genommen, die der eigenen Intelligenz diametral entgegen steht, etwa so: “Wie bricht man diskriminierende Strukturen und Einstellungen auf, deren Folge die Abwertung und Benachteiligung ganzer gesellschaftlicher Gruppen ist? In Deutschland liegen zu dieser Problematik vor allem Erfahrungen aus der Frauengleichstellungspolitik vor. Sie zeigen, dass trotz vieler Fortschritte in Richtung Geschlechtergerechtigkeit beharrliche strukturelle und kognitive Barrieren verhindern, dass umfassende Erfolge erzielt werden. Klar ist daher, dass ein aktives und konsequentes Handeln sowie langfristiges Engagement von allen Teilen der Gesellschaft gefordert sind.” Behauptungen bilden den Ausgangspunkt, der eine Art moderne Glaubenskongregation nicht nur sich dazu berufen fühlen sieht, den behaupteten Missstand zu beseitigen, sondern in aller Grandeuer auch genau zu wissen, wie und auf welche Art der behauptete Missstand beseitigt werden kann und muss.

Dass Gutmenschen versuchen, sich auf anderer Kosten Vorteile zu verschaffen, ist nicht das Problem an der beschriebenen Verhaltensweise. Dass Gutmenschen versuchen, dies dadurch zu tun, dass sie vorgeben, anderen helfen zu wollen, ist schon ärgerlicher. Am ärgerlichsten ist jedoch die Anmaßung von Gutmenschen, die doch tatsächlich der Ansicht sind, sie könnten darüber entscheiden, was gesellschaftlich angemessen ist, was für welche konkreten Menschen richtig und gut ist und was für ihre jeweiligen Opfer getan werden muss. Die Entmündigung, die Gutmenschen glauben, bei anderen vornehmen zu können, und zwar ungestraft, ist das, was eigentlich ärgerlich ist, vor allem, wenn man den durchschnittlichen IQ von Gutmenschen dabei in Rechnung stellt.

MuellabfuhrWir haben dies schon an der Art und Weise deutlich gemacht, wie sich die Mittelschicht der Unterschicht bedient, z.B. in Form der angeblich bildungsfernen Schichten, die regelmäßig Gegenstand umfassender Förderaufrufe und -maßnahmen werden, ohne dass sich jemals etwas daran ändern würde, dass die vermeintlich bildungsfernen Schichten bildungsfern sind, so dass sich rein empirisch betrachtet feststellen lässt, dass ein Erfolg aller gutmenschlichen Bemühungen nicht erkennbar ist. Das kann auch gar nicht anders sein, denn z.B. in Grundschulen wird bei der Grundschulempfehlung genau die Variable, die eben noch bejammert wurde, die angebliche Bildungsferne, genutzt, um Kinder aus so stereotypisierten Familien, eben wegen ihrer angeblichen Bildungsferne von höherer Bildung fernzuhalten, mit der Begründung, dass ihnen die Unterstützung im Elterhaus fehle.

Wir haben dies auch am Beispiel der Funktionalität der Unterschicht deutlich gemacht, deren Armut wichtig für die Mittelschicht ist, denn, wie John Kenneth Galbraith schreibt: “… the poor in our economy are needed to do the work that the more fortunate do not do and would find manifestly distasteful, even distressing” (412)

Vor diesem Hintergrund wäre es nicht auszudenken, was geschehen würde, hätten all die Hilfsprogramme für die Armen der Gesellschaft, all die Bildungsanstrengungen für die Unterschicht, Migranten und sonstige Gruppen, die die Mittelschicht unter sich verortet, den Erfolg, der als Ziel vorgeheuchelt werden soll: Wer würde den Müll lehren? Wer würde die Schülermasse für Sonderschullehrer stellen? Wer würde Gegenstand all der Hilfsprojekte, von Sozialarbeitern und sonstigen staatlich finanzierten Helfern? Womit würden all die Helferberufe-Inhaber ein Auskommen verdienen, wenn sie tatsächlich nach Abschluss ihrer Tätigkeit geholfen hätten und die Gesellschaft sich in die Richtung verändern würde, die sie erreichen zu wollen vorgeben? Sie wären arbeitslos und müssten am Ende noch den Müll derjenigen leeren, denen sie geholfen haben.

Nicht auszudenken. Und deshalb dienen all die Programme zur Förderung von Migranten, Arbeiterkindern, bildungsfernen oder sonstig benachteiligten Gruppen nicht den Gruppen, denen sie angeblich dienen sollen, sondern denen, die ihnen helfen wollen. Deshalb sind alle Programme, die die Mittelschicht auflegt, um der Unterschicht zu helfen, Umverteilungsmaßnahmen, die von der Unterschicht mitfinanziert werden und ausschließlich der Mittelschicht zu Gute kommen, wie dies mit universitärer Bildung auch der Fall ist, die von 92% der Unterschicht, die nicht auf Universitäten ankommen, für die Kinder der Mittelschicht, die die Mehrzahl der Studenten stellen, mitfinanziert wird – damit die studierten Sozialarbeiter und Sozialpädagogen dann ausziehen können, um der Unterschicht zu sagen, was gut für sie ist.

Kaum einer hat diesen Zusammenhang so gut auf den Punkt gebracht, wie Milton Friedman im Robin-Hood-Mythos
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Schlechte Nachrichten: Es gibt nichts umsonst

Das folgende Fundstück wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Es sind rund sieben Minuten aus einem Vortrag von Milton Friedman, in denen er auf einfache und prägnante Art und Weise zeigt, dass es nichts umsonst gibt, dass der Glaube, eine Regierung könne Leistungen bereitstellen, die den einzelnen nichts kosten, ein Irr-Glaube ist. Ebenso wie der Glaube, wenn man Unternehmen besteuere, dann kämen die Steuern aus einem Topf, der nicht von Arbeitern gefüllt werden müsse.

Friedman zeigt in nicht ganz vier Minuten, wie einfach der Trick ist, den Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre gerne anwenden, um Arbeitnehmern weiß zu machen, die Teilung der Sozialabgaben zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer würde Arbeitnehmer entlasten, käme ihnen zu gute,

Kurz: die sieben Minuten zeigen, dass alle Leistungen, die eine Regierung mit viel Selbstlob und Tamtam und als auf die Beseitigung der sozialen Ungleichheit gerichtet, anpreist, genau diese soziale Ungleichheit nicht beseitigen, sondern noch vertiefen, denn diejenigen, denen geholfen werden soll, sind diejenigen, die aufgrund ihrer geringen Einkommen überproportional für ihre eigene Besserstellung, die entsprechend zu einer Schlechterstellung werden muss, aufkommen müssen.

Es gibt eben keinen “free lunch” und das Schlimmste was Mitgliedern der unteren Klasse geschehen kann, ist, dass ihnen Funktionäre und Politiker helfen wollen, denn beide haben nur die eigenen Interessen und die der Klasse zu der sie gehören, im Sinn. Deshalb täuschen sie einfache Arbeitnehmer und erzählen, ein Humbug wie die Frauenförderung käme Friseusen, Putzfrauen oder Verkäuferinnen zu gute.

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Und weil derjenige, der sich auf die Regierung verlässt, verlassen ist, gibt es nur eines: Humankapital bilden, und zwar zusätzliches Humankapital, zusätzlich zu Schule und Studium. Dies zeigt eine neue Untersuchung aus den USA, die gerade von Marjan Houshmand, Marc David L. Seidel und Dennis G. Ma veröffentlicht wurde.

Unter der Überschrift “Beneficial ‘Child Labor'” zeigen die Autoren, dass Jugendliche, die während ihrer Schulzeit und während ihres Studiums einen Job hatten, selbst wenn es sich dabei um das Drehen von Hamburgern bei McDonalds gehandelt hat, nach Abschluss ihrer Ausbildung einen besseren Beruf mit einem höheren Einkommen ergriffen haben als Jugendliche, die lieber auf der faulen Haut lagen oder dem vertraut haben, was ihnen besorgte Pädagogen anraten: Ihre Kindheit und Jugend vermeintlich zu genießen indem sie nichts Nützliches tun.

Auch hier gibt es keinen “free lunch”, vielmehr ist der Rat, doch besser nicht während Kindheit und Jugend zu arbeiten, ein teurer Rat, den die Beratenen zu zahlen haben, durch ein geringeres Einkommen und einen schlechteren Beruf. Denn: die Forschung von Houshmand, Seidel und Ma zeigt: ein Job bereitet Kinder und Jugendlichen auf den beruflichen Alltag vor, vermittelt ihnen Qualifikationen und Kompetenzen, die sie anderen Jugendlichen voraushaben und auf dem Arbeitsmarkt gewinnbringend einsetzen können.

Friedman Capitalism and FreedomSchließlich: Je mehr Jugendliche arbeiten (unter den 246661 kanadischen Teenagern, die im Alter von 15 Jahren befragt und dann über die nächsten zehn Jahre regelmäßig aufs Neue befragt wurden, waren Teenager, die bis zu 43 Wochenstunden während der Ferien arbeiteten), desto besser sind ihre Berufsaussichten.

Um das Thema “free lunch” abzuschließen: Auch weibliche Bewerber, die sich Aussichten auf eine Stelle im Rahmen sogenannter Frauenförderung machen, haben schlechte Aussichten, denn die bestbezahlten Jobs, sind genau die, die die Frauenförderung einfach nicht erreichen kann: IT, Ingenieurwissenschaft und Mathematik. Studenten, die nach ihrem Studium einen Job in diesen Bereichen annahmen, hatten ein um 31% höheres Jahreseinkommen als Studenten, die eine andere Fachrichtung studierten, so berichtet das US-amerikanische Department of Education.

Auch hier hilft es also nichts, auf die Regierung zu warten: belohnt werden nach wie vor Kenntnisse und Leistungen, und wer sie nicht vorzuweisen hat, kann kein Einkommen erwarten, wie derjenige, der sie vorzuweisen hat.

Dieser Zusammenhang gilt in den USA. In Deutschland werden derzeit im Rahmen der Frauenförderung Anstrengungen unternommen, diese vermutlich als patriarchale Struktur befeindete Tatsache, die sich direkt aus der conditio humana ableitet, zu beseitigen und Nicht-Leistung zu honorieren, wie das im Sozialismus so üblich ist und wie es regelmäßig dazu führt, dass sozialistische Regime über kurz oder lang, entweder eine Mauer bauen müssen, um die Fähigen unter ihrer Bevölkerung am Abwandern zu hindern oder an der eigenen Ideologie verenden, weil dann, wenn Nicht-Leistung honoriert wird, über kurz oder lang niemand mehr leistet.

Nutznießer-Spirale: Wohlfahrtsstaaten sind der Anfang vom Ende

Eine witzige und interessante Arbeit zum Thema “Wohlfahrtsstaat” kommt aus Frankreich. Verfasst haben sie Yann Algan, Pierre Cahuc und Marc Sangnier. Die Arbeit ist witzig, weil sie eine Thematik behandelt, die die meisten politisch korrekten und institutionalisierten Wissenschaftler sich nicht anzufassen trauen, und sie ist interessant, weil sie auf einfach Art und Weise zeigt, dass in Wohlfahrtsstaaten ein Gesetz der Degeneration, des gesellschaftlichen Niedergangs zu beobachten ist.

Algan, Cahuc und Sangnier gehören zu den Wissenschaftlern, die gute Ideen in einfache und kausale Annahmen zu verpacken in der Lage sind, und zwar so:

  • reichtum fuer alleGesellschaften bestehen aus Menschen, denen man vertrauen kann und Menschen, denen man nicht vertrauen kann.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, sind kooperativ und produktiv, d.h. sie haben etwas mit anderen zu tauschen. Menschen, denen man nicht trauen kann, versuchen, Kooperationen zu ihren Gunsten auszunutzen. Sie sind nicht produktiv: sie nehmen nur, haben selbst nichts zu geben, und deshalb kann man ihnen nicht trauen.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, die kooperativ und produktiv sind, bezeichen Algan, Cahuc und Sangnier als zivile Menschen, diejenigen, auf die diese Eigenschaften nicht zutreffen als nicht-zivile Menschen.
  • Die erste Annahme, die die Autoren auf diesem Grundmodell treffen lautet: Die Bereitschaft, Steuern an einen Wohlfahrtsstaat zu zahlen, steigt mit dem Anteil der zivilen Menschen.
  • Daraus folgt, dass auch die Unterstützung für Wohlfahrtsstaaten mit dem Anteil der zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt.
  • Jedoch stellen Wohlfahrtsstaaten Anreize zum Opportunistmus dar, weshalb es einen anderen Zusammenhang gibt: Wenn der Anteil der nicht-zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt, dann ergeben sich daraus triste Konsequenzen:
    • Die Bereitschaft, Steuern zu zahlen sinkt, die Bereitschaft, Steuern vorzuenthalten, steigt.
    • Der Anteil derjenigen, die vom Wohlfahrtstaat leben wollen und Transferzahlung anstreben, steigt.
    • Die Unterstützung für den Wohlfahrtsstaat wächst unter seinen Günstlingen, den unzivilen Menschen.
    • Gleichzeitig werden immer neue Forderungen nach Umverteilung und höheren Steuern durch nicht-zivilen Menschen erhoben: “Uncivic individuals desire more redistribution for two reasons. First, they benefit from public transfer more frequently than civic individuals since they claim benefits when their production can be hidden. Second, they do not bear the full burden of taxation since they dodge taxes when this is possible” (5).

Ab diesem Zeitpunkt ist in einem Wohlfahrtsstaat eine Nutznießer-Spirale am Werk, deren Konsequenz ein “race-to-the-bottom” ist: Immer mehr Profiteure des Wohlfahrsstaates, die unkooperativ und nicht vertrauenswürdig sind, die sich opportunistisch verhalten, fordern immer höhere Steuern und eine immer weitergehende Umverteilung von Steuermitteln und hoffen, davon zu profitieren.

Und als wäre dies nicht schon genug, werden die Horden nicht-ziviler Menschen, die versuchen, auf Kosten der zivilen Menschen zu leben, durch korrupte Bedienstete des Staates unterstützt: “Societies populated by a majority of uncivic individuals can support corrupt and ineffective welfare states that can be larger than the more effective welfare states of societies populated by a majority of civic individuals” (6).

Bis hier hat die Arbeit von Algan, Cahuc und Sagnier bereits eine große Zahl von interessanten Ideen und Konsequenzen aus den Ideen, über die es sich nachzudenken lohnt, bereit gestellt. Aber es kommt noch besser:

Die Autoren testen ihre Annahmen anhand der Daten der OECD Expediture Database, des World Value Survey und des European Social Surveys, und die Daten bestätigen jede einzelne ihrer Annahmen.D.h. Wolfahrtsstaaten tendieren dann, wenn in ihnen das Vertrauen zwischen den Menschen verschwindet und Kooperation problematisch gemacht wird, zu korrupten Selbstbedienungsanstalten für nicht-zivile Menschen zu werden, die ihren Vorteil auf Kosten Dritter suchen und mit Hilfe korrupter Regierungen immer neue Gesetze und Regelungen durchsetzen, die dem Ziel dienen, noch mehr von Umverteilung zu profitieren und immer neue Mittel in die eigene Tasche zu leiten.

“Large, corrupt and ineffective welfare states can survive thanks to the support of a majority of untrustworthy individuals. The creation of large, transparent and effective welfare states needs a large majority of trustworthy citizens. These findings might explain why it is so difficult to reform the large welfare states of Continental Europa countries despite the widespread consensus that they are less effective and transparent than their counterparts in Nordic countries.” (14)

So beenden die Autoren ihre Arbeit. Aber hier fängt es eigentlich erst an.

Wenn Gesellschaften, in denen Ideologen Unfrieden und Misstrauen säen, etwa so, wie es Sozialisten und Feministen in Deutschland tun, über kurz oder lang in ineffiziente Wohlfahrtsstaaten ausarten, in denen es vor allem darum geht, selbst auf Kosten anderer zu profitieren, dann kann man sich die Richtung, in die die deutsche Gesellschaft drifted gut vorstellen.

wohlfahtsstaatAber nicht nur das, wenn die Gefahr großer Wohlfahrtsstaaten darin besteht, dass sie von einer Meute Opportunisten übernommen werden, deren einziges Bestreben darin besteht, immer neue Umverteilung zu fordern und neue Wege zu ersinnen, wie sie an das Geld der zivilen Mitglieder der Gesellschaft kommen, dann zeigt sich hier ein Geburtsfehler repräsentativer Demokratien, stehen sie doch in der Gefahr zum demokratischen Despotismus einer Nutznießer-Oligarchie zu verkommen.

Und dass Deutschland auf dem besten Weg in den demokratischen Despotismus ist bzw. längst im demokratischen Despotismus angekommen ist, zeigt sich z.B.

  • in der Hetzjagd, die auf Menschen veranstaltet wird, die Steuern vorenthalten.
  • Es zeigt sich darin, dass kaum jemand mehr auf die Idee kommt, dass Staaten kein Existenzrecht per se haben, sondern als Dienstleister souveräner Individuen eingesetzt wurden.
  • Es zeigt sich in der Herrschaft der Mittelmäßigen, die kein Problem damit haben, Maßnahmen wie einen Mindestlohn oder eine Frauenquote zu verabschieden, die die Wirtschaft schädigen.
  • Es zeigt sich darin, dass ein überbordender Apparat der Bereicherung von Günstlingen geschaffen wurde, der staatliche Institutionen dazu einsetzt, Steuermittel einzusammeln und an befreundete Netzwerke und Günstlinge umzuverteilen. Der Gender-Sumpf ist ein Beispiel unter vielen.
  • Es zeigt sich darin, dass die Nutznießer von staatlichen Transferzahlungen die Politik der Parteien bestimmen. Dies findet seinen deutlichsten Ausdruck darin, dass es schick geworden ist, nach Umverteilung zu rufen und nicht-Leistungen wie die Fortpflanzung durch Steuermittel zu honorieren.
  • Und schließlich zeigt es sich darin, dass zivile Menschen sich immer seltener in die Politik verirren, denn Politik ist zu einem Verschiebebahnhof geworden, auf dem sich blasse Gestalten einfinden, die im offenen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, keine Chance hätten, ein Auskommen zu erwirtschaften und entsprechend den Weg in die Politik (oder neuerdings im Rahmen entsprechender Förderprogramme an Universitäten) wählen.

Der Niedergang von Wohlfahrtsstaaten, die von immer mehr Nutznießern gekapert werden und von immer weniger zivilen Menschen bevölkert werden, ist mithin eine Folge des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, denn in einer Gesellschaft in der die Nutznießer staatlicher Steuergeschenke die Mehrheit bilden, ist der Ausgang einer Wahl ebenso vorhersehbar wie die Politikangebote, die Politiker machen: hier wird umverteilt, bis es nichts mehr umzuverteilen gibt.

Wir nennen das die Nutznießer-Spirale.

©ScienceFiles,2014

Algan, Yann, Cahuc, Pierre & Sangnier, Marc (2014). Trust and the Welfare State: The Twin Peaks Curve. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit; Institute for the Study of Labor IZA DP No. 8277.

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Steuerknechtschaft: Durchschnittsarbeitnehmer zahlt mehr als 50% Steuern

New Direction – Foundation for European Reform hat gerade eine Studie veröffentlicht, die es in sich hat. Es geht darin um die Steuerlast, die ein durchschnittlicher Arbeitnehmer  zu tragen hat.

Berechnet wurde eine reale Steuerlast, also die Steuerlast, die über Einkommenssteuer, Sozialversicherungsabgaben und Mehrwertsteuer entsteht. Sonstige Steuern, aus dem vielfältigen Arsenal der Besteuerung, wie z.B. Tabaksteuer, Schaumweinsteuer, Stromsteuer, Branntweinsteuer, Energiesteuer, Versicherungssteuer, Kraftfahrzeugsteuer, Solidaritätszuschlag uvm. sind also nicht berücksichtigt.

Warum die Autoren der Studie die Steuerlast, die nur ein Bruchteil der realen Steuerlast darstellt, reale Steuerlast genannt haben, bleibt ihr Geheimnis.

Dass die genannten Steuerarten nicht berücksichtigt wurden, liegt daran, dass die Zielsetzung der Studie darin besteht, “die Steuer- und Abgabenlast der Beschäftigten in den 28 EU-Staaten” und dabei “Äpfel mit Apfeln” zu vergleichen. Und die Studie will die wahren Kosten, die mit der Beschäftigung von Arbeitnehmern in den Mitgliedsstaaten der EU verbunden sind, aufzeigen.

Die reale Steuerbelastung, die ermittelt wurde, ist demnach nicht mit der tatsächlichen Steuerbelastung z.B. in Deutschland identisch. Die tatsächliche Steuerbelastung liegt noch oberhalb der ermittelten realen Steuerbelastung, Kraftfahrzeugsteuer, Energiesteuer (z.B.: Benzinsteuer), Stromsteuer usw. sind noch zu addieren.

Auch ohne die genannten Steuern ist die reale Steuerlast, der sich ein durchschnittlicher Erwerbstätiger in Deutschland ausgesetzt sieht, mit stolzen 52,38% immens. Mehr als die Hälfte seiner Arbeitszeit bringt ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Deutschland demnach damit zu, für seinen Staat zu arbeiten, damit sein Staat umverteilen kann. Mit 52,38% liegt der Steuerabzug, den ein deutscher Arbeitnehmer zu erdulden hat, 7,11% über der durchschnittlichen Steuerlast aller 28 EU-Mitgliedsstaaten (45,27%). Ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer muss bis zum 11 Juli eines Jahres für seinen Staat arbeiten. Ab dem 12. Juli arbeitet er für sein eigenes Einkommen. Die Lohnknechtschaft wurde also von der Steuerknechtschaft ersetzt.

Im internationalen Vergleich zählen deutsche Arbeitnehmer zu denjenigen, die am umfangreichsten von ihrem Staat ausgenommen werden. Die folgende Aufstellung zeigt für die 28 EU-Mitgliedsstaaten, bis wann ein Arbeitnehmer für seinen Staat arbeiten gehen muss (Basis der Berechnung sind die in der Terminologie der Studie: realen Steuern, die ein durchschnittlicher Arbeitnehmer zahlen muss, nicht die tatsächlichen Steuern):

Steuerzahlertagkalender

Angesichts dieser beeindruckenden Daten stellt sich die Frage, wieso in Deutschland überhaupt noch jemand arbeiten geht: Sagen doch die meisten Motivationstheorien vorher, dass die Motivation dann leidet, wenn die Handlungsergebnisse nicht direkt dem Handelnden zu Gute kommen. Aus Sicht der Euqitätstheorie müsste man zudem annehmen, dass sich Arbeitnehmer, die wissen, was sie täglich leisten müssen, um ihre Lohntüte zu füllen, ungerecht behandelt vorkommen, wenn ihr Staat ihnen eben einmal mehr als die Hälfte ihrer Entlohnung wegnimmt, um sie anderweitig zu verteilen, z.B. in die Frauenförderung zu investieren oder um damit Programme, Maßnahmen, politische Stiftungen und nicht zuletzt: Parteien zu finanzieren.

Aus Sicht der Rational-Choice Theorie kann man diese Anomalien der genannten Motivations- und Equitätstheorien wiederum über Informationsasymmetrien erklären: Zwar wissen staatliche Akteure um das Ausmaß, in dem sie Arbeitnehmer schröpfen, aber die Arbeitnehmer wissen es nicht. Sie können das Ausmaß nicht richtig einschätzen, sind sich nicht im Klaren darüber, dass ihr Staat ihnen mehr als die Hälfte abzwackt, um damit z.B. allerlei wichtige Vergünstigungen für nicht Erwerbstätige, die nicht Rentner sind, zu finanzieren.

Aus Sicht von Gerechtigkeitstheorien, wie der Theorie distributiver Gerechtigkeit, muss man sich fragen, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, die Steuerlast so umzuverteilen, dass Personen, die arbeiten, für sich einen höheren Nutzen erarbeiten können als für ihren Staat.

Und aus Sicht des gesunden Menschenverstandes muss man sich fragen, wie moralisch verkommen ein Staat sein muss, der nicht in der Lage ist, die notwendigen Ausgaben für die Aufrechterhaltung wichtiger Infrastrukturen (z.B. Straßen) zu tragen, obwohl er den erwerbstätigen Teil der Bevölkerung über Gebühr ausnimmt.

Wer vor diesem Hintergrund anfangen will zu sparen, damit sein Staat darauf verzichten kann, ihn und andere Arbeitnehmer auszunehmen, kann dies tun, indem er unsere Petition gegen die teure und bestenfalls für die Gesellschaft nutzlose öffentliche Förderung von Genderismus an Hochschulen und Schulen unterzeichnet.

Nachtrag: Das monatliche Nettoeinkommen, das diesen Berechnungen zu Grunde liegt, beträgt in Deutschland 2.260,67 Euro. Die Berechnungen basieren auf dem “realen Bruttoeinkommen”, das alle Kosten der Beschäftigung eines Arbeitnehmers, inklusive der Arbeitgeberbeiträge, die zusätzlich zum Bruttolohn anfallen, berücksichtigt.

Rogers, James & Philippe, Cécile (2014). Die steuerliche Belastung eiens Durchschnittsverdieners in den 28 EU-Staaten.

Großer Verlust an Humankapital: Gary S. Becker ist gestorben

Am Samstag den 3. Mai ist der Ökonomen und Nobelpreisträger Gary S. Becker im Alter von 83 Jahren gestorben. Zeit seines Lebens hat sich Becker für freie Marktwirtschaft eingesetzt, und mit seinem Konzept des Humankapitals hat sich Becker ein Denkmal geschaffen, das weit über seinen Tod hinausreichen wird.

Wie kein anderer hat Gary Becker dazu beigetragen, die Ökonomie und das ökonomische Denken aus ihren engen Grenzen und in andere Sozialwissenschaften zu verbreiten. Besonders wichtig dafür war sein Konzept des Humankapitals, das er in den 1960er Jahren entwickelt hat.

Becker_oekonomischer AnsatzInvestitionen in Bildung, Weiterbildung, Schulen, medizinische Versorgung, alle Investitionen, die geeignet sind, Ressourcen in Individuen herzustellen und zu erhalten, Humankapital zu bilden, wie Gary Becker es genannt hat, sie alle sind Investitionen, die sich für Individuen und die Gesellschaft als ganzes lohnen. Über je mehr Humankapital Individuen verfügen, desto höher ihr Einkommen, ihr Status, desto besser ihr Leben.

In gewisser Weise ist Gary Becker die individualistische Ergänzung zu Theodore W. Schultz, der Anfang der 1960er Jahre auf den Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau einer Gesellschaft und ihrem Wohlstand aufmerksam gemacht hat. Becker hat für Individuen gezeigt, dass sich Investitionen in Humankapital lohnen. Folglich erfordert eine sinnvolle Bildungspolitik die Schaffung der Randbedingungen, unter denen individuelle Investitionen in Humankapital effizient sein können.

Später hat Becker erzählt, dass er lange mit sich gerungen hat, ehe er sein theoretisches Konzept “Humankapital” genannt hat, weil er befürchtet hat, viele könnten den Begriff missverstehen und denken, er behandele Menschen wie Maschinen oder Sklaven. “My, how the world has changed!”, so schreibt er später, “The name and analysis are now readily accepted by most people not only in the social sciences, but even in the media” (Becker, 1993: 16). Offensichtlich hat Becker noch nie von den Darmstädter Sittenwächtern der Sprache gehört, die ihrerseits und ebenso offensichtlich keinerlei Ahnung haben, was hinter dem Konzept des Humankapitals steht.

Die Grundlagenarbeit von Gary Becker hat eine Renaissance des Rational Choice Ansatzes in den Sozialwissenschaften vorbereitet. Wissenschaftler wie Raymond Boudon, Hartmut Esser, Bruno S. Frey, Siegwart Lindernberg, Bernhard Nauck und Karl Dieter Opp haben die Ökonomie von Becker zur Sozialwissenschaft gemacht und sich dabei auf die vielen Vorarbeiten von Becker gestützt. Vorarbeiten, mit denen Becker auf Basis seiner ökonomischen Theorie Kriminalität, Vorurteile und Diskriminierung, Heirat und Fertilität oder soziale Interaktionen erklärt hat.

HUman CapitalSo überzeugend, dass das Nobelpreiskommitee nicht umhin konnte Gary Becker im Jahr 1992 den Nobelpreis für Ökonomie zu verleihen. Er habe, so hat Becker (1996: 308) in seiner Kolumne bei der New York Times geschrieben, den Nobelpreis dafür gewonnen, dass er die ökonomische Analyse auf soziale Probleme, vor allem auf Diskriminierung auf Grundlage von Rasse oder Geschlecht, für Investitionen in Bildung und Humankapital sowie seine Arbeiten im Hinblick auf die Erklärung von Kriminalität und die Formation, Struktur und Auflösung von Familien verliehen bekommen, und nichts wäre passender, um seine Arbeit zu würdigen, als einige Kostproben aus seiner reichhaltigen Forschung zu diesen Themen zu geben.

Mindestlohn

Zum Thema Mindestlohn, das heute unter Politikern, die sich bei bestimmten Wählern einschmeicheln wollen, wieder hoch im Kurs steht, hat Becker unter der Überschrift “erhöhe den Mindestlohn und du erhöhst die Arbeitslosigkeit” geschrieben: Selbst ein Zauberer hätte erhebliche Probleme damit, dass ökonomische Gesetz, nachdem ein Mindestlohn (oder eine Erhöhung des Mindestlohns) die Anzahl der Beschäftigten reduziert zu beseitigen. Weil Politiker keine Zauberer sind, sollten sie es gar nicht erst versuchen (Becker, 1996: 38).

Diskriminierung von Frauen

Die politische Mode, die Becker schon in den 1990er Jahren beobachtet hat, geht dahin, Frauen auf Händen in den Beruf zu tragen und vor allem eine Vereinbarkeit von Arbeit und Fertilität dadurch herzustellen, dass Unternehmen u.a. dazu gezwungen werden, Beschäftigten mit Kindern bezahlte Elternzeit zu gewähren. Dies, so hat Becker festgestellt, sei ungerecht und ineffizient. Es diskriminiert Singles und Verheiratete, die keine Kinder haben oder Verheiratete mit erwachsenen Kindern (Becker, 1996: 130). Aber, wo gehobelt wird, da fallen Spähne und entsprechend diskriminiern die heutigen vermeintlichen Wohlfahrtsstaaten munter und mit zunehmender Intensität all diejenigen, die nicht ihrem Modell von Mensch entsprechen.

An anderer Stelle stellt Becker fest, dass die Löhne von Frauen über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen seien. Dies, so Becker, sei nicht das Ergebnis von Quoten oder sonstigen Politiken, die Frauen bevorzugen, es könne es gar nicht sein, denn die Gesetze seien zu einem Zeitpunkt erlassen, wirkten also punktuell, die Lohnsteigerungen seien aber kontinuierlich. Folglich können sie nur darauf zurückgeführt werden, dass Frauen sich mehr auf den Arbeitsmarkt einlassen und dort mehr Erfahrung und Kompetenzen sammeln und somit etwas, das ihnen keine Gesetzgebung verschaffen kann (Becker, 1996: 132)).

Korruption

economics of lifeJede finazielle Hilfe, die von Regierungen in Form einer Subvention, Maßnahme oder in anderer Form (z.B. über Verträge) gewährt wird, ist eine Quelle der Korruption, kann dazu genutzt werden, um die eigene Klientel und sich selbst zu bereichern (man denke nur an die politischen Stiftungen), folglich hat Becker nur einen Rat, wenn es darum geht, Korruption wirksam zu bekämpfen: die Einflussmöglichkeiten von Regierungen und die Anzahl der Regierungsbediensteten verringern (Becker, 1996: 203):

“But corruption always reemerges whenever governments have a major impact on economic conditions. The momentum behind reform movements peters out as politicians, officials and companies become tempted once again to risk exposure and disgrace by giving and receiving bribes and engaging in other corrupt acts” (Becker, 1996: 211).

Fertilität

Kein Rückblick auf das Werk von Gary Becker kann vollständig sein, wenn er nicht seine Arbeiten zu Familie und Fertilität umfasst. Und Becker selbst fasst seine grundlegende und einen ganzen Fachbereich neu orientierende ökonomische Analyse von Fertilität aus dem Jahr 1960 wie folgt zusammen (unsere Übersetzung):

“Kinder werden als langlebige Konsumgüter angesehen, die Einkommen, vornehmlich psychisches Einkommen für ihre Eltern produzieren. Fertilität (also die Entscheidung, sich forzupflanzen) ist von Einkommen, Kosten der Kinder, Wissen, Unsicherheit und Geschmack abhängig. Erhöht sich das Einkommen und sinken die Kosten von Kindern, dann steigt die Nachfrage nach Kindern, wobei es notwendig ist, zwischen der Quantität und der Qualität nachgefragter Kinder zu unterscheiden. Die Qualität von Kindern ist eine direkte Folge der Investition in Kinder.

Jede Familie muss eigene Kinder produzieren, da Kinder nicht auf dem Markt gekauft oder verkauft werden können. Deshalb resultiert jede Unsicherheit, die mit der Produktion von Kindern verbunden ist (z.B. das Geschlecht des Kindes) in einer entsprechenden Unsicherheit im Hinblick auf die Konsummöglichkeiten. Und deshalb hängt die Anzahl der Kinder in einer Familie nicht nur von der Nachfrage, sondern auch von den Möglichkeiten, Kinder zu produzieren und zu unterhalten ab. Manche Familien sind nicht in der Lage, so viele Kinder zu produzieren, wie sie wollen, während andere Familien mehr Kinder produzieren müssen, als sie wollen. Deshalb weicht die tatsächliche Fertilität erhebilch von der gewünschten Fertilität ab.

Ich habe in aller Kürze einige Implikationen dieser Theorie untersucht. Zum Beispiel kann mit der Theorie der Anstieg der Fertilität nach dem Zweiten Weltkrieg erklärt werden oder die relativ geringen Schwankungen wenn man die Nachfrage nach Kindern mit der Nachfrage nach anderen langlebigen Konsumgütern vergleicht. Sie erklärt beobachtbare Unterschiede zwischen Quantität und Qualität von Kindern, und sie erklärt, warum Frauen auf dem Land mehr Kinder haben als Frauen in der Stadt.

Ich habe eine wichtige Implikation der Theorie im Detail geprüft, nämlich dass die Anzahl der gewünschten Kinder eine Relation des Einkommens ist. … Hält man das Wissen um die Verhütung von Kindern konstant, dann ergibt sich ein positiver Zusammenhang zwischen der Anzahl von Kindern und dem Einkommen …”(Becker, 1976: 193).

Mit Gary S. Becker ist einer der großen, innovativen und streitbaren Ökonomen gestorben.

Der Zweck heiligt die Mittel: Klimawandel rechtfertigt auch Lügen

Alea iacta est, soll Julius Caesar gesagt haben, als er den Rubikon in Norditalien überschritten hat, um einen Bürgerkrieg zu beginnen. Der Rubikon ist seither das Symbol für einen “point of no return”, einen Punkt, von dem aus es kein Zurück gibt.

KuhnAuch in den Wissenschaften gibt es derartige “points of no return”. Sie sind sogar wichtig, denn neue Erkenntnisse können, wie Thomas Kuhn das sehr anschaulich beschrieben hat, wissenschaftliche Revolutionen auslösen, die die Welt in einem anderen Licht zeigen und von denen aus es in der Tat kein Zurück gibt.

Doch nicht jede Überschreitung des Rubicon hat positive Effekte, wie schon der Urschritt Caesars zeigt. Manche Dinge gehen in der Tat zu weit, und man wünscht sich selbst als Liberaler, sie wären nie publiziert wurden. Der angeblich liberale Paternalismus, den Cass Sunstein und Richard Thaler propagieren, ist ein solcher Rubikon, jedenfalls für Liberale, behauptet er doch, dass man “im Namen des Guten” die Willensfreiheit von Menschen etwas biegen dürfe, um sie in die Richtung des vorgeblich Guten zu “nudgen”.

Dieser vermeintlich liberale Paternalismus hat die Tore geöffnet für all diejenigen, die nichts dabei finden, wenn sie Dritte im “Namen des Guten”, also immer im Namen dessen, was sie für gut halten, manipulieren, ja belügen. Ein besonders krasses Beispiel dieser Form wissenschaftlicher Unlauterkeit macht derzeit die Runde in der US-amerikanischen Bloggosphere und u.a. Rothbardian hat darauf hingewiesen.

Das Beispiel ist ein Beitrag von Fuhai Hong und Xiaojian Zhao, veröffentlicht in der Aprilausgabe des American Journal of Agricultural Economics, und es ist betitelt mit: “Information Manipulation And Climate Agreements”.

Was man unter diesem Titel zu lesen bekommt, spottet jeder wissenschaftlichen Lauterkeit.

Das Ausgangsproblem ist ein ökonomisches, das als Free-Rider-Problem bekannt ist und besonders im Zusammenhang mit International Environmental Agreements diskutiert wird. Die Anreize, diesen Abkommen nicht beizutreten, sind nämlich sehr hoch, denn diejenigen Länder, die sich verpflichten z.B. ihren Ausstoß an CO2 zu reduzieren, reduzieren automatisch für die Länder mit, die sich nicht dazu verpflichten. CO2 hält sich nicht an die Landesgrenzen, in welcher Menge es auch immer ausgestoßen wird. Entsprechend kommt eine Reduzierung durch wenige allen zu Gute, eine Situation wie gemacht für das Trittbrettfahren.

Wohlgemerkt, die Prämisse, auf der diese ganze Argumentation basiert, lautet: Es ist wichtig und vorteilhaft, internationale Umweltabkommen zu schließen, wichtig und vorteilhaft für alle.

Hong und Zhao starten von dieser Prämisse und der damit verbundenen Behauptung, dass ein internationales Abkommen zum Umweltschutz, das dem Klimawandel vorbeugen soll, sinnvoll ist. Das setzt zwangsläufig voraus, dass die Autoren den Klimawandel als gegeben annehmen und die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun, ebenfalls.

Nun beobachten die Autoren Spannendes:

“… it appears that many of the points made in the film [Al Gores Film: An Inconvenient Truth] are controversial, and some have argued that it exaggerated the threat of global warming. … The IPCC [Intergovernmental Panel on Climate Change] has tended to over-generalize its research results and accentuate the negative side of climate change. Following its lead the mainstream media has gone even further. It is a routine and accepted practice that elements in the IPCC reports that indicate the possibility of high levels of crop damage in certain African countries are reported by the media without any qualifying considerations … Taken together, considerable evidence suggests that international mainstream media and pro-environmental organizations have the tendency to accentuate or even exaggerate the damage caused by climate change” (851-852).

Nudging-Science-CliffWer nun denkt, er hat hier einen kritische Beitrag vor sich, dessen Ziel darin besteht, den Alarmismus, die Hysterie und die Art und Weise, in der versucht wird, eine Klimapanik herbei zu manipulieren, offen zu legen, der sieht sich getäuscht. Hong und Zhao sind nämlich angetreten, die “Betonung (accentuation)” oder gar “Übertreibung (exaggeration)” die Medien, Umweltorganisationen, Regierung oder Al Gore betreiben, zu rechtfertigen. Und sie tun dies auf eine bestimmte ökonometrische Weise, bei der man zuerst Begriffe in Buchstaben und Zahlen übersetzt, z.B. N, N-1 und p (am besten hoch i), die so geschaffene Denotation in Gleichungen überträgt, die sicherstellen, dass das, was man vorne hineinsteckt, auch hinten herauskommt und dann zu dem unglaublichen Ergebnis kommt, dass dann, wenn man zwei Länder annimmt, von denen das eine die Darstellung der Schäden, die durch Klimaerwärmung entstehen, übertreibt, das andere nicht, dass man dann sagen kann: Wenn die Übertreibung dazu führt, dass Land zwei (das nicht übertreibende Land) einem Klimaabkommen mit dem ersten Land zustimmt, dass sich dann für alle ein positiver Wohlfahrtseffekt ergibt. Der positive Wohlfahrtseffekt soll sich dann ergeben, wenn die Berichterstattung über die Folgen der Klimaerwärmung übertrieben ist (post hoc-Argument). Allerdings, so die Autoren, könne man nicht sagen, wie die Übertreibung der Folgen durch das eine, vom anderen Land aufgenommen werde (ex-ante Argument), was dazu führt, dass die Folgen der Übertreibung als unklar eingeschätzt werden müssen.

In den Worten der Autoren:

“In equilibrium we find that the message sender may have a strict incentive to exaggerate the damages of climate change when it is less severe, which eventually increases the global welfare ex post. Interestingly, relying on information manipulation will give rise to a negative externality for all the players in the other state when the climate problem is more severe. Intuitively, in this state people will be aware of the message sender’s suppression, and exhibit rational scepticism even if the problem of climate change is indeed severe. Thus, from the ex ante viewpoint, it is not clear whether such information manipulation is welfare enhancing or not.” (852-853)

Also: “When the media or pro-environmental organizations have private information on the damage caused by climate change, in equilibrium they may manipulate this information to increase pessimism regarding climate change, even though the damage may not be as great. Consequently, more countries (with overpessimistic believes about climate damage) will be induced to participate in an IEA (International Environmental Agreement]  in this state, thereby leading to greater global welfare ex post” (859)

Der Zweck heiligt demnach die Mittel. Und um den euphemistischen Begriff der “Informationsmanipulation”, den die Autoren nutzen, einmal in das zu übersetzen, was er eigentlich meint: Es ist demnach gerechtfertigt, die Öffentlichkeit über die Folgen des Klimawandels zu belügen, weil auf lange Sicht die Folgen des angenommenen Klimawandels durch die Folgen der Lüge, also den Beitritt zu internationalen Klimaabkommen auch durch Länder, die dem Klimawandel und seinen Folgen pessimistisch gegenüberstehen, ihn z.B. als nicht wissenschaftlich fundiert ablehnen, einen positiven Wohlfahrtseffekt für alle ergeben.

Man sieht hier schön, wie hinten herauskommt, was vorne hereingesteckt wurde, denn wenn wir nur einen Moment annehmen, Umweltabkommen hätten einen Wohlfahrts-schädlichen Effekt, weil sie Innovationen verhindern und Wachstum reduzieren, dann ergibt sich, dass das Belügen der Öffentlichkeit sich ex ante und ex post negativ auf die Wohlfahrt auswirkt.

save the planetDas Ergebnis hat Konsequenzen: Wenn ich die Öffentlichkeit und über Mainstream Medien über z.B. die deutsche Abhängigkeit von russischem Ergas belüge, um die Anbindung an die NATO zu stärken, dann kann ich, wenn es am Ende des dritten Weltkrieges mehr Überlebende in den Ländern der NATO als in den Ländern, die Russland folgen, gibt, darauf verweisen, dass die Lüge einen Wohlfahrtseffekt erzielt hat, oder so.

Wir sind derzeit noch unschlüssig darüber, what we find more disgusting, die Tatsache, dass Wissenschaftler sich anschicken, die Informations-Manipulation durch Mainstream Medien und NGOs zu rechtfertigen oder die Tatsache, dass man heutzutage der Öffentlichkeit auch sagen kann, dass man sie belügt, ohne dass man vor eben dieser Öffenlichkeit Angst haben muss.

Hong, Fuhai & Zhao, Xiaojian (2014). Informaton Manipulation and Climate Agreements. American Journal of Agricultural Economics 96(3): 851-861.

Ein Volk von Triebtätern

Seit einiger Zeit läuft, weitgehend unkommentiert von Mainstream-Medien, eine Posse zwischen der Bundesregierung und den Landesfürsten auf der einen Seite und der EU-Kommission auf der anderen Seite. Gespielt wird um den Einsatz von ein paar Milliarden Euro. Gegenstand des Spiels ist der “Staatsvertrag zum Glücksspiel in Deutschland (Glücksspielstaatsvertrag – GlüStV), der im Wesentlichen dazu da ist, das Monopol der Länder auf Einnahmen aus dem Glückspiel gegen Konkurrenz zu verteidigen.

TotoDer Glücksspielstaatsvertrag ist einerseits eines jener Gesetze, das an Heuchelei nicht zu überbieten ist, z.B. wenn fabuliert wird, dass ein staatliches Monopol auf Toto und Lotto notwendig ist, um “Glücksspiel- und Wettsucht zu verhindern”. Anderseits ist der Glücksspielstaatsvertrag eines jener Gesetze, die nur so vor Paternalismus triefen, und die, wenn man sie liest, ärgerlich machen, ob der anmaßenden Überheblichkeit, mit der “die Bevölkerung” darin behandelt wird.

So heißt es gleich unter §1 “Ziele des Staatsvertrages”:

“Ziele des Staatsvertrages sind gleichrangig:

  1. das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen,
  2. durch ein begrenztes, eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel darstellendes Glücksspielangebot den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken sowie der Entwicklung und Ausbreitung von unerlaubtem Glücksspiel in Schwarzmärkten entgegenzuwirken,
  3. den Jugend- und Spielerschutz zu gewährleisten,
  4. sicherzustellen, dass Glücksspiele ordnungsgemäß durchgeführt, die Spieler vor betrügerischen Machenschaften geschützt, die mit Glücksspielen verbundene Folge- und Begleitkriminalität abgewehrt werden …”

Ein Mittel im Arsenal des kritischen Denkens ist das Aufspüren von impliziten Prämissen, also von Prämissen, die notwendig sind, um die oben dargestellten Aussagen machen zu können, da sie ohne diese Annahmen keinen Sinn machen. Hier eine kleine Auswahl der impliziten Prämissen:

  1. Absatz:
    • sklGlückspielsucht und Wettsucht sind existente Krankheitsbilder.
    • Ein Staatsvertrag, der die Erlöse aus Glücksspielsteuern auf Länder verteilt, ist geeignet, Glückspielsucht und Wettsucht zu unterbinden.
    • Es ist die Aufgabe der Vertreter des Bundes und der Länder, Glücksspielsucht und Wettsucht zu bekämpfen.
  2. Absatz:
    • Die deutsche Bevölkerung hat einen Spieltrieb, Deutschland ist ein Volk der Zocker.
    • Ohne den Staatsvertrag bricht sich dieser Spieltrieb Bahn und die Deutschen verspielen der Oma ihr klein Häuschen.
    • Deshalb müssen Deutsche generell überwacht werden und von unerlaubtem Glücksspiel auf Schwarzmärkten abgehalten werden.
    • Unerlaubtes Glücksspiel auf Schwarzmärkten ist Glücksspiel, das zwar den Spieltrieb der Bevölkerung bedient, aber an dem die Finanzeminister der Länder nichts verdienen.
    • Staatlich beaufsichtigtes Glücksspiel ist eine Alternative zum staatlich nicht beaufsichtigten Glückspiel.
    • Die Vertreter von Bund und Ländern wissen um den Spieltrieb aus eigener Erfahrung, oder sie gehören nicht zur Bevölkerung.
  3. Absatz:
    • Wer das Häuschen der Oma im staatlichen Lotto verspielt, tut dies auch dann, wenn er minderjährig ist nur unter staatlicher Aufsicht und Kontrolle.
    • Spielbank Baden BadenOrdnungsgemäßes Glücksspielt ist staatlich überwachtes und kontrolliertes Glücksspiel an dem die Finanzminister der Länder verdienen.
    • Wer einen Spieltrieb hat, hat auch einen Kriminalitätstrieb (was Sinn macht, denn die Teilnahme an unerlaubten Glücksspielen auf Schwarzmärkten ist hier Ausdruck des Spieltriebs und gleichzeitig delinquentes Verhalten. Wenn man zwei Dinge als identisch definiert ist es zwangläufig so, dass sie auch miteinander korrelieren.).

Dabei wollen wir es für’s Erste belassen. Wem jetzt noch nicht die Galle hochgekommen ist, ob der unglaublich paternalisierenden Art und Weise, in der Vertreter von Bund und Ländern die triebgeleitete Bevölkerung behandeln, die für die entsprechenden Vertreter scheinbar die Willensstärke von Kleinkindern hat, hier noch ein bischen Terminologie.

Zunächst zum Trieb:

“Trieb (drive) wird in der Psychologie gewöhnlich gebraucht, um die Handlungsmotivation auszudrücken, die wie etwa beim Hunger primäre biologische Voraussetzungen hat” (Zimbardo, 1995: 407).

RentenlottoDer Glücksspiel- und Wetttrieb, der im Glücksspielstaatsvertrag eben einmal der ganzen Bevölkerung untergschoben wird, ist also dem biologischen Bedürfnis nach Essen oder Trinken gleichzusetzen, was notwendig zur Folge hat, dass Mitglieder der deutschen Bevölkerung, die nicht Lotto oder Toto spielen oder nicht wetten, dass der 1. Fc Kaiserslautern auch diese Saison nicht in die Bundesliga aufsteigen wird, irgendwie gestört sind, denn sie lassen ihren Glücksspiel- und Wetttrieb unbedient.

Und nochmals zum Trieb:

“Das Wort ‘drive’ wurde zum erstenmal von Woodworth 1918 zur Beschreibung einer hypothetischen Kraft oder Energie benutzt, von der man gemeinhin angenommen hat, dass sie nicht erlernt und hinsichtlich der Situation, in der sie auftritt, unspezifisch ist, dass sie eine allg. physiol. Grundlage hat und auf keine bestimmte Art des Verhaltens ausgerichtet ist, jedoch das Verhalten von Tieren und Menschen aktiviert (motiviert)” (Bolles, 1994: 2361).

Wenn also die Bevölkerung einen Glücksspiel- und Wetttrieb hat, dann hat die Bevölkerung einen solchen, und er wird sich Bahn brechen. Folglich ist die Nachfrage nach Glücksspielen das, was man in der Ökonomie eine nicht-elastische Nachfrage nennt. Sie ist unabhängig von den Randbedingungen vorhanden, und man kann sie perfekt benutzen, um den Nachfragern überhöhte Preise aufzuzwingen, z.B. im Rahmen staatlicher Glücksspielangebote, deren Ziel darin besteht, die Länderkassen zu füllen, mit zuletzt 3,3 Milliarden Euro jährlich.

Die Klassifikation der mentalen Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation, die ja ansonsten jeden Firlefanz als Krankheit enthält, kennt die Wett- und Glücksspielsucht, von der im Glücksspielstaatsvertrag die Rede ist, nicht. Einzig das pathologische Spielen ist im ICD-10 bekannt:

“Die Störung besteht in häufigem und wiederholtem episodenhaften Glücksspiel, das die Lebensführung des betroffenen Patienten beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt.”

Wuthering HeightsBereits Emile Bronte hat in Wuthering Heights die Folgen beschrieben, die mit Glücksspiel verbunden sind, wobei man sich streiten kann, ob die beschriebenen Folgen (Heathcliffe gewinnt im Spiel den Hof von Hindley Earnshaw) so negativ sind, wie immer behauptet wird. Insbesondere muss man sich fragen, ob die gesellschaftlichen Kosten, die durch eine staatliche Kontrolle und Überwachung angeblich Spielsüchtiger sowie deren Behandlung, Therapie und sonstige Bearbeitung durch die Hilfeindustrie entstehen, geringer sind, als es ein Ausleben der vermeintlichen Spielsucht gewesen wäre.

Der Verdacht, dass der Schutz vor  der angeblichen Glücksspiel- und Wettsucht durch ein staatliches Glücksspielmonopol und wenn der Schutz nicht gelingt, die nachgelagerte Finanzierung von Betreuungs- und Hilfeangeboten für die vermeintlich Spielsüchtigen nur vorgeschoben sind, um Steuereinahmen zu generieren, liegt nahe. Schon die Annahme, dass das Heer von Therpeuten, das als Teil der Bevölkerung doch auch mit einem “natürlichen Spieltrieb” ausgestatt ist, dennoch in der Lage sein soll, anderen und besonders Spieltrieb-Gesteuerten den Spieltrieb auszutreiben, ist ein Widerspruch in sich. Oder wie ist es mit dem Widerspruch, dass Glückspiele angeboten werden, um vor Glücksspielsucht zu schützen?

Wie so oft haben sich staatliche Steuer-Absahner und am Tropf des Staates hängende Hilfeabsahner zusammengeschlossen, um sich willige Opferzu suchen, denen sie dann auf Kosten der Allgemeinheit helfen können.

Da wir in einem Zeitalter der Petitionen leben, wie wäre es mit einer Petition, deren Ziel darin besteht, Politikern ein für alle Mal ihren Paternalismus-Trieb auszutreiben bzw. sie dann, wenn sie ihren entsprechenden Trieb nicht beherrschen können, in die Obhut einer geschlossenen Anstalt zu überführen?

Gender Pay Crap: Können Lügen zur Wahrheit mutieren?

believe the lieWissen Sie eigentlich, dass heute Weltfrauentag ist? Nein, nun, das macht nichts. Der Weltfrauentag hat zwischenzeitlich den Status des Geburtstages von Adolf Hitler. Nur noch eine kleine Minderheit, bestehend aus all denen, die sich von der Tatsache, dass sie weiblich sind oder der Behauptung, dass Frauen benachteiligt sind, einen Vorteil versprechen oder die mit ihrem weiblich Sein oder der Behauptung der Benachteiligung von Frauen ihren Unterhalt bestreiten, begehen diesen Gedenktag an eine Inszenierung, die dazu gedacht war, Equity-Prinzipien und Leistung auszuhöhlen.

Vor allem öffentliche Verwaltungen fühlen sich nach wie vor genötigt, dem alten Fetisch zu huldigen, und so hat sich auch die Europäische Kommission wieder dazu verpflichtet gefühlt, die alte Lüge vom Gender Pay Gap zu wiederholen, ganz so, als könnte man eine Lüge durch ständiges Wiederholen zu einer Wahrheit umformen.

truthDie letzte Wiederholung der EU-Kommissions hat Ratschläge zum Gegenstand, die die Mitgliedsstaaten nutzen sollen, um das nicht existente Gender Pay Gap zu beseitigen. Jetzt, wo man das so liest, zeigt sich noch ein weiterer Nutzen, den Behauptungen wie die eines Gender Pay Gaps haben. Einerseits kann man diese Behauptung im Kontext der Frauenförderung einsetzen, um Programme für Gender Pay Gap Berater, Frauenförderer und sonstige unnötige Beschäftigungen aus dem Boden zu stampfen und zu finanzieren, andererseits kann man dadurch, dass man etwas behauptet, das es nachweislich nicht gibt, ungefährdet den eigenen Aktionismus feiern. Und wenn es gelingt, den eigenen Aktionismus unter dem Rubrum von “gut” zu feiern, dann um so besser.

Interessant an diesem letzten Versuch der EU-Kommission ist, dass kaum mehr Anstrengungen unternommen werden, den Gender Pay Gap so zu verpacken, dass er nicht unmittelbar als Lüge erkennbar ist. So heißt es bereits im ersten Satz der Empfehlungen:

“The gender pay gap is shown as a percentage of men’s earnings and represents the difference between the average gross hourly earnings of male and female employees across the EU economy.”

Das macht deutlich, dass das angebliche Gender Pay Gap nichts mit der Realität, aber viel mit Ideologie zu tun hat. Wie macht es das deutlich? Nun, wenn man das durchschnittliche Monatsgehalt der EU-Parlamentarier von rund 8.000 Euro ohne die üblichen Zuschläge von nochmals in der Regel rund 6.000 Euro berücksichtigt, dann ensteht ein erhebliches EU Pay Gap zwischen Parlamentarieren und Bürgern, z.B. in Deutschland, die sich mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltseinkommen von  rund 3.900 Euro begnügen müssen.

Vermutlich werden EU-Parlamentarier argumentieren, dass sie auch mehr leisten als der durchschnittliche Deutsche und versuchen, das EU-Pay Gap damit zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: Sie werden ein Equitätsargument für sich ins Feld führen, ein Argument, das ihnen bislang, wenn es um das angebliche Gender Pay Gap ging, nie eingefallen ist. Geht es um das Gender Pay Gap, dann ist keine Annahme primitiv genug, und dann nimmt man auch einmal an, dass sich Männer und Frauen in den Berufen, die sie ausüben, der Ausbildung, die sie erwerben, der Motivation, die sie mitbringen und allen sonstigen für das Entgelt relevanten Variablen nicht unterscheiden. Dann besteht die Bevölkerung plötzlich aus Klonen, die alle dieselben Fähigkeiten, Fertigkeiten, Motivationen usw. haben, ein Volk der Hans und Helga Musterdeutschen.

Campbell MythWir sagen, bislang war Politikern und Administratoren keine Annahme primitiv genug, um das herbei phantasierte Gender Pay Gap als Realität verkaufen zu können. In den Empfehlungen der EU-Kommission ist das nun anders. Hier werden plötzlich Ursachen für das Gender Pay Gap angeführt, also Gründe, warum das Gap nicht das normativ verwerfliche Gap ist, das man gerne daraus machen will, sondern dafür, dass Gehaltsunterschiede auf Unterschiede in einer Vielzahl von Variablen und nicht zuletzt auf Unterschiede im Wert der geleisteten Arbeit zurückzuführen sind.

So meint die EU-Kommission:

  • die Tatsache, dass Frauen vor allem in Berufen tätig sind, die schlechter bezahlt werden als die Berufe, in denen Männer tätig sind, sei für das Gender Pay Gap verantwortlich und nennt die sozialen Berufe als Beispiel.

Ja, so ist das in einer Marktwirtschaft: Bezahlung erfolgt nach Leistung und nach Wert der Leistung und wenn einer Leistung kein sonderlich hoher Wert beigemessen wird, wie dies z.B. durch Krankenkassen erfolgt, die Pflegesätze und damit die Einkommen von Pflegern oder Pflegediensten gering halten, dann sind die entsprechenden Verdienstmöglichkeiten gering, ganz so, wie sie auch für Hilfsarbeiter oder Reinigungskräfte gering sind. Das weiß man, und deshalb kann, wer gerne mehr verdienen will, jederzeit Astrophysik studieren und bei NASA zu Spitzenlöhnen einsteigen.

Der nächste Grund, den die EU-Kommission angibt, offenbart das Unternehmen Gender Pay Gap dann vollständig als Farce, die erdacht wurde, um Mittelschichtsfrauen eine Gelegenheit zum Nutznießen zu verschaffen, lautet er doch:

  • die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen;

Wie viele Führungspositionen gibt es eigentlich in Europa? Und welchen Effekt haben die Führungspositionen auf die Einkommensverteilung? Wer hat mehr Einfluss auf den mittleren Stundenlohn, der der Berechnung des Gender Pay Gap zu Grunde gelegt wird, 1000 Pfleger oder eine Managerin bei Mercedes?

Schließlich fallen den Verantwortlichen bei der EU Kommission noch die üblichen vielleicht-Ursachen ein: Die Tatsache, dass mehrheitlich Frauen Kinder erziehen und dass angeblich an Arbeitsplätzen nach Geschlecht diskriminiert wird.

free will2Und deshalb wiederholen wir einmal mehr und monoton: Niemand zwingt Frauen, Kinder in die Welt zu setzen. Niemand zwingt sie, Kinder zu erziehen. Auch Frauen haben einen freien Willen, und wenn sie diesen Willen einsetzen, um Kinder zu bekommen, dann muss man annehmen, dass sie bereit sind, die Folgen, die damit einhergehen, zu tragen. Also wieder nichts mit dem bösen Gender Pay Gap. There is no free lunch, wie Milton Friedman einmal gesagt hat.

Und die alte Litanei, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Gehalt bekommen als Männer, so oft sie auch angestimmt wurde, hat immer noch keinen einzigen Beleg erbracht, keine einzige Frau, die dieselbe Arbeit macht, wie ein Mann und dafür schlechter bezahlt wird, konnte bislang präsentiert werden.

Die schlappen Versuche der EU-Kommission ihre Gender Pay Gap Lüge zu verbreiten, machen deutlich, dass die Gender Pay Gap Nutznießer Bewegung an Fahrt verloren hat. Die EU-Kommission sieht in der Bewegung nurmehr eine Möglichkeit, die eigene Sphäre des Einflusses zu erweitern. Die eigentlichen Nutznießer treffen immer häufiger auf die Frage nach den Belegen für das angebliche Gender Pay Gap. Zeit, den ganzen Unfug zu begraben und ein neues Pay Gap zu öffnen! Wie wäre es damit: Homosexuelle werden für gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Heterosexuelle?

Wer sich mit allen Argumenten gegen das Gender Pay Gap ausrüsten will, dem seien die Beiträge empfohlen, die dazu bereits auf ScienceFiles erschienen sind.