Sozialismus macht dünn – Freiheit erfordert Verantwortung

auch beim Essen …

Davide Dragone und Nicolas R. Ziebarth haben ein Arbeitspapier veröffentlicht, das überschrieben ist mit:

Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from the East German Transition to Capitalism.

Ein interessantes Arbeitspapier mit einer Reihe von zum Teil bekannten Ergebnissen:

banana revolutionDie sogenannte friedliche Revolution in der DDR hat wohl doch Bananen zur Ursache, wie sich daran zeigt, dass Dragone und Ziebarth eine sprunghafte Zunahme des Konsums tropischer Früchte bei Ostdeutschen von 1989 bis 1991 feststellen. Vielleicht ist es auch die Flucht vor der Kartoffel, die die Ostdeutschen zum Marsch auf dem Leipziger Ring veranlasst hat, denn der Konsum von Kartoffeln ist nach Öffnung der Grenzen zu Westdeutschland stark zurück gegangen.

Der veränderte Konsum ist zukunftsweisend, kreiert eine Gewohnheit, denn auch 1998 und 2005 zeigen Ostdeutsche die Konsummuster, die sie sich 1991 angewöhnt haben und: andere Essgewohnheiten als Westdeutsche.

Nicht ganz unproblematische Essgewohnheiten, wie es scheint, denn:

Nicht nur der Verzehr tropischer Früchte hat sprunghaft zugenommen, auch der Verzehr von Fertiggerichten, deren Attraktivität darin besteht, dass sie die Zubereitung von Speisen vereinfachen und beschleunigen und den Aufwand reduzieren. Davon haben in der Vergangenheit vor allem Ehefrauen profitiert, die die neu gewonnene Freiheit in mehr Körpergewicht investiert haben, wie Cutler, Glaeser und Shapiro (2003) für den Zeitraum von 1970 bis 1990 zeigen.

Offensichtlich muss man lernen, mit der neuen Freiheit, sowohl was die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln als auch das Mehr an Zeit angeht, umzugehen.

Für diese Annahme spricht auch, was Dragone und Ziebarth für Ostdeutsche zeigen können. Nach der Wende haben viele Ostdeutsche ihre Nahrung umgestellt: Deutlich weniger Kartoffeln, mehr tropische Früchte und vor allem: mehr Fertiggerichte und entsprechend: mehr Gewicht, mehr Übergewicht, mehr Adipositas, höhere Cholesterol-Werte, höherer Blutdruck und eine Zunahme von Diabetes (Typ II), und alles im Vergleich zu Westdeutschen.

Daraus kann man schließen, dass der ostdeutsche Sozialismus seine Bürger so ausgedorrt hat, dass sie sich, gleich dem fast Verdursteten, der eine Oase erreicht, auf das Angebot an neuen Waren, das ihnen der Kapitalismus zugänglich gemacht hat, gestürzt haben, es in vollen Zügen und mit vollen Mägen genossen und – wie man im Englischen sagt – dabei overindulged haben.

Das an sich wäre nicht schlimm, ergäbe sich daraus keine Gewohnheit. Aber: Es hat sich für viele Ostdeutsche eine Gewohnheit, eine Essgewohnheit ergeben: Scheinbar aus Angst davor, wieder in den ausgemerkelten Zustand sozialistischer Plan-Leere im Konsum-Laden gestürzt zu werden, hat sich eine “was-man-hat,-hat-man-Mentalität” durchgesetzt, durchaus auf Kosten der eigenen Gesundheit, wie die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth zeigen: Im Gegensatz zu Westdeutschen sind Ostdeutsche dicker, übergewichtiger und kränker, gemessen an den drei Indikatoren von Cholesterolwert, Höhe des Blutdrucks und Diabetes.

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kurz: Sozialismus schafft bei denen, die ihm ausgesetzt sind, Entzugserscheinungen, die der einer Drogenabhängigkeit gleichen. Werden Waren, die im Sozialismus entzogen sind, zugänglich, dann führt dies zu einem entsprechenden Torschlusspanik- und Überkonsum, der sich in einer  Konsumtradition festsetzt, die Auswirkungen auf die Gesunheit der so Konsumierenden hat.

Nicht nur, dass sozialistische Systeme ihren Bürger Konsum vorenthalten, sie machen viele ihrer Bürger auch unfähig, dann, wenn der Sozialismus, wie er das regelmäßig tut und wie man es gerade wieder in Venezuela beobachten kann, an der Realität scheitert, normale Konsummuster und Umgangsweisen mit den Produkten zu entwickeln, die ihnen im Sozialismus vorenthalten waren. Entsprechend ist die höhere Adipositas unter Ostdeutschen eine fortdauernde Folge sozialistischer Unmündigkeit, ein kulturelles Erbe sozialistischer Magerkur.

Daten und Methoden
Die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth basieren auf einer breiten Datengrundlage, nämlich dem nationalen Gesundheitssurvey von 1990 und 1992 (2.160 ost- und 4.390 westdeusche Befragte), der Folgestudie zum Gesundheitssurvey von 1996 (2.216 ostdeutsche und 4.203 westdeutsche Befragte) sowie dem Mikrozensus von 2005 (1% der deutschen Bevölkerung, derzeit rund 380.000 Haushalte und rund 820.000 Befragte). Die Analysen werden zum einen mit subjektiven Selbsteinschätzungen, z.B. im Hinblick auf die Veränderung der Konsumgewohnheiten nach der Wende, zum anderen mit objektiven Maßen, Cholesterolspiegel, Bludruck, BMI durchgeführt. Die Autoren rechnen Regressionsanalysen (OLS) mit unterschiedlichen abhängigen und unabhängigen Variablen.

Cutler, David M., Glaeser, Edward L. and Shapiro, Jesse M. (2003). Why have Americans become more obese? Journal of Economic Perspectives 17(3), 93–118 (und NBER, siehe Link).

Dragone, Davide & Ziebarth, Nicolas R. (2015). Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from East German Transition to Capitalism. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No.8967.

Gewerkschaft: Männer arbeiten 30% länger als Frauen – im Durchschnitt

Da schau her!

Ausgerechnet das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung hat einen Bericht veröffentlicht, der die Realität der Erwerbstätigen in Deutschland abbildet und geeignet ist, Mythen wie dem Gender Pay Gap, das von einer Schar Gläubiger nach wie vor in öffentlichen Andachten gepredigt wird, den Garaus zu machen.

Hat man sich bei der Hans-Böckler-Stiftung am Ende daran erinnert, dass die Mehrzahl der Gewerkschaftsmitglieder männlich ist?

Der WSI-Report ist überschrieben mit “Gender News: Große Unterschiede in den Arbeitszeiten von Frauen und Männern”.

Die großen Unterschiede addieren sich zu dem im Titel genannten Ergebnis: Männer arbeiten im Durchschnitt 30% länger als Frauen. Die wöchentliche Arbeitszeit für Männer beträgt im Durchschnitt 39,6 Stunden, die von Frauen im Durchschnitt 30,3 Stunden. [Beim WSI hat man es vorgezogen, die Pressemeldung aus der Sicht von Frauen aufzuziehen, was dazu führt, dass sich die Prozentuierungsbasis ändert, und Frauen um 23% weniger arbeiten als Männer. So ganz kann man die Manipulation zu Gunsten von Frauen beim WSI offensichtlich doch nicht lassen.]

Unter diesem Gesamtergebnis verbergen sich eine Vielzahl interessanter Einzelergebnisse:

WSI_Arbeitszeit frauen
Bei abhängig beschäftigten Frauen wird die Teilzeitarbeit immer beliebter: Während 1991 noch 68,1% der abhängig beschäftigten Frauen mehr als 35 Stunden pro Woche gearbeitet haben, waren es 2013 nur noch 46,5%. Die Füllhornpolitik der Bundesregierung zeigt hier Wirkung: Viele Frauen haben es weder für Rentenansprüche noch für ihren unmittelbaren Unterhalt nötig, mehr als 35 Stunden zu arbeiten.

Dagegen ist der Anteil der Männer, die wöchentlich 40 Stunden und mehr arbeiten, von 44,9% im Jahre 1991 auf 63,7% im Jahre 2013 gestiegen. Wer die Kosten der Umverteilung in die Taschen von Frauen, die Kosten der Füllhornpolitik, steigender Abgaben und Steuern zu zahlen hat, wird anhand dieser Zahlen mehr als deutlich.

Je höher die Qualifikation, desto länger die Arbeitzszeit. Im Durchschnitt arbeiten hochqualifizierte Männer 42,6 Stunden pro Woche, während hochqualifizierte Frauen es auf 40,8 Wochenstunden bringen und somit auf ungefähr die selbe Anzahl von Wochenstunden, auf die mittel-qualifizierte Männer kommen.

WSI_Arbeitszeit maennerDiese Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache, nicht nur darüber, wer die Steuerlast und die Wohltaten finanziert, die es immer mehr Frauen erlauben, sich auf Teilzeitbeschäftigung zu beschränken, während Männer immer länger arbeiten müssen, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Wir sehen hier eine völlig neue Variante des Alleinernährers. Waren Männer in der Mittelschicht früher häufig Alleinernährer, so sind sie heute die  zwei-Drittel-Ernährer, wobei ihnen früher eine normale Arbeitswoche von nicht mehr als 40 Stunden gereicht hat, um den Lebensstandard auch bei Untätigkeit ihrer Frauen zu sichern.

Heute gehen viele Frauen aus der Mittelschicht einer Teilzeitbeschäftigung oder einer Alibi-Beschäftigung nach, gleichzeitig sind immer mehr Männer genötigt, den Opportunismus oder moral hazard ihrer Frauen durch Arbeitswochen von 45 und mehr Stunden zu kompensieren. Entsprechend ist der Anteil der Männer, die mehr als 45 Stunden arbeiten, von 8,7% der abhängig beschäftigten Männer im Jahre 1991 auf 13,7% der abhängig beschäftigten Männer im Jahr 2013 gestiegen.

Fazit:

Männer arbeiten im Durchschnitt 30% länger als Frauen. Immer mehr Männer arbeiten mehr als 45 Stunden in der Woche, immer weniger Frauen arbeiten mehr als 35 Stunden in der Woche.

Wenn man nun bedenkt, dass es in Deutschland Aktivisten gibt, die von einem Gender Pay Gap faseln und es als Beleg für ungerechte Entlohnung anführen, dann muss man nunmehr die Existenz eines Gender Time Gap konstatieren und fordern, dass Männer entsprechend der Mehrzeit, die sie für Arbeit aufwenden, kompensiert werden, z.B. durch Ruhetage, Tage, an denen es Genderisten verboten ist, den Mund aufzumachen.

P.S.

Der Bericht basiert auf den Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamts.

Den Seinen nimmt’s der Staat im Schlaf

Richtig informative und interessante Statistiken haben es heute schwer, wenn es darum geht, öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen. Die Öffentlichkeit wird in Unsinns-Statistiken ertränkt, mit denen Gender Pay Gaps herbeigelogen werden sollen oder erfasste Straftaten in Kriminalität umgedeutet werden sollen.

DestatisDabei veröffentlicht irgend ein subversiver Mensch beim Statistischen Bundesamt immer einmal wieder eine Statistik, die es so richtig in sich hat.

“Durchschnittliche Rückerstattung lag bei 873 Euro”, so lautet eine dieser Pressemeldungen, die bislang ohne Wirkung verpufft sind.

Warum?

Eine Erklärung dafür, dass relevante Statistiken keine Wirkung zeitigen, liegt darin begründet, dass Sozialwissenschaftler ihre Arbeit verweigern. Die meisten von ihnen sind von innovativen Denkern und Kritikern am Status Quo zu Verteidigern des Status Quo und nützlichen Instrumenten in den Händen von Politikern degeneriert, die gerade einen Sozialwissenschaftler benötigen, um ihre neueste Marotte zu rechtfertigen.

Sozialwissenschaften, deutsche Sozialwissenschaften, sie hatten einst einen gesellschaftlichen Einfluss, sie waren von Vordenkern und Querdenkern durchsetzt, die gesellschaftliche Routinen in Frage gestellt haben. Um gesellschaftliche Routinen in Frage zu stellen, muss man natürlich in der Lage sein, einen Schritt zurück zu treten und das, was einem als Normalität präsentiert wird, gegen den Strich zu bürsten, eine Fähigkeit, der Kindern und Jugendlichen durch die Vorgabe des richtigen Denkens weigehend beraubt werden, und eine Fähigkeit, die in den Sozialwissenschaften, die von genderistisch-staatslegitimierend-sozialistischer Langeweile erstickt werden, mit Sicherheit nur noch vereinzelt vorhanden ist.

Und so bleiben Pressemeldungen, wie die oben zitierte, unbearbeitet, versinken im Meer der unsäglichen, stupiden und uninformativen Pressemeldungen.

Doch aus diesem Meer haben wir sie herausgefischt:

Destatis_Steuer“2010 gab es in Deutsch­land rund 13,1 Millionen unbeschränkt Steuer­pflichtige mit Einnahmen aus nicht­selbst­ständiger Arbeit und eventuell Kapital­einkünften. 11,4 Millionen dieser Steuer­pflichtigen erhielten im Rahmen der Einkommen­steuer­veranlagung eine Steuer­erstattung. Diese lag im Durch­schnitt bei 873 Euro. Besonders häufig waren Rück­erstattungen zwischen 100 und 1 000 Euro (62 %). Bei rund 10 % der Betroffenen fiel die Rück­zahlung geringer als 100 Euro aus. Beträge über 5 000 Euro erstatteten die Finanz­ämter in 1 % der Fälle.

Eine Nach­zahlung an das Finanz­amt mussten 1,4 Millionen Steuer­pflichtige leisten – der durch­schnittliche Betrag lag bei 897 Euro.”

Mit anderen Worten: Der deutsche Finanzminister, dessen Häscher sehr kleinlich und mit Gebührenforderungen reagieren, wenn bei ihnen nicht zum korrekten Termin eine Zahlung eingeht, von der sie denken, sie würde ihnen zustehen, arbeitet monatelang seinerseits mit Geld, das ihm nicht zusteht.

Der Zahlungsirrtum zu Gunsten des Finanzministers findet in 87% aller Fälle statt und summiert sich auf rund 10 Milliarden Euro. Gnädiger Weise geben die Finanzämter diese 10 Milliarden, die sie zu Unrecht kassiert haben, an diejenigen zurück, die eine Steuererklärung erstellen, auf Antrag und nicht freiwillig. Ein Zustand, der mündige Bürger eigentlich auf die Palme bringen müsste, eigentlich.

Den 10 Milliarden Steuergeldern, die die Finanzämter vorsorglich zu viel kassieren, die sie nur auf Antrag und ohne Zinsen zurückgeben (bei nur 2% Verzinsung müssten die Finanzämter 890 Euro und nicht 879 Euro im Durchschnitt zurücküberweisen), womit sie sicherstellen, dass die entsprechenden Bürger mit Sicherheit finanziell geschädigt wurden, stehen gut 1,2 Milliarden Euro gegenüber, die nachgezahlt werden müssen.

Ein eklatantes Missverhältnis.

Aber: Wo kein Kläger ist, ist bekanntlich kein Richter, und auf den Sozialwissenschaftler, der darauf hinweist, dass Statistiken, wie die berichtete, zeigen, dass deutsche Finanzämter abhängig beschäftigte Bürger bestehlen und finanziell dadurch schädigen, dass sie dann, wenn sie beim Diebstahl ertappt werden, nicht einmal eine Zinsentschädigung erstatten, vielmehr erwarten, dass Bürger ihren Diebstahl mit Hilfe vorgegebener Formulare und unter Einsatz von Zeit und Geld, häufig für einen Steuerberater, erst aufdecken, auf diesen Sozialwissenschaftler warten wir bis heute vergeblich.

Es soll ja Deutsche geben, die gerne Steuern zahlen, die entsprechend kein Problem damit haben, ganz uneigennützig zu geben, dem Finanzamt im vorliegenden Fall.

Gut-Sein hat seinen Preis – für andere: Wie erneuerbare Energien soziale Ungleichheit verschärfen

Deutschland ist das Land der grünen Energie.

nuclear-smilies (1)Wo andere Länder billigen Strom aus Kernkraft gewinnen, weht in Deutschland das Windrad bzw. scheint die Sonne, wenn sie denn scheint, auf Photovoltaik. Wind und Sonne, das sind die beiden Elemente der grünen Stromrevolution in Deutschland und das sind die beiden Probleme der grünen Stromrevolution. Beide sind nicht verlässlich genug, weshalb es konventionelle Kraftwerke auch weiterhin geben muss, um den Strombedarf dann zu decken, wenn Windflaute und bedeckter Himmel die Produktion von Strom gerade erschweren.

Aber was sind schon derartige kleine Probleme, die z.B. dazu führen, dass in Deutschland von 8760 Stunden, die eine Photovoltaik Anlage ausgelastet Strom produzieren könnte, es gerade einmal 900 Stunden sind, in denen die entsprechenden Anlagen tatsächlich ausgelastet mit der Produktion von Strom sind?

Das sind kleine Probleme, die man durch mehr (entsprechend ineffiziente) Photovoltaik und zusätzliche (gleichermaßen ineffiziente) Windräder beheben kann.

Das kostet natürlich Geld, viel Geld.

Und das lassen sich die Deutschen ihre grüne Ernergie dann auch kosten: Viel Geld.

  • Zwischen 2000 und 2013 haben sich die Stromkosten mehr als verdoppelt, von 13.94 auf 28.84 ct/kWh.
  • Ein typischer Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3.500 kWh im Jahr zahlt im Jahr 2013 520 Euro mehr als im Jahr 2000.
  • Die Kosten für die Anlagen zur Gewinnung grünen Stroms addieren sich zwischen 2000 und 2013 für die Steuerzahler auf 110 Milliarden Euro.
  • In der Europäischen Union ist Deutschland führend, beim Strompreis jedenfalls: Nicht einmal die Dänen erreichen mit 22.04 ct /kWh das deutsche Niveau von 28.84 ct/kWh

Ja, die Deutschen lassen sich ihre Angst vor Kernkraft und ihre fast schon irrationale Liebe zu einer ineffizienten Energieform, deren Jahresauslastung nicht einmal 11% der Kapazität der entsprechenden Anlagen beträgt, etwas kosten.

Die berichteten Daten entstammen einem Beitrag aus dem RWI (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung) in Essen. Sie entstammen einem Beitrag von Manuel Frondel, Stephan Sommer und Colin Vance, einem sehr guten Beitrag, der zeigt, dass es auch in Deutschland noch gute Sozialforscher gibt. “The Burden of Germany’s Energy Transition – An Empirical Analysis of Distributional Effects” ist in englischer Sprache erschienen, was gut ist, kann der Beitrag doch auf diese Weise weite Verbreitung im englischsprachigen Ausland finden und als Warnung vor den Folgen “grüner Energiegewinnung” dienen.

RWI BurdenDie oben zusammengestellten Kostensuperlative der grünen Energie sind nur ein Teil des Beitrags von Frondel, Sommer und Vance. Es gibt noch mehr, können Sie doch auf Daten von rund 7800 Haushalten zurückgreifen, die zu drei Zeitpunkten im Rahmen des Deutschen Energie Konsumenten Survey befragt wurden. In diesem Survey haben die Befragten Angaben u.a. zu der Höhe der Kosten, die ihrem Haushalt durch Strom, Wasser, Heizung usw. entstehen, gemacht.

Damit nicht zufrieden haben sich die drei Autoren mit dem beschäftigt, was deutsche Politiker so gerne im Munde führen: Mit sozialer Ungleichheit. Soziale Ungleichheit ist ein Mode-Thema unter Gutmenschen, die ihr Geld damit verdienen, Personen, die sie als bildungsfern bezeichnen, auch weiterhin vom Zugang zu formaler Bildung abzuhalten, die ihr Geld damit verdienen, dass sie gemeinsam mit Hartz-IV-Empfängern jammern, anstatt Wege in Beruf und Einkommen zu zeigen oder die damit ihr Geld verdienen, dass sie Statistiken zusammenschustern, die zeigen sollen, wie viele Kinder in Armut leben oder in relativer Armut leben oder von Armut bedroht sind. Die entsprechenden Kennzahlen sind so gestaltet, dass man selbst unter einer Bevölkerung von Millionären immer einen bestimmten Anteil finden wird, der in relativer Armut lebt, so dass das Auskommen der Armutsbearbeiter in der Sozialindustrie auf Dauer gesichert ist.

Frondel, Sommer und Vance haben sich die Armutsgefährdungsgrenze zu Nutze gemacht, um die Verteilung der Finanzierungslasten für die grüne Phantasie deutscher Politiker zu bestimmen, und damit können sie die Bigotterie und Heuchelei deutscher Politiker in einer fast schon dramatisch zu nennenden Deutlichkeit zeigen.

Erinnern sie sich an die letzte Sonntagsrede eines Politikers oder eines Funktionärs, in dem er die soziale Benachteiligung von Bevölkerungsschichten, die vermeintliche Bildungsferne der Ärmsten oder die Armut, in der Kinder in Deutschland angeblich aufwachsen, bejammert hat. Erinnern sie sich, wie ihm die Tränen in den Augen standen, ob der sozialen Kälte, die in Deutschland gerade den Ärmsten der armen Armen ins Gesicht weht?

windkraftgegenerNun wechseln wir die Baustelle und erinnern uns an eine Rede des entsprechenden Politikers zu grüner Energie, zur rosigen Zukunft Deutschlands, von einer Menschenpromenade, die über die grünen Wiesen zieht und sich dabei zwischen den Pfeilern der Windkrafträder durchwindet, von dem Dank der nächsten Generationen, dem Dank dafür, dass die Energiewende vollzogen und die Natur gerettet wurde, vor was auch immer und davon, dass der deutsche Sonderweg bei der Energiegewinnung, wie alle Sonderwege zuvor, der richtige Weg ist.

Die beiden Baustellen leben davon, dass sie nicht mit einander in Verbindung gebracht werden.

Aber genau das haben Frondel, Sommer und Vance in ihrem Beitrag, den man nicht anders als als politisch unkorrekt bezeichnen kann, getan. Sie haben die grüne Energiewende mit der sozialen Ungleichheit zusammengebracht, und siehe da:

  • Je mehr grüne Energiewende, desto mehr soziale Ungleichheit!
  • Warum? Weil die Kosten der grünen Energiewende, weil die höchsten Strompreise in Europa überproportional am Einkommen ausgerechnet der Ärmsten unter den Armen, jener Klientel zehren, für die Politiker besonders gerne – zumindest verbal – da sind.
  • 5,5% des Einkommens von Haushalten, die die Definitionsgrenze der Armutsgefährdung erreichen, die also 60% des Median-Nettohaushaltseinkommens verdienen, müssen für Strom ausgegeben werden und damit ungefähr so viel, wie für die Beheizung der Wohnung.
  • Dagegen gibt ein Haushalt mit durchschnittlichem Einkommen in Deutschland 2,6% des Einkommens für Strom aus.
  • Seit 2000 ist der Anteil, den die Stromkosten vom Haushaltseinkommen fressen, stetig gewachsen, und da die Bundesregierung bis 2030 plant, Haushalten 50% grüne und teure Energie aufzuzwingen, ist absehbar, dass die finanzielle Belastung weiterhin steigen wird.
  • Da Haushalte mit einem geringen EInkommen proportional einen höheren Anteil ihres Einkommens für Strom aufwenden als Haushalte mit einem durchschnittlichen oder einem hohen Einkommen, führt die Energieutopie der Bundesregierung und die konkrete Politik, die sich damit verbindet, zu einer Verstärkung sozialer Ungleichheit.

Kurz: Die Energiewende verschärft die soziale Ungleichheit, öffnet die Schere zwischen gring- und durchschnittlichverdienenden Haushalten immer weiter.

Daran sollten sich alle erinnern, wenn sie den nächsten Politiker von sozialer Ungleichheit fabulieren hören und vor allem wenn sie Funktionäre beim Brunnenvergiften erwischen, also dann, wenn z.B. Gewerkschaftsfunktionäre erzählen, dass es die bösen arbeitgebenden Kapitalisten sind, die auf Kosten der Arbeiter immer reicher werden, die dafür sorgen, dass Letztere immer weniger Anteil am gesellschaftlichen Reichtum haben.

Frondel, Manuel, Sommer, Stephan & Vance, Colin (2015). The Burden of Germany’s Energy Transition – An Empirical Analysis of Distributional Effects. Essen: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung; Ruhr Economic Papers #542.

Die geradezu grotesken Folgen der Energiewende zeigt Klaus Peter Krause anhand des Irrsinns von Irsching, wo der Welt modernste und effizienteste Gasturbine still steht.

Hochschulmarketing: Ganz wichtige Tipps

Hochschulmarketing gibt es übrigens wirklich. Eine ganze Reihe von Autoren hat dazu sogar so viel zu sagen, dass ganze Bücher gefüllt werden.

Hochschulmarketing ist:

hochschulmarketing„eine bewusst marktorientierte Führung der gesamten Hochschule mit der Ausrichtung der Koordination aller Aktivitäten auf die Bedürfnisse der relevanten Zielgruppen, um einen Vorteil im Hochschulwettbewerb zu erlangen” (Loevenich, 2009: 20)

oder:

[die] „strategische und zielorientierte Herbeiführung und Gestaltung von Austauschprozessen mit externen und internen Partnern auf Absatz- und Beschaffungsmärkten sowie dem Markt der allgemeinen Öffentlichkeit“ (Wefers, 2007: 59).

Kurz: Hochschulmarketing ist das “strategische und zielorientierte” Wortgeklingel, mit dem z.B. Abiturienten erzählt werden soll, dass man an der Universität X ganz toll studieren kann, weil es besonders viele Kneipen im Umfeld der Universität gibt (relevante Bedürfnisse der Zielgruppe), und zwar viel mehr als im Umkreis von Hochschule Y (Wettbewerbsvorteil) und dass nicht nur für das leibliche Wohl gesorgt ist, sondern auch dafür, dass die Bewertungen stimmen (Gestaltung von Austauschprozessen), was schon deshalb der Fall ist, weil die Dozenten strategisch so ausgewählt wurden, dass sie dem Ziel, jedem Studenten einen Abschluss zu verschaffen, förderlich sind.

Wir haben uns – als alte Marketingexperten, die es geschafft haben, ein noch vor vier Jahren unbekanntes, weil noch nicht gegründetes Blog innerhalb von nur kurzer Zeit zur Nr. 1 der deutschen Wissenschaftsblogs zu machen (und das ganz ohne institutionelle Anbindung oder irgend eine Form der finanziellen Förderung), dazu durchgerungen, deutschen Hochschulen vor allem im Hinblick auf ihr Abschneiden in einem Hochschulranking unentgeltliche Expertentipps zu geben.

Tipps, wie man sich zielorientiert und strategisch und taktisch und in jedem Fall gut und effizient und natürlich exzellent und nur bei der relevanten Zielgruppe, also ohne Marketing-Ausschuss, gut verkauft – als Hochschule.

Stellen wir uns die folgende Ausgangssituation vor:

An einem Hochschulranking haben Hochschulen aus U (N=10), G (N=5) und D (N=5) teilgenommen. Unser Zielobjekt der Marketinganstrengungen ist Hochschule D0 aus der Menge D.

Das Ranking hat folgende Ergebnisse erbracht (siehe Abbildung):
Ranking

Das Marketingproblem für D0 ist einfach umschrieben: Wie macht man aus einem vergleichsweise schlechten Abschneiden, ein gutes Abschneiden machen bzw. wie kann man ein vergleichsweise schlechtes Abschneiden dennoch nutzenbringend ausschlachten?

Nichts einfacher als das.

Wir haben für jede Gemütsverfassung das richtige Motto für eine strategische und selbstverständlich zielgerichtete Marketingkampagne:

Der offensive Ansatz

  • D0: Spitze unter den D’s!
  • D0: Wieder unter den Top 20!
  • D0: An dritter Stelle hinter den Us und Gs!

Der defensive Ansatz

  • D0: Trotz des guten Abschneidens – es ist noch Raum für Verbesserung!
  • D0-Chef: “Ich danke allen Mitarbeitern, ohne die dieses Ergebnis nicht möglich gewesen wäre”.
  • D0: Im Vergleich zum Vorjahr vier Plätze zugelegt!

Der Team-Ansatz

  • D0-Chef: “Ranking-Erfolg beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”
  • D0-Chef: “Ich danke allen Mitarbeitern, ohne die dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre.”
  • D0-Chef: “Einigkeit macht stark!

Der Stärken-Ansatz

  • D0-Chef: “Es war immer die Stärke von D0, sich nicht vorzudrängen.”
  • D0-Chef: “Exzellente Ausbildung findet nicht nur an der Spitze statt!”
  • D0-Chef: “Das gute Ergebnis ist ein Beleg für die Bedeutung des Wissenschafts-Standorts D0.”
  • D0-Chef: “Ich danke allen Mitarbeitern, die durch ihre Kompetenz und ihren unermüdlichen Einsatz dieses Ergebnis erst möglich gemacht haben.”

Der resignierte Ansatz

  • D0-Chef: “Dabei sein ist alles.”
  • D0-Chef: “Die Ökonomisierung der Hochschulen ist schuld!”
  • D0-Chef: “Exzellenz kommt nicht von entsprechend benannten Programmen.”
  • D0-Chef: “Ich danke allen Mitarbeiter, die durch ihre Kompetenz und ihren Einsatz dieses Ergebnis zu verantworten haben.”

Der widerspenstige Ansatz

  • D0-Chef: “Viele haben es gar nicht erst ins Ranking geschafft!”
  • D0-Chef: “Dafür sind wir familienfreundlich!”
  • D0-Mitarbeiter: “Jetzt erst recht!”

Der kreative Ansatz

  • D0: Ergebnis zeigt: öffentliche Förderung zu gering!
  • D0-Chef: “Mit einer Frauenquote wäre das nicht passiert!”
  • D0-Chef: “Mindestens 30 neue Stellen notwendig um in der Weltspitze mithalten zu können!”
  • DO-Chef: “Auch der unermüdliche Einsatz und die Kompetenz der Mitarbeiter hat an diesem Ergebnis nichts ändern können.”

Der Soziologie-Ansatz

  • Das Ranking ist Mist, die Kriterien sind unklar, alles ist Schiebung, außerdem ist der Kapitalismus schuld, und wir machen ab sofort nicht mehr mit.

Literatur

Loevenich, Hermann (2009). Konstruktives Hochschulmarketing. Ludwig-Maximilians-Universität München: Arbeitspapier.

Wefers, Ulrike (2007). Hochschulmarketing in Deutschland: Chancen und Herausforderungen. Hamburg: Diplomica.

“Kunstwerke verkaufen und Steuern senken!” oder: Braucht eine zivile Gesellschaft Kunstwerke?

Durch Zufall sind wir auf die Tatsache aufmerksam geworden, dass Bund und Länder viel Steuergeld dafür ausgeben, vermeintliche Kunstwerke anzukaufen.

Warhol

Wir bevorzugen Baxters.

So befinden sich, wie aus einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hervorgeht, rund 8.300 vermeintliche Kunstgegenstände im Besitz der Landesregierung. Um was es sich dabei handelt, kann die Landesregierung eines Landes, das im Länderfinanzausgleich zu den Bettlern gehört, leider nicht angeben, da das Einverständnis der Künstler für eine Veröffentlichung notwendig sei und in vielen Fällen nicht vorliege. Ob die Landesregierung Sachsen-Anhalt bei jedem Kauf unbekannter Kunstwerke von unbenannten Künstlern das Einverständnis der Steuerzahler eingeholt hat, wird aus der Antwort auf die Kleine Anfrage leder nicht deutlich.

Dass sich im Besitz der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zwei Warhols befunden haben, ist dadurch ans Tageslicht gelangt, dass die Landesregierung die beiden Werke in New York für die Kleinigkeit von 151,5 Millionen US-Dollar hat versteigern lassen.

Und dass manche es geradezu als Aufgabe von Landes- und Bundesregierung ansehen, das, was sie als Kunstwerke ansehen, aufzukaufen, hat die Stammlesern von ScienceFiles bereits bekannte Monika Grütters gerade ausgeplaudert. Bei der Gelegenheit hat sich sich an einer Neubestimmung von ökonomischem Wert versucht, die Mill, Marx und Ricardo im Trio rotieren und Adam Smith die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließe.

Wir zitieren:

“In der Politik droht neuerdings leider eine eindimensionale Sicht auf den Marktwert der Kunst hoffähig zu werden. Der bisherige Konsens, wonach der Staat dem Wert der Kunst, dem Schutz kultureller Werte verpflichtet ist, hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen nicht davon abgehalten, zwei Warhols unter den Auktionshammer zu bringen. Für die Zukunft gilt es, einen Dammbruch für Verkäufe national wertvoller Kunstwerke aus öffentlichem Besitz zu verhindern. Denn wo die Preise, die sich mit Kunst erzielen lassen, politisch höher bewertet werden als ihr Wert, wird sie zum dekorativen Luxus, den wir uns nur in guten Zeiten leisten und den wir in schlechten Zeiten zur Disposition stellen, um Haushaltslöcher zu stopfen.”

Wert und Preis von Kunstgegenständen ist also eine Frage der politischen Bewertung. Ist Kunst oder das, was man als Kunst betrachtet, ein dekorativer Luxus, dann wird das bei Grütters ihrem Wert ebenso wenig gerecht als es der Verkauf der Kunstswerke, um Haushaltslöcher zu stopfen, wird. Indes, auch wenn Grütters in aller ökonomischen Ahnungslosigkeit, zu der sie fähig ist, Preise zu etwas Empirischem und Werte zu etwas Eingebildeten stilisiert, so scheint dies doch nicht wirklich als Grundlage einer neuen Werttheorie zu taugen.

DobbZur Erinnerung: Ökonomen und Philosophen haben sich über Jahrhunderte den Kopf darüber zerbrochen, wie man den Wert, der in die Erstellung eines Gutes eingeflossen ist, im Preis abbilden kann. John Stuart Mill hat dieses Problem einfach gelöst, in dem er angenommen hat, “dass die Dinge die Tendenz haben, eines gegen das andere sich zu solchem Werte austauschen zu lassen, dass jeder Produzent in den Stand versetzt wird, die Produktionskosten samt dem gewöhlichen Kapitalgewinn zurückerstattet zu erhalten”. Marx hat versucht, den Wert der Arbeit, die in die Produktion eines Gutes eingeflossen ist, in seiner Werttheorie besonders zu berücksichtigen und durch seine Mehrwerttheorie zu ergänzen. Beide Philosophen und eigentlich so ziemlich alle Ökonomen, die sich mit dem Wert von Gütern befassen, sind also der Meinung, der Wert eines Gutes werde über die Arbeit, das Material, die Zeit, schlicht: die Ressourcen bestimmt, die in seine Produktion eingeflossen sind. Und ob sich die Investition in den Wert eines Gutes gelohnt hat, das zeigt sich dann, wenn man es am Markt tauschen will. Tauscht man es gegen Geld, dann zeigt sich, ob das Gut die Produktion wert war, am Preis.

Nicht so bei Monika Grütters. Bei ihr ist der Wert von Kunst essentiell und nicht im Preis abzubilden. Ein Kunstwerk ist kein dekorativer Luxus, der sich am hohen Preis bemessen lässt. Ein Kunstwerk ist auch kein Mittel, um Haushaltslöcher zu schließen. Der Wert eines Kunstwerkes bestimmt sich für Grütters offensichtlich auch nicht entlang der Kosten für Leinwand, Rahmen, Ölfarben und Arbeitsaufwand des vermeintlichen Künstlers, denn wäre dem so, sie wäre nicht bereit, mehr als 1000 Euro pro Kunstwerk auszugeben. Nein, der Wert ist ideel, eine frei flottierende Entität, die sich demjenigen mitteilt, dem sie sich mitteilt. Grütters zum Beispiel, die den Wert von Kunst auch unabhängig vom Preis, den das Kunstwerk am Markt erzielen könnte, offensichtlich sofort erkennt, vermutlich weil der große Kunstgeist ihn mitteilt.

Man hat es ja schon immer geahnt, aber die Offenheit, mit der Grütters, immerhin Staatssekretär im Bundeskanzleramt und vermeintlich für Kultur zuständig, ausplaudert, dass Bund und Länder Kunstgegenstände al Gusto bepreisen und offensichtlich zu Phantasiesummen aufkaufen, die am Markt für Kunstgegenstände nie zu erzielen wären, lässt die Farbe aus dem Gesicht verschwinden. Kein Wunder, dass das Land Sachsen-Anhalt die Namen der Künstler, die von ihnen erstellen Kunstwerke und vor allem die Summen, die dafür ausgegeben wurden, diese Kunstwerke anzukaufen, nicht öffentlich machen will, denn offensichtlich ist auch das Aufkaufen von Kunstwerken ein Patronagesystem, das auf Kosten der Steuerzahler und auf Kosten der Armen, für die sich Politiker so gerne engagieren, betrieben wird.

Mit ihrer Meinung, dass der Wert eines Kunstgegenstandes nicht über den Preis bestimmt wird, den der entsprechende Gegenstand am Markt erzielt, sondern darüber, was ein Staatssekretär gerade als dessen Wert ansieht, steht Grütters übrigens nicht allein. Die absurde Idee, dass der Wert von Gegenständen eine Größe ist, die sich eigentlich gar nicht bestimmen lässt, sondern unbezifferbar ist, anders formuliert, dass neben dem Preis noch ein unglaublich hoher, in keiner Einheit messbarer, aber dennoch vorhandener ideeler Wert vorhanden ist, diese absurde Idee haben wir in einem Buch zur ausgerechnet “Politischen Ökonomie” gefunden, und zwar in der folgenden Variante:

Priddat politischeoekonomie“Das Buch erzeugt einen Zustand des Menschen, der nicht mehr identisch ist mit dem, in dem er das Buch zu lesen begann. Dies nennen wir Transformation. … Bücher dieser Couleur haben einen Mehrwert, der durch ihre Dinghaftigkeit nicht bezeugt ist. … beim Kauf … hat das Buch einen Wert, der sich im Preis nicht erschöpft. … Es kann Bücher geben, die in das Leben von Menschen so stark eingreifen, dass man ex post ein paar hunderttausend Euro nachzahlen müsste, um dem Wert einigermaßen zu entsprechen. … Wir verkaufen/kaufen Güter, deren Preis nichts über den Wert aussagt, den diese Bücher entfalten. Als Transformationsgüter sind Bücher Konsumtiva, die im Konsum ihren Wert bilden bzw. über den Preis hinaus steigen” (Priddat, 2009: 117-118).

Die Vorstellungs- oder Einbildungskraft des Herrn Priddat reicht leider nur dazu, eine Wertsteigerung zu sehen. Was aber, wenn das Lesen eines Buches, z.B. des Buches von Herrn Priddat den Wert nicht steigert, den man mit dem Preis diesem Buch zugeschrieben hat, sondern reduziert, wenn man durch das Lesen und den schockierenden Unsinn, den man lesen muss, misanthropisch und pessimistisch wird, wenn einen die Lebensfreunde verlässt, angesichts des Unsinns, der in Buchform gebracht werden kann? Soll man dann Priddat mehrere hunderttausend Euro in Rechnung stellen, für entgangene Lebensfreude und den Verlust des Glaubens an die Vernunft in Menschen?

Jemand wie Birger Priddat müsste dieser Möglichkeit eigentlich zustimmen, so dass wir jedem Leser seines Buches, der dabei intellektuellen Schaden nimmt, nur raten können: Nehmt den Priddat beim Wort und klagt die Transformation Eurer Persönlichkeit, die durch die Lektüre des Priddats eine Wende ins Schlechtere genommen hat, ein!

Ansonsten müssen wir abschließend zwei Dinge feststellen und eine Forderung formulieren:

  • Die Irrationalistät feiert in Deutschland munter Feste, nun auch in Büchern über “Politische Ökonomie” (bei Staatssekretär Grütters ist man nichts anderes gewohnt).
  • Die Behauptung, etwas habe einen Wert, den man nicht z.B. über seinen Preis bestimmen kann, ist für diejenigen bequem, die sich einer Kontrolle durch Dritte entziehen wollen. Käme z.B. der Bund der Steuerzahler, was höchst unwahrscheinlich ist, aber dennoch hier einmal angenommen werden soll, käme also der Bund der Steuerzahler auf die Idee, also einer beim Bund der Steuerzahler auf die Idee, bei bestimmten Kunstwerken die Ansicht zu vertreten, dass sie z.B. beim Land Sachsen-Anhalt zu überhöhten Preisen angekauft wurden (vorausgesetzt, man wüsste beim Steuerzahlerbund, welche Kunstwerke das Land Sachsen-Anhalt ankauft, was ja bekanntilch geheim ist), dann könnte man dieser Ansicht leicht dadurch entgegentreten, dass man den Vertreter des Bundes der Steuerzahler darauf hinweist, dass er den wahren Wert des entsprechenden Kunstwerkes nicht zu erkennen im Stande ist. Eh voilá.

Schließlich die Forderung, die mit zwei Fragen eingeleitet werden soll:

1. Müssen in öffentilchen Gebäuden Kunstwerke ausgestellt werden, die sich im Eigentum von Bund, Ländern und Gemeinden befinden?
2. Brauchen Bund, Länder und Gemeinden Eigentum an Kunstgegenständen?

Die Antwort auf Frage 1 lautet: Sie müssen es nicht. Die Antwort zu Frage 2 lautet: Sie brauchen es nicht.

Daraus resultiert die Forderung: Alle Kunstgegenstände im Besitz von Bund, Ländern und Gemeinden, die sich nicht in Museen befinden, sind zu verkaufen, und der Erlös ist zur Tilgung von Schulden zu verwenden. Wenn Künstler ihre Kunstwerke in öffentlichen Gebäuden ausstellen wollen, um sie einem breiten Publikum bekannt zu machen, dann können sie dies gegen eine geringe Gebühr tun.

Priddat, Birger, P. (2009). Politische Ökonomie. Neue Schnittstellendynamik zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Wachstum Marke OECD – Eine Manipulation in Armut

Durch die Presse geht heute ein Beitrag, der auf der mehr oder weniger kompletten Adaption einer Pressemeldung der OECD basiert. Einkommensungleichheit beeinträchigt das Wirtschaftswachstum, so lautet die Überschrift der Pressemeldung, die wiederum auf einem Arbeitspapier von Frederico Cingano basiert, das nicht ansatzweise so populär zu sein scheint, wie die Pressemeldung.

OECDUngleichheit, so die Erzählung, ist in den Ländern der OECD gewachsen, nicht irgend eine Ungleichheit, nein, die Einkommensungleichheit. Die oberen 10 Prozent haben ihren Abstand zu den unteren 10% vergrößert und verdienen nunmehr 7 Mal so viel wie die unteren 10% der Einkommensbezieher. Das behauptet die Pressemeldung der OECD gleich zu Beginn.

In der Kurzfassung des Arbeitsberichts heißt es dagegen:

“The gap between rich and poor is at its highest level in most OECD countries in 30 years. Today, the richest 10% of the population in the OECD area earn 9.5 times more than the poorest 10%. By contrast, in the 1980s the ratio stood at 7:1.”

Diese Angaben stimmen auch mit den Zahlen überein, die Cingano gleich unter Punkt 1 seines Beitrags gibt, so dass man sich fragt, in welchen Zeiten wir leben, wenn diejenigen, die Pressemitteilungen erstellen, nicht einmal mehr in der Lage sind, die ersten Zeilen eines Berichts richtig zu zitieren.

Aber es geht ja nur um die Message und die Stimmung, die mit dieser Message einhergeht: Der Abstand zwischen Arm und Reich wird immer größer, was auch nicht ganz stimmt, denn die Aussage bezieht sich auf das Einkommen von Haushalten und nicht auf das Ersparte oder sonstige Formen von Reichtum.

Weil der Abstand zwischen den Einkommen der Top-10%-Haushalte und denen der Bottom-10%-Haushalte gewachsen ist, ist das Wirtschaftswachstum hinter seinen Möglichkeiten geblieben, geringer ausgefallen als es hätte ausfallen können.

Ja. Nun ist das nicht unbedingt ein naheliegender Zusammenhang.

Warum sollte sich die Einkommensungleichheit die zwischen den Top-10%-Haushaltseinkommen und den Bottom-10%-Haushaltseinkommen besteht, negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken? Ganze 6% im Fall von Deutschland über 20 Jahre verteilt, also 0,3% jährlich?

Nun, der Pressemelder der OECD weiß genau, woran das liegt: “Die Studie liefert Belege dafür, dass steigende Ungleichheit das Wirtschaftswachtum hauptsächlich dadurch bremst, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien weniger Bildungschancen haben”.

Da sind Sie wieder, die sozial schwachen Familien, die an allem Schuld sind, dieses Mal am geringer als möglichen Wirtschaftswachstum und weil sie weniger in Bildung investieren, als dem Wachstum angemessen, weil sie zu den Bottom-10% der Haushalts-Einkommensbezieher gehören. Und dazu gehören sie, weil sie wenig in ihre Bildung investiert haben, deshalb beziehen sie die Bottom-10%-Einkommen. Etwas ist also es selbst (wegen geringer Bildung geringes Einkommen) und seine Ursache (wegen geringem Einkommen geringe Bildung) – die OECD-Henne, die vor und nach dem Ei kommt.

SchulsystemUnd vielleicht ist der Zusammenhang, den die Medien so kritiklos wieder berichten, auch etwas unterspezifiziert, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland ein öffentliches Bildungssystem gibt, in das man als Eltern nicht in der Weise investieren kann und muss, wie es die Humankapitaltheorie, auf der die Behauptung oben aufbaut, annimmt.

Schulbesuch ist unentgeltlich, so dass Bildung grundsätzlich jedem offen steht. Natürlich gibt es soziale Hemmnisse, die das Vorankommen behindern und dafür sorgen, dass in Deutschland eine soziale Stratifizierung im Bereich der Bildung aufrecht erhalten werden kann. Derartige soziale Hemmnisse setzen z.B. da an, wo Schulen in bestimmten herunter gekommenen Stadteilen einfach schlechter sind als Schulen in der schicken Gegend. Sie bestehen da, wo Lehrer Schüler aufgrund ihrer Herkunft stereotypisieren und z.B. den Jungen mit der arbeitenden, alleinerziehenden Mutter trotz seiner guten Noten für weniger geeignet ansehen, das Gymnasium zu besuchen, wie die Tochter des Rechtsanwalts, die zwar schlechtere Noten hat, aber eine Hausfrau-Mama, die zumindest durch physische Anwesenheit den Anspruch erhebt, sich um ihre Tochter zu kümmern.

Ganz davon abgesehen spielen natürlich Entwertungsprozesse gering qualifizierter Arbeit eine große Rolle, wenn es um die Frage geht, welches Einkommen sich mit nur geringer Bildung erzielen lässt. Tarifabschlüsse und Mindestlöhne sorgen dafür, dass die Arbeitsmöglichkeiten für ungelernte oder nur gering qualifizierte Arbeitnehmer immer weniger werden, dass die entsprechenden Arbeitsplätze in Länder ausgelagert werden, in denen die gleiche Arbeit für deutlich weniger Lohn erbracht wird. Dass die Einkommen gering Qualifizierter entsprechend relativ sinken, das würde man erwarten.

Aber natürlich ist das alles irrelevant, denn allein die über Bildungsinvestitionen zu Stande kommende Einkommensungleichheit hat die beschriebenen Folgen – sagt die OECD.

Interessanter Weise kennt Cingano auf den Seiten 10 bis 12 seines Arbeitspapieres eine ganze Reihe anderer möglicher Erklärungen dafür, warum Einkommensungleichheit sich auf das Wachstum auswirken sollte, darunter:

  • Wachstumsverluste durch soziale Unruhen, geschürt z.B. durch eine ständige Dämonisierung von Einkommensunterschieden;
  • zu geringe Inlands-Nachfrage nach Innovationen, weshalb Innovationen in anderen Ländern auf den Markt gebracht werden;
  • und die Investitionen in Humankapital, jene Theorie, die Gary S. Becker für die USA entwickelt hat, jenes Land, in dem Bildung insofern mit Investitionen verbunden ist, als private Schulen Gebühren verlangen und ein Studium generell mit Studiengebühren verbunden ist, so dass die erreichte formale Bildung ganz krude von den Bildungsinvestitionen abhängt.

Schließlich kennt Cingano sogar zwei Hypothesen, warum hohe Einkommensungleichheit das Wirtschaftswachstum gar befördern soll, weil die Ungleichheit denen, die sich am unteren Ende finden, als Ansporn dient – ein unpopulärer, aber dennoch nicht einfach von der Hand zu weisender Gedanke und weil die Sparquote steigt (weil Großverdiener einen geringeren Anteil ihres Einkommens konsumieren als Geringverdiener), was Investitionen begünstigt.

Der Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Wachstum ist also alles andere als so einfach, wie man ihn bei der OECD offensichtlich gerne hätte. Schlimmer noch, er ist nicht einmal für das behauptete Ergebnis eindeutig, wie die Tabelle zeigt, die der Arbeit von Cingano entnommen ist:

Cingano inequality

Interessant an der Tabelle sind die Sternchen. Sie geben an, welche der getesteten Zusammenhänge statistisch signifikant sind. Und siehe da, signifikant ist nur der Zusammenhang zwischen Ungleichheit (inequality) und Wirtschaftswachstum, sonst nichts – obwohl Humankapital im Modell enthalten ist, erklärt Humankapital nichts.

Wir sind also wieder back to square one und bei der Frage: Warum sollte Einkommensungleichheit sich auf das Wirtschaftswachstum auswirken, und wie sollte sie das tun?

Aber selbst wenn man, wie die OECD, dieses Ergebnis ignorieren wollte, weil es einem nicht in den politischen Kram passt, so stellte sich doch die Frage, wie der Zusammenhang der Investitionen in Humankapital, die Haushalte mit geringem Einkommen im öffentlichen Bildungssystem in Deutschland angeblich nicht vornehmen können, und dem Wirtschaftswachstum zu Stande kommt, angesichts der nicht vorhandenen Notwendigkeit, monetäre Investitionen z.B. für Schulbesuch oder Universitätsbesuch zu machen.

Rolff SchulentwicklungEs ist schon erstaunlich, dass man sich bei der OECD nicht nur über Legionen von Büchern hinwegsetzt, die regelmäßig zeigen, dass soziale Selektionsmechanismen, in dem, was Rolff “Schule als Mittelschichtsinstitution” bezeichnet hat, dafür sorgen, dass die, die unten sind, auch in der nächsten Generation unten bleiben (schon um die Abstiegsängste der unteren Mittelschicht zu behandeln) vom Tisch gewischt und mit einer wilden Assoziationskette ersetzt werden, die behauptet, dass irgendwie ein Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit von Haushalten und Wirtschaftswachstum besteht, der irgendwie über Bildungsinvestitionen in was auch immer, vermittelt wird.

Bei so viel Assoziationen und soviel Ignoranz bestehender Forschungsergebnisse fragt man sich doch: Was treibt die Herrschaften bei der OECD um? Die Antwort, die die deutsche Pressemeldung gibt, lautet wie folgt:

“In diesem Zusammenhang weist die Studie darauf hin, dass Umverteilung mittels Steuern und Transfers nicht zwangsläufig wachstumsschädlich ist, solange entsprechende Maßnahmen zielgenau angewandt werden. Eine solche Verteilungspolitik müsse sich vor allem auf Familien mit Kindern sowie auf junge Menschen konzentrieren und deren Lernchancen verbessern.”

Und wie von Geisterhand sind alle Probleme des Bildungssystems gelöst. Wir verteilen einfach ein bischen “gezielt” um, wie die neue Formel von Umverteilung heißt und kaufen uns, für, sagen wir 10%, “gezielt” umverteilte Mittel 10% mehr intelligente oder doch zumindest formal höher gebildete Kinder. Natürlich sind im Preis die Kosten für 10% bessere Lehrer und 10% intelligentere Lehrer enthalten, und die Kosten für die Weiterbildung der Lehrer, die an Hauptschulen nun überflüssig werden, die sind auch enthalten, und die Kosten für den Import von Arbeitskräften, die sich um all die Arbeiten kümmern, die die nun um 10% besser gebildete Bevölkerung nicht mehr machen will, die importierten Arbeitskräfte, die nun zu den Bottom-10% Haushaltseinkommenbeziehern werden, für die wir dann in 20 Jahren feststellen, dass dann, wenn die Bottom-10% Haushaltseinkommensbezieher nicht die Bottom-10% gewesen wären, das Wachstum in den letzten 20 Jahren, sagen wir: um 7,5% höher ausgefallen wäre, weshalb wir abermals umverteilen müssen, von oben nach unten und natürlich ganz und besonders gezielt in die Bildung der Bottom-10% oder Bottom-40%, wir wollen die bedürftige Mittelschicht ja nicht vergessen und im Regen stehen lassen, am Ende wird sie noch von den in den Genuss direkt umverteilter Mittel geförderten Bottom-10% überholt, und das wollen wir ja nicht – oder?

Und irgendwann haben wir dann die Gesellschaft, die der OECD vorschwebt: niemand ist mehr Bottom-10%, niemand ist mehr Top-10%, niemand ist mehr irgend etwas, will irgend etwas, macht irgend etwas, die vollendete Gleichheit ist erreicht und diese vollendete Gleichheit hat zumindest einen Vorteil: Die OECD wird nicht mehr gebraucht!

Energiearmut und teurer Strom

Längst ist Energiearmut ein feststehender Begriff in der sozialwissenschaftilchen Forschung. Als unter Energiearmut leidend gilt im Vereinigten Königreich jeder, der 10% und mehr seines Einkommens für Energie, im Wesentlichen zur Beheizung seines Hauses aufwenden muss.

In Deutschland wird Energiearmut regelmäßig mit Bezug auf den Strompreis diskutiert, denn der deutsche Strompreis gehört zu den höchsten in Europa.

Nur Dänen zahlen mehr. strompreise-europa-bdew

Die Frage, die sich angesichts der hohen Strompreise aufdrängt, lautet: Warum ist der Strom in Deutschland so teuer? Die Antwort auf diese Frage kann man einem kurzen Papier des wissenschaftlichen Dienstes im Deutschen Bundestag entnehmen (Ja, es gibt einen wissenschaftlichen Dienst im Deutschen Bundestag), das gerade veröffenlicht wurde.

Demnach setzt sich der Preis für eine Kilowattstunde Strom aus den folgenden Komponenten zusammen:

  1. 26,6% des Preises entfallen auf die Kosten der Strombeschaffung, also den Einkauf von erzeugtem Strom an z.B. der Leipziger Strombörse (European Energy Exchange). Dieser Bestandteil des Strompreises ist der einizige Marktbestandteil. Anders formuliert: Nur 26,6% des Preises werden durch den Wettbewerb am Strommarkt bestimmt
  2. 22,2% des Strompreises resultieren aus Netzentgelten, Entgelten für Abrechnung, Messung und Messstellenbetrieb. Die entsprechenden Entgelte sind staatlich reguliert, also festgelegt, nicht verhandelbar und schon gar nicht dem Wettbewerb zugänglich.
  3. 22,9% des Strompreises ergeben sich aus staatlichen Umlagen, darunter die Erneuerbare Energien Umlage mit 21,1%, die Kraft-Wärme-Kopplungsabgabe mit 0,6%, die Stromnetzentgeltverordnungs-Umlage mit rund 0,5% und die Offshore-Haftungsumlage mit rund 1%.
  4. Weitere 22,9% des Strompreises sind Umsatz- und Stromsteuer.
  5. Schließlich entfallen 5,4% des Strompreises auf die Konzessionsabgabe, die an den Staat gezahlt werden muss, dafür, dass Stromtrassen über öffentliche Straßen oder Wege geführt werden.

Mit anderen Worten, 74,4% des Strompreises sind fix und dem Wettbewerb nicht zugänglich. 51,2% des Strompreises entfallen auf staatliche Umlagen und Steuern. Damit stimmt das Ergebnis, zu dem der wissenschaftliche Dienst des Bundestages gekommen ist, mit dem Ergebnis überein, das der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft bereits am 20. Juni 2014 veröffentlich hat.

Übertragen auf den durchschnittlichen Preis für eine Kilowattstunde ergibt sich dann folgendes Bild:
Strompreis

Man kann also schwerlich an der Erkenntnis vorbei, dass die deutsche Energiewende den deutschen Verbrauchern erhebliche Kosten aufbürdet und dass der deutsche Staat beim Strom eine Möglichkeit gefunden hat, Stromkunden für eine ganze Menge unterschiedlicher Ausgaben bezahlen zu lassen, ganz so, als würde es nicht reichen, eine Stromsteuer zu entrichten und obendrauf noch Mehrwertsteuer zu bezahlen. Anders formuliert: Der Strompreis ist ein schönes Beispiel dafür, wie sozialistische Systeme ihre Bürger für ihre Visionen zur Ader lassen, und er ist ein gutes Beispiel dafür, dass staatliche Planung zur Verarmung der Bevölkerung beiträgt.

Wenn also das nächste Mal ein Politiker den Mund aufmacht, um über die hohen Strompreise in Deutschland und die bösen Konzerne zu schimpfen, sollte ihm der Bericht des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages oder der wesentlich ausführlichere Bericht des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft zur Lektüre aufgegeben werden.

Damit er beim nächsten mal weiß, wovon er spricht.

Dazu passt:

Die Hälfte schluckt der Staat

“Die Abgabenlast wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Durchschnittsverdiener und Beschäftigte mit geringem Einkommen sind besonders betroffen. Heimliche Steuererhöhungen sind ein wesentlicher Grund dafür.” Weiter auf dem Ökomenblog.

Öffentlich-rechtlicher Schaum vor dem Mund

Wir müssen heute einmal Wissenschaftler verteidigen, und zwar die fünf Wissenschaftler, die zusammen den Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschatflichen Entwicklung bilden, dessen Aufgabe es u.a. ist, ein Jahresgutachten zu erstellen, in dem die wirtschaftliche Entwicklung auf Grundlage der vergangenen wirtschaftlichen Entwicklung und politischer Entscheidungen prognostiziert wird.

Nun kann man von diesem Sachverständigenrat halten, was man will, aber man wird den darin versammelten fünf Professoren schwerlich absprechen können, dass sie in der Lage sind, wissenschaftliche Expertisen zu erstellen und über die dazu notwendige Expertise auch zu verfügen. Und natürlich erstellen sie das Jahresgutachten nicht alleine, sie sind ja nur zu fünft. Den anderen Wissenschaftlern, die am Gutachten beteiligt waren, sind die Punkte 5 bis 12 des Vorworts zum Jahresgutachten 2014/2015 gewidmet und da sich das Vorwort zu Beginn der 405 Seiten des Berichts findet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Vowort gelesen wird, selbst von Journalisten gelesen wird, recht hoch – so denkt man.

Jedenfalls denkt man das, bevor man den Kommentar von Claus Heinrich gelesen hat, der für den SWR im Hauptstadtstudio tätig ist und dort auf Kosten der Gebührenzahler sein Unwesen in einer Weise treiben darf, das seiner Sozialisation bei taz und SPD leider nur zu gerecht wird. Und dieser Mann wird mit seinem geballten Zorn und einer grüttelten Ladung Unwissen von der ARD auf ihre in diesem Fall Leser losgelassen, und er darf so richtig austeilen, schimpfen und verbal randalieren und dabei deutlich machen, dass er selbst wenn man ihn fragen würde, nicht wüsste, was Anstand und Fairness sein sollen.

Im Originalton:

clausheinrich103~_v-portraetklein8x9“Darauf muss man erst einmal kommen: Der Mindestlohn, der noch gar nicht in Kraft ist, ist schon jetzt schuld an der Eintrübung der Konjunktur in Deutschland. Das behaupten jedenfalls die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten. 100.000 Minijobs seien gefährdet und 40.000 sozialversicherte auch. Der Mindestlohn der Bundesregierung, der ab 1. Januar in Kraft treten soll, sei ein “sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang”.

Wie immer, wenn der Schaum vor dem Mund die Sicht auf den Text versperrt oder der Text durch zu viel tropfenden Speichel unlesbar geworden ist, entgeht dem Keifenden das Wesentliche: Das Jahresgutachten 2014/2015 (!sic) ist ein Gutachten, das die zukünftige Entwicklung abschätzen soll, und zwar auf Grundlage bisheriger Entwicklung und politischer Entscheidungen. Der Mindestlohn ist eine politische Entscheidung, ein Markteingriff, der getätigt wurde. Die Folgen, die die Sachverständigen beschreiben, ergeben sich nach ihrer Ansicht, die sie sich auf Grundlage von Daten gebildet haben, in der Zukunft. Deshalb beschreiben sie Konjunkturaussichten in ihrem Gutachten. Aber das hat der Herr Heinrich auf der Höhe seines Zornes offensichtlich übersehen, ebenso wie er übersehen hat, dass es eine umfangreiche Forschung zum Thema “Mindeslohn” gibt, die einhellig zeigt, dass ein Mindestlohn der Konjunktur schadet.

Und natürlich ist der Mindestlohn ein sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang oder will der zornige Heinrich etwa behaupten, er könne die Zukunft vorhersehen und wisse genau, wie der Mindestlohn sich auf die Konjunktur auswirkt? Wie gesagt, nach aller wissenschaftlichen Forschung kann man sich recht sicher sein, dass sich ein Mindestlohn negativ auf die Konjunktur auwirkt, aber nicht nur darauf, wie ein Blick in den Bericht der Sachverständigen zeigt:

“Der Mindestlohn wird vor allem die Arbeitsnachfrage im Bereich einfacher Tätigkeiten belasten. Dort wird es im Jahr 2015 zu Lohnsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich kommen (Brenke, 2014). Selbst unter der Annahme einer geringen Lohnelastizität der Arbeitsnachfrage und der Tatsache, dass zunächst – etwa aufgrund von Ausnahmeregelungen – nicht bei allen Beschäftigten der Lohn entsprechend angepasst wird, ist von deutlich negativen Beschäftigungseffekten auszugehen (Henzel und Engelhardt, 2014).

Insbesondere bei geringfügig entlohnt Beschäftigten dürfte es wegen der Verdienstgrenzen zu Anpassungen der (vereinbarten) Arbeitszeit bei unverändertem Entgelt kommen. Unabhängig von der Art der Anpassung steigt für die vom Mindestlohn betroffenen Arbeitnehmer die für die Rentabilität ihres Arbeitsplatzes erforderliche Produktivität. Letztere wird vor allem für geringqualifizierte Arbeitnehmer oft schwer zu erreichen sein. Der Sachverständigenrat nimmt daher im Rahmen der Prognose an, dass im Jahr 2015 rund 100 000 Minijobs und etwa 40 000 sozialversicherungspflichtige Stellen weniger entstehen als ohne den Mindestlohn” (110).

Die Zusammenhänge, die hier beschrieben sind, sind nicht nur xfach belegt, sie sind auch einfach nachzuvollziehen: Wenn mich als Arbeitgeber Arbeitnehmer, die eine geringfügige Tätigkeit ausüben, plötzlich mehr kosten, dann werde ich so viele der Arbeitnehmer einsparen, wie notwendig, um die Kosten auf das Ausgangsniveau vor Einführung des Mindestlohns zu drücken. Diese Konsequenz des Mindestlohns ist rational und vorhersehbar, und sie widerspricht dem ideologischen Vorurteil von Herrn Heinrich, der lieber die Augen zuhält und behauptet, die Erde sei eine Scheibe, wie er gerade sehen könne.

Nicht genug damit, dass Herr Heinrich sich aufschwingt, ein Gutachten von 405 Seiten in Bausch und Bogen vom Tisch zu wischen und zudem versucht, denjenigen, die er als Ersteller des Gutachtens ansieht, ans Bein zu pinkeln, er versucht auch aufs Primitivste zu manipulieren, indem er suggeriert, 100 000 Minijobs und 40 000 sozialversicherungspflichtige Jobs seien in Gefahr. Wer die zitierte Stelle liest, der sieht: Sie sind nicht in Gefahr, wie der nicht schlaue Heinrich behauptet, nein, die Sachverständigen fürchten, dass Unternehmen die entsprechenden Stellen gar nicht erst schaffen werden, die sie ohne Mindestlohn geschaffen hätten. Das ist ein Unterschied Herr Heinrich.

Und dann geht es mit dem ehemaligen taz Redakteur und SPD Mitglied ganz durch:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt. Dann relativiert sich auch das neidzersetzte Gemecker über Leute, die 45 Jahre den Buckel krumm gemacht und mit ihren Steuern Universitäten finanziert haben, die sie für sich selbst nie genutzt haben. Und die sich dann von deren hochbezahlten Lehrkräften auch noch dafür beschimpfen lassen [zu] müssen, wenn sie nach 45 Jahren nicht mehr malochen wollen.”

Man kann das Gutachten wieder und wieder durchsuchen: es findet sich keine Stelle, an der die Gutachter “Leute” beschimpfen, “die 45 Jahre den Buckel krum gemacht haben”, um das Studium von ehemaligen taz Redakteuren, die jetzt versuchen, sich als öffentlich-rechtlicher Schaumschläger ein Einkommen zu sichern, zu finanzieren. Die Beschimpfung gibt es nur in der Phantasie, im Kopf von Herrn Heinrich, in dem, angesichts der vielen Phantasien für die Realität kein Platz mehr bleibt, die Realität, die sich auf 405 Seiten eines Berichtes findet, in dem sich die Rente mit 63 nur an vergleichsweise wenigen Stellen überhaupt findet.

Maggy ThatcherUnd natürlich ist es ein Unding, wenn man angesichts steigender Ausgaben für die Sozialversicherung, die schon jetzt mehr als 50% des Bundeshaushalts ausmachen und bis 2018 nach Ansicht der Bundesregierung “stark steigen”, angesichts einer steigenden Lebenserwartung und angesichts einer z.B. durch den Mindestlohn verschlechterten konjunkturellen Aussicht, Steuergeschenke verteilt, wie dies die Parteifreundin von Claus Heinrich mit der Rente ab 63 gemacht hat. Ressourcen sind nun einmal begrenzt. Da kann man mit dem Fuss aufstampfen, da kann man mit dem Kopf gegen die Wand laufen, aber man kann es schlicht nicht ändern: Wenn Geld weniger wird, kann man nicht immer mehr ausgeben. Das müsste selbst Herrn Heinrich einleuchten.

Um seiner Ahnungslosigkeit die Krone aufzusetzen, denkt er, er könne die Sachverständigen nun mit seinem Wissen beeindrucken und ihnen eine Fehlstelle nachweisen:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt.”

Das fabuliert der veritable Herr Heinrich, der aus den Gebühren der Zwangsseher öffentlich-rechtlicher Anstalten finanziert wird. Nun, die fünf Wirtschaftsweisen sind:

  1. Prof. Dr. Peter Bofinger
  2. Prof. Dr. Lars P. Feld
  3. Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender
  4. Prof. Dr. Isabel Schnabel
  5. Prof. Volker Wieland, Ph.D.

Auch in Zeiten der Gender-Manie ist Isabel Schnabel noch als weiblich zu erkennen. Ob Claus Heinrich so sehr vom Genderistischen-Zeitgeist besetzt ist, dass er nicht zu denken in der Lage ist, es könne einen weiblichen Menschen geben, der sich mit kalter, von weißen heteronormativ-patriarchalischen Männern betriebener Ökonomie beschäftigt, ist uns nicht bekannt. Wir tendieren zu der Annahme, dass der keifende Heinrich das Jahresgutachten der Sachverständigen nie in der Hand hatte und keine Idee hat, wer die Wirtschaftsweisen eigentlich sind. Wozu auch: Um als Journalist für die ARD im Hauptstadtbüro tätig zu sein, reicht es offensichtlich, über Schaum vor dem Mund zu verfügen. Kenntnisse in irgend einem Bereich werden nicht erwartet.

Schließlich sei dem Herrn Claus die Expertise des Sachverständigenrates aus dem Jahre 2011 mit dem Titel “Herausforderungen des demografischen Wandels” empfohlen. Darin setzen sich vier Herren und eine Dame, die zum damaligen Zeitpunkt die fünf Wirtschaftsweisen gebildet haben, mit dem Thema Zuwanderung eingehend auseinander.

Aber das weiß Herr Heinrich nicht.

Er weiß eigentlich gar nichts.

Er hat Schaum vor dem Mund und das reicht, um ARD-tauglich zu sein.

Und nun noch das Schmankerl zum Schluss. Auf der Seite des ARD-Hauptstadtstudios versucht sich Claus Heinrich leutselig zu geben und beantwortet die Frage: “Was sehen Sie als die größte Herausforderung im politischen Journalismus [an]?” mit: “Die eigenen Vorurteile nicht für Vorwissen zu halten.”

Das ist es dann wohl, was man Realsatire nennt!

Down-Breeding: Kinderkriegen als Beruf – Kinder als Ressource

Es ist an der Zeit, den Begriff des Down-Breedings aus der ideologischen Ecke zu holen, in die er in jüngerer Zeit geraten ist und ihn zu definieren:

Wir definieren down-breeding als Ergebnis einer Anreizsstruktur, die es Personen, die sich aus eigener Kraft keine Kinder leisten können, erlaubt, den Kinderbesitz zum Ersatzberuf zu machen und von anderen finanzieren zu lassen. Down-breeding verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es regelmäßig diejenigen sind, die für entsprechende Anreize empfänglich sind, die über nicht genug Humankapital verfügen, um eine berufliche Karriere zu machen oder die zwar über genug Humankapital verfügen würden, aber keine Lust haben, ihr eigenes Leben selbst finanziert zu leben.

MPI demographicUnd jetzt ist es an der Zeit, ein gutes Working Paper aus dem Max Planck Institut für demographische Forschung in Rostock, das die Autoren wohl aus Sicherheitsgründen in englischer Sprache verfasst haben, vorzustellen – Titel: Socioeconomic Differences in the Unemployment and Fertility Nexus: A Comparison of Denmark and Germany. Autoren: Michaela Kreyenfeld und Gunnar Andersson.

Die beiden Autoren untersuchen also den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Fertilität. Der gesunde Menschenverstand hätte noch vor 30 Jahren gesagt: Wer es sich nicht leisten kann, Kinder zu bekommen, z.B. weil er arbeitslos ist, der muss es lassen. Heute muss man, um zu sehen, ob der gesunde Menschenverstand noch zutrifft, Daten analysieren – die Daten des Sozio-ökonomischen Panels im vorliegenden Fall und für die Frage, wie die Produktion eines ersten, zweiten oder dritten Kindes mit Arbeitslosigkeit und Bildung zusammenhängt.

Die dargestellte Tabelle zeigt, wie die drei Variablen zusammenhängen:

Kreyenfeld_down breeding

Die Tabelle stellt das Risiko dar, dass die jeweiligen Befragten ein Kind in die Welt setzen. Das Risiko wird nach dem Bildungsstand (low, medium, high) und danach, ob ein Befragter arbeitslos oder erwerbstätig ist, differenziert, wobei diejenigen, die einer Arbeit nachgehen, als Referenzgruppe benutzt werden. Das bedeutet, dass Werte unter der 1 der Referenzgruppe ein geringeres Risiko, Kinder in die Welt zu setzen, angeben, während Werte über 1 ein höheres Risiko angeben. Sternchen geben an, welche Irrtumswahrscheinlichkeit mit den entsprechenden Werten verbunden sind (je mehr Sternchen, desto verlässlicher das Ergebnis).

Was die Tabelle zeigt ist mehrerlei:

  • Frauen mit hoher Bildung haben das geringste Risiko, bei Arbeitslosigkeit, ein Kind in die Welt zu setzen.
  • Frauen mit geringer und Frauen mit mittlerer Bildung, die nicht im Arbeitsmarkt sind (nicht arbeiten und nicht arbeitslos gemeldet sind), die keine Absicht haben, überhaupt einer Arbeit nachzugehen, haben ebenso wie Frauen mittlerer Bildung, die arbeitslos sind, ein relativ höheres Risiko, Kinder in die Welt zu setzen, als Frauen entsprechender Bildung, die einer Arbeit nachgehen.
  • Männer mittlerer Bildung, die arbeitslos sind, haben ein vergleichsweise geringeres Risiko, ein erstes oder ein zweites Kind in die Welt zu setzen als Männer mittlerer Bildung, die arbeiten.
  • Dagegen haben Männer mittlerer Bildung, die arbeitlos sind, ein deutlich höheres Risiko als Männer mittlerer Bildung, die arbeiten, ein drittes Kind in die Welt zu setzen.
  • Tendenziell lässt sich feststellen, dass Arbeitslosigkeit bei Frauen geringer oder mittlerer Bildung gegenüber den entsprechend gebildeten Frauen, die einer Arbeit nachgehen, das Risiko erhöht, Kinder in die Welt zu setzen.

Die Ergebnisse sind ein Beleg dafür, dass es für Frauen geringer und mittlerer Bildung möglich ist, Kinderbesitz als Surrogat einer berufliche Karriere zu inszenieren und Kinderbesitz zum Surrogat-Beruf zu machen. Die Ergebnisse sind zudem ein Beleg dafür, dass es der deutsche Wohlfahrtsstaat geschafft hat, Menschen, die sich Kinder nicht leisten können, zum Kinderkriegen anzureizen, weil sie sich durch die Kinder finanziell besser stellen oder, in den Worten von Kreyenfeld und Andersson: “How can we explain the patterns of elevated fertility among unemployed two-child fathers …? … Another, more likely explanation is that many of these men have poor labor market prospects, and intend to rely on social benefits when having children” (29-30).

Da es sich hierbei um Männer mit mittlerem Bildungsabschluss handelt, also mit wenigstens Realschulabschluss, muss man davon ausgehen, dass der deutsche Wohlfartsstaat es zwischenzeitlich nicht nur geschafft hat, Frauen mit geringer und mittlerer Bildung Anreize zu setzen, die es ihnen ermöglichen, dauerhaft dem Arbeitsmarkt fern zu bleiben und durch die Produktion von Kindern auf Kosten anderer zu leben, sondern dass die entsprechenden Fortpflanzungsanreize zwischenzeitlich auch bei Männern aus der Bildungs-Mittelschicht ihre Wirkung entfalten.

Es ist schon amüsant, wie deutsche Politker es schaffen, einerseits zu schwadronieren, dass es für Deutschland so wichtig sei, dass Frauen und Männer in gleicher Weise am Arbeitsmarkt teilnehmen, während sie andererseits alles tun, um Frauen und nun auch Männer mit Anreizen zum nicht-Arbeiten von eben dieser Teilhabe am Arbeitsmarkt abzuhalten. Entweder sind deutsche Politker schizophren oder sie sind opportunistisch oder sie sind schlicht dumm (kein ausschließendes “oder”).

Man darf gespannt sein, was den Berliner Künstlern der Sozialtechnologie als nächstes einfällt um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands in Frage zu stellen.

Bis dahin können wir nur zitieren, was Richard J. Herrnstein und Charles Murray in einem anderen Zusammenhang und im Bezug auf andere Variablen für denselben Effekt von Wohlfahrtsstaaten geschrieben haben:

Herrnstein Murray“We can imagine no recommendation for using the government to manipulate fertility that does not have dangers. But this highlights the problem: The United States already has policies that inadvertently social-engineer who has babies, and it is encouraging the wrong women. If the United States did as much to encourage high-IQ women to have babies as it now does to encourage low-IQ women, it would rightly be described as engaging in aggressive manipulation of fertility. The technically precise description of America’s fertility policy is that it subsidizes births among poor women, who are also disproportionately at the low end of the intelligence distribution. We urge generally that these policies, represented by the extensive network of cash and services for low-income women who have babies, be ended. The government should stop subsidizing births to anyone rich or poor. The other generic recommendation, as close to harmless as any government program we can imagine, is to make it easy for women to make good on their prior decision not to get pregnant by making available birth control mechanisms that are increasingly flexible, foolproof, inexpensive, and safe” (Herrnstein & Murray, 1994: 548-549).

In Deutschland ist man einen Schritt weiter und ermöglich es der Bildungs-Mittelschicht derzeit, sich ungestört von Fragen der Unterhaltssicherung und auf Kosten anderer fortzupflanzen, um dann an ihre Kinder ihr tiefes Wissen darüber, wie man sich eine Transferexistenz aufbaut und auf Kosten Dritter lebt, weiterzugeben.

Herrnstein, Richard J. & Murray, Charles (1994). The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life. New York: Free Press.

©ScienceFiles, 2014