Deutschland lebt von der Substanz

Die Infrastruktur in Deutschland verfällt vor sich hin. Brücken und Straßen sind in einem beklagenswerten Zustand.

Bei der Daten-Infrastruktur hinkt Deutschland hinterher. Die Geschwindigkeit im Internet erinnert eher an die Erfindung der Langsamkeit als an einen fast paced Service.

Die Bundeswehr verwaltet einen Haufen Ausrüstungsmüll, und die Verteidigungsministerin hofft darauf, dass die private Wirtschaft funktionierende Transportflugzeuge verleiht.

Fotos aus der DDRAber: Wir haben den Staatsfeminismus und den Genderismus. Nichts floriert mehr als das Verbrennen von Geldern für nichtsnutzige Tätigkeiten.

Nicht nur das: die Hilfeindustrie, die Geld kostet, aber nichts produziert, keinen Mehrwert erwirtschaftet, boomt: Nie war es einfacher und lohnender depressiv zu sein wie heute.

Und schließlich: die Interventionen der Bundesregierung in dies und jenes, sie sind die einzige Form, mit der Politik “gestaltet”. Politischer Favoritismus, ein friends-and-family-Programm der Politiker, mit dem sie eigene Grillen finanzieren und das, was sie liebgewonnen haben, fördern, regiert, wo weitsichtige, langfristige und zukunfstweisende Investitionen gefordert wären.

Das sagen nicht nur wir, das sagen immer mehr, u.a. Dr. Christian Growitsch vom Hamburgischen WeltWirtschafts-Institut. Growitsch findet zwar keine deutlichen, aber immerhin semi-klare Worte, mit denen er die Geschenk-Politik, den politischen Favoritismus der Bundesregierung kritisiert, der nicht nur zu Lasten der so oft bemühten nachwachsenden Generationen geht, sondern die heute Lebenden schlechter stellt.

Noch deutlicher: Die politische Aktivistenschar in Berlin verspielt derzeit die Gegenwart und die Zukunft Deutschlands – oder wie Growitsch schreibt:

HWWI“Unterdessen mehren sich die ökonomischen Alarmzeichen: Die konjunkturellen Aussichten verschlechtern sich bereits, das Geschäftsklima sinkt und einzelne Branchen beginnen, die Konsequenzen der Sanktionen gegenüber Russland zu spüren. Vor allem aber liegen die gesamtwirtschaftliche Investitionsquote, der Anteil der Ausgaben für Bildung, Forschung und Entwicklung und die Investitionen in Infrastruktur zum Teil deutlich unter dem Niveau anderer, mit Deutschland konkurrierender Nationen. Anstatt in wirtschaftlich prosperierenden Zeiten eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik zu betreiben, lebt Deutschland von der Substanz. Gleichzeitig zeigen die politischen Interventionen in bedeutsame Gütermärkte, dass die gegenwärtige Bundesregierung – wie auch viele vor ihr – den Anschein politischer Handlungsfähigkeit über ordnungspolitische Grundsätze stellt.

Um die wirtschaftliche Zukunft der Bundesrepublik nachhaltig zu gestalten, bedarf es eines mutigen Umsteuerns der Politik. Trotz gesellschaftlicher Präferenz für Sozialbehaglichkeit und gegen marktwirtschaftliche Prozesse sollte die Regierung eine zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik mit klarer ordnungspolitischer Ausrichtung verfolgen. Nur dann kann es gelingen, den in den vergangenen Jahren so schwer erkämpften Wohlstand auch für zukünftige Generationen zu sichern.”

Mit “klarer ordnungspolitischer Ausrichtung” ist die Abstinenz von Interventionen in den Markt gemeint. Der ordnungspolitische Rahmen der Wirtschaft sieht die Verhinderung von Monopolbildung in Märkten, die Verhinderung der Gewährung von Privilegien in Märkten und die Rechtsssicherheit der Marktteilnehmer als Aufgabe des Staates, mehr nicht.

 

Im Gegensatz zu Growitsch sind wir nicht der Ansicht, die “Politik” sei zu so etwas wie “Mut” im Stande. Jahrzehntelanger Nepotismus und Favoritismus haben ihre Spuren hinterlassen und eine politische Klasse von Nutznießer hervorgebracht, die Kinder-Eltern-Zimmer bei der Bundeswehr bauen, während die Ausrüstung verrottet, die mit dem Professorinnenprogramm noch den letzten Rest der Professionalität aus deutschen Universitäten beseitigt, die nachhaltig hohe Strompreise produziert, um ein zu kleines Stromnetz mit hochsubventioniertem, aber nicht konkurrenzfähigem Ökostrom zu belasten und – nichtzuletzt – eine Politikerkaste, die sich über Analverkehr und Homosexualität zu ereifern im Stande ist, während die Infrastruktur daniederliegt.

Von solchen Politikern ist kaum zu erwarten, dass sie etwas zu Wege bringen, was zukunftsweisend, keine Klientelpolitk und vor allem: mutig ist.

Mit vielen Frauen kommt die Unprofessionalität (und der Niedergang)

Als Wissenschaftler, die einer Reihe von methodologischen und theoretischen Ansätzen verpflichtet sind, reiben wir uns immer öfter verwundert die Augen, wenn wir gewungen sind, Tagespolitik zur Kenntnis zu nehmen. Es scheint, wenn es um Tagespolitik geht, dann ist alles, was Sozialwissenschaftler über Jahrzehnte an Wissen zusammengetragen haben, verloren, dann herrscht die blanke Imagination und wie ich-es-gerne-hätte-Vorstellung. Dann herrscht inkompentente Ahnungslosigkeit, die gepaart mit dem Bemühen, seiner Ideologie zu dienen, regelmäßig in die Katastrophe mündet.

Drei Beispiele:

BartholomewMenschen sind rationale Wesen, die versuchen, mit ihren Handlungen und für sich den optimalen Nutzen zu erreichen. Hat man diese Annahme, dann ist es nicht weiter schwierig, zu der Erkenntnis zu kommen, dass dann, wenn einem Menschen zwei Wege zu einem von ihm präferierten Ziel angeboten werden, ein einfacher, bei dem er sich nur zurücklehnen muss und ein steiniger, bei dem er etwas tun muss, er den ersten Weg wählen wird. Das ist in kurz der Grund dafür, warum ein Wohlfahrtsstaat nicht funktionieren kann, warum ein Wohlfahrtsstaat in jeder Hinsicht ein Race-to-the-Bottom ist (Sehr schön beschrieben hat dies James Bartholemew).

Wenn Menschen miteinander interagieren, kooperieren wollen, etwas miteinander tauschen wollen, dann ist Vertrauen eine notwendige Voraussetzung, denn Interaktionen, weisen immer auf die Zukunft und somit auf das Unbekannte, und sie haben immer eine Vorleistung von einem der Interaktionspartner zum Gegenstand. So hat ein Austausch, bei dem z.B. die Stimme gegen Repräsentation getauscht wird, Vertrauen zur Voraussetzung: Derjenige, der seine Stimme gibt, damit ein Politiker ihn repräsentiert, erwartet, dass er auch vertreten wird, dass der Politiker keine Neben-Repräsentationen hat, die der eigenen Repräsentation entgegen stehen und vor allem, dass Politiker keine eigennützigen Akteure sind, die ihren Vorteil über den Vorteil der von ihnen Repräsentierten stellen, die sich, um mit Oliver Williamson zu sprechen, nicht opportunistisch verhalten. Damit sich Menschen nicht opportunistisch verhalten, muss sichergestellt sein, dass opportunistisches Verhalten nicht nur entdeckt, sondern auch betraft wird. Dies ist in aller Kürze die Erklärung dafür, warum eine repräsentative Demokratie nicht funktionieren kann, denn es ist Wählern kaum möglich auszuschließen, dass der gewählte Politiker von Gewerkschaften oder Unternehmen bezahlt wird oder seine Arbeitszeit damit zubringt, Kinderpornographie zu sammeln.

economics of lifeSchließlich ist es eine der offensichtlichsten und zugleich am meisten in Vergessenheit geratenen Weisheit, die im Alltagsverstand beheimatet ist, dass Kenntnisse, Erfahrung und Leistung sich linear zu einander verhalten. Je mehr Kenntnisse und Erfahrung jemand einsetzen kann, desto besser seine Leistung. Dies – in wissenschaftlich – hat Gary S. Becker in seine Humankapitaltheorie gegossen, die man auf die Basis herunterbrechen kann, dass je mehr formale Bildung jemand erwirbt und je mehr Zeit er für “training-on-the-job” aufwendet, desto höher sein Humankapital ist, desto mehr Wissen und Erfahrung hat er um die Anwendung bestimmter Instrumente in unterschiedlichen Situationen und desto eher findet er eine Lösung für ein Problem, das sich ihm stellt. Das ist in aller Kürze die Erklärung dafür, dass eine Gesellschaft, die auf Teilzeitarbeitnehmer setzt, die die Vollzeitarbeit immer mehr entwertet, eher früher als später einen wirtschaftlichen Niedergang erlebt, der u.a. Infrastruktur, Ausrüstung, Wissen und Arbeitsmoral erfasst.

Und damit sind wir beim Staatsfeminismus angekommen, jener absurden Ideologie, die meint, man könne Menschen zu ideologisch gewünschten Handlungen manipulieren, in dem man entsprechende Anreize setzt, ohne dafür die Kosten verringerter Anstrengung zu zahlen, jene Ideologie, die denkt, man könne Frauen über eine Bevorteilung in Positionen befördern. für die sie nicht qualifiziert sind und hätte diese Diskriminierung der qualifizierten Bewerber nicht damit zu zahlen, dass Letztere und Erstere sich opportunistisch verhalten, Letztere durch Dienst nach Vorschrift, weil sich Leistung für sie nicht lohnt, erstere durch weitgehende Dienstverweigerung, weil sie zur notwendigen Leistung nicht fähig sind. Und schließlich haben wir mit dem Staatsfeminismus eine irrsinnige Ideologie, deren Vertreter denken, man könne in der Hälfte der Zeit dieselbe Menge von Kenntnisse erwerben wie ein anderer, der doppelt so viel Zeit für seine Bildung aufwendet. Wer auch dieser Ansicht ist, der mag einen Jungen, der seit seinem vierten Lebensjahr Gitarre spielt, mit jemandem vergleichen, die immer mal wieder klampft.

Und damit sind wir bei Ursula von der Leyen, die derzeit den Bundesverteidigungsminister gibt.

Der Bundesverteidigungsminister ist derjenige, der u.a. dafür verantwortlich ist, dass die Bundeswehr ihrem Verteidigungsauftrag gerecht wird.

Die Bundeswehr, das ist jene Ansammlung von Soldaten und Material, die in Funktionsweise und Instandhaltung weitgehend dem Zustand deutscher Autobahnen und Brücken entspricht: Die Ausrüstung ist mangelhaft, die meisten Kampfjets sind nicht flugtauglich, das Standardgewehr schießt um die Ecke und das sind nur die Highlights aus einer Armee, die dem entspricht, was man aus sozialistischen Ländern gewohnt ist: Fassaden hinter die man besser nicht blickt.

crash jetAber: Ursula von der Leyen weiß, wo der Schuh drückt. Sie weiß, was notwendig ist, um die Bundeswehr zu einer modernen Armee zu machen. Sie hat in ihrer Halttagstätigkeit als Mutter und Parteiideologe als Abgeordneter und Minister so viele Dinge aufgeschnappt, dass sie zmindest glaubt, sie sei kompetent und könne alle Probleme der Bundeswehr-Welt lösen, quasi nebenbei, halbtags  und im Einklang mit den Vorgaben des Staatsfeminismus, jenes Gottes, dem sie huldigt:

 

Wir zitieren im Original aus einer Pressemeldung vom 30. Mai 2014:

Ursula von der Leyen: „Bundeswehr wechselt auf die Überholspur“

Berlin, 30.05.2014.
Die Bundesministerin der Verteidigung stellt Attraktivitätsoffensive vor – 29 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio Euro in fünf Jahren.

Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen startet ihre Agenda mit konkreten Plänen zur im Januar angekündigten Initiative, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Die umfangreiche Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders “, die in Teilen bereits im Koalitionsvertrag angelegt war, soll für die Beschäftigten der Bundeswehr zügig spürbare Verbesserungen erreichen. Das Paket enthält 29 Maßnahmen, die nicht per Gesetz geregelt werden müssen und von denen die meisten bereits Ende 2015 umgesetzt sein sollen. Im kommenden Herbst soll zusätzlich ein Gesetz zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr (Artikelgesetz) folgen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: „Die Bundeswehr hat viel zu bieten und wir wollen die Besten, die auch anderswo auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben. Die Freiwilligenarmee Bundeswehr soll jedem Vergleich mit der Wirtschaft standhalten. Das gilt in puncto Karrierechancen für junge Männer wie Frauen, Weiterbildung, moderne Arbeitsumgebung und selbstverständlich eine zeitgemäße Vereinbarkeit des Dienstes mit dem Familienleben. Wir haben uns mit der Agenda Bundeswehr in Führung für die nächsten Jahre ehrgeizige Ziele gesetzt. Ab morgen beginnt die Kärrnerarbeit der Umsetzung.“

Die Agenda umfasst u.a.:

Ausweiten flexibler Kinderbetreuung: mehr Belegrechte, mehr Tagespflegeangebote, wo nötig: eigene Kitas, (Aktuell: 275 Belegrechte an 13 Standorten, Großtagespflege an 11 Standorten, 2 Betriebskitas (+ 2 im Bau, 1 in Planung), 350 Eltern-Kind-Zimmer; Ziel: 30 weitere Eltern-Kind-Zimmer in 2014, weitere 45 Belegrechte in 2014, bis 2019 Möglichkeit für 110 neue Großtagespflegeprojekte)
Zentrale Ansprechstellen für alle Probleme rund um Familie und Dienst an jedem Standort (Ziel: bis Ende 2015)

Langzeitarbeitskonten für alle Beschäftigte, Ansparen bei Belastungsspitzen, mehr flexible Zeit für Familie, Weiterbildung, Freizeit, Start: Mitte 2015.

Neue Regeln für Soldatinnen und Soldaten ermöglichen einen deutlich längeren Verbleib auf einem Dienstposten oder an einem Standort (Vorteil für Familie, fachliche Spezialisierung, Reduktion der Belastung durch Pendeln, Ziel: Neue Konzepte ab 2015, Verlängerung der durchschnittlichen Stehzeit von 2-3 auf 4-6 Jahre)

Entwicklung eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements für die gesamte Bundeswehr (z.B. Gesundheitschecks, Sportangebote, Stress- und Suchtprävention; Ziel: ab 2016 für alle Beschäftigten)

Schrittweise Erneuerung der teils in die Jahre gekommenen dienstlichen Unterkünfte und Ersatz des alten Mobiliars
Hochwertigere, moderne Ausstattung (z.B. TV, Kühlschrank, etc; Start: 2015)
Flächendeckend frei zugänglicher Internetzugang in den Unterkünften der Kasernen (Ziel: schrittweise Einführung, Start mit Lehreinrichtungen ab Mitte 2015)

vorderladerZwischenzeitlich hat sich die Überholspur, auf der von der Leyen sich wähnt, als Standstreifen entpuppt, der mit Tornado-II-Jets und sonstigem Gerät verstellt ist. Aber, weitblickend wie sie ist, hat von der Leyen den Krieg der Zukunft vorhergesehen, den Krieg, den Papa und Mama am Computer führen, im modernen Ambiente der familienfreundlichen Kaserne, die gleich neben McDonalds (Vepflegung) und Ikea (modernes Mobiliar) und Indesit (Kühlschrank) gebaut wurde.

Ob es sich bei dieser Vision nicht doch eher um ein Hirngespinst handelt, ist eine Frage, die sich angesichts derzeitiger militärischer Aktivitäten, die die USA, Frankreich und das Vereinigte Königreich entfalten, und zwar mit richtigen Kampfjets und -drohnen, nicht mit virtuellen, besonders dringlich stellt. Aber, mit Blick auf den  “Vorsprungs durch Technik”, den Deutschland bis heute zumindest in der Werbung reklamiert, könnte sich die Vision von der Leyens als absoluter Knüller erweisen, ebenso, wie der beabsichtigte Bau eines deutschen Flugzeugträgers, über den wir bereits in der Vergangenheit berichtet haben – ansonsten wären die 100 Millionen Euro für die von der Laien-Vision aus dem Fenster geworfen und besser in Material und Gerät investiert.

P.S.

Was passiert eigentlich, wenn durch die Benutzung der von Deutschland gelieferten Waffen, mehr Kurden sterben als durch das Einwirken des IS?

Die neue Grüne Freiheit?

Die Grünen und ihr Anhängsel aus dem Jahre 1990 versuchen sich gerade neu zu erfinden. Genauer. Ein Turnaround soll geschafft werden, der die Partei des Grünen Diktats, der Reglementierung, Erziehung und Vorgabe, zur Partei der Freiheit macht.

Kein Witz!

Ralf Fücks, der beim Grünen Heinrich-Böll-Verein sein Geld verdient, hat dazu eigens einen Beitrag geschrieben: Grüne Freiheit, ist er betitelt.

Auch kein Witz.

Die entscheidende Passage Grüner Freiheit findet sich im vierten Absatz dieses Textes:

“Der klassische Liberalismus postuliert den Zusammenhang zwischen politischer Freiheit (Demokratie) und einer freiheitlichen Wirtschaftsverfassung. Für die Grünen ist das eher ein fremder Gedanke. Wenn das Stichwort “Markt” fällt, antworten wir mit “Regulierung”, Unternehmertum verbinden wir gern mit Gier und Wettbewerb mit Rücksichtslosigkeit. Dafür gibt es allzu viele Belege. Dennoch verkennt diese Sicht die produktive Kraft, die in Marktwirtschaft und Unternehmergeist liegt. “Grüner Ordoliberalismus” könnte eine Antwort auf die Frage sein, wie Regulierung und Selbstverantwortung, Staat und Markt auszubalancieren sind.”

Eucken NationaloekonomieAlso, Grüne: klassischer Liberalismus ist nicht ganz böse, nicht nur Gier und nicht nur Wettbewerb. Nehmen wir das böse Wort in den Mund: Marktwirtschaft, steigern wir das böse Wort: freie Marktwirtschaft, freie Marktwirtschaft ist auch nicht ganz böse, ebenso wenig wie Grüne und 1990 Gebundene ganz gut sind. An beidem, am Feindbild und an der eigenen Heiligkeit gilt es, geht es nach Ralf Fücks, Abstriche zu machen. Und nach den Abstrichen erhalten wir, was? Einen Grünen Ordoliberalismus.

Die Freiburger Schule der Grünen Freiheit, so zu sagen. Die Walter Euckens und ihre Grundlagen der grünen Marktwirtschaft, die Wilhelm Röpkes und ihr soziales Rahmenwerk des grünen Marktes, die grünen Alexander Rüstows, immer zwischen Kapitalismus und Kommunismus.

Ja, man mag es kaum glauben und weil man es kaum glauben mag, stellt sich die Frage, ob hier ein Missverständnis vorliegt.

Ordo-Liberalismus ist nämlich nur wenig von Hayeks freier Marktwirtschaft unterschieden. Ordo-Liberale wollen Sorge tragen, dass keine Monopolbildung auf Märkten stattfindet und keine Privilegien auf Märkten vergeben werden, wo Hayek auf die Kräfte des Marktes vertraut, wollen sie ein Rahmenwerk der Wirtschaftpolitik schaffen. Mehr wollen Ordo-Liberale nicht. Vor allem wollen sie nicht in den Markt eingreifen, ihn lediglich mit rechtlichem Rahmen vor Eingriffen sichern, Eingriffen wie staatlichen Beihilfen, Subventionen, staatlicher Unterstützung notleidender Industrien usw usf.

Weiß Herr Rücks das?

Roepke against the tideWenn ja, was meint er mit “Grünem Ordoliberalismus”? – mithin ein Begriff, der keinen Sinn macht, denn Ordoliberalismus gibt es entweder als Ordoliberalismus, oder es gibt ihn nicht. In keinem Fall gibt es ihn in farblichen Abstufungen, denn der Eingriff von Politikern, das war es gerade, was Walter Eucken, der Vater des Ordo-Liberalismus, verhindert wollte: Die Versuche von Politikern, den Markt zu beeinflussen, ihn zu dirigieren, ihn zu ihrem Spielzeug zu machen und dadurch nachhaltig, wie es so heißt, zu zerstören.

Es steht zu befürchten, dass die Grünen versuchen, die Konkursmasse der FDP nicht nur aufzukaufen, sondern auch zu besetzen, liberale Begriffe für sich in Anspruch zu nehmen und mit etwas anderem zu füllen. Grüner Ordoliberalismus z.B. als Begriff für den direkten Zugriff dessen, was Grüne als richtige und gute Eingriffe in den Markt ansehen, als Reglementierung in anderer Verpackung, als Freiheitsentzug, der als Grüne Freiheit getarnt ist.

Zeit, die liberale Konkursmasse vor dem grünen Geierfonds in Sicherheit zu bringen.

Eins noch zum Schluss:

“Der klassische Liberalismus postuliert den Zusammenhang zwischen politischer Freiheit (Demokratie) und einer freiheitlichen Wirtschaftsverfassung. Für die Grünen ist das eher ein fremder Gedanke.”

Wer es schwarz auf weiß benötigt, dass für die Grünen politische und wirtschaftliche Freiheit nichts miteinander zu tun haben, man also wahlweise auf das eine oder das andere verzichten kann: Hier stehts!

Im Zweifel ist der Markt schuld: Europa, Ukraine, Russland und Verantwortung

AepfelMarkt und Marktwirtschaft haben in Deutschland einen schweren Stand, und zwar aus mindestens zwei Gründen: Die allgegenwärtige Rede der Ökonomisierungen von dies und jenem vermittelt den Eindruck, alles werde von Marktgesetzen, von Angebot und Nachfrage geregelt, eine Annahme, die sehr leicht als Unsinn auszuweisen ist. Wären es Marktregeln, die umfassend gelten würden, dann gäbe es keine Genderlehrstühle an Universitäten, dann gäbe es kein Berufsbeamtentum, dann gäbe es keine Subventionierung von Kinderbesitz, dann gäbe es Wettbewerb zwischen Schulen, und zwar darum, wer die beste Bildung bereit stellt, es gäbe Wettbewerb zwischen Pflegeheimen darum, wer die beste Pflege bereit stellt, und vor allem gäbe es keine Finanzierung politischer Institutionen, deren einziger Zweck darin besteht, die Bevölkerung zu indoktrinieren, unter dem Deckmantel der politischen Bildung und in der Verkleidung einer angeblichen politischen Stiftung.

Der zweite Grund dafür, dass Markt und Marktwirtschaft in Deutschland einen schweren Stand haben, besteht darin, dass es bei Politikern Mode geworden ist, die Verantwortung für ihr Handeln auf den Markt abzuschieben. Das ist sehr wirkungsvoll, denn es gibt eine Reihe Leichtgläubiger, die nur zu gerne den Markt verantwortlich machen – ohne in der Regel zu wissen, was der Markt eigentlich ist.

Wer hat sich jemals überlegt, ob das, was er unter Markt versteht, auch das ist, was der nächste, der über den Markt spricht, unter Markt versteht? Markt ist vielleicht der Begriff, der heute am meisten missbraucht wird, um alles, was einem nicht passt, zu subsumieren, als neoliberale Marktpolitik zu diskreditieren.

Hayek fuer jedernammDabei beschreibt das Wort Markt in seiner ökonomischen Bedeutung ein Ordnungsprinzip, das darin besteht, wie es z.B. Hayek ausgeführt hat, dass der Preis eine Funktion von Angebot und Nachfrage ist und beide, Angebot wie Nachfrage über die Katallaxie des Marktes reguliert werden. Sprich: Wenn ein Kilo Äpfel mehr Gewinn einbringt als ein Kilo Kartoffeln, dann werden mehr Äpfel angebaut. Wenn als Folge zu viele Äpfel angebaut werden, sinkt der Preis, sofern die Nachfrage nicht im selben Maße wie das Angebot steigt, und es werden wieder weniger Äpfel angebaut. Die historische Bedeutung von Markt verweist auf dieses Ordnungsprinzip, denn ein Markt bezeichnet einen Ort, an dem Anbieter und Nachfrager zusammenkommen, um miteinander zu handeln.

Mehr bezeichnet Markt nicht, aber es reicht ja auch, denn: Das Ordnungsprinzip des Marktes ist im täglichen Leben, selbst in den Bereichen, in denen niemand auf die Idee käme, einen Markt zu vermuten, allgegenwärtig. Nehmen wir z.B. den Markt für Nachwuchs und hier vor allem die Möglichkeit der In-vitro-Fertilisation (ivF): Ärtze bieten das Produkt der künstlichen Benachwuchsung gegen hohe Gebühren an, was eigentlich eine geringe Nachfrage und fallende Preise zur Folge hätte, gäbe es nicht Krankenkassen, die bereit sind, die hohen Gebühren für die desperat-Kinderlosen zu übernehmen und auf diese Weise die Kosten hochzuhalten.

Das Beispiel von Krankenkassen, die Märkte und deren Ergebnisse beeinflussen und das Regulationsprinzip von Märkten, den Preis, dabei zerstören, was letztlich auch den Markt zerstört, lässt sich beliebig fortsetzen. Vor allem die Landwirtschaft ist ein Beispiel dafür, wie man Marktmechanismen beseitigt und über Subventionen bewirkt, dass landwirtschaftliche Produkte zu weit höheren Preisen gekauft werden müssen, als sie es müssten, gäbe es einen Markt. Und die Landwirtschaft ist das Beispiel, an dem der Missbrauch des Begriffs “Markt” besonders deutlich gemacht werden kann.

So tut sich Landwirtschaftsminister Christian Schmidt derzeit als Apfel-Botschafter hervor, der kauend durch die Lande zieht und andere zum Genuss von Äpfeln, von mehr, am besten von vielen Äpfeln anregen will. Warum? Darum:

“Unser Ziel mus es sein, den Schaden für die Betroffenen in Grenzen zu halten und zugleich neue Märkte und neue Absatzregionen zu erschließen, damit Marktrisiken künftig noch besser abgefedert werden”.

Marktrisiken sind nämlich, das will uns Christian Schmidt hier glauben machen, dafür verantwortlich, dass Apfelbauern vorhersehbar auf einem Teil der für 2014 erwarteten, guten Ernte sitzen bleiben. Marktrisiken sind etwas, was immer in Mehrzahl, nie in Einzahl auftritt. Das Marktrisiko findet sich bestenfalls in ökonomischen Texten, nicht jedoch in Aussagen von Politikern, deren Ziel wohl darin besteht, den Markt als Ausgeburt von Risiken darzustellen.

Dabei kennt der Markt nur ein einziges Risiko: Anbieter verschätzen sich mit Blick auf die Höhe der Nachfrage, produzieren entsprechend zu viel und müssen ihre Produktion zu geringeren Preisen als kalkuliert abgegen oder, wenn es ganz schlecht läuft: Sie bleiben auf einem Teil ihrer Produktion sitzen (oder umgekehrt: Nachfrager verschätzen sich im Hinblick auf eine Preisentwicklung).

Genau dieses Risiko ist in der Landwirtschaft, in der die EU die Abnahme dessen garantiert, was angebaut wird, ausgeschlossen. Entsprechend gibt es in der Landwirtschaft im Allgemeinen und beim Apfelanbau im Speziellen keinen Markt. Wenn es keinen Markt gibt, von welchen Risiken fabuliert dann Christian Schmidt.

Deceibe infeigle obfuscateDie Marktrisiken von Christian Schmidt sind “Auswirkungen des russischen Importembargos für Agrarprodukte”. Schmidts Marktrisiken sind also Ergebnis politischer Entscheidung, eine Sicht der Dinge, die ihn als entweder bar jeglicher Kenntnis, selbst rudimentärer Kenntnis über das Ordnungsprinzip Markt und Märkte ausweist, was nicht schlimm ist, ihn aber davon abhalten sollte, sich zu Dingen zu äußern, von denen er so gar keine Ahnung hat. Oder Schmidt will gezielt sein Auditorium täuschen und so tun, als wären die Absatzprobleme der Apfelbauern nicht das Ergebnis politischer Entscheidungen, sondern das Ergebnis des bösen Marktes, der sich neuerdings gegen die Apfelbauern verschworen hat.

Wir sind uns nicht sicher, ob Schmidt mit seinem Versuch, die Verantwortung von Politikern eben einmal auf den Markt zu verlagern, eine große Zahl von Bürgern täuschen kann, in jedem Fall hier die Kausalitätskette in aller Kürze:

Irgend etwas, was niemand so richtig überblickt, was aber viele Experten auf den Plan gerufen hat, die genau zu wissen meinen, was vor sich geht, geht derzeit in der Ukraine vor sich. Die Europäische Union, vermutlich in ihrer Funktion als Träger des Friedensnobelpreises, weiß, wer für die unübersichtliche Lage verantwortlich ist und hat Sanktionen gegen Russland verhängt. Der Präsident Russlands, den man auch vor den Sanktionen als Mann der Tat gekannt hat, hat dies zum Anlass genommen, seinerseits ein Importembargo auf Agrarprodukte, vornehmlich Äpfel und Kohl legen zu lassen.

Das beschreibt “die Marktrisiken”, von denen Landwirtschaftsminister Schmidt spricht. Wir lernen: Wenn Politiker etwas entscheiden, was positive Effekte hat, dann sind das positive Effekte einer Entscheidung durch Politiker. Wenn Politiker etwas entscheiden, was negative Effekte hat, dann sind die negativen Effekte das Ergebnis von Marktrisiken.

Wie viele Dumme und Leichtgläubige mag es wohl geben, die sich nur zu gerne von Politikern wie Herrn Schmidt täuschen lassen?

Staatsbankrott gefolgt von Medienbankrott

tagesschau“Auch ein Staat kann nicht unbegrenzt haften”, so erregt sich Heinz-Roger Dohms in einem Kommentar zur Staatspleite von Argentinien, der zweiten innerhalb von nur 13 Jahren. Und dieser fast schon flehende Ausruf begrenzter staatlicher Haftung, ist Programm im Kommentar, den Dohms seinen Lesern auf Tagesschau.de präsentiert. Übrigens hat niemand gefordert, dass Staaten unbegrenzt haften sollen. Wie so oft, wenn das Wort Hedge-Fonds auftaucht, so geht auch im Fall der neuerlichen Staatspleite von Argentinien die Phantasie mit den Medienschaffenden durch, dann werden sie zu hemmungslosen Eiferern, die getriebenen von ihrer Gier danach, es in diesem Fall dem “hemmungslosen amerikanischen Hedgefonds-Manager”, Paul Singer, der wie Herr Dohms vermutlich durch ein Tiefeninterview mit Herrn Singer ergründet hat, “ein Getriebener seiner Gier” ist, so richtig zu geben.

Wer Journalisten hat wie Dohms, der braucht sich nicht zu fragen, was beim Psychiater geschieht, er sieht die Art von Krisenbewältigung, das nach außen Kehren des tiefsten innersten Resentiments live und sitzt sogar in der ersten Reihe.

Dort kann er zusehen, wie aus einem Investment-Fonds-Manager, ein Hedge-Fonds-Manager wird. Er kann beobachten, wie die Notation der Argentinischen Regierung, die aus naheliegenden Gründen die Fonds, die sich weigern, 75% ihres Kapitals als Schenkung an Argentinien abzutreten, zu “Vulture Fonds” (Geierfonds) umbenannt haben, also z.B. Singers NML (ein Investment-Fonds, der sich u.a. auf distressed debt spezialisiert hat und entsprechend hohe Risiken eingeht) übernommen wird, weil sie das Mütchen von Dohmer so genau trifft, und last but not least, kann der gebührenzahlende Leser des Online Angebots der ARD einen Unsinn lesen, der kaum zu toppen ist.

Beginnen wir beim “83jährigen” Richter, Judge Thomas P. Griesa, der sich – wie Dohms weiß – in der “Rolle des Anti-Salomo” gefällt und deshalb entschieden hat, dass Argentinien entweder alle seine Schuldner aus dem Jahre 2001 bezahlt oder keinen. Auf diesen Judge Griesa richtet sich die ganze Wut des aus Gebührengeldern finanzierten und bar jeglicher Recherchefähigkeit seienden Dohms. Griesa will er als senil darstellen, als jemand, der nicht einmal das US-Insolvenzrecht kenn. Der Hinweis auf die 83 Jahre des Richters macht nur vor diesem Hintergrund Sinn. Warum sonst sollte Dohms die Tatsache unterschlagen, dass der US-Supreme Court die Berufung Argentiniens gegen das Urteil von Griesa, die wiederum Griesa zugelassen hat, nicht einmal zur Verhandlung angenommen hat, sondern mit 7:1 Richterstimmen zurückgewiesen hat?

Argentina swap shopDiese Tatsache passt nicht so richtig ins Feindbild von Dohms. Ebenso wenig wie es seinen Standards zu entsprechen scheint, seine Leser mit zumindest rudimentären Informationen zu versorgen: Als Argentinien im Jahre 2001 erstmals insolvent wurde, standen 95 Milliarden US-Dollar zur Rückzahlung aus. Die Investoren, die diese 95 Milliarden US-Dollar abzüglich aufgelaufener Zinsen bereit gestellt hatten, gingen zunächst leer aus, später, in den Jahren 2005 und 2010 hat ihnen die argentinische Regierung angeboten, doch auf 75% des ihnen zustehenden Geldes zu verzichten und sich mit neuen Exchange Bonds, also neu aufgelegten argentinischen Schuldverschreibungen zum 75% tieferen Nennwert zufrieden zu geben.

Das haben die meisten Investoren gemacht, weil man als Investor gegenüber staatlicher Erpressung machtlos ist. Singer hat sich geweigert, seine ursprünglichen argentinischen Schuldverschreibungen, die er als hochriskante Papiere fraglichen Werts unter ihrem Nennwert erworben hatte, gegen neue und 75% geringer wertige Schuldverschreibungen zu tauschen. Er hat stattdessen geklagt, geklagt dagegen, dass die argentinische Regierung die braven Investoren, die auf 75% ihres Kapitals verzichten durch Zahlung belohnen will und die bösen Investoren wie Singer, die sich der staatlichen Erpressung nicht beugen, mit Nichtzahlung bestrafen will. Griesa hat dies unmöglich gemacht: Entweder die argentinische Regierung zahlt an alle Investoren, die ihre Staatsschulden finanzieren, oder an keinen.

Im Falle der Fonds, die noch ursprüngliche Schuldverschreibungen Argentiniens halten, geht es, wie Dohms schreibt, nur um “läppische 1,5 Milliarden US-Dollar”, aber an diese Dollars ist ein Prinzip geknüpft: Wo kämen wir denn hin, wenn sich Investoren weigerten, insolventen Staaten ihr Kapital zu schenken? Nicht auszudenken.

Nicht auszudenken auch die Folgen des Urteils: Ab sofort sind Staaten für ihre Schulden haftbar, können sie sich nicht einfach in die Insolvenz retten und hoffen, die Investoren, die das Pech haben, in ihre Staatsanleihen investiert zu haben, zu einem Abschlag von, sagen wir: 75% zu zwingen. Derartige “haircuts” dürften der Vergangenheit angehören, denn Singers Fall ist ein Präzendesfall. Als Konsequenz werden Staaten eine Haushaltsdisziplin halten müssen und sich nicht mehr über Gebühr verschulden können: Ein Unding für Herrn Dohms, das er unter dem Unsinn “unbegrenzter Haftung” anspricht und ein Segen für viele Ökonomen, die die Politik des billigen Geldes, die Staatsschulden in unglaublichem Tempo wachsen sieht, mit wachsender Sorge betrachten.

Aber, Texte wie der von jeglicher ökonomischen Kenntnis ungetrübte Text von Dohms haben auch ihre amüsanten Seiten:

drool“Noch unverständlicher allerdings ist, warum er [Griesa] darüber hinaus auch die Usancen “normaler” Insolvenzverfahren ignorierte. Seit dem 19. Jahrhundert existiert in der Unternehmenswelt das Prinzip der “beschränkten Haftung” (wie es sich bis heute im Begriff GmbH findet). Geht eine Firma pleite, dann muss deren verbleibendes Vermögen zwar aufgewendet werden, um die Gläubiger abzufinden – darüber hinaus haften die Inhaber allerdings nicht. Sie sollen büßen. Aber nicht bis aufs letzte Hemd. (Übrigens, im US-Insolvenzrecht, das Griesa kennen sollte, ist die Position des Gläubigers besonders schwach).”

Weiß der Mann, was er hier schreibt? Besonders in dem Teil: “Geht eine Firma pleite, dann muss deren verbleibendes Vermögen zwar aufgewendet werden, um die Gläubiger abzufinden – darüber hinaus haften die Inhaber allerdings nicht.”

Führen wir die Analogie zu Ende, dann bedeutet dies nun, nachdem Argentinien zum zweiten Mal in die Pleite geflüchtet ist, dass die Vermögenswerte Argentinien unter den Hammer kommen. Bestellen wir also einen Konkursverwalter, der die Kriegsmarine Argentiniens an die britischen Falkländer verkauft, die Gebäude, die sich im Besitz des Argentiniens befinden, versteigert. Die Hoheitsrechte Argentinien, z.B. Zoll- und Steuerrechte können, geht es nach Herrn Dohms, gepfändet werden und die Uniformen des Landes sind einzusammeln und werden von der Europäischen Union im Rahmen des Programms, Kleider für die Ukraine aufgekauft, was die EU nicht will geht an Rudi’s Resterampe.

Es ist schon erstaunlich, zu welchem Unsinn sich mancher Redakteur hinreißen lässt, wenn mit ihm seine Gier nach Anbiederung durchgeht, dann werden die öffentlich-rechtlichen Kommentarspalten zwar nicht zu Geierspalten, aber zu Geiferspalten.

 

Es ist schon ein seltsames Rechtsverständnis, wenn Gläubiger, die auf Rückzahlung des Kapitals, das sie geliehen haben, bestehen, als “Getriebene ihrer Gier” bezeichnet werden, und man kann im Versuch, Staaten, selbst den größten Verschwendern unter ihnen, eine Absolution zu erteilen, den Keim einer konzertierten Aktion erblicken, in deren Verlauf die Öffentlichkeit darauf vorbereitet werden soll, dass dann, wenn Staaten, also die Politiker, die sich und ihre Günstlinge im Namen des Volkes bereichern, beteiligt sind, Eigentumsrechte nichts mehr gelten. Also: besser das Ersparte in für Staaten und ihre Politiker unbrauchbarer Form anlegen.

Wissenschaftler wollt Ihr sein? Eine pseudo-wissenschaftliche Wortorgie über die AfD

“Türöffner nach Rechts: Die Alternative für Deutschland”, so ist ein Beitrag in “Gegenblende”, dem selbst ernannten Debattenmagazin des DGB, in dem bislang keine einzige Debatte stattgefunden hat, überschrieben. Geschrieben haben den Beitrag Prof. Dr. Samuel Salzborn und Dr. Alexandra Kurth, die beide für sich in Anspruch nehmen, Politikwissenschaftler zu sein. Warum? Weil sie u.a. Politikwissenschaft studiert haben, eine Position an einer Universität einnehmen und behaupten, politikwissenschaftliche Arbeitsschwerpunkte zu haben.

Gegenblende“Türöffner nach Rechts” gehört in die Kategorie von Texten, die man wohl besser als “Türöffner in den Wahnsinn” bezeichnen würde, denn er hat keinen konkreten Gehalt, ist in Teilen primitiv, arbeitet mit derogativen Adjektiven anstelle von Argumenten, offenbart ein Verständnis von Wissenschaft, das einem das kalte Grausen über den Rücken jagt, ist, mit anderen Worten, ein Pamphlet, das mit Sicherheit nicht von Wissenschaftlern geschrieben wurde.

Stammleser von ScienceFiles wissen: Wir vertreten eine klare Auffassung davon, was Wissenschaft ist und wer sich als Wissenschaftler qualifiziert. Ein Wissenschaftler wird man demnach nicht, weil man studiert hat oder auf eine Position gesetzt wurde. Wissenschaft und Wissenschaftler zeichnen sich durch wissenschaftliche Methoden und vor allem den Versuch aus, nachprüfbare Erkenntnisse zu einem Erkenntnisgegenstand zu produzieren.

Salzborn und Kurth sind nach dieser Definition keine Wissenschaftler, schon deshalb nicht, weil sie sich als Verlautbarungswissenschaftler darstellen, wie wir nun zeigen werden.

Der Beitrag auf “Gegenblende” hat die AfD zum Gegenstand (übrigens ein ziemlich einfallsloser Name für ein “Debattenmagazin”, zumal eine Gegenblende letztlich nichts anderes kann, als das zurückzugeben, was auf sie gerichtet wird. Aber vielleicht sind Gewerkschaftler ja gar nich zu eigenen Ansichten fähig, sondern nur dazu, auf anderer Menschen Ansicht zu reagieren, und dann wäre Gegenblende ja korrekt).

Die AfD, so wird uns mitgeteilt, ist gerade in das Europaparlament eingezogen, mit sieben Sitzen und 7,1% der gültigen Stimmen. Aber es sei fraglich, ob die AfD deshalb als etablierte Partei anzusehen sei. Es ist genau einen Satz lang fraglich, denn im Gegensatz zu ihren “Vorgängern”, so schreiben Kurth/Salzborn, verfüge die AfD über “deutlich mehr Finanzmittel”. Der Hinweis auf die größeren Finanzmittel der AfD im Vergleich zu ihren “Vorgängern”, macht nur dann Sinn, wenn gezeigt werden soll, dass die AfD sich im Gegensatz zu ihren “Vorgängern” etabliert hat, was im direkten Widerspruch zur von Salzborn und Kurth proklamierten Fraglichkeit derselben steht. Aber: Beide wollen in ihrem gegengeblendeten Beitrag zeigen, dass das Programm der AfD Widersprüche aufweist, und deshalb wollen sie der AfD in Punkto Widerspruch wohl nicht nachstehen.

Es ist an der Zeit, ein paar Adjektive fallen zu lassen: antisozial, gewerkschaftsfeindlich und antifeministisch, das sind die drei größten Sünden, die man nach Ansicht von Salzborn und Kurth heutzutage begehen kann (aber die drei größten Lobe in den Augen anderer), und die AfD begeht sie alle, und macht nicht einmal Anstalten, sich in einem gewerkschaftlichen Beichtstuhl einzufinden!

Die AfD, so behaupten die Salborn Kurths, gebe sich ideologiefrei, behaupte, Sachverstand, nicht Ideologie treibe die Partei. Das, so lachen die Autoren, sei doch Unsinn, denn bereits der “neoliberale Wirtschaftswissenschaftler” und “fromme evangelisch-reformierte Christ” Bernd Lucke belege das Gegenteil, und das Gegenteil zeige sich auch in den “marktradikalen”, “staatsfeindlichen”, “antiegalitären” und “antisozialen” Prämissen der AfD. Man hätte an dieser Stelle gerne noch ein paar mehr Adjektive gehabt, aber scheinbar ist das Kurth/Salzbornsche Feindbild eher beschränkt.

Wissen die beiden angeblichen Politikwissenschaftler eigenlich, was sie schreiben? Etwa dann, wenn sie Sachverstand und Ideologie in eine diametrale Stellung zueinander bringen? Nicht dass wir hier anderer Ansicht wären. Wir schreiben seit Jahren, dass man entweder Ideologe oder sachverständig, aber nicht beides sein kann. Und nun sagen zwei studierte und lehrende Politikwissenschaftler, dass Politik mit Sachverstand nicht möglich sei, sondern nur mit Ideologie. Und um ihre Ansicht zu belegen, werfen sie ihre eigene Ideologie geradezu vor die Füße der Leser. Man hat richtig den Eindruck, einem ideologischen Keuchhusten beizuwohnen, der in regelmäßigen Abständen “antisozial”, “staatsfeindlich”, “antiegalitär” und “marktradikal” hervorwürgt.

Alle vier Adjektive haben eines gemeinsam: Sie stellen eine Bewertung dar. Wie die Dinge nun einmal so liegen, sind alle vier Bewertungen Bewertungen die Salzborn-Kurthschen Ursprungs sind und somit ihre Bewertungen, die absolut nichts über die AfD aussagen. Sie sagen aus, was Kurth/Salzborn von der AfD denken, wie sie sie bewerten, und dabei bleibt es auch, denn die vermeintlichen Wissenschaftler können ihren Adjektiv-Keuchhusten mit keinerlei Belegen verbinden.

Adam Smith WealthWie heftiges Husten in der Regel ein Indiz für eine Erkrankung darstellt, so stellt der häufige Gebrauch von wertenden Adjektiven in derogativer und nicht-belegter Weise ein Indiz dafür dar, dass sich jemand im Zustand ideologischer Trance befindet, ein Zustand, der vielleicht durch eine zu große Distanz zwischen Denken und Realität, vielleicht durch neuronale Missfunktionen ausgelöst wird, wie auch immer, er führt dazu, dass sich die ideologisch Benebelten regelmäßig in ideologische Extase schreiben:

Eine Kosteprobe: “Zugleich will die AfD, ganz in der Tradition von Adam Smith, Gewinne privatisieren und Risiken und Verluste verstaatlichen und so vordergründig den “kleinen Mann” entlasten”

Erste Reaktion: Lachen.
Zweite Reaktion: lauteres Lachen.
Dritte Reaktion: Tränen aus den Augen wischen.
Vierte Reaktion: “Die wollen an der Universität sein?”

Besagter Adam Smith, dessen Hauptwerke den Titel “An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” und “Theory of Moral Sentiments” tragen, hat im 18. Jahrhundert gelebt, und mithin in einem Jahrhundert, indem sich Fragen nach der Verstaatlichung von Verlusten durch Bankenrettung nicht gestellt haben. Wenn Banken zahlungsunfähig waren, dann gingen sie Bankrott. Ein Wohlfahrtsstaat war nämlich zu Adam Smith Zeiten, der viel Papier dafür benutzt hat, die Vorteile von “sympathy” im ökonomischen Handeln, also von Empathie darzustellen, gänzlich unbekannt, bekannt war dagegen Mildtätigkeit. Und es wird Kurth/Salzborn überraschen, aber Einkommenssteuer war zu Adam Smiths Zeiten ebenso unbekannt wie Lohnsteuer. Ganz offensichtlich haben Salzborn und Kurth nicht einmal den Hauch einer Idee, wer Adam Smith ist, wann er gelebt hat, was er geschrieben hat und wozu er geschrieben hat, und man kann sich nur wiederholen: Die wollen an der Universität sein?

Aber es kommt noch besser: Unter der Überschrift “Antiparlamentarischer Nationalgallismus” gibt es Folgendes zu lesen:

“Zugleich kokettiert die Ideologie des wirtschaftswissenschaftlichen Expertentums, das sich auf vermeintlich neutralen Sachverstand stützt, auch mit der weberianischen Idee der gelenkten und gesteuerten Demokratie, in der vermeintlich neutrale Experten Entscheidungen treffen – und nicht Mehrheiten”.

Gemeint ist hier Max Weber, der den Begriff der plebiszitären Demokratie geprägt hat, und zwar im Zuge seiner (Mit-)Arbeit an der Weimarer Verfassung, die in ihrer Liberalität die Bonner Verfassung weit in den Schatten stellt. Die Idee der Herrschaft des Sachverstands stammt dagegen von Plato, der sie als Herrschaft der Philosophen ausgeführt hat. Abermals weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll, ob der völligen Ahnungslosigkeit dieser Positionsinhaber, die an Universitäten auf Studenten losgelassen werden.

Aber ganz so ahnungslos sind sie gar nicht. Es gibt etwas, wovon sie Ahnung haben, von Gender Mainstreaming haben sie Ahnung, oder besser: Sie kennen die einschlägigen Schriften zu Gender Mainstreaming, die das Bundesministerium für FSFJ veröffentlicht hat. Und daraus zitieren die Autoren ausgiebige 17 Zeilen ihres 115 Zeilen langen Beitrags. Man ist fast gewillt, Ihnen auf die Schultern zu klopfen und Fleisskärtchen zu verteilen, aber halt nur fast, denn wieder merken Salzborn-Kurth nicht, was sie schreiben.

So ist bei der AfD ganz furchtbar und antifeministisch, dass sie die “Gleichberechtigung der Geschlechter unter Anerkennung ihrer unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen- und Lebenssituationen” fordert. Das, so merken wir uns, ist antifeministisch.

Jaspers WeberIm Einklang mit der Lehre, mit Gendermainstreaming ist, was das Bundesministerium für FSFJ schreibt, so teilen Kurth Salzborn ihren Lesern mit, also: dass “bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interesse von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig” berücksichtigt werden sollen. Denn: “das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die politischen Akteure, bei allen Vorhaben die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Männern zu analysieren und ihre Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter beitragen”.

Sehen Sie den Unterschied zwischen den “unterschiedlichen Identitäten, sozialen Rollen und Lebenssituationen” die die AfD Männern und Frauen attestiert und den “unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern”, den “unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen von Frauen und Männern”, die Kurth/Salzborn im Auftrag des BMFSFJ favorisieren?

Wir auch nicht. Beide teilen eine Großzügigkeit, die Menschen Interessen, Bedürfnisse und Rollen zugesteht und beide sind der Ansicht, dass sich Männer und Frauen grundlegend unterscheiden, teilen somit einen entsprechenden Essentialismus und Sexismus. Offensichtlich ist die ideologische Extase, in die sich Kurth/Salzborn geschrieben haben, so umfassend gewesen, dass nichts von der Realität übrig geblieben ist und so endet ihr Beitrag, wie er begonnen hat, mit einem Widerspruch.

Was Personen wie Kurth und Salzborn an Universitäten zu suchen haben, ist uns ein Rätsel, und derzeit sind wir uns auch nicht sicher, ob sie besser im Betreuten Wohnen oder im Vorstand des DGB aufgehoben sind, in jedem Fall gehören sie nicht an eine Universität, schon weil ihnen wissenschaftliches Arbeiten ebenso fremd ist, wie die Werke von Adam Smith und Max Weber .

Letztere kennt übrigens Karl Jaspers aus dem FF und aus seiner Biographie Max Webers wollen wir zwei kurze Zitate entnehmen, die gerade sehr gut passen, und anschließend können Kurth/Salzborn dann zumindest von sich sagen, dass sie zwei Zitate von Jaspers über Weber kennen:

“Die Vernunft der politischen Denkungsart verlangt Erkenntnis. Diese rein und redlich zu vollziehen ist Bedingung der Klarheit des politischen Willens” (Jaspers, 1988: 120).

Mit anderen Worten: Politik kann gerade nicht auf Ideologie beruhen. Sie muss auf Sachverstand, Faktenkenntnis, also auf dem beruhen, was Wissenschaftler in der Vergangenheit gewöhnlich bereit stellen,

“Welche Ziele auch immer in der Politik ergriffen werden, die Politik selber gründet sich, wenn sie groß und ernst ist, jederzeit auf Verantwortung” (Jaspers, 1988: 121).

Aber nicht nur Politiker tragen eigentlich Verantwortung, auch Wissenschaftler tun dies. Wer verantwortungslos schreibt, das Ziel, seine Leser mit Falschheit und Bewertung zu manipulieren verfolgt, das Ziel, seine Leser mit Informationen zu eigener Bewertung fähig zu machen, dagegen nicht, kann entsprechend kein Wissenschaftler sein, bestenfalls ein verantwortungsloser Ideologe und für den weder in Politik noch in Wissenschaft ein Platz ist, aber vielleicht im Betreuten Wohnen.

Die Sozialstruktur steht in Teilen auf dem Kopf

Nicht erst seit die OECD ihren Feldzug zur Erhöhung des Anteils von Hochschulabsolventen begonnen hat, gilt das Credo, dass ein höherer Bildungsabschluss mit einem höheren Status, einer höheren Bezahlung und vor allem einem höheren Platz in der Sozialstruktur einer Gesellschaft einhergeht. Unausgesprochen ist dabei die Prämisse, dass mit einem höheren Bildungsabschluss ein höheres Humankapital verbunden ist, das seinen Inhaber dazu in die Lage versetzt, höhere Produktivität zu entwickeln und somit einen höheren Beitrag für die Gesellschaft zu erbringen, als dies einem Inhaber eines geringeren Bildungsabschlusses, sagen wir, dem Inhaber eines Hauptschulabschlusses, der den Beruf des Klempners erlernt hat, möglich ist.

HUman CapitalDie Idee, Humankapital an Bildung zu koppeln, stammt nicht zuletzt vom kürzlich verstorbenen Gary S. Becker, wobei seine Idee eine distinktive qualitative Note beinhalten: Nicht der Bildungsabschluss als solcher ist für Becker das Relevante. Der Bildungsabschluss ist vielmehr die Operationalisierung, die er benutzt, um die höhere Produktivität, die mit mehr Humankapital einhergeht, zu messen.

Die Inflationierung höherer Bildung und die Zulassung immer neuer Studienfächer, deren Verbindung zu einem produktiven Beitrag für die Gesellschaft eher, sagen wir, nicht offensichtlich ist, führt dazu, dass die Annahmen, auf die Becker seine Humankapitaltheorie basiert hat, nur noch in eingeschränktem Maße zutreffen.

Wir behaupten, dass die Inflationierung höherer Bildungsabschlüsse, die Quantifizierung von Bildung anstelle der Qualifizierung über Bildung, wie sie vor allem durch die Überflutung der Universitäten mit weitgehend nutzlosen Studienfächern, die keinen erkennbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen, erfolgt ist, dazu geführt hat, dass die Verbindung zwischen höherem Bildungsabschluss und höherer Produktivität im Aggregat geschwächt wurde.

Dies wiederum führt dazu, dass es Bildungstitelinhaber gibt, die einen höheren Status, einen höheren Platz in der Sozialstruktur beanspruchen, der ihnen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen, den sie bereitstellen, nicht zukommt. Es führt häufig dazu, dass sie Gehälter in einer Höhe beziehen, die im gesamtgesellschatflichen Vergleich unangemessen und unfair sind.

Wir wollen unsere Hypothese zunächst dadurch prüfen, dass wir die Fähigkeiten und Kenntnisse, die ein Absolvent eines Gender Studiums hat, mit den Fähigkeiten vergleichen, die ein Klempner-Geselle am Ende seiner Lehrzeit in einer Prüfung unter Beweis stellen muss.

Das Studium der Gender Studies als Zweitfach an der Humbold Universität Berlin umfasst 6 Module, also z.B. die im folgenden genannten Themen, die das derzeitige Angebot der Gender Studies der HU-Berlin bereithält. Das Wissen, das in Gender Studies vermittelt wird, entstammt damit ausschließlich den sechs der im folgenden genannten und von Studenten gewählten Gebieten. Die Ausbildung zum Klempner ist in der Verordnung über die Berufsausbildung zum Klempner geregelt. Die im folgenden genannten Fähigkeiten und Fertigkeiten sind der Mindesbestand an Kenntnissen, den ein Klempner-Geselle nach Abschluss seiner Ausbildung haben muss.
Hanna Arendt in feministischer Diskussion Manuelles und maschinelles Bearbeiten (u.a.: Werkstoffe und Halbzeuge nach Verwendungszweck unterscheiden und manuell wie maschinell bearbeiten können)
Vom Homo Oeconomicus zur Femina Oeconomica – Die Wirtschaftswissenschaften aus Gender-Perspektive Fügen von Werstücken und Bauteilen (u.a.: Fügwerkzeuge und -verfahren festlegen, Bauteile durch Kaltnieten fügen, Bleche durch Falzen manuell und maschinell fügen
Behinderung ist sexy. Gender und Dis_Ability im Film Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten und Maschinen (u.a.: Bauteile und Baugruppen mit und ohne Hilfsmittel ein- und ausbauen, Sicherheitsmaßnahmen für elektrische Maschinen und Geräte ergreifen.
Die Werke Martha Nussbaums Einbauen von elektrischen Komponenten (u.a.: elektrische Anschlüsse mittels Steckverbindung herstellen, Mängel feststellen, Maßnahmen zur Behebung der Mängel veranlassen
Wissensordnung in Missionszeitschriften: Religion, Natur, Kultur und Geschlechter (18. Jhdt) Entwerfen und Fertigen von Schablonen und Zuschnitten (u.a.: Schablonen aus metallischen und nicht-metallischen Werkstoffen herstellen)
Ambivalenz der Sichtbarkeit: repräsentationskritische Perspektiven Prüfen, Behandeln und Schützen von Oberflächen (u.a. Werkstücke und Halbzeuge auf Materialfehler, Oberflächenschutz und Oberflächengüte prüfen)
Befestigen von Bauteilen und Baugruppen in Mauerwerk, Beton und Holz (u.a. Wandschlitze, Decken- und Wanddurchbrüche herstellen)
Decken und Instandhalten von Dach- und Wandflächen am Bauwerk (u.a.: Verlegetechniken für Schichtenaufbauten bei Dachbegrünung unterscheiden und anwenden)
Anfertigen und Montieren von Anlagen zur Ableitung von Niederschlagswasser (u.a.: Formteile für Dachrinnen, insbesondere Dehnungsausgleicher, Rinnenkästen und Rinnenwinkel anfertigen
Anfertigen und Montieren von lufttechnischen Anlagen (u.a.: Formstücke, insbesondere Bögen und Verzweigungen anfertigen und montieren
Transportieren von Bauteilen und Baugruppen (u.a.: Hebezeuge, insbesondere Seilzüge und Winden handhaben
Herstellen von Fugenabschlüssen sowie Durchführung von Wärmedämm- und Dichtungsmaßnahmen (u.a.: Maßnahmen zur Schalldämmung an Rohr- und Aggregatbefestigungen durchführen)
Einbauen von Energiesammlern, Energieumsetzern und nachhaltigen Energienutzungssystemen (u.a.: Energiesammler und Energieumsetzer, insbesondere Sonnenkollektoren und photovoltaische Elemente in Dach- und Wandflächen einbauen
Anbringen von Fangeinrichtungen und von Ableitungen für den äußeren Blitzschutz
Berufausbildung, Arbeits- und Tarifrecht, berufsspezifische Randbedingungen (u.a.: Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung)
Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebs (u.a.: Beziehungen des ausbildenden Betriebes wie Beschaffung, Fertigung, Absatz und Verwaltung)
Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit (u.a.: berufsbezogene Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften anwenden)
Umweltschutz (u.a.: für den Ausbildungsbetrieb geltende Regelungen des Umweltschutzes)
Betriebliche und technische Kommunikation (u.a.: technische Unterlagen, insbesondere Skizzen und Zeichnungen lesen, erstellen und anwenden, Aufmaße anfertigen)
Kundenorientierte Kommunikation (Kundenwünsche ermitteln, auf Umsetzbarkeit prüfen mit dem betrieblichen Leistungsangebot vergleichen, Kosten abschätzen
Planen und Vorbereiten von Arbeitsabläufen (u.a.: Zeitaufwand und personelle Unterstützung zur Durchführung von Arbeitsaufträgen abschätzen)
Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen (u.a.: Normen und Richtlinien zur Sicherung der Qualität, Bauteile auf Maßhaltigkeit, Dichtigkeit und sichere Verbindung prüfen)

 

Es mag der eine oder andere einwenden wollen, dass die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die ein Geselle am Ende seiner Klempnerlehre erworben haben muss, in der Ausbildungsverordnung und der Tabelle umfassender dargestellt sind als dies für die Fertigkeiten und Fähigkeiten, die im Rahmen eines Gender Studiums erworben werden, der Fall ist. Darauf gibt es die folgenden Antwort:

“Das Zweitfach Geschlechterstudien/Gender Studies zielt auf die Vermittlung konkreter Kenntnisse, Methoden und Arbeitstechniken im Zusammenhang mit der Analyse der Kategorie Geschlecht… Konkretes Ziel ist, Fähigkeiten zur Analyse von Geschlechterverhältnissen in verschiedenen sozialen, politischen, historischen und kulturellen Kontexten auszubilden…”

KlempnerSo wird die Zielsetzung im Studienfach Geschlechterstudien von der HU-Berlin selbst beschrieben. Das Studium der Geschlechterstudien hat Geschlechterstudien zum Gegenstand, die mit Methoden und Arbeitstechniken in einem Zusammenhang stehen und deren konkretes Ziel die Fähigkeit zur Analyse von Geschlechterverhältnissen ist. Trotz aller Betonung von Methoden und Arbeitstechniken ist es uns nicht gelungen, einen Einführungskurs in Statistik, Methoden der empirischen Sozialforschung, Logik oder auch nur die Kunst, richtig zu zitieren, zu finden. Kurz: Gegenstand, Nutzen und Ziel von Geschlechterstudien sind unbekannt. Was man mit einem studierten Geschlechterstudienbetreiber soll, ist ebenso unklar. Vermutlich müssen deshalb Ministerien wie das Ministerium für FSFJ ständig geschlechtsbezogene Programme auflegen, um den Absolventen ein Auskommen zu verschaffen, und zwar auf Kosten von Steuerzahlern, woraus der Schluss folgt: Geschlechterstudierte schaden dem Bruttoinlandsprodukt, sie verbrauchen Steuermittel und schaffen keinen erkennbaren Mehrwert.

Dagegen hat man keinerlei Probleme den Mehrwert zu benennen, den ein Klempner erwirtschaftet, ebenso wenig wie man Probleme hat, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu benennen, die ein Klempner nach Abschluss seiner Lehre hat.

Wie kommt es vor diesem Hintergrund, dass Genderstudierte, die doch in der Regel linkem Gedankengut anhängen, für sich in Anspruch nehmen, eine höhere soziale Stellung in der Gesellschaft einzunehmen, als der Arbeiter Edwin aus der Siedlung? Man kann diese seltsame Erscheinug moderner Gesellschaften, in denen eine Klasse von Studierten, deren einziger Beitrag darin besteht, eine Perspektive auf etwas zu haben, deren Nutzen nicht erkennbar ist, eine höhere Bezahlung, einen höheren Platz in der Sozialstruktur reklamieren kann als ein Klempner, der jeden Arbeitstag aufs Neue die Wirtschaft und somit den Wohlstand aller befördert, nur als eine Erscheinung gesellschaftlicher Degeneration ansehen und sich wundern, dass all die Bekenntnis-Linken damit so gar keine Probleme haben.

 

©ScienceFiles, 2014

Mehr schlechte Nachrichten: Hilfsprogramme helfen in erster Linie den Helfern

Wir sind auf den Geschmack gekommen, denn: keiner kann Mythen derart konsequent und vollständig zerstören wie Milton Friedman. Ergo lassen wir ihn im heutigen Post den “Robin-Hood-Mythos” zerstören.

Was Friedman den Robin-Hood-Mythos nennt, fassen wir gewöhnlich unter dem Begriff der Gutmenschen, die sich anderer bedienen, um sich selbst ein Auskommen zu verschaffen. Als wäre dies nicht schlimm genug und zudem ein Verstoß gegen das Kantsche Instrumentalisierungsverbot, würzen es viele Gutmenschen noch besonders, in dem sie denen, die zu instrumentalisieren sie im Begriff sind, erzählen, sie seien nur um deren Wohlergehen besorgt.

Kant praktische VernunftDas Kantsche Instrumentalisierungsverbot, aufgestellt in der Metaphysik der Sitten, besagt: “§38: [...] denn der Mensch kann von keinem Menschen […] bloß als Mittel, sondern muss jederzeit zugleich als Zweck gebraucht werden, und darin besteht seine Würde”. Kein Mensch darf nach Ansicht von Kant einen anderen Menschen als Mittel zu seinem Zweck instrumentalisieren. Die menschliche Moralität basiert für Kant darauf, dass diese Form der gegenseitigen Achtung eingehalten wird. Wer andere instrumentalisiert, der kann entsprechend nur unmoralisch sein, was in der Konsequenz bedeutet, dass Gutmenschen unmoralisch sind, weil sie andere und ungefragt zu Mittel degradieren, mit denen sie ihre eigenen Zweck, nämlich daran zu verdienen, anderen angeblich zu helfen, erreichen wollen.

Der Unsinn des paternalistischen Liberalismus gehört in die Klasse dieser Form der Heuchelei, ebenso wie die sogenannten positiven Maßnahmen, die durch Diskriminierung einer gesellschaftlichen Gruppe erreichen wollen, dass eine andere Gruppe, die angeblich diskriminiert wird, nicht mehr diskriminiert wird. Diese positiven Maßnahmen, wie Diskriminierung im politisch korrekten Euphemismus genannt wird, stellen den Versuch dar, Mord durch Mord zu beseitigen, und entsprechend kann man sich ungefährt vorstellen, welchen geistigen Tiefgang diejenigen haben, die sie aus Überzeugung fordern, und man kann sich ungefähr vorstellen, wie zynisch und menschenfeindlich diejenigen sind, die positive Maßnahmen, also explizite Diskriminierung zu ihrem Vorteil anwenden.

Sie sind schon deshalb menschenfeindlich, weil sie Individuen nur in Gruppen wahrzunehmen im Stande sind. Wer nicht Gruppenmitglied ist, ist nicht existent. Dabei wird die eigene Menschenfeindlichkeit hinter Begriffen wie “gesellschaftliche Strukturen” versteckt und eine Grandeur für sich in Anspruch genommen, die der eigenen Intelligenz diametral entgegen steht, etwa so: “Wie bricht man diskriminierende Strukturen und Einstellungen auf, deren Folge die Abwertung und Benachteiligung ganzer gesellschaftlicher Gruppen ist? In Deutschland liegen zu dieser Problematik vor allem Erfahrungen aus der Frauengleichstellungspolitik vor. Sie zeigen, dass trotz vieler Fortschritte in Richtung Geschlechtergerechtigkeit beharrliche strukturelle und kognitive Barrieren verhindern, dass umfassende Erfolge erzielt werden. Klar ist daher, dass ein aktives und konsequentes Handeln sowie langfristiges Engagement von allen Teilen der Gesellschaft gefordert sind.” Behauptungen bilden den Ausgangspunkt, der eine Art moderne Glaubenskongregation nicht nur sich dazu berufen fühlen sieht, den behaupteten Missstand zu beseitigen, sondern in aller Grandeuer auch genau zu wissen, wie und auf welche Art der behauptete Missstand beseitigt werden kann und muss.

Dass Gutmenschen versuchen, sich auf anderer Kosten Vorteile zu verschaffen, ist nicht das Problem an der beschriebenen Verhaltensweise. Dass Gutmenschen versuchen, dies dadurch zu tun, dass sie vorgeben, anderen helfen zu wollen, ist schon ärgerlicher. Am ärgerlichsten ist jedoch die Anmaßung von Gutmenschen, die doch tatsächlich der Ansicht sind, sie könnten darüber entscheiden, was gesellschaftlich angemessen ist, was für welche konkreten Menschen richtig und gut ist und was für ihre jeweiligen Opfer getan werden muss. Die Entmündigung, die Gutmenschen glauben, bei anderen vornehmen zu können, und zwar ungestraft, ist das, was eigentlich ärgerlich ist, vor allem, wenn man den durchschnittlichen IQ von Gutmenschen dabei in Rechnung stellt.

MuellabfuhrWir haben dies schon an der Art und Weise deutlich gemacht, wie sich die Mittelschicht der Unterschicht bedient, z.B. in Form der angeblich bildungsfernen Schichten, die regelmäßig Gegenstand umfassender Förderaufrufe und -maßnahmen werden, ohne dass sich jemals etwas daran ändern würde, dass die vermeintlich bildungsfernen Schichten bildungsfern sind, so dass sich rein empirisch betrachtet feststellen lässt, dass ein Erfolg aller gutmenschlichen Bemühungen nicht erkennbar ist. Das kann auch gar nicht anders sein, denn z.B. in Grundschulen wird bei der Grundschulempfehlung genau die Variable, die eben noch bejammert wurde, die angebliche Bildungsferne, genutzt, um Kinder aus so stereotypisierten Familien, eben wegen ihrer angeblichen Bildungsferne von höherer Bildung fernzuhalten, mit der Begründung, dass ihnen die Unterstützung im Elterhaus fehle.

Wir haben dies auch am Beispiel der Funktionalität der Unterschicht deutlich gemacht, deren Armut wichtig für die Mittelschicht ist, denn, wie John Kenneth Galbraith schreibt: “… the poor in our economy are needed to do the work that the more fortunate do not do and would find manifestly distasteful, even distressing” (412)

Vor diesem Hintergrund wäre es nicht auszudenken, was geschehen würde, hätten all die Hilfsprogramme für die Armen der Gesellschaft, all die Bildungsanstrengungen für die Unterschicht, Migranten und sonstige Gruppen, die die Mittelschicht unter sich verortet, den Erfolg, der als Ziel vorgeheuchelt werden soll: Wer würde den Müll lehren? Wer würde die Schülermasse für Sonderschullehrer stellen? Wer würde Gegenstand all der Hilfsprojekte, von Sozialarbeitern und sonstigen staatlich finanzierten Helfern? Womit würden all die Helferberufe-Inhaber ein Auskommen verdienen, wenn sie tatsächlich nach Abschluss ihrer Tätigkeit geholfen hätten und die Gesellschaft sich in die Richtung verändern würde, die sie erreichen zu wollen vorgeben? Sie wären arbeitslos und müssten am Ende noch den Müll derjenigen leeren, denen sie geholfen haben.

Nicht auszudenken. Und deshalb dienen all die Programme zur Förderung von Migranten, Arbeiterkindern, bildungsfernen oder sonstig benachteiligten Gruppen nicht den Gruppen, denen sie angeblich dienen sollen, sondern denen, die ihnen helfen wollen. Deshalb sind alle Programme, die die Mittelschicht auflegt, um der Unterschicht zu helfen, Umverteilungsmaßnahmen, die von der Unterschicht mitfinanziert werden und ausschließlich der Mittelschicht zu Gute kommen, wie dies mit universitärer Bildung auch der Fall ist, die von 92% der Unterschicht, die nicht auf Universitäten ankommen, für die Kinder der Mittelschicht, die die Mehrzahl der Studenten stellen, mitfinanziert wird – damit die studierten Sozialarbeiter und Sozialpädagogen dann ausziehen können, um der Unterschicht zu sagen, was gut für sie ist.

Kaum einer hat diesen Zusammenhang so gut auf den Punkt gebracht, wie Milton Friedman im Robin-Hood-Mythos
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Schlechte Nachrichten: Es gibt nichts umsonst

Das folgende Fundstück wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Es sind rund sieben Minuten aus einem Vortrag von Milton Friedman, in denen er auf einfache und prägnante Art und Weise zeigt, dass es nichts umsonst gibt, dass der Glaube, eine Regierung könne Leistungen bereitstellen, die den einzelnen nichts kosten, ein Irr-Glaube ist. Ebenso wie der Glaube, wenn man Unternehmen besteuere, dann kämen die Steuern aus einem Topf, der nicht von Arbeitern gefüllt werden müsse.

Friedman zeigt in nicht ganz vier Minuten, wie einfach der Trick ist, den Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre gerne anwenden, um Arbeitnehmern weiß zu machen, die Teilung der Sozialabgaben zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer würde Arbeitnehmer entlasten, käme ihnen zu gute,

Kurz: die sieben Minuten zeigen, dass alle Leistungen, die eine Regierung mit viel Selbstlob und Tamtam und als auf die Beseitigung der sozialen Ungleichheit gerichtet, anpreist, genau diese soziale Ungleichheit nicht beseitigen, sondern noch vertiefen, denn diejenigen, denen geholfen werden soll, sind diejenigen, die aufgrund ihrer geringen Einkommen überproportional für ihre eigene Besserstellung, die entsprechend zu einer Schlechterstellung werden muss, aufkommen müssen.

Es gibt eben keinen “free lunch” und das Schlimmste was Mitgliedern der unteren Klasse geschehen kann, ist, dass ihnen Funktionäre und Politiker helfen wollen, denn beide haben nur die eigenen Interessen und die der Klasse zu der sie gehören, im Sinn. Deshalb täuschen sie einfache Arbeitnehmer und erzählen, ein Humbug wie die Frauenförderung käme Friseusen, Putzfrauen oder Verkäuferinnen zu gute.

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Und weil derjenige, der sich auf die Regierung verlässt, verlassen ist, gibt es nur eines: Humankapital bilden, und zwar zusätzliches Humankapital, zusätzlich zu Schule und Studium. Dies zeigt eine neue Untersuchung aus den USA, die gerade von Marjan Houshmand, Marc David L. Seidel und Dennis G. Ma veröffentlicht wurde.

Unter der Überschrift “Beneficial ‘Child Labor'” zeigen die Autoren, dass Jugendliche, die während ihrer Schulzeit und während ihres Studiums einen Job hatten, selbst wenn es sich dabei um das Drehen von Hamburgern bei McDonalds gehandelt hat, nach Abschluss ihrer Ausbildung einen besseren Beruf mit einem höheren Einkommen ergriffen haben als Jugendliche, die lieber auf der faulen Haut lagen oder dem vertraut haben, was ihnen besorgte Pädagogen anraten: Ihre Kindheit und Jugend vermeintlich zu genießen indem sie nichts Nützliches tun.

Auch hier gibt es keinen “free lunch”, vielmehr ist der Rat, doch besser nicht während Kindheit und Jugend zu arbeiten, ein teurer Rat, den die Beratenen zu zahlen haben, durch ein geringeres Einkommen und einen schlechteren Beruf. Denn: die Forschung von Houshmand, Seidel und Ma zeigt: ein Job bereitet Kinder und Jugendlichen auf den beruflichen Alltag vor, vermittelt ihnen Qualifikationen und Kompetenzen, die sie anderen Jugendlichen voraushaben und auf dem Arbeitsmarkt gewinnbringend einsetzen können.

Friedman Capitalism and FreedomSchließlich: Je mehr Jugendliche arbeiten (unter den 246661 kanadischen Teenagern, die im Alter von 15 Jahren befragt und dann über die nächsten zehn Jahre regelmäßig aufs Neue befragt wurden, waren Teenager, die bis zu 43 Wochenstunden während der Ferien arbeiteten), desto besser sind ihre Berufsaussichten.

Um das Thema “free lunch” abzuschließen: Auch weibliche Bewerber, die sich Aussichten auf eine Stelle im Rahmen sogenannter Frauenförderung machen, haben schlechte Aussichten, denn die bestbezahlten Jobs, sind genau die, die die Frauenförderung einfach nicht erreichen kann: IT, Ingenieurwissenschaft und Mathematik. Studenten, die nach ihrem Studium einen Job in diesen Bereichen annahmen, hatten ein um 31% höheres Jahreseinkommen als Studenten, die eine andere Fachrichtung studierten, so berichtet das US-amerikanische Department of Education.

Auch hier hilft es also nichts, auf die Regierung zu warten: belohnt werden nach wie vor Kenntnisse und Leistungen, und wer sie nicht vorzuweisen hat, kann kein Einkommen erwarten, wie derjenige, der sie vorzuweisen hat.

Dieser Zusammenhang gilt in den USA. In Deutschland werden derzeit im Rahmen der Frauenförderung Anstrengungen unternommen, diese vermutlich als patriarchale Struktur befeindete Tatsache, die sich direkt aus der conditio humana ableitet, zu beseitigen und Nicht-Leistung zu honorieren, wie das im Sozialismus so üblich ist und wie es regelmäßig dazu führt, dass sozialistische Regime über kurz oder lang, entweder eine Mauer bauen müssen, um die Fähigen unter ihrer Bevölkerung am Abwandern zu hindern oder an der eigenen Ideologie verenden, weil dann, wenn Nicht-Leistung honoriert wird, über kurz oder lang niemand mehr leistet.

Nutznießer-Spirale: Wohlfahrtsstaaten sind der Anfang vom Ende

Eine witzige und interessante Arbeit zum Thema “Wohlfahrtsstaat” kommt aus Frankreich. Verfasst haben sie Yann Algan, Pierre Cahuc und Marc Sangnier. Die Arbeit ist witzig, weil sie eine Thematik behandelt, die die meisten politisch korrekten und institutionalisierten Wissenschaftler sich nicht anzufassen trauen, und sie ist interessant, weil sie auf einfach Art und Weise zeigt, dass in Wohlfahrtsstaaten ein Gesetz der Degeneration, des gesellschaftlichen Niedergangs zu beobachten ist.

Algan, Cahuc und Sangnier gehören zu den Wissenschaftlern, die gute Ideen in einfache und kausale Annahmen zu verpacken in der Lage sind, und zwar so:

  • reichtum fuer alleGesellschaften bestehen aus Menschen, denen man vertrauen kann und Menschen, denen man nicht vertrauen kann.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, sind kooperativ und produktiv, d.h. sie haben etwas mit anderen zu tauschen. Menschen, denen man nicht trauen kann, versuchen, Kooperationen zu ihren Gunsten auszunutzen. Sie sind nicht produktiv: sie nehmen nur, haben selbst nichts zu geben, und deshalb kann man ihnen nicht trauen.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, die kooperativ und produktiv sind, bezeichen Algan, Cahuc und Sangnier als zivile Menschen, diejenigen, auf die diese Eigenschaften nicht zutreffen als nicht-zivile Menschen.
  • Die erste Annahme, die die Autoren auf diesem Grundmodell treffen lautet: Die Bereitschaft, Steuern an einen Wohlfahrtsstaat zu zahlen, steigt mit dem Anteil der zivilen Menschen.
  • Daraus folgt, dass auch die Unterstützung für Wohlfahrtsstaaten mit dem Anteil der zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt.
  • Jedoch stellen Wohlfahrtsstaaten Anreize zum Opportunistmus dar, weshalb es einen anderen Zusammenhang gibt: Wenn der Anteil der nicht-zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt, dann ergeben sich daraus triste Konsequenzen:
    • Die Bereitschaft, Steuern zu zahlen sinkt, die Bereitschaft, Steuern vorzuenthalten, steigt.
    • Der Anteil derjenigen, die vom Wohlfahrtstaat leben wollen und Transferzahlung anstreben, steigt.
    • Die Unterstützung für den Wohlfahrtsstaat wächst unter seinen Günstlingen, den unzivilen Menschen.
    • Gleichzeitig werden immer neue Forderungen nach Umverteilung und höheren Steuern durch nicht-zivilen Menschen erhoben: “Uncivic individuals desire more redistribution for two reasons. First, they benefit from public transfer more frequently than civic individuals since they claim benefits when their production can be hidden. Second, they do not bear the full burden of taxation since they dodge taxes when this is possible” (5).

Ab diesem Zeitpunkt ist in einem Wohlfahrtsstaat eine Nutznießer-Spirale am Werk, deren Konsequenz ein “race-to-the-bottom” ist: Immer mehr Profiteure des Wohlfahrsstaates, die unkooperativ und nicht vertrauenswürdig sind, die sich opportunistisch verhalten, fordern immer höhere Steuern und eine immer weitergehende Umverteilung von Steuermitteln und hoffen, davon zu profitieren.

Und als wäre dies nicht schon genug, werden die Horden nicht-ziviler Menschen, die versuchen, auf Kosten der zivilen Menschen zu leben, durch korrupte Bedienstete des Staates unterstützt: “Societies populated by a majority of uncivic individuals can support corrupt and ineffective welfare states that can be larger than the more effective welfare states of societies populated by a majority of civic individuals” (6).

Bis hier hat die Arbeit von Algan, Cahuc und Sagnier bereits eine große Zahl von interessanten Ideen und Konsequenzen aus den Ideen, über die es sich nachzudenken lohnt, bereit gestellt. Aber es kommt noch besser:

Die Autoren testen ihre Annahmen anhand der Daten der OECD Expediture Database, des World Value Survey und des European Social Surveys, und die Daten bestätigen jede einzelne ihrer Annahmen.D.h. Wolfahrtsstaaten tendieren dann, wenn in ihnen das Vertrauen zwischen den Menschen verschwindet und Kooperation problematisch gemacht wird, zu korrupten Selbstbedienungsanstalten für nicht-zivile Menschen zu werden, die ihren Vorteil auf Kosten Dritter suchen und mit Hilfe korrupter Regierungen immer neue Gesetze und Regelungen durchsetzen, die dem Ziel dienen, noch mehr von Umverteilung zu profitieren und immer neue Mittel in die eigene Tasche zu leiten.

“Large, corrupt and ineffective welfare states can survive thanks to the support of a majority of untrustworthy individuals. The creation of large, transparent and effective welfare states needs a large majority of trustworthy citizens. These findings might explain why it is so difficult to reform the large welfare states of Continental Europa countries despite the widespread consensus that they are less effective and transparent than their counterparts in Nordic countries.” (14)

So beenden die Autoren ihre Arbeit. Aber hier fängt es eigentlich erst an.

Wenn Gesellschaften, in denen Ideologen Unfrieden und Misstrauen säen, etwa so, wie es Sozialisten und Feministen in Deutschland tun, über kurz oder lang in ineffiziente Wohlfahrtsstaaten ausarten, in denen es vor allem darum geht, selbst auf Kosten anderer zu profitieren, dann kann man sich die Richtung, in die die deutsche Gesellschaft drifted gut vorstellen.

wohlfahtsstaatAber nicht nur das, wenn die Gefahr großer Wohlfahrtsstaaten darin besteht, dass sie von einer Meute Opportunisten übernommen werden, deren einziges Bestreben darin besteht, immer neue Umverteilung zu fordern und neue Wege zu ersinnen, wie sie an das Geld der zivilen Mitglieder der Gesellschaft kommen, dann zeigt sich hier ein Geburtsfehler repräsentativer Demokratien, stehen sie doch in der Gefahr zum demokratischen Despotismus einer Nutznießer-Oligarchie zu verkommen.

Und dass Deutschland auf dem besten Weg in den demokratischen Despotismus ist bzw. längst im demokratischen Despotismus angekommen ist, zeigt sich z.B.

  • in der Hetzjagd, die auf Menschen veranstaltet wird, die Steuern vorenthalten.
  • Es zeigt sich darin, dass kaum jemand mehr auf die Idee kommt, dass Staaten kein Existenzrecht per se haben, sondern als Dienstleister souveräner Individuen eingesetzt wurden.
  • Es zeigt sich in der Herrschaft der Mittelmäßigen, die kein Problem damit haben, Maßnahmen wie einen Mindestlohn oder eine Frauenquote zu verabschieden, die die Wirtschaft schädigen.
  • Es zeigt sich darin, dass ein überbordender Apparat der Bereicherung von Günstlingen geschaffen wurde, der staatliche Institutionen dazu einsetzt, Steuermittel einzusammeln und an befreundete Netzwerke und Günstlinge umzuverteilen. Der Gender-Sumpf ist ein Beispiel unter vielen.
  • Es zeigt sich darin, dass die Nutznießer von staatlichen Transferzahlungen die Politik der Parteien bestimmen. Dies findet seinen deutlichsten Ausdruck darin, dass es schick geworden ist, nach Umverteilung zu rufen und nicht-Leistungen wie die Fortpflanzung durch Steuermittel zu honorieren.
  • Und schließlich zeigt es sich darin, dass zivile Menschen sich immer seltener in die Politik verirren, denn Politik ist zu einem Verschiebebahnhof geworden, auf dem sich blasse Gestalten einfinden, die im offenen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, keine Chance hätten, ein Auskommen zu erwirtschaften und entsprechend den Weg in die Politik (oder neuerdings im Rahmen entsprechender Förderprogramme an Universitäten) wählen.

Der Niedergang von Wohlfahrtsstaaten, die von immer mehr Nutznießern gekapert werden und von immer weniger zivilen Menschen bevölkert werden, ist mithin eine Folge des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, denn in einer Gesellschaft in der die Nutznießer staatlicher Steuergeschenke die Mehrheit bilden, ist der Ausgang einer Wahl ebenso vorhersehbar wie die Politikangebote, die Politiker machen: hier wird umverteilt, bis es nichts mehr umzuverteilen gibt.

Wir nennen das die Nutznießer-Spirale.

©ScienceFiles,2014

Algan, Yann, Cahuc, Pierre & Sangnier, Marc (2014). Trust and the Welfare State: The Twin Peaks Curve. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit; Institute for the Study of Labor IZA DP No. 8277.

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