Der neueste Gag: Paternalismus-Steuern

Christopher Snowdon verdanken wir den Hinweis auf einen illustrious article, wie er es in feinem britischen Sarkasmus ausgedrückt hat.

Der Artikel trägt den Titel: “Calorie Offsets: Environmental Policy for the Food Environment“, ist gerade im American Journal of Public Health erschienen und wurde von Abdulrahman M. El-Sayed und Sandro Galea verfasst.

Health in all policiesIn diesem Artikel lösen die Autoren eben einmal das Problem, wie man die schnell wachsende Paternalismus-Industrie finanzieren kann.

Sie kennen die Paternalismus-Industrie?

Das sind die vielen guten Menschen, die so besorgt um Ihre Gesundheit sind, dass sie Ihnen das Essen bestimmter Speisen, das Trinken bestimmter Getränke, das Rauchen, das Naschen und vieles mehr verbieten wollen – weil es für Sie gut ist. Statt fett sollen Sie fit werden, jeden Tag ein Dauerlauf von 30 Minuten vor dem Brennnessel-Saft zum Frühstück und jeden Abend, vor dem zu Bett gehen, 45 Minuten Gymnastik.

Das hält fit, vermeidet, dass sie der Krankenkasse zur Last fallen, reduziert ihre Konfektionsgröße und, wichtiger noch: Versorgt die guten Menschen mit einem regelmäßigen Einkommen, denn auch gute Menschen müssen leben, gut leben.

Das rasante Wachstum der Paternalismus-Industrie hat nun zu einem Engpass geführt: Es gibt einfach nicht genug staatliche Zuwendungen an diejenigen, die sich um die Kleidergröße anderer kümmern wollen, als dass es möglich wäre, all die Berater des täglichen Lebens, die vom Zähneputzen bis zum Abendessen darüber wachen, dass Sie sich auch richtig verhalten, also richtig nach Meinung der Berater, zu finanzieren.

Das war bislang ein Problem. Arbeitslosigkeit drohte selbst den guten Menschen, die die Paternalismus-Industrie bevölkern.

Die Gefahr scheint gebannt.

El-Sayed und Galea haben die Lösung.

Da man nicht etwa deshalb dick wird, weil man z.B. zuviel Süssigkeiten und Fette und Alkohol zu sich nimmt (und nicht mehr rauchen darf) und weil man Süssigkeiten, Fette und Alkohol nicht einfach verbieten kann, obwohl man es gerne würde, deshalb haben sich die beiden Ärzte aus den USA etwas Besonderes ausgedacht: Eine Ausgleichszahlung für die Unternehmen, die Fettmacher herstellen und deshalb nach Ansicht der Ärzte für die endemisch um sich greifende Adipositas verantwortlich sind.

Um diese Adipositas Ausgleichszahlung argumentieren zu können, haben El-Sayed und Galea eben einmal den freien Willen von Menschen weggekürzt und sich und uns alle zu fresswilligen Manipulationsopfern der Zucker-, Alkohol- und Fettindustrie erklärt. Wenn Sie gerade einen Marsriegel in den Mund stecken wollen: Denken Sie zweimal. Das machen Sie nicht, weil der Marsriegel schmeckt, sondern weil Mars-Viersen sie mit aggressiver Werbung dazu verleitet hat.

Nanny state 3Das jedenfalls glauben El-Sayed und Galea, die es schaffen, in einem Beitrag von zwei Seiten die menschliche Entwicklung weit hinter die Aufklärung zurückzuwerfen und uns alle zu Deppen zu erklären. Beides ist jedoch notwendig, denn die Lösung für die Adipositas-Epidemie, die El-Sayed und Galea verkaufen wollen, braucht die Bösewichte der Industrie, die die Deppen zum Fressen verleiten, auf dass sie aufgehen wie ein Hefeklops.

Die Lösung besteht darin, dass die als Adipositas-Bösewicht identifizierten Unternehmen Projekte, die der Adipositas vorbeugen wollen, die z.B. Essberatung und Kochkurse umfassen, finanzieren sollen, kurz: Sie sollen die Paternalismus-Industrie finanzieren und die Gefahr der Arbeitslosigkeit der vielen Helfer und ihrer Helfers-Helfer beseitigen.

Fast genial die Idee, hätte sie nicht den Schönheitsfehler, dass Dicke, die es langsam satt haben, von einer Beratungs-Mafia verfolgt zu werden, auf die Idee kommen könnten, eine Beratungs-Ausgleichzahlung zu fordern, zahlbar von all denen, die in der Paternalismus-Industrie tätig sind. Verwendungszweck: Kauf von Snickers, Mars, Cadbury-Riegeln, Coca und Pepsi Cola in zwei Liter Flaschen, Fertiggerichte aller Art und alles wird einmal im Monat in einem Adipositas-Festival bei McDonalds im Binge-Essen und -Trinken niedergemacht.

Menschen sind weder sozial noch altruistisch – Beides muss gelernt werden

Menschen sind weder Herdentiere noch verhinderte Mütter Theresa, die anderen ihren Altruismus aufzwingen.

Die Forschungsergebnisse, die diese Aussage belegen, sie werden immer zahlreicher.

Egal, was Politiker sich wünschen, egal, wie versucht wird Menschen zu manipulieren, sie sind zweierlei nicht: altruistisch von Haus aus und sozial per Geburt.

Altruismus muss man sich leisten können. Denn um selbstlos zu geben, muss man etwas haben, das man z.B. aus Mitleid geben kann: Ohne Mantel kein St. Martin sozusagen.

Und sozial sind Menschen nicht von Geburt an. Das Soziale, es verlangt von Menschen, dass sie zusammenleben, dass sie sich miteinander arrangieren und vor allem: dass sie miteinander kooperieren.

self helpGerade Kooperation ist schwierig und wie eine Untersuchung von Valerio Capraro und Giorgia Cococcini zeigt, Kooperation ist erlernt und nicht angeboren. Und weil Kooperation gelernt werden muss, ist das Ausmaß an Kooperationsbereitschaft das Ergebnis individueller Erfahrungen. Individuelle Erfahrungen wiederum macht man in einem Kontext.

Das moderne Herdenzeitalter hat dazu geführt, dass man anderen und dem, was sie sich als Regeln, Normen und Übergriffen überlegt haben, kaum mehr aus dem Weg gehen kann, entsprechend reden Soziologen und Psychologen davon, dass individuelle Erfahrung in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet ist.

Kurz: Die Kooperationsbereitschaft eines Individuums hängt von der Erfahrung ab, die dieses Individuum in der Vergangenheit gemacht hat, und sie hängt vom gesellschaftlichen Kontext ab: Herrscht Vertrauen in einer Gesellschaft, weil z.B. gesellschaftliche Institutionen Vertrauen befördern, etwa dadurch, dass Transparenz herrscht, Korruption kaum bis gar nicht vorhanden ist und dem Einzelnen mit Wertschätzung begegnet wird, dann ist Kooperation eine Voreinstellung, denn der gute Wille, den man anderen entgegenbringen muss, um mit ihnen zu kooperieren, dieser gute Wille wird durch die gesellschaftliche Umgebung befördert.

Anders in Gesellschaften, in denen Nepotismus und Korruption herrschen, in denen Individuen relativ sicher sein können, dass versucht wird, sie in Kooperationen zu lullen und dann übers Ohr zu hauen. Dort lernen Individuen, dass es besser ist, nicht zu kooperieren.

Dies ist in Kurz die Idee, die hinter der Social Heuristics Hypothesis (SHH) steht, und es ist die  Idee, die in einer Reihe von Untersuchungen bestätigt wurde (z.B. Rand, Green & Nowak, 2012 bzw. Rand et al., 2014). Und es ist die Idee, die Capraro und Cococcioni (2015) abermals bestätigt haben.

449 Inder wurden von Capraro und Cococcioni vor einen Computer gesetzt und mit einer Situation konfrontiert, die in der Spieltheorie als Gefangenen-Dilemma bekannt ist. Hier die Anweisung für die Teilnehmer an der Untersuchung:

“You and the other participant are both given $0:20 US dollars. You and the other participant can transfer, independently, money to the each other. Every cent you transfer, will be multiplied by 2 and earned by the other participant. Every cent you do not transfer, will be earned by you. How much do you want to transfer?” [Sie und der andere Teilnehmer haben beide 0,20 US Dollar. Sie und der andere Teilnehmer können unabhängig voneinander Geld zueinander transferieren. Jeder Cent, den Sie transferieren, wird mit 2 multipliziert und dem anderen Teilnehmer gutgeschrieben. Jeder Cent, den Sie nicht transferieren, wird ihnen gut geschrieben. Wieviel wollen Sie transferieren?”]

Diese Versuchsanordnung wurde unter Zeitdruck (Entscheidung innerhalb von 10 Sekunden) und unter relativer Entscheidungsruhe (Entscheidung innerhalb von 30 Sekunden) gespielt. Im Ergebnis haben sich die Teilnehmer in beiden Versuchsanordnungen entschieden, im Durchschnitt 28% ihres Guthabens zu transferieren.

Damit liegt der Anteil des transferierten Einkommens weit unter dem Anteil, der bei den gleichen Experimenten z.B. in den USA transferiert wird und der dort bei durchschnittlich rund 50% liegt. Capraro und Cococcioni führen den Unterschied auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexte zurück: Einerseits sei Indien ein Land, in dem Nepotismus und Korruption für jeden sichtbar endemisch sind, andererseits gelten die USA als “hight-trust culture”, d.h. als Land, in dem kleinräumige Communities, in denen sich die Individuuen bewegen, Kooperation befördern.

Ob Menschen kooperieren, ob sie altruistisch sind, hängt demnach vom gesellschaftlichen Kontext ab. Menschen ist Sozialität und Altruismus nicht angeboren.

Wenn man sich etwas zurücklehnt und dieses Ergebnis, das in einer Reihe entsprechender Ergebnisse steht, wirken lässt, kommt man schnell zu dem Punkt, an dem man sagt: Wie anders sollte es sein?

Throng of peopleWie kann man annehmen, Menschen würden sich im Rudel wohlfühlen und gerne von dem, was sie haben, andere durchfüttern? Entsprechende Annahmen sind nur denen möglich, die davon profitieren, dass sie anderen einreden, es wäre so.

Menschliches Leben ist in erster Linie darauf gerichtet, sich selbst zu erhalten. Selbsterhalt kann man durch Tausch und Kooperation befördern. Voraussetzung dafür: Es gibt etwas zu tauschen, und es gibt die Sicherheit, dass man im Rahmen einer Kooperation nicht ausgenutzt wird.

Erst dann, wenn etwas zu tauschen da ist und wenn Sicherheit besteht, dass der Versuch, mit X zu tauschen, nicht dazu führt, dass man von X bestohlen wird, gibt es Kooperation und als Folge institutionalisierter Tauschbeziehungen Sozialität.

Nun kann man sich fragen, warum es eine recht stattliche Anzahl von Leuten gibt, die das Gegenteil erzählen, die behaupten, Menschen wollten anderen mehr geben als sich selbst, seien sozial Tiere, die nur in der Herde ihr Glück finden, seien von Geburt an kooperativ? Und man kann sich selbst zur Antwort geben, dass diese Erzählung denen, die sie erzählen, einen Vorteil verschaffen muss, da man Menschen, die meinen, sie seien altruistisch, prima ausnutzen kann und Menschen, die meinen, die ständigen Übergriffe anderer seien das Soziale, sich nicht wehren.

Capraro, Valerio & Cococcioni, Giorgia (2015). Social Setting, Intuition, and Experience in Lab Experiments Interact to Shape Cooperative Decision-Making.

Rand, David G., Greene, Joshua D. & Nowak, Martin A. (2012). Spontaneous Giving and Calculated Greed. Nature 489: 427-430.

Rand, David G., Peysakhovich, Alexander, Kraft-Todd, Gordon T., Newman, George E., Wurzbacher, Owen, Nowak, Martin A. & Greene, Joshua D. (2014). Social Heuristics Shape Intuitive Cooperation. Nature Communications April 2014.

Kulturstaatsministerin Grütters heimliche Bewunderin von Akif Pirincci?

Eigentlich, wir geben es offen zu, eigentlich wollten wir in diesem Post wieder eine Gedenkminute für die Logik einlegen, jene Logik, auf der nicht zuletzt die Sprache basiert, jene Logik, die dafür sorgt, dass Sprache nicht zum sinnentleerten Gebrabbel verkommt und eine Information transportiert, jene Logik, die in den Äußerungen von Monika Grütters so häufig und so beklagenswert fehlt.

Das beklagenswerte Fehlen hat beklagenswerte Überschriften in Pressemeldungen zur Folge, Überschriften wie: “Kulturstaatsministerin Grütters: LIT-potsdam macht Literatur zum sinnlichen Erlebnis“.

Wie lesen Sie?

Sinnlos? Bar aller sinnlichen Erlebnisse oder unter Einsatz ihrer Augen durch Dechiffrierung der lustigen Zeichen, in die ein anderer seine Information verpackt hat?

Es ist nicht vorstellbar, dass jemand so ganz ohne Einsatz zumindest eines seiner sieben Sinne etwas erlebt. Auf irgend einem Weg muss die Information von der Außenwelt ja in das Gehirn vordringen.

Pirincci cave canemAber schon Plato hat in seinem Höhlengleichnis darauf hingewiesen, dass alles Erleben eine Illusion sein kann, dass es nur philosophische Bildung gibt, um sicherzustellen, dass das sinnliche Erleben, das wir uns gerade einbilden, Sie, der Sie denken, sie würden diesen Post hier lesen und entsprechend sinnlich erleben, auch tatsächlich einen Gegenstand in der Außenwelt hat.

Was macht Sie eigentlich so sicher, dass Sie das hier lesen? Vielleicht träumen Sie? Vielleicht sind sie ein “brain in the wet”, das den Körper, den sie behaupten zu haben, nur simuliert, recht erfolgreich, wie wir sehen?

Vielleicht sind sie Monika Grütters, die nur dann sinnlich Literatur erleben kann, wenn sie nach Potsdam, zur LIT:potsdam fährt, wie sie glaubt, um sich dort mit vielen anderen der Tatsache zu versichern, dass sie erlebnisfähig ist, in kollektiver Halluzination das sinnlich Erfahrbare erfährt, denn: “Inspirierende Festivals wie LIT:potsdam machen Literatur als sinnliche Freude erlebbar”.

Oh weh, auch LIT:potsdam hilft nicht, die Illusion der eigenen Existenz zu vertreiben und Letztere als Faktum zu etablieren. Auch in Postdam, bei LIT:potsdam kann man nur “sinnliche Freude” erleben, also sich einbilden, dass man sich freut, sich als abgeschlossenes System erleben, das von sich denkt, es würde Literatur erleben und sich deshalb freuen.

Aber lassen wir das, denn, wie gesagt, wir wollten eigentlich nur eine Gedenkminute für die Logik einlegen, eigentlich deshalb, weil wir, durch sinnliches Erlesen des Textes, den Monika Grütters für die Teilnehmer der kollektiven Halluzination in Potsdam wohl gesprochen hat, zum akkustischen Erhören, zu einem Erlebnis gelangt sind, das man nur als “sinnliche Freude” bezeichnen kann, schon weil wir nicht wissen, wie man es sonst bezeichnen soll.

“Sinnliche Freude” hat, wie wir erleben, eine Erinnerung an einst, zum Eingang dieses Textes  sinnliche erfahrbar gemachte Aussagen zur Folge, Aussagen über Logik und deren Gedenken, in Minuten. Also gedenken wir in Minuten im Minutentakt logischer Schlüsse wie dem der Bejahung des Konsequens, einem Fehlschluss, dessen sinnlich erfahrbares Potential, dessen Kapazität für sinnliche Freude so massiv unterschätzt wird:

Monika Grütters: „Die Lust am Lesen wird uns erhalten bleiben, wenn wir sie pflegen und kultivieren wie hier in Potsdam. Aber die Freiheit des Wortes, die literarische Vielfalt müssen wir mit allen politischen Kräften schützen und verteidigen. Denn wir brauchen sie, die mutigen Dichter, die sprachgewaltigen Schriftsteller, die verwegenen Vordenker, die Geistesgrößen einer Gesellschaft. Sie sind der Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft, der verhindert, dass intellektuelle Trägheit und politische Bequemlichkeit die Demokratie einschläfern.“

Erleben Sie? Spüren die das sinnliche Erleben des Erlesenen in ihrem Gehirn sich zur sinnlichen Freude steigern?

Sind sie endlich sinnlich erfreut? Beeilen Sie sich: Wir haben nicht alle Zeit der Welt!

Denn: Wer hätte das gedacht?
Wer hätte gedacht, dass sich hinter der biederen Sprachfassade der Monika Grütters, derartige Untiefen verstecken?
Wer hätte die sprachliche Euphorie vorhergesehen, die Wallung der Überraschung, ja die sinnlich kaum mehr zu steigendernde Freude darüber, dass Monika Grütters zu den Bewunderern von Akif Pirincci gehört?

Wie anders kann man die zitierte Stelle verstehen als als sinnliche Erklärung an die Adresse von Akif Pirincci, als literarische Liebeserklärung an den so häufig Gescholtenen und durch den Schmutz Gezogenen?

Was ist Pirincci anderes als ein “Stachel im Fleisch unserer Gesellschaft”?

Was ist Pirincci anderes als ein Antidot gegen geistige Trägkeit und politische Bequemlichkeit?

Niemand bringt Gutmenschen, Sozialisten, Feministen und Politiker derart in Wallung sinnlichen Erlebens wie Akif Pirincci mit seiner einmaligen Art sinnliche Erfahrung in Schriftzeichen zu kodieren, eine Art, die man am besten als Expletives Schreiben bezeichnet, ein neues Genre, das der sprachgewaltige Pirincci geschaffen hat, ein expletives Stachel-im-Fleisch der Gesellschaft Genre, eines verwegenen Vordenkers!

Endlich wird “dem kleinen Akif“, wie er sich selbst nennt, die entsprechende Wertschätzung, die auf tiefempfundener sinnlicher Freude bei Grütters beruhen muss, zuteil. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Preise von Buchhandel und allen anderen sinnlich freudalen Preisverteilern auf Pirincci einstürzen.

Welch’ sinnliche Freude und so schön logisch fehlgeschlossen, in voller Bejahung des Konsequens.

Zensur und Überwachung: Das Ende der Wissenschaftsfreiheit

Die Wissenschaften sehen sich verstärkten Bemühungen ausgesetzt, Wissenschaftsfreiheit zu beseitigen, Wissenschaftler zu kontrollieren, Ideen an politischer Korrektheit auszurichten, unbequeme oder als gefährlich etikettierte Forschung zu verhindern und die Diskussion über wissenschaftliche Erkenntnis zu erschweren:

“The realization of academic freedom depends on controversy: it voices dissent. Linked to free speech, it is marked primarily by critique, speaking against – even offending against – prevailing concepts or norms”.

XindexDies schreibt Thomas Docherty in einem Beitrag über die Beseitigung von Wissenschaftsfreiheit im Vereinigten Königreich (wobei man ergänzen muss, dass Kritik und abweichende Meinungen kein Selbstzweck sind und nur dann als relevant angesehen werden können, wenn sie begründet sind!)

Der Beitrag von Docherty entstammt der Juni-Ausgabe von X index on Censorship, die komplett den Gefahren gewidmet ist, die wissenschaftliche Freiheit derzeit bedrohen. Das Heft versammelt Beiträge aus dem Vereinigten Königreich, Irland, den USA, der Ukraine, der Turkei, China, Mexiko und Indien und beschreibt zum Teil erschreckende Realitäten außerhalb von Deutschland.

Warum gibt es keinen Beitrag aus Deutschland? Vermutlich hat sich kein Wissenschaftler gefunden, der mutig genug ist, die Zustände in Deutschland in einem namentlichen Beitrag zu beschreiben.

Dabei wäre gerade ein Beitrag für Deutschland so wichtig wie kein anderer, denn in Deutschland kumulieren die Gefahren für die Wissenschaftsfreiheit, die für andere Ländern beschrieben werden.

Jemimah Steinfeld für China, Thomas Docherty für das Vereinigte Königreich und Mark Fray für die USA beschreiben Entwicklungen, die es allesamt auch in Deutschland gibt, wie die folgende Gegenüberstellung zeigt:

Für China: Aussagen, die sich gegen Parteiführer richten oder den Sozialismus in ein schlechtes Licht rücken, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden. Für Deuschland: Aussagen, die sich gegen Feministen oder Feminismus richten, dürfen von Akademikern nicht gemacht werden.
Für das Vereinigte Könnigreich: Aussagen, in denen die eigene Universität kritisiert wird, schaden dem Markennamen der Universität und dürfen von Akademikern nicht mehr gemacht werden. Für Deutschland: Professoren sind Beamte und dem Beamtenrecht, das Loyalität, also schweigende Zustimmung zum Dienstherr vorsieht, unterworfen.
Für die USA: Triggerwarnungen davor, dass der folgende Text die Lesenden in irgend einer Weise psychisch verletzen könnte, sorgen dafür, dass Hochschulen zur psychiatrischen Anstalt verkommen, an denen jeder seinen Spleen frei ausleben kann. Für Deutschland: Texte, die Lesende mit etwas konfrontieren könnten, was bei diesen zu einer psychischen Krise führt, sollen ganz verboten werden.
Für die USA: Bestimmte Autoren sollen aus dem Curriculum gestrichen werden, weil ihre Arbeiten die Lesenden paychisch belasten könnten. Für Deutschland: In Halle oder in Berlin wollen Studenten die Arbeiten von Autoren, die sie für rassistisch oder sonst etwas halten, nicht mehr im Curriculum sehen. Ins Curriculum darf nur noch aufgenommen werden, was politisch korrekt ist.
Für China: In Vorlesungssälen sollen Videoüberwachungskameras installiert werden, um sicherzustellen, dass Dozenten auch die richtige Lehre vermitteln und sie richtig vermitteln. Für Deutschland: In Deutschland braucht man keine Videoüberwachung. Hier übernehmen Studenten die Überwachung ihrer Dozenten, Studenten, die sich in anonymen Vereinigungen wie Münkler-Watch zusammengeschlossen haben.
Für China: Akademiker werden dadurch zensiert, dass nicht-linientreue Akademiker keine Fördergelder erhalten und durch Peer-Kontrolle von Publikationen ausgeschlossen werden. Für Deutschland: Kein Unterschied. Wer das nicht glaubt, der möge versuchen, einen Beitrag, in dem er die Einvernahme deutscher Universitäten durch den Feminismus kritisiert zu veröffentlichen oder wahlweise ein Forschungsprojekt einreichen, dessen Ziel darin besteht, den Nutzen der wissenschaftlichen Beiträge, die von Genderlehrstühlen produziert werden, zu evaluieren.

Es sieht nicht besonders gut aus, um die Freiheit der Wissenschaft, jenen geflügelten Begriff, mit dem sich immer die Herrscher in Staaten schmücken, die am intensivsten darum bemüht sind, die Freiheit der Wissenschaft einzuschränken oder z.B. durch die Vergabe von Fördermitteln zu kontrollieren oder die Einführung einer Zivilklausel zu verhindern.

ideasaheadDiejenigen, denen die Freiheit der Wissenschaft ein Dorn im Auge ist, sie finden sich immer unter denen, die Heilslehren wie den Feminismus verkünden oder ihre politische Herrschaft zementieren wollen. Beide eint das Bemühen, abweichende Ideen, die die eigene Position in Gefahr bringen oder herausfordern, zu unterdrücken. Vermutlich ist dies der Grund, warum der Feminismus in Deutschland zu einem Staatsfeminsimus geworden ist, der Frauenförderung zur paternalistischen Aufgabe des Staates gemacht hat, mit deren Hilfe es nicht nur möglich ist, Hochschulen zu kontrollieren.

Denn: wer ist eigentlich so naiv zu denken, Frauenförderung an Universitäten würde die intelligentesten Frauen in Positionen befördern? Die intelligentesten Frauen durchschauen, dass sie sich einerseits als Nutznießer von Frauenförderung in eine abhängige Beziehung zu ihrem Förderer begeben und andererseits als entsprechende Nutznießer konstatiert bekommen, dass sie der Hilfe eines väterlichen staatlichen Freundes bedürfen, um überhaupt etwas zu erreichen. Das ist das Gegenteil von Emanzipation und Emanzipation, auch psychologisch als Selbstwirksamkeit beschrieben, ist das, wonach intelligente Menschen streben.

Pazifismus muss man sich leisten können

Ist Pazifismus eine moralische Pflicht?

Evangelische Hochschule BerlinÜber diese Frage soll am 24. Juni 2015 im Audimax der Evangelischen Hochschule Berlin diskutiert werden. Es gehe darum, so Prof. Dr. Anusheh Rafi, Rektor der Hochschule, nachzudenken, ob Gewaltlosigkeit bei so “schwerwiegende[n] Verbrechen”, wie dem von “Hitler-Deutschland ausgehendenTerror und Völkermord” eine angemessene Reaktion ist.

“Sollen Christen auf Gewaltlosigkeit beharren und sich jeder militärischen Aktion enthalten”, so fragt Rafi, “ist Pazifismus eine moralische Pflicht” oder ist Pazifismus eine “verwerfliche Untätigkeit im Angesicht des Leids von Gewaltopfern”, so fragt er weiter.

Die Antworten sollen am 24. Juni in Berlin gegeben werden.

Wer nicht so lange warten will, für den haben wir eine Antwort parat, und zwar unter der Überschrift:

Pazifismus muss man sich leisten können.

Natürlich ist es nobel, pazifistisch zu sein, und moralisch ist es auch. Schon der kategorische Imperativ von Kant trägt den Aufruf zum Pazifismus in sich, immer vorausgesetzt, man ist kein Masochist und sehnt sich danach, Gewaltopfer zu werden.

Was der kategorische Imperativ im Gegensatz zu Anusheh Rafi von der Evangelischen Hochschule in Berlin auch beinhaltet, ist ein klares Bekenntnis zum Individualismus und somit die klare Zuweisung von Verantwortung. Deshalb ist es nicht sinnvoll vom Terror zu sprechen, der von Hitler-Deutschland ausgegangen ist, denn Hitler-Deutschland gibt und gab es nicht. Es gibt Millionen von Deutschen, die sich in den Dienst eines Regimes gestellt haben, die für dieses Regime in den Krieg gezogen sind, für dieses Regime gemordet haben. Jeder für sich und in einer höchst eigenen Entscheidung.

Was wäre wohl aus Adolf Hitler, Joseph Goebbels und Heinricht Himmler geworden, wenn sie nicht auf die bereitwillige Mithilfe derer, die so gerne in Massen aufgehen, hätten bauen können, auf den bejahenden Jubel von Tausenden auf die Frage: “Wollt Ihr den totalen Krieg?”

religion politics warInsofern scheint uns, die Veranstaltung in Berlin in die falsche Richtung zu gehen, denn es hat z.B. pazifistischen Polen nicht viel geholfen, dass sie gegenüber den Soldaten der deutschen Wehrmacht pazifistisch eingestellt waren. Kugeln differenzieren nicht zwischen Pazifisten und nicht-Pazifisten und diejenigen, die die Kugeln auf den Weg bringen, führen vor den entsprechenden Schüssen in der Regel keine Befragung durch.

Wenn man mit einem aggressiven Gegner konfrontiert ist, dann stellt sich nicht die Frage, ob man pazifistisch sein will, es stellt sich die Frage, ob man sich gleich einem Selbstmörder erschießen lässt oder den Kampf mit dem Aggressor aufnimmt.

Man hat, mit anderen Worten, keine Wahl.

So hat das Dietrich Bonhoeffer gesehen, der sich dem Kreis derjenigen angeschlossen hat, die mit dem Attentat auf Hitler, das am 20. Juli 1944 von Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgeführt wurde, die Nazis von der Macht in Deutschland verdrängen wollten. Aber es gibt auch Mahatma Gandhi, der gewaltlos gegen die Britische Besatzung in Indien demonstriert haben soll. Beide repräsentieren für Rafi gegensätzliche Positionen, zwischen denen sich Christen nach seiner Ansicht wohl entscheiden müssen.

Gewaltfreier Protest wird spätestens dann zu einem Problem, wenn wie im Jallianwala Bagh Massaker gewaltlose Demonstranten von (in diesem Fall britischen) Soldaten erschossen werden. Ist das Opfern eigener Anhänger nicht auch eine Form von Gewalt bzw. sind Massaker wie das von Jallianwala Bagh nicht ein Beleg dafür, dass man sich Gewaltlosigkeit und Pazifismus leisten können muss, und – mehr noch – dass diejenigen, die eine Entscheidung zwischen Pazifismus und Gewalt verlangen, behütete und weltfremde Menschen sind, die man besser wegschließt, weil sie in der Realität nur so lange überleben können, so lange die Sonne des Friedens und der Freude auf sie hernieder scheint?

Unsere Antwort auf diese Frage lautet: Ja.

Wie immer, wenn Menschen vor kategorische Wahlen zwischen angeblich Gut und Böse gestellt werden, so so ist auch im Fall von Pazifismus und Gewalt der Wunsch Vater des Gedankens und vielleicht auch die Idee, dass man überzeugte Pazifisten leichter regieren kann als Individuen, die ihr Verhalten davon abhängig machen, wie man ihnen begegnet.

Und das ist der Kern unseres Arguments gegen den bedingungslosen Pazifismus.

Bedingungsloser Pazifismus ist etwas für Kinder, die in einer behüteten Welt aufwachsen und noch nicht bemerkt haben, dass andere nicht nur nett sind. Bedingungsloser Pazifismus ist bei Kindern und Jugendlichen vielleicht verständlich, bei Erwachsenen ist er eine Entwicklungsstörung, die letztlich damit einhergeht, dass der Ursprung von Gewalt, wie dies oben in den Aussagen von Anusheh Rafi deutlich wird, nicht bei anderen Individuen, sondern bei amorphen Systemen oder bei Hitler-Deutschland gesehen wird.

George Orwell on pacifismHitler-Deutschland war aber weder pazifistisch noch war es gewalttätig, denn Hitler-Deutschland ist kein Akteur, der handeln kann. Die Bezeichnung ist ein Kürzel, das all diejenigen umschließt, die sich für die amorphe Masse “Deutschland” engagiert haben, die sich zu treuen Vasallen eines Systems, degradiert haben und ihre Entscheidung in Antizipation dessen, was die Vertreter dieses Systems wohl von ihnen erwarten, getroffen haben.

Wer das nicht glaubt, der kann versuchen, mit Deutschland zu interagieren. Es wird ihm nicht gelingen. Er wird immer, wenn er einen Austausch mit anderen Menschen hat, mit anderen Menschen, mit Deutschen, Dicken, Dünnen, Dummen oder Intelligenten interagieren, nie mit Deutschland.

Entsprechend stellt sich die Frage des Pazifismus als Frage der Interaktion, als Frage, wie man seinem Gegenüber in einer Interaktion gegenübertritt. Soll man ihn sofort anfeinden? Eine Haltung, die man in den Kommentarspalten von Blogs häufig antrifft, oder soll man ihm etwas zu gute halten und ihm eine Kooperation anbieten?

Da menschliche Gesellschaften durch Kooperation überlebt haben, ist die Antwort einfach: zuerst bietet man Kooperation an. Wird das Angebot angennommen, ist es gut, wird es nicht angenommen, dann kann man immer noch draufhauen, wenn es notwendig werden sollte. Wichtig beim Angebot der Kooperation ist, dass das Angebot eine Wahrscheinlichkeit hat, angenommen zu werden. Es macht keinen Sinn, einer schwarzen Mamba Kooperation anzubieten und als Zeichen der Kooperation die Hand zu reichen. Besser man geht der Schlange aus dem Weg, sofern es möglich ist.

Für Pazifismus folgt daraus, dass man anderen friedlich gegenübertreten soll, solange es keine Anzeichen gibt, dass diese anderen diese Geste ausnutzen oder nicht goutieren. Wird das Angebot eines friedlichen Austausches angenommen, ist es gut, wenn nicht, muss man seine pazifistische Haltung aufgeben und sein Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen.

Das ist eine menschliche Grundhaltung, ein Bestandteil der coniditio humana, denn die rechte Backe halten nur Heilige hin, wenn ihnen gerade auf die linke Backe gehauen wurde und Heilige sind deshalb heilig, weil sie für ihren Pazifismus getötet wurden.

Die DDRisierung des Denkens

Als der Kritische Rationalismus von Karl Raimund Popper zum ersten Mal auf den denkenden Teil der deutschen Bevölkerung getroffen ist, war dies wie eine Enthüllung, waren die ganzen Dilemmata, die sich mit dem Versuch, das, was man für richtig gehalten hat, zu bestätigen, auf einmal beseitigt. Fortschritt ohne Widerspruch war möglich.

Das war in den 1960er, den 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre.

RokeachSeitdem hat eine geistige DDRisierung stattgefunden, die man mit Milton Rokeach als “the closing of the mind” bezeichnen könnte. Gedacht wird nur noch, was konform ist. Wahrgenommen wird nur noch, was der eigenen Ideologie oder Gesinnung entspricht. Erklärt wird nur noch, was im Rahmen der eigenen Ideologie erklärenswert erscheint und erklärt werden kann.

Die DDRisierung des Denkens gleicht einem riesigen Verdummungsprogramm, das die Wahrnehmung begrenzen, die Wirklichkeit anpassen und den Erkenntnisfortschritt auf gesinnungskonform trimmen will: Innovation ja, aber nur, wenn sie zur Gesinnung passt.

Ein Markenzeichen dieser DDRisierung des Denken besteht darin, dass Widersprüche nebeneinander bestehen und das, was Generationen von Philosophen als traurigster Zustand erschienen ist, nämlich im Widerspruch zur eigenen Vernunft zu leben, normalisiert wurde, in der Regel dadurch, dass die Vernunft außer Kraft gesetzt wird.

Letztlich ist es eine Frage der Zeit, bis die DDRisierung des Denkens, wie die DDR, die Sowjetunion, Pol Pot oder Pinochet an ihren Widersprüchen zerbrechen wird. Niemand kann im Widerspruch zur Realität leben, nicht außerhalb eines Irrenhauses. Bis es zum großen Knall kommt, wollen wir die Logik dahinter, dass Denk-DDRisierung zu Widerspruch führen muss, aufdecken.

Die Ursache aller Widersprüche besteht darin, dass nach Bestätigung gesucht wird. Wer z.B. eine Behauptung aufstellt, der sucht nicht danach, die Behauptung zu widerlegen, wie dies im Falsifikationismus von Karl Raimund Popper der Fall ist [Der kritische Rationalismus ist nicht nur ein Mittel gegen die DDRisierung, er ist auch ein Mittel, um geistige Gesundheit zu bewahren.], nein, es wird explizit nach z.B. Beobachtungen gesucht, die die eigene Behauptung bestätigen oder zu bestätigen scheinen.

Und hier beginnt das Problem, das Carl G. Hempel bereits vor rund 80 Jahren am Beispiel von schwarzen Raben deutlich gemacht hat.

Nehmen wir den Satz “Alle Raben sind schwarz”.

Offensichtlich ist es nicht möglich, diesen Satz zu beweisen, da niemand in der Lage ist, alle Raben an einem Ort zu sammeln und zu kontrollieren, ob alle Raben schwarz sind – ganz zu schweigen von Raben, die sich auf noch nicht entdeckten Planeten finden könnten.

Allerdings ist es möglich, den Satz zu widerlegen: Ein grüner Rabe genügt, um die Aussage “Alle Raben sind schwarz” als falsch auszuweisen.

Carl G. Hempel hat einen leichteren Weg zur Prüfung der Aussage “Alle Raben sind schwarz” gesucht. Der leichtere Weg führt scheinbar über die Kontraposition:

Alle nichtschwarzen Dinge sind Nichtraben (Wenn alle nichtschwarzen Dinge Nichtraben sind, dann müssen alle Raben schwarz sein).

Um diese Aussage zu prüfen, ist es nicht mehr notwendig, alle Raben auf einen Rabenversammlungsplatz zu beordern, um zu prüfen, ob sie alle schwarz sind. Es reicht, nach Objekten zu suchen, die weder schwarz noch ein Rabe sind.

Popper ProblemloesenWeiße Tischdecken, rote Spinner, blaue Autos und grüne Papageien bestätigen die Behauptung, dass alle nichtschwarzen Dinge Nichtraben sind. Alles, was nichtschwarz und Nichtrabe ist, bestätigt nun die Aussage, dass alle Raben schwarz sind. Es wimmelt geradezu von Beweisen für die Richtigkeit der Aussage.

Das ist so ungefähr der Zustand, in dem sich denk-DDRisierte befinden müssen, Ideologen, die in der Welt nur Belege für ihre Behauptungen sehen und finden.

Nun gibt es jedoch ein Problem mit dieser Art der Suche nach Belegen. Sie führt zu einem Widerspruch, was am Beispiel eines roten Ferraris leicht nachvollziehbar ist.

Offensichtlich bestätigt ein roter Ferrari die Aussage, alle nichtschwarzen Dinge sind Nichtraben und damit die Aussage “Alle Raben sind schwarz”.

Aber nicht nur das: Der rote Ferrari bestätigt auch die Aussage, alle nichtweißen Dinge sind Nichtraben, also: “Alle Raben sind weiß”, was zu der logischen Schlussfolgerung führt:

Schwarz ist weiß.

Damit ist der Denkprozess beschrieben, der Ideologen auszeichnet, sofern man ihn als solchen bezeichnen kann, und es ist deutlich, warum Ideologen unweigerlich Widersprüche produzieren müssen.

Man kann dies auch über den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens argumentieren, denn der rote Ferrari bestätigt eben nicht nur die Aussage, dass alle Raben schwarz sind, sondern auch die Aussage, dass alle Raben weiß sind. Da Ideologen sich auf die Bestätigung dessen versteifen, was für sie richtig ist, fällt ihnen gar nicht auf, dass ihre angebliche Bestätigung Bestätigung für ihre Ideologie und das Gegenteil ihrer Ideologie ist. Es fällt ihnen wegen des als “closing of the mind” beschriebenen Prozesses nicht auf. Die Möglichkeit, dass rote Ferrari auch belegen könnten, dass Raben weiß sind, kommt in ihrer Gesinnung nicht vor.

Da Ideologen Widersprüche nicht lösen, sondern nur ignorieren können, sammeln sie über Zeit immer mehr Widersprüche an. Im Ergebnis werden sie entweder wahnsinnig oder entsagen ihrer Ideologie.

Und deshalb wird die DDRisierung des Denkens über kurz oder lang dahinführen, wo alle Ideologien immer hingeführt haben: Zum großen Knall, zum Ende der Ideologie. Einzig die Frage, wie viele Opfer notwendig sind, bis auch der letzte Ideologe eingesehen hat, dass man nicht gegen die Wirklichkeit anleben kann, ist noch zu klären.

©ScienceFiles, 2015

Unglaublich: Martin Schulz, Präsident des Europaparlaments, gibt Briten Wahlempfehlung

Wer in den 1980er Jahren Politikwissenschaft studiert hat, hatte eine gute Chance, über Dolf Sternberger und seine Schriften zum Politischen zu stolpern. In diesen Schriften hat Sternberger, den man vermutlich besser als politischen Philosophen, denn als Politikwissenschaftler klassifiziert, eine höchst moralische Sicht auf die Politik eingenommen, nicht nur dadurch, dass er die Bewahrung des Friedens als oberstes Politikziel ausgegeben hat, sondern auch dadurch, dass er Werte wie Amtsneutralität, Fairness im Umgang miteinander und Legitimität politischer Entscheidungen in den Mittelpunkt seiner Argumentation gestellt hat, einer Argumentation, wie sie sich z.B. in Büchern, wie dem 1962 erschienen: Grund und Abgrund der Macht. Kritik der Rechtmäßigkeit heutiger Regierungen” findet.

Sternberger MachtNun ist Dolf Sternberger lange tot. Nur noch der Dolf-Sternberger-Preis, den die gleichnamige Gesellschaft wohl al gusto vergibt, denn Kriterien, nach denen der Preis vergeben wird, sind nicht bekannt, erinnert an den ehemaligen Verfassungspatrioten Sternberger.

Die von Dolf Sternberger vertretenen Werte von Fairness im Umgang miteinander, Amtsneutralität oder Legitimität politischer Entscheidung, sie scheinen, wie Sternberger selbst, in Vergessenheit geraten zu sein, wie man täglich aufs Neue am Umgang von Politikern mit ihrer Bevölkerung sehen kann.

Ein besonderes Exemplar, an dem sich der Verlust von politischer Moral und Fairnessvorstellungen aufzeigen lässt, ist Martin Schulz, der seit Jahren das Amt des Präsidenten des Europäischen Parlaments besetzt. Präsidenten von Parlamenten, so will es nicht nur die Tradition, sondern auch der Anstand, sie sind zur Neutralität verpflichtet, zur Zurückhaltung und insbesondere dazu, die Würde des Amtes zu bewahren.

Letzteres ist natürlich ein Problem, setzt die Würde eines Amtes doch die Würde des Amtsinhabers voraus.

Nehmen wir daher die Amtsneutralität, mit der sich geringere Probleme verbinden. Die Amtsneutralität, die z.B. in der Behauptung des Bundeskanzlers, Schaden vom deutschen Volk und nicht nur von den Wählern der CDU/CSU abwenden zu wollen, zum Ausdruck kommt, sie hat zur Folge, dass man als Amtsinhaber zuweilen seinen Mund halten muss, insbesondere hat sie zur Folge, dass man sich nicht in politische Streits oder Wahlen zu Gunsten einer (Streit-)Partei einmischen darf. Im Gegenzug wird z.B. der Präsident des Europäischen Parlaments besser bezahlt als der herkömmliche Europaabgeordnete. Damit ist die Hoffnung verbunden, dass das zusätzliche Entgelt wie eine moralische Verpflichtung, die Würde des Amtes zu bewahren, wirkt – also zumindest die Symbolik, mit der man sich umgibt, soll stimmen.

Nun, wir haben die Rechnung ohne Martin Schulz gemacht. Martin Schulz spielt gerne den Staatsmann, lässt sich gerne in seiner Funktion als Präsident des Europäischen Parlaments ablichten und ansprechen, aber er kann dennoch seinen Mund nicht halten, und vor allem kommt er nicht über seine mangelnde Erziehung zu Fairness hinweg. Weshalb er der Ansicht ist, er müsse sich in den Britischen Wahlkampf einmischen, und zwar mit einer Form der Dachlattensuggestion, die geeignet ist, Briten in Rage zu versetzen (uns mit Sicherheit).

Gegenüber dem WDR/NDR hat der Schulz nach Angaben der Tagesschau Folgendes in Worte gefasst:

Martin Schulz“Wenn David Cameron gewinnen sollte, wird er sein Versprechen eines Referendums halten müssen. Das bringt möglicherweise Großbritannien und die EU in eine sehr schwierige Situation”, warnt EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. […] Schulz fürchtet, dass das Konsequenzen haben könnte: “Er wird davon möglicherweise nicht mehr herunterkommen. Er selbst ist jemand, der in der EU bleiben möchte unter allen Umständen. Und hat sich damit eine Kampfzone eingehandelt, in der er nicht immer Herr des Verfahrens ist. Und das ist für den Premierminister eines so bedeutenden Landes wie Großbritannien schwierig”, sagt der EU-Parlamentspräsident im Interview mit dem WDR/NDR-Hörfunk.”

Also Ihr Briten, wählt Miliband, auch als #EdStone bekannt, denn wenn ihr Cameron wählt, dann wird David Cameron etwas tun, was Martin Schultz unvorstellbar ist: Er wird ein Versprechen, das er Wählern gegeben hat, einhalten und ein Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU abhalten.

Dass ein Politiker ehrlich sein könnte, dass er sich an sein Versprechen halten könnte, das ist Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, offensichtlich vollkommen unvorstellbar und so sinniert er darüber, welche Möglichkeiten es für Cameron dennoch geben könnte, sein Versprechen zu brechen, davon, wie Schulz sagt, herunterzukommen.

Als wäre die Schulzsche Prämisse, dass Politiker nicht zu ihren Versprechen stehen sollen, nicht ehrlich sein sollen, versuchen müssen, von Versprechen “herunterzukommen”, nicht schon ausreichend, wird es noch schlimmer, wenn man die davon bedingte Prämisse betrachtet, die da lautet: Es darf auf keinen Fall ein Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union stattfinden, oder eingeschränkter: Es darf im Vereinigten Königreich auf keinen Fall ein Referendum über den Verbleib in der Europäischen Union geben.

Heftig.

Da stellt sich doch der Präsident des Europäischen Parlaments hin und verkündt in aller Öffentlichkeit deutscher Medien, dass man Bürger auf keinen Fall an Entscheidungen beteiligen darf. Dass es vielmehr notwendig sei, alles zu tun, um die Beteiligung von Bürgern an Entscheidungen zu verhinden. Und war man so unvorsichtig, die Beteiligung von Bürgern an Entscheidungen zu versprechen, dann, so empfiehlt Martin Schulz, muss man versuchen, von diesem Versprechen “herunterzukommen”.

Es ist gut, dass Philosophen wie Dolf Sternberger tot sind und nicht miterleben müssen, wie ihr Traum einer moralischen Politik platzt wie eine Seifenblase und wie sich die realistische Sicht, die Anthony Downs vor gut 60 Jahren entwickelt hat, als die richtige Sicht erweist: Die meisten Politiker sind Opportunisten, die in Wahlkämpfen alles versprechen, um gewählt zu werden und dann, wenn sie gewählt sind, keinerlei Erinnerung mehr haben, was sie versprochen haben oder versuchen, von den Versprechen “herunterzukommen”, wie Martin Schultz es nennt, den man nach allem, was wir hier an Kriterien zusammengetragen haben, wohl als Präsidenten der Opportunisten ansehen muss.

Logik-Rätsel zur Auflockerung

Hier stehen wir und schauen in den Abyss.

Unsere kleine Umfrage zur GDL und speziell zur Frage, ob die GDL eine terroristische Vereiningung ist, hat – wie ein Professor der Soziologie, der zwischenzeitlich emeritiert ist, einmal gesagt hat – Abgründe aufgetan.

Die Frage, ob sich die GDL anhand von vorgegebenen Kriterien, die wir aus der entsprechenden Definition der Europäischen Union entnommen haben, als terroristische Vereinigung qualifiziert, ist eine Frage, die leicht zu beantworten ist.

Man nimmt die Kriterien und prüft, ob die Kriterien anwendbar sind und auf die GDL zutreffen oder nicht.

Aristotle logicDas ist eine formale Aufgabe, die spätestens jeder Fünftklässler beherrschen sollte, wenn er versucht, z.B. Gesetze der Geometrie anzuwenden.

Und es ist eine einfache Frage der Logik, keine Frage, die etwas mit den Inhalten zu tun hat, mithin eine Frage, die man anhand des Verstands und nicht anhand des Gefühls, das sich im Solar Plexus bildet, beantworten muss.

Um die Kenntnisse in Logik, die offensichtlich bei einigen Kommentatoren nicht einmal rudimentär vorhanden sind, zu schulen und zu schärfen, machen wir ein kleines Rätsel.

Im Folgenden gibt es sechs logische Schlüsse in Form von Syllogismen, und die Frage, die sich mit jedem Schluss verbindet lautet: Ist de Schluss richtig oder falsch.

1. Fliegende Häuser (Barbara):

Alle Vögel fliegen.
Alle Häuser sind Vögel.
Alle Häuser fliegen.

Richtig = 100000 Punkte
Falsch = 900000 Punkte

2. Lügende Gewerkschaftler

Alle Gewerkschaftler sind Lügner
Ich bin ein Gewerkschaftler

Paradox (aber richtig) = 10000 Punkte
Blödsinn = 90000 Punkte

3. Funktionäre und Gier (Darii)

Alle Funktionäre sind gierig.
Manche Deutsche sind Funktionäre.
Manche Deutsche sind gierig.

Richtig = 1000 Punkte
Falsch = 9000 Punkte

4. Gewerkschaftler und Verstand (Bocardo)

Manche Gewerkschaftler haben keinen Verstand.
Alle Gewerkschaftler sind Linke.
Manche Linke haben keinen Verstand.

Richtig = 100 Punkte
Falsch = 900 Punkte

5. Gott ist Liebe

Gott ist Liebe.
Liebe ist blind.
Steve Wonder ist blind.
Steve Wonder ist Gott.

Richtig = 10 Punkte
Falsch = 90 Punkte

6. Ich bin blind

Ich bin Niemand.
Niemand ist perfekt.
Gott ist perfekt.
Also bin ich Gott.
Aber: Steve Wonder ist Gott.
Also bin ich Steve Wonder.
Um Gottes Willen: Ich bin blind!

Richtig = 1 Punkt
Falsch = 9 Punkte.

Nun wird es kompliziert:

Addieren Sie die Punkte für die sechs Rätsel und geben Sie die Summe in die Befragung ein.

Die Auflösung kommt bald auf ScienceFiles.

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Konstruktivismus fördert den moralischen Verfall

Werner J. Patzelt ist gerade mit seinem Steckbrief konfrontiert. Der Steckbrief steckt voller falscher Behauptungen und kursiert derzeit an der Universität Tübingen, wo als der “Pegida-Versteher” etikettierte Patzelt demnächst einen Vortrag halten wird.

constructivism IAlexander Ulfig hat in einem Beitrag über den inhärenten Widerspruch, den viele Linke inkorporiert haben und der darin besteht, dass man rechte Gewalt ganz furchtbar findet und linke Gewalt in viel größerem Ausmaß dagegen setzt, diesen inhärenten Widerspruch auf das Fehlen einer ethisch-moralischen Grundhaltung zurückgeführt.

An Universitäten stehen konstruktivistische Ansätze in voller Blüte. Sie zeichnen sich nicht nur durch eine feindliche Haltung gegenüber der Ratio aus, sondern vor allem dadurch, dass sie die soziale Konstruktion von Wahrheit und nicht nur deren Überformung durch die Wahrnehmung, von allem, was Realität ausmacht, behaupten. Entsprechend wird für soziale Konstrukteure alles, Wahrheit wie Realität, zur Verhandlungssache.

Nun ist Wahrheit ein geschundener Begriff.

Betrachtet man ihn zunächst als Begriff, der an einen Bezugsrahmen gebunden ist, dann ist etwas immer mit Bezug auf diesen Rahmen wahr oder falsch. Im Rahmen der Mathematik gilt “25 / 5 = 5″. Insofern das Ergebnis der Berechnung richtig ist, ist die in Anführungszeichen gesetzte Aussage wahr.

Auch im Rahmen des täglichen Lebens kann man Dinge, die wahr sind, leicht entscheiden: Wenn A über B sagt, er sei ein Idiot, und C sagt B, dass A ihn als Idioten bezeichnet hat, dann sagt C die Wahrheit. Daran gibt es nichts zu drehen und nichts zu konstruieren.

Konstruieren kann man eigentlich nur am Rahmen, an Theorien, weshalb Diskussionen über Wahrheit, wenn sie mehr sein wollen als die Diskussion von Offensichtlichkeiten, immer Diskussionen über Theorien, deren Geltungsbereich und deren Bestätigungsgrad sein müssen.

Deshalb sind Genderisten, wenn sie mit ihren 1000 Geschlechtern des Wegs kommen, so lächerlich. Das tägliche für die Fortpflanzung relevante Leben kennt nur zwei Geschlechter. Deshalb wirken Sozialisten, wenn sie ihre Planspiele durchsetzen wollen, so lächerlich, denn dass eine Gesellschaft der Gleichen eine Drohung und kein erstrebenswerter Zustand ist, das ist allen klar, die ein Bild von Menschen als Individuum und nicht als Herdentier haben.

Wenn wir über Wahrheit streiten, dann geht es also immer um den Bezugsrahmen, der das, was wir für wahr halten, vorgibt. Kreationisten, die denken, die Welt sei durch Gott geschaffen, leiten ihre sonstigen Aussagen von dieser Aussage ab. Astronomen und Physiker, die denken, die Datenlage spreche für den Beginn unserer Zeitrechnung in einem Big Bang, gehen eben von diesem aus und beurteilen ihre Aussagen in Bezug auf den Big Bang und der Entwicklung, wie sie sich auf Grundlage physischer Gesetze bzw. von Naturgesetzen rekonstruieren und vorherberechnen lässt.

Popper objektive ErkenntnisDass es zwei Fraktionen wie Kreationisten und Physiker gibt, hat aber nichts damit zu tun, dass Wahrheit konstruiert wäre, wie es Konstruktivisten glauben. Wahrheit ist, wie Karl Raimund Popper einmal gesagt hat, eine regulative Idee: Auch wenn wir nie sicher sein können, dass wir Wahrheit gefunden haben, so brauchen wir die Wahrheit als Kriterium für Wissensfortschritt. Wahrheit wird daher zur Übereinstimmung mit der Realität, wie sie unabhängig voneinander wahrnehmende Akteure zur selben Zeit und am selben Ort und im selben Ausmaß wahrnehmen können.

Und diese regulative Idee haben Konstruktivisten aufgegeben. Für sie ist alles dieselbe Soße. Die Brocken in der Soße ergeben sich aus kommunikativer Übereinkunft. Wir kommen überein, die Brocken als vorhanden anzusehen und ab sofort zu behaupten, dass es 1000 Geschlechter gibt, denn: Alles ist verhandelbar und wird von den Grillen abgeleitet, die diejenigen gerade haben, die, aus welchen Gründen auch immer, ihre Grillen gerade in den öffentlichen Diskurs tragen dürfen oder können. Entsprechend gibt es für Konstruktivisten keine Wahrheit, sondern Wahrheits-Moden. Derzeit halten sie heute die 1000 Geschlechter für wahr, morgen werden sie einen anderen Spleen verfolgen.

Nun stellt sich angesichts der Anhänger, die der Konstruktivismus gefunden hat, die Frage, was so attraktiv daran ist, die Existenz von Wahrheit zu leugnen. Die Antwort kommt dieses Mal aus Israel (aber nicht in Form von 10 Geboten und Steintafeln…).

Dort haben Andrea Pittarello, Margarita Leib, Tom Gordon-Hecker und Shaul Shalvi eine Reihe interessanter Experimente durchgeführt, bei denen es darum geht, die Abhängigkeit von Wahrheit bzw. eher Wahrheitsliebe von bestimmten Situationen zu untersuchen. Es geht also um soziale Situationen und die Frage, wie diese sozialen Situationen bestimmt und bewertet werden können.

Herausgekommen ist, dass in ambivalenten Situationen, also in Situationen, die sich dadurch auszeichnen, dass man nicht sofort erkennen kann, was wahr ist, Lügen häufiger vorkommen als in eindeutigen Situationen. Anders formuliert: Es gibt eine Reihe von Zeitgenossen, die unklare Situationen dazu ausnutzen, ihre eigenen Interessen, ihren eigenen Vorteil zu verfolgen, Zeitgenossen, die nicht über die ethisch-moralische Integrität verfügen, eine sie bevorteilende Lüge zu unterlassen, wenn sie der Ansicht sind, eine Entdeckung dieser Lüge sei nicht wahrscheinlich.

Ambivalenz ist das Kredo des Konstruktivismus, dessen Anhänger geradezu die Unklarheit von Situationen zu zelebrieren scheinen, jedenfalls dann, wenn sie sich davon einen Vorteil versprechen. Ambivalenz wird im Rahmen des Konstruktivismus brachial hergestellt: Dadurch, dass man behauptet, Wahrheit sie das Ergebnis sozialer Verhandlungen (wobei die Wahrheit dieser Behauptung von Konstruktivisten seltsamerweise vorausgesetzt wird…). Der Vorteil dieser Behauptung: Die eigenen Konstruktionen müssen nicht mit der Realität übereinstimmen, und von der eigenen Konstruktion abweichende Positionen, also aus Sicht der Konstruktivisten andere (am Ende falsche?) Konstruktionen, können mit sprachlichen Mitteln und ohne Rücksicht auf die Wahrheit angepöbelt werden.

Das ist die Situation, in der sich Werner J. Patzelt gerade befindet, der sich mit der Realität gegen die falschen Behauptungen “des Gastes (der Autor des Steckbriefes versteckt sich hinter diesem Pseudonym)” wehrt, der in Tübingen einen Steckbrief voller Falschheiten über Patzelt verbreitet.

Die Verleumdung und Diskreditierung von Personen mit anderen Meinugen floriert im Konstruktivismus, denn die Anhänger der unterschiedlichen Sozialkonstruktionen, seien sie Sozialismus-Mystiker, Genderismus-Verklärte oder nachhaltige Klimaretter (Die nachhaltigste Entlastung des Klimas ist übrigens der Selbstmord der um das Klima Besorgten. Die Einsparungen an Folgekosten, die durch die Selbstentsorgung der entsprechenden Existenzen entstehen, sind immens.), diese Anhänger sind bar jeglicher moralischer oder ethischer Erwägungen.

Weder haben Sie moralische Prinzipien noch leben sie eine praktische Ethik, denn: beides ist entscheidbar, ist bindend.

Ethics and importanceD.h.: Wer sich zu bestimmten moralischen Prinzipien bekennt, z.B. zur Fairness, die ausschließt, dass man über Dritte Unwahrheiten in die Welt setzt oder Personen mit anderer Meinung diffamiert, der schließt damit bestimmte Handlungsweisen, die nicht seinen moralischen Prinzipien entsprechen, aus. Steckbriefe, wie der, dem sich Werner Patzelt gegenüber sieht, sind ein Indiz für die Abwesenheit moralischer Prinzipien und ein Indiz für das Fehlen einer praktischen Ethik, denn Ethik meint nichts anderes, als im Einklang mit den eigenen, für sich selbst beanspruchten moralischen Prinzipien, also authentisch und im Hinblick auf die eigenen moralischen Prinzipien wahrhaftig zu handeln.

Das Fehlen einer ethisch-moralischen Grundhaltung, das Alexander Ulfig konstatiert, kann somit auf die willkürliche Herbeiführung von Ambivalenz, wie sie durch den Konstruktivismus erfolgt, zurückgeführt werden, womit auch erklärt wäre, warum die entsprechend Befallenen vornehmlich im Dunstkreis von Hochschulen zu finden sind, blühen doch gerade an Hochschulen in den letzten Jahren Irrationalismen und offen die Rationalität ablehnende Konstruktivismen, wie der Genderismus und der Sozialismus in all seinen Spielformen.

Wie die Kausalität verläuft, ist indes unklar:

Ziehen Ideologien, die behaupten, die Wirklichkeit sei eine ambivalente Brühe, die man nach eigenem Gutdünken interpretieren könne, schwache Persönlichkeiten an, die eine Surrogatidentität suchen, die es ihnen erlaubt, individuelles Nichts und kollektives Etwas zugleich zu sein, wobei die Voraussetzung zum individuellen Nichts darin besteht, keine Moral und keine Ethik, eben keine Person zu besitzen? Oder ist es so, dass sich die entsprechenden Nichtse zusammenfinden, um zum kollektiven Etwas zu transzendieren, das sich dadurch auszeichnen muss, Identität zu verleihen ohne die individuelle Nichtigkeit zu gefährden, ein Kunststück, das nur der Konstruktivismus vollbringen kann?

Wie auch immer die Kausalität verläuft, sie verläuft zwischen individuellem Nichts und kollektivem Etwas.

Zur Studie:

Pittarell, Leib, Gordon-Hecker und Shalvi haben eine Vielzahl von Probanden, regelmäßig zwischen 7 und 40, unterschiedlichen Experimenten unterzogen, mit denen sie u.a. die Frage klären wollten, in welchen Situationen es besonders wahrscheinlich ist, dass ein Proband eine Lüge erzählt. Die Probanden saßen dazu vor Computern, auf denen regelmäßig sechs Würfel an sechs Orten dargestellt wurden. Aufgabe der Probanden war es, jeweils den Wert des Würfels, der sich am nächsten an Ort X befunden hat, zu berichten. Die Probanden erhielten für ihre Teilnahme eine Vergütung in Abhängigkeit vom Würfelergebnis, wobei sie in zwei Gruppen geteilt waren: Die Vergütung in Gruppe A wuchs mit der Höhe der berichteten Augenzahl des Würfels, die sich am nächsten an Ort X befunden hat. Die Vergütung in Gruppe B wuchs mit der Akkuratheit der berichteten Augenzahl des Würfels, die sich am nächsten an Ort X befunden hat. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Probanden in Gruppe A häufiger logen als die Probanden in Gruppe B, was offensichtlich darauf zurückzuführen ist, dass Probanden in Gruppe A einen pekuniären Vorteil mit ihren Lügen erreichen konnten. Das Ausmaß an Lügen stieg in Gruppe A mit der Ambivalenz der dargestellten Ergebnisse: War zwar entscheidbar, welcher Würfel am nächsten zum Ort X lag, die Situation aber insofern ambivalent als ein zweiter Würfel recht nahe bei X, wenngleich weiter entfernt als der erste Würfel lag, dann erhöhte dies die Anzahl der Lügen.

Die Experimente, die Versuchsanordnung und die Daten der Experimente sind hier vollständig dokumentiert. Wer Lust hat, die Ergebnisse der Experimente zu prüfen, der kann dies also tun – was zeigt, Pittarello et al. sind keine Anhänger des Konstruktivismus.

Pittarello, Andrea, Leib, Margarita, Gordon-Hecker, Tom & Shavi, Shaul (2015). Justifications Shape Ethical Blind Spots. Psychological Science. DOI:10.1177/0956797615571018

Sozialismus macht dünn – Freiheit erfordert Verantwortung

auch beim Essen …

Davide Dragone und Nicolas R. Ziebarth haben ein Arbeitspapier veröffentlicht, das überschrieben ist mit:

Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from the East German Transition to Capitalism.

Ein interessantes Arbeitspapier mit einer Reihe von zum Teil bekannten Ergebnissen:

banana revolutionDie sogenannte friedliche Revolution in der DDR hat wohl doch Bananen zur Ursache, wie sich daran zeigt, dass Dragone und Ziebarth eine sprunghafte Zunahme des Konsums tropischer Früchte bei Ostdeutschen von 1989 bis 1991 feststellen. Vielleicht ist es auch die Flucht vor der Kartoffel, die die Ostdeutschen zum Marsch auf dem Leipziger Ring veranlasst hat, denn der Konsum von Kartoffeln ist nach Öffnung der Grenzen zu Westdeutschland stark zurück gegangen.

Der veränderte Konsum ist zukunftsweisend, kreiert eine Gewohnheit, denn auch 1998 und 2005 zeigen Ostdeutsche die Konsummuster, die sie sich 1991 angewöhnt haben und: andere Essgewohnheiten als Westdeutsche.

Nicht ganz unproblematische Essgewohnheiten, wie es scheint, denn:

Nicht nur der Verzehr tropischer Früchte hat sprunghaft zugenommen, auch der Verzehr von Fertiggerichten, deren Attraktivität darin besteht, dass sie die Zubereitung von Speisen vereinfachen und beschleunigen und den Aufwand reduzieren. Davon haben in der Vergangenheit vor allem Ehefrauen profitiert, die die neu gewonnene Freiheit in mehr Körpergewicht investiert haben, wie Cutler, Glaeser und Shapiro (2003) für den Zeitraum von 1970 bis 1990 zeigen.

Offensichtlich muss man lernen, mit der neuen Freiheit, sowohl was die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln als auch das Mehr an Zeit angeht, umzugehen.

Für diese Annahme spricht auch, was Dragone und Ziebarth für Ostdeutsche zeigen können. Nach der Wende haben viele Ostdeutsche ihre Nahrung umgestellt: Deutlich weniger Kartoffeln, mehr tropische Früchte und vor allem: mehr Fertiggerichte und entsprechend: mehr Gewicht, mehr Übergewicht, mehr Adipositas, höhere Cholesterol-Werte, höherer Blutdruck und eine Zunahme von Diabetes (Typ II), und alles im Vergleich zu Westdeutschen.

Daraus kann man schließen, dass der ostdeutsche Sozialismus seine Bürger so ausgedorrt hat, dass sie sich, gleich dem fast Verdursteten, der eine Oase erreicht, auf das Angebot an neuen Waren, das ihnen der Kapitalismus zugänglich gemacht hat, gestürzt haben, es in vollen Zügen und mit vollen Mägen genossen und – wie man im Englischen sagt – dabei overindulged haben.

Das an sich wäre nicht schlimm, ergäbe sich daraus keine Gewohnheit. Aber: Es hat sich für viele Ostdeutsche eine Gewohnheit, eine Essgewohnheit ergeben: Scheinbar aus Angst davor, wieder in den ausgemerkelten Zustand sozialistischer Plan-Leere im Konsum-Laden gestürzt zu werden, hat sich eine “was-man-hat,-hat-man-Mentalität” durchgesetzt, durchaus auf Kosten der eigenen Gesundheit, wie die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth zeigen: Im Gegensatz zu Westdeutschen sind Ostdeutsche dicker, übergewichtiger und kränker, gemessen an den drei Indikatoren von Cholesterolwert, Höhe des Blutdrucks und Diabetes.

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kurz: Sozialismus schafft bei denen, die ihm ausgesetzt sind, Entzugserscheinungen, die der einer Drogenabhängigkeit gleichen. Werden Waren, die im Sozialismus entzogen sind, zugänglich, dann führt dies zu einem entsprechenden Torschlusspanik- und Überkonsum, der sich in einer  Konsumtradition festsetzt, die Auswirkungen auf die Gesunheit der so Konsumierenden hat.

Nicht nur, dass sozialistische Systeme ihren Bürger Konsum vorenthalten, sie machen viele ihrer Bürger auch unfähig, dann, wenn der Sozialismus, wie er das regelmäßig tut und wie man es gerade wieder in Venezuela beobachten kann, an der Realität scheitert, normale Konsummuster und Umgangsweisen mit den Produkten zu entwickeln, die ihnen im Sozialismus vorenthalten waren. Entsprechend ist die höhere Adipositas unter Ostdeutschen eine fortdauernde Folge sozialistischer Unmündigkeit, ein kulturelles Erbe sozialistischer Magerkur.

Daten und Methoden
Die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth basieren auf einer breiten Datengrundlage, nämlich dem nationalen Gesundheitssurvey von 1990 und 1992 (2.160 ost- und 4.390 westdeusche Befragte), der Folgestudie zum Gesundheitssurvey von 1996 (2.216 ostdeutsche und 4.203 westdeutsche Befragte) sowie dem Mikrozensus von 2005 (1% der deutschen Bevölkerung, derzeit rund 380.000 Haushalte und rund 820.000 Befragte). Die Analysen werden zum einen mit subjektiven Selbsteinschätzungen, z.B. im Hinblick auf die Veränderung der Konsumgewohnheiten nach der Wende, zum anderen mit objektiven Maßen, Cholesterolspiegel, Bludruck, BMI durchgeführt. Die Autoren rechnen Regressionsanalysen (OLS) mit unterschiedlichen abhängigen und unabhängigen Variablen.

Cutler, David M., Glaeser, Edward L. and Shapiro, Jesse M. (2003). Why have Americans become more obese? Journal of Economic Perspectives 17(3), 93–118 (und NBER, siehe Link).

Dragone, Davide & Ziebarth, Nicolas R. (2015). Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from East German Transition to Capitalism. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No.8967.