Soziale Ungleichheit macht Kinder glücklich!? In armen Ländern sind die Kinder glücklicher als in Deutschland

Die Umfrageforschung kennt keine Bevölkerungsgruppe, die nicht zumindest ansatzweise erforscht wird. Auch Kinder entgehen den repräsentativen Studien nicht: 53.164 Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren wurden im Auftrag der Jakobs Stiftung für den “Children’s World Survey, 2013-14″ in 15 Ländern, darunter auch Deutschland befragt. Neben Kindern aus Deutschland sind auch Kinder aus Algerien, Kolumbien, Estland, Äthiopien, Israel, Nepal, Norwegen, Polen, Rumänien, Südafrika, Südkorea, Spanien, der Türkei und dem Vereinigten Königreich befragt worden, unter anderem zu Ihrer Lebenszufriedenheit und dazu, wie glücklich sie in den letzten zwei Wochen waren.

Childrens world SurveyKenner der Materie wissen, hier kommen die berüchtigten Satisfaction of Life und Happiness Skalen zum Einsatz, die einen Wertebereich von 0 bis 10 haben. Je zufriedener oder je glücklicher die Befragten (hier: Kinder) sich einschätzen, um so höher der Wert.

Gehen wir einmal konform (einmal!) mit der Mehrzahl der Lebenszufriedenheits- und Happiness-Forscher und unterstellen, die Frage nach der Lebenszufriedenheit und dem Glück in den letzten zwei Wochen, gebe tatsächlich einen Aufschluss darüber, wie die Lebenszufriedenheit bzw. das Glück unter Kindern von 8 bis 12 Jahren in einem Land durchschnittlich verteilt sind, so dass man Vergleiche zwischen den 15 Ländern, aus denen die 53.164 Kinder stammen, die an der Befragung teilgenommen haben, anstellen kann.

Dann kommt man zu den folgenden Ergebnissen:

  • Nur in Südkorea sind die befragten Kinder weniger glücklich als in Deutschland.
  • Nur in Südafrika, Nepal, Polen, dem Vereinigten Königreich und Südkorea sind Kinder mit ihrem Leben als solchem unzufriedener als in Deutschland.

Die Unterschiede sind relativ groß und bewegen sich bei der Einschätzung des Glücklichseins zwischen 9,4 in Rumänien (Wertebereich 0 bis 10) und 7,5 in Südkorea bzw. zwischen 9,5 in Rumänien und 7,6 in Südkorea bei der Einschätzung der allgemeinen Lebenszufriedenheit (siehe Abbildung). Zwischen dem ersten und dem letzten der jeweiligen Skala liegen somit immerhin 19% des Wertebereichs.

Children Happiness

Nun stellt sich die Frage, woran es liegt, dass Kinder in Rumänien, in Kolumbien oder Israel im Durchschnitt glücklicher sind als Kinder in Deutschland?

Vermutlich gibt es jetzt wieder welche, die behaupten, Deutschland sei eine kinderfeindliche Gesellschaft. Einen derartigen Einwurf nehmen wir jedoch erst dann ernst, wenn die entsprechenden Behaupter angeben, wie man “kinderfeindliche Gesellschaft” operationalsieren und messen kann, dann sehen wir weiter.

Einstweilen haben wir die Daten genutzt, die man erheben kann und die auch erhoben wurden, z.B. die Daten zur Ausstattung des kindlichen Lebens mit den Annehmlichkeiten, die zu einem Kinderleben zu gehören scheinen, also:

  • gute Kleidung;
  • Computer;
  • Zugang zum Internet;
  • Mobitltelefon;
  • eigenes Zimmer;
  • Bücher;
  • ein Auto in der Familie;
  • Musikabspielgerät
  • eigener Fernseher

Betrachtet man die Ergebnisse für Deutschland, dann zeigt sich u.a., dass 21% der Kinder angeben, keinen Zugang zu Büchern zu haben, 16% haben keinen eigenen Computer, 11% müssen ihr Kinderzimmer teilen und 8% haben kein Mobiltelefon. Dagegen haben 62% der algerischen Kinder kein eigenes Zimmer, 86% der äthiopischen Kinder haben kein Mobiltelefon, 38% der Kinder in Südafrika keinen Computer, und 29% der Kinder in Kolumbien keine Bücher.

Die durchschnittliche Anzahl der Gegenstände aus der Liste der neun Gegenstände, auf die Kinder in Deutschland verzichten müssen, beträgt 0,8, sie beträgt in Kolumbien 2,4, in Algerien 3,6, in Nepal 4,2 und in Äthiopien 6,3.

Und dennoch sind die Kinder in den angegebenen Ländern glücklicher als deutsche Kinder.

Wir haben die Daten der Jakobs-Stiftung genommen und eine Regression gerechnet: Zwischen dem Ausmaß des Glücklichseins, das Kinder sich zuschreiben, und dem Fehlen von Gegenständen aus der Liste, die oben zusammengestellt ist, besteht ein Zusammenhang von r = 0.25, d.h. je weniger Gegenstände aus der Liste Kinder in ihrem Besitz haben, desto glücklicher sind sie.

Macht soziale Ungleichheit am Ende glücklich und nicht soziale Gleichheit, wie Richard Wilkinson und Kate Pickett in ihrem Buch “The Spirit Level” behaupten?

Testen wir weiter. Dazu haben wir die Daten des HDI, des Human Development Index der UN genutzt. Der HDI beschreibt den Entwicklungsstand eines Landes im Hinblick auf u.a. die Lebenserwartung, den Lebensstandard, den Zugang zu Bildung, die Analphabetenquote usw. Auf dem HDI nimmt Norwegen Platz 1 ein, Deutschland steht auf Rang 6, Äthiopien auf Rang 173, Algerien auf Rang 93, Kolumbien auf Rang 98, um nur einige zu nennen.

Glück HDI KinderWir berechnen abermals eine Regression für die 15 Länder, aus denen die Kinder im Children’s World Survey stammen, und erhalten dieses Mal einen Zusammenhang von r = 0,26 zwischen dem durchschnittlichen Nievau an Kinderglück und dem Entwicklungsniveau: Je schlechter ein Land auf dem HDI abschneidet, je schlechter die Lebensbedingungen, je geringer die Lebenserwartung, je mehr Analphabeten in einem Land vorhanden sind, desto glücklicher sind die Kinder.

Das sagen die Ergebnisse des Children’s World Survey.

Damit deuten die Ergebnisse in eine Richtung, die in modernen Sozialstaaten vollkommen unvorstellbar ist: Die Lebenszufriedenheit und das Glück, das Kinder empfinden, könnte nicht damit zusammenhängen, ob sie mit Designer-Klamotten versorgt werden, ein Mobiltelefon haben und auch ansonsten einen Anspruch auf so ziemlich alles haben, was man als Kind so haben will, warum auch immer. Nein, Glück und Lebenszufriedenheit könnten ganz unabhängig von der Konsumfähigkeit und den vorhandenen finanziellen Ressourcen sein, was ein schwerer Schlag für die Neidindustrie wäre, die uns einzureden versucht, soziale Ungleichheit mache unglücklich und sei nicht etwa ein Ansporn für Kinder, etwas aus sich zu machen.

Unsere Ergebnisse begründen berechtigte Zweifel daran, dass eine gleiche materielle und finanzielle Ausstattung nicht nur von Kindern einen positiven Effekt auf die Lebenszufriedenheit und das Glück von Menschen hat. Letztere, so unsere Hypothese, hängen eher von der Selbstwirksamkeit, von der Möglichkeit, sich als eigenständigen und erfolgreichen Akteur zu erleben, ab, woraus man dann den Schluss ziehen müsste, dass das verregelte Leben in Deutschland Kinder unglücklich macht (samt ihrer Eltern).

Wenn Hänsel sich in den Bundestag verläuft oder: Autoanzünden von Linken erlaubt

Der Idee nach sollen Bundestagsabgeordnete ihre Wähler repräsentieren.

Welche Qualifikationen ein Bundestagsabgeordneter dazu benötigt, ist eine Frage, die nach unserer Kenntnis bislang niemand gestellt hat. So gibt es keine Eingangsprüfung für Bundestagsabgeordnete, keinen IQ-Test, kein Screening der psychologischen Befähigung und keine Einstellungsinterviews.

Wer es schafft, ein Häuflein Delegierter auf einem Landesparteitag hinter sich zu bekommen und auf eine Wahlliste gesetzt zu werden, der hat damit den Eignungstest ganz unabhängig von seinen sonstigen Fähigkeiten, ganz unabhängig von seinem IQ und ganz unabhängig von seiner sittlichen und moralischen Reife bestanden.

HaenselUndGretelHeike Hänsel, die Eltern hat, die keinen Humor zu haben scheinen, sonst hätten Sie sie Gretel und nicht Heike genannt, ist auf diese Weise in den Bundestag gelangt: über die Landesliste Baden-Württemberg der LINKEN. Dort ist sie nun Abgeordnete und vertritt die Wähler ihres Wahlkreises 290: Tübingen, wo immerhin 6,5% Hänsel gewählt haben.

Bislang ist Hänsel nicht weiter aufgefallen. Aber anlässlich von Blockupy hat sie getweetet, und damit ist sie aufgefallen.

Zeugt schon der Analogieschluss zwischen einem politischen Umsturz in der Ukraine und der schlichten Zerstörung von Eigentum unter Inkaufnahme von Personenschäden in Frankfurt nicht unbedingt von viel geistiger Flexibilität oder von so viel geistiger Flexibilität, dass es der Ratio zu viel geworden zu sein scheint, so ist der Redebeitrag, den Hänsel ganz alleine und ohne Gretel im Bundestag gehalten hat, ein Schmankerl, das jedem Wähler nicht nur von Hänsel anempfohlen sei.

Es ist darin viel von Doppelmoral die Rede, Doppelmoral, die für Hänsel darin besteht, dass die deutsche Presse die Bürgerbewegung in der Ukraine, deren Mitglieder unter Lebensgefahr Barrikaden in Brand gesteckt haben, gefeiert hat, während sie die selben Lobeshymnen auf die heldenhaften Anzünder wehrloser Polizeiautos in Frankfurt verweigert.

Ein Unding für Hänsel, das wiederum ein Unding für eine Reihe anderer Abgeordneter darstellt.

Und wie es zugeht, wenn im Bundestag ein Unding vom nächsten Unding begleitet wird, das dokumentieren wir hier in voller Länge, nicht ohne vorab festzustellen, dass unsere Kommentatoren ein Niveau haben, das im Bundestag offensichtlich nicht erreicht werden kann, was wiederum die Frage aufwirft, wen die Abgeordneten im Bundestag eigentlich repräsentieren und welche Kriterien zur Repräsentation herangezogen werden. Fest steht nur: persönliche Integrität, Intelligenz und Moral scheinen es nicht zu sien.



ReichstagRede von Heike Hänsel, MdB, Die Linke

Doppelstandards bei der Berichterstattung über Gewaltanwendung

– Wir müssen jede Form von Gewalt verurteilen –

Danke, Frau Präsidentin! – Herr Innenminister,
Sie haben indirekt meinen gestrigen Tweet erwähnt und eben nicht im Original zitiert. Deshalb möchte ich das tun, weil Sie ihn interpretiert haben, wie so viele in der Presse.
Ich habe wortwörtlich geschrieben:
Stimmungsmache der Presse gegen #Blockupy#. Auf dem Maidan in Kiew waren Rauchschwaden für die Presse Zeichen der Freiheitsbewegung!

(Dr. Thomas de Maizière, Bundesminister: Das macht es nicht besser! – Burkhard Lischka (SPD): Was soll das denn heißen? – Johannes Kahrs (SPD): Das macht es nicht besser!)

Hier kommen wir nämlich zu einer grundsätzlichen Diskussion.

(Thomas Strobl (Heilbronn) (CDU/CSU): Das wird ja noch schlimmer!)

– Könnten Sie bitte zur Ruhe kommen?

(Zurufe von der CDU/CSU: Nein! – Johannes Kahrs (SPD): Bei so viel Unsinn geht das nicht!)

Vizepräsidentin Claudia Roth:
Liebe Kollegen, lassen Sie doch Frau Hänsel ihre Rede beenden.

Heike Hänsel (DIE LINKE):
Das ist sehr bezeichnend für Ihr demokratisches Grundverständnis.

(Volker Kauder (CDU/CSU): Sie kann sich ja zu Wort melden und reden!)

Ich habe die Berichterstattung über Gewaltanwendung verglichen. Hier gibt es eben Doppelstandards.

(Thomas Strobl (Heilbronn) (CDU/CSU): Es ist eine Schande, den Maidan mit Frankfurt zu vergleichen!)

Sie erinnern sich alle: Auf dem Maidan in Kiew wurden brennende Barrikaden gebaut.

(Ulli Nissen (SPD): Was ist das denn für ein Vergleich? – Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Da wurden aber keine Polizisten angezündet!)

Es gab Schlägertrupps des rechten Sektors, die mit Stöcken gegen die Polizei vorgingen. Häuser wurden in Brand gesetzt. Politiker der CDU und der Grünen sind dort hingefahren. Die Presse hat darüber berichtet und diese Gewalt verharmlost.

(Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die haben keine Polizeiautos mit Polizisten drin angezündet, Frau Hänsel!)

Das sind Doppelstandards in der Berichterstattung über Gewalt.

(Sabine Weiss (Wesel I) (CDU/CSU): Das ist ja völliger Blödsinn!)

Das geht nicht. Die Empörung, die Sie hier äußern, ist nicht glaubwürdig, weil Sie selbst diese Doppelstandards haben.
(Volker Kauder (CDU/CSU): Das ist nur noch widerlich!)

Ich kann nur sagen: Ich lehne die Gewalt in Frankfurt ab,

(Ulli Nissen (SPD): Das ist ja toll! Danke schön!)

wenn sie von Demonstranten und Demonstrantinnen ausgeht, ich lehne sie in Kiew ab.

(Ulli Nissen (SPD): Ich bin Abgeordnete! Ich habe gesehen, was in Frankfurt passiert ist!)

Ich lehne auch die Gewalt von Polizisten gegenüber Demonstranten ab. Über 200 Demonstrantinnen und Demonstranten sind verletzt.

(Thomas Strobl (Heilbronn) (CDU/CSU): Unerhört! – Volker Kauder (CDU/CSU): Jetzt ist aber Schluss! Sie sollen einen Redebeitrag machen!)

– Lieber Herr Kauder, ich an Ihrer Stelle würde ruhig sein. Im Rahmen von Stuttgart 21 wurde ein Polizeipräsident zu einer Geldstrafe verurteilt,

(Thomas Strobl (Heilbronn) (CDU/CSU): Jetzt ist aber gut!)

weil er für den Einsatz von Gewalt verantwortlich war.

(Thomas Strobl (Heilbronn) (CDU/CSU): Das ist unerträglich!)

Also müssen wir generell über Gewalt sprechen und sie ablehnen,

(Ulli Nissen (SPD): Angriff auf Kinder im Flüchtlingsheim: Was ist das?)

nicht nur Gewalt von einer Seite. Wir müssen jede Form von Gewalt verurteilen, nicht nur die von einer Seite.

(Beifall bei der LINKEN – Johannes Kahrs (SPD): So viel Schwachsinn habe ich selten gehört!)

Blockupy Verantwortung: Muss der Vizepräsident des Hessischen Landtags zurücktreten?

Mit politischer Verantwortung verbinden sich zwei Probleme: Erstens, man muss sie übernehmen und zweitens, wenn man sie übernimmt, dann hat dies den Verlust einer Einkommensquelle zum Ergebnis, eine Konsequenz, die Politiker, die außer Politiker darstellen, nichts gelernt haben, nicht gerne ziehen. Und so kommt es, dass die meisten weder ziehen noch übernehmen.

Verbreitet ist dagegen eine amputierte Form der politischen Verantwortung. Ein besonders verantwortlicher Träger politischer Ämter erklärt sich dabei bereit, die politische Verantwortung zu übernehmen. Er schultert sie und trägt sie fortan mit sich herum, d.h. so lange, bis sich niemand mehr an die Verantwortungsübernahme oder die Ursache dafür erinnert.

Diese quasi verbale Trägerschaft politischer Verantwortung hat gleich einen doppelten Vorteil: man kann sich als tragfähig erweisen, als wahrer Fels in der Brandung, muss aber, da keine Konsequenzen gezogen werden, nicht befürchten, dass die Übernahme der Veranwtortung eine Einschränkung täglicher Routinen, lieb gewonnener Marotten oder gar der Höhe des monatlichen Einkommens nach sich zieht.

Die Zeiten, in denen ein Willy Brandt politische Verantwortung übernommen hat, und zurückgetreten ist, die Zeiten sind vorbei, spätestens seit Friedrich Zimmermann die Vereinbarkeit von Amt und Meineid bei vorhandenem Unterzucker demonstriert hat.

Heute müssen Politiker nicht mehr zurücktreten, egal, was sie sich geleistet haben.

Nehmen wir z.B. Ulrich Wilken, seit 2008 Mitglied des Hessischen Landtags für die LINKE, Vizepräsident desselben, Mitglied von ver.di und passionierter Motorrad-Fahrer, der Rockmusik mag und der ansonsten derjenige ist, der die Blockupy-Demonstration in Frankfurt angemeldet und damit auf seine Kappe genommen hat.

Blockupy1Wie hinlänglich bekannt, hat die Blockupy Demonstration nach Straßenschlachten zerstörte Polizeifahrzeuge, Verletzte und Schäden in bislang unbezifferter Höhe hinterlassen, was die Frage aufwirft, ob man zur Gewährung des Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit der Allgemeinheit wirklich Kosten in jeder Höhe zumuten muss oder ob man nicht durch eine Art Organisatoren-Haftung die Kosten auf die Verursacher übertragen sollte.

Dessen ungeachtet stellt sich die Frage, ob ein Politiker, der im Hessischen Landtag sitzt, der Vizepräsident des Hessischen Landtags ist, der die Interessen seiner Wähler zu vertreten vorgibt, der aber dazu beigetragen hat, Schäden am Eigentum hessischer Wähler, Schäden am Eigentum des Landes Hessen, Schäden am Grundrecht auf Versammlungsfreiheit und Schäden am Ansehen der Stadt Frankfurt anzurichten, weiterhin als Politiker tragbar ist.

Anders formuliert: Muss der Mann zumindest die politische Verantwortung für die Ausschreitungen bei der von ihm angemeldeten Demonstration übernehmen?

Lebten wir in den 1970er Jahren, die Antwort sie wäre ein klares Ja.

Lebten wir in den 1970er Jahren, die Antwort zöge Konsequenzen in Form eines Rücktritts von allen öffentlichen politischen Ämtern nach sich.

Aber wir leben im Jahr 2015. Im Jahr 2015, da entschuldigt man sich, erklärt, das habe man alles so nicht gewollt und basta.

Und die Allgemeinheit, die bleibt auf dem Schaden und dem Gehalt des Landtagsabgeordneten Wilken sitzen.

Arendt Macht und GEwaltHannah Arendt hat in ihrer politischen Philosophie politische Verantwortung als ein existenzielles Interesse an der Lösung der Probleme der Zeit gefasst und die Notwendigkeit formuliert, zur Übernahme von politischer Verantwortung über die eigenen politischen Ziele hinaus zu treten und die gemeinsamen Belange in einer gemeinsamen Welt hervorzuheben. Politische Verantwortung erschöpft sich für Arendt gerade nicht darin, die eigenen Partikularinteressen durchzusetzen, verlangt vielmehr über diese hinaus zu gehen und seine Handlungen am Gemeinwohl auszurichten.

Das erklärt, warum Ulrich WIlken vorhersehbar keine politische Veranwortung übernehmen und nicht zurücktreten wird: Er erfüllt nicht die Voraussetzungen, um politische Verantwortung übernehmen zu können, denn er kennt offenkundig nur seine partikularen Interessen und hat vermutlich keine Ahnung, was mit einer Ausrichtung am Gemeinwohl gemeint sein könnte.

Der ewige Diener oder: Widerstand von Männern? Bewegung von Männern? Wo?

Dr. habil. Heike Diefenbach hat sich in einem Kommentar gewundert, über Männer gewundert und darüber, was man alles mit Männern machen kann. Die Fragen, die Heike Diefenbach dabei stellt, gehen alle Männer an, denn es sind Fragen, die direkt an das Selbstbewusstsein, den Selbstwert und das Selbstbild von Männern oder solchen zielen, die erfolglos versuchen, wie Männer zu wirken.

Sciencefiles[…] “Ich wundere mich nun schon seit Jahren, um nicht zu sagen: Jahrzehnten, darüber, warum Männer nicht ihre Konsequenzen aus diesem Umstand – und vielen anderen real existierenden, für sie nachteiligen Umständen, ziehen.

Ich verstehe es einfach nicht, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Männerschelte und -benachteiligung deshalb so beliebt und überall verbreitet ist, weil Männer unter den derzeitigen Minderheiten zweifellos die duldsamste sind.

Gab es überhaupt schon einmal eine Demonstration von Männern gegen ihre strukturelle Benachteiligung in Deutschland und anderswo, z.B. gegen die lapidare, gerechtigkeitsverletzende Bemerkung “Frauen werden bei gleicher Eignung bevorzugt”, die es ja nun schon seit langer Zeit gibt und anscheinend von vielen Menschen und eben auch (aus unerfindlichen Gründen) Männern wie eine Normalität akzeptiert wird, oder auch nur gegen die Untätigkeit der Bildungspolitik mit Bezug auf die Nachteile ihrer Söhne in der Schule? Gab es Arbeitsniederlegungen bei Müllmännern und Kanalarbeitern, solange nicht eine Frauenquote von 30% verwirklicht ist? Gab es auch nur entsprechende Petitionen?

Muss man sich wundern, dass man immer weiter und weiter ausgebeutet, beschimpft und benachteiligt wird, wenn man auch angesichts der größten Hämmer nicht tätig wird?

Möglicherweise ist es unter der Würde so manchen Mannes, sich als ausgebeutet, beschimpft und benachteiligt zu betrachten, und das wäre ja die Voraussetzung dafür, damit anzufangen, sich zu wehren. Eine psychologisch schützende Ignoranz ist aber oft eine die eigenen Lebenschancen stark einschränkende Ingnoranz, denn die Realität bleibt die Realität.

So gesehen ist es irgendwie verständlich, dass manche Männer zu der Alternative finden, den nicht ausgebeuteten, bevorteilten weißen Mann zu markieren um den Preis, dass sie sich vor den Karren der angeblich armen, ausgebeuteten, benachteiligten Frauen spannen lassen und als feministische oder genderistische Karrieristen unterwegs sind; so kann man sich doppelt gut fühlen: man setzt sich für die armen benachteiligten Opfer (von wem auch immer) ein, und das kann man deshalb trefflich tun, weil man selbst ja keinerlei Notlagen kennt, keine Benachteiligungen, nichts dergleichen. Kurz: man bleibt der tolle Typ gerade dadurch, dass man den Opfer-Weibchen das Wort redet.

Also, wenn ich ein Mann wäre, dann hätte ich dazu doch etwas (bzw. einiges mehr :-)) zu sagen – und zwar in aller Deutlichkeit …!”

Warum also wehren sich Männer nicht?

Warum gibt es keinen geordneten Widerstand gegen die tägliche Verleumdung durch Medien und Genderisten, die Männer wahlweise als weiße Rassisten, häusliche Gewalttäter beschimpfen? Warum gehen Männer nicht dagegen vor, dass sie als alte Säcke beschimpft werden, die ihre Pfründe in Unternehmen und sonstwo, wo es Führungspositionen gibt, gegen die allzeit fähigen aufstrebenden Frauen verteidigen und letztere absichtlich benachteiligen?

Wo ist der Widerstand, die Mahnwache, die Demonstration der Männer gegen konkrete Benachteiligungen im täglichen Leben, die Männer die schmutzigen und gefährlichen Jobs machen sieht, die Männer häufiger ihr Leben für “ihr Land” oder im Rahmen ihrer Arbeit verlieren sieht?

Wo wehren sich Männer dagegen, dass Milliarden der Steuergelder, die sie erwirtschaftet haben, veruntreut und dazu verwendet werden, Frauen auch ohne Arbeit Rente zu sichern, Frauen die Zeit ihrer selbstgewählten Mutterschaft zu vergüten, Mütter und nicht etwa Väter in Genesungsurlaub zu schicken, Frauen mitzuversichern, Frauen eine Witwenrente zu gewähren und vieles mehr?

Raschke NSMUnd wo ist der Widerstand dagegen, dass mit weiteren Milliarden von Steuergeldern, die im Wesentlichen von Männern erwirtschaftet werden, eine männerhassende Infrastruktur an Universitäten, in Frauenhäusern, in Verlagshäusern, in öffentlich-rechtlichen Medien, in Kindergärten, Schulen, Ministerien und Unternehmen geschaffen wird, deren einziger Zweck darin besteht, gegen den patriarchalischen, rassistischen, sexistischen und bösen weißen Mann Hassreden zu verbreiten und legitimierende Maßnahmen zu finanzieren, die nichts anderes sollen, als den Mythos der Unterdrückung der armen weiblichen Opfer durch die oben beschriebenen weißen, rassistischen und so weiter Männer zu verbreiten?

Forschung zu Sozialen Bewegungen, wie sie z.B. Joachim Raschke durchgeführt hat, zeigt, dass eine Bewegung, wie z.B. die Öko-Bewegung letztlich zwei Hürden meistern muss, um erfolgreich zu sein: Die erste Hürde ist eine Trägheitshürde, die dann überwunden ist, wenn es gelingt, eine erkleckliche Zahl von Personen in einem gemeinsamen Ziel zu vereinen und in der Öffentlichkeit und dauerhaft mit diesem Ziel präsent sein zu lassen. Die zweite Hürde besteht darin, die dauerhafte Präsenz in der Öffentlichkeit dazu zu nutzen, die eigene Bewegung zu institutionalisieren, um nunmehr auf Grundlage fester Strukturen, Einfluss nehmen zu können.

Man sollte meinen, Männer wären aufgrund ihrer Menge in der Lage, beide Hürden zu nehmen. Tatsächlich bleiben sie schon an der ersten Hürde hängen, denn von Einzelkämpfern wie Arne Hoffmann einmal abgesehen und abgesehen von zaghaften Versuchen, eine Bewegung zu institutionalisieren, wie sie Manndat und Agens darstellen, ist wenig an Breitenwirkung zu bemerken.

Statt dessen gibt es institutionalisierte Schmuse-Vereine wie das Bundesforum Männer, das nicht ohne Grund vom Bundesministerium für FSFJ finanziert wird, denn das Bundesforum Männer ist ein Schoßhund, den man schön spazieren führen kann und der auf Kommando Männchen (!sic) macht. Das kommt eher dem Bild einer eingebildeten Männlichkeit, einer jämmerlichen und weinerlichen Männlichkeit gleich, das Heike Diefenbach zum Ende ihres Kommentars beschrieben hat: Damit die angeblichen Männer ein Stück vom Kuchen erhalten, machen sie auf Zuruf Männchen, für Frauchen.

Die zweite, oben beschriebene Hürde kommt gar nicht in den Blick, da die erste noch nicht genommen wurde.

Der fehlende organisierte Wiederstand ist umso erstaunlicher, wenn man die durchschnittliche männliche Karriere, das durchschnittliche männliche Leben im Zeitraffer beschreibt:

  • Ein männliches Leben ist in Deutschland im Durchschnitt um 6,4% kürzer als ein weibliches Leben.
  • Die berufliche Karriere von Männern unterliegt von Anfang an einer institutionellen Diskriminerung:
    • Jungen werden im Durchschnitt später eingeschult, bleiben häufiger sitzen, werden häufiger auf Sonderschulen abgeschoben und erhalten seltener eine Empfehlung für das Gymnasium als Mädchen.
    • Konsequenter Weise sind Jungen häufiger auf Sonder- und Hauptschulen zu finden, machen seltener ein Abitur als Mädchen und sind zwischenzeitlich zu einer Minderheit unter den Erstsemestern geworden.
  • Sonderregelungen, die die Bevorzugung von Frauen garantieren, erschweren Männern den Eintritt in öffentlich finanzierte Positionen, richten z.B. Lehrstühle oder Vorstandsposten exklusiv für Frauen ein.
  • Im Gegensatz zu Frauen können sich Männer nicht dazu entscheiden, sich auf die Aufzucht von Kindern zu spezialisieren und die berufliche Karriere abzuhaken.
  • Dafür bezahlen Männer mit ihren Steuergeldern mehrheitlich die Mutterschaft, die Rentenanwartschaft, die Sozialabgaben, die Urlaube und die Zeit, die hauptberufliche Mütter vor dem Hausfrauenfernsehen verbringen.
  • Im Gegensatz zu Frauen gibt es für Männer keine eigens für entsprechend Willige geschaffenen white collar jobs in öffentlichen Ämtern, bei denen man sich nicht die Hände schmutzig machen muss und während man die Maus über den Bildschirm schiebt, nur aufpassen muss, dass der Nagellack rechtzeitig trocken wird.
  • Dafür haben Männer aufgrund der Berufe, die sie ausüben, eine höhere Wahrscheinlichkeit, bei einem Arbeitsunfall verletzt oder getötet zu werden als Frauen, sie haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit zu erkranken und eine höhere Wahrscheinlichkeit als Invalide zu enden als Frauen.
  • Männer machen häufiger Überstunden, arbeiten in schmutzigen und gefährlichen Berufen (siehe oben) und werden zum Dank als überbezahlt verleumdet, von einer Horde von Opportunisten, die zwar keine Statistik lesen können, aber keine ethischen oder geschweige denn moralischen Probleme damit haben, ein Gender Pay Gap von 22% zwischen Männern und Frauen zu phantasieren.
  • Weil ein weibliches Leben so ungleich wichtiger zu sein scheint als ein männliches, wurde bis vor kurzem die Erforschung von Krebsarten, die Männer befallen, allen voran, der Prostatakrebs vernachlässigt. Es kümmert sich niemand darum, dass die Selbstmordrate unter Männern ein Vielfaches der entsprechenden Rate unter Frauen ist und, last but not least, man hat sich daran gewöhnt, dass Männer eben früher sterben als Frauen.

Das männliche Leben, wie es sich hier darstellt, erinnert an schlechte Romane, in denen der Held an Bord des untergehenden Schiffes bleibt, um seiner Angebeteten den letzten freien Platz auf dem Rettungsboot zukommen zu lassen.

ArneMan sollte meinen, dass Männer von ihrem Leben mehr erwarten, als sich für das Leben anderer, die ihnen als wichtiger vor die Nase gesetzt werden, hinzugeben.

Man sollte erwarten, dass Männern etwas zu ihrer systematischen Benachteiligung in einer männerfeindlichen Gesellschaft einfällt.

Sollte man.

Aber man sollte auch erwarten, dass Minderbemittelte nicht an Universitäten Lehrstühle besetzen oder in Parlamente gelangen.

Warum also wehren sich Männer nicht?

Die Sozialpsychologie stellt mit der Theorie kognitiver Dissonanz eine Möglichkeit bereit, die Untätigkeit von Männern zu erklären. Heike Diefenbach bezieht sich auf diese Theorie, wenn sie ausführt, dass Männer es anscheinend nicht mit ihrem Selbstwert vereinbaren können, dass sie ausgenutzt, verleumdet, betrogen und diskriminiert werden. Also versuchen sie, ihre psychische Welt wieder ins Lot zu bringen, dadurch, dass sie verleugnen, dass sie ausgenutzt, verleumdet und diskriminiert werden und dadurch, dass sie, wie die Bundesmänner vom Forum, eine willig dienende Haltung einnehmen, um sich vorlügen zu können, sie wären trotz allem, die tollen Typen, die zu sein, sie sich erträumen oder, um im Bild zu bleiben, sie könnten jederzeit verweigern, Männchen zu machen, wenn Frauchen ruft. Nicht, dass sie das jemals getan hätten, aber sie könnten es theoretisch, wenn sie wollten … und nicht vor den inzwischen als gesetzliche Tatsache geschaffenen Folgen Angst hätten.

Von einem weiblichen Redakteur von ScienceFiles stammt das Bonmot, dass sich Männer nur bewegen, wenn es um ihre Vorhaut geht. Es ist Zeit dass sie merken, es geht um mehr als die Vorhaut, es geht um ihre Haut.

Habermas pervertiert: Das Syndrom der Einweg-Kommunikation

Die Zeichen dafür, dass wir Zeitzeugen eines Kulturkampfes sind, mehren sich.

Nein, wir reden nicht von den kindischen Gören, die feieren, dass sie es geschafft haben, Unternehmen eine Frauenquote zu zumuten. Unternehmen, denen die Kosten für diesen Unsinn zu groß werden, werden einfach ihren Hauptsitz verlegen und den Aufsichtsrat gleich mit, am besten in die USA oder ins Vereinigte Königreich oder nach Katar, denn dort wird der Zoo noch von den Wärtern regiert.

Nein, wir reden von der Wissenschaft, von Hochschulen in Deutschland, Hochschulen, die vermehrt zum Gegenstand ideologischer Unterwanderung gemacht worden sind, was vor allem in den Sozialwissenschaften dazu geführt hat, dass der Konsens darüber, was Wissenschaft ist, welche Methode sie begründet, welche Anforderungen an Wissenschaftlichkeit gestellt sind und welche Kriterien Aussagen erfüllen müssen, damit sie als wissenschaftlich gelten können, zerstört wurde.
Popper Grundprobleme
Ideologen haben sich auf die Stellen von Wissenschaftlern geschmuggelt und versuchen von dort aus, ihre Heilslehren an den Mann zu bringen.

Bislang haben sie das weitgehend ungestört tun können.

Doch langsam regt sich Widerstand.

Warum? Weil es selbst nach 20 Jahren Genderismus in Deutschland noch Wissenschaftler gibt, die ihre Tätigkeit ernst nehmen, die Argumente austauschen und Erkenntnis gewinnen wollen, die etwas über die Realität lernen wollen und ein Wissen über die Realität aufbauen wollen, was den Austausch mit derselben voraussetzt.

Es ist anhand weniger Kriterien, die wir als Syndrom der Einweg-Kommunikation gefasst haben, leicht, Ideologen von Wissenschaftlern zu unterscheiden.

Syndrom der Einweg-Kommunikation das Ideologen auszeichnet Wissenschaftliche Methode
Es werden Behauptungen aufgestellt, aber es wird nicht begründet, warum die Behauptungen zutreffen sollen. Die Behauptungen, die aufgestellt werden, werden mit einer Begründung versehen, die die Richtigkeit der Behauptungen belegen sollen.
Es werden keinerlei Bezüge zur Realität hergestellt, um die Begründungen von Behauptungen zu verankern. Veilmehr sollen Behauptungen mit neuen Behauptungen belegt werden. Die Begründungen von Behauptungen haben einen Bezug zur Realität, stellen eine Aussage über die Realität auf.
Behauptungen werden mit dem Anspruch auf Wahrheit aufgestellt. Behauptungen werden aufgestellt, um Probleme zu lösen.
Die behaupteten Wahrheiten sind nicht prüfbar. Die Aussagen, die Behauptungen stützen sollen, können überprüft werden.
Die behaupteten Wahrheiten muss man glauben, denn Gründe, warum man sie glauben kann, werden nicht genannt. Die Aussagen, die Behauptungen stützen, können nachvollzogen und geprüft werden.
Die behaupteten Wahrheiten können sich nicht als falsch erweisen. Die Aussagen, die Behauptungen stützen sollen, können sich jederzeit als falsch erweisen.
Es kann nicht gelernt werden, weil die Wahrheit schon bekannt ist. Es wird ständig gelernt, weil Aussagen, die sich bei Prüfung als falsch erweisen, neue Probleme aufwerfen, die abermals durch Konfrontation mit der Realität gelöst werden müssen.
Eine Verständigung mit Personen, die die behauptete Wahrheit nicht teilen, ist nicht möglich. Eine Verständigung mit Kritikern begründeter Behauptungen ist jederzeit möglich. Kritik kann sich jederzeit als richtig oder falsch erweisen, je nachdem, zu welchem Ergebnis die Prüfung von Aussagen, die Behauptungen begründen sollen, führt.
Erkenntnis ist nicht das Ziel, sondern Offenbarung, Offenbarung der Wahrheit, in deren Besitz man sich wähnt. Erkenntnis ist das Ziel, was voraussetzt, dass man sein Wissen ständig überprüft und es der Gefahr, sich als falsch zu erweisen, aussetzt.

Vergleicht man die wissenschaftliche Methode in der rechten Spalte der Tabelle mit dem Syndrom der Einweg-Kommunikation in der linken Spalte der Tabelle, dann wird klar, warum wir das Syndrom “Syndrom der Einweg-Kommunikation” genannt haben, denn Ideologen, die sich an Universitäten eingenistet haben, bleibt keine andere Möglichkeit, als den Mund zunächst weit aufzureißen und zu hoffen, dass sie mit lautem Geschrei alle vermeintlichen Kritiker verschrecken können, um auf diese Weise Nachfragen aus dem Weg zu gehen.

science-and-ideologyNachfragen müssen sie aus dem Weg gehen, denn sie haben keine Antworten. Sind sie z.B. mit Warum-Fragen konfrontiert, mit der Notwendigkeit eine nachvollziehbare Begründung für ihre Behauptungen zu geben, dann zeigt sich sehr schnell, dass sie das nicht können. Alles, was sie können, erschöpft sich in dem Versuch, Kritiker abzuschrecken und Kritik, kommt sie dennoch, zu verunglimpfen oder, wenn sie sich das nicht trauen, zu ignorieren.

Die Methode, Kritiker abzuschrecken, ist immer dieselbe, schon weil es nicht so viele Möglichkeiten gibt, zu versuchen, Kritiker mundtot zu machen: Ideologen versuchen immer, sich und ihre Position als moralisch überlegen darzustellen, um auf diese Weise Kritiker in eine Ecke der Verderbtheit stellen zu können. Modern ist zur Zeit die Ecke des Rechtsextremismus. Früher war die Ecke der jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung die Verderbtheit der Wahl.

Zuweilen klappt dieser Versuch, moralische Überlegenheit für sich vorauszusetzen, nicht. Dann gibt es im Arsenal der Ideologen nur zwei mögliche Reaktionen: eine (abermalige) Diffamierung dessen, der es wagt, die heilige Lehre zu kritisieren. Diese Methode bringt das Risiko mit sich, dass man sich abermals als der outet, der keinerlei Vorstellung davon hat, was eine Begründung ist, wie man sich sachlich und gesittet auseinandersetzt usw. Kurz: Die Gefahr als Ideologe dazustehen, ist sehr groß.

Die zweite Methode ist die Methode des Aussitzens, des Schweigens und Hoffens, dass die Kritik von alleine verschwindet und man nicht preisgeben muss, dass man als Ideologe auf einer Position sitzt, die Wissenschaftlern vorbehalten ist.

Allein die Tatsache, dass Ideologen sich mittlerweile in der Klemme sehen, zwischen den beiden genannten Methoden wählen zu müssen, ist ein Erfolg der Kritiker, derjenigen, die wie wir auf ScienceFiles nicht müde werden, Begründungen einzufordern und die Ideologen bloß zu stellen.

Entsprechend ist das Schweigen der Ideologen nicht nur ein Beleg dafür, dass wir es mit Ideologen zu tun haben, die sich auf wissenschaftliche Positionen geschlichen haben, es ist auch ein Beleg dafür, dass die entsprechenden Ideologen sich in der Defensive befinden.

Ideologen in diese Defensive zu bringen, ist der erste Schritt auf dem Weg, sie aus der Wissenschaft zu vertreiben.

Der zweite Schritt besteht darin, den Druck aufrecht zu halten und die Ideologen bei jeder Gelegenheit als Ideologen erkennbar zu machen.

Weil dieser zweite Schritt so wichtig ist, freuen wir uns, dass Prof. Dr. Werner Patzelt ihn auch gegangen ist. Leser von ScienceFiles werden sich erinnern, dass Prof. Dr. Patzelt von Lehrstuhlbesetzern, Dozenten und Studentenvertretern aus seinem Fachbereich angefeindet wurde, weil er versucht hat, in der Öffentlichkeit ein korrektes Bild der PEGIDA-Teilnehmer zu präsentieren, ein Bild, wie er es aus seinen Forschungsergebnissen (die nachprüfbar und falsifizierbar sind) entnommen hat.

Werner patzeltPatzelt hat versucht, mit denjenigen, die ihn angefeindet haben, einen Dialog zu führen. Sie haben sich geweigert. Sie haben auch keinerlei Anstalten gemacht, ihre eigenen Behauptungen zu belegen oder gar die von ihnen für falsch gehaltenen Aussagen von Patzelt zu überprüfen. Sie haben, wie dies in der linken Spalte der Tabelle oben dargestellt ist, behauptet und Behauptungen mit weiteren Behauptungen begründet und dann, wenn sie aufgefordert wurden, eine nachvollziehbare und prüfbare Begründung für ihre Behauptungen zu liefern, gekniffen. Seitdem sind sie auf Tauchstation und schweigen. Und Patzelt ist, wie gesagt, den zweiten Schritt gegangen und hat die Sprachlosigkeit derjenigen, die ihn anfeinden wollten, dokumentiert.

Hervorragend!

Und wir nutzen die Gelegenheit, um auf eine Reihe anderer Sprachloser hinzuweisen.

Sabine Hark und Paula Irene Villa, die beide Lehrstühle für GenderXY besetzen, schweigen immer noch. Sie haben offensichtlich keinerlei Antworten auf Fragen, die die wissenschaftliche Fundierung ihrer von Steuerzahlern finanzierten Tätigkeit betreffen. 

Der gesamte Vorstand der DGS schweigt noch immer. Die darin Versammelten haben ganz offensichtlich keinerlei Problem damit, dass nachgewiesen wurde, wie männliche Bewerber auf Professuren im Fach Soziologie gegenüber weiblichen Bewerbern diskriminiert werden.

©ScienceFiles

Bundesregierung über PEGIDA: Keine Gefahr für die öffentliche Ordnung

Eine Kleine Anfrage der LINKEN zu PEGIDA, LEGIDA und all den anderen GIDAs hat gerade eine Antwort durch die Bundesregierung erfahren, der man eine Reihe interessanter Informationen entnehmen kann, und zwar darüber, wie ein Phänomen, das im Wesentlichen auf Dresden begrenzt ist, durch die Medien zu einer Bedrohung der öffentlichen Ordnung aufgeblasen wurden, die den Bestand Deutschlands in Frage gestellt haben soll.

Gleich vorweg das interessanteste aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der LINKEN:

BT18-4068

  • PEGIDA Teilnehmer sind friedlich und keine Kriminellen:
    “Die Veranstaltungen der PEGIDA und ähnlichen Aktionsformen verliefen überwiegend störungsfrei. Nur in Einzelfällen kam es im Rahmen von Konfrontationen mit Gegendemonstranten und Anhängern dieser Strömungen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Anbetracht der zum Teil erheblichen Anzahl von Demonstranten wurden bisher jedoch verhältnismäßig wenige Straftaten mit Bezug zu den jeweiligen Veranstaltungen festgestellt.”
  • PEGIDA ist keine Gefahr für die öffentliche Ordnung
    “PEGIDA und ähnilche Aktionsformen [stellen] bislang keine Gefahr für die in der Frage genannten Schutzgüter dar”. Bei den Schutzgütern handelt es sich um die öffentliche Ordnung, den Frieden im Lande und das friedliche Zusammenleben der Völker oder Deutschlands Ansehen im Ausland.
  • Die Bundesregierung kann bei PEGIDA Anhängern scheinbar keine berechtigten Anliegen erkennen, denn auf die entsprechende Frage reagiert die Bundesregierung ausweichend wie folgt. “Die Bundesregierung beschäftigt sich völlig unabhängig von den Forderungen der PEGIDA und ähnlichen Aktionsformen fortlaufend mit den gesamtgesellschaftlich relevanten Themen, die manchen dieser Forderungen zugrunde liegen. Dies gilt insbesondere für die derzeitigen Herausforderungen im Bereich Aysl und Migration”.
    Diese Antwort muss man dann wohl so interpretieren, dass die Bundesregierung keinen Grund sieht, die Anliegen von PEGIDA in irgendeiner Weise aufzugreifen, denn die Forderungen von PEGIDA, die die Bundesregierung nicht für irrelevant hält (“manche dieser Forderungen”), die hat die Bundesregierung sowieso schon in Bearbeitung. Das nennt man dann wohl Responsivität nach Art der Bundesregierung. Wir nehmen von Bürgern auf, was nicht irrelevant ist, aber was nicht irrelevant ist, das bearbeiten wir sowieso schon, so dass wir auch nichts Relevantes aufnehmen müssen.

Es folgt der unvermeidliche Fragenwust zur Beteiligung von rechtsextremen Gruppierungen an PEGIDA, LEGIDA und all den anderen GIDAs. Was mit derartigen Fragen erreicht werden soll, wir wissen es nicht, jedoch wissen wir, dass PEGIDA durch die Bundesregierung weitgehend ein Unbedenklichkeits-Attest im Hinblick auf rechtsextreme Unterwanderung ausgestellt wurde.

Wichtig sind die Daten, die in der Antwort der Bundesregierung veröffentlicht werden und die wir aus diesem Grund hier wiedergeben, zeigen sie doch, dass PEGIDA außerhalb von Dresden kaum Fuss gefasst hat und dass sich der ganze Medienhype der den Untergang des deutschen Abendlandes wie wir es kennen, beschworen hat, im Nachhinein als Popanz entpuppt, der in einer Weise aufgeblasen wurde, die einen vermuten lässt, dass die Trennlinie zwischen linker Ideologie und Hysterie fließend ist.

Bislang ist uns keine Kleine Anfrage bekannt, in der sich eine im Bundestag vertretene Fraktion danach erkundigt, ob die Gegendemonstrationen gegen PEGIDA, LEGIDA und sonstige GIDAs linksextrem unterwandert oder ob die entsprechenden Gegendemonstrationen von Linksextremen geplant und organisiert wurden. Auch kennen wir keine Kleine Anfrage im Bundestag, in der nach den Straftaten gefragt wird, die Gegendemonstranten begangen haben. Aber das kommt sicher noch, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat – oder?

Hier nun die Aufstellungen über die Orte, Zeiten und die Anzahl der Teilnehmer an PEGIDA und anderen Versuchen, Menschen auf die Straße zu bekommen.

GIDAs1
GIDAs2

Öffentlich-rechtliche Brandstifter: Logische und psychologische Einblicke in die Berichterstattung

Ganz klar: Die Anschläge in Kopenhagen haben einen islamistischen Hintergrund!

Das war schon nach kurzer Zeit geteiltes Wissen der deutschen Medien. Warum? Nun, der Anschlag galt einer Veranstaltung in einem “Kulturcafé im wohlhabenden Kopenhagener Stadtteil Österbro” und den Teilnehmern einer . Diskussionsveranstaltung mit dem Titel “Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit”.

Ich war eine DoseWer, wenn nicht Islamisten sollte sich eine derartige Veranstaltung überfallen, an der auch Lars Vilks, seines Zeichens Kartoonist, der noch heute davon zu leben scheint, Mohammed im Jahre 2007 als Hund dargestellt zu haben, teilgenommen hat?

Anschließend so berichten die Printmedien im selben Wortlaut: “fielen dann Schüsse vor einer Synagoge in der Hauptstadt. Dabei wurden ein Mann getötet und zwei Polizisten verletzt. Polizisten erschossen wenig später den mutmaßlichen Attentäter.”

Wer, wenn nicht Islamisten sollte Synagogen überfallen und dort Menschen erschießen?

Der Rückschluss von der Tat bzw. dem Tatobjekt auf den Täter, er liegt deutschen Journalisten sehr nahe, so nahe, dass man fast von einem Reflex sprechen könnte, wenn man es behavioristisch erklären wollte. Träfe die behavioristische Erklärung, nach der bestimmte Taten den “das-waren-Islamisten-Reflex” bei Journalisten auslösen, zu, dann könnte man Journalisten durch entsprechende Reflex-Maschinen ersetzen, denn das, was Journalisten einst auszeichnete, nämlich dass sie recherchieren und nicht alles, was dpa in die Welt setzt, ungeprüft und wortgenau abdrucken, das gibt es nicht mehr und somit gibt es auch keine Notwendigkeit mehr, Journalisten zu beschäftigen, es sei denn, man will vortäuschen, dass recherchiert wird.

stimulus responseAus sozialpsychologischer Sicht ist der Rückschluss von der Tat auf den Täter ein interessantes Phänomen, zeigt er doch ein Framing, das es in ähnlicher Weise bei deutschen Journalisten gibt, wenn es um Feminismus oder Homosexualität geht. So wie für viele deutsche Journalisten Kritik am Feminismus nur von Rechtsextremen und Kritik an Homosexualität nur von Homophoben geäußert werden zu können scheint, so muss alles, was sich gegen einen Kartoonzeichner, der einmal Mohammed als Hund dargestellt hat, zu richten scheint, alles, was sich gegen Meinungsfreiheit zu richten scheint, alles, was sich gegen Juden zu richten scheint, die Wirkung der Ursache “Islamistischen Terrors” sein.

Offensichtilch sind Journalisten gar nicht mehr in der Lage, andere Ursachen als einen “islamistischen Hintergrund” zu berücksichtigen. Dass ein Geheimdienst versucht, seinem Ministerpräsidenten ein Forum zu verschaffen, um eine internationale Operrolle zu kreieren, von der er zu profitieren glaubt, dass es Trittbrettfahrer geben könnte, die mit Islamismus so viel zu tun haben, wie der Chefredakteur der ARD, dass es die unterschiedlichsten Motive für Anschläge geben könnte, die zu denselben Ergebnissen führen, das ist deutschen Journalisten nicht vorstellbar.

Sie sind auf Islamismus programmiert und funktionieren nur im Modus Islamismus. Wer sich noch an die Zeiten von Schallplatten erinnert, der kennt das Phänomen einer Nadel, die in einer Rille hängen geblieben ist. Dieses Phänomen beschreibt den deutschen Journalismus in Teilen sehr gut: Er ist hängen geblieben in der Rille des Islamismus. Journalisten sehen überall Islamismus. Alles, was ihnen irgend wie zu passen scheint und sie aus unerfindlichen Gründen bzw. aus Gewohnheit mit Islamismus assoziieren, wird im Rahmen von Islamismus interpretiert. Anderes ist nicht vorgesehen, ganz so, als wollten deutsche Journalisten mit Gewalt herbeischreiben, dass alles, was schlecht ist, nur vom Islamismus, wenn nicht vom Islam ausgehen kann.

So stark ist der Frame der geistigen Selbstbeschränkung, innerhalb dessen Journalisten in Deutschland zu arbeiten scheinen, dass nicht einmal falsifizierende Informationen zur Kenntnis genommen werden. So steht bei der ARD Folgendes zu lesen:

islamistischer Hintergrund“Der mutmaßliche Täter hatte am Samstagnachmittag Dutzende Kugeln auf ein Kulturcafé abgefeuert, in dem eine Debatte zum Thema “Kunst, Gotteslästerung und Freie Rede” stattfand. Dabei wurde ein Gast getötet. Der Angriff galt vermutlich dem schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks, der die Veranstaltung organisiert hatte – deshalb wurde rasch ein islamistischer Hintergrund vermutet. Vilks überlebte den Anschlag äußerlich unbeschadet, genau wie der ebenfalls anwesende französische Botschafter.”

Der mutmaßliche Täter, so ist zum Zeitpunkt, zu dem dies geschrieben wurde, bekannt, ist gebürtiger Däne. Das sollte eigentlich ausreichen, um “den Islam”, der das heutige Äquivalent für “die Juden” der Geschichte ist, als das, was im oben beschriebenen Reflex regelmäßig als Ursache von Anschlägen ausgemacht wird, auszuschließen. Nicht bei der ARD. Dort ist man resistent gegen Fakten und veröffentlicht die zitierte Passage unter der Zwischenüberschrift:

“Vieles spricht für einen islamistischen Hintergrund”

Das Bedürfnis, hier etwas zusammen zu biegen, ist so stark, dass vorhandene Fakten, selbst wenn sie gerade berichtet wurden, ignoriert werden, um das eigene Vorurteil aufrecht erhalten zu könnne. Dieser Versuch, mit einer kognitiven Dissonanz zu leben, kann zwei Ursachen haben: Absicht oder Dummheit. Ist der Versuch, eine Verbindung herzustellen, wo keine ist, Absicht, dann muss man im vorliegenden Fall vom journalistischen Versuch der Brandstiftung sprechen, der in kaum etwas entsprechenden Versuchen im Stürmer nachsteht. Ist der krampfhafte Versuch, eine Verbindung zwischen Islamismus/Islam und dem Attentäter in Kopenhagen herzustellen, Dummheit, dann ist es der Öffentlichkeit nicht mehr länger zuzumuten, als Mülleimer für die Ergüsse dummer Journalisten zu dienen.

In jedem Fall ist der Versuch, eine Verbindung beizubiegen, wo keine ist, ein logischer Fehlschluss. Das sollte eigentlich ausreichen, um die entsprechenden Journalisten zu diskreditieren. Aber in einem Zeitalter, in dem logische Fehlschlüsse Feste feiern, ist einer mehr nur ein weiterer Ausdruck für den geistigen Niedergang.

Beim angesprochenen Fehlschluss handelt es sich um den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens.

Das Schulbeispiel, an dem der Fehlschluss deutlich gemacht wird, lautet:

  • Wenn es regnet, dann ist die Straße nass.
  • Die Straße ist nass.
  • Also hat es geregnet.

Selbst Schulkinder sind in der Lage zu verstehen, dass der Schluss “Also hat es geregnet” ein Fehlschluss ist, denn es gibt mehr Ursachen für eine nasse Straße als Regen.

Da selbst Schulkinder diesen Zusammenhang zu verstehen im Stande sind, sollte man von Journalisten verlangen können, dass sie den folgenden Fehlschluss unterlassen:

Logik f dummies

  • Islamisten haben schon einmal Anschläge auf Synagogen und auf Islamkritiker verübt.
  • Es gab einen Anschlag auf einen Islamkritiker und eine Synagoge.
  • Also haben Islamisten diesen Anschlag verübt.

Der Fehlschluss ist so offensichtlich, dass man sich fragt, warum man überhaupt ein Wort darüber verlieren muss, warum Journalisten nicht selbst auf die Idee kommen, dass es noch andere Personengruppen außer Islamisten (wer auch immer sie sein mögen) geben kann, die ein Interesse an einem Anschlag haben, der Synagogen oder Islamkritiker zum Ziel hat, ein Interesse, das z.B. darin besteht, den oben beschriebenen Reflex nebst zugehörigen Framings bei Journalisten, die einfachster logischer Schlüsse nicht fähig sind, auszunutzen. Gruppen wie Geheimdienste, der Mossad fällt hier ein. Aber man muss gar kein politisches Komplott annehmen, es soll Amokläufer geben, die ganz ohne “islamistischen Hintergrund” auskommen, eine Tatsache, die an den Redakteuren der ARD vorbeigeht, obwohl sie regelmäßig über die Amokläufer in den USA berichten, dann natürlich im Belehrungs-Frame: “Seht Ihr, das kommt davon, wenn man Waffenbesitz zulässt”, und der hat keine Verbindung zum “islamistische Attentäter-Frame”.

Es gibt Demokratietheoretiker, die sehen in Medien die vierte Gewalt, eine Kontrollinstanz in der Demokratie, die die anderen drei Gewalten von Exekutive, Legislative und Judikative kontrolliert ……………………………………………………………………

Weiter sind wir nicht gekommen, vor Lachen!

Wir sind schon die Guten: Politikwissenschaftler streiten über Pegida

Das Problem mit der Meinungsfreiheit besteht darin, dass sie genutzt wird. Sie wird genutzt von Personen mit der falschen Meinug und in der Öffentlichkeit. Das Problem mit der Demonstrationsfreiheit ist dasselbe: prinzipiell nutzen die Falschen sie und laufen durch die politisch korrekt benannten Straßen im Muster-Deutschland, mit falschen Transparenten, falschen Slogans und in falscher Anzahl. Deshalb muss man die falschen Demonstranten, die ein Recht missbrauchen, um ihre falsche Meinung zum Ausdruck zu bringen, mundtot machen, sie zum Schweigen bringen, von Straßen verscheuchen, sie so abschrecken, dass sie sich nicht mehr ins Freie trauen.

PegidaSo ungefähr kann man die Auseinandersetzung mit dem Phänomen “PEGIDA” zusammenfassen. So als hätten die Verwalter der guten, korrekten und vor allem richtigen Meinung nur auf PEGIDA gewartet, so haben sie sich in den letzten Wochen zusammengefunden, um das Recht wahrzunehmen, das sie den Teilnehmern der Pegiden verweigern: Das Recht ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen und gegen PEGIDA zu demonstrieren.

Nur wenige haben sich im öffentlichen Konzert der Entrüsteten getraut, darauf hinzuweisen, dass die Prinzipien einer Demokratie es vorsehen, dass sich auch Menschen mit Meinungen, die derzit nicht als politisch korrekt gelten, äußern. Das gerade ist der Witz an der Demokratie, die die Anti-Pegiden, die für Weltoffenheit demonstrieren, angeblich verteidigen wollen: dass jeder seine Meinung frei und ohne Angst in der Öffentlichkeit sagen darf, dass er dafür Gehör findet und, noch schlimmer, dass er mit seiner Meinung ernst genommen wird, sie zum Ausgangspunkt dessen wird, was man gewöhnlich eine Diskussion nennt, an deren Ende ein Konsens steht.

War es nicht die Ikone der Linken, Jürgen Habermas, der diese Idee der kommunikativen Demokratie entwickelt hat?

Und ausgerechnet die Linken verweigern diese Kommunikation. Das tun sie nicht erst, seit es PEGIDA gibt. Sie tun es gegenüber der AfD, sie tun es an Universitäten, wo immer sie eine Meinung entdecken, die aus ihrer Sicht rechts ist (was grundsätzlich alles ist, was von ihrer Meinung abweicht), bestreiten sie denen, die diese Meinung äußern, das Recht auf Gehör, durch Trillerpfeifen, durch Skandieren, durch das Anzünden fremden Eigentums und sonstige Formen der Gewalt.

Man muss entsprechend feststellen, dass viele Linke, die PEGIDA das Recht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit absprechen, die Grundidee der Demokratie, die sie angeblich verteidigen, nicht einmal entfernt verstanden haben.

Wir argumentieren hier formal, nicht inhaltlich. Das kann man gar nicht oft genug wiederholen, denn mit der Trennung zwischen beiden, haben viele Deutsche und Linke insbesondere, ein Problem. Im Klartext: Wir stimmen mit dem meisten Inhalten von PEGIDA nicht überein, aber das ändert nichts daran, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Versammlungsfreiheit auch für PEGIDA gilt.

Wird damit begonnen, Ausnahmen zu machen, Grundrechte bedingt und nicht unbedingt zu verteilen, dann ist das Ende des Deutschen Demokratischen Versuchs erreicht. Dann passiert, was Werner J. Patzelt in der FAZ vor einigen Tagen so trefflich beschrieben hat: Dann stehen sich Freund und Feind auf der Straße gegenüber, das Gegenüber wird moralisch verkommen und als rechts oder links eingeordnet, Verständigung ist nicht mehr möglich und damit keine Demokratie:

Werner patzelt“Zwar muss ein politischer Feind nicht moralisch böse oder ästhetisch hässlich sein; doch es motiviert schon sehr, wenn er das auch noch ist. Kunstvolle Feindbildpflege befeuert dann den Streit. Man selbst gehört natürlich zu den Anständigen, sonst zöge man ja nicht in den Kampf. Und so begegnet auf Dresdens Straßen der hässliche und böse Feind den Guten. Pegida zeigt zwar schöne Fahnen, doch No-Pegida spielt die bessere Musik. Und hat auch das stolzere, das der eigenen moralischen Überlegenheit absolut sichere Gefühl. Derlei Selbstempfinden scheint nach besonders klarem Ausdruck zu verlangen. Wohl deshalb sind, wo immer sie aufeinandertreffen, Antipegidisten viel lauter als die Pegidianer. Zudem wird bei No-Pegida stilvoll „gerufen“, bei Pegida aber stillos „gebrüllt“. So wenigstens liest man es anderntags in der Zeitung.”

Patzelt bewegt in seinem Beitrag für die FAZ ein Gedanke, der uns auch seit Jahren beschäftigt: Wie will eine Demokratie überleben, in der Meinungen durch das Etikett “rechts” aus dem öffentlichen Diskurs gedrängt werden können, in der Medien die entsprechenden Meinungen diskreditieren oder einfach nur totschweigen und in der kein Diskurs stattfindet? Patzelt kommt in seinem Beitrag zu der Metapher des Vulkans, ein Tanz auf dem Vulkan scheint uns das noch etwas bessere Bild.

Nun ist Patzelt einer der wenigen Wissenschaftler, die nicht nur öffentlich eine vom Mainstream abweichende Meinung vertreten, sondern mit dieser Meinung auch Gehör finden. Das wiederum gefällt 12 Mitglieder des Instituts für Politikwissenschaft der Technischen Universität Dresden, an dem Patzelt Gründungsprofessor ist, nicht. Sie haben eine Stellungnahme verfasst, die ein altes Problem der Politikwissenschaft in Worte fasst.

Das Problem lässt sich wie folgt formulieren: Manche betreiben Politikwissenschaft, die Wissenschaft von der Politik, andere frönen dem irrigen Glauben, sie wären politische Wissenschaftler. Erstere sind am Phänomen der politischen Ordnung und seiner Erforschung interessiert, letztere an der Gestaltung der politischen Ordnung in ihrem Sinne. Erstere sind Wissenschaftler, Letztere sind Ideologen.

Warnung-an-PEGIDAUnd als Ideologen haben sie eine Stellungnahme mit dem Titel “Wer trägt die Verantwortung für die Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas in Dresden?” verfasst. Darin wenden sie sich gegen Patzelt und seine These, dass es Demokraten nicht ansteht, Meinungen, die ihnen nicht passen oder Demonstrationen, die sie nicht mögen, niederzuschreien und inszenieren sich als Gute, die “auch denen eine Stimme … geben [wollen], die sich aufgrund ihrer Hautfarbe, ihres Aussehens oder ihrer Kleidung, montags nicht mehr auf die Straße trauen”.

In Anlehnung an Faust kann man hier formulieren: “Die Behauptung hör ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube”. Es ist ein alter Trick sozial Engagierter, die ihren eigenen Selbstwert daraus gewinnen, dass sie sich eine Gruppe suchen, deren Mitglieder nicht so öffentlich präsent sind, wie die anderer Gruppen, um dieser Gruppe zu helfen, für sie einzutreten, gegen einen imaginären Feind, und faktisch auch für eine imaginäre Gruppe, denn die meisten der guten Menschen, die für Weltoffenheit demonstrieren, kämen nie auf die Idee, neben einen anerkannten Asylbewerber aus dem Sudan zu ziehen oder sich mit Türken zum Back-Gammon zu treffen.

Stellungnahme-Mitarbeiter Powi Dresden stellungnahmeUnd während die Motive der PEGIDA-Mitläufer durch mittlerweile vier Befragungen erforscht wurden, weiß niemand so richtig, was die Anti-PEGIDianer motiviert. Entsprechend muss behauptet werden und zugeschrieben, z.B. dass in Dresden lebende Migranten “spätestens seit Beginn der Pegida-‘Spaziergänge’ mit offenem Misstrauen oder Feindseligkeit” begegnet wird.

Eigentlich diskreditiert sich eine Allaussage wie diese von selbst, denn es gibt bislang kein empirisches Erhebungsinstrument, das es garantieren würde, die Meinung in der Grundgesamtheit (hier alle Migranten in Dresden) zu befragen. Also muss man schon hier feststellen, dass die Behauptung Unsinn ist. Vermutlich sind manche Migranten durch PEGIDA verunsichert, während andere das nicht sind. Schwerer als dieser Unsinn in Form einer Behauptung wiegt jedoch, dass diejenigen, die ihn aufstellen, Politikwissenschaftler sein wollen, aber eben nicht sind, denn sie sind politische Wissenschaftler, d.h. sie besetzen eine Position in der Wissenschaft zu politischen Zwecken.

Dies ist offenkundig, denn: Wissenschaftler stützen ihre Aussagen auf Fakten und begründen sie. Dagegen ist von Politikern bekannt, dass sie das Blaue vom Himmel herunter behaupten, ohne sich um die Fakten zu kümmern. Wissenschaflter, Politikwissenschaftler insbesondere, sind der Erforschung der Grundlagen eines demokratischen Miteinanders verpflichtet und somit einem inhärent wertfreien, weil formalen Gegenstand. Deshalb ist es ihnen wurscht, ob sie PEGIDA oder BÄRGIDA oder Anti-PEGIDA untersuchen, denn es geht um Kriterien, nicht um Bewertungen. Letztere stehen bei politischen Wissenschaftlern im Vordergrund. Sie wollen nicht forschen, sondern bewerten. Sie wollen nicht Erkenntnis gewinnen und auf deren Grundlage Konsequenzen für die politische Ordnung ableiten, sondern die politische Ordnung nach ihrer Vorstellung, dem, was sie für richtig halten, umbauen. Sie sehen sich “in der Pflicht, Diskriminierungen auch in Form des bürgerlichen Engagement entgegenzutreten”.

Albert WerturteilsstreitUnd so ehrsam wie dieses Ansinnen sein mag, so wenig hat es mit Politikwissenschaft zu tun, schon eher mit einer politischen oder politisierten Wissenschaft. Und um den Unterschied noch einmal ganz deutlich zu machen: Das Problem mit den Aktivisten auf wissenschaftlichen Positionen besteht darin, dass sie nicht zum unabhängigen Forschen im Stande sind, wissen sie doch in der Regel schon vorab, welches Ergebnis das richtige, das Ergebnis ist, dass politisch korrekt oder gut oder befreiend oder anti-diskriminierend oder was auch immer ist. Sie sind einfach nicht an Wissenschaft interessiert, sondern daran, ihre Meinung als die richtige zu behaupten. Dies hat jedoch weder etwas mit demokratischen Grundwerten noch etwas mit Wissenschaft zu tun. Entsprechend sind diese politischen Wissenschaftler doppelt fehl am Platz, denn sie haben nichts mit Wissenschaft zu tun und sie haben nichts mit Demokratie am Hut.

Um so wichtiger sind richtige Wissenschaftler wie Werner J. Patzelt, die gegen alle Widrigkeiten, ihren Job als Politikwissenschaftler ernst nehmen.

Die Politikwissenschaft lebt

Politikwissenschaft ist nicht nur Werner J. Patzelt, auf dessen Schultern die ganze Last der Außenwirkung der deutschen Politikwissenschaft zu ruhen scheint.

Deutsche GPOwi2Aber es scheint nur so, denn es gibt sogar eine Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft, ein etwas ergrauter und altehrwürdiger Verein, der sich sogar im Internet findet. Nun ja, sagen wir, bei der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft hat man sich damit angefreundet, dass man, wenn man mit der Zeit gehen will, eine Präsenz im Internet benötigt, dass man die entsprechende Präsenz auch nutzen kann, um sich zu präsentieren und eine Homepage nicht aufbauen muss, wie ein eng beschriebenes Din-A4-Blatt, das hat sich noch nicht so richtig herumgesprochen.

Aber,  Politikwissenschaftler zeichnen sich gewöhnlich nicht dadurch aus, dass sie ihrer Zeit voraus sind oder gar auf der Höhe ihrer Zeit (wenn man Patzelt einmal ausnimmt), und insofern muss man schon staunen, dass die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft es überhaupt geschafft hat, eine Internetpräsenz zu erstellen – wenn die Präsenz jetzt noch gewartet und regelmäßig aktualisiert würde (“Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft – zuletzt aktualisiert am 17.09.2013″)  – ganz neue Welten täten sich auf.

Apropos neue Welten: Wir fragen uns schon länger, wo eigentlich die Vertreter der Politikwissenschaft sind, wenn es darum geht, Phänomene der derzeitigen politischen Ordnung zu untersuchen, z.B. den Einfluss von Verbänden kleiner Minderheiten auf die Politik (Wir finden es immer noch verwunderlich, dass LSTB oder LSBT oder wie die Verbände der Schwulen, Lesben und sonstigen Xen sich akronymisieren mögen, es nicht nur schaffen, Schulbücher zu gestalten, sondern sich auch als Profiteur von Gesetzen zu installieren vermögen).

Ein anderes Thema, das in den Zuständigkeitsbereich von Politikwissenschaftlern fallen würde, wäre die Analyse der Steuermittel, die von Parteien dazu missbraucht werden, um Parteisoldaten und allerlei Unsinn über ihre Ableger, die politischen Vereine zu finanzieren, die sich in einer Variante des modernen Etikettenschwindels “politische Stiftungen” nennen.

Auch eine Netzwerkanalyse der Profiteure staatlicher Gender-Förderung wäre sicherlich ein sehr lohnendes Unterfangen, schon weil auf diese Weise deutlich würde, wie viele Milliarden in welchen Löchern verschwinden – ganz zu schweigen von der Kosten-Nutzen Analyse, die man über die Subventionierung von Genderphobia durchführen könnte.

Das sind nur die Themen, die uns ad-hoc einfallen.

Leider ist Politikwissenschaftlern bislang nichts zu diesen Themen eingefallen.

political-science-for-nerdsAber dennoch scheint sich die deutsche Politikwissenschaft zu bewegen. Nicht nur gibt die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft über ihre Internet-Präsenz gelegentliche Zuckungen von sich, die man als Lebenszeichen interpretieren kann, es gibt gar eine “Nachwuchstagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft“, was es voraussetzt, dass es Nachwuchs gibt. Noch ein Lebenszeichen!

Die Nachwuchstagung hat “Emotionen in der Politik. Politisches Handeln zwischen Affektivität und Rationalität” zum Titel – etwas sperrig und nicht unbedingt konkret, so dass man nicht wirklich weiß, worüber der Nachwuchs hier diskutieren will,

  • darüber, dass im Bundestag immer öfter geweint wird, z.B. wenn eine grüne Tante ganz traurig darüber ist, dass Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz verletzt werden;
  • oder darüber, dass Wähler zu Wutbürgern werden, wenn sie sehen, wie Politiker sich selbst bereichern und mit welchem irrationalen Unsinn sie das, was sie als Politik bezeichnen, rechtfertigen wollen;
  • oder darüber, dass Politikwissenschaftlern, die noch eine beliebige Demokratietheorie in ihren Vorlesungen gehört haben, die Tränen in die Augen steigen, wenn sie sehen, wie demokratisch nicht einmal entfernt legitimierte Akteure wie die EU-Kommission das Leben von einigen Millionen Europäern bestimmen, ganz zu schweigen von den Geld-Hazardeuren in der EZB.

Ein näherer Blick auf die Titel der Vorträge, die am 23 Juli in Mülheim an der Ruhr gehalten werden sollen, zeigt, dass es unter dem politikwissenschaftlichen Nachwuchs Zweifel daran gibt, dass der deutsche demokratische Versuch noch ein rationaler, argumentativer Versuch zur Demokratie ist. Die Zweifel nagen sich am Problem der Gefühle fest, den Affekten, mit denen man so trefflich spielen kann.

Man sagt z.B. X in Y sei rechtsextrem, und schon läuft eine Meute von linken Berufsdemonstranten durch Y um es X so richtig zu zeigen. Wahlweise zeigen es die linken Helden auch unbeteiligten Kleinwagen und Schaufensterscheiben, also den Insignien des Klassenfeinds.

Oder, wie wäre es mit den Emotionen, die man damit anrühren kann, dass man alles in einen Topf wirft? Kritiker von Genderismus und Rechtsextreme, Islam, Muslime, al-Qaeda, Saudi Arabien und Islamismus, demonstrierende Bürger und Homophobie, demonstrierende Bürger und Ausländerfeindlichkeit oder Islamophobie usw.

DGfP NachwuchstagungNun, die genannten Varianten der Instrumentalisierung von Emotionen, um diejenigen, die sich mit einem Nasenring aus Emotionen durch die Manege führen lassen, durch eben selbe zu führen, sie sind nicht Gegenstand der Nachwuchstagung.

Vielmehr wird kritisch analysiert, welche Bedeutung Emotionen und Identitäten im EU-Wahlkampf haben. Erinnert sich noch jemand an den EU-Wahlkampf? Gab es überhaupt einen? Es wird die globale Kooperation zwischen Affekt und Vertrauen analysiert, was ermutigend ist, legt es doch den Schluss nahe, hier fragt sich jemand, ob Politiker gute Gründe für ihr Verhalten haben oder al gusto reagieren, weil ihnen gerade danach ist.

Und schließlich wird noch nach der Affektivität des Politischen und dem Wert einer affekttheoretischen Perspektive gefragt. Sofern es sich dabei um die Frage danach handelt, warum es in Deutschland möglich ist, dass sich Akteure ohne konkrete Kenntnisse und nur durch Appelle an Emotionen in Positionen halten können, und warum es Bürger gibt, die nicht nach Gründen und rationalen Argumenten fragen, sondern auf emotionale Reize reagieren, dann sollte uns das freuen (vielleicht kann uns Benjamin C. Seyd ja sein Skript schicken…), und zwar so sehr, dass wir im Affekt soweit gehen würden, die Politikwissenschaft nicht nur als lebend zu bezeichnen, sondern als Relevantes erforschend.

P.S. Es handelt sich um ein post-humes Lebenszeichen, denn der Nachwuchskongress fand letztes Jahr statt…

Politik der Furcht – The Politics of Fear

Die PanikmacherIn der Weimarer Republik gingen die nationalsozialistische SA und die Trupps von KPD und linken Splitterparteien auf die Straßen und dort aufeinander los. Gestritten haben sie über ideologische Positionen, die sie als fern voneinander eingeschätzt haben, obwohl sie beide zwei Merkmale miteinander geteilt haben: Intoleranz und Hass auf den jeweils anderen.

In der derzeitigen Republik, die leider keine Bonner Republik mehr ist, sondern eine Berliner, gehen Gruppen von Menschen auf die Straße, die sich voreinander und vor Dritten fürchten. Die einen inszenieren ihre Furcht vor Zuwanderern, die letztlich die alte amorphe Angst vor dem Fremden ist. Die anderen inszenieren ihre Furcht vor den Fremden-Ängstlichen, die letztlich dieselbe Angst vor dem Fremden ist. Die Definition von “fremd” ist entsprechend relativ, Ausländer oder Kulturfremder für Erstere, Inländer und Rechter für Letztere.

Der Hochgesang auf die Furcht, der das rationale Fundament auf dem allein Demokratie möglich ist, durch ein irrationales Fundament ersetzt hat, wurde von Politikern über Jahrzehnte durch ihre Politik der Furcht, in der sie Furcht für ihre politischen Zwecke benutzt haben, eingeübt. Sie sind nun mit den Geistern konfrontiert, die sie selbst gerufen haben – und wäre es nicht so traurig, weil die Geister den vier Reitern der Apokalypse gleichen, nur dass Sie nicht das Ende der Erde einläuten, sondern das Ende eines weiteren deutschen Versuches, demokratisch zu sein oder besser: zu erscheinen, befürchten lassen, man müsste darüber lachen.

Kaum einer hat diese Politik der Furcht besser beschrieben als Frank Furedi, den wir deshalb ausführlich zitieren wollen:

Furedi_Politics of fear“The absence of political purpose and clarity about the future continually encourages the cultural sensibility that we describe as the conservatism of fear. In public life the sensitivity is often experienced as the politics of fear. In recent years it has become common for one group of politicians to denounce their opponents for practising such politics.
The tern ‘politics of fear’ contains the implication that politicians self-consciously manipulate people’s anxieties in order to realize their objectives. There is little doubt that they do regard fear as an important resource for gaining a hearing for their message. Scare tactics can sometimes work to undermine opponents and to gain the acquiescence of the electorate. […]
The politics of fear is rightly seen as a manipulative project that aims to immobilize public dissent. It is that, but it is also the mantra with which a disconnected elite readily responds in the circumstances of its isolation. […]
Since 9/11, politicians, business, advocacy organizations and special interest groups have sought to further their narrow agendas by manipulating public anxiety about terror. All seem to take the view that they are more likely to gain a hearing if they pursue their arguments or claims through the prism of security. […]
Fear has become the common currency of claims in general. Health activists, environmentalists and advocacy groups are no less involved in using scare stories to pursue their agenda than politicians devoted to getting the public’s attention through inciting anxieties about crime and law and order. In fact the narrative of fear has become so widely assimilated that it is now self-consciously expressed in a personalized and privatized way. In previous eras where the politics of fear had a powerful grasp – in Latin America dictatorships, Fascist Italy or Stalin’s Soviet Union – people rarely saw fear as an issue in its own right. Rather, they were frightened that what happened to a fried or neighbour might also happen to them. They were not preoccupied with fear as a problem in an abstract sense. Today, however, public fears are rarely expressed in response to any specific event. Rather, the politics of fear captures a sensibility towards life in general. The statment ‘I am frightened’ is rarely focused on something specific, but tends to express a diffuse sense of powerlessness. […]
Politics has internalized the culture of fear. So political disagreements are often over which risk the public should worry about the most. Politics in Europe is currently dominated by debates about the fear of terror, the fear of asylum seekers, the fear of anti-social behaviour, fears over children, fears concerning food, fear about health, fears over the future of Europe. […]
And yet the politics of fear could not flourish if it did not resonate so powerful with today’s cultural climate. Politicians cannot simply create fear from thin air. Nor do they monopolize the deployment of fear; panics about health or security can just as easily begin on the Internet or through the efforts of an advocacy group as from the efforts of government spin doctors. […] The reason why the politics of fear has such a powerful resonance is because of the way that personhood has been recast as the vulnerable subject. In an era where the ethos ‘there is no alternative’ prevails, there is little need for an omnipotent state to remind us of our lack of power. The state of diminished agency is one that disposes people to interpret events through the prism of anxiety and fear. And if vulnerability is indeed the defining feature of the human condition, we are quite entitled to fear everything. […]
Although the politics of fear reflects a wider cultural mood, it did not emerge on its own accord. Fear has been consciously politicized. […]
The politicization of fear is inextricably linked to the process of exhaustion and demoralization noted before. Societies that are able to project a positive vision of the future do not need to employ fear as a currency in public life. […]
There is now a considerable body of opinion that regards fear as a positive asset for gaining moral consensus in society. […]
The tendency to regard fear as possessing considerable potential for supporting social solidarity and moral renewal has a powerful presence within the cultural and political elites. The Holocaust has been turned into an all-purpose symbol that is regularly used by campaigners to support a variety of different causes.[…]
The belief that social solidarity is far more likely to be forged around a reaction against the bad than around the aspiration for the good exercises a strong influence over politicians, opinion makers and academics. Instead of being concerned about the destructive consequences of the mood of anxiety and fear that afflicts the public, many social theorists regard these as sentiments that can be harnessed for the purpose of forging social cohesion. The German sociologist Ulrich Beck believes that the threat of global terrorism has this potential. He believes that “in an age where trust and faith in God, class, nation and progress have largely disappeared humanity’s common fear has proved the last – ambivalent – resource for making new bonds. […] Unfortunately, the attempt to turn fear into a positive asset has the effect of normalizing it. […]
It is important to realize that the representation of fear as an instrument of solidarity does not simply mean an accommodation to the existing state of affairs. It also represents a call for its perpetuation. From this perspective, scaring the public is represented as an act of civic responsibility.[…]
The management of public anxiety is now systematically pursued by public officials and campaigns dedicated to the task of ‘raising awareness’. In a cultural climate where fear has become both politicized and normalized, campaigners committed to raising awareness do not simply exaggerate, they self-consciously promote what they consider to be ‘good lies’.[…]
The defence of the ‘good lie’ or the ‘greater truth’ is invoked when the inflated stories peddled by campaigners devoted to raising awareness are exposed to the public. ‘Children will die before their parents’, warned the British House of Commons Health Select Committee report on obesity in 2004. To raise awareness of this danger, the report highlighted the case of a three-year-old girl, who was presented as the youngest known death from obesity due to her parents’ failure to feed her properly. When her doctor complained this was a lie, the girl’s obesity being a result of a genetic defect, some advocates of the report refused to apologize. As far as they were concerned it was legitimate to make small mistakes in the interest of the greater truth. A similar approach is adopted by some campaigners committed to raising awareness about global warming. Stephen Schneider, a climatologist, justified the distortion of evidence in the following terms: ‘Because we are not just scientists but human beings as well .. we need to … capture the public imagination’. He added that ‘we have to offer up scary scenarios, make simplified dramatic statements, and make little mention of any doubts that we have’. […]
The precondition for effectively countering the politics of fear is to challenge the association of personhood with the state of vulnerability. Anxieties about uncertainty become magnified and overwhelm us when we regard ourselves as essentially vulnerable. Yet the human imagination possess a formidable capacity to engage and learn from the risks it faces. Throughout history, humanity has learnt from its setbacks and losses and has developed ways of systematically identifying, evaluating, selecting, and implementing option for reducing risks. There is always an alternative, and whether or not we are aware of the choices confronting us depends on whether we regard ourselves as defined by our vulnerabilities or our capacity to be resilient” (Furedi, 2006: 123-141).