Der Maskulismus

Kennen Sie den Maskulismus? Der Maskulismus ist ein neues Gespenst, das in Deutschland umgeht. Der Maskulismus steht im Bündnis mit dem Patriarchat, er ist wahlweise rechtsradikal, rechtsextrem, manchmal kommt er rassistisch oder migrantisch daher, zuweilen sammelt er Frauenhasser auf und in jedem Fall ist der Maskulismus ein einträgliches Zubrot für all diejenigen, die ihn erfinden, um über ihn schreiben zu können, angebliche Expertisen zum Beispiel.

ismUnd hier ist es gut, dass der Maskulismus ein “ismus” ist, wie der Rechtsextremismus, der Sozialismus, der Kommunismus, der Liberalismus, wie alle ismen, die man in der Realität nicht findet. Deshalb muss man über “ismen” schreiben, weil man “ismen” konkret nicht finden kann – oder haben Sie schon einmal einen Rechtsextremismus in Aktion gesehen? Vermutlich werden manche, die ihr Auskommen mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus erzielen, nun einwenden, dass es Fremdenhass gebe, dass Rechtsextreme entsprechende Meinungen in Wort und Schrift verbreiten, Meinungen, die wiederum diejenigen, die den Rechtsextremismus bekämpfen, erst als Rechtsextremismus etikettieren müssen. Das ist das Schöne am Rechtsextremismus, man schafft ihn erst durch Interpretation, um ihn dann bekämpfen zu können.

Ismen kommen nur in der Welt der Worte und Gedanken vor, sie bilden einen ideologischen oder weltanschaulichen Background, vor dem gehandelt wird. Und erst jetzt wird es interessant. Rechtsextremismus ist so harmlos wie Feminismus, so lange nicht auf Grundlage beider Externalitäten für Dritte produziert werden. Was den Rechtsextremismus gefährlich macht, ist – wenn jemand, der sich für rechtsextrem hält, weil er eine ihm vorgegebene Definition übernimmt, einen Menschen anderer Hautfarbe nur deshalb verletzt, weil er anderer Hautfarbe ist. Das ist dann wie im Feminismus, in dem Menschen nur deshalb diskriminiert und in ihren Berufschancen verletzt werden, weil sie das falsche Geschlecht haben, weil sie männlich sind. In ihren menschenverachtenden Auswirkungen geben sich Feminismus und Rechtsextremismus nichts. Wie alle Ideologien sind sie genau dann gefährlich, wenn sie gegen Dritte durchgesetzt werden sollen, die die Ideologie nicht teilen.

Deshalb ist der Liberalismus die einzige humane Ideologie, denn Liberale wollen Dritten nichts aufzwingen, sie achten und bewahren die Räume, in denen freie Entscheidung stattfindet, ganz im Gegensatz zu anderen Ideologien und ganz im Gegensatz zu denen, die sich liberale Paternalisten nennen und doch nur Sozialisten in Maske sind.

Im Grunde gibt es nur Menschen mit Interessen. Der Einfachheit halber kann man – wie wir vorschlagen – sie in offensive und defensive Interessen unterscheiden. Offensive Interessen richten sich auf den eigenen Vorteil, defensive Interessen haben den Versuch zum Gegenstand, Nachteile zu vermeiden. Interessen in institutionalisierter Form werden häufig zu “Ismen”, zu einem ideologischen Dachverband, in dem sich Vertreter bestimmter Interessen treffen. Zumeist handelt es sich dabei um offensive Interessen, deren Durchsetzung man im Verband mit anderen sucht. Der Versuch, seine Interessen durchzusetzen oder an gesellschaftliche Ressourcen zu gelangen, ist um einen ideologischen harten Kern angereichert, einer geteilten Mythe, die instrumentalisiert wird, um Vorteile zu erzielen. Feminismus ist entsprechend der Versuch, sich mit der Behauptung, Frauen seien Opfer oder benachteiligt, Vorteile zu verschaffen. Sozialismus ist der Versuch, mit der Behauptung, man kümmere sich um Arme und Deprivierte, Vorteile zu erlangen. Konservatismus ist um die Bewahrung nicht definierter, aber dennoch als bewahrenswert eingestufter überlieferter Werte angeordnet. Einzig Liberalismus schert wieder aus, denn Liberalismus hat einen formalen Kern. Liberale teilen die Überzeugung, dass es individuelle Freiheit zu verteidigen gilt.

SontheimerDer Streit um gesellschaftiche Ressourcen zwischen denen, die sich “ismen” zuordnen, ist ein Konkurrenzkampf, jedenfalls soll er das in Demokratien sein. Demokratien basieren auf der Idee des gleichen und uneingeschränkten Zugangs zum Wettbewerb um Ressourcen. Das ist die Theorie. Die Praxis sieht jedoch gerade oder ausgerechnet in modernen Demokratien etablierte Ismen versuchen, andere mit niedrigen Mitteln zu bekämpfen und damit den Boden, auf dem Demokratien eigentlich errichtet wurden, zerstören. Als besonders erfolgreich hat sich die Methode moralischer Panik oder kollektiver Hysterie erwiesen, bei der es darum geht, ein Schreckgespenst aufzubauen, nennen wir es Maskulismus, es mit so viel wie nur möglich negativ besetzten Konnotationen zu versehen, z.B:: “ökonomisch Prekarisierte, (Rechts-)Liberale, Vertreter… traditioneller Familienideale, Rechtsextremisten, Migranten … sowie Rassisten …” (Claus, 2014, 79) und auf diese Weise zu versuchen, legitime Interessen, die der eigenen Vorteilsnahme gefährlich werden können, aus dem demokratischen Wettbewerb auszuschließen.

Dass ausgerechent aus Steuermitteln finanzierte eingetragene Vereine, die sich aus Zwecken der Täuschung politische Stiftung nennen und als Anhängsel der Parteien dazu umfunktioniert wurden, nicht nur Steuergelder, die das Bundesverfassungsgericht den Parteien untersagt hat, an sich selbst zu zahlen, neu zu kanalisieren, sondern auch dazu, alte Recken, die sich im ideologischen Kampf bewährt haben, mit Pöstchen zu versorgen und junge Nachwuchs-Ideologen zur Erstellung vermeintlicher Expertisen, die im politischen Kampf um die eigenen Vorteile genutzt werden sollen, zu finanzieren, ist eine der Ironien der Geschichte, eine andere ist die, dass sich die SPD immer noch als Arbeiterpartei bezeichnet.

Und damit sind wir beim neuesten Versuch angelangt, legitime Interessen zu diskreditieren und aus dem politischen Diskurs auszuschließen. Man kann es auch als den neusten Versuch bezeichnen, antidemokratisches Denken in Deutschland noch salonfähiger zu machen, als es sowieso schon ist und die eigene Vorteilsnahme durch pre-emptive strikes, die alle treffen, die man als potentiell gefährlich für die eigene Nutznießung ansieht, auch in Zukunft zu sichern.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung, der Friedrich-Ebert, würde er noch leben, vermutlich den Namen entziehen würde, hat sich dieses Mal damit hervorgetan, einen furchtbaren Ismus zu schaffen, den es zu bekämpfen gilt: Maskulismus, der zwischen Antifeminismus und Frauenhass angesiedelt sein soll, ist der Feind, den die FESler auf Kosten der Steuerzahler erst aufbauen, um ihn dann zu bekämpfen. Handlanger dieses neuesten Anschlags auf die Fundamente einer demokratischen Ordnung ist ein gewisser Robert Claus, von dem man vorher nichts gehört hat und von dem man nach der Expertise mit Sicherheit nichts mehr hören wird. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und vielleicht wird ihm, wie dem letzten Naiven, der die Schmutzarbeit antidemokratischer Agitation übernommen hat, Hinrich Rosenbrock war sein Name, ein Unterschlupf bei Dissens gewährt, vielleicht.

Nebenbei bemerkt, der Titel “Maskulismus, Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass” ist natürlich völliger Unsinn und hat ungefähr die Aussagekraft von: Feminismus: Massenmord zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und offenem Kaffeekränzchen. Vermutlich ist der Sinn des Titels im Rahmen einer Diskursanalyse verloren gegangen.

Claus von Fes105 Seiten mit vielen Füllseiten hat Robert Claus über seinen Maskulismus zusammengetragen. Eine Expertise hat er verfasst, so meint er, wobei es ihm nicht ganz geläufig zu sein scheint, dass Expertise ein entsprechendes Expertentum voraussetzt, inhaltlich und methodisch. Expertisen waren frührer die Domäne alter Professoren (und im nicht-ideologischen Teil der Welt sind sie das bis heute), die einen Überblick über ein Forschungsfeld haben, weil sie sich seit Jahrzehnten damit beschäftigen. Die Schmutzarbeit antidemokratischer Agitation ist jedoch ein Feld, auf das sich ein Professor, der etwas auf sich hält, nicht begibt. Entsprechend finden wir hier genderstudierte europäische Ethnologen, die eines nicht mitbringen: Expertise.

Wir wollen uns gar nicht mit den Inhalten der falschen Expertise beschäftigen. Das wäre ermüdend. Es ist auch gar nicht notwendig, denn der Anspruch an eine Expertise beginnt bei der Methode, beginnt beim wissenschaftlichen Vorgehen. Ist es nicht vorhanden, ist die Exerptise keine Expertise, sondern belangloses Gewäsch. Und im Fall von Robert Claus, der nicht nur den Maskulismus, sondern auch den maskulistischen Diskurs erfunden hat, ist es prätentiöses und leeres Gewäsch, wie man leicht zeigen kann, wenn man das nachgeschobene Kapitel 9.3 das eine “methodische Annäherung” zum Gegenstand hat, betrachtet.

Bereits die Überschrift macht die methodische Kenntnislosigkeit des Herrn Claus deutlich, denn wer wissenschaftliche Methoden beherrscht, der muss sich ihnen nicht annähern. Wer weiss, wie er ein Interview führt, einen Leitfaden entwickelt, einen Fragebogen erstellt, der muss sich den entsprechenden Tätigkeiten nicht annähern, er geht hin, führt ein Interview, entwickelt einen Leitfaden oder erstellt einen Fragebogen. Annähern müssen sich in der Regel die Schwaller, die trunken von der eigenen Wortonanie regelmäßig Gefahr laufen, den Überblick über das eigene Gefasel zu verlieren.

Wortonanie ist die beste Beschreibung dessen, was der “Methodischen Annäherung” folgt, von der man wünschte, es hätte sie nie gegeben, werden doch hierarchische Strukturen im Denken des Herrn Claus deutlich, für die er sich schämen würde, wäre er mit einem Schamgefühl und der Fähigkeit, zu erkennen, was er schreibt, ausgestattet. So gibt es in seinem methodischen Zugang, von dem an keiner Stelle deutlich wird, worin er eigentlich besteht, die Unterscheidung von “diskursiven Eliten” und “nachrangigen Diskursteilnehmern”. Diskursive Eliten sind “Hauptakteure diskursiver Auseinandersetzungen”, was eine Definition hart an der Grenze zur Tautologie ist, “nachrangige Diskursteilnehmer” sind “Teilnehmer, … die über geringes soziales, politisches und kulturelles Kapital” verfügen. In Deutsch: Im Weltbild von Herrn Claus gibt es Führer und Verführte, ein ganz einfaches Weltbild, das man eigentlich mit dem Ende des Großdeutschen Reiches überwunden zu haben glaubte. Nicht so der anti-maskulistische Claus, für den die Welt in Deppen, die geführt werden müssen, und fiese Führer, die die Deppen führen, wohin sie gerade wollen (Missbrauch eingeschlossen), zerfällt. Das ist starker Tobak und ein klares Indiz dafür, dass Herr Claus mit faschistischen Lehren sympathisiert.

Ansonsten enthält die methodische Annäherung nichts, was man als Methode bezeichnet, nichts, was Wissenschaftler unter Methode verstehen, was auch nicht verwunderlich ist, denn bereits auf Seite 102 hat Claus verkündet, dass er nicht nach dem “Wahrheitsstatus eines Wissensbestands” sucht, sondern nach “Effekt und Form von Macht”. Abermals ins Deutsche übersetzt bedeutet dies: Claus versucht erst gar nicht eine Interpretation der Realität zu finden, die gültig ist. Es geht im darum, eine Interpretation der Welt zu finden, mit der er zufrieden ist, die seiner ideologischen Ausrichtung entspricht, und das ist eben keine Wissenschaft und es ist nicht Expertise, es ist ideologische Scharlatanerie.

Ein wissenschaftliches und methodisches Vorgehen erfordert, seine Forschung mit einer Fragestellung zu beginnen. Hat Herr Claus eine Fragestellung? Nein, denn eine Fragestellung ist eine Hypothese über die Wirklichkeit, die an der Wirklichkeit scheitern kann. Die Wirklichkeit wirkt hier als Korrektiv, was das Ende jeder Ideologie und der Grund dafür ist, dass Claus keine Fragestellung hat.

Schnell hill esserDer Fragestellung reiht sich die wissenschaftliche Vorgehensweise an, d.h. die Frage, wie die Hypothese, die man untersuchen will, untersucht werden soll. Das erfolgt in der Regel dadurch, dass man den Forschungsstand aufarbeitet und die eigene Fragestellung einordnet. Arbeitet Claus den Forschungsstand auf? Nein. Er hat ein Kapitel über “Männlichkeiten im Wandel”, von dem niemand weiß, was es an der Stelle, an der es sich findet, soll und in welcher Beziehung es zum Rest der dünnen, falschen Expertise steht.

Der Einordnung der eigenen Forschung in die bereits vorhandene Forschung folgt die Operationalisierung der Forschungsfrage, d.h. die theoretischen Konzepte müssen in messbare Variablen übersetzt werden. Hat Herr Claus eine Operationalisierung. Nein. Er hat keine theoretischen Konzepte und keine Operationalisierung. Forschung findet bei ihm nicht statt.

Die Operationalsierung wird vorgenommen, um empirisch zu messen, ob Behauptungen, die man in Form von Hypothesen aufgestellt hat, zutreffen. Je nach Erkenntnisinteresse wählt man dann die Stichprobe von Befragten oder Dokumenten aus, auf deren Grundlage man die eigene Forschungsfrage beantworten will. Dazu ist es notwendig, die Auswahl von Stichprobe oder Dokumenten zu begründen, schon um Willkür in der Auswahl von Befragten oder Dokumenten auszuschließen und zu vermeiden, dass man etwas misst, was man selbst an seine Forschung herangetragen hat. Herr Claus sammelt einfach in Foren und bei Manndat und Agens Informationen. Welcher Auswahlprozess, Zufall oder gezielte Suche auf Basis einer Forschungsfrage, hinter dem Datensammeln steht, das verrät er nicht. Wieso er ausgerechnet die Daten sammelt, die er sammelt, dürfte er dagegen ganz genau wissen: Um seine Vorurteile zu belegen, die er an seinen Forschungsgegenstand heranträgt, schließlich war dies sein Auftrag

MayringWenn Dozenten an Universitäten Anschauungsmaterial für willkürliche und ideologisch motivierte Legitimations-Pseudoforschung benötigen, Herr Claus sei ihnen wärmstens empfohlen. Man findet in seiner Arbeit nichts, was auch nur annähernd an einen wissenschaftlichen Standard erinnert, was er zusammenfabuliert ist in keiner Weise nachprüfbar, man kann es glauben oder auch nicht, aber das ist ja gerade der Zweck von ideologischen Pamphlete wie dem vorliegenden: Der eigenen Kongregation ein neues Elaborat des eigenen Glaubens zur Verfügung zu stellen, in dem das Feindbild deutlich angegeben ist. Nichts ist so gut, um Gemeinschaft zu stiften, wie die Abgrenzung gegenüber anderen, und zudem eignet sich das gepflegte Feindbild bestens, um Ressourcen zu besetzen, sich selbst ein Auskommen zu verschaffen, dass derart antidemokratische Pamphlete das Nutznießen auf Kosten demokratischer Grundlagen ermöglichen, ist dann wohl ein Kollateralschaden, der selbst dann nicht ins Gewicht fiele, wenn die Verursacher intelligent genug wären, ihn zu erkennen.

Es wäre langsam an der Zeit zu fordern, dass die politischen Vereine der Parteien, die vortäuschen, eine Stiftung zu sein, also die FES, die HBS, die KAS, die RLS und die HSS auf eigenen Beinen stehen und nicht mehr von Steuerzahlern finanziert werden. Es ist die dritte Ironie dieser Geschichte, dass Männer Steuern zahlen, um die FES und ihre bezahlten Vasallen zu finanzieren, damit sie eben diese Männer beschimpfen, diskreditiert und ihre Interessen als illegitim bezeichnet. Und was muss man wohl von einer Stiftung halten, die von denen Geld nimmt, die sie anschließend beschimpfen lässt?

Mit Robert Claus und dem Nachweis seiner nicht vorhandenen Expertise haben sich auch eine Reihe anderer Blogs beschäftigt:

Arne Hoffmann hat sich wie wir doch mit Robert Claus beschäftigt.

Lucas Schoppe schreibt von “Versteinerungen und der Angst, zu tanzen“, was ja nahe liegt.

Martin Domig bring Weinbergschnecken in Misskredit

Offene Flanke präsentiert hoffentlich keine solche.

Mein Senf gibt seinen Senf zum Claus-Werk

Die evolutionäre Perspektive auf stiftungsfinanzierten Unsinn kommt von Christian Schmidt

Elitemedium ist herabgestiegen in die Niederungen der Ideologie um Claussches zu berichten

Nichtfeminist bespricht eine “Hetzschrift” und lässt dem Clausschen Unsinn damit zuviel Ehre zukommen.

Andreas Krauser hat seine Stellungnahme als Vorsitzender von Manndat in das entsprechende Forum gestellt.

Und Hadmut Danisch sieht die SPD auf Männer losgehen.

 

 

 

Hetero-Umerzieher Szene und Homo-Heiler Szene: Eine kleine Anfrage an die Grünen

Ein Leser von ScienceFiles hat uns auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag aufmerksam gemacht (besten Dank!). Die Kleine Anfrage ist von einer ideologischen Binnensicht (oder Borniertheit) durchdrungen, die dazu führt, dass wir nicht anders können, als die Anfrage zur Grundlage einer eigenen nur leicht veränderten Anfrage zu nehmen, die wir unsererseits an die Grünen richten. Vorab ist es notwendig darauf hinzuweisen, dass die Anfrage der Grünen sich gegen “sogenannte Homo-Heiler” richtet, die damit werben, Homosexuelle zu heilen.

Darüber echauffieren sich die Grünen, ganz so, als wäre es ihre Aufgabe für alle Homosexuellen dieser Welt zu entscheiden, dass sie gerne homosexuell sind, ganz so als wären sie in einer Position darüber zu richten, ob sich ein homosexuelles Individuum dazu entscheiden kann, eine Therapie in Richtung Heterosexualität zu beginnen oder nicht. Die Prämissen der Grünen sind überdeutlich: Homosexualität ist eine reine Daseinsform, und während es Menschen gibt, die mit ihrer Heterosexualität unglücklich sind und sich gerne als Homosexuelle outen würden, kann es keine Homosexuellen geben, die mit ihrer Homosexualität unglücklich sind und sich gerne als Heterosexuelle outen würden.

Die Grünen leben in einem ideologischen Paradies, in dem nichts ist, wie es ist, aber alles so, wie es nach linker Ideologie sein soll. Wir haben diese Form geistiger Bornierung zum Anlass genommen, um unsererseits eine Kleine Anfrage an die Grünen zu verfassen. Unsere Kleine Anfrage basiert auf der Kleinen Anfrage der Grünen, wir haben sie nur geringfügig verändert, was insofern möglich ist, als die Kleine Anfrage sich durch Floskeln, unbelegte Behauptungen und Belanglosigkeiten auszeichnet, die man einfach nutzen kann, um die Prämissen, die dahinter stehen in ihrer ganzen Erbärmlichkeit für sich selbst sprechen zu lassen.

Kleine Anfrage von ScienceFiles an die Grünen

Sogenannte Hetero-Umerzieher in Deutschland

SciencefilesIn deutschen Schulen wird zunehmend versucht, Kinder und Jugendliche, die bislang mit ihrer Sexualität kein Problem hatten, für ihre möglicherweise vorhandene Homosexualität zu sensibilisieren und ihre unhinterfragte Heterosexualität zu problematisieren. Völlig unbelegt durch wissenschaftliche Studien und im Widerspruch zu den Ergebnissen der empirischen Forschung behaupten die Vertreter eines pädagogisch forcierten Outings, dass Kinder und Jugendliche, die öffentlich zu ihrer Homosexualität stehen, in geringerer Gefahr sind, ihr Leben durch einen Suizid zu beenden als Kinder und Jugendliche, die ihre Homosexualität nicht erkennen oder gar geheim zu halten müssen glauben. Obwohl kein wissenschaftlicher Nachweis für diese Behauptungen besteht, wird die Verbreitung homosexueller Lebensweisen und die Popularisierung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in Deutschland vorangetrieben.

Neuerdings wird von den Propagandisten dieser Pseudoheilslehren beteuert, sie sähen Heterosexualität nicht als Krankheit, aber ‘manche wollten in ihrem Wunsch begleitet werden, homosexuelle Potentiale zu entwickeln’. Sie behaupten: “Heterosexuelle mit Änderungswunsch und -willen können ihre sexuelle Orientierung durch Therapie, Seelsorge oder Selbsthilfegruppen ändern”.

Zu den Organisationen, die in Deutschland dafür sorgen, homosexuelle Lebensweisen zu popularisieren und Homosexualität zur von Gott gegebenen biologischen Veranlagung zu erklären, zählen die politischen Parteien ebenso wie ihre Politischen Stiftungen, für die die sexuelle Orientierung nicht nur zu einem identitätsstiftenden Inhalt geworden ist, vielmehr wird die Verbreitung so genannter sexueller Diversität durch enstprechende Toleranzszenen betrieben und ist zu einem einträglichen Geschäft für die daran Beteiligten geworden.

Der Weltärztebund WMA, dem über 100 nationale Ärzteverbände – darunter die deutsche Bundesärztkammer – angehören, beschloss bei seiner 64. Generalversammlung im Oktober letzten Jahres eine Stellungnahme, in der vor den sog. Konversions- oder Reparations-Pseudotherapien explizit gewarnt wird: „Es gibt für sie keine medizinische Indikation und sie stellen eine ernste Gefährdung für die Gesundheit und die Menschenrechte von denen dar, die behandelt werden.“ Das Papier wurde von der Bundesärztekammer in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e. V. (DGPPN) erarbeitet und gemeinsam mit der französischen Ärztekammer und der British Medical Association beim Weltärztebund eingereicht.

In der Stellungnahme wird die Teilnahme an solchen Pseudotherapien von den Ärzte als „unethisch“ und „menschenrechtswidrig“ bezeichnet und gefordert, dass sie „verurteilt und mit Sanktionen und Strafen versehen  werden“  (www.wma.net/en/30publications/10policies/s13/).

Da eine Geschlechtsumwandlung alle Kriterien einer sog. Konversionstherapie erfüllt, fällt auch eine Geschlechtsumwandlung unter dieses Diktum.

Wir fragen die Grünen:

  1. HIVhomophobiaWelche Organisationen oder Gruppen beteiligen sich an der Popularisierung homosexueller Lebensweisen unter Kindern und Jugendlichen?
  2. Ist es ethisch und moralisch vertretbar Kinder und Jugendliche, die in der Phase der Pubertät besonders für Einflussnahme von außen anfällig sind, mit den entsprechenden Angeboten alternativer sexueller Orientierung zu manipulieren?
  3. Welche Erkenntnisse haben die Grünen darüber, dass Kinder und Jugendliche, die sich in ihrer Pubertät als homosexuell geoutet haben, im weiteren Verlauf ihres Lebens unter dieser Entscheidung gelitten haben?
  4. Wie hoch ist nach Erkenntnissen der Grünen der Anteil an HIV/AIDS Erkrankten unter denjenigen, die für homosexuelle Lebensweisen im Verlauf ihres Besuchs einer allgemeinbildenden Schule sensibilisiert wurden?
  5. Welche Organisationen a) bieten nach Kenntnis der Grünen die sogenannten Konversions- oder Reparations-Therapien mit dem Ziel einer Geschlechtsumwandlung an und b) werben nach Kenntnis der Grünen für diese Pseudotherapien?
  6. Können nach Ansicht der Grünen sogenannte Geschlechtsumwandlungen mildtätigen oder kirchlichen Zwecken dienende Tätigkeiten im Sinne der Abgabenordnung sein?
  7. Können nach Ansicht der Grünen Tätigkeiten, die auf die Veränderung einer sexuellen Orientierung abzielen, im Sinne des §52 der Abgabenordnung darauf gerichtet sein, ‘die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern?
  8. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen ziehen die Grünen aus dem Umstand, dass Vereine und Ärzte, die Geschlechtsumwandlungen propagieren und durchführen, steuerbegünstigte Zwecke verfolgen, und halten die Grünen in diesem Zusammenhang eine Klarstellung gegenüber den Landesfinanzverwaltungen zur Gewährleistung einer einheitlichen Rechtsanwendung für sinnvoll?
  9. Ist den Grünen bekannt, dass es in Deutschland Ärzte gibt, die sog. Geschlechtsumwandlungen anbieten und bei dem Krankenkassen abrechnen?
  10. Sind nach Ansicht der Grünen sog. Geschlechtsumwandlungen trotz ihrer potentiellen Schädlichkeit vom Leistungskatalog der Krankenkassen erfasst?

 

Schließlich: Unsere Haltung zu Homosexualität ist die, dass wir keine haben. Was Menschen miteinander in Schlafzimmern tun, interessiert uns nicht.

Nutznießer-Spirale: Wohlfahrtsstaaten sind der Anfang vom Ende

Eine witzige und interessante Arbeit zum Thema “Wohlfahrtsstaat” kommt aus Frankreich. Verfasst haben sie Yann Algan, Pierre Cahuc und Marc Sangnier. Die Arbeit ist witzig, weil sie eine Thematik behandelt, die die meisten politisch korrekten und institutionalisierten Wissenschaftler sich nicht anzufassen trauen, und sie ist interessant, weil sie auf einfach Art und Weise zeigt, dass in Wohlfahrtsstaaten ein Gesetz der Degeneration, des gesellschaftlichen Niedergangs zu beobachten ist.

Algan, Cahuc und Sangnier gehören zu den Wissenschaftlern, die gute Ideen in einfache und kausale Annahmen zu verpacken in der Lage sind, und zwar so:

  • reichtum fuer alleGesellschaften bestehen aus Menschen, denen man vertrauen kann und Menschen, denen man nicht vertrauen kann.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, sind kooperativ und produktiv, d.h. sie haben etwas mit anderen zu tauschen. Menschen, denen man nicht trauen kann, versuchen, Kooperationen zu ihren Gunsten auszunutzen. Sie sind nicht produktiv: sie nehmen nur, haben selbst nichts zu geben, und deshalb kann man ihnen nicht trauen.
  • Menschen, denen man vertrauen kann, die kooperativ und produktiv sind, bezeichen Algan, Cahuc und Sangnier als zivile Menschen, diejenigen, auf die diese Eigenschaften nicht zutreffen als nicht-zivile Menschen.
  • Die erste Annahme, die die Autoren auf diesem Grundmodell treffen lautet: Die Bereitschaft, Steuern an einen Wohlfahrtsstaat zu zahlen, steigt mit dem Anteil der zivilen Menschen.
  • Daraus folgt, dass auch die Unterstützung für Wohlfahrtsstaaten mit dem Anteil der zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt.
  • Jedoch stellen Wohlfahrtsstaaten Anreize zum Opportunistmus dar, weshalb es einen anderen Zusammenhang gibt: Wenn der Anteil der nicht-zivilen Menschen in einer Gesellschaft steigt, dann ergeben sich daraus triste Konsequenzen:
    • Die Bereitschaft, Steuern zu zahlen sinkt, die Bereitschaft, Steuern vorzuenthalten, steigt.
    • Der Anteil derjenigen, die vom Wohlfahrtstaat leben wollen und Transferzahlung anstreben, steigt.
    • Die Unterstützung für den Wohlfahrtsstaat wächst unter seinen Günstlingen, den unzivilen Menschen.
    • Gleichzeitig werden immer neue Forderungen nach Umverteilung und höheren Steuern durch nicht-zivilen Menschen erhoben: “Uncivic individuals desire more redistribution for two reasons. First, they benefit from public transfer more frequently than civic individuals since they claim benefits when their production can be hidden. Second, they do not bear the full burden of taxation since they dodge taxes when this is possible” (5).

Ab diesem Zeitpunkt ist in einem Wohlfahrtsstaat eine Nutznießer-Spirale am Werk, deren Konsequenz ein “race-to-the-bottom” ist: Immer mehr Profiteure des Wohlfahrsstaates, die unkooperativ und nicht vertrauenswürdig sind, die sich opportunistisch verhalten, fordern immer höhere Steuern und eine immer weitergehende Umverteilung von Steuermitteln und hoffen, davon zu profitieren.

Und als wäre dies nicht schon genug, werden die Horden nicht-ziviler Menschen, die versuchen, auf Kosten der zivilen Menschen zu leben, durch korrupte Bedienstete des Staates unterstützt: “Societies populated by a majority of uncivic individuals can support corrupt and ineffective welfare states that can be larger than the more effective welfare states of societies populated by a majority of civic individuals” (6).

Bis hier hat die Arbeit von Algan, Cahuc und Sagnier bereits eine große Zahl von interessanten Ideen und Konsequenzen aus den Ideen, über die es sich nachzudenken lohnt, bereit gestellt. Aber es kommt noch besser:

Die Autoren testen ihre Annahmen anhand der Daten der OECD Expediture Database, des World Value Survey und des European Social Surveys, und die Daten bestätigen jede einzelne ihrer Annahmen.D.h. Wolfahrtsstaaten tendieren dann, wenn in ihnen das Vertrauen zwischen den Menschen verschwindet und Kooperation problematisch gemacht wird, zu korrupten Selbstbedienungsanstalten für nicht-zivile Menschen zu werden, die ihren Vorteil auf Kosten Dritter suchen und mit Hilfe korrupter Regierungen immer neue Gesetze und Regelungen durchsetzen, die dem Ziel dienen, noch mehr von Umverteilung zu profitieren und immer neue Mittel in die eigene Tasche zu leiten.

“Large, corrupt and ineffective welfare states can survive thanks to the support of a majority of untrustworthy individuals. The creation of large, transparent and effective welfare states needs a large majority of trustworthy citizens. These findings might explain why it is so difficult to reform the large welfare states of Continental Europa countries despite the widespread consensus that they are less effective and transparent than their counterparts in Nordic countries.” (14)

So beenden die Autoren ihre Arbeit. Aber hier fängt es eigentlich erst an.

Wenn Gesellschaften, in denen Ideologen Unfrieden und Misstrauen säen, etwa so, wie es Sozialisten und Feministen in Deutschland tun, über kurz oder lang in ineffiziente Wohlfahrtsstaaten ausarten, in denen es vor allem darum geht, selbst auf Kosten anderer zu profitieren, dann kann man sich die Richtung, in die die deutsche Gesellschaft drifted gut vorstellen.

wohlfahtsstaatAber nicht nur das, wenn die Gefahr großer Wohlfahrtsstaaten darin besteht, dass sie von einer Meute Opportunisten übernommen werden, deren einziges Bestreben darin besteht, immer neue Umverteilung zu fordern und neue Wege zu ersinnen, wie sie an das Geld der zivilen Mitglieder der Gesellschaft kommen, dann zeigt sich hier ein Geburtsfehler repräsentativer Demokratien, stehen sie doch in der Gefahr zum demokratischen Despotismus einer Nutznießer-Oligarchie zu verkommen.

Und dass Deutschland auf dem besten Weg in den demokratischen Despotismus ist bzw. längst im demokratischen Despotismus angekommen ist, zeigt sich z.B.

  • in der Hetzjagd, die auf Menschen veranstaltet wird, die Steuern vorenthalten.
  • Es zeigt sich darin, dass kaum jemand mehr auf die Idee kommt, dass Staaten kein Existenzrecht per se haben, sondern als Dienstleister souveräner Individuen eingesetzt wurden.
  • Es zeigt sich in der Herrschaft der Mittelmäßigen, die kein Problem damit haben, Maßnahmen wie einen Mindestlohn oder eine Frauenquote zu verabschieden, die die Wirtschaft schädigen.
  • Es zeigt sich darin, dass ein überbordender Apparat der Bereicherung von Günstlingen geschaffen wurde, der staatliche Institutionen dazu einsetzt, Steuermittel einzusammeln und an befreundete Netzwerke und Günstlinge umzuverteilen. Der Gender-Sumpf ist ein Beispiel unter vielen.
  • Es zeigt sich darin, dass die Nutznießer von staatlichen Transferzahlungen die Politik der Parteien bestimmen. Dies findet seinen deutlichsten Ausdruck darin, dass es schick geworden ist, nach Umverteilung zu rufen und nicht-Leistungen wie die Fortpflanzung durch Steuermittel zu honorieren.
  • Und schließlich zeigt es sich darin, dass zivile Menschen sich immer seltener in die Politik verirren, denn Politik ist zu einem Verschiebebahnhof geworden, auf dem sich blasse Gestalten einfinden, die im offenen Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, keine Chance hätten, ein Auskommen zu erwirtschaften und entsprechend den Weg in die Politik (oder neuerdings im Rahmen entsprechender Förderprogramme an Universitäten) wählen.

Der Niedergang von Wohlfahrtsstaaten, die von immer mehr Nutznießern gekapert werden und von immer weniger zivilen Menschen bevölkert werden, ist mithin eine Folge des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, denn in einer Gesellschaft in der die Nutznießer staatlicher Steuergeschenke die Mehrheit bilden, ist der Ausgang einer Wahl ebenso vorhersehbar wie die Politikangebote, die Politiker machen: hier wird umverteilt, bis es nichts mehr umzuverteilen gibt.

Wir nennen das die Nutznießer-Spirale.

©ScienceFiles,2014

Algan, Yann, Cahuc, Pierre & Sangnier, Marc (2014). Trust and the Welfare State: The Twin Peaks Curve. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit; Institute for the Study of Labor IZA DP No. 8277.

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Deutschland rüstet auf

Die Bundeswehr rüstet auf. Ungeachtet aller Probleme, die das G36, mit dem man wohl um die Ecke schießen kann, umgeben und im Einklang mit der Vorliebe, die Verteidigungsminister von der Leyen für kampffähige Drohnen entwickelt hat, sind im Zuge der NSA Überwachungsaffäre, in die auch das britische GCHQ verstrickt ist, neue Informationen über Rüstungsvorhaben der Bundeswehr an die Öffentlichkeit gelangt.

droneOb der Zeitpunkt des leaks zufällig ist, da die Mehrzahl der Deutschen derzeit abwesend und in Autokorsos unterwegs ist, mag einmal dahin gestellt bleiben. Fest steht, die Informationen sind nur wenige Stunden, nachdem Queen Elizabeth II den neuesten und größten Flugzeugträger auf ihren Namen getauft hat, den die Royal Navy des Vereinigten Königreiches je besessen hat, geleakt worden.

Der neue Flugzeugträger des Vereinigten Königreichs hat 1.600 Mann Personal, ist 280 Meter lang und mit einer Höhe von 39 Metern über der Wasserlinie ein beeindruckendes Schiff. Der Flugzeugträger verfügt über zwei Start-/Landebahnen und kann mit bis zu 50 Flugzeugen und Hubschraubern bestückt werden. Die HMS Queen Elizabeth II ist der erste von zwei gleichen Flugzeugträgern, die das Vereinigte Königreich bis 2020 in Dienst stellen will.

Wie nun bekannt wurde, hat auch die Bundeswehr Pläne für einen eigenen Flugzeugträger in der Schublade. Die Planungen sind bereits fortgeschritten. Deutschland müsse sich neu in der Welt positionieren, so heißt es in dem internen Papier, das an die Öffentlichkeit gelangt ist. Die NSA und GCHQ Affäre habe gezeigt, dass die Verbündeten Deutschland nicht trauen würden. Die Enttäuschung darüber, dass die Verbündeten dem, was deutsche Politiker sagen, nicht trauen und lieber durch ihre Geheimdienste prüfen, ob sie nicht vielleicht doch angelogen werden, hat die Pläne, Deutschland wieder zu einer führenden Macht auf den Weltmeeren zu entwickeln, befördert.

Die Pläne, die mit “Kaiser Wilhelm II Pläne” überschrieben sind, sehen den Bau von zunächst einem Flugzeugträger vor. Der neue Flugzeugträger, so heißt es, müsse den Vorsprung durch Technik, den Deutschland vor allem bei den erneuerbaren Energien habe, wiederspiegeln und deutlich machen, dass mit Deutschland nicht nur in Technik, sondern auch in Militärtechnik auf den Weltmeeren wieder zu rechnen sei.

HMS Queen Elizabeth IIDer Flugzeugträger “Maria Goeppert” wird den deutschen Anspruch, führende Technologienation zu sein, aller Welt vor Augen führen. So ist geplant, das Schiff mit den neusten erneuerbaren Energien anzutreiben, nicht nur, um den Vorsprung in diesen Technologien auszunutzen, sondern auch um sicherzustellen, dass das Schiff unabhängig von Treibstoffversorgung von Land für Jahre auf See bleiben kann.

Die Verwendung erneuerbarer Energieformen ist explizit als Alternative zur Kernenergie, wie sie auf US-amerikanischen Flugzeugträgern eingesetzt wird, vorgesehen, um der Welt zu zeigen, dass man auch ohne Kernenergie destruktiv sein kann.

Nachhaltig ist die Versorgung an Bord. Dafür sorgen mehrere Anbaufelder unter Deck, in denen organische Nahrungsmittel erzeugt werden, von organischen Tomaten bis zur organischen Kaffeebohne. Die Besatzung  wird weitgehend vegetarisch leben, da Pläne, eine eigene Tierzucht nebst Schlachterei zu installieren, daran gescheitert sind, dass den Besatzungsmitgliedern dadurch täglich vor Augen geführt würde, was es bedeute, Fleisch zu essen, was sie nachhaltig emotional und in ihrer Pflichterfüllung beeinträchtigen könnte.

Ziel ist es, die Maria Goeppert in sozialmoralischen und Fragen der Versorgung autark zu machen und sie von jeder Notwendigkeit, Häfen anzulaufen, weitgehend zu befreien. Auf diese Weise soll größtmögliche Flexibilität im Einsatz gewonnen werden und das Schiff im Notfall genutzt werden können, um die Regierungsmitglieder zu evakuieren.

Auch in den Quartieren an Bord der Maria Goeppert ist an die Nachhaltigkeit und alle Dinge gedacht, die in modernen Gesellschaften selbstverständlich sind. Duschen, Toiletten und Unterkünfte sind nach sexueller Orientierung getrennt, ein Kindergarten sorgt dafür, dass Beruf und Familie für die Besatzung vereinbar ist. Beim Bau der Maria Goeppert sollen ausschließlich Materialien verwendet werden, die die Umwelt nicht belasten und biologisch abbaubar sind.

“Wir müssen der Welt zeigen”, so heißt es in einem Grusswort von der Leyens, das den geleakten Plänen vorangestellt ist, “dass nur der deutsche Sonderweg zum Platz an der Sonne führt”. Deutschland sei keine verspätete Nation und entsprechend mit allen Rechten und Ehren und Privilegien auszustatten, wie sie Großmächte, die USA, China oder Russland längst besitzen würden.

Es ist uns gelungen, an ein Photo der neuen Maria Goeppert zu kommen, auf dem deutlich zu sehen ist, dass die Pläne, die hier verbal und auszugsweise dargelegt wurden, tatsächlich in die Tat umgesetzt werden sollen.

Das Bild des ersten deutschen Flugzeugträgers “Maria Goeppert”.

 

Reaktanz gegen Indoktrination: Schüler der Fridtjof Nansen Realschule als Avantgarde

junoirwahl_logoAn der Fridtjof Nansen Realschule in Gronau hängt der Haussegen schief. Ursache ist eine Wahl-Übung, die zum Anlass der Europawahl 2014 veranstaltete Juniorwahl. Ausrichter der Juniorwahl  ist der Verein Kumulus e.V., dessen Mitglieder  “eine sehr heterogene Masse” bilden, dessen Partner aber weit weniger heterogen vornehmlich aus Ministerien sowie Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung bestehen, und über dessen Finanzierung ebenso wenig Informationen auf der Homepage des Vereins aufzufinden sind, wie darüber, wer die fördernden und wer die sonstigen Mitglieder sind, geschweige denn, dass Angaben über den Vorstand gemacht werden, der nach Satzung vorgesehen ist.

Immerhin wird im Hinblick auf die Juniorwahl gesagt, wozu sie dienen soll:

“Das Hauptziel der Juniorwahl ist es, einen Beitrag zur politischen Sozialisation von Jugendlichen zu leisten. Das Projekt möchte Schülerinnen und Schüler an Prozesse der demokratischen Willensbildung heranführen und sie auf die künftige Partizipation innerhalb des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland vorbereiten.”

Damit zukünftige Generationen also wissen, dass Sie wählen zu gehen haben, steht mit der Juniorwahl ein Übungsmittel bereit, das einer richtigen Wahl im Hinblick auf den Effekt der Wahl kaum nachstehen dürfte. Im Rahmen der Juniorwahl ist nicht nur vorgehesen, dass gewählt wird, sondern auch, dass die Schüler der teilnehmenden Schulen von ihren Lehrern auf die richtige Wahl vorbereitet werden. Und das ist an der Realschule Gronau, der Fridtjof Nansen Realschule, reichlich in die Hose gegangen (darauf hat uns ein Leser von ScienceFiles hingewiesen, dem wir an dieser Stelle herzlich danken).

Lassen wir zunächst die Schulleiterin, Hedwig Poll-Wolbeck, (noch bevor wir wussten, dass die Schule eine LeiterIN haben wird, haben wir getippt, dass sie eine LeiterIN haben wird) den beklagenswerten Zustand bejammern:

Fridtjof Nansen Realschule“… Wir sind betroffen über die Meinungsäußerung unserer Schülerinnen und Schüler des zehnten Jahrganges“, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Schule. „Wir akzeptieren natürlich die Wahlfreiheit. Wir schränken diese in keinster Weise ein. Jeder darf die Partei wählen, durch die er vertreten werden möchte. Doch haben auch Lehrer die Freiheit, ihre Meinung zu äußern. Wir möchten mit unserer Reaktion ein deutliches Zeichen gegen Rechts setzen… “

Der beklagenswerte Zustand herrscht in der 10. Klasse der Realschule Gronau, in der doch tatsächlich 25% der Schüler die Freiheit der Wahl dazu genutzt haben, NPD zu wählen. Wer Wahlfreiheit derart ausnutzt, der muss sanktioniert werden, doch lassen wir zunächst die SchulleiterIN weiterjammern und ihr Unverständnis und ihr Unwissen über demokratische Gepflogenheiten kundtun.

Getroffen, so berichten die Westfälischen Nachrichten, fühlten sich die Schulleitung und die Lehrer,”weil die Schule seit vielen Jahren mit Projekttagen und der Teilnahme an Gedenkveranstaltungen ein Zeichen gegen Rechts setzt. Das Thema werde zudem im Unterricht behandelt. ‘Und wir sind eine Europaschule’, betont Poll-Wolbeck”.

Das sind alles sehr gewichtige Argumente, die Hedwig Poll-Wolbeck hier anführt: Wenn Zeichen gegen Rechts gesetzt werden und Gedenkveranstaltungen durchgeführt werden und, besonders wichtig, die Fridtjof Nansen Realschule eine “Europaschule” ist, dann wird hier gefälligst nicht rechts gewählt. Wer könnte angesichts einer Europaschule darauf bestehen, NPD zu wählen, in einer Juniorwahl, für die die gewählten Parteien nicht einmal Wahlkampfkostenerstattung erhalten? Undenkbar. Aber es kommt noch besser:

Die ‘Juniorwahl 2014′ wurde nämlich zudem nicht einfach so durchgeführt, nein, über das Thema wurde im Unterricht gesprochen und die Programme der Parteien waren Thema. Und dennoch haben die Schüler aus “Spass oder Überzeugung”, beides findet Poll-Wolbeck gleich schlimm, für die NPD gestimmt.

Independent studentsTrotz aller Versuche, den Schülern darzulegen, welche Parteien ein richtiger Demokrat bei einer richtigen Wahl wählt, haben die Schüler die Wahl zum Anlass genommen, um von der Wahlfreiheit Gebrauch zu machen und die falsche Partei zu wählen! Eine Provokation wie Poll-Wolbeck auch findet, was bedeutet, dass sie nicht von Überzeugung, sondern von Spass auf Seiten der Schüler ausgeht (oder konfus ist). Und für Provokationen durch 25% der Schüler der 10. Klasse der Realschule Gronau gibt es Sippenhaft: Der geplante Klassenausflug ins Phantasialand wurde abgesagt.

Wer weiß, vielleich war es ja das Ziel der Schüler, um diesen Ausflug herum zu kommen. Möglicherweise ist das Phantasialand für 16jährige nicht mehr so attraktiv wie für ihre Lehrer. Oder, die Schüler haben nicht trotz aller Versuche, sie zur Wahl der richtigen Parteien zu indoktrinieren, sondern wegen dieser Versuche ein Zeichen gesetzt, ein Zeichen das Mut gibt und Hoffnung auf die nächste Generation, die sich nicht einfach von ihren Lehrern mit Inhalten abfüllen und auf das angeblich richtige Gleis setzen lässt, sondern Reaktanz zeigt, Reaktanz gegen politische Korrektheit, und das ist dann ein wichtiges und zu bewahrendes Gut, ist es doch der Grundstock kritischen Denkens und der Meinungsfreiheit.

Reaktanz bei Jugendlichen ist darüber hinaus bereits seit den 1970er Jahren ein vielerforschtes Phänomen, und das Ergebnis, das bei diesen Forschungen immer und immer wieder herauskommt, lautet: Wenn man Jugendlichen vorschreibt, was sie zu tun haben und ihnen das Gefühl gibt, sie hätten keine Wahl, dann erreicht man das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen will. Hier ein paar Beispiele, die wir zusammengestellt haben und die wir vor allem der Schulleiterin und ihren Lehrern der Fridtjof Nansen Realschule in Gronau zur Kenntnisnahme empfehlen, vielleicht ändern sie dann ja etwas an ihrem offensichtlich gar zu verbissenen Ansatz, mit dem sie ein totales Zeichen gegen Rechts setzen wollen.

  • Engs und Hanson (1989) zeigen, dass der Versuch, das gemeinsame Betrinken von Schülern an US-Colleges zu verhinden, durch Verbot und Aufklärung, zur Folge hatte, dass gemeinsames Trinken unter Schülern noch populärer geworden ist, als es vor Verbot und Aufklärungsmaßnahmen war.
  • Allen, Sprenkel und Vitale (1994) zeigen die selbe Reaktanz bei minderjährigen College-Schülern, die einem Alkoholverbot unterliegen und für die die Autoren einen im Vergleich zu nicht minderjährigen College-Schülern höheren Alkoholkonsum als Reaktion auf das Verbot festgestellt haben.
  • Goodstadt (1980) zeigt, dass Dorgenerziehung ähnlich wie Alkoholerziehung dieselben negativen Konsequenzen bei Jugendliche, also Reaktanz zur Folge hat.
  • Bushman (2006) zeigt, dass Warnhinweise, die Sendungen im Fernsehen als besonders gewalttätig und für Minderjährige nicht geeignet ausweisen, sicherstellten, dass Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 21 Jahren die entsprechenden Sendungen nicht nur ansahen, sondern mit besonderem Interesse verfolgten.
  • Beijvank et al. (2009) kommen für entsprechende Warnhinweise auf Videospielen und für Kinder und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren zum selben Ergebnis wie Bushman (2007).
  • usk-jugendschutzQuick und Stephenson (2007) zeigten in ihrer Untersuchung, dass Kondomwerbung, die das Ziel hatte, die Nutzung von Kondomen zu befördern, das Gegenteil bei der Mehrzahl der Betrachter erreichte, wobei die Reaktanz vornehmlich von Ärger über die erfolgte Bevormundung getrieben war. Sie konnten zudem zeigen, dass Reaktanz regelmäßig auf Ärger und einer wahrgenommenen Verletzung eigener Persönlichkeitsrechte basiert.
  • Plax et al. (1986) untersuchen Strategien, mit denen Lehrer versuchen, Schüler und Unterrischt zu kontrollieren. Sie können zeigen, dass vor allem der Versuch von Lehrern, Peerdruck oder Zwang zu nutzen, um den Unterricht und die Schüler oder deren Verhalten zu steuern, Reaktanz bei den entsprechenden Schülern zur Folge hatte.
  • Vrugt (1992) hat gezeigt, dass Programme zur Förderung von Frauen an Universitäten, bei männlichen Akademikern Reaktanz auslösten, wobei die Stärke der Reaktanz vom Ausmaß der Bevorzugung von Frauen in den einzelnen Maßnahmen abhing.

Man könnte die Ergebnisse auch als spezifische Form des Gutmenschen-Elends bezeichnen. Indoktrination hat eben ihre Grenzen, und zwar da, wo sie die Persönlichkeitsrechte von Individuen, Schülern im vorliegenden Fall verletzt. Reaktanz wird nicht umsonst von Brehm (1972) als Reaktion auf einen wahrgenommenen Verlust an Freiheit definiert, woraus man schließen muss, dass die Schüler der 10. Klasse der Fridtjof Nansen Realschule in Gronau in Notwehr gehandelt haben.

Es ist daher kein Wunder, wenn Schüler, die regelmäßig mit dem Klagelied des guten Demokraten abgefüllt werden und denen der Singsang der Wahl der richtigen Partei eingetrichtert werden soll, der Klage und des Singsangs überdrüssig werden. Als Pädagoge sollte man eigentlich die Forschung zu Reaktanz kennen und somit wissen, welche Folgen Indoktrinationsversuche haben können. Aber wie es halt so ist, mit der Überzeugung, ein richtig Guter, ein Lehrer an einer Europaschule zu sein, schwindet das Wissen.

REAKTANZ THEORIE (Brehm, 1972):
Die Reaktanz Theorie basiert auf zwei Annahmen:

  • STone throwEin Objekt, ein Ereignis, eine Überzeugung ist umso attraktiver, je weniger es erreicht werden kann bzw. sie als legitim vertretbar oder äußerbar gilt.
  • Wenn eine Person Versuche wahrnimmt, ihr den Zugang zu einem Objekt/einem Ereignis zu versperren oder zu erschweren oder ihr den Ausdruck einer Überzeugung zu erschweren oder zu verunmögilchen, d.h. ihre persönliche Wahl- oder Handlungsfreiheit einzuschränken, wird sie sich diesem Druck dadurch widersetzten, dass sie verstärkt oppositionelles Verhalten zeigt.

Wie so vieles wird auch die Reaktanztheorie in Deutschland häufig fehlrezipiert, und zwar dahingehend, dass Reaktanz generell als negatives und zu bekämpfendes Verhalten gilt. Wie gewöhnlich basiert die Fehlrezeption auf einem Essentialismus, der Reaktanz durchweg als Fehlreaktion auf eine gute Intention definiert (häufig wird es schlicht als Widerstand gegen Veränderung diskreditiert).

 

Literatur

Allen, Daniel N., Sprenkel, David G. & Vitale, Patrick A. (1994). Reactance Theory and Alcohol Consumption Laws: Further Confirmation among Collegiate Alcohol Consumers. Journal of Studies on Alcohol and Drugs 55(2): 34.

Bijvank, Marije Nihe, Konijn, Elly A., Bushman, Brad J. & Roelofsma, Peter H. M. P. (2009). Age and Violent-Content Labels Make Video Games Forbidden Fruits for Youth. Pediatrics 123(3): 870-876.

Brehm, Jack W. (1972). Responses to the Loss of Freedom. A Theory of Psychological Reactance. Morristown: General Learning Press.

Bushman, Brad J. (2006). Effects of Warning and Information Labels on Attraction to Television Violence in Viewers of Different Ages. Journal of Applied Social Psychology 36(9): 2073-2078.

Engs, Ruth & Hanson, David J. (1989). Reactance Theory: A Test With Collegiate Drinking. Psychological Reports 64(3): 1083-1086.

Goodstadt, Michael S. (1980). Drug Education – A Turn On or a Turn Off? Journal of Drug Education 10(2): 89-99.

Plax, Timothy G., Kearney, Patricia, Downs, Timothy M. & Stewart, Robert A. (1986). College Students Resistance Toward Teachers’ Use of Selective Control Strategies. Communication Research Reports 3(1): 20-27.

Quick, Brian L. & Stephenson, Michael T. (2007). Further Evidence That Psychological Reactance Can be Modeled as a Combination of Anger and Negative Cognitions. Communication Research 34(3): 255-276.

Vrugt, Anneke (1992). Preferential Treatment of Women and Psychological Reactance Theory: An Experiment. European Journal of Social Psychology 22(3): 303-307.

Europawahl-Inszenierung – Eine Analyse

Fangen wir mit der folgenden Gegenüberstellung an:

Hypothese 1: Wenn Wahlen schlichte Inszenierungen sind, bei denen es darum geht, Wähler mit der Symbolik ihres Einflusses und der angeblich von ihnen ausgehenden Volksgewalt abzufüttern, dann ist nach der (Europa)Wahl nichts anders als das Ergebnis zwischen den Parteien von Interesse.

InszenierungHypothese 2: Wenn Wahlen tatsächlich dazu dienen, Responsivität, wie viele Politikwissenschaftler glauben (wollen) zwischen Parteien und Wählern herzustellen, dann müssen Politiker nach der Wahl auf unübersehbare Trends in der Wählerschaft eingehen.

Die Tatsache, dass deutschlandweit 52% der Wahlberechtigten nicht an der Europawahl teilgenommen haben, ist ein unübersehbarer Trend (mindestens seit 1984), der Parteien zu denken geben müsste – und nicht nur Parteien.

Um unsere Hypothesen zu prüfen, haben wir eine kurze Erhebung durch den Online-Blätterwald durchgeführt, die keinerlei Anspruch auf Repräsentativität erhebt. Zudem haben wir für die beiden Parteien, die einmal von sich gesagt haben, sie seien Volksparteien die Reaktion ihrer Führer analysiert, und schließlich kommt der Präsident der EU-Kommission, Juan-Manuel Barroso zu Wort.

Hier das Ergebnis unserer kurzen Analyse:

1. Medien

Journalism isnt deadVorweg: Inszenierungen von Wahlen sind eine Form des Politainments, d.h. Bestandteil des Versuchs, Wähler für Politik zu interessieren, und wenn dies nicht gelingt, sie doch zumindest mit Polit-Klamauk zu unterhalten. Die Politik-Unterhaltung funktioniert dabei nicht über Inhalte, sondern über zumeist abgedroschene Floskeln, über mehr oder weniger lahme Konkurrenzkämpfe zwischen vermeintlichen Spitzenkandidaten und – wie könnte es anders sein – über Emotionen. Dabei wird versucht, Emotionen durch Begriffe zu schüren. Besonders geeignet sind Begriffe wie: Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Anti-[...(Beliebiges einsetzen] und, weil wir eine Europawahl vor uns hatten, Begriffe wie: Europakritik oder EU-Kritik (statt Kritik an Europa oder der EU). Man beachte, wie auf diese Weise Kritik desavouiert wird, wie versucht wird, Kritik als solche zu de-legitimieren und am besten noch mit Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus in Verbindung zu bringen.

Hier ein paar Beispiele aus dem Angebot der Mainstream-Medien:

Ausgang der Wahl

Die Europawahl hat ihren medialen Unterhaltungswert vor allem darin, dass der Erfolg von vermeintlichen Rechtspopulisten vor der Wahl redaktionell vorhergesagt wurde, um nach der Wahl zum Erfolg der Rechten oder Rechtsextremisten in Europa zu werden, der bejammert werden muss.

2. Parteien

Anders sieht die Welt bei CDU und SPD aus.

SPDBei der SPD ist man begeistert über: “Ein fantastisches Ergebnis”. Die Genossen freuen sich über einen “massiven Stimmenzuwachs” von 6,45 Prozent – “… der größte Zugewinn, den die SPD bei einer deutschlandweiten Wahl jemals erreicht hat”. (Da die Behauptung auf Prozentwerten basiert, ist man geneigt, den Genossen einen Stimmenrückgang auf 10 bei der nächsten Europawahl zu wünschen, damit sie sich bei der übernächten Europawahl über den Jahrhundertzugewinn von 100% freuen können, also von 10 auf 20 Stimmen.) “Wir sind wieder da”, freut sich “Parteichef Gabriel” und man wünschte sich, er wäre wirklich einmal weg gewesen, er und alle anderen, die das “wir” konstituieren. Und weil alles noch nicht reicht, noch das:

“Wir sind superstolz darauf, dass Du einer von uns bist”, sagte Gabriel unter großem Beifall zu Schulz. Dieser habe gezeigt, dass er Menschen in Europa überzeugen kann – “und vor allem kann er Menschen in Europa zusammenführen”, fügte der SPD-Vorsitzende hinzu. Das hätten die Bürgerinnen und Bürger gemerkt”.

Wenn man nicht wüsste, dass Schulz nur in Deutschland zur Wahl stand, man würde es fasst glauben, doppel-plus-gut-glauben – natürlich. Man kann festhalten, die SPD ist vollauf mit sich zufrieden, mit dem “fantastischen Ergebnis” und man ist “superstolz” darauf, dass der Herr Schulz einer von “uns” ist.

CDUBei der CDU geht es weniger jovial, dafür etwas gediegener zu: “Die CDU hat ihre Ziele im Europawahlkampf klar erreicht”. Entsprechend ist “[d]ie CDU mit dem Ergebnis zufrieden”, wie die CDU-Vorsitzende Angela Merkel “bestätigt”.  “Stimmenverschiebungen bei der Europawahl” werden dem Wegfall der Sperrklausel zugeschrieben und, ja, die CDU ist die “stärkste Kraft” in Deutschland geworden. Ansonsten weiß David McAllister, der Spitzenkandidat der CDU, von drei Wahlzielen: (1) stärkste Partei in Deutschland werden, (2) zur stärksten Fraktion in Europa gehören und (3) Jean-Claude  Juncker zum Präsidenten der EU-Kommission zu machen. Angesichts der Gehälter, die ein EU-Parlamentarier erhält, ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die Union so viele ihrer Kostgänger wie möglich über die Europäische Abgeordnetenkasse finanzieren lassen will.

3. Juan Manuel Barroso

BarrosoAuch Juan Manuel Barroso ist mit dem Ausgang der Europawahl zufrieden: “Citizens across the European Union have exercised their democratic right and made their voice count in the European Parliament elections. I thank all those who have voted.” Die Zugewinne der Parteien, die die Europäische Kommission und mit ihr alle Europäischen Institutionen lieber heute als morgen schließen würden (zumindest behaupten das einige, so dass man nicht anders kann als sie als die ersten politischen Altruisten zu sehen, die ohne mit der Wimper zu zucken, ihre eigene Einkunftsquelle beseitigen würden … oder vielleicht auch nicht?), diese Zugewinne erklärt Barroso eben einmal zur Folge der “biggest financial, economic and ultimately social crisis”, womit klar ist, wie die Verantwortlichkeiten verteilt sind, und wo sie vor allem nicht liegen. Weder die Gewinne von Front National, UKIP oder AfD noch die mit 43% europaweit geringe Wahlbeteiligung bei der Europawahl, haben etwas mit der Art und Weise, wie die EU geführt wird, geschweige denn etwas mit den Parteien und ihren Politiken zu zun. Die Finanzkrise ist schuld – besser noch: die Banker.

4. Was in Medien und auch sonst nicht vorkommt

Ach ja, Wahlbeteiligung. 48% der wahlberechtigten Deutschen haben sich an der Europawahl beteiligt. Das “fantastische Ergebnis” der SPD basiert auf der Fähigkeit, 12,9% der Wahlberechtigten zum Kreuz im Kreis für die SPD zu bewegen – fantastisch! Ebenso fantastisch wie die 16,7% Wahlberechtigten, die die CDU/CSU zu ihrer Wahl bewegen konnte. Bei der Europawahl 1984 hatten beide Parteien noch rund 42% der Wahlberechtigten für sich gewinnen können. Im Jahre 2014 sind daraus rund 30% geworden. Ein Rückgang von 29% – auch ein fantastisches Ergebnis.

Gäbe es Parteien, die tatsächlich der Ansicht sind, es wäre wichtig, Legitimation bei Wählern zu gewinnen, gäbe es Parteien, die Wahlen nicht als Inszenierungen ansehen, bei denen es egal ist, wie viele Eintrittskarten zum Spektakel verkauft werden, so lange das kalte Buffet nach der Vorstellung gesichert ist, sie wären erschrocken, erschrocken ob der geringen Popularität, die sie unter den Wahlberechtigten genießen. Entsprechend würden Sie überlegen, was an ihrem Angebot, an der Politik, die sie machen, falsch ist, unattraktiv, warum es ihnen immer weniger gelingt, Wahlberechtigte zur Wahlurne und dort zum Kreuz vor dem Namen ihrer Parteien zu bewegen.

Europawahl CDU-SPD Anteil SFsAber all das interessiert Politiker nicht. Nichts ist so uninteressant wie die Wahlbeteiligung. Relevant sind nur diejenigen, die sich wieder dafür hergegeben haben, ein marodes politisches System aus sich selbst bereichernden Parteioligarchen für weitere 5 Jahre zu legitimieren. Deshalb dankt Barroso auch nur den Wählern und würdigt die Tatsache, dass europaweit Wähler eine Minderheit darstellen, keines Wortes. Ein angeblich demokratisches Projekt, dessen Vertreter nicht erblassen oder aufschreien, wenn ihnen mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten die Gefolgschaft verweigert, ist schlicht kein demokratisches Projekt, sondern eines des Regierens ohne Rücksicht auf Verluste. Regieren ohne Rücksicht auf Verluste kann man nur damit erklären, dass die eigenen Interessen wichtiger sind als die Legitimation eines politischen Systems.

Der schöne Schein der Demokratie ziehrt nur die Fassade, hinter der Fassade sind andere Töne zu hören, vermutlich Töne der Verachtung für die Wahl-Lemminge, die abermals für die Legitimation gesorgt haben, die doch nur Zynismus und Verachtung bei Politikern zur Folge hat. Zynismus Marke Merkel: “Die Politik muss bei den Menschen ankommen” – nicht etwa: Die Menschen müssen in der Politik berücksichtigt werden.

Hypothese 1 ist somit bestätigt, Hypothese 2 entsprechend zu verwerfen.

 

Nichtwählen – Die Alternative für Demokraten?

Unser Beitrag über den Beginn der Europawahl im Vereinigten Königreich hat eine Diskussion über die Nichtwahl ausgelöst. Wir wollen diese Diskussion zum Anlass nehmen, um uns mit den drei Punkten zu beschäftigen, die Nichtwählern gewöhnlich entgegen gehalten werden:

  • Wählen ist demokratische Pflicht, Nichtwahl eine Abkehr von der Demokratie.
  • Wer nicht wählen geht, verschwendet den wenigen Einfluss, den er sowieso nur hat.
  • Wer nicht wählt, darf sich hinterher nicht beschweren.

Um diese Behauptungen zu untersuchen, ist es zunächst einmal sinnvoll, kurz zusammenzustellen, was der Zweck von Wahlen, ihre Funktion als solche ist:

EuropawahlWahlen sind institutionalisierte Inszenierungen, die der Legitimation des politischen Systems und seiner Akteure dienen. Ihr Ziel besteht darin, die Volksgewalt symbolisch von Wählern auf ihre Repräsentanten zu übertragen.

Wählen ist demokratische Pflicht, Nichtwahl eine Abkehr von der Demokratie.

Warum sollte Wählen eine demokratische Pflicht sein? Die Behauptung ist nicht ganz nachvollziehbar, denn Demokratien werden der Legende zufolge von autonomen und selbstverantwortlichen Individuen bevölkert, und deshalb kann Wahl keine Pflicht sein, setzt die Erklärung von Wahlen zur Pflicht doch die Existenz einer höheren Instanz voraus. Deren Existenz hätte zur Folge, dass Indivdiuen nicht autonom und selbstverantwortlich sein können, vielmehr weisungsgebunden, Wahl-weisungsgebunden sind.

Aber wer nicht wählen geht, der wählt damit die Demokratie ab.

Diese Behauptung ist ein klassischer Fehlschluss, denn aus der Tatsache, das jemand nicht wählen geht, folgt, dass er nicht wählen geht, nicht mehr und nicht weniger. Entsprechend kann die Nichtwahl gerade das Mittel sein, das zur Rettung der Demokratie eingesetzt wird, zum Beispiel dann, wenn sich eine autokratische Oligarchie gebildet hat, die ihre Ziele durch Wahl zu legitimieren sucht, Ziele, die mit demokratischen Grundwerten nicht zu vereinen sind.

Eine breite Abstinenz von der Wahl am 5. März 1933 hätte vermutlich nicht die Machtergreifung der Nationalsozialisten verhindert, aber ein Zeichen dahingehend gesetzt, dass die Machtergreifung nicht durch die Mehrheit der Wähler legitimiert ist. Da sich 88,7% der Wähler an der entsprechenden Wahl beteiligt haben und die NSADP mit 43,9% der Stimmen eine klare Mehrheit errungen hat, muss man leider feststellen, dass die NSDAP und alles was der Machtergreifung nachfolgt demokratisch legitimiert war.

Ob die angesprochenen Jugendlichen darauf hereinfallen?

Ob die angesprochenen Jugendlichen darauf hereinfallen?

Generell ist die Abstinenz von einer Wahl das einzige Mittel, das es ermöglicht, seine Hände vom vorhandenen politischen System zu waschen und nachfolgend keinerlei Verantwortung für das, was regiert wird, übernehmen zu müssen. Dies führt zum nächsten Irrtum, den Wähler immer wieder begehen, Wähler, die Parteien gewählt haben, die nicht in die Regierung gelangt sind und entsprechend Opposition sein sollen. Aus dieser Wahl der Opposition wird dann eine nicht-Verantwortung für das abgeleitet, was die regierende Partei oder die regierende Koalition tut.

Dies ist ein weiterer Fehlschluss: Bei Wahlen geht es darum, das gesamte System zu legitimieren. Es ist ein Kern demokratischer Willensbildung, dass durch Wahl das gesamte System legitimiert wird und dass die unterlegenen Wähler und Parteien sich an den demokratischen Grundkonsense halten und entsprechend ertragen, was die Regierung erlässt. Gewählte Opposition dient der Kontrolle der Regierung, muss also sichern, dass Verfahrensregeln eingehalten werden. Gewählte Opposition soll keinen Einfluss auf Inhalte haben. Ihre Funktion besteht nicht darin, Einfluss zu haben, sondern darin, Wähler, die in Opposition zur Regierung stehen, in das politische System zu integrieren.

Wer nicht wählen geht, darf sich hinterher nicht beschweren.

Wer wählen geht, stimmt implizit der Folge seiner Wahl zu, dass er dann, wenn er die Partei gewählt hat, die nicht in die Regierung gelangt ist, sich vier lange Jahre mit dem begnügt, was die nun Oppositionspartei weitgehend ohne Einfluss äußert. Wähler der Regierungs- wie der Oppositionsparteien erklären sich einverstanden, das zu ertragen, was die Regierungspartei im Namen von nunmehr allen Deutschen tut, und sie verpflichten sich, keinen gewaltsamen Versuch zu unternehmen, die Regierung zu stürzen.

rational-non-voterLogisch folgt daraus, dass nur, wer nicht wählen geht, das Recht hat, sich anschließend über das, was im Namen des deutschen Volkes im Bundestag veranstaltet wird, zu beschweren, denn die Parteien wurden durch ihn nicht legitimiert, und entsprechend sind sie auch nicht in der Lage, in seinem Namen zu regieren.

Wer nicht wählen geht, verschwendet den wenigen Einfluss, den er sowieso nur hat.

Das ist der ulkigste der Einwände, denn welchen Einfluss hat das Kreuz von Hans X auf das Wahlergebnis? Es ist eines dieser Mysterien moderner Gesellschaften, dass Akteure wählen gehen, wohlwissend, dass ihre Stimme dann, wenn sie nicht abgegeben worden wäre, keinen Unterschied bewirkt hätte: Weder wäre der Wahlausgang ein anderer noch wäre die Sitzverteilung eine andere. Die Stimme eines jeden Einzelnen ist demnach wirkungs-, wenn nicht nutzlos. Daher kann man durch Nichtwahl nichts verschwenden, denn die Wahl an sich hat keinerlei materiellen Gehalt. Sie mag für manche einen immateriellen Gehalt haben. Manche mögen affektiv oder aus sonstigen irrationalen Gründen an der Abgabe ihrer Stimme am Wahltag hängen, sie mögen denken, die Demokratie breche zusammen, wenn ausgerechnet sie nicht wählen, aber nichts davon ist der Fall, denn es ist nicht so, dass jede Stimme zählt, vielmehr haben Einzelstimmen keinen Wert.

Wahlen sind nämlich Verfahren, die ent-individualisieren. Hans X geht in der Gruppe der Wähler der SPD oder der AfD oder der CDU auf, wird zum Teil eines Ganzen. Er hört als einzelner Wähler auf, existent zu sein. Weil dem so ist, können die Interessen von Hans X durch die Wahl der Partei, die Hans X gewählt hat, auch nicht wahrgenommen werden. Das wäre auch zu viel verlangt, denn die Politiker in der gewählten Partei wissen gar nichts von den Interessen von Hans X. Sie wissen auch nicht um die Interessen ihrer anderen Wähler, weshalb sie auch die Interessen der anderen Wähler nicht wahrnehmen können. Vielmehr definieren Parteien die Interessen derjenigen, die sie gewählt haben, und zwar nachdem sie gewählt wurden.

Non voterSie oktroyiern Parteiinteressen auf Wähler und behaupten, die Parteiinteressen seien eigentlich die Interessen der Wähler. Entsprechend wird es zum Interesse aller Wähler erklärt, dass die EU Milliarden in die Subventionierung der Landwirtschaft steckt und damit die Preise für landwirtschaftliche Güter und für alle künstlich erhöht. Es wird zum Interesse aller erklärt, die wählen gehen, dass die EU-Kommission eine Frauenquote im Vorstand börsennotierter Unternehmen durchsetzt. Es wird zum Interesse aller Wähler erklärt, dass die Parteien im Bundestag sich eine üppige Parteienfinanzierung gönnen, dass sie politische Stiftungen unterhalten, die die Steuerzahler mehr als 500 Millionen Euro im Jahr kosten, dass sich Politiker Rentenansprüche zugestehen, die man angesichts der Kürzungen bei der Gesetzlichen Rentenversicherung nur als unanständig bezeichnen kann, und es wird zum Interesse aller Wähler erklärt, dass Parteien ihnen erklären, wem gegenüber sie tolerant und freundlich zu sein haben und wem gegenüber nicht.

Wahlen dienen der Legitimation des politischen Systems. Deshalb legitimiert jeder, der wählen geht, alles, was anschließend passiert. Es kann auch gar nicht anders sein, denn seine höchstpersönlichen Interessen sind Politikern in Opposition und Regierung überhaupt nicht bekannt. Daher wäre es mehr als ein Zufall, wenn ausgerechnet seine Interessen von einer Partei, egal, ob sie sich in Opposition oder Regierung befindet, umgesetzt würden. Wahlen sind symbolische Veranstaltungen, die dazu dienen, die Parteioligarchie zu legitimieren und damit alle Parteien.

Wer die gesamte Parteioligarchie nicht legitimieren will, der darf nicht wählen gehen.

Nichtwahl ändert natürlich nichts daran, dass Parteien und Politiker sich vornehmlich die eigenen Taschen füllen, aber jeder Nichtwähler trägt mit seiner Nichtwahl dazu bei, dass der Anschein der Demokratie, mit dem sich die Parteioligarchie umgibt, bröckelt und das darunterliegende Parteidiktat sichtbar wird. Und deshalb ist es zudem wichtig, dass Nichtwähler die Gründe ihrer Nichtwahl artikulieren und damit deutlich zu erkennen geben, dass sie wissen, dass sie nicht durch die Parteioligarchen repräsentiert werden.

P.S.
Wären Parteien tatsächlich an Demokratie interessiert, sie müssten sich hektisch auf den Weg machen, um die Gründe zu ermitteln, die Nichtwähler bewogen haben, der Wahl fern zu bleiben. Sie müssten sich – wie es in der Politikwissenschaft heißt – responsiv verhalten und etwas an ihrem personellen Angebot oder ihren Themen ändern. Die Tatsache, dass etablierte Parteien sich um Nichtwähler nicht kümmern, sie nur dann im Munde führen, wenn man Nichtwähler benutzen kann, um Schuld am Wahlausgang zu attribuieren, zeigt deutlich, dass Parteien nicht an Demokratie interessiert sind, sondern daran, ihre eigenen Interessen zu verfolgen, und die eigenen Interessen bestehen zunächst darin, sich selbst und dann seine Vasallen zu bereichern.

O’zapft is: Ab heute darf Europa gewählt werden

Panem et circences (Brot und Spiele), so wussten bereits die Römer, hält Reich und Leute zusammen. Panem et circences ist auch in modernen Gesellschaften das A und O der Stabilität. Ein besonderes Element in der Inszenierung moderner Staaten sind die allgemeinen und freien Wahlen, die z.B. dazu dienen, Parlamentsangehörige für Bundestag und Europaparlament zu bestimmen.

SPD_EP2014Nun, nach fünf langen Jahren, in denen man vom Europaparlament nur wusste, dass es in Straßburg (oder Brüssel) tagt, nun ist es soweit. Nach Wochen atemberaubenden Wahlkampfes, in denen die Wähler mit Fakten und der Wichtigkeit der Wahl zum Europaparlament, mit Hinweisen auf Großtaten der Europäischen Union bzw. auf die Missetaten der Europäischen Union traktiert wurden, dürfen sie nunmehr zur Tat schreiten und ihr Kreuz auf dem Zettel der Wahl machen.

Es ist dies ein wichtiges Kreuz. Es entscheidet darüber, wer nach Straßburg fahren darf, um dort ein Jahresgehalt zu kassieren, dass zwar nur 38,5% des Gehaltes eines Richters am Europäischen Gerichtshof erreicht, aber mit € 96.246,36 durchaus üppig ausfällt. Nicht zu vergessen die Reisetickets der Ersten Klasse, um nach Brüssel oder Straßburg zu kommen, sowie die € 4.243 für Reisen außerhalb der Europäischen Union. Und damit die Mitglieder des Europäischen Parlaments (MEPs) nicht auf Reisen vom Fleisch fallen, erhalten sie Verpflegungsgeld in Höhe von € 304 pro Reisetag. Da kranke MEPS, schlechte MEPs sind, und alle Europäer natürlich ein Interesse daran haben, dass erkrankte MEPs so schnell wie möglich wieder gesund werden, bekommen die MEPs die Kosten einer Behandlung zu 2/3 zurückerstattet. Die Gesundheit von MEPs geht wirklich über alles, deshalb wird auch Viagra zu 2/3 bezahlt. Schließlich, nicht zu vergessen, erhalten MEPs € 21.209 pro Monat um alle die Menschen zu beschäftigen, die Vorlagen der EU-Kommission, die Zeitung und die Reise-Wetterberichte für sie lesen, ihre Mitarbeiter.

CSU_Europa2014Es geht also um einiges für die Kandidaten, die sich aufmachen wollen, um in Brüssel oder Straßburg in einem Parlament zu sitzen und ausschließlich Gutes zu tun. Soweit ihnen das möglich ist, denn das Europäische Parlament ist eigentlich gar kein Parlament. Es ist keine Legislative, hat keinerlei Initiativrecht für neue Gesetze, wie dies für demokratische Parlamente die Norm ist. Das fehlende Recht soll damit kompensiert werden, dass das Europäische Parlament Gesetzesentwürfe, über die seine Mitglieder nach Ansicht der EU-Kommission reden dürfen, zurückweisen und ergänzen kann, eine Tätigkeit, die der Ministerrat zwar mit einem Federstrich zu Unfug erklären kann, aber es ist unzweifelhaft eine Tätigkeit. Und für diese Tätigkeit muss man entsprechend entlohnt werden, müssen alle 766 MEPs, die derzeit oder doch zumindest gelegentlich das Parlament bevölkern, entlohnt werden, … und Viagra bekommen.

Natürlich ist eine Wahl für die Bevölkerung wichtig, bietet sie doch die seltene Gelegenheit, zu der Politiker, die gewählt werden wollen, sich bei der Bevölkerung sehen lassen und um Stimmen buhlen -  mit ausgefeilten Parolen und wichtigen Inhalten, mit Slogans, die Anthony Downs bereits in den 1960er Jahren als denen, eines Waschmittelverkäufers vergleichbar, bezeichnet hat. Allerdings kann man einen Waschmittelverkäufer haftbar machen, wenn sein Waschmittel dreckig, statt sauber wäscht, bei MEPs ist dies nicht so. Dennoch ist Downs einer der Demokratietheoretiker, die mit ihrer Beschreibung der Funktion von Wahlen, der Realität am nächsten zu kommen scheinen.

Wahlen sind für Downs öffentliche Inszenierungen, einem Markt voller Marktschreier vergleichbar. Die Marktschreier preisen ihr Produkt an, um Kunden zu gewinnen. Die Kunden wiederum gehen freiwillig oder auch weniger freiwillig durch den Markt und kaufen das Produkt des Marktschreiers, dessen Werbung ihnen am besten gefällt. Man kann die Inszenierung einer Wahl auch als Parolenwettbewerb betrachten, an dessen Ende das Auditorium über die besten Parolen abstimmt, und die besten Paroler mit dem oben zusammengestellten üppigen Salär belohnt. Wie auch immer man es sehen will, für alle, die es mit Downs halten, sind Wahlen eine Form von Bewerbungsgespräch, bei dem Politiker bei Wählern um deren Stimme buhlen, die wiederum für die Politiker bares Geld wert ist.

Gruene_EP2014Dagegen stehen normative Demokratietheorien, wie sie z.B. Charles Taylor (2002) vertritt. Normative Demokratietheorien sehen die Wahl als eine ernste Angelegenheit, bei der die Volksgewalt auf Repräsentanten übertragen wird. Wahlen, so stellt z.B. Wichard Woyke zusammen (2005, S.18) dienen der (1) Legitimation des politischen Handelns der Gewählen und (2) der Repräsentation des politischen Willens der Wähler. Sie sollen eine (3) politische Richtungsbestimmung sein und (4) die Möglichkeit zur Abwahl vorheriger Repräsentanten bereitstellen sowie (5) das Eigeninteresse der Gewählten transportieren. Entsprechend beinhalte die Wahlentscheidung (6) die Herausbildung und Äußerung des Volkswillens und (7) die Machtzuweisung auf Zeit.

In Kurz: Wer wählen geht ist verantwortlich für alles, was anschließend in seinem Namen getan wird, d.h. er darf sich nicht darüber beklagen, was seine Vertreter anschließend tun, denn er hat sie zum Tun legitimiert und ermächtigt. Soviel zur Kritik an der Europäischen Union und ihren Institutionen. Nur wer nicht wählen geht, hat das Recht, sich über das zu beklagen, was aus Brüssel kommt.

Piraten_EP2014Wahlen haben auch einen altruistischen Charakter, haben Wähler doch eine Verantwortung gegenüber den Politikern, die keinen richtigen Beruf erlernt haben und nunmehr quasi darum betteln, man möge ihnen doch ein Auskommen in Straßburg (oder Brüssel) im dortigen Parlament ermöglichen. Aber es soll ja besonders hartherzige Menschen geben, die Nichtsnutzen nicht noch helfen wollen und statt dessen die Wahl und die damit einhergehende Legitimation verweigern. Und es soll Wähler geben, die sich angesichts des Angebots, das zur Wahl steht, abwenden und auf bessere Zeiten hoffen.

Schließlich finden Wahlen immer auf vorgedruckten Zetteln statt, mit vorgefertigtem Angebot, an dem Wähler nichts ändern kann. Bei uns ist das anders. Wir haben uns entschlossen, eine offene Wahl durchzuführen und die Leser von ScienceFiles darüber entscheiden zu lassen, was Sie für Europa wählen würden, wenn sie es könnten. Die Wahl ist natürlich allgemein und geheim, und wir werden die besten Wahlen auf ScienceFiles präsentieren. Und damit ein Anreiz geschaffen ist, prämieren wir den besten Wahlvorschlag mit einer ScienceFiles-Mug.

Zur Wahl:

Downs, Anthony (1968). Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen: J.C.B. Mohr.

Taylor, Charles (2002). Wieviel Gemeinschaft braucht die Demokratie? S. 11-29 in: Taylor, Charles: Wieviel Gemeinschaft braucht die Demokratie. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Woyke, Wichard (2005). Stichwort Wahlen. Ein Ratgeber für Wähler, Wahlhelfer und Kandidaten. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Kann man mit Deutschen alles machen?

Kultur wird von manchen verdächtigt, nationale Charakteristiken zu beinhalten. Geert Hofstede z.B. wird nicht müde zu behaupten, dass sich nationale Kulturen im Hinblick auf ihre Wertschätzung für Individualität, ihre Haltung gegenüber der Staatsmacht oder ihre Furcht vor Neuem unterscheiden, ein spezifisches “collective programming of the mind” aufweisen würden. Hofstede scheint Recht zu haben.

Deutsche waren nie ein sonderlich individualistisches und freiheitsliebendes Volk. Vielmehr haben es Deutsche immer wieder geschafft, sich mit den unterschiedlichsten Staatsformen zu arrangieren, vom Kaiserreich über die ersten republikanischen Gehversuche, vom Faschismus über seine Spielform den Sozialismus bis hin zu neuerlichen demokratischen Gehversuchen in Form einer Parteienoligarchie. Nie haben sich Deutsche gegen ihre installierte Obrigkeit gestellt, wenn man einmal vom Bananen-Reisefreiheits-Aufstand von 1989 absieht. Veränderungen der Staatsform kamen, wenn überhaupt von außen oder von oben, nie von unten.

Jerome K. Jerome, ein ebenso scharfer wie humorvoller Beobachter hat im Jahr 1900 die Deutschen und ihre nationalen Charakteristiken wie folgt beschrieben:

Three men on the bummel“Individualism makes no appeal to the German voter. He is willing, nay, anxious to be controlled and regulated in all things. He disputes not government, but the form of it. … In Germany, you make no responsibility upon yourself whatever. Everything is done for you, and done well. You are not supposed to look after yourself, you are not blamed for being incapable of looking after yourself. … ‘Get yourself born’, says the German government, ‘we do the rest. Indoors and outdoors, in sickness, in health, in pleasure and in work, we will tell you what to do. Don’t you worry yourself about anything” (Jerome, 1994: 196-198).

Seit dies geschrieben wurde, sind 114 Jahre vergangen, geändert scheint sich nicht viel zu haben. Aus der Oligarchie des Kaiserreiches ist zwischenzeitlich die Oligarchie der Partien geworden, deren Existenz allein der Regelung und Reglementierung der Gemeinschaft und der Verteilung von Gaben und Geschenken an besonderes treue und brave Untertanen gewidmet ist. Hier zeigt sich das wahre Deutschtum, wenn der moderne Polit-Ritter sich aufschwingt, um für Benachteiligte und Hilflose zu fechten, ihr Los erträglicher zu machen. Und wie Robin Hood tut dies der moderne Ritter, in dem er seine staatliche Gewalt einsetzt, um harmlosen Bürgern, die seines Wegs kommen, Abgaben und Steuern abzupressen.

Und die harmlosen Bürger zahlen. Fast, dass man den Eindruck haben könnte, sie zahlen gerne, machen sich gerne zum Wohltäter an der Gemeinschaft, geben gerne von dem, was sie mit ihrer Hände und zuweilen auch mit ihrer Gehirnzellen Arbeit erwirtschaftet haben. Es adelt den gemeinen Bürger, zu geben, es erhöht ihn, wenn er weiß, er ist nicht ganz unten, er ist einer der gibt, nicht einer, der nimmt.

Und geben tut er, ohne Murren und mit Freude an seinen Staat, den die politische Oligarchie immer dann beschwört, wenn sie ihrerseits Geschenke verteilen will, an sich oder an andere.

Nun gibt es eine Reihe Wissenschaftler, die sich das Treiben in Deutschland, so es sie interessieren würde, mit Verwunderung betrachten würden. Sind mache Wissenschaftler doch der Ansicht, Gerechtigkeitsempfinden habe etwas damit zu tun, seinen Leistungen entsprechend behandelt zu werden. Andere denken gar, dass Selbsterhaltung erste Bürgerpflicht und, mehr noch, in die conditio humana eingekerbtes Verhalten sei. Nicht zu sprechen von den Wissenschaftlern, die doch tatsächlich glauben, die Motivation, etwas zu tun, leide, wenn man nicht der Hauptnutznießer seiner Tätigkeit sei.

SteuerzahlertagkalenderAll die Wissenschaftler haben nicht mit dem deutschen Durchschnittsarbeitnehmer, dem deutschen Durchschnitts-Steuer-und-Abgabenzahler gerechnet, nein, sie wissen nicht einmal, wie es scheint, um seine Existenz. Entsprechend bleibt die deutsche Anomalie unerklärt. Niemand fragt sich, wieso der deutsche Staat einem Durchschnittsarbeitnehmer 52,38% seines Bruttolohnes abziehen kann, ohne dass er murrt, ohne dass er bemerkt, dass in den 52,38% die Vielzahl der Verbrauchssteuern, die er an seinen Staat zahlen darf, nicht enthalten ist, von der Kraftfahrzeug-, über die Benzin- und Sektsteuer, bis zur Kaffeesteuer. Des Deutschen Leidensfähigkeit ist immens, sein Vertrauen in die politische Oligarchie nicht zu erschüttern.

Auch seine Zukunft vertraut der Durchschnittsdeutsche fraglos seinem Staat und seiner politischen Oligarchie an. Entsprechend stört es ihn nicht, dass seine Rentenabgaben zu einer Rente führen, deren Rendite pro Jahr, in dem er Abgaben zahlt, um 1,4 Prozentpunkte unter der Rendite einer sehr konservativen Anlage seiner Abgaben am Kapitalmarkt liegt (Gaschke, 2008: 8). Auch scheint es den durchschnittsdeutschen Rentenbeitragszahler überhaupt nicht zu stören, dass ihm je nach Geburtsjahr zwischen 45% und 60% seiner Rentenbeiträge sofort entzogen und umverteilt werden. Und schon gar nicht stört es ihn, dass nunmehr, nach Abzug an seinen Rentenbeiträgen seine eigene Rente so gering geworden ist, dass er sich zusätzlich versichern muss, gegen Altersarmut. Der deutsche Durchschnittsbeitragszahler ist eben hart im Nehmen und edel im Geben.

Müttern und Frauen zum Beispiel, für die sich Rente lohnt, da sie in der Regel wenig einzahlen und überproportional entnehmen (selbst manche deutsche Wissenschaftler trauen sich hier, von einem Bruch des Prinzips der Teilhabeäquivalenz zu sprechen; Gascke, 2012: 608). Hier zeigt sich das wahre Gesicht des deutschen Durchschnittsbeitragszahlers: Er ist ein edler Ritter, der für seine Dulcinea del Toboso in den Kampf gegen Windmühlen zieht und dabei sein eigenes Wohl und sein eigenes Auskommen vergisst. Der deutsche Ritter nimmt seine Befriedigung daraus, dass er leistungsfähig genug ist, auf dass ihm genommen werden kann. Sein Selbstwert bestimmt sich aus seinem selbstschädigenden Altruismus.

Und den politischen Oligarchen gefällt es. Sie weiden sich an des Deutschen Langmut und Leidensfähigkeit, ersinnen immer neue Möglichkeiten, seine Erträge zu verteilen und sind mit Jerome K. Jerome in einem Punkte einig: They are good people, the Germans.

 

Gasche, Martin (2012). Bonusrente statt Zuschussrente. Wirtschaftsdienst 92(9): 605-612.

Gasche, Martin (2008). Renditevergleich zwischen Umlagesystem und Kapitaldeckungssystem. Allianz-Dresdner Economic Research, Working Paper 115.

 

 

Grüne Fehlschlüsse gegen rechte Parolen

Wenn am derzeitigen Europawahlkampf etwas spannend ist, dann ist es die Angst der etablierten Parteien vor dem Einzug der Parteien, die sie abwechselnd als europafeindlich, rechtspopulistisch oder rechtsextrem bezeichnen. Letztere, so hat es den Anschein, werden die Gewinner der kommenden Europawahl sein, egal, ob sie Front Nationale, United Kingdom Independence Party, Partij voor de Vrijheid, Lega Nord oder Alternative für Deutschland heißen und egal, für welche Inhalte sie stehen.

Das macht Angst in etablierten Reihen, denn es wird Stimmen, Sitze, Einkommen kosten und die Wahlkampfkostenerstattung reduzieren. Für etablierte Parteien werden die kommenden Europawahlen also voraussichtlich einen finanziellen Einschnitt bedeuten, und entsprechend zetern sie schon jetzt gegen die rechtspopulistischen, rechtsextremistischen oder europafeindlichen Parteien, über deren Wahlsieg sie sich offensichtlich ziemlich sicher sind.

Gruene_Parolen_1Ausgerechnet die Grünen haben sich aufgemacht, in diesen müden Europawahlkampf Fakten zu tragen, jedenfalls behaupten sie das: Fakten gegen rechte Parolen, so verkündet ihre Webpage, würden sie bereitstellen. Aber was sie bereitstellen ist eine Sammlung von Fehlschlüssen und impliziten Prämissen, die zeigt, dass die Grünen, dann, wenn es darum geht, inhaltsleere Parolen zu produzieren, niemandem nachstehen.

Die rechten Parolen, gegen die sich die grünen Fakten wenden sollen, entstammen im Wesentlichen vier Bereichen, die den Grünen besonders wichtig zu sein scheinen:

  • Homosexuelle
  • Frauenförderung
  • Migranten
  • und wirtschaftliche Entwicklung

Und los geht’s:

Homosexuelle

“Schwuler Sex ist pervers” – so die Behauptung, die die Grünen als rechtspopulistische Parole einer Entfaktung würdig sehen.

Die Fakten, die die Parole widerlegen sollen lauten: “Forscher haben Männern schwule Pornofilme gezeigt und ihre sexuelle Erregung gemessen. 80% homophobe Männer waren mäßig bis eindeutig erregt”.

Das ist ein red herring im Englischen oder ein Fehlschluss durch falsche Assoziation im Deutschen oder auch, etwas Formaler, ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, denn die vermeintliche Erregung vermeintlich homophober Männer hat keine argumentative Verbindung zur Aussage “schwuler Sex ist pervers”. Einmal davon abgesehen, dass es Sex unter Schwulen gibt, aber keinen schwulen Sex, hier ist der grüne Essentialismus durchgegangen, lässt das vermeintliche Forschungsergebnis nur den Schluss zu, dass es offensichtlich perverse Forscher gibt, die die Freiwilligkeit ihrer Probanden missbrauchen. Mehr nicht! Wer würde keine Reaktion zeigen, wenn ein angeblicher Forscher die Grenze zur Privatheit, die manche Menschen immer noch haben, auch wenn sich z.B. die Grünen alle Mühe geben, das Private aufzulösen, überschreitet?

Frauenförderung

Behauptung: “Wir brauchen keine Frauenquote. Allein Leistung soll entscheiden.”

Diese Behauptung wollen die Grünen dadurch entkräften, dass sie das Geschäftsergebnis des Thyssen-Krupp Konzern, dessen Vorstand aus 100% Männern besteht und der im Geschäftsjahr 2011/2012 5 Milliarden Euro Verlust gemacht hat, mit der lakonischen Frage: “So wie hier?” überschreiben.

Gruene_Parolen_2Fehlschluss der unzureichenden Repräsentativität oder der voreiligen Verallgemeinerung. Tversky und Kahneman (1986) haben gezeigt, dass dieser Fehlschluss vor allem bei Personen zu finden ist, die risikoavers sind und die es nicht gewohnt sind, rational zu denken. Besonders interessant ist die implizite Prämisse, denn so, wie die Behauptung von den Grünen formuliert wurde, macht ihre Gegenbehauptung nur Sinn, wenn sie implizit davon ausgehen, dass eine Frauenquote anstelle von Leistung über die Vergabe von Positionen entscheiden soll. Die Grünen wollen also das meritokratische Prinzip abschaffen, was verständlich ist, denn Leistung ist für die als Aufstiegskriterium hinderlich, die ohne Kompetenzen vorankommen wollen. Das trifft dann wohl auf viele Politiker zu, die die aussichtslose Hoffnung auf Aufstieg in der privaten Wirtschaft und im Wettbewerb mit anderen, durch die Parteikarriere, die ohne Vorkenntnisse möglich ist, ersetzt haben. Die zweite implizite Prämisse ist mittlerweile nur noch erschreckend, nicht mehr verwunderlich: Die Grünen denken tatsächlich, das Geschlecht derjenigen, die in einem Vorstand sitzen, hätte einen Einfluss auf das Betriebsergebnis des Unternehmens, bei dem sie im Vorstand sitzen. Spannend, mit welch rassistischen/sexistischen Ideen die Grünen heutzutage hausieren gehen.

Behauptung: “Ich glaube nicht, dass es überhaupt eine Benachteiligung von Frauen gibt”.

Grüne vermeintliche Fakten: So viel verdienen Frauen in Europa weniger, u.a. EU-Durchschnitt: 17%, Deutschland: 22%.

Europa, die Grünen mögen es nicht wissen, ist größer als die EU, aber das nur am Rande. Wir finden hier den üblichen Trick, mit dem regelmäßig versucht wird, die hier behauptete Benachteiligung von Frauen zu belegen, nämlich dadurch, dass eine ungleiche Verteilung mit Benachteiligung gleichgesetzt wird. Wenn dieser hanebüchene Unsinn von Grünen tatsächlich geglaubt wird, dann sollten sie alles Einkommen, das Mandatsträger und Parteisoldaten oberhalb des Nettoäquivalenzeinkommens verdienen, an die abgeben, die weniger verdienen, um deren Benachteiligung auszugleichen.

Die Zahlen sind übrigens falsch. Das Statistische Bundesamt bemüht sich nun schon seit Jahren Politikern den Unterschied zwischen einem bereinigten und einem unbereinigten Gender Pay Gap nahezubringen – erfolglos. Politikern im Allgemeinen und Grünen im Besonderen, scheint es völlig unnachvollziehbar, dass das Entgelt, das man erhält, etwas mit Leistung, Arbeitsstunden, Überstunden, Erfahrung usw. zu tun hat, dass, mit anderen Worten, eine Ungleichverteilung zwischen Männern und Frauen deshalb besteht, weil Männer mehr Einsatz auf dem Arbeitsmarkt zeigen als Frauen.

Migranten

Behauptung: “Aylbewerber sind viel zu teuer”.

Grüne (angebliche) Fakten, u.a. Höhe der Sozialausgaben: 126 460 940 000 Euro, Höhe der Asylausgaben: 1 096 209 000 Euro.

Gruen_Parolen_3An sich ist es löblich, dass die Grünen auf die unglaubliche Höhe der Sozialausgaben in Deutschland hinweisen und die geringere Summe, die für Asylbewerber aufgebracht werden muss, dagegen stellen. Nur: Das hat mit der Behauptung nichts zu tun, denn “viel zu teuer” ist eine Bewertung, die man nicht durch absolute Zahlen entkräften kann. Die Behauptung ist eine Frage des Geschmacks. Manch einem sind Politiker, gemessen an dem, was sie (sich) leisten, viel zu teuer, und ein anderer wird denken, Banker sind überbezahlt. Wieder ein anderer mag die Ausgaben für die Subventionierung der Landwirtschaft als zu hoch ansehen und behaupten, die Landwirtschaft sei viel zu teuer. Derartige Aussagen kann man nur dadurch versuchen, zu entkräften, dass man sie, ja, jetzt kommt es wieder, mit Gegenleistungen gewichtet, mit dem, was für die Sozialabgaben zurückkommt, mit dem, was Asylbewerber beitragen (könnten wenn sie dürften). Wie es scheint, wird den Grünen ihr nicht vorhandenes Verhältnis zu Leistung abermals zum Verhängnis.

Wirtschaftliche Entwicklung

Behauptung: “Deutschland braucht den Euro nicht”.

Grüne (vermeintliche) Fakten: Grafik der Leistungsbilanz Deutschlands vor und nach Einführung des Euro im Jahre 1999. Nach 1999 ist ein Anstieg zu sehen.

Leider haben die Grünen auch hier das Thema verfehlt, denn dass Deutschland den Euro nicht braucht, ist eine Aussage, die die Behauptung in sich trägt, dass z.B. die Leistungsbilanz ohne die Einführung des Euro zumindest nicht schlechter wäre. Und weil man der Grafik nicht entnehmen kann, wie es sich mit der Leistungsbilanz verhalten hätte, wäre Deutschland nicht der Eurozone beigetreten, ist sie gänzlich ungeeignet, um die Behauptung zu widerlegen.

Behauptung: “Die Griechen machen sich auf Deutschlands Kosten ein schönes Leben”.

Grüne (vermeintliche) Fakten: Deutsche Nettozahlungen an Griechenland seit 2010: 0%; Anstieg der Suizidrate in Griechenland zwischen 2009 und 2012: 30%

Durkheims SelbstmordFangen wir unten an: Ein Anstieg von 30% sagt überhaupt nichts aus, wenn die Basis nicht angegeben wird, denn wenn sich 2009 3 und 2012 4 Griechen selbst getötet haben, dann entspricht dies einem Anstieg um etwas mehr als 30%. Was deutsche Nettozahlungen an Griechenland sind, ist eine spannende Frage, und welche Rolle die Zahlungen an EZB und Rettungsfonds dabei spielen, eine noch spannendere. Leider geben die Grünen keine Auskunft darüber, was sie alles als Zahlungen und Gegenleistungen, verrechnet haben.

Generell stellt sich die Frage, was ein schönes Leben mit der Suizidrate zu tun hat. Schon Emile Durkheim hat vier Arten des Suizids unterschieden, und darunter waren drei, die nicht aus ökonomischer Verzweiflung erfolgt sind. Wie es am Anfang war, so ist es auch am Ende: Wir haben es mit einem Fehlschluss der falschen Assoziation zu tun. Ein beliebtes Mittel unter Möchtegern-Manipulatoren, das mit Fakten nichts zu tun hat.

Angesichts der vielen Fehlschlüsse, der Taschenspielertricks und der Manipulationsversuche, die die Grünen auspacken, um die “rechte[n] Parolen” zu widerlegen, muss man feststellen: Hier soll der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben werden, mit kleinbürgerlich[um nicht zu sagen bourgeois)-grünpopulistischen Parolen.

Stellt sich abschließend die Frage, ob die Grünen selbst so dumm sind, wie es sich hier darstellt, oder ob sie ihre Wähler für so dumm halten, dass sie auf kleinbürgerlich-grünpopulisische Parolen hereinfallen.