Mit Korbflechten zurück auf den Arbeitsmarkt: Wie Bildungsträger Langzeitarbeitslose missbrauchen

Arbeitslosigkeit ist teuer, kostet Steuerzahler viel Geld. 20,1 Milliarden Euro sind im Haushalt von 2015 für Ausgaben im Rahmen der Erstattung von Arbeitslosengeld II vorgesehen. 19,2 Milliarden Euro waren es im Haushalt 2014, 18,9 Milliarden im Jahr davor. Die Tendenz ist demnach steigend. Um die Kosten der Arbeitslosigkeit dadurch zu senken, dass Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden, gibt es sogenannte “Maßnahmen im Rahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik”.

Statistik ArbeitsloseDabei handelt es sich im Wesentlichen um Maßnahmen, die sogenannte Bildungsträger anbieten. Deren Ziel besteht darin, Langzeitarbeitslose in eine Anstellung und aus der Arbeitslosigkeit zu bringen. Entsprechend entstehen im Bemühen, die Kosten der Langezeitarbeitslosigkeit zu reduzieren, zunächst weitere Kosten: 7,2 Milliarden Euro waren im Haushalt 2012 für damals “Arbeitsförderung” vorgesehen. Seit 2013 stehen jährlich 3,9 Milliarden für nunmehr “Eingliederung in Arbeit” bereit.

Ob diese jährlich 3,9 Milliarden Euro sinnvoll eingesetzt sind, daran gibt es erhebliche Zweifel. So kommt eine Untersuchung von Mitarbeitern des IAB in Nürnberg zu dem Ergebnis, dass Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nur dann einen positiven Effekt auf die Arbeitsmarktchancen von Langzeitarbeitslosen haben, wenn das Klima auf dem Arbeitsmarkt positiv ist und wenn die Langzeitarbeitslosen es schaffen, eine Weiterbildung in Unternehmen oder in Anbindung an ein Unternehmen zu erreichen (betriebliche Weiterbildung).

Das Gros der Bildungsmaßnahmen, die von sogenannten Bildungsträgern angeboten werden, hat dagegen keinen bzw. einen negativen Effekt auf die Arbeitsmarktchancen von Langzeitarbeitslosen.

Überträgt man die vorsichtigen Formulierungen, die Mitarbeiter des IAB in der Regel wählen, in Klartext, dann folgt aus dem Ergebnis, dass die meisten Maßnahmen zur Weiterbildung bzw. zur beruflichen Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen nicht dazu dienen, die Langzeitarbeitslosen wieder in “Lohn und Arbeit” zu bringen, sondern den Anbietern der entsprechenden Maßnahmen und ihren Beschäftigten üppigen Lohn und Arbeit zu verschaffen. Anders formuliert, die gut 19 Milliarden Euro, die seit 2012 ausgegeben wurden, um Maßnahmen von Bildungsträgern zu finanzieren, wurden vornehmlich dafür ausgegeben, die Bildungsträger zu finanzieren. Wollte man demnach die Kosten von Arbeitslosigkeit senken oder Hartz-IV-Empfänger finanziell besser stellen, dann wäre die erste Maßnahme: Die Finanzierung von Maßnahmen durch Bildungsträger, die der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt diesen sollen, zu streichen.

Dann wäre auch gewährleistet, dass Maßnahmen, wie die folgende, nicht von Steuerzahlern finanziert werden müssen.

FAB-LogoVorab: Was nun kommt, ist keine Satire. Die FAB gGmbH, die “Kompetenz aus Leidenschaft” sucht, bietet oder schätzt, was auch immer, die FAB, die einen Geschäftsbericht vorlegt, bei dem man denkt, es handle sich um ein Kinderbuch, das keinerlei Inhalt, dafür ganz viel heile Welt vorführt, sie hatte 2013, wie der einzigen verwertbaren Seite des Geschäftsberichts entnommen werden kann, 252 Mitarbeiter und 5 Auszubildende. Im Bereich Bildung bietet die FAB 30 “zertifizierte Maßnahmen” und 27 Kurse mit 831 Teilnehmern. 4 erfolgreiche “Abschlüsse Ausbildung” sind im Jahr 2013 Frucht der Bemühungen der FAB, 53 erfolgreiche Vermittlungen aus Kursen (wohin auch immer) und 105 erfolgreich abgelegte Prüfungen “Deutsch für Zuwanderer”.

Informationen dazu, welchen Umsatz das Unternehmen generiert, welche Mittel eingesetzt werden, um Bildungsangebote zu machen, sucht man im Geschäftsbericht 2013 vergeblich. Die gGmbH ist eben eine Ansammlung guter Menschen, und die sprechen bekanntlich nicht über Geld, sie kassieren es nur – gemeinnütziges Kassieren ohne Rechenschaftspflicht.

Eine der zertifizierten Maßnahmen, deren Ziel darin besteht, Langzeitarbeitslose wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen, nennt sich:

Abenteuer Korbflechten:

FAB korbflechtenDas Projekt „Men Fit For Work“ bei FAB gGmbH für Frauen Arbeit Bildung (FAB) ist ein gemeinsames Projekt mit dem Jobcenter Wetterau für langzeitarbeitslose Männer im Alter über 50 Jahre.

Damit werden seit Beginn des Jahres 2014 neue Akzente gesetzt: In diesem Projekt sind “Männer unter sich”. Sie planen und organisieren weitestgehend eigenständig die Themen und setzen ihre individuellen und unterschiedlichen Ressourcen ein: Jeder Teilnehmer bringt das ein, was er kann und will. Die Männer aktivieren verborgene Kompetenzen und steigern mit ihrem Können und “Know how” ihr Selbstwertgefühl.”

Die Maßnahme ist also eine Form der Tiefenpsychotherapie, deren Ziel nicht etwa darin besteht, denn langzeitarbeitslosen Männern Kompetenzen zu vermitteln, die sie auf dem Arbeitsmarkt benötigen, sondern darin, sie etwas bei sich entdecken zu lassen und ihr Selbstwertgefühl zu steigern. Und wie könnte man das Selbstwertgefühl besser steigern als mit einem “Werkserlebnis”?

“Das wichtigste Element dieses Projektes ist ein Werkserlebnis, das die Kursteilnehmer durch eine selbstbestimmte Arbeitsweise wieder näher an den Arbeitsmarkt bringen soll. So haben die Teilnehmer bereits mit Kreativität und Freude das Gelände der Kinderfarm Jimbala in Friedberg baulich gestaltet.

Nun wurde ein weiteres Werkserlebnis von der FAB-Projektleiterin, Monika Schamberger organisiert, einen Besuch der staatlich geprüften Korbmacherin Katja Schyrer aus Ranstadt. Sie stellte den Teilnehmern ein traditionelles, heute rar gewordenes Handwerk vor.

Schyrer brachte Bündel ungeschälter, eingeweichter Weide in den Kurs mit. Jeder in der Gruppe war eingeladen mitzumachen und sich an etwas so Neues und Komplexes wie das Flechten eines Korbes heranzuwagen. Das Flechten von Weiden war für die Gruppe eine interessante und anspruchsvolle Aufgabe. Einige Teilnehmer beschwerten sich über “zwei linke Daumen“. Schyrer übernahm nun die fachliche Anleitung und gab Unterstützung beim Flechten, die gern angenommen wurden. [Fehler im Original]”

Ist es nicht erstaunlich, dass die “weitestgehende”, “eigenständige” Planung der Männer dennoch organisatorischer Unterstützung durch die “FAB-Projektleiterin” benötigt?

To be fair, auf die Idee, der staatlich geprüften Korbmacherin Katja Schyrer, vermutlich eine Bekannte der FAB-Projektleiterin Monika Schamberger, einen Besuch abzustatten, vermutlich einen kostenpflichtigen Besuch, was zeigt wie breit der Kreis derer ist, die an “Maßnahmen zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt” profitieren, wären die Männer über 50, die an der Maßnahme teilnehmen, vermutlich nicht gekommen.

Wer kommt auf eine solche Idee, wenn es darum geht, einem Langzeitarbeitslosen der mehr als 12 Monate arbeitslos ist, dabei zu helfen, einen Arbeitsplatz zu finden? Beim FAB kommt Monika Schamberger auf die Idee, einen Korb zu flechten und die Vermittlungschancen der Männer ab 50, die nunmehr in ihre Bewerbungen schreiben können, sie hätten schon einmal in ihrem Leben einen Korb geflochten, damit zu erhöhen.

Wie gesagt, das ist keine Satire.

Es ist vielmehr Alltag deutscher Bildungsträger, die sich mit mehr oder weniger sinnlosen Angeboten, mit mehr oder weniger Häme oder Zynismus auf dem Rücken von Langzeitarbeitlosen ein üppiges Auskommen verschaffen.

Die FAB gGmbH ist hier nur ein Beispiel unter vielen.

Aber, wir wollen die folgende Meldung nicht unterschlagen:

“Das Konzept von Men Fit For Work hat sich auch als “Türöffner zum ersten Arbeitsmarkt” bewährt. Jüngstes Beispiel: Einer der Teilnehmer hat aus dem Kurs heraus eine 3-monatige Qualifizierung zum Lageristen aufgenommen und ist inzwischen in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen worden.”

Vielleicht haben die Kurse bei der FAB gGmbH ja den Effekt, dass die Teilnehmer die entwürdigende Art und Weise, in der sie gezwungen werden, auch noch den letzten Unsinn, der in diesem Fall Monika Schamberger eingefallen ist, mitzumachen, sich flux nach einer Arbeit umsehen, schon um dem Kurs “Men Fit For Work” zu entkommen und wieder in der normalen Welt, der Welt sinnvoller Betätigung, Fuss zu fassen.

EU-Kommission will Gleichstellungs-Strategie beenden und braucht Unterstützung!

Dies ist keine Satire!

European-Commission-logo-301Zum Ende des Jahres 2015 läuft die Gleichstellungsstrategie der EU-Kommission aus. In der Europe2020- Strategy der EU Kommission kommt Gleichstellung nicht mehr vor, so dass man kein Hellseher sein muss, um zu wissen: Bei der EU-Kommission will man das Gleichstellungsbrimborium und somit die Möglichkeit für unzählige Frauenverbände, die in den letzten Jahrzehnten wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, sich am Geld der Steuerzahler gütlich zu tun, beenden.

Und wie häufig, wenn die EU-Kommission etwas vorbereitet, was im Ministerrat auf Widerstand, z.B. aus Deutschland stoßen könnte, gibt es eine Public Consultation, und zwar unter diesem Link.

Ziel der Konsultation ist es “to collect the views of a broad public in the context of the preparation of the Commission’s policy on equality between women and men after 2015.” Mit anderen Worten, die EU-Kommission will herausfinden, wie groß der zu erwartende Widerstand gegen eine Abschaffung der Gleichstellungs-Strategie ist und aus welchen Ländern er vor allem kommen wird, bevor sie ihre Marschroute endgültig festlegt.

Deshalb gilt’s.

Wir rufen alle unsere Leser und alle, denen die so genannte Gleichstellungspolitik der Europäischen Union und in ihrer Nachfolge der Mitgliedsstaaten reicht, dazu auf, der EU-Kommission diese Gleichstellungs-Überdrüssigkeit zurückzumelden, und zwar dadurch das Ausfüllen des öffentlichen Fragebogens der Public Consultation.

Der kurze Fragebogen umfasst 13 Fragen zur Equality-Strategy der EU. Wir haben den Fragebogen bereits ausgefüllt und hoffen, dass noch viele unserem Beispiel folgen. Als Service für all diejenigen, die des Englischen nicht mächtig sind, hier die Übersetzung der Fragen und was wir angekreuzt haben:

  • Beanworten Sie diesen Fragebogen in einer professionellen Rolle oder im Auftrag einer Organisation?
    • unsere Antwort: No
  • In welchem Land leben Sie?
    • unsere Antwort: United Kingdom
    • Spezifizieren Sie bitte die Region
      • unsere Antwort: Carmarthenshire
  • Die derzeitige Strategie der Europäischen Kommission zur Gleichheit von Männern und Frauen hat die folgenden Prioritäten … Sind Sie der Ansicht, diese Prioritäten sollten auch nach 2015 für die Arbeit der EU-Kommission gelten?
    • unsere Antwort: No
  • Hier ist eine Liste von Ungleichheiten, die zwischen Männern und Frauen bestehen können. Mit welchen dieser Ungleichheiten sollte sich die EU-Kommission dringend beschäftigen?
    • unsere Anwort: None
  • Gibt es nach Ihrer Meinung eine bestimmte Gruppe von Männern und Frauen, die der gezielten Aufmerksamkeit der EU-Kommission bedarf, um Gleichheit herzustellen?
    • unsere Antwort: None of these groups should be targeted specifically
  • Auf welche Bereiche sollte sich die EU-Kommission nach Ihrer Ansicht im Hinblick auf die Gleichheit zwischen Männern und Frauen konzentrieren?
    • unsere Antwort: None
  • Ein Ziel der EU besteht darin, die Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Mit welchen der folgenden Mitteln ist dies nach Ihrer Meinung zu erreichen?
    • unsere Antwort: None
  • Was sollte getan werden, um eine gleichere Verteilung des Carings um Kinder oder den Haushalt zwischen Männern und Frauen zu erreichen?
    • unsere Antwort: None
  • Welcher der folgenden Maßnahmen kommt nach Ihrer Ansicht die größte Bedeutung zu, wenn es darum geht, die wachsende Nachfrage älterer Menschen nach Pflege und die daraus entstehenden Belastungen gleichermaßen auf Männer und Frauen zu verteilen?
    • unsere Antwort: None
  • Welche der folgenden Politiken sollte die EU Kommission priorisieren, um Gewalt auf Grund von Geschlecht zu bekämpfen?
    • unsere Antwort: None
  • In welchen der folgenden Politikfelder der EU sollte die Geschlechterperspektive besser integriert werden?
    • unsere Antwort: None
  • Welche Maßnahmen sind nach ihrer Erfahrung die wirkungsvollsten im Hinblick auf die Verbesserung des Gender Mainstreamings in großen öffentilchen Verwaltungen, die EU Kommission eingeschlossen?
    • unsere Antwort: None
  • Eine gute Partnerschaft mit allen Beteiligten ist der Schlüssel zur Gleichheit zwischen Männern und Frauen. Welche Beteiligten sind nach ihrer Ansicht die wichtigsten im Hinblick auf die Gleichheit zwischen Männern und Frauen?
    • unsere Antwort: None

Es folgt ein Feld, das genutzt werden kann, um einen kurzen Kommentar abzusetzen, der die eigene Meinung zur Notwendigkeit einer Gleichstellung von Männern und Frauen auf den Punkt bringt.

Wir haben unter anderem geschrieben:

The mission for equality between men and women is accomplished.

Move on to important issues.

Noch einmal die eindringliche Bitte: Unterstützt die EU-Kommission in ihrem Bemühen, das Ende des Gleichstellungs-Brimboriums dadurch einzuleiten, dass Gleichheit zwischen Männern und Frauen aus der Strategie der EU-Kommission ebenso verschwindet, wie von deren Prioritätenliste.

Also verteilt die Links und reicht unsere Übersetzung an die weiter, die der englischen Sprache nicht mächtig sind.

Hier noch einmal die Links:

Die Seite der Public Consultation zu “Equality between women and men in the EU

Der Frageboben zur Public Consultation.

Wie Linke und Opportunisten am Rechtsextremismus verdienen

Unter den Mitgliedern der ScienceFiles-Redaktion, die Politikwissenschaft oder Soziologie studiert haben, ist der Zustand der deutschen Politikwissenschaft, von der, gäbe es nicht Werner Patzelt oder Oskar Niedermayer, niemand genau sagen könnte, ob es sie noch gibt, ein Gegenstand wiederkehrender Diskussion und regelmäßiger Verwunderung.

Robert Michels - Zur Soziologie des ParteienwesensPolitikwissenschaft, das ist unter anderem die Wissenschaft von den politischen Systemen, von Herrschaftsformen und Methoden der Herrschaft, von der Demokratie und den Mechanismen, die notwendig sind, um eine Demokratie am Leben zu erhalten bzw. zu verhindern, dass die Demokratie – in Abwandlung eines Buchtitels von Hans Herbert von Arnim – zur Beute der Parteien und der Legionen von Nutznießern, die sie in ihrem Schlepptau haben, wird.

Das Letztgenannte ist ein Punkt ständiger Verwunderung, denn die wichtigste Aufgabe der Politikwissenschaft besteht darin, Fehlentwicklungen, Nepotismus-Netzwerke, antidemokratische Tendenzen bei Staat und Verwaltung, Versuche, das eigene Dasein auf Kosten der Steuerzahler zu fristen, nachzuzeichnen, die Herrschenden entsprechend zu kontrollieren und Informationen bereitzustellen, um die jeweiligen Fehlentwicklungen zu bekämpfen und zu beseitigen. Nur: Diese wichtigste Aufgabe der Politikwissenschaft: Niemand nimmt sie wahr. Sie ist vergessen, untergegangen im Wust politisch korrekter Erforschung sozialistischer Einheitsträume und vermeintlich rechtsextremistischer Tendenzen.

Wenn man das Häuflein Rechtsextremisten betrachtet, auf das der Verfassungsschutz zurückgreifen muss, um seinen jährlichen Bericht unter der Rubrik “Rechtsextremismus” zu füllen, wenn man dann noch die V-Männer abzieht, um ungefähr auf die Anzahl aktiver Rechtsextremisten zu kommen, dann kann man nicht anders als sich darüber zu wundern, dass diesem Häuflein eine derat große Aufmerksamkeit in der institutionalisierten Politikwissenschaft, den Medien und natürlich: im Bundestag gewidmet wird.

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass die obligatorische kleine Anfrage zu rechtsextremistischen Straftaten gestellt wird:

Von der Linken, oder von der Fraktion der Linken oder von der Fraktion Die Linke, oder von der Fraktion Die Linke, oder von der Fraktion der Linken, oder von der Fraktion der Linken.

Das Bedürfnis, von rechtsextremen Straftaten zu erfahren, ist bei der Linken in einem bedenklichen Ausmaß ausgeprägt, fast könnte man die Linken als Rechtsextremismussüchtige bezeichnen. In jedem Fall wäre eine Daueranfrage zu rechtsextremistischen Straftaten oder ein Livefeed auf der Seite des Bundestages einfacher als die Beantwortung der ständigen Anfragen. Aber das geht natürlich nicht, denn dazu gibt es zu wenige rechtsextreme bzw. als rechtsextrem motiviert klassifizierte Straftaten.

KampfstiefelDas füllt keinen Livefeed, und außerdem würde es die ganze Symbolik zerstören, die Symbolik, die dazu dient, Rechtsextremismus nicht als Angelegenheit eines kleinen Häufleins von Springerstiefelträgern darzustellen, sondern als schleichendes Gift, an dem die deutsche Demokratie hinsiechen würde, gäbe es nicht die wachsame Fraktion der Linken und die vielen Tausend Engagierten, die ihr Geld rein zufällig – und völlig altruistisch versteht sich – am Rechtsextremismus verdienen und daher ein massives Interesse daran haben, dass es Rechtsextremismus nicht nur gibt, sondern auch daran, dass es Rechtsextremismus in Monsterausmaß gibt, dass er eine Riesengefahr darstellt.

Damit sind wir beim Geschäft mit dem Rechtsextremismus angekommen, bei all denen, die dann, wenn es den Rechtsextremismus nicht gäbe, arbeitslos wären und kraft fehlender Qualifikation, denn außer Rechtsextremismus invokieren und verbal bekämpfen können sie meist nichts, auch bleiben würden. Wie gut, dass es Bundesministerien gibt, die nichts anderes tun, als derartig wichtige Schattenkämpfer, die auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht vermittelbar sind, in Lohn und Brot zu bringen.

Für diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen schaffen Anfragen der Linken und moralisch empörte Berichte über ein paar Verprengte, die Drohungen absondern, die Legitimation. Deshalb sind sie wichtig, deshalb ist es wichtig, die Gefahr von Rechtsextremismus hochzureden und in schillernden Farben zu malen, denn Rechtsextremismus ist für Linke ein Geschäft: Sie verdienen am Rechtsextremismus.

Das ist der zweite Punkt der Verwunderung, bei dem wir regelmäßig ankommen: Kein Politikwissenschaftler traut sich oder kommt auf die Idee, die Verwebungen, Netzwerke sagt man heute, Vetternwirtschaft oder Nepotismus hat man früher gesagt, Basenwirtschaft wäre wohl der empirisch treffendste Begriff, die zwischen Bundesministerien und den Myriaden von Instituten, Stiftungen, Vereinen und sonstigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen-Anbietern bestehen, zu untersuchen. Niemand fragt sich, wo Millionen von Steuergeldern, die in “Maßnahmen zur Stärkung der Vielfalt”, die sich den Zielen verschrieben haben “Toleranz fördern – Kompetenz stärken” eigentlich versickern.

Geh sterben30,4 Millionen Euro sind allein im Jahr 2014 für die entsprechenden Maßnahmen und im Einzelhaushalt des Bundesminsiteriums für FSFJ vorgesehen, 30,4 Millionen Euro, die elementar wichtig sind, für eine Vielzahl von Instituten, Stiftungen, Vereinen und Organisationen, die sich im Speckgürtel des BMFSFJ angesiedelt haben und von den ministerialen Steuergaben leben, die ohne diese ministerialen Steuergaben gar nicht lebensfähig wären, Organisationen, wie z.B. die Amadeu Antonio Stiftung, von deren Hate Speech Attacken wir gestern berichtet haben.

Die Amadeu Antonio Stiftung ist eine singuläre Erfolgsgeschichte. Gerade einmal im Jahre 1998 gegründet, sitzen diejenigen, die sich Amadeu Antonios Namen bedienen, mittlerweile auf einem Gesamtetat von 1.389.257,70 Euro (2013). Das verrät die Ergebnisrechnung, die neben der Rudimentär-Bilanz die spärlichen Informationen über die Finanzen der Amadeu Antonio Stiftung bereitstellt.

Wie so oft, wenn Steuergelder von Ministerien in Stiftungen oder Vereine zur Durchführung von “Maßnahmen” kanalisiert werden, lässt die Dokumentation, die Transparenz, die Rechenschaftslegung gegenüber denjenigen, die die Mittel bereitstellen (das sind die Steuerzahler), sehr zu wünschen übrig, bleiben die entsprechenden Stiftungen und Vereine regelmäßig und weit hinter dem zurück, was Unternehmen zu veröffentlichen per Gesetz verpflichtet sind. Offensichtlich gilt in Deutschland die Regel, dass über privates Kapital erschöpfend Auskunft erteilt werden muss, während die Verwendung von Steuergeldern mit dem Mantel der Geheimhaltung versehen werden muss.

Die Amadeu Antonio Stiftung hat ihre Geschäftsräume in Berlin, in guter und teurer Lage unter den Linden. Der Stiftungssitz ist Heidelberg. Die Steuerbefreiung der vermeintlich gemeinnützigen Stiftung wurde vom Finanzamt Weinheim ausgestellt. Die Verwaltung des Stiftungsvermögens und der Stiftungsangelegenheiten obliegt der Stiftungs- und Fördergemeinschaft Modellprojekte GmbH (SFGM) in Weinheim, deren Gesellschafter wiederum die Freudenberg Stiftung ist, die die Gründung der Amadeu Antonio Stiftung nach eigenen Angaben (S. 59) unterstützt hat, an deren Stiftung sie beteiligt ist und die sie bis heute mitfinanziert (S. 105), und zwar mit rund 90.000 Euro jährlich (180.350 Euro für die Jahre 2003 und 2004).

Weitere 150.000 Euro erhält die Amadeu Antonio Stiftung jährlich von der Stiftung Dreilinden, der Stiftung, in die Isa Bosch 40 Millionen Euro aus ihrem Erbe, also dem Vermögen von Robert Bosch, investiert hat, um als “Teil der weltweiten Förderbewegung für zivilgesellschaftliche Einrichtungen für Frauen und Mädchen, für Lesben und Schwule, Bisexuelle, trans* und inter*-Menschen”, die “gesellschaftliche Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt” zu fördern.

Wir leben in seltsamen Zeiten, in denen Linke, die doch angeblich für den kleinen Arbeiter streiten und gegen die Bonzen und Großkapitalisten, nichts dabei finden, wenn das Kapital, das nach linker Ideologie von den vornehmlich männlichen Arbeitern von Robert Bosch erarbeitet wurde, nun genutzt wird, um einer vornehmlich weiblichen Klientel aus der Mittelschicht eine Existenz als emanzipative sexuelle Kraft zu ermöglichen.

Amadeu Antonio GUVDoch zurück zur Amadeu Antonio Stiftung. Die Stiftung hatte im Jahr 2013 1.389.257,70 Euro zur Verfügung. Das Geld stammte vornehmlich aus Spenden und Zuschüssen. 41.821,61 Euro sind als “sonstige Erträge” ausgewiesen, was Zinserträge aus einem vorhandenen Stiftungskapital sein könnten. Mit diesen 41.821,61 Euro kommt die Amadeu Antonio Stiftung jedoch nicht weit, denn dort wird nicht gekleckert, dort wird geklotzt: Die Ausgaben beliefen sich im Jahr 2013 auf 1.389.257,70 Euro, darunter 114.467,72 Euro Verwaltungs- und Materialkosten sowie 526.835,31 Euro reine Personalkosten für die 21 Angestellten der Stiftung, die somit in der Definition der EU ein Kleinunternehmen darstellt.

Allerdings ein seltsames Kleinunternehmen, denn das eigene Kapital reicht nicht einmal dazu aus, um 8% der Personalkosten zu decken. Folglich lebt die Amadeu Antonio Stiftung von zwei Posten in der Ergebnisrechnung, die mit “Spenden” und “Zuschüssen” überschrieben sind. Der Unterschied zwischen beiden Posten besteht vermutlich darin, dass Zuschüsse zweckgebunden sind, während Spenden dies nicht sind.

Ob die 150.000 Euro von der Stiftung Dreilinden (also der Stiftung aus den Bosch-Millionen) und die rund 100.000 Euro Unterhalt, die die Freudenberg-Stiftung jährlich an die Amadeu Antonio Stiftung überweist, unter Spenden verbucht werden, ob die Freudenberg-Stiftung die 100.000 Euro dazu benutzt, um die Stiftungs- und Fördergemeinschaft Modellprojekte GmbH (SFGM) in Weinheim, deren Allein-Gesellschafter sie ist, für die Verwaltungsdienste, die diese der Amadeu Antonio Stiftung angedeihen lässt, zu bezahlen, das sind Fragen, die aufgrund nicht vorhandener Informationen unbeantwortet bleiben müssen.

Beantwortet werden kann jedoch die Frage, welcher Gönner der Hauptgönner der Amadeu Antonio Stiftung ist, wo der größte Batzen der Mittel, der 850.035,55 Euro, die als Zuschüsse 2013 eingegangen sind und die Stiftung am Leben erhalten haben, stammen: Sie stammen vom Bundesministerium für FSFJ, das einer der größten Finanziers arbeitsbeschaffender Maßnahmen in Deutschland ist, vermutlich noch vor dem Ministerium für Arbeit und Soziales. Das BMFSFJ sei, so steht es auf der Seite der Amadeu Antonio Stiftung, mit mehr als 10% am Gesamtbudget der Stiftung beteiligt. Eine schöner Euphemismus. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Gegend von 40% bis 60% liegen, was zeigt, die Stiftung wäre ohne das BMFSFJ nicht überlebensfähig.

Es ist heutzutage immer gut, gute Verbindungen in das BMFSFJ zu haben. Daraus resultiert die Finanzierung ganzer Lehrstühle wie bei Susanne Baer oder daran hängt das komplette Überleben einer Stiftung mit 21 Mitarbeitern, die ohne die Wohltaten aus dem BMFSFJ beim Arbeitsamt vermutlich unter unvermittelbar geführt würden. Offensichtlich plant man bei der Amadeus Antonio Stiftung dauerhaft am Tropf des BMFSFJ zu hängen, denn die Finanzierung der 21 Mitarbeiter ist ohne die Zuwendungen aus Mitteln der Steuerzahler nicht möglich.

Nun wird auch deutlich, warum es so wichtig ist, täglich, stündlich, ja minütlich, die Gefahr einer Re-Nazifizierung Deutschlands zu beschwören, warum aus einem Häuflein Springerstiefelträger, das, wäre es die alleinige Absatzmöglichkeit für Springerstiefelhersteller, deren Bankrott schon vor 40 Jahren zur Folge gehabt hätte, eine Armee rechtextremer Untergrundkämpfer gemacht werden muss, die nur darauf wartet, die deutsche Gesellschaft und vor allem die deutsche Jugend mit dem Nazillus zu infizieren und die deutsche Demokratie zu zerstören. Es ist deshalb so wichtig, weil Legionen linker Unvermittelbarer davon leben, ihr Auskommen davon haben, einen Rechtsextremismus zu bekämpfen, den man erst herbeireden muss, bevor man daran verdienen kann.

Und weil die Angst vor der Arbeitslosigkeit unter den entsprechenden Aktivisten und Kämpfern für die rechtsextremismusfreie Demokratie so groß ist, deshalb wird zwischenzeitlich die Mitte zum rechten Rand der Gesellschaft umgewidmet – wenn es klappt, ist es für Legionen Linker oder Opportunisten eine nicht versiegende Einnahmequelle im der eigenen Rente vorausgehenden Kampf um den eigenen Lebensunterhalt.

Und weil wir uns noch nicht genug gewundert haben, wundern wir uns abschließend darüber, wie linke Anliegen mutiert sind, von einst dem Versuch, Arbeitern, die so heißen, weil sie arbeiten und dadurch Mehrwert schaffen, ihren Anteil am gesellschaftlichen Wohlstand zu sichern, zum Versuch, sich selbst und den eigenen Marotten ein Auskommen zu schaffen, das zu Lasten von Arbeitern geht, die nach wie vor um ihren Anteil am gesellschaftlichen Wohlstand kämpfen müssen, zwischenzeitlich aber nicht mehr gegen Bonzen, sondern gegen die steuerfinanzierten Aktivisten für Frauen, Lesben, Schwule, Trans- und alle gesellschaftlich angeblich benachteiligten Gruppen, Aktivisten, die ihr Dasein damit fristen, Chimären zu bearbeiten und sich dadurch auszeichnen, dass sie gesellschaftliche Ressourcen verbrauchen ohne auch nur einen Cent Mehrwert zu schaffen – ausgerechnet daraus leiten diese Aktivisten ein Recht ab, andere belehren zu können – einfach unglaublich.

©ScienceFiles, 2015

Finanziert Justizministerium eine homophobe Bundesstiftung?

Kennen Sie die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld?

Nein? Wir kannten sie auch nicht, bis uns ein Leser auf die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hingewiesen hat.

BStiftung MagnusDie Bundesstiftung Magnus Hirschfeld hat die Steuerzahler bislang 11 Millionen Euro gekostet. Dieses “Stiftungskapital” stammt aus dem Einzelhaushalt des Bundesjustizministeriums und wurde zum größten Teil (10 Millionen Euro) im Jahr 2011 auf ein Konto der Stiftung einbezahlt. Von dort auswurde es auf unterschiedliche Anlagevermögen verteilt, denn die Stiftung finanziert aus den Zinsen auf das Stiftungsvermögen und nach eigenen Angaben “Forschung”, “Geschichte”, “Diversität” usw.

Im Original:

“Die Stiftung hat zum Ziel, an Magnus Hirschfeld zu erinnern, Bildungs- und Forschungsprojekte zu fördern und einer gesellschaftlichen Diskriminierung von Homosexuellen in Deutschland entgegenzuwirken. Die Stiftung will dabei die Akzeptanz von Menschen mit einer nicht-heterosexuellen Orientierung in der Gesellschaft insgesamt fördern; gleiches gilt für Menschen, die sich nicht ausschließlich als Mann oder Frau definieren.”

Ja. Die 11 Millionen Euro Steuergelder werden eingesetzt zur “Erforschung und Erinnerung der Verfolgung und Repression von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, trans*- und inter*-geschlechtlichen/sexuellen Personen (Abkürzung: LSBTTI).”

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ist ein weiterer Beleg dafür, wie sich die Krakenarme der LSBTTI in die Taschen der Steuerzahler winden.

Im Jahr 2014 hat die Bundesstiftung insgesamt 67.649,25 Euro aus den Kapitalerträgen des Stiftungskapitals eingesetzt, um Schwulen und Lesben und den anderen sexuell Orientierten Gutes zu tun, z.B.:

  • The Snout in the Trough

    The Snout in the Trough

    2.000 Euro, um den Vernetzungskongress “Vielfalt aktiv vernetzen” der AG Schwule Theologie e.V. zu finanzieren.

  • 5.000 Euro, um das Vernetzungstreffen für LGBTIQ-Mitarbeiternetzwerke der PrOUT@work-Foundation zu bezahlen.
  • 7.262 Euro, um das Bundesvernetzungstreffen “Bildungs- und Aufklärungsprojekte in Schulen und Jugendeinrichtungen zum Themenfeld Geschlecht und sexuelle Orientierung” zu ermöglichen.
  • 4.611, 25 Euro, damit der Internetauftritt der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft neu gestaltet wurde.
  • 2.000 Euro, um die “Bundesweite Vernetzung christlicher LSBTI-Gruppen”, die die AG Schwule Theologie e.V. aus München für notwendig befunden hat, zu finanzieren.
  • Und 8.823 Euro wurden an Trans Recht e.V. überwiesen. Wofür? Na für ein Vernetzungstreffen zur Entwicklung eines Forschungsdesigns zum Thema Trans*-Gesundheit in Deutschland”.

Während auf der einen Seite in den meisten Altenheimen die Alten in Doppelzimmern gehalten und nach langem Leben jeder Privatheit beraubt werden, werden auf der anderen Seite Steuergelder eingesetzt, um Treffen zu ermöglichen, die dazu dienen, sich kennenlernen und über so weltbewegende Dinge wie die Vernetzung schwuler Theologen zu diskutieren. Auf Theologen, die derartige Prioritäten setzen, können wir gut verzichten – aber das nur nebenbei.

Nun, da klar ist, dass die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld Nutznießer-Netzwerke ausbildet und finanziert, wollen wir uns dem vermeintlichen Vorzeigeschwulen, nach dem die Bundesstiftung benannt ist, etwas näher widmen. Magnus Hirschfeld hat von 1868 bis 1935 gelebt. Der Sohn jüdischer Eltern wird allgemein als Aktivist einer internationalen Schwulenbewegung gefeiert, der sich in der Weimarer Republik u.a. dafür eingesetzt hat, den §175, der Homosexualität von Männern (!sic) unter Strafe gestellt hat, zu streichen.

Jener Magnus Hirschfeld, an den die Stiftung erinnern will, ist also zumindest askriptiv ein wahrer Held, den man bei der Bundesstiftung auch entsprechend feiert:

“Würde man Hirschfeld mit den heutigen Begrifflichkeiten einordnen wollen, so könnte man sagen, dass er ein schwuler Mann war, der voll und ganz hinter dem Konzept der Diversity – der Vielfalt – stand. Und der zumindest einen kleinen Grundstein zur heutigen Queer-Theory gelegt hat, laut der es neben dem biologischem Geschlecht Elemente gibt, die losgelöst von gesellschaftlichen Normierungen zu einer variantenreichen (sexuellen) Identität eines Menschen führen. Auch wenn sich der Mörtel für diesen Grundstein – eine rein medizinisch-biologistische Kategorisierung – als nicht lange tragbar erwies. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielten Hirschfelds Überlegungen keine große Rolle mehr in der Sexualwissenschaft.”

Das sind starke Behauptungen, unbelegte, starke Behauptungen, die, wie in kurzer Blick in die Werke von Magnus Hirschfeld zeigt, in keiner Weise zutreffen. Magnus Hirschfeld war kein Grundsteinleger der Queer-Theorie. Er hat keine variantenreichen Identitäten losgelöst vom biologischen Geschlecht gesehen. Im Gegenteil: Für Hirschfeld ist Homosexualität angeboren. Er führt Homosexualität auf eine spezifische Konstellation im Gehirn, also eine Abweichung zum heterosexuellen Gehirn zurück. Er geht davon aus, dass Homosexualität einem besonderen “mannweiblichen Mischungsverhältnis” geschuldet sei, und dass Homosexualität mit einer “stärkeren Labilität des Nervensystems” einhergeht.

Diese Aussagen finden sich auf den Seiten 394 bis 395 seines Standardwerks “Die Homosexualität des Mannes und des Weibes”, das 1914 (und damit lange vor dem Nationalsozialismus, was noch relevant wird) erschienen ist.

Und es kommt noch besser. Auf Seite 391 schreibt der Held der Bundesstiftung, Magnus Hrischfeld, folgende denkwürdigen Sätze:

Hirschfeld Homosexualit't“Auch mir hat sich immer wieder die Überzeugung aufgedrängt, dass die Homosexuellen, ohne selbst Degenerierte zu sein, einen Degenerations-Ersatz darstellen … dergestalt, dass sich die Natur der Homosexuellen als eines Vorbeugungsmittels der Degeneration bedient. Diese Annahme wird durch die Ehen und die Nachkommen der Homosexuellen bestätigt. Ein großer Teil dieser Ehen ist kinderlos. Gehen aber Kinder aus den Verbindungen Homosexueller hervor, so tragen diese zum Unterscheid von ihren Erzeugern vielfach den Stempel geistiger Minderwertigkeit, es sei denn, dass durch eine besonders gesunde Ehehälfte ein relativer Ausgleich geschaffen wird. Jedenfalls ist vom rassehygienischen Standpunkt die Ehe einer oder eines Homosexuellen ein sehr gewagtes Unternehmen. (Hervorhebungen von uns)”

Mit anderen Worten, Magnus Hirschfeld betrachtet Homosexuelle als Freaks of Nature, die sich selbst aus der Fortpflanzungskette ausscheiden bzw. von der Natur aus der Fortpflanzungskette ausgeschieden werden, weil ihr Erbmaterial von einer Qualität ist, die die menschliche Evolution dadurch behindert, dass den Ergebnissen einer Fortpflanzung, an der Homosexuelle beteiligt sind, “geistige Minderwertigkeit” attestiert werden muss. Der schwule Sexualforscher, Jude und Sozialist, den die Bundesstiftung beschreibt, outet sich hier als jemand, der Homosexuelle als Träger minderwertigen Erbgutes ansieht, die von Natur aus deshalb Homosexuell sind, weil ihr minderwertiges Erbgut aus der Evolution entfernt werden muss. Homosexualität als Notwehr der Natur als Mittel zum Ausscheiden minderwertigen Erbgutes aus der menschlichen Evolution.

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, die doch die Erinnerung an Hirschfeld pflegen, finanzieren und aufrechterhalten will, scheint bislang nur bei dem angekommen zu sein, was man Hirschfeld, da er nun einmal tot ist, unwidersprochen unterstellen kann, nämlich: “deutscher Arzt in Berlin, Sexualforscher und Empiriker, schwul, Sozialist, Jude, und Mitbegründer der weltweit ersten Homosexuellen-Bewegung”.

Das, wie gesagt, kann man Hirschfeld alles gefahrlos und unwidersprochen zuschreiben. Er ist tot. Was er geschrieben hat, das lebt allerdings, und es spricht eine deutliche, eine deutlich homophobe Sprache, eine nette Pointe zu einem weiteren Versuch, sich der Namen Verstorbener für die eigenen Zwecke des Nutznießens zu bedienen [Der Versuch des Niedersächsichen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, sich des Namens von Maria Goeppert Mayer zu bedienen, ist bekanntlich auch in die Hose gegangen].

Diese Erklärung trifft natürlich nur zu, wenn man beim Bundesinstitut “Magnus Hirschfeld” die rassenhygienischen Einsichten zu Homosexuellen, die Magnus Hirschfeld lange vor den Nazis hatte, nicht teilt.

Und man weiß ja nie…

Die explorative Tagung

Data speak to me!

Diese Aufforderung richten quantative Sozialforscher regelmäßig an ihre Daten, wenn sie so gar keine Ahnung davon haben, was sie einmal forschen könnten, was sie erwarten und worauf hin sie ihre Daten analysieren wollen.

SPSS FAEntsprechend wird dem Datenmaterial z.B. mit einer Faktorenanalyse, regelmäßig in der Voreinstellung ab SPSS-Werk, zu Leibe gerückt und interpretiert, was herauskommt.

Explorative Verfahren nennen quantitative Sozialforscher Methoden wie die Faktorenanalyse, die, zu ihrer Ehrenrettung sei es angemerkt, auch konfirmatorisch eingesetzt werden kann, also zur Bestätigung einer theoretischen Annahme.

Explorative Verfahren, also die Aufforderung “Data Speak to me!”, sind unter quantitativen Sozialforschern relativ schlecht angesehen. Wer sie als Allein-Statistikmittel einsetzt, nicht theoriegeleitet vorgeht und dafür keine konkreten Gründe hat, der gilt als Datenfuzzi, als einer, der dem Output in SPSS auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Explorative Verfahren sind dagegen für viele qualitative Sozialforscher zentral, denn qualitative Sozialforscher wollen oftmals verstehen, was sie nicht verstehen, lernen, was sie nicht kennen, hören, was sie angeblich nicht erwarten, denn sie beanspruchen oftmals, ihrem Forschungsgegenstand ohne jegliche Voreinstellung zu Leibe zu rücken. Wie sie, bar aller Voreinstellung, überhaupt in der Lage sind, ihren Forschungsgegenstand zu finden, ist eine Frage, die bislang unbeantwortet geblieben ist.

Und obwohl explorative Verfahren in der Findungsphase, da, wo man sich seinem Forschungsgegenstand nähert, eine Funktion als Lieferanten von Hypothesen, die man dann testen kann, erfüllen, sind sie doch in letzter Zeit arg strapaziert und auf Felder ausgeweitet worden, die advers zu jeglicher Erkenntnis sind. Sie sind zum netten Gespräch, zum Austausch unter Gleichgesinnten oder zum andächtigen Lauschen im Experteninterview verkommen und dienen regelmäßig dazu, dem Forscher, der von Methoden keine Ahnung hat, die Möglichkeit zu bieten, die Ideen, die er nicht hat, von Dritten geliefert zu bekommen.

Leider hat die qualitative Sozialforschung bislang noch keine Befragungsmethode entwickelt, die nicht nur die Ideenlieferung, sondern auch die Interpretation der Ideen leistet, aber das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit.

Explorative TagungDenn: Die Entwicklung neuer qualitativer Verfahren schreitet stürmisch voran.

Gestern hatten wir noch das Tiefeninterview, bei dem sich Befragter und Befragender darum streiten, wer auf der Couch liegen darf, heute haben wir die explorative Tagung.

Die explorative Tagung ist für alle geeignet, die:

  • finanzielle Mittel für eine Tagung ausgeben müssen, bevor sie verfallen,
  • keine Idee haben, zu welchem Thema sie eine Tagung ausrichten sollen,
  • keine Erwartung dahingehend haben, was bei der Tagung herauskommen soll,
  • sicherstellen wollen, dass eine Reihe von Beiträgen zur Tagung eingereicht wird, und zwar von Leuten, die zwar auch keine Idee haben, aber den freien Kontext der explorativen Tagung zu schätzen wissen, um zu sagen, was sie schon immer einmal sagen wollten;

Entwickelt wurde die Methode der explorativen Tagung von Pia Schmid (Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg), Eva Labouvie (Otto-von-Guericke-Universität Madgeburg) und Michaela Frohberg (Koordinierungsstelle für Frauen und Geschlechterforschung Sachsen-Anhalt).

Beschrieben wird die neue Methode des “anything goes” wie folgt:

“Für jeden Beitrag werden etwa 45 Minuten (30 Minuten Vortrag, 15 Minuten Diskussion) zur Verfügung stehen. Wir möchten bewusst auf eine thematische Einschränkung verzichten und stattdessen ein breites interdisziplinäres Spektrum an Themen zusammenführen. Alle interessierten Nachwuchswissenschaftler*innen, die sich mit Forschungsthemen und der Vorstellung von Projekten an der Tagung beteiligen möchten, bitten wir um Zusendung von Arbeitspapieren (ein bis drei Seiten) bis zum 31. Mai 2015 an folgende Adresse:
Michaela.Frohberg@ovgu.de

Alle Leser, die zum “5. Landesweiten Tag der Genderforschung in Sachsen-Anhalt” einen Vortrag beisteuern wollen, welchen Vortrag auch immer, sind aufgerufen, ihre Idee an Michaela Frohberg zu richten.

Gibt es etwas, was Sie schon immer einmal sagen wollten? Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Die explorative Tagung, die das Land Sachsen-Anhalt, seines Zeichens ein Nehmerland im Länderfinanzausgleich, finanziert, macht es möglich.

Haben Sie auch keine Idee, aber die Fähigkeit, viele Worte um nichts zu machen? Melden Sie sich bei Michaela Frohberg. Wenn es darum geht, Steuergelder zu ver(sch)wenden, dann ist jedes Mittel recht.

Haben Sie zwar keine Ahnung von Wissenschaft, aber viel von Geschlecht? Ihre Idee und ihr Vortrag sind gefragt. Melden Sie sich als Nachwuchswissenschaftler unter der eMail-Adresse, die oben genannt ist.

Akademisches Hartz-IV

Die ScienceFiles-Frühstücksgespräche sind eine schier unerschöpfliche Quelle für gute Ideen.

ScienceFiles_BreakfastclubDieses Mal hat wieder Dr. habil. Heike Diefenbach eine geniale Idee entwickelt, die wir sofort umgesetzt und in Post-Form gebracht haben. Die Idee ist wohl auch der ethnologischen Ausbildung von Heike Diefenbach geschuldet, denn Ethnologen lernten früher einmal, einen verfremdeten Blick auf die eigene Gesellschaft zu richten. Das war früher, bevor sich auch Ethnologen zum, wie man in Britannien sagt: “Mouthpiece” der politischen Korrektheit und des langweiligsten aller Mainstreams gemacht haben und seither in Piktogrammen Rassismus sehen wollen.

Wenn man dagegen einen etwas verfremdeten Blick auf die eigene Gesellschaft richtet, dann erkennt man plötzlich Zusammenhänge, die man zuvor mangels Aufmerksamkeit oder aufgrund kultureller Vorgaben, gar nicht erkannt hat.

Zum Beispiel, dass Genderlehrstühle, Gender Studies und andere Fächer, die an Universitäten wie Pilze aus dem Boden schießen, Lehrstühle für Grammatik oder Linguistik des Englischen zur Zeit Georges des III. oder für Sprachkritik, nichts anderes sind als Hartz-IV für Akademiker.

Warum?

Nähern wir uns von der Nachfrageseite.

Das ist schnell erledigt, denn es gibt keine Nachfrage.

Würden die entsprechenden Fächer an einem freien Markt angeboten, es wäre schnell mit ihnen am Ende, denn es gibt schlicht keine Nachfrage nach z.B. Gender Studies, und zwar deshalb nicht, weil Gender Studierte nichts Produktives anbieten, was das Wachstum steigern oder auch nur den Komfort und die Bequemlichkeit potentieller Nachfrager erhöhen würde. Die Nachfrage nach der Arbeitskraft von Gender Studierten ist auf dem freien Arbeitsmarkt gleich null.

Gleiches gilt für Hartz-IV-Bezieher: Die Nachfrage nach ihrer Arbeitskraft ist gering oder nicht existent.

Entsprechend werden Hartz-IV-Bezieher in Weiterbildungs- und sonstige zeitfüllende Maßnahmen verschoben, die dem Anschein dienen, dass ihre Absolvierung und das Zertifikat am Ende die Arbeitsmarktchancen des Zertifikat-Besitzers in irgendeiner Weise erhöhen würden. Kurz: Staatliche Stellen schaffen eine künstliche (zeitlich begrenzte) Nachfrage nach Hartz-IV-Arbeitskraft durch Weiterbildung oder auch ABM-Maßnahmen.

Matthäus_Schiestl_Die_Almosen_des_ArmenDasselbe ist für Gender Studierte oder Absolventen anderer unproduktiver Fächer der Fall. Staatliche Stellen schaffen die Nachfrage für die Gender Studierten, die ohne staatliche Alimentierung nicht vorhanden wäre. Aus Steuergeldern werden Gender-Netzwerke finanziert, Gender-Lehrstühle geschaffen, gesetzliche Regelungen sorgen dafür, dass ein künstlicher Arbeitsmarkt für Gender Studierte entsteht. Gender Studierte benötigt zwar nach wie vor niemand, aber dadurch, dass es obligatorisch gemacht wurde, eine Frauenbeauftragte oder sonstige überflüssige Verwaltungsstellen in öffentlichen Institutionen und in Unternehmen zu schaffen, ist die künstliche Nachfrage nach Gender Studierten geschaffen.

Wichtig ist: Diese künstliche Nachfrage ist komplett von staatlichen Stellen und mit Mitteln der Steuerzahler geschaffen. Genau wie dies für Hartz-IV der Fall ist. Das Einkommen von Hartz-IVlern und die Einkommen von Gender Studierten hängen zu 100% von staatlichen Zuwendungen ab. Die Beschäftigung der Hartz-IVler, die sich nicht aus eigener Kraft weiterqualifizieren, sondern auf die Brotkrumen der Job-Center vertrauen, ebenso wie die Beschäftigung von Gender Studierten hängt zu 100% von staatlichen Stellen und Regulierungen ab, denn – um es noch einmal zu wiederholen – auf dem Arbeitsmarkt gibt es keine Nachfrage nach der Arbeitskraft von Gender Studierten, und es gibt keine Nachfrage nach dem, was Hartz-IVler anbieten können oder wollen.

Gender Studierte und andere Inhaber sinnloser Hochschulabschlüsse sind somit nichts Anderes als akademische Hartz-IVler: Der Arbeitsmarkt braucht das, was sie anzubieten haben, nicht.

Das erklärt, warum z.B. Gender Studierte dem Kapitalismus so feindlich gegenüberstehen, denn würden sie nicht von staatlichen Stellen alimentiert, sie wären arbeitslos. Auf dem freien Arbeitsmarkt können sie nicht bestehen, und der freie Arbeitsmarkt ist der Kern, um den herum sich Kapitalismus entwickelt hat.

Entsprechend ist auch klar, warum u.a. Genderisten so intensiv am Bauen von Netzwerken sind und so große Anhänger des Sozialismus, denn sie brauchen einerseits Nutznießernetzwerke, um sich ein Einkommen zu sichern, andererseits einen Planposten “Genderismus”, der sich in einer Vielzahl von Maßnahmen zur Durchsetzung von z.B. Gender Mainstreaming niederschlägt, mit denen wiederum Genderisten, die niemand braucht, in Positionen gelangen, auf denen sie dann von Steuerzahlern finanziert werden und – sofern sie etwas tun, Dinge tun, die niemanden interessieren, eben weil sie niemand braucht.

Die komplette Welt der Genderisten ist eine Welt der Illusion, sie ist eine staatliche Illusion, die auf Gesetzen basiert, die Stellen obligatorisch machen, die niemand braucht, um eine künstliche Nachfrage für Absolventen zu schaffen, deren Arbeitskraft auf einem freien Markt niemand nachfragen würde. Es ist diese Welt der Illusion, die Gender Studierte denken lässt, sie seien irgend etwas anderes als Almosenempfänger und in irgendeinem Punkt von Hartz-IV-Empfängern verschieden.

Aber es gibt doch einen Unterschied zwischen Hartz-IV und akademischem Hartz-IV. Ersteres ist weitgehend für die Unterschicht geschaffen worden, für diejenigen, die in Ausbildungsberufe verschoben wurden, die heute niemand mehr braucht oder die keinerlei Ausbildung vorzuweisen haben. Akademisches Hartz-IV wurde für die mittlere und die untere Mittelschicht geschaffen, diejenigen, die, obwohl sie sich weder im Hinblick auf die Inadäquatheit ihrer Ausbildung noch im Hinblick auf die Tatsache, dass ihre Arbeitskraft eben nicht gebraucht wird, von Hartz-IVlern unterscheiden, die Illusion brauchen, sie seien etwas Besseres als Almosenempfänger oder Bezieher sozialer Leistungen.

©ScienceFiles, 2015

“Kunstwerke verkaufen und Steuern senken!” oder: Braucht eine zivile Gesellschaft Kunstwerke?

Durch Zufall sind wir auf die Tatsache aufmerksam geworden, dass Bund und Länder viel Steuergeld dafür ausgeben, vermeintliche Kunstwerke anzukaufen.

Warhol

Wir bevorzugen Baxters.

So befinden sich, wie aus einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung von Sachsen-Anhalt hervorgeht, rund 8.300 vermeintliche Kunstgegenstände im Besitz der Landesregierung. Um was es sich dabei handelt, kann die Landesregierung eines Landes, das im Länderfinanzausgleich zu den Bettlern gehört, leider nicht angeben, da das Einverständnis der Künstler für eine Veröffentlichung notwendig sei und in vielen Fällen nicht vorliege. Ob die Landesregierung Sachsen-Anhalt bei jedem Kauf unbekannter Kunstwerke von unbenannten Künstlern das Einverständnis der Steuerzahler eingeholt hat, wird aus der Antwort auf die Kleine Anfrage leder nicht deutlich.

Dass sich im Besitz der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zwei Warhols befunden haben, ist dadurch ans Tageslicht gelangt, dass die Landesregierung die beiden Werke in New York für die Kleinigkeit von 151,5 Millionen US-Dollar hat versteigern lassen.

Und dass manche es geradezu als Aufgabe von Landes- und Bundesregierung ansehen, das, was sie als Kunstwerke ansehen, aufzukaufen, hat die Stammlesern von ScienceFiles bereits bekannte Monika Grütters gerade ausgeplaudert. Bei der Gelegenheit hat sich sich an einer Neubestimmung von ökonomischem Wert versucht, die Mill, Marx und Ricardo im Trio rotieren und Adam Smith die Hände über dem Kopf zusammenschlagen ließe.

Wir zitieren:

“In der Politik droht neuerdings leider eine eindimensionale Sicht auf den Marktwert der Kunst hoffähig zu werden. Der bisherige Konsens, wonach der Staat dem Wert der Kunst, dem Schutz kultureller Werte verpflichtet ist, hat die Landesregierung Nordrhein-Westfalen nicht davon abgehalten, zwei Warhols unter den Auktionshammer zu bringen. Für die Zukunft gilt es, einen Dammbruch für Verkäufe national wertvoller Kunstwerke aus öffentlichem Besitz zu verhindern. Denn wo die Preise, die sich mit Kunst erzielen lassen, politisch höher bewertet werden als ihr Wert, wird sie zum dekorativen Luxus, den wir uns nur in guten Zeiten leisten und den wir in schlechten Zeiten zur Disposition stellen, um Haushaltslöcher zu stopfen.”

Wert und Preis von Kunstgegenständen ist also eine Frage der politischen Bewertung. Ist Kunst oder das, was man als Kunst betrachtet, ein dekorativer Luxus, dann wird das bei Grütters ihrem Wert ebenso wenig gerecht als es der Verkauf der Kunstswerke, um Haushaltslöcher zu stopfen, wird. Indes, auch wenn Grütters in aller ökonomischen Ahnungslosigkeit, zu der sie fähig ist, Preise zu etwas Empirischem und Werte zu etwas Eingebildeten stilisiert, so scheint dies doch nicht wirklich als Grundlage einer neuen Werttheorie zu taugen.

DobbZur Erinnerung: Ökonomen und Philosophen haben sich über Jahrhunderte den Kopf darüber zerbrochen, wie man den Wert, der in die Erstellung eines Gutes eingeflossen ist, im Preis abbilden kann. John Stuart Mill hat dieses Problem einfach gelöst, in dem er angenommen hat, “dass die Dinge die Tendenz haben, eines gegen das andere sich zu solchem Werte austauschen zu lassen, dass jeder Produzent in den Stand versetzt wird, die Produktionskosten samt dem gewöhlichen Kapitalgewinn zurückerstattet zu erhalten”. Marx hat versucht, den Wert der Arbeit, die in die Produktion eines Gutes eingeflossen ist, in seiner Werttheorie besonders zu berücksichtigen und durch seine Mehrwerttheorie zu ergänzen. Beide Philosophen und eigentlich so ziemlich alle Ökonomen, die sich mit dem Wert von Gütern befassen, sind also der Meinung, der Wert eines Gutes werde über die Arbeit, das Material, die Zeit, schlicht: die Ressourcen bestimmt, die in seine Produktion eingeflossen sind. Und ob sich die Investition in den Wert eines Gutes gelohnt hat, das zeigt sich dann, wenn man es am Markt tauschen will. Tauscht man es gegen Geld, dann zeigt sich, ob das Gut die Produktion wert war, am Preis.

Nicht so bei Monika Grütters. Bei ihr ist der Wert von Kunst essentiell und nicht im Preis abzubilden. Ein Kunstwerk ist kein dekorativer Luxus, der sich am hohen Preis bemessen lässt. Ein Kunstwerk ist auch kein Mittel, um Haushaltslöcher zu schließen. Der Wert eines Kunstwerkes bestimmt sich für Grütters offensichtlich auch nicht entlang der Kosten für Leinwand, Rahmen, Ölfarben und Arbeitsaufwand des vermeintlichen Künstlers, denn wäre dem so, sie wäre nicht bereit, mehr als 1000 Euro pro Kunstwerk auszugeben. Nein, der Wert ist ideel, eine frei flottierende Entität, die sich demjenigen mitteilt, dem sie sich mitteilt. Grütters zum Beispiel, die den Wert von Kunst auch unabhängig vom Preis, den das Kunstwerk am Markt erzielen könnte, offensichtlich sofort erkennt, vermutlich weil der große Kunstgeist ihn mitteilt.

Man hat es ja schon immer geahnt, aber die Offenheit, mit der Grütters, immerhin Staatssekretär im Bundeskanzleramt und vermeintlich für Kultur zuständig, ausplaudert, dass Bund und Länder Kunstgegenstände al Gusto bepreisen und offensichtlich zu Phantasiesummen aufkaufen, die am Markt für Kunstgegenstände nie zu erzielen wären, lässt die Farbe aus dem Gesicht verschwinden. Kein Wunder, dass das Land Sachsen-Anhalt die Namen der Künstler, die von ihnen erstellen Kunstwerke und vor allem die Summen, die dafür ausgegeben wurden, diese Kunstwerke anzukaufen, nicht öffentlich machen will, denn offensichtlich ist auch das Aufkaufen von Kunstwerken ein Patronagesystem, das auf Kosten der Steuerzahler und auf Kosten der Armen, für die sich Politiker so gerne engagieren, betrieben wird.

Mit ihrer Meinung, dass der Wert eines Kunstgegenstandes nicht über den Preis bestimmt wird, den der entsprechende Gegenstand am Markt erzielt, sondern darüber, was ein Staatssekretär gerade als dessen Wert ansieht, steht Grütters übrigens nicht allein. Die absurde Idee, dass der Wert von Gegenständen eine Größe ist, die sich eigentlich gar nicht bestimmen lässt, sondern unbezifferbar ist, anders formuliert, dass neben dem Preis noch ein unglaublich hoher, in keiner Einheit messbarer, aber dennoch vorhandener ideeler Wert vorhanden ist, diese absurde Idee haben wir in einem Buch zur ausgerechnet “Politischen Ökonomie” gefunden, und zwar in der folgenden Variante:

Priddat politischeoekonomie“Das Buch erzeugt einen Zustand des Menschen, der nicht mehr identisch ist mit dem, in dem er das Buch zu lesen begann. Dies nennen wir Transformation. … Bücher dieser Couleur haben einen Mehrwert, der durch ihre Dinghaftigkeit nicht bezeugt ist. … beim Kauf … hat das Buch einen Wert, der sich im Preis nicht erschöpft. … Es kann Bücher geben, die in das Leben von Menschen so stark eingreifen, dass man ex post ein paar hunderttausend Euro nachzahlen müsste, um dem Wert einigermaßen zu entsprechen. … Wir verkaufen/kaufen Güter, deren Preis nichts über den Wert aussagt, den diese Bücher entfalten. Als Transformationsgüter sind Bücher Konsumtiva, die im Konsum ihren Wert bilden bzw. über den Preis hinaus steigen” (Priddat, 2009: 117-118).

Die Vorstellungs- oder Einbildungskraft des Herrn Priddat reicht leider nur dazu, eine Wertsteigerung zu sehen. Was aber, wenn das Lesen eines Buches, z.B. des Buches von Herrn Priddat den Wert nicht steigert, den man mit dem Preis diesem Buch zugeschrieben hat, sondern reduziert, wenn man durch das Lesen und den schockierenden Unsinn, den man lesen muss, misanthropisch und pessimistisch wird, wenn einen die Lebensfreunde verlässt, angesichts des Unsinns, der in Buchform gebracht werden kann? Soll man dann Priddat mehrere hunderttausend Euro in Rechnung stellen, für entgangene Lebensfreude und den Verlust des Glaubens an die Vernunft in Menschen?

Jemand wie Birger Priddat müsste dieser Möglichkeit eigentlich zustimmen, so dass wir jedem Leser seines Buches, der dabei intellektuellen Schaden nimmt, nur raten können: Nehmt den Priddat beim Wort und klagt die Transformation Eurer Persönlichkeit, die durch die Lektüre des Priddats eine Wende ins Schlechtere genommen hat, ein!

Ansonsten müssen wir abschließend zwei Dinge feststellen und eine Forderung formulieren:

  • Die Irrationalistät feiert in Deutschland munter Feste, nun auch in Büchern über “Politische Ökonomie” (bei Staatssekretär Grütters ist man nichts anderes gewohnt).
  • Die Behauptung, etwas habe einen Wert, den man nicht z.B. über seinen Preis bestimmen kann, ist für diejenigen bequem, die sich einer Kontrolle durch Dritte entziehen wollen. Käme z.B. der Bund der Steuerzahler, was höchst unwahrscheinlich ist, aber dennoch hier einmal angenommen werden soll, käme also der Bund der Steuerzahler auf die Idee, also einer beim Bund der Steuerzahler auf die Idee, bei bestimmten Kunstwerken die Ansicht zu vertreten, dass sie z.B. beim Land Sachsen-Anhalt zu überhöhten Preisen angekauft wurden (vorausgesetzt, man wüsste beim Steuerzahlerbund, welche Kunstwerke das Land Sachsen-Anhalt ankauft, was ja bekanntilch geheim ist), dann könnte man dieser Ansicht leicht dadurch entgegentreten, dass man den Vertreter des Bundes der Steuerzahler darauf hinweist, dass er den wahren Wert des entsprechenden Kunstwerkes nicht zu erkennen im Stande ist. Eh voilá.

Schließlich die Forderung, die mit zwei Fragen eingeleitet werden soll:

1. Müssen in öffentilchen Gebäuden Kunstwerke ausgestellt werden, die sich im Eigentum von Bund, Ländern und Gemeinden befinden?
2. Brauchen Bund, Länder und Gemeinden Eigentum an Kunstgegenständen?

Die Antwort auf Frage 1 lautet: Sie müssen es nicht. Die Antwort zu Frage 2 lautet: Sie brauchen es nicht.

Daraus resultiert die Forderung: Alle Kunstgegenstände im Besitz von Bund, Ländern und Gemeinden, die sich nicht in Museen befinden, sind zu verkaufen, und der Erlös ist zur Tilgung von Schulden zu verwenden. Wenn Künstler ihre Kunstwerke in öffentlichen Gebäuden ausstellen wollen, um sie einem breiten Publikum bekannt zu machen, dann können sie dies gegen eine geringe Gebühr tun.

Priddat, Birger, P. (2009). Politische Ökonomie. Neue Schnittstellendynamik zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

100% Studenten?

Es ist an der Zeit, dem OECD-Irrsinn, dessen Ziel darin besteht, die Quote derer, die studieren, zu erhöhen, ein Ende zu setzen.

OECDAusgangspunkt für diesen Irrsinn ist die Beobachtung von u.a. Theodore Schultz aus den 1960er Jahren, dass im Aggregat betrachtet, Bildungsniveau der Bevölkerung und Wirtschaftswachstum einander bedingen: Je formal gebildeter eine Bevölkerung ist, desto mehr Wachstum gibt es.

Daraus hat man bei der OECD geschlossen, dass die Wirtschaft wächst, wenn man das Bildungsniveau der Bevölkerung erhöht, ein Schluss, der, wenn er richtig wäre, zur Konsequenz hätte, dass das höchste Wirtschaftswachstum dann erreicht wäre, wenn 100% der Bevölkerung eine Hochschule absolviert haben.

Offensichtlich ist diese Prämisse kompletter Unsinn, so dass man sich fragt, wo der Hype mit der formalen Bildung herkommt.

Dazu muss man zunächst einmal feststellen, dass formale Bildung nicht unbedingt Bildung bedeutet. Es mag eine Korrelation zwischen formaler Bildung und Bildung geben, aber ein Abitur sagt nichts über die Bildung dessen, der es hat, aus. Ein Abitur gibt bestenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür an, dass ein Träger des Abiturs mehr Wissen hat als ein Hauptschulabsolvent, ein Schluss, der sich schnell als falsch erweisen kann, wenn – wie in der PISA-E Studie, die Leistungen von Abiturienten aus Bremen hinter denen von Hauptschülern aus Bayern zurückbleiben.

Wenn formale Bildung keine Synonym für Bildung als solche ist, was ist sie dann?

Wir schlagen vor, formale Bildung als Maß der Anpassungsbereitschaft an institutionelle Vorgaben anzusehen mit der Konsequenz, dass der Anteil der Angepassten unter den formal Höhergebildeten größer sein muss als unter den formal Niedriggebildeten.

Diese Definition hat zudem zur Konsequenz, dass formale Bildung nicht per se der Olymp dessen ist, was Menschen erreichbar ist. Und die Definition macht den Weg frei, um die soziale Konstruktion dessen, was formale Bildung ist und was angeblich mit Bildung übereinstimmt, deutlich zu machen.

Ein Professor für Kunstgeschichte mag es unglaublich finden, wenn einer seiner Studenten nicht weiß, wer den Holzsockel von Rodin’s Denker geschnitzt hat.

Ein Professor der Gender Studies mag mit dem Kopf schütteln, wenn die Mehrheit der Menschen seine Einsicht nicht teilt, dass es 100e von Geschlechtern gibt.

Aber: Ein Arbeiter wird mit dem Kopf schütteln, wenn er den “Studierten” dabei beobachtet, wie er völlig unbeholfen versucht, einen Randstein zu setzen oder eine Wand zu streichen.

Und ein Elektriker wird Lachkrämpfe entwickeln, wenn er den Professor der Kulturwissenschaften, der sich damit gebrüstet hat, keine Glühbirne in die Fassung zu drehen, bei eben diesem komplizierten Unterfangen beobachtet (der entsprechende Kulturwissenschaftler ist zwei Redaktionsmitgliedern von ScienceFiles namentlich bekannt).

Kurz: Wissen ist relativ und wird erst dann zu relevantem Wissen, wenn es einer nützlichen Verwendung zugeführt werden kann.

Dies ist der Grund dafür, warum formale Bildung von manchen so überstilisiert, so hochgejubelt wird, denn sie haben nur ihre formale Bildung, den (Hochschul-)Abschluss oder Titel, der ihnen für Wohlgefälligkeit verliehen wurde, der formale Bildungstitel, der ihnen oft genug den Zugang in die Welt des Geschwätzes und der öffentlichen Verwaltung ebnet.

Anders formuliert: Eine Reihe von Inhabern formaler Bildungstitel bleibt, wenn es um die Nützlichkeit des Wissens, das die entsprechenden Inhaber haben, geht, deutlich hinter dem Wissen von Müllfahrern, Maurern, Kanalarbeitern, Tischlern und anderen zurück, die die entsprechenden Inhaber dann regelmäßig als bildungsfern diskreditieren.

Und, nicht zu vergessen, um die sie sich sorgen, weil ihre Kinder in vermeintlich zu geringem Anteil an Hochschulen ankommen. Warum nur, ist das so, so fragen sie sich in aller Heuchelei, denn natürlich sind sie nicht bereit, die steuerzahlerfinanzierten Stellen, die sie sich geschaffen haben, zu teilen.

Überhaupt stellt sich die Hochschullandschaft vor allem in den Sozialwissenschaften mehr und mehr wie ein Wurmfortsatz der Verwaltung dar. Wir haben gestern über ein Forschungsprojekt berichtet, das mit 532.167,60 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, also aus Steuergeldern gefördert wird, und dessen einziger Zweck darin besteht, Fördertöpfe zu indentifizieren und eine Art “best practice des Gefördertwerdens” zu entwickeln. Wohlgemerkt es geht darum, gefördert zu werden, nicht darum, für eine sinnvolle Idee gefördert zu werden.

Hochschulen werden daher immer mehr zum Ort, über den der Zugang in die öffentliche Verwaltung stattfindet und hier in Positionen, deren Nutzen erst noch zu zeigen wäre. Konsequenterweise entstehen an Hochschulen Fächer, deren Nutzen einzig darin besteht, Personal für den öffentlichen Bereich zu rekrutieren und mit Abschlüssen und Titeln auszustatten, Personal, das dann seinerseits Tätigkeiten ausführt, deren Effekt auf das Bruttosozialprodukt im besten Fall nicht vorhanden, im schlechtesten Fall negativ ist. Personal, das in seiner gesellschaftlichen Nützlichkeit weit hinter der eines Müllfahrers und eines Maurers zurückbleibt. Aber: Personal, das auf die angeblich Bildungsfernen herabblicken zu können glaubt, so sehr, dass manche es sich zur Aufgabe machen, den armen Bildungsfernen helfend unter die Arme greifen zu wollen, damit z.B. der Anteil der Studenten aus der Arbeiterschicht größer wird.

Aber vielleicht entspricht die Anzahl der Kinder aus Arbeiterfamilien, die an Universitäten studieren, ja den Präferenzen in der Arbeiterschicht. Vielleicht ist es der Anteil der Kinder aus der Mittelschicht, der verändert werden muss, der reduziert werden muss, weil viele studieren, die nicht die Fähigkeit zum Studieren mitbringen und die dies in Fächern tun, die keinerlei Nutzen für die Steuerzahler mit sich bringen.

Und ist es nicht moralisch verwerflich, etwas Sinnloses wie Gender Studies zu studieren und sich dieses Studium von denen, die man als bildungsfern diskreditiert und die seit ihrem 16. Lebensjahr Steuern zahlen, finanzieren zu lassen?

does education matterDas bringt uns zurück zum OECD Irrsinn. Es mag in den 1960er Jahren und in den Entwicklungsländern, die Theodore Schultz untersucht hat, so gewesen sein, dass mit einem zunehmenden Bildungsniveau das Wachstum gestiegen ist. Es ist für moderne Industrienationen nicht der Fall. Das zeigt Alison Wolf in ihrem Buch “Does Education Matter”. In Industrienationen sind diejenigen mit hoher Bildung nicht vornehmlich diejenigen, die zum Bruttosozialprodukt beitragen. Ökonomisches Wachstum wird getragen von all den Arbeitern, den Selbständigen im Mittelstand, denen, die täglich Produktives tun, und zwar ganz ohne Abitur oder Hochschulstudium.

Dagegen werden die Studierten zunehmend zur Last für eine Gesellschaft, zu Nutznießern der Produktivkraft von Arbeitern und Handwerkern, die den Überschuss erwirtschaften, den Hochschullehrer wie das Profx dann durch angebliches Denken verbrauchen.

Insofern ist es Zeit, die Geschichte vom Kopf auf die Füße zu stellen und die Frage danach, was die vielen angeblich Bildungsnahen, die sich an Hochschulen herumdrücken, denjenigen, die sie finanzieren, für einen Nutzen bringen.

Das ist eine Frage, die die Mehrzahl derer in natur- und ingenieurswissenschaftlichen Fächern nicht fürchten wird. Anders sieht es in Teilen der Sozialwissenschaften aus, wo die Normalität, sich von Arbeitern durchfüttern zu lassen, auf keinerlei empfundene moralische Verpflichtung trifft, etwas anderes als Worte, deren Bezug zur Realität ungeklärt ist, zurückzugeben.

©ScienceFiles, 2015

Gesucht: Innovationspotential – aber vor allem: Fördertöpfe

Wir wollen uns an dieser Stelle bei allen Lesern bedanken, die uns unermüdlich mit Informationen versorgen. Wir können nicht jede eMail, die uns erreicht, beantworten, aber wir lesen jede eMail und machen aus den Informationen, von denen wir denken, dass sie auf breites Interesse stoßen, einen Post auf ScienceFiles.

Heute haben wir die Anregung eines Lesers von ScienceFiles aufgegriffen, der uns auf eine Seite verwiesen hat, die sich Genderforschung Governance nennt.

Governance, das klingt gut – oder?

WilliamsonRäumen wir zunächst den Begriffsbrocken der “Governance” aus dem Weg. Witziger Weise ist der Begriff der “Governance” ein ökonomischer Begriff, der vermutlich ausgehend von den Arbeiten Oliver Williamsons seinen Siegeszug angetreten hat. Williamson seinerseits hat ein Problem bearbeitet, das schon Ronald Coase erhebliches Kopfzerbrechen bereitet hat: Warum gibt es Unternehmen? Wer sich für die Antwort von Coase auf diese Frage interessiert, der sei auf den Klassiker, “The Nature of the Firm” von 1937 verwiesen.

Für unsere Zwecke ist es ausreichend, darauf hinzuweisen, dass ausgehend von Coase die Organisation bzw. hierarchische Struktur von Unternehmen als “Governance-Structure” bezeichnet wurde. In den Arbeiten vonWilliamson finden sich dann drei Governance-Structures, die genutzt werden können, um die Produktion von Gütern oder Dienstleistungen zu organisieren: Unternehmen, Markt und eine Hybrid-Struktur, die zwischen Unternehmen und Markt angesiedelt ist.

Governance bezieht sich also auf die Organisation von Gütererstellung und kann als Versuch, eine Ordnung durch Koordination von Akteuren in einem gesellschaftlichen Feld herzustellen, definiert werden.

Nun, da dieser sprachliche Brocken aus dem Weg geräumt ist, können wir uns der Frage widmen: “Was um aller Götter Willen hat Genderforschung mit Governance zu tun?”.

Eine gute Frage, denn die Anwendung ökonomischer Konzepte wie Governance in der Genderforschung muss man wohl eher als Unfall bezeichnen, der sich daraus erklärt, dass Genderforscher Begriffe benutzen, von deren Gehalt sie keine Ahnung haben, nicht um damit etwas zu sagen, sondern um damit Eindruck zu machen, weil die Begriffe gelehrt klingen oder positiv konnotiert sind. Wie sonst könnte man den Gebrauch kalter ökonomischer Begriffe durch emotional-affektive Genderisten erklären?

Das bringt uns zur nächsten Frage – zunächst:

“Ein wesentlicher Ansatzpunkt, um das anerkannte hohe Innovationspotenzial der Genderforschung auch angesichts der um sich greifenden neuen Governance der Wissenschaft weiter durch gezielte Förderung zur wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entfaltung bringen zu können, ist die Untersuchung der Organisationskulturen und -strukturen in Hochschule und Forschung.”

Dieser Satz findet sich auf der genannten Seite Genderforschung und Governance, die sich wiederum an der Universität Hildesheim befindet und von Prof. Dr. Heike Kahlert für die Stiftung “Universität Hildesheim” verantwortet wird.

Und seit wir diesen Satz gelesen haben, rätseln wir.

Wir rätseln über das Innovationspotential der Genderforschung, das angeblich anerkannte (von wem auch immer) Innovationspotential der Genderforschung.

Man kann Innovation definieren als

  1. “… a complicated process of applying new ideas for a gainful purpose“ (Tang 1998: 297)
  2. “… the intial market introduction of a new product of process whose design departs radically from past practice“ (Abernathy & Clark 1985: 6).
  3. “… a process where knowledgable and creative people and organizations frame problems and select, integrate, and augment information to create understandings and answers“ (Adamides & Karacapilidis 2004: 1).
  4. “… materielle oder symbolische Artefakte […], welche Beobachter als neuartig wahrnehmen und als Verbesserung gegenüber dem Bestehenden erleben“ (Braun-Thürmann 2005: 6)

Was aber sind anerkannte Innovationen der Genderforschung?

  • Definition 1 fällt aus, denn in der Genderforschung gibt es keine neuen Ideen.
  • Definition 3 fällt aus, denn Genderforschung will gerade kein Verstehen und keine Antworten auf Probleme finden, sondern im Gegenteil, Probleme schaffen.

Was also sind anerkannte Innovationen der Genderforschung?

Die Zielbestimmung in der ersten Definition gibt einen Hinweis: “for a gainful purpose”, um einen Nutzen oder Gewinn zu erzielen. Die anerkannten Innovationen der Genderforscher sind vielleicht Binneninnovationen, d.h. Tricks und Kniffe, die unter Genderforschern gehandelt werden und den Genderforschern dabei helfen, sich mit Genderforschung ein Auskommen zu verschaffen – so wie dies Trasher oder Whyte für Jugendbanden beschrieben haben.

Genderforschung ist aber kein nach außen gerichtetes Unterfangen, dessen Ziel darin besteht, einen gesellschaftlichen Nutzen zu produzieren. Nein, im Gegenteil: Genderforschung ist eine inklusive Veranstaltung, deren Zweck darin besteht, Genderforschern und nur Genderforschern einen Nutzen zu verschaffen, ihnen die Möglichkeit zu dem zu bieten, was Gordon Tullock (2005) rent seeking genannt hat – am besten übersetzt als Partizipation am gesellschaftlichen Wohlstand ohne zu diesem gesellschaftlichen Wohlstand beizutragen.

Den Beleg für diese Hypothese liefert das Hildesheimer Governance Projekt.

Es wird mit 532.167,60 Euro durch das, na? Richtig, das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die 532.167,60 Euro werden nicht etwa dazu eingesetzt, einen gesellschaftlichen Nutzen zu produzieren.

Nein.

Die 532.167,60 Euro werden dazu eingesetzt, für Genderforscher neue Möglichkeiten zu finden, um am gesellschaftlichen Wohlstand zu partizipieren ohne etwas an die Gesellschaft zurückzugeben.

Im Original:

“Die zentralen Fragestellungen des Forschungsprojekts lauten:

  • Typischer Output aus Genderprojekten

    Typischer Output aus Genderprojekten

    “Welche Bedeutung wird der Genderforschung unter Bedingungen der neuen Governance in den gegenwärtigen Transformationsprozessen im Wissenschaftssystem aus wissenschaftlicher, organisationaler (kultureller und struktureller) und politisch-administrativer Sicht beigemessen? (von wem auch immer) In Deutsch: Welche Möglichkeiten, auf Steuerzahlerkosten ein Dasein zu fristen, gibt es derzeit.

  • “Welche Förderung erfährt die Genderforschung dabei von den verschiedenen wissenschafts- und hochschulpolitischen Akteuren?” In Deutsch: Von wem werden die Möglichkeiten, auf Steuerzahlerkosten ein Dasein zu fristen, bereitgestellt?
  • “Wo liegen unter Bedingungen der neuen Governance Ansatzpunkte, um die Förderung der Genderforschung zu vertiefen und zu erweitern?” In Deutsch: Welche Fördertöpfe kann man noch anzapfen, um auf Kosten vcn Steuerzahlern ein Dasein zu fristen.

Es geht ausschließlich darum, die Steuertöpfe, an denen sich Genderforscher derzeit laben, zu identifizieren, diejenigen zu benennen, die sie bereitstellen und neue Fördertöpfe, an denen sich Genderforscher zukünftlig laben können, zu identifizieren. Es geht nicht etwa darum, den Nutzen von Genderforschung zu untersuchen, Forschungsergebnisse zu berichten oder sonstige Versuche zu unternehmen, den Erkenntnisgewinn der Genderforschung zusammen zu stellen (falls es ihn gibt, wir suchen ihn immer noch vergeblich).

Warum nicht: weil Genderforschung keine Forschung ist und Gender Studies keine Wissenschaft sind. Es ist kein Zufall, dass kein Genderist, der auf Kosten der Steuerzahler Gender Studies betreibt, eine Antwort auf Fragen nach dem gesellschaftlichen Nutzen seiner Tätigkeit an Universitäten gegeben hat. Es gibt schlicht keinen gesellschaftlichen Nutzen. Es gibt ausschließlich gesellschaftliche Kosten, wie sie regelmäßig dann entstehen, wenn sich Lobbyisten zusammenfinden, um an öffentliche Ressourcen zu gelangen, um am Wohlstand zu partizipieren, ohne etwas zurück zu geben oder gar beizutragen.

Und wem das alles nocht nicht reicht, dem sei gesagt, dass die Projektmitarbeiter die 532.167,60 Euro nicht nur dafür einsetzen, sich selbst zu finanzieren, sondern auch dazu, qualitative und Experteninterviews zu führen, um die oben genannten Fragen zu beantworten.

Qualitative Sozialforschung hat unter Genderisten einen hohen Stellenwert, jedoch nur als Form der Befragung, nicht als Methodologie, weshalb Auswertungstechniken wie sie z.B. Mayring (2008) oder Glaser und Strauss (2006) entwickelt haben, nicht vorkommen. Bei Genderisten ist die qualitative Sozialforschung zum netten Gespräch, zum Kaffeekränzchen verkommen, bei dem nicht Erkenntnis, sondern Zeitvertreib das Ziel ist und bei dem es darum geht, im Turnus die Rechnung für Kaffee und Kuchen zu verteilen, zwischen den verschiedenen Fördertöpfen, aus denen die am Kaffeekränzchen Beteiligten finanziert werden. Entsprechend muss man kein Hellseher sein, um zu wissen, welche Experten interviewt werden… Das ganze hat vielmehr etwas von einer Drückerkolonne, die Adressen von Haushalten, bei denen man seine Zeitschriften loswerden kann, weitergeben.

Letztlich ist nicht einmal das Nutznießer-System bzw. das Nutznießer-Netzwerk, das Gender Studies geschaffen haben, eine Innovation. Derartige Systeme sind so alt wie die Menschheit. So lange es Produktive unter den Menschen gegeben hat, hat es diejenigen gegeben, die versucht haben, den Gewinn aus der Tätigkeit der Produktiven für sich abzuschöpfen.

Literatur

Abernathy, William K. & Clark, Ken B. (1985). Innovation: Mapping the Winds of Creative Destruction. Research Policy 14(1): 3-22.

Adamides, Emmanuel D. & Karacapilidis, Nikos (2004). Information Technology Support for the Knowledge and Social Processes of Innovation Management. Technovation XX: 1-10.

Braun-Thürmann, Holger (2005). Innovation. Bielefeld: transcript Verlag.

Glaser, Barney G. & Strauss, Anselm L. (2006). The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research. New Brunswick: Aldine Transaction.

Mayring, Philipp (2008). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.

Tang, H. K. (1987). An Interative Model of Innovation in Organizations. Technovation 18(5): 297-309.

Trasher, Frederic M. (1936). The Gang. Chicago: University of Chicago Press.

Whyte, William F. (1943). Street Corner Society. Chicago: University of Chicago Press.

Suizidale Förderung: Die CSU schafft sich ab

Stammleser von ScienceFiles werden sich an Paula Irene Villa erinnern. Villa hat einen Lehrstuhl für Soziologie und Gender Studies, also für Gender Studies, an der Universität München und ist nun seit mehreren Monaten nicht in der Lage, einfache Fragen nach den wissenschaftlichen Grundlagen und dem wissenschaftlichen Nutzen, der Erkenntnis, dem Wissensfortschritt, der aus ihrer steuerzahlerfinanzierten Tätigkeit an der LMU erwächst, zu beanworten.

Da es sich bei den Fragen um solche handelt, die ein Wissenschaftler aus dem Stand und kurz nachdem er aus dem Schlaf gerissen wurde, beantworten kann, muss man – ob der wochenlangen Funkstille – wohl davon ausgehen, dass Villa kein Wissenschaftler ist. Dafür sprechen auch neuere Informationen, auf die uns ein Leser aufmerksam gemacht hat.

Bay StaatsministerDie Informationen geben eine veritable Geschichte der Zustände im Deutschland des Jahres 2015.

Die Geschichte beginnt im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst in München. Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle, dem man zu Gute halten muss, dass er nicht weiß, wovon er spricht, hat gerade verkündet, dass Bayern mit einem neuen Forschungsverbund seine Spitzenstellung in “Gender und Careforschung” weiter ausbauen will.

Eine “exzellente Begutachtung” durch eine “Gutachterkommission”, deren Mitglieder er offensichtlich nicht kennt und die – wie im Zusammenhang mit Gender üblich – auch nicht feststellbar sind, haben nicht näher genannte Einzelprojekte im Rahmen des Forschungsverbunds “ProGenderCare” exzellent begutachtet, weshalb der Minister für Wissenschaft seine Spendierhosen angezogen hat, um den Verbund mit der Kleinigkeit von drei Millionen Euro aus Steuergeldern zu fördern.

secret societyDie Geheimhaltung darüber, wer was exzellent begutachtet hat, hat zur Folge, dass Minister Spaenle in seiner Jubel-Meldung auch nur Platituden absondern kann: Bayern, so frohlockt Spaenle, baue seine internationale Spitzenstellung auf dem Gebiet der Gender- und Careforschung konsequent aus.

Warum auch nicht? In anderen Ländern ist man darauf stolz, seine Spitzenstellung im Bereich der Gentechnologie zu behaupten, Bayern investiert eben in Gender- und Careforschung. Und die Leistungsstärke des Wissenschaftsstandorts Bayern, die sieht Spaenle darin verdeutlich, dass in “vielen Bereichen wissenschaftliche Maßstäbe gesetzt und innovative Forschungsstrategien begründet” würden.

Zu dieser Leerformel muss man noch hinzufügen, dass sie vor einem interdisziplinären Horizont,  nicht etwa vor einem beschänkten, gebildet wurde, was es nur marginal besser macht und dass auch intensive gesellschaftliche Dynamiken, Globalisierungsprozesse und gesellschaftspolitische Herausforderungen nicht in der Pressemeldung fehlen dürfen.

Der Heidlelberger Grafiker Klaus Staeck hat einmal den Wahlkampfslogan “Mampf” für CSU-Wahlkämpfe vorgeschlagen.

Natürlich kann Mampf angesichts der gesellschaftlichen Dynamik und der Globalisierung, die die Leistungsstärke am Mampfstandort Bayern erst verdeutlich, nicht einfach als Mampf stehen gelassen werden, denn in Bayern ist das Mampf interdisziplinär, und es setzt in vielen Bereichen wissenschaftliche Mampf-Stäbe und begründet innovatives Forschungs-Mampfen.

Aber, wie gesagt, man muss Ludwig Spaenle, der einen Doktor vor dem Namen trägt, der neugierig macht, zu Gute halten, dass er nicht weiß, wovon er spricht. Wie soll er auch wissen, wovon er spricht, wenn die exzellenten Gutachter der exzellenten Begutachtung ebenso geheim gehalten werden, wie die exzellenten interdisziplinären Gender-Care-Projekte, die sie begutachtet haben und die nun gefördert werden?

Aber eines wissen wir: Wir wissen, dass Paula Irene Villa an ihrem Genderlehrstuhl in München für die Koordination des interdisziplinären Gender-Care verantwortlich ist, womit zumindest ein Teil dessen, was an diesem Lehrstuhl geschieht, öffentlich gemacht wäre.

LMU_LogoWir wissen noch mehr, denn wir sind über einen Pressetext der LMU-München gestolpert, der in einem Interview mit selbiger Villa die drei Millionen, die man dem leichtgläubigen Spaenle hat abjagen können, feiert, und zwar unter dem Titel “Es entsteht eine neue Dienstmädchenkultur”. Wir wollen unsere Leser nicht mit der üblichen Gender-Leier verstimmen, wer sich mit Genderismus beschäftigt, kennt den Unsinn, der hier zu erwarten ist (wer nicht, der kann sich hier informieren).

Nein, wir wollen Ludwig Spaenle Information darüber zugänglich machen, was für eine Art Projekt er da eigentlich aus Steuergeldern finanziert.

Dazu genügt es, einen Absatz des Interviews genauer zu analysieren:

“Villa: ‘Lohn für Hausarbeit ist eine alte Forderung der Frauenbewegung, die noch aus der Jahrhundertwende stammt und dann in den 1980er-Jahren wieder verstärkt formuliert wurde. Es gibt einige sozialpolitische Stellschrauben, an denen in dieser Richtung bereits gedreht wurde. Dazu gehört zum Beispiel die Anrechnung von Kindererziehungszeiten auf die Renten. Damit wird Eltern ihre Leistung in der Erziehungsarbeit finanziell anerkannt. Es wäre natürlich nicht finanzierbar, auf einmal alle Care-Aufgaben im Privaten angemessen zu bezahlen. Aber es gibt andere, radikale Modelle, in denen das denkbar wird, zum Beispiel beim bedingungslosen Grundeinkommen. Im Forschungsverbund werden wir mit Akteuren aus Politik, Verbänden und der Praxis über ganz verschiedene Reformmöglichkeiten diskutieren'” (unsere Hervorhebung).

The Snout in the Trough

The Snout in the Trough

Der Forschungsverbund dient in der Definintion von Paula Irene Villa einmal der politischen Agitation und einmal der Durchsetzung radikaler Ideen um unproduktive Arbeiten, Arbeiten, die keinerlei Mehrwert erbringen, sondern Kapital konsumieren, von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen.

Dies ist seit jeher das Programm des Sozialismus gewesen und dass es hier unter dem Etikett ProGenderCare wiederkehrt, ist kein Wunder, denn Genderismus ist nichts anderes als eine Vulgär-Variante von Sozialismus. Einzig die Tatsache, dass die CSU in Bayern nunmehr Steuergelder einsetzt, um politische Aktivisten zu finanzieren, die sich als Wissenschaftler maskieren und mit Akteuren aus “Politik, Verbänden und der Praxis” den besten Weg zur Durchsetzung von Sozialismus diskutieren wollen, das ist neu.

Indes ist es leicht zu erklären, dass die CSU – vertreten durch ihren Wissenschaftsminister Dr. Spaenle – nun Sozialismus finanziert. Wer sich in der Welt der für seine Ohren wohlklingenden Begriffe aufhält und an “innovativen Forschungstrends”, “internationaler Spitzenstellung”, “exzellenter Begutachtung” und dergleichen berauscht, dem kann man unterschieben, was man will, solange man behauptet, der Mampf wäre ein innovativer Forschungstrend, der eine internationale Spitzenstellung garantiert, wie eine exzellente Begutachtung deutlich macht.

Für alle, die es nicht glauben können, noch einmal die Facts:

3 Millionen Euro Steuergelder werden für einen Forschungsverbund “ProGenderCare” ausgegeben, in dessen Rahmen sozialistische Alternativen zur derzeitigen Gesellschaftsordnung diskutiert und durchgesetzt werden sollen.

Ach ja, die Dienstmädchenkultur, die in der Überschrift des Interviews mit Villa herbeiphantasiert wird, besteht z.B. darin:

“Frauen aus Mexiko oder den Philippinen arbeiten in den USA, in Singapur oder Großbritannien als „Nannys“ und lassen dafür ihre eigenen Kinder zurück. Diese werden dann von anderen Frauen versorgt. Die philippinischen Nannys stellen mit ihren Geldüberweisungen aus dem Ausland einen wesentlichen Anteil des Bruttosozialprodukts des Landes.”

Offensichtlich ist es für Villa nicht vorstellbar, dass Frauen wie Männer dies seit Jahrhunderten tun, als Arbeitsmigrant durch die Welt ziehen, weil sie an ihrem Geburtsort keine Arbeit finden. Der interdisziplinäre Horizont der Paula Irene Villa ist ortsgebunden und kennt keine Mobilität, weder geistig noch physisch (oder wenn, dann nur eine furchtbar belastende Mobilität).

Es gibt im übrigen keine uns bekannte Statistik, die die Höhe des von weiblichen Migranten, die z.B. in den USA als Hausangestellte tätig sind, in ihr Heimatland überwiesenen Geldes aufschlüsselt, so dass es auch keine uns bekannte Statistik gibt, die z.B. für Mexiko den Anteil am Bruttosozialprodukt, der auf die Tätigkeit der entsprechenden weiblichen Arbeitsmigranten zurückginge, aufschlüsselt. Ebenso wenig wie es eine Statistik gibt, die uns bekannt ist, die die Höhe der Überweisungen von weiblichen Haushaltsangestellten ins Verhältnis zu den Überweisungen männlicher Arbeitsmigranten in ihr Heimatland setzen würde.

Wir kennen nur die Migration- und Remittance Statistiken der Weltbank, die haarklein die Höhe der Überweisungen von Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer aufschlüsseln. Darin findet sich jedoch keine Aufschlüsselung nach z.B. Tätigkeit, schon weil eine derartige Aufschlüsselung auf Grundlage der vorhandenen Daten gar nicht möglich ist.

Hat Frau Villa phantasiert?

Kennt Frau Villa geheime statistische Quellen, die z.B. von unbekannten Gutachtern exzellent verwaltet werden?

Fragen wir Frau Villa.

Aber nein, Frau Villa antwortet ja nicht auf unsere Fragen …
Aus gutem Grund, wie wir bis zum Beweis des Gegenteils meinen, denn Sie hat keine Antworten!