Die mysteriösen Finanzen der Hans-Böckler-Stiftung

Wer heute die Welt der Pressemeldungen, die von sich behaupten, aus der Wissenschaft zu stammen oder wissenschaftliche Ergebnisse zu verbreiten, querliest, der findet einen alten Ladenhüter, den diejenigen, die ihn an den Mann bringen wollen, so dringend loswerden wollen, dass sie ihn zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten in das Schaufenster ihres Etablissements stellen, um sich dann zu wundern, dass keine Kunden kommen.

logo_wsiDie Rede ist von den Frauen in den Chefetagen Europäischer Konzerne, in denen sie nach Erkenntnissen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung nur eine kleine Minderheit sind. “Noch extremer ist die Männerdominanz bei den Vorsitzenden der höchsten Entscheidungsgremien”, so wird lamentiert, ganz so als habe Geschlecht auch nur entfernt etwas mit Fähigkeit, Leistungsvermögen oder  Intelligenz zu tun. Aber scheinbar glaubt man das, bei der Hans-Böckler-Stiftung.

Lassen wir sie in ihrem Glauben und wenden wir uns der Frage zu, wer die Hans-Böckler-Stiftung eigentlich finanziert bzw. wie sich die Hans-Böckler-Stiftung finanziert – eine nicht ganz unerhebliche Frage, wenn man z.B. untersuchen will, warum sich die Hans-Böckler-Stiftung mit bestimmten Themen und nicht mit anderen Themen beschäftigt.

Zunächst zur Hans-Böckler-Stiftung als solcher. Was ist die Hans-Böckler-Stiftung eigentlich? Die offizielle Selbstbeschreibung hilft hier weiter:

“Die Hans-Böckler-Stiftung ist das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderwerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die Stiftung arbeitet mit den Mitgliedsgewerkschaften des DGB projektbezogen zusammen, ist aber nicht von ihnen abhängig.”

Damit das klar ist: Die Hans-Böckler-Stiftung gehört organisatorisch zum Deutschen Gewerkschaftsbund. Mit ver.di oder der GEW arbeitet man zusammen, aber daraus erwachsen keine Ansprüche der Einzelgewerkschaften auf z.B. das bei der Hans-Böckler-Stiftung gehortete Kapital.

Und vermutlich, weil ver.di und GEW nicht zu trauen ist, hält die Hans-Böckler-Stiftung ihre Finanzen weitgehend geheim. Die offizielle Verlautbarung zu den Finanzen der Hans-Böckler-Stiftung liest sich wie folgt:

“Der Jahresetat [2011] der Hans-Böckler-Stiftung beträgt rund 55 Millionen Euro. Zwei Drittel davon stammen aus den Beiträgen der Förderer. Den größten Posten auf der Ausgabenseite bilden die Förderbeträge für Studierende mit gut 20 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln”.

logo_hbsNa wenn das keine Auskunft ist! Die Bilanz der Hans-Böckler-Stiftung lautet: Es gibt Einnahmen und Ausgaben. Nicht auszudenken irgend ein Unternehmen oder gar ein internationaler Konzern käme auf die Idee, seine Einnahmen und Ausgaben auf diese Art und Weise zu verschleiern, die Vermutung, hier solle Arbeitnehmern oder der Öffentlichkeit etwas Wichtiges vorenthalten werden oder hier seien dunkle Machenschaften am Werk, wäre sicher ganz schnell bei der Hand, sicher auch oder gerade von Seiten der Gewerkschaften.

Aber: Für manche unter den Gleichen gelten bekanntlich andere Regeln, und entsprechend findet man beim DGB wohl nichts dabei, die Finanzen der Hans-Böckler-Stiftung weitgehend vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Aber wir sind ungerecht. Die Hochglanzbroschüre, die der Außendarstellung dient, ist natürlich aufgepeppt und auszugsweise. Man will die Öffentlichkeit ja nicht mit Zahlen langweilen und hat sich die entsprechende Aufstellung für den Jahresbericht vorbehalten.

Nur, die Aussagen zu den Finanzen der Hans-Böckler-Stiftung, die der Jahresbericht enthält, sind auch nicht umfassender:

“Der Haushalt 2011/2012″, so steht am Seitenrand, “hatte ein Gesamtvolumen von 63,1 Mio. Euro”. Die Aussage wird ergänzt durch den folgenden Hinweis: “Gemäß Beschluss des DGB-Bundesausschusses führen Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten, Arbeitsdirektoren sowie Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer gewerkschaftlicher Unternehmen bestimmte Teile ihrer Vergütungen oder Einkünfte an die Hans-Böckler-Stiftung ab. Zusammen mit Zuwendungen sonstiger Förderer erreichten die Förderbeiträge 2011/12 ein Gesamtvolumen von 37,8 Mio. Euro”.

Um die Frage nach den “bestimmte[n] Teile[n]” zu klären, die die “Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten usw. abführen, um ein Gefühl für die Größenordnungen von Einkünften aus Aufsichtsratsmandaten zu bekommen, hier einige Informationen aus einem Arbeitspapier der Hans-Böckler-Stiftung:

  • einfache Aufsichtsratsmitglieder führen
    • BöcklerHansbei Vergütungen bis 3.500 Euro im Jahr pro Ausichtsratsmandat 10 Prozent des Bruttobetrages ab;
    • bei Vergütungen über 3.500 Euro bis 32.500 Euro sind zusätzlich zu dem unter Ziffer 1 genannten Betrag 95 Prozent der über 3.500 Euro liegenden Vergütungsbestandteile abzuführen;
    • bei Vergütungen über 32.500 Euro, ist alles, was über 32.500 Euro liegt, abzuführen;
  • Aufsichtsratsvorsitzende führen
    • bei Vergütungen bis 7.000 Euro im Jahr 10 Prozent des Bruttobetrages ab;
    • bei Vergütungen über 7.000 Euro bis 65.000 Euro werden zusätzlich 95% der über 7.000 Euro liegenden Vergütungsbeträge abgeführt;
    • bei Vergütungen über 65.000 Euro ist alles, was über 65.000 Euro liegt, abzuführen.

Die Summen, die von Gewerkschaftsfunktionären ganz nebenbei durch ihre Mitgliedschaft als Arbeitnehmervertreter in z.B. den Aufsichtsräten von Daimler (z.B: Jörg Hofmann oder Sabine Maaßen) oder der Deutschen Post DHL AG (z.B. Andrea Kocsis oder Andreas Schädler) bewegt werden, sind durchaus erheblich.

Allein die Abgaben an die Hans-Böckler-Stiftung summieren sich auf 37,8 Millionen Euro für das Bilanzierungsjahr 2011/2012, abzüglich der nicht ausgewiesenen Zuwendungen ungenannter “sonstiger Förderer”. Zu diesen 37,8 Millionen Euro tragen Steuerzahler über das Bundesministerium für Bildung und Forschung noch die Kleinigkeit von 22,2 Millionen Euro bei, so dass die Steuerzahler 35,2% der Mittel bereitstellen, die die Hans-Böckler-Stiftung verbraucht.

Von den 63,1 Millionen Gesamtvolumen des Jahreshaushalts 2011/2012  ist die Herkunft von nunmehr 60 Millionen Euro zumindest ansatzweise geklärt. Bleiben noch 3,1 Millionen Euro, die sich zu 0,8 Millionen über eingeworbene Drittmittel, von wem auch immer, erklären. Die nunmehr noch verbleibenden 2,3 Millionen Euro stammen zu 95,6% (2,2 Millionen) aus Zinseinnahmen, der Rest entstammt aus Rücklagen, die aufgelöst wurden.

labor-unionZinseinnahmen in Höhe von 2,2 Millionen Euro zeigen, dass die Hans-Böckler-Stiftung sich über die Jahre ihres Bestehens (seit 1977) zu einem kleinen Finanzimperium entwickelt hat, das über mehr Kapital(anlagen) verfügt als die meisten mittleren und kleinen Unternehmen als Jahresumsatz erwirtschaften. Selbst wenn man annimmt, dass die Geldanlagen der Hans-Böckler-Stiftung in konservativer Weise erfolgen, d.h. der Anteil des Kapitals, das in Aktienspekulationen investiert wird, eher gering ist, kommt man bei eben dieser konservativen Schätzung auf Basis eines Zinssatzes von nur rund 4% zu einem Guthaben von 55 Millionen Euro.

Wir sind bei unserer Berechnung davon ausgegangen, dass die Hans-Böckler-Stiftung als gemeinnützige Stiftung anerkannt ist und entsprechend keine Kapitalertragssteuer abführt.

Und gemeinnützig ist das, was die Hans-Böckler-Stiftung tut, natürlich, oder wollen Sie etwa auf die reguläre Veröffentlichung von Ladenhüter-Informationen über den Anteil von Frauen in Chefetagen verzichten? Oder auf die Durchführung von Fachtagungen wie:

  • WSI-Herbstforum 2011: Gespaltene Gesellschaft
  • Betriebsräte Tagung: Energiewende
  • Abrbeit – sicher aber fair!
  • Feministische Kritik in Zeiten der Prekarisierung
  • Aktionsforschung: Erfahrung, Kritik, Perspektiven
  • Betriebsräte als Innovationsbegleiter und Treiber betrieblicher Innovationsprozesse
  • Beschäftigung, Gleichstellung, Soziale Sicherheit
  • Prekarisierung und Sozialkritik (Autorinnenworkshop)
  • Habermas und der kritische Materialismus
  • Prekäre Arbeitsverhältnisse
  • Arbeitnehmerbewusstsein und Demokratie
  • New Sociology Childhood
  • Demokratie, Feministische Perspektiven auf Emanzipation und Demokratisierung

Darüber hinaus fördert die Hans-Böckler-Stiftung auch Studenten und Doktoranden mit entsprechenden Stipendien, wobei die Förderung eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft oder ein gesellschaftspolitisches oder gewerkschaftliches Engagement voraussetzt. Anders formuliert: Die Hans-Böckler-Stiftung rekrutiert über die Vergabe von Stipendien den eigenen Nachwuchs, nein, nicht die Hans-Böckler-Stiftung, die Steuerzahler tun dies, denn die 22,2 Millionen, die dem Haushalt der Stiftung im Jahre 2011/2012 zugeflossen sind, sind zweckgebunden, an die Studienförderung.

Wer sich darüber ärgert, dass es Filz, Nutznießernetzwerke und Kaderschmieden wie z.B. die Humboldt-Universität gibt, der hat nunmehr eine Möglichkeit, etwas dagegen zu tun: Steuern nur noch zweckgebunden zahlen und sich versichern lassen, dass weder die Hans-Böckler-Stiftung noch die eingetragenen Vereine der Parteien, die von sich behaupten, die Stiftung von Konrad Adenauer, Friedrich Ebert, Heinrich Böll, Friedrich Naumann  oder Rosa Luxemburg zu sein, über die eigenen Steuerzahlungen finanziert werden – alternativ kann man natürlich auch eine Petition verfassen, deren Ziel darin besteht, die Finanzierung aus Steuermitteln von ideologischen Stiftungen oder Parteienvereinen zu verbieten.

Ein Volk von Triebtätern

Seit einiger Zeit läuft, weitgehend unkommentiert von Mainstream-Medien, eine Posse zwischen der Bundesregierung und den Landesfürsten auf der einen Seite und der EU-Kommission auf der anderen Seite. Gespielt wird um den Einsatz von ein paar Milliarden Euro. Gegenstand des Spiels ist der “Staatsvertrag zum Glücksspiel in Deutschland (Glücksspielstaatsvertrag – GlüStV), der im Wesentlichen dazu da ist, das Monopol der Länder auf Einnahmen aus dem Glückspiel gegen Konkurrenz zu verteidigen.

TotoDer Glücksspielstaatsvertrag ist einerseits eines jener Gesetze, das an Heuchelei nicht zu überbieten ist, z.B. wenn fabuliert wird, dass ein staatliches Monopol auf Toto und Lotto notwendig ist, um “Glücksspiel- und Wettsucht zu verhindern”. Anderseits ist der Glücksspielstaatsvertrag eines jener Gesetze, die nur so vor Paternalismus triefen, und die, wenn man sie liest, ärgerlich machen, ob der anmaßenden Überheblichkeit, mit der “die Bevölkerung” darin behandelt wird.

So heißt es gleich unter §1 “Ziele des Staatsvertrages”:

“Ziele des Staatsvertrages sind gleichrangig:

  1. das Entstehen von Glücksspielsucht und Wettsucht zu verhindern und die Voraussetzungen für eine wirksame Suchtbekämpfung zu schaffen,
  2. durch ein begrenztes, eine geeignete Alternative zum nicht erlaubten Glücksspiel darstellendes Glücksspielangebot den natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen zu lenken sowie der Entwicklung und Ausbreitung von unerlaubtem Glücksspiel in Schwarzmärkten entgegenzuwirken,
  3. den Jugend- und Spielerschutz zu gewährleisten,
  4. sicherzustellen, dass Glücksspiele ordnungsgemäß durchgeführt, die Spieler vor betrügerischen Machenschaften geschützt, die mit Glücksspielen verbundene Folge- und Begleitkriminalität abgewehrt werden …”

Ein Mittel im Arsenal des kritischen Denkens ist das Aufspüren von impliziten Prämissen, also von Prämissen, die notwendig sind, um die oben dargestellten Aussagen machen zu können, da sie ohne diese Annahmen keinen Sinn machen. Hier eine kleine Auswahl der impliziten Prämissen:

  1. Absatz:
    • sklGlückspielsucht und Wettsucht sind existente Krankheitsbilder.
    • Ein Staatsvertrag, der die Erlöse aus Glücksspielsteuern auf Länder verteilt, ist geeignet, Glückspielsucht und Wettsucht zu unterbinden.
    • Es ist die Aufgabe der Vertreter des Bundes und der Länder, Glücksspielsucht und Wettsucht zu bekämpfen.
  2. Absatz:
    • Die deutsche Bevölkerung hat einen Spieltrieb, Deutschland ist ein Volk der Zocker.
    • Ohne den Staatsvertrag bricht sich dieser Spieltrieb Bahn und die Deutschen verspielen der Oma ihr klein Häuschen.
    • Deshalb müssen Deutsche generell überwacht werden und von unerlaubtem Glücksspiel auf Schwarzmärkten abgehalten werden.
    • Unerlaubtes Glücksspiel auf Schwarzmärkten ist Glücksspiel, das zwar den Spieltrieb der Bevölkerung bedient, aber an dem die Finanzeminister der Länder nichts verdienen.
    • Staatlich beaufsichtigtes Glücksspiel ist eine Alternative zum staatlich nicht beaufsichtigten Glückspiel.
    • Die Vertreter von Bund und Ländern wissen um den Spieltrieb aus eigener Erfahrung, oder sie gehören nicht zur Bevölkerung.
  3. Absatz:
    • Wer das Häuschen der Oma im staatlichen Lotto verspielt, tut dies auch dann, wenn er minderjährig ist nur unter staatlicher Aufsicht und Kontrolle.
    • Spielbank Baden BadenOrdnungsgemäßes Glücksspielt ist staatlich überwachtes und kontrolliertes Glücksspiel an dem die Finanzminister der Länder verdienen.
    • Wer einen Spieltrieb hat, hat auch einen Kriminalitätstrieb (was Sinn macht, denn die Teilnahme an unerlaubten Glücksspielen auf Schwarzmärkten ist hier Ausdruck des Spieltriebs und gleichzeitig delinquentes Verhalten. Wenn man zwei Dinge als identisch definiert ist es zwangläufig so, dass sie auch miteinander korrelieren.).

Dabei wollen wir es für’s Erste belassen. Wem jetzt noch nicht die Galle hochgekommen ist, ob der unglaublich paternalisierenden Art und Weise, in der Vertreter von Bund und Ländern die triebgeleitete Bevölkerung behandeln, die für die entsprechenden Vertreter scheinbar die Willensstärke von Kleinkindern hat, hier noch ein bischen Terminologie.

Zunächst zum Trieb:

“Trieb (drive) wird in der Psychologie gewöhnlich gebraucht, um die Handlungsmotivation auszudrücken, die wie etwa beim Hunger primäre biologische Voraussetzungen hat” (Zimbardo, 1995: 407).

RentenlottoDer Glücksspiel- und Wetttrieb, der im Glücksspielstaatsvertrag eben einmal der ganzen Bevölkerung untergschoben wird, ist also dem biologischen Bedürfnis nach Essen oder Trinken gleichzusetzen, was notwendig zur Folge hat, dass Mitglieder der deutschen Bevölkerung, die nicht Lotto oder Toto spielen oder nicht wetten, dass der 1. Fc Kaiserslautern auch diese Saison nicht in die Bundesliga aufsteigen wird, irgendwie gestört sind, denn sie lassen ihren Glücksspiel- und Wetttrieb unbedient.

Und nochmals zum Trieb:

“Das Wort ‘drive’ wurde zum erstenmal von Woodworth 1918 zur Beschreibung einer hypothetischen Kraft oder Energie benutzt, von der man gemeinhin angenommen hat, dass sie nicht erlernt und hinsichtlich der Situation, in der sie auftritt, unspezifisch ist, dass sie eine allg. physiol. Grundlage hat und auf keine bestimmte Art des Verhaltens ausgerichtet ist, jedoch das Verhalten von Tieren und Menschen aktiviert (motiviert)” (Bolles, 1994: 2361).

Wenn also die Bevölkerung einen Glücksspiel- und Wetttrieb hat, dann hat die Bevölkerung einen solchen, und er wird sich Bahn brechen. Folglich ist die Nachfrage nach Glücksspielen das, was man in der Ökonomie eine nicht-elastische Nachfrage nennt. Sie ist unabhängig von den Randbedingungen vorhanden, und man kann sie perfekt benutzen, um den Nachfragern überhöhte Preise aufzuzwingen, z.B. im Rahmen staatlicher Glücksspielangebote, deren Ziel darin besteht, die Länderkassen zu füllen, mit zuletzt 3,3 Milliarden Euro jährlich.

Die Klassifikation der mentalen Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation, die ja ansonsten jeden Firlefanz als Krankheit enthält, kennt die Wett- und Glücksspielsucht, von der im Glücksspielstaatsvertrag die Rede ist, nicht. Einzig das pathologische Spielen ist im ICD-10 bekannt:

“Die Störung besteht in häufigem und wiederholtem episodenhaften Glücksspiel, das die Lebensführung des betroffenen Patienten beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt.”

Wuthering HeightsBereits Emile Bronte hat in Wuthering Heights die Folgen beschrieben, die mit Glücksspiel verbunden sind, wobei man sich streiten kann, ob die beschriebenen Folgen (Heathcliffe gewinnt im Spiel den Hof von Hindley Earnshaw) so negativ sind, wie immer behauptet wird. Insbesondere muss man sich fragen, ob die gesellschaftlichen Kosten, die durch eine staatliche Kontrolle und Überwachung angeblich Spielsüchtiger sowie deren Behandlung, Therapie und sonstige Bearbeitung durch die Hilfeindustrie entstehen, geringer sind, als es ein Ausleben der vermeintlichen Spielsucht gewesen wäre.

Der Verdacht, dass der Schutz vor  der angeblichen Glücksspiel- und Wettsucht durch ein staatliches Glücksspielmonopol und wenn der Schutz nicht gelingt, die nachgelagerte Finanzierung von Betreuungs- und Hilfeangeboten für die vermeintlich Spielsüchtigen nur vorgeschoben sind, um Steuereinahmen zu generieren, liegt nahe. Schon die Annahme, dass das Heer von Therpeuten, das als Teil der Bevölkerung doch auch mit einem “natürlichen Spieltrieb” ausgestatt ist, dennoch in der Lage sein soll, anderen und besonders Spieltrieb-Gesteuerten den Spieltrieb auszutreiben, ist ein Widerspruch in sich. Oder wie ist es mit dem Widerspruch, dass Glückspiele angeboten werden, um vor Glücksspielsucht zu schützen?

Wie so oft haben sich staatliche Steuer-Absahner und am Tropf des Staates hängende Hilfeabsahner zusammengeschlossen, um sich willige Opferzu suchen, denen sie dann auf Kosten der Allgemeinheit helfen können.

Da wir in einem Zeitalter der Petitionen leben, wie wäre es mit einer Petition, deren Ziel darin besteht, Politikern ein für alle Mal ihren Paternalismus-Trieb auszutreiben bzw. sie dann, wenn sie ihren entsprechenden Trieb nicht beherrschen können, in die Obhut einer geschlossenen Anstalt zu überführen?

Nutznießer perpetuum mobile: Neue Form gestörter Esser entdeckt

Wer denkt, dass es sich bei diesem Beitrag um eine Satire handelt, der irrt. Wir tauchen heute ein, in die Welt derjenigen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere mit Gesundheitstipps zu stalken, deren Essgewohnheiten genau zu untersuchen und dabei regelmäßig das Ziel zu verfolgen, die entsprechenden Essgewohnheiten zu problematisieren, damit man daraus einen Gewinn schlagen kann, z.B. durch das Loseisen von Steuergeldern für die Behandlung der gerade entdeckten oder erfundenen Störung, z.B. durch das Anbieten von Therapien für die neuentdeckten gestörten Esser.

In der Liste der gestörten Esser finden sich, mit abnehmendem Gewicht zunächst die Adipösen, also diejenigen, deren Umfang im Vergleich zu ihrer Höhe heraussteht, es folgen die ungesunden Esser, die zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viel Protein, zu viel Koffein, zu viel, was auch immer, eben zu viel essen (oder zuweilen auch trinken) und die Reihe wird von denjenigen beendet, die zu wenig essen oder zu wenig von dem Gegessenen bei sich behalten, als Schlankheitsmaßnahme in Form von Anorexia Nervosa oder Bulimie.

pooh bearNun ist man geneigt zu denken, wenn jemand in einer Weise isst, die ihm Probleme bereitet, dann wird dieser jemand über kurz oder lang damit aufhören, wenn er denkt, dass er die Probleme abstellen will. Aber das würde diesem jemand einen freien Willen attestieren, und das ist natürlich schlecht, denn mit einem freien Willen lässt sich kein Geld verdienen. Wenn man anderen helfen will, sie beraten, begleiten oder von ihrer Essstörung therapieren will, dann muss man ihnen zunächst den freien Willen absprechen, sie zu Marionetten der jeweiligen Nahrungsmittel machen, denen man dann notwendig, einen entsprechend freien Schädigungswillen zugestehen muss, der gemeinhin als “Abhängigkeit” beschrieben wird. Abhängigkeiten kann man nun von den unterschiedlichsten Dingen behaupten, je nachdem, wofür gerade Fördermittel bereitgestellt werden.

Und Fördermittel sind dann auch immer wieder der Ausgangspunkt, der zur Entdeckung einer neuen Störung führt, für die man dann wiederum neue Fördermittel beantragen kann oder bereitstellen muss, ein perpetuum mobile des Nutznießens.

Nehmen wir z.B. die Europäische Union, bei der man entdeckt hat, dass nicht nur der Konsum von Milch, sondern auch der von Obst unter Kindern zurückgeht. Wie man zu dieser Entdeckung gelangt ist, welche Rolle die Europäischen Milchseen und Obstberge spielen, die die EU-Kommission mit hohen Subventionen produzieren lässt, ist bislang nicht geklärt, aber geklärt ist, dass die EU-Kommission etwas gegen den zurückgehenden Konsum von Obst und Milch unter Kindern tun muss.

Eu Fruit SchemeGesagt getan: mit dem School Fruit Scheme und dem School Milch Scheme werden 88 Millionen Euro in Obst umgesetzt, das an Schulen vornehmlich in Polen, Deutschland, Rumänien und Frankreich verteilt wird, während das School Milch Scheme 65 Millionen Euro einsetzt, um 300.000 Tonnen Milch an 17 Millionen Schüler in der EU zu verteilen. Alles natürlich, um Gutes zu tun, nicht, weil von Obst und Milch gerade so viel da ist, dass man nicht weiß wohin damit, denn: “… we want to … reverse the downward trend in consumption and raise awareness among children of the potential benefits of these products. This is an important measure for bringing about sustained changes in children’s eating habits and improving awareness of important challenges that society faces”.

Letzteres sagt Dacian Ciolos, den man dazu angeleitet hat, bei der EU-Kommission eine Zuständigkeit für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung vorzutäuschen. Nein, wir wollen jetzt nicht die Frage stellen, was die EU-Kommission dazu legitimiert, sich in die Ernährungsgewohnheiten von Kindern einzumischen und Vorgaben über “gesundes Essen” zu machen. Und wir wollen auch nicht fragen, was wohl die wichtigen Herausforderungen sind, denen sich Gesellschaften gegenübersehen und die man mit dem Konsum von Milch und Obst bei Schulkindern meistern kann. Nehmen wir diese Äußerungen des EU-Kommissars als das, was sie sind, Äußerungen, die mit keinerlei Inhalt geschlagen sind.

Stattdessen wollen wir auf die Gefahren und Möglichkeiten hinweisen, die sich mit den “Schemes” der EU-Kommission verbinden: Die Hauptgefahr heißt “Orthorexia Nervosa”. Sie wurde bereits 1997 erfunden oder gefunden. Die Möglichkeit, die sich daraus ergibt, lautet: Förderung von Aufklärungskursen und von Therapien für Orthorexia Nervosa.

Was ist Orthorexia Nervosa?

orthorexia21Orthorexia Nervosa, so schreibt der Erfinder des Begriffs, Steven Bradman, MD, “indicates an unhealthy obsession with eating healthy food”. Man kann also nicht nur zu viel ungesundes Essen essen, sondern auch zuviel gesunde Nahrungsmittel. An anderer Stelle wird Orthorexia Nervosa definiert als: “Basically, orthorexia is a fixation on eating only healthy or pure foods, or what an individual perceives as healthy or pure.”

Und es wird noch besser, wenn man die Beschreibung dieser “Obsession” oder Besessenheit genauer liest. Es beginnt damit, dass Menschen, die sich gesund ernähren wollen, z.B. in der Weise, wie die EU-Kommission das empfiehlt und wie es Politiker auf ihrem Kreuzzug gegen das Übergewicht und deren Hauptverursacher nahe legen, Fett und Zucker aus ihrer Diät streichen. Sie verzichten also auf Schokoriegel, Zucker und Fett  in allen Formen und erreichen damit, dass die Nährstoffe, die in “gesunden Nahrungsmitteln” enthalten sind, nicht mehr aus denselben und aufgrund des Fehlens von z.B. Fett herausgelöst werden können. (Fett ist z.B. notwendig, um fettlösliche Nährstoffe aufnehmen zu können).

Wenn sich dann die ersten Anzeichen einer Mangelernährung einstellen, dann würde man normalerweise erwarten, dass die davon Betroffenen ihre “Obsession” mit gesunder oder “reiner” Nahrung aufgeben und sich wieder einer gesunden, weil abwechslungsreichen Ernährung zuwenden. Nicht so bei Orthorexia Nervosa. Hier regiert die Besessenheit, ähnlich wie dies bei Staatsfeministen der Fall ist. Ersterer Opfer sehen nicht ein, dass eine Ernährung nur mit  vermeintlich gesunden Nahrungsmitteln ungesund ist und ignorieren die entsprechenden Warnsignale, die ihnen ihr Körper in ausreichender Menge sendet. Letztere sehen nicht ein, dass nicht jeder im gleichen Maße von Geschlecht besessen ist wie sie und ignorieren alle Meldungen, die die Realität ihnen entsprechend sendet.

Health food junkiesUnd so kommt eine Untersuchung aus dem Jahre 2013, die sich mit Orthorexia Nervosa beschäftigt, zu dem Ergebnis, dass Letztere vor allem bei Menschen zu finden ist, die Nahrung einen unverhältnismäßigen Stellenwert zuweisen und deren ungesundes Verhältnis zu Nahrung mit sozialen Problemen einhergeht. Die entsprechende Untersuchung ist beileibe kein Einzelfall. Eine Suche nach “Orthorexia Nervosa” in Google Scholar befördert 431 Beiträge zu Tage, Beiträge wie das 2000 erschienene Buch von Steven Bradman “Health Food Junkies: Orthorexia Nervosa…” oder den Beitrag “Prevalence of Orthorexia Nervosa among Turkish Performance Artists.” in der Zeitschrift Eating and Weight Disorders.

Dies zeigt, die Behandlungs- bzw. Therapierungs-Industrie ist bereits angelaufen. Der Gang der Dinge wird Orthorexia über kurz oder lang in den DSM aufgenommen und unter die Essstörungen eingeordnet sehen. Dies ist der Startschuss für deutsche Rentseeker, sich auf den Zug zu schwingen und die Heilfahrt mitzumachen, deren Passagiere aus Leuten besteht, die vor lauter gesunder Nahrung krank werden, angeblich. Der nächste Schritt wird die EU-Kommission und andere, der Gesundheit zumindest verbal verpflichtete Institutionen Fördergelder für die Untersuchung der als neue Volkskrankheit vor allem unter türkischen Performanzkünstlern diagnostizierten Krankheit bereitstellen sehen, die wiederum genutzt werden, um den Krankheitsstatus der Orthorexia für Europa zu zementieren, was dazu führen wird, dass entsprechende Behandlungen und Therapien durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen getragen werden.

MarsriegelDie EU-Kommission wird ihre Milch und Obst-Schemes überdenken, natürlich nicht abschaffen, dafür ist die Agrar-Lobby zu stark. Vielmehr werden Schulen Nahrungsberater als obligatorisch verordnet werden, die dann, während sie den Kindern in den Schulen erzählen, wie gesund doch Obst und Milch sind, auch erzählen, dass man nicht nur Obst und Milch essen kann, sondern ruhig auch einen Marsriegel … Vielleicht, je nachdem wie die Stimmung in 10 Jahren sein wird, gelingt es dem Mars-Konzern ein “Scheme” bei der EU durchzudrücken, das die Wichtigkeit von Fett für das Herauslösen von Nährstoffen aus Obst betont und deshalb Marsriegel an Schulkinder verteilt, 300.000 Tonnen an 17. Millionen Schüler oder so. Was dann wieder dazu führen wird, dass eine neue Krankheit entdeckt wird, nennen wir sie Nitesco Nervosa, ein obzessives Essen von Obst in Kombination mit Marsriegel, und … na den Rest kennen Sie schon. Fröhliches rent seeken mit dem Nutznießer perpetuum mobile.

Die Nutznießer der Diffamierungs-Spirale: Vielfalt macht Schule

In einem der letzten Posts haben wir unsere Theorie der Diffamierungs-Spirale aufgestellt. Wie die Zugriffszahlen auf diesen Beitrag zeigen, die ihn mit rund 10.000 Lesern schon jetzt auf Platz 5 der ScienceFiles-All-Times-Charts katapultiert haben, haben wir mit der Diffamierungs-Spirale einen Nerv getroffen.

black hole spiralDer Kern der Diffamierungs-Spirale besteht darin, dass ein öffenlicher Diskurs, der mit Argumenten begonnen wird, von Politikern oder anderen, die mit einer PR-Abteilung ausgestattet sind, die direkten Zugriff auf die Meldungen von öffentlich-rechtlichen und auch vielen Print-Medien zu haben scheinen, gekapert wird. Die Form, in der die bis dahin sachliche Diskussion übernommen wird, ist dabei immer dieselbe: Die Urheber der Argumente werden mit ad-hominem Fehlschlüssen als “rechts”, “homophob”, “anti-XY”, “faschistisch” oder welche Form der Diskreditierung gerade in Mode ist, belegt. Ein weiteres Kriterium, das denjenigen identifiziert, der die Diffamierungs-Spirale zu seinen Gunsten anstoßen will, besteht darin, dass er keinerlei Begründung angibt. Seine Behauptungen, etwas oder jemand sei “rechts”, “homophob”, “anti-XY” oder “faschistisch” bleiben unbegründet.

Regelmäßig folgt dieser affektiven Übernahme eines bis dato rationalen Diskurses ein entsprechender Aufschrei in den Medien (in Kommentar- oder Enthüllungsform), gefolgt von dem Auftreten eines Affektiven-Mobs, dem es nur darum geht, andere mit den bereitgestellten Begriffen, also als “rechts”, “homophob”, “anti-XY” oder “faschistisch” zu belegen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Gegenstand, der ursprünglich behandelt wurde, vergessen oder unbekannt, es geht nicht um eine rationale Auseinandersetzung, sondern darum, seine eigene Zugehörigkeit zur Gruppe der Guten in Abgrenzung zur Gruppe der Rechten, der Homophoben, der Ant-XYs oder der Faschisten deutlich zu machen.

Egal, wie berechtigt oder unberechtig das ursprüngliche Anliegen auch war, eine rationale Auseinandersetzung darüber ist nicht mehr möglich. Im öffentlichen Diskurs herrscht der Affekt mit seiner ganzen Irrationalität.

Die beschriebene Form der Diffamierungs-Spirale zeigt sich häufig, und wer Diskurse verfolgt, kann sie in vielen Bereichen am Werk sehen. Besonders wirkungsvoll sind derzeit Begriffe wie “rechtsextremistisch”, “rechte Männlichkeit”, “Maskulismus” usw.

Nun stellt sich die Frage: Wer profitiert von Diffamierungs-Spiralen?

Profiteure kommen in drei Formen vor:

  • Politiker oder wer auch immer die Diffamierungs-Spirale lostritt, profitieren, weil es ihnen damit gelingt, eine rationale Diskussion über ihre Politiken oder Sachprobleme zu verhindern. Entsprechend können sie ungeachtet aller Gegenargumente gegen z.B. die Auswirkungen ihrer Politiken weiter wurschteln.
  • Die affektiven Mitläufer der Diffamierungs-Spirale profitieren durch die Übernahme einer sozialen Identität, wie dies Tajfel und Turner beschrieben haben. Da ihnen im täglichen Leben eine stabile personale Identität fehlt, können derart affektiv getriebene Menschen sich nur über die Gruppenzuordnung ein Bild von sich selbst machen
  • dissensSchließlich gibt es noch direkte Profiteure der Diffamierungs-Spirale, solche, die davon leben, dass sie Programme entwickeln, um diejenigen, die mit einer Diffamierungs-Spirale als fiktive Gegner aufgebaut werden, zu bekämpfen oder der Verbreitung der entsprechend aufgebauten Schlechtigkeit entgegen zu treten.

Die zuletzt genannten Profiteure stehen in einer sich gegenseitig verstärktenden Nutznießer-Beziehung zu Politikern. Denn haben Politiker gerade wieder z.B. mit einer Diffamierungs-Spirale dafür gesorgt, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden ist, hinter jedem Baum lauere ein Kinderschänder, man können nicht mehr unbehelligt durch Innenstädte laufen, weil Neonazis einem auflauern, man müsse massiv gegen Rechtsextremismus vorgehen, weil Rechtsextreme großen Zulauf hätten oder in deutschen Ehen sei es an der Tagesordnung, dass der “Haustyrann” sein Ehefrau-Opfer verprügelt, dann ist der nächste Schritt natürlich auch klar. Es werden Mittel bereit gestellt, um die beschriebenen Schrecklichkeiten zu beseitigen oder, wie es regelmäßig heißt, präventiv zu wirken.

Prävention ist eine tolle Sache, denn man muss weder zeigen, dass das, was verhindert werden soll, überhaupt in relevantem Maße derzeit vorhanden ist, bereits das Zerrbild einer phantasierten Gefahr reicht hin, noch muss man zeigen, dass die Präventionsmaßnahmen sinnvoll oder wirkungsvoll sind, denn man tut ja mit Prävention sein Bestes und wenn es nicht klappt, dann war das Präventionsopfer eben renitent.

Dazu ein Fallbeispiel:

vielfalt macht schuleVielfalt_Macht_Schule so heißt ein Projekt, das von Dissens e.V. getragen und aus dem Bundesprogramm “Toleranz fördern – Kompetenz stärken” gefördert wird. Letzteres Programm ist eine Reaktion auf die vielfältig beschworene allgegenwärtige Gefahr des Rechtsextremismus und die Tatsache, dass sich manche Deutsche das Recht nehmen, Homosexualität für sich abzulehnen. Kompetenz stärken ist entsprechend mit, das Nachplappern, was politisch korrekt ist, zu übersetzen. Dieses Bundesprogramm ist somit eine Reaktion auf eine Diffamierungs-Spirale in deren Verlauf eine Hysterie im Hinblick auf z.B: Rechtsextremismus erzeugt wurde, die nunmehr ausgenutzt wird, um Programme aufzulegen und Projekte wie “Vielfalt_Macht_Schule” zu finanzieren.

Vielfalt_Macht_Schule dient der Geschlechter reflektierenden Arbeit an Schulen und der Prävention von Rechtsextremismus und richtet sich mit einer Fortbildungsreihe, die pro Person 56 Euro kostet, sich über drei Blöcke erstreckt und 8 Tage erstreckt, an Lehrer. Durchgeführt wird die Fortbildungsreihe von Olaf Stuve und Katarina Debus von Dissens, die ihren Lebensunterhalt mit entsprechenden Fortbildungsreihen verdienen.

Die drei Module, aus denen die Fortbildungsreihe besteht, dienen dem Kennenlernen und der Einführung in relevante Themenfelder wie Neonazismus, Geschlecht und geschlechterreflektierte Pädagogik (Modul 1), der Diskussion über Männlichkeits- und Weiblichkeitsanforderungen und deren Bedeutung für pädagogisches Handeln (Modul 2) sowie der freien Diskussion von “offenen Themen” (Modul 3). [Welche Qualifikation die beiden Durchführenden im Hinblick auf die entsprechenden Themen haben, ist vollkommen unklar, wenngleich für Modul 3 nicht weiter relevant.]

Toleranz foerdernDie Rechtfertigung für die Fortbildung leitet sich daraus ab, dass sich “herausgestellt” hat, dass “geschlechterreflektierende Ansätze” in der “Neonazismusprävention” “fehlen bzw. zu entwickeln sind”. Man sieht hier deutlich, dass keinerlei Begründung dafür notwendig ist, warum man geschlechterreflexiv, was auch immer das sein soll, sein muss, welcher Nutzen und welche Konsequenzen daraus entstehen. Es reicht, das Fehlen zu bemerken und schon hat man eine Finanzierung durch das Bundesprogramm, das “Kompetenz stärken” will, wessen auch immer, sicher.

Die wissenschaftliche Fundierung des Projekts findet sich auf der Seite “Vielfalt_Macht_Schule” in genau zwei Beiträgen, einer füllt gerade einmal eine Seite und ist in E&W der Zeitschrift der GEW Niedersachsen veröffentlicht, ein anderer umfasst immerhin fünf Seiten und ist in der Offenen Jugendarbeit 4/2012 erschienen.

Verfasst haben den Text “(R)echte Kerle? Geschlechterreflektierende Pädagogik als Prävention von Rechtsextremismus” Juliane Lang und Vivien Laumann, also nicht die beiden, die nunmehr die Fortbildungseminare auf dieser Grundlage durchführen. Beide Texte sollen wohl so etwas wie eine wissenschaftliche Fundierung vorgaukeln, vorgaukeln deshalb, weil der Text in E&W nicht mehr als ein Werbetext für die Fortbildung ist, während der Text in der Offenen Jugendarbeit so redundant ist, dass man die fünf Seiten auf wenige Aussagen zusammenfassen kann:

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Gefördert durch das BMFSFJ – wie könnte es auch anders sein?

Rechte, Rechtsextreme oder rechtsxtreme Parteien, so genau wissen das die Verfasserinnen offensichtlich auch nicht, aber irgend etwas wird schon zutreffen (wozu bemühen sich eigentlich Politikwissenschaftler, die im Bereich des Rechtsextremismus forschen, ihren Gegenstand von dem abzugrenzen, was als Neue Rechte, rechte Ideologie oder auch nur Konservatismus bekannt ist, der zuweilen auch als rechts gilt?), diese Recht(sextrem)en wirken auf Jugendliche, und zwar männliche und weibliche Jugendliche deshalb attraktiv, weil sie feste Rollenbilder von Männlichkeit und Weiblichkeit vermitteln sollen. Während Autoren wie Lang und Laumann wissen, dass ja alles, vor allem die Sexualität und die Geschlechtsrollen immer differenzierter und vielfältiger, ja diverser wird und Jugendliche überfordert sind, mit all den Ansprüchen, die die so komplexe deutsche (Sprach-)Welt an sie stellt, wissen Rechtsextreme dies auszunutzen, so die Autoren.

Rechtsextreme (oder Rechte oder wer auch immer) bieten klare Bilder von Männlichkeit (die Weiblichkeit ist im Text verloren gegangen). Männlichkeit (also rechte oder falsche Männlichkeit) ist dann gegeben, wenn Männer Stärke zeigen müssen, wenn sie in der Lage sein müssen, eigene Schwächen selbst zu überwinden (also ohne die Hilfe von Leuten wie Lang und Laumann), wenn sie wehrhaft sein müssen (was auch immer das sein mag) und finanzielle Potenz besitzen müssen, bevor sie eine Familie gründen (wo im Zeitalter des Transfers doch jeder darauf vertrauen kann, die eigene Fortpflanzung durch die Gesellschaft finanziert zu bekommen). Dies also ist das, was es durch geschlechterreflektierende Pädagogik zu bekämpfen gilt, auf dass es für Schüler nicht attraktiv werde.

Und wie macht man das? Das ist das große Geheimnis derer, die diese Fortbildungsprogramme anbieten, die mit großer Sicherheit nicht evaluiert werden [Falls sich jemand findet, der z.B. an der Fortbildung im Jagdschloss Glienicke (Feburar, Mai und Juni jeweils zwei Tage) teilnimmt und uns seinen Erfahrungsbericht schicken will, wir freuen uns darauf.]. Aus dem vorhandenen Text lässt sich nur herausfinden, dass “eine Entlastung von Männlichkeitsanforderungen durch eine identitätskritische Jugendarbeit einen wichtigen Teil zu einer als Primärprävention verstandenen Rechtsextremismusprävention beitragen kann” (18).

Bemühen Sie sich nicht, den Sinn der nominalen Ansammlung im zweiten Teil der Wortsammlung zu erkunden. Es gibt keinen. Der zweite Teil dient einfach nur dem Begriffsdropping, mit dem sich die Autoren als kenntnisreich in was auch immer ausweisen wollen. Relevant am zitierten Unsinn ist lediglich die Entlastung von Männlichkeitsanforderungen, also davon, dass Jungen/Männer versuchen, Stärke gegenüber sich selbst und anderen zu beweisen, Schwächen selbst zu überwinden, sie nur dann eine Familie gründen, wenn sie es sich leisten können und dass sie wehrhaft (was auch immer es bedeuten mag) sind.

Und wie überwindet man diese rechten Männlichkeitsanforderungen? Durch, man lese und staune: eine nicht-diskriminierende und geschlechtergerechte Sprache (19) und durch Primärprävention, nicht etwa Sekundär- oder Tertiärprävention, obwohl sich damit mit Sicherheit auch ein Auskommen sichern ließe.

Der Fall beschreibt in drastischer Weise, wie auf der Basis einer behaupteten Lücke, von der niemand weiß, ob sie überhaupt relevant wäre, selbst wenn es sie gäbe, die Notwendigkeit konstruiert wird, eine Fortbildung für Lehrer zu konzipieren, die offensichtlich auf keinerlei wissenschaftlicher Basis beruht: Niemand weiß, wozu außer den Dissens e.V.lern ein Auskommen zu sichern, sie eigentlich dienen soll, was sie bewirken soll, ob sie notwendig ist usw. Die Tage auf dem Jagdschloss Glienicke werden also angefüllt sein von geschlechterreflektierendem Geschwätz und die Steuerzahler finanzieren dieses Geschwätz.

Sie tun es, weil eine Diffamierungs-Spirale inszeniert wurde, die gezeigt hat, wie notwendig dieses Geschwätz ist, und sie tun es, weil niemand sich um die Speckgürtel kümmert, die sich um BMBF und BMFSFJ angelagert haben (Was macht eigentlich der Bund der Steuerzahler?) und die mit obskuren Fortbildungsmaßnahmen einerseits nutznießen und andererseits dienlich sind, denn das Vorhandensein dieser Fortbildungsmaßnahmen rechtfertig die Diffamierungs-Spirale post-hoc: Gäbe es keine schrecklichen Probleme mit z.B. Rechten, Homophoben, Ant-XYs oder Faschisten, dann gäbe es doch sicher auch keine entsprechenden Fortbildungsseminare für Lehrer – oder?

Diese zirkuläre Logik, die einzig dem Missbrauch von Steuergeldern dient, ist die Grundlage dessen, was man als perpetuum mobile des Nutznießens bezeichnen kann.

©ScienceFiles

Organgeschacher: Wie kommt ein Spenderorgan zum “richtigen” Nehmer?

Organspende steht, aus welchen Gründen auch immer, bei einer Reihe von Lobbyisten ganz oben auf der Agenda. Ob dies damit zu tun hat, dass mit Transplantationen viel Geld zu verdienen ist,  sei – obwohl es die wahrscheinlichste aller Erklärungen ist – einmal dahingestellt. Natürlich kommt Organhandel nicht als großes Geschäft daher, sondern als mildtätige Veranstaltung, mit der die Leben von ansonsten zum Tode Verdammten, zunächst vielleicht gerettet und dann vielleicht verlängert werden können – vielleicht auch nicht.

Vultures_in_the_nestMit dem schönen Märchen von der Gabe, für den Spender zwischenzeitlich unnütz gewordener Organe, an einen Empfänger, dem selbst Gebrauchtorgane ein neues Leben ermöglichen, verbinden sich jedoch einige Probleme: Transplantationen sind mehr oder weniger erfolgreich, wobei die Erfolgsquote von der Frische und der Art des transplantierten Organs abhängig ist. Transplantationen ermöglichen kein neues Leben, sondern ein Leben mit gebrauchtem Organ, das in den meisten Fällen nur durch die dauerhafte Einnahme das Immunsystem schwächender Medikamente möglich ist.

Zu diesen rein materiellen Fragen des Transplantationsergebnisses gesellt sich eine Frage, die unlängst der Deutsche Ethikrat (ja, es gibt ihn noch) gestellt hat: Wie kommt das gespendete Organ zum richtigen Empfänger? Oder besser: Wie wird gewährleistet, dass die Verteilung der Organe nicht nach dem, “wer am besten zahlt gewinnt” oder “wer mich am besten schmiert gewinnt” Kriterium verteilt werden oder, in den Worten des Deutschen Ethikrats: Wie müssen die Verteilungskriterien für Spenderorgane beschaffen sein, damit sie nicht anstößig sind.

Dazu hat der Deutsche Ethikrat wie immer eine Reihe von Personen eingeladen, ihre Position vorzutragen und unter denen, die der Einladung gefolgt sind, ist Prof. Dr. Micha Werner vom Institut für Philosophie der Universität Greifswald. Er hat seinen Vortrag mit “Kriterien gerechter Organallokation (innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft)” überschrieben, wobei der Untertitel Fragen aufwirft, die man besser nicht an Philosophen richtet, obwohl es mich schon interessiert hätte, mich welcher sonstigen Vernunft Werner zu denken im Stande ist.

deutscherethikratEgal. Werner beschäftigt sich also mit der Frage, wie teilt man eigentlich Gebrauchtorgane an Organsuchende zu, nach welchem Kriterium?: Nach der Erfolgswahrscheinlichkeit, also der Wahrscheinlichkeit, dass der Organsuchende das transplantierte Organ auch in sich behält?; Nach der Dringlichkeit, also der Überlebenswahrscheinlichkeit, bei der die Frage des Transplantationserfolgs zunächst außen vor bleibt? Nun, diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten, vor allem, wenn man die Fragen noch mit Ansprüchen wie: Es darf keine soziale Diskriminierung stattfinden, verkompliziert.

Ein kleiner Einschub: Was fällt unter soziale Diskrminierung? so fragt Micha Werner im Verlauf seines Vortrags und beantwortet seine Frage mit: “religiöse und ethnische Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Bildungsgrad, Zahlungsfähigkeit? Staatsbürgerschaft?”. Na, fällt jemandem etwas auf? Dass etwas fehlt zum Beispiel? Wem nichts auffällt, der betrachte das Kriterium, das Wikipedia als allererstes Kriterium einfällt, wenn es um soziale Diskriminierung geht: … na? … Geschlecht! Richtig! Micha Werner hat Geschlecht vergessen. Ich habe einen neuen Helden, einen Philosophen aus Greifswald, dem nicht wie einem Sprechautomaten immer und überall “Geschlecht” einfällt. Überhaupt kommt Geschlecht in seinem Vortrag überhaupt nicht vor. Schon deshalb ist es ein guter Vortrag, aber nicht nur deshalb:

Keine Diskriminierung dürfe es geben und transparent müsse das Verfahren sein, stellt Werner fest und legt beide Kriterien an den Paragraphen 12 des Transplantationsgesetzes an, dort heißt es:

“Die vermittlungspflichtigen Organe sind von der Vermittlungsstelle nach Regeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft entsprechen, insbesondere nach Erfolgsaussicht und Dringlichkeit für geeignete Patienten zu vermitteln”. (“vermittlungspflichtige Organe”: eine interessante Formulierung; Gespendete Organe sind die einzigen Subjekte, denen eine Metamorphose vom Subjekt zum Objekt und zurück gelingt, wobei an der Metamorphose eine ganze Reihe von Günstlingen verdient…).

Handbuch EthikZurück zu Werner, der sich fragt, was von dieser Passage im Gesetzestext zu halten ist und seine Frage mit: nichts in meiner Sprache beantwortet. Der Gesetzestext sei uneindeutig (Was sind geeignte Patienten? Wie bemisst sich die Erfolgsaussicht?), er stelle die Anwendung weiterer, nicht genannter Verteilungsregeln anheim, (z.B. Politiker bekommen immer sofort ein Organ und zwar so lange, bis eines gefunden ist, das selbst in einem Politiker bleiben will), eine Legitimation von Erfolgsaussicht und Dringlichkeit finde nicht statt und zudem vermittle der Gesetzestext den Eindruck, als seien die Kriterien der Dringlichkeit und der Erfolgsaussicht ausschließlich medizinische Kriterien, was sie jedoch dezidiert nicht sind.

Letzteres kann leicht nachvollzogen werden, wenn man sich fragt, wie sich z.B. Erfolgsaussicht bemisst:

  • Als Annahme der transplantierten Organe durch den Körper des Empfängers der Organe?
  • Als Maximimierung des Anteils aller angenommenen transplantierten Organe?
  • Als menschenwürdiges Leben nach der Transplantation? (Was zwangsläufig die Frage aufwirft, was ein menschenwürdiges Leben ist).
  • Als Wahrscheinlichkeit, mindestens 5 Jahre mit dem Organ zu überleben oder als Wahrscheinlichkeit, dass mindestens 90% der Organempfänger mindestens 5 Jahre mit dem transplantierten Organ überleben?
  • Oder muss man am Ende die Kosten für das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem berücksichtigen und fordern, dass die Kosten für die Beitragszahler so gering wie möglich gehalten werden, was letztlich dazu führt, dass nur dann Organe transplantiert werden, wenn die Aussichten einer erfolgreichen Transplantation besonders hoch sind?
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Das sagt nicht nur der Honigmann

Im Gutheitstaumel, der die Organspende umgibt, sind alle die genannten Fragen und noch viel mehr Fragen, die hier nicht genannt wurden, untergegangen bzw. nie gefragt worden. Insofern gebührt Micha Werner Hochachtung, Hochachtung dafür, dass er diese Fragen in die Diskussion beim Deutschen Ethikrat eingebracht hat (wenngleich ich den Eindruck habe, dass die Funktion des Deutschen Ethikrats darin besteht, die Möglichkeit zu schaffen, dass Fragen wie die von Micha Werner gestellt und dann vergessen werden können).

Was die Organspendepraxis in Deutschland angeht, so muss festgestellt werden, dass derzeit viel Geld mit Transplantationen verdient wird, es keinerlei transparente oder gar feste und regelgeleitete Form der Organverteilung gibt, dass alle moralischen und ethischen Fragen, die man an eine Organtransplantation stellen kann, weder gestellt noch beantwortet sind und dass es vor diesem Hintergrund nur eine vernünftige Entscheidung gibt, nämlich seine Organe für sich zu behalten, auch posthum.

liver on boardUnd selbst Micha Werner hat nicht gefragt, ob es eigentlich statthaft ist, Spenderorgane als “vermittlungspflichtige” Sachen zu behandeln, die nach Entnahme zu einer Art Gemeingut in staatlicher Verwaltung geworden sind, mit dem Dritte einen Verdienst erwirtschaften können. Und er hat sich nicht gefragt, ob es nicht moralisch notwendig wäre, Organspendern eine Mitsprache bei der weiteren Verwendung ihrer Organe einzuräumen, eine Art Widmung per Testament: Meine Niere geht nur an Männer über 50, oder: meine Organe dürfen nicht in Personen unter 15 Jahren eingebaut werden oder so. Ganz davon abgesehen, suggeriert der Begriff “Vermittlungspflicht” Menschen seien nach ihrem Tod (im besten Fall) ein Recyclinggegenstand, ein Gegenstand zum Ausschlachten und hätten mit ihrem Tod eine Metamorphose vom Individuum zum Allgemeingut vorgenommen, dessen sich Dritte nach Lust und Laune bedienen können (wie eine leerstehende Sozialwohnung) – eine moderne Form des Kannibalismus gewissermaßen.

Aber bis derartige Fragen in Deutschland diskutiert werden, wird es wohl noch einen Jahrtausendwechsel brauchen.

Weitere ScienceFiles-Beiträge zum Thema Organspende:

Die mafiösen Strukturen der Frauenförderung: Hermann von Helmholtz Gemeinschaft

Den Anlass zum heutigen Post hat ein Kommentar von Daniel gegeben, in dem Daniel u.a. darauf hiweist, dass bei der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft Männer diskriminiert werden. Der Hinweis hat uns dazu veranlasst, etwas weiter zu recherchieren.

Die Hermann von Helmholtz Gemeinschaft ist ein Zusammenschluss von 18 Forschungszentren, die über Deutschland verteilt sind und die sich nach eigenen Angaben ein gemeinsames Ziel gesetzt haben, nämlich:

helmholtz_logo_main“Die [Hermann von] Helmholtz-Gemeinschaft hat die Aufgabe, langfristige Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft zu verfolgen und die Lebensgrundlagen des Menschen zu erhalten und zu verbessern. Dazu identifiziert und bearbeitet sie große und drängende Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch strategisch-programmatisch ausgerichtete Spitzenforschung in sechs Bereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr”.

Kurz: Die Hermann von Helmholtz Gesellschaft sieht sich als Vollzugsorgan, das in erster Linie die Interessen des Staates und in zweiter Linie die Interessen der Gesellschaft verfolgt. Eine interessante Form der Trennung zwischen Staat und Gesellschaft – aber gut.

Die Hermann von Helmholtz Gemeinschaft ist ein fester Posten im Bundeshaushalt, aus dem die Aufwendungen der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft zu 90% getragen werden. Alleine für den Betrieb der 18 Helmholtz-Zentren stehen im Bundeshaushalt des Jahrs 2013 1,53 Milliarden Euro bereit (Seite 2770). Die Hermann von Helmholtz Gemeinschaft ist somit eine öffentliche Institution, die aus Steuergeldern finanziert wird und entsprechend politischer Einflussnahme ausgesetzt ist, z.B. über den Pakt für Forschung und Innovation.

Über den Pakt für Forschung und Innovation heißt es auf Seite 2773 des Bundeshaushalts:

“Die Exzellenzinitiative und der PFI [Pakt für Forschung und Innovation] dienen dazu, den Wissenschaftsstandort nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzenleistungen der Forschung sichbarer zu machen.”

Was macht eigentlich der Bund der Steuerzahler?

Was macht eigentlich der Bund der Steuerzahler?

Insgesamt stehen für die beiden genannten Initiativen und den Hochschulpakt, dessen Ziel der Ausbau der Forschungsleistung an Hochschulen ist, 5,644 Milliarden Euro alleine im Haushaltsjahr 2013 bereit. Wie immer, wenn hehre, aber nichtssagende Ziele verkündet werden, wie die nachhaltige “Stärkung des Wissenschaftsstandorts”, ist das eigentlich Interessante, wie die entsprechenden Mittel denn nun ausgegeben werden. Damit kommen wir zurück zur Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft und dem W2/W3 Programm der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft:

“Im Rahmen des Pakts für Forschung und Innovation unternimmt die Helmholtz-Gemeinschaft verstärkte Anstrengungen, um exzellente Wissenschaftlerinnen für Spitzenpositionen zu gewinnen.
Mit dem W2/W3-Programm für exzellente Wissenschaftlerinnen können pro Jahr mindestens fünf W2/W3-Positionen neu in die Förderung aus Mitteln des Impuls- und Vernetzungsfonds aufgenommen werden. Der Förderumfang beträgt für W3-Stellen in der Regel pauschal bis zu 1 Mio. Euro, für W2-Stellen bis zu 750.000 Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren für die Stelle und die Ausstattung”. [Hervorhebung durch uns]

Der Pakt für Forschung und Innovation, mit dem der Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig gesichert werden soll, ist also ganz offensichtlich ein Instrument zur verdeckten Finanzierung staatsfeministischer Zielsetzungen. Wie das W2/W3 Programm zeigt, herrscht die Ansicht, dass eine nachhaltige Sicherung des Wissenschaftsstandorts Deutschland nur dadurch gelingen kann, dass Männer an Forschungseinrichtungen diskriminiert und Frauen bevorteilt werden.

Legalizing misandryWelche Form von Nachhaltigkeit damit gemeint ist, erschließt sich somit nicht auf den ersten Blick, aber auf den zweiten Blick, dann nämlich, wenn noch in Rechnung gestellt wird, was bei der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft unter der Bezeichnung “Forschen und Familie – für uns kein Widerspruch” firmiert. Innovative Maßnahmen, so der Werbetext auf der Seite der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft, würden dafür sorgen, dass Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen hergestellt werde, dadurch, dass:

  • “Chancengleichheit als Bewertungskriterium bei der Begutachtung der Forschungs-Programme” diene.
  • Darüber hinaus stehen “Vielfältige Angebote zur Vereinbarung von Familie und Beruf” bereit und
  • eine zusätzliche “Förderung von Frauen” ist explizit vorgesehen.

Wie man Chancengleichheit als Kriterium benutzt, um herauszufinden ob ein Projekt, in dem Halbleiter durch einen männlichen Forscher erforscht werden sollen, weniger Recht auf Förderung genießt als ein Projekt, in dem eine neue Methode der Energiegewinnung durch Müllverbrennung von einem weiblichen Forscher erforscht werden soll, ist nicht nachvollziehbar, jedenfalls nicht mit rationalen Kriterien. Aber vielleicht spielen hier ja die vielfältigen “Angebote zur Vereinbarung von Familie und Beruf” eine Rolle, etwa in der Form, dass Fertilität besonders gefördert wird. D.h. Frauen, die sich verpflichten, im Laufe ihres Forschungsvorhabens schwanger zu werden, werden bevorzugt gefördert – womit die Frage, was bei der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft unter Nachhaltigkeit verstanden wird, auch gleich geklärt wäre.

Bleibt noch die Frage, was nun Chancengleichheit sein soll und wie sie als Kriterium genutzt wird. Hier hilft das Postdoc Programm der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft weiter, in dem es heißt:

“Zur Förderung der Chancengleichheit wird angestrebt, mindestens 50% der Stellen pro Ausschreibung an Wissenschaftlerinnen zu vergeben” [Hervorhebung durch uns].

Deutlicher kann man eine beabsichtigte Diskriminierung von Männern eigentlich nicht machen: Chancengleichheit die sich an Vorgaben nach Geschlecht orientiert, hat offensichtlich nicht zum Ziel eine Chancengerechtigkeit dahingehend herzustellen, dass vielversprechende Projekte vor wenig interesanten Projekten gefördert werden. Relevant für eine Förderentscheidung ist also nicht, welche Erkenntnis das Projekt verspricht, sondern ob es von einem männlichen oder einem weiblichen Bewerber eingereicht wird. Zudem verrät das Wörtchen “mindestens”, dass es auch nicht um Chancengleichheit dahingehend geht, dass unabhängig von der Leistung 50% Männer und Frauen gefördert werden, sondern darum, mehr Frauen als Männer zu fördern – Eine neue und absurde Form der Chancengleichheit, quasi die Hermann von Helmholtz Gemeinschaft Chancengleichheit.

Man fragt sich einmal mehr und in hohem Maße verwundert, wie lange derartige offene Diskriminierung in Deutschland noch von all den Männern, die es betrifft, geduldet oder gar unterstützt wird.

CorruptAlles zusammengenommen zeigen sich am Beispiel der Hermann von Helmholtz Gemeinschaft Strukturen, die man nicht anders als mafiös bezeichnen kann: Mittel, die der “nachhaltigen Sicherung” des Wissenschaftsstandorts Deutschland dienen sollen, werden zweckentfremdet und dazu eingesetzt, Männer zu diskriminieren und die staatsfeministische Utopie der sich fortpflanzenden Wissenschaftlerin, die exzellent im Wickeln von Windeln und in Quantenmechanik in gleicher Weise ist, durchzusetzen. Das einzige, was derzeit noch fehlt, ist ein Ablasshandel für diejenigen Wissenschaftlerinnen, die ihre Fähigkeiten nur in der Wissenschaft und nicht im Kinderzimmer sehen und die Schutzgelderpressung von männlichen Wissenschaftlern, deren Existenz angesichts von Programmen wie den dargestellten, zunehmend einer Rechtfertigung bedarf.

Gender-Netzwerke – Absahner mit Geschlecht

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

neuroticismGelegentlich, wenn wir beim Abendessen oder beim Frühstück sitzen, sinnieren wir darüber, was Historiker und Wissenschaftler wohl in 200, 300 Jahren über den Beginn des 21. Jahrhunderts zu sagen haben werden. Wird das 21. Jahrhundert als Jahrhundert der Geschlechts-Neurose in die Geschichte eingehen; als Jahrhundert, in dem es möglich war, mit abstrusen Behauptungen ein Auskommen zu erzielen; Behauptungen wie: Wenn man mehr Frauen zu was auch immer hinzufügt, dann steigt die Qualität oder Behauptungen wie: Wenn an irgendwas weniger Frauen beteiligt sind, dann ist das Diskriminierung, wobei beide konditionalen Aussagen nur dann zutreffen, wenn es sich um lukrative Etwase handelt?

Genderismus ist ein so offensichtlicher Versuch, mit Unsinn Geld zu verdienen, sich mit wilden und absurden Behauptungen ein Auskommen zu sichern, dass man sich verwundert die Augen darüber reiben muss, wie reibungslos das Ganze funktioniert.

Wikimedia-diversityNehmen wir das gestrige Beispiel der Wikipedia. Wikipedia lebt davon, dass viele Freiwillige ohne Bezahlung an etwas Gemeinsamem, der Wikipedia arbeiten. Weil die vielen Freiwilligen bei Wikipedia etwas geschaffen haben, ist es der Wikimedia als Träger der deutschsprachigen Wikipedia leicht möglich, Spenden einzuwerben, damit den Freiwilligen, die bei Wikipedia die Editierarbeit machen, auch die technischen Möglichkeiten geboten werden, um die entsprechende Arbeit zu machen. Spender spenden, weil ihnen die Arbeit der freiwilligen Texter bei Wikipedia unterstützenswert erscheint, die freiwilligen Texter arbeiten an Wikipedia, weil sie – manche von ihnen – von der Idee einer gemeinsamen Enzyklopädie begeistert sind, und die Wikimedia nutzt beide Gruppen schamlos aus, um ihr eigenes Süppchen zu kochen, um z.B. 80.000 Euro aus Spendengeldern für Gender-Diversity aus dem Fenster zu werfen.

Wie immer, wenn es Geld zu zweckentfremden geht, sind Gender-Netzwerke und ihre Aktivisten sofort zur Stelle. Wenn es darum geht, irgendwo einen lukrativen Frauennachteil festzustellen, zu korrigieren oder zu beklagen, sind Gender-Profiteurinnen nicht weit. Dann schwärmen sie aus und erstellen die immer selben nichtssagenden Papiere, in denen die immerselbe Behauptung steht, dass nämlich mehr Frauen das Allheilmittel für alles sind und es deshalb notwendig sei, Bewusstsein zu schaffen und vor allem Hilfsangebote, die auf Frauen zugeschnitten sind, bereitzustellen, HIlfsangebote, die – wie könnte es anders sein – von Gender-Profiteurinnen bereit gestellt werden. Und so reicht eine unbelegte und noch dazu abstruse Behauptung, nach der gilt, dass je mehr Frauen, in einem Brei rühren, desto bekömmlicher der Brei wird, aus, um ein ganzes Netzwerk zu unterhalten, um Gender-Aktivisten ein Auskommen zu schaffen.

ESFDies ist nicht nur bei Wikipedia so. Nicht nur bei Wikipedia werden Finanzmittel zweckentfremdet, um die Gender-Horden zu finanzieren. Wir haben auf ScienceFiles bereits von der Zweckentfremdung von Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) berichtet. Eigentlich dient der ESF dazu, Regionen, die wirtschaftlich hinterher hinken, Mittel bereit zustellen, damit sie den Anschluss an die Frontrunner schaffen, indem z.B. Infrastruktur verbessert wird oder Arbeitnehmer besser qualifiziert werden. Aber nicht nur in Deutschland werden die Mittel des ESF zweckentfremdet, um ein Frauencafé oder Frauenhäuser zu finanzieren. Strukturelle Hilfen, die gedacht sind, um eine Region wirtschaftlich attraktiver zu machen, werden dazu benutzt, um Gender-Aktivisten Pöstchen in unnötigen Frauenhäusern oder in Frauencafés zu verschaffen und somit eine Infrastruktur zu unterhalten, die mit Sicherheit nicht zur wirtschaftlichen Besserstellung der entsprechenden Region beiträgt.

ProfessorrinnenprogrammUnd weil die Spendengelder bei Wikipedia und die Millionen aus dem ESF nicht ausreichen, um die immer zahlreicher werdenden Gender-Nutznießer zu füttern, hat die Gender-Industrie ihre Absahner-Methode nunmehr auch in Universitäten implementiert. Mit Hilfe des Professorinnenprogramms werden einerseits Männer von Bewerbungen auf Professuren ausgeschlossen, andererseits sogenannte Vorzugsprofessuren geschaffen. Vorzugsprofessur ein Euphemismus für die Verschwendung von Steuergeldern, denn Vorzugsprofessuren sind doppelt besetzte Professuren. Ein weiblicher Günstling des Professorinnenprogramms wird hier der richtigen Professur an die Seite gestellt, um dasselbe Lehrgebiet zu bearbeiten. Angesichts dieser Verschwendung von Steuergeldern und dieses offensichtlichen Absahnens mit dem Verweis auf das weibliche Geschlecht fragt man sich mittlerweile nicht nur, was die Historiker und Wissenschaftler in 300 Jahren wohl sagen werden, sondern auch, warum die Historiker und Wissenschaftler, die sich derzeit an Universitäten finden, so schweigsam dem Veruntreuen und Verschwenden von Steuergeldern und dem Ausverkauf von Wissenschaft durch die Installierung von Gender-Profiteurinnen zusehen. Aber Zivilcourage und Mut ist in den letzte Jahrzehnten dünn gesät unter Wissenschaftlern. Das muss eine Folge der sozialen Zusammensetzung der Klasse der Wissenschaftler sein.

Das erwähnte Professorinnenprogramm in dessen zweitem Stadium weitere 150 Millionen Euro eingesetzt werden, um Universitäten mit Geschlechts-Profiteurinnen, die niemand braucht, zu überfluten, ist dann auch das Programm, an dem die Fäden zusammen zu laufen scheinen. Anders formuliert: Man kann das Professorinnenprogramm nutzen, um das Netzwerk der Absahner in Geschlecht zusammenzustellen.

Und dabei ergibt sich der ein oder andere Knotenpunkt.

beuth_logoSo kollaboriert Wikimedia Deutschland mit der Beuth Hochschule für Technik in Berlin, um die oben erwähnten 80.000 Euro aus Spenden ihrem Zweck zu entfremden. Und besagte Beuth Hochschule für Technik in Berlin erweist sich nicht nur als erste Wahl, wenn es darum geht, mit Geschlecht bei Wikimedia abzusahnen, nein, die “Hochschule” ist auch Mustermädchen, wenn es darum geht, im Professorinnenprogramm mit Geschlecht abzusahnen. Gleich sechs Professuren sollen an der Hochschule aus dem Professorinnenprogramm II finanziert werden:

In jeder der sechs Ausschreibungen finden sich folgende Passagen:

“Diese Professur ist evtl. für die Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II des Bundes und der Länder vorgesehen. Interessierte Frauen können Kontakt zur zentralen Frauenbeauftragten der Hochschule, Frau Wüst, aufnehmen.”

Die Ausschreibung folgt somit der scheinheiligen Nomenklatur, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgegeben hat, um einerseits den Eindruck zu erwecken, dass eine Ausschreibung offen sei und andererseits sicher zu stellen, dass sie es nicht ist, denn eine Teilnahme am Professorinnenprogramm bedeutet für die entsprechende Universität, dass sie Personalkosten spart, wenn sie einen weiblichen Bewerber berufen. Daraus folgt, dass männliche Bewerber deutlich teurer sind als weibliche, was wie immer, wenn ein Markt mit Dumpingangeboten überschwemmt wird, dazu führt, dass die Dumpingangebote den real bepreisten Angeboten vorgezogen werden. Das ist bei Universitäten nicht anders als bei Rudies Resterampe, und entsprechend kann man sicher sein, dass die Kommission, die unter der Überschrift eine “Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II” ist vorgesehen, arbeitet, auch die entsprechende Vorsehung in die Tat umsetzen wird. Männer sind bei solchen Ausschreibungen Staffage, die Legitimität vorgaukeln und davon ablenken soll, dass es im Professorinnenprogramm II, wie bei Wikimedias Gender-Diversity und im Rahmen des ESF ausschließlich darum geht, mit dem Verweis auf das weibliche Geschlecht öffentliche Mittel abzusahnen und für den eigenen Unterhalt einzusetzen.

Und wie muss es um die Moral, den Anstand und die Vernunft in einem Zeitalter bestellt sein, in dem ein solcher offensichtlicher Versuch des rent seekings, des Absahnens mit Geschlecht Erfolg hat?

Wikipedia beschwört Diversity und meint ideologische Gleichschaltung

Die Wikipedia soll mehr als eine reine Online-Enzyklopädie sein. Die Wikipedia soll, geht es nach dem Willen der Wikipedianer zum Weltkulturerbe ernannt zu werden.  Und wie es sich für einen Aspiranten zum Titel des Weltkulturerbes gehört, so streben die Wikipedianer in Deutschland danach, zum Weltkulturerbe-Musterkind zu werden.

Wikimedia-diversityUnter dem Stichwort “Wikipedia Diversity” müht sich die Wikipedia derzeit, vermeintliche Lücken in ihrem editorial team, also unter denen, die sich freiwilig in Wikipedia engagieren, zu schließen, Lücken, die, wie es in einem Bericht von der Beuth Hochschule für Technik in Berlin heißt, der wiederum, wenig divers von Ilona Buchem erstellt wurde, zu minderer Qualität des auf Wikipedia veröffentlichten Materials führen sollen. Welche Lücken? Gender-Lücken natürlich. Der Bericht der Beuth Hochschule für Technik ist übrigens Teil einer Kollaboration zwischen der Hochschule Beuth und Wikimedia Deutschland, der 80.000 Euro aus Spendengeldern für Wikipedia geopfert werden (In Worten: ACHTZIG TAUSEND Euro, siehe Abbildung).

Unter der Überschrift der Gender-Diversity stellt Buchem einige mehr oder weniger abstruse Behauptungen auf, warum der geringe Frauenanteil unter denen, die die Wikipedia gestalten, ernsthafte Konsequenzen haben, sich negativ auf die Qualität der Wikipedia auswirken soll, u.a.: Männer erstellten “umfangreichere und detailliertere Ausarbeitungen von Themen” (12) als Frauen, Themen “wie Kunst, Philosophie und Religion, die von Frauen präferiert editiert” (12) würden, blieben häufig unterrepräsentiert.

Die Wortwahl von Buchem macht dabei deutlich, dass alle vermeintlich negativen Folgen der Unterrepräsentation von Frauen unter den freiwilligen Wikipedianern vermutete Folgen sind. Wenn man die Ideologie der Genderisten teilt, nach der alles besser wird, wenn möglichst viele Frauen an etwas arbeiten, dann mag einem dies wie eine sinnvolle Annahme vorkommen. Wenn man jedoch mit Rationalität beschlagen ist, dann fragt man sich, welche Qualität, die für die Erstellung eines fachlich einwandfreien und kompetenten Textes notwendig ist, Frauen eher besitzen als Männer oder welche Exzellenz vom Geschlechterproporz abhängig ist. Anders formuliert, man fragt sich, ob Intelligenz nach Geschlecht selegiert und auch wenn man, nach Lektüre von Diversitäts-Literatur dazu neigen könnte, dem zuzustimmen, gibt es doch keinerlei Indizien, die auf eine entsprechende schiefe Verteilung von Intelligenz zwischen den Geschlechtern hinweisen würden.

Und so ist es kein Wunder, wenn Buchem in ihrem Beitrag die negativen Konsequenzen, die der geringe Frauenanteil bei den freiwilligen Editierern der Wikipedia angeblich haben soll, als gegeben voraussetzt, also nicht belegt und sich statt dessen den vermeintlichen Gründen zuwendet, aus denen sich Frauen nicht für Wikipedia engagieren: Wikipediabeiträge würden zumeist nachts geschrieben, und Frauen hätten auch nachts mehr familiäre Pflichten zu erledigen als Männer, die entsprechend Zeit hätten, in Wikipedia zu editieren, so schreibt sie (13). Darüber hinaus sei das Wikipedia-Klima einer Frauenbeteiligung nicht förderlich, der Umgang nicht sozial genug für Frauen, die Technik, die beherrscht werden müsse, um an Wikipedia mitarbeiten zu können, nicht frauenfreundlich genug und die Unterstützung für Frauen lasse auch zu wünschen übrig. Das alles soll sich irgendwie auf die Qualität der Beiträge auf Wikipedia auswirken.

Patriarchat_coverDie Qualität der Beiträge auf Wikipedia war bereits in der Vergangenheit Thema auf ScienceFiles. Stammleser von ScienceFiles werden sich noch daran erinnern, dass Dr. habil. Heike Diefenbach eingeladen wurde, um einen Beitrag über das Patriarchat für Wikipedia zu schreiben. Eigentlich wären mit diesem Beitrag alle Kriterien erfüllt, die die Wikipedianer heute unter der Überschrift “Diversity” beschwören. Eigentlich, so sollte man denken, müssten die Wikipedianer den Beitrag eines weiblichen Wissenschaftlers, der allen Kriterien der Wissenschaftlichkeit entspricht, mit offenen Armen begrüßen, nicht nur, weil Diversität hergestellt ist, sondern auch weil die nachgewiesene fachliche Kompetenz von Dr. habil. Heike Diefenbach, die ihren Niederschlag in einer Vielzahl von Publikationen gefunden hat, den Status des Weltkulturerbe-Aspiranten erhöht hätte.

Doch manche Wikipedianer haben sich überhaupt nicht gefreut. Sie haben die Diversität, die Kompetenz und den Statusgewinn verschmäht. Der Text über das Patriarchat, den Dr. habil. Heike Diefenbach geschrieben hat, war wissenschaftlich, nicht ideologisch und hat dem staatsfeministischen Verständnis, das bei manchen Wikipedianern herrscht, Fakten entgegen gesetzt, und eines wollen Ideologen nicht, mit Fakten konfrontiert werden.

Ideologen verschanzen sich lieber in Wortgebäuden vorgeschützter guter Absicht, Wortgebäuden, die der “Förderung” der Diversität gewidmet sind und auf der Prämisse der hilflosen Frau basieren, die bei Wikipedia alleingelassen, in ihrer technischen Illiteralität versinkt und keine Möglichkeit hat, auf die Dienste einer Online-Hilfsgruppe zurückzugreifen, um die eigenen Mängel zu bewältigen. In dieses Bild vom formbaren Dummchen, an dem sich hervorragend verdienen lässt, passt die scharf analysierende, kompetente Wissenschaftlerin nicht, sie passt schon dehalb nicht, weil sie keiner Mentoring- und Mediationskonzepte, keiner Lernangebote und Informationsmaterialien bedarf, und mit letzteren wollen die Wikipedianer doch ihren DIversitäts-Anspruch zementieren (und Spenden dafür zweckentfremden). 

beuth_logoGender-Diversität hat demnach und im Gegensatz zu dem, was Ilona Buchem von der Hochschule Beuth schreibt, keine fachliche, keine inhaltliche und keine qualitative Komponente, sondern eine Feigenblattfunktion. Gender-Diversity ist Teil einer ideologischen Landschaft voller psychologischer und materieller Selbstbereicherer. Wer sich in ihr bewegt, findet Gender-Diversity so lange gut, bis ein Gender-Diverser einen Text liefert, der nicht in die ideologische Landschaft passt, der die Gefahr mit sich bringt, Einnahmequellen, die sich auf dem Zerrbild der benachteiligten Frauen errichten lassen, zu beseitigen. Anders formuliert: Wer Gender- Diversity in seinen Hallen einführt, bei dem kann man sicher sein, wessen Geistes Kind er ist. Er ist mit Sicherheit nicht an fachlich kompetenten, qualitativ hochwertigen und entsprechend kritischen Texten interessiert, sondern an ideologischem Gleichklang, am Gegenteil dessen, was mit Diversität angeblich angestrebt wird.

Deshalb wird das Bild der hilflosen Frau bei Wikipedia verbreitet. Deshalb werden ernsthafte Frauen, werden weibliche Wissenschaftler wie Dr. habil Heike Diefenbach von Wikipedia ferngehalten. Denn: Sie stören die schöne ideologische Eintracht und das gegenseitige sich.Spenden-zu-Schustern. Sie fallen durch fachlich kompetente Beiträge auf, die mit dem Selbstverständnis von Wikipedia als Sprachrohr des Staatsfeminismus nicht konform gehen und statt dessen ideen vertetren, die z.B. Feminismus als emanzipative Bewegung sehen und nicht als Ideologie, deren Ziel darin besteht, Frauen auf Fertilität und Staatsnützlichkeit festzulegen und als minderbemittelt zu brandmarken. Frauen sind für diese Wissenschaftler Menschen eigener Individualität und eben nicht Mittel zum freien Missbrauch im Rahmen von “Gender-Diversity”-Selbstbereicherung.

Wikipedia SpendenaffaereUnd so verrät sich die Gender-Diversity-Gemeinde als das, was sie ist, ein Zusammenschluss ideologischer Kumpane, die aus finanziellem Eigennutz daran arbeiten, ein bestimmtes Weltbild zu verbreiten, ein kollektivistisches Weltbild, in dem kein Platz für Individualität ist. Dass dem so ist, sieht man schon daran, dass sie Frauen als Gruppe fördern wollen und individuellen Frauen, die mit Kompetenz und Fähigkeit beschlagen sind, ablehnend gegenüber stehen. Anders formuliert: Gender-Diversity ist nur ein Fetisch in der Welt der Ideologen, der spätestens dann fallengelassen wird, wenn diese Ideologen mit real existierenden Frauen, die sich nicht als hilfsbedürfig, sondern als kompetent erweisen, konfrontiert sind, denn es bedarf der Behauptung einer Hilflosigkeit von Frauen, um Spendengelder zweckentfremden zu können.

Mit 80.000 Euro finanziert Wikimedia Deutschland die Wikepedia-Diversity, die auf der behaupteten Hilflosigkeit von Frauen basiert, 80.000 Euro, die von Spendern aufgebracht wurden, von denen kaum einer an diese Verwendung gedacht haben dürfte, die seinen Spenden nun zuteil wird. Wer vor diesem Hintergrund noch für Wikipedia spendet, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

P.S.

Übrigens ist die Beuth Hochschule für Technik, an der Ilona Buchem lehrt, ein Musterschüler des Professorinnenprogramms II (Beitrag dazu folgt), mit dem Männer von Ausschreibungen an Universitäten ferngehalten werden sollen. Manchmal fügen sich die Dinge von ganz allein.

Warum wir Steueroasen unbedingt brauchen

ICIJlogoWir leben in einer seltsamen Zeit: Eine anonym an das ICIJ, das International Consortium of Investigative Journalists” geschickte Festplatte mit Daten über Kapitaltransfers in so genannte Tax Havens, Steueroasen, hat die investigativen Journalisten in Verzückung versetzt und zu “Offshore Leaks” geführt. Die Rechercheren unter dem Rubrum “Offshore-Leaks”, so verkündet der NDR, einer der beiden deutschen Kooperationspartner im “Konsortium” stolz, hätten die Tricks der “Steueroasen-Industrie” enthüllt und aufgedeckt, wie “Gelder in Übersee-Paradiesen ‘offshore’ versteckt werden”.

Wie gesagt, wir leben in einer seltsamen Zeit. Früher hätten sich investigative Journalisten, wenn ihnen anonym Daten zugespielt werden, zumindest der Form halber mit der Frage beschäftigt, wer ihnen die Daten da zugespielt hat und ob die Zuspielung der Daten vielleicht ein Versuch ist, sie vor einen Karren zu spannen. Anders formuliert: Die investigativen Journalisten hätten sich früher gefragt, wer denn ein Interesse daran hat, dass “Steueroasen” und die Personen, die “Gelder in Übersee-Paradiesen … verstecken”, wie der NDR so genau weiß, “trockengelegt werden”, wie Sven Giegold bereits im Jahre 2003 in einem Buch gefordert hat. Giegold hat seither Karriere gemacht, wenn man so will. Er war an der Gründung von Attac beteiligt und sitzt heute für Grüne/Bündnis 90 (oder umgekehrt) im Europaparlament. Damit ist bereits eine ideologische Ecke benannt, die ein Interesse daran hat, dass Steueroasen trockegelegt werden, dass sie in Verruf kommen, dass investigative Journalisten Jagd auf Bürger und Unternehmen machen, die “ihre Gelder in Übersee-Paradiesen … verstecken”.

AndorraWir leben in einer wirklich seltsamen Zeit, einer Zeit, in der investigative Journalisten, ihre Aufgabe darin sehen, die Arbeit des Staates und der Politiker zu machen, in der sie nicht die Regierenden und Politiker kontrollieren, sondern für die Regierende und Politiker gegen ihre Mitbürger vorgehen. Die Politiker, die Regierenden und die Organisationen, die sich eine Homogenisierung von Lebensumständen auf die Fahnen geschrieben haben, das also, was man früher Sozialismus nannte, haben mit Freude, nein mit Begeisterung auf die Enthüllungen von Offshore-Leaks reagiert. Die “EU macht Steuerflucht zur Chefsache”, die OECD kämpft schon seit Jahren einen beständigen Kampf gegen “harmful tax competition”, ein Minister, der einer Partei angehört, die von sich behauptet, liberal zu sein, fordert eine internationale Allianz gegen Steueroasen, und alle sind sich einig: Mehr Kontrolle ist notwendig.

Monaco_City_001Kontrolle soll vornehmlich durch “Steuerharmonisierung” hergestellt werden, was nichts anderes beschreibt, als die Beseitigung von Steuerwettbewerb zwischen Ländern. Die Steuerharmonisierung ist das erklärte Ziel der OECD und sie ist das erklärte Ziel der EU, und durch die Offshore-Leaks-Kampagne wird sich auch kaum Widerstand in z.B. der deutschen Bevölkerung regen. Im Gegenteil: Selbst Blogs, die sich Nachdenk-Seiten” nennen, übernehmen unkritisch, was ihnen als Tatsache präsentiert wird und rühren in der Suppe des Neids auf diejenigen, die ihre Gelder in Übersee “verstecken”. Die “Kleinen hängt man…”, so titelt Jens Berger über seinem Beitrag und rührt heftig im Neidsüppchen, wenn er bedauert, dass kranke Hartz-IV-Empfänger gejagd werden, während – wie er insinuiert – die Reichen oder die Offshore-Nutzer oder wer auch immer die Möglichkeit hat, sein Geld vor einem überbordenden deutschen Fiskus in Sicherheit zu bringen, eben nicht gejagd zu werden. Glaubt Herr Berger wirklich, wenn es keine Steueroasen gäbe, dann würde niemand Jagd auf kranke Hartz-IV Empfänger machen, wie er formuliert? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Berger so naiv ist. Und er sollte auch besser über den Nutzen der Steueroasen Bescheid wissen als er vorgibt. Mindestens ein Herausgeber der Nachdenkseiten hat VWL studiert und trotz seines fortgeschrittenen Alters glaube ich nicht, dass er alles vergessen hat. Aber dazu später.

Dem deutschen Staat, so kann man wohl die allgemeine Stimmung zusammenfassen, gehören Steuern. Es ist nicht so, dass freie Bürger sich entscheiden, ihren Staat zu finanzieren, nein, es ist so, dass unfreie Untertanen von ihrem Staat dazu bestimmt werden, Steuern zu zahlen, und zwar in von den Regierenden festzusetzender Höhe. Hier hat sich unter der Hand die Ausgangslage, die allein eine demokratische Verfassung zu begründen vermag, verkehrt: Es herrschen nicht mehr die Bürger im Staat, es herrscht eine politische Oligarchie, die es versteht, die verschiedenen Bürgergruppen gegeneinander auszuspielen z.B. Hartz-IV Empfänger gegen Offshore-Flüchtlinge. Dabei haben beide, Hartz-IV Empfänger und Offshore-Flüchtlinge doch denselben Feind: die politischen Oligarchen, die nichts lieber tun als auf Kosten der Bürger zu leben.

belize_flagWettbewerb, auch Steuerwettbewerb, so haben Legionen von Ökonomen und Politikwissenschaftler gezeigt, ist die beste Versicherung dagegen, dass politische Akteure sich den Staat zur Beute machen und sich und ihre Günstlinge mit den Steuermitteln der Bürger finanzieren. Am besten dokumentiert ist dies in der Public Choice Theorie, die James M. Buchanan und Gordon Tullock begründet haben. Wenn Politiker fürchten müssen, dass Maßnahmen, die sie ergreifen, dazu führen, dass Leistungsträger abwandern, dann sind sie vorsichtig. Wenn sie befürchten müssen, dass hohe Steuern, die sie verlangen, um ein immenses Netz von Günstlingsbeziehungen zu unterhalten, dazu führen, dass leistungsstarke Steuerzahler abwandern, weil es im Nachbarland oder “Offshore” geringere Steuern gibt, dann wird sich ihre Gier in Maßen halten, und sie werden die Höhe der Steuern im moderaten Bereich belassen. Es ist nämlich nicht so, dass Politiker ein anderes als ihr eigenes Wohl und das der mit ihnen assoziierten Nutznießer im Sinn hätten. Deshalb braucht es Kontrolle, und Wettbewerb im Allgemeinen und Steuerwettbewerb im Besonderen leisten diese Kontrolle.

Entfällt die Kontrolle, entfällt der Wettbewerb, dann können Politik-Oligarchen nach Lust und Laune despotisch sein. Auch wenn der Steuersatz auf 80% erhöht wird, haben sie dann nichts zu fürchten, wenn in allen Ländern ringsum der selbe Steuersatz erhoben wird. Dann werden Bürger zum Freiwild für die Launen ihrer Politik-Oligarchen, die immer neue Steuern und Abgaben erfinden, um ihren ständig wachsenden Hunger nach Steuereinnahmen zu befriedigen, wohlwissend, dass ihren Bürgern jede Fluchtmöglichkeit versperrt ist. Dies ist der Grund, warum EU und OECD eine Steuerharmonisierung betreiben. Ist die Steuerharmonisierung erst erreicht, dann ist jede Mäßigung in Steuerfragen dahin. Man muss kein Prophet sein, um dies vorherzusehen.

Steuereinnahmen  DeutschlandAber, so sagen die Gegner der Steueroasen, das Kapital, das in die Steueroasen transferiert wird, fehlt in Deutschland. Entsprechend können bestimmte wichtige Leistungen des deutschen Sozialstaats nicht aufrechterhalten werden oder nicht in der richtigen Weise oder, wie auch immer, schlechter halt. Angesichts von Steuereinnahmen des deutschen Staates, die von 9 Milliarden Euro im Jahr 1950 über 186 Milliarden Euro im Jahr 1980 auf 573 Milliarden Euro im Jahr 2011 gestiegen sind, ist die Ansicht, ausgerechnet Steueroasen würden den deutschen Sozialstaat in Schieflage bringen, ein schlechter Witz, oder reichen 573 Milliarden Euro an jährlichen Steuereinnahmen tatsächlich nicht, um die Bedürfnisse einer kleiner werdenden Bevölkerung zu befriedigen?

Ist es nicht vielmehr so, dass die Begehrlichkeiten immer neuer Kostgänger des Staates immer größer werden, die Begehrlichkeiten all derjenigen, die im Speckgürtel der Parteien grasen, von diesen durchfinanziert werden, dass die Begehrlichkeiten der Parteien selber und all derer, die in welcher Weise auch immer vom Staat subventioniert werden wollen, immer größer werden. Hat nicht der wachsende Steuerhunger seine Ursache in den wachsenden Begehrlichkeiten, die von immer mehr ausgehen, deren einziges Ziel darin besteht, finanzielle Mittel zu ergattern, die verkonsumiert werden können, und damit verpuffen, ohne auch nur einen einzigen gesellschaftlichen Nutzen zu erbringen, etwa für den Unterhalt einer überbordenden Bürokratie, etwa für den Unterhalt politischer Stiftungen, etwa für die Schaffung immer neuer Ansprüche und Rechte bei gleichzeitiger Beseitigung von Pflichten?

Und angesichts eines Hochsteuersystems wie dem deutschen, ist es da nicht eine Form des Selbstschutzes der Selbsterhaltung, wenn man sein Geld ins Ausland transferiert, in ein Land, in dem es noch Regierungen gibt, die nicht auf immer höhere Steuern angewiesen sind, um die ständige Zahl der Mäuler zu stopfen, die an ihrem Tropf hängen? Eben! Aber es ist nicht nur eine Frage des Selbstschutzes, es ist auch eine Frage der gesellschaftlichen Wohlfahrt. Es kann als feststehendes ökonomisches Wissen angesehen werden, dass Steueroasen nicht nur wichtig dafür sind, um den Despotismus politischer Oligarchen im Zaum zu halten, Steueroasen sind auch immens wichtig für Fortschritt und Innovation, und zwar deswegen, weil das Kapital sinnvoll eingesetzt werden kann, um Forschung zu finanzieren, um neue Waren marktfähig zu machen, neue Technologien zu entwickeln und vieles mehr. Es wird also nicht vom deutschen Staat hingwegesteuert, nicht verwendet, um z.B. die Heinrich-Böll Stiftung in die Lage zu versetzen, Expertisen zu finanzieren, die niemand will und niemand braucht, außer denen, die daraus einen politischen Nutzen zu gewinnen können glauben, nein, das Kapital aus Steueroasen wird in Deutschland produktiv investiert. Dass dem so ist, haben u.a. Desai, Foley und Hines gezeigt:

“The empirical evidence indicates that firms facing reduced costs of establishing tax haven operations respond in part by expanding their foreign activities in nearby high-tax countries. Hence, it appears that careful use of tax haven affiliates permits foreign investors to avoid some of the tax burdens imposed by domestic and foreign authorities, thereby maintaining foreign investment at levels exceeding those that would persist if tax havens were more costly” (Desai, Foley & Hines, 2006, S.223).

McLean Public ChoiceAuch wenn die Vorstellung von Reichtum bei vielen auf dem Verhalten von Dagobert Duck basiert, der sein Geld hortet, um darin zu schwimmen, und auch wenn sich Unternehmen und Personen, die ihr Geld in Steueroasen schaffen, um es der Gier des deutschen Staates zu entziehen, als Objekt von Neidkampagnen eignen, niemand hortet Kapital um des Hortens willen. Wen diese Einsicht ereilt, der kann vielleicht sogar zu der Einsicht vordringen, dass die entsprechenden Unternehmen und Personen einen Teil ihres Kapitals nutzen, um in Hochsteuerländern Projekte zu finanzieren, und wie klein dieser Teil auch immer sein mag, er ist mit Sicherheit produktiver und bringt mit Sicherheit mehr Mehrwert für die Gesellschaft als die vielleicht entgangenen Steuereinnahmen es vermocht hätten.

Die Wahl ist klar: Will man Ungleichheit auch in Steueroasen akzeptieren, weil sie langfristig allen nutzt oder will man, weil der Neid mit einem durchgeht, alle schädigen und Ungleichheit beseitigen?

Desai, Mihir, Foley, C. Fritz & Hines, James R. (2006). Do Tax Havens Divert Economic Activity? Economics Letters 90(2): 219-224.

Alkohol – am besten verbieten, alles verbieten!

Wussten Sie, dass es eine Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (e.V. wie könnte es ander sein) gibt? Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) ist ein Dachverband, der eine ganze Reihe sonstiger e.V.s bündelt, die ihr Auskommen mit der “Beratung” von Suchtkranken erwirtschaften. Dabei findet sich die folgende Selbstbeschreibung in einer Broschüre der DHS:

“Die DHS hat das Ziel, Menschen im Hinblick auf suchtbezogene Probleme zu informieren, zu beraten und auf Hilfeangebote aufmerksam zu machen. Dabei setzt sie zum einen auf vorbeugende Maßnahmen (Suchtprävention), indem sie über Suchtgefahren informiert und über mögliche Folgen aufklärt.”

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Dagegen ist eigentlich nichts einzuwenden. Wenn die DHS informieren und beraten will und es Menschen gibt, die beraten und informiert werden wollen, gut. Aber die DHS will nicht nur informieren und beraten, die DHS will mehr:

“Ob Menschen abhängig werden, hängt auch davon ab, wie eine Gesellschaft Suchtmittel bewertet und deren Verbreitung fördert oder erschwert. Deshalb versucht die DHS, politisch und gesellschaftlich wichtige Gruppen und Organisationen für ihre Ziele zu gewinnen, um das Angebot an Suchtmitteln einzuschränken und die Nachfrage zu verringern.

Mit anderen Worten, die DHS sieht sich als Lobbyvereinigung. Ihr Ziel besteht u.a. darin, das Angebot an Alkohol einzuschränken, denn Sie und ich und wir alle sind nämlich zu dumm, um zu wissen, wann wir genug haben, und wir sind vor allem zu dumm, um vorherzusehen, dass wir, hätten wir nur nicht so viel Alkohol getrunken, 75,4 und nicht 69,8 Jahre alt geworden wären (Sie sind hoffentlich nicht einer von denen, die der Ansicht sind, es sei ihre eigene Entscheidung, wie alt sie werden wollen, denn das ist nicht gut für ihre gesellschaftiche Nützlichkeit.). Aber der Reihe nach.

jahrbuch-sucht-2012Gerade hat die DHS ihr Jahrbuch Sucht vorgestellt, das sich neben Sucht auch mit einer großen Anzahl sonstiger Dinge befasst, die in der Pressemeldung der DHS anlässlich der Vorstellung des Jahrbuches Sucht eine ziemlich wirre Verbindung eingehen, so dass nicht ganz klar ist, wovon nun die Rede ist, von “Sucht” und der davon ausgehenden Gefahr von z.B. Alkohol oder von generellen Gefahren, die mit z.B. Alkohol verbunden sind, aber überhaupt nichts mit Sucht zu tun haben. Letzteres könnte man denken, wenn man die folgende Passage liest:

Man muss nicht erst süchtig werden, um alkoholbedingt zu erkranken. Schon Alkoholmengen, die von den meisten als gering betrachtet werden, können – regelmäßig konsumiert – die Organe schädigen, das Krebsrisiko steigern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen”.

Was steht in diesem Abschnitt? Hier steht, dass es sein könne (Konjunktiv I), dass eine Menge, die viele als gering betrachten, von der wir aber nicht genau wissen, welchen Umfang sie hat, weil viele einzelne in dem, was für sie eine geringe Menge Alkohol ist, sicherlich nicht übereinstimmen, also diese nicht näher bestimmbare geringe Menge ist – wenn sie regelmäßig konsumiert wird (konditionale Anreihung) möglicherweise geeignet (Konkunktiv) KREBS und sonstige Erkrankungen zu verursachen.

Moral_AdvisoryIm England nennt man derartige Versuche, andere durch Worte wie “Risiko”, “Krebs” und “Erkrankung” zu erschrecken, scaremongering und ich hoffe, der Abschnitt ist von keinem der Leser ernst genommen worden, denn es steht absolut nichts in diesem Abschnitt. Sein Zweck besteht einzig und allein darin, affektiv verursachte Hysterie zu schaffen, die man für die eigene “gute Sache” ausnutzen kann. Und worin die eigene gute Sache besteht, das lernen wir auf Seite 2 der Pressemeldung:

“Dabei ist Alkoholprävention einfach! Effiziente Präventionsmaßnahmen wurden mit Förderung der Europäischen Kommission für 22 europäische Länder getestet und bewertet, auch für Deutschland. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis:

  • Preisanhebung durch Steuererhöhungen,
  • zeitliche Begrenzung des Verkaufs,
  • Promillekontrolle im Straßenverkehr,
  • eine effektive gesetzliche Regulierung der Werbung,
  • und Maßnahmen zur Früherkennung und Frühintervention in der Gesundheitsversorgung

sind wirksame Präventionsmaßnahmen.

Ich will einmal darüber hinwegsehen, dass nicht benannte vermeintliche Wissenschaftler in einem Test (Selbsttest?) in 22 Ländern, den die EU-Kommission bezahlt hat (wobei mir die Nackenhaare stehen, wenn ich EU-Kommission im Zusammenhang mit Wissenschaftlern lese, das hat etwas von Pyromanen und Feuerwehrmännern), das herausgefunden haben sollen, was hier behauptet wird und statt dessen darauf verweisen, dass  es Unmengen von Literatur dazu gibt, das Preiserhöhungen sozial ungerecht sind, weil der Preis von Alkohol, wie Ökonomen sagen, nicht elastisch ist. Wenn ich alkoholabhängig bin, dann kann ich nicht damit aufhören, nur weil die Preise erhöht werden. Entsprechend entstehen mir als Abhängigem höhere Kosten durch meine Abhängigkeit. Bin ich ein Mittelschichts-Abhängiger, dann kann ich diese Kosten einfach internalisieren, bin ich ein Abhängiger aus der Unterschicht, dann muss ich die höheren Kosten an anderer Stelle einsparen, z.B. beim Kauf ökologisch angebauter Schrumpfäpfel. Und weil die DHS höhere Preise auf Alkohol fordert, ist sie ein sozial ungerechter Verein.

DDR SchlangeNehmen wir einmal an, die zeitliche Begrenzung des Verkaufs von Alkohol wäre mehr als ein Hirngespinst. Ich sehe schon die Schlangen vor den entsprechenden “Konsumstellen” vor mir. Fast wie in der DDR, Heureka, weit haben wir es gebracht. Und dann stellt sich die Frage, wann soll Alkohol verkauft werden, was bedeutet, wir haben die Interessen an einer guten Work-Life-Balance der Verkäufer mit den entsprechenden Interessen der Käufer zu vereinbaren. Wann also soll der Kundenstau erzeugt werden? Täglich von 12 Uhr bis 14 Uhr? Das brächte der trinkenden Hausfrau erhebliche Vorteile gegenüber dem trinkenden Arbeiter und hätte die entsprechende Folge, dass nunmehr die DHS klagen müsste, dass das Risiko (!) von alkoholbedingten Krankheiten bei Hausfrauen höher ist als bei Arbeitern. Oder vielleicht von 16 Uhr bis 18 Uhr. Das gäbe einen Stau der öffentlich Bediensteten, die regelmäßig gegen 16 Uhr aus den Ämtern flüchten und würde wiederum alle, die weniger nette Gleitzeit haben, benachteiligen. Und natürlich wäre die DHS aufgerufen, das höhere Risiko von alkoholbedingten Krankheiten bei öffentlichen Bediensteten im Vergleich zur Restbevölkerung zu beklagen – also auch keine Lösung.

Promillekontrolle im Straßenverkehr ist ein alter Hut und daher nicht der Rede wert. Eine gesetzliche Regulierung der Werbung. Prima Idee, die DHS will wohl, dass Fussball vollständig aus dem Ersten verschwindet. Championsleague ohne Beck’s ist keine Championsleague! Aber das ist der DHS in ihrem Gutheitsrausch (wie ist eigentlich das Krebsrisiko bei Menschen, die regelmäßig Anfälle haben, in deren Verlauf sie anderen helfen wollen?) egal. Die DHS will verbieten, am besten alles, Werbung für Alkohol, Verkauf von Alkohol, Trinken von Alkohol, denn Menschen ist nicht zu trauen.

Womit ich einmal mehr beim herrschenden Menschenbild von Gutmenschenvereinigungen wie der DHS bin: Menschen, Verbraucher, sind dumm. Verbraucher verbrauchen mehr Alkohol als ihnen gut tut. Sie tun das, weil die Alkoholwerbung sie beeinflusst, sie konditioniert. Wenn Verbraucher die Werbung für Beck’s im Fernsehen sieht, dann läuft ihm der Speichel und der Griff zur Flasche ist der notwendige Reflex. Verbraucher ist nämlich nicht Herr über sich selbst, und deshalb braucht er die DHS, die ihm sagt, was für ihn gut ist. Schon zwei Gläser Bier sind zuviel, so sagt man ihm, schwingt den erhobenen Zeigefinger und schüttelt die hohe Stirn ob der Dummheit von Verbraucher. Ja, so ist das.

Tullamore dew

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Und haben Sie sich nicht auch schon gefragt, wieso die europäischen Wissenschaftler, die von der EU-Kommission gefördert, bezahlt oder gekauft wurden, ausgerechnet Maßnahmen der Früherkennung und Frühintervention als effiziente Alkoholprävention ausgemacht haben? Um etwas “früh” zu erkennen, muss es ja bereits da sein, entsprechend kann man es nicht mehr verhindern. Also macht Früherkennung von vorhandenem Alkoholkonsum keinen Sinn, es sei denn, jemand verdient sein Geld damit und versucht gerade seine Dienste an den Mann zu bringen. Wie es der Zufall so will, verdienen die Mitglieder der DHS ihren Unterhalt mit der Beratung von Späterkannten. Und hier herrscht aufgrund der klammen Finanzen kommunaler Haushalte ein “unglaublicher Finanzierungsdruck”. Daher muss man sehen wo man bleibt und das eigene Angebot auf die Früherkennung ausweiten, weil z.B. der Hausarzt viel zu spät erkennt, dass er einen Säufer vor sicht hat. Um diese Verspätung zu verhindern, benötigt er eindeutig die Hilfe von DHS-Mitgliedern, oder? Und wie sich zeigt, kann man mit dem Risiko, das es vielleicht gibt, kann man mit scaremongering richtig gut Geld verdienen – und man kann sich sowas von gut fühlen.

Mir ist das ganze auf den Magen geschlagen. Ich brauch’ jetzt erst einmal ein Foster’s und vielleicht danach ein wenig Tullamore Dew… Und während ich meinen wohlverdienten Alkohol genieße, denke ich an all die wissenschaftlichen Studien, die zeigen, dass Alkohol in Maßen genossen, durchaus positive Wirkungen hat, z.B.

Gronbaek, M. (2009). The Positive and Negative Effects of Alcohol and the Public Health Implications. Journal of Internal Medicine 265(4): 407-420.

Poikolainen, Kari (1995). Alcohol and Mortality: A Review. Journal of Clinical Epidemiology 48(4): 455-465.

van der Gaag, M. S., von Tol, A., Vermunt, S. H. F., Scheek, L.M., Schaafsma, G. & Hendriks, H. F. J. (2001). Alcohol Consumption Stimulates Early Steps in Reverse Cholesterol Transport. Journal of Lipid Research 42: 2077-2083.

und ergänzend hierzu: Jukema, J. W., Lenselink, M., de Grooth, G. J., Liem, A. H., Kuivenhoven, J.-A. & Kastelein, J. J. P. (2004). Enhancing Reverse Cholesterol Transporting/Raising HDL Cholesterol: New Options for Prevention and Treatment of Cariovascular Disease. Netherlands Heart Journal 12(11): 491-496.