Tipping Point: Mediale Gender-Berieselung nervt immer mehr

… zu diesem Schluss kommen wir angesichts der Vielzahl der Hinweise, die uns erreichen, Hinweise auf mediale Berichterstattung, die ihren Lesern einhämmern will, dass Frauen benachteiligt sind, dass Frauen an Hochschulen benachteiligt sind, dass Frauen in Führungspositionen benachteiligt sind, dass Frauen Opfer sind, dass Frauen immer Opfer sind und deshalb die Hilfe der Genderindustrie benötigen, dass Frauen, die Genderindustrie benötigen, um ein Einkommen zu haben …. Nein, das nicht. Und dass immer mehr Frauen die Nase voll haben, von dieser Genderindustrie erst entmündigt und dann bevormundet zu werden, …. Nein, das auch nicht.

Die Zahl derer, die von der Gender-Indoktrination die Nase voll haben, sie steigt ebenso, wie die Zahl derer, die nur noch genervt reagieren, wenn sie etwas von Gender hören, wie zum Beispiel der folgende, freundlich grüßende Leser aus Mutterstadt:

“Hallo,

das muss bitte dringend auf ihrer Seite kommentiert werden!

Danke!”

enough“Das”, ist ein Beitrag auf Sol.de, dem Portal für Saarbrücken und den Rest vom Saarland (ist nicht mehr viel), der wie folgt überschrieben ist:

Studie: Frauen in Führungspositionen machen privat mehr Abstriche”

Als wer? Als früher? Als Vollerwerbstätige?

Und weiter geht es:

“Frauen in Führungspositionen machen für ihre Karriere einer Studie zufolge privat mehr Abstriche als Männer. Sie sind seltener verheiratet und haben seltener Kinder als Männer in vergleichbaren Positionen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin mitteilte. 68 Prozent leben – mit oder ohne Trauschein – mit ihrem Partner zusammen; bei den Männern sind es 77 Prozent. 29 Prozent der Frauen haben Kinder bis 16 Jahre, bei den Männern sind es 37 Prozent.”

Die Abstriche, für alle diejenigen, denen es entgangen ist, bestehen darin, dass 9% weniger Frauen, die das DIW in Berlin in Führungspositionen kodiert hat (dazu gleich mehr) als Männer nicht mit einem Partner zusammenleben und 8% weniger der entsprechenden Frauen Kinder unter 16 Jahren im Haushalt leben haben als Männer.

Alle, die das lesen und Single sind, die keine Kinder unter 16 Jahre im Haushalt leben haben, vielleicht, weil die entsprechenden Kinder schon erwachsen sind oder über 16 Jahre alt sind, aber immer noch im Haushalt leben, aufgemerkt: Sie machen Abstriche, ob Sie das wissen, wollen oder nicht.

Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, ist keine Aussage borniert genug. Wenn es darum geht, Genderideologie in die Köpfe der Leser zu hämmern, dann wird regelmäßig deutlich, wie beschränkt die heile Welt der Genderisten tatsächlich ist, denn: zum Glück gehören Kinder unter 16 Jahren, die im Haushalt leben und ein fester Parter. Früher nannte man das Spießer.

Fuehrungskraefte MonitorUnd wie so oft in letzter Zeit, wenn Gender-Ideologie in die Köpfe der Bevölkerung gehämmert werden soll, kommt das, was angeblich ein wissenschaftliches Ergebnis ist, vom DIW in Berlin, von jenem DIW, das immer noch von sich behauptet, es betreibe wissenschaftliche Forschung, auch wenn es offensichtlich beim DIW in Berlin die Agenda gibt, zum Musterknaben, nein, zum Mustermädchen der Bundesregierung und der Genderideologie zu werden.

Die vermeintlichen Abstriche, die Sol.de berichtet, was wiederum einen unserer Leser so sehr genervt hat, dass er uns eine Dringlichkeits-eMail geschrieben hat, sie finden sich im allerletzten Satz einer Pressemeldung des DIW, die viele Sätze davor hat, Sätze, in denen noch der ein oder andere furchtbare Nachteil von “Frauen in Führungspositionen” bejammert wird.

Verantwortlich  für die neuerliche Jammer-Orgie, die vom DIW als Führungskräfte-Monitor 2015 verkauft wird, sind Elke Holst, Anne Busch-Heizmann und Anna Wieber.

Sie haben sich am Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) versucht (oder hatten einen männlichen Helfer, der rechnen kann, denn wie wir aus dem nämlichen DIW regelmäßig zu hören bekommen, sie es ja sehr duster aus im Bezug auf Rechnen, Mathematik, Statistik, Technik, kurz: MINT unter Frauen!), um ihre Jammer- oder jämmerlichen Erkenntnisse zu fabrizieren. Das SOEP ist einer der wenigen longitudinalen Datensätze, die es in Deutschland gibt: In regelmäßigen Abständen werden immer dieselben Befragten interviewt. So die Theorie.

In der Praxis gibt es die sogenannte Panelmortalität, ein Ergebnis des tatsächlichen Sterbens von Befragten und ein Ergebnis schleichender Lustlosigkeit, die sich einstellt, wenn man jedes Jahr denselben langweiligen Fragebogen ausfüllen soll. Obwohl das SOEP ein longitudinaler Datensatz ist, wird meist im Querschnitt gerechnet, d.h. für ein einziges Jahr. So auch im vorliegenden Fall: Das ist einfacher. Dafür braucht man weniger Kenntnisse in Statistik und Methoden, im Umgang mit Daten.

Beliebt ist das SOEP, weil man Sätze schreiben kann wie: “Insgesamt standen im letzten Erhebungsjahr 2013 Informationen zu mehr al 24.000 Befragten zur Verfügung” (15). Das klingt gut, klingt nach viel, nach sehr viel in Standards quantitativer empirischer Sozialforschung gemessen. Nur: Die SOEP-Befragten im Datensatz haben die Angewohnheit, immer dann, wenn eine spezifische Gruppe gesucht wird, wegzuschmelzen wie das Eis in der Sonne.

Entsprechend bleiben Holst, Busch-Heizmann und Wieber auf letztlich 1.550 Personen sitzen, darunter 445 “weibliche Angestellte, von denen aber nur 28 mit umfassenden Führungsaufgaben betraut sind” (16). Und weil man mit 28 Befragten nicht sinnvoll arbeiten kann, haben die Autorinnen die 28 Frauen in “Funktionen mit umfassenden Führungsaufgaben” kurzerhand mit den 417 Frauen, die “sonstige Leitungsfunktionen oder hochqualifizierte Tätigkeiten (Abteilungsleiter, wissenschaftlicher Angestellter, Ingenieur) ausüben”, zusammengeworfen.

Und so wird man dann als Mittelbauler an der Hochschule, der in anderen Zusammenhängen wegen seines Zeitvertrags und seiner Sklavenarbeit ähnlichen Ausnutzung beklagt wird, urplötzlich zur Führungskraft und alles, damit das DIW einen Führungskräfte-Monitor vertreiben kann, in der neuen Reihe “Politikberatung kompakt”.

Nur: Der Führungskräfte-Monitor ist kein Führungskräfte-Monitor. Er ist eine Mogelpackung, die man als Wissenschaftler, der sich mit Methoden auskennt und seine Arbeit mit lauteren Mitteln verfolgt, links liegen lassen muss: Links, da wo er hingehört, denn der Führungskräfte-Monitor ist nicht zufällig Bestandteil der Reihe “Politikberatung kompakt”, und es ist kein Zufall, dass die Reihe “Politikberatung kompakt” besser politisch-korrekter Etikettenschwindel heißen würde. Denn: so wenig, wie auf Grundlage des Führungskräfte-Monitor Aussagen über Führungskräfte möglich sind, so wenig ist die Politikberatung des DIW eine Politikberatung. Die Beratung ist vielmehr eine Legitimierung, eine Politiklegitimierung.

DIW POlitikberatungUnd Legitimierung findet regelmäßig dadurch statt, dass angeblich herrschende Zustände bejammert werden, so wie das im seinerseits bejammernswerten Führungskräfte-Monitor der Fall ist, dessen Autoren durch die Republik ziehen und in Medien aller Art den falschen Eindruck erwecken, sie könnten Aussagen über Führungskräfte machen, hätten Führungskräfte in relevanter Anzahl befragt, wenn sie mit Sicherheit weniger als 100 Geschäftsführer und Direktoren unter den 1.550 Personen, die sie als Führungskräfte verkaufen wollen, haben.

Das nennt man auch Vorspiegelung falscher Tatsachen, schon deshalb, weil durch die Verwendung des Begriffs “Führungskräfte” bei denen, die ihn hören, ganz bestimmte Assoziationen erweckt werden, eben die Assoziation von Geschäftsführer, von Top-Manager, jedenfalls nicht die Assoziation von Abteilungsleiter im Finanzamt oder von wissenschaftlichem Angestellten. Dass diese Assoziation bei denen, die Führungskraft hören, erweckt wird, ist Absicht und unlauter, es ist das, was man beim DIW nun Politikberatung nennt, worunter offensichtlich Methoden verstanden werden, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, zu manipulieren und letzten Endes zu betrügen.

Und einmal ehrlich: Nie war es einfacher als heute, derartige Manipulationen als angebliche wissenschaftliche Studie verpackt, unters Volk zu bringen: Die meisten Journalisten verfügen nicht einmal über rudimentäre Kenntnisse wissenschaftlicher Methoden und drucken gierig, was ihnen als wissenschaftlich verkauft wird, so lange es der politischen Korrektheit entspricht jedenfalls.

Die Größe, die in dem ganzen Manipulations- und Betrugsszenario keiner der Möchtegern-Manipulatoren auf der Rechnung hat, das sind die Leser, diejenigen, die manipuliert werden sollen, die vermeintlich Dummen da draußen, denen man nach Ansicht derer, die es versuchen, ein X für ein U vormachen kann.

Schlechte Nachrichten für Manipulateure:

Vielen Lesern reicht es. Sie können das Wort “Gender” mittlerweile nicht mehr hören und sind zu intelligent, als dass sie sich von angeblichen Wissenschaftlern, die nicht weiter kommen als Längsschnittsdaten im Querschnitt zu betrachten und Prozentwerte auszuzählen, von denen niemand weiß, warum sie ausgezählt werden, hinters Licht führen lassen.

Es wird Zeit, dass Institute wie das DIW dafür sorgen, dass an den Studien, die das Institut produziert, mindestens ein Angestellter des Instituts beteiligt ist (so es ihn noch gibt), dem es um Wissenschaft und nicht um Ideologie und Manipulation geht. Die Glaubwürdigkeit des DIW steht auf dem Spiel – sofern sie nicht längst durch Personen wie Elke Holst, Anne Busch-Heizmann oder Anna Wieber verspielt worden ist.

Kann man Tote misshandeln?

Auf den Seiten von scinexx, der Online-Wissenschaftsseite von Springer und MMCD New Media, findet sich heute ein Beitrag über Neandertaler.

scinexxEin reißerischer Beitrag, der die moralische Integrität der und die menschliche Empatie, die man mit den guten alten Neandertalern haben konnte, “systematisch zerstückelt”, um mit dem Beitrag zu sprechen, denn: Die Neandertaler sind Leichenschänder!

Oder im Original: “Nicht gerade pietätvoll: In Frankreich haben Archäologen Neandertaler-Überreste entdeckt, die nach dem Tod systematisch zerstückelt und geschlagen wurden. Auch von anderen Fundstellen in Europa sind solche posthumen Misshandlungen bekannt. Ob dies als Teil eines Rituals geschah oder es von Kannibalismus unter den Neandertalern zeugt, ist bisher allerdings rätselhaft.”

Deshalb titelt der Beitrag: “Neandertaler misshandelten ihre Toten”.

Der Titel, wie der ganze Text, ist bestens geeignet, um einerseits den Fehlschluss der hasty generalization darzulegen und andererseits die Frage zu diskutieren, ob man Tote misshandeln kann, wie auf scinexx behauptet wird.

Vorschnelle Verallgemeinerung

Die Ergebnisse, die auf scinexx als Beleg für die Misshandlung von Toten durch Neandertaler bewertet werden und die Gewissheit begründen, dass Neandertaler ihre Toten misshandelt haben, basieren auf drei, 3, Knochen, nämlich einer Speiche (also einen Unterarmknochen), einem Wadenbein und dem Fragment eines Oberschenkelknochens. An zweien davon finden sich Schnitte und Frakturen, die von den Forschern, die diese Funde analysiert und berichtet haben, auf posthume neandertalische Einwirkung zurückgeführt werden.

Geralda Neanderthal

© Geralda, Maureille & Vandermeersch (2014: 102)

Die Forscher, Maria Dolores Garralda, Bruno Maureille und Bernard Vandermeersch haben ihre Analysen im American Journal of Physical Anthropology (Heft 1, 2014) und unter dem Titel “Neanderthal Infant and Adult Infracranial Remains from Marillac (Charente, France) veröffentlicht.

Der größte Teil des Beitrags ist der Frage gewidmet, ob die drei Knochen Neandertalern überhaupt zugerechnet werden können. Eine Frage, die die drei Forscher auf der Grundlage von “mainly … the archaeological context and the chronology” beantworten, also durch den Fundort und die Bodenschicht, in der die Knochen entdeckt wurden, sowie durch einen Vergleich mit anderen Knochen, die Neandertalern zugerechnet werden.

Selbst wenn man die Schlussfolgerungen von Garralda, Maureille und Vandermeersch teilt, nach denen die drei Knochen von Neandertalern, zwei Erwachsenen und einem Kind stammen, so scheint der Schluss darauf, dass die Neandertaler ihre Toten misshandelt haben, den man bei scinexx unbedingt ziehen zu wollen scheint, etwas weit hergeholt. In der Logik spricht man von einer übereilten Generalisierung wenn auf Grundlage von z.B. drei Knochen, die vielleicht Neandertalern zugeordnet werden können, auf alle Neandertaler und ihre Begräbnisriten geschlossen wird.

Aber das sind vermutlich für scinexx nur leichte Dehnungen der Belege, die vorhanden sind, denn: “auch von anderen Fundstellen in Europa sind solche posthumen Misshandlungen bekannt”. Garralda, Maureille und Vandermeersch kennen Schnitte und Frakturen, die toten Neandertalern beigebracht wurden, nur von Fundstellen in Spanien, also aus genau einem Land Europas (Seite 111 ihres Beitrags). Wenn man schon dabei ist, heftig und auf keiner empirischen Basis zu generalisieren, so mag sich der Schreiber bei scinexx gedacht haben, dann kommt es auf die kleine Übertreibung auch nicht mehr an.

Misshandlung von Toten

Bleibt noch die Frage, ob man Tote misshandeln kann, eine Frage, die sich eigentlich selbst als unsinng beantworten müsste, setzt doch eine Misshandlung, die vom Strafgesetzbuch z.B. zum Tatbestand der Köperverletung gezählt wird, ein Opfer voraus, das die Misshandlung auch erfahren kann. Aber nicht nur deshalb ist es nicht möglich, Tote zu misshandeln, es ist aus demselben Grund nicht möglich, aus dem man Tote nicht mehr beleidigen kann: Die merken nichts mehr!

Ach ja: “Zerstückelt” haben die Neadertaler ihre Toten auch nicht, den die Knochen, die von Garralda, Maureille und Vandermeersch untersucht wurden, sind weitgehend vollständig, einzige Ausnahme, der Oberschenkelknochen, der nur als Fragment gefunden wurde.

Neanderthal manFast scheint es, als sei die morbide Phantasie hier mit dem scinexx-Autor durchgegangen, vermutlich aus Enttäuschung, weil die Indizien, die Garralda, Maureille und Vandermeersch zusammengetragen haben, dagegen sprechen, dass die Neandertaler ihre Toten nicht nur “misshandelt”, sondern auch gegessen haben. Folglich kann man die Neandertaler nicht als Kannibalen beschimpfen. Zu dumm.

Bleibt nur die Misshandlung in den Worten des scinexx-Autoren, die Misshandlung von Toten, die man heute z.B. noch in Tibet findet, wo Tote zerstückelt und den Geiern zum Fraß vorgeworfen werden. Man nennt das auch ein religiöses Ritual, d.h. diejenigen, die außerhalb kultureller Engstirnigkeit und kleinbürgerlicher Bornierung zu denken im Stande sind, nennen es so. Leute, die zu diesen Gedanken fähig sind, sind auch diejenigen, die sich vorstellen können, dass Archäologen, wenn sie in 2000 Jahren auf die Überreste christlicher Kulturen stoßen, denken werden, Christen seien eine männerfeindliche Horde gewesen, hätten Männeropfer an Kreuzen gebracht, in rituellen Zusammenkünften das Blut ihrer Opfer getrunken und seien auch ansonsten sehr gewalttätige und blutrünstige Monster gewesen.

Aber lassen wir das.

Garrralda, Maria Dolores, Maureille, Bruno & Vandermeersch, Bernard (2014) Neanderthal Infant and Adult Infracranial Remains from Marillac (Charente, France). American Journal of Physical Anthropology 155(1): 99-113.

Akademische Gotteskrieger

Vermutlich als Erbe der Romantik hat sich in den deutschen Sozialwissenschaften eine Tradition gehalten, die man als schwärmerischen Versuch, Wissenschaft zu betreiben, charakterisieren kann. So wie Romantiker versucht haben, mit der Natur eins zu werden, so versuchen schwärmerische Akademiker in ein Gebiet einzutauchen und hoffen, dass ihr Zustand des geistigen Abtauchens mit einer Offenbarung belohnt wird, einer Offenbarung über Wichtigkeit und Richtigkeit.

Da die Schwärmer auf Intuition vertrauen, sind sie bar jeder wissenschaftlichen Methode, kennen kein geordnetes oder strukturiertes Vorgehen und beherrschen keinerlei Methodologie, die es ihnen erlaubt, sich einem Forschungsgegenstand zu nähern. Entsprechend wären sie verloren im Meer der wahrnehmbaren Dinge, hätten sie nicht etwas, woran sie sich festhalten können, etwas, was ihnen Orientierung und Halt in der feindlichen Welt gibt: Ihren Glauben.

Dieser Glaube ist auf von außen nicht nachvollziehbare Weise geformt. Vermutlich sind sozialisatorische Einwirkungen für seine Formation verantwortlich. Der schwärmerische Akademiker ist auf irgendeine Weise zu seinem Glauben gekommen und vor lauter Freude, endlich etwas gefunden zu haben, das ihm Halt und Orientierung gibt, verteidigt er seinen Glauben gegen alles, was ihn in Frage stellt. Entsprechend versucht er die Welt von all den Kritikern und Faktenversessenen, die seinen Glauben gefährden, zu reinigen. Er wird zum akademischen Gotteskrieger.

Im Englischen gibt es die Unterscheidung zwischen “academic” und “scientific”. Letzteres bezeichnet Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit, ersteres wird regelmäßig in der Bedeutung “müßig”, “überflüssig” oder “sinnlos” gebraucht. Wann immer es keinen Sinn (mehr) hat, über etwas zu streiten oder darüber nachzudenken, weil z.B. die Zeit eine entsprechende Entscheidung überholt hat, hat man eine gute Chance den Ausdruck “It’s academic” zu hören. Und in dieser Funktion haben wir ihn zu schätzen gelernt, erlaubt es der Begriff academic oder akademisch doch, institutionalisierte Lehrstuhlinhaber, die Wissenschaftler spielen, von richtigen Wissenschaftlern zu unterscheiden. Und in dieser Weise benutzen wir den Begriff “akademisch”.

Entsprechend sind akademische Gotteskrieger Personen, die es irgendwie an Universitäten geschafft haben, die sich dort mit dem Mantel der Wissenschaft maskieren, obwohl er ihnen zu groß ist und unter dem Schutz ihrer Bemantelung versuchen, ihren Glaubens zu verbreiten.

Rolf Pohl ist ein solcher akademischer Gotteskrieger.

Rolf Pohl besetzt einen Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Universität Hannover. 1996 hat Pohl habilitiert und die Venia Legendi für Sozialpsychologie erhalten, d.h. er ist berechtigt, Sozialpsychologie zu lehren. Sozialpsychologie ist eines der Fächer, deren Korpus an Erkenntnis auf Experimente zurückgeht. Tatsächlich hat die Sozialpsychologie eine lange Tradition herausragender Experimente: Gordon Allport, Stanley Milgram, Muzafer Sherif, Amos Tversky, Daniel Kahneman, sie haben die Sozialpsychologie durch ihre Experimente geprägt. Eine Sozialpsychologie ohne Experimente, ohne empirische Forschung ist nicht vorstellbar.

Entsprechend irritiert ist man beim Lesen der Veröffentlichungsliste von Rolf Pohl. Pohl schreibt zur

    • “Aktualität der Freudschen Sexualtheorie”,
    • zu “Männlichkeit, Destruktivität und Kriegsbereitschaft”,
    • zu “Geil auf Gewalt”,
    • zu “Angst, Lust und Zerstörung”,
    • zu “Normalität und Pathologie”,
    • er schreibt über “Paranoiode Kampfhandlung, über Fremdenhass und Gewaltbereitschaft bei männlichen Jugendlichen”,
    • zum “Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen”,
    • über “Vater ist der Beste. Über die Wiedergeburt eines Helden im sozialwissenschaftlichen Famliendiskurs”,
    • über “Genitalität und Geschlecht. Überlegungen zur Konstitution der männlichen Sexualität”,
    • über die “Männliche Sexualität und ihre Krise”,
    • über “Männer, das benachteiligte Geschlecht -Weiblichkeitsabwehr im Diskurs über die Krise der Männlichkeit”,
    • zur “Sozialpsychologie des Krieges: Der Krieg als Massenpsychose und die Rolle der militärisch-männlichen Kampfbereitschaft”,
    • über “Das ‘eigene’ und das ‘andere’ Geschlecht. Adoleszenz, Männlichkeit und Gewaltbereitschaft”,
    • über die “Zerstörung der Frau [welcher?] als Subjekt” und
    • über “Militarisierte Männlichkeit im Spannungsfeld von Krieg und Frieden”.

    Anhand dieser Veröffentlichungstitel hat man schon einen recht guten Eindruck davon, welcher Glaubensrichtung Rolf Pohl anhängt. Er gehört offensichtlich zu denjenigen, die Sexualität überall lauern sehen, die Männlichkeit und männliche Sexualität problematisieren, nur in Verbindung mit Gewalt zu denken in der Lage sind und von hier nur einen kurzen Schritt machen müssen, um bei Krieg und Nationalsozialismus anzukommen. Eine einfache Welt, die Rolf Pohl da bewohnt.

    Die Studenten von Rolf Pohl lernen über den Nationalsozialismus und seine Ursachen, von der neuen Segregation der Geschlechter, von Ärzten im Nationalsozialismus, von der Sozialpsychologie des Antisemitismus, und sie lesen “Das andere Geschlecht” von Simone de Beauvoir.

    Was beim Blick über die Tätigkeiten von Rolf Pohl ins Auge sticht, ist nicht in erster Linie die Fixierung auf Männlichkeit, Sexualität und Nationalsozialismus, es ist vielmehr das Fehlen von allem, was Sozialpsychologie ausmacht: Hypothesen, empirische Studien, Experimente, die Prüfung von Hypothesen, das, was Wissenschaft im Allgemeinen und Sozialpsychologie im Besonderen charakterisiert, das ist bei Rolf Pohl, der einen Lehrstuhl für Sozialpsychologie verwaltet, wie er schreibt, nicht vorhanden.

    Gollwitzer SozialpsychoDas wäre an sich nicht weiter schlimm. Es gibt Wissenschaftler, die sich mit der Zusammenfassung und der Vermittlung der Arbeiten, die andere geleistet haben, beschäftigen, die Lehrbücher verfassen, in denen sie den Kenntnisstand ihres Faches wiedergeben, in denen sie einen Überblick darüber geben, was in ihrem Fach geleistet wurde und welche Ergebnisse das Fach vorzuweisen hat.

    Doch das macht Ralf Pohl auch nicht.

    Was macht er dann?

    Ralf Pohl reklamiert für sich die Rolle eines auktorialen Erzählers, der in die Welt blickt, Dinge erblickt, die ihm nicht gefallen, der genau weiß, warum es die Dinge gibt, die er sieht und warum sie ihm nicht gefallen, und der diese Dinge geißelt, denn: Er hängt einem festen Glauben an, von dem aus er die Welt bewertet. Er ist ein akademischer Gotteskrieger par excellence, der die Welt mit seinen Einsichten, die zu ihm kommen, wie die Offenbarung zum Propheten, beglückt.

    Dies wird deutlich in einem Interview, das Pohl der Taz gegeben hat und bei dem es sich um einen Extrakt aus einem Vortrag handelt, in dem Pohl über “Männer – das benachteiligte Geschlecht?” sinniert. Zeichnet sich schon sein Vortrag dadurch aus, dass er aus persönlichen Einsichten und Betrachtungen anstelle von Fakten, Hypothesen, logischen Analysen oder empirischen Ergebnissen besteht, so ist sein Interview das Konzentrat seiner persönlichen Eindrücke über das Universum, das Leben und vor allem die Männlichkeit.

    Denn: Um uns herum ist alles hegemoniale Männlichkeit, so erklärt er. Wenn Sie denken, Angela Merkel sei ein weiblicher Bundeskanzler, dann denken Sie das nur, weil sie die männlichen Rollenerwartungen, die an das Amt des weiblichen Bundeskanzlers gestellt werden, nicht berücksichtigen. Da nützt es Merkel nichts, dass sie weiblich ist, denn sie ist umgeben von feindlichen männlich hegemonialen Rollenerwartungen.

    Das glauben Sie nicht?

    Nun, das liegt daran, dass die männliche Hegemonie Erkenntnissen von Pohl zufolge “unbewusst stattfindet”, männliche Hegemonie ist für Pohl also eine Hegemonie, die man nicht bemerkt, jedenfalls nicht bewusst, so wie man nicht bemerkt, das wir alle zur Zeit vom Osterhasen beherrscht werden – aber das nur am Rande.

    Truth leaksMännliche Hegemonie ist fies, denn sie unterdrückt diejenigen, die sich Pohl nur als passive Rezipienten, unfähige Idioten und ewige Sklaven der männlichen Hegemonie, als Zellhaufen ohne Eigeninitiative vorstellen kann: Frauen (ob hier seine männliche Hegemonie ganz unbewusst mit ihm durchgegangen ist?), denn: “Männer generieren auch Macht in ihrer Beziehung, indem sie Aufmerksamkeit verweigern, hinhalten, Aufgaben vergessen, Bedürfnisse ihrer Partnerin ignorieren”, so weiß Rolf Pohl.

    “Männliche Identität ist so konstituiert”, so verkündet der männliche Pohl und fährt fort: “Zu dieser Identität gehört das unbewusste Bedürfnis, sich aufzuwerten, indem Frauen abgewertet werden”. Hier muss die Selbsterkenntnis mit Pohl durchgegangen sein, der den Unsinn, den er in seiner hegemonialen Männlichkeit erzählt, offensichtlich dadurch aufwerten will, dass er Frauen zu unfähigen und zu keiner Reaktion, geschweige denn Missfallenskundgebung fähigen Statisten erklärt – eine Hypothese, die er leicht falsifizieren könnte, wenn er seine Angst vor Frauen überwände, die er fälschlicherweise allen Männern zuschreibt, und sich in die Gesellschaft einer Frau trauen würde. Wir schlagen Dr. habil. Heike Diefenbach vor, sofern sie dazu Lust hat, denn eine einzige Anmerkung derart, Frauen würden durch hegemoniale Helden wie Rolf Pohl unterdrückt, würde vermutlich ausreichen, um handfest oder argumentativ, je nach Tagesform, des Gegenteils belehrt zu werden.

    Das ganze unsägliche Interview, in dem Pohl seine Probleme mit seiner Männlichkeit zu bearbeiten scheint (das ist eine Hypothese, die wir gerne am lebenden Pohl prüfen würden), ist – wie gesagt – ein Konzentrat eines Vortrags mit dem Titel “Männer – das benachteiligte Geschlecht“.

    Im Gegensatz zum Interview, in dem sich Pohl nur als Wissenschaftler geben muss, erhebt er mit dem Vortrag den Anspruch, Wissenschaftler zu sein, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden.

    Und er versagt auf der ganzen Linie.

    Pohl füllt 22 Seiten mit Betrachtungen über (abermals) das Universum, das Leben und Männlichkeit. Niemand weiß, warum er seine Betrachtungen anstellt. Niemand weiß, warum seine Betrachtungen relevant sein sollen. Niemand kann dem Text entnehmen, welchen Erkenntnisgewinn man aus den Betrachtungen von Pohl hat. Das einzige, was man nach dem Lesen des Vortrags weiß, ist, wie Rolf Pohl die Welt sieht und vor allem: wie er sie bewertet – oder bewältigt.

    Warum er die Welt sieht, wie er sie sieht, wie er seine Sichtweise begründet, belegt und damit nachvollziehbar macht, wie er seine Betrachtungen aus dem Status subjektiven Geschreibsels in den Status wissenschaftlicher Erkenntnis überführen will, ist so unklar wie die Methode, die Pohl zu seinen Bewertungen und Betrachtungen geführt hat.

    Das ist auch kein Wunder, denn Pohl benutzt keine Methode. Er braucht keine Methode, denn es geht ihm nicht um Erkenntnis. Es geht ihm um Bewertung. Er hat kein Interesse daran, seine Betrachtungen auf Richtigkeit hin zu prüfen, denn er weiß, dass sie richtig sind. Sie stimmen mit seinem Glauben überein, also müssen sie richtig sein. Aus dem selben Grund muss alles, was seinem Glauben widerspricht, falsch sein.

    Rolf Pohl ist ein akademischer Gotteskrieger, dessen Auftrag darin besteht, Ausschau nach Kritik zu halten und nach Widerspruch zu seinem Glauben zu fahnden, den entsprechenden Widerspruch, die entsprechende Kritik abzuwerten, abzutun, zu diskreditieren, nicht etwa, sich damit auseinander zu setzen. Dazu wären Argumente notwendig, was wiederum die Bereitschaft voraussetzt, den eigenen Glauben in Frage zu stellen, eine Bereitschaft, die akademische Gotteskrieger wie Rolf Pohl nicht haben.

    Sie haben nur das Ziel zu diskreditieren und dabei überlegen, erhaben und gut zu erscheinen (es geht ausschließlich um den Schein, mit dem leichtgläubige Gemüter getäuscht werden sollen. Dass sich Pohl unter Wissenschaftlern diskreditiert und lächerlich macht, sollte klar sein.). Und dazu ist jedes Mittel recht, wie die folgende Passage aus seinem vermeintlich wissenschaftlichen Vortrag zeigt:

    Unter der Überschrift “Die Kampagne gegen den ‘Verdammungsfeminismus'” bemängelt Rolf Pohl das Folgende:

    “Dazu gehört die Tatsache, dass historische Kontexte systematisch entweder vernachlässigt, umgedeutet oder monokausal, mit klaren Schuldzuweisungen verkürzt werden, dass soziologische Differenzierungen ebenso fehlen, wie irgendeine Beschäftigung mit Theorien und Kontroversen der neueren Geschlechterforschung und dass jede kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ungleichheitslagen auf das manichäistische Weltbild eines die Männer beherrschenden und unterdrückenden Feminats zusammenschrumpft. Besonders auffällig sind dabei der (fast) durchgängig polemische Stil, ein aggressiver Anklagegestus und eine projektiv erzeugte, von starken Affekten begleitete Feindbildkonstruktion.”

    Leser mögen ihr Augenmerk vor allem auf die monokausalen Schuldzuweisungen, den fehlenden historischen Kontext, die kritische Auseinandersetzung mit Ungleichheit, den polemischen Stil, den aggresiven Anklagegestus und die Feindbildkonstruktion legen.

    Der Mangelliste folgt der Versuch einer Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Gerhard Amendt, den Pohl wie folgt abschließt:

    “Amendts abenteuerliche Behauptungen sind zu großen Teilen pseudowissenschaftliche Konstrukte, die durch ihre selektiven Wahrnehmungsverzerrungen, ihre projektiven Realitätsumdeutungen, ihren manichäistischen Welterklärungscharakter und ihre verschwörungstheoretische Annahmen sowie durch den aggressiven antifemininen Abwehrgestus Züge eines paranoid eingefärbten Hirngespinstes tragen. Es geht um eine medienwirksame irrationale Kampagne in der Sprache des Ressentiments, die mit missionarischem Eifer geführt wird. Nun ist diese Kampagne nicht allein Amendts Privatfeldzug. Seine Positionen sind nicht nur für die sogenannten „Malkulisten“ [Fehler im Original] attraktiv (vgl. http://www.maskulist.de), für die der vom „Femifaschismus“ beabsichtigte „Genozid an den Männern“ spätestens seit der Einführung des Scheidungsrechts ausgemachte Sache zu sein scheint.”

    Aggresiver Stil, Polemik, Behauptungen ohne Begründung, Bewertungen ohne Begründung, keinerlei Bezug auf den gesellschaftlichen Rahmen und seine Ungleichheitsstrukturen, ein aggresiver Anklagegestus, eine Feindbildkonstruktion und monokausale Schuldzuweisungen, die sind offensichtlich nur dann erlaubt, wenn sie Rolf Pohl macht. Mehr noch, ihm ist darüber hinaus die Schmähung, Beleidigung und Diffamierung derer erlaubt, die er als seine Feinde identifiziert hat.

    Und während man bei Nicht-Wissenschaftlern hier an das Glashaus denken würde, aus dem heraus man keine Steine werfen soll, kann man bei jemandem, der Wissenschaftler zu sein vorgibt, der Studenten ausbildet, nur betroffen sein, ob der Ärmlichkeit seines Vortrags, ob der nicht vorhandenen wissenschaftlichen Standards und ob des gänzlich fehlenden, Menschen eigentlich auszeichnenden Anstands.

    Aber wozu sollte Rolf Pohl wissenschaftliche Standards einhalten? Er ist ein akademischer Gotteskrieger, der für seinen Glauben kämpft, und deshalb alle bekämpft, die nicht seinem Glauben anhängen – mit welchen Mitteln auch immer und ohne Rücksicht auf Anstand, Ethik oder Moral. Zumindest wissen wir jetzt, warum es immer mehr Studenten gibt, die denken “Cross Tabs” sei eine bewussteinserweiternde Tablette (und nicht etwa ein Befehl in SPSS), und warum es immer mehr Studenten gibt, die gar nicht wissen, was man von ihnen will, wenn man sie nach einer Begründung für ihre Behauptungen fragt.

    Akademische Gotteskrieger, die sich als Soziologen oder Sozialpsychologen in Hannover, Berlin, München oder anderswo ausgeben, sind dafür verantwortlich.

    Langsam nimmt die Zahl derer, die an Hochschulen ihre persönlichen Probleme bewältigen und Feldzüge gegen diejenigen führen, denen sie die Schuld an ihrer Misere zuweisen, in einer Weise zu, dass es selbst den Vertretern der Profession auffallen müsste. Entsprechend sollten Fächer wie die Soziologie oder die Politikwissenschaft, die vor Jahren noch dem, was Thomas Kuhn die normalwissenschaftliche Phase genannt hat, am nächsten gekommen sind, langsam Schritte einleiten, um die Standards des Faches durchzusetzen und zu verhindern, dass Positionen in der institutionalisierten Wissenschaft für persönliche Vendetten missbraucht werden.

    Und wenn es die Fachvertretungen nicht schaffen, dann wird Kultusministerien nichts anderes übrig bleiben als ihrerseits einzuschreiten. Immerhin sollen an Universitäten junge Menschen ausgebildet werden. Es sollen ihnen Erkenntnis und Methoden zur Erkenntnisgewinnung vermittelt werden, sie sollen nicht Zeugen psychiatrischer Selbstversuche werden, mit denen die entsprechenden Stelleninhaber versuchen, ihre Komplexe zu bearbeiten. Junge Menschen sollen an Hochschulen auch nicht in Therapiegruppen zusammengefasst werden, die dem Zweck dienen, die Probleme des Dozenten zu sozialisieren, um dann in die Welt geschickt zu werden und das Übel, das sie über den Dozenten befallen hat, aus kathartischen Zwecken zu beklagen.

    Die gesellschaftlichen Kosten, die von jungen Menschen ausgehen, die im Verlauf ihrer wissenschaftlichen Ausbildung so beschädigt werden, dass sie nur noch als Aktivisten und ohne Sinn und Zweck durch die Welt laufen, sind eigentlich zu hoch – sollte man meinen.

Betrug im Quadrat: Mannheimer Hochschule verkauft wissenschaftliche Lauterkeit

Die Liste der Hochschulen, deren Vertreter sich kaufen lassen und die für ein Preisgeld, mit dem es möglich ist, zwei Lehrstühle zu finanzieren, ihre wissenschaftliche Lauterkeit und ihren Anstand obendrein (sofern Sie einen solchen besessen haben), opfern, hat ein neues Mitglied.

Die Hochschule Mannheim reiht sich in den Klub der Betrüger ein. Dort zeichnet einmal ein Prof. Dr. Klimmer:

“Nähere Auskünfte erteilt Prof. Dr. Klimmer, E-Mail: m.klimmer@hs-mannheim.de”

einmal ein Prof. Dr Beck:

“Nähere Auskünfte erteilt Prof. Dr. K. Beck, email: k.beck@hs-mannheim.de”

für je eine Ausschreibung verantwortlich, mit der männliche Bewerber auf die jeweils ausgeschriebene Stelle getäuscht und betrogen werden sollen, denn: Einerseits werden sie explizit angesprochen und zu einer Bewerbung aufgefordert, andererseits wird die entsprechende Stelle an der Hochschule Mannheim nur mit einem weiblichen Bewerber besetzt.

Das nennt man schlichtweg Vorspiegelung falscher Tatsachen und da sich die Verantwortlichen einen Vorteil verschaffen wollen, nämlich die Finanzierung zweier Lehrstühle, erfüllt es auch den Straftatbestand des Betrugs. Was die Ausschreibungen der Hochschule Mannheim ein wenig aus der Reihe der sonstigen Betrugsversuche heraushebt, ist Folgendes:

Hochschule Mannheim

Wer diesen Ausschreibungstext liest, wird, sofern er mit einem normalen Intellekt begabt ist, denken, dass die angesprochene Professur für Mathematik und Physik ausschließlich für weibliche Bewerber ausgeschrieben ist, dass, mit anderen Worten: männliche Bewerber ausgeschlossen sind.

Nun haben die Genderisten in einem Anfall von geistiger Umnachtung das sogenannte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verabschieden lassen. Dummerweise wurde dabei vergessen deutlich zu machen, dass das AGG nur die Diskriminierung von Frauen, nicht aber die von Männern verbietet.

Wegen dieser Unterlassung finden finden sich im AGG die §§ 1 und 2 Abs. 1 in folgender allgemeiner Form:

§1: “Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.”

Und in §2 Absatz 1 geht es wie folgt weiter:

“(1) Benachteiligungen aus einem in § 1 genannten Grund sind nach Maßgabe dieses Gesetzes unzulässig in Bezug auf: 1.die Bedingungen, einschließlich Auswahlkriterien und Einstellungsbedingungen, für den Zugang zu unselbstständiger und selbstständiger Erwerbstätigkeit, unabhängig von Tätigkeitsfeld und beruflicher Position, sowie für den beruflichen Aufstieg…”

Hochschule mannheim Betrug 1Wäre die Intention des Gesetzes durch den Zusatz “Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen auf Gründen … des weiblichen Geschlechts … zu verhindern” klar gemacht worden, dann hätte sich vermutlich Widerstand geregt, aber nur kurz und man müsste sich nun nicht verbiegen, um einerseits Männer diskrminieren zu können und andererseits nicht deutlich werden zu lassen, dass man Männer diskriminiert. Denn: wenn man Männer diskriminiert, dann verstößt das gegen §1 und §2 Abs. 1 AGG.

Die Ausschreibung der Hochschule Mannheim, die oben dargestellt wurde, ist entsprechend ein so klarer Verstoß gegen die genannten Paragraphen des AGG, dass jeder männliche Bewerber, der sich bewirbt, aber nicht berufen wird, eine Handhabe hat, gegen seine nicht-Berücksichtigung zu klagen.

Deshalb ist, wenn man dem Link in der Ausschreibung folgt, der Betrug wie im Rahmen des Professorinnenprogramm üblich, etwas verschleiert, so dass es Juristen möglicherweise gelingen kann, durch allerlei hermeneutisches Geschwätz einen intellektuell eher auf der unteren Schiene fahrenden Richter zu beschwätzen und davon zu überzeugen, dass der offenkundige Betrug eigentlich gar kein Betrug ist, bestenfalls ein klitzekleines Betrügchen, das kaum ins Gewicht fällt. Wer sind schon die paar männlichen Bewerber, die sich von der Ausschreibung täuschen lassen, dafür Geld, Zeit und andere Ressourcen in den Sand setzen? Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne!

“Die Hochschule Mannheim strebt an, den Anteil an Professorinnen zu erhöhen. Zum Wintersemester 2015/16 oder später ist in der Fakultät für Elektrotechnik vorbehaltlich einer Finanzierung im Rahmen des Professorinnenprogramm II des Bundes und der Länder folgende Stelle zu besetzen:

Professur „Mathematik und Physik“
Bes. Gr. W2 (Stellen-Nr. 731)

Die Bewerberinnen und Bewerber sollen über mehrjährige Berufserfahrung verfügen und die Lehrgebiete mit überdurchschnittlichem didaktischem Geschick und mit hohem Bezug zur Anwendung in den Studiengängen der Fakultät für Elektrotechnik vertreten. Die Bereitschaft
zur Übernahme englischsprachiger Lehrveranstaltungen und fachlich benachbarter Grundlagenfächer wird erwartet.

Neben Lehre und angewandter Forschung zählen auch der Ausbau der nationalen und internationalen Kontakte zu Unternehmen und Institutionen und eine angemessene
Beteiligung an der akademischen Selbstverwaltung zu den Dienstaufgaben.

Das Professorinnenprogramm zielt darauf ab, die Gleichstellung von Frauen und Männern in Hochschulen zu unterstützen, die Repräsentanz von Frauen auf allen Qualifikationsstufen im Wissenschaftssystem nachhaltig zu verbessern und die Anzahl der Wissenschaftlerinnen in
den Spitzenfunktionen im Wissenschaftsbereich zu steigern. Die Besetzung der Professur steht unter dem Vorbehalt der Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II.

Nähere Auskünfte erteilt Prof. Dr. K. Beck, email: k.beck@hs-mannheim.de”

Hochschule mannheim Betrug 2

    Alles wie gehabt:

  • Eine Professur wird für männliche und weibliche Bewerber ausgeschrieben.
  • Die Besetzung der Professur steht unter dem Vorbehalt einer Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II.
  • Eine Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II erfolgt nur, wenn ein weiblicher Bewerber berufen wird.
  • Also wird die ausgeschriebene Professur gar nicht besetzt, wenn sich kein weiblicher Bewerber findet.
  • Also haben männliche Bewerber keinerlei Chance auf die entsprechende Professur berufen zu werden.

Das selbe Täuschungsmanöver veranstaltet die Hochschule Mannheim für eine weitere ausgeschriebene Stelle, nämlich eine

Professur „Physik, Mathematik und Statistik“ Bes. Gr. W2 (Stellen-Nr. 728)”

Auch diese Professur an der Hochschule Mannheim steht unter dem Vorbehalt der Finanzierung aus dem Professorinnenprogramm II. Kurz: Es handelt sich hier um den selben Betrug.

Wir wissen nicht, wie viele Beiträge wir über die letzten Jahre geschrieben haben, um männliche Bewerber vor dem Betrug, den das Professorinnenprogramm darstellt, zu warnen, und sie entweder davor abzuschrecken, sich überhaupt zu bewerben oder ihnen für den Fall, dass sie sich beworben haben, eine Handhabe zur Klage wegen Nichtberücksichtigung zu geben.

Die beiden Ausschreibungen der Hochschule Mannheim erfüllen nicht nur den Tatbestand des Betrugs, es handelt sich auch um klare Verstöße gegen das AGG und darin die §§ 1 und 2 Abs. 1.

Es wäre ein Leichtes, dem Spuk des Professorinnenprogramm ein Ende zu setzen, wenn alle männlichen Bewerber, die nicht berücksichtigt wurden, vor das Verwaltungsgericht ziehen, um dort den Verstoß gegen das AGG anzuklagen, und wenn die entsprechenden Bewerber zudem vor ein Zivilgericht ziehen würden, um dort die Kosten einzuklagen, die ihnen dadurch entstanden sind, dass sie vorsätzlich über ihre Chancen, die entsprechende Professur zu erreichen, getäuscht wurden.

Eine Klagewelle ist bislang ausgeblieben.

Männliche Bewerber in Deutschland lassen sich offensichtlich ungestraft vorführen.

Zivilgesellschaft geht anders! Oder: Macht es außer uns wirklich wieder niemand?

– außer uns und Sven H. Schillings?

Was? Na Klärung herbeiführen, das tun, was alle Verwaltungsbeamte und vor allem die Genderista hassen: Fragen stellen! Sie z.B. nach Ihrer gesetzlichen und sonstigen Legitimation fragen.

Wir haben das im Fall der Universität Potsdam und der Hochschule Wismar getan.

An der Universität Potsdam vertreibt eine “Zentrale Gleichstellungsbeauftrage namens Barbara Schrul einen schrulligen “Leifaden zur Anwendung einer gendergerechten Sprache” und behauptet darin:

Uni Potsdam“Als Universität haben wir einen gesetzlichen Auftrag zur Verwendung eines einheitlichen, gendergerechten Sprachgebrauchs.”

Wir haben weder etwas von einem Gesetz gehört, in dem angeblich steht, dass die Nutzung von “Innen”, von “_innen” oder von sonstigen, die Sprache entstellenden Maßnahmen gesetzlich in Auftrag gegeben worden sein soll, wie Schrul behauptet, noch haben wir eine Vorstellung davon, wie man einen Sprachgebrauch verwendet. Deshalb haben wir nachgefragt, beim Justitiar der Universität und beim Leitder des Prüfungsamtes der Universität Potsdam (Übrigens wäre es an der Zeit, in der Verwaltung der Universität Potsdam eine Männerquote einzuführen. Pi mal Daumen schätzen wir den Anteil männlicher Verwalter auf maximal 10%).

“Sehr geehrte Frau Reifenstein, sehr geehrte Frau Dr. Bieber,

in ihrer jeweiligen Funktion als Justitiar der Universität Potsdam bzw. als Leiter des Prüfungsamts bitten wir Sie, die folgenden Fragen zu beantworten:

Die Zentrale Gleichstellungsbeauftrage der Universität Potsdam, Barbara Schrul, vertreibt einen “Leitfaden zur Anwendung einer gendergerechten Sprache”, in dem sie u.a. behauptet:

“Als Universität haben wir einen gesetzlichen Auftrag zur Verwendung eines einheitlichen, gendergerechten Sprachgebrauchs.”

Aus dem Leitfaden und dieser Behauptung ergeben sich die folgenden Fragen, deren Antworten Studenten der Universität Potsdam ebenso interessieren werden, wie die gut 5000 Leser, die unsere ScienceFiles durchschnittlich pro Tag lesen:

  1. In welchem Gesetz ist der Auftrag von Universitäten oder speziell der Universität Potsdam zur Verwendung eines “einheitlichen gendergerechten Sprachgebrauchs” formuliert und in welcher Weise formuliert?
  2. Welchen Stellenwert bzw. Status hat der “Leitfaden zur Anwendung einer gendergerechten Sprache”?
  3. Sind Studenten der Universität Potsdam verpflichtet, dem Leitfaden zu folgen?
  4. Was passiert, wenn Studenten der Universität Potsdam sich nicht an den Leitfaden halten?
  5. Gibt es eine wie auch immer geartete Handhabe, Studenten der Universität Potsdam zur Einhaltung des Leitfadens zu zwingen?
  6. Müssen Studenten der Universität Potsdam mit einer schlechteren Bewertung rechnen, wenn Sie den Leitfaden nicht einhalten?

Wir bedanken uns vorab für Ihre Antworten.
Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein
für die ScienceFiles-Redaktion

Wismar_PP2Der zweite Brief betrifft die Hochschule Wismar, die mit mindestens zwei Ausschreibungen gegen das Allgemeine Gleichstellungsgesetz verstößt, jenes Gesetz also, über dessen Einhaltung die Antidiskriminiserungsstelle angeblich wacht. Wir haben deshalb unseren alten Bekannten, Dr. Alexander Sopp, von der Antidiskriminierungsstelle angeschrieben und ihn auf den Vorgang an der Hochschule Wismar aufmerksam gemacht:

“Lieber Herr Dr. Sopp,

wir hoffen, es geht Ihnen gut und Sie haben das Neue Jahr gut angefangen.

Wir schicken Ihnen mit dieser eMail einen Link auf ScienceFiles:

http://sciencefiles.org/2015/01/04/deutschland-ist-ein-unrechtsstaat/

Wenn Sie dem Link folgen, finden Sie einen Beitrag, in dem gezeigt wird, dass die Hochschule Wismar mit mindestens zwei Ausschreibungen gegen die §§1 und 2 Abs. 1 Satz 1 des AGG verstößt, in dem sie Stellen ausschließlich für Frauen ausschreibt.

Wir rufen Sie daher auf, das Allgemeine Gleichstellungsgesetz auch an der Hochschule Wismar durchzusetzen oder die Hochschule Wismar zum rechtsfreien Raum zu erklären.

Beste Grüße,
Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein
für die ScienceFiles-Redaktion”

civic cultureDeutschland will angeblich eine Civic Society sein, in der Bürgerbeteiligung ganz oben auf der Agenda steht. Das Problem mit der deutschen Bürgerbeteiligung, wie sie sich derzeit darstellt, ist jedoch: Sie ist top-down verordnet. Das ist dummerweise das Gegenteil einer Civic Society bzw. Zivilgesellschaft, wie es in Deutschland heißt. Verordnete Bürgerbeteiligung verweist auf eine autoritäre nicht auf eine zivile (civic) Gesellschaft. In einer Civic Society kontrollieren Bürger den Staat, weil sie den Staat als ihre Angelegenheit ansehen und ihn gerade nicht als eigene Entität betrachten, die ihnen etwas vorschreiben kann. Insofern müsste sich eigentlich jeder verpflichtet fühlen, Missstände wie den an der Universität Potsdam oder den an der Hochschule Wismar zum Anlass zu nehmen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Außer Sven H. Schillings, Holger Sulz und Wolle Pelz sind uns nur wenige bekannt, die dies bislang ohne dazu aufgefordert worden zu sein, getan haben. Sollte die Civic Society in Deutschland wirklich aus nur wenigen Personen bestehen?

Das Anstands-Gap: Lügen, Falschaussagen und Gender Pay

Verzweiflung ist etwas, was nur Intelligente empfinden können, denn es bedarf eines gewissen Quantums an Verstand, um über Dinge verzweifelt sein zu können, denn Verzweiflung resultiert aus der Kenntnis, dass das, was die Verzweiflung auslöst, nicht so sein muss, anders sein könnte, ja müsste, wenn Grundlagen, Erkenntnisse weiter verbreitet wären, wenn nicht jeder, der sprechen kann, dächte, er müsse zu allem den Mund aufmachen, wenn nicht …, nun, es ist eben zum verzweifeln.

Niemand hat Verzweiflung angesichts einer Mauer aus Dummheit und stoischem Behauptens, der Baum, gegen den man laufe, sei gar kein Baum, besser zum Ausdruck gebracht als Karl Raimund Popper, der zeitlebens versucht hat, Naheliegendes zu verbreiten, nämlich dass man von begrenztem Wissen nicht auf unbegrenztes Wissen schließen kann – unter Philosophen bekannt als so genanntes Induktionsproblem:

Logik der Forschung“Es ist jetzt 50 Jahre her, seit ich im Jahre 1932 das abgeschlossene Manuskript meines Buches Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie … Rudolf Carnap und Herbert Feigl und einigen anderen Wissenschaftstheoretikern und auch einem Physiker, Franz Urbach, zu lesen gab. […] Jetzt, nach 50 Jahren, wird die triviale Einsicht, dass es keine probabilistische Induktion gibt, noch immer von den meisten Wissenschaftstheoretikern bekämpft – wenn auch nicht so heftig als vor 20 Jahren. Ich habe in dieser Zeit immer wieder neue [mathematische] Beweise vorgelegt, die mir einfach und überzeugend erschienen. Keiner dieser Beweise wurde je widerlegt. Die induktivistische Einstellung war geradezu Allgemeingut, und sie ist es ja noch immer. So wurden meine Beweise nicht ernst genommen.
Der hier abgegebene Beweis scheint mir (wie der jeweils letzte meiner Beweise) der beste zu sein, und der einfachste, den ich bisher gegeben habe. Er ist auch wohl der letzte, den ich, als 80jähriger, in diesem Buch veröffentlichen werde. (…) Ob mein letzter und einfachster Beweis […] endlich Beachtung finden wird oder zumindest eine sachliche und ernste Kritik?” (Popper, 1994: 444).

Man sieht, die Ignoranz, mit der von Vertretern bestimmter Interessen Belege ignoriert werden, die die Behauptungen, mit denen sie ihre Interessen durchsetzen wollen, widerlegen, ist kein neues Phänomen. Es scheint, dass das Spiel mit der Dummheit und der Leichtgläubigkeit anderer gerade von denen sehr erfolgreich betrieben wird, die über keinerlei empirische Basis, über keinerlei Belege für ihre Behauptungen verfügen.

Das ist die Einleitung zu einem Hinweis, den wir Günter Buchholz verdanken. Er hat uns auf die Seite “Equal Pay Day” Aufmerksam gemacht. Dort wird die alte Lüge des Gender Pay Gaps in einer Weise vorgebracht, bei der man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Vorab zur Einordnung: Es gibt in westlichen Ländern kein Gender Pay Gap.

Deceibe infeigle obfuscateUnd zur theoretischen Einordnung: Das Gender Pay Gap geht auf Ökonomen wie Oaxaca und Blinder zurück, die eine diskutierbare Behauptung aufgestellt haben, nämlich dass dann, wenn man Lohnunterschiede über Variablen erklärt, die einen Effekt auf die Lohnhöhe haben, Variablen wie Bildung, Erfahrung, Arbeitszeit, Branche usw., und am Ende bleibt ein Residuum, ein Teil, der nicht erklärt werden kann, dann könne man diesen unerklärten Teil als Ergebnis von Diskriminierung auffassen. Wie so oft, bewegen sich die entsprechenden Ökonomen in einer Modellwelt, denn die Interpretation des Residuums als Diskriminierung setzt voraus, dass alle Variablen, die einen Effekt auf die Höhe des Entgelts haben, in der Erklärung berücksichtigt sind. Wenn es unter den Lesern jemanden gibt, der mit empirischen Daten hantiert und es schon einmal geschafft hat, die gesamte Varianz seiner abhängigen Variablen zu erklären, dann soll er sich bitte melden, denn bislang ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem dies gelungen wäre. Kurz: Zu behaupten, dass das, was man nicht erklären kann, Ergebnis von Diskriminierung sei, ohne die Behauptung anhand empirischer Daten zu prüfen, ist gelinde gesagt haarig, ohne Zurückhaltung ein Ausbund an Unfug, den man von gestandenen  Ökonomen so nicht erwartet hätte.

Das rhetorische Figur des Gender Pay Gap ist gefundenes Fressen für all diejenigen, die sich mit seiner Vermarktung selbst bereichern wollen, wie z.B. die oben verlinkte Seite “Equal Pay Day”, eine Seite, die an Unsinnigkeit kaum zu überbieten ist.

Zu Beginn wird behauptet, das (nicht existente) Gender Pay Gap betrage in Deutschland 22%. Der Behauptung folgt der Aufreger der in der weiteren Behauptung besteht, dass Frauen 80 Tage umsonst arbeiten würden, denn 22% von 365 Tagen sind 80 Tage.

Kennen Sie jemanden, der 365 Tage im Jahr arbeitet? Nicht einmal Selbständige machen das. Aber Arbeit und Arbeitstage scheinen den Betreibern der Seite zum Equal Pay Day, um Henrike von Platen ebenso fremd zu sein wie logisches Denken. Zudem scheint es sich zu von Platen und Genossinnen nicht herumgesprochen zu haben, dass es Sonn- und Feiertage gibt, ganz zu schweigen vom bezahlten Urlaub, alles Tage, an denen nicht gearbeitet wird und die von den 365 Tagen abgezogen werden müssen – was sie natürlich nicht werden, denn von Platen und Genossinenn geht es nicht um die Wahrheit, sondern darum, Effekte zu erzielen, Effekte der Bestürzung und der Entrüstung bei Leichgläubigen, bei Dummen, bei denen, die von Platen und Genossinnen für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen.

Und deshalb geht es weiter im Lügen-Konzert. Die 22%, die eben noch als Fanal der Benachteiligung armer Frauen durch böse Bonzen präsentiert wurden, werden sodann berechnet, und zwar als Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und dem durschschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen. Seltsamerweise ergibt die unbereinigte Lohnlücke, die dabei herauskommt, einen Prozentwert, der wiederum die Relation beider durchschnittlichen Bruttostundenlöhne zueinander abbildet, aber es ist ja bekannt, dass diejenigen, die sich für Geschlechterfragen einsetzen mit MINT so ihre Probleme haben und selbst rudimentäres Prozentrechnen ist Mathematik.

Sodann gibt es ein Zugeständnis, nämlich das Zugeständnis, dass man die Leser bislang belogen hat, denn die 22% sind irrelevant, sind ein angeblich unbereinigtes Gap, etwa so, wie es im Vergleich der Entgelte zwischen der Putzfrau Elfriede W und Frau von Platen besteht. Bereinigt man das unbereinigte Gender Pay Gap, also führt man die erklärenden Variablen ein, was der eigentliche Witz an diesem unsäglichen Konstrukt des Gender Pay Gap ist, von denen oben die Rede war, dann so lernen wir, passiert Folgendes:

Lies nothing but lies“Zieht man die erklärbaren Prozentpunkte von den 22 Prozent ab, erhält man den so genannten bereinigten Gender Pay Gap. Der bereinigte Gender Pay Gap lässt sich nicht auf erklärbare, strukturell unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale zurückführen. Das bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde weniger verdienen als Männer. Für den bereinigten Wert des aktuellen Gender Pay Gap liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. Er lag nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts von März 2012 bei durchschnittlich 8 Prozent.”

In der Wissenschaft, also in jenem vermeintlich männlichen Unterfangen, das sich nicht mit Ideologie, sondern mit der Empirie und der Erklärung derselben beschäftigt, ist ein Fehlschluss bekannt: der “Ökologische Fehlschluss”. Der “Ökologische Fehlschluss” hat, wie vermutlich manche, besonders aus dem Lager von Frau von Platen denken, nichts mit Umweltschutz zu tun, nein, er hat etwas damit zu tun, dass man Zusammenhänge, die man auf der Aggregatebene findet, nicht umstandslos auf die Individualebene übertragen kann.

Angenommen, wir finden einen Unterschied im IQ auf der Aggregatebene: Aktivisten, die sich heftigst für bestimmte Dinge einsetzen, weisen im Durchschnitt einen IQ von 65 auf, Personen, die sich mit ihrem Leben beschäftigen, haben im Durchschnitt einen IQ von 130. Aus diesem Zusammenhang nun zu schließen, dass Frau von Platen einen IQ von 65 hat, wäre ein ökologischer Fehlschluss und aus dem selben Grund, aus dem man in unserem Beispiel von der Aggregat- nicht auf die Individualebene schließen kann, wie gerechtfertigt der entsprechende Schluss einem auch erscheinen mag, aus demselben Grund kann man von einem bislang nicht erklärten Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen in seiner bereinigten Varinate nicht auf individuelle Benachteiligung, d.h. bei gleicher Qualifikation geringeres Gehalt schließen.

Wir erwarten nicht, dass Fraun von Platen oder andere Anhängerinnen des Gender Pay Mythos, diese Transferaufgabe zu leisten im Stande sind, aber es wäre, so denken wir, doch wirklich an der Zeit, diese unsinnige Diskussion über einen Gender Pay Gap, den es nicht gibt, zu beenden und die enstprechenden Aktivisten, die nicht einsehen wollen, dass nicht der Mond scheint, sondern die Sonne, auch nachts, in die Wüste gejagt werden, denn der Stumpfsinn, mit dem Falsches verbreitet wird, mit dem versucht wird, die Unwissenheit, Leichtgläubigkeit und emotionale Tangierbarkeit von beeinflussbaren Existenzen auszunutzen, ist nicht mehr tolerierbar.

Ganz davon abgesehen offenbart sich hier ein Anstands-Gap, denn wer versucht, mit Lügen, falschen Behauptungen oder – im günstigsten Fall – mit Aussagen über Zusammenhänge, die er nicht versteht, Dritte zu manipulieren, der ist nicht anständig, der hat ein Anstands-Gap, verglichen mit dem durchschnittlichen Anstand der Normalbevölkerung.

Wenn Frau von Platen die Welt verbessern will, dann soll sie in ein Altenheim gehen und sich dort z.B. in der Pflege alter Menschen nützlich machen.

Ansonsten haben wir ausführlich gezeigt, dass ein Gender Pay Gap nicht existiert.

Nachtrag

In den letzten Tagen wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, dieses Mal unter Überschriften wie:

Frauen erwirtschaften halb so viel Geld wie Männer bzw.
Frauen verdienen nur halb so viel wie Männer

Die Qualitätsjournalie aus ZEIT und Welt ist also in der Lage, ein und dasselbe Ergebnis einmal als erwirtschaftetes Geld und einmal als Verdienst zu verkaufen. Tatsächlich geht der geballte Unfug auf einen politisch korrekten Beitrag aus dem DIW zurück, in dem Stefan Bach, der uns bereits als Laienprediger bekannt ist, Aggregate von Einkommen für Männer und Frauen vergleicht.

Grundlage seines neuerlichen Versuches, Wissenschaft lächerlich zu machen, ist eine Statistik der Einkommens- und Lohnsteuer, in der sich zeigt, dass Frauen rund 50% weniger Einkommen oder Entgelt versteuern als Männer. Warum das so ist, zeigt sich in einer Statistik auf Basis der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer natürlich nicht (Der Fall Schwarzer legt allerdings nahe, den Unterschied als Ergebnis intensiverer Steuerhinterziehung durch Frauen zu sehen). Entsprechend schafft es Herr Bach, Wissenschaft weit hinter Heron von Alexandria zurück zu verfrachten, jedenfalls dann, wenn es irgend jemanden geben sollte, der seinen Unsinn kolportiert, und natürlich wird es genügend Opportunisten geben, die denken, man könne der Tatsache, dass Männer mehr Einkommens- und Lohnsteuer zahlen als Frauen auch nur irgend etwas entnehmen.

Was man dem neuerlichen Bachschen Machwerk entnehmen kann, ist die Tatsache, dass Anstand auch im DIW nicht weit verbreitet ist, dass die Frage ob das Anstands-Gap auch mit einem IQ-Gap verbunden ist, bislang nicht untersucht wurde und dass, schließlich, der Unterschied in der Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer, wie er zwischen Schreibtischtätern wie Herrn Bach und Müllfahrern wie Klaus F. besteht, auf Benachteiligung von F. zurückzuführen ist, weshalb wir hier öffentlich dafür plädieren, die Lehren, die Herr Bach zu ziehen können glaubt, auf ihn selbst anzuwenden!

Rostocker Ehrendoktorposse: Showdown um Snowden

Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock hat durch den Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wolfgang Schareck, gerade die maximale Strafe für Unkenntnis der rechtlichen Regelungen, auf denen der Universitätsbetrieb in Rostock basiert, erhalten: Er hat die Entscheidung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät Rostock, Edward Snowden den Ehrendoktortitel der Fakultät für Philosophie zu verleihen, beanstandet, den Rat der Fakultät aufgefordert, die Entscheidung aufzuheben und im Falle einer Weigerung, die letztliche Entscheidung im Rahmen der Rechtsaufsicht an das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern verwiesen.

Da versuchen sich Sozialwissenschaftler einmal leutselig zu geben und auf einen Wagen des Volkszorns aufzuspringen, da wollen sie einen mutigen Mann, der in weiten Teilen der USA als Landesverräter gilt, einmal für sein Engagement mit einem Ehrendoktortitel auszeichnen, und was passiert: Ihr Beschluss wird ihnen vom Rektor um die Ohren gehauen.

Uni RostockDabei haben die Mannen von der Philosophischen Fakultät alles ihnen nur mögliche getan, um die Weitergabe von Informationen durch Edward Snowden zu einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung, zu einer Aktion von “wissenschaftliche(r) Bedeutung” zu stilisieren. Sieben Professoren, von Ulrich Beck und Micha Brumlik zu Claus Leggewie und Wolfgang Hoffmann-Riem wurden verschlissen, um die wissenschaftliche Bedeutung der Übergabe von Informationen an Zeitungen zu begründen. Was hat es gebracht? Nichts.

Auch der Versuch, Snowden als Vertreter einer uramerikanischen Freiheitskultur, als in der Tradition US-amerikanischer Bürgerrechtler wie Malcolm X und Dr. Martin Luther King stehend, aufzubauen, ihn zu einem amerikanischen Patrioten zu erklären und seine moralische Integrität und die ethische Dimension seines Handelns zur Grundlage der Verleihung einer Ehrendoktorwürde zu benutzen, hat nichts geholfen, ebenso wenig wie der Verweis darauf, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns und der Persönlichkeit des zu Ehrenden beurteilen” könne.

Am Ende mussten sich die eminenten Professoren, die gemeinsam mit u.a. ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern den Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät in Rostock besetzen, von ihrem Rektor belehren lassen, dass in Mecklenburg-Vorpommern ein Ehrendoktortitel nur “aufgrund besonderer wissenschaftlicher Leitungen” verliehen werden dürfe und dass die “Übergabe eines umfangreichen Datenbestandes an ausgesuchte Medien mit dem Ziel einer Veröffentlichung und Auswertung dieses Datenbestandes durch diese Medien und zu dem Zweck, einen möglicherweise auch wissenschaftlichen Diskurs mit Blick auf die Aktivitäten verschiedener Geheimdienste und ihrer gesellschaftlichen, rechtlichen und sonstigen Implikationen … nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden” könne.

TopitschDie ganze Angelegenheit ist mittlerweile über den Punkt der Peinlichkeit hinaus und man fragt sich, welche Funktion manche Positionsinhaber an Universitäten denselben eigentlich zuweisen. Wenn die Fakultätsräte der Philosophischen Fakultät in Rostock tatsächlich der Ansicht sind, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns” beurteilen könne, dann befördern uns der Herr Dekan Hans-Jürgen von Wensierski und die beiden Prodekane Frau Gesa Mackenthun und Elisabeth Prommer damit um 100 Jahre zurück in die Vergangenheit, und just in die Zeit, als man sich in Deutschland gegen das, was damals als Afterwissenschaft, heute als Pseudowissenschaft bekannt ist, gewehrt hat.

Damit war alles gemeint, was sich an Universitäten breit gemacht hat, ohne über eine wissenschaftliche Methode zu verfügen: Alfred Dippe hat 1895 in seinem Buch “Sozialismus und Philosophie auf den deutschen Universitäten”, festgestellt: “Die Wissenschaft der Sozialdemokratie ist Afterwissenschaft, weil sie der logisch scharfen Kritik nirgends standhalten kann”. Damit war gleichsam ein Startschuss gegeben, ein Startschuss für den Kampf von Wissenschaftlern gegen in bestimmter Gesinnung betriebene Wissenschaft, die eine solche schlicht nicht sein kann, weil Gesinnung sich auf die Wahrnehmung auswirkt und dafür sorgt, dass Forschungsergebnisse verzerrt werden. Nicht nur das: Bestimmte Fragestellungen tauchen im Rahmen einer bestimmten Gesinnung überhaupt nicht auf, oder wann hätte man jemals einen sozialistisch gesinnten Pseudowissenschaftler darüber forschen sehen, wie Transferzahlungen an vermeintlich Arme deren sozialen Aufstieg verhindern und die so oft bejammert Klassengesellschaft zementieren? Wann hätte man je einen Genderisten darüber forschen sehen (oder überhaupt forschen sehen), welchen Schaden der Genderismus im Motivationsgewebe der deutschen Gesellschaft hinterlässt?

Eigentlich sind diese Fragen im deutschen Positivismusstreit hinlänglich bearbeitet worden, aber wie sich zeigt, sind deutsche Sozialwissenschaftler insbesondere resistent gegen Einsichten, die in anderen Wissenschaften als common sense gelten: Wissenschaft ist eine Methode des Erkenntnisgewinns, es ist eine Methode, die bei Problemen beginnt und nach Ursachen sucht. Die Suche muss frei von Einschränkungen und entlang der wissenschaftlichen Methode erfolgen, d.h. es müssen Hypothesen über die Ursachen aufgestellt und es muss der Versuch unternommen werden, diese Hypothesen zu falsifizieren.

Adorno PositivismusstreitEntsprechend ist Wissenschaft unvereinbar mit Gesinnung, und sie ist zuweilen unvereinbar mit den herrschenden moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns. Sie dient der Erkenntnisgewinnung und manche Erkenntnis mag der herrschenden Moral, Ethik oder anderen zivilgesellschaftlichen Dimensionen widersprechen. Wer das nicht glaubt, der soll an Galileo Galilei denken, der sich in erheblichem Konflikt mit den moralischen und ethischen Vorstellungen seiner Zeit befand, geschweige denn, dass ihm sein etwaiges zivilgesellschaftliches Engagement gut bekommen wäre. Wer es nicht glaubt, der möge sich einen Wissenschafler vorstellen, der sich mit Fragen der gentechnischen Veränderung von Mais, Reis oder Getreide beschäftigt und die entsprechende Forschung vor dem Hintergrund der herrschenden moralischen, ethischen oder zivilgesellschaftlichen Engstirnigkeit beurteilen.

Und damit sind wir am Kern des Problems. Die Wissenschaftsauffassung, die die Fakultätsräte in Rostock an den Tag legen, ist eine Auffassung, die der Wissenschaft schadet, eine Mainstream-Auffassung, eine Art der Wissenschafts-compliance mit dem Zeitgeist. Einmal davon abgesehen, dass Edward Snowden keinerlei Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnis geliefert hat, denn wollte man dies behaupten, man müsste jeden Archivar, der ein Buch von einem Wissenschaftler aus dem Mittelalter findet, das als verloren galt, mit einem Ehrendoktortitel ausstatten, mag es für Zeitgeist-Reiter, für Personen, die sich einen Vorteil davon versprechen, dass sie ihr Fähnchen in den Wind des Zeitgeistes hängen, einen gewissen Reiz ausüben, Edward Snowden einen Ehrendoktor anzudienen, aber abgesehen von Opportunismus ist es schwierig, ein anderes Motiv, gar ein wissenschaftliches Motiv ausfindig zu machen.

Daraus folgt, dass wissenschaftliche Motive der Entscheidung des Philosophischen Fakultätsrates nicht zu Grunde liegen können, sondern Motive des Opportunismus, vielleicht gepaart mit einer gewissen Mediengeilheit und dem Versuch, eine ansonsten wenig bemerkenswerte Fakultät in die Presse zu bekommen. Zu diesem Zweck wird dann mit hehren Begriffen geworfen, ein Informant der Presse wird zum Wissenschaftler stilisiert, ihm gar ein großes Verdienst um die Wissenschaft attestiert und die Krönung der salbungsvollen Orgie findet sich in der Behauptung, Wissenschaft müsse dem ethisch-moralisch-zivilgesellschaftlichen Zeitgeist entsprechen.

snowdenDas mag für jene Sozialwissenschaftler, die nicht wissen, was eine wissenschaftliche Methode ist und deren Tätigkeit in Weltanschauung besteht, lauter sein, für richtige Wissenschaftler ist es eine Katastrophe und der Gipfel der Heuchelei. Und wie hoch der Gipfel der Heuchelei ist, kann man durch ein einfaches Entfremdungsexperiment deutlich machen: Stellen Sie sich vor, die an die Presse gegebenen Informationen betreffen nicht die NSA und sind nicht politisch korrekt und dem Zeitgeist entsprechend, also z.B. gibt ein Insider Informationen darüber weiter, wie an Universitäten ein schwunghafter Handel mit Titeln betrieben wird, wie Externe sich bei manchen Professoren einkaufen können, um einen Doktortitel zu erwerben oder noch deftiger: Ein Wissenschaftler analysiert all die Doktortitel, die im Rahmen von Genderstudiengängen vergeben werden und zeigt, dass sie auf keinerlei wissenschaftlicher Basis stehen, keine Methode umfassen, keinerlei Erkenntnis erbringen und darüber hinaus irrelevanten Firlefanz zusammenschreiben. Ob die beiden fiktiven Gestalten dann mit einem Ehrendoktortitel aus Rostock rechnen können?

Um es  klar und deutlich zu sagen: Edward Snowden hat eine bewundernswerte Form von Zivilcourage bewiesen, und er verdient dafür, dass er es möglich gemacht hat, die Überwachung von Bevölkerungen durch ihren Staat zu analysieren und zu bewerten, Hochachtung. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Edward Snowdens gäbe, die es sich zum Ziel setzen, all die Strategien und Methoden, mit denen Staaten ihre Bürger gängeln bzw. im Zaum halten wollen, aufzudecken. Snowden ist also aus der Perspektive einer Ethik der Freiheit ein role model, das leider bislang noch darauf wartet, in Deutschland oder in anderen Ländern Schule zu machen. Aber Snowden ist kein Wissenschaftler und entsprechend niemand, dem man für besondere wissenschaftliche Leistungen einenTitel verleihen kann. Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man sich der Person Snowdens für seine ganz eigenen Zwecke bedienen will.

 

Hartz IV Empfänger sind gar nicht faul

Diese Erkenntnis verdanken wir Philip Frieg und Rebekka Schulz aus dem “Projektteam Testentwicklung 2014″, die unter Mitarbeit von Alexander Weisel aus dem Jobcenter Kaufbeuren zu diesem Wissen gelangt sind. Und weil ihr Beitrag so kurzweilig, ja gute Laune verbreitend ist, wollen wir ihn hier näher besprechen.

Die Überschrift des Beitrag lautet: “Hartz-IV-Empfänger nicht ‘faul’ – Eine Studie zur berufsbezogenen Persönlichkeit von Arbeit Suchenden und Berufstätigen”. Die Überschrift besteht also aus einer Allaussage, bezieht sich auf alle Hartz-IV-Empfänger!

Hartz IV nicht faulFrieg und Schulz beginnen ihre Studie unter Mitarbeit von Weisel damit, dass sie das Bild, das Medien von Hartz-IV-Empfängern zeichnen, kritisieren: Es sei falsch und basiere auf “Äußerungen und Verhaltensweisen einzelner Personen, die in der Regel nicht auf die Allgemeinheit übertragbar sind” (2). Stattdessen, so erfahren wir weiter, bilden sich mit “Vorurteilen behaftete Stereotypen” (2). Wenn also in öffentlichen Medien von “Hartz-IV-Schnorrern” die Rede sei oder von faulen und unwilligen Arbeitslosen, dann sei dies eine “ungerechtfertigte Verallgemeinerung” (2).

Die Neuentwicklung vorurteilsbehafteter Stereotype hat uns besonders gefreut, und wir empfehlen sie allen Sozialpsychologen, die sich damit abquälen, die weitgehend nützlichen Stereotype von den weniger sinnvollen Vorurteilen zu unterscheiden. Wozu? Alles der gleiche Brei, vorurteilsbehaftete Stereotype oder stereotypisierte Vorurteile oder so…, irgendwas halt!

Aber weiter im Text. Was tut man, wenn man zeigen will, dass die “vorurteilsbehafteten Stereotype” (einfach zu gut diese Nominalkonstruktion, fast so gut wie überordnungsbehaftete Hierarchie oder erwärmende Verbrennung…), also, dass die “vorurteilsbehafteten Stereotype” eben vorurteilsbehaftete Stereotype, somit falsch, also halt Vorurteile, stereotypische, sind. Man vergleicht Arbeitslose und Arbeitende und folgert aus der Tatsache, dass Letztere arbeiten und erstere nicht, dass erstere wohl faul sind. Nein. Das war jetzt gemein. Natürlich kann man aus der Tatsache, dass jemand nicht arbeitet, nicht schließen, dass er faul ist. Was hieße dies für all die Hausfrauen? Eben!

Hartz IV SchmarotzerWie also, findet man heraus, ob jemand nicht arbeiten will und es sich statt dessen lieber in der sozialen Hängematte bequem macht? Gar nicht so einfach, denn für die Frage: “Wollen Sie lieber auf Kosten von anderen leben als arbeiten?” wird man sicherlich nur wenig Zustimmung ernten. Wie also untersucht man Faulheit und mithin ein Verhalten?

Nun die beiden vom “Projektteam Testentwicklung, 2014″ unter Mitarbeit von Alexander Weisel sitzen an der Ruhr Universität in Bochum (Alexander Weisel, der Mitarbeiter, sitzt in Kaufbeuren). An der Ruhr Universität Bochum gibt es ein Testzentrum, in dem u.a. das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP) entwickelt wurde. Auf dem Inventar hat nunmehr Hogrefe die Hand, d.h., wer es nutzen will, der muss dafür bezahlen. Und damit es auch jemanden gibt, der für das Inventar bezahlen will, gibt es Marketingmaßnahmen wie diejenige von Frieg und Schulz unter Mitarbeit von Weisel, Alexander.

Sie haben den oben zitierten Aufhänger “Hartz-IV-Empfänger nicht ‘faul'” genutzt, um ihr BIP, also das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung benutzen zu können. Mit anderen Worten, die Frage, ob jemand faul ist, also eine Frage nach dem Verhalten, wollen sie mit Einstellungen, damit ob jemand z.B. von sich sagt, er komme leicht mit anderen ins Gespräch oder er kämpfe auch für seine Meinung, wenn er in der Minderheit sei und so, beantworten. Was genau im Rahmen des BIP gefragt wird, das darf nicht verraten werden, denn der Hogrefe-Verlag, will damit Geld verdienen, dementsprechend ist allzu genaues Wissen hinderlich.

Verraten wird, dass das Inventar so interessante Dimensionen umfasst wie Gestaltungsmotivation, Führungsmotivation, Gewissenhaftigkeit, Flexibilität, Kontaktfähigkeit und Teamorientierung. Und diese Dimensionen haben die beiden aus Bochum und ihr Mitarbeiter aus Kaufbeuren für Arbeitslose und Berufstätige erhoben und verglichen und gezeigt, dass “Arbeitslose … in gleichem Maße freundlich und verträglich sowie entgegen der weitläufigen Meinung durchaus in der Lage [sind], sich zu begeistern. Auch in Bezug auf weitere für den beruflichen Erfolg wichtige Eigenschaften, wie z.B. Durchsetzungsfähigkeit oder Selbstbewusstsein zeigen sich keinerlei Unterschiede zwischen Berufstätigen und Arbeit Suchenden” (10).

Wir erinnern uns, dass sich die beiden Autoren und ihr Mitarbeiter zu Beginn ihrer Arbeit vehement gegen Verallgemeinerungen von wenigen Fällen fauler Hartz-IV-Empfänger gewendet haben. Sie scheinen es vergessen zu haben, denn sie verkünden ihre Ergebnisse vollmundig für alle Arbeitslosen und sind ja auch im Titel ihres Beitrags nicht davor zurückgeschreckt festzustellen, dass alle Hartz-IV-Empfänger nicht faul sind. Die vollmundige Aussage wird umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Ergebnisse von Frieg und Schulz unter Mitarbeit von Weisel auf den Angaben von 407 Personen basiert, darunter 131 Arbeitslose, also auf einer eher bescheidenen Befragtenbasis, die zudem das Problem mit sich bringt, ausschließlich aus Arbeitslosen aus Kaufbeuren zu bestehen, die breit waren, am Test teilzunehmen. Eher nicht das, was man eine repräsentative Auswahl nennt. Aber kein Hinderungsgrund für die Autoren, den Fehler zu begehen, den sie anderen, der Bildzeitung zum Beispiel anlasten – in ihren Worten: vorurteilsbehaftete Stereotypisierung.

Hartz IVDamit nicht genug, der Marketing-Gag, als der die vorliegende “Studie” wohl gedacht ist, denn mal ehrlich, was hat die Tatsache, dass die Einschätzungen, die Arbeitslose im Hinblick auf ihre Person vornehmen, sich von denen, die Erwerbstätige vornehmen, nur wenig unterscheiden (Betonung auf wenig!), mit der Frage, ob Hartz-IV-Empfänger faul sind zu tun? Nichts. Die gezwungene Verwendung des BIP dient somit nicht dazu, die Frage nach der Faulheit zu beantworten, der Aufhänger mit der Faulheit wird vielmehr von den beiden Bochumer Autoren und ihrem Kaufbeurener Mitarbeiter dazu benutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen und das BIP zu bewerben.

Und zu diesem Zweck gehen die Autoren eben einmal über die eigenen Ergebnisse hinweg, die bei Arbeitslosen eher “problematische BIP-Profile” zeigen (10), die sich durch eine unterdurchschnittlich ausgeprägte Gewissenhaftigkeit, Soziabilität, Teamorientierung und Sensitivität auszeichnen. Das alles ist aus der untersten Schublade der Sozialforschung und sollte schnellstens eingestampft werden, schon weil sicher niemand im Testzentrum in Bochum mit “vorurteilsbehafteter Stereotypisierung” in Verbindung gebracht werden will.

Der Wissenschaft einen Bären-Dienst erwiesen: Klaus Bade rezensiert Thilo Sarrazin

Vorweg: Klaus J. Bade ist ein verdienter Migrationsforscher, einer der wenigen alten und kenntnisreichen Professoren, die Deutschland in diesem Feld vorzuweisen hat. Eigentlich hat Bade so viele Verdienste, dass er es nicht nötig hätte, Zugeständnisse an den politisch korrekten Zeitgeist zu machen. Dennoch hat er eine Rezension zum neuen Buch von Thilo Sarrazin  “Der neue Tugendterror” geschrieben, die aus unserer Sicht besser nicht geschrieben worden wäre.

MigazinDie Renzension, veröffentlicht in “MiGAZIN – Integration und Migration in Deustchland” ist lang. Wer sie lesen will, muss einige Zeit mitbringen und sich durch das MiGAZIN klicken. Die Renzension, geschrieben von dem Wissenschaftler Klaus J. Bade ist darüber hinaus keine Rezension, denn es fehlen ihr die Kennzeichen, die eine Rezension auszeichnen: die Darstellung von Aufbau und Inhalt des rezensierten Werkes, die Einordnung in das Themenfeld und abschließend eine Abwägung der Stärken und Schwächen des Buches, das rezensiert worden ist.

Die Struktur, die Bade im Buch von Sarrazin gleich zu Anfang seiner Rezension bemängelt, die “so verschachtelt [sein soll], dass der Autor immer wieder mit lästigen langen gliedernden Hinweisen, Ankündigungen und Rückbezügen, den roten Faden hochhalten muss”, diese Struktur fehlt in der Renzension von Bade gleich ganz. An die Stelle der Beschreibung dessen, was man sich zu rezensieren vorgenommen hat, tritt die für Leser höchst ärgerliche ständige Bewertung des Gelesenen. Dementsprechend erfährt jemand, der das Buch von Sarrazin nicht kennt, zwar nicht was Sarrazin schreibt, aber er merkt sehr schnell, wie Bade das, was Sarrazin schreibt, bewertet, etwa wenn er davon schreibt, Sarrazin habe sein Buch “zusammengequält”, vom “beleidigten und beleidigende[n] Autor” spricht, Sarrazin einen “neokonservativ argumentierenden Möchtegern-Sozialphilosoph[en]” nennt, ihm “mitunter auch beleidigende Erregungen des stachelmimosigen Angreifers” unterstellt, die sich dann wohl in “zusätzlichen Scheinbelegen”, “argumentativen Winkelzügen” und “schwurbelklar” im Buch des “sture[n] Exeget[en] seiner bekannten Behauptungen” niederschlagen, der einer “Kultur des Beleidigtseins” huldigt, seine “Gemeinde demagogisch bestärken möchte”, der als “Kulturrassist …, auf der von ihm selbst erzeugten Woge” “surft”, und sich als “Martyrer der Wahrheit” aufspielt und sich seinen Lesern als “dankbarer, nur von ihnen in verschworener Gemeinschaft Geretteter” andient.

Was bezweckt Bade mit dieser Lawine affektiver Begriffe? Was treibt ihn, Thilo Sarrazin nicht mit Argumenten zu begegnen, sondern mit Emotion, mit affektiver Erregung, die ihn selbst zu dem qualifiziert, was er doch Sarrazin vorwirft zu sein, nämlich zum beleidigten Beleidiger. Die unnötige Verpackung der Rezension in einen Wust von Bewertungen, die den Leser nach kurzer Zeit abstoßen, sofern er auf der Suche nach Information über das Buch von Sarrazin war, wird vor dem Hintergrund, dass sich Bade, der ein Buch geschrieben hat, in dem er die Sarrazin-Debatte zusammenfasst, von Sarrazin übergangen wähnt, peinlich. Mehrfach kommt Bade darauf zurück, dass er in Sarrazins neuem Buch nicht zitiert sei, ja er nutzt seine Rezension des Buches von Sarrazin sogar zu einem “Exkurs in eigener Sache zum Dreifachgift DDD: Diffamierung, Denunziation und Demagogie”

Beim Lesen des so überschriebenen Absatzes stellt sich dem Leser dann zwangsläufig die Frage, in welcher Beziehung der “Exkurs in eigener Sache” zum “Dreifachgift DDD” steht, insbesondere wenn Bade abermals beklagt, nicht einmal in einer Fussnote von Sarrazin sei sein Buch genannt, um dann eine Passage aus einem Zeitungsinterview mit Sarrazin zu zitieren, die “schlicht das Gegenteil der Wahrheit” darstelle und von der er überzeugt ist, dass es zu einem “Shitstorm animieren soll”.

Kritik und GewaltMan hat spätestens hier das ungute Gefühl, dass Bade Sarrazin zu einen mit fast mystischen Kräften ausgestatteten Orchestrierer öffentlicher Meinung aufplustert, der zudem und unterstützt von fiesen Kumpanen wie den Blogs “Politically Incorrect” oder der “Achse des Guten” und dem allgegenwärtigen Henryk M. Broder, eine große Zahl tumber und auf jede Äußerung ihres Meistern wartende Riege von Deppen befehligt, die darauf warten, auf den Kriegspfad zu wechseln. Dass Bade sich genötigt sieht zu betonen, dass es zu seinem Buch “eine Flut von durchweg positiven Reaktionen” gab, obwohl er sich dieser Einheitsfront der, wie er sie nennt, Kulturrassisten gegenüber sieht, verschiebt die Peinlichkeit dann lediglich in die Kategorie der Verschwörungstheorie, deren Existenz man im Kopf eines empirisch tätigen Wissenschaftlers nicht unbedingt vermutet hätte und wenn schon, dann hätte man nicht unbedingt erwartet, dass er sie äußert.

Und über diesen persönlichen Animositäten, Ängsten und Stilisierungen, die die Rezension von Bade kaum lesbar und in Teilen peinlich machen, geht das Wenige verloren, das Bade selbst als Argumente gegen Sarrazin anführt, nämlich, dass die Einwanderungsfakten, die Sarrazin berichtet, falsch sind, weil z.B. “die von ihm andernorts nur als ‘Armutwanderung’ und damit als Gefahr für den Wohlfahrtsstaat registriert Zuwanderung aus Rumänien (‘Nah- und Mittelost’) zu knapp der Hälfte aus Qualifizierten und zu fast einem Viertel aus Hochqualifizierten besteht” oder dass die Äußerungen von Sarrazin über z.B. Muslime weitgehend auf nicht haltbaren Annahmen über Kollektivmentalitäten und entsprechende Verhaltensdispositionen basieren, die die Forschung schon von Jahrhunderten als falsch erwiesen hat.

Es ist schade, dass Klaus J. Bade seine eigenen Argumente derart in einem Meer von persönlichen Angriffen, Einschüben aus persönlicher Kränkung oder aus Ärger ertränkt, und es es vor allem schade, dass er, Wissenschaftler, der er nun einmal ist, seine wissenschaftliche Ausbildung vergisst, und Sarrazins Aussagen nicht mit Fakten und Argumenten zu widerlegen sucht, sondern mit affektiven Behauptungen und zum Teil haarsträubenden Kommentaren, wie sie sich vor allem im hinteren Teil der Rezension finden, der der Auseiandersetzung mit Sarrazins These des “Tugendterrors” gewidmet ist. Wir zitieren hier eine kurze Passage unkommentiert. Es spricht für sich, dass alles, was Bade zu dem, was Sarrazin schreibt, einfällt, eher in den neuesten Asterix und Obelix gepasst hätte, als in eine ernsthafte Rezension:

“Und so entstand im Reich des „Tugendterrors“, den die Gleichheitsideologie antreibt, ratzfatz „ein recht hermetischer Code des Guten, Wahren und Korrekten, der große Teile der Medienklasse dominiert.“ (S. 35) Das alles hat natürlich auch seine psychologische Note, denn es gibt, besonders beim „Furor der Skandalisierung“, eine „gefühlsgesteuerte Selbstgewissheit bei den beteiligten Medien und der Öffentlichkeit.“ (S. 113) Sarrazin weiß sowas, denn er berichtet ja aus der Sicht des Opfers.

Und noch einen Hieb drauf: Sarrazin raunt, „dass aktuell eine herrschsüchtige, ideologisierte Medienklasse ganz informell und ohne großen Plan zusammenwirkt mit einer opportunistischen und geistig recht wenig profilierten Politikerklasse.“ (S. 183) Das wurde an den geistigen Stammtischen des gebildeten Bürgertums schon immer so geahnt und wird nun endlich von hoher Warte aus bestätigt. Man wird es sich vergrößern und an die Badezimmertüre hängen.

„Der Gleichheitswahn ist zu einer dominierenden Strömung in unserer Gesellschaft und insbesondere in den Medien geworden“, weiß Sarrazin und tritt noch einmal drauf: „Getrieben wird der Gleichheitswahn vom utopischen Überschuss einer Medienklasse, die zu großen Teilen eine komplexe Wirklichkeit, die sie kaum kennt und nur in Bruchstücken versteht, einseitig unter der Brille einer bestimmten moralischen Sicht betrachtet. In der menschlichen Geschichte waren jene immer schon die Schlimmsten, die aus einem Teilverständnis der Wirklichkeit unhaltbare Theorien fütterten und daraus „Erkenntnisse“ zogen, nach denen sie die Welt umgestalten wollten.“ (S. 343) Volltreffer. Mehr geht eigentlich nicht.

TugendterrorAber es gibt noch klarere Positionsbekenntnisse. Hier kommt dann der „Neidfaktor“ ins Spiel, besonders bei diesen schlimmen Journalisten: „Eine ganze Bewusstseinsindustrie in den Medien, bei den Verbandsvertretern und bei allen Politikern mit ‚linker‘ Tradition arbeitet in diese Richtung. Durch unsinnige und tendenziöse Behauptungen verwirren und desinformieren sie jene Mehrheit der Bürger, die mit Zahlen nichts am Hut haben. Dadurch wird dann ein Klima geschaffen, von dem politische Parteien glauben, sie könnten mit Mehrbelastungen für die ‚Reichen‘ bei den Wählern punkten.“ (S. 254) Plump, der Lektor war wohl gerade nicht da.”

Wenn sich Wissenschaftler nur noch durch diese Art von in derogativer Absicht hingeworfenen Kommentaren zu helfen wissen, dann kann man nur Schlimmes erahnen und den Letzten bitten, das Licht auszumachen.

Im Übrigen haben wir auf ScienceFiles einige Netzwerke und Zusammenhänge zwischen Politik und Medien aufgedeckt, die belegen, was Sarrazin behauptet. Nur weil es von Sarrazin kommt, muss es also nicht falsch sein. Und auch wenn man wie wir und wie Bade weiß, dass Sarrazins Thesen über Migration und das Aussterben der Deutschen falsch sind und von keiner empirischen Evidenz gedeckt werden, und auch wenn man Sarrazin wegen dieser Thesen nicht mag, heißt das nicht, dass alles, was von ihm kommt, deshalb falsch sein muss. Gerade von einem Wissenschaftler wie Klaus J. Bade hätte man eine entsprechende Fähigkeit zwischen Person und Aussage zu differenzieren, erwartet.

Und vielleicht hätte man auch erwartet, dass sich ein Wissenschaftler wie Bade die Frage stellt, ob es vielleicht gerade Passagen wie die zitierten sind, die das Buch von Sarrazin Absatz finden lassen oder, anders formuliert, was wohl die Ursache dafür ist, dass Klaus J. Bade und über eine Million anderer Leser, sein erstes Buch gekauft haben.

Der folgende Kommentar stammt von Heike Diefenbach, die während ihrer Zeit an der Universität mehrfach mit Klaus J. Bade zu tun hatte. Der Kommentar wurde von MiGAZIN nicht veröffentlicht. Dort ist anscheinend ein Kulturrassismus oder vielleicht besser: ein Jubelrassismus am Werk, der keine kritischen Stimmen zulässt. Folglich veröffentlichen wir den Kommentar auf ScienceFiles.

sciencefiles“Wie immer man auch zu den Thesen von Sarrazin steht und wo immer seine Thesen durch die Realität wiederlegt werden, und so sehr ich Herrn Bades Lebensleistung in Sachen Migrationsforschung schätze und immer geschätzt habe, so muss man sich von dieser Rezension doch sehr betroffen zeigen, wenn es einem um die Sache und nicht um die Ideologie oder das “Bekennertum” für das Eine oder das Andere geht. Und ich bin sehr negativ betroffen von dem Stil, in dem die Rezension verfasst ist und davon, dass man aus ihr eher wenig über das Buch erfährt, dafür aber um so mehr darüber, was Herr Bade von Herrn Sarrazin hält. Man beurteilt ein Buch und die in ihm geäußerten Thesen aber nicht danach, was man von dem Autoren hält – das stellt einen logischen Fehlschluss ad hominem dar und ist schlicht keine anständige und gebildete Form der Auseinandersetzung. So ist es z.B. nicht akzeptabel, jemanden in einer Rezension als Möchtegern-Sozialphilosophen zu betiteln, und wenn man das tut, dürfte man sich nicht wundern, wenn man selbst als Möchtegern-Rezensent bezeichnet würde, denn das Verfassen von Rezensionen ist eine Tätigkeit, die einige Verantwortung bedeutet und daher ihre Regeln hat. Sie dient nicht dazu, die eigene Ablehnung der Person des Autoren zu äußern. Und es ist auch völlig egal, ob Herr Sarrazin “Geld machen” möchte oder nicht; offenbar ist ein Buch, mit dem jemand Geld verdient, stark nachgefragt, und wenn man nicht selbst als beleidigter Polit-Avantgardist gelten will, dann sollte man nicht suggerieren, dass schlecht oder falsch sein muss, was durch die anscheinend dumme Masse nachgefragt wird. Es gibt weiß Gott bessere Argumente gegen Sarrazins Thesen, und Herr Bade hat sie doch auch. Ich verstehe nicht, wie er eine solche ihm unwürdige Rezension verfassen konnte. Als eine langjährige Bewunderin seiner Arbeit bin ich von seinem Text überaus enttäuscht.”

Nachtrag:
Wir wollen unseren Lesern den neuesten Kommentar, selbst wenn (oder gerade weil ?) er etwas schleimig ist, der sich zu Bades Rezension auf MiGAZIN findet, nicht vorenthalten. Er zeigt, dass es nicht darum geht, etwas zu lesen und fair zu behandeln, sondern darum, etwas niedermachen zu können ohne es gelesen zu haben. Die Realität an deutschen Universitäten ist nicht mehr erschreckend, sondern mehr als erschreckend.

Prof. Dr. Birgit Ammann sagt:
26. Februar 2014 um 15:40
Lieber Herr Bade,
vielen herzlichen Dank für diese ausführliche und sorgfältige Rezension!
Wenige Blicke ins Buch, bestätigen zwar den altbekannten Ansatz, vielen von uns fehlt leider die Zeit adäquat auf Herrn Sarrazins neueste Publikation zu reagieren. Gerade auch unseren Studierenden haben wir hiermit etwas zu bieten, was Hand und Fuß hat. Also nochmal allerbesten Dank!

Holtkamps Erzählungen: In Magdeburg ist die Welt noch in Ordnung

Die Ratsherren in Magdeburg werden sich freuen, sind sie doch gerade als letzte aus einem Ranking hervorgegangen, das die Heinrich-Böll-Stiftung finanziert und das Lars Holtkamp und Elke Wiechmann durchgeführt haben.

Fernuni HagenHoltkamp besetzt an der Fernuniversität Hagen einen Lerhstuhl und beschäftigt sich mit Fragen der Kommunalpolitik und der kommunalen Verwaltung. Wiechmann ist seit 2008 akademischer Rat am Lehrstuhl für Politik und Verwaltung von Lars Holtkamp an besagter Fernuniversität Hagen. Beide haben sich seit 2008 zusammengetan, um für die Heinrich-Böll-Stiftung ein Genderanking zu erstellen.

Man kann also getrost feststellen, dass Holtkamp und Wiechmann Wasserträger der Heinrich-Böll-Stiftung sind und am deutschen Genderwerk mitarbeiten. Als Wissenschaftler, der sich mit Kommunalpolitik beschäftigt, wird es Holtmann vielleicht bekannt sein, dass Parteien um so erfolgreicher sind, je mehr lokale Gliederungen sie errichten können. Lokale Gliederungen sind notwendig, um Präsenz vor Ort zu demonstrieren und das Wort zu verbreiten: Damit Unbeteiligte den Eindruck haben, das, was eine bestimmte Partei von sich gibt, sei auch lokal von Relevanz und falle auch lokal auf fruchtbaren Boden.

Black oilMit Ideologien ist es, wenig überraschend, wie mit Parteien. Auch sie bedürfen derjenigen, die das Wort verbreiten, die sich als Wasserträger in den Dienst der großen Sache stellen, sei es die Sache der Bundespartei, sei es die Sache beliebiger Ideologen. Dass es Genderisten in Deutschland gelungen ist, sich in Gremien und Ämtern festzusetzen, dass es gelungen ist, Genderisten auf Kosten von Steuerzahlern zu mästen, sie auf Kosten von Steuerzahlern in Posten zu hieven und sie über die unterschiedlichsten Netzwerke, die kaum jemand mehr überschauen kann, querzufinanzieren, ist der Tatsache zu verdanken, dass es eine Reihe von intellektuellen Wasserträgern gegeben hat und gibt, die die Nachricht der Genderisten: Frauen sind benachteiligt, landauf und landab verkünden und mit der Verkündung einen gewissen Obolus verdienen.

Holtkamp und Wiechmann gehören zu dieser Klasse von Multiplikatoren, die ihre Aufgabe darin sehen, die Gender-Botschaft (vor allem) an den Mann zu bringen. Holtkamp und Wiechmann sind mehr als das. Sie sehen sich als Aufpasser. Aufpasser treten dann auf den Plan, wenn eine Ideologie mit einem totalitären Anspruch sich in einer Gesellschaft festgesetzt hat. Beispiele sind die Politkommissare Lenins und Stalins, die nahezu jeden Lebensbereich penetriert haben, die IMs der ehemaligen DDR sind ein anderes Beispiel, die Wasserträger des Genderismus sind das jüngste Beispiel.

Aufpasser wachen darüber, dass die heiligen Worte der Gender-Botschaft auch auf den Buchstaben genau umgesetzt werden und wenn sie es nicht werden, dann sind es die Aufpasser, die eine Hierarchie der Eskalation begründen, die je nachdem, wie etabliert die entsprechende Ideologie bereits ist und je nachdem, wie totalitär ihre Herrschaftsmethoden bereits sind, vom öffentlichen Anprangern, über öffentliche Sanktionen bis hin zu rigideren Maßnahmen reichen.

Um dieses Zusammenspiel zu verdeutlichen, muss man sich nur daran erinnern, dass die Bundesregierung in ihrer “Nationalen Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung” die Möglichkeit vorsieht, Unternehmen, die sich nicht an die entsprechenden Vorgaben der so genannten Corporate Social Responsibilty halten, von öffentlichen Ausschreibungen auszuschließen. Natürlich ist das Ganze harmloser formuliert: “Die Bundesregierung wird das Kriterium der Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung festigen und weiterentwickeln. Mit der im Gesetz zur Modernisierung des Vergaberechts (2009) geschaffenen Neuregelung können öffentliche Auftraggeber zusätzliche Anforderungen in sozialer und ökologischer Hinsicht an Auftragnehmer stellen, wenn diese in sachlichem Zusammenhang mit dem Auftragsgegenstand stehen” (31). Ob man bald nur noch öffentliche Aufträge erhält, wenn z.B. die Frauenquote eingehalten ist?

Zu Durchsetzung einer Ideologie, die einen totalen Geltungsanspruch hat und keinerlei Toleranz oder Akzeptanz für Abweichung aufbringt, sind Aufpasser entsprechend wichtig. Holtkamp und Wiechmann sind solche Aufpasser. Sie verteilen Fleißkärtchen an die Guten und keine Fleißkärtchen an die nicht-Guten, und zwar im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung.

In diesem Sinne haben die beiden das Genderranking 2013 veröffentlicht, und zwar zu einem idealen Zeitpunkt, wie Sabine Drews, Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung bei der Heinrich-Böll-Stiftung feststellt, finden doch 2014 eine Reihe von Kommunalwahlen statt, die genutzt werden können, “um die Gleichstellung bei kommunalen Mandaten voranzubringen”.

HBS_logo_de_390x53Totalitäre Ideologien wie der Genderismus haben noch ein weiteres Merkmal, das sie eindeutig identifiziert: Sie verkünden das Heil und begründen nichts. Der Anteil der Frauen in kommunalen Ämtern hat dem der Männer zu entsprechen oder ihn zu übertreffen. Warum? Ja, warum? Weil die Genderisten es so wollen? Weil am weiblichen Wesen kommunale Finanzen genesen sollen? Weil es an sich gut ist, wenn Frauen überall beteiligt sind? Niemand weiß es. Niemand hat sich bislang dafür interessiert, welchen Nutzen ein höherer Frauenanteil für kommunale Politik bringt: Sind Kommunen mit mehr Frauen in Ratssesseln höher oder weniger verschuldet? Geht mit einem steigenden Frauenanteil eine schlechtere oder bessere Kommunalpolitik einher? Niemand weiß es und niemand interessiert sich dafür, denn es geht darum, die fixe Idee der Genderisten in die Tat umzusetzen.

Nicht einmal Wissenschaftler, die Holtkampf und Wiechmann doch sein wollen, interessieren sich für das Warum. Sie tun brav und artig, was ihnen aufgetragen wurde, sammeln den Frauenanteil für 79 Kommunen und erstellen ein Ranking. Wozu erstellen sie dieses Ranking, wenn sich damit keinerlei fassbarer, empirischer Nutzen verbinden lässt? Die Antwort ist eindeutig: Das Ranking hat eine Prangerfunktion. Die, die von der Vorgabe der heiligen Genderschrift abweichen, sollen öffentlich gemacht und bloßgestellt werden. Die beiden Wissenschaftler von der Fernuni Hagen finden offensichtlich nichts dabei, sich am Gendertreiben zu beteiligen und dafür alle Werte, die Wissenschaft auszeichnen, sei es die theoretische Fundierung, sei es die empirische Relevanz, die letztlich Erkenntnisgewinn ist, zu verleugnen.

Und sie sehen sich nicht nur als Aufpasser, sie machen sich auch zum Richter über die Städte, für die sie nichts anderes erhoben haben, als die Anzahl von Frauen in kommunalen Ämtern:

“Siegerin in unserem aktuellen Genderranking ist die Stadt Trier. 2008 lag die Stadt noch auf Platz 47 im ersten Genderranking. Nun sind 45,5% Frauen im Trierer Stadtrat vertreten. Das liegt insbesondere daran, dass die SPD und die Grünen ihre Frauenquoten übererfüllen. Auch in den Spitzen dominiert die Geschlechterparität. So sind 50% der Fraktionsvorsitzenden und sogar zwei Drittel der Dezernent/innen weiblich. Die Klassenletzte des dritten Rankings ist die Stadt Magdeburg. Hier sind Frauen in Führungspositionen eine Rarität. Alle Beigeordneten sind hier Männer, alle Fraktionsvorsitzenden sind Männer, und auch die 13 Ausschussvorsitze werden mit 12 Männern und lediglich einer Frau besetzt. Selbst der Vorsitz und der stellvertretende Vorsitz des Ratsausschusses für Familie und Gleichstellung werden von Männern bekleidet. Von modernen Gleichstellungsnormen sind die lokalen Parteien in Magdeburg also noch weit entfernt” (11-12).

Inhaber wissenschaftlicher Positionen sind sich wieder einmal nicht zu schade dafür, die ideologische Drecksarbeit zu machen. Sie sind wieder einmal in erster Reihe, wenn es darum geht, Bewertungen ohne jegliche empirische, dafür aber mit ideologischer Relevanz zu machen. Sie verkünden die frohe Botschaft der Parität von Männlein und Weiblein, von der Wissenschaftler doch angeben können sollten, wofür sie überhaupt gut ist und welchen Nutzen sie z.B. einer Kommune zu bringen im Stande ist, und merken dabei nicht einmal, dass die Parität dann, wenn zwei Drittel der Dezernenten weiblich sind, durchaus nicht eingehalten ist.

Ja, wenn man sich wie Holtkamp und Wiechmann in höherem Auftrag ereifert und nicht in so bodenständigen Angelegenheiten wie wissenschaftlicher Methode oder empirischem Nutzen unterwegs ist, dann merkt man nicht einmal, dass es auch kein Indiz für eine moderne Gleichstellunsgnorm wäre, wenn Frauen den Vorsitz des Ratsausschusses für Familie und Gleichstellung in Magdeburg besetzen würden. Das wäre eher Ausdruck einer doch gänzlich traditionellen Gleichstellungsnorm, aber es wäre im Einklang mit den Genderismus, denn der ist in keiner Weise modern, so wenig modern, wie es die totalitären Systeme vor ihm waren.

MagdeburgInhaber wissenschaftlicher Positionen verteilen Noten und Bewertungen in unglaublich arroganter und gänzlich undemokratischer Manier, denn ein Mandat dafür, ein Genderanking zu erstellen, haben sie ebensowenig wie sie eine Begründung dafür vorweisen können, warum ein höherer Anteil von Frauen in kommunalen Spitzenpositionen einen Nutzen für die davon betroffene Stadt haben soll. Aber so ist das eben mit Ideologen: Sie haben eine Sendung, einen Auftrag, keine Gründe. Sie verkünden das Gute und welcher Nutzen damit einhergeht, nun, das ist eine Frage, auf die sie in ihrem Sendungsbewusstsein bislang noch nicht gestoßen sind. Aber selbst wenn Holtkamp und Wiechmann darauf gestoßen wären, hätten sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht thematisiert, warum? Prostituierte wenden sich ja auch nicht gegen Freier… Aber vielleicht hätte sie der fehlende Nutzen auch gar nicht gestört, nämlich dann nicht, wenn bei Ihnen die Gesinnung an die Stelle wissenschaftlicher Lauterkeit getreten ist.

Die Top-Ten des invertierten Genderranking sieht übrigens wie folgt aus:

  1. Magedeburg
  2. Duisburg
  3. Recklinghausen
  4. Mönchengladbach
  5. Bergisch-Gladbach
  6. Krefeld
  7. Regensburg
  8. Göttingen
  9. Solingen
  10. Salzgitter