Linke endemische Dummheit

Zwei scheinbar unverbundene Ereignisse des gestrigen Tages haben uns wieder einmal zu einer Frage geführt, bei der wir uns regelmäßig finden, wenn wir versuchen, Sinn aus bestimmten Ereignissen zu machen. Die Frage lautet: Kann man so dumm sein?

Das erste Ereignis ist ein Satz, der sich in einem Coursebook der University of Gloucestershire findet und lautet: “change means uncertainty”. Es ist dies ein Satz, der stutzig macht – oder? Das nächste Ereignis findet sich auf Facebook, wo wir gestern einem Kommentatoren begegnet sind, dessen eigene Überzeugung einerseits fragil ist, anderseits mit einem Persönlichkeitssystem verbunden ist, das keinerlei Zweifel zulässt, so dass er sich letztlich um Kopf und Kragen redet ohne es zu merken. Beides hat uns letztlich zu der Frage geführt, die wir eingangs gestellt haben.

Peoples_Dice_of_EqualityBeginnen wir mit dem Wandel, der Unsicherheit bedeutet. Gibt es wirklich Menschen, die glauben, Wandel sei nicht mit Unsicherheit verbunden, so dass man die Verbindung betonen muss? Ein einfacher Gedanke zeigt, dass Wandel immer Unsicherheit sein muss, denn Wandel ist auf die Zukunft gerichtet und bislang ist es noch niemandem gelungen, zum einen in die Zukunft zu blicken und zum anderen das, was er gesehen hat, zu kontrollieren.

Beide Illusionen, die Illusion der Planbarkeit der Zukunft ebenso wie die Illusion der Kontrolle der Ereignisse halten sich jedoch hartnäckig, ja sind weit verbreitet. Die Ideologie der Linken, der Sozialismus basiert ausschließlich auf diesen beiden Illusionen, ein Umstand, den Karl Popper in seiner offenen Gesellschaft  thematisiert hat, und zwar im Hinblick auf die mehr als naive Lehre des historischen Materialismus, jenes vermeintlich evolutionären Gesetzes, das Karl Marx aufgestellt hat, um die Weltgeschichte zu erklären und dessen einzige Variablen jeweils zwei antagonistische Klassen sind.

Friedrich A. Hayek hat in seiner Road to Serfdom gezeigt, dass Sozialismus unausweichlich in den totalen Staat führt, und zwar u.a. deshalb, weil Planung weitere Planung erforderlich macht und weil Sozialismus zur Folge hat, dass privates Engagement, das allein wirtschaftlichen Fortschritt hervorbringen kann, in all der Planung erdrosselt wird. Ludwig von Mises hat schließlich gezeigt, dass auch eine Politik, die “midlle-of-the-road” ist und die nur Zugeständnisse an sozialistische Planung macht, in den totalitären Staat führen muss, eben weil niemand in die Zukunft sehen kann, nicht einmal Sozialisten.

Road to serfdom

Schnellkurs durch die Road to Serfdom

Dennoch planen und wurschteln Sozialisten am täglichen Alltag von Gesellschaften herum. Dennoch laufen ihre Chefideologen durch die Welt und behaupten, ein Allheilrezept für gesellschaftliche Probleme zu kennen. Und da sind wir wieder bei der Frage: Kann man so dumm sein? Gibt es wirklich Menschen, die glauben wollen, linke Politiker, also alle Politiker die umfassende planerische Eingriffe in die Gesellschaft vornehmen wollen, sei es durch einen Eingriff in die Märkte, sei es durch Vorgabe der vermeintlich richtigen Lebensweise, sei es durch die Schaffung kollektiver Zwangssysteme wie Renten- und Krankenversicherung, seien tatsächlich in der Lage, die Zukunft in ihrem Sinne zu gestalten, linke Politiker seien in der Lage, unbeabsichtigte Folgen der entsprechenden Planung, und unvorhersehbare Ereignisse, die die gewünschten Planungsergebnisse beeinflussen, auszuschließen?

Jeder, der schon eimal geplant hat, einen ungestörten Abend im eigenen Wohnzimmer zu verleben und dennoch nur den Krach aus der Nachbarwohnung genießen konnte, weiß um der Dinge, die sich außerhalb seiner Kontrolle befinden. Jeder, der schon einmal geplant hat, im Lotto zu gewinnen, weiß um die Wirkung von Wahrscheinlichkeit, die letztlich den Erfolg seiner Planung beeinflusst. Dennoch sind viele nicht in der Lage, die entsprechenden Erfahrungen auf die Planungsversprechen von Politikern zu übertragen und dieselben als entweder Unsinn oder glatte Lüge zu entlarven. Kann man so dumm sein?

Oder ist die Dummheit ein Ergebnis von glauben-wollen, ein Ergebnis einer fragilen Persönlichkeit, die nach Sicherheit im Leben Ausschau hält, weil sie den Wandel, der schon Heraklit entnervt hat, nicht ertragen kann, einer Persönlichkeit, die jeden Ast greift, der ihr mit dem Versprechen von Sicherheit hingehalten wird, um nicht im Meer der Unsicherheit selbst schwimmen zu müssen?

Gestern sind wir auf Facebook einem Kommentatoren begegnet, der es nicht ertragen kann, dass Heike Diefenbach auf eine Petition hinweist, die zum Widerstand gegen die Tötungs-Pläne des Jyllands Park Zoos aufruft. Die Verantwortlichen des Zoos haben bereits damit Schlagzeilen gemacht, dass sie eine Giraffe getötet haben. Nunmehr wollen sie eine zweite 7jährige Giraffe töten, weil das Tier ein männliches Tier ist und einem weiblichen Tier Platz machen soll. Wir wollen an dieser Stelle überhaupt keine moralischen Fragen aufwerfen, sondern fragen, warum jemand einen bloßen Hinweis bereits als Gefährdung der eigenen fragilen Persönlichkeit auffasst.

GiraffeDie Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Heike Diefenbach hat die geplante Tötung als Mord bezeichnet und tatsächlich erfüllt die Tötung alle Indikatoren eines Mordes: Sie ist geplant, also intentional, sie basiert auf Kalkulation, denn die eine männliche Giraffe wird getötet um einer anderen weiblichen Giraffe Platz zu machen. Diese Bezeichnung “Mord” für die Tötung eines Tieres missfällt unserem Kommentatoren, dessen geistige Welt auf der angenommen Überlegenheit von Menschen über Tieren basiert. Aus dieser Überlegenheit wird dann das Recht abgeleitet, über andere Lebewesen bzw. das Leben anderer Lebewesen frei verfügen zu können. Abermals könnte man eine moralische Diskussion anfangen, abermals wollen wir keine moralischen Argumente machen, lediglich auf die Bedeutung dieser Annahme eigener Überlegenheit hinweisen.

Diese Prämisse ist der Fels im eigenen Leben, der das eigene Handeln legitimiert und letztlich auch planbar macht. Legitimiert wird z.B. unbewusster Fleischkonsum, planbar wird der eigene Umgang mit anderen Lebewesen und planbar werden die Erwartungen, die an den Umgang anderer mit anderen Lebewesen gestellt werden. Und dann kommt Heike Diefenbach, nimmt sich die Freiheit eigener Gedanken und bezeichnet die geplante Tötung einer Giraffe als Mord. Das bringt offensichtlich alle Sicherheit und Planbarkeit, alles System im Leben unseres Kommentatoren zum Einsturz, und deshalb er man sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass sich hier ein Wandel, z.B. in der Behandlung anderer Lebewesen einstellt oder ankündigt.

Hier nun ist die Verbindung zur Unfähigkeit vieler Linker einzusehen, dass man die Zukunft nicht planen kann, dass es bestenfalls möglich ist, eine Absicht für die Planung der Zukunft zu formulieren und mit einiger Wahrscheinlichkeit zu hoffen, dass die Absicht vielleicht umgesetzt werden kann. Diese einfach Wahrheit ist für fragile Persönlichkeiten erschreckend. Die Vorstellung, man könne nicht planen, müsse sich täglich aufs Neue auf die Umstände einstellen, die einem begegnen, scheinen nicht nur der Lebenspraxis zu widersprechen, sondern auch zu selbst-gefährlich, um überhaupt erwogen zu werden.

Offene GesellschaftUnd dennoch ist es so. Denn auch die Sicherheit und Planung im täglichen Leben ist häufig eine Illusion. Wie oft ist die Planung, zur Arbeit zu fahren, gescheitert, weil die S-Bahn nicht gekommen ist? Wie oft ist die Planung, einen heißen Kaffee zum Frühstück zu trinken, gescheitert, weil der Kaffee leer war, weil der Strom ausgefallen ist oder weil man vergessen hat, Wasser aufzusetzen? Die Sicherheit im eigenen Leben resultiert zum großen Teil daraus, dass wir uns entscheiden, all die kleinen Dinge, die täglich nicht klappen, die sich unserer Planung entziehen oder der akribischen Planung ein Schnippchen schlagen, zu ignorieren.

Diese Entscheidung hat praktische Gründe, denn sie erleichtert das tägliche Leben, sie wird aber da, wo es um Fragen geht, die über den individuellen Lebensbereich hinausreichen, gefährlich, denn die Anzahl der möglichen intervenierenden Variablen ist einfach zu groß, als dass man noch von erfolgreicher Planung ausgehen könnte. Dennoch haben viele ein Befürfnis, von dieser Sicherheit auszugehen. Mit diesem Bedürfnis spielen Politiker, die planen und regeln wollen, deren psychologische Sicherheit es erfordert, andere zu bevormunden.

So erklären wir uns die Attraktivität linker Ideologien. Rational betrachtet, sind linke Ideologien eine Ansammlung von Unsinnigkeiten und empirischen Unmöglichkeiten. Aber sie gaukeln Menschen, die nach Sicherheit suchen, Sicherheit vor. Sie geben manchen Menschen den festen Sinn im Leben, den sie selbst so vergeblich gesucht haben. Sie stellen in einer vermeintlich säkularen Gesellschaft den Halt bereit, den im Mittelalter die katholische Kirche mit ihren Lehren und Mythen bereitgestellt hat.

Somit lässt sich unsere eingangs gestellte Frage nunmehr beantworten: Kann man so dumm sein? Ja, man kann. Und die entsprechende Dummheit ist das Ergebnis einer Unwilligkeit (und vielleicht auch einer Unfähigkeit), die sich ständig wandelnde Welt als solche, eben sich ständig wandelnde Welt anzunehmen. Sie entspringt dem Bedürfnis nach Stabilität und nach Planbarkeit des eigenen Lebens und der Zukunft. Linke Parteien befriedigen dieses Bedürfnis dadurch, dass sie unhaltbare Behauptungen über die Planbarkeit des eigenen Lebens und der Zukunft aufstellen und im Meer der Sicherheitsbedürftigen fischen.

Unsere Erklärung steht im Gegensatz zu nahezu allen Erklärungen, die die Politikwissenschaft für z.B. die Wahlentscheidung oder Parteibindung anbietet. Sie steht auch im Gegensatz zu Erklärungen, die eine rationale Wahl zur Grundlage von Entscheidungen machen. Am ehesten lässt sie sich mit den Ergebnissen von Tversky und Kahneman vereinbaren, die gezeigt haben, dass Menschen falsche Heuristiken benutzen, um sich durch ihr Leben zu schlagen.

Dass wir unsere Darstellung auf linke Dummheit bezogen haben, heißt nicht, dass es rechts keine Dummheit gibt. Dazu mehr in einem der nächsten Posts. Nur so viel: Linke Dummheit scheint sich von rechter Dummheit darin zu unterscheiden, dass Erstere nach außen gerichtet ist, während Letztere nach innen gerichtet ist. Was das letztlich bedeutet, das zeigen wird demnächst.

©ScienceFiles, 2014

Mindestlohn und Frauenquote: Gegen alle Ratio mit Volldampf in den Sozialismus

KoalitionsvertragZwei zentrale Ziele, die der Koalitionsvertrag zwischen den beiden sozialistischen Parteien vorsieht, die sich zu einer großen Koalition zusammengefunden haben, haben die Einführung einer Frauenquote für Aufsichtsräte und die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns zum Gegenstand. Und ist das nicht schön zu wissen, man hat es mit einer Regierung zu tun, die kein Problem damit hat, allen ökonomischen und allen menschlichen Sachverstand über Bord zu werfen und Ziele zu vereinbaren, die vorhersehbar ins Planungschaos, also den Sozialismus und das ihm regelmäßig folgende Elend führen?

Doch der Reihe nach.

Zunächst zum Mindestlohn. Mit dem Mindestlohn verbinden sich hehre Ziele. Legionen von Gutmenschen sehen im Mindestlohn ein Mittel, um den Armen, Ausgebeuteten, also jenen Anderen, von denen man nur vom Hörensagen weiß, dass sie nachts die Büros säubern, die man tagsüber bevölkert oder von denen man gehört hat, dass sie Hilfsarbeiten für geringen Lohn ausführen, ZU HELFEN. Wie gut man sich doch als Helfer fühlen kann, als moralisch Überlegener, der einen Schattenkampf gegen die ausbeutende Klasse der Bonzen führt.

Soweit die Intention, nun zur Wirkung.

Ein Mindeslohn trägt zu einem rigiden Arbeitsmarkt bei, und rigide Arbeitsmärkte, das ist unter Ökonomen schon seit mittlerweile Jahrhunderten bekannt und eigentlich so hinreichend belegt, dass es selbst Politiker schon einmal gehört haben könnten, rigide Arbeitsmärkte produzieren hohe Langzeitarbeitslosigkeit und hohe Einstiegshürden in Jobs für weniger bis schlecht qualifizierte Arbeitnehmer, also für diejenigen, auf die ein Mindeslohn zielt. Mit anderen Worten, rigide Arbeitsmärkte reduzieren die Chancen von Personen, die nur ein geringes Gehalt mit ihrer Qualifikation erzielen können, überhaupt eine Beschäftigung zu erhalten.

minimum-wageDas ist auch einsichtig, denn Unternehmen sind geschlossene Systeme, die auf der einen Seite Einnahmen haben und auf der anderen Seite Ausgaben. Wenn man ihnen nunmehr an einer Stelle höhere Ausgaben auferlegt, dann stellt sich das Nullsummenspiel so dar, dass, um die Einnahmen gleich zu halten, entweder die Preise erhöht werden müssen oder die höheren Ausgaben an anderer Stelle eingespart werden müssen. Höhere Preise führen dazu, dass letztlich Endabnehmer die Kosten eines Mindestlohns tragen. Einsparungen bei Ausgaben erzielt man am besten dadurch, dass man die Anzahl der nunmehr zu einem Mindestlohn Arbeitenden so reduziert, dass eine geringere Anzahl zu Mindestlöhnen Beschäftigter die Kosten verursacht, die zuvor eine größere Anzahl nicht zu Mindestlöhnen Beschäftigter verursacht hat.

Aber die Arbeit, wer soll die Arbeit der nunmehr nicht mehr Beschäftigten erledigen? Auch hierzu ist die Forschung voller Ergebnisse, die man nur zur Kenntnis nehmen muss, und die man unter den Überschriften “Technologisierung” oder “Neustrukturierung der Arbeit” zusammenfassen kann. In ersterem Fall wird ein Unternehmen versuchen, die zuvor von Beschäftigten, die unter dem Mindestlohn bezahlt wurden, verrichtete Arbeit nunmehr durch den Einsatz von Technologien durch weniger Personal ausführen zu lassen, und Personal einsparen, im zweiten Fall wird die anfallende Arbeit unter den verbliebenen Arbeitnehmern neu verteilt.

Und in jedem Fall wird sich durch die Einführung eines Mindestlohns, die Chance auf eine Beschäftigung für gering Qualifizierte verringern. All das ist lange bekannt, wird aber von Politikern hartnäckig ignoriert, denn man will als guter Helfer der Armen dastehen, und das Perfide daran ist, dass die Helfer der Armen mit ihrer Hilfe einige Arme besser stellen werden, nämlich die, die nunmehr zum Mindestlohn beschäftigt werden, während andere Arme, die Zeche der politischen Hilfe zahlen, und zwar dadurch, dass sie arbeitslos werden und für die Zukunft auf erheblich schlechtere Beschäftigungschancen blicken. Es lebe die Gleichheit!

In einer Pressemeldung des Instituts der deutschen Wirtschaft, auf die uns ein Leser hingewiesen hat, wird zudem argumentiert, dass ein Mindeslohn zu steigenden Lohnerwartungen führt. Angesichts der bekannten negativen Folgen, die ein Mindestlohn hat (siehe oben), scheint dieses Problem jedoch fast vernachlässigbar zu sein, denn Erwartungen sind nicht in Stein gemeiselt.

Wer Lust hat, sich in die Forschung zum Mindeslohn einzulesen, der kann dies mit den folgenden Arbeiten tun:

  1. Wirtschaft f DummiesAbowd, John M., Kramarz, Francis & Margolis, David N., 1999: Minimum Wages and Employment in France and the United States. Washington: National Bureau of Economic Research (NBER), Working Paper No. 6996.
  2. Baker, Michael, Dwayne, Benjamin & Shuchita, Stanger, 1999: The Highs and Lows of the Minimum Wage Effect: A Time-Series Cross-Section Study of the Canadian Law. Journal of Labor Economics 17, 2: 318-350.
  3. Bauer, Thomas K., Kluve, Jochen, Schaffner, Sandra & Schmidt, Christoph M., 2009: Fiscal Effects of Minimum Wages: An Analysis for Germany. German Economic Review 10, 2: 224-242.
  4. Bellante, Don, 2007: The Non Sequitur in the Revival of Monopsony Theory. Quarterly Journal of Austrian Economics 10, 2: 15-24.
  5. Brown, Charles, 1999: Minimum Wages, Employment and the Distribution of Income. In: Ashenfelter, Orley & Card, David E. (eds.): Handbook of Labor Economics. Amsterdam: Elsevier, 2101-2163.
  6. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 2000: A Reassessment of the New Economics of the Minimum Wage Literature With Monthly Data from the Current Population Survey. Journal of Labor Economics 18, 4: 653-680.
  7. Burkhauser, Richard V., Couch, Kenneth A. & Wittenburg, David C., 1996: ‚Who Gets What’ From Minimum Wage Hikes: A Re=Examination of Card and Krueger’s Distributional Analysis in Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Industrial and Labor Relations Review 49, 3: 547-552.
  8. Card, David & Krueger, Alan B., 1995: Myth and Measurement: The New Economics of the Minimum Wage. Princeton: Princeton University Press
  9. Card, David & Krueger, Alan B., 1995a: Time-Series Minimum-Wage Studies: A Meta-analysis. American Economic Review 85, 2: 238-243.
  10. Dolado, Juan, Kramarz, Francis, Machin, Stephen, Manning, Alan, Margolis, David, Teulings, Coen, Saint-Paul, Gilles & Keen, Michael, 1996: The Economic Impact of Minimum Wages in Europe. Economic Policy 11, 23: 317-372.
  11. Fitzenberger, Bernd, 2008: Anmerkungen zur Mindestlohndebatte: Elastizitäten, Strukturparameter und Topfschlagen. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 42, 1: 85-92.
  12. Fitzenberger, Bernd & Kohn, Karsten, 2006: Skill Wage Premia, Employment and Cohort Effects: Are Workers in Germany All of the Same Type. Bonn: Institute for the Study of Labour, IZA DP No. 2185.
  13. Franz, Wolfgang, 2007: Der trügerische Charme des Mindestlohns. Zeitschrift für Arbeitsmarktforschung 4: 431-438.
  14. Galindo-Rueda, Fernando & Pereira, Sonia, 2004: The Impact of the National Minimum Wage on British Firms. Final Report of the Low Pay Commission on the Econometric Evidence From the Annual Respondents Database. London: London School of Economics.
  15. Hammermesh, Daniel, 1995: ‚Myth and Measurement:’ The New Economics of the Minimum Wage. Comment. Industrial and Labor Relations Review 48, 4: 830-834.
  16. Kim, Taeil & Taylor, Lowell J., 1995: The Employment Effect in Retail Trade of California’s 1988 Minimum Wage Increase. Journal of Business and Economic Statistics 13, 2: 175-182.
  17. Leigh, Andrew, 2007: Does Raising the Minimum Wage Help the Poor? Economic Record 83, 263: 432-445.
  18. Machin, Stephen, Manning, Alan & Rahman, Lupin, 2003: Where the Minimum Wage Bites Hard: Introduction of Minimum Wages to a Low Wage Sector. Journal of the European Economic Association 1, 1: 154-180.
  19. Machin, Stephen & Wilson, Joan, 2004: Minimum Wages in a Low-Wage Labour Market: Care Homes in the UK.. Economic Journal 114, 494: C102-C109.
  20. Manning, Alan, 2003: Monopsony in Motion: Imperfect Competition in Labor Markets. Princeton: Princeton University Press.
  21. Metcalf, David, 1999: The Low Pay Commission and the National Minimum Wage. Economic Journal 109 (453): F46-F66.
  22. Müller, Kai-Uwe & Steiner, Viktor, 2009: Labor Market and Income Effects of a Legal Minimum Wage – A Microsimulation Study for Germany. Paper proposed for the IZA Conference “The Economics of the Minimum Wage” Berlin, June 21-23, 2009.
  23. Neumark, David, 2001: The Employment Effects of Minimum Wages: Evidence from a Prespecified Research Design. Industrial Relations 40, 1: 121-144.
  24. Neumark, David, Schweitzer, Mark E. & Wascher, William, 2005: The Effects of Minimum Wages on the Distribution of Family Incomes: A Nonparametric Analysis. Journal of Human Resources 40, 4: 867-894.
  25. Neumark, David & Wascher, William, 2007: Minimum Wages and Employment. IZA Discussion Paper No. 2570. Bonn: Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit/Institute for the Study of Labour (IZA).
  26. Neumark, David & Wascher, William, 2002: Do Minimum Wages Fight Poverty? Economic Inquiry 40, 3: 315-333.
  27. Neumark, David & Wascher, William, 1994: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages. Reply to Card, Katz and Krueger. Industrial and Labor Relations Review 47, 3: 497-512.
  28. Neumark, David & Wascher, William, 1992: Employment Effects of Minimum and Subminimum Wages: Panel Data on State Minimum Wage Laws. Industrial and Labor Relations Review 46, 1: 55-81.
  29. Nickell, Stephen, 1997: Unemployment and Labor Market Rigidities: Europe versus North America. Journal of Economic Perspectives 11 (3): 55-74.
  30. Nickell, Stephen & Bell, Brian, 1995: The Collapse in Demand For the Unskilled and Unemployment Across the OECD. Oxford Review of Economic Policy 11, 1: 40-62.
  31. Nickell, Stephen, Nunziata, Luca & Ochel, Wolfgang, 2005: Unemployment in the OECD Since the 1960s. What Do We Know? Economic Journal 115: 1-27.
  32. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2008: Beschäftigungswirkungen von Mindestlöhnen – eine Erläuterung zu den Berechnungen des ifo Instituts. ifo Schnelldienst 61, 1: 16-20.
  33. Ragnitz, Joachim & Thum, Marcel, 2007: Zur Einführung von Mindestlöhnen: Empirische Relevanz des Niedriglohnsektors. Ifo Schnelldienst 60, 10: 33-35.
  34. Scarpetta, Stefano, 1997: Assessing the Role of the Labour Market Policies and Institutional Settings on Unemployment: A Cross-Country Study. OECD  Economic Studies 26: 43-96.
  35. Spriggs, William E. & Klein, Bruce W., 1994: Raising the Floor: The Effect of the Minimum Wage on Low-Wage Workers. Washington: Economic Policy Institute.
  36. Straubhaar, Thomas, 1996: Schutzzoll auf Arbeit – das neue Gesicht des Protektionismus. List Forum 3: 209-221.
  37. Yelowitz, Aaron S., 2005: How Did the $8.50 Citywide Minimum Wage Affect the Santa Fe Labor Market. Washington: Employment Policies Institute.

Die Frauenquote in Aufsichtsräten, die die SPD als einen ihrer wichtigsten Punkte in die Verhandlungen zur Großen Koalition eingebracht hat, ist ein weiterer Stechschritt in den Sozialismus. Ich will hier nicht noch einmal all die wissenschaftlichen Belege zusammentragen, die zeigen, dass eine Frauenquote in Aufsichtsräten sich negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung der zur Quote gezwungenen Unternehmen auswirkt. Ich habe dies in der Vergangenheit umfassend getan und keine Lust, mich zu wiederholen. Ich halte es vielmehr mit Schopenhauer und verweise, die an Argumenten gegen eine Frauenquote Interessierten auf den grundlegenden Text, der als Written Evidence an das House of Lords (S.106-111) geschickt wurde bzw. auf dessen deutsche Übersetzung:

Eine Frauenquote ist rational nicht begründbar.

arbeiterIch will vielmehr ein wenig Nostalgie betreiben, SPD-Nostalgie. Die SPD, das werden jüngere Leser nicht mehr wissen, war nämlich nicht immer eine Partei der Lehrer, Juristen, Studeinabbrecher und Staatsfeministen, nein, die SPD ist als Arbeiterpartei gestartet und hatte entsprechend Anliegen von Arbeitern zumindest kurzzeitig auf der Rechnung. Von diesen Anliegen hat sich die SPD über die Jahre immer weiter entfernt. Bereits 1914 ist sie durch ihre Zustimmung zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs zur staatstragenden Partei geworden und in der Folge, vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich die ehemalige Arbeiterpartei zu einer Versammlung pseudo-intellektueller Gutmenschen entwickelt, deren derzeit wichtigstes Ziele in der Fortpflanzung und Förderung von Frauen aus der Mittelschicht besteht.

Arbeiterfrauen und Arbeiter als solche, sind der derzeitigen SPD-Führung nur als diejenigen bekannt, die beim Italiener die Lasagne al forno bringen oder bei Abercombi und Fitch oder bei Dallmayr an der Kasse sitzen bzw. bedienen. Und Arbeiter, gering qualifizierte Arbeiter, sind diejenigen, die die SPD-Spitzenverdiener – zumeist ohne ausgeübten Beruf -, nunmehr in die Arbeitslosigkeit schicken, weil die Symbolik des Mindestlohns wichtiger ist als alle wissenschaftliche Erkenntnis in diesem Bereich.

Die SPD ist zu einer Partei geworden, die die partikularen Interessen von Frauen aus der Mittelschicht bedient, solchen, die sich Hoffnungn machen, über Gewerkschaftssitze oder über Parteikarrieren nunmehr und auf Teilzeit in Aufsichtsräte zu kommen. Für sie wird eigens eine Frauenquote beschlossen, um ihnen ein Nutznießen auf Kosten aller anderen zu ermöglichen. Klarer als durch die Forderung nach einer Mittelschichts-Frauenquote in Aufsichtsräten kann man es als Partei nicht mehr machen, wessen Diener man geworden ist und wessen Interessen man nicht vertritt. Und entsprechend sollte langsam ein #Aufschrei durch die arbeitende Bevölkerung gehen, wenn sich Mitglieder der SPD hinstellen und sich als Arbeitervertreter ausgeben.

Und die CDU? Nun, die CDU hat sich auf beide Deals eingelassen und sich somit von ihrem ökonomischen Sachverstand, den sie noch unter Kohl von Wählern attestiert bekommen hat, verabschiedet. Das deutsche Parteiensystem entwickelt sich mehr und mehr zu einem zentripetalen Parteiensystem, wie es Anthony Downs beschrieben hat, Parteien werden in seinem Bild zu Waschmittelverkäufern, die denselben Inhalt in unterschiedlichen Verpackungen verkaufen. Und der gleiche Inhalt besteht aus dem Giftpulver des Sozialismus, das es bislang noch immer geschafft hat, gesunde Ökonomien und florierende Gesellschaften über kurz oder lang zu zerstören.

Feminismus und Sozialismus – zwei Auswüchse derselben Geisteshaltung

Gestern hat George Reisman auf “Mises.Org” in brillianter Weise gezeigt, warum Nazi-Deutschland ein sozialistischer Staat war und warum Sozialismus in jeder Form eine totalitäre Diktatur benötigt. Reisman analysiert aus ökonomischer Perspektive und entsprechend kommt bei ihm die soziologische und die sozialpsychologische Perspektive zu kurz bzw. nicht vor.

Wir wollen seine Ausführungen heute zum Anlass nehmen, um zu zeigen, dass der totalitäre Kern von Sozialismus keine Folge einer Entwicklung ist, die einsetzt, nachdem der Sozialismus an die Macht gekommen ist, sondern auf der Geisteshaltung basiert, die Sozialismus trägt, auf dem Weltbild der Sozialisten. Mehr noch, wir werden zeigen, dass das Weltbild der Sozialisten mit dem Weltbild der Feministen identisch ist, und entsprechend beide Heilslehren dieselbe Konsequenz haben: Totalitarismus.

eat the richAusgangspunkt unserer Analyse ist die Psyche und das Menschenbild derer, die Sozialismus und Feminismus unterstützen, beidem anhängen. Sie gehen zunächst von einer Einteilung der Welt in zwei antagonistische Gruppen aus, nämlich die Besitzer der Produktionsmittel und die Produktivkräfte, oder die Bonzen und die ausgebeuteten Arbeiter in der geistigen Welt der Sozialisten und die bösen Patricharchen und ihre weiblichen und männlichen Opfer in der feministischen Variante von Sozialismus.

In beiden Fällen sind die phantasierten Großgruppen exklusiv, will heißen, eine Produktivkraft kann nicht Besitzer von Produktionsmitteln werden und ein weibliches oder männliches Opfer kann nicht böser Patriarch werden. In beiden Fällen sind askriptive Merkmale so determinierend, dass es auf den ersten Blick kein Entrinnen gibt: Wer als Arbeiter geboren ist, hat keine Chance, sein Leben in die Hand zu nehmen und die Regeln selbst zu setzen, nach denen er spielen will. Wer als weibliches oder männliches Opfer geboren ist, bleibt Opfer, kann nichts aus seinem Leben machen.

DGB BundesvorstandEs sei denn, die Avantgarde der Arbeiterschaft oder die Vordenker des Feminismus bekommen ihren Willen. Sowohl die sozialistische als auch die feministische Avantgarde besteht aus erleuchteten Personen, aus einer Art Hohepriester, die zwar geistig zur Klasse der Unterdrückten gehören, aber mit der Gabe gesalbt sind, den anderen in der Opfer- oder Ausgebeutetenkklasse den Weg aus dem Elend zu weisen.

Der Weg ist in beiden Fällen mit einem Menschenbild gekoppelt, das man nur als menschenunwürdig bezeichnen kann: Beide, Sozialisten wie Feministen sind der Ansicht, Arbeiter bzw. die vermeintilchen Opfer des Patriarchats seien unfähig zum eigenständigen Handeln, der Hilfe ihrer Avantgarde bedürftig und müssten auf den richtigen Weg paternalisiert werden. Auf den richtigen Weg paternalisieren können die entsprechenden Opfer und Ausgebeuteten natürlich nur die Hohepriester des Sozialismus bzw. des Feminismus mit ihren tiefen Einsichten in die Welt. Woher diese tiefe EInsicht kommt, welche Qualifikation die Avantgarde zu ihrer Einsicht befähigt, niemand weiß es.

untertan_kurfuerstDiese absurde Argumentation findet bei bestimmten Persönlichkeiten, die sich zur Gefolgschaft ihrer Gurus degradieren, Widerhall. Es sind dies Persönlichkeiten, die sich als von außen gesteuert ansehen, Persönlichkeiten, die glauben, nicht ihres Glückes eigener Schmied zu sein und entsprechend auf die Hilfe mächtiger anderer angewiesen zu sein. Es sind Persönlichkeiten, die für sich befürchten, im Wettbewerb mit anderen nicht bestehen zu können und deshalb der Hilfe eines Pater Familias zu bedürfen, eines Kämpfers für die vorgeblich eigene Sache, der ihnen den Weg in den Erfolg ebnet, aus welch kleinen Brötchen dieser Erfolg auch bestehen mag.

Die Gefolgschaft trifft sich mit ihrer Avantgarde in ihrer Angst vor der Freiheit, in ihrer Ablehnung von allem, was mit Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit einher geht. Doch während die Gefolgschaft aus einem psychologischen Minderwertigkeitskomplex heraus, den sozialistischen und feministischen Hohepriestern folgen, sind die entsprechenden Hohepriester von blankem Opportunismus getrieben. Sie nutzen die Schwäche ihrer Gefolgschaft schamlos aus, erzählen ihr, was sie hören will, beschwören täglich aufs Neue das gemeinsame Feindbild des Patriarchen und Bonzen bzw. die vermeintlich gemeinsame Opferposition, in der man sich gemeinsam befinde.

All diese Beschwörungen sind sprachlicher Natur und sie leben davon, nicht getestet zu werden. Das Zerrbild des Bonzen, des arbeiterquälenden Monsters, das für Gewinn über Leichen geht, lebt ebenso wie das Zerrbild des hässlichen Patriarchen, der seine weiblichen und männlichen Opfer (sexuell) belästigt, ausnutzt, am Fortkommen hindert, sie in ihrer Opferrolle festhält davon, dass kein Arbeiter einen Bonzen näher kennenlernt und kein überzeugtes Opfer einen vermeintlichen Patriarchen. Hier erweisen sich Zerrbilder als besonders Hilfreich, denn die Travestie der Wirklichkeit ist nie in der Wirklichkeit zu finden. Wer einen angeblichen Bonzen trifft, der nett ist, einen selbstsicheren Mann, der im Gegensatz zur feministischen Beschreibung ein Mensch mit Bedürfnissen, Ängsten und Nöten ist, der trifft immer Ausnahmen von der Zerrbild-Regel. Er trifft nie auf jemanden, der seine Überzeugung erschüttern könnte, denn seine Überzeugung ist, dass seine Opferrolle, sein Elend fremdverursacht sind. Opferrolle und Elend dürfen nicht aus eigener Kraft überwindbar sein, sonst könnte man selbst etwas ändern, was in letzter Konsequenz bedeuten würden, man wäre selbst an seiner Situation schuld.

Albert SchweizerDas, wie gesagt, darf nicht sein und hier trifft sich der Totalitarismus der Avantgarde mit dem der Gefolgschaft. Letztere brauchen ein Feindbild, um die eigene Deprivation als ihnen zugefügt erklären zu können, Estere liefern dieses Feindbild, um das Bedürfnis ihres Gefolges zu befriedigen und um sich selbst als deren Avantgarde zu präsentieren und davon zu profitieren.

Je erfolgreicher die sozialistische und feministische Avantgarde in der Überzeugung ihrer Gefolgschaft ist, desto mehr wird offenbar, dass die Avantgarde in erster Linie daran interessiert ist, ein eigens Auskommen zu erschleichen und eben nicht daran interessiert ist, das Los der selbsterklärten Opfer, die ihre Gefolgschaft sind, zu verbessern. Entsprechend wird es für die Avantgarde immer wichtiger die Risse, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit auftauchen und die Kritik, die aus den Reihen konkurrierender Avantgarden auftaucht, zu kaschieren und verstummen zu lassen. Beides erfordert zunehmend totalitäre Mittel der Herrschaft und Kontrolle, Mittel, wie sie aus Stalins Sowjetunion und Honneckers DDR bestens bekannt sind und Mittel, die im Rahmen des Feminismus derzeit auf die Kontrolle der Sprache und den Zugang zu Positionen in Verwaltung und Universitäten begrenzt sind, aber nicht lange darauf begrenzt sein werden.

Grenzanlage05-001Letztlich ist es also die Deprivation und Angst der Gefolgschaft, die den Erfolg der opportunistischen Avantgarde begründet, und letztlich ist es dieselbe Deprivation und Angst der Gefolgschaft, die den Totalitarismus begünstigt, der kommen muss, um z.B. zu erklären, warum trotz des Sieges der sozialistischen oder feministischen Revolution das Los der Gefolgschaft sich nicht oder kaum verändert hat. Dazu werden in der Regel weitere Angstgegener erfunden, Kapitalisten, Konter-Revolutionäre, Maskulisten, Terroristen, Rechte, die jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung alle jene angstbesetzten Figuren, die man aus dem Ärmel ziehen kann, um etwas zu haben, wovor man die Gefolgschaft mit immer neuen Mitteln der Repression schützen muss. Und solange die Gefolgschaft in erster Linie durch Angst vor Freiheit und Angst zu entdecken, dass man selbst für die eigene Lage verantwortlich ist, getrieben wird, hat die Avantgarde leichtes Spiel: Ihre Herrschaft ist gesichert, denn ihre Nachläufer sind damit beschäftigt, andere dafür verantwortlich zu machen, dass die Veränderung der eigenen Situation nicht in Angriff genommen wird.

Sozialistische Planwirtschaft: Nebenwirkungen der Bürgerversicherung

buergerversicherungDie Tage hat das Rheinsch-Westfälische Institut eine Untersuchung der gesellschaftlichen Folgen eines Instruments sozialistischer Planwirtschaft, nämlich der so genannten Bürgerversicherung veröffentlicht (Augurzky & Felder, 2013). Wie nicht anders zu erwarten, kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, zu dem bislang noch alle Untersuchungen, die sich mit Instrumenten der sozialistischen Planwirtschaft beschäftigt haben, gekommen sind: Eine Bürgerversicherung wirkt sich negativ auf die Beschäftigung, das Bruttoinlandsprodukt und “die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt” aus.

buergerversicherungndEigentlich muss man kein Prophet sein, um zu sehen, warum sozialistische Planwirtschaft nicht funktionieren kann. Bereits Friedrich A. von Hayek hat in seinem Road to Serfdom darauf hingewiesen, dass sozialistische Planer so wenig in die Zukunft sehen können, wie normale Menschen auch und entsprechend regelmäßig hinter ihren eigenen Planzielen zurückbleiben müssen, weil sich Unvorhergesehenes ereignet (das ist nun einmal so im Leben). Die Geschichte der Fünf- bzw. Siebenjahrespläne in der DDR ist ein beredtes Zeugnis des Versagens sozialistischer Planwirtschaft, und sie zeigt die beiden Hauptgründe, warum sozialistische Planwirtschaft regelmäßig scheitern muss:

“Die Planung der Wirtschaft bringt die Notwendigkeit mit sich, eine umfangreiche Bürokratie aufzubauen, denn die Planung muss bis auf die unterste Ebene erfolgen. Entsprechend muss die zentrale Planbehörde u.a. die Produktions- und Distributionsabläufe in den Unternehmen bis ins Detail festlegen und die Koordination einer Vielzahl von wirtschaftlichen Teilvorgängen bewerkstelligen. Bereits an diesen beiden Aufgaben ist die zentrale Planbehörde gescheitert, weil sie (1) nicht im Besitz aller notwendigen Informationen war und (2) die notwendigen Kalkulationen die Planbehörde schlichtweg überfordert haben.” (Sass, 1968, S.24.)

Und:

Der sozialistische Arbeitermensch strebt nicht nach mehr als ihm per Plan zugestanden wird. Er hat keine „ordinären Konsumwünsche“, beschränkt seine Konsumwünsche auf das Notwendige und ist am Wohlergeben des Kollektivs interessiert. (dazu: Roesler, 2005, S.40-42)

.

Hayek KnechtschaftIm Wesentlichen führt sozialistische Planwirtschaft zum Aufbau einer immensen Bürokratie, die alles um sie herum in Regelungen erstickt und über kurz oder lang den Zweck ihres Daseins mutiert und nur noch am Selbsterhalt interessiert ist. Fast noch wichtiger: sozialistische Planwirtschaft scheitert regelmäßig am wirklichkeitsfremden Menschenbild, das an die Planbarkeit und Vorgebbarkeit individueller Bedürfnisse glaubt und Menschen kaum mehr zugesteht, als dass sie steuerbare Einheiten sind, die ihre Bedürfnisse, Träume und Wünsche dem anpassen, was ihnen vorgegeben wird. In der DDR war “das Kollektiv” der Hort alles Guten, an dem Individuen ihre Bedürfnisse und Wünsche auszurichten hatten, heute ist es die Solidarität mit der Gemeinschaft, die von Linken, die immer noch an die Planbarkeit des Unvorhersehbaren und des Glücks glauben, ins Feld geführt wird.

Muss man den Planern in der DDR attestieren, dass sie immerhin versucht haben, die widrigen Auswirkungen einer nicht vorhersehbaren Zukunft zu begrenzen, so belasten sich linke Parteien der Jetztzeit nicht mehr mit derartigem Ballast. Warum auch? Realität, reale Menschen, deren Verhalten, Bedürfnisse und Wünsche stehen sozialistischen Plan-Wolkenkuckucksheimen im Weg und sind entsprechend nur hinderlich dabei, wenn man z.B. die Einführung einer Bürgerversicherung fordert, Natürlich wird die Einführung einer Bürgerversicherung unter dem Banner der Solidarität und mit Bezug auf die Gemeinschaft gefordert, wie dies bei Sozialisten so üblich ist.

Die LInke

So fordert die Linke die Einführung einer Bürgerversicherung und die Abschaffung der privaten Krankenversicherung. Beiträge zur Bürgerversicherung sollen entsprechend des Einkommens erhoben werden, wobei Löhne, Honorare, Miet-, Pacht- und Kapitalerträge als Einkommen zählen. Der Vorschlag läuft auf die Schaffung eines zweiten Finanzamts hinaus, denn ein solches wäre notwendig, um die Einkommen von Personen zu veranschlagen und den Bürgerbeitrag zu erheben. Die Linke geht davon aus, dass Beitragszahler, die mehr Beitrag entrichten, dennoch mit derselben “Grundversorgung” zufrieden und glücklich darüber sind, dass sie die Gemeinschaft und vor allem alle nicht-Beitragszahler durchfüttern dürfen.

grueneAuch die Grünen wollen die private Krankenversicherung abschaffen, allerdings schrittweise, indem sie den Neuabschluss von Verträgen privater Krankenversicherung untersagen wollen. Alle Bürger sind in der Bürgerversicherung pflichtversichert. Die Beitragshöhe richtet sich nach dem Gesamteinkommen, wie bei der Linken auch, mit denselben Folgen. Besonders interessant sind die Regelung der Mitversicherung: Kinder sind unentgeltlich mitversichert, Ehegatten bzw. Lebenspartner, die Kinder erziehen, sind unentgeltlich mitversichert, wer Pflegeleistungen zuhause erbringt, ist unentgeltlich mitversichert und um die Höhe der Beiträge zu berechnen, wird das Haushaltseinkommen durch zwei geteilt. Auch in der Grünen Gesellschaft sind alle glücklich, mehr zu bezahlen und die gleiche Leistung zu erhalten wie diejenigen, die gar nichts beitragen. Auch bei den Grünen stellt sich die Frage, wo die Grenze zwischen Solidarität, Ausnutzung und Nutznießen verläuft. Aber das ist eine Frage, die gerade Politiker sich eher nicht stellen.

SPDDie SPD will private Krankenversicherungen nicht verbieten, aber auf zusätzliche Leistungen beschränken. Alle Deutschen sind nach den Plänen der SPD in einer Bürgerversicherung pflichtversichert. Die Beitragshöhe zur Pflichtversicherung richtet sich nach der Höhe des durch selbständige oder unselbständige Arbeit erzielten Einkommens. Obwohl der moderateste Plan, wird auch die SPD Variante der Bürgerversicherung über kurz oder lang das Ende des Wettbewerbs zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung herbeiführen und abermals steht die Frage im Raum, wo Solidarität aufhört und blankes Ausnutzen und Nutznießen anfängt.

Die Vorschläge der linken Parteien, die darauf abzielen, eine gesetzliche Krankenversicherung zu retten, die in Kürze unbezahlbar werden wird, zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie die Menschen, die Politiker so gerne im Mund führen, nicht in Rechnung stellen. “Die Menschen”  werden im Aggregat nicht in Rechnung gestellt, als Bevölkerung, die einer demographischen Entwicklung unterliegt, und sie werden als Individuen, die auf Randbedingungen reagieren, nicht in Rechnung gestellt. So zeigt die Geschichte, dass immer dann, wenn Menschen mit den gierigen Fingern sozialistischer Staaten in ihren Taschen und mit den Knappheiten sozialistischer Planwirtschaft konfrontiert waren, Schattenwirtschaften entstanden sind, individuelle Absprachen getroffen wurden, um das System zu unterlaufen oder, ganz krude, die Flucht in eine bessere Welt unternommen wurde, entweder spirituell, in dem derjenige, der viel verdient, viel Beitrag bezahlt und wenig davon hat, seinen Job an den Nagel hängt und sich zukünftig weigert, Zahlvieh zu spielen, oder die materielle Flucht durch Auswandern in eine nicht-sozialistische Gesellschaft. Im Ende sind es immer die vom sozialistischen Plan abweichenden Handlungen der Menschen gewesen, ihre nicht plankonformen Bedürfnisse, die das Ende der sozialistischen Planspiele herbeigeführt haben.

DDR MangelwirtschaftEntsprechend muss man, wie gesagt, kein Prophet sein, um das Ende auch des sozialistischen Planspiels der “Bürgerversicherung” vorherzusehen. Schade ist nur, dass der Schaden, den die entsprechenden Spiele anrichten, erst eintreten muss, der wirtschaftliche Niedergang, die steitige Verschlechterung der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, die kontinuierliche Reduzierung des Leistungsniveaus, die Abwanderung der Leistungsträger, die Demotivation der Bürger, die noch leistungswillig waren usw. damit das Scheitern so offenkundig wird, dass man es nicht mehr wegreden kann oder mit Solidaritätsaufrufen übertünchen. Und so bedarf es wohl wieder eines Zusammenbruchs, einer heruntergewirtschafteten Wirtschaft bevor manche einsehen, dass man die Zukunft nicht planen kann, dass man Menschen nicht vorgeben kann, wie sie zu sein haben und einmal mehr, dass man vor allem Leistungsträger auf Händen tragen muss, denn die Gemeinschaft lebt von ihnen und nicht von denen, die von ihnen nutznießen.

AnthemNatürlich gibt es Mittel, diese Probleme, die letztlich von abweichenden Wünschen, Bedürfnissen und Handlungen ausgehen, zu behandeln. Man kann Abweicher dämonisieren, als Egoisten oder Feinde am Volkskörper, man kann potentielle Auswanderer mit Mauern und Selbstschußanlagen abschrecken und die Probleme der eigenen Wirtschaft widrigen Umständen, die natürlich von Systemgegenern, von Kapitalisten von Nichtsozialisten zu verantworten sind, unterschieben. Man kann Gulags und Lager bauen, um Renitenz zu behandeln und Helden der Arbeit ausloben, um der Demotivation von Leistungsträgern einen unwirksamen Anreiz zu setzen. Nur eines kann man nicht: Die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen kontrollieren. Man kann Menschen nur bedrohen und ihnen die Kosten dafür hochsetzen, dass sie ihre Wünsche und Bedürfnisse artikulieren. Gemeinhin bedarf es dazu einer Form der Terrorherrschaft, die Abweichungen von vorgegebenen Bedürfnissen als Entartung darstellt und verfolgt. Geschichte wiederholt sie eben doch – ständig.

Literatur

Augurzky, Boris & Felder, Stefan (2013). Volkswirtschaftliche Kosten und Nebenwirkungen einer Bürgerversicherung. Essen: RWI.

Roesler, Jörg (2005). Massenkonsum in der DDR: zwischen egalitärem Anspruch, Herrschaftslegitimation und ‘exquisiter’ Individualisierung. Prokla, Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft 138: 35-52.

Sass, Peter (1968). Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftspolitik in der DDR. Gewerkschaftliche Monatshefte 21-26.

Alles, was privat ist, ist Sozialisten verhasst

Manchen ist privates Engagement, private Initiative, private Finanzierung einfach zuwider. Sie träumen von einem Land, in dem gilt, was Jerome K. Jerome vor nunmehr mehr als 100 Jahren mit leicht (oder stark) sarkastischem Unterton und mit Blick auf den deutschen Staat geschrieben hat: “Get yourself born, we do the rest”.

socialist braintNatürlich ist es in diesem Fall wichtig, zum “wir” zu gehören – zu denen, die bestimmen, was andere tun sollen, was gut ist, was richtig ist, und vor allem ist es wichtig, alles, was privat und eben nicht “wir” ist, zu dämonisieren und mit dem Ruch des Missbrauchs zu umgeben, ganz so, wie dies in der DDR und der UdSSR praktiziert wurde.

Holland-LetzMatthias Holland-Letz ist jemand, der zum “wir” gehören will. Er arbeitet als “freier” Jounalist in Köln, für den WDR, den Deutschlandfunk und, scheinbar kein Widerspruch: die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, für die er regelmäßig den so genannten Privatisierungsreport erstellt, in dem ebenso regelmäßig festgelegt wird, was “wir” von Privatisierung, vor allem und welch seltsame Koinzidenz, von Privatisierung von Bildung zu halten haben.

Privatisierung, jede Form der nicht staatlich geplanten Ressourcenver(sch)wendung, an der keine Funktionäre beteiligt sind, ist für Holland-Letz nämlich etwas ganz Furchtbares, und vor allem sind Stiftungen etwas ganz Furchtbares, nur private Stiftung natürlich. Uns so schreibt der Kämpfer für das Gemeinwohl “Holland-Letz” von Stiftern, die außer Kontrolle sind. Das ist die Horrorvorstellung der Sozialisten, jemand könnte etwas tun, ohne dass sie davon wissen, nein, ohne dass sie etwas davon haben.

Stifter sind deshalb, wie Holland-Letz in der tagesezeitung erklärt, außer Kontrolle, weil sie ihr Geld in Stiftungen investieren. Da gibt es den Lieblingsfeind von Holland-Letz (oder der GEW), die Bertelsmann-Stiftung, die sich in Bildung einmischt. Es gibt den Unternehmensberater Roland Berger, die “Großverlegerin” Friede Springer und “SAP-Milliardär” Dietmar Hopp, die doch tatsächlich ihr Geld, die Betonung liegt auf “ihr Geld”, denn es ist ihr Eigentum und nicht das Eigentum des sozialistischen “wir”, in Stiftungen investieren, die sich z.B. wie dies die Friede-Springer Stiftung tut, um Wissenschaft, Kunst und Kultur kümmert und sich, wie folgt, selbst beschreibt:

  • Förderung des unbedingten Eintretens für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas.
  • Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.
  • Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus.
  • Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.

Das ist, geht es nach Holland-Letz, nicht in Ordnung. Vermutlich sind es vor allem die beiden letzten Punkte, die den GEW-finanzierten Privatisierungsgegener stören, schon weil sie mit sozialistischen Traumgebilden nicht harmonieren. Denn in einer Marktwirtschaft handeln Akteure und nicht “wir” und politischer Totalitarismus und Sozialismus sind eins. Und natürlich darf auch Dietmar Hopp, Self-Made-Man und (deshalb?) Lieblingsfeind aller Linken mit seiner Stiftung nicht fehlen. Rund 340 Millionen Euro hat die Dietmar-Hopp-Stiftung seit 1995 für eine Vielzahl von Projekten in den Bereichen Medizin, Jugend, Sport, Bildung und Soziales ausgegeben, vermutlich ohne Holland-Letz oder die GEW um Erlaubnis zu fragen, und entsprechend verschafft Holland-Letz, auf dessen gemeinnützige Beiträge im Bereich Medizin, Jugend, Sport, Bildung und Soziales, wir noch warten, auch Dietmar Hopp und seiner Stiftung eine negative Presse.

Aber zuweilen sind Gutmenschen wie Holland-Letz so vertieft, in ihren Hass auf alles Private, alles “nicht-wir”, dass sie gar nicht mehr bemerken, was sie schreiben und so fordert Holland-Letz Transparenz:

“Wie hoch sind die Einnahmen? Wer zählt zu den Großspendern? Wohin fließen die Ausgaben? Gemeinnützige Stiftungen sind lediglich gegenüber Stiftungsaufsicht und Finanzamt verpflichtet, ihre Daten offenzulegen. Dort bleiben sie unter Verschluss. Bürgerinnen und Bürger haben kein Recht auf Auskunft. Nur wenn die Stiftung das will, gibt sie Einblick.”

DHStiftungDen Einblick in die Konten von Stiftungen fordert jemand, der sich mit Sicherheit über die US-amerikanische NSA und ihre Schnüffelaktionen aufgeregt hat, und der auf die Barrikaden ginge, fände es jemand auch nur ansatzweise interessant, ihn um die Veröffentlichung auch nur der Honorarbeträge zu bitten, die er von der GEW für seine Dienste erhält. Aber für andere, die nicht zum Holland-Letz-Wir gehören, gelten natürlich andere Regeln, Regeln, die die Hopp-Stiftung übrigens einhält. Die Stiftung finanziert sich über Aktien von SAP, die Dietmar Hopp als Stiftungsvermögen eingebracht hat. Wer Aktienkurse lesen und die öffentlich zugängliche Unternehmensbilanz von SAP durchzublättern im Stande ist, kann leicht errechnen, wie viel Geld der Stiftung pro Jahr zur Verfügung steht. Der Großspender und einzige Spender ist Dietmar Hopp. Die Ausgaben sind feinsäuberlich, hier, aufgelistet. Was an Transparenz fordert Holland-Letz eigentlich noch?

Aber Transparenz ist natürlich wichtig und deshalb stimme ich mit Holland-Letz darin überein, dass alle Stiftungen, auch solche die sich nur so nennen, ihre Einnahmen und Ausgaben offenlegen. Also z.B. die Hans-Böckler-Stiftung, deren Jahresbericht leider keine Informationen darüber enthält, welche konkreten Projekte z.B. mit den 22,2 Millionen Euro gefördert wurden, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung an die Stiftung überwiesen wurden. Holland-Letz wird es doch sicher nicht tolerieren wollen, dass die Hans-Böckler-Stiftung, also eine “Wir-Stiftung”, hinter dem Standard zurückbleibt, den die private Dietmar-Hopp-Stiftung setzt?

Nein, das kann er nicht tolerieren, schließlich genießen private Stiftungen nur Steuererleichterungen, während Stiftungen wie die Hans-Böckler-Stiftung mit mehr als 22,2 Millionen Euro Steuergeldern wirtschaften, und die Bürger, also die anderen “wir”, haben doch ein Recht auf Information und Transparenz, ein Recht, nicht nur von privat finanzierten Stiftungen, sondern auch von öffentlich finanzierten Stiftungen informiert zu werden – oder?

HBS_logo_de_390x53Oder nehmen wir die Heinrich-Böll-Stiftung, die regelmäßig Kreuzzüge gegen Männerrechtler oder Andersdenkende finanziert. Die Heinricht-Böll-Stiftung hängt fast vollständig am Tropf der Steuerzahler. Rund 48 Millionen Euro hat die Stiftung, die keine Stiftung sondern ein eingetragener Verein ist, im Jahre 2012 erhalten. Was mit dem Geld konkret und außer Kampagnen gegen politische Feinde finanziert wurde, kann dem Jahresbericht der HB-Stiftung nicht entnommen werden. Auch die HB-Stiftung bleibt weit hinter dem Transparenz-Standard, den die Dietmar-Hopp-Stiftung setzt, zurück. Wäre es nicht an der Zeit, diesen Standard auch an die HB-Stiftung anzulegen, Herr Holland-Letz? Wäre es nicht an der Zeit, die Friedrich-Ebert-Stiftung danach zu fragen, was sie mit den Zinsen aus dem Anlegen von Steuergeldern, mit denen sie an Kapitalmärkten spekuliert, macht, und natürlich auch von der FES, wie von allen steuerfinanzierten Vereinen, mit denen die Parteien ihre Ideologie verbreiten und in denen sie ihre Getreuen versorgen, zu verlangen, dass sie ihre Einnahmen und Ausgaben lückenlos offenlegen?

Aber eine solche Forderung wird Matthias Holland-Letz sicher nicht aufstellen. Dazu braucht man Mut. Dazu muss man gegen den Neid-Zeitgeist, auf dessen Wellen Holland-Letz so gut mitreitet, anschreiben und dazu muss man unabhängig in Geist und Finanzierung sein.

Umverteilung macht unzufrieden

Moderne Wohlfahrtsstaaten zeichnen sich durch eine hohes Maß an Paternalismus aus, zu dessen Finanzierung große Summen von Steuergeldern aufgewendet werden muss. Paternalismus hat generell den Ausgleich sozialer Ungleichheiten zum Gegenstand, wobei die Ungleichheiten in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen geortet werden. Das muntere Ungleichheitsfinden beginnt bei der Einkommensverteilung, führt über den Zugang zum Internet und die Verteilung von Demenz und endet bei Aufsichtsratsposten. Scheinbar ist keine Verteilung frei vom Verdacht, ungleich zu sein, und entsprechend steht jede Verteilung einer Problematisierung durch professionelle Ungleichheits-Bekämpfer offen.

BartholomewBesonderen Aufwind haben die Gegner von Ungleichheiten aller Art durch ein Buch von Richard Wilkinson und Kate Pickett mit dem Namen “The Spirit Level” erhalten, in dem die Autoren gezeigt haben wollen, dass in Gesellschaften, in denen eine größere Einkommensgleichheit herrscht, die zufriedeneren Bürger leben. Dieses Ergebnis hat Christopher Snowdon zwar zwischenzeitlich als falsch bloßgestellt, seine Widerlegung ändert aber nichts daran, dass das Mantra von “Gleich macht glücklich” sich unter Linken aller Provenienz großer Beliebtheit erfreut und immer dann vorgebracht wird, wenn es neue Umverteilungsmaßnahmen zu fordern oder zu rechtfertigen gilt.

Eine neue Untersuchung von Christian Bjornskov, Axel Dreher, Justina A. V. Fischer, Jan Schnellenbach und Kai Gehring (2013) räumt nun mit der Annahme, dass Einkommensumverteilung und damit hergestellte Einkommensgleichheit glückliche und zufriedene Menschen hinterlässt, endgültig auf. Umverteilung, so zeigt sich, macht nur diejenigen glücklich, die davon profitieren und selbst sie nur dann, wenn sie Prinzipien der Fairness nicht zu ihrem Normenkanon zählen.

Ich will ausnahmsweise einmal am Ende der Untersucht von Bjornskov et al. anfangen:

“Inequality is easier to accept if it is the result of unequally distributed skills and chosen effort levels that if it is due to institutional design and low social mobility. Our results suggest that creating a society with such equal opportunities would be superior with regard to fostering higher subjective well-being to a paternalistic and overly redistributive welfare state. (36).

Young EquityDieses Ergebnis ist nicht weiter verwunderlich. Tatsächlich wird hier in Worte gegossen, was Sozialpsychologen im Allgemeinen und J. Stacy Adams (1965) im Besonderen in der Equity Theory zusammengefasst haben und was sich auch unter der Bezeichnung prozedurale Gerechtigkeit (procedural justice) finden lässt: Verteilungen, auch ungleiche Verteilungen, werden dann als gerecht angesehen und hingenommen, wenn sie fair erreicht wurden, wenn sie das Ergebnis entsprechender Anstrengungen darstellen, oder in den Worten von Bjonskov et al. (2013), S.7:

“…we define an income generating process as ‘fair’ if there is a direct link between own investment in human capital, on-the-job effort and individual economic outcome. The weaker this link becomes, i.e., the more the individual outcome depends on chance and at the same time is related to inherited starting positions, the less fair the income generating process is”.

Davon ausgehend machen die Autoren zwei Annahmen:

  1. Die Wahrnehmung einer Einkommensverteilung in einer Gesellschaft als fair oder nicht fair, hat einen Effekt auf die individuelle Zufriedenheit, d.h. wer die Einkommensverteilung als fair ansieht, ist insgesamt zufriedener.
  2. Die Differenz zwischen wahrgenommener Fairness der Eigentumsverteilung und tatsächlicher Verteilung hat einen Effekt auf das Niveau der Zufriedenheit. Je größer die Distanz wahrgenommen wird, desto geringer die Zufriedenheit.

Diese beiden Hypothesen sind meine Zusammenfassung von vier Annahmen, die sich im Text finden und die die Autoren auf der Grundlage des World Value Survey und auf der Basis von rund 300.000 Befragten aus 80 Ländern testen. Die Ergebnisse bestätigen, was hier bereits angerissen wurde: Wahrgenommene Fairness der Einkommensverteilung und die Distanz zwischen wahrgenommener und tatsächlicher Fairness, schlagen sich im Niveau der Lebenszufriedenheit der Befragten nieder:

fairness1According to the results, the respondents’ belief that income inequality in their society is the result of a comparably fair market process makes them considerably more satisfied with their lives, while a demand for more government redistribution for correcting the market-income distribution is negatively associated with happiness. … The findings challenge the standard Lerner argument that more redistribution and less income inequality unambiguously leads to an increase in welfare of the average person, and thus, in average welfare. Instead, the model and the empirical analysis suggest that for broad groups of countries the potential effects of inequality depend on the interplay between perceived and actual fairness of the institutional framework” (34). [Wie die Ergebnisse zeigen, sind Befragte, die der Ansicht sind, die Einkommensungleichheit in ihrer Gesellschaft sei das Ergebnis fairer Marktprozesse deutlich zufriedener mit ihrem Leben, während diejenigen, die mehr Umverteilung durch die Regierung verlangen, um die Einkommensungleichheit zu korrigieren unzufrieden mit ihrem Leben sind ... Diese Ergebnisse stehen im Gegensatz zu der im Anschluss an Lerner gemachte Standardannahme, nach der Umverteilung und eine geringere Einkommensungleichheit unzweideutig zu einem Wachstum von Wohlfahrt für den durchschnittlichen Bürger und die Gesellschaft als Ganze führt. Vielmehr zeigen das vorliegende Modell und die empirische Analyse, dass der Effekt der Ungleichheit auf die Lebenszufriedenheit für viele Länder davon abhängt, wie sich die durch die Bürger wahrgenommene Fairness zur tatsächlich gegebenen Fairness im jeweiligen Land verhält.]

Damit steht fest, dass Umverteilung nicht zu größerer Zufriedenheit in einer Gesellschaft führt, nicht führen kann, denn Umverteilung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden einer großen Anzahl von Bürgern, die z.B. der Ansicht sind, dass “harte Arbeit sich auf lange Sicht auszahlt”, “Armut ein Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit ist” und “eine Möglichkeit besteht, der Armut durch Arbeit zu entkommen”. Wie Bjornskov et al. in ihren Analysen zeigen können, zeichnen sich Personen, die einem oder allen dreien dieser Aussagen zustimmen, durch eine hohe Lebenszufriedenheit aus.

Dagegen sind diejenigen, die eine “gleiche Einkommensverteilung” fordern, “große Einkommensunterschiede beseitigen wollen” oder “eine Grundsicherung einführen wollen” eher unzufrieden mit ihrem Leben. Zwar kann Umwerteilung die Zufriedenheit der zuletzt genannten Unzufriedenen erhöhen, dies erfolgt jeodch auf Kosten der Zufriedenen, die entsprechend unzufrieden sein werden, was deutlich zeigt, dass die Idee, man könne durch Umverteilung Zufriedenheit und Glück herstellen, nur von Personen stammen kann, die von Umverteilung profitieren.

Dieser Schluss kann auch direkt aus den Ergebnissen von Bjornskov et al. abgeleitet werden. Die Autoren kontrollieren die Zustimmung zu den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit nach Alter, Bildung, Einkommen und Geschlecht und auch nach Kontrolle dieser Variablen bleibt der Zusammenhang zwischen einer höheren Lebenszufriedenheit und der Zustimmung zu “harte Arbeit zahlt sich auf lange Sicht aus”, “Armut ist das Ergebnis von Faulheit, nicht von Ungerechtigkeit” und “Arbeit ist eine Möglichkeit, um Armut zu entkommen” bestehen. Es sind also nicht nur die Reichen und Gutbetuchten (die Besserverdiener), diejenigen, zu deren Lasten die Umverteilung gehen würde, die den Prinzipien prozeduraler Gerechtigkeit zustimmen, sondern gerade auch diejenigen, für die die Umverteiler zu handeln in Anspruch nehmen. Wie die Analysen zeigen, wäre es vielen Arbeitern und Angehörigen der Unterklasse lieber, man würde ihnen Chancengleichheit und prozedurale Gerechtigkeit garantieren, ihnen gleiche Startchancen geben und garantieren, dass sich Leistung für sie lohnt, als dass sie ein Interesse daran haben, sich zum Almosen-Empfänger eines umverteilenden Staates zu machen.

socialismDamit stellt sich die Frage, wer diejenigen sind, die mit ihrem Leben unzufrieden sind und so großen Wert auf eine Umverteilung legen, wenn ein Großteil derer ausfällt, die als angebliche Globalisierungsverlierer, weil nicht hinreichend qualifiziert, von Funktionären aus Gewerkschaften und Parteien immer ins Feld geführt werden. Da ein Großteil der Umverteilungsmaßnahmen, wie z.B. alle Familienleistungen und alle finanziellen Begünstigungen, die Verheirateten zu Gute kommen, den Lebensstil der Mittelschicht finanzieren, ist die Antwort auf diese Frage nicht schwierig: unzufrieden und Anhänger der Umverteilung sind die Angehörigen der Mittelschicht, die in prekären Verhältnissen leben, die ständig von der Angst geplagt sind, sozial abzurutschen, weil der Dispo-Kredit ausgeschöpft ist oder die Raten, die für die Finanzierung des Eigenheims auf 600 Quadratmeter Fläche zu zahlen sind, regelmäßig das vorhandene Kapital fast bis auf Null abschmelzen und die doch überschüssiges Kapital so dringend brauchen, um die symbolischen Devotionalien zu kaufen, die den Lebensstil der Mittelschicht und ihre sowie die Außendarstellung ihrer Kinder auszeichnen.

Bjornskov, Christian, Dreher, Axel, Fischer, Justina A. V., Schnellenbach, Jan & Gehring, Kai (2013). Inequality and Happiness. When Perceieved Social Mobility and Economic Reality do not Match. Freiburg: Walter Eucken Institut: Freiburger Diskussionspapiere zur Ordnungsökonomik, Nr. 13/2.

Teilzeitarbeit: optimales Mittel für Herrschaft und Kontrolle

Halten Sie eigentlich eine Balance zwischen Work und Life? Der moderne Mensch, wie ihn sich Staatsfeministen träumen, hat seine Work-Life-Balance, ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben (Wir lernen: Leben hat nichts mit Arbeit zu tun). Selbstverständlich ist das Gleichgewicht kein individuell gewähltes, sondern ein institutionell vorgegebenes.

Work life balanceAn keinem Punkt der staatsfeministischen Ideologie wird die Einheit zwischen Sozialismus und Staatsfeminismus so deutlich wie in der Work-Life-Balance. Der sozialistische Kampf gegen Kapitalismus, wird im Rahmen der Work-Life-Balance zum sozialistisch-staatsfeministischen Kampf gegen die vorgeblich hegemonial-männlichen Werte von Arbeit und Leistung. Wer mehr als 32 Stunden in der Woche arbeitet, ist hegemonial männlich, opfert sein Leben der Arbeit, suspekt und mit Vorsicht zu betrachten, denn er weicht von der Vorgabe ab, die ihm der Staatsfeminismus im Hinblick auf die richtige Form der Lebensführung, die richtige “Work-Life-Balance” macht.

Teilzeitarbeit passt perfekt in den sozialistischen Traum, den die Mittelschicht träumt: möglichst nichts arbeiten, bei vollem Lohnausgleich. Und Teilzeitarbeit passt perfekt in den staatsfeministischen Traum, den die feministische Mittelschicht träumt und dessen Ziel darin besteht, die Normen von Arbeit und Leistung zunächst als männlich zu deklassieren und dann nach Möglichkeit zu beseitigen. Warum? Arbeit und Leistung sind individuelle Eigenschaften. Sie schaffen Unterschiede und Pluralismus. Beides ist der Nukleus von Unkontrollierbarkeit. Wie soll man Menschen kontrollieren, die ihre Leben nach eigenen Vorstellungen planen und leben? Wie viel einfacher ist es, das Heer von Teilzeitarbeitnehmern und Work-Life-Gebalancten zu kontrollieren, die zur angegebenen Zeit am angegebenen Ort erscheinen, um dort das Vorgegebene (in Work wie in Life) zu tun? Kontrolle über Individuen zu haben, war zu allen Zeiten und an allen Orten das Ziel der Herrschenden, die staatsfeministische Harmonisierung, besser: Gleichschaltung der individuellen Leben ist der beste Weg zu Kontrolle.

AcemogluKontrolle funktioniert und funktionierte immer über die Schaffung von Abhängigkeit. Wer damit beschäftigt ist, Vorgaben gerecht zu werden, sozialen Erwartungen im Hinblick auf die Anzahl von Stunden, die er im Eigenheim verbringt, rechtlichen Erwartungen im Hinblick auf die Erfüllung von Verpflichtungen, wie sie mit den vorgegebenen Lebenswegen einhergehen (vom obligatorischen Kinderarztbesuch bis zum Schulpsychologen), der hat wenig bis gar keine Zeit, um eine Individualität zu entwickeln. Zudem wurde und wird die Bildung, entweder der Zugang oder der Inhalt von Bildung, regelmäßig als Kontrollmittel genutzt. Früher wurden Teile der Bevölkerung von Bildung ausgeschlossen, um sie leichter kontrollieren zu können. Heute funktionieren die Herrschaftsmittel in Schulen etwas subtiler. Niemand wird mehr ausgeschlossen. Heute wird verteilt und indoktriniert. Verteilt werden Kinder, die nicht in die Schablone vom “lieben Schüler” passen, und zwar auf Sonder- und Hauptschulen, deren Abschluss, sofern sie überhaupt einen erreichen, was bei Sonderschulen eher die Ausnahme als die Regel ist, sie zu einem Leben in vergleichsweiser Armut oder in Abhängigkeit von Sozialarbeitern und sonstigen bereitwilligen Helfern befähigt (Es ist ein erheblicher Zynismus, dass Menschen zunächst von Bildung ausgeschlossen werden, ihnen die Möglichkeit genommen wird, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und dass sie dann, wenn ihnen erfolgreich ein eigenverantwortliches Leben verbaut wurde, zum Opfer und zur Einkommensquelle für dieselbe Schicht von Leuten werden, die für ihren Ausschluss verantwortlich sind.). Indokriniert wird über das Curriculum, das genutzt wird, um die staatsfeministische Ideologie als freie demokratische Grundordnung zu verkaufen.

Nach der schulischen Sortierung kommt die berufliche Sortierung. Wie Staatsfeminismus und Sozialismus unisono lehren, ist es schlecht, eigennützig zu sein. Vielmehr hat der Mensch ein soziales Wesen zu sein, denn soziale Wesen, diejenigen, die sich im Idealfall für die Gemeinschaft aufopfern, sind leichter steuer- und kontrollierbar. Das Soziale ist der Fetisch der staatsfeministisch-sozialistischen Gesellschaften, individuelles Streben nach eigenem Nutzen der Feind derselben. Individuen wird Sinn nur über die Einbindung in gesellschaftliche Gruppen gewährt. Sie erhalten Rechte “als Frau”, “als Kind”, “als abhängig Beschäftigter” “als Engagierter im Bundesfreiwilligendienst”, sie werden mit Argusaugen beäugt, wenn sie ihre Individualität einklagen und ein eigenverantwortliches Leben führen wollen, oder gar nach etwas streben, was nicht im Einklang mit der staatsfeministischen Ideologie steht.

Nicht im Einklang mit Staatsfeminismus stehen, wie bereits erwähnt, als männlich deklassierte Normen von Arbeit und Leistung. Wer mehr als 40 Wochenstunden arbeitet, wird als Workoholic beschimpft. Wer sein Leben einer Berufung, einer Profession widmet, hat Glück, wenn er nicht als Volksfeind angesehen wird, und wer sich nicht an der gesellschaftlichen Fortpflanzung, dem eigentlichen Daseinszweck von Individuen im Staatsfeminismus beteiligt, der wird finanziell bestraft und gesellschaftlich geächtet.

PapaundcomputerDie Ideologie von Staatsfeminismus und Sozialismus fließt in Bildung und Arbeit zusammen. Bildung ist gefährlich, weil Individuen, die wissen, auf Ideen kommen, die staatsfeministische und sozialistische Lehren hinterfragen. Arbeit ist gefährlich, weil das aus Arbeit erzielbare Verdienst Unabhängigkeit schafft. Es ist von daher kein Zufall, dass es “der Banker” zum bad boy moderner Gesellschaften geschafft hat. Der Banker ist an seinem Nutzen interessiert. Er arbeitet mehr als 40 Stunden, verdient gut und der Stand der Banker ist männlich dominiert. Beim Banker fließt alles zusammen, was Staatsfeministen hassen und die derzeitige Finanzkrise, als deren Ursache in sozialistischer Eintracht “die Banker” identifiziert werden und nicht etwa sozialistische Programme wie sie z.B. (ausgerechnet) die Bush-Administration in ihrem Bemühen, möglichst viele Amerikaner im eigenen Haus zu installieren, ob sie sich das nun leisten können oder nicht, durchgeführt hat, ist der Kulminationspunkt aller Verwerflichkeit “der Banker”.

Teilzeitarbeit, so meine These, ist das Mittel, der modus operandi, der es dem Staatsfeminismus ermöglicht, seine Kontrolle über die Bevölkerung auszuweiten und zu verfestigen. Teilzeitarbeit dient einerseits dazu, mehr Fleisch für den Staat zu produzieren, denn Teilzeitarbeit ist das Patentrezept, mit dem angeblich Work und Life in Balance gebracht werden kann. Wobei Life hier nicht etwa Freizeit, sondern Fertilität bedeutet. Frauen wollen nämlich alle Kinder, und Teilzeitarbeit macht es möglicht. Aber Teilzeitarbeit ist mehr als Fertilitätsermöglicher. Teilzeitarbeit dient gleichzeitig, um männliche Arbeitsnormen von Leistung und Effizienz zu erodieren, denn auch Männer müssen in Teilzeit arbeiten, wenn sie sich vom staatsfeministischen Generalverdacht hegemonialer und nach Eigennutz strebender Mann zu sein, läutern wollen.

Wer erst einmal Teilzeit arbeitet, wer seine Work-Life-Balance im vorgegebenen Gleichgewicht hat, der kommt nicht mehr auf die Idee, er könne mehr erstreben, als ihm der Staatsfeminismus vorgibt. Er hat nicht mehr die Erlebnisse von “Flow”, wie sie sich am Ende einer Arbeitsstrecke von mehreren Stunden ergeben. Er hat nicht mehr die Erlebnisse von Effizienz und Produktivität, wie sie sich aus einer Verbesserung seiner Fertigkeiten ergeben. Er hat nicht mehr das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Und wer Teilzeit arbeitet, bei dem verändern sich zwangsläufig die Arbeitnormen, wie eine Studie aus den Niederlanden zeigt (Wielers & Raven, 2013, S.111): “Our analyses have shown that the growth of part-time work in the Netherlands has contributed to the declining support for the work obligation norm”. Die Arbeit tritt in den Hintergrund, andere Dinge werden wichtig, Dinge, wie die Familie, die sicherstellen, dass die Individuen nicht Unabhängigkeit erreichen, sondern Abhängigkeit, die gemeinhin als Verantwortung ausgegeben wird.

vollzeitbeschaeftigte LehrerTeilzeitarbeit geht also mit einer Erosion von Arbeitsnormen einher und konsequenter Weise leidet die Arbeitsleistung als Folge davon. Hier ergibt sich eine weitere Möglichkeit der Kontrolle, da sich Teilzeitarbeiter nicht mit der selben Hingabe ihrer Arbeit widmen, kann man Teilzeitarbeiter da verstärkt einsetzen, wo eine intensive und form wie inhaltlich nützliche Vermittlung von indivdiuellen Fähigkeiten nicht mehr gewünscht ist: z.B. in Schulen. Die Abbildung zeigt den Anteil von Vollzeitlehrern in den Bundesländern. Er liegt in den meisten Bundesländern deutlich unter 70%. Auf Bundesebene ist der Anteil vollzeitbeschäftigter Lehrer an allgemeinbildenden Schulen zwischen 1992 bis 2001 von 70,6% auf 60,6% gesunken, an Grundschulen ist der entsprechende Anteil von 61,1% auf 53,2% zurückgegangen.

houchen lingwoodDer Anteil der Nebenbeilehrer, der Lehrer, die eine Work-Life-Balance entsprechend der Vorgabe hergestellt haben, ist somit gestiegen, der Anteil der Lehrer, die einen Beruf und eine Berufung “Lehrer” ausüben, entsprechend gesunken und mit ihm, so kann man vermuten, die Qualität dessen, was in Schulen vermittelt wird. Diese Erkenntnis führt zurück zur Kontrolle, denn Kontrolle (und Macht) übt aus, wer andere in vorhersagbare Schemata pressen kann, Harmonisierung nennt das die EU, Gleichschaltung nannte man das früher. Teilzeitarbeit wurde von mir als optimales Mittel zur Ausübung von Kontrolle durch Gleichschaltung dargestellt. Teilzeitarbeit reduziert die individuellen Möglichkeiten zur Abweichung, und sie reduziert die Qualität des Ergebnisses der Arbeit. Beide Effekte laufen in Schulen, den zentralen Orten der Indoktrination zusammen. Immer mehr Teilzeit arbeitende Lehrer bringen Schülern immer weniger Dinge, die Individualität befördern, bei und reduzieren entsprechend die Zahl der Schüler, die ein anderes Leben zu leben wünschen, als im Staatsfeminismus vorgesehen. Ein gutes Beispiel sind hier Übertragungsleistungen. Übertragungsleistungen sind notwendig, damit Schüler Erlerntes auf neue Bereich anwenden und dort in der Lage sind, sich ein eigenes Urteil zu machen, eine eigene Einschätzung zu treffen. Übertragungsleistungen bleiben da auf der Strecke, wo Unterricht nach Vorschrift gemacht wird, wo sich Lehrer nicht als Person einbringen (können, mangels Fähigkeit oder Zeit), wo Schüler nicht gefordert werden, sondern nur vorgefertigten “Stoff” beherrschen sollen. Und wie die PISA-Studien gezeigt haben, sind es gerade Übertragungsleistungen, bei denen deutsche Schüler versagen.

Dies ist die “schöne neue Welt” des Staatsfeminismus, die nicht von ungefähr an die “schöne alte Welt” erinnert, wie sie z.B. in der Sowjetunion und der DDR zu finden war, denn in seinem Kern ist Staatsfeminismus nichts anderes als Sozialismus.

P.S.
Die oben zitierte Studie von Wielers und Raven (2013) ist im vorliegenden Post etwas kurz gekommen, was u.a. daran liegt, dass ich mit der Operationalisierung der abhängigen Variable durch die Autoren erhebliche Probleme habe. Die abhängige Variable “Arbeitsnorm” setzt sich aus vier Items zusammen, von denen zwei auf die Möglichkeiten zielen, die durch “Arbeit” geschaffen werden, während zwei auf eine kollektive Ebene zielen und Arbeit als “Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft” abfragen. Wie die Leser dieses blogs wissen, halten wir bei ScienceFiles nichts von derart kollektiven Vorgaben und im vorliegenden Fall schlägt sich die Tatsache, dass hier individuelle mit kollektiven Items gemischt werden, in einem Cronbach’s Alpha von 0.68 nieder. Ein lausig schlechter Wert, den die Autoren mit “which is about the usual reliability for this scale” (108) abtun [Wie eine derartige Aussage Eingang in eine begutachtete Fachzeitschrift wie die European Sociological Review finden kann, ist mir nicht nachvollziehbar. Vielleicht üben sich die Gutachter ja als Teilzeit-Wissenschaftler]. Ich gehe davon aus, dass man die Reliabilität deutlich verbessern würde, trennte man die individuellen Items von den kollektiven. Aber ich habe nicht die Originaldaten der Autoren zur Verfügung, um diese Annahme, die die Erfahrung nahe legt, zu prüfen und mich entsprechend dazu entschlossen, die Ergebnisse der Autoren nur in der Tendenz und nicht im Einzelnen hier zu präsentieren.

Wielers, Rudi & Raven, Dennis (2013). Part-Time Work and Work Norms in the Netherlands. European Sociological Review 29(1): 105-113.

Anti-Ökonomisierung – Die neue romantische Schwärmerei

Warum ist Ökonomisierung eigentlich von den Darmstädter Wortfetischisten noch nicht zum Unwort des Jahres benannt worden? Ich meine das durchaus ernst. Wer die Agenda der Gutheit vertreibt, wie dies die Darmstädter für sich in Anspruch nehmen, muss auch etwas an dem Begriff “Ökonomisierung” auszusetzen haben – oder? Tieck tickÖkonomisierung beschreibt nämlich für die deutsche Seele die Abkehr von der Reinheit, reiner Reinheitsbeziehungen, die reiner als rein sind, also altruistisch, selbstlos, ohne Eigeninteresse, liebevoll, caring, sozial, helfenden und wie die ganze Litanei weitergeht. Der Nukleus all dieser reinen Liebesbeziehungen, die deutsche Romantik des 21. Jahrhunderts, ist nicht mehr in der Natur, im Wald oder in der grünen Au zu finden, in der der schwache und gesellschaftlich verunreinigte Mensch eins wird mit der Natur und seine Rationalität beim Hören des Gebirgsbächleins aufgibt, um nackt über die Wiese zu hüpfen und “Heisa” zu rufen, sondern in der Reinheit des Sozialen am besten symbolisiert im Kindlein. Das Soziale unbeschmutzt von Gesellschaft und Interessen, ist die neue Natur der neuen Romantik des 21. Jahrhunderts. Ihm gehört alle Aufmerksamkeit. Es ist das Reine, das Anti-Rationale, dem die Ökonomisierung mit all ihren rationalen Interessen gegenübersteht.

Ökonomisierung zerstört die romantische Idylle, sie bringt Interessen ins Spiel. Sie zerstört den schönen Schein und hat die Realität zum Gegenstand. Sie weckt den Träumer und holt ihn zurück in die Welt seiner täglichen Bedürfnisse, die nun dummerweise gar nicht von fliegenden Gurken bevölkert ist. Und weil niemand gerne und abrupt geweckt werden will, richtet sich der ganze Ärger, der sich an den Bedingungen des Daseins entzündet und die Notwendigkeit von Arbeit zur Lebenserhaltung zum Gegenstand hat, gegen die “Ökonomisierung”.

DonorAwarenessWeek2012Die Ökonomisierung, so weiß die Wikipedia, die immer auf dem neuesten Stand ideologisch verbrämter Weltbetrachtung ist, “bezeichnet die Ausbreitung des Marktes samt seinen Prinzipien und Prioritäten auf Bereiche, in denen ökonomische Überlegungen in der Vergangenheit eine eher untergeordnete Rolle spielten bzw. die solidarisch oder privat organisiert waren. Das führt dazu, dass die Wirtschaft in andere Subsysteme (Familie, Medien, Politik, Recht, Medizin, etc.) vordringt und dort ihre spezifischen Operationen vornimmt”.  Wie furchtbar diese Ökonomisierung sozialer Beziehungen doch sein muss, zeigt ein Blick auf das, was an deutschen Universitäten PakiKidneysgelehrt zu werden scheint, ein Blick, den man am besten anhand dessen vornimmt, was im Grin-Verlag an studentischen Ergüssen veröffentlicht wird. So weiß Karina Müller von der “Ökonomisierung der Sozialen Arbeit” zu berichten. Timo Evers hat gar die “Ökonomisierung der Moderne” untersucht. Abermals die “Ökonomisierung der Sozialen Arbeit” haben Klaus B. Oker und Klaus Bäcker in einer gemeinsamen (!) Diplomarbeit bearbeitet. Michael M. Fleißer hat die “Ökonomisierung der Jugendarbeit” zu beklagen, Brit Fender abermals die “Ökonomisierung der Sozialen Arbeit”, Guido Diederich ist über die “Ökonomisierung des Lebens(wertes) von Menschen mit Behinderung” schockiert, Michael Mayerosch fragt sich, was passiert, wenn “Bildung zur Ware wird” usw. Wissenschafliche Publikationen sind erstaunlich unison: Jens Bergmann fragt sich und seine Leser “Ökonomisierung des Privaten?”, Edwin Czerwick sieht eine Ökonomisierung des Öffentlichen Dienstes, Sabine Lederle schreibt über die Ökonomisierung des Anderen und Lukas Slotala über die Ökonomisierung der Sozialen Pflege. Dies alles macht sehr deutlich, dass der Neue Fetisch, den die Romantik des 21. Jahrhunderts anbetet, der Fetisch des reinen Sozialen ist.

Das reine Soziale wiederum beschreibt menschliche Beziehungen bar jeglichen Kalküls. Die Pflege, um des zu Pflegenden willens, die öffentliche Bürokratie um der Bürger willen, die ärztliche Behandlung um der Patienten willen, die soziale Arbeit um der sozial Bearbeiteten willen. Man merke: Reinheit erfordert Altruismus und keine interessengeleiteten Hintergedanken, so dass die soziale Leistung unbefleckt bleibt. Um den Schein von Reinheit und Unbeflecktheit, die Illusison einer Möglichkeit sozialer Beziehungen ohne ökonomischen Unterton aufrecht zu erhalten, sind deutsche Neo-Romantiker bereit, so ziemlich alles zu übersehen. Ärtze, die mit Organen handeln, ändern nichts daran, dass der Dienst an der Gesundheit, ein emotionaler und sozialer Dienst bar ökonomischer Gedanken ist. Altenpfleger, die Alte mehr quälen als pflegen ändern nichts daran, dass die Bediensteten in der Altenpflege alle reine und hingebungsvolle Menschen sind, die ihren Beruf aus Liebe zu den Alten und nicht aus Erwerbszwecken gewählt haben. Und natürlich sind alle diejenigen, die es zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben, sich um soziale Problemfälle zu kümmern, Streetworker, Pädagogen, Lehrer, Kindergärtner, Zirkusclowns und vor allem Beschäftigte im Ministerium für FSFJ nur deshalb in ihrem Beruf, weil sie die Arbeit mit Kindern (Senioren, Straffälligen, Drogensüchtigen usw.) lieben und natürlich nicht, um ihre ökonomische Interessen zu befriedigen.

sea-monsterDer Mythos vom selbstlosen, nicht ökonomisch-interessierten Menschen ist, wenn man so will, die inhaltliche Bestimmung, die der Fetisch des Sozialen erfährt. Und, wie uns der Ausschnitt aus der Wikipedia, der oben zitiert wurde, lehrt, ist der Teufel, der Feind, derjenige, der das Soziale entsozialisiert und zur Ökonomisierung verurteilt, der Markt. Der Markt ist eine Krake, die aus den Tiefen kapitalistischer Meere auftaucht, um die Barken des sozialen Glücks zu kapern und in seine Tentakeln zu nehmen. Der Markt, so weiß wiederum Wikipedia dieses Mal in erstaunlicher Klarheit, ist ökonomisch betrachtet ein Ort, an dem Angebot und Nachfrage zusammentreffen und, so liest man weiter, soziologisch betrachtet, ist er der Ort, an dem Tausch als soziale Interaktion zu finden ist.

Beiden Bestimmungen ist gemeinsam, dass etwas getauscht wird. Wenn nun aber Markt einen Ort oder eine soziale Handlung des Tausches beschreibt, dann fragt man sich, was an der Ökonmisierung, die als Ausbreitung ökonomischer Prinzipien auf andere gesellschaftliche Bereiche definiert ist, so schlimm ist. Ja, was nur? Wer lang genug nachdenkt, kommt zu dem Schluss, dass es mit Effizienz zusammenhängen muss. Ökonomen behaupten, dass Märkte effizient in der Allokation von Ressourcen sind (Eugene Fama zum Beispiel), und in jedem Fall effizienter als staatliche Lenkung. Entsprechend kann man die Methode und die Effizienz der Methode, mit der Ressourcen zugewiesen werden, als erstes Kriterium identifizieren, das den Neo-Romantikern des 21. Jahrhunderts ideologische Probleme bereitet. Ein weiteres Kriterium ist die oben bereits angesprochene Behauptung, dass in nicht von Märkten durchdrungenen Bereichen der Gesellschaft, im Sozialen, keine Interessen, sondern reiner Altruismus herrscht, eine Behauptung, die von denen aufgestellt wird, die regelmäßig vom angeblichen Altruismus profitieren, was nicht nur oberflächlich betrachtet ein Widerspruch ist. Schließlich wurden Märkte als Orte des Tausches bestimmt, des ökonomischen oder sozialen Tausches. Die nicht-Markt-Bereiche des Sozialen müssen entsprechend Orte sein, an denen nichts getauscht wird, was mit dem Mythos vom Altruismus vereinbar ist, der den sich aufopfernden Helfer dem das Opfer dankbar entegegen nehmenden zu Helfenden gegenübersieht.

effizienzUnd damit bin ich zurück zur romantischen Schwärmerei, die den Anfang dieses posts gemacht hat. Es ist (1) offensichtlicher Unfug, wenn behauptet wird, in sozialen Beziehungen fände kein Tausch statt. Jede Interaktion zwischen Individuun ist ein irgendwie gearteter Tausch von was auch immer. Soziales Handeln wurde von Max Weber nicht umsonst als auf andere gerichtetes Handeln definiert. Ohne Tausch und andere Menschen gibt es kein “Soziales”. Wenn aber (2) in sozialen Beziehungen getauscht wird, dann sind notwendig Interessen an diesen sozialen Beziehungen beteiligt und das ist mit dem Altruismus, der so gerne in Anspruch genommen wird, regelmäßig von Personen, die mit z.B. Sozialarbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, nicht vereinbar. Jeder, der an einer sozialen Beziehung teilnimmt, verfolgt damit ein ureigenes Interesse. Somit bleibt (3) die Allokation von Ressourcen, und über die Frage, ob Märkte oder gelenkte Systeme besser sind, wenn es um die Allokation von Ressourcen geht, streite ich nicht mehr. Die Beispiele sozialistischer Experimente, die nur Armut und Elend über der Erde verbreitet haben, sollten hier genügen und da selbst öffentliche Behörden unter dem Stichwort des New Public Management versuchen, die eigene starre und ineffiziente Bürokratie mit ökonomischen Prinzipien zum Funktionieren zu bringen, ist jede Diskussion unnötig.

Was bleibt also für diejenigen, die die Ökonomisierung beklagen? Nichts. Nur irrationale Schwärmerei, die sich soziale Beziehungen wünscht, die nicht auf Tausch und Effizienz gerichtet sind. Aber warum sollte man das wollen? Warum sollte man sich soziale Beziehungen wünschen, die nicht effizient sind, und die entsprechend im besten Fall keinen Nutzen haben (und im schlechtesten Fall mindestens einem daran Beteiligten schaden)? Eine Antwort, die mir dazu einfällt: Weil es dann möglich ist, Menschen auszunutzen, denn soziale Beziehungen, die nicht an Kriterien von Effizienz und Tausch gemessen werden, sind asymmetrische Beziehungen, die nur einem daran Beteiligten etwas bringen. Entsprechend muss man die Frage verändern und nunmehr fragen: Wer hat ein Interesse daran, dass soziale Beziehungen nicht auf ihre Effizienz und nicht auf ihren Tauschnutzen für alle daran Beteiligten hin bewertet werden? Die Antwort auf diese Frage, stelle ich den Lesern dieses blogs anheim: Füttert mich mit Euren Antworten, damit meine Vorleistung in einem effizienten sozialen Austausch endet, von dem auch ich etwas habe (bitte in der entsprechenden Form, siehe: Grundsatzprogramm).

Neoliberalismus

Für alle, die es noch nicht bemerkt haben, ScienceFiles ist ein liberales blog und ich gestehe, ich bin ein Liberaler. Nicht nur ich, nein, bei ScienceFiles wimmelt es von Liberalen. Das ganze Büro von SciencFiles sitzt voller Liberaler: Zwei Erwachsene und vier Katzen, Katzen, die individualistischsten Wesen, die es gibt, echte Liberale eben. Nicht nur sind wir Liberale, wir sind Neoliberale. Und um den Begriff ein und für alle Mal zu klären: Neoliberal bezieht sich auf die Wiederaufnahme liberaler Ideen nach dem Zweiten Weltkrieg, als es auch in Deutschland, in Westdeutschland, Menschen gab, die dachten, 1000 Jahre nationaler Kollektivismus sind genug, wir sollten es einmal wieder mit Freiheit und Inidividualität versuchen. Bereits damals hatte die Idee individueller Freiheit wenig Anziehungskraft auf die Sozialisten in Ostdeutschland, die an die Stelle individueller Freiheit und individueller Kreativität lieber die sozialistische Planung und – zwangsläufig Mangelverwaltung gesetzt haben. Also um es klar und deutlich vorweg zu nehmen: Neoliberalismus beschreibt “verschiedene Bemühungen zur Wiederbelebung des klassischen liberalen Gedankenguts, also der Ideen von Hume, Mill oder Smith” (Söllner, 2012, S.238).

Hume treatiseAllen diesen liberalen Denkern ist es eigen, dass sie für Kollektivisten, denen es darum geht, individuelle Freiheit zu beschneiden und dem “Kollektiv” unterzuordnen, Individuen also zu entmündigen, weil man entmündigte und untergeordnete Individuen besser beherrschen kann als freie und selbstverantwortliche Individuen, schwer verdauliche Sätze schreiben, wie z.B.: “Also können wir unter Freiheit nur verstehen: eine Macht zu handeln oder nicht zu handeln, je nach den Entschließungen des Willens; das heißt, wenn wir in Ruhe zu verharren vorziehen, so können wir es; wenn wir vorziehen, uns zu bewegen, so können wir dies auch” (Hume, 1984, S.113). David Hume sieht somit den Ort aller Freiheit im Individuum und den Willen von Individuen als den Ausgangspunkt aller Freiheit. Und davor, vor der Freiheit, willentlich zu handeln, haben Kollektivisten Angst. Adam Smith überträgt die Freiheit von Individuen auf das, was Menschen von je her immer und immer wieder miteinander getan haben: tauschen.  Tauschen wird bei Adam Smith erstmals systematisch als Verhalten, das auf Märkten stattfindet, beschrieben. Märkte sind entsprechend Orte, an denen Menschen tauschen, was Nachfrage findet, und Märkte sind darüber hinaus die Orte, an denen Angebot und Nachfrage in einem Preis resultieren.

Diese Fähigkeit des Marktes, einen Preis als Funktion von Angebot und Nachfrage als emergentes Ergebnis zu produzieren, hat F. A. von Hayek fasziniert und er hat diese Fähigkeit als Katallaxie des Marktes bezeichnet und ausgeweitet: Ein Markt ist für Hayek nunmehr ein Ort, an dem eine Vielzahl von Individuen mit einer Vielzahl von Ideen und Fähigkeiten nach Tauschpartnern Ausschau halten, die nachfragen, was sie anzubieten haben oder anbieten, was sie nachfragen wollen. Dieser Markt ist ein geordnetes Chaos, wenn man so will, als dessen emergenter Effekt z.B. die von Schumpeter beschriebenen Innovationen mit ihrer Kraft kreativer Destruktion fungieren, die bisher Dagewesenes hinwegschwemmen und mit Neuem ersetzen.

Hayek SerfdomDie neoliberale Welt besteht also aus freien Individuen, die auf je nach Lesart des Neoliberalismus freien Märkten (Hayek) oder wie in der ordoliberalen Variante Walter Euckens bedingt freien Märkten mit einander tauschen und durch das Spiel von Angebot und Nachfrage nicht nur Wohlstand, sondern auch Neues hervorbringen. Dies ist der Kern neoliberaler Gedanken und diesen Kern, die Trias: freie Individuen, (bedingt) freie Märkte , freier Tausch, diese Trias ist all denen ein Dorn im Auge, denen Freiheit ein Dorn im Auge ist. Sie ist denen ein Dorn im Auge,  die ihr Geld damit zu verdienen suchen, dass sie andere in Unfreiheit hineinreden, sie zu Opfern stilisieren und ihnen dadurch ihre Würde nehmen, dass sie sie zum Spielball mystischer und als kapitalistisch bezeichneter Mächte erklären. Selbsterständlich sind die entsprechenden Gegner, besser: Feinde des Neoliberalismus ausgesuchte Menschenfreunde, deren eigener Altruismus sie dazu zwingt, für die Armen Opfer der Märkte, deren Existenz für sie so grundlegend wichtig ist, in die Bresche zu springen, in dem sie sich vor den Zug der Geschichte auf die Gleise des Neoliberalismus werfen, um den Zug selbstlos und heldenhaft zu stoppen.

Ich gebe zu, das war pathetisch, aber es trifft den Habitus, mit dem diese selbsternannten Retter der “Armen” auftreten, die wiederum die meisten dieser Retter nur vom Hörensagen kennen. Und ich gebe zu, ich habe keinerlei Toleranz mehr übrig, für diese kleinen möchtegern Mephistos, die durch die Welt laufen, um denjenigen “Armen”, die versuchen, etwas aus sich zu machen, Worte wie “Neoliberalismus” ins Ohr zu hauchen, um sie von ihrem Vorhaben abzubringen und sie für sich als Verfügungsmasse zu sichern, über die man auch weiterhin die eigene Gutheit ausgießen kann. Ich bin genau dann bereit, meinen Abscheu, den ich diesen “Gutmenschen” gegenüber empfinde, zumindest versuchsweise zu überwinden, wenn ich den ersten Feind des Neoliberalismus getroffen habe, der etwas getan hat, also mit seinen Händen, nicht mit seiner Klappe, um die furchtbare Situation der “Armen”, die er so herablassend bedauert, zu verbessern (also z.B. sich in einer Armenküche engagiert, sich um Wohnsitzlose kümmert, eine Obdachlosenunterkunft organisiert oder den “Armen” Fähigkeiten vermittelt, die sie selbständig und selbstsicher und vor allem unabhängig von “Gutmenschen” wie ihm machen.).

MaulheldAber, die Forderung, dass sich die Feinde des Neoliberalismus nicht nur in Wort, sondern in Wort und Tat, um die “Armen”, deren Obliegenheiten ihnen so am Herzen liegen, kümmern, dass sie diese “Armen” in die Lage versetzen, ein eigenständiges und kein gönnerhaft zugestandenes Leben führen zu können, kann man leicht aufstellen, denn es besteht keine Gefahr, dass diese Forderung erfüllt wird. Die Feinde des Neoliberalimus, sind Feinde von Individualismus und Freiheit, sie brauchen entsprechend eine große Gruppe unfreier und leicht manipulierbarer Objekte, um die eigene Ideologie aufrecht zu erhalten. Und worin besteht nun genau diese eigene Ideologie des “anti-Neoliberalismus”, der Feindschaft gegenüber Freiheit und Individualismus?

Eine Recherche in Google Scholar bringt hier Klarheit. Wenn man sich durch den vom Grin-Verlag publizierten Unsinn studentischer Arbeiten gefressen hat, der Titel wie: “Der Neoliberalismus und seine Folgen: Zunahme egoistischer Tendenzen” oder “Neoliberalismus und Neue Freiheit für Konzerne” trägt und einem  das kalte Grausen ob dessen und der Qualität dessen, was an deutschen Universitäten gelehrt und gelernt wird, befallen hat, stößt man auf zwei Bücher, die von Christoph Butterwegge, Bettina Lösch und Ralf Ptak in einem Fall verfasst, in einem Fall herausgegeben wurden.

Ersteres ist mit “Kritik des Neoliberalismus” betitelt und beinhaltet zumindest in seinen ersten Kapiteln zumindest den Versuch, sich mit dem Gegenstand “Neoliberalismus” zu beschäftigen. Dies ist mehr als man gemeinhin von entsprechenden “Kritiken” erwarten kann. Dass das Buch dann zu einer “Abrechnung” degeneriert, die mit viel Behauptungen und wenig Substanz geführt wird, ist um so bedauerlicher. Das zweite Buch, herausgegeben von Butterwegge, Lösch und Ptak ist ein anderes Kaliber. Es ist ein Flickenteppich, den man unter die Überschrift, was mir zum Neoliberalismus einfällt und was ich schon immer einmal dagegen vorbringen wollte, stellen kann und in dem mit jeder neuen Seite die Idee der Wissenschaft, wie wir sie in unserem Grundsatzprogramm beschrieben haben, aufs Neue verraten wird. Aber, der oftmals bemühte weise Pfälzer hat es gesagt: Es ist nichts so schlecht, als dass es nicht für etwas gut ist, und entsprechend kann man dem von Butterwegge, Lösch und Ptak herausgegebenen Buch doch zumindest entnehmen, warum die versammelten Autoren so eine große Angst vor Neoliberalismus haben.

Da schreibt z.B. ein Alex Demirovic folgende bemerkenswerte Leerformel:

“Ich schlage vor [warum auch nicht], den Neoliberalismus als eine praktische Ideologie der gibberishAkteure des Kapitals zu begreifen. Als solche ist er vor allem (gegen) revolutionär und zerstörerisch: er organisiert die Transformation der gesellschaftlichen Verhältnisse unter kapitalistischen Bedingungen. … Neoliberalismus ist der Versuch, den Kapitalismus, den Wettbewerb und das Leistungsprinzip als Lösung der Gerechtigkeitslücken auszuweisen …” (Demirovic, 2008, S.19-20).

Ich schlage meinerseits vor, das Grumpf als praktische Ideologie der Akteure des Mampf zu begreifen. Als solche ist es vor allem (gegen) revolutionär und zerstörerisch: es organisiert die Transformation der gesellschaftichen Verhältnisse unter den Bedingungen des Grumpf. Offensichtlich hängt der Inhalt der Aussage davon ab, was man als Grumpf und Mampf ansieht, und so wie ich es den Lesern überlassen habe, die Bedeutung von Grumpf und Mampf selbst zu bestimmen und zu bewerten, so hat Demirovic es seinen Lesern überlassen, unter Neoliberalismus und Akteure des Kapitals zu verstehen, was sie mögen und vor allem zu bewerten, was sie mögen. Demirovic schreibt hier nichts Wissenschaftliches, sondern er legt affektive Köder: Also: Alle die auf “Neoliberalismus” und “Akteure des Kapitals” hören, so wie Pawlows Hund auf die Türglocke hört, bitte anbeißen. Ziemlich durchsichtiger Versuche der Manipulation, aber er soll klappen, wie man hört. [Und um zu zeigen, wie revolutionär Neoliberale sind, hier ein Vorschlag von ScienceFiles: Alle Autoren des von Butterwegge u.a. herausgegebenen Buches, mögen sich zusammenfinden, um die Hälfte ihres Gehalts dafür zu spenden, dass "Armen" die Gelegenheit gegeben wird, ein besseres Leben zu führen. Alternativ mögen sie nach Arbeitsschluss gemeinnützige Arbeit in einem Obdachlosenheim oder bei der Lebenshilfe verrichten.]

Nachdem Demirovic diejenigen gesammelt hat, die ihm affektiv folgen, kommt, was ihm eigentlich nicht passt am “Neoliberalismus”, nämlich: Wettbewerb und Leistungsprinzip. Den Gerechtigkeitssermon lasse ich außen vor, er dient sowieso nur zur emtionalen Onanie. Was kann man gegen Wettbewerb und Leistungsprinzip haben? Mill libertyOder, anders gefragt, wer kann etwas gegen Wettbewerb und Leistungsprinzip haben? Die Fragen sind einfach zu beantworten: Gegen Wettbewerb haben alle etwas, die meinen nichts anzubieten zu haben, und gegen das Leistungsprinzip haben alle etwas, die nichts leisten wollen oder meinen, nichts leisten zu können. Und schon erweisen sich die Feinde des Neoliberalismus als Personen, die sich nach eigener Ansicht besser stellen, wenn sie nicht mit anderen konkurrieren müssen und die sich besser stellen, wenn nicht Leistung, sondern unabhängig von Leistung belohnt wird. Wenn man nun aber nicht sagen will, dass man Angst vor Wettbewerb hat, weil man nichts anzubieten hat und auch das Leistungsprinzip eher negativ bewertet, ob der Furcht, dabei schlecht anzuschneiden, was macht man dann? Man macht sich zum Anwalt einer Gruppe von Menschen, denen man die eigene Ansicht oktroyiert, dass sie Opfer sind, Opfer des Neoliberalismus. Man selbst ist natürlich kein Opfer, und wäre jederzeit wettbewerbs- und leistungsfähig, aber, weil es die vielen Opfer des Neoliberalismus gibt, und man selbst so verantwortungsbewusst und altruistisch ist, versagt man sich die reichen Früchte des Wettbewerbs und kämpft statt dessen für die “Armen”.

Im Kern sind Feinde des Neo-Liberalismus also das, was man im Englischen Sponger nennt: Personen, die auf Kosten von anderen ihre ideologischen Schlachten führen und versuchen für sich eine konkurrenzfreie Zone zu schaffen, schon weil in konkurrenzfreien Zonen niemand fragt, ob der Preis, der von der Gesellschaft z.B. für Universitätsprofessoren zu entrichten ist, deren Leistung dann in Analysen über den Neoliberalismus ihren Niederschlag findet, nicht zu hoch ist.

Ich für meinen Teil finde es schäbig, sich auf dem Rücken von Armen zu profilieren, auf dem Rücken von Armen ideologische Schlachten zu führen, Arme zu unfreien Opfern zu stilisieren, und sie in jeder nur erdenklichen Weise für den eigenen ideologischen Kampf auszunutzen, in dem nur eines nicht vorgesehen ist, ein eigenständiges und selbstverantwortliches, sich selbst respektierendes Individuum. Und dass ein solches Individuum von den Feinden des Neoliberalismus nicht vorgesehen ist, hat einen einfachen Grund: freie, eigenverantwortliche und sich selbst respektierende Individuen sind nur im Neoliberalismus vorgesehen.

Literatur:

Butterwegge, Christoph, Lösch, Bettina & Ptak, Ralf (2008). Kritik des Neoliberalismus. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Demirovic, Alex (2008). Neoliberalismus und Hegemonie. In: Butterwegge, Christoph, Lösch, Bettina & Ptak, Ralf (Hrsg.). Neoliberalismus. Analysen und Alternativen. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Hume, David (1984). Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Hamburg: Meiner.

Söllner, Fritz (2012). Die Geschichte des ökonomischen Denkens. Wiesbaden: SpringerGabler.

 

Kann wirklich jeder überall mitreden – z.B. wenn es um Ökonomie geht?

Vorgestern (am 9. Januar) ist einer der Kämpfer gegen den überbordenen Staatsapparat und für den freien Markt, der Nobelpreisträger James Buchanan, gestorben. Für Buchanan war es Zeit seines Lebens ein Grund auch zur Heiterkeit, wenn er auf Leute getroffen ist, die tatsächlich geglaubt haben, ein Staat, also die Parteifunktionäre und Bürokraten, aus denen er sich zusammensetzt, sei ein paternalistischer Akteur ohne eigene Interessen, der sie unter seine Fittiche nimmt und für ihr Wohl sorgt, z.B. in dem er in den freien Markt eingreift und Marktergebnisse nach Gutdünken und unter Vortäuschung so genannter sozialer Gerechtigkeit umverteilt.

Für Friedrich A. von Hayek war es zeitlebens bemerkenswert, dass seine Idee der Katallaxie des Marktes, der einzigen Möglichkeit, verstreutes Wissen effizient zu nutzen, von so wenigen verstanden wurde, dass sozialistische Ideen wie die von Karl Marx oder von John Maynard Keynes Anhänger fanden und obgleich ihrer Unzulänglichkeit gewertschätzt wurden. Dabei ist die Hayeksche Idee wirklich einfach zu verstehen. Stellen Sie sich vor, Sie haben nicht nur ein paar Milliarden im Tresor einer Schweizer Bank, sondern auch eine unbekannte Krankheit. Zwei Heilungsvermittlter treten an sie heran: EinVermittler, Hans Plan, verspricht Ihnen, Ihre umfangreichen finanziellen Mittel an einen ihm bekannten Arzt zu geben, damit er ein Heilmittel findet. Der andere Vermittler, Klaus Freiherr von Markt vespricht, die vorhandenen Mittel als Preis auszusetzen, um den eine große Zahl von Ärzten konkurrieren. Derjenige, der ein Heilmittel gegen Ihre Krankheit entwickelt, erhält den Löwenanteil der Mittel, während die restlichen Ärzte für ihre Anstrengungen entlohnt werden.

Wem würden Sie Ihre Gesundheit anvertrauen? Doch vermutlich dem Freiherrn vom Markt, weil die Wahrscheinlichkeit, dass unter vielen Ärzten ein einzelner ist, der ein Heilmittel findet, höher ist als dass ein einzelner Arzt das Heilmittel findet. Abgesehen davon ist die Gefahr, dass Hans Plan mit dem Arzt gemeinsame Sache macht und Sie am Ende ohne Heilmittel und ohne Geld dastehen, zu hoch. Obwohl das offensichtlich ist, haben Hans Pläne spätestens seit Lenin seine Planphantasien mit verheerenden Folgen für Bauern und Arbeiter in die Tat umgesetzt hat, Konjunktur, und eine große Zahl staatlicher Planer der Ökonomie kämpft darum, das Geld der Steuerzahler an ihnen Bekannte verteilen zu können.

Friedman Capitalism and FreedomWie ist die Anziehungskraft, die sozialistische Ideen ausüben, dieser ewrfolgreiche Appell an die Irrationalität zu erklären? Und wie ist zu erklären, dass diese Irrationalität im Rahmen des Staatsfeminismus zum Goldenen Kalb geworden ist, um das die Femistenkämpfer tanzen? Die Verkünder der Heilslehre sind dann z.B. US-amerikanische Radikalfeministinnen, die selbst Mittelschichts-Kinder der amerikanischen Prosperität sind, denen es kapitalistischer Wohlstand erlaubt hat, ihre absurden Ideen nicht nur in Ruhe auszubrüten, sondern auch auf Papier zu schreiben und von Dritten, Kapitalisten vermutlich, in Buchform pressen zu lassen. Und so findet Hester Eisenstein, die die Geschichte des radikalen Feminismus in den USA aufgearbeitet hat, die radikalfeministische Behauptung, dass es zur Befreiung von Frauen notwendig sei, den Kapitalismus zu zerstören, denn der Kapitalismus sei durch seine Konspiration mit dem Patriarchat dafür verantwortlich, dass Menschen unterschiedlicher Rasse, Klasse und vor allem Frauen ausgenutzt würden. Ja. Vor solchem Unsinn, dessen Ähnlichkeiten mit dem deutschen Staatsfeminismus unverkennbar sind, kann man eigentlich nur seinen Hut ziehen und den Radikalfeministinnen wünschen, dass sie sich in einer Armut wiederfinden, die der Armut entspricht, in der sie sich ohne die Erfolge des Kapitalismus gefunden hätten.

Abermals stellt sich eine Frage, dieses Mal die Frage, warum ausgerechnet diejenigen, die vom Kapitalismus profitiert haben und ohne ihn kaum im stillen Kämmerlein ihre krausen Ideen fabulieren könnten, den Ast absägen wollen, auf dem sie sitzen?

Einen Hinweis auf die Antwort auf diese und die weiter oben gestellte Frage, kann einer bemerkenswerten, wenn auch methodisch nicht sonderlich einfallsreichen Untersuchung entnommen werden, die vier Ökonomen an der Fakultät für Wirtschaft und Ökonomie der TU Dresden ausgeführt haben. Die Studie trägt den vielversprechenden Titel “What Do People Know About the Economy?” , und die Studie was der Titel verspricht, denn untersucht wird, was eine repräsentative Stichprobe bestehend aus 1.314 erwachsenen Deutschen im Alter von 18 bis 84 Jahren von Ökonomie verstehen. Nein, das ist nicht ganz richtig, es werden die minimalen ökonomischen Kenntnisse (MÖK) der Befragten untersucht, minimal deshalb, weil sich die Autoren große Mühe geben, um wirklich einfache Fragen zusammenzutragen, die bei richtiger Beantwortung als Minimalbestand ökonomischer Kenntnis angesehen werden können, Fragen wie:

  • Sie nehmen einen Kredit von 3.000 Euro auf. Der Zinssatz beträgt 12% pro Jahr. Pro Jahr zahlen sie 30 Euro zurück. Wie lange dauert es, bis Sie den Kredit zurückgezahlt haben? Weniger als fünf Jahre; fünf bis zehn Jahren, elf bis fünfzehn Jahren, sechszehn bis zwanzig Jahren, der Kredit ist nie zurückgezahlt;
  • Wie hoch ist die Mehrwertsteuer auf Nahrungsmittel? 5%, 7%, 13%, 17%, 19
  • Welchen Effekt hat eine starke Veränderung des Werts des US-Dollar auf die deutsche Wirtschaft?
  • Was ist gewöhnlich höher, der Umsatz oder der Gewinn?

Ingesamt 24 multiple choice Fragen mussten die Befragten beantworten, und in einer ersten Analyse haben die Autoren vor allem sozialstrukturelle Merkmale getestet und dabei herausgefunden, dass:

  • durchschnittlich 60% der Fragen richtig beantworten;
  • Befragte Frauen im Hinblick auf die minimalen Kenntnisse in Ökonomie deutlich schlechter abschneiden (im Durchschnitt 55,6% richtige Antworten) als die befragten Männer (im Durchschnitt 63,2% richtige Antworten);
  • Die Anzahl der richtigen Antworten mit dem formalen Bildungsgrad zunimmt;

In einer zweiten, noch interessanteren Analyse, haben die Autoren 245 Deutsche eingehender befragt und dabei Folgendes zu Tage befördert:

  • Hayek Constitution of LibertyBefragte aus Ostdeutschland (60,8% richtige Antworten) haben noch geringere MÖK (minimale ökonomische Kenntnisse) als Befragte aus Westdeutschland (65,8% richtige Antworten);
  • Befragte, die ökonomische Kurse besucht haben oder Ökonomie in der Schule vermittelt bekommen haben, hätten sich die Zeit sparen können, denn es hat Ihnen im Vergleich zu Befragten, die keine ökonomischen Kurse oder Unterrichtsstunden hatten, keinen Wissensvorsprung gebracht;
  • Je mehr Stunden Befragte vor dem Fernseher verbringen, desto geringer sind ihre MÖK. Was auch immer sie da schauen, ihre ökonomischen Kenntnisse werden davon nicht verbessert (nicht unbedingt eine Auszeichnung für das deutsche Qualitätsfernsehen);
  • Befragte, die sich gegen Stuttgart 21 ausgesprochen haben, haben deutlich geringere MÖK (nämlich 59,6% richtige Antworten im Durchschnitt) als Befragte, die Stuttgart 21 unterstützen (65,9%)

Wen wundert es angesichts dieser Ergebnisse noch, dass bestimmte Ideen der Linken, z.B. im Hinblick auf die Reglementierung von Märkten auf so fruchtbaren Boden zu fallen scheinen?

Wen wundert es vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse, dass Staatsfeministen munter gegen Kapitalismus und Marktwirtschaft zu Felde ziehen?

Wen wundert es vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse, dass deutsche Politiker, von denen noch zu klären wäre, welche MÖK sie haben, ein relativ leichtes Spiel haben, wenn es darum geht, immer mehr Reglementierung mit immer höheren Steuern zu finanzieren?

Hayek Road to SerfdomWer kaum rudimentäre Kenntnisse von z.B. ökonomischen Zusammenhängen hat, sich aber dennoch nicht scheut, den Mund aufzureißen, hat offensichtlich auch kein Problem damit, an dem Ast zu sägen, auf dem er sitzt und einmal mehr ein sozialistisches Experiment zu fordern. Wer von Ökonomie nichts versteht, der lässt sich offensichtlich leicht von irrationalen affektiven (und zudem falschen) sozialistischen und staatsfeministischen Parolen von, wir nehmen es den Reichen und geben es den Armen, blenden, ganz so als hätte nicht die Geschichte schon mehrfach und überdeutlich gezeigt, was von Sozialismus zu erwarten ist, egal, ob er als steuernder Eingriff in die Marktwirtschaft oder offene Kriegserklärung und im Gewand staatsfeministischer Planwirtschaft daherkommt: Armut, Elend und Massenexodus, sofern keine Mauer vorhanden ist.

Um dies einzusehen wären jedoch MÖKs vonnöten, die über 60% liegen und deshalb beißt sich hier die Katze in den eigenen Schwanz, denn wie kann man einem Illiteraten ein Buch zu lesen geben, wie einem Stummen das Pfeifen beibringen und wie aus einem Lahmen den nächsten Usain Bolt machen? Gar nicht! Und deshalb führt kein Weg daran vorbei zu fordern, dass eben nicht jeder zu ökonomischen Fragen den Mund aufmachen kann.

Wobker, Inga, Lehmann-Waffenschmidt, Marco, Kenning, Peter & Girgerenzer, Gerd (2012). What Do People Know About the Economy? A Test of Minimal Economic Knowledge in Germany. TU-Dresden: Faculty of Business and Economics, Dresden Discussion Paper Series in Economics No 3/12.