Das Kapital und der Funktionär: Ein sozialistisches Märchen

In den Hauptrollen:

Andreas Engels als der Fabrikbesitzer
Andreas Engels als der Arbeiter
Andreas Engels als der Funktionär
Das Kapital als es selbst

Erste Szene

Andreas Engels, Andreas Engels und Andreas Engels leben von der Hand in den Mund. Sie stoppeln zusammen, was sie in der Natur, die sie umgibt, finden können. Die meiste Zeit des Tages ist damit angefüllt, sich vor den Naturelementen in Sicherheit zu bringen und das eigene Überleben sicherzustellen.

Eines Tages kommt das Kapital des Wegs und sieht das Elend.

Venture Capital“Andreas”, so sagt es zu Andreas Engels, “Andreas, ich mache Dich reich! Und dafür will ich gar nichts, nur ein wenig Weltherrschaft. Aber den Reichtum wirst Du nicht umsonst bekommen. Du musst arbeiten, morgens, mittags und abends, an Sonn- und Feiertagen, um aus dem Kapital, das ich Dir gebe, ein Unternehmen zu machen, eine Fabrik, die Waren herstellt, die Du verkaufen kannst. Mit dem Verkauf machst Du Gewinn. Und vom Gewinn baust Du neue Fabriken, stellst neue Waren her, die Du wieder verkaufst und wieder investierst und von dem Gewinn, den Du nicht investierst, lebst Du gut, ohne Sorge um den täglichen Unterhalt. Und natürlich wirst Du Arbeiter brauchen. Stelle Andreas Engels ein. Lass’ ihn für Dich arbeiten. Gib’ ihm einen Lohn für seine Arbeit, damit er sicher und gut leben kann. Ich will nichts vom Gewinn, ich will nur ein wenig Weltherrschaft”, so sprach das Kapital.

Zweite Szene

Andreas Engels hat viel gearbeitet und sich eine kleine Fabrik gebaut. Er nennt sich nun zu Zwecken der Differenzierung Andreas Fabrikbesitzer. In der Fabrik ist Andreas Engels beschäftigt. Andreas Engels nennt sich nun Andreas Arbeiter. Er stellt die Waren her, die Andreas Fabrikbesitzer verkauft. Mit dem Gewinn, kann Andreas Fabrikbesitzer sehr gut leben, Andreas Arbeiter bezahlen, der auch gut leben kann, wenn auch nicht so gut wie Andreas Fabrikbesitzer. Beide werden auf unterschiedlichem Niveau immer wohlhabender und, gemessen an dem, was sie hatten, bevor das Kapital des Weges kam, geht es beiden deutlich besser.

Doch das soll sich ändern.

Dritte Szene

Andreas Engels, der weiterhin sein Leben jenseits der Fabrik und mit der Suche nach Schutz und Nahrung verbracht hat, betrachtet den zunehmenden Wohlstand von Andreas Fabrikbesitzer und Andreas Arbeiter mit Argwohn. Während er sein jämmerliches tägliches Leben lebt, überlegt er, wie er aus beider Wohlstand Profit für sich schlagen kann. Eines Tages hat er die zündende Idee.

Professional spongerEr nennt sich nun Andreas Funktionär und stellt ein Manifest auf. Darin erklärt er Andreas Arbeiter haarklein,
dass er das entscheidende Rädchen in einem großen Komplott ist, mit dem Kapital die Weltherrschaft erreichen will. Alles mit Fabriken zubauen wolle Kapital und sich weltmächtig machen. Andreas Arbeiter ermögliche das. Er habe ein falsches Bewusstsein, der Andreas Arbeiter, und müsse sich unbedingt darüber klar werden, dass er die Produktivkraft sei, ohne die nichts geht. Dieser Wichtigkeit, so Andreas Funktionär, trage der Lohn, den Andreas Arbeiter von Andreas Fabrikbesitzer erhalte, in keiner Weise Rechnung. Es sei ein Hungerlohn, und entsprechend sei das Haus, in dem Andreas Arbeiter wohne auch viel kleiner als das Haus, in dem Andreas Fabrikbesitzer lebe. “Und meinst Du”, so fragt Andreas Funktionär Andreas Arbeiter, “meinst Du, Andreas Fabrikbesitzer könnte sich leisten, was er sich leistet, wenn Du nicht die Arbeit für ihn machen würdest? Glaubst Du nicht, dass eine Welt der Gleichen, in dem es keinen Fabrikbesitzer und keinen Arbeiter und nur einen Andreas Funktionär gibt, wäre nicht die bessere Lösung? Es wäre eine Welt, in der Andreas Funktionär dafür sorgt, dass es allen gleichgut geht, dass Andreas Arbeiter genausoviel hat wie Andreas Fabrikant.

“Gib’ mir 33% von Deinem Lohn, Andreas Arbeiter, und ich kämpfe für Deine Rechte!”

Vierte Szene

Die Fabrik steht still. Andreas Arbeiter streikt auf Geheiß von Andreas Funktionär. Andreas Funktionär hat Andreas Fabrikarbeiter ein 75 Punkte Memorandum übergeben, das die Bedingungen formuliert, unter denen Andreas Arbeiter wieder am Arbeitsplatz erscheint. Punkt 49 lautet, gleichberechtigte Teilhabe an den Produktionsmitteln für Andreas Arbeiter und Andreas Funktionär. Artikel 50 bestimmt, dass Andreas Funktionär die Stimmrechte über die Teilhabe von Andreas Arbeiter ausübt. Wenn Andreas Fabrikbesitzer die Punkte des Memorandums nicht akzeptiert, dann gibt es eine Revolution, die Andreas Funktionär gemeinsam mit Andreas Arbeiter durchführen wird. Er wird Andreas Fabrikbesitzer enteignen und zum Teufel jagen.

Fünfte Szene

StreikAndreas Fabrikbesitzer weiss sich nicht anders zu helfen, als die Punkte des Memorandums zu akzeptieren. Die Arbeit in der Fabrik steht wieder still, weil der Plansoll, den Andreas Funktionär, Mehrheitseigentümer mit 2/3 der Stimmrechte als Produktionsvorgabe gegeben hat, so hoch war, dass Andreas Arbeiter krank geworden ist. Außerdem ist Andreas Funktionär mit der Rolle des Fabrikbesitzers nicht vertraut, so dass die tägliche Produktion regelmäßig hakt, weil die zur Produktion notwendigen Teile fehlen. Andreas Funktionär plant, die entsprechenden Probleme, durch grundlegende Planungsreformen zu beseitigen und hat dafür Andreas Planer angeworben und Andreas Parteisekretär und Andreas Unterparteisekretär. Sie alle sprechen fieberhaft über einen Masterplan zur Beseitigung aller Planungsprobleme. Derweil nagt Andreas Arbeiter am Hungertuch und Andreas Fabrikarbeiter verarmt zusehens. Beide sind unzufrieden, weshalb Andreas Funktionär noch drei Andreas Polizeibeamte anwirbt, die für Ruhe und Ordnung sorgen und Andreas Arbeiter und Andreas Fabrikbesitzer Tag und Nacht überwachen.

Sechste Szene

Die Fabrik ist verfallen. Auf einem Feld sieht man Andreas Arbeiter und Andreas Fabrikbesitzer dabei, wie sie zusammenstoppeln, was man zum Überleben braucht. Überleben müssen sie von 10% des Gesammelten. Der Rest wird unter Andreas Funktionär (25%), Andreas Planer (20%), Andreas Parteisekretär (20%), Andreas Unterparteisekretär (15%) und den Andreas Polizeibeamten (10%) aufgeteilt.

Etwas Abseits sitzt das Kapital und wundert sich, dass Andreas Arbeiter und Andreas Funktionär lieber für andere als für sich arbeiten. Angesichts dieser traurigen Lage beschließt das Kapital abzuwandern, denn etwas Besseres als Sozialismus findet es überall.

KANALEquality: 100% mehr Gründungsmitglieder

Die Initiative KANALEquality, mit der dafür geworben wird, endlich den Frauenanteil bei den gesamtgesellschaftlich so wichtigen Arbeiten, die zur Instandhaltung und Sicherung der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung notwendig sind, zu erhöhen, Arbeiten, die ohne die ganz besondere Expertise von Frauen nicht im gesellschaftlich wünschenswerten Maße erfüllt werden können und Arbeiten, deren gesellschaftlicher Nutzen weit über dem Nutzen liegt, der von Managern in Führungspositionen geschaffen wird, freut sich über neue Gründungsmitglieder.

Die Wichtigkeit der Initiative KANALEquality Jetzt!, sie ist auch deshalb gegeben, dass Initiativen der Bundesregierung oder aus Lobbygruppen generell auf unwichtige White-Collar-Jobs und vor allem auf Pöstchen in Vorständen begrenzt sind, zu deren Erfüllung wenig Kompetenz notwendig ist. Meist genügt die Anwesenheit in den entsprechenden Sitzungen der Führungsgremien.

Im Gegensatz dazu sind Kanalarbeiten, ist der Ausbildungsberuf der Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice von größter Bedeutung für nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch für die Sauberkeit von und die Lebensqualität in Stadt und Land.

Kanalequality

Unverständlicher Weise streben feministische Lobbyisten lieber danach, aufgemacht und im Kostüm in Führungsgremien erscheinen zu können, als danach, an der Erfüllung vitaler Leistungen für die Gesellschaft zu partizipieren.

Entsprechend notwendig ist die Initiative “KANALEquality Jetzt”.

Unser Anliegen ist zwischenzeitlich auf viele Leser getroffen, was zur Folge hatte, dass sich die Anzahl der Gründungsmitglieder verdoppelt hat.

Hier die neuesten Mitglieder im Selbstportrait.

Matthias Mala hat ganz persönliche, fast schon nostalgische Gründe, Gründe einer behüteten und freudigen Kindheit, die ihn dazu bewegt haben, Gründungsmitglied von “KANALEquality Jetzt!” zu werden. Matthias Mala reminisziert:

“Ich bin, was Abwasserkanäle angeht, schon seit meiner Kindheit bewandert. Im Knaben-Waisenhaus der Inneren Mission an der Sondermeierstraße in Freimann in München aufgewachsen, wanderten wir Kinder öfters in den Isarauen am großen und kleinen Stinkerkanal entlang, die die geklärten Abwässer in den nahen Speichersee leiteten.

Der kleine Stinkerkanal führte meist nur ein Rinnsal an Abwässern. Wir sprangen als Knaben solange über das Rinnsal, bis ein Kind hineinfiel. Dieses Kind hatte dann das Spiel verloren und war für diesen Tag der Stinker.

Schon als Knabe, störte mich, dass an unserem Vergnügen keine Mädchen teilnahmen. Mit Mädchen wäre das Springen über das Abwasser viel abwechslungsreicher gewesen. Auch hätten sich die Mädchen sicher gefreut, ab und an mal den Stinker des Tages zu stellen.”

Die altruistische Art und Weise, in der Matthias Mala von einer gleichgestellten Kanalwelt träumt, sie ist vorbildlich.

Reinhard Knodt, der ebenfalls zum Gründungsmitglied von KANALEquality avanciert ist, hat gleich eine Liste weiterer Equality-Vorhaben mitgebracht. Der Fünfjahresplan der Equality-Kämpfer hat demnach die folgenden Ziele:

“In der Müllabfuhr, in schweren Berufen auf dem Bausektor, in Abbruchunternehmen, beim Strassenbau, im Reparaturgewerbe und in vielen anderen Schwerstarbeit-Berufen sind Frauen sichtbar unterrepräsentiert, um nicht zu sagen schwer chancenlos und benachteiligt! Wo sind die Fähigkeiten der Frauen beim Möbeltransport? Wo sieht man Frauen beim Schleppen von Kohlesäcken in Berliner Keller mit fehlenden Zentralheizungen? Wo arbeiten Frauen in Abbruchunternehmen?

Auch hier wäre gesellschaftlicher Wandel anzumahnen…”

Schließlich hat sich mit Friedrich Dominicus ein Gleichstellungskämpfer der ersten Stunde zum Gründungsmitglied von KANALEquality erklärt. Wie es einem langjährigen Gleichstellungsrecken geziemt, so sieht Dominicus “the bigger picture”, so weiß er, was auf dem Spiel steht, wenn es nicht gelingt, KANALEquality durchzusetzen:

“Ich kann nur sagen Kanalarbeit für alle. Nicht nur Männer in Kanäle.
Fallen die Känäle fällt Deutschland. Kanalarbeit muß weiblich werden.”

Angesichts dieser Ressonanz sind wird ermuntert, die Initiative in die nächste Phase zu befördern. Wir planen die Erstellung von Aufklebern, Wimpeln, T-Shirts und Tassen mit dem Logo der Initiative.

Vorbestellungen können bereits heute getätigt werden.

Sie wollen auch Gründungsmitglied sein?

Sie wollen gesellschaftlichen Wandel gestalten, dabei sein, wenn die Kultur verändert wird?

Dann schreiben Sie uns eine eMail mit einer kurzen Selbstbeschreibung, warum sie besonders geeignet sind. Wir ergänzen die Liste der Gründungsmitglieder fortlaufend.

Informationen zu “KANALEquality Jetzt!” finden Sie hier.

Noch mehr Informationen zu “KANALEquality Jetzt!” finden sich dort.

KANALEquality: Gleichstellung auch unterirdisch

KANALEquality ist ernst gemeint!

Aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen scheinen einige Leser der Ansicht zu sein, es handle sich dabei um eine Satire oder einen Spaß.

Wer versichern hiermit: We are perfectly serious!

Warum sollte KANALEquality ein Spaß sein und Chefsache ernst gemeint, also kein Spaß?

ChefsacheZur Erinnerung: Chefsache ist eine Initiative unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel, deren Ziel darin besteht, einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel zu erreichen. Der kulturelle und gesellschaftliche Wandel ist erreicht, wenn mehr Frauen in Führungspositionen gelangen.

KANALEquality Jetzt ist eine Initiative, deren Ziel darin besteht, einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel zu erreichen. Der kulturelle und gesellschaftliche Wandel ist erreicht, wenn mehr Frauen eine Anstellung als Kanalarbeiter annehmen.

Stellen wir beide Initiativen gegenüber, dann wird deutlich, dass KANALEquality zudem einen höheren gesellschaftlichen Nutzen erbringt als Chefsache.

KANALEquality Chefsache
Kanäle spielen eine eminent wichtige Rolle im Hinblick auf die Versorgung mit Trinkwasser, den Abtransport von Fäkalien, und somit im Hinblick auf die Gesundheit der Bevölkerung. Ob Führungspositionen einen Effekt auf die Volkswirtschaft bzw. den Gewinn eines Unternehmens haben, ist in der Literatur umstritten. So ist z.B. Joe Bain (1968) der Ansicht, der Erfolg eines Unternehmens sei unabhängig von der Führung des Unternehmens, das Management könne man entsprechend beseitigen.
Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist ein anerkannter Ausbildungsberuf mit festem Lehr- und Lernkorpus. Man weiß demnach, was eine solche Fachkraft kann oder können sollte. Manager ist kein Ausbildungsberuf. CEO, CFO oder Vorstandsmitglied ebensowenig. Vorstandsmitglied kann nahezu jeder werden, selbst Gewerkschaftsfunktionäre. Eine spezielle Ausbildung zur Führungskraft gibt es nicht.
Es gibt keinen berichteten Fall von Korruption oder Bestechlichkeit unter Fachkräften für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Es gibt eine Vielzahl von Berichten über korrupte Manager, gekaufte Vorstände und bestechliche CEOs. Am bekanntesten ist wohl Nick Leeson (Rogue Trader), der als Manager der Barings Bank den Konkures derselben zu verantworten hat.
Der gesellschaftliche Nutzen von Kanalarbeitern oder Fachkräften für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist höher als der von Managern. Streiken die entsprechenden Fachkräfte wegen zu geringer Bezahlung, die gesellschaftliche Atmosphäre ist durch dicke Luft sofort vergiftet. Der gesellschaftliche Nutzen von Managern ist geringer als der einer Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Ob sich ein Manager 2, 3 oder 10 Millionen Jahresgehalt genehmigt, ob Vorstandsmitglieder nach der beschwerlichen Abnicksitzung ein oder zwei Dutzend Kaviar-Canapes essen, hat nur indirekt Folgen für die Gesellschaft, nämlich dann, wenn die nachfolgende Verdauung die vorhanden Kanäle über-beansprucht. Was abermals zeigt: Kanalarbeiter sind wichtiger als Manager.

Vor diesem Hintergrund können wir es nur als gesellschaftliche Katastrophe betrachten, dass zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen eine Kampagne nach der nächsten ins Leben gerufen wird, während es bislang nur unsere Kampagne für mehr Frauen unter Kanalarbeitern gibt. Ein Kommentator der Kampagne hat die Notwendigkeit, den Anteil von Frauen an den Kanalarbeitern zu erhöhen, auf den Punkt gebracht:

“Endlich. Ich bin froh das in diese wissenschaftliche Lücke gestoßen wird. Wie wir ja wissen, haben Frauen besondere Fähigkeiten und daher kann kein Bereich darauf verzichten. Und gerade beim Abfall ist beonderes Einfühlungsvermögen absolut nötig und notwendig. Es ist klar, das können Männer allein nicht leisten.”

In diesem Sinen hoffe wir, dass das wichtige Anliegen von KANALEquality nun erkannt worden ist und sich die Zahl der Unterstützer verdoppelt, verdreifacht, verzehnfacht, also vermehrt.

Deutschland kann es sich nicht länger leisten, das große Potential weiblicher Kanalarbeiter links liegen zu lassen. Wir brauchen weibliche Expertise auch sub-terran.

Deshalb: KANALEquality JETZT!

Kanalequality

Unsere Gründungsmitglieder:

Dr. habil. Heike Diefenbach, ScienceFiles, international bekannte, strickende und katzenliebhabende Wissenschaftlerin, die die Wichtigkeit einer ausgewogenen Kanalarbeit nicht nur aus weiblicher, sozialwissenschaftlicher, stricktechnischer und katzenliebender Perspektive, sondern aus noch viel mehr Perspektiven argumentieren kann.

Michael Klein, ScienceFiles, international unbekannter, nicht strickender, aber katzenliebhabender Unternehmer, dem sich die Wichtigkeit der ausgewogenen Kanalarbeit erschlossen hat, als er zum ersten Mal mit einem verstopften Abfluss konfrontiert war, von wegen: “… was ist denn schon dabei, da nimmt man Abfluss-Frei, das macht den Abfluss frei” und so… Ha!

Enrico, erfahrener 50:50-Aktivist, der sich seit Jahren für die Belange auch in der Kanalarbeit nicht berücksichtigter gesellschaftlicher Gruppen stark macht. Seine Erfahrung in der Quotierung von allem und jedem ist für KANALEquality JETZT von großer Wichtigkeit, und: Enrico kann stricken.

Wir bedanken uns bei Enrico für sein Engagement.

Sie wollen auch Gründungsmitglied sein?

Sie wollen gesellschaftlichen Wandel gestalten, dabei sein, wenn die Kultur verändert wird?

Dann schreiben Sie uns eine eMail mit einer kurzen Selbstbeschreibung, warum sie besonders geeignet sind. Wir ergänzen die Liste der Gründungsmitglieder fortlaufend.

Mehr zu KANALEquality, zu unserem Anspruch und unseren Aktivitäten.

Chefsache: In Führungsetagen wird jetzt gemerkelt

Angela Merkel hat die Herrschaft über den Schirm übernommen.

Den Schirm hält sie über die Chefsache.

Die Chefsache, das ist eine Initiative, die den Wandel gestalten will, nicht irgend einen Wandel, sondern gesellschaftlichen Wandel.

Gesellschaftlichen Wandel, den gestaltet man zunächst dadurch, dass man eine Initiative ins Leben ruft, die den gesellschaftlichen Wandel gestalten will. Ignoriert der gesellschaftliche Wandel die Initiative, dann muss man Fremdengagement einwerben, z.B. von Ihnen: “Gestalten Sie gemeinsam mit uns den Wandel in Deutschland”.

Lasset uns also wandeln, nicht irgendwie wandeln, sondern “grundlegend” wandeln, “in der Arbeitwelt”.

ChefsacheGrundlegender Wandel ist immer besser als strunz-normaler Wandel, schon weil grundlegender Wandel grundlegender ist als strunz-normaler Wandel, und wenn über den grundlegenden Wandel dann auch noch der Schirm von Angela Merkel gehalten wird, … umso besser.

Dann wandeln wir grundlegend durch die Gesellschaft und versuchen die Gesellschaft wandelnd zu wandeln, indem wir “eine neue Kultur der Wertschätzung zu etablieren” versuchen.

Grundlegender und per Schirm beherrschter Wandel, der in Deutschland zur Chefsache initiiert wurde, ist also ein kultureller Wandel, der Wertschätzung etablieren will, was voraussetzt, dass es vor dem Wandel keine Wertschätzung gegeben hat, denn hätte es Wertschätzung vor dem Wandel gegeben, er wäre nicht grundlegend, bestenfalls graduell, so dass man sich fragen müsste: Ist das überhaupt ein Wandel?

Aber: Große Ziele verlangen nach großem Wandel, nach grundlegendem Wandel, mit Schirm und Herrschaft, sind Chefsache.

Und man kann es verstehen: In einer Gesellschaft, in der keine Wertschätzung herrscht, ist ein entsprechend grundlegender Wandel Chefsache, schon weil es ein kultureller Wandel ist, und Kultur, deutsche Kultur, ist ja etwas, das man ständig gegen fremde Eindringlinge verteidigen muss. Da ist es schon besser die Kultur per Chefsache und Schirm zu wandeln, grundlegend versteht sich.

Denn:

“Nur wenn jede Person, egal ob Mann oder Frau – die Chance hat, entsprechend ihrer Stärken Verantwortung zu übernehmen, nutzen wir als Gesellschaft unsere Ressourcen und unser Potential an neuen Ideen.” Deshalb hat die Chefsache auch einen Anspruch: “Wir setzen uns für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Führungspositionen ein.”

Was wir bislang über die Chefsache gelernt haben:

Chefsache ist Wandel, grundlegender Wandel, Wandel hin zu einer neuen Kultur der Wertschätzung, ist kultureller Wandel der alten Kultur der nicht-Wertschätzung. Wertschätzung ist, wenn jede Person, entsprechend ihrer Stärke Verantwortung übernehmen kann und das Geschlechterverhältnis in Führungspositionen ausgewogen ist, also nicht unabhängig von der Person, und nicht unabhängig von “egal ob Mann oder Frau”.

Chefsache ist ein Widerspruch in sich.

Und das ist auch kein Wunder, denn Chefsache wird von 11 Gründungsmitgliedern getragen, die in der alten Kultur der Nicht-Wertschätzung nach oben gekommen sind, die vor dem grundlegenden Wandel Günstlinge und Nutznießer des alten fiesen Nicht-Wertschätzungssystems waren, des vor-Wandel-Systems, in dem man noch ohne Stärke Verantwortung übernehmen konnte, so wie das die folgenden Gründungsmitglieder getan haben:

  • Nieten in NadelstreifenDr. Cornelius Baur, McKinsey & Company
  • Joe Kaeser, Siemens
  • Angelique Renkhoff-Mücke, warema
  • Dr. Peter Neher, Deutscher Caritasverband e.V.
  • Dr. Rainer Esser, Die ZEIT
  • Dr. Reimund Neugebauer, Fraunhofer
  • Martina Koederitz, IBM
  • Dr Werner Zedelius, Allianz
  • Dr. Marijn Dekkers, Bayer AG
  • Ursula von der Leyen, Bundesministerium der Verteidigung
  • Christoph Kübel, Bosch

Und über alle diese Aufsteiger in der grundlegend nicht gewandelten Nicht-Wertschätzungskultur hält Angela Merkel den Schirm.

Chefsache eben.

Das deutsche Wesen des WZB: Freiheitsfeindlich und antikapitalistisch

Prolog

Jede Nacht hat Wolfgang den selben Traum.

Er wird zu Klaus Westerwald.

Im Prunkharnisch zieht er durch Ruby Valley in Nevada – auf der Suche nach Heldentaten. Und dann, dann sieht er sie:

Entgrenzte Märkte!

Ritter von der traurigen GestaltVisier geschlossen, den Anti-entgrenzte-Märkte-Laser im Anschlag, seine Schlachtenrosinante unter sich, stürzt er sich in den Kampf, in den Kampf mit den entgrenzten Märkten.

Und siegreich kehrt er daraus zurück (es ist ein Traum!).

Fortan nennt er sich: Klaus Westerwald, Begrenzer der Märkte.

Das kommt an. Er wird zum Regenten im Land der begrenzten Märkte.

Und Regenten, sie tun etwas für die Armen.

“Arme”, so fragt Klaus Westerwald, aka Wolfgang, “Arme, wollt’ ihr ein iPhone?”

“Ja”, rufen die nach einem iPhone ausgehungerten Armen, “Ja, Klaus, Begrenzer der Märkte, gib’ uns ein iPhone”.

Klaus, der Begrenzer der Märkte, er lässt sich nicht lange bitten.

“Markt”, so spricht er zu einem der einst entgrenzten Märkte, “Markt, gib’ mir 250.000 iPhones, auf dass ich sie unter den Armen verteilen kann  – zum Selbstkostenpreis.”

Der Markt tut wie ihm geheißen, und Klaus, der Begrenzer der Märkte, er träumt immer noch, wenn er nicht gestorben ist.

Aufgewacht

WZBWolfgang Merkel ist Direktor der Abteilung “Demokratie und Demokratisierung” am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und hat als solcher der Neuen Gesellschaft / Frankfurter Hefte ein Interview gegeben. Es ist ein schönes, ein stimmungsvolles Interview, ein Stilleben von Interview: nette Stichworte in gemütlicher Atmosphäre werden in wohlwollend gönnerhafter Manier von Wolfgang Merkel beantwortet. Merkel tut kund, was richtig ist, und wer auch immer das Interview für die Neue Gesellschaft / Frankfurter Hefte geführt hat, er lauscht andächtig, gibt hier und da das richtige Stichwort und fällt ansonsten nicht weiter auf, stört ansonsten die Performance-Art des Merkelschen Interviews nicht.

Wolfgang Merkel tut kund, spricht von “entgrenzten Märkten”, von der Demokratie als “Spielball wirtschaftlicher Macht”, von den dunklen Kräften des Kapitalismus, die die USA und Großbritannien, jenes Großbritannien mit seinem “rabiaten Mehrheitsprinzip” fest in der Hand haben und von dort aus, ihr Deregulierungswerk über den Globus verbreiten. Fahrlässig entgrenzt hätten die Demokratien den Kapitalismus, und der Kapitalismus, er habe die Demokratie entmachtet.

Wo einst die blühende Welt des Keynesianismus geherrscht habe, mit seiner “staatlich verordneten Nachfragestützung”, da habe sich das montaristische Geschwür, das von den USA und Großbritannien aus, die Demokratien unterwandert, eingeschlichen. Armen habe der Monetarismus einen Anteil am Wohlstand versprochen (wer nun denkt, der Lebensstandard eines Armen im ausgehenden 19. Jahrhundert sei mit dem eines relativ Armgerechneten im 21. Jahrhundert nicht zu vergleichen, der irrt: Arm ist arm, für Wolfgang Merkel!), andere habe er damit gelockt, sie von der “Zumutung hoher Steuerlasten” zu befreien.

Das alles, so weiß Wolfgang Merkel zu verkünden, das alles sei ein Fehler gewesen. Der entgrenzte Markt, ihm sei die “schleichende Exklusion der unteren Schichten” gefolgt. Dass die unteren Schichten, lieber das von Detlef Nolte so bezeichnete Unterschichtenfernsehen als das Parlamentsfernsehen einschalten, es ist Ergebnis des entgrenzten Marktes. Und damit hat Merkel Recht: Gäbe es keine Alternative zum Parlamentsfernsehen, die Einschaltquoten wären höher, auch in den unteren Schichten. Das zeigt: Der entgrenzte Markt ist schuld!

Woran?

An allem.

Er reduziert den “Gestaltungsraum” von Nationalstaaten, doziert Merkel. Der “neoliberale Treibsatz des Wettbewerbsrechts” sei kein “Bollwerk gegen die Entpolitisierung der Märkte”, so fügt er kenntnisreich an. “Das untere Dritte der Bevölkerung steigt aus der politischen Beteiligung aus”, so fährt er fort. Warum steigt es aus? Wegen dem entgrenzten Markt und weil im unteren Drittel der Bevölkerung nur Idioten leben, denn:

“Der Unterschied zu den 50er und 60er Jahren besteht darin, dass den bildungsfernen Schichten mit der Erosion der großen kollektiven Organisationen wie Gewerkschaften oder Volksparteien heute wichtige Vertrauenspartner und Welterklärer verloren gegangen sind. In einer solchen Situation bestimmt das eigene Wissen weitgehend darüber, ob und wie man sich in der Politik engagiert. Damit werden aus bildungsfernen auch politikferne Schichten.”

Der fiese Kapitalismus, er hat über sein Uboot den Monetarismus Freiheit für das untere Drittel der Bevölkerung gebracht und dessen Lebensbedingungen verbessert. Und was macht dieses untere Drittel der Bevölkerung? Es wendet sich von den Gewerkschaften und den Parteien ab, die ihm bislang die Welt erklärt haben. Diese bildungsfernen Idioten aus dem unteren Drittel der Bevölkerung, sie glauben tatsächlich, sie könnten die Welt ohne die Hilfe von Gewerkschaftsfunktionären, ohne die Hilfe von Politikern und ohne die Hilfe von Wolfgang Merkel, der natürlich weiß, wie der monetaristische Hase läuft, verstehen.

socialism thomas sowellEntsprechend müsse man das untere Drittel der Bevölkerung wieder einfangen und “Verteilungsfragen endlich wieder angehen”. Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse, und wenn Gewerkschaften und Politiker dem unteren Drittel der Gesellschaft Reichtum für alle versprechen, dann kann man dieses untere Drittel vielleicht kaufen und die Wahlbeteiligung wieder erhöhen, so die Konsequenz der mit viel Abstand zur Realität vorgetragenen Aussagen von Wolfgang Merkel.

Und natürlich muss man die Märkte regulieren, eingrenzen, natürlich muss eine Kaste der Erleuchteten vorgeben, was Märkte zu tun haben, was richtig und was falsch ist, denn die “Verteilungsmechanismen kapitalistischer Gesellschaften … lassen sich nur mit staatlichen Regulierungsinstrumenten korrigieren”. Art und Weise der Regulierung, Höhe und Umfang der Besteuerung, das bestimmen die selbstbestimmten formal bildungsnahen Polit-Eliten, denn, so Wolfgang Merkel: direkter Demokratie ist nicht zu trauen, sie ist elitär und diskriminiert das untere Drittel der Bevölkerung. Politiker, so muss man ergänzen, die tun das nicht. Politiker diskriminieren alle, von denen sie keinen direkten Nutzen haben.

Wolfgang Merkel offenbart sich in seinem Interview als Freiheitsphobiker und Modernisierungsverlierer. Die neue Welt mit ihrer Internetfreiheit, die die alten Regeln von oben und unten in Frage stellt, die dazu führt, dass sich diejenigen, die man in der Mittelschicht gerne als bildungsfern verunglimpft, von dem politischen Angebot eben dieser Mittelschicht abwenden, weil es ihnen vermutlich schlicht zu dumm ist, sie ist Wolfgang Merkel verhasst.

Seine Welt, die Welt, in der er sich sicher fühlt, sie braucht die politische Kaste aus der Mittelschicht, die sich für Elite hält, die den Dummen aus dem unteren Drittel der Gesellschaft vorgibt, was gut richtig und selbstbereichernd für die Vorgebenden ist. Seine Welt sieht Reglementierung und Regulierung, Entfreiheitlichung und Verstaatlichung vor, denn nur auf diesem Weg kann er abwehren, was seine Welt so massiv gefährdet, die Individualität und die Freiheit, die Kapitalismus möglich macht, jene beiden Erzfeinde sozialistischer Ideologie, in der eine kleine, sich zur Avantgarde erklärende Gruppe herrscht, die sich für so erleuchtet hält, dass sie nicht nur weiß, was richtig ist, sondern gleich anderen vorgibt, was sie zu tun, zu lassen und vor allem: zu entbehren haben.

Sie herrschen durch Kontrolle, durch Vorgabe, durch Welterklärung, wie Wolfgang Merkel das nennt (gemeint ist Indoktrination, versteht sich). Denn nur auf diese Weise kann gewährleistet werden, dass das untere Drittel der Bevölkerung auch unten bleibt und denen, die sich zur Avantgarde erklärt haben, nicht in die Quere kommt. Dieses ganze Gebäude kommt zum Einsturz, wenn sich das untere Drittel der Bevölkerung einfach von der Welterklärung durch die politische Klasse abwendet, wenn es Funktionäre für Witzfiguren hält und sein eigener Herr ist. Lassen wir es nicht so weit kommen, meint Wolfgang Merkel und empfiehlt das Regulieren, Reglementieren, das Kontrollieren, das Beseitigen der Freiheit.

Er nennt das Demokratie, und man fragt sich unwillkürlich, wer hier träumt und wer hier wach ist.

Solange Wissenschaft derart pervertiert wird, wie von Wolfgang Merkel, so lange Demokratie von angeblichen Erforschern der Demokratie und Demoktratisierung als Methode der Indoktrination durch Welterklärer, als Methode der Beherrschung der als bildungsfern Diffamierten verstanden wird und diese Erforscher gleich den Päpsten des Mittelalters durch die Welt ziehen, um ihre frohe Botschaft zu verkünden, so lange muss man sich nicht wundern, dass Wissenschaft in Deutschland keinen Fuss auf den Boden bringt und man muss sich nicht wundern, dass die angeblich Bildungsfernen sich von Funktionären in Politik und Wissenschaft abwenden, die ihnen das Heil verkünden wollen. Denn: die Bildungsfernen, das haben die beim WZB und sonstwo instutionalisierten Bildungsnahen noch nicht bemerkt, die Bildungsfernen sie sind zu klug, als dass sie sich von antiquierten religiösen Lehren beeindrucken ließen.

Die Gleichheitsindustrie

Der Aufstieg der Gleichheitsindustrie, so hat Peter Saunders ein Buch überschrieben, das 2011 bei Civitas in London (The Rise of the Equality Industry) erschienen ist. Peter Sauders ist emeritierter Soziologie-Professor, der u.a. an der University of Essex gelehrt hat.

Peter SaundersSaunders hat der Universität und der institutionalisierten akademischen Welt zwischenzeitlich den Rücken gekehrt und dies mit “I used to be a Sociologist, but I’m alright now” zusammengefasst. Seit 2009 arbeitet und forscht Saunders selbständig, ein Unterfangen, das ihm durch die in angelsächsischen Ländern vorhandene Kultur privater Forschungsförderung erleichtet wird.

So hat Saunders 2011 sein Buch “The Rise of the Equality Industry” als “Fellow” beim Londoner Civitas: Institute for the Study of Civil Society verfasst.

The Rise of the Equality Industry ist ein Buch, das die Etablierung der Gleichmacher, derjenigen, die für Ergebnisgleichheit eintreten, die wollen, dass nicht mehr Leistung, sondern Gruppenzugehörigkeit darüber entscheidet, welche Auszahlung, welchen Lohn jemand erhält, nachzeichnet. Wie wir bei ScienceFiles, so sieht Saunders die Gleichheitsindustrie als anachronistische Industrie, die gegen eine nicht oder nicht mehr vorhandene Benachteiligung gesellschaftlicher Gruppen von Migranten über Homosexuelle bis zu Frauen agitiert.

Mag der Kampf für Gleichberechtigung in den 1960er Jahren noch seine Berechtigung gehabt haben, so schreibt Saunders an einer Stelle in seinem Buch, so ist diese Berechtigung lange beseitigt: Kein Gastwirt weigert sich heute noch, Schwarze zu bewirten, kein Arbeitgeber bezahlt Frauen für gleiche Arbeit einen schlechteren Lohn als Männern, sofern dies je der Fall gewesen sein sollte.

Mission accomplished – und eigentlich sollte man erwarten, dass sich die Gleichheitsindustrie nun auflöst.

Doch das tut sie nicht – im Gegenteil.

Wie alles, was es zu einer Institutionalisierung geschafft hat, partizipiert die Gleichheitsindustrie an öffentlichen Fördermitteln, ist sie verwoben mit Politikern und wie eine Krake in unterschiedliche gesellschaftliche Prozesse verstrickt, und sie zeigt nun, da ihre vorgebliche Mission abgeschlossen ist, ihr eigentliches Gesicht, das Saunders mit einem Rückbezug auf Antonio Gramsci wie wir, und wie vor allem Dr. habil. Heike Diefenbach, es regelmäßig geschrieben haben, als eine sozialistische Fratze ansieht, eine sozialistische Fratze im neuen Gewandt, denn, so Saunders, Gramsci habe eingesehen, dass es nicht möglich sei, den Kapitalismus zu überwinden, denn dafür sei der Kapitalismus einfach zu erfolgreich.

Entsprechend habe Gramsci eine Methode des kulturellen Kampfes propagiert, dessen Ziel darin besteht, den Kapitalismus von innen heraus zu zersetzen, sich quasi wie eine Schmarotzerpflanze an ihn anzulagern, von ihm zu leben und in langsam mit sozialistischen Techniken zu erdrosseln, seine Freiheit und seinen Möglichkeitsraum immer weiter einzuschränken, bis der alte Baum des Kapitalismus abgestorben ist und die sozialistische Schmarotzerpflanze triumphiert, jedenfalls solange bis sie feststellt, dass der Ernäherer verschwunden ist.

Eine besondere Rolle dabei, die individuelle Freiheit, die dem Liberalismus so wichtig ist, zu ersticken, spielen für Gramsci und alle die Jünger, die im nachgefolgt sind, Institutionen wie Schulen, Universitäten Medien, Kirchen, Familien, alle Institutionen, von denen Gramsci angenommen hat, dass sie eine prägende Wirkung auf das Bewusstsein von Individuen haben, jenes Bewusstsein, das Gramsci und seine Nachfolger gerne für ihre Zwecke manipuliert hätten.

Entsprechend, so schreibt Saunders, gehe es der Gleichheitsindustrie heute nicht mehr darum, als z.B. Homosexueller toleriert zu werden, die Gleichheitsindustrie ist auf die Durchsetzung der Hegemonie ihrer Werte fixiert, darauf, diejenigen, die diese Werte nicht unterschreiben wollen, zu kriminalisieren, darauf, Freiheit zu ersticken und einen kulturellen Wandel zu bewerkstelligen, der letztlich den Kapitalismus zerstört und, eine unabsichtliche Nebenfolge aller sozialistischen Erfolge, die Quelle, an der man sich Jahrzehnte lang gelabt hat, beseitigt.

Wir empfehlen unseren Lesern das Buch von Peter Saunders. Als kleinen Teaser hier noch einmal in seinen Worten, was wir kurz zusammengefasst haben.

Saunders hat als Brite sein Material aus der britischen Gesellschaft entnommen, was er wohl geschrieben hätte, wäre er mit dem deutschen Alltag konfrontiert gewesen?

Saunders equalities industry“For 50 years, the equalities industry in Britain has been on the front foot, driving forward its definitions of ‘fairness’ in terms of equal outcomes, and chipping away at the liberal ideal of formal equality. Almost nobody has stood up to it during this period, so resistance to its ideas and objectives now that the industry has established itself in thousand of different organisations across the country will be that much more difficult. Any political challenge will almost certainly be met by loud and vociferous claims that opponents of the equalities industry are seeking to defend ‘unfairness’ and reinforce ‘privilege’. Such claims can only be countered by a vigorous defence of the alternative, liberal conception of fairness which emphasises the principle of equal treatment under a common set of rules, and which is therefore concerned with processes rather than outcomes.

Politicians, whose instinct is to ally with the equalities industry, rather than mounting a robust challenge to its growing influence and hegemony, should understand that it is not some neutral force for good in British politics. We have seen that it has its own anti-liberal agenda, championing group identity over individual responsibility and equality of outcomes over equality before the law. As David Green suggests: ‘No doubt there are many naive champions of victim groups who think they are simply being ‘nice’, but it is no coincidence that many activists of the hard left who previously tried to inflame class divisions have switched their attention to victim groups as potentially more promising sources of hostility to liberalism’. The rhetoric of their banners may still refer to equality, but unlike the French and American revolutionaries of the eighteenth century, their agenda today is not the defence of liberal capitalism, but its dismantling.

Back in the 1920s, the Italian Marxist Antonio Gramsci realized that the industrial proletariat was never going to overthrow capitalism, as Marx had promised, and that the capitalist economic system was certainly not going to collapse under the weight of it own historical contradictions, as Marx had prophesised. Gramsci therefore proposed that a long class war against capitalism should be fought, not in the factories, but in and across the cultural institutions of modern societies – the schools, the media, the family, the churches and any other institutions which play a part in maintaining and reproducing a society’s sense of itself and its core values. The aim was to ‘transform popular consciousness’ by fostering a ‘revolutionary counter-hegemony’. In plain language, capitalism could be subverted from the inside, and intellectuals would play the leading role in undermining the foundations.

[…]

Since the 1960s, as these culture wars have been progressing, so the equalities industry has moved from ‘outsider’ to ‘insider’ status, and from the defensive to the offensive. Fifty years ago, the aim was simply to achieve tolerance for diversity – e.g. by decriminalising consensual acts of homosexuality in private, or by stopping pubs and restaurants from imposing colour bars. This was an agenda consistent with classical liberalism. But today, emboldened by their acceptance into the heart of the British establishment, radical egalitarians seek nothing less than hegemony for their moral values and beliefs and this requires the unconditional surrender of their adversaries. It is no longer sufficient that homosexuality should be tolerated for example; now the aim is to criminalize those who oppose it.

Egalitarians seek to establish their hegemony by writing their morality into the law of the land and into the rulebook of every organisation of civil society. They can then use this institutional power to purge their opponents. If you have been wondering, … why the equalities industry seems to side with the atheist against Presbyterians, or with the gays against the Pentacostalists, then here is your answer. Despite the rhetoric, modern equalities discource is not neutral. It is tied to a wider and deeper political agenda, and it is bent to its purpose. If this agenda is not opposed with a clearly-articulated, alternative conception of fairness rooted in the liberal tradition of equal treatment under a single set of rules, then liberalism itself will eventually crumble and fade away”.

Konstruktivismus fördert den moralischen Verfall

Werner J. Patzelt ist gerade mit seinem Steckbrief konfrontiert. Der Steckbrief steckt voller falscher Behauptungen und kursiert derzeit an der Universität Tübingen, wo als der “Pegida-Versteher” etikettierte Patzelt demnächst einen Vortrag halten wird.

constructivism IAlexander Ulfig hat in einem Beitrag über den inhärenten Widerspruch, den viele Linke inkorporiert haben und der darin besteht, dass man rechte Gewalt ganz furchtbar findet und linke Gewalt in viel größerem Ausmaß dagegen setzt, diesen inhärenten Widerspruch auf das Fehlen einer ethisch-moralischen Grundhaltung zurückgeführt.

An Universitäten stehen konstruktivistische Ansätze in voller Blüte. Sie zeichnen sich nicht nur durch eine feindliche Haltung gegenüber der Ratio aus, sondern vor allem dadurch, dass sie die soziale Konstruktion von Wahrheit und nicht nur deren Überformung durch die Wahrnehmung, von allem, was Realität ausmacht, behaupten. Entsprechend wird für soziale Konstrukteure alles, Wahrheit wie Realität, zur Verhandlungssache.

Nun ist Wahrheit ein geschundener Begriff.

Betrachtet man ihn zunächst als Begriff, der an einen Bezugsrahmen gebunden ist, dann ist etwas immer mit Bezug auf diesen Rahmen wahr oder falsch. Im Rahmen der Mathematik gilt “25 / 5 = 5”. Insofern das Ergebnis der Berechnung richtig ist, ist die in Anführungszeichen gesetzte Aussage wahr.

Auch im Rahmen des täglichen Lebens kann man Dinge, die wahr sind, leicht entscheiden: Wenn A über B sagt, er sei ein Idiot, und C sagt B, dass A ihn als Idioten bezeichnet hat, dann sagt C die Wahrheit. Daran gibt es nichts zu drehen und nichts zu konstruieren.

Konstruieren kann man eigentlich nur am Rahmen, an Theorien, weshalb Diskussionen über Wahrheit, wenn sie mehr sein wollen als die Diskussion von Offensichtlichkeiten, immer Diskussionen über Theorien, deren Geltungsbereich und deren Bestätigungsgrad sein müssen.

Deshalb sind Genderisten, wenn sie mit ihren 1000 Geschlechtern des Wegs kommen, so lächerlich. Das tägliche für die Fortpflanzung relevante Leben kennt nur zwei Geschlechter. Deshalb wirken Sozialisten, wenn sie ihre Planspiele durchsetzen wollen, so lächerlich, denn dass eine Gesellschaft der Gleichen eine Drohung und kein erstrebenswerter Zustand ist, das ist allen klar, die ein Bild von Menschen als Individuum und nicht als Herdentier haben.

Wenn wir über Wahrheit streiten, dann geht es also immer um den Bezugsrahmen, der das, was wir für wahr halten, vorgibt. Kreationisten, die denken, die Welt sei durch Gott geschaffen, leiten ihre sonstigen Aussagen von dieser Aussage ab. Astronomen und Physiker, die denken, die Datenlage spreche für den Beginn unserer Zeitrechnung in einem Big Bang, gehen eben von diesem aus und beurteilen ihre Aussagen in Bezug auf den Big Bang und der Entwicklung, wie sie sich auf Grundlage physischer Gesetze bzw. von Naturgesetzen rekonstruieren und vorherberechnen lässt.

Popper objektive ErkenntnisDass es zwei Fraktionen wie Kreationisten und Physiker gibt, hat aber nichts damit zu tun, dass Wahrheit konstruiert wäre, wie es Konstruktivisten glauben. Wahrheit ist, wie Karl Raimund Popper einmal gesagt hat, eine regulative Idee: Auch wenn wir nie sicher sein können, dass wir Wahrheit gefunden haben, so brauchen wir die Wahrheit als Kriterium für Wissensfortschritt. Wahrheit wird daher zur Übereinstimmung mit der Realität, wie sie unabhängig voneinander wahrnehmende Akteure zur selben Zeit und am selben Ort und im selben Ausmaß wahrnehmen können.

Und diese regulative Idee haben Konstruktivisten aufgegeben. Für sie ist alles dieselbe Soße. Die Brocken in der Soße ergeben sich aus kommunikativer Übereinkunft. Wir kommen überein, die Brocken als vorhanden anzusehen und ab sofort zu behaupten, dass es 1000 Geschlechter gibt, denn: Alles ist verhandelbar und wird von den Grillen abgeleitet, die diejenigen gerade haben, die, aus welchen Gründen auch immer, ihre Grillen gerade in den öffentlichen Diskurs tragen dürfen oder können. Entsprechend gibt es für Konstruktivisten keine Wahrheit, sondern Wahrheits-Moden. Derzeit halten sie heute die 1000 Geschlechter für wahr, morgen werden sie einen anderen Spleen verfolgen.

Nun stellt sich angesichts der Anhänger, die der Konstruktivismus gefunden hat, die Frage, was so attraktiv daran ist, die Existenz von Wahrheit zu leugnen. Die Antwort kommt dieses Mal aus Israel (aber nicht in Form von 10 Geboten und Steintafeln…).

Dort haben Andrea Pittarello, Margarita Leib, Tom Gordon-Hecker und Shaul Shalvi eine Reihe interessanter Experimente durchgeführt, bei denen es darum geht, die Abhängigkeit von Wahrheit bzw. eher Wahrheitsliebe von bestimmten Situationen zu untersuchen. Es geht also um soziale Situationen und die Frage, wie diese sozialen Situationen bestimmt und bewertet werden können.

Herausgekommen ist, dass in ambivalenten Situationen, also in Situationen, die sich dadurch auszeichnen, dass man nicht sofort erkennen kann, was wahr ist, Lügen häufiger vorkommen als in eindeutigen Situationen. Anders formuliert: Es gibt eine Reihe von Zeitgenossen, die unklare Situationen dazu ausnutzen, ihre eigenen Interessen, ihren eigenen Vorteil zu verfolgen, Zeitgenossen, die nicht über die ethisch-moralische Integrität verfügen, eine sie bevorteilende Lüge zu unterlassen, wenn sie der Ansicht sind, eine Entdeckung dieser Lüge sei nicht wahrscheinlich.

Ambivalenz ist das Kredo des Konstruktivismus, dessen Anhänger geradezu die Unklarheit von Situationen zu zelebrieren scheinen, jedenfalls dann, wenn sie sich davon einen Vorteil versprechen. Ambivalenz wird im Rahmen des Konstruktivismus brachial hergestellt: Dadurch, dass man behauptet, Wahrheit sie das Ergebnis sozialer Verhandlungen (wobei die Wahrheit dieser Behauptung von Konstruktivisten seltsamerweise vorausgesetzt wird…). Der Vorteil dieser Behauptung: Die eigenen Konstruktionen müssen nicht mit der Realität übereinstimmen, und von der eigenen Konstruktion abweichende Positionen, also aus Sicht der Konstruktivisten andere (am Ende falsche?) Konstruktionen, können mit sprachlichen Mitteln und ohne Rücksicht auf die Wahrheit angepöbelt werden.

Das ist die Situation, in der sich Werner J. Patzelt gerade befindet, der sich mit der Realität gegen die falschen Behauptungen “des Gastes (der Autor des Steckbriefes versteckt sich hinter diesem Pseudonym)” wehrt, der in Tübingen einen Steckbrief voller Falschheiten über Patzelt verbreitet.

Die Verleumdung und Diskreditierung von Personen mit anderen Meinugen floriert im Konstruktivismus, denn die Anhänger der unterschiedlichen Sozialkonstruktionen, seien sie Sozialismus-Mystiker, Genderismus-Verklärte oder nachhaltige Klimaretter (Die nachhaltigste Entlastung des Klimas ist übrigens der Selbstmord der um das Klima Besorgten. Die Einsparungen an Folgekosten, die durch die Selbstentsorgung der entsprechenden Existenzen entstehen, sind immens.), diese Anhänger sind bar jeglicher moralischer oder ethischer Erwägungen.

Weder haben Sie moralische Prinzipien noch leben sie eine praktische Ethik, denn: beides ist entscheidbar, ist bindend.

Ethics and importanceD.h.: Wer sich zu bestimmten moralischen Prinzipien bekennt, z.B. zur Fairness, die ausschließt, dass man über Dritte Unwahrheiten in die Welt setzt oder Personen mit anderer Meinung diffamiert, der schließt damit bestimmte Handlungsweisen, die nicht seinen moralischen Prinzipien entsprechen, aus. Steckbriefe, wie der, dem sich Werner Patzelt gegenüber sieht, sind ein Indiz für die Abwesenheit moralischer Prinzipien und ein Indiz für das Fehlen einer praktischen Ethik, denn Ethik meint nichts anderes, als im Einklang mit den eigenen, für sich selbst beanspruchten moralischen Prinzipien, also authentisch und im Hinblick auf die eigenen moralischen Prinzipien wahrhaftig zu handeln.

Das Fehlen einer ethisch-moralischen Grundhaltung, das Alexander Ulfig konstatiert, kann somit auf die willkürliche Herbeiführung von Ambivalenz, wie sie durch den Konstruktivismus erfolgt, zurückgeführt werden, womit auch erklärt wäre, warum die entsprechend Befallenen vornehmlich im Dunstkreis von Hochschulen zu finden sind, blühen doch gerade an Hochschulen in den letzten Jahren Irrationalismen und offen die Rationalität ablehnende Konstruktivismen, wie der Genderismus und der Sozialismus in all seinen Spielformen.

Wie die Kausalität verläuft, ist indes unklar:

Ziehen Ideologien, die behaupten, die Wirklichkeit sei eine ambivalente Brühe, die man nach eigenem Gutdünken interpretieren könne, schwache Persönlichkeiten an, die eine Surrogatidentität suchen, die es ihnen erlaubt, individuelles Nichts und kollektives Etwas zugleich zu sein, wobei die Voraussetzung zum individuellen Nichts darin besteht, keine Moral und keine Ethik, eben keine Person zu besitzen? Oder ist es so, dass sich die entsprechenden Nichtse zusammenfinden, um zum kollektiven Etwas zu transzendieren, das sich dadurch auszeichnen muss, Identität zu verleihen ohne die individuelle Nichtigkeit zu gefährden, ein Kunststück, das nur der Konstruktivismus vollbringen kann?

Wie auch immer die Kausalität verläuft, sie verläuft zwischen individuellem Nichts und kollektivem Etwas.

Zur Studie:

Pittarell, Leib, Gordon-Hecker und Shalvi haben eine Vielzahl von Probanden, regelmäßig zwischen 7 und 40, unterschiedlichen Experimenten unterzogen, mit denen sie u.a. die Frage klären wollten, in welchen Situationen es besonders wahrscheinlich ist, dass ein Proband eine Lüge erzählt. Die Probanden saßen dazu vor Computern, auf denen regelmäßig sechs Würfel an sechs Orten dargestellt wurden. Aufgabe der Probanden war es, jeweils den Wert des Würfels, der sich am nächsten an Ort X befunden hat, zu berichten. Die Probanden erhielten für ihre Teilnahme eine Vergütung in Abhängigkeit vom Würfelergebnis, wobei sie in zwei Gruppen geteilt waren: Die Vergütung in Gruppe A wuchs mit der Höhe der berichteten Augenzahl des Würfels, die sich am nächsten an Ort X befunden hat. Die Vergütung in Gruppe B wuchs mit der Akkuratheit der berichteten Augenzahl des Würfels, die sich am nächsten an Ort X befunden hat. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Probanden in Gruppe A häufiger logen als die Probanden in Gruppe B, was offensichtlich darauf zurückzuführen ist, dass Probanden in Gruppe A einen pekuniären Vorteil mit ihren Lügen erreichen konnten. Das Ausmaß an Lügen stieg in Gruppe A mit der Ambivalenz der dargestellten Ergebnisse: War zwar entscheidbar, welcher Würfel am nächsten zum Ort X lag, die Situation aber insofern ambivalent als ein zweiter Würfel recht nahe bei X, wenngleich weiter entfernt als der erste Würfel lag, dann erhöhte dies die Anzahl der Lügen.

Die Experimente, die Versuchsanordnung und die Daten der Experimente sind hier vollständig dokumentiert. Wer Lust hat, die Ergebnisse der Experimente zu prüfen, der kann dies also tun – was zeigt, Pittarello et al. sind keine Anhänger des Konstruktivismus.

Pittarello, Andrea, Leib, Margarita, Gordon-Hecker, Tom & Shavi, Shaul (2015). Justifications Shape Ethical Blind Spots. Psychological Science. DOI:10.1177/0956797615571018

Sozialismus macht dünn – Freiheit erfordert Verantwortung

auch beim Essen …

Davide Dragone und Nicolas R. Ziebarth haben ein Arbeitspapier veröffentlicht, das überschrieben ist mit:

Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from the East German Transition to Capitalism.

Ein interessantes Arbeitspapier mit einer Reihe von zum Teil bekannten Ergebnissen:

banana revolutionDie sogenannte friedliche Revolution in der DDR hat wohl doch Bananen zur Ursache, wie sich daran zeigt, dass Dragone und Ziebarth eine sprunghafte Zunahme des Konsums tropischer Früchte bei Ostdeutschen von 1989 bis 1991 feststellen. Vielleicht ist es auch die Flucht vor der Kartoffel, die die Ostdeutschen zum Marsch auf dem Leipziger Ring veranlasst hat, denn der Konsum von Kartoffeln ist nach Öffnung der Grenzen zu Westdeutschland stark zurück gegangen.

Der veränderte Konsum ist zukunftsweisend, kreiert eine Gewohnheit, denn auch 1998 und 2005 zeigen Ostdeutsche die Konsummuster, die sie sich 1991 angewöhnt haben und: andere Essgewohnheiten als Westdeutsche.

Nicht ganz unproblematische Essgewohnheiten, wie es scheint, denn:

Nicht nur der Verzehr tropischer Früchte hat sprunghaft zugenommen, auch der Verzehr von Fertiggerichten, deren Attraktivität darin besteht, dass sie die Zubereitung von Speisen vereinfachen und beschleunigen und den Aufwand reduzieren. Davon haben in der Vergangenheit vor allem Ehefrauen profitiert, die die neu gewonnene Freiheit in mehr Körpergewicht investiert haben, wie Cutler, Glaeser und Shapiro (2003) für den Zeitraum von 1970 bis 1990 zeigen.

Offensichtlich muss man lernen, mit der neuen Freiheit, sowohl was die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln als auch das Mehr an Zeit angeht, umzugehen.

Für diese Annahme spricht auch, was Dragone und Ziebarth für Ostdeutsche zeigen können. Nach der Wende haben viele Ostdeutsche ihre Nahrung umgestellt: Deutlich weniger Kartoffeln, mehr tropische Früchte und vor allem: mehr Fertiggerichte und entsprechend: mehr Gewicht, mehr Übergewicht, mehr Adipositas, höhere Cholesterol-Werte, höherer Blutdruck und eine Zunahme von Diabetes (Typ II), und alles im Vergleich zu Westdeutschen.

Daraus kann man schließen, dass der ostdeutsche Sozialismus seine Bürger so ausgedorrt hat, dass sie sich, gleich dem fast Verdursteten, der eine Oase erreicht, auf das Angebot an neuen Waren, das ihnen der Kapitalismus zugänglich gemacht hat, gestürzt haben, es in vollen Zügen und mit vollen Mägen genossen und – wie man im Englischen sagt – dabei overindulged haben.

Das an sich wäre nicht schlimm, ergäbe sich daraus keine Gewohnheit. Aber: Es hat sich für viele Ostdeutsche eine Gewohnheit, eine Essgewohnheit ergeben: Scheinbar aus Angst davor, wieder in den ausgemerkelten Zustand sozialistischer Plan-Leere im Konsum-Laden gestürzt zu werden, hat sich eine “was-man-hat,-hat-man-Mentalität” durchgesetzt, durchaus auf Kosten der eigenen Gesundheit, wie die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth zeigen: Im Gegensatz zu Westdeutschen sind Ostdeutsche dicker, übergewichtiger und kränker, gemessen an den drei Indikatoren von Cholesterolwert, Höhe des Blutdrucks und Diabetes.

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kampf gegen Adipositas in Venezuela

Kurz: Sozialismus schafft bei denen, die ihm ausgesetzt sind, Entzugserscheinungen, die der einer Drogenabhängigkeit gleichen. Werden Waren, die im Sozialismus entzogen sind, zugänglich, dann führt dies zu einem entsprechenden Torschlusspanik- und Überkonsum, der sich in einer  Konsumtradition festsetzt, die Auswirkungen auf die Gesunheit der so Konsumierenden hat.

Nicht nur, dass sozialistische Systeme ihren Bürger Konsum vorenthalten, sie machen viele ihrer Bürger auch unfähig, dann, wenn der Sozialismus, wie er das regelmäßig tut und wie man es gerade wieder in Venezuela beobachten kann, an der Realität scheitert, normale Konsummuster und Umgangsweisen mit den Produkten zu entwickeln, die ihnen im Sozialismus vorenthalten waren. Entsprechend ist die höhere Adipositas unter Ostdeutschen eine fortdauernde Folge sozialistischer Unmündigkeit, ein kulturelles Erbe sozialistischer Magerkur.

Daten und Methoden
Die Ergebnisse von Dragone und Ziebarth basieren auf einer breiten Datengrundlage, nämlich dem nationalen Gesundheitssurvey von 1990 und 1992 (2.160 ost- und 4.390 westdeusche Befragte), der Folgestudie zum Gesundheitssurvey von 1996 (2.216 ostdeutsche und 4.203 westdeutsche Befragte) sowie dem Mikrozensus von 2005 (1% der deutschen Bevölkerung, derzeit rund 380.000 Haushalte und rund 820.000 Befragte). Die Analysen werden zum einen mit subjektiven Selbsteinschätzungen, z.B. im Hinblick auf die Veränderung der Konsumgewohnheiten nach der Wende, zum anderen mit objektiven Maßen, Cholesterolspiegel, Bludruck, BMI durchgeführt. Die Autoren rechnen Regressionsanalysen (OLS) mit unterschiedlichen abhängigen und unabhängigen Variablen.

Cutler, David M., Glaeser, Edward L. and Shapiro, Jesse M. (2003). Why have Americans become more obese? Journal of Economic Perspectives 17(3), 93–118 (und NBER, siehe Link).

Dragone, Davide & Ziebarth, Nicolas R. (2015). Economic Development, Novelty Consumption, and Body Weight: Evidence from East German Transition to Capitalism. Bonn: Institute for the Study of Labor, IZA DP No.8967.

Absturz von Germanwings: Was ist ein Toter wert?

Zwar weiß noch niemand, welche Ursache zum Absturz von Germanwings Flug 4U9525 geführt hat; Zwar ist das Internet voller Betroffenheitskundgebungen und Solidaritätsadressen, voller Trauender, die ihr Mitgefühl für Menschen entdeckt haben, die sie gar nicht kennen und auch nicht mehr kennen lernen werden. Zwar gibt es immer noch ein Shuttlesystem, das wichtige Politiker über der Absturzstelle im Hubschrauber kreisen sieht, damit sie auch vor Ort ihre Betroffenheitsmiene verbreiten können. Zwar ist, um es zusammenzufassen, noch alles unklar und nichts klar, doch ist dies kein Hinderungsgrund, um sich schon einmal darüber Gedanken zu machen, was denn so ein Toter für die Hinterbliebenen wert ist.

GermanwingsAnne Kunz macht sich diese Gedanken in der Welt und trotz aller Unklarheit weiß sie schon, dass es mehr Geld gibt, wenn der Fluggesellschaft ein Mitverschulden oder gar ein Verschulden nachgewiesen werden kann, aber vor allem weiß sie eines ganz genau:

Die Hinterbliebenen werden “ungerecht” entschädigt. “Bei einem Absturz”, so reimt sie zusammen, “kommen auf die Versicherer Hunderte Millionen Euro an Kosten zu – für das Flugzeug, vor allem aber für die Angehörigen der Opfer. Doch nicht jeder Hinterbliebene erhält gleich viel”.

Man kann es pietätlos oder auch ehrlich finden, dass die alte Weisheit, wonach des einen Leid des anderen Freud’ ist, in der WELT vordemonstriert wird, und vermutlich wird es schon den ein oder anderen Angehörigen geben, der dem Geldsegen, der ihm bevorsteht, etwas abgewinnen kann. Aber man kann es nicht mehr tolerieren, dass in öffentlichen Medien, von Journalisten, die angeblich ihr Fach gelernt haben, Begriffe wie Gleichheit und Gerechtigkeit synonym verwendet werden.

Dass Anne Kunz es offensichtlich ungerecht findet, wenn nicht jeder Tote für die Angehörigen gleichviel wert ist, ist das eine, mit Gerechtigkeit hat diese affektive Idiosynkrasie aber überhaupt nichts zu tun.

Gerechtigkeit wird weiter unten im Artikel beschrieben:

“‘Die Höhe der Schadenersatzansprüche lässt sich nicht pauschal beziffern’, heißt es dazu beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ausschlaggebend sind die Lebensumstände, der Beruf und das Alter des Verunglückten. Wie hoch war der bisherige Arbeitsverdienst und das erwartete zukünftige Erwerbseinkommen, hatte er Kinder, oder bestehen gegenüber anderen Personen Unterhaltspflichten? Generell gilt, dass die Schadenersatzansprüche für Hinterbliebene von Kindern geringer ausfallen als für die von Erwachsenen.”

Anders formuliert: Hier kommt ein Lebensleistungsprinzip zum Einsatz, das allein Gerechtigkeit zu begründen in der Lage ist. Denn die finanzielle Lücke, die der vollerwerbstätige Handelsreisende für die Hinterbliebenen hinterlässt, ist größer als die finanzielle Lücke, die die halttagstäge Lehrerin hinterlassen hat. Will man beider Tod für die Hinterbliebenen kompensieren, dann muss man das in Rechnung stellen, ob es Anne Kunz nun passt oder nicht.

Gerechtigkeit ergibt sich gerade daraus, dass man die unterschiedlichen Leistungen, die die Toten zu Lebzeiten erbracht haben, in Rechnung stellt. Entsprechend ist es zwangsläufig, dass es für einen toten Jugendlichen oder ein totes Kind, die noch keinen finanziellen Beitrag erbracht haben, Schadensersatz in geringerer Höhe gibt als für den Sportreporter aus dem Iran, der voll im Erwerbsleben steht.

Wer das ungerecht findet, zeigt zum einen, dass er keine Ahnung davon hat, was Gerechtigkeit eigenlich ist. Wir empfehlen ihm daher die Lektüre unseres Idiotentests für Verteilungsfragen. Und wer das ungerecht findet, der outet sich in herausragender Weise als Leistungsfeind, was die Frage aufwirft, warum er ein Gehalt entgegen nimmt, das über der Grundsicherung liegt, wo er doch offensichtlich der Ansicht ist, er würde nicht mehr leisten und deshalb auch nicht mehr verdienen als ein Hartz-IV-Empfänger.

Will man Schadensersatz für den Tod von Menschen leisten, dann wird man sich zwangsläufig auf Kriterien verständigen müssen, entland derer man die Höhe des Schadensersatzes berechnet. Die berufliche Situation und das Alter eines Toten ist dabei sicher das beste Kriterium, denn es bildet seine Lebensleistung ab. Und weil dem so ist, wird es zwangsläufig ein Gender-Death-Value-Gap geben, denn männliche Tote haben für ihre weiblichen Hinterbliebenen in der Regel einen höheren finanziellen Wert als weibliche Tote für ihre männlichen Hinterbliebenen.

Man könnte natürlich auch fragen, ob es überhaupt einen Anspruch auf Schadensersatz gibt, insbesondere wenn ein Unfall, der ja Teil eines menschlichen Lebens ist, die Ursache für den Verlust z.B. des Ernährers ist. Warum sollen z.B. Fluglinien Schadensersatz leisten, wenn ein Fluggast bei einem Absturz ums Leben kommt, ein Autobauer, dessen Autos für weit mehr Tote auf Straßen sorgen, aber nicht? Wieso soll überhaupt das Risiko, das jemand mit einem Flug auf sicht nimmt, dann, wenn es mit seinem Tod endet, von der Gemeinschaft der Versicherer getragen werden?

Die Frage stellt sich umso dringlicher als derzeit unisono über den menschlichen Verlust der 150 Insassen von Flug 4U9525 gejammert wird und nicht über den finanziellen Verlust, weshalb es bigott wäre, die nicht ausfüllbare emotionale Lücke, dann mit schnödem Mammon und ökonomischer Kälte ausgleichen zu wollen.

Übrigens zeigt sich hier auch die Verlogenheit von pathetischen Aussagen wie: “Tut weh, dass so viele Kinder unter den Toten sind”, wie sie Frank-Walter Steinmeier gemacht hat, der damit wohl insinuieren will, dass er, hätte er zu wählen, wer unter den Toten ist, ältere, am besten Senioren vorgezogen hätte, was letztlich bedeutet, dass er eine klare Werthierarchie von Menschen aufstellt, die Kindern einen höheren Wert als Erwachsenen zuweist. Ob sich Frank-Walter Steinmeier aufgrund seines Alters mit Selbstmordgedanken trägt, ist nicht bekannt.

Blockupy-Verschwörungstheorie: Die Polizei ist schuld!

Zur Einstimmung ein Video aus Frankfurt.

Deutschland 2015.

Es sind dies Bilder einer friedlichen Demonstration, auf der eine Vielzahl besorgter Bürger gegen die EZB demonstriert hat. Die EZB, eine der größten Geldpressen des Jahrtausends und einer der größten Feinde des Kapitalismus und des Freien Marktes, hat es nämlich geschafft, der Lieblingsfeind der Linken Krawallianer zu werden (niemand weiß warum und wie), die – obwohl sie im Geiste des Marxismus, aber wohl eher mit einer starken Betonung des Leninismus unterwegs sind, ihren Marx nicht kennen, schreibt Karl Marx doch in seinem mit Friedrich Engels verfassten Kommunistischen Manifest:

Auszug aus dem kommunistischen Manifest vom Marx und Engels – Kapitel 2:

“Für die fortgeschrittensten Länder werden jedoch die folgenden ziemlich allgemein zur Anwendung kommen:
…..
(5)
Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.”[Danke an Thomas Ferge]

Auch ansonsten scheint die Realitätswahrnehmung der Blockupy-Bewegten doch ziemlich verzerrt zu sein, sehen sich die Blockupisten doch als Opfer polizeilicher Gewalt, wie man ihrem Live-Ticker entnehmen kann, auf dem sie die Krawalle aus ihrer Sicht dokumentiert haben.

Man kann die impliziten Prämissen, auf denen die folgenden Dokumente basieren, wie folgt zusammenfassen:

  • Wir, also Blockupy, sind Opfer des Kapitals.
  • Kapital ist strukturelle Gewalt.
  • Die Polizei ist Handlanger des Kapitals.
  • Die Polizei ist auch strukturelle Gewalt und versucht, die gerechtfertigten Proteste friedliebender Blockupisten zu verhindern.
  • Deshalb muss man sich gegen die Polizei zur Wehr setzen.
  • Und natürlich sind Blockupisten grundsätzlich Opfer, aktivistische Opfer.

Die Prämissen weisen starke Parallelen zu Genderismus auf. Um dies zu sehen, muss man Polizei nur mit Patriarchat ersetzen. Die Parallelen sind kein Zufall, denn Blockupisten und Genderisten nähren sich an den selben Irrtümern und Mythen.

Und nun die Darstellung dessesn, was in Frankfurt wirklich war, d.h. was sich Blockupisten einbilden, dass war: