Warum nicht? Eine Quote für miserable Fernsehproduktionen

Als wäre der deutsche Fernsehfilm nicht schon schlecht genug, nein, im Bemühen, gleichzustellen, hat sich nun eine Initiative mit dem Namen “Pro Quote Regie” gegründet, die die Qualität des deutschen Fernsehfilms noch weiter verschlechtern will.

Wie?

örundfunkGanz einfach: Nicht mehr die sowieso schon lausigen Qualitätskriterien sollen Grundlage der Vergabe öffentlich-rechtlicher Mittel für die Produktion von Fernsehfilmen sein, sondern, na, was wohl?

Was ist derzeit das Kriterium, das man am besten nutzen kann, um sich einen Vorteil im Kampf um Ressourcen zu sichern, nicht, weil man besser wäre, nein, sondern weil man eben … ist?

Nein, es ist nicht Transgender. Transgender werden auch weiterhin nicht als Regisseure bevorzugt.

Es ist auch nicht Migrantenhintergrund.

Behinderung ist es auch nicht oder das Fehlen einer relevanten Anzahl von Regisseuren in den Altersklassen zwischen 17 und 26,5 Jahren oder über 69 Jahren.

Religiöse Orientierung steht auch nicht zur Debatte. Auch in Zukunft werden muslimische oder buddistische Regiessure am Geldtopf, der für die Erstellung öffentlich-rechtlicher Filmproduktionen bereit steht, nicht bevorzugt partizpieren.

Es ist…

Geschlecht!

Was sonst?

Wir haben zu wenige Regisseusen, die sich am öffentlich-rechtlichen Geldtopf gütlich tun können. Entsprechend haben wir keine mobilen Betriebskindergärten, für Außenaufnahmen, keinen Ausgleich für Halbtagsregisseusen, kein Mentorenprogramm “Wie man sich öffentliche Förderung erheischt, wenn das eigene Filmprojekt Mist ist” und vieles andere auch nicht.

Zeit eine Quote für Regisseusen zu fordern.

Pro Quote Regie 2Denn – wir zitieren, “die Tatsachen sind alarmierend. Nur etwa 11 Prozent der Sendeminuten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen werden von Frauen inszeniert. In der Sonntagabend Primetime sind es nur 3,6 Prozent. Bei lediglich drei von 36 Tatortproduktionen führten Frauen im Jahre 2013 Regie. An Krimiformaten wie SOKO Leipzig, In aller Freundschaft, Donna Leon, Nord Nord Mord arbeitete zwischen 2010 und 2013 nicht eine einzige Regisseurin. Bei Großstadtrevier oder SOKO Wismar waren es keine drei Prozent.”

Hätten Sie es bemerkt, dass nur etwa 11 Prozent der Sendeminuten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von Frauen inszeniert werden, so z.B. am typisch weiblichen Feel oder Touch, der ihnen aus dem Plasma-Fernseher entgegen strahlt? Oder an sonstigen angeblich typisch weiblichen Eigenschaften, die den Tatort vom bloßen Tatort zu einem weiblich inszenierten Tatort machen. Welche Eigenschaften das sein sollen, die sich die Regisseusen von Pro-Quote hier ausmalen? Heimtücke? Hinterlist und Täuschung? Boshaftigkeit? Wer weiß!

Ja, hätten wir nicht Pro Quote Regie, denn wüssten wir das alles nicht. Mehr noch: Pro Quote Regie hat eine “Vorständin”. Esther Gronenborn heißt die Vorständin und Gronenborn warnt: “Unsere Gesellschaft in ihrer Vielfalt repräsentiert das öffentlich-rechtliche Fernsehen damit nicht”.

ZDFWir lernen, in der Welt von Esther Gronenborn besteht Vielfalt aus Männlein und Weiblein, aus sonst nichts. Die Welt der Vorständin scheint sich in aller Vielfalt auf genau dieses eine Merkmal des Geschlechts reduziert zu haben, was selbst für Quoten-Aktivisten ein äußert bedenkliches Schrumpfen der Welt darstellt. Wie man wohl durch die Welt kommt, wenn man nur im Stande ist, Geschlecht wahrzunehmen, als einzige Form gesellschaftlicher Vielfalt? Fragen Sie die Vorständin von Pro Quote Regie, von der wir hoffen, dass sie nie das Geld hat, um einen Film zu drehen, was uns da ins Haus stünde an reduzierter Vielfalt, man wagt es sich gar nicht vorzustellen.

Überhaupt sind die Herrschaften von Pro Quote Regie sich darüber, was sie nun eigentlich fordern, nicht so ganz im Klaren: So fordern sie zunächst eine “gendergerechte Verteilung von öffentlich-rechtlichen Geldern” im Rundfunktstaatsvertrag mit dem ZDF zu verankern. Zwei Absätze weiter wollen die Pro Quoten Regisseusen keine gendergerechte Verteilung im Staatsvertrag mehr, sondern einen “Gleichstellungsparagraphen”, an dem sie auch noch einen Absatz weiter festhalten, während abermals ein Absatz weiter wieder von “Geschlechtergerechtigkeit” die Rede ist und eine “gendergerechte Verteilung” der öffentlich-rechtlichen Gelder gefordert wird, nur um dann im letzten Absatz abermals zum Gleichstellungsparagraphen zu werden, der nunmehr für Gendergerechtigkeit sorgen soll.

Nun, so geht das nicht.

Bevor hier eine Quote gefordert wird, sollten sich diejenigen, die fordern und vor allem ihre Vorständin, doch zunächst einmal im Klaren darüber sein, was sie eigentlich fordern wollen:

Gleichstellung, also Ergebnisgleichheit, die schlicht besagt: Die öffentlich-rechtlichen Gelder sind zu je 50% an männliche und weibliche Regisseure zu verteilen oder Gendergerechtigkeit, bei der die Dinge ganz anders liegen.

Fangen wir mit Gerechtigkeit an. Gerechtigkeit ist ein Prinzip das gleichen Nutzen bei gleicher Leistung vorsieht. Entsprechend macht der Begriff der Gendergerechtigkeit nur dann überhaupt Sinn, wenn man fordern will, dass Männlein und Weiblein bei gleicher Leistung gleicher Nutzen zuteil wird. Bewerben sich entsprechend 75% Männer und 25% Frauen mit Ideen um eine öffentlich-rechtliche Förderung, dann wäre Gerechtigkeit im Hinblick auf Geschlecht dann erreicht, wenn 25% der Mittel an weibliche Regisseure vergeben werden, aber nur dann, wenn die Qualität der von Männern und Frauen angebotenen Filmideen gleich ist.

Da die Regisseusen von Pro Quote Regie ein 50/50 Logo benutzen, ist anzunehmen, dass es ihnen nicht um Gerechtigkeit, sondern im Gegenteil um Ungerechtigkeit, um Diskriminierung von Männern und Herabwürdigung leistungsfähiger Frauen geht, also darum, 50% der öffentlich-rechtlichen Fördermittel weiblichen Regisseuren zuzuschanzen, selbst dann, wenn diese weibliche Regisseure nur, sagen wir, 11% der deutschen Regisseure ausmachen und kompletten Unsinn in Filmform produzieren wollen.

The Snout in the Trough

The Snout in the Trough

Mit anderen Worten, es geht bei Pro-Quote-Regie einfach darum, seine Schnauze in den Fressnapf zu bekommen und so viele Brocken wie nur möglich zu fressen. Um dieses Ziel zu erreichen, werfen die Pro-Quoten-Regisseusen ohne Sinn und Zweck mit Begriffen um sich, deren Sinn sie entweder nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, weil Verständnis hinderlich dabei wäre, die eigene Egomanie, also den Griff in die Truhe mit den Fördergeldern zu verfolgen.

Worum es nicht geht: Um die Qualität.

Der Begriff der Qualität kommt bei Pro Quote Regie nicht vor. Das Ziel von Pro Quote Regie besteht nicht darin, die Qualität von Fernsehfilmen öffentlich-rechtlicher Sender zu erhöhen, sondern darin, die Anzahl weiblicher Regisseure, die vom Verteilungsystem nutznießen, zu erhöhen. Das hat mit Qualität überhaupt nichts zu tun.

Man kann aber schließen, dass dann, wenn die Vergabekriterien an erste Stelle aus Geschlecht bestehen, die Qualität sicherlich nicht besser werden wird, mehr noch: man kann vorhersehen, dass die Vielfalt im zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen aus der Vielfalt besteht, die Vorständin Gronenborn kennt – grausam!

RTL wird es recht sein.

Übrigens gäbe es derart unverschämte Versuche des Nutnießens auf einem freien Markt nicht, denn dort entscheidet die Nachfrage über den Erfolg eines Angebots. Entsprechend werden Fernsehfilme produziert, von denen sich die Macher eine entsprechende Nachfrage erwarten und nicht Filme, bei denen der Regisseur das richtige Geschlecht hat, um gefördert zu werden.

Vielen Dank an einen ScienceFiles-Leser, der uns aus erster Hand mit diesen Informationen versorgt hat.

Die neue Brüderlichkeit: Volle Rente bei halber Arbeit – halbe Rente bei voller Arbeit

Wir haben in der Vergangenheit schon darüber berichtet, wie die von Steuerzahlern finanzierten politischen Vereine der Parteien, die sich ganz unverfroren Stiftung nennen, das Geld der Steuerzahler, das ihnen ihre Lobbyisten im Bundestag zuschanzen, missbrauchen, um politische Agitation zu betreiben. Zuweilen wird diese politische Agitation als wissenschaftliche Arbeit ausgegeben und in einer weiteren Form des Etikettenschwindels als Expertise bezeichnet, ein Begriff, der genutzt wird, um vorzuspiegeln, dass das, was man gerade veröffentlicht, wissenschaftlich fundiert sei, auf einer entsprechenden Expertise basiert.

Eine angebliche Expertise im Autfrag der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, die den Titel trägt: “Soziale Sicherung unter dem Brennglas: Altersarmut und Alterssicherung bei Beschäftigten im deutschen Sozialsektor“, ist es dann auch, die unsere Aufmerksamkeit erregt hat. Die vermeintliche Expertise wurde von Florian Blank und Susanne Eva Schultz erstellt, die wiederum bei der Hans-Böckler-Stiftung am dortigen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut angestellt sind, also beim Deutschen Gewerkschaftsbund.

SED logoDie eine-Hand-wäscht-die-andere-Konstellation gestaltet sich also wie folgt: Der Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung nimmt Geld, das ihm aus Mittel der Steuerzahler von seinen politischen Lobbyisten im Bundestag zugeschanzt wurde, um die befreundete Stiftung, die unter dem Namen von Hans-Böckler Steuergelder verbraucht und das dortige Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut damit zu beauftragen, eine später als Expertise zu verkaufende Legitimationsarbeit zu verfassen, die sich einsetzen lässt, um politisches Kapital sowohl für die Gewerkschaft als auch für die SPD daraus zu schlagen.

Und wir werfen der EU-Kommission vor, dass sie aus Steuermitteln ihre eigenen Claqueure finanziert. Offensichtlich ist das Indoktrinations-Modell der EU-Kommission, mit dem versucht wird, über vermeintliche wissenschaftliche Expertisen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung zu nehmen, eine Kopie eines bewährten Korruptionsprogramms deutscher politischer Vereine.

Was kommt wohl dabei heraus, wenn der SPD-Verein den DGB-Verein damit beauftragt, etwas zu Altersarmut zu schreiben?

Fangen wir einmal vorne in der Kurzfassung an:

junk_science“Zentrales Ergebnis ist, dass für Beschäftigte im Sozialsektor der Aufbau einer eigenständigen Alterssicherung zwar grundsätzlich möglich ist (bei erheblichen Differenzen zwischen den hier betrachteten Berufsgruppen). Voraussetzungen dafür sind aber eine Bezahlung nach Tarif, dass es sich um Vollzeitbeschäftigung handelt und ein langer Verbleib im Beruf gelingt. Alle drei Aspekte sind aber problematisch angesichts einer abnehmenden Tarifbindung im Sozialsektor und eines Bedeutungsverlusts der „Leitwährung“ TVöD, einem hohen – teils zunehmenden – Anteil an Teilzeitbeschäftigung und belastenden Arbeitsbedingungen. Zusammengenommen zeigt sich, dass für viele Beschäftigte dieser Sektor mit Blick auf die Alterssicherung keine guten Aussichten bietet. Von dieser Situation sind vor allem Frauen betroffen, die im Sozialsektor die Mehrheit der Beschäftigten stellen (5).

Wer hätte es nicht vorher gewusst, dass die vermeintliche Expertise, die zum Zeitpunkt einer Regierungsbeteiligung der SPD vom SPD-Verein beim DGB-Verein in Auftrag gegeben wird, zu dem Ergebnis kommt, dass die Gesetzliche Rentenversicherung es grundsätzlich erlaubt, eine Rente anzusparen, aber nur, wenn etwas getan wird, um den Gewerkschaften mehr Einfluss auf Tarifabschlüsse und Lohnfestsetzungen in nicht trafigebundenen Betrieben zu geben?

Wer hätte es nicht vorher gewusst, dass mit der Weitergabe von Steuergeldern durch den SPD-Verein an den DGB-Verein ein Lamento finanziert wird, das die Interessen von Frauen verfolgt?

Und wer würde daran zweifeln, dass die als Expertise bezeichnete Junk Science mit weitreichenden Forderungen nach sozialer Gleichheit und nach Beseitigung einer leistungsabhängigen Rentenzahlung schließt?

“Rentenpolitische Maßnahmen, die getroffen werden sollen, sind u.a.: “Die Stärkung von Elementen des sozialen Ausgleichs in der Rentenversicherung, angefangen bei einer höheren rentenrechtlichen Bewertung von Zeiten ohne Erwerbseinkommen bis hin zu einer Aufwertung von Zeiten mit niedrigen Einkommen (39).”

Warum auch nicht? Warum soll jemand, der 15 Stunden oder 20 Stunden arbeitet und entsprechend weniger Rentenansprüche anspart als jemand der für denselben Studenlohn 37,5 oder 40 Stunden arbeitet, nicht die gleiche Rente erhalten? Stellt es nicht eine eindeutige Benachteiligung von Teilzeitarbeitenden dar, dass sie weniger verdienen als Vollzeitarbeitende und entsprechend weniger Rentenansprüche erwerben können? Und da die meisten Teilzeitarbeitenden weiblich sind, ist das geringere Entgelt für geringere Arbeit eine Benachteiligung!

Eigentlich müsste man schon an dieser Stelle die Legitimationsforschung, die uns abermals, händeringend nach einer Steigerung von Junk Science suchen lässt, in den Mülleimer werfen. Aber, immerhin wurden für diesen Junk Steuergelder verprasst, was uns die Pflicht auferlegt, die knapp 40 Seiten dieser angeblichen Expertisen noch etwas genauer anzuschauen.

Was machen Blank und Schulz da eigentlich?

Zunächst suchen Sie verzweifelt nach einer Möglichkeit, Altersarmut zu finden und scheitern, denn auch die Autoren, die schon vollmundig den Begriff der Altersarmut im Mund führen, wissen derzeit nur von einem Risiko zu schreiben oder eine entsprechende Gefahr zu beschwören. Weder das Risiko noch die Gefahr haben sich bislang materialisiert. Das bedeutet, man muss Altersarmut als Puppe in die ideologische Geisterbahn stellen und hoffen, dass man einige biedere Gemüter damit erschrecken kann.

FES_WISO_Soziale SicherungGinge es den Autoren im Übrigen tatsächlich darum, die Frage zu untersuchen, wie jemand auf Basis seines Entgelts und seiner Rentenbeiträge, die ihm einbehalten werden, im Alter gestellt ist, sie hätten die miserable Rentabilität der gesetzlichen Rentenversicherung thematisiert und sich gefragt, ob man nicht besser fahren würde, wenn man die Rentenversicherungsbeiträge in das Kopfkissen stopfen würde anstatt sie dem Staat anzuvertrauen, wohlwissend, dass aus der Rentenkasse jede nur erdenkliche Form des Wahlgeschenks finanziert wird.

Aber darum geht es den Autoren nicht.

Blank und Schulz wollen, vermutlich ihrem Auftrag entsprechend, vielmehr für ihre Klientel ein Wahlgeschenk aus der Rentenkasse anregen und legitimieren.

Aus dem Kapitel über die Gesetzliche Rentenversicherung ist genau ein Punkt relevant, der sich auf die Berechnung der Rentenhöhe bezieht, genauer, auf die Bestimmung von Entgeltpunkten: Zum 1. Juli 2014 erhält einen Entgeltpunkt, wer ein Jahresentgelt von 34.999 Euro brutto, also 2.916,58 Euro brutto monatlich verdient hat. Ein Entgeltpunkt entspricht wiederum 28,61 Euro. Wer demnach 2.916,58 Euro pro Monat verdient hat und davon 545,40 Euro monatlich in die gesetzliche Rentenversicherung bezahlt hat, kann, wenn er 45 Jahre berufstätig war, damit rechnen, eine monatliche Rente von 1.287,45 Euro ohne Berücksichtigung von Inflation und Gehaltssteigerungen zu erhalten. Zum Vergleich: würde derselbe Beitragszahler 545 Euro auf 45 Jahre zu einem Zinssatz von 2% anlegen, er hätte am Ende 1.328,63 Euro.

Die Tatsache, dass ein Entgeltpunkt ein monatliches Gehalt von 2.915,58 Euro notwendig macht, wird von Blank und Schulz in einer Art wildem ideologischen Rundumschlags zur Armutsgrenze oder, wie sie es nennen, zur Grenze benannt, bei deren Unterschreitung eine “eigenständige Alterssicherung grundsätzlich” nicht mehr möglich ist.

Im nächsten Schritt untersuchen Blank und Schulz Berufe des Sozialwesens, solche, die sie für den Kern des deutschen Sozialwesens halten und denen sie eine “hohe gesellschaftliche Bedeutung”, auf Grundlage welcher Kriterien auch immer, zuschreiben. Dabei handelt es sich um “Erzieher_innen …, Altenpfleger_innen …, Krankenpfleger_innen …” und “Ärzt_innen”. Warum Lehrer, Kindergärtner, medizinisch-technische Assistenten, Sanitäter, Physiotherapeuten und all die anderen Berufe des Sozialwesens, die sich u.a. in der Liste der anerkannten Ausbildungsberufe beim BIBB finden, nicht berücksichtigt wurden, nur die Autoren wissen die Antwort, d.h. nur sie können sagen, warum es sich bei Sanitätern und medizinisch-technischen Assistenten nach ihrer Meinung um randständige Berufe und nicht wie sie sagen, um Kernberufe des Sozialwesens handelt.

EntgeltpunkteDie Analyse des Verdienst von Erziehern, Altenpflegern, Krankenpflegern und Ärzten durch die Autoren zeigt, dass die ersten beiden Gruppen Gefahr laufen, unter dem Jahresverdienst zu bleiben, das für einen Entgeltpunkt notwendig ist, während Ärzte und Kankenpfleger darüber liegen. Eine Situation, die sich für Teilzeitkräfte noch verschärft, die – weil sie nur Teilzeit arbeiten, auch kein volles Monatsgehalt verdienen.

Damit ist der Boden bereitet für die Forderungen, die oben zitiert wurden und die darauf hinauslaufen, Personen in weiblich dominierten Pflegeberufen die halbtags oder noch weniger arbeiten, einen Ausgleich auf ihre Rentenansprüche zu geben, sagen wir generell für weibliche Erzieher und unabhängig vom Einkommen einen Entgeltpunkt.

Um diese Forderung richtig würdigen zu können, muss man noch einmal die Problemskizze Revue passieren lassen, die Blank und Schulz in ihrem Beitrag zur Junk Science vornehmen:

Demnach liegt das Problem darin, dass die Rentenbezüge anhand des Idealmodells einer dauerhaften Vollzeittätigkeit berechnet werden, d.h. dass im Rentengesetz gesetzt wird, dass wer länger und mehr arbeitet auch mehr Rente erhält als derjenige, der weniger und kürzer arbeitet. Um diese Ungerechtigkeit, die vor allem Frauen trifft, wie die Autoren nicht müde werden, zu betonen, zu beheben, soll nun denen, die im Vergleich zu den länger und dauerhaft Arbeitenden als benachteiligt konstruiert werden, weil sie weniger und kürzer arbeiten, ein Rentenausgleich gewährt werden.

Dass es sich dabei um Personen handelt, die in der Mehrzahl durch die Anrechnung von Erziehungszeiten sowieso schon anderen vorgezogen werden und von Arbeitnehmern alimentiert werden, deren Jahresentgelt deutlich unter dem Jahresdurchschnittsentgelt, das einem Entgeltpunkt entspricht, liegt, das scheint Blank und Schulz entweder nicht bewusst oder vollkommen egal zu sein.

Überhaupt ist es erstaunlich, welcher moralische Niedergang in den Teilen der politischen Linken zu finden ist, die sich auf das Erbe der Arbeiterbewegung beruft. Man kann nicht anders als Forschung, die betrieben wird, um Halbtagskräften einen Rentenvorteil auf Kosten anderer Beitragszahler zu verschaffen, als moralisch verkommen zu bezeichnen. Dass SPD-Vereine sie finanzieren und Gerwerkschafts-Vereine sie ausführen, ist nur noch das, was man im Englischen als icing on the cake bezeichnet.

Zum Vergleich ein paar Daten von der gewerkschaftseigenen Seite Lohnspiegel.de:

“Das Bruttomonatseinkommen von Berufskraftfahrer[…]n beträgt ohne Sonderzahlungen auf Basis einer 40-Stunden-Woche durchschnittlich rund 2.100 Euro. Die Hälfte der Berufskraftfahrer[…]n verdient weniger als 2.030 Euro.”

Ein Berufskraftfahrer, der 40 Stunden arbeitet, zahlt 392,70 Euro Rentenbeitrag monatlich und erwirbt jährilch knapp 0,75 Entgeltpunkte, weniger als die Vollzeithausfrau, die sich auf die Betreuung der eigenen Kinder spezialisiert hat und dafür mit einem Entgeltpunkt belohnt wird. Aber: Nicht dem Fernfahrer soll ein Ausgleich in seiner Rente geschaffen werden, damit er vor Altersarmut sicher ist, nein, der Halbtagserzieherin, die “nur” 1.780 Euro brutto verdient, für 20 Stunden Arbeit pro Monat.

Oder wie ist es mit dem Gebäudereiniger, der eine Berufserfahrung von 10 Jahren mitbringt, 40 Wochenstunden arbeitet und nach Angaben des gewerkschaftseigenen Lohnspiegel.de 21.852 Euro brutto im Jahr verdient, ein Verdienst, das ihm 0,62 Entgeltpunkte einbringt?

Nein, auch dem Gebäudereiniger muss nicht geholfen werden, damit er von Altersarmut verschont bleibt, schon weil er mit einer 40-Stunden-Woche gut 492 Euro mehr im Jahr verdient als die Erzieherin mit der 20-Stunden-Woche. Deshalb muss für die Erzieherin die Anerkennung der 20 Stunden, die sie monatlich nicht arbeitet, bei der Rentenberechnung gefordert werden, denn sie ist gegenüber dem Fernfahrer und dem Gebäudereiniger, die monatlich 40 Stunden arbeiten klar im Nachteil – oder?

Wer derzeit noch Gewerkschafts- oder Parteimitglied der SPD ist, der kann dies nur sein, weil er entweder keine Ahnung hat, wen er damit unterstützt oder deshalb, weil er einen finanziellen Vorteil von seiner Mitgliedschaft hat.

Man kann angesichts von Junk Forschung wie derjenigen von Blank und Schulz, deren Ergebnisse sich SPD- wie DGB-Verein zu eigen gemacht haben, mit Fug und Recht feststellen, dass Arbeiter und abhängig Beschäftigte, die in einem Beruf tätig sind, in dem man sich noch die Hände schmutzig machen kann, mit Sicherheit nicht von Gewerkschaften oder Sozialdemokraten vertreten werden.

Die sind nämlich damit beschäftigt, teilzeitbeschäftigten Frauen die Beiträge zuzuteilen, die vollzeitbeschäftigte Fernfahrer und Gebäudereiniger in die Rentenkasse einzahlen.

Ein Volk von Hysterikern!?

Eine Erinnerung, die sich immer wieder gut als Anekdote macht, stammt aus unserer Leipziger Zeit. Zurück vom Landgericht und auf dem Weg zur Universität wollten wir einen Abstecher in unsere Wohnung machen. Das erwies sich als schwierig, denn der Zugang zum Haus wurde von maskierten, schutzbeanzugten Feuerwehrmännern, wie sich herausstellte, versperrt. Man habe einen aufgeregten Anruf erhalten. Im Aufzug sei Anthrax endeckt worden.

anthraxRichtig, die Anekdote stammt aus dem Jahre 2002 und ist ein weiterer Beleg der damals existierenden Anthrax-Phobie, die dazu geführt hat, dass selbst der letzte Normalo, der in seinem Leben noch nie durch ein kritisches Wort aufgefallen ist, der Ansicht war, er sei das auserwählte Ziel von Osama bin Laden und erhalte deshalb ein Geschenk: Anthrax.

Das Anthrax im Aufzug hat sich als Mehl herausgestellt. Eine einfache Geschmacksprobe hat genügt, dieses Faktum zu etablieren, und die Jungs von der Leipziger Feuerwehr waren einmal mehr umsonst ausgerückt.

Die Episode damals hat uns in Anwendung der Theorie sozialer Identität von Turner und Tajfel zu der Überzeugung gebracht, dass es eine Anzahl von Deutschen gibt, die ihre Unsichtbarkeit, ihre Irrelevanz im täglichen Leben und die damit einhergehende fehlende Selbstwirksamkeit dadurch zu kompensieren suchen, dass sie sich zum auserkorenen Ziel hinterhältiger Angriffe stilisieren, denn: Wer Ziel von Anschlägen ist, der muss wichtig sein. Bestes Mittel diese Selbstwirksamkeit zu erreichen und zugleich ein Mittel, das die vergangenen Jahrhunderte Frauen zugewiesen haben, (so ändern sich die Zeiten) ist die Hysterie.

Diese Form der Selbstwirksamkeit durch Hysterie scheint eine Charaktereigenschaft zu sein, die von vielen Deutschen geteilt wird – ein Umstand den Frederick Perls im Konzept der “neurotische Gesellschaft” in weitgehend derselben Weise beschrieben hat.

PerlsDiese Charaktereigenschaft macht sie dermaßen leit- und lenkbar, dass es jedem, der an die Freiheit von Willen und Meinung glaubt, die Tränen in die Augen treiben muss, denn im Gegensatz zu Pavlovs Hund muss man diesen Deutschen ihre Hysterie als Reaktion auf fehlende Selbstwirksamkeit nicht antrainieren und mit Leckerli versüssen, nein, sie sind von sich aus programmiert und benötigen keine externe Belohnung für ihre hysterischen Attacken.

Und so schafft es dann, eine “islamistische Terrordrohung”, einen Karnevalsumzug zu verhindern, eine islamistische Terrordrohung, die vom “Staatsschutz” kommt, die zur Polizei gelangt ist, und die so gefährlich ist, dass man sie in keinerlei Hinsicht an diejenigen weitergeben darf, die davon betroffen sind. Wäre es nicht einer freien Gesellschaft angemessen, dass der Staatsschutz und die Polizei in Braunschweig, die Drohung im Wortlaut und um ihre angeblichen Erkenntnisse angereichert, öffentlich machen und so jedem die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, ob er sich bedroht fühlen will oder nicht?

Nicht in Deutschland. Hier muss es reichen, dass die um Bürger angeblich besorgten Institutionen des Staates entschieden haben, dass die Drohung ausreicht, um 250000 erwartete Besucher nach Hause zu schicken. Und man kann sicher sein, dass sich unter denen, die nach Hause geschickt werden, eine Anzahl von wichtigen Persönlichkeiten befindet, die jede Art von Verständnis für den Schutz haben, der ihnen da angedeihen gelassen wird.

So zum Beispiel der Chefredakteur der Braunschweiger Nachrichten, Armin Maus, der Folgendes von sich gibt:

“Polizei und Stadt hatten keine Alternative. Sie mussten die konkrete Anschlagsdrohung ernst nehmen, sie durften keine Menschenleben riskieren. Wie groß die Gefahr wirklich war, werden erst die Ermittlungen zeigen. Aber selbst wenn sich herausstellen sollte, dass lediglich die Idiotie fehlgeleiteter Scherzbolde im Spiel war, bliebe die Absage richtig. Die klare Entscheidung von Polizeipräsidenten Michael Pientka und Oberbürgermeister Ulrich Markurth für die Sicherheit und gegen jedes unnötige Risiko verdient allen Respekt – dass dies keine leichte Entscheidung war, liegt auf der Hand.”

Die konkrete Anschlagsdrohung, die Maus im zweiten Satz verkündet, ist im fünften Satz zur Möglichkeit eines Faschingsscherzes geworden, was ein bezeichnendes Licht auf die angeblich konkrete Drohung wirft. Aber noch bezeichnender ist das Licht, das die Drohung mit einem Faschingsscherz auf angebliche Journalisten wie die Maus aus der Braunschweiger Zeitung wirft, Journalisten, die sich beeilen, mit der Staatsmacht im Gleichschritt zu laufen, die Entscheidungen zu begrüßen und bloß nicht zu hinterfragen, statt dessen ihren Lesern eine korrekte Interpretation vorzugeben, deren wichtigster Bestandteil die Aussage ist: Wir sind bedroht.

Nicht nur das “Unser Land ist verletzbar” so weiß Maus, und zwar dehalb, weil in Paris und in Kopenhagen Anschläge verübt worden sind, woraus man eigentlich das Gegenteil schließen müsste, denn dass in Dänemarkt und Frankreich Anschläge verübt werden und nicht in Deutschland zeigt gerade das Gegenteil dessen, was Armin Maus sehen will (Im Irak werden täglich Anschläge verübt, muss daraus auch geschlossen werden, dass unser Land verletzbar ist, Herr Maus?)

ak47_02Dass Maus die Verletzbarkeit sehen will, ist dem Hysterie-Komplex geschuldet, der oben angesprochen wurde. Wir Deutsche, wir sind wieder wer, denn wir sind verletzbar, Ziel von Anschlägen, potentielle Opfer islamistischer Terroristen, die sich die Hände reiben und darauf freuen, Armin M. oder Ulrich M. höchstpersönlich die Kalaschnikow unter die Nase zu halten.

Jucheisa, wie wichtig wir doch sind. Wir sind keine grauen Mäuse, keine second-hand Nation und kein militärisches Leichtgewicht. Wir sind wichtig, man muss mit uns rechnen, wir sind Feind für Islamisten!

Und ausgehend von Journalisten wie Maus, die ihre Aufgabe in der bedingungslosen Akzeptanz und Weitergabe staatlicher Verlautbarungen, – vom Staatsschutz, uiii, ist das wichtig -, sehen, laufen sie wieder, diejenigen, die an der neuen Wichtigkeit partizipieren wollen, die nichts lieber wären, als Opfer, denn dann sind sie immerhin etwas.

war of orsonJeder, der sich in einem Geheimdienst den Kopf darüber zerbricht, wie er Deutsche dazu bringt, einen neuen Pogrom gegen Ausländer auszuführen oder dazu, sich ihrer Verantwortung gegenüber Juden und nicht gegenüber Menschen als solchen bewusst zu werden, muss sich auf die Schenkel klopfen, ob dieser neuen Möglichkeit, die die kollektive Hysterie hier bietet: Ein Anruf beim Staatsschutz, ein Tweet, ein Eintrag bei Facebook genügt, eine Drohung, eine, die islamistisch verpackt ist, reicht aus, um Hysteriker in Behörden dazu zu veranlassen, Hysterie zur Bürgerpflicht zu machen und um Lebenssinn zu verteilen: Lebenssinn als wichtiges Opfer einer imaginierten Entität, die man nun natürlich mit aller Verve, zu der man fähig ist, bekämpfen muss.

Hadmut Danisch hat in einem mutigen Beitrag die Frage gestellt, was angesichts von tausenden Verkehrsopfern jährlich oder von geschätzt 10.000 Toten durch Keime in Krankenhäusern so schlimm wäre, an ein paar Terroropfern auf einem Karnevalsumzug. Seine Antwort: Jemand müsste Verantwortung überehmen.

Seine Antwort basiert auf der Prämisse, dass die Drohung authentisch ist, dass in Braunschweig wirklich ein Anschlag vor der Tür stand. Lässt man diese Prämisse fallen, dann ergibt sich eine weitere Antwort: Führte man den Karnevalsumzug trotz Drohung durch, dann zeigte sich einerseits, dass die Drohungen, mit denen der Staatsschutz hantiert, nicht ernst zu nehmen sind oder gezielt eingesetzt werden, um Angst zu verbreiten, eine produktive Form von Angst, die unter manchen Deutschen in Wichtigkeit umgewandelt wird, Wichtigkeit, die wiederum dirigierbar und in Hass umsetzbar ist, Hass auf diejenigen, die man als Ausgangspunkt vermeintlicher Drohungen wähnt.

Ein alter Exportschlager in neuem Gewand: Hysterie aus deutschen Landen frisch auf den Tisch!

Rassismus und Rassismuskritik

Wir freuen uns, unseren Lesern vorab einen Beitrag zugänglich machen zu können, den Dr. habil. Heike Diefenbach verfasst hat, und der in Kürze im von Karim Fereidooni und Meral El herausgegebenen Sammelband “(Trans-)Nationale Rassismuskritik: Interdependenz rassistischer Phänomene und Widerstandsformen”, erscheinen wird.

Nie, so kann man dem Beitrag vorausschicken, war er notwendiger denn heuten, denn Dr. habil. Heike Diefenbach schafft Klarheit darüber, was unter Rassismus zu verstehen ist und darüber, welche unterschiedlichen Motive hinter den vielen Verwendungen stehen, die der Begriff heute erfährt.

Ausgangspunkte des Beitrags ist die Tatsache, dass der Begriff “Rassismus”, den deutsche Sozialwissenschaftler früher gemieden haben, wie der Teufel das Weihwasser, seit dem Beginn der 1990er Jahre eine neue Blüte erfahren hat. Nicht nur ist der Begriff wieder fester Bestandteil des sozialwissenschaftlichen Dudens, er ist in seiner Bedeutung auch erheblich ausgeweitet worden und wird in Teilen als Bezeichnung für vermeintlich unüberwindliche Unterschiede in Kultur und Lebensstil genutzt. Der biologische Rassismus, so kann man feststellen, ist zu einem kulturellen Rassismus geworden.

AntirassismusGegen diese Festschreibung richtet sich u.a. die Rassismuskritik, die wiederum Heike Diefenbach in ihrem Beitrag kritisch analysiert, kritisch deshalb, weil die Rassismuskritik in weiten Teilen denselben Prämissen aufsitzt, auf denen auch der Rassismus basiert, nämlich der Reifizierung von Unterschieden in unüberwindlichen Essentialitäten. Wo Rassisten Unterschiede zwischen Gruppen festschreiben, um sich letztlich den Zugang zu Ressourcen zu sichern, schreiben Rassismus-Kritiker dieselben Unterschiede zwischen Gruppen fest, um ihre marxistisch-sozialistische Utopie eines Staates durchzusetzen, in dem Ergebnisgleichheit zwischen den von ihnen für relevant gehaltenen Gruppen herrscht.

Letztlich nutzen Rassismus-Kritiker also den Rassismus, um ihre präferierte gesellschaftliche Ordnung zu vermarkten, deren Ziel nicht die Civic Society ist, die die Handlungshoheit bei Individuen sieht, sondern im Gegenteil, die davon ausgeht, dass Individuen zu dumm sind, um Verantwortung für die eigene Handlung zu übernehmen und entsprechend einem “ideologischen und großen Subjekt” unterworfen werden müssen, das für sie bestimmt, was gut für sie ist.

SF_Rassismus_coverUnd so kommen, Rassismus und Rassismuskritik bei der selben kollektiven Gesellschaft an. Da Rassismus ein zu ernstes Thema ist, als dass man es Rassismus-Kritikern überlassen könnte, ist der Beitrag von Heike Diefenbach von besonderer Bedeutung, denn er bringt Ordnung in das Chaos der Begrifflichkeit, stellt die Motivationen derer dar, die Rassismus leben oder als Konzept im Munde führen und weist eine Abfahrt vom “Weg in die Knechtschaft”, auf dem sich westliche Gesellschaften im Gefolge ihrer angeblichen Intellektuellen derzeit befinden.

Der Beitrag von Dr. habil. Heike Diefenbach kann hier heruntergeladen werden.

Rationalität kommt von knappen Ressourcen

Nach all dem Unsinn in Form von angeblich wissenschaftlichen Studien, mit dem wir uns in der letzten Zeit beschäftigen mussten, haben wir uns eine richtig gute Untersuchung verdient, eine gut gemachte und in jeder Hinsicht vorbildliche Untersuchung.

Anuj Shah, University of Chicago, Eldar Shafir, Princeton University und Sendhil Mullainathan, Harvard University sind für die Untersuchung verantwortlich. Alle drei arbeiten am jeweiligen psychologischen Institut ihrer Universität und haben sich mit einem Thema beschäftigt, das derzeit gar nicht politisch korrekt ist.

problem of scarcityIst irrationales Verhalten das Ergebnis von Überfluss? So kann man ihre Forschungsfrage auf den Punkt bringen. Um die Frage zu beantworten, haben Shah, Shafir und Mullainathan eine Reihe von Experimenten mit rund 2.700 Teilnehmern durchgeführt. Die Methoden und die Daten, die Shah, Shafir und Mullainathan angewendet und gesammelt haben, sind komplett verfügbar, d.h. jeder, der es will, kann die Ergebnisse der drei Autoren nicht nur nachvollziehen, sondern auch nachprüfen.

Man befindet sich in einer ganz anderen Welt, wenn man bedenkt, wie deutsche Kultusminister auf den Daten z.B. der PISA-E-Studien sitzen und darüber wachen, dass nichts an die Öffentlichkeit dringt, was die Realität des deutschen Bildungssystems in drastischen Maßen beschreiben könnte (jenseits der bekannten Tatsache, dass bayerische Hauptschüler mehr wissen und können als der durchschnittliche Bremer Abiturient). Transparenz und Erkenntnisfortschritt sind zwei Qualitäten, die bei deutschen Kultusministern hinter Ideologie und Geheimniskrämerei zurückstehen müssen.

Zurück zu Shah, Shafir und Mullainathan.

Drei experimentelle Anordnungen haben die Forscher mit ihren rund 2.700 Probandenden durchgespielt, Szenarien wie das folgende:
Scarcity 2“Imagine that you go to the store to buy a tablet computer that costs [$300, $500, $1000]. The clerk informs you that a store thirty minutes away sells the same tablet computer for $50 less. Would you go to the other store to buy the tablet computer or would you buy it at the current store?

As you consider the discount, what do you think about as you try to determine how large $50 feels and whether it is worth traveling for?
What percentage it is off the tablet’s regular price
How much I plan to use the tablet
Other things I won’t be able to buy if I don’t save money on the tablet
How long I have been waiting to buy the tablet
What day of the week it is

Note. Participants only pick one option.”

Ähnliche Versuchsanordnungen finden sich für den Kauf von Haushaltsgeräten im Wert von $1.500 bzw. $3.000 sowie für das gleiche Bier, das aus einem “teuren Hotel” bzw. einem “billigen, aber etwas heruntergekommenen Laden” besorgt werden kann, wobei die Probanden im letzten Fall nicht nur angeben mussten, von wo Sie das Bier besorgt haben wollten, sondern auch, was sie dafür zu zahlen bereit sind.

Die Ergebnisse aus all den verschiedenen Experimenten zeigen eine bemerkenswerte Kontinuität:

  • Mit der Höhe des eigenen Haushaltseinkommens der Probanden steigt die Irrationalität.
  • Irrationalität äußert sich darin, mehr für ein Bier zu bezahlen als notwendig ist.
  • Irrationalität äußert sich darin, dass Probanden mit hohem Einkommen, bereit waren, für einen Rabatt von $50 einen Laden zu wechseln, wenn sie einen Tablet-Computer im Wert von $300 kaufen sollten, nicht aber, wenn sie einen Tablet-Computer im Wert von $500 oder $1000 kaufen sollten.
  • Generell konnte beobachtet werden, dass mit zunehmendem Wert des Kaufgegenstands und mit der Höhe des Einkommens irrationale Entscheidungen zunahmen.
  • Bei Probanden, die mit knappen Mitteln auskommen müssen, konnte dagegen festgestellt werden, dass sie deutlich häufiger rational entscheiden als Probanden, deren finanzielle Ressourcen nicht knapp sind.

Shah, Shafir und Mullainathan interpretieren die Konsequenzen ihrer Ergebnisse etwas zurückhaltend und weisen nur darauf hin, dass die unter Politikern so beliebte Methode des “Schubsens“, von ihren Ergebnissen in Frage gestellt wird, da eine rationale Entscheidung offenkundig Ergebnis der Bedingungen ist, denen sich ein Akteur gegenübersieht, vornehmlich der eigenen Ressourcen und die kann man nicht schubsen.

Die Ergebnisse von Shah, Shafir und Mullainathan haben jedoch weit größere Konsequenzen:

Delayed gratificationSo herrscht unter Vertretern der Mittelschicht, die sich in der Hilfeindustrie ein Auskommen verschafft haben, die Überzeugung, Hilfsbedürftige bzw. Arme, also die Opfer ihrer Hilfsbemühungen, könnten Gratifikationen nicht aufschieben, seien deshalb arm, weil sie irrationaler Weise Geld, das sie zur Verfügung hätten, quasi in einem Anfall, für Dinge, die sie nicht benötigen, ausgeben.

Die Ergebnisse von Shah, Shafir und Mullainathan belegen das Gegenteil.

Irrational verhalten sich nicht Personen mit geringen Ressourcen, sondern Personen mit üppigen Ressourcen. Es sind Personen mit üppigen Ressourcen, die Gratifikationen nicht aufschieben können oder wollen.

Dass dem so ist, zeigt sich zudem an politischen Programmen und an der Art und Weise, wie Finanzmittel aus dem Fenster geworfen werden, um ideologische Phantasien auszuleben:

  • schiersteiner BrueckeNur wer denkt, er müsse nicht auf die Ressourcen, die er verbraucht, achten, wirft Geld aus dem Fenster, um Studentenwerke in Studierendewerke umzubenennen.
  • Nur wer denkt, er müsse nicht auf die Ressourcen, die er verbraucht, achten, wirft Geld aus dem Fenster, um Professuren an Universitäten zu schaffen, von denen niemand weiß, ob und wenn ja, welchen Nutzen sie für die Allgemeinheit bereitstellen.
  • Nur wer denkt, er müsse nicht auf die Ressourcen, die er verbraucht, achten, wirft Geld aus dem Fenster, um Frauenförderung und ein Netzwerk von Gender Spongern zu finanzieren, während er Probleme hat, Renten für Personen zu finanzieren, die ihr Leben lang gearbeitet haben.
  • Nur wer denkt, er müsse nicht auf die Ressourcen, die er verbraucht, achten, sieht zu, wie die Infrastruktur seines Landes langsam aber sicher verfällt, während Mittel für allerlei ideologischen Unfug, für Parteistiftungen, Volkserziehungsprogramme und Programme zur Indoktrination von Schülern aus dem Fenster geworfen werden.

Derart irrationales Verhalten zeigen, wie man aus den Ergebnissen von Shah, Shafir und Mullainathan schließen muss, nur Personen, deren eigenes Einkommen zu hoch ist, als dass sie es rational einsetzen müssten.

Entsprechend muss man aus den Ergebnissen ableiten, dass Politiker entweder gar keine Gehälter erhalten dürfen oder bestenfalls eine Aufwandsentschädigung, die in etwa dem entspricht, was ein durchschnittlicher Arbeiter verdient, denn ein durchschnittlicher Arbeiter ist mit Knappheiten in seinem Leben konfrontiert und verhält sich deshalb viel rationaler als Politiker, die Ressourcen nach Belieben verschwenden können.

Soziologie der Angst – Bürger müssen draußen bleiben

Angst:

Woerterbuch der Soziologie“psychologische Bezeichnung für spezifisch ausgelösten oder chronischen Affektzustand, der mit Furcht- u. Schreckgefühlen verbunden ist. Angst kann sowohl als bestimmte, auf angebbare Personen, Situationen oder Objekte bezogene, wie unbestimmte, vage auftreten. Sie kann in bestimmten Einzelsituationen u. bei gelegentlichen psychischen ‘Verletzungen’ zeitlich begrenzt, aber auch – entwicklungspsychologisch bedingt – als krankhafter Dauerzustand auftreten. Soziologisch ist bedeutsam, dass Angst das soziale Verhalten der Menschen desintegrativ u. irrational beeinflusst, und dass sie durch bestimmte soziale Strukturen gefördert werden kann. (Wörterbuch der Soziologie, 24)

Wenn man wie wir schon einge Jährchen damit verbracht hat, Sozialwissenschaft zu betreiben und die Veränderungen der letzten Jahrzehnte Revue passieren lässt, dann kann man feststellen, dass sich Sozialwissenschaften mehr und mehr von einem Fächerkanon, dessen Zweck es war, soziale Tatbestände, wie es Durkheim sie genannt hat, also Institutionen, gesellschaftliche Normen, soziale Beziehungen, die daran beteiligten Akteure und ihre Meinungen, Überzeugungen und vor allem ihr Verhalten zu erforschen, zu einem Fächerkanon entwickelt hat, dessen Ziel gerade nicht mehr im Erforschen der sozialen Tatbestände besteht, sondern darin, normative Vorgaben darüber zu machen, wie man seine sozialen Tatbestände gerne hätte.

Mit diesem Verfall dessen, was Sozialwissenschaften einst ausgemacht hat, einst, das meint die 1960er, 1970er und 1980er Jahre, geht ein methodischer Verfall einher, der immer mehr Kaffeekränzchen unter dem Dechmantel einer qualitativen Forschung oder unter dem Deckmantel des vermeintlichen Experteninterviews, das derzeit in ist, sich breitmachen sieht.

Esser_SoziologieAn die Stelle der systematischen Forschung ist die subjektive Beliebigkeit getreten; an die Stelle der theoretischen Fundierung, die ideologische Weltbeschreibung; an die Stelle der Formulierung von Hypothesen das Fabrizieren mehr oder weniger weit hergeholter Analogien oder gleich das Aufstellen wilder Behauptungen, und an die Stelle der empirischen Prüfung ist die Behauptung empirischer Wahrheit getreten, die fern jeglicher Fundierung in der Realität den deutlichsten Verweis darauf gibt, dass viele institutionalisierten Sozialwissenschaftler nicht mehr wissenschaftliche Systeme aufstellen, sondern Systeme des Glaubens.

Diese Entwicklung hat Effekte auf das wissenschaftliche Selbstverständnis, das wissenschaftliche Selbstvertrauen und das wissenschaftliche Rückgrat der jeweiligen Wissenschaftler.

Ein wissenschaftliches Selbstverständnis basiert auf einer wissenschaftlichen Methode, darauf, dass man Ergebnisse produziert, die nützlich und prüfbar sind.

Wissenschaftliches Selbstvertrauen ist das Resultat von nützlicher Tätigkeit: Nur wer Forschungsergebnisse vorzuweisen hat, die etwas über die Realität aussagen und die für andere nützlich sind, kann Selbstvertrauen aufbauen.

Ein wissenschaftliches Rückgrat wiederum baut auf dem Selbstverständnis und dem Selbstvertrauen auf und besteht darin, dass man Wissenschaftler genug ist, unbequeme Fragen gerade an die eigenen Forschungsergebnisse zu richten.

Derzeit sehen wir in den deutschen Sozialwissenschaften mit einigen wenigen Ausnahmen, keine der drei genannten Größen: Statt eines wissenschaftlichen Selbstverständnisses finden wir das Vorlieben- und Gutheits-Verständnis, das seinen Forschungsgegenstand nicht auf der Suche nach Erkenntnis, sondern auf der Suche nach Bestätigung der eigenen Vorlieben oder der eigenen Gutheit aussucht und durchsucht.

Anstelle des wissenschaftlichen Selbstvertrauens finden wir fragile ad-hoc Konstruktionen, die so lange aufrecht erhalten werden können, so lange sie niemand hinterfragt.

spinelessUnd anstelle des wissenschaftlichen Rückgrats finden wir die nackte Angst davor als der Betrug an der Wissenschaft aufzufliegen, den man nun einmal darstellt.

Gespeist wird diese Angst u.a. daraus, dass wissenschaftliche Positionen in der Regel aus Steuermitteln finanziert werden. Und wo früher das Jagen der eigenen Grille auf Kosten der Allgemeinheit möglich war, gibt es heute Blogs wie ScienceFiles, die fragen, was die Finanzierung von z.B. Gender Studies, die sich z.B. mit “Überlegungen zur Kraft und zur Herrlichkeit der Gnade – female and male mercy in Graham Greene’s Brighton Rock” beschäftigen (kleiner Teaser, dazu bald mehr), für einen Nutzen erbringen. Man könnte diese Frage auch offensiver formulieren: Wie rechtfertigen es Gender Studierte, Steuerzahlern auf der Tasche zu liegen und nichts an sie zurückzugeben? Wer keine Antwort auf solche Fragen hat, der entwickelt dann, wenn es von seiner Antwort abhängt, ob er sich auch weiterhin auf Kosten der Steuerzahler durchhangeln kann, Angst, eine spzifische Angst vor den entsprechenden Fragen.

Gespeist wird diese Angst daraus, dass nicht nur die Frage nach dem Nutzen und den Kosten bestimmter vermeintlicher Studieninhalte gestellt wird, sie wird auch daraus gespeist, dass Fragen nach der theoretischen und methodischen Fundierung der eigenen, vermeintlich wissenschaftlichen Tätigkeit nicht beantwortet werden können. Wie soll man die Frage nach den methodischen Standards beanwtorten, wenn Willkür die Methode der Wahl ist oder ein Kaffeekränzchen als narrative Methode oder, wenn das Kaffeekränzchen mit einem Stück Torte verschönt wurde, als problemzentriertes Interview verkauft werden soll? Wie soll man eine Bedeutung der eigenen Forschung aus einer Theorie ableiten, die aus einer Aneinanderreihung von Trivialitäten besteht, die man z.B. als “Standpoint Theory” bezeichnet, was die Tatsache umschreibt, dass der, der auf dem Berg steht und nach unten schaut, etwas anderes sieht, als der, der am Fuss des Berges steht und nach oben schaut?

Und – last but not least – gespeist wird diese Angst aus der Ablehnung jeglicher Form von Verantwortung dafür, was aus den Sozialwissenschaften geworden ist.

Man kann somit drei Formen der Angst benennen:

  • frightenedRelevanz-Angst, die Angst vor der Frage nach dem Nutzen,
  • Verlässlichkeits-Angst, die Angst vor der Frage nach der Begründung der eigenen Forschungsergebnisse;
  • Verantwortungs-Angst, die Angst vor der Frage, was man selbst gegen Missstände unternommen hat oder zu unternehmen gedenkt.

Die letzten Wochen haben die endemische Verbreitung dieser drei Angstformen deutlich gemacht:

  • Lehrstuhl-Günstlinge, die Gender Studies betreiben, weigern sich, Fragen nach den methodischen Grundlagen ebenso zu beantworten wie Fragen anch dem Nutzen, den die Gender Studies für Steuerzahler bereitstsellen.
  • Gewählte Vorstandsmitglieder einer gemeinnützigen Fachgesellschaft weigern sich, Steuerzahlern und Kollegen auch nur die Höflichkeit einer Antwort auf Fragen angedeihen zu lassen, und zwar deshalb weil sich diese Steuerzahler und Kollegen insofern daneben benommen haben, als sie nicht nur Fragen an die Vorstandsmitglieder gestellt haben, sondern die Fragen auf die Verantwortung der Vorstandsmitglieder abzielen.

Dies sind nur einige Beispiele für die Angst in der institutionellen Wissenschaft. Und letztlich ist diese Angst auch eine Angst vor dem Forschungsgegenstand, denn diejenigen, die hier mit Missachtung und Ignoranz behandelt werden, sind die sozialen Tatsachen, die eigentlich Gegenstand der eigenen Sozialwissenschaften sind.

Letztlich braucht man keine Sozialwissenschaften, die sich nicht mehr mit sozialen Tatsachen beschäftigt, so dass man sich fragen muss, ob die beste Therapie gegen die in den Sozialwissenschaften grassierende Angst vor dem Forschungsgegenstand nicht darin bestünde, die Sozialwissenschaften aufzulösen und die eingesparten Mittel einer sinnvollen Verwendung zuzuführen.

©ScienceFiles, 2015

Ohne Dummheit keine Religion?

Religiosität und Intelligenz passen nicht zueinander. Dieses Ergebnis haben viele Einzelstudien im Verlauf von 84 Jahren Forschungsgeschichte erbracht, und dieses Ergebnis hat eine Meta-Analyse erbracht, die 63 Einzelstudien berücksichtigt und von Miron Zuckerman, Jordan Silberman und Judith A. Hall durchgeführt wurde.

iq-test-megaIntelligenz beschreibt die Fähigkeit, nachzudenken, zu argumentieren, zu planen, Probleme zu lösen, abstrakt zu denken, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und aus Erfahrung zu lernen (Zuckerman, Silberman & Hall, 2013: 325). Religiosität bezeichnet das Ausmaß, mit dem sich ein Individuum auf bestimmte Formen von Glauben einlässt: den Glauben an übernatürliche Kräfte und Akteure (Götter), den Glauben an Autoritäten usw.

Bereits die Gegenüberstellung dieser beiden Definitionen macht deutlich, dass es zwischen Intelligenz und Religiosität Passungsprobleme geben muss, denn: Wer argumentieren und z.B. aus Erfahrung lernen will, der benötigt real erfahrbare Tatsachen, auf die er seine Argumente oder sein Erfahrungslernen basieren kann. Religion zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sie keine erfahrbaren Tatsachen bereitstellt, sondern den Glauben an eine übernatürliche Macht, z.B. einen Gott oder die Herrschaft des Patriarchats oder den Klassenkampf.

Aber: empirische Wissenschaft besteht aus der Überprüfung von Zusammenhängen und entsprechend haben sich Zuckerman, Silberman und Hall ans Werk gemacht, die 63 Studien, die sich im Zeitraum von 1928 bis 2012 mit dem Zusammenhang von Religiosität und Intelligenz beschäftigt haben, zu re-analysieren und auf ihrer Grundlage ein Maß zu berechnen, das den Zusammenhang von Intelligenz und Religiosität beschreibt.

Das Ergebnis:

  • IQ religiosityMit zunehmender Religiosität sinkt die Intelligenz.
  • Unterscheidet man religiöse von nicht-religiösen Menschen, dann zeigen Erstere im Durchschnitt einen um zwischen 4.1 und 7.8 Punkten geringeren IQ als Letztere.

Demnach kann es als gesicherter Befund gelten, dass Religion letztlich an Dummheit appelliert oder, anders herum formuliert, dass Religion für Intelligente nichts zu bieten hat.

Während dieses Ergebnis als gesichert gelten kann, ist die Antwort auf die Frage, warum Religionen weniger intelligente Menschen anziehen, nicht gesichert. Vielmehr gibt es eine Reihe von konkurrierenden Erklärungen, die allesamt eine gewisse Validität für sich reklamieren können:

So haben Bertsch und Pesta (2009: 232) die höhere Intelligenz von nicht-religiösen Menschen damit erklärt, dass Intelligente in der Lage sind, kritisch zu denken und es entsprechend nicht nötig haben, ein Überzeugungssystem (eine Religion oder eine Ideologie) zu übernehmen, das einfach Antworten bereitstellt, die nicht prüfbar sind.

Diese Erklärung rekurriert auf die oben dargestellte Definition von Intelligenz und kann auf den einfachen Nenner gebracht werden: Intelligente Menschen wissen es einfach besser und werden deshalb nicht religiös.

Dieser einfache Nenner wiederum basiert auf der Prämisse, dass Intelligenz der Religiosität voraussgeht. In der Tat berichten Zuckerman, Silberman und Hall (2013) von vier Untersuchungen, die gezeigt haben, dass Intelligenz bzw. ein entsprechender Mangel der Entscheidung für oder gegen Religiosität vorausgeht.

Eine weitere Erklärung sieht Religiosität als Notnagel an dem Defizite der kognitiven Entwicklung befestigt werden. So zeichnen sich intelligente Menschen regelmäßig durch ein höheres Maß an Selbstkontrolle aus als nicht-intelligente Menschen, was Letztere dadurch zu kompensieren versuchen, dass sie die fehlende Kontrolle durch die geregelte Welt des religiösen Glaubens ersetzen.

Analoges findet sich mit Blick auf den Selbstwert: Intelligente Menschen sind in der Lage, Selbstwert aus ihren Handlungen abzuleiten, nicht-intelligente Menschen versuchen sich Selbstwert durch Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft oder zu einer ideologischen Sekte zu leihen.

Schließlich hat Argyle bereits 1958 darauf hingewiesen, dass intelligente Menschen dazu tendieren, gegen geregelte Welten und Vorgaben zu rebellieren. Da Religion dem Religiösen ein rigides Ordnungssystem anbietet, hat Religion dem Intelligenten nichts zu bieten, wie Argyle argumentiert.

Letztlich ist die Frage, warum mit der Intelligenz eines Menschen die Wahrscheinlichkeit schwindet, dass er ein religiöser Mensch ist, bislang nicht beantwortet, wenngleich, wie gesagt, jede der angeführten Erklärungen eine gewisse Anzahl von Belegen für sich ins Feld führen kann.

snoopy on theologyDer von Zuckerman, Silberman und Hall gründlich belegte Zusammenhang zwischen Intelligenz und Religion kann nun zum Ausgangspunkt genommen werden, um eine Forschung über ideologische Vereinigungen anzustrengen, denn: Ideologische Vereinigungen weisen eine Vielzahl von Übereinstimmungen mit religiösen Vereinigungen auf. Dies beginnt bei der als wahr akzeptierten Ideologie, deren Wahrheit, wie z.B. im Genderismus oder im Sozialismus, auch gegen alle empirischen Belege des Gegenteils verteidigt wird, und endet da, wo man davon ausgehen muss, dass ein intelligenter Mensch in der Lage ist, falsifizierende Tatsachen zu erkennen und Erfahrungswissen zu akkumulieren, was letztlich das Ende jeder Ideologie sein muss, da Letztere sich regelmäßig im Gegensatz zu Erfahrungswissen befinden. Folglich können Ideologen nicht intelligent sein, denn wären sie es, sie wären keine Ideologen.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass es an deutschen Universitäten eine Anzahl von Personen gibt, die regelmäßig in Schweigen verfallen, wenn sie darum gebeten werden, die wissenschaftlichen Grundlagen ihres Tuns an eben diesen Universitäten zu beschreiben und zu begründen. Intelligente Menschen wären dazu problemlos in der Lage, so wie sie in der Lage sind, den hier fehlenden Schluss zu ziehen.

Daher wäre es ein interessates Forschungsvorhaben, den IQ der Mitglieder bestimmter Fachgebiete in den Sozial- und Naturwissenschaften zu erheben und die Werte miteinander zu vergleichen. Die Hypothese für diese noch durchzuführende Forschung lautet: Je ideologischer ein Fachbereich inkubiert ist, desto geringer ist der durchschnittliche IQ seiner Mitglieder.

Argyle, Michael (1958). Religious behaviour. London: Routledge.

Bertsch, Sharon & Pesta, Bryan J. (2009). The wonderlic personnel test and elementary cognitive tasks as predictors of religious sectarianism, scriptural acceptance and religious questioning. Intelligence, 37(3): 231-237.

Zuckerman, Miron, Silberman, Jordan & Hall, Judith A. (2013). The Relation Between Intelligence and Religiosity: A Meta-Analysis and Some Proposed Explanations. Personality and Social Psychology Review 17(4): 325-354.

Deutsche Stummheit 2015: Bigotterie trifft politische Korrektheit

Wenn die nach-moderne Kultur, von der wir schon einmal geschrieben haben, irgend etwas auszeichnet, dann ist es die Weigerung der Akteure, die sich in Positionen und damit hierarchisch übergeordnet wähnen, mit denen, die aus ihrer Sicht unter ihnen anzusiedeln sind, zu reden. An die Stelle des Dialogs zwischen Personen unterschiedlicher Meinung tritt entweder die Beschimpfung dessen, der es wagt, einen Positionsinhaber zu kritisieren oder die symbolische Politik, mit der ein Zeichen gegen den Kritiker gesetzt werden soll, er quasi symbolisch fern-diskreditiert werden soll.

Miteinander redenDas für uns faszinierende an diesem Prozess ist, dass er sich durch alle öffentlichen Institutionen zieht. Politiker reden nicht mit ihren Kritikern, verweigern den Dialog mit denen, die sich gegen das, was Politiker für richtig (oder opportun) halten, wenden und diskreditieren die entsprechenden Bürger, in denen sie eigentlich Teile des Volkssouverän sehen sollten.

Amtsinhaber, die in öffentlichen Verwaltungen entsprechende Jobs ausüben, verweigern jede Form des Gesprächs mit Personen, die ihre Institution kritisieren oder gar darauf hinweisen, dass an ihrer Institution offen zu Straftaten aufgerufen wird.

Und wo früher der Sachbearbeiter namentlich für einen Brief verantwortlich zeichnete, antwortet heute entweder niemand mehr oder das Amt (oder das Team).

Es ist nicht weit her, mit der Gesprächsbereitschaft in Deutschland, und der vielleicht markanteste Ausdruck dieser neuen Stummheit besteht darin, dass Wissenschaftler, die einst dazu da waren, gesellschaftliche Entwicklungen zu analysieren und auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, vor allem dadurch auffallen, dass Sie sich zu Vasallen fremder Interessen instrumentalisieren lassen, und zwar bereitwillig.

So findet sich kein uns bekannter deutscher Politikwissenschaftler, der an der Art und Weise, wie es machen Interessenvertretern in Deutschland gelingt, die Mehrheit nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen, etwas zu kritisieren findet. Geschweige denn, dass sich ein Soziologe fände, der die administrativen Machtstrukturen, die die neue Schweigsamkeit in Deutschland erst ermöglichen, kritisieren würde.

Die Sozialwissenschaften üben sich in symbolischer Politik, in Schweigsamkeit und haben einen Pakt geschlossen, der Kritik am politisch Korrekten ausschließt und Kritiker sanktioniert.

Dass man dann, wenn man zwei Herren dienen will, sich einerseits und in erster Linie als staatstreu erweisen will, sich andererseits aber weiterhin mit dem Mantel der Wissenschaft, also der Suche nach Erkenntnis, die zuweilen auch unliebsame Wahrheiten zu Tage befördert, schmücken will, dass man dann zuweilen bigott daher kommt, ist eine Zwangsläufigkeit der unterschiedlichen Ansprüche, die die beiden Herren an den Untergebenen stellen: Wo wissenschaftliche Erkenntnis Ehrlichkeit und Standhaftigkeit verlangt, da verlangt der politische Herr Lüge und symbolische Politik.

Dass dem so ist, hat Jan-Hendrik Olbertz gerade dadurch deutlich gemacht, dass er das Licht der Humboldt Universität abgedreht hat, um 17.00 Uhr und gestern, am 26. Januar. Warum? Weil ein paar 1000 Bürger unter den Linden und an der Humboldt Universität vorbeigezogen sind, die etwas zu kritisieren haben und sich “Bärgida” nennen.

In einer Demokratie wäre es nun üblich, mit den Kritikern einen Dialog zu eröffnen, und zwar ungeachtet davon, was man von ihren Kritikpunkten hält. Dies gebietet nicht nur der Anstand und die Tatsache, dass es sich um mehrere 1000 demonstrierende Souveräne und Wahlbürger handelt, sondern auch das schlichte rationale Kalkül, denn wie will man moralische Überlegenheit demonstrieren oder – ein etwas abseitiger Gedanke, der in Demokratien dennoch recht aktuell ist – die Kritiker von der Unhaltbarkeit ihrer Kritik überzeugen, wenn man nicht mit ihnen redet?

Offensichtlich muss man schließen, dass es nicht darum geht, mit den Kritikern zu reden, sondern darum, sie symbolisch auszuschließen und damit natürlich auf eine billige Art und Weise, die einerseits den Kontakt mit diesen Subjekten, die man am liebsten aus der Gattung “Deutsch” ausschließen würde, verunmöglicht, andererseits diesen Ausschluss und den Unwert der Kritiker sehr deutlich macht. Also schaltet man ihnen symbolisch das Licht ab, lässt sie im Dunkeln stehen und macht damit deutlich: Ihr seid weder meine Aufmerksamkeit wert noch die öffentlichen Ressourcen, die an der Humboldt Universität an einem normalen Tag und oft vollkommen sinnlos verprasst werden.

Und weil symbolische Politik, wie das Ausschalten des Lichtes, interpretationsbedürftig ist, gibt es eine Presseerklärung, an die gute Presse, nicht an die bösen demonstrierenden Kritiker, in der man die eigene und sich selbst zugeschriebene Überlegenheit in Worte fasst:

Prof-Dr-Jan-Hendrik-Olbertz“Jan-Hendrik Olbertz: ‘Die Humboldt-Universität zu Berlin ist offen, tolerant und demokratisch. Internationalität und die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Meinungen sind für Erkenntnisprozesse und neue Ideen in Forschung und Lehre unabdingbar. Deshalb schalten wir während der Demonstration der Bärgida heute die Beleuchtung der Humboldt-Universität ab und setzen damit ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.”

Heuchelei und Bigotterie sind ständige Begleiter derjenigen, die versuchen, sich bei Politik und Verwaltung Liebkind zu machen und dennoch als Wissenschaftler zu erscheinen. Dass die Humboldt Universität eine Universität ist, an der Toleranz und Demokratie hochgehalten werden, kann man kaum behaupten, wenn man gerade demonstriert, dass man die Kritiker von der Bärgida weder toleriert noch dem demokratischen Grundanstand würdig sieht, der sich Dialog nennt.

Dass man in solchen Situationen einer expressiven Bigotterie auch Unsinn erzählt, wird am Zusammenhang zwischen Vielfalt der Kulturen, Religionen, Meinungen und Erkenntnisprozess deutlich, den Olbertz hier beschreibt. Soll man das so verstehen, dass bestimmte Erkenntnisse nur von bestimmten Angehörigen ethnischer Gruppen erzielt werden können, so, dass bestimmten Religionen bestimmte Erkenntnisse zufallen, während sie anderen Religionen verschlossen bleiben?

Der Unsinn, den der Präsident der Humboldt Universität hier redet (oder seine rassistischen Anwandlungen), hat (haben) seine (ihre) Ursache in seinem Kollektivismus, denn es sind nicht Religion, Kultur oder Meinungen, die Erkenntnis produzieren, sondern Individuen, und weil dem so ist, sind Religion, Kultur und Meinungen vollkommen egal, sie spielen im Erkenntnisprozess überhaupt keine Rolle.

Sie sind so egal, wie es dem Präsidenten der Humboldt Universität, Olbertz, egal ist, dass er an seiner Universität nicht nur ein Agitationszentrum für die Neuauflage von Marxismus-Leninismus in seiner primitiven Variante des Genderismus beherbergt, sondern auch ein Profx, das zu Straftaten aufruft. Sie sind so egal, wie es Jan-Hendrik Olberts egal ist, ob er in seiner ganzen Bigotterie für alle sichtbar wird, in einer Bigotterie, die unterschiedliche Gefallens- (Bärgida, gefällt mir nicht, Profx gefällt mir) und vor allem Wertmaßstäbe (Bärgidateilnehmer sind mir keines Wortes wert, d.h. des Dialogs unwert, aber mein Profx, das lass’ ich mir nicht nehmen) anlegt, ganz wie es den staatlichen Vorgaben, denen Olbertz marionettenhaft huldigt, gefällt.

Bildnachweis:
Prof-Dr-Jan-Hendrik-Olbertz 2014“ von BaertelsEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Wessen Konformität ist die richtige?

Die Welt der Computerspiele hat eine Reihe von Forschern fest in ihrem Bann. Sie spielen mit Spielern und untersuchen, welchen Effekt das Spielen auf bestimmte nicht auf das Spiel bezogene Verhaltensweisen hat.

Diablo III

Eins werden mit seinem Avatar im Rollenspiel!

Da sind z.B. Ulrich W. Weger, Stephen Loughnan, Dinkar Sharma und Lazaros Gonidis, die sich ein ausgeklügeltes Spiel für ihre Probanden ausgedacht haben. Um die Probanden in Stimmung zu versetzen, durften 29 von ihnen ein Computerspiel spielen, eines, in dem sie sich in die Rolle eines Avatars versetzen und die Computerwelt durch dessen Augen wahrnehmen konnten. 34 weitere Probanden konnten sich im Internet vergnügen, mit was auch immer, so lange es kein Computerspiel war.

Nach 7 Minuten, und genau nach 7 Minuten, nicht etwa nach 8 Minuten oder 5 Minuten und 36 Sekunden war Schluss mit Spiel und Surfen und der Ernst des Experiments hielt Einzug, und zwar in Form von 30 virtuellen Kandidatenpaaren, die sich auf einen fiktiven Arbeitsplatz beworben haben. Um den richtigen virtuellen Kandidaten für den fiktiven Arbeitsplatz auszuwählen, standen zwei Kriterien bereit, für die jeweils 0 bis 10 Punkte erreicht werden konnten. Der ideale Kandidat auf einen Arbeitsplatz hätte entsprechend 20 Punkte erreicht.

In 30 Fällen sollten die Probanden sich also vorstellen, sie wären Personalchef und aus einem Kandidatenpaar den richtigen Kandidaten auswählen. In jedem Fall reicht die einfache Addition der Punkte , um den richtigen Kandidaten zu identifizieren und in allen Fällen hat der Computer, der die Kandidaten präsentiert hat, seinerseits und vorab, den besten Kandidaten ausgewählt – in 13 von 30 Fällen war diese Auswahl falsch.

Wie oft haben die Probanden nicht gemerkt, dass sie gerade vom Computer belogen werden? Zwei Experimentrunden á 30 Kandidatenpaare gab es: 25% der Entscheidungen in der ersten Runde waren falsch, rund 17% der Entscheidungen in der zweiten Runde. In 25% bzw. 17% der Entscheidungen haben sich Probanden also auf den Computer verlassen und sind mit ihrer Konformität baden gegangen.

Und wenn die Probanden zuvor ein Computerspiel gespielt haben, bei dem sie sich in die Rolle eines Avatar versetzt haben, dann sind sie häufiger auf die falsche Vorgabe des Computers hereingefallen als Probanden, die kein entsprechendes Computerspiel gespielt haben.

Was macht man aus diesem Ergebnis?

Eine Pressemeldung mit dem Titel: “Rollenspiele am Computer fördern roboterhaftes Verhalten”.

Diablo Druide“Rollenspiele am PC oder auf Spielkonsolen, bei denen sich Spieler in die Fußstapfen eines virtuellen, oftmals roboterartigen Wesens – eines sogenannten Avatars – begeben, führen zu erhöhtem roboterhaften Verhalten in der wirklichen Welt. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die Prof. Ulrich Weger, Leiter des Departments für Psychologie und Psychotherapie an der Universität Witten/Herdecke (UW/H), nun in der renommierten Fachzeitschrift Psychonomic Bulletin & Review veröffentlicht hat.”

Das nennt man dann wohl die Ergebnisse etwas dehnen, in einer Weise, die an die roboterhafte Tätigkeit derjenigen erinnert, die zwanghaft versuchen, Dritten ein Priodukt anzudrehen, und zwar unter Erfindung einer Vielzahl von Behauptungen.

Wie dumm die Pressemeldung und die Beschreibung der Ergebnisse der Experimente durch den Leiter des Departments für Psychologie und Psychotherapie ist, zeigt sich daran, dass es für ihn konformes roboterhaftes Verhalten darstellt, wenn man einem Computer generell folgt und dabei nicht merkt, dass man vom Computer getäuscht wird. Unbedenklich ist es für Ulrich Weger dagegen, wenn man dem Computer dann folgt, wenn er die richtige Entscheidung vorgibt. Das ist ein bedenlich roboterhafter Zug von Herrn Weger, der offensichtlich so geeicht auf das Auffinden bestimmter Ergebnisse ist, dass er die anderen Ergebnisse, die er zwangsläufig mitproduziert, gar nicht mehr sieht.

Framing nennt man in der Sozialpsychologie den Zustand, in dem die Wahrnehmung auf bestimmte Fälle aus einer großen Zahl von Fällen eingeschränkt ist.

Mortal Kombat JokerUnd mit Framing geht es weiter. Dieses Mal hat Christian Happ von der Universität Luxemburg es mit Computerspielern. 230 Probanden mussten bei ihm Mortal Kombat spielen, geteilt in zwei Gruppen versteht sich, denn irgendwie scheinen mehr und mehr Psychologen der Ansicht zu sein, dass ein experimentelles Design zwei Gruppen voraussetze (was nicht von der Hand zu weisen ist, aber eben nur ein Teil eines Designs ist, Variation in Raum und Zeit sollte auch noch dazu kommen…). Die eine Gruppe der Probanden hat sich als “anti-sozialer Joker” versucht, die andere Gruppe der Probanden als “pro-sozialer Supermann”, beides, Joker und Supermann, sind Figuren, die in Mortal Kombat vorkommen.

Anschließend durften sich die Probanden ein Bonbon oder einen Stift als Belohnung für ihre Spielmühen nehmen, wie beim Zahnarzt. Dabei hat sich herausgestellt, dass die pro-sozialen Supermänner ganz konform waren und sich mit einem Bonbon oder Stift begnügt haben, während die anti-sozialen Joker mehr als ein Bonbon oder mehr als einen Stift genommen haben.

Daraus wird dann die folgende Schlagzeile in einer Pressemeldung: “Empathie in Videospielen kann unsoziales Verhalten verringern, aber auch verstärken”.

„”Unserer Untersuchung zufolge reicht es nicht unbedingt aus, gewaltsamen Szenen in Videospielen ausgesetzt zu sein, um unsoziale Reaktionen hervorzurufen“, erklärt Dr. André Melzer, Dozent für Psychologie an der Universität Luxemburg. „Nehmen Spieler die Rolle prosozialer Figuren in gewaltsamen oder blutrünstigen Spielen ein, tendieren sie zu einem prosozialen Verhalten“, fügt er hinzu. Umgekehrt habe die Identifizierung mit gewalttätigen oder mörderischen Figuren negative Auswirkungen auf das Verhalten.”

BonbonMit anderen Worten, der Herr von der Universität Luxemburg macht den Joker-Spielern den Vorwurf, sie hätten nur deshalb zwei Bonbons oder gar drei genommen, weil sie sich mit dem anti-sozialen Joker aus Mortal Kombat identifizieren, mit ihm und seinem Verhalten konform sind. Man wünschte fast, die Spieler wären es, dann blieben uns derartige Experimente erspart, Experimente, die von Wissenschaftlern ausgeführt werden, die in keinem der beiden hier berichteten Experimente auf die Idee kommen, die Dimension der Zeit ins Spiel zu bringen.

Anders formuliert: wenn man nur wenige Probanden zur Verfügung hat, 63 im ersten und 230 im zweiten Fall, dann sollte man doch zumindest prüfen, ob diejenigen, die im ersten Fall konform mit dem Urteil des Computers Fehler machen, diese Konformität nicht auch gezeigt hätten, wenn sie zuvor kein Rollenspiel gespielt hätten. Im zweiten Fall wäre zu zeigen, dass diejenigen, die mit einem Bonbon nicht zufrieden sind, auch dann nicht mit einem Bonbon zufrieden gewesen wären, wenn sie nicht den vermeintlich anti-sozialen Joker in Mortal Kombat gespielt hätten.

Die Konformität mit Begriffen der sozialwissenschaftlichen Methodenlehre, wie sie in der Nennung z.B. des Begriffs “experimentelles Design” besteht, bedeutet nicht, dass die entsprechenden Methoden auch konform mit der geltenden Methodenlehre eingesetzt wurden oder: Eine Vergleichsgruppe allein, macht noch keinen reliablen, validen und aussagekräftigen Unterschied.

Bei Krise: Konformität erhöht die Absturzgefahr von Flugzeugen

Wenn Flugzeuge abstürzen, dann gibt es in den meisten Ländern Experten, die zur Unfallstelle eilen, um dort Daten zu sammeln, die es ermöglichen, die Ursache des Absturzes zu ermitteln. Die entsprechende Suche wird regelmäßig auf National Geographics’ eigenen Sender als “Air Crash Investigation” nachgestellt.

Aircrash InvestigationWer der Serie folgt, kommt einerseits zu dem Schluss, dass es erstaunlich ist, was ein Flugzeug so alles aushält, bevor es abstürzt, und er kommt zu dem Schluss, dass es dann, wenn es ein Problem an Bord gibt, auf die Qualfikation des Piloten ankommt, darauf, wie er mit der konkreten Situation umgeht. Anders formuliert: Die Frage ob ein Flugzeug abstürzt oder nicht, ist häufig eine Frage, auf die eine bestimmte Qualifikation des Piloten die Antwort gibt.

Welche Qualifikation? Die, Antworten auf neue Probleme zu finden.

Wissenschaftler von der Human Factors and Ergonomics Society haben dies in einem Versuch gezeigt, an den 18 altgediente Piloten, die eine Boeing 747 fliegen, teilgenommen haben. Zunächst wurden die Piloten im Flugsimulator mit einer Krisensituation konfrontiert, die den Krisensituationen entspricht, die die Piloten in ihren Trainings einüben. Alle 18 Piloten meisterten die Situation mit Bravour und brachten ihr virtuelles Flugzeug gekonnt zu Boden.

Dann haben die Wissenschaftler die Krisensituation modifiziert und Probleme eingebaut, die im Pilotentraining nicht eingeübt werden, d.h. sie haben die Problemlösungskapazität der Piloten für Probleme außerhalb des Standards getestet. Nun ergaben sich Fehler. Etliche der 18 Piloten hatten zu kämpfen, um ihre virtuelle Maschine sicher zu landen, andere machten entscheidende Fehler und verursachten einen Absturz.

“Emergency drills tend to be predictable exercises in which people know exactly what’s coming and when,” said Steve Casner, a research psychologist at NASA’s Ames Research Center. “But when confronted with the blooming, buzzing confusion of a real emergency, people often seem lost.”

Man kann eben nicht für das Unvorhergesehene trainieren und entsprechend nur hoffen, dass dann, wenn das Unvorhergesehene eintritt, ein kompetenter, volltagsfliegender Pilot im Cockpit sitzt, der mit Ruhe und Übersicht die Situation analysiert und die richtigen Entscheidungen trifft. Entsprechend hat die Persönlichkeit des Piloten in Krisensituationen einen erheblichen Einfluss auf die Überlebenschance seiner Passagiere.