Die Toilette im Amt: Ein sozialer Brennpunkt

Neue Forschung von Iris Dröscher und Peter Kappeler gerade in der Zeitschrift “Behavioral Ecology and Sociobiology” veröffentlicht, lässt die gerade in Berlin eingerichteten Unisex-Toiletten und nicht nur sie, nein alle Sammeltoiletten in einem neuen Licht erscheinen. Sammel- und Unisex-Toiletten, so legt die Forschung von Dröscher und Kappeler nahe, sind notwendig, um die soziale Kohäsion in öffentlichen Ämtern aufrecht zu erhalten. Sie dienen der Stärkung des inneramtlichen Sozialgefüges und, nicht zuletzt, dem Informationsaustausch.

Unisex_Toilette

Sammeltoiletten, also spezielle Orte zur Ausscheidung von Exkrementen, die von mehreren Personen genutzt werden, finden sich regelmäßig in Ämtern. Wer zum Beispiel auf den Gängen des Amtsgerichts Leipzig warten, kann jeden Tag gegen 15.45 Uhr ein merkwürdiges Schauspiel beobachten, das die Angestellten aus den Zimmern kommen und in einer Form vorab verabredeter stiller Übereinkunft, die einem Ritual gleicht, den Ort gemeinsamer Notdurft aufsuchen sehen.

Warum dies so ist, dieser Frage sind Dröscher und Kappeler in einem größeren Rahmen nachgegegangen. Und ihre Forschung wirft neues Licht auf die Bedeutung von Sammeltoiletten im Allgemeinen und Unisex-Toiletten im Besonderen.

Dröscher und Kappeler haben 14 Probandenen mit Radiosendern ausgestattet und “ihr Verhalten über den Zeitraum eines Jahres beobachtet. Insgesamt kamen dabei über 1000 Beobachtungsstunden zusammen”.

Aus den Ergebnisse lässt sich eindeutig schließen, welche Bedeutung und Wichtigkeit Sammeltoiletten im Allgemeinen und Unisex-Toiletten im Besonderen dabei zukommt, die Kohärenz und das soziale Zusammenspiel in Ämtern aufrecht zu erhalten.

So dienen Sammel- und Unisex-Toiletten nicht nur dazu, die “Vertrautheit und die soziale Bindung zwischen den einzelnen Mitgliedern” des jeweiligen Amtes herzustellen, nein, sie haben eine Vielzahl von Funktionen, sind verlässliche Informationsquellen, d.h. Mitglieder des Amtes tauschen Neuigkeiten aus, wichtige Amtsleistungen werden auf Sammel- und Unisex-Toiletten erbracht und vor allem werden “individuen-spezifische Informationen” ausgetauscht.

Toilet scribbleDie Medien, in denen Informationen auf z.B. Unisex-Toiletten ausgetauscht werden, beschränken sich nicht nur auf Sprache und Schrift. Nein: “Über Duftmarken werden eine Vielzahl an Informationen wie die sexuelle und individuelle Identität transportiert und können außerdem dazu dienen, die eigene Präsenz zu signalisieren”, so Dröscher.

Insbesondere die Möglichkeit, die eigene sexuelle und – so vorhanden – individuelle Identität zu transportieren, die durch Sammel- und Unisex-Toiletten bereitgestellt wird, macht diese Form der gemeinsamen Notdurft-Entsorgung so wertvoll, schaffen die entsprechenden Toiletten in Ämtern doch einen respektierten, tolerierten und akzeptieren Raum, an dem jeder nach seiner Fasson seine sexuelle Identität finden und als Duftnote hinterlassen kann.

Vermutlich hat diese Möglichkeit, das Berliner Abgeordnetenhaus dazu bewogen, den – wie sich zeigt – für Berliner Ämter so wichtigen Schritt zu gehen, und Unisex-Toiletten als zentrale Orte des sozialen Lebens, als Brennpunkt des Austausches mannigfaltiger Informationen zu installieren.

Nicht zuletzt zeigt die Forschung von Dröscher und Kappeler, dass mit Sammel- und Unisex-Toiletten ein Wir-Gefühl im Amt herbeigeführt werden kann, das genutzt werden kann, um Eindringlinge, die im Amt wahrgenommen werden, zu warnen und ihnen zu verstehen zu geben, dass die Amts-Mitglieder in z.B. einer Unisex-Geschlossenheit, wie sie nur Unisex-Toiletten herzustellen, in der Lage sind, zueinander stehen.

Allerdings sind die vielen Vorteile, die Sammel- und Unisex-Toiletten nicht zuletzt für den Arbeitsablauf in Ämtern bieten, mit einem Nachteil verbunden, den die Forscher bislang noch nicht richtig verstehen und entsprechend nicht interpretieren können: Nach Erkenntnissen der Forscher werden Toiletten auch dazu “verwendet, um anzuzeigen, dass hier jemand ist, der seine Partnerin verteidigt”.

Als Konsequenz ergibt sich gerade für Unisex-Toiletten ein Problem. Unisex-Toiletten wurden in der Hoffnung eingerichtet, dass sie dazu beitragen, Geschlechterrollen und Geschleterzuordnungen aufzubrechen. Des weiteren verband sich mit ihnen die  Hoffnung, dass sich Trans- und Intersexuelle, die nicht so richtig wissen, wo sie hingehören, nicht mehr zwischen der dualen Welt des Angebots von Männer- und Damentoiletten entscheiden müssen. Dass Unisex-Toiletten nun dazu führen können, wie die Forschung von Dörner und Kappeler nahelegt, Hegemonialstreben und Dominanz, ja Besitzansprüche zu fördern, ist bislang ein Rätsel, dessen Erforschung nun ansteht.

Dröscher, Iris & Kappeler, Peter M. (2014). Maintenance of Familiarity and Social Bonding via Communal Latrine Use in a Solitary Primate (Lepilemur leucopus). Behavioral Ecology and Sociobiology. Online First. Doi:10.1007.s00265-014-1810-z

Politik 2.0: Manipulation, Fälschung, Täuschung – you name it

Wolfgang Benz, emeritierter Professor der Fakultät für Geisteswissenschaften der TU-Berlin und in seiner aktiven Universitätszeit mit der Erforschung von Drittem Reich, Antisemitismus und Rechtsextremismus beschäftigt, hat etwas getan, was wir kaum für möglich gehalten haben: Er hat den Mund aufgemacht:

“Das Schwierige an Auftragsstudien ist, dass die Politik gern eindeutige Ergebnisse hat, was die Wissenschaft oft nicht liefern kann”, so zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung.

Benz Geschichte des dritten ReichesAnlass für die (späte) Einsicht des emeritierten Professors ist: Die Antidiskriminierungsstelle hat sich seiner Auftragsarbeit bemächtigt, schließlich bestimmt, wer bezahlt, und die Ergebnisse so frisiert, dass sie besser zu den Forderungen nach dem “Aufbau einer Bildungsakademie für Sinti und Roma, eine verstärkte Beteiligung der Selbstorganisationen der Sinti und Roma mittels Staatsverträgen und der Mitarbeit in den Gremien und Rundfunkräten sowie einen verbesserten Schutz vor Benachteiligung durch Börden und Polizei [die nächste Quote in Vorbereitung]” passen.

Unter Soziologen ist es seit Max Weber bekannt, dass der Moloch Verwaltung nur ein Ziel hat, sich als Selbstbefruchter zu multiplizieren und immer mehr Steuermittel zu fressen, um sein fettes Dasein zu fristen. Seit DiMaggio und Powell ist klar, dass die Legitimation von Verwaltungen nicht mehr über Effizienz und Effektivität der getroffenen Maßnahmen, sondern über Menge und Inhalt der getroffenen Maßnahmen erfolgt. Entsprechend werden an die Spitze von Behörden mehr oder weniger skrupellose Schwätzer berufen, deren einzige Aufgabe darin besteht, immer neuere Möglichkeiten zu erfinden, um die Tätigkeiten der Behörde und ihren Mittelbedarf auszuweiten.

Deshalb finanzieren Ministerien und Behörden ihre eigenen Studien, die Auftragsstudien, von denen Wolfgang Benz spricht. Das Ziel von Auftragsstudien ist es, die Arbeit der Ministerien und Behörden zu legitimieren, also zu feiern und den Bedarf nach mehr ministerieller und behördlicher Regelung von z.B. der Menge Toilettenpapier, die eine nachhaltige Darmentleerung erfordert, festzulegen.

Sind die Auftragsstudien nicht in der gewünschten Weise instrumentell, dann wird von Ministerien und Behörden nachgeholfen. Dass Mitarbeiter des Statistischen Bundesamt oder anderer nachgeordneter und öffentlich finanzierter Institute keine Ergebnisse veröffentlichen dürfen, die der Auftrag gebenden Behörde nicht gefallen, ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Auftragsstudien eben einmal verfälscht und auch in ihr Gegenteil verfälscht werden, wenn es dem Auftraggeber in den Kram passt, ist nicht wirklich überraschend.

Überraschend ist jedoch, wie einfach es ist, die vermeintlich kritische Journalie vor den Karren der Behörden zu spannen. Die Willfährigkeit der Journalisten ist umso bemerkenswerter als es in der Regel nur der Lektüre der Zusammenfassung der Ergebnisse der entsprechenden Auftragsstudien bedarf, um zu erkennen, dass man von der Pressemitteilung des Ministeriums X oder der Behörde Y gerade verkohlt wird [Wir haben dies schon einmal am Beispiel des Missbrauchs von sexuellen Missbrauch gezeigt.] .

Die Neuigkeit besteht entsprechend nicht darin, dass Ministerien und Behörden Studienergebnisse, die ihnen nicht passen, “anpassen”, d.h. manipulieren, entstellen und fälschen, die Neuigkeit besteht darin, dass ein Wissenschaftler, dessen Ergebnisse manipuliert, entstellt und verfälscht werden, den Mund aufmacht.

Insofern gebührt Wolfgang Benz unsere Hochachtung.

Keine Hochachtung gebührt all denjenigen Journalisten, die sich als Sprachrohr von Ministerien und Bürokratien definieren und nichts anderes tun, als Pressemeldungen aus Ministerien und Behörden zu übernehmen und ungeprüft an ihre Leser durchzureichen, etwa so:

Wenn es darum geht, ein Zerrbild aufzubauen, über das man sich aufregen und mit dem man Kasse machen kann, stehen die Medien der Antidiskriminierungsstelle und Quoten-Frontfrau Christine Lüders in nichts nach:

Benz Legenden Luegen Vorurteile“‘Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bilden zusammen eine fatale Mischung, die Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma den Boden bereiten’, sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. … Sinti und Roma würden von einem beträchtlichen Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung nicht als gleichberechtigte … Mitbürger wahrgenommen. Lüders nannte die Befunde ‘dramatisch’ und sprach von einem erheblichen Handlungsbedarf von Politik und Gesellschaft.”

Und nun zu dem, was in der Auftragsstudie tatsächlich herausgekommen ist. Wie gesagt, es reicht regelmäßig die Zusammenfassung von Studien zu lesen, um festzustellen, dass das, was z.B. Anti-Diskriminierungs-Lüders sagt, nicht stimmt. Das sollte Journalisten doch zumutbar sein – oder? (Wir setzen voraus, dass es sich bei Journalisten um eine Auswahl aus der Bevölkerung handelt, die über ein Normalmaß an Intelligenz verfügt. Dass uns ein Journalist des ZDF auf den Beitrag in der Süddeutschen Zeitung hingewiesen hat, macht uns dahingehend Mut).

Beginnen wir mit der Behauptung von Anti-Diskriminierungs-Lüders, dass ein beträchtlicher Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung Sinti und Roma als nicht gleichberechtigte Mitbürger wahrnimmt:

Auf Seite 12 der Auftragsstudie steht zu lesen: “Auch wenn der Anteil der Personen mit einer dezidiert negativen Einstellung gegenüber Sinti und Roma mit 7 bis 8 Prozent gering ausfällt, sei auf die Ergebnisse dieser Gruppierung nochmals eingegangen…

Scheinbar machen 7% bis 8% der 2001 von Forsa telefonisch Befragten für Anti-Diskriminierungs-Lüders “einen beträchtlichen Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung” aus.

Zum Stellenwert der intensiven Ablehnung und der Vorurteile gegenüber Sinti und Roma weiß die Auftragsstudie im Gegensatz zu Anti-Diskrininierungs-Lüders folgendes zu sagen:

“Die Untersuchungsergebnisse gestatten es nicht, von einem festen und umfassenden Vorurteilsbestand zu Sinti und Roma unter der Mehrheit der Befragten zu sprechen. Nur wenige Muster sind in der Bevölkerung durchgehend präsent. Somit zeichnet sich auch keine tiefere Vorurteilsstruktur ab, da die Gleichgültigkeit, die dem Thema und der Minderheit entgegengebracht wird, keine weitere Auseinandersetzung notwendig erscheinen lässt. Aktiviert werden die existierenden Vorurteilsmuster in Momenten des realen oder vorgestellten Kontaktes mit dem Thema. Sie verstärken mitunter ein situationsbedingtes Unbehagen durch stereotype Vorstellungen, die seitens der Interviewten mehrheitlich nicht hinterfragt werden, die aber inhaltlich nicht weiter aufgeladen sind. Die Studie legt nahe, dass es sich im Fall der Ablehnung vorrangig um eine Missbilligung sozial unerwünschter Verhaltensmuster handelt” (13) [Hervorhebungen durch uns].

Kurz: Die Mehrzahl der Interviewten interessiert sich nicht für Sinti und Roma, hat keinen Kontakt mit Sinti und Roma und – bevor der Typ vom Meinungsforschungsinstitut Forsa angerufen hat oder (in zwanzig Fällen) die Forscher ein qualitatives Interview mit ihnen durchgeführt haben – nicht über Sinti und Roma nachgedacht. Beide waren der Mehrzahl der Interviewten egal. Werden Interviewte gezwungen, sich mit Sinti und Roma zu befassen, dann reproduzieren  manche von ihnen zum Teil Stereotype, ohne weiter darüber nachzudenken. Die Stereotype basieren bei wieder manchen unter den zuletzt genannten “manchen” auf Unbehagen, das man dadurch verstärken kann, dass man die entsprechenden Interviewten weiterhin zwingt, sich mit Sinti und Roma zu befassen.

Wenn diese Auftragsstudie ein Ergebnis hat, dann das Ergebnis, dass es besser ist, Menschen nicht mit Themen, mit denen sie nicht penetriert werden wollen, zu penetrieren. Das wiederum ist ein Ergebnis, das Anti-Diskriminierungs-Lüders nicht versteht oder nicht mag oder beides. In jedem Fall ist es kein Ergebnis, auf dem man die Forderungen nach von Steuerzahlern finanzierten Maßnahmen, die die Antidiskriminierungsstelle ausführt oder anderen zuschustert, rechtfertigen kann, und deshalb ist es ein Ergebnis, von dem man in der Pressemitteilung nichts gelesen hat.

Statt dessen will Lüders die Deutschen nunmehr mit der Nase auf Sinti und Roma stoßen und so lange damit penetrieren, bis keiner mehr neben Sinti und Roma leben will und nicht nur 20,5%. Die Renitenzforschung hat zahlreiche Belege dafür gesammelt, dass man das Gegenteil des Beabsichtigten durch Penetration und nerviges Auftreten erreicht. Der Niedergang der Görenbewegung, zu der der Feminismus verkommen ist, ist bestes Beispiel dafür. Warum ist das so?
Studie_Sinti_RomaUm es in einer Weise zu erklären, die auch Anti-Diskriminierungs-Lüders versteht: Wenn man Menschen dazu zwingt, sich mit etwas zu befassen, das sie erfreulicher Weise nicht interessiert und womit sie sich auch nicht befassen wollen, dann weckt man damit bei manchen eine affektiv ablehnende Haltung, die sich auf das richtet, womit sie penetriert werden. Andere, mehr kognitiv Orientierte, betrachten sich den Gegenstand der Penetration ganz genau. Nehmen wir einmal an, der Gegenstand der Penetration ist Frau Lüders und ihre ständigen Forderungen nach neuen Mitteln, um immer neuen gesellschaftlichen Gruppen Wohltaten zukommen zu lassen. Man sich fragt, wer eigentlich noch diskriminiert, da die Diskriminierungs-Segmentierung in Alte, Junge, Schwule, Lesben, Behinderte, Frauen, Sinti und Roma, Migranten und Muslime usw. kaum jemanden und mit Sicherheit nicht die deutsche Mehrheitsgesellschaft übrig gelassen hat, der diskriminieren kann. Wie dem auch sei, die Forderungen von Frau Lüders könnten, als Konsequenz einer zunehmend als störend empfundenen Penetration genauer betrachtet, auf ihre Basis, ihre wissenschaftliche Fundierung, ihre empirische Effizienz und ihre Nutznießer-Struktur hin untersucht werden. Als Folge könnte die Forderung abgeleitet werden, die Antidiskriminierungsstelle als völlig unnötige Anstalt zur Verbrennung von Steuergeldern zu schließen und Frau Lüders in die Wüste zu schicken. Das will sie sicherlich nicht. Entsprechend empfehlen wir Frau Lüder: Klappe halten!

… und natürlich nicht mehr an wissenschaftlichen Skalen herumspielen, denn – im Gegensatz zu politischem Gewschätz haben wissenschaftliche Skalen in der Regel einen Sinn: Wenn eine Skala von 1 “stimme voll und ganz zu”, 2 “stimme zu”, 3 “stimme eher zu”, 4 “weder noch”, 5 “stimme eher nicht zu”, 6 “stimme nicht zu” bis 7 “stimme überhaupt nicht zu” geht, dann kann man ein “eher zustimmen” nicht einfach mit einer vollen Zustimmung gleichsetzen, auch wenn man das noch so gerne möchte. Das wissen die Wissenschaftler, die die Skala benutzen generell besser, Frau Lüders, weshalb derjenige, der die Ergebnisse wie sie und in seinem Sinne verändert, die Ergebnisse fälscht.

Dass man bei der Antidiskriminierungsstelle nicht einmal das Titelblatt der Auftragsstudie gelesen hat, wird daran deutlich, dass alle Verweise auf eine Studie mit dem Titel: “Zwischen Ablehnung und Gleichgültigkeit” erfolgen, was den “frame of mind”, der bei der Antidiskriminierungsstelle herrscht, deutlich macht und belegt, dass man bei der Antidiskriminierungsstelle versucht, die Ergebnisse der Studie mit dem Titel “Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung“, von der ersten bis zur letzten Zeile zu fälschen.

Sprachspiele statt Wissenschaft?

Empirische Befragungen, Umfragen oder auch Meinungsumfragen genannt, haben sich seit dem Jahre 1940 als Paul F. Lazarsfeld, Bernard F. Berelson und Hazel Gaudet mit der Erie County Study die Grundlagen nicht nur quantitativer empirischer Sozialforschung gelegt haben, zu einem festen Bestandteil der Erforschung menschlichen Handelns und vor allem menschlicher Einstellungen entwickelt.

Voting BerelsonDie Popularität der Erforschung durch Befragung hat dazu geführt, dass die methodischen Probleme, die mit dieser Art der Datenerhebung verbunden sind, in den Hintergrund getreten sind und fast jeder, der in der Lage ist, Fragen oder Aussagen zu formulieren, heutzutage der Ansicht ist, er könne eine Befragung durchführen und die Ergebnisse hinterher als Stein der Weisen verkaufen.

Vor allem die Einstellungsforschung hat in den letzten Jahrzehnten einen Aufschwung erlebt, der selbst die Kursentwicklung der Aktie von Apple in den Schatten stellt.

Kaum eine Institution, die sich nicht für Einstellungen der einen oder anderen Art interessiert.

Die Europäische Kommission interessiert sich für die Einstellungen der Europäer zu Europa und zur Europäischen Union und finanziert mit dem Eurobarometer eine regelmäßige Befragung, die sich immer mehr zum Fragenmoloch entwickelt hat.

Unternehmen interessieren sich für die Einstellungen von Kunden zu Produkten, zu ihrem Unternehmen, sie interessieren sich für Kundenzufriedenheit, die richtige Art und Weise der Mitarbeiterführung, die richtige Mitarbeitermotivation und vieles mehr.

Nicht zu vergessen, die ganzen Parteien und politischen Institutionen, die sich für die politische Einstellung von wem auch immer interessieren. All die Konstrukte von Rechtsextremismus bis Anomie, von Emotion bis politischer Identifikation, von Religiosität bis Technophobie, vom politischer Partizipation bis zum Repressionspotential, sie alle wären nicht möglich, gäbe es nicht entsprechende Einstellungsskalen, die die Messung von Konstrukten, die in der empirischen Sozialforschung als latente Variablen bezeichnet werden, und zwar deshalb, weil man sie nicht direkt messen kann – sondern konstruiert werden müssen, möglich machen sollen (denn Rechtsextremismus gibt es nicht als solchen, er ist ein erdachtes Konstrukt, was oft und gerne vergessen wird, aber jeder merkt, wenn er versucht, ein Kilo Rechtsextremismus zu kaufen.).

Und weil man derart Konstrukte nicht direkt messen kann, muss man sie indirekt erschließen. So wird eine rechtsextreme Einstellung durch eine Reihe von sogenannten Items erfasst, d.h. von Aussagen, für die man annimmt, dass sie eine gemeinsame Dimension, die man als Rechtsextremismus beschreiben kann, umfassen. Wer sich ein Bild darüber machen will, welche Bedeutung und Verbreitung Skalen zur Messung von Einstellung in der empirischen Sozialforschung haben, der soll sich ein wenig Zeit nehmen und sich durch das ZUMA Informationssystem (ZIS) klicken.

Wer dies tut, findet eine Vielzahl sozialwissenschaftlicher Skalen, die zur Messung der unterschiedlichsten Einstellungen entwickelt wurden, Skalen wie die folgende, mit der Umweltbewusstsein gemessen werden soll.

Umweltbewusstsein

Andere Einstellungen wie Rechtsextremismus, Anomie oder politische Partizipation oder politisches Engagement oder transformationaler Führungsstil oder Motivation werden mit ähnlichen, zuweilen umfangreicheren Aussage-Skalen erhoben. Mit statistischen Verfahren, vornehmlich mit der von Cronbach entwickelten Reliabilitätsanalyse und mit der Faktorenanalyse werden die Antworten auf die Aussagen dann zusammengefasst und zu der Einstellung gebündelt, die man damit messen wollte.

Diese Zusammenfassung von im Beispiel Aussagen, die Umweltbewusstsein messen sollen, basiert auf drei Annahmen:

  • Schnell hill esser neuDie Aussagen, die zur Messung der Einstellung genutzt werden, sind voneinander hinlänglich unabhängig.
  • Die Antworten von sagen wir 1000 Befragten auf die Aussagen, zeigen eine hinreichende Konsistenz, so dass es möglich ist, Umweltbewusstsein zu erschließen. Im vorliegenden Beispiel erwartet man z.B., dass ein Befragter, der der Aussage zustimmt,”Wissenschaft und Technik werden viele Umweltprobleme lösen, ohne dass wir unsere Lebensweise ändern müssen”,  der Aussage “Wir vertrauen zu sehr der Wissenschaft und der Technik und zu wenig unseren Gefühlen” nicht zustimmt. Die erste Aussage ist übrigens ein Item für negatives Umweltbewusstsein, die zweite für positives Umweltbewusstsein, was die Konfundierung von Einstellungsforschung mit Ideologie deutlich macht. Aber das ist ein anderes Problem.
  • Die Aussagen, die die latente Variable konstituieren, sind trennscharf gegenüber anderen Aussagen, die in der selben Befragung genutzt werden, um andere Einstellungen zu messen.

Soweit die schöne Welt der Einstellungsforschung. Nun zu den Gewitterwolken, die sich nicht erst seit kurzem zusammengebraut haben, vielmehr gibt es seit mehreren Jahrzehnten heftige Kritiker (z.B. Clyde Coombs), die Einstellungsforschung als moderne Form des Blicks in die Glaskugel ansehen oder, wie Dr. habil. Heike Diefenbach gewöhnlich sagt, als eine Fleischwolf-Methode, bei der man durch die Formulierung von Fragen sicherstellt, dass das, was man vorne hereintut auch hinten herauskommt. Diese Gewitterwolken haben sich nun per Blitz entladen und die ersten Einschläge haben eine Reihe von Skalen zur Messung von Einstellungen getroffen und, soweit man derzeit sagen kann, in ihrer bisherigen Form vernichtet. Es bleibt, um im Bild zu bleiben, nur Rauch und Asche, denn: keine der drei Annahmen trifft zu.

Verantwortlich für diese Verwüstung sind Jan Ketil Arnulf, Kai Rune Larsen, Oyvind Lund Martinsen und Chih How Bong. Die vier Wissenschaftler hatten nicht nur eine gute Idee, sie haben auch neue Analyseverfahren zur Verfügung, um ihre Idee umzusetzen.

Die gute Idee kann man als Befürchtung formulieren:

Was, wenn wir mit Einstellungsskalen nicht die Einstellung der Befragten zu, sagen wir, Rechtsextremismus, oder zur Bundesregierung oder zur Europäischen Union messen, sondern den sprachlichen Zusammenhang unter den Aussagen, mit denen diese Einstellung erhoben werden soll? Was, wenn die Ergebnisse nicht inhaltlich interpretiert werden können, weil sie keinen Aufschluss über die Einstellung der Befragten zum jeweiligen Thema geben?

Wie prüft man so eine Idee ?

Bis vor einiger Zeit (Mitte/Ende der 1990er Jahre) hätte man sie kaum bis gar nicht prüfen können. Aber jetzt gibt es Verfahren wie Latent Semantic Analysis (LSA) oder MI, die semantische Ähnlichkeiten in Texten aufstöbern und quantifizieren. Jeder kennt die Wortwolken, die durch die Größe und Dicke eines dargestellten Begriffs auf dessen Häufigkeit und Wichtigkeit z.B. auf ScienceFiles hinweisen wollen. LSA und MI funktionierren ähnlich, wenngleich elaborierter. Beide Verfahren basieren auf der Erstellung einer “lexikalischen Datenbank”, die Worte und Begriffe aus einer Reihe von Quellen erfasst und deren semantische Nähe angibt.

Die vier Autoren haben für ihre Zwecke eine umfangreiche lexikalische Datenbank aus Texten im Wall Street Journal, Business Week, Forbes und Future, der New York Times, der Washington Post, PR Newswire und etlichen anderen Quellen erstellt, wobei sie sich ihrem spezifischen Forschungsgegenstand entsprechend auf Texte zur Ökonomie und zum Management beschränkt haben. Die resultierende Datenbank erlaubt es Worte, Begriffe und Aussagen nach semantischer Nähe zu bewerten und sogar unterschiedliche Ausdrücke im Hinblick auf ihre semantische Nähe miteinander zu korrelieren.

Der Einschlag und die Spur der Verwüstung, die die vier Autoren mit ihrer Analyse zu verantworten haben, beruht auf semantischer, auf sprachlicher Nähe, und er betrifft zunächst nur den MLQ einen Fragebogen, der aus einer Vielzahl von Aussagen besteht, die genutzt werden, um einen transformationalen Führungsstil zu messen.

Erfolgt die Konstruktion dieses transformationalen Führungsstils auf Basis der Antworten von 1.649 Befragten, wie im Beispiel der vier Autoren, dann ist diese Konstruktion im Hinblick auf ihre Validität und im Hinblick auf ihre Erklärkraft nur minimal besser als eine Konstruktion auf Grundlage semantischer Nähe der Aussagen, die genutzt wurden, um das latente Konstrukt “transformationaler Führungsstil” zu messen. Mit anderen Worten: Man braucht keine Befragten, um deren Einstellung zu im vorliegenden Fall transformationalem Führungsstil zu messen, man kann die Einstellung über die semantische Nähe der benutzten Aussagen vorhersagen.

Das ist der Supergau für die Einstellungsforschung, bedeutet es doch nicht mehr und nicht weniger, als dass Einstellungsforscher mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die Einstellungen messen, die sie messen wollen, sondern die Einschätzung der sprachlichen Nähe der Aussagen, die sie benutzen, um die Einstellungen zu messen, durch ihre Befragten. Das ist nicht nur schlecht, es ist verheerend. Denn würde sich das Ergebnis von Arnulf, Larsen, Martinsen und Bong als generalisierbar, als ausweitbar auf alle anderen Bereiche der Einstellungsforschung erweisen, und bislang gibt es keinen Grund, dies nicht anzunehmen, es hätte erhebliche Konsequenzen:

  • lightning strokeDie Europäische Kommission könnte keine Erfolgsmeldungen mehr über die europafreundliche Einstellung der Mehrheit der Europäer verbreiten.
  • Regierungen könnten ihre politischen Vorhaben nicht mehr mit der Einstellung in der Bevölkerung, deren Umweltbewusstsein oder deren Technikfeindschaft begründen.
  • Politische Institutionen und andere Organisationen könnten sich nicht mehr der Umfrageforschung bedienen, um Rechtsextremisten oder sonstige Feinde ihrer eigenen politischen Einstellung zu brandmarken, jedenfalls so lange nicht, so lange nicht sichergestellt wäre, dass die entsprechende Einstellung valide gemessen wurde.
  • Meinungsforschungsinstitute könnten nicht einfach Fragen erfinden und behaupten, damit bestimmte latente Konzepte, bestimmte Einstellungen zu messen.
  • Empirische Sozialforscher wären wieder gezwungen, mehr Wert auf methodische Aspekte zu legen, was zur Folge hätte, dass sich die Spreu vom Weizen trennt.

Insgesamt sind die Konsequenzen eher positiv zu nennen, und es wäre wünschenswert, dass sie eintreten. Die Chancen dafür stehen gut, denn Forschung, wie die von Arnulf, Larsen, Martinsen und Bong kann nicht mehr weg ge-peer-reviewed oder totgeschwiegen werden durch eine stille Konspiration der Einstellungsforscher im Feld, die keine Lust haben, ihre Methoden hinterfragen zu lassen. Die Forschung ist “out in the open”, open access Zeitschriften wie Plos One machen es möglich. Entsprechend werden sich Einstellungsforscher nach der methodischen Güte ihrer Forschung fragen lassen müssen, und sie werden wohl oder übel sicherstellen müssen, dass sie auch wirlich Einstellungen und nicht sprachliche Artefakte messen, und zwar dadurch, dass sie Aussagen zu Aussagen-Skalen kombinieren, die nicht durch sprachliche Nähe bereits eine entsprechende Skala abbilden und bevor sie mit den Aussagen ins Feld gehen, sicherstellen, und zwar mit LSA oder MI oder anderen Programmen, dass sie keine sprachliche Nähe aufweisen.

Das Feld der empirischen Sozialforscher wird sich entsprechend lichten. Es wird überschaubarer. Und das ist gut so.

Arnulf, Jan Ketil, Larsen, Kai Rune, Martinsen, Oyvind Lund & Bong, Chih How (2014). Predicting Survey Responses: How and Why Semantics Shape Survey Statistics on Organizational Behavior. Plos One.

Betrachtungen eines Mehrfachdiskriminierten

Heute ist es mir so richtig klar geworden: Ich werde diskriminiert!

Nicht einmal, nein x-Mal; diskriminiert in Wort und Tat und das täglich, 24/7 – eine Ende ist nicht absehbar.

Wie lebt man, wenn man gleich mehrfach diskriminiert wird?

Eigentlich ganz gut, nur das Wissen um die Diskriminierung, das Wissen um diese tägliche Ungerechtigkeit, das nagt und nagt und so.

Es muss etwas getan werden – eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme.

Diskriminierung ist, wenn man wegen seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner Herkunft oder seiner Rasse oder sonstiger Merkmale, die man nicht los wird, schlechter gestellt oder gar beleidigt oder beschimpft wird.

Da geht es schon los:

Ich werde beschimpft.

discrimination2Ich sei bildungsfern, weil ich aus der Arbeiterschicht komme. Und die Arbeiterschicht, das weiß man offensichtlich und vor allem, wenn man aus der Mittelschicht kommt, die ist bildungsfern.

Mittelschicht, das sind übrigens diejenigen, die sich geschmacklose Kleckse an die Wand hängen, um damit zu zeigen, wie modern und gebildet sie sind. Natürlich keine Originalkleckse, das können sie sich nicht leisten. Dazu ist ihr Lebensstandard zu prekär. Nein, Reproduktionen, Drucke, Drucke, die 1000fach produziert werden – damit man als Bildungsferner sofort sieht, dass man eine Mittelschichtswohnung betritt.

Außerdem, das muss jetzt gesagt werden, gelte ich rechts. Wir bei ScienceFiles gelten alle als rechts, denn wir fragen Genderisten danach, was sie an Universitäten verloren haben. Das reicht um als Rechter bezeichnet zu werden. Wer kritisiert, dass sich bestimmte Leute auf Kosten anderer bereichern, der gilt heute als rechts.

Was zur Konsequenz hat, dass jeder rechts ist, der ein selbstbestimmtes Leben führt. Und wer ein selbstbestimmtes Leben führt, der wird konsequent diskriminiert, der wird ausgeschlossen aus dem Transfer der Mittel, Beihilfen, Zuwendungen und sonstigen Vergünstigungen, die das staatstreue Leben so mit sich bringt.

Die multiple Diskriminierung nimmt ihren Lauf.

Ich bin männlich. Bad luck: Kein Anspruch auf Mutterschaftsurlaub, kein Geld für Fertilität, so genanntes Mutterschaftsgeld, eine Prämie für vermeintlich erfolgreich ausgeführten Geschlechtsverkehr – Geld für das, was man früher die eheliche Pflicht genannt hat: Nachwuchsproduktion. Eigentlich ein Schlag ins Gesicht für alle emanzipierten Frauen. Aber kennen sie eine, die sich nicht von ihrem Staat für den Einsatz ihrer Geschlechtsteile bezahlen lässt? Mutterschaft als Prostitution. Wie auch immer, ich werde diskriminiert.

Schon weil die Produktion von Nachwuchs die Eintrittskarte in die Förderkarriere ist. Elterngeld winkt, Elterngeld plus für all diejenigen, die kein oder wenig Humankapital haben, das man als Fähigkeit im Beruf und gegen gutes Geld verkaufen kann. Kindergeld für die Sprößlinge ab Tag 1, Kinderzuschlag für Geringverdiener, Wohngeld, die Möglichkeit, familienunterstützende Leistungen von der Steuer abzusetzen, Familienurlaub in Familienferienstätten. Und wäre ich alleinerziehend, ein wahres Hilfe-Paradies wäre meins. Aber statt Einlass ins Hilfe-Paradies gibt es für mich Diskriminierung.

All die Geschenke, die das BMFSFJ im Tausch gegen Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Würde verteilt, ich bekomme sie nicht. Ich werde diskriminiert.

Und Bauer bin ich auch nicht.

Kein Geld von der EU, kein Geld vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Geld dafür, dass ich meinem Erwerb nachgehe. Ich gehe meinen Erwerb unsubventioniert, aber voll besteuert nach. Steuerliche Vorteile für mich? Pustekuchen. Ich bin kein Bauer, kein Schiffsbauer, kein Elternteil. Ich bin bildungsfern und rechts! – und männlich, fast hätte ich es vergessen.

Und arbeitslos war ich auch nie. Ich bin selbstständig: Arbeit ohne Ausgleichszahlung, kein Anspruch auf Urlaubsgeld, Übergangsgeld, Trennungsgeld oder 13. Monatsgehalt. Nichts. Nicht einmal Insolvenzgeld. Ich werde diskriminiert.

Das macht fast depressiv, und fast hätte ich es in die nicht diskriminierende Öffentlichkeit des Behandlungszimmers in der Klink für psychisch Kranke geschafft. Aber eben nur fast. Und das heißt: Kein Geld von der Krankenkasse und weiter diskriminiert.

Not macht bekanntlich erfinderisch – naja, nicht erfinderisch, aber doch zumindest nachdenklich.

Nachdenken über Subventionen führt zuweilen zu in Vitro Fertilisation. 50% trägt die Krankenkasse. Eine Chance zumindest zum nur noch halb Diskriminierten zu werden. Man gehe einfach zum Arzt, lasse sich Sperma abzapfen, hoffe auf die ärztliche Kunst und darauf, dass kein Blindgänger eingepflanzt wird. Schon steht einem die diskriminierungsfreie Welt der Abhängigkeit von staatlichen Leistungen offen.

Aber im Tauch gegen Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Würde? Ja, Würde: Wer will schon zum Samenspender werden, zum spasslosen Erzeuger steriler Empfängnis?

discriminationBleibt noch ein letzter verzweiflter Akt, bei 100prozentiger Kostenübernahme durch die Krankenkasse und anschließender garantierter Transferexistenz: Werde doch Trans, also nicht Trans, sondern das, was nach der Operation herauskommt! Ausgangspunkt: Spannungsverhältnis zwischen Geschlechtsidentität und tatsächlichem Geschlecht – etwas Einbildung reicht vermutlich. Voraussetzung: Zwei Jahre gescheiterte Psychotherapie – kein Problem – und keine Linderung meiner Qual. Resultat: Fast wie beim Geheimdienst – Neuer Name, neue Identität, neuer Mensch. Ein sagenhaftes Angebot. Und die Nachsorgebehandlung garantiert ein Leben in Abhängigkeit.

Aber…

wenn ich es mir so recht überlege – vielleicht ist es gar nicht so schlecht mehrfachdiskriminiert zu sein, selbstbestimmt, selbstwirksam, selbstbewusst und in Würde zu leben; in jedem Fall besser als sich an einen Staat zu verkaufen, der nur darauf wartet, Selbstbestimmung durch Vor- oder Nachsorge zu beenden, Selbstwirksamkeit durch Zugehörigkeit zur Gruppe der Transferempfänger zu zerstören, Selbstbewusstsein durch Bezahlung für Prostitution zumindest zu erschweren und Würde zu einem Begriff zu machen, der demnächst aus dem Duden gestrichen wird.

Ich werde diskriminiert! Und Klein heiß’ ich auch noch.

Aber es gibt noch Solidarität, zumindest in der ScienceFiles-Redaktion. Wir sitzen zusammen und sinnieren, sinnieren über die Diskriminerung, über das Leben, das Universum und darüber, dass Heike Diefenbach auch diskriminiert wird, Bach ist walisisch und heißt: klein … und aus der Arbeiterschicht ist sie auch – per definitionem die erste promovierte und habilitierte Bildungsferne.

Männerkongress: Männer sind gefälligst auch Opfer!

Manchmal, wenn der RSS-Feed am Samstag blinkt, sollte man ihn blinken lassen. Dummerweise haben wir ihn nicht blinken lassen. Deshalb haben wir die druckfrische Pressemeldung des Dritten wissenschaftlichen Männerkongresses zum Thema “Angstbeißer, Trauerkloß, Zappelphilipp – Seelische Gesundheit bei Männern und Jungen” nicht nur gesehen, sondern auch gelesen.

Oh, Graus!

Jetzt ist es amtlich: Nicht nur Frauen sind Opfer. Nein, Männer sind auch Opfer.

Das scheint alles zu sein, was den wissenschaftlichen Vertretern von Männern, die sich zu einem Männerkongress zusammenfinden, zum Thema “Männer” einfällt. Männer haben auch seelische Probleme und vor allem sind Sie depressiv, trauen sich aber nicht, ihre Depressivität einzugestehen. Das ist eines der Ergebnisse eines Männerkongresses, der sich mit “Rollenstereotypen” befasst haben will. Das Ergebnis hat in einer von elf Thesen zum Abschluss des Kongresses seinen Niederschlag gefunden.

Man weiß nicht, ob man weinen oder lachen soll.

In jedem Fall muss man feststellen, dass die Beschäftigung mit Rollenstereotypen bestenfalls bei den Teilnehmern vorhandene Stereotype verfestigt hat. Von Beseitigung keine Spur. Wozu auch, schließlich werden Männer gerade als Zielgruppe für Psychotherapie und Psychoanalyse entdeckt, alles angebliche Heilverfahren, die an Handauflegen erinnern und für die es keinerlei wissenschaftliche Fundierung gibt, also keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die eine Wirksamkeit der psychoanalytischen oder psychotherapeutischen Ansätze belegen würden.

psychiatryAber, wie wir der Pressemeldung entnehmen, ist die “männliche Identitätsentwicklung … aus psychoanalytischer, entwicklungspsychologischer und psychohistorischer Sicht strukturell komplex und konflikthaft”. Die Behauptung kommt im Gewand einer Aussage daher, die zirkuläre Geltung beansprucht, denn aus Sicht von psycho-XY ist eine “männliche Identitätsentwicklung” “strukturell komplex und konflikthaft”. Na dann. Aus unserer Sicht ist sie das nicht. Deshalb verdienen wir auch nichts mit unseren Behauptungen, deshalb können wir auch keine Forderungen aufstellen, wie die folgende:

  • “Männer brauchen zur Prävention der Folgen von Arbeitsstress mehr niedrigschwellige Hilfsangebote wie Stresspräventionsgruppen oder die psychosomatische Sprechstunde im Betrieb.”

Das genau hat Männern gefehlt: Die psychosomatische Sprechstunde im Betrieb und das Stresspräventionsprogramm. Letzteres fehlt vor allem dann, wenn Schicht und Akkord gearbeitet wird und eine Zielvereinbarung eingehalten werden muss. Man kann sich den Stressberater am Laufband von VW richtig vorstellen, wie er hektisch und fast schon in Stress verfällt, während er die Monteure davon abhalten will, hektisch zu werden und in Stress zu verfallen.

Damit nicht genug:

  • “Wichtig ist eine Priorisierung von Maßnahmen der Stressprävention bei Beschäftigtengruppen mit überdurchschnittlich hoher psychosozialer Arbeitsbelastung.”

Ab sofort werden Deadlines und Liefertermine verboten, aus Gründen der Stressprävention.

Wie leicht es doch ist, unbelegte Dinge als Fakten darzustellen. Ob es eine psychosoziale Arbeitsbelastung gibt, die zu nennenswerten Beeinträchtigungen für Arbeitnehmer oder Unternehmen führt, wäre erst noch zu zeigen, bevor man versucht, daran zu verdienen. Aber, wenn wir psychosoziale Arbeitsbelastung einmal als eine Belastung definieren, die sich daraus ergibt, dass die eigene Tätigkeit gesellschaftlich nicht gut angesehen ist oder einen niedrigen soziale Status hat, dann freut es uns zu hören, dass Stressberater nun Hilfsarbeiter dabei unterstützen, wie sie Toiletten putzen oder Abfall-Facharbeiter dabei, wie sie den Inhalt aus dem Gelben Sack sortieren.

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Schnelle Depressions-Eingreiftruppe – Mehr Information durch Klick!

Und natürlich kann es auch nicht weiter so sein, dass Frauen Depressionen für sich monopolisieren. Männer haben auch ein Recht auf ihre Depression und müssen entsprechend und zum Wohl all der Depressions-Behandler gleichgestellt werden.

  • “Zwei wesentliche Gründe für die Unterdiagnostizierung von Depression bei Männern sind die Angst vor Stigmatisierung bei den Betroffenen und ein geschlechterbezogener Verzerrungseffekt in der Depressionsdiagnostik zugunsten weiblicher Symptome. Depressivität kann sich bei Männern jedoch auch unter der Tarnkappe von Aggressivität, Suchtmittelmissbrauch, Hyperaktivität oder Risikoverhalten manifestieren.”

Das nennt man Kaffeesatzleserei. Niemand weiß, wie viele Männer tatsächlich depressiv sind. Aber die Männerkongressler wissen, dass zu wenige Männer als depressiv diagnostiziert werden, weil die depressiven Männer zu ängstlich sind, sich als Depressive zu erkennen zu geben oder diagnostizieren zu lassen. Das Bemühen um Gleichstellung wird nun auch von männlicher Seite zu einem Bemühen um rent seeking, um steuerzahlerfinanzierte Einnahmequellen.

Und – um es noch einmal zu sagen – der Männerkongress hat sich mit Rollenstereotypen beschäftigt. Das darf man nicht vergessen, vor allem deshalb nicht, weil die elf Thesen, die die 200 Männerkongressler verabschiedet haben, nicht nur ein Musterbeispiel in rent seeking sind, sondern auch ein Musterbeispiel in Framing. Framing beschreibt die Wahrnehmung der Welt auf Grundlage seiner eigenen Vorstellung der Welt, seiner eigenen Rollenstereotypen, die aber nichts damit zu tun haben, was anderen denken oder tun. Und so finden sich depressive Männer unter der Tarnkappe von “Aggressivität, Suchtmittelmissbrauch, Hyperaktivität oder Risikoverhalten”. Jungen haben einen “typische[n] Drang zu motorischer Bewegung und Expansivität”, und zwar von Natur aus, was die Frage aufwirft, wie die Generationen vor uns es geschafft haben, Jungen an eine Schulbank zu bringen und dort zu halten.

Aber, Bewegung hat eben “besonders bei Jungen” eine große Bedeutung für die gesundheitliche Entwicklung und frühzeitig angebotene “Elterntrainings wie ‘wir2′ können eine präventive Wirkung entfalten” (für was auch immer). Am besten ist jedoch These elf, das highlight des Männerkongresses:

“Gerade bei AD(H)S sollte statt ideologischer Vereinfachung die Komplexität des Themas reflektiert werden. Beschleunigte Jungen (z.B. mit AD(H)S) und verlangsamte Mütter (z.B. mit Depressionen oder schweren Traumatisierungen) verweisen auf einen transgenerativen Zusammenhang.”

Nicht nur Feministen, nein, auch Männerkongressler können verbal onanieren, was natürlich der Komplexität des Themas geschuldet ist, dem die Jungen davonrennen, während die Mütter nicht aus den Startklötzen kommen, weil sie depressiv sind. Deshalb stören die davonrennenden Jungen den transgenerativen Zusammenhang und die Mütter sind noch depressiver als zuvor – oder so.

Hinder

Unsere Selbsthilfegruppe gegen Depression. Mehr Infos durch Klick!

Wer bislang geglaubt hat, nur Feministen hätten es auf den Geldbeutel von Steuerzahlern abgesehen, der muss sich durch den Dritten Männerkongress eines Besseren belehren lassen: Männer treten zum Sturm auf die feministische Opferbastion an. Nicht nur durch die Forderung nach einem “gendersensiblen Umgang mit dem Thema partnerschaftliche Gewalt”, sondern vor allem durch die Psychologisierung von Männern, deren Zwangseinweisung in die Welt des Traumas und der Depression, deren Verhorizontalisierung auf der Couch der Psychoanalytiker und Psychotherapeuten, die mit gewichtigem Gesicht aus der sprichwörtlichen Mücke, den psychotischen Alptraum konstruieren.

Es lebe der neue Mann, der gemeinsam mit seiner Partnerin heult, während die Probleme ungelöst bleiben und die Zeit ohne Rücksicht auf die Heulenden verstreicht.

Übrigens haben Jungen und Männer tatsächlich Probleme:

Jungen finden sich häufiger als Mädchen auf Sonderschulen, werden häufiger mit sozial-emotionalen Störungen, die man jedem andichten kann, der nicht passt, auf eben dieselben abgeschoben oder erst gar nicht eingeschult.

Jungen machen seltener ein Abitur, bleiben dagegen häufiger ohne Schulabschluss als Mädchen.

Männer arbeiten härter als Frauen und sterben deshalb im Durchschnitt früher.

Männer tragen die Hauptlast der gesetzlichen Rentenversicherung und entnehmen der Rentenversicherung dennoch deutlich weniger als Frauen.

Männer sind häufiger arbeitslos als Frauen.

Männer begehen häufiger Selbstmord als Frauen.

Und und und …, aber der Männerkongress hat nichts Besseres zu tun, als Männer zu Couch-Gemüse beim Psycho-Analytischen-Therapeuten zu reduzieren.

Weit haben wir es gebracht!

Wir streiten übrigens nicht ab, dass Männer auch psychische Probleme haben (können). Aber wir vertrauen auf die Fähigkeit auch von Männern, sich dann, wenn sie entspechende Probleme haben, geeignete Hilfe zu suchen.

 

Und zum Schluss die volle Ladung maskuliner Selbstfindung, especially dedicated to men (like us) from Dr. habil. Heike Diefenbach:

Frauen und Kooperation: Die Ikone des Staatsfeminismus verliert ihren Heiligenschein

Fangen wir mit Lamentos an:

z.B. einem Lamento des Fachverlags Thieme:

Kooperation statt konkurrenz“Männer sind noch immer eher Konkurrenzsituationen ausgesetzt als Frauen, und noch immer gilt es als typisch männlich, sich mit dem Ellenbogen in der Hierarchie nach oben zu kämpfen. Gleichzeitig reagieren Männer jedoch empfindlicher als Frauen auf Konkurrenzdruck und sozialen Stress. Auf diese für Männer gesundheitsgefährdende Konstellation weist Professor Dr. Bertram Szagun, Gesundheitswissenschaftler an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, in der Fachzeitschrift “Das Gesundheitswesen” (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014) hin.”

Es gibt dieses Lamento nicht nur in der Helferindustrie, die Menschen vom Fluch der Konkurrenz heilen wollen, mit immer neuen Konzepten, von denen sie sich erhoffen, einen Vorsprung vor der Helfer-Konkurrenz zu erzielen, sondern auch im Feld des Anti-(Neo-)liberalismus, denn Liberalismus ist ja für manche deshalb so furchtbar, weil er die Konkurrenz der Ideen und Individuen als Triebkraft einer Gesellschaft ansieht. In seiner globalisierten Variante liest sich das anti-liberale Lamento wie folgt:

Kooperation statt konkurrenz II“Eine zentrale Forderung in der globalen Bewegung gegen neoliberale Globalisierung lautet, dass eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von Reich zu Arm erfolgen muß. Wie kann eine Umverteilung von Reich zu Arm erfolgen, wenn der Reichtum durch die Armen, besser Arbeiterinnen, geschaffen wird? Müssen konsequenterweise nicht die Armen, also die Arbeiterinnen, selbst bestimmen, was mit dem von ihnen produzierten Reichtum passiert? Gilt das nicht für Frauen und Männer, also für Arbeiterinnen und Arbeiter gleichermaßen? An der Produktion sind Männer als auch Frauen beteiligt. Sie erarbeiten gemeinsam den Reichtum, den sich Unternehmer, Spekulanten usw. aneignen. Würde die Hälfte des Reichtums und der Macht an die Frauen gegeben werden, wird sich an diesen Verhältnissen sich nichts grundlegendes ändern. Es würde nur mehr Unternehmerinnen und Spekulantinnen geben als Folge davon, daß sich eine produzierende Frauenwelt nicht von der der Männer isolieren kann und weiterhin unter Konkurrenzbedingungen produzieren müßte. [Fehler sind aus dem Original übernommen.]“

Einmal von den Fehlschlüssen in diesem Absatz abgesehen, finden wir hier die Verbindung von mythologischen Vorstellungen darüber, wie Frauen seien, mit der Ablehnung von Konkurrenz als Ordnungsprinzip einer Gesellschaft. Was an die Stelle der Konkurrenz in dieser heilen linken Traumwelt tritt, kann man anhand der Stereotype, die in dieser Traumwelt über Frauen verbreitet sind, gut vermuten: Frauen wollten, im Gegensatz zu Männern, nicht konkurrieren (nicht einmal um Männer), Frauen sind mehr “caring”, wie es neuerdings heißt, sozialer und vor allem kooperativer als Männer. Die Mythologie des neuen sozialistischen Menschen, der nur entlang einer mythologisch konzipierten Weiblichkeit formuliert werden kann, die auf einer Verteilung von Ressourcen basiert, deren Ausmaß und Empfänger von Außererwählten bestimmt werden, findet man in Reinkultur bei der Feministischen Partei Deutschlands:

Kooperation statt konkurrenz III“Im Feminismus gibt es im Vergleich zum Patriarchat einen Wandel der Werte: Im Mittelpunkt steht die Lebensqualität alles Lebendigen. Statt zynischer Konzepte wie Konkurrenz und Ausbeutung setzen wir auf Kooperation und gerechte Teilhabe. Dem pyramidenförmigen, hierarchischen Aufbau der Gesellschaft setzen wir den Kreis oder die Spirale als Modell gegenüber, die Gleichwertigkeit und zyklisches Denken als wesentliche Elemente beinhaltet.”

Obwohl die Feministische Partei mit anderen Parteien um Stimmen konkurriert, finden die feministischen Parteiler Konkurrenz zynisch, was man verstehen kann, angesichts des geringen Stimmanteils, den die Partei zu erreichen im Stande ist. Könnte man die Wahl der Feministischen Partei zur Pflicht machen und das “zynische” Konzept der Konkurrenz zu Gunsten einer generellen Kooperation der Wähler mit der Feministischen Partei, z.B. durch Beendigung des Parteienwettbewerbs (also ein Verbot der anderen Parteien) beenden, es wäre zum Wohle der “Lebensqualität alles Lebendigen”. Kleinere Ungereimtheiten wie z.B. die nicht-hierarchische Spirale lassen wir einmal unberücksichtigt.

Der kurze Ausflug in die Welt der Anti-Konkurrenz zeigt mehrerlei: Für uns von Relevanz sind die Behauptungen, dass Konkurrenz zynisch, menschenfeindlich ist, Menschen krank macht, hilfsweise kann angenommen werden, dass Konkurrenz von Menschen nicht positiv bewertet wird, und in jedem Fall ist Konkurrenz eine männliche Erfindung, die zu Kriegen, Ausbeutung und angeblich ungerechter Verteilung führt, wie die Vergangenheit zeigt, weshalb es für alle Beteiligten besser ist, wenn die kooperativen und sozialen, die Konkurrenz ablehenenden und entsprechend in der Evolutions-Spirale der Feministischen Partei weiter entwickelten Frauen, ganz unhierarchisch das Zepter in die Hand nehmen, um durch caring Gutes zu tun.

Und jetzt kommen J. Matias Kivikangas, Jari Kätsyri, Simo Järvelä und Niklas Ravaja, die keinerlei Respekt vor politischer Korrektheit zu haben scheinen, und zeigen, dass Frauen fast genau so gerne konkurrieren wie Männer und, wichtiger noch, dass Frauen Kooperation der Konkurrenz nicht vorziehen.

In ihrem Beitrag “Gender Differences in Emotional Response to Cooperative and Competitive Game Play” räumen die vier Finnen mit dem Mythos der kooperativen und nicht-kompetitiven Frauen auf, den feministische Organisationen so gerne beschwören, um damit ihren globalen Sozialismus durchzusetzen.

Kivikangas, Kätsyri, Järvelä und Ravaja beginnen ihre Untersuchung mit zwei Hypothesen und einer Forschungsfrage:

  • Männer erleben Konkurrenz positiver als Kooperation.
  • Frauen erleben Kooperation positiver als Konkurrenz.
  • Ist Konkurrenz mit mehr negativen Emotionen verbunden als Kooperation?

Wie die Formulierung von Forschungsfrage und Hypothesen zeigt, interessieren sich die Autoren für die Emotionen, die mit bestimmten Handlungen verbunden sind, was die Frage aufwirft, wie die Autoren “Emotionen” messen.

Bomberman

Bomberman

Sie messen Emotionen auf zwei Wegen: Einmal durch eine Selbsteinschätzung der Teilnehmer an ihren beiden Experimente, 48 im ersten Fall, 100 im zweiten Fall, einmal durch die Messung vorhandener physischer Reaktionen bei den Teilnehmern der Experimente, während und nach den Experimenten. So wurde mit einer elektromyographischen Messung die Muskelbewegung im Gesicht gemessen. Dabei wurde im Bereich der Muskeln “zygomaticus major” und “orbicularis oculi” gemessen, für die beide gezeigt werden konnte, dass Muskelbewegungen mit positiven Emotionen im Zusammenhang stehen.

Die beiden Experimente der vier Finnen fanden in einer Spielsituation statt, einmal während des Spielens von Bomberman, dessen Ziel darin besteht, sich den Weg aus einem Labyrinth freizubomben und dabei gleich noch ein gegnerisches Team zu eliminieren, einmal während des Spielens von Hedgewars, einem Spiel, bei dem das Ziel darin besteht, ein gegnerisches Team mit allerlei Waffen zu eliminieren. Im Gegensatz zu Bomberman ist Hedgewars ein rundenbasiertes Spiel, das entsprechend für die Spieler mit weniger Stress verbunden ist.

hedgewars

Hedgewars

Beide Spiele sind Teamspiele, so dass es einfach ist, ein Design zu wählen, das einmal zwei Menschen im Team gegen ein Computerteam kooperieren sieht, ein anderes Mal zwei gemischte Mensch/Computer-Teams miteinander konkurrieren sieht. Zudem ermöglich es die Anlage des Experiments geschlechtshomogene Teams zu bilden, so dass untersucht werden kann, ob männliche Teilnehmer anders empfinden als weibliche Teilnehmer.

Interessanter Weise zeigt sich, dass die Selbsteinschätzung der Emotionen, die Teilnehmer von sich berichteten (gemessen über “SAM – Self-Assessment Manikins” und “Positive and Negative Affect Scale – Pandas“) nicht von den gemessenen Emotionen abweichen, was ein Beleg für die Validität der Messungen darstellt.

Und die folgenden Ergebnisse berichten Kivikangas et al.:

  • Sowohl für Männer als auch für Frauen sind Konkurrenzsituationen nicht negativ belegt, vielmehr berichten beide mehr positive als negative Emotionen und für beide wurden auch positive Emotionen in Konkurrenzsituation gemessen.
  • Männliche Teilnehmer bewerteten Konkurrenz etwas positiver als weibliche Teilnehmer und positiver als Kooperation.
  • Für weibliche Teilnehmer ergab sich keinerlei Unterschied in der Bewertung von Konkurrenz oder Kooperation.

In der Zusammenfassung von Kivikangas et al.:

The results … do not support the view that females are more cooperative than males, even if they are less competitive, implying that – contrary how they are sometimes discussed – cooperation and competition are not polar opposites”.

Damit ist ein weiterer Mythos, auf dem sozialistische und feministische Ideologen ihre Traumwelten aufbauen, zerstört. Weder sind Kooperation und Konkurrenz Gegensätze noch sind Frauen kraft biologischer Determination kooperativer als Männer. Das weibliche Wesen, an dem die Welt im Rahmen des feministischen Singsangs genesen soll, hat – de facto – keine der höheren Qualitäten, die ihm regelmäßig angedichtet werden.

collaborationNun gibt es sicher diejenigen, die – wie immer bei experimentellen Untersuchungen – versuchen, die Ergebnisse insofern aus der Welt zu reden, als man sie nicht auf die reale Welt übertragen könne. Und obwohl eine solche Behauptung zumindest ein Argument dafür benötigt, warum menschliche Emotionen kontextabhängig sein sollten, wollen wir an dieser Stelle einmal den Spieß umdrehen und fragen, wie die nicht-Übertragbarkeits-Apostel die heftige Konkurrenz unter Frauen um (gutverdienende) Männer erklären, eine Konkurrenz, die an Biestigkeit zuweilen kaum zu überbieten ist und sich im deutschen Sprachraum im Begriff der “Stutenbissigkeit” niedergeschlagen hat?

Fazit: Schlechte Nachrichten für alle, die den globalen Sozialismus anstreben. Frauen sind als stilisierter Über-oder Damen-Mensch nicht brauchbar.

 

Kivikangas, J. Matias, Kätsyri, Jari, Järvelä, Simo & Ravaja, Niklas (2014). Gender Differences in Emotional Response to Cooperative and Competive Game Play. Plos One.

Fremdschämen: Einbildung ist auch eine (moralische) Bildung

Wir schämen fremd (Präsens, Plural, Indikativ); Ich schäme fremd (Präsens, Singluar, Indikativ); Du schämest fremd (Präsens, Singular, Konjunktiv I); Wir schämten fremd (Präteritum, Plural, Indikativ); Fremdschämend (Partizip I); Fremdzuschämen (Infinitiv); Schäme Dich fremd (Indikativ).

Haben Sie sich schon einmal fremd geschämt?

Seit 2009 ist das in korrektem Deutsch möglich und seit 2010 sogar mit einer entsprechenden Belobigung, war das Wort “Fremdschämen” doch Wort des Jahres 2010 in Österreich.

Fremdschämen besteht darin, dass man sich z.B. für etwas schämt, was ein anderer getan hat, der sich nicht notwendiger Weise selbst dafür schämt. Fremdschämen kann auch dann gegeben sein, wenn man sich schlicht für jemand anderen schämt. Der (sprachliche) Zweck des Fremdschämens besteht also offensichtlich darin, sich schämen zu können ohne sich eigentlich zu schämen, ohne die Verwantwortung für den Anlass des Schämes übernehmen zu müssen.

Fremdschaemen

Undeutsches Verhalten?

Schämen (de)light, wie man auch sagen könnte, denn das, was die Scham eigentlich ausmacht, nämlich die persönliche Involviertheit, die persönliche Betroffenheit vom dem, was die Scham verursacht, die eigene Verantwortung für das Beschämende, diese Verantwortung kann beim Fremdschämen abgegeben werden. Entsprechend wird das Fremdschämen zu einer Form der Surrogatexistenz, in der man seine Identität nicht mehr durch Grenzen für die eigene Handlung zieht, sondern dadurch, dass man Grenzen für die Handlungen anderer zieht, sich angeblich für das schämt, was andere getan haben, auch wenn man diese Anderen nur vom Hörensagen kennt und in den wenigsten Fällen auch nur ansatzweise negative Externalitäten durch den vermeintilch beschämenden Akt hat.

Im Gegenteil: Fremdschämen hat den Vorteil, dass man sich nicht peinlich berührt in ein Loch verkriechen will, ob einer beschämenden eigenen Aktion, nein, man kann sich durch fremdschämen moralisch erhöhen und gleichzeitig Handlungen Dritter als beschämend deklarieren, ob sie das nun sind, oder nicht.

Fremdschämen scheint entsprechend der neueste Versuch einer sich zur moralischen Elite zählen wollenden Bevökerungsschicht, ihre moralische Überlegenheit dadurch zu demonstrieren, dass sie andere erniedrigt, sich stellvertretend für diese anderen und angeblich schämt.

Angeblich deshalb, weil die Fremdschämer natürlich eines nicht tun: sich schämen. Wer sich schon einmal geschämt hat, der weiß, dass man froh ist, wenn die Umwelt die Ursache der eigenen Scham wieder vergessen hat oder doch zumindest keinen Anlass gibt, zu denken, sie wäre sich des Beschämenden noch bewusst. Wie ist also eine Scham zu werten, die in die Welt posaunt wird, die anderen aufgenötigt wird, ohne dass sie das wissen wollten, darum gebeten hätten?

Die Antwort ist offensichtlich: Fremdschämen hat nichts mit Scham, aber viel mit dem Versuch, sich selbst eine moralische Oberhoheit gegenüber allem, was einem gerade nicht passt, einzuräumen. Es ist abermals einer dieser jämmerlichen Versuche, sich ohne eigene Leistung und auf Kosten Dritter zu profilieren und sich eine moralisch überlegene Position zuzuweisen. Dies wird schnell deutlich, wenn man z.B. die Einträge durchstöbert, die sich bei #fremdschämen auf Twitter angesammelt haben:

Ein weiteres wird deutlich, wenn man diese beiden Beispiele betrachtet. Fremdschämen hat ein kollektives Fundament, denn wie sollte man sich für andere schämen, wenn man keine seltsame, transzendente und über eingebildete Variablen bestehende Verbindung herstellen würde? Man schämt sich fremd, weil man sich einer Gruppe zuordnet (z.B. der Gruppe der Schweizer) und nun denkt, das Verhalten aller, die zu dieser Gruppe gezählt werden (von wem auch immer), falle auf einen zurück.

Wie kommt man auf die Idee, man müsse sich für das Verhalten von anderen, unbekannten anderen, räumlich getrennten anderen, für die man nicht verantworlich ist, schämen? Man kann deren Verhalten kritisieren, man kann es bedauern, aber man kann sich nicht dafür schämen. Man muss schon eine stark übersteigerte soziale Identität ausgebildet haben, wenn man denkt, das Verhalten von Gruppenmitgliedern, die ein Merkmal aufweisen, das man selbst auch trägt, wirke auf einen selbst zurück. Das erinnert fast schon an den Hexenglauben des Mittelalters oder Erzählungen über den bösen Blick.

Fremdschämen, das ist der Schluss, zu dem wir kommen, spricht zwei soziale Störungen an, die durch das Fremdschämen behoben werden sollen:

  • Fremdschämen-ist-wie-körperliche-Schmerzen

    Wanna feel the difference?

    Einerseits soll die eigene Identität darüber geschaffen werden, dass man sich durch das Fremdschämen zu einer moralisch höheren Existenzform erklärt. Fremdschämen als Mittel sozialer Differenzierung, das die Unmöglichkeit, die eigene Identität positiv, durch eigene Leistung und vor allem mit eigener Verantwortung zu definieren, vertuschen soll.

  • Andererseits ist das Fremdschämen Ausdruck eines übersteigerten Zugehörigkeitsbewusstseins zu einem Kollektiv, das fast schon als Paranoia zu bezeichnen ist, was letztlich dazu führt, dass man aus Gründen der Differenzierung vorgibt, zwar unausweichlich zum entsprechenden Kollektiv zu gehören, aber sich dafür zu schämen, dass manche aus diesem Kollektiv sich verhalten, wie sie das tun.

Kurz: Wer sich fremdschämt, der hat ein Problem.

Und wie immer, wenn in der deutschen Sprache affektbeladene Worte auftauchen, werden sie genutzt, um alles, was einem nicht passt, zu diskreditieren.

Ein paar Beispiele:

Ein Journalist der Jungen Welt fremd schämt sich für ein Video der Thüringer Linksjugend.

Ein Journalist des Kölner Stadtanzeigers findet ein Video, in dem Christiano Ronaldo Werbung für eine japanische Kosmetikfirma macht, zum Fremdschämen.

Ein Journalist des Westens findet den Iserlohner Stadtwald zum Fremdschämen.

Sabine Hockling findet auf ZEIT Online Tipps, die den Erfolg von Präsentationen sichern sollen und dabei z.B. auf eine Fahrradklingel setzen, vermutlich um die Zuhörer zu wecken, zum Fremdschämen.

Schließlich lädt die Berliner Zeitung ihre Leser unter der Überschrift, “Für Geld zum Affen gemacht” zum Fremdschämen ein, und treibt damit die Unlogik auf die Spitze, denn wenn Fremdschämen darin besteht, sich vermeintlich peinliche Situationen anderer anzusehen und sich darüber zu ereifern, dann ist Fremdschämen von Schadenfreude oder schlichter Missgunst kaum mehr zu unterscheiden. Einzig der Versuch, sich selbst und dadurch, dass man sich für andere angeblich schämt, als moralisch überlegen zu klassifizieren, bleibt als Unterschied, quasi der Versuch des kleinen Wichts, seine Fiesheit als etwas Besseres auszugeben. Das nennt man auch Heuchelei.

Stupid on Top: Warum gelangen Ungeeignete in Positionen?

In Medien finden sich Beiträge, bei denen man sich fragt, wie sie möglich waren: Was bringt manche Journalisten dazu, Unsinn, wie den, den Stefan Bach derzeit verbreitet, unkritisch und ungeprüft zu übernehmen?

media-feedBei Hypes wie dem Gender-Hype, bei dem Lügen und Falschaussagen an der Tagesordnung sind, die Basis des Hype darstellen, fragt man sich, wie kann es geschehen, dass Menschen auf diesen Unsinn, den man schon mit wenig Nachdenken als solchen entlarven kann, hereinfallen?

Wenn Funktionäre im Brusttom der Überzeugung schwadronieren, was “Wir” brauchen, fragt man sich, wieso “Wir minus Funktionär” nicht aufstehen, und diesen Funktionär für seine Anmaßung, uns eben einmal zu entmündigen und für uns zu sprechen, ohrfeigen?

Wenn Politiker ihren neuesten Spleen auf Kosten von Steuerzahlern verbreiten und ihn damit zu legitimieren suchen, dass Sie die Welt in düsteren Farben zeichnen, z.B. als eine Welt des Rassismus und der Diskriminierung, um dann ihren Spleen als General-Arznei zu verkaufen, an der die Welt gesunden wird, dann fragt man sich, wieso gehen ihnen viele auf den Leim, glauben den Unsinn, den Politiker verbreiten?

Und, schließlich: Warum gehen immer noch Menschen wählen, trotz einer Geschichte von Jahrzehnten, die zeigt, dass Sie als Stimmvieh missbraucht und nach der Wahl benutzt werden, um das Friends-and-Family-Programm der Politiker zu legitimieren, die sich munter selbst bedienen und auch ihre Freunde nicht vergessen, wenn es darum geht, Steuergelder zu verteilen?

All diese Fragen harren bislang einer Beantwortung.

Bislang.

Denn nun gibt es eine gut gemachte, fundierte und überzeugende wissenschaftliche Untersuchung, die zeigt, warum viele Politikern, Funktionären, Aktivisten und sonstigen Palaverern auf den Leim gehen.

Shakti Lamba und Vivek Nityananda von der Exeter University bzw. der Queen Mary University in London sind für diese Untersuchung verantwortlich, die das Rätsel, wie Dumme oder Ungeeignete es in Positionen schaffen können, ein für alle Mal löst.

Die beiden haben für ihre Untersuchung Studenten rekrutiert, 73 an der Zahl, die sich in Tutorien getroffen und in den meisten Fällen dort zum ersten Mal gesehen haben. Über sechs Wochen wurden die Studenten verfolgt und zu Beginn und zum Ende gebeten, ihre eigene und (unter vier Augen) die Leistung ihrer Komilitonen vorherzusagen. Am Ende des Tutoriums gab es zudem einen Leistungstest, den ein Tutor bewertet hat, ohne zu wissen, wessen Leistung er gerade bewertet.

Aus diesen wenigen Informationen haben die Autoren eine klassische Untersuchung zusammengestellt, in dem sie Selbsttäuschung als Differenz zwischen der für sich selbst vorhergesagten Leistungen und der tatsächlichen Leistung gemessen haben. Täuschung als Differenz der durchschnittlichen Vorhersage für einen Studenten durch seine Komilitonen und seiner tatsächliche Leistung. Schließlich haben die Autoren die Anfälligkeit für Täuschung als Differenz des Mittelwerts der Abweichung zwischen den von Studenten für ihre Komilitonen vorhergesagten Leistungen und deren tatsächlicher Leistung berechnet. Folglich haben die Autoren drei Maße bestimmt:

Selbsttäuschung, Täuschung und Anfälligkeit für Täuschung. Selbsttäuschung liegt vor, wenn jemand seine Leistung besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist. Täuschung liegt vor, wenn Studenten die Leistung eines Kommilitonen besser/schlechter einschätzen als sie tatsächlich ist. Anfälligkeit für Täuschung liegt vor, wenn ein Student die Leistung seiner Kommilitonen besser/schlechter einschätzt als sie tatsächlich ist.

Die Ergebnisse, die dieses einfache Forschungsdesign ermöglicht, sind bemerkenswert:

  • overconfidenceStudenten, die sich selbst besser einschätzten als sie sind, die – mit anderen Worten – eine ungerechtfertigte Aura der Kompetenz verbreiten, die in Selbstüberschätzung basiert, wurden von ihren Kommilitonen ebenfalls besser eingeschätzt als sie tatsächlich waren.
  • Studenten, die sich selbst als schlechter einschätzten als sie sind, wurden auch von ihren Kommilitonen schlechter eingeschätzt.
  • Auch nach sechs Wochen, in denen die Studenten miteinander Erfahrung machen konnten, änderte sich nichts daran, dass Studenten, die ihre Leistung überschätzt haben , auch von ihren Kommilitonen und in ihrer Leistung überschätzt wurden, während Studenten, die sich selbst unter Wert verkaufen, in der schlechten Einschätzung ihrer Person weiterhin Unterstützung durch ihre Kommilitonen erfahren haben.
  • Für Studenten, die sich besser eingeschätzt haben, als sie es tatsächlich sind, gab es keinerlei Korrelation zwischen der Einschätzung ihrer Leistung und ihrer tatsächlichen Leistung, das gleiche gilt für die Einschätzung ihrer Leistung durch Kommilitonen.
  • Schließlich konnten die Autoren zeigen, dass Studenten, die sich selbst überschätzen auch mit der Einschätzung anderer Studenten Schwierigkeiten haben.

Damit ist das Rätsel, wie prätentiöse, häufig inkompetente und vermutlich nicht sonderlich intelligente Personen in Positionen gelangen können, gelöst: Sie sind gut darin, andere zu täuschen und viele dieser anderen lassen sich von hoher, aber ungerechtfertigter Selbstsicherheit, die auf Selbstüberschätzung basiert, von der Fassade, hinter der sich schlicht nichts oder nur sehr wenig findet, täuschen. Je pompöser also z.B. Funktionäre oder Politiker oder Aktivisten auftreten, desto erfolgreicher sind sie darin, ihre Zuhörer, Adressaten oder Mitglieder zu täuschen. Je mehr Kompetenz sie mitbringen und je zurückhaltender sie sich ausdrücken, eben weil sie mehr Kompetenz haben, desto geringer sind die Chancen von Personen, überhaupt in Positionen, die durch Wahl besetzt werden, zu gelangen.

Das also ist des Pudels Kern.

Doch damit nicht genug:

“Our findings have implications for many types of social interactions but especially for those involving partner-choice (e.g. choosing mates, hiring people for jobs), suggesting that we may be rewarding overconfidence and penalizing underconfidence irrespective of an individual’s capability. Furthermore, if overconfident individuals are more likely to be risk-prone [11] then by promoting such individuals we may be creating institutions such as banks, trading floors and armies, that are also more vulnerable to risk. From our smallest interactions to the institutions we build, self-deception may play a profound role in shaping the world we inhabit”. (5)

Es ist demnach in allen Lebenslagen besser, diejenigen zu goutieren und denjenigen zu vertrauen, die sich nicht durch eine Selbstüberschätzung auszeichen, die nicht prätentiöse sind und vorgeben, sie könnten im “Wir” reden oder für andere entscheiden, wüssten, was für andere gut ist.

pretentiousnessUnd wie merkt man, ob man es mit jemandem zu tun hat, der sich selbst überschätzt und dessen Selbstsicherheit entsprechend auf Inkompetenz basiert, darauf, dass er nicht weiß, was er alles nicht weiß, der vielmehr meint, alles genau zu wissen? Nun, die Antwort auf diese Frage ist einfach: Indem man prüft, ob das, was er sagt, irgend einen Gehalt, irgend eine Verbindung zur Wirklichkeit hat, nachvollziehbar ist. Es reicht in der Regel schon, die Aussagen von wertenden Adjektiven zu befreien, um festzustellen, dass derjenige, der mit der vollen Einbildung seiner Kompetenz schwadroniert, nichts zu sagen hat.

Das Forschungsergebnis von Lamba und Nityananda bestätigt ein Forschungsergebnis zu Inkompetenz, das wir bereits auf ScienceFiels besprochen haben.

Lamba, Shakti & Nityananda, Vivek (2014). Self-Deceived Individuals Are Better at Deceiving Others. Plos One

Was in Gaza fehlt: Deutsche Konfliktberatung

Wir haben einen Konflikt – keinen Gaza-Konflikt im kleinen, auch keinen Beziehungs-Konflikt oder einen Arbeitskonflikt oder einen Interessenkonflikt, nein, wir haben einen Konflikt mit Konfliktberatung, einen intellektuellen Konflikt, ein Konflikt, in dem sich Gehirn auf der einen, und Geschreibe auf der anderen Seite gegenüberstehen, unversöhnlich, wie es scheint: Ein Fall für Konfliktberatung.

Reittherapie

©pferdegestützte Beratung

Konfliktberatung ist eines dieser Modefächer, das an Universitäten eine Vielzahl von Coaches hervorbringt, die dann in die Welt ziehen, um dieselbe nicht nur nach zu lösenden Konflikten abzugrasen, nein, um Konfliktteilnehmer zur Konfliktlösung zu beraten. Denn: In der heutigen Zeit braucht man einen Berater, um Konflikte lösen zu können. Würden die Israelis und Hamas das endlich erkennen und deutsche Universitätsabsolventen, z.B. aus Oldenburg endlich als Berater engagieren, der Gaza-Konflikt wäre längst gelöst, einvernehmlich und für beide Seiten zufriedenstellend.

Aber: Im Nahen Osten konfligiert man lieber, und entsprechend sind die Konfliktberater in heimischen Gefilden unterwegs, beraten sie hier so lange, bis Konfliktparteien aufgeben, Konfliktpartei zu sein. Und doch: Irgend etwas ist hier seltsam: Konflikte in Deutschland sind andere Konflikte als Konflikte in der Ukraine oder im Nahen Osten, so meint man.

Konflikt ist ein recht vielfältiger Begriff.

Konflikte entstehen aus der Interaktion von Menschen. Ohne menschliche Interaktion keine Konflikte. Das greift zu kurz, denn jeder kennt den Konflikt, den er mit sich selbst austrägt, z.B. wenn er vor der Wahl steht, noch ein Bier zu trinken oder kein Bier mehr zu trinken. Ausgezeichnet ist dieser intrapersonale Konflikt dadurch, dass man mit sich nicht im Reinen ist und zwei Reize (trinken, nicht trinken) darum konkurrieren, welcher dominant ist. Bei interpersonalen Konflikten ist das auch so: Hier konkurrieren mindestens zwei Menschen oder mindestens zwei Gruppen von Menschen darum, wer dominant ist, wer seine Interessen durchsetzen kann und wer seine Interessen nicht durchsetzen kann, wer dem anderen seine Werthaltung aufzwingen kann, und wer dem anderen seine Werthaltung nicht aufzwingen kann.

Die Versuche, schulische Curricula unter dem Vorwand von Akzeptanz und Toleranz mit linker Ideologie anzureichern, sind Beispiel solcher Wertkonflikte, bei denen eine bestimmte Gruppe einer anderen Gruppe ihre Interessen und ihre Werthaltung aufzwingen will.

Coser soziale KonflikteZiel des Aufzwingens der eigenen Interessen ist es, sich Zugang zu Ressourcen zu verschaffen oder sich Einfluss zu verschaffen, der genutzt werden kann, um Zugang zu Ressourcen zu gewinnen. Und da Ressourcen begrenzt sind, gibt es Konflikt, denn Versuche, anderen etwas aufzuzwängen, sei es ein Windrad auf dem Bergrücken oder eine Beratung über gesundes Leben, entsprechen einem Nullsummenspiel: Das, was derjenige, der seine Interessen durchsetzt, gewinnt, verliert derjenige, gegen den diese Interessen durchgesetzt wurden. Lewis A. Coser hat dies in seiner Konflikttheorie zusammengefasst. Er postuliert, dass Gesellschaften nicht auf Konsensus, sondern auf Zwang aufgebaut sind, Zwang, der mit sozialer Ungleichheit einhergeht und eine Gruppe, z.B. rot-grüne Landespolitiker in die Lage versetzt, einer anderen Gruppe, z.B. Eltern, Schülern und Lehrern, ihre Interessen aufzuzwingen.

Nun verhalten sich nicht alle passiv, wenn ihnen die Interessen anderer aufgezwungen werden sollen. Manche wehren sich. Und weil sich manche wehren, gibt es z.B. im Nahen Osten kriegerische Auseinandersetzungen und in Deutschland nicht, denn in Deutschland hat sich die herrschende Klasse etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um Ressourcenkonflikte nicht gewaltsam austragen zu müssen.

Einerseits wird Individuen das Recht abgesprochen, sich zur Not auch mit Gewalt gegen Übergriffe und Versuche zu wehren, sie zu Handlungen zu zwingen, die sie nicht ausführen wollen. Andererseits wird Gewalt und Aggression in einer beispiellosen konzertierten Aktion verteufelt und z.B. als Ergebnis von zu viel Testosteron oder anderer Fehlentwicklungen dargestellt. Gewalt und Aggression werden stigmatisiert, sie werden diskriminiert, denn man darf sich ihrer nicht mehr als legitimes Mittel oder auch letztes Mittel bedienen, um z.B. den Interessenübergriffen durch Dritte eine Grenze zu ziehen.

Als besonders wichtig im Bemühen, Gewalt und Aggression zu ächten, haben sich Berater, Coaches, Konfliktmanager erwiesen, Mitglieder aus der Mittelschicht, extra an Universitäten und auf Kosten der Arbeiterschicht ausgebildet, um Konflikte zu schlichten, um “Zoff” z.B. am Arbeitsplatz zu verhindern .

Conflict-ManagementDie Prämissen, auf denen Konfliktmanagement basiert, lauten: Konflikte sind außergewöhnliche Ereignisse, die nur selten vorkommen. Sie sind Ereignisse, die es zu vermeiden gilt und vor allem: Sie sind Ereignisse, bei denen Außenstehende eingreifen müssen, um den Konflikt zu beseitigen oder zu bewältigen. Und natürlich gibt es Strategien, um Konflikte zu lösen, was notwendig darauf hinweist, dass Konflikte generell lösbar sind, eine eher seltsame Sichtweise, wenn man bedenkt, dass Konflikte entstehen, weil Ressourcen ungleich verteilt sind. D.h. die Lösung eines Konflikts, z.B. zwischen der Arbeiterschicht, die das Studium der Kinder aus der Mittelschicht finanziert und der Mittelschicht, bestünde darin, den Besuch von Universitäten über Studiengebühren und nicht über Steuermittel zu finanzieren. Auf diese Weise bezahlen diejenigen für Universitäten, die/denen sie auch nutzen, nicht diejenigen, die/denen sie nicht nutzen. Aber: Konfikt! Allein das Wort “Studiengebühr” trägt schon den Konflikt in sich. Ulkiger Weise einen Aufrichtigkeitskonflikt: Studiengebühren schaden den sozial Schwachen. Die können dann nicht mehr studieren, so wird behauptet, ganz so, als täten sie es derzeit. Angehörige der Mittelschicht behaupten das, sie, die derzeit umsonst studieren und natürlich ein Interesse haben, das auch weiterhin zu tun. Und um dieses Interesse durchzusetzen, ist man sich auch nicht zu schade, diejenigen, die den Schaden haben, zu instrumentalisieren und zu behaupten, man nutznieße zu ihrem Besten.

Wie aber Konflikte lösen, wenn ihnen Interessen und Herrschaftsstrukturen zu Grunde liegen?

Gar nicht. Im Deutschland des Jahres 2014 werden Konflikte nicht gelöst, sondern bearbeitet, weggeschwätzt, es wird für Akzeptanz bei denen gesorgt, denen Interessen aufgezwungen werden sollen und, wenn sich die Konfliktparteien nicht bearbeiten und beschwatzen lassen, dann werden sie entfernt, dann gehören sie “nicht ins Boot”, wie man einem fast schon lustigen Beitrag über Arbeitspsychologie in der Welt entnehmen kann. Drei Psychologen-Konflikt-Coach-Coaches haben an diesem Beitrag mitgewirkt, den man wie folgt zusammenfassen kann:

Wir sitzen alle in einem Boot.

Wenn es Konflikte gibt, dann müssen wir reden.

Es ist das Beste, Lösungen für Probleme dann zu finden, wenn es die Probleme gibt, nicht etwa umgekehrt.

Und wer nicht spurt, der muss sich ein anderes Boot suchen.

Natürlich ist das zu krude und nicht die Weise, in der Konfliktmanagement, also der Versuch, Menschen nicht nur um den Verstand, sondern auch um ihre eigenen Interessen zu reden, funktioniert. Er funktioniert vielmehr so:

“Konflikte lassen sich am besten beseitigen, wenn alle Beteiligten in einer gemeinsamen Runde zur Lösung beitragen. Und wenn der Chef selbst Teil des Teams und des Problems ist? ‘Dann gehört er mit ins Boot’, sagt Jansen.”

“Alleingänge eines Teammitglieds sind auch keine Lösung, ebenso wenig wie Vier-Augen-Gespräche. ‘Wenn jemand eine fertige Lösung aus dem Hut zieht, schafft das neuen Konfliktstoff, weil es die Interessen der Teammitglieder verletzt”, sagt der Coach Axel Janßen aus Hamburg.

Ob der Leerformel, die uns Janßen hier als “fertige Lösung” präsentiert, haben wir den oben angesprochenen intellektuellen Konflikt, den Konflikt zwischen Gehirn und Geschwätz. Aber: wir lernen. Wenn es Konflikte gibt, dann muss man ein Boot mieten und alle hineinsetzen, auch den Chef. Aber: beim Bootfahren darf man nicht Titanic spielen:

“Die Ursachen für Konflikte liegen meist nicht offen zutage. ‘Das ist wie mit einem Eisberg: Wir sehen nur die Spitze, die aus dem Wasser ragt, doch die eigentlichen Auslöser lauern unter der Oberfläche'”.

Konfliktmanagement

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Also stellen Sie sich vor, sie sind Inhaber von Lehrstuhl A und haben mit dem Inhaber von Lehrstuhl B eine gemeinsame Sekretärin. Damit gehören Sie zu den Lehrstuhlinhabern, die in Deutschland derzeit als privilegiert anzusehen sind, denn sie haben immerhin Zugriff auf 50% Sekretärin. Theoretisch heißt das. Praktisch belegt Lehrstuhlinhaber B die Sekretärin mit mehr Aufgaben als seinem 50% Anteil entsprechen. Konsequenter Weise kommt es zum Konflikt um die Nutzung der gemeinsamen Ressource. Und weil moderne Gesellschaften aus Idioten bestehen, die nicht mehr sehen, was vor ihren Augen ist, deshalb wissen sie als Lehrstuhlinhaber A nicht, was nun die Ursache des Konfliktes mit Lehrstuhlinhaber B ist. Zwei Drittel des Konflikt-Eisberges, so wissen sie als einschlägiger Leser von Konfliktmanagementbüchern, liegen unter der Oberfläche. Grund genug, einen Konfliktberater, einen Coach, der sie zur Konfliktbeseitigung befähigen will, zu engagieren und Lehrstuhlinhaber A und Lehrstuhlinhaber B und den Coach in ein Boot zu setzen. Die Sekretärin kocht hoffentlich Kaffee, damit Sie auf der Bootsfahrt auch etwas zu trinken haben und los geht’s. Jetzt wird der Konflikt gelöst, und zwar so, wie der Coach das will. Und wer sich dem, was der Coach als Lösung vorschlägt, nicht fügt, der fliegt raus, aus dem Boot:

“Stört ein Kollege Lösungsversuche oder verweigert der Vorgesetzte seine Unterstützung … und wenn … alles nicht funktioniert, ‘würde ich mir einen neuen Arbeitgeber suchen'”

Die ultimative Konfliktlösung: Schwanz einziehen und Feld räumen, ganz so, wie dies im aggressionsfreien und gewaltverängstigten Deutschland im Jahre 2014 die Regel ist. Vielleicht gibt es ja doch einen Grund dafür, dass deutsche Konfliktmanager im Nahen Osten nicht gefragt sind.