Genetischer Fehlschluss: Die Basis von Gesinnungs-Sekten

Im letzten Post haben wir am Beispiel des Fehlschlusses ad-hominem dargestellt, wie der entsprechende Fehlschluss eingesetzt werden kann, um Gesinnungs-Sekten zu konstituieren. Eine Gesinnungs-Sekte ist für uns ein Zusammenschluss von Gleich-Gläubigen, die sich um einen Glaubensinhalt, z.B. eine politische Ideologie oder ein anderes religiöses Überzeugungssystem ansammeln. Die Migliedschaft in Gesinnungs-Sekten hat für einige der Mitglieder den Anreiz, sich durch die Bereitstellung von Glaubensinhalten einen persönlichen Nutzen, z.B. in From politischer Ämter zu verschaffen. Für die Mehrzahl der Mitglieder in Gesinnungs-Sekten ist es die Bereitstellung eines sozialen Nutzens, der den Anreiz zur Mitgliedschaft darstellt.

Tajfel. social identityDer soziale Nutzen kann mit Tajfel und Turner als soziale Identität beschrieben werden, als Möglichkeit, durch Zugehörigkeit zu einer Gesinnungs-Sekte die nicht vorhandene persönliche Identität zu kompensieren. Die entsprechenden Mitglieder sind in der Regel nicht in der Lage, sich selbst einen Lebenssinn, ein Lebensziel, eben eine personale Identität zu geben, die sie von ihrer Umwelt unterscheidet. Entsprechend nehmen sie das erstbeste Angebot, das ihnen eine Surrogat-Identität verspricht, an und werden Mitglied einer Gesinnungs-Sekte. Wie die von uns besprochene Forschung zu den Mitgliedern von al-Kaida gezeigt hat, ist die Frage, welche Organisation die gesuchte soziale Identifikation bereit stellt, dem Zufall oder der sozialen Umgebung geschuldet, was abermals die Beliebigkeit der gewählten Surrogat-Identität deutlich macht und zudem die Möglichkeit eröffnet, über den Trend zu Mitgliedschaften in Gesinnungs-Sekten die intellektuelle Stimmung innerhalb einer Gesellschaft zu beschreiben.

Da Gesinnungs-Sekten auf einem Überzeugungs-System basieren, das nicht rational, sondern emotional begründet ist, da die Wahl der Mitgliedschaft in einer Gesinnungs-Sekte nur bei denen, die damit einen Unterhalt erwirtschaften wollen, eine rationale Wahl ist, die Inhalte aber dennoch ein Glaubensystem darstellen, das durch empirische Fakten rasch zum Einsturz gebracht werden kann (Man stelle sich vor, Globalisierungsgegner müssten die Existenz des “Finanzkapitals” oder die gemeinsame Agenda des Finanzkapitals belegen, oder Linke müssten nachweisen, dass sich nicht Funktionäre, sondern Unternehmer über Gebühr bereichern, oder Rechtsextremisten müssten zeigen, dass Ausländer einen negativen Effekt auf das Bruttosozialprodukt haben…) , ist es von entscheidender Wichtigkeit, das Glaubenssystem nicht mit empirischen Fakten zu konfrontieren, es gegen empirische Fakten abzuschirmen.

Zu diesem Zweck kommen logische Fehlschlüsse zum Einsatz. So haben wir im letzten Post dargestellt, dass der Fehlschluss ad hominem ein Mittel darstellt, um nicht über Argumente diskutieren zu müssen. Statt dessen wird versucht, die Person zu diskreditieren. Ein weiterer Fehlschluss, der geeignet ist, das eigene Überzeugungssystem der Gesinnungs-Sekte erst gar nicht in Kontakt mit kritischen Argumenten kommen zu lassen, ist der genetische Fehlschluss.

Der genetische Fehlschluss besteht in einer Vermengung von Entdeckungs- und Begründungszusammenhang. Umstände, die die Entdeckung z.B. einer Theorie betreffen, werden auf die Theorie übertragen und als Beleg für deren Falschheit gewertet.

Logik Salmon“Zum Beispiel: Die Nazis verwarfen die Relativitätstheorie, weil Einstein, ihr Entdecker, ein Jude war.
Das ist ein ganz klarer Fall eines genetischen Fehlschlusses. Das nationale oder religiöse Umfeld, aus dem derjenige kommt, der eine Theorie aufstellt, ist sicherlich nur für den Entdeckungszusammenhang von Bedeutung. Die Nazis bewerteten so etwas, als ob es zum Begründungszusammenhang gehört” (Salmon, 1983: 28).

Der Entdeckungszusammenhang bezieht sich auf die Umstände, unter denen eine Entdeckung gemacht wurde. Er rekurriert auf z.B. kulturelle Gründe, die die Archäologie z.B. über Opfergefäße nicht hinauskommen sieht oder Politikwissenschaft und Soziologie von Wissenschaften, deren Ziel die Beobachtung und Kontrolle der sozialen und politischen Auswirkungen bestimmter Akteurskonstellationen (oder Regierungsysteme) war, zu Legitimationswissenschaften eben dieser Akteurskonstellationen gemacht hat, oder er rekurriert auf religiöse Umfeldvariablen, die z.B. zu Galileos Zeiten die Erforschung bestimmter Inhalte unter Strafe gestellt haben. Variablen des Entdeckungszusammenhangs konstituieren den Möglichkeitsraum für Entdeckungen. Sie haben überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob die Entdeckung, die Beobachtung, die Theorie, die Aussage über die Welt richtig ist.

Die Richtigkeit von Aussagen über die Welt, von Beobachtungen oder Theorien zu prüfen, ist Gegenstand des Begründungszusammenhangs. Die Prüfung der Richtigkeit hat ausschliesslich das zum Gegenstand, was über die Welt ausgesagt wird. Nichts anderes. Entsprechend ist es mehr als offensichtlich, dass die Schuhgröße, die Nationalität, die Wahlteilnahme, die Augenfarbe, die sexuelle Orientierung (heute ja so wichtig), die Fremdsprachenkenntnisse oder die Tatsache, dass der Entdecker einer Theorie in einem Anfall von Wut seinen lärmenden Nachbarn erschlagen hat, überhaupt nichts mit der Frage zu tun, ob die Aussagen über die Welt richtig oder falsch sind. Wer dies dennoch behauptet, begeht einen genetischen Fehlschluss.

Eigentlich sollte man denken, dieser Zusammenhang ist offensichtlich und dennoch gibt es Zeitgenossen, die Aussagen ablehnen, gar nicht erst zur Kenntnis nehmen, weil sie aus einem “neoliberalen Kontext” kommen, weil sie von einem Wissenschaftler stammen, der quantitativ arbeitet, weil ein religiöser Terrorist sie gemacht hat, dem die Römer habhaft werden konnten und  der wie Adam Smith denkt, die Grundlage menschlichen Zusammenlebens sei Empathie (sympathy bei Adam Smith), also die Überzeugung, dass man durch Kooperation einen höheren Nutzen erwirtschaften kann als ohne Kooperation und – abgesehen davon – ist sei besser, sich Menschen zum Freund und eben nicht zum Feind zu machen.

flies around a lightDie Anziehungskraft, die der genetische Fehlschluss ausübt, führt zurück in die Sozialpsychologie und zum Problem, dass man als Mensch eine Identität ausbilden muss, ein Bild von sich. Dieses Problem nutzen die Bereitsteller von Gesinnungs-Inhalten, um die sich Gesinnungs-Sekten bilden können, geschickt und zur eigenen Bereicherung aus und dieses Problem ist es, was ihnen letztlich Mitglieder zutreibt, Herdentiere auf der Suche nach einer Identität. Die Gesinnungs-Sekte bietet diese Identität, man ist wer, wenn man sich als Kämpfer gegen die Globalisierung, als moderner Robin Hood, als Mitläufer in der Regierungspartei, als Mitglied in der Jugendbande, postulieren kann. Es zeigt den anderen, welche Glaubens-Inhalte man vertritt und macht es zugleich notwendig, die entsprechenden Inhalte gegen Kritik zu immunisieren, wie Hans Albert wohl sagen würde. Die wirksamste Form, die Folgen von Kritik zu vermeiden, besteht darin, Kritik zu delegitimieren oder sie gar nicht erst zur Kenntnis zu nehmen.

Hier helfen der Fehlschluss ad hominem und der genetische Fehlschluss. Ersterer, indem er die Abwertung und Beleidigung dessen, der ein Argument vorbringt, an die Stelle der Auseinandersetzung mit dem Argument setzt, Letzterer, indem er ganze Gruppen von Argumenten gleich ganz ausschließt, weil sie von Menschen geäußert werden, die ein negativ bewertetes Merkmal, eine negativ bewerte Eigenschaft aufweisen, die zu einem negativ bewerteten Zeitpunkt gelebt haben, in einer negativ bewerteten Organisation Mitglied sind … Die Möglichkeiten der Kritik-Immunisierung, die der genetische Fehlschluss eröffnet, sind schier endlos.

Der stärkste Beleg dafür, dass Fehlschluss ad hominem und genetischer Fehlschluss ausschließlich dazu dienen, eine Diskussion über Argumente zu vermeiden, ist übrigens die schlichte Existenz beider: Hätten die Nutzer von ad hominem Fehlschlüssen, die Gebraucher von genetischen Fehlschlüssen nicht Angst vor Argumenten oder das Bestreben, einer Argumentation zu entgehen, sie würden mit Sicherheit nicht auf die Verwendung von ad hominem Fehlschlüssen oder genetischem Fehlschluss zurückgreifen, sondern sich den entsprechenden Argumenten stellen.

Wer Argumente hat, scheut nicht die Auseinandersetzung mit anderen vorgebrachten Argumenten – im Gegenteil: er sucht sie!

 

Salience: Wenn die Unnormalität Feste feiert

Choice Values FramesSalience ist ein interessantes Konzept, beschreibt es doch das Zusammenspiel von zuweilen falscher Wahrnehmung und der Bildung von Stereotypen. Ein schönes Beispiel für Salience ist Risikowahrnehmung. Kaum jemand hat ein Problem damit, nach Pompeji zu reisen, obwohl der Vesuv jederzeit ausbrechen kann. Aber viele haben ein Problem mit Kernenergie, obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze geringer ist, als die Ausbruchswahrscheinlichkeit des Vesuv. Die Erklärung für diese Fehlwahrnehmung wird in der Regel mit Salience gegeben: Fukushima ist überall und beeinflusst die Risikowahrnehmung von Kernenergie, über den Vesuv wird bestenfalls als Touristenattraktion berichtet, nicht jedoch als tickende Zeitbombe in einem dicht besiedelten Gebiet.

Ein anderes sozialpsychologisches Konzept wurde von Tversky und Kahneman als Ankerheuristik bezeichnet. Es beschreibt den Umstand, dass der Ausgangspunkt eines Denkprozesses dessen Ergebnis beeinflusst.

Testpersonen wurden gebeten, das Produkt zweier Zahlenreihen zu schätzen, wobei sie nicht länger als drei Sekunden auf die Zahlenreihen blicken konnten. Zahlenreihe 1: 1*2*3*4*5*6*7*8; Zahlenreihe 2: 8*7*6*5*4*3*2*1. Hunderte von Testpersonen an den Universitäten Stanford, British Columbia und Tel Aviv, kamen durchschnittlich zu einem Ergebnis von 512 im ersten Fall und von 2.250 im zweiten Fall. Das richtige Ergebnis in beiden Fällen lautet: 40.320. Offensichtlich wirkte die erste Zahl der Reihe als Anker, der das Ergebnis beeinflusst.

witchcraftVerallgemeinernd kann man sagen, dass die Voraussetzungen, mit denen man an ein Thema herangeht, das Ergebnis beeinflussen, wenn nicht gar determinieren. Ein Zusammenhang, der auch unter dem Namen “Framing” bekannt ist. Framing liegt vor, wenn Archäologen große Gefäße nur als Opferbecken und alles, was sie nicht verstehen, als rituelle Gegenstände zu interpretieren im Stande sind. Framing liegt vor, wenn Sozialarbeiter in allem, was nicht ihrer Vorstellung von normal entspricht, einen behandelswerten Zustand erblicken. Framing liegt vor, wenn Soziologen an alle Forschungsgegenstände mit einer affektiven Abwehrhaltung gegen das, was sie z.B. als Neoliberalismus ansehen, herangehen, und Framing liegt vor, wenn Politikwissenschaftler die Europawahlergebnisse besprechen ohne ein Wort auf die nicht vorhandene demokratische Legitimation der EU-Kommission zu verschwenden.

Und Framing grenzt an das Manische, wenn die eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit nicht mehr hinterfragt wird und für bare Münze genommen wird. Der größte Narr ist derjenige, der nicht merkt, dass er sich lächerlich macht.

Dies bringt uns zu zwei Pressemeldungen deutscher Universitäten, die eine Verquickung von Salience und Framing/Ankereffekt zeigen, die nicht nur geeignet ist, Rückschlüsse auf den mentalen Zustand derer zu erlauben, die dafür verantwortlich sind, sondern die auch als sozialgefährlich einzustufen sind, denn sie graben an den Grundfesten der gesellschaftlichen Normalität.

Die erste Pressemeldung kommt aus Bielefeld und hat eine Tagung mit dem Titel “Female Intellectuals in the 20th and 21st Century” zum Gegenstand. Auszüge lesen sich wie folgt:

zif_logo“The 20th century has been named the “Century of the Intellectuals”. Numerous studies have portrayed the history of intellectuals. They all have a common trait: the blocking out of women. The aim of the conference is to enlarge the gallery of males, which the history of intellectuals has constructed, by adding portraits of women in the role of intellectuals and thereby correcting this gallery.”

Und an anderer Stelle:

„Wir wollen eine Debatte über die Frage eröffnen, ob und inwiefern das politische Engagement von Frauen über vorherrschende Idealtypen des Intellektuellen erfasst werden kann. Gibt es einen spezifischen Typus weiblichen Engagements oder bringt der Blick auf Frauen diese Typologie ins Wanken?“, sagt die Leiterin der Tagung, die Bielefelder Historikerin Professorin Dr. Ingrid Gilcher-Holtey.”

Die zweite Pressemeldung kommt von der Ernst-Moritz-Arndt Unversität in Greifswald und ist überschrieben mit: “Von vierzehn Frauen, die auszogen, um ihren Weg zu gehen”, eine moderne Version des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten also. In dieser Pressemeldung heißt es:

Logo Uni Greifswald“Sie nehmen in Mecklenburg-Vorpommern Spitzenpositionen ein und könnten unterschiedlicher kaum sein: Sie organisieren Unternehmen, tüfteln an Enzymen oder physikalischen Phänomenen, konstruieren Maschinen, arbeiten als Richterin oder sind Journalistinnen. So unterschiedlich ihre Aufgabengebiete auch sein mögen, eines haben alle gemeinsam: Sie sind Karrierefrauen.”

Die beiden Pressemeldungen eignen sich hervorragend, um über die Diskussion dessen, was Salience bewirkt, das Framing der Autoren und vielleicht sogar ihren mentalen Zustand zu erschließen.

Beide Pressemeldung haben gemeinsam, dass sie so tun, als wäre die Tatsache, dass Frauen Karriere machen, dass es Frauen im öffentlichen Leben gibt, eine Errungenschaft des Genderismus. Anders formuliert: Beide Pressemeldungen arbeiten am Mythos der unsichtbaren Frauen, die über die Jahrtausende keinerlei Platz im öffentlichen Leben einer Gesellschaft gefunden hätten.

Dabei geht Frau Ingrid Gilcher-Holtey von der Universität Bielefeld gar so weit zu behaupten, dass Frauen aus der “Galerie der Intellektuellen des 20. Jahrhunderts” absichtlich, vermutlich von bösen Männern herausgehalten werden. Was Personen wie Gilcher-Holtey, die Verschwörungstheorien aus der untersten Schublade vertreiben (manche Verschwörungstheorien sind intelligent, aber die von Gilcher-Holtey ist nur primitiv), an Universitäten zu suchen haben, ist eine Frage, die andere beantworten müssen, ebenso wie die Frage, wieso öffentliche Fördergelder benutzt werden, um Treffen von Sektenmitgliedern an Universitäten zu organisieren, an denen sie dann ihrem Glauben huldigen können.

Was uns angeht, wir kennen keine Galerie der Intellektuellen, die nur Männer beinhaltet, aber wir kennen eine ganze Reihe von weiblichen Intellektuellen, obwohl wir noch nicht von den Sektenmitgliedern aus Bielefeld missioniert wurden. Ganz davon abgesehen, dass man sich kaum mehr retten kann vor Listen wie dieser, die die weiblichen Helden des 20. Jahrhunderts besingen sollen. Seltsamerweise fehlen dabei immer Frauen wie Emmy Noether (Mathematiker), Maria Mitchell (Astronom), Anna Atkins (Botaniker), Ida Freund (Chemiker), Lise Meitner (Kernphysiker), Ruth Benedict (Anthropologe), Phyllis Starkey (Biochemiker), Amanda Chessell (Informatiker), Mamie Clarke (Psychologe) und viele andere, die in ihren Fächern bekannt sind und in den vorhandenen Bibliotheken leicht auffindbar sind, jedenfalls dann, wenn einem die Manie, Frauen würden aus öffentlichen Galerien (was immer das auch sein mag) herausgehalten, nicht davon abhält, die Augen aufzumachen und sie zu benutzen.

Damit zur Pressemeldung aus Greifswald, die die Prämisse der Außergewöhnlichkeit weiblicher Karrieren feiert und auf der weiteren Prämisse basiert, dass man selbst als Frau Karriere machen kann, dann halt als Karrierefrau. Wie schön. Und damit die Nachricht auch wirklich ankommt, werden all die berichteten Unterschiede zwischen den 14 mecklenburg-vorpommerschen Stadtmusikanten beseitigt und ihr eines sie auszeichnendes Merkmal der Weiblichkeit gefeiert, das doch gar keine Behinderung ist und es selbst Frauen ermöglich, Karriere zu machen.

impact-factorWenn derartige Pressemeldungen überhaupt etwas erreichen, außer einem Kopfschütteln und einem Post auf ScienceFiles, der zeigt, in welchem manischen Frame sich die entsprechenden Verantwortlichen befinden (An ScienceFiles ist mit Dr. habil. Heike Diefenbach eine weibliche Intellektuelle beteiligt, aber mit dem Urteil und der Ratio von aktuellen Intellektuellen haben es die Manischen in Bielefeld nicht so, sie sind mehr darn interessiert, ihre eigene Unnormalität zu feiern. Das ist auf dem Rücken von Toten leicht möglich, denn die können sich nicht wehren, während Lebende Antworten geben können, die nicht in das ideologische Raster von Feministen passen könnten.), dann ist es eine Form von Salience, die all die Frauen, die es in der normalen öffentlichen Wahrnehmung gibt, von denen jeder Schüler schon einmal in dem ein oder anderen Zusammenhang gehört hat und von denen sicherlich jeder, der sich mit den entsprechenden Bereichen befasst, Kenntnis hat, als Abnormitäten dargestellt werden.

Sie werden zum unnnormalen Auswuchs im von feministischen Vorurteilen beherrschten Gehirn.  So will es die Manie derer, die denken, Frauen waren, bevor es den Feminismus gab, dumme, abhängige und vor allem hilflose Opfer fieser Männer. In ihrem Versuch, die Geschichte umzuschreiben und als patriarchalisch beherrschtes Gefängnis zu phantasieren, in dem außerhalb des eigenen Hauses für Frauen kein Platz war, werden die Frauen, die nicht in das phantasierte Stereotyp dieser Feminsten passen, eben als Kollateralschaden aus der Geschichte beseitigt. Ganz so wie sie meinen, es Männern vorwerfen zu können, und frei nach dem Motto: Besser keine Frauen als unterdrückte Frauen.

Bleibt abschließend noch festzustellen, dass die Anzahl der Frauen in Wissenschaft und Forschung, die Anzahl unter denen, die Patente anmelden und die Anzahl unter denen, die Wissenschaft und Intellektualität nach außen repräsentieren, nach wie vor geringer ist als die der Männer und dass sie es auch über die letzten Jahrhunderte war. Daran kann auch der Feminismus nichts ändern, denn über die Wahrheit haben Feministen keine Gewalt. Aber Wahrheit und Empirie interessieren Ideologen nicht, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben.

Jedoch kann festgestellt werden, dass es Bereiche gibt, in denen sich eine große Anzahl von Frauen klumpt, die von einer geschlechtlichen Selbstbetrachtung beherrscht sind und deren wie es in der Wissenschaft neuerdings heißt “impact factor”, wenn es um Erkenntnis und Wissensfortschritt geht, gleich null ist.

Bannt Sylvester Stallone vor Wahlen!

Wenn man sich wie wir täglich durch die internationale Forschungslandschaft liest und versucht, in bestimmten Forschungsbereichen auf dem Stand zu bleiben, dann bemerkt man nach kurzer Zeit an sich Veränderungen. Es beginnt damit, dass Suchen nach neuer Literatur z.B. in Google Scholar generell mit dem Zusatz “- women” und -”women studies” und  “-Grin” erfolgt. Es ist dies eine Methode der psychischen Hygiene, denn man kann sich nicht täglich mit all dem Unsinn konfrontieren, der z.B. im Kontext von “women studies” oder Grin geschrieben wird.

Die nächste Veränderung, die man an sich feststellt, ist ein genereller Unmut gegenüber all denjenigen sozialwissenschaftlichen Opportunisten, die versuchen, staatlichen Vorgebern nach dem Mund zu schreiben, und politisch korrekte, ermündende und überaus nutzlose Untersuchungen über geschlechtstypische Berufswahl, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder den Zusammenhang zwischen Störung der Nachtruhe durch Kindergeschrei und Versagen am Arbeitsplatz zu untersuchen. Die letztgenannte Untersuchung findet natürlich nicht statt, denn sie wäre politisch unkorrekt … kleiner Scherz von uns.

Crystal chakra

Click and Relax

Humor ist die einzige Waffe, die man gegen die Eintönigkeit der meisten als Forschung verkauften sozialwissenschaftlichen Langeweiler einsetzen kann. Humor ist die einzige Waffe, mit der man sich vor der Unzahl unnötiger, unsinniger und die Grenze zur Beliebigkeit überschreitender Studie zur Wehr setzen kann, Studien wie die von Jonathan Renshon, Jooa Julia Lee und Dustin Tingley, die man in einer der nächsten Druckausgaben von “Political Psychology” zugemutet bekommen wird. und in der die Autoren zeigen, dass 2 Minuten und 32 Sekunden Sylvester Stallone ausreichen, um negative Einstellungen gegen Migranten einzunehmen.

Wir haben das sehr verkürzt, aber auch die Langfassung bringt kaum ein anderes Ergebnis, selbst wenn man die Langfassung in pseudo-wissenschaftlicher Sprache verpackt, z.B. so: Das Appraisal Tendency Framework sagt, dass Emotionen Entscheidungen beeinflussen können. Das kennt jeder: Wut über den Schiedsrichter führt dazu, dass man ein Bier mehr trinkt als geplant. Dieses “Framework” unterscheidet zwischen “integral” und “incidental” Emotionen. Integrale Emotionen sind normativ auf die Entscheidung bezogen. Wenn die Wut über den Schiedsrichter dazu führt, dasss Sie ihn auf Facebook entfolgen, dann ist das integral. Wenn die Wut über den Schiedsrichter zu mehr Bier führt, dann müsste man diskutieren, ob das integral oder “incidential”, also nebensächlich ist, und wenn die Wut über den Schiedsrichter dazu führt, dass Sie sich zwei Stunden später am Kaffee den Mund verbrennen, dann ist das in jedem Fall nebensächlich.

Das ist die Theorie in kurz. Die vielen Probleme, die sich damit verbinden, dass es ungefähr so schwierig ist, den verbrannten Mund auf den Schiedsrichter zurückzuführen, wie es schwierig ist, die traumatische Kindheit mit heutigen Phobien in Verbindung zu bringen (wenn es nicht schlicht unmöglich ist), wollen wir an dieser Stelle einmal als nebensächlich, also incidental setzen.

Genau wie Renshon, Lee und Tingley, die gar denken, sie hätten die Probelme gelöst. Sie haben 138 Männer aus Cambridge, Massachusetts, rekrutiert und mit zwei Elektroden an der Handfläche versehen, gedacht, um die Leitungsfähigkeit der Hand zu messen und daraus Rückschlüsse auf den Zustand der Erregung bei den 138 Männern zu ziehen. Sodann haben sie die 138 Männer in drei Gruppen und zwar nach dem Zufallprinzip geteilt. Alle Gruppen haben dann jeweils einen von zwei Texten über Immigration gelesen und einen Fragebogen zu ihrer Person beantwortet. Dann war Videozeit. Gruppe 1 hat ein Video mit dem Titel “Crystal Chakra Meditation” angesehen. Der Titel sagt eigentlich alles. Untermalt war das Video mit beruhigender Musik.  Gruppe 2 hat einen Screensaver angeschaut, der abstrakte Formen produziert hat, und Gruppe 3 hat eine Sequenz aus Cliffhanger gesehen, in der Sylvester Stallone an einem Felsen herumturnt. Alle Videos waren zwischen 2 Minuten und 41 Sekunden und 3 Minuten und 46 Sekunden lang. Anschließend wurde den 138 Probanden eine Fragebatterie vorgelegt, die ihre Emotionen und Einstellungen gegenüber Immigration abgefragt hat.

Cliffhanger2jpgErgebnis: (1) Crystal Chakra Meditation hat – gemessen über die Leitungsfähigkeit der Hand – die Probanden in eine Form “Vorschlaf-Zustand” versetzt, die Screensaver-Seher waren nur wenig wacher und die “Cliffhanger” waren relativ zu den anderen Gruppen erregt. Und wenn man (2) die drei Zustände dann in eine Regression zur Vorhersage der Einstellungen gegenüber Immigranten wirft, dann zeigt sich, dass die Aufregung mit einer höheren Ablehnung von Immigration einhergeht und dass Sylvester Stallone dafür verantwortlich ist. Ok, das ist unser Schluss.

Die Konklusion der Autoren klingt anders: Sie sind der Meinung gezeigt zu haben, dass es möglich ist, Angstsituationen herzustellen, die “powerful enough” sind, um in andere Situationen hinübergerettet zu werden und dort Handlungen zu beeinflussen. Also: Die Angst, die Sylvester Stallone seinen Zuschauern gemacht hat, wird in die Bewertung von Immigration hinübergerettet. Also ist Stallone doch schuld! Und das ist wichtig, so die Autoren, weil sich politische Kampagnen bzw. diejenigen, die sie konzipieren, zunehmend darauf verstehen, die Öffentlichkeit mit emotionalen Stimuli zu beeinflussen.

Ja.

cliffhangerWenn Ihnen die NPD demnächst das Video “Cliffhanger” in den Postkasten wirft, dann wissen Sie nun, was damit bezweckt wird. Nicht ansehen, es könnte ihre Einstellung zu Immigranten beeinflussen! Aber wir machen uns schon wieder über diese doch wichtige Forschung lustig, die gezeigt hat, dass Ängste, also Emotionen (wollen wir mal nicht so kleinlich sein), dass also Emotionen Einstellungen und Emotionen gegenüber Dritten, hier Immigranten beeinflussen. Das hat die Studie doch gezeigt – oder? Oder hat sie gezeigt, dass sich Crystal Chakra Meditation und das Betrachten abstrakte Formen bildender Screensaver in einer positiveren Bewertung und in positiveren Emotionen gegenüber Immigranten niederschlagen? Nun, auf die Idee sind die Autoren nicht gekommen, entsprechend haben sie sie auch nicht untersucht. Wer jemals Crystal Chakra Meditation mit beruhigender Musik durchlebt hat, weiß, dass man hinterher der Welt sehr positive gegenübersteht, das alleine erzeugt schon einen freundlichen Bias anderen gegenüber. Offensichtlich haben die Autoren ihre eigene Crystal Chakra Meditation nicht durchlebt.

Methodischer Einschub: Erstens gibt es keine Nullmessung, so dass trotz Zufallsauswahl nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Cliffhanger-Gruppe schon vor dem Video negativer gegenüber Immigration eingestellt war als die beiden anderen Gruppen. Zweitens gibt es keinerlei Informationen über das tatsächliche Ausmaß der negativen Einstellung. Die Autoren berichten nur, dass Befragte gebeten wurden, das Vorhandensein von Emotionen gegenüber Immigranten anhand von “überhaupt nicht”, “ein wenig”, “etwas” und “sehr” zu bewerten bzw. zu sagen, ob sie einer Reihe von Aussagen über Immigration voll zustimmen oder sie voll ablehnen. Da es nirgends eine Deskription der Ergebnisse gibt, ist es möglich, dass die Unterschiede, die von den Autoren hochgeredet werden, sich zwischen Mittelwerten abspielen, die im Bereich von “ein wenig” und “etwas” liegen. Somit wäre die Studie ein weiteres Beispiel dafür, dass es im Zuge politisch korrekter Forschung nicht ratsam ist, sich mit Grundverteilungen, die das Ergebnis in Frage stellen können, zu befassen.

Damit ist es wieder nichts mit der einfachen Manipulation der tumben Wählermasse. Bei der NPD kann man demnach die Großbestellung für Cliffhanger stornieren und die ARD kann davon absehen, Sylvester Stallone rund um Wahlen nicht mehr zu zeigen.

Rensohn, Jonathan, Lee, Jooa Julia & Tingley, Dustin (2014). Physiological Arousal and Political Beliefs. Political Psychology. doi:10.111/pops.12173

Die guten Sitten – Neues aus der Anstalt

Die Sozialpsychologie kennt das Framing. Framing sagt letztlich, dass man durch die Formulierung von Aussagen, durch den Einbau negativer oder positiver Begriffe, bei den Adressaten der Aussagen bestimmte Wahrnehmungen und Bewertungen hervorrufen kann. Die Sozialpsychologie kennt die Projektion, die letztlich eine Form der Neurose darstellt, bei der die eigenen Befürchtungen nach außen verlagert und Dritten unterstellt werden. Die International Classification of Diseases (ICD-10) kennt die Manie (F30.1), die sich unter anderem in Wahrnehmungsstörungen niederschlägt;

Perceptual disorders may occur, such as the appreciation of colours as especially vivid (and usually beautiful), a preoccupation with fine details of surfaces or textures, and subjective hyperacusis. The individual may embark on extravagant and impractical schemes, spend money recklessly, or become aggressive, amorous, or facetious in inappropriate circumstances…

Soweit zur Theorie, nun zur Diagnose.

Die Diagnose beginnt im §8 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Fahrzeugen im Straßenverkehr:

Nuts in Bedlam(1) Die nach Landesrecht zuständige Behörde (Zulassungsbehörde) teilt dem Fahrzeug ein Kennzeichen zu, um eine Identifizierung des Halters zu ermöglichen. Das Kennzeichen besteht aus einem Unterscheidungszeichen (ein bis drei Buchstaben) für den Verwaltungsbezirk, in dem das Fahrzeug zugelassen ist, und einer auf das einzelne Fahrzeug bezogenen Erkennungsnummer. Die Zeichenkombination der Erkennungsnummer sowie die Kombination aus Unterscheidungszeichen und Erkennungsnummer dürfen nicht gegen die guten Sitten verstoßen.

Die weitere Diagnose führt uns in die juristische Anstalt und die Frage, was als Verstoß gegen die guten Sitten anzusehen ist:

LU-MP“Die sog. Sittenwidrigkeit liegt vor, wenn etwas gegen die guten Sitten verstößt. Nach Ansicht der Rechtsprechung ist etwas sittenwidrig, wenn es gegen das Anstandsgefühl aller billig und gerecht denkenden Menschen verstößt (BGH 10, 232; 69 297).” Oder: “Definition: Sittenwidrig ist das, was der herrschenden Rechts- und Sozialmoral entgegensteht.” Oder: “a) objektiv: auffälliges Missverhältnis von Leistung und Gegenleistung. b) subjektiv: Unerfahrenheit, Willensschwäche, Mangel an Urteilsvermögen oder Zwangslage des Ausgebeuteten. c) Ausbeutung = Ausnutzung der Situation.”

Wie kann ein gegen die guten Sitten verstoßendes Kennzeichen aussehen?

Woran ist es zu erkennen?

Daran: DE – PP – 88 oder daran: STA – SI- 89 oder daran: SE – D – 89 oder daran: WAN – ZE – 99 oder daran: NK – WD – 47?

Weit gefehlt.

Man erkennt die sittenwidrigen Kennzeichen daran:

  1. KZ
  2. und dran: NS
  3. und daran: SA
  4. und daran: HJ
  5. und daran: AH
  6. und daran: SS
  7. und daran: HH
  8. und daran: N-PD
  9. und daran: N-SU
  10. und daran: IZ-AN
  11. und daran: HEI-L
  12. und daran: 18
  13. und daran: 88
  14. und daran: 14

Haben Sie die Sittenwidrigkeit erkannt?

Hier die Auflösung:

  1. ROW-DYKZ bedeutet natürlich Konzentrationslager und nicht etwa KennZeichen.
  2. NS bedeutet nicht Neue Sachlichkeit sondern natürlich Nationalsozialismus, was sonst?
  3. SA bedeutet SturmAbteilung nicht SonderAngebot;
  4. HJ bedeutet HitlerJugend und somit Pech für alle Hans-Jürgen, die ohne Wunschkennzeichen bleiben müssen. bad luck!
  5. AH ist nicht die Altherrenmannschaft sondern Adolf Hitler, für alle die es nicht wussten.
  6. SS ist die Sturmstaffel und nicht der SendeSchluss;
  7. HH, ja, da haben Sie gedacht, das sei Hansestadt Hamburg, aber nein, es ist Heinrich Himmler!
  8. NPD
  9. und NSU können wir überspringen, weil offensichtlich: NPD = Norwegian Petroleum Directorate und NSU ist Näh- und Strickunion;
  10. IZ-AN ist Nazi rückwärts, für alle, die es nicht gemerkt haben und wohl ein Präzedenzfall für ZK und AS;
  11. 18 ist: AH in Verkleidung, als Code, wenn man so will, nämlich der erste und der achte Buchstabe des Alphabets und AH, also 18 ist natürlich Adolf Hitler;
  12. in gleicher Unlogik ist 88 natürlich wieder der Hühnerzüchter aus München und
  13. 14 ist, nein nicht AD, sondern das als “14 Words bekannte rassistische Glaubensbekenntnis der White-Power-Bewegung der USA”.

Wir kannten die 14 Words nicht, entsprechend harmlos ist uns die Zahl 14 bislang vorgekommen. Aber nun haben wir ja eine Kleine Anfrage der Linken, aus der dies alles hervorgeht.

KI-NGEs gibt in Deutschland tatsächlich Landkreise bzw. Städte, die die Zeichenkombinationen, die oben dargestellt sind, nicht verwenden, die Zahlenkombinationen wie die oben dargestellten 18, 88, 14, nicht zulassen, weil damit ein geheimes Wissen einhergeht, das jedem Verkehrsteilnehmer sofort einleuchtet oder das “von Neonazis als Erkennungscode genutzt werden kann”. Man fragt sich wirklich, ob die entsprechenden Verwaltungsmenschen nichts Besseres mit ihrer Zeit anzufangen wissen, als ihre Einbildung in Kennzeichen zu lesen?

Für alle, die sich gefragt haben, ob sie von einem Sack voller Narren regiert und verwaltet werden, dürfte die Frage nunmehr beantwortet sein. Bleibt nur noch die Frage, welche der oben dargestellten Formen mentaler Störung bei den entsprechenden Verwantwortlichen vorhanden ist.

Wir haben dazu nur eines zu sagen: IQ – KA – 70 oder 22 14 19 9 14 14.

Übrigens die geheime Nachricht in den Lottozahlen dieser Woche, die die Nazis hineingeheimnist haben, lautet: YZCCBC-IDF (hat also offensichtlich etwas mit Israel zu tun!)

Hält Gehässigkeit Gesellschaften zusammen?

Gesellschaften sind Gebilde, in denen Akteure Tag für Tag aufs Neue miteinander kooperieren. Entsprechen hat die Frage, wie Kooperation entsteht und warum Menschen kooperieren, Philosophen und Sozialwissenschaftler seit Jahrhunderten interessiert.

LeviathanDie wohl am weitesten auseinandergehenden Antworten haben Thomas Hobbes und die katholische Soziallehre gegeben. Für Hobbes ist Kooperation das Ergebnis rationaler Überlegung, die jeden mit normalem Verstand begabten Menschen zu der Einsicht kommen lässt, dass er durch Kooperation mit anderen besser fährt, jedenfalls dann, wenn sichergestellt ist, dass sein Kooperationspartner sich auch fair verhält. Entsprechend benötigt Hobbes den Leviathan als Drohung, der Fairness in Kooperationen garantiert und gegebenenfalls auch durchsetzt, denn Hobbes vertritt einen Naturpositivismus: Menschen von Natur aus weder gut noch böse, sondern auf ihren Vorteil bedacht.

Die katholische Soziallehre lehnt sich an Aristoteles an und sieht den Menschen als soziales Wesen, das die Gesellschaft anderer sucht und von Natur aus gut ist. Entsprechend ergeben sich Kooperationsprobleme nur durch den Einfluss des Bösen also dann, wenn ein an sich guter Mensch durch Einfluss böser Mächte eben nicht gut ist.

Eine brandneue Untersuchung zweier US-amerikanischer Philosophen bringt nun eine ganz neue Variable ins Spiel, um die Evolution und die treibende Kraft hinter der Kooperation von Menschen in Gesellschaften zu erklären: Gehässigkeit. Damit, so kann man jetzt schon vorhersagen, werden Patrick Forber und Rory Smead eine intensive Diskussion auslösen, schon weil ihre Ergebnisse nicht in Bausch und Bogen vom Tisch gewischt werden können; Schon weil jeder von uns die alltägliche Gehässigkeit seiner Mitmenschen kennt und damit zuweilen auch kalkuliert.

So haben wir im Blog einen Besucher, der nur auftaucht, um Beiträge schlecht zu bewerten. Es ist dies eine Handlung, die alle Insignien der Gehässigkeit, die Forber und Smead genannt haben, beinhaltet: Sie ist sinnlos, nur darauf bedacht, Dritten zu schaden und hat für denjenigen, der sie ausführt, außer einem psychologischen keinerlei Nutzen. Aber Forber und Smead gehen noch weiter: Sie definieren gehässiges Handeln auch als ein Handel, das dem gehässig Handelnden selbst einen Schaden zufügt. Auch solcherart Zeitgenossen kennt jeder von uns: Zeitgenossen, die etwas zerstören, weil sie es nicht haben können und ausschließen wollen, dass es anderen zu Gute kommt …

MissgunstBis hierhin hat die Untersuchung von Forber und Smead also tiefe Wurzeln im Alltagsverstand. Kern der Untersuchung der beiden Philosophen ist ein so genanntes Ultimate Game, das Spieltheoretiker gerne spielen lassen. Dabei interagieren zwei Spieler miteinander. Ziel ist es, eine Geldsumme zu teilen, wobei ein Spieler einen Vorschlag zum Teilen macht, den der andere ablehnen oder annehmen kann. Nimmt der Spieler den Vorschlag an, wird das Geld entsprechend geteilt, lehnt er ab, erhalten beide Spieler nichts. Ein dynamisches Ultimate Game besteht aus einer Abfolge dieser Spielsequenz, so dass Spieler vergangene Erfahrungen in neue Spielsituationen übertragen können. Ziel des Spiels ist es, so viel Geld wie möglich zu sammeln, die Spielerpaare, die sich gegenübersitzen, werden von Sequenz zu Sequenz neu bestimmt.

Die Kontinuität im Spiel hat es Forber und Smead erlaubt, zunächst vier Arten von Spielern zu identifizieren: rationale Spieler, faire Spieler, Easy Rider und gehässige Spieler. Rationale Spieler sind bemüht, die Wahrscheinlichkeit, dem selben Gegenüber wieder zu begegnen, in ihren Vorschlag einzubauen, faire Spieler schlagen immer die hälftige Geldsumme vor und erwarten einen solchen Vorschlag, Easy Rider sehen alles nicht so eng und akzeptieren auch einmal eine geringere Summe, gehässige Spieler dagegen, lehnen selbst faire Summen ab, wenn sie “meinen”, dass ihnen in der Vergangenheit Unrecht getan, sie Opfer eines unfairen Vorschlags geworden sind.

Die Simulation, die Forber und Smead auf Basis ihrer Daten gerechnet haben, zeigt nun, dass sich rationale und faire Spieler nicht durchsetzen können. Faire Spieler werden ausgenutzt, rationale Spieler von gehässigen Spielern beseitigt. Beide, rationale wie faire Spieler sterben aus. Es bleiben, gehässige Spieler und Easy Rider, wobei Forber und Smead das Überleben Letzterer als Anpassungsleistung interpretieren, und zwar als Anpassungsleistung an die gehässigen Spieler, von denen bekannt ist, dass sie selbst vernünftige Vorschläge ausschlagen und damit beide Spieler schädigen, wenn ihnen danach ist.

Die Anpassung der Easy Rider erfolgt entsprechend aus Angst vor den gehässigen Spielern und nicht aus Altruismus oder Menschenfreundlichkeit. Die Angst, wieder auf einen gehässigen Spieler zu treffen, der eine Kooperation zerstört, einfach um seinem Gefühl, unfair behandelt worden zu sein, Luft zu verschaffen, treibt also die Kooperation in der Gesellschaft.

Ein spannendes und weitreichendes Ergebnis, denn ein faires Verhalten zwischen Mitgliedern einer Gesellschaft hängt in diesem Fall davon ab, dass die Angst, Opfer von Gehässigkeit in Kooperationen zu werden, allgegenwärtig und aufgrund des Vorhandenseins gehässiger Spieler auch relevant ist.

blinde zerstoerungswutEin Indiz dafür, dass die beiden Philosophen mit ihren Ergebnissen nicht allzu weit daneben liegen, kann man aus der Art und Weise ableiten, wie Anhänger bestimmter Glaubensrichtungen, Rechte, Linke oder Feministen auf Menschen reagieren, die anderer Meinung sind (die Betonung liegt auf anderer Meinung). Wo man als normaler Mensch nun einen Austausch der Meinungen (eine Kooperation) erwarten würde, findet ein Abschotten statt. Die Träger anderer Meinung werden zu Feinden stilisiert und müssen zum Teil wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen. Dabei nehmen diejenigen, die die Beschimpfungen aussprechen oder im besten Fall die Diskussion mit Andersmeinenden vermeinden, in Kauf, dass sie Beobachtern wie Kinder erscheinen, die für ein gesellschaftliches Zusammenleben nicht bereit sind oder wie Flegel, die eine große Klappe, aber kein Wissen haben, um die vollmundigen Behauptungen zu unterfüttern. Sie schaden sich also selbst, ganz so, wie Forber und Smead dies dargelegt haben.

Ein weiteres lässt sich an diesem Beispiel zeigen, denn die Angst vor denjenigen, die laut schreien, beleidigen oder gesellschaftlich ächten, schafft eine große Zahl von Schweigern, die die Schreihälse unwidersprochen gewähren lassen.

evolution-cooperation-robert-axelrodNur eines scheint die Simulation falsch darzustellen: Robert Axelrod hat in seinen Arbeiten regelmäßig gezeigt, dass rationale Spieler, die eine Strategie des Tit-for-Tat verfolgen, die also dann, wenn sie einmal ein Opfer eines gehässigen Spielers geworden sind, eine Kooperation mit diesem Spieler ablehnen, evolutionär erfolgreich sind. Entsprechend wäre die Simulation von Forber und Smead um die Möglichkeit einer Kooperationsverweigerung zu ergänzen.

Da Rationalität etwas ist, das nach Meinung der meisten Philosophen, z.B. nach Meinung von Kant, Menschen erst zu Menschen macht, ist darüber hinaus zu erwarten, dass rationale Spieler nachkommen, die Auseinandersetzung zwischen rationalen und gehässigen Spielern also zu einer Mehrheitsfrage wird, bei der wiederum die Easy Rider, die schweigenden Akzeptierer eine ausschlaggebende Rolle spielen, denn so lange sie schweigen und das Treiben gehässiger Spieler ermöglichen, ja mit diesen kooperieren, so lange ist die Gehässigkeit eine erfolgreiche Strategie.

 Forber, Patrick & Smead, Rory (2014). The Evolution of Fairness Through Spite. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 281(1780).

Gelebter Faschismus: @blockempfehlung

Soziale Netzwerke sind für Soziologen und Sozialpsychologen sehr interessant, denn nirgends kann man mehr über Eigenschaften und Charaktere von Menschen erfahren, über ihre Persönlichkeit oder ihr Selbstbewusstsein, als auf Twitter, Facebook, LinkedIn oder Xing. Wer über einen Korpus an soziologischen und sozialpsychologischen Theorien verfügt, für den sind soziale Netzwerke eine wahre Fundgrube.

Eine Reihe von Lesern von ScienceFiles, die uns auf Twitter folgen, hat uns auf @blockempfehlung aufmerksam gemacht. @blockempfehlung ist ein Account, dessen Inhaber sich darauf spezialisiert hat/haben, die Welt mit Emfehlungen zu beglücken. Sie verweisen auf andere Twitter-Accounts, die von dem oder denen, die sich hinter @blockempfehlung verstecken, als unwerte Twitterer angesehen werden. Sie erwarten von ihren getreuen “Followern”, dass sie diese identifizierten Twitter-Accounts blockieren, um ihnen die Möglichkeit zu nehmen, auf das, was in der Hierarchie der @blockempfehler nicht unwerte Twitterer von sich gegeben, zu reagieren.

Wie immer, fangen soziologische Analysen bei der Definition des Gegenstands an.

Was sind unwerte Twitterer?

Die Selbstbeschreibung von @blockempfehlung hilft hier ein wenig weiter:
Blockempfehlung

Unwerte Twitterer sind demnach Maskus, Nazis, Macker, Twitterer, die Derailing betreiben, Twitterer, die Rechtsstaatsmeinungsfreiheitsgeschrei betreiben und Twitterer, die diskriminieren. Dieser Aneinandereihung von Begriffen, kann man entnehmen, was die anonymen Blockempfehler nicht mögen, aber leider fehlt jedes Kriterium, nach dem ein Masku, ein Nazi, ein Macker oder ein Rechtsstaatsmeinungsfreiheitsschreier identifiziert werden kann.

Die Tweets der Blockempfehler helfen hier auch nicht wirklich weiter.  Die ergiebigsten sind noch die folgenden

Das hilft nicht weiter, und so bleibt festzuhalten, dass die Betreiber von @blockempfehlung nicht in der Lage sind, auch nur ein Kriterium dafür anzugeben, wen sie warum zum Blocken empfehlen bzw. selbst blocken. Auch die Wahl der verbalen Feinde scheint willkürlich: Einmal sind es “Maskus” und “Rechtsstaatsmeinungsfreiheitsschreier”, einmal sind es “Rassist_innen” und “Sexist_innen”. Grundlage ihrer Empfehlung, so muss man annehmen, sind eigene Befindlichkeiten, affektive Stimmungen oder Emotiönchen, so dass der @blockempfehlung-Twitter-Account sich als emotionaler Exhibitionismus darstellt.

Übrigens ist der erste oben genannte, vermeintliche Blockgrund absoluter Unsinn, denn Diskriminierung ist ein Verhalten, das sich dadurch auszeichnet, dass das Objekt der Diskriminierung einen Nachteil, Achtung, jetzt kommt es: wegen der Diskriminierung hat. Es braucht also mehrere Zutaten, um eine Diskriminierung herzustellen. Wenn zum Beispiel Männer von Bewerbungen auf Universitätsstellen, die von Steuerzahlern finanziert werden, ausgeschlossen werden, dann ist das eine Diskriminierung, denn ihnen wird nicht nur Chancengleichheit aktiv verwehrt, ihre berufliche Laufbahn wird auch aktiv behindert. Insofern kann Diskriminierung nur vom Opfer aus gesehen werden. Erst wenn gezeigt werden kann, dass Person X wegen Äußerungen von Person Y, die sich auf Eigenschaften von X bezogen haben, die in keiner Weise relevant sind, einen benachteiligt wurde, kann angenommen werden, dass eine Diskriminierung vorliegt.

GarfinkelEmotionaler Exhibitionismus ist nun nicht unbedingt Gegenstand der Soziologie. Jedoch kann man mit dem Instrumentarium, das Ethnomethodologie oder Symbolischer Interaktionismus bereitstellen,  Schlussfolgerungen über die geistige Welt, die Normalität des Alltagshandelns der Blockempfehler ziehen. Diese geistige Welt, die Normalität, in der sie leben, entpuppt sich als sehr einsam, sehr eng und sehr abgeschlossen, denn sie wird vom Kampf gegen Schimären wie “Maskus” und “Nazis” und Andersdenkende bestimmt. Sie wird von der Notwendigkeit getrieben, die eigene Vorstellungswelt, gegen Argumente und abweichende Meinungen zu schützen und damit sind wir in der Sozialpsychologie angekommen:

Warum muss die eigene Vorstellungswelt gegen abweichende Meinungen und Andersdenkende abgeschirmt werden? Warum entschließt sich jemand, aktiv gegen Andersdenkende vorzugehen?

Derzeit läuft im britischen Fernsehen (wieder) die BBC-Serie “The Dark Charisma of Adolf Hitler”, eine Reihe, die von Ian Kershaw geschrieben und von Anthony Reece umgesetzt wurde und die einmal mehr untersucht, wie eine vermeintliche Kulturnation einen Weltkrieg lostreten und wie sich die Kulturnationsmenschen an einem Massenmord beteiligen konnten. Jenseits dieser Fragen ist uns eine Sequenz in Erinnerung geblieben, die zeigen sollte, wie Adolf Hitler an seinem “Charisma”, an seinem Mythos gebaut hat. So hat er keinerlei fremde Ideen an sich herangelassen und sich in seiner eigenen Vorstellungswelt vergraben. Fremde Ideen hat er als Verunreinigung der eigenen Gedanken angesehen und sie entsprechend nicht zur Kenntnis genommen.

Die Abschottung der eigenen Vorstellungswelt von den Meinungen und Argumenten Dritter, der Ausschluss vermeintlich kritischer oder in Frage stellender Aussagen dient demnach dazu, keinen Zweifel an der eigenen Vorstellungswelt aufkommen zu lassen. Hitler hat damit einen Mythos begründet, der Führer, der allwissend ist und von niemandem etwas zur Kenntnis nehmen muss.

Nun sind diejenigen, die hinter @blockempfehlung stecken, weit davon entfernt, einen Mythos für sich aufzubauen. Das scheitert schon daran, dass ihre Feigheit sie daran hindert, mit ihrem Namen hinter ihren Handlungen zu stehen. Folglich stellt sich die Frage: Warum wehren sie andere Meinungen und Ideen ab, warum wollen sie Dritte dazu bewegen, ihren Empfehlungen zu folgen und sich gleichermaßen in ihrer eigenen Vorstellungswelt und wie Adolf Hitler einzuigeln.

CHAPLINNun, die Antwort liegt eigentlich auf der Hand: Hitler hat einen Mythos geschaffen, die Blockemfehler haben sich einem Mythos, einer Heilslehre zugeordnet. Sie versprechen sich psychologische und materielle Vorteile davon, dass sie eine Heilslehre übernehmen und sich als getreue Vasallen derjenigen auszeichnen, die die Heilslehre verkünden. Im vorliegenden Fall ist nicht ganz klar, um was für eine Heilslehre es sich dabei handelt, aber es  ist klar, dass es eine Heilslehre ist, die sich gegen Maskus, gegen Nazis, gegen Personen richtet, die das Recht auf eine freie Meinungsäußerung verteidigen “usw”.

Offensichtlich ist es den Blockempfehlern ein Bedürfnis, in einer “reinen” Welt zu leben, in der sie mit Meinungen, die von ihrer Heilslehre abweichen, nicht konfrontiert sind. Im Sinne von Frederic S, Perls (Perls, Heferline & Goodman, 1991) sind sie die Ergebnisse ihrer neurotischen Bezugs-Gesellschaft, die sie Selbstwert nur aus ihrer Unterordnung unter eine vorgegebene Heilslehre finden lässt. Dementsprechend muss es sich bei den Betreibern von @blockempfehlung um fragile Persönlichkeitchen handeln, die die Übernahme von Verantwortung ebenso scheuen (deshalb die Anonymität), wie den Wettbewerb mit Dritten, die andere Meinungen vertreten und deren Konkurrenz sie sich nicht gewachsen fühlen.

Julian Rotter (1954) würde ihnen vermutlich einen externen Locus of Control attestieren, der sie Handlungsfähigkeit nur daraus gewinnen lässt, dass sie kein eigens Urteilsvermögen reklamieren, es vielmehr durch Gefolgschaft ersetzen: Das was die Verkünder der angenommenen Heilslehre als richtig vorgeben, wird als eigenes Urteil adaptiert. So wie sich Deutsche im Dritten Reich dem Führer zu Füßen geworfen haben, so werfen sich die Blockempfehler einer Heilslehre an den Hals, von der sie Leitung und Orientierung, psychologische und materielle Belohnungen erwarten.

TajfelNun kann alle Unterodnung den Fakt nicht verdecken, dass die vermeintlich eigene Meinung keine eigene Meinung ist, ebenso wenig wie die eigene Existenz auf einer personalen Identität basiert. So wird der Selbstwert, den man aus eigener Kraft als nicht erreichbar ansieht, durch Übernahme einer sozialen Identität, wie dies Henry Tajfel (1982) und Jonathan Turner (1987) beschrieben haben, herzustellen versucht. Die komplette Unterordnung unter diese soziale Identität ist jedoch ein affektiver Vorgang, der nicht begründet werden kann, und deshalb sind abweichende Meinungen und Kritik so gefährlich, sie gefährden die wackelige affektive und eben nicht rationale Grundlage, auf der der eigene, geliehene Selbstwert, auf dem die eigene Surrogat-Identität (Heitmeyer, 1992) basiert.

Die Übernahme der sozialen Identität diente ja gerade dazu, den eigenen Minderwertigkeitskomplex, die bei sich gesehene tatsächlich vorhandene oder eingebildet vorhandene Leistungsunfähigkeit, die Angst vor dem Scheitern im Wettbewerb mit Dritten zu überwinden und sich in eine vermeintlich überlegene Position zu schwingen, die man auf Basis von realen Kompetenzen nie erreichen könnte oder zu können glaubt. Entsprechend sind abweichende Meinungen und Kritik gefährlich, gefährden das zarte Pflänzchen der eingebildeten Identität, und deshalb muss eine Konfrontation mit abweichenden Meinungen ausgeschlossen werden.

Nun verfügen derartige Unterordner unter Heilslehren nicht über Argumente, denn ihre Unterordnung ist ein affektiver Vorgang, den sie rational nicht gegen Argumente verteidigen können. Deshalb bewegen sie sich ausschließlich im Rahmen dessen, was ihre Heilslehre als gut oder schlecht beschreibt, sie bewegen sich im Rahmen von Begriffen, im vorliegenden Fall von “Nazi”, “Masku” oder was auch immer, Begriffe, die für sie einen hohen negativ affektiven Wert haben und von denen sie annehmen, man können Dritte damit erschrecken oder diskreditieren.

Eh voilá. Damit wäre erklärt, mit wem wir es bei @blockempfehlung zu tun haben, in kurz: mit Personen, die aufgrund von Persönlichkeitsdefiziten, einer fehlenden personalen Identität und vorhandenen Deprivationen einen Wettbewerb mit Dritten scheuen und ihr Heil und Auskommen in der Übernahme einer Surrogat-Identität und der erhofften Belohnung für Gehorsam suchen (insofern ist es lustig, dass sie sich ausgerechnet gegen Nazis wenden, die auf derselben Persönlichkeitsstrukt aufgebaut haben, wie man nahezu jeder historischen Aufarbeitung des Dritten Reiches entnehmen kann…).

Entsprechend müssen sie alle bekämpfen, die dieses Heil durch kritische Fragen oder abweichende Meinungen gefährden. Sie sind die wahren Untertanen, die empfundene Minderwertigkeit durch Aktionen gegen Kritiker und Zweifler zu überwinden suchen. Sie sind die verbalen Mitläufer und Nachfolger einer geistigen Inquisition, die sich in einem Punkt von den Inquisitoren des Mittelalters unterscheiden: Die Inquisitoren des Mittelalters waren nicht feige und haben für ihre Heilslehre eingestanden, bis zum oftmals bitteren Ende.

P.S.

Wer sich wundert, dass wir nicht ausführlich auf das “Rechtsstaatsmeinungsfreiheitsgeschrei” eingegangen sind: Wer derartigen Unsinn verkündet, der diskreditiert sich eigentlich von selbst, denn wenn nicht auf Basis von Meinungsfreiheit auf welcher Grundlage sollte man dann einen Unsinn wie @blockempfehlung, der ganz offensichtlich darauf aus ist, Dritte vom gleichberechtigten Zugang zu Twitter auszuschließen und bestimmte Meinungen zu diskreditieren, dulden? Hier zeigt sich ganz offen, dass die Blockempfehler affektiv an Begriffe gebunden sind, und nicht begründen können, warum sie wogegen sind, kurz: Sie wissen nicht, was sie tun, sie sind im Stadium eines nicht verantwortlichen Kindes verblieben.

Literatur

Heitmeyer, Wilhelm (1992). Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen. Empirische Ergebnisse und Erklärungsmuster einer Untersuchung zur politischen Sozialisation. Weinheim: Juventa.

Perls, Frederic S., Hefferline, Ralph F. & Goodman, Paul (1991). Gestalttherapie. Grundlagen. München: dtv.

Rotter, Julian B. (1954). Social Learning and Clinical Psychology. Englewood-Cliffs: Prentice-Hall.

Tajfel, Henri (1982)(ed.). Social Identity and Intergroup Relations. London: Cambrigde University Press.

Turner, Jonathan (1987). Rediscovering the Social Group: A Self-Categorization Theory. Oxford: Basil Blackwell.

Blackfacing: Antirassisten sind die wahren Rassisten

Jim KnopfJim Knopf und Lukas der Lokomotivführer - wer kennt sie nicht? Und seit Augsburger sich in Wetten, dass ...?verkleidet als Jim Knopf eingefunden haben, kennen auch diejenigen, die bislang gar nicht wussten, wer Molly ist, Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer. Mehr noch: Sie wissen, sich als Jim Knopf zu verkleiden, ist Rassismus, es kann gar nichts anderes sein, darin sind sich die Antirassisten einig, denn in den Vorkriegs-USA gab es Minstrels, am ehesten als Balladensänger zu übersetzen, die quer durchs Land aufgetreten sind, und sie waren maskiert, mit durch Kork geschwärztem Gesicht sind sie aufgetreten. Und wenn sich Weiße im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als Schwarze verkleidet haben, dann kann das nur Rassismus sein, nur zu dem Zweck erfolgt sein, Schwarze lächerlich zu machen. Deshalb ist das Black Face, das Markenzeichen dieser Minstrels, Rassismus pur, und wer im 21. Jahrhundert in einer Saalwette dazu aufruft, dass sich Augsburger das Gesicht schwärzen, um als Jim Knopf aufzutreten, kann nur ein Rassist sein. Soweit die logisch falsche Argumentation (Fehlschluss der Bejahung des Konsequens). Nun zu dem, was tatsächlich ist.

Wissenschaftstheoretische Vorrede

GarfinkelEs gibt Zeitgenossen, deren Haupttätigkeit besteht darin, durch die Welt zu gehen und andere bei Rassismen zu erwischen, von denen diese anderen bis dahin gar nichts gewusst haben. Daran ist zunächst nichts auszusetzen. Leser von ScienceFiles werden sich erinnern, dass wir zuweilen Erschütterungsexperimente einsetzen, um implizite Prämissen und Alltagsüberzeugungen, die Handeln anleiten und sich quasi automatisch  “ausdrücken”, offenzulegen. Diese Form der Ethnomethodologie, mit der mich Heike Diefenbach nicht nur in Theorie, sondern auch in Praxis vor nunmehr einigen Jahrzehnten vertraut gemacht hat, ist ein sehr wirkungsvolles Mittel, um die Selbstverständlichkeiten des Alltags, die kleinen Unhinterfragtheiten aufzuzeigen. Aber: Enthnomethodologie, der theoretische Instrumentenkasten, in den das Erschütterungsexperiment gehört, endet nicht umsonst auf “Methodologie”,. Der Ausgangspunkt von Erschütterungsexperimenten sind allgemeine Überlegungen, aus denen Hypothesen über z.B. implizite Prämissen, die Handeln anleiten, abgeleitet werden. Das Verfahren ist deduktiv. Vor diesem Hintergrund wäre das einzige, was man aus der Gestaltung der Saalwette entnehmen kann, die Tatsache, dass die Wetter der Ansicht sind, dass die deutsche Alltagskultur eine weiße Alltagskultur ist. Mehr nicht.

Nun gibt es die oben angesprochenen Zeitgenossen, die Dritte beobachten und aus dem Beobachteten weitreichende Schlüsse ziehen. Aber es bleibt nicht bei der Beschreibung von Verhalten und der Ableitung von Konklusionen, nein, das Verhalten muss gewertet werden. Hier findet sich dann der Hauptunterschied zu dem, was wir als Erschütterungsexperiment betreiben. Wir beginnen nicht bei Wertungen und suchen die Welt nicht nach denen ab, die unseren Wertungen nicht entsprechen. Wir tragen keine Werterwartungen an Dritte heran und bewerten deren Verhalten dann als konform oder abweichend. Wir tun das deshalb nicht, weil wir Wissenschaftler und keine Moralapostel sind.

Moralapostel

darwin-greatMoralapostel gibt es in Deutschland vornehmlich in der Form von Gutmenschen, die ihr Leben damit bestreiten, Defizite bei Dritten zu entdecken und diese Dritten dann mit dem richtigen Glauben zu missionieren. Antirassisten sind häufig derartige Gutmenschen, die Rassismus überall wittern, wo von Migranten, Schwarzen oder Afrikanern die Rede ist. Auch Feministen, die überall wo Kritik an Frauen geäußert wird, Sexismus sehen, sind derartige Gutmenschen, und mit den beschriebenen Antirassisten verbindet sie eine unsägliche Gemeinsamkeit: Sie sind die schlimmsten Rassisten!

Warum sind sie die schlimmsten Rassisten? Deshalb: Sie tragen ihre eigenen Vorurteile an die Handlungen Dritter heran und bewerten diese Handlungen vor ihrem eigenen Hintergrund. Ich bin mir ziemlich sicher, dass keiner derjenigen, die sich als Jim Knopf verkleidet haben, jemals etwas von Minstrels oder von Black Face oder Blackfacing gehört hat. Sie fanden es vermutlich lustig, sich als Jim Knopf zu verkleiden und ihr Gesicht zu schwärzen.

Nicht so die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., von der ich mir nicht so sicher bin, ob sie für oder gegen schwarze Menschen in Deutschland agitiert. Diese Initiative hat einen offenen Brief geschrieben, an das ZDF, und sich bitterlich über das Blackfacing, jenen Ausdruck von Rassismus aus den USA des Antebellum beklagt. Nicht nur das, die Schreiber verlangen eine Entschuldigung vom ZDF. Sie verweisen darauf, dass Blackfacing “Symbol für das Trauma des Rassismus und der Sklaverei” sei, also deutsche Schwarze Menschenvertreter verweisen auf etwas, was sie nur vom Hörensagen kennen. Sie werfen dem ZDF vor, rassistische Stereotype zu reproduzieren und behaupten, dass “rassistisches Handeln auch dann passiert, wenn dieses nicht intendiert war”.

Soweit, so gut. Fassen wir bis dahin zusammen: Es gibt eine Reihe von Zuschauern von “Wetten, dass…?, die in der Saalwette Rassismus erblicken, die Blackfacing schon einmal gehört haben und die ihr Wissen nun anderen als Intention unterstellen. Soviel zum Thema, es gehe nicht um Intentionen, denn ginge es nicht um Intentionen, was wäre einfacher, als die Handlung deskriptiv als “sich verkleiden” zu beschreiben. Nein, die Anti-Rassisten tragen ihre eigenen Stereotype, denn sich als Schwarzer zu verkleiden kann nur Rassismus sein, an Dritte heran, unterstellen ihnen niedere Motive und schreien lauthals danach, diesen Rassismus, den sie durch ihre Interpretation erst geschaffen haben, zu bekämpfen. Irrsinn – oder?

Black Faced Comedians

Behind the cork maskDer ganze Vorwurf des Rassismus basiert auf der Annahme, dass weiße Komödianten Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts allesamt rassistische Schweine waren, die sich das Gesicht schwarz angemalt haben, um Schwarze zu diffamieren. Das ist eine starke Annahme, und sie ist schlicht falsch, wie ein Blick in das Buch von William J. Mahar “Behind the Burnt Cork Mask” zeigt. Gleich vorweg: Es gab auch Rassisten unter den Black Faced Comedians, aber die Realität ist wie so oft deutlich komplexer als diejenigen, die alles so genau wissen und vor allem Rassismus sofort erkennen, denken.

“Even though racism was its underlying reason for exploiting the low status of African Americans as a comic device, blackface comedy stressed the use of caricatures and stereotypes because they provided the best vehicles for criticizing the differences between what society promised and what it delivered. The sketches overemphasized the importance of perceived and real racial differences to ridicule the contradictions lower- or middle-class Americans found in their daily lives …” (186).

Man kann Star Trek ansehen und einen Aktionfilm sehen, man kann in Star Trek auch als ein Beispiel für Wissenschaftstheorie und Philosophie in Filmform sehen. Ebenso ist es mit den black faced Minstrels. Man kann ihre Travestie als Gesellschaftskritik lesen, man kann sie auch als wüsten Rassismus werten. Letztlich ist die entsprechende Wertung oder Sichtweise eine Frage der Intelligenz und, wie Mahar schreibt, gibt es keine Belege für die Annahme, dass die US-Amerikaner des späten 18. Jahrhunderts so dumm waren, wie die Antirassisten das heute sind:

“No one knows for sure what audiences believe; there are fewer than a dozen testimonials in the literature indicating that individual white observers were duped, whereas the antebellum audiences numbered in tens of thousands. As the sketches show, blatant racism sometimes led to the denigration of African Americans, but just as often the comedians offered messages that had little to do with the costumes they were wearing. If the burnt cork comedians were accepted as surrogate black persons, there is no good explanation of why so little of what blackface characters did or said could be identified as African American Life” (192)

Kurz: Es mag Komödianten gegeben haben, die ihre Verkleidung genutzt haben, um sich über Schwarze lustig zu machen, aber die Mehrheit der Komödianten, die als black face unterwegs waren, hat die Maske genutzt, um der Mittelschicht den Spiegel vorzuhalten, um die gesellschaftlichen Zustände in den USA zu veralbern und um Gesellschaftskritik zu üben. Dass es heute ausgerechnet Mitglieder der deutschen Mittelschicht sind, die das Blackfacing zum ausschließlich rassistischen Gegenstand stilisieren wollen, ist vor diesem Hintergrund mehr als makaber.

P.S. Es sind genau diese Angehörigen der Mittelschicht, die sich in der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland e.V. zusammengefunden haben, um die deutsche Welt für schwarze Menschen in Deutschland zu verbessern – also für andere schwarze Menschen, nicht für einen selber, denn man selbst ist ja integriert in die deutsche Gutmenschen-Mittelschicht. Und dieser Anbindung entsprechend finden die Mitglieder der Initiative dann auch nichts dabei, die eigenen Vorurteile Dritten zu unterstellen und noch dazu in Anspruch zu nehmen, man spräche für alle schwarzen Menschen in Deutschland, denn so wie klar ist, dass blackfacing nur rassistische Motive haben kann, ist klar, dass alle schwarzen Menschen in Deutschland durch “Wetten, dass …?” beleidigt wurden. Mehr Anmaßung ist kaum möglich.

Mahar, William J. (1999). Behind the Burnt Cork Mask. Early Blackface Minstrelsy and Antebellum American Popular Culture. Chicago: niversity of Illinois Press.

Lebenszufriedenheit nur durch Kindertagesstätten-Ausbau erreichbar

“Oh mein Gott, was ist nur aus der Methodenausbildung geworden?”

(Dr. habil. Heike Diefenbach)

Wir haben schon lange nichts mehr aus den “SOEP-papers” besprochen. Das hat eine Reihe von Gründen, einer davon ist eine Abneigung dagegen, immer und immer dasselbe zu berichten, denn in Deutschland grassiert derzeit die Lebenszufriedenheits-Seuche unter Sozialwissenschaftlern oder solchen, die sich dafür halten. Was nicht niet- und nagelfest ist, was auch immer in Datenform erfasst ist, wird ohne Sinn und Zweck korreliert, korreliert mit Lebenszufriedenheit.

Wenn man nur über die entsprechenden Beiträge im Rahmen der SOEP-Papers blickt, dann stellt man fest, dass die Lebenszufriedenheit wahlweise von Arbeitslosigkeit negativ, von mentalen Krankheiten negativ, von der Raktorkatastrophe in Japan negativ, von der Finanzkrise natürlich negativ, vom Alter und je nach Alter positiv oder negativ, von der Art der Messung und Gewichtung von Lebenszufriedenheit und, neuerdings, vom Anteil der Kinder in Kindertagesstätten positiv beeinflusst werden soll.

Wie man in der neuen deutschen Sozialwissenschafts-Welt mit seinem Leben (un)zufrieden sein kann, ohne dass einem die Finanzkrise, geistige Krankheiten, Fukushima oder Kindertagesstätten interessieren, ist entsprechend ein Rätsel, das, daran habe ich keinen Zweifel, demnächst sozialwissenschaftlich gelöst werden wird, z.B. in Form von: “Frauenquoten in Aufsichtsräten und die Lebenszufriedenheit von neuen weibliche Aufsichtsräten” oder “Der neue Panda im Berliner Zoo und die Lebenszufriedenheit der Bundesbürger” oder: “Sind Vollmondnächte negativ für die Lebenszufriedenheit?” oder “Welchen Effekt haben die endlos langen Koalitionsverhandlungen auf die Lebenszufriedenheit der Deutschen?”. Die Möglichkeiten der Lebenszufriedenheits-”Forschung” sind unendlich, Generationen von Sozialwissenschaftlern haben sich hiermit ein Auskommen geschaffen.

SOEPP602Der neueste Beitrag zur Lebenszufriedenheit der Deutschen kommt von Pia S. Schober, die scheinbar am DIW und an der FU Berlin unterwegs ist, und von Christian Schmitt, der scheinbar in Bamberg und Rostock, an den dortigen Universitäten und am DIW seinen Unterhalt erwirtschaftet, und der dafür verantwortlich zu sein scheint, dass das soziale Thema der Kindertagesstätten und der Lebenszufriedenheit mit kalten männlichen “fixed-effect models” und über “within-county effects of day-care provision” untersucht wird.

Überhaupt ist das Datenhandling relativ elaboriert, erfordert nicht nur die Handhabung der Individual- und Haushaltsdaten aus den SOEP-Wellen von 2007 bis 2011, sondern auch die der Makrodaten über die regionale Verbreitung von Kindertagesstätten, die im “Familien in Deutschland”-Datensatz des Deutschen Jugendinstituts enthalten sind. Im Datensatz findet sich somit eine Reihe von individuellen Befragten, die z.B. sagen, wie sehr sie mit ihrem Leben zufrieden sind (von 1 sehr unzufrieden bis 10 sehr zufrieden), er besteht aus Haushalten, für die diese Befragten Angaben machen und aus Daten auf Kreisebene, die den Anteil von Kindern pro Landkreis angeben, die eine Kindertagesstätte besucht haben, und zwar für die Jahre 2010 und 2011.

[Zur Abwechslung einmal die Basics:] Man kann sich einen entsprechenden Datensatz als Datenblatt in Excel vorstellen, bei dem die Zeilen einen Befragten repräsentieren und die Spalten die jeweiligen Variablen. Sagt ein Befragter z.B. er sei mit seinem Leben “5″ zufrieden, dann erhält er in der entsprechende Spalte den Wert 5, sagt er, das Haushaltseinkommen betrage 2000 Euro netto, dann erhält er in einer weiteren Spalte den Wert “2000″, sagt er er wohnt im Märkischen Kreis, dann erhält er einen Code, z.B. 05962, der den Märkischen Kreis identifiziert in einer entsprechenden Spalte und ihm wird in zwei weiteren Spalten der Anteil der Kinder zugespielt, die im Märkischen Kreis in den Jahren 2010 und 2011 eine Kindertagesstätte besucht haben.

Data-Crunching vom Feinsten ist das, was hier als Datensatz zusammengeschuster wird. Nun stellt sich die Frage, was macht man mit einem Datensatz, der dargestellten Art? Welche Fragestellung kann man damit bearbeiten? Schober und Schmitt untersuchen die Frage, wie sich der Ausbau des Angebots an Kindertagesstätten auf die Lebenszufriedenheit ausgewirkt hat. Warum auch nicht? Möglich ist vieles, so lange man es theoretisch begründen kann. Und hier findet sich, wie so oft, der Haken an der Sache.

FestingerZwar gibt es ein Kapitel im Beitrag von Schober und Schmitt, das mit “theoretical framework” überschrieben ist, aber das Kapitel ist kein Theoriekapitel, sondern ein Plausibilitätskapitel. Es beginnt damit auf andere Studien zu verweisen, in denen Autoren eine Korrelation zwischen Lebenszufriedenheit und z.B. Arbeitslosigkeit untersucht haben, enthält einen alleingelassenen Verweis auf die Theorie kognitiver Dissonanz von Festinger, die etwas entstellt als Dissonanz zwischen Werten und Idealen auf der einen sowie Verhalten auf der anderen Seite daherkommt (und bei uns zu Dissonanzen zwischen dem, was ich von Festinger kenne und dem, was Schober und Schmitt ihm zuschreiben, ausgelöst hat…), und es enthält einen Verweis auf die Haushaltsökonomie von Gary Becker, von dem wir auch nach langem Überlegen nicht wissen, warum der Verweis da steht, wo er steht (Seite 6 – nicht alles, was man substituieren kann, lässt sich Becker unterschieben…).

Ansonsten beschreiben die Autoren im Kapitel “theoretical framework”, warum es ihnen plausibel erscheint, zu untersuchen, wie sich eine Erhöhung der Anzahl der Kindertagesstätten auf die Lebenszufriedenheit der Deutschen auswirken könnte. Das “Warum” er sich auswirken sollte, wird – wie so oft – nicht behandelt, und wir haben keine Idee, wie man es theoretisch begründen könnte, dass sich der Ausbau der Kindertagesstätte in Lüdenscheid auf die Lebenszufriedenheit der Bewohner des Märkischen Kreises auswirkt, und wie man den Effekt des Ausbaus der Kindertagesstätte in Lüdenscheid, sofern er sich einstellt, vom Effekt trennt, der von der Erhöhung des Lohns bei der WEMA GmbH in Lüdenscheid ausgeht. Die Autoren haben auch keine Idee, deshalb befassen sie sich mit dieser Frage erst gar nicht.

Sie rechnen munter und lustig darauf los und finden heraus, dass es kaum einen Effekt zwischen dem Ausbau von Kindertagesstätten und der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben gibt. Wer hätte das gedacht. Aber, keine Studie ohne wichtiges Ergebnis und entsprechend präsentieren auch Schober und Schmitt “substantial and positive associations of regional growth rates in day-care use”.

Fix effect regression modelsDie “substantiellen Effekte” finden sich z.B. in einem Modell, das 8% der Varianz von Lebenszufriedenheit erklärt, und von diesen 8% der Varianz gehen 3% auf die Variable “Anteil der Kinder in Kindertagesstätten” zurück. Sie finden sich darüber hinaus in einem Modell, das 4% der Varianz von “Zufriedenheit mit dem Familienleben” erklärt, und in diesem Modell gehen 7% der erklärten 4%-Varianz auf die Variable “Anteil der Kinder in Kindertagesstätten” zurück. Schließlich besteht ein weiterer “substantieller Effekt” für die Variable “Anteil der Kinder in Kindertagesstätten” im Modell zur Erklärung “Zufriedenheit mit der Verfügbarkeit von Kindertagesstätten”. Hier erklärt der Anteil der Kinder in Kindertagesstätten 8% der Varianz der Zufriedenheit mit der Verfügbarkeit von Kindertagesstätten in einem Modell, das 3% der Gesamtvarianz erklärt. Alle berichteten “substantiellen Effekte” ergeben sich nur für Mütter – nebenbei bemerkt.

Was soll man zu diesen “substantiellen” Effekten sagen? Zunächst ist an dieser Stelle der Hinweis angebracht, dass die Autoren ausschließlich Modelle mit Müttern und Vätern rechnen, die Kinder im Alter von einem bis drei Jahren haben. Und die Mütter (nicht die Väter, deren Modell nur 1% der Gesamtvarianz erklärt, was bedeutet, dass jeder statistische Standardfehler größer ist als die Erklärkraft dieses Modells) mit Kindern im Alter von einem bis drei Jahren zeigen sich zufriedener mit der Verfügbarkeit von Kindertagesstätten, wenn der Anteil von Kindern in Kindertagesstätten gestiegen ist. Zum Glück gibt es dieses Ergebnis. Gäbe es dieses Ergebnis nicht, man wäre gezwungen anzunehmen, dass ein steigender Anteil von Kindern in Kindertagesstätten sich positiv, negativ oder gar nicht auf die Zufriedenheit von Müttern, die Kinder haben, die Kindertagesstätten besuchen können, auswirkt. Wieder einmal verdanken wir Sozialwissenschaftlern tiefe Einblicke in die wirkliche Welt.

Und ganz wichtig ist natürlich der 8%-Effekt auf die 3% erklärte Varianz von Lebenszufriedenheit der Mütter von ein- bis dreijährigen Kindern, der von einer höheren Anzahl von Kindern in Kindertagesstätten ausgeht. Daraus lässt sich planerisches Kapital schlagen, denn es steht nunmehr fest, dass der Ausbau von Kindertagesstätten sich positiv auf die Lebenszufriedenheit von Müttern mit Kindern im Alter von einem bis drei Jahren auswirkt. Dass die Lebenszufriedenheit auch davon beeinflusst werden könnte, dass das Kleinkind endlich durchschläft, Fukushima nicht mehr in den Medien ist oder davon, dass Papa und nicht Mama das erste Wort des Nachwuchses war, dass Lebenszufriedenheit noch von einer Unzahl anderer Variablen beeinflusst werden kann, wie sich schon daran zeigt, dass 97% der Varianz von Lebenszufriedenheit nicht erklärt werden, nun, dieser Hinweis ist wieder puristisch und nicht zielführend, denn Ziel ist es, den heilsamen Einfluss von Kindertagesstätten und nur von Kindertagesstätten auf alle Bereiche mütterlicher (und damit elterlicher) Zufriedenheit zu zeigen.

Merkt es Euch, Ihr Eltern in Deutschland: Eure Zufriedenheit mit dem Leben, dem Universum und allem, was es sonst noch gibt, ist von der Verfügbarkeit von Kindertagesstätten abgängig, von nichts sonst.

Gut, dass es Sozialwissenschaftler wie Schober und Schmitt gibt, die derart wichtige Mahnworte als Ergebnis ihrer Forschung nahelegen.

Schober, Pia S. & Schmitt, Christian (2013). Day-Care Expansion and Parental Subjective Well-Being: Evidence from Germany. Berlin: DIW, SOEPpapers #602.

Mean Girls: Gemeinheit von Frauen ist biologisch determiniert, sagt kanadische Forscherin

Während sich manche in Deutschland noch daran versuchen, die Realität zu entstellen und behaupten, männliche Menschen seien aggressiver und gewaltbereiter als weibliche Menschen, ist man im angelsächsischen Ausland wieder einmal weiter und untersucht Art und Funktion der typisch weiblichen Ausprägung von Aggressivität.

Die typisch weibliche Aggressivität, so schreibt Tracy Vaillancourt in einem Forschungsüberblick für die Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences, ist eine indirekte Aggressivität, eine soziale Aggressivität: Sie richtet sich vornehmlich gegen andere Frauen, sie bedient sich indirekter, man würde besser sagen hinterhältiger Mittel, denn das Ziel der weiblichen Aggression besteht darin, Rivalinnen zu diskreditieren ohne selbst als diejenige erkannt zu werden, die Ausgangspunkt der indirekten Aggression ist.

Two Girls GossipingFolglich sind die Mittel der Aggression ebenso verdeckte Mittel: Das Streuen von Gerüchten, der Versuch, bei anderen zu bewirken, dass sie eine dritte Person ablehnen, diese dritte Person in Misskredit zu bringen, der Ausschluss von anderen Frauen aus Gruppen, das Schneiden und Meiden und das Bilden in sich geschlossener Verschwörergrüppchen, das Verbreiten vermeintlicher Geheimnisse über nicht anwesende Dritte und derogative Bemerkungen über abwesende Dritte, dies beschreibt die Mittel im Arsenal der weiblichen Hinterhältigkeit, wie es sich nach den Untersuchungen von Tracy Vaillancourt darstellt. Indirekte Aggression, so Vaillancourt, habe den Vorteil, dass man als Aggressor unerkannt bleibe, entsprechend Dritte diskreditieren könne ohne selbst in eine direkte Auseinandersetzung, die am Ende noch handgreiflich werde könnte, verwickelt zu werden.

Nun ist diese Form der indirekten Aggression nach Ansicht von Vaillancourt nicht Selbstzweck, sie dient dem Ziel, einen Geschlechtspartner zu finden, sich selbst als attraktiv und Konkurrentinnen als unattraktiv erscheinen zu lassen. Der Wettbewerb um Geschlechtspartner ist somit der Anlaß der weiblichen Gemeinheit. Dafür, so Vaillancourt, spreche, dass indirekte Aggression sich vornehmlich gegen attraktive Frauen richte und mit dem Alter zunehme. Dafür spreche auch, dass Frauen für indirekte Aggression viel sensibler seien als Männer, die oftmals gar nicht bemerken, dass sie aus einer sozialen Gruppe ausgeschlossen oder zum Gegenstand indirekter Aggression gemacht würden.

phil transactions“A clear way that indirect aggression serves an individual’s goal is by reducing her same-sex rivals’ ability, or desire, to compete for mates. This is typically accomplished in a concealed way which diminishes the risk of a counterattack. … the benefits of using indirect aggression seem clear – fewer competitors and greater access to preferred mates, which in ancestral times would have been linked to differential reproduction rates, the driving force of evolution by sexual selection.” (5)

So fasst Villaincourt ihre Ergebnisse zusammen, und für den Evolutions-Psychologen, der sie nun einmal ist, mag das befriedigend sein, für Soziologen und Sozialpsychologen ist es das aber nicht. Denn: wie oben berichtet, wird Hinterhältigkeit und Gemeinheit von Frauen als Mittel zur Bekämpfung von Konkurrentinnen vornehmlich gegen attraktive oder attraktivere Wettbewerber eingesetzt, um deren vermeintlichen Vorteil im Kampf um den Geschlechtspartner zu kompensieren. Kurz: (1) Es braucht einen wahrgenommenen Nachteil im Wettbewerb, um auf die Anwendung von fiesen Mitteln zu verfallen.

Damit nicht genug, die Anwendung von hinterhältigen Mitteln, die dem Ziel dient, einen Geschlechtspartner zu finden, ist offensichtlich dann nicht mehr notwendig, wenn es gelungen ist, einen solchen für sich zu sichern und durch Reproduktion und die damit einhergehenden gesetzlichen Verpflichtungen, an sich zu binden. Dennoch berichtet Vaillancourt davon, dass mit dem Alter der Einsatz von Gemeinheit und Hinterhältigkeit in der Bekämpfung von Konkurrentinnen zunimmt, fast so, als wäre der Einsatz dieser Mittel Ausdruck einer Torschlusspanik, als wären sie Mittel der Verzweiflung oder eine schlechte Angewohnheit.

Daraus muss man (2) den Schluss ziehen, dass Hinterhältigkeit und Gemeinheit als Mittel zur Bekämpfung von Konkurrentinnen sich in dem Maße zum Selbstzweck verselbständigen, wie es nicht gelingt, einen Geschlechtspartner für sich zu sichern. Und mit zunehmendem Alter steigt entsprechend die Verzweiflung.

FestingerUnd weil die Verzweiflung steigt und trotz intensivem Einsatz von Hinterhältigkeit und Gemeinheit sich kein Mating-Erfolg einstellen will, ergeben sich kognitive Dissonanzen, die bearbeitet werden müssen, und die dahingehend bearbeitet werden können, dass der Fehler für den ausbleibenden Erfolg nicht mehr bei den Konkurrentinnen gesucht wird, die man ja mit allen Mitteln verunglimpft hat, sondern bei den Adressaten der eigenen Versuche, sich attraktiver zu machen, den zumeist männlichen Objekten der eigenen Begierde. Folglich überträgt sich aller Frust, aller Ärger und alle Deprivation auf diejenigen, die sich als “untouchable” erwiesen haben.

Assoziationen an real existierende Staatsfeministinnen oder Genderistinnen mögen sich beim Leser nicht zufällig einstellen.

Übrigens hat Dr. Diefenbach dies schon vor Jahren mir gegenüber vorgebracht, um die aggressive Art und Weise zu erklären, in der Genderisten alle, die nicht ihrer Ansicht sind, bekämpfen, aber, wie sie nicht müde wird zu sagen, sollte jeder, der eine weibliche Sozialisation hinter sich hat, dies wissen.

Vaillancourt, Tracy (2013). Do Human Females Use Indirect Aggression as an Intrasexual Competition Strategy? Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences. http;//dx.doi.org/10.1098/rstb.2013.0080.