Die Spinnen, die Franzosen – Gutmenschen und ihre Vorurteile

Langsam gehen den guten Menschen die Gruppen aus, die man benutzen kann, um sie in paternalistischer Überheblichkeit vor Diskriminierung und vermeintlichen Hassreden in Schutz nehmen zu wollen.

Frauen waren vorvorgestern.

Migranten waren vorgestern.

Homosexuelle waren gestern.

Wer kommt heute?

Na?

Die Armen!

Obelix spinnenDie Times berichtet von einer Gesetzesvorlage, für die Yannick Vaugrenard, ein französischer Sozialist, verantwortlich zeichnet. Die Gesetzesvorlage hat die ersten Hürden zum Gesetz in der französischen Nationalversammlung bereits genommen. Entsprechend droht demjenigen, der in Frankreich Arme beleidigt, der ihnen Arbeit, Unterkunft oder ärztliche Versorgung verweigert, eine Geldbuße bis 45.000 Euro (Was das für die französischen Arbeitsämter bedeutet, ist bislang noch unklar…).

Warum auch nicht?

Es war nur eine Frage der Zeit, bis Arme an die Reihe kommen.

Bleibt nur zu klären, wer als arm gilt, und dann sind da noch ein paar Nebensächlichkeiten:

Ab wann ist ein Armer als beleidigt anzusehen?

Ist es eine Stereotypisierung, die als Beleidigung zu werten ist, wenn man einen Armen vor Beleidigung als Armer in Schutz nehmen will?

Wie beleidigt man eigentlich einen Armen? Was ist die spezielle Form der Armenbeleidigung? Ist “Du Armer”, eine Beleidigung?

Ab wann wird aus der Beleidigung eine Aussage über die Realität – ab Unterschreitung eines Nettoeinkommens von 1000 Euro?

Ist ein armer Arbeiter eher beleidigungsfähig als ein armer Bauer oder ein armer Sozialist? Was ist, wenn der Arme ein Migrant oder schlimmer noch: eine Frau ist? Zählt die Beleidigung dann doppelt?

Was wird aus Francois Hollande, der Arme nach Zeitungsberichten als “Zahnlose” bezeichnet? Wie hoch ist sein Bußgeld?

Fragen über Fragen.

Und dann interessiert uns noch in Bezug auf die Armen, ob sie demnächst auch im Louvre ausgestellt werden, unter einer gemalten Brücke und in Zeitungspapier gewickelt.

Unsere Einschätzung zu all dem: Die spinnen, die Franzosen – und in bestem Asterix-Latein: Beati Pauperes Spiritu.

Reiche darf man in Frankreich übrigens gefahrlos beleidigen – Sozialisten haben ihre eigene Un-Moral.

Interessant ist aus wissenschaftlicher Sicht, wie Gutmenschen hier wieder einmal ihre eigenen Vorurteile erstens anderen unterschieben wollen und zweitens zur essentialistischen Wahrheit erklären.

Dazu ein kurzer Ausflug in die Sozialpsychologie.

Dort hat sich die Unterscheidung zwischen nützlichen Stereotypen und unnützen Vorurteilen eingebürgert:

Social psych“One way to conceptualize prejudice is as a stereotype gone awry. A stereotype can be thought of as the cognitive component of an attitude or the knowledge you have stored in memory about some group of people. Stereotypes become problematic when we generally apply them to all members of a group without regard to those individuals’ unique characteristics. Furthermore, when a stereotype contains biased and negative information about a particular group of people, the stereotype begins to look like a prejudice. Finally, when a biased negative stereotype becomes coupled with a negative affect or emotional reaction towards all (or most) people belonging to that group, a prejudice results” (Pastorino & Doyle-Portillo, 2010, S.375).

Stereotype sind demnach nützliche Shortcuts, um sich in der Realität zurechzufinden. Der Witz an einem Stereotyp ist, dass derjenige, der es an z.B. eine andere Person heranträgt, bereit ist sich zu korrigieren, wenn er bemerkt, dass seine stereotypisierte Erwartung nicht mit der Realität vereinbar ist.

Bei Vorurteilen ist dies anderes. Vorurteile sind denen, die sie haben, so wichtig, dass sie keiner Veränderung offen stehen: Sie bestehen, obwohl es in der Realität falsifizierende Beobachtungen gibt. Sie werden entgegen der Realität aufrecht erhalten.

„Prejudice cannot be explained – as stereotype can – on a cognitive basis alone; it is charged with collective emotions together with norms that are hidden behind values and taboos. It is not a tool for understanding the world, but a weapon in power and identity politics. This explains one characteristic of the prejudice: It is incorrigible. It can, on the contrary, be defined as a mental strategy to block the process of learning, which involves constant readjustment and reconstruction of preconceived ideas in the light of new experience and information. Instead of reconstructing the stereotype to accommodate the new evidence, the prejudice is constructed to block and destroy evidence. While the stereotype is adapted to the world, prejudice adapts the world to itself” (Assmann, 2009, S.9).

Das Vorurteil der Gutmenschen aus Frankreich – wie aller Gutmenschen besteht darin, dass sie das Subjekt, das sie sich für ihren Paternalismus auserkoren haben, zunächst zum unveränderlichen Objekt degradieren, dem sie dann einen Essentialismus unterstellen der Art: Einmal arm, immer arm. Arm wird also vom momentanen Zustand zur unveränderlichen Persönlichkeitseigenschaft, und da die Gutmenschen Armut negativ bewerten, übertragen sie nunmehr diese negative Bewertung auf die Armen, denn deren Persönlichkeitseigenschaft ist ja die Armut.

Die entsprechende Abneigung gegenüber Armen, die Verachtung für Arme oder für all die anderen von ihnen als schützenswert ausgewählten gesellschaftlichen Gruppen, steht hinter Vorschlägen wie dem aus Paris. Denn man muss nur Personen schützen, die man einerseits als grundsätzlich unfähig ansieht, sich selbst zu schützen und von denen man andererseits überzeugt ist, dass sie unveränderlich und für alle Zukunft in der grundlegenden Eigenschaft, die ihre Minderwertigkeit gegenüber anderen ausmacht, schutzbedürftig sind.

Schließlich hat Dr. habil. Heike Diefenbach auf einen Aspekt hingewiesen, den wir bislang noch gar nicht thematisiert haben, nämlich die Schaffung einer amtlichen Form von Neusprech, deren Worte und Begriffe nach Gusto einer sich zur sprachlichen Elite erklärenden Vorurteils-Gemeinschaft gestaltet sind. Erlaubt ist die Sprache, die vom amtlichen Sprachkanon umfasst ist, verboten ist und verfolgt wird die Sprache, die nicht vom amtlichen Sprachkanon umfasst ist.

problems with lordsAuf diese Weise entsteht nicht nur ein Neusprech, sondern eine Form der Sprachwelt, die die Realität ersetzen soll und von der gehofft wird, dass sie die Denkfähigkeit derer, die diesem Sprachkorsett unterworfen werden, beeinträchtigt und sie innerhalb der Welt hält, die Gutmenschen für sie vorgesehen haben. Dies ist wichtig, damit sie nicht merken, wenn sie benutzt und beleidigt werden, wie dies z.B. mit Bildungsfernen der Fall ist. Bildungsfern ist eine weitere der oben genannten essentialistischen Persönlichkeitseigenschaften, die ein Individuum nach Ansicht der Gutmenschen so definiert, dass ihm ein für alleMal die Teilhabe in der Welt der Bildungsnahen verwehrt bleibt.

Bildungsfern ist für die Gutmenschen, die diesen Begriff benutzen, einerseits eine sprudelnde Einnahmequelle, denn man muss den Bildungsfernen intensiv helfen, sie entsprechende stigmatisieren und dafür sorgen, dass sie bildungsfern bleiben. Andererseits erfüllt der Begriff “bildungsfern” die Funktion, die die meisten Beleidigungen erfüllen, er grenzt ab. Und so kann noch der letzte Gutmensch, der das Kreuzworträtsel in seiner Tageszeitung nicht zu lösen im Stande ist, von sich denken, er sei besser als der Bildungsferne, was zeigt, dass bildungsfern nur die neue Variante im amtlichen Sprachkanon einer alten Form der Beleidigung ist: dumm.

Auch im Zuge der französischen Revolution wurde versucht, eine Neusprech für Insider zu etablieren, um diejenigen, die nicht dazugehören und entsprechend auf die Guillotine verfrachtet wurden, ausdeuten zu können. Geholfen hat es denen, die sich an die Sprachekonvention gehalten haben, wenig. Auch ihr Kopf ist früher oder später gerollt – in einer der blutigsten Politik-Orgien, die die französische Welt je gefeiert hat – bis heute. Insofern ist der Vorschlag von Yannick Vaugrenard gar nicht so verwunderlich.

Und nach so viel gutem Menschentum von links, brauchen wir erst einmal Erholung.

KANALEquality: 100% mehr Gründungsmitglieder

Die Initiative KANALEquality, mit der dafür geworben wird, endlich den Frauenanteil bei den gesamtgesellschaftlich so wichtigen Arbeiten, die zur Instandhaltung und Sicherung der Trinkwasserversorgung und der Abwasserentsorgung notwendig sind, zu erhöhen, Arbeiten, die ohne die ganz besondere Expertise von Frauen nicht im gesellschaftlich wünschenswerten Maße erfüllt werden können und Arbeiten, deren gesellschaftlicher Nutzen weit über dem Nutzen liegt, der von Managern in Führungspositionen geschaffen wird, freut sich über neue Gründungsmitglieder.

Die Wichtigkeit der Initiative KANALEquality Jetzt!, sie ist auch deshalb gegeben, dass Initiativen der Bundesregierung oder aus Lobbygruppen generell auf unwichtige White-Collar-Jobs und vor allem auf Pöstchen in Vorständen begrenzt sind, zu deren Erfüllung wenig Kompetenz notwendig ist. Meist genügt die Anwesenheit in den entsprechenden Sitzungen der Führungsgremien.

Im Gegensatz dazu sind Kanalarbeiten, ist der Ausbildungsberuf der Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice von größter Bedeutung für nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch für die Sauberkeit von und die Lebensqualität in Stadt und Land.

Kanalequality

Unverständlicher Weise streben feministische Lobbyisten lieber danach, aufgemacht und im Kostüm in Führungsgremien erscheinen zu können, als danach, an der Erfüllung vitaler Leistungen für die Gesellschaft zu partizipieren.

Entsprechend notwendig ist die Initiative “KANALEquality Jetzt”.

Unser Anliegen ist zwischenzeitlich auf viele Leser getroffen, was zur Folge hatte, dass sich die Anzahl der Gründungsmitglieder verdoppelt hat.

Hier die neuesten Mitglieder im Selbstportrait.

Matthias Mala hat ganz persönliche, fast schon nostalgische Gründe, Gründe einer behüteten und freudigen Kindheit, die ihn dazu bewegt haben, Gründungsmitglied von “KANALEquality Jetzt!” zu werden. Matthias Mala reminisziert:

“Ich bin, was Abwasserkanäle angeht, schon seit meiner Kindheit bewandert. Im Knaben-Waisenhaus der Inneren Mission an der Sondermeierstraße in Freimann in München aufgewachsen, wanderten wir Kinder öfters in den Isarauen am großen und kleinen Stinkerkanal entlang, die die geklärten Abwässer in den nahen Speichersee leiteten.

Der kleine Stinkerkanal führte meist nur ein Rinnsal an Abwässern. Wir sprangen als Knaben solange über das Rinnsal, bis ein Kind hineinfiel. Dieses Kind hatte dann das Spiel verloren und war für diesen Tag der Stinker.

Schon als Knabe, störte mich, dass an unserem Vergnügen keine Mädchen teilnahmen. Mit Mädchen wäre das Springen über das Abwasser viel abwechslungsreicher gewesen. Auch hätten sich die Mädchen sicher gefreut, ab und an mal den Stinker des Tages zu stellen.”

Die altruistische Art und Weise, in der Matthias Mala von einer gleichgestellten Kanalwelt träumt, sie ist vorbildlich.

Reinhard Knodt, der ebenfalls zum Gründungsmitglied von KANALEquality avanciert ist, hat gleich eine Liste weiterer Equality-Vorhaben mitgebracht. Der Fünfjahresplan der Equality-Kämpfer hat demnach die folgenden Ziele:

“In der Müllabfuhr, in schweren Berufen auf dem Bausektor, in Abbruchunternehmen, beim Strassenbau, im Reparaturgewerbe und in vielen anderen Schwerstarbeit-Berufen sind Frauen sichtbar unterrepräsentiert, um nicht zu sagen schwer chancenlos und benachteiligt! Wo sind die Fähigkeiten der Frauen beim Möbeltransport? Wo sieht man Frauen beim Schleppen von Kohlesäcken in Berliner Keller mit fehlenden Zentralheizungen? Wo arbeiten Frauen in Abbruchunternehmen?

Auch hier wäre gesellschaftlicher Wandel anzumahnen…”

Schließlich hat sich mit Friedrich Dominicus ein Gleichstellungskämpfer der ersten Stunde zum Gründungsmitglied von KANALEquality erklärt. Wie es einem langjährigen Gleichstellungsrecken geziemt, so sieht Dominicus “the bigger picture”, so weiß er, was auf dem Spiel steht, wenn es nicht gelingt, KANALEquality durchzusetzen:

“Ich kann nur sagen Kanalarbeit für alle. Nicht nur Männer in Kanäle.
Fallen die Känäle fällt Deutschland. Kanalarbeit muß weiblich werden.”

Angesichts dieser Ressonanz sind wird ermuntert, die Initiative in die nächste Phase zu befördern. Wir planen die Erstellung von Aufklebern, Wimpeln, T-Shirts und Tassen mit dem Logo der Initiative.

Vorbestellungen können bereits heute getätigt werden.

Sie wollen auch Gründungsmitglied sein?

Sie wollen gesellschaftlichen Wandel gestalten, dabei sein, wenn die Kultur verändert wird?

Dann schreiben Sie uns eine eMail mit einer kurzen Selbstbeschreibung, warum sie besonders geeignet sind. Wir ergänzen die Liste der Gründungsmitglieder fortlaufend.

Informationen zu “KANALEquality Jetzt!” finden Sie hier.

Noch mehr Informationen zu “KANALEquality Jetzt!” finden sich dort.

KANALEquality: Gleichstellung auch unterirdisch

KANALEquality ist ernst gemeint!

Aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen scheinen einige Leser der Ansicht zu sein, es handle sich dabei um eine Satire oder einen Spaß.

Wer versichern hiermit: We are perfectly serious!

Warum sollte KANALEquality ein Spaß sein und Chefsache ernst gemeint, also kein Spaß?

ChefsacheZur Erinnerung: Chefsache ist eine Initiative unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel, deren Ziel darin besteht, einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel zu erreichen. Der kulturelle und gesellschaftliche Wandel ist erreicht, wenn mehr Frauen in Führungspositionen gelangen.

KANALEquality Jetzt ist eine Initiative, deren Ziel darin besteht, einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel zu erreichen. Der kulturelle und gesellschaftliche Wandel ist erreicht, wenn mehr Frauen eine Anstellung als Kanalarbeiter annehmen.

Stellen wir beide Initiativen gegenüber, dann wird deutlich, dass KANALEquality zudem einen höheren gesellschaftlichen Nutzen erbringt als Chefsache.

KANALEquality Chefsache
Kanäle spielen eine eminent wichtige Rolle im Hinblick auf die Versorgung mit Trinkwasser, den Abtransport von Fäkalien, und somit im Hinblick auf die Gesundheit der Bevölkerung. Ob Führungspositionen einen Effekt auf die Volkswirtschaft bzw. den Gewinn eines Unternehmens haben, ist in der Literatur umstritten. So ist z.B. Joe Bain (1968) der Ansicht, der Erfolg eines Unternehmens sei unabhängig von der Führung des Unternehmens, das Management könne man entsprechend beseitigen.
Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist ein anerkannter Ausbildungsberuf mit festem Lehr- und Lernkorpus. Man weiß demnach, was eine solche Fachkraft kann oder können sollte. Manager ist kein Ausbildungsberuf. CEO, CFO oder Vorstandsmitglied ebensowenig. Vorstandsmitglied kann nahezu jeder werden, selbst Gewerkschaftsfunktionäre. Eine spezielle Ausbildung zur Führungskraft gibt es nicht.
Es gibt keinen berichteten Fall von Korruption oder Bestechlichkeit unter Fachkräften für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Es gibt eine Vielzahl von Berichten über korrupte Manager, gekaufte Vorstände und bestechliche CEOs. Am bekanntesten ist wohl Nick Leeson (Rogue Trader), der als Manager der Barings Bank den Konkures derselben zu verantworten hat.
Der gesellschaftliche Nutzen von Kanalarbeitern oder Fachkräften für Rohr-, Kanal- und Industrieservice ist höher als der von Managern. Streiken die entsprechenden Fachkräfte wegen zu geringer Bezahlung, die gesellschaftliche Atmosphäre ist durch dicke Luft sofort vergiftet. Der gesellschaftliche Nutzen von Managern ist geringer als der einer Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Ob sich ein Manager 2, 3 oder 10 Millionen Jahresgehalt genehmigt, ob Vorstandsmitglieder nach der beschwerlichen Abnicksitzung ein oder zwei Dutzend Kaviar-Canapes essen, hat nur indirekt Folgen für die Gesellschaft, nämlich dann, wenn die nachfolgende Verdauung die vorhanden Kanäle über-beansprucht. Was abermals zeigt: Kanalarbeiter sind wichtiger als Manager.

Vor diesem Hintergrund können wir es nur als gesellschaftliche Katastrophe betrachten, dass zur Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen eine Kampagne nach der nächsten ins Leben gerufen wird, während es bislang nur unsere Kampagne für mehr Frauen unter Kanalarbeitern gibt. Ein Kommentator der Kampagne hat die Notwendigkeit, den Anteil von Frauen an den Kanalarbeitern zu erhöhen, auf den Punkt gebracht:

“Endlich. Ich bin froh das in diese wissenschaftliche Lücke gestoßen wird. Wie wir ja wissen, haben Frauen besondere Fähigkeiten und daher kann kein Bereich darauf verzichten. Und gerade beim Abfall ist beonderes Einfühlungsvermögen absolut nötig und notwendig. Es ist klar, das können Männer allein nicht leisten.”

In diesem Sinen hoffe wir, dass das wichtige Anliegen von KANALEquality nun erkannt worden ist und sich die Zahl der Unterstützer verdoppelt, verdreifacht, verzehnfacht, also vermehrt.

Deutschland kann es sich nicht länger leisten, das große Potential weiblicher Kanalarbeiter links liegen zu lassen. Wir brauchen weibliche Expertise auch sub-terran.

Deshalb: KANALEquality JETZT!

Kanalequality

Unsere Gründungsmitglieder:

Dr. habil. Heike Diefenbach, ScienceFiles, international bekannte, strickende und katzenliebhabende Wissenschaftlerin, die die Wichtigkeit einer ausgewogenen Kanalarbeit nicht nur aus weiblicher, sozialwissenschaftlicher, stricktechnischer und katzenliebender Perspektive, sondern aus noch viel mehr Perspektiven argumentieren kann.

Michael Klein, ScienceFiles, international unbekannter, nicht strickender, aber katzenliebhabender Unternehmer, dem sich die Wichtigkeit der ausgewogenen Kanalarbeit erschlossen hat, als er zum ersten Mal mit einem verstopften Abfluss konfrontiert war, von wegen: “… was ist denn schon dabei, da nimmt man Abfluss-Frei, das macht den Abfluss frei” und so… Ha!

Enrico, erfahrener 50:50-Aktivist, der sich seit Jahren für die Belange auch in der Kanalarbeit nicht berücksichtigter gesellschaftlicher Gruppen stark macht. Seine Erfahrung in der Quotierung von allem und jedem ist für KANALEquality JETZT von großer Wichtigkeit, und: Enrico kann stricken.

Wir bedanken uns bei Enrico für sein Engagement.

Sie wollen auch Gründungsmitglied sein?

Sie wollen gesellschaftlichen Wandel gestalten, dabei sein, wenn die Kultur verändert wird?

Dann schreiben Sie uns eine eMail mit einer kurzen Selbstbeschreibung, warum sie besonders geeignet sind. Wir ergänzen die Liste der Gründungsmitglieder fortlaufend.

Mehr zu KANALEquality, zu unserem Anspruch und unseren Aktivitäten.

Chefsache: In Führungsetagen wird jetzt gemerkelt

Angela Merkel hat die Herrschaft über den Schirm übernommen.

Den Schirm hält sie über die Chefsache.

Die Chefsache, das ist eine Initiative, die den Wandel gestalten will, nicht irgend einen Wandel, sondern gesellschaftlichen Wandel.

Gesellschaftlichen Wandel, den gestaltet man zunächst dadurch, dass man eine Initiative ins Leben ruft, die den gesellschaftlichen Wandel gestalten will. Ignoriert der gesellschaftliche Wandel die Initiative, dann muss man Fremdengagement einwerben, z.B. von Ihnen: “Gestalten Sie gemeinsam mit uns den Wandel in Deutschland”.

Lasset uns also wandeln, nicht irgendwie wandeln, sondern “grundlegend” wandeln, “in der Arbeitwelt”.

ChefsacheGrundlegender Wandel ist immer besser als strunz-normaler Wandel, schon weil grundlegender Wandel grundlegender ist als strunz-normaler Wandel, und wenn über den grundlegenden Wandel dann auch noch der Schirm von Angela Merkel gehalten wird, … umso besser.

Dann wandeln wir grundlegend durch die Gesellschaft und versuchen die Gesellschaft wandelnd zu wandeln, indem wir “eine neue Kultur der Wertschätzung zu etablieren” versuchen.

Grundlegender und per Schirm beherrschter Wandel, der in Deutschland zur Chefsache initiiert wurde, ist also ein kultureller Wandel, der Wertschätzung etablieren will, was voraussetzt, dass es vor dem Wandel keine Wertschätzung gegeben hat, denn hätte es Wertschätzung vor dem Wandel gegeben, er wäre nicht grundlegend, bestenfalls graduell, so dass man sich fragen müsste: Ist das überhaupt ein Wandel?

Aber: Große Ziele verlangen nach großem Wandel, nach grundlegendem Wandel, mit Schirm und Herrschaft, sind Chefsache.

Und man kann es verstehen: In einer Gesellschaft, in der keine Wertschätzung herrscht, ist ein entsprechend grundlegender Wandel Chefsache, schon weil es ein kultureller Wandel ist, und Kultur, deutsche Kultur, ist ja etwas, das man ständig gegen fremde Eindringlinge verteidigen muss. Da ist es schon besser die Kultur per Chefsache und Schirm zu wandeln, grundlegend versteht sich.

Denn:

“Nur wenn jede Person, egal ob Mann oder Frau – die Chance hat, entsprechend ihrer Stärken Verantwortung zu übernehmen, nutzen wir als Gesellschaft unsere Ressourcen und unser Potential an neuen Ideen.” Deshalb hat die Chefsache auch einen Anspruch: “Wir setzen uns für ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Führungspositionen ein.”

Was wir bislang über die Chefsache gelernt haben:

Chefsache ist Wandel, grundlegender Wandel, Wandel hin zu einer neuen Kultur der Wertschätzung, ist kultureller Wandel der alten Kultur der nicht-Wertschätzung. Wertschätzung ist, wenn jede Person, entsprechend ihrer Stärke Verantwortung übernehmen kann und das Geschlechterverhältnis in Führungspositionen ausgewogen ist, also nicht unabhängig von der Person, und nicht unabhängig von “egal ob Mann oder Frau”.

Chefsache ist ein Widerspruch in sich.

Und das ist auch kein Wunder, denn Chefsache wird von 11 Gründungsmitgliedern getragen, die in der alten Kultur der Nicht-Wertschätzung nach oben gekommen sind, die vor dem grundlegenden Wandel Günstlinge und Nutznießer des alten fiesen Nicht-Wertschätzungssystems waren, des vor-Wandel-Systems, in dem man noch ohne Stärke Verantwortung übernehmen konnte, so wie das die folgenden Gründungsmitglieder getan haben:

  • Nieten in NadelstreifenDr. Cornelius Baur, McKinsey & Company
  • Joe Kaeser, Siemens
  • Angelique Renkhoff-Mücke, warema
  • Dr. Peter Neher, Deutscher Caritasverband e.V.
  • Dr. Rainer Esser, Die ZEIT
  • Dr. Reimund Neugebauer, Fraunhofer
  • Martina Koederitz, IBM
  • Dr Werner Zedelius, Allianz
  • Dr. Marijn Dekkers, Bayer AG
  • Ursula von der Leyen, Bundesministerium der Verteidigung
  • Christoph Kübel, Bosch

Und über alle diese Aufsteiger in der grundlegend nicht gewandelten Nicht-Wertschätzungskultur hält Angela Merkel den Schirm.

Chefsache eben.

Menschen sind weder sozial noch altruistisch – Beides muss gelernt werden

Menschen sind weder Herdentiere noch verhinderte Mütter Theresa, die anderen ihren Altruismus aufzwingen.

Die Forschungsergebnisse, die diese Aussage belegen, sie werden immer zahlreicher.

Egal, was Politiker sich wünschen, egal, wie versucht wird Menschen zu manipulieren, sie sind zweierlei nicht: altruistisch von Haus aus und sozial per Geburt.

Altruismus muss man sich leisten können. Denn um selbstlos zu geben, muss man etwas haben, das man z.B. aus Mitleid geben kann: Ohne Mantel kein St. Martin sozusagen.

Und sozial sind Menschen nicht von Geburt an. Das Soziale, es verlangt von Menschen, dass sie zusammenleben, dass sie sich miteinander arrangieren und vor allem: dass sie miteinander kooperieren.

self helpGerade Kooperation ist schwierig und wie eine Untersuchung von Valerio Capraro und Giorgia Cococcini zeigt, Kooperation ist erlernt und nicht angeboren. Und weil Kooperation gelernt werden muss, ist das Ausmaß an Kooperationsbereitschaft das Ergebnis individueller Erfahrungen. Individuelle Erfahrungen wiederum macht man in einem Kontext.

Das moderne Herdenzeitalter hat dazu geführt, dass man anderen und dem, was sie sich als Regeln, Normen und Übergriffen überlegt haben, kaum mehr aus dem Weg gehen kann, entsprechend reden Soziologen und Psychologen davon, dass individuelle Erfahrung in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet ist.

Kurz: Die Kooperationsbereitschaft eines Individuums hängt von der Erfahrung ab, die dieses Individuum in der Vergangenheit gemacht hat, und sie hängt vom gesellschaftlichen Kontext ab: Herrscht Vertrauen in einer Gesellschaft, weil z.B. gesellschaftliche Institutionen Vertrauen befördern, etwa dadurch, dass Transparenz herrscht, Korruption kaum bis gar nicht vorhanden ist und dem Einzelnen mit Wertschätzung begegnet wird, dann ist Kooperation eine Voreinstellung, denn der gute Wille, den man anderen entgegenbringen muss, um mit ihnen zu kooperieren, dieser gute Wille wird durch die gesellschaftliche Umgebung befördert.

Anders in Gesellschaften, in denen Nepotismus und Korruption herrschen, in denen Individuen relativ sicher sein können, dass versucht wird, sie in Kooperationen zu lullen und dann übers Ohr zu hauen. Dort lernen Individuen, dass es besser ist, nicht zu kooperieren.

Dies ist in Kurz die Idee, die hinter der Social Heuristics Hypothesis (SHH) steht, und es ist die  Idee, die in einer Reihe von Untersuchungen bestätigt wurde (z.B. Rand, Green & Nowak, 2012 bzw. Rand et al., 2014). Und es ist die Idee, die Capraro und Cococcioni (2015) abermals bestätigt haben.

449 Inder wurden von Capraro und Cococcioni vor einen Computer gesetzt und mit einer Situation konfrontiert, die in der Spieltheorie als Gefangenen-Dilemma bekannt ist. Hier die Anweisung für die Teilnehmer an der Untersuchung:

“You and the other participant are both given $0:20 US dollars. You and the other participant can transfer, independently, money to the each other. Every cent you transfer, will be multiplied by 2 and earned by the other participant. Every cent you do not transfer, will be earned by you. How much do you want to transfer?” [Sie und der andere Teilnehmer haben beide 0,20 US Dollar. Sie und der andere Teilnehmer können unabhängig voneinander Geld zueinander transferieren. Jeder Cent, den Sie transferieren, wird mit 2 multipliziert und dem anderen Teilnehmer gutgeschrieben. Jeder Cent, den Sie nicht transferieren, wird ihnen gut geschrieben. Wieviel wollen Sie transferieren?”]

Diese Versuchsanordnung wurde unter Zeitdruck (Entscheidung innerhalb von 10 Sekunden) und unter relativer Entscheidungsruhe (Entscheidung innerhalb von 30 Sekunden) gespielt. Im Ergebnis haben sich die Teilnehmer in beiden Versuchsanordnungen entschieden, im Durchschnitt 28% ihres Guthabens zu transferieren.

Damit liegt der Anteil des transferierten Einkommens weit unter dem Anteil, der bei den gleichen Experimenten z.B. in den USA transferiert wird und der dort bei durchschnittlich rund 50% liegt. Capraro und Cococcioni führen den Unterschied auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexte zurück: Einerseits sei Indien ein Land, in dem Nepotismus und Korruption für jeden sichtbar endemisch sind, andererseits gelten die USA als “hight-trust culture”, d.h. als Land, in dem kleinräumige Communities, in denen sich die Individuuen bewegen, Kooperation befördern.

Ob Menschen kooperieren, ob sie altruistisch sind, hängt demnach vom gesellschaftlichen Kontext ab. Menschen ist Sozialität und Altruismus nicht angeboren.

Wenn man sich etwas zurücklehnt und dieses Ergebnis, das in einer Reihe entsprechender Ergebnisse steht, wirken lässt, kommt man schnell zu dem Punkt, an dem man sagt: Wie anders sollte es sein?

Throng of peopleWie kann man annehmen, Menschen würden sich im Rudel wohlfühlen und gerne von dem, was sie haben, andere durchfüttern? Entsprechende Annahmen sind nur denen möglich, die davon profitieren, dass sie anderen einreden, es wäre so.

Menschliches Leben ist in erster Linie darauf gerichtet, sich selbst zu erhalten. Selbsterhalt kann man durch Tausch und Kooperation befördern. Voraussetzung dafür: Es gibt etwas zu tauschen, und es gibt die Sicherheit, dass man im Rahmen einer Kooperation nicht ausgenutzt wird.

Erst dann, wenn etwas zu tauschen da ist und wenn Sicherheit besteht, dass der Versuch, mit X zu tauschen, nicht dazu führt, dass man von X bestohlen wird, gibt es Kooperation und als Folge institutionalisierter Tauschbeziehungen Sozialität.

Nun kann man sich fragen, warum es eine recht stattliche Anzahl von Leuten gibt, die das Gegenteil erzählen, die behaupten, Menschen wollten anderen mehr geben als sich selbst, seien sozial Tiere, die nur in der Herde ihr Glück finden, seien von Geburt an kooperativ? Und man kann sich selbst zur Antwort geben, dass diese Erzählung denen, die sie erzählen, einen Vorteil verschaffen muss, da man Menschen, die meinen, sie seien altruistisch, prima ausnutzen kann und Menschen, die meinen, die ständigen Übergriffe anderer seien das Soziale, sich nicht wehren.

Capraro, Valerio & Cococcioni, Giorgia (2015). Social Setting, Intuition, and Experience in Lab Experiments Interact to Shape Cooperative Decision-Making.

Rand, David G., Greene, Joshua D. & Nowak, Martin A. (2012). Spontaneous Giving and Calculated Greed. Nature 489: 427-430.

Rand, David G., Peysakhovich, Alexander, Kraft-Todd, Gordon T., Newman, George E., Wurzbacher, Owen, Nowak, Martin A. & Greene, Joshua D. (2014). Social Heuristics Shape Intuitive Cooperation. Nature Communications April 2014.

Was vom Euro bleibt: Deutsche arbeiten vorwiegend für Ihren Staat (und Griechenland)

Die katholische Kirche hat sich früher als Grundeigentümer den Zehnten des Ertrages eines Ackers vorbehalten.

Lang’ ist es her und schon der Zehnte und die Frondienste, die Bauern ihren Lehnsherren schuldig waren, haben 1525 zu den Zwölf Artikeln und schon 1524 zum Bauernkrieg geführt. Damals muss es Menschen gegeben haben, die den Ertrag ihrer Arbeit in eigenen Händen und nicht in fremden Händen sehen wollten.

Lang’ ist es her.

Laffer Curve 2Und wie sich die Zeiten geändert haben. Mit modernen Wohlfahrtsstaaten sind Solidarität und Umwerteilung als neue Methode der Eigentumsentziehung entstanden und mit ihnen offensichtlich eine neue Spezies, eine Spezies von Staatsbürger, der gerne bezahlt, der sich gerne verdingt, der gerne für andere arbeitet. Mit ihm ist die Anzahl der Beschwörer des Altruismus gewachsen, jener, die davon leben, dass andere arbeiten und sie davon unterhalten und mit ihnen ist die Solidarität zur Norm geworden, jene Solidarität, die ihrer Umsetzung nach ein Schmarotzen an den Leistungsfähigen meint, denn bislang ist noch niemand auf die Idee gekommen, mit Leistungsfähigen solidarisch zu sein.

Letzteres wäre jedoch dringend notwendig, denn:

Die Motivationsforschung lehrt, dass die Motivation in dem Maße nachlässt wie Akteure nicht mehr die überwiegenden Nutznießer ihrer eigenen Anstrengungen sind.

Die Equitätsforschung zeigt, dass Akteure in dem Maße die Lust an Leistung verlieren, wie sie sehen, dass ihre Anstrengung im Vergleich mit der Anstrengung anderer unterproportional entgolten wird.

Schließlich zeigt die so genannte Laffer-Kurve, dass es einen Wendepunkt gibt, ab dem eine Erhöhung der Steuerbelastung dazu führt, dass die Steuereinnahmen eines Staates zurückgehen, und zwar deshalb, weil die Motivation und die Leistungsbereitschaft schwinden und deshalb, weil sich ein Schwarzmarkt entwickelt, auf dem unter Ausschluss des Staates getauscht wird.

Nach aller Theorie sollte man erwarten, dass Menschen, denen weniger als die Hälfte der Fürchte ihrer Arbeit verbleiben, demotiviert sind, dass ihre Leistungsbereitschaft sinkt und dass entsprechend die Steuereinnahmen des Staates, die z.B. aus Einkommens- oder Lohnsteuer stammen, zurückgehen.

Das wissen auch diejenigen, die Steuersätze in die Höhe schrauben wollen, um sich und ihre Klientel glücklich zu machen. Deshalb wenden sie einen Trick an, den man als Steuerportfolio oder Steuerdiversifikation bezeichnen kann. Sie erfinden eine Vielzahl von Steuern auf dieses und jenes, auf Kaffee, Benzin, Tabak, Haus- und Grundbesitz, Erbschaft und Mehrwert, Einkommen und Lohn. Andere Steuern werden umbenannt, als Abgaben zur Pflege, zur Krankenkasse oder zur Rentenkassebezeichnet oder gleich zum Solidaritätszuschlag erklärt.

Und sie bedienen sich aus allen diesen Steuerquellen, während diejenigen, die die Steuersäckel füllen, gar nicht so richtig merken, wie ihnen mitgespielt wird.

Und weil dem so ist, deshalb sind Veröffentlichungen, wie das Belastungsbarometer 2015, das der Bund der Steuerzahler gerade zusammengestellt hat, so wichtig. Das tatsächliche Ausmaß der Deutschen Steuerlast, es wird anhand des Belastungsbarometers mehr als deutlich:

Im Durchschnit gerade einmal 47,6 Prozent des Einkommens bleiben in der eigenen Tasche! 52,4% werden umverteilt:

Was vom Euro bleibt

Dazu schreibt der Bund der Steuerzahler:

“Selbst wenn Sie sich sonst wenig für volkswirtschaftliche Quoten interessieren, bei dieser werden Sie sicher aufhorchen. Für 2015 hat der Bund der Steuerzahler eine Einkommensbelastungsquote von 52,4 Prozent berechnet. Das heißt: 52,4 Prozent ihres Einkommens gehen an den Fiskus und die sozialen Sicherungssysteme. Auf den Jahreskalender bezogen arbeiten die Steuerzahler rein rechnerisch damit erst ab dem 11. Juli, also nach mehr als sechs Monaten, für ihr eigenes Portemonnaie.”

Zu einem selbstbestimmten Leben gehört auch die Verfügungsgewalt über den Löwenanteil des durch eigene Arbeit erwirtschafteten Einkommens. Vor diesem Hintergrund muss man feststellen: In Deutschland sind diejenigen, die arbeiten, längst entmündigt.

Aber es kommt noch besser.

Dass es unter den Steuerzahlern Abstufungen im Ausmaß der Leibeigenschaft gibt, macht die folgende Gegenüberstellung deutlich, die am Beispiel eines Ehepaars aus Dresden mit zwei Kindern und Mietwohnung und am Beispiel eines Singles aus Göttingen mit Mietwohnung, einerseits die ideologische Grundlage des Steuerfrondienstes zeigt, anderseits das unglaubliche Ausmaß, das der entsprechende Frondienst mittlerweile angenommen hat, verdeutlicht:

Steuerleibeigene

So sehen Steuerleibeigene in Deutschland aus: 62,4% des Einkommens eines Single wird vom Staat einvernahmt, mit allen Folgen, die die entsprechende Einvernahme für die Motivation und das Gerechtigkeitsempfinden derjenigen hat, die derart steuerlich ausgezogen werden. Nicht nur das: Single werden von ihrem Staat vor die Wahl gestellt: Entweder sie erweitern ihren Frondienst und geben dem Staat die Kinder, die er sich wünscht, ein Wunsch, der mit entsprechenden Geldgeschenken an diejenigen, die den Frondienst auf sich nehmen, verbunden ist, oder er wandert aus, in ein Land, in dem die Steuerleibeigenschaft noch nicht das Niveau erreicht hat, wie dies in Deutschland der Fall ist, in ein Land, wo noch Menschen leben, die Freiheit, auch oder besonders vom Staat wertschätzen.

Oder: noch eine Möglichkeit – er baut sich eine Zeitmaschine und reist ins 16. Jahrhundert. Damals haben Menschen gelebt, die sich gegen 10% Steuern und Abgaben sowie gegen Frondienste zur Wehr gesetzt haben.

Das muss der homo libertas gewesen sein.

Es ist schon erstaunlich, dass in einem Land, das Gleichheit so auf seine Fahnen gechrieben hat wie Deutschland, manche bis aufs Hemd ausgezogen werden, damit andere nicht im Hemd dastehen müssen –  von Gerechtigkeitserwägungen ganz zu schweigen.

Neue Studie: Linke wollen Hilfe, andere wollen Freiheit

Warum wählen Wähler bestimmte Parteien? Warum sagen manche von sich, sie seien links oder rechts, liberal oder konservativ?

Lipset rokkanDiese Fragen bewegen die Politikwissenschaft seit langem. Entsprechend der langen Zeit, sind viele Antworten gegeben worden: Parteien und Wähler, so behaupten die einen, verbinde ein rationales Kalkül. Wähler wählten nach Sachthemen und die Partei, die ihre Interessen am besten vertritt. Weit gefehlt sagen andere: Wähler sind keine rationalen Akteure, sondern affektiv Getriebene: Sie wählen Kandidaten, die ihnen sympathisch sind. Wieder andere glauben, Wähler und Parteien befänden sich auf der selben Seite von Konfliktgräben (cleavages), die vor Jahrhunderten ausgehoben worden sind, zwischen Staat und Kirche, Arbeit und Kapitel. Wähler wählen also traditional, weil sie immer so gewählt haben. Schließlich gibt es die Forscher, die als Verbindung zwischen Partei und Wähler die Ideologie sehen, die Inszenierung dessen, woran die einen behaupten, zu glauben, was wiederum die anderen glauben.

Sie alle liegen daneben, wenn man die Ergebnisse einer Untersuchung, die Joshua J. Clarkson und fünf weitere Autoren gerade in den Proceedings of the National Academy of Science veröffentlicht haben: Nicht affektive Bindungen, rationale Wahlen oder traditionales Verhalten sind demnach die Ursachen der Parteiwahl und die Grundlagen einer Verbindung zwischen Wähler und Parteien, sondern ein psychologische Disposition: Wähler wählen Parteien, weil die Politiker der Parteien an eine bestimmte psychologische Disposition appellieren, kurz:

Für Wähler: Linke wollen Hilfe, alle anderen, also nicht-Linke wollen Freiheit.

Für Parteien: Rechte oder konservative oder liberale Parteien appellieren an Freiheit, linke Parteien bieten Hilfe.

Dieses Ergebnis reiht sich in eine Reihe entsprechender Ergebnisse ein, die Folgendes gezeigt haben:

  • Studenten, die sich als politisch nicht links einordnen, erreichen an Universitäten bessere Ergebnisse und zeigen bessere Leistungen als Studenten, die sich politisch links einordnen. Kemmelmeier, Danielson und Basten (2005) erklären dieses Ergebnis damit, dass nicht linke Studenten im Gegensatz zu linken Studenten häufiger der Ansicht sind, sie seien für ihre Handlungen und somit für ihre Leistungen verantwortlich.
  • Personen, die sich auf dem politischen Spektrum nicht links einordnen, attribuieren die Ergebnisse von Handlungen häufiger auf persönliche Leistung und Anstrengung, während Personen, die sich auf dem politischen Spektrum links einordnen, eher der Ansicht sind, die Ergebnisse von Handlungen seien durch Umstände determiniert und nicht durch die Leistung oder Anstrengung einzelner (Carroll et al., 1987).
  • Schließlich unterscheiden sich Personen, die sich auf dem politischen Spektrum nicht links verorten, von denen, die sich links verorten, im Hinblick auf die Wertschätzung, die sie dem freien Willen entgegen bringen. Nicht-Linke schätzen einen freien Willen höher ein als Linke, die den freien Willen gering schätzen oder abwerten (Carey & Paulus, 2013).

Clarkson et al. (2015) ergänzen die Phalanx dieser Ergebnisse mit einem weiteren Ergebnis: Personen, die sich links einordnen, haben weniger Selbstkontrolle als Personen, die sich nicht links einordnen. Moderiert wird diese Verbindung über die jeweilige Einstellung zum freien WIllen, die Clarkson et al. als locus of control modelliert haben, also als Überzeugung, man sei für die eigenen Handlungen verantwortlich bzw. als Überzeugung, dass man nur im Rahmen vorgegebener Strukturen handeln könne und entsprechend für seine Handlungen nur bedingt, wenn überhaupt verantwortlich sei: Je überzeugter die Probanden in den Experimente von Clarkson et al. davon waren, Herr ihrer eigenen Handlungen zu sein, desto mehr Selbstkontrolle hatten sie. Personen, die sich nicht links auf dem politischen Spektrum einordnen, waren häufiger die  Überzeugung, für ihre Handlungen verantwortlich zu sein:

“Three studies documented a clear difference in self-control as a function of political ideology, as political conservatism (…) was consistently related to greater self-control. Indeed, this enhanced self-control manifested in the form of attention regulation and task persistence. Moreover, these effects not only occurred across not only different indices of self-control but also different paradigms and different participant samples …” (Clarkson et al., 2015: 3).

Die größere Selbstkontrolle, die nicht-Linke an den Tag legen und die von der Überzeugung, für die eigenen Handlungen verantwortlich zu sein, moderiert wird, mündet somit in größere Persistent und Aufmerksamkeit bei der Lösung von Problemen.

Die Ergebnisse von Clarkson et al. (2015) passen gut zu Beobachtungen, wie man sie im täglichen Leben oder auch im Blog machen kann:

  • Free will Hobbes calvinDer Ruf nach Hilfe, nach dem Staat, nach einer Autorität, die die Randbedingungen für das eigene Leben möglichst so gestaltet, dass man ab besten nichts mehr tun muss und dennoch ein angenehmes Leben führen kann, ist unter Linken weit verbreitet.
  • Entsprechend sind Linke regelmäßig der Ansicht, das eigene Handeln sei in Strukturen eingebunden, die ein Vorankommen verunmöglichen, egal, wie sehr sie sich anstrengen würden, wenn sie sich anstrengen würden.
  • Linke sind häufig sehr erratisch in der Behandlung von Themen, d.h. sie bleiben nicht am Ball: Heute sind sie darüber engagiert, dass der Wald stirbt, morgen ist das Waldsterben vergessen und es wird der Bau und Erhalt von Kohlekraftwerken gefordert. Die Inkonsistenz linken Denkens kann man als Ergebnis mangelnder Selbstkontrolle, die sich in geringer Aufmerksamkeit und darin manifestiert, dass Linke schnell die Lust an ihrem neuesten Spielzeug verlieren.
  • Verantwortung, die ja auch immer voraussetzt, dass man zu dem steht, was man tut, ist unter Linken nur in verkümmerter Form, wenn überhaupt vorhanden. Die Folgen politischer Entscheidungen werden nicht thematisiert. Die Tatsache, dass linke Bildungspolitik die Bildungschancen von bereits mehr als einer halben Million Jungen zerstört hat, wird ignoriert und es wird im Schutze der Anonymität agitiert. Alles Indikatoren dafür, dass Linke keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen.
  • Schließlich ist es mit vielen Linken nicht möglich, über Fakten und deren Erklärung zu reden, geschweige denn, zu diskutieren. Mit Fakten konfrontiert, die ihrer Ideologie widersprechen, gehen sie sofort in den Verteidigungsmodus, reagieren affektiv, beleidigt und beleidigend und unterbinden jede Möglichkeit, über die Erklärung von Fakten zu reden und damit, auf die Fakten zu reagieren.

Das soll genügen, um die generelle Tendenz der Ergebnisse, die Clarkson et al. (2015) gerade publiziert haben, deutlich zu machen: Nicht-Linke sehnen sich nach Freiheit und danach, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden, sie wollen Verantwortung für ihr Leben übernehmen und in eigener Regie von den Ergebnissen ihrer Leistung leben. Linke fürchten Freiheit, rufen nach dem Staat und wollen, dass ihr Staat ihnen hilft. Dafür sind sie nur zu bereit, Freiheit zu opfern, im Austausch für Transferzahlungen, nach deren Erhalt sie sich einbilden können, sie hätten einen Selbstwert.

Die Erklärung politischer Präferenzen scheint sehr einfach.

Zur Untersuchung:
Die Untersuchung umfasst drei Experimente mit 147, 176 und 135 Probanden. Die Probanden mussten einen Stroop-Test absolvieren, mit dem das Ausmaß ihrer Selbstkontrolle erhoben wurde. Sie gaben ihre politischen Präferenzen an und beantworteten Fragen, mit denen ihre Einstellung zu freiem Willen und Selbstwirksamkeit gemessen wurden.

Literatur

Carey, Jasmine M. & Paulus, Delroy L. (2013). Worldview Implications of Believing in Free Will and/or Determinism: Politics, Morality and Punitiveness. Journal of Personality 81(2): 130-141.

Carroll, John S., Perkowitz, William T., Lurigio, Arthur J. & Weaver, Frances M. (1987). Sentencing Goals, Causal Attribution, Ideology, and Personality. Journal of Personality and Social Psychology 52(1): 107-118.

Clarkson, Joshua J., Chambers, John R., Hirt, Edward R., Otto, Ashley S., Kardes, Frank R. & Leone, Christopher (2015). The Self-Control Consequences of Political Ideology. Proceedings of the National Academy of Science (PNAS): Online first.

Kemmelmeier, Markus, Danielson, Cherry, & Basten, Jay (2005). What’s in A Grade? Academic Succes and Political Orientation. Personality and Social Psychology Bulletin 31(10): 1386-1399.
s

Gealterte Jugendbande: Wer oder was ist die Antifa?

Die Zeiten ändern sich.

Ein guter Indikator dafür, dass der politische Wind langsam aber stetig eine andere Richtung nimmt, ist das Deutsche Jugendinstitut (DJI).

Als wir 2002 “Bringing Boys Back In” veröffentlicht und darauf aufmerksam gemacht haben, dass Jungen im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile haben, da war die Aufregung groß im DJI. Nicht nur deshalb war die Aufregung groß, weil im DJI bis 2002 diejenigen, deren Beitrag darin bestanden hat, die schlimmen Nachteile von Mädchen im deutschen Schulalltag zu beklagen, stark vertreten waren, sondern auch deshalb, weil aus dem Familienministerium erheblicher Druck auf die weitgehend durch das BMFSFJ finanzierten Münchner Jugendforscher ausgeübt wurde, die sich so gänzlich unfähig gezeigt hatten, öffentlich zugängliche Daten des Statistischen Bundesamts zusammenzustellen und zu interpretieren. Als Konsequenz ergab sich hektische Betriebsamkeit und heftige Publikationsaktivität (selbst ein Buch über Methoden der empirischen Sozialforschung soll angeschafft worden sein…).

Das DJI ist entsprechend ein guter Lackmustest dafür, ob sich etwas ändert.

DJI Impulse 12015Deshalb ist es interessant, dass in den DJI Impulsen 1/2015, die dem Thema “Jung und radikal – Politische Gewalt im Jugendalter” nicht nur die üblichen Lamento von Islamismus und Rechtsextremismus zu lesen sind, nein, es findet sich ein Beitrag über die Antifa, ein Beitrag, der die Antifa offen als gewaltbereit und gewalttätig einordnet (mit einem Rückzieher, zu dem wir noch kommen).

Erstaunlich!

Gewalt wird also auch dann als Gewalt bezeichnet, wenn sie von links kommt.

Das war bislang nicht (immer) so.

Verantwortlich für den Beitrag “Gewalt der Antifa: Mythos und Realität” ist Dr. Nils Schumacher, der an der Hochschule Esslingen wissenschaftlicher Mitarbeiter ausgerechnet im Projekt “Rückgrat! Eine Wissenschafts-Praxis-Kooperation gegen Rechtsextremismus” ist.

In einer Fleißarbeit hat Schumacher zusammengestellt, was die Forschung bislang über die Antifa gesammelt hat:

Hier im Schnelldurchlauf:

  • Die Antifa hat mit rechten Gegnern einen eindeutigen ideologischen Bezugspunkt, d.h. ohne Rechte keine Antifa.
  • Es gibt bundesweit zwischen 150 und 200 Gruppen der Antifa.
  • Die Antifanten sind in ihrer Mehrheit zwischen 25 und 30 Jahre alt, was die Rede von der Jugendkultur etwas müde ausschauen lässt, es sei denn, man ist der Ansicht, dass der Reifungsprozess bei Mitgliedern der Antifa langsamer verläuft und entsprechend länger benötigt, die Jugendphase entsprechend bis ins vorgeschrittene Alter von 30 Jahren reicht.
  • Die Antifa wird dem undogmatischen Linksextremismus zugeordnet, bezieht sich auf kommunistische Faschismusanalysen, was den Kurzschluss zwischen Faschismus und Kapitalismus, die für Antifanten beide Feinde sind, erklärt. Geistig ist die Antifa somit in der Weimarer Republik stehen geblieben.
  • Ziel der Antifa ist eine “grundsätzliche gesellschaftliche Umwälzung” in den beschriebenen Kommunismus, was mit einer Ablehnung des Leistungsprinzips einhergeht.
  • Besonders wichtig für die Antifa ist die Selbstinszenierung als gewaltbereite, gewalttätige, militante Gruppe. Diese Selbstinszenierung ist der Kern, der die Antifanten zusammenhält. Die eigene Gewaltbereitschaft und Ausübung von Gewalt soll die Antifa von der Mehrheitsgesellschaft absetzen. Die Antifa schmückt sich einerseits mit Militanz, andererseits wird der Antifa Militanz zugeschrieben, was nur deshalb möglich ist, weil Mitglieder der Antifa gewalttätig sind, oder wer wäre je auf die Idee gekommen, Mahatma Gandhi Militanz und Gewaltbereitschaft zuzuschreiben.
  • Insgesamt erinnert die Darstellung der Daten, die über die Mitglieder der Antifa vorhanden sind, an die Monographien “Street Corner Society” von William F. Whyte und “The Gang”, von Frederic Trasher, in denen die Autoren Jugendbanden darstellen und vor allem die wichtige Rolle, die Gewalt für den Zusammenhalt von Jugendbanden spielt, beschreiben. Die Antifa wäre entsprechend eine gealterte Jugendbande.

All das, was wir bislang zusammengetragen haben, berichtet Nils Schumacher mit Bezug auf die Forschung Dritter. Und dann interpretiert er selbst. Das hätte er lieber lassen sollen, denn es wird lächerlich:

Antifa Gewalt“Das Bild einer gewalttätigen Antifa muss deshalb aufgrund seiner Eindimensionalität infrage gestellt werden. Zum Ersten entsteht die militante Selbstdarstellung nicht allein im Rahmen des politischen Konflikts, sondern auch im Rahmen der Jugendkultur, sie hat hier aber eine gänzlich andere Funktion. Zum Zweiten werden Gewalt und Gewaltinszenierung innerhalb der Antifa ausführlich diskutiert. Diese Debatte trägt oft selbstkritische Züge, dient jedoch auch der Legitimation des eigenen Vorgehens (Schuhmacher 2014). Zum Dritten ist der größere Teil der Aktivitäten gar nicht gewalttätig, sondern beschränkt sich auf die Organisation von Solidarität, auf Demonstrationen, aufklärerische Aktionen oder Diskussionen (BRAVO/Weber 2015), profitiert aber gleichzeitig von dem produzierten Image.”

Hier zeigt sich, dass Schumacher wohl lieber gegen Rechtsextreme schreibt als gegen die Antifa. Man stelle sich vor, er hätte dasselbe über eine beliebige rechte Gruppe geschrieben, deren Mitglieder dafür bekannt sind, bei Demonstrationen gegen Linke fremdes Eigentum zu zerstören und sich mit der Polizei oder Gegendemonstranten zu prügeln. Was würde wohl passieren, wenn Schumacher versuchen würde, die tatsächliche Gewalt, die von dieser rechten Gruppe ausgeht, damit zu rechtfertigen und zu verniedlichen, dass er auf Diskussionen innerhalb der rechten Gruppe hingewiesen hätte und darauf, dass die meisten Mitglieder sowieso nur Mitglied sind, weil sie in Gesellschaft Bier trinken und Rechtsrock hören wollen.

Nicht auszudenken…

… und ein gutes Beispiel dafür, wie Intellektuelle dieselbe Gewalt unterschiedlich bewerten, je nachdem, wer sie verübt hat. Wenn also das nächste Mal die Scheibe ihres Ladens in der Leipziger Innenstadt zu Bruch geht und es wieder einmal linke Gewalttäter waren: Trösten Sie sich damit, dass die Gewalttäter im Vorfeld oder im Nachhinein darüber diskutiert haben, ob es sinnvoll ist, Fensterscheiben von Läden einzuschlagen. Das macht es doch besser – oder?

Der Horror sozialer Gleichheit

Soziale Gleichheit durch z.B. Umverteilung ist das Kredo so genannter Wohlfahrtsstaaten, also von Staaten, deren politische Eliten sich der Herstellung sozial gleicher Lebensverhältnisse widmen, was sie in der Regel zunächst dadurch tun, dass sie sich üppige Diäten zusprechen, die geeignet sind, die soziale Ungleichheit zwischen denen, die Parlamente bevölkern, und denen, die die Annehmlichkeiten liefern, die das Leben als Parlamentarier erstrebenswert machen, festzuschreiben und zu vertiefen.

Nun haftet der Herstellung von sozialer Gleichheit eine Konsequenz an, die das Streben nach sozialer Gleichheit mit mindestens einem bitteren Beigeschmack versorgt, führt Umverteilung doch zwangsläufig dazu, dass sich die Gesellschaft als Ganzes schlechter stellt, einerseits, weil diejenigen, denen genommen wird, demotiviert werden, andererseits weil diejenigen, denen gegeben wird, demotiviert werden.

Peoples_Dice_of_EqualityStellen wir uns der Einfachheit halber eine Gesellschaft mit 20 Individuen und einem Führer vor. Die Gesellschaft lebt davon, dass die zum Überleben notwendigen Ressourcen gemeinschaftlich, also von den 20 Individuen und unter Supervision durch den Führer erwirtschaftet werden. Wenn sich die 20 Individuen nach einem Arbeitstag abends bei ihrem Führer einfinden und den Erfolg ihrer Arbeit vorzeigen, stellt sich so lange die Beobachtungsreihe des Führers zurückreicht eine Zweiteilung ein: 10 Individuen bringen 75% der Ressourcen bei, 10 Individuen die restlichen 25% der Ressourcen. Diese Verteilung ist auch gegeben, nachdem der Führer sich seinen Anteil von 10% der jeweiligen Arbeitsergebnisse genommen hat.

Entsprechend sieht der Führer nach einiger Zeit, dass 10 seiner Individuen mit deutlich mehr Ressourcen ausgestattet sind als die restlichen 10 Individuen, so viel besser, dass sie selbst seine Ressourcenvorherrschaft gefährdet. Deshalb entschließt er sich dazu, umzuverteilen und soziale Gleichheit herzustellen. Per Dekret verordnet er den 10 Individuen, die immer 75% der Ressourcen beigebracht haben, 33% ihrer Ressourcen (25% der Gesamtressourcen) an die 10 Individuen, die 25% der Ressourcen erwirtschaftet haben, abzugeben, um auf diese Weise eine Gleichverteilung herzustellen. Er nennt das Umverteilung zur sozialen Gleichheit.

Soweit, so gut.

In der Folge seiner Aktion macht der Führer die folgende Beobachtung: Die leistungsstarken Individuen seiner kleinen Gesellschaft bringen plötzlich viel weniger Ressourcen bei als sie es noch vor der Herstellung sozialer Gleichheit getan haben und diejenigen, die vor der Herstellung sozialer Gleichheit 25% der Ressourcen beigetragen haben, haben ihre Anstrengungen noch weiter reduziert. Als Ergebnis ist die kleine Gesellschaft deutlich schlechter gestellt. Das Einkommen des Führers ist reduziert und der kommende Winter droht, mit einer Hungersnot einher zu gehen.

In wissenschaftlicher Sprache hat unser Führer die Probleme, die sich mit Verteilungsgerechtigkeit in seiner kleinen Gesellschaft verbinden, heraufbeschworen. Verteilungsgerechtigkeit, equity im Englischen, ist ein Prinzip, das der Conditio Humana eigen ist, man kann es auch als Fairness bezeichnen. Wer viel leistet, erwartet, von seiner Leistung mehr zu profitieren als derjenige, der wenig leistet. Die Leistungsbereitschaft dessen, der viel leistet, hängt von der extrinsischen Belohnung ab, die mit seiner Leistung verbunden ist, also seiner Entlohnung oder seinem Gewinn, und mit seiner intrinsischen Belohnung, die sich z.B. aus seiner Selbstbeschreibung als leistungsfähiger als andere, ergibt.

Wird dem so motivierten Leistungsfähigen sowohl die extrinsische als auch die intrinsische Belohnung dadurch genommen, dass man ihm einerseits die höhere Auszahlung und andererseits das Symbol seiner höheren Leistungsfähigkeit nimmt, ihn mit Leistungsschwachen gleichstellt, dann wird ihm die Motivation komplett genommen. Er wird seine Leistung reduzieren, und zwar auf das Niveau, das dem eines Leistungsschwachen entspricht.

Progressive Besteuerung funktioniert auf diese demotivierende Art.

Auch der Leistungsschwache wird demotiviert. Einerseits wird ihm durch die Herstellung sozialer Gleichheit die Motivation genommen, sich anzustrengen, um ins Lager der Leistungsstarken zu wechseln, andererseits wird das vorhandene sowieso schon geringe Leistungsniveau durch die Belohnung durch Umverteilung weiter reduziert, denn nach der Umverteilung muss der Leistungsschwache noch weniger tun, um auf den Stand seiner Einkünfte zu gelangen, den er vor der Umverteilung aus eigener Kraft erreicht hat.

Und so stellt soziale Gleichheit alle schlechter.

Die Frage, warum soziale Gleichheit dennoch der Gott ist, den Sozialisten und Gutmenschen derzeit fast aller institutionalisierten Konfessionen anbeten, kann man nur mit Verweis auf den Macht stabilisierenden Effekt, den Umverteilung auf die gesellschaftliche Sozialstruktur hat, erklären: Die, die sich als Führer sehen, schaffen sich Konkurrenz, die ihnen aus erfolgreichen Individuen, die Leistung erbringen, entstehen kann, vom Hals.

Die im Text beschriebenen Zusammenhänge zwischen Motivation, Anreizen und Verteilungsgerechtigkeit sind von Legionen von Wissenschaftlern wieder und wieder mit denselben Ergebnissen erforscht worden.

Genannt seien nur die folgenden:

Adams, J. Stacy (1965). Inequity in Social Exchange. In: Berkowitz, Leonard (ed.). Advances in Experimental Social Psychology – Volume 2. New York: Academic Press.

Blinder, Alan S. (1990). Paying for Productivity. A Look at the Evidence. Washington D.C.: The Brookings Institution.

Deci, Edward L. (1975). Intrinsic Motivation. New York: Plenum.

Deci, Edward L., Koestner, R. & Ryan, Robert M. (1999). A Meta-Analytic Review of Experiments Examining the Effects of Extrinsic Rewards on Intrinsic Motivation. Psychological Bulletin 125 (3): 627-668.

Deci, Edward L. & Ryan, Richard M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. New York: Plenum.

Frey, Bruno S. (1997). On the Relationship Between Intrinsic and Extrinsic Work Motivation. International Journal of Industrial Organization 15(4): 427-439.

Gnezzy, Uri & Rustichini, Aldo (2000). Pay Enough or Don’t Pay At All. Quarterly Journal of Economics CVX (3): 791-810.

Hackman, J. Richard (1969). The Motivated Working Adult. New York: American Management Association.

Lawler, Edward E. (1981). Pay and Organization Development. Reading: Addison-Wesley.

Lazear, Edward P. (2000). Performance Pay and Productivity. American Economic Review 90(6): 1346-1361.

Sehr guter Überblick: Miner, John B. (2005). Organizational Behavior 1: Essential Theories of Motivation and Leadership. New York: M.E. Sharpe.

Prendergast, Candice (1999). The Provision of Incentives in Firms. Journal of Economic Literature 37(1): 7-63.

Rotter, Julian B. (1966). Generalized Expectancies for Internal Versus External Control of Reinforcement. Psychological Monographs 80 (1): komplette Ausgabe.

Ryan, Robert, Sheldon, Kennon M., Kasser, Tim. & Deci, Edward, L. (1996). All Goals Are Not Created Equal: An Organismic Perpective on the Nature of Goals and Their Regulation. Pp. 7-26 in: Gollwitzer, P. Mark & Bargh, John A. (eds.): The Psychology of Action: Linking Cognition and Motivation to Behavior. New York Guildford Press.

Untersuchung zeigt, was Wächter der politischen Korrektheit treibt

Wir haben wieder einmal ein kleines Juwel der Sozialforschung gefunden.

Zachary K. Rothschild, Mark J. Landau, Lucas A. Keefer und Daniel Sullivan sind dafür verantwortlich.

Und: “Another’s punishment cleanses the self: Evidence for a moral cleansing function of punishing transgressors” ist der Titel des Beitrags, der in der Zeitschrift Motivation and Emotion zur Veröffentlichung ansteht.

Die Untersuchung

Motivation Emotion SpringerIn drei Experimenten haben die Autoren die Idee getestet, dass eigene A-Moralität, das Wissen um eigene Verstöße gegen moralische Grundregeln (also z.B. das Begehen einer Straftat), dann als weniger schlimm empfunden wird, wenn es Andere gibt, die wegen moralischer Verfehlungen bestraft worden sind.

Das klingt zunächst etwas kryptisch.

Daher in Abfolge:

Alle drei Experimente begannen damit, dass ein Teil der Probanden eine kurze Begebenheit zu Papier bringen sollten, bei der sie in einer moralisch nicht vertretbaren Weise gehandelt haben.

Dann wurde den Probanden jeweils eine Geschichte zu lesen gegeben, und zwar in Experiment 1 von einem Studenten, dem vorgeworfen wurde aus einer Spendenbox an der Universität Geld gestohlen zu haben. Die Geschichte hatte drei verschiedene Ausgänge: (1) der Vorwurf gegen den Studenten hat sich als falsch erwiesen; (2) der Vorwurf hat sich als richtig erwiesen, aber der Student konnte nicht bestraft werden, weil er kein Student der Universität mehr war, (3) der Student wurde bestraft und von der Universität verwiesen.

Sodann sollten die Probanden auf einer 6-Punkte-Skala (“1″ stimme überhaupt nicht zu bis “6” stimme voll und ganz zu) jeweils einschätzen, ob sie sich “außerordentlich rein”, “sehr sauber”, “dreckig” oder “verschmutzt” fühlten.

Ergebnis: Die Probanden, denen aufgegeben war, eine Episode zu erinnern und zu Papier zu bringen, in der sich sich in einer moralisch nicht vertretbaren Weise verhalten hatten, fühlten sich phyisch schmutziger als die Probanden, denen diese Aufgabe nicht gestellt worden war. Das Gefühl, psychisch verschmutzt zu sein, reduzierte sich erheblich, wenn die Probadenen mit der Version der Geschichte des Studenten konfrontiert wurden, in der der Student bestraft wurde.

Kurz: Das Wissen um die Bestrafung eines Dritten reduziert Gefühle der Verschmutzung aufgrund eigenen nicht moralischen Handelns.

Zwei weitere Experimente haben die Autoren durchgeführt, bei denen Sie Bedingungen und Einschätzungen variiert haben.

Die Ergebnisse bestätigen Experiment 1. So hatten Probanden, die ein eigenes nicht moralisches Verhalten berichtet hatten, größere Schuldgefühle als die Vergleichsgruppe, sie schätzten andere Personen, die sich nicht moralisch verhalten haben, als körperlich dreckiger ein als die Vergleichsgruppe, sie waren bereitwilliger als die Vergleichsgruppe ihr nicht moralisches Verhalten zu revidieren, eine Bereitschaft, die erloschen ist, wenn sie erfahren haben, dass ein Dritter für sein nicht moralisches Verhalten bestraft wurde.

Schließlich haben Probanden, die ein eigenes nicht moralisches Verhalten berichtet haben, einen Autofahrer, der eine Unfallflucht begangen hat und sich ebenfalls nicht moralisch verhalten hat, als boshafter eingeschätzt als die Vergleichsgruppe, wobei die Probanden gleichzeitig mehr eigene Schuld empfunden haben als die Vergleichsgruppe, allerdings nur so lange, bis sie erfahren haben, dass der Unfallflüchtige bestraft wurde.

So what?

Alle drei Experimente zeigen die symbolische Bedeutung öffentlicher Bestrafung von Personen, die sich moralisch nicht korrekt verhalten haben: Öffentliche, mediale Hinrichtungen wirken als moralische Reinigung für alle Betrachter, die sich ihrerseits moralisch nicht korrekt verhalten haben, die Straftaten begangen haben usw.

Mediale Hinrichtungen von Personen, die sich nicht moralisch verhalten haben, die also den Kanon der Regeln, die als für die Gesellschaft wichtig angesehen werden (sollen), nicht eingehalten haben, von Personen wie Uli Hoeneß oder Christop Daum, für die, die sich noch an ihn erinnern, dienen also nicht nur der Generalprävention, wie Kriminologen annehmen, also der Kenntlichmachung dessen, was passiert, wenn man z.B. Steuern hinterzieht, sie dienen auch der moralischen Reinigung, und dazu dienen sie all denen, die ihrerseits Leichen im Keller haben.

Entsprechend haben mediale Hinrichtungen oder Schauprozesse nicht nur eine positive generalpräventive, sondern auch eine negative Wirkung, führen sie doch dazu, dass all diejenigen, die sich ihrerseits schuldig fühlen, z.B. weil sie Steuern hinterzogen haben, z.B. weil sie Brandsätze geworfen haben, z.B. weil sie fremdes Eigentum zerstört haben, durch die öffentliche Zelebrierung der Bestrafung eines Dritten, von aller eigenen moralischen Verfehlung gereinigt.

Insofern öffentliche Hinrichtungen oder öffentiche Pranger eine reinigende Funktion für die Betrachter haben, quasi eine Form der Beichtstuhl-Absolution, lässt sich mediales Aufmerksam-Machen auf vermeintliche Verfehlungen Dritter natürlich dazu instrumentalisieren, die Leichen im eigenen moralischen Keller etwas tiefer zu verbuddeln.

Und das erklärt, warum Wächter der politischen Korrektheit aus dem Boden schießen, deren einziges Anliegen darin besteht, moralische Überlegenheit zu zelebrieren und die Abweichung von dem, was sie als politisch korrekt wahrnehmen, anzuprangern.

AfD-Watch, deren Ziel darin besteht, Dritte zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, Münkler-Watch, dessen Ziel darin besteht, einen konkreten Professor zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, der Jammerzirkus, der klagend ob des wachsenden Anti-Feminismus durch die Lande zieht und dessen Ziel darin besteht, alle, die Kritik am Genderismus üben, zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, die Antifas, die wechselweise gegen das furchtbare Kapital, die schreckliche Globalisierung, die verderbliche Kernkraft, die zersetzende Gentechnik zu Felde ziehen und regelmäßig versuchen, die Bösen in ihrer Bösartigkeit öffentlich zu kreuzigen, sie alle werden getrieben von dem Motiv, sich selbst zu reinigen, ihre eigenen moralischen Unzulänglichkeiten quasi auf Dritte zu projizieren.

Die öffentlichen Hinrichtungen, die wir in letzter Zeit beobachten können, sind somit nichts anderes als der Ersatz für den Beichtstuhl in der nicht-säkularen deutschen Gesellschaft: Sie verteilen Absolution an diejenigen, die sich selbst für moralisch unzulänglich und nicht gesellschaftsfähig halten.

Rothschild, Zachary K., Landau, Mark J., Keefer, Lucas A. & Sullivan, Daniel (2015). Another’s Punishment Cleanses the Self: Evidence for a Moral Cleansing Function of Punishing Transgressors. Motivation and Emotion (Online First).