Online-Stasi gegründet!?

Am 18. Januar hat sich die “Europäische Initiative für Zivilcourage Online” gegründet. Mit von der Partie sind Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Peter Neumann vom International Centre for the Study of Radicalization and Political Violence, Sasha Havlicek vom Institute for Strategic Dialoque und Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Das Ziel der “Europäischen Initiative für Zivilcourage Online” wird wie folgt beschrieben:

“Die Initiative für Zivilcourage Online wird europäische NGOs, die sich im Kampf gegen Online-Extremismus in Europa engagieren, mit mehr als einer Million Euro sowohl finanziell als auch in Bezug auf Marketing-Aktivitäten unterstützen. Die Initiative wird außerdem Experten aus dem Bereich der Bekämpfung von gewaltbereitem Extremismus zusammenbringen, um gemeinsam Best Practice Beispiele zu erarbeiten, die anschließend NGOs, Regierungen und anderen Onlinediensten zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus werden Instrumente entwickelt, mittels derer sich Menschen im Bereich Counterspeech engagieren können.”

Wo die eine Millionen Euro Startfinanzierung herkommen, ist eine Frage der Transparenz, und deshalb wird sie von der neuen Initiative nicht beantwortet. Überhaupt macht der Internet-Auftritt der Initiative eher den Eindruck einer Coverstory – doch dazu später. Weisen wir an dieser Stelle zunächst darauf hin, dass der Zweck der Initiative darin besteht, Geld, eine Million Euro zu verteilen, für “Marketing-Aktivitäten” und “finanzielle Unterstützung”, wobei die Marketing-Aktivitäten im Bereich von NGOs, die sich “dem Kampf gegen Online-Extremismus” verschrieben haben, ausschließlich darin bestehen können, sich weitere finanzielle Mittel zum “Kampf gegen Online-Extremismus” zu verschaffen. Einen anderen Zweck für “Marketing-Aktivitäten” gibt es nicht.

Online Civil Courage.jpgDie Formulierung “wird … Experten zusammenbringen, um gemeinsam Best Practice Beispiele zu erarbeiten, die anschießend NGOs, Regierungen und anderen Onlinediensten zur Verfügung gestellt werden [seit wann ist eine Regierung ein Onlinedienst?]” beschreibt, wenn man sie ins Deutsche überträgt: Lobbyismus. Die Million Euro wird dazu eingesetzt, Experten im Einwerben von Steuermitteln zu versammeln, um Best Practices des Einwerbens von Steuermitteln zu erarbeiten.

Es ist wirklich erschreckend, wie offen man heutzutage gesagt bekommt, dass eine Inititive u.a. zu dem Zweck gegründet wurde, Steuergelder abzusahnen und anderen, die man im selben ideologischen Boot und auf der selben Nutznießer-Schiene verortet, zu sagen, wie sie auch Steuergelder absahnen können. Nepotismus ist ein Begriff, der angesichts dieses organisierten Zugriffs auf Steuermittel wirkt wie die Beschreibung eines Genozids als Aktion mit geringem menschlichem Kollateralschaden.

Der Zugriff auf Steuergelder und die Vermittlung von Wissen, wie man auf Steuergelder zugreift, ist jedoch nur ein Zweck, dem die neue Initiative dient. Die Mitglieder der Initiative, die sich das Ziel gesetzt hat “Extremismus und Hassrede im Internet” zu bekämpfen, die “gewaltbereiten Extremismus” bekämpfen will, die “Tools und Strategien” entwickeln will, “die Counterspeech zu einem erfolgreichen Instrument gegen Hass werden lassen” will, scheinen sich eher die Funktion einer Online-Stasi zugedacht zu haben.

Wie wir darauf kommen?

Nehmen wir zunächst Anetta Kahane, ehemalige Mitarbeiterin der Staatssicherheit, die als IM Victoria persönliche Informationen aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis an ihren Führungsoffizier weitererzählt hat. Zweifellos hat Anetta Kahane erhebliche Erfahrung in Meinungsüberwachung, im Verrat persönlicher Aussagen und darin, wie man Personen, die nicht die Meinung des Regimes teilen, wirkungsvoll aus dem öffentlichen Diskurs entfernt.

Ginge es nicht darum, eine Online-Stasi aufzubauen, man hätte sicher eine integere Person gefunden, die sich an der Initiative beteiligt.

Dann will die Initiative Hass und Hassrede im Netz bekämpfen.

Wie oft am Tag begegnen sie Hass? Was ist Hass? Wie erkennt man Hass in Sprache. Ist die Aussage “Anetta Kahane ist ein ehemaliger Stasi-Informant” Hass? Ist die Aussage, “Deutschland nimmt zu viele Flüchtlinge auf” Hass? Ist die Aussage “Heiko Mass ist sein Anzug als Justizminister nicht maßgeschneidert” Hass? Ist die Aussage, man sollte Lutz Bachmann in eine geschlossene Anstalt oder ein Arbeitslager stecken, Hass?

hate_speech1Offensichtlich ist Hass in Schriftsprache schwierig zu bestimmen. Er ist ein eher flüchtiges Gefühl, das man mit einer entsprechend klaren Definition von Hass festnageln muss, damit jedem klar ist, was sprachlicher Hass ist und was nicht, woran man sprachlichen Hass erkennt. Keine leichte Aufgabe, aber genau die Aufgabe, an der man Gutmenschen sich die Zähne ausbeißen sehen will. Hat die neue Initiative eine Definition von Hass, wo doch Hass zu bekämpfen, das zentrale Ziel der Initiative ist?

Nein, das hat sie nicht.
Die Mitglieder einer Initiative, deren Ziel nicht darin besteht, Online-Stasi zu spielen, hätten sich sicher ernsthafte Gedanken darüber gemacht, was genau sie bekämpfen wollen, schon um nicht in den Verdacht zu geraten, sich als Meinungsspitzel für eine Online-Stasi verdingen zu wollen, deren Ziel darin besteht, Aussagen, die ideologisch nicht passen, zu beseitigen.

Dieselben Probleme ergeben sich im Hinblick auf Extremismus, politischen Extremismus, wie man anfügen muss, denn Extremismus im täglichen Leben, der z.B. darin besteht, Extremsportarten zu betreiben, wird kaum gemeint sein.

Politischer Extremismus ist in der wissenschaftlichen Literatur definiert. Er beschreibt die fundamentale Ablehnung von Demokratie und demokratischen Werten wie Meinungs-, Versammlungsfreiheit, von Eigentumsrechten und der Unverletzlichkeit der Wohnung.

Es wäre also ein Leichtes für die Initiative, diese Definition zur Arbeitsgrundlage zu machen, wenn es ihr tatsächlich darum ging, z.B. Meinungsfreiheit und nicht eine ganz bestimmte Form von Meinungsfreiheit, die manche Meinungen nicht umfasst, durchzusetzen. Es findet sich jedoch keinerlei Versuch, den Begriff des Extremismus zu bestimmen und die eigene Initiative nicht dem Verdacht, man wolle Willkür am politischen Gegner üben, auszusetzen.

Eine Initiative, deren Ziel nicht darin besteht, Online-Stasi zu spielen, hätte sich sicher ernsthaft damit befasst, Extremismus in Definition und Beispiel zu fassen.

Schließlich geht es darum, Experten “aus dem Bereich der Bekämpfung des gewaltbereiten Extremismus” zusammenzubringen und Best Practices zu entwickeln.

Expert in whatever“Best Practices” ist ein Begriff, der immer dann gewählt wird, wenn man keine Ahnung hat, was man inhaltlich und konzeptionell tun will, aber den Eindruck erwecken will, man wüsste das ganz genau. Best Practice kann alles und nichts sein, und im Zusammenhang mit der Initiative für Zivilcourage Online ist es eher nichts.

Wie viele gewaltbereite Extremisten treffen Sie täglich?
Woran erkennen Sie einen gewaltbereiten Extremisten?
Kann man sagen, dass ein gewaltbereiter Extremist, der niemals Gewalt ausübt, keine Gefahr darstellt, aber dennoch gewaltbereit ist?
Wenn ein Extremist Gewalt ausübt, ist er dann ein gewalttätiger oder ein gewaltbereiter Extremist?

Der Begriff “gewaltbereiter Extremist” ist vollkommener Unsinn. Sprachmüll, wie man sagen könnte, denn entweder ein Extremist ist gefährlich, dann hat er sich gewalttätig verhalten, oder er ist es nicht. Gewaltbereit ist jeder von uns, wie sich spätestens dann zeigt, wenn er in eine Situation kommt, in der er sein Leben verteidigen muss. Wer unsinnige Konzepte wie Gewaltbereitschaft einführt, die auf zukünftiges Verhalten verweisen und nicht falsifizierbar sind, der verfolgt andere Interessen als “gewaltbereite Extremisten” zu bekämpfen. Nicht falsifizierbar ist das Konzept, weil ein gewaltbereiter Extremist, der Gewalt ausübt, zwangsläufig gewaltbereit war, ein gewaltbereiter Extremist, der keine Gewalt ausübt, aber dennoch weiterhin als gewaltbereit angesehen werden muss.

Kurz: eine Gewalthandlung macht keinerlei Unterschied an der Einschätzung einer Person als gewaltbereit.

Eine solche Idiotie kann man kaum als wissenschaftliches Konzept verkaufen. Entsprechend kann derjenige, der von gewaltbereiten Extremisten redet, kein Experte sein, jedenfalls keiner im Hinblick auf wissenschaftliche Expertise, vielleicht im Hinblick darauf, wie man Steuergelder für den Kampf gegen die Meinungsfreiheit einheimsen kann, was uns zu einem Teilzweck der Initiative zurückbringt.

Kurz: Die “Europäische Initiative für Zivilcourage Online” basiert auf unbekannter Finanzierung, zielt darauf ab, eine Finanzierung der eigenen und der Aktivitäten anderer NGOs aus Steuermitteln mittels “Marketing-Aktivitäten” zu fördern, basiert auf einer rein ideologischen Bestimmung von Hass, Hassrede und Extremismus und muss entsprechend als nichts anderes als der Versuch angesehen werden, eine Online-Stasi zu etablieren, die jederzeit genutzt werden kann, um missliebige Meinungen aus dem Netz zu entfernen, die Bevölkerung zu überwachen, Buch über Personen zu führen, die missliebige Meinungen vertreten und den Weg zu bereiten für das Einheitsmeinungsparadies, in dem niemand eine Meinung äußert, die auch nur in den Ruch kommen könnte, nicht politisch-korrekt zu sein.

Einmal mehr müssen wir unsere Leser in der DDR 2.0 willkommen heißen und feststellen, dass die Beteiligung von Anetta Kahane an dieser Initiative sicher kein Zufall ist.

Das war übrigens ein Beispiel für Counterspeech. ScienceFiles ist die tägliche Best Practice für Counterspeech. Seltsamerweise hat sich noch niemand bei uns gemeldet, um uns finanziell zu unterstützen und unsere “Marketing-Aktivitäten” zu fördern.

Wir bedanken uns bei einem alten Pfälzer – Mann mit Blog -, für den Hinweis auf diese Initiative.
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Politisch-korrekter Karneval

Wir haben schon des Öfteren über das sozialpsychologische Konzept der Salience berichtet, jenes Konzept, das beschreibt, wie Aufmerksamkeit für bestimmte Dinge Relationen und Bewertungen beeinflusst. Das Standardbeispiel, das wir dazu gerne benutzen, ist die Urlaubsreise nach Neapel, bei der sich kaum jemand der Gefahr bewusst ist, die vom Vesuv ausgeht, dessen Ausbruch eigentlich überfällig ist. Wäre Urlaubern bekannt, dass sie, während sie Pompeji besichtigen, eine gute Chance haben, den Ausbruch von 79 nach Christus in Echtzeit und Live nachzustellen, was wäre wohl das Ergebnis?

Was würde es wohl für den Tourismus bedeuten, wenn die Bundesregierung, die Medien, die Parteien, ihre Vertreter auf Facebook und alle ganz besonders besorgten Gutmenschen vor einem Besuch Neapels und seiner Umgebung wegen der imminenten Gefahr eines Ausbruchs des Vesuvs warnen würden?

Das Ende des deutschen Tourismus nach Neapel.

Jetzt wird es schwierig. Transferaufgabe!

Bei einem winzigen Faschingsumzug in einem Ort, den kaum jemand kennt, fährt eine Panzerattrappe mit, die die Aufschrift “Ilmtaler Asylabwehr”, “Asylpaket III”, eine 142 und ein schwarzes Balkenkreuz der Wehrmacht ziert.

Florian Simbeck, Schauspieler, Kreistagsabgeordneter der SPD und Besucher des Faschingsumzugs in Steinkirchen (Oberbayern), er hat die Panzerattrappe flux photographiert, sich textlich dazu echauffiert und das Ganze auf seine Facebookseite gestellt, damit mehr als die 500 Zuschauer in Steinkirchen von der Panzerattrappe erfahren, sich mehr als die 500 Anwesenden über die Panzerattrappe echauffieren können.

Ilmtal KarnevalDie Republik wacht, und Schauspieler wie Simbeck schaffen Salience, sorgen dafür, dass ein Miniaturvorfall zu einer nationalen Katastrophe aufgeblasen und aus allen Proportionen gesprengt werden kann, damit man sich wieder über etwas ereifern kann, was sowieso jeder wusste: Es gibt Menschen in Deutschland, die stehen Asylbewerbern, Flüchtlingen oder Ausländern als solchen nicht generell positiv gegenüber.

In einer normalen Gesellschaft weiß man das. In einer normalen Gesellschaft respektiert man das und drückt zuweilen auch einmal ein Auge zu, wenn die Form, in der die Gegenmeinung dargebracht wird, Geschmacksgrenzen verletzt. Nicht so in Deutschland.

Deutschland ist keine normale Gesellschaft. Deutschland ist eine Gesellschaft, in der man sich echauffieren muss. Ich echauffiere mich, also bin ich. Wer sich nicht richtig echauffiert, nicht andere als Personen darstellen kann, deren Wertigkeit die eigene, fleckenlose und untadelige Gestalt nicht entfernt erreichen kann, weil diese anderen z.B. Einstellungen äußern, von denen man sich durch den Verweis auf Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Rechtsextremismus reinigen (Michael Klein schlägt vor: purifizieren) kann, dessen gute Existenz steht in Frage.

Und so echauffieren sich die guten Existenzen über jeden Firlefanz, sorgen dafür, dass noch der letzte Blödsinn eine nationale Aufmerksamkeit und einen nationalen Aufschrei all derer nach sich zieht, die nur darauf gewartet haben, aufschreien zu können, damit sie “siehst Du, wie schlimm es in Deutschland mit den Rassisten ist” oder Ähnliches absondern und sich gut, geadelt, purifiziert, vor allem aber auf der Seite der Guten und im Recht fühlen können, denn sie sind etwas Besseres, sie sind nicht etwa so fixiert auf etwas, was man als rassistisch vorführen kann, dass sie stundenlang suchen, um noch die letzte Kleinstbegebenheit ausweiden zu können.

Und ständig sorgen sie für Salience, verbreiten sie die Meldung, dass Deutschland voller Rassisten ist, dass sie überall lauern und man ständig auf der Hut sein muss, am besten, indem man vorbeugt, sich bewaffnet, vielleicht präventiv auf Personen schießt, die einem nicht ganz koscher vorkommen.

So sehr sind diese armen Existenzen vom Auffinden rassistischer, fremdenfeindlicher oder sonstiger benutzbarer Inhalte abhängig, dass zuweilen ihre Phantasie mit ihnen durchgeht, wie dies bei heute.de der Fall ist:

“Und auch im sächsischen Osterzgebirge waren in der Gemeinde Altenberg bei einem Umzug am Sonntag rassistische Schriftzüge zu sehen. Unter anderem wurde ein Tipi-Zelt zur Schau gestellt, das die Aufschrift trug: “Die Indianer konnten nichts gegen die Einwanderung tun. Heute leben sie in Reservaten.” Auf einem weiteren Wagen war “Lieber Rothaut statt Braunhaut” zu lesen. Ein Mann in Lumpen trug zudem ein Schild, auf dem “Bettelarm im eigenen Land, ach wäre ich doch nur e’ Migrant” geschrieben war.”

Zuweilen verhindert es die eigene Fixierung darauf, alles nur schlecht zu reden und hinter allem Rassismus sehen zu wollen, Mehrdeutigkeiten, die den Karneval auszeichnen, zu erkennen. Tatsächlich haben die Indianer dem gewaltsamen Ansturm der Europäer, die bei ihnen eingefallen sind, nicht Stand gehalten. Und manche von ihnen
leben heute in Reservaten. Das hat mit Rassismus nichts zu tun, denn es ist eine Beschreibung der Tatsachen.

geronimo“Lieber Rothaut als Braunhaut”, steht, wie heute.de selbst schreibt, auf einem weiteren, also einem anderen Wagen. Dass ein Zusammenhang besteht, steht für den manischen Rassismus-Sucher in der Redaktion außer Frage, deshalb verkennt er die ebenfalls mögliche Interpretation, nach der man lieber ein Kommunist als ein Nazi sein soll. Und der Bettelarme im eigenen Land, der sich wünscht, ein Migrant zu sein, er mag davon träumen, in die Türkei auszuwandern, um dort Klima, Land und Leute zu genießen.

Fixierte Rassismus-Fetischisten, wie sie derzeit in Deutschland Amok laufen, Fremdenfeindlichkeits-Fetischisten, die ihren Fetisch nach Auffinden landesweit zur Schau stellen müssen, sie vergiften die Stimmung im Land, sie sorgen dafür, dass sich bei manchen der Eindruck verstärkt, in einem Land voller Xenophober zu leben, während andere denken, in einem Land der Hobby-Blockwarte zu leben, die nichts besseres zu tun haben, als Kleinstbegebenheiten zum nationalen Notstand zu erheben. In jedem Fall treiben sie Keile in die Gesellschaft, ohne dass dazu irgendeine Notwendigkeit bestehen würde. Und auf diese Weise wird selbst am Karneval, wie Heike Diefenbach es formuliert hat, alles zur Inszenierung von Unversöhnlichkeiten missbraucht.
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Die Russen wollen die deutschen Medien diskreditieren

Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir über Verschwörungstheorien geschrieben, also jenen Begriff, der in der Regel in derogativer Weise auf eine Behauptung angewendet wird, die einem nicht in den Kram passt. Dabei sind Verschwörungstheorien ganz normale Theorien, die man prüfen kann oder könnte, wenn man es wollte. Will man aber meist nicht, weil es sowieso unsinnig wäre, wie diejenigen wissen, die es noch nie versucht haben:

“Anders als in der Wissenschaft lässt sich ein Verschwörungstheoretiker mit Argumenten und Fakten nicht vom Gegenteil überzeugen. Hat sich jemand eine Theorie zurechtgelegt, ändert sie sich im Kern erst einmal nicht mehr. Im Gegenteil: Meist wird sie mit der Zeit immer verwobener, alles wird mit allem verknüpft. Das macht den medialen Umgang mit dem Thema auch so schwierig.”

So steht es in einem Artikel über Verschwörungstheorien zu lesen, der in der Rheinischen Post erschienen ist und sich dort in weiten Teilen mit dem Kopp-Verlag und mit Udo Ulfkotte beschäftigt, die beide wiederum der Mainstreampresse kritisch gegenüberstehen. Und weil Sie der Mainstream-Presse kritisch gegenüber stehen, weil Ulfkotte gar von Lügenpresse spricht, deshalb ist er ein Vertreter von Verschwörungstheorien, was im Sinne des Verfassers des Beitrags in der Rheinischen Post bedeutet: Ulfkotte verkauft unhaltbaren und falschen Unsinn an leichtgläubige Deppen, die wiederum nur darauf gewartet haben, dass ihnen jemand ihre wirren Ideen über Weltbeherrschung und Manipulation der Öffentlichkeit bestätigt.

Denn merke: Die deutsche Presse ist nicht manipulativ, nicht gesteuert und in keiner Weise eine Lügenpresse. Wer es behauptet, der ist ein Verschwörungstheoretiker, ein Verbreiter von Verschwörungstheorien, ein gefährlicher Zeitgenosse, wie nun in einem eigens eingerichteten Forschungsnetzwerk belegt werden soll. Und es ist hoch wahrscheinlich, dass dieses Forschungsnetzwerk auch genau zu diesem Ergebnis kommt, denn:

“‘Verschwörungstheorien können zur Radikalisierung von Extremisten beitragen, Spannungen zwischen Nationen befeuern und das Vertrauen in demokratische Institutionen und Medien unterlaufen’, sagt Butter. Und gerade in Zeiten des Internets verbreiten sie sich rasend schnell.”

Wir fassen bis hierhin den offiziellen Stand zu Verschwörungstheorien zusammen, wie er in Mainstreammedien, die sich mit dem Vorwurf “Lügenpresse” zu sein, konfrontiert sehen, Verwendung findet:

Verschwörungstheorien sind abwegige Behauptungen von Manipulateuren, die darauf zielen, dogmatische und in jedem Fall leichtgläubige und fremdhörige Jünger zu verführen, die nur darauf gewartet haben, einem verschwörungskundigen Heiland zu folgen und gegen die Weltkonspiration und die Lügenmedien vorzugehen.

Und jetzt wenden wir uns der Berichterstattung in Mainstreammedien wie der Wirtschaftswoche zu, in der unlängst ein Interview mit “Mr. Tagesthemen Ulrich Wickert” abgedruckt war, das eine bemerkenswerte Passage enthält:

Wickert Luegenpresse“In Deutschland ist es soweit gekommen, dass manche Gruppen von „Lügenpresse“ sprechen. Woher kommt dieses Misstrauen?”

Wickert: “Die deutsche Presse wird gezielt diskreditiert, das kommt nicht nur aus unserer Gesellschaft, sondern auch von außen. Wir erleben aktuell, dass der russische Staat Propaganda gegen deutsche Journalisten macht, um ihr Vertrauen zu erschüttern. Ich persönlich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst den Begriff „Lügenpresse“ in Deutschland verbreitet hat.”

Geheime Mächte diskreditieren die deutsche Presse gezielt und untergraben ihre Glaubwürdigkeit systematisch von innen und von außen. Es gibt eine richtige Weltverschwörung gegen die deutsche Presse. Und wer steckt dahinter? Die Bilderberger? Nein. Der CIA? Nein. Der Geist von Osama Bin Laden? Nein. Die Russen sind es. Die Russen und ihr Muskelmann, der Putin, dieser Macho im Anzug.

Die Luft in den Redaktionen deutscher Medien muss dünn sein, wenn sie schon auf das zurückgreifen, was sie bei anderen mit spitzen Fingern und geringelter Nase goutieren: Verschwörungstheorien!

Aber ist es auch eine?

“Das klingt für mich nach einer Verschwörungstheorie. Haben Sie Belege dafür, dass der russische Geheimdienst Pegida unterstützt?”

Wickert: “Nein. Keineswegs. Ich sage nicht, dass es so ist. Aber wir müssen darüber nachdenken! Und wenn wir uns anschauen, wie sich die russischen Medien mit deutscher Berichterstattung auseinandersetzen, müssen wir sagen: Hier gibt es Versuche der russischen Propaganda, Dinge in Deutschland zu bewegen.”

Wenn jemand eine Aussage über die Realität aufstellt, die er für so wichtig und richtig hält, dass er sie nicht nur aufstellt, sondern auch weitererzählt, dann hat er damit eine Theorie über Zusammenhänge in der Realität zum Besten gegeben. Dass er keine Belege für seine Theorie anfügen kann, ändert nichts daran, dass er eine Theorie aufgestellt hat. Und so sehr sich der Herr Wickert auch winden mag, er hat eine Verschwörungstheorie aufgestellt. Er behauptet eine Verschwörung der Russen, deren Ziel darin besteht, deutsche Medien in Misskredit zu bringen – als wäre dazu eine Verschwörung notwendig.

Nicht nur das, er führt auch Indizien an, die nach seiner Ansicht für seine Verschwörungstheorie sprechen:

“Das ist mir neu, war es doch die Pegida-Bewegung, die dieses Wort [Lügenpresse] gebraucht hat?”

“Ja, aber wie kam die Idee dort auf? Fakt ist, dass der russische Staat ausländerfeindliche Bewegungen in Europa unterstützt, zum Beispiel den Front National in Frankreich. Der hat zugegeben, mehrere Millionen Euro aus Moskau erhalten zu haben. Und wenn ich jetzt KGB-Chef wäre, was würde ich in Deutschland tun? Die Presse diskreditieren, indem ich ein Wort wie „Lügenpresse“ lanciere.”

conspiracy-theoryDas ist nicht nur eine Verschwörungstheorie, das ist eine 1a-Verschwörungstheorie. Da gibt es die deutsche Presse, jene Ansammlung hingebungsvoller, rechtsschaffender und vor allem ehrlicher Menschen, deren Ziel allein darin besteht, die deutsche Medienöffentlichkeit mit der ungeschminkten Wahrheit zu beglücken und deren Mitglieder deshalb bemüht sind, stets alles, ohne Auslassungen und Wertungen zu berichten, wie es sich zugetragen hat. Und da gibt es den Russen und seinen KGB, jene Ansammlung der Bösen, wo man die glückliche heile Welt der hervorragenden Berichterstattung deutscher Medien und der ihr bedingungslos ergebenen Rezipienten nicht mitansehen kann und deshalb Unfrieden stiften will.

Was tun? Den Begriff “Lügenpress” lancieren. Überraschenderweise findet dieser Begriff bei Tausenden und Abertausenden ja bei Millionen deutscher Bürger Anklang, was aufgrund der Ergebenheit, mit der die Bürger den täglichen Wahrheitsberichten des Wahrheitsfunks lauschen, so nicht zu erwarten war und zeigt, wie gefährlich der Russe und seine fiesen Methoden der Massenbeeinflussung doch wirklich sind. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich der Begriff der Lügenpresse unter den Leichtgläubigen, leicht Beeinflussbaren, die nicht mehr sehen, was ist, die die tägliche Wahrheitsberichterstattung nun, unter russischem Einfluss, mit Lügenpresse verwechseln. Die deutsche Wahrheitspresse ist diskreditiert. Der Russe ist schuld, und Ulrich Wickert hat es entdeckt!

Wenn das keine Verschwörungstheorie ist!

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TU-Braunschweig: Frauen gleich nach Behinderten

Die politisch korrekte Nomenklatur, sie treibt eine große Anzahl von Blüten, wobei jede dieser Blüten erhebliche Zweifel an der geistigen Verfassung der Gehirne weckt, die die Saat ausgebracht haben.

Da ist zum Beispiel die TU-Braunschweig, die derzeit eine “Juniorprofessur (BesGr. W 1) für „Lehr- und Lernforschung am Schülerlabor für Chemie” zu besetzen versucht. Neben der Stellenbeschreibung und dem üblichen politisch-korrekten Marketing-Text, finden Leser, die es bis zum Ende der Ausschreibung durchhalten, die folgenden Hinweise:

TU-Braunschweig MinderbemittelteDie Technische Universität Braunschweig ist bestrebt, den Frauenanteil zu erhöhen und fordert daher Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf.

Frauen werden bei gleichwertiger Qualifikation bevorzugt berücksichtigt. Auf Wunsch kann eine Teilzeitbeschäftigung ermöglicht werden.

Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt.”

Zunächst fällt auf, dass hier ein Komparativ benutzt wird, ohne dass der Maßstab des Vergleichs benannt wird, denn: “gleicher Qualifikation” oder “gleichwertiger Qualifikation” ist ein zweistelliger Funktor, der einen Vergleichsmaßstab verlang. Bei diesem Vergleichsmaßstab handelt es sich um: Männer, um männliche Bewerber.

Jetzt ist es raus, das Wort, das in Ausschreibungen staatlich Abhängiger wie der TU-Braunschweig so peinlich vermieden werden muss: Männer.

Männer sind das non-plus ultra der Ausschreibung, an denen die anderen Bewerberklassen gemessen werden. Es gibt derer zwei, zwei Bewerberklassen, die nicht die Normalität des Qualifikationsniveaus von Männern erreichen:

(1) Frauen und
(2) Behinderte.

Gleich nach Männern in der geistigen Hierarchie der Fähigkeiten kommen an der TU-Braunschweig Behinderte. Von ihnen kann man gleiche Qualifikationen erwarten wie von Männern, wobei männliche Behinderte eine Unterklasse von Männern sind, was die Absurdität der politischen Korrektheit darin Niederschlag finden lässt, dass nunmehr die Hierarchie mit behinderten Männern beginnt, die wiederum vor Männern stehen. Sie alle sind zu gleicher Leistung fähig.

Ja. Und dann gibt es bei Bewerbungen an der TU-Braunschweig noch weibliche Bewerber. Diese Bewerber sind das Problem der Verantwortlichen, denn von ihnen kann nicht die im Vergleich zu männlichen Bewerbern gleiche Leistung wie von Behinderten erwartet werden. Bestenfalls eine gleichwertige Leistung kann von Frauen erwartet werden.

Der Unterschied zwischen “gleiche Leistung” und “gleichwertige Leistung” er ist erheblich, denn: Eine gleiche Leistung kann unabhängig festgestellt werden, objektiv, wenn man so will. Zwei Marathonläufer, die zeitgleich durchs Ziel gegangen sind, haben eine gleiche Leistung erbracht. Zwei Schüler, die alle Aufgaben des Mathematiktests richtig gelöst haben, haben ebenfalls eine gleiche Leistung erbracht.

Eine gleichwertige Leistung ist keine gleiche Leistung. Die Feststellung, dass eine Leistung gleichwertig zu einer anderen Leistung ist, bedarf, wie der Begriff “gleichwertig” schon sagt, einer Bewertung. Die Leistung von A muss von einem Dritten der Leistung von B als gleichwertig bewertet werden.

Damit öffnet sich für die einen eine Schlangengrube, denn wenn man gleichwertig als Maßstab zulässt, dann kann man Debile in den Mensa-Club aufnehmen, denn für einen vollkommen Dementen ist ein IQ von 45 vermutlich eine Leistung, die der 195 des Hochintelligenten gleichwertig sein kann, nimmt man die unterschiedlichen Ausgangspunkte zum Maßstab.

Für diejenigen, die ideologisch unterwegs sind, und ihre Ideologie ohne Rücksicht auf die damit verbundenen Kosten durchsetzen wollen, eröffnet die Bezeichnung “gleichwertig” gerade die Möglichkeit, die Aufnahme von Debilen in den Mensa-Club einzuklagen.

Übertragen bedeutet dies, dass die bevorzugte Behandlung von weiblichen Bewerbern bei “gleichwertiger Qualifikation” notwendig davon ausgehen muss, dass (1) weibliche Bewerber grundsätzlich unfähig zu gleicher Qualifikation mit männlichen Bewerbern sind und entsprechend (2) von einem tieferen geistigen Ausgangsniveau starten, so dass geringere Qualifikation gemessen am geringeren Ausgangsniveau eine gleichwertige Leistung zu  männlichen Bewerbern mit höherer Qualifikation und mehr IQ darstellen kann.

Kurz: In Braunschweig, an der TU-Braunschweig, da hält man weibliche Bewerber für grundsätzlich dümmer als Männer, weshalb man von ihnen nur gleichwertige, nicht aber gleiche oder gar bessere Qualifikation verlangen kann. Entsprechend stellt sich die politisch-korrekte Hierarchie der Sexisten an der TU-Braunschweig wie folgt dar:

In abnehmender Qualifikation:

1. Behinderte männliche Bewerber,
2. männliche Bewerber,
3. behinderte weibliche Bewerber,
4. weibliche Bewerber.

Was uns wundert ist, dass es tatsächlich weibliche Bewerber geben soll, die sich auf Stellen, wie die von der TU-Braunschweig ausgeschriebene, die ihnen eine a-priori schlechtere Qualifikationen im Vergleich zu Männern und Behinderten bescheinigt, bewerben – aber vielleicht stimmt bei den weiblichen Bewerbern, die sich auf solche Stellen bewerben ja die Annahme der TU-Braunschweig, dass diese Bewerber nicht in dem Maße intelligent sind, wie männliche Bewerber. Wie sonst sollte man erklären, dass die entsprechenden weiblichen Bewerber nicht einmal merken, dass sie beleidigt werden?

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf diese Ausschreibung.

 

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Spendenwollen ist nicht gleich Spende

In dieser Zeit, in der die Erfragung von Einstellungen und Einschätzungen zu Dingen so hoch im Kurs steht, Einstellungen zu Gewalt, zu Flüchtlingen, zu Rechtsextremismus, zum Bundesfreiwilligendienst oder zur Organspende, ist es wieder einmal notwendig darauf hinzuweisen, dass Einstellung und Verhalten zwei verschiedene Dinge sind.

Die Einstellungsforschung schlägt sich schon seit etlichen Jahrzehnten mit dem Problem herum, dass eine positive Einstellung zu Nutella nicht bedeutet, dass man Nutella auch kauft und isst, ebenso wenig, wie eine positive Einstellung zur SPD bedeutet, dass man die SPD auch wählt oder eine Befürwortung von Windkrafträdern bedeutet, dass man ein entsprechendes Monster in unmittelbarer Nähe zum eigenen Haus dulden würde.

human organ tradeDie Versuche das Problem, nach dem Einstellung und Verhalten oft nicht sonderlich viel miteinander zu tun haben, zu beheben, sind zwischenzeitlich Legion, sie reichen von den Arbeiten, die Ajzen und Fishbein veröffentlicht haben, über die entsprechenden Arbeiten von Russell Fazio bis zu den Beiträgen von Mark Zanna und dürften mittlerweile etliche Regalreihen in entsprechenden Bibliotheken füllen. Gelöst haben Sie das Problem jedoch nicht.

Nur bei der Bundesregierung scheint das Auseinanderklaffen von Einstellung und Verhalten noch nicht angekommen zu sein. Dies wird anhand einer “Unterrichtung” der Bundesregierung deutlich.

Unterrichtet wird wohl der Bundestag über die Entwicklung der Anzahl der Organspender. Sie ist gesunken, die Anzahl der Organspender, im Jahre 2014, weiter gesunken von 876 (hoffentlich) postmortalen Spendern auf 864 postmortale Spender. Die 864 Spender brachten es 2014 auf immerhin 2.989 Spendeorgane, so dass die entsprechende Wertschöpfungskette des offiziellen Organhandels zumindest nicht in Richtung Insolvenz getriftet ist.

Am häufigsten waren die Nieren (1.481 Stück) der postmortalen Spender verwertbar, am seltensten wurden Herzen gespendet (294 Stück). Als ein Grund für die “geringe Spendenbereitschaft wird der Organspendeskandal gesehen, der im Sommer 2012 bekannt wurde”, so unterrichtet die Bundesregierung. Denn: “seither ging die Zahl der Organspender deutlich zurück”.

Der entsprechende Skandal, so die Interpretation der Bundesregierung, hält die ansonsten spendewillige Bevölkerung vom Spenden ihrer Organe ab. Wird also geregelt, dass mit Organen nur noch korrekt und nicht mehr inkorrekt gehandelt werden kann, dann – so denkt man bei der Bundesregierung – sei der Spendenwut der Bundesbürger keine Grenze mehr gesetzt.

Und warum denkt man das bei der Bundesregierung?

Deshalb:

“Nach einer repräsentativen Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2014 stehen den Angaben zufolge 80 Prozent der Befragten einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. 71 Prozent sind demnach grundsätzlich einverstanden, dass ihnen nach ihrem Tod Organe und Gewebe entnommen werden.”

Klassisch! Das grundsätzliche Einverständnis von 71% würde vollständig in Spendeorganen resultieren, wäre da nicht dieser dumme Organspendeskandal gewesen. Die positive Einstellung gegenüber der Organspende, sie ist also problemlos in ein entsprechendes Verhalten transferierbar, meint die Bundesregierung, wenn die rechtlichen Randbedingungen stimmen, meint die Bundesregierung. Damit wirft die Bundesregierung eben einmal Jahrzehnte der Einstellungsforschung über Bord, in denen sich wieder und wieder gezeigt hat, dass eine Einstellung eben nicht oder nur selten oder nur unter bestimmten Umständen zu einem entsprechenden Verhalten führt.

Vermutlich ist der politische Wunsch hier Anlass dieser Träumerei in Organspende, die auf einer repräsentativen Umfrage basiert, wie könnte es auch anders sein. Das Wörtchen “repräsentativ”, es adelt Umfragen, macht aus Unsinn, repräsentativen Unsinn.

Literatur:
Ajzen, Isaac, 1991: The Theory of Planned Behavior. Organizational Behavior and Human Decision Process 50, 179-211.

Ajzen, Isaac, 1988: Attitudes, Personality, and Behavior. Milton Keynes: Open University Press.

Ajzen, Isaac & Fishbein, Mark, 1977: Attitude-Behavior Relations: A Theoretical Analysis and Review of Empirical Research. Psychological Bulletin 84, 888-918.

Fazio, Russell H., 1990: Multiple Processes by which Attitudes Guide Behavior. pp. 75-109 in: Zanna, Mark P. (ed.): Advances in Experimental Social Psychology. San Diego: Academic Press.

Zanna, Mark P. & Rempel, John K., 1988: Attitudes: A New Look at an Old Concept. S. 315-334 in: Bar-Tal, Daniel & Kruglanski, Arie W. (eds.): The social psychology of knowledge. New York: Cambridge University Press.

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Rassismus live erleben: Diversity @ Uni Bremen

Anlass für diesen Beitrag ist Post aus Bremen, von der dortigen Universität und von einem Professor, der seine Universität nach eigener Aussage “liebt”. Er meint es sarkastisch, wie aus dem Kontext seiner Aussage hervorgeht, und er meint es deshalb sarkastisch, weil in Bremen ausgerechnet Diversitäts-Apostel, also Genderisten und angebliche Rassismuskritiker, größtenteils bezahlte Ideologen eben, über “Objektivität und Repräsentation” in der Wissenschaft sprechen wollen, und zwar im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Diversity @ Uni Bremen”.

Uni Bremen Diversity1Gegen diese Veranstaltungsreihe, so steht es im Flyer gleich zu Anfang, wollen wir keine Einwände hören, denn die Veranstaltungsreihe basiert auf dem Glaubensbekenntnis, das die Universität Bremen “zu einer selbstkritischen Auseinandersetzung mit ihrem Anspruch, der gesellschaftlichen Vielfalt in Forschung, Lehre und Verwaltung gerecht zu werden” abgelegt hat.

Man ahnt schon Schlimmes.

Und weil die Bremer sich “selbstkritisch” zu einem “Anspruch” bekennen, deshalb sind sie mit einer Veranstaltungsreihe “Diversity @ Uni Bremen” gestraft, die sie aus dem Budget der Universität finanzieren müssen. Jeder bekommt eben, was er verdient.

Die Bremer Universitätsleitung mit ihrem Glaubensbekenntnis, sie verdient vor allem textlichen Unsinn wie den folgenden:

“Mit Fragen der Objektivität und Repräsentation beschäftigt sich der für das Jahr 2016 gewählte Schwerpunkt. Universitäten als Organisationen der akademischen Bildung agieren unter spezifischen Dominanz- und Machtverhältnissen, die die Produktion von Wissen beeinflussen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wer spricht im Wissenschaftssystem aus welcher Perspektive und Position?”

Die Frage wird per Vortrag beantwortet: “Am Ende der Weiß-heit? Grundlagen der Kritischen Weißseinsforschung”.

Das westliche Abendland schaut auf zwei Jahrtausende der Philosophiegeschichte zurück, auf zwei Jahrtausende, in denen Fragen der Erkenntnistheorie, Fragen, wie man Erkenntnis gewinnen kann, die möglichst unbeeinflusst von Interessen und persönlichen Vorlieben ist, Fragen, die die Methodologie von Wissenschaft, die Wissenschaftstheorie, zum Gegenstand haben, diskutiert und zu einer Lösung geführt wurden, die man gemeinhin unter dem Stichwort “Kritischer Rationalismus” mit seinen Kriterien des Wettbewerbs der Theorien, der Nachprüfbarkeit, Einfachheit und Falsifizierbarkeit kennen sollte, wenn man an einer Universität sprechen will.

Aber dann, zu Beginn des 21. Jahrhunderts kommt eine Sekte aus ihren dunklen Verstecken, eine Sekte, deren Mitglieder hinter dem Mond gelebt haben müssen und von Wissenschaft offensichtlich überhaupt keine Ahnung haben und wollen über “Objektivität und Repräsentativität” reden. Und sie verkünden ihre unglaubliche Erkenntnis, dass “Organisationen der akademischen Bildung unter spezifischen Dominanz- und Machtverhältnissen” agieren.

Echt, ey?

Wow!

Da haben wir 2000 Jahre lang gedacht, Wissenschaftler und ihre wissenschaftlichen Institutionen seien im outer space angesiedelt, würden dort in der Wolke der unbefleckten Erkenntnis, die jungfräuliche Geburt der reinen Idee wieder und wieder feiern und sich ansonsten von Ozon und Erkenntnis ernähren und jetzt kommen diese Sektenanhänger und entdecken, das ist gar nicht so. Wissenschaftler flottieren gar nicht im All, leben auf der Erde, in Ländern, in Städten, an Universitäten, müssen essen, trinken, sind human und fehlbar.

Wow!

Uni Bremen Diversity2Man ist zeitweise geneigt, Diversitäts-Aposteln, also Genderisten und ihren Alteregos den Rassismuskritikern einen Klaps auf den Hinterkopf zu geben, um sich zu versichern, dass die echt sind und nicht die Mirage eines unglaublich dummen, zurückgebliebenen und bar jeglicher Erkenntnis seienden Gartenzwergs, der gerade von einem Baum gefallen zu sein scheint. Aber siehe da, sie sind echt, und sie trauen sich in die Welt, um zur Welt zu sprechen, ihre unglaublichen Erkenntnisse zu verkünden, ihre unglaublich rassistischen Erkenntnisse, wie z.B. die, dass Hautfarbe einen Einfluss auf die Erkenntnis haben soll, dass Weiß-heit ein Erkenntnisproblem darstellen soll.

Wer außer Genderisten und so genannten Rassismuskritikern (alles, was es zur Rassimuskritik zu sagen gibt, wurde von Dr. habil. Heike Diefenbach bereits gesagt) wäre je auf die Idee gekommen, dass Hautfarbe eine Variable ist, die in wissenschaftlicher Methodologie berücksichtigt werden muss? Wer außer Genderisten und so genannten Rassismuskritikern wäre je auf die Idee gekommen, dass Hautfarbe einen Einfluss auf den Erkenntnisprozess hat? Wer außer Genderisten und angeblichen Rassismuskritikern wäre je auf die Idee gekommen, dass Geschlecht und Hautfarbe einen Effekt auf die Art und Weise haben, wie Erkenntnis als solche gewonnen wird?

Niemand.

Und deshalb sind Genderisten und Rassismuskritiker reine Rassisten, denn sie sind die einzigen, die nach Hautfarbe differenzieren, die Wissenschaftler verfolgen, weil sie weiße Hautfarbe haben und sich selbst in ihrer unglaublichen Arroganz, die nur auf Dummheit begründet sein kann, als die Erkenner der weißen Macht- und Dominanzstrukturen feiern wollen und eine “kritische Weißseinsforschung” betreiben wollen, deren Ursache wohl eher in einem Gegenstand des DSM-V gesucht werden muss, als dass sie dem Zwecke der Wissenschaft dienen würde.

Um es noch einmal klar und deutlich zu sagen: Wissenschaftliche Erkenntnis ist farbenblind. Was zählt, ist der Wettbewerb zwischen Theorien und deren Prüfung. Wer behauptet, wissenschaftliche Erkenntnis sei von Hautfarbe, die wiederum Dominanz und Machtstrukturen ausbildet, beeinflusst, der ist ein kruder und überhaupt nicht diverser Rassist.

Schon erstaunlich, dass die Universität Bremen Rassisten und Sexisten eine Bühne zu bieten scheint.

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Wikipedia ist hauptsächlich ein Todesanzeiger

Das PewResearchCenter hat gerade die Liste der jeweils 10 am häufigsten gelesenen Artikel auf Wikipedia veröffentlicht, und zwar nach Sprachen getrennt.

Auszählungen zum Leseverhalten sind immer aufschlussreich, lassen sie doch Schlüsse über die Wahrnehmung von Informationsquellen und über die Interessen derjenigen, die die entsprechenden Informationsquellen nachfragen, zu.

WischopediaUnd entsprechend wissen wir, dass Wikipedia für 20.264.610 englischsprachige, 5.694.946 deutschsprachige und 2.514.702 russischsprachige Nutzer ein Todesanzeiger ist. Sie lesen den Nekrolog für 2015 bzw. die Liste der Toten pro Jahr, interessieren sich also in erster Linie für Todesanzeigen. Entsprechend muss man schließen, dass für viele Wikipedia so etwas wie ein Zentralanzeiger der Verstorbenen ist, ein Ort, ein virtueller Friedhof, auf dem man zwar keine Grabsteine betrachten, aber doch die Namen der Toten bestaunen oder bewundern kann.

Ob sich die Online-Enzyklopädie ob dieser Entwicklung auch offiziell ein neues Image, sagen wir ein morbides oder nekrophiles Image gibt, wird abzuwarten bleiben.

Ein Blick auf die sonstigen Suchbegriffe bzw. die Kategorien, denen die einzelnen Artikel zugerechnet werden können, hat – unterschieden nach Sprachen, folgendes Aussehen:

  • Englischsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Film und Fernsehen
    • Soziale Medien
    • Islamischer Staat
    • Landeskunde
  • Spanischsprachige Leser:
    • Sport
    • Weltkriege
    • Chemie
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
  • Deutschsprachige Leser:
    • Todesanzeigen
    • Landeskunde
    • Film und Fernsehen
    • Islamischer Staat
    • Computer IT
  • Russischsprachige Leser:
    • Soziale Netzwerke
    • Landeskunde
    • Todesanzeigen
    • Politik
    • Film und Fernsehen
  • Französischsprachige Leser:
    • Islamischer Staat
    • Soziale Medien
    • Film und Fernsehen
    • Französische Autoren
    • Landeskunde
  • Italienischsprachige Leser:
    • Film- und Fernsehen
    • Landeskunde
    • Politik
    • Islamischer Staat
    • Astronomie

Wikipedia ist neben Todesanzeiger also noch ein Blatt für Fernseh- und Filmnachrichten. Wissenschaftliche Themen schaffen es in den wenigsten Sprachen in die Top-10 der Beiträge, Themen der Politik ebenso selten. Lediglich der Islamische Staat hat es geschafft, intensiv genug auf sich aufmerksam zu machen, so dass er in die Phalanx aus Todesanzeigen, Film- und Fernsehnachrichten, die die Leser von Wikipedia dort nachfragen, einbrechen konnte.

Irgendwie stellt man sich unter einer Enzyklopädie etwas anderes als einen Todesanzeiger und ein Programmheft für Film- und Fernsehen vor…

Viel bemüht, wenig bekannt: Befragung soll Licht in den Extremismus bringen

Kennen Sie den Spruch, “Wenn Ihr etwas zu kritisieren habt, dann macht es doch besser”? Man hört ihn zuweilen von den Gefrusteten, die gerade einsehen mussten, dass Kritik gerechtfertigt ist und ihr Vorgehen, ihre Meinung, Überzeugung oder Behauptung schlicht falsch oder nicht haltbar ist.

Nun, wir haben uns den Spruch dennoch zu Herzen genommen und machen nun auch empirische Sozialforschung besser als dies z.B. Meinungsforschungsinstitute machen, deren Vorgehen häufig repräsentativ für das ist, was man die Schlangengruben der Sozialforschung nennen könnte.

Seit heute gibt es deshalb unsere niegelnagelneue Befragungsseite: SurveyNET.

SurveyNETshot

Dort machen wir unsere eigenen Umfragen, große und kleine, lange und kurze, und wir berichten von Ergebnissen der Befragungen auf ScienceFiles und SurveyNet.

Die erste Befragung, die seit heute online ist, ist aufgrund aktueller Ereignisse eine Befragung zum Thema

Politischer EXTREMISMUS.

Da derzeit viele Extremismus in welcher Ausprägung auch immer im Munde führen, wenige wissen, was sie damit meinen, und kaum jemand weiß, welche Einschätzungen und Einstellungen zu Extremismus es in Deutschland gibt, haben wir eine entsprechende Umfrage konzipiert und Online gestellt.

Wir hoffen, dass sich viele an dieser Fact-Finding-Mission beteiligen und dazu beitragen, dass wir in Zukunft auf informiertere Weise darüber diskutieren können, welche Einstellungen, Bewertungen und Ausprägungen von Extremismus es in Deutschland gibt.

Die Befragung findet sich unter diesem Link.

Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.

Kopp-Online Leser dürfen nicht mehr Bahn fahren!

Wer Junge Freiheit liest, wird bei Aldi nicht mehr bedient, und wer auf Politically Incorrect (PI) entdeckt wird, dem werden die Adidas Schuhe abgenommen und er hat Lufthansa-Airbus-Verbot.

PIDenn: PI ist offener Rechtsextremismus, die Junge Freiheit, das sind alles Spalter, Gesellschaftspalter, Polarisateure, und der Kopp-Verlag, ja der Kopp-Verlag, der Kopp-Verlag, der ist halt der Kopp-Verlag, “im rechtsextremen Spektrum integriert” und außerdem zeigt der Kopp-Verlag viele “gewalthaltige Bilder”, das geht schon gar nicht, wir sind ja nicht beim Tatort oder bei öffentlich-rechtlichen Splattern.

Nein, wir sind beim Heucheln, beim ekeligen Heucheln, beim Versuch, Ressourcen für sich zu monopolisieren, finanzielle Ressourcen im vorliegenden Fall, ein Versuch, der hinter der angeblichen Gutheit des Ritters von der weißen Weste versteckt wird, der sich heldenhaft in den Kampf gegen alle Rechtsextremen und -populisten stürzt…

… am  Schreibtisch.

… am Schreibtisch in Mainz und in Bielefeld.

Am Schreibtisch in Mainz, da saßen über die letzten Wochen Redakteure des SWR, vom Report Mainz, wie gebannt vor ihrem Computer und haben nicht nur PI, die Junge Freiheit und den Kopp-Verlag überwacht, denn das ist die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Kontrolle der Bürger, sondern auch Feststellungen getroffen. Bei PI wirbt die Deutsche Bahn und die Lufthansa. Bei Kopp Online werben Adidas, Aldi Süd, die Deutsche Bahn und VW und bei der Jungen Freiheit, da werben die Deutsche Telekom, die Lufthansa, die Bundesarbeitsagentur und die Bundespolizei.

Skandal!

Kopp OnlineDenn es steht geschrieben im Rundfunkstaatsvertrag, dass Werbung von Aldi Süd, Adidas, Deutscher Bahn, Deutscher Telekom, Bundespolizei und Bundesarbeitsagentur und von VW niemandem anderen als dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und von den Report Mainz Redakteuren genehmigten Sendern zu gute kommen darf. Wo kämen wir hin, wenn den Öffentlich-Rechtlichen Werbeeinnahmen entgehen würden, weil die Werbenden im Internet ihre Werbung auf den Seiten von PI, Junger Freiheit und Kopp-Online schalten?

Nicht auszudenken – der nationale Notstand würde ausbrechen. Ein Volksmusikstadl müsste abgesagt werden, eine Spielserie, in der ein Schwuler sich in eine Lesbe verliebt, müsste gestrichen werden, und mindestens zwei Minuten Fussballbundesliga wären davon betroffen, die entscheidenden beiden Minuten natürlich.

Soweit darf es nicht kommen, das haben sich die Redakteure in Mainz gesagt, und sind ihrem öffentlich-rechtlichen Auftrag entsprechend ausgezogen, um Bürger zu überwachen.

Wie wichtig diese Überwachung doch war, zeigt das Ergebnis: Aldi Süd, Adidas, Deutsche Bahn, Deutsche Telekom, Bundespolizei, Bundesarbeitsagentur und VW werben bei PI, Junger Freiheit oder Kopp Online.

“Beschämend”, sagt Boris Pistorius vom Sozialdemokratischen Presseimperium Deutschlands. “Brandgefährlich”, sagt Andreas Zick, und was sagen die inflagranti erwischten Werbe-Fremdgänger? Reumütig sind sie. Den Schwanz haben sie eingeklappt und versprochen, es nie wieder zu tun. Nie wieder wird Aldi Süd bei PI werben oder die Lufthansa bei Kopp-Online. Die öffentlich-rechtliche Kontrollanstalt aus Mainz, sie hat dafür gesorgt.

Junge FreiheitDamit auch wirklich niemand auf die Idee kommt, der öffentlich-rechtlichen Kontrollanstalt und den Blockwarten vom SWR ginge es darum, die Werbegelder wieder in öffentlich-rechtliche Taschen zu kanalisieren, ist etwas Marketing notwendig, um die Bürgerüberwachung zu etwas anderem zu machen, zu Bürgerschutz, zu Schutz der Bürger vor rechtspopulistischen Seiten oder rechtsextremen Seiten im Internet – es weiß ja jeder, wie gefährlich das Internet ist!

Am besten ist es, die Kontrollaktion nicht nur als Bürgerhilfe auszugeben, sondern gleich noch wissenschaftlich zu legitimieren.

Mit wem?

Mit Andreas Zick. Dieses Mal nicht als Vorstand der Amadeu-Antonio-Stiftung, bei der man gerne die Werbegelder annimmt, die VW oder die Lufthansa nun frei haben, sondern als “Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld”, das macht sich immer gut. Und als solcher hat Zick das Folgende zu sagen:

Andreas ZickPolitically Incorrect ruft direkt zu Wut und Hetze auf und ist brandgefährlich. Kopp Online ist im rechtsextremen Spektrum integriert, es werden viele gewalthaltige Bilder transportiert, Gewaltdistanz ist dort nicht mehr vorhanden. Die Junge Freiheit polarisiert in Zeiten, in denen wir viele Hasstaten gegen Flüchtlinge haben, immer weiter. Und sie integriert rechtspopulistische, ja rechte Menschen in ihr Medium und gibt ihnen Raum, dort weiter zu hetzen. Dass auf diesen Seiten Werbung auftaucht, ist ein absolutes Unding.”

Soll man nun lachen oder weinen, ob der Zickigen Begründungen?

Aber man lernt ja nie aus: Wut ist demnach kein Gefühl, das sich einstellt, wenn man sich z.B. ungerecht behandelt fühlt, nein, es ist ein Gefühl, zu dem aufgerufen wird. Und auf PI da steht regelmäßig: Deutsche seid wütend. Und was sind die Deutschen daraufhin? Wütend. Das weiß der regelmäßige PI-Leser Andreas Zick, der zudem weiß, dass alle Wütenden, auf die er so trifft, PI gelesen haben, und das ist der Beweis: PI und Aldi, das geht nicht.

Kopp Online ist eine zweite ARD und verbreitet fast so viele gewalthaltige Bilder wie ein unterdurchschnittlicher Tatort. Deshalb kann Adidas erst dann wieder auf Kopp Online werben, wenn dort mindestens so viele gewalthaltige Bilder zu sehen sind, wie in einem durchschnittlichen Tatort.

Ganz vernichtend ist das Zickige Urteil zur Jungen Freiheit. Die Junge Freiheit polarisiert, d.h. dort liest man Meinungen, die im Gegensatz zur Zickigen Meinung stehen, und dort liest man Kritik am Mainstream. Das geht gar nicht. Deshalb ist Schluss mit der Werbung der Bundesagentur für Arbeit und der Bundespolizei bei der Jungen Freiheit, schließlich wollen weder die Bundesagentur für Arbeit noch die Bundespolizei Menschen bei sich aufnehmen, die von der SWR-Report und der Zickigen Meinung abweichen. Wo kämen wir da hin? In eine Demokratie kämen wir da, und das wollen wir schließlich alle nicht.

Und damit sich die Nachricht: “Wirb’ nicht bei den Schmuddelkindern” auch rumspricht, werden ab sofort Kopp-Online Leser nicht mehr von der Deutschem Bundesbahn befördert, PI-Leser werden bei Aldi-Süd nicht mehr bedient, und die Deutsche Telekom schaltet das Internet für alle ab, die bei der Jungen Freiheit vorbeischauen wollen.

Das ist gelebter Totalitarismus im Zickigen Nationalstaat.

Wer dem Totalitarismus einen Hauch von Demokratie entgegen setzen will, der muss dann wohl Werbung in öffentlich-rechtlichen Anstalten und abgesehen davon Aldi Süd, Deutsche Bahn, Deutsche Telekom, Lufthansa und Adidas boykottieren.

Falls Leser mit den Programmverantwortlichen des SWR diskutieren wollen, dann können Sie das im Forum des SWR oder auf den Facebook-Seiten von Report Mainz [etwas nach unten scrollen] tun.

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Verschwörer gegen Verschwörungstheorien

Monumente wie Stonehenge, die Pyramiden in Ägypten oder Südamerika konnten nur mit Hilfe von Aliens gebaut werden.

ISIL VTISIS/ISIL ist eine Kreation des Mossad, des israelischen Geheimdienstes.

Der Anschlag auf das World Trade Center in 2001 ist eine Aktion, die CIA und Mossad gemeinsam durchgeführt haben.

Die Mondlandung hat es nie gegeben.

Die Bilderberger regieren die Erde. Politiker sind nur Marionetten.

Alles was schlecht und böse ist, wird vom Teufel ausgeheckt.

Die bösen Bonzen wollen über freien Handel die nationalen Völker zerstören.

Die bösen internationalen Bonzen wollen über freien Handel die Rechte von Arbeitnehmern beseitigen.

AIDS geht auf einen chemischen Kampfstoff zurück, den die USA in Afrika erproben wollten.

Kapitalismus ist eine patriarchalische Verschwörung, deren Ziel darin besteht, Frauen zu unterdrücken.

Und so weiter…

Es gibt einen scheinbar nicht enden wollenden Strom an so genannten Verschwörungstheorien. Und hier fängt schon das Problem an. Warum sind die oben zusammengestellten Beispiele Beispiele für eine Verschwörungstheorie?

Mit etwas Abstand betrachtet, sind alle so genannten Verschwörungstheorien Behauptungen über die Realität. Der Zusatz “Verschwörung” dient offensichtlich dazu, sie zu klassifizieren, eine Gemeinsamkeit mancher Theorien zu betonen, die darin besteht, dass hinter ihnen die Annahme steht, dass bestimmte Ereignisse von Personen oder Gruppen von Personen mit bestimmten Interessen herbeigeführt wurden oder werden sollen, um sich einen Vorteil zu verschaffen und in der Regel die Betrachter der Ereignisse zu täuschen und zu manipulieren.

So verhält es sich mit der Mondlandung, die in den Augen mancher ein Fake sein soll. So ist es bei der Erklärung der Ursache von 9/11, die manche nicht in Al-Kaida sehen. So ist es bei den Monumentalbauten, die gar nicht von Menschen, sondern von Aliens errichtet worden sein sollen, beim Kampfstoff AIDS und bei der Ansicht, es gebe ein kapitalistisches Patriarchat, das anstatt Gewinn zu machen, Frauen unterdrücken wolle.

Jenseits dieser Gemeinsamkeit wird der Begriff “Verschwörungstheorie” häufig dazu genutzt, um eine Theorie zu diskreditieren, denn eine Verschwörungstheorie ist keine wirkliche Theorie, so soll suggeriert werden, vielmehr eine absurde Theorie oder eine Theorie, wie sie nur im Geist von Gestörten oder Dummen entstehen kann: Wer glaubt noch an den schwarzen Mann?

Indes, wer entscheidet, welche Behauptung über die Realität eine Verschwörungstheorie ist? Was unterscheidet die Ansicht, es gebe einen von Menschen gemachten Klimawandel von der Ansicht, der Mossad stecke hinter den Anschlägen von 9/11 und hinter ISIS?

Auf den ersten Blick würde man sagen: Was eine Verschwörungstheorie von einer nicht-Verschwörungstheorie unterscheidet, ist nicht nur der oben beschriebene Bezug auf Drahtzieher und Interessen, die hinter Ereignissen stecken stecken, sondern auch die empirische Unhaltbarkeit der entsprechenden Verschwörungstheorie.

Sciencefiles

Wenn jedoch das Kriterium empirischer Bewährung herangezogen wird, um die Theorie des Klimawandels von der Theorie des Mossad-finanzierten ISIS/ISIL zu differenzieren, dann braucht man keine Bezeichnung “Verschwörungstheorie”, dann reicht es, auf die empirische Bestätigung für beide Behauptungen zu schauen.

Da es vielen nicht reicht, auf die empirische Bestätigung von Behauptungen, die als Theorien daherkommen, zu schauen, sie vielmehr darauf bestehen, von Verschwörungstheorien zu sprechen, muss man annehmen, dass es den entsprechenden Verschwörungstheorie-Sprechern darum geht, die von ihnen als Verschwörungstheorie bezeichneten Theorien zu diskreditieren.

Und warum tun sie das? Die einzige Antwort, die auf diese Frage möglich ist, lautet: Weil die Aussage der entsprechenden Theorien ihren Interessen widerspricht, weil sie ein Interesse daran haben, Theorien nicht zu prüfen bzw. nicht an ihrem empirischen Gehalt zu messen, sondern vorab zu diskreditieren. Denn: Was wäre leichter als die Evidenz zur Behauptung, “der Mossad finanziert ISIL” zu betrachten und festzustellen, es gibt keine? Was wäre leichter als den Unsinn des kapitalistischen Patriarchats, das Frauen unterdrückt, aufgrund der fehlenden empirischen Belege aus der Welt zu schaffen?

Wenn beides, trotz der damit verbundenen Einfachheit, nicht erfolgt, dann muss man annehmen, dass es Interessen gibt, die die entsprechende Aufklärung verhindern und somit den entsprechenden Interessenvertretern die Möglichkeit geben, neuerlich von einer Verschwörungstheorie zu sprechen, der nämlich, die wir gerade aufgestellt haben, und auf diese Weise zu verhindern, das jemand die Frage, welche Interessen hinter der Nicht-Prüfung so genannter Verschwörungstheorien steht, stellt, untersucht und beantwortet.

Somit ist klar: So genannte Verschwörungstheorien sind ganz normale Theorien, die man an der Realität prüfen könnte und anschließend entweder als falsch oder als bewährt bewerten könnte. Die Bezeichnung “Verschwörungstheorie” ist somit unnötig und dient einzig dazu, die entsprechenden Behauptungen zu diskreditieren.

Deshalb wäre es ein interessantes Unterfangen, den Ursprung, die Verbreitung und die Behandlung so genannter Verschwörungstheorien zu untersuchen. Ein Forschungsnetzwerk, so haben wir heute gelesen, das an der Universität Tübingen koordiniert wird, soll genau dieses tun, so hatte es auf den ersten Blick jedenfalls den Anschein. Doch der Anschein trügt:

“‘Verschwörungstheorien können zur Radikalisierung von Extremisten beitragen, Spannungen zwischen Nationen befeuern und das Vertrauen in demokratische Institutionen und Medien unterlaufen’, sagt Butter. Und gerade in Zeiten des Internets verbreiten sie sich rasend schnell.”

Ob es sich bei der Behauptung, dass Verschwörungstheorien zur Radikalisierung von Extremisten beitragen können, um eine Verschwörungstheorie im Einklang mit der Verwendung, die der Begriff im Rahmen des Forschungsnetzwerkes findet, handelt, konnten wir nicht klären.

Dafür konnten wir klären, wer das Forschungsnetzwerk finanziert: Die Europäische Union, die sich nun auch in die Reihe derer eingereiht hat, die überall Extremismus sehen und beobachten und erkunden und erklären und vermeiden und beseitigen und dazu beitragen wollen, dass es verunmöglicht wird, über Behauptungen auf einer normalen Basis zu diskutieren, weil sie bereits als Verschwörungstheorie gebrandmarkt sind und die Arbeit des Forschungsnetzwerkes dazu geführt hat, Verschwörungstheorien generell in die Extremismusecke zu schieben.

Es ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg in die totalitäre Gesellschaft, in der die öffentliche Diskussion zusehens von allem gereinigt wird, das abweichend und nicht gemainstreamed ist. Die pure politisch-korrekte Langeweile, sie winkt schon in Sichtweite, ebenso wie die gesellschaftliche Sprachlosigkeit, die sich einstellen muss, wenn alles, was vom Mainstream abweicht als extremistisch und als Verschwörungstheorie aussortiert wurde.

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