Neue Studie: Linke wollen Hilfe, andere wollen Freiheit

Warum wählen Wähler bestimmte Parteien? Warum sagen manche von sich, sie seien links oder rechts, liberal oder konservativ?

Lipset rokkanDiese Fragen bewegen die Politikwissenschaft seit langem. Entsprechend der langen Zeit, sind viele Antworten gegeben worden: Parteien und Wähler, so behaupten die einen, verbinde ein rationales Kalkül. Wähler wählten nach Sachthemen und die Partei, die ihre Interessen am besten vertritt. Weit gefehlt sagen andere: Wähler sind keine rationalen Akteure, sondern affektiv Getriebene: Sie wählen Kandidaten, die ihnen sympathisch sind. Wieder andere glauben, Wähler und Parteien befänden sich auf der selben Seite von Konfliktgräben (cleavages), die vor Jahrhunderten ausgehoben worden sind, zwischen Staat und Kirche, Arbeit und Kapitel. Wähler wählen also traditional, weil sie immer so gewählt haben. Schließlich gibt es die Forscher, die als Verbindung zwischen Partei und Wähler die Ideologie sehen, die Inszenierung dessen, woran die einen behaupten, zu glauben, was wiederum die anderen glauben.

Sie alle liegen daneben, wenn man die Ergebnisse einer Untersuchung, die Joshua J. Clarkson und fünf weitere Autoren gerade in den Proceedings of the National Academy of Science veröffentlicht haben: Nicht affektive Bindungen, rationale Wahlen oder traditionales Verhalten sind demnach die Ursachen der Parteiwahl und die Grundlagen einer Verbindung zwischen Wähler und Parteien, sondern ein psychologische Disposition: Wähler wählen Parteien, weil die Politiker der Parteien an eine bestimmte psychologische Disposition appellieren, kurz:

Für Wähler: Linke wollen Hilfe, alle anderen, also nicht-Linke wollen Freiheit.

Für Parteien: Rechte oder konservative oder liberale Parteien appellieren an Freiheit, linke Parteien bieten Hilfe.

Dieses Ergebnis reiht sich in eine Reihe entsprechender Ergebnisse ein, die Folgendes gezeigt haben:

  • Studenten, die sich als politisch nicht links einordnen, erreichen an Universitäten bessere Ergebnisse und zeigen bessere Leistungen als Studenten, die sich politisch links einordnen. Kemmelmeier, Danielson und Basten (2005) erklären dieses Ergebnis damit, dass nicht linke Studenten im Gegensatz zu linken Studenten häufiger der Ansicht sind, sie seien für ihre Handlungen und somit für ihre Leistungen verantwortlich.
  • Personen, die sich auf dem politischen Spektrum nicht links einordnen, attribuieren die Ergebnisse von Handlungen häufiger auf persönliche Leistung und Anstrengung, während Personen, die sich auf dem politischen Spektrum links einordnen, eher der Ansicht sind, die Ergebnisse von Handlungen seien durch Umstände determiniert und nicht durch die Leistung oder Anstrengung einzelner (Carroll et al., 1987).
  • Schließlich unterscheiden sich Personen, die sich auf dem politischen Spektrum nicht links verorten, von denen, die sich links verorten, im Hinblick auf die Wertschätzung, die sie dem freien Willen entgegen bringen. Nicht-Linke schätzen einen freien Willen höher ein als Linke, die den freien Willen gering schätzen oder abwerten (Carey & Paulus, 2013).

Clarkson et al. (2015) ergänzen die Phalanx dieser Ergebnisse mit einem weiteren Ergebnis: Personen, die sich links einordnen, haben weniger Selbstkontrolle als Personen, die sich nicht links einordnen. Moderiert wird diese Verbindung über die jeweilige Einstellung zum freien WIllen, die Clarkson et al. als locus of control modelliert haben, also als Überzeugung, man sei für die eigenen Handlungen verantwortlich bzw. als Überzeugung, dass man nur im Rahmen vorgegebener Strukturen handeln könne und entsprechend für seine Handlungen nur bedingt, wenn überhaupt verantwortlich sei: Je überzeugter die Probanden in den Experimente von Clarkson et al. davon waren, Herr ihrer eigenen Handlungen zu sein, desto mehr Selbstkontrolle hatten sie. Personen, die sich nicht links auf dem politischen Spektrum einordnen, waren häufiger die  Überzeugung, für ihre Handlungen verantwortlich zu sein:

“Three studies documented a clear difference in self-control as a function of political ideology, as political conservatism (…) was consistently related to greater self-control. Indeed, this enhanced self-control manifested in the form of attention regulation and task persistence. Moreover, these effects not only occurred across not only different indices of self-control but also different paradigms and different participant samples …” (Clarkson et al., 2015: 3).

Die größere Selbstkontrolle, die nicht-Linke an den Tag legen und die von der Überzeugung, für die eigenen Handlungen verantwortlich zu sein, moderiert wird, mündet somit in größere Persistent und Aufmerksamkeit bei der Lösung von Problemen.

Die Ergebnisse von Clarkson et al. (2015) passen gut zu Beobachtungen, wie man sie im täglichen Leben oder auch im Blog machen kann:

  • Free will Hobbes calvinDer Ruf nach Hilfe, nach dem Staat, nach einer Autorität, die die Randbedingungen für das eigene Leben möglichst so gestaltet, dass man ab besten nichts mehr tun muss und dennoch ein angenehmes Leben führen kann, ist unter Linken weit verbreitet.
  • Entsprechend sind Linke regelmäßig der Ansicht, das eigene Handeln sei in Strukturen eingebunden, die ein Vorankommen verunmöglichen, egal, wie sehr sie sich anstrengen würden, wenn sie sich anstrengen würden.
  • Linke sind häufig sehr erratisch in der Behandlung von Themen, d.h. sie bleiben nicht am Ball: Heute sind sie darüber engagiert, dass der Wald stirbt, morgen ist das Waldsterben vergessen und es wird der Bau und Erhalt von Kohlekraftwerken gefordert. Die Inkonsistenz linken Denkens kann man als Ergebnis mangelnder Selbstkontrolle, die sich in geringer Aufmerksamkeit und darin manifestiert, dass Linke schnell die Lust an ihrem neuesten Spielzeug verlieren.
  • Verantwortung, die ja auch immer voraussetzt, dass man zu dem steht, was man tut, ist unter Linken nur in verkümmerter Form, wenn überhaupt vorhanden. Die Folgen politischer Entscheidungen werden nicht thematisiert. Die Tatsache, dass linke Bildungspolitik die Bildungschancen von bereits mehr als einer halben Million Jungen zerstört hat, wird ignoriert und es wird im Schutze der Anonymität agitiert. Alles Indikatoren dafür, dass Linke keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen.
  • Schließlich ist es mit vielen Linken nicht möglich, über Fakten und deren Erklärung zu reden, geschweige denn, zu diskutieren. Mit Fakten konfrontiert, die ihrer Ideologie widersprechen, gehen sie sofort in den Verteidigungsmodus, reagieren affektiv, beleidigt und beleidigend und unterbinden jede Möglichkeit, über die Erklärung von Fakten zu reden und damit, auf die Fakten zu reagieren.

Das soll genügen, um die generelle Tendenz der Ergebnisse, die Clarkson et al. (2015) gerade publiziert haben, deutlich zu machen: Nicht-Linke sehnen sich nach Freiheit und danach, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden, sie wollen Verantwortung für ihr Leben übernehmen und in eigener Regie von den Ergebnissen ihrer Leistung leben. Linke fürchten Freiheit, rufen nach dem Staat und wollen, dass ihr Staat ihnen hilft. Dafür sind sie nur zu bereit, Freiheit zu opfern, im Austausch für Transferzahlungen, nach deren Erhalt sie sich einbilden können, sie hätten einen Selbstwert.

Die Erklärung politischer Präferenzen scheint sehr einfach.

Zur Untersuchung:
Die Untersuchung umfasst drei Experimente mit 147, 176 und 135 Probanden. Die Probanden mussten einen Stroop-Test absolvieren, mit dem das Ausmaß ihrer Selbstkontrolle erhoben wurde. Sie gaben ihre politischen Präferenzen an und beantworteten Fragen, mit denen ihre Einstellung zu freiem Willen und Selbstwirksamkeit gemessen wurden.

Literatur

Carey, Jasmine M. & Paulus, Delroy L. (2013). Worldview Implications of Believing in Free Will and/or Determinism: Politics, Morality and Punitiveness. Journal of Personality 81(2): 130-141.

Carroll, John S., Perkowitz, William T., Lurigio, Arthur J. & Weaver, Frances M. (1987). Sentencing Goals, Causal Attribution, Ideology, and Personality. Journal of Personality and Social Psychology 52(1): 107-118.

Clarkson, Joshua J., Chambers, John R., Hirt, Edward R., Otto, Ashley S., Kardes, Frank R. & Leone, Christopher (2015). The Self-Control Consequences of Political Ideology. Proceedings of the National Academy of Science (PNAS): Online first.

Kemmelmeier, Markus, Danielson, Cherry, & Basten, Jay (2005). What’s in A Grade? Academic Succes and Political Orientation. Personality and Social Psychology Bulletin 31(10): 1386-1399.
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Gealterte Jugendbande: Wer oder was ist die Antifa?

Die Zeiten ändern sich.

Ein guter Indikator dafür, dass der politische Wind langsam aber stetig eine andere Richtung nimmt, ist das Deutsche Jugendinstitut (DJI).

Als wir 2002 “Bringing Boys Back In” veröffentlicht und darauf aufmerksam gemacht haben, dass Jungen im deutschen Bildungssystem erhebliche Nachteile haben, da war die Aufregung groß im DJI. Nicht nur deshalb war die Aufregung groß, weil im DJI bis 2002 diejenigen, deren Beitrag darin bestanden hat, die schlimmen Nachteile von Mädchen im deutschen Schulalltag zu beklagen, stark vertreten waren, sondern auch deshalb, weil aus dem Familienministerium erheblicher Druck auf die weitgehend durch das BMFSFJ finanzierten Münchner Jugendforscher ausgeübt wurde, die sich so gänzlich unfähig gezeigt hatten, öffentlich zugängliche Daten des Statistischen Bundesamts zusammenzustellen und zu interpretieren. Als Konsequenz ergab sich hektische Betriebsamkeit und heftige Publikationsaktivität (selbst ein Buch über Methoden der empirischen Sozialforschung soll angeschafft worden sein…).

Das DJI ist entsprechend ein guter Lackmustest dafür, ob sich etwas ändert.

DJI Impulse 12015Deshalb ist es interessant, dass in den DJI Impulsen 1/2015, die dem Thema “Jung und radikal – Politische Gewalt im Jugendalter” nicht nur die üblichen Lamento von Islamismus und Rechtsextremismus zu lesen sind, nein, es findet sich ein Beitrag über die Antifa, ein Beitrag, der die Antifa offen als gewaltbereit und gewalttätig einordnet (mit einem Rückzieher, zu dem wir noch kommen).

Erstaunlich!

Gewalt wird also auch dann als Gewalt bezeichnet, wenn sie von links kommt.

Das war bislang nicht (immer) so.

Verantwortlich für den Beitrag “Gewalt der Antifa: Mythos und Realität” ist Dr. Nils Schumacher, der an der Hochschule Esslingen wissenschaftlicher Mitarbeiter ausgerechnet im Projekt “Rückgrat! Eine Wissenschafts-Praxis-Kooperation gegen Rechtsextremismus” ist.

In einer Fleißarbeit hat Schumacher zusammengestellt, was die Forschung bislang über die Antifa gesammelt hat:

Hier im Schnelldurchlauf:

  • Die Antifa hat mit rechten Gegnern einen eindeutigen ideologischen Bezugspunkt, d.h. ohne Rechte keine Antifa.
  • Es gibt bundesweit zwischen 150 und 200 Gruppen der Antifa.
  • Die Antifanten sind in ihrer Mehrheit zwischen 25 und 30 Jahre alt, was die Rede von der Jugendkultur etwas müde ausschauen lässt, es sei denn, man ist der Ansicht, dass der Reifungsprozess bei Mitgliedern der Antifa langsamer verläuft und entsprechend länger benötigt, die Jugendphase entsprechend bis ins vorgeschrittene Alter von 30 Jahren reicht.
  • Die Antifa wird dem undogmatischen Linksextremismus zugeordnet, bezieht sich auf kommunistische Faschismusanalysen, was den Kurzschluss zwischen Faschismus und Kapitalismus, die für Antifanten beide Feinde sind, erklärt. Geistig ist die Antifa somit in der Weimarer Republik stehen geblieben.
  • Ziel der Antifa ist eine “grundsätzliche gesellschaftliche Umwälzung” in den beschriebenen Kommunismus, was mit einer Ablehnung des Leistungsprinzips einhergeht.
  • Besonders wichtig für die Antifa ist die Selbstinszenierung als gewaltbereite, gewalttätige, militante Gruppe. Diese Selbstinszenierung ist der Kern, der die Antifanten zusammenhält. Die eigene Gewaltbereitschaft und Ausübung von Gewalt soll die Antifa von der Mehrheitsgesellschaft absetzen. Die Antifa schmückt sich einerseits mit Militanz, andererseits wird der Antifa Militanz zugeschrieben, was nur deshalb möglich ist, weil Mitglieder der Antifa gewalttätig sind, oder wer wäre je auf die Idee gekommen, Mahatma Gandhi Militanz und Gewaltbereitschaft zuzuschreiben.
  • Insgesamt erinnert die Darstellung der Daten, die über die Mitglieder der Antifa vorhanden sind, an die Monographien “Street Corner Society” von William F. Whyte und “The Gang”, von Frederic Trasher, in denen die Autoren Jugendbanden darstellen und vor allem die wichtige Rolle, die Gewalt für den Zusammenhalt von Jugendbanden spielt, beschreiben. Die Antifa wäre entsprechend eine gealterte Jugendbande.

All das, was wir bislang zusammengetragen haben, berichtet Nils Schumacher mit Bezug auf die Forschung Dritter. Und dann interpretiert er selbst. Das hätte er lieber lassen sollen, denn es wird lächerlich:

Antifa Gewalt“Das Bild einer gewalttätigen Antifa muss deshalb aufgrund seiner Eindimensionalität infrage gestellt werden. Zum Ersten entsteht die militante Selbstdarstellung nicht allein im Rahmen des politischen Konflikts, sondern auch im Rahmen der Jugendkultur, sie hat hier aber eine gänzlich andere Funktion. Zum Zweiten werden Gewalt und Gewaltinszenierung innerhalb der Antifa ausführlich diskutiert. Diese Debatte trägt oft selbstkritische Züge, dient jedoch auch der Legitimation des eigenen Vorgehens (Schuhmacher 2014). Zum Dritten ist der größere Teil der Aktivitäten gar nicht gewalttätig, sondern beschränkt sich auf die Organisation von Solidarität, auf Demonstrationen, aufklärerische Aktionen oder Diskussionen (BRAVO/Weber 2015), profitiert aber gleichzeitig von dem produzierten Image.”

Hier zeigt sich, dass Schumacher wohl lieber gegen Rechtsextreme schreibt als gegen die Antifa. Man stelle sich vor, er hätte dasselbe über eine beliebige rechte Gruppe geschrieben, deren Mitglieder dafür bekannt sind, bei Demonstrationen gegen Linke fremdes Eigentum zu zerstören und sich mit der Polizei oder Gegendemonstranten zu prügeln. Was würde wohl passieren, wenn Schumacher versuchen würde, die tatsächliche Gewalt, die von dieser rechten Gruppe ausgeht, damit zu rechtfertigen und zu verniedlichen, dass er auf Diskussionen innerhalb der rechten Gruppe hingewiesen hätte und darauf, dass die meisten Mitglieder sowieso nur Mitglied sind, weil sie in Gesellschaft Bier trinken und Rechtsrock hören wollen.

Nicht auszudenken…

… und ein gutes Beispiel dafür, wie Intellektuelle dieselbe Gewalt unterschiedlich bewerten, je nachdem, wer sie verübt hat. Wenn also das nächste Mal die Scheibe ihres Ladens in der Leipziger Innenstadt zu Bruch geht und es wieder einmal linke Gewalttäter waren: Trösten Sie sich damit, dass die Gewalttäter im Vorfeld oder im Nachhinein darüber diskutiert haben, ob es sinnvoll ist, Fensterscheiben von Läden einzuschlagen. Das macht es doch besser – oder?

Der Horror sozialer Gleichheit

Soziale Gleichheit durch z.B. Umverteilung ist das Kredo so genannter Wohlfahrtsstaaten, also von Staaten, deren politische Eliten sich der Herstellung sozial gleicher Lebensverhältnisse widmen, was sie in der Regel zunächst dadurch tun, dass sie sich üppige Diäten zusprechen, die geeignet sind, die soziale Ungleichheit zwischen denen, die Parlamente bevölkern, und denen, die die Annehmlichkeiten liefern, die das Leben als Parlamentarier erstrebenswert machen, festzuschreiben und zu vertiefen.

Nun haftet der Herstellung von sozialer Gleichheit eine Konsequenz an, die das Streben nach sozialer Gleichheit mit mindestens einem bitteren Beigeschmack versorgt, führt Umverteilung doch zwangsläufig dazu, dass sich die Gesellschaft als Ganzes schlechter stellt, einerseits, weil diejenigen, denen genommen wird, demotiviert werden, andererseits weil diejenigen, denen gegeben wird, demotiviert werden.

Peoples_Dice_of_EqualityStellen wir uns der Einfachheit halber eine Gesellschaft mit 20 Individuen und einem Führer vor. Die Gesellschaft lebt davon, dass die zum Überleben notwendigen Ressourcen gemeinschaftlich, also von den 20 Individuen und unter Supervision durch den Führer erwirtschaftet werden. Wenn sich die 20 Individuen nach einem Arbeitstag abends bei ihrem Führer einfinden und den Erfolg ihrer Arbeit vorzeigen, stellt sich so lange die Beobachtungsreihe des Führers zurückreicht eine Zweiteilung ein: 10 Individuen bringen 75% der Ressourcen bei, 10 Individuen die restlichen 25% der Ressourcen. Diese Verteilung ist auch gegeben, nachdem der Führer sich seinen Anteil von 10% der jeweiligen Arbeitsergebnisse genommen hat.

Entsprechend sieht der Führer nach einiger Zeit, dass 10 seiner Individuen mit deutlich mehr Ressourcen ausgestattet sind als die restlichen 10 Individuen, so viel besser, dass sie selbst seine Ressourcenvorherrschaft gefährdet. Deshalb entschließt er sich dazu, umzuverteilen und soziale Gleichheit herzustellen. Per Dekret verordnet er den 10 Individuen, die immer 75% der Ressourcen beigebracht haben, 33% ihrer Ressourcen (25% der Gesamtressourcen) an die 10 Individuen, die 25% der Ressourcen erwirtschaftet haben, abzugeben, um auf diese Weise eine Gleichverteilung herzustellen. Er nennt das Umverteilung zur sozialen Gleichheit.

Soweit, so gut.

In der Folge seiner Aktion macht der Führer die folgende Beobachtung: Die leistungsstarken Individuen seiner kleinen Gesellschaft bringen plötzlich viel weniger Ressourcen bei als sie es noch vor der Herstellung sozialer Gleichheit getan haben und diejenigen, die vor der Herstellung sozialer Gleichheit 25% der Ressourcen beigetragen haben, haben ihre Anstrengungen noch weiter reduziert. Als Ergebnis ist die kleine Gesellschaft deutlich schlechter gestellt. Das Einkommen des Führers ist reduziert und der kommende Winter droht, mit einer Hungersnot einher zu gehen.

In wissenschaftlicher Sprache hat unser Führer die Probleme, die sich mit Verteilungsgerechtigkeit in seiner kleinen Gesellschaft verbinden, heraufbeschworen. Verteilungsgerechtigkeit, equity im Englischen, ist ein Prinzip, das der Conditio Humana eigen ist, man kann es auch als Fairness bezeichnen. Wer viel leistet, erwartet, von seiner Leistung mehr zu profitieren als derjenige, der wenig leistet. Die Leistungsbereitschaft dessen, der viel leistet, hängt von der extrinsischen Belohnung ab, die mit seiner Leistung verbunden ist, also seiner Entlohnung oder seinem Gewinn, und mit seiner intrinsischen Belohnung, die sich z.B. aus seiner Selbstbeschreibung als leistungsfähiger als andere, ergibt.

Wird dem so motivierten Leistungsfähigen sowohl die extrinsische als auch die intrinsische Belohnung dadurch genommen, dass man ihm einerseits die höhere Auszahlung und andererseits das Symbol seiner höheren Leistungsfähigkeit nimmt, ihn mit Leistungsschwachen gleichstellt, dann wird ihm die Motivation komplett genommen. Er wird seine Leistung reduzieren, und zwar auf das Niveau, das dem eines Leistungsschwachen entspricht.

Progressive Besteuerung funktioniert auf diese demotivierende Art.

Auch der Leistungsschwache wird demotiviert. Einerseits wird ihm durch die Herstellung sozialer Gleichheit die Motivation genommen, sich anzustrengen, um ins Lager der Leistungsstarken zu wechseln, andererseits wird das vorhandene sowieso schon geringe Leistungsniveau durch die Belohnung durch Umverteilung weiter reduziert, denn nach der Umverteilung muss der Leistungsschwache noch weniger tun, um auf den Stand seiner Einkünfte zu gelangen, den er vor der Umverteilung aus eigener Kraft erreicht hat.

Und so stellt soziale Gleichheit alle schlechter.

Die Frage, warum soziale Gleichheit dennoch der Gott ist, den Sozialisten und Gutmenschen derzeit fast aller institutionalisierten Konfessionen anbeten, kann man nur mit Verweis auf den Macht stabilisierenden Effekt, den Umverteilung auf die gesellschaftliche Sozialstruktur hat, erklären: Die, die sich als Führer sehen, schaffen sich Konkurrenz, die ihnen aus erfolgreichen Individuen, die Leistung erbringen, entstehen kann, vom Hals.

Die im Text beschriebenen Zusammenhänge zwischen Motivation, Anreizen und Verteilungsgerechtigkeit sind von Legionen von Wissenschaftlern wieder und wieder mit denselben Ergebnissen erforscht worden.

Genannt seien nur die folgenden:

Adams, J. Stacy (1965). Inequity in Social Exchange. In: Berkowitz, Leonard (ed.). Advances in Experimental Social Psychology – Volume 2. New York: Academic Press.

Blinder, Alan S. (1990). Paying for Productivity. A Look at the Evidence. Washington D.C.: The Brookings Institution.

Deci, Edward L. (1975). Intrinsic Motivation. New York: Plenum.

Deci, Edward L., Koestner, R. & Ryan, Robert M. (1999). A Meta-Analytic Review of Experiments Examining the Effects of Extrinsic Rewards on Intrinsic Motivation. Psychological Bulletin 125 (3): 627-668.

Deci, Edward L. & Ryan, Richard M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior. New York: Plenum.

Frey, Bruno S. (1997). On the Relationship Between Intrinsic and Extrinsic Work Motivation. International Journal of Industrial Organization 15(4): 427-439.

Gnezzy, Uri & Rustichini, Aldo (2000). Pay Enough or Don’t Pay At All. Quarterly Journal of Economics CVX (3): 791-810.

Hackman, J. Richard (1969). The Motivated Working Adult. New York: American Management Association.

Lawler, Edward E. (1981). Pay and Organization Development. Reading: Addison-Wesley.

Lazear, Edward P. (2000). Performance Pay and Productivity. American Economic Review 90(6): 1346-1361.

Sehr guter Überblick: Miner, John B. (2005). Organizational Behavior 1: Essential Theories of Motivation and Leadership. New York: M.E. Sharpe.

Prendergast, Candice (1999). The Provision of Incentives in Firms. Journal of Economic Literature 37(1): 7-63.

Rotter, Julian B. (1966). Generalized Expectancies for Internal Versus External Control of Reinforcement. Psychological Monographs 80 (1): komplette Ausgabe.

Ryan, Robert, Sheldon, Kennon M., Kasser, Tim. & Deci, Edward, L. (1996). All Goals Are Not Created Equal: An Organismic Perpective on the Nature of Goals and Their Regulation. Pp. 7-26 in: Gollwitzer, P. Mark & Bargh, John A. (eds.): The Psychology of Action: Linking Cognition and Motivation to Behavior. New York Guildford Press.

Untersuchung zeigt, was Wächter der politischen Korrektheit treibt

Wir haben wieder einmal ein kleines Juwel der Sozialforschung gefunden.

Zachary K. Rothschild, Mark J. Landau, Lucas A. Keefer und Daniel Sullivan sind dafür verantwortlich.

Und: “Another’s punishment cleanses the self: Evidence for a moral cleansing function of punishing transgressors” ist der Titel des Beitrags, der in der Zeitschrift Motivation and Emotion zur Veröffentlichung ansteht.

Die Untersuchung

Motivation Emotion SpringerIn drei Experimenten haben die Autoren die Idee getestet, dass eigene A-Moralität, das Wissen um eigene Verstöße gegen moralische Grundregeln (also z.B. das Begehen einer Straftat), dann als weniger schlimm empfunden wird, wenn es Andere gibt, die wegen moralischer Verfehlungen bestraft worden sind.

Das klingt zunächst etwas kryptisch.

Daher in Abfolge:

Alle drei Experimente begannen damit, dass ein Teil der Probanden eine kurze Begebenheit zu Papier bringen sollten, bei der sie in einer moralisch nicht vertretbaren Weise gehandelt haben.

Dann wurde den Probanden jeweils eine Geschichte zu lesen gegeben, und zwar in Experiment 1 von einem Studenten, dem vorgeworfen wurde aus einer Spendenbox an der Universität Geld gestohlen zu haben. Die Geschichte hatte drei verschiedene Ausgänge: (1) der Vorwurf gegen den Studenten hat sich als falsch erwiesen; (2) der Vorwurf hat sich als richtig erwiesen, aber der Student konnte nicht bestraft werden, weil er kein Student der Universität mehr war, (3) der Student wurde bestraft und von der Universität verwiesen.

Sodann sollten die Probanden auf einer 6-Punkte-Skala (“1″ stimme überhaupt nicht zu bis “6” stimme voll und ganz zu) jeweils einschätzen, ob sie sich “außerordentlich rein”, “sehr sauber”, “dreckig” oder “verschmutzt” fühlten.

Ergebnis: Die Probanden, denen aufgegeben war, eine Episode zu erinnern und zu Papier zu bringen, in der sich sich in einer moralisch nicht vertretbaren Weise verhalten hatten, fühlten sich phyisch schmutziger als die Probanden, denen diese Aufgabe nicht gestellt worden war. Das Gefühl, psychisch verschmutzt zu sein, reduzierte sich erheblich, wenn die Probadenen mit der Version der Geschichte des Studenten konfrontiert wurden, in der der Student bestraft wurde.

Kurz: Das Wissen um die Bestrafung eines Dritten reduziert Gefühle der Verschmutzung aufgrund eigenen nicht moralischen Handelns.

Zwei weitere Experimente haben die Autoren durchgeführt, bei denen Sie Bedingungen und Einschätzungen variiert haben.

Die Ergebnisse bestätigen Experiment 1. So hatten Probanden, die ein eigenes nicht moralisches Verhalten berichtet hatten, größere Schuldgefühle als die Vergleichsgruppe, sie schätzten andere Personen, die sich nicht moralisch verhalten haben, als körperlich dreckiger ein als die Vergleichsgruppe, sie waren bereitwilliger als die Vergleichsgruppe ihr nicht moralisches Verhalten zu revidieren, eine Bereitschaft, die erloschen ist, wenn sie erfahren haben, dass ein Dritter für sein nicht moralisches Verhalten bestraft wurde.

Schließlich haben Probanden, die ein eigenes nicht moralisches Verhalten berichtet haben, einen Autofahrer, der eine Unfallflucht begangen hat und sich ebenfalls nicht moralisch verhalten hat, als boshafter eingeschätzt als die Vergleichsgruppe, wobei die Probanden gleichzeitig mehr eigene Schuld empfunden haben als die Vergleichsgruppe, allerdings nur so lange, bis sie erfahren haben, dass der Unfallflüchtige bestraft wurde.

So what?

Alle drei Experimente zeigen die symbolische Bedeutung öffentlicher Bestrafung von Personen, die sich moralisch nicht korrekt verhalten haben: Öffentliche, mediale Hinrichtungen wirken als moralische Reinigung für alle Betrachter, die sich ihrerseits moralisch nicht korrekt verhalten haben, die Straftaten begangen haben usw.

Mediale Hinrichtungen von Personen, die sich nicht moralisch verhalten haben, die also den Kanon der Regeln, die als für die Gesellschaft wichtig angesehen werden (sollen), nicht eingehalten haben, von Personen wie Uli Hoeneß oder Christop Daum, für die, die sich noch an ihn erinnern, dienen also nicht nur der Generalprävention, wie Kriminologen annehmen, also der Kenntlichmachung dessen, was passiert, wenn man z.B. Steuern hinterzieht, sie dienen auch der moralischen Reinigung, und dazu dienen sie all denen, die ihrerseits Leichen im Keller haben.

Entsprechend haben mediale Hinrichtungen oder Schauprozesse nicht nur eine positive generalpräventive, sondern auch eine negative Wirkung, führen sie doch dazu, dass all diejenigen, die sich ihrerseits schuldig fühlen, z.B. weil sie Steuern hinterzogen haben, z.B. weil sie Brandsätze geworfen haben, z.B. weil sie fremdes Eigentum zerstört haben, durch die öffentliche Zelebrierung der Bestrafung eines Dritten, von aller eigenen moralischen Verfehlung gereinigt.

Insofern öffentliche Hinrichtungen oder öffentiche Pranger eine reinigende Funktion für die Betrachter haben, quasi eine Form der Beichtstuhl-Absolution, lässt sich mediales Aufmerksam-Machen auf vermeintliche Verfehlungen Dritter natürlich dazu instrumentalisieren, die Leichen im eigenen moralischen Keller etwas tiefer zu verbuddeln.

Und das erklärt, warum Wächter der politischen Korrektheit aus dem Boden schießen, deren einziges Anliegen darin besteht, moralische Überlegenheit zu zelebrieren und die Abweichung von dem, was sie als politisch korrekt wahrnehmen, anzuprangern.

AfD-Watch, deren Ziel darin besteht, Dritte zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, Münkler-Watch, dessen Ziel darin besteht, einen konkreten Professor zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, der Jammerzirkus, der klagend ob des wachsenden Anti-Feminismus durch die Lande zieht und dessen Ziel darin besteht, alle, die Kritik am Genderismus üben, zu diffamieren und öffentlich zu brandmarken, die Antifas, die wechselweise gegen das furchtbare Kapital, die schreckliche Globalisierung, die verderbliche Kernkraft, die zersetzende Gentechnik zu Felde ziehen und regelmäßig versuchen, die Bösen in ihrer Bösartigkeit öffentlich zu kreuzigen, sie alle werden getrieben von dem Motiv, sich selbst zu reinigen, ihre eigenen moralischen Unzulänglichkeiten quasi auf Dritte zu projizieren.

Die öffentlichen Hinrichtungen, die wir in letzter Zeit beobachten können, sind somit nichts anderes als der Ersatz für den Beichtstuhl in der nicht-säkularen deutschen Gesellschaft: Sie verteilen Absolution an diejenigen, die sich selbst für moralisch unzulänglich und nicht gesellschaftsfähig halten.

Rothschild, Zachary K., Landau, Mark J., Keefer, Lucas A. & Sullivan, Daniel (2015). Another’s Punishment Cleanses the Self: Evidence for a Moral Cleansing Function of Punishing Transgressors. Motivation and Emotion (Online First).

PEW-Research: AfD ist eine gute Sache – Rassismus bestenfalls Randerscheinung

Schlechte Nachrichten für all diejenigen, deren Lebensunterhalt darauf basiert, die Gefahr von Rechts, den Rassismus gegen Muslime oder Juden zu beschwören und die AfD als politische Extremisten zu brandmarken.

Eine neue Studie des PEW-Research Institutes in Washington, die sich mit der Einstellung u.a. der Deutschen zur EU, zu euroskeptischen Parteien und zu Juden, Muslimen und Roma beschäftigt, kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Pew RomaGegen Juden bestehen in Deutschland kaum Ressentiments. Gefragt ob sie einen vorteilhaften (favourable) oder einen unvorteilhaften (unfavourable) Eindruck von Juden haben, sagen 9% der Deutschen, sie hätten einen unvorteilhaften Eindruck, 80% geben an, sie hätten einen vorteilhaften Eindruck. Zum Vergleich: In Polen haben 28% der Befragten einen unvorteilhaften Eindruck von Juden und 59% eine vorteilhaften Eindruck.
  • Unvorteilhafte Eindrücke gegenüber Muslimen sind in Deutschland deutlich verbreiteter: 24% geben an, einen unvorteilhaften Eindruck von Muslime zu haben, während 69% von sich sagen, sie hätten einen vorteilhaften Eindruck von Muslimen. Auch damit fällt Deutschland nicht aus der Reihe: In Italien haben 61% der Befragten einen unvorteilhaften Eindruck von Muslimen, 31% einen vorteilhaften.
  • Unvorteilhafte Eindrücke von Sinti und Roma sind dagegen bei den Befragten der sechs Ländern, die in der Untersuchung von PEW berücksichtigt wurden, weit verbreitet: 34% der deutschen Befragten haben einen unvorteilhaften Eindruck von Sinti und Roma, 52% einen vorteilhaften. Dagegen haben 86% der Italiener einen unvorteilhaften Eindruck von Sinti und Roma, nur 9% einen vorteilhaften.

Angesichts dieser Ergebnisse kann man das regelmäßig widerkehrende Lamento davon, dass in Deutschland bereits die Mitte rassistisch oder rechts sein soll, nur als vollkommen Unsinn bezeichnen.

Auch die Versuche, die AfD als randständige Erscheinung extremistischer Deutscher auszugrenzen, werden von der Mehrheit der von PEW Befragten nicht geteilt:

Afd good thingGefragt, ob sie den Aufstieg der AfD als eine gute Sache ansehen, weil dadurch Themen in die Öffentlichkeit getragen werden, die von traditionellen Parteien vernachlässigt werden, oder ob sie der Meinung sind, der Aufstieg der AfD sei eine schlechte Sache, weil die Partei zu extrem sei, geben 50% der deutschen Befragten an, dass sie die AfD für eine gute Sache halten, 41% sagen, die AfD sei keine gute Sache, und 9% haben keine Meinung.

Diejenigen, die die AfD als schlechte Sache ablehnen, finden sich vornehmlich auf der linken Seite des politischen Spektrums [wobei selbst unter den Befragten, die sich auf dem politischen Spektrum links einordnen, 45% der Ansicht sind, die AfD sei eine gute Sache]. Zustimmung zur AfD herrscht dagegen in der Mitte (51%) und Rechts (56%) vor. 59% der befragten Männer halten die AfD für eine gute Sache gegenüber 42% der befragten Frauen. Mehrheitlich Unterstützung findet die AfD unter den 18-29jährigen (51%) und den 30-49jährigen (57%). Die Ansicht, die AfD sei eine gute Sache wird hingegen von einer Minderheit der Befragten geteilt (46%), die 50 Jahre oder älter sind.

Die Unterstützung der AfD findet sich entsprechend eher unter jungen oder mittelalten Männern, die sich nicht als links bezeichnen.

Wie es scheint, sind die Deutschen mehrheitlich weder Rassisten noch negativ gegenüber der AfD eingestellt. Die Rassismus-Hysteriker und AfD-Feinde sind somit eine gesellschaftliche Minderheit, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat oder erkennen will.

Die Untersuchung von PEW wurde in sechs europäischen Ländern durchgeführt: Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Die Befragung erfolgte telefonisch. Befragt wurden in Deutschland 1000 Personen im Alter von 18 Jahren oder älter.

Grundrechte-Domino: Eines nach dem anderen fällt Grünen zum Opfer

Meinungsfreiheit wird in Deutschland zunehmend durch Gesinnungswächter eingeschränkt, die sich einbilden, gesprochene Worte seien Hassreden, die ganze Völkerstämme auf den Kriegspfad bringen könnten, würden sie zugelassen.

Die Unverletztlichkeit der Wohnung wurde schon vor einiger Zeit der Lust von Feministen, intime Beziehungen auszuspähen und asymmetrische Rechtskonstellationen, die Frauen zuerst zu Opfern degradieren, um sie dann mit mehr Rechten als Männer auszustatten, zu schaffen, preisgegeben.

Und nun haben es die Grünen offensichtlich auf das Eigentum abgesehen. Die Beschlagnahme und Enteignung von Eigentum soll erleichtert werden, geht es nach den grünen Visionären. Zunächst nur dann, wenn es sich um das Eigentum von Rechten oder Rechtsextremen oder waren es Nazis? handelt.

DDR_EnteignungDies geht aus einem fast schon kryptischen Beitrag hervor, den Jan Heidtmann für die Süddeutsche Zeitung verfasst hat und auf den uns ein Leser aufmerksam gemacht hat.

Nachbar Nazi“, so der Titel des Machwerks, das eine Fundgrube brachialer Manipulation darstellt.

So beginnt der Beitrag damit, die NPD in Thüringen, das Freie Netz Süd in Bayern und völkische Siedler im Wendland als Rechtsextreme zu klassifizieren, damit die Leser auch wissen, wo der Feind steht.

Im zweiten Absatz des Beitrags, der in der Überschrift noch Nazis vorsah, sind aus den Rechtsextremen generell Rechte geworden, die Immobilien in Deutschland erwerben, was, wie die grüne Monika Lazar beitragen darf, von der Bundesregierung ignoriert werde, die dem nun wieder “rechtsextremen Milieu” keine Bedeutung zumesse.

Abschnitt drei sieht sodann NPD, Kameradschaften und andere rechtsextreme Gruppierungen abermals und generell zu Rechten mutieren, die sich verstärkt auf dem Land einkaufen wollen: Die wandernden Rechten als neue Form des Schädlings in ländlichen Kommunen. Dort verrichten sie ihr vernichtendes Werk wieder als Rechtsextreme und indem sie ungestört agitieren könnten und dadurch Gegner einschüchtern würden. Das weiß Timo Reinfrankt von der Amadeu-Antonio-Stiftung, die ihren Sitz in urbanen Berlin hat.

Bis einschließlich Abschnitt 4 ist das Problem dargelegt. Es besteht darin, dass Rechte, also Rechtsextremisten, also die NPD oder andere sich Immobilien auf dem Land kaufen. Jetzt geht es an die Problemlösung. Die besteht zuerst darin, alle Genannten mit Straftätern gleichzusetzen und darüber zu lamentieren, dass es in Deutschland schwieriger ist als in Italien, Straftätern ihren Immobilienbesitz zu entziehen. Das leuchtende Beispiel aus Italien: Der Umgang mit der Mafia, die offensichtlich auch rechtsextrem oder rechts oder wo auch immer ist.

Dagegen sei es in Deutschland schwierig, Immobilien Rechtsextremer zu beschlagnahmen. Hohe Hürden gebe es dafür. Zu hohe Hürden, die man beseitigen muss, z.B. durch eine Änderung des Strafrechts. Durch den Hinweis auf das Strafrecht erklärt sich auch, wieso es notwendig war, Rechte, Rechtsextreme oder Nazis, wie es im Titel heißt, generell mit Straftätern gleichzusetzen, sie werden quasi zu Gesinnungs-Straftätern, haben eine Gesinnung, die unter Strafe gestellt werden muss. Die Folge: Enteignung von Privateigentum, z.B. dem Bürgerbüro der NPD in Staate, der so genannten Volksbibliothek und des Sportstudios, denn, so lernen wir, Bürgerbüros, Bibliotheken und Sportstudios darf nur betreiben, wer die richtige Gesinnung hat.

Die Verelendung der Ratio, ihr Ausverkauf auf dem Gesinnungsmarkt, sie schreitet in langen Schritten voran.

Derzeit ist die Beschlagnahme von Immobilien unter Umständen möglich und z.B. im Polizeigesetz § 33 geregelt:

Art 14 GG(1) Die Polizei kann eine Sache beschlagnahmen, wenn dies erforderlich ist

1. zum Schutz eines einzelnen oder des Gemeinwesens gegen eine unmittelbar bevorstehende Störung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung oder zur Beseitigung einer bereits eingetretenen Störung,

2. zur Verhinderung einer mißbräuchlichen Verwendung durch eine Person, die nach diesem Gesetz oder nach anderen Rechtsvorschriften festgehalten oder in Gewahrsam genommen worden ist oder

3. zum Schutz eines Einzelnen oder des Gemeinwesens vor der Gefahr einer Straftat von erheblicher Bedeutung nach § 22 Abs. 5 Nr. 1 und 2 Buchst. a und b.
(2) Unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 Nr. 3 kann der Polizeivollzugsdienst eine Forderung oder andere Vermögensrechte beschlagnahmen. Die Beschlagnahme wird durch Pfändung bewirkt. Die Vorschriften der Zivilprozessordnung über die Zwangsvollstreckung in Forderungen und andere Vermögensrechte sind sinngemäß anzuwenden.

Und dann gibt es noch das Gesetz zur Einziehung kommunistischen Vermögens.

“Um Kommunistische Umtriebe dienendes Vermögen einer staatsfeindlichen Verwendung für die Dauer zu entziehen, hat die Reichsregierung das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1
(1) Die obersten Landesbehörden oder die von ihnen bestimmten Stellen können Sachen und Rechte der Kommunistischen Partei Deutschlands und ihrer Hilfs- und Ersatzorganisationen sowie Sachen und Rechte, die zur Förderung kommunistischer Bestrebungen gebraucht oder bestimmt sind, zugunsten des Landes entziehen.
(2) Der Reichsminister des Innern kann die obersten Landesbehörden um Maßnahmen nach Abs. 1 ersuchen.

§ 2
§ 1 findet auf vermietete oder unter Eigentumsvorbehalt gelieferte Sachen keine Anwendung, es sei denn, daß der Vermieter oder Lieferant mit der Hingabe der Sache eine Förderung kommunistischer Bestrebungen beabsichtigt hat.

§ 3
Die an den eingezogenen Gegenständen bestehenden Rechte erlöschen. Durch die Einziehung eines Grundstücks werden jedoch die an dem Grundstück bestehenden Rechte nicht berührt; die einziehende Behörde kann ein solches Recht für erloschen erklären, wenn mit der Hingabe des Gegenwerts eine Förderung kommunistischer Bestrebungen beabsichtigt war.

§ 4
Naumburger Tageblatt 1933Zur Vermeidung von Härten können aus dem eingezogenen Vermögen Gläubiger der von der Einziehung Betroffenen befriedigt werden.

§ 5
Sind vor Inkrafttreten dieses Gesetzes Maßnahmen im Sinne der §§ 1 und 3 getroffen worden, so können sie von der nach § 1 zuständigen Behörde nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Gesetzes bestätigt werden.

§ 6
Die Maßnahmen nach §§ 1, 3 und 5 werden mit der Zustellung der Verfügung an den Betroffenen oder mit der öffentlichen Bekanntmachung der Verfügung wirksam.

§ 7
Eine Entschädigung wird für die nach §§ 1, 3 und 5 getroffenen Maßnahmen nicht gewährt.

§ 8
Der Reichsminister des Innern wird ermächtigt, zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes Rechts- und Verwaltungsvorschriften zu erlassen.

Ups, da haben wir uns in der Zeit geirrt, das zuletzt genannte Gesetz ist ja vom 26. Mai 1933.

Gruene du bist verdaechtigOffensichtlich empfinden die Grünen den Mangel, der durch den Wegfall des Gesetzes zur Einziehung kommunistischen Vermögens enstanden ist, so schmerzhaft, dass sie nunmehr ein Gesetz zur Einziehung rechten, rechtsextremen oder Nazi-Vermögens sehnlichst herbeisehnen.

Und warum sehnen Sie sich so sehr danach, dieses Eigentum der Rechtsextremen oder Rechten, also der Falschgesinnten zu entziehen? Der Beitrag in der Süddeutschen Zeitung bringt es an den Tag. Deshalb:

“Eine neue Qualität hätten die völkischen Siedler. “Die sind gegen Atomkraft, feiern völkische Hochzeiten und verteilen Flugblätter für eine ökologische Lebensweise, sagt Reinfrank [also der, von der Amadeu-Antonio-Stiftung in Berlin]”

Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit dem grünen Klientel wären rein zufällig und bestimmt nicht beabsichtigt.

Die DDRisierung des Denkens

Als der Kritische Rationalismus von Karl Raimund Popper zum ersten Mal auf den denkenden Teil der deutschen Bevölkerung getroffen ist, war dies wie eine Enthüllung, waren die ganzen Dilemmata, die sich mit dem Versuch, das, was man für richtig gehalten hat, zu bestätigen, auf einmal beseitigt. Fortschritt ohne Widerspruch war möglich.

Das war in den 1960er, den 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre.

RokeachSeitdem hat eine geistige DDRisierung stattgefunden, die man mit Milton Rokeach als “the closing of the mind” bezeichnen könnte. Gedacht wird nur noch, was konform ist. Wahrgenommen wird nur noch, was der eigenen Ideologie oder Gesinnung entspricht. Erklärt wird nur noch, was im Rahmen der eigenen Ideologie erklärenswert erscheint und erklärt werden kann.

Die DDRisierung des Denkens gleicht einem riesigen Verdummungsprogramm, das die Wahrnehmung begrenzen, die Wirklichkeit anpassen und den Erkenntnisfortschritt auf gesinnungskonform trimmen will: Innovation ja, aber nur, wenn sie zur Gesinnung passt.

Ein Markenzeichen dieser DDRisierung des Denken besteht darin, dass Widersprüche nebeneinander bestehen und das, was Generationen von Philosophen als traurigster Zustand erschienen ist, nämlich im Widerspruch zur eigenen Vernunft zu leben, normalisiert wurde, in der Regel dadurch, dass die Vernunft außer Kraft gesetzt wird.

Letztlich ist es eine Frage der Zeit, bis die DDRisierung des Denkens, wie die DDR, die Sowjetunion, Pol Pot oder Pinochet an ihren Widersprüchen zerbrechen wird. Niemand kann im Widerspruch zur Realität leben, nicht außerhalb eines Irrenhauses. Bis es zum großen Knall kommt, wollen wir die Logik dahinter, dass Denk-DDRisierung zu Widerspruch führen muss, aufdecken.

Die Ursache aller Widersprüche besteht darin, dass nach Bestätigung gesucht wird. Wer z.B. eine Behauptung aufstellt, der sucht nicht danach, die Behauptung zu widerlegen, wie dies im Falsifikationismus von Karl Raimund Popper der Fall ist [Der kritische Rationalismus ist nicht nur ein Mittel gegen die DDRisierung, er ist auch ein Mittel, um geistige Gesundheit zu bewahren.], nein, es wird explizit nach z.B. Beobachtungen gesucht, die die eigene Behauptung bestätigen oder zu bestätigen scheinen.

Und hier beginnt das Problem, das Carl G. Hempel bereits vor rund 80 Jahren am Beispiel von schwarzen Raben deutlich gemacht hat.

Nehmen wir den Satz “Alle Raben sind schwarz”.

Offensichtlich ist es nicht möglich, diesen Satz zu beweisen, da niemand in der Lage ist, alle Raben an einem Ort zu sammeln und zu kontrollieren, ob alle Raben schwarz sind – ganz zu schweigen von Raben, die sich auf noch nicht entdeckten Planeten finden könnten.

Allerdings ist es möglich, den Satz zu widerlegen: Ein grüner Rabe genügt, um die Aussage “Alle Raben sind schwarz” als falsch auszuweisen.

Carl G. Hempel hat einen leichteren Weg zur Prüfung der Aussage “Alle Raben sind schwarz” gesucht. Der leichtere Weg führt scheinbar über die Kontraposition:

Alle nichtschwarzen Dinge sind Nichtraben (Wenn alle nichtschwarzen Dinge Nichtraben sind, dann müssen alle Raben schwarz sein).

Um diese Aussage zu prüfen, ist es nicht mehr notwendig, alle Raben auf einen Rabenversammlungsplatz zu beordern, um zu prüfen, ob sie alle schwarz sind. Es reicht, nach Objekten zu suchen, die weder schwarz noch ein Rabe sind.

Popper ProblemloesenWeiße Tischdecken, rote Spinner, blaue Autos und grüne Papageien bestätigen die Behauptung, dass alle nichtschwarzen Dinge Nichtraben sind. Alles, was nichtschwarz und Nichtrabe ist, bestätigt nun die Aussage, dass alle Raben schwarz sind. Es wimmelt geradezu von Beweisen für die Richtigkeit der Aussage.

Das ist so ungefähr der Zustand, in dem sich denk-DDRisierte befinden müssen, Ideologen, die in der Welt nur Belege für ihre Behauptungen sehen und finden.

Nun gibt es jedoch ein Problem mit dieser Art der Suche nach Belegen. Sie führt zu einem Widerspruch, was am Beispiel eines roten Ferraris leicht nachvollziehbar ist.

Offensichtlich bestätigt ein roter Ferrari die Aussage, alle nichtschwarzen Dinge sind Nichtraben und damit die Aussage “Alle Raben sind schwarz”.

Aber nicht nur das: Der rote Ferrari bestätigt auch die Aussage, alle nichtweißen Dinge sind Nichtraben, also: “Alle Raben sind weiß”, was zu der logischen Schlussfolgerung führt:

Schwarz ist weiß.

Damit ist der Denkprozess beschrieben, der Ideologen auszeichnet, sofern man ihn als solchen bezeichnen kann, und es ist deutlich, warum Ideologen unweigerlich Widersprüche produzieren müssen.

Man kann dies auch über den Fehlschluss der Bejahung des Konsequens argumentieren, denn der rote Ferrari bestätigt eben nicht nur die Aussage, dass alle Raben schwarz sind, sondern auch die Aussage, dass alle Raben weiß sind. Da Ideologen sich auf die Bestätigung dessen versteifen, was für sie richtig ist, fällt ihnen gar nicht auf, dass ihre angebliche Bestätigung Bestätigung für ihre Ideologie und das Gegenteil ihrer Ideologie ist. Es fällt ihnen wegen des als “closing of the mind” beschriebenen Prozesses nicht auf. Die Möglichkeit, dass rote Ferrari auch belegen könnten, dass Raben weiß sind, kommt in ihrer Gesinnung nicht vor.

Da Ideologen Widersprüche nicht lösen, sondern nur ignorieren können, sammeln sie über Zeit immer mehr Widersprüche an. Im Ergebnis werden sie entweder wahnsinnig oder entsagen ihrer Ideologie.

Und deshalb wird die DDRisierung des Denkens über kurz oder lang dahinführen, wo alle Ideologien immer hingeführt haben: Zum großen Knall, zum Ende der Ideologie. Einzig die Frage, wie viele Opfer notwendig sind, bis auch der letzte Ideologe eingesehen hat, dass man nicht gegen die Wirklichkeit anleben kann, ist noch zu klären.

©ScienceFiles, 2015

München: Kein Bier für Homosexuelle

gefunden von einem Leser in der Süddeutschen Zeitung:

“Wirteverband und Stadt starten Kampange gegen Schwulen- und Lesbenverbände

SZ-LogoSchwulen- und Lesbenverbände brauchen die Öffentlichkeit, um ihre Parolen zu verbreiten. Und sie brauchen Orte, an denen sie sich versammeln können. Das sind meistens Wirtshäuser, in denen sie Nebenräume für ihre Veranstaltungen reservieren. Dagegen gehen die Stadt München und der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband Dehoga jetzt aktiv vor. Am Donnerstag haben Miriam Heigl von der Fachstelle gegen Schwulen- und Lebenverbänden/Schlawina und Christian Schottenhamel, Wirt des Löwenbräukellers und Vize-Chef der Dehoga München, die Kampagne “München ist sittlich! . . . auch in Gaststätten und Hotels” vorgestellt.

Vornehmliches Ziel der Kampagne ist es, Wirte darüber aufzuklären, wie sie Schwulen- und Lesbenaktivisten von ihren Lokalen fernhalten können. Denn es kommt immer wieder vor, dass Wirte nicht wissen, dass sich eine Gruppe von Schwulen oder Lesben in ihrem Lokal eingemietet hat.

Auch Christian Schottenhamel hatte erst kürzlich mit Schwulen und Lesben zu tun, die nach einer ihrer Demonstrationen in seinen Biergarten gekommen waren. Nachdem sie angefangen hätten, ihre Parolen zu verbreiten, habe er sie gebeten, auszutrinken und den Biergarten zu verlassen. “Dann haben sie absichtlich langsam getrunken und sind auch auf eine weitere Aufforderung nicht gegangen”, erzählt Schottenhamel. “Wir mussten die Polizei rufen, die hat sie dann rausgetragen.”

Viele Gastronomen sind unsicher, ob sie die Leute in solchen Fällen einfach wieder rausschmeißen dürfen. Das Problem: Schwulen- und Lesbenverbände sind dafür bekannt, dass sie ihre Zusammenkünfte und Demonstrationen vor Gericht durchsetzen. Deshalb empfehlen Stadt und Dehoga, sich vorher rechtlich abzusichern und zunächst genau nachzufragen, um welche Art von Veranstaltung es sich handelt. Darüber hinaus sei es ratsam, im Zweifelsfall bei Großveranstaltungen einen schriftlichen Mietvertrag aufzusetzen, in dem das Verbreiten schwuler und lesbischer Inhalte explizit untersagt sind …”

Die Kampagne gegen Schwulen- und Lesbenverbände gibt es natürlich nicht. Kein Bürgermeister und kein Fachverband der Wirtschaft würde sich trauen, sich für die Rechte von Wirten stark zu machen, die in ihrer Kneipe keine sich küssenden Männer oder Frauen sehen wollen. Entsprechende Kampagnen wären politischer Selbstmord, schon weil die Schwulen- und Lesbenverbände auf ihre grundgesetzlich verbrieften Rechte verweisen und dieselben vor Gericht durchsetzen würden – zurecht.

AntifaDer Text aus der Süddeutschen Zeitung ist indes keine Erfindung von uns. Wir haben lediglich Rechts, rechtsextremistisch, rechtspopulistisch und rechtsradikal eingeschwult oder eingelesbischt, d.h. Aussage und 99% des Textes sind so, wie er sich in der Süddeutschen Zeitung als “Kampagne gegen Rechts” findet.

Das schlichte Austauschen von Begriffen hat dem Text ein ganz neues Aufregepotential gegeben und wird natürlich dazu führen, dass sich diejenigen, die derzeit jede Gelegenheit ergreifen, um sich als guter Kämpfer, gegen Rechts, Rechtsextreme, Rechtspopulisten, rechtspopulistische Inhalt, Rechtsradikale, Sie wissen schon wogegen – aufzubauen, empören werden.

Wer gegen rechte, rechtspopulistische, rechtsradikale, rechtsextreme Inhalte Stellung bezieht und sich als Opportunist par excellence ausweist, der kann sich auf diese weise nicht nur der politisch-korrekten Minderheit andienen, sondern auch in die Zeitung kommen. Werbung ganz umsonst!

Dafür nimmt man auch gerne den Ausverkauf demokratischer Rechte in Kauf. Dieselben Leute, die Zeter und Mordio schreien würden, wenn ein Vermieter von Ferienwohnungen lieber kein Homopaar unter seinen Gästen hat, dieselben Opportunisten, sie verweigern denen, die sie als rechts, rechtspopulistisch, rechtsradikal, rechtsextrem, Verbreiter rechtspopulistischer Inhalter, also allen, die nicht unbedenklich oder unbedacht links sind, die nämlichen Rechte und man fragt sich: Sind die so dumm?

Das Austauschen der Begrifflichkeiten im Text der Süddeutschen Zeitung durch uns, sollte eigentlich noch dem letzten Langsamverarbeiter kognitiver Inhalte deutlich gemacht haben, dass man Rechte nicht an Inhalte knüpfen kann: Entweder es gibt das Recht auf freie Meinungsäußerung, oder es gibt es nicht. Wer es einschränkt, der schafft es ab, denn wenn angefangen wird, formale Rechte an bestimmte Inhalte zu knüpfen, Meinungsfreiheit ja, aber nur, wenn nicht X oder Y oder Z gesagt wird, was ist Meinungsfreiheit dann anderes als ein willkürlich von Dritten bestimmter Zwang zur konformen Meinung?

Eben!

Aber: Deutschland hat eine besondere Verantwortung wegen der Nazis und so, und die Nazis, die waren doch rechts oder rechtspopulistisch oder rechtsradikal oder rechtsextrem und deshalb muss alles, was heute rechts, rechtspopulistisch oder rechtsradikal oder rechtsextrem erscheint, bekämpft werden.

An diesen Unsinn reihen sich drei Fragen an:

Was ist Rechtsextremismus?

Waren die Nazis Rechtsextremisten?

Warum müssen Rechtsextremisten verboten werden?

KZ Auschwitz, EinfahrtWas Rechtsextremismus ist oder sein soll, ist eine heiß umstrittene Frage, die nicht einmal von Extremismusforschern einheitlich beantwortet wird. In der Regel findet man haarige Definitionen wie die folgenden: Für Backes sind Rechtsextremisten all jene, die den “Ethos fundamentaler Menschengleichheit“ ablehnen (Backes 2003: 49). Für Glanninger (2009: 17) sind Rechtsextremisten all jene, die sich gegen Demokratie wenden und rassistisch sind, und so geht das weiter, von einem Problem ins nächste, denn die Bestimmung des Rechtsextremismus z.B. über antidemokratische Inhalte führt dazu, dass man antidemokratische Inhalte betimmen muss.

Nimmt man eine solche Bestimmung z.B. darüber vor, dass Dritten demokratische Grundrechte verweigert werden, dann haben sich die Verantwortlichen der Stadt München und der Dehoga gerade als Rechtsextreme erwiesen.

Das gleiche gilt für eine Bestimmung über Rassismus. Sieht man Rassismus als die Abwertung einer Person oder einer Gruppe von Personen über körperliche Eigenschaften, dann qualifizieren sich alle Feministen, die weißen CIS-Männern bestimmte negative Eigenschaften zuschreiben Rassisten.

Die Schwierigkeiten, die sich mit der Bestimmung von Rechtsextremismus verbinden, sind dafür verantwortlich, dass die Begrifflichkeiten wild durcheinander gehen. Rechte werden nicht nur im Text der Süddeutschen Zeitung zu Rechtspopulisten und dann zu Rechtsradikalen und zu Rechtsextremisten, so als gäbe es zwischen Helmut Kohl, Benjamin Netanyahu und William Joseph Simmons keinen Unterschied.

Aber letztlich geht es bei Aktionen wie der “Kampagne gegen Rechts” aus München nicht um die Bestimmung von rechts, Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus, sondern um blanken Opportunismus auf der Grundlage emotionaler Manipulation. Emotionale Manipulation beruht nicht darauf, dass gezeigt wird, dass Inhalte der Nazis mit Inhalten von Rechtspopulisten oder Rechten oder Rechtsradikalen oder Rechtsextremen übereinstimmen, sondern darauf, dass eine sprachliche Verbindung hergestellt wird, die Nazis, Rechte, Rechtspopulisten, Rechtsradikale und Rechtsextremisten in eine Reihe stellt, sie miteinander verschmilzt.

Diese emotionale Manipulation ist über die letzten Jahrzehnte sehr erfolgreich gewesen, fast so, als hätten die Nazis, als Nationalsozialisten mit Sozialisten nicht mindestens so viel Gemeinsamkeiten wie mit Rechtsextremisten. Die Zwangsmaßnahmen, die Nationalsozialisten und Sozialisten unter Stalin eingesetzt haben, variieren kaum, die Opfer beider Regime gehen jeweils in die Millionen, beide Regime basierten auf einer Gleichschaltung der Bevölkerung und ihrer Institutionen, auf einer Herrschaft von Angst, die durch die Geheimdienste von Gestapo und NKWD gesichert wurden, und sie basierte auf der Vergötterung des heroischen Menschen, der sein Leben als Träger des Eisernen Kreuzes oder Held der Arbeit in den Dienst seines Staates gestellt hat.

Entsprechend gäbe es, nähme man die Nationalsozialisten und ihr Regime zum Ausgangspunkt, mindestens so viele Gründe, Linksextreme wie Rechtsextreme zu verbieten. Aber: Warum sollte man das? Ist die deutsche Demokratie so schwach, dass sie ein paar Links- oder Rechtsextremisten nicht überleben kann? Ist die deutsche Polizei mittlerweile so durchgegendert, dass sie links- oder rechtsextremem Mob hilflos mit Lippenstift anstelle von Schlagstock gegenübersteht?

Stalin GulagWer beide Fragen verneint, muss notwendig bei dem Punkt ankommen, dass es keinen Grund gibt, Rechts- wie Linksextremen das Wort, das Bier oder die Meinung zu verbieten. Hier einmal angekommen, stellt sich sodann die Frage, warum dann Aktionen wie die Münchner Aktion initiiert werden.

Die Antworten liegen auf der Hand: Opportunismus und Vorteilsnahme.

Kämpfer gegen Rechts leben immer noch in dem Irrtum, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ihre Versuche, auf dem Trittbrett des Karrens mitzufahren, dessen Ziel die totalitäre Gesellschaft ist, in der nurmehr gesagt werden darf, was den Führern gefällt, mit Beifall begleitet und andere, die verdienen einfach am Kampf gegen den Rechtsextremismus oder den Rechtspopulismus oder gegen alles, was ihnen rechts erscheint, denn der Kampf gegen den Rechtsextremismus ist ein Riesengeschäft.

Extremismus und Depression gehen Hand in Hand

Was motiviert Extremisten?

Das ist eine Frage, die viele interessiert, und es ist eine Frage, die wenig bis gar nicht erforscht wurde. Die Ergebnisse, die in den wenigen Forschungen erzielt wurden, die zu dieser Frage vorliegen, sind nicht eindeutig.

So kommt John M. “Matt” Venhaus auf Basis von 2032 Interviews mit Personen, die sich al-Kaida angeschlossen haben, zu keinen Ergebnissen, die man als aussagekräftig bezeichnen kann: der typische al-Kaida Aktivist, es scheint ihn nicht zu geben.

Al-Kaida Kämpfer sind keine in Armut aufgewachsenen oder sonst wie ökonomisch Deprivierten. Sie rekrutieren sich aus allen gesellschaftlichen Schichten, aus der Unter- wie der Oberschicht, aus reichem wie armem Elternhaus. Sie sind keine religiösen Fundamentalisten und fallen auch ansonsten im täglichen Leben durch nichts weiter auf, außer, dass sie sich al-Kaida angeschlossen haben.

Eine Möglichkeit, diese missliche Lage zu überwinden und Erkenntnisse über diejenigen zu gewinnen, die zu Extremisten werden oder werden könnten, besteht darin, den Weg in den Extremismus als Radikalisierungs-Prozess anzusehen, der über die Sympathie mit Handlungen von Extremisten beschrieben werden kann.

Diese Möglichkeit haben Kamaldeep Bhui, Brian Everitt und Edgar Jones in die Tat umgesetzt. Sie haben die Sympathie die 608 Männer und Frauen für extremistische Handlungen aufbringen, analysiert und sich gefragt, durch welche Determinanten diejenigen ausgezeichnet sind, die ein höheres Niveau an Radikalisierung aufzuweisen hatten.

Zur Messung des Niveaus der Radikalisierung, die über die Sympathie mit extremistischen Handlungen erfolgt, nutzen die Autoren ein eigens entwickeltes Instrument, das aus 16 Aussagen zu extremistischen Handlungen bestehet, die Befragte auf einer Skala von -3 bis +3 ablehnen oder befürworten können, darunter

  • Blockupy1die Teilnahme an nicht-gewalttätigem Protest;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Regierung ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Polizei ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt durch organisierte Gruppen, um die eigene Gruppe zu verteidigen;
  • die Begehung kleinerer Straftaten;
  • überhaupt Gewalt einzusetzen;
  • mIt terroristischen Anschlägen drohen;
  • eine terroristische Vereinigung gründen;
  • (Brand-)Bomben nutzen, um Unrecht zu bekämpfen;
  • Selbstmordanschläge verüben, um Unrecht zu bekämpfen

Die Antworten der Befragten auf die ingesamt 16 Aussagen wurden zu einem summarischen Index zusammengefasst, der in drei Teile: “am meisten ablehnend, unentschieden und am meisten sympathisierend” zerlegt und mit einer Reihe von Variablen, darunter ein generelles Maß für Angst und ein generelles Maß für Symptome einer Depression, korreliert wurde.

Ergebnis: Je mehr die Befragten mit extremistischen Handlungen sympathisierten, desto höher ihre Wahrschenlichkeit, depressiv zu sein und krankhaft ängstlich zu sein. Der Effekt der Depression auf die Symapthie mit extremistischen Handlungen ist größer als der Effekt, der von einer krankhaften Angst ausgeht.

Das Schöne an den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones: Sie sind anschlussfähig.

Will man zum Beispiel die Ausschreitungen von Blockupy anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes der EZB in Frankfurt und die Sympathien, die manche mit den Gewalttätern hatten, erklären, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones liefern einen Anhaltspunkt auf eine mögliche Ursache: Depression.

Will man z.B. die Vorgänge an der Humboldt-Universität in Berlin erklären oder die Akzeptanz, die Straftaten in z.B. genderistischen Kreisen dann erfahren, wenn sie als für die eigene Ideologie nützlich angesehen werden, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones, sie liefern einen Anhaltspunkt auf die Ursache: Depression.

Mitglieder extremistischer Vereinigungen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie Andersdenkene verteufeln und bekämpfen, die mit unterschiedlichen Formen extremistischer Handlungen, wie sie oben beschrieben wurden, gegen diejenigen vorgehen, die sie als ihre Gegner ansehen und die Sympathisanten dieser Vereinigungen, sie alle teilen den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones zufolge eine höhere Wahrscheinlichkeit, depressiv zu sein.

Tajfel. social identityDie Ergebnisse sind durchaus plausibel, wenn man die guten alten Theorien sozialer Identität aus der Sozialpsychologie hinzuzieht, die soziale Identität als Fixpunkt von Individuen sehen, die Entwicklungsleistungen nicht erbracht haben, die es nicht geschafft haben, sich eine personale Identität zu erarbeiten, die mit dem Versuch, ein eigenständiges Individuum zu sein, gescheitert sind und deshalb die Surrogat-Identität einer Gruppe, als Mitglied von Antifa, AStA, von schwarzem Block, Münkler-Watch, von Neonazi-Gruppen oder sonstigen Identitätsstiftern übernehmen.

Was, wenn nicht das Scheitern dabei, sich als eigenständige Person zu begreifen, sollte zu Depressionen führen? Was wäre ein besserer Nährboden für Extremismus als die Depression, die sich einstellt, weil man das nicht geschafft hat, was andere anscheinend spielend geschafft haben: Jemand sein?

Bhui, Kamaldeep, Everitt, Brian & Jones, Edgar (2015). Might Depression, Psychosocial Adversity, and Limited Social Assets Explain Vulnerability to and Resistance against Violent Radicalisation. Plos One.

Konflikt um Ressourcen: Die Gründe hinter der Ablehnung von Muslimen

Manche Themen sind aufgeladen, und entsprechend ist es selten, dass sich institutionalisierte Wissenschaftler damit beschäftigen. Marc Helbling und Richard Traunmüller vom Wissenschaftszentrum in Berlin bzw. der Goethe-Universität in Frankfurt machen hier eine Ausnahme.

Sie haben sich mit einem aufgeladenen Thema befasst: Mit Muslimen.

Nicht nur das, sie haben sich aus einer neuen Perspektive mit diesem Thema befasst, jedenfalls sind sie selbst dieser Ansicht.

Helbling und Traunmüller fragen: “Why do so many citizens in European democracies fear Muslim immigration, dislike Muslims’ religious practices and oppose their religious rights?” [Warum fürchten so viele Bürger in europäischen Demokratien die Zuwanderung von Muslimen, warum lehnen sie religiöse Praktiken der Muslime ab, warum sind sie gegen die Gewährung von religiösen Rechten an Muslime?]

Und sie geben eine Antwort, die in der Tat zunächst einmal neu ist:

“Muslime werden als kulturell-religiöse Bedrohung für Gesellschaften wahrgenommen, deren kollektive Identitäten und öffentliche Institutionen weit weniger säkular sind, als sie selbst es zugeben” (16).

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Mit anderen Worten: Wenn Staat und Kirche nicht getrennt sind, wenn beide insofern miteinander verbandelt sind, dass Ressourcen zwischen beiden ausgetauscht werden, wenn der Zugang zu Ressourcen von staatlicher Seite für bestimmte religiöse Vereinigungen privilegiert wird, z.B. dadurch, dass Kirchensteuern von staatlichen Behörden eingezogen werden, z.B. dadurch, dass religiöse Feiertage durch die Institutionen des Staates garantiert werden, z.B. dadurch, dass religiöse Gemeinschaften bestimmte Schutzräume besetzen, in denen sie steuerliche Vergünstigungen genießen oder Nehmer staatlicher, finanzieller Alimentierung sind, dann haben diese religiösen Gemeinschaften etwas zu verlieren, wenn neue Aspiranten für die vom Staat zu verteilenden Gefallen auftauchen, Muslime zum Beispiel.

Es sind also handfeste Ressourcenkonflikte, die Aversionen zwischen Religionsgemeinschaften auslösen.

Diese Interpretation ist indes unsere. Die Ausführungen von Helbling und Traunmüller legen sie nahe, aber die beiden trauen sich nicht so richtig, die Konsequenzen aus ihrer eigenen Argumentation zu ziehen. Sie ziehen sich lieber auf die folgende defensive, amorphe Hypothese zurück:

“Wir glauben, dass die Art und Weise wie ein Staat Religion reguliert, einen Einfluss auf die Einstellungen der … Bürger gegenüber muslimischer Einwanderung hat. Die enge Verbindung zwischen Staat und Kirche stärkt eine christliche Kulturidentität und führt zu negativen Einstellungen gegenüber neuen religiösen Gruppen”.(14)

Coser soziale KonflikteWarum man annehmen sollte, dass staatliche Regulierung die Einstellungen von Bürgern beeinflusst (und nicht etwa umgekehrt) und damit, dass die entsprechenden Bürger ohne die staatliche Regulierung wohl nicht in der Lage sind, eine entsprechende Einstellung zu bilden, ist uns nicht nachvollziehbar. Es ist uns schon deshalb nicht nachvollziehbar, weil es eine Vielzahl von Theorien, gut bewährten Theorien gibt, die zeigen, dass der Konflikt um den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen Grundlage der meisten Gruppenkonflikte ist.

Randall Collins hat dies im Rahmen der soziologischen Konflikttheorie für Klassen, also für Arbeiter, Bürger und Unternehmer dargestellt. Jim Sidanius und Felicia Pratto haben dies im Rahmen ihrer (sozialpsychologischen) Social Dominance Theory dargelegt und belegt und nicht zuletzt basieren die meisten sozialstrukturellen Theorien zu Macht und Herrschaft von Robert K. Merton bis Lewis A. Coser auf der Annahme von Konflikten über den Zugang zu Ressourcen.

Wann immer eine Gruppe einen privilegierten Zugang zu Ressourcen erlangt hat, wird sie diesen Zugang gegen andere Gruppen verteidigen.

Wie Helbling und Traunmüller am Beispiel der 26 Kantone der Schweiz zeigen, haben christliche Religionsgemeinschaften die entsprechenden privilegierten Zugänge zu Ressourcen, u.a.:

  • An Sonntagen und religiösen Feiertagen müssen Geschäfte geschlossen bleiben.
  • Religiöse Angelegenheiten werden durch spezifisch dafür geschaffene Verwaltungsstellen geregelt.
  • Die staatliche Verwaltung zieht für Religionsgemeinschaften, die Kirchensteuer erheben, die Kirchensteuer ein.
  • Religiöse Gebäude, Kirchen, Kirchentage, Orte mit religiöser Bedeutung werden mit Steuermitteln Instand gehalten.
  • Aus Steuergeldern werden religiöse Seminare und Bildungseinrichtungen bezuschusst oder gar finanziert.
  • An staatlichen Hochschulen wird der religiöse Nachwuchs ausgebildet.
  • Die religiösen Organisationen werden direkt von der staatlichen Verwaltung unterstützt oder alimentiert.
  • Es gibt direkte Zuweisungen von Steuermitteln für bestimmte Tätigkeiten religiöser Organisationen.

Dies sind nur einige der Aussagen, die den Religious Support Index ausmachen. Helbling und Traunmüller haben die 17 Aussagen, aus denen sich der Index zusammensetzt für die 26 Kantone der Schweiz erhoben und dabei die Tatsache ausgenutzt, dass sich die schweizer Kantone im Hinblick auf die Verbandelung von Kirche und Staat zum Teil erheblich unterscheiden.

Dann haben sie aus der Schweizerischen Wahlumfrage die Einstellungen der Befragten zu Muslimen, zum Bau von Minaretten und zum Tragen eines Kopftuches entnommen und die Befragten auf die 26 Kantone verteilt und u.a. mit dem Religious Support Index in Verbindung gebracht.

Das Ergebnis ist erhellend:

Je intensiver staatliche Institutionen und religiöse Organisationen mit einander verbandelt sind, desto stärker ist die Ablehnung von Muslimen, dem Bau von Minaretten oder dem Tragen von Kopftüchern in der Bevölkerung, ein Ergebnis, das Helbling und Traunmüller als Beleg für ihre Hypothese werten, nach der die Verbandelung zwischen Kirche und Staat Bürgern eine christliche Kulturidentität vorgaukelt, die von den Bürgern dann in eine ablehnende Einstellung gegenüber Muslimen umgemünzt wird.

roter FadenWarum man derart mystische Wege annehmen sollte, auf denen die Verbandelung von Staat und Kirche und damit die nicht vorhandene Säkularisierung auf die Einstellungen von Bürgern wirkt, ist uns, wie gesagt, nicht nachvollziehbar, denn: mit einer zunehmenden Intensität der beschriebenen Verbandelung steigt die Anzahl derjenigen, die direkt oder indirekt vom privilegierten Zugang ihrer religiösen Organisation zu staatlichen Mitteln profitieren. Entsprechend steigt die Zahl derer, die durch den Anspruch von Muslimen, nunmehr auch an den (finanziellen) Ressourcen zu partizipieren, an deren Herstellung sie nun in vierter Generation beteiligt sind, insofern gefährdet sind, als sie damit rechnen müssen, dass ihr privilegierter Zugang zu staatlicher Finanzierung entfällt oder doch zumindest im Ausmaß reduziert wird, dass sie – mit anderen Worten – einen (finanziellen) Verlust erleiden werden.

Die Ablehnug von Muslimen wäre demnach nicht das Ergebnis einer wahrgenommenen amorphen kulturell-religiösen Bedrohung, sondern einer konkreten Bedrohung des eigenen privilegierten Zugangs zu staatlichen Ressourcen.

Helbling, Marc & Traunmüller, Richard (2015). Regeln – und was sie bewirken. Das Verhältnis von Staat und Religion prägt die Einstellung zu Muslimen. WZB Mitteilungen 147: 14-16.

Helbling, Marc & Traunmüller, Richard (2015a). How State Support of Religion Shapes Attitudes Toward Muslim Immigrants. New Evidence from a Subnational Comparison.