Mogelpackung: Nicht überall wo Wissenschaft drauf steht, ist auch Wissenschaft drin

von Michael Klein

Die neueste Ausgabe der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie enthält eine Rezension von Dr. habil. Heike Diefenbach. Wir sind also nicht nur die Kritiker und Beobachter der Wissenschaft, die von außen betrachten, wir sind auch die Kritiker und Beobachter der Wissenschaft, die von innen verändern.

Besprochen hat Dr. habil. Heike Diefenbach das Buch:

Sind Mädchen besser? Der Wandel geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs in Deutschland. Frankfurt a. M.: Campus 2012. 340 Seiten. ISBN 978-3-593-39754-2. Preis: € 39,90 von Marcel Helbig, seines Zeichens Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin.

KfzssDer etwas prätentiös und sprachlich verkümmert daherkommende Titel, dem die Vergleichsbasis fehlt (besser als), gibt also vor, es handle sich um ein Buch, das sich mit der Tatsache befasst, dass Jungen in den letzten Jahrzehnten im deutschen Bildungssystem immer weiter hinter Mädchen zurückgefallen sind – ein Ergebnis, das Diefenbach und Klein bereits 2002 in der Zeitschrift für Pädagogik publiziert haben.

Vor genau 12 Jahren! Denn: publiziert wurde es in der Dezemberausgabe. 12 Jahre steht also der Befund, dass Jungen im Bildungssystem deutlich schlechter abschneiden als Mädchen. Geändert hat sich nichts. Offensichtlich, so kann man wohl nach 12 Jahren feststellen, ist es deutschen Bildungspolitikern vollkommen egal, dass Jungen in der Bildung mit Mädchen nicht gleichgestellt sind, dass sie aktiv benachteiligt werden, wie eine Reihe von Befunden, nicht zuletzt Diefenbach (2007) die LAU und die ELEMENT Studien deutlich machen.

Da 9 der 16 Kultusministerien von Frauen geleitet werden, kann man nunmehr auch die Mär von den Frauen, die angeblich so “caring” sind, so viel mehr “caring” als Männer auf den Müllhalde der Legenden werfen und feststellen: weibliche Kultusminister kümmern sich ebenso wenig darum, dass Jungen in Schulen hinter Mädchen zurückbleiben wie männliche Kultusminister.

Helbig will angeblich – das suggeriert jedenfalls der Titel seines Buches, bei dem es sich um seine Dissertation handelt, – im Zeitverlauf die Entwicklung des geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs betrachten und, so kann man dem kümmerlichen “Sind Mädchen besser” (wieso eigentlich nicht: “Sind Jungen schlechter”?) entnehmen, Erklärungen für den geschlechtsspezifischen Bildungserfolg analysieren.

Dazu Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Rezension:

Mogelpackung“Was Helbig tut, ist vielmehr zweierlei: zuerst rezipiert er einige mögliche Erklärungen für die Nachteile von Jungen gegenüber Mädchen mit Bezug auf ihren formalen Bildungserfolg, die in der Literatur vorgebracht werden, und empirische Studien, die sich auf diese Erklärungen beziehen (lassen); anschließend nimmt er anhand von retrospektiven Daten aus der ALWA-Studie und der NEPS-E8-Studie einen Vergleich von Jungen und Mädchen bzw. Frauen und Männern aus vier Kohorten bzw. Gruppen von Geburtsjahrgängen (die die Jahre von 1944 bis 1986 umfassen) zum Gymnasiumbesuch und dem Erwerb des Abiturs vor und versucht, die Ergebnisse durch einige Variablen zu erklären, die in diesen Studien verfügbar sind (wobei er sechs verschiedene abhängige Variablen benutzt, die sich alle auf den Gymnasiumbesuch oder den Erwerb des Abiturs beziehen).”

Es geht also nicht um die Erklärung eines geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs, wie der Titel suggeriert, sondern um die Erklärung des Besuchs eines Gymnasiums und des Erreichens eines Abiturs. Das Schöne an der Beschränkung dieser Fragestellung ist nun: Die Jungen, die bis zum Gymnasium bereits aussortiert wurden, werden gar nicht erst berücksichtigt. Anders formuliert: Da sich der geschlechtsspezifische Bildungserfolg u.a. darin niederschlägt, dass weniger Jungen als Mädchen am Gymnasium ankommen, untersucht Helbig gerade nicht den geschlechtsspezifischen Bildungserfolg. Er gibt dies nur vor. Sein Ansatz entspricht in etwa der Untersuchung geschlechtsspezifischer kognitiver Kompetenzen, die sich auf eine Auswertung der Preisträgerliste für den Nobelpreis beschränkt. Eine solche Auswertung würde natürlich nicht unter der Überschrift “Sind Männer besser” vorgenommen, sondern unter der Überschrift “Frauen werden benachteiligt”.

Es handelt sich bei der Dissertation also um eine Mogelpackung, wie Dr. habil. Heike Diefenbach in ihrer Rezension deutlich zeigt – eine Mogelpackung, die vorgibt, den kompletten Bereich des geschlechtsspezifischen Bildungserfolgs zu untersuchen, sich aber nur auf einen spezifischen Bereich des Bildungssystems, namentlich das Erreichen eines Abiturs beschränkt. Und es ist keine Verlaufsstudie, wie man erwarten würde, weil die Erklärung einer Entwicklung angekündigt wird. Vielmehr nutzt Helbig retrospektive Daten, also Daten aus Erhebungen, bei denen die Teilnehmer rückblickend über Bildungsaspekte ihres Lebens befragt wurden.

Dass im nächsten Schritt von Helbig eine Datenhuberei entwickelt wird, die man zwischenzeitlich gewöhnt ist, dass die unvermeidliche Logistische Regression seitenweise auf die Leser einstürzt, die nach kurzer Zeit dasselbe Schicksal erleiden wie der Autor, nämlich komplett den Überblick zu verlieren, sei hier nur der Vollständigkeit halber angefügt.

So fragt man sich, warum wurde dieses Buch geschrieben, wenn alles, was im Titel angekündigt wird, nicht gemacht wird? Die Antwort gibt Dr. habil. Heike Diefenbach:

“Damit ist klar, dass Helbig Mädchen tatsächlich für rundum „besser“ hält als Jungen, aber er fragt sich nirgendwo im Buch, warum das so sein sollte, und auf seine Analysen bezieht sich all dies in keiner Weise.

Worauf gründet Helbig dann aber seine Überzeugung? Er liest sie anscheinend aus seiner Rezeption der Literatur im vorderen Teil des Buches heraus – „anscheinend“, weil er bei der Formulierung seiner Überzeugungen keine Rückverweise auf Literatur oder konkrete Studien vornimmt. Fest steht aber, dass seine Rezeption unzureichend oder unangemessen ist. So fehlen wichtige Befunde, die dazu geeignet
gewesen wären, Helbigs persönliche Überzeugung hinsichtlich der schulischen Nachteile von Jungen zu gefährden, darunter der Befund der Autorin dieser Rezension, der anhand der Daten der PISA-2003-Studie gewonnen wurde und nach dem Mathematikleistungen und -noten bei Mädchen deutlich enger miteinander zusammenhängen als bei Jungen und Jungen bei der Benotung gemessen an ihren Leistungen häufiger unterbewertet werden als Mädchen (und Mädchen häufiger als Jungen
ihren Leistungen entsprechend oder überwertet werden) (Diefenbach 2007).”

loss of realityMit anderen Worten, wir haben es wieder einmal mit einem Versuch, die Realität umzuschreiben und als Travestie ihrer selbst darzustellen, zu tun, ein weiterer Versuch im Gesamt all der Versuche, die seit Jahren unternommen werden, um die Nachteile von Jungen im Bildungssystem mit welchen hanebüchenen Rabulistiken auch immer aus der Welt zu reden und dem Bildungssystem als solchem, also Lehrern, Schulen und vor allem Kultusministerien, Absolution zu erteilen. Helbig liefert damit ein erneutes Beispiel dafür, wie Wissenschaft zur Magd politischer Interessen degradiert wird.

Dr. habil. Heike Diefenbach ist eine von ganz wenigen Wissenschaftlern, die den Mut haben, dies auch in wissenschaftlichen Publikationen zum Ausdruck zu bringen, ein Stern, der sich hartnäckig gegen das Schwarze Loch der politischen Korrektheit behauptet, in dem sich die meisten institutionalisierten Wissenschaftler verstecken:

“Welcher Erkenntnisgewinn lässt sich angesichts all dessen aus dem Buch ziehen? Die Doktormutter der Dissertationsschrift von Helbig, Jutta Allmendinger, behauptet in ihrem Vorwort zum Buch: „Im vorliegenden Band findet man alles, was sich zur Frage vom Wandel des Bildungserfolgs nach Geschlecht finden lässt. Es ist ein in jeder Hinsicht gesättigtes Werk geworden“ (S. 11). „[G]esättigt“ ist das Buch aber nur mit (selbstauferlegten?) Rezeptions- und Denkbeschränkungen, sodass der einigermaßen bildungssoziologisch informierte Leser nach Lektüre dieses Buches nur weiß, was dabei herauskommt, wenn Sozialwissenschaft zur Legitimation des Status Quo benutzt wird, wie dies leider zunehmend der Fall ist.”

Haben Journalisten kein Urteilsvermögen? Idiotentest Teil II

Aus den Redaktionsräumen der Neuen Züricher Zeitung hat uns ein Hinweis auf wiederum einen Beitrag in der Wiener Zeitung erreicht, einen Beitrag von Eva Stanzl und Heiner Boberski. Die zwei Journalisten waren offensichtlich notwendig, um einen Beitrag zu verfassen, dem man das Elend des deutschsprachigen Journalismus, wie es im Idiotentest deutlich geworden ist, sehr klar entnehmen kann.

Das Elend lässt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:

  • Viele Journalisten haben keinerlei Urteilsvermögen.
  • Viele Journalisten ersetzen ihr fehlendes Urteilsvermögen durch einen manischen Glauben an eine Wahrheit, die sich an Positionen festmachen lassen soll.

Vorgeschichte

Unser Beitrag “Idiotentest für Journalisten fordert die ersten Opfer“, gehört mit zwischenzeitlich mehr als 22.000 Lesern zu den am meisten gelesenen Beiträgen auf ScienceFiles. Der Idiotentest wurde in der Weihnachtsausgabe des British Medical Journal veröffentlicht, und zwar von u.a. Dennis Lendrem, den, wie wir aus dem Beitrag in der Wiener Zeitung erfahren, sein Sohn auf den Darwin Award aufmerksam gemacht hat, jenen Spass-Award, den Studenten der Universitäten Berkeley und Stanford ins Leben gerufen haben und seit Mitte der 1980er Jahre an Personen vergeben, die sich durch eine besonders idotische Weise aus dem Genpool entfernt haben.

Lendrem et al., haben die Preisträger nach Geschlecht ausgezählt und deutlich mehr Männer als Frauen gefunden. Eine Auszählung macht noch keine Wissenschaft, so haben sie sich gedacht, und deshalb eine Theory, namentlich die “Male Idiot Theory” erfunden. Und weil eine bloße Erfindung ohne Quellenangabe schnell die Leser misstrauisch gemacht haben, haben sie der Tautologie, die sie als Male Idiot Theory bezeichnen, noch eine Fussnote spendiert, wohlwissend, dass die wenigsten Leser den entsprechenden Verweis am Ende des Textes lesen werden. Die mittlerweile berühmte Beschreibung der Male Idiot Theory lautet:

“According to “male idiot theory” (MIT) many of the differences in risk seeking behaviour, emergency department admissions, and mortality may be explained by the observation that men are idiots and idiots do stupid things.”

Einen solchen Blödsinn wird natürlich kein Wissenschaftler von sich geben und würde man ihn willkürlich mit der Arbeit eines Wissenschaftlers belegen, er oder im Falle seines Todes seine Kollegen würden verärgert reagieren. Also brauchten Lendrem et al. jemanden, who would not mind, being the alleged author of Male Idiot Theory. Wer wäre besser geeignet als ein Satiriker, einer, der es gewohnt ist, andere zu veralbern:

McPherson

Das ist die Publikation, in der James McPherson angebliche die von vielen Journalisten für wissenschaftlich gehaltene “Male Idiot Theory” entwickelt hat.

Muss man jetzt wirklich noch die Frage stellen, ob die angebliche Studie, die eine willkürlich zu Stande gekommene Grundgesamtheit nach Geschlecht auszählt und mit einer erfundenen Male Idiot Theory begründet, auch nur einen Funken Ernst gemeint ist?

Eigentlich nicht – jedenfalls dann nicht, wenn man über ein eigenes Urteilsvermögen verfügt.

Das bringt uns zum Beitrag in der Wiener Zeitung, den Eva Stanzl und Heiner Bobarski verfasst und mit “Vorsicht britischer Humor” betitelt haben.

Fehlendes Urteilsvermögen und Positionsgläubigkeit

Wiener Zeitung

Nicht einmal ohne Gutschein den vollen Preis wert!

Der Beitrag beginnt mit einer Herabwürdigung all der Preisträger des Darwin Awards, die sich um ihr Leben oder ihre Fortpflanzungsfähigkeit gebracht haben, “da sie ihr Hirn nicht einschalten”. Eine merkenswerte Formulierung, die Formulierung mit dem Hirn, das nicht eingeschaltet wird.

Es folgt die folgende Passage:

“Die Medienberichte über diese ‘Beweisstudie’ sind durchaus von Bewusstsein für Skurrilität getragen. Immerhin ist der Herausgeber das renommierte “British Medical Journal” (BMJ), das in seiner “Christmas Edition” auch heuer humorigen Fragestellungen mit standardisierten wissenschaftlichen Methoden zu Leibe rückt, inklusive korrekter Peer Reviews.”

Hier hat man zum ersten Mal den Verdacht, Stanzl und Boberski sind immer noch der Ansicht, das, was Lendrem et al. unter dem Titel “The Darwin Awards: sex difference in idiotic behaviour” veröffentlicht haben, sei in irgend einer Weise ein Ergebnis wissenschaftlicher Forschung und habe auch nur einen minimalen Gehalt.

Der Schrecken, dass dem so ist, wird im Verlauf des Textes noch größer, zitieren die Autoren doch Sätze wie: “Die Studie ist echt und auf der Webseite der Darwin Awards nachprüfbar”, oder “Mein Sohn, Ben, ist ein großer Fan dieses Preises. … Um sie [die Studie] in der BMJ Christmas Edition veröffentlichen zu können, brauchten wir noch einen Risikoforscher und einen Experten für Notfallaufnahmen. … Das BMJ verlangte dann von uns, die Datengrundlage zu erweitern”. Alle diese Zitate stammen von Dennis Lendrem und man muss ihm wirklich zugestehen, dass er sich in die Reihe der britischen Schelme, die wir sehr gut kennengelernt haben, seit wir auf der Insel leben, bestens einreiht. Statt den armen Opfern seines Pranks Erleichterung und Erkenntnis zu verschaffen, macht er das, was Henry James als “turn of the screw” bezeichnet hat, er setzt noch einen drauf.

rechenschieberMuss man wirklich darauf hinweisen, dass eine einfache Auszählung nach Geschlecht auf Basis einer willkürlich zusammengestellten Grundgesamtheit wie dem Darwin Award keinerlei Schluss über diese Grundgesamtheit hinaus zulässt, d.h. mehr Preisträger des Darwin Awards sind männlich als weiblich wäre die einzige Meldung, die verantworliche Zeitungsredakteure, die auch nur rudimentäre Ahnung von Wissenschaft haben, veröffentlichen könnten.

Es ist eigentlich ganz einfach: Eva Stanzl und Heiner Boberski sind Vertreter der Wiener Zeitung. Beide verfügen – wie man ihrem Beitrag entnehmen kann – über kein Urteilsvermögen. Wie die Datenerhebung im Rahmen des Beitrags “Idiotentest für Journalisten …” zeigt, ist das fehlende Urteilsvermögen ein Problem in vielen Redaktionen, was die Basis der JlJ-Theory – Journalists lack Judgement Theory – ist, die wiederum, wenn sie mit den emprischen Daten, die der Beitrag von Stanzl und Boberski darstellt, zu dem Schluss führen muss: Alle Redakteure der Wiener Zeitung haben keinerlei Urteilsvermögen. Richtig oder falsch? Tipp: Mit dem Beitrag von Lendrem et al. verhält es sich ganz genau so.

Doch zurück zu Stanzl und Boberski, die im Anschluss an die Zitate von Lendrem, die man als Journalist nur bringen kann, wenn man nicht merkt, dass man veralbert wird, folgendes fragen:

“Kämpfen Wissenschaftsjournale mit frivolen Mitteln um Leser? Wollen sie Forschung mit seichten Themen popularisieren, damit mehr öffentliche Gelder fließen? Beides ist denkbar. Allerdings gibt es weitaus dümmere Partygespräche als skurrile Studien – und warum soll Wissenschaft nicht auch mal bei Weihnachtsfeiern besprochen werden?”

Dazu muss man wissen, dass Lendrem et al. angekündigt haben, ihre vermeintlichen Studienergebnisse nach Veröffentlichung und während ihrer Teilnahme an Weihnachtsparties zu prüfen, was seltsam ist, da Lendrem ja behauptet hat, dass die Erweiterung der Datenbasis über den Darwin-Award hinaus vom BMJ angeblich gefordert wurde, was nur im Zusammenhang mit der Erstveröffentlichung Sinn macht, die aber bereits erfolgt ist, was Lendrem abermals als jemanden auszeichnet, der sich auf Kosten leichtgläubiger und mit keinem Urteilsvermögen ausgestatteter Journalisten lustig macht.

Offensichtlich kann er es so wenig wie wir glauben, dass es, angesichts der theoretischen Fundierung seiner Studie immer noch Journalisten gibt, die bei ihm nachfragen, die nicht selbst zu dem Schluss fähig sind, dass es keine wissenschaftliche Theorie gibt, die als Kartoon veröffentlicht wurde, so wie man den Begriff “idiotic” in wissenschaftlichen Veröffentlichungen umsonst sucht. Aber: Nichts ist offensichtlich so schwer zu beseitigen, wie das, woran Menschen partout glauben wollen, und Stanzl und Boberski wollen glauben, dass an der Studie etwas dran ist.

Der einzige Fehler an er Studie, den sie ausmachen können, besteht darin, dass sie mutmaßen, es handle sich dabei um ein seichtes Thema, mit dem das BMJ versuche, öffentliche Gelder zu sichern. Wer einmal auf der Homepage des BMJ war, der kringelt sich jetzt vor lachen. Es ist schon lustig, wenn ausgerechnet Journalisten, die nachweislich jeden Unsinn abdrucken, wenn er Auflage bringt, andere in der Weise kritisieren, in der Stanzl und Boberski dies hier tun.

Aber damit nicht genug. Es gibt noch eine denkwürdige Stelle im Text:

rofl“Kann es sein, dass jeder Mensch jede wissenschaftliche Studie nachprüfen muss? Dürfen wir uns auf renommierte Journale nicht verlassen? Schlagen Forscher sich tatsächlich in böser Absicht mit der Erstellung von Studien herum, nur um Schreiberlinge aufs Glatteis zu führen und – aus dem Hinterhalt – zu schauen, ob sie wirklich kritische Geister sind?”

Was glauben Stanzl und Boberski eigentlich, ist die Aufgabe von Journalisten? Natürlich haben Journalisten das, was sie ihren Lesern vorsetzen, zu prüfen. Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Ergebnis, das mit gesundem Menschenverstand als Fake erkennbar ist, das auf zwei Seiten publiziert ist und das mit genau einer Recherche als offensichtlicher Fake erkennbar ist. Insgesamt dauert es rund 10 Minuten, um die Indizien für den Fake zusammenzutragen. Und das ist eine Leistung, die Journalisten nicht mehr erbringen können?

Es ist noch erbärmlicher als wir gedacht haben.

Und natürlich macht es Spass, die von Stanzl und Boberski als Schreiberlinge titulierten Journalisten, die ihre Leser von morgens bis abends belehren wollen, aufs Glatteis zu führen, schon weil es dadurch möglich ist, die fähigen von den unfähigen Journalisten zu trennen. Die fähigen Journalisten, das sind die mit dem Urteilsvermögen.

Und Urteilsvermögen setzt voraus, dass man nicht Positionsgläubig ist und meint, ein Text sei deshalb gut und richtig, weil ihn ein Positionsinhaber oder eine Institution veröffentlicht haben. Ein Text ist richtig, weil er mit den Fakten übereinstimmt und Urteilsvermögen setzt es voraus, dass man die Fakten zur Kenntnis nimmt und prüft, ob sie die Behauptungen, die sie stützen sollen, auch stützen. Das ist eine Grundqualifikation von Menschen, die für sich in Anspruch nehmen, selbstbestimmt und selbstverantwortlich zu leben.

Wissenschaftswächter2Im Text von Stanzl und Boberski werden ScienceFiles, nein ScienceWatch, das sind auch irgendwie wir, als “selbsternannte Wahrheitspolizei” bezeichnet. Das ehrt uns. Wir wären nie soweit gegangen, uns als Wahrheitspolizei zu bezeichnen, aber wenn Stanzl und Boberski uns in entsprechenden Ehren halten wollen, dann soll uns das recht sein. Das Adjektiv “selbsternannt” zeigt abermals die Positionsgläubigkeit der Autoren. Wie sonst, wenn nicht selbsternannt? Wie soll man ein Urteilsvermögen entwickeln, wenn nicht aus eigenem Antrieb heraus? Dass die Position “Journalist”, die Ernennung von X zum Journalisten Urteilsvermögen nicht miteinschließt, das hat die Berichterstattung unter der Überschrift “Männer sind Idioten” eindrücklich und hinlänglich belegt.

Übrigens unterscheidet es Wissenschaftler von Journalisten, dass Wissenschaftler natürlich Watchdogs sind, denn im Gegensatz zu Journalisten sind sie in der Regel keine Wasserträger bestimmter (ideologischer) Interessen und verfügen im Gegensatz zu vielen Journalisten, wie der Idiotentest zeigt, über die Qualifikationen, die es ermöglichen, Unsinn zu erkennen – sie haben schlicht Urteilsvermögen.

Wir stellen entsprechend fest, dass selbstbestimmtes und selbstverantworliches Arbeiten in Teilen der Jorunalie nicht mehr vorhanden ist, nicht einmal der Anspruch hierauf und das – um mit Stanzl und Boberski zu sprechen, es viele gibt, die “ihr Hirn nicht einschalten” (können).

Die dubiosen Genderisten: Sabine Hark und Paula Villa haben Statusängste

Wen wundert es, dass Genderisten wie Sabine Hark und Paula Villa, die es beide auf irgend eine Weise geschafft haben, je einen Lehrstuhl in Berlin und München zu besetzen, die Flucht nach vorne antreten?

Offensichtlich bläst den Genderisten der Wind ins Gesicht und sie sehen sich genötigt, “das dubiose Gender”, wie sie es nennen, zu erklären, wie sie meinen, und die Gender Studies gegen die Attacken aus der “bürgerlichen Presse” zu verteidigen, einen Begriff, den man seit dem Kommunistischen Manifest eigentlich in abnehmender Häufigkeit zu lesen gewohnt ist, und der die Gender Studies, die Hark und Villa für sich reklamieren, bereits zu Anfang eines Textes, der sie als Wissenschaft darstellen will, als Ideologie, als sozialistische Ideologie identifiziert.

Ausgerechnet im bürgerlichen Tagesspiegel haben Hark und Villa ihr “dubioses Gender” verbreitet.

Der Beitrag beginnt mit dem üblichen Palaver über die Diffamierungen, denen sich die Gender Studies ausgesetzt sehen, was übersetzt meint: Es gibt auf der einen Seite immer mehr Menschen in Deutschland, die die Frage nach dem Wert und dem Nutzen in Relation zu den Kosten der Gender Studies stellen und auf der anderen Seite Genderisten, die genau diese Fragen nicht beantworten können.

Nach diesem üblichen Palaver, das man mit Erving Goffman als Inszenierung der Opferrolle erklären kann, also als Abwehr berechtigter Kritik durch das, was Genderisten offensichtlich als einzige Reaktionsform kennen: Sich aufgebracht aufblustern und empört bereits die Berechtigung von Frage und Kritik an ihrer heiligen Lehre abwehren, folgt ein dubiose Heilslehre über das dubiose Gender.

Denn eine Heilslehre, eine Ideologie und eben keine Wissenschaft muss es sein, wenn Genderisten nun schon seit Jahren nicht in der Lage sind, auch nur eine der Frage, die z.B. wir gestellt haben, zu beantworten oder auch nur einen belastbaren Befund vorzulegen, der zeigt, dass Genderisten den Anspruch, Wissenschaft zu sein, zu Recht erheben.

Goffman TheaterStatt also die erkenntnistheoretischen Grundlagen darzustellen, statt Ergebnisse aufzufahren, die belegen, dass Gender Studies zu Recht an Universitäten und auf Kosten von Steuerzahlern unterhalten werden (was Gender Studies zu einer zweiten Form der staatlich reglementierten Unterhaltszahlung an vornehmlich Frauen macht), statt also das Credo aufzusagen, das Wissenschaftler im Hinblick auf ihre Methode, den harten Kern ihres Fachs, wie Imre Lakatos es genannt hat, im Schlaf aufsagen können (sollten), statt die Ergebnisse zu präsentieren, die Gender Studies erzielt haben, statt dessen üben sich Hark und Villa in einer primitiven Form von umständlichem Geschwätz, das ärgerlich machen muss, ärgerlich, weil sie damit dokumentieren, dass sie für sich Überlegenheit in Anspruch nehmen und die Welt um sich herum und vor allem die Kritiker der Gender Studies nur als Untermenschen, die die heilige Lehre des Genderismus nicht verstehen, ansehen können.

Zunächst zu den Einsichten zu Gender, die wir Hark und Villa, die, das kann man nicht oft genug betonen, auf Kosten von Steuerzahlern Positionen an Universitäten besetzen, verdanken. Wir analysieren diese Einsichten nach dem Vorbild von Karl Raimund Popper, der in einem Beitrag das prätentiöse Geschwätz von Jürgen Habermas als die dünngeistigen Leerformeln entlarvt hat, die es nun einmal darstellt.

 

Das schreiben Hark und Villa Das ist unsere Übersetzung 
Gender meint zunächst eine Grenzziehung, nämlich die Unterscheidung in Männer und Frauen. Es gibt Männer und Frauen.
Angesiedelt wird diese Differenz [zwischen Männern und Frauen] an einem historisch beweglichen, immer jedoch bestimmten Ort: dem des Körpers. Männer und Frauen unterscheiden sich aufgrund bestimmter Merkmale.
Wurde die Frau im 19. Jahrhundert auf ihre Gebärmutter festgelegt, so sind es aktuell wahlweise das Gehirn, die Hormone oder auch die Chromosomen, die vorgeblich die Wahrheit des Geschlechts in sich tragen. Keine andere Leitdifferenz der Gegenwart ist derat eng an ein biologisches Verständnis geknüpft. Manche behaupten, dass es einen biologischen Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt.
Doch selbst wenn der Geschlechterunterschied sich anatomisch oder hormonell dingfest machen ließe, so ist es doch höchst erkenntnisreich, sich mit der Geschichte dieser Tatsache zu befassen. Wir geben zu, es gibt einen biologischen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Wir behaupten, es ist interessant, diesen biologischen Unterschied im Zeitverlauf zu untersuchen. Wir können allerdings nicht sagen, warum es interessant ist und welcher Nutzen damit verbunden ist.
Anders als davon auszugehen, dass es ‘Männer’ und ‘Frauen’ aufgrund ihrer unterstellten genetischen oder hormonellen Ausstattung, ihrer Hoden und Eierstöcke, an und für sich gibt, erforschen die Gender Studies zum Beispiel die historisch konstituierte, kulturell und bisweilen juristisch geregelte sowie subjektiv interpretierte und angeeignete Bedeutung des Geschlechtsunterschieds. Gender Studies pfeiffen auf die Erkenntnisse der Naturwissenschaften und wischen alle Belege dafür, dass Männer ein XY und Frauen ein XX Chromosomenpaar haben, vom Tisch. Statt dessen behaupten Gender Studies, dass soziale und juristische und subjektive Interpretationen, nach der Marke: “Welches Geschlecht möchtens denn haben?” oder “Sie sind ab sofort ein Mann!” oder “Der sieht aus wie ein Mann, der muss ein Mann sein” gibt, die das biologische Geschlecht überlagern.
Es wird also üblicherweise davon ausgegangen [in den Gender Studies], dass es Materialitäten (etwa Strukturen des Gehirns, Anatonomie, Chromosomen, Hormone) gibt, die bei Männern und Frauen wahrscheinlich häufiger oder seltener vorkommen. Zugleich wird aber eben auch davon ausgegangen, dass diese Materialitäten mit sozialen Umständen und Erfahrungen interagieren. Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen und Männer und Frauen spielen soziale Rollen.

 

Kurz, wir verdanken den Gender Studies die Einsicht, dass es Männer und Frauen gibt, dass die Bezeichnungen “Mann” und “Frau” auf Materialitäten rekurriert, z.B. einen biologischen Unterschied, der sich bei der Fortpflanzung als vorteilhaft erwiesen hat und dass Männer und Frauen sich ansonsten sozialer Rollen bedienen oder soziale Rollen spielen, sich inszenieren.

Ja.

Homo sociologicusDiese Erkenntnis verdanken wir den Gender Studies, das behaupten Hark und Villa, und damit zeigen sie, dass die sozialwissenschaftliche Forschung der letzten Jahrzehnte, Jahrhunderte spurlos an ihnen vorbeigegangen ist. Schon Ralf Dahrendorf hat auf die Kann-, Muss- und Soll-Erwartungen, die entsprechende Rollen im sozialen Leben konstituieren, hingewiesen, in den 1960er Jahren und seine Erkenntnisse mit Arbeiten US-amerikanischer Soziologen belegt, die in den 1940er und 1950er Jahren geforscht haben (u.a. Robert K. Merton und Neal Gross, Ward S. Mason und Alexander W. McEachern) und sich vor allem dadurch ausgezeichnet haben, dass sie ihre Erkenntniswelt nicht auf den angeblich nicht vorhandenen, aber doch für Gender Studies konstitutiven Unterschied zwischen Männern und Frauen beschränkt haben.

Wir stellen in Rechnung, dass die Qualität der Ausbildung an deutschen Hochschulen in den letzten Jahrzehnten massiv gelitten hat. Wir stellen in Rechnung, dass Selbstverständlichkeiten, die noch in den 1980er Jahren gelehrt wurden, aus dem Curriculum verschwunden sind, dass Methoden und Wissenschaftstheorie kein fester Bestandteil der Lehre mehr sind, ebenso wenig wie es die Kenntnis der Klassiker eines Faches oder seiner Grundbegriffe ist. Und wir stellen in Rechnung, dass mit der Verschulung von Hochschulen, mit der Einführung von Bachelorstudiengängen, die Oberflächlichkeit herrscht und Lehrstuhlbesetzer wie Hark und Villa, die von sich behaupten, Soziologen zu sein, nur noch rudimentäre Vorstellungen vom erreichten Erkenntnisstand des Faches haben und in voller Überzeugung das soziologische Rad neu erfinden, mit dem Generationen von Soziologen vor ihnen bereits Fahrzeuge betrieben haben. Sie sind insofern als Überzeugungstäter entschuldigt, aber dies kann nicht dazu führen, dass man die Ignoranten in ihrer Ignoranz verharren lässt.

Zwar sollte man über das, was Lehrstuhlbesetzer wie Hark und Villa heute als ihre neue Erkenntnis präsentieren, herzlich lachen, aber es ist nicht zum Lachen, denn Gender Studies sind eine Ideologie, die auf der Überzeugung ihrer Vertreter basiert, dass man die Weltgeschichte durch die Einteilung der sozialen Welt in Männlein und Weiblein erklären kann, Genderisten sind Phantasten, die das Wirken geheimer Mächte annehmen, die sie Patriarchat nennen und den Männlein zuschreiben. Genderisten sind Sexisten, denn sie finden nichts dabei, zu behaupten, dass die Gruppen von Männern und Frauen homogen sind, dass es mehr Unterschiede zwischen beiden Gruppen als innerhalb beider Gruppen gibt, dass man die Männer und die Frauen über einen Kamm scheren kann. Und wie alle sozialistischen Ideologen, so sind Genderisten auch Brunnenvergifter, denn die Verkündung ihres Gender-Heils funktioniert nur, wenn die Welt in antagonistische Gruppen eingeteilt wird, in böse Männer und unschuldige oder dämliche weibliche Opfer.

Und was dem ganzen Hokuspokus die Krone aufsetzt, ist das, was Hark und Villa allen Ernstes als Erklärung dafür angeben wollen, dass Genderisten der Wind ins Gesicht bläst, dass sich tatsächlich diejenigen, die den Gender-Zirkus bezahlen, fragen, was sie da bezahlen und welchen Nutzen dieser Zirkus für die Gesellschaft bringt. Das führen Hark und Villa auf “verbreitete Statusangst”, “Angst vor der Feminisierung” und “Angst vor Uneindeutigkeit” zurück.

Zentrum GspaderbornKann man derart weltfremd sein, dass man tatsächlich denkt, Kritik an Gender Studies, die jeden Beleg ihrer Wissenschaftlichkeit nach wie vor schuldig bleiben, habe etwas mit Statusangst zu tun? Kann man eine derartige Überzeugung haben, wenn man nicht zudem ein Sendungsbewusstsein zur Feminisierung hat? Nein. Es ist immerhin ein Novum für die Wissenschaft, dass angebliche Wissenschaftler die Kritik ihrer Kollegen als Diffamierung aus Statusangst diffamieren. Es ist in hohem Maße lächerlich und nur denkbar für Personen, die keinerlei Idee davon haben, was Wissenschaft ist und welche Rolle die Idee der Kritik in der Wissenschaft spielt.

Wie stellen sich Genderisten eigentlich wissenschaftlichen Fortschritt vor, wenn nicht durch Kritik, dadurch, dass gezeigt wird, das bislang für richtig gehaltene Theorien falsch sind? Die Gemeinsamkeit der Genderisten mit den Päpsten des Mittelalters, die partout nicht durch Fernrohre sehen und die Erde nicht an den Rand einer eher unbedeutenden Galaxie gerückt sehen wollten, drängen sich auf. Nicht durch Zufall, denn Genderismus ist eine Religion, die an Universitäten entsprechend nichts zu suchen hat. Es stellt sich also lediglich die Frage, wie lange es noch dauert, bis die entsprechende Austreibung der Genderisten aus der Wissenschaft stattfindet.

Zudem kann den Unsinn mit der Statusangst nur jemand äußern, der selbst massive Statusangst hat (denn ein normaler Wissenschaftler kommt angesichts von Kritik nicht auf die Idee, die Kritiker zu beschimpfen, er kommt auf die Idee, seine eigene Theorie zu überprüfen). Die Statusangst der Gnderisten speist sich daraus, dass die Blender der Gender Studies, die von sich behaupten, sie seien Wissenschaftler, nun Rede und Antwort über den Sinn und den Nutzen ihres Daseins stehen sollen. Sie haben Angst vor einem zutiefst demokratischen Prozess in der von ihnen so heftig geforderten “polyperspektivischen Gesellschaft”, als dessen Ergebnis sie als das erkennbar werden, was sie tatsächlich sind, Nutznießer an der Wissenschaft und Nutznießer der Ignoranz, mit der der Verbreitung von Gender Studies Lehrstühlen begegnet,und die entsprechende ideologische Inkubation der Wissenschaften geduldet wurde.

Doch damit ist nun Schluss.

Zusammenfassend kann man zum Text von Hark und Villa nur sagen: Und das ist alles? Alles, was die große Verteidigung in einer Tageszeitung umfasst, ist die Erkenntnis, dass es Männer und Frauen und soziale Rollen gibt? Das soll Steuerzahlern gegenüber, als Rechtfertigung dafür ausgegeben werden, dass Millionen von Steuermitteln in den Unterhalt von Gender Studierten gesteckt werden? Ein ärmlicheres Manifest einer Ideologie, die sich gerne als Wissenschaft ausgeben würde, haben wir bislang nicht gesehen.

Weiter zum Thema mit Hadmut Danisch.

Was war 2014?

Demoskopen und Meinungsforscher behaupten regelmäßig, sie würden sich für die Meinung derjenigen interessieren, die sie befragen. Allensbach, Emnid, Infas, die Europäische Kommission über ihren Eurobarometer, sie alle behaupten, die Meinung von Bürgern zu erfragen, und sie alle tun es in der Regel mit geschlossenen Fragen.

Schnell hill esserDie quantitative empirische Sozialforschung unterscheidet Fragen grob in offene und geschlossene Fragen. Offene Fragen geben im Gegensatz zu geschlossenen Fragen keine Antworten vor. Beide Arten, zu fragen, haben ihre Vor- und Nachteile. Die wichtigsten Nachteile, die sich mit geschlossenen Fragen verbinden, lassen sich an einem Beispiel deutlich machen:

Was war für Sie das wichtigste Ereignis im Jahre 2014?

  • Die Bundestagswahl
  • Ebola
  • Die NSA-Affäre um Edward Snowden
  • Mein Geburtstag

Die Ereigniswelt des Jahres 2014 ist durch die Vorgaben doch massiv eingeschränkt, was deutsche Medien bei einem entsprechenden Ergebnis sicher nicht daran hindern würde, entrüstet zu vermelden: Der eigene Geburtstag war für viele im Jahr 2014 wichtiger als Edward Snowden.

Der Nachteil geschlossener Fragen besteht demnach in der Vorgabe der Antworten. Das ist dann, wenn man eine theoretische Annahme prüfen will, kein Problem (weil man klare Vorstellungen darüber hat, was an Antworten kommt und diese Vorstellungen prüfen will), wird aber schnell zum Problem, wenn man einfach nur Informationshierarchien, wie im vorliegenden Fall erfragen will. Dann werden die entsprechenden Befragungen schnell und leicht zur kleinen Manipulation, die bereits durch die Auswahl der Vorgaben Antwortmöglichkeiten aussortiert, die dem Auftraggeber der Befragung vielleicht nicht so angenehm sind oder die er nicht gerne als wichtig identifziert sehen will.

Eine offene Frage vermeidet diese Probleme, denn sie überlässt es den Befragten, welche Ereignisse sie für das Jahr 2014 als wichtig angeben. Eine Studie der Universität Hohenheim ist diesen Weg gegangen, um die Top-10 Medienthemen des Jahres 2014 zu erfragen. Im Zeitraum vom 17. bis 21. November wurden 1.006 Bürger befragt: “Wenn Sie nun an die aktuellen Themen in den Medien denken: Welches Thema hat Sie in diesem Jahr persönlich am meisten beschäftigt bzw. beschäftigt Sie am meisten?”

Man kann darüber streiten, ob der Stimulus “aktuelles Thema” bei einer Frage, die ein ganzes Jahr in Betracht ziehen will, ein Faux Pas ist und vermutlich ist er es, dessen ungeachtet, haben die Befragten die folgende Themenhierarchie angegeben:

topthemen2014

Die vier Topthemen sind demnach alle außenpolitische Themen, die mit Krieg und Seuche zu tun haben. Innenpolitische Themen wie Migration und Wirtschaftspolitik landen weit abgeschlagen auf den Plätzen fünf und sechs, die Fussball-Weltmeisterschaft, die wirtschaftliche Lage und die Eurokrise haben im November weitgehend an Unterhaltungswert eingebüßt und die NSA-Affäre ist kaum jemandem im Erinnerung geblieben.

Dies verweist auf ein Problem teilweise retrospektiver offener Befragungen, und dieses Problem kann auf die Begriffe “Salience” und “Erinnerung” gebracht werden. Salience beschreibt das, was einem gerade besonders präsent ist: Wenn jemand einen Anruf von einem Umfrageinstitut erhält, nachdem er gerade die Tagesschau und darin den Bericht aus der Ukraine gesehen hat, und er wird gefragt, welches in den Medien transportierte Thema ihn 2014 am meisten beschäftigt hat, dann wird er ziemlich sicher mit “Ukraine” oder “Krieg in der Ukraine” antworten. Mit anderen Worten, er wird nicht antworten, was ihn 2014 am meisten beschäftigt hat, sondern was ihn derzeit am meisten beschäftigt.

Entsprechend erhält man mit offenen Fragen eine aktuelle Momentaufnahme, aber mit Sicherheit keinen Überblick über die Themen, die Deutsche im Jahr 2014 am meisten beschäftigt haben. Das verhindert schon die Erinnerung oder besser: die Nicht-Erinnerung, denn: Wer erinnert sich im November daran, dass im Februar die Berichterstattung über die Snowden-Leaks die NSA-Affäre angestoßen hat? Wer daran, dass im Februar der ehemalige Bundespräsident Wulff freigesprochen wurde? Wer außer ein paar Kölnern erinnert sich daran, dass im Mai der 1. FC Köln in die Bundesliga aufgestiegen ist und Europawahlen stattgefunden haben? Ja Europawahlen – das sind die Wahlen, bei denen unbrauchbare nationale Politiker auf hochbezahlte Stellen in Straßburg abgeschoben werden.

Entsprechend sind die Ergebnisse aus Hohenheim ein recht guter Überblick darüber, was die 1006 Befragten Ende November bewegt hat, aber sicher kein Überblick über das, was Deutsche im Jahr 2014 bewegt hat. Insofern die Hohenheimer behaupten, sie hätten das erhoben, was Deutsche, also 1006 von ihnen, als “Top-Thema des Jahres 2014″ benannt haben, ist die entsprechende Behauptung wieder einmal ein Beispiel dafür, wie weit Behauptung und Wirklichkeit auseinander liegen können.

 

Anzahl verunglückter Frauen wirkt positiv auf Kreativität und Wohlstand

Nachdem der Darwin-Award in der deutschen Presselandschaft einen so tiefen Eindruck hinterlassen hat, ist es an der Zeit, auf eine noch viele wichtigere Meldung hinzuweisen: Die Anzahl verunglückter Frauen wirkt sich positiv auf die Kreativität aus.

Tyler Vigen, US-amerikanischer Wissenschaftler an der renommierten Harvard Law School und Data Miner hat diesen wichtigen, weil für die Menschheit förderlichen Zusammenhang entdeckt:

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Die Korrelation, von der Vigen berichtet, ist mit 0,94 nahezu perfekt.

Genauer betrachtet Vigen Frauen, die zu dumm zum Laufen sind und wegen ihres unangepassten Schuhwerks in den Tod stürzen. Je mehr dieser Frauen sich aus dem Genpool entsorgen, so zeigt die Korrelation, desto kreativer werden diejenigen, die im Genpool verbleiben, so dass man Vigen attestieren kann, dass er die ISE-GE-Theory, die Idiot-Self-Elimination and Growth Enhancing Theory um einen große Schritt vorangebracht hat.

visual artWissenschaftler wie Herrnstein und Murray haben schon lange darauf hingewiesen, dass in Gesellschaften eine gegebene Intelligenzverteilung vorherrscht und dass diese Intelligenzverteilung den Verlauf einer Glockenkurve angenommen hat. Wenn sich nun all diejenigen, die am linken Rand der Glockenkurve zu finden sind, alle, die einen IQ von deutlich unter 100 aufweisen, die Idioten einer Gesellschaft, wenn sich alle diese Idioten auf die ein oder andere Weise selbst eliminieren, dann bringe dies die Gesellschaft voran, erhöhe deren Intelligenz und über den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Innovation das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand für alle.

Die Wahl von inadäquatem Schuhwerk, die Stolpern und tödliches Stürzen begünstigt, ist – wie Tyler Vigen zeigt – einer der Mechanismen, über den sich Idioten aus dem Genpool beseitigen. Die Schuhindustrie leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Eliminierung derjenigen, die eine Belastung für die Gesamtintelligenz einer Gesellschaft darstellen.

Literatur:

Herrnstein, Richard J. & Murray, Charles (1996) The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life. New York: Free Press.

Weiter Informationen finden Sie hier.

Liebe Verantwortliche bei der dpa

denken Sie nicht, edpadpa ist jetzt genug, genug mit der Verbreitung dieser idiotischen Meldung, die Anja Garms zusammengeklaubt hat, dieser Meldung, die eine fast wörtliche Übersetzung einer Pressemeldung ist, die sich auf einen Satire-Beitrag im British Medical Journal bezieht.

Finden Sie nicht, dass es notwendig ist, Personen wie Garms, die offensichtlich nur in homogenen Gruppen zu denken, in der Lage sind, die denken, es gebe “DIE” Männer und die seien von “DEN” Frauen ganz verschieden, aus dem Betrieb zu entfernen?

Wollen Sie als Nachrichtenagentur denn wirklich nicht mehr ernstgenommen werden?

Finden Sie nicht, Überschriften wie: “Männer sind eben doch die größeren Idioten” sind eine Niederung, in die sich das Niveau von dpa eigentlich nicht begeben sollte und Sätze wie: “Männer sind nicht nur Trottel, sondern: Idioten” – Sätze, die selbst dieses Niveau noch untergraben?

Haben Sie noch so etwas wie Berufsethos und Anstand im Leib, Anstand, der es Ihnen verbietet, auf das Niveau von Extremisten zu sinken, die sich dadurch auszeichnen, dass sie stereotypisieren und die Stereotypisierten dann mit ihren Vorurteilen vollwerfen, um auf diese Weise ein Hassobjekt zu finden, das den eigenen Minderwertigkeitskomplexen gerecht wird?

Haben Sie nicht das Bemühen, mit den von Ihnen gelieferten Beiträgen zumindest den Anschein von seriösem Journalismus aufrecht zu halten?

Wenn Sie sich dafür schämen, auf einen so offensichtlichen Satire-Beitrag, wie den von Ben Alexander Daniel Lendrem, Dennis William Lendrem, Andy Gray und John Dudley Isaacs hereingefallen zu sein. Wenn es Ihnen peinlich ist, dass Anja Garms nicht nur ihre Vorurteile über dpa verbreitet, sondern Pressemeldungen Dritter plagiiert, wenn Sie noch Berufsethos und Anstand haben und für sich in Anspruch nehmen, seriösen Journalismus zu betreiben, dann haben Sie eigentlich nur eine Wahl:

Entschuldigen Sie sich für diesen Unsinn, stellen Sie öffentlich richtig , dass Sie auf Satire hereingefallen sind und entlassen Sie Anja Garms!

Mit freundlichen Grüßen,

ScienceFiles.org

Prof. Dr. Günter Buchholz: “Sektion Gender- und Frauenforschung abwickeln!”

Es reicht offensichtlich immer mehr Wissenschaftlern mit dem Gender-Spuk.

Die Liste derjenigen, die versuchen, von den Sozialwissenschaften zu retten, was zu retten ist, wächst.

Sie wächst zum großen Teil im Verborgenen, weil Mut unter Sozialwissenschaftlern eine selten zu findende Tugend ist – auch wenn wir nicht verstehen, was die öffentliche Kundgabe seiner Meinung, dass Genderismus, Feminismus oder wie sich die manische Beschäftigung mit Geschlechtsteilen auch immer nennen mag, mit Wissenschaft nicht zu vereinbaren ist, mit Angst zu tun hat, vor allem wovor die entsprechenden Wissenschaftler überhaupt Angst haben.

Aber, vorauseilende Angst vor eingebildeten Entitäten ist eine weitverbreitete Qualität, die gewöhnlich und ganz so, wie Leon Festinger das beschrieben hat, damit erklärt wird, dass man gar keine Angst habe, vielmehr sich zu schade sei, um sich mit einem solchen Unsinn wie Genderismus zu befassen. Deshalb lässt man die Schergen des Genderismus walten!

buchholzEiner, der diese vorauseilende Angst nicht teil, der sich traut, seinen Mund aufzumachen, ist Prof. Dr. Günter Buchholz, der unseren letzten Beitrag zum Anlass genommen hat, eine Forderung aufzustellen, die wir unterstützen und deren Verbreitung wir unseren Lesern ans Herz legen. Prof. Dr. Günter Buchholz hat sich in der Vergangenheit bemüht, zu klären, ob Genderismus einen Kern von Wissenschaftlichkeit vorweisen kann. Er wurde angefeindet und seine wissenschaftliche Befragung wurde von den Genderisten boykottiert.

Das dokumentiert einmal mehr: Genderisten sind keine Wissenschaftler. Sie lagern sich an Sozialwissenschaften an, saugen sie aus wie ein Schwamm (sponge) und geben nichts zurück.

Es ist höchste Zeit, dem Gender-Spuk ein Ende zu bereiten. Deshalb unterstützen wir die Forderung von Prof. Dr. Günter Buchholz:

Innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Soziologie gibt es eine genderistische Abteilung, oder eine Sektion “Frauen und Geschlechterforschung”,die, nicht zuletzt im Interesse der vielen anderen Sektionen, die wissenschaftlich seriös arbeiten, zügig abgewickelt werden sollte, um den Ruf der deutschen Soziologie zu retten, was hoffentlich noch möglich ist. Denn es gibt keine feministische Wissenschaft, das ist vielmehr ein Widerspruch im Beiwort, eine contradictio in adiecto. In demselben Sinne kann es zum Beispiel auch keine “christliche Wissenschaft” geben, wie etwa den “Kreationismus” in den USA, der die Gültigkeit der Bibel der biologischen Forschung unbefragbar voraussetzt, so wenig wie es irgendeine andere X-Wissenschaft geben kann.

Denn Wissenschaft ist nur dann Wissenschaft ist, wenn sie bei sich bleibt. Und dies gerade dann, wenn sie sich bewußt bleibt, dass Wissenschaft immer ein sozialer Prozess ist, dass es also immer eine soziale Kontextualisierung gibt, die sich auf Entstehungsmotive und Verwendungsinteressen auswirken.

Entscheidend aber ist die STRIKTE TRENNUNG DES BEGRÜNDUNGSZUSAMMENHANGS sowohl vom Entstehungs- wie vom Verwendungszusammenhang, ohne diese jedoch zu ignorieren. Ich erinnere in diesem Zusammenhang beispielhaft an die experimentelle Entdeckung der Kernspaltung und die Folgen.

Der Begründungszusammenhang von Wissenschaft kennt einzig und allein Methoden, Logik und empirische Evidenz.

Und deshalb sind alle X-Wissenschaften keine Wissenschaften. Denn es wird hier der Begründungszusammenhang von Wissenschaft, der allein wissenschaftstheoretischen und methodischen Ansprüchen genügen muß, vermischt mit Motiven des geschichtlichen Entstehungszusammenhangs und mit Interessen des Verwendungszusammenhangs von Wissenschaft. Letztere gibt es immer, aber Wissenschaft kann nur betrieben werden, wenn sie vom Begründungszusammmenhang strikt ausgeschlossen bleiben. Der Wissenschaft darf weder ein Vorurteil noch ein Dogma noch ein feministischer Konsens (das Patriarchatsdogma) vorgeschaltet werden, sondern es muß methodisch korrekt geforscht werden, und diese Forschung muß ergebnisoffen sein. Ist das nicht der Fall, dann ist das keine Wissenschaft, sondern bloße Ideologieproduktion.

Und hier geht es weiter.

Genderisten sind keine Wissenschaftler – Rettet die Soziologie!

Hadmut Danisch hat heute einen Bericht zu einer Veranstaltung veröffentlicht, die er in Berlin besucht hat, eine Veranstaltung unter dem Titel “Was tun gegen Antifeminismus?”. Interessierten sei der Bericht von Hadmut empfohlen, allerdings mit einer Einschränkung voraus: Das Soziologen-Bashing von Hadmut ist nicht berechtigt. Das Problem besteht darin, dass Hadmut Leuten, die behaupten, sie seien Soziologen, das Primat der Definition einräumt. Entsprechend hält er den Unsinn, den diese Leute dann erzählen für Soziologie. Es ist aber mitnichten Soziologie.

Turner SociologyDie Soziologie ist die einzige Sozialwissenschaft, die in der Terminologie von Thomas Kuhn kurz vor die Phase der Normalwissenschaft gekommen ist. Die Soziologie hat Theorien darüber, wie soziale Phänomene zu erklären sind. Die Soziologie hat Handlungstheorien, die erklären, wie Menschen zu Handlungen kommen und wie aus Einzelhandlungen kollektive Phänomene entstehen, wie man z.B. erklären kann, dass trotz einer Bildungsexpansion die Sozialstruktur in Deutschland mehr oder weniger unverändert geblieben ist. Die Soziologie hat eine Vielzahl von Methoden zur Datenerhebung, die gut bewährt sind. Und, last but not least basiert Soziologie auf einem wissenschaftstheoretischen Fundament, das in weiten Teilen von Karl Raimund Popper, Hans Albert, Karl Acham und Ernst Topitsch gelegt wurde. Kurz: Wer sich mit Soziologie beschäftigt, der merkt schnell, dass er es mit einer Wissenschaft zu tun hat.

Das Problem der Soziologie besteht nun darin, dass es das Fach ist, in dem viele alte Recken und herausragende, international bekannte Wissenschaftler zugesehen haben, wie die Soziologie und auch die politische Soziologie, der Teil der Politikwissenschaft, der es über die reine Deskription von Phänomenen hinaus geschafft hat, vor die Hunde gegangen sind, wie sie von Schwallern gekapert wurden, die sich für links halten und nun Gutes wirken wollen, für Arbeiter, die sie noch nie aus der Nähe gesehen haben, für Benachteiligte, die sie nur als Benachteiligte kennen oder eben für Frauen.

Der Frauenhilfe-Markt ist der größte Markt innerhalb der Soziologie, und zwar deshalb, weil staatliche Eingriffe die entsprechenden Stellen geschaffen haben und durch diese Stellen dazu beigetragen haben, dass Personen auf Positionen an Hochschulen gelangt sind, die nicht die Spur einer Ahnung davon haben, was Wissenschaft ist, wie man Erkenntnis gewinnt, wie man Erkenntnis prüfbar und kritisierbar macht, wie man Wissenschaft zu Wege bringt, denn Wissenschaft ist ein kumulatives Unterfangen, das über Kritik funktioniert, über die Kritik eigener und der Forschungsergebnisse anderer, eine Kritik, die nur dann möglich ist, wenn die Forschungsergebnisse nachvollziehbar und prüfbar sind.

Mit dem Einzug der Schwaller in die Soziologie sind diese methodischen Standards ebenso weitgehend verschwunden wie die Soziologie als Wissenschaft weitgehend verschwunden ist. Denn: Die Schwaller, die sich als Kapitalismuskritiker inszenieren oder sich zu Frauenfragen äußern zu können glauben oder die in sonstigen Modethemen ihre Gutheit zur Schau stellen wollen, sie haben ganz viel Überzeugung und gar kein empirisches Datum, das ihre Überzeugung zu stützen im Stande wäre. Sie sind die reinen Ideologen, die das Denken zugunsten der Selbstsuggestion ihrer Gut- und Überlegenheit aufgegeben haben. Sie verkünden und teilen mit. Sie veröffentlichen keine Forschungsergebnisse mehr, um Kollegen die Möglichkeit zur Kritik zu geben. Sie schreiben leere Texte voller nominaler Konstruktionen, die der eigenen Inszenierung als Wissenschaftler dienen sollen. Sie veröffentlichen ideologische Traktate und gaukeln Wissenschaft vor. Sie sind Überzeugungstäter, die im Namen des von ihnen erkannten Guten unterwegs sind oder Opportunisten, die das vorgeben. Sie sind keine Wissenschaftler, die auf der Suche nach Erkenntnis sind.

Und Hadmut beschreibt die Folgen, die ein solches Sendungsbewusstsein für die davon Gesalbten hat, in seinem Bericht recht anschaulich:

“Dabei ist den Leuten jede Fähigkeit, sich selbst und die eigene Situation einzuschätzen, völlig abhanden gekommen. Ich habe heute Leute mit schwerem Realitätsverlust gesehen. Sie stellen fest, dass sie immer stärker, immer schärfer, immer mehr kritisiert werden, dass man sich immer mehr über sie lustig macht, dass man sie für immer unwissenschaftlicher hält – und nehmen das als den Beleg dafür, dass sie kurz vor dem Endsieg stehen, dass der Antifeminismus mit dem Rücken zur Wand steht und in den letzten Zügen liegt. Das hatte so ein Aroma von Honecker vor dem Mauerfall.”

Opp MethodologieWer seine Überzeugungen vor der Realität schützt und gegen Kritik abschirmt, der verliert über kurz oder lang den Bezug zur Realität und fängt an, im Ozean der eigenen Einbildungen zu treiben, und zwar hilflos, weil er vergessen hat, in welcher Richtung das Land liegt. Besonders deutlich wird dies daran, dass die Treibenden offensichtlich überhaupt nicht auf die Idee kommen, sie könnten die Kritik, die an sie gerichtet ist, entkräften.

Um auf diese Idee zu kommen, muss man (1) der Ansicht sein, Kritik sei möglich, was (2) notwendig mit der Möglichkeit einhergeht, dass die eigene Überzeugung falsch sein kann und es (3) voraussetzt, dass man wissenschaftlich sozialisiert ist und den Wert von Kritik im Rahmen von Erkenntnisgewinn kennt, was notwendig voraussetzt, dass (4) Erkenntnisgewinn das Ziel ist. Davon abgesehen setzt es die Fähigkeit zur Reflexion oder zur viel beschworenen Selbstreflexion voraus.

Da Genderisten noch nie auf die Idee gekommen sind, Kritik zu beantworten oder zu versuchen, Kritik zu entkräften, sie nur einen Reaktionsmodus kennen, nämlich den, pikiert, verärgert, ja entrüstet zu sein, ob der Häresie, die ihnen gerade als Kritik zuteil wird, muss man feststellen, dass in ihrem Weltbild (1) Kritik nicht vorgesehen ist, sie (2) die Möglichkeit, ihre Lehre sei falsch, nicht vorsehen, sie (3) entsprechend keine Idee davon haben, welche Bedeutung Kritik im Rahmen von Wissenschaft zukommt, sie (4) nicht Erkenntnisgewinn zum Ziel haben können, und sie folglich keine Wissenschaftler sind.

Genderisten sind Ideologen und Gläubige, das sollte jedem, der sich mit dem Genderismus beschäftigt, sehr klar sein, und sie sind eine Gefahr für die Sozialwissenschaften, denn sie sind sehr erfolgreich in ihrem Bemühen, Sozialwissenschaft als Ganzes lächerlich zu machen.

Auch das hat Hadmut Danisch schön auf den Punkt gebracht:

“Ich habe da heute Leute gesehen, die ich nicht mehr für gesellschaftslebensfähig und nicht mehr selbsternährungsfähig halte, sondern eher im Wahn einer Sekte. Dass das bislang funktioniert liegt daran, dass unser Hochschulsystem mit seiner Vollversorgung und Schnell hill esserBeamtenmentalität für genau solche Leute ein Zuhause gebaut hat. Feminismus ist in gewisser Hinsicht nichts anderes als das Unterfangen, das ganze Land zu so einem Idioten-Zuhause nach Stil der Gender-Institute umzubauen.”

Wir stimmen in so ziemlich allem, was Hadmut schreibt, mit ihm überein, nur in einem Punkt nicht: Der Wahnsinn, den Hadmut beobachtet, der hat nichts mit Soziologie zu tun. Soziologie ist eine Disziplin, die Theorie, Methode und wissenschaftilche Standards bereitstellt, an denen man diejenigen, die behaupten, Soziologe zu sein, messen kann. Auf diese Weise ist es einfach, richtige und ernsthafte Soziologen von denen zu unterscheiden, die sich als Soziologe inszenieren wollen, von den Betrügern, die scheinbar angetreten sind, ein sozialwissenschaftliches Fach zu zerstören.

Prof. Dr. Günter Buchholz hat unseren Gedankengang fortgeführt und eine zusätzliche Forderung gestellt, die wir vollauf unterstützen:

Innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Soziologie gibt eine genderistische Abteilung, oder eine Sektion “Frauen und Geschlechterforschung” die, nicht zuletzt im Interesse der vielen anderen Sektionen, die wissenschaftlich seriös arbeiten, zügig abgewickelt werden sollte, um den Ruf der deutschen Soziologie zu retten, was hoffentlich noch möglich ist. Denn es gibt keine feministische Wissenschaft, das ist vielmehr ein Widerspruch im Beiwort, eine contradictio in adiecto. In demselben Sinne kann es zum Beispiel auch keine “christliche Wissenschaft” geben, wie etwa den “Kreationismus” in den USA, der die Gültigkeit der Bibel der biologischen Forschung unbefragbar voraussetzt, so wenig wie es irgendeine andere X-Wissenschaft geben kann.

Die große Einfalt: Elisabeth Tuider und Sexualerziehung

Erinnern Sie sich noch an Elisabeth Tuider?

Jene “Professorin für Soziologie der Diversität”, die an der Universität Kassel eine Position besetzt, die von Steuerzahlern finanziert wird?

Ein Leser von ScienceFiles hat sich sehr genau an Elisabeth Tuider und ihre Forderungen, z.B. Analverkehr und die Einrichtung eines Bordells zum Gegenstand der Sexualerziehung von Kindern zu machen, erinnert. Und er hat erhebliche Mühen auf sich genommen, um uns einen Artikel, der in der Dezemberausgabe von Konkret veröffentlicht wurde, zuzuschicken. Wir danken ihm an dieser Stelle für seinen Einsatz.

Pirincci

Tuiders Vorstellungen

 

Angesichts der Mühen unseres Lesers verbindet sich mit dem Text natürlich für uns die Verpflichtung, jetzt auch einen Post über Tuider und ihre queeren Ideen zu Sexualerziehung zu machen. Keine verlockende Aussicht, und entsprechend haben wir den Post vor uns hergeschoben – bis heute. Heute hat die Waliser Sonne einen derart erhebenden Einfluss, dass man selbst Tuider ertragen kann.

“Die große Einfalt”, so ist der Beitrag von Tuider überschrieben, gefolgt vom Untertiteil: “Zum Nutzen der Aufgeregtheit um die sexuelle Vielfalt”. Gleich vorweg, wer nun denkt, er bekomme den angekündigten Nutzen im Text genannt, der sieht sich getäuscht. Man muss entsprechend annehmen, dass Tuider mit Nutzen die Gelegenheit meint, einen Beitrag im Konkret verfassen zu können, um ihr mageres W-Gehalt als Professor damit aufzubessern.

Der Beitrag unterteilt sich in drei Teile, die man wie folgt überschreiben kann:

  • Sexualerziehung ist ein Menschenrecht und deshalb gut.
  • Sexualerziehung, die auf der Queer-Theory basiert ist besonders gut.
  • Kritik an Queer-Sexualerziehung, wie sie Tuider vorschlägt, ist sexistisch, homophob und rassistisch und außerdem ist die AfD sexistisch, homophob und rassistisch.

Sexualerziehung ist gut

Tuider konkretNatürlich, so erfährt der Leser im ersten Teil des Beitrags von Tuider, will niemand Kinder und Jugendliche sexualisieren. Im Gegenteil, man wolle sie vor Missbrauch und Gebrauch schützen. Deshalb sei eine “umfassende Sexualerziehung und Information” von Kindern und Jugendlichen ein Bürgerrecht, ein Menschenrecht, nämlich das “Recht auf eine selbstbestimmte Sexualität”. Deshalb verfolge die Sexualpädagogik die Ziele von “Selbstbestimmung, Gewaltfreiheit und Anerkennung von vielfältigen Sexualitäten und Geschlechtern”. Grundlegen seien dafür die “marxistisch psychoanalytischen Interpretationen von Wilhelm Reich … Ihm zufolge macht die repressive Sexualerziehung ‘ängstlich, scheu, autoritätsfürchtig, gehorsam, im autoritären Sinne brav'”. Und Schuld daran sind für Reich “kapitalistische Systeme”.

Ja, wenn Wilhelm Reich das sagt, dann muss das richtig sein, auch wenn nicht so wirklich bekannt ist, auf welche empirische Basis Wilhelm Reich seine Erkenntnis stützt. Vermutlich ist ihm der Zusammenhang im selben Moment gekommen, in dem sich ihm auch das “Orgon” mitgeteilt hat, jene Lebenskraft des Orgasmus, die Reich mit spezifischen Apparaturen (z.B. dem Orgonoscope) finden zu können glaubte. Wilhelm Reich, der mit Recht als eine der kontroversesten Figuren der an sich schon wenig wissenschaftlichen Psychoanalyse bezeichnet wird, dient also Tuider als Grundlage, um ihre gute Sexualerziehung umzusetzen.

Hite Nazi occult

Darin das Kapitel: Hidden Energies

Es wäre eine eigene Analyse wert zu untersuchen, wie sich die feuchten Träume eines Wilhelm Reich von denen, die Heinrich Himmler mit seiner Adaption des Vril-Kults, der es in Deutschland mittlerweile wieder zum Vorreiter der Emanzipation von Frauen geschafft hat, auf seiner Wewelsburg umgesetzt hat, unterscheiden. Festzustellen bleibt eine erstaunliche Ähnlichkeit zwischen Marxisten wie Reich, Nationalsozialisten wie Himmler und Elisabeth Tuider wenn es um die Umsetzung sexueller Phantasien, was man heute wohl Sexualerziehung nennt, geht.

Manche Leser mögen sich fragen, warum Sexualerziehung überhaupt notwendig sein soll. Auf diese Frage gibt Tuider eine eindeutige Antwort: Sexualerziehung wurde von Institutionen als Menschenrecht definiert und deshalb ist Sexualerziehung wichtig und gut. Irrtum ausgeschlossen. Institutionen irren sich nicht, nicht für Tuider. Personen wie Tuider sind es, die für sich in Anspruch nehmen, sie würden Kindern und Jugendlichen eine anti-autoritäre und selbstbestimmte Sexualität vermitteln. Angesichts der Autoritätsgläubigkeit, die Tuider hier selbst offenbart (vermutlich als Ergebnis einer repressiven Erziehung und vielleicht eines verschütteten Orgons), weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Der Vollständigkeit halber sei noch einmal auf den Grundwiderspruch hingewiesen, der sich bei Gutmenschen immer findet: Es ist nicht möglich, Menschen zu Selbstbestimmtheit zu erziehen. Entweder Menschen sind selbstbestimmt, dann brauchen sie keine Erziehung, oder Menschen müssen erzogen werden, und dann sind sie per definitionem nicht selbstbestimmt. Erziehung stellt immer einen Eingriff, eine Intervention dar, und darüber, dass eine Sexualpädagogik wie sie Tuider vorschlägt, die Wahrnehmung derer, die ihr unterzogen werden, gestaltet und verändert, sie mit anderen Worten manipuliert, kommt Tuider auch dann nicht weg, wenn sie Selbstbestimmung als Mantra an allen passenden und unpassenden Stellen in ihren Text streut. Weil Erziehung mit Manipulation einhergeht, deshalb muss mit Erziehung verantwortungsvoll umgegangen werden. Pädagogen, die sich wie Tuider hinter dem Mantra der Selbstbestimmung verstecken, wollen genau diese Verantwortung für ihre eigenen Manipulationen an Kindern und Jugendlichen nicht übernehmen – denn dazu sind sie zu feige.

Queer-Sexualerziehung ist gut

orgone-accumulatorsDer Grund für die Feigheit könnte im Gegenstand der Sexualerziehung liegen, die Tuider favorisiert. Tuider hängt sich nicht nur an den Lehren von Wilhelm Reich an, sie verortet sich auch an der “Schnittstelle von Queer Theory, feministischer Geschlechterforschung und postkolonialen Debatten”. Für die, die in der Welt der Begriffsonanie nicht so heimisch sind, wie Tuider, die Zuordnung ist mit “gut” zu übersetzen, queer, feministisch, postkolonial, das ist gut, weil nicht weiß und nicht männlich und angeblich nicht mit “Heteronormativität, Sexismus und Rassismus” (man kann das auch ganz ander sehen) verbunden. Und deshalb, so geht das Begriffsgeklingel weiter, obliegt es einer “Sexualpädagogik der Vielfalt … für vielfältige, ineinander verwobene Machtverhältnisse zu sensibilisieren”, um “jedes Individuum ganzheitlich” sehen zu können und Vielfalt, “verstanden als Pluralisierung von Sexualitäten, Geschlechtern und Lebensformen” zu vermitteln. Die Ansammlung von Worten könnte man auch abkürzen, in dem man sagt, dass Vielfalt, vielfältig ist und sexuelle Vielfalt vielfältige Sexualitäten umfasst, und deshalb gut ist.

Und weil vielfältige Sexualitäten, warum auch immer, gut sind, deshalb ist es wichtig “Jugendliche dazu zu befähigen und zu unterstützen, mit der existierenden Diversität umzugehen und selbstbestimmt (!sic) zwischen verschiedenen Sexualitäts-, Beziehungs- und Familienentwürfen zu wählen”. Dazu soll es zudem wichtig sein, sich mit der “gesellschaftlichen Dominanzkultur” auseinanderzusetzen, “anderes anzuerkennen”, “ein Empowerment der Schwächergestellten” durchzuführen und – nicht zu vergessen: eine “Auseinandersetzung mit Vielfalt” ist wichtig.

Reich OrgasmusDie ausführliche Darstellung dessen, was man wirklich nur als Geschwätz bezeichnen kann, macht deutlich, dass Tuider nicht schreibt, um verstanden zu werden. Nein, Tuider schreibt, um sich als gut zu inszenieren. Gut ist in ihrem Verständnis, wer den gerade als nützlich oder richtig oder schlicht gut empfundenen Vorgaben von Institutionen folgt und sich für Vielfalt einsetzt. Vielfalt ist Vielfalt ist Vielfalt und vor allem ist Vielfalt für Tuider sexuelle Vielfalt, und sie behauptet von hier aus einfach, dass Vielfalt darin besteht, Kinder und Jugendliche in Schulen mit Abweichungen von dem zu konfrontieren, was sie als heteronormative Dominanzkultur bezeichnet. Da ihre heteronormative Dominanzkultur das ist, was als heterosexuelle Beziehung, die zuweilen in Familien gelebt wird, bekannt ist, meint dies für sie, dass man Kinder und Jugendliche mit Abweichungen von dieser heteronormativen Normalität konfrontieren muss. Denn: Wie Reich gewusst hat, vermutlich durch Versuche in seinem Orgon-Akkumulator, macht die heteronormative Dominanzkultur autoritätshörig und gehorsam und ängstlich und scheu.

Alles schlimme Attribute in den Augen von Tuider, denen durch die verpflichtende Darstellung abweichender sexueller Orientierung und durch die Beschäftigung mit Analverkehr und Bordellen, all den Abweichungen von der heteronormativen Dominanzkultur begegnet werden muss, denn im Zusammenhang mit Analverkehr gibt es in den Augen von Tuider offensichtlich keine Dominanz und sexuelle Beziehungen zwischen Lesben zeichnen sich für sie wohl durch eine Reinheit aus, die eine heterosexuelle Beziehung in den Augen von Tuider wohl nie erreichen wird. Das muss Kindern und Jugendlichen vermittelt werden, damit sie wissen wie Tuider das sieht und selbstbestimmt zwischen dem, was ihnen vorgegeben wird, auswählen können.

Kurz: Zuerst wird eine Behauptung aufgestellt (Sexualerziehung ist wichtig und deshalb ein Menschenrecht), dann wird die Behauptung bewertet: Sexualerziehung ist gut. Im nächsten Schritt wird Sexualerziehung konkret gefasst als Lehre von den sexuellen Abweichungen von der heteronormativen Mehrheitskultur (für Tuider ist das bezeichnender Weise eine Dominanzkultur) und mit allerlei Abweichendem gefüllt, das, als Vielfalt verpackt, nun Kindern eingetrichtert werden muss, damit sie – Achtung jetzt kommt es: selbstbestimmt wählen können. Wahnsinn hat Methode!

Kritik ist homophob usw.

Schaefers Grundbegriffe

Unsere Empfehlung für Elisabeth Tuider

Nun gibt es Menschen, Eltern, die das, was Tuider vorschlägt, ablehnen, es kritisieren. Für die mit einem eigenen Auftrag vom Reichschen Orgon ausgestattete Tuider ist das Häresie. Wer sie kritisiert, der ist gegen Vielfalt, und weil Wilhelm Reich ein Marxist war, wie sie weiß, und Marxisten angeblich links sind, deshalb ist Kritik rechts, rechtsextrem und weil sie der Queer Theorie und der feministsichen Geschlechterforschung anhängt, deshalb kann die Kritik nur von “männlichen weißen” Personen geäußert werden, die noch dazu homophob sind, denn wer kritisiert, der hat wohl etwas gegen nicht-heteronormative Sexualitäten, also gegen Schwule und Lesben. Und außerdem hat er Angst vor dem sozialen Wandel, jenem sozialen Wandel, als dessen Avantgarde sich Personen wie Tuider empfinden, jenes sozialen Wandels, der darin bestehen soll, dass in Schulen Analverkehr und die Einrichtung eines Bordells auf dem Lehrplan steht.

Tuider hat einen Lehrstuhl für Soziologie der Diversität inne und offensichtlich nicht den geringsten Schimmer davon, was sozialer Wandel, einer der Grundbegriffe der Soziologie meint. “Sozialer Wandel”, so schreibt Wolfgang Zapf, “ist die Veränderung sozialer Strukturen; unter sozialen Strukturen versteht man die (relativ) stabilen Regelmäßigkeiten des sozialen Lebens, z.B. Rollenverhalten, Organisationsmuster und soziale Schichtung“.

Die Einführung von sexuellen Orientierungen und Analverkehr in die Curricula von Schulen hat mit sozialem Wandel entsprechend überhaupt nichts zu tun, bestenfalls mit der Hoffnung, durch diese Einführung sozialen Wandel herbeiführen zu können, eine Hoffnung, die wie alle Sozialtechnologie eher mit wenig Aussicht auf Erfolg verbunden sein dürfte.

Tuider besetzt einen Lehrstuhl für Soziologie und hat von soziologischen Grundbegriffen keine Ahnung. Sie hängt einer abstrusen Lehre an, die selbst unter Psychoanalytikern eher als abseitig angesehen wird (und das will etwas heißen). Sie glaubt an die Autorität von Instanzen und sieht sich dennoch im Stande, Selbstbestimmung zu vermitteln. Sie weiß um die Wichtigkeit von Sexualerziehung, wenn auch nicht klar ist, wo sie dieses Wissen ereilt hat und worauf es gebaut ist. Sexualerziehung wird bei ihr zur Erziehung zu Vielfalt, was seltsamerweise dazu führt, dass nicht Vielfalt, sondern bestimmte von der heteronormativen, also dem normalen Arrangement der Geschlechter, (statistisch) normal, weil vorherrschend, abweichende Formen sexueller Beschäftigung thematisiert werden. Das führt dazu, das Sexualerziehung auf die Vermittlung von Techniken und Praktiken, zum Wissen über sexuelle Abweichung (es ändert auch kein Aufstampfen mit dem Fuss etwas daran, dass alles, was nicht heterosexuell ist, abweichend, weil nicht mehrheitlich praktiziert ist), bei der bezeichnender Weise das auf der Strecke bleibt, was man gewöhnlich Empfindung, in manchen Fällen auch Liebe nennt.

Dass ausgerechnet Leute wie Tuider von Machtstrukturen, von Befreiung und Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen fabulieren, macht betroffen und provoziert die Frage, welcher Zustand Tuider als Zielvorstellung vorschwebt, welche Form der Interaktion zwischen Sexualpartnern das Ziel ihrer Sexualerziehung ist. Dass die entsprechende Interaktion bei ihr mehr dem ähnelt, was man als Kundenbeziehung oder Gütertausch bezeichnet und mit dem, was man als Leidenschaft und Hingabe bezeichnet, nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, weckt ein Gefühl des Mitleids, mit Tuider, aber vor allem mit den Kindern und Jugendlichen, die dieser Form des Brainwashings unterzogen werden (sollen).

Aber man sollte den Tuiderschen Versuch, ihre abstruse Ideologie als Sexualerziehung für Kinder und Jugendliche in die Schule zu tragen, nicht unterschätzen, und entsprechend Tuider auffordern, die empirischen Belege, die es rechtfertigen sollen, Kinder und Jugendliche mit ihren Vorstellungen zu konfrontieren, vorzulegen – immer in der Annahme, es gibt diese Belege und es geht Tuider nicht ausschließlich darum, Kinder und Jugendliche mit dem zu indoktrinieren, was ihr gerade als gut und wahr vorkommt.

Und bedenkt man abschließend noch einmal, dass Tuider einen Lehrstuhl für Soziologie besetzt, dann wird einem Lann Hornscheidt fasst sympathisch und man fragt sich, ob nicht eine weitere Forderung angebracht wäre, eine weitere Forderung, eine Positionsinhaberin ihres Lehrstuhl zu entheben.

Krieg und häusliche Gewalt – Unsinn der Woche

Aus dem DIW, von dem wir lange nichts mehr berichtet haben, kommt eine neue Erkenntnis, die sprachlos macht: “Gewaltsame Konflikte erhöhen das Risiko häuslicher Gewalt“, so lautet die Überschrift eines Beitrags, für den Johannes Rieckmann verantwortlich ist. Und für diejenigen unter uns, für die der Zusammenhang nicht gleich ersichtlich ist, die nicht sofort wissen, dass Frauen zuhause und nicht Männer in Kampfhandlungen die Last gewaltsamer Konflikte tragen, hier die prätentiös monströse Einleitung, die Rieckmann seinem Beitrag verpasst in Kurzform.

Die Erfahrungen der Bürger, so schreibt er, prägen die “Überzeugungen, Einstellungen Normen, die gesamte Kultur einer Gesellschaft”. Erfahrungen werden also nicht etwa individuell verarbeitet, quasi da, wo sie anfallen, nein, sie schlagen direkt auf die kollektive Ebene durch.

Aber: Überzeugungen, Einstellungen, Normen, ja die gesamte Kultur einer Gesellschaft sind schwierig zu messen (ungeachtet der Legionen von Arbeiten, die genau das tun: Überzeugungen, Einstellungen, Normen und kulturelle Dimensionen messen), dessen ist sich Rieckmann ohne Angabe von Gründen sicher. Und deshalb misst er nicht Überzeugungen, Einstellungen, Normen, ja die gesamte Kultur einer Gesellschaft, sondern Verhaltensweisen. Denn Verhaltensweisen, so Rieckmann, lassen Rückschlüsse auf das zu, was man so schwierig messen kann, also Überzeugungen, Einstellungen, Normen und die ganze Kultur.

Und so zeigt Rieckmann, wie man sich innerhalb von zwei Absätzen widersprechen kann, indem er behauptet, etwas sei schwierig zu messen, weshalb er es nicht mißt, nur um dann zu sagen, dass er etwas andres mißt, um das, was man schwierig messen kann und deshalb nicht mißt doch zu messen. Wahnsinn hat Methode.

Verhaltensweisen sind für Rieckmann deshalb wichtig, weil er nur Verhaltensweisen im Datensatz hat, keine direkten, sondern nur berichtete, Zweitberichtete, durch Frauen in Kolumbien, zweitberichtete Verhaltensweisen von wem auch immer, der die berichtenden Frauen nach ihrem Bericht mit häuslicher Gewalt in welcher Form und in welchem Ausmaß auch immer, überzogen hat, was nichts daran geändert hat, dass die berichtenden Frauen zum Berichten in der Lage sind, trotz Kampfhandlungen.

scully facepalmHäusliche Gewalt, so Rieckmann, ist nun eine Verhaltensweise, die bestens geeignet sei, um zu messen, wie sich gesellschaftliche Wertsysteme ändern, wie Gesellschaften z.B. brutaler werden. Häusliche Gewalt, von der Frauen berichten, ist dazu viel besser geeignet als Kampfhandlungen, die in Intensität und mit zugehörigen Todesopfern berichtet werden, denn: häusliche Gewalt ist unabhängig von den Kampfhandlungen, so postuliert Rieckmann zu Beginn seines Textes, und häusliche Gewalt erlaubt Rückschlüsse auf Verhaltensänderungen, die für die Gesellschaft in der Rieckmannschen Plausibilitätsmelange wichtig sind. Warum sie das sind, warum Unabhängigkeit von Kampfhandlungen wichtig ist, dass sind Fragen, die Rieckmann nicht beantwortet.

Wozu auch? Die Antworten würden nur einen weiteren Widerspruch zu all den im Text schon vorhandenen Widersprüchen hinzufügen, denn die von Kampfhandlungen unabhängige häusliche Gewalt, die Rieckmann zu Beginn seines Textes postuliert, wird im Verlauf des Textes als von der Kampfhandlung beeinflusst dargestellt, was zeigt, dass sie gar nicht unabhängig von den Kampfhandlungen ist.

Was will uns der Autor also sagen? Nun, Rieckmann bringt Daten für die Jahre 2003 und 2004, die zeigen, wo, in welcher Intensität und mit welcher (Todes-)Folge sich kolumbianische Regierungstruppen entweder mit linken oder rechten Guerillakämpfern auseinander gesetzt haben, mit Daten aus den Jahren 2004 und 2005 in Zusammenhang, in denen “mehr als 41.000 Frauen” (also z.B. 99.999 oder 41.001 oder 9.587.123 Frauen) in Kolumbien zu ihrer Gesundheit befragt wurden. Dass diese Befragung einen internationalen Sponsor hatte, zeigt sich daran, dass auch Fragen zur häuslichen Gewalt, die natürlich nur Frauen betrifft, schon weil nur Frauen befragt wurden, im Gesundheitssurvey enthalten sind.

Das ist die primitivste Art, Daten zu manipulieren: Man fragt einfach nur die Personengruppe, für die man zeigen will, dass sie X sind oder haben oder X unterzogen werden. Das enthebt der Notwendigkeit, absolute Zahlen für eine Personengruppe mit den absoluten Zahlen für eine andere Personengruppe ins Verhältnis zu setzen. Solche Art Relationen machen nur Probleme, und am Ende zeigt sich, dass häusliche Gewalt eine Interaktion zwischen Partnern misst, die von beiden ausgeht und die entsprechend nicht genutzt werden kann, um einen Opferfonds für geprügelte Frauen zu schaffen und aus Steuergeldern zu bestücken.

Derart kritische Gedanken kommen Rieckmann natürlich nicht, denn wäre er kritisch, er hätte nicht das Thema gewählt, das er gewählt hat. Er korreliert munter drauflos und findet, dass mit der Nähe der Konflikthandlungen und deren Intensität, die Wahrscheinlichkeit häuslicher Gewalt steigt, also die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen von häuslicher Gewalt berichten (da viele Männer im Krieg sind oder mit den Kampfhandlungen beschäftigt sind, stellt sich die Frage, wer hier die häusliche Gewalt ausübt).

Da haben wir es also: Nicht die Kampfhandlungen sind für die Verrohung einer Gesellschaft, sofern es sie überhaupt gibt, verantwortlich. Nicht die Toten und Verletzten, die die Kampfhandlungen zurücklassen, sind das, was es als Konsequenz von Kampfhandlungen zu beklagen gibt, schon weil die Toten und Verletzten überwiegend männlich sind, wären sie es nicht, wir hätten es längst in einem aufgeregten Report der UN erfahren, nein, das alles ist unproblematisch oder zweitrangig oder schlicht irrelevant, denn die wichtige Meldung, die es aus Bürgerkriegen zu vermelden gibt, wenn es nach Herrn Rieckmann geht, die lautet:

war causalities“Häusliche Gewalt ist nicht nur ein unmittelbares Problem für die Opfer, sondern gefährdet langfristig auch die Sicherheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft als Ganzes. Wenn häusliche Gewalt ein weitverbreitetes Phänomen ist, fehlen vielen Kindern, die als Zeugen oder Opfer betroffen sein können, Vorbilder friedlicher Konfliktlösung. Ihre Fähigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, wird gestört. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder im späteren Leben selbst gewalttätig werden. Oft wird die Entwicklung ihrer Persönlichkeit gestört. Diese Defizite können unter ungünstigen Umständen in einem Zyklus der Gewalt an künftige Generationen weitergegeben werden. Auf lange Sicht hat dies auch negative gesamtwirtschaftliche Folgen – ein Problem, das letztlich alle Bürger einer Gesellschaft betrifft.”

Ja, ja, Sie haben sicher gedacht, das Problem an Kriegen sind die Opfer, die Toten, die Verstümmelten, die Überlebenden mit ihren Erfahrungen. Sie haben vermutlich gedacht, das Problem mit Kriegen besteht darin, dass Regierungen ihre Bevölkerung verrohen, damit sie sie zu guten Soldaten machen können, sie in den Krieg schicken können. Sie haben vermutlich gedacht, dass Kriege durch ihre Folgen dazu führen, dass Kinder, die im täglichen Leben mit Tot, Verstümmelung und psychologischen Folgen von Krieg konfrontiert sind, abstumpfen und nicht mehr wie normale Menschen funktionieren können. Ja, vielleicht haben Sie sogar gedacht, dass Kriege dazu führen, dass Menschen nicht abstumpfen, sondern ganz im Gegenteil sensibler für ihr Leben und ihre Umwelt werden und ein Interesse daran haben, das Morden zu beenden.

Vergessen Sie alles, was Sie von Kriegen zu wissen glauben. Das Problem an Kriegen sind nicht die Toten, die Verstümmelten, die Gebrochenen, das sind alles vorwiegend männliche Nebensächlichkeiten, die das Hauptproblem, die Katastrophe, das monumental Böse, das aus Kriegen folgt, verdecken, nämlich die häusliche Gewalt, die Kriegsveteranen, Verstümmelte und erfahrene Sodlaten zu Hause ausüben, um sich z.B. ein emotionales Ventil zu schaffen, denn diese häusliche Gewalt, von der die betroffenen Frauen berichten und von der nicht klar ist, welches Ausmaß sie angenommen hat, wer sie begonnen hat, ob sie einseitig oder interaktiv stattgefunden hat, diese häusliche Gewalt, die in der geistigen Einöde Rieckmannscher Phantasie das Bild der einer Göttin gleichen edlen Jungfrau, die vom miesen gewalttätigen Raubritter misshandelt wird, annimmt, diese häusliche Gewalt ist für alle negativen Folgen von Kriegen oder doch für die meisten negativen Folgen verantwortlich, das gilt es zu verstehen.

Und wenn wir das verstanden haben, dann ist es wichtig, beim nächsten Krieg häusliche Gewalt mit Todesstrafe zu bedrohen, um die Verrohung der Gesellschaft zu verhindern, wobei häusliche Gewalt nur dann häusliche Gewalt ist, wenn sie von Männern ausgeht.

Diese Erkenntnis verdanken wir Johannes Rieckmann.

Wer aufgrund dieser Erkenntnis den Impuls spürt, Johannes Rieckmann häuslicher Gewalt zu unterziehen, dem sei davon abgeraten, denn Rieckmann hat einen männlichen Vornamen, weshalb angenommen werden muss, dass er männlich ist und gegen Männer kann keine häusliche Gewalt ausüben werden und andere Formen der Gewalt gegen Männer sind belanglos, wie Rieckmann selbst zeigt.