Krieg und häusliche Gewalt – Unsinn der Woche

Aus dem DIW, von dem wir lange nichts mehr berichtet haben, kommt eine neue Erkenntnis, die sprachlos macht: “Gewaltsame Konflikte erhöhen das Risiko häuslicher Gewalt“, so lautet die Überschrift eines Beitrags, für den Johannes Rieckmann verantwortlich ist. Und für diejenigen unter uns, für die der Zusammenhang nicht gleich ersichtlich ist, die nicht sofort wissen, dass Frauen zuhause und nicht Männer in Kampfhandlungen die Last gewaltsamer Konflikte tragen, hier die prätentiös monströse Einleitung, die Rieckmann seinem Beitrag verpasst in Kurzform.

Die Erfahrungen der Bürger, so schreibt er, prägen die “Überzeugungen, Einstellungen Normen, die gesamte Kultur einer Gesellschaft”. Erfahrungen werden also nicht etwa individuell verarbeitet, quasi da, wo sie anfallen, nein, sie schlagen direkt auf die kollektive Ebene durch.

Aber: Überzeugungen, Einstellungen, Normen, ja die gesamte Kultur einer Gesellschaft sind schwierig zu messen (ungeachtet der Legionen von Arbeiten, die genau das tun: Überzeugungen, Einstellungen, Normen und kulturelle Dimensionen messen), dessen ist sich Rieckmann ohne Angabe von Gründen sicher. Und deshalb misst er nicht Überzeugungen, Einstellungen, Normen, ja die gesamte Kultur einer Gesellschaft, sondern Verhaltensweisen. Denn Verhaltensweisen, so Rieckmann, lassen Rückschlüsse auf das zu, was man so schwierig messen kann, also Überzeugungen, Einstellungen, Normen und die ganze Kultur.

Und so zeigt Rieckmann, wie man sich innerhalb von zwei Absätzen widersprechen kann, indem er behauptet, etwas sei schwierig zu messen, weshalb er es nicht mißt, nur um dann zu sagen, dass er etwas andres mißt, um das, was man schwierig messen kann und deshalb nicht mißt doch zu messen. Wahnsinn hat Methode.

Verhaltensweisen sind für Rieckmann deshalb wichtig, weil er nur Verhaltensweisen im Datensatz hat, keine direkten, sondern nur berichtete, Zweitberichtete, durch Frauen in Kolumbien, zweitberichtete Verhaltensweisen von wem auch immer, der die berichtenden Frauen nach ihrem Bericht mit häuslicher Gewalt in welcher Form und in welchem Ausmaß auch immer, überzogen hat, was nichts daran geändert hat, dass die berichtenden Frauen zum Berichten in der Lage sind, trotz Kampfhandlungen.

scully facepalmHäusliche Gewalt, so Rieckmann, ist nun eine Verhaltensweise, die bestens geeignet sei, um zu messen, wie sich gesellschaftliche Wertsysteme ändern, wie Gesellschaften z.B. brutaler werden. Häusliche Gewalt, von der Frauen berichten, ist dazu viel besser geeignet als Kampfhandlungen, die in Intensität und mit zugehörigen Todesopfern berichtet werden, denn: häusliche Gewalt ist unabhängig von den Kampfhandlungen, so postuliert Rieckmann zu Beginn seines Textes, und häusliche Gewalt erlaubt Rückschlüsse auf Verhaltensänderungen, die für die Gesellschaft in der Rieckmannschen Plausibilitätsmelange wichtig sind. Warum sie das sind, warum Unabhängigkeit von Kampfhandlungen wichtig ist, dass sind Fragen, die Rieckmann nicht beantwortet.

Wozu auch? Die Antworten würden nur einen weiteren Widerspruch zu all den im Text schon vorhandenen Widersprüchen hinzufügen, denn die von Kampfhandlungen unabhängige häusliche Gewalt, die Rieckmann zu Beginn seines Textes postuliert, wird im Verlauf des Textes als von der Kampfhandlung beeinflusst dargestellt, was zeigt, dass sie gar nicht unabhängig von den Kampfhandlungen ist.

Was will uns der Autor also sagen? Nun, Rieckmann bringt Daten für die Jahre 2003 und 2004, die zeigen, wo, in welcher Intensität und mit welcher (Todes-)Folge sich kolumbianische Regierungstruppen entweder mit linken oder rechten Guerillakämpfern auseinander gesetzt haben, mit Daten aus den Jahren 2004 und 2005 in Zusammenhang, in denen “mehr als 41.000 Frauen” (also z.B. 99.999 oder 41.001 oder 9.587.123 Frauen) in Kolumbien zu ihrer Gesundheit befragt wurden. Dass diese Befragung einen internationalen Sponsor hatte, zeigt sich daran, dass auch Fragen zur häuslichen Gewalt, die natürlich nur Frauen betrifft, schon weil nur Frauen befragt wurden, im Gesundheitssurvey enthalten sind.

Das ist die primitivste Art, Daten zu manipulieren: Man fragt einfach nur die Personengruppe, für die man zeigen will, dass sie X sind oder haben oder X unterzogen werden. Das enthebt der Notwendigkeit, absolute Zahlen für eine Personengruppe mit den absoluten Zahlen für eine andere Personengruppe ins Verhältnis zu setzen. Solche Art Relationen machen nur Probleme, und am Ende zeigt sich, dass häusliche Gewalt eine Interaktion zwischen Partnern misst, die von beiden ausgeht und die entsprechend nicht genutzt werden kann, um einen Opferfonds für geprügelte Frauen zu schaffen und aus Steuergeldern zu bestücken.

Derart kritische Gedanken kommen Rieckmann natürlich nicht, denn wäre er kritisch, er hätte nicht das Thema gewählt, das er gewählt hat. Er korreliert munter drauflos und findet, dass mit der Nähe der Konflikthandlungen und deren Intensität, die Wahrscheinlichkeit häuslicher Gewalt steigt, also die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen von häuslicher Gewalt berichten (da viele Männer im Krieg sind oder mit den Kampfhandlungen beschäftigt sind, stellt sich die Frage, wer hier die häusliche Gewalt ausübt).

Da haben wir es also: Nicht die Kampfhandlungen sind für die Verrohung einer Gesellschaft, sofern es sie überhaupt gibt, verantwortlich. Nicht die Toten und Verletzten, die die Kampfhandlungen zurücklassen, sind das, was es als Konsequenz von Kampfhandlungen zu beklagen gibt, schon weil die Toten und Verletzten überwiegend männlich sind, wären sie es nicht, wir hätten es längst in einem aufgeregten Report der UN erfahren, nein, das alles ist unproblematisch oder zweitrangig oder schlicht irrelevant, denn die wichtige Meldung, die es aus Bürgerkriegen zu vermelden gibt, wenn es nach Herrn Rieckmann geht, die lautet:

war causalities“Häusliche Gewalt ist nicht nur ein unmittelbares Problem für die Opfer, sondern gefährdet langfristig auch die Sicherheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft als Ganzes. Wenn häusliche Gewalt ein weitverbreitetes Phänomen ist, fehlen vielen Kindern, die als Zeugen oder Opfer betroffen sein können, Vorbilder friedlicher Konfliktlösung. Ihre Fähigkeit, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen, wird gestört. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder im späteren Leben selbst gewalttätig werden. Oft wird die Entwicklung ihrer Persönlichkeit gestört. Diese Defizite können unter ungünstigen Umständen in einem Zyklus der Gewalt an künftige Generationen weitergegeben werden. Auf lange Sicht hat dies auch negative gesamtwirtschaftliche Folgen – ein Problem, das letztlich alle Bürger einer Gesellschaft betrifft.”

Ja, ja, Sie haben sicher gedacht, das Problem an Kriegen sind die Opfer, die Toten, die Verstümmelten, die Überlebenden mit ihren Erfahrungen. Sie haben vermutlich gedacht, das Problem mit Kriegen besteht darin, dass Regierungen ihre Bevölkerung verrohen, damit sie sie zu guten Soldaten machen können, sie in den Krieg schicken können. Sie haben vermutlich gedacht, dass Kriege durch ihre Folgen dazu führen, dass Kinder, die im täglichen Leben mit Tot, Verstümmelung und psychologischen Folgen von Krieg konfrontiert sind, abstumpfen und nicht mehr wie normale Menschen funktionieren können. Ja, vielleicht haben Sie sogar gedacht, dass Kriege dazu führen, dass Menschen nicht abstumpfen, sondern ganz im Gegenteil sensibler für ihr Leben und ihre Umwelt werden und ein Interesse daran haben, das Morden zu beenden.

Vergessen Sie alles, was Sie von Kriegen zu wissen glauben. Das Problem an Kriegen sind nicht die Toten, die Verstümmelten, die Gebrochenen, das sind alles vorwiegend männliche Nebensächlichkeiten, die das Hauptproblem, die Katastrophe, das monumental Böse, das aus Kriegen folgt, verdecken, nämlich die häusliche Gewalt, die Kriegsveteranen, Verstümmelte und erfahrene Sodlaten zu Hause ausüben, um sich z.B. ein emotionales Ventil zu schaffen, denn diese häusliche Gewalt, von der die betroffenen Frauen berichten und von der nicht klar ist, welches Ausmaß sie angenommen hat, wer sie begonnen hat, ob sie einseitig oder interaktiv stattgefunden hat, diese häusliche Gewalt, die in der geistigen Einöde Rieckmannscher Phantasie das Bild der einer Göttin gleichen edlen Jungfrau, die vom miesen gewalttätigen Raubritter misshandelt wird, annimmt, diese häusliche Gewalt ist für alle negativen Folgen von Kriegen oder doch für die meisten negativen Folgen verantwortlich, das gilt es zu verstehen.

Und wenn wir das verstanden haben, dann ist es wichtig, beim nächsten Krieg häusliche Gewalt mit Todesstrafe zu bedrohen, um die Verrohung der Gesellschaft zu verhindern, wobei häusliche Gewalt nur dann häusliche Gewalt ist, wenn sie von Männern ausgeht.

Diese Erkenntnis verdanken wir Johannes Rieckmann.

Wer aufgrund dieser Erkenntnis den Impuls spürt, Johannes Rieckmann häuslicher Gewalt zu unterziehen, dem sei davon abgeraten, denn Rieckmann hat einen männlichen Vornamen, weshalb angenommen werden muss, dass er männlich ist und gegen Männer kann keine häusliche Gewalt ausüben werden und andere Formen der Gewalt gegen Männer sind belanglos, wie Rieckmann selbst zeigt.

Doing Gender: Aktuelles Ethnographisches Material

Doing Gender ist unter Genderisten zumindest als Begriff sehr beliebt. Doch hat man den Eindruck, Genderisten haben keine Ahnung, wovon sie eigentlich sprechen, wenn sie den Begriff Doing Gender im Mund führen.

Seiner Herkunft aus dem Symbolischen Interaktionismus entsprechend, meint Doing Gender die eigene Geschlechtsinszenierung, das sich z.B. als Mann produzieren. Damit auch Genderisten eine Vorstellung davon bekommen, was Doing Gender bedeutet, haben wir weder Mühe noch Zeit gescheut, um ethnographisches Material über ein Maori Ritual zu sammeln, das als HAKA bekannt ist.

Die beste Inszenierung eines Haka wird von den “All Blacks”, dem derzeitigen Weltmeister der Rugby Union gegeben. Doing Gender in Perfektion:

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Und noch ein Doing Gender … Transgender, dieses Mal von Johnny Cash,

Hier der Text:

“A Boy Named Sue”

My daddy left home when I was three
And he didn’t leave much to ma and me
Just this old guitar and an empty bottle of booze.
Now, I don’t blame him cause he run and hid
But the meanest thing that he ever did
Was before he left, he went and named me “Sue.”

Well, he must o’ thought that is quite a joke
And it got a lot of laughs from a’ lots of folk,
It seems I had to fight my whole life through.
Some gal would giggle and I’d get red
And some guy’d laugh and I’d bust his head,
I tell ya, life ain’t easy for a boy named “Sue.”

Well, I grew up quick and I grew up mean,
My fist got hard and my wits got keen,
I’d roam from town to town to hide my shame.
But I made a vow to the moon and stars
That I’d search the honky-tonks and bars
And kill that man who gave me that awful name.

Well, it was Gatlinburg in mid-July
And I just hit town and my throat was dry,
I thought I’d stop and have myself a brew.
At an old saloon on a street of mud,
There at a table, dealing stud,
Sat the dirty, mangy dog that named me “Sue.”

Well, I knew that snake was my own sweet dad
From a worn-out picture that my mother’d had,
And I knew that scar on his cheek and his evil eye.
He was big and bent and gray and old,
And I looked at him and my blood ran cold
And I said: “My name is ‘Sue!’ How do you do!
Now your gonna die!!”

Well, I hit him hard right between the eyes
And he went down, but to my surprise,
He come up with a knife and cut off a piece of my ear.
But I busted a chair right across his teeth
And we crashed through the wall and into the street
Kicking and a’ gouging in the mud and the blood and the beer.

I tell ya, I’ve fought tougher men
But I really can’t remember when,
He kicked like a mule and he bit like a crocodile.
I heard him laugh and then I heard him cuss,
He went for his gun and I pulled mine first,
He stood there lookin’ at me and I saw him smile.

And he said: “Son, this world is rough
And if a man’s gonna make it, he’s gotta be tough
And I knew I wouldn’t be there to help ya along.
So I give ya that name and I said goodbye
I knew you’d have to get tough or die
And it’s the name that helped to make you strong.”

He said: “Now you just fought one hell of a fight
And I know you hate me, and you got the right
To kill me now, and I wouldn’t blame you if you do.
But ya ought to thank me, before I die,
For the gravel in ya guts and the spit in ya eye
Cause I’m the son-of-a-bitch that named you “Sue.'”

I got all choked up and I threw down my gun
And I called him my pa, and he called me his son,
And I came away with a different point of view.
And I think about him, now and then,
Every time I try and every time I win,
And if I ever have a son, I think I’m gonna name him
Bill or George! Anything but Sue! I still hate that name!

..

Und hier die Musik dazu:
Johnny Cash

Doing Unsinn

Wir sind mittlerweile ja einiges an Unsinn gewöhnt. Wer die universitäre Welt und ihren Output beobachtet, wie wir das tun, muss sich derzeit ein dickes Fell aufziehen und sich gegen den Unsinn wappnen, der ihn zuweilen in einem Ausmaß trifft, das geeignet ist, weniger gut Gewappnete aus den Latschen zu kippen.

Dennoch ist es möglich, uns regelmäßig zu erstaunen, z.B. dann, wenn uns ein Kommentator, der sich Chaos nennt, erklärt, dass es zu Lann Hornscheidts herausragenden Leistungen gehört, darauf hingewiesen zu haben, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt. Ein Unsinn, auf den Dr. habil. Heike Diefenbach geantwortet hat:

biologisches GeschlechtWie Ihr Pseudonym schon nahelegt zu vermuten, ist der Kommentar, der unter demselben verfasst wurde, chaotisch und peinlich und schmerzt mich als Sozialwissenschaftlerin: so etwas kann nur von jemandem verfasst werden, der in seinem ganzen geistigen Chaos meint, als Wissenschaftlerin durchgehen zu können, wenn er nichts anderes kann als herumzuproleten.

Das ist wirklich sehr peinlich!

Noch peinlicher ist der Bildungsstand, den die Studierenden und Sektenmitglieder an der Humboldt-Uni hier dokumentieren: Glauben Sie das wirklich und im Ernst, dass Profx der Welt die Erkenntnis gebracht hat, es gebe mehr als zwei Geschlechter? Haben Sie irgendwann in Ihrer Schulzeit einen Biologieunterricht gehabt, irgendetwas von einem biologischen und einem genetischen Geschlecht gehört, vom Einfluss von Hormonen auf die körperliche Entwicklung eines Fötus im Mutterleib?

Kann man dermaßen ungebildet und naiv sein und dennoch an eine deutsche Universität gekommen sein? Falls ja, beginnt der Mißstand zweifellos in der Schule und nicht erst an der Humboldt-Uni!

Ein anderer Kommentator, der ebenfalls an der Humboldt-Universität studiert, gibt sich kenntnissreich und weiß, dass Margaret Mead sich im Grabe umdrehen würde, wenn sie wüsste, dass Soziologen und Ethnologen dazu aufrufen, Lann Hornschein von einer wissenschaftlichen Position, die es nachweislich nicht ausfüllen kann oder will, zu entfernen und den Steuerzahlern, die Last des Unterhalts zu nehmen.

Matthias Busch, der Autor des entsprechenden Kommentars, offenbart dabei eine erschreckende Unkenntnis der Arbeiten, für die Margaret Mead schon zu Lebenzeiten berühmt war. Offensichtlich funktioniert Herr Busch ziemlich binär, entgegen aller Vielfaltsbestrebungen und denkt, Margaret ist ein weiblicher Vorname, Margaret Mead daher eine Frau, und entsprechend könne sie nur Feministin sein, und weil sie nur Feministin sein kann, kann sie es nur für gut befinden, dass Personen wie Lann Hornscheidt, die Wissenschaft weit hinter die Inquisition zurückwerfen, an Universitäten Positionen besetzen.

Nun, dem Manne kann geholfen werden, immer vorausgesetzt, das Doing Gender von Matthias Busch ist mit seinem biologischen Geschlecht identisch, was ja nicht so ohne weiteres vorausgesetzt werden kann. Es muss indes gesagt werden, dass die heutige Verwirrung darüber, dass es einen Unterschied zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht gibt, dass man ersteres nun einmal hat (mit den Anomalien im Hinblick auf das genetische Geschlecht, die Heike Diefenbach oben angesprochen hat), während ein soziales Geschlecht mit einer Rolle einhergeht, die man übernimmt und fortan spielt und die an Erwartungen von anderen, die man deshalb soziale Erwartungen nennt, geknüpft ist, dass es diesen Unterschied gibt, ist im Durcheinander sexueller Vielfalt untergegangen, so dass es heute tatsächlich Irrgeleitete gibt, die denken, sie könnten sich von ihrem biologischen Geschlecht verabschieden, sich ein soziales Geschlecht al gusto zulegen und entsprechend so tun, als wären sie etwas anderes.

Dem Herrn Busch, der Margaret Mead so gerne im Munde zu führen scheint, dem sei zunächst ein Buch von Mary Douglas empfohlen (Mary = weiblicher Vorname). Der Titel des Buches lautet:  “Wie Institutionen denken”. Diesem Titel folgt eine schöne Darstellung geschlossener Strukturen, die vermutlich denen entsprechen, in denen sich Herr Busch bewegt. Doch man darf manche Studenten heutzutage ja nicht mehr damit überfordern, in Bibliotheken nach Büchern Ausschau zu halten oder gar auf Google Books nach entsprechenden Büchern zu recherchieren, deshalb hier eine kleine Passage von jetzt Margaret Mead aus dem Buch “Mann und Weib – Das Verhältnis der Geschlechter in einer sich wandelnden Welt”, in der sie den Kern dessen beschreibt, was wir gewöhnlich Genderismus nennen.

Das Buch wurde im Jahre 1949 veröffentlicht!

Mann und Weib“Gerade in der Mittelklasse und unter jenen, die nach einer Stellung in ihr streben, wächst dieser Widerstand am stärksten, weil es gerade die Berufe der Mittelklasse sind, in denen Frauen sich am leichtesten hervortun und in denen sich Männer am ehesten eingeengt vorkommen. Jede aufstrebende Männlichkeit ist dabei unerwünscht und der Aufstiegswille wird, oft unter Hinweis auf eine notwendige Sparsamkeit, geknebelt. Die Mütter der Mittelklasse können, dazu erzogen und immer noch daran gewöhnt, einen großen Teil ihrer Zeit dazu verwenden, ihre heranwachsenden Kinder zu formen, ihnen Liebe zu schenken oder vorzuenthalten, je nachdem, ob die Kinder die richtigen Einstellungen zeigen. Die Tugenden der Mittelklasse – Spartrieb, gutes Haushalten, Pünktlichkeit, Voraussicht, harte Arbeit, Beherrschung momentaner Impulse, Respekt vor der Meinung anderer, Sicheinfügen in den Sittenkodex – sind Tugenden, die erlernt werden können. Jene Fertigkeiten, in denen der Körper eine Rolle spielt und Männer leichter eine Überlegenheit erreichen können – wie Jagen, Reiten oder Fechten -, fehlen auf der Liste der Mittelklasse. Tugenden der Mittelklasse, die durch die wechselseitigen Beziehungen zwischen Mutter und Kind erlernt werden, werden ursprünglich am Magen-Darm-Kanal-Modell geprägt, als Aufnehmen, Behalten und befohlenes Herausgeben; dabei entsteht für das männliche Kind eine zusätzliche Schwierigkeit, die Herrschaft, die über die Ausscheidung verlangt wird, von der Notwendigkeit zu trennen, über seine impulsive Männlichkeit die Verfügung zu behalten. Das Mädchen steht, obgleich seine speziellen weiblichen Eigenschaften nicht herausgefordert werden, vor einem kleineren Problem, wenn es lernt, die Regeln von Zeit und Ort zu beachten. So muss also der amerikanische Knabe während seiner ganzen Kindheit, daheim und in der Schule, mit Mädchen im Wettbewerb stehen, die ihm bei allen Dingen, für die man gelobt wird, eine Nasenlänge voraus sind – wie zum Beispiel nur dafür Lob erteilt wird, dass man für sich selbst einsteht, nicht aber dafür, dass man kämpft. Die Sportarten mit engen Beziehungen zu körperlicher Kraft und Verwundbarkeit sind das einzige Gebiet, von dem weibliche Konkurrenz ausgeschlossen ist, und sie dienen, und sei es auch nur auf den Seiten der Zeitung, amerikanischen Knaben und Männern als faszinierende Ausflucht. Und ein Ausgleich ist nötig bei einem Spiel, bei dem alle Karten gezinkt sind und bei dem man doch nicht verlieren darf – bei Strafe des Verlustes von Liebe und Selbstachtung” (Mead, 1985: 257-258; Hervorhebungen von uns).

Knapper kann man die Verweiblichung einer Gesellschaft und das Verdrängen männlicher Eigenschaften aus der Domäne der Mittelschicht nicht darstellen.

Bevor man also Name-Dropping betreibt, sollte man sich vergewissern, was die entsprechenden Autoren, mit denen man sich schmücken will, geschrieben haben, und vor allem sollte man die Beherrschung über die eigenen Ausscheidungen erlernen und nicht jedem Impuls, sich zu präsentieren, nachgeben.

Originalitätsverdacht

Wer sich auf die Seiten der Deutschen Gesellschaft für Soziologie verirrt, kann dort Originalität bewundern, die einem die Gesichtsmuskeln erschlaffen lässt, nicht wegen Lachens, sondern wegen Gähnens.

Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie übt sich in jugendlichem, manche werden auch denken, infantilem Selbstlob und klopft sich gegenseitig unter dem Titel “We can be heroes just for one week” auf die Schulter.

Das “We can be heroes…” ist eine Anspielung auf das Lied von David Bowie “Heroes”, dessen Text wir hier verlinkt haben.   Der Text passt nicht ganz zu Soziologen und zum Soziologentag, beschreibt er doch das Elend eines deutsch-deutschen Liebespaares, das der real existierende Sozialismus durch eine real-existierende Mauer getrennt hat.

Heroe for one dayAber, was soll’s. Als Heroes for one week, die sich mittlerweile wieder in ihren kleinen Büros und hinter ihrem Schreibtisch verstecken, haben die Soziologen-Vorständler ihre individuelle Playlist zusammengestellt, die fast schon etwas Selbsterkenntliches, wenn schon nichts Originelles enthält, z.B.: den verzweifelten Ruf: “Enough is Enough” oder “Madness” oder  “Daft Punk” oder “Voodoo People” usw. Wen die Playlists interessieren, sie sind immerhin einer der wenigen derzeitigen soziologischen Beiträge, die Interesse wecken könnten, der kann sie hier finden.

Irgendwie werden wir den Gedanken nicht los, dass manche aus dem Soziologenvorstand bei uns mitlesen und Ideen – sagen wir in Ermangelung des Willens, ein gewisses sprachliches Niveau zu verlassen: übernehmen – ohne Quellenangabe und gänzlich ohne den Bezug. Denn: der Witz an der Untermalung von Posts mit Liedern liegt nicht darin, dass man das eigene Geschmäckle zu Markte trägt und versucht, sich leutselig zu geben, wie die Vorständler, sondern darin, dass die gewählten Musikeinlagen, die wir gelegentlich verlinken, zum Text passen, einen Bezug haben, etwas ergänzen oder verdeutlichen. Aber um etwas zu verdeutlichen, muss man natürlich etwas haben. Um einen Bezug herzustellen, muss man etwas haben, auf das man etwas beziehen kann…. Das ist natürlich ein Problem, denn es erfordert Originalität und Kreativität.

Uns ist die versuchte Originalität des DGS-Vorstands, die jetzt schon seit einigen Tagen Online steht, wieder eingefallen, als wir einen Hilferuf aus der VW-Stiftung gelesen haben.

Offensichtlich stehen bei der VW-Stiftung alle Lampen auf rot.

Offensichtlich hat man bei der VW-Stiftung den Eindruck, die Sozialwissenschaften versinken in einem Meer aus post-modern, gendersensibler, transsexueller, vielleicht auch bisexueller politischer Korrektheit, die vor lauter Empathie für die bildungsfernen Armen, die die prekären Akademiker aufgrund ihrer halben Stellen und gekürzten Einkommen beschwören müssen, um nicht selbst der relativen Armut anheim zu fallen, vollkommen vergessen hat, was Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung und Analysen ist.

Offensichtlich sieht man bei der VW-Stifung eine Krise der deutschen Sozialwissenschaften, eine Krise, die sich durch Nichts auszeichnet, einfach nur nichts, denn nichts ist  es, was als orginell bezeichnet werden kann, nichts ist es, was aus den Sozialwissenschaften kommt und eine innovative Wirkung entfaltet und nichts ist es, was die Sozialwissenschaften derzeit beitragen, um neue und originelle gesellschaftliche Diskurse anzustoßen.

Offensichtlich ist man auch bei der VW-Stiftung angesichts der Umkehr der Verhältnisse, die Sozialwissenschaftler von Kritikern der gesellschaftlichen Verhältnisse und von Wegbereitern gesellschaftlicher Entwicklung zu Anbetern der gesellschaftlichen Verhältnisse und Verhinderern gesellschaftlicher Entwicklung gemacht hat, bestürzt.

Und offensichtlich will man bei der VW-Stiftung nicht länger zusehen.

Im Englischen heißt es: desperate times need desperate measures – und die VW-Stiftung handelt entsprechend:

Schon der Verdacht genügt.

Schon der der Verdacht auf Originalität genügt.

Schon wenn ein Forschungsvorhaben auch nur entfernt verspricht, originell zu sein, dann wird es gefördert:

originalitaetsverdacht“Originalität” ist in den Geistes- und Kulturwissenschaften eines der zentralen Qualitätskriterien. Doch gerade in diesen Disziplinen mit ihren spezifischen Forschungsgegenständen ist die Frage, was “originell”, “neu” oder “innovativ” bedeutet, schwierig zu bestimmen. Was gesichertem Fachwissen und gemeinhin akzeptierten Intuitionen widerspricht, mag genauso dazu gehören wie die Entwicklung eines neuen Ansatzes, einer neuen These, einer neuen Theorie, die Beobachtung eines neuen Phänomens oder auch die Identifizierung von bisherigem Nicht-Wissen.

Die Stiftung möchte mit diesem Angebot Geistes- und Kulturwissenschaftler(innen) ermutigen, Vorhaben mit erkenntnisgewinnender Originalität zu entwickeln. Gefördert wird eine erste Exploration der Forschungsidee.

Im Antrags- und Auswahlverfahren geht die Stiftung in dreierlei Hinsicht neue Wege: Das Verfahren ist schlank, für die Antragsteller(innen) mit wenig Aufwand verbunden und mit einer Entscheidung innerhalb von 4 bis 5 Monaten schnell. Im Begutachtungsverfahren ist es innovativ in der Kombination von stiftungsinterner Vorauswahl und Endauswahl durch eine Expertenjury. Die anonymisierte Begutachtung soll sicherstellen, dass allein die originelle Forschungsidee zählt.

Kann man Verzweiflung besser in Worte fassen?

Ist dieser Hilferuf aus der VW-Stiftung es nicht wert, unterstützt zu werden, verbreitet zu werden?

Wir denken: Ja. Und deshalb verbreiten wir den Hilferuf über ScienceFiles und rufen unsere Leser an Universitäten dazu auf, das Angebot der VW-Stiftung ernst zu nehmen und originelle Forschungsideen einzureichen.

Ja, originelle Ideen, was könnten einmal originelle Ideen sein? – Ein Problem, mit dem sich auch die VW-Stiftung herumschlägt. Wir schlagen folgende Definition vor:

Originell sind Forschungsideen, die mit Sicherheit keine Förderung durch ein Bundesministerium erfahren, deren Gegenstand im Widerspruch zur Mehrheitsmeinung steht, die von Fachzeitschriften nicht gedruckt werden würden, weil sie die kaum vorhandene Vorstellungskraft der Herausgeber oder Gutachter so dehnen, dass das Vorstellungsdefizit allzu deutlich wird, die politisch vollkommen inkorrekt sind  und in denen kein Innen, in welcher Variante der sprachlichen Verballhornung auch immer vorkommt.

Die herbeigerechnete Armut grassiert wieder: Von Armutsgefährdung und von Demenzgefährdung

In Baden-Württemberg und Bayern gibt es die “niedrigste Armutsgefährdung”, so hat es das Statistische Bundesamt heute verkündet. Das ist schön.

Aber was bedeutet es?

Was ist eine Armutsgefährung?

DestatisUmgangssprachlich wird man eine Gefährdung wohl als eine Situation definieren, in der man mit einer Verletzung bedroht wird, etwa durch einen betrunkenen Autofahrer und genau so ist “Gefährdung” auch im Strafgesetzbuch definiert: Wer ein Auto führt, obwohl er zu betrunken oder zu bekifft ist, ein Auto zu führen oder wer sich im Verkehr grob verkehrswidrig und rücksichtslos verhält und deshalb Leib und Leben eines anderen gefährdet, der macht sich nach §315 einer Gefährdung des Straßenverkehrs schuldig. Zur Straßenverkehrsgefährdung bedarf es somit einer konkreten Gefahrensituation und der Handlung eines Gefährders.

Nicht so bei der Armutsgefährdung, die man z.B. als Ergebnis einer Handlung ansehen könnte, bei der ein Wegelagerer einen Händler überfällt und um sein Hab und Gut bringt,oder bei der man an den Finanzminister denken kann, der Steuern in einem Umfang erhebt, die die Besteuerungsopfer an den Rand oder in die Armut schicken. Man könnte an Famliengerichte denken, die Männer mit Armut nicht nur gefährden, sondern den Tatbestand der relativen Armut für viele per Urteil zur Unterhaltszahlung verwirklichen. Aber weder Finanzbeamte noch scheidungswillige Ehefrauen, Scheidungsrichter oder Wegelagerer werden als Armutsgefährder verfolgt. Vielmehr gibt es gar keinen Straftatbestand der Armutsgefährdung und keinen Armutsgefährder, die Armutsgefährdung ist vielmehr nicht existent.

Es gibt sie nicht in der wirklichen Welt. Sie schlägt sich, anders als die Straßenverkehrsgefährdung in keiner konkreten Handlung nieder, nein, die Armutsgefährdung ist eine statistische Kennzahl, extra vom Statistischen Bundesamt herbeigerechnet, um all denen, die mit der Bekämpfung von angeblich Armut ihren eigenen Unterhalt verdienen, eine Legitimation für ihr Dasein zu verschaffen.

Armutsgefährdung basiert auf dem Nettoäquivalenzeinkommen. Das Nettoäquivalenzeinkommen ist schlicht die Summe der Haushaltseinkommen. Dazu zählen nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen (Statistisches Bundesamt, 2013: 159):

  • ArmutsgefaehrdungBundeslaenderEinkommen aus Vermietung und Verpachtung;
  • Familienleistungen (Kindergeld) und Wohnungsbeihilfen;
  • Sozialgeld, Sozialhilfe, bedarfsorientierte Grundsicherung;
  • regelmäßige Geldtransfers zwischen privaten Haushalten (Unterhaltszahlungen);
  • Zinsen, Gewinne aus Kapitalanlagen;
  • Einkünfte von Haushaltsmitgliedern unter 16 Jahren;

Zu diesen Haushaltseinkommen werden personenbezogene Einkommen addiert, also das, woran man – im Gegensatz zu den Mitarbeitern des Statistischen Bundesamts – in erster Linie gedacht hätte, wenn man an Haushaltseinkommen denkt:

  • Einkommen aus unselbständiger Tätigkeit;
  • Gewinne aus selbständiger Tätigkeit;
  • Arbeitslosengeld I oder II
  • Alters- und Hinterbliebenenrente;
  • Krankengeld und Invaliditätsleistungen;
  • ausbildungsbezogene Leistungen;

Spannend, wie viele Posten aus Transferzahlungen bestehen…

Um das Nettoäquivalenzeinkommen zu berechnen, werden z.B. im Rahmen des Mikrozensus Mitglieder von Haushalten in Deutschland gebeten, für ihren Haushalt anzugeben, welche Einkommen das Haushaltseinkommen konstituieren. Da ein Haushalt aus einem, zwei, zehn, zwanzig Mitgliedern bestehen kann, ergibt sich die erste statistische Regelmäßigkeit, denn mit steigender Zahl der Haushaltsmitglieder steigt das Haushaltseinkommen. Schön zu sehen auf Seite 161 des Datenreports für das Jahr 2013, der Alleinerziehende mit 12.436 Euro im Jahr als die Gruppe ausweist, die das geringste Haushaltseinkommen zur Verfügung hat. Das ist auch kein Wunder, denn zum Haushaltseinkommen trägt maximal eine Person plus ggf. der Staat über Transferzahlungen oder ein zu Unterhaltszahlungen Verurteilter bei. Insofern ist es kein Wunder, dass das durchschnittliche Jahres-Haushaltseinkommen von Alleinerziehenden-Haushalten (12 436 Euro) unter dem Haushaltseinkommen von zwei-Erwachsenen-Haushalten (23 471 Euro) bleibt. Es wäre höchst seltsam, wäre dem nicht so.

Ausgehend von diesem Nettoäquivalenzeinkommen wird nun die so genannte Armutsgefährdung, die von niemandem direkt ausgeht, aber dennoch vorhanden zu sein scheint, berechnet, und zwar als 60% des Medians des Haushalts-Nettoäquivalenzeinkommens. Der Median ist eine statistische Größe, die eine gegebene Verteilung in zwei Hälften zu je 50% teilt. Im Jahre 2010 liegt der Median bei einem Haushaltseinkommen von 19.043 Euro, d.h. unterhalb und oberhalt von 19.043 Euro finden sich jeweils 50% der Haushalte.

Hui buhArmutsgefährdung liegt also bei  60% des Median-Nettoäquivalenzeinkommen vor. Warum? Warum nicht? Wir persönlich tendieren eher zu 57,77892%, aber 60% ist auch in Ordnung, schließlich hat das Ganze nichts mit der Realität zu tun, ist vielmehr ein Griff in die statistische Trickkiste, um einerseits eine vorhandene Verteilung, in diesem Fall die Verteilung des Nettoäquivalenzeinkommens in schicke Teile zu zerlegen und andererseits den Gutmenschen und unkritischen Journalisten etwas vorzuwerfen, auf das sie sich stürzen können. Erstere um vermeintlich Gutes zu tun, Letztere um einen Skandal oder eine bestürzende Ungerechtigkeit anprangern zu können.

Dazu bedarf es jedoch einer griffigen Zahl. Und deshalb liefert das Statistische Bundesamt den Anteil derjenigen, die insgesamt und in Subgruppen unterhalt oder genau auf dem 60%-Schnittpunkt des Median-Äquivalenzeinkommens der Haushalte liegen, der als Armutsgefährdung definiert wurden (wie gesagt, wir sind für 57,77892%, aber das ist natürlich nicht so griffig wie 60%).

Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass alle Haushalte mit demselben Gewicht in die Berechnung des Nettoäquivalenzeinkommens eingehen. Egal, ob die Haushalte aus zwei Erwerbstätigen, einem Rentner mit Enkel, einer nicht arbeitenden Mama mit vier Kindern den entsprechenden Transfereinkommen und Hartz IV, aus einem Studenten oder einer Kommune mit sieben Mitgliedern besteht, die Einkommen werden zusammengeworfen, als ein Haushalt gezählt, durchgeschüttelt und dann wird verkündet:

  • In Bremen gibt es 23,1% Haushalte, die armutsgefährdet sind. Kein Wunder, wenn man die Bremer mit ihrer hinterher hinkenden Infrastruktur mit den reichen Hamburgern in einen Topf wirft.
  • Alleinlebende Männer sind zu 30,7% von Armut gefährdet, ein Fakt, der eher nicht so problematisiert wird und ebenso nicht verwunderlich ist, wenn man die Einkommen von Haushalten, in denen nur einer verdient, mit denen Einkommen von Haushalten, in denen zwei verdienen und der Staat die drei vorhandenen Kinder subventioniert, zusammenwirft.
  • 18 bis 24jährige sind zu 18,9% von Armut gefährdet. Angesichts des hohen Anteils von Studenten in dieser Altersgruppe, die im eigenen Haushalt leben, ebenfalls kein Wunder. Ebensowenig ist es ein Wunder, dass unter 18jährige, die im eigenen Haushalt leben, nicht das durchschnittliche Einkommen eines Pensionärshaushalts, mit dem sie verglichen werden, erreichen.

Kurz: Armutsgefährdung ist ein statistisches Spielzeug, das über die Realität überhaupt nichts aussagt, bestenfalls sagt es aus, dass der Intellekt derer, die ständig Armutsgefährdung im Mund führen, in hohem Maße durch Demenz gefährdet ist, ebenso wie die Lauterkeit der Statistiker, die die Armutsgefährdung regelmäßig berechnen in ständiger Gefahr steht, vollständig zu verschwinden.

Politik 2.0: Manipulation, Fälschung, Täuschung – you name it

Wolfgang Benz, emeritierter Professor der Fakultät für Geisteswissenschaften der TU-Berlin und in seiner aktiven Universitätszeit mit der Erforschung von Drittem Reich, Antisemitismus und Rechtsextremismus beschäftigt, hat etwas getan, was wir kaum für möglich gehalten haben: Er hat den Mund aufgemacht:

“Das Schwierige an Auftragsstudien ist, dass die Politik gern eindeutige Ergebnisse hat, was die Wissenschaft oft nicht liefern kann”, so zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung.

Benz Geschichte des dritten ReichesAnlass für die (späte) Einsicht des emeritierten Professors ist: Die Antidiskriminierungsstelle hat sich seiner Auftragsarbeit bemächtigt, schließlich bestimmt, wer bezahlt, und die Ergebnisse so frisiert, dass sie besser zu den Forderungen nach dem “Aufbau einer Bildungsakademie für Sinti und Roma, eine verstärkte Beteiligung der Selbstorganisationen der Sinti und Roma mittels Staatsverträgen und der Mitarbeit in den Gremien und Rundfunkräten sowie einen verbesserten Schutz vor Benachteiligung durch Börden und Polizei [die nächste Quote in Vorbereitung]” passen.

Unter Soziologen ist es seit Max Weber bekannt, dass der Moloch Verwaltung nur ein Ziel hat, sich als Selbstbefruchter zu multiplizieren und immer mehr Steuermittel zu fressen, um sein fettes Dasein zu fristen. Seit DiMaggio und Powell ist klar, dass die Legitimation von Verwaltungen nicht mehr über Effizienz und Effektivität der getroffenen Maßnahmen, sondern über Menge und Inhalt der getroffenen Maßnahmen erfolgt. Entsprechend werden an die Spitze von Behörden mehr oder weniger skrupellose Schwätzer berufen, deren einzige Aufgabe darin besteht, immer neuere Möglichkeiten zu erfinden, um die Tätigkeiten der Behörde und ihren Mittelbedarf auszuweiten.

Deshalb finanzieren Ministerien und Behörden ihre eigenen Studien, die Auftragsstudien, von denen Wolfgang Benz spricht. Das Ziel von Auftragsstudien ist es, die Arbeit der Ministerien und Behörden zu legitimieren, also zu feiern und den Bedarf nach mehr ministerieller und behördlicher Regelung von z.B. der Menge Toilettenpapier, die eine nachhaltige Darmentleerung erfordert, festzulegen.

Sind die Auftragsstudien nicht in der gewünschten Weise instrumentell, dann wird von Ministerien und Behörden nachgeholfen. Dass Mitarbeiter des Statistischen Bundesamt oder anderer nachgeordneter und öffentlich finanzierter Institute keine Ergebnisse veröffentlichen dürfen, die der Auftrag gebenden Behörde nicht gefallen, ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass die Ergebnisse wissenschaftlicher Auftragsstudien eben einmal verfälscht und auch in ihr Gegenteil verfälscht werden, wenn es dem Auftraggeber in den Kram passt, ist nicht wirklich überraschend.

Überraschend ist jedoch, wie einfach es ist, die vermeintlich kritische Journalie vor den Karren der Behörden zu spannen. Die Willfährigkeit der Journalisten ist umso bemerkenswerter als es in der Regel nur der Lektüre der Zusammenfassung der Ergebnisse der entsprechenden Auftragsstudien bedarf, um zu erkennen, dass man von der Pressemitteilung des Ministeriums X oder der Behörde Y gerade verkohlt wird [Wir haben dies schon einmal am Beispiel des Missbrauchs von sexuellen Missbrauch gezeigt.] .

Die Neuigkeit besteht entsprechend nicht darin, dass Ministerien und Behörden Studienergebnisse, die ihnen nicht passen, “anpassen”, d.h. manipulieren, entstellen und fälschen, die Neuigkeit besteht darin, dass ein Wissenschaftler, dessen Ergebnisse manipuliert, entstellt und verfälscht werden, den Mund aufmacht.

Insofern gebührt Wolfgang Benz unsere Hochachtung.

Keine Hochachtung gebührt all denjenigen Journalisten, die sich als Sprachrohr von Ministerien und Bürokratien definieren und nichts anderes tun, als Pressemeldungen aus Ministerien und Behörden zu übernehmen und ungeprüft an ihre Leser durchzureichen, etwa so:

Wenn es darum geht, ein Zerrbild aufzubauen, über das man sich aufregen und mit dem man Kasse machen kann, stehen die Medien der Antidiskriminierungsstelle und Quoten-Frontfrau Christine Lüders in nichts nach:

Benz Legenden Luegen Vorurteile“‘Gleichgültigkeit, Unwissenheit und Ablehnung bilden zusammen eine fatale Mischung, die Diskriminierungen gegenüber Sinti und Roma den Boden bereiten’, sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders. … Sinti und Roma würden von einem beträchtlichen Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung nicht als gleichberechtigte … Mitbürger wahrgenommen. Lüders nannte die Befunde ‘dramatisch’ und sprach von einem erheblichen Handlungsbedarf von Politik und Gesellschaft.”

Und nun zu dem, was in der Auftragsstudie tatsächlich herausgekommen ist. Wie gesagt, es reicht regelmäßig die Zusammenfassung von Studien zu lesen, um festzustellen, dass das, was z.B. Anti-Diskriminierungs-Lüders sagt, nicht stimmt. Das sollte Journalisten doch zumutbar sein – oder? (Wir setzen voraus, dass es sich bei Journalisten um eine Auswahl aus der Bevölkerung handelt, die über ein Normalmaß an Intelligenz verfügt. Dass uns ein Journalist des ZDF auf den Beitrag in der Süddeutschen Zeitung hingewiesen hat, macht uns dahingehend Mut).

Beginnen wir mit der Behauptung von Anti-Diskriminierungs-Lüders, dass ein beträchtlicher Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung Sinti und Roma als nicht gleichberechtigte Mitbürger wahrnimmt:

Auf Seite 12 der Auftragsstudie steht zu lesen: “Auch wenn der Anteil der Personen mit einer dezidiert negativen Einstellung gegenüber Sinti und Roma mit 7 bis 8 Prozent gering ausfällt, sei auf die Ergebnisse dieser Gruppierung nochmals eingegangen…

Scheinbar machen 7% bis 8% der 2001 von Forsa telefonisch Befragten für Anti-Diskriminierungs-Lüders “einen beträchtlichen Teil der deutschen Mehrheitsbevölkerung” aus.

Zum Stellenwert der intensiven Ablehnung und der Vorurteile gegenüber Sinti und Roma weiß die Auftragsstudie im Gegensatz zu Anti-Diskrininierungs-Lüders folgendes zu sagen:

“Die Untersuchungsergebnisse gestatten es nicht, von einem festen und umfassenden Vorurteilsbestand zu Sinti und Roma unter der Mehrheit der Befragten zu sprechen. Nur wenige Muster sind in der Bevölkerung durchgehend präsent. Somit zeichnet sich auch keine tiefere Vorurteilsstruktur ab, da die Gleichgültigkeit, die dem Thema und der Minderheit entgegengebracht wird, keine weitere Auseinandersetzung notwendig erscheinen lässt. Aktiviert werden die existierenden Vorurteilsmuster in Momenten des realen oder vorgestellten Kontaktes mit dem Thema. Sie verstärken mitunter ein situationsbedingtes Unbehagen durch stereotype Vorstellungen, die seitens der Interviewten mehrheitlich nicht hinterfragt werden, die aber inhaltlich nicht weiter aufgeladen sind. Die Studie legt nahe, dass es sich im Fall der Ablehnung vorrangig um eine Missbilligung sozial unerwünschter Verhaltensmuster handelt” (13) [Hervorhebungen durch uns].

Kurz: Die Mehrzahl der Interviewten interessiert sich nicht für Sinti und Roma, hat keinen Kontakt mit Sinti und Roma und – bevor der Typ vom Meinungsforschungsinstitut Forsa angerufen hat oder (in zwanzig Fällen) die Forscher ein qualitatives Interview mit ihnen durchgeführt haben – nicht über Sinti und Roma nachgedacht. Beide waren der Mehrzahl der Interviewten egal. Werden Interviewte gezwungen, sich mit Sinti und Roma zu befassen, dann reproduzieren  manche von ihnen zum Teil Stereotype, ohne weiter darüber nachzudenken. Die Stereotype basieren bei wieder manchen unter den zuletzt genannten “manchen” auf Unbehagen, das man dadurch verstärken kann, dass man die entsprechenden Interviewten weiterhin zwingt, sich mit Sinti und Roma zu befassen.

Wenn diese Auftragsstudie ein Ergebnis hat, dann das Ergebnis, dass es besser ist, Menschen nicht mit Themen, mit denen sie nicht penetriert werden wollen, zu penetrieren. Das wiederum ist ein Ergebnis, das Anti-Diskriminierungs-Lüders nicht versteht oder nicht mag oder beides. In jedem Fall ist es kein Ergebnis, auf dem man die Forderungen nach von Steuerzahlern finanzierten Maßnahmen, die die Antidiskriminierungsstelle ausführt oder anderen zuschustert, rechtfertigen kann, und deshalb ist es ein Ergebnis, von dem man in der Pressemitteilung nichts gelesen hat.

Statt dessen will Lüders die Deutschen nunmehr mit der Nase auf Sinti und Roma stoßen und so lange damit penetrieren, bis keiner mehr neben Sinti und Roma leben will und nicht nur 20,5%. Die Renitenzforschung hat zahlreiche Belege dafür gesammelt, dass man das Gegenteil des Beabsichtigten durch Penetration und nerviges Auftreten erreicht. Der Niedergang der Görenbewegung, zu der der Feminismus verkommen ist, ist bestes Beispiel dafür. Warum ist das so?
Studie_Sinti_RomaUm es in einer Weise zu erklären, die auch Anti-Diskriminierungs-Lüders versteht: Wenn man Menschen dazu zwingt, sich mit etwas zu befassen, das sie erfreulicher Weise nicht interessiert und womit sie sich auch nicht befassen wollen, dann weckt man damit bei manchen eine affektiv ablehnende Haltung, die sich auf das richtet, womit sie penetriert werden. Andere, mehr kognitiv Orientierte, betrachten sich den Gegenstand der Penetration ganz genau. Nehmen wir einmal an, der Gegenstand der Penetration ist Frau Lüders und ihre ständigen Forderungen nach neuen Mitteln, um immer neuen gesellschaftlichen Gruppen Wohltaten zukommen zu lassen. Man sich fragt, wer eigentlich noch diskriminiert, da die Diskriminierungs-Segmentierung in Alte, Junge, Schwule, Lesben, Behinderte, Frauen, Sinti und Roma, Migranten und Muslime usw. kaum jemanden und mit Sicherheit nicht die deutsche Mehrheitsgesellschaft übrig gelassen hat, der diskriminieren kann. Wie dem auch sei, die Forderungen von Frau Lüders könnten, als Konsequenz einer zunehmend als störend empfundenen Penetration genauer betrachtet, auf ihre Basis, ihre wissenschaftliche Fundierung, ihre empirische Effizienz und ihre Nutznießer-Struktur hin untersucht werden. Als Folge könnte die Forderung abgeleitet werden, die Antidiskriminierungsstelle als völlig unnötige Anstalt zur Verbrennung von Steuergeldern zu schließen und Frau Lüders in die Wüste zu schicken. Das will sie sicherlich nicht. Entsprechend empfehlen wir Frau Lüder: Klappe halten!

… und natürlich nicht mehr an wissenschaftlichen Skalen herumspielen, denn – im Gegensatz zu politischem Gewschätz haben wissenschaftliche Skalen in der Regel einen Sinn: Wenn eine Skala von 1 “stimme voll und ganz zu”, 2 “stimme zu”, 3 “stimme eher zu”, 4 “weder noch”, 5 “stimme eher nicht zu”, 6 “stimme nicht zu” bis 7 “stimme überhaupt nicht zu” geht, dann kann man ein “eher zustimmen” nicht einfach mit einer vollen Zustimmung gleichsetzen, auch wenn man das noch so gerne möchte. Das wissen die Wissenschaftler, die die Skala benutzen generell besser, Frau Lüders, weshalb derjenige, der die Ergebnisse wie sie und in seinem Sinne verändert, die Ergebnisse fälscht.

Dass man bei der Antidiskriminierungsstelle nicht einmal das Titelblatt der Auftragsstudie gelesen hat, wird daran deutlich, dass alle Verweise auf eine Studie mit dem Titel: “Zwischen Ablehnung und Gleichgültigkeit” erfolgen, was den “frame of mind”, der bei der Antidiskriminierungsstelle herrscht, deutlich macht und belegt, dass man bei der Antidiskriminierungsstelle versucht, die Ergebnisse der Studie mit dem Titel “Zwischen Gleichgültigkeit und Ablehnung“, von der ersten bis zur letzten Zeile zu fälschen.

Es gibt keine positive Diskriminierung

Die Wortmagie des Staatsfeminismus hat den Begriff der “positiven Maßnahmen” geschaffen. Positive Maßnahmen sind in Artikel 5 des angeblichen Gleich-Behandlungs-Gesetzes gefasst:

ADS“Ungeachtet der in den §§ 8 bis 10 sowie in § 20 benannten Gründe ist eine unterschiedliche Behandlung auch zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile wegen eines in § 1 genannten Grundes verhindert oder ausgeglichen werden sollen.”

Mit positiven Maßnahmen ist also nichts anderes gemeint als eine staatlich sanktionierte Diskriminierung und somit eine Maßnahme, die es in Deutschland schon einmal gab, damals wurde sie in den Nürnberger Rassegesetzen niedergelegt.

Auch mit den Nürnberger Rassegesetzen sollte ein angeblich vorhandenes Unrecht revidiert werden, entsprechend qualifizieren sich die Nürnberger Rassegesetze als positive Maßnahme im Sinne des AGG, da mit dem Rassegesetz Juden aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen werden (eine Null-Quote, wenn man so will), um die bestehenden Nachteile von Reichsdeutschen auszugleichen und die Prosperität und den Wohlstand des deutschen Volkes auch in Zukunft zu sichern.

“Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre

Ein zeitgemäßer Titel wäre – Gesetz zur Förderung der Gesundheit der deutschen Bevölkerung

Vom 15. September 1935
Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist, und beseelt von dem unbeugsamen Willen, die deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird.”

Deutsche Parlamentarier waren in der Lage, die Nürnberger Rassegesetze zu verabschieden. Etwas genereller formuliert muss man daraus den Schluss ziehen, dass es notwendig ist, den allgegenwärtigen Opportunismus und die allgegenwärtige ideologische Verblendung unter Parlamentarieren zu kontrollieren und in Grenzen zu halten.

Dazu bedarf es einer funktionierenden civic society, d.h. es braucht Individuen, die dem, was Parlamentarier verabschieden, die dem, was Regierungen durchsetzen wollen, kritisch gegenüberstehen und dann, wenn es nicht anders verhindert werden kann, Widerstand gegen das leisten, was angeblich in ihrem Namen beschlossen wurde.

Der logische Widerspruch im Artikel 5 des AGG, der trotz der gewählten schwammigen Formulierung deutlich zu erkennen ist, als Behauptung man könne nicht näher qualifizierte Nachteile durch aktive Benachteiligung (“positive Maßnahmen”) beseitigen.

Das selbe trifft auf Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes zu:

“(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.”

Artikel 3 Absatz 2 ist nichts anderes als ein Ermächtigungsgesetz, das staatliche Akteure eine Vollmacht dahingehend erteilt, Diskriminierung von Männern nach Gusto zu betreiben, denn wie sonst sollte auf die Beseitigung vermeintlich bestehender Nachteile von Frauen hinwirken wollen als durch die angblich positiven Maßnahmen, die im AGG genannt sind?

Dies zeigt, wie einfach es doch ist, demokratische Grundlagen außer Kraft zu setzen und durch Klientelpolitik zu ersetzen. Man braucht dazu ein Gesetz, das einen wohlklingenden Namen hat. Man benötigt darüber hinaus, einen leeren Passus, der einen rechtsfreien Raum der bestehenden Nachteile schafft, von denen es keine Konkretisierung gibt, lediglich eine wage Umschreibung. Auf Basis der wagen Umschreibung vermeintlicher Nachteile können dann die unterschiedlichsten Nachteile erfunden und als Ausgangspunkt dafür genutzt werden, konkrete und handfeste Diskriminierungsmaßnahmen, wie z.B. das Professorinnenprogamm in die Tat umzusetzen.

untertan_kurfuerstErleichtert wird dieses durschsichtige Verfahren durch die Rechtsgläubigkeit von Deutschen. Vielen von ihnen kann man wohl alles vorsetzen, und sie akzeptieren, was ihnen von der Staatsmacht vorgesetzt wird. An die Stelle der Kontrolle und kritische Prüfung dessen, was ihnen vorgesetzt wird, tritt für viele die uneingeschränkte Akzeptanz, die soweit geht, dass Deutsche in die Rolle des Gesetzgebers schlüpfen und für diesen überlegen, wie man ein Programm, das offensichtlich nichts mit Chancengleichheit und Gerechtigkeit, sondern mit Privilegierung, Gewährung von Sonderrechten und Diskriminierung zu tun hat, aus rechtlicher Sicht doch noch legitimiern kann.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat dies zum Anlass genommen, um in einem Kommentar die Argumente zusammen zu fassen, mit denen man ein unsinniges und unlogisches Gesetz wie das AGG, das die Beseitigung vermuteter Diskriminierung durch tatsächliche Diskriminierung rechtfertigen soll und seine Konsequenzen kritisieren und normalerweise (in rationalen Kulturen) beseitigen kann:

(1) Wenn ein Gesetz wie das Antidiskriminierungsgesetz offensichtlich jeder Logik widerspricht und man an der geistigen Gesundheit derer, die solchen Unsinn formulieren, zweifeln muss, dann kann man das vermeintliche Gesetz nur als groben Unfug oder Ausdruck von Gehirnkrebs qualifizieren, das keinerlei Anspruch auf Geltung für normal Intelligente haben kann: Es ist logisch unmöglich, Diskriminierung durch diskriminierende Maßnahmen – tja, was eigentlich? Ich weiß es nicht. Also versuchen wir es anders: es ist logisch unmöglich, mit diskriminierenden Maßnahmen vorher beobachteten Phänomenen zu begegnen, die ex-post facto als Diskriminierung interpretiert werden, und zwar

  • (1a) weil erst einmal empirisch nachgewiesen werden müsste, dass diese Interpretation zutreffend ist und
  • (1b) weil selbst dann, wenn das gelänge, jemand von vornherein unglaubwürdig ist, der angeblich Diskriminierung so sehr verurteilt, dass er sie ausgleichen – oder sonst irgendwie etwas, was man in ein nebulöses Verb gießen kann – möchte, sich aber keineswegs zu schade ist, just dies, also Diskriminierung, ganz bewußt einzusetzen, wenn es ihm gerade in den Kram passt.

Der Kampf gegen Diskriminierung ist damit zur Farce geworden, die niemand ernst nehmen kann; statt dessen lautet die Botschaft: Diskriminierung ist bloß ein Kampfbegriff, der von jedem benutzt werden kann, der für die eigene Klientel etwas herausschlagen will.

Das ist sehr, sehr bedauerlich, denn Fälle nachweisbarer (!) Diskriminierung als Benachteiligung sind eine ernsthafte Angelegenheit, besonders, wenn sie institutionell und nicht durch irgendeine einzelne Person, erfolgt.

  • (2) Diskriminierung bedeutet Benachteiligung, und diskriminierende Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung (allein dies zu tippen, bereitet mir Kopfschmerzen wegen des logischen Schwachsinns!) zu treffen, bedeutet eine Bevorteilung. Nun ist die Frage, wie sich Benachteilung und Bevorteilung zueinander verhalten, Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass mit jeder Bevorteilung bestimmter Personen notwendigerweise eine Benachteiligung bestimmter anderer Personen einhergeht. Genau dies wird von den institutionalisierten Diskriminierern in unserer Gesellschaft aber gewöhnlich bestritten. Möglicherweise gibt es tatsächlich irgendeine Konstellation, in der es sich hier nicht um ein Nullsummenspiel handelt, aber die institutionellen Diskriminierer sind den entsprechenden Nachweis (logisch und empirisch) bislang schuldig geblieben,

Empirisch besehen ist der Fall des Professorinnenprogramms jedenfalls ein Nullsummenspiel, denn wenn die Finanzierung nur für weibliche Bewerber vorgesehen ist, also für sie exklusiv reserviert ist, dann sind männliche Bewerber von der Finanzierung ausgeschlossen. Wenn im Grundgesetz (immer noch) steht, dass niemand (u.a.) aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert werden darf, dann handelt es sich bei dem Bevorteilungsprogramm weiblicher Bewerber im Rahmen des Professorinnenprogramms also notwendigerweise um einen Verstoß gegen das Grundgesetz, weil die Bevorteilung von Frauen hier eine Benachteiligung von Männern notwendig impliziert.

Das wird nicht dadurch anders, dass man im Zuge eines wirklich unzumutbar primitiven rhetorischen Tricks zulässige und unzulässige Diskriminierung zu unterscheiden versucht (positive Maßnahmen): dadurch wird lediglich Diskriminierung als solche zum Verschwinden gebracht (s. Punkt 1b).

civic cultureEs geht hier auch gar nicht um Diskriminierung, sondern um Nutznießerei durch Herstellung von Ergebnisgleichheit. Die Gleichheit, die im Grundgesetz garantiert ist, ist aber eine Chancengleichheit und eine prozedurale Gleichheit (= Verfahrensgleichheit), keine Ergebnisgleichheit! Eine so umfassende Uminterpretation grundlegender Gesetze und entsprechend der gesellschaflichen Verhältnisse ist in Deutschland zu keinem Zeitpunkt offen diskutiert und demokratisch legitimiert worden.

  • (3) Selbst unter Nicht-Beachtung der Punkte 1 und 2 – und eine solche Nicht-Beachtung ist nur Toten und solchen mit Gehirnkrebs verzeihlich – gilt, dass es logisch nicht möglich ist, Diskriminierungen angeblich und irgendwie wieder gut zu machen, wenn man sie kollektivistisch auffasst:

Wenn einem Kind sein Ball gestohlen wurde, wäre es gut, den Dieb zu identifizieren, ihm den Ball abzunehmen und ihn dem Kind, von dem er gestohlen wurde, zurückzugeben. Das ist Widergutmachung im Sinn des Wortes. Alles andere ist gesellschaftliche Konstruktion, die bis hin zum Betrug gehen kann, wenn er opportun erscheint, so z.B. wenn die Eltern des Kindes Geld von den Eltern des Kindes fordern würden, das den Ball gestohlen hat, sozusagen als Schadensersatz, ohne Betrachtung der Frage, wer durch wen welchen Schaden erlitten hat und wie der Schaden de facto ausgeglichen werden kann. Dies wäre ein Fall von Vorteilsnahme über den Schadensausgleich hinaus.

Wenn nun ganze Gruppen von Menschen – die Hälfte der Bevölkerung! – gegenüber einer anderen schlechtergestellt wird, um vermeintliche Diskriminierung auszugleichen, die die gesamte erste Gruppe durch die gesamte zweite Gruppe einmal erfahren haben soll, und die beiden Gruppen heute personell so gut wie keine Schnittmenge mit den beiden Gruppen von vor 20, 40, 60, 100, 120, … 50.0000, 100.000 Jahren aufweist, dann ist das die verheerendste und dümmste Art von Kollektivstrafe und historischer Gruppenfehde, die ich mir vorstellen kann. Dagegen wirkt das alte Testament wie ein tröstliches Märchen zur Bettzeit.

Die institutionellen Diskriminierer in unserer Gesellschaft sind von uns niemals für diese Art von Volksverhetzung verantwortlich gemacht worden – und das ist für mich ein echtes Unding! Zumindest ist erstaunlich, dass sich nicht viel mehr Leute in unserer Gesellschaft fragen, wie man eine solche umfassende Verfolgung im Rahmen eines empirisch völlig unbelegten, angeblichen Geschlechterkampfes rechtfertigen will.

Rechtfertigen kann man ihn überhaupt nicht. Aber die historischen Wurzeln dieser Menschenverachtung und dieses Ausmaßes an Hass lassen sich aufzeigen. Einen kleinen Beitrag hierzu habe ich in meinem Artikel über das Patriarchat zu leisten versucht. In jedem Fall wäre es dringend notwendig, dass wir alle uns um diese Spurensuche bemühen – damit wir endlich klar sehen, mit wem wir es bei unseren institutionellen Diskriminierern zu tun haben!

Soziologentag: die Routine der Krise und die Gesänge der Gender-Sekte

Bald ist Soziologentag. Klingt wie: bald ist Weihnachten. Nur kommt beim Soziologentag der Weihnachtsmann nicht durch den Kamin, sondern als KeyNote-Speaker in Person von Susanne Baer, die erschütterndes über die Praxis des Bundesverfassungsgericht zu berichten weiß. Da man die Berufung eines Genderisten ohne dokumentierte und ausgewiesene Ahnung von Verfassungsrecht zum Bundesverfassungsrichter in der Tat als Erschütterungsexperiment ansehen kann, etwa in der Weise, wie es erschütternd ist, wenn ein Tauber für die Zusammenstellung der Charts verantwortlich ist, könnte die “KeyNote” richtig interessant werden, immer vorausgesetzt, Baer trifft den richtigen Ton.

DGS-Kongress-2014Ansonsten ist der Soziologentag, der am Montag beginnt, eine Routine, die die Krise der Deutschen Soziologie nur zu gut belegt, ein Treffen, an dem weniger Personen teilnehmen werden als ScienceFiles Abonnenten hat, und das in den Medien, wenn überhaupt, dann einen eher pflichtschuldigen Niederschlag finden wird. Denn: Die Zeiten, in denen Soziologen etwas zu sagen hatten, die Zeiten eines Karl-Dieter Opp, eines René König, eines Randall Collins, Harold Garfinkel, die Zeiten von Herbert Blumer, George C. Homans, Talcott Parsons oder Michael Hechter, ja die Zeiten eines Hartmut Esser, der immer Leben in die Bude brachte, sie sind vorbei.

Soziologie ist von einer kritischen Wissenschaft zu einem Einheitsbrei der politischen Korrektheit geworden, in dem sich Angehörige der Mittelschicht um diejenigen kümmern, denen sie sich überlegen sehen, deren Armut sie beklagen, in vielseitigen Werken, die geschrieben werden, um sich selbst auf die Ebene des Guten zu transzendieren, nicht jedoch, um den vermeintlich Armen zu helfen. Soziologie ist in weiten Teilen zu einem selbst-expressiven Unterfangen geworden, das von farblosen Gestalten ausgeführt wird, die bei einem Glas Riesling während  der unvermeidlichen Weinprobe (schließlich ist der Soziologentag in Trier) an die Zeit zurückdenken, als ihr Haar noch nicht licht, ihre Stirn noch nicht hoch, sie selbst noch kämpferisch waren, so kämpferisch, dass sie sich ins Feld getraut haben, direkten Kontakt mit Menschen, die ihnen fremd waren, aufgenommen haben, und wenn es im Rahmen ihrer begleitenden Erforschung von Sado-Maso-Gruppen war.

Doch, das ist Schnee von gestern. Seit mehreren Jahrzehnten hat die Soziologie keine Erkenntnisse mehr hervorgebracht, die beim Rezipienten mehr als ein müdes Gähnen hervorgerufen hätten. Und wären nicht die theoretischen Grundlagen, die die großen alten Männer der Soziologie gelegt haben, Soziologie wäre schon viel früher von der Vor-Wissenschaft, die an die Tür zur Normalwirtschaft geklopft hat, in den metaphysischen Zustand übergegangen, in dem sie sich nunmehr befindet, einem Zustand, in dem manche die Stirn in tiefe Falten legen, um den nachfolgenden Trivialitäten ein entsprechendes Gewicht zu verleihen, während andere Daten mit ausgeklügelten statistischen Verfahren bearbeiten, von deren Voraussetzungen sie ebenso wenig Ahnung haben, wie sie Ahnung von der Interpretation der Ergebnisse haben, die sie regelmäßig in einer Weise vornehmen, die einem die Haare zu Berge stehen lässt. Der Soziologentag, der in den letzten Jahrezehnten immer mehr zum Treffen von Nachwuchswissenschaftlern und Studenten geworden ist, dem die meisten Lehrstuhlinhaber, die noch eine Vorstellung von Soziologie haben, fernbleiben, zeigt dies in besonderer Weise.

Er zeigt, wie ideenlos die Soziologie ist. Er zeigt, wie routinemäßig die Krise der Soziologie derzeit verwaltet wird, und er zeigt, wie hoch der Stellenwert der Weltbetrachtung, die sich vom Talk in der entsprechenden Show nur dadurch unterscheidet, dass sie auf dem Soziologentag vorgenommen wird und entsprechend nur ein kleines Auditorium findet, bereits ist.

Handbook of sociological theoryEin Blick in das Programm des Soziologentags reicht, um Routine und Krise der heutigen Soziologie zu sehen. Die gezwungenen Bezüge zu Krise zeigen deutlich wie wenig Soziologen heute noch zu sagen haben, Titel wie: “Altern und Alter als individuelle und gesellschaftliche Krise?” oder :”Bildung in der Krise – Mit Bildung aus der Krise?” oder: “Transnationale Biographien in krisenhaften Zeiten” oder; “(Über)Leben in der Dauerkrise”oder: “Get (yourself) together – Körper in Krisen” oder: “Soziologie als kritische Theorie oder Soziologie als Krisenwissenschaft?” oder: “Kreativ aus der Krise – neue Formen des Organisierens?”, lassen die Langeweile in die Augen kriechen, die den Dienst versagen, und sie lassen die Vorstellung jener endlos ermüdenden Krisenvorträge vor dem noch dienstbereiten geistigen Auge entstehen, eine Vorstellung, die selbst das Lesen von James Joyce Ulysses zur angenehmen Aufgabe werden lässt.

Wer es lange genug aushält und das Programm der routinisierten Krise des Soziologentags in Trier auch nach dem Rieslingabend im Gewölbekeller auf Seite 46 nicht in die Ablage P befördert hat, der findet auf Seite 85 jene ad-hoc Gruppe, von der wir hier schon einmal berichtet haben, jene ad-hoc-Gruppe, die man sich wohl eher als Kongregation vorstellt, als Treffen verhuschter Gestalten, die allesamt etwas Neues in ihrem Leben erlebt haben: Widerstand.

Ein völlig neues Gefühl der Krise und vielleicht die einzige wirkliche Krise, die auf dem Soziologentag behandelt wird, soll in dieser Glaubenskongregation durch gemeinsame Beschwörungsformeln bekämpft werden, durch eine gemeinsame Intonation dessen, was der Feind angeblich sagt. Vermutlich werden die in Batiktücher gewickelten Teilnehmer versuchen, neben der verbalen Intonation dem Dämon, den sie über sich hereinbrechen sehen, auch mit Rauchtee zu Leibe zu rücken, um jenen Dämon zu vertreiben, den Dämon, der sich Kritik nennt, der als Anti-Genderismus daherkommt, und der Fragen stellt, Fragen, die die Sektenmitglieder bis heute nicht beantworten wollen oder können.

Wir haben eine pre-view vorgenommen und uns die Abstracts zur Glaubenskongregation durchgelesen. Hier unsere kurze Zusammenfassung dessen, was es als Schamanengesang von 14.15 bis 16.45 am Donnerstang den 9. Oktober zu hören gibt:

  • Kathleen Heft bringt “Input”, wie sie sagt. Ihr “Input” besteht darin, die eigene Opposition zu dem, was sie “heteronorm und bürgerlich-verstandene ‘traditionelle Familie'” nennt, in Worte zu fassen und Kritik als “Sehnsucht nach einer idealisierten Bundesrepublick der 1980er Jahre” zu diskreditieren. Der “Input” benötigt keinerlei empirischen Input und entstammt insofern dem Musik-Genre der Religiosa Fantasia.
  • The-Police-De-Do-Do-Do-De-DaJuliane Langenohl sieht sich von einer extremen Rechten bedroht, eine extreme Rechte, die ihr Kulturmarxismus, Raubtierfeminismus und Frühsexualisierung von Kindern vorwirft. An dieses “völkische Gedankengut”, wie sie befindet, also das extrem rechte Gedankengut, das allein Kritik an Frühsexualisierung und Kulturmarxismus und Raubtierfeminismus zu denken im Stande ist, knüpft Langenohl viele Fragen und keine Antworten. Sie befindet sich offensichtlich noch im Stadium der Verstörung, und versucht, das Störende durch die Inkantonierung von Abwehrgesängen zu bekämpfen, ihr Gesangsbeitrag gehört entsprechend in das Musik-Genre des religious psychedelic trash.
  • Ilse Lenz, erheblich gealterte und deshalb emeritierte Genderistin ist mit ihrem Gesang noch der mittelalterlichen Leier verpflichtet, einer Leier, die durch die bekannte und monotone Intonierung von “Neoliberalismus”, “hegemoniale Männlichkeit”, “Biologismus”, “Sozialismuskritik”, “Ausgrenzung”, “Abwertung” unterbrochen wird. Bekannt ist dieses Genre religiöser Musik auch als Brabbel-Gesang.
  • Andrea Maihofer spielt mit Franziska Schutzbach die zweite Geige zu Ilse Lenz, im übertragenen Sinne natürlich, und ergänzt die “männliche Suprematie” und die “heteronormative Zweigeschlechtlichkeit” zum religiösen Brabbel-Gesang, der damit zum Fake-Requiem auf einen Zombie wird.
  • Natürlich darf auch der Gruppengesang nicht fehlen, in diesem Fall ein Trio bestehend aus Mona Montakef, Christine Wimbauer und Julia Teschlade. Sie einen Erfahrungen der “Prekarität und Prekarisierung”, was angesichts von Zeitverträgen an Universitäten kein Wunder ist. Diese Erfahrungen haben “Verunsicherung” zur Folge, Verunsicherung darüber, ob man den Lebensstandard der Eltern noch wird halten können, wenn der Genderismus in Schutt und Asche liegt. Die Verunsicherung hat das bekannte Group-Chanting zur Folge, mit dem sich massiv verstörte und verunsicherte Personen gegenseitig versichern, dass sie gar nicht verstört und verunsichert sind. Group-Chanting gibt es in vielen Versionen. Im vorliegenden Fall geht die Rezitation des Glaubensbekenntnisses in die Fürbitten über.

- Rahmenprogramm -

Noch ein Trio von Minimalisten!

- Ende Rahmenprogramm -

  • Schließlich versucht Imke Schmincke “Furor” mit ihrem Gesang zu beschwören, und zwar “lautstark”, in der Hoffnung, dass es durch vorlautes Auftreten gelingt, die eigenen Ängste davor, dass der von ihr gesehene “große gesellschaftliche Widerstand” gegen den Genderismus, das Fundament des eigenen Auskommens beseitigt, zu bändigen. Das Treffen der Gender-Kongregation endet mit diesem Singsang und der Beschwörung der “Einlösung demokratischer Freiheits- und Gleichheitsversprechen”, die natürlich nur für Genderisten gelten.

Wer sich die ad-hoc-Gruppe aus einer Laune heraus, quasi ad-hoc antun will, der sei hiermit aufgerufen, uns mit einem Bericht über das Krisentreffen zu versorgen. Wir versprechen, den Bericht zu veröffentlichen – vielleicht beantwort der Bericht ja die Frage, was das Klagen über eine gescheiterte Staatsideologie mit Soziologie zu tun hat.

Samenspender: vertrauenswürdig, jung – und naiv?

Die Erlanger Samenbank der ivf-Gesellschaft zur Förderung der Reproduktionsmedizin mbH hat unter “Begleitung der Universität Erlangen-Nürnberg” eine Studie durchgeführt, die u.a. den Fragen nachgeht: Wer, warum seinen Samen spendet (das “wie” der Onanie, lassen wir außen vor).

BogofWir haben diese Studie zum Anlass genommen, um uns ein wenig mit diesem Thema zu befassen – zunächst mit dem, was der als PR-Studie bezeichneten Studie vorgelagert ist – das Angebot:

“Die Erlanger Samenbank such vertrauenswürdige junge Männer als Samenspender, die mit ihrer Samenspende Paare unterstützen, die den eigenen Kinderwunsch auf anderen Wegen nicht erfüllen können”.

SeifenspenderMan sieht hier die Macht der Kultur, denn ein Kinderwunsch als solcher ist biologisch nicht vorhanden, sondern kulturell vorgegeben und die kulturelle Vorgabe ist für manche so stark, dass sie sich einreden, sie hätten einen Kinderwunsch. Dass wir es hier mit einer kulturellen Determinante zu tun haben, zeigt sich schon daran, dass Kinder als Produkt betrachtet werden, dessen Herstellung dann, wenn die eigene Leistungsfähigkeit nicht ausreicht, mit Hilfe anderer, mit Hilfe von Ärzten und Samenspendern in Angriff genommen wird. Dies zerstört auch die Idee eines egoistischen Gens, denn ein egositisches Gen will sich fortpflanzen und ist entsprechend auf die Fortpflanzung und nicht das Produkt der Fortpflanzung fixiert.

Doch weiter im Text: Wer ist ein vertrauenswürdiger Spender?

Ein vertrauenswürdiger Spender ist

  • gesund,
  • hat also keine Allergien, keine Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, keine Epilepsie, kein Rheuma, keine Schuppenflechte, kein Asthma, keinen Herzfehler, keine psychischen Erkrankungen und keinen hohen Blutdruck.
  • Er pflegt eine gesunde Lebensweise hat keine häufig wechselnden Sexualpartner, nimmt keine Drogen, trinkt nicht zu viel Alkohol, raucht nicht.
  • Das Aussehen des Samenspenders ist zunächst [!sic] kein Kriterium, was heißt, später schon.
  • Er ist zwischen 20 und 50 Jahren alt.

Für die Samenspende in Erlangen gibt es eine kleine Vergütung:

“Die Samenspende ist eine soziale, freiwillige Leistung, die nicht bezahlt wird. Sie erhalten ein wenig Geld für ihre Samenspende, eine Aufwandsentschädigung als finanzielle Gegenleistung für ihre Zeit, die Sie auf Anfahrtswegen und bei der Samenspende für uns aufbringen”.

Die Entschädigung beträgt insgesamt 630 Euro. Durch Samenspenden wird man also nicht reicht, als Spender jedenfalls nicht. Was die Frage aufwirft, warum jemand Samen spendet. Dazu gleich mehr. Bevor wir uns dieser Frage zuwenden, hier noch die rechtlichen Probleme, die sich mit dem Samenspenden verbinden:

Die Antworten auf die rechtlichen Fragen sind bei der Erlanger Samenbank vom Satz eingeleitet: “Eine anwaltliche Beratung können wir als juristische Laien allerdings nicht leisten und nicht ersetzen”. Das heißt im Klartext: Welche rechtlichen Probleme dem Samenspender durch seine Spende auch immer entstehen mögen, die Erlanger Samenbank fühlt sich dafür nicht zuständig und nicht verantwortlich.

Generell gehen alle Gefahren für den Spender vom Kind aus, das er ermöglicht hat:

  • Das Kind kann die Identität des Samenspenders lüften.
  • Unterhalts- und Erbansprüche des Kindes richten sich, so die laienhafte Meinung der Samenbanker, “primär an die gesetzlichen Eltern”. An wen sie sich sekundär richten, wird leider nicht gesagt.
  • Und weiter: “Allerdings können der Spender und seine Erben nach der heutigen Rechtslage nicht vollständig vor möglichen … Ansprüchen eines von seiner Samenspende abstammenden Kindes … geschützt werden”.

Sein Samen ihr KindWir fassen zusammen: Wer seinen Samen spendet muss gesund und ansonsten nicht weiter auffällig sein (also z.B. nicht rauchen), er muss zunächst nicht gut aussehen, später dann schon, er bekommt eine kleine Aufwandsentschädigung für seine Spender-Mühen und wird ansonsten von den Erlanger juristischen Laien mit den rechtlichen Konsequenzen, die ihm blühen können alleine gelassen und an den eigenen Anwalt verwiesen. Kurz: Der Spender hat auf seiner Seite alle Nachteile, diejenigen, die von seiner Samenspende profitieren als Eltern oder als Samenbank, haben alle Vorteile, und da sich der Samenspender damit abspeisen lässt, dass Samenspende eine “soziale, freiwillige Leistung” ist, bleibt der gesamte Profit wohl bei der Erlanger Samenbank und der ivf-Gesellschaft zur Förderung der Reproduktionsmedizin mit beschränkter Haftung, denn in-vitro-Fertilisation ist offensichtlich weder sozial noch freiwillig, sondern folgt allein den Motiven der Gewinnmaximierung (sonst würde man Spender ordentlich bezahlen und rechtlich vor Ansprüchen der Kinder schützen).

Die Frage, wer sich auf einen solchen Deal einlässt, bei dem ihm alle Risiken aufgebürdet werden, stellt sich umso dringlicher.

Hier die Antworten aus der oben angesprochenen Studie. Die Antworten beruhen auf den Aussagen von 80 Spendern im Großraum Nürnberg-Erlangen. Die Ergebnisse sind entsprechend in keiner Weise repräsentativ, vermitteln aber dennoch einen Eindruck davon, wo man die vertrauenswürdigen und jungen und vor allem naiven Spender findet und was sie motiviert:

  • 57,5% der Samenspender sind 20 bis 29 Jahre alt, 11,3% 40 bis 49 Jahre.
  • 15% der Samenspender sind verheiratet, 47,5% leben unverheiratet in einer Partnerschaft, 37,5% sind ledig;
  • 40% der Samenspender haben ein Studium absolviert, 18,8% ein Abitur und 23,8% eine mittlere Reife erreicht.

Erlanger-SamenbankNaivität und Unbedarftheit gegenüber rechtlichen Problemen, die mit der eigenen Spende einhergehen können, finden sich demnach am ehesten bei vermeintlich Höhergebildeten. Offensichtlich haben Akademiker zudem einen höheren Druck, ihren Samen zu verteilen, um z.B. einen empfundenen Deprivationsdruck abzubauen (schon weil sie keine häufig wechselnden Sexualpartner haben dürfen). Wie auch immer, was bewegt die durchschnittlich zumindest formal Höhergebildeten dazu, ihren Samen zu Dumpingpreisen zu verschleudern?

  • 32,1% geben “Hilfe” als Motiv an, 17,9% wollen an der Schöpfung teilhaben und 20,4% sind der Meinung, Kinder seien etwas wundervolles, obwohl sie durch ihre Samenspende dafür sorgen, ihre Kinder in Obhut Dritter zu belassen.

Blickt man etwas genauer auf die drei Motive und stellt dabei in Rechnung, dass die Motive Vorgaben sind, die 80 Samenspender, die befragt wurden, also keine Möglichkeit hatten, etwas Anderes als Vorgegebenes zu antworten, dann ergeben sich folgende Hauptmotivationen:

  • Thema Hilfe: “Ich helfe aus Nächstenliebe gegenüber kinderlosen Paaren” und “Ich spende an der Samenbank, da man mit einfachen Mitteln anderen helfen kann”.
  • Thema Schöpfung teilhaben: “Ich finde es toll, dass durch die Samenspende Kinder mit meinen Zügen (z.B. Körper, Charakter) geboren werden”.
  • Thema Kinder sind etwas Wundervolles: “Ich spende Samen, damit Andere das Glück eines Kindes erfahren”.

Ist das nicht rührend? Samenspender spenden, damit andere das Glück eines Kindes erfahren, das jedoch die Züge des Spenders hat (Charakter und Körper), und Samenempfänger kaufen quasi die Katze im Sack, ein Überraschungsei, dessen Inhalt man erst mit der Zeit in voller Größe und Ausmaß erkennt. Als Rache können diejenigen, die im elterlichen Erkenntnisprozess verhaftet sind, dann das wundervolle Kind, das ihnen dank moderner Technologie verkauft wurde, nutzen, um die Identität des Spenders ausfindig zu machen und denselben mit Ansprüchen (Rechte des Kindes) zu konfrontieren.

Stellt sich abschließend die Frage, ob man als Spender wirklich so naiv und von kulturellen Vorgaben dirigiert sein kann, so leer, dass man tatsächlich denkt, die Onanie bei der Samenbank entspreche einer “Teilhabe an der Schöpfung”? Und der hohe Anteil an Akademikern ist eher verstörend, denn Akademiker sollten über andere Formen der Teilhabe an der Schöpfung verfügen. Wie auch immer, man darf natürlich nicht vergessen, dass die Antworten vorgegeben wurden und von den befragten 80 Spendern nur geratet werden konnten. Bleibt letztlich noch nachzutragen, dass sich die Mehrzahl der Spender rechtlich ausreichend aufgeklärt fühlt und dahingehend keinerlei Bedenken hat. Man sieht, schon die Beratung durch die selbsterklärten Laien von der Erlanger Samenbank führt zu dem Gefühl ausreichender Aufklärung, was letztlich als Erklärung für die Samenspende nur die Abhängigkeit von kulturellen Vorgaben und eine unglaubliche Naivität übriglässt. Das sind dann wohl die Charakterzüge, die die Spender an die nächste Generation weitergeben.

Mit vielen Frauen kommt die Unprofessionalität (und der Niedergang)

Als Wissenschaftler, die einer Reihe von methodologischen und theoretischen Ansätzen verpflichtet sind, reiben wir uns immer öfter verwundert die Augen, wenn wir gewungen sind, Tagespolitik zur Kenntnis zu nehmen. Es scheint, wenn es um Tagespolitik geht, dann ist alles, was Sozialwissenschaftler über Jahrzehnte an Wissen zusammengetragen haben, verloren, dann herrscht die blanke Imagination und wie ich-es-gerne-hätte-Vorstellung. Dann herrscht inkompentente Ahnungslosigkeit, die gepaart mit dem Bemühen, seiner Ideologie zu dienen, regelmäßig in die Katastrophe mündet.

Drei Beispiele:

BartholomewMenschen sind rationale Wesen, die versuchen, mit ihren Handlungen und für sich den optimalen Nutzen zu erreichen. Hat man diese Annahme, dann ist es nicht weiter schwierig, zu der Erkenntnis zu kommen, dass dann, wenn einem Menschen zwei Wege zu einem von ihm präferierten Ziel angeboten werden, ein einfacher, bei dem er sich nur zurücklehnen muss und ein steiniger, bei dem er etwas tun muss, er den ersten Weg wählen wird. Das ist in kurz der Grund dafür, warum ein Wohlfahrtsstaat nicht funktionieren kann, warum ein Wohlfahrtsstaat in jeder Hinsicht ein Race-to-the-Bottom ist (Sehr schön beschrieben hat dies James Bartholemew).

Wenn Menschen miteinander interagieren, kooperieren wollen, etwas miteinander tauschen wollen, dann ist Vertrauen eine notwendige Voraussetzung, denn Interaktionen, weisen immer auf die Zukunft und somit auf das Unbekannte, und sie haben immer eine Vorleistung von einem der Interaktionspartner zum Gegenstand. So hat ein Austausch, bei dem z.B. die Stimme gegen Repräsentation getauscht wird, Vertrauen zur Voraussetzung: Derjenige, der seine Stimme gibt, damit ein Politiker ihn repräsentiert, erwartet, dass er auch vertreten wird, dass der Politiker keine Neben-Repräsentationen hat, die der eigenen Repräsentation entgegen stehen und vor allem, dass Politiker keine eigennützigen Akteure sind, die ihren Vorteil über den Vorteil der von ihnen Repräsentierten stellen, die sich, um mit Oliver Williamson zu sprechen, nicht opportunistisch verhalten. Damit sich Menschen nicht opportunistisch verhalten, muss sichergestellt sein, dass opportunistisches Verhalten nicht nur entdeckt, sondern auch betraft wird. Dies ist in aller Kürze die Erklärung dafür, warum eine repräsentative Demokratie nicht funktionieren kann, denn es ist Wählern kaum möglich auszuschließen, dass der gewählte Politiker von Gewerkschaften oder Unternehmen bezahlt wird oder seine Arbeitszeit damit zubringt, Kinderpornographie zu sammeln.

economics of lifeSchließlich ist es eine der offensichtlichsten und zugleich am meisten in Vergessenheit geratenen Weisheit, die im Alltagsverstand beheimatet ist, dass Kenntnisse, Erfahrung und Leistung sich linear zu einander verhalten. Je mehr Kenntnisse und Erfahrung jemand einsetzen kann, desto besser seine Leistung. Dies – in wissenschaftlich – hat Gary S. Becker in seine Humankapitaltheorie gegossen, die man auf die Basis herunterbrechen kann, dass je mehr formale Bildung jemand erwirbt und je mehr Zeit er für “training-on-the-job” aufwendet, desto höher sein Humankapital ist, desto mehr Wissen und Erfahrung hat er um die Anwendung bestimmter Instrumente in unterschiedlichen Situationen und desto eher findet er eine Lösung für ein Problem, das sich ihm stellt. Das ist in aller Kürze die Erklärung dafür, dass eine Gesellschaft, die auf Teilzeitarbeitnehmer setzt, die die Vollzeitarbeit immer mehr entwertet, eher früher als später einen wirtschaftlichen Niedergang erlebt, der u.a. Infrastruktur, Ausrüstung, Wissen und Arbeitsmoral erfasst.

Und damit sind wir beim Staatsfeminismus angekommen, jener absurden Ideologie, die meint, man könne Menschen zu ideologisch gewünschten Handlungen manipulieren, in dem man entsprechende Anreize setzt, ohne dafür die Kosten verringerter Anstrengung zu zahlen, jene Ideologie, die denkt, man könne Frauen über eine Bevorteilung in Positionen befördern. für die sie nicht qualifiziert sind und hätte diese Diskriminierung der qualifizierten Bewerber nicht damit zu zahlen, dass Letztere und Erstere sich opportunistisch verhalten, Letztere durch Dienst nach Vorschrift, weil sich Leistung für sie nicht lohnt, erstere durch weitgehende Dienstverweigerung, weil sie zur notwendigen Leistung nicht fähig sind. Und schließlich haben wir mit dem Staatsfeminismus eine irrsinnige Ideologie, deren Vertreter denken, man könne in der Hälfte der Zeit dieselbe Menge von Kenntnisse erwerben wie ein anderer, der doppelt so viel Zeit für seine Bildung aufwendet. Wer auch dieser Ansicht ist, der mag einen Jungen, der seit seinem vierten Lebensjahr Gitarre spielt, mit jemandem vergleichen, die immer mal wieder klampft.

Und damit sind wir bei Ursula von der Leyen, die derzeit den Bundesverteidigungsminister gibt.

Der Bundesverteidigungsminister ist derjenige, der u.a. dafür verantwortlich ist, dass die Bundeswehr ihrem Verteidigungsauftrag gerecht wird.

Die Bundeswehr, das ist jene Ansammlung von Soldaten und Material, die in Funktionsweise und Instandhaltung weitgehend dem Zustand deutscher Autobahnen und Brücken entspricht: Die Ausrüstung ist mangelhaft, die meisten Kampfjets sind nicht flugtauglich, das Standardgewehr schießt um die Ecke und das sind nur die Highlights aus einer Armee, die dem entspricht, was man aus sozialistischen Ländern gewohnt ist: Fassaden hinter die man besser nicht blickt.

crash jetAber: Ursula von der Leyen weiß, wo der Schuh drückt. Sie weiß, was notwendig ist, um die Bundeswehr zu einer modernen Armee zu machen. Sie hat in ihrer Halttagstätigkeit als Mutter und Parteiideologe als Abgeordneter und Minister so viele Dinge aufgeschnappt, dass sie zmindest glaubt, sie sei kompetent und könne alle Probleme der Bundeswehr-Welt lösen, quasi nebenbei, halbtags  und im Einklang mit den Vorgaben des Staatsfeminismus, jenes Gottes, dem sie huldigt:

 

Wir zitieren im Original aus einer Pressemeldung vom 30. Mai 2014:

Ursula von der Leyen: „Bundeswehr wechselt auf die Überholspur“

Berlin, 30.05.2014.
Die Bundesministerin der Verteidigung stellt Attraktivitätsoffensive vor – 29 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio Euro in fünf Jahren.

Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen startet ihre Agenda mit konkreten Plänen zur im Januar angekündigten Initiative, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Die umfangreiche Agenda „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders “, die in Teilen bereits im Koalitionsvertrag angelegt war, soll für die Beschäftigten der Bundeswehr zügig spürbare Verbesserungen erreichen. Das Paket enthält 29 Maßnahmen, die nicht per Gesetz geregelt werden müssen und von denen die meisten bereits Ende 2015 umgesetzt sein sollen. Im kommenden Herbst soll zusätzlich ein Gesetz zur Steigerung der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr (Artikelgesetz) folgen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen: „Die Bundeswehr hat viel zu bieten und wir wollen die Besten, die auch anderswo auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben. Die Freiwilligenarmee Bundeswehr soll jedem Vergleich mit der Wirtschaft standhalten. Das gilt in puncto Karrierechancen für junge Männer wie Frauen, Weiterbildung, moderne Arbeitsumgebung und selbstverständlich eine zeitgemäße Vereinbarkeit des Dienstes mit dem Familienleben. Wir haben uns mit der Agenda Bundeswehr in Führung für die nächsten Jahre ehrgeizige Ziele gesetzt. Ab morgen beginnt die Kärrnerarbeit der Umsetzung.“

Die Agenda umfasst u.a.:

Ausweiten flexibler Kinderbetreuung: mehr Belegrechte, mehr Tagespflegeangebote, wo nötig: eigene Kitas, (Aktuell: 275 Belegrechte an 13 Standorten, Großtagespflege an 11 Standorten, 2 Betriebskitas (+ 2 im Bau, 1 in Planung), 350 Eltern-Kind-Zimmer; Ziel: 30 weitere Eltern-Kind-Zimmer in 2014, weitere 45 Belegrechte in 2014, bis 2019 Möglichkeit für 110 neue Großtagespflegeprojekte)
Zentrale Ansprechstellen für alle Probleme rund um Familie und Dienst an jedem Standort (Ziel: bis Ende 2015)

Langzeitarbeitskonten für alle Beschäftigte, Ansparen bei Belastungsspitzen, mehr flexible Zeit für Familie, Weiterbildung, Freizeit, Start: Mitte 2015.

Neue Regeln für Soldatinnen und Soldaten ermöglichen einen deutlich längeren Verbleib auf einem Dienstposten oder an einem Standort (Vorteil für Familie, fachliche Spezialisierung, Reduktion der Belastung durch Pendeln, Ziel: Neue Konzepte ab 2015, Verlängerung der durchschnittlichen Stehzeit von 2-3 auf 4-6 Jahre)

Entwicklung eines umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagements für die gesamte Bundeswehr (z.B. Gesundheitschecks, Sportangebote, Stress- und Suchtprävention; Ziel: ab 2016 für alle Beschäftigten)

Schrittweise Erneuerung der teils in die Jahre gekommenen dienstlichen Unterkünfte und Ersatz des alten Mobiliars
Hochwertigere, moderne Ausstattung (z.B. TV, Kühlschrank, etc; Start: 2015)
Flächendeckend frei zugänglicher Internetzugang in den Unterkünften der Kasernen (Ziel: schrittweise Einführung, Start mit Lehreinrichtungen ab Mitte 2015)

vorderladerZwischenzeitlich hat sich die Überholspur, auf der von der Leyen sich wähnt, als Standstreifen entpuppt, der mit Tornado-II-Jets und sonstigem Gerät verstellt ist. Aber, weitblickend wie sie ist, hat von der Leyen den Krieg der Zukunft vorhergesehen, den Krieg, den Papa und Mama am Computer führen, im modernen Ambiente der familienfreundlichen Kaserne, die gleich neben McDonalds (Vepflegung) und Ikea (modernes Mobiliar) und Indesit (Kühlschrank) gebaut wurde.

Ob es sich bei dieser Vision nicht doch eher um ein Hirngespinst handelt, ist eine Frage, die sich angesichts derzeitiger militärischer Aktivitäten, die die USA, Frankreich und das Vereinigte Königreich entfalten, und zwar mit richtigen Kampfjets und -drohnen, nicht mit virtuellen, besonders dringlich stellt. Aber, mit Blick auf den  “Vorsprungs durch Technik”, den Deutschland bis heute zumindest in der Werbung reklamiert, könnte sich die Vision von der Leyens als absoluter Knüller erweisen, ebenso, wie der beabsichtigte Bau eines deutschen Flugzeugträgers, über den wir bereits in der Vergangenheit berichtet haben – ansonsten wären die 100 Millionen Euro für die von der Laien-Vision aus dem Fenster geworfen und besser in Material und Gerät investiert.

P.S.

Was passiert eigentlich, wenn durch die Benutzung der von Deutschland gelieferten Waffen, mehr Kurden sterben als durch das Einwirken des IS?