Freitag, der 13. – Aberglaube trifft Sozialforschung

“Friday, the 13th; I thought as much. If Bob has started, there will be hell, but I will see what I can do.”

MacKay Public DelusionsSo beginnt der Roman “Friday, the Thirteenth” von Thomas W. Lawson. Ein Roman mit aktuellem Thema. Veröffentlicht im Jahre 1907 beschreibt er, wie ein Börsenhändler den Aberglauben seiner Mitmenschen ausnutzt, um die Wall Street in Panik zu versetzen. Es scheint, der Roman hat, obwohl weder heilende Steine noch der Glaube an Chemtrails darin vorkommen, nichts an Aktualität verloren.

Lawson wird häufig als Urvater der Diskriminierung des 13. jeden Monats und der Mehrfach-Diskriminierung des 13., der auf einen Freitag fällt, bezichtigt. In jedem Fall hat er seinen Anteil am Aberglauben um Freitag, den 13., jenen Tag, an dem Jason Voorhees u.a. auf die Jagd nach Opfern geht.

Nicht nur, dass ein harmloser Freitag, der auf einen 13. fällt (oder umgekehrt), unter dem Aberglauben zu leiden hat, auch ganz normale Menschen, die das Schicksal des Freitags teilen und an einem ebensolchen, dem 13., geboren wurden, leiden unter dem Aberglauben. Das jedenfalls will der Aberglaube so, der entweder den am Freitag, den 13., Geborenen, oder denen, die die am Freitag, den 13., Geborene kennen, einredet, daran sei etwas Besonderes, etwas besonders Schlechtes oder Unglückliches.

Jan Fidrmuc und J. D. Tena, zwei unerschrockene Forscher von der Brunel University in London sind nunmehr angetreten, dem Aberglauben um Freitag, den 13., ein Ende zu bereiten – mit den Mitteln der quantitativen Datenanalyse sind sie dem Aberglauben zu Leibe gerückt.

Margaret Thatcher

geb. Freitag, 13. Oktober 1925

3,9 Millionen Informationen zu 60.000 Britischen Haushalten, darunter 122.833 Briten, die an einem 13. geboren wurden, und 18.032 Briten, die an einem Freitag, den 13., geboren wurden, haben Fidrmuc und Tena zusammengetragen, um dem Aberglauben ein für alle Mal den Garaus zu machen und Freitag, den 13., als vollberechtigten Tag in die Reihe der anderen Tage aufzunehmen.

Vermeintliche Unglücksraben, die an einem Freitag, den 13., geboren wurden, sollten sich von Inhabern glücklicherer Geburtstage dadurch unterscheiden, dass ihre Biographie in wichtigen Punkten suboptimal verlaufen ist. Fidrmuc und Tena zeigen sich hier als Optimisten, sind sie doch der Meinung, die Höhe des Stundenlohns und die Frage, ob ein Mensch eine Arbeit finde, wirke sich auf Lebenschancen aus, ja entscheide über dessen Lebenschancen (Sie leben offensichtlich noch in der Vor-Nanny-State-Zeit).

Wie dem auch sei, Fidrmuc und Tena rücken dem Aberglauben mit Regressionsanalysen zu Leibe und vernichten ihn vollständig: Weder haben Menschen, die am Freitag, den 13., geboren wurden, eine geringere Wahrscheinlichkeit, einen Arbeitsplatz zu finden noch erhalten sie geringere Löhne als Menschen, die nicht an einem 13. des Monats, der ein Freitag war, geboren wurden.

13. August 1926

geb. Freitag, 13. August 1926

Außerdem haben Menschen, die am Freitag, den 13., geboren wurden, nur eine minimal geringere Wahrscheinlichkeit, single zu bleiben (also nicht zu heiraten), ein Ergebnis, das man so und so werten kann, oder: “we leave it up to the reader to decide whether staying single is good or bad luck”.

Abergläubige müssen sich also etwas Neues suchen, um sich einzubilden, z.B. eine lange verschollen geglaubte Schriftrolle, die gerade gefunden wurde und in der prophezeit wird, dass im Jahre 3045 nach dem Fall des House of Usher, also am 13. August 2015, die Welt untergeht, weil Keppler Außeriridsche aufgeweckt hat, die nunmehr den Schutzring der Engel um die Erde durchbrochen haben und anfangen, den Erdenbewohnern die McNuggets streitig zu machen.

Fidrmuc, Jan & Tena, J. D. (2015). Friday the 13th: The Empirics of Bad Luck. Kyklos 68(3): 317-334.

Vaterschaft macht dick und depressiv

Bist Du noch Mann oder schon Vater?

childfree menDie Frage, ob man sie mag oder nicht, ob man darauf eine gute Antwort hat oder nicht, sie verweist auf die Wahrnehmung, dass mit Männern eine Veränderung einhergeht, die auf den Übergang zum Vater zurückzuführen ist, eine Veränderung, die nicht nur männliche Attribute in der Außenwahrnehmung zum Verschwinden bringt, sondern auch mit erheblichen Risiken für die eigene Gesundheit einhergeht.

Craig F. Garfield und Mitautoren haben 2014 einen Beitrag veröffentlicht, in dem sie zeigen, dass Vaterschaft für Männer mit einer Zunahme depressiver Symptome einhergeht, ein Ergebnis, das der Eingangsfrage neue Relevanz verleiht.

Nun hat Craig F. Garfied noch einen Beitrag nachgelegt, der noch im Juli im “American Journal of Men’s Health” veröffentlicht wird.

Vaterschaft bedeutet Gewichtszunahme.

Männer, die sich zum Vater transformiert haben, nehmen im Durchschnitt 1,8 Kilogramm zu, während Männer, die Mann geblieben sind, Gewicht verlieren.

Dieses Ergebnis basiert auf der Analyse von 10.253 Männern, die über mehr als 10 Jahre ihres Lebens, vom Beginn der Adoleszenz bis in die Mitte ihrer dritten Lebensdekade verfolgt und für die im entsprechenden Zeitraum Daten gesammelt wurden. Entsprechend liegt ein longitudinaler Datensatz mit all seinen Vorteilen vor, und man kann das Ergebnis als relativ gesichert bezeichnen.

Männer, die sich demnach fortpflanzen wollen, sollten die gesundheitlichen Folgen, die es hat, wenn sie nachts nicht mehr durchschlafen können, ihr eigenes Leben in den Dienst am Nachwuchs stellen und damit ihren gewohnten Lebensrhythmus und nicht zuletzt ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen müssen, in Rechnung stellen.

Vaterschaft bedeutet ein erhöhtes Risiko, depressiv zu werden.

Vaterschaft bedeutet eine erhebliche Gewichtszunahme und damit einhergehend ein höheres Risiko, einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu erliegen.

Vaterschaft bedeutet eingeschränkte Attraktivität auf dem Markt der persönlichen Beziehungen.

Vaterschaft bedeutet finanzielle Knechtschaft bis zum Ende des väterlichen Lebens und Erpressbarkeit.

Eine rationale Entscheidung darüber, ob man den Übergang vom Mann zum Vater vollziehen will, stellt dies in Rechnung (und vielleicht die Tatsache eines überbevölkerten Planeten, sowie ideologischer Indoktrination in Schulen …).

Garfield, Craig F., Rutsohn, Joshua, McDade, Thomas W., Adam, Emma K. & Chase-Lansdale, Lindsay (2015). Longitudinal Study of Body Mass in Young Males and the Transition to Fatherhood. Erscheint in American Journal of Men’s Health.

Garfield, Craig F., Duncan, Greg, Rutsohn, Joshua, McDade, Thomas W., Adam, Emma K., Levine Coley, Rebekah & Chase-Lansdale, Lindsay (2014). A Longitudinal Study of Paternal Mental Health During Transition to Fatherhood as Young Adults. Pediatrics 133(5): 836-843.

Freies Manipulieren mit Umfragedaten: Wenn es um Griechenland geht, ist scheinbar alles erlaubt

Wenn es darum geht, eine Meinungshoheit in der öffentlichen Diskussion zu erreichen, dann kommt Umfragen regelmäßig eine große Bedeutung zu, nicht einfach Umfragen, nein: repräsentativen Umfragen, also Umfragen, bei denen alle Elemente einer Grundgesamtheit dieselbe Wahrscheinlichkeit hatten, in die Auswahl zu gelangen.

Repräsentativ ist eine Umfrage für Deutschland dann, wenn alle Deutschen, dieselbe Chance hatten, daran teilzunehmen.

Ein Ding der Unmöglichkeit, wie wir schon einmal am Beispiel einer Telefonumfrage gezeigt haben (fast alle Meinungsforschungsinstitute machen vornehmlich Telefonumfragen):

telephone surveyNehmen Sie an, Sie haben ein Befragungsinstitut mit einem Telefonpool und rufen abends von 17 Uhr bis 22 Uhr die Personen an, die sie aus dem Telefonbuch zufällig gezogen haben:

  • Alle, die nicht im Telefonbuch stehen, eine Geheimnummer haben, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht zuhause sind, weil sie z.B. Schicht arbeiten oder in einer Kneipe sitzen, sind nicht im Datensatz;
  • Alle, die zwischen 17 Uhr und 22 Uhr nicht ans Telefon gehen, weil sie sich beim Abendessen oder bei was auch immer nicht stören lassen wollen, sind nicht im Datensatz;

Wie man es dreht und wendet, der Datensatz ist nicht repräsentativ, denn nicht alle Elemente der Grundgesamtheit haben dieselbe Wahrscheinlichkeit, an der Befragung teilzunehmen (das wäre zu einer anderen Uhrzeit nicht anders).

Und die genannten, sind nicht die einzigen systematischen Ausfälle:

  • Wer im Krankenhaus liegt, der fällt aus.
  • Wer in Urlaub ist, der fällt aus.
  • Wer obdachlos ist, der fällt aus.
  • Wer stumm ist, der fällt aus.
  • Wer gehörlos ist, der fällt aus.
  • Wer entmündigt wurde, der fällt aus.
  • Wer im Gefängnis sitzt, der fällt aus.
  • Bei wem die Telekom das Telefon gesperrt hat, weil er seine letzten beiden Rechnungen nicht bezahlt hat, der fällt aus.

Das sollte eigentlich ausreichen, um den Mythos von der repräsentativen Befragung ein für alle Mal auszurotten.

Aber das tut es nicht!

Warum? Weil die angeblich repräsentative Befragung zu einer unverzichtbaren Waffe im Krieg um die Meinungshoheit im öffentlichten Diskurs geworden ist. Der Vorwurf, das sei ja gar nicht repräsentativ, eignet sich perfekt, um missliebige Ergebnisse zu diskreditieren. Die Behauptung, die eigene Befragung sei repräsentativ, adelt die Ergebnisse und macht sie glaubwürdiger, jedenfalls in den Augen der Repräsentativitätsapostel.

Nicht zuletzt hängen wirtschaftliche Interessen an der Repräsentativität. Man stelle sich vor, die Umfrageinstitute, die ihren Umsatz auf Basis der Leichtgläubigkeit von Politikern und Funktionären erwirtschaften, könnten nicht die angebliche repräsentative Auswahl der 1000 Hanseln, die ihre repräsentativen Befragungen regelmäßig versammeln, vorschützen. Was würde ihre Umfrage dann von einer Umfrage, die ScienceFiles im Internet durchführt, unterscheiden?

Nichts!

Und zu guter letzt, innerhab des Rahmens der mit der Behauptung einer repräsentativen Umfrage gesteckt wird, lässt es sich trefflich manipulieren, wie dies gerade bei der WELT der Fall ist.

Die WeltDort berichtet Jan Dams von einer YouGov-Umfrage mit immerhin 1.380 Befragten, die natürlich repräsentativ ist, was sonst könnte sie sein. In dieser Befragung haben sich 48% der Befragten für einen Austritt Griechenlands aus der EU ausgesprochen.

Dies ist der Aufhänger, dem der folgende Absatz folgt:

“Viele fragen sich, schmeißt man dem schlechten Geld gutes hinterher? Bringen die neuen Reformprogramme etwas in einem Land, das sich mit ihnen nicht identifiziert? Ist Griechenland mit seiner bislang so unwilligen Politik und seinen oft korrupten Eliten überhaupt reformfähig? Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte jüngst in einem Interview, ein Grexit sei für Griechenland vielleicht die bessere Alternative. Vielen in seiner Partei und in der Bevölkerung spricht er damit aus dem Herzen, wie die Umfrage zeigt.”

Das nennt man in der Sozialpsychologie Framing, und es wirkt wie folgt:

“Mit 56 Prozent halten deutlich mehr als die Hälfte der Deutschen den geplanten Deal mit Griechenland für schlecht. 23 Prozent davon bewerten ihn sogar als sehr schlecht. Nur zwei Prozent sehen ihn sehr positiv, weitere 27 Prozent eher positiv.”

Hand aufs Herz: Wer hat nach dem Lesen des letzten Absatzes gedacht, die 56%, die den Deal mit Griechenland negativ bewerten, tun dies vor allem deshalb, weil sie Griechenland lieber aus der Eurozone verschwinden sehen würden, weil Sie denken, Griechenland wird gutes Geld hinterher geworfen, weil sie am Erfolg der Reformprogramme zweifeln?

framingUnd genau darin besteht die Manipulation, denn die Frage WARUM die Befragten den Deal mit Griechenland negativ bewerten, die wurde entweder nicht gestellt oder von Jan Dams absichtlich unterschlagen. Diese Frage ist jedoch erheblich, immerhin sind große Teile der Linken gegen den Griechenland-Deal, weil sie gerne noch mehr Geld anderer Leute an Griechenland verschenken würden als die Bundesregierung das sowieso schon tut.

Ungeachtet der Frage, wie man zu diesen Linken steht, würde man doch erwarten, dass ihre Meinung in einer angeblich repräsentativen Umfrage irgendwie auftaucht und ins Gewicht fällt. Dass Sie es scheinbar nicht tut, ist das Ergebnis des oben genannten Framings, der Art der Präsentation der Ergebnisse, die leichtgläubige Leser in die gewünschte Richtung manipuliert und den Anschein erweckt, 56 Prozent der von YouGov Befragten, wären mit dem Deal nicht zufrieden, weil er ihnen nicht weit genug geht.

Wir finden den Deal auch unterirdisch und das Abwirtschaften des Euro, das die Bundesregierung und vor allem die EZB dadurch betreiben, dass sie den Geldmarkt mit Euro fluten und den Euro zur Ramschwährung entwickeln, unverantwortbar, aber das hat nichts damit zu tun, dass die Präsentation der Umfrage von YouGov in der Welt manipulativ ist. Scheinbar denken manche, sie könnten ihre Meinung besser vertreten, wenn sie den Eindruck erwecken, sie seien in der Mehrheit.

Wie dem auch sei, die YouGov-Umfrage kann man natürlich nicht nur wegen der angeblichen Repräsentativität kritisieren. Sie ist auch unvollständig, was vermutlich der fehlenden Phantasie, die Meinungsforscher vor allen auszeichnet, geschuldet ist. Hätten die Meinungsforscher Phantasie und zudem Mut, sie würden die Deutschen fragen, ob sie nicht selbst aus der Eurozone oder gar der EU aussteigen und ihre DM zurückhaben wollen.

Wir tun dies seit einiger Zeit. Zwischenzeitlich haben sich 2.359 Leser an dieser Befragung beteiligt. 2.174 (92%) haben angegeben, dass Deutschland nicht in der EU verbleiben soll.

Wer noch nicht abgestimmt hat, der kann das nunmehr tun:

Deutschland: Better off out?

For(z)sa Niggemeier oder: Sind Anhänger von Grünen und Linker leichter zu manipuliern als andere?

Das Corpus delicti:

forsa“Hat sich Kanzlerin Angela Merkel alles in allem richtig verhalten oder hätte sie Griechenland zu einem Ausstieg aus dem Euro zwingen sollen? [Weiß nicht war eine Antwortalternative]”

Diese Frage hat das Umfrageinstitut “Forsa” seinen rund 1000 Befragten gestellt, die immer dann herhalten müssen, wenn Umfragen mit dem Prädikat “repräsentativ” versehen werden sollen, und diese Frage hat den Ärger von “Medienblogger Stefan Niggemeier” geweckt:

“Forsa hat die Frage so formuliert, dass jeder, der einen erzwungen „Grexit“ ablehnt, seine Zufriedenheit mit Merkel ausdrücken — oder „weiß nicht“ sagen muss. Das wäre auch die Option, die zum Beispiel jemand wie der Wirtschaftswissenschaftler Paul Krugman wählen müsste, der — nicht als einziger — von Merkel forderte, einen „weniger zerstörerischen“ Plan für Griechenland vorzulegen. In der Welt von „Stern“ und Forsa kann man nur noch härter mit Griechenland umgehen als die Bundesregierung. Schon die Formulierung der beiden Antwortmöglichkeiten ist unseriös und manipulativ. “

Grund des Niggemeierschen Ärgers ist der hohe Anteil von “alles in allem richtig gemacht”, den Forsa selbst für Anhänger der Grünen und der Linken ausweist. Und offensichtlich ist Stefan Niggemeier der Ansicht, die arglosen Anhänger der Grünen oder der Linken seien von Forsa mutwillig in die falsche Antwort getrickst worden. Natürlich ist Paul Krugman intelligenter als die vielen Anhänger der Grünen und der Linken, die nach Angaben von Forsa ihre Zufriedenheit mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel zum Ausdruck gebracht haben.

Das Problem dieser Kontroverse, in die sich nun auch Soziologen eingemischt haben (ja, es gibt noch welche), und zwar Michael Häder, dem eine Notenskala zur Bewertung der Verhandlungskunst von Angela Merkel lieber wäre und Andreas Diekmann, den das Oder an der Frageformulierung stört: Sie wird auf Grundlage unterschiedlicher Prämissen geführt.

Rollen wir das Feld von hinten auf.

Holm_Selbstverständlich ist die Frageformulierung von Forsa manipulativ. Im Knigge der empirischen Sozialforschung steht unter den do-nots der gezielten Manipulation von Antwortverhalten: “Man formuliert geschlossene Fragen ohne eine vollständige Liste von Antwortmöglichkeiten zu präsentieren. Antworten, die nicht erwünscht sind, werden nicht vorgegeben” (Holm, 1975: 64).

Stefan Niggemeier hat mit seiner Kritik also recht. Wenn es Forsa darum gegangen wäre, ein Bild davon zu erhalten, was die von Forsa befragten Deutschen von den Verhandlungskünsten ihrer Kanzlerin halten, dann hätte die Alternative: Merkel hätte Griechenland (noch mehr) Schulden erlassen sollen, in der ein oder anderen Variante, die dann auch Paul Krugmann ankreuzen kann, dazu gehört.

Aber: Es geht um Umfrageforschung, nicht um Wissenschaft.

Gibt es wirklich noch jemanden in Deutschland, der der Ansicht ist, Umfrageforschung werde durchgeführt, um objektive Meinungsbilder der Bevölkerung abzufragen?

Kann man so naiv sein?

Wir haben in zurückliegenden Posts nicht nur gezeigt, wie Umfrageforschung genutzt werden soll, um Befragte zu manipulieren und, wenn das nichts nutzt, Ergebnisse zu frisieren. Wir haben uns schon zur Unmöglichkeit einer repräsentativen Stichprobe geäußert. Wir haben schon darauf hingewiesen, dass Umfrageforschung Auftragsforschung ist, und verdi als Auftraggeber einer Umfrage über private Bildungseinrichtungen kein großes Interesse an unangenehmen Ergebnissen hat, wie das Deutsche Jugendinstitut kein großes Interesse an einem Nachlassen der Fremdenfeindlichkeit hat, wenn die Entscheidung über eine Weiterförderung des Bereiches Extremismus und Fremdenfreindlichkeit durch das BMFSFJ wieder ansteht.

Das Giftarsenal der Umfrageforschung, ergänzt um die immer geringer werdende Verbreitung der Kenntnisse darüber, wie man quantiative empirische Sozialforschung überhaupt betreibt, beides verbindet sich zu einer höchst fruchtbaren Mischung, wenn es darum geht, Ergebnisse zu produzieren, die einem in den Kram passen oder doch zumindest: es zu versuchen.

UmfragemissbrauchDenn: auch unter denjenigen, die von Umfrageforschern befragt werden, finden sich intelligente Wesen. Und so ist es für uns regelmäßig ein Rätsel, dass diejenigen, die wie Stefan Niggemeier glauben, man könne durch vermeintliche repräsentative Auswahl von Befragten und eine korrekte Formulierung der Fragen, der Wahrheit nicht nur auf die Spur kommen, nein, sie direkt messen, nicht bereit sind, ebenfalls anzunehmen, dass die Verteilung der intelligenten Befragten denselben Gesetzen der Repräsentativität folgt, dass sie, mit anderen Worten, zufällig verteilt sind, sich unter Befragten, die der CDU/CSU anhängen, im selben Anteil finden wie unter Befragten, die der Linken oder den Grünen anhängen (Es geht hier um das formale Argument, nicht um die inhaltliche Wertung!).

Wenn man annimmt, dass in vermeintlich repräsentativen Befragungen, die auf der zufälligen Auswahl von Befragten basieren, die Anzahl der Intelligenten ebenfalls zufällig verteilt ist und man zudem annimmt, dass es Intelligenten auffällt, wenn man sie manipulieren will, dann folgt daraus, dass die entsprechend Intelligenten den Braten riechen, der mit der Forsa-Frage gegrillt werden soll.

Was folgt daraus?

Anhänger von CDU und CSU werden eher zustimmen, auch dann, wenn sie den manipulativen Charakter der Frage erkennen, denn sie sind mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel vermutlich wirklich zufrieden.

Anhänger von Linke und Grünen, die gerne die Alternative “hätte Griechenland noch mehr Schulden erlassen sollen” gewählt hätten, wie Stefan Niggemeier meint, hätten entsprechend “weiß nicht” als Anwtortalternative wählen müssen, da die von ihnen präferierte Antwortalternative nicht vorhanden war. Das haben sie aber nicht getan, was zwei Möglichkeiten offen lässt: Entweder die Anhänger der Grünen und der Linken sind tatsächlich mit der Verhandlungskunst von Frau Merkel zufrieden oder sie sind dümmer als der Rest der Befragten, denn sie haben den manipulativen Braten nachweislich nicht gerochen, sich in die falsche Antwort tricksen lassen.

Welche Alternative darf es sein, Herr Niggemeier?

Menschen sind weder sozial noch altruistisch – Beides muss gelernt werden

Menschen sind weder Herdentiere noch verhinderte Mütter Theresa, die anderen ihren Altruismus aufzwingen.

Die Forschungsergebnisse, die diese Aussage belegen, sie werden immer zahlreicher.

Egal, was Politiker sich wünschen, egal, wie versucht wird Menschen zu manipulieren, sie sind zweierlei nicht: altruistisch von Haus aus und sozial per Geburt.

Altruismus muss man sich leisten können. Denn um selbstlos zu geben, muss man etwas haben, das man z.B. aus Mitleid geben kann: Ohne Mantel kein St. Martin sozusagen.

Und sozial sind Menschen nicht von Geburt an. Das Soziale, es verlangt von Menschen, dass sie zusammenleben, dass sie sich miteinander arrangieren und vor allem: dass sie miteinander kooperieren.

self helpGerade Kooperation ist schwierig und wie eine Untersuchung von Valerio Capraro und Giorgia Cococcini zeigt, Kooperation ist erlernt und nicht angeboren. Und weil Kooperation gelernt werden muss, ist das Ausmaß an Kooperationsbereitschaft das Ergebnis individueller Erfahrungen. Individuelle Erfahrungen wiederum macht man in einem Kontext.

Das moderne Herdenzeitalter hat dazu geführt, dass man anderen und dem, was sie sich als Regeln, Normen und Übergriffen überlegt haben, kaum mehr aus dem Weg gehen kann, entsprechend reden Soziologen und Psychologen davon, dass individuelle Erfahrung in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet ist.

Kurz: Die Kooperationsbereitschaft eines Individuums hängt von der Erfahrung ab, die dieses Individuum in der Vergangenheit gemacht hat, und sie hängt vom gesellschaftlichen Kontext ab: Herrscht Vertrauen in einer Gesellschaft, weil z.B. gesellschaftliche Institutionen Vertrauen befördern, etwa dadurch, dass Transparenz herrscht, Korruption kaum bis gar nicht vorhanden ist und dem Einzelnen mit Wertschätzung begegnet wird, dann ist Kooperation eine Voreinstellung, denn der gute Wille, den man anderen entgegenbringen muss, um mit ihnen zu kooperieren, dieser gute Wille wird durch die gesellschaftliche Umgebung befördert.

Anders in Gesellschaften, in denen Nepotismus und Korruption herrschen, in denen Individuen relativ sicher sein können, dass versucht wird, sie in Kooperationen zu lullen und dann übers Ohr zu hauen. Dort lernen Individuen, dass es besser ist, nicht zu kooperieren.

Dies ist in Kurz die Idee, die hinter der Social Heuristics Hypothesis (SHH) steht, und es ist die  Idee, die in einer Reihe von Untersuchungen bestätigt wurde (z.B. Rand, Green & Nowak, 2012 bzw. Rand et al., 2014). Und es ist die Idee, die Capraro und Cococcioni (2015) abermals bestätigt haben.

449 Inder wurden von Capraro und Cococcioni vor einen Computer gesetzt und mit einer Situation konfrontiert, die in der Spieltheorie als Gefangenen-Dilemma bekannt ist. Hier die Anweisung für die Teilnehmer an der Untersuchung:

“You and the other participant are both given $0:20 US dollars. You and the other participant can transfer, independently, money to the each other. Every cent you transfer, will be multiplied by 2 and earned by the other participant. Every cent you do not transfer, will be earned by you. How much do you want to transfer?” [Sie und der andere Teilnehmer haben beide 0,20 US Dollar. Sie und der andere Teilnehmer können unabhängig voneinander Geld zueinander transferieren. Jeder Cent, den Sie transferieren, wird mit 2 multipliziert und dem anderen Teilnehmer gutgeschrieben. Jeder Cent, den Sie nicht transferieren, wird ihnen gut geschrieben. Wieviel wollen Sie transferieren?”]

Diese Versuchsanordnung wurde unter Zeitdruck (Entscheidung innerhalb von 10 Sekunden) und unter relativer Entscheidungsruhe (Entscheidung innerhalb von 30 Sekunden) gespielt. Im Ergebnis haben sich die Teilnehmer in beiden Versuchsanordnungen entschieden, im Durchschnitt 28% ihres Guthabens zu transferieren.

Damit liegt der Anteil des transferierten Einkommens weit unter dem Anteil, der bei den gleichen Experimenten z.B. in den USA transferiert wird und der dort bei durchschnittlich rund 50% liegt. Capraro und Cococcioni führen den Unterschied auf die unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexte zurück: Einerseits sei Indien ein Land, in dem Nepotismus und Korruption für jeden sichtbar endemisch sind, andererseits gelten die USA als “hight-trust culture”, d.h. als Land, in dem kleinräumige Communities, in denen sich die Individuuen bewegen, Kooperation befördern.

Ob Menschen kooperieren, ob sie altruistisch sind, hängt demnach vom gesellschaftlichen Kontext ab. Menschen ist Sozialität und Altruismus nicht angeboren.

Wenn man sich etwas zurücklehnt und dieses Ergebnis, das in einer Reihe entsprechender Ergebnisse steht, wirken lässt, kommt man schnell zu dem Punkt, an dem man sagt: Wie anders sollte es sein?

Throng of peopleWie kann man annehmen, Menschen würden sich im Rudel wohlfühlen und gerne von dem, was sie haben, andere durchfüttern? Entsprechende Annahmen sind nur denen möglich, die davon profitieren, dass sie anderen einreden, es wäre so.

Menschliches Leben ist in erster Linie darauf gerichtet, sich selbst zu erhalten. Selbsterhalt kann man durch Tausch und Kooperation befördern. Voraussetzung dafür: Es gibt etwas zu tauschen, und es gibt die Sicherheit, dass man im Rahmen einer Kooperation nicht ausgenutzt wird.

Erst dann, wenn etwas zu tauschen da ist und wenn Sicherheit besteht, dass der Versuch, mit X zu tauschen, nicht dazu führt, dass man von X bestohlen wird, gibt es Kooperation und als Folge institutionalisierter Tauschbeziehungen Sozialität.

Nun kann man sich fragen, warum es eine recht stattliche Anzahl von Leuten gibt, die das Gegenteil erzählen, die behaupten, Menschen wollten anderen mehr geben als sich selbst, seien sozial Tiere, die nur in der Herde ihr Glück finden, seien von Geburt an kooperativ? Und man kann sich selbst zur Antwort geben, dass diese Erzählung denen, die sie erzählen, einen Vorteil verschaffen muss, da man Menschen, die meinen, sie seien altruistisch, prima ausnutzen kann und Menschen, die meinen, die ständigen Übergriffe anderer seien das Soziale, sich nicht wehren.

Capraro, Valerio & Cococcioni, Giorgia (2015). Social Setting, Intuition, and Experience in Lab Experiments Interact to Shape Cooperative Decision-Making.

Rand, David G., Greene, Joshua D. & Nowak, Martin A. (2012). Spontaneous Giving and Calculated Greed. Nature 489: 427-430.

Rand, David G., Peysakhovich, Alexander, Kraft-Todd, Gordon T., Newman, George E., Wurzbacher, Owen, Nowak, Martin A. & Greene, Joshua D. (2014). Social Heuristics Shape Intuitive Cooperation. Nature Communications April 2014.

Als Mann ist man wirklich der Arsch – besonders im Bundestag ist Misandrie verbreitet

Zugegeben, der Titel dieses Posts klingt nicht wissenschaftlich. Aber: Da es unter qualitativen Sozialforschern üblich ist, markante Stellen aus Interviews im Titel von Büchern zu führen, wobei dann so interessante Titel wie “… einfach weg aus meinem Leben” – eine qualitative Studie über Frauen, die ihren Partner getötet haben” herauskommen, auf dem Deckel von wissenschaftlichen Büchern, haben wir gedacht: Wir dürfen auch mal:

“Als Mann ist man wirklich der Arsch.”

Denn Mann wird einfach weggekürzt, kommt nicht vor, ist persona non grata.

So zum Beispiel in der Diskussion im Bundestag, die sich mit “Suizidprävention verbessern und Menschen in Krisen unterstützen” befasst hat. Es geht also um Suizid, um Selbstmord, und Selbstmord, das ist eine männliche Angelegenheit: Drei Viertel aller Selbstmörder sind männlich. Das ist seit Jahren so.

Selbstmörder 1998-2003

 

Dessen ungeachtet, ist es 8 Rednern im Bundestag möglich, über Suizid zu reden, ohne darauf hinzuweisen, dass Suizid ein männliches Phänomen darstellt. Wer etwas gegen Suizid tun will, Selbstmord vorbeugen will, wie es so schön heißt, der wird sich entsprechend mit Männern, den Paria der Moderne beschäftigen müssen, mit weißen CIS-Männern!

Nicht so im Bundestag. Aber dort geht es auch nicht daurm, etwas gegen Suizid zu tun, sondern darum, schöne Worte über Suizid zu verlieren und sich selbst als guter Mensch zu inszenieren.

Z.B. Maria Klein-Schmeink von Bündnis90/Die Grünen:

Klein-Schmeink weiß von 10.000 Suiziden im Jahr und von 100.000 versuchten Selbstmorden. Das steht schon im Antrag der Grünen, der “Suizidprävention verbessern und Menschen in Krisen unterstützen” will, über den in der 115. Sitzung des Deutschen Bundestags debattiert wird. U.a. von Klein-Schmeink. Klein-Schmeink beklagt, “dass von den 10 000 Menschen [die sich jährlich umbringen] ungefähr ein Drittel über 65 Jahre alt ist”.

Wer die Abbildung oben betrachtet, der sieht, der Anteil der männlichen Selbstmörder ist unter den 65jährigen zwar immer noch deutlich höher als der der Frauen [nicht dargestellt], aber geringer als der entsprechende Anteil unter Selbstmördern die vor Erreichen des 65. Lebensjahres ihrem Leben ein Ende setzen. Wer sich gefragt hat, warum ausgerechnet der Suizid nach 65 für Klein-Schmeink so bemerkenswert ist, hier ist eine mögliche Erkläung.

Durkheims SelbstmordBirgit Wöllert von der Linken will verhindern, dass sich jährlich 10.000 Menschen selbst umbringen und hat Rat bei Professor Dr. Manfred Wolfersdorf, dem Chefarzt der Klnik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Bezirkskrankenhaus Bayreuth gesucht, nicht bei ihm, sondern in seinen Schriften, in denen Wöllert eine Definition von Suizidalität gefunden haben will, was immer gut ist, weiß man doch, worüber man redet, wenn man etwas definiert.

Suizidalität, so zitiert Wöllert aus einer unbekannten Publikation von Wolfersdorf, sei “ein zutiefst menschliches Geschehen und Erleben, das in seiner Komplexität nie vollständig verstehbar sein wird”. Selbstmord sei ein “Geheimnis”, wer es also lüften will, muss wohl zutiefst Menschliches für sich erleben und für andere zum Geschehen machen.

Dann kommt Helga, die Helga Kühn-Mengel von der SPD. Sie gibt kühn zu Protokoll, dass die Zahl der Suizidversuche bei “jungen Frauen und Männern am höchsten” ist, und dann berichtet sie aus der relevanten Praxis des Selbstmordes:

“Des Weiteren hat das Land Nordrhein-Westfalen zusammen mit der Stadt Köln eine Anlaufstelle für lesbische Mädchen zwischen 15 und 23 Jahren eingerichtet, um zu verhindern, dass sich Mädchen in dieser Altersgruppe auf der Suche nach Gespräch und Identität das Leben nehmen.”

Rund 80% der Selbstmorde in der Altersgruppe der Jugendlichen zwischen 15 und 23 Jahren werden übrigens von Jungen, nicht von Mädchen ausgeführt. Ob die Jungen schwul waren, was ja offensichtlich für Helga Kühn-Mengel einen Unterschied zu machens schient, weiß niemand, denn es gibt keine entsprechende Statistik, wie Dr. habil. Heike Diefenbach in einem umfassenden Beitrag zu Selbstmord unter Homosexuellen gezeigt hat.

Und so geht es weiter in der Debatte im Bundestag.”Jeder Suizidversuch ist einer zuviel”, verkündet Rudolf Henke von der CDU/CSU und fügt an, dass Erhängen die häufigste Methode für alte Männer ist. Und immer wieder geistern die 100 000 Suizidversuche und die 10 000 Selbstmorde durch die Debatte, so dass man sich fragt: Woher stammen die Zahlen?

Sie stammen aus dem Antrag von Bündnis90/Grüne, über den debattiert wird, 10.076 Suizide, die aktuellste Zahl der Todesursachenstatistik, kann man dem Antrag entnehmen. Mehr noch, auf Seite 4 des Antrags steht:

“Die Suizidrate von Männern ist höher als die von Frauen. Der Anteil der Männer an den durch Suizid verstorbenen Personen lag 2013 bei 74 % während der Anteil der Frauen bei 26 % lag. Zugleich unternehmen Frauen häufiger einen Suizidversuch als Männer; die meisten Suizidversuche unternehmen weibliche Teenager und junge Frauen.”

Die Suizidrate von Männern hat keinen der Redner im Bundestag interessiert, also ignorieren wir sie an dieser Stelle auch, schon weil die Angaben im Antrag stimmen. Interessanter ist die Zahl der Suizidversuche, die schreckliche Zahl die ein Mehr an Frauen und vor allem jungen Frauen sieht. Endlich etwas, wo Frauen die Nase vorne haben. Die Erleichterung darüber, dass Frauen beim Selbstmordversuch die Nase vorne haben, muss bei Bündnis90/Die Grünen so groß gewesen sein, dass sie nicht nur vergessen haben, dass drei Viertel der erfolgreichen Selbstmöder männlich sind, sondern auch, dass es gar keine verlässlichen Daten zu Selbstmordversuchen gibt – keine, nichts, nada, null, 0, ….

Es gibt den Versuch einer Schätzung der Häufigkeit von Selbstmordversuchen, der unter Federführung der WHO im Jahre 2000 durchgeführt wurde. Im Rahmen dieses Schätzungsversuchs wurden in der Stadt Würzburg und im Landkreis Würzburg Befragungen durchgeführt und die Daten eben einmal auf Deutschland hochgerechnet. 100.000 Selbstmordversuche kamen dabei heraus. Und diese mehr als fragliche Zahl geistert seither durch das Land, steht bereit für alle, die sich darauf stürzen wollen, dass die Zahl, die ausgehend von Würzburg bzw. Würzburg-Land für Selbstmordversuche junger Frauen errechnet wurde, höher ist als die, die für junge Männer errechnet wurde [Da Männer eine größere Fähigkeit aufweisen, das eigene Leben zu beenden als Frauen, die häufiger beim Versuch scheitern oder scheitern wollen, wäre es kein Wunder, dass es mehr weibliche als männliche Personen gibt, die einen erfolglosen Versuch, sich ihr Leben zu nehmen, hinter sich haben, wären die Würzburger Zahlen verallgemeinerbar.].

Wer seinen Spleen ausleben will, seine Abneigung gegen alles, was männlich ist, der wird also fündig, so fündig wie die Grünen und ihr Bündnis.

Nathanson MisandryEs gibt belegt 10.076 Suizide im Jahr 2013, 7449 davon (74%) von Männern begangen. Es gibt eine vage Schätzung, die man als Datum aus dem Würzburger Kaffeesatz bezeichnen kann, und die für 108 Männer unter 100.000 und 131 Frauen unter 100.000 einen Selbstmordversuch gelesen hat. Und es gibt Forderungen von Bündnis90/Die Grünen, die, wir erinnern uns: “Suizidprävention verbessern und Menschen in Krisen unterstützen wollen“, und zwar durch Ausbau und Weiterentwicklung spezifischer Beratungs- und Behandlungsangebote für insbesondere

  • “a) ältere Menschen” …
  • Dann sollen : “b) Schülerinnen und Schüler sowie Schulpersonal mit Hilfe von Aufklärungsprogrammen in Schulen” unterstützt werden.
  • Es sollen “c) für Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle spezialisierte Beratungsstellen” ausgebaut und es soll “in Schulen über vielfältige Familien- und Lebensmodelle” aufgeklärt werden.
  • und nicht zu vergessen sollen für “d) … Menschen mit Migrationshintergrund in der Beratung und Behandlung sprachliche und kulturelle Aspekte stärker” berücksichtigt werden “und Dolmetschereinsätze in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung” aufgenommen werden.

Suizid, für alle, die es nicht bemerkt haben, ist ein männliches Phänomen. Die verfügbaren und einzig belastbaren Zahlen zeigen, dass rund drei Viertel der Selbstmörder männlich sind.

Angesichts des Ausmaßes an Männerfeindlichkeit, an Misandrie, wie sie sich in bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, Parteien und im Bundestag findet, wäre es nicht nur Zeit, die Misandrie in das Verzeichnis mentaler Erkrankungen aufzunehmen, es wäre auch höchste Zeit für Psychiater und Psychotherapeuten sich der besonders in der politischen Klasse endemische Ausmaße annehmenden Angst-Störung anzunehmen.

Totaler Durchgriff: Frühsexualisierung als Grenze der Privatheit und Homophobie

Wissenschaftliche Vorrede:

Die Degeneration der institutionellen Soziologie

[diejenigen, die gleich wissen wollen, ob Sie homophob sind, können die Vorrede überspringen]

“Soziologie (im hier verstandenen Sinne dieses sehr vieldeutig gebrauchten Wortes) soll heißen: eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich erklären will”

Esser_SoziologieMax Weber hat dies geschrieben. Man kann die Definition den heutigen Soziologen nicht oft genug vorbeten: Soziologie dreht sich darum, soziales Handeln, also das sinnhafte Handeln, das sich auf andere richtet, zum einen zu verstehen und zum anderen zu erklären. Es geht nicht darum, soziales Handeln zu bewerten oder sich zum Vorreiter dessen zu machen, was man als vermeintliche Emanzipation ansieht. Und schon gar nicht geht es darum, Heilsbotschaften zu verkünden.

Emile Durkheim, der vor Weber mit der Soziologie befasst war, hat den Gegenstand der soziologischen Erklärung als sozialen Tatbestand, als gesellschaftliche Manifestation sozialen Handelns gefasst.

James Coleman hat die Sozialtheorie dazu geliefert: Menschen handeln rational, auf ein Handlungsziel gerichtet, sie handeln miteinander und innerhalb eines Möglichkeitsraums. Die Interaktionen zwischen Menschen haben Folgen, beabsichtigte und unbeabsichtigte, und alle Folgen zusammen haben gesellschaftliche Konsequenzen.

Will man z.B. erklären, warum viele angebliche Inhaber soziologischer Lehrstühle so erbärmlich wenig von dem wissen, was Soziologie sein soll, dann stellt sich die Frage, wie man die gesellschaftliche Konsequenz, die daraus folgt, die Degeneration der Soziologie über das Handeln und den Handlungsspielraum von Akteuren erklären kann.

Entsprechend beginnt die Erklärung bei den Randbedingungen, z.B. damit dass Universitäten für immer weniger Wissenschaftler attraktiv sind, weil die Arbeitsbedingungen erschreckend schlecht sind, damit, dass an soziologischen Instituten nur noch eine bestimmte Art von Absolvent mit Ambition auf einen Lehrstuhl zu finden ist. Die Erklärung geht weiter mit der Handlungstheorie: Für immer mehr Inhaber soziologischer Lehrstühle ist der Opportunismus zum rationalen und automatisierten Handeln geworden. In der Gesamtschau opportunistischer Lehrstuhlbesetzer, die durch bestimmte unattraktive Randbedingungen, die als Selektionsprinzip wirken, erst möglich geworden sind und die durch ihre Anwesenheit und ihr Handeln dazu führen, dass die entsprechenden Randbedingungen noch verstärkt werden, dass die Soziologie als Fach noch uninteressanter wird, ergibt sich auf der Ebene der Gesellschaft eine Soziologie, die als Fach degeneriert ist.

Besonders deutlich wird die Degeneration am Verschwinden zentraler soziologischer Begriffe aus dem soziologischen Wortschatz, den zudem immer weniger beherrschen. Begriffe wie Macht und Herrschaft oder Interesse – wer kennt sie noch? Wo gibt es noch Soziologen, die Gesellschaft als Spiel der Interessen ansehen, wie dies Robert K. Merton getan hat? Was ist aus der Erkenntnis geworden, dass gesellschaftliche Gruppen versuchen, im Spiel der Interessen für sich das bessere Ende zu haben, denn der Preis des Spiels, die Belohnung, das ist der Zugang zu Ressourcen.

ColemannUnd hier wird es politisch: Zugang zu Ressourcen findet in Demokratien über die Regierung und ihre Verwaltung statt. Zugang zu Ressourcen finden die Interessen und ihre Vertreter, die es schaffen, die eigenen Interessen als legitim darzustellen. Legitimität ist wichtig, denn wird Interessenvertretern Zugang zu Ressourcen gewährt, die von einer Mehrheit derjenigen, die den Zugang nicht oder auch haben, als illegitim angesehen werden, dann gibt es Wider- und zuweilen Aufstand.

Und weil der Kampf in Demokratien darum geht, die eigenen Interessen als legitim darzustellen, um Zugang zu Ressourcen zu gewinnen, deshalb wird mit harten Bandagen um die Legitimität gestritten, d.h. es wird versucht, die Vertreter konkurrierender Interessen zu delegitimieren, sie aus dem Rennen zu boxen, um ungehindert z.B. am von Steuerzahlern gefüllten Trog grasen zu können.

Allein die Tatsache, dass die Konkurrenz um Ressourcen in vermeintlich demokratischen Systemen die Delegitimierung und oftmals die Diffamierung konkurrirerender Interessenvertreter zum Gegenstand hat, sollte bei Soziologen auf irgend eine Art von Ressonanz stoßen (und natürlich auch bei Politikwissenschaftlern, aber mit wenigen Ausnahmen waren Politikwissenschaftler immer die besseren Verschläfer gesellschaftlicher Entwicklungen).

Warum ist soziales Handeln unter Interessenvertretern nicht darauf gerichtet, für die eigenen Interessen zu werben, sondern darauf, konkurrierende Interessen abzuwerten, zu stigmatisieren, sie zu delegitimieren und aus dem Feld der legitimen Interessen auszuschließen? Woraus sonst, wenn nicht aus dem Interessenkonflikt besteht das soziale Leben, und warum wird gerade diese Normalität so erbittert bestritten?

Warum ist keine andere soziale Interaktion zwischen sozialen Akteuren, zwischen Interessenvertretern möglich als Anfeindung und Konflikt?, so sollten sich Soziologen fragen, denn die Konsequenzen aus dem Versuch, Ressourcenzugänge zu monopolisieren und ganze gesellschaftliche Gruppen auszuschließen, waren selten friedlich.

Die Grenze der Privatheit

1984Viele Soziologen sehen die beschriebene Entwicklung nicht. Schlimmer noch: Viele sind Teil der entsprechenden Entwicklung, machen sich gemein mit bestimmten Interessenvertretern und beteiligen sich an der Diffamierung widerstreitender Interessenvertreter. Sie stereotypisieren, verbreiten Vorurteile und bewerten, kurz, sie tun all das, was Max Weber als Afterwissenschaft bezeichnet hat. Sie besetzen Lehrstühle für Soziologie und haben doch keine Ahnung davon, was Soziologie eigentlich meint. Entsprechend geht die institutionalisierte Soziologie als Wissenschaft unter, wird sie zur Witzveranstaltung, die kein Wissenschaftler mehr Ernst nehmen kann.

Das war eine lange und notwendige Vorrede, um zu erklären, warum die institutionalisierte Soziologie stirbt: Es sind Lehrstuhlbesetzer wie Sarah Speck aus Tübingen, die die Sargnägel einschlagen und dafür sorgen, dass Soziologie zu blasiertem Geschwätz und von Sachkenntnis ungetrübter Kinderei verkommt.

Speck hat es zum Deutschlandradio geschafft und hat dort ein Interview zur “Debatte um sexuelle Vielfalt” gegeben. Warum ausgerechnet Speck zu diesem Thema ein Interview gibt, was Speck qualifiziert, außer der Tatsache, dass sie einen Lehrstuhl in Tübingen vertritt, ist eine Frage, die ohne Antwort bleiben muss.

Speck verkündet. Sie verkündet Weisheiten, die man langsam nicht mehr hören kann.

Es geht um den Widerstand gegen Frühsexualisierung, gegen u.a. die Pläne der Baden-Württembergischen Landesregierung, durch alle Schulklassen und Altersstufen, die gesellschaftliche Diversität, worunter keine Diversität nach Intelligenz, nach sozialer Klasse oder nach Arbeitsbelastung gemeint ist, sondern eine Diversität nach sexueller Orientierung, [was läge näher?] zum grundlegenden Tenor der Abfassung von Lehrmaterialien zu machen.

Dagegen gehen Eltern auf die Straße. Mehrere Tausend Eltern. Dagegen gibt es eine Petition. Mehr als 150.000 Menschen haben sie unterzeichnet. Diese Menschen, ihre Motivation, ihre Ziele, die Ursache ihres Ärgers und die Erklärung dafür, warum sie so aufgebracht sind, dass sie sogar auf der Straße demonstrieren, diese sozialen Tatbestände, dieses soziale Handeln, es wäre eigentlich der Gegenstand der Soziologie. Gegenstand der Politikwissenschaft, aber das nur nebenbei bemerkt, wäre es, die Delegitimierung des Politischen, wie sie in derartigen Demonstrationen zum Ausdruck kommt, zum Anlass zu nehmen, um die Responsivität der Baden-Württembergischen Landesregierung zu untersuchen, denn Politikwissenschaftler gehen immer noch mehrheitlich davon aus, dass Regierungen und Parteien auf Wähler reagieren, deren Ideen, Interessen und Wünsche aufnehmen und nicht etwa umgekehrt, dass Parteien und Regierungen Wählern ihre partikularen Interessen aufzwingen.

Forschung, wie die beschriebene, findet in Deutschland jedoch kaum mehr statt. Warum nicht? Weil Ideologen die Universitäten bevölkern, und Ideologen müssen nicht forschen, sie wissen schon. So wie Sarah Speck weiß, dass die Kritiker des Baden-Württembergischen Bildungsplans verunsichert sind, denn so weiß sie auch, wir leben in “Zeiten rapiden gesellschaftlichen Wandels. Das heißt in Zeiten einer gesellschaftlichen Verunsicherung, die vielfach unter dem Stichwort Prekarisierung geführt wird, … gibt es dann ein Bedürfnis nach klaren Identitäten … ”

RokeachWer das zirkuläre Gerede nicht gleich durchblickt: Es gibt für Speck die Richtigen, die den rapiden gesellschaftlichen Wandel wegstecken. Und es gibt die Schwachen, die Dummen oder Falschen, die den gesellschaftlichen Wandel nicht wegstecken. Der gesellschaftliche Wandel besteht zum Beispiel darin, dass Kindern in der Kindertagesstätte sexuelle Orientierungen nahe gebracht werden müssen, woran man sieht, wie klein die geistigen Brötchen sind, die vermeintliche Soziologen heute backen. Vorbei sind die Zeiten großer Gesellschaftsenwürfe. Heute findet gesellschaftlicher Wandel im Kindergarten statt, per Sexualkunde. Wäre es nicht so traurig, man müsste wirklich lachen, ob der spießbürgerlichen Beschränktheit neuronaler Prozesse, die sich darin offenbart. Doch zurück: Wer nicht will, dass seinem Fünfjährigen oder seinem Achtjährigen reiner Wein über die Techniken sexueller Stimulation zwischen homosexuell Interagierenden vermittelt wird, der ist also für Speck verunsichert, der ist falsch und hält nicht Schritt mit dem gesellschaftlichen Wandel.

Und wenn er dann protestiert, ob auf der Straße oder per Petition, dann ist er “sicherlich als homophob [zu] bezeichnen”. Die kleine Welt der Sarah Speck, sie ist rigide geordnet, so rigide, dass man fast schon von einem closed mind sprechen kann, denn dass jemand schlicht nicht will, dass seinen Kindern sexuelle Orientierungen in der Schule eingetrichtert werden oder keinen Sinn damit verbindet, das kommt der Speck gar nicht in den Sinn.

Erschreckend.

An die Stelle der soziologischen Analyse tritt bei der Lehrstuhlvertreterin aus Tübingen die Zuweisung und Bewertung. Was soll man auch sonst tun, außer zuweisen und bewerten, wenn man von Soziologie keine Ahnung hat, aber eines ganz genau weiß: Das man selbst zu den Guten, Richtigen und nicht Verunsicherten gehört, jedenfalls so lange man sich im Schutzraum der eigenen “imaginierten” Realität bewegt?

Und weil Speck so voller Zuversicht ist, dass Sie richtig, gut und intelligent ist, fallen alle rationalen Schutzwälle, die im Gehirn normalerweise gegen das Äußern von intellektuell minderwertigen Inhalten errichtet werden. Und heraus, aus dem Speckschen Mund, kommt das:

“Ich glaube, dass das Private, also die Frage von Lebensführung selbstverständlich eine politische Frage ist. Inwiefern sich da der Staat einzumischen hat oder nicht, ist natürlich eine Frage, die stets aufs Neue wieder diskutiert wird. Aber ich denke, dass die Einschätzung, dass der Bildungsplan im Wesentlichen als Teil eines gesellschaftlichen Transformationsprozesses zu verstehen ist und sich insofern an eine Realität anpasst, die vorhanden ist.”

Hier schreit der Politikwissenschaftler in der Redaktion, und zwar vor Schmerz.

Es gibt viele Definitionen des Politischen und damit dessen, worauf sich politische Fragen richten können. Das Private ist jedoch in keiner Definition enthalten. Es ist gerade das Gegenteil des Politischen, denn was Menschen in ihren Wohnungen oder abends vorm Fernseher machen, das ist keine politische Frage, es geht die Politik schlicht und ergreifend nichts an, kann sie nichts angehen, wie ein Blick darauf zeigt, was Politik ist und was entsprechend politische Fragen sein können.
Aleman Powi

Politik ist zunächst einmal “die Lehre von den Staatszwecken”, das stand schon 1903 im Brockhaus und zu den Staatszwecken gehört das Chipsessen auf dem Sofa ganz offensichtlich nicht. Bergsträsser hat 1961 die Politik als “Kunst, die Führung menschlicher Gruppen zu vollziehen” definiert. Auch diese Definition des Politischen zieht eine Grenze zur Privatheit, denn die Privatheit ist gerade nicht der Ort, der politischen Führung. Sie ist es nur in totalitären Entwürfen wie z.B. in Orwells 1984. Aber vielleicht ist es ja das, was Speck vorschwebt? Damit begäbe sich Speck in krassen Gegensatz zu Franz L. Neumann, der die Politikwissenschaft, als Wissenschaft des Politischen als die Wissenschaft, die politische Fragen stellt, als “Wissenschaft von der Freiheit” definiert hat und Freiheit verlangt es, das Private zu respektieren.

Darüber gibt es auch nichts zu diskutieren, wie Speck im Hinblick darauf, “[i]nwiefern sich da der Staat einzumischen hat oder nicht” meint. Der Staat hat sich überhaupt nicht in das Private einzumischen, auch dann nicht, wenn es einer Sarah Speck, die so offensichtlich über keinerlei politische Grundbildung verfügt, so dass man sich fragt, wo sie den Mut zu solchen Interviews hernimmt, gefallen würde. Vielleicht beherbergt Speck ja einen kleinen Voyeur, der die Grenzen der Privatheit gerne überschreiten würde.

Wir fassen zusammen:

Speck vertritt einen Lehrstuhl für Soziologie.

Speck ist offensichtlich nicht an soziologischer Analyse, sondern an Bewertung und De-Legitimierung interessiert.

Speck ist bemüht, Interessen von Menschen, die sich Interessen einer grün-roten Landesregierung gegenübersehen, die sie als Übergriff in einen Bereich ihrer Privatheit ansehen, zu delegitimieren, nicht sie zu erklären oder gar zu verstehen, wie das ein Soziologen tun würde.

Speck macht sich gemein mit denen, deren Handlungen und vor allem deren Handlungsfolgen es ihre Aufgabe wäre zu untersuchen. Das ist eine Schande für die Wissenschaft!

Es sind Lehrstuhlbesetzer wie Speck, die die Soziologie und andere Sozialwissenschaften in Deutschland in Misskredit bringen und dafür sorgen, dass all die Errungenschaften, die als Folge der Popperschen und empirischen Revolution der 1960er und 1970er Jahre Einzug in die Soziologie gehalten haben, wieder verschwinden, und mit ihnen verschwindet ein Fach, das auf dem Sprung von der vor- in die normalwissenschaftliche Phase der Kuhnschen Typologie war.

Prof. Dr. Günter Buchholz hat sich Frau Speck unter der Überschrift “Der feministisch-homophile heterophobe Diskurs” angenommen.

Pazifismus muss man sich leisten können

Ist Pazifismus eine moralische Pflicht?

Evangelische Hochschule BerlinÜber diese Frage soll am 24. Juni 2015 im Audimax der Evangelischen Hochschule Berlin diskutiert werden. Es gehe darum, so Prof. Dr. Anusheh Rafi, Rektor der Hochschule, nachzudenken, ob Gewaltlosigkeit bei so “schwerwiegende[n] Verbrechen”, wie dem von “Hitler-Deutschland ausgehendenTerror und Völkermord” eine angemessene Reaktion ist.

“Sollen Christen auf Gewaltlosigkeit beharren und sich jeder militärischen Aktion enthalten”, so fragt Rafi, “ist Pazifismus eine moralische Pflicht” oder ist Pazifismus eine “verwerfliche Untätigkeit im Angesicht des Leids von Gewaltopfern”, so fragt er weiter.

Die Antworten sollen am 24. Juni in Berlin gegeben werden.

Wer nicht so lange warten will, für den haben wir eine Antwort parat, und zwar unter der Überschrift:

Pazifismus muss man sich leisten können.

Natürlich ist es nobel, pazifistisch zu sein, und moralisch ist es auch. Schon der kategorische Imperativ von Kant trägt den Aufruf zum Pazifismus in sich, immer vorausgesetzt, man ist kein Masochist und sehnt sich danach, Gewaltopfer zu werden.

Was der kategorische Imperativ im Gegensatz zu Anusheh Rafi von der Evangelischen Hochschule in Berlin auch beinhaltet, ist ein klares Bekenntnis zum Individualismus und somit die klare Zuweisung von Verantwortung. Deshalb ist es nicht sinnvoll vom Terror zu sprechen, der von Hitler-Deutschland ausgegangen ist, denn Hitler-Deutschland gibt und gab es nicht. Es gibt Millionen von Deutschen, die sich in den Dienst eines Regimes gestellt haben, die für dieses Regime in den Krieg gezogen sind, für dieses Regime gemordet haben. Jeder für sich und in einer höchst eigenen Entscheidung.

Was wäre wohl aus Adolf Hitler, Joseph Goebbels und Heinricht Himmler geworden, wenn sie nicht auf die bereitwillige Mithilfe derer, die so gerne in Massen aufgehen, hätten bauen können, auf den bejahenden Jubel von Tausenden auf die Frage: “Wollt Ihr den totalen Krieg?”

religion politics warInsofern scheint uns, die Veranstaltung in Berlin in die falsche Richtung zu gehen, denn es hat z.B. pazifistischen Polen nicht viel geholfen, dass sie gegenüber den Soldaten der deutschen Wehrmacht pazifistisch eingestellt waren. Kugeln differenzieren nicht zwischen Pazifisten und nicht-Pazifisten und diejenigen, die die Kugeln auf den Weg bringen, führen vor den entsprechenden Schüssen in der Regel keine Befragung durch.

Wenn man mit einem aggressiven Gegner konfrontiert ist, dann stellt sich nicht die Frage, ob man pazifistisch sein will, es stellt sich die Frage, ob man sich gleich einem Selbstmörder erschießen lässt oder den Kampf mit dem Aggressor aufnimmt.

Man hat, mit anderen Worten, keine Wahl.

So hat das Dietrich Bonhoeffer gesehen, der sich dem Kreis derjenigen angeschlossen hat, die mit dem Attentat auf Hitler, das am 20. Juli 1944 von Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgeführt wurde, die Nazis von der Macht in Deutschland verdrängen wollten. Aber es gibt auch Mahatma Gandhi, der gewaltlos gegen die Britische Besatzung in Indien demonstriert haben soll. Beide repräsentieren für Rafi gegensätzliche Positionen, zwischen denen sich Christen nach seiner Ansicht wohl entscheiden müssen.

Gewaltfreier Protest wird spätestens dann zu einem Problem, wenn wie im Jallianwala Bagh Massaker gewaltlose Demonstranten von (in diesem Fall britischen) Soldaten erschossen werden. Ist das Opfern eigener Anhänger nicht auch eine Form von Gewalt bzw. sind Massaker wie das von Jallianwala Bagh nicht ein Beleg dafür, dass man sich Gewaltlosigkeit und Pazifismus leisten können muss, und – mehr noch – dass diejenigen, die eine Entscheidung zwischen Pazifismus und Gewalt verlangen, behütete und weltfremde Menschen sind, die man besser wegschließt, weil sie in der Realität nur so lange überleben können, so lange die Sonne des Friedens und der Freude auf sie hernieder scheint?

Unsere Antwort auf diese Frage lautet: Ja.

Wie immer, wenn Menschen vor kategorische Wahlen zwischen angeblich Gut und Böse gestellt werden, so so ist auch im Fall von Pazifismus und Gewalt der Wunsch Vater des Gedankens und vielleicht auch die Idee, dass man überzeugte Pazifisten leichter regieren kann als Individuen, die ihr Verhalten davon abhängig machen, wie man ihnen begegnet.

Und das ist der Kern unseres Arguments gegen den bedingungslosen Pazifismus.

Bedingungsloser Pazifismus ist etwas für Kinder, die in einer behüteten Welt aufwachsen und noch nicht bemerkt haben, dass andere nicht nur nett sind. Bedingungsloser Pazifismus ist bei Kindern und Jugendlichen vielleicht verständlich, bei Erwachsenen ist er eine Entwicklungsstörung, die letztlich damit einhergeht, dass der Ursprung von Gewalt, wie dies oben in den Aussagen von Anusheh Rafi deutlich wird, nicht bei anderen Individuen, sondern bei amorphen Systemen oder bei Hitler-Deutschland gesehen wird.

George Orwell on pacifismHitler-Deutschland war aber weder pazifistisch noch war es gewalttätig, denn Hitler-Deutschland ist kein Akteur, der handeln kann. Die Bezeichnung ist ein Kürzel, das all diejenigen umschließt, die sich für die amorphe Masse “Deutschland” engagiert haben, die sich zu treuen Vasallen eines Systems, degradiert haben und ihre Entscheidung in Antizipation dessen, was die Vertreter dieses Systems wohl von ihnen erwarten, getroffen haben.

Wer das nicht glaubt, der kann versuchen, mit Deutschland zu interagieren. Es wird ihm nicht gelingen. Er wird immer, wenn er einen Austausch mit anderen Menschen hat, mit anderen Menschen, mit Deutschen, Dicken, Dünnen, Dummen oder Intelligenten interagieren, nie mit Deutschland.

Entsprechend stellt sich die Frage des Pazifismus als Frage der Interaktion, als Frage, wie man seinem Gegenüber in einer Interaktion gegenübertritt. Soll man ihn sofort anfeinden? Eine Haltung, die man in den Kommentarspalten von Blogs häufig antrifft, oder soll man ihm etwas zu gute halten und ihm eine Kooperation anbieten?

Da menschliche Gesellschaften durch Kooperation überlebt haben, ist die Antwort einfach: zuerst bietet man Kooperation an. Wird das Angebot angennommen, ist es gut, wird es nicht angenommen, dann kann man immer noch draufhauen, wenn es notwendig werden sollte. Wichtig beim Angebot der Kooperation ist, dass das Angebot eine Wahrscheinlichkeit hat, angenommen zu werden. Es macht keinen Sinn, einer schwarzen Mamba Kooperation anzubieten und als Zeichen der Kooperation die Hand zu reichen. Besser man geht der Schlange aus dem Weg, sofern es möglich ist.

Für Pazifismus folgt daraus, dass man anderen friedlich gegenübertreten soll, solange es keine Anzeichen gibt, dass diese anderen diese Geste ausnutzen oder nicht goutieren. Wird das Angebot eines friedlichen Austausches angenommen, ist es gut, wenn nicht, muss man seine pazifistische Haltung aufgeben und sein Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen.

Das ist eine menschliche Grundhaltung, ein Bestandteil der coniditio humana, denn die rechte Backe halten nur Heilige hin, wenn ihnen gerade auf die linke Backe gehauen wurde und Heilige sind deshalb heilig, weil sie für ihren Pazifismus getötet wurden.

PEW-Research: AfD ist eine gute Sache – Rassismus bestenfalls Randerscheinung

Schlechte Nachrichten für all diejenigen, deren Lebensunterhalt darauf basiert, die Gefahr von Rechts, den Rassismus gegen Muslime oder Juden zu beschwören und die AfD als politische Extremisten zu brandmarken.

Eine neue Studie des PEW-Research Institutes in Washington, die sich mit der Einstellung u.a. der Deutschen zur EU, zu euroskeptischen Parteien und zu Juden, Muslimen und Roma beschäftigt, kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Pew RomaGegen Juden bestehen in Deutschland kaum Ressentiments. Gefragt ob sie einen vorteilhaften (favourable) oder einen unvorteilhaften (unfavourable) Eindruck von Juden haben, sagen 9% der Deutschen, sie hätten einen unvorteilhaften Eindruck, 80% geben an, sie hätten einen vorteilhaften Eindruck. Zum Vergleich: In Polen haben 28% der Befragten einen unvorteilhaften Eindruck von Juden und 59% eine vorteilhaften Eindruck.
  • Unvorteilhafte Eindrücke gegenüber Muslimen sind in Deutschland deutlich verbreiteter: 24% geben an, einen unvorteilhaften Eindruck von Muslime zu haben, während 69% von sich sagen, sie hätten einen vorteilhaften Eindruck von Muslimen. Auch damit fällt Deutschland nicht aus der Reihe: In Italien haben 61% der Befragten einen unvorteilhaften Eindruck von Muslimen, 31% einen vorteilhaften.
  • Unvorteilhafte Eindrücke von Sinti und Roma sind dagegen bei den Befragten der sechs Ländern, die in der Untersuchung von PEW berücksichtigt wurden, weit verbreitet: 34% der deutschen Befragten haben einen unvorteilhaften Eindruck von Sinti und Roma, 52% einen vorteilhaften. Dagegen haben 86% der Italiener einen unvorteilhaften Eindruck von Sinti und Roma, nur 9% einen vorteilhaften.

Angesichts dieser Ergebnisse kann man das regelmäßig widerkehrende Lamento davon, dass in Deutschland bereits die Mitte rassistisch oder rechts sein soll, nur als vollkommen Unsinn bezeichnen.

Auch die Versuche, die AfD als randständige Erscheinung extremistischer Deutscher auszugrenzen, werden von der Mehrheit der von PEW Befragten nicht geteilt:

Afd good thingGefragt, ob sie den Aufstieg der AfD als eine gute Sache ansehen, weil dadurch Themen in die Öffentlichkeit getragen werden, die von traditionellen Parteien vernachlässigt werden, oder ob sie der Meinung sind, der Aufstieg der AfD sei eine schlechte Sache, weil die Partei zu extrem sei, geben 50% der deutschen Befragten an, dass sie die AfD für eine gute Sache halten, 41% sagen, die AfD sei keine gute Sache, und 9% haben keine Meinung.

Diejenigen, die die AfD als schlechte Sache ablehnen, finden sich vornehmlich auf der linken Seite des politischen Spektrums [wobei selbst unter den Befragten, die sich auf dem politischen Spektrum links einordnen, 45% der Ansicht sind, die AfD sei eine gute Sache]. Zustimmung zur AfD herrscht dagegen in der Mitte (51%) und Rechts (56%) vor. 59% der befragten Männer halten die AfD für eine gute Sache gegenüber 42% der befragten Frauen. Mehrheitlich Unterstützung findet die AfD unter den 18-29jährigen (51%) und den 30-49jährigen (57%). Die Ansicht, die AfD sei eine gute Sache wird hingegen von einer Minderheit der Befragten geteilt (46%), die 50 Jahre oder älter sind.

Die Unterstützung der AfD findet sich entsprechend eher unter jungen oder mittelalten Männern, die sich nicht als links bezeichnen.

Wie es scheint, sind die Deutschen mehrheitlich weder Rassisten noch negativ gegenüber der AfD eingestellt. Die Rassismus-Hysteriker und AfD-Feinde sind somit eine gesellschaftliche Minderheit, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat oder erkennen will.

Die Untersuchung von PEW wurde in sechs europäischen Ländern durchgeführt: Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Die Befragung erfolgte telefonisch. Befragt wurden in Deutschland 1000 Personen im Alter von 18 Jahren oder älter.

Morgenthaus Erben: Die Grünen wollen den Deutschen Bananen verbieten

Komm’ wir spielen “ökologische Revolution” , das neue Gesellschaftsspiel.

Was zum Spielen notwendig ist:

  • Ökologische Revolution: Ein Spiel für die ganze Armut

    Ökologische Revolution: Ein Spiel für die ganze Armut

    Überheblichkeit;

  • Selbstüberschätzung;
  • (grünes) Sendungsbewusstsein;
  • Kenntnis der 12seitigen Spieleanleitung “Positionspapier ökologische Revolution” von Dröge und Kindler

Was zum Spielen nicht notwendig ist:

  • Kompetenzen;
  • Skrupel;
  • Zweifel;
  • kognitive Fähigkeiten;
  • Arbeits- und Berufserfahrung

Die Spieler:

  • Sven-Christian Kindler (geb. 1985); Bachelor für Betriebswirtschaft an der Leibnitz Akademie in Hannover (2007), ansonsten Parteikarrierist bei den Grünen;
  • Katharina Dröge (geb. 1984), Diplom in Volkswirtschaft an der Universität Köln (2010), ansonsten Parteikarrierist bei den Grünen;

Das Spiel

  • Ziel des Spieles ist der “radikale Umbruch des Wirtschaftssystems”, wie er im Positionspapier von Dröge und Kindler beschrieben ist.
  • Da das Wirtschaftssystem zu Anfang des Spieles floriert und die Bevölkerung im Spiel in einem gewissen Luxus und bar jeglicher Sorgen der Subsistenz und des nackten Überlebens lebt, geht es beim “radikalen Umbruch”, bei der “ökologischen Revolution” also darum, die Prosperität des Spiellandes zu vernichten und die darin Lebenden in Armut zu stürzen.
    • hohe “Steuern auf Vermögen, Eigentum, Einkommen, Kapitalerträge”, die die Motivation der Bevölkerung, Wachstum und Prosperität zu schaffen, ersticken und somit über Verarmung zum “radikalen Umbruch” der “ökologischen Revolution” führen.
    • exotische Lebensmittel

      Die ersten Opfer der ökologischen Revolution

      Verbot von unnötigen Flugreisen, exotischen Lebensmitteln und schnellen Autos, die nicht ökologische Konsummuster der Bevölkerung zur Folge haben, Zeichen wirtschaftlichen Erfolges sind und somit Ergebnis von Wohlstand, der durch den “radikalen Umbruch des Wirtschaftssystem” und die “Dröge/Kindler ökologische Revolution” ja gerade vernichtet werden soll, und zwar gemäß dem Motto der beiden Spieler: “Großer Reichtum fördert einen verschwenderischen Luxuskonsum, der einen ebenfalls nicht nachhaltigen Statuskonsum der Mittelschichten nach sich zieht”, kurz: wem es gut geht, der lässt es sich gut gehen und das Ziel der ökologischen Revolution besteht ja gerade darin, dass es niemandem gut geht.

    • “Erhöhung der Benzinpreise”, damit sich nur noch eine kleine Elite die Nutzung eines Autos leisten kann, während die Masse des Volkes auf “Radverkehr” und “Elektromobilität” angewiesen ist. Kollektiver Strom, aus der Steckdose und vom Kohlekraftwerk gespeist, ist der ökologischen Revolution und damit der Verarmung der Bevölkerung zuträglicher als individueller Sprit aus dem Zapfhahn. Ersterer lässt sich rationieren und über Nacht abschalten, aus Gründen der Einsparung und der ökologisch revolutionären Verarmung, zweiterer nicht.
  • Das Spielende ist erreicht, wenn das Spielland in den Kanon der Entwicklungsländer aufgenommen wurde, in denen die Millennium-Ziele der UN durchgesetzt werden sollen, die wiederum den Wohlstand aufbauen sollen, der dann durch eine weitere ökologische Revolution abgeschafft werden kann.

Das Spiel, von dem wir hier berichtet haben, wurde von Katharina Dröge und Sven-Christian Kindler allen Ernstes als Grundlage politischen Handelns der Grünen vorgeschlagen. Das berichtet der Spiegel [und wir fragen uns, wann Monopoly zur Grundlage der Wirtschaftspolitik bei den Grünen wird.] Kurz: damit es auch noch der Letzte versteht, Dröge und Kindler meinen ernst, was wir hier zusammengefasst haben.

Sie wollen den Deutschen höhere Spritpreise verodnen. Ihnen die per Flugzeug eingeführten exotischen Früchte und Lebensmittel, also u.a. Bananen, Orangen, Kiwi, Reis, Mais und Kaffee usw. verbieten, ihren Urlaub auf das Inland beschränken und vieles mehr, was ihnen als Utopie in ihrer drögen ökologischen Revolution vorschwebt.

Dröge/Kindler kennen kein Pardon, wenn es darum geht, das Leben derer, die gerade leben, zu vermiesen, und zwar im günstigsten Fall zu Gunsten derer, die noch nicht oder vielleicht einmal leben. Es geht um so hehre Ziele wie die Rettung des Planeten vor dem ökologischen Kollaps. Und wer mit solch wichtigen Zielen beschäftigt ist, der kann sich nicht mit belanglosen Fragen, wie: “Für wen wollt ihr den Planeten retten?” beschäftigen. Derartige Fragen zeugen von Unkenntnis der großen historischen Aufgabe, die, wie das bei großen Utopien nun einmal so ist, Opfer von den Lebenden, zuweilen bis hin zu ihrem Leben verlangt.

Und einmal ehrlich: Würden Sie nicht gerne in ein baufälliges Haus ziehen, dort von Wasser und Brot und dem leben, was die kleine Parzelle hinterm Haus an Gemüse und Obst abwirft, wenn sie wüssten, sie retten damit den Planeten und sorgen dafür, dass auch 2210 noch Menschen in einem baufälligen Haus von Brot und Wasser und dem, was die kleine Parzelle hinterm Haus an Gemüse und Obst abwirft, leben können?

Big hoax climateWozu Fortschritt, wenn man auch mit Lichtgestalten kognitiver Brillianz wie Dröge und Kindler in die Armut des, sagen wir 19. Jahrhunderts reisen kann, am besten in die Zeit der letzten großen Hungersnot, die in den 1840er Jahren in Preußen, Württemberg und Hessen wütete (dazu: Rürup, 1992: 172)?

Also, Deutsche, verzichtet mit Dröge und Kindler, die natürlich längst dazu übergegangen sind, im baufälligen Haus und von Wasser und Brot und dem zu leben, was die kleine Parzelle hinterm Haus an Gemüse und Obst abwirft, verzichtet auf Bananen, Ananas, Kaffee und Tee, Reis und Mais, den Sommerurlaub in Spanien, auf billige t-Shirts aus China, auf das Smartphone, den iPod, das iPad, den Computer und alles, was ansonsten noch im fremden Ausland gefertigt und von dort in großer Umweltschädlichkeit nach Deutschland gebracht wird. Verzichtet auf den Türkentrank, den Kaffee, trinkt wieder Malzkaffee und Gerstensaft zum Frühstück, unterstützt die heimische subsistente Wirtschaft:

Spätzle statt Pasta – Basta!

Wie gesagt, Dröge und Kindler meinen das ernst.

Dröge und Kindler sind beide im Bundestag. Sie wurden gewählt. Insofern ist klar, wer für Dröge und Kindler die Verantwortung zu übernehmen hat. Deshalb: alle Wähler von Dröge und Kindler: Sofortiges Ende mit dem Shoppen im Internet, Schluss mit Flugreisen und Autofahren. Ab sofort: Radfahren, Einkauf im Tante Emma Lade per Fahrrad, kein Kaffee zum Frühstück, keine tropischen Luxusfrüchte, Schluss mit eurem mickrigen Statuskonsum, der die Umwelt zerstört. Die von Euch Gewählten haben es Euch verordnet!

1944 wurde auf der Second Quebec Conference der Alliierten der Morgenthau Plan beschlossen. Franklin D. Roosevelt hatte einige Arbeit, Winston Churchill zu überzeugen, aber es ist ihm gelungen. Der Morganthau-Plan, benannt nach Henry Morgenthau, dem damaligen Finanzminister der USA, sah u.a. vor Deutschland zu de-industrialisieren. Dazu sollten alle Industrieanlagen, die vor allem im Ruhrgebiet und im Rheinland den Krieg überstanden hatten, abgebaut und zerstört werden, so dass Deutschland letztlich zu einem Agrarstaat werden würde – weitgehend ohne industrielle Produktion und somit in allen Bereichen der industriellen Güterproduktion auf den Import aus dem Ausland angewiesen.

Angesichts der Kriegsschäden muss man nicht viel kognitive Ressourcen zum Nachdenken verschwenden, um zu sehen, dass der Morgenthau-Plan eine komplette Verarmung Deutschlands zum Dauerzustand gemacht hätte. Das Wirtschaftswunder der 1950er Jahre hätte es mit Sicherheit nicht gegeben.

Dass der Morgenthau-Plan nicht umgesetzt wurde, haben die Deutschen Stalin und dem beginnenden Kalten Krieg zu verdanken, der den westlichen Alliierten ein industrialisiertes und nicht verarmtes Deutschland als Bündnispartner wichtiger erscheinen ließ als ein verarmtes, bäuerliches Deutschland.

Was Roosevelt, Churchill und Morgenthau nicht vorhersehen konnten, das sind die Grünen in Deutschland, das sind Katharina Dröge und Sven-Christian Kindler, die 2015 das 1945 aufgegebene Projekt wieder aufnehmen und nunmehr vollenden wollen, also: Zurück in die Armut mit Dröge und Kindler.

Rürup, Reinhard (1992). Deutschland im 19. Jahrhundert. 1815-1871. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht.