Meinungs-Manipulations-Feldzug gegen die AfD

Es gehört zu den Ironien des eigenen Lebens, dass man als Liberaler regelmäßig (politische) Überzeugungen verteidigt, die in manchen wichtigen Punkten nicht die eigenen sind. Liberale teilen entsprechend das Schicksal, für die Linke rechts zu sein und für die Rechten links. Dabei sind Liberale einfach Prinzipien verpflichtet, dem Prinzip der Meinungsfreiheit oder dem Prinzip der ehrlichen und anständigen, fairen Berichterstattung oder dem Prinzip der einem wissenschaftlichen Ethos entsprechenden und somit korrekten, falsifizierbaren und reliablen Forschung.

Und weil dem so ist, verteidigen wir Männerrechtler gegen Anfeindungen aus dem Lager der Genderisten. Deshalb verteidigen wir Wissenschaftilchkeit, gegen den Versuch von Genderisten, ihr den Garaus zu machen. Deshalb verteidigen wir das Recht von Bürgern anders handeln zu können als ihr Staat dies für richtig hält. Deshalb bekämpfen wir die vielfältigen Versuche, mit denen öffentliche Meinung manipuliert werden soll, Versuche, die nur allzu häufig auf die Mithilfe von Meinungsforschern zurückgreifen, bei denen Manipulation in dem Wörtchen “repräsentativ” verpackt wird.

Und deshalb verteidigen wir die AfD, die sich als demokratische Partei einer Kampagne ausgesetzt sieht, die man nicht mit demokratischen Werten vereinbaren kann und für die man sich als Demokrat eigentlich schämen müsste.

WELt AfdIm neuerlichen Feldzug geht es um die “Hälfte aller Deutschen”, die die AfD angeblich für verfassungsfeindlich hält. Die “Hälfte aller Deutschen”, deren Meinung N24 meldet, das sind 500 Befragte, die dieses Mal von Emnid befragt wurden. Und weil 500 doch sehr weit von 40.000.000 entfernt ist, deshalb braucht es ein Zauberwort, das die Strecke überbrücken hilft: Repräsentativ. Die 500 sind für die deutsche Bevölkerung repräsentativ, sind die deutsche Bevölkerung, sind “die Hälfte aller Deutschen”.

Warum man nicht längst aufwändige Wahlen durch eine repräsentative Befragung von Emnid, bei der 1000 Deutsche zufällig ausgewählt und angerufen werden, ersetzt hat, das ist eines jener Rätsel, das Repräsentativitäts-Fetischisten nicht zu lösen vermögen.

Wie dem auch sei, die “Hälfte aller [1000 von Emnid befragten] Deutschen” hält die AfD für verfassungsfeindlich. Und Repräsentativität ist nicht nur ein Zaubermittel, das es angeblich erlaubt, von wenigen auf alle zu schließen, nein, es ist auch ein Mittel, von wenigen auf noch weniger zu schließen. Repräsentativität ist wie ein Virus der sich in alle Richtungen ausbreitet.

“AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich”, so titelt die WELT in einer Weise, die den journalistischen Ethos zu Grabe trägt. Denn, wie ein Weiterlesen zeigt, es sind nicht alle AfD-Wähler, die die eigene Partei verfassungsfeindlich finden, nein es sind “auch 13 Prozent der AfD-Wähler”, die “ihre Partei” als verfassungsfeindlich einordnen.

Natürlich ist auch dieses Ergebnis repräsentativ, 13% aller AfD-Wähler sind der Meinung, “ihre” Partei sei verfassungsfeindlich.

Doch wie viele sind die 13%?

Rechnen wir es aus.

Emnid hat nach eigenen Angaben “ca. 1000” Personen befragt. Offensichtlich weiß man bei Emnid nicht so richtig, wie viele es tatsächlich waren. Gewähren wir Emnid den “benefit of a doubt” und gehen davon aus, dass es tatsächlich 1000 Befragte waren und nicht weniger, wie das ca. nahelegt.

Nach aller Erfahrung der empirischen Sozialforschung geben von diesen 1000 Befragten auf die Frage, welche Partei sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, rund 75 an, dass sie keine Angabe machen wollen, weitere 75 sagen, dass sie nicht wählen wollen. Diese 150 Befragten sind zu Gunsten von Emnid gerechnet. Tatsächlich dürfte die Anzahl der Befragten, die eine Angabe zu ihrer Wahlabsicht machen, unter 85% aller Befragten liegen. Aber: Geben wir Emnid einmal mehr den “benefit of a doubt”.

Nun meldet N24 Folgendes:

“Bei der Sonntagsfrage kommt die AfD laut N24-Emnid-Umfrage auf 12 Prozent – ein Plus von 2 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die Union verliert dagegen 2 Prozent und landet bei 34 Prozent. Die SPD erreicht 24 Prozent, die Linke 10 Prozent und die Grüne[n] 9 Prozent.”

Es gibt also 12% AfD Wähler unter den Befragten von Emnid. 850 haben eine Angabe zur Wahlintention gemacht. 12% von 850 entsprechen 102 Befragten. 102 Befragte gaben also an, AfD wählen zu wollen. Unter diesen 102 Befragten finden sich 13%, die die AfD für verfassungsfeindlich halten. 13% von 102 sind genau 13 Befragte.

13 Befragte!

13 Befragte rechtfertigen bei der WELT den Titel: AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich.

das-letzte luegenpresseEine solche Schlagzeile hat ebenso, wie die entsprechende Interpretation der Befragung von Emnid nichts mehr mit Journalismus zu tun. Es gibt keinen Ethos, mit dem man einen derartigen Versuch, Leser für dumm zu verkaufen, rechtfertigen könnte. Insofern man nicht annehmen will, dass der für diese Überschrift verantwortliche Redakteur vollkommen debil ist, muss man Absicht unterstellen, Absicht, die AfD zu diskreditieren. Abermals ist dies nichts, was mit einem wie auch immer gearteten Pressethos zu vereinbaren ist. Es ist eher etwas für den Presserat, der doch angeblich darüber wacht, dass Berichterstattung in Deutschland die Prinzipien von Lauterkeit und Fairness achtet.

Wer nach diesem neuerlichen Beleg dafür, wie mit dem Begriff “Repräsentativität” Schindluder getrieben wird, immer noch der Ansicht ist, man könne eine Idealvorstellung der Stochastik in die Wirklichkeit übertragen und von 1000 Befragten auf “alle Deutschen” hochrechnen, der muss sich nicht wundern, dass andere ihn für einen Trottel halten, den man mit einem Verweis auf Repräsentativität nach freiem Belieben manipulieren kann, dem man 13 Befragte als alle AfD-Wähler unterschieben kann.

Alle anderen, die die Argumente, warum das Ideal der Repräsentativität außerhalb der Quadrate des Mathematikheftes nicht erreichbar ist, noch einmal nachlesen wollen, können dies in unserem Beitrag “Mythos der Repräsentativität” tun.

Da man kaum weiter vom journalistischen Ethos entfernt sein kann, als die WELT dies heute demonstriert hat, muss man als anständiger Mensch eine entsprechende Entfernung zwischen sich und die WELT bringen und ein Abo, so vorhanden, nunmehr kündigen.

 

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Kunst, die manche für Schmutz halten

Wann immer Menschen zusammenleben, besteht die Notwendigkeit, sich über grundlegende Dinge des Umgangs miteinander zu einigen. Wenn viele Menschen in Gesellschaft zusammenleben, besteht zudem die Notwendigkeit, die Verteilung gemeinsamer Ressourcen zu regeln. Und wenn Menschen in sogenannten modernen Staaten zusammenleben, in denen es rein statistisch gesehen einige gibt, die sich für Elite, Avantgarde oder in welcher Weise auf immer “more refined” als die anderen ansehen, besteht die Notwendigkeit, einen Weg zu finden, das, was angeblich und vielleicht auch tatsächlich elitär oder avantgardistisch oder innovativ ist, auch zu honorieren (oder auch nicht).

Auf einem Markt ist das kein Problem: Neue Innovationen, neue Techniken, sie verbreiten sich wie ein Lauffeuer – jedenfalls dann, wenn sie ein Bedürfnis erfüllen, wenn sie für die jeweiligen Käufer einen Nutzen bereitstellen.

Bei Kunst und künstlerischen Erzeugnissen ist dies zumeist anders: De Gustibus non est disputandum – über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – oder doch?

Kunst, Werke zeitgenössischer Künstler, sie schmücken häufig öffentliche Institutionen, Museen, Kunstakademien. Ihren Weg dorthin finden sie, weil Steuerzahler die Mittel aufbringen, die notwendig sind, um die Kunstwerke zu bezahlen, und dass es sich dabei um Kunstwerke handelt, dafür spricht, dass der Künstler, der die Kunst hergestellt hat, behauptet, es handle sich dabei um Kunst und er sei ein Künstler. Dafür spricht, dass diejenigen, die ihm Steuergelder für sein Kunstwerk überweisen, glauben, was er behauptet.

Zuweilen stellt sich jedoch ein, was Hans Christian Andersen in seinem Märchen vom Kaiser mit den neuen Kleidern beschrieben hat: Das Kunstwerk wird als solches nicht erkannt, so wie die neuen Kleider, die der Kaiser stolz zu präsentieren glaubte, von den Banausen auf der Straße nicht gesehen wurden.

Das wirft eine interessante Frage auf:

Was macht eigentlich ein Kunstwerk zu einem Kunstwerk?

Wird ein Kunstwerk zum Kunstwerk, weil sein Hersteller behauptet, es sei ein Kunstwerk?

Wird ein Kunstwerk zum Kunstwerk, weil ein Kumpel des Herstellers, der in einem öffentlichen Amt ist, dem Künstler glaubt, dass es ein Kunstwerk ist?

Wird ein Kunstwerk zum Kunstwerk, weil eine Anzahl von Personen, die sich zur Avantgarde für was auch immer erklärt haben, behaupten, das Kunstwerk sei ein Kunstwerk, ein solches Kunstwerk z.B.

Beuys Fettecke

Wird ein Kunstwerk zum Kunstwerk, weil eine große Anzahl von Bewunderern die Technik des Künstlers bewundern und nachvollziehen kann, weil das Kunstwerk als solches auch denen, die nicht dem Kreis der eingeweihten oder leichtgläubigen Auto-Elite angehören, als solches erkannt wird?

Das zum Beispiel:

Escher crocodiles

Was ist von einem Kunstwerk zu halten, das von einem Hausmeister als Schmutz erkannt und beseitigt wird oder von einem Kunstwerk, das von einer Putzfrau aus einer Kirche entfernt wird, weil es nicht als Kunstwerk erkannt wurde. Ersteres ist der Fettecke von Joseph Beuys widerfahren, letzteres einer Installation von Romana Menze-Kuhn in einer Mannheimer Kirche:

KunstMuell“Verstehen kann die 1957 geborene Künstlerin den Vorfall nicht. Schließlich sei das Werk mit den auf dem Boden festgeklebten Folien, die skulptural so geformt gewesen seien wie Zuflucht suchende Menschen, als Einheit deutlich zu erkennen gewesen. “Ich habe mich schon sehr geärgert, das ist eine Respektlosigkeit. Man kann über Kunst denken wie man will, aber dass man in Kunst eingreift und etwas wegnimmt, das hat mich schon sehr empört.” Auch Pfarrer Gerd Frey-Seufert betonte, die Installation sei klar als Gesamtensemble zu erkennen gewesen. Die Reinigungsfirma sei informiert gewesen. Für die Putzfrau soll der Vorfall nach Frey-Seuferts Wunsch aber keine weiteren Folgen haben. “Das ist ihr peinlich genug.”

Warum sollte der Vorfall der Putzfrau peinlich sein?

Warum nicht der vermeintlichen Künstlerin, die Installationen erstellt, die als Kunst nicht unmittelbar ersichtlich sind oder, dem Pfarrer, der Installationen in seiner Kirche ausstellt, die Putzfrauen bei ihrer Arbeit im Weg sind? Die Antwort ist klar: Weil die Putzfrau dumm, Pfarrer und vermeintliche Künstlerin aber erleuchtet sind. Sie erkennen Kunstwerke selbst da, wo andere Unrat sehen und dass sie damit in der Öffentlichkeit, in öffentlichen Medien durchkommen zeigt, wer in Deutschland die Definitionsgewalt innehat. Nicht die Menschen, die vermeintliche Kunst als Müll erkennen, sondern diejenigen, die vermeintlichen Müll als Kunst erkennen.

So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: “Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!” Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese.
“Aber er hat ja gar nichts an!” sagte endlich ein kleines Kind. “Hört die Stimme der Unschuld!” sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.
“Aber er hat ja gar nichts an!” rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.’ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.”

Wähler der Apokalypse: Die letzten Tage des Berliner Parteiensystems?

N24 berichtet mit Bezug auf Tagesschau und Welt von einer “Schockumfrage”, die gezeigt habe, dass die Wähler das Vertrauen in Merkel verlieren. SWR-Chefredakteur Gniffke rät im Kommentar bei der Tagesschau dazu, die Nerven zu bewahren. Die AfD, so weiß er, sie sei ein Phänomen, das wieder verschwinde. Sobald die Flüchtlingskrise beendet sei, sei auch die AfD am Ende.

Gniff(k)e bedient sich hier des alten Kniffs des Pfeifens im Walde: Wer pfeift, zeigt, dass er keine Angst hat und hofft, dass alle Gefahren, denen er sich ausgesetzt sieht, von selbst wieder verschwinden – so wie die AfD, die Gniffe wegpfeifen oder wegkommentieren will.

Und hier irrt Herr Gniffke.

Das könnten ihm Politikwissenschaftler sagen, die sich mit Wahl- und Parteienforschung beschäftigen. Aber die entsprechenden Politikwissenschaftler äußern sich entweder nicht oder wenn sie sich äußern, dann verhalten und im Sinne ihres Dienstherren des Kultusministers des jeweiligen Landes, das ihre Hochschule unterhält.

Erzählen wir also an dieser Stelle eine regelmäßig bestätigte Theorie aus der Politikwissenschaft, der politischen Ökonomie, um genau zu sein, um die Frage, ob die AfD hier ist, um zu bleiben, oder wieder verschwindet, weil es sich die etablierten Parteien so wünschen, zu beantworten.

Downs economic theory democracyEs war Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre als Anthony Downs seine Ökonomische Theorie der Demokratie aufgestellt hat. Darin beschreibt er u.a. den Wettbewerb der Parteien, der dann, wenn sich die Mehrheit der Wähler in der Mitte des Parteiensystems konzentriert, ein zentripetaler Wettbewerb um eben diese Mittewähler ist, ein Wettbewerb, in dem sich die Parteien und ihre Inhalte immer ähnlicher werden, bis sich ihre Programme nicht mehr im Inhalt, sondern nur noch in der Verpackung unterscheiden. In den Worten von Downs sind die Parteien zu Waschmittelverkäufern geworden, die ihr jeweiliges ideologisches Produkt anbieten.

Wähler, so Downs weiter, interessieren sich in der Regel nicht für Politik. Die wenigsten folgen dem, was in Parlamenten von Politikern veranstaltet wird (und Politiker sollten froh darüber sein). Die meisten interessieren sich so lange nicht für Politik, so lange die Folgen politischer Entscheidungen nicht negativ in ihr tägliches Leben intervenieren. Geht es darum, eine Wahlentscheidung zu treffen, dann bedienen sich die Wähler eines ideologischen Shortcuts und wählen die Partei, von der sie annehmen, sie sei ihnen ideologisch am nächsten.

Was man aus Downs ableiten kann, ist ein Wettbewerb der Parteien um die ideologische Mitte, denn in der ideologischen Mitte einer Gesellschaft finden sich die meisten Wähler. Nun hat Downs angenommen, dass Parteien über Wahlstrategen verfügen, die intelligent genug sind, um die Themen zu identifizieren und mit Schlagworten zu besetzen, die die ideologischen Mittewähler ansprechen. Womit Downs nicht gerechnet hat, ist ein Schließungsprozess, den Paul J. DiMaggio und Walter W. Powell rund 20 Jahre später in einem Beitrag beschrieben haben, der mit “The Iron Cage Revisited” betitelt war.

Darin weisen DiMaggio und Powell daraufhin, dass Prozesse der Isomorphie, wie sie sich aus z.B. der Standardisierung von Ausbildungs- und Rekrutierungsprozessen ergeben, dazu führen, dass unterschiedliche Organisationen mit Bewerbern konfrontiert sind, die sich immer ähnlicher werden: Sie haben dieselbe Einstellung, dieselbe Herangehensweise, denselben Lebensstil, dieselben Lösungen für gleiche Probleme. Sie haben denselben Ausbildungs-, Wissens- und Erfahrungshintergrund, bewegen sich in denselben Kreisen. Sie kennen sich, sind weitgehend austauschbar, tragen dieselbe Kleidung, applaudieren an denselben Stellen und schaffen in ihrer Umgebung eine Innovationsbrache, die sich direkt in der Homogenisierung ihrer Leistungen niederschlägt. In verschiedenen Zeitung steht weitgehend dasselbe. Die Fernsehprogramme unterscheiden sich nicht. Die Nachrichten sind weitgehend identisch. Die Reden von Politikern haben denselben Duktus, strahlen dieselbe monotone Langeweile aus und entbehren in gleicher Weise konkreter Inhalte.

Prozesse der Isomorphie als normativer Anpassungszwang zum Gleichverhalten oder als Imitation anscheinend erfolgreichen Verhaltens anderer, bewirken einen Schließungsprozess, der die armen Mitglieder dieser geschlossenen Gesellschaft langsam aber sicher den Kontakt zur Realität verlieren lässt. Sie bewegen sich in ihrem geschlossenen System und nehmen keine Informationen von außen mehr entgegen.

Anthony Downs konnte sich in den 1960er Jahren nicht vorstellen, dass Politiker, ihre Berater, ihre Redenschreiber, ihre Meinungsforscher, sich einmal zu einer hermetisch abgeschlossenen Subkultur entwickeln, die die Verbindung zum Großteil der Wähler verlieren und in vollkommener Ignoranz darauf warten, abgewählt und in die Wüste geschickt zu werden – ein Ereignis, das sie natürlich vollkommen überraschend treffen wird.

Michels Soziologie des ParteiwesensDowns konnte sich auch nicht vorstellen, dass Politiker und die, die ihnen nach dem Mund reden, lieber die Realität anders darstellen, in dem sie z.B. behaupten, die Mitte sei Rechts, als dass sie einsehen, dass zwischen ihnen und vielen Wählern nichts mehr vermittelt.

Downs ist von rationalen Akteuren ausgegangen und selbst wenn er von “bounded ratonality”, also an den bekannten Umständen ausgerichteten Handlungen ausgegangen wäre, so hätte er sich vermutlich nicht vorstellen können, wie klein die erfahrene Welt eines Politikers im Jahre 2016 doch geworden ist, wie weit sie sich von der Realität, in der die meisten Wähler leben, entfernt haben.

Wir haben in unserer letzten Befragung politische Parteien ideologisch verorten lassen, wobei wir eine Skala benutzt haben, die von 1 – links bis 11 – rechts verläuft, mit einem Mittelpunkt bei 6. Um diesen Mittelpunkt würde man, wenn Downs Recht hat, die Mehrzahl der Wähler vermuten. Tatsächlich haben wir auf der Basis der Antworten von 542 Befragten einen Mittelwert von 6,64 bei der ideologischen Selbsteinschätzung errechnet, d.h. die meisten Befragten ordnen sich in der Mitte bzw. Mitte-Rechts im politischen Spektrum an.

Nun nimmt Downs an, dass Wähler ausgehend von der eigenen ideologischen Verortung die Partei wählen, die ihnen am nächsten ist. Entsprechend zeigt die folgende Abbildung die durchschnittliche Selbstverortung der Befragten und die durchschnittliche Verortung der Parteien, wie sie sich den Befragten darstellt.

SN_Selbst und Parteiverortung

Die Abbildung ist ein eindrücklicher Beleg dafür, dass sich die Politiker in ihren etablierten Parteien in einer ideologischen Welt eingerichtet haben, die der ideologischen Welt der Bürger nicht mehr entspricht. Sexuelle Orientierungen, Gender Mainstreaming oder Antirassismus, das sind die Themen, die die Politiker in ihrer Welt interessieren, es sind nicht die Themen, die die Wähler interessieren. Der Graben, der sich zwischen Wählern und Parteienrefugium auftut, er ist erheblich: Wähler verorten sich weitgehend in der ideologischen Mitte, während ausnahmslos alle im Bundestag vertretenen Parteien links der Mitte verortet werden. Lediglich die CSU kommt noch in die ideologische Nähe der Selbstverortung der meisten Wähler.

Die Abbildung stellt eine ideologische Entfremdung zwischen etablierten Parteien und Bürgern dar, die erheblich ist und die z.B. für CDU-Wähler noch pointierter ausfällt als in der Abbildung dargestellt: CDU-Wähler verorten sich selbst genau in der Mitte und alle etablierten Parteien noch weiter links als in der Abbildung dargestellt, während CDU-Wähler die AfD weiter rechts verorten als in der Abbildung dargestellt.

Wären Parteistrategen in der wirklichen und nicht in ihrer eingebildeten Welt, in der die AfD bald wieder verschwindet, wenn die Probleme mit den Flüchtlingen gelöst sind, ihnen würden Schweißperlen die Stirn zieren, ob der dargestellten Entfremdung ihrer Parteien von der Mehrheit der Wähler. Die Schweißperlen wären schon deshalb gehäuft vorhanden, weil die durchschnittliche Distanz zwischen der Selbstverortung der Wähler und der Verortung der AfD für alle Parteien außer der CSU größer ist als zwischen Wählern und AfD. Und für Wähler, die sich rechts der Mitte einordnen, die Wähler also, die früher eine Heimat in der CDU oder der CSU gefunden haben, stellt sich die AfD zwischenzeitlich als einzige wählbare Alternative dar.

Die Befragung, aus der wir die präsentierten Zwischenergebnisse entnommen haben, läuft weiter auf unserer Befragungsseite. Wer will, kann nach wie vor daran teilnehmen: Flüchtlinge und Parteienkompetenz.

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Umfrage: Flüchtlinge sind Geschäft

Wir haben die ersten Zwischenergebnisse aus unserer derzeit laufenden Befragung zu Flüchtlingen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

Die Ergebnisse basieren auf den Angaben von zwischenzeitlich 542 Befragten. Der Zwischenstand, den wir berichten, ruht also bereits auf einer soliden Basis.

Wir haben in der letzten Befragung u.a. die Einstellung zu Flüchtlingen erfragt, darunter die Einschätzung zu den folgenden drei Aussagen:

  • Es kommen zu viele Flüchtlinge nach Deutschland.
  • Flüchtlinge kommen wegen der großzügigen Sozialhilfe nach Deutschland.
  • Flüchtlinge werden von der Flüchtlingsindustrie benutzt, um sich Steuermittel zu verschaffen.

Jeder dieser Aussagen konnte auf einer Skala, die von “stimme voll und ganz zu”, über “stimme eher zu” und “stimme eher nicht zu” bis “stimme überhaupt nicht zu” reicht, zugestimmt oder nicht zugestimmt werden. Wir haben für erste Analysen Mittelwerte für die Antworten der 542 Befragten berechnet, wobei der Wertebereich der Antworten von 1 “stimme voll und ganz zu” bis 4 “stimme überhaupt nicht zu” reicht. D.h. je näher der Mittelwert bei “1” liegt, desto größer ist die Zustimmung, je näher er bei “4” liegt, desto größer ist die Ablehnung.

Als Ergebnis ergibt sich eine breite Zustimmung zu allen drei Aussagen. Die Werte reichen von 1,12 für die Aussage “Es kommen zu viele Flüchtlinge nach Deutschland” über 1,34 für die Aussage “Flüchtlinge werden von der Flüchtlingsindustrie benutzt, um sich Steuermittel zu verschaffen” bis 1,49 für die Aussage “Flüchtlinge kommen wegen der großzügigen Sozialhilfe nach Deutschland”.

Diese überwiegende Zustimmung zu den drei Aussagen findet sich für die Wähler aller Parteien. Egal, ob jemand bei der letzten Wahl CDU, CSU oder Linke gewählt hat, die Wahrscheinlichkeit, dass er den drei Aussagen zustimmt, ist sehr hoch. Dies zeigt die folgende Abbildung sehr deutlich, in der wir die Mittelwerte nach Wählern unterschiedlicher Parteien für die drei Aussagen aufgeschlüsselt haben.

SN_Fluechtlinge Partein

Wie man der Abbildung gut entnehmen kann, sind die Unterschiede zwischen den Wählern der unterschiedlichen Parteien eher gering ausgeprägt. Die Wähler aller Parteien stimmen den drei Aussagen überwiegend zu. Die deutlichsten Unterschiede gibt es bei der Einschätzung, dass Flüchtlinge von der Flüchtlingsindustrie benutzt werden, um an Steuermittel zu gelangen und im Hinblick auf die großzügige Sozialhilfe.

Wähler von Bündnis90/Grüne und SPD stimmen in geringerem Ausmaß der Aussage, dass Flüchtlinge von der Flüchtlingsindustrie genutzt werden, um an Steuermittel zu gelangen, zu als die Wähler anderer Parteien. Die Erklärung dafür dürfte sich in der größeren Anzahl von SPD und Bündins90/Grüne Wählern finden, die in der Flüchtlingsindustrie beschäftigt sind.

Wähler von LINKE und der SPD stimmen der Aussage “Flüchtlinge kommen wegen der großzügigen Sozialhilfe nach Deutschland” nicht in dem Ausmaße zu als Wähler anderer Parteien. Die Erklärung dafür kann in dem Umstand vermutet werden, dass unter den Wählern von LINKE und SPD mehr Arbeitslose zu finden sind als unter den Wählern anderer Parteien, so dass die Wahrscheinlichkeit, die vermeintliche Großzügigkeit des deutschen Sozialsystems am eigenen Leib erfahren zu haben, für Wähler von LINKE und SPD größer ist als für Wähler anderer Parteien.

Die Ergebnisse zeigen indes in ziemlich beeindruckender Weise die Überzeugung, dass zu viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen und sie zeigen darüber hinaus, dass damit verbundene Probleme nicht alleine den Flüchtlingen angelastet werden, für die die Mehrheit der Befragten vermutet, sie kommen wegen der großzügigen Sozialhilfe nach Deutschland, sondern auch der Flüchtlingsindustrie, von der die Mehrheit der Befragten annimmt, dass sie Flüchtlinge benutzt, um ihren Mitgliedern ein üppiges Auskommen auf Kosten der Steuerzahler zu verschaffen.

Flüchtlinge sind somit nicht nur zum Fixpunkt der Diskussion um die Verteilung von (finanziellen) Ressourcen zwischen Autochthonen und Zuwanderern geworden, sondern auch zum Fixpunkt der Diskussion um die Verteilung von (finanziellen) Ressourcen unter Mitgliedern der autochthonen Bevölkerung.

Die Befragung läuft weiterhin. Wer noch daran teilnehmen will, der kann dies hier tun.

 
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Flüchtlinge?!

Die Welt ist voller Überraschungen. Eine dieser Überraschungen für uns ist, dass Deutsche, die der deutschen Sprache mächtig sind, plötzlich von sich behaupten Worte, die der deutschen Sprache entstammen und seit vielen Jahren im Sprachgebrauch sind, nicht mehr zu verstehen. Ob hier die Früchte des Genderismus mit seiner großangelegten Sinnentleerung von Sprache aufgehen?

Wie dem auch sei. einige Kommentatoren sind mit dem Begriff “Flüchtlinge” offensichtlich an die Grenze ihrer Verständnisfähigkeit geraten. Deshalb hier die Klärung:

“Als Flüchtling bezeichnet man eine Person, die ihre Heimat fluchtartig verlässt.”

So schreibt man bei der Wikipedia und zeigt damit, dass Begriffsdefinitionen zuweilen tautologisch sind, was in diesem Fall nur dann ein Problem ist, wenn man nicht weiß, was “fluchtartig verlassen” meint. Zur Erläuterung: fluchtartiges Verlassen liegt dann vor, wenn man unter Zurücklassen von Hab und Gut das Weite sucht, und zwar in einem höheren als dem normalen Marschtempo und versucht, so viel Raum wie nur möglich, zwischen den Anfang und den Endpunkt der Flucht zu bringen.

Wer es gerne legalistisch hat und wem die umgangssprachliche Definition von Flüchtling nicht ausreicht, für den haben wir die Definition der Genfer Flüchtlingskonvention, die auch von Deutschland unterschrieben wurde.

Demnach ist ein Flüchtling jemand, der

“aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen [seiner] Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen [seiner] politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit [er] besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder [der] sich als Staatenlose[r] infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem [er seinen] gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann oder wegen der erwähnten Befürchtungen nicht dorthin zurückkehren will.”

Der Bezug auf die Genfer Flüchtlingskonvention ist zwar unnötig, denn es reicht, die umgangssprachliche Bedeutung von Flüchtling zu kennen, um an unserer Befragung teilnehmen zu können, aber offensichtlich haben manche mit dieser umgangssprachlichen Bedeutung des Wortes ein Problem:

Anonymity“Ich nehme zwar war an, dass die “” um die “Flüchtlinge” in die Richtung geht, aber wäre eine Begriffsklärung zu Beginn nicht sinnvoll für die Befragung?

Welche Gruppe derer, die da unregistriert und aus sicheren EU-Ländern über die Grenzen gelassen werden, ist mit “Flüchtlinge gemeint? Alle, oder nur die Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention? Angesichts verschiedener Quellen (z.B. youtube Billy Six) bin ich im Moment der Ansicht, dass nur ein winziger Bruchteil der einströmenden Menschen echte Flüchtlinge sind, die in Menge und Integrationsfähigkeit (sofern sie dauerhaft bleiben wollten) vermutlich nichtmal ein ernsthaftes Problem darstellen würden.”

Es gibt also für Kommentator “e-moog” eine feine Unterscheidung zwischen “echten Flüchtlingen” und “unechten Flüchtlingen”. Seine Unterscheidung begründet er zwar nicht, aber dem Kontext des Kommentars kann man entnehmen, dass er der Ansicht ist, die Motivation eines Flüchtlings sei für die Frage, ob er ein Flüchtling ist, relevant.

Um als Flüchtling zu zählen, ist es für e-moog also nicht ausreichend, aus einem zerbombten Land in ein nicht-zerbombtes Land zu flüchten, um dort Sicherheit zu finden, nein, derjenige, der vor Gewalt, Armut, Hunger oder aus Angst um sein Leben flieht, er muss es aus den richtigen Motiven tun. Dächten Ärzte wie unser Kommentator, es stünde zu befürchten, dass unser Kommentator von all denen, die seine Motive mittels ärztlicher Hilfe zum Zwecke des weiteren Broterwerbs gesunden zu wollen, nicht legitim finden, nicht mehr behandelt wird.

Ein weiterer Kommentator sieht das ähnlich, wie er sagt:

Anonymity“Das sehe ich ähnlich. Habe die Umfrage begonnen, aber wieder abgebrochen, weil die Antworten für echte Flüchtlinge einerseits und die Großzahl der Wirtschaftsmigranten andererseits sehr unterschiedlich ausfallen würden. Vielleicht ist das Teil des Untersuchungsdesigns? Andernfalls würde ich auch eine Differenzierung vorschlagen – denn die (mittlerweile völlig kritiklos von pratisch allen Beteiligten akzeptierte) pauschale Bezeichnung der wandernden (invadierenden?) Völkermassen als “Flüchtlinge”, vulgo schutzbedürftige, nahezu sakrosankte Wesen, ja einen wesentlichen Pfeiler der politischen Desinformationsstrategie darstellt. Von der noch feineren Differnzierung hinsichtlich “Asylsuchender” im eigentlichen Sinne ganz zu schweigen…

Abermals wird in einen Begriff etwas hineingeheimist, das der Begriff nicht umfasst. Was ein Flüchtling ist, ist eindeutig bestimmt. Wenn ein Flüchtling als sakrosankt erklärt wird, dann braucht es nicht nur einen, der das tut, sondern mindestens einen weiteren, der das widerspruchslos hinnimmt. In jedem Fall ist aber entscheidbar, ob ein konkreter Flüchtling aus Angst um sein Leben aus einem Kriegsgebiet geflohen ist. Es ist also eine empirische Frage, ob ein Flüchtling ein “echter Flüchtling” ist, die sich jedoch nicht im Hinblick auf die Motivation eines Flüchtlings, sondern im Hinblick auf die Umstände und Anlässe seiner Flucht und die Flucht als solche stellt.

Insofern ist es irrelevant, ob jemand vor Krieg flieht, weil er sich neben der Rettung seines Lebens ein ökonomisches besseres Leben verspricht oder ob er einfach nur flieht, weil er etwas Besseres als den Tod fast überall finden kann. Und deshalb ist es erstaunlich, dass ein Kommentator, der den Versuch, den Begriff des Flüchtlings mit einer Unmenge positiver affektiver Konnotationen bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln, bemängelt seinerseits dafür plädiert, den Begriff “Flüchtling”, durch die Bildung von Teilmengen nunmehr mit negativen Konnotationen aber ebenfalls zu verstümmeln. Ein Flüchtling ist jemand, der um sein Leben zu retten oder aus Angst, dasselbe zu verlieren, von einem Ort geflohen ist.

Für unsere Befragung ist diese ganze Diskussion übrigens vollkommen belanglos. Nehmen wir zum Beispiel die Aussage:

“Es kommen zu viele Flüchtlinge nach Deutschland.”

Dieser Aussage kann man voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht zustimmen. Und man kann mit “weiss nicht” antworten.

Wer also aus welchen Gründen auch immer glaubt, es müsse zwischen Flüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen unterschieden werden, der hat hier die Möglichkeit, “weiss nicht” anzugeben, wenn er nicht weiß, wie die für ihn so wichtigen Verhältnisse zwischen Flüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen sind, die nach Deutschland kommen und letztere sind für ihn ja anscheinend keine Flüchtlinge.

Nun gibt es zwar niemanden, der tatsächlich sagen kann, wie viele aus der Menge der Flüchtlinge in die Menge der Wirtschaftsflüchtlinge entfallen, wenn man sie denn bilden wollte. Aber es gibt welche, wie unseren Kommentatoren, die denken, sie wüssten es, sich einbilden, sie wüssten es. Einbildung ist hier nicht abwertend gemeint. Einbilden bezeichnet die Tatsache, dass niemand, nicht einmal unser Kommentator Aufstellung darüber hat, aus welchen Motiven, ob aus wirtschaftlichen oder aus politischen oder aus Angst davor, das eigene Leben zu verlieren, jemand derzeit nach Deutschland flieht. Wer dennoch denkt, er kennte die Größenverhältnisse muss sich entsprechend etwas einbilden.

Wer sich also einbilden will, dass mehr Flüchtlinge wirtschaftliche Motive haben, nach Deutschland zu kommen, als das Motiv haben, ihr Leben zu retten, der kann angeben: “Stimme vollständig zu”, denn aus seiner Sicht kommen zu viele Wirtschaftsflüchtlinge nach Deutschland und Wirtschaftsflüchtlinge sind schon begrifflich als Teilmenge der Flüchtlinge bezeichnet. Gleiches gilt für “echte” und “unechte” Flüchtlinge. Abermals handelt es sich um Untermengen von Flüchtlingen.

refugees jordan

Syrisches Flüchtlingslager in Jordanien

Und deshalb muss hinter der Forderung, wir sollten Flüchtlinge von Wirtschaftsflüchtlingen unterscheiden, etwas anderes stecken als das Unverständnis der Bedeutung von Flüchtling, etwas affektives, ein Bedürfnis, vermutlich das Bedürfnis, als Gutmensch erscheinen zu wollen, als jemand, der eigentlich für die Aufnahme von Flüchtlingen plädiert, nur im konkreten Fall muss man eine Ausnahme von diesem “eigentlich” machen. Um nun in seinem Bemühen, als guter Mensch zu erscheinen, nicht Schaden zu nehmen, was man unwillkürlich in der Vorstellung der entsprechenden Gutmenschen tut, wenn man alle Flüchtlinge in Bausch und Bogen ablehnt, wird eine feine Linie gezogen, eine zwischen Wirtschaftsflüchtlingen und Flüchtlingen, eine zwischen echten und unechten Flüchtlingen und in jedem Fall ist es die Motivation der Flüchtlinge, die die Demarkationslinie bestimmt. Und da man Motivation nicht messen kann und es zudem reine Motive im richtigen Leben nicht gibt, hat man sich ein hervorragendes Mittel geschaffen, um einerseits von sich sagen zu können, ich habe eigentlich nichts gegen Flüchtlinge und andererseits alle, die kommen aus der Menge der Flüchtlinge auszugrenzen, denn – so die Einbildung – die meisten, die kommen, kommen nicht, weil sie im Land aus dem sie kommen, der Tod erwartet, sondern weil sie in Deutschland Hartz-IV-Zahlungen erwarten.

Nun, jeder muss selbst mit sich und dem, was er denkt und wie er handelt, zurecht kommen. Wir geben an dieser Stelle nur zu bedenken, was schon ein Monster of the week in den Xfiles erkannt hat: “I can’t be someone I’m not!” So stop pretending: Lebt im Einklang mit Euren Überzeugungen!

Für unsere Befragung, an der schon mehr als 300 Leser teilgenommen haben, haben diese seltsamen Vorstellungen nur insofern eine Bewandtnis, als sie jemanden davon abhalten könnten, daran teilzunehmen. Wir hoffen, die entsprechende Klarstellung in deutscher Sprache war ausreichend, entsprechende Bedenken zu beseitigen.

Wir versuchen Menschen, die in herkömmlichen Befragungen und im öffentlichen Leben in Deutschland nur selten zu Wort kommen, eine Stimme zu geben und mit unseren Befragungen Informationen über Einstellungen und Überzeugungen zu bündeln. Dazu benötigen wir die deutsche Sprache und dazu benötigen wir allgemeinverständliche Begriffe, auf die wir uns zur Verständigung geeinigt haben. Wenn nun manche denken, sie müssten ihr Privatverständnis durchsetzen und dafür sorgen, dass unter “Flüchtling” nicht mehr “Flüchtling” verstanden wird, wie es die Mehrheit der Deutschen versteht, sondern ihre höchst persönliche Begriffsdeutung, dann machen sie damit jede Möglichkeit zur Verständigung zunichte und stellen sich im Übrigen auf eine Stufe mit Genderisten, die ja auch versuchen, allgemeinverständliche Begriffe aus dem Sprachgebrauch zu entfernen und mit ihren seltsamen Vorstellungen darüber, wie man einen Neger oder einen Mann zu bezeichnen hat, zu ersetzen und damit Kommunikation zu verunmöglichen. Auch Genderisten bedienen sich dazu ihrer besten Rolle, nämlich der des Unverständigen, der plötzlich Begriffe wie Schüler nicht mehr verstehen will und statt dessen mit “männlicher Schüler” ersetzt sehen will.

Wer zum Erkenntnisgewinn beitragen und seine Stimme hörbar machen will, der kann dies weiterhin tun: Hier geht es zu unserer neuesten Befragung.

The Great Divide? Flüchtlinge, Parteien und Kompetenzen

Kaum ein Thema beherrscht den öffentlichen Diskurs derzeit in der Weise, in der das Thema “Flüchtlinge” dies tut. “Wir schaffen das.” “Wir schaffen das nicht.” “Wir schaffen das …”

Das Thema Flüchtlinge, es findet sich auf der ersten Seite der Tageszeitung. Das Einschalten des Fernsehers erhöht die Wahrscheinlichkeit, mit dem Thema “Flüchtlinge” in verschiedenen Varianten konfrontiert zu werden. In manchen Städten und Dörfern, die Unterkünfte für Flüchtlinge bereitstellen, prägen Flüchtlinge das Straßenbild. Sie sind Gegenstand von Diskussionen, Gesprächen, von Streit und Argument. Dabei wird sehr viel über Flüchtlinge gesprochen und wenig mit ihnen, wenn überhaupt.

GT fluechtlinge

Und bei all dem, was über Flüchtlinge gesprochen wird, da hat man das Gefühl, die Fragen, die wirklich dringend geklärt werden müssten, die Einstellungen und Haltungen, die in Deutschland gegenüber Flüchtlingen verbreitet sind, sie sind nicht wirklich das, was interessiert.

Nicht einmal in den Standardumfragen zum Thema “Flüchtlinge” hat man das Gefühl, dass tatsächlich erfragt werden soll, was Befragte zum Thema “Flüchtlinge” zu sagen haben. Niemand scheint sich bislang dafür zu interessieren, was tatsächlich in der Bevölkerung an Einstellungen gegenüber Flüchtlingen vorhanden ist. Gewünscht ist vielmehr eine ganz bestimmte Einstellung, die entsprechend erfragt wird, ohne die Themen, die wehtun, zu tangieren.

Entsprechend haben wir uns dazu entschlossen, auf SurveyNET eine neue Befragung durchzuführen – Thema: Flüchtlinge. Und weil Flüchtlinge, deren Ankunft in Deutschland, deren Versorgung, die mit ihnen verbundenen Kosten und ihre Integration in die Gesellschaft politische Aufgaben darstellen, von denen Parteien behaupten, sie könnten sie lösen, haben wir gleich noch einen Befragungsteil ergänzt, in dem wir nach den entsprechenden Kompetenzen von Parteien fragen.

Hier ist der Link zu unserer neuen Befragung zum Thema:

Flüchtlinge, Parteien und Kompetenzen

Wir freuen uns auf eine rege Beteiligung.

 

Boshaftigkeit oder Dummheit: ZDF-heute macht katholische Politik

Fangen wir mit einer Befragung an, die vornehmlich studentische Hilfskräfte der Universität Göttingen wohl unter Anleitung ihres Professors Franz Walter und eines seiner Mitarbeiter am Rande einer Pegida Demonstration, die am 30. Dezember 2015 in Dresden stattgefunden hat, durchgeführt haben. 1.800 Fragebögen haben die Studenten nebst frankiertem Couvert für die Zusendung des ausgefüllten Fragebogens an Teilnehmer der Demonstration verteilt. 610 davon haben sie zurück bekommen.

Auf Grundlage dieser 610 Antworten, die sie erhalten haben, haben die studentischen Hilfskräfte dann u.a. die folgende Abbildung erstellt:

Pegida_2016_Vertrauen

Bitte nicht an der Darstellung stören. Es sind Studenten, die den Möglichkeiten, die Excel bietet, noch mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind. Wer genau hinsieht, der sieht, dass u.a. das Vertrauen in Banken, die Bundeskanzlerin, den Bundespräsidenten, die Bundesregierung, den Bundestag, die Europäische Union, Großkonzerne, das Justizsystem im Allgemeinen, Kirchen, die NATO, öffentlich-rechtliche Medien, Parteien, private Medien bzw. Stadt- und Lokalpolitiker unter den 610 befragten Teilnehmern der Pegida-Demonstration am 30. Dezember 2015 in Dresden nicht sonderlich verbreitet ist. Man kann fast sagen, ein entsprechendes Vertrauen ist nicht vorhanden.

Das an sich ist ein Ergebnis, das man als Delegitimierung eines politischen Systems beschreiben könnte. Das tut aber niemand. Stattdessen fabriziert eine Paula Konersmann von kna, wie es wenig sagend am Ende des Artikels steht, einen Beitrag, der auf heute.de unter der Schlagzeile:

Kreuz ist für Pegida nur Mittel zum Zweck

veröffentlicht wird.

Auf diese Schlagzeile angesichts der Ergebnisse oben, muss man erst einmal kommen. kna, steht übrigens für Katholische Presseagentur. Die Katholische Presseagentur hat offensichtlich einen direkten Zugriff auf die heute-Redaktion beim ZDF, wie man daran sehen kann, dass die heute Redaktion den Unsinn von Konersmann veröffentlicht hat.

heute kreuzDer Unsinn wurde von Konersmann vermutlich geschrieben, um die Aussage des katholischen Erzbischofs Ludwig Schick, der Christen vor einer Teilnahme bei Pegida-Demonstrationen gewarnt hat, empirisch zu stützen und zu belegen, dass “Wer einem Kreuz in Nationalfarben folge, ‘hat nicht verstanden, aus welcher Geschichte und Kultur er selber kommt'”. Wie gut, dass es der Erzbischof nach eigener Behauptung verstanden hat, und wie gut, dass er mit dem Katholischen Pressedienst und mit Paula Konersmann willfährige Instrumente zu haben scheint, die wenn es darum geht, den richtigen Glauben zu befördern, auch einmal im empirischer Sozialforschung dilettieren, und zwar so:

“Nun zeigt sich, dass Geschichte und Kultur den Pegida-Anhängern ohnehin eher Mittel zum Zweck sind. Eine Mehrheit bringt den Kirchen nämlich kaum Vertrauen entgegen. Das geht aus einer Studie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung hervor. Knapp zwei Drittel der Befragten (65,2 Prozent) gaben demnach an, wenig oder gar kein Vertrauen in die Kirchen zu haben; nur 6,6 Prozent sprachen von vollstem oder viel Vertrauen.”

Was in diesem Absatz mit Frau Konersmann durchgegangen ist, ob es Boshaftigkeit, Dummheit oder was auch immer war, wir wissen es nicht, aber wir wissen Folgendes:

  • Ob “Geschichte und Kultur” für die Pegida-Anhänger nur Mittel zum Zweck ist, weiß niemand, auch die Studenten um Franz Walter, auf deren Befragung sich Frau Konersmann beruft nicht, denn sie haben nicht danach gefragt. Man muss Frau Konersmann also viel Phantasie attestieren, und zwar keine wohlwollende Phantasie.
  • Dass eine Mehrheit der 610 befragten Pegida-Teilnehmer Kirchen kein Vertrauen entgegenbringt, hat nun mit Geschichte und Kultur überhaupt nichts zu tun.
  • Das nicht vorhandene Vertrauen in Kirchen hat nicht einmal etwas mit Religiosität zu tun, denn Religiosität ist eine Eigenschaft von Individuen und nicht von Kirchen. Kirchen als Institution mögen den ein oder anderen religiösen Menschen enthalten, sie sind aber mit Sicherheit nicht religiös.
  • Damit ist die Behauptung, dass Pegida-Anhänger Kreuze mitführen, als Mittel zum Zweck, um sich also in der Vorstellung von Frau Konersmann religiös zu geben, mit institutionellen Symbolen der christlichen Kirchen zu umgeben und leichtgläubige Christen, die es nach Ansicht von Frau Konersmann offensichtlich zu Haufe gibt, zur Pegida zu verführen, hinfällig.

Was man aus dem zitierten Absatz entnehmen kann, ist neben der Intention des katholischen Pressedienstes boshafte Interpretation mit Befragungen zu belegen, die diese Interpretationen in keiner Weise stützen, dass Frau Konersmann offensichtlich der impliziten Prämisse anhängt, dass nur wer der Kirche Vertrauen entgegenbringt, ein Träger eines Kreuzes sein kann. Und so begegnen wir wieder einem alten Bekannten, nämlich dem Fehlschluss der Bejahung des Konsequens, der in Deutschland endemisch ist, ebenso endemisch wie die Versuche, Pegida-Teilnehmer und AfD-Wähler als fiese Opportunisten, die nur Unheil und Unglück bringen, zu stigmatisieren. Eine Tätigkeit, bei der man nicht unbedingt erwartet hätte, die katholische Kirche und ihren Pressedienst mit Paula Konersmann in der ersten Reihe öffentlich-rechtlicher Anstalten zu finden.

Was ist nur aus der christlichen Nächstenliebe geworden? Gilt die Nächstenliebe nur noch für Flüchtlinge, derer man sich bedienen kann, aber nicht mehr für Andersdenkende, aus denen man keinerlei Nutzen ziehen kann? Ist Nächstenliebe etwa ein Mittel zum Zweck geworden, das Katholiken wie Konersmann denen angedeihen lassen, die sie instrumentalisieren können?

Pegida und Nächstenliebe, das gibt es für Katholiken nicht. Entsprechend ist jedes Mittel geeignet, um die Pegida-Teilnehmer und ihre Anliegen zu diskreditieren, selbst das Mittel einer “nicht im strengen Sinne repräsentativ(en)” Befragung von Studenten der Universität Göttingen, die vom Bundesministerium für Familie und alle anderen außer Männern finanziert wurde.

Goettinger pegidaGeht es um die gute Sache, andere als böse darstellen zu können, dann ist offensichtlich jedes Mittel recht, auch die “nicht im strengen Sinne repräsentative” Befragung, die Konersmann natürlich zu keinem Zeitpunkt in ihrem Beitrag daran hindert, All-Aussagen aufzustellen, die auf alle Pegida-Teilnehmer und nicht nur die 610 nicht im strengen Sinne repräsentativen Teilnehmer zutreffen.

Es scheint: Wo ein Wille ist, wo eine boshafte Absicht ist, wo es darum geht, mit dem flammenden Schwert der eigenen Unkenntnis Dritte zu diskreditieren, ist jedes Mittel ein geeignetes Mittel. Sie haben es weit gebracht, die christlichen Kirchen. Sie verbrennen derzeit niemanden mehr am Pfahl! Was nicht heißt, dass manche es nicht gerne würden …

Tatsächlich stammt der Unsinn der “nicht im strengen Sinne repräsentativen” Befragung von den Göttinger studentischen Hilfskräften, die die Ergebnisse ihrer Befragung wohl unter Anleitung im eigenen Blog präsentieren.

“Nach wie vor gilt: Die Studie ist nicht im strengen Sinne repräsentativ. Unsere Ergebnisse sagen nur etwas über die tatsächlich Befragten aus. Daher sind die Erkenntnisse dieser quantitativen Erhebung nur ein Baustein unseres Projektes, indem noch weitere Methoden wie teilnehmende Beobachtung der Demonstrationen oder die Analyse der PEGIDA-Facebookgruppe eingesetzt werden, um das Phänomen PEGIDA zu erforschen.”

Scheinbar sitzt man in Göttingen der irrigen Annahme auf, dass man Repräsentativität im strengen Sinne durch die Akkumulation von nicht-repräsentativen Erhebungen erreichen könne, der Fehlschluss der Induktion, er kommt offensichtlich wieder in Mode. Dessen ungeachtet, interessiert es uns natürlich, was eine nicht “nicht im strengen Sinne repräsentative” Befragung, die “nicht im strengen Sinne repräsentative” Ergebnisse hervorbringt, eigentlich ist.

Deshalb haben wir den Göttingern eine eMail geschrieben und um Erklärung dieses bislang unbekannten Phänomens der empirischen Sozialforschung gebeten.

Unabhängig von der Antwort kann man feststellen, dass es die Pegida-Teilnehmer geschafft haben, in Deutschland eine Wirkung zu entfalten, die aus Gutmenschen das Schlechteste zum Vorschein bringt, zu dem sie fähig zu sein scheinen. Es wird gelogen, es wird erfunden, es wird wild interpretiert und alles in der Absicht, die bösen Pegida-Teilnehmer als ebensolche zu entlarven – oder welchen Zweck hat dieser Beitrag aus dem katholischen Pressedienst sonst?

Wer solche Gutmenschen hat, der braucht eigentlich keine bösen Menschen mehr, denn selbst wenn unter Pegida-Teilnehmer 90% Rassisten sind, die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen haben und Sympathie für Nationalismus, wo wären die Pegida-Teilnehmer boshafter als diejenigen, die ihrem Rassismus nach innen wenden und nicht gegen Flüchtlinge, sondern gegen Demonstranten dieselbe Boshaftigkeit in Stellung bringen, die sie eben diesen unterstellen?

Studien wie die aus Göttingen und deren Missbrauch durch den Katholischen Pressedienst richten erheblichen Schaden an der empirischen Sozialforschung an. Sie bringen durch einen nicht mit ethischen Grundsätzen zu vereinbarenden Umgang mit in gutem Glauben überlassenen Antworten, Letztere in Misskredit und sorgen dafür, dass die Bereitschaft von Bürgern an einer Befragung teilzunehmen, weiter sinkt. Wer will sich schon als Befragter von christlichen und sonstigen Ideologen als angeblicher Beleg für die Berechtigung von deren jeweiligem Kreuzzug aufbauen und missbrauchen lassen?

Beim “oder” in der Überschrift handelt es sich übrigens um eine nicht-ausschließende Disjunktion.

 
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Dämmert ein neues Parteiensystem?

Zu Beginn der Weimarer Republik hatten liberale Parteien bei Reichtstagswahlen einen Stimmanteil von gut 22%. Zum Ende der Republik waren es noch knapp 2%. Die sogenannte Weimarer Koalition aus SPD, Zentrum, Deutscher Demokratischer Partei oder Deutscher Volkspartei (mit oder ohne Regierungsbeteiligung der SPD) startete mit einem komfortablen Stimmenanteil von 76% in die Weimarer Republik. Am Ende der Weimarer Republik waren es noch 31%.

Parteiensysteme, das zeigt die Weimarer Republik, unterliegen einem Wandel: Parteien verschwinden, neue Parteien kommen hinzu. Die Stabilität der Bonner Republik, die im Wesentlichen sechs Parteien die Parlamentssitze unter sich aufteilen sieht und mit der CDU/CSU und der SPD seit der ersten Bundestagswahl im Jahre 1949 zwei Fraktionen hervorbringt, die regelmäßig gut zwei Drittel der Sitze im Bundestag unter sich verteilen, ist insofern etwas Außergewöhnliches.

Und sie könnte ihrem Ende zugehen, denn: Die Stabilität des Parteiensystems und damit der Regierungskoalitionen sie scheint sich aufzulösen. Und das ist nach unserer Ansicht nicht ein Ergebnis, das die AfD zur Ursache hat.

Lipset rokkanSeit sich Politikwissenschaftler empirisch mit Wahlen beschäftigen und vor allem seit dem bahnbrechenden Buch von Seymour Martin Lipset und Stein Rokkan “Party Systems and Voter Alignments”, gehen die meisten Wahlforscher davon aus, dass ein großer Teil der Wähler über eine stabile Parteibindung verfügt, die dazu führt, dass er bei sukzessiven Wahlen immer dieselbe Partei wählt.

Diese Parteibindung, sie hat sich als so stabil herausgestellt, dass Wählergruppen identifiziert werden konnten, die Parteien zugeordnet wurden: Selbständige wählten häufiger die FDP oder die CDU als andere Parteien. Arbeitnehmer haben ihre Loyalitäten zwischen der SPD und der CDU geteilt. Religiöse Menschen, vor allem Katholiken tendieren eher zur CDU, Lehrer wählen Grüne und die Linke findet ihre Unterstützer vornehmlich in Ostdeutschland und oft unter denen, die Hartz IV beziehen.

Jenseits dieser sozialstrukturell identifizierbaren Gruppen, deren Mitglieder eine Bindung zu einer Partei aufweisen, gibt es Wechselwähler. Wechselwähler sind offensichtlich nicht unveränderlich an eine Partei gebunden, sonst würden sie die Partei nicht wechseln und stellen entsprechend ein Erklärungsproblem dar. Gelöst hat man dieses Problem unter anderem über das so genannte “Issue Voting”. Für bestimmte Sachthemen, die einem Wähler wichtig sind, hat eine andere Partei bessere Lösungen als die Partei, der man sich ansonsten verbunden fühlt. Entsprechend wird die andere und nicht die Partei gewählt, der man sich verbunden fühlt.

Diese “Hilfshypothese” hat den Vorteil, dass man die Theorie der dauerhaften Parteibindung modifizieren kann und nicht aufgeben muss, und sie hat den Vorteil, dass weiterhin von stabilen Parteiensystemen ausgegangen werden kann, die in weiten Teilen durch Stammwähler gekennzeichnet sind.

Wir glauben und sehen Anzeichen dafür in den Daten, die wir mit unseren beiden Befragungen gesammelt haben, dass die Zeit der Stablität des deutschen Parteiensystems zu Ende geht. Rund 3.200 Befragte haben zwischenzeitlich an beiden Befragungen teilgenommen, eine solide Basis, die ausreicht um festzustellen, dass es viele Bürger in Deutschland gibt, die dem Parteiensystem komplett entfremdet sind. Sie sind nicht nur den Parteien im Bundestag entfremdet, sie haben mit diesen Parteien abgeschlossen und suchen nach Alternativen.

Normalerweise würde man annehmen, dass sich die FDP als liberale außerparlamentarische Alternative zu den ideologischen Blöcken von Linken und Konservativen im Bundestag anbietet. Das tut sie aber nicht. Unter denen, die mit dem Parteiensystem abgeschlossen haben, ihm vollständig entfremdet sind, ist die FDP nicht in der Lage, Punkte zu machen – vermutlich, weil die FDP keinerlei liberales Profil erkennen lässt, diejenigen, die mit den Leistungen der Parteien im Bundestag völlig unzufrieden sind, sich aber durch ein eher liberales Profil auszeichnen.

ChangeWie dem auch sei, die Alternative, bei der die meisten derjenigen landen, die mit den Parteien im Bundestag völlig unzufrieden sind, ist die AfD und eben nicht die FDP. Entsprechend legen unsere Daten einen Schluss nahe, der im Gegensatz zur Erzählung steht, die aus Mainstream-Medien zu hören ist und die bei den im Bundestag vertretenen Parteien vielleicht die Hoffnung bestärkt, die AfD sei ein Phänomen, das auf Nationalismus und Flüchtlingen gebaut ist.

Sie ist es nicht.

Unsere Daten zeigen deutlich, dass die AfD in der Lage ist, all diejenigen zu sammeln, die vollkommen unzufrieden mit den politischen Parteien sind, wobei diese Unzufriedenheit nicht an bestimmte Themen gebunden ist, also eine generelle Unzufriedenheit ist, keine spezielle. Das macht den Erfolg der AfD zu einem völlig anderen Spiel: Wir sehen hier nicht den Erfolg von Appellen an Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, wie man es bei den etablierten Parteien gerne hätte, sondern das Ergebnis der Abkehr einer großen Zahl von – wie wir zeigen können – Stammwählern von etablierten oder im Bundestag vertretenen Parteien.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass eine generelle Unzufriedenheit mit den Leistungen einer politischen Partei, die zur Wahl einer anderen Partei führt, ein vorübergehendes Phänomen ist. Aber es gibt etliche Gründe anzunehmen, dass wir eine komplette Veränderung des deutschen Parteiensystems derzeit in ihren Anfängen sehen.

Die Daten entstammen den beiden ScienceFiles-Befragungen zu:

Beide Befragungen sind weiter online. Wer noch nicht daran teilgenommen hat, kann dies nachholen.

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Die Russen wollen die deutschen Medien diskreditieren

Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir über Verschwörungstheorien geschrieben, also jenen Begriff, der in der Regel in derogativer Weise auf eine Behauptung angewendet wird, die einem nicht in den Kram passt. Dabei sind Verschwörungstheorien ganz normale Theorien, die man prüfen kann oder könnte, wenn man es wollte. Will man aber meist nicht, weil es sowieso unsinnig wäre, wie diejenigen wissen, die es noch nie versucht haben:

“Anders als in der Wissenschaft lässt sich ein Verschwörungstheoretiker mit Argumenten und Fakten nicht vom Gegenteil überzeugen. Hat sich jemand eine Theorie zurechtgelegt, ändert sie sich im Kern erst einmal nicht mehr. Im Gegenteil: Meist wird sie mit der Zeit immer verwobener, alles wird mit allem verknüpft. Das macht den medialen Umgang mit dem Thema auch so schwierig.”

So steht es in einem Artikel über Verschwörungstheorien zu lesen, der in der Rheinischen Post erschienen ist und sich dort in weiten Teilen mit dem Kopp-Verlag und mit Udo Ulfkotte beschäftigt, die beide wiederum der Mainstreampresse kritisch gegenüberstehen. Und weil Sie der Mainstream-Presse kritisch gegenüber stehen, weil Ulfkotte gar von Lügenpresse spricht, deshalb ist er ein Vertreter von Verschwörungstheorien, was im Sinne des Verfassers des Beitrags in der Rheinischen Post bedeutet: Ulfkotte verkauft unhaltbaren und falschen Unsinn an leichtgläubige Deppen, die wiederum nur darauf gewartet haben, dass ihnen jemand ihre wirren Ideen über Weltbeherrschung und Manipulation der Öffentlichkeit bestätigt.

Denn merke: Die deutsche Presse ist nicht manipulativ, nicht gesteuert und in keiner Weise eine Lügenpresse. Wer es behauptet, der ist ein Verschwörungstheoretiker, ein Verbreiter von Verschwörungstheorien, ein gefährlicher Zeitgenosse, wie nun in einem eigens eingerichteten Forschungsnetzwerk belegt werden soll. Und es ist hoch wahrscheinlich, dass dieses Forschungsnetzwerk auch genau zu diesem Ergebnis kommt, denn:

“‘Verschwörungstheorien können zur Radikalisierung von Extremisten beitragen, Spannungen zwischen Nationen befeuern und das Vertrauen in demokratische Institutionen und Medien unterlaufen’, sagt Butter. Und gerade in Zeiten des Internets verbreiten sie sich rasend schnell.”

Wir fassen bis hierhin den offiziellen Stand zu Verschwörungstheorien zusammen, wie er in Mainstreammedien, die sich mit dem Vorwurf “Lügenpresse” zu sein, konfrontiert sehen, Verwendung findet:

Verschwörungstheorien sind abwegige Behauptungen von Manipulateuren, die darauf zielen, dogmatische und in jedem Fall leichtgläubige und fremdhörige Jünger zu verführen, die nur darauf gewartet haben, einem verschwörungskundigen Heiland zu folgen und gegen die Weltkonspiration und die Lügenmedien vorzugehen.

Und jetzt wenden wir uns der Berichterstattung in Mainstreammedien wie der Wirtschaftswoche zu, in der unlängst ein Interview mit “Mr. Tagesthemen Ulrich Wickert” abgedruckt war, das eine bemerkenswerte Passage enthält:

Wickert Luegenpresse“In Deutschland ist es soweit gekommen, dass manche Gruppen von „Lügenpresse“ sprechen. Woher kommt dieses Misstrauen?”

Wickert: “Die deutsche Presse wird gezielt diskreditiert, das kommt nicht nur aus unserer Gesellschaft, sondern auch von außen. Wir erleben aktuell, dass der russische Staat Propaganda gegen deutsche Journalisten macht, um ihr Vertrauen zu erschüttern. Ich persönlich halte es nicht für ausgeschlossen, dass der russische Geheimdienst den Begriff „Lügenpresse“ in Deutschland verbreitet hat.”

Geheime Mächte diskreditieren die deutsche Presse gezielt und untergraben ihre Glaubwürdigkeit systematisch von innen und von außen. Es gibt eine richtige Weltverschwörung gegen die deutsche Presse. Und wer steckt dahinter? Die Bilderberger? Nein. Der CIA? Nein. Der Geist von Osama Bin Laden? Nein. Die Russen sind es. Die Russen und ihr Muskelmann, der Putin, dieser Macho im Anzug.

Die Luft in den Redaktionen deutscher Medien muss dünn sein, wenn sie schon auf das zurückgreifen, was sie bei anderen mit spitzen Fingern und geringelter Nase goutieren: Verschwörungstheorien!

Aber ist es auch eine?

“Das klingt für mich nach einer Verschwörungstheorie. Haben Sie Belege dafür, dass der russische Geheimdienst Pegida unterstützt?”

Wickert: “Nein. Keineswegs. Ich sage nicht, dass es so ist. Aber wir müssen darüber nachdenken! Und wenn wir uns anschauen, wie sich die russischen Medien mit deutscher Berichterstattung auseinandersetzen, müssen wir sagen: Hier gibt es Versuche der russischen Propaganda, Dinge in Deutschland zu bewegen.”

Wenn jemand eine Aussage über die Realität aufstellt, die er für so wichtig und richtig hält, dass er sie nicht nur aufstellt, sondern auch weitererzählt, dann hat er damit eine Theorie über Zusammenhänge in der Realität zum Besten gegeben. Dass er keine Belege für seine Theorie anfügen kann, ändert nichts daran, dass er eine Theorie aufgestellt hat. Und so sehr sich der Herr Wickert auch winden mag, er hat eine Verschwörungstheorie aufgestellt. Er behauptet eine Verschwörung der Russen, deren Ziel darin besteht, deutsche Medien in Misskredit zu bringen – als wäre dazu eine Verschwörung notwendig.

Nicht nur das, er führt auch Indizien an, die nach seiner Ansicht für seine Verschwörungstheorie sprechen:

“Das ist mir neu, war es doch die Pegida-Bewegung, die dieses Wort [Lügenpresse] gebraucht hat?”

“Ja, aber wie kam die Idee dort auf? Fakt ist, dass der russische Staat ausländerfeindliche Bewegungen in Europa unterstützt, zum Beispiel den Front National in Frankreich. Der hat zugegeben, mehrere Millionen Euro aus Moskau erhalten zu haben. Und wenn ich jetzt KGB-Chef wäre, was würde ich in Deutschland tun? Die Presse diskreditieren, indem ich ein Wort wie „Lügenpresse“ lanciere.”

conspiracy-theoryDas ist nicht nur eine Verschwörungstheorie, das ist eine 1a-Verschwörungstheorie. Da gibt es die deutsche Presse, jene Ansammlung hingebungsvoller, rechtsschaffender und vor allem ehrlicher Menschen, deren Ziel allein darin besteht, die deutsche Medienöffentlichkeit mit der ungeschminkten Wahrheit zu beglücken und deren Mitglieder deshalb bemüht sind, stets alles, ohne Auslassungen und Wertungen zu berichten, wie es sich zugetragen hat. Und da gibt es den Russen und seinen KGB, jene Ansammlung der Bösen, wo man die glückliche heile Welt der hervorragenden Berichterstattung deutscher Medien und der ihr bedingungslos ergebenen Rezipienten nicht mitansehen kann und deshalb Unfrieden stiften will.

Was tun? Den Begriff “Lügenpress” lancieren. Überraschenderweise findet dieser Begriff bei Tausenden und Abertausenden ja bei Millionen deutscher Bürger Anklang, was aufgrund der Ergebenheit, mit der die Bürger den täglichen Wahrheitsberichten des Wahrheitsfunks lauschen, so nicht zu erwarten war und zeigt, wie gefährlich der Russe und seine fiesen Methoden der Massenbeeinflussung doch wirklich sind. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich der Begriff der Lügenpresse unter den Leichtgläubigen, leicht Beeinflussbaren, die nicht mehr sehen, was ist, die die tägliche Wahrheitsberichterstattung nun, unter russischem Einfluss, mit Lügenpresse verwechseln. Die deutsche Wahrheitspresse ist diskreditiert. Der Russe ist schuld, und Ulrich Wickert hat es entdeckt!

Wenn das keine Verschwörungstheorie ist!

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Kinderstasi? Wer Kinder bekommt, gefährdet seine Freiheit

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es derzeit so viele gute Menschen gibt, die sich dazu berufen fühlen, sich um die Kinder anderer Menschen zu kümmern – neben der Tatsache, dass die guten Menschen ihren Unterhalt damit bestreiten, sich um die Kinder anderer Menschen kümmern zu wollen, unabhängig davon, ob diese anderen das wiederum wollen oder nicht?

Wir fragen uns das regelmäßig, wenn wieder einer des Weges kommt, und nach Kinderrechten, deren Verankerung im Grundgesetz, der Einrichtung von Bundeskinderbeauftragten, Landeskinderbeauftragten und unabhängiger Beschwerdemöglichkeiten für Kinder schreit.

Als Antwort fällt uns dann regelmäßig die folgende Passage aus George Orwells 1984 ein, die allerdings längst von der Realität überholt wurde …

1984“There was a direct intimate connexion between chastity and political orthodoxy. For how could the fear, the hatred, and the lunatic credulity which the Party needed in its members be kept at the right pitch, except by bottling down some powerful instinct and using it as a driving force? The sex impulse was dangerous to the Party, and the Party had turned it to account. They had played a similar trick with the instinct of parenthood. The family could not actually be abolished, and, indeed, people were encouraged to be fond of their children, in almost the old-fashioned way. The children, on the other hand, were systematically turned against their parents and taught to spy on them and report their deviations. The family had become in effect an extension of the Thought Police. It was a device by means of which everyone could be surrounded night and day by informers who knew him intimately” (George Orwell: 1984).

Wenn Dritte sich Zugriff auf die Kinder anderer sichern wollen, dann kann man ziemlich sicher sein, dass es nicht darum geht, diesen Kindern etwas Gutes zu tun, sondern darum, die Kinder anderer als Mittel zu missbrauchen, um Kontrolle über die Eltern auszuüben. In den Worten von Sebastian Sedlmayr vom deutschen Komitee für UNICEF, der gerade in einer öffentlichen Anhörung des Familienausschusses als Sachverständiger gehört wurde, hört sich das dann so an, dass Kinder “zwar laut Bundesverfassungsgericht Grundrechtsträger [seien, sie] könnten die ihnen zustehenden Rechte in der Praxis aber nur über ihre Eltern ausüben”.

Es geht also darum, Kindern Zugänge zu Dritten zu schaffen, die dann die Rechte, die bislang von Eltern für Kinder wahrgenommen wurden, anstelle der Eltern für die Kinder wahrnehmen sollen.

Warum sollte man eine derartige Entmündigung von Eltern betreiben wollen, wenn man nicht die Kontrolle von Eltern im Sinn hat und diese Kontrolle hinter Worten wie “Kinderrechte” und “Kinderwohl” versteckt? Fällt Ihnen etwas dazu ein? Uns nicht.

Wir haben schon des Öfteren darauf hingewiesen, dass die Schaffung von Kinderrechten genutzt wird, um Freiheitsrechte, in diesem Fall Erziehungsrechte von Eltern zu beseitigen. Insofern sind wir Sebastian Sedlmayr vom deutschen Komitee für UNICEF dankbar, dass er unsere Vermutung so eindrucksvoll bestätigt hat.

Und bevor nun ein Schlaumeier des Weges kommt und meint bemerken zu müssen, dass es Eltern gibt, die ihre Erziehungsrechte missbrauchen, unser Hinweis darauf, dass es (1) keinerlei Daten dazu gibt, dass sich die Lebenschancen von Kindern, die ihren Eltern durch z.B. das Jugendamt entzogen wurden, dadurch verbessert hätten. Die miserablen Bildungs- und Karriereaussichten von Heimkindern belegen hier eher das Gegenteil, nämlich dass ein staatlicher Eingriff in die Erziehungsrechte von Eltern den Kindern, die davon betroffen sind, schadet. Und (2) noch der Hinweis, dass es keinerlei Informationen dazu gibt, was die Kinder, deren Rechte Ämter, Beauftragte und Sozialarbeiter für sie wahrnehmen, davon halten, dass sie nunmehr von staatlichen Angestellten und nicht mehr von ihren Eltern bevormundet werden.

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