Sozialismus 2.0: Die ultimative Form der Abhängigkeit

Über die letzten Jahre haben wir über eine Vielzahl von neuen Süchten, z.B. die Internetsucht, nun die Arbeitssucht berichtet. Wir haben unzählige Versuche der Paternalisierung beschrieben, Versuche, Menschen ihr Nutella zu vergällen, sie vom Rauchen abzuhalten, vom Alkohol zu entwöhnen, sie in die richtige Richtung zu schubsen, wobei die angeblich richtige Richtung immer die Richtung ist, die andere für die entsprechend Geschubsten als richtig ansehen, nie die Richtung, die die Geschubsten selbst für richtig halten.

MaxLeninWir haben Versuche beschrieben, die Freiheit der Wissenschaft zu beseitigen, die Wissenschaft an die Kette einer vermeintlichen Verantwortung zu legen, wobei die Verantwortung das ist, was von Dritten als Verantwortung von Wissenschaftlern definiert wird. Im Klartext: Was Dritte denken, dass Wissenschaftler nicht tun sollten, warum auch immer sie das denken. Wir haben eine große Zahl von Beiträgen den Versuchen gewidmet, unter dem Vorwand der Frauenförderung Personen an Universitäten zu installieren, sei es als angebliche Beauftrage für Gleichstellung, sei es als Nutznießerin des Professorinnenprogramms, die mit Wissenschaft wenig bis nichts, dafür viel mit Ideologie zu tun haben. Während man Gleichstellungsbeauftrage mit den Politkommissaren gleichstellen kann, die z.B. an DDR Universitäten dafür gesorgt haben, dass die Lehre nicht von der Heiligen Schrift des angeblich wissenschaftlichen Marxismus-Leninismus abweicht, sind die meisten Professorinnenprogramm-Günstlinge mit denen zu vergleichen, die die heilige Lehre des Marxismus-Leninismus an DDR-Universitäten gepredigt haben.

Schließlich haben wir über eine Vielzahl von Versuchen berichtet, Arme, Armut zu instrumentalisieren oder mit der angeblich bildungsfernen Schicht eine Personengruppe aufzubauen, die für die diffusesten Maßnahmen als Legitimation herhalten muss, Maßnahmen, die allesamt darauf abzielen, eine Transferexistenz zu begründen oder Eingriffe in bislang von staatlichen Häschern unberührte Bereiche der Gesellschaft zu ermöglichen, Eingriffe, die zum Ziel haben, den neuen, den modernen Menschen zu schaffen, den Menschen, der für Sozialismus 2.0 tauglich ist.

Insofern alle Varianten des Sozialismus davon träumen, einen neuen Menschentypus, eine Art Drohne des kommunitaristischen Lebens zu schaffen, ist dies nichts Neues.

Neu ist die Art des Angriffs.

An die Stelle von Zwang, Drohung und Elimination sind subtilere Formen des Übergriffs auf die individuelle Existenz getreten, Übergriffe, die das Ziel verfolgen, die unabhängige, autonome und freie Existenz von Individuen zu beenden und sie in Abhängigkeit vom Staat zu bringen, sie zu Drohnen 2.0 zu machen, die nur leben können, weil ihr Staat, der große und gute Pater Familias für sie sorgt.

Hayek KnechtschaftDies ist der Kern aller neu erfundenen Süchte, aller neuen Maßnahmen und gesetzlichen Regelungen: Die Beseitigung individueller Freiheit und die Diskreditierung aller Formen, die Menschen ein Auskommen unabhängig vom großen Pater Familias, dem Gott der Moderne, dem Staat, ermöglichen. Ziel von Sozialismus 2.0 ist es entsprechend, Freiheit zu beseitigen und Menschen in Abhängigkeit zu bringen.

Instrumentell dabei ist der Feminismus, der es als Errungenschaft oder gar Emanzipation verkaufen will, dass Menschen am Tropf des Staates hängen, sich in eine geförderte Daseinsform überführen lassen, die ihre Staatsdienlichkeit mit allerlei Subventionen belohnt, sei es die Bezuschussung der eigenen Parzelle, auf der das Standardhaus steht, sei es die steuerliche Begünstigung des staatlich erwünschten Lebensstils, sei es die direkte Prämie dafür, dass Menschen, die bislang zumindest die Möglichkeit hatten, ein unabhängiges Leben zu führen, sich fertil verhalten, sich dafür bezahlen lassen und fortan ein Leben in kompletter Abhängigkeit von staatlichen Vorgaben führen.

Instrumentell sind ferner Lehrpläne in Schulen, die mit allerlei ideologischem Ballast überladen werden, so dass Schüler von der ersten Klasse an lernen, wie man ein guter Staatsdiener ist, wie man sich zu einem Gemeinschaftsmenschen entwickelt, der keine Fragen stellt und vor allem eines nicht tut: ein Leben unabhängig vom Staat und seinen Alimenten führen.

Instrumentell dabei ist schließlich ein großangelegter Angriff auf die Arbeit, die Möglichkeit für Menschen, eine Unabhängigkeit zu erreichen und ein Leben zu führen, das nicht vom Staat abhängig ist. Deshalb wird Arbeit verteufelt, derjenige, der gerne arbeitet, zum Süchtigen erklärt. Deshalb wird Arbeit dadurch entwertet, dass jeder Unsinn plötzlich als Arbeit, als Care-Arbeit anerkannt werden soll. Die Überzeugung von Menschen, dass Arbeit zum Leben notwendig ist, wird systematisch untergraben, systematisch durch die Verlockung einer “Work-Life-Balance”, die angeblich Menschen eher zuträglich ist und ihnen mehr Zeit für sich geben soll (was immer das auch bedeuten mag) als Arbeitszeit versüßt und mit der Teilzeitarbeit gekrönt, jenem letzten Steinchen im Versuch, den sozialistischen, vollumfänglich abhängigen Menschen zu schaffen.

Und am Ende sehen wir ihn, den sozialistischen Menschen.

sozialistischer Mensch Sein Leben hängt von den Almosen ab, deren Höhe sein Staat festsetzt und die sein Staat ihm gewährt. Der Verlauf seines Lebens ist vom Staat geplant, die einzelnen Lebensphasen durchläuft der sozialistische Mensch oder besser: die sozialistische Drohne, zu der der alte Mensch geworden ist, in vorgefertigten Bahnen, die ihm nichts bieten, was seine Ausnutzbarkeit durch den Staat beeinträchtigen könnte. Schadstoffe, die die Funktionsweise der sozialistischen Drohne beeinträchten, sind seinem Zugriff ebenso entzogen wie die Möglichkeit, seinem sozialistischen Dahinsiechen ein eigenes Ende zu bereiten, denn die friedliche sozialistische Gesellschaft funktioniert ohne Gegenstände, die durch eine Dual Use Problematik ausgezeichnet sind.

Die neue sozialistische Drohne ist lenkbar, einsetzbar, bewegbar, verfügbar und willfährig, denn sie hat in der Schule gelernt, dass das, was ein sozialistischer Mensch sein will, nicht kritisiert, nicht hinterfragt und vor allem eines nicht tut, nach mehr verlangen, als ihm sein Staat zu geben bereit oder fähig ist.

Willkommen im Sozialismus 2.0.

Gegen die Europäischen Toleranzwächter

Wir haben bereits über das European Council on Tolerance and Reconsiliation berichtet. Dem Council gehören Yoram Dinstein, Ugo Genesio, Rein Müllerson, Daniel Thürer und Rüdiger Wolfrum an.

ECTRDas European Council on Tolerance and Reconsiliation ist ein schönes Beispiel dafür, wie heutzutage Organisationen, die aus selbsternannten Gutmenschen bestehen und die über keinerlei demokratische Legitimation verfügen, als Lobbyisten für ein Thema auftreten, das ihnen besonders am Herzen liegt und ihr Pet-Project für andere zum verbindlichen Umgangston zu machen versuchen. (Was wir unter Gutmenschen verstehen, haben wir hier definiert.)

Das European Council on Tolerance and Reconsiliation beschreibt sich selbst als eine “international NGO, established in October 2008 by Aleksander Kwasniewski, former President of Poland and Moshe Kantor, President of the European Jewish Congress. … The European Council on Tolerance and Reconciliation is a non-partisan and non-governmental institution. It is envisaged to be an opinion-making and advisory body on international tolerance promotion, reconciliation and education. It fosters understanding and tolerance among peoples of various ethnic origin; educates on techniques of reconciliation; facilitates post-conflict social apprehensions; monitors chauvinistic behaviors, proposes protolerance initiatives and legal solutions.”

Es ist das Schicksal von Themen, die in den Bereich von Ethik, Philosophie oder Sozialwissenschaften gehören, dass selbsternannte Experten glauben, sie könnten als “opinion-maker” auftreten und anderen erklären, wie man als guter Mensch zu leben hat, wie z.B. Toleranz geht, was Toleranz ist und wem gegenüber man tolerant zu seint hat. Es ist das Los von Menschen, die in Logik und Statistik geschult sind, sich derartige Widersprüche ansehen zu müssen und zu wissen, die Widersprüche ergeben sich aus der Normalverteilung von Intelligenz gepaart mit der negativen Selektion von Politikern und ergänzt um das Faktum, dass es, um die eigenen Beschränkungen zu erkennen, einer Kompetenz bedarf, die, wäre sie vorhanden, die Widersprüche, wie die, in die sich die Möchtegern-Wächter europäischer Toleranz verstricken, gar nicht erst hätte entstehen lassen

Dabei ist nicht nur keine demokratische Legitimation bei dieser Art von Gutmenschen-Lobbyismus vorhanden, es ist auch vollkommen unklar, welche Qualifikation z.B. die oben genannten Personen dazu legitimieren und ausweisen soll, anderen vorzuschreiben, was sie wie wann und wo zu tun oder zu lassen haben. Dessen ungeachtet ist das European Council on Tolerance and Reconcilliation derzeit als Toleranz-Lobbyist unterwegs und versucht, das “European Framework National Statute for the Promotion of Tolerance” für die Europäische Union verbindlich zu machen.

Wie gesagt, wir haben bereits ausführlich über dieses absurde Machwerk geschrieben. Wir wollen uns daher auf einige Highlights im Text und auf eine komprimierte Form der Darstellung der logischen Fehler in diesem “Toleranz-Statut”, dem gegenüber man, wie wir glauben, keinerlei Toleranz zeigen darf, beschränken.

Die logischen Fehler in Kürze:

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Wer fühlt sich nicht an das ZK der SED erinnert?

Im Statut wird zunächst definiert, was als eine Gruppe anzusehen ist, nämlich alle Menschen, die ein gemeinsames Merkmal teilen (characteristic of similar nature). Besipiele entsprechender Merkmale sind Rasse, kulturelle Wurzeln, ethnische Abstammung, religiöse Anbindung und – man hat es schon vermisst: sexuelle Orientierung.

Es kann festgestellt werden: welche Menschenmenge als Gruppe gilt, ist einerseits eine Frage der Willkür, andererseits eine Frage des gelebten Rassismus, denn wenn Gutmenschen wie die vom European Council on Tolerance and Reconciliation (ECTR) darauf beharren, dass Schwarze eine eigene Rasse formen und dass das Merkmal der Hautfarbe wichtiger ist als z.B. die jeweilige individuelle Intelligenz, die – benutzte man sie als Grundlage der Gruppeneinteilung – notwendiger Weise schwarz-weiß-gelbe Gruppen von Klugen und Dummen etablieren würde, setzen sie den Rassismus voraus, den sie angeblich bekämpfen wollen. Und sie zeigen sich als Muster-Rassisten, denn sie sind diejenigen, die die Gruppenzugehörigkeit nach Hautfarbe gerade festgeschrieben haben.

Ganz nebenbei erlaubt die Formulierung im Statut eine willkürliche Bestimmung der schützenswerten Gruppen – was die Frage aufwirft, wer die entsprechenden Gruppen bestimmen soll und mit welcher Legitimation und mit welcher Begründung, d.h. wer die schützenswerten und der Toleranz werten Gruppen bestimmen und konstruieren darf. Welche Begründung spricht zum Beispiel dafür die Gruppe der Transsexuellen als Gegenstand besonderer Toleranzbemühungen auszumachen, nicht aber die Gruppe der Golfspieler oder Banker oder Bild-Zeitungsleser?

Es geht weiter im Versuch, die Logik abzuschaffen, in dem Stereotypisierungen als “Group libel” (Gruppen-Verunglimpfung), also derogative Kommentare, Kommentare oder Bezeichnungen, die Gruppen lächerlich machen oder mit falschen Anschuldigungen belegen, unter Strafe gestellt werden sollen: Als Beispiel geben die Toleranzwächter Behauptungen an wie: “Zigeuner sind Diebe” oder “Muslime sind Terroristen”. Ergänzen ließe sich: Deutsche verstehen keinen Spass, Iren sind ein chaotischer Haufen und US-Amerikaner spielen sich als Weltpolizisten auf.

Oder wären die zuletzt genannten Aussagen etwa keine “Group-libel” (Gruppen-Verunglimpfung), wie die Toleranzwächter das nennen? Wenn nein, warum nicht? Wenn doch, dann folgt daraus, dass die Toleranzwächter jede Form der Stereotypisierung unter Strafe stellen wollen. In jedem Fall folgt, dass die Toleranzwächter nur bestimmte, von ihnen zu bestimmende Stereotypisierungen unter Strafe stellen wollen.

Nuts in BedlamLiest man das Statut in Gänze, dann wird Letzteres ganz deutlich. Die Toleranzwächter wollen anderen vorschreiben, über welche Gruppen sie Witze machen dürfen und über welche Gruppen nicht, denn Intoleranz gibt es nach ihrer Ansicht nur im Hiblick auf: Rasse, Hautfarbe, Ethnie, Religion, es gibt sie als totalitäre Ideologie, als Fremdenfeindlichkeit, als anti-Semitismus, als anti-Feminismus und als Homphobie.

Abermals findet sich ein logischer Widerspruch, der zum Himmel schreit, denn Toleranz wird von den Toleranzwächtern für ihre Zwecke nicht formal, sondern inhaltlich gefüllt, und es werden Vorgaben gemacht, welche Form der Intoleranz zu bekämpfen ist, wobei die genannten Formen vermeintlicher Intoleranz sich allesamt dadurch auszeichnen, dass niemand weiß, was damit eigentlich gemeint ist, so dass es eines Schriftgelehrten bedarf, der die Heilige Schrift der Toleranzwächter auslegt und im Einzelfall entscheidet, ob eine Aussage intolerant ist oder nicht.

Der Willkür nächster Schritt.

Und um die Idiotie auf die Spitze zu treiben, konzipieren die Toleranzwächter ihre wahre Lehre der richtigen Toleranz als totalitäre Ideologie, die durch Medien, an Schulen, an Universitäten und in öffentlichen Institutionen vertrieben werden muss. Abweichung vom Lehrplan wird nicht toleriert. Personen, die sich der Intoleranz im von den selbsternannten Toleranzwächtern bestimmten Sinne schuldig machen, werden nicht nur als Straftäter bestraft, sondern können durch die Opfer (bei denen es sich um Gruppen handelt!) zu Schadensersatz gezwungen werden. Und Jugendliche, die sich gegen die korrekte Form der Toleranz vergehen, werden in Umerziehungsprogramme gesteckt, um auf diese Weise die “Kultur der Toleranz” zu erlernen.

Diese Kultur der Toleranz ist so tolerant, dass sie unerbittlich gegen alle vorgeht, die die Setzung dessen, was korrekte und richtige Toleranz ist, nicht teilen und sich davon abzuweichen trauen, denn: “tolerance does not mean that a group can segregate itself from society as a whole, repudiating the need to interface with other groups. … tolerance does not denote acceptance of such practices as female circumcision, forced marriage, polygamy or any form of exploitation or domination of women” (Insofern es sich bei female circumcision oder polygamy um kulturelle Praktiken handelt, die in  nicht-westlichen Kulturen vorhanden sind, verstoßen die Toleranz-Wächter gegen Section 2d , Section 3b(i) und Section 4b ihres eigenen Statuts, weshalb man sie, sofern ihr Statut je in der EU in Kraft tritt, sofort auf Schadensersatz verklagen sollte.)

narrow minded peopleDas Statut zeigt sich hier ganz offen als das, was es sein soll, nämlich als ein Gängelungsinstrument, das von Engstirnigkeit nur so strotzt und in das die Gutmenschen, die es geschrieben haben, das gepackt haben, was ihnen gerade nicht gefällt. Toleranz ist jedoch ein Wert, der nicht inhaltlich bestimmt werden kann, sondern nur formal. Man kann Toleranz nicht auf die Punkte einschränken, die einem gerade in den Kram passen und alles, was einem nicht in den Kram passt als intolerant abwerten, denn auf diese Weise gerät man unwillkürlich in eine Auseinandersetzung darüber, was der Toleranz wert ist und was nicht. Dass die Statuten-Macher des ECTR dies nicht sehen, sagt viel über ihre Motivation und ihren geistigen Horizont.

Vor Jahrzehnten hat Heike Diefenbach schon formuliert: “Toleranz ist, wenn es einem egal ist”. Und genau das ist die grundlegende Charakteristik von Toleranz: Man interessiert sich nicht dafür, wie andere ihr Leben leben, was sie sagen und was sie tun, so lange sie keine Externalitäten für Dritte produzieren, wie sie z.B. das Gutmenschen-Council der Toleranzwächter für all diejenigen produziert, die weiterhin auf das Recht freier Meinungsäußerung bestehen und es nicht zur von Toleranzwächtern genehmigten Form eingeschränkter Meinungsäußerung verkommen lassen wollen.

Pluralismus und Demokratie leben von freier Meinungsäußerung und davon, dass jeder seine Meinung sagen kann, egal, wie abstrus sie ist. Eine Demokratie, die sich dadurch schützen zu müssen glaubt, dass sie bestimmte Formen der Meinungsäußerung ausschließt, hat damit den Schritt in den Totalitarismus gemacht: Die Bestimmung der auszuschließenden Formen wird zu  Widerstand und in jedem Fall zu Streit führen, schon weil es z.B. Leute gibt, die selbsternannten Gutmenschen wie den Pseudo-Toleranzwächtern vom ECTR am liebsten den Mund verbieten würden. Es führt eben kein Weg daran vorbei, dass man sich in Demokratien auch den Unsinn anhören muss, den Bewegte, die keine Argumente, aber viel Überzeung haben, von sich geben – schon weil Parlamentsdebatten im Fernsehen übertragen werden.

Es ist höchste Zeit, etwas dagegen zu tun, dass selbsternannte Lobbyisten denken, sie könnten den Europäern vorschreiben, welche Form von Toleranz sie zu pflegen und welche Art von Meinung sie zu äußern haben. (Diese Art der Bevormundung widerspricht übrigens den vom Council der Gutmenschen in ihrem Statut niedergelegten Kriterien, weshalb sie sich selbst ad-absurdum führen – der finale Widerspruch, wenn man so will).

Arendt_totalitarismusWir sind auf eine wichtige Petition aufmerksam geworden, die es seit einigen Monaten auch Change.org gibt. Die Petition trägt den Titel: Protect freedom of speech in the EU # FreeSpeechEU und ist an die Mitglieder des Europäischen Parlaments gerichtet, die über den Lobby-Toleranz-Unsinn, den das Gutmenschen Council aus selbsternannten Toleranz-Wächtern verbrochen hat, abstimmen sollen. (Es schon interessant, wie leicht es manchen Interessen-Lobbyisten fällt, zum Gegenstand parlamentarischer Erörterungen zu werden, während manche anderen, die dummerweise nur steuerzahlender Bürger und nicht Brownie-Punkte vergebende Lobbygruppe sind, keinerlei Gehör finden, obwohl sie angeblich der Souverän sind…).

Wir legen allen unseren Lesern dringend nahe diese Petition, die in englischer Sprache verfasst ist, aber im Wesentlichen die Punkte macht, die wir auch machen, zu unterstützen.

Es geht darum, den Möchtegern-Kontrolleuren das Handwerk zu legen, bevor sie Europa zu einer Festung gemacht haben, nicht gegen die, die von außen kommen, sondern gegen die, die hinter den Gittern der Festung sitzen.

Für alle, die es in sozialwissenschaftlicher Sprache hören wollen: Wir sehen hier die Banalität des Alltäglichen am Werk, die Banalität des Alltäglichen, die Hannah Arendt beschrieben hat, als Grundlage von Totalitarismus, Drittem Reich und Vernichtung all derer, denen gegenüber man nicht toleranz war, weil sie die falschen Meinung vertreten haben.

Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Günter Buchholz, der uns das ECTR-Machwerk wieder in Erinnerung gerufen hat.

Nutznießer-Domino: Weiterbildung zum Jungenarbeiter*

Das Bundesforum für Männer, eine von Steuerzahlern finanzierte Veranstaltung, deren Wert sich uns bislang nicht erschlossen hat, hat im neuesten Newsletter auf eine Weiterbildung zum Jungenarbeiter hingewiesen, die von der Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit Baden-Württemberg e.V. angeboten wird, und zwar in Kooperation mit der Aktion Jugendschutz, dem Paritätischen Jugendwerk, mit “Pfundskerle” Fachstelle Jungen- und Männerarbeit Tübingen, der Akademie der Jugendarbeit, dem Kommunalverband Jugend und Soziales Baden Württemberg und der LAG Mädchen Politik. Finanziert wird das Ganze vom Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren des Landes Baden-Württemberg, und damit sich das Ganze für die Veranstalter lohnt, müssen Teilnehmer noch einen Obolus von 950 Euro für die Teilnahme entrichten. Dafür erhalten sie am Ende ein Zertifikat, das sie als weitergebilderter “Jungenarbeiter*” ausweist.

ajsDie ganze Weiterbildung ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sich Netzwerke bilden, deren Zweck darin besteht, sich gegenseitig zu beschäftigen und zu unterhalten und sich ein Einkommen aus dem Säckel der Steuerzahler zu sichern, und zwar mit einer Dienstleistung, deren Nutzen nicht benennbar ist, eben der zertifizierten Weiterbildung zum Jungenarbeiter:

Der zertifizierte Jungenarbeiter ist zum geschlechterbewussten Handeln in der Arbeit mit Jungen fähig, das wird dadurch erreicht, dass er sich im Rahmen der Weiterbildung “kontinuierlich begleitet von zwei Experten und zusätzlich angeregt von externen Referent*innen” … “Anliegen, Haltungen und Arbeitsweisen fundiert” erarbeitet. Damit nicht genug, werden doch zudem im Rahmen der Weiterbildung “der eigene Stand und die Haltung in der Arbeit mit Jungen reflektiert und zum anderen werden theoretische Ansätze in geeigneter Form mittels Inputs, Vorträgen und Literatur besprochen. Übungen zur Selbsterfahrung sowie gelingende Methoden für unterschiedliche Settings … werden erprobt”.

Kurz: Der zertifizierte Jungenarbeiter kann also irgend etwas Geschlechterbewusstes machen, was auch immer es ist und wofür auch immer es gut sein soll. Er hat sich Anliegen und Haltungen erarbeitet und fundierten Input in geeigneter theoretischer Form besprochen, und Selbsterfahrung, die hat er auch. Bleibt nur noch zu klären, ob es Jungen gibt, die zertifizierte Jungenberater nachfragen, die sich selbst ein unbekanntes Anliegen und eine ebenso unbekannte Haltung mit einen völlig unbekannten, aber fundierten Input erarbeitet haben.

Paritätisches Jugendwerk

Paritätisches Jugendwerk

Allerdings gibt es das, dessen Nutzen und Zweck man nicht benennen kann, von dem man nur sagen kann, dass es halt geschlechtsbewusst ist, nicht umsonst, nein, man muss es sich in sieben Modulen und an insgesamt 15 Tagen, die sich über den Zeitraum von einem Jahr schleppen, in Karlsruhe ersitzen und zudem ein “Expert*innen-Interview” führen und schriflich ausarbeiten. Und natürlich muss man die Seminarliteratur lesen. Vor allem die Experteninterviews, nein die Expert*innen-Interviews lassen hoffen, auf Experteninterviews, wozu auch immer, in schriftlicher Ausarbeitung. Der Versuch, den Anschein wissenschaftlicher Arbeit aufrecht zu erhalten, ist wirklich bemerkenswert, bemerkenswert, weil er zeigt, wie weit die Veranstalter von wissenschaftlichem Arbeiten entfernt sind (es ist eher nicht so, dass man in der Wissenschaft sagt: “Ey, mach’ doch mal ein Experteninterview, pardon, ein Expert*innen Interview”).

Angesichts dieses vielversprechenden Angebots haben wir uns die Besetzung
des “Seminars” mit “zwei Experten” und externen “Referent*innen” etwas genauer angesehen, und zwar entlang einiger “Lern-Module”.

  • Modul 1 beschäftigt sich mit “Grundlagen der Jungenarbeit und der geschlechterbezogenen Arbeit mit jüngeren Jungen”. Verantwortlich sind Armin Krohe-Amann und Kai Kabs-Ballbach, die für sich die pädagogische Leitung des ganzen Zertifizierungs-Zirkusses beanspruchen, und bei denen es sich vermutlich um die angekündigten beiden Experten handelt, die die Seminarteilnehmer “kontinuierlich begleiten”.
    Pfundskerle

    Pfundskerle

    Sie sind die beiden Vorstände der Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit e.V. Baden-Württemberg, beide sind Dipl. Päds. Kai Kabs-Ballbach ist zudem noch als Bildungsreferent des Paritätischen Jugendwerks tätig – also bei einem der Kooperationspartner. Und wen wundert’s: Armin Krohe-Amann ist zudem Geschäftsführer des nächsten Kooperationspartners, nämlich von Pfundskerle e.V. der Fachstelle “Jungen und Männerarbeit in Tübingen”. Eine Hand wäscht hier die andere.

  • Pundskerle bieten übrigens Hilfe bei Lebensfragen unter den Motti: “Leben ist ein Abenteuer, Leben heißt Bewegung und heißt sich bewegen”. Das lässt einiges befürchten, für die zertifizierte Weiterbildung zum Jungenarbeiter, etwa in der Form: “Junge sein ist ein Abenteuer. Junge sein heißt Bewegung, heißt sich bewegen (- jedenfalls kannst Du nicht bleiben, wie Du bist).” Hinzu kommt Hilfe bei Gewalt durch Pundskerle e.V., unter dem Motto: Gewalt ist bedrohlich, zerstört Beziehungen und am Ende verlieren alle”. Das Angebot richtet sich, wie könnte es anders sein, an diejenigen, die in ihrer Partnerschaft gewalttätig geworden sind, nicht etwa an Opfer von Gewalt, die es unter den Pfundskerlen wohl nicht gibt. Und wer angesichts dieser platten Vorurteile jetzt den Drang verspürt, seinerseits gewalttätig zu werden, der mag sich an Pundskerle e.V. oder den dortigen Geschäftsführer wenden.
  • Modul 2 konstruiert Geschlecht und “Cross-Work” und beschäftigt sich mit dem Evergreen: “Mit dem anderen Geschlecht arbeiten”. Dieses Evergreen hat man Jahrtausende lang nicht als die Schwierigkeit erkannt, die es anscheinend für manche nicht-Arbeiter darstellt, aus geschlechterbewusster Sicht. Aber jetzt gibt es zu unser aller Glück Claudia Wallner, die von sich sagt, dass sie ein “politisch denkender Mensch ist”. Und das leitet sie in ihrer Arbeit. Ja.Und dann ist ihr noch wichtig: “meinen Beitrag zu leisten an der Weiterentwicklung einer gleichberechtigten Gesellschaft, die nicht länger Menschen in unterschiedlich wertvolle Kategorien einsortiert, je nach Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, sozialer Schicht oder Bildung. Insofern ist Mädchenarbeit, ein wesentliches Thema meiner Arbeit”. Angesichts der Fähigkeit von Wallner, in nur zwei Sätzen einen Widerspruch zu produzieren, und sich einmal gegen die Kategorisierung nach Geschlecht zu wenden, um sich dann für Mädchenarbeit einzusetzen, also eben doch nach Geschlecht zu kategorisieren, kann man die Qualität von Modul 2 auch ohne daran teilzunehmen, gut einschätzen. Aber: Wallner ist selbständig und vermutlich waren ihr Krohe-Amann und Kabs-Ballbach einen Gefallen schuldig.

Und so geht es weiter in den Modulen, in denen die Vortragenden alte Spezis sind, die im gemeinsamen Nepotismus aufgehen und sich durch verschiedene Veranstaltungen tingelnd die Türklinke in die Hand geben.

  • KraftprotzEtwa in Modul 3, in dem es um “Prävention (wovon?) mit Jungen oder ‘einfach’ mit Jungen arbeiten. Körperlichkeit und Kampfesspiele” geht. Kampfspiele betreibt Josef Riederle, und zwar als geschützte Wortmarke: beim Bundespatentamt (Register-Nr.:30758830): “Nur Personen, die die gesamte Anleiterweiterbildung (72 UE) absolviert haben, bekommen die Erlaubnis, den Begriff Kampfesspiele zu nutzen und damit mit Jungen zu arbeiten”. Also schreiben wir hier von Kampfspielen (und sparen uns ein “es”), das ist zumindest nicht als Wortmarke geschützt. Die geschützten Kampfspiele werden von Kraftprotz (noch eine geschütze Wortmarke) – Bildungsinstitut (nicht geschützte Wortmarke) für Jungen und Männer vertrieben und sorgen bei Jungen für einen positiven Umgang mit männlicher Kraft und Aggression, einer Stärkung des Selbstvertrauens und der Handlungsfähigkeit, einer Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen und eine Erfahrung von Werten.Das alles und noch viel mehr wird neuerdings nicht mehr in 72 UEs, sondern in 88 Übungseinheiten vermittelt, aus denen der geschulte Kampfspieler (das patentierte “es” bitte bei Bedarf einfügen), der sich nunmehr auch als solcher (mit patentiertem “es”) bezeichnen darf, hervorgeht, und zwar mit umfassenden Kenntnissen: so weiß er darum, dass Jungen raufen wollen, kennt die Grundsätze der gewaltpräventiven Arbeit mit Jungen, hat Einblicke in eine männliche Sozialisation, ein Mysterium, das bislang den meisten Menschen auf diesem Planeten verborgen geblieben ist, kann de-eskalieren, was auch immer, und kennt die Grenzen pädagogischer Arbeit, was sehr wichtig ist, damit man sagen kann, warum die eigene Arbeit keinen Erfolg erbracht hat. Schließlich kann ein Kampfspieler (plus patentiertes “es”) die eigene Präsenz steigern (wow!), und er hat sich mit Ehre und Scham auseinandergesetzt, und zwar bevor er Schiedsrichterkompetenz erwirbt. Und ganz zum Schluss, ganz am Ende, lernt der Kampfspieler (“es” !) die “sinnstiftende und fördernde Gestaltung von Angeboten für Jungen u.a. durch Rituale”.

Und so geht es weiter mit Olaf Jantz und Uli Boldt ehe im letzten Modul all diejenigen, die bis dahin ausgehalten haben, mit dem Pädagogen Reinhard Winter geschlagen werden.

  • Reinhard Winter hat ein Buch über den Sachgegenstand “Jungen” geschrieben, mit dem Untertitel: “Eine Gebrauchsanweisung”. Es sind derartige Untertitel, die deutlich machen, dass man das Buch nicht weiter lesen muss. Wer es dennoch tut, der erhält, wie man im Feuilleton der FAZ nachlesen kann, Hinweise zu Dingen, die er bislang nicht wusste: Es tue Jungen gut, so folgert Winter auf Basis einer “schlecht nachvollziehbaren Psychoanalyse”, wie es in der FAZ heißt, wenn die Rollenverteilung in der Familie klar sei: “ich Tarzan, du Jane”. Die Schule, so weiß Winter, ist für “Jungen eine extreme soziale Situation …, denn dort stecken sie in der Vergleichsfalle: Ihre hingeschnunzten Hausaufgaben werden stets mit den sorfälig ausgemalten Heften der ohnehin in ihrer Entwicklung weiter fortgeschrittenen Mädchen verglichen …”.

Weiter?

Können Sie noch weitere platte Vorurteile ertragen?

  • Gut. Weitere Fragen, die Reinhard Winter für besonders relevant im Bezug auf die Erziehung von Jungen, jenen unbekannten Wesen, die über Jahrtausende von Personen erzogen wurden, die keine Ahnung hatten, mit wem sie es zu tun haben, für relavent hält, Fragen wie diese: “Bis zu welchem Alter darf die Mutter ihren Sohn küssen? Soll ich meinem Sohn helfen, wenn er gemobbt wird?” Wie schaffe ich es, mit einem Jungen zu reden?” Man sieht, der Untertitel ist kein Zufall. Für Winter sind Jungen tatsächlich Sachen, die man als ebensolche behandeln muss, denn Jungen sind nicht in der Lage, ihrer Mutter zu sagen, dass sie mit ihrem ständigen Geküsse nervt oder ihr zu sagen, dass sie sich mit ihrer Hilfeserotik besser an ihre Altersklasse hält. Jungen sind nicht in der Lage, den Mund aufzumachen und um Hilfe zu bitten, wenn sie sie wollen und man kann sie auch nicht fragen, nein, ob sie Hilfe wollen, muss über ihre Köpfe hinweg entschieden werden. Sie sind eben Sache, Objekt, das man in die eine oder die andere gewünschte Richtung schiebt, natürlich immer mit der Behauptung, dass man nur ihr Bestes wolle und was soll man auch anderes, als über ihre Köpfe entscheiden, schon das Reden ist ja bekanntlich ein Problem, das Reden mit dieser seltsamen Spezies, die die Menschheit seit Anbeginn in ihren Reihen kennt und mit der umzugehen sie erst heute und durch die Hilfe von Reinhard Winter lernt.

Und damit reicht es (uns jedenfalls).

Geld aus dem Fenster werfenDas Einzige, was wir noch anzufügen haben, ist der Hinweis darauf, dass die “Weiterbildung zum Jungenarbeiter*”, die keinerlei erkennbaren Nutzen erbringt, ein vollständiges “Input”-Geschäft ist. Mit anderen Worten: Die Steuerzahler in Baden-Württemberg werden zur Ader gelassen, um dieses Mal nicht das Mädchen- und Frauennetzwerk dabei zu unterstützen, Steuergelder zu verbrennen, sondern das Jungen und Männernetzwerk, das nicht minder dazu fähig ist, Steuermittel zu verkonsumieren, also ohne Mehrwert zu verschleudern. Es wäre für das Bruttosozialprodukt in jedem Fall sinnvoller, die Mittel, die für die “Weiterbildung zum Jugendarbeiter*” verschwendet werden, 20 ausgewählten Gesellen aus der der Arbeiterschicht in die Hand zu drücken, mit dem Auftrag, sich selbständig zu machen.

Falls jemand denkt, wir sind hier mit den Jungenarbeitern zu hart ins Gericht gegangen, wir lassen uns gerne weiterbilden. Schicken Sie uns Studien und Untersuchungen, die belegen, dass von dem, was im Rahmen der weiterbildung zum Jungenarbeiter als “Input” vermittelt wird, nachweisbar auch nur ein positiver Effekt auf Jungen ausgeht, der ihnen keine Gewalt antut, sie nicht nach eigenem pädagogischem Gutdünken zu dem umerzieht, was für die Sache “Junge” angeblich richtig ist.

Was man übrigens mit dem Zertifikat macht, das am Ende übergeben wird, ist vollkommen unklar, schon weil die vergebende Stelle in keiner Weise befugt ist, Biildungszertifikate auszustellen. Entsprechend dürfte das vermeintliche Zertifikat eine Form der Brownie Points sein, die Novizen im Netzwerk der dieses Mal Jungen-und-Männerberater-Sekte die nächste Stufe der Hierarchie erreichen lässt, die ihnen Zugang zu zukünftigen aus Steuergeldern finanzierten Maßnahmen verschafft.

Man kann den Unsinn gar nicht so schnell verarbeiten, wie er auf einen einprasselt

Unser Mailbox quillt derzeit über von Verweisen auf Unsinn, der an Universitäten betrieben wird. Wir können gar nicht alles abarbeiten, was sich derzeit ansammelt. Weil wir langsam Genickstarre vom Kopfschütteln bekommen, wäre es nett, wenn wir auch ab und zu Hinweise auf gute wissenschaftliche Studien erhalten würden (Ja, wir wissen, das ist nicht einfach. Aber es gibt sie doch!).

Wie dem auch sei, drei besonders frappante Beiträge aus der bunten Welt wissenschaftlichen Unsinns, wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten und zumuten. Beginnen wir doch mit dem hier:

HU-BerlinWas wir* und dixs Studierxs kritisieren, ist zum Beispiel die Re_produktion von problematischen Wörtern wie zwei Be_griffe die mit “W” und “S” beginnen, wir* aber nicht re_produzieren wollen, da diese kolonialrassistisch und somit diskriminierend für Schwarze und People of Color und gleichzeitig privilegierend für weiße Menschen sind. Sowohl Kant und Humboldt, als auch Rousseau benutzten diese Worte häufig und auch der Professor benutzte diese in der Vorlesung. Auf den Hinweis des rassistischen Hintergrunds dieser W_orte antwortete dieser mit Bagatellisierung und Verneinung des Sachverhalts.

Ein weiteres Beispiel ist das unkritische Re_produzieren von stereotypen Geschlechterbildern und “gesunden Körpern”- hier wurden die Autoren nicht innerhalb des problematischen historischen Kontextes betrachtet, sondern aus diesem herausgelöst. Diese Vorgehensweise führt unweigerlich zu dem problematischen Kontext der heutigen Gesellschaft.”

Diesen unlesbaren Unsinn, den Leute geschrieben zu haben scheinen, für die die deutsche Sprache nicht Muttersprache ist, und den wirklich niemand, der bei normalem Verstand ist, verstehen kann, hat uns jemand kommentarlos und anononym in die Mailbox geknallt. Wir können zwar verstehen, dass man, wenn man einen derartigen Unsinn gelesen hat, benommen ist, aber für eine Anrede sollte es dennoch reichen.

Wie dem auch sei, wir können aus der Ansammlung von Worten, durch spracharchäologische Anstrengungen rekonstruieren, dass es Begriffe gibt, die mit “W” und “S” beginnen, die so furchtbar sind, dass sie von denen, die den oben zitierten Unsinn zusammengeschrieben haben, nicht wiederholt werden, weil sie nämlich “kolonialrassistisch” und somit diskriminierend für “Schwarze und People of Color” sind (also offensichtlich kann man das “S”-Wort doch schreiben…).

Dieser triefende Paternalismus selbsternannter Schutzengel der Schwarzen und aller sonstigen “People of Color” ist an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten. Mehr haben wir dazu nicht zu schreiben. Nunmehr erteilenwir Puff Daddy and the Notorius B.I.G. das Wort:

[…]

Da gibt es also an der Humbold-Universität Berlin, von der dieser Unsinn stammt, Gören, die denken, sie müssten Schwarze vor Kolonialrassismus schützen. Man glaubt es nicht.

Und weiter im Text und mit einem Verweis auf ein Blog mit dem Namen “Ernstfall.org”. Und siehe da, die Humbold Universität beschäftigt derzeit nicht nur uns, nein, die Berliner Unsinnsfabrik liefert derzeit Unsinn in Mengen, die ausreichen, um die ganze deutsche Blogosphäre zu beschäftigen (naja, fast.). Von all dem Humbold-Universitäts-Unsinn, der im Post auf Ernstfall.org verarbeitet wird, haben wir uns für diese Passage entschieden:

ice cube“Der Begriff weiß ist kleingeschrieben und kursiv gesetzt (bzw. in kursiv gesetzten Abschnitten nicht-kursiv geschrieben), da es sich um eine analytische Kategorisierung von über (Kolonial)Rassismus privilegierten Personen und entsprechenden sozialen Positionierungen handelt. weiß ist also in dieser Lesart keine Identitätskategorie und auch keine mögliche kritische Verortung, sondern Resultat rassismuskritischer Analyse der durch Rassismus privilegierten Positionierung und Resultat antirassistischer Politiken”.

Mike Tyson“Die Großschreibung von Schwarz verweist auf die Strategie der Selbstermächtigung und zeigt das symbolische Kapital des Widerstandes gegen Rassismus an, welches rassistisch markierte Menschen und Kollektive sich gemeinsam erkämpft haben. …Über die Schwarze Position wird die Analysekategorie weiß hergestellt. Sie sind absolut asymmetrisch zu lesen.”

Die Selbstermächtigung, die hinter dieser Begriffskonstruktion steckt, ist atemberaubend. Nicht nur, dass die Berliner Gören von der Humbold Universität, die diesen Unsinn schreiben, denken, sie müssten Schwarzen unter die Arme greifen, weil die nicht zum Selbtsschutz fähig sind und entsprechend der Unterstützung von ausgerechnet weißen Gören aus Berlin bedürfen, nein, sie sehen auch ihre Begriffsdeutung als einzig richtige Deutung an.

Manchmal hat man so Phantasien, z.B. die Phantasie, wir würden die weißen Gören in einem Raum sperren, und zwar zusammen mit Ice Cube, Mike Tyson und Admiral Tibet, und dann sollen die weißen Gören den Dreien einmal erzählen, dass sie von weißen Kolonialrassisten unterdrückt werden.

Und damit dieser Post nicht zur Unsinnsparade von der Humbold-Universität wird, obwohl wir natürlich nicht umhin kommen zu fragen, was derartiger Unsinn an Universitäten zu suchen hat, eine Frage, die im Hinblick auf die Humbold-Universität immer schwerer fällt, denn die Humbold-Universität ist derzeit offensichtlich eine geschlossene Anstalt, an der Sprachpsychosen und weiße Minderwertigkeitskonflikte aller Art ausgelebt werden können, und zwar auf Steuerzahlerkosten, deshalb haben wir noch einen Nicht-Humbold-Universitäts Unsinn.

Es handelt sich um einem Preis – ausgelobt von IPRI – International Performance Research Institute gGmbH. Seit 2009 verleiht IPRI den Peter Horváth Controlling Preis. Die Kriterien der Verleihung werden wie folgt angegeben:

“Der Péter Horváth-Controllingpreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Für eine Auszeichnung kommen deutsch- und englischsprachige Dissertationsschriften in Frage, die von einer betriebswirtschaftlichen Fakultät in Deutschland, Österreich oder der Schweiz angenommen und mindestens mit der Note ‚Magna cum laude‘ abschließend bewertet wurden. Der Abschluss des Promotionsverfahrens darf zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht länger als 12 Monate zurückliegen.”

Also, wer eine Dissertation geschrieben hat, einreichen! Alles wird genommen, was “Magna cum laude” ist. Weitere Kriterien gibt es nicht. Und natürlich hat uns diese Ausschreibung an die unschätzbaren sprachlichen Beiträge erinnert, die Peter Horváth der wissenschaftlichen Gemeinde hat angedeihen lassen, Beiträge wie den folgenden:

Controlling ist: „funktional gesehen – ein Subsystem der Führung, das Planung und Kontrolle sowie Informationsversorgung systembildend und systemkoppelnd koordiniert und auf diese Weise die Adaption und Koordination des Gesamtsystems unterstützt. Controlling stellt damit eine Unterstützung der Führung dar: es ermöglicht ihr, das Gesamtsystem ergebniszielorientiert an Umweltveränderungen anzupassen und die Koordinationsaufgaben hinsichtlich des operativen Systems wahrzunehmen“ (Horváth, 1994: 151)

Wenn Sie also demnächst systembildend und systemkoppelnd einkaufen, also z.B. Spaghetti, Tomatensauce und Chillies, die systemgekoppelt, dann systembildend wirken und Spaghetti arrabiata ergeben, dann haben sie im Hinblick auf eben diese Spaghetti arrabiata, also im Hinblick auf das Gesamtsystem ergebniszielorientiert eingekauft. Vor allem ergebnis-, aber auch zielorientiert, aber vielleicht doch mehr ziel-, als ergebnisorientiert, wer weiß. Und wenn Sie noch das Sonderangebot von Aldi genutzt haben, muss man Ihnen sogar zugestehen, dass sie sich an Umweltveränderungen anpassen, ergebniszielorientiert natürlich.

Das wäre dann zumindest für uns preisersparnisverdächtig.

Horváth, Peter (1994). Controlling. München: Vahlen.

Gleichschaltung beginnt in den Schulen

von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Eines der Markenzeichen faschistischer und totalitärer Systeme ist die Zerstörung des Pluralismus. Pluralismus in Lebensweisen, Verhaltensweisen und Meinungen gefährdet faschistische und totalitäre Systeme, deren Basis eine Heilslehre, ein Kern der als unumstößlich angesehenen Wahrheiten ist, ein Kern, der indes so fragil ist, dass er einen Pluralismus in Lebensweisen, Verhaltensweisen und Meinungen nicht ertragen kann. Entsprechend wichtig ist es für faschistische und totalitäre Systeme für Uniformität zu sorgen, ihre Bürger in Denken und Handeln gleichzuschalten oder ihnen doch zumindest so viel Angst einzuimpfen, dass sie sich in der Öffentlichkeit nicht trauen, sich andes als vorgegeben zu verhalten.

FDJ Fackelzug anlässlich des 40jährigen Bestehens der DDR

FDJ Fackelzug anlässlich des 40jährigen Bestehens der DDR

Eines der Mittel, dessen sich faschistische und totalitäre Systeme immer bedient haben, um die beschriebene Gleichschaltung zu erreichen, waren Schulen, war die Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Entsprechend hat die Sammlung von Kindern und Jugendlichen in der Ideologie treuen Vereinigungen, in Hitler Jugend, Bund deutscher Mädel, Freier Deutscher Jugend oder in Komsomol immer eine große Bedeutung. Ebenso bedeutsam war es, Kinder und Jugendliche in der Schule auf die richtigen Werte und Interpretationen der Welt festzulegen und, fast wichtiger noch, einen gesellschaftlichen Aufstieg oder auch nur eine Duldung in der Gesellschaft an das Erlernen der offiziellen Litanei, der offiziellen Ideologie zu koppeln. Wer die offizielle Ideologie nicht unterschreibt, sie nicht zu seiner geäußerten Meinung macht, hat keine Chance auf einen gesellschaftlichen Aufstieg.

Heute leben wir in einer Demokratie. Und dennoch wird gegen Pluralismus vorgegangen, insbesondere dann, wenn er als traditionelle Verhaltensweise, als männliche Verhaltensweise, als in Schulen nicht erwünschte Verhaltensweise, als hedonistischer Lebensstil oder als begründete Meinung daherkommt, die der offiziellen Litanei widerspricht. Die Beispiele, die diese Aussage belegen, sind Legion. An Universitäten landauf und landab sind z.B. Menschen , die ihr Recht auf eine freie Meinungsäußerung wahr nehmen und auf Einladung einen Vortrag halten wollen, damit konfrontiert, dass Andersdenkende, die sich im Einklang mit der herrschenden Doktrin sehen, ihren Vortrag verhindern oder doch zumindest stören wollen –  nicht gerade ein Verhalten, das mit den Grundwerten der Demokratie, mit Meinungsfreiheit und Pluralität vereinbar ist.

Hitler youth on parade

Parade der Hitlerjugend anlässlich des Nürnberger Parteitages der NSDAP

Jungen in Schulen landauf und landab sind damit konfrontiert, dass sie dann, wenn ihr Verhalten nicht den Vorstellungen von Lehrern entspricht, die die Doktrin, der sie anhängen, zu ihrem Lehrauftrag gemacht haben, negativ sanktioniert und von weiterführender Bildung ausgeschlossen werden. Männerrechtler, die sich zusammengefunden haben, um auf die schlimmsten Auswüchse eines Staatsfeminismus aufmerksam zu machen und zu verhindern, dass sich die Kostgänger des Staatsfeminismus noch stärker als sie das eh schon tun, auf Kosten der Steuerzahler selbst bereichern, sehen sich von eilends maturierten Günstlingen einer staatfeministischen Basenwirtschaft ausgegrenzt, denunziert und ignoriert, denn mit so jemandem spricht man nicht. Abermals widerspricht dieses Verhalten allen Grundwerten von Demokratie und dieses Mal auch von Anstand, aber diese Werte muss man natürlich haben, um sie hochhalten zu können. Man muss Pluralität und Meinungsfreiheit schätzen, um sie zu verteidigen.

Wie wir nun zeigen werden, sieht der Staatsfeminismus, sieht die staatsfeministische Ideologie, wie sie insbesondere in Schulen praktiziert wird, keinen Platz für Meinungsfreiheit und Pluralismus vor. Das Ziel ist eine Gleichschaltung von Meinungen und Verhaltensweisen, die darüber erreicht werden soll, dass Eltern in ihrem Erziehungsverhalten und vor allem in den Freiheiten, die sie bei der Erziehung ihrer Kinder haben, begrenzt und gleichgeschaltet, dass sie auf den staatsfeministischen Kanon eingeschworen werden. Wie dies erreicht werden soll, kann man bereits einer Veröffentlichung des Bundesministeriums für FSFJ aus dem Jahre 2005 entnehmen. Es handelt sich bei dieser Veröffentlichung um ein “Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim Bundesministerium” für FSFJ. Darin findet sich in erschreckender Offenheit ein Fahrplan für die Zerstörung von Meinungsfreiheit und Pluralität im Rahmen staatlicher Erziehung.

Staerkung familialerWie jede Ideologie, so benötigt auch die Gleichschaltung in Schulen auf Basis eines herrschenden Staatsfeminismus eine Legitimationsgrundlage; zu finden ist sie bereits auf Seite 5 des “Gutachtens” und dort in der Feststellung, dass in Deutschland die soziale Herkunft eine große Rolle für den Bildungserfolg von Kindern hat. Die Sorge für die Kinder aus der Arbeiterschicht wird also zur Grundlage nicht etwa dafür genommen, die Fragen zu untersuchen, wieso die soziale Herkunft, sich in schulischen Leistungen niederschlägt, wieso das Bildungssystem die soziale Herkunft relevant macht, vielmehr wird sie zum Ausgangspunkt genommen, um eine staatliche Intervention in familiäre Erziehung zu legitimieren und zu konzeptualisieren, die sich mitnichten auf Arbeiterfamilien beschränkt, wie man denken könnte, sich im Gegenteil auf alle Familien erstreckt. Mittel zum Zweck ist die sogenannte Elternbildung, die bereits auf Seite 8 und in kaum zu überbietendem, ja triefendem Pathos beschrieben wird, um auf diese Weise die Eltern, die sich affektiv für die vermeintlich gute Sache einfangen lassen, einzufangen:

“Elternbildung wäre ein hoffnungsloses Unterfangen, gäbe es nicht als Anknüpfungspunkt, Brücke oder Voraussetzung eine gattungsgeschichtlich verankerte grundlegende Bereitschaft und Fähigkeit zum ‘Bemuttern’, zum Halten des Säuglings, zum Lächeln, zum Intonieren der Babysprache und vieles mehr. Diese intuitive Elternschaft kann freilich – wie insbesondere Kinderärzte und Kinderpsychiater immer wieder berichten – verkümmern oder überdeckt sein oder nicht mehr spürbar werden” (8)

Es ist ein Markenzeichen faschistischer Denkstrukturen, dass sie in einer nur ihnen eigenen Plumpheit daherkommen und fast ausschließlich mit negativen Affekten arbeiten, die indes positiv gewendet sind. Wer also nicht hören will, er sei nicht zur intuitiven Elternschaft fähig, und wer nicht aus der “gattungsgeschichtlich verankerten” Gemeinschaft ausgeschlossen werden will, der ist besser bereit, sich Elternbildung zu unterziehen und sich sagen zu lassen, was “gattungsgeschichtlich” als richtiges Erziehungsverhalten angesehen wird und wie er durch Gleichschritt in der Erziehung verhindert, als verkümmerter Erzieher angesehen zu werden. Es gibt, so kann man feststellen, nur eine richtige Form der Erziehung, die gattungsgeschichlicht verankert ist und im weiteren Verlauf des “Gutachtens” ausgearbeitet wird.

Die erste “gattungsgeschichtliche Wahrheit”, die im “Gutachten” des Wissenschaftlichen Beirats verkündet wird, lautet: Es gibt nur eine Art, Kinder richtig zu erziehen und die sieht beide Eltern nicht in einer traditionellen Form der Arbeitsteilung, denn traditionelle Formen der Arbeitsteilung sind im Staatsfeminismus nicht mehr vorgesehen. Im Staatsfeminismus, so ist zu lernen, gibt es nur eine richtige Form eines “gattungsgeschichtlich” richtigen Elternarrangements und das sieht Väter wie Mütter zu gleichen Teilen erziehen und arbeiten. Eine Pluralität der Erziehungsarrangements kann der Staatsfeminmismus wie jede faschistoide Ideologie nicht zulassen. Und damit auch klar wird, dass das “gattungsgeschichtlich” richtige Elternarrangement, auch das Elternarrangement ist, das gute Menschen wählen, werden alle, die es nicht tun, als nicht egalitär beschrieben (16).

Die zweite “gattungsgeschichtliche Wahrheit”, die im Gutachten verkündet wird, bezieht sich auf “außerfamiliale Betreuungsarrangements”, denen eine besondere Bedeutung zugewiesen wird, wenn es um die kindliche Sozial- und Moralentwicklung, um Interaktionserfahrungen und den Aufbau (sozial)kognitiver Kompetenzen geht. Die Aussage ist klar, nur wenn Kinder in Gruppen gesammelt und unter der Ägide einer strikten Vorgabe die “richtigen” Inhalte richtiger Sozial- und Moralentwicklung vermittelt bekommen, wenn allen Kindern dieselben Inhalte eingetrichtert werden, verläuft ihre Entwicklung in die richtige Richtung, und natürlich wissen die Staatsfeministen die richtige Richtung der moralischen und sozialen Entwicklung für alle Kinder, deshalb können sie auch keinen Pluralismus zulassen, und deshalb müssen sie Kinder, die nicht passen, aus der Regelschule und von weiterführenden Schulen ausschließen.

Dass die Gleichschaltung von Kindern der Mitarbeit der Eltern und deren Gleichschaltung bedarf, wird auf Seite 17 des “Gutachtens” ganz offen ausgesprochen: Ausgehend von der “Gefahr einer geringen Lenkbarkeit der Kinder” wird deutlich gemacht, dass sich elterliche Erziehungsstile an den Erwartungen der Schule und nicht etwa an dem, was die Eltern für richtig erachten, auszurichten hat:

“Seitens der Eltern sind Kooperation mit der Schule und die Sicherung der kindlichen Teilhabe am schulischen Leben gefordert, denn unweigerlich stellt die Schule mit den Erwartungen an die Kinder auch Erwartungen an die Erziehungs- und Sozialleistungen der Familie … (17)”

Gleichschaltung SchuleDas ist überdeutlich. Wenn es also noch Eltern gibt, die denken, sie hätten Erwartungen an die Schule, würden etwa erwarten, dass ihren Kindern unabhängig von sonstigen Merkmalen Lesen und Schreiben und Rechnen beigebracht wird, dann sollten diese Eltern ihre Erwartungen überdenken. Nicht die Schule ist für Kinder und Eltern da, Schule ist auch keine Institution, die der Vermittlung von Fertigkeiten und Kompetenzen dient, die die Eltern für wichtig halten, nein, Schule ist eine Institution, die klare Vorgaben macht, die wiederum von Eltern und Kindern erfüllt werden müssen. Diese Vorgaben umfassen die richtigen Lerninhalte, die richtigen Verhaltensweisen, die richtigen Elternarrangements und vieles mehr, was im Staatsfeminismus als “gattungsgeschichtlich” richtig behauptet wird. Wer für seine Kinder eine erfolgreiche Zukunft möchte, ordnet sich den Erwartungen, die der Staatsfeminismus über die Schule an ihn richtet, besser unter, sonst droht seinem Kind die Abschiebung auf die Sonderschule und ihm selbst das Verdikt, verkümmerter Erzieher zu sein.

Wem der Schrecken ob der Offenheit, in der im “Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des BMFSFJ” die beabsichtigte Vernichtung von Pluralismus und Meinungsvielfalt beschrieben wird, noch nicht ins Gesicht geschrieben steht, dem wollen wir ein weiteres Zitat nicht vorenthalten. Wer geglaubt hat, in einer staatsfeministisch durch-ideologisierten Gesellschaft sei noch Platz für Abweichung, wer geglaubt hat, er sei ein freies Individuum und Institutionen seien Serviceanbieter, der sollte diese irrigen Annahmen schnellstens korrigieren: Individuen haben für Staatsfeministen keinen Wert. Das Kollektiv ist für sie alles, denn ein Kollektiv kann man beherrschen, man kann es gleichschalten, die Meinungen kontrollieren und die Verhaltensweisen dirigieren, all das, was man mit Individuen nicht machen kann, geht mit dem Kollektiv, geht dann, wenn die darin zusammengeschlossenen Individuen gar nicht mehr auf die Idee kommen, sie hätten eine Individualität, die eigenständig und unabhängig vom Kollektiv ist. Und damit Individuen nicht auf derart subversive Ideen kommen, muss man sie erziehen:

“Das vorliegende Gutachten führt viele Argumente dafür an, dass auch diese Erziehungspersonen sich dem Aufbau kindlicher Eigenverantwortlichkeit und Gemeinschaftsorientierung als globalen Entwicklungszielen verpflichtet fühlen, mit dem Prinzip ‘Freiheit in Grenzen’ vertraut sein und dieses zur Richtschnur ihres erzieherischen Handelns machen sollten. Für Kinder ist es eminent wichtig, dass die Personen, die sich ihre Erziehung teilen, in der grundlegenden Richtung ihres Erziehungshandelns übereinstimmen, dass sie ähnliche Ziele verfolgen, konkretes Erziehungsverhalten in ähnlicher Weise begründen und dass sie vieles von dem, was sie den Kindern mit auf den Weg geben wollen, in ähnlicher Weise auch selbst vorleben” (20).

Was hier hinter Formulierungen, die affektiv ansprechen sollen, versteckt wird, lässt sich einfach auf den Punkt bringen: Freiheit gibt es nur innnerhalb von Grenzen, die den Individuen vorgegeben werden. Die Vorgaben werden über die Schule transportiert, denn natürlich kann die Gemeinsamkeit der Erziehungsinhalte, die Ähnlichkeit des Erziehungshandelns nicht von vielen individuellen Eltern vorgegeben werden, sondern nur von der Schule und denjenigen, die ihr Curriculum vorgeben. Entsprechend definieren diejenigen, die curriculare Vorgaben machen, die Grenzen der Freiheit für die zu erziehenden Kinder und auch für die Eltern, die sich in ihrem Erziehungsverhalten den Vorgaben aus der Schule anzupassen haben.

Eine deutlichere Beschreibung faschistoider Strukturen haben wir bislang noch nicht gelesen, und wir können nur hoffen, dass die Autoren des “Gutachtens” nicht wussten, was sie schreiben. Dies allerdings ist eine Hoffnung, die man angesichts der Häufigkeit und Konsistenz, mit der sich diese Strukturen im “Gutachten” finden, eine Hoffnung, die man angesichts der völligen Ignoranz der vielen Kollateralschäden, die der Staatsfeminismus in Schulen anrichtet, weil er keine Pluralität unter Schülern und unter Eltern duldet, und deshalb Kinder aus “feindlichen” Elternhäusern und Schichten aussortiert, kaum haben kann. Der schlechteste Beigeschmack, den das Gutachten aber verursachen, kommt daher, dass es behauptet, es ginge darum, die soziale Stratifizierung der Vergabe von Bildungstiteln zu beheben. Tatsächlich geht es darum, die Vergabe von Bildungstiteln gleichzuschalten, damit in Zukunft ein vorhandener Bildungstitel nicht die Leistungsfähigkeit und Kompetenzen des Inhabers widerspiegelt, sondern seine Konformität mit ideologischen Vorgaben, ganz in der Weise, wie dies in vergangenen faschistischen Systemen gehandhabt wurde, in denen niemand, der z.B. nicht die Leitsätze des Marxismus-Leninismus auswendig aufsagen konnte, eine Chance hatte, gesellschaftlichen Aufstieg zu erleben – und in denen, wer nicht erfolgreich im vorgegebenen Rahmen war, selbst verantwortlich war.

Derzeit gibt es zumindest noch rudimenträre Formen von Pluralismus in Deutschland und an deutschen Schulen. Die Versuche, Meinungsfreiheit und Pluralismus zu beseitigen, sind jedoch ebenso allgegenwärtigt wie die Versuche, Elternpartnerschaften und Elternbildung und curriculare Vorgaben zu nutzen, um den Pluralismus unter Schülern und Eltern zu beseitigen und vor allem die Wissenschaftlicher BeiratMeinungen, die in Schulen und die Erwartungen, die an Schulen herangetragen werden, gleichzuschalten. Entsprechend gilt es nicht mehr den Anfängen zu wehren, sondern es gilt Schlimmeres zu verhindern.

Das “Gutachten”, das wir hier besprochen haben, wurde von einem “wissenschaftlichen Beirat” erstellt oder anders formuliert, ein “wissenschaftlicher Beirat” wird als Urheber des “Gutachtens” angegeben. Wer sich für die Mitglieder dieses Beirats interessiert, der möge die nebenstehende Liste der Mitglieder anklicken. Wer dies tut, wird feststellen, dass sich unter den Mitgliedern einige gestandene Kindheitsforscher und Wissenschaftler befinden, von denen man nicht erwartet hätte, dass sie für den Sirenengesang des Staatsfeminismus anfällig sind und sich als Steigbügelhalter der beschriebenen Gleichschaltung missbrauchen lassen. Entsprechend stellt sich die Frage, wie viel die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats eigentlich von dem wissen, das sie da geschrieben haben sollen.

©ScienceFiles, 2013/2012

Literatur

Zum Vergleich:

Flessau, Kurt-Ingo (1977). Schule der Diktatur. Lehrpläne und Schulbücher des Nationalsozialismus. München: Franz Ehrenwirth.

Glenn, Charles L. (2011). Contrasting Models of State and School. A Comparative Historical Study of Parental Choice and State Control. New York: Continuum.

Hermann, Ulrich (Hrsg.)(1985). Die Formung des Volksgenossen. Der ‘Erziehungsstaat’ des Dritten Reiches. Weinheim: Beltz.

Keim, Wolfgang (1995). Erziehung unter der Nazi-Diktatur. Band 1: Antidemokratische Potentiale, Machtantritt und Machtdurchsetzung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Keim Wolfgang (1995). Erziehung unter der Nazi-Diktatur. Band 2: Kriegsvorbereitung, Krieg und Holocaust. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

Lansing, Charles B. (2010). Form Nazism to Communism. German Schoolteachers Under Two Dictatorships. Cambridge: Harvard University Press.

Scholtz, Harald (1985). Erziehung und Unterricht unterm Hakenkreuz. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Zur (kulturellen) Pluralität von Erziehung:

De Loache, Judy & Gottlieb, Alma (2000). A World of Babies. Imagined Childcare Guides for Seven Societies. Cambridge: Cambridge University Press.

Hendry, Joy (1989). Becoming Japanese. The World of the Pre-School Child. Honolulu: University of Hawaii Press.

Lancy, David F. et al. (eds.)(2010). The Anthropology of Learning in Childhood. Lanham: AltaMira Press.

Nauck, Bernhard & Schönpflug, Ute (Hrsg.)(1997). Familien in verschiedenen Kulturen. Stuttgart: Enke.

Rogoff, Barbara (2003). The Cultural Nature of Human Development. Oxford: Oxford University Press.

Tudge, Jonathan (2008). The Everyday Life of Young Children. Culture, Class and Child Rearing in Diverse Societies. Cambridge: Cambridge University Press.

Und noch ein wenig food for thought:

Turtel, Joel (2005). Public Schools, Public Menace. How Public Schools Lie to Parents and Betray Our Children. New York: Liberty Books.

Die Grenzen des Staatsfeminismus: Was tun, wenn Frauen gar nicht “gleichgestellt” werden wollen?

Kollektive Ideologien haben immer dasselbe Problem: Männer und ihre Präferenzen – nach einer kurzen Diskussion mit Dr. habil. Heike Diefenbach über diesen Punkt, habe ich mich entschlossen, die Probleme kollektivistischer Ideologien als Probleme mit den Präferenzen von Männern zu beschreiben, obwohl es, und das beste Beispiel ist Dr. Diefenbach, Frauen gibt, die in gleicher Weise Probleme für kollektivistische Ideologien darstellen wie Männer. Aber: Die Anzahl der entsprechenden Frauen bleibt weit hinter der Anzahl entsprechender Männer zurück, selbst wenn man die “Neuen Männer” in Rechnung stellt. Familiale Strukturen, wie sie u.a. von Max Horkheimer in den 1920er Jahren besprochen wurden, und die nach wie vor in Deutschland hoch im Kurs stehen, haben zur Konsequenz, dass (verheiratete) Frauen ein erhebliches Interesse daran haben, dass ihre Männer dem System zu Willen sind und nicht etwa gegen kollektive Vorgaben opponieren, da Letzteres die Existenzgrundlage der entsprechenden Frauen gefährden würde. Heute ist vielfach der Staat und die Transferzahlungen an die Stelle der Familienernährer getreten. Dies ändert jedoch nichts an den Machtstrukturen. War es früher im Interesse von Frauen, die sich in die Abhängigkeit von einem Familienernährer begeben haben, dessen Wohlverhalten gegenüber gesellschaftlichen (Arbeits-)Strukturen zu sichern, so ist es heute im Interesse der nunmehr von staatlichen Transferzahlungen und rechtlich gesicherten Unterhaltszahlungen abhängigen Frauen, die kollektive Ideologie des Staatsfeminismus nicht gefährdet zu sehen. Kurz: Die Mehrzahl von Frauen stützt kollektive Ideologien und deshalb beginnt der vorliegende Text wie folgt:

Kollektive Ideologien haben immer dasselbe Problem: Männer und ihre Präferenzen. Da kollektive Ideologien immer ein kollektives, in der Gemeinschaft liegendes Heil verkünden, sind individuelle Präferenzen, die vom kollektiven Heilsziel abweichen, das, was es zu bekämpfen gilt. Entsprechend haben sich kollektive Ideologien immer sehr findig und effizient gezeigt, wenn es darum ging, abweichende individuelle Präferenzen zu bekämpfen. Stalin hat seine Gegner in Gulags ermordet, die Nazis haben Gegner ihrer kollektiven Ideologie in Konzentrationslagern umgebracht, die Führung der SED hat eine Mauer um das eigene Land gezogen und jeden, der sein Freiheitsrecht reklamiert hat, erschossen. Heute, da brachiale Methoden wie die beschriebenen nicht mehr so hoch im Kurs stehen und die herrschende kollektive Ideologie des Staatsfeminismus zudem mit dem “Sorgemythos des Wohlfahrtsstaats” ausgestattet ist, wird nicht mehr auf Individuen mit anderen Präferenzen geschossen bzw. sie werden nicht mehr interniert (wenn man Sonderschulen einmal ausnimmt), nein, heute werden die Gefahrenquellen individuellen Widerstands gegen den Staatsfeminismus durch Umerziehung und bereits in der Schule bekämpft. Es ist müsig, darauf hinzuweisen, dass die Gefahr für den Staatsfeminismus von derselben Quelle rührt, von der sie immer herrührte: Männer, Jungen in diesem Fall, Jungen, denen ihr “Machogehabe”, ihre unangepasste Individualität in Schulen abtrainiert werden muss. Gelingt das Erziehungsvorhaben und sind die Jungen entweder willig oder findig genug, sich scheinbar auf das Erwartete einzulassen, dann winkt ihnen eine weiterführende Bildung, sind sie weder willig noch findig, dann winkt ihnen die Sonderschule, die Arbeitslosigkeit und ein von Staatsfeministen umsorgtes Leben, das sie von einer “Maßnahme” in die nächste gleiten sieht.

Diese eher philosophische Einleitung vorweggeschickt, will ich mich nun dem derzeitigen Lieblingsthema der Staatsfeministen zuwenden: Der Gleichstellung von Frauen im Beruf (bzw. in Vorstandsetagen) und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dem Feld, das sich als das lukrativste für die Legionen helfender und sozialarbeiterisch umsorgender Kostgänger des Staatsfeminismus erwiesen hat. Das Ziel ist klar: Frauen sollen dem Staat Kinder gebären, sie sollen arbeiten und dafür entlohnt werden als seien sie nicht durch die Wahrnehmung ihrer Gebärpflichten über längere Phasen ihrer Erwerbstätigkeit ein Totalausfall für die Unternehmen, die sie beschäftigen, und sie sollen Männern in jeder Hinsicht im Berufsleben gleichgestellt sein. Das will die staatsfeministische Ideologie.

Nun zur Realität, zur ganz utopiefreien baren Wirklichkeit: Nicht alle Frauen wollen arbeiten. Manche sitzen lieber zu Hause und lassen sich ernähren. Und dass sie das können, daran ist der Staatsfeminismus schuld, der einerseits Frauen zum Arbeiten bringen will, andererseits Frauen gerade dafür bezahlt, dass sie nicht arbeiten.

Dies waren die Behauptung, die Belege folgen auf dem Fuß:

Catherine Hakim hat bereits in den 1990er Jahren eine Reihe von Forschungen veröffentlicht, deren einheitliche Aussage man wie folgt zusammenfassen kann: rund 30% der Frauen sind “committed to work”,  weitere rund 30% der Frauen “prefer not to work”. Zwischen beiden Gruppen lavieren die Unentschlossenen, Frauen, die noch nicht entschieden haben, ob sie lieber arbeiten wollen oder nicht, Frauen, die einen Anreiz benötigen, um sich entweder für die eine oder die andere Seite zu entscheiden. Nun, welche Form von Anreiz stellen wohl Zahlungen für Fertilität, wie sie der deutsche Staatsfeminismus in unglaublicher Höhe bereitstellt, dar? Welchen Anreiz stellen die finanziellen Rechte, die Mütter einklagen können, ihre Ansprüche auf staatliche Alimentierung, die sie allein dadurch erzielen, dass sie fertil sind, dar? Ich denke, kaum jemand der bei normalen Sinnen ist, wird bestreiten, dass die entsprechenden Anreize alle dahin gehend wirken, die Unentschlossenen gegen ein “commitment to work” und für  “not to work” zu bewegen. Das ist eigentlich alles ganz einfach und seit der Forschung von Hakim auch bekannt. Die Abbildung zeigt eine Klassifikation der Präferenzen von Frauen im 21. Jahrhundert, die Catherime Hakim bei einem Vortrag verteilt hat. Der komplette Handout des Vortrags kann auf den Seiten der Campaign for Merit in Business heruntergeladen werden.

20 Jahre nach Catherine Hakim trauen sich auch deutsche Wissenschaftler, genauer Stephan Humpert und Christian Pfeifer, zwei Ökonomen, an die Frage heran, ob Frauen eigentlich die Präferenzen für Arbeit haben, die ihnen vom Staatsfeminismus kollektiv und einheitlich zugeschrieben werden. Es ist mir eine besondere Freude, die Ergebnisse, zu denen die beiden Ökonomen gekommen sind, hier zu besprechen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Daten des SOEP die Datengrundlage darstellen und die Ergebnisse in der Reihe “SOEPpapers” des DIW veröffentlicht wurden, also in der Reihe eines Institutes, das in den letzten Monaten mit fliegenden Fahnen in die Reihen der Staatsfeministen eingeschwenkt ist. Nun, Humpert und Pfeifer haben die Daten des SOEP benutzt, um u.a. zu untersuchen:

  • wie hoch das Einkommen sein müsste, das man Männern wie Frauen, die arbeitslos sind, bieten müsste, damit sie arbeiten gehen – in der Ökonomie spricht man hier vom reservation wage;
  • wie viele Stunden pro Woche Männer wie Frauen bereit wären, für das entsprechende Gehalt zu arbeiten;
  • Und wie hoch das Einstiegsgehalt für diejenigen ist, die nach einer Arbeitslosigkeit von mehr als einem halben Jahr tatsächlich eine Tätigkeit aufgenommen haben;

Die Ergebnisse, zu denen die beiden Autoren auf der Grundlage der Antworten von 1522 Arbeitslosen und 1757 Erwerbstätigen kommen, sind die folgenden:

  • Frauen und vor allem Mütter machen die Aufnahme einer Beschäftigung von höheren Löhnen abhängig als Männer.

  • Frauen sind zu weniger Arbeitsstunden bereit als Männer.
  • Diejenige Frauen und Mütter, die eine Arbeit aufnehmen haben jedoch keine höheren Einstiegsgehälter als Männer
  • Daher gilt: “From this it follows that these groups [Frauen, besonders Mütter] have lower probabilities of choosing employment over non-employment” (21).
  • Somit stellt sich die Frage, warum vor allem Mütter hohe Anreize haben, keine Arbeit aufzunehmen. Die Ergebnisse der Autoren sind vielsagend: Vor allem Mütter haben eine geringe Bereitschaft, arbeiten zu gehen und haben eine höhere Präferenz für Freizeit (23).
  • Die Gehaltsgrenze, ab der Frauen angeben, eine Arbeit aufnehmen zu wollen, erhöht sich dann, wenn Kinder vorhanden sind, erheblich, während Kinder auf die Gehaltsgrenze, ab der Männer eine Arbeit aufnehmen, keinen Einfluss haben. Da mit Kindern Transferzahlungen einhergehen, offenbart sich hier ein perverser Effekt staatsfeministischer Fertilitäts-Subventionierung. Die für Fertilität bezahlten Frauen sind nur noch dann bereit, eine Arbeit aufzunehmen, wenn sie überdurchschnittlich dafür bezahlt werden.
  • Da den entsprechenden Frauen jedoch die Berufserfahrung und die Produktivität fehlt, um überdurchschnittlich bezahlt zu werden, erhalten sie nicht das Gehalt, das ihnen vorschwebt, und entsprechend bleiben viele von Ihnen untätig, oder wie Humpert und Pfeifer schreiben: “…wages on the other hand, depend strongly on productivity, which is positively affected by on-the-job training and negatively by employment interruptions” (20).

Die Ergebnisse von Humpert und Pfeifer bestätigen zum einen die Präferenz-Theorie von Catherine Hakim in hervorrragender Weise, zum anderen machen sie das Elend kollektivistischer Ideologien wie sie der Staatsfeminismus darstellt, sehr deutlich. Den staatsfeministischen Sozialtechnikern bleiben nur zwei Möglichkeiten, die Bereitschaft von vornehmlich Müttern, zur Aufnahme von Arbeit herzustellen: Entweder sie erlassen eine gesetzliche Verpflichtung zur Arbeit, oder sie verpflichten Arbeitgeber, Mütter ein Gehalt zu zahlen, das weit über deren Produktivität und Leistung liegt, sie mit Männern, die keine Ausfallzeiten hatten, ergebnisgleich zu stellen. Beide Lösungen sind nicht populär, die erste Lösung nicht bei den der Zwangsarbeit unterzogenen Müttern, die zweite Lösung bei den durch die Gehaltsgleichstellung von Müttern benachteiligten und diskriminierten Männern. Von ersteren wird man kaum erwarten, dass sie durch besonderen Arbeitseinsatz auffallen, von Letzteren wird man erwarten können, dass sie ihre Arbeitsbereitschaft und ihren Arbeitseinsatz reduzieren, da Leistung sich für sie nicht lohnt. Da zudem eine Zwangsverpflichtung von Müttern zur Arbeit, dem ideologischen Kern des Staatsfeminismus zuwider läuft, bleibt nur die Gleichstellung von Männern und Frauen im Hinblick auf das Entgelt: Ergebnisgleichheit. Und genau diese Ziel der Ergebnisgleichheit, durchzieht die staatsfeministische Propaganda und die Versuche der Umerziehung von Jungen und Männern, die mit ihr einhergehen. Da ist es eben wieder, das Problem mit Männern und damit, dass Männer Präferenzen für Leistung, Wettbewerb und dafür haben, sich von anderen zu differenzieren,Präferenzen also, die im Staatsfeminismus nicht vorgesehen sind.

In jedem Fall steht am Ende das, was bei sozialistischen Experimenten immer am Ende stand: Die Diskreditierung von Leistung, der Niedergang wirtschaftlicher Prosperität, und der Ruin einer Gesellschaft. Dies alles ist bekannt, die entsprecheden Experimente in der Sowjetunion und der DDR liegen noch nicht so lange zurück, als dass man sie vergessen haben könnte. Aber: Sozialisten im Allgemeinen und Staatsfeministen im Besonderen sind nicht lernfähig, und entsprechend muss Geschichte sich offensichtlich doch wiederholen.

Humpert, Stephan & Pfeifer, Christian (2012). Explaining Age and Gender Differences in Employment Rates: A Labor Supply Side Perspective. Berlin: DIW, SOEPpapers on Multidisicplinary Panel Data Research #449.

Reise nach Absurdistan: Die Postwachstumsgesellschaft

Dr. Thomas Sauer, Professor für Volkswirtschaftslehre am Fachbereich Betriebswirtschaft der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena, nimmt die Leser seines Beitrags, “Die Rolle der Gemeingüter in den Städten” mit auf eine Reise, eine Reise von Widerspruchshausen nach Absurdistan. Nicht nur ist der Beitrag in einer Weise geschrieben, die man jedem Studenten um die Ohren hauen würde, weil weder die Fragestellung noch ein roter Faden, der dem Leser durch den Text hilft, erkennbar sind noch ist der Inhalt, jenseits der ideologischen Betrachtung der Welt auch nur im Entferntesten deckungsgleich mit dem, was in ökonomicher und soziologischer Theorie diskutiert wird und was man in beiden als Grundlagenwissen bezeichnen könnte. Dies war die Behauptung, nun folgt der Beleg.

Ich habe im Satzdickicht von Dr. Sauer, die folgenden Aussagen/Behauptungen identifizieren können, die man – wenn man unterstellt, der Beitrag sei mit einem bestimmten Ziel geschrieben worden, der Beitrag enthalte eine “message”, in die folgende logische Abfolge bringen kann:

  1. Die “Wachstumswirtschaft” hat “uns” an die “Grenzen des planetaren Ökosystems” geführt.
  2. Es kriselt: Klimakrise, Energiekrise, Globalisierungskrise und Systemkrise sind “Schockgeneratoren”.
  3. Das Problem mit dem Wachstum besteht darin, dass es Ressourcen verbraucht, dass es Steuereinnahmen generiert und dass es Arbeitslosigkeit beseitigt.
  4. Die Wachstumsgesellschaft sieht eine Entkoppelung von Ökonomie und Gesellschaft. Die Postwachstumsgesellschaft will eine “Wiedereinbettung der Ökonomie in ihren gesellschaftlichen und ökologischen Kontext”.
  5. Die Postwachstumsgesellschaft kennt “einen neuen Ökonomiebegriff”, keine individuelle Nutzenmaximierung und eine “Abkehr vom Paradigma der “unsichtbaren Hand””, an dessen Stelle sollen eine “kooperative Reproduktion der sozialen und ökologischen Ressourcenbasis” und eine “Idee der institutionellen Pluralität” treten.
  6. Die “neoklassische Ökonomie sagt: Wenn Kollektivgüter von jedem frei genutzt werden, dann führt dies zu einer Übernutzung. Nachhaltigkeitsprobleme sind daher immer auch Kollektivgutprobleme, meint Dr. Sauer.
  7. Die Übernutzung von Kollektivgütern kann in der “Logik der neoklassischen Ökonomie” nur durch Privatisierung verhindert werden.
  8. Elinor Ostrom hat aber gezeigt, dass Gemeingüter “sehr wohl erfolgreich gemeinwirtschaftlich verwaltet werden” können.
  9. Konklusion [Die ziehe ich, der Text von Dr. Sauer hört schlagartig und ohne Schlussfolgerungen auf]: Wir müssen weg vom Privateigentum und weg vom nutzenmaximierenden homo oeconomicus und hin zum gemeinschaftlich orientierten Sozialwesen, dessen Rechte von “dezentralen Institutionen” wahrgenommen werden, deren Ziel darin besteht, die nachhaltige Nutzung von Ressourcen zu sichern.

Die Aussagen, die ich aus Dr. Sauers Beitrag extrahiert habe und von denen ich der Ansicht bin, dass Sie den Kern des Beitrags ausmachen, will ich nunmehr in chronologischer Reihenfolge und mit den Mitteln der kritischen Analyse wie sie in unserem Grundsatzprogramm formuliert sind, analysieren:

  1. Maddison (2006), S.43

    Die Behauptung, dass die Wachstumswirtschaft uns an die Grenzen des planetaren Ökosystems geführt hat, ist, wenn ich das einmal so deutlich formulieren darf, grober Unsinn. Das Wachstum der letzten Jahrtausende hat, wie Maddison (2006) in seiner Fleißarbeit gezeigt hat, Wohlstand und Lebenssicherheit in einem Maße geschaffen, das für die jeweils vorausgehenden Generationen unvorstellbar war. Die “Tragik der Allmende”, die in Punkt 6 noch einmal wieder kommen wird, besteht nicht darin, dass rationale Akteure ein Kollektivgut übernutzen, sondern darin, dass es zu viele Akteure gibt, die ein Kollektivgut nutzen wollen.

  2. Wann hätte es je eine Zeit gegeben, in der es nicht gekriselt hat? Die Krise gehört zum Wandel, wie die Veränderung zum Fortschritt. Wer Krisen verhindern will, der muss die Zeit anhalten, denn dummerweise kommen mit Handlungen immer auch unbeabsichtigte Folgen, also Folgen, die man nicht beeinflussen, verhindern oder vorhersehen kann. Aber wenn schon Krise, dann richtig: Was ist mit der Dürrekrise in den USA? Was ist mit der Wasserkrise in Sub-Sahara-Afrika? Was ist mit der Wikipedia-Ideologie-Krise? Was ist mit der deutsche-Schwimmer-ohne-Olympia-Medaillen-Krise? Was mit der Eurokrise? Was mit der Bankenkrise, der Sub-prime-mortgage Krise, der Barclays-Krise, der Jungenkrise, der Bildungskrise, der überdüngte-Böden-Krise, der Krise der vögelmordenden Windräder, der Irak/Iran/Syrien/Afghanistan/Vietnam/Nord-Korea/Kambodscha/Somalia/Jemen/Serbien/Balkan/Georgien-Krise? Alles eine Folge der Wachtumswirtschaft?
  3. Das ist in der Tat ein Problem, dass man nur unter Einsatz von etwas, etwas erreichen kann. Aber das ist auch im Paradies so: Wer davon träumt, dass ihm gebratene Maiskolben in den Mund fliegen, vergisst, dass Maiskolben irgendwo wachsen müssen (unter Verbrauch von Ressourcen), von irgendwem angebaut werden müssen (unter Verbrauch von Ressourcen), von irgendjemandem gebraten werden müssen (unter Gebrauch von Ressourcen) und von irgendjemandem geworfen werden müssen (unter Gebrauch von Ressourcen) damit der ursprüngliche Jemand sich einbilden kann, er lebe im Paradies. Den Zusammenhang zwischen Wachstum und geringer Arbeitslosigkeit bzw. hohen Steuereinnahmen, will ich nur dahingehend kommentieren, dass es in der Postwachstumsgesellschaft offensichtlich – weil logisch aus der Feststellung folgend: hohe Arbeitslosigkeit und geringe Steuereinnahmen gibt. Obwohl mich dieser Spritzer “Realität” im Traumgebilde der “Postwachstumsgesellschaft” freut, bin ich mir doch gleichwohl nicht darüber im Klaren, ob viele die Freude an der Armut, die Anhänger der “Postwachstumsgesellschaft” zu treiben scheint, teilen.
  4. Wer denkt, dass Ökonomie derzeit von der Gesellschaft entkoppelt ist, hat eine seltsame Vorstellung davon, was es bedeutet, zu arbeiten, was die Frage nach der Tätigkeit von Dr. Sauer und dem Verhältnis, in dem seine Tätigkeit zu Arbeit steht, aufwirft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Mehrzahl der arbeitenden Erwerbstätigen der Ansicht ist, sie sei sehr wohl in die Gesellschaft eingebettet.
  5. Was Dr. Sauer als Postwachstumsgesellschaft beschreibt, ist nichts anderes als gesteuerte Ökonomie (das nennt man Sozialismus oder Kommunismus), die darauf basiert, Menschen ihr Menschsein, ihr Streben danach, sich und ihre Situation zu verbessern, ihren Nutzen zu maximieren, abzugewöhnen. Die Postwachstumsgesellschaft ist also eine Gesellschaft der Ghouls, die alle vom selben Leichnam früheren Wohlstands zehren.
  6. Nein, die Tragik der Allmende, auf die Dr. Sauer hier Bezug nimmt, und die von Garret Hardin (1968) in seinem klassischen Artikel “The Tragedy of the Commons” beschrieben wurde, ist keine Krise des Rationalismus, sondern eine Krise der Überbevölkerung: „The pollution problem is a consequence of population. It did not much matter how a lonely American frontiersman disposed of his waste. ‘Flowing water purifies itself every ten miles’, my grandfather used to say, and the myth was near enough to the truth when he was a boy, for there were not too many people. But as population became denser, the natural chemical and biological recycling processes became overloaded, calling for a redefinition of property rights” (Hardin, 1968, S.1245). Und: „… the oceans of the world continue to suffer from the survival of the philosophy of the commons. Maritime nations still respond automatically to the shibboleth of the ‘freedom of the seas.’ Professing to believe in the ‘inexhaustible resources of the oceans’, they bring species after species of fish and whales closer to extinction” (Hardin, 1968, S.1244). Man beachte zweierlei: Die “Tragedy of the Commons”, also z.B. die Überfischung der Weltmeere, hat zum einen die Ursache, dass es zu viele Menschen gibt und zum anderen die Ursache, dass kollektive Akteure, Staaten, Organisationen, Vereinigungen, so tun, als wäre die Erde nur spärlich bevölkert.

    Garret Hardin (1968). The Tragedy of the Commons.

  7. Liberale Ökonomen gehen in der Tat davon aus, dass das Problem der gemeinschaftlichen Übernutzung von Kollektivgütern dadurch gelöst werden kann, dass die entsprechenden Güter bzw. die Nutzung an den entsprechenden Gütern (Wald, Meere) privatisiert werden, sind sich aber durchaus bewusst, dass nicht-liberale Ökonomen die Rettung vor der gemeinschaftlichen Übernutzung in staatlicher Reglementierung sehen.
  8. Elinor Ostrom hat im Gegensatz zu dem, was Dr. Sauer behauptet, im Privateigentum gerade die Grundlage der Lösung des Problems der Übernutzung kollektiver Güter gesehen. Mark Pennington, dem die Fehlrezeption von  Ostroms Arbeiten massiv auf die Nerven gegangen zu sein scheint, hat dies gerade in einem Beitrag für den Blog des Institute of Economic Affairs in London richtig gestellt. Wie? U.a. in dem er zitiert, was Ostrom selbst geschrieben hat: “Common property regimes are a way of privatising the rights to something without dividing it into pieces… Historically common property regimes have evolved in places where the demand on a resource is too great to tolerate open access, so property rights have to be created, but some other factor makes it impossible or undesirable to parcel the resource itself” (McKean & Ostrom, 1995, S.6). Also wieder nichts mit der Gemeinschaftsideologie, dem Traum von Kommunismus, in dem glückliche Menschen über grüne Wiesen, die niemandem und doch allen gehören, springen und sich daran freuen, dass ihnen die gebratenen Maiskolben in den Mund fliegen… Aber das hatten wir schon.
  9. Die Konklusion, die Dr. Sauer in seinem Beitrag nahelegt, wird durch ihn selbst widerlegt, denn während er voller Enthusiasmus ein Projekt in der schwedischen (wie könnte es auch anders sein) Stadt Växjö beschreibt, das nach seiner Ansicht wohl das Beispiel par exellence für die Überwindung der Wachstumsgesellschaft mit ihren nach Eigennutz strebenden Akteuren, die auch vor der Zerstörung der Natur nicht halt machen, ist, entgleitet ihm der folgende Satz: “Ein treibender Faktor der Energiewende in Växjö war neben der Kommune die Genossenschaft der regionalen Waldbesitzer, die ein massives Interesse an der Nutzung der nachhaltig erzeugten Energieträger haben“. Es ist nicht erstaunlich, dass Waldbesitzer Holz verkaufen wollen. Es stellt die Maximierung des Nutzens von Waldbesitzern dar, wenn sie ihr Holz verkaufen, wenn sie es sicher verkaufen, wenn sie es zu einem garantierten Preis verkaufen. Und so entpuppt sich die schöne heile Welt des Postwachstums als eine Gesellschaft, in der individuelle Interessen, zwar weiterhin nutzenmaximierend sind, aber dadurch geadelt werden, dass sie nunmehr als “Interessen der Genossenschaft der regionalen Waldbesitzer” deklariert werden.

Postwachstum so hat sich gezeigt, ist nichts anderes als eine Umetikettierung und eine Neuverteilung von Legitimation. Um legitim zu sein, genügt es nicht mehr, dass Interessen individuelle Interessen sind, nein, sie müssen kollektive Interessen sein. Sind sie mit dem kollektiven Heiligenschein versehen, dann dürfen die Interessen gerne auftreten, um ihren Nutzen zu maximieren und wenn sie zudem als “nachhaltig” gelten, sind sie auch von jeglicher Kritik ausgenommen, denn wer will schon der “Umweltkrise” das Wort reden. Schon das Beispiel aus Växjö macht deutlich, dass organisierte Interessen (die Waldbesitzer) gegenüber anderen, weniger formal organisierten kollektiven Interessen einen Vorteil darin haben, ihre Interessen durchzusetzen. Und wie man denken kann, dass die Vertreter organisierter Interessen, die natürlich von sich behaupten, sie erfüllten die Werte, die gerade gesellschaftlich in Mode sind, Nachhaltigkeit zum Beispiel, würden für sich eine Grenze ziehen, bis zu der sie ihre Interessen durchsetzen und die sie nicht überschreiten, ist mir nicht nachvollziehbar. Aber ich lebe auch nicht in der Postwachstumsgesellschaft, in der die fliegenden Maiskolben unterwegs sind, und von außen betrachtet, scheint mir auch die Postwachstumsgesellschaft nichts Neues zu sein, auch das, was die Postwachstumler uns nahe legen wollen, hatten wir schon, es hieß damals DDR und die Führer der “Animal Farm” trafen sich im Zentralkomittee um die kollektiven Interessen zu formulieren und z.B. die Anzahl der Einwohner des SED-Paradieses festzulegen, die im Jahr 10 nach der Machtergreifung, einen Kühlschrank erhalten sollten.

Literatur:

Hardin, Garret (1968). The Tragedy of the Commons. Science, 162: 1243-1248.

McKean, Margareth & Ostrom, Elinor (1995). Common Property Regimes in the Forest: Just a Relic from the Past? Unasylva 48(180): 3-15.

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Unsolicitedious

Staatsfeminismus als Angriff auf die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft

In ihrem Beitrag über das Patriarchat hat Dr. habil. Heike Diefenbach die unsägliche Verbindung, die  kommunistische, pseudo-anthropologische und feministische Ideen im Staatsfeminismus eingegangen sind, deutlich angesprochen und offengelegt. Als Crux davon kann man den Staatsfeminismus als kollektivistische Ideologie beschreiben, deren Ziel darin besteht, das – wie Engels es genannt hat: “lumpige[n] Individuum” (Engels 1984[1884]: 204) einem größeren als heilig und richtig angesehenen Ganzen zu unterstellen, es in ein Volksganzes einzuordnen und seiner Individualität zu berauben. Es ist von daher kein Zufall, dass der Staatsfeminismus sich gegen freien Kapitalismus wendet und ihm ein ur-kommunistisches Idyll gegenüberstellt, in dem gleiche Menschen, mit gleichem Zugriff auf die gleichen ärmlichen Ressourcen von den besonders gleichen, den Schriftgelehrten des Staatsfeminismus, gelenkt werden. Die Schriftgelehrten des Staatsfeminismus haben dabei vornehmlich die Aufgabe, die kulturellen Voraussetzung dafür zu schaffen, dass Werte, die im Kapitalismus gelten, untergraben und besser noch: beseitigt werden. Konkurrenz wird daher als “menschenfeindlich” deklariert, Märkte als Ansammlung von egoistischen Gierlingen diffamiert, der Wert der sozialen Aufopferung dem Verfolgen eigener Ziele gegenübergestellt und, in einer an Primitivität und chthonischer Übersättigung kaum zu überbietenden Weise, werden die als schädlich festgestellten Werte mit “männlichen Werten” gleichgesetzt. Als Ergebnis dieser Zuordnung ist es nicht der Kapitalismus, der bekämpft werden soll, sondern Männlichkeit, die sich aus der Sicht staatsfeministischer Ideologen im Kapitalismus niederschlägt. Die Überwindung des Männlichen ist somit der Überwindung des Kapitalismus gleichzusetzen.

Es ist ein Problem für den Staatsfeminismus, dass die conditio humana Menschen nach etwas Streben lässt. Menschen wollen ihre Situation verbessern und sind zumeist nicht mit dem Erreichten zufrieden. Es ist deshalb eine Aufgabe, die sich Staatsfeministen selbst gegeben haben, nicht nur Menschen umzuerziehen und mit dem Wenigen, was ihnen der Staatsfeminismus zu geben vermag, zufrieden sein zu lassen, sondern auch dieses Streben nach Verbesserung, ein aus Sicht von Staatsfeministen “männliches Streben”, auszumerzen, um die Gesellschaft der Zombies zu begründen, in der niemand mehr nach etwas strebt, und in der es eine neue Form der Klassenherrschaft gibt, die George Orwell und H.G. Wells bereits vorweggenommen haben: Die Ideologen und ihre “staatsfeministische Partei” stehen über der Masse der Gleichen.

Die Versuche der kulturellen Umgestaltung richten sich vornehmlich gegen Jungen und finden sich in den vielfältigsten Zusammenhängen. Ein besonders gutes Beispiel ist die Initiative “Neue Wege für Jungs”, die bewusst das Naheliegende offen lässt: Die Angabe des Ziels, des Endpunkt der “neuen Wege für Jungs”. Dass die neuen Wege für Jungs Wege sind, die Jungen in den Gegensatz zu dem stellen, was bis zum heutigen Tag mit “Männlichkeit” verbunden wird, wird demjenigen schnell klar, der sich mit den unterschiedlichen Varianten und Methoden der Indoktrination beschäftigt, die zur Manipulation von Jungen bereit stehen, auf dass sie neue Wege beschreiten. Ich will vorweg anmerken, dass die Vorteile, die dem Staatsfeminismus daraus entstehen, dass sich Jungen auf die vorgeschriebenen neuen Wege machen, offenkundig sind, was nicht offenkundig ist, nicht einmal der Erwähnung wert befunden wird, sind die individuellen Vorteile, die sich den Jungen auf neuen Wegen bieten. Wie ich unten zeigen werde, ist dies auch kein Wunder, denn die neuen Wege sind nicht mit Vorteilen, sondern mit Nachteilen für Jungen verbunden. Dies zeigt des Staatsfeminismus einmal mehr als kollektive Ideologie: Das Wohl des Einzelnen wird der “großen Sache” geopfert.

Doch nun zum Geist der Umerziehung, zu dem, was in den kulturellen Grundlagen, die Deutschland derzeit (immer noch) besitzt, beseitigt werden soll und zu dem, womit es ersetzt werden soll, zu den “neuen Wegen für Jungs”. Kinder und Jugendliche sind für Einflussnahme von außen am empfänglichsten. Es ist daher kein Zufall, dass die meisten und die brachialsten Versuche, Kinder und Jugendliche auf die Linie des Staatsfeminismus zu zwingen und sie “den richtigen Weg” im Leben nehmen zu lassen, bereits im Kindergarten und in der Schule zu finden sind: Nie war Erziehung mehr von Ideologie durchsetzt als heute. Ein besonders schönes Beispiel dafür findet sich in den “Materialen zur Lebensplanung (nicht nur) für Jungen”, die Ulrich Boldt unter dem Titel “Jungen stärken” und u.a. über die Initiative “neue Wege für Jungs” vertreibt. Darin gibt es einen Fragebogen mit der Überschrift “Jungen, Beruf, Familie und Glück”, dem unmissverständlich entnommen werden kann, wie die neuen Wege für Jungen aussehen. Um dies deutlich zu machen, habe ich eine Reihe von Aussagen, die Jungen und Mädchen in den 9. oder 10. Klasse als richtig oder falsch bewerten sollen, etwas anders angeordnet als sie im Fragebogen angeordnet sind. Ich habe sie einander gegenübergestellt, was die inhärente Ideologie überdeutlich macht:

Mädchen sollen das Prinzip befolgen: “Heirate nie einen Mann, der sich nicht an der Hausarbeit und Kinderbetreuung beteiligt”. Der Mann macht die Wäsche, putzt die Wohnung und wäscht das Geschirr. Seine Partnerin bügelt alles und kauft ein und kocht. Eine solche Arbeitsteilung sollten alle Paare haben
Moderne Mädchen träumen nicht mehr davon, die Frau des Herrn Doktor zu sein. Sie wollen selbst Frau Doktorin werden. Moderne Jungen wollen einen interessanten Beruf ausüben. Sie möchten aber nicht alles und jedes dem Berufsleben opfern.
Mädchen sollen einen guten Beruf erlernen. Dann sind sie auch in der Lage, ihre Familie zu ernähren. Denn wer weiß, was im Leben alles passiert Jungen sollen mehr Berufe lernen, die mit Menschen zu tun haben. So sind sie auf die Betreuung ihrer Kinder vorbereitet.
Sind tatsächlich nur die Frauen für die Hausarbeit und Kindererziehung zuständig? Immer mehr Mädchen sind unzufrieden, wenn sie daran denken. Immer mehr Jungen sind unzufrieden, dass im Leben nur die berufliche Leistung zählt. Sie würden lieber auch ein Teil der Familienarbeit übernehmen. Dann hätten sie wenigstens etwas von ihren Kindern.

Angesichts der ideologischen Überfrachtung dieser wenigen Sätze weiß man gar nicht so richtig, wo man anfangen soll, daher will ich es bei der Benennung der Prämissen belassen, die ich für die perfidesten halte, perfide deshalb, weil sie Jugendlichen, die noch nach Orientierung in ihrem Leben suchen, als selbstverständlich und allseits geteilt untergeschoben werden sollen:

  • Der einzige Lebenszweck besteht in Fortpflanzung: Normale Jungen und Mädchen wünschen sich Kinder.
  • Jungen, die nicht als altmodisch gelten, sondern modern sein wollen, konzentrieren sich nicht auf ihre berufliche Karriere.
  • Altmodische Mädchen wollen Frau Doktorin sein. Allein dafür, dass sich Herr Boldt nicht vorstellen kann, dass Mädchen auch früher etwas mehr als die angeheiratete Funktion ihres Ehemanns sein wollten, hätte Herr Boldt von meiner Oma eine schallende Ohrfeige erhalten.
  • Das Hauptproblem, das es in einer Partnerschaft zu bewältigen gibt, besteht in der Teilung der so furchtbar wichtigen und alles überstrahlenden Hausarbeit.
  • Jungen und Mädchen wollen sich um Kinder kümmern.

So ganz nebenbei wird Jungen von Herrn Boldt somit nahegelegt, nicht 100% Einsatz im Beruf zu zeigen, sich mehr als Hausmann, denn als Fachmann für was auch immer zu sehen, Hausarbeit mit beruflicher Arbeit mindestens gleichzuordnen und ihr Leben in den Dienst der Erziehung der eigenen Kinder (Mehrzahl) zu stellen. Diese Vorstellung der neuen Wege von Jungen geht eine weitere Verflechtung mit der von Staatsfeministen so vehement betriebenen Umleitung männlicher Humanresourcen aus der kalten und männlichen Wirtschaft in die warme und weibliche Sozialarbeit. In Boldts Fragebogen lautet das:

Jungen sollten mehr Berufe lernen, die mit Menschen zu tun haben. So sind sie auf die Betreuung ihrer Kinder vorbereitet.

Hat jemand noch Fragen, worin der Zweck der männlichen Existenz besteht? Hätte jemand gerne noch einen Schuss Verschwörungstheorie und böses Männer-Gemisch? Kein Problem:

Wenn Männer verstärkt in Teilzeit arbeiten wollten, dann gäbe es auch mehr Teilzeitstellen.

Die nahegelegte Konklusion, die – wie immer bei perfiden Tricks – vom Leser gezogen werden soll, lautet: Derzeit verhindern die bösen Männer die Bereitstellung und gute Bezahlung von Teilzeitjobs. Und wem dies immer noch nicht reicht, um die Zeichen der Zeit zu lesen, dem sei noch die letzte Aussage aus dem Fragebogen von Uli Boldt, mit dem Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren traktiert werden, zugemutet:

Es git schon Jungen, die sich vorstellen, Hausmann zu werden. Sie haben aber Angst davor, zu ihrer Meinung zu stehen.

Ich kann mich derzeit nicht entscheiden, was mich ärgerlicher macht: Die perfide Art, mit der Jugendlichen suggeriert werden soll, dass es einen Weg zur Seligkeit gibt, die fiese Art und Weise, mit der Jungen dazu motiviert werden sollen, sich doch zu outen, natürlich nicht, dass sie glauben, homosexuell zu sein, das wäre nicht im Sinne des Erfindern, nein, dass sie Hausmann werden wollen  – welch schönes und voller gloreicher Ziele steckendes Leben -,  oder die Einfachheit, mit der die Lebenschancen von Jungen der eigenen Ideologie, dem Staatsfeminismus geopfert werden. Und dass sie das werden, haben eine Unzahl von sozialpsychologischen Studien belegt. Eine dieser Studien, von Brescoll et al. (2012) erstellt, belegt sehr eindrücklich, dass Männer, die sich in nicht als männlich angesehenen Berufen befinden, einen Statusverlust erleiden, den sie nur dadurch wettmachen können, dass sie sich besonders viel Mühe damit geben, die verlorene männliche Reputation mit entsprechenden Freizeitaktivitäten (Fussball spielen, Bodybuilding …) wieder wettzumachen. Zudem zeigt sich, dass Männer, die in Berufen arbeiten, die als typisch männliche Berufe gelten, dann, wenn ihr Vorgesetzer weiblich ist, einen erheblichen Statusverlust in den Augen ihrer Umwelt erleiden und dass dasselbe für Frauen gilt, die in einem typischen Frauenberuf mit einem männlichen Vorgesetzten konfrontiert sind. Mit anderen Worten, der Staatsfeminismus mit seinem Versuch, die kulturellen Grundlagen der Gesellschaft umzubauen, ist dabei, Unfrieden und soziale Konflikte herzustellen, die die davon betroffenen Individuen erheblich in Mitleidenschaft ziehen. Vertreter des Staatsfeminimus werden diese Kritik natürlich von sich weisen und darauf hinweisen, dass nicht sie es sind, die Individuen opfern, dass vielmehr  überkommene gesellschaftliche Wertvorstellungen dafür verantwortlich seien. Diese Ausflucht ändert nichts an der Kälte, mit der Staatsfeminsten Individuen instrumentalisieren, um sie den “überkommenen Wertvorstellungen” zu opfern, immer in der Hoffnung, dass ihr Opfer die eigene Ideologie voranbringt. Diese Verachtung von Individuen ist es, die kollektive Ideologien wie den Staatsfeminismus auszeichnet: Wo das hehre und oberste Gemeinschaftsgut betroffen ist, bleiben Individuen eben auf der Strecke.

Wie es mit demokratischen und freiheitlichen Idealen vereinbar ist, dass in deutschen Schulen fachfremde und ideologische Inhalte vermittelt und Schulen zu Stätten der Indoktrination umgebaut werden, wie also, die völlige Erziehungsentmündigung von Eltern legitimiert wird, ist eine Frage, die bislang nicht einmal gestellt wird, denn im Staatsfeminismus werden kritische Fragen nicht gestellt, am Ende fühlt sich noch jemand bemüsigt, sie aufrichtig zu beantworten.

Literatur:

Brescoll, Victoria L., Uhlmann, Eric Luis, Moss-Racusin, Corinne & Sarnell, Lonnie (2012). Masculinity, Status, and Subordination: Why Working for a Gender Stereotype Violator Causes Men to Loose Job Status. Journal of Experimental Social Psychology 48(2): 354-357.

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Davidicke

Die Entprofessionalisierung der Wissenschaft oder: Von der Universität zur Kindertagesstätte

Vor einigen Tagen hat die New York Times darüber berichtet, dass immer mehr Männer in den USA Berufe ergreifen, die bislang von Frauen dominiert werden. Das Ergebnis dieser “geschlechtsuntypischen Berufswahl” ist interessant: Mit dem zunehmenden Anteil von Männern in “Frauenberufen” steigen die Gehälter für alle in den entsprechenden Berufen Arbeitenden und der berufliche Aufstieg der Männer in den Frauenberufen erfolgt durchschnittlich schneller als der entsprechende berufliche Aufstieg der dort beschäftigten Frauen. Meine These lautet: Mit einem zunehmenden Anteil von Männern nimmt die Professionalität in den entsprechenden Berufen zu.

Zurück nach Deutschland: Hier hat gerade eine Anhörung vor dem Ausschuss für Bildung, Forschung und Technologiefolgenabschätzung des Bundestages stattgefunden, deren primäre Erkenntnis bereits in der Überschrift der Pressemeldung, die sich mit der Anhörung beschäftigt, zusammengefasst wird: “Frauen werden im Wissenschaftssystem benachteiligt”. Frauen, die ewigen Benachteiligten könnte man formulieren, würde einem diese Formulierung nicht im Halse stecken bleiben, denn “die Frauen” werden in “der Wissenschaft” ganz sicher nicht benachteiligt. Die differenzierte Betrachtung von Fakten, ein entsprechend rationaler Blick auf die Wirklichkeit, ist denjenigen, die “die Benachteiligung der Frauen” sehen, jedoch fremd. Von ihnen hört man, im Gegenteil, Folgendes:

  • “Bleibt die Personalstruktur wie sie ist, ist das eine Aufforderung an Wissenschaftlerinnen das Wissenschaftssystem wieder zu verlassen. Das nenne ich einen perversen Ansatz”. Derart differenzierte Stellungsnahmen gibt Edit Kirsch-Auwärter, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Göttingen von sich. Nur am Rande sei vermerkt, dass man in der Wissenschaft gewöhnlich dann von einem perversen Effekt spricht, wenn eine planvolle Handlung zu unbeabsichtigten Folgen geführt hat. Den Unsinn mit der Personalstruktur will ich an dieser Stelle nicht kommentieren, und nur darauf hinweisen, dass eine Personalstruktur nur dann “geschaffen” werden kann, wenn man über die Köpfe von Individuen hinweg für diese Individuen entscheidet, d.h. wenn man ihnen vorgibt was sie zu tun haben oder sie zwingt, etwas Bestimmtes zu tun – das wäre qua definitiom Autoritarismus, der eine borderline Existenz zum Totalitarismus führt.
  • Der Präsident der Justus-Liebig Universität Gießen, Joybrato Mukherjee, weiß, dass seine Universität zu 67% von weiblichen Studenten bestückt wird, wogegen die Professoren zu 82% männlich sind. Entsprechend ist es nach seiner Ansicht wichtig, freiwerdende Stellen “wenn irgend möglich mit Frauen zu besetzen”, eine Quote für Stellenbesetzungen einzuführen und auf einen Mentalitätswandel hinzuwirken. Wo Kirsch-Auwärter den Autoritarismus nur impliziert, ist Mukherjee deutlicher: Wer nicht spurt, wird quotiert, wer immer noch nicht spurt, dessen Mentalität wird halt geändert.
  • Wolfgang Marquart, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, fordert eine Zielquote. Ziel dieser Quote ist es zu erreichen, “dass der Frauenanteil auf einer Qualifikationsstufe mindestens so hoch sein muss, wie der Anteil auf der jeweils niedrigeren Stufe”. Das Ganze nennt sich Kaskadenmodell und hätte vermutlich zur Folge, dass in vielen Bereichen der Sozialwissenschaften kaum mehr ein männlicher Professor zu finden ist, während in den meisten Naturwissenschaften nach wie vor keine weiblichen Professoren vorhanden wären. Auch eine Form der Geschlechtssegregation. Ist das wirklich gewollt? Oder hat Herr Marquart einfach nicht überlegt, bevor er gequasselt hat?

Ich tendiere im Hinblick auf den Vorsitzenden des Wissenschaftsrats zu letzterer Erklärung, tut sich der Wissenschaftsrat doch schon seit Längerem mit besonders unsinnigen Vorschlägen und Veröffentlichungen hervor. Das neueste Beispiel: “Fünf Jahre Offensive für Chancengleichheit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – Bestandsaufnahme und Empfehlungen”. Dieses in vielerlei Hinsicht als Epitaph auf eine effiziente und der Erkenntnis verschriebene Wissenschaft anzusehende Pamphlet, enthält eine Reihe von Forderungen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss, ehe man sie ausspuckt. Ich habe mich bei der folgenden Analyse auf das Kapitel “B.III Vereinbarkeit von Familie und Beruf” beschränkt.

  • Das Kapitel basiert auf der Annahme, dass der geringe Anteil von Wissenschaftlerinnen unter Professoren darauf zurückzuführen ist, dass eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht gegeben ist.
  • Gleich im ersten Absatz wird dieser Annahme noch eine weitere, ebenso abstruse oder doch zumindest unbewiesene Annahme hinzugesellt: Kinderlosigkeit sei der Preis, den “Frauen und Männer für eine wissenschaftliche Karriere bezahlen müssen” (28).
  • Wer nun denkt, zwei abstruse Annahmen reichen, der hat die Rechnung ohne den Wissenschaftsrat gemacht, denn in Absatz drei wird noch eine Annahme obendrauf gesetzt, nämlich: Universitäten sind nur dann attraktive Arbeitgeber (übrigens nicht Arbeitgeberinnen!), wenn sie dafür sorgen, dass die Kinderbetreuungsangebote “den besonderen Bedürfnissen des wissenschaftlichen Personals genügen” (28).
  • Und worin bestehen die besonderen Bedürfnisse des wissenschaftlichen Personals?
    1. in Abendbetreuungsangeboten für Kinder,
    2. in Übernachtungsmöglichkeiten,
    3. in einer Kindergartensprache “Englisch”,
    4. in mit der Kinderbetreuung zu vereinbarenden Arbeitsplätzen, so genannten Eltern-Kind-Büros,
    5. und im “Umdenken und Entgegenkommen” von Kollegen, damit ein heute “noch häufig von Eltern wahrgenommener Mangel an Kinderfreundlichkeit der Institutionen sich nicht manifestiert” (29).

Verbei sind die Zeiten, in denen man als Student in der Bibliothek versinken konnte, denn die Bibliotheksangestellte bringt ihr Kind mit ins Büro, und entsprechend wird man regelmäßig durch Geschrei aus dem Buch geschreckt, in das man gerade versinken will. Sprechstunden gibt es nur noch dann, wenn das Kind im Büro gerade schläft bzw. alle Bedürfnisse des Kindes soweit gestillt sind, dass sich Mutti oder Papi wieder um die Studenten und deren Magisterarbeit kümmern können. In Seminaren ist mit regelmäßigen Unterbrechungen zu rechnen, da die Dozentin ihr Kind mitgebracht hat, und im eigenen Büro ist an Arbeit nicht mehr zu denken, das Eltern-Kind-Büro nebenan verhindert das. Die beschriebene Kindermanie, mit der nunmehr auch noch das letzte Refugium der Erwachsenen, der letzte Hort, an dem man etwas anderes tun konnte, als dem heiligen Kinde zu Willen zu sein bzw. als seine Zeit um das Geschrei im Nachbarbüro herum einzuteilen, ist gefallen. Die letzte Bastion, in der man zumindest dem Schein erliegen konnte, sie werde nach professionellen Maßstäben betrieben, wurde von der kindermanischen Armee im Sturm genommen. Dem Wissenschaftsrat sei dank.

Was der Wissenschaftsrat mit seiner “Offensive” erreichen will, ist offensichtlich: Eine Entprofessionalisierung der Universitäten. Durch die Infantilisierung der Arbeitsbedingungen werden all diejenigen abgeschreckt, die Leistung bringen wollen und für die Leistungen auch eine entsprechende Bezahlung verlangen. Nun hat die Bundesregierung bereits mit dem letzten Hochschulrahmengesetz dafür gesorgt, dass die Besoldung von Professoren reduziert wird, von C nach W. Eine Reduzierung des erreichbaren Einkommens scheint regelmäßig die erste Stufe der Entprofessionalisierung zu sein. Auf dieser Stufe scheiden diejenigen aus, die nicht bereit sind, 16 Wochenstunden Lehre für W-Besoldung zu leisten. Dies sind regelmäßig Wissenschaftler mit Optionen, die im Ausland gerne eingestellt werden. Man rufe eine beliebige Universität in den USA auf, und lese die Nachnamen der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter, um sich einen Eindruck von diesem brain drain zu verschaffen. Die zweite Stufe der Entprofessionalisierung besteht in dem Ruf nach einer Frauenquote. Dieser Ruf, dessen Übersetzung lautet: bei uns zählt Dein Geschlecht, nicht Deine Leistung, schreckt diejenigen ab, die noch bereit waren, W-Besoldung zu ertragen, aber nunmehr, wenn ihnen offen gesagt wird, dass ihre Leistung irrelevant ist, der Ansicht sind, etwas Besseres als diese Form der Mißachtung finden sie überall. Die dritte Stufe der Entprofessionalisierung besteht in der oben beschriebenen Infantilisierung. Für wen, so kann man sich fragen, ist eine Universität interessant, die Kindertagesstätte, nicht aber Ort der Lehre und des Lernens ist? Sicherlich nicht für Wissenschaftler, schon eher für Personen, die sich nicht entscheiden können, ob sie lieber Mama oder Papa oder lieber Wissenschaftler spielen wollen. Das Ergebnis entsprechender Halbherzigkeiten ist bestenfalls mäßige Lehre und folgerichtig ein Niedergang der Wissenschaftskultur.

Damit schließt sich der Kreis zur Eingangs berichteten Studie der New York Times: Entprofessionalisierung geht mit einem Exodus von Männern und von Frauen, deren Lebenssinn nicht in der Fortpflanzung besteht, einher. Es bleiben die Teilzeitkräfte, die eigentlich Eltern sind, aber uneigentlich noch an Universitäten auftauchen, ohne so richtig zu wissen, was sie dort sollen, ohne eine Berufung für ihren Beruf zu empfinden, denn wäre dem so, sie wüssten ihren Arbeitsplatz von der Kindertagesstätte zu unterscheiden.

Nachtrag zum Wissenschaftsrat

Wem es nach diesen Ausführungen noch nicht klar ist, dem sei gesagt, der Wissenschaftsrat ist kein wissenschaftliches, sondern ein politisches Gremium. Er setzt sich wie folgt zusammen:

  • Wissenschaftliche Kommission (32 Personen)
    • Wissenschaftler berufen vom Bundespräsidenten auf Vorschlag z.B. der Rektorenkonferenz oder der Deutschen Forschungsgemeinschaft; Derzeit 24 Personen, davon: 12 Männer und 12 Frauen.
    • Personen des öffentlichen Lebens berufen vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung und der Landesregierungen; Derzeit 8 Personen, davon: 4 Männer und 4 Frauen.
  • Verwaltungskommission (21 Personen)
    • Von der Bundesregierung entsandte Mitglieder; Derzeit: 6 Personen, davon: 4 Männer und 2 Frauen.
    • Von den Landesregierungen entsandte Mitglieder; Derzeit: 15 Personen, davon 5 Männer und 10 Frauen.

Unsinn der Woche: Schutz vor der Verbraucher-Nanny-Zentrale

Staatliche Versuche, unter den Siegeln von Schutz und Fürsorge “die Bürger” auch noch vom letzten Rest an Eigenverantwortung für ihr Leben zu entmündigen, sind weit verbreitet. Der Nanny-State, dessen Ziel darin besteht, ein menschliches Leben von der Wiege bis zur Bahre in Abhängigkeit von staatlichen Regulationen und Vorgaben zu gestalten, anders formuliert, dessen Ziel darin besteht, Entscheidungsfreiheit für Menschen zu beseitigen und Leben zu standardisieren, interveniert in alle Teile des privaten Lebens, nicht etwa weil er ein Freind der individuellen Freiheit wäre, nein, weil er seine Bürger umhegen, pflegen und vor allem vor sich selbst schützen will. Bürgern ist nicht zu trauen, entsprechend muss man sie zum richtigen Leben und den richtigen Entscheidungen führen und die Möglichkeiten zur Abweichung beseitigen – oder?.

Da Staaten nicht nur Arbeit- sondern auch Geldgeber sind, gibt es eine große Zahl von Institutionen, die staatliche Bestrebungen, Eigenverantwortung auszurotten und den Nanny-State zu implementieren, tatkräftig unterstützen. So auch die Verbraucherzentrale.

Die Verbraucherzentrale sieht ihre Aufgabe nicht etwa darin, Verbraucher vor staatlicher Gängelung zu schützen, sondern darin, auch noch den letzten Hort von Eigenverantwortung aufzuspüren und die staatliche Reglementierung dafür zu fordern. Dass die entsprechenden Forderungen nicht ohne eine stattliche Anzahl von Beschäftigungsverhältnissen, die dafür notwendig sind, auskommen, versteht sich von selbst. Aber, wo es um den Schutz der Bürger und die Beseitigung ihrer Eigenverantwortung geht, da ist kein Posten zu wenig und keine Schutz-Anstrengung zu billig.

Entsprechend beschäftigt die Verbraucherzentrale bereits eine Anzahl von Mitarbeitern, die im Internet surfen, um die dort lauernden Gefahren zu katalogisieren, vor ihnen zu warnen, den individuellen Internetsurfern die Verantwortung für ihr Tun abzunehmen und, fast hätte ich es vergessen, nach Regulationen und Regulierern (Stellen!) zu rufen. Damit dieser Ruf auch seine Wirkung nicht verfehlt, erfolgt er unter erschreckender Überschrift:

Gefährliche Lebensmittel im Internet,

so lautet die Überschrift einer Pressemeldung der Verbraucherzentrale, in der die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner aufgefordert wird, “die Zügel bei der Neuordnung der Lebensmittelüberwachung anzuziehen”, weil man überall, aber vor allem im Internet Kontrolldefizite finde. So seien viele der “online erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel” gesundheitsschädlich. (Man beachte, dass sich die gefährlichen Lebensmittel aus der Überschrift zwischenzeitlich in Nahrungsergänzungsmittel verwandelt haben.)

Bildquelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

Dieses “erschreckende” Ergebnis, nachdem viele online erhältliche Nahrungsergänzungsmittel gesundheitsschädlich sind, stammt aus der Prüfung von 70 Produkten durch die Verbraucherzentrale, 70 Produkte, die “schlank, fit und potent machen sollen”. (Die Lebensmittel aus der Überschrift, die zwischenzeitlich zu Nahrungsergänzungsmitteln mutiert sind, haben sich nunmehr in Fitness-, Schlankheits- und Potenzmittelchen transformiert!) “Jedes dritte exotische Power-, Potenz- und Schlankheitsmittel enthielt illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Substanzen. Bei vier von fünf Präparaten fehlten die vorgeschriebenen Warnhinweise”.

Deutsche kauft nur deutsches Viagra, möchte man nun ausrufen, um die Gefahr für den deutschen Volkskörper, wie sie aus “exotischen” und gesundheitsgefährdenden Mittelchen entspringt, zu bannen. Denn: nicht vom Brot allein lebt der deutsche Mensch, er braucht seine Nahrung ergänzende, seine Potenz steigernde kontrollierte Lebensmittel, aber natürlich nicht ohne Warnhinweis: “Der Gebrauch dieses Potenzmittels kann zu Unterhaltszahlungen führen”, oder: “Personen mit Bluthochdruck sollten dieses Präparat nur im Beisein eines Arztes oder qualifizierten Personals einnehmen”. Aber vor lauter Potenz will ich die Warnhinweise für Schlankheitsmittel nicht unterschlagen: “Abnehmen kann zum Tod führen”, scheint der angemessene Hinweis.

Nun stellt sich natürlich die Frage nach der Relevanz dessen, was uns die Verbraucherzentrale hier präsentiert. 70 Potenz- und Fitness-Präparate, scheinen kein besonders repräsentativer Querschnitt dessen zu sein, was im Internet angeboten wird. Sicherlich zu wenig, um eine Forderung nach mehr Überwachung und mehr Überwacherstellen aufzustellen. Das haben die Gesellen der Verbraucherzentrale auch gemerkt. Deshalb beharren sie darauf, dass Potenz-, Fitness- und Schlankheitsmittel Lebensmittel sind. Von Lebensmitteln zu Nahrungsmitteln ist es nicht weit und Nahrungsmittel kaufen Bundesbürger per Jahr in der Größenordnung von rund 170 Millionen Euro im Internet – wie man der Pressemitteilung entnehmen kann. Das trägt als Begründung für mehr Kontrolleure schon weiter und zeigt, warum es so wichtig ist, Potenzmittel als Nahrungsmittel zu klassifizieren.

Nun kann man die Besorgnis der Verbraucherzentrale um die Potenz der Bundesbürger vielleicht noch als Resultat des Geburtenrückgangs in Deutschland und die eigene Hingabe an staatliche Vorgaben erklären, was hingegen nicht erklärbar und nicht tolerabel ist, ist die Ansicht der Verbraucherzentralen-Potenzmittel-Wächter, sie hätten es bei ihrer Bevölkerung mit einem Haufen zur Eigenverantwortung unfähiger Deppen zu tun, denen man jede Entscheidungsfreiheit nehmen müsse. Vielleicht ist es an der Zeit zur Gegenwehr. Lasst und eine Organisation gründen (als e.V. zur steuerlich begünstigten Förderung der Selbstverantwortlichkeit der Bevölkerung), deren Zweck darin besteht, Bürger vor Institutionen zu schützen, die Bürger schützen wollen. Angesichts der Vielzahl bürgerschützender Institutionen denke ich, 1000 Institutionenkrontolleure, die wir als Freiheitskämpfer bezeichnen sollten, dürften für den Anfang genügen.