Die Wissenschaft als Magd des Staates oder: Wie man Wissenschaft von innen heraus zerstört

Gender Studies, das muss man nicht mehr als Hypothese aufstellen, das kann man, angesichts der Weigerung der Vertreter der Gender Studies, sich einer öffentlichen Diskussion über den Wert, Nutzen und vor allem beider Relation zu den Kosten der Gender Studies zu stellen, mit Fug und Recht behaupten, Gender Studies sind ideologische U-Boote, die an Universitäten installiert wurden, um dort nicht nur den normalen Betrieb zu stören, wie die z.B. Lann Hornscheidt durch Aufrufe zur Störung von Veranstaltungen tut, sondern auch, um an Universitäten ein Zeitalter der Irrationalität einzuläuten, das dadurch geprägt ist, dass Genderista, die kein Idee von Methoden und Standards der Wissenschaft haben, mit willkürlichem Geschwätz versuchen, die Grenze zwischen Wissenschaft und Unsinn zu verwischen und Wissenschaft zu diskreditieren.

Niedersachsen Bildung WissenschaftDabei sind Gender Studies sehr zweckdienlich, zweckdienlich für die politische Agenda von Kultusministerien, die schon seit Jahren und nicht erst seit dem Professorinnenprogramm versuchen, unabhängige oder gar freie Forschung und Lehre zu unterbinden. Ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man Gender Studies, deren Nutzen, um es noch einmal zu sagen, bis zum heutigen Tag und obwohl es zwischenzeitlich 189 Lehrstühle für angeblich Frauen- und Geschlechterforschung bundesweit gibt, niemand angeben kann, ein Beispiel dafür, wie man also Gender Studies an Universitäten installiert, um dort Wissenschaft und wissenschaftliche Betätigung unmöglich zu machen oder erheblich zu erschweren, liefert das Land Niedersachsen.

Das Land Niedersachsen, genauer: das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur hat ein Programm zur Förderung der Genderforschung in Niedersachsen beschlossen. Warum es notwendig ist, die Genderforschung in Niedersachsen zu fördern, fragt man sich, angesichts der gähnenden Leere, der man sich gegenübersieht, wenn man nach Forschungsergebnissen der Gender Studies sucht und erhält keine Antwort. Denn: das Programm des Landes Niedersachsen wurde aufgelegt, weil eine “Potenzialanalyse für Geschlechterforschung in Niedersachsen” angeblich gezeigt hat, dass “die gezielte und ausgewählte Förderung einzelner Bereiche und Standorte weiterhin notwendig ist, um durch eine stärkere Verankerung in den Fächern sowie eine intensivere hochschulübergreifende Vernetzung Innovationspotenziale zu erschließen”.

Die Förderung der Gender Studies in Niedersachsen wird also nicht mit deren Nutzen begründet, was auch kaum möglich ist, sondern im Hinblick auf Verbreitung und Vernetzung, ganz so, wie man vermutlich in der Sowjetunion Stalins analysiert hat, an welchen Orten es noch nicht genügend Politkommissare gibt, weshalb die politische Kontrolle noch nicht ausreichend vernetzt erfolgen kann.

Es wird hier ganz offen ausgesprochen, dass es nicht darum geht, wissenschaftliche Erkenntnis oder einen volkswirtschaftlichen Nutzen zu erzielen, sondern darum, noch mehr Gender Studies an Universitäten zu installieren und die bereits vorhandenen Gender Studies untereinander zu vernetzen. Wer hätte je davon gehört, dass Lehrstühle für Mathematik, für Politikwissenschaft oder für Ethnologie untereinander vernetzt sind? Eine Vernetzung ist nur dann notwendig, wenn über die Vernetzung eine gemeinsame Agenda befördert werden soll, wenn eine Gleichschaltung erfolgen soll, ein koordiniertes Vorgehen abgesprochen werden soll.

Offensichtlich ist dies in Niedersachsen und nicht nur in Niedersachsen der Fall. Dass Inhalte keine Rolle spielen, zeigt bereits der Name des Programms zur Förderung von Genderista an Universitäten: “Geschlecht – Macht – Wissen”, so der Name, man hätte auch “Verkehrsfunk – Pfaffenhofen – Plattfuss” als Name für das Projekt wählen können, denn, wie es so schön heißt, in der Beschreibung des Programms:

“Von den Antragstellerinnen und Antragstellern wird erwartet, das beantragte Projekt – unabhängig von der fachlichen Herkunft und einer eher empirischen oder eher theoretischen Ausrichtung – in die Theoriediskussionen der internationalen Genderforschung einzubetten. Dabei sind Bezüge zur Debatte um Gleichheit und Differenz ebenso denkbar wie Fortentwicklungen der Diskussion um „Sex“ und „Gender“, sozialhistorisch inspirierte Aufarbeitungen geschlechtsspezifischer Herrschaftsverhältnisse oder Untersuchungen, die Fragen der Genderforschung auf andere Kategorien von sozialer Differenz (Klasse, ethnische Herkunft etc.) beziehen. Auch Fragestellungen der (anwendungsorientierten) Geschlechterforschung zu Technikentstehung, -verbreitung und -nutzung („gendered innovations“)
eröffnen interessante Forschungsfelder gerade in den Natur- und Technikwissenschaften. Innovatives Potenzial birgt auch die Perspektive der geschlechtersensiblen Medizin, die biologische und sozial konstruierte Eigenschaften von Geschlecht zusammen denkt.”

Man hätte das Ganze auch abkürzen können und sagen: “Macht halt’ irgendwas mit Geschlecht und erweckt mit eurem Antrag den Anschein, dass das Thema irgend eine Relevanz für was auch immer hat!”

Und wer irgendwas will, der erhält auch irgendwas.

Die gerade verkündeten vier Projekte, die von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen ausgewählt wurden und für die 1,5 Millionen Euro verschleudert werden, lauten wie folgt:

  • Borkenkaefer“The Gender-Governance Link: Gender Equality and Public Goods Provision (Universitäten Lüneburg und Göttingen).” Für alle die es nicht wissen: Governance kann als Form der institutionellen Steuerung übersetzt werden, was zeigt, dass “The Gender-Governance Link” ein unsinniger Titel ist, denn Institutionen haben kein Geschlecht und ein Link zwischen einem Geschlecht und einer Institution wäre eher – sagen wir: ungewöhnlich. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusehen, dass hier ein Lamento als Ergebnis produziert wird, das Lamento der Benachteiligung von Frauen durch staatliche Institutionen und Steuerungspraktiken. Es wird mit Sicherheit keine Erwähnung finden, dass in staatliche Bildungsinstitutionen, die von Frauen beherrscht werden, Jungen benachteilgt werden.
  • “Die Krise ist weiblich. Soziale Struktur und diskursive Macht als Gender-Problem im klassischen Altertum (Universitäten Göttingen und Osnabrück).” Wie man ein ganzes Forschungsprojekt betreiben kann, um die Feststellung, dass die Krise weiblich ist, was in der Tat so ist, denn das grammatikalische Geschlecht von Krise ist weiblich, festzustellen, ist uns ein Rätsel. Aber wir freuen uns schon darüber zu lesen, dass Aristoteles, Platon, Aristophanes, Cicero usw. alle chauvinistische Schweine waren.
  • “Eine interdisziplinäre Verbundforschung zur geschlechtsbezogenen Körper- und Bewegungssozialisierung in der Kindheit unter besonderer Berücksichtigung sozialer und ethnischer Kategorien (Universitäten Osnabrück und Göttingen)”: Türkische Jungen laufen und bewegen sich anders als deutsche Mädchen, und deshalb brauchen wir eine Bewegungsquote für türkische Mädchen – oder so. Ein entspannendes Projekt.
  • “Geschlechterwissen in und zwischen Disziplinen: Kritik, Transformation und dissidente Partizipation (Universitäten Oldenburg und TU Braunschweig)”: Irgendwie können wir nicht so richtig glauben, dass hier eine Hymne auf Aleksandr Solzhenitsyn and Andrei Sakharov gesungen werden soll, die Dissidenten, die ihre Freiheit eingesetzt haben, um gegen ein sozialistisches System zu kämpfen. Die “dissidente Partizipation” gehört wohl eher in die Kategorie, wir wissen nicht was wir schreiben. Womit wir wieder da sind, wo wir angefangen haben: “Schreibt halt’ irgend etwas, damit wir es fördern können!”

Es ist wieder an der Zeit auf unsere Petition hinzuweisen, mit der das Ende der öffentlichen Finanzierung von Genderismus gefordert wird. Eigentlich ist die Unterschrift Pflicht für all diejenigen, die denken, ein Bildungssystem sei dazu da, Bildung zu vermitteln, nicht Ideologie und teure Universitäten würden deshalb unterhalten, weil dort nützliche Erkenntnis gewonnen wird, die das gesellschaftliche Wachstum und den gesellschaftlichen Wohlstand fördern, nicht um Genderista ein Auskommen und die Möglichkeit zu geben, Wissenschaft zu zerstören, wie Borkenkäfer Bäume von innen heraus zerstören.

Daher:

Unsere Petition unterstützen

Solidaritäts-Mob? Humboldt-Kader wollen sich mit Lann Hornscheidt solidarisieren

Die Fachschaftsinitiative Gender Studies an der Humboldt-Universität ruft zum “SOLIMOBI für Lann auf”.  Ein Aufruf, dem man vorab bereits vorab dreierlei bescheinigen kann:

SOLIMOLI

  • Wie die infantile und vertraute Sprache deutlich macht, kommt der Aufruf zum “SOLIMOBI” aus dem, was HP Lovecraft in einer seiner Erzählungen als Zuneigungsgruppe bezeichnet hat.
  • Wie der Gegenstand des “SOLIMOBI” zeigt: “Verfassen eines Lann Hornscheidt unterstützenden Statements zum Offenen Brief an den Präsidenten gegen x”, geht es nicht darum, sich mit den Argumenten im offenen Brief auseinanderzusetzen, nicht um eine gesittete oder eine Auseinandersetzung, wie man sie von denen erwarten würde, die Akademiker oder akademischer Nachwuchs sein wollen, nein, es geht um Agitation, um ideologische Agitation, darum, die Reihen der eigenen Sekte zu schließen. Insofern wird die Unterstützerliste zu was auch immer, die aus dem “SOLIMOBI” hervorgeht, interessant sein, da sie den harten Kern des Gender Kults an der Humboldt-Universität umfassen wird.

Studenten wie Akademiker werden von Steuerzahlern finanziert bzw. nehmen von Steuerzahlern finanzierte Angebote wahr. Entsprechend sollte man von den SOLIMOBI-Fachschaftsstudenten erwarten, dass sie nicht wie Lemminge hinter ihrem Lann herlaufen, sondern das nutzen, was ihnen eigentlich von Geburt an mitgegeben wurde, ihr Gehirn und das damit einhergehende Potential zum eigenständigen Denken.

Da wir die Hoffnung in den menschlichen Intellekt, auch den von Studenten in der Fachschaftsinitiative Gender Studies an der Humboldt-Universität, nach wie vor nicht aufgegeben haben, hier etwas, über das Studenten, die den Anspruch an eine eigenständige Gehirnbenutzung noch aufrechterhalten, nachdenken sollten:

Die Personalisierung des “SOLIMOBI” auf “Lann” macht deutlich, dass die Verfasser des Aufrufs zum “SOLIMOBI” den wichtigsten Punkt übersehen haben. Der Offene Brief, den wir verfasst haben, richtet sich nicht gegen Lann Hornscheidt als Person, sondern dagegen, dass Lann Hornscheidt eine wissenschaftliche Position missbraucht, und zwar dazu, ihre/seine eigene Ideologie zu verbreiten, und zwar auf Kosten von Studenten, Kollegen und Steuerzahlern. Dass wir diese Ideologie für eine absurde Absonderlichkeit halten, tut insofern nichts zur Sache, denn selbst dann, wenn die Ideologie halbwegs intelligent wäre, hätte sie an einer Universität nichts zu suchen.

Steuerzahler finanzieren Akademiker an Universitäten nicht dafür, dass die entsprechenden Akademiker ihren eigenen Spleen ausleben oder unter der Behauptung, sie würden denken, den letzten Unsinn verbreiten. Entsprechend sind Akademiker in ihrem Tun Steuerzahlern verpflichtet, verantwortlich und Rechenschaft schuldig. Die “SOLIMOBIs” sollten sich entsprechend überlegen, welchen benennbaren Nutzen Lann Hornscheidt Steuerzahlern, z.B. einem Lkw-Fahrer, den wir in einem früheren Beispiel bemüht haben, erbringt, und wie man dem entsprechenden Lkw-Fahrer gegenüber rechtfertigen kann, dass er mit seinem hart verdienten Geld Lann Hornscheidt mitfinanziert.

GenderfaschosUniversitäten sind Stätten der Wissenschaft, der systematischen Gewinnung von Erkenntnis, wobei Erkenntnis Aussagen über die Realität meint, die einerseits prüfbar, andererseits nachvollziehbar sind. Wenn die Aktivisten, die am Donnerstag, den 4. Dezember ihren “SOLIMOBI” ausdrücken wollen, etwas für Lann Hornscheidt tun wollen, dann solten sie ihm/ihr aus der Verlegenheit heraus helfen, dass Lann Hornscheidet selbst anscheinend nicht in der Lage ist, die einfachsten Fragen, die jeder Wissenschaftler im Schlaf beantworten kann, zu beantworten, und daher für Lann Hornscheidt die entsprechende Denkarbeit leisten und die folgenden Fragen beantworten:

  1. Welche Erkenntnis hat die Forschung von Lann Hornscheidt bislang erbracht?
  2. Welcher Nutzen geht von dieser Erkenntnis aus?
  3. Wem entsteht dieser Nutzen?
  4. Welche empirischen Erkenntnisse hat die Forschung von Lann Hornscheidt erbracht?
  5. Wozu ist es wichtig, diese empirischen Erkenntnisse zu haben?
  6. Wo verläuft die Grenze zwischen dem, was Lann Hornscheidt erzählt und Indoktrination?
  7. Welche Kenntnisse haben Studenten von Lann Hornscheidt, die sie vor ihrem Studium nicht bereits hatten?
  8. Welche Belege für den Nutzen dessen, was Lann Hornscheidt erzählt, gibt es?
  9. Welche Belege für den Schaden dessen, was Lann Hornscheidt erzählt, gibt es?
  10. In welchem Verhältnis stehen Nutzen und Schaden dessen, was Lann Hornscheidt erzählt, zueinander?
  11. Welches Erkenntnisinteresse hat Lann Hornscheidt?
  12. Welche Methoden der Erkenntnisgewinnung nutzt Lann Hornscheidt?
  13. Wie wird sichergestellt, dass vermeintliche Erkenntnisse von Lann Hornscheidt nachprüfbar sind und von anderen nachvollzogen werden können?
  14. Gibt es ein theoretisches Konzept, das Lann Hornscheidt nutzt?
    1. Wenn ja, auf welcher empirischen Basis steht dieses Konzept?
    2. Wenn ja, wie hat sich dieses Konzept in der Empirie bewährt?
  15. Was hat Lann Hornscheidt an der Humboldt-Universität zu suchen?
  16. Welchen konkreten Nutzen hat Lann Hornscheidt der Wissenschaft gebracht?
  17. Welchen konkreten Schaden hat Lann Hornscheidt der Wissenschaft zugefügt?
  18. Wie rechtfertigt Lann Hornscheidt ihre/seine Finanzierung durch Steuerzahler?
  19. Welcher Nutzen entsteht Steuerzahlern dadurch, dass sie Lann Hornscheidt finanzieren?

Auf die Antworten sind wir jetzt schon gespannt, und es sollte für die “SOLIMOLIs” ja kein Problem darstellen, die Antworten zu geben, sie wollen ja sicherlich nicht wie kleine Kinder dastehen, die hinter ihrem gewählten Idol herrennen, ohne zu wissen warum.

Berlin, BücherverbrennungUnd natürlich interessiert es uns brennend zu erfahren, wie die “SOLIMOLIs” dazu stehen, dass Lann Hornscheidt zu Straftaten aufruft, also dazu, Speisekarten zu zerstören, Bücher zu zerstören, Veranstaltungen an Universitäten (nicht die eigenen) zu stören, Läden, die ideologisch nicht passen, zu boykottieren usw. Und wenn Sie sich dazu eine Ansicht gebildet haben, die “SOLIMOLIs”, dann wäre es abschließend noch interessant zu wissen, was den Aufruf, Bücher mit falschem Inhalt zu zerstören, Läden falscher Inhaber zu boykottieren und Veranstaltungen falscher Dozenten an Universitäten zu stören, von den Aktion der SA und SS im Dritten Reich unterscheidet, die – besonders an Berliner Universitäten – Lehrveranstaltungen jüdischer Professoren verunmöglicht haben, die Deutsche dazu aufgerufen haben, nicht bei Juden zu kaufen und Bücher mit undeutschem Inhalt verbrannt haben.

Wenn die SOLIMOLIs dann zu dem Schluss gekommen sind, zu dem man kommen muss, dass sich zwischen den entsprechenden Aufrufen und den Taten der SA/SS intellektuell kein Unterschied finden lässt und daraus den logischen Schluss gezogen haben, dass sie im Begriff sind, sich als Faschisten zu verdingen, dann fangen sie vielleicht zu guter Letzt doch noch an zu denken – eigenständig zu denken – und wer weiß, am Ende werden sie noch erwachsen … und vielleicht sogar Wissenschaftlicher?

Totale Verwirrung bei TOTAL E-QUALITY: Gleichstellung oder Chancengleichheit – was denn nun?!?

Bereits vorgestern haben wir über das vom TOTAL E-QUALITY Deutschland e.V. erfundene Prädikat mit dem aufschlussreichen Namen TOTAL E-QUALITY berichtet, das gemäß der Beschreibung durch das IWT der “Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in Ihrem Unternehmen/Ihrer Organisation”, darunter auch in wissenschaftlichen Institutionen, dienen soll.

Total-E-QualityDer TOTAL E-QUALITY Deutschland e.V. ist seinerseits anscheinend eine Erfindung des Bundesministeriums für alle außer Männern (in der Blüte Ihrer Jahre), und vermutlich gilt das auch für das Prädikat; jedenfalls wird es “[m]it Unterstützung” dieses Ministeriums finanziert, und Angela Merkel und Ursula von der Leyen scheinen zu meinen, dass ihr Konterfei auf den Seiten von TOTAL E-QUALITY Deutschland e.V., versehen mit den üblichen, unsinnigen Sprüchen zur angeblichen Ignoranz der bundesdeutschen Gesellschaft gegenüber “der Hälfte unserer Talente” dabei helfen würde, den Multiplikatoren-Verein für ihre Staatsideologie beim Bürger einzuschmeicheln. Ob nicht sozusagen dieser Schuss nach hinten losgehen wird, ist eine offene Frage, aber jedenfalls handelt es sich um die “usual suspects”, die hinter dem neu erfundenen Prädikat stehen.

Weil derzeit mit dem Begriff der Chancengleichheit in Deutschland ungehemmt und in jeder erdenklichen Weise Schindluder getrieben wird, betrachten wir uns den so genannten “Quick-Check”, d.h. den Kurz-Fragebogen, den das IWT erstellt hat, um wissenschaftlichen Institutionen oder Organisationen zu ermöglichen, vor der eigentlichen Bewerbung um das Prädikat festzustellen, “wie weit Sie schon sind” (so heißt es im “Quick-Check”) oder besser: wie weit sie derzeit schon von der Idee der Wissenschaft Abstand genommen haben, um sie durch geistige Verwirrung und Gehorsam der Staatsideologie gegenüber zu ersetzen.

Die Jury, die über die Vergabe des Prädikats für Gehorsam gegenüber der Staatsideologie an wissenschaftliche Einrichtungen entscheidet, besteht übrigens aus genau drei Personen, von denen nur eine einzige als hauptberuflich tatsächlich in der Wissenschaft Tätige angesehen werden kann, nämlich die Sprachwissenschaftlerin Dr. Hadumond Bußmann, während die anderen beiden Personen als Personal in der wissenschaftlichen Selbst-/Verwaltung angesehen werden müssen: bei ihnen handelt es sich um Dr. Ing. Matthias Kleiner, der Präsident der Leibnitz-Gemeinschaft ist, und Brigitte Göbbels-Dreyling, die die stellvertretende Generalsekretärin der Hochschulrektorenkonferenz ist.

Der Kurz-Fragebogen für wissenschaftliche Einrichtungen umfasst insgesamt zehn Fragen. Zu jeder dieser Fragen stellen wir unsererseits kurze Fragen oder machen kurze Anmerkungen, die eigentlich hinreichen sollten, um das Prädikat TOTAL E-QUALITY als das Ergebnis totaler geistiger Verwirrung erkennbar zu machen, das es ist.

Es folgen zunächst die zehn Fragen aus dem Kurz-Fragebogen:

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Fragen Unsere Anmerkungen
(1) “Sind in Ihrer Einfrichtung Frauen in wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Führungspositionen beschäftigt oder an fachlich herausgehobenen Positionen ohne Führungsverantwortung tätig (als Projektleiterin o.ä.)?” In wissenschaftlichen Einrichtungen sollten ebenso wie in Unternehmen und Organisationen diejenigen Personen in Führungspositionen sein, die die vergleichsweise höchste Leistung erbracht haben. Das Geschlecht einer Person gibt keinerlei Aufschluss über die von ihr erbrachte Leistung und umgekehrt. Wenn Frauen in Führungspositionen anzutreffen sind, dann ist davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer Leistung in diese Positionen gekommen sind, denn bis vor wenigen Jahren galt auch in wissenschaftlichen Einrichtungen noch das Leistungsprinzip, und gerade deshalb sind Frauen in Führungspositionen (auch) an wissenschaftlichen Einrichtungen ein Beleg dafür, dass Chancengleichheit bereits in der Vergangenheit geherrscht haben muss, denn sonst hätten diese Frauen nicht in ihre Führungspositionen gelangen können. Wenn das zutrifft, ist die Abwesenheit von Frauen in Führungspositionen aber anders zu erklären als dadurch, dass keine Chancengleichheit herrschen würde oder geherrscht hätte. Frage 1 kann daher nicht als Indikator für Chancengleichheit angesehen werden, sondern lediglich als Indikator für die Annäherung an eine Quotierung von Führungspositionen nach Geschlecht. So gesehen misst Frage 1 in der Tat, wie weit sich wissenschaftliche Einrichtungen schon vom Leistungsprinzip ab- und einem Quoten- oder Gleichstellungsprinzip zugewandt haben.
(2) “Beteiligen Sie Frauen an Ausschreibungsverfahren oder Auswahlgremien? An Ausschreibungsverfahren und Auswahlgremien sind Personen normalerweise aufgrund ihres Tätigkeitsprofils und nicht aufgrund ihres Geschlechtes beteiligt. Beispielsweise setzt sich eine Berufungskommission an einem universitären Fachbereich vorrangig aus Inhabern von Lehrstühlen zusammen. Frauen sind in dem Maß an Berufungskommissionen beteiligt wie sie Lehrstühle inne haben. Das entspricht der Idee, dass es Fachkollegen sind, die am besten geeignet sind, einen kompetenten Bewerber um eine Professur auszuwählen, wobei das Geschlecht von Personen ohne Bedeutung ist. Ausschreibungsverfahren werden an wissenschaftlichen Einrichtungen gewöhnlich von den Zuständigen im Personalamt bzw. der Personalabteilung durchgeführt, so dass auch dort gilt: Frauen sind in dem Maß an ihnen beteiligt, in dem sie die entsprechenden Zuständigkeiten in Personalabteilungen haben. Frage 2 verdeckt diese Zusammenhänge vollständig und scheint darüber hinaus Frauen niedrige Motive wie Basenwirtschaft zu unterstellen, indem angenommen wird, dass Frauen, wann immer sie eine Position inne haben, diese Position aus unbekannten Gründen – vielleicht wird hier von einer Art biologischem Imperativ ausgegangen, der selbst ein erhebliches Maß an Sexismus darstellt – dazu missbrauchen werden, Frauen gegenüber Männern zu bevorteilen. Die Frauen, die sich durch ihre Beteiligung an dem Prädikat als Unterstützerinnen dieser Vorstellung identifizieren oder sogar meinen, mit ihrem Namen und Konterfei dafür werben zu müssen, scheinen sich nicht einmal darüber bewusst zu sein, auf welche für ihre Integrität fatale Weise diese Vorstellung auf sie als Positionsinhaberinnen zurückfällt.
(3) “Werden Frauen – auch in Teilzeit – beruflich gefördert (z.B. Mentoringprogramme)?” Warum sollte ein Unternehmen, eine Institution, eine Organisation oder speziell eine wissenschaftliche Einrichtung ein Geschlecht bevorzugen, wenn es sich angeblich für Chancengleichheit einsetzt? Chancengleichheit bedeutet, dass Personen, die sich an der Einrichtung bewerben oder dort arbeiten, auf dieselben Bedingungen treffen. Als Bewerber sollten sie dementsprechend dieselbe Chance haben, dass ihre Qualifikationen mit Bezug auf die zu besetzende Stelle betrachtet und mit denen der anderen Bewerber verglichen werden, und das bedeutet, dass sie im Vorfeld dieselben Chancen haben müssen, diese Qualifikationen zu erwerben. Wenn Frauen, aber nicht Männer diesbezüglich gefördert werden, dann bedeutet das, dass die Chancengleichheit verletzt wird, nicht, dass sie gefördert würde. Das ist das Gegenteil dessen, wozu das Prädikat angeblich beitragen möchte. Ob hier bewusst versucht wird, die Öffentlichkeit auf primitive Weise zu täuschen, oder ob hier tatsächlich blanke Unkenntnis sozialpolitisch relevanter Ideen und Konzepte zum Ausdruck kommt, bleibt ungeklärt.

Chancengleichheit ist eine Gleichheit, die sich – wie der Name schon sagt – auf die Gleichheit von Chancen, nicht auf die Gleichheit von Ergebnissen bezieht. Entweder es ist das Ziel einer Initiative, möglichst viele oder eine bestimmte Anzahl von Frauen auf bestimmte Positionen zu bringen – Gleichstellung fällt in diese Kategorie, da sie eine gleiche Verteilung von Männern und Frauen auf bestimmte Positionen anstrebt –, dann strebt man eine Gleichheit im Ergebnis an, und weil die Verteilung, die im Ergebnis vorliegen soll, schon bekannt ist, ist Chancengleichheit völlig unnötig: man verteilt einfach solange nur oder bevorzugt Personen mit einem bestimmten Merkmal, z.B. Geschlecht, bis diese Personengruppe die Ergebnisse aufweist, die man ihr zugedacht hat. Chancengleichheit ist eine Form der Gleichheit, die dann gar nicht notwendig ist. Oder es ist das Ziel einer Initiative, darauf hinzuwirken, dass jede Person dieselbe Chance hat, die Zugangskriterien zu einem Gut oder einer Position durch eigene Leistung, soweit man sie erbringen möchte, zu erfüllen. Chancengleichheit ist daher ein Teil des Gerechtigkeits- bzw. Leistungsprinzips und steht im Gegensatz zu jeder Vorstellung von Ergebnisgleichheit oder Quotierung.

Wer Frage 3 bejaht, zeigt also an, dass er Chancengleichheit gerade nicht fördert, sondern das Chancengleichheitsprinzip bewusst zugunsten einer Ergebnisgleichheit oder Quotierung zu verletzen bereit ist.

(4) “Ist Personalentwicklung für den wissenschaftlichen und wissenschaftsstützenden Bereich bereits ein Thema?” Personalentwicklung in Unternehmen, Institutionen oder Organisationen dient gleichermaßen dazu, dazu beizutragen, dass der Daseinszweck derselben möglichst gut erreicht wird. Der Daseinszweck von Unternehmen ist, Profit zu erwirtschaften und am Markt zu bleiben, was erst ermöglicht, dass Konsumenten zuverlässig und bezahlbar mit bestimmten Gütern versorgt werden. Der Daseinszweck von wissenschaftlichen Einrichtungen ist es, die Wissenschaft voranzubringen. Frage 4 hat daher keine Relevanz mit Bezug auf die Erhöhung des Frauenanteils in Unternehmen, Institutionen oder Organisationen, es sei denn, man wolle Personalentwicklung dazu missbrauchen, Ergebnisgleichheit nach Geschlecht zu schaffen, statt den jeweiligen Daseinszwecken der Unternehmen, Institutionen oder Organisationen dienstbar zu machen.
(5) “Unterstützen Sie Ihre Mitarbeiter/innen bei der Kinderbetreuung (finanziell, organisatorisch)?” Unternehmen, Institutionen oder Organisationen sind nicht dazu da, den privaten Entscheidungen ihrer Mitarbeiter Rechnung zu tragen. Sie sind gut beraten, diejenigen Personen zu beschäftigen, die sich am meisten für das Unternehmen, die Institution oder Organisation engagieren wollen, nicht diejenigen, die meinen, sich nur engagieren zu können, wenn Unternehmen, Institutionen oder Organisationen für ihre sonstigen Angelegenheiten sorgen. Unternehmen, Institutionen oder Organisationen bezahlen ihre Mitarbeiter für die Arbeit, die sie tun; es besteht kein Anlass zu meinen, sie müssten ihre Mitarbeiter hierüber hinaus dafür entschädigen, dass sie in der Zeit, in der sie arbeiten, nicht am sonnigen Strand sitzen oder ein Buch lesen oder mit Kindern spielen oder sonst einer privat bevorzugten Tätigkeit nachgehen können. Siehe auch die Anmerkung zu Frage 4 bzw. zum Daseinszweck von Unternehmen, Institutionen oder Organisationen.

Im Übrigen soll Frage 5 wohl suggerieren, dass Kinderbetreuung durch eine Person eine notwendige Beziehung zum Geschlecht der Person habe, was eine Verwechslung von Kinderbetreuung mit Kinderzeugung darstellt und einen biologistisch fundierten Sexismus darstellt, den diejenigen, die Frauen und Männer gerne gleichstellen wollen, gerne denen vorwerfen, die Chancengleichheit und Leistungsprinzip der Ergebnisgleichheit vorziehen (also keine Sozialisten sind).

(6) “Hat die Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte ausreichende Ressourcen, um wirksam arbeiten zu können?” Die Frage ist unsinnig, denn eine Gleichstellungsbeauftragte gehört nicht in Unternehmen, Institutionen oder Organisationen. Eine Gleichstellungsbeauftragte soll ja anscheinend Personengruppen gleichstellen. Unternehmen, Institutionen oder Organisationen haben aber bereits ihre Daseinszwecke, und für diese ist Gleichstellung irgendwelcher Personengruppen irrelevant. Schmuggelt man in Unternehmen, Institutionen oder Organisationen Gleichstellungsbeauftragte ein und stattet man sie auch noch mit “ausreichende[n] Ressourcen [aus], um wirksam arbeiten zu können”, dann macht man aus dem Unternehmen, der Institutionen oder der Organisationen eine Filiale der staatsideologischen Gleichstellungspolitik, die ihr eigener Zweck ist, und pervertiert damit den Zweck, aufgrund dessen das Unternehmen, die Institution oder die Organisation einmal diente und eigentlich dienen sollte.
(7) “Integrieren Sie gleichstellungspolitische Elemente in Ihre Planungs- und Steuerungsinstrumente (z.B. monetäre und strukturelle Steuerungssysteme, Controllingsysteme, Evaluationsverfahren)?” Die Frage misst ebenso wie Frage 6 lediglich, wie weit sich Unternehmen, Institutionen oder Organisationen schon von ihrem Daseinszweck und ihrer Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler und Konsumenten entfernt haben, und zwar aus denselben Gründen, die oben schon genannt wurden.
(8) “Ist Chancengleichheit in das Leitbild Ihrer Organisation integriert?” Frage 8 ist insofern eine dumme Frage als Diskriminierung von Personen oder Personengruppen aufgrund fachfremder Merkmale im Grundgesetz verboten ist. Es besteht daher überhaupt keine Notwendigkeit für Unternehmen, Institutionen oder Organisationen Chancengleichheit als ein “Leitbild” zu integrieren. Eine Selektion von Mitarbeitern gemäß ihrer Qualifikationen ist dagegen nicht nur (noch) nicht verboten, sondern dient dazu, den Daseinszweck der Unternehmen, Institutionen oder Organisationen zu erfüllen. Insofern alle Mitarbeiter die Chance haben, ihre Qualifikationen bei einer Bewerbung um einen Arbeitsplatz und am Arbeitsplatz einzubringen und sich unternehmensintern und extern weiterzubilden, besteht Chancengleichheit der Mitarbeiter. Weil es im Interesse der Unternehmen, Institutionen oder Organisationen ist, diese Chancen zu bieten, kann man davon ausgehen, dass sie dies tatsächlich tun. Es scheint, dass in dieser Frage gar nicht Chancengleichheit gemeint ist, sondern Gleichstellung oder Quotierung der Geschlechter, was jedoch einander ausschließt (s. Anmerkung zu Frage 3). So gesehen ist Frage 8 ein Täuschungsversuch bzw. ein primitiver rhetorischer Trick oder ein neuerliches Zeugnis geradezu fahrlässiger, weil gesellschaftspolitisch unverantwortbarer Ahnungslosigkeit.
(9) “Integrieren Sie Erkenntnisse aus der Frauen- und Genderforschung in Forschung, Lehre und Studium?” Frage 9 ist u.E. die Frage mit dem größten Erheiterungswert: ihr liegen die völlig unbegründeten Prämissen zugrunde, dass 1) eine Frauen- und Genderforschung als Forschung im Sinne des Wortes (statt als rhetorischer Übung) inklusive der Möglichkeit und Bereitschaft zur Falsifikation ihrer Hypothesen existiere, 2) eine solche Forschung, (anscheinend aber nicht die Männerforschung,) falls sie existiert, irgendwelche benennbaren Ergebnisse (statt Bewertungen aufgrund ideologischer Vorgaben) erbracht hätte, und 3) dies Forschung, falls sie existiert, von irgendeiner Relevanz für die Erfüllung des Daseinszweck von Unternehmen, Institutionen oder Organisationen sei. Was von der in Frage 9 angesprochenen Frauen- und Genderforschung zu halten ist, wird schon daran deutlich, dass die Formulierer dieser Frage offensichtlich davon ausgehen, dass sie, falls sie existiert und falls sie benennbare Ergebnisse erbracht hätte, zweifellos eine Lobbyveranstaltung für Frauen sein müsse oder für das, was die Formulierer meinen, was im Interesse von Frauen sei. Es ist ihnen anscheinend völlig unvorstellbar, dass eine solche Forschung einen Befund erbringen könnte wie z.B. den, dass viele Frauen sich einem Dasein als Mutter stärker verbunden fühlen als irgendeinem Berufsethos und ihre Zukunftsplanung und ihr Engagement im Unternehmen, in der Institution oder Organisation entsprechend gestalten. Damit ist klar, dass von Frauen- und Genderforschung gar nicht erwartet wird, dass sie eine Forschung im Sinne wissenschaftlicher Forschung über (soziale) Tatsachen und Zusammenhänge ist. Und hieraus wiederum folgt, dass auch Frage 9 misst, wie weit sich ein Unternehmen, eine Institutionen oder eine Organisation von der Realität entfernt hat, in der es/sie agieren – und bestehen – muss.
(10) “Fördern Sie die Gewinnung junger Frauen für ein Studium und ihre Chancen für wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Karrieren?” Siehe Anmerkung zu Frage 3. Die Bevorzugung einer bestimmten Personengruppe ist nun einmal Bevorzugung und nichts anderes. Wer nicht an Gehirnkrebs leidet, versteht das. Und weil Bevorzugung Bevorzugung ist, steht sie im Gegensatz zu Chancengleichheit.

Fazit:
Berlin, Großkundgebung im SportpalastDas angebliche Prädikat misst politische Korrektheit bzw. wie weit Unternehmen, Institutionen oder Organisationen sich von ihrem Daseinszweck entfremdet und zu ausführendem Organen und Multiplikatoren staatsfeministischer Ideologie geworden sind. Um den Fragebogen – leicht abgewandelt – zu zitieren:

“Je mehr Fragen Sie mit ‘Ja’ beantworten, umso besser sind die Erfolgschancen einer Bewerbung. Schicken Sie uns Ihr Ergebnis! Uns interessiert, wie gut Ihre Organisation auf dem Weg zum Erfüllungsgehilfen der Ideologie eines totalitären Staates schon ist!”

Wir finden, dass Unternehmen, Institutionen oder Organisationen, für die mehr als eine Frage (vielleicht, weil sie missverstanden worden ist,) mit “Ja” beantwortet werden muss, offensichtlich ihren Daseinszweck vergessen haben und von so ungebildeten Mitarbeitern bestückt werden, dass sie den Unterschied zwischen Chancengleichheit und Gleichstellung (durch systematische Bevorzugung der einen und damit Benachteiligung der anderen) nicht kennen. Wenn es sich um wissenschaftliche Einrichtungen handelt, die vom Steuerzahler finanziert werden, steht die Frage im Raum: Wollen wir als Steuerzahler und Bürger solche nur angeblich wissenschaftlichen Einrichtungen finanzieren?

Die andere Frage, die sich uns aufdrängt, lautet: warum sollte man sich die Mühe machen, solche als rhetorische Tricks oder als Zeugnisse geistiger Verwirrung sofort ersichtliche Fragen zu formulieren, wenn man auch einfach fragen könnte: “Wollt ihr die totale Gleichheit?” Wer sich dazu hergibt, einen Fragebogen zwecks Erwerb des Prädikates TOTAL E-QUALITY auszufüllen, würde hierauf doch zweifellos einfach laut “Ja!” schreien können.

Pen y Fan

Wissenschaft ist schön und gut, Kritische Wissenschaft ist schöner und besser, und dennoch: Manchmal brauchen wir Abwechslung: einmal keinen Computer sehen und einfach nur sein Dasein genießen.

Nein, jetzt kommt keine romantische Abhandlung über die Schönheit der Natur und das Einswerden mit Wind und Wetter. Wir haben nur ein paar Gedanken und Impressionen mitgebracht, die wir gesammelt haben, während wird 520 Höhenmeter überwunden haben, und zwar vor unserer Haustür, in den Brecon Beacons.

Dort thront der Pen y Fan (gesprochen: “Pen-i-wan”).

Der hier:

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©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

Nun mögen manche denken, Pen y Fan sei nicht besonders hoch, eher ein Spaziergang, eher ein Hügel in der Landschaft – weit gefehlt:

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

Impressionen

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

Von Gefahren und Rettern

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©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

©Heike Diefenbach, 2014

Übrigens war keiner der Angehörigen der Mountain-Rescue, die ihre Rettungsmaterialien auf den Pen y Fan geschleppt und uns überholt haben, weiblich. Und die Besatzung des Rettungshubschraubers der RAF bestand auch aus Männern. Ein klarer Fall einer Benachteiligung von Frauen, der uns fordern lässt: Gleichstellung von Frauen im Schicht- und Rettungsdienst.

Wenn man auf dem Dach seiner Heimat sitzt und in die Weite blickt, ein Blick, der von keinerlei menschlicher Ansiedlung beeinträchtigt wird, dann stellt sich unwillkürlich die Frage nach dem Sinn des Lebens ein, eine Frage, die wir heute mit Roald Dahl, der in Cymru geboren wurde, beantworten wollen:

Roald Dahl:

The Pig

In England once there lived a big
And wonderfully clever pig.
To everybody it was plain
That Piggy had a massive brain.
He worked out sums inside his head,
There was no book he hadn’t read.
He knew what made an airplane fly,
He knew how engines worked and why.
He knew all this, but in the end
One question drove him round the bend:
He simply couldn’t puzzle out
What LIFE was really all about.
What was the reason for his birth?
Why was he placed upon this earth?
His giant brain went round and round.
Alas, no answer could be found.
Till suddenly one wondrous night.
All in a flash he saw the light.
He jumped up like a ballet dancer
And yelled, “By gum, I’ve got the answer!”
“They want my bacon slice by slice
“To sell at a tremendous price!
“They want my tender juicy chops
“To put in all the butcher’s shops!
“They want my pork to make a roast
“And that’s the part’ll cost the most!
“They want my sausages in strings!
“They even want my chitterlings!
“The butcher’s shop! The carving knife!
“That is the reason for my life!”
Such thoughts as these are not designed
To give a pig great piece of mind.
Next morning, in comes Farmer Bland,
A pail of pigswill in his hand,
And piggy with a mighty roar,
Bashes the farmer to the floor…
Now comes the rather grizzly bit
So let’s not make too much of it,
Except that you must understand
That Piggy did eat Farmer Bland,
He ate him up from head to toe,
Chewing the pieces nice and slow.
It took an hour to reach the feet,
Because there was so much to eat,
And when he finished, Pig, of course,
Felt absolutely no remorse.
Slowly he scratched his brainy head
And with a little smile he said,
“I had a fairly powerful hunch
“That he might have me for his lunch.
“And so, because I feared the worst,
“I thought I’d better eat him first.”

Das Anstands-Gap: Lügen, Falschaussagen und Gender Pay

Verzweiflung ist etwas, was nur Intelligente empfinden können, denn es bedarf eines gewissen Quantums an Verstand, um über Dinge verzweifelt sein zu können, denn Verzweiflung resultiert aus der Kenntnis, dass das, was die Verzweiflung auslöst, nicht so sein muss, anders sein könnte, ja müsste, wenn Grundlagen, Erkenntnisse weiter verbreitet wären, wenn nicht jeder, der sprechen kann, dächte, er müsse zu allem den Mund aufmachen, wenn nicht …, nun, es ist eben zum verzweifeln.

Niemand hat Verzweiflung angesichts einer Mauer aus Dummheit und stoischem Behauptens, der Baum, gegen den man laufe, sei gar kein Baum, besser zum Ausdruck gebracht als Karl Raimund Popper, der zeitlebens versucht hat, Naheliegendes zu verbreiten, nämlich dass man von begrenztem Wissen nicht auf unbegrenztes Wissen schließen kann – unter Philosophen bekannt als so genanntes Induktionsproblem:

Logik der Forschung“Es ist jetzt 50 Jahre her, seit ich im Jahre 1932 das abgeschlossene Manuskript meines Buches Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie … Rudolf Carnap und Herbert Feigl und einigen anderen Wissenschaftstheoretikern und auch einem Physiker, Franz Urbach, zu lesen gab. […] Jetzt, nach 50 Jahren, wird die triviale Einsicht, dass es keine probabilistische Induktion gibt, noch immer von den meisten Wissenschaftstheoretikern bekämpft – wenn auch nicht so heftig als vor 20 Jahren. Ich habe in dieser Zeit immer wieder neue [mathematische] Beweise vorgelegt, die mir einfach und überzeugend erschienen. Keiner dieser Beweise wurde je widerlegt. Die induktivistische Einstellung war geradezu Allgemeingut, und sie ist es ja noch immer. So wurden meine Beweise nicht ernst genommen.
Der hier abgegebene Beweis scheint mir (wie der jeweils letzte meiner Beweise) der beste zu sein, und der einfachste, den ich bisher gegeben habe. Er ist auch wohl der letzte, den ich, als 80jähriger, in diesem Buch veröffentlichen werde. (…) Ob mein letzter und einfachster Beweis […] endlich Beachtung finden wird oder zumindest eine sachliche und ernste Kritik?” (Popper, 1994: 444).

Man sieht, die Ignoranz, mit der von Vertretern bestimmter Interessen Belege ignoriert werden, die die Behauptungen, mit denen sie ihre Interessen durchsetzen wollen, widerlegen, ist kein neues Phänomen. Es scheint, dass das Spiel mit der Dummheit und der Leichtgläubigkeit anderer gerade von denen sehr erfolgreich betrieben wird, die über keinerlei empirische Basis, über keinerlei Belege für ihre Behauptungen verfügen.

Das ist die Einleitung zu einem Hinweis, den wir Günter Buchholz verdanken. Er hat uns auf die Seite “Equal Pay Day” Aufmerksam gemacht. Dort wird die alte Lüge des Gender Pay Gaps in einer Weise vorgebracht, bei der man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Vorab zur Einordnung: Es gibt in westlichen Ländern kein Gender Pay Gap.

Deceibe infeigle obfuscateUnd zur theoretischen Einordnung: Das Gender Pay Gap geht auf Ökonomen wie Oaxaca und Blinder zurück, die eine diskutierbare Behauptung aufgestellt haben, nämlich dass dann, wenn man Lohnunterschiede über Variablen erklärt, die einen Effekt auf die Lohnhöhe haben, Variablen wie Bildung, Erfahrung, Arbeitszeit, Branche usw., und am Ende bleibt ein Residuum, ein Teil, der nicht erklärt werden kann, dann könne man diesen unerklärten Teil als Ergebnis von Diskriminierung auffassen. Wie so oft, bewegen sich die entsprechenden Ökonomen in einer Modellwelt, denn die Interpretation des Residuums als Diskriminierung setzt voraus, dass alle Variablen, die einen Effekt auf die Höhe des Entgelts haben, in der Erklärung berücksichtigt sind. Wenn es unter den Lesern jemanden gibt, der mit empirischen Daten hantiert und es schon einmal geschafft hat, die gesamte Varianz seiner abhängigen Variablen zu erklären, dann soll er sich bitte melden, denn bislang ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem dies gelungen wäre. Kurz: Zu behaupten, dass das, was man nicht erklären kann, Ergebnis von Diskriminierung sei, ohne die Behauptung anhand empirischer Daten zu prüfen, ist gelinde gesagt haarig, ohne Zurückhaltung ein Ausbund an Unfug, den man von gestandenen  Ökonomen so nicht erwartet hätte.

Das rhetorische Figur des Gender Pay Gap ist gefundenes Fressen für all diejenigen, die sich mit seiner Vermarktung selbst bereichern wollen, wie z.B. die oben verlinkte Seite “Equal Pay Day”, eine Seite, die an Unsinnigkeit kaum zu überbieten ist.

Zu Beginn wird behauptet, das (nicht existente) Gender Pay Gap betrage in Deutschland 22%. Der Behauptung folgt der Aufreger der in der weiteren Behauptung besteht, dass Frauen 80 Tage umsonst arbeiten würden, denn 22% von 365 Tagen sind 80 Tage.

Kennen Sie jemanden, der 365 Tage im Jahr arbeitet? Nicht einmal Selbständige machen das. Aber Arbeit und Arbeitstage scheinen den Betreibern der Seite zum Equal Pay Day, um Henrike von Platen ebenso fremd zu sein wie logisches Denken. Zudem scheint es sich zu von Platen und Genossinnen nicht herumgesprochen zu haben, dass es Sonn- und Feiertage gibt, ganz zu schweigen vom bezahlten Urlaub, alles Tage, an denen nicht gearbeitet wird und die von den 365 Tagen abgezogen werden müssen – was sie natürlich nicht werden, denn von Platen und Genossinenn geht es nicht um die Wahrheit, sondern darum, Effekte zu erzielen, Effekte der Bestürzung und der Entrüstung bei Leichgläubigen, bei Dummen, bei denen, die von Platen und Genossinnen für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen.

Und deshalb geht es weiter im Lügen-Konzert. Die 22%, die eben noch als Fanal der Benachteiligung armer Frauen durch böse Bonzen präsentiert wurden, werden sodann berechnet, und zwar als Differenz zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und dem durschschnittlichen Bruttostundenlohn von Frauen. Seltsamerweise ergibt die unbereinigte Lohnlücke, die dabei herauskommt, einen Prozentwert, der wiederum die Relation beider durchschnittlichen Bruttostundenlöhne zueinander abbildet, aber es ist ja bekannt, dass diejenigen, die sich für Geschlechterfragen einsetzen mit MINT so ihre Probleme haben und selbst rudimentäres Prozentrechnen ist Mathematik.

Sodann gibt es ein Zugeständnis, nämlich das Zugeständnis, dass man die Leser bislang belogen hat, denn die 22% sind irrelevant, sind ein angeblich unbereinigtes Gap, etwa so, wie es im Vergleich der Entgelte zwischen der Putzfrau Elfriede W und Frau von Platen besteht. Bereinigt man das unbereinigte Gender Pay Gap, also führt man die erklärenden Variablen ein, was der eigentliche Witz an diesem unsäglichen Konstrukt des Gender Pay Gap ist, von denen oben die Rede war, dann so lernen wir, passiert Folgendes:

Lies nothing but lies“Zieht man die erklärbaren Prozentpunkte von den 22 Prozent ab, erhält man den so genannten bereinigten Gender Pay Gap. Der bereinigte Gender Pay Gap lässt sich nicht auf erklärbare, strukturell unterschiedliche arbeitsplatzrelevante Merkmale zurückführen. Das bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit je Stunde weniger verdienen als Männer. Für den bereinigten Wert des aktuellen Gender Pay Gap liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. Er lag nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamts von März 2012 bei durchschnittlich 8 Prozent.”

In der Wissenschaft, also in jenem vermeintlich männlichen Unterfangen, das sich nicht mit Ideologie, sondern mit der Empirie und der Erklärung derselben beschäftigt, ist ein Fehlschluss bekannt: der “Ökologische Fehlschluss”. Der “Ökologische Fehlschluss” hat, wie vermutlich manche, besonders aus dem Lager von Frau von Platen denken, nichts mit Umweltschutz zu tun, nein, er hat etwas damit zu tun, dass man Zusammenhänge, die man auf der Aggregatebene findet, nicht umstandslos auf die Individualebene übertragen kann.

Angenommen, wir finden einen Unterschied im IQ auf der Aggregatebene: Aktivisten, die sich heftigst für bestimmte Dinge einsetzen, weisen im Durchschnitt einen IQ von 65 auf, Personen, die sich mit ihrem Leben beschäftigen, haben im Durchschnitt einen IQ von 130. Aus diesem Zusammenhang nun zu schließen, dass Frau von Platen einen IQ von 65 hat, wäre ein ökologischer Fehlschluss und aus dem selben Grund, aus dem man in unserem Beispiel von der Aggregat- nicht auf die Individualebene schließen kann, wie gerechtfertigt der entsprechende Schluss einem auch erscheinen mag, aus demselben Grund kann man von einem bislang nicht erklärten Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Bruttostundenlohn von Männern und Frauen in seiner bereinigten Varinate nicht auf individuelle Benachteiligung, d.h. bei gleicher Qualifikation geringeres Gehalt schließen.

Wir erwarten nicht, dass Fraun von Platen oder andere Anhängerinnen des Gender Pay Mythos, diese Transferaufgabe zu leisten im Stande sind, aber es wäre, so denken wir, doch wirklich an der Zeit, diese unsinnige Diskussion über einen Gender Pay Gap, den es nicht gibt, zu beenden und die enstprechenden Aktivisten, die nicht einsehen wollen, dass nicht der Mond scheint, sondern die Sonne, auch nachts, in die Wüste gejagt werden, denn der Stumpfsinn, mit dem Falsches verbreitet wird, mit dem versucht wird, die Unwissenheit, Leichtgläubigkeit und emotionale Tangierbarkeit von beeinflussbaren Existenzen auszunutzen, ist nicht mehr tolerierbar.

Ganz davon abgesehen offenbart sich hier ein Anstands-Gap, denn wer versucht, mit Lügen, falschen Behauptungen oder – im günstigsten Fall – mit Aussagen über Zusammenhänge, die er nicht versteht, Dritte zu manipulieren, der ist nicht anständig, der hat ein Anstands-Gap, verglichen mit dem durchschnittlichen Anstand der Normalbevölkerung.

Wenn Frau von Platen die Welt verbessern will, dann soll sie in ein Altenheim gehen und sich dort z.B. in der Pflege alter Menschen nützlich machen.

Ansonsten haben wir ausführlich gezeigt, dass ein Gender Pay Gap nicht existiert.

Nachtrag

In den letzten Tagen wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben, dieses Mal unter Überschriften wie:

Frauen erwirtschaften halb so viel Geld wie Männer bzw.
Frauen verdienen nur halb so viel wie Männer

Die Qualitätsjournalie aus ZEIT und Welt ist also in der Lage, ein und dasselbe Ergebnis einmal als erwirtschaftetes Geld und einmal als Verdienst zu verkaufen. Tatsächlich geht der geballte Unfug auf einen politisch korrekten Beitrag aus dem DIW zurück, in dem Stefan Bach, der uns bereits als Laienprediger bekannt ist, Aggregate von Einkommen für Männer und Frauen vergleicht.

Grundlage seines neuerlichen Versuches, Wissenschaft lächerlich zu machen, ist eine Statistik der Einkommens- und Lohnsteuer, in der sich zeigt, dass Frauen rund 50% weniger Einkommen oder Entgelt versteuern als Männer. Warum das so ist, zeigt sich in einer Statistik auf Basis der gezahlten Lohn- und Einkommenssteuer natürlich nicht (Der Fall Schwarzer legt allerdings nahe, den Unterschied als Ergebnis intensiverer Steuerhinterziehung durch Frauen zu sehen). Entsprechend schafft es Herr Bach, Wissenschaft weit hinter Heron von Alexandria zurück zu verfrachten, jedenfalls dann, wenn es irgend jemanden geben sollte, der seinen Unsinn kolportiert, und natürlich wird es genügend Opportunisten geben, die denken, man könne der Tatsache, dass Männer mehr Einkommens- und Lohnsteuer zahlen als Frauen auch nur irgend etwas entnehmen.

Was man dem neuerlichen Bachschen Machwerk entnehmen kann, ist die Tatsache, dass Anstand auch im DIW nicht weit verbreitet ist, dass die Frage ob das Anstands-Gap auch mit einem IQ-Gap verbunden ist, bislang nicht untersucht wurde und dass, schließlich, der Unterschied in der Höhe der Lohn- und Einkommenssteuer, wie er zwischen Schreibtischtätern wie Herrn Bach und Müllfahrern wie Klaus F. besteht, auf Benachteiligung von F. zurückzuführen ist, weshalb wir hier öffentlich dafür plädieren, die Lehren, die Herr Bach zu ziehen können glaubt, auf ihn selbst anzuwenden!

Das auch noch: Master in Prostitution (Sexologie), M.A.S.c. sex.

Nachdem wir gerade einen Beitrag über die Sex-Besessenheit von rot-grünen Abgeordneten des Niedersächsichen Landtags veröffentlicht haben, ist uns eine Pressemeldung auf den Schreibtisch gekommen, die wir mittlerweile dreimal gelesen haben, weil wir nicht glauben konnten, was da steht.

Hochschule MerseburgDie Hochschule Merseburg bietet einen “berufsbegleitenden Weiterbildungsmaster” in Prostitution (Sexologie) an. Die Fixierung auf Sexualität in Deutschland nimmt immer groteskere Züge an, aber lesen Sie selbst:

“Mit dem berufsbegleitenden Masterstudiengang erlangen zukünftige” Prostituierte “(Sexologen) eine solide theoretische Grundlage in” Prostitution (Sexologie), “auf der das anwendungsorientierte Wissen für die sexuelle Bildung und die Sexualberatung aufbaut”.

Und weiter:

“Die Hospitationen, die Praktika sowie die Fallstudien tragen zudem zu den hohen qualitativen sexologischen Fachkompetenzen der Studierenden bei.”

Und natürlich wird im neuen Studiengang an der Hochschule Merseburg auch an die vielfältigen Vorarbeiten im Bereich LGTBI angeknüpft, also im Hinblick auf die sexuellen Orientierungen von Lesben, Schwulen, Trans-, Bi- und Intersexuellen. Ein Anbieter sexueller Dienstleistungen muss heutzutage divers aufgestellt sein, ein Portfolio der Kenntnisse und Techniken beherrschen, um überhaupt konkurrenzfähig zu sein:

“Im Masterstudiengang werden Studierende befähigt, …, Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer sowie LGBTI in ihrer sexuellen Gesundheit zu fördern. Kompetente und engagierte Dozierende vermitteln Kompetenzen, wie Fachkräfte mit Sorgfalt, Sensibilität und Freude, Menschen in ihrer Lebenslust und in ihrem sexuellen Wohlbefinden begleiten und beraten können.”

Im Gegensatz zu Universitäten, an denen die Theorie vorherrscht und derzeit noch Trockenkurse in wenig praxisorientierten Fächern gegeben werden, ist der neue Masterstudiengang “Prostitution” (Sexologie) an der Hochschule Merseburg dem Ansatz des learning by doing verpflichtet, nur durch praktische Erfahrung kann Exzellenz sichergestellt werden:

“Die Lehre in den verschiedenen Modulen des Studiengangs verknüpft Theorie und Praxis in einer Weise, welche es den Studierenden ermöglicht, auf einem zuverlässigen Fundament konkreten Wissens, kreative und vielfältige Instrumente für die berufliche Tätigkeit zu entwickeln. Hospitationen, Praktika, Lerngruppen, Lehrtherapie sowie Fallsupervisionen [Früher hat man die einfach Spanner genannt…] unterstützen den Erwerb professioneller Kompetenzen.”

Selbstverständlich gibt es in modernen Studiengängen keine Lehre ohne den internationalen Vergleich. Bekanntlich ermöglicht es der internationale Vergleich, die Welt aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen und darüber hinaus Kenntnisse, Fähigkeiten und Techniken zu erlernen, die zum kulturellen Schatz anderer Gesellschaften gehören:

“Die internationale Zusammenarbeit ermöglicht den Studierenden, das Fachgebiet der Sexualität aus unterschiedlichen Perspektiven kennenzulernen.”

Kritisch anzumerken, am neuen Studiengang ist jedoch, dass er keine ökonomischen Grundlagen umfasst. Bereits 14jährige lernen, wenn es nach Elisabeth Tuider von der Universität Kassel geht, dass die Führung eines Bordells nicht nur auf die Diversität der Kunden im Hinblick auf deren sexuelle Orientierung und Vorlieben Rücksicht nehmen muss, sondern auch eine ökonomische Grundlage erwirtschaften muss, die einen profitablen Betrieb gewährleistet.

Insofern sollte im vorliegenden Studiengang noch nachgelegt werden.

Wer sich trotz dieser Mängel in Merseburg einschreiben will, der kann dies unter diesem Link tun. Der Studiengang startet im Oktober und hat eine Dauer von 2,5 Jahren, d.h. fünf Semester, er endet mit einem Magister in Prositution (Sexologie) M.A.S.c. sex.

Die Studiengebühren belaufen sich auf 19.500 Euro. Eine Förderung im Programm “Sachsen-Anhalt Weiterbildung Direkt” ist möglich. Das Studium ist berufsbegleitend.

Die Seminare finden in der Regel einmal monatlich jeweils von Donnerstag bis Sonntag statt. Es handelt sich demnach um Intensivkurse.

Karl-Dieter Opp: “Unser Mann in Deutschland” wird 77

Herzlichen Glückwunsch Karl Dieter Opp!

KD_OppEiner der wenigen großen und international bekannten deutschen Soziologen wird heute 77 Jahre alt. Wir wünschen ihm an dieser Stelle für das neue Lebensjahr und all die anderen, die noch kommen, bis mindestens das “Century” voll ist, alles Gute und vor allem Gesundheit.

Begonnen hat die Soziologen-Karriere von Karl-Dieter Opp bei zwei deutschen Koryphäen, die ebenso schwierig wie in ihrem Fach ausgewiesen waren. Bei René König und Erwin K. Scheuch zu studieren und zu promovieren war sicherlich kein einfaches Unterfangen, schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass Karl-Dieter Opp neue empirische Ansätze in die Welt der Soziologie gebracht hat. Dabei war die Soziologie zu Zeiten von Scheuch und König noch mehr empirische Soziologie, als sie das heute ist, da sie in weiten Teilen zur Weltbetrachtung auf Basis des methodologischen Atomismus verkommen ist.

“Unser Mann in Deutschland”, das war Karl-Dieter Opp für George C. Homans, besonders nachdem er gemeinsam mit Hans J. Hummell die Monography “Die Reduzierbarkeit von Soziologie auf Psychologie: Eine These, Ihr Test und ihre Theoretische Bedeutung” veröffentlicht, und damit Schockwellen durch die noch nicht so situierte deutsche Soziologie geschickt hat; Schockwellen, die den großen alten Mann der deutschen Soziologie, Rene König, jedoch nur mäßig ins Wanken gebracht haben. Daran hat sich Karl-Dieter Opp immer wieder gerne erinnert: “Jungens, das ist keine Soziologie”, so habe König zu bedenken gegeben.

König hat sich geirrt.

Die empirische Fundierung der Soziologie durch verhaltenstheoretische Modelle und empirische Forschung hat sich über die Jahre als genau die Form von Soziologie etabliert, die nach Ansicht der Betreiber von ScienceFiles die einzige ernst zu nehmende Form von Soziologie ist, jedenfalls wenn sie um die Komponenten angereichert ist, die James S. Coleman in seiner Handlungstheorie und insbesondere in seinem strukturell-individualistischen Forschungsmodell angeführt hat, ein Modell, mit dem sich Karl Dieter Opp sehr intensiv auseinander gesetzt hat und weiter auseinander setzt, vor allem im Hinblick auf die Verbindung zwischen dem, was als Erklärung individuellen Handelns firmiert und den gesellschaftlichen Phänomenen, die über dieses individuelle Handeln erklärt werden sollen.

Opp_MethodologieDie Methodologie der Sozialwissenschaften ist dann auch eines der Hauptthemen, die Karl-Dieter Opp im Verlauf seiner Karriere bearbeitet hat. Dabei ist er keiner der großen Kontroversen aus dem Weg gegangen. Sei es die Kontroverse über Erklären und Verstehen, sei es die Kontroverse, die als Positivismusstreit der Deutschen Soziologie in die Annalen der Wissenschaftsgeschichte einging.

Während die Erklärens/Verstehens-Kontroverse letztlich darüber geführt wird, ob man sich in das Hirn dessen, den man als Forschungsobjekt betrachtet, hineinversetzen muss, um Aussagen über das Forschungsobjekt und sein Handeln machen zu können, also letztlich Intentionen kennen muss, um Handlungen und Handlungsfolgen verstehen zu können, oder ob es reicht, Handlungen und Handlungsfolgen über Randbedingungen zu erklären und anzunehmen, dass Menschen vernunftbegabte Wesen sind, deren Handlungen man erklären kann, ohne die Tiefenstruktur ihrer Psyche zu analysieren, hat der Positivismusstreit ein, wenn man so will, Selbstwertproblem von Soziologen behandelt: Sind Soziologen aufgrund der Tatsache, dass sie Soziologen sind, so erhaben, dass das, was sie sagen, Anspruch auf Richtigkeit erheben kann, oder sind Soziologen empirische Wissenschaftler, die prüfen, was sie behaupten.

Karl-Dieter Opp hat hier immer eindeutig Stellung bezogen: Für ihn ist Soziologie eine Wissenschaft, deren Aufgabe darin besteht, soziale Phänomene oder soziale Fakten, wie Durkheim sie genannt hat, zu erklären und weil dem so ist, sind Soziologen keine erhabenen Gestalten, die erzählen, wie ihnen die Welt gerade vorkommt, sondern Wissenschaftler, die prüfen müssen, ob das, was sie erzählen, auch richtig ist.

Opp_WirtschaftskriminalitaetKarl-Dieter Opp hat geprüft und geforscht und auch mit 77 Jahren ist sein Schaffensdrang nicht erlahmt. Hatten seine frühen Arbeiten noch kriminologische Inhalte, so hat ihn das deutsche Missverständnis davon, was der Labeling Approach angeblich behauptet, ein Missverstädnis, das so profund ist, dass es kaum zu glauben ist, schnell davon überzeugt, dass es besser ist, sich anderen Themen zuzuwenden, wenngleich ihn die Erforschung abweichenden Verhaltens nie richtig losgelassen hat. Beiträge wie “The Economics of Crime and Deviant Behaviour” belegen dies eindrücklich.

In aller Kürze: Der labeling approach geht davon aus, dass nach primärer Devianz, also nach z.B. einer begangenen Straftat, ein Prozess einsetzt, der als sekundäre Devianz bezeichnet wird, und darauf gründet, dass Straftäter, nachdem sie einmal eine Straftrat begangen haben, von der Gesellschaft als Straftäter etikettiert werden, weshalb sie keine Zugänge zu legalen Mitteln des Unterhaltserwerbs finden und weiter straftätig sein müssen. In der deutschen Travestie des Labeling Approaches, den in dieser Hinsicht Fritz Sack auf dem Gewissen hat, ist daraus die Behauptung geworden, dass Kriminalität als solche gesellschaftlich verursacht, ein gesellschaftliches Konstrukt sei (dazu: Lemert, Edwin M. (1975). Der Begriff der sekundären Devianz. S. 433-476 in Lϋdersen, Klaus & Sack, Fritz (Hrsg.): Abweichendes Verhalten I. Die selektiven Normen der Gesellschaft. Frankfurt a.M.: Akademische Verlagsgesellschaft.)

Karl-Dieter Opp weist ein Themenspektrum auf, das kaum ein anderer Soziologe abzudecken in der Lage ist, und das im Kern von der Erforschung von sozialen Normen zusammengehalten wird. Normen sind für Soziologen bekanntlich Verhaltenserwartungen, die (manche) Akteure bei ihren Handlungen berücksichtigen, sie reichen von kodifizierten Normen, die z.B. im Strafgesetzbuch niedergelegt sind, bis zu dem, was Ralf Dahrendorf als “Kann-Erwartungen” bezeichnet hat, also Normen, die eher flexible und nur al gusto zu befolgende Erwartungen an Verhalten beschreiben. Karl-Dieter Opp hat sich hier vor allem für die Frage interessiert, wie Normen entstehen, wo sie herkommen. Eine nicht triviale Frage, sofern man der Ansicht ist, dass Normen nicht in Stein gemeiselt auf Bergen verteilt werden, sondern Gegenstand menschlicher Verhandlung und Interaktion sind, was dann notwendig die Frage aufwirft, warum sich bestimmte Erwartungen an das Verhalten anderer als Norm durchsetzen und andere nicht, mithin Fragen nach Macht und Einfluss also.

Insofern ist es fast zwangsläufig, dass Karl-Dieter Opp bei der Erforschung politischen Protests angekommen ist und u.a. die Revolution von 1989 in der DDR analysiert und ausführlich untersucht hat. Durchbrochen wurde sein Interesse an der Erforschung von Normen regelmäßig von methodischen und theoretischen Arbeiten, die dem Rational Choice Ansatz und Experimenten, wie sie sich im Tschernobyl-Effekt finden, gewidmet sind.

Und es ist in diesem Bereich, dass wir die liebsten Erinnerungen an unsere Treffen mit Karl-Dieter Opp haben, noch bevor diese für Dr. habil. Heike Diefenbach seine Mitarbeiterin an der Universität Leipzig regelmäßig wurden. Die Erinnerung reicht nach Montreal auf den dortigen Weltkongress der International Sociological Association, auf dem wir vor vollem Haus einen Vortrag über Brückenhypothesen gehalten haben, der hoffentlich nicht nur in unserer Erinnerung nachwirkt – insbesondere die verschiedenen Arten von Brückenhypothesen, die aus Anlass unseres Vortrags von einem engagierten Teilnehmer erfunden und gleich wieder dem Vergessen anheim gestellt wurden, sind immer wieder ein Punkt ungeteilter Heiterkeit.

Opp social normsKarl-Dieter Opp wird heute 77 Jahre alt, und wir wünschen ihm alles erdenklich Gute. Möge er weiterhin regelmäßig academia.edu mit seinen immer interessanten Beiträgen bestücken, möge er noch lange als Visiting Professor so renommierter Institutionen wie der Russell-Sage-Foundation oder  der University of Washington seinen fachlichen Ruhm auskosten und der Soziologie noch lange erhalten bleiben. Nie waren Soziologen wie Opp, die ihr Fach verstehen, notwendiger als heute.

Und möge sich Karl-Dieter Opp seine Offenheit für Neues bewahren, die ihn nicht davor zurückschrecken lässt, seine Peers mit der Tatsache zu erstaunen, dass er auch Scheidungsforscher ist, und erklärt, wann und warum Menschen denken, sie sollten sich scheiden lassen.

Happy Birthday Karl-Dieter Opp!

Unabhängigkeit der Wissenschaft? Ha!

Wissenschaft und Forschung sind unabhängig von staatlichem Einfluss, so lautet eine der Lebenslügen, mit der viele Wissenschaftler leben. Die angebliche Selbstverwaltung der Universitäten in Freiheit, die letztlich nur dazu dient, Verwaltungsaufgaben und die dazu gehörigen Vorgaben auf Hochschullehrer und ihre unglücklichen Mitarbeiter am Lehrstuhl abzuwälzen, ist so etwas wie der heilige Gral der Wissenschaft: Alle beten ihn an, niemand hat ihn bislang gefunden.

Dabei hat der Deutsche Hochschulverband bereits im Jahre 1999 auf die typisch verwaltungs-deutsche Art und Weise, in der man Dinge anspricht ohne sie auszusprechen, darauf hingewiesen, dass es mit der Unabhängigkeit von Forschung und Lehre nicht mehr so weit her ist.

Hier ein paar Kostproben aus einer doch bemerkenswerten, weil bemerkenswert einflusslosen Resolution:

Hochschulverband“3. Der Beruf des Universitätslehrers hat durch die Zunahme von Dienstaufgaben, die außerhalb von Forschung und Lehre liegen, an Anziehungskraft verloren. Gerade die Unabhängigkeit in Forschung und Lehre hat aber viele junge Wissenschaftler bewogen, eine universitäre Karriere anzustreben. Eine über das notwendige Maß hinaus gestiegene Zahl von Gremiensitzungen, eine wachsende Verordnungs- und Gesetzesflut, die Auseinandersetzungen mit an diese Vorschriften gebundenen Universitätsverwaltungen, die in der Massenuniversität anfallenden Begutachtungen und Bescheinigungen aller Art – all das ist Gegenstand eines täglich neu zu führenden “Papierkrieges”, der immer weniger Zeit für die Forschung läßt und daher abschreckt. Eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Forschung und Lehre ist dringend notwendig.”

Man hätte auch schreiben können, dass die vielen gesetzgeberischen Eingriffe in die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre dazu geführt haben, dass es Letztere nicht mehr gibt, entweder weil die gesetzgeberischen Eingriffe die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre direkt verunmöglichen oder weil sie über die Zuweisung immer neuer Aufgaben akademischer Selbstverwaltung die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre ersticken, weil vor lauter Selbstverwaltung keine Zeit mehr bleibt, für die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.

Und weiter:

“5. Der Hochschullehrerberuf verliert durch den schleichenden Verlust der Unabhängigkeit an Attraktivität. Die angekündigte Entbeamtung der Hochschullehrer, die Befristung von Dienstverhältnissen und die Einführung von Probedienstverhältnissen öffnet Tür und Tor für eine sachwidrige und vor allem politische Einflußnahme. Offensichtlich ist die Politik nicht länger gewillt, die Universitäten vor einer Ämterpatronage zu schützen. Die sachliche und persönliche Unabhängigkeit der Hochschullehrer ist kein Privileg, das es zu schleifen gilt, sondern unabdingbare Voraussetzung für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie institutioneller Schutz vor Repressalien von innen und außen.”

Auch wenn der Hochschulverband mit der Entbeamtung der Professoren den falschen Feind angreift, so sind seine Gründe doch zu respektieren und die Halboffenheit, mit der hier der direkte Eingriff der Politik in die Forschung und Lehre, in die Verwaltung von Universitäten ausgesprochen wird, ist vielsagend. Gewichtet man diese Halboffenheit mit der Tatsache, dass Missstände schon zum Himmel stinken müssen, bis sie in deutschen Verwaltungen als mögliche, wenngleich leichte Geruchsbeeinträchtigung wahrgenommen werden, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie weit die politische Gleichschaltung an Hochschulen bereits fortgeschritten ist, wie weit die Krakenarme der Politik bereits in die Hochschulen reichen.

Wer sich das nicht vorstellen kann, der möge sich vergegenwärtigen wie wenige Hochschulen sich trauen, die vorgegebene Säue “familiengerechte Universität” und “Förderung von Frauen an Hochschulen” nicht durchs Dorf zu treiben.

stupendous yappi1Wem dies immer noch nicht reicht, dem sei ein druckfrisches Beispiel der politischen Einflussnahme auf Hochschulen vorgeführt. Abermals ist es ein Beispiel aus dem beliebten Thema der “Gleichstellung”. Dazu muss man wissen, dass das Wissen, das an deutschen Hochschulen produziert wird, vom Geschlecht dessen abhängig ist, der es produziert. Und so meinen Politiker zu wissen, dass dann, wenn man mehr Frauen und respektive weniger Männer an Hochschulen etabliert, das Wissen größer wird, weil die vielwissenden Frauen die wenigwissenden Männer verdrängen. Woher die Politiker ihr vermeintliches Wissen haben, ist bislang ungeklärt, vermutlich hat es, wie das vermeintliche Wissen jeder Religion einen Offenbarungscharakter, es teilt sich den Wissenden mit und wem es sich nicht direkt mitteilt, dem kann mit ein wenig monetären Anreizen zum Wissen verholfen werden.

Doch zurück zum druckfrischen Beispiel: Es kommt von der DFG. Die DFG finanziert einen “Instrumentenkasten” voller guter Beispiele, nein: “vorbildliche[r] Beispiele zur Förderung der Chancengleichheit”. Was man unter Chancengleichheit zu verstehen hat, offenbart Generalsekräterin Dorothee Dzwonnek (ob Generalsekretärin im ZK oder sonstwo, war der Pressemedlung nicht zu entnehmen): “Wir müssen starke Zeichen gegen die Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft setzen, die ebenso ungerecht wie eine Vergeudung ganz erheblichen intellektuellen Potenzials ist”.

Die regelmäßige Vermengung von Gleichstellung, Chancengleichheit und Benachteiligung ist entweder Dummheit geschuldet, also Ergebnis einer Unfähigkeit in abstrakten Konzepten zu denken oder Absicht und somit Ergebnis von bad intend, wie man im Englischen sagt, und was man am besten mit Bösartigkeit übersetzen kann. In jedem Fall widerspricht es jeder Form von informierter Diskussion über Bildung und Bildungszugänge.

Bislang ist es noch niemandem gelungen, einen Nachweis darüber zu führen, dass Frauen in der Wissenschaft benachteiligt werden, aber in Glaubenskulten kommt es nicht auf das an, was ist, sondern auch das, was nach Ansicht der Kultmiglieder sein soll: Und die Offenbarung, die zu verbreiten Generalsekretärin Dzwonnek bezahlt wird, lautet nun einmal, Frauen werden an Universitäten benachteiligt. Warum es diese Offenbarung ist, die gepredigt wird, und nicht die Offenbarung, dass der Kalender der Mayas falsch gelesen wurde und Armageddon nicht 2012 sondern 2021 stattfindet, man kann es nur vermuten: Vermutlich lässt sich mit der Benachteiligungs-Offenbarung mehr Geld verdienen; vermutlich lassen sich mehr Günstlinge in eine abhängige Position befördern.

dfg_logoDie Deutsche Forschungsgemeinschaft, die den Instrumentenkasten finanziert, mit dem ein “starkes Zeichen” gegen die Eingeweihten ge-offenbarte Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft gesetzt wird,  ist jene DFG, die sich als “Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland” bezeichnet und von sich behauptet, dass sie der “Wissenschaft in allen ihren Zweigen” diene. Dafür ist die DFG nach außen als privatrechtlicher Verein institutionalisiert worden, um den Anschein, einer unabhängig von politischer Einflussnahme möglichen Wissenschaft und Forschung aufrecht zu erhalten.

Erste Zweifel an dieser Unabhängigkeit wecken Programme und Aktionen wie der Instrumentenkasten, die weniger der Wissenschaft dafür aber den politischen Launen der Regierenden dienen. Und immerhin stellt der Bund (also die Steuerzahler) mit 1,691 Milliarden Euro 67,1% der Mittel bereit, die die DFG im Jahre 2012 zur Verfügung hatte. Weitere 32,7% oder 823 Millionen Euro stammen aus den von Steuerzahlern gefüllten Kassen der Länder. 0,2% der Finanzierung der DFG wird von sonstigen beigetragen.

In der Pfalz gibt es schönes Sprichwort: Wer zahlt, bestimmt!

Nicht so bei der DFG?

Das wichtigste Gremium der DFG, das zentrale Entscheidungsgremium, wie es in der Selbstbeschreibung heißt, ist der Hauptausschuss, der auf Grundlage “der Beschlüsse des Senats die wesentlichen die DFG betreffenden wissenschaftspolitischen Entscheidungen abschließend” trifft. Die Umsetzung der Offenbarung, nach der nicht näher benannte Frauen durch unbekannte, zumindest aber nicht benannte Mechanismen in der Wissenschaft benachteiligt werden, geht demnach auf eine Entscheidung im Hauptausschuss der DFG zurück.

Dieser Hauptausschuss setzt sich aus 82 Mitgliedern zusammen; ein recht großer Ausschuss also. 39 der Mitglieder sind aus der Wissenschaft, 40 Mitglieder gehören den Regierungen der Ländern oder des Bundes an, hinzu kommt ein ständiger Gast aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, ein Vertreter des Stifterverbands und der Präsident der DFG als Vorsitzender des Hauptausschusses. Auch ohne einen Vertreter der Wissenschaft auf ihre Seite zu ziehen, hat die Fraktion der politischen Beamten eine Mehrheit.

Wer zahlt, bestimmt?

Entsprechend wundert es uns nicht, dass sich die DFG zunehmend zu einem Vehikel entwickelt, mit dem ideologischer Einfluss auf die Hochschulen genommen werden soll, z.B. durch die Bereitstellung besagter “vorbildliche[r] Beispiele” im Instrumentenasten für Gleichstellung, Chancengleichheit, gegen Benachteiligung, was auch immer, Bevorzugung von Frauen an Hochschulen halt.

TUDDie “vorbildliche[n] Beispiele” kommen z.B. von der TU Dortmund wo “9 x kluge Zwerge” in der Großtagespflegestelle für Kinder von Beschäftigten in DFG-Projekten gesammelt werden. Oder von der Universität Bremen, wo sich die “AG Familienfreundliches Studium” müht, eine familienfreundliche Infrastruktur zu bauen, nein: mit Steuermitteln bauen zu lassen. Die AG “Gender Medizin”, die sich an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule in Aachen um die “Berücksichtigung der Kategorie ‘Geschlecht’ in Forschung, Klinik und Lehre an der medizinischen Fakultät” kümmert, und dies z.B. über eine Ringvorlesung tut, ist ein weiteres “vorbildliche[s] Beispiel”. Unser Lieblings-vorbildliches-Beispiel stammt indes von der Technischen Universität Dortmund. Es dient der “Sensibilisierung” und basiert auf der Aufnahme von “‘Gender als überprüfbares Qualitätskriterium” im Zuge des Bologna Prozesses.

Klingt wie Indokrtination – ist Indoktrination – oder in den Worten der AG “Gender Studies”:

“Als Hilfestellung für die Akkreditierung fasst die AG „Gender Studies“ die Ergebnisse des Beratungsprozesses zusammen und gibt eine Stellungnahme zu den im Studiengang zu beachtenden Genderaspekten ab. Diese wird Teil des weiteren Verfahrens und mit dem Antrag auf Akkreditierung des Studiengangs dem Rektorat vorgelegt. Zur Unterstützung und Orientierung hat die AG „Gender Studies“ für die Fakultäten erläuternde Materialien für die Implementierung von Genderaspekten entwickelt wie z.B. Frageraster oder Artikel über Gender in der Lehre, die auf der Homepage zum Download bereitstehen.”

Gender als totale Ideologie! Nicht einmal die Nazis haben es geschafft, deutsche Hochschulen komplett zu infiltrieren oder wie Helmut Kohl einmal gesagt hat: Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.

ScienceFiles-Panoptikum: Neues aus der Welt des Wahnsinns

Die GEW hat die 270.000 Mitgliedermarke geknackt, und man freut sich entsprechend:

GEw“Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat bei der Mitgliederzahl die 270.000er-Marke geknackt. 3.500 Mitglieder gewann sie 2013 per Saldo. Das entspricht einem Plus von gut 1,3 Prozent. Die GEW verzeichnet damit bereits seit sechs Jahren stetig Zuwächse, hat in dieser Zeit um über 20.000 Mitglieder zugelegt und wird immer weiblicher.”

Ja da schau her, in der Vielfalt der modernen Gesellschaften, in mitten des diversen Deutschland gibt es die GEW, an der alle inter-, trans- und sonstigen sozialen Geschlechtlichkeiten vorbeigegangen sind. Schlimmer noch, die GEW hat Geschlecht auf weiblich reduziert. Es gibt nur noch mehr oder weniger weiblich. Die GEW ist immer für eine Innovation gut. Wer also in die GEW eintreten will, muss damit rechnen, nicht mehr “Geschlecht: weiblich – männlich”, sondern: Geschlecht: “weiblich, (noch) nicht weiblich” gefragt zu werden. Das hilft massiv dabei, wenn man als Institution immer weiblicher werden will.

DanischAllerdings, so hat Hadmut Danisch vor kurzem in einem Blogpost geschrieben, beklagt Martin Kunz, der Direktor der Akademie der Bayerischen Presse, dass der Anteil der Männer, die sich im Journalismus umtun, als Student oder als Ausübender, rapide sinkt.

Die Flucht von Männern aus bestimmten Berufen ist ein bekanntes Phänomen. Wir haben sie an Schulen gesehen, (so sind männliche Grundschullehrer heute eine seltene Spezies), wir erleben sie derzeit an Universitäten, und regelmäßig ist der steigende Anteil der Frauen mit einem Rückgang der Professionalität verbunden. Die Vollzeit-Stellen gehen zurück, teilzeit und stundenweise Beschäftigung treten an ihre Stelle, gefolgt von einem relativen Sinken des Entgelts und einem zunehmenden Verlust an Attraktivität. Umgekehrt verhält es sich, wenn Männer in Frauenberufe drängen: Die Professionalität steigt und das Einkommen auch: Männer werden schneller befördert und erzielen ein höheres Einkommen, schon weil sie vollzeit da sind, bekannt und von Feministen bejammert als Phänomen des “glass escalator” oder “glass elevator”.

Die GEW wird also immer weiblicher. Es besteht noch Hoffnung!

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BMBFDeutschland ist für Studierende erste Wahl, so frohlockt das Bundesministerium für Bildung und Forschung und man fragt sich unwillkürlich: Haben die tatsächlich eine Studie aufgetan, in der alle Studierenden weltweit befragt wurden, oder doch zumindest eine – wie lautet die Behauptung: “repräsentative Stichprobe”? Man fragt also und liest und: Ärger und Enttäuschung!

“Im Sommersemester 2012 wurden Studierende befragt, die aus dem Ausland zum Studium nach Deutschland gekommen sind (so genannte Bildungsausländer). Die Studie wurde vom BMBF gefördert und vom DZHW wissenschaftlich durchgeführt. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung vor drei Jahren sagen dieses Mal 61 Prozent der Studierenden, Deutschland sei ihre erste Wahl gewesen (2009: 47 Prozent).”

Soll man nun lachen oder weinen: Befragt wurden ausländische Studierende, die bereits in Deutschland sind und für die somit klar ist, dass sie Deutschland in den Kreis der Studienorte genommen haben, den sie sich für sich vorstellen können. Gefragt wurde eine selegierte Population, und die Schlagzeile entpuppt sich als plumper Betrugsversuch, denn angemessen wäre die Behauptung nur bei entsprechenden Ergebnissen auf Grundlage einer Befragung, bei der auch ausländische Studenten befragt wurden, die sich nicht für ein Studium in Deutschland, sondern für ein Studium in einem anderen (als ihrem Geburts-)Land entschieden haben.

Die Schlagzeile hätte also richtig gelautet: Bei den ausländischen Studenten, die in Deutschland studieren, ist Deutschland nicht mehr überwiegend die zweite Wahl.

Und noch was Salbungsvolles:

Double facepalm“‘Der Hochschulpakt, gute Arbeitsmarktchancen und ein immer aufnahmefreundlicheres Klima haben dazu geführt, dass Deutschland seine Stellung als attraktiver Studienstandort weiter ausgebaut hat. Wir haben jetzt die Chance, dauerhaft mehr Menschen für unser Land zu gewinnen. Dazu müssen und werden wir weiter konsequent in die Attraktivität unserer Hochschulen investieren’, so Wanka”. [Wanka ist die, die derzeit gerade den Bildungsminister gibt, vollzeit oder teilzeit konnte nicht geklärt werden.]

Unnötig darauf hinzweisen, dass das, was Wanka hier behauptet, aus den Daten nicht einmal mit noch so gutem Willen herausgelesen werden kann.

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Schließlich hat uns ein Leser von ScienceFiles etwas Besonders zukommen lassen. Ein Schmankerl, wenn man so will:

ASH“Kurz die Formalien für den Praktikumsbericht:

Abgabe: 30. September 2013, Postfach 4-081
mind. 10 Seiten, max. 15 Seiten ohne Deckblatt. Inhaltsverzeichnis und Literaturverzeichnis (falls vorhanden)
Bitte beachtet die gegenderte Schreibweise! Ohne Gender-Schreibweise lese ich die Arbeiten nicht.

Aufbau: 1. Einleitung, 2. Vorstellung der Praktikumsstelle (1. + 2. max. die Hälfte des Berichts), 3. Forschungsteil, 4. Schlussteil mit selbstreflexiven Anteil

Diese Vorgaben stammen von folgender Lehrbeauftragten, an der staatlichen Hochschule ASH Berlin:

http://www.ash-berlin.eu/hsl/kurse.phtml?id=1085″

Wer den Link verfolgt, landet bei der Alice Salomon Hochschule in Berlin und den vermeintlichen Lehrveranstaltungen einer  M.A. Conny M. Bredereck, die zwar keinerlei Einträge unter den Punkten “Veröffentlichungen” und “Forschung” vorzuweisen hat, aber immerhin von Studenten an der Alice Salomon Hochschule in Berlin eine gegenderte Schreibweise verlangt. Wer sich in Gendersprech nicht so gut auskennt, gegendert ist ein Beitrag, wenn er durch _innen oder …Innen unlesbar gemacht wird.

Man kann nun spekulieren, was M.A. Bredereck dazu veranlasst hat, derartigen Unsinn von Ihren Studenten zu fordern.

Eine naheliegende Erklärung drängt sich aus der Ethnomethodologie auf, nämlich eine Degradierungsstrategie: Gendersprech als Unterordnungsritual, mit dem Dozenten, die selbst auf so dünnem Eis wandeln, dass sie von studentischen Arbeiten versenkt werden können, die Hierarchie klarstellen und Fragen mit einem pre-emptive strike abwehren wollen.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass man nach mehrjährigem Gendersprech keine normale und richtige Sprache mehr versteht und versucht, die eigenen Defizite durch Anforderungen an Dritte wettzumachen.

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Schließlich könnte der Gendersprech durch einen Fehlschluss begründet sein (Inhalt sei von Form abhängig), der die wissenschaftliche Qualität der von Frau M. A. Bredereck angebotenen Veranstaltungen in einem besonderen Licht erscheinen lässt: demnach ginge es nicht um das Vermitteln von Wissen, sondern um das Einüben von Sprechgewohnheiten, anhand derer man die Zugehörigen zur Gendersekte erkennen kann: Kaderbildung nannte man das in der DDR und nicht nur dort.

Und wem haben wir zu verdanken, dass Personen wie M. A. Conny M. Brederbeck, die von Wissenschaft noch weniger Ahnung zu haben scheint als Katzen vom Dosenöffnen, sich an Universitäten breitmachen. Ein Blick in die Vita gibt Aufschlüsse:

seit 2012 Schulmediatorin
seit 2012 zertifizierte Freiwilligenkoordinatorin
seit 2009 zertifizierte ElterntrainerIn “Starke Eltern – Starke Kinder®”, Deutscher Kinderschutzbund
seit 2009 Sozialarbeiterin an Schule bei tandemBQG
2009-2011 Master-Studium an der ASH (Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik)
2009-2012 Initiatorin des ehrenamtlichen Studierendenprojektes HiASH (Hilfe in der ASH)
2007-2011 Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung
seit 2006 BAföG und Sozialberaterin, ausgebildet durch die GEW
2006-2011 Studentische Mitarbeiterin im Verwaltungsbereich der ASH
2006-2009 BAföG- und Sozialberaterin zur Unterstützung von Studierenden
2005-2009 Bachelor-Studium “Soziale Arbeit” an der ASH, staatliche Anerkennung 2009
1995-2006 Angestellte Versicherungskauffrau im Innendienst der Firma Schare & Mendyka GmbH
1992-1995 Ausbildung zur Versicherungskauffrau
1989-1992 Ausbildung zur Kindergärtnerin an der Fachschule für Kindergärtnerinnen

Sie hätten es natürlich bemerkt, auch wenn wir es nicht fett gesetzt hätten. Da ist sie wieder, die GEW, die GEW, die nach eigener Aussage immer weiblicher wird. Und was es bedeutet, wenn die GEW immer weiblicher wird, kann man an M. A. Conny M. Brederbeck sehen. Soviel auch zum Thema Professionalität.

Weihnachten geht auf die Gesundheit: Wissenschaftliches zu Risiken und Nebenwirkungen des Weihnachtsfests

“Von wegen besinnliche Weihnachtszeit”, so heißt es in einer Pressemeldung der DAK Zentrale Hamburg, und so geht es weiter:

flatline“Das Fest der Liebe schlägt buchstäblich aufs Herz. Das zeigen aktuelle Krankenhaus-Daten der DAK-Gesundheit. An den Weihnachtstagen werden ein Drittel mehr Menschen wegen eines Herzinfarktes ins Krankenhaus eingeliefert als im Jahresdurchschnitt. Vor allem Männer sind betroffen. Sie erleiden besonders am Heiligabend einen Herzinfarkt”

Wer hätte das gedacht, dass das Öffnen von Weihnachgeschenken und die besinnlichen Tage sich derart negativ auf die Gesundheit von vor allem Männern auswirken? Und wer hätte es gedacht, dass es eine deutsche Krankenkasse gibt, die darauf hinweist?

“Für die Untersuchung wurden bei der DAK-Gesundheit die letzten vier Jahre verglichen: So gab es zwischen 2009 und 2012 im Schnitt jeweils 40 Krankenhauseinweisungen wegen Herzinfarkt an den einzelnen Weihnachtstagen. Sonst verzeichnet die Krankenkasse durchschnittlich 30 Einweisungen pro Tag”.

33% mehr Einweisungen über die Weihnachtsfeiertage, kann man schon als erhöhtes Aufkommen bezeichnen, und es kommt noch schlimmer: “Cardiac Mortality is Higher Around Christmas and New Year Than at Any Other Time”, so überschreiben David D. Philipps, Jason R. Jarvinen, Ian S. Abramson und Rosalie R. Phillips einen Beitrag in Circulation, einer Zeitschrift der American Heart Foundation. Ihren Ergebnissen zufolge werden über die Weihnachtsfeiertage (und an Neujahr) rund 5% mehr Personen mit einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert und rund 5% mehr Personen sterben an einem Herzinfarkt als an anderen Tagen des Jahres. Die Zahlen von Jarvinen et al. sind mit denen der DAK nicht vergleichbar, denn die Autoren berechnen Risiken, wie man das normalerweise tut, während für die DAK die Nennung von Häufigkeiten vermutlich genug der Mathematik ist.

In jedem Fall kann man feststellen: Weihnachten geht auf die Gesundheit. Das zeigt auch ein Beitrag von James R. Hillard, Jacquelin M. Holland und Dietlof Ramm. Nach den Weihnachtstagen ist ein Anstieg an Psychopathologien, besonders bei Frauen, zu verzeichnen. Die Weihnachtsgeschenke und die “besinnlichen Tagen”, führen demnach bei Männern vermehrt zu einem Herzinfarkt, während Frauen vermehrt hysterisch oder psychotisch werden.

Macht Weihnachten geisteskrank? Ist Weihnachten ein Killer? Was ist/sind die Ursache/n dieser negativen Wirkung besinnlicher Tage? A. J. Cowley et al. (1986) wissen Genaueres: Die Weihnachtsvöllerei. Personen mit einem Herzproblem und solche, die einen Herzinfarkt erlitten haben, hatten einen erhöhten “cardiac output” [der “cardiac output” misst die Menge von Blut, die durch das Herz befördert wird] nach dem Weihnachtsessen, d.h. Ihnen ist das Essen nicht auf den Magen, sondern aufs Herz geschlagen – Ergebnis: Herzinfarkt. Zu diesen Ergebnissen passen Befunde, die Andersson und Rössner (1992) ermittelt haben. Demnach erhöht sich über die Weihnachtstage das Körpergewicht eines Erwachsenen um durchschnittlich 800 Gramm.

Es scheint so, als wäre Völlerei ein Faktor, der die Weihnachtstage mit der Einlieferung ins Krankenhaus enden lässt. Es scheint so, denn die DAK hat ganz andere Ideen darüber, was Weihnachten zum Herzinfarktrisiko werden lässt, nämlich:

  • Perfektionismus – entsprechend rät die DAK, den Perfektionismus so weit wie möglich ablegen: Also wenn das Geschenkpapier partout nicht will, wickeln Sie ihr Geschenkt in Zeitungspapier oder geben es gleich ohne Verpackung weiter. Ist auch besser für die Umwelt.
  • Die gesamte Familie, so die DAK, müsse in die Weihnachtsvorbereitungen einbezogen werden und konkrete Absprachen müssten getroffen werden, etwa und unter Berücksichtigung des guten Rats von “DAK-Ärztin Elisabeth Thomas”, nach dem “vor allem einseitige Ernährung sowie Bewegungsmangel, Rauchen und hoher Alkoholkonsum” zu vermeiden sind, so:
    1. Wychwood Bah Humbug7.30 Uhr: Aufstehen;
    2. 8.00 – 9.30 Uhr: gemeinsames Frühstück in der Küche – Frühstücksverantwortlich: Mutter und Tochter;
    3. 9.30 bis 11.00 Uhr: Verdauungsspaziergang inkl. 20 Minuten für Gespräche mit den Nachbarn;
    4. 11.00 – 12.00 Uhr: Essensvorbereitung: Die ganze Familie finden sich dazu in der Küche ein. Vorbereitung: Team aus Mutter und Tochter, Ausführung: Team aus Vater und Sohn;
    5. 12.00 bis 13.30 Uhr: gemeinsames Mittagessen;
    6. 13.30 – 14.00: Abwasch – Verantwortlich: Wer noch kann;
    7. 14.00 – 15.00 Uhr: Verdauungsspaziergang inklusive 20 Minuten leichter Trab;
    8. 15.00 – 15.30 Uhr: zur freien Verfügung;
    9. 15.30 – 18.00 Uhr: Besuch der Verwandten und Freunde, gemeinsames Weihnachtsliedersingen;
    10. 18.00 – 19.00 Uhr: Essensvorbereitung;
    11. 19.00 – 21.30: gemeinsames Abendessen;
    12. 21.30 – 22.00: Uhr Verdauungsspaziergang um den Block;
    13. 22.00 bis 24.00 Uhr: Familienspielzeit;
    14. 24.00 – 7.30 Uhr: Nachtruhe;
    15. 7.30 Uhr: Aufstehen und wie oben beschrieben fortfahren.
    16. Und nicht vergessen: Nicht stressen lassen und Perfektionismus vermeiden!
  • Nicht zu viel Aktivitäten an den Weihnachtstagen einplanen, also rund um die Bewegung und das Essen, nicht zu viel machen, empfiehlt die DAK weiter und schließlich:
  • Gezielt Zeit für sich selbst nehmen, um zu entspannen.

Die Ratschläge der DAK sind widersprüchlich und es fragt sich: Wie sehen nicht perfektionistische Weihnachten aus, in deren Ablauf die gesammte Familie einbezogen ist, die mit nur wenigen Aktivitäten angereichert sind und in deren Verlauf man sich gezielt Zeit für sich selbst nimmt? Nun: Am besten man bleibt im Bett und teilt diese Entscheidung der restlichen Familie durch einen Anschlag an schwarzen Familienbrett auf einem Fresszettel mit. Das ist nicht perfektionistisch, bezieht die ganze Familie ein, ist mit wenig Aktivität verbunden und – besonders wichtig: Man nimmt sich gezielt Zeit für sich selbst.

Und Geschenke sollte man auch nicht kaufen, denn, wie Joel Waldvogel herausgefunden hat, sind Weihnachtsgeschenke unökonomisch. Da die meisten Geschenke erhalten, die sie sich sowieso nicht gewünscht haben und dann, wenn sie selbst das Geld, das für Geschenke in den Sand gesetzt wurde, hätten ausgeben können, ganz andere Wahlen getroffen hätten, rangiert der ökonomische Verlust, der mit Geschenken einhergeht, zwischen 10% und 30% des jeweilgen Werts.

merry xmasWem dieses Ergebnis nicht ausreicht, um von Geschenken Abstand zu nehmen, der möge bedenken, was Tim Kasser und Sheldon M. Kennon herausgefunden haben: What Makes A Merry Christimas?, so haben sie sich gefragt. Herausgekommen ist, dass alles, was materialistisch ist, Geschenke und Geldausgeben, schlecht ist, alles, was die Umwelt nicht schädigt, zum “Merry-Sein” beiträgt und am besten ist es, wenn man ganz besonders in Familie und religiöse Praktiken investiert, nein, wenn Familie und religiöse Praktiken im Vordergrund stehen. Also Kirchgang und Beten zum oben abgedruckten Zeitplan ergänzen und ansonsten alles machen, wie beschrieben.

Die “Limitations of the Merry-Study”, wie man schreiben könnte, bestehen allerdings darin, dass die Dinge, die Merry-Machen können, von den beiden Autoren vorgegeben wurden, so dass die Befragten keine Möglichkeiten hatten, etwas anderes zu wählen, als das, was ihnen vorgegeben wurde. Aber, wenn es darum geht, Menschen glücklich und merry zu machen, dann ist eben keine Vorgabe eng genug.

Am besten, wir lassen Weihnachten sein, ziehen uns die Decke über den Kopf und machen etwas Sinnvolles, wobei beim Sinnvollen zu beachten ist:

  1. nicht sinnvoll rauchen;
  2. nicht sinnvoll trinken;
  3. dass Sinnvolle mit der Familie absprechen;
  4. aber nicht zu viel absprechen und gezielt sinnvolle Zeit für sich selbst einplanen;
  5. ausreichend und sinnvoll bewegen;
  6. nur sinnvoll essen;
  7. nur sinnvoll beten;
  8. nur umweltverträgliche und stressfreie, sinnvolle Geschenke;
  9. am besten sinnvoll Geld ausgeben;
  10. Familie soll sinnvoll im Vordergrund stehen;
  11. und besonders sinnvoll: Wenn Sie unbedingt einen Herzinfarkt erleiden wollen, dann warten Sie bitte bis nach Weihnachten, und vermiesen Sie ihren Lieben nicht die Festtage!
  12. haben wir etwas Sinnvolles vergessen?

Literatur

Andersson, I. & Rössner, AS. (1992). The Christmas Factor in Obesity Thearpy. International Journal of Obesity and Related Metabolic Disaorder 16(12): 1013-1015.

Cowley, A. J., Murphy, D. T., Stainer, K., Murphy, J. & Hampton, J. R. (1986). A Non-Invasive Method For Measuring A Cardiac Output: The Effect of Christmas Lunch. The Lancet 328(8521): 1422-1424.

Hillard, James R., Holland, Jacqueline M. & Ramm, Dietlof (1981). Christams and Psychopathology. Data From a Psychiatric Emergency Room Population. Archives of General Psychiatry 38(12): 1377-1381.

Kasser, Tim & Kennon, Sheldon M. (2002). What Makes for a Merry Christmas? Journal of Happiness Studies 3(2): 318-329.

Phillips, David P., Jarvinen, Jason R., Abramson, Ian S. & Phillips, Rosalie R. (2004). Cardiac Mortality is Higher Around Christmas and New Year’s Day Than at Any Other Time. The Holidays as a Risk Factor for Death. Circulation doi: 10.1161/​01.CIR.0000151424.02045.F7
Waldvogel, Joel (1993). The Deadweight Loss of Christmas. American Economic Review 83(5): 1328-1335.