Karl-Dieter Opp: “Unser Mann in Deutschland” wird 77

Herzlichen Glückwunsch Karl Dieter Opp!

KD_OppEiner der wenigen großen und international bekannten deutschen Soziologen wird heute 77 Jahre alt. Wir wünschen ihm an dieser Stelle für das neue Lebensjahr und all die anderen, die noch kommen, bis mindestens das “Century” voll ist, alles Gute und vor allem Gesundheit.

Begonnen hat die Soziologen-Karriere von Karl-Dieter Opp bei zwei deutschen Koryphäen, die ebenso schwierig wie in ihrem Fach ausgewiesen waren. Bei René König und Erwin K. Scheuch zu studieren und zu promovieren war sicherlich kein einfaches Unterfangen, schon gar nicht vor dem Hintergrund, dass Karl-Dieter Opp neue empirische Ansätze in die Welt der Soziologie gebracht hat. Dabei war die Soziologie zu Zeiten von Scheuch und König noch mehr empirische Soziologie, als sie das heute ist, da sie in weiten Teilen zur Weltbetrachtung auf Basis des methodologischen Atomismus verkommen ist.

“Unser Mann in Deutschland”, das war Karl-Dieter Opp für George C. Homans, besonders nachdem er gemeinsam mit Hans J. Hummell die Monography “Die Reduzierbarkeit von Soziologie auf Psychologie: Eine These, Ihr Test und ihre Theoretische Bedeutung” veröffentlicht, und damit Schockwellen durch die noch nicht so situierte deutsche Soziologie geschickt hat; Schockwellen, die den großen alten Mann der deutschen Soziologie, Rene König, jedoch nur mäßig ins Wanken gebracht haben. Daran hat sich Karl-Dieter Opp immer wieder gerne erinnert: “Jungens, das ist keine Soziologie”, so habe König zu bedenken gegeben.

König hat sich geirrt.

Die empirische Fundierung der Soziologie durch verhaltenstheoretische Modelle und empirische Forschung hat sich über die Jahre als genau die Form von Soziologie etabliert, die nach Ansicht der Betreiber von ScienceFiles die einzige ernst zu nehmende Form von Soziologie ist, jedenfalls wenn sie um die Komponenten angereichert ist, die James S. Coleman in seiner Handlungstheorie und insbesondere in seinem strukturell-individualistischen Forschungsmodell angeführt hat, ein Modell, mit dem sich Karl Dieter Opp sehr intensiv auseinander gesetzt hat und weiter auseinander setzt, vor allem im Hinblick auf die Verbindung zwischen dem, was als Erklärung individuellen Handelns firmiert und den gesellschaftlichen Phänomenen, die über dieses individuelle Handeln erklärt werden sollen.

Opp_MethodologieDie Methodologie der Sozialwissenschaften ist dann auch eines der Hauptthemen, die Karl-Dieter Opp im Verlauf seiner Karriere bearbeitet hat. Dabei ist er keiner der großen Kontroversen aus dem Weg gegangen. Sei es die Kontroverse über Erklären und Verstehen, sei es die Kontroverse, die als Positivismusstreit der Deutschen Soziologie in die Annalen der Wissenschaftsgeschichte einging.

Während die Erklärens/Verstehens-Kontroverse letztlich darüber geführt wird, ob man sich in das Hirn dessen, den man als Forschungsobjekt betrachtet, hineinversetzen muss, um Aussagen über das Forschungsobjekt und sein Handeln machen zu können, also letztlich Intentionen kennen muss, um Handlungen und Handlungsfolgen verstehen zu können, oder ob es reicht, Handlungen und Handlungsfolgen über Randbedingungen zu erklären und anzunehmen, dass Menschen vernunftbegabte Wesen sind, deren Handlungen man erklären kann, ohne die Tiefenstruktur ihrer Psyche zu analysieren, hat der Positivismusstreit ein, wenn man so will, Selbstwertproblem von Soziologen behandelt: Sind Soziologen aufgrund der Tatsache, dass sie Soziologen sind, so erhaben, dass das, was sie sagen, Anspruch auf Richtigkeit erheben kann, oder sind Soziologen empirische Wissenschaftler, die prüfen, was sie behaupten.

Karl-Dieter Opp hat hier immer eindeutig Stellung bezogen: Für ihn ist Soziologie eine Wissenschaft, deren Aufgabe darin besteht, soziale Phänomene oder soziale Fakten, wie Durkheim sie genannt hat, zu erklären und weil dem so ist, sind Soziologen keine erhabenen Gestalten, die erzählen, wie ihnen die Welt gerade vorkommt, sondern Wissenschaftler, die prüfen müssen, ob das, was sie erzählen, auch richtig ist.

Opp_WirtschaftskriminalitaetKarl-Dieter Opp hat geprüft und geforscht und auch mit 77 Jahren ist sein Schaffensdrang nicht erlahmt. Hatten seine frühen Arbeiten noch kriminologische Inhalte, so hat ihn das deutsche Missverständnis davon, was der Labeling Approach angeblich behauptet, ein Missverstädnis, das so profund ist, dass es kaum zu glauben ist, schnell davon überzeugt, dass es besser ist, sich anderen Themen zuzuwenden, wenngleich ihn die Erforschung abweichenden Verhaltens nie richtig losgelassen hat. Beiträge wie “The Economics of Crime and Deviant Behaviour” belegen dies eindrücklich.

In aller Kürze: Der labeling approach geht davon aus, dass nach primärer Devianz, also nach z.B. einer begangenen Straftat, ein Prozess einsetzt, der als sekundäre Devianz bezeichnet wird, und darauf gründet, dass Straftäter, nachdem sie einmal eine Straftrat begangen haben, von der Gesellschaft als Straftäter etikettiert werden, weshalb sie keine Zugänge zu legalen Mitteln des Unterhaltserwerbs finden und weiter straftätig sein müssen. In der deutschen Travestie des Labeling Approaches, den in dieser Hinsicht Fritz Sack auf dem Gewissen hat, ist daraus die Behauptung geworden, dass Kriminalität als solche gesellschaftlich verursacht, ein gesellschaftliches Konstrukt sei (dazu: Lemert, Edwin M. (1975). Der Begriff der sekundären Devianz. S. 433-476 in Lϋdersen, Klaus & Sack, Fritz (Hrsg.): Abweichendes Verhalten I. Die selektiven Normen der Gesellschaft. Frankfurt a.M.: Akademische Verlagsgesellschaft.)

Karl-Dieter Opp weist ein Themenspektrum auf, das kaum ein anderer Soziologe abzudecken in der Lage ist, und das im Kern von der Erforschung von sozialen Normen zusammengehalten wird. Normen sind für Soziologen bekanntlich Verhaltenserwartungen, die (manche) Akteure bei ihren Handlungen berücksichtigen, sie reichen von kodifizierten Normen, die z.B. im Strafgesetzbuch niedergelegt sind, bis zu dem, was Ralf Dahrendorf als “Kann-Erwartungen” bezeichnet hat, also Normen, die eher flexible und nur al gusto zu befolgende Erwartungen an Verhalten beschreiben. Karl-Dieter Opp hat sich hier vor allem für die Frage interessiert, wie Normen entstehen, wo sie herkommen. Eine nicht triviale Frage, sofern man der Ansicht ist, dass Normen nicht in Stein gemeiselt auf Bergen verteilt werden, sondern Gegenstand menschlicher Verhandlung und Interaktion sind, was dann notwendig die Frage aufwirft, warum sich bestimmte Erwartungen an das Verhalten anderer als Norm durchsetzen und andere nicht, mithin Fragen nach Macht und Einfluss also.

Insofern ist es fast zwangsläufig, dass Karl-Dieter Opp bei der Erforschung politischen Protests angekommen ist und u.a. die Revolution von 1989 in der DDR analysiert und ausführlich untersucht hat. Durchbrochen wurde sein Interesse an der Erforschung von Normen regelmäßig von methodischen und theoretischen Arbeiten, die dem Rational Choice Ansatz und Experimenten, wie sie sich im Tschernobyl-Effekt finden, gewidmet sind.

Und es ist in diesem Bereich, dass wir die liebsten Erinnerungen an unsere Treffen mit Karl-Dieter Opp haben, noch bevor diese für Dr. habil. Heike Diefenbach seine Mitarbeiterin an der Universität Leipzig regelmäßig wurden. Die Erinnerung reicht nach Montreal auf den dortigen Weltkongress der International Sociological Association, auf dem wir vor vollem Haus einen Vortrag über Brückenhypothesen gehalten haben, der hoffentlich nicht nur in unserer Erinnerung nachwirkt – insbesondere die verschiedenen Arten von Brückenhypothesen, die aus Anlass unseres Vortrags von einem engagierten Teilnehmer erfunden und gleich wieder dem Vergessen anheim gestellt wurden, sind immer wieder ein Punkt ungeteilter Heiterkeit.

Opp social normsKarl-Dieter Opp wird heute 77 Jahre alt, und wir wünschen ihm alles erdenklich Gute. Möge er weiterhin regelmäßig academia.edu mit seinen immer interessanten Beiträgen bestücken, möge er noch lange als Visiting Professor so renommierter Institutionen wie der Russell-Sage-Foundation oder  der University of Washington seinen fachlichen Ruhm auskosten und der Soziologie noch lange erhalten bleiben. Nie waren Soziologen wie Opp, die ihr Fach verstehen, notwendiger als heute.

Und möge sich Karl-Dieter Opp seine Offenheit für Neues bewahren, die ihn nicht davor zurückschrecken lässt, seine Peers mit der Tatsache zu erstaunen, dass er auch Scheidungsforscher ist, und erklärt, wann und warum Menschen denken, sie sollten sich scheiden lassen.

Happy Birthday Karl-Dieter Opp!

Unabhängigkeit der Wissenschaft? Ha!

Wissenschaft und Forschung sind unabhängig von staatlichem Einfluss, so lautet eine der Lebenslügen, mit der viele Wissenschaftler leben. Die angebliche Selbstverwaltung der Universitäten in Freiheit, die letztlich nur dazu dient, Verwaltungsaufgaben und die dazu gehörigen Vorgaben auf Hochschullehrer und ihre unglücklichen Mitarbeiter am Lehrstuhl abzuwälzen, ist so etwas wie der heilige Gral der Wissenschaft: Alle beten ihn an, niemand hat ihn bislang gefunden.

Dabei hat der Deutsche Hochschulverband bereits im Jahre 1999 auf die typisch verwaltungs-deutsche Art und Weise, in der man Dinge anspricht ohne sie auszusprechen, darauf hingewiesen, dass es mit der Unabhängigkeit von Forschung und Lehre nicht mehr so weit her ist.

Hier ein paar Kostproben aus einer doch bemerkenswerten, weil bemerkenswert einflusslosen Resolution:

Hochschulverband“3. Der Beruf des Universitätslehrers hat durch die Zunahme von Dienstaufgaben, die außerhalb von Forschung und Lehre liegen, an Anziehungskraft verloren. Gerade die Unabhängigkeit in Forschung und Lehre hat aber viele junge Wissenschaftler bewogen, eine universitäre Karriere anzustreben. Eine über das notwendige Maß hinaus gestiegene Zahl von Gremiensitzungen, eine wachsende Verordnungs- und Gesetzesflut, die Auseinandersetzungen mit an diese Vorschriften gebundenen Universitätsverwaltungen, die in der Massenuniversität anfallenden Begutachtungen und Bescheinigungen aller Art – all das ist Gegenstand eines täglich neu zu führenden “Papierkrieges”, der immer weniger Zeit für die Forschung läßt und daher abschreckt. Eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Forschung und Lehre ist dringend notwendig.”

Man hätte auch schreiben können, dass die vielen gesetzgeberischen Eingriffe in die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre dazu geführt haben, dass es Letztere nicht mehr gibt, entweder weil die gesetzgeberischen Eingriffe die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre direkt verunmöglichen oder weil sie über die Zuweisung immer neuer Aufgaben akademischer Selbstverwaltung die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre ersticken, weil vor lauter Selbstverwaltung keine Zeit mehr bleibt, für die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre.

Und weiter:

“5. Der Hochschullehrerberuf verliert durch den schleichenden Verlust der Unabhängigkeit an Attraktivität. Die angekündigte Entbeamtung der Hochschullehrer, die Befristung von Dienstverhältnissen und die Einführung von Probedienstverhältnissen öffnet Tür und Tor für eine sachwidrige und vor allem politische Einflußnahme. Offensichtlich ist die Politik nicht länger gewillt, die Universitäten vor einer Ämterpatronage zu schützen. Die sachliche und persönliche Unabhängigkeit der Hochschullehrer ist kein Privileg, das es zu schleifen gilt, sondern unabdingbare Voraussetzung für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie institutioneller Schutz vor Repressalien von innen und außen.”

Auch wenn der Hochschulverband mit der Entbeamtung der Professoren den falschen Feind angreift, so sind seine Gründe doch zu respektieren und die Halboffenheit, mit der hier der direkte Eingriff der Politik in die Forschung und Lehre, in die Verwaltung von Universitäten ausgesprochen wird, ist vielsagend. Gewichtet man diese Halboffenheit mit der Tatsache, dass Missstände schon zum Himmel stinken müssen, bis sie in deutschen Verwaltungen als mögliche, wenngleich leichte Geruchsbeeinträchtigung wahrgenommen werden, dann kann man sich ungefähr vorstellen, wie weit die politische Gleichschaltung an Hochschulen bereits fortgeschritten ist, wie weit die Krakenarme der Politik bereits in die Hochschulen reichen.

Wer sich das nicht vorstellen kann, der möge sich vergegenwärtigen wie wenige Hochschulen sich trauen, die vorgegebene Säue “familiengerechte Universität” und “Förderung von Frauen an Hochschulen” nicht durchs Dorf zu treiben.

stupendous yappi1Wem dies immer noch nicht reicht, dem sei ein druckfrisches Beispiel der politischen Einflussnahme auf Hochschulen vorgeführt. Abermals ist es ein Beispiel aus dem beliebten Thema der “Gleichstellung”. Dazu muss man wissen, dass das Wissen, das an deutschen Hochschulen produziert wird, vom Geschlecht dessen abhängig ist, der es produziert. Und so meinen Politiker zu wissen, dass dann, wenn man mehr Frauen und respektive weniger Männer an Hochschulen etabliert, das Wissen größer wird, weil die vielwissenden Frauen die wenigwissenden Männer verdrängen. Woher die Politiker ihr vermeintliches Wissen haben, ist bislang ungeklärt, vermutlich hat es, wie das vermeintliche Wissen jeder Religion einen Offenbarungscharakter, es teilt sich den Wissenden mit und wem es sich nicht direkt mitteilt, dem kann mit ein wenig monetären Anreizen zum Wissen verholfen werden.

Doch zurück zum druckfrischen Beispiel: Es kommt von der DFG. Die DFG finanziert einen “Instrumentenkasten” voller guter Beispiele, nein: “vorbildliche[r] Beispiele zur Förderung der Chancengleichheit”. Was man unter Chancengleichheit zu verstehen hat, offenbart Generalsekräterin Dorothee Dzwonnek (ob Generalsekretärin im ZK oder sonstwo, war der Pressemedlung nicht zu entnehmen): “Wir müssen starke Zeichen gegen die Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft setzen, die ebenso ungerecht wie eine Vergeudung ganz erheblichen intellektuellen Potenzials ist”.

Die regelmäßige Vermengung von Gleichstellung, Chancengleichheit und Benachteiligung ist entweder Dummheit geschuldet, also Ergebnis einer Unfähigkeit in abstrakten Konzepten zu denken oder Absicht und somit Ergebnis von bad intend, wie man im Englischen sagt, und was man am besten mit Bösartigkeit übersetzen kann. In jedem Fall widerspricht es jeder Form von informierter Diskussion über Bildung und Bildungszugänge.

Bislang ist es noch niemandem gelungen, einen Nachweis darüber zu führen, dass Frauen in der Wissenschaft benachteiligt werden, aber in Glaubenskulten kommt es nicht auf das an, was ist, sondern auch das, was nach Ansicht der Kultmiglieder sein soll: Und die Offenbarung, die zu verbreiten Generalsekretärin Dzwonnek bezahlt wird, lautet nun einmal, Frauen werden an Universitäten benachteiligt. Warum es diese Offenbarung ist, die gepredigt wird, und nicht die Offenbarung, dass der Kalender der Mayas falsch gelesen wurde und Armageddon nicht 2012 sondern 2021 stattfindet, man kann es nur vermuten: Vermutlich lässt sich mit der Benachteiligungs-Offenbarung mehr Geld verdienen; vermutlich lassen sich mehr Günstlinge in eine abhängige Position befördern.

dfg_logoDie Deutsche Forschungsgemeinschaft, die den Instrumentenkasten finanziert, mit dem ein “starkes Zeichen” gegen die Eingeweihten ge-offenbarte Benachteiligung von Frauen in der Wissenschaft gesetzt wird,  ist jene DFG, die sich als “Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland” bezeichnet und von sich behauptet, dass sie der “Wissenschaft in allen ihren Zweigen” diene. Dafür ist die DFG nach außen als privatrechtlicher Verein institutionalisiert worden, um den Anschein, einer unabhängig von politischer Einflussnahme möglichen Wissenschaft und Forschung aufrecht zu erhalten.

Erste Zweifel an dieser Unabhängigkeit wecken Programme und Aktionen wie der Instrumentenkasten, die weniger der Wissenschaft dafür aber den politischen Launen der Regierenden dienen. Und immerhin stellt der Bund (also die Steuerzahler) mit 1,691 Milliarden Euro 67,1% der Mittel bereit, die die DFG im Jahre 2012 zur Verfügung hatte. Weitere 32,7% oder 823 Millionen Euro stammen aus den von Steuerzahlern gefüllten Kassen der Länder. 0,2% der Finanzierung der DFG wird von sonstigen beigetragen.

In der Pfalz gibt es schönes Sprichwort: Wer zahlt, bestimmt!

Nicht so bei der DFG?

Das wichtigste Gremium der DFG, das zentrale Entscheidungsgremium, wie es in der Selbstbeschreibung heißt, ist der Hauptausschuss, der auf Grundlage “der Beschlüsse des Senats die wesentlichen die DFG betreffenden wissenschaftspolitischen Entscheidungen abschließend” trifft. Die Umsetzung der Offenbarung, nach der nicht näher benannte Frauen durch unbekannte, zumindest aber nicht benannte Mechanismen in der Wissenschaft benachteiligt werden, geht demnach auf eine Entscheidung im Hauptausschuss der DFG zurück.

Dieser Hauptausschuss setzt sich aus 82 Mitgliedern zusammen; ein recht großer Ausschuss also. 39 der Mitglieder sind aus der Wissenschaft, 40 Mitglieder gehören den Regierungen der Ländern oder des Bundes an, hinzu kommt ein ständiger Gast aus dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, ein Vertreter des Stifterverbands und der Präsident der DFG als Vorsitzender des Hauptausschusses. Auch ohne einen Vertreter der Wissenschaft auf ihre Seite zu ziehen, hat die Fraktion der politischen Beamten eine Mehrheit.

Wer zahlt, bestimmt?

Entsprechend wundert es uns nicht, dass sich die DFG zunehmend zu einem Vehikel entwickelt, mit dem ideologischer Einfluss auf die Hochschulen genommen werden soll, z.B. durch die Bereitstellung besagter “vorbildliche[r] Beispiele” im Instrumentenasten für Gleichstellung, Chancengleichheit, gegen Benachteiligung, was auch immer, Bevorzugung von Frauen an Hochschulen halt.

TUDDie “vorbildliche[n] Beispiele” kommen z.B. von der TU Dortmund wo “9 x kluge Zwerge” in der Großtagespflegestelle für Kinder von Beschäftigten in DFG-Projekten gesammelt werden. Oder von der Universität Bremen, wo sich die “AG Familienfreundliches Studium” müht, eine familienfreundliche Infrastruktur zu bauen, nein: mit Steuermitteln bauen zu lassen. Die AG “Gender Medizin”, die sich an der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule in Aachen um die “Berücksichtigung der Kategorie ‘Geschlecht’ in Forschung, Klinik und Lehre an der medizinischen Fakultät” kümmert, und dies z.B. über eine Ringvorlesung tut, ist ein weiteres “vorbildliche[s] Beispiel”. Unser Lieblings-vorbildliches-Beispiel stammt indes von der Technischen Universität Dortmund. Es dient der “Sensibilisierung” und basiert auf der Aufnahme von “‘Gender als überprüfbares Qualitätskriterium” im Zuge des Bologna Prozesses.

Klingt wie Indokrtination – ist Indoktrination – oder in den Worten der AG “Gender Studies”:

“Als Hilfestellung für die Akkreditierung fasst die AG „Gender Studies“ die Ergebnisse des Beratungsprozesses zusammen und gibt eine Stellungnahme zu den im Studiengang zu beachtenden Genderaspekten ab. Diese wird Teil des weiteren Verfahrens und mit dem Antrag auf Akkreditierung des Studiengangs dem Rektorat vorgelegt. Zur Unterstützung und Orientierung hat die AG „Gender Studies“ für die Fakultäten erläuternde Materialien für die Implementierung von Genderaspekten entwickelt wie z.B. Frageraster oder Artikel über Gender in der Lehre, die auf der Homepage zum Download bereitstehen.”

Gender als totale Ideologie! Nicht einmal die Nazis haben es geschafft, deutsche Hochschulen komplett zu infiltrieren oder wie Helmut Kohl einmal gesagt hat: Gestern standen wir noch am Abgrund, heute sind wir schon einen Schritt weiter.

ScienceFiles-Panoptikum: Neues aus der Welt des Wahnsinns

Die GEW hat die 270.000 Mitgliedermarke geknackt, und man freut sich entsprechend:

GEw“Frankfurt a.M. – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat bei der Mitgliederzahl die 270.000er-Marke geknackt. 3.500 Mitglieder gewann sie 2013 per Saldo. Das entspricht einem Plus von gut 1,3 Prozent. Die GEW verzeichnet damit bereits seit sechs Jahren stetig Zuwächse, hat in dieser Zeit um über 20.000 Mitglieder zugelegt und wird immer weiblicher.”

Ja da schau her, in der Vielfalt der modernen Gesellschaften, in mitten des diversen Deutschland gibt es die GEW, an der alle inter-, trans- und sonstigen sozialen Geschlechtlichkeiten vorbeigegangen sind. Schlimmer noch, die GEW hat Geschlecht auf weiblich reduziert. Es gibt nur noch mehr oder weniger weiblich. Die GEW ist immer für eine Innovation gut. Wer also in die GEW eintreten will, muss damit rechnen, nicht mehr “Geschlecht: weiblich – männlich”, sondern: Geschlecht: “weiblich, (noch) nicht weiblich” gefragt zu werden. Das hilft massiv dabei, wenn man als Institution immer weiblicher werden will.

DanischAllerdings, so hat Hadmut Danisch vor kurzem in einem Blogpost geschrieben, beklagt Martin Kunz, der Direktor der Akademie der Bayerischen Presse, dass der Anteil der Männer, die sich im Journalismus umtun, als Student oder als Ausübender, rapide sinkt.

Die Flucht von Männern aus bestimmten Berufen ist ein bekanntes Phänomen. Wir haben sie an Schulen gesehen, (so sind männliche Grundschullehrer heute eine seltene Spezies), wir erleben sie derzeit an Universitäten, und regelmäßig ist der steigende Anteil der Frauen mit einem Rückgang der Professionalität verbunden. Die Vollzeit-Stellen gehen zurück, teilzeit und stundenweise Beschäftigung treten an ihre Stelle, gefolgt von einem relativen Sinken des Entgelts und einem zunehmenden Verlust an Attraktivität. Umgekehrt verhält es sich, wenn Männer in Frauenberufe drängen: Die Professionalität steigt und das Einkommen auch: Männer werden schneller befördert und erzielen ein höheres Einkommen, schon weil sie vollzeit da sind, bekannt und von Feministen bejammert als Phänomen des “glass escalator” oder “glass elevator”.

Die GEW wird also immer weiblicher. Es besteht noch Hoffnung!

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BMBFDeutschland ist für Studierende erste Wahl, so frohlockt das Bundesministerium für Bildung und Forschung und man fragt sich unwillkürlich: Haben die tatsächlich eine Studie aufgetan, in der alle Studierenden weltweit befragt wurden, oder doch zumindest eine – wie lautet die Behauptung: “repräsentative Stichprobe”? Man fragt also und liest und: Ärger und Enttäuschung!

“Im Sommersemester 2012 wurden Studierende befragt, die aus dem Ausland zum Studium nach Deutschland gekommen sind (so genannte Bildungsausländer). Die Studie wurde vom BMBF gefördert und vom DZHW wissenschaftlich durchgeführt. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung vor drei Jahren sagen dieses Mal 61 Prozent der Studierenden, Deutschland sei ihre erste Wahl gewesen (2009: 47 Prozent).”

Soll man nun lachen oder weinen: Befragt wurden ausländische Studierende, die bereits in Deutschland sind und für die somit klar ist, dass sie Deutschland in den Kreis der Studienorte genommen haben, den sie sich für sich vorstellen können. Gefragt wurde eine selegierte Population, und die Schlagzeile entpuppt sich als plumper Betrugsversuch, denn angemessen wäre die Behauptung nur bei entsprechenden Ergebnissen auf Grundlage einer Befragung, bei der auch ausländische Studenten befragt wurden, die sich nicht für ein Studium in Deutschland, sondern für ein Studium in einem anderen (als ihrem Geburts-)Land entschieden haben.

Die Schlagzeile hätte also richtig gelautet: Bei den ausländischen Studenten, die in Deutschland studieren, ist Deutschland nicht mehr überwiegend die zweite Wahl.

Und noch was Salbungsvolles:

Double facepalm“‘Der Hochschulpakt, gute Arbeitsmarktchancen und ein immer aufnahmefreundlicheres Klima haben dazu geführt, dass Deutschland seine Stellung als attraktiver Studienstandort weiter ausgebaut hat. Wir haben jetzt die Chance, dauerhaft mehr Menschen für unser Land zu gewinnen. Dazu müssen und werden wir weiter konsequent in die Attraktivität unserer Hochschulen investieren’, so Wanka”. [Wanka ist die, die derzeit gerade den Bildungsminister gibt, vollzeit oder teilzeit konnte nicht geklärt werden.]

Unnötig darauf hinzweisen, dass das, was Wanka hier behauptet, aus den Daten nicht einmal mit noch so gutem Willen herausgelesen werden kann.

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Schließlich hat uns ein Leser von ScienceFiles etwas Besonders zukommen lassen. Ein Schmankerl, wenn man so will:

ASH“Kurz die Formalien für den Praktikumsbericht:

Abgabe: 30. September 2013, Postfach 4-081
mind. 10 Seiten, max. 15 Seiten ohne Deckblatt. Inhaltsverzeichnis und Literaturverzeichnis (falls vorhanden)
Bitte beachtet die gegenderte Schreibweise! Ohne Gender-Schreibweise lese ich die Arbeiten nicht.

Aufbau: 1. Einleitung, 2. Vorstellung der Praktikumsstelle (1. + 2. max. die Hälfte des Berichts), 3. Forschungsteil, 4. Schlussteil mit selbstreflexiven Anteil

Diese Vorgaben stammen von folgender Lehrbeauftragten, an der staatlichen Hochschule ASH Berlin:

http://www.ash-berlin.eu/hsl/kurse.phtml?id=1085″

Wer den Link verfolgt, landet bei der Alice Salomon Hochschule in Berlin und den vermeintlichen Lehrveranstaltungen einer  M.A. Conny M. Bredereck, die zwar keinerlei Einträge unter den Punkten “Veröffentlichungen” und “Forschung” vorzuweisen hat, aber immerhin von Studenten an der Alice Salomon Hochschule in Berlin eine gegenderte Schreibweise verlangt. Wer sich in Gendersprech nicht so gut auskennt, gegendert ist ein Beitrag, wenn er durch _innen oder …Innen unlesbar gemacht wird.

Man kann nun spekulieren, was M.A. Bredereck dazu veranlasst hat, derartigen Unsinn von Ihren Studenten zu fordern.

Eine naheliegende Erklärung drängt sich aus der Ethnomethodologie auf, nämlich eine Degradierungsstrategie: Gendersprech als Unterordnungsritual, mit dem Dozenten, die selbst auf so dünnem Eis wandeln, dass sie von studentischen Arbeiten versenkt werden können, die Hierarchie klarstellen und Fragen mit einem pre-emptive strike abwehren wollen.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass man nach mehrjährigem Gendersprech keine normale und richtige Sprache mehr versteht und versucht, die eigenen Defizite durch Anforderungen an Dritte wettzumachen.

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Schließlich könnte der Gendersprech durch einen Fehlschluss begründet sein (Inhalt sei von Form abhängig), der die wissenschaftliche Qualität der von Frau M. A. Bredereck angebotenen Veranstaltungen in einem besonderen Licht erscheinen lässt: demnach ginge es nicht um das Vermitteln von Wissen, sondern um das Einüben von Sprechgewohnheiten, anhand derer man die Zugehörigen zur Gendersekte erkennen kann: Kaderbildung nannte man das in der DDR und nicht nur dort.

Und wem haben wir zu verdanken, dass Personen wie M. A. Conny M. Brederbeck, die von Wissenschaft noch weniger Ahnung zu haben scheint als Katzen vom Dosenöffnen, sich an Universitäten breitmachen. Ein Blick in die Vita gibt Aufschlüsse:

seit 2012 Schulmediatorin
seit 2012 zertifizierte Freiwilligenkoordinatorin
seit 2009 zertifizierte ElterntrainerIn “Starke Eltern – Starke Kinder®”, Deutscher Kinderschutzbund
seit 2009 Sozialarbeiterin an Schule bei tandemBQG
2009-2011 Master-Studium an der ASH (Praxisforschung in Sozialer Arbeit und Pädagogik)
2009-2012 Initiatorin des ehrenamtlichen Studierendenprojektes HiASH (Hilfe in der ASH)
2007-2011 Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung
seit 2006 BAföG und Sozialberaterin, ausgebildet durch die GEW
2006-2011 Studentische Mitarbeiterin im Verwaltungsbereich der ASH
2006-2009 BAföG- und Sozialberaterin zur Unterstützung von Studierenden
2005-2009 Bachelor-Studium “Soziale Arbeit” an der ASH, staatliche Anerkennung 2009
1995-2006 Angestellte Versicherungskauffrau im Innendienst der Firma Schare & Mendyka GmbH
1992-1995 Ausbildung zur Versicherungskauffrau
1989-1992 Ausbildung zur Kindergärtnerin an der Fachschule für Kindergärtnerinnen

Sie hätten es natürlich bemerkt, auch wenn wir es nicht fett gesetzt hätten. Da ist sie wieder, die GEW, die GEW, die nach eigener Aussage immer weiblicher wird. Und was es bedeutet, wenn die GEW immer weiblicher wird, kann man an M. A. Conny M. Brederbeck sehen. Soviel auch zum Thema Professionalität.

Weihnachten geht auf die Gesundheit: Wissenschaftliches zu Risiken und Nebenwirkungen des Weihnachtsfests

“Von wegen besinnliche Weihnachtszeit”, so heißt es in einer Pressemeldung der DAK Zentrale Hamburg, und so geht es weiter:

flatline“Das Fest der Liebe schlägt buchstäblich aufs Herz. Das zeigen aktuelle Krankenhaus-Daten der DAK-Gesundheit. An den Weihnachtstagen werden ein Drittel mehr Menschen wegen eines Herzinfarktes ins Krankenhaus eingeliefert als im Jahresdurchschnitt. Vor allem Männer sind betroffen. Sie erleiden besonders am Heiligabend einen Herzinfarkt”

Wer hätte das gedacht, dass das Öffnen von Weihnachgeschenken und die besinnlichen Tage sich derart negativ auf die Gesundheit von vor allem Männern auswirken? Und wer hätte es gedacht, dass es eine deutsche Krankenkasse gibt, die darauf hinweist?

“Für die Untersuchung wurden bei der DAK-Gesundheit die letzten vier Jahre verglichen: So gab es zwischen 2009 und 2012 im Schnitt jeweils 40 Krankenhauseinweisungen wegen Herzinfarkt an den einzelnen Weihnachtstagen. Sonst verzeichnet die Krankenkasse durchschnittlich 30 Einweisungen pro Tag”.

33% mehr Einweisungen über die Weihnachtsfeiertage, kann man schon als erhöhtes Aufkommen bezeichnen, und es kommt noch schlimmer: “Cardiac Mortality is Higher Around Christmas and New Year Than at Any Other Time”, so überschreiben David D. Philipps, Jason R. Jarvinen, Ian S. Abramson und Rosalie R. Phillips einen Beitrag in Circulation, einer Zeitschrift der American Heart Foundation. Ihren Ergebnissen zufolge werden über die Weihnachtsfeiertage (und an Neujahr) rund 5% mehr Personen mit einem Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert und rund 5% mehr Personen sterben an einem Herzinfarkt als an anderen Tagen des Jahres. Die Zahlen von Jarvinen et al. sind mit denen der DAK nicht vergleichbar, denn die Autoren berechnen Risiken, wie man das normalerweise tut, während für die DAK die Nennung von Häufigkeiten vermutlich genug der Mathematik ist.

In jedem Fall kann man feststellen: Weihnachten geht auf die Gesundheit. Das zeigt auch ein Beitrag von James R. Hillard, Jacquelin M. Holland und Dietlof Ramm. Nach den Weihnachtstagen ist ein Anstieg an Psychopathologien, besonders bei Frauen, zu verzeichnen. Die Weihnachtsgeschenke und die “besinnlichen Tagen”, führen demnach bei Männern vermehrt zu einem Herzinfarkt, während Frauen vermehrt hysterisch oder psychotisch werden.

Macht Weihnachten geisteskrank? Ist Weihnachten ein Killer? Was ist/sind die Ursache/n dieser negativen Wirkung besinnlicher Tage? A. J. Cowley et al. (1986) wissen Genaueres: Die Weihnachtsvöllerei. Personen mit einem Herzproblem und solche, die einen Herzinfarkt erlitten haben, hatten einen erhöhten “cardiac output” [der "cardiac output" misst die Menge von Blut, die durch das Herz befördert wird] nach dem Weihnachtsessen, d.h. Ihnen ist das Essen nicht auf den Magen, sondern aufs Herz geschlagen – Ergebnis: Herzinfarkt. Zu diesen Ergebnissen passen Befunde, die Andersson und Rössner (1992) ermittelt haben. Demnach erhöht sich über die Weihnachtstage das Körpergewicht eines Erwachsenen um durchschnittlich 800 Gramm.

Es scheint so, als wäre Völlerei ein Faktor, der die Weihnachtstage mit der Einlieferung ins Krankenhaus enden lässt. Es scheint so, denn die DAK hat ganz andere Ideen darüber, was Weihnachten zum Herzinfarktrisiko werden lässt, nämlich:

  • Perfektionismus – entsprechend rät die DAK, den Perfektionismus so weit wie möglich ablegen: Also wenn das Geschenkpapier partout nicht will, wickeln Sie ihr Geschenkt in Zeitungspapier oder geben es gleich ohne Verpackung weiter. Ist auch besser für die Umwelt.
  • Die gesamte Familie, so die DAK, müsse in die Weihnachtsvorbereitungen einbezogen werden und konkrete Absprachen müssten getroffen werden, etwa und unter Berücksichtigung des guten Rats von “DAK-Ärztin Elisabeth Thomas”, nach dem “vor allem einseitige Ernährung sowie Bewegungsmangel, Rauchen und hoher Alkoholkonsum” zu vermeiden sind, so:
    1. Wychwood Bah Humbug7.30 Uhr: Aufstehen;
    2. 8.00 – 9.30 Uhr: gemeinsames Frühstück in der Küche – Frühstücksverantwortlich: Mutter und Tochter;
    3. 9.30 bis 11.00 Uhr: Verdauungsspaziergang inkl. 20 Minuten für Gespräche mit den Nachbarn;
    4. 11.00 – 12.00 Uhr: Essensvorbereitung: Die ganze Familie finden sich dazu in der Küche ein. Vorbereitung: Team aus Mutter und Tochter, Ausführung: Team aus Vater und Sohn;
    5. 12.00 bis 13.30 Uhr: gemeinsames Mittagessen;
    6. 13.30 – 14.00: Abwasch – Verantwortlich: Wer noch kann;
    7. 14.00 – 15.00 Uhr: Verdauungsspaziergang inklusive 20 Minuten leichter Trab;
    8. 15.00 – 15.30 Uhr: zur freien Verfügung;
    9. 15.30 – 18.00 Uhr: Besuch der Verwandten und Freunde, gemeinsames Weihnachtsliedersingen;
    10. 18.00 – 19.00 Uhr: Essensvorbereitung;
    11. 19.00 – 21.30: gemeinsames Abendessen;
    12. 21.30 – 22.00: Uhr Verdauungsspaziergang um den Block;
    13. 22.00 bis 24.00 Uhr: Familienspielzeit;
    14. 24.00 – 7.30 Uhr: Nachtruhe;
    15. 7.30 Uhr: Aufstehen und wie oben beschrieben fortfahren.
    16. Und nicht vergessen: Nicht stressen lassen und Perfektionismus vermeiden!
  • Nicht zu viel Aktivitäten an den Weihnachtstagen einplanen, also rund um die Bewegung und das Essen, nicht zu viel machen, empfiehlt die DAK weiter und schließlich:
  • Gezielt Zeit für sich selbst nehmen, um zu entspannen.

Die Ratschläge der DAK sind widersprüchlich und es fragt sich: Wie sehen nicht perfektionistische Weihnachten aus, in deren Ablauf die gesammte Familie einbezogen ist, die mit nur wenigen Aktivitäten angereichert sind und in deren Verlauf man sich gezielt Zeit für sich selbst nimmt? Nun: Am besten man bleibt im Bett und teilt diese Entscheidung der restlichen Familie durch einen Anschlag an schwarzen Familienbrett auf einem Fresszettel mit. Das ist nicht perfektionistisch, bezieht die ganze Familie ein, ist mit wenig Aktivität verbunden und – besonders wichtig: Man nimmt sich gezielt Zeit für sich selbst.

Und Geschenke sollte man auch nicht kaufen, denn, wie Joel Waldvogel herausgefunden hat, sind Weihnachtsgeschenke unökonomisch. Da die meisten Geschenke erhalten, die sie sich sowieso nicht gewünscht haben und dann, wenn sie selbst das Geld, das für Geschenke in den Sand gesetzt wurde, hätten ausgeben können, ganz andere Wahlen getroffen hätten, rangiert der ökonomische Verlust, der mit Geschenken einhergeht, zwischen 10% und 30% des jeweilgen Werts.

merry xmasWem dieses Ergebnis nicht ausreicht, um von Geschenken Abstand zu nehmen, der möge bedenken, was Tim Kasser und Sheldon M. Kennon herausgefunden haben: What Makes A Merry Christimas?, so haben sie sich gefragt. Herausgekommen ist, dass alles, was materialistisch ist, Geschenke und Geldausgeben, schlecht ist, alles, was die Umwelt nicht schädigt, zum “Merry-Sein” beiträgt und am besten ist es, wenn man ganz besonders in Familie und religiöse Praktiken investiert, nein, wenn Familie und religiöse Praktiken im Vordergrund stehen. Also Kirchgang und Beten zum oben abgedruckten Zeitplan ergänzen und ansonsten alles machen, wie beschrieben.

Die “Limitations of the Merry-Study”, wie man schreiben könnte, bestehen allerdings darin, dass die Dinge, die Merry-Machen können, von den beiden Autoren vorgegeben wurden, so dass die Befragten keine Möglichkeiten hatten, etwas anderes zu wählen, als das, was ihnen vorgegeben wurde. Aber, wenn es darum geht, Menschen glücklich und merry zu machen, dann ist eben keine Vorgabe eng genug.

Am besten, wir lassen Weihnachten sein, ziehen uns die Decke über den Kopf und machen etwas Sinnvolles, wobei beim Sinnvollen zu beachten ist:

  1. nicht sinnvoll rauchen;
  2. nicht sinnvoll trinken;
  3. dass Sinnvolle mit der Familie absprechen;
  4. aber nicht zu viel absprechen und gezielt sinnvolle Zeit für sich selbst einplanen;
  5. ausreichend und sinnvoll bewegen;
  6. nur sinnvoll essen;
  7. nur sinnvoll beten;
  8. nur umweltverträgliche und stressfreie, sinnvolle Geschenke;
  9. am besten sinnvoll Geld ausgeben;
  10. Familie soll sinnvoll im Vordergrund stehen;
  11. und besonders sinnvoll: Wenn Sie unbedingt einen Herzinfarkt erleiden wollen, dann warten Sie bitte bis nach Weihnachten, und vermiesen Sie ihren Lieben nicht die Festtage!
  12. haben wir etwas Sinnvolles vergessen?

Literatur

Andersson, I. & Rössner, AS. (1992). The Christmas Factor in Obesity Thearpy. International Journal of Obesity and Related Metabolic Disaorder 16(12): 1013-1015.

Cowley, A. J., Murphy, D. T., Stainer, K., Murphy, J. & Hampton, J. R. (1986). A Non-Invasive Method For Measuring A Cardiac Output: The Effect of Christmas Lunch. The Lancet 328(8521): 1422-1424.

Hillard, James R., Holland, Jacqueline M. & Ramm, Dietlof (1981). Christams and Psychopathology. Data From a Psychiatric Emergency Room Population. Archives of General Psychiatry 38(12): 1377-1381.

Kasser, Tim & Kennon, Sheldon M. (2002). What Makes for a Merry Christmas? Journal of Happiness Studies 3(2): 318-329.

Phillips, David P., Jarvinen, Jason R., Abramson, Ian S. & Phillips, Rosalie R. (2004). Cardiac Mortality is Higher Around Christmas and New Year’s Day Than at Any Other Time. The Holidays as a Risk Factor for Death. Circulation doi: 10.1161/​01.CIR.0000151424.02045.F7
Waldvogel, Joel (1993). The Deadweight Loss of Christmas. American Economic Review 83(5): 1328-1335.

Gender Studies an der Humboldt-Universität: Alles Ergebnis von Betrug?

DanischHadmut Danisch hat sich wieder einmal mit der Humboldt-Universität in Berlin angelegt. Nachdem er bereits in seinem Buch über den Werdegang von Susanne Baer, wenn man es denn als Werdegang beschreiben kann und nicht als “gravy train” beschreiben muss (wieder so ein englischer Begriff, für den es im Deutschen keine Entsprechung gibt, vielleicht:  Absahner-Netzwerk-Begünstigte) und etliche Ungereimtheiten berichtet hat, hat er nunmehr vor dem Verwaltungsgericht Berlin Klage gegen die Humboldt-Universität zu Berlin erhoben, und zwar deshalb, weil die Humboldt-Universität ihm gegenüber Auskünfte und Offenlegung verweigert.

HU-BerlinJa. Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Da gibt es eine öffentliche Einrichtung, eine aus Steuermitteln finanzierte Einrichtung, eine Einrichtung, deren Existenz ausschließlich darüber legitimiert ist, dass sie der Öffentlichkeit gegenüber Dienstleistungen erbringt und diese öffentliche Einrichtung verweigert einem Bürger die Auskunft über ihre Tätigkeit, denn nicht mehr und nicht weniger verlangt Hadmut Danisch. Er verlangt keine Auskunft über Internas, er verlangt keine persönlichen Daten, alles was er will, sind Antworten zu einem Fragekatalog, den er zusammengestellt hat, um Ungereimtheiten, die es im Zusammenhang mit derEinrichtung der Gender-Studies an der Humboldt Universität gibt und gegeben hat, zu klären.

Wenn man die Ungereimtheiten liest, die Hadmut Danisch im Zusammenhang mit den Berliner Gender-Studies, von denen ja die derzeitige Verfassungsrichterin Susanne Baer behauptet, man habe sie für sie erkämpft, dann denkt man, bei der Humboldt-Universität müssten alle Alarmglocken klingeln und es müsste hektische Aktivität anlaufen, um gegenüber dem Steuerzahler Danisch und allen, die sein blog lesen, Aufklärung auf breiter Front zu betreiben und eben nicht in den Ruch zu kommen, man habe hier Steuermittel in großem Umfang veruntreut.

Wie die Dinge nun einmal liegen, hat sich die Verwaltungsspitze der Humboldt-Universität dazu entschlossen, den üblen Geruch von Nepotismus, Schieberei und Betrug zu ertragen und Hadmut Danisch Auskunft zu verweigern. Da fragt man sich, was könnte so schlimm sein, dass es die Humboldt-Universität Berlin nicht an die Öffentlichkeit gelangen lassen will: Nepotismus? Schieberei? Betrug? Veruntreuung von Steuermitteln?

Diese Frage stellt sich umso mehr, wenn man die von Danisch zusammengetragenen Ungereimtheiten liest und diejenigen heraussucht, die am schwersten zu wiegen scheinen:

  • Das Berliner Hochschulgesetz schreibt in seinen Paragraphen 8a und 22 vor, dass neu einzurichtende Studiengänge in qualitativer Hinsicht zu bewerten sind (in Deutsch: Was taugen sie, was ist der Gewinn für die Steuerzahler, was der Nutzen für Studenten…?). Eine qualitative Prüfung der Gender Studies, die an der Humboldt-Universität in Berlin eingerichtet wurden, hat nach den Recherchen von Hadmut Danisch nicht stattgefunden. Entsprechend hätte der Studiengang “Gender Studies” nicht eingerichtet werden dürfen. Er verstößt gegen das Berliner Hochschulgesetz. Dies muss man annehmen, denn die Humboldt-Universität Berlin weigert sich bislang, den begründeten Verdacht durch entsprechende Informationen, die zeigen, dass die Einrichtung der Gender Studies dem Hochschulgesetz von Berlin entsprechen, zu entkräften.
  • Die Begutachtung des neu einzurichtenden Studiengangs der Gender Studies wurde durch vier Gutachterinnen vorgenommen, die ihrerseits in enger Verbindung zu Gender Studies stehen “und ihr Einkommen damit” erzielen. Der gute Geschmack, die wissenschaftliche Lauterkeit, das normale Rechtsempfinden, der Anstand, die Moral und sogar das Berliner Hochschulrecht hätten es erfordert, dass die Gutachter, die bewerten, ob ein Studiengang nicht nur den Anforderungen des Hochschulrechts entspricht, sondern darüber hinaus den Studenten, die ein entsprechendes Studium aufnehmen, irgendeinen Nutzen auf dem Arbeitsmarkt verschafft, unbefangen sind und deshalb mit Gender Studies in keiner Weise verquickt oder verbandelt sind. Da man bei der Humboldt-Universität Berlin nichts dabei gefunden hat, durch seine Gutachter-Auswahl in den Ruch des Nepotismus zu gelangen und vor allem nichts tut, um Informationen bereitzustellen, die diesen Ruch beseitigen könnten, muss man davon ausgehen, dass es gute Gründe gibt, die entsprechenden Informationen vor der Öffentlichkeit zu verbergen.
  • Schließlich basiert die Begutachtung der Frage, ob man Gender Studies an der Humboldt-Universität Berlin einrichten kann, auf einer Angabe zum Lehrpersonal, die nach den Recherchen von Hadmut Danisch schlicht falsch ist. Mit anderen Worten, Falschangaben liegen einem Gutachten zu Grunde und machen es eHU Berlin Buttonntsprechend hinfällig. Ob diese Falschangaben fahrlässig oder mutwillig in die Unterlagen gelangt sind, ist derzeit ungeklärt und da die Humboldt-Universität in Berlin weiterhin unkooperativ ist und sich weigert, Licht in diese Angelegenheit zu bringen, muss das Schlimmste angenommen werden, denn ansonsten würde sich die Universitätsleitung vermutlich beeilen, den erheblichen Verdacht zu entkräften.

Auf Grundlage dieser falschen Angaben, auf Grundlage der nicht erfolgten Prüfung der inhaltlichen Übereinstimmung der Gender Studies mit den Erfordernissen eines Studienfaches an einer Hochschule, wie sie das Berliner Hochschulgesetz vorsieht und aufgrund von Gutachten, die von offensichtlich befangenen Gutachterinnen erstellt wurden, so hat Hadmut Danisch herausgefunden, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 2003 und bis 2010 3,435 Millionen Euro an die Humboldt-Universität in Berlin überwiesen. 3,435 Millionen Euro, die dazu verwendet wurden, einen Studiengang einzurichten, der seinen Absolventen keinerlei Inhalte zu bieten hat, keinerlei Arbeitsmarktchancen eröffnet, aber für Frau Baer erkämpft wurde.

Scheinbar schrecken Genderisten vor keiner moralischen Niedrigkeit zurück, wenn es darum geht, ihre Ziele zu erreichen. Sie opfern die Studenten, die denken, mit Gender Studies liese sich etwas anfangen. Sie missbrauchen Steuergelder, beugen Recht und betreiben ganz offen einen Nepotismus, der in anderen Ländern als Korruption bezeichnet wird. Dies scheint die korrekte Zusammenfassung der Informationslage zu sein, wie sie sich dem Leser der 140seitigen Klageschrift von Hadmut Danisch erschließt. Die Humbold-Universität hat bislang nichts unternommen, um diese Zusammenfassung zu entkräften. Die Verantwortlichen werden ihre Gründe dafür haben.

Wer Hadmut Danisch in seinem Kampf um die Wissenschaft und gegen Gender-Korruption unterstützen will, sei auf sein Post zu diesem Gegenstand verwiesen. Dort findet sich eine Kontonummer, auf die man Beträge (mit entsprechender Widmung) überweisen kann, die es Hadmut Danisch erlauben, notfalls auch vor das Bundesverwaltungsgericht zu ziehen.

Neue EU-“Studie”: Der frei flottierende Wahnsinn

Fashionable nonsenseMan mag das Wort “Studie” gar nicht mehr in den Mund nehmen bzw. die Buchstaben auf der Tastatur so aneinanderreihen, dass dabei “Studie” herauskommt. Seit sich Institutionen, Ministerien, die EU, die Gewerkschaften, Parteien und sonstige Organisationen, denen nichts an Wissenschaft, aber viel an Gefälligkeitsstudien liegt, der “Studien” bemächtigt haben, und immer neue “Studien” veröffentlichen, in denen anscheinend wissenschaftlich akkurat ein bestimmtes Thema aufgearbeitet wurde, hat für uns “Studie” einen negativen Beigeschmack. “Studie”, das ist das, bei dem man sich regelmäßig an den Kopf greift. Bei “Studien” kann man ziemlich sicher sein, dass die Methodologie, das wissenschaftliche Denken und vor allem die wissenschaftliche Lauterkeit auf der Strecke geblieben ist. Und zuweilen ist “Studie” etwas, bei dem man denkt, der Verstand der Verfasser ist auch auf der Strecke geblieben, so es ihn überhaupt und jemals gegeben haben sollte.

Eine solche “Studie” hat die EU gerade präsentiert und auf so mancher Seite hat die entsprechende “Studie” bereits Widerhall gefunden. Die EU-Kommission vermarktet die vermeintliche Studie wie folgt:

Digital Agenda: Bringing more women into EU digital sector would bring €9 billion annual GDP boost, EU study shows

Und natürlich ist der vermeintliche Nutzen von 9 Milliarden Euro, den die vermeintliche Studie vorhersagt, und zwar für den Fall, dass “more women” im digitalen Bereich, also im Bereich von Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten, die Grundlage dafür, dass besonders studiengeile die “Studien-Ergebnisse” zum Anlass nehmen, um eine “Frauenquote” zu fordern, um die 9 Milliarden Euro auch zu ernten, jährlich versteht sich.

European CommissionDie “Studie”, in der die 9 Milliarden Euro ausgerechnet wurden, stammt aus Spanien, quasi als eine Form der Strukturhilfe für das von der Finanzkrise gebeutelte Land, hat die EU-Kommission, Iclaves S.L. in Madrid damit beauftragt, diese wichtige “Studie” zu erstellen. Iclaves ist eines der Institute, die auf der Gehaltsliste der EU-Kommission stehen und sich bereits in anderen Zusammenhängen nicht nur als Nutznießer der EU-Kommission, sondern auch als williger Zuträger von durch die EU-Kommission vermarktbaren Ergebnissen präsentiert haben.

Nun also, hat Iclaves ausgerechnet, dass dann, wenn “more women” im Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten würden, 9 Milliarden Euro mehr umgesetzt werden würden. Und alle haben dieses Ergebnis der “Studie” so hingenommen, und kaum jemand hat sich gefragt, wie kommt man eigentlich auf ein derartiges Ergebnis?

Nun, in der Executive Summary, die die EU-Kommission wohl zur Grundlage ihrer Pressemeldung und aller nachfolgender Forderungen nach Frauenquote und …, der übliche Unsinn halt, genutzt hat, steht Folgendes:

“Meanwhile economic arguments for increased female participation in the sector abound. If women held digital jobs as frequently as men, the gain for the European GDP each year would be around 9 bn EUR (this translates into 1.3 times Malta’s GDP!)”3.

Einmal davon abgesehen, dass hier eine unbelegte Behauptung als Gemeingut verkauft werden soll, so als gäbe es auch nur ein einziges ökonomisches Argument, das eine Frauenquote stützen würde, einmal davon abgesehen, dass hier die Malteser diskriminiert und als Loser dargestellt werden, die man mit ein paar Frauen mehr im Informations- und Kommunikationstechnologie-Sektor in den Schatten stellen kann, ist das Wichtigste am zitierten Absatz die am Ende des Absatzes. Die 3 verweist auf eine Fussnote, in der man Folgendes findet:

“Data elaborated for this study based on the European Labour Force Survey (2011). For a detailed description of the methodology used please refer to the section “Description of the Problem” of this document.”

EU-UnsinnNatürlich ist “Descripton of the Problem” in der “Executive Summary” nicht enthalten, und deshalb muss man sich den kompletten Bericht herunterladen, um darin auf Seite 33 tatsächlich eine Beschreibung dessen, was da gemacht wurde, zu finden, und zwar in Fußnote 34. Wer sich für die ausführliche Variante des Unsinns, den Iclaves zusammengerechnet hat, interessiert, der möge die Abbildung anklicken. Für alle anderen hier die Kurzvariante: 20,67% der europäischen Männer, die an Universitäten ein Fach der Informations- oder Kommunikationstechnologie (IKT) studiert haben, arbeiten später im IKT-Sektor, aber nur 10,76% der Frauen. Gut 60% der IKT-Studenten, ob männlich oder weiblich, arbeiten in anderen Sektoren der Wirtschaft (23% der weiblichen und 15% der männlichen IKT-Studenten arbeiten gar nicht). Wenn nun 8% der Frauen, die in einem anderen Sektor als dem IKT-Sektor arbeiten, im IKT-Sektor arbeiten, dann wären dies rund 115.000 Frauen. Die durchschnittliche Produktivität im IKT-Sektor berträgt 78.000 Euro, und 78.000 Euro multipliziert mit 115.000 Frauen ergibt rund 9 Milliarden Euro. Eh voilá, so einfach kann man die EU-Kommission mit Zahlen versorgen, die manchem Kommissar den Speichel aus dem Mund fließen lassen.

Aber was ist von dieser Rechnung zu halten?

Zunächst ist es immer wieder verblüffend, wie fixiert die Frauenförderer auf Männer sind. Wenn rund 20% der männlichen IKT-Studenten im IKT-Sektor arbeiten, dann ist das Gottes Gesetz. Rund 20% ist die göttliche Zahl, die es für Frauen zu erreichen gilt. Zu einem anderen Gedanken sind die Frauenförderer nicht fähig, ihr Gehirn ist auf Geschlechtsteile und auf eine Gleichheit programmiert, so dass man wohl langsam, aber sicher von einer geistigen Fehlfunktion ausgehen muss. Denn: wenn man 8% der männlichen Absolventen eines IKT-Studiums, die nicht im IKT-Sektor arbeiten, dazu bringen könnte, im IKT-Sektor zu arbeiten, die 9 Milliarden wären auch das rechnerische Ergebnis, und man hätte es ganz ohne weibliche IKT-Studenten erreicht, könnte die 8% mehr weiblichen Studenten, die es nach dem Studium vorziehen, nicht zu arbeiten als Männer, also in ihrer Arbeitslosigkeit belassen.

Aber die Rechnung geht nur auf, wenn man davon ausgeht, dass alle IKT-Studenten gleich gut sind, dass man den einen nehmen kann und mit dem anderen ersetzen, dass man ein paar weibliche Studenten dazu tut und die entsprechenden weiblichen IKT-Studenten sich gar nicht auf die durchschnittliche Produktivität im IKT-Sektor auswirken, weder positiv noch negativ. Und die Rechnung geht nur dann auf, wenn man vergisst, dass der Abzug von 115.000 weiblichen oder männlichen IKT-Studenten aus anderen Bereichen der Wirtschaft dort Kosten verursacht, was wiederum die 9 Milliarden Euro deutlich abschmelzen dürfte, auf was auch immer. Tatsächlich haben die 9 Milliarden mehr, die man im IKT-Sektor umsetzen könnte, also gar nichts mit Frauen zu tun. Tatsächlich erweist sich die gesamte hanebüchene Rechnung als absurder Unsinn, von dem man sich als normaler Mensch fragen muss, wie man darauf kommen kann. Und tatsächlich basiert die Berechnung auf der Prämisse, dass weibliche IKT-Studenten in anderen Wirtschaftsbereichen als dem IKT-Sektor nichts zur Produktivität beitragen und deshalb problemlos abgezogen werden können.

eu-flagDerzeit werden bei der EU monatliche Grundgehälter von 2.300 Euro bis 16.000 Euro bezahlt. Die EU beschäftigt zur Zeit 12.578 Frauen und 11.290 Männer in ihrer Bürokratie. Im Jahr 2012 hat die EU-Kommission für Angestellte und Pensionszahlungen ehemaliger Angestellter 5,786 Milliarden Euro ausgegeben. Bei 33.868 Beschäftigten betragen die durchschnittlichen Jahresbezüge entsprechend 170.789 Euro. Die Kosten für Angestellte in Administrationen in China variieren zwischen 180,75 Euro (1.500 Reminbi) bis 2771,45 Euro (23.000 Reminbi). Ersetzte man die 33.868 Angestellten der Europäischen Kommission durch billigere und vermutlich effizientere Fachkräfte in China, so könnte man eine jährliche Einsparung von 84% der Personalkosten erzielen, was einer jährlichen Einsparung von 4.86 Milliarden Euro entspricht.

Eigentlich kann die EU-Kommission nichts gegen diesen Vorschlag einzuwenden haben. Er enstpricht völlig der Argumentation, wie sie die EU-Kommissare derzeit benutzen, um z.B. eine Frauenquote im IKT-Sektor zu fordern. Zudem hätte der Vorschlag eine Reihe von Wohltaten für die Bürger, die über die finanzielle Einsparung hinausgehen. Man würde in Zukunft nicht nur von unsinnigen “Studien” verschont bleiben, die Geld kosten und die Intelligenz jeden Normalbürgers beleidigen, man bliebe darüber hinaus von den EU-Kommissaren verschont, deren Intelligenz offensichtlich nicht das Maß eines Normalbürgers erreicht, und die sich nicht scheuen, hanebüchene Forderungen auf die Grundlage unsinniger “Studien” zu stellen.

Impfgegner besteuern wegen Externalisierung von Krankheitsrisiken?

Die Weltgesundheitsorganisation hat die Bekämpfung und Beseitigung von Masern zu einem ihrer wichtigsten Ziele erklärt. So seien in 2011 rund 158.000 Kinder an Folgen einer Erkrankung mit Masern verstorben. Seit der Einführung des Impfstoffes MMR, eines Kombiprodukts gegen Masern, Mumps und Röteln Ende der 1980er Jahre, ist die Mortalität in Folge einer Masern-Infektion von mehr als 2 Millionen Toten jährlich auf nunmehr 158.000 weltweit gesunken. Angesichts der Verfügbarkeit von MMR, eines effektiven und billigen Impfstoffes, ist es das erklärte Ziel der WHO, Masern als Todesursache auszurotten.

ImpfratenDoch es regt sich Widerstand gegen die Impfung. Viele Eltern, in Deutschland, weigern sich, ihre Kinder mit MMR gegen u.a. Masern impfen zu lassen. Ursache dafür sind vermeintliche Nebenwirkungen des Impfstoffes, die Autismus, multiple Sklerose oder Diabetes hervorrufen können sollen. Diese Nebenwirkungen sind seit 1998 im Gespräch, als Dr. Andrew Wakefield, ein britischer Arzt im Lancet eine Untersuchung veröffentlichte, die angeblich einen Zusammenhang zwischen MMR und Autismus sowie einer Darminfektion aufzeigen konnte.

Zwischenzeitlich wurde Dr. Wakefield die Zulassung entzogen, weil sich herausgestellt hat, dass er mit unlauteren Mitteln zu den Ergebnissen gelangt ist, zu denen er gelangt ist. Die Veröffentlichung der Untersuchung im Jahre 1998 im Lancet hatte einen Pressesturm nach sich gezogen. Scheinbar wollte, wie z.B. heute, wenn es darum geht, die negativen Folgen von Rauchen, Alkohol oder sonstiger Modefeinde zu verkünden, kein Zeitungsredakteur nicht sofort der Überbringer der schlechten Nachricht sein. Niemand hat sich daran gestört, dass die Ergebnisse von Dr. Wakefield gerade einmal auf der Untersuchung von 12 Kindern basierten und entsprechend Vorsicht angeraten gewesen wäre.

Und weil sich deratige schlechte Nachrichten immer besser verbreiten als Informationen haben in der Folge Eltern die Impfung ihrer Kinder mit MMR verweigert. Als Folge hat u.a. der Süden von Wales im Frühjahr 2013 eine Masern-Epidemie bis dahin ungeahnten Ausmaßes gesehen. Dabei hat sich der Masern-Virus nicht darauf beschränkt, Kinder zu befallen, er hat sich auch erwachsene Opfer gesucht, mit erheblichen Folgen für die betroffenen Erwachsenen.

Angesichts der Folgen, die Masern nach sich ziehen können, sollte man eigentlich denken, die Frage, ob die eigenen Kinder geimpft werden sollen oder nicht, sei leicht zu beantworten:

“Most measles-related deaths are caused by complications associated with the disease. Complications are more common in children under the age of five, or adults over the age of 20. The most serious complications include blindness, encephalitis (an infection that causes brain swelling), severe diarrhoea and related dehydration, ear infections, or severe respiratory infections such as pneumonia. As high as 10% of measles cases result in death among populations with high levels of malnutrition and a lack of adequate health care.”

Wer mit dem Leben davon kommt, hat also eine Chance, blind zu sein oder Hirnschäden davon zu tragen. Angesichts dieser Folgen sind die Nebenwirkungen von MMR, die in wenigen Fällen in einer leichten und schnell vergehenden Erkrankung an Masern oder Mumps bestehen und zu keinen der oben beschriebenen Folgen führen, eher gering, so dass man sich fragt, warum Eltern sich weigern, ihre Kinder impfen zu lassen.

Diese Frage hat sich auch Cornelia Betsch von der Universität Erfurt gestellt. Betsch schreibt seit Jahren gegen die Nicht-Impfer in Deutschland und anderso an und versucht, aufklärerisch tätig zu sein. So ist gerade ein Text von Betsch im Bundesgesundheitsblatt erschienen, und zwar mit dem Titel: “Die Rolle des Internets bei der Elimination von Infektionskrankheiten. Zum Management von Wahrnehmungen und Fehlwahrnehmungen”.

MasernDer Beitrag stützt sich im Wesentlichen auf einen Beitrag von Gesualdo et al. (2010), auf Informationen des Robert-Koch-Instituts und auf eine eigene Untersuchung (Betsch & Wicker, 2012). Die Botschaft der drei Beiträge besteht darin, dass im Internet Fehlinformationen über die Risiken, die mit einer Masern-Impfung oder mit dem MMR-Impfstoff verbunden sind, verbreitet werden. Diese Fehlinformationen seien leicht zugänglich, im Internet weit verbreitet, und entsprechend würden Eltern, die “direkt nach Impfrisiken suchen und hier also verstärkten Informationsbedarf aus zuverlässigen Quellen haben, die Quellen mit geringerer Wahrscheinlichkeit auffinden” (Betsch, 2013, S.1280). Und man ahnt bereits, was kommen wird: Die Relation zwischen zuverlässigen Quellen und nicht-zuverlässigen Quellen müsse verbessert werden, so empfiehlt Betsch: Informationen darüber, welche Risiken mit einer MMR-Impfung verbunden sind, müssten leichter und besser zugänglich sein.

Dies ist ein löblicher Ansatz und dennoch ein falscher Ansatz, denn er setzt voraus, dass Eltern, die nach Nebenwirkungen von MMR-Impfungen suchen, sich von der Harmlosigkeit des Impfstoffes überzeugen lassen, wenn die Informationen leicht erreichbar und verfügbar sind. Das ganze Problem der Impfgegner besteht demnach für Betsch in der Zugänglichkeit von Informationen.

Das halte ich für falsch. Die sozialpsychologische Forschung hat wieder und wieder belegt, dass Menschen meist innerhalb eines Frames nach Informationen suchen und vornehmlich bemüht sind, Informationen zu finden, die in diesen Frame passen, die konsonant zu bereits vorhandenen Informationen sind – oder: viele suchen nur die Informationen, die ihre bereits vorhandenen Ansichten bestätigen oder legitimieren. Entsprechend nutzt neue Information an sich überhaupt nichts.

Da eine einfach Suche im Internet, z.B. in Google Scholar nach “vaccination risk” oder nach MMR bereits eine Unmenge im Sinne Betschs “zuverlässiger Quellen” zu Tage befördert, die allesamt die Unbedenklichkeit einer Impfung mit MMR bestätigen bzw. nach den Ursachen für Impfverweigerung fahnden, ist bereits jetzt eine große Zahl “zuverlässiger Quellen” im Internet vorhanden. Nicht zuletzt gibt es ja auch das umfangreiche Internetangebot des Robert-Koch-Instituts, dem jeder die relevanten Informationen für seine Entscheidung für oder gegen eine Impfung entnehmen kann.

Entsprechend muss man davon ausgehen, dass der Vorschlag von Betsch, noch mehr Informationen in das Internet zu fluten, die Steuerzahler Geld kosten würde, ohne etwas zu bewirken. Deshalb schlage ich vor, die Umweltgesetzgebung auf Impfverweigerer zu übertragen, und zwar wie folgt:

Measles epidemicDie Epidemie in Südwales ging von ungeimpften Kindern aus. Sie haben andere Kinder und deren Eltern angesteckt. Die Folge waren erhebliche gesundheitliche und finanzielle EInbußen. MIt anderen Worten, nicht-geimpfte Kinder haben für andere in der Weise Externalitäten bereitet, wie dies die Umweltverschmutzung tut, die z.B. durch giftige Abwässer entsteht, die in Flüsse geleitet werden. Gemäß dem Verursacherprinzip wären demnach von Eltern ungeimpferter Kinder die Kosten der Folgen der Erkrankung, die sie ausgelöst haben, zu tragen. Wenn also ein ungeimpftes Kind an Masern erkrankt und in der Folge eine Reihe von Personen, die mit dem Kind Kontakt hatten, erkrankt, haben die Eltern die Kosten der Folgen zu übernehmen. In jedem Fall haben Eltern, die die Impfung ihrer Kinder verweigern, die Kosten, die durch eine entsprechende Erkrankung und die dadurch notwendig werdende Behandlung ihrer Kinder entstehen, in voller Höhe zu tragen.

Derzeit leben Eltern, die die Impfung ihrer Kinder verweigern davon, dass andere die entsprechenden Kosten tragen. Es ist schlicht nicht einzusehen, warum Umweltschäden vom Verursacher internalisiert werden sollen, Gesundheitsschäden bei Dritten als Folge nicht-geimpfter Kinder aber nicht,  Folglich hätten Eltern die Wahl zwischen einer Impfung bzw. keiner Impfung ihrer Kinder, müssten diese Wahl aber unter der Gewissheit treffen, dass sie die Folgen der Wahl zu tragen haben, d.h. dass sie die Verantwortung für ihre Entscheidung übernehmen müssen.

Betsch, Cornelia (2013). Die Rolle des Internets bei der Elimination von Infektionskrankheiten. Zum Management von Wahrnehmungen und Fehlwahrnehmungen. Bundesgesundheitsblatt 9: 1279-1286.

Betsch, Cornelia & Wicker, Sabine (2012). E-Health Use Vaccination Knowledge and Perception of Own Risk: Drvers of Vaccination Uptake in Medical Students. Vaccine 30(6): 1143-1148.

Gesualdo, F. et al. (2010). Surfing the Web During Pandemic Flu: Availability of World Health Organization Recommendations on Prevention. BMC Public Health 10: 561.

ScienceFiles-Umfrage zur Bundestagswahl

Jeder Wahlforscher und jeder Student der Politischen Soziologie kennt die Sonntagsfrage: “Wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, wen würden Sie wählen?” Tausendfach vor Wahlen gestellt, hat sie doch nur in den wenigsten Fällen den Ausgang der Bundestagswahl akkurat vorhersagen können.

Wir wollen uns auf ScienceFiles an der Verbesserung der Wahlumfrage-Methodik beteiligen und unseren Fehlerterm bestimmen (und außerdem die politische Orientierung unserer Leser auskundschaften – versteht sich), und deshalb haben wir uns entschlossen, die Sonntagsfrage in einem neuen Gewand und auf ScienceFiles-Leser zugeschnitten und wie folgt zu stellen:

“Wenn heute der 22. September wäre, Sie in einer Wahlkabine stünden und den Wahlzettel vor sich hätten: Wo würden Sie ihr Kreuz machen?”

Wir werden die Umfrage bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntag, den 22. September, online lasen und um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten, sind in unserer Umfrage alle 30 Parteien, die sich mit Landeslisten zur Bundestagswahl stellen, vertreten.

Machen Sie also mit und wählen Sie ihren neuen Bundestag auf ScienceFiles.

Wenn Ihnen vor lauter Abkürzungen und Parteien schwindelig wird und Sie nicht wissen, was nun wieder die Abkürzung der Partei war, die Sie eigentlich wählen wollten, der Bundeswahlleiter hilft weiter.

Natürlich ist auch die Wahl auf ScienceFiles geheim. Wir veröffentlichen die Ergebnisse nach Schließung der Wahllokale und sind mit Sicherheit schneller als ARD (Infas) und ZDF (Forschungsgruppe Wahlen) mit Ihren veralteten Auszählungsmethoden.

Rehabilitationsforschung? Vom Niedergang der Sozialforschung

Zuweilen gibt es Pressemeldungen, bei denen bereits die Überschrift ausreicht, um das Ärgerlevel zu heben. So die folgende Pressemeldung der Universität Jena:

The Dark Side of Entrepreneurship

Wieder einer dieser Beiträge, in denen das neue Leitbild des sozialen Menschen, der so sozial ist, dass er alle anderen Formen des Menschseins nicht mehr zulässt, verbreitet und gegen vermeintlichen Egoismus ausgespielt werden soll, so denkt man, und die ersten Zeilen der Pressemeldung bestätigen die Befürchtung:

“Does he really exist, the type of the entrepreneurial ‘homo oeconomicus’ who first of all is interested in his own benefit and profit and who abandons ethical and social principles?”.

Uni jenaDieser hanebüchene Unsinn, den Stefanie Bühlchen von der Stabstelle Kommunikation/Pressestelle der Friedrich-Schiller, nein nicht Kaserne, sondern: Universität Jena, schreibt, ist offensichtlich bar jeder Kenntnis darüber, dass der homo oeconomicus das Menschenbild der Ökonomen ist, nicht das Unternehmerbild und dass sich bereits Adam Smith umfassend darüber ausgelassen hat, dass ein erfolgreiches Unternehmertum und ein funktionierender Markt auf Selbstinteresse und sympathy gebaut ist. Drei Zitate aus verschiedenen Teilen des Wealth of Nations machen den Zusammenhang von Selbstinteresse und Sympathy in der Smithschen Konzeption deutlich:

„It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker, that we expect our dinner, but from their regard of their own interest. We address ourselves not to their humanity, but to their self-love, and never talk to them of our own necessities but of their advantages … (Smith,[1759] 1999, p.14).
The natural effort of every individual to better his own condition, when suffered to exert itself with freedom and security, is so powerful a principle, that it is alone, and without any assistance, … capable of carrying on the society of wealth and prosperity … (614).

Every individual is continually exerting himself to find out the most advantageous employment for whatever capital he can command. It is his own advantage, indeed, and not that of the society, which he has in view. But the study of his own advantage naturally, or rather necessarily leads him to prefer that employment which is most advantageous for the society …” (513).

Theorie der ethischen GefuehleDass in “modernen” Gesellschaften versucht wird, “den Bürgern” einzuhämmern, dass Menschen soziale Wesen sind, die in erster Linie an andere und dann an sich denken, mag Politikern zu pass kommen, die davon leben, anderen zu erzählen, sie hätten deren und nicht das eigene Interesse im Sinn, wenn sie etwas tun oder lassen, aber es widerspricht allem, was die Humanwissenschaften über Menschen wissen. Es widerspricht den philosophischen Lehren der schottischen Moralphilosophen. Es widerspricht, dem, was man in der Biologie den Überlebenstrieb nennt. Es widerspricht der in der Betriebswirtschaftslehre so beliebten Bedürfnishierarchie von Maslow, kurz: es widerspricht der Realität. Menschen sind keine Altruisten, und sie waren es zu keinem Zeitpunkt. Menschen verfolgen ihr Sebstinteresse und viele von ihnen haben bemerkt, dass man sein Selbstinteresse in Kooperation mit anderen besser umsetzen kann als alleine. So entsteht Gesellschaft und nicht etwa, weil ein paar religiöse Spinner daran glauben, wenn sie anderen Gutes tun, kommen sie dafür in den Himmel (nicht zuletzt haben auch die größten religiösen Fanatiker immer irdische Annehmlichkeiten zu schätzen gewusst, ganz altruistisch natürlich). Wer das nicht begreifen kann, der soll sich fragen, ob er sich eine sozialere Tätigkeit als die eines Unternehmers, der anderen Lohn und Arbeit gibt, vorstellen kann.

Aus diesem Grund, weil das, was im letzten Absatz steht, feststehendes Wissen in der Ökonomie ist und nicht nur da, ist es ärgerlich, derartigen Unsinn wie den zitierten in einer Pressemitteilung einer Universität, selbst wenn es die in Jena ist, zu lesen. Noch ärgerlicher ist es, weil der wissenschaftliche Beitrag, für den die Pressemeldung erstellt wurde, überhaupt nichts einer Schattenseite (dark side) des Unternehmertums zu tun hat.

Obschonka, Andersson, Silbereisen und Sverke (2013) haben vielmehr auf Grundlage eines Schwedischen Datensatzes, der Kinder ab ihrem 10. Lebensjahr über 37 Jahre ihres Lebens verfolgt, untersucht, ob sich Unternehmer in ihrer Jugend von anderen Jugendlichen unterscheiden, und wenn ja, worin. Dass die Untersuchung dabei Variablen wie “Kriminalität”, “Regelverstoß”, “Einstellungen zum Regelverstoß”, aber auch Kreativität, Intelligenz und sozialer Status im Elternhaus berücksichtigt, ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, der Egoismus oder Selbstinteresse zum devianten Verhalten macht, weil der Mythos des sozialen Altruisten für einige so glaubwürdig ist, dass Bestohlene nicht mehr merken, dass sie nicht altruistisch sind, wenn sie dem Dieb noch die fünf Euros geben, die er übersehen hat, sondern dumm.

log regWie dem auch sei, Unternehmer unterscheiden sich in ihrer Jugend von anderen Jugendlichen nicht in Kreativität, nicht im Ausmaß deliquenten Verhaltens im Jugendalter, nicht in ihrer Einstellung zu Verstößen gegen gesellschaftliche Normen. Lediglich für Kreativität bei Frauen und Regelverstöße bei Männern finden sich Miniatur-Effekte. Die Effekte finden sich in Modellen hierarchischer logistischer Regressionen, die man nur als unterirdisch schlecht bezeichnen kann (Nagelkerkes R2 von .02 bis .07 bei 294 bzw. 370 Befragten – Man kann Nagelkerkes R2 als Verbesserung des Modells im Vergleich zu einem “Nullmodell” interpretieren, d.h. die Modelle der Autoren sind zwischen 2% und 7% besser als ein fiktives Nullmodell ohne Zusammenhang.)

Mit anderen Worten, die Untersuchung macht viel Lärm um so gut wie nichts, und wenn man sich noch ansieht, wie die Regelverstöße gemessen wurden, dann bleibt von der “Schattenseite des Unternehmertums”, die angeblich untersucht wurde, herzlich wenig übrig. Regelbrüchig sind im Datensatz von Obschonka et al. (2013) Jugendliche, die die Anweisungen ihrer Eltern ignorieren oder länger ausbleiben als erlaubt oder bei Schularbeiten schummeln oder die Schule schwänzen oder Haschisch rauchen oder einmal oder mehrmals betrunken waren oder einen Ladendiebstahl begangen haben oder sich in der Stadt nach Dunkelheit herumgetrieben haben. Die gemessenen Handlungen reichen kaum hin, um irgendeine Aussage über soziale oder nicht soziale Tendenzen von Unternehmern oder nicht-Unternehmern zu machen, aber das macht nichts, denn Sprachmagie tritt wie gewöhnlich an die Stelle der Realität:

“What matters more as a precursor of entrepreneurship, latent or manifest antisocial tendencies? Regarding men the clear message from the present analysis is that the actual modest but not severe rule-breaking behavior, as a manifest form, matters more than the latent form (early anti-social attitudes)” (393).

Wenn also ein Jugendlicher im Alter von 15 Jahren (Befragungszeitpunkt, auf den sich die Autoren beziehen), Haschisch geraucht hat oder seinen Eltern nicht gehorcht hat oder länger ausgeblieben ist als erlaubt oder die Schule geschwänzt hat, dann hat er damit antisoziale Tendenzen gezeigt. Ich überlege gerade, was Wissenschaftler, die derartiges Verhalten als “antisozial” einstufen und darüber hinaus der Ansicht sind, über dieses Verhalten lasse sich Unternehmertum vorhersagen (bei einem Nagelkerke R2 von .05) für Tendenzen zeigen, ich fürchte das, was mir einfällt, ist nicht druckreif. Aber ich habe doch eine Idee für ein Forschungsprojekt, das sich mit “overcompliance” oder einer neuen Form des vorauseilenden Gehorsams unter Akademikern befasst und untersucht, welche frühkindliche Gehorsams-Neurose dafür verantwortlich ist, dass Sozialforschung mehr und mehr zur Legitimationsforschung der Vorgaben wird, die Politiker, die häufig nicht einmal ein Studium bis zum Ende durchgehalten haben und der Tross der Ideologen, der mit ihnen zieht, in die Welt setzen.

 

Obschonka, Martin, Andersson, Hakan, Silbereisen, Rainer K. & Sverke, Magnus (2013). Rule-breaking, Crime, and Entrepreneurship: A Replication and Extension Study with 37-year Longitudinal Data. Journal of Vocational Behavior 83: 386-396.

Smith, Adam ([1759] 1999). The Wealth of Nations. An Inquiry Into the Nature and Causes of Wealth of Nations. Washington: Regney.

ARD machts möglich: Mehr als 100% Nutzer

Die ARD ist immer für eine Überraschung gut. Die neueste Überraschung findet sich im Online-Angebot der ARD bei den Mediendaten, mit denen der öffentlich-rechtliche Sender sich und sein Programm für Sponsoren attraktiv machen will. Die folgende Tabelle habe ich unter den “Medien Basisdaten” der ARD gefunden. Sie belegt sehr eindrücklich, dass man bei der ARD zwar mit Gebühreneinnahmen, nicht aber mit Zahlen umgehen kann.

ARD Murks

Angaben in Prozent, so heißt es verschwörerisch in der Unter-Überschrift. Es fehlt die Basis: Prozent wovon? Wäre der ARD-Zuständige Student in der Veranstaltung “Statistik für Erziehungswissenschaftler”, er wäre gerade durchgefallen. Aber es wird noch besser.

Egal, welche Prozentuierungsbasis, irgendwie müssen sich Prozentwerte auf 100% ergänzen. Betrachtet man die Zeilen und denkt z.B.: dargestellt ist die Entwicklung der männlichen Nutzer des Onlineangebots der ARD, dann ist schon nach drei Spalten Schluss: Mehr als 100% Männer geht nicht. Eine kombinierte Betrachtung von Zeilen- und Spaltenprozente führt auch nicht weiter: Ich habe zwar schon davon gehört, dass manche der Ansicht sind, es gäbe mehr als zwei Geschlechter, aber bei der ARD ist nicht einmal Platz für zwei Geschlechter, denn nach drei Spalten gibt es bereits mehr als 100% Männer, kein Platz mehr für Frauen. Das einzige mir bekannte Patriarchat besteht also bei der ARD. Das Patriarchat ist zugleich ein Matriarchat, denn nach vier Spalten (immer von links zählen) sind 100% der Nutzer des ARD-Onlineangebots weiblich, was zeigt, bei der ARD finden sich vornehmlich Transsexuelle, die jederzeit das Geschlecht wechseln können und überdies mehr als 100% der Nutzer ausmachen.

statistics for dummiesAber es kommt noch besser, betrachtet man die Prozente als Zeilenprozente; 100% der Nutzer des ARD Onlineangebots waren im Jahre 2010 zwischen 14 und 29 Jahre alt. Gleichzeitig waren 98,4% der Nutzer aber zwischen 20 und 29 Jahren alt und 89,9% der Nutzer waren zudem zwischen 30 und 39 Jahre alt, und im Rentenalter waren 28,2% der 100%, die zwischen 14 und 29 Jahren alt warfen. Dies ist insofern spannend als 44,7% der Nutzer des ARD-Onlineangebots nicht berufstätig waren, während 90,7% eine Berufstätigkeit vorgaben bzw. angaben, was notwendig dazu führt, dass in Deutschland und unter den Nutzern der ARD die Kinderarbeit endemische Ausmaße angenommen hat.

In den letzten Jahren ist mir häufig die Aussage begegnet, ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe. Zumeist sagen dies Leute, die keine Ahnung davon haben, wie man eine richtige Statistik erstellt. Keine Ahnung davon, wie man eine richtige Statistik erstellt, haben auch die Verantwortlichen bei der ARD und entsprechend lausig wären ihre Versuche, eine Statistik zu fälschen, sofern sie sie anstellen wollten, angestellt haben.

Was allerdings in hohem Maße bedenklich ist, ist die Tatsache, dass es eine ARD/ZDF Online Studie, ja Online Studien gibt. Erschreckend! Was die Verantwortlichen bei der ARD oder beim ZDF ausgewertet und zusammengerechnet haben, man wagt es sich kaum vorzustellen. In jedem Fall sind die Steuergelder gut angelegt: Das Niveau der “Forschungsabteilung” bei der ARD entspricht offensichtlich dem Programm des Senders.

Nachtrag zu einigen Kommentatoren

Richtig, da steht: “Basis: Bis 2009 Deutsche ab 14 Jahren, ab 2010 deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren”. Das habe ich nicht übersehen, aber es macht auch dann keinen Sinn, denn dann waren 2012 81,5% der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre männliche Nutzer des ARD Onlineangebots und 70,5% weibliche Nutzer. Wahlweise waren 100% der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren, 14 bis 29-jährige Nutzer des ARD Onlineangebots. Und wenn ich der ARD alles zu Gute halte, was hier einige Kommentatoren zu Gute halten und die Zahlen pro Jahr und für jede dargestellte Sub-Gruppe getrennt auf die angegebene Basis beziehe und als Ausschöpfungsquoten interpretiere (hätte man auch als solche in der Überschrift angeben können, aber das nur nebenbei), dann tut sich ein Graben voller neuer Probleme auf. So müsste die ARD zugeben, dass die Daten hochgerechnet wurden und Schätzungen darstellen, deren Qualität man nur beurteilen kann, wenn man die Grundgesamtheit kennt, was es wiederum erforderlich machen würde, die Anzahl der Befragten, für die hier Prozentwerte angegeben werden, zu nennen, also z.B. Grundlage 1000 Befragte im Alter von 14 bis 82 Jahre oder 175 Angestellte der ARD in Köln (ab 14 Jahren) oder was auch immer. Aber es ist wirklich interessant zu sehen, wie schnell manche Kommentatoren sich auf der Seite der “Institution” einreihen und dieselbe von jedem Fehler freisprechen.

Oder wie Dr. Diefenbach gerade anmerkt: Es ist interessant zu sehen, wie schnell manche Kommentatoren bereit sind, auf den symbolischen Akt der Angabe einer “Basis” zu reagieren und alles Nachdenken darüber, ob außer Symbolik auch Sinn vermittelt wird, einzustellen.