Grüner Wahlfang

Es soll ja wirklich noch Deutsche geben, die denken, Politiker hätten ihr, also der Deutschen und nicht ihr, also ihr eigenes Wohl im Sinn. Angesichts der Art und Weise, in der sich politische Parteien auf Kosten von Steuerzahlern über ihre angeblichen Stiftungen bereichern, angesichts der Art und Weise, in der abgehalfterte Politiker auf Pöstchen, u.a. beim Vatikan geschoben werden, damit sie auch weiterhin Steuerzahlern zur Last fallen können, und angesichts der Art und Weise in der Parteien für Minderheiten, die man mit der Lupe suchen muss Stimmung und Politik machen, z.B. die Massen von Transsexuellen, die sich nicht in Berliner Schwimmbäder trauen, ist dieser Glaube in die Reinheit deutscher Politiker wirklich niedlich.

make believeAber selbst wenn man diese Realität ausblendet und sich mit wissenschaftlicher Forschung befasst, so muss man konstatieren, dass die normative Theorie der Demokratie, die das Gute in Form von demokratischen Rechten über die guten Ritter, in Form von Parteipolitikern, an die Bedürftigen, also diejenigen, die die demokratischen Wohltaten bezahlen müssen, bringen will, ziemlich gelitten hat, und zwar deshalb, weil die Realität nicht zu den normativen Vorgaben passen will. Und sie will deshalb nicht passen, weil Politiker wie alle Menschen ein eigenes Interesse haben, das sie vordringlich durchsetzen wollen. Dabei bieten Politiker politische Gefallen an, und zwar auf dem, was Erving Goffman die Hinterbühne der Darstellung genannt hat. Und wo es eine Hinterbühne gibt, gibt es natürlich auch eine Vorderbühne.

Auf der Vorderbühne gastieren sie mit ihrer Darstellung des guten und besorgten, das responsiven Politikers der sich um die Stimmen der Wähler bemüht, auf der Hinterbühne sind sie einfach Lobbyisten, die poltische Gefallen meistbietend verkaufen.

Wie groß der Opportunismus unter Politikern ist und welcher Tricks sie sich bedienen, um nicht dabei erwischt zu werden, wie sie versuchen, mit Lug und Trug, ihren Vorteil zu sichern, kann man derzeit am Beispiel der Bundestagsdrucksache 18/3151 der Abgeordneten Doris Wagner, Beate Walter-Rosenheimer, Dr. Franziska Brantner, Katja Dörner, Christian Kühn (Tübingen), Kordula Schulz-Asche, Özcan Mutlu, Luise Amtsberg, Kai Gehring, Maria Klein-Schmeink, Tabea Rößner, Elisabeth Scharfenberg, Ulle Schauws, Dr. Harald Terpe, Matthias Gastel, Markus Tressel, Claudia Roth (Augsburg), Dr. Julia Verlinden und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sehen.

BTgrueneDie BT-Drucksache ist mit dem pathetischen Titel überschrieben: “Von Anfang an beteiligen – Partizipationsrechte für Kinder und Jugendliche im demografischen Wandel stärken.” Und obwohl es uns schwerfällt, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie und vor allem woran man Zweijährige von Anfang an beteiligen soll, wollen wir die entsprechende Frage an dieser Stelle ausklammern und direkt zu den Rechten von Kindern und Jugendlichen vordringen, die nach Ansicht der grünen Antragsteller im Bundestag beschlossen werden sollen.

Nach diesen grünen Vorstellungen fordert der Bundestag die Bundesregierung dazu auf:

“einen Gesetzentwurf vorzulegen, um das Wahlalter für Bundestags- und Europawahlen auf 16 Jahre zu senken und analog auf die Bundesländer einzuwirken, für Kommunal- und Landtagswahlen das Wählen ab 16 Jahren zu ermöglichen”;

Das nennt man dann wohl Minderjährigen-Wahlrecht und natürlich geht es den Grünen einzig und allein darum, die Sechszehnjährigen früher mitbestimmen zu lassen. Sie sind dann zwar weder volljährig noch unterliegen sie dem Erwachsenenstrafrecht, aber sie sind schon politisch mündig, woraus man schließen muss, dass man nicht sonderlich entwickelt sein muss, um als politisch mündig, um von den Grünen als politisch mündig angesehen zu werden.

Aber vielleicht geht es ja auch gar nicht um die politische Mündigkeit, sondern um etwas ganz anderes: Politische Gefallen lassen sich auf der Hinterbühne um so gewinnbringender verkaufen, je besser die Darstellung auf der Vorderbühne gelungen ist, was für Parteien und die von ihnen Abhängigen bedeutet: Je mehr Wählerstimmen sie mit ihrem Angebot anziehen konnten, desto mehr lässt sich mit politischen Gefallen verdienen.

Und hier zeigt sich, dass der Barwert des grünen Angebots doch arg gelitten hat in jüngster Zeit. Richtig Federn haben die Grünen gelassen, weniger Stimmen als die Linke haben sie erhalten, bei der letzten Bundestagswahl, gerade einmal 8,4% der gültigen Zweitstimmen. Grüne politische Dienstleistungen, grüne politische Gefallen sind somit im Wert gesunken. Deshalb sehen sich die Grünen nach Möglichkeiten um, den Wert der politischen Gefallen, die sie verkaufen, zu steigern.

Und hier kommen die Kinderrechte ins Spiel oder besser die Rechte der Jugendlichen, die in der grünen Beschlussvorlage mit kaum zu überbietendem Pathos inszeniert werden: .

“Kinder und Jugendliche sind ein wesentlicher Bestandteil
unserer Gesellschaft … Kinder und Jugendliche können und wollen ihre Gegenwart und Zukunft entscheidend mitgestalten … Die Studie “Kinder und Jugendpartizipation in Deutschland” von 2005 kommt zu dem Ergebnis: „Um die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist es (noch) nicht gut bestellt.

Und nach dem üblichen Schmu über verbindliche Demokratie- und Teilhabekonzepte für Kindertagesstätten und die Demokratisierung der Schulkultur kommt, wohlverpackt, worum es der grünen Opportunista wirklich geht, das Wahlrecht ab 16, denn:

“Ein frühes Wahlrecht ist ein klares Signal unserer Gesellschaft an die junge Generation, dass sie von zentralen politischen Zukunftsentscheidungen nicht weiterhin ausgeschlossen wird.”

Wie kommt es, dass die Grünen, die Partei der mittlerweile grünen Omas und Opas die Jugend entdecken, ihr gar ab 16 Jahren das Wahlrecht einräumen wollen?

Die Antwort findet sich auf der Seite von Juniorwahl.de . Auf Juniorwahl.de wählen Schüler, also Jugendliche. Hier simulieren sie wie es wäre, wenn sie das Wahlrecht hätten, und hier haben 568.433 Schüler die Bundestagswahl 2013 simuliert, und zwar mit dem folgenden Ergebnis:Juniorwahl

Die Grünen kommen unter Schülern also auf einen rund doppelt so hohen Stimmanteil als unter Wahlberechtigten.

Na wenn das kein Grund ist, plötzlich und ganz intensiv die Rechte der Jugendlichen zu entdecken und sich dafür stark zu machen, dass ein klares Signal an Jugendliche ergebt, dass sie nicht von Zukuntsentscheidungen, die natürlich nicht sie, sondern – so die Rechnung – grüne Grannies treffen, ausgeschlossen sind bzw. dass sie denken, sie seien es nicht.

Oliver Williamson definiert opportunistisches Verhalten wie folgt:

„By opportunism I mean self-interest seeking with guile. This includes but is scarcely limited to more blatant forms, such as lying, stealing, and cheating. Opportunism more often involves more subtle forms of deceit“; Williamson (1985), S.47.

Die grünen Bemühungen um die Rechte von Jugendlichen gehören dann wohl unter die “more blatant forms”.

P.S.

Die oben von den Grünen zitierte Studie “Kinder- und Jugendpartizipation in Deutschland” wurde übrigens von der Bertelsmann-Stiftung erstellt. Wie man sieht, fallen alle ideologischen Hemmungen, wenn es um den eigenen Vorteil geht.

Williamson, Oliver E. (1985). The Economic Institutions of Capitalism. New York: Free Press.

Öffentlich-rechtlicher Schaum vor dem Mund

Wir müssen heute einmal Wissenschaftler verteidigen, und zwar die fünf Wissenschaftler, die zusammen den Sachverständigenrat zur Begutachtung der wirtschatflichen Entwicklung bilden, dessen Aufgabe es u.a. ist, ein Jahresgutachten zu erstellen, in dem die wirtschaftliche Entwicklung auf Grundlage der vergangenen wirtschaftlichen Entwicklung und politischer Entscheidungen prognostiziert wird.

Nun kann man von diesem Sachverständigenrat halten, was man will, aber man wird den darin versammelten fünf Professoren schwerlich absprechen können, dass sie in der Lage sind, wissenschaftliche Expertisen zu erstellen und über die dazu notwendige Expertise auch zu verfügen. Und natürlich erstellen sie das Jahresgutachten nicht alleine, sie sind ja nur zu fünft. Den anderen Wissenschaftlern, die am Gutachten beteiligt waren, sind die Punkte 5 bis 12 des Vorworts zum Jahresgutachten 2014/2015 gewidmet und da sich das Vorwort zu Beginn der 405 Seiten des Berichts findet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Vowort gelesen wird, selbst von Journalisten gelesen wird, recht hoch – so denkt man.

Jedenfalls denkt man das, bevor man den Kommentar von Claus Heinrich gelesen hat, der für den SWR im Hauptstadtstudio tätig ist und dort auf Kosten der Gebührenzahler sein Unwesen in einer Weise treiben darf, das seiner Sozialisation bei taz und SPD leider nur zu gerecht wird. Und dieser Mann wird mit seinem geballten Zorn und einer grüttelten Ladung Unwissen von der ARD auf ihre in diesem Fall Leser losgelassen, und er darf so richtig austeilen, schimpfen und verbal randalieren und dabei deutlich machen, dass er selbst wenn man ihn fragen würde, nicht wüsste, was Anstand und Fairness sein sollen.

Im Originalton:

clausheinrich103~_v-portraetklein8x9“Darauf muss man erst einmal kommen: Der Mindestlohn, der noch gar nicht in Kraft ist, ist schon jetzt schuld an der Eintrübung der Konjunktur in Deutschland. Das behaupten jedenfalls die sogenannten Wirtschaftsweisen in ihrem Gutachten. 100.000 Minijobs seien gefährdet und 40.000 sozialversicherte auch. Der Mindestlohn der Bundesregierung, der ab 1. Januar in Kraft treten soll, sei ein “sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang”.

Wie immer, wenn der Schaum vor dem Mund die Sicht auf den Text versperrt oder der Text durch zu viel tropfenden Speichel unlesbar geworden ist, entgeht dem Keifenden das Wesentliche: Das Jahresgutachten 2014/2015 (!sic) ist ein Gutachten, das die zukünftige Entwicklung abschätzen soll, und zwar auf Grundlage bisheriger Entwicklung und politischer Entscheidungen. Der Mindestlohn ist eine politische Entscheidung, ein Markteingriff, der getätigt wurde. Die Folgen, die die Sachverständigen beschreiben, ergeben sich nach ihrer Ansicht, die sie sich auf Grundlage von Daten gebildet haben, in der Zukunft. Deshalb beschreiben sie Konjunkturaussichten in ihrem Gutachten. Aber das hat der Herr Heinrich auf der Höhe seines Zornes offensichtlich übersehen, ebenso wie er übersehen hat, dass es eine umfangreiche Forschung zum Thema “Mindeslohn” gibt, die einhellig zeigt, dass ein Mindestlohn der Konjunktur schadet.

Und natürlich ist der Mindestlohn ein sozialpolitisches Experiment mit unbekanntem Ausgang oder will der zornige Heinrich etwa behaupten, er könne die Zukunft vorhersehen und wisse genau, wie der Mindestlohn sich auf die Konjunktur auswirkt? Wie gesagt, nach aller wissenschaftlichen Forschung kann man sich recht sicher sein, dass sich ein Mindestlohn negativ auf die Konjunktur auwirkt, aber nicht nur darauf, wie ein Blick in den Bericht der Sachverständigen zeigt:

“Der Mindestlohn wird vor allem die Arbeitsnachfrage im Bereich einfacher Tätigkeiten belasten. Dort wird es im Jahr 2015 zu Lohnsteigerungen im zweistelligen Prozentbereich kommen (Brenke, 2014). Selbst unter der Annahme einer geringen Lohnelastizität der Arbeitsnachfrage und der Tatsache, dass zunächst – etwa aufgrund von Ausnahmeregelungen – nicht bei allen Beschäftigten der Lohn entsprechend angepasst wird, ist von deutlich negativen Beschäftigungseffekten auszugehen (Henzel und Engelhardt, 2014).

Insbesondere bei geringfügig entlohnt Beschäftigten dürfte es wegen der Verdienstgrenzen zu Anpassungen der (vereinbarten) Arbeitszeit bei unverändertem Entgelt kommen. Unabhängig von der Art der Anpassung steigt für die vom Mindestlohn betroffenen Arbeitnehmer die für die Rentabilität ihres Arbeitsplatzes erforderliche Produktivität. Letztere wird vor allem für geringqualifizierte Arbeitnehmer oft schwer zu erreichen sein. Der Sachverständigenrat nimmt daher im Rahmen der Prognose an, dass im Jahr 2015 rund 100 000 Minijobs und etwa 40 000 sozialversicherungspflichtige Stellen weniger entstehen als ohne den Mindestlohn” (110).

Die Zusammenhänge, die hier beschrieben sind, sind nicht nur xfach belegt, sie sind auch einfach nachzuvollziehen: Wenn mich als Arbeitgeber Arbeitnehmer, die eine geringfügige Tätigkeit ausüben, plötzlich mehr kosten, dann werde ich so viele der Arbeitnehmer einsparen, wie notwendig, um die Kosten auf das Ausgangsniveau vor Einführung des Mindestlohns zu drücken. Diese Konsequenz des Mindestlohns ist rational und vorhersehbar, und sie widerspricht dem ideologischen Vorurteil von Herrn Heinrich, der lieber die Augen zuhält und behauptet, die Erde sei eine Scheibe, wie er gerade sehen könne.

Nicht genug damit, dass Herr Heinrich sich aufschwingt, ein Gutachten von 405 Seiten in Bausch und Bogen vom Tisch zu wischen und zudem versucht, denjenigen, die er als Ersteller des Gutachtens ansieht, ans Bein zu pinkeln, er versucht auch aufs Primitivste zu manipulieren, indem er suggeriert, 100 000 Minijobs und 40 000 sozialversicherungspflichtige Jobs seien in Gefahr. Wer die zitierte Stelle liest, der sieht: Sie sind nicht in Gefahr, wie der nicht schlaue Heinrich behauptet, nein, die Sachverständigen fürchten, dass Unternehmen die entsprechenden Stellen gar nicht erst schaffen werden, die sie ohne Mindestlohn geschaffen hätten. Das ist ein Unterschied Herr Heinrich.

Und dann geht es mit dem ehemaligen taz Redakteur und SPD Mitglied ganz durch:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt. Dann relativiert sich auch das neidzersetzte Gemecker über Leute, die 45 Jahre den Buckel krumm gemacht und mit ihren Steuern Universitäten finanziert haben, die sie für sich selbst nie genutzt haben. Und die sich dann von deren hochbezahlten Lehrkräften auch noch dafür beschimpfen lassen [zu] müssen, wenn sie nach 45 Jahren nicht mehr malochen wollen.”

Man kann das Gutachten wieder und wieder durchsuchen: es findet sich keine Stelle, an der die Gutachter “Leute” beschimpfen, “die 45 Jahre den Buckel krum gemacht haben”, um das Studium von ehemaligen taz Redakteuren, die jetzt versuchen, sich als öffentlich-rechtlicher Schaumschläger ein Einkommen zu sichern, zu finanzieren. Die Beschimpfung gibt es nur in der Phantasie, im Kopf von Herrn Heinrich, in dem, angesichts der vielen Phantasien für die Realität kein Platz mehr bleibt, die Realität, die sich auf 405 Seiten eines Berichtes findet, in dem sich die Rente mit 63 nur an vergleichsweise wenigen Stellen überhaupt findet.

Maggy ThatcherUnd natürlich ist es ein Unding, wenn man angesichts steigender Ausgaben für die Sozialversicherung, die schon jetzt mehr als 50% des Bundeshaushalts ausmachen und bis 2018 nach Ansicht der Bundesregierung “stark steigen”, angesichts einer steigenden Lebenserwartung und angesichts einer z.B. durch den Mindestlohn verschlechterten konjunkturellen Aussicht, Steuergeschenke verteilt, wie dies die Parteifreundin von Claus Heinrich mit der Rente ab 63 gemacht hat. Ressourcen sind nun einmal begrenzt. Da kann man mit dem Fuss aufstampfen, da kann man mit dem Kopf gegen die Wand laufen, aber man kann es schlicht nicht ändern: Wenn Geld weniger wird, kann man nicht immer mehr ausgeben. Das müsste selbst Herrn Heinrich einleuchten.

Um seiner Ahnungslosigkeit die Krone aufzusetzen, denkt er, er könne die Sachverständigen nun mit seinem Wissen beeindrucken und ihnen eine Fehlstelle nachweisen:

“Warum denken die Herren nicht mal über eine konsequente Einwanderungspolitik nach, gerne in einer Kosten-Nutzen-Rechnung für den Arbeitsmarkt.”

Das fabuliert der veritable Herr Heinrich, der aus den Gebühren der Zwangsseher öffentlich-rechtlicher Anstalten finanziert wird. Nun, die fünf Wirtschaftsweisen sind:

  1. Prof. Dr. Peter Bofinger
  2. Prof. Dr. Lars P. Feld
  3. Prof. Dr. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender
  4. Prof. Dr. Isabel Schnabel
  5. Prof. Volker Wieland, Ph.D.

Auch in Zeiten der Gender-Manie ist Isabel Schnabel noch als weiblich zu erkennen. Ob Claus Heinrich so sehr vom Genderistischen-Zeitgeist besetzt ist, dass er nicht zu denken in der Lage ist, es könne einen weiblichen Menschen geben, der sich mit kalter, von weißen heteronormativ-patriarchalischen Männern betriebener Ökonomie beschäftigt, ist uns nicht bekannt. Wir tendieren zu der Annahme, dass der keifende Heinrich das Jahresgutachten der Sachverständigen nie in der Hand hatte und keine Idee hat, wer die Wirtschaftsweisen eigentlich sind. Wozu auch: Um als Journalist für die ARD im Hauptstadtbüro tätig zu sein, reicht es offensichtlich, über Schaum vor dem Mund zu verfügen. Kenntnisse in irgend einem Bereich werden nicht erwartet.

Schließlich sei dem Herrn Claus die Expertise des Sachverständigenrates aus dem Jahre 2011 mit dem Titel “Herausforderungen des demografischen Wandels” empfohlen. Darin setzen sich vier Herren und eine Dame, die zum damaligen Zeitpunkt die fünf Wirtschaftsweisen gebildet haben, mit dem Thema Zuwanderung eingehend auseinander.

Aber das weiß Herr Heinrich nicht.

Er weiß eigentlich gar nichts.

Er hat Schaum vor dem Mund und das reicht, um ARD-tauglich zu sein.

Und nun noch das Schmankerl zum Schluss. Auf der Seite des ARD-Hauptstadtstudios versucht sich Claus Heinrich leutselig zu geben und beantwortet die Frage: “Was sehen Sie als die größte Herausforderung im politischen Journalismus [an]?” mit: “Die eigenen Vorurteile nicht für Vorwissen zu halten.”

Das ist es dann wohl, was man Realsatire nennt!

Frei gassierender Wahnsinn: Berlin lebt den offenen Vollzug

“What can you do against a lunatic who is more intelligent than yourself, who gives your arguments a fair hearing and then simply persists in his lunacy?” George Orwell

“My own view is that this planet is used as a penal colony, lunatic asylum and dumping ground by a superior civilisation, to get rid of the undiserable and unfit. I can’t prove it, but you can’t disprove it either.” Christoper Hitchens

“Bunch together a group of people deliberately chosen for strong religious feelings, and you have a practical guarantee of dark morbidities expressed in crime, perversion, and insanity.” H.P. Lovecraft

Haben Sie auch schon gehört, dass es in Berlin keine Günter Pfitzmann Straße geben soll, weil Günther Pfitzmann ein doppelter Mann ist, eben ein männlicher Pfitzmann und weil Günther Pfitzmann nicht einmal wie dies Rudi Dutschke und Silvio Meyer für sich beanspruchen können, ein Linker ist, der die Welt nach seiner Vorstellung gestalten und zwangskollektivieren wollte? Er kann für sich also nur ins Feld führen, als Dr. Brockmann Fernseh-Generationen und Millionen unterhalten zu haben und nicht, wie der Namensgeber der Joseph Stalin Allee den Unterhalt für Millionen unnötig gemacht zu haben.

Erzählte man das, was der Berliner Tagesspiegel heute wieder berichtet einem Unbeteiligten aus einem Land, in dem die Normalität nicht durch genderistische Wahnanfälle zerstört wird, er würde einem ungläubig anschauen und denken: you are pulling my leg.

Concept of religionWas für den einen unglaublich ist, ist für Berliner normal, der ganz normale Wahnsinn, wie man so schön sagt. Der ganz normale Wahnsinn besteht darin, dass es in Berlin einen geschlossenen Zirkel von Personen gibt, die sich allesamt durch bestimmte manische Störungen auszeichnen und der Ansicht sind, man müsse dafür sorgen, dass die vielen Tausende Berliner, die bislang nicht wussten, auf welche Toilette, die Damen- oder die Herrentoilette, sie gehen sollen, endlich eine Stätte der Notdurft finden, auf der sie sich zuhause fühlen. In den entsprechenden Zirkeln grassiert ein Genderwahn, der sich zuweilen in einen sexuellen Orientierungs Wahnsinn steigert, der wiederum in der Orientierungslosigkeit der eigenen sexuellen Deprivation und in Absurditäten wie Profx, _*& und dergleichen endet und ohne Konsequenzen bleiben würde, wären die entsprechend Gestörten in einer entsprechenden Anstalt, die ihrer Entstörung diente.

Aber sie sind es nicht.

In Berlin laufen Gender-Manische und sexuell Orientierungslose unter normalen Menschen, verfolgen Letztere, zwingen sie dazu, sie in bestimmter Weise anzusprechen, dazu, ihre bislang normalen Toiletten mit Personen zu teilen, die bislang keine normalen Toiletten aufsuchen wollten, aus welchen Gründen auch immer. Nicht nur das, die Manie geht so weit, dass normale Straßen verfolgt werden und der Prozess einer Namensgebung sich zur manisch-orgiatischen Massenphobie steigert, der von der Zwangsvorstellung getrieben ist, eine Straße dürfe nur Frauennamen tragen, weil die Namen von Straßen nämlich, … ja was eigentlich?

Warum dürfen Straßennamen nur die Namen von Frauen tragen?

Was ist das rationale Argument dahinter?

Luhmann_Soziale SystemeNiklas Luhmann hat auf die Schließungsprozesse hingewiesen, die soziale Systeme auszeichnen, Schließungsprozesse, die dazu führen, dass Informationen nur noch endogen sind, dass die im System im eigenen Saft braten und keinen Außenkontakt mehr haben. In letzter Konsequenz beschreibt Luhmann damit eine Sekte, einen Kult, dessen Mitglieder ihrem eigenen Gott huldigen, z.B. dem Gender-Gott, der gelegentlich, durch den Mund eines Kult-Priesters Worte an die Kongregation richtet, der Worte verkündet, die Anweisungen transportieren wie: “Du sollst Straßen nur noch mit Frauennamen versehen”.

Und jetzt kommen wir und fragen nach der rationalen Begründung dafür, dass in Berlin Sozialdemokraten, Grüne und Linke nur noch Frauennamen auf Straßenschildern sehen wollen? Das ist wieder typisch rationaler Wissenschaftler, dass er die Offenbarung des Gender-Guru hinterfragt und sich nach dem Sinn und der Begründung von Gender-Geboten erkundigt. Nur dem wahrhaft Gläubigen erschließt sich der Sinn der Offenbarung, die aus dem Mund des Gender-Gurus gekommen ist – Ungläubige, Infidels, sind außen vor und wollen tatsächlich lieber einen Pfitzmann als eine Putzfrau.

Gut, dass es den offenen Vollzug in Berlin gibt, der dazu beiträgt, dass die Berliner Gesellschaft wahrhaft gleich ist. Wo andere Gesellschaften dafür sorgen, dass Personen, die für das öffentliche Leben nicht fit sind, weil sie Entscheidungen mit dem Bauch und nicht mit dem Hirn treffen, entweder nicht in der Öffentlichkeit präsent oder institutionalisiert sind, herrscht in Berlin Gleichheit: Niemand darf aufgrund seiner geistigen Probleme, seines ideologischen Glaubens oder seiner Demenz davon ausgeschlossen werden, Schaden anzurichten, sich und andere und die Stadt Berlin lächerlich zu machen und dafür zu sorgen, dass die Außerirdischen, die Christopher Hitchens in der eingangs zitierten Aussage angesprochen hat, ihre Entscheidung, die Erde im Allgemeinen und Berlin im Besonderen als dumping ground für die “undesirable and unfit” zu nutzen, nicht bereuen. Im Gegenteil: Heilfroh werden sie sein auf ihrem Planeten, der vermutlich ganz ohne Frauennamen auf Straßenschildern auskommen muss.

Um die Berliner Straßenbenennungsprobleme ein für alle Mal beizulegen, schlagen wir vor, Straßen in Zukunft geschlechtsneutral zu benennen, z.B. als Allee der Wahnsinnigen, Straße der Unvernunft, Klapsen-Weg oder Straße der ideologischen Dummheit oder so…

Geschichte wiederholt sich doch: Kein Unsinn ist groß genug, als dass er nicht wiederkäme

Der Klassiker der Kriminologie, den Siegfried Lamnek im Jahe 1979 unter dem Titel “Theorien abweichenden Verhaltens” veröffentlicht hat, enthält die folgende Beschreibung:

Lamnek_abweichendes Verhalten“Diebe haben im allgemeinen sehr bewegliche Gesichtszüge und Hände; ihr Auge ist klein, unruhig, oft schielend; die Brauen gefältet und stoßen zusammen; die Nase ist krumm oder stumpf; der Bart spärlich, das Haar seltener dicht, die Stirn fast immer klein und fliehend, das Ohr oft henkelförmig abstehend. Die Mörder haben einen glasigen, eisigen, starren Blick, ihr Auge ist bisweilen blutunterlaufen. Die Nase ist groß, oft eine Adler- oder vielmehr Habichtnase; die Kiefer starkknochig, die Ohren lang, die Wangen breit, die Haare gekräuselt, voll und dunkel, der Bart oft spärlich, die Lippen dünn, die Zähne groß. Im allgemeinen sind bei Verbrechern von Geburt die Ohren henkelförmig, das Haupthaar voll, der Bart hervorragend, die Backenknochen breit – kurz ein mongolischer und bisweilen negerähnlicher Typus vorhanden.”

Dies hat Cesare Lombroso im Jahre 1894 geschrieben. Lombroso war einer der Pioniere einer biologischen Sichtweise auf Kriminalität, die sich um die Annahme dreht, dass Kriminalität und abweichendes Verhalten angeboren sind, sich in den Genen finden, wie man heute wohl sagen würde.

Es hat die Kriminologie einige Jahrzehnte gekostet, bis sie den biologischen Unrat aus ihren Theorien entfernt hatte und ein Hans Haferkamp im Jahre 1972 sein verdientsreiches Buch mit der Überschrift “Kriminalität ist normal” versehen konnte. Kriminalität und alle Verhaltensweisen, die damit assoziiert sind, sind keine angeborenen Verhaltensweisen, sondern das Ergebnis der Sozialisation von Individuen und der Gelegenheitsstruktur. Das ist relativ leicht einsehbar, denn Kriminalität setzt Gesetze voraus und Gesetze fallen nicht vom Himmel, sie werden von Menschen gemacht.

Wer Gesetze macht, ist eine Frage der Macht, denn mit Gesetzen zwingen Mitglieder einer bestimmten sozialen Schicht oder bestimmter sozialer Schichten, Mitgliedern anderer sozialer Schichten ihren Willen auf. Dies ist sehr anschaulich bei den derzeitigen Versuchen, Schüler in Schulen dem Zwang sexueller Orientierungslehre zu unterziehen oder bei Versuchen, anderen bestimmte Sprachregelungen aufzuzwingen. Inwiefern es gelingt, Gesetze, Normen und Regeln durchzusetzen, das ist, wie Karl Dieter Opp im Jahre 1968 geschrieben hat, eine Funktion der Bekanntheit und Akzeptanz dieser Gesetze, Normen und Regeln. Also: nichts ist’s mit der biologischen Anlage zur Kriminalität.

Wie gesagt, in den 1970er Jahren und durch die 1980er und 1990er Jahre sah es ganz danach aus, als sei es gelungen, den biologischen Inkubus aus der Kriminologie austreiben und abweichendes Verhalten als sozialisiertes Verhalten anzusehen, das von Akteuren gezeigt wird, die sich davon einen Vorteil versprechen.

Und jetzt gibt es einen Beitrag in Biology Letters, den man mit “Gehe zurück auf Los, gehe direkt dorthin, ziehe nicht 4000 ein”, übersetzen könnte.

Ein Team aus Forschern von der University of Bristol hat belegt, dass ihre Arbeit im Team, also Teamwork nicht garantiert, dass die Ergebnisse sinnvoll sind, und gezeigt, dass das Vermächtnis von Cesare Lombroso fortlebt, und lebendiger ist denn je.

Bundeskabinett

Anstelle von Studenten: Gesichtsvermessung im Bundeskabinett?

Die Forscher haben Gesichter vermessen, von 103 Studenten an der University of Bristol, und zwar der Höhe und der Breite nach. Dann haben sie die Breite des Gesichts durch die Höhe des Gesichts geteilt. Warum nicht die Höhe durch die Breite geteilt wurde, ist unbekannt und eine Spitzfindigkeit von uns kritischen Wissenschaftlern, die zudem darauf bestehen, dass Forschung theoretisch angeleitet sein muss, dass man also angeben können muss, warum man die Gesichter von Studenten der Höhe und Breite nach vermessen wollen sollte.

Das Team aus Bristol kennt derartige Fragen nicht. Das Team macht. Das, was sie gemessen haben, haben sie mit Indizes korreliert, die sie über Fragen nach verbaler und physischer Aggression gebildet haben und mit Ärger. Und siehe da: Mit einer steigenden selbstberichteten verbalen und physischen Aggression korreliert ein hoher Wert für das Breite/Länge-Verhältnis. Wer also ein vergleichsweise breites Gesicht hat, ist ein Schläger, und zwar ein ärgerlicher Schläger, denn dieselbe Korrelation findet sich auch für das Breite/Länge-Verhältnis des Gesichts und dem selbstberichteten Niveau von Ärger.

Lombroso Lhomme criminellImmerhin geben die Forscher aus Bristol zu, dass sie nicht die Spur einer Ahnung haben, warum diese Korrelation zwischen Aggression und Ärger auf der einen Seite und dem Breite/Länge-Verhältnis auf der anderen Seite besteht. Warum sie eine Forschung durchführen, die zu einem Ergebnis führt, von dem sie keinerlei Idee haben, wie man es interpretieren kann, ist eine Frage, die wiederum nur von kritischen Wissenschaftler gestellt wird und von den Datenhubern, die auch die Rückenkrümmung ihrer Omas mit der Wahrscheinlichkeit, dass das Haus von den Enkeln versoffen wird, korrelieren würden, vermutlich mit Unverständnis goutiert werden wird.

Aber, wenn man sich einmal in eine Schiene verrannt hat und ein Ergebnis produziert hat, das einem nichts sagt, dann kann man das natürlich nicht so einfach im Raum stehen lassen. Also werfen uns die Gesichts-Vermesser von der University of Bristol noch eine ad-hoc Erklärung hinterher: Breitere Gesichter haben breitere Backenknochen, so ihre Erkenntnis, und breitere Backenknochen können Faustschläge besser aushalten als schmalere Backenknochen. Noch Fragen?

In der Mittelschicht ist es zeitweise schick, von Stammtischniveau zu fabulieren und bestimmte Diskurse als “auf Stammtischniveau” zu diskreditieren. Wenn man manche Forschungsergebnisse betrachtet, dann wünschte man sich, die Forscher kämen auch nur annähernd auf Stammtischniveau oder wären doch zumindest in der Lage, das Stereotyp des ewigen Juden in irgendeiner Weise zu überwinden.

Lefevre, Carmen E., Etchells, Peter J., Howell, Emma C., Clark, Andrew P. & Penton Voak, Ian S. (2014). Facial width-to-height ratio predicts self-reported dominance and aggression in males and females, but a measure of masculinity does not. Biology Letters 10(10).

Die Entdeckung der Langzeitarbeitslosen

Arbeitslosigkeit ist ein Kümmergegenstand, und zwar für all diejenigen, die mit Arbeitslosigkeit ihr Geld verdienen, die Mitarbeiter in den Jobcentern, die die Arbeitslosen verwalten, die Weiterbilder, die die Arbeitslosen mit Fähigkeiten ausstatten, die Letztere nur in den seltensten Fällen einsetzen können, uvm.

Als Kümmergegenstand ist Arbeitslosigkeit negativ besetzt. Die affektive Konnotation ist eindeutig: Arbeitslosigkeit ist schlecht, ungewollt, ein Problem für die Arbeitslosen, eine gesellschaftliche Schande, und in jedem Fall ist Arbeitslosigkeit ein Gegenstand, aus dem sich trefflich politisches Kapital schlagen lässt und mit dem sich trefflich heucheln lässt, z.B. wenn man beim DGB durch Tarifverhandlungen Arbeitslose vom Arbeitsmarkt fernhält oder bei politischen Parteien durch die Einführung eines Mindestlohns dafür sorgt, dass Langzeitarbeitslose auch langzeitarbeitslos bleiben – entgegen aller gewerkschaflichen und politischen Rhetorik.

Deutsche DepressionUnd so ganz schlecht ist es ja nicht, wenn Langzeitarbeitslose langzeitarbeitslos sind, denn sie stellen eine Ressource dar, an der all die oben bereits genannten, verdienen können, und die von immer mehr Berufszweigen als ebensolche entdeckt wird. Das jüngste Beispiel ist die Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die in einer Pressemeldung vom Leipziger Modellprojekt “Pschychosoziales Coaching” berichtet.

Was “Psychosoziales Coaching” ist, wie man sich psychosoziales Coaching konkret vorzustellen hat, ist wie immer, wenn Therapien angepriesen werden, nicht herauszufinden. Klar ist nur, dass es etwas mit Gruppenprogrammen, “Entspannung, Stressbewältigung, aktivem Alltag, Kontakt und Kommunikation” zu tun hat. Warum es nichts mit Diversität und gutem Essen zu tun hat, war ebenso wenig zu klären.

Psychosoziales Coaching ist wichtig, so steht es in der Pressemeldung, weil “die Mehrheit der älteren Langzeitarbeitslosen (66%) …an psychischen Erkrankungen, die bisher nicht erkannt oder nicht optimal behandelt wurden”, leidet. Wer als älterer Langzeitarbeitsloser gilt - 40jährige, 50jährige oder 60jährige – ist vollkommen unklar, aber dass sie psychosoziales Choaching benötigen, dass ist sicher.

Denn: die Mehrzahl der älteren Langzeitarbeitlosen ist nicht psychisch krank als Folge der Arbeitslosigkeit, sondern arbeitslos wegen der psychischen Erkrankung:

„Viele glauben, dass Langzeitarbeitslose durch die Arbeitslosigkeit psychisch erkranken. Häufig besteht eher ein umgekehrter Zusammenhang: Depressionen aber auch andere psychische Erkrankungen führen zu Arbeitslosigkeit und erschweren den Weg zurück in die Arbeit. Hier setzen wir mit dem Psychosozialen Coaching an: Wir sorgen dafür, dass die psychischen Erkrankungen gut behandelt werden und steigern damit die Chancen für den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben.“ sagt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Projektleiter und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

chickencoachOb Ulrich Hegerl neben der Plausibilität, dass Depressive arbeitslos werden, und dem Wunsch, die Ressource “Langzeitarbeitslose” für die Therapeutenmeute anzuzapfen, die derzeit an deutschen Universitäten und Fachhochschulen ausgebildet wird und der das Schicksal depressiver Langzeitarbeitsloser zu werden, erspart werden soll, auch einen empirischen Beleg für seine Behauptung hat, ist abermals unklar.

Aber: Wenn z.B. Depression zu Langzeitarbeitslosigkeit führt und entsprechend das größte Hindernis für eine Arbeitsaufnahme darstellt, dann muss die Depression beseitigt werden, durch psychosoziales Coaching, von dem wir immer noch nicht wissen, was genau bei psychosozialem Coaching gemacht wird:

“24% der Teilnehmenden am Psychosozialen Coaching haben inzwischen wieder eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufgenommen, was eine unerwartet hohe Reintegrationsrate darstellt. ‘Das Psychosoziale Coaching ist damit ein wirkungsvoller Baustein, der Barrieren für die Vermittlung in den Arbeitsmarkt abbaut.’ so Prof. Ulrich Hegerl von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Die 24% sind ein hervorragendes Beispiel, um versteckte Prämissen aufzuzeigen:
Hätte Ulrich Hegerl die versteckte Prämisse, dass psychosoziales Coaching eine Hochleistungstherapie darstellt, 24% wären ihm zu mager, er würde sie als Misserfolg unerwähnt lassen, denn von einer Hochleistungstherapie wie dem psychosozialen Coaching würde man eine Erfolgsquote von mindestes 51% erwarten.

Also hat Ulrich Hegerl eine andere Prämisse, nämlich die, dass psychosoziales Coaching eine wirkungslose Zeitverschwendung darstellt, für die es “unerwartet” ist, wenn 24% der Teilnehmer tatsächlich anschließend eine Arbeit aufnehmen, was ja bedeutet, dass das Coaching an 76% der Teilnehmer spurlos vorbei gegangen ist.

Geht man davon aus, dass eine Intervention eine 50:50 Chance hat, etwas zu bewirken, dann würde man abermals erwarten, dass mindestens 51% der Teilnehmer eine Arbeit aufnehmen, nur dann wäre die Therapie als wirkungsvoll beschrieben. Entsprechend wäre eine Wirkung von 24% deutlich unter dem Ergebnis, das durch Zufall erreicht werden sollte, was bedeutet: Wenn psychosoziales Coaching einen Effekt hat, dann einen negativen: Es schreckt die Langzeitarbeitslosen noch mehr von Arbeit ab als sie sowieso schon abgeschreckt sind.

Wie es der Zufall so will oder: just zu dem Zeitpunkt, da die Depressionshilfe ihren Anspruch auf die Ressource “Lanzeitarbeitslose” anmeldet, wird beim IAB, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, ein Kurzbericht veröffentlich, der mit: ALG-II-Bezieher schätzen ihre Gesundheit schlechter ein, überschrieben ist. Schlechter als was oder wer ist eine offene Frage, die verdeutlich, dass die Zeiten, in denen Komparative auch in Überschriften ausgeführt wurden, vorbei sind.

Die Lektüre des Kurzberichts zeigt, dass Langzeitarbeitslose ihre Gesundheit schlechter einschätzen als Nicht-Arbeitslose, dass sie häufiger rauchen und dicker sind als Nicht-Arbeitslose, dafür weniger trinken und mehr Sport treiben als Nicht-Arbeitslose. Die Ergebnisse, so stellen seine Autoren explizit fest, zeigen nicht, ob die schlechtere Gesunheit, die Langzeitarbeitslose für sich und im Vergleich zu Nicht-Arbeitslosen reklamieren, Folge oder Ursache der Arbeitslosigkeit ist.

Entsprechend bleibt der Kurzbericht hinter dem Leipziger Modellprojekt zurück, denn dort weiß man, dass psychische Krankheit die Ursache von Arbeitslosigkeit ist. Aber in einem sind sich Depressionshilfe und die Autoren des IAB-Kurzberichtes einig: Langzeitarbeitslose sind eine Ressource, die die beratenden Kümmerzunft nicht länger ungenutzt am Rande der Gesellschaft liegen lassen darf.

Kümmern ist angesagt, auf dass die Umkümmerten in die Arbeit flüchten, um den Bekümmerten zu entgehen:

IAB KB23“Daher wird es bei der Vermittlung darauf ankommen, die speziellen Bedürfnisse gesundheitlich Beeinträchtigter noch stärker einzubeziehen [als dies bisher der Fall ist]. Ein erster Schritt ist die gesondere Thematisierung gesundheitlicher Einschränkungen in den Beratungsgesprächen. So können möglicherweise nötige Unterstützungsleistungen erreicht werden. Dabei ist es sinnvoll, einen Teil der Mitarbeiter in Jobcentern speziell im Hinblick auf die Bedarfe gesundheitlich eingeschränkter Leistungsempfänger weiterzubilden …”

Der Glaube an die Sozialtechnologie ist unglaublich: Wir haben zwar keinerlei Indizien oder Anhaltspunkte dafür, dass es eine Hilfestellung gibt, die Jobcentermitarbeiter positiv im Hinblick auf die gesundheitliche Beeinträchtigung von Arbeitslosen geben könnten, aber wir geben sie dessen ungeachtet. Wir haben zwar keinerlei Idee, welche Maßnahme für die Arbeitslosen hilfreich und nützlich sein könnte, welche Maßnahme, sie in eine Arbeit vermitteln könnte, trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung, aber wir machen schon einmal.

Derart ignorant gegenüber den Erfolgsaussichten seiner Bemühungen kann nur sein, wem es nicht um den Erfolg seiner Bemühungen, sondern um die Bemühungen als solche geht. Wer mit 24% Erfolgsquote und 76% Misserfolgsquote zufrieden ist, dem reichen Bemühungen. Wer Langzeitarbeitslose als Ressource anzapfen will, an der er verdienen kann, dem reicht das Bemühen. Wer Langzeitarbeitlose mit seiner Kümmerrhetorik belegen will, damit nicht auffällt, dass sie nur missbraucht werden sollen, dem reicht das Bemühen. Wer Langzeitarbeitslose darüber hinwegtäuschen will, dass nicht ihnen geholfen werden soll, sondern dass den Helfern geholfen werden soll, dem reicht das Bemühen. Wer in der Kümmerindustrie sein Geld verdient, dem reicht das Kümmern, das Bemühen, das auch ohne Erfolg mit selbstgerechter und selbstverliehener Gutheit geadelt und mit einem üppigen Auskommen versüsst wird.

Bundesverfassungsgericht stellt eindeutig fest: Kinder gehören dem Staat

Bereits am 15. Oktober, wie jetzt bekannt wurde, hat die Zweite Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts, namentlich die Richter Herbert Landau, Sibylle Kessal-Wulf und Doris König entschieden, dass dann, wenn es um die Bildung von Kindern geht, Kinder dem Staat gehören.

Das Urteil 2 BvR 920/14 ist auf den Seiten des Bundesverfassungsgerichts abrufbar.

Die interessanten Absätze finden sich unter den Randnummern 22 und 25.

Bundesverfassungsgericht_RichterrobenGeklagt haben Eltern aus Hessen, die ihre neun (!sic) Kinder seit Jahren im Hausunterricht unterrichten gegen ihre Verurteilung nach §182 Abs. 1 des Hessischen Schulgesetzes und wegen Entziehen von Schulpflicht. In Hessen und in vier weiteren Bundesländern (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Saarland) ist es eine Straftat, wenn Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Da die Eltern im vorliegenden Fall zu einer Geldstrafe von je 140 Tagessätzen á 5 Euro verurteilt wurden, gelten sie somit als vorbestraft.

§182 des Hessischen Schulgesetzes lautet wie folgt:
(1) Wer einen anderen der Schulpflicht dauernd oder hartnäckig wiederholt entzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft.
(2) Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Antragsberechtigt ist die untere Schulaufsichtsbehörde. Der Antrag kann zurückgenommen werden.

Die Verfassungsklage der Eltern gegen ihre Verurteilung wurde von den Richtern der Zweiten Kammer des Zweiten Senats nicht angenommen, d.h. die Verurteilung der beiden Erziehungsberechtigten ist damit rechtskräftig.

Interessant an dem Urteil sind, wie gesagt, zwei Absätze.

So findet sich unter der Randnummer 22 folgende Ausführung:

“Der Landesgesetzgeber, der in § 182 Abs. 1 HessSchulG das Entziehen anderer von der Schulpflicht unter Strafe stellt, greift zwar in das Erziehungsrecht der Eltern aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und – wie hier angesichts der von den Beschwerdeführern geltend gemachten Glaubens- und Gewissensgründe – in deren Glaubensfreiheit aus Art. 4 Abs. 1 GG ein [...] Jedoch hat bereits die 1. Kammer des Zweiten Senats in ihrem Nichtannahmebeschluss vom 31. Mai 2006 – 2 BvR 1693/04 – (vgl. BVerfGK 8, 151 ) in Ansehung der Strafnorm des § 182 Abs. 1 HessSchulG ausgeführt, dass die Verpflichtung der Beschwerdeführer, ihre Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen, eine zulässige Beschränkung ihres Erziehungsrechts darstelle. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass der in Art. 7 Abs. 1 GG verankerte staatliche Erziehungsauftrag der Schule dem elterlichen Erziehungsrecht gleichgeordnet ist [...], unterliegt es – auch im Lichte des Art. 4 Abs. 1 GG, der Einschränkungen zugänglich ist, die sich aus der Verfassung selbst ergeben – keinen verfassungsrechtlichen Bedenken, die Beachtung der Schulpflicht von den Erziehungsberechtigten dadurch einzufordern, dass der (Landes-)Gesetzgeber entsprechende Strafvorschriften schafft und die Strafgerichte bei deren Verletzung Geld- oder Freiheitsstrafen verhängen.”

Weil also das elterliche Erziehungsrecht dem im Grundgesetz verankerten Erziehungsauftrag der Schulen “gleichgeordnet” ist, deshalb ist der Eingriff über die Schulpflicht in das Erziehungsrecht der Eltern rechtens. Das ist höchstrichterliche Rabulistk, die man auch anders formulieren kann: Wann immer die Interessen des Staates den Interessen von Individuen gleichgestellt sind, sind die Interessen des Staates wichtiger und damit die Interessen der Individuen eben nicht gleichgestellt. Juristen mögen es eben, Absurditäten und Widersprüche zu formulieren.

Noch deutlicher als im vorliegenden Absatz werden die Verfassungsgerechten im Absatz, der Randnummer 25 folgt:

Knast

Schule oder Knast!

“Sie haben insbesondere die Ausstrahlungswirkung des elterlichen Erziehungsrechts der Beschwerdeführer aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und deren gewissensgeleitete Entscheidung in den Blick genommen, ihre Kinder aus Glaubensgründen vom Unterricht fernzuhalten. Dass nach den von den Fachgerichten getroffenen Feststellungen das Wohl der Kinder nicht gefährdet gewesen ist, die fünf ältesten Kinder sogar gute bis sehr gute Schulabschlüsse erlangt und den Berufseinstieg gemeistert haben, vermag nichts an der Verpflichtung zu ändern, die Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen. Denn die Allgemeinheit hat ein berechtigtes Interesse daran, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten „Parallelgesellschaften“ entgegenzuwirken und Minderheiten zu integrieren. Selbst ein mit erfolgreichen Ergebnissen einhergehender Hausunterricht verhindert nicht, dass sich die Kinder vor einem Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen verschließen, und ist deshalb nicht geeignet, die insbesondere in einer Klassengemeinschaft gelebte Toleranz gegenüber einem breiten Meinungsspektrum nachhaltig zu fördern (vgl. BVerfGK 8, 151 ).

Verfassungsgerechte schießen gerne mit Kanonen auf Spatzen. Weil ein Elternpaar aus Hessen seine Kinder selbst unterrichtet, und zwar mit Erfolg selbst unterrichtet, steht zu befürchten, dass eine Parallelgesellschaft entsteht, eine weltanschauliche motivierte noch dazu. Deshalb, und um Minderheiten zu integrieren, dürfen die christlichen Eltern, die von den drei Verfassungsweisen aus Karlsruhe wohl als christliche Minderheit angesehen werden, ihre Kinder nicht selbst und nicht zuhause unterrichten. Dass es im deutschen Bildungssystem nicht um Meritokratie und erfolgreiche Wissensvermittlung geht, man könnte es nicht deutlicher machen.

Besonders amüsant ist es, wenn die Verfassungsgerechten behaupten, dass ein erfolgreicher Hausunterricht nicht verhindern würde, dass sich die hausunterrichteten Kinder dem Dialog mit “Andersdenkenden und -gläubigen” verschließen würden. Diese Erkenntnis hat vermutlich der heilige Verfassungsgeist auf den Zeilengläubigen aus Karlsruhe verteilt, denn Fakten, die ihre Behauptung stützen könnten, haben die Eingebungsvollen nicht.

Lächerlich wird das Urteil dann, wenn öffentliche Schulen als Paradies der Toleranz dargestellt werden. Angesichts eines derartigen Unsinns, der mit Realitäten an deutschen Schulen, wie wir sie z.B. anhand des männerhassenden Curriculums an bayerischen Schulen dargestellt haben, nichts zu tun hat, kann man sich nur fragen: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

So  hört man doch allerorten Klagen über die vielen Intoleranten, die in Deutschland z.B. Genderismus oder Diversität ablehnen. Dass diese vermeintlich Intoleranten und nicht zuletzt die Verfassungsrichter selbst, durch das deutsche Bildungssystem gegangen sind und nicht zu Hause unterrichtet wurden, lässt die Toleranz-Paradies-Vorstellung der Verfassungsgerechten irgendwo zwischen lächerlich und absurd zurück und man fragt sich abermals: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

Da Karlsruhe zwar auf der falschen Seite des Rheines, aber doch in Deutschland liegt, kann man diese Frage, nur dahingehend beantworten, dass die drei Verfassungsausleger in einem Land leben, in dem die Ideologie vor der Realität kommt - in einem Land, in dem Hausunterricht aus Prinzip verboten ist. Egal, ob Eltern eine erfolgreiche Unterrichtung ihrer Kinder erreichen können oder nicht.

Da der Erfolg der unterrichteten Kinder auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt offensichtlich kein Kriterium ist, dem von den Verfassungsrichterlichen eine Bedeutung zugewiesen wird, bleibt nur die ideologische Indoktrination, wie sie an öffentlichen Schulen erfolgt, als Begründung dafür, dass Hausunterricht nach Ansicht der drei aus dem Verfassungsland strafrechtlich verfolgt und Hausunterrichter zu Vorbestraften gemacht und mit Steuerhinterziehern, Körperverletzern und Unfallflüchtigen gleich gestellt werden.

So wichtig ist die ideologische Indoktrination, die als Erziehung zur Toleranz verkauft wird, dass die drei Weisen aus dem Verfassungsland nicht davor zurückschrecken, ein Geschütz wie die Schaffung einer Parallelgesellschaft aufzufahren, um damit auf die wenigen Spatzen zu schießen, die überhaupt Hausunterricht durchführen wollen.

Hier steht wohl viel auf dem Spiel, so dass Eltern in Deutschland klipp und klar erklärt werden muss, dass der Staat sein Indoktrinations- und Ideologisierungsmonopol im Bereich der Bildung nicht aufzugeben gedenkt.

Kinder gehören dem Staat, und wer das nicht einsehen will, geht demnächst in den Knast.

Reise ins Diversity Absurdistan zur Charta der Einfalt

London WaterlooHaben Sie eigentlich zu wenig Diversität in Ihrem Leben? Blöde Frage – oder? Jeder Tag ist angefüllt mit Diversität: Man trifft Dicke, Dünne, Große, Kleine, Junge und Alte, Schwarzhaarige und Braunhaarige, Blauäugige, Grünäugige, Intelligente und Dumme und Politiker und Arbeiter und Angestellte und Richter und Lokführer (wenn sie nicht gerade streiken), Hauptschüler und Gymansiasten, Inder, Spanier, Briten, Faule und Fleißige, Großspurige und Moderate, Kaffeetrinker und Teetrinker, Shopper und Verkäufer, Religiöse und Atheisten, Linke und Rechte, richtig Nette und richtige Arschlöcher… Die Diversität des alltäglichen Lebens, die jeden einzelnen von uns umgibt, lässt sich beliebig weiterführen – die tatsächliche Diversität.

Und in dieser Diversität gibt es eine Gruppe von seltsamen Leuten, die der Ansicht sind, es gäbe in Deutschland zu wenig Diversität. Ob diese Leute blind sind oder vollkommen unbewusst durch ihr Leben gehen, ist nicht ganz klar, sicher ist jedoch, dass sie angetreten sind, Diversität zu schaffen, wie sie behaupten.

DiversitaetAber sie schaffen keine Diversität, sie beseitigen Diversität. All die Alten, die Arbeiter, die Dicken und Dünnen, die Intelligenten und Grauhaarigen, die Dummen und Fleißigen, sie kommen allesamt nicht mehr vor. Die reiche Individualität der deutschen Gesellschaft, die unglaubliche Diversität, die durch individuelle Unterschiede entsteht, sie ist diesen Diversitäts-Absurdisten nämlich ein Dorn im Auge.

Deshalb beseitigen sie Diversität. Deshalb haben sie der Individualität den Krieg erklärt. Deshalb wollen sie vorgeben, was ab sofort als Diversität zu gelten hat: Nicht mehr die Myriaden individueller Unterschiede machen Diversität. Nein. Diversität ist ab sofort nur in den Kategorien “Frauen, Menschen mit anderer Hautfarbe, Alte, Lesben und Schwule” erlaubt. Alles, was nicht weiblich ist, eine andere Hautfarbe hat, alt, lesbisch oder schwul ist, qualifiziert sich nicht mehr unter Diversität, sondern vermutlich unter Abweichung.

Und um die Reduzierung von Diversität auf fast Null, die Standardisierung der Welt in lahmen, monotonen und anspruchslosen Gruppen auch durchzusetzen, treffen sich die Diversitäts-Absurdisten im großen und regelmäßig von Steuerzahlern finanzierten Stil, auf absurden Diversitäts-Happenings, wie z.B. Diversity 2014 – der Konferenz für Diversität in der Arbeitswelt.

Absurde Diversity-Happenings zeichnen sich eigenartiger Weise durch eine unglaubliche Monotonie aus, denn auf den Happenings darf alles geäußert werden, außer einem kritischen Ton. Denn: Es geht um die Vernichtung der Individualität, die Beseitigung von Diversität, und deshalb gibt es nur uniformen Gleichklang, deshalb gibt es nur die Pro-Absurditäts-Diversity Vorträge der Diversitäts-Absurdisten, die der Standardisierung der Gesellschaft auf einige wenige Kategorien, der Ent-Individualisierung der Gesellschaft dienlich sind.

Deshalb wurden wir nicht eingeladen, um einen Vortrag auf Diversity 2014 zu halten, obwohl wir mit Sicherheit Leben in die monotone Bude bringen würden, die monotone Bude aus gelangweilten Gesichtern, aus Gesichtern, denen die Einfallslosigkeit schon von weitem anzusehen ist und vor allem das Unverständnis darüber, dass Diversität mit Individualität und nicht mit Kollektivierung verbunden ist. Aber: Ideologie-Soldaten, uniforme Gestalten in der entsprechenden Tracht kommen natürlich nicht auf abweichende Ideen, auf Ideen, die nicht von der geltenden absurden Diversitäts-Kultlehre positiv sanktioniert sind. Sie kommen nur auf die immerselben, gleichklingenden und in weiten Teilen unsinnigen Dinge.

So z.B. im Rahmen eines Workshops zum “Storytelling”.

“Diversity Management ist Überzeugungsarbeit: Intern muss der Business Case vermittelt werden, für die externe Kommunikation braucht das Marketing Diversity-Kompetenz zur erfolgreichen Zielgruppenansprache. Wer gute Geschichten erzählt, kann interne und externe Widerstände überwinden − ein Einblick in die Kunst des Storytellings.”

Diversit2014Da die meisten mit normalem Verstand begabten Menschen in ihrem Umfeld genug Diversität im oben beschriebenen Sinne haben und entsprechend unverständig, auf ideologisch motivierte Absurdisten reagieren, die ihnen erzählen wollen, sie hätten keine Diversität, bräuchten vielmehr die Diversität der sexuellen Orientierung oder die Diversität des Geschlechts, muss man die entsprechenden Menschen mit normalem Verstand, um denselben reden, quasi um sie auf die Stufe zu stellen, auf der sich die Diversitäts-Absurdisten längst befinden. Und dazu muss man ihnen Geschichten erzählen. Ja, Geschichten.

Offensichtlich sind die Diversitäts-Absurdisten noch nie mit umgangssprachlichen Redewendungen wie: “Erzähl mir doch nichts!” oder “Was erzählst Du denn für komische Geschichten?” konfrontiert worden, die die Gültigkeit erzählter Geschichten in Frage stellen. Offensichtlich sind sie der Welt so weit entrückt, dass sie denken, man könne dem dummen Pöbel, der ihre Diversitäts-Absurdität nicht fressen will, ein paar Geschichten erzählen, um ihn zum absurden Glauben zu bekehren. Eigentlich müsste man nun darauf hinweisen, dass Hochmut vor dem Fall kommt, aber selbst Hochmut setzt in der Regel auf irgend einer Leistung oder irgend einem Wissen auf. Deshalb tun wir uns damit schwer …

Deshalb erzählen wir lieber eine Geschichte der Diversität, für die Diversitäts-Absurdisten. Also Ihr Diversitäts-Absurdisten, lest genau. Das ist eine Beschreibung von Diversität:

Kleine Hexe unzensiert“Wie kamen die beiden Negerlein auf die verschneite Dorfstraße? Und seit wann gab es Türken und Indianer in dieser Gegend? Türken mit roten Mützen und weiten Pluderhosen – und Indianer, die greulich bemalte Gesichter hatten und lange Speere über den Köpfen schwangen?
“Sie werden vom Zirkus sein”, meinte der Rabe Abraxas.
Aber die beiden Negerlein waren nicht vom Zirkus, und ebensowenig die Türken und Indianer. Auch die kleinen Chinesinnen und der Menschenfresser, die Eskimofrauen, der Wüstenscheich und der Hottentottenhäuptling stammten nicht aus der Schaubude. Nein, es war Fastnacht im Dorf. Und weil Fastnacht war, hatten die Kinder am Nachmittag schulfrei bekommen und tollten verkleidet über den Dorfplatz.
Die kleinen Türken warfen Papierschlangen. Der Hottentottenhäuptling brüllte: ‘Uaaah! Uaaah!” Der Menschenfresser schrie “Hungärrr! Hungärrr! Wer will sich fressen lassen?” Die Chinesenmädchen kreischten auf chinesisch, die Eskimofrauen quietschten in der Eskimosprache, und die Cowboys schossen mit Stöpselpistolen in die Luft. Der Schornsteinfeger schwenkte seinen Pappzylinder, der Kasperl haute dem Wüstenscheich mit der Pritsche eins auf den Turban, und der Räuberhauptmann Jaromir schnitt so grimmige Gesichter, dass ihm der angeklebte Schnurrbart nicht halten wollte und immer wieder herunterfiel” (Die Kleine Hexe, Seite 86-87).

Das ist natürlich keine politisch korrekte Sprache, die der gute, leider oder zu seinem Glück bereits verstorbene Ottfried Preußler hier benutzt. Die politisch korrekte Sprache bedient sich vorgegebener Floskeln und bewegt sich ausschließlich in den Grenzen der zugelassenen Diversität, also von Geschlecht, Hautfarbe, Behinderung, Alter und Ethnie. Alles andere ist falsch und Abweichung, jedenfalls nicht Diversität.

Und weil es immer noch unter den Prols da draußen, welche gibt, die das nicht verstehen wollen, die Neger oder sonstige schlimme Worte benutzen, die sich weigern, die deutsche Sprache zu sexualisieren und mit Binnen-Is oder sonstigen Idiotien zu verunstalten, deshalb gibt es auf Diversity 2014 die Vorgaben darüber, was die Sprache der Vielfalt denn nun ist, was mit anderen Worten die richtige, die von Diversitäts-Absurdisten freigegebene Sprache ist:

“Wie muss sich Sprache verändern, um die Vielfalt in unserer Gesellschaft widerzuspiegeln und voranzutreiben? Wo grenzt Sprache etwa Frauen, Menschen mit anderer Hautfarbe, Behinderte, Alte, Lesben und Schwule aus? Und wieweit behindert das Bemühen um politische Korrektheit womöglich eine lebendige Kommunikation?”

Eigentlich kann man einen deratigen Unsinn nicht ernst nehmen, aber wir versuchen es dennoch: Die böse Sprache, die Frauen und Menschen mit anderer Hautfarbe, Behinderte, Alte und natürlich Lesben und Schwulen, denn wir wollen die Sex-Manie nicht vergessen, die böse Sprache, die also alle diese Gruppen ausgrenzt, sie muss sich ändern. Wenn sich die Sprache nicht ändert, dann droht ihr Verunstaltung oder Ausschluss aus dem Duden oder noch schlimmer: Verstümmelung. Also Sprache: Besser Du änderst dich freiwillig, bevor die Diversitäts-Absurdisten ihren Würgegriff um Deinen Hals enger fassen!

Es ist schon erstaunlich, wie wenig von Sozialwissenschaft, die angeblich so belesenen Sozialwissenschaftler, die sich für Diversität-Absurdität begeistern, doch verstehen. Heinz Steinert und nicht nur er, hat derartige Erhöhungen von Begriffen eine Reifizierung genannt, die Zuweisung einer Eigenexistenz zu einem inexistenten Gegenstand oder Konzept in diesem Fall. Das ist magischer Glaube, und magischen Glauben findet man gewöhnlich unter den Menschen, die nicht von Max Webers Entzauberung der Welt erfasst wurden und den Glauben weiterhin der Vernunft vorziehen.

Unter denen, die sich darüber auslassen wollen, wie man die Sprache hinlänglich bedrohen kann, findet sich eine Journalisten und Buchautorin, ein Autor, Schauspieler und Kabarettist, ein stellvertretender Chefredakteur der Zeit und ein Profx. Aus berufenerem Munde könnte man die Drohungen, die wohl gegen die deutsche Sprache ausgesprochen werden, immer in der Hoffnung, sie verändert sich aus Angst vor den Drohenden, kaum vernehmen.

charta der EinfaltAllerdings ist es uns nicht gelungen, herauszufinden, was ein Profx ist. Erste Vermutungen, es handele sich dabei um so etwas wie dass Wutz oder das Schusch aus Urmel aus dem Eis, haben sich zerschlagen und uns weiterhin ahnungslos zurückgelassen. Auch der Hinweis, bei Profx handle es sich um eine Verballhornung der Bezeichnung einer verwaltungsrechtlichen Position hat nicht weitergeholfen, denn an öffentlich-rechtlichen Institutionen werden doch bestimmt keine Personen auf Kosten der Steuerzahler unterhalten, die sich mit fiktiven und frei erfundenen Bezeichungen ausstatten. Entsprechend kann man nur vermuten, dass die Bezeichung “Profx” im Zusammenhang mit Humboldt-Universität im Programm des absurden Diversity-Happenings dazu genutzt werden soll, um den vom “Profx” geäußerten Absurditäten eine Legitimation zu verschaffen.

Falls einer unserer Leser eine Vermutung oder gar Wissen darüber haben sollte, was ein Profx ist, so bitten wir ihn, sein Wissen mit uns zu teilen.

Ansonsten wünschen wir allen Lesern ein frohes und diverses Wochenende, das von Diversitäts-Absurdisten und -Absurdismen verschont bleibt und in dem Individualität und nicht Zwangs-Kollektivierung gelebt wird.

Die Konferenz zur Zwangs-Kollektivierung der Diversität findet übrigens am 13. und 14. November im Verlagsgebäude des Tagesspiegel in Berlin statt. Sie wird unterstützt von BP, KPMG, der Deutschen Bank, Telekom, Daimler, Siemens, Ey und Deutscher Welle, was schön ist, so weiß man zumindest bei welchen Unternehmen man sich als Träger von nicht positiv-sanktionierten, also abweichenden Diversitäts-Merkmalen wie Intelligenz, Kreativität, Einsatzfreude und Commitment besser nicht bewirbt.

Statistik und mit Zahlen spielen

Es soll ja welche geben, die den Satz, ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe, gerne und oft vor sich hersagen. Nur zu, können wir da nur sagen, denn das Fälschen einer Statistik, so dass es keiner merkt, ist nicht so einfach, wie den entsprechenden Glaubenssatz vor sich hinbrabbeln.

StatistikZugegebener Maßen werden wir mit Statistiken überflutet. In der Regel mit sinnlosen Statistiken, von denen man sich fragt, warum sie geführt werden. Für den Selbstläufer der Armutsgefährdung, einer Absurdität mit hohem politischen Potential, der immer wieder gerne von Gutmenschen beklagt wird, haben wir dies schon mehrfach gezeigt. Viele Beispiele sinnloser Statistik, falscher Interpretation richtiger Statistik oder falscher Anwendung von Statistik finden sich auf unstatistik.de, wo Gerd Girgerenzer, Walter Krämer und Thomas K. Bauer, die monatliche Unstatistik präsentieren.

Statistiken stellen bestimmte Zahlen zusammen. Schon die Zusammenstellung ist eine Auswahl, denn: Warum wählt man bestimmte und nicht andere Zahlen aus, um sie in einer Statistik zu versammeln? Kurz: Die Erstellung von Statistiken ist von einem Interesse angeleitet. In den meisten Fällen öffentlicher Statistiken waren dies ein Kontrollinteresse und ein Planungsinteresse: Kontrolle z.B. im Hinblick auf die Entwicklung der Anzahl der Straftäter, Planung z.B. im Hinblick auf die Anzahl von Kindern, die in fünf Jahren eine Schule besuchen. Kurz: Statistiken sollten dabei helfen, öffentliche Ausgaben effizient und passgenau zu machen.

Zwischenzeitlich haben sich Statistiken zu Grundlagen für politische “wir brauchen”-Forderungen entwickelt, bei denen nicht mehr Kontroll- oder Planungsinteressen maßgeblich sind. Vielmehr werden Statistiken zum Ausgangspunkt politischer und entsprechend finanzieller Forderungen. Sie sind damit in ihrem Zweck verkehrt worden: Nicht mehr das Sparen von Steuergeldern ist Hauptzweck der Erstellung von Statistiken, sondern die Ausgabe von Steuergeldern. Statistiken sind vom Kontroll- und Planungsinstrument, das zuviel Ausgaben verhindern sollte, zum Legitimationsinstrument verkommen, das viele Ausgaben begründen soll.

Dass dann, wenn Statistiken von Politikern gebraucht werden, um die Notwendigkeit bestimmter Ausgaben zu begründen, Statistiken regelmäßig missbraucht werden und mehr hineingelesen wird, als hineingelesen werden kann, ist selbstredend und braucht keine weitere Ausführung.

Und damit ist der Post am Ende.

Obwohl.

Wie wäre es, wenn wir einmal zeigen, wie schön man Statistiken für rundweg alles missbrauchen kann, einfache, harmlose Statistiken, die erstellt werden, ohne dass sich jemand etwas Böses dabei denkt.

Spielen wir einmal Politker und missbrauchen drauflos:

Binge Drinkers limitJeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig. 52% der erwachsenen Bevölkerung haben einen Body-Mass-index (BMI) von mehr als 25, was sie als fett ausweist. 180 Zentimeter Körperhöhe und 81 Kilogramm Lebendgewicht ist fett. So will es der Body-Mass-Index, der das Köpergewicht durch die quadrierte Köpergröße teilt. Besonders fett sind ehemalige Raucher. 73% von ihnen sind übergewichtig, jenseits eines BMI von 25, also einfach fett. Und der BMI lügt nicht! Seit 1999 werden die Deutschen immer fetter. Also nicht die Deutschen die 1999 fett waren, werden immer fetter, sondern die Deutschen die 2014 fett sind, sind mehr als die Deutschen die 1999 fett waren.

Und das wird so weiter gehen, denn: Im dritten Quartal 2014 wurden 2,2% weniger Zigaretten versteuert. Das bedeutet mehr Deutsche leben gesund oder doch zumindest: sie rauchen nicht, und es bedeutet: 73% davon investieren ihre Zeit als Nichtraucher in den Aufbau eines Body-Mass-Index von jenseits 25. Wie gesagt, ehemalige Raucher werden fett, was beweist, dass Rauchen zumindest schlank erhält und ein gewisses Dilemma für Gutmenschen, die sich nicht um die eigene, dafür aber die Gesundheit anderer sorgen, darstellt: Sollen sie nun Rauchern das Rauchen abgewöhnen, wohlwissend, dass sie dann fett werden und gegen den BMI verstoßen?

Probleme über Probleme, die noch dadurch vergrößert werden, dass der Bierabsatz im dritten Quartal 2014 ebenfalls gesunken ist, um ganze 4,5%. Nun macht Bier ja bekanntlich nicht schlank, sondern dick, der Rückgang sollte sich also positiv auf die Gesamtfette der deutschen Bevölkerung auswirken, was er aber offensichtlich nicht tut, wie der BMI unmissverstänlich zeigt. Die Hälfte der Deutschen ist fett, da hilft auch kein Bierverzicht.

Allerdings scheint der Rückgang des Bier-, also des Alkoholkonsums nur bestimmte Bevölkerungsschichten zu erreichen, wie eine alarmierende Studie zeigt: Angehende Ärzte und Pfleger, die bald im Gesundheitswesen beschäftigt sind, tun sich durch einen unsachgemäßen Gebrauch von Alkohol hervor. In Deutsch: Sie saufen zu viel. Die Studie basiert auf den Studenten der entsprechenden Fächer, aber es ist ja bekannt, dass: Was Hänschen nicht lernt, Hans nie mehr lernt.

Zudem Rauchen die angehenden Ärzte und Krankenpfleger. Rauchen und Trinken hält den BMI im Gleichgewicht, Rauchen macht schlank, Trinken macht dick, so dass die Ärzte und Krankenpfleger hier zwar als Musterschüler der WHO angesehen werden müssen, allerdings hat Trinken Nebeneffekte, die sich in einer steigenden Anzahl der Operationen niederschlagen.

Um 30% ist die Anzahl der Operationen in Krankenhäusern zwischen 2005 und 2013 gestiegen. Und das ist immens. Böse Zungen sagen natürlich, dass die Steigerung darauf zurückzuführen ist, dass in Krankenhäusern operiert werden muss, was das Zeug hält, um die Behandlungsvollmacht auf die entsprechende Operation nicht von der AOK entzogen zu bekommen, aber das ist falsch, wie wir hier mit Statistiken zeigen konnten: Tatsächlich ist die Zunahme der Operationen eine Folge von Wiederholungsoperationen, die notwendig geworden sind, weil Ärzte und Krankenpfleger durch Alkohol benebelt waren.

Und so haben wir klar und deutlich gezeigt, dass Nichtrauchen fett macht, der Rückgang der Raucher die Zunahme der Adipositas zu verantworten hat, wobei deutlich wurde, dass auch der Rückgang der fetten Biertrinker die Zunahme, die durch den Rückgang der dünnen Raucher verusacht wurde, nicht auffangen kann. Und obwohl angehende Ärzte und Pfleger eine perfekte BMI-Balance zwischen viel Trinken und viel Rauchen gefunden haben, gibt es dennoch unbeabsichtigte Nebenwirkungen, die wiederum Patienten in Kliniken treffen, die dort unter das Messer der entsprechenden Ärzte geraten.

Und deshalb fordern wir:

Den BMI auf 30 erhöhen und die deutsche Bevölkerung damit entfetten.

Geschlechter im Klimawandel oder Hey, Macker gib’ mal Geld

Geschlechter im Klimawandel, so heißt ein Text, auf den uns ein Leser von ScienceFiles hingewiesen hat.

GAIANun ist Geschlecht nicht unbedingt das Erste, das einem in den Sinn kommt, wenn man an den Klimawandel denkt, der eher mit Eis in der Antarktis oder mit noch mehr Regen in Wales verbunden ist. Was also hat Klimawandel mit dem Geschlecht zu tun?

Nachdem wir in der Vergangenheit bereits einen Unsinns-Text, der zum schulischen Curriculum in Deutschland gehört, behandelt haben, und zwar einen mit dem unsagbar dummen Titel: “Ist der Klimawandel ein Mann”, haben wir natürlich Schlimmstes befürchtet.

Wir sind nicht entäuscht worden.

Geschlechter im Klimawandel ist ein 2014 in der Zeitschrift “GAIA” veröffentlichter Text, den Sybille Bauriedl verbrochen hat. Er zeichnet sich in erster Linie durch sperrige, aufgeblasene Sätze voller Nomen aus, in zweiter Linie dadurch, dass die Autorin eine unglaubliche wissenschaftliche Naivität offenbart, die an Ahnungslosigkeit grenzt oder diese Grenze überschreitet und in dritter Linie durch Widersprüchlichkeit.

Nominale Konstruktionen:

Bauriedl im Original: “Dabei sind sozialwissenschaftliche Fragestellungen genau so relevant bei der Definition von Klimawandelproblemen und Klimaanpassungslösungen. Hier werden gesellschaftliche Prämissen festgeschrieben,die wesentlichen Einfluss auf Anpassungspotenziale haben und unter Umständen nicht nachhaltige gesellschaftliche Naturverhältnisse festschreiben.”

SprechblasenDas ist eine klassische Leerformel. Ein Gehalt der beiden Sätze ist auch nach mehrmaligem Lesen nicht erkennbar, was auch daran liegt, dass mit dem “Hier” ein Adverb im Satz verbaut wurde, von dem nicht klar ist, worauf es sich bezieht: Auf Deutschland, die Erde, das Universum oder auf den Raum, in dem Bauriedl saß, als sie “Hier” schrieb.

Wie auch immer, wir werden die Definition der Klimawandelprobleme und Klimalösungen vertagen müssen, schon weil Probleme nicht definiert, sondern geschaffen werden und zuweilen auch entstehen und weil Lösungen gefunden werden müssen, und nicht, wie man in feministischen Kreisen wohl zu denken scheint, herbeidefiniert werden können.

Aber es ist eine amüsante Idee. Stellen Sie sich vor, Sie sind Statiker, sollen eine Brücke über einen Fluss planen und stehen vor einem entsprechenden Problem. Wie lautet die Bauriedl’sche Lösung: Definieren Sie ihre Brücke einfach so lange, bis das Problem verschwunden ist, also einfach den Fluss weg definieren – oder so. Immer in der Hoffnung, dass die Brücke nicht gebaut wird.

Wissenschaftliche Borderline zwischen Naivität und Ahnungslosigkeit

Was hat Geschlecht mit Klimawandel zu tun, so haben sich manche bestimmt schon gefragt? Oder: Wieso sollte Geschlecht mit Klimawandel etwas zu tun haben? Manche mögen auch ihre schlimmsten Befürchtungen wieder entdecken haben und sich sagen: “Ich habe es immer gewusst, dass Männer mehr Regen abbekommen als Frauen” oder “Frauen profitieren vom Klimawandel, denn sie haben häufiger Bürojobs und entsprechend werden sie seltener nass …”.

Bauriedl sieht nicht nur eine Verbindung zwischen Geschlecht und Klimawandel, sie sieht gleich drei Verbindungen: Vulnerabilität, Essentialismus und eine nicht essentialisierende Verbindung

Vulnerabilität als Verbindung zum Klimawandel sieht Frauen als Gesamt und formuliert entsprechend Weisheiten für alle Frauen: Alle Frauen sind vulnerabel, denn sie haben weniger Zugang zu und weniger Kontrolle über finanzielle Ressourcen als Männer und zwar weil sie Sorgearbeit leisten. Und deshalb wird die Armut feminisiert, und zwar durch den Klimawandel, der Frauen besonders hart trifft. Warum? Weil Frauen vulnerabler sind als Männer. Und wer mit Tautologien zufrieden ist, der mag dieses Kreisgestotter akzeptieren und sich damit zufriedengeben.

Oder wie Albert Einstein einmal sinngemäß gesagt hat: Alles sollte so einfach wie nur möglich dargestellt werden, aber nicht zu einfach.

VulnerabilityVon der Vulnerabilität geht es zum Essentialismus, der sich durch eine Essentialisierung auszeichnet, dadurch, dass Frauen als Gruppe, dass alle Frauen zusammengefasst werden, ungeachtet individueller Unterschiede. Das ist zwar bereits bei der Vulnerabilität der Fall, aber sei’s drum, für Bauriedl macht es offensichtlich einen Unterschied. Wenn man also Männer und Frauen nunmehr als Essentialismus zu homogenen Gruppen zusammenfasst, dann kann man sie “empowern”. Wofür man das sollte und warum man das sollte, das fragt man sich vergebens, schon weil der Essentialismus-Absatz mit der folgenden unverdaubaren Phrase beendet wird:

“Konstruktivistische Zugänge zur Geschlechterforschung sehen in dieser Praxis eine Vergeschlechtlichung von Klimaanpassungshandeln.”

Wer mittlerweile noch keinen spitzen Hut aufgezogen hat und durch seine Wohnung tanzt, dem sei gesagt, dass “diese Praxis” abermals im bereits unter Vulnerabilität beklagten und im Vergleich zu Männern geringeren Zugang von Frauen zu finanziellen Ressourcen besteht.

Belibt noch die nicht essentialisierende Anpassungsforschung, die dieses Mal beklagt, dass “Fragen zu sozialer Differenz sowie differenzproduzierenden Strukturen, Normsetzungen und Narrativen kaum gestellt werden”, was daran liegen mag, dass die meisten, die diese Fragen stellen könnten, dabei sind, sich eine Narration zu überlegen, die nicht als Normsetzung betrachtet werden muss, soll oder darf und der Tatsache ihrer differenzproduzierenden sozialen Differenz zu entkommen versuchen, und zwar durch Nominalkonstruktionen, die niemand versteht, der bei normalem Verstand ist. Alles klar?

Die nicht essentialisierende Anpassungsforschung betrachtet Männer und Frauen als “Kollektivsubjekte”, also wie gehabt als homogene Gruppen, also wie der Essentialismus oben und wie Vulnerabilität noch weiter oben. Und während Vulnerabilität und Essentialismus Frauen und Männer kennen, kennt die nicht-essentialistische Sichtweise, dicke und dünne Männer und Frauen, rassistische und nicht rassistische Männer und Frauen, alte und nicht alte Männer und Frauen, also die “zentralen Machtachsen von Ungleichheit”. Das macht den ganzen Unterschied.

Wir haben entsprechend aus Sicht der Vulnerabilität , Frauen, die wegen Sorgearbeit zu wenig Geld haben.

Wir haben aus Sicht des Essentialismus Frauen, die wegen Sorgearbeit zu wenig Geld haben.

Und wir haben aus nicht essentialisierender Sicht Frauen, die auch alt sind.

Und dann gibt es noch den Klimawandel, von dem Frauen besonders betroffen sind. Warum? Weil sie Sorgearbeit leisten und zu wenig Geld haben. Ist doch einfach – oder?

Warum Bauriedl einen derartigen Popanz aufbaut, wo die Aussage: “Hey, Macker gib’ mal Geld!”, ausgereicht hätte, ist uns nicht ganz nachvollziehbar, aber wir haben ihrer Verwendung von eingeführten Begriffen einige Neuerungen entnommen: Liest man nämlich Blauriedl’s implizite Prämissen mit, dann ergibt sich das Bild von Frauen, die vom Wesen her vulnerabel sind und weil sie vom Wesen her vulnerabel sind, also Opfer qua Geburt und Geschlecht, und das obwohl Geschlecht sozial konstruiert ist, deshalb gilt: “Hey, Macker gib’ mal Geld.

Bleiben noch die Widersprüche:

Wenn Frauen, wie Bauriedl schreibt, vom Wesen her, also z.B. aufgrund ihres genetischen Make-ups geborene Opfer (vulnerabel) sind, dann kann man sie nicht empowern, das ist vergebene Liebesmüh, denn die Essenz, das Wesen ist stärker, eben das Wesen, wäre dem nicht so, dann wäre es kein Wesen und der ganze Essentialismus wäre für die Katz’.

Bleibt noch zu fragen, warum es notwendig ist, derart viele Worte zu machen, um zu sagen: “Hey, Macker gib’ mal Geld!”? Nun, derart kurze Aussagen sind zu einem verständlich und klingen gar nicht gezwungen intellektualistisch und zum anderen druckt GAIA keine Beträge, die nur aus einem Satz bestehen, selbst wenn sie inhaltlich nur aus einem Satz bestehen.

Richtiger Faschismus kommt (wieder) aus Österreich

Wenn es darum geht, Freiheit zu beseitigen und Wissenschaft zu zerstören, dann hat die politische Klasse Österreichs immer ganze Arbeit geleistet und wie die deutsche dafür gesorgt, dass die besten Österreicher das Weite gesucht und in der Regel im angelsächsischen Ausland gefunden haben. Dort haben sie die österreichische Schule der Ökonomie (weiter-)entwickelt, sie haben den kritischen Rationalismus begründet, die empirische Sozialforschung erfunden, sie haben in Medizin, Chemie und Physik die Forschung vorangetrieben und das in ihren Herkunfstländern hinterlassen, was man heute einen brain drain nennen wurde.

Und es waren bei weitem nicht nur jüdische Wissenschaftler, die Österreich und Deutschland den Rücken gekehrt haben, wie die (unvollständige) Liste der Emigranten zeigt. Aber: Wo die Ideologie herrscht, da ist für Innovation und Fortschritt und für mutiges und kreatives Denken kein Platz. Ideologie und Neues, Unvorhergesehenes, das verträgt sich nicht.

Klemperer LTIDeshalb wurden im Dritten Reich Wissenschaftler in Deutschland und Österreich daran gehindert, Forschung, die nicht das arische Unbedenklichkeits-Siegel erhalten hat, Forschung, die von Wissenschaftlern ausgeführt wurde, die nicht den arischen Bruderkuss erhalten haben und Forschung, die nicht in der Sprache des Dritten Reiches, der Lingua Tertii Imperii, wie sie Victor Klemperer genannt hat, abgefasst war, überhaupt auszuführen.

Kurz: Wer im Dritten Reich das Falsche geforscht hat, wer einer falschen gesellschaftlichen Gruppe zugehörte und sich geweigert hat, eine bestimmte Sprache zu verwenden, dessen Karriere in der Wissenschaft war beendet.

Und im Jahre 2014 sind wir keinen Schritt weiter:

Wer an der Fachhochschule des bfi Wien studieren will, wer dort studieren will, ohne das Binnen-I in seinen schriftlichen Arbeiten zu verwenden, der wird mit einer um 10% schlechteren Bewertung bestraft. Wer männlichen Geschlechts ist, der muss in Österreich (und in Deutschland) sowieso schon bessere Leistungen bringen, um dieselben Chancen zu haben, wie Personen weiblichen Geschlechts. Und wer denkt, er könne als weißer Mann und ohne Binnen-I sich mit Gentechnologie befassen oder gar Kernenergie weiterentwickeln wollen, wer Forschung betreiben will, von der manche Saubermänner denken, sie habe eine dual-use-Problematik, der vergisst seine Forschung besser, bevor er sie begonnen hat. Oder er flüchtet ins angelsächsische Ausland oder nach Indien, wo man ihn mit offenen Armen empfängt.

Wer sagt: Geschichte wiederholt sich nicht?

Dass sich Geschichte wiederholt, dafür sorgt derzeit u.a. die Fachhochschule des bfi, des Berufsförderungsinstituts Wien. Das bfi wird von der Arbeiterkammer und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund getragen, und man kann nicht anders als sich wundern, was aus den ehemaligen Arbeitnehmervertretern geworden ist. Früher hatten Arbeiterbildungsvereine den Zweck, Arbeiter zu qualifizieren. Heute besteht ihr Zweck offensichtlich darin, sie ideologisch auf Linie zu trimmen, auf die Linie des Binnen-I, denn wer diesen sprachlichen Auswuchs nicht mitmacht, wer sich nicht dazu zwingen lässt, ideologisch motivierte Mätzchen zu machen, der wird mit Punktabzug, minus 10% bestraft.

Nett – oder?

bfiFrüher hatten Arbeiterbildungsvereine das Ziel, Arbeiter vom Wert der Bildung zu überzeugen. Heute haben ihre Nachfolger das Ziel, Arbeiter dazu zu zwingen, ideologische Männchen zu machen, und wer sich dabei ganz besonders brav auf die Hinterfüsse stellt, der bekommt ein Leckerli.

Wissen die eigentlich, was sie da machen, an der Fachhochschule des bfi in Wien, deren Zweck eigentlich darin besteht, Weiterbildung und schulische Nachqualifikation zu ermöglichen?

Aber rollen wir das Feld doch einmal mit der Frage auf, die kaum jemand derzeit stellt: Warum soll man die deutsche Sprache mit einem Binnen-I unlesebar machen?

Angeblich macht ein Binnen-I die Kaste der Untouchables, die immer da, aber immer unsichtbar sind, sichtbar, jene weiblichen Wesen unter uns, die wir alle und ohne das Binnen-I nie zur Kenntnis genommen hätten.

Nehmen wir nur kurz an, ein I in einem Wort oder die Sexualisierung von Sprache, die aus grammtischem Geschlecht, biologisches Geschlecht macht, habe tatsächlich die Sichtbarmachung all derer, die vorher im Verborgenen gewerkelt haben, zum Ergebnis. Und jetzt?

Was heißt das jetzt für eine Fachhochschule, für einen wissenschaftlichen Text?

Jetzt stellt sich die Frage, was die Sichtbarmachung von bislang Unsichtbaren in einem wissenschaftlichen Text zu suchen hat. Es stellt sich die Frage, ob sich ein wissenschaftlicher Inhalt durch ein I in einer neuen Qualität darstellt – ob es einen Erkenntniszugewinn gibt.

Und die Antwort ist klar: Natürlich gibt es keinen Erkenntniszugewinn. Ob eine Idee in Deutsch, Spanisch, Englisch oder Hindi abgefasst ist, interessiert die Idee in keiner Weise, wäre dem so, der Satz des Pythagoras hätte es nie nach Deutschland geschafft.

Das Binnen-I hat also keinerlei wissenschaftlichen Mehrwert.

Erleichtert es die Verständigung? Nein, das tut es nicht, wie jeder weiß, der jemals versucht hat, sich durch einen sogenannten gegenderten Text zu lesen. Es ist schlicht unmöglich. Nicht einmal der politisch korrekte Schreiber kann es, schlimmer noch: Niemand kann diesen sprachlichen Irrsinn von Anfang bis Ende durchhalten. Wer es nicht glaubt, der nehme einen entsprechenden Text und lese, bis er zu einem Nomen mit einem männlichen grammatikalischen Geschlecht kommt, bei dem das ideologische weibliche Anhängsel fehlt, was nur eine Frage der Zeit ist.

Keinerlei wissenschaftlicher Gewinn und eine Verunmöglichung von Verständigung sind die Folge des Binnen-I. Warum wird es dann bei der Fachhochschule des bfi in Wien zur Pflicht gemacht?

Orwell 1984Die Antwort ist einfach: Weil es darum geht, ideologischen Druck auszuüben. Weil die Herrschaften beim bfi die Macht, die ihnen ihre Position gegenüber ihren Studenten gibt, ausnutzen, sie missbrauchen, um sich selbst zu Sprachgöttern aufzuschwingen, die Schiefertafeln mit den entsprechenden Schreib-Geboten verteilen. Indes, die bfi-ler sind keine verzeihenden Götter: Sie sind strafende Götter: minus 10%.

Und die Wiener bfi Götter sind vor allem eines nicht: Wissenschaftler. Was Wissenschaft ist, davon können sie keine Ahnung haben, denken sie doch, die Korrektheit einer wissenschaftlichen Aussage hänge mit der Form zusammen, in der sie dargestellt wird. Was Wissenschaftlichkeit ist, davon können sie keine Ahnung haben, missbrauchen sie doch Stätten der Wissenschaft dazu, ihre persönlichen Präferenzen für andere verbindlich zu machen, ganz so wie es die katholische Kirche im Mittelalter versucht hat. Und schließlich: Was Wissenschaft ist, davon können sie keine Ahnung haben, denn sonst wüßten sie um die Wichtigkeit der Freiheit, die nun einmal kein ideologisches Sprachkorsett verträgt.

Nein, die bfi-ler sind unter den Ersten, die sich als totalitäre Ideologen outen, als möchtegern Diktatoren, die ihren Untertanen verordnen, wie sie zu sein und zu schreiben haben. Und entsprechend muss allen, die sich bilden oder weiterbilden wollen, davon abgeraten werden, die Fachhochschule des bfi in Wien auch nur als Kandidat der (Weiter-)bildung zu erwägen. Dort werden keine Wissensinhalte vermittelt, denn dort herrscht die Ideologie, eine keifende Ideologie zudem, wie die Kleine Zeitung berichtet, die einen dort beschäftigten Mitarbeiter mit den folgenden Worten zitiert: “Ich würde auch die beste Arbeit, die nicht geschlechtsneutral formuliert ist, mit einem Fünfer bewerten”.

Deutlicher kann man es nicht mehr machen, dass nicht die Ideen, sondern die Ideologie treibende Kraft ist. Deutlicher kann man es nicht mehr machen, dass es nicht um Wissenschaft und Bildung, sondern um Diktatur und Unterordnung geht. Wer demnach Faschismus erlernen und erleben will, ist am bfi gut aufgehoben.

“Wir”, so schreibt das bfi in seiner Selbstdarstellung, “vermitteln Freude und Lust am Lernen … Wir stehen für soziale und fachliche Kompetenz … Wir ermöglichen unseren KundInnen sozialen Aufstieg … Wir sind innovativ, zukunftsorientiert und engagiert”.

Vergessen sie das Management-Gelaber. Die Realität sieht anders aus: Wir, beim bfi, bringen ihnen Untertanentum näher, lehren Sie Ideologie, nicht Wissenschaft und machen Sie fit für Faschismus 2.0, auch bekannt als Genderismus.

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den entsprechenden Hinweis.