Bananenrepublik 4.0 – Kita oder Professur?

Es jammert in der Süddeutschen Zeitung:

universitaet Duisburg essen“Für uns ist das ein Riesenproblem”, sagt etwa Ingrid Fitzek, Gleichstellungsbeauftragte der Uni Duisburg-Essen, von der drei Anträge auf der Warteliste gelandet sind. Eigentlich wollte man dort mit den frei werdenden Mitteln eine Kita mit 50 Plätzen finanzieren.”

Das Riesenproblem, von dem in der Süddeutschen Zeitung zu lesen ist, es ist das Professorinnenprogamm. Das Professorinnenprogramm ist jedoch nicht etwa deshalb ein Riesenproblem, weil plötzlich Moral und Anstand Einzug gehalten haben und Universitäten sich daran erinnert haben, dass sie nicht die Prostituierten von Ministerien sind.

Das Riesenproblem ergibt sich auch nicht daraus, dass im Rahmen des Professorinnenprogramms unzählige männliche Bewerber belogen und betrogen werden, männliche Bewerber, die sich im irrigen Glauben, sie hätten eine Chance, berufen zu werden, auf einen Lehrstuhl bewerben, denen Kosten entstehen, die Probevorlesungen vorbereiten, halten und alles, weil sie nicht wissen, dass sie sowieso keine Chance auf die Stelle haben, auf die ausschließlich weibliche Bewerber berufen werden. Die männlichen Bewerber sind nur die Coverstory, um den Anschein zu erwecken, das Professorinnenprogramm sei ein rechtlich einwandfreies Programm, nicht Betrug und Bevorteilung.

Aber, wie gesagt, das alles ist nicht das Riesenproblem, das Ingrid Fitzek und die Uni Dusiburg-Essen haben.

Es ist auch nicht das Riesenproblem, von dem Roland Preuß in der Süddeutschen Zeitung berichtet.

Deceibe infeigle obfuscateDas Riesenproblem besteht darin, dass “Wankas Professorinnenprogramm das Geld” ausgeht. 147 Hochschulen haben sich am ministerialen Wettbewerb in Wissenschaftsprostitution beteiligt, wohl mehr als selbst Wanka für möglich gehalten hat, und jetzt scheinen die 300 Millionen Euro, die bislang in das Professorinnenprogramm gepumpt wurden, um Lehrstühle an Universitäten nach weiblichem Geschlecht und nicht nach Leistung zu besetzen, aufgebraucht zu sein.

Und weil die 300 Millionen Euro wohl aufgebraucht sind, deshalb hat die Universität Duisburg-Essen das Riesenproblem, dass sie nun drei Professuren finanzieren muss. Das muss man sich einmal vorstellen, die Universität Dusiburg-Essen muss drei Professuren finanzieren, Professuren, die von der Universität Duisburg-Essen an weibliche Bewerber vergeben wurden, Professuren, bei deren Besetzung männliche Bewerber getäuscht und belogen wurden. Das muss man sich einmal vorstellen: Eine Universität, die Professuren finanzieren muss, die sie selbst ausgeschrieben und besetzt hat! Unglaublich!

Schlimmer noch: Weil die Universität Duisburg-Essen nun drei weibliche Quoten-Professuren finanzieren muss, kann sie keine “Kita mit 50 Plätzen finanzieren”.

Ein Skandal, hinter dem die Unehrlichkeit, der Betrug gegenüber männlichen Bewerbern, die Täuschung männlicher Bewerber und die Kosten, die männlichen Bewerbern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verursacht wurden, verblassen.

Was könnte es wichtigeres geben, als eine Kita mit 50 Plätzen an einer Universität? Ehrlichkeit? Lauterkeit? Moral? Anstand? Universitäre Lehre? Gute Lehre? Gesellschaftlich relevante Forschung? Nützliche Erkenntnis? Die Finanzierung von Professuren? Sicher nicht. Nichts ist wichtiger als eine “Kita mit 50 Plätzen” – Ingrid Fitzek weiß das.

Und Kai Gehring, Bundestagsabgeordneter der Grünen, der weiß auch etwas. Wenn 300 Millionen Euro, mit denen männliche Bewerber auf Lehrstühle an Hochschulen diskriminiert, getäuscht und belogen und geschädigt werden, nicht ausreichen, dann sei dies “stümperhaftes Programm-Management und klammheimliches Wegsparen durch Ministerin Wanka” und das Programm müsse eben aufgestockt werden.

ProfessorrinnenprogrammWir wiederholen uns ungern, aber Anstand, Moral, Ehrlichkeit, Lauterkeit, die faire Behandlung von männlichen Bewerbern auf Lehrstühle, das scheinen auch für den Grünen Kai Gehring Begriffe zu sein, die er nicht in seinem Wortschatz findet und entsprechend so wenig verstehen wird, wie Roland Preuß, der es schafft einen Beitrag über das Professorinnenprogramm zu schreiben, ohne auch nur einen einzigen Hinweis darauf, dass hier Steuergelder eingesetzt werden, um männliche Bewerber arglistig zu täuschen, zu diskriminieren, zu belügen und ihnen Schaden zu verursachen.

Deutschland 2015, eine Bananenrepublik 4.0, in der Medienvertreter, Politiker und Gleichstellungsbeauftragte alle dieselbe Unkenntnis verbindet, Unkenntnis darüber, was Fairness, Ehrlichkeit, Anstand und Moral sind. Und vor allem darüber, was Menschen (andere Menschen versteht sich) leisten müssen, um die Steuergelder aufzubringen, die im Rahmen des Professorinnenprogramms eingesetzt werden, um männliche Bewerber arglistig zu täuschen, zu belügen und sie zu schädigen.

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den Hinweis auf den Beitrag in der Süddeutschen Zeitung.

Der Tag im Bundestag: Partei der Frauenquote, Lebens(z)erfahrene, Gefühlsentscheider

Lesen Sie eigentlich Plenarprotokolle?

ReichstagDas sollten Sie tun. Es ist unterhaltsam, erschreckend und lehrreich zugleich. Wer jemals Plenarprotokolle und die dort abgedruckten mehr oder weniger erfolgreichen Redeversuche gelesen hat, der hat eine fundierte Grundlage für seine Wahlentscheidung bzw. seine Nichtwahlentscheidung. Denn: Wähler sind für die Abgeordneten verantwortlich – das müsste für viele Wähler eigentlich der Stoff sein, aus dem Alpträume entstehen.

Doch zurück zu den Plenarprotokollen, genauer dem Plenarprotokoll der 106. Sitzung vom Donnerstag, dem 21. Mai 2015.

Darin ging es u.a. um die Änderung des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes und im Wesentlichen um die Frage, wie Bundesverfassungsrichter in Zukunft gewählt werden. Bislang wurden Verfassungsrichter im Hinterzimmer ausgeknobelt und dann ernannt. Nun werden die Verfassungsrichter, die der Bundestag ernennen kann, zwar weiterhin im Hinterzimmer nach einem Parteienproporz ausgeknobelt, der ausgeknobelte Vorschlag wird aber – und das ist neu – an den Bundestag weitergegeben, dort abgenickt und dann erst werden die Verfassungsrichter ernannt.

Wer also dachte, Verfassungsrichter wie Susanne Baer seien in Zukunft zu verhindern, … dachte das jemand?

Den gemeinsamen Vorschlag aller Fraktionen im Bundestag, die Verfassungsrichter doch mit zwei Drittel Mehrheit im Plenum (mit verdeckten Stimmzetteln) zu wählen, also die Hälfte der Verfassungsrichter, die vom Bundestag bestimmt werden dürfen (die andere Hälfte wird nach wie vor im Bundesrat – wie auch immer – ausgeknobelt), haben die Grünen kurz vor Schluss dadurch zu ergänzen versucht, dass sie eine Frauenquote in die Senate der Verfassungsrichter mogeln wollten, ein Versuch, der an der Mehrheit von CDU/CSU und SPD gescheitert ist.

Warum ist er gescheitert?

Dazu haben wir die Wortbeiträge zum Tagesordnungspunkt 23 im Plenarprotokoll gelesen. Die wichtigsten Ergebnisse sind die folgenden:

Dr. Matthias Bartke, SPD:

SPD disabilities“Meine Damen und Herren, die SPD ist die Partei der Quote”. [Manche Leser mögen immer noch dem irrigen Glauben anhängen, die SPD sei eine Arbeiterpartei. Dieser Irrglaube dürfte nunmehr endgültig beseitigt sein.] “Wir haben das Gesetz zur Frauenquote in Führungspositionen durchgesetzt. Aber das Gesetz war auch sorgfältig vorbereitet und wurde vorher intensiv und medial diskutiert [Haben Sie von dieser “Diskussion” etwas bemerkt?]. Genau das ist hier nicht der Fall. “

Die SPD-Fraktion ist also einer Quotenregelung für Bundesverfassungsrichter nicht generell abgeneigt, will nur intensiver und medial darüber diskutieren.

Richard Pitterle, Die Linke:

“Wir wissen: Sichtweisen sind durch Lebenserfahrung geprägt. Wir wissen auch, dass Männer und Frauen unterschiedliche Lebenserfahrungen haben. Ich hätte mir gewünscht, dass diese unterschiedlichen Erfahrungsansätze in diesen Abwägungsprozess Eingang finden.”

So schön und deutlich bringen das in der Regel nur Linke auf den Punkt: Am Bundesverfassungsgericht wird nach Ansicht des Linken, Richard Pitterle, also kein Recht gesprochen, das auf den Artikeln des Grundgesetzes basiert, das aus diesen abgeleitet oder auf Vereinbarkeit mit diesen geprüft wird. Nein. Am Bundesverfassungsgericht werden Lebenserfahrungen ausgetauscht. Deshalb braucht es eine Frauenquote.

Warum die unterschiedliche Lebenserfahrung nicht Individuum X von Individuum Y differenzieren soll, sondern ausschließlich Männer und Frauen, das wird ein essentialistsiches Geheimnis von Richard Pitterle bleiben, aber vielleicht ist es auch einfach nur absoluter Unsinn, der auf dem Glauben basiert, Menschen würden mit Geschlechtsteilen und nicht mit Augen, Ohren, Nasen oder Händen wahrnehmen.

Dennoch muss man fragen: Wie hat man sich die Entscheidung der Bundesverfassungsrichter auf Grundlage von Lebenserfahrung vorzustellen. Nehmen wir z.B. des Verbotsverfahrens gegen die NPD. Richter X: “Also ich musste einmal drei Stunden im Stau stehen, weil ein Aufmarsch der NPD die Innenstadt von Leipzig blockiert hat. Ich bin für ein Verbot der NPD.” Richterin Y: “Der Junge, also der Sohn, der Olli, von der Karin nebenan, also der Olli, das ist ein echt netter Junge. Gut, er läuft in Springerstiefeln durchs Treppenhaus und macht der Karin echt Sorgen, weil er in der NPD ist, aber er ist ein guter Junge. Den will ich nicht kriminalisieren. Ich bin gegen ein Verbot der NPD.”

Renate Künast, Bündnis 90/Die Grünen:

Gruene-SmoothiesIch sage Ihnen: Ich finde, eine Quote mit dem Inhalt: ‘Mindestens drei Männer oder Frauen müssen in einem Senat vertreten sein’, ist nicht zu viel verlangt, nachdem wir eine Quote für Aufsichtsräte börsennotierter mitbestimmungspflichtiger Unternehmen beschlossen haben. … Ich sage Ihnen, ich finde die Aktion des Deutschen Juristinnenbundes richtig, der gefodert hat: Mehr Frauen in die roten Roben!”

Da Renate Künast, der man eine gewisse Ich-Zentriertheit, einen Egozentrismus nicht absprechen kann, die Frauenquote für Verfassungsrichter “nicht zu viel verlangt” “findet”, wer könnte dagegen sein? Und wer wollte dem kindlichen Verlangen, nach mehr Bonbons im Wege stehen, wenn man durch ein Bonbon nun einmal dafür gesorgt hat, dass ein Verlangen nach mehr Bonbons entstanden ist. Ja: und die vom Deutschen Juristinnenbund, die sind schließlich auch dafür. Deshalb: Quote.

Es ist kein Zufall, dass Renate Künast keinerlei Begründung dafür vorbringt, dass eine Frauenquote bei Verfassungsrichtern eingeführt werden soll. Die gesamte Diskussion um Frauenquoten ist bislang ohne Begründung ausgekommen. Der Änderungsantrag der Fraktion der Grünen, mit dem die Verfassungsrichter-Frauenquote bei Nacht und Nebel durchgedrückt werden sollte, er enthält nicht einmal die Spur einer Begrüdung.

An die Stelle einer Begründung treten für grüne Abgeordnete eigene Befindlichkeiten:

“Weiterhin ist nur schwer erträglich, dass das Verfassungsgericht immer noch weit von einer geschlechtergerechten Besetzung entfernt ist [Hier wird wieder – aus Inkompetenz oder Absicht – Lesern Gleichstellung oder Ergebnisgleichheit als Gerechtigkeit untergeschoben; ein zwischenzeitlich üblicher, aber zunehmend vergeblicher Manipulationsversuch, der vertuschen soll, dass Ergebnisgleichheit das Gegenteil von Gerechtigkeit ist.]. Unter den acht Richtern des ersten Senates ist nur eine Frau; auch im zweiten Senat sind nur zwei Frauen vertreten.”

Wer wollte etwas, das den Mitgliedern der Fraktion der Grünen “schwer erträglich” ist, nicht in Windeseile aus der Welt schaffen? Schließlich muss den Wählern das Wohlbefinden ihrer Abgeordneten am Herzen liegen, schon weil die Abgeordneten offensichtlich nicht auf Grundlage von rationaler Überlegung und Argumentation, sondern nach “Erträglichkeit” für sie persönlich entscheiden.

Dr. Volker Ullrich, CDU/CSU:

“Wir wollen die besten Frauen und Männer an diesem Gericht haben. … Es gilt aber auch der Grundsatz: Verfassungsorgane quotiert man nicht, man respektiert sie.

Inhalte ueberwinden ParteiMan fühlt sich unmittelbar an die Farm der Tiere von Orwell erinnert, wo es die Gruppe der Schweine schafft, Regeln, die für alle Tiere gelten, für sich außer Kraft zu setzen. Und so fällt einem Abgeordneten der CDU/CSU ein Equity-Argument ein, wenn es um das Bundesverfassungsgericht geht: Man wolle die besten Männer und Frauen am Gericht haben, also Leistung zum Auswahlkriterium machen.

Im Zusammenhang mit dem Aufsichtsrat von Unternehmen ist den Vertretern der CDU/CSU-Fraktion dieses Argument nicht eingefallen. Entsprechend muss man daraus schließen, dass sie kein Problem damit haben, wenn in börsennotierten Unternehmen nunmehr eine Frauenquote dafür sorgt, dass eben nicht die besten Männer und Frauen im Aufsichtsrat sitzen. Das nennt man dann wohl Bigotterie.

Zusammenfassend kann man aus der Plenardebatte die folgenden allgemeinen Aussagen formulieren:

SPD: Bei der SPD sieht man sich nicht mehr als Arbeiterpartei, sondern als Partei der Quote, eine überfällige Anpassung an die Realität der SPD, in der die Interessen von Arbeitern seit Jahrzehnten nicht mehr vorkommen.

Die Linke: Die Linke ist eine Lebenserfahrungspartei, was die Frage aufwirft, wie die Erfahrungen einer Sozialisation in Sozialismus und in der SED sich auf die heutige Arbeit der Abgeordneten, ihre Lebenserfahrung auswirken.

Grüne/Bündnis90: Renate Künast findet eine Frauenquote nicht zu viel verlangt. Und den Juristinnenbund findet sie gut.

CDU/CSU: Die Union heuchelt je nach öffentlicher Aufmerksamkeit eine Meinung.

Drogenbeauftragte des Bundes ist presse- und öffentlichkeitssüchtig

Am 21. Mai hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung den Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2015 vorgestellt, und die Medien landauf landab sind pflichtschuldigst gefüllt mit Berichten über zu hohen Alkoholkonsum, 2%-Internetsüchtige und zurückgehende Steuereinnahmen aus Tabakabhängigkeit.

Bei all der Fixierung der Medienvertreter auf die Pressemitteilungen aus dem Amt der Drogenbeauftragten, Marlene Mortler, ist den pressemitteilungsabhängigen Journalisten aller Medien die wichtigste neue Kategorie im Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2015 entgangen.

Dabei hätte bereits ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis genügt:

DrogenSuchtbericht 2015“A. Aktuelle Daten und Fakten

  1. Alkohol
  2. Tabak
  3. Medikamente
  4. Illegale Drogen
  5. Pathologisches Glücksspiel
  6. Computerspiel- und Internetabhängigkeit
  7. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Drogenbeauftragten

Ein Hilfeschrei aus dem Amt der Drogenbeauftragten, denn ihre Beamten können es nicht mehr mit ansehen: Die Drogenbeauftragte ist presse- und öffentlichkeitsarbeitssüchtig, und sie belässt es längst nicht mehr bei Pressemitteilungen, nein, Gespräche, Interviews, Erklärvideos, die Drogenbeauftragte tut alles, um in die Medien zu kommen.

Dabei hat schon ihre Pressemitteilungssucht erschreckende Ausmaße angenommen.

Wir zitieren aus dem Drogen- und Suchtbericht, Seite 65:

“Im Jahr 2014 wurden 39 Pressemeldungen veröffentlicht. Das entspricht einem Durchschnitt von 3,25 pro Monat.”

Und als wäre diese Frequenz der Medienkontakte der Drogenbeauftragte nicht schon bedenklich genug, werden Medienvertreter im direkten Anschluss daran aufgefordert, sich unter

http://www.drogenbeauftragte.de/presse

mit Marlene Mortler in Verbindung zu setzen.

Die Dringlichkeit des Appells an Medienvertreter zeigt, die Drogenbeauftragte befindet sich bereits im fortgeschrittenen Stadium der Presse- und Öffentlichkeitsarbeitssucht, in dem das Verlangen in immer kürzeren Intervallen befriedigt werden muss, immer mehr Pressetermine, Pressemitteilungen, Interviews und Gespräche notwendig sind, um das Verlangen von Marlene Mortler, das Verlangen nach Rampenlicht und öffentlicher Aufmerksamkeit zu befriedigen.

Angesichts dieses fortgeschrittenen Stadiums kann man ziemlich sicher sein, dass sich bei Mortler bereits ein Kontrollverlust eingestellt hat, dass sie so sehr nach Presse und Öffentlichkeit verlangt, dass nicht nur ihre sozialen Kontakte zu Freunden, Familie und Bekannten und Mitarbeitern und Parteifreunden längst darunter leiden, sondern, dass sie als Drogenbeauftragte – wie man es nimmt – entweder zu gut oder immer weniger funktioniert.

suchtdrogen_hotline_farbig_a5_grossWie bei allen Junkies im fortgeschrittenen Stadium, so ist es wohl auch bei Mortler so, dass ihre Sucht und das immer größere Verlangen nach Publicity und Rampenlicht von einer zunehmenden Ignoranz gegenüber den Problemen begleitet ist, die ihr großes Verlangen für ihre soziale und amtliche Umgebung darstellt.

Kurz: Zwar hat die Drogenbeauftragte des Bundes über ihre eigene Presse- und Öffentlichkeitsarbeitssucht einen Insiderblick entwickelt. Der Insiderblick geht jedoch zu Lasten ihrer Funktionsfähigkeit. Anders formuliert: Sie macht ihre Arbeit immer weniger oder gar nicht.

Das muss man dem Hilferuf aus dem Amt von Mortler entnehmen, und es lässt uns hilflos: Was tut man, wenn die Drogenbeauftragte presse- und öffentlichkeitssüchtig ist?

Wir wissen es nicht, aber vielleicht weiß es ja einer unserer Leser.

Gott ist mit den Arbeitslosen

Wer regelmäßig zum Gottesdienst geht, der leidet weniger unter dem Verlust seines Arbeitsplatzes. Clemens M. Lechner, Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Thomas Leopold, University of Amsterdam, sind für dieses Ergebnis verantwortlich und zudem der Ansicht, sie hätten die wichtige Rolle von Religioisität belegt, wenn es darum geht, mit kritischen Lebensereignissen umzugehen.

Starten wir bei den Prämissen:

Wer arbeitslos wird, der hat unglücklich zu sein, gesundheitlich zu leiden oder doch zumindest: es darf ihm nicht gut gehen, denn Arbeitslosigkeit ist kurz vor dem Tod das größte Unglück, das einem rechtschaffenden Bürger in Deutschland widerfahren kann. So will es die Folklore, wie sie von Universitäten dröhnt.

unemployment line godMan könnte zwar auch der Ansicht sein, dass die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses eine Chance darstellt, eine Chance, sich zu beweisen, sich nach einem neuen Arbeitsplatz umzusehen, sich am Ende selbständig zu machen, aber, nicht in Deutschland. Hier ist Arbeitslosigkeit ein Verdammnis, das nicht nur von den Gewerkschaften, die alles tun, um Arbeitslose aus tariflichen Arbeitsverhältnissen fernzuhalten, beklagt wird.

Nun gut: Arbeitslosigkeit macht unglücklich oder doch zumindest unzufrieden. Bleiben wir bei unzufrieden, denn die Lebenszufriedenheit ist als Frage in den Wellen des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) enthalten. Lechner und Leopold rechnen mit dem SOEP, also untersuchen sie den Einfluss von Religiosität auf Lebenszufriedenheit.

Was uns zum nächsten Problem bringt: Wie misst man Religiosität? Hat Religiosität etwas mit dem Aufsuchen von Kirchen zu tun?

Hat es, so sagen Lechner und Leopold, denn im SOEP ist die Frage nach der Häufigkeit des Kirchgangs enthalten. Lechner und Leopold müssen daher auf diese Variable zurückgreifen, weshalb die Kirchgangshäufigkeit zur Religiosität erklärt und mit der Lebenszufriedenheit korreliert wird.

Und siehe da: Wer häufiger in die Kirche geht, dessen Lebenszufriedenheit sinkt, nachdem er arbeitslos geworden ist, weniger als die Lebenszufriedenheit seltener Kirchgänger oder gar vom Kirchgang Abstinenter und sie erholt sich auch schneller: nach rund 3 Jahren Arbeitslosigkeit und wöchentlichem Kirchgang ist die Lebenszufriedenheit wieder da, wo sie vor der Arbeitslosigkeit war.

So ist das.

Mehr ist auf den acht Seiten des Beitrags von Lechner und Leopold, der im Journal for the Scientific Study of Religion gedruckt wurde, nicht an Aussage enthalten.

Nicht nur ist nicht mehr Aussage enthalten, es fehlen auch grundlegende Angaben zur Verteilung der Antworten, deskriptive Statistiken für die genutzten Variablen zum Beispiel. Das ist misslich, denn der Effekt von Arbeitslosigkeit auf Lebenszufriedenheit, den man aus Abbildung 1 heraus schätzen muss, bewegt sich im Bereich von relativ zufrieden (6,7 von 10). Zur Erinnerung: Die Lebenszufriedenheit wird auf einer Skala von 0 bis 10 eingeordnet, je höher der Wert, desto höher die Zufriedenheit.

Diejenigen, die im SOEP arbeitslos werden, geben vor der Arbeitslosigkeit eine Lebenszufriedenheit von 6,7 an, im ersten Jahr nach der Arbeitslosigkeit eine, von 6,3 bei wöchentlichem Kirchgang, und eine von rund 6 bei Kirchgangs-Abstinenz. Das ist kein großer Unterschied, von dem man gerne gewusst hätte, ob er zwischen den Gruppen der Kirchgänger signifikant ist, was, da er sich im Bereich von 4% bis 8% der Gesamtskala abspielt, eher unwahrscheinlich ist.

In jedem Fall muss man feststellen, dass Personen, die arbeitslos werden, nach dem Eintritt der Arbeitslosigkeit weniger zufrieden sind als zuvor. Das legt nicht unbedingt nahe, dass Arbeitslosigkeit mit erheblichen Einschnitten in das jeweilige Leben einhergeht. Wäre das so, man würde einen Absturz der Lebenszufriedenheit sehen. Wäre Arbeitslosigkeit wirklich die Katastrophe in der Lebensführung, die Lebenszufriedenheit, sie würde auf Werte um 2-3 abstürzen, sich nicht im Miniaturbereich relativer Zufriedenheit verändern.

Aber sei’s drum.

Häufiger Kirchgang führt, so Lechner und Leopold, nicht nur dazu, dass diejenigen, die arbeitslos werden, auch nach Eintritt der Arbeitslosigkeit kaum Einbußen in ihrer Lebenszufriedenheit hinnehmen, er führt auch dazu, dass sie in kurzer Zeit (2 – 3 Jahre) wieder zur vollen Höhe ihrer Lebenszufriedenheit gelangen, obwohl sie weiterhin arbeitslos sind.

Und jetzt, da sich die Frage nach dem warum, warum ist das so, geradezu aufdrängt, jetzt ist der Text von Lechner und Leopold zu Ende.

Also ist es wieder an uns, Hypothesen darüber zu bilden, warum häufiger Kirchgang die vorhandene Zufriedenheit von Arbeitslosen steigert.

Was zunächst einfällt, ist natürlich das Matthäus-Evangelium, 6: 26:

“Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?”

Wenn Vögel ohne Arbeit satt werden, dann natürlich Menschen erst recht, denn: “Seid ihr … nicht viel mehr denn” Vögel? Es fehlt hier natürlich die Angabe der unterscheidenden Kriterien, die Menschen zu mehr machen, aber wir nehmen das als Offenbarung Gottes hin und sehen: Kirchgang erhöht die Wahrscheinlichkeit die Grundlagen eines christlichen Sozialstaates vermittelt zu bekommen: “Sorget nicht für euer Leben”, euer himmlischer Vater vertreten durch die anderen Steuerzahler, die sich entgegen dem Rat des “himmlischen Vaters” doch um ihr Leben sorgen, sie ernähren euch doch.

Wenn das nicht zufrieden macht?

Der verlorene SohnUnd nicht genug damit, gibt es doch noch das Gleichnis des verlorenen Sohnes, das ein nicht näher genanntes Mitglied der Redaktion von ScienceFiles schon in ihrer Jugend verärgert hat: Sie kennen das Gleichnis des verlorenen Sohnes, des nichtsnutzigen Sohnes, der sich seinen Erbteil ausbezahlen lässt, ihn durchbringt, dann, abgebrannt bis auf sein letztes Hemd reuig zurückkommt, und von seinem Vater erfreut aufgenommen wird?

Etwa so: “Alles ist vergeben und vergessen. Drehen wir die Uhr zurück, tun so, als sei Dein Erbteil gar nicht ausbezahlt worden und leben ab sofort und üppig von den Früchten der Arbeit Deines Bruders. Der Trottel hat nämlich all die Jahre, die Du gebraucht hast, um Dein Erbe durchzubringen, gearbeitet und die Ressourcen angesammelt, die wir nun, da Du zurück gekehrt bist, fröhlich verbrauchen werden.”

Kein Wunder, dass man als Arbeitsloser durch häufigen Kirchgang mit seinem Leben zufriedener wird, wird doch die christliche Einsicht vermittelt, dass es nichts macht, anderen zur Last zu fallen, im Gegenteil: Es gehört sich so. Der himmlische Vater, der will das so.

Wie immer sind wir für andere Hypothesen offen.

Lechner, Clemens M. & Leopold, Thomas (2015). Religious Attendance Buffers the Impact of Unemployment on Life Satisfaction: Longitudinal Evidence from Germany. Journal for the Scientific Study of Religion 54(1): 166-174.

Reiner Unsinn: Die Deutschen und ihr Problem mit der Wirtschaft

Wirtschaft, Wirtschaft ist schlecht. An Wirtschaft macht man sich besser nicht die Hände schmutzig. Wirtschaft, das sind Bonzen, egoistische Bonzen, multinationale Konzerne, multinationale Umweltverschmutzer, multinationale Arbeiterausnutzer und egoistisch und nutzenmaximierend sind sie obendrein.

Der Staat und seine Funktionäre, die Parteien, die Gewerrkschaften, das sind die Reinen, die Guten, die Gesegneten, die Wohlwollenden, die, die im Auftrag des Wählers unterwegs sind, um Gutes zu tun, um reine und altruistische Werte in der Gesellschaft durchzusetzen, frei von Eigeninteresse und Nebenwirkungen aller Art.

Deutsche BonzenBildung, Bildung, das ist ein reines Gut. Gute, richtige, politisch korrekte Bildung, wie sie z.B. den Funktionären der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft vorschwebt, das ist …, eben gute, reine, wichtige und richtige Bildung, und Forschung natürlich, und damit die Bildung und die Forschung und die Wissenschaft und alle Bildungsinstitutionen gut und rein und pur und unbeschmutzt sind, damit die Schüler, die Lehrer, die Studenten, die Dozenten und Professoren sich der reinen Verkündung reinen Wissens in einer reinen Umgebung, frei von unreinen egoistischen Interessen und Einflussnahmen schmutziger Art, entfalten und vor allem grundsätzlich und wie immer rein und altruistisch und gesellschaftsdienlich forschen können, deshalb muss man die Wirtschaft aus den heiligen Hallen der Bildung fernhalten; Sie ausschließen vom Zugang zu Schulen, Fachhochschulen und Universitäten.

Es droht das Verderben: die Ökonomisierung!

Diese Gefahr haben schon vor geraumer Zeit die GEW und deren Vize Andreas Keller erkannt. Und mutig, im rein-weißen Hemd des Kämpfers für das deutsche Reinheitsgebot der Bildung, ist Keller dem Wolf der Wirtschaft entgegengetreten und hat gefodert: “Ausverkauf von Forschung und Lehre stoppen“.

Alles, was er sonst noch gefordert hat, findet sich heute in einem Beitrag auf Tagesschau.de, in dem eine Sandra Stalin_ski unter der Überschrift “Die Wirtschaft mischt sich ein”, zunächst das Horrorszenario entwickelt, dass Studenten bald an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena keine vedischen Schriften mehr übersetzen können.

Warum?

Wegen der Ökonomisierung. Die Ökonomisierung verlangt nämlich von Hochschulen, dass an ihnen verwendbares Wissen vermittelt wird, dass das Angebot der Hochschulen auf den Bedarf der Gesellschaft, nein, der Wirtschaft ausgerichtet wird, und dort braucht man keine Veden-Übersetzer – das jedenfalls meint Frau Stalinski – und die muss es wissen.

Der gute Staat1,3 Milliarden kommen aus der Wirtschaft an die Hochschulen, so lamentiert Stalinski weiter, was besonders schlimm ist, denn die Hochschulen sind klamm, will heißen: Die Wirtschaft nutzt es schamlos aus, dass die Hochschulen von ihrem öffentlich-rechtlichen Träger an der kurzen Leine gehalten werden, eine Leine, die so kurz ist, dass die Hochschulen klamm sind, korrumpierbar sind und ein gefundenes Fressen für den wirtschaftlichen Wolf, der nur darauf wartet, Beschäftigte an Hochschulen einvernehmen und für seine Interessen einsetzen zu können.

Ganz im Gegensatz zu staatlichen Institutionen, die natürlich ebenso wenig wie Gewerkschaften oder Parteien versuchen, Einfluss auf Hochschulen zu nehmen. Dass Bundesministerien Professuren mit zweifelhafter Denomination und mehr als zweifelhaftem Wert, z.B. die Professur von Heinz-Jürgen Voss für “die nachhaltige Verankerung und die Fortentwicklung der Forschung zum Thema ‘Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Traumatisierung'” an der Fachhochschule Merseburg finanzieren, ganze Studiengänge wie die Gender Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin eingerichtet haben und mit dem Professorinnenprogramm nicht schamlos einen finanziellen Köder vor die Nase der finanziell klammen Hochschulen halten, den die meisten Rektoren nur zu gerne aportieren, das ist natürlich keine Einflussnahme. Es entspringt einem reinen Geist, einem reinen Interesse, reinen Motiven, die direkt aus dem ministerialen Paradies stammen, kurz: es ist reiner Unsinn.

pure nonsenseEbenso reiner Unsinn, wie die nicht vorhandene Einflussnahme von Parteien und Gewerkschaften, die über ihre politischen Vereine Stipendien vergeben, um Kader zu rekrutieren, Steuergelder aufwenden, um Legitimationsforschung zu beauftragen, Professoren rekrutieren, um in einem wissenschaftlichen Beirat einerseits auf Linie getrimmt zu werden, andererseits für die notwendige wissenschaftliche Legitimation der parteipolitischen oder gewerkschaftlichen Agitation unter dem Deckmantel der Bildung zu sorgen.

Das alles ist vollkommen unbedenklich, denn es ist rein und pur und gut und schön und vor allem nicht Wirtschaft.

Wirtschaft dagegen, Wirtschaft ist schlecht, ist böse. Wenn Unternehmen Stiftungsprofessuren einrichten, um auf die Ausbildung an Hochschulen Einfluss zu nehmen und zu verhindern, dass die Absolventen so gar überhaupt keine Ahnung von dem haben, was in Unternehmen gefodert wird, dann ist das egoistisches Selbstinteresse von Unternehmen und nicht zu vergleichen damit, dass die Netzwerker aus politischen Stiftungen und Genderlehrstühlen sich regelmäßig zum Netzwerken am kalten Buffet der Klageveranstaltung treffen, bei der über den Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft lamentiert wird, während das Buffet von Steuerzahlern finanziert ist.

Gleiches gilt für die Unternehmen, die teure Gerätschaften finanzieren und im Gegenzug von Hochschulen erwarten, dass auch Interessen der finanzierenden Unternehmen in den Forschungsgegenstand einfließen. Wie egoistisch und schmutzig, die reine Lehre und Forschung zerstörend diese Unternehmen doch sind.

Ganz anders die Finanzierung von Legitimationsstudien durch öffentlich-rechtliche Institutionen, die bereits durch die Vorgabe der Fragestellung Einfluss auf das Ergebnis nehmen. Natürlich nur, damit die Ergebnisse auch wissenschaftlich rein und richtig und pur und ohne Einflussnahme von außen durch die reinen Mägde der Wissenschaft gewonnen werden können.

Drittmittel an HochschulenDichotome Darstellungen sind der Deutschen Alpha und Omega. Wenn die Welt nicht in Gute und Böse eingeteilt werden kann, dann ist die deutsche Welt nicht in Ordnung. Und weil die Bösen in der Wirtschaft sind, müssen die Guten beim Staat, in Gewerkschaften und in Parteien sein. Eigentlich erstaunlich, dass ein deratiger, reiner Unsinn funktioniert. Aber er tut es.

Sandra Stalinski hat es gerade wieder bewiesen, dass dieser Unsinn funktioniert. “Die Wirtschaft mischt sich ein.” Ja, sowas auch. Die Wirtschaft hat Interessen, eigene Interessen, wirtschaftliche Interessen, egoistische Interessen, pfui. Wie gut, dass es die interesselosen, guten und altruistischen Parteien, Gewerkschaften und staatlichen Institutionen gibt, sonst wäre man als Deutscher den Wölfen aus der Wirtschaft schutzlos ausgeliefert und müsste mit ansehen, wie sie die Hochschulen kapern und das Professorinnenprogramm durch Informatiklehrstühle und Genforschung und Astrophysik-Lehrstühle ersetzen.

Nicht auszudenken.

Extremismus und Depression gehen Hand in Hand

Was motiviert Extremisten?

Das ist eine Frage, die viele interessiert, und es ist eine Frage, die wenig bis gar nicht erforscht wurde. Die Ergebnisse, die in den wenigen Forschungen erzielt wurden, die zu dieser Frage vorliegen, sind nicht eindeutig.

So kommt John M. “Matt” Venhaus auf Basis von 2032 Interviews mit Personen, die sich al-Kaida angeschlossen haben, zu keinen Ergebnissen, die man als aussagekräftig bezeichnen kann: der typische al-Kaida Aktivist, es scheint ihn nicht zu geben.

Al-Kaida Kämpfer sind keine in Armut aufgewachsenen oder sonst wie ökonomisch Deprivierten. Sie rekrutieren sich aus allen gesellschaftlichen Schichten, aus der Unter- wie der Oberschicht, aus reichem wie armem Elternhaus. Sie sind keine religiösen Fundamentalisten und fallen auch ansonsten im täglichen Leben durch nichts weiter auf, außer, dass sie sich al-Kaida angeschlossen haben.

Eine Möglichkeit, diese missliche Lage zu überwinden und Erkenntnisse über diejenigen zu gewinnen, die zu Extremisten werden oder werden könnten, besteht darin, den Weg in den Extremismus als Radikalisierungs-Prozess anzusehen, der über die Sympathie mit Handlungen von Extremisten beschrieben werden kann.

Diese Möglichkeit haben Kamaldeep Bhui, Brian Everitt und Edgar Jones in die Tat umgesetzt. Sie haben die Sympathie die 608 Männer und Frauen für extremistische Handlungen aufbringen, analysiert und sich gefragt, durch welche Determinanten diejenigen ausgezeichnet sind, die ein höheres Niveau an Radikalisierung aufzuweisen hatten.

Zur Messung des Niveaus der Radikalisierung, die über die Sympathie mit extremistischen Handlungen erfolgt, nutzen die Autoren ein eigens entwickeltes Instrument, das aus 16 Aussagen zu extremistischen Handlungen bestehet, die Befragte auf einer Skala von -3 bis +3 ablehnen oder befürworten können, darunter

  • Blockupy1die Teilnahme an nicht-gewalttätigem Protest;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Regierung ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt, um Unrecht, das von der Polizei ausgeht, zu bekämpfen;
  • die Anwendung von Gewalt durch organisierte Gruppen, um die eigene Gruppe zu verteidigen;
  • die Begehung kleinerer Straftaten;
  • überhaupt Gewalt einzusetzen;
  • mIt terroristischen Anschlägen drohen;
  • eine terroristische Vereinigung gründen;
  • (Brand-)Bomben nutzen, um Unrecht zu bekämpfen;
  • Selbstmordanschläge verüben, um Unrecht zu bekämpfen

Die Antworten der Befragten auf die ingesamt 16 Aussagen wurden zu einem summarischen Index zusammengefasst, der in drei Teile: “am meisten ablehnend, unentschieden und am meisten sympathisierend” zerlegt und mit einer Reihe von Variablen, darunter ein generelles Maß für Angst und ein generelles Maß für Symptome einer Depression, korreliert wurde.

Ergebnis: Je mehr die Befragten mit extremistischen Handlungen sympathisierten, desto höher ihre Wahrschenlichkeit, depressiv zu sein und krankhaft ängstlich zu sein. Der Effekt der Depression auf die Symapthie mit extremistischen Handlungen ist größer als der Effekt, der von einer krankhaften Angst ausgeht.

Das Schöne an den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones: Sie sind anschlussfähig.

Will man zum Beispiel die Ausschreitungen von Blockupy anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes der EZB in Frankfurt und die Sympathien, die manche mit den Gewalttätern hatten, erklären, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones liefern einen Anhaltspunkt auf eine mögliche Ursache: Depression.

Will man z.B. die Vorgänge an der Humboldt-Universität in Berlin erklären oder die Akzeptanz, die Straftaten in z.B. genderistischen Kreisen dann erfahren, wenn sie als für die eigene Ideologie nützlich angesehen werden, die Ergebnisse von Bhui, Everitt und Jones, sie liefern einen Anhaltspunkt auf die Ursache: Depression.

Mitglieder extremistischer Vereinigungen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie Andersdenkene verteufeln und bekämpfen, die mit unterschiedlichen Formen extremistischer Handlungen, wie sie oben beschrieben wurden, gegen diejenigen vorgehen, die sie als ihre Gegner ansehen und die Sympathisanten dieser Vereinigungen, sie alle teilen den Ergebnissen von Bhui, Everitt und Jones zufolge eine höhere Wahrscheinlichkeit, depressiv zu sein.

Tajfel. social identityDie Ergebnisse sind durchaus plausibel, wenn man die guten alten Theorien sozialer Identität aus der Sozialpsychologie hinzuzieht, die soziale Identität als Fixpunkt von Individuen sehen, die Entwicklungsleistungen nicht erbracht haben, die es nicht geschafft haben, sich eine personale Identität zu erarbeiten, die mit dem Versuch, ein eigenständiges Individuum zu sein, gescheitert sind und deshalb die Surrogat-Identität einer Gruppe, als Mitglied von Antifa, AStA, von schwarzem Block, Münkler-Watch, von Neonazi-Gruppen oder sonstigen Identitätsstiftern übernehmen.

Was, wenn nicht das Scheitern dabei, sich als eigenständige Person zu begreifen, sollte zu Depressionen führen? Was wäre ein besserer Nährboden für Extremismus als die Depression, die sich einstellt, weil man das nicht geschafft hat, was andere anscheinend spielend geschafft haben: Jemand sein?

Bhui, Kamaldeep, Everitt, Brian & Jones, Edgar (2015). Might Depression, Psychosocial Adversity, and Limited Social Assets Explain Vulnerability to and Resistance against Violent Radicalisation. Plos One.

Das Ende von Münkler-Watch, aber nicht das Ende der mafiösen Strukturen an der HU-Berlin!?

Münkler-Watch, das anonym betriebene Blog von angeblichen Studenten der Humboldt-Universität zu Berlin, der die DDR-Tradition des innoffiziellen Mitarbeiters der Staatssicherheit wiederbelebt und die Überwachung von Herfried Münkler, dem Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte aus dem Schutz der Anonymität mit der Diffamierung und üblen Nachrede verbindet, die man zwischenzeitlich von den linken Genderisten gewohnt ist, dieses Münkler-Watch, seine Tage dürften gezählt sein.

Danisch_FrauenquoteHadmut Danisch sei Dank, denn Hadmut Danisch vertritt die Ansicht, “dass gleiches Recht für alle gelten soll. Und wie ich ja kürzlich bei der SPD gelernt habe: Für jedes Geschlecht. Ich lebe das, gleiches Recht für alle Geschlechter.

Und damit fange ich bei der Impressumspflicht an. Wenn ich als Mann ein Impressum führen muss, dann sollen die das auch müssen. Also habe ich bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Beschwerde eingereicht und heute folgende behördliche Antwort bekommen:

Sehr geehrter Herr Danisch,

Ihre Beschwerde ist bei uns eingegangen. Der Domaininhaber wurde von uns informiert. Für die Anpassung der Anbieterkennzeichnung an die Vorgaben des § 55 RStV haben wir eine Frist bis zum 05. Juni 2015 gesetzt.

Mit freundlichen Grüßen

So sieht’s aus, wenn gleiches Recht für alle Geschlechter gilt.”

So sieht’s also derzeit aus: Entweder Impressum oder kein Münkler-Watch mehr.

Jetzt wird es spannend sein zu sehen, wie die anonymen Diffamierer reagieren, was ihnen wichtiger ist, ihre Stasi-Agenda oder ihre Anonymität.

Damit ist die Geschichte jedoch noch nicht zuende, denn im Anschluss an den Post gibt es noch einen Kommentar von Hadmut, der aufhorchen lässt:

“… in der Presse jammert das Rektorat der HU ja darüber, dass man da nichts machen könnte. Die müssen das aber wissen, denn die habe ich auch schon mal drangekriegt, weil die Professorin Susanne Baer auf politischen Webseiten ohne Impressum agitierte, die von der HU gehostet wurden, aber kein Impressum hatten.”

Mit anderen Worten, die Verantwortlichen an der Humboldt-Universität Berlin haben, obwohl sie eine Handhabe haben, um in diesem Fall Prof. Herfried Münkler vor den Übergriffen durch anonyme Blogger zu schützen, von dieser Handhabe keinen Gebrauch gemacht. Eine eindeutige Wahl zu Gunsten derer, die Stasi-Methoden wieder zur Normalität an der Humboldt-Universität machen wollen.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die Ereignisse der Vergangenheit in einem ganz anderen Licht:

Wenn Jörg Barberowski, Professor an der HU-Berlin mit einem Lehrstuhl für die Geschichte Osteuropas, ein Kenner der Stasi-Methoden, so kann man annehmen, den Verantwortlichen der HU-Berlin, dem Präsidenten und der Pressestelle im Besonderen, vorwirft, sie seien feige, dann scheint Barberowski den Verantwortlichen Angst zu Gute zu halten.

Zuunrecht – wie man vor dem Hintergrund dessen, was Hadmut Danisch geschrieben hat, konstatieren muss, denn es scheint: die Verantwortlichen wollen schlicht nichts gegen anonyme Blogger, die Professoren diffamieren unternehmen. Sie wollen nicht gegen einen Studentenrat vorgehen, der die Vorlesungen von Malte Brinkmann bis zum Einsatz der Polizei gestört hat, weil der Professor für allgemeine Erziehungswissenschaft gegen den Willen der angeblichen Studentenvertreter aus Immanuel Kants Schriften zitiert.

Lann Hornscheidt humboldt umbenennenNiemand in der Universitätsleitung hat anscheinend ein Problem damit, dass andere angebliche Studenten an der HU-Berlin, unterstützt durch Prof. Lann Hornscheidt, die Humboldt-Universität umbenennen wollen und erklären: Alexander und Wilhelm von Humboldt seien rassistische weiße Männer, was kurz vor dem Massenmörder zu kommen scheint, und sie müssten deshalb aus dem Namen der Universität getilgt werden.

Und jetzt erscheint auch die Tatsache, dass die Universitätsleitung sich weigert, Akten darüber herauszugeben, wie es zur Einrichtung des eigens für Susanne Baer an der Humboldt-Universität geschaffenen Lehrstuhl gekommen ist, wie es überhaupt möglich war, Gender Studies an der Humboldt-Universität zu etablieren, ein Vorgang, der nach den Recherchen von Hadmut Danisch jenseits der Grenze der Legalität liegt und seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Berlin begründet.

Schließlich wird auch klar, warum sich niemand daran stört, dass mit Lann Hornscheidt ein Lehrstuhlinhaber der Humboldt-Universität zu Straftaten aufruft.

Humboldt ueber die spracheDie Humboldt-Universität gleicht einem mafiösen Kartenhaus. Entsprechend kann man nicht einfach eine Karte entfernen und z.B. gegen anonyme Blogger, die Professoren diffamieren, vorgehen oder einem Lehrstuhlinhaber mit dienstlichen Konsequenzen drohen, wenn er es nicht unterlässt, seine Studenten zu Straftaten anzuhalten. Denn: nimmt man eine Karte aus dem Kartenhaus, der Rest fällt unweigerlich zusammen, was bedeutet, dass alle Schiebungen und Rechtsbrüche, die man aufgrund dessen, was sich zwischenzeitlich angesammelt hat, einfach annehmen muss, ans Tageslicht kommen, und wenn man etwas scheut im Präsidium der Humboldt-Universität, dann scheint es das Tageslicht zu sein.

Marx aktualisieren: Klassenkampft 2015f

Seit einiger Zeit schon denken wir darüber nach, Karl Marx und seine Theorie des Klassenkampfes zu aktualisieren – schon weil diejenigen, die sich derzeit in den Fußstapfen des Trierers wähnen, der falschen Fährte folgen.

Denn: Der Klassenkampf hat sich entwickelt, findet nicht mehr zwischen Arbeitern und Kapitalisten bzw. Produktivkräften und Inhabern der Produktionsmittel statt. Der Klassenkampf hat eine Tertiarisierung erfahren.

Karl MarxDoch zurück zu den Anfängen im Urkommunismus, in dem, so haben sich Friedrich Engels und Karl Marx erinnert, die Gleichheit der Menschen gegeben war. Warum? Nun, weil kein Mehrwert erwirtschaftet wurde, und wenn kein Mehrwert erwirtschaftet wird, wenn man nur von der Hand in den Mund lebt, so die beiden Paläo-Klassentheoretiker, dann gibt es keine Macht- und keine Herrschaftsstrukturen. Wenn jeder von der Hand in den Mund lebt, dann gibt es nichts, was man sich aneignen kann. Ganz so romantisch, wie der Urkommunismus zuweilen dargestellt wird, scheint die Gestalt, die er in den Gehirnen von Marx und Engels angenommen hat, nicht gewesen zu sein.

Mit dem Mehrwert kommt die Herrschaft und die Macht: Überschussproduktion, so haben Marx und Engels theoretisiert, führe zur Herausbildung von zwei Klassen: eine, die den Überschuss produziert, die Produktivkräfte, und eine, die sich den Überschuss aneignet. Besser, man gehört zur zweiten Gruppe.

Und so hat sich der historische Materialismus, den Marx und Engel hier erdacht haben, über die Jahrhunderte entwickelt, vom Antagonismus zwischen Sklaven und Sklavenhaltern, über den zwischen Feudalherren und Bauern bis zu den Bonzen und den Arbeitern. Und von letzterer Idee sind die Linken noch heute beseelt – ganz so, als habe Karl Marx nicht im 19. Jahrhundert gelebt, ganz so, als beschreibe sein Historischer Materialismus kein Entwicklungsgesetz, ganz so, als sei die Zeit stehen geblieben und mit ihr das Denken der Linken.

Mit anderen Worten: Die Linken hinken der Entwicklung hoffnungslos hinterher. Sie sind veraltet und bedürfen einer dringenden Modernisierung.

Das Entwicklungsgesetz des Historischen Materialismus besagt, dass Produktivkräfte der Motor der Entwicklung sind, dass Umwälzung nur dann stattfindet, wenn die Entfaltung der Produktivkräfte durch die Inhaber der Produktionsmittel behindert wird. Aus diesem Spannungsverhältnis, so hat Karl Marx erwartet, ergebe sich das Ende für den bürgerlichen Kapitalismus und nach einer Phase, in der das Proletariat per Diktatur regiere, gehe die Menschheit ein, in den Garten Eden des Kommunismus, kehre zurück in den Zustand der Gleichheit, der den Urkommunismus ausgezeichnet hat, als man keinen Mehrwert produziert und von der Hand in den Mund gelebt hat.

Nun warten die Linken seit rund 150 Jahren, und was ist passiert?

Nichts!

Und warum? Weil sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben.

Marx hat sich geirrt und Engels sowieso.

Nicht die Diktatur des Proletariats ersetzt den Antagonismus von Arbeitern und Kapital, sondern der Antagonismus der Mehrwertschaffenden und der Mehrwertverbrauchenden.

Insofern kehren wir auch nicht zurück in den Urkommunismus, sondern in eine neue Variante antiker Gesellschaft, in der es eine Klasse von Menschen gibt, die den Mehrwert erwirtschaften, und eine Klasse von Menschen, die den von anderen geschaffenen Mehrwert verbraucht.

Mehrwertschaffende Menschen sind nach wie vor Arbeiter, aber auch Selbständige und Unternehmer. Sie erwirtschaften Lohn, Einkommen und Umsatz durch die Herstellung von Produktivgütern.

Mehrwertverbrauchende Menschen sind all diejenigen, die vom Lohn, Einkommen oder Umsatz der mehrwerterschaffenden Menschen leben ohne selbst (nennenswert) zur Schaffung von Mehrwert beizutragen.

Darunter:

  • Professional spongerDie Gruppe der Politiker, die sich dafür bezahlen lässt, dass sie den Mehrwertschaffenden vorgaukelt, in deren Interesse zu handeln.
  • Die Gruppe der Funktionäre, die nicht nur den von anderen geschaffenen Mehrwert verbrauchen, sondern dafür sorgen, dass der Anteil des Mehrwerts, der den Mehrwertschaffenden zukommt, kontrolliert wird. Sie tun dies z.B. dadurch, dass sie kollektive Lohnverhandlungen führen und individuelle Mehrwertschaffende daran hindern, einen ihren Fähigkeiten angemessenen Preis für ihre Arbeitskraft zu erhalten. Sie tun dies dadurch, dass sie die über kollektive Lohnverhandlungen die Anzahl der Mehrwertschaffenden, die in Arbeitslosigkeit geparkt werden, künstlich hochhalten, um auf diese Weise ein Druckmittel gegenüber den Mehrwertschaffenden in Arbeit zu gewinnen.
  • Die Gruppe der Aktivisten, die von anderen geschaffenen Mehrwert dafür verbrauchen, dass sie gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen, dass sie Arbeiter gegen Unternehmer aufhetzen, Männer gegen Frauen, Alte gegen Jungen, Kranke gegen Gesunde, Dicke gegen Dünne, der Möglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt.
  • Die Gruppe der Lebens-Berater, die von anderen geschaffenen Mehrwert dadurch verbrauchen, dass sie Entscheidungen für Dritte treffen, diese Dritten entmündigen, z.B. indem Sie deren Zugang zu Drogen begrenzen, den Preis von Konsumgütern mit Steuern erhöhen, weil sie der Ansicht sind, die entsprechenden Konsumgüter seien für andere schädlich usw.
  • Die Gruppe der schlichten Nutznießer, die einfach nur durch andere geschaffenen Mehrwert verbrauchen. Sie entspricht der von Marx als Lumpenproletariat bezeichneten Gruppe findet sich heute aber vornehmlich unter den Transferexistenzen der Mittelschicht.

All die Genannten leben von dem, was die Mehrwertschaffenden erwirtschaften. All die Genannten versuchen auf die eine oder andere Weise, durch Gesetze, durch Tarifvereinbarungen, durch Vorschriften zum richtigen Leben, durch Transferverpflichtungen für die Mehrwertschaffenden, Letztere zu kontrollieren, wobei die Kontrolle dazu dient, die Mehrwertschaffenden auch weiterhin ausnutzen zu können.

Dabei spielt, wie immer im Marxismus, das Bewusstsein eine entscheidende Rolle. Marxismus gehört in das Lager des Hegelschen Materialismus und entsprechend wird dem Sein eine bewustseinschaffende Funktion zugewiesen.

Nun ist im modernen Marxismus nicht das Bewusstsein der Produktivkräfte, nicht das Bewusstsein der Mehrwertschaffenden fehlerhaft, sondern das Bewusstsein der Mehrwertverbrauchenden. Ihre materielle Existenz vermittelt ihnen das Bewusstsein, dass man auch ohne einen Mehrwert zu schaffen, ohne produktiv zu sein, ein sorgenfreies und üppiges Leben führen kann. Da sie im Gegensatz zu den malochenden Mehrwertschaffenden, nicht malochen müssen, hat sich bei Ihnen ein Bewusstsein von Überlegenheit eingestellt, d.h. die Ansicht, sie seien den Mehrwertschaffenen überlegen, könnten für diese Entscheiden, z.B. darüber, wie viel ihres Lohns, Einkommens oder Umsatzes sie an die Mehrwertverbraucher abzugeben haben.

Dabei merken die Mehrwertverbraucher nicht, dass sie am eigenen Ast sägen, da Ressourcen endlich sind, d.h. man die Mehrwertschaffenden nicht endlos belasten kann. Anders formuliert: Der Weg zurück in die Sklavengesellschaft der Antike ist nur bedingt möglich.

Folglich ist es im aktuellen Klassenkampf, die Aufgabe der Mehrwertschaffenden, den Mehrwertverbrauchenden das richtige Bewusstsein zu verschaffen, z.B. durch Formen des passiven Widerstands, Formen der Abgabe- bzw. Steuerverweigerung oder Formen der Verweigerung von Unterhalt und Transferzahlungen.

Im Gegensatz zu früheren Klassenkämpfen haben die Mehrwertschaffenden alle Trümpfe auf ihrer Seite, denn: Sie verfügen über Produktivkräfte und Produktionsmittel, die Mehrwertverbrauchenden verfügen bestenfalls über gesellschaftliche Positionen, die vielleicht auch mit Macht einhergehen, aber letztlich austrocknen bzw. absterben, wenn Mehrwertschaffende sie nicht mehr finanzieren.

©ScienceFiles, 2015

Kuddelmuddel der Geschlechter: Wikipedia hat Probleme mit Lann Hornscheidt

Nicht nur an der Humboldt-Universität zu Berlin hat man Probleme mit Lann Hornscheidt – auch bei Wikipedia.

Ja, bei Wikipedia!

Denn: Bei Wikipedia da hat alles seine Ordnung, seine Geschlechterordnung, und deshalb gibt es ein Problem mit dem Beitrag über Lann Hornscheidt:

Lann Hornscheidt (Kategorie:Mann oder Kategorie:Frau fehlt)”

Das ist jetzt dumm, für das Lann Hornscheidt, das doch weder das eine noch das andere sein will, sondern ein X, ein Lanx oder ein Profx oder ein Fraux oder ein Manx…

Wikipedia Lann Hornscheidt

Wikipedia Arbeitsliste – Personendatenwartung

Was also tun?

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Kategoriensystem erweitern oder
  • Kategoriensystem wegwerfen.

Prinzipiell, so schlägt einer derjenigen vor, die sich in der Diskussion um das Geschlecht von Lann Hornscheidt auf Wikipedia engagieren, und was gibt es schon wichtigeres als über das Geschlecht von Lann Hornscheidt zu diskutieren, sei es möglich, Lann Hornscheidt als intersexuell zu kategorisieren.

Intersexuell liegt, wie der Begriff schon sagt, in der Mitte zwischen männlich und weiblich, vielleicht auch nicht, vielleicht auch näher bei männlich oder bei weiblich. Wer weiß. Wo auf auf der Geschlechtsstrecke das Intersexuelle zu verorten ist, ist auch wurscht, denn wichtig ist nur: Die Verortung macht nur mit Bezug auf die Referenzgrößen männlich und weiblich Sinn. Der Dichotomie des Geschlechts, ihr ist nicht zu entkommen, nicht durch die Bezeichnung “intersexuell”.

Was also tun?

Gehen wir von Lann Hornscheidts Wunsch, als X angesprochen zu werden, aus, denn Hornscheidt will weder männlich noch weiblich sein, und des Menschen Wille ist ja bekanntlich sein Himmelreich, und zwar in- und außerhalb der Irrenanstalt.

Warum nicht neben männlich und weiblich sächlich als Kategorie einführen? Schließlich ist sächlich das dritte grammatische Geschlecht der deutschen Sprache, und wer weder männlich noch weiblich sein will, der ist dann eben sächlich: Das Lann Hornscheidt. Die Versachlichung von Lann Hornscheidt hat Vorteile, kann das Lann auf diese Weise doch der Vermaterialisierung als Geschlechtsträger entgehen.

Wikipedia Lann Hornscheidt Diskussion

Diskussion über das Geschlecht von Lann auf Wikipedia

Eine etwas radikalere Lösung greift auf die Einsicht zurück, die Jean Paul Satre hatte, als er von l’Etre et le Néant geschrieben hat, dem Sein und dem Nichts. Wer nicht geschlechtlich sein will, der wäre entsprechend nichts, was auch dem Lannschen Wunsch entgegenkommt, doch mit “X” bezeichnet zu werden. X ist in der Mathematik zwar ein Platzhalter für ein Etwas, aber – eingedenkt der Tatsache, dass Genderisten nach wie vor mit Mathematik ein Problem haben – schlagen wir dennoch vor, das X für Nichts zu setzen und Lann Hornscheidt in die eigens geschaffene Kategorie der Nichtse einzuordnen.

Ob die entsprechenden Vorschläge bei Wikipedia aufgegriffen werden, wir werden es sehen.

Man kann natürlich auch die Fixierung auf Geschlechtsteile vollständig aufgeben und die Einordnung von Personen als Mann oder Frau komplett streichen, zumal sich die Frage stellt, wofür die entsprechende Einordnung überhaupt relevant sein soll.

Aber, wir leben in seltsamen Zeiten, und eine Grundaussage des Genderismus lautet ja, dass das Geschlecht essentiell für alles ist, selbst das Denken wird vom Geschlecht beeinflusst, so behaupten einige schwärmerische Genderisten. Entsprechend wird man sich besonders in Deutschland und ganz besonders bei Wikipedia schwer damit tun, die entsprechende Kategorie einfach zu streichen.

Denn: Wo kämen wir hin, wenn Geschlecht nicht mehr erfasst würde, wenn man Artikel über Albert Einstein ohne den erhellenden Hinweis, die erhellende Kategorisierung lesen könnte, dass Einstein männlich war? Oder Jane Austen weiblich? Oder Lann Hornscheidt nichts (davon)?

Gehaltserhöhung für Parteien: 159,2 Millionen aus Steuermitteln

Einen Gehaltszuwachs von 1,6% im Vergleich zu 2014 können die Parteien in diesem Jahr feiern.

The Snout in the Trough

The Snout in the Trough

Nach einer “Unterrichtung durch den Präsidenten des Deutschen Bundestages” steigt die “absolute Obergrenze” der Parteienfinanzierung im Jahr 2015 auf 159.245.400 Euro an, 1,6% mehr als im Jahr 2014. Die “absolute Obergrenze” der Steuermittel, die für Parteienfinanzierung jährlich eingesetzt werden dürfen, eine “absolute Obergrenze”, die wie durch Zauberhand jedes Jahr voll ausgeschöpft und somit immer erreicht wird, sie ist keine “absolute”, sondern eine relative Obergrenze, die jedes Jahr um den sogenannten “Parteien-Index” automatisch ansteigt.

Der Parteien-Index wiederum, ist im Paragraphen 18 Abs. 2 des Parteiengesetzes geregelt: Er setzt sich zu 70% aus dem allgemeinen Preisindex und zu 30% aus den Gehaltssteigerungen für Angestellte bei Gebietskörperschaften zusammen. Egal, ob die kommunalen Angestellten mehr Gehalt erhalten, egal, ob der Verbraucherpreisindex steigt, weil die Mieten oder die Stromkosten gestiegen sind, die Parteien profitieren immer, über den Parteien-Index, der ihnen in jedem Fall mehr Einnahmen verspricht. Und wer hat das schon, mehr Einnahmen – egal, ob die Preise oder ob die Gehälter steigen?

Die entsprechende Regelung ist clever und sichert Parteien jährliche Einnahmesteigerungen in Millionenhöhe zu. Entsprechend hat sich die “absolute Obergrenze” von 150,8 Millionen Euro im Jahre 2012 auf 159,2 Millionen Euro im Jahre 2015 erhöht, und zwar absolut. 5,6% Gehaltssteigerung in nur 4 Jahren, nicht schlecht wenn man bedenkt, dass es derzeit kurz vor negativen Zinsen für Erspartes gibt.

Aber den deutschen sind die hervorragenden Politiker der Bundesparteien, deren Kompetenz weit über die Grenzen Europas hinaus bekannt ist, viel, sehr viel wert, so viel wie sonst keinem Völkchen auf dieser Erde.