Was war 2014?

Demoskopen und Meinungsforscher behaupten regelmäßig, sie würden sich für die Meinung derjenigen interessieren, die sie befragen. Allensbach, Emnid, Infas, die Europäische Kommission über ihren Eurobarometer, sie alle behaupten, die Meinung von Bürgern zu erfragen, und sie alle tun es in der Regel mit geschlossenen Fragen.

Schnell hill esserDie quantitative empirische Sozialforschung unterscheidet Fragen grob in offene und geschlossene Fragen. Offene Fragen geben im Gegensatz zu geschlossenen Fragen keine Antworten vor. Beide Arten, zu fragen, haben ihre Vor- und Nachteile. Die wichtigsten Nachteile, die sich mit geschlossenen Fragen verbinden, lassen sich an einem Beispiel deutlich machen:

Was war für Sie das wichtigste Ereignis im Jahre 2014?

  • Die Bundestagswahl
  • Ebola
  • Die NSA-Affäre um Edward Snowden
  • Mein Geburtstag

Die Ereigniswelt des Jahres 2014 ist durch die Vorgaben doch massiv eingeschränkt, was deutsche Medien bei einem entsprechenden Ergebnis sicher nicht daran hindern würde, entrüstet zu vermelden: Der eigene Geburtstag war für viele im Jahr 2014 wichtiger als Edward Snowden.

Der Nachteil geschlossener Fragen besteht demnach in der Vorgabe der Antworten. Das ist dann, wenn man eine theoretische Annahme prüfen will, kein Problem (weil man klare Vorstellungen darüber hat, was an Antworten kommt und diese Vorstellungen prüfen will), wird aber schnell zum Problem, wenn man einfach nur Informationshierarchien, wie im vorliegenden Fall erfragen will. Dann werden die entsprechenden Befragungen schnell und leicht zur kleinen Manipulation, die bereits durch die Auswahl der Vorgaben Antwortmöglichkeiten aussortiert, die dem Auftraggeber der Befragung vielleicht nicht so angenehm sind oder die er nicht gerne als wichtig identifziert sehen will.

Eine offene Frage vermeidet diese Probleme, denn sie überlässt es den Befragten, welche Ereignisse sie für das Jahr 2014 als wichtig angeben. Eine Studie der Universität Hohenheim ist diesen Weg gegangen, um die Top-10 Medienthemen des Jahres 2014 zu erfragen. Im Zeitraum vom 17. bis 21. November wurden 1.006 Bürger befragt: “Wenn Sie nun an die aktuellen Themen in den Medien denken: Welches Thema hat Sie in diesem Jahr persönlich am meisten beschäftigt bzw. beschäftigt Sie am meisten?”

Man kann darüber streiten, ob der Stimulus “aktuelles Thema” bei einer Frage, die ein ganzes Jahr in Betracht ziehen will, ein Faux Pas ist und vermutlich ist er es, dessen ungeachtet, haben die Befragten die folgende Themenhierarchie angegeben:

topthemen2014

Die vier Topthemen sind demnach alle außenpolitische Themen, die mit Krieg und Seuche zu tun haben. Innenpolitische Themen wie Migration und Wirtschaftspolitik landen weit abgeschlagen auf den Plätzen fünf und sechs, die Fussball-Weltmeisterschaft, die wirtschaftliche Lage und die Eurokrise haben im November weitgehend an Unterhaltungswert eingebüßt und die NSA-Affäre ist kaum jemandem im Erinnerung geblieben.

Dies verweist auf ein Problem teilweise retrospektiver offener Befragungen, und dieses Problem kann auf die Begriffe “Salience” und “Erinnerung” gebracht werden. Salience beschreibt das, was einem gerade besonders präsent ist: Wenn jemand einen Anruf von einem Umfrageinstitut erhält, nachdem er gerade die Tagesschau und darin den Bericht aus der Ukraine gesehen hat, und er wird gefragt, welches in den Medien transportierte Thema ihn 2014 am meisten beschäftigt hat, dann wird er ziemlich sicher mit “Ukraine” oder “Krieg in der Ukraine” antworten. Mit anderen Worten, er wird nicht antworten, was ihn 2014 am meisten beschäftigt hat, sondern was ihn derzeit am meisten beschäftigt.

Entsprechend erhält man mit offenen Fragen eine aktuelle Momentaufnahme, aber mit Sicherheit keinen Überblick über die Themen, die Deutsche im Jahr 2014 am meisten beschäftigt haben. Das verhindert schon die Erinnerung oder besser: die Nicht-Erinnerung, denn: Wer erinnert sich im November daran, dass im Februar die Berichterstattung über die Snowden-Leaks die NSA-Affäre angestoßen hat? Wer daran, dass im Februar der ehemalige Bundespräsident Wulff freigesprochen wurde? Wer außer ein paar Kölnern erinnert sich daran, dass im Mai der 1. FC Köln in die Bundesliga aufgestiegen ist und Europawahlen stattgefunden haben? Ja Europawahlen – das sind die Wahlen, bei denen unbrauchbare nationale Politiker auf hochbezahlte Stellen in Straßburg abgeschoben werden.

Entsprechend sind die Ergebnisse aus Hohenheim ein recht guter Überblick darüber, was die 1006 Befragten Ende November bewegt hat, aber sicher kein Überblick über das, was Deutsche im Jahr 2014 bewegt hat. Insofern die Hohenheimer behaupten, sie hätten das erhoben, was Deutsche, also 1006 von ihnen, als “Top-Thema des Jahres 2014″ benannt haben, ist die entsprechende Behauptung wieder einmal ein Beispiel dafür, wie weit Behauptung und Wirklichkeit auseinander liegen können.

 

“Au weia, Herr Professor” – Noch ein Opfer des Idiotentests

Wissenschaftler, so die Sage, sind der Welt entrückte Personen, die die körperliche Hygiene zu Gunsten dessen, was sie wissen wollen, zurückstellen. Man kennt sie als verhutzelte Männleins, die hinter einem Tisch stehen, auf dem wiederum die unterschiedlichsten Apparaturen mit dampfenden Flüssigkeiten in allen möglichen Farben angeordnet sind. Und ab und zu verpufft etwas und stellt den Kontakt zwischen Wissenschaftler und Welt her. Das sind Naturwissenschaftler.

mad professorSozialwissenschafter leben in einem verbalen Elfenbeinturm, in dem sie sich hinter ihren sprachlichen Konstruktionen verschanzen und nur wenig bis gar nichts aus der Außenwelt an sich heranlassen. Ihre Abgeschiedenheit bezahlen sie damit, dass sie wenig bis nichts mitbekommen, von Entwicklungen in dem, was andere als soziale Netzwerke bezeichnen, nichts wissen, schon weil sie nicht wissen, was soziale Netzwerke sind. Und wenn sich zuweilen einer von ihnen ans Licht der Welt traut, um seine tiefen Erkenntnisse zu einem aktuellen Thema mitzuteilen, dann gibt es regelmäßig ein Fiasko.

Wie zum Beispiel bei Prof. Dr. Alexander Dilger.

Prof. Dr Alexander Dilger ist Professor und Direktor am Institut für Organisationsökonomik der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster und ab und an schreibt er für die Freie Welt oder auf seinem eigenen blog.

Das hätte er dieses Mal besser gelassen.

Denn er schreibt über den Darwin-Award.

Er schreibt über die angebliche Studie, die im British Medical Journal veröffentlicht wurde. Die Studie, die bislang als Idiotentest für Journalisten knapp 20.000 Lesern bekannt ist, denn die Studie ist ein Fake, ein Witz, den sich Wissenschaftler erlaubt haben, denen die Geschlechterbesessenheit moderner Gesellschaften, das zwanghafte Auszählen nach Männlein und Weiblein massiv auf die Nerven geht.

Kaum jemand weiß nicht, dass diese angebliche Studie ein Witz ist. Journalisten, die darauf hereingefallen sind, geben vor, von einer Studie, die belegen soll, dass Männer Idioten sind, nichts zu wissen, nie davon gehört zu haben. Die Studie hat mittlerweile den Status einer heißen Kartoffel, die niemand mehr anfassen mag.

Niemand? Nein, nicht niemand. Prof. Dr. Alexander Dilger hat sich mutig der Kartoffel angenommen und sich gehörig die Hände verbrannt.

Nachdem er seine Leser über den Darwin Award, jenen Zögling von Studenten aus Berkeley und Stanford informiert hat, den er bis vor kurzem vermutlich selbst nicht kannte, schreibt er folgendes:

“Dabei stellt sich heraus, dass viel mehr Männer als Frauen diesen Preis gewinnen. Die angebotene Erklärung über die ‘male idiot theory (MIT)’, wonach Männer Idioten sind, finde ich jedoch nicht so richtig überzeugend. Ableiten lässt sich hingegen, dass Idioten überwiegend Männer sind.”

Die phänomenale Male Idiot Theory von McPherson

Die phänomenale Male Idiot Theory von McPherson

Man kann sich die tiefe Falte auf der professoralen Stirn richtig vorstellen, während das dahinter liegende Gehirn prozessiert, dass die Kartoons von James McPherson, von dem die angebliche Male Idiot Theory stammt, “nicht so richtig überzeugend” sind. Und dem professoralen Zweifel folgt der konstruktive Teil: Man könne ableiten, dass Idioten überwiegend Männer sind.

roflHa! – kann man da nur sagen und nachdem man sich die Tränen aus den Augen gewischt hat feststellen, dass um diese Ableitung zu treffen, eine Vollerhebung aller Idioten notwendig wäre, was es erforderlich machen würde, ein Kriterium für “Idiot” aufzustellen, also z.B. zu sagen, dass Idioten alle diejenigen sind, die es nicht merken, wenn sie veralbert werden – oder so.

Aber damit nicht genug. Unser Professor sucht tatsächlich eine Erklärung für das Ergebnis einer Auszählung, die britische Wissenschaftler aus Spass und auf Grundlage einer willkürlichen und nicht ganz ernst gemeinten Zusammenstellung von Personen, die es geschafft haben, sich auf mehr oder weniger dämliche Weise selbst aus dem Genpool zu entfernen, vorgenommen haben:

Rofl2Dafür gibt es jedoch eine plausiblere Erklärung, nämlich die ungleiche Intelligenzverteilung von Frauen und Männern bei gleicher Durchschnittsintelligenz (siehe die zweite Abbildung in diesem Artikel, den zuerst Herr Vorländer in der Diskussion zu ‘Starre Frauenquote kommt’ verlinkte). Demnach gibt es unter den Männern mehr Idioten, aber auch mehr Höchstbegabte und Genies.”

Das begründet unser Professor mit einer evolutionären Theorie, die selbst die Kartoons von James McPherson in den Schatten stellt: Frauen können nur eine relativ kleine Anzahl von Kindern bekommen, deshalb sind sie geistig im Mittelfeld angesiedelt, Männer können fast beliebig viele Kinder oder gar keine zeugen, deshalb sind sie entweder Deppen oder Genies.

Wenn Sie demnächst im Supermarkt einen desorientierten Menschen dabei beobachten, dass er evolutionäre Gründe für das geschlechtsspezifische Einkaufsverhalten von verdummenden Frauenzeitschriften anführt – melden Sie ihn bei uns, damit wir ihn in seinen Elfenbeinturm zurückverfrachten und ihm jeglichen Kontakt mit der Außenwelt abschneiden können.

Wahl zum “Blog-Teufelchen Wissenschaftskritik”

Die Wahl zum Wissenschaftsblog des Jahres findet dieses Jahr in zwei Abteilungen statt – Mainstream und nicht-Mainstream oder wie auch immer, denn nachvollziehbar ist die Vorauswahl, die Reiner Korbmann getroffen hat, nicht. Aber durch die Trennung wissen wir doch zumindest eines: Es gibt Wissenschaftsblogs und es gibt kritische Wissenschaftsblogs, und da wir zu letzteren gezählt werden, zu den

“populärsten, besten, interessantesten Blogs der „Wissenschaftskritik“, also Blogs, die als Thema die kritische Auseinandersetzung mit dem Wissenschaftssystem gewählt haben, die sich nicht um Schulwissenschaft drehen, die sich ideologisch oder sachlich mit dem auseinandersetzen, was wir normalerweise als Wissenschaft bezeichnen, oder aber, die sich aus Sicht der Wissenschaft wiederum mit dieser Kritik befassen.”

haben wir daran nichts auszusetzen.

Wenngleich die Verniedlichung ärgerlich ist und die Benennung eher wenig intellektuell dafür ziemlich bescheuert wirkt. Aber: geschenkten Gäulen schaut man nicht in die Mäuler, und schließlich spricht es für unser Konzept, dass wir uns vom Mainstream so deutlich unterscheiden, dass man es nicht übersehen kann (und natürlich haben wir im letzten Jahr so zugelegt, dass die Gefahr besteht, wir werden Wissenschaftsblog des Jahres, und was bedeutet das dann für all die institutionalisierten Blogs?).

drehung_logo_wissenschaftskritik03_kleinWir rufen somit unsere Leser auf, uns zum besten Blog der Wissenschaftskritik zu wählen.

Warum?

Nun, damit wir die Wahl gewinnen und eine Badge für die Widget-Leiste haben; Damit wir in Diskussionen ein nettes ad auctoritatem einwerfen können etwa: “Was willst Du eigentlich? Wir sind Wissenschaftskritik-Blog Nr. 1 und was bist DU? Eben!” Damit wir unseren für 2025 geplanten Börsengang entsprechend vorbereiten können,  und natürlich und altruistisch wie wir sind: Damit bei “Wissenschaft-Kommuniziert” endlich einmal etwas los ist und die Zugriffs-Statistik ungeahnte Höhen erreicht.

Also, Liebe ScienceFiles-Leser: Sie sind gefordert.

Wählen Sie uns zum “Blog-Teufelchen Wissenschaftkritik”.  Einfach auf der Seite scrollen bis zu: Die Wahl des “Blog-Teufelchens Wissenschaftskritik 2014″ und bei Kritische Wissenschaft – critical science ein Häkchen machen!

Wir hätten aber gerne ein anderes Bild, nicht so ein mickriges Teufelchen, mehr etwas in der Art:

Diablo III

Pseudo-Diskussionen: Geheuchelte Bürgerbeteiligung und opportunistische Schubser

Das Markenzeichen einer Diskussion über ein Thema besteht darin, dass zu Beginn der Diskussion nicht feststeht, was das Ergebnis der Diskussion sein wird. Deshalb ist eine Diskussion ein Austausch von Argumenten mit dem Ziel, das beste Argument, das am besten belegte Argument, das am besten mit Fakten belegte Argument zu finden und sich auf dieses Argument zu einigen.

discussionPseudo-Diskussionen sind Diskussionen, deren Ergebnis bereits im Vorfeld feststeht. Pseudo-Diskussionen sind inszenierte Diskussionen, mit denen den Adressaten das Gefühl gegeben werden soll, sie hätten etwas mit zu entscheiden. Pseudo-Diskussionen sind Formen der Persuasion, die eingesetzt werden, um durchzusetzen, was man sowieso beabsichtigt hat, dabei aber so zu tun, als wären Dritte an der Entscheidungsfindung beteiligt worden. Pseudo-Diskussionen werden immer häufiger Bestandteil der öffentlichen Inszenierung von Demokratie, wenn es z.B. darum geht, Anwohnern das Gefühlt zu geben, sie wären an der längst getroffenen Entscheidung, Windräder an die Stelle von Wald zu setzen, in irgend einer Weise beteiligt worden.

“Nudging: Die Kunst der Entscheidungshilfe, so lautet der Titel einer Veranstaltung, die das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz gerade durchgeführt hat. Dabei ging es um:

[d]ie Idee des „Nudgings“ und die Frage, ob das Konzept des kleinen „Schubsers“ in die vermeintlich richtige Richtung auch in der deutschen Verbraucherpolitik Erfolg haben kann…”.

Spannend ist hier das “vermeintlich”, das dem Autor der Pressemeldung in den Text gerutscht ist. Bei dieser Pseudo-Diskussion sollten die folgenden Fragen beantwortet werden, und zwar von dem Pseudo-Wissenschaftler und Handelsreisenden in Sachen Nudging Cass Sunstein und Heiko Maas, der scheinbar seine Märchenwoche noch nicht abgeschlossen hat:

“Ist Nudging nicht undemokratisch? Warum tut sich Deutschland so schwer mit Nudging? Wann eignen sich Nudges besonders gut? Wie unterscheidet man gute von schlechten Nudges?”

no discussionAngeblich wird also darüber diskutiert, ob die “Kunst der Entscheidungshilfe”, ein unglaublicher Euphemismus, undemokratisch ist, was eigentlich keine Frage ist, denn Deutschland tut sich “schwer mit Nudging”, wobei sich “Nudges” doch besonder gut eignen und man sogar “gute von schlechten Nudges” unterscheiden kann.

Glaubt wirklich jemand, hier würde grundsätzlich über die Frage, ob ge-nudged werden soll/darf oder nicht, diskutiert?

Zunächst zum Nudging:

Nudging fusst auf einem grundsätzlichen Missverständnis. In den 1970er Jahren haben Amos Tversky und Daniel Kahneman gezeigt, dass das tatsächliche Verhalten von Menschen von den Modellannahmen eines rationalen Akteurs abweicht. Im Modell das rationalen Akteurs wird angenommen, dass immer die Handlungsalternative gewählt wird, die unter gegebenen Bedingungen mit dem größten Nutzen verbunden ist – wobei die Alternative erreichbar sein muss und gegen anderen Alternativen abgewogen worden sein muss.

Die meisten Menschen machen das nicht. Das ist nichts Neues, war auch nichts Neues, als Tversky und Kahneman ihre Studie veröffentlicht haben. Max Weber hat schon Anfang des 20. Jahrhunderts darauf verwiesen, dass nur die wenigsten Handlungen zweckrational sind. Tversky und Kahneman haben nun zum ersten Mal gezeigt, dass die Handlungen, die Menschen wie Sie oder wir in bestimmten Situationen ausführen, sehr stark vom Modell des objektiv rationalen Akteurs abweichen.

Das “objektiv” ist hier der entscheidende Punkt: Es bezieht sich auf die rationale Entscheidung, die ein informierter und der rationalen Entscheidung kundiger Beobachter getroffen hätte, einer wie Cass Sunstein versteht sich. Wenn Sie also die Wahl haben, zwischen Gammelfleisch und vegetarischer Kost, dann erwartet ein objektiver Beobachter, dass Sie vegetarische Kost zu sich nehmen. Wenn Sie die Wahl haben zwischen einem überteuerten Designerhemd und einem identischen, aber deutlich billigeren Noname-Hemd, dann erwartet ein objektiver Beobachter, dass Sie das billige Noname-Hemd kaufen.

Und genau das tun viele nicht – weil sie, aus Sicht des objektiven Beobachters falsche Heuristiken benutzen, um sich im täglichen Leben zurecht zu finden. Und das will Cass Sunstein ändern. Durch: Nudgen, Schubsen in Deutsch. Und damit hat er die Herzen der Politiker, die ihre Aufgabe darin sehen, die dummen Wähler, denen sie ihr Amt verdanken, zu erziehen, im Sturm erobert.

Nudgen für den guten Zweck wird bereits als “Kunst der Entscheidungshilfe” verkauft, die Sie oder uns in die richtige, die wie es im Text so verräterisch heißt “gute” Richtung schubsen soll. Dumm an Begriffen wie “gut” ist, dass das, was gut sein soll, bestimmt werden muss, was voraussetzt, dass ein gutes Endziel bestimmt wird, auf das hin Gutes getan werden soll.

In einer Demokratie würde man eigentlich erwarten, dass eine Diskussion darüber stattfindet, was als “gut” gelten soll. Im Zeitalter des Schubsens tritt an die Stelle der Diskussion das Dekret der Politiker, die vorgeben, was als gut zu gelten hat.

Nehmen wir z.B. Organspende. Organspende ist gut. Warum? Weil Organspende gelebte Solidarität ist, wie ein deutscher Minister einmal festgestellt hat, obwohl Organspende in der Regel post-hume Solidarität ist. Es ist eine Solidarität, die einen altruistischen Spender vorsieht, einen dankbaren Empfänger und dazwischen eine große Zahl von Personen, die mit dem Organhandel, dem Ausweiden von Spendern und dem Einsetzen von Recycling-Ware in Aufnehmer, viel, sehr viel Geld verdienen – natürlich im Dienste der Nächsten und auf Grundlagen eigener Solidarität – nicht, um die eigene Villa zu finanzieren.

Nehmen wir weiter an, Manche Deutsche wollen einfach nicht einsehen, dass Organspende “gut” ist, dass es gut ist, seine Niere zu geben, seine Leber, seine Augen, was immer verwendbar ist….

Wenn manche Deutsche also widerspenstig sind und einfach nichts Gutes tun wollen mit ihren Organen, dann muss man sie schubsen, in dem man die Organspende obligatorisch macht und nur denen erlaubt, keine Organe zu spenden, die dies explizit und im Beisein eines Vasallen des Staates erklären. Und schon hat man viele Menschen glücklich gemacht und viele in die richtige, die gute Richtung geschubst.

Die Möglichkeiten, die sich für Politiker durch das Schubsen zum Guten auftun, sind immens: Fehlverhalten, also solche, die von Politikern als nicht gut befunden werden (dazu gehören nachweislich keine Kinderpornos auf Dienstcomputern), werden durch Schubsen in die richtige Richtung korrigiert, was in der Regel eine Verteuerung bedeuten wird: (noch höhere) Steuern auf Zucker, Steuern auf Alkohol, Steuern auf Tabak, Steuern auf Nichtbewegung, obligatorische Bewegungskurse, morgens um 8 auf dem Dorfplatz, weil Bewegung gesund ist und viele sich einfach nicht genug bewegen wollen, obligatorische Teilnahme an “Feminismus ist gut”-Veranstaltungen, weil Feminismus gut ist und es immer noch welche gibt, die das nicht einsehen wollen und und und.

Schubsen in den Totalitarismus, so lange, bis die Herumgeschubsten gar nicht mehr wissen, was eine unabhängige, eine autonome Existenz ist.

Doch zurück zur angeblichen Diskussion im Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Warum handelt es sich dabei um eine Pseudo-Diskussion? Die Frage ist einfach zu beantworten, und zwar durch Verweis auf eine der Fragen, die durch Heiko Maas und Cass Sunstein vom Tisch gewischt werden sollen: “Ist Nudging nicht undemokratisch?” Schon die Art, die Frage zu stellen, ist verräterisch: Da gibt es tatsächlich welche, die nicht auf der Höhe der Zeit sind, ewiggestrige Rechte, die denken, Nudging sei undemokratisch. Kann man so blöd sein?

Die erste Frage die sich aufdrängt ist: Wer schubst wen?

Offensichtlich sind Politiker der Meinung, sie schubsen ihre Bevölkerung. War es in Demokratien nicht umgekehrt, waren nicht die Wähler die Souveräne und die Politiker die Repräsentanten? Wie können Politiker dann Wähler schubsen wollen?

Stellen wir uns vor, Karl T. raucht und ist überzeugter Misanthrop, Organspende kommt für ihn nicht in Frage und nichtrauchen auch nicht. Haben Politiker das Recht, ihn nun in Richtung Organspende zu schubsen und zum Nichtraucher zu konvertieren? Oder ist seine Wahl zu respektieren? Offensichtlich sieht eine Demokratie vor, die Wahl von Individuen zu akzeptieren. Die Selbstbestimmung ist ein zentraler Wert in Demokratien, Schubsen ist nicht mit Selbstbestimmung zu vereinbaren.

Schließlich: Was ist der Endzustand, der mit dem “guten Schubsen” erreicht werden soll? Offensichtlich kann der Endzustand nur ein kollektives Gutes sein, was notwendig zur Folge hat, dass individuelle Interessen zu Gunsten des kollektiven Guten geopfert werden. Das zeigt deutlich, dass Schubsen nichts anderes als ein totalitäres Instrument zur Beseitigung individueller Freiheit ist.

Die Pseudo-Diskussion um das Schubsen dient also einzig dazu, das Geschubse, das folgen wird, zu legitimieren und dazu, behaupten zu können, man habe darüber, ob geschubst werden soll, ja schließlich diskutiert, so wie man es derzeit praktiziert, wenn Bürgern in entsprechenden Veranstaltungen erklärt wird, warum sie Windenergie oder sonstige Spleens, die Politiker auf die Kosten der Bürger umsetzen wollen, zu schlucken haben.

Wie kann man Politikern ihrer Freude an der Volkserziehung, die heute Volksschubsen heißt, vergällen?

Wie wäre es, wir schubsen zurück:

true powerViele ökonomische Untersuchungen (und Schubsen kommt zumindest aus einem Randbereich der Ökonomie) haben gezeigt, dass Menschen dazu tendieren, opportunistisch zu handeln, also ihren Vorteil über z.B. einen vereinbarten Vertrag zu stellen. Politiker sind Menschen und schließen mit ihren Wählern einen Vertrag, den man gemeinhin als Parteiprogramm bezeichnet. Um auszuschließen, dass Politiker ihren eigenen Vorteil über den Vertrag mit ihren Wählern stellen, schlagen wir folgendes Schubsen vor: Die Honorierung von Politikern erfolgt auf Darlehensbasis. Zum Ende eines Jahres legt jeder Politiker einen Rechenschaftsbericht vor, und im Internet findet unter den Wählern, die sich in seinem Wahlkreis befinden, eine Abstimmung darüber statt, ob seine Leistung die Gewährung des gesamten Honorars, eines Teil oder gar kein Honorar rechtfertigt. Je nach Ergebnis der Abstimmung, muss der Politiker sein Honorar zurückzahlen oder kann es (zum Teil) behalten.

Oder wie wäre es damit:

Damit Politiker keine unverantwortlichen Entscheidungen im Bundestag treffen, werden per Zufallsauswahl fünf Gesetze einer Legislaturperiode ausgewählt und es wird geprüft, wer von dem Gesetz profitiert, welche positiven und negativen Folgen davon ausgehen. Ergeben sich mehr negative als positive Folgen, so haften die Abgeordneten gemeinsam für die entstandenen Kosten. Sie haben ein Jahr Zeit, um aus den Kosten einen Nutzen zu machen. Gelingt ihnen das nicht, werden die Zuwendungen an die Parteien um den entstandenen Schaden reduziert.

Wer eigene Vorschläge machen will, um Politikern das Schubsen zu vergällen, die Kommentarfunktion ist wie immer offen.

 

Kapitulation

Liebe Leser,

vielen Dank für die Unmengen von Links, die Sie beigetragen haben, die vielen eMails, durch die wir uns derzeit lesen und die wir nicht alle beantworten können, das lässt unsere Manpower einfacht nicht zu. Deshalb bedanken wir uns auf diesem Weg bei all denen, die einen und in vielen Fällen mehrere Links, darunter Hinweise selbst auf indische Zeitungen, namentlich die SUNDAY TIMES OF INDIA, BENGALURU, vom DECEMBER 14, 2014 , in der Kevin Loria den Unsinn von den männlichen Idioten verbreitet, beigetragen haben.

Es ist, so kann man mit Blick auf die geschickten Links feststellen, keine Übertreibung, wenn man sagt, dass die Mehrzahl der deutschen Printmedien, vermutlich fast alle, auf den Scherz aus dem British Medical Journal hereingefallen sind.

Sie sind darauf hereingefallen, weil sie autoritäre Persönlichkeiten mit niedrigen Motiven sind oder weil sie von Wissenschaft überhaupt nichts verstehen oder weil sie nicht lesen, was sie von dpa übernehmen oder weil es kulturell en vogue ist, Männer zu Idioten zu stilisieren und derogativ zu beschreiben und Journalisten Opportunisten sind, die versuchen, das was  sie für den Trend halten, zu treffen oder weil sie über keinerlei eigenes Urteilsvermögen verfügen und deshalb denken, was in wissenschaftlichen Zeitschriften steht, muss Wissenschaft sein oder weil sie einfach Idioten sind.

Bitte suchen sie sich das Passende aus.

Wir wollen an dieser Stelle zunächst mit Udo Ulfkotte feststellen, dass bei den Medien, die ihre Leser mit diesem Unsinn vollgeschüttet haben:

“[e]ine Korrektur und Entschuldigung an die Leser … offenkundig nicht vorgesehen [ist]. Im Gegenteil, die Artikel mit dem geballten Schwachsinn stehen weiter munter in Massen online. Und so einfach ist es, Themen in deutschen Qualitätsmedien zu platzieren. Es reicht, das dort vorherrschende Weltbild zu bedienen.”

Wir haben eine nicht vollständige Liste der Printmedien, deren Journalisten durch den Idiotentest gefallen sind, zusammengestellt. Interessierte mögen sich auch die Kommentare durchlesen, denn dort finden sich weitere Links zu entsprechenden Durchfallern.

Schließlich haben wir noch eine Frage:

Wird die  Idiot-Self-Elimination and Growth Enhancing Theory durch die Ergebnisse von Tyler Vigen bestätigt?

Was meinen Sie?

Anzahl verunglückter Frauen wirkt positiv auf Kreativität und Wohlstand

Nachdem der Darwin-Award in der deutschen Presselandschaft einen so tiefen Eindruck hinterlassen hat, ist es an der Zeit, auf eine noch viele wichtigere Meldung hinzuweisen: Die Anzahl verunglückter Frauen wirkt sich positiv auf die Kreativität aus.

Tyler Vigen, US-amerikanischer Wissenschaftler an der renommierten Harvard Law School und Data Miner hat diesen wichtigen, weil für die Menschheit förderlichen Zusammenhang entdeckt:

works-of-visual-art-copyrighted-us_females-in-new-york-who-slipped-or-tripped-to-their-death

Die Korrelation, von der Vigen berichtet, ist mit 0,94 nahezu perfekt.

Genauer betrachtet Vigen Frauen, die zu dumm zum Laufen sind und wegen ihres unangepassten Schuhwerks in den Tod stürzen. Je mehr dieser Frauen sich aus dem Genpool entsorgen, so zeigt die Korrelation, desto kreativer werden diejenigen, die im Genpool verbleiben, so dass man Vigen attestieren kann, dass er die ISE-GE-Theory, die Idiot-Self-Elimination and Growth Enhancing Theory um einen große Schritt vorangebracht hat.

visual artWissenschaftler wie Herrnstein und Murray haben schon lange darauf hingewiesen, dass in Gesellschaften eine gegebene Intelligenzverteilung vorherrscht und dass diese Intelligenzverteilung den Verlauf einer Glockenkurve angenommen hat. Wenn sich nun all diejenigen, die am linken Rand der Glockenkurve zu finden sind, alle, die einen IQ von deutlich unter 100 aufweisen, die Idioten einer Gesellschaft, wenn sich alle diese Idioten auf die ein oder andere Weise selbst eliminieren, dann bringe dies die Gesellschaft voran, erhöhe deren Intelligenz und über den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Innovation das Wirtschaftswachstum und den Wohlstand für alle.

Die Wahl von inadäquatem Schuhwerk, die Stolpern und tödliches Stürzen begünstigt, ist – wie Tyler Vigen zeigt – einer der Mechanismen, über den sich Idioten aus dem Genpool beseitigen. Die Schuhindustrie leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Eliminierung derjenigen, die eine Belastung für die Gesamtintelligenz einer Gesellschaft darstellen.

Literatur:

Herrnstein, Richard J. & Murray, Charles (1996) The Bell Curve. Intelligence and Class Structure in American Life. New York: Free Press.

Weiter Informationen finden Sie hier.

Klarstellung für die Idioten in Redaktionen: Die Male Idiot Theory gibt es nicht

Wir wollen uns vorab bei unseren Lesern bedanken, die so emsig die Gleichschaltung der deutschen Presselandschaft belegt haben, deren Gleichschaltung im Hinblick auf das völlige Fehlen von Urteilsvermögen, deren Gleichschaltung im Hinblick auf eine voyeuristische Geilheit, die sie verzückt in die Hände klatschen lässt, wenn sie denken, sie könnten etwas gegen Männer als Ganzes sagen, dass Männer Idioten sind, im vorliegenden Fall und deren Gleichschaltung im Hinblick darauf, dass sie alle keine eigenständigen Zeitungen sind, sondern Ableger von dpa.

Die WeltUnd jetzt und für alle unmissverständlich, damit es auch das letzte trübe Licht im hintersten Winkel eines Redaktionsraums versteht:

Der Beitrag von Ben Alexander Daniel Lendrem, Dennis William Lendrem, Andy Gray und John Dudley Isaacs mit dem Titel “The Darwin Awards: Sex Differences in Idiotic Behaviour”, der in der Dezember-Ausgabe des British Medical Journals veröffentlicht wurde, ist:

  • Deutschlandfunkein Witz,
  • Fake,
  • nicht Ernst gemeint,
  • kein wissenschaftlicher Beitrag,
  • eine Satire auf die Geschlechtsbesessenheit einer Kultur, deren primitivste Exemplare scheinbar in Redaktionsräumen vor sich hinvegetieren.

Wir wissen nicht, wie wir es noch ausdrücken sollen.

  • Die “Male Idiot Theory”, die die Autoren im Text erfunden haben, wird mit Fussnote 16 einem “McPherson J. Women are from Venus, men are Idiots, Andrews McMeal, 2011″ zugeschrieben. Dabei handelt es sich um James McPherson, und die vermeintliche Theorie soll er in diesem Buch entwickelt haben:

McPherson

Die “Male Idiot Theory” wird also einem Kartoonband, einem Kartoonisten, der für seine Satire bekannt ist, zugeschrieben. Es gibt die Male Idiot Theory nicht. Aber man muss darüber nachdenken, ob man nicht eine Editorial Staff Idiot Theory als Konsequenz aus den Veröffentlichungen der letzten beiden Tage entwickeln muss.

  • Wer zu faul ist, die Literatur zu prüfen, die angeblich die Male Idiot Theory belegt, dem fällt vielleicht etwas ein, wenn er die Hauptaussage dieser angeblichen Theorie betrachtet, wie sie im Text von Lendrem et al. benannt wird:

“According to “male idiot theory” (MIT) many of the differences in risk seeking behaviour, emergency department admissions, and mortality may be explained by the observation that men are idiots and idiots do stupid things.”

Spiegel onlineSpätestens hier sollte einem mit normalem Verstand begabten Leser auffallen, dass man eine Behauptung, nämlich z.B. die Unterschiede in riskantem Verhalten, nicht mit einer Bewertung “idiots” begründen kann, die man wiederum mit sich selbst definiert (idiotic things). Dass dies den so hellen Redakteuren in den Redaktionsräumen deutscher Zeitungen nicht aufgefallen ist, sollte Verleger eigentlich dazu veranlassen, den intellektuellen Notstand auszurufen.

Und es mag sein, dass es für deutsche Redakteure normal ist, von Idioten und idiotisch zu sprechen und ganze Bevölkerungsgruppen unterschiedslos über einen Kamm zu scheren und zu beleidigen. Es sei Ihnen jedoch gesagt, es ist weder in der normalen Welt noch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen normal, denn es gibt Standards – außerhalb von Redaktionsräumen – Standards von Moral, Anstand und Wissenschaftlichkeit, die ein derart unterirdisches Niveau verbieten – außerhalb von Redaktionsräumen versteht sich.

  • Badische ZeitungDie angebliche Studie, die Lendrem et al. durchgeführt haben, ist keine Studie. Sie haben gezählt. Zählen an sich macht noch keine Wissenschaft, es macht keine “Untersuchung”, keine “Neurowissenschaft” und vor allem eines nicht: einen “wissenschaftlichen Beweis” (den es sowieso nicht gibt). Alle diese Zuschreibungen entstammen der Phantasie von Redakteuren, die offensichtlich ihre Wissenslücken mit hanebüchenen Assoziationen, die sich bei ihnen einstellen, auffüllen oder gleich frei phantasieren.
  • Die Daten aus dem Darwin Award (der Darwin Award ist ebenfalls kein ernsthafter Award, sondern ein Witz) sind keine wissenschaftlichen Daten. Sie erfüllen keinerlei Anspruch, den man an wissenschaftiche Daten stellt, und sie sind in keiner Weise repräsentativ, was Aussagen über die Männer, also eine Verallgemeinerung in welcher Form auch immer, schlicht und ergreifend nicht zulässt. Wer das nicht verstehen kann, der möge sich in eine Irrenanstalt begeben, die Anzahl der weiblichen Insassen zählen und damit die “Female Idiot Theory”, nach der Frauen “Idioten sind und idotische Dinge tun” bestätigen.

Westfaelische NachrichtenEhrlich gesagt, wissen wir nicht, wie es überhaupt passieren konnte, dass ein so offensichtlicher Scherz, wie der Beitrag von Lendrem et al. als solcher nicht erkannt werden konnte. Die einzige Erklärung, die uns dazu einfällt, rekurriert auf niedere Instinkte und verbindet diesen Rekurs mit der Ethnomethodologie. Betrachtet man den Text von Lendrem et al. nämlich als Erschütterungsexperiment, mit dessen Hilfe es möglich ist, tiefsitzende kulturelle Resentiments an die Oberfläche zu befördern, dann kann man feststellen:

  • In deutschen Redaktionen herrscht ein Männerhass, der erheblich ist.
  • In deutschen Redaktionen herrscht die Angst vor dem, was als “die Männer” angesehen wird.
  • Die Angst, die in deutschen Redaktionen vor “den Männern” herrscht, setzt eine Abwehrreaktion im Sinne von Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz in Gang, die Gegenreaktion des kleinen Lichtchens, wie man sagen könnte.
  • Die Gegenreaktion besteht darin, dass man sich diebisch freut, wenn man “den Männern”, die man als Hass- und Angstobjekt aufgebaut hat (obwohl es die Männer natürlich nicht gibt, sondern nur individuelle Männer), wenn man diesen Männern eine verpassen kann, sie degradieren, diffamieren, sie verleumden, beleidigen, entmenschlichen und entindividualisieren kann, so wie man das früher mit den Juden getan hat.
  • Kurz: deutsche Redaktionen scheien überzufällig häufig von Gestalten bevölkert zu werden, die von einer Mischung von Unkenntnis, niederen Motiven und Angst getrieben sind.
  • Es ist einfach nur widerlich.

Liebe Verantwortliche bei der dpa

denken Sie nicht, edpadpa ist jetzt genug, genug mit der Verbreitung dieser idiotischen Meldung, die Anja Garms zusammengeklaubt hat, dieser Meldung, die eine fast wörtliche Übersetzung einer Pressemeldung ist, die sich auf einen Satire-Beitrag im British Medical Journal bezieht.

Finden Sie nicht, dass es notwendig ist, Personen wie Garms, die offensichtlich nur in homogenen Gruppen zu denken, in der Lage sind, die denken, es gebe “DIE” Männer und die seien von “DEN” Frauen ganz verschieden, aus dem Betrieb zu entfernen?

Wollen Sie als Nachrichtenagentur denn wirklich nicht mehr ernstgenommen werden?

Finden Sie nicht, Überschriften wie: “Männer sind eben doch die größeren Idioten” sind eine Niederung, in die sich das Niveau von dpa eigentlich nicht begeben sollte und Sätze wie: “Männer sind nicht nur Trottel, sondern: Idioten” – Sätze, die selbst dieses Niveau noch untergraben?

Haben Sie noch so etwas wie Berufsethos und Anstand im Leib, Anstand, der es Ihnen verbietet, auf das Niveau von Extremisten zu sinken, die sich dadurch auszeichnen, dass sie stereotypisieren und die Stereotypisierten dann mit ihren Vorurteilen vollwerfen, um auf diese Weise ein Hassobjekt zu finden, das den eigenen Minderwertigkeitskomplexen gerecht wird?

Haben Sie nicht das Bemühen, mit den von Ihnen gelieferten Beiträgen zumindest den Anschein von seriösem Journalismus aufrecht zu halten?

Wenn Sie sich dafür schämen, auf einen so offensichtlichen Satire-Beitrag, wie den von Ben Alexander Daniel Lendrem, Dennis William Lendrem, Andy Gray und John Dudley Isaacs hereingefallen zu sein. Wenn es Ihnen peinlich ist, dass Anja Garms nicht nur ihre Vorurteile über dpa verbreitet, sondern Pressemeldungen Dritter plagiiert, wenn Sie noch Berufsethos und Anstand haben und für sich in Anspruch nehmen, seriösen Journalismus zu betreiben, dann haben Sie eigentlich nur eine Wahl:

Entschuldigen Sie sich für diesen Unsinn, stellen Sie öffentlich richtig , dass Sie auf Satire hereingefallen sind und entlassen Sie Anja Garms!

Mit freundlichen Grüßen,

ScienceFiles.org

Idiotentest für Journalisten fordert die ersten Opfer

In der aktuellen Ausgabe des British Medical Journals findet sich ein Beitrag, der mit der Überschrift “The Darwin Awards: sex differences in idiotic behaviour” überschrieben ist. Es sind Titel wie dieser, die bereits eine bestimmte Art von Konsumenten anziehen.

BMJBen Alexander Daniel Lendrem, Dennis William Lendrem, Andy Gray und John Dudley Issacs vom Institute of Cellular Medicine der Newcastle University haben den Beitrag, der nur zwei Seiten umfasst, geschrieben. Sie haben ihn geschrieben, um die “Male Idiot Theory” (MIT) zu testen, die sie John McPherson zuschreiben. Um die Thoerie, die besagt, dass “men are idiots and idiots do stupid things” zu prüfen, bedienen sich die Autoren der Daten des Darwin Awards.

Der Darwin Award wird an Personen verliehen, die Leidtragende ihres eigenen idiotischen Verhaltens sind und sich damit ins Grab bringen. Um als Kandidat für den Darwin Award in Betracht gezogen zu werden, so schreiben die Autoren, müsse man einen rigorosen Auswahlprozess durchlaufen. In Frage kämen nur Kandidaten,  (1) die sich selbst vom Genpool eliminiert haben, (2) die sich dadurch auszeichnen, dass sie den gesunden Menschenverstand in erstaunlicher Weise falsch anwenden, (3) die nachweislich auf idiotische Weise gestorben sind, (4) die grundsätzlich über Urteilsvermögen verfügen können und (5) die nachweislich selbstinduziert auf idiotische Weise gestorben sind.

Der Darwin Award wird seit 1995 vergeben und die Autoren haben 318 Preisträger aus dem Zeitraum von 1990 bis 2014 in ihrem Sample. Eine Analyse nach Geschlecht hat ergeben, dass 88,7% der Darwin Award Winner männlich, nur 12,3% weiblich sind – ein Unterschied, den ein chi-quadrat-Test als statistisch signifikant ausweist.

Das Ergebnis, so die Autoren abschließend, sei im Einklang mit der Male Idiot Theory, und unterstütze die Hypothese, dass Männer Idioten sind und Idioten idiotische Dinge tun.

Ein findiger Mitarbeiter der Presseabteilung des British Medical Journal hat den Beitrag in eine Pressemeldung übertragen, der er den Titel “Study supports the theory that ‘men are idiots'” gegeben hat. Die Pressemeldung berichtet weitgehend die Ergebnisse, die hier bereits dargestellt wurden und setzt noch einen on-top, in dem die Autoren damit zitiert werden, wie sie sich über ihre Ergebnisse wundern und überlegen, ob sie einen Bias in ihren Daten haben, etwa dadurch, dass Frauen Männer häufiger als Idioten beim Darwin Award melden als Männer dies umgekehr für Frauen tun oder das Ergebnis auf Unterschiede im Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

Wie auch immer, die Ergebnisse seien verwirrend und entsprechend wollen die Autoren die “male idiot theory” im “semi-naturalistic Christmas party setting (with or without alcohol)” weiter untersuchen.

idiotsDas ist der Idiotentest, denn die Studie von Lendrem, Lendrem, Gray und Issac ist natürlich nicht ernst gemeint, sie ist ein Witz von Wissenschaftlern, denen die idiotische Angewohnheit, alles und jeden Blödsinn auf Geschlechtsunterschiede hin zu untersuchen, auf die Nerven geht. Sie ist eine offensichtliche Parodie auf einen wissenschaftlichen Beitrag, der mit prätentiös theoretischem Brimborium beginnt, um dann mit einer unglaublich schlichten und noch dazu ungeeigneten statistischen Prüfung fortgeführt zu werden und in monströsen Schlussfolgerungen zu enden.

Auch wer nicht in wissenschaftlichem Jargon zu Hause ist, dem sollten ganze Kronleuchter aufgehen, angesichts einer Theorie, die behauptet, dass Männer Idioten sind und Idioten idiotische Dinge tun. Die Ableitung der Theorie ist eine Tautologie und die Theorie selbst eine Übergeneralisierung, die eigentlich jeden mit normalem Menschenverstand Begabten hellhörig machen muss, schon weil die angebliche Theorie keinerlei Differenzierung zwischen Männern macht und sie gernerell zu Idioten erklärt – alle, ohne Ausnahme. Und wenn man dann noch weiß, dass der Autor der vermeintlichen “Male Idiot Theory” ein Kartoonist ist und die Theorie in seinem entsprechenden Buch mit dem Titel “Women are from Venus and Men are Idiots” veröffentlicht wurde, dann muss man eigentlich gar nicht mehr auf der Seite des Darwin Awards nachlesen, um was für eine Art von Seite es sich hier handelt.

Aber offensichtlich ist keine Meldung aus der Wissenschaft  idiotisch genug, als dass es nicht Journalisten gäbe, die sie für bare Münze nehmen, die – mit anderen Worten – sich durch eine bemerkenswerte Fehlanwendung von gesundem Menschenverstand auszeichnen, und sie durch den Idiotentest, den Lemdrem, Lendrem, Gray und Isaacs konzipiert haben, fallen lässt, was sie qualifiziert, in den engeren Kreis der Anwärter auf den Darwin Award aufgenommen zu werden.

Anja Garms von der Welt ist die erste, die durch den Idiotentest gerasselt ist.

Männer sind eben doch die größeren Idioten”, so titelt sie.

Und so geht es weiter:

“Männer sind nicht nur Trottel, sondern: Idioten. Frauen, denen dieser Gedanke öfter durch den Kopf geistert, sind sich jetzt eines wissenschaftlichen Hintergrunds sicher. Britische Wissenschaftler haben errechnet, dass der überwiegende Teil der Darwin-Award-Träger männlich ist.”

Im weiteren Verlauf übersetzt Garms die Pressemeldung, des British Medical Journal so gut sie kann ins Deutsche. Das ist für viele angebliche Journalisten der Hauptzeitvertreib, das, was andere geschrieben haben, in eine andere Sprache zu bringen, journalistischer Plagiarismus, wie man sagen könnte. Und dann fügt Garms noch zwei Schlusssätze an:

“Derweil betonen die Herausgeber des “British Medical Journal”, die Artikel der Weihnachtsausgabe seien zwar skurril und witzig, aber dennoch durch den üblichen Peer-Review-Prozess gegangen – also von Fachkollegen beurteilt. Es seien mithin echte wissenschaftliche Arbeiten.”

Selbst wenn die Herausgeber dies betonen, so zeigt es nur, dass Garms es sich nicht vorstellen kann, dass Wissenschaftler selbst im Peer Review Prozess Humor haben. Und selbst die Wikipedia weiß, was Garms sich nicht vorstellen kann: “A special “Christmas Edition” published annually on the Friday before Christmas is known for spoof or humorous articles[10][11] (though mainstream media often fall for the joke)”. How true!

Garms ist somit die erste, die mit Pauken und Trompeten durch den Idiotentest gerasselt ist. Ihre niedrigen Instinkte und ihr Hang, Männer als eine homogene Gruppe zu verunglimpfen, sind ihr zum Verhängnis geworden, ebenso wie ihre Gewohnheit, Pressemeldungen einfach abzukupfern und als Eigenleistung auszugeben. Dem British Medical Journal, so muss man feststellen, ist dieses Jahr ein besonders guter Prank gelungen, einer, der es ermöglicht, die Journalistenlandschaft zu entidiotisieren.

idiotentestWir beginnen hiermit eine Liste der Journalisten, die durch den Idiotentest gefallen sind, derer, die denken, sie könnten die Öffentlichkeit mit absurden Meldungen, in denen gesellschaftliche Gruppe zuerst homogenisiert und dann denunziert werden, traktieren.

Wir bitten daher unsere Leser uns mit den journalistischen Ergüssen zu versorgen, die es dazu, dass “Männer eben doch die größeren Idioten sind” gibt: Name des Autoren und Link zum Text genügen, damit wir den entsprechenden Kandidaten darauf hin prüfen, ob auch er den Idiotentest des British Medical Journal nicht bestanden hat. Hinweise bitte wie immer an sciencefiles at textconsulting.net

Bislang umfasst die Liste Anja Garms von der Welt und “JL” von “Die Presse” in Österreich, der den Unsinn unter dem Titel “Statistik zeigt: Männer handeln eher idiotisch” in die Welt setzt.

Den Idiotentest nicht bestanden haben:

  • Anja Grams, Die Welt
  • Anja Garms, dieses Mal als dpa über N24
  • Anja Garms, dieses Mal als dpa beim Stern
  • Anja Garms, dieses Mal bei der Nordwest-Zeitung
  • Anja Garms, dieses Mal beim Tagesspiegel
  • Anja Garms, etwas überarbeitet beim Handelsblatt
  • JL; Die Presse
  • NIK; Spiegel Online darf natürlich nicht fehlen
  • Attila Albert, Der Blick
  • Dpa bei der Rheinischen Post
  • Dpa bei den Salzburger Nachrichten
  • Dpa bei Shz
  • Dpa bei der TZ München
  • Dpa bei Nachrichten.at
  • Dpa beim Südkurier
  • Dpa leicht verändert bei HNA
  • Alice Ahlers in der Berliner Zeitung
  • NN für den ORF
  • Klaus Taschwer beim Standard, der all denen empfohlen sei, die wissen wollen, was herauskommt, wenn der idiotische Text den Garms für dpa produziert hat, von einem Redakteur bearbeitet wird.
  • Markus Brauer versucht sich für die Stuttgarter Nachrichten an der dpa Vorlage.
  • Beim Deutschlandfunk hat [mas] gar seine Neuronen dahingehend walten lassen, dass er die simple Auszählung zur Neurowissenschaft erklärt hat.
  • Keine Kenntnisse, dafür viel Phantasie hat Jochen WIttmann, von den Westfälischen Nachrichten, der Folgendes erdichtet hat:  “Man hat es schon immer vermutet, aber jetzt ist es amtlich: Männer sind eindeutig dämlicher als Frauen. Eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Universität von Newcastle fand eine statistisch signifikante Geschlechterverteilung bei extrem risikobereitem Verhalten, das im Exitus endet: Frauen sind in dieser Disziplin eindeutig unterrepräsentiert. Die Studie, die soeben im „British Medical Journal“ publiziert wurde, kommt zu dem Schluss: Männer sind Idioten.” Wenn es einen Sonderpreis für den größten Idioten gäbe, Wittmann hätte ihn verdient.
  • Die Badische Zeitung hat einen Redakteur, der nicht mehr ganz bei Trost ist und sich in Trance schreibt: “Ihre Ergebnisse [Die Ergebnisse der Autoren der angeblichen Studie] deckten sich mit der “Theorie von den männlichen Idioten”. Diese besage, dass der Grund für die erhöhte Risikobereitschaft von Männern, ihre höhere Sterblichkeit bei Unfällen sowie ihre häufigere Einlieferung in Notaufnahmen ist, dass sie schlicht Idioten sind und Idioten eben idiotische Sachen machen.” Das ist die reine Phantasie eines Redakteurs, der offensichtilch von Sinnen ist.

Die folgenden Links hat Lucas Schoppe beigesteuert (Vielen Dank an ihn):

Die folgenden Links hat Robert Roth gesammelt.

Links von Martin Leyrer

Tit-for-Tat: Liberale Moral

Moral, ein Begriff, der immer mehr in Vergessenheit zu geraten scheint, beschreibt ein Normensystem, das Auffassungen über richtig und falsch, über gut und böse beinhaltet. Offenkundig flottiert ein solches Normensystem nicht frei im Raum. Es muss vereinbart und entsprechend verhandelt werden.

Kant für Anfänger

Kant für Anfänger

Zum Glück gibt es eine Vielzahl geteilter Vorstellungen darüber, was richtig und falsch, gut und böse ist, geteilte Vorstellungen, die sich auf Basis der conditio humana und auf Basis einer menschlichen Entwicklungsleistung einstellen, die Immanuel Kant in seinem kategorischen Imperativ beschrieben und Thomas Hobbes als die wichtigste seiner Verstandestugenden gefasst hat. Gemeint ist damit die Einsicht, dass man anderen besser mit Wohlwollen begegnet, denn tut man es nicht, so könnte es passieren, dass einem diese anderen auch nicht mit Wohlwollen begegnen.

Bei Kant nimmt diese Einsicht eine normative Form an („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde”), bei Hobbes ist es eine Leistung der Vernunft, die intelligente Menschen zu dem Schluss kommen lässt, dass Vorteile, die sie sich z.B. durch Übergriffe auf andere Menschen verschaffen können, schnell durch Schutzmaßnahmen zunichte gemacht werden, die man gegen Übergriffe durch andere Menschen ergreifen muss.

Moral baut grundlegend auf dieser Einsicht auf und ist entsprechend eine Entwicklungsleistung, von der man sagen könnte, dass sie den Menschen erst zum Menschen macht, und sie ist eine Entwicklungsleistung, die manche nicht zu erbringen im Stande sind.

Es ist relativ einfach, diejenigen zu erkennen, die die entsprechende Entwicklungsleistung nicht erbracht haben: Sie können anhand von zwei Kriterien erkannt werden:

  • Sie verursachen Dritten Externalitäten, indem sie physische, psychische oder intellektuelle Übergriffe auf deren Integrität vornehmen.
  • Sie vertrauen darauf, dass jene Dritte die Externalitäten hinnehmen. Sie ruhen sich auf der Liberalität ihrer Opfer aus und kalkulieren damit.

Elisabeth Tuider ist jemand, der diese beiden Kriterien erfüllt. Sie will sexualpädagogisch intervenieren, und sie bereitet all denen moralische Externalitäten, die nicht der Ansicht sind, man müsse ihre Kinder oder generell Kinder in Schulen mit Analverkehr und der Einrichtung eines Bordells belästigen. Und sie ruht sich darauf aus, dass die entsprechend moralisch Verletzten sich nicht zur Wehr setzen, Tuider nicht sagen, was sie von den entsprechenden Ansinnen halten – in der pazifistischsten Variante.

Lann Hornscheidt ist ebenfalls jemand/etwas, das/der/die diese Kriterien erfüllt. Er/sie/es will eine neue Sprache durchsetzen und ruft dazu auf, dieses Durchsetzen über “Interventionen” vorzunehmen, die z.B. darin bestehen, Veranstaltungen von Gegnern ihrer/seiner Ideologie zu stören oder Bücher, die von dem abweichen, was Hornscheidt für richtig hält, zu beschädigen. Er/sie/es verursacht Externalitäten für Dritte, die sich z.B. mit einer seltsamen für sie nicht verständlichen Sprache konfrontiert sehen, die ihnen nichts sagt, oder die sich mit einem studentischen Mob in ihren Veranstaltungen oder mit fehlenden Seiten in Büchern konfrontiert sehen. Er/sie/es vertraut darauf, dass die entsprechenden Adressaten der “Interventionen” sich nicht zur Wehr setzen und erdulden, was ihnen zugemutet wird.

Aus liberaler Sicht stellt sich die Frage, wie man mit Personen umgeht, die offensichtilch eine Entwicklungsleistung zum moralischen Menschen nicht erbracht haben, die nicht in der Lage sind, eine einfache Überlegung anzustellen, die da lautet: Was passiert, wenn andere mich so behandeln, wie ich andere behandle?

Axelrod1Die Antwort findet sich in einem Buch, das Robert Axelrod bereits 1984 veröffentlicht hat, und sie lautet: Tit-for-Tat. Tit-for-Tat ist ein Computerprogramm, das Anatol Rapoport entwickelt hat. Es besteht aus genau 5 Anweisungen in FORTRAN und hat sich in einem Turnier gegen 62 konkurrierende Computerprogramme durchgesetzt. Ziel des Turniers war es, die Strategie zu finden, die für Kooperationen zwischen Akteuren den größten Erfolg verspricht. Tit-for-Tat ist das Programm, das in Kooperationen zu den besten Ergebnissen führt. Es startet mit Goodwill, mit Wohlwollen und reagiert in der Weise, in der ihm begegnet wird. Nimmt das Gegenüber das Kooperationsangebot von Tit-for-Tat an und kooperiert seinerseits, dann kooperiert Tit-for-Tat weiterhin. Versucht das Gegenüber das Kooperationsangebot und die damit verbundene Vorleistung auszunutzen und defektiert, dann reagiert Tit-for-Tat ebenfalls mit Defektion und kündigt die Kooperation auf.

Die Funktionsweise von Tit-for-Tat kann nun genutzt werden, um das moralische Dilemma, in dem sich Liberale befinden, wenn sie mit Personen konfrontiert sind, die die moralische Entwicklungsleistung, die hier beschrieben wird, nicht erbracht haben, die Übergriffe auf Dritte landen, wie dies für Tuider und Hornscheidt beschrieben wurde.

Wenn demnach Tuider oder Lann Hornscheidt das Wohlwollen, das ihnen entgegen gebracht wird, z.B. dadurch, dass man sie auf ihren Positionen gewähren lässt und nicht nach dem Nutzen, den sie erbringen, fragt, mit Defektion goutieren, wenn sie Externalitäten durch Übergriffe auf Dritte, seien es Schüler, seien es Lehrende an Universitäten und ihre Studenten, seinen es Leser, die mit fehlenden Seiten in Büchern konfrontiert sind, verursachen, dann erfordert dies eine entsprechende Reaktion, ein “Tat”, eine Form der Abschreckung, die den Aggressoren zeigt, dass sie eine Grenze überschritten haben und sich besser und so schnell wie möglich auf ihre Seite der Grenze zurückziehen.

Wie kann diese Abschreckung aussehen? Nun, sie besteht darin, den Aggressoren ihre eigene Medizin zu trinken zu geben.

Lann Hornscheidt ruft dazu auf, die Veranstaltungen anderer zu stören, deren Lehre Inhalte umfasst, die Lann Hornscheidt nicht positiv beurteilt. Entsprechend kann Lann Hornscheidt nichts dagegen haben, wenn diejenigen, die mit dem, was Lann Hornscheidt vorschlägt, nicht einverstanden sind, in ihre/seine Veranstaltungen drängen, um dort zu stören.

Lann Hornscheidt ruft dazu auf, aus Büchern Seiten herauszureißen, die Inhalte haben, die von ihm/ihr nicht positiv beurteilt werden. Entsprechend kann Lann Hornscheidt nichts dagegen haben, wenn diejenigen, die mit dem, was Lann Hornscheidt schreibt, nicht einverstanden sind, Bücher von Lann Hornscheidt zur Hand nehmen und Seiten, die ihnen nicht gefallen, herausreißen.

Moron borderTuider behauptet, ihre sexualpädagogischen Interventionen in Klassenräumen seien gerechtfertigt, um Kinder zu selbständigen Menschen zu erziehen, entsprechend kann sie nichts dagegen haben, wenn die selbständigen Menschen ihre neu erworbenen Kenntnisse in ihrem Büro ausleben.

Und so weiter.

Ein vernünftiger Mensch, ein Mensch, der den kategorischen Imperativ von Kant verinnerlicht hat, wird natürlich erkennen, dass er sich in einer Eskalationsspirale befindet, dass es wenig Sinn macht, Übergriffe mit Übergriffen mit Übergriffen zu beantworten. Ein Vernünftiger Mensch wird wissen, dass diese Eskalationsspirale der Grund dafür ist, dass er Übergriffe auf Dritte unterlässt.

Tuider und Lann Hornscheidt fehlt diese Einsicht. Sie sind über die Reaktionen auf ihre “Interventionen” überrascht, was der beste Beleg dafür ist, dass sie die Entwicklungsleistung zum moralischen Menschen (noch) nicht erbracht haben. Sie müssen es entsprechend auf die harte Tour lernen, wie man so schön sagt, in dem sie – wie oben dargestellt – mit den Folgen, ihrer Übergriffe konfrontiert werden, immer in der Hoffnung, dass sich spätestens dann ein Lerneffekt einstellt.