Wissenschaftsfreiheit – Witz oder Wirklichkeit?

Wenn man zum ersten Mal Thomas Kuhns “Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen” liest, mutet seine Vorstellung, dass ein Wissenschaftler den Übergang von einem Paradigma in ein anderes Paradigma nur durch eine Konversion, die Kuhn mit einer plötzlichen Erleuchtung und ähnlich einer religiösen Konversion beschreibt (vor allem in seinem Beitrag “Reflections on my Critics” im von Lakatos und Musgrave herausgegebenen Band: Criticism and the Growth of Knowledge hat er diese Idee weiter ausgearbeitet), schaffen können soll, doch eher seltsam und fremd an.

In der Regel ist man jung, wenn man Kuhns “Struktur wissenschaftlicher Revolutionen” liest.

KuhnEin Paradigma, das zur Erinnerung, ist für Kuhn so etwas wie ein autoritärer Erzieher, der den Wissenschaftlern, die ihm folgen, nicht nur sagt, wie sie die Welt betrachten sollen, er gibt ihnen auch Rätsel auf und stellt die Lösungen bereit. Weil Wissenschaftler sich nicht so gerne als Abhängige darstellen, sprechen sie lieber von einer Theorie, nicht so gerne von einem autoritären Erzieher.

Ein Paradigma ist jedoch mehr. Es ist nicht nur Theorie in Satzform, es ist auch Weltsicht und Methode, d.h. wer in einem Paradigma lebt, der sieht die Welt aus der Perspektive des Paradigmas, er nutzt Methoden, die im Paradigma zur Verfügung gestellt werden, und die Forschungsfragen, die er beantwortet, finden sich ausschließlich im Rahmen seines Paradigmas.

Wenn Archäologen oder Ägyptologen eine Pyramide sehen, dann sehen sie automatisch das Grab eines Pharaos. Sie können gar nicht anders, denn in ihrem Paradigma sind Pyramiden Gräber. Andere, die sich außerhalb des Paradigmas befinden, sehen etwas Anderes, ein Kraftwerk, eine Sternwarte uvm. Und alle versuchen sie die Sichtweise, die ihnen ihr Paradigma vorgibt, mit Funden zu belegen.

Um aus einem Grabseher einen Kraftwerkseher zu machen, ist einiges an Überzeugungsarbeit notwendig und vermutlich braucht es mehr als Überzeugungsarbeit, vermutlich ist wirklich eine Konversion, ein Übertritt von einem Glauben zu einem anderen, notwendig.

Dass dem so ist, das wird einem dann klar, wenn man älter wird, wenn man z.B. betrachtet, wie hartnäckig sich bestimmte Mythen halten, wie schwer, ja nahezu unmöglich es ist, Menschen davon zu überzeugen, dass ihre Sicht der Welt nicht mit den Tatsachen übereinstimmt.

Um zu erklären, warum sich falsche Überzeugungen halten, warum es Personen gibt, die an ein Gender Pay Gap glauben (wollen), warum es Wissenschaftler gibt, die glauben wollen, sie seien in der Lage, Entscheidungen für andere zu treffen und, letztlich, warum es Wissenschaftler gibt, die nach wie vor an die Wissenschaftsfreiheit glauben, ist eine psychologische Erklärung notwendig, eine Erklärung, die auf die Verquickung eigener Interessen, der eigenen Biographie und der wissenschaftlichen Tätigkeit rekurriert, wobei der “scientific community”, die Thomas Kuhn in diesem Zusammenhang beschrieben hat, die Rolle des Aufpassers zukommt, der darüber wacht, dass keine abweichenden Ideen, keine, das gemeinsame Paradigma (vom Gender Pay Gap bis zur Wissenschaftsfreiheit) in Frage stellenden Ideen, produziert werden und Anhänger finden.

Wie sehr manche Wissenschaftler an Mythen hängen, kann man am Beispiel der Freiheit von Forschung und Lehre deutlich machen, jener arg strapazierten Leerformel, mit der Verwaltungen einerseits Wissenschaftler unter Einführung der wissenschatflichen Selbstverwaltung zu ihren Handlangern machen, andererseits vom Forschen abhalten.

Aber Freiheit von Forschung und Lehre findet nicht nur innerhalb des Rahmens statt, den die Verwaltung vorgibt. Sie findet ausschließlich innerhalb der engen Grenzen statt, die politische Ideologien setzen: Mit dem Professorinnenprogramm wird von Ministerien aktiv in die Struktur von Hochschulen eingegriffen.

Es wird Hochschulen, die finanziell auf dem letzten Loch pfeifen, eine Kröte als Köder vorgehalten und Mephisto spricht: “Du gibst Deine Freiheit auf und berufst, wie von uns gewünscht, ausschließlich Frauen auf Lehrstühle, und wir finanzieren Dich in Gegenleistung.”

Die Bologna-Reform hat Hochschulen zu Anstalten wiederkehrender Langeweile in EU-gerechten Modulen gemacht, in denen immer dasselbe gelehrt wird und kein Platz mehr ist für Ideen und interessante Forschung.

Die Reform des Hochschulrahmengesetzes hat die Besoldung von Professoren so stark reduziert, dass ein Lehrstuhl nur noch für diejenigen interessant ist, die überzeugt sind, auf dem freien Arbeitsmarkt kein Bein auf den Boden zu bekommen. Entsprechend gestaltet sich die institutionalisierte Wissenschaftslandschaft.

Die an Universitäten verbliebenen Wissenschaftler sind nicht nur der täglichen Intervention der Herrscher über die politische Korrektheit, der Gender-Kommissare auf entsprechenden Gleichstellungsstellen und ihren Wasserträgern in ASta und sonstigen Studentengremien ausgesetzt, in denen sich der politische Nachwuchs sammelt, dem nichts an Studium, dafür viel an politischer Agitation gelegen ist, sie werden auch immer mehr zu Vasallen und Erfüllungsgehilfen von Ministerien und den politischen Vereinen der Parteien, die Auftragsforschung verteilen, um Ergebnisse, die sie vorgeben, als wissenschaftlich verkaufen zu können.

Kurz: Wer heute noch an Wissenschaftsfreiheit glaubt, der ist ein Träumer, den man mit mindestens 10 Paukenschlägen wecken muss.

Akademie Wissenschaften HamburgEin Paukenschlag könnte an der Akademie der Wissenschaften in Hamburg in Vorbereitung sein. Unter dem Titel “Wie frei ist die Forschung?” lädt die Akademie der Wissenschaften in Hamburg zu vier Vorlesungen zum Thema “Freiheit der Forschung und Lehre” ein, unter denen sich zumindest zwei Vorträge finden, die Anlass zu der Hoffnung geben, dass sich in den institutionalisierten Wissenschaften ein Paradigmenwechsel ankündigt.

So will Torsten Wilholt in seinem Vortrag “Argumente für die Forschungsfreiheit” zusammentragen und die Grundlagen der Forschungsfreiheit bestimmen, ein Vorhaben, das man zum Ausgangspunkt nehmen kann, um das tatsächliche Ausmaß der Freiheit der Forschung nicht nur zu bewerten, sondern, sofern noch etwas an Freiheit übrig geblieben ist, gegen weitere Eingriffe zu verteidigen. Und natürlich kann man die Grundlage zum Ausgangspunkt nutzen, um die Freiheit von Forschung wieder herzustellen und sie vor allem gegen die Einflussnahme von Politikern über Ministerien und sonstige Institutionen der Exekutive zu verteidigen.

Der unseres Erachtens interessanteste Vortrag kommt von Martin Carrier, der an der Universität Bielefeld Professor für Wissenschaftsphilosophie ist. Er untersucht den Widerspruch zwischen “Autonomie und gesellschaftlichen Ansprüchen” und tut dies unter der Überschrift “Forschungsfreiheit und Forschungsbedarf”.

Gesellschaftliche Ansprüche, so Carrier, werden in immer größerem Ausmaß an die Wissenschaft herangetragen. Dabei ließen Auftragsforschung und Programmforschung die Grundlagenforschung mit ihrer wissenschaftlichen Auswahl von Forschungsthemen streckenweise in den Hintergrund treten. Dies ist eine sehr vorsichtige Formulierung u.a. dafür, dass Ministerien Hochschulen zunehmend als ihre Außenstellen ansehen, an die man sich wendet, wenn es Bedarf für die Legitimation eines politischen Vorhabens gibt.

Dann sucht man nach dem geeigneten Wissenschaftler an der geeigneten Hochschule, der entweder in ein Gremium des Ministeriums berufen wird, aus dem heraus er Drittmittelforschung beauftragen kann, oder der direkt auf die Gehaltsliste des Ministeriums gesetzt wird, um seinerseits die gewünschte Drittmittelforschung auszuführen. Da Drittmittel eine wichtige Finanzierungsquelle für chronisch unterfinanzierte Hochschulen sind und sich im Lebenslauf von Wissenschaftlern wie Empfehlungsschreiben auswirken, nutzen Politiker über Ministerien die Möglichkeit aus, wissenschaftliche Freiheit zu beseitigen und Hochschulen zu Satelliten der eigenen Interessen zu machen.

Wir hoffen, der Vortrag von Martin Carrier wird diesem Zusammenhang gebührend Rechnung tragen.

Auf dem Weg zur Entfernung des privilegierten Lann-Hornscheidt von der Humboldt-Universität

Vor einiger Zeit haben wir einen Beitrag veröffentlicht, in dem wir die Entfernung von Lann Hornscheidt von der Humboldt-Universität in Berlin gefordert und diese Forderung begründet haben. Die Forderung, der sich zwischenzeitlich 83 Unterstützer angeschlossen haben, hat für einigen Wirbel gesorgt, hat jedoch nicht dazu geführt, dass über die Berechtigung von Lann Hornscheidt, an einer Universität zu lehren, diskutiert wurde. Wir sind noch in dem Stadium, in dem versucht wird, eine notwendige Diskussion durch geheuchelte Empörung zu verhindern.

Notwendig ist die Diskussion deshalb, weil Lann Hornscheidt Steuermittel verzehrt. Lann Hornscheidt erhält aus den unterschiedlichsten Töpfen, die ausschließlich von Steuerzahlern gefüllt werden, ihren/seinen Unterhalt. Und mit dieser Finanzierung geht eine Verpflichtung einher, nämlich die Verpflichtung, denjenigen, die für Lann Hornscheidt bezahlen, zu belegen, wofür sie bezahlen und warum sie dafür bezahlen sollten. Wer die Diskussion über die Legitimation, den Zweck oder den Nutzen von Lehrstuhlinhabern verweigert, der zeigt eine antidemokratische Haltung, die erschreckend ist.

HU-BerlinZudem sind Universitäten Stätten, an denen Erkenntnis erreicht werden soll, was eine klare Methodologie erfordert. Wer diese Methodologie nicht beherrscht oder nicht bereit ist, sich ihren Zwängen zu unterwerfen, Zwängen, die darin bestehen, dass man anderen nachvollziehbar macht, zu welchen Erkenntnissen man gelangt ist und es anderen somit ermöglich, diese Erkenntnisse zu überprüfen, der hat an Universitäten in der Tat nichts verloren, denn Universitäten und Hochschulen im Allgemeinen sind keine Orte, an denen durchgeknallte Spinner, um es einmal pointiert auszudrücken, einen Schutzraum finden, um ihren Unsinn zu verbreiten bzw. ihre persönlichen Idiosynkrasien auszuleben. Dazu sind die gesellschaftlichen Ressourcen zu kostbar, Ressourcen, die z.B. von dem LKW-Fahrer erwirtschaftet werden, der nicht nur den Supermarkt versorgt, in dem Lann Hornscheidt ganz selbstverständlich vorzufinden erwartet, was er/sie/es gerne einkaufen will, sondern der mit seinen Steuern auch das Kapital erwirtschaftet, aus dem Lann Hornscheidt finanziert wird.

Schließlich sind Universitäten sicher keine Orte, an denen zu Straftaten aufgerufen werden darf, wobei die Humboldt-Universität in Berlin offensichtlich eine Ausnahme darstellt, denn die Tatsache, dass Lann Hornscheidt zu Straftaten aufruft, bis heute, hat nicht dazu geführt, dass der scheidende Präsident der Humboldt-Universität sich einen ehrenvollen Abgang verschafft hat.

Das Lann fristet weiter ein steuerzahlerfinanziertes Dasein – trotz wachsenden Widerstands.

Wir haben unsere Leser vor einiger Zeit gefragt, ob Lann Hornscheidt tragbar ist oder von der Humbold Universität entfernt werden muss (Die Umfrage läuft weiterhin). 728 Leser haben sich bis zum jetzigen Zeitpunkt an der Befragung beteiligt. Das Ergebnis ist eindeutig.

Kann Lann Hornscheidt

Es wird interessant sein zu sehen, was der zunehmende Druck bewirkt. Ob sich ein scheidender Präsident daran erinnern mag, dass er Steuerzahlern gegenüber Verpflichtungen hat, sich am Ende gar dazu herablässt, mit Normalsterblichen, also den so gerne in Anspruch genommenen Menschen auf der Straße zu sprechen, um sie von der Notwendigkeit, Lann-Hornscheidt an einer Universität gewähren zu lassen, zu überzeugen, oder davon, dass aus der Tätigkeit von Lann-Hornscheidt der Humboldt-Universität und der deutschen Gesellschaft ein angebbarer Nutzen entsteht?

Wir werden es sehen.

Bis dahin wollen wir unseren Lesern einen neuen Eindruck dessen vermitteln, was derzeit an der Humboldt-Universität von Lann-Hornscheidt in vermeintlichen Lehrveranstaltungen dargeboten wird. Der folgende Anschlag auf die deutsche Rechtschreibung ist komplett und unverändert von Lann-Hornscheidts Webpage bei der HU-Berlin entnommnen. Die Tatsache, dass alles klein geschrieben ist, ist vermutlich der Einbildung geschuldet, dass es auf diese Weise möglich sei, die Privilegierung von manchen Buchstaben zu verhindern, nicht dass sich Großbuchstaben noch einbilden, sie seien etwas Besseres.

Lann Hornscheidt

Quelle: HU-Berlin

“in diesem kurs lernen wir verschiedene modelle zu diskriminierungsanalysen kennen mit einem schwerpunkt auf privilegierungen: welche ansätze gibt es? welche rolle spielen sprachliche handlungen, d.h. wie und wann werden privilegien wie benannt und verhandelt? welche argumentationen gibt es zu privilegierungen und welche effekte haben diese auf politiken, akademische wissensbildungen und (kollektive) selbstbilder? können privilegierungen verändert oder abgelegt werden? wie kann politisch und wissenschaftlich mit privilegien sinnvoll umgegangen werden, wie können sie konzeptualisiert und behandelt werden? wie wird intersektionalität in bezug auf privilegierungen gefasst und umgesetzt? welche konsequenzen hat eine analyse von privilegierungen auf konkrete anti-diskriminierende projekte? ausgehend von einem ansatz sozialer und politischer positionierung und auf der grundlage von betroffenheitskontrollierten forschungsdesgins bietet der kurs eine einführung in mechanismen, analysen und konsequenzen einer privilegierungs-fokussierten intersektionalen arbeitsweise.

arbeitsweise: zu jeder sitzung sollte vorbereitend ein text gelesen werden. im seminar wird mit verschiedenen interaktiven methoden gearbeitet. ein schwerpunkt liegt dabei auf der reflexion eigener sozialer und politischer positionierungen und dem entwerfen von handlungsoptionen.”

Wer sich wöchentlich für zwei Stunden in die angegebene Veranstaltung verirrt hat, der weiß jetzt alles über die Privilegierung von vor allem weißen Männern, von, noch wichtiger, weißen Männern ohne Behinderung und, extrem wichtig, von weißen Männern ohne Behinderung, die heterosexuell sind.

Wer die Veranstaltung durchgestanden hat und eine nicht näher bezeichnete Leistung erbracht hat, vermutlich gilt im Seminar: Dabeisein ist alles, schon um nicht Studenten den Eindruck zu vermitteln, sie wären besser als andere und am Ende durch ihre Leistung privilegiert, wer also die Veranstaltung durch- oder überlebt hat, der weiß nun alles über Privilegien bei anderen, und, nicht zu vergessen, bei sich, wie man dem Text entnehmen kann, der als Einstiegsliteratur benannt ist.

Die Einstiegsliteratur stammt von einer Andrea Smith, die ein Blog mit dem Namen “ANDREA366 The 18 year plan to end global oppression” betreibt, das bereits mit dieser Benennung als unwissenschaftlich ausgewiesen ist. Der Text, der den Einstieg geben soll, kann dahingehend zusammengefasst werden, dass es nicht ausreicht, sich seiner eigenen Privilegierungen im Gesamt der Struktur der Privilegierung bewusst zu werden, vielmehr müsse nicht nur “beyond privilege” gedacht werden, “but beyond the sense of self that claims privilege”.

Nicht nur, dass man sich als weißer Mann seiner Privilegierung als ebensolcher bewusst werden soll (warum auch immer), man soll auch das Ich, das diese Privilegierung aus der Struktur der Gesellschaft (weiß und heteronormativ) ableitet, hinterfragen – oder so. Wie man es anstellt, sein Ich zu hinterfragen, also jenes Ich, das Ich ist und sich als Ich aufführt, das ist eine Frage, die jeder für sein Ich auf der Couch eines Psychiaters seiner Wahl beantworten kann.

Wir wollen hier nichts vorwegnehmen, nur anmerken, dass die gesamte Litanei, die als Lehrveranstaltung über Privilegierung verkauft wird, die wichtigsten Privilegien, die es an Universitäten zu berücksichtigen gilt, auslässt, nämlich die Privilegien auf Kosten von Steuerzahlern freigestellt und in die Lage versetzt zu werden, nicht nur zu studieren, sondern sich auch als Lehrstuhlinhaber einen schönen Lenz damit zu machen, sich über die Privilegierung natürlich der anderen bewusst zu werden.

Organspende: Wer bekommt wann ein Spender-Organ?

Spannende Fragen zeichnen sich derzeit vornehmlich dadurch aus, dass sie nicht diskutiert werden.

Spannende Fragen sind häufig ethische Fragen, wie sie sich z.B. damit verbinden, dass Lebewesen zu Fress-Objekten reduziert werden, damit, dass Personen sich dazu berufen fühlen, z.B. weil sie in einer Nichtregierungsorganisation tätig sind, anderen Vorschriften darüber zu machen, wie sie zu leben haben, faktisch also danach streben, diese anderen zu entmündigen, oder ethische Fragen, die sich damit verbinden, dass sich Erwachsene das Recht nehmen, Kinder in jedem Alter zum Verfügungsobjekt oder Empfangsobjekt dessen zu machen, was sie gerade als wichtigste Zutat einer erfolgreichen Sozialisation ansehen.

Eine der spannendsten ethischen Fragen, die kaum gestellt und schon gar nicht diskutiert wird, ist die Frage: Nach welchen Kriterien werden eigentlich Spenderorgane vergeben?

Eigentlich sollte man denken, dass eine solche Frage öffentlich diskutiert wird, schon weil regelmäßig in großangelegten Werbeaktionen versucht wird, an Spender-Organe heranzukommen.

human organ tradeBekannt ist lediglich, dass es möglich ist, die Vergabe von Spenderorganen zu beeinflussen und sich ein nettes Nebeneinkommen durch die Manipulation von Wartelisten zu verschaffen. Daraus kann man wiederum schließen, dass es Wartelisten gibt, auf denen Personen gesammelt werden, die warten, auf ein Spender-Organ warten.

Wer oben auf der Liste steht, der erhält wohl ein Spenderorgan.

Was die Frage aufwirft: Wer steht oben? Und diese Frage ist nichts anderes als die Frage danach, welche Kriterien angelegt werden, um Spender-Organe zu vergeben.

Ein wenig Information dazu findet sich auf der Seite von Eurotransplant, einem Zusammenschluss, an dem Österreich, Belgien, Kroatien, Deutschland, Ungarn, Luxembourg, die Niederlande und Slowenien beteiligt sind. Eurotransplant ist im Wesentlichen eine Datenbank, in der alle Personen, die sich in den teilnehmenden Nationen auf einer Warteliste befinden, geführt werden. Wird in einem der teilnehmenden Länder ein Organ entnommen, dann wird auf Grundlage der Datenbank von Eurotransplant und unter Verwendung nicht näher spezifizierter Kriterien eine “Treffer-Liste” von Patienten auf der Warteliste erstellt, die für die Aufnahme des entnommenen Organs in Frage kommen:

“Eurotransplant generates a so-called match list for each donor organ. The match list is generated by a complicated computer algorithm that takes into account all medical and ethical criteria.”

Den Zuschlag erhält derjenige, der die nicht angegebenen ethischen und medizinischen Kriterien am besten erfüllt und auf der Warteliste am weitesten oben steht (Vor allem die ethischen Kriterien, also die Bewertung bestimmter Eigenschaften der Wartenden, z.B. ihr Alter oder die Frage, ob sie rauchen, wären eigentlich zu diskutieren).

Wir sind zurück auf Los und fragen abermals: Wer steht auf der Warteliste oben?

Nähere Informationen finden sich z.B. im Zusammenhang mit der Zuteilung von Spenderlebern oder Spenderlungen. Erstere werden nach MELD (Model for End-stage Liver Disease) vergeben. In aller Kürze bedeutet dies: der Wartende, dem es am schlechtesten geht, der erhält die Spenderleber – ein eher seltsames System, denn der Wartende, dem es am schlechtesten geht, der hat auch mit Transplantation die geringste Überlebenswahrscheinlichkeit und zudem die geringste Wahrscheinlichkeit, das neue Organ auch anzunehmen. Dessen ungeachtet wird eine gespendete Leber nach MELD vergeben.

Bei Lungen ist es anders.

SALE-body partsLungen werden nach LAS (Lung Allocation Score) vergeben. LAS berücksichtigt eine Vielzahl von Variablen, darunter die Dringlichkeit der Lungentransplantation und die Erfolgsaussichten nach der Durchführung der Transplantation. Der High-Score in LAS beträgt 100. In die Berechnung von LAS gehen auch die Art der Lungenerkrankung, Gewicht und Größe sowie das Alter des auf eine Lunge Wartenden ein. So ist das für Wartende über 12 Jahren. Wartende unter 12 Jahren erhalten automatisch einen LAS-Score von 100.

Nun ist die Frage, nach welchen Kriterien ein Spender-Organ zugewiesen wird, eine ethische Frage, denn die Entscheidung, Lunge X an Y zu vergeben, bedeutet, sie an alle anderen nicht zu vergeben. Entsprechend entscheiden die Kriterien, die zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, eine Leber, Niere oder Lunge zu verteilen, häufig über Leben und Tod.

Um so erstaunlicher, dass die Kriterien von Ärzten und anderen, die mit Organtransplantationen ihr Geld verdienen, bestimmt werden und keiner öffentlichen Diskussion zugänglich sind.

Folglich bleiben Fragen wie die folgenden bislang unbeantwortet:

  • Sollen Spender-Organe generell nach Bedürftigkeit vergeben werden? Wer z.B. eine Niere anhand medizinischer Indikatoren am nötigsten hat, der soll sie vordringlich erhalten? Problem damit: Wer ein Spender-Organ am nötigsten hat, ist häufig bereits so krank, dass die Transplantation mit einem hohen Risiko des Scheiterns verbunden ist.
  • Sollen Spender-Organe generell nach Erfolgswahrscheinlichkeit vergeben werden? Entsprechend erhalten Patienten, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Organismus das transplantierte Organ auch annimmt, am höchsten ist, das entsprechende Spender-Organ.
  • Sollen Spender-Organe nach Leistung vergeben werden, z.B. indem die Zuteilung nach Steuerleistung erfolgt? Wer mehr Steuern bezahlt, erhält bevorzugt ein Spender-Organ.
  • Sollen Spender-Organe nach einem Quoten-System vergeben werden, das die sexuelle Orientierung, den Migrationsstatus, das Geschlecht und vorhandene Behinderungen berücksichtigt, was bedeutet, dass z.B. bisexuelle, behinderte Frauen mit Migrationshintergrund bei der Zuteilung von Spender-Organen bevorzugt werden?
  • Oder sollen Spender-Organe per bindender Verfügung verteilt werden, z.B. dadurch, dass ein Spender verfügt, dass seine Leber oder seine Lunge nur an einen Mann, der nicht älter als 38 Jahre ist und der Single ist, vergeben werden darf?

Wie die fünf Möglichkeiten zeigen, verbinden sich mit der Zuteilung von Spender-Organen eine Vielzahl von ethischen Fragen. Ethische Fragen sind immer Fragen der Bewertung, schon deshalb werden sie in Deutschland in der Regel nicht diskutiert, denn würde man sie diskutieren, es würde deutlich, dass die Meinungen auseinander gehen und dass es keine Ideallösung gibt. Das wiederum wäre ein Horror für Verwalter und all diejenigen, die mit Organhandel ihr Geld verdienen – man nennt es übrigens Pluralismus, und Pluralismus, das zeigt sich regelmäßig, ist in Deutschland nicht gerne gesehen, weder als politischer Pluralismus noch als Meinungsvielfalt.

Bei ScienceFiles ist das anders. Wir lassen unsere Leser darüber abstimmen, nach welchen Kriterien die Vergabe von Organen erfolgen soll.

Vergabekriterien bei Organspenden

Heteronormative und sexistische Papiertüten

Der wissenschaftliche Nachwuchs macht wieder von sich reden; dieses Mal der Nachwuchs aus Würzburg, wo angehende Wissenschaftler, diejenigen, die in ein paar Jahren für sich beanspruchen wollen, die intellektuelle Elite des Landes, zumindest im Hinblick auf formale Bildungstitel zu stellen, in Papiertüten den Klassenfeind erkannt haben.

Uni WuerzburgEntsprechend machen sie in einer Weise von sich reden, die zeigt: Zwischen formaler Bildung z.B. einer (Fach-)Hochschulreife und Intelligenz besteht zuweilen bestenfalls eine Schnittmenge, über deren Ausmaß man sich genauer unterhalten müsste.

In Würzburg, an der dortigen Universität, ist es üblich, Erstsemestern Semesteranfangstüten auszuhändigen, in denen sich vornehmlich Werbegeschenke befinden. Schon 2013 hat der “Studentische Konvent” der Universität Würzburg auf Antrag der Referate “Ökologie” und “Gleichstellung” die Abschaffung dieser Semesteranfangstüten beschlossen. Zum Sommersemester 2015 hat sich der Sprecherrat an den Beschluss erinnert und die Semesteranfangstüten abgeschafft.

Erstsemestertuete“Durch die Verteilung der Tüten wurde[n] für eine lange Zeit Berge von Müll produziert, die noch Tage in der Mensa sichtbar waren. Die wenigen kostenlosen Werbegeschenke darin standen in keinem Verhältnis zum Aufwand der Entsorgung. Schon 2013 wurde folgender Antrag zu den Semesteranfangstüten beschlossen:

Jedoch wurde dieser Beschluss oftmals vernachlässigt. Nun zur nächsten Erstimesse wird es keine Semesteranfangstüten geben.”

Die Begründung, die hier gegeben wird, lautet demnach: Müllvermeidung. Sie ist nachvollziehbar und somit rational, denn wenn die Menge des entstehenden Mülls durch den Gewinn, der den einzelnen Studenten durch die Semesteranfangstüten entsteht, nicht gerechtfertigt ist, dann macht es durchaus Sinn, über den Wert der Tüten nachzudenken – zumindest ist es eine rationale Begründung, was zeigt, dass der derzeitige Sprecherrat an der Universität Würzburg zumindest aus einigen denkfähigen und rationalen Studenten zu bestehen scheint.

Interessant ist auch, dass die Sprecher die Verbannung der Semesteranfangstüten von der “Erstimess” (die infantile Sprache ist überall) ausschließlich mit Müllvermeidung begründen. Dies spricht für sie, denn offensichtlich sind sie der Meinung, die ursprüngliche Begründung des später beschlossenen Antrags, der auf die Referate Ökologie und Gleichstellung zurückgeht, sei so absurd und unsinnig, dass man sie besser nicht wiederholt.

Und damit haben die Studentenräte sicher recht.

Denn wie so oft, wenn Referate, die “Gleichstellung” im Namen führen, an etwas beteiligt sind, zeigt das Produkt, das unter Beteiligung derjenigen, die sich in diesen Referaten zusammenfinden, erstellt wurde, alle Anzeichen eines Ergebnisses, das man nur auf geistige Demenz zurückführen kann.

Und dabei kommen dann Sätze, wie die folgenden heraus:

“Der Sprecher- und Sprecherinnenrat setzt sich bei den Verantwortlichen des Studentenwerks, wie auch bei weiteren Akteurinnen und Akteuren dafür ein, dass die unverhältnismäßig viel Müll produzierenden, heteronormativen, und sexistischen Semesteranfangstüten an der Universität Würzburg nicht mehr ausgeteilt werden.”

Die Sprachverwirrung, sie schreitet voran. Anders formuliert: Es gibt bereits unter Studenten Sprechmaschinen, die ein Inventar von Begriffen haben, die sie unter den Rubriken “gut” und “schlecht” kategorisieren, deren Bedeutung sie aber in keiner Weise kennen.

Die Begriffe “heteronormativ” und “sexistisch” sind solche Begriffe. Beide beziehen sich auf ein Verhalten bzw. wenn man ganz freundlich ist, kann man annehmen “heteronormativ” beschreibe auch eine Einstellung. Papiertüten, jedenfalls die Papiertüten, die wir kennen, haben weder eine Einstellung, weshalb sie nicht heteronormativ sein können, noch zeigen sie ein Verhalten, weshalb es nicht möglich ist, Papiertüten als sexistisch zu bezeichnen.

Und jetzt kann man sie schon hören, die Künstler, die schreien, dass es sexistische Darstellungen gibt. Und doch gibt es die entsprechenden Darstellungen nicht. Es gibt ausschließlich Darstellungen. Und dann gibt es Betrachter von Darstellungen, die diese Darstellungen bewerten, z.B. als sexistisch. Sexistisch ist aber keine Eigenschaft der Darstellung oder der Papiertüte, sondern eine Zuschreibung durch den Betrachter. Man sollte meinen, dass derartige Trivialitäten, die unter Studenten sozialwissenschaftlicher Fächer bereits im ersten Semester verbreitet sein sollten, auch tatsächlich verbreitet sind. Sie sind es aber offensichtlich nicht.

Vielmehr findet sich unter Studenten zunehmend eine Unfähigkeit zwischen eigener Bewertung und Zuschreibung und den Eigenschaften von Objekten zu unterscheiden. Das ist bedenklich, denn diese Studenten sind anfällig für z.B. Rassenlehren, die z.B. Juden bestimmte Eigenschaften zuschreiben und behaupten, die Eigenschaften seien Juden inhärent. Der Rassismus beginnt, so kann man formulieren, bei dem irrigen Glauben, es gebe sexistische Papiertüten.

Wer das denkt, ist natürlich auch hervorragend manipulierbar, denn er bemerkt gar nicht, dass er es ist, der seine Bewertung in seinem Bemühen, z.B. Gutes zu tun, an Objekte heranträgt. Entsprechend einfach ist es diese Zombies zu steuern, z.B. in dem man behauptet, ein Objekt sei irgendetwas, sei rassistisch, sexistisch, extremistisch, was auch immer, eine Behauptung, die darauf abzielt, den Affekt auszulösen, der dann auch regelmäßig kommt, da die Zuschreibung ja als “gut” oder “schlecht” kategorisiert wurde (Der Hund von Pawlow hat für seinen Reiz-Reaktions-Gehorsam, für seine klassische Konditionierung, wenigstens noch Nahrung – also eine Belohnung erhalten. Studenten in Würzburg zeigen Reaktionen auch ohne nachvollziehbare Belohnung. Da sage noch einer, Hunde wären Menschen unterlegen…).

Spätestens bei Begriffen wie “heteronormativ” sollte der Unterschied zwischen dem Objekt und der Bewertung des Objekts einem Studenten, der zur intellektuellen Elite gehören will, jedoch auffallen. Normen sind nichts, was sich direkt beobachten ließe. Normen kann man nur aus gleichförmigem Verhalten erschließen. Wenn alle Bekannten, die man hat, sich regelmäßig dann von einem abwenden, wenn man in der Mensa damit beginnt, über seine  Verdauungsprobleme und die Folgen davon zu sprechen, dann könnte man, wäre man ein aufmerksamer Beobachter und vielleicht sogar ein angehender Soziologe, daraus schließen, dass es eine Norm gibt, die es verbietet, beim Essen über Verdauungsstörungen, deren Folgen und die Art und Weise, wie sie sich äußern, zu sprechen.

Da Papiertüten sich nicht verhalten, können Papiertüten auch nicht heteronormativ sein. Sie können bestenfalls das Ergebnis von normativem Verhalten sein, z.B. wenn sie aus nicht mit Chlor gebleichtem Papier hergerstellt wurden.

Studenten sollten das eigentlich wissen.

Aber was soll man von Studenten erwarten, die Sätze wie die folgenden von sich geben:

Wuerzburger Knalltueten“Die UNICUM-Tüten preisen die Zweigeschlechtlichkeit: es gibt nur die Wahl zwischen Frauen- und Männer-Tüten, die jeweils durch ihren Inhalt als auch durch das rosa und blaue Band geschlechtsstereotyp gekennzeichnet sind. Zu den Produkten sei ein Beispiel in Bezug auf die UNICUM-Tüten im Wintersemester 2012/13 genannt: In den Tüten zu Beginn des Wintersemesters 2012/13 befand sich in den Männer-Tüten ein bekannter Energiedrink, in den Frauen-Tüten fand man selbigen in der „zuckerfrei“-Variante. Hier wird sich also zusätzlich zur Zweigeschlechtlichkeit einem bestimmten Körperbild verschrieben, dem vor allem Frauen zu entsprechen haben, da es gesellschaftlich anerkannt sei.”

Tüten sind also nicht nur heteronormativ und sexistisch, sie preisen auch die Zweigeschlechtlichkeit.

Nun, hätten die Eltern der Studenten, die sich hier über das Lob der Zweigeschlechtlichkeit beschweren, nur von diesem Lob und Preis abgesehen, dann wäre uns einiges an Unsinn erspart geblieben. Z.B. die Notwendigkeit gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass Sexismus nicht in den Gegenständen liegt, sondern in den Betrachtern. Die für die zitierten Sätze Verantwortlichen, sie sind wahre sexistische Monster, die nicht anders können, als in allen Dingen danach zu forsten, ob sie nicht vielleicht sexistisch interpretiert werden können.

Derartige Fixierungen wurden früher auf der Couch von Psychiatern behandelt. Heute sind sie in manchen Bereichen zur Normalität geworden. Die Normativität des faktischen Wahnsinns, die denjenigen, die sich ihr unterwerfen, vorgaukelt, sie seien normal, sie ist in manchen Bereichen total. In diesen Bereichen herrscht ein Glaube, von dem die Besessenen nicht einmal durch die Tatsache abzubringen zu sein scheinen, dass die Umgebung über sie lacht, jene Umgebung, die mit normalen Menschen bevölkert ist, die in Tüten Tüten erblicken und keine sexistischen Fanale, jene Umgebung, in der zuckerfreie Marmelade zum Frühstück gegessen wird, und zwar von zwei gegengeschlechtlichen Frühstückern, die nicht eine Sekunde auf die Idee kommen, mit der zuckerfreien Marmelade verbinde sich ein “bestimmtes Körperbild”.

Warum kommen sie nicht auf die Idee? Weil sie in der ratio-normativen Welt leben, in der die eigene Idiotie nicht in Kanaldeckel und Papiertüten projiziert wird, sondern Papiertüten und Kanaldeckel eben Papiertüten und Kanaldeckel sind.

Bleibt abschließend noch die Frage, ob es notwendig sein wird, einen antirational-normativen Zug an deutschen Hochschulen einzurichten, in dem diejenigen gesammelt werden, die es aus nicht nachvollziehbaren Gründen an Hochschulen geschafft haben, damit sie von dort direkt in geschlossene Anstalten transferiert werden können, Anstalten, in denen sie von morgens bis Abends über heteronormative Papiertüten und sexistische Kanaldeckel diskutieren können, Anstalten, die am besten vom Bundesministerium für FSFJ finanziert werden, schon wegen vorhandener personeller Überlappungen.

Diese Art der Internierung hätte auch den Vorteil, dass die Internierten nicht anderen vorschreiben können, wie sie z.B: Semesteranfangstüten zu bewerten haben und andere, die diese Tüten vielleicht gerne gehabt hätten, durch ihr Verhalten schädigen.

Weiteres zum #TütenGate gibt es bei Hadmut Danisch.

Spenden für Kritische Wissenschaftler

Wir geben zu, es hat uns gewurmt.

Support DISSDass sich, sagen wir als verträglichsten Näherungswert, zu dem wir uns durchringen können, dass sich Langweiler, wie die vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) als “critical researchers” bezeichnen, vermutlich weil sie denken, “critical” beziehe sich auf die Kritische Schule, jene Frankfurter Schule, die Jürgen Habermas zu Grunde gerichtet hat, jedenfalls im Hinblick auf ihren kritischen Gehalt, dass also diese Langweiler von sich behaupten, sie seien, das muss man sich einmal vorstellen, sie seien “critical researchers”, kritische Forscher, wenn man sich das vergegenwärtigt, angesichts der Arbeiten aus dem DISS, dann schlägt das dem Fass den Boden aus.

Vermeintliche kritische Wissenschaftler, die sich nicht trauen, den Mund gegen den Mainstream aufzumachen; vermeintliche kritische Wissenschaftler, die nichts anderes können, als Bewertungen des (verbalen) Verhaltens anderer abzugeben; vermeintliche kritische Wissenschaftler, die denken, kritisch sei man deshalb, weil man sich mit Ideen, die man nicht gut findet und die man der Einfachheit halber anderen unterschiebt, dadurch auseinandersetzt, dass man sie für schlecht, nicht tolerabel oder verwerflich erklärt; vermeintliche kritische Wissenschaftler, die in ihrem Leben noch nie auf eine Idee gekommen sind, die nicht schon mindestens 10000 andere vor ihnen hatten: Die Mitglieder von DISS aus Duisburg, sie wollen sich wohl über kritische Wissenschaftler lustig machen.

Und dann wollen Sie noch, dass man für die von ihnen produzierte Langeweile, die Ideen, die ihnen nicht kommen und den Mainstream-Unsinn, den sie verbreiten, spendet, denn, so jammern sie, sie werden nur aus Drittmitteln finanziert.

Ungeheuerlich.

ScienceFiles wird nicht aus Drittmitteln finanziert. ScienceFiles wird gar nicht finanziert. ScienceFiles ist ein Hobby von Wissenschaftlern, von kritischen Wissenschaftlern, wie jeder hier nachlesen kann, von richtigen, nicht von eingebildeten kritischen Wissenschaftlern.

Jedoch: Wir leben in einer zumindest dem Wort nach (und das Wort wird ja Tat, wie die DISSen behaupten), freien Gesellschaft. Deshalb können wir niemanden daran hindern, sein Geld aus dem Fenster zu werfen und den Duisburger Langeweilern, die sich als “kritische Forscher” geben, in den Rachen.

Aber: Wir können eine Alternative bieten.

Uns!

SciencefilesUns, die wirklich kritischen Wissenschaftler, die in rund 1.200 Beiträgen auf ScienceFiles gezeigt haben, was kritische Wissenschaft ist und worin sie sich vom Mainstream unterscheidet. Nicht nur das: wir haben mit unserem Grundsatzprogramm die Kriterien festgeschrieben, die kritische Wissenschaft auszeichnen, unseren eigenen Standard die DIN SF2012 geschaffen. DIN SF2012 bezieht sich auf die Methoden, die Wissenschaft im Allgemeinen und kritische Wissenschaft im Besonderen erst möglich machen. DIN SF2012 stellt einen Standard des wissenschaftlichen Arbeitens, einen formalen, keinen inhaltlichen Standard bereit. Auf Basis von DIN SF2012 ist es möglich, sich über reale und relevante Dinge auszutauschen, auch wenn man unterschiedicher Meinung ist, denn DIN SF2012 gewährleistet z.B. dass der empirische Gehalt von Argumenten bestimmt wird. Er schafft somit eine Basis des informierten Austauschs, eine Basis, die die angeblich kritischen Wissenschaftler z.B. aus dem DISS dadurch unmöglich machen, dass sie ihre Bewertung an die Welt herantragen, alle vor den Kopf stoßen, die ihre Bewertung nicht teilen, sie zu Paria erklären, zu Rassisten und sonstigen Bösen, mit denen man nicht spricht.

Und deshalb können nicht irgendwelche Langweiler kommen, und von sich behaupten, sie seien kritisch und dies mit der klaren Absicht, sich dadurch einen finanziellen Vorteil zu verschaffen.

In der Vergangenheit haben uns einige Spenden erreicht, mit denen die Spender unsere Arbeit unterstützt haben. Bei all den Spendern der Vergangenheit wollen wir uns hiermit nochmals bedanken.

Und auf dieser Grundlage träumen wir jetzt einmal von neuen Ufern.

Kritische Wissenschaft gibt es nur bei ScienceFiles. Wer also kritische Wissenschaft mit seiner Spende unterstützen will, der sollte sich an das Original halten und nicht Institutionen zweifelhafter mimetischer Qualität finanzieren.

Lasst uns also von neuen Ufern träumen.

Wie wäre es,

– wenn wir uns über Spenden finanzieren würden?

– wenn ScienceFiles nicht das Hobby von Wissenschaftlern wäre, die ihren Lebensunterhalt am freien Markt verdienen und nicht im institutionellen Schutzraum, wo Nichtstun ebensowenig bestraft wird, wie etwas zu tun?

– wenn ScienceFIles eine durchfinanzierte Quelle kritischer Texte wäre, wir uns quasi hauptberuflich mit dem, was die institutionelle Wissenschaft so produziert, dem, was Medien als wissenschaftlich ausgeben und manch anderem befassen würden?

Wir können uns die blassen Gesichter vieler institutioneller Wissenschaftler, die lieber unerkannt und ohne Feedback auf ScienceFiles bleiben wollen, lebhaft vorstellen.

Wir können uns den Horror auf den Gesichtern der öffentlich-rechtlichen Nachrichten-Manipulateure gut vorstellen.

Und all der Schrecken bei den Legitimationsabsolventen, die für z.B. die politischen Vereine der Parteien die schmutzige Arbeit der Diskreditierung gesellschaftlicher Gruppen per pseudo-Expertise erledigen – einfach vorzüglich.

Ja, derart neue Ufer, Sie würden die institutionelle Wissenschaft und nicht nur sie aufmischen. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn das Wissenschaftsblog Nr. 1 in Deutschland, das derzeit nebenbei betrieben wird, nicht nebenbei, sondern mit voller Arbeitskraft betrieben würde.

Wirklich nicht auszudenken.

Und auch nicht wahrscheinlich.

Oder doch?

Wir wissen es nicht. Bis zum Beweis des Gegenteils bleiben wir entsprechend der kritischen Rationalisten, die wir sind, der Realität verhaftet, wie sie sich im Moment darstellt, der Realität, in der ScienceFiles unser Hobby ist, das wir neben unserem Beruf betreiben.

Wer daran mitarbeiten will, uns das Gegenteil zu beweisen, der kann dies durch eine Spende hier (PAYPAL) tun (Wer mit Paypal ein Problem hat, der möge sich bei uns melden).

Denn: Es gibt nur bei ScienceFiles kritische Wissenschaftler, die auch den Mund aufmachen.

Am Anfang war das Wort – und dann, dann kam der Rassismus

Vorsicht Invocation!

Was Sie jetzt lesen, kann Sie zum Handeln veranlassen.

Das Lesen des folgenden Textes, kann dazu führen, dass Sie ihre Trägheit überwinden!

Denn: Worte sind Macht. Es werde Licht, so sprach Gott irgendwann und: Bang! Big Bang!

Wir alle wissen, was dann passiert ist.

big-bangWorte sind nicht nur Macht, Worte sind kausal, kausale Kausalität für das, was danach kommt. Wir sagen: Reichtum, und Sie spenden uns Millionen. Sie sagen: Schreibt’ politisch nicht korrekte Posts und unsere Finger, wie von Geisterhand bewegt, wandern über die Tastatur und tippen, tippen politisch Unkorrektes. Nicht, dass wir das wollten, aber wir haben keine Wahl. Unsere Leser zwingen uns dazu. Denn Worte sind Macht, und wir bekommen viele Worte in eMails, die uns auffordern, über dies oder jenes zu schreiben. Obwohl wir das vielleicht gar nicht wollen, was wir gar nicht mehr wissen … Getriebene unserer Leser, die wir sind.

Worte, so können wir festhalten, regieren die Welt.

Wer Worte spricht, der hat Macht. Wer viele Worte spricht, der hat viel Macht. Wer die richtigen Worte spricht, den mögen die Mitarbeiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Wer die falschen Worte spricht, den mögen die DISSen nicht.

Da. Jetzt schreiben wir wieder über einen Hinweis, den wir von einem Leser erhalten haben, einen Hinweis auf einen Beitrag im Westen: “Rassismusforscher sehen Rechtsruck in Asyldebatte“, so ist er überschrieben, und in diesem Beitrag entwickeln die DISSen ihre Theorie der Wortmacht, die wir bereits vorgestellt haben und unter deren Gewalt wir uns gerade wieder befinden, weil uns ein Leser einen Hinweis …, aber das hatten wir schon.

Eine Anwendung für die Theorie der Wortmacht der Duisburger ISSen: Die Kausalität von Wort und Tat am Beispiel von Asylbewerberheimen:

Yappi_on_television_advertEs steht geschrieben im Westen: “Bevor in den 90er Jahren Asylbewerberheime brannten, gab das Institut eine Analyse der Sprachgewohnheiten heraus und nannte sie fast prophetisch „BrandSätze. Rassismus im Alltag”. Heute seien extreme Formulierungen erneut aussprechbar, beobachten die Forscher insbesondere in Internet-Foren und Facebook-Gruppen.”

Wir wissen: Worte steuern Handeln, das bringt z.B. der DISS Martin Dietzsch gekonnt auf den Punkt: “‘In den 90er Jahren sagten viele, ‘ich bin nicht ausländerfeindlich, aber…’ und am Ende brannten Häuser, starben Menschen in Hoyerswerda, Solingen. Heute sagen Menschen ‘Ich bin nicht rechts, aber…’ und spätestens im zweiten Satz äußern sie sich extrem rechts“. Und was danach kommt, das wissen wir seit Tröglitz, denn worüber gesprochen wird, das geschieht auch: Invocation.

Die DISSen aus Dusiburg, Sie haben es erkannt.

Der Papst sagt: Urbi et Orbi und was passiert? Millionen in Rom und dem unbedeutenden Rest der Welt sie schalten ein.

In Deutschland wird über die Gefährlichkeit von Atomkraftwerken diskutiert. Was passiert? Kernschmelze in Fukushima.

Deutsche beschwören die Gefahr islamistischen Terrors, und was passiert? Syrien befindet sich im Krieg mit Islamisten und der Irak auch.

Worte sind Macht – große Macht. Die DISSen, sie WISSen es. Sie wissen es auch wegen ihrer Buches “BrandSätze. Rassimus im Alltag”. Bevor in den 1990er Jahren noch Asylbewerberheime brannten, haben die DISSen ihr Buch veröffentlicht. Invocation.

Ohne dieses Buch hätte es die brennenden Asylbewerberheime angesichts der Kausalität, die die DISSen entdeckt haben, nie gegeben. Sie haben die Macht der Worte, die Macht der gedruckten Worte in einem Feldexperiment und nach allen Regeln der Kunst demonstriert. Sie schrieben, und es brannte.

Auch den Mechanismus, der die Kausalität befördert, den haben die DISSen am eigenen Leib erforscht. So berichtet Iris Tonks von ihren Erfahrungen mit der Macht der Worte: “‘Eine Weile dachte ich, ich kann an keinen Bankautomaten gehen, ohne überfallen zu werden, dabei geht die Kriminalität zurück.’ Dazu geführt hatten Artikel über ‘Klau-Kids’, mit denen Menschen bestimmter Volksgruppen stigmatisiert würden.”

Klau-Kids, Anthrax, AKWs, Terroristen, Mörder, Rechtsextreme, Chaoten, Politiker, Rassismusforscher, alles nur Worte, Worte, die deshalb kausal für Handlungen sind, weil sie Angst induzieren, wie Tonk im Selbstversuch eindeutig belegt hat: Angst, die Handlungen zu Angsthandlungen werden lässt, zu hysterischen Angsthandlungen, unter denen – wie im Fall von Tonks – Banken zu leiden haben, was zeigt, Worte haben auch Folgen, über die sich die Sprecher gar nicht klar sind, wie dann, wenn z.B. Banken leiden, weil Tonks aus Angst vor Klau-Kids kein Geld mehr abhebt.

Was also ist zu tun?
Wie kann man die Macht der Worte brechen?
Durch Schweigen!

Und obwohl es wohltuend wäre, wenn die DISSen Worte vermeiden würden, schon weil dann keine Asylbewerberheime mehr brennen (siehe oben zur Kausalität der DISSen “BrandSätze”), ist es doch nicht die Lösung.

Da die Wirkung von Worten, wie die DISSen gezeigt haben, nicht zu vermeiden ist. Da der Tonks-Selbstversuch eindeutig belegt, dass Worten Taten nachfolgen, und zwar immer, deshalb gibt es nur eine Möglichkeit: Sich die Worte und ihre Kausalität zu nutze machen und nichts Negatives mehr ansprechen, also:

Keine negativen Berichte mehr über Rechtsextremisten. Worten folgen Taten, brennende Asylbewerberheime, wie die DISSen “BrandSätze” gezeigt haben. Um das zu vermeiden schlagen wir vor, in Zukunft von der Schönheit bürgerlichen Engagements im Internet zu berichten, das sich darauf richtet, die eigene Umgebung nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Gleiches gilt für Worte über Kernkraftwerke. Schluss mit der Vielworterei über deren Gefahren. Wir sehen, was passiert. Wir sagen nur: Fukushima (und hoffen, es schmiltz nicht noch einmal, obwohl wir das F-Wort gesagt haben …). Ab sofort werden AKWs nur noch positiv beschrieben. Als Gewinn für den Arbeitsmarkt. Als Gewinn für die Landschaft. Als Gewinn für uns alle, für die nächste Generation und natürlich für die übernächste Generation.

Nur was wir mit den DISSen machen, das wissen wir nicht. Lasst uns also über die DISSen schweigen, bis wir wissen, welcher sprachlichen Verwendung wir sie gefahrlos zuführen können, immerhin sind die Bücher der DISSen “BrandSätze”.

Die DISSen selbst sind übrigens der Meinung, sie seien kritisch – “critical researchers” nennen sie sich, und damit wollen sie an das Portemonnaie von denen, die “critical researchers” unterstützen. Und das Logo des Marketing-Versuchs, mit dem die Drittmittel finanzierten Dissen versuchen, Reibach zu machen, ist einfach zu denkwürdig, als dass wir es an uns vorbeiziehen lassen konnten. Hier ist es:

Support DISS

Plumpe öffentlich-rechtliche Manipulation – Politische Allianzen bei der ARD

Die ARD hat auf Tagesschau.de einen Beitrag veröffentlicht, den man nicht anders werten kann, denn als plumpen Versuch der Manipulation der Leser.

Es gibt eine Reihe von Mitteln, die zur Manipulation eingesetzt werden können.

ManipulationstechnikenDie mit Abstand primitivsten Mittel der Manipulation sind Andeutungen, die dem Leser etwas suggerieren sollen und die sich bei näherer Betrachtung als auf falschen Behauptungen basierend herausstellen.

Primitiv ist auch der Versuch, Autoritäten als Zeugen der eigenen Behauptung anzuführen, deren Aussagen so vage sind, dass sie bestenfalls als Zeugen ihrer eigenen Unkenntnis angeführt werden können.

Ein anderes Mittel aus dem Arsenal der Manipulation besteht darin, Zusammenhänge zu behaupten und so zu tun als wären sie offensichtlich und belegt.

Ein letztes Mittel der Manipulation besteht darin, erfundene Zusammenhänge, dann, wenn sie von anderen nicht hergestellt werden, als Mangel zu bezeichnen und damit den Eindruck zu erwecken, hier sei (vermutlicht mit Absicht) gepfuscht worden.

Alle vier Manipulationsversuche finden sich im Beitrag 162 Mal Tröglitz, einem Beitrag, für den Christoph Scheld verantwortlich zeichnet, der wohl mit Ulla Jelpke, “Abgeordnete der Linksfraktion”, bekannt ist, ihr vielleicht noch einen Gefallen schuldig war, denn Kompetenz kann es nicht gewesen sein, die dazu geführt hat, das Jelpke im Beitrag von Scheld ausführlich zitiert wird.

Suggestive Andeutungen

Scheld beginnt seinen Beitrag mit einer suggestiven Andeutung:

“Graffiti, Sachbeschädigung, Brandanschläge: 162 rechtsextrem motivierte Straftaten dieser Art hat die Polizei voriges Jahr gezählt. Die Zahlen dazu liefert das Bundeskriminalamt. Nicht automatisch, sondern wenn es danach gefragt wird, wie zuletzt im Februar von der Linkspartei im Bundestag.”

Wer diesen Absatz liest, kann den Verdacht, das Bundeskriminalamt würde Zahlen zurückhalten, nicht von sich aus preisgeben, sie verheimlichen, weil ein rechtes Komplott zu verhindern sucht, dass die rechtsextreme Wahrheit ans Tageslicht tritt, den Verdacht den Scheld seinen Lesern suggerieren will, richtig greifen. Wie gut, dass es die heroische Linksfraktion gibt, die nach den rechtsextremen Straftaten fragt (Nicht jedoch nach den linksextremen Straftaten, die viel häufiger sind).

Wäre die Linksfraktion im Bundestag über den Gang der statistischen Dinge informiert, wüsste Herr Scheld Bescheid, würde er seinen Job machen und recherchieren, er und die Linksfraktion kämen über kurz oder lang zu der Erkenntnis, dass es in Deutschland einen Verfassungsschutzbericht gibt. Im Verfassungsschutzbericht werden die Zahlen, die Scheld hier gerne als geheime Verschlusssache ausgeben will, regelmäßig und jährlich veröffentlicht werden. Zuletzt hier (rechte Leiste nach unten scrollen). Im Verfassungsschutzbericht finden sich übrigens auch die Angaben zu linksextremen Straftaten. Das mag ein Grund dafür sein, dass die Linksfraktion lieber im Bundestag nach den rechtsextremen Straftaten fragt.

Behauptete Zusammenhänge

Nachdem mit der Suggestion, rechtsxtreme Straftaten würden der Öffentlichkeit so lange vorenthalten, bis die Linksfraktion im Bundestag danach fragt, der Boden bereitet ist, wird mit Ulla Jekpke, eine “Abgeordnete der Linksfraktion” eingeführt, um die nächste Ente aus der Manipulations-Kiste an den Leser zu bringen. Sie liest sich wie folgt:

162Troeglitz“Das Problem der Statistik ist, dass sie eben nur Demonstrationen oder Aktionen des rechten Randes, zum Beispiel von NPD-Kameradschaften registriert, aber ‘Pegida’ fehlt beispielsweise völlig. Und ‘Pegida’ ist ja nun mehr aus der Mitte heraus, die man ganz eindeutig als rassistisch verurteilen muss. Und interessanterweise haben wir im letzten Jahr im letzten Quartal mit der ‘Pegida’-Bewegung einen rasanten Anstieg von Übergriffen auf Flüchtlingen.”

Großem Unsinn, wie diesem, muss mit entsprechend deutlichen Worten begegnet werden: Frau Jelpe hat offensichtlich überhaupt keine Ahnung wie die Statistik, in der politisch motivierte, in diesem Fall politisch-rechts motivierte Straftaten erfasst werden, zustande kommt.

Deshalb geben wir Nachhilfe: Eine Straftat gilt dann als politisch motivierte Straftat, wenn ein entsprechendes Motiv entweder offensichtlich ist oder mit gutem Grund angenommen werden kann oder wenn der Täter, so er denn gefasst wird, ein entsprechendes Motiv angibt. Es wird also von der Straftat aus gedacht, nicht vom Straftäter und es bedarf einer Verbindung zwischen einer Straftat und einem politischen Motiv, im vorliegenden Fall, einem rechten politischen Motiv. Kann diese Verbindung auf eingermaßen sicherem Grund hergestellt werden, dann wird sie auch hergestellt.

Kurz: Wüsste Frau Jelpe auch nur ein wenig Bescheid, sie wüsste, dass alle Straftaten, die als rechts motiviert anzusehen sind, in der Statistik enthalten sind, auch die, die im Umfeld der Demonstrationen der PEGIDA begangen wurden, so denn welche begangen wurden. Aber: Frau Jelpke weiß offensichtlich nicht Bescheid, und die berichteten Straftaten sind ihr offensichtlich zu wenige. Sie hätte gerne mehr davon. Warum sonst, sollte sie eine derart irrsinnige Mutmaßung anstellen?

Sie hat offensichtlich den unsäglichen “Mitte-Report” der Universität Leipzig im Kopf, in dem Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit als Probleme der Mitte inszeniert werden sollen. Das hatten wir übrigens schon einmal. Im Jahre 1981 hat Sinus verkündet: “5 Millionen Deutsche: Wir wollen wieder einen Führer haben.” Das Geschäft mit der moralischen Panik vor Rechts, es hat schon 1981 geblüht.

Behauptete Mängel

Die Passage, die oben zitiert wurde, leitet Scheldt mit der Jelpke zugeschriebenen Behauptung ein:

“Doch die Statistik hat einen gravierenden Mangel, meint Ulla Jelpke, Abgeordnete der Linksfraktion.”

Wie wir gezeigt haben, hat nicht “die Statistik”, sondern Frau Jelpke einen gravierenden Mangel. Sie ist offensichtlich der irrigen Ansicht, dass die Bewertung einer politischen Ausrichtung bei der Statistik politisch motivierter Straftaten eine Rolle spiele, weshalb rechts-motivierte Straftaten, wenn sie aus dem Umfeld von PEGIDA kommen, nicht erfasst seien. Das ist völliger Unsinn, zeigt aber deutlich, warum die Linksfraktion bis zum heutigen Tag noch eine Anfrage zum Ausmaß linksextremer Straftaten zu stellen hätte. Straftaten sind für manche Linke scheinbar nicht als solche zu verurteilen, sondern nur dann, wenn sie mit der falschen politischen Einstellung begangen werden.

Pseudo-Autoritäten

Schließlich fährt Scheld den Sprecher des Innenministers, Tobias Plate, als Autorität auf, um zu belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen PEGIDA-Demonstrationen und einem “rasanten Anstieg von Übergriffen auf Flüchtlinge” gab.

Im Originaltext:

“Und auch die Bundesregierung bestätigt den Zusammenhang: Demos können Angriffe nach sich ziehen, sagt der Sprecher des Innenministers, Tobias Plate. Je präsenter das Thema gewesen sei, desto mehr Demonstrationen habe es gegeben und desto mehr Straftaten im Rahmen von Demonstrationen, aber auch mehr Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte habe es gegeben.”

Seit wann eine konjunktive Aussage, nach der etwas sein könnte, bestätigt, dass etwas ist oder war, wie Scheld hier insinuiert, ist eine Frage, die vermutlich nur er beantworten kann. Dass die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfranktion im Bundestag gerade geantwortet hat, dass sie keinerlei Erkenntnisse über einen Anstieg von Gewalt im Umfeld von Demonstrationen der PEGIDA hat, verheimlicht Scheld, denn er müsste es wissen, schließlich hatte die von ihm hofierte Ulla Jelpke die Federführung beim der nämlichen Anfrage der Linksfraktion.

Beide ziehen es vor, ihre eigene Sicht der Dinge als Wahrheit zu verkaufen und einen Zusammenhang zu konstruieren, für den es keinerlei empirischen Beleg gibt, weil es ihn nicht geben kann, weil die Welt nicht nur aus den Variablen besteht, die den Schelds und Jelpkes ins Weltbild passen.

Nehmen wir einmal an, es gäbe eine Korrelation zwischen Demonstrationen und Brandanschlägen auf Asylbewerberunterkünfte, dann stehen wir vor folgenden Problemen:

Zeitgleich mit PEGIDA-Demonstrationen finden Gegendemonstrationen statt. Vielleicht sind es die Gegendemonstrationen, die die Brandanschläge bedingt haben.

Zwischen den PEGIDA-Demonstrationen und den Gegendemonstrationen und z.B. dem Brandanschlag in Tröglitz sind ein paar Tage ins Land gegangen. Man muss also annehmen, dass die PEGIDA und ihre Gegendemonstrationen bei den Tätern so lange im Kopf gegärt haben, bis die Täter auf die Idee gekommen sind, dieses Fanal – wofür weiß niemand – zu setzen.

Schließlich gibt es derzeit Spekulationen darüber, dass Brandanschläge auch von Linken ausgeführt werden könnten, um sie Rechten in die Schuhe zu schieben.

Und angesichts der plumpen und primitiven Versuche, mit denen Jelpke und Scheld beabsichtigen, nicht nur die Vernunft ihrer Leser zu beleidigen, sondern einen Zusammenhang zwischen Demonstranten in Dresden und einem Brandanschlag in Tröglitz zu konstruieren, angesichts des Eifers, der Jelpke dazu treibt, die politische Mitte in die politische Rechte und von da in Rassisten umzuwidmen, muss man feststellen, dass Ideen wie die zuletzt geäußerte, nach der es durchaus denkbar ist, dass Linke Straftaten, die man dem rechten Spektrum zuordnet, nicht nur für sich auszuschlachten versuchen, sondern selbst ausführen.

Was auch immer zutriftt, moralisch verwerflich ist es in jedem Fall.

Angesichts der umfangreichen wissenschatflichen Forschung, die es zwischenzeitlich von den Professoren Werner Patzelt, Hans Vorländer oder Karl-Heinz Reuband zu PEGIDA gibt, kann man den Beitrag von Scheld und Jelpke nur als absichtlichen Versuch der Manipualition der Leser durch Verfälschung der Wirklichkeit bezeichnen.

Junk Science: Homosexuelle werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert

Nick Drydakis wird langsam zu einem Dauergast auf ScienceFiles.

In der Vergangenheit hat er bereits herausgefunden, dass die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr das Verdienst in die Höhe treibt. Warum das so sein soll? Niemand weiß es.

Dann hat Drydakis herausgefunden, dass Homosexuelle weniger mit ihrer Arbeit zufrieden sind als Heterosexuelle, umso weniger, wenn sie sich geoutet haben, und – schlimmer noch – dass Homosexuelle schlechter bezahlt werden als Heterosexuelle.

Drydakis ist “A Man on a Mission” wie es scheint.

junk_scienceNun hat Nick Drydakis die Reihe der Junk Science um einen weiteren Beitrag bereichert, in dem er aus seiner Sicht nachweist, dass Homosexuelle auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Der Beitrag ist in Human Relations erschienen und wird von Sage umsonst feil geboten. Wer ihn haben will: Hier ist der Link.

Die Schlussfolgerungen im Beitrag, sie sind voller Generalisierungen:

Sexuelle Minderheiten sind mit schwerwiegenden Fehlwahrnehmungen und Hürden auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert.

Schwule werden beim Versuch, einen männerdominierten Berufe zu ergreifen, diskriminiert, Lesben beim Versuch, einen frauendominierten Beruf zu ergreifen.

Es gibt einen statistisch signifikanten und negativen Effekt, der von einer homosexuellen Orientierung auf die Berufschancen ausgeht.

Kurz: Homosexuelle werden am Arbeitsmarkt diskriminiert, und zwar alle.

Diese allgemeinen und weitreichenden und hoch generalisierten Schlussfolgerungen basieren auf 5549 Bewerbungsschreiben, die 144 Studenten von 12 Universitäten im Vereinigten Königreich an potentielle Arbeitgeber verschickt haben. Dabei haben sich immer Paare von Studenten auf dieselbe Stelle beworben, Paare, die sich durch eine Angabe im Lebenslauf unterschieden haben: Einer, der beiden Studenten hatte in seinem Lebenslauf den Hinweis, er habe Fähigkeiten (finanzielle und organisationale) im Rahmen seiner Tätigkeit für die Schwulen und Lesben Union an seiner Hochschule erworben, der andere hatte entweder einen Hinweis auf die entsprechende Tätigkeit im Rahmen einer Studenten-Union, die mit Menschenrechten befasst ist oder keinen entsprechenden Hinweis, das geht aus dem Text von Drydakis nicht genau hervor.

Wie dem auch sei, Schwule und Lesben (die sind für Drydakis mit den Aktivisten in schwulen und lesbischen Studenten-Unionen identisch) werden seltener zu Job-Interviews eingeladen als die Vergleichsgruppe (wer auch immer die Vergleichsgruppe sein mag). Und dieses Ergebnis ist die Grundlage, auf der die oben zitierten weitreichenden Aussagen basieren.

Eine ziemlich dünne Grundlage.

Setzt die entsprechende Interpretation doch eine Reihe von Annahmen voraus.

Versetzen wir uns in die Rolle eines Angestellten einer Personalabteilung, denn es sind Angestellte in der Personalabteilung, im HR-Management, die die Bewerbungen lesen und nicht “Unternehmen”, wie Drydakis meint.

Dieser Angestellte ist mit einer Reihe von Bewerbungen auf Stellen konfrontiert, darunter zwei, die Herr Drydakis lanciert hat. Angesichts der Arbeitsmarktlage sind es vermutlich zwei Bewerbungen unter mindestens 50 Bewerbungen.

Unser Angestellter ist also mit in jedem Fall mehr als zwei Bewerbungen konfrontiert.

Er beginnt den Filterprozess.

Er sucht nach geeigneten Kandidaten anhand einer Kriterienliste, die er hoffentlich vorliegen hat, die er aber nicht immer anwenden kann, weil die Anschreiben und Lebensläufe, die er erhält, unterschiedlich sind, weil manche Lebensläufe Angaben, die er bräuchte, nicht enthalten, während andere die entsprechenden Angaben und noch mehr Angaben enthalten, die er für relevant und wichtig erachtet.

DrydakisIIIIrgendwann während er die Bewerbungen durchsieht, stolpert er über die beiden Bewerbungen der Drydakis-Dummies, die sich nach Ansicht von Drydakis nur darin unterscheiden, dass eine der beiden Bewerbungen, den Hinweis auf den Aktivismus in einer Schwulen und Lesben Union enthält (woraus der Personaler dann schließen muss, dass der entsprechende Bewerber schwul oder lesbisch ist).

Dass die beiden Bewerbungen zudem Lichtbilder enthalten, die nicht identisch sind, lassen wir außen vor, und dass belegte Kurse, Ethnizität und Familienstand, selbstberichtete Persönlichkeitscharakteristiken, Fähigkeiten und Freizeitaktivitäten ausreichende Kriterien sind, um zwei Studenten als gleich bis auf den schwulen oder lesbischen Aktivismus anzusehen, das wollen wir auch mit ihm zusammen annehmen.

Machen wir alle diese sehr großzügigen Annahmen, dann müssen wir für unseren Angestellten in der Personalabteilung annehmen, dass ihm diese Gleichheit im Bewerberprofil auffällt.

Wir müssen ferner annehmen, dass ihm nicht nur diese Gleichheit auffällt, sondern auch der für Drydakis entscheidende Unterschied, der in der sexuellen Orientierung, also im schwul-lesbischen Aktivismus bestehen soll.

Zudem müssen wir annehmen, dass dieser Unterschied und nur dieser Unterschied dazu führt, dass die Bewerbung des schwulen und lesbischen Aktivisten ausgesondert wird, während die des Bewerbungs-Partners nicht ausgesondert wird.

Wir müssen darüber hinaus annehmen, dass es keine anderen Gründe für diese Aussonderung gibt, dass der Angestellte in der Personalabteilung also in ähnlicher Weise auf die sexuelle Orientierung fixiert ist, wie Herr Drydakis.

Ziemlich viele Annahmen, wie wir finden.

Geht man seinen Analysen vor diesem Hintergrund etwas auf den Grund, dann ergeben sich folgende Zusammenhänge:

Für männliche Bewerber:

  • In 64,5% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 58,7% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 8,6% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Für weibliche Bewerber:

  • In 65,9% der Bewerbungen wurde mindestens einer der beiden Bewerber eingeladen.
  • In 60,1% der Bewerbungen wurden beide Bewerber eingeladen.
  • In 5,7% der Bewerbungen wurde nur der heterosexuelle Bewerber eingeladen.

Es sind die 8,6% bzw. die 5,7%, die Drydakis stören. Sie sind der Ausdruck von Diskriminierung, so meint er.

Nun muss man bedenken, dass die 5549 Bewerbungsschreiben von nur 144 Studenten, darunter 72 heterosexuelle und 72 homosexuell aktivistische Studenten verschickt wurden.

knoweldge gapJeder Student hat somit bis zu 39 Bewerbungen verschickt. Jeder Bewerber geht mit maximal 39 Bewerbungen in die Berechnungen von Nick Drydakis ein. Rechnerisch wäre es daher möglich, dass die insgesamt 312 Fälle, in denen kein homosexuell-aktivistischer Bewerber zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, immer die selben 8 Bewerber betroffen hat, denn 312 / 39 = 8.

Ob dem so ist, könnte man leicht prüfen, hätte Drydakis seine Ergebnisse im Hinblick darauf dokumentiert, ob sich die Einladungen über die Bewerber gleich verteilen. Das hat er aber nicht getan. Das an sich ist schon erstaunlich, denn eine Angabe der Verteilung des Einladungserfolgs über die Bewerber, z.B. als Mittelwert mit Standardabweichung, ist eigentlich Standard. Fehlt die Angabe, dann muss man Schlimmes befürchten.

Aber selbst wenn eine Gleichverteilung der Einladungen bzw. Ablehnungen über die Bewerber zu beobachten wäre, so ist die Annahme, dass es ausgerechnet der homosexuelle Aktivismus gewesen sein soll, auf den Angestellte in Personalabteilungen fixiert sind, doch eine eher gewagte Annahme.

Aber selbst wenn die Angestellten in Personalabteilungen die Fixierung von Drydakis auf die sexuelle Orientierung teilen und nicht etwa negativ auf studentische Aktivisten reagieren, dann wäre noch zu zeigen, dass Diskriminierung und nicht andere Erwägungen hinter ihrer Entscheidung stehen, vermeintlich homosexuelle Bewerber nicht einzuladen.

Möglicherweise hat man im Unternehmen negative Erfahrungen mit homosexuellen Bewerbern gemacht, negative Erfahrungen, die man nie und nimmer der sexuellen Orientierung zugeschrieben hätte. Aber seit es Aktivisten wie Drydakis gibt, haben die entsprechenden Orientierungen eine Prominenz erreicht, die für sich schon dafür sorgt, dass die Anti-Diskriminierungs-Aktivisten das Gegenteil dessen erreichen, was sie erreichen wollen.

Und um den Reigen zu schließen: Wenn manche Homosexuelle nicht mögen, dann ist auch das zu akzeptieren. Man kann freie Bürger ebenso wenig dazu zwingen, einem homosexuellen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben, wie man sie dazu zwingen kann, einem feministischen, sozialistischen, rechtsextremen oder natonalistischen Aktivisten ein Zimmer zu vermieten oder einen Arbeitsplatz zu geben. Eine Demokratie muss das aushalten und sich damit abfinden, dass für viele z.B. Personalverantwortliche bereits das Bekenntnis eines Bewerbers zu einem beliebigen Aktivismus ausreicht, um sich für andere Bewerber zu entscheiden.

Die explorative Tagung

Data speak to me!

Diese Aufforderung richten quantative Sozialforscher regelmäßig an ihre Daten, wenn sie so gar keine Ahnung davon haben, was sie einmal forschen könnten, was sie erwarten und worauf hin sie ihre Daten analysieren wollen.

SPSS FAEntsprechend wird dem Datenmaterial z.B. mit einer Faktorenanalyse, regelmäßig in der Voreinstellung ab SPSS-Werk, zu Leibe gerückt und interpretiert, was herauskommt.

Explorative Verfahren nennen quantitative Sozialforscher Methoden wie die Faktorenanalyse, die, zu ihrer Ehrenrettung sei es angemerkt, auch konfirmatorisch eingesetzt werden kann, also zur Bestätigung einer theoretischen Annahme.

Explorative Verfahren, also die Aufforderung “Data Speak to me!”, sind unter quantitativen Sozialforschern relativ schlecht angesehen. Wer sie als Allein-Statistikmittel einsetzt, nicht theoriegeleitet vorgeht und dafür keine konkreten Gründe hat, der gilt als Datenfuzzi, als einer, der dem Output in SPSS auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist.

Explorative Verfahren sind dagegen für viele qualitative Sozialforscher zentral, denn qualitative Sozialforscher wollen oftmals verstehen, was sie nicht verstehen, lernen, was sie nicht kennen, hören, was sie angeblich nicht erwarten, denn sie beanspruchen oftmals, ihrem Forschungsgegenstand ohne jegliche Voreinstellung zu Leibe zu rücken. Wie sie, bar aller Voreinstellung, überhaupt in der Lage sind, ihren Forschungsgegenstand zu finden, ist eine Frage, die bislang unbeantwortet geblieben ist.

Und obwohl explorative Verfahren in der Findungsphase, da, wo man sich seinem Forschungsgegenstand nähert, eine Funktion als Lieferanten von Hypothesen, die man dann testen kann, erfüllen, sind sie doch in letzter Zeit arg strapaziert und auf Felder ausgeweitet worden, die advers zu jeglicher Erkenntnis sind. Sie sind zum netten Gespräch, zum Austausch unter Gleichgesinnten oder zum andächtigen Lauschen im Experteninterview verkommen und dienen regelmäßig dazu, dem Forscher, der von Methoden keine Ahnung hat, die Möglichkeit zu bieten, die Ideen, die er nicht hat, von Dritten geliefert zu bekommen.

Leider hat die qualitative Sozialforschung bislang noch keine Befragungsmethode entwickelt, die nicht nur die Ideenlieferung, sondern auch die Interpretation der Ideen leistet, aber das ist vermutlich nur eine Frage der Zeit.

Explorative TagungDenn: Die Entwicklung neuer qualitativer Verfahren schreitet stürmisch voran.

Gestern hatten wir noch das Tiefeninterview, bei dem sich Befragter und Befragender darum streiten, wer auf der Couch liegen darf, heute haben wir die explorative Tagung.

Die explorative Tagung ist für alle geeignet, die:

  • finanzielle Mittel für eine Tagung ausgeben müssen, bevor sie verfallen,
  • keine Idee haben, zu welchem Thema sie eine Tagung ausrichten sollen,
  • keine Erwartung dahingehend haben, was bei der Tagung herauskommen soll,
  • sicherstellen wollen, dass eine Reihe von Beiträgen zur Tagung eingereicht wird, und zwar von Leuten, die zwar auch keine Idee haben, aber den freien Kontext der explorativen Tagung zu schätzen wissen, um zu sagen, was sie schon immer einmal sagen wollten;

Entwickelt wurde die Methode der explorativen Tagung von Pia Schmid (Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg), Eva Labouvie (Otto-von-Guericke-Universität Madgeburg) und Michaela Frohberg (Koordinierungsstelle für Frauen und Geschlechterforschung Sachsen-Anhalt).

Beschrieben wird die neue Methode des “anything goes” wie folgt:

“Für jeden Beitrag werden etwa 45 Minuten (30 Minuten Vortrag, 15 Minuten Diskussion) zur Verfügung stehen. Wir möchten bewusst auf eine thematische Einschränkung verzichten und stattdessen ein breites interdisziplinäres Spektrum an Themen zusammenführen. Alle interessierten Nachwuchswissenschaftler*innen, die sich mit Forschungsthemen und der Vorstellung von Projekten an der Tagung beteiligen möchten, bitten wir um Zusendung von Arbeitspapieren (ein bis drei Seiten) bis zum 31. Mai 2015 an folgende Adresse:
Michaela.Frohberg@ovgu.de

Alle Leser, die zum “5. Landesweiten Tag der Genderforschung in Sachsen-Anhalt” einen Vortrag beisteuern wollen, welchen Vortrag auch immer, sind aufgerufen, ihre Idee an Michaela Frohberg zu richten.

Gibt es etwas, was Sie schon immer einmal sagen wollten? Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Die explorative Tagung, die das Land Sachsen-Anhalt, seines Zeichens ein Nehmerland im Länderfinanzausgleich, finanziert, macht es möglich.

Haben Sie auch keine Idee, aber die Fähigkeit, viele Worte um nichts zu machen? Melden Sie sich bei Michaela Frohberg. Wenn es darum geht, Steuergelder zu ver(sch)wenden, dann ist jedes Mittel recht.

Haben Sie zwar keine Ahnung von Wissenschaft, aber viel von Geschlecht? Ihre Idee und ihr Vortrag sind gefragt. Melden Sie sich als Nachwuchswissenschaftler unter der eMail-Adresse, die oben genannt ist.

Stecken Lesben hinter der DDR-Revolution?

Die Stiftung der Grünen und von Bündnis90, die dem traurigen Clown von Heinrich Böll gewidmet ist, hat sich wieder einmal aufgemacht, Steuergelder, aus denen sie finanziert wird, einer Ver(sch)wendung zuzuführen.

Das uebersehen werden hat GeschichteDas Übersehenwerden hat Geschichte“, so ist die Tagung betitelt, die am 8. Mai, also am Tag der deutschen Kapitulation, im Hallischen Saal der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg stattfindet, und zwar von 13:30 Uhr bis 19:00 Uhr.

Nun könnte man sich fragen, was eine politische Gesellschaft mit beschränkter Haftung, wie die Heinrich-Böll-Stiftung, an einer Universität zu suchen hat. Man könnte sich fragen, ob der politische Verein der Grünen die Räumlichkeiten der Universität umsonst nutzt und vieles mehr.

Aber: Wir stellen derartige Fragen ob viel drängenderer Fragen zurück, Fragen, die die Frage nach der treibenden Kraft hinter der Revolution von 1989 neu stellen und vielleicht zu der Erkenntnis führen, dass nicht die Forderung nach freiem Zugang zu Bananen den Egon Krenz und sein Regime beseitigt hat, sondern: Lesben.

“Waren lesbische Gruppen in der Tat bloß reine Interessengruppen ohne oppositionelle Arbeit?”, so die brennende Frage, anhand derer die “Rolle von Lesben im Rahmen der friedlichen Revolution beleuchtet” wird. Und wer weiß, was als Antwort auf diese drängendste aller Fragen steht. In jedem Fall rechtfertigt es die Brisanz der zu erwartenden Antwort, Steuergelder einzusetzen.

Aber nicht nur diese drängende Frage nach der unsichtbaren Armee der DDR-Lesben, die in Leipzig den Augustusplatz vollgestellt haben und im ZK der SED Egon Krenz dazu gedrängt haben, die Grenze zu Westberlin zu öffnen, drängt die Teilnehmer der Tagung. Nein, es gibt noch viel drängendere Fragen:

“Wiederholt(e) sich auch in der lesbischen Geschichtsschreibung das Auslassen anderer Gruppen? Warum waren Schwarze, ostdeutschen Lesben in der dominanten Geschichtsschreibung nicht sichtbar? Und welche weiteren Leerstellen gibt es?”

Wir haben uns unser Gehirn zermartert und kommen einfach nicht auf die Antwort zur zweiten Frage. Warum schwarze, ostdeutsche Lesben einfach in der Geschichtsschreibung nicht vorkommen, warum weiße Heterosexuelle wie Michail Gorbatschow, Maggie Thatcher, Helmut Kohl, Markus Meckel, Günter Nooke oder auch Friedrich Schorlemmer sie in die Unsichtbarkeit verdrängen? Wir wissen es auch nicht. Vermutlich handelt es sich um ein politisches Komplott, um schwarzen, ostdeutschen Lesben ihr Verdienst, das sie zweifelsohne am Umsturz von 1989 haben (oder nicht?), streitig zu machen.

Auch die Frage nach den sonstigen Leerstellen hat uns einiges Kopfzerbrechen bereitet. Glücklicherweise können wir die Leerstellen der sonstigen gesellschaftlichen Gruppen, die einen Anteil an der DDR-Revolution vielleicht, vermutlich, also mit Sicherheit hatten, füllen.

Da wären:

  • Räuchermännchenschnitzer aus dem Erzgebirge
  • Vietnamesische Buddisten aus dem Heckert-Gebiet in Chemnitz
  • Exil-Russen, die von der Gruppe Ulbricht übrig geblieben sind
  • Zugschaffner aus Borna
  • Söhne evangelischer Laienpriester, die zum Zeitpunkt der Demonstration gerade volljährig geworden sind
  • Pieter Botha aus Südafrika, der die Staatssicherheit beraten hat
  • Indische Eishockeyspieler
  • Polnische Werftarbeiter
  • Krimtartaren
  • Jamaikanische Bobfahrer
  • Ägyptische Alkoholabhängige
  • Libanesische Bauchtänzerinnen
  • Die Insassen des Altenheims “Sozialistisches Alter mit Genuss” aus Mittweida
  • Alun Wyn, der Waliser Schafzüchter
  • und nicht zu vergessen: Argentinische Militärmenschenrechtler

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