100% Studenten?

Es ist an der Zeit, dem OECD-Irrsinn, dessen Ziel darin besteht, die Quote derer, die studieren, zu erhöhen, ein Ende zu setzen.

OECDAusgangspunkt für diesen Irrsinn ist die Beobachtung von u.a. Theodore Schultz aus den 1960er Jahren, dass im Aggregat betrachtet, Bildungsniveau der Bevölkerung und Wirtschaftswachstum einander bedingen: Je formal gebildeter eine Bevölkerung ist, desto mehr Wachstum gibt es.

Daraus hat man bei der OECD geschlossen, dass die Wirtschaft wächst, wenn man das Bildungsniveau der Bevölkerung erhöht, ein Schluss, der, wenn er richtig wäre, zur Konsequenz hätte, dass das höchste Wirtschaftswachstum dann erreicht wäre, wenn 100% der Bevölkerung eine Hochschule absolviert haben.

Offensichtlich ist diese Prämisse kompletter Unsinn, so dass man sich fragt, wo der Hype mit der formalen Bildung herkommt.

Dazu muss man zunächst einmal feststellen, dass formale Bildung nicht unbedingt Bildung bedeutet. Es mag eine Korrelation zwischen formaler Bildung und Bildung geben, aber ein Abitur sagt nichts über die Bildung dessen, der es hat, aus. Ein Abitur gibt bestenfalls eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür an, dass ein Träger des Abiturs mehr Wissen hat als ein Hauptschulabsolvent, ein Schluss, der sich schnell als falsch erweisen kann, wenn – wie in der PISA-E Studie, die Leistungen von Abiturienten aus Bremen hinter denen von Hauptschülern aus Bayern zurückbleiben.

Wenn formale Bildung keine Synonym für Bildung als solche ist, was ist sie dann?

Wir schlagen vor, formale Bildung als Maß der Anpassungsbereitschaft an institutionelle Vorgaben anzusehen mit der Konsequenz, dass der Anteil der Angepassten unter den formal Höhergebildeten größer sein muss als unter den formal Niedriggebildeten.

Diese Definition hat zudem zur Konsequenz, dass formale Bildung nicht per se der Olymp dessen ist, was Menschen erreichbar ist. Und die Definition macht den Weg frei, um die soziale Konstruktion dessen, was formale Bildung ist und was angeblich mit Bildung übereinstimmt, deutlich zu machen.

Ein Professor für Kunstgeschichte mag es unglaublich finden, wenn einer seiner Studenten nicht weiß, wer den Holzsockel von Rodin’s Denker geschnitzt hat.

Ein Professor der Gender Studies mag mit dem Kopf schütteln, wenn die Mehrheit der Menschen seine Einsicht nicht teilt, dass es 100e von Geschlechtern gibt.

Aber: Ein Arbeiter wird mit dem Kopf schütteln, wenn er den “Studierten” dabei beobachtet, wie er völlig unbeholfen versucht, einen Randstein zu setzen oder eine Wand zu streichen.

Und ein Elektriker wird Lachkrämpfe entwickeln, wenn er den Professor der Kulturwissenschaften, der sich damit gebrüstet hat, keine Glühbirne in die Fassung zu drehen, bei eben diesem komplizierten Unterfangen beobachtet (der entsprechende Kulturwissenschaftler ist zwei Redaktionsmitgliedern von ScienceFiles namentlich bekannt).

Kurz: Wissen ist relativ und wird erst dann zu relevantem Wissen, wenn es einer nützlichen Verwendung zugeführt werden kann.

Dies ist der Grund dafür, warum formale Bildung von manchen so überstilisiert, so hochgejubelt wird, denn sie haben nur ihre formale Bildung, den (Hochschul-)Abschluss oder Titel, der ihnen für Wohlgefälligkeit verliehen wurde, der formale Bildungstitel, der ihnen oft genug den Zugang in die Welt des Geschwätzes und der öffentlichen Verwaltung ebnet.

Anders formuliert: Eine Reihe von Inhabern formaler Bildungstitel bleibt, wenn es um die Nützlichkeit des Wissens, das die entsprechenden Inhaber haben, geht, deutlich hinter dem Wissen von Müllfahrern, Maurern, Kanalarbeitern, Tischlern und anderen zurück, die die entsprechenden Inhaber dann regelmäßig als bildungsfern diskreditieren.

Und, nicht zu vergessen, um die sie sich sorgen, weil ihre Kinder in vermeintlich zu geringem Anteil an Hochschulen ankommen. Warum nur, ist das so, so fragen sie sich in aller Heuchelei, denn natürlich sind sie nicht bereit, die steuerzahlerfinanzierten Stellen, die sie sich geschaffen haben, zu teilen.

Überhaupt stellt sich die Hochschullandschaft vor allem in den Sozialwissenschaften mehr und mehr wie ein Wurmfortsatz der Verwaltung dar. Wir haben gestern über ein Forschungsprojekt berichtet, das mit 532.167,60 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, also aus Steuergeldern gefördert wird, und dessen einziger Zweck darin besteht, Fördertöpfe zu indentifizieren und eine Art “best practice des Gefördertwerdens” zu entwickeln. Wohlgemerkt es geht darum, gefördert zu werden, nicht darum, für eine sinnvolle Idee gefördert zu werden.

Hochschulen werden daher immer mehr zum Ort, über den der Zugang in die öffentliche Verwaltung stattfindet und hier in Positionen, deren Nutzen erst noch zu zeigen wäre. Konsequenterweise entstehen an Hochschulen Fächer, deren Nutzen einzig darin besteht, Personal für den öffentlichen Bereich zu rekrutieren und mit Abschlüssen und Titeln auszustatten, Personal, das dann seinerseits Tätigkeiten ausführt, deren Effekt auf das Bruttosozialprodukt im besten Fall nicht vorhanden, im schlechtesten Fall negativ ist. Personal, das in seiner gesellschaftlichen Nützlichkeit weit hinter der eines Müllfahrers und eines Maurers zurückbleibt. Aber: Personal, das auf die angeblich Bildungsfernen herabblicken zu können glaubt, so sehr, dass manche es sich zur Aufgabe machen, den armen Bildungsfernen helfend unter die Arme greifen zu wollen, damit z.B. der Anteil der Studenten aus der Arbeiterschicht größer wird.

Aber vielleicht entspricht die Anzahl der Kinder aus Arbeiterfamilien, die an Universitäten studieren, ja den Präferenzen in der Arbeiterschicht. Vielleicht ist es der Anteil der Kinder aus der Mittelschicht, der verändert werden muss, der reduziert werden muss, weil viele studieren, die nicht die Fähigkeit zum Studieren mitbringen und die dies in Fächern tun, die keinerlei Nutzen für die Steuerzahler mit sich bringen.

Und ist es nicht moralisch verwerflich, etwas Sinnloses wie Gender Studies zu studieren und sich dieses Studium von denen, die man als bildungsfern diskreditiert und die seit ihrem 16. Lebensjahr Steuern zahlen, finanzieren zu lassen?

does education matterDas bringt uns zurück zum OECD Irrsinn. Es mag in den 1960er Jahren und in den Entwicklungsländern, die Theodore Schultz untersucht hat, so gewesen sein, dass mit einem zunehmenden Bildungsniveau das Wachstum gestiegen ist. Es ist für moderne Industrienationen nicht der Fall. Das zeigt Alison Wolf in ihrem Buch “Does Education Matter”. In Industrienationen sind diejenigen mit hoher Bildung nicht vornehmlich diejenigen, die zum Bruttosozialprodukt beitragen. Ökonomisches Wachstum wird getragen von all den Arbeitern, den Selbständigen im Mittelstand, denen, die täglich Produktives tun, und zwar ganz ohne Abitur oder Hochschulstudium.

Dagegen werden die Studierten zunehmend zur Last für eine Gesellschaft, zu Nutznießern der Produktivkraft von Arbeitern und Handwerkern, die den Überschuss erwirtschaften, den Hochschullehrer wie das Profx dann durch angebliches Denken verbrauchen.

Insofern ist es Zeit, die Geschichte vom Kopf auf die Füße zu stellen und die Frage danach, was die vielen angeblich Bildungsnahen, die sich an Hochschulen herumdrücken, denjenigen, die sie finanzieren, für einen Nutzen bringen.

Das ist eine Frage, die die Mehrzahl derer in natur- und ingenieurswissenschaftlichen Fächern nicht fürchten wird. Anders sieht es in Teilen der Sozialwissenschaften aus, wo die Normalität, sich von Arbeitern durchfüttern zu lassen, auf keinerlei empfundene moralische Verpflichtung trifft, etwas anderes als Worte, deren Bezug zur Realität ungeklärt ist, zurückzugeben.

©ScienceFiles, 2015

Was macht man eigentlich in Gender Studies?

Diese Frage bewegt sicher viele (naja, doch einige), schon weil sich Gender Studies-Anbieter ja beharrlich weigern, Auskunft über die erkenntnistheoretischen und methodologischen Grundlagen und den Nutzen von Gender Studies zu geben und vor allem über ihre Ergebnisse (sofern sie welche haben).

Derzeit kann man also nur sagen kann, dass Gender Studies an Universitäten angeboten werden, ohne dass jemand weiß, ob Gender Studies überhaupt die Qualifikation zu einem wissenschaftlichen Studienbereich nachweisen können. Aber, wenn es darum geht, sich auf Kosten Dritter ein Auskommen zu verschaffen, dann haben derartige Fragen noch nie interessiert. Es gilt sich, jetzt in den Speck zu setzen und Fragen nach dem Zweck, im Speck auszusitzen.

Uni PaderbornUm so besser, dass sich die Universität Paderborn genötigt sieht, einen “Master(teil)studiengang Geschlechterstudien/Gender Studies im Wintersemester 2014/15 anzubieten (also jetzt) und man der Ankündigung dieses angeblichen Studiengangs entnehmen kann, was in diesem angeblichen Studiengang eigentlich vermittelt werden soll:

“Inhaltlich befasst sich das Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies mit der Tatsache, dass die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind.

Am Anfang war das Geschlecht, so kann man diesen Schwulst zusammenfassen. Geschlecht ist Ursache, letzte Begründung und archimedischer Punkt für alles. Parteien sind entsprechend historisch gewachsene und geformte Geschlechterverhältnisse. Die Wirtschaft? Kein Problem: Ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis. Die katholische Kirche. Ja natürlich, die katholische Kirche ganz besonder: ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis.

Alles ist ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis: Die Sozialversicherungen, die Bundesbahn, der Erste Weltkrieg, der Nationalsozialismus, der Holocaust, alle kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens sind ursächlich auf die Geschlechterordnung zurückzuführen.

Das ist eine Tatsache. Wer es nicht glaubt, der kann die entsprechende Tatsache in Paderborn erlernen. Man erhält also im Studienfach Gender Studies intime Kenntnis gesellschaftlicher Geschlechterordnungen und ihrer Verwerfungen, und gleich einem historischen Genderismus, lernt man, wie die ewige Dialektik zwischen Mann und Frau die treibende Kraft des Historizismus ist, den Karl Popper so ausgiebig in seinen Verwerfungen und vor allem seinem Elend beschrieben hat.

Aber, nichts ist so falsch, als dass man es nicht neu verpacken und auflegen könnte, kommt der Historizismus nun als die Menschenheitsgeschichte durchziehender Antagonismus zwischen dem Mann und dem Weib wieder, in Paderborn und – man höre und staune – mit einem Ziel:

worship with us“Ziel des Studienfachs ist das Wissen um die je historischen, kulturellen und politischen Bedingungen der Entstehung von Geschlechterordnungen sowie ihre Wirkungsweisen und Tradierungswege. Die Studierenden erwerben die dafür notwendige Fähigkeit zu kritischer Analyse, eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten und wissenschaftlicher Reflexion; zudem Einsichten in die Möglichkeit der geschlechterbewussten Gestaltung gesellschaftlicher Organisationsformen und Prozesse und deren Vermittlung in öffentlichen Arbeitszusammenhängen.

In Paderborn wird nicht ein Wissen vermittelt, nein das Wissen wird in Paderborn vermittelt, das einzige, wahre und ewigwährende Wissen über die Tatsache der alles durchdringenden Geschlechterordnung, denn am Anfang, das muss man wissen, war nicht etwa das Licht, am Anfang war die Geschlechterordnung. Das ist eine Tatsache, die man in Paderborn lernen wird, und damit wird die Kausalität von Licht und Geschlechterordnung zurecht gerückt, weil den Studenten ein Licht aufgehen wird, das Wissen, geht ihnen auf, um die Tatsache, die Tatsache, auf der alles Wissen basiert und um die sich alles Wissen dreht, dass: “die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind”. Am Anfang war das Geschlecht.

Elend des HistorizismusWir erinnern uns. Nein, was schreiben wir denn, wir erinnern uns nicht, wir reflektieren, und zwar in kritischer Analyse und eigenständig, das ist ganz wichtig, denn Indoktrination gilt erst dann als gelungen, wenn der Indoktrinierte den Sermon eigenständig herbeten kann. Wir reflektieren also, und wie wir so reflektieren, z.B. über die Entwicklung der Dampfmaschine da kommt uns das Wissen, da offenbart sich uns in kritischer Analyse, was wir bislang nicht gesehen haben, was von James Watt die ganze Zeit verdeckt wurde, nämlich: Watt hatte eine Cousine: “Margaret (Peggy) Miller”, die er geheiratet hat, woraus wir kritisch analysierend schließen: Margaret Miller war weiblich. Wir erkennen: Das soziale Leben ist vom Antagonismus zwischen Mann und Frau durchzogen und schließen: Die Entwicklung der Dampfmaschine wäre ohne diesen Antagonismus nicht möglich gewesen. Ziel erreicht.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was macht man mit dieser Einsicht, dieser Offenbarung ob der Ur-Anfänglichkeit von Geschlecht, jenem Wissen um den historischen Genderismus, wie er im ewigen Antagonismus zwischen Mann und Frau zum Ausdruck kommt? Auch hier weiß man bei der Universität Paderborn Rat:

“Im Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies wird auf die Tätigkeit in Berufen vorbereitet werden, in denen „Genderkompetenz“, also der wissens- und reflexionsbasierte Umgang mit Geschlechterfragen und gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen gefragt ist, bzw. auf Tätigkeiten im Feld der Forschung über Geschlechterthemen.”

Die Einsichten der Gender Studies sind also da nachgefragt, wo die Einsichten der Gender Studies nachgefragt werden. Wie mit allen Lehren, die sich nur Auserwählen mitteilen, die sich dem Eingeweihten offenbaren, so geht auch die Nachfrage nach Leistungen von Gender Studierten ausschließlich von anderen Gender Studierten aus, die sich mit Hilfe von Gender Studierten, die Verbündete in Parteien und Institutionen gefunden haben, ein Auskommen als Gender Studierte, die Gender Kompetenz für die anbieten, die sie nachfragen, also andere Gender Studierte, verschafft haben.

Und aus der Tatsache, dass Gender Studierte, die es durch Lobbying in Positionen geschafft haben, von diesen Positionen aus, eine Nachfrage nach Gender Studierten und deren Gender Kompetenz (also dem Wissen um die Ur-Ursprünglichkeit des Antagonismus zwischen Mann und Frau) künstlich geschaffen haben, wird dann geschlossen, dass es eine Nachfrage nach Gender Studierten gibt, so dass Studiengäng für Gender Studies gegründet werden, um die künstlich geschaffene Nachfrage nach Gender Studierten zu befriedigen.

Gender Studies sind damit ein perfektes Beispiel für ein sich selbst erhaltendes System, das alle Merkmale eines autopoietischen Systems im Sinne von Luhmann trägt: Seine Mitglieder beschäftigen sich ausschließlich mit sich selbst. Es gibt keinerlei Nutzen für die umgebende Gesellschaft und die einzige Verbindung zur Außenwelt besteht über die Transfusionsleitungen, über die Steuergelder in das geschlossene Gender System gepumpt werden, denn reflexiv sein und die Ur-Ursprünglichkeit des historischen Antagonismus zwischen Mann und Frau zu erkennen, ist natürlich nur im Erkenntniswert selbstgenügsam, aber deshalb nicht umsonst!

AppleZwar könnte man jetzt argumentieren, dass bereits die katholische Kirche in ihrem in Genesis beschriebenen Mythos von Adam und Eva jenen ewigen und ursprüngliche Antagonismus dargestellt hat, der den naiven Adam von der verschlagenen Eva und mit Hilfe der listigen Schlange getäuscht werden sieht, aber das ist natürlich die falsche Art von Reflexion und kritischer Analyse und eine viel zu unreflexive und un-kritisch-analysierte Darstellung der Ur-Ursprünglichkeit von Geschlecht, die nur zeigt, wie wichtig Gender Studies an Universitäten sind, um die katholische Geschichte von der Erbsünde in den richtigen Kontext patriarchalischer Gottherrschaft einzuordnen.

Die  kritische und reflexive Analyse oder war es die Reflexion in kritischer Analyse?, wie auch immer, die Analyse zeigt, wie wichtig Gender Sponging für Gender Studies ist, und warum Gender Studies gegen das patriarchalische Herrschaftsinstrument der Marktwirtschaft zu Felde ziehen. Warum? Weil es auf einem Markt, auf dem Güter getauscht werden, schlicht keine Nachfrage für Gender Studies gäbe, denn wer nichts anzubieten hat, der kann auch nichts tauschen, der kann nur spongen, Gender-spongen.

Übrigens:

Weitere Informationen und Beratung bei:

Dr. Claudia Mahs

H5.206

Tel:  05251/60-2730

Email: cmahs[at]mail.upb.de

Wissenschaftliche Würdigung

Wir haben, den Inhalt der Paderborner Genderstudien/Gender Studies mit einer Prise Sarkasmus berichtet, denn nur mit Sarkasmus kann man ertragen, was derzeit an deutschen Hochschulen Einzug hält bzw. sich dort längst wie die Made im Speck breit gemacht hat: Gender Studies.

Gender Studies behaupten also, dass es eine  “historisch gewachsene und geformte Geschlechterordnung” gibt, die alle sozialen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen durchzieht. Das ist nichts anderes als die hinlänglich bekannte Behauptung nach der Existenz eines Patriarchats, die Dr. habil. Heike Diefenbach in einer entsprechenden Analyse als falsch und als Ausgeburt sozialistischer und vor allem feuchter Phantasien, wie sie Friedrich Engels hatte, für alle nachvollziehbar identifiziert hat.

Wir treffen die sozialistischen Phantasien in den Gender Studies im Gewandt eines historischen Genderismus, der den im Vergleich dazu geradezu elaborierten historischen Materialismus (der die Welt immerhin noch mit drei Antagonismen, nämlich Sklaven und Sklavenhalter, Lehnsherren und Leibeigenen, Bürger und Proletariat erklären wollte) ersetzen und als einzigen Antagonismus, den angeblich alles prägenden Antagonismus zwischen Mann und Frau zulassen will.

Wer also gedacht hat, primitiver als der historische Materialismus die Menschheitsgeschichte darstellt, geht es nicht mehr, der sieht sich getäuscht. Mit den Gender Studies ist ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte der intellektuellen Entwicklung des Westens erreicht – die soziale, politische und wirtschaftliche Welt ist nicht mehr das Ergebnis des Wirkens vieler Individuen mit je unterschiedlichen Interessen, nein, es ist das Ergebnis des Wirkens des Antagonismus zwischen Mann und Frau.

Und wie die Vertreter des Marxismus-Leninismus an Universitäten installiert wurden, um dort das Heil des Marxismus-Leninismus zu predigen, so sind Gender Studies an Universitäten eingenistet worden, um das Heil der Gender Studies zu verkünden. Und während der Marxismus-Leninismus das kommende Heil als klassenlose Gesellschaft an die Leichtgläubigen seiner Zeit verkauft hat, so verkaufen die Gender Studies heute das Heil einer kommenden und geschlechtslosen Gesellschaft. Abermals sind es die Leichtgläubigen, die auf das angepriesene Krötenelixir hereinfallen und denken, sie könnten sich damit Gehirn antrinken.

Insofern kann man sich lebhaft vorstellen, wen das Angebot aus Paderborn oder das anderer Gender Studie anziehen wird.

 

Hochschulmarketing: Wolkenkuckucksheim herbeireden

Manche (?) Themen aus der Betriebswirtschaft zeichnen sich durch eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Wortwohlklang, der z.B. in Arbeiten zu Marketing und Management entfaltet wird, und dem, was sich in der Realität niederschlägt, aus.

dreamworldEinmal davon abgesehen, dass viele Texte, die im Bereich des Human Resource Management produziert werden, bestenfalls einen Einblick in die Auseinandersetzung des Verfassers mit jenem unbekannten, teils gefährlichen, regelmäßig faulen und immer falsch motivierten Wesen, dem Arbeitnehmer zu geben im Stande sind, fragen wir uns regelmäßig, wann z.B. die Freundlichkeitsoffensive, die in Lehrbüchern und Texten zum Kundenmanagement (oder Customer Relationship Management) oder sonstigen wolkigen Werken, die dem Ungeübten erklären, wie er mit dem anderen unbekannten Wesen der BWL-Literatur, dem Kunden, umzugehen hat, in der Wirklichkeit ankommt, wann also Kunden mit netten, informierten und freundlichen Gegenüber konfrontiert werden.

Und natürlich fragen wir uns, wann die professionelle Führung von Unternehmen, wie sie in der entsprechenden Literatur gepredigt wird und wie sie mit dem Neuen Steuerungsmodell angeblich in Verwaltungen Einzug gehalten haben soll, dazu führt, dass man zu normalen Zeiten den zuständigen Sachbearbeiter ans Telefon bekommen kann und nicht erfahren muss, dass er gerade in Elternzeit, im Urlaub oder nur von 9 bis 12 Uhr am Arbeitsort anzutreffen ist.

Wie auch immer, es gibt eine gewisse Diskrepanz zwischen dem, was in betriebswirtschaftlicher Literatur daher fabuliert wird und dem, was in der Realität zu finden ist. Und diese Diskrepanz, die findet sich auch beim Hochschulmarketing.

Hochschulmarketing wird seit einigen Jahrzehnten beschworen und definiert, nämlich z.B. als “Übertragung des Marketingverständnisses vom Profit-Bereich auf den Non-Profit-Bereich” (Meffert & Müller-Böling, 2007: 1-2). Warum auch nicht. Diese Übertragung ist angeblich notwendig, weil Hochschulen immer mehr mit einander konkurrieren: weil sie um Studenten, um “kluge Köpfe” und um finanzielle Mittel konkurrieren.

Und natürlich darf auch die Bedarfspredigt nicht fehlen, die sich in so vielen Arbeiten bei den Verlagen, die in Wiesbaden erscheinen und mittlerweile alle Springer gehören, findet: Also: Die Globalisierung und der zunehmende Wettbewerb und der Bologna-Prozess und die geringer werdende öffentliche Förderung und die Notwendigkeit, Kapital von Dritten einzuwerben, und die Konkurrenz von Hochschulen aus dem Ausland und nicht zuletzt, die vielen Rankings, die Hochschulen vergleichbar machen (angeblich), das alles hat die Folge, dass wir jetzt Hochschulmarketing brauchen.

Wozu? Damit die Kapazitäten an Hochschulen auch ausgelastet werden, wie z.B. Reckenfelderbäumer und Kim (2006: 193) schreiben, die offensichtlich noch nie einen hoffnungslos überfüllten Vorlesungs- oder Seminarraum an einer deutschen Hochschule gesehen haben.

Aber die demographische Entwicklung ist natürlich nicht von der Hand zu weisen und vielleicht will Hochschulmarketing ja vorbeugen, für die Zeit, wenn der Bevölkerungsschwund einsetzt und die entstehenden Lücken mit ausländischen Studenten füllen. Und dann muss man sich natürlich von seiner besten Seite zeigen, durch Hochschulmarketing – sofern es eine beste Seite gibt.

hochschulmarketingHochschulen bieten Lehre und sie bieten Forschungsergebnisse als Dienstleistungen bzw. Produkte an. Die Qualität beider steht und fällt mit dem Angebot, das Professoren und Dozenten bereitstellen. Will man als Hochschule erfolgreich sein, dann hilft es ungemein, wenn man auf ein hervorragendes Lehrangebot und herausragende Forschungsergebnisse verweisen kann. Dazu – wiederum – benötigt man die entsprechenden wissenschaftlichen Angestellten, und die kommen nur, wenn das Angebot an der Hochschule im Hinblick auf Bezahlung und Arbeitsmöglichkeiten ihren Vorstellungen entspricht.

Kurz: Alles steht und fällt mit den Verhältnissen an einer Hochschule, mit den Professoren und Dozenten, mit dem Lehrangebot, mit der technischen und finanziellen Ausstattung, mit der Qualität der Lehre uvm. was für Lehre und Forschung von Wichtigkeit ist. Irgendwie setzt Hochschulmarketing das alles voraus, denn es macht keinen Sinn, für eine Hochschul-Klitsche mit überfüllten Hörsälen, schlechter Lehre, desinteressierten Dozenten, baufälligen Gebäuden, bei denen es z.B. durch das Dach regnet, zu werben, deren Ausstattung nicht einmal die Volkshochschule in Wanne-Eickel geschenkt übernehmen würde.

Und vielleicht ist dies ja der Grund dafür, dass in Deutschland Marketing so beliebt ist, denn man kann sich im Marketing Wolkenkuckucksheime bauen und blühende Landschaften vorstellen, wo man, bei Hinsehen, die triste Wirklichkeit des von der Wand fallenden Putzes zur Kenntnis nehmen muss.

Man kann Universitäten zu Stätten von Exzellenz und Spitzenforschung erklären, die sich bestenfalls dadurch hervortun, dass sie Zentren für Genderforschung unterhalten, deren Daseinszweck letztlich darin besteht, die Beschäftigten von der Straße zu holen und durchzufüttern.

Man kann Hochschulen zu Elite-Universitäten erklären, an denen ganze Fachbereiche noch kein Wort nach draußen haben dringen lassen, das auch nur den Anschein erweckt hätte, hier spräche eine Elite oder hier sprächen Experten für was auch immer und, last but not least, kann man Hochschulen zu Stätten der Bildung stilisieren, an denen Studenten Wissen vermittelt wird, obwohl alles, was ihnen vermittelt wird, weder mit Wissen noch mit Bildung etwas zu tun hat und krude als Ideologie bezeichnet werden muss.

hochschulmarketing2Das also ist der Reiz des Marketings im Allgemeinen und des Hochschulmarketings im Besonderen: Man kann sich wegträumen und in Worten einen Zustand beschreiben, den es in der Realität nicht gibt, ganz in der Tradition derer, die an die Wirkung von Beschwörungsformeln glauben. Wenn man nur lange genug Exzellenz, Elite und Bildung beschwört, dann kommt Exzellenz, Elite und Bildung ganz von selbst, mit einem Puff und ganz viel Rauch.

Deshalb brauchen wir Hochschulmarketing!

Bundesverfassungsgericht stellt eindeutig fest: Kinder gehören dem Staat

Bereits am 15. Oktober, wie jetzt bekannt wurde, hat die Zweite Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts, namentlich die Richter Herbert Landau, Sibylle Kessal-Wulf und Doris König entschieden, dass dann, wenn es um die Bildung von Kindern geht, Kinder dem Staat gehören.

Das Urteil 2 BvR 920/14 ist auf den Seiten des Bundesverfassungsgerichts abrufbar.

Die interessanten Absätze finden sich unter den Randnummern 22 und 25.

Bundesverfassungsgericht_RichterrobenGeklagt haben Eltern aus Hessen, die ihre neun (!sic) Kinder seit Jahren im Hausunterricht unterrichten gegen ihre Verurteilung nach §182 Abs. 1 des Hessischen Schulgesetzes und wegen Entziehen von Schulpflicht. In Hessen und in vier weiteren Bundesländern (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Saarland) ist es eine Straftat, wenn Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Da die Eltern im vorliegenden Fall zu einer Geldstrafe von je 140 Tagessätzen á 5 Euro verurteilt wurden, gelten sie somit als vorbestraft.

§182 des Hessischen Schulgesetzes lautet wie folgt:
(1) Wer einen anderen der Schulpflicht dauernd oder hartnäckig wiederholt entzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft.
(2) Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Antragsberechtigt ist die untere Schulaufsichtsbehörde. Der Antrag kann zurückgenommen werden.

Die Verfassungsklage der Eltern gegen ihre Verurteilung wurde von den Richtern der Zweiten Kammer des Zweiten Senats nicht angenommen, d.h. die Verurteilung der beiden Erziehungsberechtigten ist damit rechtskräftig.

Interessant an dem Urteil sind, wie gesagt, zwei Absätze.

So findet sich unter der Randnummer 22 folgende Ausführung:

“Der Landesgesetzgeber, der in § 182 Abs. 1 HessSchulG das Entziehen anderer von der Schulpflicht unter Strafe stellt, greift zwar in das Erziehungsrecht der Eltern aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und – wie hier angesichts der von den Beschwerdeführern geltend gemachten Glaubens- und Gewissensgründe – in deren Glaubensfreiheit aus Art. 4 Abs. 1 GG ein […] Jedoch hat bereits die 1. Kammer des Zweiten Senats in ihrem Nichtannahmebeschluss vom 31. Mai 2006 – 2 BvR 1693/04 – (vgl. BVerfGK 8, 151 ) in Ansehung der Strafnorm des § 182 Abs. 1 HessSchulG ausgeführt, dass die Verpflichtung der Beschwerdeführer, ihre Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen, eine zulässige Beschränkung ihres Erziehungsrechts darstelle. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass der in Art. 7 Abs. 1 GG verankerte staatliche Erziehungsauftrag der Schule dem elterlichen Erziehungsrecht gleichgeordnet ist […], unterliegt es – auch im Lichte des Art. 4 Abs. 1 GG, der Einschränkungen zugänglich ist, die sich aus der Verfassung selbst ergeben – keinen verfassungsrechtlichen Bedenken, die Beachtung der Schulpflicht von den Erziehungsberechtigten dadurch einzufordern, dass der (Landes-)Gesetzgeber entsprechende Strafvorschriften schafft und die Strafgerichte bei deren Verletzung Geld- oder Freiheitsstrafen verhängen.”

Weil also das elterliche Erziehungsrecht dem im Grundgesetz verankerten Erziehungsauftrag der Schulen “gleichgeordnet” ist, deshalb ist der Eingriff über die Schulpflicht in das Erziehungsrecht der Eltern rechtens. Das ist höchstrichterliche Rabulistk, die man auch anders formulieren kann: Wann immer die Interessen des Staates den Interessen von Individuen gleichgestellt sind, sind die Interessen des Staates wichtiger und damit die Interessen der Individuen eben nicht gleichgestellt. Juristen mögen es eben, Absurditäten und Widersprüche zu formulieren.

Noch deutlicher als im vorliegenden Absatz werden die Verfassungsgerechten im Absatz, der Randnummer 25 folgt:

Knast

Schule oder Knast!

“Sie haben insbesondere die Ausstrahlungswirkung des elterlichen Erziehungsrechts der Beschwerdeführer aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und deren gewissensgeleitete Entscheidung in den Blick genommen, ihre Kinder aus Glaubensgründen vom Unterricht fernzuhalten. Dass nach den von den Fachgerichten getroffenen Feststellungen das Wohl der Kinder nicht gefährdet gewesen ist, die fünf ältesten Kinder sogar gute bis sehr gute Schulabschlüsse erlangt und den Berufseinstieg gemeistert haben, vermag nichts an der Verpflichtung zu ändern, die Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen. Denn die Allgemeinheit hat ein berechtigtes Interesse daran, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten „Parallelgesellschaften“ entgegenzuwirken und Minderheiten zu integrieren. Selbst ein mit erfolgreichen Ergebnissen einhergehender Hausunterricht verhindert nicht, dass sich die Kinder vor einem Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen verschließen, und ist deshalb nicht geeignet, die insbesondere in einer Klassengemeinschaft gelebte Toleranz gegenüber einem breiten Meinungsspektrum nachhaltig zu fördern (vgl. BVerfGK 8, 151 ).

Verfassungsgerechte schießen gerne mit Kanonen auf Spatzen. Weil ein Elternpaar aus Hessen seine Kinder selbst unterrichtet, und zwar mit Erfolg selbst unterrichtet, steht zu befürchten, dass eine Parallelgesellschaft entsteht, eine weltanschauliche motivierte noch dazu. Deshalb, und um Minderheiten zu integrieren, dürfen die christlichen Eltern, die von den drei Verfassungsweisen aus Karlsruhe wohl als christliche Minderheit angesehen werden, ihre Kinder nicht selbst und nicht zuhause unterrichten. Dass es im deutschen Bildungssystem nicht um Meritokratie und erfolgreiche Wissensvermittlung geht, man könnte es nicht deutlicher machen.

Besonders amüsant ist es, wenn die Verfassungsgerechten behaupten, dass ein erfolgreicher Hausunterricht nicht verhindern würde, dass sich die hausunterrichteten Kinder dem Dialog mit “Andersdenkenden und -gläubigen” verschließen würden. Diese Erkenntnis hat vermutlich der heilige Verfassungsgeist auf den Zeilengläubigen aus Karlsruhe verteilt, denn Fakten, die ihre Behauptung stützen könnten, haben die Eingebungsvollen nicht.

Lächerlich wird das Urteil dann, wenn öffentliche Schulen als Paradies der Toleranz dargestellt werden. Angesichts eines derartigen Unsinns, der mit Realitäten an deutschen Schulen, wie wir sie z.B. anhand des männerhassenden Curriculums an bayerischen Schulen dargestellt haben, nichts zu tun hat, kann man sich nur fragen: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

So  hört man doch allerorten Klagen über die vielen Intoleranten, die in Deutschland z.B. Genderismus oder Diversität ablehnen. Dass diese vermeintlich Intoleranten und nicht zuletzt die Verfassungsrichter selbst, durch das deutsche Bildungssystem gegangen sind und nicht zu Hause unterrichtet wurden, lässt die Toleranz-Paradies-Vorstellung der Verfassungsgerechten irgendwo zwischen lächerlich und absurd zurück und man fragt sich abermals: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

Da Karlsruhe zwar auf der falschen Seite des Rheines, aber doch in Deutschland liegt, kann man diese Frage, nur dahingehend beantworten, dass die drei Verfassungsausleger in einem Land leben, in dem die Ideologie vor der Realität kommt – in einem Land, in dem Hausunterricht aus Prinzip verboten ist. Egal, ob Eltern eine erfolgreiche Unterrichtung ihrer Kinder erreichen können oder nicht.

Da der Erfolg der unterrichteten Kinder auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt offensichtlich kein Kriterium ist, dem von den Verfassungsrichterlichen eine Bedeutung zugewiesen wird, bleibt nur die ideologische Indoktrination, wie sie an öffentlichen Schulen erfolgt, als Begründung dafür, dass Hausunterricht nach Ansicht der drei aus dem Verfassungsland strafrechtlich verfolgt und Hausunterrichter zu Vorbestraften gemacht und mit Steuerhinterziehern, Körperverletzern und Unfallflüchtigen gleich gestellt werden.

So wichtig ist die ideologische Indoktrination, die als Erziehung zur Toleranz verkauft wird, dass die drei Weisen aus dem Verfassungsland nicht davor zurückschrecken, ein Geschütz wie die Schaffung einer Parallelgesellschaft aufzufahren, um damit auf die wenigen Spatzen zu schießen, die überhaupt Hausunterricht durchführen wollen.

Hier steht wohl viel auf dem Spiel, so dass Eltern in Deutschland klipp und klar erklärt werden muss, dass der Staat sein Indoktrinations- und Ideologisierungsmonopol im Bereich der Bildung nicht aufzugeben gedenkt.

Kinder gehören dem Staat, und wer das nicht einsehen will, geht demnächst in den Knast.

Richtiger Faschismus kommt (wieder) aus Österreich

Wenn es darum geht, Freiheit zu beseitigen und Wissenschaft zu zerstören, dann hat die politische Klasse Österreichs immer ganze Arbeit geleistet und wie die deutsche dafür gesorgt, dass die besten Österreicher das Weite gesucht und in der Regel im angelsächsischen Ausland gefunden haben. Dort haben sie die österreichische Schule der Ökonomie (weiter-)entwickelt, sie haben den kritischen Rationalismus begründet, die empirische Sozialforschung erfunden, sie haben in Medizin, Chemie und Physik die Forschung vorangetrieben und das in ihren Herkunfstländern hinterlassen, was man heute einen brain drain nennen wurde.

Und es waren bei weitem nicht nur jüdische Wissenschaftler, die Österreich und Deutschland den Rücken gekehrt haben, wie die (unvollständige) Liste der Emigranten zeigt. Aber: Wo die Ideologie herrscht, da ist für Innovation und Fortschritt und für mutiges und kreatives Denken kein Platz. Ideologie und Neues, Unvorhergesehenes, das verträgt sich nicht.

Klemperer LTIDeshalb wurden im Dritten Reich Wissenschaftler in Deutschland und Österreich daran gehindert, Forschung, die nicht das arische Unbedenklichkeits-Siegel erhalten hat, Forschung, die von Wissenschaftlern ausgeführt wurde, die nicht den arischen Bruderkuss erhalten haben und Forschung, die nicht in der Sprache des Dritten Reiches, der Lingua Tertii Imperii, wie sie Victor Klemperer genannt hat, abgefasst war, überhaupt auszuführen.

Kurz: Wer im Dritten Reich das Falsche geforscht hat, wer einer falschen gesellschaftlichen Gruppe zugehörte und sich geweigert hat, eine bestimmte Sprache zu verwenden, dessen Karriere in der Wissenschaft war beendet.

Und im Jahre 2014 sind wir keinen Schritt weiter:

Wer an der Fachhochschule des bfi Wien studieren will, wer dort studieren will, ohne das Binnen-I in seinen schriftlichen Arbeiten zu verwenden, der wird mit einer um 10% schlechteren Bewertung bestraft. Wer männlichen Geschlechts ist, der muss in Österreich (und in Deutschland) sowieso schon bessere Leistungen bringen, um dieselben Chancen zu haben, wie Personen weiblichen Geschlechts. Und wer denkt, er könne als weißer Mann und ohne Binnen-I sich mit Gentechnologie befassen oder gar Kernenergie weiterentwickeln wollen, wer Forschung betreiben will, von der manche Saubermänner denken, sie habe eine dual-use-Problematik, der vergisst seine Forschung besser, bevor er sie begonnen hat. Oder er flüchtet ins angelsächsische Ausland oder nach Indien, wo man ihn mit offenen Armen empfängt.

Wer sagt: Geschichte wiederholt sich nicht?

Dass sich Geschichte wiederholt, dafür sorgt derzeit u.a. die Fachhochschule des bfi, des Berufsförderungsinstituts Wien. Das bfi wird von der Arbeiterkammer und dem Österreichischen Gewerkschaftsbund getragen, und man kann nicht anders als sich wundern, was aus den ehemaligen Arbeitnehmervertretern geworden ist. Früher hatten Arbeiterbildungsvereine den Zweck, Arbeiter zu qualifizieren. Heute besteht ihr Zweck offensichtlich darin, sie ideologisch auf Linie zu trimmen, auf die Linie des Binnen-I, denn wer diesen sprachlichen Auswuchs nicht mitmacht, wer sich nicht dazu zwingen lässt, ideologisch motivierte Mätzchen zu machen, der wird mit Punktabzug, minus 10% bestraft.

Nett – oder?

bfiFrüher hatten Arbeiterbildungsvereine das Ziel, Arbeiter vom Wert der Bildung zu überzeugen. Heute haben ihre Nachfolger das Ziel, Arbeiter dazu zu zwingen, ideologische Männchen zu machen, und wer sich dabei ganz besonders brav auf die Hinterfüsse stellt, der bekommt ein Leckerli.

Wissen die eigentlich, was sie da machen, an der Fachhochschule des bfi in Wien, deren Zweck eigentlich darin besteht, Weiterbildung und schulische Nachqualifikation zu ermöglichen?

Aber rollen wir das Feld doch einmal mit der Frage auf, die kaum jemand derzeit stellt: Warum soll man die deutsche Sprache mit einem Binnen-I unlesebar machen?

Angeblich macht ein Binnen-I die Kaste der Untouchables, die immer da, aber immer unsichtbar sind, sichtbar, jene weiblichen Wesen unter uns, die wir alle und ohne das Binnen-I nie zur Kenntnis genommen hätten.

Nehmen wir nur kurz an, ein I in einem Wort oder die Sexualisierung von Sprache, die aus grammtischem Geschlecht, biologisches Geschlecht macht, habe tatsächlich die Sichtbarmachung all derer, die vorher im Verborgenen gewerkelt haben, zum Ergebnis. Und jetzt?

Was heißt das jetzt für eine Fachhochschule, für einen wissenschaftlichen Text?

Jetzt stellt sich die Frage, was die Sichtbarmachung von bislang Unsichtbaren in einem wissenschaftlichen Text zu suchen hat. Es stellt sich die Frage, ob sich ein wissenschaftlicher Inhalt durch ein I in einer neuen Qualität darstellt – ob es einen Erkenntniszugewinn gibt.

Und die Antwort ist klar: Natürlich gibt es keinen Erkenntniszugewinn. Ob eine Idee in Deutsch, Spanisch, Englisch oder Hindi abgefasst ist, interessiert die Idee in keiner Weise, wäre dem so, der Satz des Pythagoras hätte es nie nach Deutschland geschafft.

Das Binnen-I hat also keinerlei wissenschaftlichen Mehrwert.

Erleichtert es die Verständigung? Nein, das tut es nicht, wie jeder weiß, der jemals versucht hat, sich durch einen sogenannten gegenderten Text zu lesen. Es ist schlicht unmöglich. Nicht einmal der politisch korrekte Schreiber kann es, schlimmer noch: Niemand kann diesen sprachlichen Irrsinn von Anfang bis Ende durchhalten. Wer es nicht glaubt, der nehme einen entsprechenden Text und lese, bis er zu einem Nomen mit einem männlichen grammatikalischen Geschlecht kommt, bei dem das ideologische weibliche Anhängsel fehlt, was nur eine Frage der Zeit ist.

Keinerlei wissenschaftlicher Gewinn und eine Verunmöglichung von Verständigung sind die Folge des Binnen-I. Warum wird es dann bei der Fachhochschule des bfi in Wien zur Pflicht gemacht?

Orwell 1984Die Antwort ist einfach: Weil es darum geht, ideologischen Druck auszuüben. Weil die Herrschaften beim bfi die Macht, die ihnen ihre Position gegenüber ihren Studenten gibt, ausnutzen, sie missbrauchen, um sich selbst zu Sprachgöttern aufzuschwingen, die Schiefertafeln mit den entsprechenden Schreib-Geboten verteilen. Indes, die bfi-ler sind keine verzeihenden Götter: Sie sind strafende Götter: minus 10%.

Und die Wiener bfi Götter sind vor allem eines nicht: Wissenschaftler. Was Wissenschaft ist, davon können sie keine Ahnung haben, denken sie doch, die Korrektheit einer wissenschaftlichen Aussage hänge mit der Form zusammen, in der sie dargestellt wird. Was Wissenschaftlichkeit ist, davon können sie keine Ahnung haben, missbrauchen sie doch Stätten der Wissenschaft dazu, ihre persönlichen Präferenzen für andere verbindlich zu machen, ganz so wie es die katholische Kirche im Mittelalter versucht hat. Und schließlich: Was Wissenschaft ist, davon können sie keine Ahnung haben, denn sonst wüßten sie um die Wichtigkeit der Freiheit, die nun einmal kein ideologisches Sprachkorsett verträgt.

Nein, die bfi-ler sind unter den Ersten, die sich als totalitäre Ideologen outen, als möchtegern Diktatoren, die ihren Untertanen verordnen, wie sie zu sein und zu schreiben haben. Und entsprechend muss allen, die sich bilden oder weiterbilden wollen, davon abgeraten werden, die Fachhochschule des bfi in Wien auch nur als Kandidat der (Weiter-)bildung zu erwägen. Dort werden keine Wissensinhalte vermittelt, denn dort herrscht die Ideologie, eine keifende Ideologie zudem, wie die Kleine Zeitung berichtet, die einen dort beschäftigten Mitarbeiter mit den folgenden Worten zitiert: “Ich würde auch die beste Arbeit, die nicht geschlechtsneutral formuliert ist, mit einem Fünfer bewerten”.

Deutlicher kann man es nicht mehr machen, dass nicht die Ideen, sondern die Ideologie treibende Kraft ist. Deutlicher kann man es nicht mehr machen, dass es nicht um Wissenschaft und Bildung, sondern um Diktatur und Unterordnung geht. Wer demnach Faschismus erlernen und erleben will, ist am bfi gut aufgehoben.

“Wir”, so schreibt das bfi in seiner Selbstdarstellung, “vermitteln Freude und Lust am Lernen … Wir stehen für soziale und fachliche Kompetenz … Wir ermöglichen unseren KundInnen sozialen Aufstieg … Wir sind innovativ, zukunftsorientiert und engagiert”.

Vergessen sie das Management-Gelaber. Die Realität sieht anders aus: Wir, beim bfi, bringen ihnen Untertanentum näher, lehren Sie Ideologie, nicht Wissenschaft und machen Sie fit für Faschismus 2.0, auch bekannt als Genderismus.

Wir danken einem Leser von ScienceFiles für den entsprechenden Hinweis.

Macht das Bildungssystem kurzsichtig?

Der Nerd, Inbegriff des neunmalklugen Internet-Freaks, der sich hyperintellektuell gibt, trägt eine. In bestimmten Schichten der Bevölkerung ist es schick, eine zu tragen, um intellektuell zu erscheinen. Lemmi von den Schmökern, der Bücherwurm, den manche noch aus ihrer Jugend kennen, er musste natürlich auch eine haben. Die Rede ist von einer Brille, die Brille, die bis heute als Symbol für Intellektualität gilt, sofern sie nicht als Sonnenbrille daherkommt, die am Ende maskulin oder cool wirken könnte.

NerdDie Symbolik hinter der Brille, also der Glaube, man könne sich durch eine Brille mehr geistigen Gehalt verschaffen, als man tatsächlich hat, ein Glaube, der durch die Optiker Meise Reklame auf unangenehme Weise befördert wird und zuweilen bis zum ersten gesprochenen Wort reicht, diese Symbolik scheint einen wahren Kern zu haben, denn Kurzsichtigkeit weist einen Zusammenhang mit Bildung auf.

Aus Deutschland kommt eine Untersuchung, die Alireza Mirshahi und sieben weitere Autoren in “Opththalmology” veröffentlicht haben. Die Untersuchung trägt den Titel: “Myopia and Level of Eduction”, sie ist gut gemacht, behauptet keine Zusammenhänge, wo keine sind, problematisiert Schwächen an der eigenen Untersuchung und ist eine wohltuende Abwechslung von all den Studien, die aus kaum existenten Zusammenhängen weitreichende und aberwitzige Konsequenzen ziehen, zumeist deshalb, weil sie den Autoren ideologisch passen, wie dies z.B. in der Studie über gleichgeschlechtliche Eltern, die wir vor einigen Tagen besprochen haben, der Fall war.

Mirshahi und seine Koauthoren haben zu acht einen Text verfasst, der auf fünf Seiten kurz und knapp die Ergebnisse einer Analyse berichtet, die auf Grundlage von 4658 Personen im Alter von 35 bis 74 Jahren erstellt wurde. Alle 4658 Personen leben in der Rhein-Main-Region und haben sich bereit erklärt, an der Gutenberg Gesundheitsstudie (GHS) teilzunehmen.

Für die vorliegende Untersuchung wurde die Sehkraft der Befragten untersucht. Dabei haben sich 1.780 der Studienteilnehmer (38,2%) als kurzichtig erwiesen. Um den Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsstand der Teilnehmer zu untersuchen, haben die Autoren zwei Variablen gebildet, die einmal den erreichten Schulabschluss und einmal die Geschichte der beruflichen Bildung zusammenfassen. Von den 4658 Personen haben 26 (0,6%) keinen Schulabschluss erreicht, 1916 (41,1%) einen Hauptschulabschluss, 1008 (21,6%) einen Realschulabschluss und 1553 (33,3%) eine Hochschulreife. Keine Berufsausbildung haben im Anschluss an ihre Schulzeit 368 (7,9%) Befragte aufgenommen, 2157 (46,3%) haben eine Berufsschule, 773 (16,6%) eine Berufsfachschule und 1118 (24,0%) eine Universität besucht.

BrillenDie Auszählung der Sehkraft nach Bildungsabschluss und Berufsausbildung stellt erste Indizien für einen Zusammenhang bereit: 50,9% der Personen, die eine Hochschulreife erreicht haben, sind kurzsichtig – gegenüber 41,6% bzw. 27,1% der Schüler mit Realschul- bzw. Hauptschulabschluss. Dasselbe Bild ergibt sich bei der Berufsbildung: Universitätsabsolventen weisen zu 53% eine Kurzsichtigkeit auf, während Berufsfachschüler und Berufsschüler nur den Anteil von je 34,8% und 34,7% Kurzsichtige umfassen.

Nun muss man einwenden, dass die Ergebnisse auf Basis aller Befragten ausgezählt wurden, d.h. die jeweiligen Gruppen enthalten Alte wie Junge. Da Kurzsichtigkeit mit dem Alter zunimmt, ist es demnach sinnvoll, nach dem Alter zu kontrollieren, es in einer Regressionsanalyse konstant zu halten. Also haben die Autoren Alter konstant gehalten und denselben Effekt festgestellt, der gerade aufgezeigt wurde:

Mit steigender allgemeiner und beruflicher Bildung sinkt die Sehkraft, steigt der Anteil der Kurzsichtigen.

Man muss also feststellen, dass es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Sehkraft gibt, dass Bildung anscheinend einen negativen Effekt auf Sehkraft und einen positiven auf Kurzsichtigkeit hat. Man kann dies die “dark side of education” nennen und sich angesichts der erheblichen Kosten, die mit einer Kurzssichtigkeit und ihren Folgen, von Ablösung der Netzhaut bis zu grünem Star einhergehen, fragen, ob es nicht notwendig wäre, Abiturienten und Studenten gegen diese Folgen von Bildung in einer privaten und obligatorischen Versicherung zu sichern, schon um nicht diejenigen, die keine höhere Bildung anstreben und entsprechend besser sehen, für die Behandlungskosten der Höhergebildeten bezahlen zu lassen.

Besonders findige Rechtsanwälte mit Sehschwäche, die sich nach 8 Semestern Rechtsstudium fast zwangsläufig einstellen muss, könnten sich fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, die OECD, die die Werbetrommel für höhere Bildung weltweit rührt und das Ziel für Deutschland auf 40% Abiturienten und damit ungefähr den OECD Durchschnitt anheben will, haftbar zu machen für die dadurch verursachten höheren Kosten, die individuell und im Aggregat durch die mit der Zunahme höher Gebildeter einhergehende Zunahme der Kurzsichtigkeit verursacht werden.

moleDenn dass ein Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsnievau besteht, steht außer Frage. Allerdings stellt sich die Frage, welcher Art dieser Zusammenhang ist, d.h.: stellt sich die Kurzsichtigkeit als Folge der Bildung ein, also der mit dem längeren Besuch von Bildungsinstitutionen einhergehenden Notwendigkeit, z.B. länger in Bücher oder Computer zu sehen, die direkt vor der Nase des Schülers oder Studenten stehen? Die Erklärung der Verbindung zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsniveau über das Starren in Bücher oder das Starren in Computer ist plausibel. Aber mehr ist sie bislang noch nicht. Der Beleg dafür, dass Kurzsichtigkeit von längerer Verweildauer in Bildungsinstitutionen verursacht wird, fehlt bislang.

Aber es gibt recht gute Indizien, die Mirshahi in einer guten Untersuchung zusammengetragen haben. Dass die Untersuchung nur gut und nicht sehr gut ist, liegt darin begründet, dass es nicht wirklich gelungen ist, intervenierende Variablen auszuschließen: Die Befragten sind zum Befragungszeitpunkt zwischen 35 und 74 Jahren alt. Die Kurzsichtigkeit kann sich irgendwann während, vor oder nach der Schulzeit eingestellt haben, d.h. es ist durchaus möglich, dass nicht berücksichtigte Variablen den Zusammenhang zwischen Sehkraft und Bildung vermitteln oder im schlimmsten Fall direkt erklären. Es hätte, um die Frage zu entscheiden, wie groß die Gefahr ist, durch nicht berücksichtigte Variablen, das gesamte Ergebnis wegzuerklären, geholfen, die erklärte Varianz der linearen Modelle zu berichten. Das haben die Autoren leider nicht getan.

Entsprechend kann die OECD (vorerst) aufatmen, und all diejenigen, die mit Brille einen Intellekt vortäuschen wollen, den sie nicht haben, müssen weiter hoffen, dass die Symbolkraft von Brillen über die nicht kausale Erklärkraft entsprechender wissenschaftlicher Modelle hinwegträgt.

Mirshahi, Alireza et al. (2014). Myopia and Level of Education. Results from the Gutenberg Health Study. Ophthalmology (online first).

 

PISA 2012 : Bildungsdreikampf, Journalisten, Funktionäre und dummes Geschwätz

PISA OECDDer rund alle vier Jahre stattfindende Bildungsdreikampf, mit dem die OECD nicht nur einer Vielzahl von Bildungsforschern ein Auskommen verschafft, sondern auch unter ihren Mitgliedsstaaten zu einer Atmosphäre führt, die man fast mit der Atmosphäre bei der Weltmeisterschaft im Eisstockschießen vergleichen kann, dieser neue Bildungsdreikampf für nunmehr 2012, er ist endlich veröffentlicht. Die Mathematik-, Naturwissenschafts- und Leseverständnisleistungen der Schüler sind wieder gemessen, und geben Ideologen aller Art eine Gelegenheit, sich und ihre Verdienste entweder zu feiern oder die immer noch bestehenden Missstände anzumahnen. Der OECD-Bildungsdreikampf bietet vielfältige Gelegenheit, um sich als BildungsEXPERTE zu outen oder auch eben nicht…

Wir haben einen kleinen Streifzug durch die Stellungsnahmen zu PISA-2012 vorgenommen und wollen unseren Lesern die Ergebnisse nicht vorenthalten.

PISA-2012, so verkündet das BMBF, habe gezeigt: “Schulische Bildung in Deutschland [sei] besser und gerechter”. Wir wollen das für den Moment so stehen lassen, auch wenn ein “als” fehlt, denn man hätte ja schon gerne gewusst im Vergleich womit, die schulische Bildung in Deutschland besser und gerechter ist, im Vergleich zu China, im Vergleich zu früher, im Vergleich zu den schlimmsten Befürchtungen? Aber, wie gesagt, lassen wir das für den Moment.

Der vermutlich Bildungsexperte von T-Online, der sich bei näherer Betrachtung als Bildungsexperte von dpa herausstellt, weiß hingegen, dass Deutschland im “Pisa-Test 2012″ erneut nur Mittelmaß ist.

Der Focus weiß auch warum Deutschland nur Mittelmaß ist, nein, das ist nicht richtig, nicht der Focus, nein Josef Kraus, der “Lehrerchef” weiß, warum Deutschland nur Mittelmaß ist, denn: “Wir haben mehr Migranten, also schneiden wir international auch schlechter ab als Finnland oder Korea”. Komischerweise hat Kanada deutlich mehr Migranten als Deutschland und ist dennoch besser, vielleicht liegt das ja an den kanadischen Lehrern, die es besser als ihre deutschen Kollegen schaffen, Kinder, deren Eltern oder Großeltern nach Kanada migriert sind, in der Landessprache, Mathematik und in Naturwissenschaft zu unterrichten.

Die ZEIT ist wieder einmal exklusiv unterrichtet und berichtet, dass deutsche Schüler im “Leistungsranking nach oben” klettern. Da will die Ostseezeitung nicht zurück stehen und titelt: “PISA 2012: Deutschland holt mächtig auf“.

education TestDagegen hat die FAZ eine einmalige Entwicklung geortet, quasi einen deutschen Sonderweg, der das deutsche Bildungswesen einzig macht: “Deutschland zeigt einmalige Entwicklung” titelt die FAZ und bleibt jede Erklärung dafür, was denn nun die einmalige Entwicklung ist, schuldig. Jedenfalls sind die schlechtesten unter den Schülern besser geworden, so weiß man bei der FAZ und die soziale Herkunft ist nicht mehr ganz so entscheidend, wie sie es noch in PISA-2000 war, so heißt es in fast wortgleicher Übernahme des Textes der Pressemeldung des BMBF. Dumm nur, dass die Schüler, die 2012 getestet wurden, nicht die Schüler sind, die 2000 getestet wurden, was Aussagen dahingehend, dass die schlechtesten Schüler besser geworden sind, relativiert. Richtiger wäre es zu sagen, dass die schlechtesten Schüler in 2012 nicht so schlecht waren, wie die schlechtesten Schüler in 2000, was der Aussage allerdings viel von ihrem beruhigenden Charakter nimmt.

Das Medienecho, das die PISA-2012 Ergebnisse gefunden haben, ist demnach divers, aber Diversität ist ja bekanntlich gut und warum soll Diversität bei Fakten haltmachen, denn es ist eben alles eine Frage der Darstellung – oder? Deshalb hat man sich im BMBF entschieden, die PISA-2012 Ergebnisse mit denen aus dem Jahr 2000 zu vergleichen und nicht mit denen, aus dem Jahr 2009, der Verbesserung der Ergebnisse willen. Hätte man die Ergebnisse von PISA-2012 für Deutschland mit den Ergebnissen von PISA-2009 verglichen, es hätte sich keine Verbesserung ergeben, da ist 2000 schon die bessere Vergleichsgrundlage – oder? Und der PISA-Durchschnitt, der PISA-Durchschnitt ist immer dann ein guter Indikator, wenn man nicht sagen will, dass man im Mittelfeld liegt. Also sagt man, man liege “signifikant” über dem Durchschnitt der OECD und suggeriert damit, dass die 20 Punkte (Mathematik), 12 Punkte  (Lesen) bzw. 23 Punkte (Naturwissenschaft) die Deutschland über dem jeweiligen Durchschnitt liegt, eine ganz besonders erfreuliche Leistung sind.

Richtet man sich jedoch am oberen Ende der Skala aus, an den Schülern aus Shanghai, die in allen drei Bereichen führend sind, dann zeigen sich Abstände von 86 Punkten (Mathematik), 48 Punkten (Lesen) und 51 Punkten (Naturwissenschaft), und die Welt sieht anders aus. Überhaupt zeigt sich das PISA-Ergebnis in einem ganz anderen Licht, wenn man den Abstand deutscher Schüler vom Spitzenreiter und für PISA-2012 und PISA-2009 betrachtet, den Abstand von Schülern in Shanghai in beiden Fällen. Rechnet man den Abstand in Prozentwerte um, dann gibt er zudem Auskunft darüber, wie weit deutsche Schüler hinter den Spitzenreitern herhinken.

Leistungsrueckstand PISA

Wie man schön sehen kann, ist der Abstand deutscher Schüler zu den Spitzenreitern aus Shanghai nicht kleiner geworden, wenn man die beiden letzten PISA-Studien zur Grundlage nimmt, sondern gewachsen bzw. relativ gleichgeblieben. Deutsche Schüler haben im Vergleich zu Schülern in Shanghai im Hinblick auf Leseverständnis und Kenntnisse in Naturwissenschaft einen Leistungsrückstand von rund 10%, im Hinblick auf ihre Leistungen in Mathematik weisen sie einen im Vergleich der beiden Jahren wachsenden Leistungsrückstand von 16% in 2012 auf. Aber natürlich sind deutsche Schüler über dem OECD Durchschnitt… in 2012.

Am besten hat uns jedoch die Stellungnahme von Ilka Hoffmann gefallen, der wir ja auch schon ein Post auf ScienceFiles gewidmet haben. Sie ist zwischenzeitlich von der GEW zur “Schulexpertin der GEW” ernannt worden (wie immer gilt, dass der jeweilige Expertenstatus durch die Vergleichsbasis bestimmt wird, und im Vergleich zu anderen GEW-Funktionären mag Ilka Hoffmann tatsächlich Schulexpertin sein), und sie weiß folgendes zu PISA zu sagen:

„Nicht Wettbewerb und ein schlanker Staat verbessern die Schulleistungen, sondern konsequente Investitionen in gute Bildung für alle, und zwar besonders für benachteiligte Schülerinnen und Schüler. Die frühe Selektion und die hohe Sitzenbleiberquote haben sich erneut als Bremsklötze für die Umsetzung des Rechts auf Bildung erwiesen“.

Eigentlich ist das ein Aspirant auf den Unsinn der Woche. Der erste Teil, also der ideologische Teil, der gegen Wettbewerb unter Schulen, der vor allem die GEW und ihre Funktionäre bzw. deren Einkommen schädigen würde, gerichtet ist, ist so falsch und so verquer, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Wenn Forschung etwas regelmäßig zeigt, dann dass Bildungswettbewerb das Leistungsnievau generell hebt und vor allem Kindern aus den Schichten, die man in Deutschland bildungsfern nennt, zu Gute kommt, also den von Hoffmann kurzerhand als benachteiligt Bezeichneten.

Und dass das Sitzenbleiben sich hinderlich auf den Schulerfolg auswirkt, ist die bildungsgewerkschaftliche Erkenntnis des Jahrzehnts. Ab jetzt geht es aufwärts mit der GEW, schon weil auch die Kausalität endlich klar ist: Sitzenbleiben behindert das Recht auf Bildung, das bei Ilka Hoffmann offensichtlich zu einem Recht auf eine gute Note und schulische Versetzung geworden ist. Man liest oft Sachen und denkt, dümmer geht es nimmer. Dies ist so ein Fall.

Shanghai_Nanyang_Model_High_School_Campus_-_June_2011Speziell zu Frau Hoffmann, die offensichtlich noch in der sozialistischen Utopie lebt und denkt, Sozialismus sei auch in China der Weg zum Erfolg, hier noch ein paar Informationen zum überaus erfolgreichen Schulsystem in Shanghai:

In the past 15 to 20 years, the government has encouraged the establishment of private schools under the proviso that they will meet the same standards as public schools. Private schools had traditionally been attended primarily by the children of migrant workers because the jurisdictions to which they migrated were not obligated to provide them with any government services, so private schools catered to an underprivileged population. The government now hopes that by allowing private schools of a different sort – namely, elite schools with high admissions standards and presumably high tuition – they will encourage innovation in the fields of science, technology and education.

Shanghai schools have taken advantage of the opportunity they now have to take part in choosing materials. Schools can adopt materials provided to them by the ministry or they can now identify other teaching materials they would like to use, although these still require ministry approval before classroom implementation. Greater local control over school funding, too, has made a big difference in this region. Shanghai has grouped schools into clusters and partnerships to more easily share resources and administration, and has poured capital into improving the facilities of the majority of their schools, as well as working to distribute funding more equitably than in other parts of China.

“At the school level, teachers are encouraged to develop their own lesson plans, and schools also have increasing freedom in adopting extracurricular subjects and teaching materials. Principals have some degree of control over staffing, and can set class sizes and teacher assignments.”

For members of the public who want specific performance indicators, they have access to school examination results. Because so much of Chinese educational success is based on these results, it is extremely easy for the public to determine which schools are successful and which are not; all are accountable in this way. Schools at all levels are informally ranked, and parents often choose which school their children attend.

Wie sich zeigt, ist das Geheimnis des Erfolgs der Schulen in Shanghai eine Mischung aus Wettbewerb zwischen Schulen und Transparenz der schulischen Ausbildung, die es Eltern jederzeit erlaubt, die beste Schule für ihre Kinder zu finden – anders als in Deutschland, wo schulische Daten von den Kultusministern der Ländern sorgfältig gehütet werden und nur Eingeweihten zugänglich sind.Es tut uns nicht leid, dass wir diesen Einbruch der Realität in die ideologische Welt von GEW und deren Schulexpertin zu verantworten haben, und wir können uns abschließend auch nicht den Hinweis verkneifen, dass der Erfolg des Schulsystems in Shanghai gänzlich ohne Gewerkschaft auskommt, vielleicht nur deshalb möglich ist.

ScienceFiles-News: Gleichstellungs-Politkommissare

AbraxasAbraxas hat uns auf Twitter auf zwei Ausschreibungen hingewiesen, die zeigen, womit wir es beim Staatsfeminismus zu tun haben, nämlich einer totalitären Ideologie, einem neuen Faschismus, dessen Ziel darin besteht, vorhandene Strukuturen zu unterwandern, gleichzuschalten und letztlich zu kontrollieren.

Für dieses Ziel gibt es ein historisches Vorbild: Die Polit-Kommissare Lenins und später Stalins, die zeitweise dafür gesorgt haben, dass es in Russland kaum ein Unternehmen und kaum eine Institution gab, in der Entscheidungen getroffen werden konnte, ohne dass die Entscheidung von Polit-Kommissaren vorstrukturiert, mit der herrschenden Lehre stimmig gemacht und sichergestellt wurde, dass sie sich im Einklang mit dem totalitären Anspruch des Kommunismus/Leninismus/Stalinismus befand.

Auf diese Weise wurde ein Zwangssystem etabliert, das die Sowjetunion über Jahrzehnte zu einem großen Staatsgefängnis gemacht hat. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass der lange Arm der Partei auch in Irkutsk regelnd in lokale Angelegenheiten eingreifen konnte. Auf diese Weise wurde die Sowjetunion wirtschaftlich zu Grunde gerichtet, und auf diese Weise sind weite Teile der Bevölkerung zu Gunsten einiger weniger Nutznießer Hungersnöten und Armut überantwortet worden.

Doch zurück zur Ausschreibung, die Abraxas auf den Seiten des deutschen “ingenieurinnenbunds e.V.” (Großschreibung ist für Ingenieurinnen wohl ein Zugeständnis an männliche Sprachlogik) gefunden hat. Tatsächlich handelt es sich um zwei Ausschreibungen, und sie sehen wie folgt aus:

Abraxas pic twitter

An die Stelle der Polit-Kommissare sind, so hat es den Anschein, Gleichstellungsbeauftragte getreten. Bewerbungen scheinen an der FH Köln nur über die Gleichstellungsbeauftrage möglich, genau wie es in der Sowjetunion Stalins zumeist nur möglich war, eine Einstellung (wo auch immer) mit der Zustimmung des zuständigen Polit-Kommissars vorzunehmen. Soweit ist es in Deutschland also bereits gekommen, dass an Hochschulen eine “Gleichstellungsbeauftrage” als Filter auzutreten versucht, um das Ergebnis von Ausschreibungen in Fachbereichen zu beeinflussen, von deren Gegenstand sie in vermutlich 99% der Fälle nicht die Spur einer Ahnung hat.

Deutlicher kann man es nicht machen, dass sich deutsche Hochschulen derzeit dem Versuch ausgesetzt sehen, die Kategorien von Kompetenz, Qualifikation, Leistung und Bildung, die normalerweise den Ausschlag bei Bewerbungen geben, mit der Meinung einer Gleichstellungsbeauftragten zu ersetzen, von der niemand weiß, ob und wenn ja über welche anderen als ideologische Qualifikationen sie verfügt.

Noch makabrer wird der wissenschaftliche Totentanz an der FH Köln, wenn man auf den Seiten der Hochschule nach den beiden  Bewerbungen sucht, z.B. nach der ersten Bewerbung mit dem Kennzeichen 09131/4. Dann findet man nämlich folgendes:

FH-Koeln

Da es sich hier um die Ausschreibung derselben Stelle handelt, stellt sich die Frage, wie es sich mit Bewerbungen, die an die Gleichstellungsbeauftrage gerichtet werden, im Gegensatz zu Bewerbungen, die an Prof. Dr. Klaus Sommer gerichtet werden, verhält. Sind erstere bevorzugt zu behandeln, ohne Rücksicht auf Qualifikationen? Sind erstere die relevanten Bewerbungen, die an Prof. Dr. Klaus Sommer geschickten Bewerbungen Ausschuss? Setzen sich Prof. Dr. Klaus Sommer und die Gleichstellungsbeauftrage nach Eingang der Bewerbungen zusammen und spielen Bewerbungsquartett, und wer mehr Bewerbungen hat, gewinnt?

FH KoelnUnd dann, die wichtigste Frage: Weiß Prof. Dr. Sommer überhaupt, dass die Ausschreibung auch an ihm vorbei läuft und ihm die Gleichstellungsbeauftragte ins Handwerk pfuscht? Weiß er, dass offensichtlich versucht wird, einen Bewerbungskanal an ihm vorbei zu eröffnen und ihn zum Papiertiger im eigenen Zoo zu degradieren? Weiß er, wie er als derjenige, der als Kontaktperson in der Ausschreibung genannt ist, geschasst wird und durch den Kontakt zur Gleichstellungsbeauftragten ersetzt wird? Sofern er es nicht weiß, kann er sich unserer Solidarität sicher sein: Wenn man Professoren Miterarbeiter zweifelhafter Qualifikation vor die Nase zu setzen versucht, ist es notwendig, geschlossen gegen diesen Versuch des Eingreifens in die Selbstverwaltung von Hochschulen vorzugehen.

Und schließlich: Wie wird die Berufungskommission wohl darauf reagieren, dass nicht nur Prof. Dr. Sommer Bewerber-Unterlagen an die Mitglieder der Berufungskommission weitergibt, sondern auch die Gleichstellungsbeauftragte? Werden sie sich wundern?

Fragen über Fragen, die letztlich nur die Verantwortlichen der FH Köln beantworten können.

Stereotype essen Hirn auf: Wie Stereotype die Beurteilung von Stereotypen beeinflussen

Ein Leser von ScienceFiles hat uns gebeten, einen Text zu analysieren, den ein Anatol Stefanowitsch veröffentlicht hat, von dem ich zugegebn muss, dass ich ihn nicht kenne. von dem ich aber nach einer Recherche weiß, dass er sich wohl mit Grammatik beschäftigt und Anglistik studiert hat. Und ich weiß, dass er blogged, unter anderem zu der Frage, warum Jungen im deutschen Bildungssystem so schlecht abschneiden, wie sie das tun. Und damit blogged er zu einem Hausthema von ScienceFiles, was bedeutet, dass wir uns dem Text gewidmet haben.

logo-asDer Text von Stefanowitsch wiederum ist ein Text, der sich mit einem anderen Text beschäftigt, einem Spiegel Online Text, in dem Martin Latsch von einem Experiment berichtet, das gezeigt hat, dass Jungen nach dem Lesen eines Textes, in dem ihnen als Gruppe negative Attribute im Hinblick auf ihre schulische Leistung zugewiesen wurden, Jungen seien langsamer, erhielten schlechtere Noten, besuchten geringer wertige Schulen, schlechter in einem Test abgeschnitten haben als sie das vor dem Lesen des Textes getan hatten. Dagegen haben Mädchen nach dem Lesen des Textes im entsprechenden Test besser als vor dem Lesen abgeschnitten.

Kinder und Jugendliche aus MigrantenfamilienWas Latsch hier im Experiment belegt hat, ist eine sozialpsychologische Erkenntnis, die es nicht erst seit gestern gibt, sondern die seit Mitte der 1990er Jahre unter der Bezeichnung “Stereotype Threat” in der Community kursiert. Mitte der 1990er Jahre haben Claude Steele und Joshua Aronson erstmals gezeigt, dass es möglich ist, die Opfer von Stereotypen zur Übernahme dieser Stereotype zu bewegen und unter dem Einfluss der nunmehr übernommenen Stereotype und diesen entsprechend handeln zu lassen. Die Forschung zum Stereotype Threat wurde übrigens zum ersten Mal von Dr. habil. Heike Diefenbach auf die deutschen Verhältnisse übertragen, z.B. in ihrer Habilitationsschrift.

Dieser Zusammenhang steht auch im Wikipedia-Beitrag, auf den Stefanowitsch verweist, d.h. er sollte das eigentlich wissen. Aber er tut so, als sei ihm das alles unbekannt. Überhaupt hat er eine Reihe von Eigenschaften in seinen Text verwoben, die einem von Beginn an ärgerlich machen, So beginnen seine Ausführungen unter dem Titel “Stereotype essen Jungen auf” mit dem vollständigen Eingeständnis, dass er keine Ahnung von Bildungsforschung hat.

Nun ist Stefanowitsch Angehöriger der Mittelschicht, und die Mittelschicht gibt fehlendes Wissen in der Regel nicht zu, verpackt die eigenen Fehlstellen vielmehr hinter in tiefe Falten gelegter Stirn, wissendem Blick und Zweifel an allem, was Normalität heißt. Im Fall von Stefanowitsch liest sich das wie folgt:

“Es ist schwer zu sagen, warum Jungen derzeit bei schulischen Leistungen im Durchschnitt schlechter abschneiden als Mädchen”.

Und obowhl es schwer zu sagen ist, kann der auch des schwer zu Sagenden ausdrucksfähige Stefanowitsch sagen, woran es liegen könnte:

  • an der Genetik: dem Jungen-sind-nach-1970-in-der-Schule-schlechter-als-Mädchen-Gen;
  • an der Leistungsbereitschaft, die entsprechend erst in den letzten Jahrzehnten so sehr gesunken sein muss, dass Jungen im Durchschnitt schlechter abschneiden als Mädchen;
  • am Interesse von Jungen, die einfach weniger Interesse an Bildung haben als Mädchen;

Das also sind die Erklärungen des nicht-Bildungsexperten Stefanowitsch, und man weiß schon nach wenigen Zeilen, wessen Geistes Kind er ist: Jungen sind selbst schuld, ob genetisch, aus mangelnder Leistungsbereitschaft oder aus Interesselosigkeit, das spielt keine Rolle.

Handbuch JungenpaedagogikEs ist wirklich erstaunlich, dass es immer noch (! also im 21. Jahrhundert) Menschen gibt, die lieber eine kollektive Gleichheit annehmen, die lieber annehmen, dass es bei aller Individualität, so doch die ausschließlich männliche Interesselosigkeit, die ausschliesslich männliche mangelnde Leistungsbereitschaft und das männliche anti-Bildungs-Gen wirken. Das ist umso erstaunlicher, als, sofern man diesen Unsinn wirklich annehmen will, man sich logisch als nächstes fragen müsste, WARUM Jungen, alle Jungen weniger Interesse und weniger Leistungsbereitschaft haben als Mädchen und WARUM sich das männliche anti-Leistungsgen erst heute und nicht schon im Verlauf der letzten Jahrtausende bemerkbar gemacht hat.

Aber, Stefanowitsch kommt nicht zum Warum. Sein Stereotyp von männlichen und weiblichen Schülern, zu dem ich noch kommen werde, ist zu wirk-mächtig, als dass ihm auch nur eine Sekunde die Idee käme, nach dem Warum zu fragen oder gar die Frage nach dem Warum zu beantworten. Wollte man die Frage nach dem Warum beantworten, dann müsste man eine Variable suchen, die alle Schüler gleichermaßen beeinflusst, sich aber unterschiedlich auf männliche und weibliche Schüler auswirkt. Nach allem, was die sozialpsychologische und die soziologische Forschung (zugegebener Maßen nicht die anglistische Forschung, sofern es sie gibt) erbracht haben, kann eine solche Variable nur eine strukturelle Variable sein, eine Variable, die eine Randbedingung für Schüler darstellt und männliche Schüler negativ beeinflusst, während sie weibliche Schüler positiv oder gar nicht beeinflusst.

Gesellschaftliche Stereotype sind eine solche Variable, Stereotype vom faulen Jungen und vom fleißigen Mädchen, Stereotype vom kleinen Macho und vom sozialen Mädchen, Stereotype vom faulen computerspielsüchtigen Ego-Shooter-Knaben und dem emsig fleißigen, lesewütigen, sozial-netzwerkenden Mädchen. Aber nicht nur gesellschaftliche Stereotype sind eine solche Variable: Auch Lehrpläne, Vorgaben im Curriculum, Lehrer, Lehrerinnen, um genau zu sein, denn zwei Drittel der deutschen Lehrer sind weiblich. Aber zu solch komplexen Gedanken, nach denen die Handlung von Individuen durch die Randbedingungen, unter denen sie erfolgen, beeinflusst werden oder, schlimmer noch, dass bestimmte Individuen, z.B. Jungen durch die Randbedingungen benachteiligt werden, ist Stefanowitsch nicht fähig.

Statt dessen verrennt er sich in seine ganz eigene Erklärung der Nachteile von Jungen im deutschen Bildungssystem, die da lautet:

“Eher halte ich es eher [!] für wahrscheinlich, dass die ‘schlechteren’ Leistungen der Jungen deshalb zustande kommen, weil die Mädchen inzwischen weniger stark daran gehindert werden, Leistungen auf dem für sie normalen Niveau zu erbringen.”

Hurrelmann BildungsverliererIch muss sagen, das ist der Gipfel des Unsinns, und ich habe mir kurzzeitig überlegt, ob das nicht eigentlich der Unsinn der Woche ist, aber das Thema ist zu ernst, deshalb ist es ungeachtet des Ausmaßes an Unsinn, einen regulären Post wert. Man muss sich das einmal vorstellen, da sagt jemand allen Ernstes, dass Mädchen in Schulen bis vor einigen Jahrzehnten aktiv daran gehindert wurden, ihre volle Leistungskraft zu erzielen. Derselbe übrigens, der im Bezug auf Jungen wie oben gezeigt, nur fähig ist, in den Jungen liegende Gründe für ihre schlechtere Leistung zu denken. Das nennt man dann wohl einen logischen Fehler, einen Widerspruch, der auf Stereotypen basiert. Also in 1929, als meine Oma Abitur gemacht hat, hätte sie eigentlich das Zeug zum Nobelpreis gehabt, aber leider hat man sie an der Karriere als Physiker gehindert und sie an einen Weinbauern verheiratet. Bad Luck!

Besonders spannend ist aber das “Balance-Denken”, wenn man es denn denken nennen kann, das hier zum Ausdruck kommt. Wir haben es mit einem Nullsummenspiel zu tun, bei dem Verbesserung der einen, hier Mädchen, nur auf Kosten der anderen, hier Jungen, möglich sind, ob relativ oder absolut. Das wiederum bringt die ganze Idee des menschlichen Fortschritts in erhebliche Probleme, denn Fortschritt kann es in der Stefanowitsch-Logik nur auf Kosten von etwas geben, so dass wir mit jeder Sonde auf dem Mars etwas auf der Erde verlieren – oder so. Wie gesagt, es ist krasser Unsinn und man kann nur sagen: Schuster bleibt bei Deinen Leisten und schreib’ in Zukunft über Anglismen oder zur Anglistik…

Die geistige Welt des Herrn Stefanowitsch kennt also nur mittelmäßige Jungen, die über Jahrtausende nur deshalb als “gut” durchgehen konnten, weil sie die besseren Mädchen am Besser-Sein gehindert haben. Das nennt man dann wohl eine Verschwörungstheorie, und diese Verschwörungstheorie führt zum nächsten Widerspruch, der darin besteht, dass Stefanowitsch zwar gesellschaftliche Variablen herbeiphantasiert, die dazu geführt haben sollen, dass Mädchen über Jahrhunderte daran gehindert wurden, in öffentlichen Schulen ein Abitur zu erwerben, dieselben gesellschaftlichen Variablen aber im Hinblick auf Jungen nicht zu denken, wagt oder vermag. Etwas mehr Konsistenz im Denken Herr Stefanowitsch, und mehr Überlegung, denn wenn Jungen nur mittelmäßig, aber dennoch mit Abitur und Studium sein können, was heißt das dann für Sie?

Somit stellt sich abschließend die Frage, warum jemand zu einem Thema schreibt, von dem er keine Ahnung hat. Und diese Frage ist direkt gefolgt von der Frage, ob Herr Stefanowitsch weiß, dass er von Bildungsforschung keine Ahnung hat. Ich fürchte, um hinten anzufangen, die zweite Antwort lautet “nein”. Stefanowitsch scheint zu der Klasse von Pseudo-Intellektuellen zu gehören, die meinen, sich zu allem äußern zu können (und zu müssen), eine Klasse, der wir auch schon einen Post gewidmet haben. Bleibt die erste Frage, und die kann nur mit Sendungsbewusstsein beantwortet werden, denn nur Sendungsbewusstsein lässt alle Vorsicht fallen und alle Ratio hinter Affekt treten. Und affektiv muss man schon sein, wenn man sich zum edlen Ritter der jahrhundertelang unterdrückten weiblichen Sklaven macht – affektiv und nicht über die entsprechenden Kindermärchen hinausgekommen.

Noch einmal zur Erinneurng für ewig-Gestrige und nicht-Bildungsforscher zu den Facts:

  • Trotz gemeinsamer Institutionalisierung im Kindergarten werden Jungen im Durchschnitt häufiger von einer Einschulung zurückgestellt als Mädchen.
  • Trotz gemeinsamer Institutionalisierung im Kindergarten werden Jungen im Durchschnitt später eingeschult als Mädchen.
  • Jungen werden und im Durchschnitt häufiger auf Sonderschulen überwiesen als Mädchen, vornehmlich oder vorgeblich wegen sozial-emotionaler Probleme
  • Jungen erhalten bei gleicher Leistung schlechtere Noten als Mädchen.
  • Jungen bleiben im Durchschnitt häufiger sitzen als Mädchen.
  • Jungen erhalten auch bei gleichen oder besseren Leistungen seltener eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium als Mädchen.
  • Jungen bleiben häufiger ohne einen Schulabschluss als Mädchen.
  • Jungen erreichen seltener ein Abitur, dafür häufiger einen Hauptschulabschluss als Mädchen.
  • Mit einem steugenden Anteil weiblicher Grundschullehrer, sinkt der Anteil der Jungen, die ein Abitur erreichen.

Alles weitere und die Belege für die Aussagen finden sich auf ScienceFiles, der beste Beitrag, um z.B. fehlende Kenntnisse nachzuholen, findet sich hier.

Einen Überblick kann man sich hier verschaffen.

Offener Brief gegen das Professorinnenprogramm

ProfessorrinnenprogrammBei dem folgenden Text handelt es sich um einen Offenen Brief, den wir geschrieben haben und gemeinsam mit Prof. Dr. Günter Buchholz zwischenzeitlich veröffentlicht haben. Wer sich über den Stand der Unterstützung des Offenen Briefes informieren will, der kann das auf den Seiten der Frankfurter Erklärung von Prof. Dr. Buchholz tun und wer den Offenen Brief unterzeichnen will, der kann dies ebenfalls mit einer formlosen eMail an Dr. Buchholz tun.

 Aufruf

zur Rettung von Freiheit von Forschung und Lehre

an deutschen Hochschulen

 Offener Brief an die neue Bundesregierung

Wir, die Unterzeichner dieses Offenen Briefes, fordern die Bundesregierung auf, die Verschwendung von Steuergeldern, wie sie im Rahmen des Professorinnenprogramms stattfindet, einzustellen und alle Versuche zu beenden, die Freiheit und Unabhängigkeit von Wissenschaft zu beseitigen und Wissenschaft zum Erfüllungsgehilfen der ideologischen Agenda der Gleichstellungspolitik zu machen, die eine rechtliche und institutionelle Diskriminierung von Männern durch die Privilegierung von Frauen bedeutet. Wir  nennen dies: Staatsfeminismus. Wir fordern die Bundesregierung unmissverständlich dazu auf, die wissenschaftliche Qualifikation und Leistung als einzige Kriterien, die zu einem Fortkommen im wissenschaftlichen Bereich führen, also die Meritokratie zu respektieren und alle Versuche zu unterlassen, die entsprechenden Kriterien zu unterminieren.

Begründung

Das Professorinnenprogramm ist ein Programm, das ausschließlich der Förderung weiblicher Wissenschaftler dient. Im Verlauf der Professorinnenprogramme I und II werden mindestens 300 Millionen Euro aus Steuermitteln von Bund und Ländern aufgewendet, um unter bewusster Inkaufnahme der Diskriminierung von Männern und im Widerspruch zu Art. 3, Art. 5 (3) und Art. 33 GG aktiv und gezielt in die Freiheit von Forschung und Lehre einzugreifen. Schlimmer noch ist, dass mit dem Professorinnenprogramm eine Wettbewerbsverzerrung stattfindet, die das meritokratische Prinzip, d. h. die strikte Orientierung an Bestenauslese und Leistung, das an Hochschulen herrschen soll, zerstört und die nicht mehr Qualifikation und Leistung, sondern das Geschlecht zum ausschlaggebenden Faktor macht, der maßgeblich bei der Besetzung von wissenschaftlichen Stellen ist.

Bezahlung für die Berufung von weiblichen Bewerbern

Im Rahmen des Professorinnenprogramms werden Berufungskommissionen dadurch beeinflusst, dass im Falle der Berufung eines weiblichen Bewerbers die Kosten der Professur aus dem Professorinnenprogramm getragen werden. Damit sind weibliche Bewerber für eine Fakultät umsonst und kostenneutral zu haben, während bei einer Berufung männlicher Bewerber die Hochschulen die normalen Kosten einer Berufung zu tragen haben.  Das ist ein klarer Anreiz zur Berufung weiblicher Bewerber selbst dann, wenn es qualifiziertere, aber eben teurere männliche Bewerber gibt. Hinzu kommt, dass manche Hochschulen, wie z.B. die Ludwig-Maximilians-Universität in München, eine Kopfprämie von 25.000 Euro zahlen, wenn ein weiblicher Bewerber berufen wurde. Wie eine Auswahl nach Leistung und Qualifikation erfolgen soll, wenn finanzielle Anreize bereitgestellt werden, die eine Auswahl eben nicht nach Leistung und Qualifikation, sondern nach Geschlecht belohnen, ist den Unterzeichnern dieses Offenen Briefes nicht nachvollziehbar.

Notorische Mittelknappheit deutscher Hochschulen

Deutsche Hochschulen leiden unter notorischem Geldmangel. Das ist hinlänglich bekannt und dokumentiert in veralteter Infrastruktur, Fehlstellen in Bibliotheken und Sekretärinnen- und Raum-Sharing. Dementsprechend sind Hochschulen erpressbar oder, anders formuliert, sie sind empfänglich für finanzielle Anreize, die dem Geist von Wissenschaft zwar widersprechen, aber geeignet sind, die notorische Finanznot zumindest zu lindern und das Gerangel um knappe Mittel innerhalb von Fakultäten zu reduzieren. Dies macht sich das Professorinnenprogramm zunutze: Es spekuliert darauf, dass die pure Finanznot Fakultäten und Hochschulen dazu bewegt, von wissenschaftlichen Kriterien abzusehen, und das meritokratische Prinzip – Bestenauslese und Leistung – zu Gunsten einer Unterordnung unter den  Staatsfeminismus aufzugeben.

Steuerzahler werden gleich doppelt und völlig unnötig zur Kasse gebeten

In der offiziellen Darstellung des Professorinnenprogramms wird behauptet, weibliche Bewerber würden nur dann berufen, wenn sie sich als beste Bewerber erwiesen oder gemeinsam mit einem männlichen Bewerber „beste Bewerber“ seien: nur dann würden sie bevorzugt. Dass diese Darstellungsweise absurd und unwahr ist, wird schon anhand der finanziellen Anreize, über die oben berichtet wurde, deutlich. Dass sie einem Betrug gleichkommt, ist am Beispiel der Vorgriffsprofessur deutlich. Vorgriffsprofessuren werden ausschließlich für weibliche Bewerber eingerichtet. Vorgriffsprofessuren werden ausgeschrieben, um in Zukunft eine bestehende, zumeist mit einem männlichen Lehrstuhlinhaber besetzte Professur zu ersetzen. Bis zu diesem Tag X in der Zukunft bestehen die ordentliche und die Vorgriffsprofessur nebeneinander und für diese Zeit zahlen Steuerzahler doppelt für im besten Fall dieselbe Leistung.

Männliche Bewerber werden belogen, betrogen und diskriminiert

Da eine Vorgriffsprofessur aus dem Professorinnenprogramm finanziert wird, kann sie nur dann eingerichtet werden, wenn sich ein weiblicher Bewerber findet, der auf die Stelle passt. Dennoch schreiben Universitäten wie die Westfälische-Wilhelms-Universität in Münster Vorgriffsprofessuren aus, als wären sie eine ordentliche Professur, die Bewerbern beider Geschlechter offen steht. Sie täuschen damit männliche Bewerber bewusst über deren Chancen, auf die Professur berufen zu werden, und verursachen den entsprechenden Bewerbern Kosten. Interessanter Weise ist die Universität Freiburg bei internationalen Bewerbungen dazu übergegangen, die Stellenausschreibung direkt an Frauen zu richten und männliche Bewerber auf diese Weise von einer Bewerbung abzuschrecken. Die Tatsache, dass nationale männliche Bewerber in deutschen Ausschreibungen über ihre Chancen belogen werden, bleibt davon unberührt, ebenso wie die Tatsache, dass  eine Vorgriffsprofessur eine aktive Diskriminierung männlicher Bewerber darstellt, die mit Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes nicht vereinbar ist.

Kollektivschuld und Sippenhaft

Regelmäßig wird die Diskriminierung von Männern, wie sie im Rahmen des Professorinnenprogramms erfolgt, damit legitimiert, dass damit eine Benachteiligung von Frauen, wie sie in der Wissenschaft und über die letzten Jahrzehnte erfolgt sein soll, ausgeglichen werden soll. Es ist an der Zeit, diese absurde Behauptung mit aller gebotenen Schärfe zurückzuweisen. Es gibt keinerlei Beleg dafür, dass Frauen, die sich auf Professuren beworben haben, vor oder nach dem zweiten Weltkrieg deshalb nicht berufen worden sind, weil sie weiblichen Geschlechts waren. Vielmehr ist es so, dass sich nur wenige Frauen auf Positionen an Hochschulen beworben haben und dass die Frauen, die das getan haben und entsprechende Leistungen vorweisen konnten, auch eine Professur erreicht haben, genannt seien Personen wie Ingrid Gogolin, Rosemarie Nave-Herz oder Jutta Limbach. Während es also keine Belege für eine aktive Diskriminierung von Frauen an Hochschulen gibt, gibt es eine Reihe von Gegenbelegen, und es gibt eindeutige Belege dafür, dass das Professorinnenprogramm männliche Bewerber diskriminiert. Entsprechend ist das Professorinnenprogramm nichts anderes als ein Günstlingsprogramm, das eine Form des Nepotismus darstellt, der die Grenze zur Korruption und zur Veruntreuung von Steuergeldern vermutlich längst überschritten hat.

Studierende haben ein Recht auf eine gute Ausbildung

Mit dem Professorinnenprogramm findet eine Auswahl nach Geschlecht und eben keine Auswahl nach Qualifikation und Leistung statt. Als Folge wird das Niveau an Hochschulen weiter sinken. Bereits heute winken weite Teile der Bevölkerung ab, wenn sie von einer neuen „Studie“ aus den Reihen der Sozialwissenschaften hören. Lehrstühle, die ein Gender im Zusatz tragen, sind mitverantwortlich, wenn nicht hauptverantwortlich dafür, dass die Reputation von Hochschulen zuweilen ins Bodenlose gesunken ist. Mit dem Ansehen von Hochschulen leidet die Lehre, weil sich nicht mehr die Besten auf Stellen an Hochschulen bewerben, sondern diejenigen, die sich im freien Wettbewerb um Spitzenpositionen keine Chance ausrechnen. Hier greift das Professorinnenprogramm ein und sorgt dafür, dass die beschriebene Situation weiter verschlechtert wird, indem der Ruf von Hochschulen durch die Paternalisierung weiblicher Bewerber weiter beschädigt wird. Der daraus entstehende Nachzugseffekt auf mittelmäßige und schlechte Bewerber und die daraus resultierende Abschreckung von Studenten, die an einer guten Ausbildung interessiert sind, wird zu einer universitären Zweiklassengesellschaft führen, die sehr schlechte Hochschulen sehr guten Hochschulen, die den Zugang zu ihren Studienplätzen beschränken werden, gegenübersieht. Schlechte Hochschulen, die im Wettbewerb um knappe Finanzmittel sowieso hinter den sehr guten Hochschulen zurückbleiben, werden zudem diejenigen Hochschulen sein, die sich bereitwillig im Rahmen des Professorinnenprogramms prostituieren, was ihre Finanznot zeitweise beseitigt, die Qualität von Personal und Ausbildung an den entsprechenden Hochschulen aber weiter verschlechtert. Darauf werden Studenten und Arbeitgeber reagieren: erstere, indem sie nach Möglichkeit versuchen, eine Ausbildung an sehr guten Hochschulen zu erhalten oder – sofern sie es sich leisten können – indem sie im Ausland studieren, und letztere, indem sie Vorauswahlen unter Bewerbern treffen, die Absolventen von Hochschulen, die für ihre Teilnahme am Professorinnenprogramm berüchtigt sind, gleich aussondern. Die oben beschriebene Zweiklassengesellschaft wird durch das Professorinnenprogramm geschaffen und zementiert. Es findet dann in der Bildung ein Wettbewerb des sich gegenseitigen Unterbietens im vorhandenen Bildungsniveau, ein so genanntes Race-to-the-Bottom statt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Professorinnenprogramm ein Instrument darstellt, das vorsätzlich und gezielt auf die Benachteiligung von Männern an Hochschulen gerichtet ist. Es ist ein Instrument, das Schindluder mit knappen Steuermitteln treibt. In Zeiten knapper Kassen und einer universitären Infrastruktur, die dem hohen Stellenwert, der in Sonntagsreden von Politikern der Bildung zugewiesen wird, in keiner Weise gerecht wird, ist es blanker Zynismus, doppelte und nicht benötigte Vorgriffsprofessuren einzurichten, um weibliche Bewerber zu fördern. Das Professorinnenprogramm ist ein Instrument, das das Prinzip der Meritokratie beseitigt und Hochschulen zu entprofessionalisierten Kindertagesstätten degradiert, die nicht mehr dem Erkenntnisfortschritt, sondern der ideologischen Linientreue mit dem Staatsfeminismus verpflichtet sind. Das Professorinnenprogramm ist ein Instrument zur Herstellung sozialer Ungleichheit, das nicht Bildungsgerechtigkeit bewirken wird, sondern eine Zwei-Klassen-Hochschulgesellschaft. Schließlich ist das Professorinnenprogramm auch unmoralisch, weil es bewusst auf die verfassungswidrige Diskriminierung von Männern abzielt, und es zeugt überdies in keiner Weise von sozialer Kompetenz.

Die fehlende soziale Kompetenz und die Anreize für Hochschulen, weibliche und eben nicht die besten Bewerber auf wissenschaftliche Stellen zu berufen, wird dazu führen, dass männliche und weibliche Bewerber, die Kompetenzen und Fähigkeiten haben, die an deutschen Hochschulen dringend gebraucht werden, ins Ausland abwandern, wo Leistung und nicht Geschlecht geschätzt wird. Männliche Wissenschaftler  werden aufgrund der offenen Diskriminierung abwandern, weibliche Wissenschaftler werden abwandern, weil sie nicht in den Verdacht kommen wollen, Günstlinge des Professorinnenprogramms zu sein, die nicht aufgrund von Leistung und nur auf Kosten männlicher Kollegen zu ihrer Stelle gekommen sind. Studenten werden abwandern, weil sie eine gute Ausbildung nachfragen und eine gute Ausbildung als direkte Folge des Professorinnenprogramms zum immer knapperen Gut an deutschen Hochschulen werden wird. Der Staatsfeminismus wird es auf diese Weise und in Rekordzeit schaffen, deutsche Hochschulen von den führenden Plätzen wissenschaftlicher Forschung auf die hinteren Plätze zu verfrachten, und sie zu Stätten zu machen, an denen Genderforschung und sonstige unnötige, keinerlei wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert bereitstellende Hobbies betrieben werden. Notwendige Innovationen werden in Deutschland bald ebenso fehlen, wie die Motivation junger Wissenschaftler, sich an deutschen Hochschulen zu engagieren. Aber immerhin wird es an deutschen Hochschulen Kindertagesstätten, Frauen- und Gleichstellungsbeauftrage und eine gute Work-Life-Balance geben. Nur Wissenschaft und Erkenntnis wird nicht mehr produziert werden.

Damit es nicht soweit kommt, bitten die Unterzeichner dieses Offenen Briefes nicht nur alle Wissenschaftler in Deutschland, die noch an Erkenntnis interessiert sind und die nicht dabei zusehen wollen, wie ihre Institution zur ideologischen Kaderschmiede umfunktioniert wird, diesen Offenen Brief zu unterzeichnen, und wir fordern die Bundesregierung auf, alle ideologisch motivierten Eingriffe in die Freiheit von Forschung und Lehre einzustellen und alle offenen und verdeckten Finanzierungen zur einseitigen Förderung von Frauen zu beenden. Dazu gehören auch die sogenannten „Gender Studies“. Sie bedürfen dringend einer kritischen Forschungsevaluation. Die Grundlagen der Gender – Studiengänge müssen im Hinblick auf ihre beanspruchte Wissenschaftlichkeit über Akkreditierungen öffentlich zugänglich sein, und sie müssen diesbezüglich tatsächlich in einer öffentlich nachvollziehbaren Art und Weise überprüft werden.

Vor allem fordern wir die Bundesregierung dazu auf, das Professorinnenprogramm einzustellen und die freiwerdenden Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft  zur Verfügung zu stellen und zuzusichern und zu garantieren, dass Förderung und finanzielle Zuwendung nur noch auf Grundlage von wissenschaftlicher Qualifikation und Leistung erfolgt!

Wir, die Unterzeichner dieses Offenen Briefes, sehen dies als moralische Pflicht. Wir sind es der Wissenschaft und der Freiheit von Lehre und Forschung schuldig, dass alle staatlichen Eingriffe, die eine Gleichschaltung der Wissenschaft unter der Überschrift der Frauenförderung zum Ziel haben, ein für alle Mal beendet werden.

Prof. Dr. Günter Buchholz
Dr. habil. Heike Diefenbach
Michael Klein

Wer den Offenen Brief mitzeichnen will, der kann dies hier tun