Was macht man eigentlich in Gender Studies?

Diese Frage bewegt sicher viele (naja, doch einige), schon weil sich Gender Studies-Anbieter ja beharrlich weigern, Auskunft über die erkenntnistheoretischen und methodologischen Grundlagen und den Nutzen von Gender Studies zu geben und vor allem über ihre Ergebnisse (sofern sie welche haben).

Derzeit kann man also nur sagen kann, dass Gender Studies an Universitäten angeboten werden, ohne dass jemand weiß, ob Gender Studies überhaupt die Qualifikation zu einem wissenschaftlichen Studienbereich nachweisen können. Aber, wenn es darum geht, sich auf Kosten Dritter ein Auskommen zu verschaffen, dann haben derartige Fragen noch nie interessiert. Es gilt sich, jetzt in den Speck zu setzen und Fragen nach dem Zweck, im Speck auszusitzen.

Uni PaderbornUm so besser, dass sich die Universität Paderborn genötigt sieht, einen “Master(teil)studiengang Geschlechterstudien/Gender Studies im Wintersemester 2014/15 anzubieten (also jetzt) und man der Ankündigung dieses angeblichen Studiengangs entnehmen kann, was in diesem angeblichen Studiengang eigentlich vermittelt werden soll:

“Inhaltlich befasst sich das Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies mit der Tatsache, dass die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind.

Am Anfang war das Geschlecht, so kann man diesen Schwulst zusammenfassen. Geschlecht ist Ursache, letzte Begründung und archimedischer Punkt für alles. Parteien sind entsprechend historisch gewachsene und geformte Geschlechterverhältnisse. Die Wirtschaft? Kein Problem: Ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis. Die katholische Kirche. Ja natürlich, die katholische Kirche ganz besonder: ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis.

Alles ist ein historisch gewachsenes und geformtes Geschlechterverhältnis: Die Sozialversicherungen, die Bundesbahn, der Erste Weltkrieg, der Nationalsozialismus, der Holocaust, alle kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens sind ursächlich auf die Geschlechterordnung zurückzuführen.

Das ist eine Tatsache. Wer es nicht glaubt, der kann die entsprechende Tatsache in Paderborn erlernen. Man erhält also im Studienfach Gender Studies intime Kenntnis gesellschaftlicher Geschlechterordnungen und ihrer Verwerfungen, und gleich einem historischen Genderismus, lernt man, wie die ewige Dialektik zwischen Mann und Frau die treibende Kraft des Historizismus ist, den Karl Popper so ausgiebig in seinen Verwerfungen und vor allem seinem Elend beschrieben hat.

Aber, nichts ist so falsch, als dass man es nicht neu verpacken und auflegen könnte, kommt der Historizismus nun als die Menschenheitsgeschichte durchziehender Antagonismus zwischen dem Mann und dem Weib wieder, in Paderborn und – man höre und staune – mit einem Ziel:

worship with us“Ziel des Studienfachs ist das Wissen um die je historischen, kulturellen und politischen Bedingungen der Entstehung von Geschlechterordnungen sowie ihre Wirkungsweisen und Tradierungswege. Die Studierenden erwerben die dafür notwendige Fähigkeit zu kritischer Analyse, eigenständigem wissenschaftlichen Arbeiten und wissenschaftlicher Reflexion; zudem Einsichten in die Möglichkeit der geschlechterbewussten Gestaltung gesellschaftlicher Organisationsformen und Prozesse und deren Vermittlung in öffentlichen Arbeitszusammenhängen.

In Paderborn wird nicht ein Wissen vermittelt, nein das Wissen wird in Paderborn vermittelt, das einzige, wahre und ewigwährende Wissen über die Tatsache der alles durchdringenden Geschlechterordnung, denn am Anfang, das muss man wissen, war nicht etwa das Licht, am Anfang war die Geschlechterordnung. Das ist eine Tatsache, die man in Paderborn lernen wird, und damit wird die Kausalität von Licht und Geschlechterordnung zurecht gerückt, weil den Studenten ein Licht aufgehen wird, das Wissen, geht ihnen auf, um die Tatsache, die Tatsache, auf der alles Wissen basiert und um die sich alles Wissen dreht, dass: “die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen gesellschaftlichen Lebens von (historisch gewachsenen und geformten) Geschlechterordnungen durchzogen sind”. Am Anfang war das Geschlecht.

Elend des HistorizismusWir erinnern uns. Nein, was schreiben wir denn, wir erinnern uns nicht, wir reflektieren, und zwar in kritischer Analyse und eigenständig, das ist ganz wichtig, denn Indoktrination gilt erst dann als gelungen, wenn der Indoktrinierte den Sermon eigenständig herbeten kann. Wir reflektieren also, und wie wir so reflektieren, z.B. über die Entwicklung der Dampfmaschine da kommt uns das Wissen, da offenbart sich uns in kritischer Analyse, was wir bislang nicht gesehen haben, was von James Watt die ganze Zeit verdeckt wurde, nämlich: Watt hatte eine Cousine: “Margaret (Peggy) Miller”, die er geheiratet hat, woraus wir kritisch analysierend schließen: Margaret Miller war weiblich. Wir erkennen: Das soziale Leben ist vom Antagonismus zwischen Mann und Frau durchzogen und schließen: Die Entwicklung der Dampfmaschine wäre ohne diesen Antagonismus nicht möglich gewesen. Ziel erreicht.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was macht man mit dieser Einsicht, dieser Offenbarung ob der Ur-Anfänglichkeit von Geschlecht, jenem Wissen um den historischen Genderismus, wie er im ewigen Antagonismus zwischen Mann und Frau zum Ausdruck kommt? Auch hier weiß man bei der Universität Paderborn Rat:

“Im Studienfach Geschlechterstudien/Gender Studies wird auf die Tätigkeit in Berufen vorbereitet werden, in denen „Genderkompetenz“, also der wissens- und reflexionsbasierte Umgang mit Geschlechterfragen und gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen gefragt ist, bzw. auf Tätigkeiten im Feld der Forschung über Geschlechterthemen.”

Die Einsichten der Gender Studies sind also da nachgefragt, wo die Einsichten der Gender Studies nachgefragt werden. Wie mit allen Lehren, die sich nur Auserwählen mitteilen, die sich dem Eingeweihten offenbaren, so geht auch die Nachfrage nach Leistungen von Gender Studierten ausschließlich von anderen Gender Studierten aus, die sich mit Hilfe von Gender Studierten, die Verbündete in Parteien und Institutionen gefunden haben, ein Auskommen als Gender Studierte, die Gender Kompetenz für die anbieten, die sie nachfragen, also andere Gender Studierte, verschafft haben.

Und aus der Tatsache, dass Gender Studierte, die es durch Lobbying in Positionen geschafft haben, von diesen Positionen aus, eine Nachfrage nach Gender Studierten und deren Gender Kompetenz (also dem Wissen um die Ur-Ursprünglichkeit des Antagonismus zwischen Mann und Frau) künstlich geschaffen haben, wird dann geschlossen, dass es eine Nachfrage nach Gender Studierten gibt, so dass Studiengäng für Gender Studies gegründet werden, um die künstlich geschaffene Nachfrage nach Gender Studierten zu befriedigen.

Gender Studies sind damit ein perfektes Beispiel für ein sich selbst erhaltendes System, das alle Merkmale eines autopoietischen Systems im Sinne von Luhmann trägt: Seine Mitglieder beschäftigen sich ausschließlich mit sich selbst. Es gibt keinerlei Nutzen für die umgebende Gesellschaft und die einzige Verbindung zur Außenwelt besteht über die Transfusionsleitungen, über die Steuergelder in das geschlossene Gender System gepumpt werden, denn reflexiv sein und die Ur-Ursprünglichkeit des historischen Antagonismus zwischen Mann und Frau zu erkennen, ist natürlich nur im Erkenntniswert selbstgenügsam, aber deshalb nicht umsonst!

AppleZwar könnte man jetzt argumentieren, dass bereits die katholische Kirche in ihrem in Genesis beschriebenen Mythos von Adam und Eva jenen ewigen und ursprüngliche Antagonismus dargestellt hat, der den naiven Adam von der verschlagenen Eva und mit Hilfe der listigen Schlange getäuscht werden sieht, aber das ist natürlich die falsche Art von Reflexion und kritischer Analyse und eine viel zu unreflexive und un-kritisch-analysierte Darstellung der Ur-Ursprünglichkeit von Geschlecht, die nur zeigt, wie wichtig Gender Studies an Universitäten sind, um die katholische Geschichte von der Erbsünde in den richtigen Kontext patriarchalischer Gottherrschaft einzuordnen.

Die  kritische und reflexive Analyse oder war es die Reflexion in kritischer Analyse?, wie auch immer, die Analyse zeigt, wie wichtig Gender Sponging für Gender Studies ist, und warum Gender Studies gegen das patriarchalische Herrschaftsinstrument der Marktwirtschaft zu Felde ziehen. Warum? Weil es auf einem Markt, auf dem Güter getauscht werden, schlicht keine Nachfrage für Gender Studies gäbe, denn wer nichts anzubieten hat, der kann auch nichts tauschen, der kann nur spongen, Gender-spongen.

Übrigens:

Weitere Informationen und Beratung bei:

Dr. Claudia Mahs

H5.206

Tel:  05251/60-2730

Email: cmahs[at]mail.upb.de

Wissenschaftliche Würdigung

Wir haben, den Inhalt der Paderborner Genderstudien/Gender Studies mit einer Prise Sarkasmus berichtet, denn nur mit Sarkasmus kann man ertragen, was derzeit an deutschen Hochschulen Einzug hält bzw. sich dort längst wie die Made im Speck breit gemacht hat: Gender Studies.

Gender Studies behaupten also, dass es eine  “historisch gewachsene und geformte Geschlechterordnung” gibt, die alle sozialen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen durchzieht. Das ist nichts anderes als die hinlänglich bekannte Behauptung nach der Existenz eines Patriarchats, die Dr. habil. Heike Diefenbach in einer entsprechenden Analyse als falsch und als Ausgeburt sozialistischer und vor allem feuchter Phantasien, wie sie Friedrich Engels hatte, für alle nachvollziehbar identifiziert hat.

Wir treffen die sozialistischen Phantasien in den Gender Studies im Gewandt eines historischen Genderismus, der den im Vergleich dazu geradezu elaborierten historischen Materialismus (der die Welt immerhin noch mit drei Antagonismen, nämlich Sklaven und Sklavenhalter, Lehnsherren und Leibeigenen, Bürger und Proletariat erklären wollte) ersetzen und als einzigen Antagonismus, den angeblich alles prägenden Antagonismus zwischen Mann und Frau zulassen will.

Wer also gedacht hat, primitiver als der historische Materialismus die Menschheitsgeschichte darstellt, geht es nicht mehr, der sieht sich getäuscht. Mit den Gender Studies ist ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte der intellektuellen Entwicklung des Westens erreicht – die soziale, politische und wirtschaftliche Welt ist nicht mehr das Ergebnis des Wirkens vieler Individuen mit je unterschiedlichen Interessen, nein, es ist das Ergebnis des Wirkens des Antagonismus zwischen Mann und Frau.

Und wie die Vertreter des Marxismus-Leninismus an Universitäten installiert wurden, um dort das Heil des Marxismus-Leninismus zu predigen, so sind Gender Studies an Universitäten eingenistet worden, um das Heil der Gender Studies zu verkünden. Und während der Marxismus-Leninismus das kommende Heil als klassenlose Gesellschaft an die Leichtgläubigen seiner Zeit verkauft hat, so verkaufen die Gender Studies heute das Heil einer kommenden und geschlechtslosen Gesellschaft. Abermals sind es die Leichtgläubigen, die auf das angepriesene Krötenelixir hereinfallen und denken, sie könnten sich damit Gehirn antrinken.

Insofern kann man sich lebhaft vorstellen, wen das Angebot aus Paderborn oder das anderer Gender Studie anziehen wird.

 

Bundesverfassungsgericht stellt eindeutig fest: Kinder gehören dem Staat

Bereits am 15. Oktober, wie jetzt bekannt wurde, hat die Zweite Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts, namentlich die Richter Herbert Landau, Sibylle Kessal-Wulf und Doris König entschieden, dass dann, wenn es um die Bildung von Kindern geht, Kinder dem Staat gehören.

Das Urteil 2 BvR 920/14 ist auf den Seiten des Bundesverfassungsgerichts abrufbar.

Die interessanten Absätze finden sich unter den Randnummern 22 und 25.

Bundesverfassungsgericht_RichterrobenGeklagt haben Eltern aus Hessen, die ihre neun (!sic) Kinder seit Jahren im Hausunterricht unterrichten gegen ihre Verurteilung nach §182 Abs. 1 des Hessischen Schulgesetzes und wegen Entziehen von Schulpflicht. In Hessen und in vier weiteren Bundesländern (Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Saarland) ist es eine Straftat, wenn Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Da die Eltern im vorliegenden Fall zu einer Geldstrafe von je 140 Tagessätzen á 5 Euro verurteilt wurden, gelten sie somit als vorbestraft.

§182 des Hessischen Schulgesetzes lautet wie folgt:
(1) Wer einen anderen der Schulpflicht dauernd oder hartnäckig wiederholt entzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft.
(2) Die Verfolgung tritt nur auf Antrag ein. Antragsberechtigt ist die untere Schulaufsichtsbehörde. Der Antrag kann zurückgenommen werden.

Die Verfassungsklage der Eltern gegen ihre Verurteilung wurde von den Richtern der Zweiten Kammer des Zweiten Senats nicht angenommen, d.h. die Verurteilung der beiden Erziehungsberechtigten ist damit rechtskräftig.

Interessant an dem Urteil sind, wie gesagt, zwei Absätze.

So findet sich unter der Randnummer 22 folgende Ausführung:

“Der Landesgesetzgeber, der in § 182 Abs. 1 HessSchulG das Entziehen anderer von der Schulpflicht unter Strafe stellt, greift zwar in das Erziehungsrecht der Eltern aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und – wie hier angesichts der von den Beschwerdeführern geltend gemachten Glaubens- und Gewissensgründe – in deren Glaubensfreiheit aus Art. 4 Abs. 1 GG ein […] Jedoch hat bereits die 1. Kammer des Zweiten Senats in ihrem Nichtannahmebeschluss vom 31. Mai 2006 – 2 BvR 1693/04 – (vgl. BVerfGK 8, 151 ) in Ansehung der Strafnorm des § 182 Abs. 1 HessSchulG ausgeführt, dass die Verpflichtung der Beschwerdeführer, ihre Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen, eine zulässige Beschränkung ihres Erziehungsrechts darstelle. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass der in Art. 7 Abs. 1 GG verankerte staatliche Erziehungsauftrag der Schule dem elterlichen Erziehungsrecht gleichgeordnet ist […], unterliegt es – auch im Lichte des Art. 4 Abs. 1 GG, der Einschränkungen zugänglich ist, die sich aus der Verfassung selbst ergeben – keinen verfassungsrechtlichen Bedenken, die Beachtung der Schulpflicht von den Erziehungsberechtigten dadurch einzufordern, dass der (Landes-)Gesetzgeber entsprechende Strafvorschriften schafft und die Strafgerichte bei deren Verletzung Geld- oder Freiheitsstrafen verhängen.”

Weil also das elterliche Erziehungsrecht dem im Grundgesetz verankerten Erziehungsauftrag der Schulen “gleichgeordnet” ist, deshalb ist der Eingriff über die Schulpflicht in das Erziehungsrecht der Eltern rechtens. Das ist höchstrichterliche Rabulistk, die man auch anders formulieren kann: Wann immer die Interessen des Staates den Interessen von Individuen gleichgestellt sind, sind die Interessen des Staates wichtiger und damit die Interessen der Individuen eben nicht gleichgestellt. Juristen mögen es eben, Absurditäten und Widersprüche zu formulieren.

Noch deutlicher als im vorliegenden Absatz werden die Verfassungsgerechten im Absatz, der Randnummer 25 folgt:

Knast

Schule oder Knast!

“Sie haben insbesondere die Ausstrahlungswirkung des elterlichen Erziehungsrechts der Beschwerdeführer aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG und deren gewissensgeleitete Entscheidung in den Blick genommen, ihre Kinder aus Glaubensgründen vom Unterricht fernzuhalten. Dass nach den von den Fachgerichten getroffenen Feststellungen das Wohl der Kinder nicht gefährdet gewesen ist, die fünf ältesten Kinder sogar gute bis sehr gute Schulabschlüsse erlangt und den Berufseinstieg gemeistert haben, vermag nichts an der Verpflichtung zu ändern, die Kinder an dem Unterricht einer nach dem Hessischen Schulgesetz anerkannten Schule teilnehmen zu lassen. Denn die Allgemeinheit hat ein berechtigtes Interesse daran, der Entstehung von religiös oder weltanschaulich motivierten „Parallelgesellschaften“ entgegenzuwirken und Minderheiten zu integrieren. Selbst ein mit erfolgreichen Ergebnissen einhergehender Hausunterricht verhindert nicht, dass sich die Kinder vor einem Dialog mit Andersdenkenden und -gläubigen verschließen, und ist deshalb nicht geeignet, die insbesondere in einer Klassengemeinschaft gelebte Toleranz gegenüber einem breiten Meinungsspektrum nachhaltig zu fördern (vgl. BVerfGK 8, 151 ).

Verfassungsgerechte schießen gerne mit Kanonen auf Spatzen. Weil ein Elternpaar aus Hessen seine Kinder selbst unterrichtet, und zwar mit Erfolg selbst unterrichtet, steht zu befürchten, dass eine Parallelgesellschaft entsteht, eine weltanschauliche motivierte noch dazu. Deshalb, und um Minderheiten zu integrieren, dürfen die christlichen Eltern, die von den drei Verfassungsweisen aus Karlsruhe wohl als christliche Minderheit angesehen werden, ihre Kinder nicht selbst und nicht zuhause unterrichten. Dass es im deutschen Bildungssystem nicht um Meritokratie und erfolgreiche Wissensvermittlung geht, man könnte es nicht deutlicher machen.

Besonders amüsant ist es, wenn die Verfassungsgerechten behaupten, dass ein erfolgreicher Hausunterricht nicht verhindern würde, dass sich die hausunterrichteten Kinder dem Dialog mit “Andersdenkenden und -gläubigen” verschließen würden. Diese Erkenntnis hat vermutlich der heilige Verfassungsgeist auf den Zeilengläubigen aus Karlsruhe verteilt, denn Fakten, die ihre Behauptung stützen könnten, haben die Eingebungsvollen nicht.

Lächerlich wird das Urteil dann, wenn öffentliche Schulen als Paradies der Toleranz dargestellt werden. Angesichts eines derartigen Unsinns, der mit Realitäten an deutschen Schulen, wie wir sie z.B. anhand des männerhassenden Curriculums an bayerischen Schulen dargestellt haben, nichts zu tun hat, kann man sich nur fragen: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

So  hört man doch allerorten Klagen über die vielen Intoleranten, die in Deutschland z.B. Genderismus oder Diversität ablehnen. Dass diese vermeintlich Intoleranten und nicht zuletzt die Verfassungsrichter selbst, durch das deutsche Bildungssystem gegangen sind und nicht zu Hause unterrichtet wurden, lässt die Toleranz-Paradies-Vorstellung der Verfassungsgerechten irgendwo zwischen lächerlich und absurd zurück und man fragt sich abermals: Wo leben die Verfassungsgerechten eigentlich?

Da Karlsruhe zwar auf der falschen Seite des Rheines, aber doch in Deutschland liegt, kann man diese Frage, nur dahingehend beantworten, dass die drei Verfassungsausleger in einem Land leben, in dem die Ideologie vor der Realität kommt – in einem Land, in dem Hausunterricht aus Prinzip verboten ist. Egal, ob Eltern eine erfolgreiche Unterrichtung ihrer Kinder erreichen können oder nicht.

Da der Erfolg der unterrichteten Kinder auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt offensichtlich kein Kriterium ist, dem von den Verfassungsrichterlichen eine Bedeutung zugewiesen wird, bleibt nur die ideologische Indoktrination, wie sie an öffentlichen Schulen erfolgt, als Begründung dafür, dass Hausunterricht nach Ansicht der drei aus dem Verfassungsland strafrechtlich verfolgt und Hausunterrichter zu Vorbestraften gemacht und mit Steuerhinterziehern, Körperverletzern und Unfallflüchtigen gleich gestellt werden.

So wichtig ist die ideologische Indoktrination, die als Erziehung zur Toleranz verkauft wird, dass die drei Weisen aus dem Verfassungsland nicht davor zurückschrecken, ein Geschütz wie die Schaffung einer Parallelgesellschaft aufzufahren, um damit auf die wenigen Spatzen zu schießen, die überhaupt Hausunterricht durchführen wollen.

Hier steht wohl viel auf dem Spiel, so dass Eltern in Deutschland klipp und klar erklärt werden muss, dass der Staat sein Indoktrinations- und Ideologisierungsmonopol im Bereich der Bildung nicht aufzugeben gedenkt.

Kinder gehören dem Staat, und wer das nicht einsehen will, geht demnächst in den Knast.

Leitlinien liberaler Bildungspolitik

Manchmal scheint ein Licht am Ende des Tunnels. Selbst im Bereich der (schulischen) Bildung gibt es flackernden Kerzenschein in Deutschland zu beobachten, flackernden Kerzenschein der es ermöglicht einen mit “Bildungspolitik in Brandenburg” überschriebenen Beitrag zu lesen. Kristina Kämpfer hat diesen Beitrag mit dem langweiligen und abschreckenden Titel verfasst und in diesem Beitrag, auf den Seiten 12 bis 19 die Leitlinien liberaler Bildungspolitik versteckt.

light tunnelVermutlich muss man Anklänge an Liberalität im Deutschland des Jahres 2014 verstecken, denn Liberale wollen den Staat stutzen, jenen Staat, der in Deutschland immer mehr Anhänger findet, weil immer mehr bei ihm beschäftigt sind oder von ihm abhängig gemacht werden – und wer beißt schon die Hand, die ihn füttert?

Einschub: Das Wachstum des staatlichen Molochs hat mit der Mutation der Dienstleistungsbranche in ein Beraterunwesen zu tun. Die Mutation beginnt in der Regel mit der Schaffung von Studiengängen, wie dem zum Sexologen. Sexologen, werden sie erst einmal auf Menschen losgelassen, schaffen sich ihre eigene Nachfrage, indem sie neue vermeintliche Krankheiten oder Leiden definieren und sie Menschen, die nur allzu willig sind, ihre langweilige Existenz mit mehr oder weniger imaginierten Problemen anzufüllen, aufzuschäwtzen. Letztere fühlen sich existent und wichtig wenn sie leiden: crudito ergo sum. Ist die Nachfrage geschaffen, fehlt noch die Finanzierung, die, angesichts der Nachfrage, die nunmehr zum Indiz für einen Bedarf geworden ist, natürlich über die Krankenkassen erfolgt: Fast ein perfektes perpetuum mobile, mit dem sich die Mittelschicht selbst versorgt, und zwar auf Kosten der Arbeiterschicht, denn es sind Kinder aus der Mittelschicht, die Unsinn wie Sexologie studieren, und es sind eingebildete Kranke aus der Mittelschicht, die auf Kosten der Krankenkassen dieses neue Krankheitsangebot nachfragen.

Doch zurück zur liberalen Bildungspolitik von Kämpfer, deren Leitlinien wie folgt zusammengestellt werden können:

  • (1) Chancengleichheit im Zugang zu Bildung, d.h. keine Hürden beim Zugang zu Grund- und weiterführenden Bildungsangeboten.
  • (2) Bildung ist ein Bürgerrecht – Menschen haben entsprechend einen Anspruch auf Bildung. Zudem ist Bildung eine “entscheidende Komponente einer klugen Wirtschaftspolitik” (14).
  • (3) Bildung schafft Humankapital und ist entsprechend als “eine Investition in die Zukunft” anzusehen.
  • (4) Dem Staat obliegt es, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, allgemeine Standards zu definieren und den Zugang zu Bildungseinrichtungen zu sichern.
  • (5) Bildungseinrichtungen müssen selbständig und frei agieren. Sie müssen im freien Wettbewerb zueinander stehen, d.h. es muss private Bildungseinrichtungen mit denselben Rechten geben wie öffentliche Bildungseinrichtungen, sofern es letztere überhaupt gibt.
  • (6) Frühkindliche Betreuung soll in ausreichendem Maße vorhanden sein, wobei durch die Ausbildung des pädagogischen Personals für eine gewisse Mindestqualität gesorgt werden soll.
  • (7) Lehrpläne sollen abgeschafft und durch “Lernziele in Form von Mindesstandards” ersetzt werden (18).
  • (8) Die Einhaltung der Mindeststandards und die Leistungsabnahme erfolgt durch unabhängige, externe Evaluation, die von entsprechenden Service-Instutionen durchgeführt wird.
  • (9) Die Finanzierung des Bildungssystems erfolgt über Bildungsgutscheine, die bei Bildungseinrichtungen eingelöst werden können.
  • (10) Schulämter können aufgelöst werden.

School-voucherPrinzipiell kann man diesen Leitlinien, die weitgehend auf Eigenverantwortung und Wettbewerb basieren, zustimmen. Die Sicherstellung von Chancengleichheit (1) im Zugang zu Bildung ist grundlegend für eine liberale Bildungspolitik. Allerdings ist es dazu nicht notwendig, Standards durch den Staat (4) formulieren zu lassen. Es reicht, wenn über die Ausgabe von Bildungsgutscheinen (9) gewährleistet wird, dass jeder die Möglichkeit hat, sich die Bildungsinstitution auszusuchen, von der er sich die beste Leistung verspricht. Die Standards der Bildung werden sich über den Wettbewerb von selbst einstellen, ebenso wie die Qualität des Lehrpersonals, denn: Wenn Schüler und Eltern die Schule selbst wählen können, werden sie sich nach der besten Schule umsehen, der Schule mit der besten Reputation und den besten Lernergebnissen.

Damit sie das können, ist es nicht nur notwendig, die Schulen extern von Service-Institutionen evaluieren und die Leistungen der Schüler in zentralen Prüfungen durch diese Service-Institutionen abnehmen zu lassen (8), sondern auch dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse, wie dies z.B. im Vereinigten Königreich der Fall ist, veröffentlicht werden. Auf diese Weise können Eltern z.B. auf einen Blick erkennen, welches Leistungsniveau die Schüler einer Schule erzielen.

Dadurch, dass zentrale (Abschluss-)Prüfungen extern abgenommen werden, wird es auch notwendig, Lernziele festzulegen, die den Schülern bis zur Prüfung bekannt sein müssen (7). Die Lehrpläne können entsprechend entfallen. Damit der Nutzen, der mit dem Beseitigen von Lehrplänen erreicht werden kann, nicht vollständig verloren geht, ist es wichtig sicherzustellen, dass staatliche Institutionen keinerlei Zugriff auf die Lehrinhalte haben, die an Schulen vermittelt werden. Die Bestimmung der Standards und Lehrziele erfolgt durch Service-Institutionen und den Wettbewerb unter den freien und selbständig agierenden Schulen (5). Und nur so ist es möglich sicherzustellen, dass Politiker Schulen nicht weiter dazu missbrauchen, ihre Grillen auszuleben und Schüler mit politisch korrektem Unsinn zu traktieren. Insofern ist sicher auch die Abschaffung von Schulämtern (10) ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Was den angesprochenen Wertekanon angeht, so trägt die Gewährleistung eines gleichen Zugangs zu Bildung, unabhängig von der sozialen Herkunft dazu bei, dass Bildung quasi ein Bürgerrecht ist. Mehr ist nicht erforderlich, schließlich basiert Bildung auf Eigenverantwortung (3). Und wenn man, wie Kämpfer, die Eigenverantwortung von Bildung betont, dann ist es nicht so richtig einsehbar, wieso man “mangelnde Betreuungsmöglichkeiten sowie Teilzeitangebote zulasten von Frauen, … [was] anhand der niedrigeren Erwerbstätigenquote von Frauen gegenüber Männern sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland deutlich wird”, (16) beklagen sollte.

responsibilityGilt Eigenverantwortung bei der Entscheidung, sich fortzupflanzen nicht? Sollten nicht gerade Liberale die Eigenverantwortung auch in diesem Punkt betonen, anstatt in den politisch korrekten Singsang der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf einzustimmen, den Staatsfeministen seit Jahren monoton singen? Wer sich für Kinder entscheidet, dem ist doch wohl zuzumuten, die Konsequenzen seiner eigenen Entscheidung und die Einschränkungen, die sich mit dieser Entscheidung verbinden, selbst zu tragen und die Folgen seiner Entscheidung nicht von der Allgemeinheit bezahlen zu lassen. Schließlich wird niemand gezwungen, sich fortzupflanzen.

Darüber hinaus haben Mütter in Arbeiterhaushalten über Jahrhunderte genau das vereint, was Mütter aus der Mittelschicht plötzlich als Vereinbarkeitsproblem entdeckt haben: Familie und Beruf, so dass man feststellen muss, dass Mütter aus der Arbeiterschicht offensichtlicht leistungsfähiger sind als Mütter aus der Mittelschicht.

Trotz dieser Kritikpunkte sind die Leitlinien liberaler Bildungspolitik ein guter Anfang; ein Schimmer am Ende des Tunnels und sicher geeignet als Diskussionsgrundlage zu dienen.

Lehrer derzeit nicht gut genug

Manchmal stolpert man über Pressemeldungen, die dazu führen, dass man mehrfach liest, um sicherzustellen, dass man richtig gelesen hat. Die Pressemeldung “Qualitätsoffensive Lehrerbildung gestartet” des BMBF ist eine solche Pressemeldung.

BMBFKurz zur Einordnung: Lehrer, das sind diejenigen, die in Schulen beschäftigt sind. Schulen, das sind die Institutionen, die Kinder und Jugendliche mit einem Bildungsabschluss versorgen sollen. Kinder und Jugendliche werden in Deutschland sehr ungleich mit einem Bildungsabschluss versorgt:

  • Jungen schneiden seit Jahren, ohne dass es jemanden stört, schlechter ab als Mädchen;
  • Kinder aus der Unterschicht bleiben im Hinblick auf schulische Bildung weit hinter Kindern aus Mittel- und Oberschicht zurück, was gelegentlich lamentiert, aber mitnichten verändert wird;
  • Kinder aus Migrationshintergrund, egal, wie lange der Migrationshintergrund zurückliegt, schneiden bei der schulischen Bildung schlechter ab als Kinder ohne Migrationshintergrund, was gewöhnlich mit dem alten Ladenhüter der Sprachbeherrschung erklärt werden soll;

Bildungsforscher, die derartige Muster im Hinblick auf den Bildungserfolg nach Geschlecht, Schicht oder Migrationsstatus sehen und ihr Geld Wert sind, können nur einen Schluss ziehen: Irgendwie müssen die Instutionen zu diesen Ergebnissen führen. Irgendwie müssen Schulen bestimmte Verhaltensweisen bei Lehrern hervorbringen oder nicht unterbinden, die dazu führen, dass Jungen schlechter als Mädchen, Kinder aus der Unterschicht schlechter als Kinder aus der Mittel- und Oberschicht und Kinder mit Migrationshintergrund schlechter als Kinder ohne Migrationshintergrund abschneiden.

Radke_GomollaInstitutionelle und kontextuelle Faktoren, die über das Handeln von Lehrern auf Schüler wirken, sind die einzigen Variablen, die die beschriebenen Muster erklären können. Ein kleines logisches Experiment zeigt, warum: Nehmen wir an, Kinder mit Migrationshintergrund schneiden wegen ihrer Deutschkenntnisse schlechter ab als Kinder ohne Migrationshintergrund wie dies manche immer noch stoisch behaupten. Nehmen wir weiter an, ein Teil dieser Kinder mit Migrationshintergrund gehört der Mittelschicht an, wäre also sozusagen özdemisiert. Nehmen wir weiter an, ein Teil dieser Kinder mit Migrationshintergrund wäre weiblich und özdemisiert: Was folgt daraus für den Bildungserfolg? Es ist schlicht logisch unmöglich etwas über den Bildungserfolg auszusagen, weil die drei Faktoren sich überlagern und ihre Effekte zum Teil gegensätzlich sind. Folglich ist es wenig wahrscheinlich, dass Faktoren, die den Schülern zugeordnet werden können, also Migrationshintergrund, Schichtzugehörigkeit oder Geschlecht, die Muster hervorbringen, die oben berichtet wurden. Es liegt schon näher die Schulen, die schulische Praxis und damit das Handeln von Lehrern als Ursache der Unterschiede im Bildungserfolg anzunehmen.

Als wir im Jahre 2002 von einer Korrelation berichtet haben, die zeigt, dass mit einem steigenden Anteil männlicher Grundschullehrer die schulische Leistung von Jungen besser wird, war ein Aufschrei die Folge. Bis heute sind wird nicht ganz sicher darüber, ob die Häresie darin bestand, festzustellen, dass Lehrer etwas mit dem schlechteren Abschneiden bestimmter Schülergruppen zu tun haben oder darin festzustellen, dass weibliche Lehrer für das schlechtere Abschneiden bestimmter Schülergruppen, hier: männlicher Schüler, verantwortlich sein könnten. Die Tatsache, dass sich anschließend eine Diskussion über die “Feminisierung von Schulen”, also darüber entwickelt hat, dass immer weniger Männer und immer mehr Frauen Lehrer werden/sind, deutet darauf hin, dass die Häresie darin bestand, weibliche Lehrer als Quelle schulischer Nachteile von Jungen ins Spiel zu bringen.

Wie dem auch sei, bis zum heutigen Tag gleicht es einer Gotteslästerung, wenn man darauf hinweist, dass die Institution “Schule” und die darin beschäftigten Lehrer natürlich einen Einfluss auf das schulische Abschneiden von Kindern haben. Und da die Institution Schule eine Institution der Mittelschicht ist, die von Lehrern aus der Mittelschicht bevölkert wird, liegt es zudem nahe anzunehmen, dass die Wirkung der Kategorien “Unterschicht”, “Geschlecht” und “Migrationshintergrund” auf Stereotypen basiert, die in der Mittelschicht gepflegt werden, also z.B. Kinder aus Unterschichtsfamilien haben zuhause nicht die Unterstützung, die sie brauchen, um ein Gymnasium mit Erfolg zu besuchen, oder Jungen sind kleine Machos, die den Unterricht stören und deshalb auf Sonderschulen abgeschoben oder schlechter bewertet werden, oder Kinder mit Migrationshintergrund können kein Deutsch und müssen entsprechend mit Hauptschule und Realschule Vorlieb nehmen. All diese Stereotype haben natürlich nur zufällig den Effekt, dass Gymnasien und Universitäten zum Quasi-Monopol für Kinder aus Mittel- und Oberschicht umfunktioniert werden.

Wie überrascht wir waren, in einer Pressemeldung der derzeitigen Ministerin für B&F zu lesen, was bislang einen gesellschaftlichen Bann aus Medien nach sich gezogen hat, können sich Leser nach diesem Vorspann vermutlich vorstellen: Aus Anlass des Starts der “Qualitätsoffensive Lehrerbildung” hat Frau Wanka eingestanden, dass es vor allem schlechte Lehrer sind, die für die beschriebenen Missstände im deutschen Bildungssystem verantwortlich sind:

stundenplan„Mit dem Programm wollen wir die Hochschulen in ihren Bemühungen unterstützen, die Lehramtsausbildung zu reformieren und die Qualität nachhaltig zu verbessern“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. „(1) Wir wollen die Besten eines Jahrgangs für ein Lehramtsstudium gewinnen und (2) sie über ihr gesamtes Studium hinweg begleiten. Nur wenn es uns (3) gelingt, die Strukturen der Lehrerbildung an den Hochschulen zu optimieren, die pädagogische Praxis stärker als bisher einzubeziehen und Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften besser miteinander kooperieren zu lassen, (4) werden wir auch gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen haben. Und es gehört selbstverständlich auch dazu, dass die (5) Mobilität von Lehramtsstudierenden, Lehrkräften im Vorbereitungsdienst, sowie Lehrerinnen und Lehrern über die Grenzen der Bundesländer hinweg gewährleistet ist.“

Die Prämissen, auf denen dieses Zitat von Frau Wanka beruht, sagen eigentlich alles, über den Zustand des allgemeinen deutschen Bildungssystems:

  • (1): Bislang gelingt es nicht, die besten eines Jahrgangs für das Lehramtsstudium zu gewinnen. Jahrgang meint hier Abiturjahrgang. Dies wird aus (2) deutlich, denn der Satz macht keinen Sinn , wenn nicht Abiturjahrgang gemeint ist. Und wir wollen Frau Wanka heute einmal unterstellen, dass sie mit dem, was sie sagt, Sinn vermitteln will.
  • (3): Die Strukturen der Lehrerbildung sind derzeit nicht optimal, was notwendig bedeutet, dass die Lehrer und die institutionellen Strukturen an Schulen suboptimal sind, und das ist noch der konservativste der möglichen Schlüsse.
  • (4) da “gut ausgebildete … Lehrer” hier an eine deterministische und mit “nur” eingeleitete Bedingung geknüpft sind, muss man schließen, dass die Ministerin der Überzeugung ist, dass derzeit keine gut ausgebildeten Lehrer an deutschen Schulen unterrichten.
  • (5) kann man lesen als Ankündigung, die länderspezifische Eigenbrödelei in Sachen Bildung zu beenden, was gut für Bayern und Baden-Württemberg und schlecht für die Stadtstaaten wäre, in denen derzeit ein Abitur verschenkt wird. Man kann (5) auch als Ankündigung dafür lesen, dass es mit Teilzeitbeschäftigung und der ich-fahr-nicht-weiter-als-5-Kilometer-zu-meinem-Arbeitsplatz-Mentalität unter Lehrern ein Ende hat.

In jedem Fall zeigt die Pressemeldung klar und deutlich, dass man im Ministerium das Problem des deutschen Bildungssystems nicht mehr bei den Schülern sucht, sondern bei der Lehrerschaft, die nicht gut ausgebildet ist, sich nicht aus den Besten eines Jahrgangs zusammensetzt, sondern aus vielen Lehrkräften, die ihren Beruf eher als Hobby und nebenbei, eben in Teilzeit betreiben, etwas, das aufgrund der hohen Anforderungen, die man beim BMBF als an Lehrer gestellt ausgemacht hat, nicht mehr tragbar ist, oder wie es beim Ministerium so schön heißt:

“Im Laufe der Jahre sind die Ansprüche gestiegen. Lehrende sollen unterrichten und erziehen, beraten und die Schulen weiterentwickeln. Kurzum, heute sind Lehrkräfte mehr denn je Experten für das Lehren und Lernen. Sie begleiten junge Menschen in der Regel über mehr als ein Jahrzehnt in einer Entwicklungsphase, die für individuellen Bildungserfolg, Persönlichkeitsbildung, Sozialisation und beruflichen Werdegang prägend ist.”

Das ist nun wirklich nichts, was man in Teilzeit erledigen kann.

Macht das Bildungssystem kurzsichtig?

Der Nerd, Inbegriff des neunmalklugen Internet-Freaks, der sich hyperintellektuell gibt, trägt eine. In bestimmten Schichten der Bevölkerung ist es schick, eine zu tragen, um intellektuell zu erscheinen. Lemmi von den Schmökern, der Bücherwurm, den manche noch aus ihrer Jugend kennen, er musste natürlich auch eine haben. Die Rede ist von einer Brille, die Brille, die bis heute als Symbol für Intellektualität gilt, sofern sie nicht als Sonnenbrille daherkommt, die am Ende maskulin oder cool wirken könnte.

NerdDie Symbolik hinter der Brille, also der Glaube, man könne sich durch eine Brille mehr geistigen Gehalt verschaffen, als man tatsächlich hat, ein Glaube, der durch die Optiker Meise Reklame auf unangenehme Weise befördert wird und zuweilen bis zum ersten gesprochenen Wort reicht, diese Symbolik scheint einen wahren Kern zu haben, denn Kurzsichtigkeit weist einen Zusammenhang mit Bildung auf.

Aus Deutschland kommt eine Untersuchung, die Alireza Mirshahi und sieben weitere Autoren in “Opththalmology” veröffentlicht haben. Die Untersuchung trägt den Titel: “Myopia and Level of Eduction”, sie ist gut gemacht, behauptet keine Zusammenhänge, wo keine sind, problematisiert Schwächen an der eigenen Untersuchung und ist eine wohltuende Abwechslung von all den Studien, die aus kaum existenten Zusammenhängen weitreichende und aberwitzige Konsequenzen ziehen, zumeist deshalb, weil sie den Autoren ideologisch passen, wie dies z.B. in der Studie über gleichgeschlechtliche Eltern, die wir vor einigen Tagen besprochen haben, der Fall war.

Mirshahi und seine Koauthoren haben zu acht einen Text verfasst, der auf fünf Seiten kurz und knapp die Ergebnisse einer Analyse berichtet, die auf Grundlage von 4658 Personen im Alter von 35 bis 74 Jahren erstellt wurde. Alle 4658 Personen leben in der Rhein-Main-Region und haben sich bereit erklärt, an der Gutenberg Gesundheitsstudie (GHS) teilzunehmen.

Für die vorliegende Untersuchung wurde die Sehkraft der Befragten untersucht. Dabei haben sich 1.780 der Studienteilnehmer (38,2%) als kurzichtig erwiesen. Um den Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsstand der Teilnehmer zu untersuchen, haben die Autoren zwei Variablen gebildet, die einmal den erreichten Schulabschluss und einmal die Geschichte der beruflichen Bildung zusammenfassen. Von den 4658 Personen haben 26 (0,6%) keinen Schulabschluss erreicht, 1916 (41,1%) einen Hauptschulabschluss, 1008 (21,6%) einen Realschulabschluss und 1553 (33,3%) eine Hochschulreife. Keine Berufsausbildung haben im Anschluss an ihre Schulzeit 368 (7,9%) Befragte aufgenommen, 2157 (46,3%) haben eine Berufsschule, 773 (16,6%) eine Berufsfachschule und 1118 (24,0%) eine Universität besucht.

BrillenDie Auszählung der Sehkraft nach Bildungsabschluss und Berufsausbildung stellt erste Indizien für einen Zusammenhang bereit: 50,9% der Personen, die eine Hochschulreife erreicht haben, sind kurzsichtig – gegenüber 41,6% bzw. 27,1% der Schüler mit Realschul- bzw. Hauptschulabschluss. Dasselbe Bild ergibt sich bei der Berufsbildung: Universitätsabsolventen weisen zu 53% eine Kurzsichtigkeit auf, während Berufsfachschüler und Berufsschüler nur den Anteil von je 34,8% und 34,7% Kurzsichtige umfassen.

Nun muss man einwenden, dass die Ergebnisse auf Basis aller Befragten ausgezählt wurden, d.h. die jeweiligen Gruppen enthalten Alte wie Junge. Da Kurzsichtigkeit mit dem Alter zunimmt, ist es demnach sinnvoll, nach dem Alter zu kontrollieren, es in einer Regressionsanalyse konstant zu halten. Also haben die Autoren Alter konstant gehalten und denselben Effekt festgestellt, der gerade aufgezeigt wurde:

Mit steigender allgemeiner und beruflicher Bildung sinkt die Sehkraft, steigt der Anteil der Kurzsichtigen.

Man muss also feststellen, dass es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Sehkraft gibt, dass Bildung anscheinend einen negativen Effekt auf Sehkraft und einen positiven auf Kurzsichtigkeit hat. Man kann dies die “dark side of education” nennen und sich angesichts der erheblichen Kosten, die mit einer Kurzssichtigkeit und ihren Folgen, von Ablösung der Netzhaut bis zu grünem Star einhergehen, fragen, ob es nicht notwendig wäre, Abiturienten und Studenten gegen diese Folgen von Bildung in einer privaten und obligatorischen Versicherung zu sichern, schon um nicht diejenigen, die keine höhere Bildung anstreben und entsprechend besser sehen, für die Behandlungskosten der Höhergebildeten bezahlen zu lassen.

Besonders findige Rechtsanwälte mit Sehschwäche, die sich nach 8 Semestern Rechtsstudium fast zwangsläufig einstellen muss, könnten sich fragen, ob es nicht sinnvoll wäre, die OECD, die die Werbetrommel für höhere Bildung weltweit rührt und das Ziel für Deutschland auf 40% Abiturienten und damit ungefähr den OECD Durchschnitt anheben will, haftbar zu machen für die dadurch verursachten höheren Kosten, die individuell und im Aggregat durch die mit der Zunahme höher Gebildeter einhergehende Zunahme der Kurzsichtigkeit verursacht werden.

moleDenn dass ein Zusammenhang zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsnievau besteht, steht außer Frage. Allerdings stellt sich die Frage, welcher Art dieser Zusammenhang ist, d.h.: stellt sich die Kurzsichtigkeit als Folge der Bildung ein, also der mit dem längeren Besuch von Bildungsinstitutionen einhergehenden Notwendigkeit, z.B. länger in Bücher oder Computer zu sehen, die direkt vor der Nase des Schülers oder Studenten stehen? Die Erklärung der Verbindung zwischen Kurzsichtigkeit und Bildungsniveau über das Starren in Bücher oder das Starren in Computer ist plausibel. Aber mehr ist sie bislang noch nicht. Der Beleg dafür, dass Kurzsichtigkeit von längerer Verweildauer in Bildungsinstitutionen verursacht wird, fehlt bislang.

Aber es gibt recht gute Indizien, die Mirshahi in einer guten Untersuchung zusammengetragen haben. Dass die Untersuchung nur gut und nicht sehr gut ist, liegt darin begründet, dass es nicht wirklich gelungen ist, intervenierende Variablen auszuschließen: Die Befragten sind zum Befragungszeitpunkt zwischen 35 und 74 Jahren alt. Die Kurzsichtigkeit kann sich irgendwann während, vor oder nach der Schulzeit eingestellt haben, d.h. es ist durchaus möglich, dass nicht berücksichtigte Variablen den Zusammenhang zwischen Sehkraft und Bildung vermitteln oder im schlimmsten Fall direkt erklären. Es hätte, um die Frage zu entscheiden, wie groß die Gefahr ist, durch nicht berücksichtigte Variablen, das gesamte Ergebnis wegzuerklären, geholfen, die erklärte Varianz der linearen Modelle zu berichten. Das haben die Autoren leider nicht getan.

Entsprechend kann die OECD (vorerst) aufatmen, und all diejenigen, die mit Brille einen Intellekt vortäuschen wollen, den sie nicht haben, müssen weiter hoffen, dass die Symbolkraft von Brillen über die nicht kausale Erklärkraft entsprechender wissenschaftlicher Modelle hinwegträgt.

Mirshahi, Alireza et al. (2014). Myopia and Level of Education. Results from the Gutenberg Health Study. Ophthalmology (online first).

 

Sykophanten für das Land: Muster-Ausschreibung für Universitäten

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Publikationen lehrt das Grauen: Die völlige Unkenntnis der Verfasser darüber, was Wissenschaft und wissenschaftliches Arbeiten eigentlich umfasst, die Tatsache, dass immer mehr vermeintlich wissenschaftliche Beiträge sich als politisch korrektes Wiederkäuen politisch korrekter, von politischen Akteuren vorgegebener Inhalte entpuppen, und vor allem, die völlige Unkenntnis vieler Verfasser über ihre eigene Unkenntnis, verbreitet eine Form von Wissenschaftsterror, von der man sich nur schwer erholt.

miscatonic universityHinzu kommen die Versuche, wie sie z.B. aus dem BMBF kommen und z.B. im Rahmen des Professorinnenprogramms betrieben werden, in täuschender Absicht und hinter Floskeln versteckt, Wissenschaft mit Personen zu infiltrieren, die aufgrund eigener Leistung nicht einmal in die Nähe eines Lehrstuhls gelangt wären, weshalb man sie entsprechend fördern und aussichtsreiche Bewerber diskriminieren muss.

Das, was manche Inhaber wissenschaftlicher Positionen produzieren, und der direkte Einfluss, den Ministerien auf deutsche Hochschulen nehmen, lässt nur einen Schluss zu: Ziel ist die Entprofessionalisierung der Universitäten, deren Durchsetzung mit Personen, die nicht willens und nicht in der Lage sind, eigene und vor allem von der Vorgabe des politisch Korrekten abweichende Ideen zu formulieren und die selbst dann, wenn sie es wären, nicht über die Fähigkeiten und Kompetenzen verfügten, sie umzusetzen, ist Teil einer intendierten Zersetzung deutscher Universitäten. Sie wird von politischen Akteuren betrieben, um sich vor Kritik und Widerstand zu schützen, der angesichts zunehmender Verteilungskämpfe um knappe Ressourcen zu erwarten ist, und wenn man auf die Beiträge wissenschaftlicher Positionsinhaber blickt, so muss man feststellen, die entsprechenden Versuche sind schon weit vorangeschritten.

Und dies trotz der Rücksicht, die z.B. Vertreter des BMBF immer noch auf Dinge wie Wahrheit, Informationsgehalt oder gar Anstand zu nehmen müssen glauben, ein Glaube, der sich z.B. darin niederschlägt, dass im Rahmen des Professorinnenprogramms eine Vielzahl von kunstvoll-geschaffenen Begrifflichkeiten benutzt werden muss, um die Wahrheit, dass das Professorinnenprogramm offene Diskriminierung von Männern darstellt, zu verschleiern.

Um Ministerien von der Last, die mit dem Versuch der Täuschung einhergeht, zu befreien und wissenschaftlichen Positionsinhabern die Last, Legitimation des politisch Korrekten in wissenschaftliche Floskeln verpacken zu müssen, zu nehmen, haben wir uns entschlossen, einen Ausschreibungtext der Zukunft für ein Institut der Zukunft zu entwickeln, das dem Problem der Täuschung der Öffentlichkeit endlich und mit Systematik zu Leibe rücken wird.

 

HU-BerlinDie Humboldt-Universität Berlin gehört zu den wichtigsten Universitäten am Standort Berlin und profitiert nicht nur von ihrer räumlichen Nähe zu deutschem Bundestag und Ministerien. Das neugegründete Leopold Gutterer Institut für angewandte politische Legitimationsforschung wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Stadt Berlin finanziert. Es soll zu einem der führenden Kompetenzzentren Europas für die Aufbereitung und Darbietung von richtiger Information ausgebaut werden.

Zu diesem Zweck ist die

Genrikh Yagoda Gründungsprofessur für politische Divulgation (W3)

zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu besetzen.

Die Hauptaufgabe des zukünftigen Lehrstuhlinhabers/der zukünftigen Lehrstuhlinhaberin wird in der Begleitung des Aufbaus des Leopold Gutterer Instituts für angewandte politische Legitimationsforschung bestehen. Neben der Gründungsprofessur sind weitere drei Professuren am Institut vorgesehen, die sich weiteren Teilaspekten der politischen Kommunikation, unter besonderer Berücksichtigung von Auswahl und Darbietung der richtigen Information widmen. Vom Stelleninhaber/der Stelleninhaberin wird weiter erwartet, dass er/sie sich in Lehre und Forschung für das Thema der richtigen politischen Kommunikation engagiert. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Referent_innenRat (ehemals AStA) der Humboldt-Universität ist zu diesem Zweck sinnvoll und aus Gründen der Rekrutierung politischer Aktivisten zu begrüßen, um z.B. Veranstaltungen, die aus Sicht der richtigen Information bedenklich sind, durch Kundgabe der richtigen Information neu zu orientieren.

Der/die Stelleninhaber/in muss in der Benutzung statistischer Methoden ausgewiesen sein. Multivariate Verfahren wie logistische Regressionen oder Two-Way Cross-Random Effect Modelle müssen ihm von der Benutzung her vertraut sein. Mathematische Kenntnisse oder Erwägungen, die sich auf Reliabilität und Validität von statistischen Modellen beziehen, sind nicht erforderlich. Vielmehr werden vom Stelleninhaber/von der Stelleninhaberin moderne Methoden der Interpretation von Daten erwartet, die ihren Anfang nicht bei theoretischen Erwägungen, sondern bei der Idee der richtigen Information nehmen.

Weiter erwarten wir von Bewerbern/von Bewerberinnen, dass sie national wie international durch Publikationen in Fachzeitschriften ausgewiesen sind, die jedoch keinerlei kritische Resonanz und keinerlei kritische Aufmerksamkeit bei Fachkollegen ausgelöst haben. Erfolgreiche Bewerber/Bewerberinnen sollen ein Interesse am jungen Forschungsgebiet politischer Kommunikation der richtigen Information haben und sich durch ein entsprechendes gesellschaftliches Engagement ausweisen (Mitgliedschaften bei Antifa und Attac zum Zwecke der Netzwerkbildung im Hinblick auf Informationsgewinnung und offensiven Informationsverbreitung werden ausdrücklich ermutigt). Kenntnisse in Persuasionsforschung oder in assoziativen Techniken der Informationsaufbereitung sind von Vorteil.

Der/die Stelleninhaber/in sollte in der Lage sein, Vorgaben zur richtigen Information selbständig und weisungsgebunden umzusetzen. Zudem erwarten wir vom zukünftigen Stelleninhaber/von der zukünftigen Stelleninhaberin Kenntnisse in und eine Freude am spontanen Interpolieren, das nicht von eigenen Ideen beeinträchtigt wird. Vielmehr soll der zukünftige Stelleninhaber/die zukünftige Stelleninhaberin gewandt sein, in der Kunst, die Ideen anderer zu adaptieren, zu entstellen und durch eigene Forschung ad absurdum zu führen.

Wir bieten die Möglichkeit, beim Aufbau des Leopold Gutterer Institut als Ansprechpartner/Ansprechpartnerin für die Presse mitzuwirken, ohne dabei für die getroffenen Entscheidungen verantwortlich sein zu müssen. Wir bieten eine interessante Tätigkeit, die Kompetenzen und Fähigkeiten im Umsetzen vorgegebener Entscheidungen verlangt. Dabei steht die Entwicklung diverser Kommunikationsformen, die auf mehreren Wegen die Übermittlung derselben richtigen Information gewährleisten, im Zentrum der fordernden Tätigkeit. Redaktionelle Tätigkeiten, wie z.B. die Anpassung veralteter Schriften an das moderne und richtige Denken, sind Bestandteil der Arbeit, die vom Stelleninhaber/von der Stelleninhaberin erwartet wird. Kenntnisse im Erstellen so genannter “abridge versions”, in denen falsche Informationen weggelassen und richtige Informationen eingefügt werden, sind von Vorteil.

Die Finanzierung der Stelle erfolgt aus den Mitteln des BMBF. Die Stelle ist unbefristet. Bewerber dürfen das 52. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Bei gleicher Eignung werden Bewerber vorgezogen, deren visueller Eindruck keinerlei Anzeichen auf eine vorhandene Individualität vermittelt.

Bewerbungen senden Sie bitte unter Einschluss der üblichen Bewerbungsunterlagen und unter dem Stichwort „Genrikh Yagoda“ an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Hannoversche Straße 28-30, D-10115 Berlin.

Die Bewerbung von behinderten, weiblichen Bewerberinnen mit Kind wird ausdrücklich begrüßt.

Petition: Keine weitere öffentliche Finanzierung von Genderismus an Hochschulen und Schulen

Seit Jahren berichten wir immer wieder über die Indoktrination, mit der Genderisten versuchen, den Boden u.a. dafür zu bereiten, dass sie sich selbst bereichern können. Wir haben gezeigt, wie defizitär das ist, was Genderisten als Wissenschaft präsentieren wollen. Wir haben die Auswirkungen dieser pseudo-wissenschaftlichen Versuche, vornehnmlich Sozialwissenschaften zu zerstören, beschrieben. Wir haben gezeigt, dass Genderismus bereits Acht- und Neunjährige in Schulen zum Ziel hat. Wir haben dargestellt, mit welchen Mitteln im Rahmen genderistischer Maßnahmen, Männer diskriminiert werden. Und wir haben belegt, mit welchen Mitteln Genderisten versuchen, Meinungsfreiheit zu beseitigen.

Und jetzt reicht es. Angesichts des gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Niedergangs, den der Genderismus losgetreten hat, haben wir uns entschlossen, eine Petition zu starten. Die Petition ist an die Deutsche Bundesregierung gerichtet und fordert ein Ende der öffentlichen Finanzierung von Genderismus an Hochschulen und Schulen.

Wer die Petition unterstützen will, kann das hier tun

 

Keine weitere öffentliche Finanzierung von Genderismus an Hochschulen und Schulen

von
Dr. habil. Heike Diefenbach
und Michael Klein

PetitionslogoDas deutsche Bildungssystem befindet sich inmitten einer Transformation von einem effizienten Bildungssystem zu einem ineffizienten Nutznießer-System, das nicht mehr der Vermittlung von Bildung, sondern der Versorgung von Günstlingen und der ideologischen Indoktrination nach dem Vorbild der marxistisch-leninistischen Indoktrination in der DDR gewidmet ist. Wir sehen bereits heute die Folgen dieser Retardierung eines Bildungssystems. In Bildungsvergleichsuntersuchungen wie PISA ist Deutschland nur noch Mittelmaß, als universitärer Standort ist Deutschland im Bereich der Sozialwissenschaft für die besten deutschen Sozialwissenschaftler nicht interessant. Der Niedergang der Bildung, der sich mit der Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechterforschung an den Universitäten eingestellt hat, wird die Universitäten weiter entprofessionalisieren, weiter dazu führen, dass die fähigsten Köpfe aus Deutschland abwandern und weiter dazu beitragen, dass Sozialwissenschaften in den Augen der Bevölkerung einen Ruf haben, der sie – je nachdem – als Kabarett oder Kaffeekränzchen kolportiert.

Damit die deutschen Sozialwissenschaften, damit das deutsche Bildungssystem nicht noch weiter in diese Abwärtsspirale gezogen werden, fordern wir von der Bundesregierung ein sofortiges Ende aller Versuche, Bildung und ihre Institutionen durch die empirisch völlig unnötige Frauenförderung zu ideologisieren. Dazu muss jegliche öffentliche Finanzierung von Frauen- und Geschlechterforschung sowie von Frauenbeauftragten und ähnlichen Sondereinrichtungen zur Bevorzugung von Frauen (anstelle von Studierenden) aus den Etats der Bundesregierung, von Bundesministerien oder nachgeordneten Behörden an deutschen Bildungseinrichtungen beendet werden, und das Professorinnenprogramm muss unverzüglich eingestellt werden. Ausnahmslos alle Nutznießer aus Frauen- und Geschlechterforschung sind dazu anzuhalten, ihren Unterhalt aus eigener Kraft und durch die Einwerbung von Drittmitteln, die nicht aus öffentlichen Kassen oder durch Steuergelder finanziert sein dürfen, zu verdienen, ganz so, wie es der Zielvorstellung der Frauenemanzipation, die nach Herauslösung von Frauen aus Abhängigkeitsverhältnissen strebt, entspricht. Ob und wenn ja, welche Lehrstuhlinhaber und welche Begünstigten durch die vielfältigen Formen der Frauen- und Geschlechterforschung etwas anzubieten haben, was auch tatsächlich nachgefragt wird, wird sich auf diese Weise zeigen.

Begründung

Seit Jahrzehnten wird im Bildungssystem Deutschlands das so genannte Gender Mainstreaming betrieben. Das Gender Mainstreaming zielt auf Gleichstellung und ist eine Methode der Umverteilung, die finanzielle und sonstige Ressourcen abschöpft, um sie dazu einzusetzen, Mädchen und Frauen im Bildungssystem zu bevorzugen und eine nicht mehr überschaubare Anzahl an Instituten zu finanzieren, die nichts anderes tun als zu versuchen, diese Umverteilung finanzieller und sonstiger Ressourcen zu legitimieren. Die so entstandene Gender-Industrie verbraucht jährlich mehrere Milliarden Euro, ohne dass ein gesellschaftlicher Nutzen ersichtlich wäre. Ersichtlich sind dagegen gesellschaftliche Schäden:

  • Jahrzehnte der Mädchenförderung an deutschen Schulen haben dazu geführt, dass Jungen erhebliche Nachteile in fast allen Bereichen des Bildungssystems haben. (dazu: Berg et al., 2006; Diefenbach, 2010; Diefenbach, 2007; Diefenbach & Klein, 2002; Geißler, 2005; Kottmann, 2006; Lehmann & Lenkeit, 2008; Lehmann & Nikolova, 2005; Lehmann, Peek & Gänsefuß, 1997)
  • Jahrzehnte der Frauenförderung an deutschen Hochschulen haben dazu geführt, dass die Qualität der deutschen Sozialwissenschaften auf einem historischen Tiefststand ist und dazu, dass mehr und mehr Universitäten zu Ausführungsorganen der von öffentlichen Auftraggebern gewünschten Forschungsergebnisse werden.1

Anstatt angesichts dieser bereits eingetretenen Folgen Schulen und Universitäten von Genderismus freizuhalten, wird weiter versucht, nicht nur Bildung zu unterminieren, sondern Bildungsinstitutionen zu Anstalten der frühzeitigen und dauerhaften Ideologisierung der Bevölkerung umzufunktionieren.

  • So werden schulische Curricula dazu benutzt, Themen in Schulen zu tragen, die dort nichts zu suchen haben. Weder eine über die diesbezüglich relevanten biologischen Tatsachen hinausgehende Sexualkunde noch sonstige ideologische Themen, die die politische Klasse für wichtig hält, haben in der Schule etwas zu suchen.1 Mündige Bürger sind in der Lage, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Schulen sollen dazu beitragen, dass sich Schüler zu mündigen Bürgern entwickeln. Dazu ist es notwendig, ihnen kritisches Denken und formales Denken zu vermitteln. Die Fähigkeit, Inhalte kritisch zu hinterfragen, haben die entsprechenden Schüler dann, ohne dass sie in die von der politischen Klasse gewünschte inhaltliche Richtung manipuliert werden.
  • Die Universitäten sehen sich schon seit Jahren einem Eingriff in die Freiheit von Forschung und Lehre ausgesetzt, der bislang seinesgleichen in der Geschichte Deutschlands sucht. Zwischenzeitlich wurden 189 Lehrstühle für Gender- und Frauenforschung eingerichtet.2 Der Wert dieser Lehrstühle ist ebenso fragwürdig wie die wissenschaftliche Erkenntnis, die auf diesen Lehrstühlen produziert wird.3 So fragt man sich z.B. bislang vergeblich, welcher gesellschaftliche Nutzen von z.B. einem Lehrstuhl für Genderstudien in der Mathematik ausgehen soll. Und bislang gibt es keinerlei Belege dafür, dass von Lehrstühlen für Frauen und Geschlechterforschung überhaupt ein benennbarer direkter Nutzen ausgeht. Im Gegenteil: Die wenigen Veröffentlichungen, die die entsprechenden Lehrstuhlinhaberinnen vorzuweisen haben, erfinden in der Regel Räder, die Generationen von Wissenschaftlern vor ihnen nicht nur erfunden, sondern bereits in Fahrzeuge eingebaut haben.
  • Lehrstuhlinhaber für Frauen- und Geschlechterforschung perpetuieren darüber hinaus das falsche Bild der Benachteiligung von Frauen im Deutschland des 21. Jahrhunderts, z.B. beteiligen sie sich daran, die nachweislich falschen Behauptungen eines zwischen Männern und Frauen bestehenden Gender Pay Gaps4 zu verbreiten (dazu: Hakim, 2002, 1991), liefern die ideologischen Versatzstücke, um die Existenz einer gläsernen Decke zu phantasieren (dazu: Ochsenfeld, 2012), und auf dieser Basis eine Forderung nach mehr Frauen in den Aufsichtsräten von Unternehmen und somit einen Eingriff in die Unternehmensfreiheit nicht nur zu legitimieren, sondern zwischenzeitlich Gesetz werden zu lassen, womit wirtschaftliche und damit gesellschaftliche Schäden angerichtet wurden und werden5 (zu den gesellschaftlichen Schäden einer Frauenquote: Ahern & Dittmar, 2011; Berger, Kick & Schaeck, 2012; Bøhren, & Strøm, 2010)
  • Die Lehrstühle für Frauen- und Geschlechterforschung unterminieren jedoch nicht nur Effizienz, Professionalität und den Wert von Hochschulen, sie sind auch ein Angriff auf das Prinzip der Meritokratie, das für bessere Leistung u.a. bessere Einkommen verspricht. Die Vorstands-Quoten, die Frauen einen Platz in Aufsichtsräten sichern sollen, sind ein Beispiel für die Beseitigung der Meritokratie, das Professorinnenprogramm ist ein anderes Beispiel. Mit zwischenzeitlich 300 Millionen Euro finanzieren die Professorinnenprogramme I und II des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerien der Länder eine Entprofessionalisierung von Universitäten, indem sie nicht Leistung und Kompetenz zum Auswahlkriterium machen, das zur Berufung auf eine Professur verhilft, sondern das askriptive Merkmal Geschlecht,6 das selbst von Genderisten als bloß konstruierte Größe angesehen wird. Folglich werden durch die Professorinnenprogramme Männer nicht nur offen diskriminiert7, sie werden getäuscht8 und entsprechend de-motiviert.

Die sozialwissenschaftliche Forschung verfügt über einen großen Korpus von Forschungsergebnissen, der im Rahmen der Gerechtigkeitsforschung angehäuft wurde. Er zeigt, was passiert, wenn sich Individuen ungerecht behandelt fühlen: ihre Motivation, etwas zu leisten, schwindet. Sie sehen sich nach Alternativen um und werden dementsprechend dem Wissenschaftsstandort Deutschland (weiterhin und verstärkt) den Rücken kehren (Aryee, Chen & Budhwar, 2004; Adams, 1965; Cook & Hegtvedt, 1983; Gilliland, 1994; Greenberg, 2002, 1997,1993, 1990; Greenberg & Scott, 1996; Lind & Tyler, 1988;.McFarlin & Sweeney, 1992; Ployhart & Ryan, 1997; Sweeney & McFarlin, 1993; Williams, 1999)

Hier geht’s zum Unterschreiben der Petition

 

Fußnoten
http://sciencefiles.org/abuse-of-science/

2 https://www.openpetition.de/petition/online/zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

3 http://sciencefiles.org/2014/04/22/vom-land-der-dichter-und-denker-zum-land-der-schwatzer/

4 http://sciencefiles.org/2013/08/09/brauchen-wir-professuren-fur-genderforschung-an-universitaten-und-hochschulen/

5 http://sciencefiles.org/?s=Gender+pay+Gap

6 http://sciencefiles.org/2012/07/12/eine-frauenquote-ist-rational-nicht-begrundbar/

7 http://sciencefiles.org/2013/06/04/bmbf-gibt-anleitung-und-leistet-beihilfe-zur-mannerdiskriminierung-an-deutschen-hochschulen/

http://sciencefiles.org/2012/12/03/gleichberechtigung-durch-bevorzugung-das-professorinnenprogramm-ist-ein-eklatanter-bruch-mit-dem-grundgesetz/

8 http://sciencefiles.org/2014/03/23/an-der-hochschule-zwickau-sind-manner-nicht-erwunscht/

9 http://sciencefiles.org/2014/04/16/arglistige-tauschung-professorinnenprogramm-update/

http://sciencefiles.org/2013/10/29/arglistige-tauschung-von-bewerbern-durch-die-hafencity-universitat-hamburg/
Literatur

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Berg, Detlef, Scherer, Lucas, Oakland, Thomas & Tisdale, Timothy (2006). Verhaltensauffälligkeiten und schwache Leistungen von Jungen in der Schule – die Bedeutung des Temperaments. Otto-Friedrich Univeristät Bamberg: Professur für Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt.

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Muss man Eltern noch mehr entmündigen?

Wie in allen OECD-Staaten, in denen das Bildungsideal der Mittelschicht herrscht, so gibt es auch in Deutschland das Ziel, den Anteil der Höher- und Hochgebildeten zu erhöhen. Eng mit diesem Ziel verbunden ist das Ziel, die soziale Stratifizierung des Schulsystems zu verringern. In vielen Staaten der OECD, ganz besonders aber in Deutschland, entscheidet die Herkunft über die formale Bildung, die von Kindern erworben wird. Kinder aus Arbeiterhaushalten haben entsprechend eine deutlich geringere Wahrscheinlichkeit als Kinder aus Angestellten- oder Beamtenhaushalten, ein Abitur zu erreichen oder zu studieren.

OECDWenn man davon ausgeht, dass Intelligenz normalverteilt ist und zudem annimmt (nur kurz), dass die besten Noten an die besten Schüler vergeben werden, dann folgt daraus, dass der geringere Anteil von Kindern aus Arbeiterfamilien unter den Abiturienten und den Studenten eine Bildungsungleichheit darstellt, denn die normale Verteilung von Intelligenz und die formal ohne Ansehen der Person erfolgende Vermittlung von Bildung in Schulen lässt erwarten, dass der Anteil der Arbeiterkinder auf Gymnasien dem Arbeiterkinder in der Bevölkerung entspricht.

Das tut er aber de facto nicht, was die Frage aufwirft, warum das so ist.

Diese Frage kann man auf zwei Arten beantworten. Erstens: Faktoren, die Arbeiterkinder zu einer selegierten Population machen, sind für die soziale Ungleichverteilung verantwortlich. Arbeiterkinder sind (1) dümmer oder (2) weniger motiviert oder (3) auf Unterstützung von zu Hause angewiesen, die sie aber nicht erhalten. Entsprechend sind sie in der Schule nicht so erfolgreich wie Kinder aus Angestellten- und Beamtenhaushalten. Offenkundig haben diese Erklärungen erhebliche Mängel: (1) Ein Arbeiterkindersinddümmer-Gen wurde bislang nicht entdeckt, und dass es entdeckt wird, ist eher unwahrscheinlich. (2) Damit die Motivation von Arbeiterkindern geringer ist als die Motivation von Angestellten- oder Beamtenkindern muss man die Existenz von Faktoren annehmen, die sich systematisch auf alle Arbeiterkinder auswirken und ihre Motivation reduzieren bzw. nicht in dem Maße positiv beeinflussen, wie dies bei Angestellten- und Beamtenkindern der Fall ist. Wieder ist die Erklärung eher lahm, denn es steht zu erwarten, dass die Diversität der Randbedingungen, unter denen Arbeiterkinder, Angestelltenkinder oder Beamtenkinder aufwachsen innerhalb der Gruppen deutlich höher ist als zwischen den Gruppen. Bleibt (3) die Angewiesenheit auf die Unterstützung im Elternhaus. Zwar wird die Unterstützung im Elterhaus verbal häufig bemüht wird, einer näheren Betrachtung hält sie aber nicht standhält. Wenn Kinder ab dem 3ten oder 4ten Lebensjahr in institutioneller Betreuung sind, ist es wirklich nicht sonderlich naheliegend anzunehmen, dass die wenigen Stunden am Tag, die sie mit ihren Eltern verbringen, den Ausschlag geben sollen. Darüber hinaus wäre zu zeigen, dass Kinder auf die elterliche Unterstützung, sofern es eine Unterstützung ist, angewiesen sind ohne dieselbe nicht besser fahren.

Wenn die Ursachen für die Bildungsungleichheit, die Kinder aus Arbeiterfamilien seltener auf weiterführenden Schulen sieht, nicht “in den Kindern” liegen, müssen sie in ihrem Umfeld zu finden sein, d.h. in den Schulen oder bei ihren Eltern.

Da Schulen staatliche Institutionen sind, haben sie in Deutschland einen sakrosankten Status und der Hinweis, es könne an den Lehrern liegen, dass Kinder aus Arbeiterfamilien seltener auf Gymnasien wechseln als Kinder aus Angestellten- oder Beamtenfamilien kommt einer Gotteslästerung gleich. Wir erinnern uns noch gut an den Aufschrei, der durch Deutschland ging, als wir gezeigt haben, dass die Schulleistungen von Jungen systematisch mit dem Anteil von männlichen Grundschullehrern variieren, d.h. je mehr männliche Grundschullehrer, desto besser schneiden Jungen ab. Was zu erwarten wäre, wenn man zeigen würde, dass mit dem Anteil der Lehrer die aus einer Mittelschichtsfamilie stammen und mit der Verbreitung von Schulsozialarbeitern eine geringere Wahrscheinlichkeit für Kinder aus Arbeiterfamilien einhergeht, auf Gymnasien zu wechseln, man kann es sich lebhaft ausmalen. Nichtsdestotrotz wäre die entsprechende Forschung hochinteressant, aber es steht zu befürchten, dass die Kultusministerkonferenz die Erhebung entsprechender Daten bzw. die Veröffentlichung entsprechender Ergebnisse verhindern würde (Wir lassen uns hier gerne eines Besseren belehren…).

Wenn also Forschung über den Effekt von Schulen, schlechten Lehrern oder dem Anteil von Mittelschichtslehrern auf das Abschneiden von Arbeiterkindern im Bildungssystem einen sakrosankten Status hat und sich kaum jemand an die entsprechende Forschung wagt, dann bleiben noch die Eltern als Schuldige an der sozialen Stratifizierung des Schulsystems.

Und just diese Schuldigen haben Marcel Helbig und Cornelia Gresch ausgemacht. In einem neuen WZB-Brief steht bereits in der Unterüberschrift, was der Text zeigen soll: “Wo Eltern das letzte Wort haben, kommen noch weniger Arbeiterkinder aufs Gymnasium”. Oder im Text: “Die Freigabe des Elternwillens verstärkt soziale Ungleichheit”. Man beachte die Wortwahl: “Freigabe des Elternwillens” … dazu später.

Zunächst zu den Daten: In Deutschland existieren Bundesländer, in denen die Eltern die letzte Entscheidung darüber haben, welche Schule ihr Kind nach der Grundschule besucht (z.B. Hessen) neben Bundesländern, in denen die Grundschulempfehlung bindend ist (z.B. NRW). Die Forschung, so berichten Helbig und Gresch, habe nun gezeigt, dass in Bundesländern, in denen die Schulwahl nach der Grundschule Sache der Eltern ist, noch weniger Arbeiterkinder auf weiterführende Schulen gehen, als in Bundesländern, in denen die Grundschulempfehlung bindend ist. Aus “verschiedenen Gründen”, so Helbig und Gresch, hätten Kinder aus Arbeiterfamilien auch im Durchschnitt schlechtere Noten als Kinder aus Angestellten- und Beamtenfamilien (wie spitz die Finger doch werden, wenn es darum geht, die Frage zu klären, wie Noten eigentlich zustande kommen).

Unabhängig von besseren schulischen Leistungen seien die Angestellten- und Beamteneltern bildungsmotivierter als Arbeitereltern, und entsprechend würden sie ihre Kinder auf Gymnasien stecken, um ihre Bildungsaspirationen durchzusetzen. Diese Tendenz von Angestellten- und Beamteneltern, ihre Kinder auf Gymnasien zu schicken, steige mit dem sozialen Status und mit der Anzahl der Geschwister, die bereits auf Gymnasien sind. Der elterliche Bildungsdruck auf Kinder ist angeblich so furchtbar, dass die nordrhein-westfälische Kultusministerin Barbara Somme, die Helbig und Gresch in ihrem Text zitieren, gesagt haben soll, man müsse die “Kinder vor ihren Eltern schützen” und die Grundschulempfehlung entsprechend verbindlich machen.

Und damit sind wir wieder bei der Freigabe des Elternwillens und dabei, dass sich staatliche Institutionen anmaßen, über Dritte zu bestimmen, die korrekten Lebensläufe von Kindern vorzugeben, und den Elterwillen freizugeben oder nicht. “Freigabe des Elternwillens” ist übrigens ein schöner Euphemismus für Entmündigung, und nachdem wir uns vor einigen Tagen schon darüber gewundert haben, dass man beim BMFSFJ denkt, Eltern seien vollkommene Erziehungstrottel, die nicht in der Lage sind, ohne beim Ministerium einen Medienpass zu erwerben, ihre Kinder im Umgang mit Internet und Computern zu erziehen, ist es nunmehr an der Zeit, sich darüber zu wundern, dass viele Eltern es offensichtlich über sich ergehen lassen, dass sie im Hinblick auf die Bildungskarriere ihrer Kinder entmündigt werden, ihr Elternwillen nicht freigegeben wird. Je mehr dieser Übergriffe auf den freien Willen von Eltern man entdeckt und je mehr unwidersprochen oder unangefochten bleiben, desto mehr fragt man sich, ob die Ministeriellen mit ihrem Bild von Eltern vielleicht doch recht haben.

free willDessen ungeachtet sind wir also mit Helbig und Gresch zu dem Schluss gekommen, dass “verschiedene Gründe” zu Schulnoten führen und der freie Elterwille der Hauptgrund dafür ist, dass Arbeiterkinder seltener auf Gymnasien zu finden sind als Kinder aus Angestellten- und Beamtenfamilien. Und wieder einmal sind Schulen und Lehrer fein raus. Sie sind die Durchlauferhitzer, die nur erwärmend auf das Material wirken, das ihnen eingespeist wird, und zwar ohne Ansehen der Person. Doch hat sich in die oben zitierte Unterüberschrift eine Relation eingeschlichen: “Wo Eltern das letzte Wort haben, kommen noch weniger Arbeiterkinder aufs Gymnasium” hieß es da, was voraussetzt, dass die Bildungsungleichheit auch da besteht, wo der Elternwille nicht freigegeben ist. So we come full circle, und die Frage, warum Kinder aus Arbeiterfamilien seltener auf Gymnasien zu finden sind als Kinder aus Angestellten- und Beamtenfamilien ist weiterhin unbeantwortet.

Aber wir wissen: der freie Elternwille ist auf jeden Fall zu vermeiden.

PISA 2012 : Bildungsdreikampf, Journalisten, Funktionäre und dummes Geschwätz

PISA OECDDer rund alle vier Jahre stattfindende Bildungsdreikampf, mit dem die OECD nicht nur einer Vielzahl von Bildungsforschern ein Auskommen verschafft, sondern auch unter ihren Mitgliedsstaaten zu einer Atmosphäre führt, die man fast mit der Atmosphäre bei der Weltmeisterschaft im Eisstockschießen vergleichen kann, dieser neue Bildungsdreikampf für nunmehr 2012, er ist endlich veröffentlicht. Die Mathematik-, Naturwissenschafts- und Leseverständnisleistungen der Schüler sind wieder gemessen, und geben Ideologen aller Art eine Gelegenheit, sich und ihre Verdienste entweder zu feiern oder die immer noch bestehenden Missstände anzumahnen. Der OECD-Bildungsdreikampf bietet vielfältige Gelegenheit, um sich als BildungsEXPERTE zu outen oder auch eben nicht…

Wir haben einen kleinen Streifzug durch die Stellungsnahmen zu PISA-2012 vorgenommen und wollen unseren Lesern die Ergebnisse nicht vorenthalten.

PISA-2012, so verkündet das BMBF, habe gezeigt: “Schulische Bildung in Deutschland [sei] besser und gerechter”. Wir wollen das für den Moment so stehen lassen, auch wenn ein “als” fehlt, denn man hätte ja schon gerne gewusst im Vergleich womit, die schulische Bildung in Deutschland besser und gerechter ist, im Vergleich zu China, im Vergleich zu früher, im Vergleich zu den schlimmsten Befürchtungen? Aber, wie gesagt, lassen wir das für den Moment.

Der vermutlich Bildungsexperte von T-Online, der sich bei näherer Betrachtung als Bildungsexperte von dpa herausstellt, weiß hingegen, dass Deutschland im “Pisa-Test 2012″ erneut nur Mittelmaß ist.

Der Focus weiß auch warum Deutschland nur Mittelmaß ist, nein, das ist nicht richtig, nicht der Focus, nein Josef Kraus, der “Lehrerchef” weiß, warum Deutschland nur Mittelmaß ist, denn: “Wir haben mehr Migranten, also schneiden wir international auch schlechter ab als Finnland oder Korea”. Komischerweise hat Kanada deutlich mehr Migranten als Deutschland und ist dennoch besser, vielleicht liegt das ja an den kanadischen Lehrern, die es besser als ihre deutschen Kollegen schaffen, Kinder, deren Eltern oder Großeltern nach Kanada migriert sind, in der Landessprache, Mathematik und in Naturwissenschaft zu unterrichten.

Die ZEIT ist wieder einmal exklusiv unterrichtet und berichtet, dass deutsche Schüler im “Leistungsranking nach oben” klettern. Da will die Ostseezeitung nicht zurück stehen und titelt: “PISA 2012: Deutschland holt mächtig auf“.

education TestDagegen hat die FAZ eine einmalige Entwicklung geortet, quasi einen deutschen Sonderweg, der das deutsche Bildungswesen einzig macht: “Deutschland zeigt einmalige Entwicklung” titelt die FAZ und bleibt jede Erklärung dafür, was denn nun die einmalige Entwicklung ist, schuldig. Jedenfalls sind die schlechtesten unter den Schülern besser geworden, so weiß man bei der FAZ und die soziale Herkunft ist nicht mehr ganz so entscheidend, wie sie es noch in PISA-2000 war, so heißt es in fast wortgleicher Übernahme des Textes der Pressemeldung des BMBF. Dumm nur, dass die Schüler, die 2012 getestet wurden, nicht die Schüler sind, die 2000 getestet wurden, was Aussagen dahingehend, dass die schlechtesten Schüler besser geworden sind, relativiert. Richtiger wäre es zu sagen, dass die schlechtesten Schüler in 2012 nicht so schlecht waren, wie die schlechtesten Schüler in 2000, was der Aussage allerdings viel von ihrem beruhigenden Charakter nimmt.

Das Medienecho, das die PISA-2012 Ergebnisse gefunden haben, ist demnach divers, aber Diversität ist ja bekanntlich gut und warum soll Diversität bei Fakten haltmachen, denn es ist eben alles eine Frage der Darstellung – oder? Deshalb hat man sich im BMBF entschieden, die PISA-2012 Ergebnisse mit denen aus dem Jahr 2000 zu vergleichen und nicht mit denen, aus dem Jahr 2009, der Verbesserung der Ergebnisse willen. Hätte man die Ergebnisse von PISA-2012 für Deutschland mit den Ergebnissen von PISA-2009 verglichen, es hätte sich keine Verbesserung ergeben, da ist 2000 schon die bessere Vergleichsgrundlage – oder? Und der PISA-Durchschnitt, der PISA-Durchschnitt ist immer dann ein guter Indikator, wenn man nicht sagen will, dass man im Mittelfeld liegt. Also sagt man, man liege “signifikant” über dem Durchschnitt der OECD und suggeriert damit, dass die 20 Punkte (Mathematik), 12 Punkte  (Lesen) bzw. 23 Punkte (Naturwissenschaft) die Deutschland über dem jeweiligen Durchschnitt liegt, eine ganz besonders erfreuliche Leistung sind.

Richtet man sich jedoch am oberen Ende der Skala aus, an den Schülern aus Shanghai, die in allen drei Bereichen führend sind, dann zeigen sich Abstände von 86 Punkten (Mathematik), 48 Punkten (Lesen) und 51 Punkten (Naturwissenschaft), und die Welt sieht anders aus. Überhaupt zeigt sich das PISA-Ergebnis in einem ganz anderen Licht, wenn man den Abstand deutscher Schüler vom Spitzenreiter und für PISA-2012 und PISA-2009 betrachtet, den Abstand von Schülern in Shanghai in beiden Fällen. Rechnet man den Abstand in Prozentwerte um, dann gibt er zudem Auskunft darüber, wie weit deutsche Schüler hinter den Spitzenreitern herhinken.

Leistungsrueckstand PISA

Wie man schön sehen kann, ist der Abstand deutscher Schüler zu den Spitzenreitern aus Shanghai nicht kleiner geworden, wenn man die beiden letzten PISA-Studien zur Grundlage nimmt, sondern gewachsen bzw. relativ gleichgeblieben. Deutsche Schüler haben im Vergleich zu Schülern in Shanghai im Hinblick auf Leseverständnis und Kenntnisse in Naturwissenschaft einen Leistungsrückstand von rund 10%, im Hinblick auf ihre Leistungen in Mathematik weisen sie einen im Vergleich der beiden Jahren wachsenden Leistungsrückstand von 16% in 2012 auf. Aber natürlich sind deutsche Schüler über dem OECD Durchschnitt… in 2012.

Am besten hat uns jedoch die Stellungnahme von Ilka Hoffmann gefallen, der wir ja auch schon ein Post auf ScienceFiles gewidmet haben. Sie ist zwischenzeitlich von der GEW zur “Schulexpertin der GEW” ernannt worden (wie immer gilt, dass der jeweilige Expertenstatus durch die Vergleichsbasis bestimmt wird, und im Vergleich zu anderen GEW-Funktionären mag Ilka Hoffmann tatsächlich Schulexpertin sein), und sie weiß folgendes zu PISA zu sagen:

„Nicht Wettbewerb und ein schlanker Staat verbessern die Schulleistungen, sondern konsequente Investitionen in gute Bildung für alle, und zwar besonders für benachteiligte Schülerinnen und Schüler. Die frühe Selektion und die hohe Sitzenbleiberquote haben sich erneut als Bremsklötze für die Umsetzung des Rechts auf Bildung erwiesen“.

Eigentlich ist das ein Aspirant auf den Unsinn der Woche. Der erste Teil, also der ideologische Teil, der gegen Wettbewerb unter Schulen, der vor allem die GEW und ihre Funktionäre bzw. deren Einkommen schädigen würde, gerichtet ist, ist so falsch und so verquer, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Wenn Forschung etwas regelmäßig zeigt, dann dass Bildungswettbewerb das Leistungsnievau generell hebt und vor allem Kindern aus den Schichten, die man in Deutschland bildungsfern nennt, zu Gute kommt, also den von Hoffmann kurzerhand als benachteiligt Bezeichneten.

Und dass das Sitzenbleiben sich hinderlich auf den Schulerfolg auswirkt, ist die bildungsgewerkschaftliche Erkenntnis des Jahrzehnts. Ab jetzt geht es aufwärts mit der GEW, schon weil auch die Kausalität endlich klar ist: Sitzenbleiben behindert das Recht auf Bildung, das bei Ilka Hoffmann offensichtlich zu einem Recht auf eine gute Note und schulische Versetzung geworden ist. Man liest oft Sachen und denkt, dümmer geht es nimmer. Dies ist so ein Fall.

Shanghai_Nanyang_Model_High_School_Campus_-_June_2011Speziell zu Frau Hoffmann, die offensichtlich noch in der sozialistischen Utopie lebt und denkt, Sozialismus sei auch in China der Weg zum Erfolg, hier noch ein paar Informationen zum überaus erfolgreichen Schulsystem in Shanghai:

In the past 15 to 20 years, the government has encouraged the establishment of private schools under the proviso that they will meet the same standards as public schools. Private schools had traditionally been attended primarily by the children of migrant workers because the jurisdictions to which they migrated were not obligated to provide them with any government services, so private schools catered to an underprivileged population. The government now hopes that by allowing private schools of a different sort – namely, elite schools with high admissions standards and presumably high tuition – they will encourage innovation in the fields of science, technology and education.

Shanghai schools have taken advantage of the opportunity they now have to take part in choosing materials. Schools can adopt materials provided to them by the ministry or they can now identify other teaching materials they would like to use, although these still require ministry approval before classroom implementation. Greater local control over school funding, too, has made a big difference in this region. Shanghai has grouped schools into clusters and partnerships to more easily share resources and administration, and has poured capital into improving the facilities of the majority of their schools, as well as working to distribute funding more equitably than in other parts of China.

“At the school level, teachers are encouraged to develop their own lesson plans, and schools also have increasing freedom in adopting extracurricular subjects and teaching materials. Principals have some degree of control over staffing, and can set class sizes and teacher assignments.”

For members of the public who want specific performance indicators, they have access to school examination results. Because so much of Chinese educational success is based on these results, it is extremely easy for the public to determine which schools are successful and which are not; all are accountable in this way. Schools at all levels are informally ranked, and parents often choose which school their children attend.

Wie sich zeigt, ist das Geheimnis des Erfolgs der Schulen in Shanghai eine Mischung aus Wettbewerb zwischen Schulen und Transparenz der schulischen Ausbildung, die es Eltern jederzeit erlaubt, die beste Schule für ihre Kinder zu finden – anders als in Deutschland, wo schulische Daten von den Kultusministern der Ländern sorgfältig gehütet werden und nur Eingeweihten zugänglich sind.Es tut uns nicht leid, dass wir diesen Einbruch der Realität in die ideologische Welt von GEW und deren Schulexpertin zu verantworten haben, und wir können uns abschließend auch nicht den Hinweis verkneifen, dass der Erfolg des Schulsystems in Shanghai gänzlich ohne Gewerkschaft auskommt, vielleicht nur deshalb möglich ist.

ScienceFiles-News: Gleichstellungs-Politkommissare

AbraxasAbraxas hat uns auf Twitter auf zwei Ausschreibungen hingewiesen, die zeigen, womit wir es beim Staatsfeminismus zu tun haben, nämlich einer totalitären Ideologie, einem neuen Faschismus, dessen Ziel darin besteht, vorhandene Strukuturen zu unterwandern, gleichzuschalten und letztlich zu kontrollieren.

Für dieses Ziel gibt es ein historisches Vorbild: Die Polit-Kommissare Lenins und später Stalins, die zeitweise dafür gesorgt haben, dass es in Russland kaum ein Unternehmen und kaum eine Institution gab, in der Entscheidungen getroffen werden konnte, ohne dass die Entscheidung von Polit-Kommissaren vorstrukturiert, mit der herrschenden Lehre stimmig gemacht und sichergestellt wurde, dass sie sich im Einklang mit dem totalitären Anspruch des Kommunismus/Leninismus/Stalinismus befand.

Auf diese Weise wurde ein Zwangssystem etabliert, das die Sowjetunion über Jahrzehnte zu einem großen Staatsgefängnis gemacht hat. Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass der lange Arm der Partei auch in Irkutsk regelnd in lokale Angelegenheiten eingreifen konnte. Auf diese Weise wurde die Sowjetunion wirtschaftlich zu Grunde gerichtet, und auf diese Weise sind weite Teile der Bevölkerung zu Gunsten einiger weniger Nutznießer Hungersnöten und Armut überantwortet worden.

Doch zurück zur Ausschreibung, die Abraxas auf den Seiten des deutschen “ingenieurinnenbunds e.V.” (Großschreibung ist für Ingenieurinnen wohl ein Zugeständnis an männliche Sprachlogik) gefunden hat. Tatsächlich handelt es sich um zwei Ausschreibungen, und sie sehen wie folgt aus:

Abraxas pic twitter

An die Stelle der Polit-Kommissare sind, so hat es den Anschein, Gleichstellungsbeauftragte getreten. Bewerbungen scheinen an der FH Köln nur über die Gleichstellungsbeauftrage möglich, genau wie es in der Sowjetunion Stalins zumeist nur möglich war, eine Einstellung (wo auch immer) mit der Zustimmung des zuständigen Polit-Kommissars vorzunehmen. Soweit ist es in Deutschland also bereits gekommen, dass an Hochschulen eine “Gleichstellungsbeauftrage” als Filter auzutreten versucht, um das Ergebnis von Ausschreibungen in Fachbereichen zu beeinflussen, von deren Gegenstand sie in vermutlich 99% der Fälle nicht die Spur einer Ahnung hat.

Deutlicher kann man es nicht machen, dass sich deutsche Hochschulen derzeit dem Versuch ausgesetzt sehen, die Kategorien von Kompetenz, Qualifikation, Leistung und Bildung, die normalerweise den Ausschlag bei Bewerbungen geben, mit der Meinung einer Gleichstellungsbeauftragten zu ersetzen, von der niemand weiß, ob und wenn ja über welche anderen als ideologische Qualifikationen sie verfügt.

Noch makabrer wird der wissenschaftliche Totentanz an der FH Köln, wenn man auf den Seiten der Hochschule nach den beiden  Bewerbungen sucht, z.B. nach der ersten Bewerbung mit dem Kennzeichen 09131/4. Dann findet man nämlich folgendes:

FH-Koeln

Da es sich hier um die Ausschreibung derselben Stelle handelt, stellt sich die Frage, wie es sich mit Bewerbungen, die an die Gleichstellungsbeauftrage gerichtet werden, im Gegensatz zu Bewerbungen, die an Prof. Dr. Klaus Sommer gerichtet werden, verhält. Sind erstere bevorzugt zu behandeln, ohne Rücksicht auf Qualifikationen? Sind erstere die relevanten Bewerbungen, die an Prof. Dr. Klaus Sommer geschickten Bewerbungen Ausschuss? Setzen sich Prof. Dr. Klaus Sommer und die Gleichstellungsbeauftrage nach Eingang der Bewerbungen zusammen und spielen Bewerbungsquartett, und wer mehr Bewerbungen hat, gewinnt?

FH KoelnUnd dann, die wichtigste Frage: Weiß Prof. Dr. Sommer überhaupt, dass die Ausschreibung auch an ihm vorbei läuft und ihm die Gleichstellungsbeauftragte ins Handwerk pfuscht? Weiß er, dass offensichtlich versucht wird, einen Bewerbungskanal an ihm vorbei zu eröffnen und ihn zum Papiertiger im eigenen Zoo zu degradieren? Weiß er, wie er als derjenige, der als Kontaktperson in der Ausschreibung genannt ist, geschasst wird und durch den Kontakt zur Gleichstellungsbeauftragten ersetzt wird? Sofern er es nicht weiß, kann er sich unserer Solidarität sicher sein: Wenn man Professoren Miterarbeiter zweifelhafter Qualifikation vor die Nase zu setzen versucht, ist es notwendig, geschlossen gegen diesen Versuch des Eingreifens in die Selbstverwaltung von Hochschulen vorzugehen.

Und schließlich: Wie wird die Berufungskommission wohl darauf reagieren, dass nicht nur Prof. Dr. Sommer Bewerber-Unterlagen an die Mitglieder der Berufungskommission weitergibt, sondern auch die Gleichstellungsbeauftragte? Werden sie sich wundern?

Fragen über Fragen, die letztlich nur die Verantwortlichen der FH Köln beantworten können.