Neue EU-“Studie”: Der frei flottierende Wahnsinn

Fashionable nonsenseMan mag das Wort “Studie” gar nicht mehr in den Mund nehmen bzw. die Buchstaben auf der Tastatur so aneinanderreihen, dass dabei “Studie” herauskommt. Seit sich Institutionen, Ministerien, die EU, die Gewerkschaften, Parteien und sonstige Organisationen, denen nichts an Wissenschaft, aber viel an Gefälligkeitsstudien liegt, der “Studien” bemächtigt haben, und immer neue “Studien” veröffentlichen, in denen anscheinend wissenschaftlich akkurat ein bestimmtes Thema aufgearbeitet wurde, hat für uns “Studie” einen negativen Beigeschmack. “Studie”, das ist das, bei dem man sich regelmäßig an den Kopf greift. Bei “Studien” kann man ziemlich sicher sein, dass die Methodologie, das wissenschaftliche Denken und vor allem die wissenschaftliche Lauterkeit auf der Strecke geblieben ist. Und zuweilen ist “Studie” etwas, bei dem man denkt, der Verstand der Verfasser ist auch auf der Strecke geblieben, so es ihn überhaupt und jemals gegeben haben sollte.

Eine solche “Studie” hat die EU gerade präsentiert und auf so mancher Seite hat die entsprechende “Studie” bereits Widerhall gefunden. Die EU-Kommission vermarktet die vermeintliche Studie wie folgt:

Digital Agenda: Bringing more women into EU digital sector would bring €9 billion annual GDP boost, EU study shows

Und natürlich ist der vermeintliche Nutzen von 9 Milliarden Euro, den die vermeintliche Studie vorhersagt, und zwar für den Fall, dass “more women” im digitalen Bereich, also im Bereich von Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten, die Grundlage dafür, dass besonders studiengeile die “Studien-Ergebnisse” zum Anlass nehmen, um eine “Frauenquote” zu fordern, um die 9 Milliarden Euro auch zu ernten, jährlich versteht sich.

European CommissionDie “Studie”, in der die 9 Milliarden Euro ausgerechnet wurden, stammt aus Spanien, quasi als eine Form der Strukturhilfe für das von der Finanzkrise gebeutelte Land, hat die EU-Kommission, Iclaves S.L. in Madrid damit beauftragt, diese wichtige “Studie” zu erstellen. Iclaves ist eines der Institute, die auf der Gehaltsliste der EU-Kommission stehen und sich bereits in anderen Zusammenhängen nicht nur als Nutznießer der EU-Kommission, sondern auch als williger Zuträger von durch die EU-Kommission vermarktbaren Ergebnissen präsentiert haben.

Nun also, hat Iclaves ausgerechnet, dass dann, wenn “more women” im Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten würden, 9 Milliarden Euro mehr umgesetzt werden würden. Und alle haben dieses Ergebnis der “Studie” so hingenommen, und kaum jemand hat sich gefragt, wie kommt man eigentlich auf ein derartiges Ergebnis?

Nun, in der Executive Summary, die die EU-Kommission wohl zur Grundlage ihrer Pressemeldung und aller nachfolgender Forderungen nach Frauenquote und …, der übliche Unsinn halt, genutzt hat, steht Folgendes:

“Meanwhile economic arguments for increased female participation in the sector abound. If women held digital jobs as frequently as men, the gain for the European GDP each year would be around 9 bn EUR (this translates into 1.3 times Malta’s GDP!)”3.

Einmal davon abgesehen, dass hier eine unbelegte Behauptung als Gemeingut verkauft werden soll, so als gäbe es auch nur ein einziges ökonomisches Argument, das eine Frauenquote stützen würde, einmal davon abgesehen, dass hier die Malteser diskriminiert und als Loser dargestellt werden, die man mit ein paar Frauen mehr im Informations- und Kommunikationstechnologie-Sektor in den Schatten stellen kann, ist das Wichtigste am zitierten Absatz die am Ende des Absatzes. Die 3 verweist auf eine Fussnote, in der man Folgendes findet:

“Data elaborated for this study based on the European Labour Force Survey (2011). For a detailed description of the methodology used please refer to the section “Description of the Problem” of this document.”

EU-UnsinnNatürlich ist “Descripton of the Problem” in der “Executive Summary” nicht enthalten, und deshalb muss man sich den kompletten Bericht herunterladen, um darin auf Seite 33 tatsächlich eine Beschreibung dessen, was da gemacht wurde, zu finden, und zwar in Fußnote 34. Wer sich für die ausführliche Variante des Unsinns, den Iclaves zusammengerechnet hat, interessiert, der möge die Abbildung anklicken. Für alle anderen hier die Kurzvariante: 20,67% der europäischen Männer, die an Universitäten ein Fach der Informations- oder Kommunikationstechnologie (IKT) studiert haben, arbeiten später im IKT-Sektor, aber nur 10,76% der Frauen. Gut 60% der IKT-Studenten, ob männlich oder weiblich, arbeiten in anderen Sektoren der Wirtschaft (23% der weiblichen und 15% der männlichen IKT-Studenten arbeiten gar nicht). Wenn nun 8% der Frauen, die in einem anderen Sektor als dem IKT-Sektor arbeiten, im IKT-Sektor arbeiten, dann wären dies rund 115.000 Frauen. Die durchschnittliche Produktivität im IKT-Sektor berträgt 78.000 Euro, und 78.000 Euro multipliziert mit 115.000 Frauen ergibt rund 9 Milliarden Euro. Eh voilá, so einfach kann man die EU-Kommission mit Zahlen versorgen, die manchem Kommissar den Speichel aus dem Mund fließen lassen.

Aber was ist von dieser Rechnung zu halten?

Zunächst ist es immer wieder verblüffend, wie fixiert die Frauenförderer auf Männer sind. Wenn rund 20% der männlichen IKT-Studenten im IKT-Sektor arbeiten, dann ist das Gottes Gesetz. Rund 20% ist die göttliche Zahl, die es für Frauen zu erreichen gilt. Zu einem anderen Gedanken sind die Frauenförderer nicht fähig, ihr Gehirn ist auf Geschlechtsteile und auf eine Gleichheit programmiert, so dass man wohl langsam, aber sicher von einer geistigen Fehlfunktion ausgehen muss. Denn: wenn man 8% der männlichen Absolventen eines IKT-Studiums, die nicht im IKT-Sektor arbeiten, dazu bringen könnte, im IKT-Sektor zu arbeiten, die 9 Milliarden wären auch das rechnerische Ergebnis, und man hätte es ganz ohne weibliche IKT-Studenten erreicht, könnte die 8% mehr weiblichen Studenten, die es nach dem Studium vorziehen, nicht zu arbeiten als Männer, also in ihrer Arbeitslosigkeit belassen.

Aber die Rechnung geht nur auf, wenn man davon ausgeht, dass alle IKT-Studenten gleich gut sind, dass man den einen nehmen kann und mit dem anderen ersetzen, dass man ein paar weibliche Studenten dazu tut und die entsprechenden weiblichen IKT-Studenten sich gar nicht auf die durchschnittliche Produktivität im IKT-Sektor auswirken, weder positiv noch negativ. Und die Rechnung geht nur dann auf, wenn man vergisst, dass der Abzug von 115.000 weiblichen oder männlichen IKT-Studenten aus anderen Bereichen der Wirtschaft dort Kosten verursacht, was wiederum die 9 Milliarden Euro deutlich abschmelzen dürfte, auf was auch immer. Tatsächlich haben die 9 Milliarden mehr, die man im IKT-Sektor umsetzen könnte, also gar nichts mit Frauen zu tun. Tatsächlich erweist sich die gesamte hanebüchene Rechnung als absurder Unsinn, von dem man sich als normaler Mensch fragen muss, wie man darauf kommen kann. Und tatsächlich basiert die Berechnung auf der Prämisse, dass weibliche IKT-Studenten in anderen Wirtschaftsbereichen als dem IKT-Sektor nichts zur Produktivität beitragen und deshalb problemlos abgezogen werden können.

eu-flagDerzeit werden bei der EU monatliche Grundgehälter von 2.300 Euro bis 16.000 Euro bezahlt. Die EU beschäftigt zur Zeit 12.578 Frauen und 11.290 Männer in ihrer Bürokratie. Im Jahr 2012 hat die EU-Kommission für Angestellte und Pensionszahlungen ehemaliger Angestellter 5,786 Milliarden Euro ausgegeben. Bei 33.868 Beschäftigten betragen die durchschnittlichen Jahresbezüge entsprechend 170.789 Euro. Die Kosten für Angestellte in Administrationen in China variieren zwischen 180,75 Euro (1.500 Reminbi) bis 2771,45 Euro (23.000 Reminbi). Ersetzte man die 33.868 Angestellten der Europäischen Kommission durch billigere und vermutlich effizientere Fachkräfte in China, so könnte man eine jährliche Einsparung von 84% der Personalkosten erzielen, was einer jährlichen Einsparung von 4.86 Milliarden Euro entspricht.

Eigentlich kann die EU-Kommission nichts gegen diesen Vorschlag einzuwenden haben. Er enstpricht völlig der Argumentation, wie sie die EU-Kommissare derzeit benutzen, um z.B. eine Frauenquote im IKT-Sektor zu fordern. Zudem hätte der Vorschlag eine Reihe von Wohltaten für die Bürger, die über die finanzielle Einsparung hinausgehen. Man würde in Zukunft nicht nur von unsinnigen “Studien” verschont bleiben, die Geld kosten und die Intelligenz jeden Normalbürgers beleidigen, man bliebe darüber hinaus von den EU-Kommissaren verschont, deren Intelligenz offensichtlich nicht das Maß eines Normalbürgers erreicht, und die sich nicht scheuen, hanebüchene Forderungen auf die Grundlage unsinniger “Studien” zu stellen.

Lehrer müssen Führer sein – Die EU harmonisiert wieder

VassiliouAndroulla Vassiliou ist in der Europäischen Kommission für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend verantwortlich. Vassiliou sitzt für Zypern in der Europäischen Kommission und ist ansonsten durch ihr Studium der Juristerei und internationaler Beziehungen und anscheinend bestens geeignet, um sich für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend stark zu machen. Und stark gemacht für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend oder auch nur für Bildung, vielleicht auch für Mehrsprachigkeit und Jugend oder Kultur?, wie auch immer stark gemacht hat sie sich gerade mit einer Rede anlässlich der Lithuanian Presidency Conference on Educational Leadership in Vilnius. Aufgrund der begrenzten Mehrsprachigkeit der EU liegt die Rede nur in englischer und französischer Fassung vor, so dass ich aus der englischen Fassung zitieren muss.

Warum ist die Rede überhaupt interessant? Zwei Gründe haben mich bewogen, die Rede zu besprechen: Der erste Grund liegt darin, dass “die Vision” eines Lehrer-Führers, die in der Rede entworfen wird, einen Einblick in die Welt der EU-Kommission gibt, in der das gesprochene Wort, die reale Welt längst ersetzt hat. Der zweite Grund liegt darin, dass die Dystopie des Lehrer-Führers ein weiteres Beispiel dafür ist, wie die EU-Kommission mit “best practice Harmonisierung” auch noch den letzten Halm an Individualität niedertrampelt.

Kurzrede VassiliouDie Rede beginnt wie alle Reden von EU Kommissaren mit ein paar Daten, die Eurostat liefern musste, in diesem Fall Daten über rund 7,5 Millionen 15 bis 24jähriger in Europa, die weder in Ausbildung noch in einem Beruf tätig sind. Tatsächlich gibt es in Europa rund 5,56 Millionen unter 25jähriger, die als arbeitslos gemeldet sind. In jedem Fall gibt es Millionen unter 25jähriger, die offensichtlich nichts tun und das, so Vassiliou, das muss geändert werden. Und wie immer, wenn etwas geändert werden muss, dauert es nicht lange, bis das geflügelte Wort “Change” auftaucht. “Wandel” ist gut, Wandel ist wünschenswert, und Wandel im Zusammenhang mit 7,5 Millionen 15 bis 24jähriger, die nichts tun, bedarf in erster Linie eines Wandels an Schulen. Da sage noch einer, EU-Kommissare hätten keine Phantasie!

Deshalb ist sich EU-Kommissar Vassiliou mit den Bildungsministern Europas auch ganz einig darüber, dass es besonders wichtig ist, die “teaching profession” zu unterstützen. Bislang wissen wir also, dass rund 7,5 Millioen 15- bis 24jähriger nichts tun, dass deshalb Wandel wichtig ist, und es wiederum deshalb wichtig ist, die “teaching profession” zu unterstützen. Und weil es wichtig ist, die “teaching profession” zu unterstützen, sind Lehrer ganz wichtig, denn Lehrer spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Schulleistung zu verbessern und zu verhindern, dass Schüler zu früh die Schule verlassen (also am besten sie bleiben bis zum Alter von 25 Jahren in der Schule, und schon ist die Statistik bereinigt).

Aber, so weiß Vassiliou plötzlich ganz genau: Wir brauchen keine Manager-Lehrer, sondern Lehrer-Führer, Lehrer-Führer, die eine Vision haben, so ihre Vision – und weiter: Lehrer-Führer, die andere inspirieren können, andere, d.h. andere Lehrer, Schüler, Eltern und lokale Gemeinschaften (nur nicht die EU-Kommission!). Denn man müsse als Lehrer-Führer andere inspirieren, wenn man eine Vision in die Wirklichkeit übertragen wolle.

Aber, so gibt Vassiliou zu bedenken: “[r]unning an educational institution is a very challenging job”. Deshalb könne ein Lehrer-Führer nicht nur ein Lehrer-Führer sein, nein, er müsse strategisch denken können und ein Experte in Pädagogik sein, aber nicht nur das, er müsse Ressourcen managen können, ein guter Kommunikator sein, Probleme lösen können wie nichts, er müsse mutig, optimistisch, resilient, tolerant sein, emotionale Intelligenz, Energie, Commitment und, vor allem Lust am Lernen haben. Ja, das alles müsse der Lehrer-Führer.

Flessau_ Schule der DiktaturUnd damit der Lehrer-Führer, der all das kann und ist, herangezüchtet werden kann, müsste die EU-Kommission und müssten alle EU-Länder die notwendigen Bedingungen, die ein innovatives und inspirierendes Lehrer-Führertum begünstigen, herstellen. Der Lehrer-Führer kommt dann von ganz alleine, wenn die EU-Kommission ihm sein Nest gemacht hat. Aber was sage ich: “ihm”, nein nicht ihm – ihr: “One aspect of this involves breaking down the gender gap, which has become over the years very entrenched; we need to attract more women to leadership roles at secondary level, and more men to leadership at primary level”.

Wir sehen, das Allheilmittel für alles: Für 15- bis 24jährige, die nichts tun, für Lehrer-Führer-Mangel, für Wandel, für Innovation, für Klimawandel, Krieg, die hohen Preise für Kaffee, die schlechte Bezahlung von EU-Kommissaren oder die Benachteiligung von Jungen im deutschen Schulsystem ist eine Frauenquote. ich bin mehr denn je der Überzeugung, dass EU-Kommissare im Mittelalter von Dorf zu Dorf gefahren wären, um dort Krötentrunk gegen alle körperlichen Leiden feil zu bieten. Doch zurück zu Vassiliou.

Sie ist zwischenzeitlich in ihrer Rede bei der Erkenntnis angekommen, dass es schwierig ist, gute Lehrer-Führer als solche zu halten, da, wie sie fürchtet, gute Lehrer-Führer offensichtlich auch woanders gesucht und geschätzt werden. Und wie hält man gute Lehrer-Führer? Nicht etwa durch eine entsprechende Bezahlung, nein, wie materialistisch von mir und wie wenig innovativ, nein, man hält sie, so meint Frau Vassiliou, durch Teamarbeit und kollaboratives Lehrer-Führertum. Das ist nun zwar das Gegenteil von Lehrer-Führertum, aber was soll’s, es ging nur darum, eine Rede zu füllen und ein paar gut klingende Begriffe unter die Meute zu schleudern, in der vermutlich die meisten sowieso nicht zugehört haben.

Die Welt der Konferenzen und Veranstaltungen, in der sich EU-Kommissare mit ihren Zuhörern treffen, ist eine symbolische Welt. Man trifft sich, um Worte auszutauschen und sich gegenseitig mit sprachlichem Wohlklang zu beeindrucken. Die Zeiten, in denen Reden gehalten wurden, um etwas mitzuteilen, sind ganz offensichtlich vorbei.

euro puppetsProblematisch ist nur, dass zuweilen wohlklingende Begriffe, mit denen die EU-Kommission hausieren geht, in der realen Welt aufgenommen werden. Dafür sorgt eine große Zahl EU-abhängiger und von der EU finanzierter Institutionen, die sofort zur Stelle sind, wenn es darum geht, Fördergelder abzugreifen und die eigene Vorstelung davon, was ein Lehrer-Führer ist, unters Volk zu bringen. Dann nimmt ein verbaler Wohklang Fahrt auf, wird zum Generator für Einkommen und zur Triebkraft der Harmonisierung.

Wir werden entsprechend den Lehrer-Führer mit seinen vielfältigen Kenntnissen über kurz oder lang auch als best practice in deutschen Schulen begrüßen können, d.h. das, was man jeweils als Lehrer-Führer ansieht. Das Lehrer-Führertum wird wie so viele verbale Schöpfungen der EU-Kommission und ihrer Adepten, man denke nur an das Gender Mainstreaming, dazu genutzt werden, Rollen und Rollenerwartungen zu standardisieren und den Freiraum, den Lehrer vielleicht einmal hatten, durch die Institutionalisierung der Lehrer-Führer-Rolle zu beseitigen. Bleiben werden wie immer Hülsen und einstellen werden sich über kurz oder lang Probleme, die sich dann wieder in Zahlen bei Eurostat niederschlagen, z.B. im Anteil der Illiteraten, der europaweit steigen wird. Und diese Zahl wird auf einen EU-Kommissar treffen, der sie zu hoch, zu gering, zu dick oder zu dünn findet und in jedem Fall nach Wandel rufen wird, was ihn wiederum zu der Erkentnis bringen wird, das etwas getan werden muss, eine Erkenntnis, in die die europäischen Bildungsminster unisono einstimmen werden. Und weil etwas getan werden muss, wird eine neue Initiative aus Brüssel die best practice dieses Mal vielleicht beim Schulsozialarbeiter-Führer verorten und so weiter und so fort.

Vermissen Sie eigentlich etwas? Schüler zum Beispiel. Nun, Schüler kommen in der Welt der Bürokraten und EU-Kommissare nicht vor. Sie sind die Verfügungsmasse, auf deren Grundlage Programme zur Beschreibung der best practice zur Förderung von vielleicht einmal zu rekrutierenden und hoffentlich dann vorhandenen Lehrer-Führern bezahlt werden. Sie sind Mittel zur eigenen Beweihräucherung und Bereicherung. What more can they ask for?

P.S.

Es sei nur nebenbei bemerkt, dass die Vision vom Lehrer-Führer, die Vassiliou hier entwickelt, ein müder Abklatsch des Konzepts des transformationalen Führers ist, das Bass (1985) in Anlehnung an Burns (1978) entwickelt hat. Man könnte es auch als noch müderen Abklatsch des charismatischen Führers, den Max Weber idealtypisiert hat, ansehen, aber da Charisma in der Welt der EU-Kommission nicht vorkommt, ist diese Übereinstimmung sicher nur zufällig.

Bass, Bernhard M. (1985). Leadership and Performance Beyond Expectations. New York: Free Press.

Burns, James M. (1978). Leadership. New York: Harper & Row.