Gender Pay Crap: Können Lügen zur Wahrheit mutieren?

believe the lieWissen Sie eigentlich, dass heute Weltfrauentag ist? Nein, nun, das macht nichts. Der Weltfrauentag hat zwischenzeitlich den Status des Geburtstages von Adolf Hitler. Nur noch eine kleine Minderheit, bestehend aus all denen, die sich von der Tatsache, dass sie weiblich sind oder der Behauptung, dass Frauen benachteiligt sind, einen Vorteil versprechen oder die mit ihrem weiblich Sein oder der Behauptung der Benachteiligung von Frauen ihren Unterhalt bestreiten, begehen diesen Gedenktag an eine Inszenierung, die dazu gedacht war, Equity-Prinzipien und Leistung auszuhöhlen.

Vor allem öffentliche Verwaltungen fühlen sich nach wie vor genötigt, dem alten Fetisch zu huldigen, und so hat sich auch die Europäische Kommission wieder dazu verpflichtet gefühlt, die alte Lüge vom Gender Pay Gap zu wiederholen, ganz so, als könnte man eine Lüge durch ständiges Wiederholen zu einer Wahrheit umformen.

truthDie letzte Wiederholung der EU-Kommissions hat Ratschläge zum Gegenstand, die die Mitgliedsstaaten nutzen sollen, um das nicht existente Gender Pay Gap zu beseitigen. Jetzt, wo man das so liest, zeigt sich noch ein weiterer Nutzen, den Behauptungen wie die eines Gender Pay Gaps haben. Einerseits kann man diese Behauptung im Kontext der Frauenförderung einsetzen, um Programme für Gender Pay Gap Berater, Frauenförderer und sonstige unnötige Beschäftigungen aus dem Boden zu stampfen und zu finanzieren, andererseits kann man dadurch, dass man etwas behauptet, das es nachweislich nicht gibt, ungefährdet den eigenen Aktionismus feiern. Und wenn es gelingt, den eigenen Aktionismus unter dem Rubrum von “gut” zu feiern, dann um so besser.

Interessant an diesem letzten Versuch der EU-Kommission ist, dass kaum mehr Anstrengungen unternommen werden, den Gender Pay Gap so zu verpacken, dass er nicht unmittelbar als Lüge erkennbar ist. So heißt es bereits im ersten Satz der Empfehlungen:

“The gender pay gap is shown as a percentage of men’s earnings and represents the difference between the average gross hourly earnings of male and female employees across the EU economy.”

Das macht deutlich, dass das angebliche Gender Pay Gap nichts mit der Realität, aber viel mit Ideologie zu tun hat. Wie macht es das deutlich? Nun, wenn man das durchschnittliche Monatsgehalt der EU-Parlamentarier von rund 8.000 Euro ohne die üblichen Zuschläge von nochmals in der Regel rund 6.000 Euro berücksichtigt, dann ensteht ein erhebliches EU Pay Gap zwischen Parlamentarieren und Bürgern, z.B. in Deutschland, die sich mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltseinkommen von  rund 3.900 Euro begnügen müssen.

Vermutlich werden EU-Parlamentarier argumentieren, dass sie auch mehr leisten als der durchschnittliche Deutsche und versuchen, das EU-Pay Gap damit zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: Sie werden ein Equitätsargument für sich ins Feld führen, ein Argument, das ihnen bislang, wenn es um das angebliche Gender Pay Gap ging, nie eingefallen ist. Geht es um das Gender Pay Gap, dann ist keine Annahme primitiv genug, und dann nimmt man auch einmal an, dass sich Männer und Frauen in den Berufen, die sie ausüben, der Ausbildung, die sie erwerben, der Motivation, die sie mitbringen und allen sonstigen für das Entgelt relevanten Variablen nicht unterscheiden. Dann besteht die Bevölkerung plötzlich aus Klonen, die alle dieselben Fähigkeiten, Fertigkeiten, Motivationen usw. haben, ein Volk der Hans und Helga Musterdeutschen.

Campbell MythWir sagen, bislang war Politikern und Administratoren keine Annahme primitiv genug, um das herbei phantasierte Gender Pay Gap als Realität verkaufen zu können. In den Empfehlungen der EU-Kommission ist das nun anders. Hier werden plötzlich Ursachen für das Gender Pay Gap angeführt, also Gründe, warum das Gap nicht das normativ verwerfliche Gap ist, das man gerne daraus machen will, sondern dafür, dass Gehaltsunterschiede auf Unterschiede in einer Vielzahl von Variablen und nicht zuletzt auf Unterschiede im Wert der geleisteten Arbeit zurückzuführen sind.

So meint die EU-Kommission:

  • die Tatsache, dass Frauen vor allem in Berufen tätig sind, die schlechter bezahlt werden als die Berufe, in denen Männer tätig sind, sei für das Gender Pay Gap verantwortlich und nennt die sozialen Berufe als Beispiel.

Ja, so ist das in einer Marktwirtschaft: Bezahlung erfolgt nach Leistung und nach Wert der Leistung und wenn einer Leistung kein sonderlich hoher Wert beigemessen wird, wie dies z.B. durch Krankenkassen erfolgt, die Pflegesätze und damit die Einkommen von Pflegern oder Pflegediensten gering halten, dann sind die entsprechenden Verdienstmöglichkeiten gering, ganz so, wie sie auch für Hilfsarbeiter oder Reinigungskräfte gering sind. Das weiß man, und deshalb kann, wer gerne mehr verdienen will, jederzeit Astrophysik studieren und bei NASA zu Spitzenlöhnen einsteigen.

Der nächste Grund, den die EU-Kommission angibt, offenbart das Unternehmen Gender Pay Gap dann vollständig als Farce, die erdacht wurde, um Mittelschichtsfrauen eine Gelegenheit zum Nutznießen zu verschaffen, lautet er doch:

  • die Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen;

Wie viele Führungspositionen gibt es eigentlich in Europa? Und welchen Effekt haben die Führungspositionen auf die Einkommensverteilung? Wer hat mehr Einfluss auf den mittleren Stundenlohn, der der Berechnung des Gender Pay Gap zu Grunde gelegt wird, 1000 Pfleger oder eine Managerin bei Mercedes?

Schließlich fallen den Verantwortlichen bei der EU Kommission noch die üblichen vielleicht-Ursachen ein: Die Tatsache, dass mehrheitlich Frauen Kinder erziehen und dass angeblich an Arbeitsplätzen nach Geschlecht diskriminiert wird.

free will2Und deshalb wiederholen wir einmal mehr und monoton: Niemand zwingt Frauen, Kinder in die Welt zu setzen. Niemand zwingt sie, Kinder zu erziehen. Auch Frauen haben einen freien Willen, und wenn sie diesen Willen einsetzen, um Kinder zu bekommen, dann muss man annehmen, dass sie bereit sind, die Folgen, die damit einhergehen, zu tragen. Also wieder nichts mit dem bösen Gender Pay Gap. There is no free lunch, wie Milton Friedman einmal gesagt hat.

Und die alte Litanei, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Gehalt bekommen als Männer, so oft sie auch angestimmt wurde, hat immer noch keinen einzigen Beleg erbracht, keine einzige Frau, die dieselbe Arbeit macht, wie ein Mann und dafür schlechter bezahlt wird, konnte bislang präsentiert werden.

Die schlappen Versuche der EU-Kommission ihre Gender Pay Gap Lüge zu verbreiten, machen deutlich, dass die Gender Pay Gap Nutznießer Bewegung an Fahrt verloren hat. Die EU-Kommission sieht in der Bewegung nurmehr eine Möglichkeit, die eigene Sphäre des Einflusses zu erweitern. Die eigentlichen Nutznießer treffen immer häufiger auf die Frage nach den Belegen für das angebliche Gender Pay Gap. Zeit, den ganzen Unfug zu begraben und ein neues Pay Gap zu öffnen! Wie wäre es damit: Homosexuelle werden für gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Heterosexuelle?

Wer sich mit allen Argumenten gegen das Gender Pay Gap ausrüsten will, dem seien die Beiträge empfohlen, die dazu bereits auf ScienceFiles erschienen sind.

Deutsche sind zufriedene Europäer

Während eine Mehrheit der Briten für ein Leben außerhalb der Brüsseler Reglementierungsmaschine votiert, sind die Deutschen mehrheitlich zufrieden mit der Europäischen Union und sehen auch mehrheitlich keinen Vorteil, der von einem Ende der Mitgliedschaft in der Europäischen Union ausgeht.

Dies zeigt der neue Eurobarometer, der im Frühling 2013 im Feld war und dessen Ergebnisse gerade veröffentlicht wurden. Wie immer wurden rund 1000 Deutsche nach ihrer Einstellung zu einer Reihe von Dingen befragt, darunter auch die Zufriedenheit mit der Demokratie, also dem, was in Deutschland unter dem Label Demokratie fungiert.

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Die Ergebnisse sehen Deutsche im Vergleich zur EU-27 überdurchschnittlich zufrieden mit der Funktionsweise ihrer Demokratie. 72% sind sehr oder ziemlich zufrieden, während 27% sehr oder ziemlich unzufrieden sind. Ein Prozent der Befragten hat keine Meinung.

Fragt man die rund 1000 Deutschen, die nach gängiger Meinungsforscher Meinung einen Aufschluss auf alle Deutschen erlauben, anschließend: “Und wie ist es mit der Art und Weise, wie die Demokratie in der EU funktioniert?”, dann ergibt sich ein deutlich anderes Ergebnis.

Nunmehr sind “nur noch” 48% der befragten Deutschen mit der Funktionsweise, dieses Mal der EU-Travestie auf Demokratie zufrieden, während 46% zumindest eher unzufrieden sind und 6% keine Meinung haben. Im Chor der zunehmenden Unzufriedenheit mit der Verfassung der Europäischen Demokratie Marke EU nehmen die Deutschen aber nach wie vor in der Reihe der Zufriedenen Platz.

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Nun könnte man, wenn man die Ergebnisse der Eurobarometer-Befragung im Vereinigten Königreich im Hinterkopf hat, geneigt sein zu denken, dass diese Unzufriedenheit zu einer Reaktion führt, also z.B. zu einer skeptischen Haltung dahingehend, ob die Interessen Deutschlands in der EU berücksichtigt werden. Das denkt man und wird überrascht:

13% der befragten Deutschen stimmen der Aussage “Die Interessen Deutschlands werden in der EU gut berücksichtigt” voll zu, 45% stimmen eher zu, 28% stimmen eher nicht zu, 8% stimmen überhaupt nicht zu und 6% haben dazu keine Meinung. Die Unzufriedenheit mit den Europäischen Demokratieversuchen wirkt sich offensichtlich nicht auf die Einschätzung der Berücksichtigung deutscher Interessen aus, oder die Berücksichtigung deutscher Interessen wird von den meisten Befragten nicht als Frage der Demokratie angesehen.

Auch ein Verbleib in der EU wird von den deutschen Befragten nicht in Frage gestellt. Die entsprechende Frage, die eine Mehrheit der Briten ihre Zukunft außerhalb der EU suchen sieht, erbringt in Deutschland ein völlig anderes Ergebnis:

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62% der befragten Deutschen stimmen der Aussage: “Deutschland wäre besser für die Zukunft gerüstet, wenn es nicht Mitglied der EU wäre”, also der verkappten Frage der EU-Kommission, nach der Bereitschaft der Europäer, auch weiterhin die Gehälter der EU-Kommissare zu bezahlen, nicht oder eher nicht zu. 30% stimmen der Aussage voll oder eher zu. Das macht rund zwei Drittel deutsche Europäer und rund ein Drittel Europamuffel, so dass man die Ergebnisse des neuen Eurobarometers dahingehend zusammen fassen kann:

Deutsche sind mit der deutschen Demokratie zufrieden, mit der EU-Demokratie gerade noch zufrieden und ansonsten sind sie gerne in der EU, mehrheitlich – wie immer.

Der EU-Kommission wird alles zugetraut

Was trauen Sie der EU-Kommission alles zu?, so haben wir unsere Leser gefragt und fünf Maßnahmen zur Auswahl gestellt, fünf Maßnahmen, unter die wir eine geschmuggelt haben, die selbst den Bürokraten-Profis in Brüssel, denen doch ziemlich viele, sagen wir: seltsame Maßnahmen einfallen, (bislang) nicht eingefallen ist. Die Aufgabe für unsere Leser und gleichzeitig ein Maß dafür, was der EU-Kommission alles zugetraut wird, war es, herauszufinden, welche der fünf Maßnahmen (bislang) nicht von der EU-Kommission in Angriff genommen wird.

Hier nun die Auflösung:

221 Leser, bei denen wir uns herzlich bedanken, haben an der kleinen Befragung teilgenommen (oder dem Ratespiel, je nachdem) und

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11 davon (5%) waren der Ansicht, die Begrenzung der Saugleistung von Staubsaugern sei die falsche Meldung. Nun, sie ist es nicht. Die Begrenzung der Saugleistung steht vor der Tür: Die Leistungshöchstgrenze für handbetriebene Teppichreinigungsgeräte beträgt ab 2013 1.600 Watt, und ab 2020 nur noch 900 Watt. Natürlich erfolgt die Drosselung der Motorleistung der Umwelt zuliebe. Denken Sie daran, wenn Sie einstauben. Das “Impact Assessment zur EU Directive zur Förderung von Laminat- und Holzböden findet sich hier.

14 Leser (6%) waren der Ansicht, wir hätten die Meldung, nach der die EU-Kommission damit beschäftigt ist, Regelungslücken im Cloud-Computing aufzustöbern, um dieselben dann stopfen zu können, erfunden. Wir haben sie nicht erfunden. Die EU Kommission hat im Gegenteil ene Expertenkommission zusammengesammelt, die (natürlich) “best practices” aufzeigen soll, mit denen man die Bedenken der Konsumenten zerstreuen kann. Ist das nicht eine sehr innovative Art der Begründung neuer Regulierung? Man muss regeln, weil sich die Menschen ansonsten sorgen, vor der ungeregelten Wildniss in den Clouds des Computings…? Wie konnte die Welt nur vor der Erfindung der EU Kommission funktionieren?

TranslatorUnd weiter geht es mit 24 Lesern (11%), die der Ansicht sind, es sei eine Falschmeldung, dass die EU jedem Tatverdächtigen einen Dolmetscher verordnen, zuordnen, beigesellen will, der die Muttersprache des entsprechenden Tatverdächtigen spricht. Nein, auch diese Meldung haben wir nicht erfunden. Die Meldung ist echt und die Regulative ist nicht nur Wort, sondern Tat geworden: “On 27 October the deadline for Member States to implement the first EU law on rights of suspects in criminal procedures will expire. The EU law guarantees citizens who are arrested or accused of a crime the right to obtain interpretation throughout criminal proceedings, including when receiving legal advice, in their own language and in all courts in the EU”.

Und jetzt, da die Spannung kaum mehr auszuhalten ist und wir uns die Leser vorstellen, wie sie beginnen, an ihren Fingernägeln oder wahlweise Bleistiften zu kauen, wollen wir noch ein kleines Intermezzo einstreuen und auf einen Beitrag verweisen, in dem wir die Grenzen der Mehrheitsdemokratie thematisiert haben. Die Mehrheitsdemokratie und vor allem die Interessenkoalition der Mehrheit, wie sie z.B. in einer großen Koalition ihren Niederschlag findet, war ein Schreckgespenst für F. A. von Hayek. Er hat entsprechend deutliche Worte gefunden, und die Konsequenzen einer Herrschaft der Mehrheit und deren Ende im Totalitarismus beschrieben.

Welche Moral kann man dem Intermezzo entnehmen: Trau der Mehrheit nicht, denn die Mehrheit hat öfter Unrecht als Recht. So auch bei unserer Umfrage: Die Mehrheit, nämlich 137 Leser (62%) waren der Ansicht, die Meldung, nach der die EU-Kommission Anstrengungen unternimmt, um die ausufernde Bürokratisierung zu beenden und administrative Prozesse durchschaubar, kurz und transparent zu gestalten, sei falsch. Sie kam ihnen wohl wie eine Fiktion, eher wie die sprichwörtliche Geschichte von der Ziege, die zum Gärtner gemacht wurde, vor. Ja, das habt Ihr Euch so gedacht! Aber es ist falsch. Die gute EU-Kommission tut doch alles, um ihre Bürger zufrieden und glücklich zu machen, und entsprechend unternimmt sie derzeit Anstrengungen um die überbordende Bürokratie zu reduzieren. Haben wir was vergessen? Ah, ja, in den Mitgliedsstaaten natürlich! Natürlich nicht bei sich selbst!

WanzeDas lässt die Insekten übrig. 35 Leser (16%) konnten sich nicht vorstellen, dass die EU-Kommission einen Preis auslobt, um die Kantine zu belohnen, die Insekten auf den Speiseplan ihrer arglosen Esser setzt. Sie haben Recht. Bislang kann sich die EU-Kommission genau das nicht vorstellen – vermutlich weil die eigene Kantine mit gutem Beispiel voran gehen müsste. Entsprechend ist auch nicht damit zu rechnen, dass eine entsprechende Maßnahme jemals getroffen wird.

Entwarnung für alle Grashüpfer und Wanzen!

Neue EU-”Studie”: Der frei flottierende Wahnsinn

Fashionable nonsenseMan mag das Wort “Studie” gar nicht mehr in den Mund nehmen bzw. die Buchstaben auf der Tastatur so aneinanderreihen, dass dabei “Studie” herauskommt. Seit sich Institutionen, Ministerien, die EU, die Gewerkschaften, Parteien und sonstige Organisationen, denen nichts an Wissenschaft, aber viel an Gefälligkeitsstudien liegt, der “Studien” bemächtigt haben, und immer neue “Studien” veröffentlichen, in denen anscheinend wissenschaftlich akkurat ein bestimmtes Thema aufgearbeitet wurde, hat für uns “Studie” einen negativen Beigeschmack. “Studie”, das ist das, bei dem man sich regelmäßig an den Kopf greift. Bei “Studien” kann man ziemlich sicher sein, dass die Methodologie, das wissenschaftliche Denken und vor allem die wissenschaftliche Lauterkeit auf der Strecke geblieben ist. Und zuweilen ist “Studie” etwas, bei dem man denkt, der Verstand der Verfasser ist auch auf der Strecke geblieben, so es ihn überhaupt und jemals gegeben haben sollte.

Eine solche “Studie” hat die EU gerade präsentiert und auf so mancher Seite hat die entsprechende “Studie” bereits Widerhall gefunden. Die EU-Kommission vermarktet die vermeintliche Studie wie folgt:

Digital Agenda: Bringing more women into EU digital sector would bring €9 billion annual GDP boost, EU study shows

Und natürlich ist der vermeintliche Nutzen von 9 Milliarden Euro, den die vermeintliche Studie vorhersagt, und zwar für den Fall, dass “more women” im digitalen Bereich, also im Bereich von Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten, die Grundlage dafür, dass besonders studiengeile die “Studien-Ergebnisse” zum Anlass nehmen, um eine “Frauenquote” zu fordern, um die 9 Milliarden Euro auch zu ernten, jährlich versteht sich.

European CommissionDie “Studie”, in der die 9 Milliarden Euro ausgerechnet wurden, stammt aus Spanien, quasi als eine Form der Strukturhilfe für das von der Finanzkrise gebeutelte Land, hat die EU-Kommission, Iclaves S.L. in Madrid damit beauftragt, diese wichtige “Studie” zu erstellen. Iclaves ist eines der Institute, die auf der Gehaltsliste der EU-Kommission stehen und sich bereits in anderen Zusammenhängen nicht nur als Nutznießer der EU-Kommission, sondern auch als williger Zuträger von durch die EU-Kommission vermarktbaren Ergebnissen präsentiert haben.

Nun also, hat Iclaves ausgerechnet, dass dann, wenn “more women” im Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologien arbeiten würden, 9 Milliarden Euro mehr umgesetzt werden würden. Und alle haben dieses Ergebnis der “Studie” so hingenommen, und kaum jemand hat sich gefragt, wie kommt man eigentlich auf ein derartiges Ergebnis?

Nun, in der Executive Summary, die die EU-Kommission wohl zur Grundlage ihrer Pressemeldung und aller nachfolgender Forderungen nach Frauenquote und …, der übliche Unsinn halt, genutzt hat, steht Folgendes:

“Meanwhile economic arguments for increased female participation in the sector abound. If women held digital jobs as frequently as men, the gain for the European GDP each year would be around 9 bn EUR (this translates into 1.3 times Malta’s GDP!)”3.

Einmal davon abgesehen, dass hier eine unbelegte Behauptung als Gemeingut verkauft werden soll, so als gäbe es auch nur ein einziges ökonomisches Argument, das eine Frauenquote stützen würde, einmal davon abgesehen, dass hier die Malteser diskriminiert und als Loser dargestellt werden, die man mit ein paar Frauen mehr im Informations- und Kommunikationstechnologie-Sektor in den Schatten stellen kann, ist das Wichtigste am zitierten Absatz die am Ende des Absatzes. Die 3 verweist auf eine Fussnote, in der man Folgendes findet:

“Data elaborated for this study based on the European Labour Force Survey (2011). For a detailed description of the methodology used please refer to the section “Description of the Problem” of this document.”

EU-UnsinnNatürlich ist “Descripton of the Problem” in der “Executive Summary” nicht enthalten, und deshalb muss man sich den kompletten Bericht herunterladen, um darin auf Seite 33 tatsächlich eine Beschreibung dessen, was da gemacht wurde, zu finden, und zwar in Fußnote 34. Wer sich für die ausführliche Variante des Unsinns, den Iclaves zusammengerechnet hat, interessiert, der möge die Abbildung anklicken. Für alle anderen hier die Kurzvariante: 20,67% der europäischen Männer, die an Universitäten ein Fach der Informations- oder Kommunikationstechnologie (IKT) studiert haben, arbeiten später im IKT-Sektor, aber nur 10,76% der Frauen. Gut 60% der IKT-Studenten, ob männlich oder weiblich, arbeiten in anderen Sektoren der Wirtschaft (23% der weiblichen und 15% der männlichen IKT-Studenten arbeiten gar nicht). Wenn nun 8% der Frauen, die in einem anderen Sektor als dem IKT-Sektor arbeiten, im IKT-Sektor arbeiten, dann wären dies rund 115.000 Frauen. Die durchschnittliche Produktivität im IKT-Sektor berträgt 78.000 Euro, und 78.000 Euro multipliziert mit 115.000 Frauen ergibt rund 9 Milliarden Euro. Eh voilá, so einfach kann man die EU-Kommission mit Zahlen versorgen, die manchem Kommissar den Speichel aus dem Mund fließen lassen.

Aber was ist von dieser Rechnung zu halten?

Zunächst ist es immer wieder verblüffend, wie fixiert die Frauenförderer auf Männer sind. Wenn rund 20% der männlichen IKT-Studenten im IKT-Sektor arbeiten, dann ist das Gottes Gesetz. Rund 20% ist die göttliche Zahl, die es für Frauen zu erreichen gilt. Zu einem anderen Gedanken sind die Frauenförderer nicht fähig, ihr Gehirn ist auf Geschlechtsteile und auf eine Gleichheit programmiert, so dass man wohl langsam, aber sicher von einer geistigen Fehlfunktion ausgehen muss. Denn: wenn man 8% der männlichen Absolventen eines IKT-Studiums, die nicht im IKT-Sektor arbeiten, dazu bringen könnte, im IKT-Sektor zu arbeiten, die 9 Milliarden wären auch das rechnerische Ergebnis, und man hätte es ganz ohne weibliche IKT-Studenten erreicht, könnte die 8% mehr weiblichen Studenten, die es nach dem Studium vorziehen, nicht zu arbeiten als Männer, also in ihrer Arbeitslosigkeit belassen.

Aber die Rechnung geht nur auf, wenn man davon ausgeht, dass alle IKT-Studenten gleich gut sind, dass man den einen nehmen kann und mit dem anderen ersetzen, dass man ein paar weibliche Studenten dazu tut und die entsprechenden weiblichen IKT-Studenten sich gar nicht auf die durchschnittliche Produktivität im IKT-Sektor auswirken, weder positiv noch negativ. Und die Rechnung geht nur dann auf, wenn man vergisst, dass der Abzug von 115.000 weiblichen oder männlichen IKT-Studenten aus anderen Bereichen der Wirtschaft dort Kosten verursacht, was wiederum die 9 Milliarden Euro deutlich abschmelzen dürfte, auf was auch immer. Tatsächlich haben die 9 Milliarden mehr, die man im IKT-Sektor umsetzen könnte, also gar nichts mit Frauen zu tun. Tatsächlich erweist sich die gesamte hanebüchene Rechnung als absurder Unsinn, von dem man sich als normaler Mensch fragen muss, wie man darauf kommen kann. Und tatsächlich basiert die Berechnung auf der Prämisse, dass weibliche IKT-Studenten in anderen Wirtschaftsbereichen als dem IKT-Sektor nichts zur Produktivität beitragen und deshalb problemlos abgezogen werden können.

eu-flagDerzeit werden bei der EU monatliche Grundgehälter von 2.300 Euro bis 16.000 Euro bezahlt. Die EU beschäftigt zur Zeit 12.578 Frauen und 11.290 Männer in ihrer Bürokratie. Im Jahr 2012 hat die EU-Kommission für Angestellte und Pensionszahlungen ehemaliger Angestellter 5,786 Milliarden Euro ausgegeben. Bei 33.868 Beschäftigten betragen die durchschnittlichen Jahresbezüge entsprechend 170.789 Euro. Die Kosten für Angestellte in Administrationen in China variieren zwischen 180,75 Euro (1.500 Reminbi) bis 2771,45 Euro (23.000 Reminbi). Ersetzte man die 33.868 Angestellten der Europäischen Kommission durch billigere und vermutlich effizientere Fachkräfte in China, so könnte man eine jährliche Einsparung von 84% der Personalkosten erzielen, was einer jährlichen Einsparung von 4.86 Milliarden Euro entspricht.

Eigentlich kann die EU-Kommission nichts gegen diesen Vorschlag einzuwenden haben. Er enstpricht völlig der Argumentation, wie sie die EU-Kommissare derzeit benutzen, um z.B. eine Frauenquote im IKT-Sektor zu fordern. Zudem hätte der Vorschlag eine Reihe von Wohltaten für die Bürger, die über die finanzielle Einsparung hinausgehen. Man würde in Zukunft nicht nur von unsinnigen “Studien” verschont bleiben, die Geld kosten und die Intelligenz jeden Normalbürgers beleidigen, man bliebe darüber hinaus von den EU-Kommissaren verschont, deren Intelligenz offensichtlich nicht das Maß eines Normalbürgers erreicht, und die sich nicht scheuen, hanebüchene Forderungen auf die Grundlage unsinniger “Studien” zu stellen.

Lehrer müssen Führer sein – Die EU harmonisiert wieder

VassiliouAndroulla Vassiliou ist in der Europäischen Kommission für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend verantwortlich. Vassiliou sitzt für Zypern in der Europäischen Kommission und ist ansonsten durch ihr Studium der Juristerei und internationaler Beziehungen und anscheinend bestens geeignet, um sich für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend stark zu machen. Und stark gemacht für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend oder auch nur für Bildung, vielleicht auch für Mehrsprachigkeit und Jugend oder Kultur?, wie auch immer stark gemacht hat sie sich gerade mit einer Rede anlässlich der Lithuanian Presidency Conference on Educational Leadership in Vilnius. Aufgrund der begrenzten Mehrsprachigkeit der EU liegt die Rede nur in englischer und französischer Fassung vor, so dass ich aus der englischen Fassung zitieren muss.

Warum ist die Rede überhaupt interessant? Zwei Gründe haben mich bewogen, die Rede zu besprechen: Der erste Grund liegt darin, dass “die Vision” eines Lehrer-Führers, die in der Rede entworfen wird, einen Einblick in die Welt der EU-Kommission gibt, in der das gesprochene Wort, die reale Welt längst ersetzt hat. Der zweite Grund liegt darin, dass die Dystopie des Lehrer-Führers ein weiteres Beispiel dafür ist, wie die EU-Kommission mit “best practice Harmonisierung” auch noch den letzten Halm an Individualität niedertrampelt.

Kurzrede VassiliouDie Rede beginnt wie alle Reden von EU Kommissaren mit ein paar Daten, die Eurostat liefern musste, in diesem Fall Daten über rund 7,5 Millionen 15 bis 24jähriger in Europa, die weder in Ausbildung noch in einem Beruf tätig sind. Tatsächlich gibt es in Europa rund 5,56 Millionen unter 25jähriger, die als arbeitslos gemeldet sind. In jedem Fall gibt es Millionen unter 25jähriger, die offensichtlich nichts tun und das, so Vassiliou, das muss geändert werden. Und wie immer, wenn etwas geändert werden muss, dauert es nicht lange, bis das geflügelte Wort “Change” auftaucht. “Wandel” ist gut, Wandel ist wünschenswert, und Wandel im Zusammenhang mit 7,5 Millionen 15 bis 24jähriger, die nichts tun, bedarf in erster Linie eines Wandels an Schulen. Da sage noch einer, EU-Kommissare hätten keine Phantasie!

Deshalb ist sich EU-Kommissar Vassiliou mit den Bildungsministern Europas auch ganz einig darüber, dass es besonders wichtig ist, die “teaching profession” zu unterstützen. Bislang wissen wir also, dass rund 7,5 Millioen 15- bis 24jähriger nichts tun, dass deshalb Wandel wichtig ist, und es wiederum deshalb wichtig ist, die “teaching profession” zu unterstützen. Und weil es wichtig ist, die “teaching profession” zu unterstützen, sind Lehrer ganz wichtig, denn Lehrer spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Schulleistung zu verbessern und zu verhindern, dass Schüler zu früh die Schule verlassen (also am besten sie bleiben bis zum Alter von 25 Jahren in der Schule, und schon ist die Statistik bereinigt).

Aber, so weiß Vassiliou plötzlich ganz genau: Wir brauchen keine Manager-Lehrer, sondern Lehrer-Führer, Lehrer-Führer, die eine Vision haben, so ihre Vision – und weiter: Lehrer-Führer, die andere inspirieren können, andere, d.h. andere Lehrer, Schüler, Eltern und lokale Gemeinschaften (nur nicht die EU-Kommission!). Denn man müsse als Lehrer-Führer andere inspirieren, wenn man eine Vision in die Wirklichkeit übertragen wolle.

Aber, so gibt Vassiliou zu bedenken: “[r]unning an educational institution is a very challenging job”. Deshalb könne ein Lehrer-Führer nicht nur ein Lehrer-Führer sein, nein, er müsse strategisch denken können und ein Experte in Pädagogik sein, aber nicht nur das, er müsse Ressourcen managen können, ein guter Kommunikator sein, Probleme lösen können wie nichts, er müsse mutig, optimistisch, resilient, tolerant sein, emotionale Intelligenz, Energie, Commitment und, vor allem Lust am Lernen haben. Ja, das alles müsse der Lehrer-Führer.

Flessau_ Schule der DiktaturUnd damit der Lehrer-Führer, der all das kann und ist, herangezüchtet werden kann, müsste die EU-Kommission und müssten alle EU-Länder die notwendigen Bedingungen, die ein innovatives und inspirierendes Lehrer-Führertum begünstigen, herstellen. Der Lehrer-Führer kommt dann von ganz alleine, wenn die EU-Kommission ihm sein Nest gemacht hat. Aber was sage ich: “ihm”, nein nicht ihm – ihr: “One aspect of this involves breaking down the gender gap, which has become over the years very entrenched; we need to attract more women to leadership roles at secondary level, and more men to leadership at primary level”.

Wir sehen, das Allheilmittel für alles: Für 15- bis 24jährige, die nichts tun, für Lehrer-Führer-Mangel, für Wandel, für Innovation, für Klimawandel, Krieg, die hohen Preise für Kaffee, die schlechte Bezahlung von EU-Kommissaren oder die Benachteiligung von Jungen im deutschen Schulsystem ist eine Frauenquote. ich bin mehr denn je der Überzeugung, dass EU-Kommissare im Mittelalter von Dorf zu Dorf gefahren wären, um dort Krötentrunk gegen alle körperlichen Leiden feil zu bieten. Doch zurück zu Vassiliou.

Sie ist zwischenzeitlich in ihrer Rede bei der Erkenntnis angekommen, dass es schwierig ist, gute Lehrer-Führer als solche zu halten, da, wie sie fürchtet, gute Lehrer-Führer offensichtlich auch woanders gesucht und geschätzt werden. Und wie hält man gute Lehrer-Führer? Nicht etwa durch eine entsprechende Bezahlung, nein, wie materialistisch von mir und wie wenig innovativ, nein, man hält sie, so meint Frau Vassiliou, durch Teamarbeit und kollaboratives Lehrer-Führertum. Das ist nun zwar das Gegenteil von Lehrer-Führertum, aber was soll’s, es ging nur darum, eine Rede zu füllen und ein paar gut klingende Begriffe unter die Meute zu schleudern, in der vermutlich die meisten sowieso nicht zugehört haben.

Die Welt der Konferenzen und Veranstaltungen, in der sich EU-Kommissare mit ihren Zuhörern treffen, ist eine symbolische Welt. Man trifft sich, um Worte auszutauschen und sich gegenseitig mit sprachlichem Wohlklang zu beeindrucken. Die Zeiten, in denen Reden gehalten wurden, um etwas mitzuteilen, sind ganz offensichtlich vorbei.

euro puppetsProblematisch ist nur, dass zuweilen wohlklingende Begriffe, mit denen die EU-Kommission hausieren geht, in der realen Welt aufgenommen werden. Dafür sorgt eine große Zahl EU-abhängiger und von der EU finanzierter Institutionen, die sofort zur Stelle sind, wenn es darum geht, Fördergelder abzugreifen und die eigene Vorstelung davon, was ein Lehrer-Führer ist, unters Volk zu bringen. Dann nimmt ein verbaler Wohklang Fahrt auf, wird zum Generator für Einkommen und zur Triebkraft der Harmonisierung.

Wir werden entsprechend den Lehrer-Führer mit seinen vielfältigen Kenntnissen über kurz oder lang auch als best practice in deutschen Schulen begrüßen können, d.h. das, was man jeweils als Lehrer-Führer ansieht. Das Lehrer-Führertum wird wie so viele verbale Schöpfungen der EU-Kommission und ihrer Adepten, man denke nur an das Gender Mainstreaming, dazu genutzt werden, Rollen und Rollenerwartungen zu standardisieren und den Freiraum, den Lehrer vielleicht einmal hatten, durch die Institutionalisierung der Lehrer-Führer-Rolle zu beseitigen. Bleiben werden wie immer Hülsen und einstellen werden sich über kurz oder lang Probleme, die sich dann wieder in Zahlen bei Eurostat niederschlagen, z.B. im Anteil der Illiteraten, der europaweit steigen wird. Und diese Zahl wird auf einen EU-Kommissar treffen, der sie zu hoch, zu gering, zu dick oder zu dünn findet und in jedem Fall nach Wandel rufen wird, was ihn wiederum zu der Erkentnis bringen wird, das etwas getan werden muss, eine Erkenntnis, in die die europäischen Bildungsminster unisono einstimmen werden. Und weil etwas getan werden muss, wird eine neue Initiative aus Brüssel die best practice dieses Mal vielleicht beim Schulsozialarbeiter-Führer verorten und so weiter und so fort.

Vermissen Sie eigentlich etwas? Schüler zum Beispiel. Nun, Schüler kommen in der Welt der Bürokraten und EU-Kommissare nicht vor. Sie sind die Verfügungsmasse, auf deren Grundlage Programme zur Beschreibung der best practice zur Förderung von vielleicht einmal zu rekrutierenden und hoffentlich dann vorhandenen Lehrer-Führern bezahlt werden. Sie sind Mittel zur eigenen Beweihräucherung und Bereicherung. What more can they ask for?

P.S.

Es sei nur nebenbei bemerkt, dass die Vision vom Lehrer-Führer, die Vassiliou hier entwickelt, ein müder Abklatsch des Konzepts des transformationalen Führers ist, das Bass (1985) in Anlehnung an Burns (1978) entwickelt hat. Man könnte es auch als noch müderen Abklatsch des charismatischen Führers, den Max Weber idealtypisiert hat, ansehen, aber da Charisma in der Welt der EU-Kommission nicht vorkommt, ist diese Übereinstimmung sicher nur zufällig.

Bass, Bernhard M. (1985). Leadership and Performance Beyond Expectations. New York: Free Press.

Burns, James M. (1978). Leadership. New York: Harper & Row.

EU will Arbeitsmarkt für Asylbewerber öffnen

arbeitsagenturDie Arbeitslosigkeit in der EU ist auch im April 2013 im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Derzeit sind EU-weit 26.588 Millionen Menschen in der EU arbeitslos. Im Vergleich zum März 2013 ist dies ein Zuwachs von 1.673.000 Arbeitslosen. Gleichzeitig blickt die EU auf eine große Zahl unbesetzter Stellen. Die “Job Vacancy Rate”, die die Anzahl der unbesetzten Stellen auf die Anzahl der besetzten und unbesetzten Stellen prozentuiert, liegt EU-weit bei 1,5% (das entspricht ungefähr 2 Millionen offenen Stellen), in Deutschland mit 2,6% deutlich darüber. Mit anderen Worten: Es gibt nicht nur viele Arbeitslose in der EU, es gibt auch eine große Zahl unbesetzter Stellen.

Nun würde man erwarten, dass Arbeitslose mobil sind und sich nach einem Arbeitsplatz umsehen, selbst wenn derselbe mehrere hundert Kilometer von ihrem derzeitigen Wohnsitz entfernt ist, selbst wenn er in einem anderen Land der Europäischen Union liegt. Diese Mobilität des Faktors Arbeit sagt zumindest die reine ökonomische Lehre voraus und diese Hoffnung, dass Arbeiter zu den Arbeitsplätzen kommen, weil die Arbeiter im Vergleich zu den Arbeitsplätzen mobiler sind, hat die Harmonisierung des Binnenarbeitsmarkts und die Freizügigkeitsregelungen innerhalb der EU getrieben. Die Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Arbeitsplätze bleiben ungefüllt und die meisten Arbeitslosen bleiben stationär.

PissaridesDass Arbeitslose stationär bleiben, hat damit zu tun, dass es keine Notwendigkeit für Arbeitslose gibt, mobil zu sein. Die Transferzahlungen des Staates in Form von Arbeitslosengeld und Hartz IV machen die Immobilität möglich. Es mag sein, dass man von diesen Transferzahlungen nicht üppig leben kann, aber doch offensichtlich so gut, dass man es nicht notwendig hat, die eigene Situation durch Mobilität zu verbessern. Dies kann man mit Sicherheit und post-hoc feststellen, denn wäre dem nicht so, Arbeitslose wären mobil.

Die Immobilität von Arbeitslosen, die durch den Sozialstaat begünstigt, wenn nicht befördert wird, ist für Gewerkschaften natürlich von Nutzen, gibt sie den Gewerkschaftsfunktionären doch die Möglichkeit, die Arbeitslosen als Beleg für die Schlechtigkeit “des Kapitals” anzuführen und gleichzeitig die eigene Verantwortung dafür zu leugnen, dass Arbeitslose arbeitlos bleiben, weil gewerkschaftliche Tarifpolitik die Möglichkeit für z.B. ungelernte Arbeiter auf gering bezahlten Stellen einen Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden, weitgehend vernichtet. Aber das nur nebenbei.

Eu KOmmissionDie Immobilität von Arbeitslosen hat zudem die Konsequenz, dass Stellen, die nicht zu den Arbeitslosen getragen werden können, unbesetzt bleiben und entsprechend ein wirtschaftlicher Schaden, zuerst für die betroffenen Unternehmen, dann für die gesamte Gesellschaft entsteht. Deshalb müht sich die EU-Kommission darum (ja, ich schreibe hier einmal etwas Positives über die EU), arbeitswillige mobile Arbeitskräfte zu den offenen Stellen zu bringen. Dies ist um so wichtiger, als der Mangel an Fachkräften vor allem im IT-Bereich und bei Ingenieuren sich einerseits massiv auf das zukünftige Wachstum und damit die Chancen, der Arbeitslosigkeit in Europa Herr zu werden, auswirkt, andererseits eine alternde Bevölkerung und ein Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter über kurz oder lang dazu führen wird, dass die Menge der unbesetzten Stellen wachsen wird – und haben Unternehmen Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen, dann wandern sie ab, sofern möglich, oder schließen, wenn ein Abwandern nicht möglich ist.

Das neustes Steinchen im Mosaik der Wettbewerbsfähigkeit, an dem die EU-Kommission bastelt, wurde gerade im Rahmen des 4th Annual Report on Immigration and Asylum (2012) vom 17. Juni 2013 gelegt. Die Ergebnisse des Reports, der wieder einmal zeigt, dass die EU für Fachkräfte aus Übersee, aus Indien oder Asien nicht sonderlich attraktiv ist (im Report hat dies die folgende euphemistische Formulierung gefunden: “The EU has increasingly to compete with, for example Canada, the US and Switzerland, to attract talent”), haben die EU-Kommission dazu veranlasst, die Mitgliedsstaaten zu einer zukunftsorientierten Migrationspolitik aufzurufen.

Dieser Aufruf umfasst zum einen die alten Hüte, die bereits in der Vergangenheit ihren Niederschlag in der Blue Card Directive gefunden haben, mit der es Unternehmen erleichtert werden soll, Fachkräfte aus Drittstaaten anzuwerben und mit der es diesen Fachkräften erleichtert werden soll, in die EU einzureisen, sich in der EU niederzulassen, in der EU zu arbeiten und zu leben. Zum anderen hat sich die EU etwas Neues einfallen lassen, das aufgrund seiner Trivialität fast schon als revolutionär zu bezeichnen ist.

Den verantwortlichen Mitgliedern der EU-Kommission ist nämlich aufgefallen, dass in der EU bereits eine große Anzahl von Fachkräften lebt, oftmals hochgebildete Fachkräfte, wie Ärzte, Computerspezialisten, Mathematiker uvm., die gewöhnlich als Asylbewerber oder Geduldete geführt werden. Allein im Jahre 2011 haben rund 330.000 Personen in der EU um Asyl nachgesucht. Tun sie dies in Deutschland, dann werden sie in einem entsprechenden Heim geparkt und harren dort oft jahrelang oder jahrzehntelang aus, bis es einem Verwaltungsrichter einfällt, dass er ein Asylverfahren ansetzen könnte.

AsylbewerberheimAsylbewerber sind eine positive Selektion ihrer Ursprungsgesellschaften, das ist weithin bekannt (Brücker, 2012). Sie haben als Migrant ihre Mobilität bewiesen. Sie sind zumeist vor ihrem Staat geflüchtet, um sich in einem anderen Land eine Existenz aufzubauen, haben entsprechend eine hohe Arbeitsmotivation, kurz: die meisten Asylbewerber haben alles, was einen Arbeitgeber glücklich macht. Nur eines haben sie nicht: eine Arbeitserlaubnis. Entsprechend verfällt ihr Humankapital, ihre Motivation wird nach drei Jahren auf 10 Quadratmetern mit einem Zimmergenossen im Asylbewerberheim auch nicht mehr die beste sein. Diesem Raubbau an Humankapital will die EU-Kommission nun ein Ende setzen und die Formulierung, die Cecilia Malmström, Kommissar für EU-Innenpolitik dazu gefunden hat, steht dem oben zitierten Euphemismus in nichts nach:

“We are about to establish a common European asylum system that ensures protection of and solidarity with the most vulnerable ones. Many of these people are highly skilled and must be given the possibility to realize their full potential in their new countries”.

Dies sind zumindest neue Töne aus Brüssel, und man darf gespannt sein, mit welcher Reaktion dieser Vorstoß in Deutschland aufgenommen wird. Ich halte schon jetzt die Wette, dass von Gewerkschaften und von all denjenigen, die sich angeblich so sehr um Arbeitslose kümmern, Widerstand zu erwarten ist. Das Argument, das kommen wird: Aber wir haben doch selbst so viele Arbeitslose. Genau! Und deshalb braucht es jemanden, der den Arbeitslosen, die sich lieber einrichten und darauf warten, dass die Arbeit zu ihnen kommt, in den Hintern tritt, damit sie sich bewegen. Es braucht niemanden, der ihnen jahrzehntelang vorlügt, sie müssten nur warten und alles werde von selbst gut.

Brücker, Herbert (2012). The Labour Market Impact of Immigration and its Policy Consequences. Migration Policy Center MIC.

Europäische Unwahrheiten: Die EU-Kommission führt die Öffentlichkeit an der Nase herum

Nun hat sich die EU-Kommission also auf einen Entwurf für eine Direktive, mit der privaten Unternehmen eine Frauenquote aufgezwungen werden soll, geeinigt. Dieser “Erfolg für Reding”, wie der Spiegel triumphiert, ist auf Lügen, unbelegten Behauptungen und dem Versuch gebaut, die Europäische Öffentlichkeit zu manipulieren und an der Nase herumzuführen. Wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe, befassen sich mittlerweile eine ganze Reihe von Wissenschaftlern mit der Angewohnheit der Europäischen Kommission, ihre Haus und Hof-Demoskopen der DG-Kommunikation und deren EUROBAROMETER-Befragung zu instrumentalisieren, um die eigene Politik scheinbar mit der Legitimation durch “die” Europäer zu versehen. Diese Legitimation ist für die EU-Kommission von größter Bedeutung, denn die EU-Kommission wurde nie von den Europäern gewählt, Sie agiert in einem demokratischen Vakuum und ist mit ihrer Politik auch keiner demokratischen Kontrolle zugänglich. Früher hat man derartige Herrschaftsgremien als autoritäre oder je nach dem Ausmaß, in dem sie Durchgriff auf das öffentliche Leben hatten, als totalitäre Herrschaftsgremien bezeichnet, Gremien wie das Zentralkommittee der KPdSU oder SED waren damit regelmäßig gemeint, oder Herrscher wie Pinochet oder Fidel Castro. Und weil derartige Begriffe schon von diesen historischen Figuren besetzt sind, denkt wohl niemand daran, sie in Bezug auf die EU-Kommission einzusetzen (was sich rächen könnte), wenngleich sich die Kommissare der EU in ihrem Gebaren nur wenig bis kaum von den ehemaligen ZK-Mitgliedern oder dem inneren Zirkel, der Pinochet umgeben hat, unterscheiden. Sie alle regierten, wie sie immer wieder behauptet haben, mit dem Einverständnis der Massen, die sie bevormundeten, sie alle haben dieses Einverständnis auf die ein oder andere Weise bewerkstelligt, behauptet oder vorausgesetzt und zur Legitimation ihrer “volksnahen” Politik benutzt.

Und so hat Viviane Reding nun, unterstützt von Antonio Tajani, Joaquín Almunia (m.W. nicht mit dem ehemaligen Torhüter von Arsenal, Manuel Almunia verwandt), Olli Rehn, Michel Barnier und László Andor einen Entwurf für eine Direktive eingebracht und die EU-Kommission hat ihn verabschiedet. Der Entwurf einer Direktive dient dem Ziel, die “Gender Balance” unter nicht die Geschäfte führenden Direktoren an Börsen notierter Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern ins Brüsseler Lot zu bringen. Diese Direktive 2012/299(COD) ist der erste direkte Versuch, der EU-Kommission, in die Geschäfte privater Unternehmen einzugreifen und die eigentliche Inhaber der entsprechenden Unternehmen, die Aktienbesitzer, zu entmündigen. Dies wird mit einer absurden Rabulistik begründet, die sich  unter (17) der nämlichen Direktive findet:

“Companies listed on stock exchanges enjoy a particular economic importance, visibility and impact on the market as a whole. … These companies set standards for the economy and its entirety and their practices can be expected to be followed by other types of companies. The public nature of listed companies justifies that they be regulated to a greater extent in the public interest”

Das muss man erst einmal verdauen. Hier erklärt uns also die EU-Kommission mit der gleichen Rationalität, mit der ein Attentäter erklärt, dass er ein high-profile Opfer ausgewählt hat, um Angst unter allen zu verbreiten, die mit dem Opfer auf einer vergleichbaren sozialen Stufe angeordnet sind, dass börsennotierte EuropäischeUnternehmen ins Visier genommen wurden, weil sie, rund 5000 an der Zahl, aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke eine Führungsrolle unter Europäischen Unternehmen einnehmen und andere Unternehmen sich an ihnen ausrichten, weil sie so eine Art Rollenmodell für andere Unternehmen darstellen oder als Multiplikator eingesetzt werden können.  Damit nicht genug, die gezielte Auswahl der Unternehmen, wird durch ein gezieltes Wortspiel begründet, das man nicht anders als als übelste Form der Manipulation bezeichnen kann. Weil Anteile an börsennotierten Unternehmen an öffentlichen Handelsplätzen gehandelt werden, die Unternehmen sich somit im Streubesitz vieler Aktionäre befinden, behauptet die EU-Kommission eben einmal, die Unternehmen seien “öffentliche Unternehmen” (public nature). Und ist erst einmal ein falscher Schluss gezogen, dann kann man munter weiter deduzieren: weil die Unternehmen öffentliche Unternehmen sind, liegt es im öffentlichen Interesse, sie zu reglementieren. Ich habe noch selten eine schlimmere Verdrehung der Fakten gelesen wie diese. Börsennotierte Unternehmen gehören nicht der Öffentlichkeit, sondern ihren Aktionären und deshalb greift die EU-Kommission, die von keinerlei Öffentlichkeit legitimiert ist, auf der Grundlage von Lust und Laune in die Besitzverhältnisse von Unternehmen ein. Sie entmündigt bzw. enteignet die Aktionäre und maßt sich an, an derer Statt, Entscheidungen zu treffen. Das hätte sich nicht einmal Ludwig der XIV getraut, und der hielt sich für einen Sonnenkönig. Welche unglaublich realitätsfremde Vorstellung von sich selbst, müssen wohl die EU-Kommissare haben?

Gilt nicht nur für Pinguine, sondern auch die EU-Kommission

Die berichtete Unglaublichkeit ist nicht die einzige, im Entwurf der Direktive 2012/299 (COD). Es wimmelt nur so von logischen und anderen Fehlern. Der schönste Fehler, den Dr. habil. Heike Diefenbach genüßlich beim Frühstück zerlegt hat, findet sich in der Formulierung bei gleicher Eignung sind Mitglieder des unterrepräsentierten Geschlechts vorzuziehen (priority may be given to the under-represented sex in selection for employment or promotion, provided that the candidate of the under-represented sex is equally qualified as the competitor of the other sex in terms of suitability, competence and professional performance…” (25)). Dies ist ein logisches Unding. Einmal davon abgesehen, dass es kaum vorstellbar ist, dass zwei Klone sich auf ein und dieselbe Stelle bewerben, jedenfalls normalen Menschen ist das nicht vorstellbar, da sich Menschenleben in zu vielen Dingen unterscheiden, als dass es Kandidaten geben könnte, die im Hinblick auf Kompetenz und professionelle Leistung und Einsatzbereitschaft gleich sind, so ergibt sich, selbst wenn man den EU-Kommissaren diesen Irrglauben ließe, eine absurde Konsequenz: Da einem der beiden “gleichen” Kandidaten, der einer Gruppe Unterrepräsentierter angehört, geholfen werden muss, um in eine entsprechende Position zu kommen, kann er nicht gleich sein, denn wäre er gleich, ihm müsste nicht geholfen werden. Eine schöne reductio ad absurdum, die leider bei EU-Kommmissaren auf die Grenzen des logischen Sachverstandes zu treffen scheint.

Ich will an dieser Stelle die Fehler der Direktive verlassen und nur noch kurz anfügen, dass die Auswahl aus dem logischen Unding “gleicher Eignung” durch die Direktive dahingehend verzerrt wird, dass dem Angehörigen des unter-repräsentierten Geschlechts die Möglichkeit eingeräumt wird, gegen seine nicht Berücksichtigung vor Gericht zu ziehen und das ihn anblehnende Unternehmen damit in Begründungszwang zu versetzen. D.h. wenn die Wahl zwischen zwei Kandidaten für einen Aufsichtsrat besteht, einem Mann und einer Frau, dann hat eine Frau schon deshalb und ganz unabhängig von ihrer Qualifikation bessere Chancen, in den Aufsichtsrat berufen zu werden, weil die Mitglieder des Berufungsgremiums auf diese Weise der Gefahr entgehen, vor Gericht geschleift und in endlose und unschöne Prozesse verwickelt zu werden. Damit hat die EU-Kommission ein hervoragendes Mittel zur Erpressung geschaffen, denn wenn ein Unternehmen eine weibliche Bewerberin für einen Aufsichtsrats-Posten ablehnt, dann setzt es sich nicht nur dem Verdacht der Diskriminierung aus, sondern findet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem Arbeitsgericht wieder. Es lebe das Rent seeking und der Nepotismus, der hier zudem eine wunderbare Einnahmequelle für Juristen geschaffen hat.

Davon abgesehen, sieht die Direktive eine freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen vor, auch den Anteil von Frauen unter geschäftsführenden Direktoren (CEOs) zu erhöhen. Das geht in der Diskussion um die Frauenquote bislang unter, was angesichts der Tatsache, dass freiwillige Selbstverpflichtungen Frau Reding in der Regel nicht ausreichen und regelmäßig in Zwang münden, bedauerlich ist.

Ich komme damit zum Fundament, das die EU-Kommission zur Begründung ihrer Aktivitäten so gerne bemüht. Die Behauptung, von den “Europäern” legitimiert zu sein, nur das auszuführen, was die “Europäer” wollen. Wie Eingangs beschrieben, bedient sich die EU-Kommission zu diesem Zweck des EUROBAROMETERS, um sicherzustellen, dass die Europäer auch nichts anderes wollen als die EU-Kommission, und wenn das nicht geht, dann wird manipuliert, gelogen, dann werden Informationen verdreht oder unterschlagen. Ein besonders drastisches Beispiel findet sich in der Pressemeldung, mit der die Europäische Union die Öffentlichkeit mit Blick auf die Legitimation der besprochenen Direktive an der Nase herumführen will. In dieser Pressemitteilung findet sich die folgende Grafik, die auf den Daten des  Eurobarometers 376 basiert.

Dargestellt sind die Antworten, die Europäer angeblich auf die Frage: “Einige europäische Länder (z.B. Frankreich, Spanien, die Niederlande, Italien, Belgien und Norwegen) haben bereits gesetzliche Maßnahmen ergriffen, um ein ausgewogeneres Verhältnis von Frauen und Männern in Aufsichtsräten von Unternehmen zu gewährleisten. Sind Sie für oder gegen ein solches Gesetz, unter der Voraussetzung, dass die Befähigung berücksichtigt wird und dass nicht automatisch das eine oder andere Geschlecht bevorzugt wird?”, gegeben haben. Einmal davon abgesehen, dass die Frage einen positiven Stimulus setzt (eine der Todsünden der Umfrageforschung) und damit die Wahrscheinlichkeit, einer zustimmenden Antwort erhöht, ist es aufgrund der Frageformulierung nicht möglich zu entscheiden, was genau Befragte ablehnen oder befürworten, wenn sie sich positiv oder negativ zu dieser Frage äußern: Sind sie dann für oder gegen die entsprechenden Gesetze in z.B. Frankreich oder für oder gegen die Übertragung der entsprechenden Gesetze auf die Ebene der Europäischen Union? Diese Ambiguität, die es ermöglicht, die Antworten der Europäer zu benutzen, sie für die eigenen Zwecke zu gebrauchen, ist gewollt, wie schon die Tatsache zeigt, dass es nicht gereicht hat, die Befragten mit einer suggestiven und dehnbaren Frage zu traktieren, sondern dass ihre Antworten auch noch zusammengefasst werden mussten. Denn tatsächlich haben sich die Europäer wie folgt geäußert:

Wie die Abbildung zeigt, ist die Befürwortung der Einführung einer Frauenquote (wo auch immer, s.o.) nicht so eindeutig, wie die EU-Kommission suggerieren will. Die meisten Europäer (38%) sind eher für ein “solches Gesetz”, und zwar unter der Voraussetzung, dass damit keine automatische Bevorzugung eines Geschlechts verbunden ist, nur rund 37% der Europäer sind voll und ganz für ein “solches Gesetz”. Auch die Ablehnung staffelt sich in 12% Europäer, die eher dagegen sind und 5% die voll und ganz gegen ein “solches Gesetz” sind. Wie die Europäische Union die Ergebnisse deutet, was die Europäische Union glaubt, aus den Antworten zu einem “solchen Gesetz” nehmen zu können, ist deutlich geworden, dass die befragten Europäer sich offensichtlich nicht darüber schlüssig waren, was sie eigentlich gefragt wurden und sich zudem und zum Teil durch die suggestive Form der Fragestellung zu einer positiven Antwort haben manipulieren lassen, wird deutlich, wenn man die Frage QE3 betrachtet, die ebenfalls im Eurobaromter 376 gefragt wurde und deren Antwortverteilung die Europäische Union und vor allen die Justiz-Kommissarin, Viviane Reding, bislang regelmäßig unterschlagen haben. Die Frage lautet wie folgt:

QE4.1: Was ist Ihrer Meinung nach der beste Weg, um ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Aufsichtsräten von Unternehmen zu erreichen? Freiwillige Maßnahmen, wie z.B. [1] nicht verbindliche Grundsätze der Unternehmensführung und Satzungen, [2] Selbsregulierung, indem die Unternehmen sich ihre eigenen Ziele setzen, [3] verbindliche rechtliche Maßnahmen, [4] es besteht keine Notwendigkeit, ein ausgewogeneres Verhältnis von Frauen und Männern in Aufsichtsräten von Unternehmen zu erreichen (SPONTAN), [5] weiss nicht”.

Die folgende Abbildung stellt die Verteilung der Antworten der Europäer dar:

Die Abbildung zeigt deutlich, dass gerade einmal 26% der Europäer für eine verbindliche rechtliche Regulierung der Anteile von Frauen und Männern in Aufsichtsräten privater Unternehmen sind, 59% sehen dagegen keinerlei Notwendigkeit für eine verbindliche rechtliche Regelung. Dieses Ergebnis hat die EU-Kommission nicht berichtet. Sie hat es unterschlagen, weil man daraus keine Legitimation für die eigene Fixierung auf die Verteilung von Aufsichtsratsposten nach Geschlechtsteilen bzw. für den Versuch, den eigenen Machtbereich durch kalte Enteignung in die Führungsetagen von Unternehmen hinein auszubreiten, hätte ableiten können. Das Beispiel macht deutlich, mit welchen Mitteln die EU-Kommission die Europäer manipuliert und in welcher Weise sie eine Legitimation für sich reklamiert, die sie nicht hat. Die EU-Kommission zeigt zudem deutlich, was sie von der Meinung der Europäer hält: Nichts. Die Europäer sind nichts anderes als die Figuren, die die EU-Kommission befragt, um eine Legitimation für die eigene Politik herbeizumanipulieren und ansonsten sind die Europäer diejenigen, die offen oder durch Auslassung belogen werden müssen.

Nun kann man spekulieren, ob die hier dargestellten Lügen und Auslassungen darauf zurückzuführen sind, dass die EU-Kommissionsmitglieder es einfach nicht besser wissen, dass sie sich in eine Art “Group-think” verstiegen haben, der dem einer religiösen Sekte gleicht und aus dem heraus sie einfach keine Verbindung zur real existierenden Welt mehr finden oder ob die gezeigten Auslassungen und Lügen das Ergebnis einer Strategie sind, deren Ziel darin besteht, die Europäer hinters Licht zu führen. Ich will, zu Gunsten der EU-Kommissare annehmen, dass sie es nicht besser können und daher, für die Zukunft und um weitere Realitätsverluste in der EU-Kommission auszuschließen die Einführung einer IQ-Quote fordern. Die EU-Kommission ist so zu besetzen, dass mindestens 40% der Mitglieder der EU-Kommission einen IQ von mehr als 100 aufweisen. Die Verteilung des IQ in der EU-Kommission ist jährlich einmal zu messen und öffentlich zu machen (inklusive der Standardabweichung). EU-Kommissare, die den Wert von 70 unterschreiten, sind in entsprechende Institutionen zu verfrachten und durch geeignete IQ-Inhaber zu ersetzen.

P.S.

Nur noch der Vollständigkeit halber: Es ist nicht möglich, eine Quote und ein meritokratisches Prinzip in Einklang zu bringen. Entsprechend macht auch der Zusatz, “bei gleicher Eignung” keinerlei Sinn, denn selbst wenn es eine gleiche Eignung gäbe, so wäre nicht die Leistung der Grund für eine Auswahl, sondern die Quote und somit wäre gegen das meritokratische Prinzip verstoßen. Dass dem so ist, hat einen einfachen Grund. Das meritokratische Prinzip ist ein individuelles Prinzip. Es basiert auf der Beurteilung der Leistungen von Individuen. Eine Quote ist eine kollektive Maßnahme. Sie ignoriert individuelle Leistungen und prämiert Gruppenzugehörigkeit. Quote und Meritokratie sind unvereinbar, etwa so unvereinbar wie Aufrichtigkeit, Vernunft und Europäische Kommission.