Mehr Toleranz für Homosexuelle: Interventionen emprisch unbegründet, gefährlich und politisch fehlgeleiteter Aktivismus

Mehr Akzeptanz und Toleranz, so haben es sich Politiker landauf landab vorgenommen, wollen sie ihren Bürgern für Homosexuelle beibringen. Entsprechende Interventionen, die vor allem auf Schüler abzielen, sollen dem hehren Ziel dienen. Aber gibt es auch einen Anlass für die entsprechende Intervention? Gibt es Diskriminierung Homosexueller in relevantem Ausmaß? Leiden Homosexuelle wegen ihrer sexuellen Orientierung unter Vorurteilen und bringen sich gar wegen der darauf basierenden Diskriminierung häufiger als Heterosexuelle um? Wir haben die empirische Evidenz zusammengetragen und untersucht, ob es einen Anlaß für Interventionen wie den Baden-Württembergischen Bildungsplan 2015 gibt, der Bürger zu Toleranz und Achtung Homosexueller anhalten soll. Das Ergebnis: Es gibt keine Notwendigkeit für die entsprechenden Interventionen. Sie sind reiner politischer Aktivismus und bringen die Gefahr mit sich, mehr Schaden anzurichten als sie Gutes tun.

Der folgende Beitrag stellt die Ergebnisse zusammen, die wir über drei Beiträge verteilt zusammengetragen haben:

Teil I: Erhöhtes Suizidrisiko bei Homosexuellen?
Teil II: Homosexuelle begehen nicht häufiger Selbstmord als Heterosexuelle
Teil III: Diskriminierung Ursache von Suizid oder psychischer Erkrankung bei Homosexuellen?

Sind Inverventionen zugunsten „des Regenbogens“ notwendig oder sinnvoll?

In diesem abschließenden Teil unserer kleinen „Vorlesungsreihe“ in Sachen Forschungsstand zum Thema „Sexueller Orientierung, Suizidrisiko, psychische Probleme und Diskriminierung“ wollen wir die wichtigsten Ergebnisse unserer Bestandsaufnahme noch einmal zusammenfassen und einige Schlussfolgerungen im Hinblick auf Sinn und Unsinn von Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ aus ihnen ziehen.

Wir halten also zunächst fest:

zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko

  • Der bei Weitem größte Anteil der Vielzahl von Studien, die den Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko zu erforschen versuchen oder vorgeben, erforscht tatsächlich nicht das Suizidrisiko, sondern fragt nach Selbstmordversuchen, Selbstmordgedanken oder –phantasien oder Todeswünschen irgendwann in der Vergangenheit.
  • suicide attemptDer bei Weitem größte Teil der Studien, die den Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und Suizidrisiko zu erforschen versuchen oder vorgeben, basiert auf selegierten Stichproben Nicht-Heterosexueller, so dass sich die erzielten Ergebnisse nicht verallgemeinern lassen, was wiederum bedeutet, dass keine Aussagen über die Gruppe von Nicht-Heterosexuellen als solcher gemacht werden können.
  • Ein großer Teil von Studien, die den Nachweis eines erhöhten Suizidrisikos bei Nicht-Heterosexuellen erbringen wollen, kann dies schon deshalb nicht, weil keine Vergleichsgruppe Heterosexueller beinhaltet ist.
  • Es existieren derzeit u.W. nur zwei  Studien, die mit tatsächlichen Todesfällen arbeiten, Homo- und Bisexuelle sowie Heterosexuelle als Vergleichsgruppe beinhalten und nicht auf selegierten Stichproben beruhen. Eine der beiden Studien betrachtet nur Jugendliche, die andere nur erwachsene Männer. Beide Studien kommen zu dem Ergebnis, dass keine höhere Suizidrate bei Homo- und Bisexuellen als bei Heterosexuellen zu beobachten ist.
  • Für diese beiden Studien gilt wie für alle anderen auch, dass sie mit sehr niedrigen Fallzahlen arbeiten müssen, weil sowohl das Merkmal „Selbstmord“ als auch das Merkmal „Nicht-Heterosexuell“ vergleichsweise selten anzutreffen ist und die Kombination beider Merkmale noch seltener. Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse steht daher in Frage. Dennoch repräsentieren diese beiden Studien aufgrund der Tatsache, dass sie andere grundlegende methodische Mängel überwinden, die alle anderen Studien zum Thema aufweisen, das derzeit Beste, was an Forschung zum Thema verfügbar ist.
  • Eine dieser beiden Studien hat ein im Vergleich zu Heterosexuellen deutlich höheres Risiko Homo- und Bisexueller, an den Folgen einer HIV-Infektion zu sterben, festgestellt.

zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und psychischen Erkrankungen oder psychischen Problemen sowie ihren Ursachen

  • Zum Zusammenhang zwischen sexueller Orientierung und psychischen Erkrankungen oder Problemen liegt ebenfalls eine Vielzahl von Studien vor, die allerdings mit teilweise denselben, teilweise anderen, jedenfalls aber  erheblichen methodischen Problemen behaftet sind.
  • suicide solutionEs fasst die Forschungslage hierzu vielleicht am besten zusammen, wenn man festhält, dass es viele Befunde gibt, die zusammen betrachtet in die Richtung weisen, dass Nicht-Heterosexuelle (konkret: meist Homosexuelle und Bisexuelle, denn es sind sie, die gewöhnlich in Studien untersucht werden,) ein im Vergleich zu Heterosexuellen erhöhtes Risiko haben, psychisch zu erkranken oder erkrankt zu sein oder psychische Probleme gehabt zu haben oder zu haben. Ein klarer Befund liegt aufgrund methodischer Mängel (darunter: schlechte Indikatoren für psychische Probleme wie z.B. Alkoholkonsum) und aufgrund widersprüchlicher Befunde bislang aber nicht vor, und die Richtung des Zusammenhangs ist ebenfalls ungeklärt.
  • Es findet sich eine Reihe von Studien, die an ihre Befunde Spekulationen über die Ursachen für psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller anschließen. Unter diesen Spekulationen sind vermutete Diskriminierung oder besondere Belastungen aufgrund gesellschaftlicher Stigmatisierung zu finden. Diese Spekulationen sind aber eben dies und können nicht durch die Daten, auf denen die Studien basieren, gestützt werden.
  • Unbekannt ist, inwieweit psychischen Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen zu Selbstmorden bzw. Selbstmordversuchen führen, also als ursächlich für sie bezeichnet werden können.
  • Weiter ist unklar, welche Ursachen psychische Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen haben, denn Studien, die vermutete Ursachen für psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller tatsächlich zu prüfen versuchen, sind sehr selten.
  • Diesen wenigen Studien ist es nicht gelungen, zu klären, welche Ursachen psychische Erkrankungen/Probleme Nicht-Heterosexueller haben, denn selbst dann, wenn sowohl Stress, wie er im täglichen Leben unabhängig von der sexuellen Orientierung anfällt, als auch Stress, der in Verbindung  mit der spezifischen nicht-heterosexuellen Orientierung entsteht, sowie die Wahrnehmung Nicht-Heterosexueller, einer (vermeintlich) stigmatisierten Gruppe anzugehören, und internalisierte Homophobie als erklärende Größen probeweise berücksichtigt werden, erweist sich, dass sie kaum einen Einfluss haben.
  • Was Stigmatisierung und Diskriminierung als vermutete Ursache von psychischen Erkrankungen oder Problemen bei Nicht-Heterosexuellen betrifft, so sind beide Größen unplausible Erklärungsmöglichkeiten, weil es empirische Forschung gibt, die deutlich zeigt, dass weder eine gesellschaftliche Stigmatisierung noch eine nennenswerte Verbreitung homophober Einstellungen in den Ländern bzw. Bevölkerungen der westlichen Staaten zu beobachten ist.

Die wichtigste Schlussfolgerung aus all dem ist, dass es keinerlei durch wissenschaftliche Studien gerechtfertigten Anlass für Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ gibt bzw. kein Anlass dafür besteht, über nicht-heterosexuelle Orientierungen und ihre Normalität aufzuklären oder für (mehr) Akzeptanz von Nicht-Heterosexuellen zu werben, denn:

  • caution nothing dangerousnichts spricht bislang dafür, dass Stigmatisierung und Diskriminierung von Nicht-Heterosexuellen in nennenswertem Ausmaß besteht,
  • dass Gefühle der Stigmatisierung oder Diskriminierung mit Bezug auf psychische Erkrankungen oder Probleme Nicht-Heterosexueller eine nennenswerte Rolle spielen
  • und dass Nicht-Heterosexuelle im Vergleich mit Heterosexuellen ein erhöhtes Suizidrisiko hätten.

Wenn sich sowohl die Petition zum Bildungsplan 2015 als auch die Gegenpetition zu dieser Petition – zu unterschiedlichen Zwecken – auf ein erhöhtes Suizidrisiko von Nicht-Heterosexuellen berufen, dann tun sie dies also fälschlich, oder anders ausgedrückt: mit einem erhöhten Suizidrisiko von Nicht-Heterosexuellen lässt sich, unabhängig davon, wofür oder wogegen es ein Argument sein soll, nicht argumentieren, weil es bislang keinen klaren Beleg dafür gibt, dass es existiert. Selbst dann, wenn man sich statt auf das Suizidrisiko auf häufigere psychische Erkrankungen oder Probleme bei Nicht-Heterosexuellen berufen wollte, so müsste festgestellt werden, dass die Forschungslage hierzu ebenfalls alles andere als klar und zufriedenstellend ist, derzeit jedenfalls keine akzeptable Basis für die Forderung nach Interventionen oder nach ihrer Ablehnung abgeben kann.

Das bedeutet aber auch, dass das im Bildungsplan 2015 formulierte Anliegen, mehr Akzeptanz und Toleranz für nicht-heterosexuelle Orientierungen bzw. nicht-heterosexuell Orientierte gegenstandslos ist: es besteht keine Notwendigkeit hierfür, weil es – wie gesagt – keine überzeugenden Belege dafür gibt, dass ein Mangel an Akzeptanz und Toleranz Nicht-Heterosexuellen nennenswerte psychische Schwierigkeiten verursacht, und weil kein Mangel an Akzeptanz oder Toleranz auf Seiten Heterosexueller beobachtet werden kann.

Unintended-Consequences.2Möglicherweise hätte eine stärkere Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht sogar negative Effekte, nämlich dann, wenn sie als Werbung wirkt und bei Schülern eine größere Bereitschaft bewirkt, nicht-heterosexuelle Entwürfe auszuprobieren oder leben zu wollen, was ihr Risiko, an den Folgen einer HIV-Infektion zu sterben erhöht. Eine stärkere Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht müsste vor diesem Hintergrund sehr verantwortungsvoll und jedenfalls nicht in romantisierenden Darstellungen „des Regenbogens“ erfolgen.

Eine weitere negative Folge einer stärkeren Thematisierung nicht-heterosexueller Orientierungen im Schulunterricht könnte sein, dass – entgegen des Anliegens, deren Normalität dazustellen – den Schülern suggeriert wird, sie seien eben nichts Normales, denn Normalitäten sind gewöhnlich nicht Gegenstand (angeblich) massiver Stigmatisierung, die ja als Voraussetzung dafür vorgestellt wird, das mehr Akzeptanz und Toleranz geschaffen werden müsse. Unvoreingenommene Schüler werden daher erst auf die Unnormalität nicht-heterosexueller Orientierungen Aufmerksam gemacht, damit sie anschließend dazu erzogen werden können, ihnen als Normalität zu begegnen, was aber nichts daran ändert, dass diese Schüler gelernt haben, dass es eine bemerkenswerte positive Leistung bzw. Toleranz von ihnen ist, nicht-heterosexuelle Orientierungen als Normalität zu behandeln. Salopp formuliert: dieser Schuss kann  nach hinten losgehen.

Für Schüler mit nicht-heterosexueller Orientierung ist die Botschaft der Darstellung nicht-heterosexueller Orientierungen als normal zunächst dieselbe: anscheinend sind sie es nicht, denn sonst müsste man deren Normalität ja nicht extra betonen. Darüber hinaus wird ihnen suggeriert, sie seien reale oder dauerhaft potentielle Opfer feindlicher Haltungen oder Handlungen, was in ihnen bestehende Ängste verstärken oder neue Ängste entstehen lassen kann. Anders gesagt: man sensibilisiert sie für Dinge, gegen die sie vorher resistent waren, oder man bringt sie sogar dazu, Ablehnung und Diskriminierung schlichtweg zu phantasieren, was ihnen individuelles Leid bereiten und ihre Beziehungen zu anderen ohne jede Not beeinträchtigen kann.

Weil diese möglichen negativen Folgen immerhin erheblich wären, wenn sie einträten, mag ihre Möglichkeit ein hinreichender Grund sein, von Interventionen zugunsten „des Regenbogens“ oder sonst irgendwelcher sozialer Gruppen abzusehen, besonders wenn es gar keinen Nachweis der Notwendigkeit und positiver Folgen solcher Interventionen gibt.

Wollte man aber unbedingt intervenieren, dann wäre es sinnvoller, eine Intervention zu planen, die direkten Nutzen für diejenigen erbringen kann, in deren Interesse interveniert werden soll, die sie also in die Lage versetzt, selbst zu handeln, statt sich als Opfer erfahren zu müssen, dessen Lebensqualität von der anerzogenen Toleranz anderer Leute abhängt. Solche Konzepte werden derzeit ja auch häufig unter den Stichworten „Resilienz“ und „empowerment“ diskutiert und erprobt. Ginge es im Bildungsplan 2015 darum, die Lebenslage Nicht-Heterosexueller zu verbessern, hätte er ohne Probleme an diese Konzepte anschließen können. Da er dies nicht tut, muss man vermuten, dass Nicht-Heterosexuelle in diesem Zusammenhang nur als das Feigenblatt missbraucht werden, das notdürftig den Versuch bedecken soll, die ideologische (ggf. Um-/) Erziehung der kommenden Generationen – bis auf Weiteres: in Baden-Württemberg – zu bewerkstelligen.

©ScienceFiles, 2014

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Toleranz und ihr verzerrtes Spiegelbild

EU-Experten für logische Widersprüche und Totalitarismus empfehlen Intoleranz zur Förderung von Toleranz!

ECTRVor allem in der Blogosphäre spricht es sich so langsam herum: Die EU hat sich einen Entwurf für ein Statut zur Förderung von Toleranz zu eigen gemacht, das – so kann man dem Statut entnehmen – von einer Reihe von Experten verfasst wurde und das zur Umsetzung in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU vorgesehen ist. Wofür die Verfasser des Entwurfs Experten sind oder sein sollen, bleibt ihr Geheimnis bzw. das der EU, aber sie gehören dem European Council on Tolerance and Reconciliation (ECTR), also dem Europäischen Rat für Toleranz und Versöhnung, an, der – anders als die Bezeichnung suggerieren mag  – eine Nicht-Regierungs-Organisation ist, die im Jahr 2008 in Paris durch den ehemaligen Präsidenten Polens, Aleksander Kwasniewski, und den Präsidenten des Europäischen Jüdischen Kongresses, Viatcheslave Moshe Kantor, gegründet wurde. Der Selbstbeschreibung des
ECTR
kann man Folgendes entnehmen:

“The ECTR consists of prominent political and public leaders, scientists, Nobel Prize laureates and individuals who have gained global recognition for their outstanding achievements in the humanitarian sphere and promotion of tolerance.” [Das ECTR setzt sich aus prominenten Politikern, Wissenschaftlern, Nobelpreisträgern und Personen zusammen, die weltweite Anerkennung für ihr Engagement im humanitären Bereich und für die Verbreitung von Toleranz erhalten haben.]

Statue of tolerance

Auf irgendeine Weise scheint man beim ECTR der Auffassung zu sein, dass Professionalität und die Anerkennung für Engagement im humanitären Bereich allein schon eine Expertise impliziere oder ein Experte sein müsse, wer sich lange genug für ein bestimmtes Feld interessiert und engagiert hat.

Immerhin besteht aber die Möglichkeit, dass jemand nur so lange auf einem bestimmten Feld und in einem bestimmten Netzwerk in einer bestimmten Position herumdilettiert hat, dass er zur Altlast geworden ist, die man bei der Vergabe von weiteren Pöstchen und lobenden Worten gewohnheitsmäßig beglückt, oder dass zwar tatsächlich einmal Expertise angesammelt wurde, diese aber aufgrund mangelnden Kontakts mit der (realen) Außenwelt in die berühmt-berüchtigte Betriebsblindheit oder auch nur den ebenso berühmt-berüchtigten Tunnelblick umgeschlagen ist.

Intolerance.will not be toleratedjpgUnd anders kann man sich schwerlich rationalisieren, wie es sein kann, dass Personen, die sich selbst anscheinend als Experten für humanitäre Fragen und Toleranz betrachten, zu der perversen Idee versteigen können, Toleranz könne dadurch hergestellt werden, dass man sie zuerst nach eigenem gusto inhaltlich fülle und das Füllhorn dann ungebeten und ohne empirisch begründeten Anlass über den Bürgern der EU ausschütte – ob sie wollen oder nicht, so dass die totale Toleranz erreicht sei, wenn sich keiner mehr traue, sich in irgendeiner Weise abweichend von dem zu äußern, was gerade inhaltlich als tolerant definiert ist.

Den selbsternannten Experten mag das wie eine geniale Lösung des Ordnungsproblems vorkommen; Inhabern politischer Ämter und administrativer Positiönchen mag das wie das Feigenblatt vorkommen, von dem sie geträumt haben, um Manipulation und Kontrolle über ihre Mitmenschen schamhaft zu bedecken – zumindest an EINEM Punkt –; den nicht mit Betriebsblindheit oder Tunnelblick Geschlagenen und den Nicht-Nutznießern aus Manipulation und Kontrolle muss es aber vorkommen, als seien sie im falschen Film:

Gegeben werden soll doch angeblich ein Stück mit dem Titel „Toleranz“, der Entwurf der ECTR formuliert aber das genaue Gegenteil.

So soll auf der Basis der Zuschreibung von Gruppenzugehörigkeiten und Gruppenidentitäten eine Rechtslage geschaffen werden, die individuelle Menschen in diese Gruppen wie in Schubladen einordnet. Das ist eine janusköpfige Angelegenheit für die Eingeordneten, denn sie – im Prinzip; in der Realität vermutlich eher: die vermeintlichen Repräsentanten der vermeintlichen Interessen der so konstruierten Gruppen –  werden einerseits mit dem Recht ausgestattet, mit Verweis auf eine Gruppenzugehörigkeit andere Menschen mundtot zu machen oder sich individuelle Vorteile zu verschaffen, andererseits verlieren sie als individuelle Menschen ihre Individual- und Grundrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung, aber auch den Anspruch auf Chancengleichheit, denn Toleranz wird von der ECTRlern als Anspruch und Recht bestimmter Gruppen gegen andere definiert, und der einzelne Mensch kann Toleranz einfordern nur aufgrund seiner Zugehörigkeit zu diesen Gruppen:

„Guarantee of tolerance must be understood not only [aber auch!] as a vertical relationship (Government-to-individuals) [man beachte die Großschreibung von ‚Government‘ und die Kleinschreibung von ‚individuals‘!] but also as a horizontal relationship (group-to-group and person-to-person)“. [Die Ganratie für Toleranz muss nicht nur als vertikale Beziehung vestanden werden (Regierung zu Individuen), sondern auch als horizontale Beziehrung (Gruppe zu Gruppe und Person zu Person)]

So wird z.B. im Entwurf in section 3 (a) vom ECTR u.a. netterweise das Recht auf „Freedom of expression“ [Meinungsfreiheit] eingeräumt, aber in section 4 werden die Einschränkungen der zugestandenen Rechte formuliert, so z.B.

„… it must be understood that demonstrations (in exercise of freedom of assembly) need not be tolerated when they are likely to degenerate into riots or infringe on the rights of others“. [Es muss deutlich werden, dass Demonstration (als ausgeübtes Recht auf Versammlungsfreiheit) nicht toleriert werden müssen, wenn wahrscheinlich ist, dass sie in Krawalle ausarten oder die Rechte anderer verletzen.]

Und da völlig unklar ist, wer aufgrund welcher Kriterien die Wahrscheinlichkeit für diese “Degeneration” im Vorfeld bestimmt, ist damit die Möglichkeit geschaffen, Demonstrationen grundsätzlich und in jedem Fall, in dem es der Verwaltung opportun erscheint, zu verbieten. Das ist das Aus für das Demonstrationsrecht. Leider führen die selbsterklärten Experten für humanitäre Fragen nicht aus, inwiefern diese grobe Form der Intoleranz Toleranz befördern soll oder wie sie gedenken, den Missbrauch der Einschränkungsmöglichkeiten von Individualrechten unter Berufung auf die Förderung von Toleranz zu verhindern.

Vermutlich sind sie eben einfach tolerant für den Missbrauch von Maßnahmen zur Förderung von Toleranz. Wir anscheinend Intoleranten sind dies aber nicht und konstatieren hier schlicht groben Unfug.

Nuts in BedlamAber mit dieser Beschreibung bleiben wir weit hinter dem zurück, was der ECTR als Entwurf für das tolerante Zusammenleben in der EU ausgeheckt hat, nämlich nicht einfach groben Unfug, sondern Wahnsinn mit Methode.

So gesteht er – wieder großzügigerweise – auf S. 4 „freedom of religion and belief, expressed either individually or in community with others,  …” zu, stellt aber auf S. 6 klar: „… tolerance does not denote acceptance of such practices as female circumcision, forced marriage, polygamy or any form of exploitation or domination of women” [Toleranz erstreckt sich nicht auf die Akzeptanz von Pratiken wie Frauenbeschneidung, arrangierte Ehen, Polygamie oder jede Form der Ausbeutung oder Dominanz0 von Frauen]

Die Mehrehe als im Islam akzeptierte Praxis ist damit aus der Freiheit des Ausdrucks der Religion ausgeschlossen, und zwar wegen der „höheren“ Moral, die sich die ECTRler selbst bescheinigen – wie tolerant von ihnen!

Offensichtlich sind die ECTRler in Wahrheit davon überzeugt, dass wir EU-Bürger nicht nur weniger intolerant sind als sie uns gerne darstellen, sondern sogar überaus tolerant, denn wie sonst könnten sie davon ausgehen, dass wir ihnen das durchgehen lassen und ihre „höhere“ Moral als solche akzeptieren?

Die ECTRler trauen uns, besonders den männlichen EU-Bürgern, aber noch viel größere Toleranz zu, wenn sie meinen, es sei tolerabel, wenn sich Toleranz auf die Ausbeutung und Dominanz von Frauen erstreckt, aber zumindest offen bleibt, ob die Ausbeutung und Dominanz von Männern – im Zuge der Toleranz, versteht sich – geduldet oder gar gutgeheißen werden kann.

alchemist catSchließlich können die Alchemisten vom ECTR Intoleranz in Toleranz verwandeln, indem sie von ihnen behauptete historische Intoleranz mit heutiger Intoleranz begegnen, also korrigierende Intoleranz walten lassen, was sich im Zylinder der Zauberlehrlinge – schwupp – zu Toleranz transformiert:

„special protection afforded to members of vulnerable and disadvantaged groups may imply a preferential treatment. … Still, the present provision is justified by the linkage between historical intolerance and vulnerability” (S. 8). [Der besondere Schutz den Mitgliedern verletzbarer und benachteiligter Gruppen genießen, kann deren Bevorzugung erfordern. ... Die entsprechende Maßnahme wird durch die Beziehung zwischen historischer Intoleranz und Verletzbarkeit gerechtfertigt.]

Zumindest können wir EU-Bürger nicht behaupten, wir wären hiervon überrascht, denn derlei Doppelmoral zum Zweck der Vorteilsnahme sind wir ja schon gewöhnt, und so verwundert es auch nicht, dass die ECTRler meinen, dass es mit unserem Toleranzniveau vereinbar sei, wenn sie offen schreiben, dass der Zweck des Entwurfs u.a. darin bestehe,

„[to] [t]ake concrete action to combat intolerance, in particular with a view to eliminating racism, colour bias, ethnic discrimination, religious intolerance, totalitarian ideologies [!!!], xenophobia, anti-Semitism, anti-feminism and homophobia“ (S. 3).[konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um Intoleranz zu bekämpfen insbesondere um Rassismus, Diskriminierung nach Hautfarbe, ethnische Diskriminierung, religiöse Intoleranz, totalitärer Ideologie [!!!], Fremdenfeindlichkeit, Anti-Semitismus, Anti-Feminismus und Homophobie zu eliminieren.]

Es müssen also wieder die alten armen, geschundenen Packesel herhalten, um die Kontrollsucht der Experten in Sachen Humanitäres zu tragen; dabei sind sie aus Altersschwäche kurz vor dem Zusammenbruch, und dann? Hat sich dann die Notwendigkeit der Förderung von Toleranz erledigt? Anscheinend ist das so.

Aber bis dahin wollen die ECTRler unser Toleranzniveau einer echten Belastungsprobe unterziehen, denn sie meinen anscheinend, dass es EU-Bürger tolerieren werden, wenn als Mittel zur Förderung von Toleranz Umerziehung, Propaganda und Zwangsmittel als rechtsstaatlich abgesegnete Praktiken etabliert werden sollen. So sollen verbale Beleidigungen oder Verleumdungen von Gruppen (!) zukünftig verschärfte Straftaten („aggravated crimes“; S. 9) sein, ebenso wie öffentliche Gutheißung des Holocaust oder die öffentliche Gutheißung von Genoziden, die als solche von einem internationalen Gerichtshof oder Tribunal (ja, das steht so auf S. 9) identifiziert wurden.

D.h. die Experten für Humanitäres möchten einerseits bestimmte Auffassungen aus dem öffentlichen Raum verbannen, egal, ob jemand sie begründet oder nicht, und andererseits die Deutungshoheit für Verbrechen an der Menschheit allein einigen Juristen zugestehen, die vermutlich in ihrer eigenen Betriebsblindheit, aber mit Sicherheit in Netzwerken von staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen befangen sind, auf dass sie ungehemmt und den Bürgern der EU in keiner Weise verantwortlich die Äußerungen derselben in der Öffentlichkeit kontrollieren können.

Die ECTRler sind nicht tolerant genug, um „der Öffentlichkeit“ und Juristen an internationalen Gerichtshöfen Meinungsvielfalt zuzumuten. Nur gut, dass wir EU-Bürger so tolerant sind, sie für ihren Entwurf nicht wegen eines Verbrechens gegen die (vorläufig: EU-)Menschheit anzuzeigen!

re-educationImmerhin könnten wir aber fordern, dass die ECTRler  einem Rehabilitationsprogramm unterzogen werden, um in ihnen das zarte Pflänzchen einer „Kultur der Toleranz“ heranzuziehen, denn schließlich sehen sie selbst solche Programme „designed to instill in them a culture of tolerance“ [konzipiert um eine Kultur der Toleranz hervorzurufen] für Jugendliche vor, die eines der „Verbrechen“ („crimes“; S. 9) begehen, die die ECTRler gerade erfunden haben. Und auch mit ihrer Forderung nach „[t]raining and tolerance awareness courses“ für „different strata of society, with an emphasis on professional groups“ (S. 10) [Trainings und Toleranz-Bewusstwerdungs-Kurse für unterschiedliche Schichten der Gesellschaft, mit besonderem Schwerpunkt auf Berufsgruppen] stünde es im Einklang, wenn man sie in einen Unterricht-in-Liberalität und Humanität-Zwangskurs einweisen würde.

Und falls das nicht abschreckend genug ist, dann könnten wir drohen, die ECTRler in Regress zu nehmen. Nach ihren Vorstellungen soll es nämlich möglich sein, „[to] have a legal standing to bring a case against the perpetrators, as well as a right to redress“ (S. 10) [Strafanzeige gegen diejenigen, die gegen die Toleranz-Pflicht verstoßen, zu stellen und sie auf Entschädigung und Wiedergutmachung zu verklagen.]

Und ihre Kinder schicken wir in Umerziehungsschulen: “Schools, from the primary level upwards, will introduce courses encouraging students to accept diversity and promoting a climate of tolerance as regards to the qualities and cultures of others” (S. 10) [Schulen, von der ersten Klasse an aufwärts, werden Kurse einführen, in denen die Schüler dazu angehalten werden, Diversität zu akzeptieren und in denen ein Klima der Toleranz mit Blick auf Eigenschaften und Kulturen anderer befördert wird]. Schließlich gilt: “The principle has been accepted for many years…” (S. 10) [Das Prinzip ist seit vielen Jahren akzeptiert]. Und das stimmt ja auch: von so bedeutenden Staatsmännern und Pädagogen wie Stalin und Hitler ist das hinreichend bekannt.

Und überhaupt: Gemäß den ECTRlern gilt: „There is no need to be tolerant to the intolerant” (S. 6; Hervorhebung d.d.A.) [Es gibt keine Pflicht zur Toleranz gegenüber Intolerentanten].  Das ist gut zu wissen; so müssen wir den ECTRlern und der EU, die sich ihren Entwurf zu Eigen macht, also mit keinerlei Toleranz begegnen!

intolerant toleranceAber – nein, wir EU-Bürger sind tolerant. Und deshalb sollten wir vielleicht überlegen, ob es nicht genügt, die ECTRler für einen bestimmten prozentualen Anteil ihrer Lebenszeit einer TV- oder Radiosendung auszusetzen, die in ihnen ein Mindestmaß an Toleranz und Respekt vor anderen Menschen kultiviert – auch das würden sie zweifellos akzeptieren, denn sie selbst fordern das für die EU-Medien (auf S. 11). Nur mit dem Internet gibt es noch Probleme: „There is a related issue of Internet abuse through the spreading of intolerance. However, initiatives to bring about legal regulation of cyberspace are currently debated in a wider context. … “ (S. 12) [Auch im Internet wird missbräuchlich Intoleranz verbreitet. Initiativen, um Regelungen für den Cyberspace zu erwirken, werden derzeit in einem breiteren Zusammenhang diskutiert...].

Na, dann ist es doch in Ordnung, wenn wir EU-Bürger zur Förderung der Toleranz in der EU und zur Vermeidung von Missbrauch des „cyberspace“  fordern, dass der Entwurf der ECTRler von den Internetseiten der EU genommen wird, oder!?

Wie gut für die ECTRler und all diejenigen, die sich an den EU-Bürgern durch Zustimmung zu diesem vorläufigen Höhepunkt an Totalitarismus schuldig machen, dass die EU-Bürger (noch) deutlich toleranter sind als sie selbst: noch sind sie gesprächsbereit und verzichten auf drastische Maßnahmen nach dem Vorbild der ECTRler, noch spielt bei ihrem Urteil auch die Moral und nicht nur die Ideologie und die  auf Grundlage geschaffenen oder zu schaffenden Rechtslage eine Rolle. Noch belassen sie es dabei, die Freunde des Totalitarismus daran zu mahnen, was sie selbst im Munde führen, nämlich dass
Logik f dummies

tolerance postulates an open mind to unfamiliar ideas and ways of life“ (S. 1; Hervorhebung d.d.A.) [Toleranz bedeutet ungewöhnlichen und fremden Ideen und Lebensweisen offen gegenüber zu treten.]

Wie wäre es, sie würden versuchen, einmal ganz kurz ihren Geist der fremden Idee der Toleranz und des Respektes vor den Bürgern zu öffnen? Oder sogar der gänzlich fremden Idee der Logik, gemäß derer es nun einmal ausgeschlossen ist, Toleranz durch Intoleranz zu erzwingen, ganz so,  wie es bekanntermaßen nicht möglich ist, jemanden mit vorgehaltener Waffe dazu aufzufordern, jetzt einmal ganz spontan oder ganz entspannt zu sein. Wir sind dafür, dass an allen Bildungsinstitutionen und für bestimmte Berufsgruppen, vor allem für Juristen, Logik-Kurse angeboten werden – auf freiwilliger Basis, versteht sich; wir sind ja tolerant!

Sexualisierung von Schulen: Petition gegen den Bildungsplan 2015 des Landes Baden-Württemberg

Wir leben in einer Zeit der Sexual-Phobie. Anders kann man die Tatsache, dass die sexuelle Orientierung zum neuen Mantra geworden zu sein scheint, das jedem, ob er es will oder nicht, im täglichen Leben ebenso wie in der Schule und an Universitäten so lange vorgekaut wird, bis er es entweder schluckt oder anderweitig verdaut, nicht mehr beschreiben.

zukunft-verantwortung-lernen-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens_1386755089Entsprechend ist auch die Baden-Württembergische grün-rote Landesregierung angetreten, die Schulen zu sexualisieren und auch dem letzten Schüler zu vermitteln, dass nicht Mathematik, nicht Deutsch und nicht Chemie oder Physik vordringliche Bedeutung genießen, sondern die sexuelle Orientierung Dritter, die Toleranz gegenüber Homosexuellen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und Intersexuellen, alles Personen, denen man im Laufe einer Schulkarriere und vor allem an Schulen sehr häufig begegnet.

In ihrem Bemühen dafür zu sorgen, dass die Sexual-Phobie einiger weniger, auch noch den letzten Bereich menschlicher Privatheit dem politischen Exibitionismus anheim stellt, vergessen die Gutmenschen in den verantwortlichen Ämtern allzu gerne, dass es in Schulen wirkliche Probleme gibt. Genannt seien nur die Nachteile von Jungen im Bildungssystem, die sich ebenso beharrlich halten, wie sie von Kultusministern verschwiegen werden.

Vor diesem Hintergrund wollen wir einen Hinweis unseres Lesers Clemens Berg aufnehmen und auf eine Petition hinweisen, die sich gegen den Bildungsplan 2015 der Baden-Württembergischen Landesregierung richtet. Wir geben die Petition im Wortlaut wider. Leser von ScienceFiles, die die Petition zeichnen wollen, mögen den Link am Ende des Textes nutzen.

Die Leitprinzipien des Bildungsplans 2015
Im Jahr 2015 tritt in Baden-Württemberg der neue Bildungsplan für die allgemeinbildenden Schulen in Kraft. Seit gut einem Jahr arbeiten die Bildungsplankommissionen an dessen Erstellung. Im November 2013 wurde in dem Arbeitspapier „Bildungsplanreform 2015 – Verankerung der Leitprinzipien“ (1) die Verankerung von fünf Leitprinzipien dargelegt: Berufliche Orientierung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Prävention & Gesundheitsförderung sowie Verbraucherbildung. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass jedes dieser Leitprinzipien unter dem Gesichtspunkt der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ umgesetzt werden soll. In der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ soll dies so aussehen, dass Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von/mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und Intersexullen (LSBTTI) kennen und reflektieren sollen, wie schwule, lesbische, transgender Kultur und deren Begegnungsstätten.

Die Pläne schießen über das Ziel hinaus
Wir unterstützen das Anliegen, Homosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle nicht zu diskriminieren. Bestehende Diskriminierung soll im Unterricht thematisiert werden. Die „Verankerung der Leitprinzipien“ und der Aktionsplan „Für sexuelle Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ (2) schießen jedoch über das Ziel der Verhinderung von Diskriminierung hinaus. Das vorliegende Papier „Verankerung der Leitprinzipien“ und die Ankündigung die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ in ähnlicher Weise in den Bildungsstandards der einzelnen Fächer zu verankern, zielt für uns auf eine pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen.

Forderungen
Wir fordern eine grundlegende Überarbeitung des Papiers „Bildungsplanreform 2015 – Verankerung der Leitprinzipien“ und eine völlige Transparenz bei allen weiteren Schritten auf dem Weg zum neuen Bildungsplan.

Wir fordern…
…ein klares Zeichen der Bildungsplankommission zu einer verantwortungsbewussten Sexualpädagogik und ein „Nein“ zur Überbetonung einzelner Gruppen und ihrer Interessen.
…den Erhalt des vertrauensvollen Verhältnisses von Schule und Elternhaus und den sofortigen Stopp einer propagierenden neuen Sexualmoral.
…ein uneingeschränktes „Ja“ zum Wissenschaftsprinzip in Schule, Unterricht und Lehrerbildung und lehnen ideologische Kampfbegriffe und Theoriekonstrukte ab.
….die Orientierung an den Werten unseres Grundgesetzes, das den Schutz von Ehe und Familie als demokratische Errungenschaft verteidigt (GG Art. 3 – Gleichheit vor dem Gesetz; Art. 6 – Ehe und Familie).
…die Suizidgefährdung bei homosexuellen Jugendlichen nicht nur als Problemanzeige zu benennen, sondern deren Ursachen zu erforschen und Präventionen aufzuzeigen, um diese zu reduzieren, was nur sehr begrenzt schulisches Thema sein kann. Die Stigmatisierung von Lehrkräften mit Slogans wie „Schule als homophober Ort“ (3) fördert die Vertiefung und nicht die Überwindung dieses Problems. Dagegen müssen die Landesregierung und der Landtag ein Zeichen setzen.
…eine Gewaltprävention gegen alle Formen von Ausgrenzung, die nicht erst ein Klima von „Opfern“ und „Tätern“ herbeiredet und sich dann als deren Lösung ausgibt. Eine übermäßige Fokussierung auf „sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität“, wie sie für den Bildungsplan 2015, leistet dem Vorschub.
Begründung:
1. Die LSBTTIQ-Gruppen (4) propagieren die Thematisierung verschiedener Sexualpraktiken in der Schule als neue Normalität und stehen damit in einem krassen Gegensatz zur bisherigen Gesundheitserziehung. In „Verankerung der Leitprinzipien“ fehlt komplett die ethische Reflexion der negativen Begleiterscheinungen eines LSBTTIQ-Lebensstils, wie die höhere Suizidgefährdung unter homosexuellen Jugendlichen, die erhöhte Anfälligkeit für Alkohol und Drogen, die auffällig hohe HIV-Infektionsrate bei homosexuellen Männern, wie sie jüngst das Robert-Koch-Institut (5) veröffentlichte, die deutlich geringere Lebenserwartung homo- und bisexueller Männer, das ausgeprägte Risiko psychischer Erkrankungen bei homosexuell lebenden Frauen und Männern.

2. Das über jahrzehntelange von konstruktiver Zusammenarbeit geprägte Miteinander von Schule und Elternhaus wird durch „Verankerung der Leitprinzipien“ zur Disposition gestellt.
Versprochen wird ein umfassender und ganzheitlicher Begriff von Sexualität. Gemeint ist einerseits ein zu befürwortendes Klima der Akzeptanz, sowie eine Einstellung gegen Homophobie, wofür die Lehrkräfte in Baden-Württemberg eintreten sollen. Die Eckpunkte einer neuen Sexualethik meinen andererseits eine Infragestellung der heterosexuellen Geschlechter von Mann und Frau, möchten aber zugleich den Prozess des Coming-out zu neuen „sexuellen Orientierungen“ pädagogisch propagieren und ihre Diskriminierung abwehren: Konkret wird dies zu einer problematischen Entwicklung in unserem Bundesland führen, denn es geht über die Integration homosexuell lebender Jugendlicher hinaus. Lehrkräfte sollen die nächste Generation mit dem Anspruch, sämtliche LSBTTIQ-Lebensstile seien ohne ethische Beurteilung gleich erstrebenswert und der Ehe zwischen Mann und Frau gleichzustellen, an eine neue Sexualethik heranführen. Aus der gleichen Würde jedes Menschen folgt noch nicht, dass jedes Verhalten als gleich gut und sinnvoll anzusehen ist.

3. Wir sind für eine wissenschaftlich orientierte Pädagogik in Schule, Unterricht und Lehrerbildung und gegen ideologische Theoriekonstrukte. Wir widersprechen den Plänen der Landtagsfraktion der Grünen (6), die Geschlechtserziehung aus dem Biologieunterricht in die sozialwissenschaftlichen Fächer zu verschieben, um so Sexualpolitik im Sinne der LSBTTIQ zu implementieren und die Geschlechter von Mann und Frau durch Gendertheorien infrage zu stellen. Eine so genannte „sexuelle Identität“, wie z.B. die Transsexualität soll baden-württembergischen Schülerinnen und Schülern als Ausdrucksform von gesellschaftlich gewollter Sexualität vermittelt werden. Die psychischen und somatischen Probleme dieser Menschen werden dabei zu gesellschaftlichen Akzeptanzfragen verkürzt. Das ist eine Unterhöhlung des Prinzips der Gesundheitserziehung.

4. In der „Verankerung der Leitprinzipien“ werden Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle abgeleitet, die es nach dem Grundgesetz nicht gibt. Eine von diesen Gruppen erhoffte Änderung der Artikel 3 und 6 des Grundgesetzes wird im Bildungsplan 2015 vorweggenommen und der pädagogische Lehrkörper soll verpflichtet werden, an vielen Stellen nach LSBTTIQ-Vorstellungen zu unterrichten und nicht nach dem Grundgesetz und der baden-württembergischen Landesverfassung. Eine eklatante Schieflage soll Bildungsprogramm werden.

5. Der Vorwurf, Schule sei ein „homophober Ort“, stellt die Lehrkräfte des Landes Baden-Württemberg unter generellen Diskriminierungsverdacht. Zugleich ist das Hauptargument der LSBTTIQ-Akzeptanz-Kampagne die Reduktion der hohen Suizidgefährdung bei homosexuellen Jugendlichen. Es gibt aber keinen empirisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Suizidgefährdung und Diskriminierung, der dies aufgrund nicht akzeptierender Einstellung im Bereich jugendlicher Homosexualität erklären kann.

6. Eine verantwortungsvolle Pädagogik, wie sie der Bildungsplan mit seinen Leitprinzipien und Bildungsstandards vorsieht, verfolgt das Ziel, niemanden an der Schule auszugrenzen und zu diskriminieren. Gegenseitige Achtung und Respekt sind Aufgabe aller Beteiligten im Bildungsbereich. Der Bildungsplan hat eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung und sollte alle relevanten Träger der Zivilgesellschaft einbeziehen. In der vorliegenden Fassung der Leitprinzipien wird der Bildungsplan zum Aktionsfeld von LSBTTIQ-Vertretern. Die Werbung, sexuelle Orientierungen zu akzeptieren und sich gegen die Diskriminierung homosexueller Jugendlicher zu engagieren, steht im krassen Gegensatz zu dem weitgehenden Verschweigen von anderen Formen von Ausgrenzung an den Schulen unseres Landes: In der aktuellen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2013) sind die Diskriminierungshinweise im Bereich Bildung und „sexuelle Identität“ am niedrigsten. Man sucht dagegen in „Verankerung der Leitprinzipien“ vergeblich nach ähnlichem Engagement in den Bereichen ethnischer Herkunft, Behinderung, Alter, Geschlecht, oder Weltanschauung/Religion.

Quellen:
(1) Kultusministerium Baden-Württemberg. 2013. Bildungsplanreform 2015 – Verankerung von Leitprinzipien (Stand 18.11.2013 aktualisierte und von der Amtsleitung freigegebene Fassung).
(2) http://www.sm.baden-wuerttemberg.de/de/Aktionsplan_Fuer_Akzeptanz__gleiche_Rechte_Baden-Wuerttemberg/170735.html
(3) http://ba-wue.lsvd.de/homophobie-stoppen/
(4) http://www.netzwerk-lsbttiq.net/files/Netzwerk-LSBTTIQ-PM-2013-09-16.pdf
(5) http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/re7nA60cduA/PDF/22dT5pxX0bTqU.pdf
(6) Forderungen für die Umsetzung von zentralen Themen der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN in der Bildungsplanreform 2015, in: http://www.brigitte-loesch.de/politik/schwule-lesben-transgender/Positionspapier_BNE_MdL_17052013_final.pdf
Im Namen aller Unterzeichner/innen.
Rohrdorf, 28.11.2013 (aktiv bis 27.01.2014)

Hier kann die Petition gezeichnet/unterstützt werden.

Wir bei ScienceFiles vertreten übrigens die Position, dass Sexualpädagogik genau so nichts an Schulen verloren hat, wie alle sonstigen Formen der Indoktrination und Vermittlung von Inhalten, die nichts dazu beitragen, Schüler in die Lage zu versetzen, Sachverhalte selbständig zu beurteilen. Letzteres, die Ermöglichung eigenständiger Urteile (auch in spezifischen Bereichen wie Physik oder Informatik, die von Schülern sinnvoll eingesetzt werden können), d.h. die Vermittlung der Voraussetzungen für eigenständige Urteile, ist nach unserer Ansicht die einzige legitime Aufgabe eines öffentlichen Bildungssystems.

Was sind Gutmenschen?

Was sind eigentlich Gutmenschen? Sind Sie das Gegenteil von “Schlechtmenschen”? Was zeichnet Gutmenschen aus? Diese Fragen werden uns regelmäßig gestellt, und wir haben Sie auch schon mehrfach beantwortet, aber offensichtlich ist das Bedürfnis nach einer eindeutig abgelegten Definition davon, was Gutmenschen sind, sehr groß.

Deshalb haben wir uns ein paar weitergehende Gedanken gemacht und die Definition von Gutmensch, die wir bereits gegeben haben, ausgearbeitet, auch oder insbesondere auf Grundlage der Erfahrungen, die wir seit nunmehr drei Dekaden als Sozialwissenschaftler gemacht haben.

Die Definition von Gutmensch, die wir an anderer Stelle bereits gegeben haben, ist die folgende:

darwin-greatGutmenschen sind Indivdiuen, die  ein Überzeugungssystem haben, auf dem sie den Glauben an bestimmte Dinge gründen, z.B. an einen Gott, an den Teufel “Kapitalismus”, an die Benachteiligung von Frauen, an die Überlegenheit der arischen Rasse oder an die Bedeutung ungeborenen Lebens. Von diesem Überzeugungssystem aus – und das ist das entscheidende Kriterium für Gutmenschen- marschieren sie sie, um andere zu ihrem Heil zu bekehren. Das Kriterium, das den Gutmenschen ausmacht, ist somit sein missionarischer Eifer, der sich wiederum aus der eingebildeten Überlegenheit des eigenen Überzeugungssystems speist.

Ausgehend von dieser Definition kann man nun Gutmenschen klassifizieren. Da Gutmenschen ihr Handeln auf andere ausrichten, es sich also um soziales Handeln handelt, bietet sich die von Max Weber aufgestellte Typologie der Handlungsmodi an, um Gutmenschen zu klassifizieren. Entsprechend kann man Gutemenschen  in zweckrationale Gutmenschen, wertrationale Gutmenschen, affektive Gutmenschen und traditionale Gutmenschen unterscheiden.

  • Zweckrationale Gutmenschen missionieren andere, um sich damit einen eigenen Vorteil zu verschaffen. Sie instrumentalisieren ein Überzeugungssystem, um sich Zugänge zu Ressourcen zu verschaffen. Ein herausragendes Beispiel für zweckrationale Gutmenschen sind all die Günstlinge, die sich im Speckgürtel des Bundesministeriums für FSFJ angelagert haben und unnütze Studien anstellen, die Gender Mainstreaming thematisieren oder die sich durch Gender-Was-auch-immer ein Auskommen verschafft haben, das darauf zielt, die gerade opportune Überzeugung, nach der Frauen in Deutschland benachteiligt sind, gewinnbringend einzusetzen. Entsprechend penetrieren sie unbeteiligte Dritte mit dieser opportunen Überzeugung so lange, bis diese Dritten es nicht mehr hören können, um der gerade opportunen Überzeugung Bedeutung zu geben. Das Ziel dieser Verleihung von Bedeutung besteht natürlich darin, Dritten die Notwendigkeit zu vermitteln, für das “Gute” zu bezahlen, und zwar über Steuern und Abgaben. Solange die von zweckrationalen Gutmenschen missionierten den Mund halten und zahlen, sind zweckrationale Gutmenschen zufrieden. Wir glauben, Hinrich Rosenbrock, der sich an den Staatsfeminismus verkauft hat, ist ein gutes Beispiel für einen zweckrationalen Gutmenchen.
  • concentration campBei wertrationale Gutmenschen ist das anders. Ihnen geht es um die Seele ihrer Opfer. Sie verzichten eher auf materielle Aspekte, als dass sie damit leben könnten, dass es in der Welt da draußen Menschen gibt, die nicht glauben, was sie glauben, die nicht der Ansicht sind, dass Menschen soziale Wesen sind, die nicht der Ansicht sind, aller Sinn des Lebens bestehe in Fortpflanzung, die nicht der Ansicht sind, Feminismus sei das Heil, auf das die Welt seit Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, gewartet hat und die nicht der Ansicht sind, Kapitalismus sei schlecht. Wertrationale Gutmenschen verfolgen ihre Opfer, wenn es sein muss bis ans Kreuz, werten Menschen mit anderer Meinung ab, wo sie ihnen begegnen. Sie sind komplette Faschisten, die über Leichen gehen, wenn es die Gelegenheit ergibt, und das ist der Grund, warum wir derzeit wertrationale Gutmenschen nur in Form verbaler Mörder finden. Während zweckrationale Gutmenschen Opportunisten sind, sind wertrationale Gutmenschen Überzeugungstäter. Ein Beispiel dafür scheint uns das zu sein, was sich hinter dem Pseudonym Fiona Baine (oder hier, manchmal überholen einem die Ereignisse stündlich…) bei Wikipedia versteckt.
  • Affektive Gutmenschen halten sich einfach für gut. Es gehört zu ihrem Selbstbild. Sie hinterfragen nichts und verfolgen keine Ziele, sie bilden einfach die unterstützende Masse, die auf die Führung durch Führer (vermutlich Opportunisten, also zweckrationale Gutmenschen) warten. Heike Diefenbach spricht in diesem Zusammenhang von Wasserträgern.
  • Ob es traditionale Gutmenschen gibt, ist eine Frage, die mit Forschung zu klären wäre. Die logische Analyse legt es nahe, ihre Existenz anzunehmen, allerdings sind die Moden der Ideologien zu kurzlebig, als dass man eine Tradition des Gutmenschentums begründen könnte, die eine bestimmte Ausrichtung hat. Entsprechend müsste man annehmen, dass traditionale Gutmenschen leere Eimer sind, in die wahllos die Ideologie gefüllt werden kann, die gerade en vogue ist und von der behauptet wird, dass sie “gut” sei. Von den opportunistischen, zweckrationalen Gutmenschen wären sie entsprechend nur dadurch unterrschieden, dass sie keinerlei Vorstellung und Zweck mit ihrem “Gutsein” verbinden. Sie sind halt so … gut.

Soweit unsere Definition von Gutmensch.

©ScienceFiles, 2013/2014

Es gutmenschelt wieder: dieses Mal geht es Nutella an den Kragen

NutellaNa, haben Sie heute Ihr Brötchen mit Nutella bestrichen? Wenn ja, dann genießen Sie es, so billig wie bislang, bekommen Sie Ihren Zucker in Zukunft nicht mehr, jedenfalls nicht, wenn es nach der Deutschen Diabetes Gesellschaft geht. Dieselbe in Person Ihres Vorsitzenden, Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, fühlt sich nämlich berufen, die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD, die doch bereits mit so weltbewegenden Themen wie einer Frauenquote überladen sind, mit einer weiteren Absurdität zu überfrachten, nämlich der Forderung nach einer Kaloriensteuer:

Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt Überlegungen im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD, künftig eine Steuer auf besonders kalorienreiche Lebensmittel zu erheben. „Dies wäre ein bedeutender Schritt, um Primärprävention bevölkerungsweit und nachhaltig in Deutschland einzuführen“, heißt es in einem Brief der DDG an die Verhandlungsführer beider Parteien im Ausschuss Gesundheit, Jens Spahn und Karl Lauterbach. Die Fachgesellschaft schlägt gleichzeitig vor, gesunde Lebensmittel steuerlich zu entlasten. Die Kaloriensteuer soll helfen, Ernährungsgewohnheiten zu verändern und Übergewicht zu bekämpfen. Übergewicht ist eine der Ursachen für Diabetes mellitus.

Gibt es eigentlich einen Zusammenhang zwischen Ärger und gesundheitlichen Schädigungen? Wenn ja, dann fordere ich, den Herrschaften von der DDG den Mund zu verbieten, als Form der Primärprävention und meiner Gesundheit zuliebe.

DDGWieder einmal sind also Gutmenschen angetreten, andere zu bevormunden und zu verhindern, dass andere in freier Entscheidung ihr Nutella wählen und den lahmen, nachhaltigen und nach nichts schmeckenden Brotaufstrich, den die DDG wohl empfehlen würde, abwählen. Das darf nicht sein und überhaupt, so weiß Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel: “Der bloße Appell an Verhaltensänderungen sei nachweislich gescheitert.” Ja sowas auch. Da sagt man erwachsenen Menschen, dass es nicht gut ist, Nutella zentimeterdick, ja überhaupt auf sein Brötchen zu schmieren, und was passiert? Ignoriert wird man! Das geht nicht, nicht mit einem Dr. med. Erhard Siegel, nicht mit einer DDG! All diejenigen, die nicht so wollen, wie die DDG, die werden schon sehen, was sie davon haben: Die DDG hat die Politiker zur Hilfe gerufen. Mt einer Kaloriensteuer, so frohlockt Siegel “hätten wir endlich eine effektive Strategie gegen das weitere Ansteigen der Volkskrankheiten wie Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen”.

Das ist erstaunlich, was der Herr Dr. med da behauptet, so erstaunlich, dass man gerne wüsste, wo er seine Erkenntnis über die Wirksamkeit von Steuern auf Kaloriern (!sic) herhat. Alle Forschung, die vor allem im englischsprachigen Ausland und im Hinblick auf die so genannten Sin-Taxes durchgeführt wird, zeigt nämlich einträchtig, dass

  • die entsprechenden Steuern vor allem eines sind: wirkungslos im Hinblick auf die beabsichtigte Wirkung;
  • die entsprechenden Steuern sozial ungerechte Steuern sind, die in erster Linie die sozial Schwachen treffen, denen Gutmenschen doch normalerweise so zugetan sind;
  • die angebliche Entlastung der Gesundheitssysteme eine Illusion ist, da die frühere Mortalität der Kalorienfresser dazu führt, dass hohe Alterskosten, wie sie dem Gesundheitssystem z.B. durch Demenz oder Alzheimer oder Pflegebedürftigkeit entstehen, nicht anfallen;
  • die entsprechenden Steuern eine Form der paternalistischen Selbstbeweihräucherung sind, die langsam unerträglich wird;

Medical paternalismUnd darüber hinaus sind die entsprechenden Steuern nur als Fürsorge verpackt, denn sie dienen in erster Linie dazu, das Steuersäcklein zu füllen, und wozu sie in zweiter Linie dienen, kann man nur vermuten. Seltsamerweise haben Steuern, die einem Finanzminister und einem Etat zu Gute kommen, die also keinerlei direkten Nutzen für diejenigen haben, die sie fordern, eine wohltuende Wirkung auf die entsprechenden Forderer, fast so, als ginge von der Besteuerung Dritter eine Form der Genugtuung aus, die fast schon an Schadenfreude grenzt (oder auch nicht fast), aber das ist natürlich sozial nicht verträglich. Es ist schon besser, sich als besorgt um die Gesundheit Dritter, denen man im täglichen Leben eher aus dem Weg geht, als dass man sich im Zug auch nur für eine Station neben sie setzen würde, darzustellen.

Nun gibt es zwei Formen der fürsorglichen Besteuerer, solche wie Edgar Franke (SPD) und Erwin Rüddel (CDU), die fordern, die Steuern auf Nahrungsmittel, die mehr als 275 Kalorien pro 100 Gramm aufweisen, generell um 50% zu erhöhen. Davon wären Nutella, Kartoffelchips und Schokoriegel und Fast Food und Softdrinks und und und betroffen. Die andere Form der fürsorglichen Besorgnis, die dem netten Dieb-Syndrom entspricht (der Dieb, der erst 100 Euro stiehlt und dann, weil er ein schlechtes Gewissen hat, einen Euro zurückgibt), geht von Status Quo der Besteuerung aus, nimmt mit zunehmender Kalorienzahl mehr und lässt dafür bei den Nahrungsmitteln, die als gesund und (wie könnte es anders sein) nachhaltig angesehen werden, ein wenig nach. Das ist es dann wohl, was Richard Thaler und Cass E. Sunstein liberalen Paternalismus nennen, ein Unding, für das die beiden Sozialwissenschaftler verantwortlich sind und für das sie eigentlich aus der wissenschaftlichen Zunft ausgeschlossen werden müssten.

cartoon cavemenDenn sie geben allen Arten von Gutmenschen die Möglichkeit, eigene Versuche des rent seeking hinter angeblicher Fürsorge zu verstecken. Politiker tun das noch am ehrlichsten, indem sie generell nur in höheren Steuern zu denken in der Lage sind. Fürsorger wie diejenigen von der DDG tun dies im Verborgenen, und zwar über die Kriterien, die bestimmt werden müssen, um die nachhaltigen und vermeintlich gesunden Nahrungsmittel zu identifizieren. Bei dieser Bestimmung wollen die DDGler natürlich mitreden, und sie sind natürlich keiner Einflussnahme von Seiten Dritter zugänglich und haben natürlich auch keinerlei eigenen Nutzen davon, dass sie Dritten vorschreiben, was ihr jeweiliger Lebensstil kostet. Sie sind die puren Altruisten, die reinen Gutmenschen, die vor lauter Fürsorge über Dritte, dahinschmelzen wie der Schnee, der im Moment noch die Black Mountains ziert. Bei so viel Gutheit wird es mir regelmäßig so schlecht, dass ich darüber nachdenke, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, eine Gutmenschen-Steuer einzuführen. Pro Gutmenschen-Vorschlag werden 100.000 Euro fällig, zu zahlen an diejenigen, die Gegenstand des Gutmenschen-Vorschlag sind.

Die Gesundheit der anderen – Gutmenschen-Galore

Ein Kommentar

Das EU-Parlament hat gerade einer Revision der Tabak-Richtlinie der EU zugestimmt. Entsprechend sollen z.B. Menthol-Zigaretten komplett verboten und die Verpackungen der verbliebenen Tabakprodukte mit abschreckenden Fotos verziert werden, die nach Erkenntnissen, wie sie z.B. David Hammond (2011) über verschiedene Studien gesammelt hat, vor allem junge Raucher vom Rauchen abhalten sollen.

EUtobacco

Die Gesundheitswächter in Brüssel haben also wieder zugeschlagen. Wenn es darum geht, den Europäern die Freiheit zu nehmen, durch den Genuss von Nikotin langfristig die eigene Gesundheit zu ruinieren, dann kennt die EU-Kommission kein Pardon, nicht einmal das Pardon, das mancher Finanzminister gerne gewähren würde.

Folglich wird reglementiert und limitiert, der Teer-Gehalt, der Nikotin-Gehalt und der Gehalt an Kohlenmonoxid und die Fläche der Packung (65%), die ein nettes Bildchen von z.B. einer gesunden und geschädigten Lunge einnehmen muss, und Beschreibungen wie “light” sind gleich ganz verboten, nicht damit ein Raucher denkt, light sei gesundheitlich unbedenklich.

Brand_x_x_filesDer Verbraucher, vor allem der Europäische Verbraucher, ist nämlich ein Idiot, der nicht in der Lage ist, die Folgen seines Handelns abzuschätzen. Wie gut, dass es die Europäische Union und all die vielen Gutmenschen gibt, die sich im Europaparlament zusammengefunden haben, um die Gesundheit ihrer Bürger gegen die suggestiven Kräfte der Zigaretten-Industrie zu verteidigen. Diese Industrie, so muss man wissen, arbeitet nämlich mit ganz schäbigen Tricks, verkauft Zigaretten im vollen Bewusstsein ihres Suchtpotentials und schafft sich auf diese Weise fixe Kunden, Kunden, die gar nicht anders können als zu rauchen, da sie süchtig nach dem Glimmstengel sind. Kunden vor allem, die völlig ahnungslos ob des Suchtpotentials und der gesundheitlichen Folgen in die ihnen gestellte Tabak-Falle tappen.

Aber jetzt gibt es ja die europäischen Gutmenschen, die der Sucht ein Ende bereiten, und zwar mit abschreckenden Bildern, die so heftig sind, dass sie selbst den 20-Zigaretten-am-Tag-Raucher zum Umdenken zwingen – oder doch nicht? Doch nicht, weil es gerade das Markenzeichen einer Sucht ist, dass man sich nicht beherrschen kann und entsprechend raucht, egal, was auf der Packung abgebildet ist?

Gut. Bereits Süchtige sind auch mit Bildchen nicht erreichbar, aber Jugendliche kann man abschrecken, ihnen kann man deutlich machen, dass sie dabei sind, der Zigarettenindustrie auf den Leim zu gehen und eine Abhängigkeit zu begründen, die sich als fixe Einnahme berechnen lässt. Und natürlich sind Jugendliche noch größere Idioten als Erwachsene, die noch viel weniger wissen, was sie tun, wenn sie rauchen, als Erwachsene. Deshalb ist es besonders wichtig, Jugendliche vom Rauchen abzuschrecken, auf ihrem Weg zum eigenständigen, urteilskräftigen und selbstverantwortlichen Erwachsenen. Oder etwa nicht?

Wen stört schon der Widerspruch zwischen der Paternalisierung durch die EU, der Reduzierung von Konsumenten auf unverantwortliche, die Folgen des eigenen Handelns nicht abschätzen könnende Idioten, die der Führung, Lenkung und Pflege durch die Gutmenschen in der Europäischen Union und ihrer Institutionen bedürfen, damit sie sich zum gesunden, eigenständigen, urteilskräftigen und selbstverantwortlichen Erwachsenen entwickeln bzw. derselbe sein können?

Metallica_Master_Of_PuppetsAber man kann Bürger so wenig zur Mündigkeit erziehen, wie man ihnen die Verantwortung abnehmen kann, um sie dadurch zu verantwortlichem Handeln zu ermutigen. Allerdings ist der mündige Bürger, der sich auf freien Märkten bewegt und dort nach eigenen Gutdünken Produkte auswählt, auch nicht das Ziel all der Gutmenschen, die sich auf ihn stürzen, um seine Gesundheit vor ihm selbst zu schützen. Sie wollen den uneigenständigen, den lenk- und kontrollierbaren Bürger, sie wollen, so wie die Zigarettenindustrie, den abhängigen Bürger, abhängig von ihren Vorgaben, denn mit abhängigen Bürgern lässt sich leichter kalkulieren. Sie sind berechenbar und überraschen EU-Bürokraten nicht urplötzlich mit Ausbrüchen unvorhergesehener Individualität, wie sie sich z.B. in der Freiheit niederschlägt, die eigene Gesundheit durch Zigaretten zu ruinieren, wenn einem die Lust danach packt.

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Unsinn der Woche: Michael Sommers Verständnis für Schwule

scully facepalmEs ist “in” Verständnis für alles und alle Mögliche(n) zu haben, für Terroristen, für Wistleblower, für Hartz IV Empfänger, für Kriminelle, für Dicke, nein, nicht für Dicke, aber für Personen mit Störungen aller Art, für Unterschichtler, solange sie da bleiben, wo sie hingehören, in der Unterschicht, für Unfallverursacher und ihre Opfer, für radikale Linke und extreme Rechte, nein, für die auch nicht, jedenfalls ist die Liste derjenigen, für die man Verständnis haben soll/muss/kann lang, und sie umfasst alle(s), was aus Sicht der Mehrheitskultur, zwar abweicht, aber nicht so weit abweicht, als dass es/sie nicht durch Verständnis inkorporiert werden könnte.

Wir erleben das bei Homosexuellen, die eine Karriere von der Kriminalisierung über Randständigkeit, wie dies Kriminologen noch in den 1970er Jahren genannt haben, bis zur System-Normalität durchlebt haben, System-Normalität, weil Homosexuelle durch die Institutionalisierung ihrer Lebensweise mittlerweile nur noch Normale mit abweichendem Geschmack sind, sie heiraten, haben Kinder, lassen sich scheiden, fast wie im richtigen Leben. Dennoch bleiben Homosexuelle oder Schwule eine Gruppe, die für sich eine a-Normalität reklamiert und das trotz aller Normalität ihres Lebensentwurfes. Und weil dem so ist, haben andere Verständnis für Schwule. Andere, wie z.B. der Chef des DGB Michael Sommer.

Michael SommerEr hat gerade die “Alltagsdiskriminierung” von Homosexuellen kritisiert. Sie kennen doch die Alltagsdiskriminierung von Homosexuellen – oder? Das “Naserümpfen über Menschen die anders sind”? In jedem Fall kennt es Michael Sommer, ob aus eigener Anschauung oder eigener Tätigkeit spielt jetzt keine Rolle, denn wir wollen uns gemeinsam über das Naserümpfen über Homosexuelle und Menschen, die anders sind, aufregen. Denn, dass sie anders sind, das steht für Sommer fest, aber deshalb darf man dennoch nicht die Nase rümpfen, ob dieser Andersartigkeit.

Michael Sommer hat somit gleich nebenbei eines der ältesten Rätsel der Sozialwissenschaften gelöst: Verhaltensweisen, wie z.B. Homosexualität sind biologisch determiniert, sie sind vererbt, sitzen auf Genen oder wo auch immer und sie sind eines nicht: gelernt. Also Natur, nicht Kultur ist der Essentialismus, den Michael Sommer predigt. Er muss es wissen, er kennt die “Anderen” und weiß, dass man zuweilen die Nase über deren Andersartigkeit rümpft. Und er weiß noch mehr, mehr als man überhaupt wissen kann:

“Sie müssen dafür sorgen, dass auch diejenigen von ihren Erfolgen partizipieren, die nicht in privilegierter Stellung sind. Es gibt eben nicht nur schwule Führungskräfte, sondern es gibt auch schwule Verkäufer oder Lastwagenfahrer. Die sind im Zweifelsfall sehr viel stärker einer alltäglichen Diskriminierung ausgesetzt als wir alle wissen oder wahrhaben wollen”.

Dies hat der Chef des DGB vor einer Reihe schwuler Führungskräfte gesagt, die – obwohl schwul – ganz ohne Quote in die Führungsposition gelangt sind, in der sie nun nach Ansich des DGB Chefs ihre Privilegien genießen. Ist das nicht eine nette Hierarchie, die der DGB Chef hier als “verdeckte Prämisse” mit sich herumträgt. Oben in seiner Hierarchie sind Manager wie er, die Privilegien haben. Unten, ganz unten in seiner Hierarchie sind Verkäufer und Lastwagenfahrer, die sich ganz ohne Privilegien und vermutlich mit Arbeit über Wasser halten. Es geht doch nichts über die Offenheit, mit denen Funktionäre ihre Missachtung über die ausgießen, die ihr Funktionärsdasein finanzieren.

BrummiDoch damit nicht genug: “Die [also die in der Hierarchie unten stehenden Lastwagenfahrer und Verkäufer, die ohne Privilegien halt] sind im Zweifelsfall sehr viel stärker einer alltäglichen Diskriminierung ausgesetzt als wir alle wissen oder wahrhaben wollen”. Das ist der Satz, der mich endgültig davon überzeugt hat, dass Michael Sommer in den Unsinn der Woche gehört, hier den Unsinn der Woche produziert hat.

Gewöhnlich zweifelt man, wenn man etwas nicht genau weiß, sonst müsste man nicht zweifeln. Im Falle von Zweifel, so empfiehlt Sommer, soll man nicht nach Evidenz suchen, um den Zweifel zu überwinden, nein, man soll das Schlimmste annehmen, vermutlich weil es in der virtuellen Welt der Sonntagsreden-Dramaturgie gerade opportun erscheint. Doch nicht genug damit, dass wir Zweifel durch Vermutungen beseitigen sollen, wenn es nach dem DGB-Chef geht, nein, es ist auch noch viel schlimmer als wir, “wissen oder wahrhaben wollen”. Das ist nun eigentlich Unsinn der Woche im Quadrat.

Der DGB-Chef kann meinen: (1) “als wir wissen und wahrhaben wollen” oder (2) “als wir wissen wollen oder wahrhaben wollen”. In Fall (2) ist es so, dass er behauptet, das Naserümpfen über schwule Lastwagenfahrer und Verkäufer, also diejenigen, ganz unten in seiner Hierarchie, sei  schlimmer als wir, also auch er, wissen wollen, entsprechend stellt sich die Frage, woher er wissen will, was er nach eigener Aussage nicht wissen will (vor allem über uns). In Fall (1) ist es so, dass Michael Sommer etwas behauptet, was er nach eigener Aussage nicht weiß. Mut zur Ehrlichkeit, Mut zum logischen Unsinn, Mut zur Dummheit.

Michels Soziologie des Parteiwesens

Der Klassiker beschreibt Oligarchiebildung nicht nur für Partei-Funktionäre, sondern alle Arten von Funktionären.

Also ich würde meinen Redenschreiber entlassen, wenn er mir derartigen Unsinn in den Mund legt. Aber es soll ja Menschen geben, die sind dermaßen mit dem Schwadronieren von Unsinn beschäftigt, dass sie gar nicht merken, was sie sagen, dass sie längst jedes Verständnis dafür, dass Sprache einmal zur Verständigung gedacht war und entsprechend einmal Sinn transportiert hat, verloren haben. Dafür haben Sie Verständnis für schwule Führungskräfte und selbst für schwule Lastwagenfahrer und schwule Verkäufer, die armen Schweine ganz unten in der Hierarchie des DGB-Chefs, über die man (oder er) die Nase rümpft.

Aber es ist immerhin gut zu wissen, dass der DGB sich “auch weiterhin für die Belange von Homosexuellen” einsetzt. Gegründet wurden Gewerkschaften einmal, um Arbeitern eine Stimme zu geben und ihre Interessen zu bündeln. Das ist lange her. Heute kümmern sich Gewerkschaften nicht mehr um die Interessen von Arbeitern, sondern um Arbeiter mit bestimmten Eigenschaften, die so anders sind und aus Funktionärssicht so weit unten sind, dass man das Mitleid meterdick über sie ausgießen kann.

Untersuchung zeigt die wahre Motivation der Gutmenschen

Das “Soziale” ist der Schrein der Moderne, der Tabernakel des Guten und Reinen, hinter dem sich eine Horde von Gutmenschen versammelt hat. Das “Soziale” wird zunehmend überhöht, soweit, dass Menschen kein Recht auf eine eigene Exsitenz mehr zugestanden wird, sofern sie sich nicht in das “Soziale” einordnen, das nicht nur vorhanden ist, sondern als “Gemeinschaft” bereits Ansprüche auf z.B. individuelles Eigentum erhebt. Das “Soziale” als das, was den Menschen angeblich ausmacht, soll fest im öffentlichen Bewusstsein fixiert werden: “Du bist nichts ohne deine Gemeinschaft.” “Der Mensch ist ein soziales Wesen.” Allein die Suchanfragen, in denen “der Mensch ist ein soziales Wesen” in welcher Variation auch immer gesucht wird, die auf ScienceFiles führen, sind so hoch, dass es uns das Fürchten lehrt, vor dem, was da in Deutschland gelehrt werden soll bzw. gelehrt wird.

wandervogel_gDas “Soziale” ist nicht nur existent, man kan sich auch am “Sozialen”, an der Gemeinschaft vergehen. Banker, Uli Hoeneß, alle, die nicht “solidarisch” sind, wenn Dritte zur Solidarität aufrufen, vergehen sich an der Gemeinschaft, sie schädigen die Gemeinschaft und sind auf dem besten Weg, als “Volksschädling” wiederentdeckt zu werden. Und natürlich müssen diese Vergeher an der Gemeinschaft, diese Feinde des Sozialen bestraft werden. Die Forderungen danach, “Besserverdienende” höher zu besteuern, Bankern, die Bonuszahlungen zu streichen, Spekulateuren ihren Gewinn zu entziehen und vieles mehr, sind Formen der Bestrafung, Formen einer Bestrafung, die insofern  problematisch ist, als sie von Personen gefordert wird, denen keinerlei Nachteil durch das Verhalten von Banker X oder Uli Hoeneß entstanden ist und auch nicht entstehen wird. Dennoch fordern diese Personen die Bestrafung Dritter.

Warum?

Eine Erklärung, die von einer Reihe von Forschern vorgebracht wurde, allen voran die beiden Züricher Ökonomen Ernst Fehr und Urs Fischbacher, ist seit wenigen Jahren unter dem Begriff “altruistische Bestrafung” bekannt. Altruistische Bestrafung besagt im Wesentlichen, dass Unbeteiligte einen (vermeintlichen) Übergriff auf einen Dritten bestrafen oder bestraft sehen wollen, weil dadurch gegen Fairnessregeln verstoßen wird. Wenn sich also Hans Moser auf Kosten von Fritz Fischer bereichert, dann sind altruistische Bestrafer zur Stelle und sorgen für “Fairness”, in dem sie Hans Moser bestrafen oder die Bestrafung von Hans Moser fordern. Demnach wären alle, die die Bestrafung von Uli Hoeneß fordern, altruistische Bestrafer, die zwar selbst keine Vorteile davon haben und auch keine Kosten davon, dass Uli Hoeneß bestraft wird, die aber “für die Gemeinschaft” eintreten und “die Gemeinschaft” zu ihrem Recht kommen lassen wollen.

Wir_statt_GierInteressanter Weise ist dieser Einsatz für die Gemeinschaft, diese Forderung der Bestrafung der Vergeher gegen die Gemeinschaft genau das, was von Bündnis 90/Die Grünen, von Gewerkschaften und von einer Reihe von selbsternannten Schützern der Gemeinschaft zu hören ist, und natürlich nehmen sie für sich altruistische Motive in Anspruch, denn sie haben nichts davon, dass Uli Hoemeß, Hans Moser oder Banker X bestraft werden, nein, sie kämpfen für Fairness, zuweilen behaupten sie auch, für Gerechtigkeit, besonders gerne für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen, und immer kämpfen sie für andere, nie für sich selbst, reine Altruisten sind sie, wahre Gutmenschen.

Sind Sie das wirklich?

EnviousEine bemerkenswerte und methodisch saubere Untersuchung von Eric J. Pedersen, Robert Kurzban und Michael E. McCullough, die in der Mai-Ausgabe der Proceedings of the Royal Society B: Biological Science erscheinen wird, räumt massiv mit dem Mythos der altruistischen Bestrafer, ja mit dem Mythos des sozialen Menschen als solchem auf. In drei verschiedenen Experimenten mit 315 Studenten, 538 Bürgern und abermals 394 Studenten, können die Autoren nicht nur zeigen, dass es kaum altruistische Bestrafung gibt, sondern sie können auch zeigen, dass die wenigen Personen, die Dritte bestrafen, ohne dass sie etwas davon haben, von einem ganz eigenen Motiv getrieben sind: Neid.

Wenn die Probanden in den Experimenten der drei Autoren mit einer Situation konfrontiert waren, in der sie eine ungerechte Behandlung von O durch D beobachteten und ihnen anschließend die Möglichkeit gegeben wurde, die ungerechte Behandlung von O durch eine altruistische Bestrafung von D zu “revidieren”, dann zeigte sich, dass nur ein sehr kleiner Teil der Probanden ein Interesse daran hatte, zu bestrafen: “…humans do not impose meaningful amounts of third-party punishment on behalf of absolute strangers. The nominal and statistically non-significant amount of punishment we did observe was apparently motivated by envy because of a comparatively unfavourable personal outcome rather than by moralistic anger” (6-7).

Das ist ein vernichtendes Zeugnis für Gutmenschen, die ausnahmslos behaupten, im altruistischen Dienst am Nächsten, an der Gemeinschaft oder an was auch immer unterwegs zu sein und die darüber hinaus die Bestrafung Dritter fordern, die ihre Mission als Gutmensch als “Schädlinge” an der Gemeinschaft oder als unfair oder als was auch immer identifiziert hat. Dahinter, so zeigen die Ergebnisse von Pedersen, Kurzban und McCullough steht blanker Neid, Neid, weil die nämlichen Gutmenschen im Hinblick auf Ressourcen, die sie sehr hoch einschätzen, schlechter abgeschnitten haben, als ihr Opfer, das Sie zum Feinde der Gemeinschaft stilisiert haben, um ihren Neid auszuleben.

Diese Erklärung hat Gutmenschen zum Gegenstand, die sich einen unmittelbaren Vorteil (und wenn er nur darin besteht, sich erleichtert und anderen schlecht gemacht zu haben) versprechen, wenn sie ihren Neid auf andere, zumeist in Form derogativer Ausbrüche gegenüber denjenigen, die gerade am öffentlichen Pranger stehen, öffentlich machen. Darüber hinaus gibt es noch eine Gruppe von opportunistischen Gutmenschen, die sich z.B. in Parteien finden und die ihren Nutzen daraus ziehen, dass sie den beschriebenen Neid ausnutzen wollen, um ihre ideologischen Ziele zu verwirklichen, indem sie z.B. eine höhere Besteuerung von “Besserverdienenden”, wer auch immer sie sein mögen, fordern. Was moralisch verwerflicher ist, den eigenen Neid als “Sorge um die Gemeinschaft” zu verpacken oder diesen Neid für die eigenen ideologischen Zwecke auszunutzen, ist eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Pedersen, Eric J., Kurzban, Robert & McCullough, Michael E. (2013). Do Humans Really Punish Altruistically? A Closer Look. Proceedings of the Royal Society B: Biological Science.
doi://dx.doi.org//10.1098/rspb-2012.2723

Gutmenschen-Elend: Denn sie wissen nicht, wovon sie reden

, aber sie wollen in jedem Fall schon einmal helfen.

Viele Zeitgenossen, die ihren Lebensunterhalt damit bestreiten, dass sie anderen erzählen, sie wären um deren Wohl besorgt, gelangen über kurz oder lang bei der Notwendigkeit an, Forderungen aufzustellen, von denen sie zwar denken, sie wären “populär”, “gut”, “Beleg ihrer Verantwortung für …[die Schöpfung, die nachwachsende Generation, Kinder, Jugendliche, Adipöse, Raucher, die Erde, die Dritte Welt (aber die ist gerade out - oder?) - bitte das ideologisch Passende bitte eintragen] , die sich aber im krassen und direkten Widerspruch befinden zu allem, was man als Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis ansehen kann.

Medical paternalismSo haben nach einen Bericht in der WELT die beiden Professoren Hans-Georg Joost und Andreas Fritsche die Vorstellung des Ernährungsberichts 2012 der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) dazu genutzt, die Einführung einer Zucker-Steuer zu fordern, um damit “vor allem Kinder und Jugendliche vom Konsum ungesunder Lebensmittel” abzuhalten. Hans-Georg Joost aus Potsdam, der immer dann, wenn es sich anbietet, z.B. erst kürzlich im so genannten Pferdefleisch-Skandal nach “dem Staat” ruft, damit er “den Verbraucher” vor vermutlich “der Industrie” schützt, hat beim Ruf nach einer Zucker-Steuer moralischen Beistand von Professor Andreas Fritsche aus Tübingen, der weiß, dass Verbrauchern “oft nicht klar [sei], dass Lebensmittel Zucker” enthielten, und der weiß, dass die Folgekosten von ungeregeltem Zuckerkonsum für das Gesundheitswesen aus dem Ruder geraten, wenn der Staat nicht regulierend eingreift, wie dies die Weltgesundheitsorganisation fordere.

Ein kurzer Exkurs zum Pferdefleischskandal: Es ist schon erstaunlich, welche Aufregung Pferdefleisch in Fertig-Lasagne herbeiführen kann, und zwar bei genau den selben Verbrauchern, die keinerlei Probleme mit einer Schlachtindustrie haben, die Tiere mit Antibiotika traktiert, damit sie ihr Leben in einem Stall ertragen, das einzig dem Lebensziel Schlachtung und Gefressen-Werden dient.

Nun, mit der Forderung danach, man möge doch die dummen Verbraucher davon abhalten, mehr Zucker in sich zu stopfen als von Medizinern wie Joost und Fritsche für gut befunden, und dazu eine Zucker-Steuer einführen, verbinden sich vier Probleme:

  1. Steuern wie die Zucker-Steuer, die im Englischen als Sin-Tax (Sünden-Steuer) bezeichnet werden, sind zumeist wirkungslos im Hinblick auf die Wirkung, die mit ihnen beabsichtigt ist;
  2. Steuern, wie die Zucker-Steuer, sind sozial ungerechte Steuern, da sie Arme, die Gutmenschen doch eigentlich am Herzen liegen sollten, mehr treffen als Reiche;
  3. Der Genuss von Zucker oder Tabak, bringt auf lange Sicht nicht mehr Kosten für die sozialen Sicherungssysteme, sondern weniger Kosten;
  4. Steuern wie die Zucker-Steuer sind paternalistisch und entsprechend ein Eingriff in die Selbstbestimmung;
I'm not responsible

I’m not responsible

Eigentlich sind die wissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass Sin-Taxes nicht das gewünschte Ziel erreichen, so zahlreich, dass es genügen müsste, auf sie zu verweisen. Aber, wie so oft in der empirischen Sozialforschung, sind die entsprechenden Beiträge zumeist in englischer Sprache verfasst, selbst dann, wenn sie von deutschen Autoren stammen, so dass ich an dieser Stelle auf zwei sehr gute Arbeiten verweisen will, in denen sich die nun folgende Argumentation nachvollziehen lässt und in denen sich entsprechende Belege finden lassen. Es handelt sich dabei um ein Arbeitpapier von Adam J. Hoffer, William F. Shughart II und Michael D. Thomas mit dem Titel “Sin Taxes. Size, Growth, and Creation of the Sindustry” und um Christopfer Snowdons endgültige Zerlegung aller jemals für Sin Taxes vorgebrachten “Argumente”.

Sin-Taxes, wie die Zucker-Steuer, funktionieren nicht

Nimmt man nur einen Moment lang an, Menschen im Allgemeinen und Verbraucher im Besonderen seien nicht die dummen Tölpel, die Gutmenschen wie Joost und Fritsche in ihnen sehen wollen, nimmt man also an, Verbraucher seien sehr wohl in der Lage, aus einem Angebot die Produkte auszuwählen, die sie wollen, und kommt entsprechend zu der Einsicht, dass manche Zeitgenossen gar nichts gegen den Verzehr eines, zweier, ja, oh Schreck, exzessiver dreier Mars-Riegel einzuwenden haben, dann kommt man auf diesem Weg zu dem Schluss, dass die entsprechenden Verbraucher nach einem Weg suchen werden, um die höheren Kosten, die ihnen ihr Zuckergenuß durch die Erhebung einer Zuckersteuer verursacht, zu kompensieren. In ökonomischer cartoon cavemenSprache: Sie werden substituieren, teuren Zucker durch billigeren Zucker, durch Zuckerersatz. Leidet das Zucker-Genuss-Erlebnis, dann nimmt diese Substitution etwas andere Formen an, dann wird das Geld, um das der Zuckergenuss teurer geworden ist, eben an anderer Stelle eingespart, z.B. beim Kauf von Gemüse oder Salat oder lascher Getränke, in die kein Zucker Eingang gefunden hat. Ökonomen sprechen hier von nicht elastischer Nachfrage. Eine solche nicht-elastische Nachfrage liegt vor, wenn Verbraucher nicht einfach auf den Konsum von bestimmten Gütern verzichten können bzw. wollen, z.B. weil sie von Zigaretten abhängig sind (psychisch oder physisch), weil sie auf den Gebrauch von Insulin angewiesen sind oder aber, weil sie einen bestimmten Lebensstil pflegen, den sie nicht aufzugeben bereit sind, nicht einmal durch eine Steuer auf besonders kohlenhydrat- und tanninlastige Nahrungs- und Genussmittel beim Italiener um die Ecke.

Sin-Taxes sind sozial ungerechte Steuern

Selbsternannte Gutmenschen wie Hans-Georg Joost oder Andreas Fritsche, die sich um den Körperumfang anderer sorgen, haben nicht auf der Rechnung, dass die Dicken gar kein Problem mit ihrem Dicksein haben könnten. Vielmehr gehen sie von triebgeleiteten Deppen aus, die dem Reiz eines Schokoriegels einfach nicht widerstehen können. Entsprechend muss man sie vor sich selbst schützen, und zwar durch eine Steuer. Das ist zwar nicht logisch, aber das, was immer kommt. Nun habe ich oben dargelegt, dass die Schokoriegel-Esser keine Deppen sind, sondern emanzipierte Verbraucher, die auch wissen, dass in Schokolade Zucker ist und dass Zucker zuweilen dick machen kann, die aber dennoch nicht auf ihren Genuß verzichten möchten und entsprechend die höhere Besteuerung durch Substitute zu unterlaufen suchen. Die Möglichkeit, dies zu tun, hängt wiederum vom Einkommen ab. Entsprechend haben Personen mit einem höheren Einkommen mehr Möglichkeiten, eine Zucker-Steuer zu umgehen bzw. auf alternative Produkte auszuweichen als Personen mit geringerem Einkommen, die entsprechend nach Einfuhr der Steuer einen höheren Anteil ihres Einkommens für Schokoriegel aufwenden müssen. Und so entpuppen sich die Gutmenschen von oben, nunmehr als sozial diskriminerende Gutmenschen, die ihre Ideologie vom dünnen, gesunden Menschen auf dem Rücken von sozial Schwachen ausleben.

Die Einführung von Sin-Taxes entlastet die sozialen Sicherungssysteme

Die höheren Kosten, die durch Raucher, Adipöse und wer auch immer gegen den Gesundheitskodex der beiden Professoren verstößt, verursacht werden, sind im Hinblick auf die sozialen Sicherungssysteme ein schwer zu erledigender Mythos und dies obwohl es unzählige Studien gibt, die zeigen, dass Raucher früher sterben als Nicht-Raucher und entsprechend die Rentenkasse nicht in gleichem Umfang belasten. Anscheinend ist die geheuchelte Sorge um die Gesundheitskosten ein zu fester Bestandteil der eigenen Gutheits-Inszenierung, als dass man ihn fallen lassen könnte.

Die anyway“There is ample evidence that, on average, smokers and the obese are less of a ‘drain on public services’ than nonsmokers and the slim because they spend fewer years withdrawing pensions, prescriptions, nursing home provisions and other benefits. Their lifetime health care costs are usually lower than those who lead healthier lifestyles. If making consumers pay their way is truly the aim of public policy, the government would be more justified in placing a tax on fruits and vegetables” (Snowdon, 2012, p.2-3)

“Recent studies have shown that smokers cost governments less in social welfare than otherwise identical nonsmokers. Because smokers die younger, on average, they require fewer long-term health care services and collect fewer Social Security benefits. These savings more than compensate for the medical costs of those who become ill from smoking (Hoffer, Shughart & Thomas, 2013, S.6).”

Sin-Taxes sind paternalistisch und ein Eingriff in die persönliche Freiheit

Bis hierher ist deutlich geworden, dass Sin-Taxes kein geeignetes Mittel sind, um Verhalten von Menschen zu verändern, aber sie sind eine hervorragende und stetig sprudelnde Einkommensquelle für Regierungen, vor allem deshalb, weil sie sich die Tatsache zu Nutze machen, dass die von der Sin-Tax Betroffenen ihre Konsumgewohnheiten aufgrund der Steuer gerade nicht ändern wollen bzw. können. Insofern sind die entsprechenden Steuern eine Spitzenleistung der Heuchelei, denn sie werden mit der Sorge um “die Menschen” verkauft, zielen aber lediglich darauf ab, die immer leerer werdenden Staatssäckel durch neue Steuerinnovationen zu füllen. Dass diese Form der Heuchelei auch noch mit Paternalismus einhergeht und dass es mit Cass Sunstein und Richard Thaler zwei Autoren gibt, die sie gar als einen “liberalen Paternalismus” verkaufen wollen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Till Grüne-Yanoff hat in einem lesenswerten Beitrag bereits gezeigt, warum es keinen liberalen Paternalismus geben kann. Der interessierte Leser sei auf seinen true powerBeitrag verwiesen.

Ich will mich an dieser Stelle darauf konzentrieren, dass es ja jemanden geben muss, der im Meer der potentiell schädlichen Verhaltensweisen diejenigen ausmacht, die besteuert werden sollen. Derzeit werden adipöse und rauchende Säue durch deutsche Dörfer getrieben. Aber warum eigentlich? Warum weist niemand darauf hin, dass bestimmte Sportarten mit gesundheitlichen Schäden einhergehen, z.B. Arthritis oder Knorpelschäden? Warum reagiert niemand auf die irritierende Studie, die mir Dr. habil. Heike Diefenbach gerade geschickt hat und deren Ergebnis darin besteht, dass zu fit sein ungesucht ist: Sportliche Betätigung, so haben die Forscher herausgefunden, erhöhte bei 10% der Aktiven den Blutdruck, und führte zu ungesunden Cholesterol und Insulin-Werten.  Warum also nicht Sport besteuern und in der Schule verbieten (weil wir uns ja bekanntlich mehr um Kinder und Jugendliche als um Erwachsene sorgen müssen, um gute Menschen zu sein.). Olivenöl enthält Weichmacher, die sich negativ auf die Gesundheit und, Gipfel des Schreckens, auf die Fertilität auswirken. Na wenn das nicht danach ruft, besteuert zu werden? Die Antibiotika, die Rindern verabreicht werden, damit sie ihr Leben ertragen können, tragen zu einer verstärkten Resistenz gegen Antibiotika bei Fleischessern und Milchtrinkern bei. Also muss man beides besteuern, damit die Fleischesser und Milchtrinker nicht am nächsten Virus verenden. Der Möglichkeit, “die Verbraucher” zu paternalisieren, sind also keine Grenzen gesetzt. Hat man Verbraucher erst einmal zu einem Haufen unmündiger Deppen erklärt, dann lässt sich immer eine Einnahmequelle für geldnotleidende Staaten finden, und die vielen Gutmenschen, die sich regelmäßig über die ungesunden Eß-, Trink-, ja Lebensgewohnheiten der anderen, der Verbraucher, beklagen, sind ein unverzichtbarer Stein im Mosaik der täglichen Entmündigung.

Wenn man schon nicht gegen Sin-Taxes ist, weil die Steuerung menschlichen Verhaltens, die die entsprechenden Steuern versprechen, nicht klappt, nie klappen wird und auch nicht klappen kann, dann sollte man zumindest aus Selbsterhaltungsgründen gegen die entsprechenden Steuern sein: Die Sucht von Gutmenschen danach, für andere zuerst Sorgen zu erfinden und diese dann durch Regulation, den Ruf nach dem Staat und in jedem Fall durch Entmündigung der Umsorgten für diese zu lösen, ist einfach zu stark, als dass man sie weiterhin ignorieren könnte.

Dr. habil. Heike Diefenbach hat mich noch auf einen  Beitrag  aufmerksam gemacht, aus dem hervorgeht, dass die einfache Welt der Besorgnis, die Gutmenschen bewohnen, doch komplexer ist, als sie denken:
People can be fat, yet fit, research suggests

Zahnärzte als Helfer oder als Spitzel? Do-Gooders turned fascist?

Ein Leser von ScienceFiles hat mich auf eine Initiative aus Niedersachsen aufmerksam gemacht, bei der man sich zunächst fragt, ob das, was man da liest, tatsächlich das ist, was man da liest, oder ob hier nicht etwa ein Fehler vorliegt. Nach mehrmaligen Hinsehen ist jedoch klar, “Zahnärzte werden im Kampf gegen häusliche Gewalt” zum Handlanger des Staates umfunktioniert, und die Zahnärztekammer Niedersachsen ebenso wie die Kassenzahnärztliche Vereinigung Niedersachsen lassen sich freiwillig und, wenn man die Pressemitteilungen liest, dann kann man nicht anders als festzustellen: freudig und stolz, zu Handlangern des politischen Systems machen. Nicht nur das, sie sind gerne bereit, sich in einem fiktiven Kampf gegen einen Gegner, der in “vielen Studien” angeblich identifiziert wurde, wobei nicht eine der “vielen Studien” direkt benannt werden kann, einzuspannen. Deutlicher ausgedrückt: Zahnärzte in Niedersachsen sollen die “dirty work” für die Regierung in Niedersachsen machen und sich an der Schaffung einer gesellschaftlichen Illusion beteiligen, deren Hauptgegenstand wieder einmal die angebliche Opferrolle von Frauen ist.

Sind Sie oder sind Sie nicht, Opfer häuslicher Gewalt?

Sind Sie oder sind Sie nicht, Opfer häuslicher Gewalt?

Die Landesregierung Niedersachsens, und allen voran die Sozialministerin Aygül Özkan sind fest davon überzeugt, dass Frauen grundsätzlich und immer Opfer sind, obwohl in den “Handlungsempfehlungen zum Erkennen, Ansprechen und Dokumentieren” von Anzeichen “häuslicher Gewalt” eingeräumt wird, dass “[a]uch Männer in Paarbeziehungen … Übergriffe” erleiden, die jedoch “leichter körperlicher Art” und entsprechend irrelevant sind, während sich “[i]n den meisten Fällen … die ausgeübte Gewalt gegen Frauen” [Hervorhebung im Original] richte. Also ist wieder einmal festgeschrieben, Frauen sind die Opfer relevanter häuslicher Gewalt. Nicht nur das, die Opfer sind zu beschämt, zu ängstlich, um von sich aus den häuslichen Gewalttäter vor Gericht zu bringen. Und deshalb braucht es die “sensible Ansprache”, die “vorsichtige Befragung” durch den Zahnarzt. Und damit bei der sensiblen und vorsichtigen Befragung auch etwas Gerichtsverwertbares herauskommt, gibt es gleich den Befundbogen forensische Zahnmedizin, auf dem gerichtsverwertbar niedergelegt wird, welche Verletzungen der Zahnarzt festgestellt hat.

George Orwell hätte sich verwundert die Augen gerieben, hätte er das Ausmaß des Durchgriffes des Staates in die Privatheit persönlicher Beziehungen, das heute als normal angesehen und freudig begrüßt wird, gekannt. Für Orwell war es die Spitze seiner Vorstellungskraft, dass das Regime in 1984 Kinder zu Informanten umfunktioniert. Darüber ist man in Niedersachsen längst hinaus. Hier wird nunmehr damit begonnen, Berufsgruppen als Sammler gerichtsverwertbarer Materialien in den Dienst der “guten Sache” zu stellen. Und eine gute Sache ist es doch, wenn es einer wie Sozialministerin Aygül Özkan darum geht, “die Opfer von Gewalt zu unterstützen und ihnen Hilfe anzubieten”. Ein nobles Unterfangen – oder?

patent-absurdityOder nicht? Wo soll man anfangen? Bei der absurden Vorstellung, dass derjenige, der zuerst mit Verletzungen diagnostiziert wird, das Opfer ist (das könnte man mit der FIFA-Absurdität vergleichen, nach der der, der hinfällt, dann, wenn ein Gegenspieler in der Nähe war, gefoult worden sein muss)? Bei der völligen Selbstüberschätzung, dass für den Fall, dass ein Gewaltopfer auf einen hilfsbereiten Zahnarzt trifft, es natürlich und sofort sich selbst mitteilen wird, so als könnte man Vertrauen und soziale Beziehungen, die über einen instrumentellen Charakter hinausgehen, quasi mit dem Bohrer in der Hand aufbauen? Oder soll man bei der Ungeheuerlichkeit anfangen, die darin besteht, dass ein Hirngespinnst, wie die Vorstellung, häusliche Gewalt finde immer zwischen einen aktiven Täter und einem empfangenden Opfer statt, zum Ausgangspunkt für Gutmenschen-Interventionen gemacht wird, die vielleicht diejenigen befriedigen, die sie ausgeheckt haben, aber sicher nicht diejenigen, die sie umsetzen müssen? Oder soll man zu guter Letzt, darauf hinweisen, dass selbst Gutmenschen-Sozialtechnologien mit dem Problem unbeabsichtigter Folgen zu kämpfen haben?

Was, wenn der/die Zahnarzt/Zahnärztin sich in häuslicher Gewalt übt? Obwohl er/sie zu den Guten im vorliegenden Spiel gerechnet wird und sicher intime Kenntnisse im Hinblick auf häusliche Gewalt mitbringt, scheint er/sie doch nicht geeignet, um den Beichtvater/die Beichtmutter oder den/die Eingeweihte/n für das Opfer häuslicher Gewalt zu spielen. Und was ist mit Karin S., die sich beim Rad fahren den Scheidezahn locker geschlagen hat. Sie hat keine Lust zum Zahnarzt zu gehen, ob der unsinnigen Fragen, die der Zahnarzt, der eben einmal von seiner Zahnärztekammer, der niedersächsischen Sozialministerin und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsens zum dentalen Hobby-Psychologen umfunktioniert wurde, mit Sicherheit wieder stellt. Und dann dieses ungläubige Kopfschütteln des dentalen Hobby-Psychologen, der weiß, dass der Mann von Karin S. Fernfahrer, also aus der Arbeiterschicht ist, und Männer aus der Arbeiterschicht stehen natürlich unter Generalverdacht, wenn ein Zahn im Mund ihres Partners wackelt, und entsprechend glaubt der dentale Hobby-Psychologe Karin S. nicht, weshalb sie sich erst gar nicht in Behandlung begibt.

Damit nicht genug, wie wollen Zahnärzte ausschließen, zum Beteiligten in einem häuslichen Krieg zu werden, der mit gezinkten Karten gespielt wird. Wenn zwei sich prügeln und die gesellschaftliche Konvention bei einer sagt, sie sei das Opfer, während sie beim anderen sagt, er sei der Täter; Wenn zwei sich prügeln, bei denen die gesellschaftliche Konvention zu einer sagt, suche Schutz, Du bist weiblich, während sie bei dem anderen sagt, Du bist männlich und entsprechend glaubt Dir niemand, wenn Du sagt, Du hast Dich mit Deiner Frau geprügelt, wer hat dann wohl gerichtsverwertbar die besseren Karten? Wenn ich ehrlich bin ist es diese Ignoranz der Dynamik sozialer Interaktionen und die völlige Unfähigkeit zu erkennen, dass die Bewertung des Ergebnisses sozialer Interkationen ein Ergebnis von Normensetzung durch die Gesellschaft ist, das mich am meisten ärgert. Die niedersächsische Sozialministerin, die Zahnärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung machen auf mich den Eindruck von kleinen Pfadfindern, die unbedingt alten Frauen über die Straße helfen wollen, ohne die alten Frauen zu fragen, ob sie überhaupt über die Straße wollen, denn sie wissen ja, dass alte Frauen immer über Straßen wollen und die bösen Autofahrer sie nicht lassen. Eine derartige Naivität in öffentlichen Funktionen anzutreffen ist unerträglich.

Outsiders BeckerAber ScienceFiles ist angetreten, um selbst in Ministerien zumindest das Wissen zu verbreiten, dass man seine Handlungen nicht auf affektive Wohlgefühle stützen muss, sondern auch Argumente und rationale noch dazu, für sein Verhalten haben kann. Deshalb hier mein Hinweis auf den Labeling Approach. Der Labeling Approach, der hauptsächlich von Howard Becker (1991[1966]) ausformuliert wurde, hat eine wichtige Erkenntnis gebracht, nämlich die, dass es der gesellschaftlich gesetzten Normen bedarf, um Normen zu übertreten. Das klingt trivial, ist es aber nicht, denn manche Zeitgenossen meinen, Normen würden vom Himmel fallen oder von Gott gegeben. Dem ist nicht so: Normen sind man made und wenn jemand sich hinstellt und die Norm verbreitet, wenn zwei sich prügeln und einer von beiden ist weiblich, dann ist der weibliche Prügler das Opfer, dann ist das ein erheblicher Eingriff in das gesellschaftliche Normengefüge. Wenn dieser jemand dann hingeht, und in verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen die Voraussetzungen dafür schafft, dass das weibliche per-se Opfer sich hilfesuchend an staatliche Vertraute wenden kann, dann ist damit eine Normenstruktur geschaffen, die nicht nur opportunistisches Verhalten geradezu heraufbeschwört, sondern den gesellschaftlichen Frieden nachhaltig zu stören in der Lage ist. Und es ist schlicht kein Fortschritt, wenn man im Rausch der eigenen Gutheit, strukturelle Gewalt und psychische Gewalt einsetzt, um vermeintliche körperliche Gewalt zu beseitigen. Wenn sich zudem noch willfährige Helfer einfinden, die nicht nur die gesellschaftliche Frauen-sind-Opfer-Norm mittragen, sondern noch pseudo-Belege beibringen, dadurch, dass sie eine Seite in einem Konflikt mit Belegen für ihren Opferstatus versorgen, während die andere Seite gar nicht erst gehört wird, dann ist damit eine totale Institution geschaffen, aus der sich niemand befreien kann, der auf der Täterseite verortet wird. Das einzige, was mich derzeit noch irritiert ist, dass nicht längst die Gerichte abgeschafft wurden, weil sowieso schon klar ist, wer Täter und wer Opfer ist.

BECKER, HOWARD S. (1991). Outsiders. Studies in the Sociology of Deviance. New York: Free Press.