Hausgemachte deutsche Klimawandel-Panik

Wer in Deutschland ein Wort des Zweifels an diejenigen richtet, die behaupten, Klimawandel sei ein Ergebnis menschlicher Aktivitäten, durch eine Reduzierung von CO2 bekämpf-, wenn nicht umkehrbar, und zudem ein einmaliges historisches Ereignis, dessen Auswirkungen auf den Wasserstand man auf die Dezimalstelle genau berechnen könne, der macht sich zur Zielscheibe von Anfeindungen, denn: In Deutschland herrscht Einheit, eine Einheitsmeinung, eine mediale Einheitsmeinung, die gebetsmühlenähnliche Gesänge menschengemachter, CO2 verursachter und genauer, aufs Milli-Grad genauer Erwärmungsberechnung in regelmäßigen Abständen anstimmt.

In den USA ist das nicht so. In den USA ist man bescheidener. Dort sieht man Klimawandel als Natur-Phänomen, an dem Menschen nur einen sehr kleinen Anteil haben. Und in den USA gibt es eine offene Diskussion darüber, wie groß der Anteil von Menschen an Klimaveränderungen  ist, in Medien, in Zeitungen, im Fernsehen. In Deutschland gibt es das nicht. Hier herrscht die anthropozentrische Gewissheit: Menschen sind schuld. Ausschließlich und nur Menschen machen den Klimawandel, den Klimawandel, dessen Auswirkungen man genau, ganz genau in entsprechenden Modellen berechnen kann.

Gleick ChaosJames Gleick erzählt zu Beginn seines Buches “Chaos” eine Geschichte von Edward Lorenz. Lorenz ist ein, wenn nicht der Pionier der computergestützten Wettervorhersage, der in den 1960er Jahren seine Kollegen mit seinen Wetter-Modellen erschreckt hat. Jener Edward Lorenz war eines Nachmittags im Massachusetts Institute of Technology auf dem Weg in sein Büro. Sein Computer sollte mit den Berechnungen eines Wettermodells, so die Erwartung von Lorenz, fertig sein. Damals dauerte es noch Stunden, wenn nicht Tage, Computer-Modelle zu berechnen. Lorenz hat sich nicht geirrt. Der Computer war mit seinem Berechnungen am Ende, mit seinen Kontrollberechnungen, denn bei dem Ergebnisausdruck, den Lorenz nun in den Händen hielt, handelte es sich um die Ergebnisse derselben Berechnung, desselben Modells, das er bereits am Vortag hatte berechnen lassen. Nur: Er erkannte die Ergebnisse nicht wieder. Sie waren vollkommen anders, so verschieden von den Vortagsergebnissen, wie sie nur sein konnten.

Ein Rätsel für Lorenz, denn: Wie kann dasselbe Modell, wie können dieselben Parameter zwei völlig verschiedene Ergebnisse liefern? Nach einiger Zeit der Verwunderung hatte Lorenz den Fehler gefunden. Er hatte Werte gerundet. Aus dem Wert .506127 im ursprünglichen Modell hatte er der Bequemlichkeit halber und weil er gedacht hat, dass Veränderungen der vierten Nachkommastelle sich nicht auf das Modell auswirken, den Wert .506 gemacht. Die vierte Nachkommastelle, sie war relevant. So relevant, dass zwei vollkommen unterschiedliche Ergebnisse aus ihrem Vorhandensein bzw. ihrem Fehlen resultierten.

Warum wir das erzählen?

Nun, es ist ein Lehrstück dafür, wie das Ergebnis einer Modellberechnung vom Dateninput abhängt, dafür, wie sich bereits kleinste Änderungen auf das Ergebnis auswirken, dafür, wie leicht man Fehler produzieren kann, wenn man ab der vierten Nachkommastelle rundet.

Trotz all dieser Unwägbarkeiten, trotz der Anfälligkeit von Prognosemodellen, die man regelmäßig beobachten kann, wenn man nach einer Wettervorhersage sucht, die mehr als eine Woche umfasst und die sich im Nachhinein als richtig herausstellt, trotz all der Annahmen, die in ein Modell einfließen, das die Entwicklung z.B. der Erdtemperatur vorhersagen soll, trotz all der Fragen, die mit nicht nur der Bestimmung von Anfangsparametern, sondern auch mit der Frage, welche Parameter überhaupt berücksichtigt werden sollen, verbunden sind, trotz all dieser Schwierigkeiten, wollen uns Apostel des Klimawandels erzählen, ihre Modelle seien akkurat, würden die Realität und die zukünftige Realität genau erfassen, bis auf die vierte Nachkommastelle genau.

Kein Zweifel an den Ursachen von Klimawandel wird zugelassen. Klimawandel wird von Menschen gemacht, ist eine Funktion des  CO2-Ausstoßes, ist durch 47,5687% mehr Windkraftanlagen und 85,1142% mehr Solaranlagen zu verhindern (und natürlich durch die entsprechende steuerliche Förderung und Begünstigung von alternativen Methoden der Energiegewinnung).

Dieses Glaubensbekenntnis wiederholen vor allem deutsche Medienvertreter immer und immer wieder. Kritische Stimmen, die einen relevanten Einfluss von Menschen auf das Erdklima in Frage stellen, sie kommen in deutschen Medien und ganz im Gegensatz zu US-amerikanischen Medien nicht zu Wort. Wer daran zweifelt, dass Klimawandel nur von Menschen verursacht wird, der gilt in Deutschland als Para-Wissenschaftler oder als Verrückter.

Nicht so in den USA. Dort diskutieren die Wissenschaftler, die den Klimawandel für “man made” halten, mit denen, die denken, die Einflüsse von Menschen seien im kosmischen Konzert interstellarer Kräfte wie Sonnenstürme nicht weiter von Bedeutung. US-Amerikaner haben entsprechend die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung darüber zu bilden, welche von beiden Fraktionen die besseren Argumente auf ihrer Seite hat.

Nicht so in Deutschland. Hier ist per Dekret verordnet, wer Recht hat und wer nicht und überraschenderweise finden sich Wissenschaftler, die in Medien das Glaubensbekenntnis der nur menschlichen Ursache des Klimawandels wiederholen und die Zweifel an Modellen des Klimawandels (vor allem an deren vierter Stelle nach dem Komma) entweder nicht haben oder nicht äußern.

Warum ist die Berichterstattung zwischen den USA und Deutschland so unterschiedlich. Warum wird in Deutschland ein menschengemachter Klimawandel als Gewissheit präsentiert, wenn eine große Zahl selbst deutscher Wissenschaftler daran erhebliche Zweifel hat?

Diese Frage hat sich Senja Post von der Universität Koblenz-Landau gestellt und beantwortet. Die Antwort findet sich in der Januarausgabe der Zeitschrift “Public Understanding of Science”.

Grundlage der Antwort sind schriftliche Interviews mit 123 Wissenschaftlern, die sich mit dem Erd-Klima beschäftigen, sei es als Meteorologe, als Geologe, als Physiker, Chemiker oder Forstwissenschaftler. Den Antworten dieser 123 Wissenschaftler sind u.a. die folgenden Ergebnisse zu entnehmen:

  • Dass ein Klimawandel im Gange ist, ist unter den deutschen Wissenschaftlern nicht umstritten.
  • Dass Menschen einen Einfluss auf das Klima ausüben, ist weitgehend eine geteilte Ansicht, umstritten ist dagegen, ob der menschliche Einfluss auf das Klima relevant ist. Die 123 Klima-Wissenschaftler teilen sich hier in zwei fast gleichgroße Gruppen.
  • Je präsenter Wissenschaftler in Medien sind, je mehr Kontakt sie zu Journalisten haben, desto überzeugter sind die entsprechenden Wissenschaftler, dass der Klimawandel menschengemacht und CO2-verursacht ist oder umgekehrt.

Post fast ihre Ergebnisse wie folgt zusammen:

“This study shows that the more climate scientists are engaged with the media the less they intend to point out uncertainties about climate change and the more unambiguously they confirm the publicly [also in Medien] held convictions that it is man-made, historically unique, dangerous and calculable” (Post, 2016: 69).

In den Medien kommen also nur Klima-Wissenschaftler vor, die den Klimawandel als menschengemachte, historisch einmalige und berechenbare Erscheinung präsentieren, die Zweifel am Klimawandel, Probleme mit dem Modellen, auf denen die Vorhersagen der Klimawandel-Apostel basieren, entweder nicht kennen oder nicht zulassen. Die Klima-Wissenschaftler, nach den Ergebnissen von Post 50% der in Deutschland zu findenden Klima-Wissenschaftler, die Zweifel an Modellen haben und der Ansicht sind, der Klimawandel sei weder historisch einmalig noch haben menschliche Aktivitäten einen relevanten Anteil daran, sie kommen in der Medienöffentlichkeit schlicht nicht vor.

Warum ist das so?
Drei Erklärungen drängen sich auf:

  • Die Wissenschaftler, die sich zum Klimawandel in Medien äußern, sind Opportunisten und biedern sich bei Journalisten, die keinen Zweifel am Klimawandel nachfragen, an.
  • Die Wissenschaftler, die sich zum Klimawandel in Medien äußern, kennen keine Zweifel an Modellen, sind also Überzeugungstäter.
  • Die Wissenschaftler, die sich zum Klimawandel in Medien äußern, kennen zwar, Zweifel, stellen diese aber zurück im Hinblick auf den eigenen Vorteil und weil sie der Ansicht sind, die Impfung der Öffentlichkeit dahingehend, dass Klimawandel ein menschengemachtes, wichtiges und mit viel Steuergeldern zu bekämpfendes Phänomen sei, sei wichtiger als der Hinweis darauf, dass die Frage, ob der menschliche Beitrag zum Klimawandel relevant ist, umstritten und alles andere als geklärt ist.

Ob sich Journalisten gezielt Opportunisten, Überzeugte oder Überzeugungstäter unter Wissenschaftlern suchen oder Letztere sich bei ersteren anbiedern, ist eine offene Frage.

EEG SubventionenBeantwortet ist dagegen die Frage, warum in deutschen Mainstream-Medien keine Wissenschaftler zu Wort kommen, die dem Klimawandel kritisch gegenüberstehen: Daran, dass der Klimawandel menschengemacht und berechenbar ist, hängen erhebliche Interessen. Die gesamte alternative Energienindustrie und ihre Subventionierung hängt davon ab und das komplette Seelenheil der alternativ-linken Ideologen, die einen Teil ihres Überlegenheitsanspruches über Andersgläubige aus ihrer Einsicht in den menschengemachten Klimawandel ableiten.

Bislang hat der Artikel von Post noch keinen Widerhall in deutschen Medien gefunden, fast so, als wollte man bestätigen, was Post herausgefunden hat, dass kritische wissenschaftliche Stimmen, die Zweifel am Klimawandel äußern, in deutschen Mainstream-Medien unterdrückt werden. Auch der Pressestelle der Universität Koblenz-Landau, scheint der Beitrag ihrer Mitarbeiterin keine Pressemeldung wert zu sein, das, obwohl die Pressestelle der Universität Koblenz -Landau eher zu den Pressestellen gehört, die lieber eine Pressemeldung zu viel als eine zu wenig veröffentlichen.

Post, Senja (2016). Communicating Science in Public Controversies: Strategic Considerations of the German Climate Scientists. Public Understanding in Science 26(1): 61-70.

 
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Meinungs-Manipulations-Feldzug gegen die AfD

Es gehört zu den Ironien des eigenen Lebens, dass man als Liberaler regelmäßig (politische) Überzeugungen verteidigt, die in manchen wichtigen Punkten nicht die eigenen sind. Liberale teilen entsprechend das Schicksal, für die Linke rechts zu sein und für die Rechten links. Dabei sind Liberale einfach Prinzipien verpflichtet, dem Prinzip der Meinungsfreiheit oder dem Prinzip der ehrlichen und anständigen, fairen Berichterstattung oder dem Prinzip der einem wissenschaftlichen Ethos entsprechenden und somit korrekten, falsifizierbaren und reliablen Forschung.

Und weil dem so ist, verteidigen wir Männerrechtler gegen Anfeindungen aus dem Lager der Genderisten. Deshalb verteidigen wir Wissenschaftilchkeit, gegen den Versuch von Genderisten, ihr den Garaus zu machen. Deshalb verteidigen wir das Recht von Bürgern anders handeln zu können als ihr Staat dies für richtig hält. Deshalb bekämpfen wir die vielfältigen Versuche, mit denen öffentliche Meinung manipuliert werden soll, Versuche, die nur allzu häufig auf die Mithilfe von Meinungsforschern zurückgreifen, bei denen Manipulation in dem Wörtchen “repräsentativ” verpackt wird.

Und deshalb verteidigen wir die AfD, die sich als demokratische Partei einer Kampagne ausgesetzt sieht, die man nicht mit demokratischen Werten vereinbaren kann und für die man sich als Demokrat eigentlich schämen müsste.

WELt AfdIm neuerlichen Feldzug geht es um die “Hälfte aller Deutschen”, die die AfD angeblich für verfassungsfeindlich hält. Die “Hälfte aller Deutschen”, deren Meinung N24 meldet, das sind 500 Befragte, die dieses Mal von Emnid befragt wurden. Und weil 500 doch sehr weit von 40.000.000 entfernt ist, deshalb braucht es ein Zauberwort, das die Strecke überbrücken hilft: Repräsentativ. Die 500 sind für die deutsche Bevölkerung repräsentativ, sind die deutsche Bevölkerung, sind “die Hälfte aller Deutschen”.

Warum man nicht längst aufwändige Wahlen durch eine repräsentative Befragung von Emnid, bei der 1000 Deutsche zufällig ausgewählt und angerufen werden, ersetzt hat, das ist eines jener Rätsel, das Repräsentativitäts-Fetischisten nicht zu lösen vermögen.

Wie dem auch sei, die “Hälfte aller [1000 von Emnid befragten] Deutschen” hält die AfD für verfassungsfeindlich. Und Repräsentativität ist nicht nur ein Zaubermittel, das es angeblich erlaubt, von wenigen auf alle zu schließen, nein, es ist auch ein Mittel, von wenigen auf noch weniger zu schließen. Repräsentativität ist wie ein Virus der sich in alle Richtungen ausbreitet.

“AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich”, so titelt die WELT in einer Weise, die den journalistischen Ethos zu Grabe trägt. Denn, wie ein Weiterlesen zeigt, es sind nicht alle AfD-Wähler, die die eigene Partei verfassungsfeindlich finden, nein es sind “auch 13 Prozent der AfD-Wähler”, die “ihre Partei” als verfassungsfeindlich einordnen.

Natürlich ist auch dieses Ergebnis repräsentativ, 13% aller AfD-Wähler sind der Meinung, “ihre” Partei sei verfassungsfeindlich.

Doch wie viele sind die 13%?

Rechnen wir es aus.

Emnid hat nach eigenen Angaben “ca. 1000” Personen befragt. Offensichtlich weiß man bei Emnid nicht so richtig, wie viele es tatsächlich waren. Gewähren wir Emnid den “benefit of a doubt” und gehen davon aus, dass es tatsächlich 1000 Befragte waren und nicht weniger, wie das ca. nahelegt.

Nach aller Erfahrung der empirischen Sozialforschung geben von diesen 1000 Befragten auf die Frage, welche Partei sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre, rund 75 an, dass sie keine Angabe machen wollen, weitere 75 sagen, dass sie nicht wählen wollen. Diese 150 Befragten sind zu Gunsten von Emnid gerechnet. Tatsächlich dürfte die Anzahl der Befragten, die eine Angabe zu ihrer Wahlabsicht machen, unter 85% aller Befragten liegen. Aber: Geben wir Emnid einmal mehr den “benefit of a doubt”.

Nun meldet N24 Folgendes:

“Bei der Sonntagsfrage kommt die AfD laut N24-Emnid-Umfrage auf 12 Prozent – ein Plus von 2 Prozent gegenüber der Vorwoche. Die Union verliert dagegen 2 Prozent und landet bei 34 Prozent. Die SPD erreicht 24 Prozent, die Linke 10 Prozent und die Grüne[n] 9 Prozent.”

Es gibt also 12% AfD Wähler unter den Befragten von Emnid. 850 haben eine Angabe zur Wahlintention gemacht. 12% von 850 entsprechen 102 Befragten. 102 Befragte gaben also an, AfD wählen zu wollen. Unter diesen 102 Befragten finden sich 13%, die die AfD für verfassungsfeindlich halten. 13% von 102 sind genau 13 Befragte.

13 Befragte!

13 Befragte rechtfertigen bei der WELT den Titel: AfD-Wähler finden eigene Partei verfassungsfeindlich.

das-letzte luegenpresseEine solche Schlagzeile hat ebenso, wie die entsprechende Interpretation der Befragung von Emnid nichts mehr mit Journalismus zu tun. Es gibt keinen Ethos, mit dem man einen derartigen Versuch, Leser für dumm zu verkaufen, rechtfertigen könnte. Insofern man nicht annehmen will, dass der für diese Überschrift verantwortliche Redakteur vollkommen debil ist, muss man Absicht unterstellen, Absicht, die AfD zu diskreditieren. Abermals ist dies nichts, was mit einem wie auch immer gearteten Pressethos zu vereinbaren ist. Es ist eher etwas für den Presserat, der doch angeblich darüber wacht, dass Berichterstattung in Deutschland die Prinzipien von Lauterkeit und Fairness achtet.

Wer nach diesem neuerlichen Beleg dafür, wie mit dem Begriff “Repräsentativität” Schindluder getrieben wird, immer noch der Ansicht ist, man könne eine Idealvorstellung der Stochastik in die Wirklichkeit übertragen und von 1000 Befragten auf “alle Deutschen” hochrechnen, der muss sich nicht wundern, dass andere ihn für einen Trottel halten, den man mit einem Verweis auf Repräsentativität nach freiem Belieben manipulieren kann, dem man 13 Befragte als alle AfD-Wähler unterschieben kann.

Alle anderen, die die Argumente, warum das Ideal der Repräsentativität außerhalb der Quadrate des Mathematikheftes nicht erreichbar ist, noch einmal nachlesen wollen, können dies in unserem Beitrag “Mythos der Repräsentativität” tun.

Da man kaum weiter vom journalistischen Ethos entfernt sein kann, als die WELT dies heute demonstriert hat, muss man als anständiger Mensch eine entsprechende Entfernung zwischen sich und die WELT bringen und ein Abo, so vorhanden, nunmehr kündigen.

 

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Wortmagie: Nasenringe und Manegen

Trommelwirbel!
Hokuspokus: Repräsentativ!

In einer groß angelegten, repräsentativen Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut FORSA im Auftrag der Initiative Dialog Milch die Wahrnehmung und das Ansehen der deutschen Milchwirtschaft in den Augen der deutschen Verbraucher untersuchen lassen.”

Europe According to Germany

Alphadesigner’s Mapping Stereotypes Project

Wie groß angelegt die Untersuchung war, niemand weiß es. Die Ergebnisse gibt es ausschließlich in Prozentwerten. Macht alles nichts. Hokuspokus: repräsentative Umfrage!

In der Schweiz wird Jugendverbänden die Unterstützung gekürzt: “Nun zeigt die gfs-Umfrage, dass die Argumentation des Bundesamtes wenig mit der Meinung der Bevölkerung zu tun hat. Kinder- und Jugendlager sind weitherum beliebt, gerade auch solche mit christlichen Inhalten. Die repräsentative Umfrage wurde vom gfs-zürich im Auftrag der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA im letzten Herbst durchgeführt.”

Es folgen Prozentwerte, repräsentative natürlich. Das überzeugt und ersetzt jedes Argument.

Wussten Sie schon: Die 1980er Jahre sind das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen! “Repräsentative Umfrage: Von Aids bis Tschernobyl – das Lieblingsjahrzehnt der Deutschen

Nun wissen wir es: 1980er! Repräsentativ, repräsentative Prozentwerte natürlich. Widerspruch zwecklos und nicht repräsentativ.

Dafür: Politik – repräsentativ:

Mehrheit der Deutschen für Grenzschließungen: “In einer repräsentativen N24-Emnid-Umfrage fordert eine große Mehrheit der Befragten eine Kehrtwende in der Flüchtlingspolitik”.

europe-according-to-luxembourg.pngBefrage 1000 und spreche für die Mehrheit der Deutschen. Hokuspokus: repräsentativ.

Nachhaltige Geldanlagen – repräsentativ:

“REPRÄSENTATIVE UMFRAGE ZU NACHHALTIGEN GELDANLAGEN: Verbraucher sind grundsätzlich bereit, viele Milliarden Euro in nachhaltige Geldanlagen zu investieren …”

Nachhaltige Verbraucher gibt es nur in Prozentwerten, aber: repräsentativ, jeder für sich – zumindest.

Weiter geht’s: Waschmaschinen leihen – repräsentativ.

“Immer mehr Deutsche können sich vorstellen, teure Produkte wie ein Auto, eine Waschmaschine oder einen Trockner künftig nicht mehr zu kaufen – sofern es eine bequeme und sichere Möglichkeit gibt, die Dinge stattdessen gehen eine Leihgebühr anlassbezogen zu nutzen. Das ergibt eine neue repräsentative Umfrage unter 1000 erwachsenen Deutschen im Auftrag des US-Softwarehauses Zuora, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.”

Zwar wurden nicht “immer mehr Deutsche” befragt, sondern nur 1000 und nur zu einem Zeitpunkt, aber natürlich: repräsentativ und in Prozentwerten und als Fehlschluss der unzulässigen Verallgemeinerung.

Hasspost online – repräsentativ.

Fast ein Drittel der 14-35-Jährigen hat in den vergangenen drei Monaten in Sozialen Netzwerken Postings von Freunden bemerkt, in denen gehetzt wurde. Das geht aus einer Umfrage von Statista und appinio hervor. Gemeinsam wurden über die Umfrage-App 1.000 Personen zwischen 14 und 35 Jahren befragt.”

europe-in-2009-mapVermissen Sie was?
Kein Problem:

“Weniger als die Hälfte, genau 47 Prozent, gaben in der repräsentativen Umfrage, in der Mehrfachnennungen möglich waren, an, dass sie nicht in Sozialen Medien aktiv seien oder keine der zuvor genannten Aussagen auf sie zutreffe. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass rund die Hälfte der 14-35-Jährigen seit November über ihre Kontakte in Sozialen Medien in einer Form in Kontakt mit hetzerischen oder unseriösen Postings oder Beiträgen gekommen sind.”

Natürlich bedeutet es das nicht, bestenfalls, dass ein Drittel der Befragten mit Inhalten in Kontakt gekommen ist, die sie für hetzerisch oder unseriös halten. Wir zum Beispiel, wir halten diesen Beitrag von statista für hetzerisch oder unseriös [Unzutreffendes bitte streichen] – aber wir sind auch schon älter.

Noch einer: Flughafenausbau – repräsentativ.

Knapp 24 Jahre nach der Eröffnung des Münchner Flughafens wird die Ansiedlung des Airports von den weitaus meisten Bewohnern der Flughafenregion positiv bewertet. Das ist eines der Ergebnisse einer neuen repräsentativen Befragung, die Flughafenchef Dr. Michael Kerkloh heute gemeinsam mit dem Beauftragten für die Flughafenregion, Rudolf Strehle, am Münchner Airport den Bürgermeistern und politischen Mandatsträgern aus der Region vorstellte.”

Gut für den Flughafenchef, dass herauskommt, was er gerne hört, repräsentative Ergebnisse die gefallen.

Mehr davon:

Repräsentative Stromerzeugung – zuhause.

Für 26 Prozent der Deutschen ist eine Solaranlage auf dem Dach – überwiegend in Kombination mit einem Stromspeicher im Keller – ein wesentliches Entscheidungskriterium bei Kauf oder Anmietung einer Immobilie. Ansonsten hat die Bedeutung von Energiethemen bei der Wohnungs- und Haussuche im Vergleich zum Vorjahr jedoch abgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die fünfte repräsentative Immobilien-Umfrage von LichtBlick. Für die Umfrage hat das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag des IT- und Energieanbieters 2.034 Bundesbürger ab 18 Jahren in einer repräsentativen Untersuchung online befragt.”

Wie gut, dass die vom IT- und Energieanbieter über YouGov Befragten sich ihre (Miets-)Wohnung aussuchen konnten – von wegen Wohnungsknappheit…

Gestern im Aufzug:
Fahrgast 1: “Wir haben eine Studie gemacht, die hat interessante Ergebnisse erbracht.”
Fahrgast 2: “Ist die auch repräsentativ?”
Fahrgast 1: “Ja, sicher.”

europe-according-to-the-future-2022Sie haben eine Umfrage mit dubiosen Ergebnisse? Macht nichts: Minimum 1000 Befragte und das Wörtchen “repräsentativ” und schon ist die Umfrage nicht dubios, sondern aussagekräftig, für alle Deutsche, alle Mieter, alle Anwohner des Münchner Flughafens, alle Milchtrinker … alle, die man gerade brauchen kann oder benutzen will.

Das Schöne an Repräsentativität ist: Jeder kennt sie, jeder führt sie im Munde und kaum jemand weiß, was es ist. Aber das macht nichts, denn das beste Kampfmittel ist der geruchslose Agent: “Ihre Befragung ist ja gar nicht repräsentativ!”, das ist das Sarin der öffentlichen Diskussion, soll zerstören, was nicht gefällt, nicht passt oder nicht zugelassen werden soll.

Andererseits ist nichts einfacher, als leichtgläubige Gemüter am Nasenring der Repräsentativität durch die Manege zu führen und ihnen so ziemlich alles als ihre Meinung unterzuschieben, in diesem Land, in dem die Zustimmung zur Mehrheitsmeinung, zur repräsentativen Mehrheitsmeinung so wichtig ist und in dem sich die Wichtigtuer mit dem Verweis auf die Repräsentativität, jene Schachtel ohne für sie verstehbaren Inhalt, die Klinke der Subordination in die Hand geben.

Was es mit den Prozentzahlen auf sich hat, kann hier nachgelesen werden.

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Meinungsmanipulations-Umfragen: So einfach geht’s

Manche kennen sicher die Geschichte des Ökonomen, der auf einer einsamen Insel strandet. Mit ihm strandet eine Schiffsladung Bohnen in Tomatensoße, in Dosen. Der Ökonom hat keinen Dosenöffner und geht das hartnäckige Problem des Öffnens von Dosen auf betont ökonomische Art an: Nehmen wir an, wir hätten einen Dosenöffner.

Im Gegensatz zu so manchem Leichtgläubigen, der noch an die Repräsentativität glaubt, wird unser Ökonom recht schnell an die Grenzen seiner Modellwelt stoßen, und die Annahme, er habe einen Dosenöffner, durch die Dosenbearbeitung mit verfügbaren Instrumenten ersetzen.

SciencefilesDas unterscheidet diejenige, die daran glauben, man könne eine repräsentative Stichprobe der Gesamtbevölkerung ziehen und die Ergebnisse der Stichprobe dann wieder auf die Bevölkerung hochrechnen, vom Ökonomen: Sie werden nicht mit dem Problem ihrer abstrusen Annahme konfrontiert, denn es gibt keine Möglichkeit, die Behauptung, der vorliegende Datensatz sei repräsentativ für die Bevölkerung zu prüfen.

Aber es gibt eine Vielzahl von Argumenten, mit denen man zeigen kann, dass die theoretisch vielleicht mögliche Ziehung einer repräsentativen Stichprobe in der Realität und an der Realität scheitern muss. Wir haben die entsprechenden Argumente bereits in einem früheren Post zusammengestellt.

Die behauptete Repräsentativität von Befragungen durch Meinungsforschungsinstitute hat in heutigen Gesellschaften häufig den Status des Legitimationsbeschaffers für Regierung, Parteien oder sonstige Interessenverbände. Sie lassen Befragungen durchführen und präsentieren deren Ergebnisse dann stolz als repräsentativ für die Bevölkerung und Unterstützung ihrer Politik oder beabsichtigten Politik.

Weil Meinungsumfragen diesen Status des Legitimationsbeschaffers innehaben, ist die Behauptung, eine Stichprobe von 1000 Befragten sei repräsentativ für die Bevölkerung, zu einem politischen Machtmittel geworden. Die Behauptung der Repräsentativität entlastet Politiker vom Kontakt mit Wählern und verschafft Umfrageinstituten eine stetig sprudelnde Quelle, und ganz nebenbei kann diese Quelle fast nach Belieben manipuliert werden.

Bei Meinungsforschungsinstituten ist es bekannt, dass die Stichproben, die sie ziehen, verzerrt sind, also nicht repräsentativ, wie immer behauptet wird. Deshalb bessern die entsprechenden Institute nach, durch die sogenannte Gewichtung der Daten.

Wer z.B. den ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap betrachtet, dem werden ausschließlich Prozentwerte dargeboten. 44% sehen eher Nachteile als Folge der Zuwanderung nach Deutschland. Gleiches findet sich bei Forsa: “Im stern-RTL-Wahltrend gewinnen CDU/CSU im Vergleich zur Vorwoche einen Prozentpunkt hinzu und kommen auf 39 Prozent.”

Wie viele Befragte diese 39% sind, die angeben, die CDU/CSU wählen zu wollen, wie viele Befragte sich hinter den 44% verstecken, die mehr Nachteile als Folge der Zuwanderung sehen, das erfährt man von keinem Umfrageinstitut und mit gutem Grund, denn würden die entsprechenden Angaben gemacht, die Leser würden sich wundern, sehr wundern. Und dass Sie sich wundern würden, liegt an den tatsächlichen Fallzahlen und an der Gewichtung, die aus tatsächlichen Befragten, repräsentative Befragte machen soll.

Um zu sehen, wie über Gewichtung nicht nur die Daten auf repräsentativ geschminkt werden sollen, sondern auch die Möglichkeit der Manipulation gegeben ist, erklären wir im folgenden die Funktionsweise der Gewichtung.

Nehmen wir an, ein Umfrageinstitut zieht zufällig eine Stichprobe und fragt nach der Partei, die ein Befragter bei einer letzten Wahl gewählt hat und nach der Partei, die er bei der nächsten Wahl wählen will. Das Ergebnis dieser Befragung ist in der folgenden Tabelle dargestellt.

Partei Wahlergebnis Stichprobe Wahlabsicht Stichprobe
CDU 25% 20%
Grüne 20% 15%
SPD 20% 15%
AfD 15% 25%

Tatsächlich hat die letzte Bundestagswahl eine andere Verteilung erbracht, als die Frage nach der letzten Wahlentscheidung in der Stichprobe unseres Meinungsforschungsinstituts. Mit anderen Worten, es ist nicht gelungen, das Wahlergebnis der letzten Wahl in der Stichprobe zu replizieren. Die Stichprobe ist also verzerrt und entsprechend nicht repräsentativ. Die nächste Tabelle zeigt das noch einmal:

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Wahlabsicht Stichprobe
CDU 39% 25% 20%
Grüne 24% 20% 15%
SPD 23% 20% 15%
AfD 5% 15% 25%

Die offensichtliche Abweichung zwischen dem tatsächlichen Ergebnis, das die entsprechende Partei bei der letzten Wahl erreicht hat, und dem Ergebnis, das in der Stichprobe ausgewiesen wird, ist erheblich und offensichtlich eine Abweichung von der Realität, die man doch mit der angeblich repräsentativen Stichprobe abbilden will.

Was tun?

Gewichten!

Wenn die Daten, die man hat, von der Realität abweichen, dann muss man sie eben an die Realität anpassen, sie manipulieren. Das geht wie in der folgenden Tabelle dargestellt, in dem das tatsächliche Wahlergebnis, zum Ergebnis der letzten Wahl, wie es sich in der Stichprobe darstellt, ins Verhältnis gesetzt wird.

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Gewichtungs-faktor Wahlabsicht Stichprobe
CDU 39% 25% 1,56 20%
Grüne 24% 20% 1,2 15%
SPD 23% 20% 1,15 15%
AfD 5% 15% 0,3 25%

Gemessen am tatsächlichen Wahlergebnis, ist die CDU in der Stichprobe um den Faktor 1,56 unterrepräsentiert, die Grünen um den Faktor 1,2, die SPD um den Faktor 1,15 und die AfD um den Faktor 0,33. Mit anderen Worten: Jeder Befragte, der angibt, bei der letzten Wahl die CDU gewählt zu haben, ist 1,56 Befragte wert, jeder Befragte, der angibt, Grüne gewählt zu haben, 1,2 Befragte, jeder Befragte, der angibt, SPD gewählt zu haben, 1,15 Befragte und jeder Befragte, der angibt, AfD gewählt zu haben, 0,3 Befragte.

Nun muss natürlich noch die Frage nach der Wahlabsicht, die dann als Wahlbarometer in Medien zu finden sein wird, angepasst, also mit dem Gewichtungsfaktor gewichtet werden. Das Ergebnis findet sich in der nächsten Tabelle.

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Gewichtungs-faktor Wahlabsicht Stichprobe Wahlabsicht gewichtet
CDU 39% 25% 1,56 20% 31%
Grüne 24% 20% 1,2 15% 18%
SPD 23% 20% 1,15 15% 17%
AfD 5% 15% 0,3 25% 8%

Eh voila. In der letzten Spalte findet sich nun das gewichtet Endergebnis, wie es das Meinungsforschungsinstitut an die Öffentlichkeit geben wird, mit der Behauptung, es sei ein Ergebnis, das auf Grundlage einer repräsentativen Stichprobe gewonnen wurde.

Und warum findet man keine Angaben zur Anzahl der Befragten, die z.B. CDU oder AfD gewählt haben. Die Antwort lautet: Wegen der Gewichtung, denn die Gewichtung hat Auswirkungen auf die Anzahl der Befragten.

Partei Anzahl tatsächlich Befragter Anzahl gewichteter Befragter
CDU 250 390
Grüne 200 240
SPD 200 230
AfD 150 50

Wie man deutlich sieht, verändert die Gewichtung die Anzahl derer, die als Wähler der Parteien ausgewiesen werden. Mit anderen Worten: Gewichtung verfälscht die tatsächlichen Ergebnisse, macht manche Wähler mehrwertig, andere minderwertig und würde, wiese man sie aus, genau dieses offenkundig werden lassen. Das will natürlich niemand, wäre doch damit auch deutlich, welcher Hokuspokus sich hinter der angeblichen Repräsentativität verbirgt.

Die Tatsache, dass das Ergebnis, das als Endergebnis an die Öffentlichkeit gegeben wird, vom Gewichtungsfaktor abhängt, lässt sich nutzen, um das Ergebnis entsprechend bestimmter Interessen zu gewichten. Ein halbes Prozent hier, ein halbes Prozent da, oder die Einrechnung von 2% Fehlerwahrscheinlichkeit, die man als Meinungsforschungsinstitut immer für sich in Anspruch nehmen kann, und das Ergebnis sieht, aus, wie in der nächsten Tabelle dargestellt – wobei die Richtung der Abweichung vermutlich nach dem Motto funktioniert: Wer bezahlt, bestimmt”.

Partei Tatsächliches Wahlergebnis Wahlergebnis Stichprobe Gewichtungs-faktor Wahlabsicht Stichprobe Wahlabsicht gewichtet inkl. bezahlter Fehler
CDU 39% 25% 1,56 20% 31% 30%
Grüne 24% 20% 1,2 15% 18% 19%
SPD 23% 20% 1,15 15% 17% 18%
AfD 5% 15% 0,3 25% 8% 7%

Nun wird es sicher den einen oder anderen geben, der denkt, diese ein/zwei Prozent in der letzten Spalte, die seien vernachlässigbar. Um diesen Irrtum aufzuklären, muss man nur überlegen, wie sich diese ein/zwei Prozent dann auswirken, wenn eine Partei versucht, die 5%-Hürde zu überspringen oder dann, wenn die Regierungsbildung zwischen zwei ideologischen Lagern umstritten ist und die letztliche Entscheidung von einem oder zwei Prozenten mehr oder weniger für die eine oder andere Richtung abhängig ist.

Zudem muss man sich klar machen, dass die meisten repräsentativen Wahrheiten, die verkauft werden sollen, in Form der 44%, die negative Folgen von Zuwanderung sehen, verkauft werden sollen, also in einer Form, die keinerlei Überprüfung zulässt. Die Möglichkeit, über Gewichtung das Zünglein an der politischen Waage spielen zu können, ist insofern nicht zu unterschätzen.

Schließlich gewichten Umfrageinstitute in der Regel auch auf Grundlage sozio-demographischer Variablen, also nach Alter, Einkommen und Bildung. Entsprechend sind die Möglichkeiten, in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen, vielfältiger als hier dargestellt.

Wer nun immer noch an die Repräsentativität glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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Der Meinungsforschungskrieg um die Lügenpresse

Der Stachel der Lügenpresse, er sitzt tief im Fleisch öffentlich-rechtlicher Anstalten und ihrer Vertreter.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht versucht, wird, den Begriff Lügenpresse und die, die ihn verwenden, zu diskreditieren und im Gegenteil zu zeigen, dass die Medien eine Wahrheitspresse sind.

Der neueste Versuch stammt vom Westdeutschen Rundfunk. Dieses Mal wurde nicht Forsa mit einer Meinungsumfrage betraut, sondern Infratest dimap. Die Infratest-Umfrage ist besser gemacht als die Umfrage von Forsa. Nichtsdestotrotz sind die Elemente der Manipulation klar erkennbar.

Verweilen wir zunächst beim Begleitbericht des WDR, in dem Folgendes zu “Lügenpresse” zu lesen steht:

WDR infratest“So teilen auch 72 Prozent den Vorwurf der “Lügenpresse” nicht – ein nationalsozialistischer Schmäh- und Kampfbegriff, der vor allem bei den “Pegida”-Protesten verwendet wird. Nur 20 Prozent gaben an, dass sie persönlich von “Lügenpresse” sprechen würden, wenn sie an Zeitungen, Radio und Fernsehen in Deutschland denken.”

Nun Lügenpresse ist nicht nur ein Schmäh- und Kampfbegriff, den die Nazis verwendet haben. Tatsächlich haben ihn auch die Nazis verwendet.

Verwendet haben ihn außerdem, wie Wikipedia unter Angabe von Quellen zeigt: “Organisationen der Arbeiterbewegung zur Abwertung von als bürgerlich oder kapitalistisch wahrgenommenen Teilen der Presse sowie …[die] Exilpresse als Bezeichnung für die gleichgeschalteten NS-Medien …. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam das Wort zunächst nur mehr sporadisch vor. Die ab August 1945 erscheinende Frankfurter Rundschau verstand sich explizit als Gegenentwurf zu „Hugenbergs Lügenpresse“. In den Medien der DDR wurde das Wort im Kalten Krieg gelegentlich zur Herabsetzung der westdeutschen Presse benutzt. Für die Westdeutsche Studentenbewegung lässt es sich im Rahmen der Anti-Springer-Kampagne nachweisen”.

Kurz: Lügenpresse ist weder eine Erfindung der Nazis noch der Pegida, es ist ein Begriff, der immer dann auftaucht, wenn Teile der Bevölkerung sich aus einer einseitigen Berichterstattung ausgeschlossen fühlen, den Eindruck haben, sie sollen manipuliert werden oder ideologisch unpassende Inhalte ihrerseits abwerten wollen.

Nun zur Umfrage von Infratest dimap, die nach Ansicht eines anonym gebliebenen Schreibers des WDR zeigt, dass der “überwiegende Teil der Bundesbürger” es völlig “anders sieht als Pegida”. Wobei anders meint: dass der überwiegende Teil der Bevölkerung keine Verachtung gegenüber den Medien hat.

Infratest dimap hat gerade einmal 750 Befragte zusammen bekommen, 750 Deutsche aus der wahlberechtigten Bevölkerung ab 18 Jahre. Ein Anteil von einem Prozent entspricht somit 7-8 Befragten, immer vorausgesetzt, dass alle Befragten auch auf alle Fragen geantwortet haben.

Jeder, der sich schon einmal mit quantitativen Befragungen beschäftigt hat, weiß, dass Befragte nicht zu allen Fragen etwas sagen. Generell kann man drei Gruppen von Befragten unterscheiden:

  1. Schnell hill esserBefragte, die ein Interview zu Ende führen und zu jeder Frage etwas Inhaltliches sagen.
  2. Befragte, die ein Interview zu Ende führen aber nicht zu jeder Frage etwas Inhaltliches sagen.
  3. Befragte, die ein Interview nicht zu Ende führen, es abbrechen, weil sie über eine Frage verärgert sind oder keine Lust oder keine Zeit mehr haben, um das Interview zu Ende zu führen oder die zu keiner Frage eine inhaltliche Angabe machen.

Als Konsequenz gibt es fehlende Werte. Auf Frage 5 haben vielleicht 700 der 750 Befragten eine inhaltliche Antwort gegeben, 50 Befragte haben weiß nicht, keine Ahnung oder nichts gesagt, was sich als Antwort verwerten lässt. Die Anzahl der Befragten, die Frage 5 beantwortet haben, ist demnach um 6,7% geringer als die Anzahl der Befragten in der Gesamtstichprobe. Nur: Das sagt natürlich kein Meinungsforschungsinstitut. Alles, was man von Meinungsforschungsinstituten zu lesen bekommt, ist die Anzahl der insgesamt Befragten. Wie viele davon auf die jeweiligen Fragen geantwortet haben, wie viele als so genannte “missing values” klassifiziert werden mussten, weil sie keine inhaltliche Antwort gegeben haben, das sind Fragen, auf die Meinungsforschungsinstitute keine Antwort geben.

Das Verheimlichen relevanter Informationen, die notwendig sind, um die Qualität einer Befragung zu beurteilen, ist dann eine Form der Manipulation, wenn es absichtlich erfolgt. Man muss davon ausgehen, dass es absichtlich erfolgt, da die entsprechende Angabe zum grundlegenden Handwerkszeug gehört, das ein empirischer Sozialforscher während seiner Ausbildung an Hochschulen erlernt, und die Meinungsforschungsinstitute, sie beschäftigen doch nach eigenen Angaben wissenschaftlich ausgebildete Mitarbeiter.

Infrastet dimap ist eines der Meinungsforschungsinstitute, die schon etwas länger auf dem Markt sind. Entsprechend sind die Methoden des systematischen Vorgaukelns von Wissenschaftlichkeit feiner entwickelt als sie das zum Beispiel bei Forsa sind. So steht zu Beginn der Befragung unter dem Stichpunkt “Untersuchungsanlage” Folgendes zu lesen:

“Fehlertoleranz: 750 Befragte: 1,2* bis 3,5** Prozentpunkte; * bei einem Anteilswert von 5% ** bei einem Anteilswert von 50%.”

Was kann damit gemeint sein? Eine Fehlertoleranz ist gemeinhin ein Bereich, in dem z.B. ein Bohrloch von seiner optimalen Tiefe abweichen kann, ohne dass das Bild von der Wand fällt, nachdem es an den Haken, der im Dübel im Bohrloch verankert wurde, gehängt wurde.

Nimmt man an, dass der Anteilswert den Anteil von Befragten meint, dann kann man errechnen, dass Antworten von 5% der Befragten, also von 37 Befragten, immer vorausgesetzt, alle haben geantwortet, mit einem Fehlerwert von 1,2% belastet sind, d.h. die Angaben, für 9 der 37 Befragten können gemessen an einer fiktiven Grundgesamtheit falsch sein. Bei 50% also wenn 375 Befragte geantwortet haben, beträgt die entsprechende Anzahl falscher Antworten: 26. Jetzt kommt der statistische Gag an der Sache, der Fehler kann eine Abweichung in entweder die eine oder die andere Richtungen zur Folge haben! Aus den 9 werden somit 18, aus den 26 52 Befragte, die falsch ausgewiesen sind.

Klingt etwas kryptisch, erschließt sich aber, wenn man weiß, dass die Befragung von Infratest dimap “repräsentativ” sein soll. Insofern geben die Fehlertoleranzen die Abweichung vom richtigen Ergebnis, wie man es finden würde, befragte man die geamte Bevölkerung, an. Ein mit 4,5% ausgewiesener Wert, hat somit einen Wertebereich von 3,3% bis 5,7%, alles, was in diesem Wertebereich liegt, kann die unter Annahme von Repräsentativität richtige Antwort sein. Stimmen 45% einer Antwortvorgabe zu, dann liegt der repräsentativ richtige Wert in einem Wertebereich von 41,5% bis 48,5%, was eine Abweichung von einmal 2,4% bis 7% (18 bis 52 Befragte) vom ausgewiesenen Wert bedeutet.

In der Befragung sagen 72% auf die Frage, “Im Zusammenhang mit den Protesten der Pegida-Bewegung wird häufiger der Begriff Lügenpresse verwendet. Wenn Sie an Zeitungen, Radio und Fernsehen in Deutschland denken, würden Sie persönlich dann von Lügenpresse sprechen oder nicht?”: “Nein, würde nicht von Lügenpresse sprechen”.

72% der Befragten, die geantwortet haben (wie viele der 750 insgesamt Befragten, das auch gewesen sein mögen), haben also “nein” gesagt. Diese 72% von bestenfalls 750 Befragten werden nun kurzerhand auf die Bevölkerung übertragen, und es wird behauptet, dass 72% der Bevölkerung “nein” sagen, was sie natürlich nicht tun, denn 72% der Bevölkerung wurden nie befragt. Würde man korrekt vorgehen, dann müsste auf Grundlage der oben angegebenen Fehlertoleranzen formuliert werden: Würde man die gesamte Bevölkerung befragen, ob sie den Begriff Lügenpresse verwenden würde, wenn sie an Zeitungen, Radio, Fernsehen in Deutschland denken, dann wäre zu erwarten, dass zwischen 68,5% und 75,5% der Bevölkerung sagen würden, dass sie diesen Begriff nicht verwenden.

Das wäre die korrekte Formulierung, wenn man repräsentative Daten hätte. Nun sind, wie wir schon mehrfach dargestellt haben, die Daten von Meinungsforschungsinstituten nicht repräsentativ, sie können es gar nicht sein, denn Repräsentativität beschreibt ein Ideal, keine empirische Realität. Aber natürlich ist die Behauptung von Repräsentativität für Meinungsforschungsinstitute sehr wichtig. Wer würde einen Pfifferling auf Ergebnisse, basierend auf 750 Befragten geben, wenn sie nicht mit der Behauptung der Repräsentativität daher kämen? Die Symbolik “Repräsentativität” schafft hier nicht nur die Bedeutung des Ergebnisses, sie sorgt auch dafür, dass man Zahlen als vermeintlich repräsentative Zahlen teuer verkaufen und anderen als Beschreibung der Realität auftischen kann.

Soweit zu einigen der technischen Tricks, die mit angeblichen repräsentativen Meinungsumfragen verbunden sind. Nun zu den inhaltlichen Tricks. Wie gesagt, die Befragung von Infratest ist gut gemacht. Der manipulative Teufel, er liegt im Detail, er findet sich in einem Hin und Her der Basis der Fragen.

Hier die Zusammenfassung:

  1. Bewertung der Qualität des Informationsangebot aller deutschen Medien – unspezifizierte Frage;

  2. Entwicklung des Vertrauens in alle deutsche Medien – unspezifizierte Frage;
  3. Einschätzung der Glaubwürdigkeit der Informationen in allen deutschen Medien – unspezifizierte Frage;
  4. Einschätzung der Glaubwürdigkeit einzelner vorgegebener Medien – spezifizierte Frage;
  5. Bewertung genutzter Informationsquellen; – spezifzierte Frage
  6. Bewertung des Vorwurfs der Lügenpresse gegenüber allen deutschen Medien – unspezifizierte Frage;
  7. Bewertung von Lügen in deutschen Medien; spezifizierte Frage;
  8. Einschätzung von Vorgaben der Politik für die Berichterstattung in allen Medien – undspezifizierte Frage

Die Darstellung zeigt ein sehr gekonnt konstruiertes Beispiel dafür, wie man Fragen stellt, ohne die relevanten Fragen zu stellen. Wem ist zum Beispiel aufgefallen, dass die Frage nach der Lügenpresse sich auf alle deutsche Medien bezieht, eine Antwort mit “ja” somit alle deutschen Medien über einen Kamm schert, während sich der Vorwurf der Lügenpresse auf die öffentlich-rechtlichen Medien und Medien bestimmter ideologischer Färbung bezieht. Dagegen ist die Frage danach, ob man glaubt, dass in deutschen Medien absichtlich die Unwahrheit gesagt wird, nachträglich spezifiziert worden, was mit der Lügenpresse-Frage auch möglich gewesen wäre, aber nicht gemacht wurde. Insgesamt ergibt sich ein Bild der Abfolge von unspezifizierten Fragen und von spezifizierten Fragen, wobei unspezifizierte Fragen die Norm darstellen und spezifierte Fragen nachgeschoben werden.

Warum? Weil man einen Kontexteffekt ausnutzen will. Wenn man ganz allgemein und undifferenziert fragt, ob jemand alle Medien für Lügenpresse hält, hat man allein durch die Frage die Wahrscheinlichkeit einer Zustimmung verringert, denn wer würde schon alle Medien über einen Kamm scheren wollen? Um so erstaunlicher, dass 20% der Befragten tatsächlich sagen, sie würden im Zusammenhang mit allen Medien in Deutschland von Lügenpresse sprechen. Eigentlich ein Hammer und mit Sicherheit kein Grund zur Entwarnung! Hat man durch eine unspezifizierte Vorgängerfrage die Wahrscheinlichkeit bestimmter Antworten reduziert und fragt dann spezifisch nach, dann wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass diejenigen, die ursprünglich “nein” gesagt haben, nun bei einer spefizischen Nachfrage “ja” sagen, sie wird deshalb reduziert, weil Befragte versuchen, konsistent zu antworten.

Der Kontexteffekt lässt sich jedoch gegen seinen Nutzer wenden, nämlich dann, wenn hoch affektiv besetzte Themen dazu führen, dass Befragte keinen besonderen Wert auf die Konsistenz ihrer Antworten legen und sich der Kontexteffekt als Folge davon abschwächt. Im Resultat würde man als Ergebnis dieser Manipulation widersprüchliche Ergebnisse erwarten, und das ist genau, was die Umfrage von Infratest dimap produziert hat:

  • 71% der Befragten halten öffentlich-rechtliches Fernsehen für glaubwürdig. 81% der Befragten halten öffentlich-rechtliches Fernsehen für vertrauenswürdig.
    • ABER: 30% der Befragten glauben, dass sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen belogen werden. Entsprechend können nicht 81% der Befragten das öffentlich-rechtliche Fernsehen als vertrauenswürdig ansehen. Ein glatter Widerspruch, der sich aus dem Hin und Her der spezifischen und unspezifischen Fragen ergibt, der versuchten Manipulation der Befragten.
    • ABER: 42% der Befragten sind der Ansicht, dass Staat und Regierung Vorgaben für die Berichterstattung in Medien machen, und 49% der Befragten sind der Ansicht, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen staatlich gelenkt ist. Abermals ist es ein glatter Widerspruch, wenn dennoch 81% sagen, das öffentlich-rechtliche Fernsehen sei vertrauenswürdig oder 71% der Befragten das öffentlich-rechtliche Fernsehen für glaubwürdig halten. Es ist jedenfalls dann ein Widerspruch, wenn man die Prozentrechung im Wertebereich von 0% und 100% betreibt.

Bei derart krassen Widersprüchen fragt man sich unwillkürlich, was die Infratester da gemessen haben und wie viele Befragte jeweils Antworten auf die entsprechenden Fragen gegeben haben. Unabhängig von den Antworten auf diese Fragen kann man feststellen, dass die Befragung von Infratest dimap alles andere als valide ist. Man kann sie schlicht in den Mülleimer werfen, dorthin, wo sich der Rahmenbeitrag, den ein anonymer Schreiber des WDR geschrieben hat, um abermals ins Hirn der Leser zu nageln, dass Pegida und nur Pegida für den Vorwurf der Lügenpresse verantwortlich ist, bereits befindet.

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Lügenpresse und Meinungsmacher: Was für eine Koalition!

Die Meinungsforscher sind wieder unterwegs. Und dieses Mal ist die Grenze zwischen Meinungsforscher und Meinungsmacher so verschwommen, dass man sie vollkommen aus dem Blick verloren hat.

Doch der Reihe nach: “44 Prozent der Deutschen teilen den ‘Lügenpresse’-Vorwurf von Pegida“, so titel der Stern seit 13.30 Uhr.

44% der Deutschen wurden natürlich nicht befragt, sondern nur 1.002 Personen, von denen Forsa behauptet, sie seien repräsentativ für Deutschland. 441 teilen entsprechen und angeblich den Lügenpresse-Vorwurf von Pegida. Ob der Lügenpresse Vorwurf von Pegida stammt, das wollen wir einmal dahingestellt lassen.

Forsa, das Institut, das u.a. mit diesem Ergebnis glänzt, beschreibt sich selbst als ein Institut das

“sich aller Methoden der empirischen Sozialforschung – sowohl im Bereich der Politik-, Meinungs- und Wahlforschung als auch bei der Markt-, Sozial- und Medienforschung sowie bei Studien über die Zufriedenheit mit Produkten, Unternehmen und Marken und bei Kommunikations- und Medienanalysen” bedient.

Bedienen ist hier wohl das operative Wort.

Angeblich arbeiten bei Forsa

“wissenschaftliche Mitarbeiter mit akademischer Ausbildung in sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern (Soziologen, Psychologen, Ökonomen und Statistiker). forsa beschäftigt zur Zeit ca. 80 Mitarbeiter (darunter ca. 40 Wissenschaftler).”

Wenn sich Forsa “aller Methoden der empirischen Sozialforschung” bedient und dort 40 Wissenschaftler arbeiten, dann sollte zumindest einer davon schon einmal etwas von suggestiven Fragen gehört haben.

Holm_“Bei einer suggestiven Frage wird den Befragten die Antwort ‘in den Mund gelegt’, d.h. die Frageformulierung beeinflusst die Anwtort in einer bestimmten Richtung.”

Suggestive Fragen werden bei Kurt Holm, einem derjenigen, die sich akribisch um die empirische Sozialforschung bemüht haben, unter manipulativen Befragungstechniken geführt.

Warum?

Weil man bereits vor der Befragung weiß, was dabei herauskommt.

  1. “Die Flüchtlinge sollen sich untereinander bekämpfen und totschlagen. Dann haben wir hier Ruhe vor dem Pack.”
  2. “Die von Merkel gerufenen Flüchtlinge wollen unsere Geschäfte plündern, unsere Frauen und Töchter vergewaltigen und unsere Wohnungen demolieren, ohne dass sie bestraft werden.”
  3. “Thomas de Maiziere soll der Teufel holen.”
  4. “Der einzige Weg unser Land noch zu retten, ist die Schließung der Grenzen und die Einführung eines Schießbefehls”.
  5. “Dieses Rattenpack bringt nur Unruhe, Gewalt, Ignoranz und Krankheiten in unser Land. Deutsche müssen deshalb um ihr Land kämpfen”.

Forsa SternDas sind Aussagen, die die Telefonisten von Forsa den Befragten, derer sie telefonisch habhaft werden konnten, vorlesen mussten.

Wundert es jemanden, dass auf jede der fünf Aussagen regelmäßig 90% und mehr sagen, sie stimmen nicht zu? Es ist vorherzusehen, dass die Ablehnung dieser Aussagen überwältigend ausfällt, da die Aussagen, die einmal als “Original-Pegida Aussagen” bezeichnet werden und einmal als “aus dem Pegida-Umfeld” stammend, was auch immer das Pegida-Umfeld sein soll, so formuliert sind, dass ein normaler Mensch ihnen nicht zustimmen wird.

Die überwältigende Ablehnung dieser Aussagen ist also vorherzusehen, die Formulierung der Aussagen sorgt für das Ergebnis. Insofern Forsa hier angeblich Aussagen verwendet, die aus dem “Umfeld” von Pegida stammen, muss sich das Institut fragen lassen, was mit der Auswahl von Extremaussagen bezweckt wurde. Es gibt aus dem “Pegida-Umfeld” sicher auch gemäßigtere Ansichten. Die entsprechenden Aussagen sucht man in der Liste von Forsa jedoch vergeblich.

Die ausschließliche Auswahl von Extremaussagen stellt eine weitere Methode der Manipulation dar, denn wenn man die Zustimmung bzw. Ablehnung zu Aussagen erfragen will, um z.B. die Legitimation einer Organisation zu bestimmen und nur Extremaussagen bereitstellt, die wiederum geeignet sind, breite Ablehung hervorzurufen, dann hat man damit nicht nur die Antworten manipuliert, sondern gleichzeitig eine manipulierte Grundlage geschaffen, um verkünden zu können: Seht Ihr, diese Organisation, im vorliegenden Fall Pegida, ist gar nicht legitimiert, die Deutschen lehnen Pegida bzw. ihre Aussagen ab bzw. nur ein Zehntel der Bundesbürger stimmt ihnen zu.

Mission accomplished.

Ganz davon abgesehen, kann man auch bei Forsa mit Sicherheit nicht wissen, welchem Stimuli, von den vielen, die in den Aussagen vorhanden sind, Befragte nun zustimmen bzw. welche sie ablehnen. Sind sie der Ansicht, Flüchtlinge seien Rattenpack, das nur Unruhe bringe oder nicht oder bringen Flüchtlinge, die als Rattenpack bezeichnet werden, Gewalt oder bringen sie Krankheiten oder Ignoranz? Als empirischer Sozialforscher kann man sich für eine derartige Umfrage, wie die von Forsa nur als nicht zuständig erklären und feststellen: Das hat nichts mit seriöser Meinungsforschung und schon gar nichts mit empirischer Sozialforschung zu tun. Das ist plumpe Meinungsmache.

Auch die 44% Lügenpresse-Zustimmer sind Meinungsmache, denn auch die Aussage zur Lügenpresse ist suggestiv und manipulativ und beinhaltet mehrere Stimuli, ganz davon abgesehen, dass man der Aussage voll und ganz oder eher zustimmen kann, aber nur “nicht zustimmen”, nicht etwa “eher nicht zustimmen” kann. Ein weiterer Fauxpas, der einem empirischen Sozialforscher nicht passiert.

Doch zur Aussage:

“Die von oben gesteuerten Medien verbreiten nur geschönte und unzutreffende Meldungen”.

Damit ist ausgeschlossen, dass:

  • Medien, die nur geschönte Meldungen verbreiten, nicht von oben gesteuert sind.
  • Medien geschönte und zutreffende Meldungen verbreiten.
  • Medien ungeschönte und unzutreffende Meldungen verbreiten.
  • Medien von oben gesteuert sind und ungeschönte und unzutreffende Meldungen verbreiten.
  • usw.

framingKurz: Die Antwortvorgabe ist wertlos, denn sie enthält insgesamt drei Stimuli, so dass man keine Ahnung hat, worauf der Befragt reagiert hat. Ist er nun der Ansicht, die Medien seien von oben gesteuert? Ist er der Ansicht, die Medien verbreiten geschönte Meldungen? Ist er der Ansicht, die Medien verbreiten unzutreffende Meldungen? Oder ist er der Meinung, alle drei Stimuli treffen zu?

Und was hat diese Aussage mit dem Begriff “Lügenpresse” zu tun? Der Begriff kommt darin überhaupt nicht vor. Entsprechend können auch nicht 44% der Befragten den Lügenpresse-Vorwurf von Pegida teilen.

Diese Interpretation der Ergebnisse, die dazu gedacht ist, die Ergebnisse zu entschärfen und zu diskreditieren, weil ja viel Mühe darauf verwendet wurde zu zeigen, was für extreme Spinner bei Pegida unterwegs sind, die über so gut wie keinen Rückhalt “in der Bevölkerung” verfügen, ist also nicht möglich.

Nimmt man den Begriff Lügenpresse, der in der Befragung nach den veröffentlichten Unterlagen gar nicht vorkommt, aus dem Rennen und stellt in Rechnung, dass man nicht weiß, worauf die 44% der Befragten reagiert haben, dann steht unterm Strich, dass 441 Befragte von 1002 Befragten der Ansicht sind, bei Medien werde geschönt oder von Medien werden unzutreffende Meldungen verbreitet oder Medien sind von “oben gesteuert”, wer auch immer “oben” sein mag. Das hat mit Lügenpresse nichts zu tun, sondern damit, dass die 441 Befragten, die doch für die Bevölkerung Deutschlands repräsentativ sein sollen, ein massives Unwohlsein mit der Berichterstattung in Medien verbinden.

Und wenn man die Berichterstattung im Stern über die Umfrage von Forsa betrachtet, dann muss man feststellen, dass die entsprechenden Ansichten wohl gerechtfertigt sind, nicht, weil eine Steuerung der Medien von oben naheliegen würde, sondern weil in Medien wie in allen Bereichen, in denen die Mittelschicht sich Pöstchen zuschiebt, eine Entprofessionalisierung mit einem Verlust grundlegender Fähigkeiten einhergeht, die man benötigt, um z.B. Journalismus zu betreiben. Anders formuliert: Die meisten deutschen Journalisten muss man nicht von oben steuern, damit sie Falschmeldungen verbreiten oder Nachrichten in einem ideologischen Licht verzerren: Die können es von sich aus nicht besser.

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“Problembürger”: neue akademisierte Beleidigung durch Problembeamte?

Der Ton wird rauer.

Norbert Frei, der als Hochschullehrer im Fach “Geschichte” an der Universität Jena von Steuergeldern lebt, er hat eine neue Note in die Diskussion um Pegida gebracht:

Klemperer LTI“‘Pegida’ verwendet Begriffe wie die Nationalsozialisten in der Weimarer Republik, so der Historiker Frei in den tagesthemen. Die Demonstranten seien keine besorgten Bürger, sondern Problembürger. Politik und Verfassungsschutz müssten handeln.

Das, von einem Historiker gesagt, der für sich reklamiert gebildet zu sein, ist bedenklich, mehr als bedenklich, fast, dass man sich an Oswald Spengler erinnert fühlt, der auch in Bausch und Bogen über die Köpfe von Menschen hinweggefegt ist.

Um die Aussage von Frei, dem Historiker, in ihrer Tragweite richtig zu würdigen, ist es notwendig, sie auseinanderzunehmen:

“Pegida” verwendet Begriffe, so wird er von der ARD zitiert. Nur: Pegida gibt es nicht. Und Pegida spricht nicht. Es sprechen immer nur Menschen, Einzelne, manchmal auch Gruppen, die skandieren oder Chöre, die Singsang sprechen. Die Behauptung “Pegida” verwende Begriffe ist also Unsinn, nützlicher Unsinn, denn durch den kleinen Trick, kann man alle, die bei Pegida mitlaufen über einen Kamm scheren. Es ist übrigens, wie die historische Forschung herausgefunden hat, vor allem Kurt Sontheimer und Theodor Adorno (vor allem seine Mitarbeiter) sind hier sehr verdienstvoll, ein Markenzeichen von autoritären Persönlichkeiten, dass sie übertriebene Verallgemeinerungen und Schuldzuschreibungen vornehmen, dass sie die vielen Einzelnen, die Tausend Pegidianer entindividualisieren, gleichschalten und als Masse, als Pegida bezeichnen.

Wie der Historiker Norbert Frei sicher weiß, war die Kollektivierung von Einzelnen, die Verleugnung individueller Unterschiede der Trick, den die Nazis und die Kommunisten unter Lenin wie Stalin angewendet haben, um die Eigengruppe abzugrenzen und die Fremdgruppe der Feinde zu definieren. Alle Volksbürger und alle Genossen waren gleich und hatten einen ebenso undifferenzierten Feind – oder einen Problembürger?

Denn die Nazis haben Juden als Problem angesehen, Lenin hat u.a. den russischen Adel und alle, die Kerenski nahestanden, als Problem angesehen und Stalin hat eine Vielzahl entsprechender Probleme im Verlauf seiner Herrschaft beseitigt, so hat jeder seine Problembürger, Bürger, die nicht passen wollen.

Der beschriebene Kollektivismus, er feiert fröhliche Auferstehung, dieses Mal aus dem Mund von Norbert Frei, der nicht nur den Problembürger geschaffen hat, er hat auch gleich die Kollektivstrafe wiederbelebt, die seit Jahrtausenden (nicht erst seit den Nazis) erfolgreich eingesetzt wird, um wahllos Menschen zu verhaften, zu deportieren oder freundlicher: zu Problembürgern zu machen.

Oder wie Norbert Frei sagt:

“Die Leute, die da heute mitlaufen, können sich nicht mehr darauf berufen, dass ihnen das in den Tiefendimensionen nicht bekannt sei”, sagte Frei weiter. Jeder Demo-Teilnehmer wisse, was er da tue und müsse zur Verantwortung gezogen werden, wenn es zu Ausschreitungen komme oder damagogische Symbole verwendet würden.

Mitgegangen, mitgehangen hat man früher gesagt. Und sicher gilt die Forderung von Frei nicht nur für Rechte, sondern auch für Linke, wenn sie wieder friedlich in Frankfurt demonstrieren und dabei Polizeiautos anzünden (und natürlich für Problembeamte, die akademisierte Beleidigungen absondern, was letztlich nach der Lex Frei zur Schließung ganzer Fachbereiche führen muss). Man kann nur hoffen, dass Frei nicht weiß, was er da zusammenplappert, dass er nicht weiß, was er tut und ihm “die Tiefendimension” seiner eigenen Aussage nicht bewusst ist.

Aber was ist die Tiefendimension?

Beginnen wir mit einer Frage: Was will Herr Frei mit den Problembürgern machen, die weiterhin “mitlaufen”? Wie will er sie zur Verantwortung ziehen, wenn einer der sagen wir 4.999 anderen Demonstranten ein “demagogisches Symbol” verwendet?

Sollen dann alle Demonstranten unter Hausarrest gestellt werden, bei ihrem Arbeitgeber gemeldet werden? Sollen alle Demonstranten ihre Bürgerrechte verlieren oder in einem Lager in der Lüneburger Heide interniert werden, mit Stacheldraht drumrum und Hundestreifen? Oder was schwebt dem Historiker aus Jena vor?

Was vor allem wäre anders, wenn man damit beginnen würde, Kritiker, die das Pech haben, ebi einer Demonstration mitzulaufen, bei der ein Demonstrant ein “demagogisches Symbol” verwendet oder Begriffe fallen, die auch von den Nationlsozialisten verwendet wurden, wie z.B. Bürger oder Arbeiter oder Aktiengesellschaft oder Geschichtswissenschaft oder Pack von einer weiteren Teilnahme abzuschrecken oder daran zu hindern?

Man würde sie nicht mehr sehen.
Aber sie wären noch da – würden vermutlich in ihrer Wohnung sitzen und brüten und weiterhin Problembürger sein!

Was tun, Herr Frei?

ARD ProblembuergerWie sieht das “harte Durchgreifen” aus, das Norbert Frei fordert? Welche Handlung folgt von Seiten der Politik, des Staates, des Verfassungsschutzes gegenüber den “Problembürgern”, gegenüber den Bürgern, “die uns Sorgen machen müssen”? Und wer ist “uns” in diesem Zusammenhang?

Wie wäre es damit, die Problembürger in Umerziehungslager zu stecken? Das wurde schon mit mehr oder weniger Erfolg in der Vergangenheit probiert. Das weiß der Historiker Frei bestimmt. Dort müssen die Problembürger dann jeden Tag von morgens 6 Uhr bis abends 10 Uhr den Katechismus der Demokratie nachbeten. Sie wissen schon: Meinungsfreiheit, individuelle Freiheit, Versammlungsfreiheit und so.

Wie wäre es damit, neue Erkenntnisse aus der Neurologie einzusetzen, eine Psychopharmaka-Pflicht für Pegida-Mitläufer, solche, die Pegida-Mitläufer waren, Pegida-Mitläufern Unterschlupf gewährt haben, sie verteidigt haben oder am Ende verstanden haben oder, ganz schlimm, versucht haben, über die Interessen der Pegida-Outlaws eine rationale Diskussion zu führen. Rationalität, auch so etwas, was sich in der Weimarer Republik aufgelöst hat, von links und von rechts, in Irrationalität und Lagerdenken, Lagerdenken in beiden Formen der Bedeutung. Ziel der eigens entwickelten Psychopharmaka für Pegida-Mitläufer und alle anderen, die ein gutes Haar an Pegida lassen, z.B. in dem sie darauf hinweisen, dass es “die Pegida” nicht gibt, sondern ein paar Tausend Menschen mit unterschiedlichsten Interessen, Ziel dieser Psychopharmaka ist es natürlich, abweichende Gedanken, also solche, die zu Kritik am System führen können, zu blocken, sie zu erledigen noch ehe sie entstanden sind. Wenn es dazu notwendig ist, die Pegida-Demonstranten und ihrer Helfer und Helfershelfer und Versteher in einen dauerhaften Dämmerzustand zu versetzen, ist das auch in Ordnung.

Und natürlich müssen Pegida-Demonstranten eine elektronische Fussfessel verpasst bekommen, damit Norbert Frei auf seinem Bildschirm in seinem Jenaer Büro jederzeit nachvollziehen kann, wo sich die Pegida-Demonstranten befinden und bei auffälligen Klumpungen von Fussfesselträgern sofort die zustände Einheit der Bundespolizei verständigen kann.

Ja, die Möglichkeiten der Behandlung sie sind schier endlos, jedenfalls solange das Problem mit den Problembürgern nicht endgültig gelöst ist. Vielleicht arbeitet Norbert Frei ja schon an einer entsprechenden Problemlösung. Als Historiker hat er da sicher ein paar Ideen.

Gestern haben wir gedacht, weiter unten kann man nicht mehr aufschlagen als wir den Beitrag von Patrick Gensing analysiert haben. Und heute kommt Norbert Frei, ein Historiker aus Jena. Wir sehen uns falsifiziert. Man kann noch weiter unten aufschlagen, noch weiter in den irrationalen Kollektivismus abdriften, in dem aus Tausenden von Menschen, “die Pegida” wird, jene gleichgeschaltete, entindividualisierte und zu einem Problembürger vermanschte Anzahl von Menschen.

Das, so weiß Herr Frei sicher, war auch ein Markenzeichen des Dritten Reiches, die Entindividualisierung, die Kollektivierung, die Gleichschaltung verschiedener Individuen unter einem abstrakten Begriff und die vollständige Intoleranz gegenüber jeglicher Form von Abweichung von der als richtig angesehenen Ideologie. Insofern sich hier Geschichte wiederholt, hat Deutschland tatsächlich ein Problem, ein erhebliches Problem, mit Problemangestellten an Universitäten, die Keile in die Bevölkerung treiben.

Die Mitstech-Legende: Öffentlich-rechtlicher Schmierenjournalismus vereint im Hass

Patrick Gensing, den Namen muss man sich merken. Gensing ist Redakteur bei Tagesschau.de und Autor eines Beitrags, mit dem die öffentlich-rechtliche ARD nun endgültig den Boden des seriösen Journalismus verlassen und ins Lager des Schmierenjournalismus übergewechselt ist.

Für uns Beobachter von der Insel ist es wirklich erstaunlich, wie wenig es braucht, damit die deutsche Schönwetterdemokratie sich als die Einbildung herausstellt, die sie nun einmal ist.

Es braucht ein Attentat, einen Attentäter der von sich sagt oder über den gesagt wird oder von dem behauptet wird, er sei … ja, was eigentlich, rechtsextrem, fremdenfeindlich, xenophob, Kölner… irgendwas, was diskreditierungsfähig ist halt.

Und daraus mischt Patrick Gensing eine braune Soße, und wir sezieren sie.
Absatz für Absatz.

ARD Vereint im HassDer Anschlag von Köln und Pegida: Vereint in Hass auf Flüchtlinge und das System“, so lautet die Überschrift, die an die publizistische Meisterleistung erinnert, mit der Joseph Goebbels, den Anschlag auf Ernst Eduard vom Rath, Diplomat für Hitler in Paris, verübt von Hermann Grünspan benutzt hat, um die Reichskristallnacht loszutreten – Auch damals wurde ein Zusammenhang zwischen der Tat eines Einzelen und einer Gruppe von Menschen hergestellt. Damals wurde die Gruppe über ihr Merkmal “Jude” identifiziert, heute über eine falsche Einstellung.

“Wenn der braune Mob loslegt, dann kann es jeden treffen”, das sagt Katja Kipping von der Linkspartei und warnt damit vor einer Eskalation der Gewalt. Wir warnen vor einer Eskalation der Dummheit, denn natürlich kann es nicht jeden treffen, denn wenn es jeden treffen könnte, gäbe es keinen braunen Mob bzw. müsste sich der braune Mob gegen sich selbst richten, was auch wieder bedeuten würde, dass es nicht jeden treffen kann. Wir sehen: Nicht jeder, der sprechen kann, kann auch Sprache benutzen (oder gar richtig denken), und nicht jeder der mit linken Devotionalien wie “brauner Mob” um sich wirft, hat die geistige Reife, das auch zu tun.

Der “braune Mob”, der für alle, einschließlich sich selbst, eine Gefahr ist, er bildet den Auftakt zum Beitrag von Patrick Gensing in der ARD. Es folgt der Einzeltäter, jener Einzeltäter aus Köln, der mit einem Messer hantiert hat. Er ist – wie Gensing unter Bezug auf die objektive Quelle “Antifa” und deren “Recherchen” weiß – in einer Szene unterwegs gewesen, in der auch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, für alle, die es nicht wissen, NSU, Nationalsozialistischer Untergrund, unterwegs waren. Guilty by Association nennt man das im Englischen. Es ist ein Fehlschluss.

Aber es dient der ersten Eskalationsstufe im Manipulationswerk von Gensing, den die Steuerzahler, auch die Steuerzahler von Pegida, finanzieren, die da lautet: Brauner Mob kann jeden treffen, der Attentäter von Köln ist brauner Mob und schlimmer noch, NSU, jedenfalls ist er in den selben Kreise recherchiert worden, von der Antifa, die in öffentlich-rechtlichen Kreisen als verlässliche Quelle gilt. Tief sind wir gesunken.

Aber noch nicht tief genug.

Zwei Absätze widmet Gensing dem Anliegen, rechtsxtreme Täter, Neonazis und Straftäter, die in einer Datenbank, die so unbekannt ist, dass sie nicht einmal einen Namen hat, der rechtsxtremen Szene zugeordnet werden, als Einzeltäter darzustellen. Die Anstrengung dient der Verbreitung des Mythos vom rechtsxtremen “führerlosen Widerstand”, also niemand führt, niemand strukturiert, niemand organisiert und dennoch sollen alle auf die selbe Weise ausgerichtet und organisiert sein.

Der Mythos des “führerlosen Widerstands” ist instrumentell im Text von Gensing, denn er dient dazu, das böse Agens, das wir schon analysiert haben, jene esoterische Dämonenvorstellung, von der Leute wie Gensing besessen sind, einzuführen. Ganz nebenbei ist Einzeltäter mit rechtsextremem Hintergrund natürlich immer gut, um Anders Breyvik anzuführen. Gäbe es Breyvik nicht, man müsste ihn erfinden, als personifiziertes Böses.

Bis hier gibt es also einen braunen Mob, der sich in führerlose Einzeltäter auflöst und Anders Breyvik.

Jetzt kommen “Politiker und Experten”, die Pegida eine Mitverantwortung für das Attentat auf Henriette Reker in Köln zuweisen. Und wenn das Experten behaupten, Experten wie Hajo Funke oder Andreas Zick, der auf dem gleichen Sender einmal als Konfliktforscher und einmal als Sozialpsychologe geführt wird, und kein Mal als Stiftungsvorstand der Amadeu Antonio Stiftung, dann muss das so sein, dann muss es ein böses Agens geben, das die Kette der Wahnvorstellung, die Gensing bislang gewoben hat, schließt: Brauner Mob, rechtsxtreme Einzeltäter und Pegida als geistige Mentoren des rechtsextremen und führerlosen Widerstands.

Und damit die Message auch nachhause genagelt wird, kommt nicht nur der Stiftungsvorstand der Amadeu Antonio Stiftung, Sozialpsychologe oder Konfliktfoscher oder was auch immer Zick zu Wort, sondern auch “Timo Reinfrank von der “Amadeu Antonio Stiftung”. Und jener Reinfrank, der weiß, wer schuldig ist:

Timo Reinfrank von der “Amadeu Antonio Stiftung” kritisierte, dass die rechtspopulistischen und islamfeindlichen Inhalte von “Pegida” als vermeintlich berechtigte Ängste verharmlost worden seien. “Die Drohungen gegen Flüchtlinge und Migranten, die auch immer wieder am Rande oder nach Pegida-Demonstrationen zu realer Gewalt führten, wurden nicht als Bedrohung der inneren Sicherheit verstanden.” Der Anschlag von Köln zeige, so Reinfrank weiter, dass Pegida “mitgestochen” habe.

Zum Thema “mitgestochen” haben wir uns bereits geäußert. Dass Reinfrank, der von Rechtsextremen lebt und ohne Rechtsextreme arbeitslos wäre, ein Interesse daran hat, die Gefahr von Rechts zu stilisieren und warm zu halten, ist vermutlich der Hauptgrund für die Mitstech-Legende. Mit seiner Behauptung, dass am Rande von Pegida-Demonstrationen “reale Gewalt” verübt worden sei, stellt der unvorsichtige Reinfrank aber eine Tatsachenbehauptung auf, die ausgerechnet die Bundesregierung als falsch ausgewiesen hat:
BT18-4068

“Die Veranstaltungen der PEGIDA und ähnlichen Aktionsformen verliefen überwiegend störungsfrei. Nur in Einzelfällen kam es im Rahmen von Konfrontationen mit Gegendemonstranten und Anhängern dieser Strömungen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. In Anbetracht der zum Teil erheblichen Anzahl von Demonstranten wurden bisher jedoch verhältnismäßig wenige Straftaten mit Bezug zu den jeweiligen Veranstaltungen festgestellt.” Das schreibt die Bundesregierung.”

Amadeu Antonio GUVDass Reinfrank es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, ist vermutlich seinem Eifer geschuldet, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, und die Mitstech-Legende in Zählbares zu verwandeln: Steuermittel für Aktionen gegen Rechts, für Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor rechten Eltern, für Erziehung von Schülern zu treuen und nicht rechten Staatsbürgern und alles durch die Amadeu Antonio Stiftung, die schon jetzt fast vollständig von deutschen Ministerien unterhalten wird. Arbeitsplatzsicherung nennt man das.

Die Meldung, die Gensing den Lesern der Tagesschau, die für dieses Stück Schmierenjournalismus Gebühren bezahlen, mit auf den Weg geben will, ist denmnach die folgende:

Brauner Mob ist für alle gefährlich. Rechte sind Einzeltäter. Breyvik ist rechts. Einzeltäter sind führerloser Widerstand, der durch eine geheimnisvolle, dämonische Macht, ein böses Agens angeleitet wird, Pegida, das ist der Ursprung dieses bösen Agens, dieser geheimnisvollen Macht, und Anders Breyvik, das ist der, der zeigt, wozu diese geheimnisvolle, dämonische Macht fähig ist. Wer bei Pegida mitläuft, der ist für Anders Breyvik nachträglich und für den Attentäter von Köln vor allem verantwortlich. Wer Pegida-Versteher ist, ein Attribut, das Werner Patzelt angeheftet wurde, weil er versucht, die Diskussion um Pegida auf Grundlage der Fakten zu führen, der ist auch schuld, mitschuld – woran auch immer.

Das also ist die Qualität des Journalismus, den öffentlich-rechtliche Anstalten ihren Lesern zumuten. Es ist Schmierenjournalismus und widerlich und mit einem eindeutigen Ziel verfasst: Brandstiftung und Brunnenvergiftung, denn: Welche Reaktion gibt es wohl, wenn man einem ganz normalen Menschen, der bislang bei Pegida mitgelaufen ist, weil er seinen Unmut über die deutsche Politik zum Ausdruck bringen will, zum Komplizen im Attentat von Köln, zum geistigen Mentor der NSU und zum Weggefährten von Anders Breyvik erklärt?

So lange es in Deutschland Redakteure wie Patrick Gensing bei öffentlich-rechtlichen Anstalten gibt, braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass die Situation nicht eskalieren wird. Offensichtlich gibt es eine ganze Reihe von Gutmenschen, die endlich Blut sehen wollen, denen ein Attentätchen nicht reicht, denn es hat sie erst auf den Geschmack gebracht.

Freuen wir uns also auf den LiveFeed von der Pegida-Demonstration. Sie wissen ja: Bei der ARD sitzt man in der ersten Reihe, und vielleicht fließt ja wirklich Blut – live und in Farbe!

Die Hemmschwelle: Ein Justizminister, der diffamiert und an Geister glaubt

Wir haben uns gestern schon zu einer interessanten geistigen Fehlleistung geäußert. Dabei geht es um kausale Beziehungen. Also um Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Wenn z.B. jemand eine Frage stellt und ein anderer antwortet, dann ist man zumeist geneigt, die Frage als Ursache der Antwort anzusehen, selbst dann, wenn die Antwort mit der Frage nicht viel gemein hat. Die zeitliche Nähe und die Tatsache, dass Frager und Antworter in einer in der Regel erkennbaren Beziehung zueinander stehen bzw. dass man eine solche Beziehung herstellen kann, sind die Ursache für die Annahme der Kausalität.

Problematisch wird es mit der Kausalität, wenn Ursache und Wirkung sich nicht unmittelbar nachfolgen, wenn die Ursache vorgestern war und die Wirkung heute sein soll. Noch problematischer wird es mit der Kausalität, wenn nicht nur eine zeitliche Entfernung zwischen Ursache und Wirkung, sondern zudem keine direkte und begründete Beziehung zwischen beiden hergestellt werden kann.

Das ist eine Situation, wie geschaffen für Wahnvorstellungen, wie geschaffen für Brandstifter, wie geschaffen für Geisterheiler und Phantasten aller Art und wie geschaffen für Politiker, denn die Haupttätigkeit, die Politiker heutzutage für sich entdeckt zu haben scheinen, besteht darin, mehr oder weniger sinnfreie Beziehungen zu behaupten und als Ursache und Wirkung auszugeben.

Es sind diese Situationen, in denen Politiker versuchen Verbindungen herzustellen, die ihnen genehm sind, in denen der Geisterglaube, der Glaube an frei flottierende Viren, an Dämonen und Geister seine Blüte erlebt, z.B. dann, wenn Heiko Maas das Folgende von sich gibt:

Heiko Maas“Heiko Maas: Nein. Ich finde, wir müssen an dieser Stelle klar Farbe bekennen. Deutschland ist ein tolerantes und weltoffenes Land. Bei Pegida versammelt sich eine extrem radikale Minderheit. Wer Galgen baut und Menschen daran baumeln sehen will, setzt Hemmschwellen herab. Niemand, der da mitläuft, kann sich von der Verantwortung frei machen, für die Taten, die diese Hetze inspiriert. Für brennende Heime oder verletze Flüchtlingshelfer. Da gibt es keine Ausrede mehr.”

Und weil das noch nicht reicht, kommt Andreas Zick, der als Vorsitzender des Stiftungsrates der Amadeu Antonio Stiftung, die davon lebt, dass es Rechtsextreme gibt, gegen die die Stiftung steuerfinanzierte Maßnahmen durchführen kann, der also ein Interesse daran hat, dass der Nachschub an Rechtsextremen auch nicht versiegt (selbst wenn man die gesellschaftliche Mitte anbohren muss), und gibt Folgendes zum Besten:

“Menschen können sich durch die fremdenfeindlichen Parolen der “Pegida”-Bewegung zur Gewalt angestachelt fühlen, warnen auch Experten, wie der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick: “Die AfD heizt die Stimmung an. Man muss auf [den] Ton achten, der sehr aggressiv ist. Auch die entsprechenden Symbole sind da. Die AfD schürt diesen Konflikt, in den wir alle hineingezogen werden.””

Beide, Maas und Zick, machen also eine kausale Verbindung zwischen Pegida, AfD (dem politischen Gegner von zumindest Heiko Maas, mit dem er um Wählerstimmen konkurriert) und “brennenden Flüchtlingsheimen und verletzten Flüchtlingshelfern” oder ganz allgemein “Gewalt”, zu der sich Menschen durch die Pegida angestachelt fühlen können, wie der Konfliktforscher Zick zu wissen meint (wobei das “können” das operative Wort hier ist, denn können kann man vieles …).

//platform.twitter.com/widgets.js Die Kausalität, die Maas und Zick behaupten, und die von der Ursache “Pegida” oder “AfD” zur Wirkung “brennendes Flüchtlingsheim”, “verletzter Flüchtlingshelfer” oder “Gewalt allgemein” führt, wird bei beiden durch eine dritte Variable, die die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung sicherstellen soll, vermittelt: durch die angeheizte Stimmung bei Zick und durch die von gebauten Galgen herabgesetzte Hemmschwelle bei Maas.

Also: Galgen bei Pegida führt zu heruntergesetzter Hemmschwelle, führt zu verletzten Flüchtlingshelfern oder brennenden Flüchtlingsheimen.
Und: Fremdenfeindliche Parolen können Menschen anstacheln und zu Gewalt führen.

Das muss man sich in Ruhe zu Gemüte führen. Ein Justizminister, der einem Stand von Leuten vorsteht, die auf Grundlage von Indizien oder Beweisen ein Urteil fällen sollen, glaubt an spirituelle Verbindungen, einen klimatischen Dämon (einem, der das Klima vergiftet), der zwischen einem Galgen an einem Ort und einem brennenden Flüchlingsheim an einem anderen Ort eine Verbindung herstellt, und ein angeblicher Konfliktforscher hängt dem Glauben an, dass Parolen an einem Ort anstacheln können und zu Gewalt an einem anderen Ort führen können.

Um sich zu vergegenwärtigen, dass diese Rabulistik sich nicht einmal als logischer Fehlschluss qualifiziert, muss man nur die folgenden Behauptungen aufstellen:

Die Tatsache, dass ein Justizminister versucht, einen Teil seiner Bevölkerung zu kriminalisieren und als Personae non Gratae darzustellen, radikalisiert Dritte, die die Bekundungen des Justiztministern als Beleg dafür nehmen, dass die Interessen von Menschen dann, wenn sie der politischen Kaste nicht in den Kram passen, nicht ernst genommen werden, dazu, Flüchtlingsheime anzuzünden und Flüchtlingshelfer zu verletzten, und zwar als Kompensation dafür, dass man in der politischen Kaste kein Gehör findet.

Oder: Das ständige Zetern von angeblichen Forschern für irgendetwas, die von Symbolen faseln, die dazu aufstacheln können, dass Gewalt verübt wird, hat zur Folge, dass Dritte, die mit der Pegida überhaupt nichts zu tun haben, auf den Geschmack kommen und denken, der Herr Zick hat Recht, ich werde radikal, stachle mich auf und verübe Gewalt, damit er hat, was er sich wünscht.

Dass man in Deutschland mit derart dummen und leicht durchschaubaren Manipulationsversuchen Claqueure auf seine Seite ziehen kann, ist einer der Gründe dafür, dass Deutschland weder ein demokratisches System hat noch eine Zivilgesellschaft. Deutschland ist und bleibt (bis auf weiteres) ein Obrigkeitsstaat, in dem diejenigen, die sich oben wähnen, hoch alarmiert reagieren, wenn sie Kritik ausgesetzt sind, die man in demokratischen Gesellschaften als normale Wahrnehmung demokratischer Rechte ansehen würde.

Um auch noch den zweiten Teil dessen, was Heiko Maas im Hinblick auf die Verantwortung der Mitläufer zu sagen weiß, in seiner ganzen logischen Erbärmlichkeit darzustellen, hier eine Anwendung seiner eigenen Logik:

Nach einem Bericht der Zeit mehren sich in den Fraktionen des Bundestages die Fälle von Steuerhinterziehung. Wer Steuern hinterzieht, “setzt Hemmschwellen herab”. Niemand, der sich einer Bundestagsfraktion mit Steuerhinterziehern anschließt, “kann sich von der Verantwortung frei machen, für die Taten, die diese” Steuerhinterziehung inspiriert. “Da gibt es keine Ausrede mehr.”

Baader Meinhof komplexEs sei den Linken unter unseren Lesern und vor allem Heiko Maas angeraten, das Buch “Der Baader Meinhof Komplex” von Stefan Aust zu lesen. Aust beschreibt darin sehr eindrücklich, wie die Radikalisierung der Baader Meinhof Gruppe und deren Entscheidung, Gewalt anzuwenden, eine Funktion der eigenen empfundenen Ohnmächtigkeit, der eigenen Ausgrenzung durch die politische Kaste und der Diffamierung durch die politische Kaste war.

Die Aufgabe besteht nun darin, die Situation, in der sich die Baader Meinhof Gruppe gefunden hat, mit der heutigen Situation in Verbindung zu bringen und daraus Schlüsse zu ziehen, z.B. im Hinblick auf das eigene Auftreten gegenüber der Pegida und den Bürgern, die dort mitlaufen. Im Gegensatz zu den Behauptungen von Heiko Maas, kann man nämlich auf Basis der Reaktionen von Personen wie Maas auf die Pegida und auf Grundlage von sozialpsychologischen Theorien eine Radikalisierung vorhersagen, die nicht einmal Mitläufer der Pegida zum Gegenstand haben muss, denn die Tatsache, dass Bürger von einem, der Justizminister spielt, diffamiert werden, weil sie ein demokratisches Grundrecht in Anspruch nehmen, ist gut dokumentiert und jederzeit als Grundlage einer Radikalisierung und generellen Ablehnung von politischer Kaste und politischem System nutzbar – das würde dann Heiko Maas zum Brandstifter machen, sozialpsychologisch, z.B. mit der Theorie kognitiver Dissonanz unterfüttert.

ARD Finanzierung: Intransparenz, Manipulation, Täuschung oder Unvermögen?

ARD braucht 400 Millionen Euro pro Jahr mehr.

Na dann!

Uns würden schon ein paar Milliönchen pro Jahr mehr reichen.

Und Ihnen?

Aber wir sind nicht die ARD, deshalb haben wir keinen, den wir zwangsverpflichten können, die 400 Millionen Euro, die zu 1,6 Milliarden Euro über die nächsten vier Jahre werden sollen, zu bezahlen, nicht einmal die paar Milliönchen, die wir gerne hätten, können wir erzwingen.

Weil die ARD 400.000.000 Euro pro Jahr mehr “braucht”, deshalb gibt es einen Beitrag auf tagesschau.de, in dem von einem 2.400 Seiten dicken Zahlenwerk die Rede ist. Auf einer oder mehreren dieser 2.400 Seiten steht: Die ARD braucht 400 Millionen Euro pro Jahr mehr!

Was auf den restlichen 2.399 Seiten steht? Niemand weiß es.

Am wenigsten weiß es wohl Astrid Corall vom NDR, der die Aufgabe zugewiesen wurde, den ARD-Zwansgfinanzierenden schmackhaft zu machen, dass es die öffentlich-rechtliche Durchschnittskost in Zukunft mit 400 Millionen Euro mehr zu finanzieren gilt.

Das macht man, so steht es wohl in der öffentlich-rechtlichen Handreichung zur Manipulation von Gebührenzahlern, am besten dadurch, dass man außer den 400 Millionen Euro, die man zwangsläufig nennen muss, keine weiteren großen Zahlen nennt und ansonsten nur Gründe für die Steigerung nennt, denen eine hohe Akzeptanz zugewiesen wird:

  • ARD_Karte.svgLöhne sind gestiegen. Das ist immer gut. Wer will schon, armen Arbeitnehmern ihren Lohn beschneiden.
  • Umstellungsprojekte, das klingt auch gut, vor allem, wenn das, was umgestellt wird, sowieso auf geteilte Meinungen stößt. Umstellung hat etwas von Aufbruch, von besser machen. Wer würde nicht dafür bezahlen wollen?
  • Außerdem: “Seit sechs Jahren sind die Rundfunkgebühren nicht gestiegen, Anfang April sank der Beitrag sogar erstmals in der Geschichte”. Das kann so nicht weitergehen. Deshalb: 400 Millionen Euro mehr – pro Jahr.
  • Und von “Zeit zu Zeit” braucht die ARD halt doch mehr Geld, “um die Programmqualität zu halten”. Der ist gut – oder?.
  • Deshalb gleich noch einmal: “Gutes Programm kostet Geld”!
  • Ein Teil der Mehreinnahmen kommt Kitas zugute. Wie schön – oder? Vor allem mit Blick auf den Livestream aus der Kita – Programmqualität halt!
  • Trotz all der Gründe, die eigentlich zwingend mehr Geld für die ARD nach sich ziehen, gibt man sich bei der ARD umgänglich: “Wir sind uns bewusst, dass das Geld der Beitragszahler wirklich sehr knapp ist. Aber ich glaube, wr haben da wirklich Maß gehalten und möchten auch weiterhin ein gutes Programmangebot machen” [man beachte das “weiterhin”]. Das sagt Lutz Marmor, der Intendant des NDR, der muss es wissen. Und einmal ehrlich: läppische 400 Millionen Euro im Jahr, das ist schon maßgehalten.

Und bei all den guten Gründen und all der Begründung dafür, dass es gar nicht anders geht, als der ARD 400.000.000 Euro pro Jahr mehr zu spendieren, hat kaum einer der Leser bemerkt, dass im Beitrag von Corall nur insgesamt zwei Informationen enthalten sind: 400.000.000 Euro pro Jahr mehr will die ARD. Eine Steigerung um 2,2% ist das:

“Das Zahlenwerk der ARD ist gut 2400 Seiten dick. Detailliert steht dort, wie viel Geld der Senderverbund in den kommenden vier Jahren aus seiner Sicht benötigt. Und das sind knapp 400 Millionen Euro mehr pro Jahr als jetzt – das entspricht rund 2,2 Prozent.”

Da kann niemand sagen, in Beiträgen öffentlich rechtlicher Sender würden – in diesem Fall die Leser – intellektuell überstrapaziert. Das Motto Öffentlich-Rechtlicher lautet wohl eher: intellektuelle Unterforderung der Leser auf dem Niveau der Programmmacher.

Da machen wir nicht mit.

Statt dessen haben wir ein Rätsel für unsere Leser, denn bei all der Begründung der Wichtigkeit, Unausweichlichkeit und Unabwendbarkeit der zusätzlichen Finanzierung von 400.000.000 Euro ist doch glatt vergessen worden, die Höhe der Mittel, die derzeit der ARD zufließen und damit die Basis der Prozentuierung, zu benennen.

Deshalb unser Rätsel:

Zwei Daten haben sich in den Beitrag verirrt:

400.000.000 Euro will die ARD mehr.

400.000.000 Euro mehr entsprechen nach den Angaben im Beitrag einer Steigerung von 2,2%.

Wie hoch ist das Budget der ARD, das auf Grundlage dieser beiden Zahlen berechnet werden kann?

Wer unfairer Weise rumgoogled und den ergoogelten Wert mit seinem errechneten Wert vergleicht, kann zu dem Ergebnis kommen, dass man bei der ARD nicht Prozentrechnen kann oder bewusst falsche Prozentzahlen angibt.

Es mag stimmen!

Wie viel Geld verbraucht die ARD pro Jahr?