Rostocker Ehrendoktorposse: Showdown um Snowden

Die Philosophische Fakultät der Universität Rostock hat durch den Rektor der Universität Rostock, Prof. Dr. Wolfgang Schareck, gerade die maximale Strafe für Unkenntnis der rechtlichen Regelungen, auf denen der Universitätsbetrieb in Rostock basiert, erhalten: Er hat die Entscheidung des Fakultätsrats der Philosophischen Fakultät Rostock, Edward Snowden den Ehrendoktortitel der Fakultät für Philosophie zu verleihen, beanstandet, den Rat der Fakultät aufgefordert, die Entscheidung aufzuheben und im Falle einer Weigerung, die letztliche Entscheidung im Rahmen der Rechtsaufsicht an das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern verwiesen.

Da versuchen sich Sozialwissenschaftler einmal leutselig zu geben und auf einen Wagen des Volkszorns aufzuspringen, da wollen sie einen mutigen Mann, der in weiten Teilen der USA als Landesverräter gilt, einmal für sein Engagement mit einem Ehrendoktortitel auszeichnen, und was passiert: Ihr Beschluss wird ihnen vom Rektor um die Ohren gehauen.

Uni RostockDabei haben die Mannen von der Philosophischen Fakultät alles ihnen nur mögliche getan, um die Weitergabe von Informationen durch Edward Snowden zu einer herausragenden wissenschaftlichen Leistung, zu einer Aktion von “wissenschaftliche(r) Bedeutung” zu stilisieren. Sieben Professoren, von Ulrich Beck und Micha Brumlik zu Claus Leggewie und Wolfgang Hoffmann-Riem wurden verschlissen, um die wissenschaftliche Bedeutung der Übergabe von Informationen an Zeitungen zu begründen. Was hat es gebracht? Nichts.

Auch der Versuch, Snowden als Vertreter einer uramerikanischen Freiheitskultur, als in der Tradition US-amerikanischer Bürgerrechtler wie Malcolm X und Dr. Martin Luther King stehend, aufzubauen, ihn zu einem amerikanischen Patrioten zu erklären und seine moralische Integrität und die ethische Dimension seines Handelns zur Grundlage der Verleihung einer Ehrendoktorwürde zu benutzen, hat nichts geholfen, ebenso wenig wie der Verweis darauf, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns und der Persönlichkeit des zu Ehrenden beurteilen” könne.

Am Ende mussten sich die eminenten Professoren, die gemeinsam mit u.a. ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern den Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät in Rostock besetzen, von ihrem Rektor belehren lassen, dass in Mecklenburg-Vorpommern ein Ehrendoktortitel nur “aufgrund besonderer wissenschaftlicher Leitungen” verliehen werden dürfe und dass die “Übergabe eines umfangreichen Datenbestandes an ausgesuchte Medien mit dem Ziel einer Veröffentlichung und Auswertung dieses Datenbestandes durch diese Medien und zu dem Zweck, einen möglicherweise auch wissenschaftlichen Diskurs mit Blick auf die Aktivitäten verschiedener Geheimdienste und ihrer gesellschaftlichen, rechtlichen und sonstigen Implikationen … nicht als wissenschaftliche Leistung gewertet werden” könne.

TopitschDie ganze Angelegenheit ist mittlerweile über den Punkt der Peinlichkeit hinaus und man fragt sich, welche Funktion manche Positionsinhaber an Universitäten denselben eigentlich zuweisen. Wenn die Fakultätsräte der Philosophischen Fakultät in Rostock tatsächlich der Ansicht sind, dass man “wissenschaftliche Leistung nicht losgelöst von moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns” beurteilen könne, dann befördern uns der Herr Dekan Hans-Jürgen von Wensierski und die beiden Prodekane Frau Gesa Mackenthun und Elisabeth Prommer damit um 100 Jahre zurück in die Vergangenheit, und just in die Zeit, als man sich in Deutschland gegen das, was damals als Afterwissenschaft, heute als Pseudowissenschaft bekannt ist, gewehrt hat.

Damit war alles gemeint, was sich an Universitäten breit gemacht hat, ohne über eine wissenschaftliche Methode zu verfügen: Alfred Dippe hat 1895 in seinem Buch “Sozialismus und Philosophie auf den deutschen Universitäten”, festgestellt: “Die Wissenschaft der Sozialdemokratie ist Afterwissenschaft, weil sie der logisch scharfen Kritik nirgends standhalten kann”. Damit war gleichsam ein Startschuss gegeben, ein Startschuss für den Kampf von Wissenschaftlern gegen in bestimmter Gesinnung betriebene Wissenschaft, die eine solche schlicht nicht sein kann, weil Gesinnung sich auf die Wahrnehmung auswirkt und dafür sorgt, dass Forschungsergebnisse verzerrt werden. Nicht nur das: Bestimmte Fragestellungen tauchen im Rahmen einer bestimmten Gesinnung überhaupt nicht auf, oder wann hätte man jemals einen sozialistisch gesinnten Pseudowissenschaftler darüber forschen sehen, wie Transferzahlungen an vermeintlich Arme deren sozialen Aufstieg verhindern und die so oft bejammert Klassengesellschaft zementieren? Wann hätte man je einen Genderisten darüber forschen sehen (oder überhaupt forschen sehen), welchen Schaden der Genderismus im Motivationsgewebe der deutschen Gesellschaft hinterlässt?

Eigentlich sind diese Fragen im deutschen Positivismusstreit hinlänglich bearbeitet worden, aber wie sich zeigt, sind deutsche Sozialwissenschaftler insbesondere resistent gegen Einsichten, die in anderen Wissenschaften als common sense gelten: Wissenschaft ist eine Methode des Erkenntnisgewinns, es ist eine Methode, die bei Problemen beginnt und nach Ursachen sucht. Die Suche muss frei von Einschränkungen und entlang der wissenschaftlichen Methode erfolgen, d.h. es müssen Hypothesen über die Ursachen aufgestellt und es muss der Versuch unternommen werden, diese Hypothesen zu falsifizieren.

Adorno PositivismusstreitEntsprechend ist Wissenschaft unvereinbar mit Gesinnung, und sie ist zuweilen unvereinbar mit den herrschenden moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Dimensionen des sozialen Handelns. Sie dient der Erkenntnisgewinnung und manche Erkenntnis mag der herrschenden Moral, Ethik oder anderen zivilgesellschaftlichen Dimensionen widersprechen. Wer das nicht glaubt, der soll an Galileo Galilei denken, der sich in erheblichem Konflikt mit den moralischen und ethischen Vorstellungen seiner Zeit befand, geschweige denn, dass ihm sein etwaiges zivilgesellschaftliches Engagement gut bekommen wäre. Wer es nicht glaubt, der möge sich einen Wissenschafler vorstellen, der sich mit Fragen der gentechnischen Veränderung von Mais, Reis oder Getreide beschäftigt und die entsprechende Forschung vor dem Hintergrund der herrschenden moralischen, ethischen oder zivilgesellschaftlichen Engstirnigkeit beurteilen.

Und damit sind wir am Kern des Problems. Die Wissenschaftsauffassung, die die Fakultätsräte in Rostock an den Tag legen, ist eine Auffassung, die der Wissenschaft schadet, eine Mainstream-Auffassung, eine Art der Wissenschafts-compliance mit dem Zeitgeist. Einmal davon abgesehen, dass Edward Snowden keinerlei Beitrag zu wissenschaftlicher Erkenntnis geliefert hat, denn wollte man dies behaupten, man müsste jeden Archivar, der ein Buch von einem Wissenschaftler aus dem Mittelalter findet, das als verloren galt, mit einem Ehrendoktortitel ausstatten, mag es für Zeitgeist-Reiter, für Personen, die sich einen Vorteil davon versprechen, dass sie ihr Fähnchen in den Wind des Zeitgeistes hängen, einen gewissen Reiz ausüben, Edward Snowden einen Ehrendoktor anzudienen, aber abgesehen von Opportunismus ist es schwierig, ein anderes Motiv, gar ein wissenschaftliches Motiv ausfindig zu machen.

Daraus folgt, dass wissenschaftliche Motive der Entscheidung des Philosophischen Fakultätsrates nicht zu Grunde liegen können, sondern Motive des Opportunismus, vielleicht gepaart mit einer gewissen Mediengeilheit und dem Versuch, eine ansonsten wenig bemerkenswerte Fakultät in die Presse zu bekommen. Zu diesem Zweck wird dann mit hehren Begriffen geworfen, ein Informant der Presse wird zum Wissenschaftler stilisiert, ihm gar ein großes Verdienst um die Wissenschaft attestiert und die Krönung der salbungsvollen Orgie findet sich in der Behauptung, Wissenschaft müsse dem ethisch-moralisch-zivilgesellschaftlichen Zeitgeist entsprechen.

snowdenDas mag für jene Sozialwissenschaftler, die nicht wissen, was eine wissenschaftliche Methode ist und deren Tätigkeit in Weltanschauung besteht, lauter sein, für richtige Wissenschaftler ist es eine Katastrophe und der Gipfel der Heuchelei. Und wie hoch der Gipfel der Heuchelei ist, kann man durch ein einfaches Entfremdungsexperiment deutlich machen: Stellen Sie sich vor, die an die Presse gegebenen Informationen betreffen nicht die NSA und sind nicht politisch korrekt und dem Zeitgeist entsprechend, also z.B. gibt ein Insider Informationen darüber weiter, wie an Universitäten ein schwunghafter Handel mit Titeln betrieben wird, wie Externe sich bei manchen Professoren einkaufen können, um einen Doktortitel zu erwerben oder noch deftiger: Ein Wissenschaftler analysiert all die Doktortitel, die im Rahmen von Genderstudiengängen vergeben werden und zeigt, dass sie auf keinerlei wissenschaftlicher Basis stehen, keine Methode umfassen, keinerlei Erkenntnis erbringen und darüber hinaus irrelevanten Firlefanz zusammenschreiben. Ob die beiden fiktiven Gestalten dann mit einem Ehrendoktortitel aus Rostock rechnen können?

Um es  klar und deutlich zu sagen: Edward Snowden hat eine bewundernswerte Form von Zivilcourage bewiesen, und er verdient dafür, dass er es möglich gemacht hat, die Überwachung von Bevölkerungen durch ihren Staat zu analysieren und zu bewerten, Hochachtung. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Edward Snowdens gäbe, die es sich zum Ziel setzen, all die Strategien und Methoden, mit denen Staaten ihre Bürger gängeln bzw. im Zaum halten wollen, aufzudecken. Snowden ist also aus der Perspektive einer Ethik der Freiheit ein role model, das leider bislang noch darauf wartet, in Deutschland oder in anderen Ländern Schule zu machen. Aber Snowden ist kein Wissenschaftler und entsprechend niemand, dem man für besondere wissenschaftliche Leistungen einenTitel verleihen kann. Auf eine solche Idee kann man nur kommen, wenn man sich der Person Snowdens für seine ganz eigenen Zwecke bedienen will.

 

Der Zweck heiligt die Mittel: Klimawandel rechtfertigt auch Lügen

Alea iacta est, soll Julius Caesar gesagt haben, als er den Rubikon in Norditalien überschritten hat, um einen Bürgerkrieg zu beginnen. Der Rubikon ist seither das Symbol für einen “point of no return”, einen Punkt, von dem aus es kein Zurück gibt.

KuhnAuch in den Wissenschaften gibt es derartige “points of no return”. Sie sind sogar wichtig, denn neue Erkenntnisse können, wie Thomas Kuhn das sehr anschaulich beschrieben hat, wissenschaftliche Revolutionen auslösen, die die Welt in einem anderen Licht zeigen und von denen aus es in der Tat kein Zurück gibt.

Doch nicht jede Überschreitung des Rubicon hat positive Effekte, wie schon der Urschritt Caesars zeigt. Manche Dinge gehen in der Tat zu weit, und man wünscht sich selbst als Liberaler, sie wären nie publiziert wurden. Der angeblich liberale Paternalismus, den Cass Sunstein und Richard Thaler propagieren, ist ein solcher Rubikon, jedenfalls für Liberale, behauptet er doch, dass man “im Namen des Guten” die Willensfreiheit von Menschen etwas biegen dürfe, um sie in die Richtung des vorgeblich Guten zu “nudgen”.

Dieser vermeintlich liberale Paternalismus hat die Tore geöffnet für all diejenigen, die nichts dabei finden, wenn sie Dritte im “Namen des Guten”, also immer im Namen dessen, was sie für gut halten, manipulieren, ja belügen. Ein besonders krasses Beispiel dieser Form wissenschaftlicher Unlauterkeit macht derzeit die Runde in der US-amerikanischen Bloggosphere und u.a. Rothbardian hat darauf hingewiesen.

Das Beispiel ist ein Beitrag von Fuhai Hong und Xiaojian Zhao, veröffentlicht in der Aprilausgabe des American Journal of Agricultural Economics, und es ist betitelt mit: “Information Manipulation And Climate Agreements”.

Was man unter diesem Titel zu lesen bekommt, spottet jeder wissenschaftlichen Lauterkeit.

Das Ausgangsproblem ist ein ökonomisches, das als Free-Rider-Problem bekannt ist und besonders im Zusammenhang mit International Environmental Agreements diskutiert wird. Die Anreize, diesen Abkommen nicht beizutreten, sind nämlich sehr hoch, denn diejenigen Länder, die sich verpflichten z.B. ihren Ausstoß an CO2 zu reduzieren, reduzieren automatisch für die Länder mit, die sich nicht dazu verpflichten. CO2 hält sich nicht an die Landesgrenzen, in welcher Menge es auch immer ausgestoßen wird. Entsprechend kommt eine Reduzierung durch wenige allen zu Gute, eine Situation wie gemacht für das Trittbrettfahren.

Wohlgemerkt, die Prämisse, auf der diese ganze Argumentation basiert, lautet: Es ist wichtig und vorteilhaft, internationale Umweltabkommen zu schließen, wichtig und vorteilhaft für alle.

Hong und Zhao starten von dieser Prämisse und der damit verbundenen Behauptung, dass ein internationales Abkommen zum Umweltschutz, das dem Klimawandel vorbeugen soll, sinnvoll ist. Das setzt zwangsläufig voraus, dass die Autoren den Klimawandel als gegeben annehmen und die Notwendigkeit, etwas dagegen zu tun, ebenfalls.

Nun beobachten die Autoren Spannendes:

“… it appears that many of the points made in the film [Al Gores Film: An Inconvenient Truth] are controversial, and some have argued that it exaggerated the threat of global warming. … The IPCC [Intergovernmental Panel on Climate Change] has tended to over-generalize its research results and accentuate the negative side of climate change. Following its lead the mainstream media has gone even further. It is a routine and accepted practice that elements in the IPCC reports that indicate the possibility of high levels of crop damage in certain African countries are reported by the media without any qualifying considerations … Taken together, considerable evidence suggests that international mainstream media and pro-environmental organizations have the tendency to accentuate or even exaggerate the damage caused by climate change” (851-852).

Nudging-Science-CliffWer nun denkt, er hat hier einen kritische Beitrag vor sich, dessen Ziel darin besteht, den Alarmismus, die Hysterie und die Art und Weise, in der versucht wird, eine Klimapanik herbei zu manipulieren, offen zu legen, der sieht sich getäuscht. Hong und Zhao sind nämlich angetreten, die “Betonung (accentuation)” oder gar “Übertreibung (exaggeration)” die Medien, Umweltorganisationen, Regierung oder Al Gore betreiben, zu rechtfertigen. Und sie tun dies auf eine bestimmte ökonometrische Weise, bei der man zuerst Begriffe in Buchstaben und Zahlen übersetzt, z.B. N, N-1 und p (am besten hoch i), die so geschaffene Denotation in Gleichungen überträgt, die sicherstellen, dass das, was man vorne hineinsteckt, auch hinten herauskommt und dann zu dem unglaublichen Ergebnis kommt, dass dann, wenn man zwei Länder annimmt, von denen das eine die Darstellung der Schäden, die durch Klimaerwärmung entstehen, übertreibt, das andere nicht, dass man dann sagen kann: Wenn die Übertreibung dazu führt, dass Land zwei (das nicht übertreibende Land) einem Klimaabkommen mit dem ersten Land zustimmt, dass sich dann für alle ein positiver Wohlfahrtseffekt ergibt. Der positive Wohlfahrtseffekt soll sich dann ergeben, wenn die Berichterstattung über die Folgen der Klimaerwärmung übertrieben ist (post hoc-Argument). Allerdings, so die Autoren, könne man nicht sagen, wie die Übertreibung der Folgen durch das eine, vom anderen Land aufgenommen werde (ex-ante Argument), was dazu führt, dass die Folgen der Übertreibung als unklar eingeschätzt werden müssen.

In den Worten der Autoren:

“In equilibrium we find that the message sender may have a strict incentive to exaggerate the damages of climate change when it is less severe, which eventually increases the global welfare ex post. Interestingly, relying on information manipulation will give rise to a negative externality for all the players in the other state when the climate problem is more severe. Intuitively, in this state people will be aware of the message sender’s suppression, and exhibit rational scepticism even if the problem of climate change is indeed severe. Thus, from the ex ante viewpoint, it is not clear whether such information manipulation is welfare enhancing or not.” (852-853)

Also: “When the media or pro-environmental organizations have private information on the damage caused by climate change, in equilibrium they may manipulate this information to increase pessimism regarding climate change, even though the damage may not be as great. Consequently, more countries (with overpessimistic believes about climate damage) will be induced to participate in an IEA (International Environmental Agreement]  in this state, thereby leading to greater global welfare ex post” (859)

Der Zweck heiligt demnach die Mittel. Und um den euphemistischen Begriff der “Informationsmanipulation”, den die Autoren nutzen, einmal in das zu übersetzen, was er eigentlich meint: Es ist demnach gerechtfertigt, die Öffentlichkeit über die Folgen des Klimawandels zu belügen, weil auf lange Sicht die Folgen des angenommenen Klimawandels durch die Folgen der Lüge, also den Beitritt zu internationalen Klimaabkommen auch durch Länder, die dem Klimawandel und seinen Folgen pessimistisch gegenüberstehen, ihn z.B. als nicht wissenschaftlich fundiert ablehnen, einen positiven Wohlfahrtseffekt für alle ergeben.

Man sieht hier schön, wie hinten herauskommt, was vorne hereingesteckt wurde, denn wenn wir nur einen Moment annehmen, Umweltabkommen hätten einen Wohlfahrts-schädlichen Effekt, weil sie Innovationen verhindern und Wachstum reduzieren, dann ergibt sich, dass das Belügen der Öffentlichkeit sich ex ante und ex post negativ auf die Wohlfahrt auswirkt.

save the planetDas Ergebnis hat Konsequenzen: Wenn ich die Öffentlichkeit und über Mainstream Medien über z.B. die deutsche Abhängigkeit von russischem Ergas belüge, um die Anbindung an die NATO zu stärken, dann kann ich, wenn es am Ende des dritten Weltkrieges mehr Überlebende in den Ländern der NATO als in den Ländern, die Russland folgen, gibt, darauf verweisen, dass die Lüge einen Wohlfahrtseffekt erzielt hat, oder so.

Wir sind derzeit noch unschlüssig darüber, what we find more disgusting, die Tatsache, dass Wissenschaftler sich anschicken, die Informations-Manipulation durch Mainstream Medien und NGOs zu rechtfertigen oder die Tatsache, dass man heutzutage der Öffentlichkeit auch sagen kann, dass man sie belügt, ohne dass man vor eben dieser Öffenlichkeit Angst haben muss.

Hong, Fuhai & Zhao, Xiaojian (2014). Informaton Manipulation and Climate Agreements. American Journal of Agricultural Economics 96(3): 851-861.

Holtkamps Erzählungen: In Magdeburg ist die Welt noch in Ordnung

Die Ratsherren in Magdeburg werden sich freuen, sind sie doch gerade als letzte aus einem Ranking hervorgegangen, das die Heinrich-Böll-Stiftung finanziert und das Lars Holtkamp und Elke Wiechmann durchgeführt haben.

Fernuni HagenHoltkamp besetzt an der Fernuniversität Hagen einen Lerhstuhl und beschäftigt sich mit Fragen der Kommunalpolitik und der kommunalen Verwaltung. Wiechmann ist seit 2008 akademischer Rat am Lehrstuhl für Politik und Verwaltung von Lars Holtkamp an besagter Fernuniversität Hagen. Beide haben sich seit 2008 zusammengetan, um für die Heinrich-Böll-Stiftung ein Genderanking zu erstellen.

Man kann also getrost feststellen, dass Holtkamp und Wiechmann Wasserträger der Heinrich-Böll-Stiftung sind und am deutschen Genderwerk mitarbeiten. Als Wissenschaftler, der sich mit Kommunalpolitik beschäftigt, wird es Holtmann vielleicht bekannt sein, dass Parteien um so erfolgreicher sind, je mehr lokale Gliederungen sie errichten können. Lokale Gliederungen sind notwendig, um Präsenz vor Ort zu demonstrieren und das Wort zu verbreiten: Damit Unbeteiligte den Eindruck haben, das, was eine bestimmte Partei von sich gibt, sei auch lokal von Relevanz und falle auch lokal auf fruchtbaren Boden.

Black oilMit Ideologien ist es, wenig überraschend, wie mit Parteien. Auch sie bedürfen derjenigen, die das Wort verbreiten, die sich als Wasserträger in den Dienst der großen Sache stellen, sei es die Sache der Bundespartei, sei es die Sache beliebiger Ideologen. Dass es Genderisten in Deutschland gelungen ist, sich in Gremien und Ämtern festzusetzen, dass es gelungen ist, Genderisten auf Kosten von Steuerzahlern zu mästen, sie auf Kosten von Steuerzahlern in Posten zu hieven und sie über die unterschiedlichsten Netzwerke, die kaum jemand mehr überschauen kann, querzufinanzieren, ist der Tatsache zu verdanken, dass es eine Reihe von intellektuellen Wasserträgern gegeben hat und gibt, die die Nachricht der Genderisten: Frauen sind benachteiligt, landauf und landab verkünden und mit der Verkündung einen gewissen Obolus verdienen.

Holtkamp und Wiechmann gehören zu dieser Klasse von Multiplikatoren, die ihre Aufgabe darin sehen, die Gender-Botschaft (vor allem) an den Mann zu bringen. Holtkamp und Wiechmann sind mehr als das. Sie sehen sich als Aufpasser. Aufpasser treten dann auf den Plan, wenn eine Ideologie mit einem totalitären Anspruch sich in einer Gesellschaft festgesetzt hat. Beispiele sind die Politkommissare Lenins und Stalins, die nahezu jeden Lebensbereich penetriert haben, die IMs der ehemaligen DDR sind ein anderes Beispiel, die Wasserträger des Genderismus sind das jüngste Beispiel.

Aufpasser wachen darüber, dass die heiligen Worte der Gender-Botschaft auch auf den Buchstaben genau umgesetzt werden und wenn sie es nicht werden, dann sind es die Aufpasser, die eine Hierarchie der Eskalation begründen, die je nachdem, wie etabliert die entsprechende Ideologie bereits ist und je nachdem, wie totalitär ihre Herrschaftsmethoden bereits sind, vom öffentlichen Anprangern, über öffentliche Sanktionen bis hin zu rigideren Maßnahmen reichen.

Um dieses Zusammenspiel zu verdeutlichen, muss man sich nur daran erinnern, dass die Bundesregierung in ihrer “Nationalen Strategie zur gesellschaftlichen Verantwortung” die Möglichkeit vorsieht, Unternehmen, die sich nicht an die entsprechenden Vorgaben der so genannten Corporate Social Responsibilty halten, von öffentlichen Ausschreibungen auszuschließen. Natürlich ist das Ganze harmloser formuliert: “Die Bundesregierung wird das Kriterium der Nachhaltigkeit in der öffentlichen Beschaffung festigen und weiterentwickeln. Mit der im Gesetz zur Modernisierung des Vergaberechts (2009) geschaffenen Neuregelung können öffentliche Auftraggeber zusätzliche Anforderungen in sozialer und ökologischer Hinsicht an Auftragnehmer stellen, wenn diese in sachlichem Zusammenhang mit dem Auftragsgegenstand stehen” (31). Ob man bald nur noch öffentliche Aufträge erhält, wenn z.B. die Frauenquote eingehalten ist?

Zu Durchsetzung einer Ideologie, die einen totalen Geltungsanspruch hat und keinerlei Toleranz oder Akzeptanz für Abweichung aufbringt, sind Aufpasser entsprechend wichtig. Holtkamp und Wiechmann sind solche Aufpasser. Sie verteilen Fleißkärtchen an die Guten und keine Fleißkärtchen an die nicht-Guten, und zwar im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung.

In diesem Sinne haben die beiden das Genderranking 2013 veröffentlicht, und zwar zu einem idealen Zeitpunkt, wie Sabine Drews, Referentin für Kommunalpolitik und Stadtentwicklung bei der Heinrich-Böll-Stiftung feststellt, finden doch 2014 eine Reihe von Kommunalwahlen statt, die genutzt werden können, “um die Gleichstellung bei kommunalen Mandaten voranzubringen”.

HBS_logo_de_390x53Totalitäre Ideologien wie der Genderismus haben noch ein weiteres Merkmal, das sie eindeutig identifiziert: Sie verkünden das Heil und begründen nichts. Der Anteil der Frauen in kommunalen Ämtern hat dem der Männer zu entsprechen oder ihn zu übertreffen. Warum? Ja, warum? Weil die Genderisten es so wollen? Weil am weiblichen Wesen kommunale Finanzen genesen sollen? Weil es an sich gut ist, wenn Frauen überall beteiligt sind? Niemand weiß es. Niemand hat sich bislang dafür interessiert, welchen Nutzen ein höherer Frauenanteil für kommunale Politik bringt: Sind Kommunen mit mehr Frauen in Ratssesseln höher oder weniger verschuldet? Geht mit einem steigenden Frauenanteil eine schlechtere oder bessere Kommunalpolitik einher? Niemand weiß es und niemand interessiert sich dafür, denn es geht darum, die fixe Idee der Genderisten in die Tat umzusetzen.

Nicht einmal Wissenschaftler, die Holtkampf und Wiechmann doch sein wollen, interessieren sich für das Warum. Sie tun brav und artig, was ihnen aufgetragen wurde, sammeln den Frauenanteil für 79 Kommunen und erstellen ein Ranking. Wozu erstellen sie dieses Ranking, wenn sich damit keinerlei fassbarer, empirischer Nutzen verbinden lässt? Die Antwort ist eindeutig: Das Ranking hat eine Prangerfunktion. Die, die von der Vorgabe der heiligen Genderschrift abweichen, sollen öffentlich gemacht und bloßgestellt werden. Die beiden Wissenschaftler von der Fernuni Hagen finden offensichtlich nichts dabei, sich am Gendertreiben zu beteiligen und dafür alle Werte, die Wissenschaft auszeichnen, sei es die theoretische Fundierung, sei es die empirische Relevanz, die letztlich Erkenntnisgewinn ist, zu verleugnen.

Und sie sehen sich nicht nur als Aufpasser, sie machen sich auch zum Richter über die Städte, für die sie nichts anderes erhoben haben, als die Anzahl von Frauen in kommunalen Ämtern:

“Siegerin in unserem aktuellen Genderranking ist die Stadt Trier. 2008 lag die Stadt noch auf Platz 47 im ersten Genderranking. Nun sind 45,5% Frauen im Trierer Stadtrat vertreten. Das liegt insbesondere daran, dass die SPD und die Grünen ihre Frauenquoten übererfüllen. Auch in den Spitzen dominiert die Geschlechterparität. So sind 50% der Fraktionsvorsitzenden und sogar zwei Drittel der Dezernent/innen weiblich. Die Klassenletzte des dritten Rankings ist die Stadt Magdeburg. Hier sind Frauen in Führungspositionen eine Rarität. Alle Beigeordneten sind hier Männer, alle Fraktionsvorsitzenden sind Männer, und auch die 13 Ausschussvorsitze werden mit 12 Männern und lediglich einer Frau besetzt. Selbst der Vorsitz und der stellvertretende Vorsitz des Ratsausschusses für Familie und Gleichstellung werden von Männern bekleidet. Von modernen Gleichstellungsnormen sind die lokalen Parteien in Magdeburg also noch weit entfernt” (11-12).

Inhaber wissenschaftlicher Positionen sind sich wieder einmal nicht zu schade dafür, die ideologische Drecksarbeit zu machen. Sie sind wieder einmal in erster Reihe, wenn es darum geht, Bewertungen ohne jegliche empirische, dafür aber mit ideologischer Relevanz zu machen. Sie verkünden die frohe Botschaft der Parität von Männlein und Weiblein, von der Wissenschaftler doch angeben können sollten, wofür sie überhaupt gut ist und welchen Nutzen sie z.B. einer Kommune zu bringen im Stande ist, und merken dabei nicht einmal, dass die Parität dann, wenn zwei Drittel der Dezernenten weiblich sind, durchaus nicht eingehalten ist.

Ja, wenn man sich wie Holtkamp und Wiechmann in höherem Auftrag ereifert und nicht in so bodenständigen Angelegenheiten wie wissenschaftlicher Methode oder empirischem Nutzen unterwegs ist, dann merkt man nicht einmal, dass es auch kein Indiz für eine moderne Gleichstellunsgnorm wäre, wenn Frauen den Vorsitz des Ratsausschusses für Familie und Gleichstellung in Magdeburg besetzen würden. Das wäre eher Ausdruck einer doch gänzlich traditionellen Gleichstellungsnorm, aber es wäre im Einklang mit den Genderismus, denn der ist in keiner Weise modern, so wenig modern, wie es die totalitären Systeme vor ihm waren.

MagdeburgInhaber wissenschaftlicher Positionen verteilen Noten und Bewertungen in unglaublich arroganter und gänzlich undemokratischer Manier, denn ein Mandat dafür, ein Genderanking zu erstellen, haben sie ebensowenig wie sie eine Begründung dafür vorweisen können, warum ein höherer Anteil von Frauen in kommunalen Spitzenpositionen einen Nutzen für die davon betroffene Stadt haben soll. Aber so ist das eben mit Ideologen: Sie haben eine Sendung, einen Auftrag, keine Gründe. Sie verkünden das Gute und welcher Nutzen damit einhergeht, nun, das ist eine Frage, auf die sie in ihrem Sendungsbewusstsein bislang noch nicht gestoßen sind. Aber selbst wenn Holtkamp und Wiechmann darauf gestoßen wären, hätten sie es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht thematisiert, warum? Prostituierte wenden sich ja auch nicht gegen Freier… Aber vielleicht hätte sie der fehlende Nutzen auch gar nicht gestört, nämlich dann nicht, wenn bei Ihnen die Gesinnung an die Stelle wissenschaftlicher Lauterkeit getreten ist.

Die Top-Ten des invertierten Genderranking sieht übrigens wie folgt aus:

  1. Magedeburg
  2. Duisburg
  3. Recklinghausen
  4. Mönchengladbach
  5. Bergisch-Gladbach
  6. Krefeld
  7. Regensburg
  8. Göttingen
  9. Solingen
  10. Salzgitter

Das große Reinwaschen hat begonnen – Plagiate bald normal

von Dr. habil. Heike Diefenbach & Michael Klein

Seit Annette Schavan entdoktort wurde, ist einige Zeit vergangen, fast dass man den nunmehr vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht anhängigen Fall vergessen hätte. Und tatsächlich haben wir nicht mehr an Schavan und ihren mit Fremder Gedanken erschlichenen Doktortitel gedacht bis uns ein Leser von ScienceFiles mit ein paar Links auf ein sehr interessantes Blog mit dem Namen Erbloggtes aufmerksam gemacht hat, in dem der weitere Gang der “Causa Schavan” detailliert verfolgt wird.

schavanBeim Lesen einiger Beiträge auf Erbloggtes sind wir dann auf den ersten Grund zum Augenreiben gestoßen. Er findet sich an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und nennt sich: Zitat und Paraphrase. Was ein Zitat ist, ist hinlänglich bekannt, was eine Paraphrase ist, wollen wir an dieser Stelle kurz definieren: eine Praraphrase ist die Umschreibung eines sprachlichen Ausdrucks mit anderen Worten, wenn man einen Plagiator “Dieb geistigen Eigentums” nennt, dann ist dies eine Paraphrase. Der Duden, dem diese erste Wortbedeutung entnommen ist, kennt noch eine weitere Bedeutung, nämlich die sinngemäße Übertragung eines Begriffs in eine andere Sprache.

Überträgt man diese Wortbedeutung von Paraphrase auf die Beschreibung des Forschungsprojekts an der Berlin-Brandenburgischen Akademie, dann geht es also darum, zu untersuchen, wann ein sinngemäßes Zitat in die Paraphrase abgleitet, es also zu einer “Übertragungsleistung” gekommen ist, die man demjenigen, der sie gemacht hat, anrechnen kann. Diese Aufgabe hat sich eine “interdisziplinäre Arbeitsgruppe” gestellt, die “nach präzisen Begriffsdefinitionen [fragt], [...] die Idee einer mathematischen Messbarkeit wissenschaftlicher Originalität [problematisiert] und [...] an den Beispielen von Zitat und Paraphrase die Praktiken verschiedener Disziplinen an konkreten Fällen” diskutiert.

Auf diese Idee muss man im Zusammenhang mit wissenschaftlichem Arbeiten erst einmal kommen, denn die Übernahme fremder Gedanken ist in der Wissenschaft kenntlich zu machen, mit Anführungszeichen oder bei sinngemäßer Übertragung, durch die Angabe des Urhebers dessen, was sinngemäß übertragen wurde.

BBAW_LogoMit anderen Worten, methodisch und inhaltlich kann man sich diese interdisziplinäre Arbeitsgruppe sparen, setzt doch die Übertragung selbst bei einer Paraphrase einen Ur-Text voraus, dessen Nicht-Angabe zu einem Verstoß gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens führt, und entsprechend nicht mit den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens vereinbar ist. Wozu also wurde diese “interdisziplinäre Arbeitsgrupe” eingerichtet?

Diese Frage hat uns weiterrecherchieren lassen und dabei sind wir auf einen Vortrag von Philipp Theisohn mit dem Titel “Fremde Worte, eigenes Denken” gestoßen, den Theisohn auf der Tagung “Wissenschaft in der Verwantwortung. Gute Wissenschaftliche Praxis und Qualitätssicherung in der Promotion” gehalten hat, die am 23. Juli 2013 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie für Wissenschaften stattgefunden hat. Interessanter Weise hat der Wissenschaftsrat diesen Vortrag veröffentlicht, was deutlich macht, dass es um Politik und nicht um Wissenschaft geht. Und wer daran noch Zweifel hat, dem werden die Zweifel in Windeseile durch einen Blick in den Text des Vortrages von Theisohn ausgetrieben.

TheisohnTheisohn geht in seinem Vortrag von der Vorstellung aus, dass man durch den Vergleich zweier Texte entscheiden kann, ob beide Texte übereinstimmen, fast übereinstimmen oder nicht übereinstimmen. “Dem lässt sich schlecht widersprechen”, folgert er auf der ersten Seite seines Textes, um den Rest des Textes dazu zu verwenden, dem zu widersprechen, dem sich nach seiner eigenen Einschätzung schlecht widersprechen lässt. Was folgt ist eine Form von Wissenschafts-Relativismus, die Karl Raimund Popper auf die Palme gebracht hätte und dessen Crux letztlich darin besteht, dass man den Holocaust nicht nachträglich als Mord bezeichnen kann, weil man aus der Mentalität der 1930er und 1940er Jahre heraus untersuchen müsste, ob das Töten von Juden als Mord durchgehen kann.

Das ist natürlich wieder nur unsere deutliche Art die verbalen Gespinste zu übersetzen, die Theisohn in seinem Vortrag entwickelt und in die er sich selbst verwickelt und die er mit der Aussage zusammenfasst, dass die Frage nach dem geistigen Eigentum vor allem eine Mentalitätsfrage sei (3), ebenso wie die Ermordung von Juden dann wohl eine Mentalitätsfrage ist. Der aberwitzige Vortrag dessen Duktus jedem Leser sofort ins Gesicht springt, da immer dann, wenn die Rede auf die Frage kommt, ob man ein Plagiat von einem Original unterscheiden könne, mit Worten wie “unterstellen”, “suggerieren” oder “vermessen” hantiert wird, macht schnell deutlich, dass Theisohn ein Relativist ist, der versucht, Wahrheit und Übereinstimmung, Moral und Anstand als Ordnungskriterien zu beseitigen.

Und so gehts: Wenn man zwei Texte vergleiche, so Theisen, dann vermesse man die Wörtlichkeit, die Übereinstimmung von Worten, Sätzen und gar Absätzen. Man konfrontiere einen Ur-Text mit einem anderen Text und unterstelle, je nach Übereinstimmung ein Plagiat. Dabei suggeriere die Konfrontation beider Texte, (1) eine prinzipielle Vergleichbarkeit, die (2) jeder alphabetisierte Mensch feststellen könne und die (3) quantifizierbar sei. Etwa in der folgenden Weise (von uns ausgewähltes Beispiel):

Schavans Dissertation Seite 37 Das Original von Hannah Arendt, die Schavan nicht zitiert
Durch die Gründung und Erhaltung von politischen Gemeinwesen schließlich schafft menschliches Handeln die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen und damit für Geschichte. [...] das Handeln schließlich, soweit es der Gründung und Erhaltung politischer Gemeinwesen dient, schafft die Bedingungen für eine Kontinuität der Generationen, für Erinnerung und damit für Geschichte.

Dieses Beispiel stammt von Schavanplag und wer sich für die Frage von Plagiat und Original interessiert, der wird dort mit Sicherheit fündig. Doch zurück zu Theisohn. Theisohn behauptet, dass eine Konfrontation von Texten, also z.B. des Textes von Schavan mit dem Text von Arendt nicht geeignet ist, um festzustellen, ob hier mit Absicht kopiert wurde, ob hier geistiges Eigentum von Hannah Arendt durch Annette Schavan als ihr eigenes Eigentum ausgegeben wurde. Diese Frage, so Theisohn sei zu einfach, verdränge “die konkrete, historische Kommunikationssituation, in der ein wissenschaftlicher Text steht” (5).

Um diesen Punkt zu unterstreichen und seinen Versuch, seine Zuhörer um ihren Verstand zu reden fortzuführen, hat er sich willkürlich und absolut zufällig pädagogische Dissertationen aus den 1980er Jahren, also dem Fach und der Zeit, in dem/der Annette Schavan promoviert hat, gegriffen und sie gelesen und sich vermutlich inspirieren lassen, denn das er eine bestimmte wissenschaftliche Methode an die Dissertationen herangetragen habe, behauptet er nicht, warum sollte er auch, als Relativist? Das Lesen hat eine Reihe von Erkenntnissen bei Theisohn ausglöst, u.a. die Erkenntnis, dass zuweilen ganze Seiten lang über Darwin geschrieben werde, ohne dass Darwin zitiert werde oder dass ein Werk über 130 Seiten zwei Autoren bespreche und nur sporadisch zitiere. Dies zeige, so Theisohn, dass die Frage, was “als zitierpflichtig erachtet wird und was nicht, sehr stark vom fachlichen Standort abhängig ist” (16). Warum es das zeigt, können wir nicht nachvollziehen, denn immerhin war es Theisohn möglich, die geistigen Urheber die besprochen und sporadisch zitiert werden, ausgehend von den gelesenen Texten ausfindig zu machen.

Kritik am ErkenntnisfortschrittAus all den willkürlichen und nicht nachvollziehbaren Assoziationen zimmert er den absurden Schluss, dass man ein Plagiat nicht als Plagiat benennen könne, wenn man die Mentalität des Plagiatoren und seiner Zeit nicht in Rechnung stelle. Aber gut, wenn man es mit seltsamen Zeitgenossen zu tun hat, die gerade versucht haben, die Möglichkeit der Übereinstimmung in der Wahrnehmung von Eigentum in Abrede zu stellen und die tatsächliche argumentieren wollen, dass in den 1980er Jahren Autoren, die Textstellen bei anderen kopiert haben ohne diese Autoren anzugeben, nicht wussten, dass man das in der Wissenschaft nicht macht, weil damals die, sagen wir, die Pädagogik ein in “seinen Standards unausgegorenes Fach” (12) war, dann muss man zeitgenössisch argumentieren.

Die folgende Liste ist ein Auszug aus dem Karlsruher Verbundkatalog. Der Auszug stellt Bücher zusammen, die alle vor 1980 erschienen sind und in denen die Regeln des wissenschaftlichen Arbeits zusammengestellt sind. Angesichts der Vielzahl der wissenschaftichen Publikationen, in denen erklärt wird, dass man nicht einfach Textstellen von anderen Autoren in die eigene Arbeit schreiben darf ohne diese Autoren auch zu zitieren und da selbst für das “unausgegorene Fach” der Pädagogik ein Eintrag zu finden ist (bitte die Grafik anklicken und nach unten scrollen bis es rot wird), kann man also davon ausgehen, dass das Gebot der wissenschaftlichen Lauterkeit bereits 1980 und selbst in der Pädagogik bekannt war.

KVK Schavan

Man muss vor diesem Hintergrund zweierlei feststellen: (1) in den 1980er Jahren war es ebenso ein Diebstahl geistigen Eigentums wie heute, wenn Textstellen übernommen oder leicht abgeändert übernommen wurden, ohne auf den Ur-Text und dessen Verfasser zu verweisen, (2) Zitat und Paraphrase und der Vortrag von Theisohn sind offensichtlich Teil einer Kampagne, mit der versucht werden soll, vorhandenen Befürchtung, dass das Plagiat von Schavan und seine Aufdeckung erst die Spitze eines Eisberges ist, dessen Abschmelzen eine ganze Reihe derzeit noch promovierter Opfer fordern wird, dadurch zu begegnen, dass man versucht, normale Betrachter um ihren Verstand zu reden und die Möglichkeit, durch den Vergleich zweier Texte eine Übereinstimmung oder keine Übereinstimmung festzustellen, so lange zu bestreiten, bis diejenigen, die darauf beharren, dass Diebstahl immer dann vorliegt, wenn fremdes Eigentum entwendet wird, kleinbeigeben.

Was ScienceFiles betrifft, so wird dies allerdings nie der Fall sein.

P.S.

Drei Dinge seien an dieser Stelle noch nachgetragen: (1) Wie krank muss man eigentlich sein, wenn man die Frage untersucht, ob Diebstahl fremden Eigentums zu bestimmten Zeiten ein akzeptables Mittel wissenschaftlichen Arbeitens war. (2) Warum melden sich eigentlich nicht die Professoren für Pädagogik zu Wort, denen hier dauerhaft attestiert wird, sie seien Stümper, die Lehrstühle besetzten ohne dazu auch nur im Entferntesten befähigt zu sein? (3) Wenn Pädadgogik tatsächlich in den 1980er Jahren ein “unausgegorenes Fach” war, dessen Vertreter wissenschaftliche Standards nicht einzuhalten in der Lage waren, dann müssen konsequenter Weise alle Titel, die von diesem unausgegorenen Fachvertretern vergeben wurden, entzogen werden.

Die Feinde der Wissenschaft sitzen an Universitäten

- ein offener Brief an Beate Kortendiek
von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein
sciencefiles.org

Vorgeschichte

buchholzProf. Dr. Günter Buchholz führt dereit eine Befragung an deutschen Universitäten durch, mit der er die Entstehung der Genderforschung untersuchen und Informationen über die Ausrichtung und Tätigkeit von Genderlehrstühlen sammeln will. Dies ist, angesichts der Tatsache, dass wenig bis gar nichts über das bekannt ist, was Genderlehrstuhl-Inhaber eigentlich so den lieben langen Tag lang tun, und welchen Nutzen ihr Tun hat, ein sehr löbliches Unterfangen. Vor allem wenn man bedenkt, dass Genderlehrstühle von Steuerzahlern finanziert werden.

Mit seiner Befragung hat Günter Buchholz offensichtlich einen Nerv getroffen, denn gestern Nachmittag hat Arne Hoffmann auf einen Beitrag im Blog der HU-Berlin aufmerksam gemacht, in dem eine Dr. Beate Kortendiek vom "Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW", die ein Auskommen an der Universität Duisburg-Essen gefunden hat, offen dazu aufruft, die Befragung von Prof. Dr. Günter Buchholz zu boykottieren. Ein solches unwissenschaftliches, unkollegiales und allen Regeln wissenschaftlicher Lauterkeit widersprechendes Verhalten, ist selbst unter Genderisten nicht häufig zu finden, und deshalb haben wir uns an die alte Weisheit "Wehret den Anfängen!" erinnert und einen offenen Brief an Beate Kortendiek geschrieben, den wir ihr natürlich auch per Email geschickt haben.

Wer den offenen Brief unterstützen will, und wem es ein Anliegen ist, deutlich zu machen, dass Wissenschaft ein offenes und liberales und eben kein ideologisches Unterfangen ist, der ist herzlich eingeladen, den offenen Brief herunterzuladen und an beate.kortendiek@netzwerk-fgf.nrw.de zu schicken, gerne auch unter Ergänzung eigener Punkte - versteht sich.

Sehr geehrte Frau Kortendiek,

in ihrer Eigenschaft als Koordinatorin des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW haben Sie einen Brief an Mitglieder des Netzwerks geschickt, der im ZtG-Blog der HU-Berlin veröffentlicht wurde. Wir nehmen diesen Brief zum Anlass, Sie aufzufordern, in Zukunft alle Versuche, Wissenschaft und wissenschaftliche Forschung zu behindern oder zu unterbinden bzw. deren Ergebnisse zu beeinflussen zu unterlassen und sich öffentlich bei Prof. Dr. Günter Buchholz zu entschuldigen. Wir tun dies, weil Sie mit Ihrem Schreiben nicht nur der Universität Duisburg-Essen, sondern der Wissenschaft insgesamt einen großen Schaden zugefügt haben.

Begründung:
Sie informieren die Mitglieder des Netzwerkes “Frauen- und Geschlechterforschung” über eine Befragung, die Prof. Dr. Günter Buchholz durchführt und versuchen, Prof. Buchholz nicht nur als Person, sondern auch als Wissenschaftler zu diskreditieren. Dazu bedienen Sie sich Mitteln, die man nicht anders als schäbig bezeichnen kann, was vielleicht noch erträglich wäre, aber Sie begehen darüber hinaus eine Reihe von logischen Fehlschlüssen, die Sie und die von Ihnen vertretene Genderforschung in ein klägliches Licht rücken.

So schreiben Sie im Hinblick auf die von Prof. Buchholz durchgeführte Befragung:

“Die Standards für Forschung (wie sie etwa die DFG vertritt) setzen allerdings Ausgewiesenheit und kritische offene Beschäftigung mit dem Forschungsgegenstand der Geschlechterforschung voraus.”

UNi dui

Logo und Wirklichkeit

Es gibt nach unserer Kenntnis keine Standards der Forschung, die es vorsehen, dass man die Geschlechterforschung erforscht haben muss, bevor man sie erforschen kann. Sie scheinen derzeit die einzige zu sein, die diesen logischen Fehler macht. Man kann einen Forschungsgegenstand schlicht nicht erforschen, bevor man ihn erforscht hat. Auch Ausgewiesenheit ist kein Kriterium, an dem sich wissenschaftliche Forschungsfähigkeit bemisst. Es mag für Ideologen wichtig sein, dass sich nur Ideologen, die eine Ideologie teilen, mit bestimmten Feldern befassen. In der Wissenschaft ist dies nicht so, denn eine – wie sie schreiben – kritische und offene Beschäftigung mit einem Gegenstand setzt gerade keine ideologische Verbohrtheit voraus. Insofern sollten Sie froh sein, dass sich Prof. Buchholz durchgerungen hat, das Thema “Genderforschung” zu untersuchen. Er ist mit Sicherheit offen und dass er kritisch ist, belegen seine von Ihnen zitierten Beiträge, mit denen Sie offensichtlich nicht konform gehen.

Es mangelt ihnen, wie man ihrem Schreiben entnehmen kann, an Kritikfähigkeit und Offenheit, denn anders kann die aufschlussreiche Art, in der Sie versuchen zu insinuieren, die Arbeit von Prof. Dr. Buchholz sei nicht zitierfähig, nicht bezeichnet werden. Kritikfähigkeit meint übrigens nicht nur die Fähigkeit, zu kritisieren, sondern auch die Fähigkeit, Kritik zu akzeptieren und mit Kritik umzugehen. Daran haben Sie offensichtlich noch nie gedacht, was abermals zeigt, dass es Ihnen an intellektueller Offenheit mangelt und was ein Armutszeugnis für den Zustand der Geschlechterforschung darstellt, sofern Sie für Letztere repräsentativ sein sollten.

Aber Sie versuchen nicht nur, die Arbeit von Prof. Dr. Buchholz verächtlich zu machen, sie machen im Zuge ihres Versuchs durchgehend einen grundlegenden logischen Fehler. Spätestens das diskreditiert Sie vollständig als ernstzunehmender Wissenschaftler, denn ein Wissenschaftler weiß, dass die Qualität von Argumenten nicht davon abhängt, wer sie äußert. Da Sie denken, dass die Qualität von Argumenten von dem abhängt, der sie äußert und entsprechend einen Fehlschluss ad hominem begehen, können Sie kein Wissenschaftler sein (Das war übrigens ein astreiner modus tollens). Da Sie aber als Vertreter von Wissenschaft auftreten, schaden Sie der Wissenschaft durch dieses öffentliche Zurschau-Stellen von logischer Inkompetenz.

Frauen und GfDarüber hinaus schaden Sie der Genderforschung, denn durch ihre offensichtliche Angst, die Sie anzutreiben scheint, die Warnlampe vor der Forschung von Prof. Dr. Günter Buchholz zu schwenken, erwecken Sie den Eindruck, es gebe etwas im Bereich der Genderforschung, was man lieber unbeforscht, lieber nicht transparent und lieber geheim halten würde. Die Vertreter einer wissenschaftlichen Disziplin, die so jung ist, wie die Genderforschung, die entsprechend noch zu belegen hat, dass sie überhaupt die Bezeichnung wissenschaftliche Disziplin verdient, z.B. dadurch, dass sie empirische Probleme löst, müssten sich darüber freuen, wenn sich ein Wissenschaftler bereit findet, eine Meta-Analyse der Anstrengungen in der Disziplin vorzunehmen. Nur so ist es möglich, Erreichtes aufzulisten, Schwächen aufzuzeigen und Fehler zu korrigieren. Wenn Sie versuchen, eine Befragung zu boykottieren, die diesem Ziel dient, dann verhindern sie damit wissenschaftlichen Fortschritt, sie verhindern wissenschaftliche Arbeit und Erkenntnis und geben sich als Feind der Wissenschaft zu erkennen, der die Institution “Wissenschaft” offensichtlich für andere als Erkenntniszwecke missbrauchen oder gebrauchen will.

Logik f dummiesNun kann jeder von uns einen schlechten Tag erwischen, und Ihr Brief enthält alle Anzeichen einer emotionalen Erregtheit, eines im Affekt geschriebenen und nicht durchdachten Schreibens. Deshalb haben wir diesen Offenen Brief geschrieben, um Ihnen die Gelegenheit zu geben, sich öffentlich zu entschuldigen und den Schaden, den Sie der Wissenschaft im Allgemeinen und der Genderforschung im Besonderen zugefügt haben, zumindest in Teilen zu reparieren.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. habil. Heike Diefenbach
Michael Klein

ScienceFiles.org

Ein weiterer Beitrag zu diesem Thema findet sich auf Genderama bei Arne Hoffmann

TU-Dortmund: Fälschung von Zitaten Bestandteil des Curriculums?

FK_12_Erz_SozÜber die letzten Jahre mussten wir nicht nur eine Erosion moralischer Werte und wissenschaftlicher Standards an Universitäten beobachten, in weiten Teilen ausgelöst durch staatsfeministische Interventionen, von denen wir uns bis jetzt fragen, wie sie mit der “wissenschaftlichen Unabhängigkeit” zu vereinbaren sind, wir haben auch die “Blüten” einer titelgeilen Möchtegern-Elite gesehen, die Spitze des Eisbergs in Form unglaublich dummer und naiver Versuche, geistiges Eigentum fremder Autoren zu stehlen und als eigenes Eigentum auszugeben. Die daran anschließende Diskussion über Plagiate und Standards hat jedoch von Problemen abgelenkt, die an Universitäten nicht nur deshalb endemisch sind, weil durch staatsfeministische Interventionen die dritte und oftmals die vierte Wahl in Positionen gelangt, in die sie auf regulärem Weg nie gelangt wären. Wie wir nunmehr zeigen werden, sind die Standards an manchen Universitäten so niedrig, besteht an manchen Universitäten der Verdacht, dass das Fälschen von Zitaten als Teil des Curriculums gelehrt oder für die größere Sache toleriert wird.

Das folgende Zitat entstammt dem Beitrag “Jungen- und Männlichkeitsforschung” von Michael Meuser, veröffentlicht in: “Jungen und ihre Lebenswelten – Vielfalt als Chance und Herausforderung. Bericht des Beirats Jungenpolitik” herausgegeben und verantwortet vom Bundesministerium für FSFJ:

meuserDiese Daten [PISA-Daten] sowie der Umstand, dass die Schülerinnen im Durchschnitt die Schule mit besseren Noten abschließen als die Schüler, haben die Diskussion über eine vermeintliche Bildungsbenachteiligung der Jungen ausgelöst. In diesem Zusammenhang wird die “Feminisierung” des Lehramts, insbesondere in der Grundschule, als ein Grund hierfür angeführt, also der Umstand, dass Schüler und Schülerinnen überwiegend und in der Grundschule nahezu ausschließlich von Frauen unterrichtet werden (Carrington/McPhee 2008; Diefenbach/Klein 2002)” (Meuser, 2013, S.42).

Bevor wir uns diesem Zitat näher widmen, hier eine Stelle aus den Zitierhinweisen, die an Studenten einer Sprachwissenschaftlichen Fakultät in Deutschland verteilt werden, und die von Studenten eingehalten werden müssen.

“Zitate müssen grundsätzlich den genauen Wortlaut der Textvorlage einhalten [...] Zitate werden in doppelte Anführungszeichen gesetzt [...] Sowohl Zitate als auch selbst formulierte Wiedergaben benötigen eine Referenzangabe.”

wiss arbeitenLegen wir diese Standards, an denen die wissenschaftlichen Arbeiten von Studenten gemessen werden, an die zitierte Stelle von Michael Meuser an. Der Begriff Feminisierung steht in Hochkommata und ist entsprechend als direktes Zitat ausgewiesen, das, wie der anschließende Verweis zeigt und wie Meuser damit behauptet, bei Carrington/McPhee 2008 und Diefenbach/Klein 2002 zu finden ist. Mit anderen Worten, Michael Meußer behauptet, der Begriff Feminisierung sei von uns verwendet worden. Er behauptet, er habe den Begriff bei uns gelesen. Er behauptet ferner, er würde diesen Begriff, den er bei uns gelesen hat, zitieren. Leider vergisst er die Seitenangabe und gemessen an den obigen Zitierhinweisen, an denen Studenten gemessen werden, hat er damit einen kardinalen Handwerksfehler begangen. Aber diese Art von Handwerksfehlern wird an manchen Universitäten scheinbar gelehrt, um  dadurch den Transport der eigenen Ideologie zu erleichtern, sie einfacher mit dem Mantel der Wissenschaftlichkeit maskieren zu können.

Dass unsere Interpretation, nach der Meuser den Begriff Feminisierung als wörtliches Zitat Diefenbach und Klein (2002) unterschieben will, richtig ist, zeigt sich auf Seite 42 weiter unten, wo er schreibt:

“Neuere Forschungen verweisen darauf, dass anderseits dasjenige Verhalten eine positive Wertung erfährt, das typischerweise von den Mädchen an den Tag gelegt wird (…). Diefenbach und Klein (2002) sehen dies als eine Folge der Feminisierung des Lehrerberufs” (Meuser, 2013, S.42).

Damit bekräftigt Meuser sein direktes Zitat von oben, in dem er uns den Begriff Feminisierung unterschiebt, denn wir können natürlich nur von einer Folge der Feminisierung schreiben, wenn wir den Begriff Feminisierung auch gebraucht haben.

Bringing Boys Back In

Tatsächlich haben wir den Begriff Feminisierung in unserem Beitrag an keiner Stelle benutzt, wie jeder prüfen kann, der die Suchfunktion in Adobe benutzen kann. Mit anderen Worten: Michael Meuser fälscht hier ein wörtliches Zitat und schiebt es uns unter. Und dass er fälschen muss, hat gute Gründe. Zum einen passt ihm die Ausrichtung unseres Beitrags aus dem Jahre 2002, so wie er sie vom Hörensagen kennt, nicht, hat er uns als seine ideologischen Gegner ausgemacht. Zum anderen kennt er unseren Beitrag überhaupt nicht, hat er ihn nie gelesen. Denn hätter er ihn gelesen, ihm wäre aufgefallen, dass wir am Ende des Beitrags nach Erklärungen für einen empirischen Befund suchen, den wir in unserem Beitrag etabliert haben:

„Zum einen besteht die Möglichkeit aktiver Benachteiligung von Jungen gegenüber Mädchen durch Lehrerinnen. In einem gesellschaftlichen Klima, in dem die geteilte Geschlechtszugehörigkeit von vielen (auch innerhalb der Sozialwissenschaften; vgl. hierzu beispielsweise Kelle/Lüdemann 1995, S. 258) gleichbedeutend mit einer geteilten Subkultur ist, ist mit dieser Möglichkeit zu rechnen. Wir halten es jedoch für wahrscheinlicher, dass die Nachteile, die Jungen gegenüber Mädchen durch die Betreuung durch Lehrerinnen haben,
eine unbeabsichtigte Folge des Handelns der Lehrerinnen sind, die das Verhalten von Jungen und Mädchen unterschiedlich interpretieren und bewerten.“ (Klein & Diefenbach, 2002, S.949).

Man beachte, dass wir einen Nachteil von Jungen festgestellt haben und nunmehr nach möglichen Erklärungen für diesen Befund suchen. Die Benachteiligung von Jungen durch mehrheitlich weibliche Lehrer ist eine mögliche Erklärung. Aber Ideologen wie Meuser, die aufschrecken und wild flatternd oder cholerisch durch die Gegend laufen, wenn sie der Ansicht sind, jemand habe etwas Negatives über die holde Weiblichkeit gesagt, merken natürlich nicht, dass wir eine Erklärung für einen Befund suchen. Für sie ist klar, wir haben Feminisierung des Lehrerberufs festgestellt und als Ursache für Benachteiligung von Jungen identifiziert. Meuser ist einer, der offensichtlich dieser Ansicht ist. Er hat unseren Text nicht gelesen. Er zitiert unseren Text, weil er einen ideologischen Gegner aufbauen und seine logischen und sonstigen Denkfehler daran abarbeiten will.

Die vielen Fehler, die er allein in den wenigen von uns hier zitierten Sätzen macht, hat ihm Dr. habil. Heike Diefenbach in der ihr eigenen, im Umgang mit hunderten von Studenten und ihren Mängeln im Hinblick auf wissenschatfliches Arbeiten ausgefeilten Art und Weise so dargelegt, dass er nur lesen müsste, um zu lernen. Sie hat ihm erklärt,

  • dass ein Text, der 2009 erschienen ist, nicht die Ursache für einen Text sein kann, der 2002 erschienen ist;
  • dass es einen Unterschied zwischen dem Befund “Jungen haben Nachteile im Bildungssystem” und der Erklärung dieses Befundes “Jungen haben Nachteile, weil sie benachteiligt werden” gibt;
  • dass in derogativer Absicht eingestreute Relativierungen wie “vermeintlich” (siehe das erste Zitat von Meuser) mit einem wissenschaftlichen Vorgehen nicht vereinbar sind;
  • dass wir in unserem Beitrag an keiner Stelle schreiben, dass weibliche Lehrerinnen Jungen benachteiligen würden, sondern im Gegenteil nach Erklärungen für die Nachteile von Jungen im Bildungssystem suchen;
  • dass es methodisch mehr als fraglich ist, eine einzige und noch dazu keine gute Studie als Beleg für die Falschheit einer These anzuführen, die noch dazu nie von uns geäußert wurde und dass dies zudem mit der Ethik wissenschaftlichen Arbeitens nicht vereinbar ist;
  • dass alle Verweise, die Meuser in seinem Text auf unseren Text aus dem Jahre 2002 macht, falsch sind;

Die komplette Mail, die Dr. habil. Heike Diefenbach an den Univ. Prof. Dr. Michael Meuser geschrieben hat, kann hier heruntergeladen werden. Ich empfehle die Mail vor allem den Studenten von Michael Meuser. Die Auslassungen, Unterlassungen und Unkenntnisse von Herrn Meuser, die darin angesprochen sind, relativieren seine wissenschaftliche Befähigung, seine Kenntnisse der Regeln wissenschaftlichen Arbeitens doch in erheblichem Umfang. Dies ist vor dem Hintergrund pikant, dass Herr Meuser an der Fakultät 12 “Erziehungswissenschaft und Soziologie” als Prodekan für “Forschung und wiss. Nachwuchs” fungieren soll. Ob der wissenschaftliche Nachwuchs von Herrn Meuser lernt, dass Forschung darin besteht, anderen das zu unterstellen, was man ihnen gerne unterstellen will, und dass es als Mittel, um die Unterstellung glaubwürdig zu machen, recht nützlich ist, wenn man ein Zitat fälscht? Diese Frage muss unbeantwortet bleiben. Angesichts der Darstellung in diesem post kann sich jedoch jeder Leser ein recht informiertes Urteil bilden und entsprechend die Frage selbst beantworten.

scilogsDie Fälschung von Zitaten, die Unterstellung falscher Behauptungen ist nicht nur für die Universität Dortmund und den dort herrschenden “ethischen Kodex” problematisch, sie ist auch für das Bundesministerium für FSFJ schädlich, denn: Was ist von einem Bericht zu halten, bei dem bereits ein kursorischer Blick durch den Beitrag desjenigen, der für den gesamten Bericht die Federführung übernommen hat, eine Fälschung von Zitaten zu Tage befördert? Am besten, der Bericht wird dem Reißwolf überantwortet, denn ein genauerer Blick wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ganz andere Dinge zu Tage befördern. In jedem Fall hat Dr. habil. Heike Diefenbach die verantwortliche Ministerin davon in Kenntnis gesetzt, dass im von ihrem Ministerium und letztlich von ihr verantworteten Bericht nachweislich falsche Dinge behauptet werden. Entweder die Ministerin ist zwischenzeitlich in eine Schockstarre verfallen, oder es findet sich derzeit niemand, der die Kohlen aus dem Feuer holen will, jedenfalls ist die entsprechende Mail bislang noch nicht beantwortet. Allerdings mahlen die Mühlen deutscher Ministerien nach aller Erfahrung langsam, und ich bin mir ziemlich sicher, dass selbst das BMFSFJ nichts mit einer Fälschung zu tun haben will.

Bleibt noch die Reaktion von Univ. Prof. Dr. Michael Meuser auf die ausführliche Mail von Dr. habil. Heike Diefenbach zu berichten. Hier kommt sie:

Sehr geehrte Frau Kollegin Diefenbach,

was Sie anmahnen, ist Ihre Lesart meines Textes. Diese sei Ihnen unbenommen. Ich sehe keine Notwendigkeit, irgendetwas zu unternehmen.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Meuser

Bis zu dieser Mail dachte ich, Meuser ist einfach einer dieser Ideologen, die Texte, die sie nie gelesen haben, nutzen, um ein Feindbild aufzubauen. Seit ich diese Mail gelesen habe, bin ich der Ansicht, Meuser weiß nicht, was er tut. Und ob man Univ. Profs, die nachweislich nicht ganz Herr Ihrer Sinne sind, auf harmlose Studenten loslassen darf, ist nicht nur eine moralische Frage, jedenfalls dann, wenn das Curriculum die Vermittlung von Fälschung als Mittel zum Beleg der eigenen Meinung nicht vorsieht. In jedem Fall werden wir diese Sache nicht auf sich beruhen lassen (demnächst mehr in diesem blog).

Das große Nachsehen: Ein Nachruf auf Annette Schavan

Ein Kommentar von Dr. habil. Heike Diefenbach und Michael Klein

Nun ist die ent-titelte Annette Schavan doch tatsächlich zurückgetreten – nicht, weil sie eingesehen hat, dass es auch vor 30 Jahren schon Zitierregeln gab, die lautere Wissenschaftler von Plagiateuren unterschieden haben. Nicht weil Sie eingesehen hat, dass der Versuch, sich mit fremder Autoren Text zu schmücken, zu offensichtlich war und deshalb scheitern musste. Nein, Annette Schavan sieht sich als Opfer und will Schaden vom “Amt” abwenden. Wie soll man diese Haltung bezeichnen? Starrsinnig? Uneinsichtig? Frech?

Es ist an dieser Stelle sinnvoll, den Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Düsseldorf, Prof. Dr. Bruno Bleckmann und seine Begründung für den Entzug des Doktortitels im Wortlaut zu zitieren (schon damit Herr Bleckmann seine Presseerklärung nicht völlig umsonst so ausführlich gestaltet hat, wie er sie gestaltet hat):

Bleckmann

Quelle: HHU-Video

“Der Fakultätsrat hat sich nach dieser grundsätzlichen Klärung in seinen Betrachtungen nach gründlicher Prüfung und Diskussion abschließend die Bewertung des Promotionsausschusses zu eigen gemacht, dass in der Dissertation von Frau Schavan in bedeutendem Umfang nicht gekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte zu finden sind. Die Häufung und Konstruktion dieser wörtlichen Übernahmen, auch die Nichterwähnung von Literaturtiteln in Fußnoten oder sogar im Literaturverzeichnis ergeben der Überzeugung des Fakultätsrats nach das Gesamtbild, dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte.” [Hervorhebungen von uns]

Der Diebstahl geistigen Eigentums, den Annette Schavan in ihrer Dissertation betrieben zu haben scheint, ist demnach und nach Einschätzung des Promotionsausschusses der Universität Düsseldorf systematisch erfolgt. Im Gegensatz dazu hat Frau Schavan immer von Flüchtigkeitsfehlern gesprochen. Kann man systematisch Flüchtigkeitsfehler machen?

Wer jemals wissenschaftlich gearbeitet hat, der weiß, dass er dann, wenn er seine Arbeit letztendlich schreibt, mit einer Vielzahl von Exzerpten, ausgedruckten Texten und Büchern konfrontiert ist, die für sein Thema relevant sind. Er bearbeitet in seiner Dissertation eine Fragestellung, die neu und seine eigene Idee ist. Schon deshalb benutzt er die Texte anderer ausschließlich um einen Überblick über den Forschungsstand zu seinem Thema zu geben oder um Argumente, die er machen will und die andere auch schon gemacht haben, mit diesen anderen zu belegen. Andere Gründe für die Berücksichtigung fremder Texte in eigenen Arbeiten gibt es nicht.

schavanStellt man sich nun einen Wissenschaftler vor, der am Computer oder wie Frau Schavan vor der Schreibmaschine sitzt und an seiner Arbeit schreibt, dann muss man sich jemanden vorstellen, der entlang seiner eigenen Fragestellung schreibt und an bestimmten Punkten seines Gedankengangs Texte zitiert, die von anderen stammen. Dazu nimmt er seine Exzerpte zur Hand. Er nimmt Texte zur Hand oder Monographien und überträgt den Text des anderen in den eigenen Text. Weil es kein eigener Text ist, fängt der Fremdtext mit Anführungszeichen an und endet mit denselben. Weil es kein eigener Text ist, wird der Fremdtext nach den Anführungszeichen mit einer Fußnote oder einem Beleg in z.B. Harvard-Zitierweise versehen. Dies alles geht in einem Guss, und jeder, der jemals wissenschaftliche gearbeitet hat, weiß, dass es gerade dieser eine Guss ist, der in den ersten Semestern eingeübt wird, an dem wissenschaftliche Arbeiten vom ersten Tag eines Studentenlebens an gemessen werden. Wer nicht zitieren kann, der hat im Wissenschaftsbetrieb keine Zukunft, und deshalb können es die meisten Studenten früher oder später im Schlaf. Textübernahme: Anführungszeichen, Text, Anführungszeichen, Beleg.

Frau Schavan will diese Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens nicht im Schlaf beherrschen. Sie will Flüchtigkeitsfehler gemacht haben. Systematisch vergessen haben, den Autor, von dem Sie gerade Text abgeschrieben hat, zu zitieren. Wer den Ablauf wissenschaftlichen Arbeitens kennt, weiß, dass das nicht möglich ist. Wer einen Fremdtext übernimmt, ohne ihn zu belegen, handelt nicht flüchtig, sondern weiß genau was er tut oder er hat überhaupt keine Ahnung vom wissenschaftlichen Arbeiten. Egal, welche Alternative zutrifft, derjenige hat sich als unfähig erwiesen, einen Doktortitel zu erwerben, geschweige denn zu führen.

Letztlich ist die Diskussion darüber, ob Frau Schavan absichtlich getäuscht hat oder weil sie es nicht besser wusste, müsig. Einen Doktortitel verdient sie in keinem Fall, entweder weil sie wissenschaftliche Kollegen um deren geistiges Eigentum bestohlen hat oder weil sie keine Idee davon hat, worin wissenschaftliches Arbeiten eigentlich besteht.

Der von uns beschriebene Ablauf des wissenschaftlichen Arbeitens sollte all denen, die ein Studium hinter sich gebracht haben, bekannt sein. Sie alle sollten wissen, dass es nicht möglich ist, systematisch den Beleg zu vergessen, der offenlegt, von wem der gerade abgeschriebene Text abgeschrieben wurde. Um so erstaunlicher ist die Form der Solidarität, die Frau Schavan derzeit genießt. Politiker aller Couleur finden sich hinter Frau Schavan ein, um ihr “Respekt [zu] zollen” oder “mit großem Bedauern und Respekt” ihren Rücktritt zu kommentieren. Und so tut es z.B. Sigmar Gabriel “außerordentlich leid”, eine “hoch anständige und kompetente Kollegin” zu verlieren und selbst Jürgen Trittin ist der Ansicht, Frau Schavan habe “Respekt vor dem Amt” bewiesen. Diese Form der Solidarität unter Politiker, ist nur insofern verwunderlich, als es weitgehend dieselben Politiker sind, die auf die Notwendigkeit von Rollen-Vorbildern, hinweisen, wenn sie es z.B. unerträglich finden, dass ein Trainer wie Christoph Daum, der eingestanden hat, Kokain konsumiert zu haben, Bundestrainer werden soll. Aber Heuchelei gehört zum Amt des Politikers wie Parmesan zu Spaghetti, und folglich ist es nicht weiter bemerkenswert.

BNN-PlagiatBemerkenswert ist indes die devote Form, in der Journalisten, von denen die Mehrzahl eine Universität besucht haben sollte, Verständnis für die Vergehen der jungen Annette Schavan, die mehr als 30 Jahre zurückliegen, haben. Da meint Roland Nelles im Spiegel, Frau Schavan sei halt etwas lax beim Zitieren vorgegangen und wenn Schavan “nur” Umweltminister wäre, wäre das verzeihlich. Ob Roland Nelles auch so verständig reagieren würde, fände er seine Texte unter fremdem Namen in, sagen wir, der Freien Welt? Katrin Brand überlegt öffentlich, ob man nicht eine Verjährungsregel für Plagiate in Doktorarbeiten einführen sollte, so vielleicht nach 33 Jahren und 2 Monaten, nicht für das Plagiat an sich, wie sie meint, “wohl aber für den Entzug des Doktortitels”. Man könnte, so unser Vorschlag, den Doktortitel ja in “Dr. fraude mala” oder abgekürzt “Dr. fraus.” (fraus = Lateinisch für Betrug) umwandeln. Und Roland Preuß von der Süddeutschen Zeitung ist gar der Ansicht, der Entzug des Doktortitels an sich sei nach mehr als 30 Jahren nicht mehr notwendig, denn die Zeit heilt bekanntlich alle Wunden. Man muss, so kann man diese Haltung zusammenfassen, halt nur lange genug aushalten, um die Früchte vergangener Betrüge voll auskosten zu können. Eine seltsame Moral ist das, die sich unter Journalisten findet.

Ist es nicht erstaunlich, wie bereitwillig Journalisten verzeihen, wenn es um den Diebstahl geistigen Eigentums geht. Was lässt sich aus dieser “laxen” Haltung gegenüber fremden Texten wohl für die eigene journalistische Praxis ableiten? Was sagt dies für die eigenen wissenschatflichen Anstrengungen während eines Studiums aus? Die können nicht besonders intensiv gewesen sein, denn wer ein Studium intensiv betrieben hat, für den ist es nicht hinnehmbar, dass ein Doktortitel für das Übernehmen der Arbeit anderer vergeben wird. Aber an diese Promovierten, deren Titel durch Personen wie Frau Schavan zur Lachplatte werden, denken die Kommentierenden öffentlicher Medien entweder nicht oder sie haben damit einfach kein Problem, so wenig wie sie ein Problem damit zu haben scheinen, dass Studenten bereits im ersten Semester ihre Hausarbeiten mit mangelhaft bewertet zurück erhalten, wenn sie denselben Stand an Unkenntnis im Hinblick auf wissenschaftliches und lauteres Arbeiten zeigen, für den Frau Schavan einst einen Doktortitel erhalten hat.

Hilflosigkeit oder Wahnsinn? Hektische Rettungsversuche am Zentralmythos des Staatsfeminismus

Santa-Is-A-Lie-eAls ich im September 2012 von der Analyse berichtet habe, in der Fabian Ochsenfeld auf Basis der Daten des HIS-Absolventenpanels, also auf Grundlage von Daten, die Universitäts- und Fachhochschulabsolventen über mehrere Jahre verfolgen, den Mythos der Gläsernen Decke in Unternehmen ein für alle Mal, oder in PC: nachhaltig zertrümmert hat, war ich schon gespannt, wie die Staatsfeministen es nehmen werden. Dass da jemand die Behauptung als falsch belegt hat, auf deren Grundlage sie ihre Griffe in die Staatschatulle und ihre Forderungen nach “finanzieller Förderung” legitimieren, können sie eigentlich nicht einfach hinnehmen.

Entsprechend war schon vor Monaten klar, dass sich Staatsfeministen dagegen wehren werden, dass ihnen jemand ihren Dukatenesel genommen und ihre Behauptungen als Farce bloßgestellt hat; zu lange sind die Fördergelder schon bei bloßer Erwähnung einer Benachteiligung von Frauen fast von alleine geflossen.  Staatsfeministen müssen sich gefühlt haben, wie im Schlaraffenland: Sie behaupten einfach, dass Frauen z.B. in Unternehmen am Aufstieg in Führungspositionen gehindert werden, von bösen Männern und Männerbünden und ähnlichen Gebilden, mit denen die Phantasie von Staatsfeministen scheinbar bevölkert ist, und schon gibt es Fördergelder, und die Politiker stehen schlange, um den armen Frauen in die verdienten Führungspositionen zu verhelfen.

Wie gesagt, nach Fabian Ochsenfelds Analyse war das alles nicht mehr möglicht, denn Ochsenfeld hat gezeigt, was im Staatsfeminismus nicht vorgesehen ist: Frauen haben einen eigenen Willen, sie sind nicht – wie Staatsfeministen behaupten – die Dummchen, die von Männern gesteuert werden, sie sind nicht geborene Opfer, sondern Individuen, die eigene Handlungsentscheidungen treffen und sich (Achtung jetzt kommt es:) gegen eine Karriere in Unternehmen entscheiden, für eine Familie zum Beispiel. Das ist für Staatsfeministen ein Unding. Frauen mit eigenem Willen, die nicht in Führungspositionen aufsteigen wollen, das kann und darf es nicht geben, schon weil es die Finanzierung weiterer Förderprojekte, die dazu dienen, der Mäuler all derjenigen zu stopfen, die mit “Frauenförderung” ihr Auskommen bestreiten, die meisten davon im Speckgürtel des BMFSFJ angesiedelt, in Frage stellen würde. Das darf nichts sein.

frantic activityEntsprechend scheint es eine hektische Betriebsamkeit gegeben zu haben. Und am 22. Januar 2013, also einige Monate nach der Veröffentlichung von Ochsenfelds Analyse in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, ist – wer auch immer – fündig geworden. Lange musste derjenige suchen. Zurück bis in den November 2012 und in einen 470 Seiten starken Bericht der Hochschulinformationssystem GmbH musste er gehen. Der Bericht, der, wie könnte es anders sein, vom Bundesministerium für die Verbreitung von Mythen und Familien, Senioren, Frauen und Jugendlichen (teilweise) finanziert wurde, enthält auf den Seiten 153 bis 198 einen Beitrag von Michael Grotheer. Und dieser mittlerweile etwas angestaubte Bericht wurde dann eiligst in eine Pressemeldung (am 22. Januar 2013) umfunktioniert. Sie lautet: “Gläserne Decke erschwert den Aufstieg von Akademikerinnen”. Was sonst wäre in einem 470 Seiten starken Bericht erwähnenswert? Warum habe ich nur den Eindruck, dass sich bei manchen langsam aber sicher der Wahnsinn zeigt?

Egal, die eilends gezimmerte Pressemeldung (aus einem mit “Hochqualifiziert und gefragt” überschriebenen Bericht) ist offensichtlich dazu gedacht, die Ergebnisse der Analyse von Fabian Ochsenfeld in Misskredit zu bringen, was spätestens da deutlich wird, wo Michael Grotheer mit der folgenden Aussage zitiert wird: “Selbst wenn wir von ähnlichen individuellen Voraussetzungen ausgehen, von ähnlichen Studienleistungen, ähnlichen Kompetenzen und ähnlichen Gelegenheitsstrukturen, bleiben die Karrierenachteile für Frauen bestehen. Akademikerinnen stoßen weiterhin auf eine ‘gläserne Decke’…”. Wie schnell doch aus Karrierenachteilen für Frauen, gläserne Decken für Akademikerinnen werden. Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum von einer “gläsernen Decke” fabuliert wird? Nun, ich erkläre mir derzeit den Begriff durch einen Rückgriff auf die Psychiatrie, in der es eine Reihe von Patienten geben soll, die Dinge sehen, die nicht da sind, die andere nicht sehen können, so wie man gläserne Decken nicht sehen kann, was die Frage aufwirft, wie man bemerkt, dass sie da ist.

hislogoDas bringt mich zurück zum Beitrag von Herrn Grotheer. Herr Grotheer hat, wie Fabian Ochsenfeld auch, die Daten des HIS-Absolventenpanels ausgewertet. Er hat, wie Ochsenfeld das auch getan hat, die Fächer berücksichtigt, die Absolventen studiert haben und festgestellt, dass weibliche Absolventen häufiger Studienfächer studieren, die nicht unbedingt zu einer Karriere im Direktorium von Daimler Benz befähigen, Soziale Arbeit zum Beispiel. Dieses Ergebnis von Ochsenfeld ist somit repliziert. Neu am Vorgehen von Grotheer ist, dass er behauptet, die Studienfachwahl erkläre nicht die unterschiedliche Anzahl von Frauen und Männern in Führungspositionen. Dies ist der Kern der apokryphen Sätze, die ich oben zitiert habe. Auch, so könnte man Grotheer übersetzen, wenn man Frauen und Männer berücksichtigt, die Fächer studiert haben, die häufig in Führungspositionen in der Wirtschaft führen, schaffen es weniger weibliche Absolventen in Führungspositionen als männliche Absolventen.

Und deshalb, so weiß Herr Grotheer, gibt es eine gläserne Decke. In einer geradezu atemberaubenden Form des geistigen Kurzschlusses erklärt er eine ungleiche Verteilung, erst zur Benachteiligung und dann zur gläsernen Decke oder, wie man in seinen Kreisen wohl denkt: Das Wesen einer Ungleichverteilung zwischen Frauen und Männern ist Benachteiligung. Nun, Frauen verirren sich eher selten auf Männertoiletten und dennoch ist kaum jemand der Ansicht, der im Vergleich zu Männern deutlich geringere Anteil Frauen, der Männertoiletten aufsucht, sei Ergebnis einer gläsernden Decke, die Frauen den Zutritt zu Männertoiletten verwehrt. Wie gesagt, kaum jemand ist der Ansicht. Warum? Offensichtlich wird im Fall der Männertoiletten in Rechnung gestellt, dass Frauen nicht auf Männertoiletten gehen wollen. Diese Entschlusskraft, diese Willensstärke, nicht auf Männertoiletten gehen zu wollen, wird Frauen abgesprochen, wenn es um Führungspositionen geht. Dann wollen alle Frauen, die Herr Grotheer in seinem Datensatz finden kann, in jedem Fall wollen aber genau so viele Frauen wie Männer in Führungspositionen und deshalb ist eine ungleiche Verteilung in Führungspositionen eine Benachteiligung.

Keine falschen Schlüsse: Wir werden nach wie vor nicht gefördert!

Keine falschen Schlüsse: Wir werden nach wie vor nicht gefördert!

Wie nennt man derart falsches Denken? Kann man hier überhaupt noch von Denken sprechen oder muss man von einer geistigen Krankheit sprechen, einer Unfähigkeit, die nicht in der Lage ist, zwischen einem Zustand, wie ihn eine Verteilung beschreibt, und einem Prozess, der zu einer Verteilung geführt hat, zu unterscheiden? Hätte Herr Grotheer diese Fähigkeit zwischen Zustand und Prozess zu unterscheiden, er hätte sich wie Fabian Ochsenknecht gefragt, was auf dem Weg in Führungspositionen an Entscheidungen vorhanden ist, die Frauen und Männer unterschiedlich treffen, und er wäre vielleicht auf die Idee gekommen, die Entscheidung für Fertilität in seine Analyse mit einzubeziehen. Hätte er dies getan, er hätte bemerkt, wie Ochsenfeld es bemerkt hat, dass es keine gläserne Decke gibt. Niemand hindert Frauen am Aufstieg in Führungspositionen, nein, sie entscheiden sich für Fertilität und entsprechend gegen eine Karriere in Unternehmen.

Warum, so fragt man sich, hat Grotheer, der mit den selben Daten rechnet, die auch Ochsenfeld zur Verfügung hatte und der die Arbeit von Fabian Ochsenfeld kennen sollte, da sie zum Thema einschlägig ist, nicht untersucht, wie sich Lebensentscheidungen wie die Entscheidung für Kinder auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, in eine Führungsposition zu gelangen? Man kann hier nur mutmaßen, dass es ihm nicht darum gegangen ist, die gläserne Decke abermals als den Mythos zu entlarven, den sie nun einmal darstellt, sondern darum, dem von Ochsenfeld zerstörten Mythos wieder zu beleben. Belege für diese Hypothese finden sich in relativ großer Zahl im Beitrag von Herrn Grotheer. So zählt er Selbständige zu Führungskräften, ein einfacher Trick, um die Anzahl von Männern, die bekanntermaßen risikofreudiger sind als Frauen und die sich entsprechend viel öfter selbständig machen als Frauen, in Führungspositionen deutlich zu erhöhen. Wenn man eine gläserne Decke finden will, ist scheinbar kein Trick schäbig genug.

cheatingEin anderer ebenso schäbiger Trick besteht darin, Frauen einfach eine Intention zu unterstellen, die nicht gemessen wurde: Eine ungleiche Verteilung ist nicht per se ein Nachteil (z.B. im Hinblick auf Mordopfer nicht) und eine ungleiche Verteilung hat zunächst einmal nichts mit Benachteiligung zu tun. Es ist einer der miesesten Sprachtricks, den Staatsfeministen aus dem ff beherrschen, eine ungleiche Verteilung immer dann, wenn es um Positionen oder Zustände geht, die sie als wünschenswert erachten, als Benachteiligung auszugeben. Auch Grotheer beherrscht diese Tricks. So schreibt er: “Frauen haben – vor allem im Hinblick auf die obere Führungsebene – deutlich schlechtere Chancen auf eine Erwerbstätigkeit mit Leitungsfunktion” (195). Diese kurze Aussage ist ein Paradebeispiel wissenschaftlicher Unlauterkeit: Grotheer untersucht nicht Frauen, sondern Hochschulabsolventinnen, und er hat sie nicht nach ihren Chancen im Beruf befragt, sondern er benutzt einfache Verteilungen und interpretiert ungleiche Verteilungen als Benachteiligung. Er schiebt also seinen Lesern eben einmal seine krummen Interpretationen unter und behauptet, seine Interpretation seien ein soziales Faktum, dem sich alle Frauen gegenüber sähen.

Schließlich gibt es noch den letzten miesen Trick aus dem Arsenal der Staatsfeministen. Er beginnt damit, dass bestimmte Positionen von Staatsfeministen offensichtlich hoch geschätzt werden, vermutlich weil sie mit einem entsprechenden Verdienst einhergehen. Dass dieses Verdienst, das z.B. eine Führungskraft erzielt, mit einem entsprechenden Commitment, das sich z.B. in Überstunden und ständiger Verfügbarkeit niederschlägt, einhergeht, wird ebenso unter den Tisch fallen gelassen wie die Tatsache, dass sich viele Frauen eben wegen dieses notwendigen Commitments nicht für die entsprechenden Führungspositionen entscheiden oder interessieren. Statt dessen wird so getan als seien die Ansprüche, die mit einer Führungsposition einhergehen, männlichem Hegemonialstreben geschuldet, das darauf abziele, die armen Frauen von Führungspositionen fernzuhalten. Die Konsequenz aus dieser Entkoppelung von Anforderungen an denjenigen, der eine Führungsposition inne hat und Status und Verdienst, die mit einer Führungsposition einhergehen, führt dann zu absurden Forderungen wie der, Führungspositionen für Teilzeitbeschäftigung zu öffnen (173).

Damit steht am Ende, was immer am Ende steht, der Versuch, die Welt an die eigene Faulheit und Lethargie anzupassen. Staatsfeminismus offenbart sich einmal mehr als Angriff auf Meritokratie und Leistung und einmal mehr zeigt sich, dass Staatsfeministen in einem eingebildeten Idyll leben, in dem die Umstände auf sie Rücksicht nehmen, in dem ihre nicht vorhandene Leistungsfähigkeit dadurch ausgeglichen wird, dass die Ansprüche reduziert oder gestrichen werden. Staatsfeminismus ist ein race to the bottom, das ist so offensichtlich, wie es offensichtlich ist, dass das Ergebnis, das wir in Form einer Verteilung messen, nicht die Ursache ist, die zu dieser Verteilung geführt hat.

Frauenhäuser

logo_bundestagAm 10. Dezember gab es auf Bundestag.de die folgende Meldung zu lesen: “Experten forden mehrheitlich bundesgesetzliche Regelungen für Frauenhäuser”. Nun ist man es ja mittlerweile gewohnt, dass die unterschiedlichsten Ministerien immer dann, wenn es gerade passt, auf “Experten” zurückgreifen oder auf “Expertengremien”, die dann Preise vergeben dürfen, oder eine vorhandene Intervention mit einer positiven Evaluation absegnen, aber die Meldung auf Bundestag.de unterscheidet sich doch in einer Hinsicht, von den entsprechenden Erfolgs-Pressemeldungen aus den Ministerien: Diejenigen, die als Experten gezählt werden, werden genannt. Ein Lapsus sondersgleichen, denn der Wert von Experten für Ministerien oder politische Interventionen besteht doch darin, dass sie vom jeweiligen Ministerium als Experte bezeichnet werden, und das ist alles, was es über sie zu wissen und zu sagen gibt. Dessen ungeachtet erfährt man, wer die “Experten” sind, die Frauenhäuser aus Bundesmitteln fördern wollen, nämlich:

  1. Katja Krieger vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe;
  2. Heike Herold von der Frauenkoordinierung e.V.,
  3. Eva Risse von der Zentralen Informationsstelle Autonomer Frauenhäuser;

Und dann gibt es noch das unvermeidliche Gutachten im Auftrag des Ministeriums für FSFJ mit dem Titel “Bestandsaufnahme zur Situation der Frauenhäuser, der Fachberatungsstellen und anderer Unterstützungsangebote für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder”, das in einen rechtlichen und einen sozialwissenschaftlichen Teil gegliedert ist und für dessen sozialwissenschaftlichen Teil Prof. Dr. Cornelia Helfferich und Prof. Dr. Barbara Kavemann vom Sozialwissenschaftlichen Frauenforschungsinstitut an der Evangelischen Hochschule in Freiburg verantwortlich zeichnen (der juristische Teil des Gutachtens ist von Stephan Rixen vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht I an der Universität Bayreuth erstellt und soll in diesem post keine weitere Beachtung finden). Die Evangelische Hochschule Freiburg wiederum wird von der Evangelischen Landeskirche Baden getragen und ist somit etwas, woran ich mich nie werde gewöhnen können, eine wissenschaftliche Einrichtung auf religiösen Motiven basierend (eher ein Widerspruch – oder?).

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Snout in the trough

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Nonchalance sich Genderisten in Deutschland aus öffentlichen Töpfen bedienen bzw. bedienen wollen. Ich habe schon darauf hingewiesen, dass deutsche Genderisten sehr erfolgreich darin waren, die Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF), die eigentlich dazu genutzt werden sollen, um strukturelle Nachteile im Hinblick auf Beschäftigungsangebote in den Regionen der EU zu reduzieren, für die Einrichtung und den Unterhalt von Frauenhäusern und Frauencafés zu zweckentfremden. Dieses neuerliche Beispiel, bei dem nunmher versucht wird, Bundesmittel in die Frauenhäuser zu leiten, weil scheinbar die Finanzierung aus ESF, kommunalen und Landesmittel nicht ausreicht, um die immer zahlreicher werdenden Mäuler, die sich am staatsfeministischen Topf satt essen wollen, zu stopfen, ist nur ein weiterer Beleg für diese Nonchalance. Wie hemmungslos rent seeking, der Versuch, an Steuermittel zu gelangen, durchgeführt wird, kann man sich an einem kleinen Beispiel vergegenwärtigen: Was hätten wohl dieselben Genderisten, die nichts dabei finden, Interessenvertreter der Frauenhauslobby als “Experten” für die Behauptung zu präsentieren, dass Frauenhäuser gefördert werden müssen, zu sagen, wenn die Frage, ob Panzer an Saudi Arabien geliefert werden sollen auf Grundlage der Informationen der Experten Prinz Salman bin Abdelasis (Verteidigungsminister und Vize-Regierungschef in Saudi Arabien), Jan Siebert (Geschäftsführung von Kraus Maffei) und Karlheinz Schreiber (ehemaliger Waffenhändler) entschieden wird? Ich kann mir lebhaft vorstellen, was die entsprechenden Genderisten, die nichts dabei finden, sich in wirklich unverschämter Weise aus öffentlichen Töpfen zu bedienen, zu dieser Anzahl von “Experten” zu sagen hätten.

Und natürlich dürfen auch die “wissenschaftlichen Experten” nicht fehlen, um die Förderung von Frauenhäusern aus Bundesmitteln zu rechtfertigen. Dieses Mal stammen die “wissenschaftlichen Experten” wie gesagt vom Sozialwissenschaftlichen Frauenforschungsinstitut an der Evangelischen Hochschule Freiburg, und selbstverständlich kommen sie in ihrem Gutachten zu dem Ergebnis, dass mehr, viel mehr gefördert werden muss, dass Frauenhäuser auf sichere finanzielle Bundesfüße gestellt werden müssen, da den Mitarbeiterinnen die Unsicherheit einer nicht-Förderung durch den Bund nicht zuzumuten ist: “Die Abhängigkeit der Finanzierung von Haushaltslage und politischen Entscheidungen schafft ein grundsätzliches Gefühl von Unsicherheit” (194), und das geht natürlich nicht, schließlich sind evangelische Priester auch vor Kündigung sicher. es geht besonders nicht, weil doch die Mitarbeiterinnen in Frauenhäusern bis zur “Selbstausbeutung” (194) gehen, um ihren Kundinnnen zu helfen.

frauenhaus_netz_grossThema Kundinnen: Selbstverständlich gibt es eine hohe Nachfrage nach den Leistungen von Frauenhäusern, und dies “obwohl”, wie im “Gutachten” festgestellt wird, der “Bedarf an Unterstützung” nicht mit der “Nachfrage gleichzusetzen” ist (189). Wer nun denkt, dies sei ein Eingeständnis einer Unterauslastung von Frauenhäusern, der sieht sich getäuscht, denn dass die Nachfrage nach Frauenhausplätzen offensichtlich zu gering ist, als dass man eine Forderung nach Steuermitteln aus dem Topf des Bundes darauf stützen könnte, liegt nur daran, dass der “viel größere Bedarf”, der hinter der geringen Nachfrage steht, nicht bei den Frauenhäusern ankommt (189). U.a. deshalb habe ich Probleme mit Hochschulen, die von Religionen getragen werden, weil sie da, wo sie keine Daten haben, um einen Bedarf zu belegen, einfach annehmen, dass es den entsprechenden Bedarf gibt, so wie sie annehmen, dass es einen Gott gibt. Weil der Bedarf zwar da ist, aber bislang nicht sichtbar, muss man nach der Vorstellung von Helfferich und Kavemann “Kampagnen” für Frauenhäuser starten und “Öffentlichkeitsarbeit” durchführen, vielleich der Art: “Deutsche prügelt mehr, die Frauenhäuser sind leer!” – oder so. Und dann gibt es da noch die ländlichen Gebiete, die kein dichtes Netz von Frauenhäusern haben, dort muss man Frauenhäuser eröffnen und Personal einstellen, um den Bedarf, von dem wir annehmen, dass es ihn gibt, weil damit Frauen aus der Mittelschicht mit Abschlüssen in Sozial-XY in Lohn und Brot gebracht werden können, zu decken (191).

Wieso Mittelschichtsfrauen? Ja, denken Sie etwa, häusliche Gewalt käme in Musterhaushalten der Mittelschicht vor? Nein, hier wird mit psychischer Gewalt gearbeitet, häusliche Gewalt, so nehmen wir an, gibt es in der Unterschicht, und hier gibt es auch die Barrieren, die Barrieren, die “Frauen mit Volks-/Hauptschulabschluss und geringem Einkommen” daran hindern, ihren Bedarf an einem Frauenhaus, den sie selbstverständlich haben, auch anzumelden (197). Also müssen Mittelschichtsfrauen ran’ um diese armen Unterschichtsfrauen, die Opfer ihrer Unterschichts-Gewalttäter-Männer werden, in Sicherheit und Schutz zu bringen, um ihnen beizustehen, damit sie “die Kraft aufbringen” (191), um sich in die Obhut der guten Mittelschichtsfrauen zu begeben. Wer das Gutachten der beiden Evangelischen Hochschule-Professorinnen liest, der kann nicht anders als sich ob des latenten und aus fast jeder Zeile triefenden Paternalismus angewidert abzuwenden.

Und er kann nicht anders, als sich den Zahlen zuzuwenden, die im Bericht präsentiert, und die durch eine markante Auslassung gekennzeichnet sind: Zwar gibt es eine prozentuale Aufstellung über Auslastungsklassen der Frauenhäuser, aus der man etwa entnehmen kann, dass im Jahresdurschnitt 11,8% der Frauenhäuser “bis zu 50%” ausgelastet sind, während 5,6% über 100% ausgelastet sind, und dass der Rest sich dazwischen tummelt, und es gibt Zahlen über die durchschnittliche Verweildauer in Frauenhäusern, aber es gibt keinen Versuch, die Auslastung zu berechnen, was eigentlich ziemlich einfach wäre und in z.B. Krankenhausstatistiken wie sie das Statistische Bundesamt herausgibt, zum Standard gehört. Da mit dem Gutachten, der Zugang zu Bundesmitteln zur Förderung von Frauenhäusern geebnet werden soll, ist diese Auslassung eigentlich unerhört.

Entsprechend habe ich für die einzelnen Bundesländer und auf Grundlage der Daten im Gutachten berechnet, wie hoch die jährliche Auslastung im besten Fall gewesen sein kann, und zwar unter der sehr großzügigen Annahme, dass die Verweildauer von Frauen immer die maximale Anzahl der angegebenen Klassen ist. Wenn also angegeben wird, dass 16,9% der Frauen unter einer Woche im Frauenhaus geblieben sind, dann habe ich 7 Tage angesetzt, wenn für 36,1% angegeben wird, dass sie mehr als 4 Wochen, aber weniger als 3 Monate im Frauenhaus verblieben sind, dann habe ich 90 Tage angesetzt. Wenn die folgenden Abbildungen somit einen Fehler beinhaltet, dann den, dass die tatsächliche Verweildauer (deutlich) überschätzt ist. Die obere der beiden Abbildungen zeigt die tatsächliche Belegung der Frauenhäuser und stellt sie den nicht genutzten Kapazitäten gegenüber (Die Kapazität wurde auf Grundlage der vorhandenen Plätze in Frauenhäusern multipliziert mit 365 Tagen errechnet.). Die untere der beiden Abbildungen gibt die Auslastung der Frauenhäuser als Prozentwert der vorhandenen Kapazität wieder. Wie sich zeigt, sind die Frauenhäuser in allen Bundesländern nicht ausgelastet. Die Auslastungsquote rangiert von 18% in Sachsen bis 92% in Berlin.

Nachfrage nach Frauenhäusern

Die Tatsache, dass Frauenhäuser nicht ausgelastet sind, macht sich natürlich nicht gut, wenn man Fördermittel haben will. Deshalb fehlt die Grafik, die ich auf Grundlage der Daten des Gutachtens berechnet habe, im Gutachten, und deshalb finden sich im Gutachten auch die Anregungen, Frauenhäuser zur psychiatrischen Klinik zur Aufnahme von drogenabhängigen und alkoholsüchtigen Frauen umzufunktionieren und natürlich die entsprechenden Personal- und Sachmittel bereit zu stellen (190). Der Phantasie sind dann, wenn es darum geht, mit seinen Hände in Steuermittel zu packen, offensichtlich keine Grenzen gesetzt

opferrolleBleibt abschließend noch die Würdigung dessen, was hier dargestellt wurde. Gerhard Amendt hat in einem vielbeachteten Beitrag die Meinung vertreten, dass Frauenhäuser abgeschafft werden müssen, weil sie Horte des Männerhasses sind. Dem ist hinzuzufügen, dass Frauenhäuser nicht nur integrale Bestandteile der staatsfeministischen Ideologie und der dafür so wichtigen Opferrolle von Frauen sind, sondern auch Beispiele dafür, wie die staatsfeministische Ideologie ihren Günstlingen dazu verhilft, sich auf Kosten von Steuerzahlern gütlich zu tun. Die Opferrolle von Frauen, die angenommen wird und die Unterschichtsfrauen, nicht etwa Mittelschichtsfrauen angedichtet wird, bildet die Grundlage für die Forderung nach Finanzierung von Frauenhäusern in der selben Weise, wie die Opferrolle mit Blick auf die Vorstandsposten bei Unternehmen und die hier geforderte Quote für Mittelschichtsfrauen genutzt wird, um die weitgehend Abwesenheit von Frauen in Führungsgremien von Unternehmen auf übelmeinende Männer in Unternehmen, zurückzuführen. Im Hinblick auf Frauenhäuser müssen Unterschichtsmänner herhalten, um einen Bedarf für Frauenhäuser zu konstruieren, der angeblich Frauen aus der Unterschicht zu Gute kommen soll, der aber weitgehend dazu dient, Frauen aus der Mittelschicht ein Einkommen zu verschaffen. Im Hinblick auf die Führungsetagen von Unternehmen, müssen “middle-aged, business suit wearing men”, wie Viviane Reding gerne ausführt, herhalten, um die Notwendigkeit von Quoten zu konstruieren, von denen dann wiederum Mittelschichtsfrauen profitieren.

Eine perfidere und rücksichtslosere Art und Weise, sich auf Kosten anderer zu bereichern, wie sie derzeit von manchen Mittelschichtsfrauen in Deutschland betrieben wird, hat es m.W. historisch betrachtet noch nicht gegeben.

P.S.
Auch wenn es die Frauenhaus-Lobby nicht gerne hört, Gewalt hat, wie Walter Hollstein gesagt hat, kein Geschlecht und die Anzahl der Studien, die zeigen, dass die Opferrolle, die Genderisten so gerne für Frauen reklamieren, weil man damit Steuergelder locker machen kann, eine Fiktion ist, ist bereits heute Legion. Wie sollte es auch anders sein? Es könnte nur anders sein, wann man annimmt, dass Frauen keine zur eigenständigen Handlung fähigen und entsprechend und grundsätzlich von der Willkür von Umständen und anderen abhängige Wesen sind – und was hieße dies für all die Feministinnen, die für sich in Anspruch nehmen, genau das nicht zu sein?

Bildnachweis:
Elternhaus Blog

Wissenschaftliche Lauterkeit? Was ist das? – Eine Bestandsaufnahme (einiger) deutscher Sozialwissenschaftler

Nicht zuletzt durch das im letzten post besprochene (Mach-)Werk von Brake und Büchner und die darin enthaltene Fehlrezeption unseres Beitrags “Bringing Boys Back In” ist die Aufmerksamkeit von Dr. habil. Heike Diefenbach und von mir wieder auf eben diese Rezeption gerichtet worden. Während Dr. Diefenbach sich gerade thematisch mit den Nachteilen von Jungen im deutschen Bildungssystem auseinandersetzt und entsprechend nicht anders kann, als mit den Fehlrezeptionen konfrontiert zu werden, habe ich mich absichtlich und voller schlechter Vorahnung in die Welt von Google Scholar begeben, und einen ersten Sample von Fehlrezeptionen zu ziehen. Wir werden die highlights der deutschen Wissenschafts-Garde hier in einem regelmäßig ergänzten Tread auflisten und die “Wissenschaftler”, die denken, sie könnten unseren Artikel beurteilen, ohne ihn  überhaupt zu kennen, namentlich hier nennen. Zudem werden wir im weiteren Verlauf von Wissenschaftlerinnen berichten, die auf Drängen von Dr. habil. Heike Diefenbach nicht anders konnten als ein Erratum zu ihren Publikationen zu veröffentlichen, in dem sie ihre falsche Rezeption eines Textes, den sie offensichtlich gar nicht kannten, richtig stellen mussten.

Ein guter Anfang für den Gang durch die Niederungen unwissenschaftlichen Arbeitens und die Fakultäten und Instituten, an denen Positionsinhaber sitzen, denen Konzepte wie wissenschaftliche Lauterkeit gänzlich unbekannt sind, ist das (Mach-)werk von Brake und Büchner, in der unser Artikel falsch datiert und eben einmal in das Jahr 2001 vorverlegt wird. JCK5000, Kommentator in diesem blog, hat diese Fehldatierung zum Anlass genommen, um uns auf den Beitrag von Jürgen Budde “Interaktion im Klassenzimmer” aufmerksam zu machen, in dem ebenfalls die Behauptung verbreitet wird, wir hätten “Bringing Boys Back In” 2001 veröffentlicht (und noch mehr, aber dazu gleich). Da diese Fehldatierung ein guter Indikator für Personen ist, die uns zwar zitieren wollen, aber zu keinem Zeitpunkt ihre Nase in unseren Text gesteckt haben, habe ich mich auf den Weg gemacht, um die Verbreitung dieses Irrtums zu kartographieren. Hier nun das Ergebnis.

  • Die Geschichte dieser Fehlrezeption beginnt mit Waltraud Cornelißen aus dem DJI (Deutsches Jugendinstitut), die im Jahre 2004 in ihrer Funktion als Privatdozent in der Abteilung “Geschlechterforschung und Frauenpolitik” am Deutschen Jugendinstitut ein kurzes Papier veröffentlicht hat, in dem Sie sich mit unserem Artikel auseinander zu setzen versucht und uns unter anderem Folgendes unterschieben will: “Den Ursachen für dieses schlechtere Abschneiden von Jungen wird nachzugehen sein. Erste Hypothesen hierzu stehen im Raum. So vermuten Diefenbach und Klein, dass die Feminisierung des Lehrerberufs Jungen Nachteile bei der Bewertung ihrer Leistungen und bei der Einschätzung ihrer Leistungsentwicklung bringt…. (Diefenbach/Klein 2001)”. Ja. Damit wäre die Quelle Fehldatierung und der Behauptung, wir würden die Feminisierung des Lehrerberufs, der Schule oder der Bildung beklagen, gefunden. Dumm nur, dass wir in unserem Artikel das Wort Feminisierung weder als Nomen noch seinen Wortstamm “Feminin…” in irgend einem Zusammenhang benutzen. Wir haben auch keine Feminisierung, also keinen Prozess, beschrieben, sondern für einen Zeitpunkt einen Zusammenhang zwischen einem geringeren Anteil männlicher Grundschullehrer und einem schlechteren schulischen Abschneiden von Jungen gezeigt. Übrigens gibt es auch einen Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und einem im Vergleich zu Mädchen höheren Anteil von Jungen mit Hauptschulabschluss und einem im Vergleich zu Mädchen geringeren Anteil von Jungen mit Hochschulreife (Diefenbach/Klein, 2002, S.953). Aber dieser Zusammenhang hat Feministen nie interessiert.
  • Dass die Fehlrezeption unseres Artikels durch Cornelißen kein einmaliges Versehen, sondern darauf zurückzuführen ist, dass Cornelißen unseren Artikel entweder nicht gelesen oder nicht verstanden hat (oder einfach kein geeigneteres Feindbild verfügbar schien), zeigt sich daran, dass sie sieben Jahre später im Jahre 2011 immer noch der Ansicht ist, unser Artikel sei 2001 erschienen und wir sähen in der Femimisierung der Schule, von der wir wie gesagt überhaupt nichts geschrieben haben, eine Ursache für die Leistungsschwäche von Jungen, über die wir aber nicht geforscht haben. Da Cornelißen zumindest 2004 noch gewusst hat, dass wir Schulabschlüsse untersucht haben, muss der zwischenzeitlich gefallene Schleier des Vergessens wohl als Anzeichen von Demenz angesehen werden.
  • Bei Jürgen Budde, der sich im Dunstkreis von Hannelore Faulstich-Wieland bewegt, scheint die Fehlrezeption von Cornelißen am schnellsten auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. In einem Beitrag aus dem Jahre 2006, in dem er sich mit “Interaktionen im Klassenzimmer” beschäftigt, behauptet er auf Seite 117, dass wir behaupten würden, die “Feminisierung der Schule” sei eine Ursache dafür, dass “zahlreiche Jungen im Bildungssystem nicht mehr so erfolgreich sind”. Ich weiß gar nicht wo ich bei so viel Unsinn auf nur wenigen Zeilen anfangen soll und will es daher bei der monotonen Wiederholung belassen, dass wir das Wort Feminisierung und den damit angesprochenen Prozess in keiner Weise in unserem Artikel erwähnen und dass man Paneldaten benötigen würde, um zu untersuchen ob “zahlreiche Jungen im Bildungssystem nicht mehr so erfolgreich sind”. Aber vielleicht ringt Budde einfach nur mit der deutschen Sprache, und dafür, dass Budde Falsches von Cornelißen abschreibt und entsprechend auch unseren Artikel auf 2001 vordatiert, kann man ihn eigentlich nicht verantwortlich machen, oder? – zumal Budde sich als lernfähig erwiesen hat, denn zwei Jahre später, in einer Expertise für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (Budde, 2008), weiß er, dass unser Artikel im Jahre 2002 erschienen ist. Allerdings geht Lernen bei Budde offensichtlich immer auf Kosten von Wissen, denn er hat zwischenzeitlich meinen Vornamen vergessen und ist der Meinung, ich hieße Andreas Klein. Und obwohl Budde auch im Hinblick auf den Inhalt unseres Artikels hinzugelernt hat und einer der wenigen ist, der bemerkt, dass wir neben dem Anteil männlicher Lehrer auch die Arbeitslosenquote als erklärende Variable verwenden, ist er nach wie vor so von Cornelißen beeindruckt, dass er uns unterstellt, wir würden etwas unter dem Schlagwort “Feminisierung der Schule” diskutieren.
  • Susann Busse ist ebenfalls der Meinung, unser Artikel sei 2001 erschienen. In einem Buch zum Thema “Bildungsorientierungen Jugendlicher…”, das im Jahre 2010 erschienen ist, lässt sie ihrer eigenen Einbildung derart freien Lauf, dass ich mich entschlossen habe, in die Fussstapfen von Dr. habil. Heike Diefenbach zu treten und eine Richtigstellung zu fordern, denn es geht einfach zu weit, wenn man von Personen wie Busse als Platzhalter für deren Phantasien missbraucht wird. So schreibt Busse: “Jungen finden durch die ‘Feminisierung des Schulalltags’ – insbesondere in den schlechterbezahlten Schuldiensten, wie in Grund-, Haupt- und Sekundarschulen – immer weninger Anschlussmöglichkeiten an ihre männliche und jugendliche Erfahrungswelt (vgl. Diefenbach/Klein 2001)” (Busse, 2010, S.225-226). Wahnsinnige sind dadurch ausgezeichnet, dass sie anderen etwas unterstellen und von dieser Unterstellung ausgehend sich phantastische Gebilde ausmalen. Es mag Busse trösten, dass der naheliegende Schluss ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens sein kann, aber dennoch muss ich darauf bestehen, dass wir weder von einer Feminisierung des Schulalltags schreiben noch in irgend einer Weise die Fabulation von männlichen und jugendlichen Erfahrungswelten bei uns zu finden ist. Aber, wenn Busse erst einmal am Fabulieren ist, dann brechen alle Dämme: “Wenn nun Diefenbach/Klein (2001) … die Förderung von Jungen fordern, verkennen sie das individuelle Wirksamwerden von gesellschaftlichen Strukturkategorien und die subjektive Verarbeitung von Zuschreibungen” (Busse, 2010, S.230). Ich weiß nicht, was wir verkennen würden, schon weil es Worthäufungen ohne Sinn sind, hätten wir 2001 einen Artikel geschrieben, in dem wir die Förderung von Jungen fordern, aber wir haben im Jahr 2001 keinen Artikel geschrieben und in dem Artikel, den wir 2002 geschrieben haben, fordern wir keine Förderung von Jungen.
  • Auch beim Kompetenzzentrum (!sic) Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., einem Kostgänger des Bundesministeriums für alle außer Männer, hat sich die wissenschaftliche Lauterkeit bislang noch nicht sehen lassen. Entsprechend wird locker flockig formuliert: “Die Behauptung, dass der hohe Anteil von Frauen im Bildungswesen den Jungen Nachteile bei der Bewertung ihrer Leistungen und bei der Einschätzung ihrer Leistungsentwicklung bringt (Diefenbach/Klein, 2001), ist wenig wahrscheinlich” (Chwalek & Diaz, 2008, S.12). Man soll nicht-Wissenschaftler ja nicht immer an wissenschaftlichen Kriterien messen, aber der zitierte Text aus einer Schriftenreihe reklamiert Wissenschaftlichkeit und deshalb: Wir haben haben nicht von “Frauen im Bildungswesen” geschrieben, wir haben nicht von der “Bewertung der Leistungen” von Jungen geschrieben und ob, das, was die Autoren sich vorstellen, dass wir geschrieben haben, wahrscheinlich ist, weiß ich nicht, da ich keine entsprechende Forschung kenne, weil es keine gibt. Dagegen halte ich es für hochwahrscheinlich, dass die Autoren mehr den opportunistischen Strukturen einer Förderung feministischer Zielsetzungen gehorchen, als dass es ihnen um die Realität ginge. Ich hatte diese Fehlrezeption ursprünglich Michael Cremers, Ralf Puchert und Elvira Mauz zugeschrieben, was ich nunmehr, nachdem mir eine an Dr. habil. Heike Diefenbach addressiert Email von Michael Cremers weitergeleitet wurde, richtigstelle. Mein schlechtes Gewissen gegenüber den drei zu unrecht verdächtigten Autoren hält sich jedoch in Grenzen, denn in seiner Expertise “Boys Day – Jungen Zukunftstag” behauptet Michael Cremers (2012, S.23) wir hätten von der “Feminisierung der Schule” geschrieben, was, wie ich mehrfach geschrieben habe, nicht stimmt. Spätestens ab Seite 29 der nämlichen Expertise scheint die Phantasie dann vollständig mit Michael Cremers durchzugehen. So behauptet er, wir hätten Jungen danach befragt, welche Kompetenz sie sich selbst zuschreiben (29, Fussnote 103), ist auf Seite 30 der Meinung, wir würden die fehlenden gleichgeschlechtlichen Vorbilder von Jungen in Grundschulen beklagen und schreibt dann richtig berichtete Ergebnisse konsistent einer Arbeit von Diefenbach und Kleine zu, die sich im Literaturverzeichnis nicht findet.
  • Völlig unbeholfen und offensichtlich mit statistischen Analysen nicht besonders vertraut schreibt Sabstian Möller-Dreischer, dessen Doppelnamen mich nicht im geringsten überrascht: “Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass mögliche Ursachen für die schlechten schulischen Leistungen der Jungen erziehungswissenschaftlich kontrovers diskutiert werden. Dass diese in einem Zusammenhang mit Bewertungen durch Lehrerinnen stehen und dass den Jungen männliche Bezugsgruppen fehlen, ist eine Hypothese. Heike Diefenbach und Michael Klein (2001) gehen davon aus, hier eine statistische Korrelation nachweisen zu können…” (Möller-Dreischer, 2012, S.8). Woher Herr Möller-Dreischer seine Erkenntnis hat, die ihn im Jahre 2012 beim angeblichen Lesen eines Textes befallen hat, der nach seiner Ansicht im Jahre 2001 geschrieben worden sein soll, kann ich angesichts der ebenfalls zitierten Waltraud Cornelißen nur vermuten, dass man eine Korrelation entweder findet oder nicht, dass man entsprechend nicht davon ausgehen muss eine statistische Korrelation nachweisen zu können, das weiß ich. Herr Möller-Dreischer nehmen Sie sich ein Statistiklehrbuch von wem auch immer zur Hand oder besuchen Sie einen Volkshochschulkurs, und Sie werden bereits nach kurzer Zeit wissen, dass eine Korrelation das ist, was herauskommen kann oder eben nicht, wenn man zwei Variablen miteinander in Verbindung bringt. Das ist einfach so, keine Vermutung notwendig.

Die erste Welle, die sich mit der Rezeption unseres Beitrags beschäftigt und Autoren berücksichtigt, die ganz offenkundig nicht gelesen haben, was wir schreiben, soll damit ihr Ende finden. Was ich bislang zusammengetragen habe, ist ein erschreckenes Zeugnis fehlender wissenschaftlicher Lauterkeit und/oder Kompetenz. So genannte Wissenschaftler legen uns Worte in den Mund, die wir nie geschrieben haben, machen uns zur Zielscheibe ihrer Phantasien und ihres ideologischen Auswurfs, und damit sie bei ihrer ideologischen Onanie nicht gestört werden, lesen sie erst gar nicht, was wir geschrieben haben, denn sie benötigen lediglich einen Anlass um ihre Notdurft zu verrichten. Ich will dies gar nicht menschlich bewerten, aber wissenschaftlich: Die hier zitierten Autoren haben nach meiner Ansicht und nachweislich jede Berechtigung verloren, als Wissenschaftler aufzutreten, und für den Fall, dass sie an Universitäten unterrichten, sollten ihre Studenten darüber nachdenken, ob es nicht an der Zeit ist, die Universität zu wechseln.

Demnächst geht es weiter mit Autoren, die versuchen, uns zu diskreditieren, was notwendig ist, da man unsere Ergebnisse nicht diskreditieren kann.

Verzeichnis der Fehlrezipienten:

    • Jürgen Budde
    • Susann Busse
    • Doro-Thea Chwalek
    • Waltraud Cornelißen
    • Michael Cremers
    • Miguel Diaz
    • Sebastian Möller-Dreischer

Verzeichnis der Fehl-Schriften:
Budde, Jürgen (2008). Bildungs(miss)erfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen/männlichen Jugendlichen. Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Budde, Jürgen (2006). Interaktion im Klassenzimmer – Die Herstellung von Männlichkeit im Schulalltag. In: Andresen, Sabine & Rendtorff, Barbara (Hrsg.). Geschlechtertypisierung im Kontext von Familie und Schule. Opladen: Barbara Budrich, S.113-119.

Busse, Susann (2010). Bildungsorientierungen Jugendlicher in Familie und Schule. Die Bedeutung der Sekundarschule als Bildungsort. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Chwalek, Doro-Thea & Diaz, Miguel (2008). Neue Wege für Jungs – das Projekt. In: Cremers, Michael, Puchert, Ralf & Mauz, Elvira (2008). So gelingt aktive Jungenförderung. Bielefeld: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., S. 5-21.

Cornelißen, Waltraud (2011). Gendergerechte Ansätze in der Schule: Ein Schritt zu mehr Geschlechterdemokratie? In: Krüger, Dorothea (Hrsg.). Genderkompetenz und Schulwelten. Alte Ungleichheiten – neue Hemmnisse. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Cornelißen, Waltraud (2004). Bildung und Geschlechterordnung in Deutschland. Einige Anmerkungen zur Debatte um die Benachteiligung von Jungen in der Schule. München: DJI.

Cremers, Michael (2012). Boys’ Day – Jungen-Zukunftstag. Neue Wege in der Berufsorientierung und im Lebensverlauf von Jungen. Berlin: BMFSFJ.

Möller-Dreischer, Sebastian (2012). Zur Dynamik der Geschlechter in pädagogischen Berufen. Eine exemplarische empirische Untersuchung an männlichen Studenten der Rehabilitationswissenschaften/Sonderpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.