Kinderlose Männer sind mit ihrem Leben zufriedener als Väter

Kinderlose Männer sind eine Gefahr für westliche Gesellschaften im Allgemeinen und die deutsche Gesellschaft im Besonderen. Kinderlose Männer arbeiten nicht am personellen Fortbestand der Gesellschaft, an dem deutschen Politikern so viel gelegen ist. Kinderlose Männer sind kein Haupternährer: Sie sorgen nicht für Kinder und versorgen auch keine hauptberufliche Mutter. Kurz: Kinderlose Männer widersprechen gesellschaftlichen Normalitätsmaßstäben, was sie damit bezahlen, dass ihr Lebensentwurf als nicht normal deklariert wird.

So zum Beispiel in einer Studie aus den Niederlanden, die die Autoren, Keizer, Dykstra und Poortman, gleich mit der Feststellung beginnen, dass Vaterschaft das Zentrum eines normalen männlichen Lebens darstellt – woraus folgt, dass kinderlose Männer kein normales Leben leben. Die Feststellung wird im weiteren Verlauf von den Autoren kunstvoll in Hypothesen ausformuliert, Hypothesen die einem ob ihrer kulturellen Borniertheit den Atem rauben. So lernt man als staunender Leser, dass Männer eigentlich Wilde sind, die durch die Vaterrolle gezähmt werden. Weil Wilde eine ganze Reihe von Tätigkeiten ausüben, die die Autoren leider nicht spezifizieren, und weil diese nicht spezifizierten Tätigkeiten allesamt schädlich für die Gesundheit sind, erfreuen sich kinderlose Männer, wie die Autoren annehmen, einer schlechteren Gesundheit als ihre domestizierten Gegenüber, die Väter. Weil Väter, so eine weitere Hypothese, in ihren Kindern die Erfüllung ihres Lebens sehen und für ihre Kinder üppig sorgen wollen, arbeiten sie mehr als kinderlose Männer. Aber halt, es gibt doch den neuen Mann! Deshalb gesellen die Autoren der soeben formulierten Hypothese eine weitere hinzu, die das Gegenteil annimmt, nämlich dass Väter sich viel Zeit für ihre Sprösslinge nehmen und deshalb weniger arbeiten als kinderlose Männer.

Die Ergebnisse der Autoren zeigen, in Wirklichkeit ist alles anders. 1.451 Männern im Alter zwischen 40 und 59 Jahren haben Auskunft zu ihrer Gesundheit, Lebenszufrieden und manch anderem gegeben. Die Analyse der Antworten zeigt: Keine ihrer Hypothesen trifft zu. Kinderlose Männer sind zufriedener mit ihrem Leben als Väter. Ansonsten unterscheiden sich kinderlose Männer kaum von Vätern, Kinderlose Männer und Väter wenden ungefähr gleichviel Zeit für die eigenen Vorlieben auf, sind gleich gesund, arbeiten gleich viel, nur berichten Väter ein etwas höheres Einkommen als kinderlose Männer. Der geringe Effekt der Vaterschaft auf das (selbstberichtete) Einkommen bleibt jedoch deutlich hinter den Unterschieden zurück, die zwischen hoch- und geringgebildeten Männern und zwischen erwerbstätigen und arbeitslosen Männern bestehen.

Kurz, dass Vaterschaft Männer transformiert, sie von der Phase, in der sie ziellos und unglücklich durch das Leben vagabundieren, in die Phase der Zufriedenheit überführt, in der sie endlich wissen, wozu sie auf der Welt sind, ist ein kultureller Mythos, der in der Realität nicht zu finden ist. Die Realität, die sich in den Daten von Keizer, Dykstra und Portmann abbildet, führt zu dem Schluss, dass „men’s lives are not strongly structured by parenthood“ (11). Von all den positiven Effekten, die Vaterschaft auf das männliche Leben ausüben soll, ist in der Realität nichts zu finden. Nur eines lässt sich feststellen: Väter sind mit ihrem Leben weniger zufrieden als kinderlose Männer.

Mein Dank gilt Dr. Heike Diefenbach, die mich auf diesen Beitrag aufmerksam gemacht hat.

Literatur
Keizer, Renske, Dykstra, Pearl A. & Poortman, Anne-Rigt (2010). Life Outcomes of Childless Men and Fathers. European Sociological Review 26(1): 1-15.

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