Gender Pay Claptrap: Wie die IG-Metall Ihre Mitglieder fehlinformiert

Wird eine Falschaussage dadurch richtig, dass man sie regelmäßig wiederholt? Nein, die Falschaussage bleibt falsch, aber denen, die Falsches regelmäßig im Brustton der Überzeugung wiederholen, geht es auch nicht darum, eine Falschaussage richtig “zu machen”. Vielmehr geht es darum, andere glauben zu machen, die Falschaussage sei wahr.

Glauben sollen die Mitglieder der IG-Metall, dass Frauen in deutschen Unternehmen benachteiligt werden. “…obwohl sie bei gleicher Ausbildung die gleiche Arbeit machen” verdienen sie weniger, “informiert” die metallzeitung, Ausgabe Juli 2011 auf Seite 13. “Die Lohnlücke”, so weiß dasselbe Blatt, “beträgt immer noch 23 Prozent”. Und: “Studien ergeben, dass etwa ein Drittel dieser Lücke dadurch ensteht, dass Frauen benachteiligt werden”. Wie üblich, wenn vollmundig behauptet wird, was nachweislich falsch ist, fehlen die Quellenangaben. Die “Studien”, die die Benachteiligung von Frauen in deutschen Unternehmen belegen, bleiben unbenannt und den Beleg dafür, dass diese Benachteiligung aktiv durch Unternehmen erfolgt, sucht man ebenfalls vergeblich.

  • Richtig ist, dass das so genannte Gender Pay Gap von EU und deutscher Bundesregierung seit einiger Zeit massiv propagiert wird. Das statistische Amt der EU, EUROSTAT, hat eine Formel entwickelt, auf deren Grundlage das so genannte Gender Pay Gap berechnet werden soll. Nimmt man die Formel zur Hand, ergibt sich für Deutschland eine Differenz von 23,2% zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern.
  • Richtig ist ferner, dass das Statistische Bundesamt das von EUROSTAT für Deutschland auf 23,2% festgesetzte Gender Pay Gap durch eigene Berechnungen auf 8% geschrumpft hat.
  • Richtig ist ferner, dass das Gender Pay Gap zuungunsten von Frauen vollständig verschwindet, wenn man Arbeitszeit und Überstunden berücksichtigt. Dann ergibt sich vielmehr ein Gap zuungunsten von Männern, die tendenziell länger arbeiten müssen, um ein Einkommen in der durchschnittlichen Höhe zu erzielen, wie Frauen es erzielen.
  • Richtig ist, dass diese Zusammenhänge zumindest bei der EU bekannt sind. So hat Viviane Reding, Vizepräsident der EU Kommission und für Justiz, Gerechtigkeit und Bürgerrechte zuständig, in einer Rede folgende bemerkenswerte Aussage getätigt: “One of the reasons for the different income-levels between women and men is the burden of care women carry. Figures show that the moment men become fathers they start working lönger hours. The same is not the case for women. When they become mothers, they either stop working for longer periods of time or work part-time…”. Dass das Gender Pay Gap ein Ergebnis von Arbeitszeit, von mehr Arbeitszeit auf der Seite von Männern ist, weiß man in Brüssel also.
  • Richtig ist schließlich, dass das Gender Pay Gap ein statistisches Artefakt darstellt, d.h. es ist ein Ergebnis der Art wie es berechnet wird und in der Realität nicht zu finden.

Das alles sind Erkenntnisse, die man sich entweder im Internet und mit relativer Einfachheit besorgen kann oder auf die man durch etwas Überlegen selbst kommen kann. Manchmal reicht es auch, seinen gesunden Menschenverstand zu bemühen und sich das Gender Pay Gap in der Realität vorzustellen: Nachdem man alle so genannten Männer- und Frauenberufe und die öffentlichen Beschäftigungsverhältnisse, die ja jenseits jeden Verdachts der Ungleichbehandlung sind, ausgeschlossen hat, landet man z.B. bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, die in der Untersuchung des Statistischen Bundesamts als die Berufsgruppe mit dem breitesten Gender Pay Gap identifiziert wurden. Das Gap besteht nun darin, dass Steuerberater A und Steuerberaterin B für Steuerberatungsbüroinhaber C arbeiten und trotz gleicher Arbeit und gleicher Ausbildung, wie die metallzeitung feststellt, ungleich bezahlt werden. In die Praxis muss man diese Behauptung wie folgt übersetzen:

Beide, A und B, arbeiten 37,5 Stunden. Beide haben ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften mit der Note “sehr gut” an der Universität Mannheim und im Alter von 29 Jahren und sieben Monaten abgeschlossen und nach dem Studium ein freiwilliges Jahr in der Altenpflege absolviert. Beide sind unverheiratet, teilen dieselbe Steuerklasse, kommen immer um die selbe Zeit ins Büro, bearbeiten pro Tag (oder pro Stunde) die selbe Menge von Steuerunterlagen, sind gleich häufig krank, gehen um die selbe Zeit zum Mittagessen (wo sie dasselbe Essen), machen exakt dieselbe Menge von Überstunden und gehen nur im Tandem zur beruflichen Weiterbildung. Sie haben beide einen IQ von 103,75, die selbe Auffassungsgabe, die selbe Fehlerquote, sind gleich beschlagen im Umgang mit Kunden und gleich effizient im Akquirieren neuer Kunden: Sie sind Klone, unterscheiden sich nur im Geschlecht und im Einkommen.

Diese Klon-Ideologie, die Illusion der Gleichheit, die bei der IG-Metall und anderen, die sich für die Vertreter von anderen halten, immer dann hoch im Kurs steht, wenn das eigene Einkommen nicht durch Gleichheit gefährdet ist, ist die Ursache dafür, dass immer noch versucht wird, den Ladenhüter “Gender Pay Gap” an den Mann zu bringen. Dazu passt dann auch die von der metallzeitung angeprangerte vermeintliche Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass (professionelle?) Fussballspielerinnen weniger verdienen als professionelle Fussballspieler. Das zeigt: Bei der IG-Metall ist der simple Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage völlig unbekannt: Je höher die Nachfrage, desto höher der Preis. Und da richtiger Fussball, wie er z.B. in Bundesliga und Premier League gespielt wird, deutlich mehr Zuschauer in die Stadien zieht als Frauenfussball, verdienen männliche Fussballspieler als intensiver nachgefragtes Gut auch deutlich mehr als weibliche Fussballspieler, nach denen auch die gewerkschaftliche Nachfrage in nicht-WM-Zeiten bescheiden ist.

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