Gender Pay Claptrap: Wie die IG-Metall Ihre Mitglieder fehlinformiert

Wird eine Falschaussage dadurch richtig, dass man sie regelmäßig wiederholt? Nein, die Falschaussage bleibt falsch, aber denen, die Falsches regelmäßig im Brustton der Überzeugung wiederholen, geht es auch nicht darum, eine Falschaussage richtig „zu machen“. Vielmehr geht es darum, andere glauben zu machen, die Falschaussage sei wahr.

Glauben sollen die Mitglieder der IG-Metall, dass Frauen in deutschen Unternehmen benachteiligt werden. „…obwohl sie bei gleicher Ausbildung die gleiche Arbeit machen“ verdienen sie weniger, „informiert“ die metallzeitung, Ausgabe Juli 2011 auf Seite 13. „Die Lohnlücke“, so weiß dasselbe Blatt, „beträgt immer noch 23 Prozent“. Und: „Studien ergeben, dass etwa ein Drittel dieser Lücke dadurch ensteht, dass Frauen benachteiligt werden“. Wie üblich, wenn vollmundig behauptet wird, was nachweislich falsch ist, fehlen die Quellenangaben. Die „Studien“, die die Benachteiligung von Frauen in deutschen Unternehmen belegen, bleiben unbenannt und den Beleg dafür, dass diese Benachteiligung aktiv durch Unternehmen erfolgt, sucht man ebenfalls vergeblich.

  • Richtig ist, dass das so genannte Gender Pay Gap von EU und deutscher Bundesregierung seit einiger Zeit massiv propagiert wird. Das statistische Amt der EU, EUROSTAT, hat eine Formel entwickelt, auf deren Grundlage das so genannte Gender Pay Gap berechnet werden soll. Nimmt man die Formel zur Hand, ergibt sich für Deutschland eine Differenz von 23,2% zwischen männlichen und weiblichen Arbeitnehmern.
  • Richtig ist ferner, dass das Statistische Bundesamt das von EUROSTAT für Deutschland auf 23,2% festgesetzte Gender Pay Gap durch eigene Berechnungen auf 8% geschrumpft hat.
  • Richtig ist ferner, dass das Gender Pay Gap zuungunsten von Frauen vollständig verschwindet, wenn man Arbeitszeit und Überstunden berücksichtigt. Dann ergibt sich vielmehr ein Gap zuungunsten von Männern, die tendenziell länger arbeiten müssen, um ein Einkommen in der durchschnittlichen Höhe zu erzielen, wie Frauen es erzielen.
  • Richtig ist, dass diese Zusammenhänge zumindest bei der EU bekannt sind. So hat Viviane Reding, Vizepräsident der EU Kommission und für Justiz, Gerechtigkeit und Bürgerrechte zuständig, in einer Rede folgende bemerkenswerte Aussage getätigt: „One of the reasons for the different income-levels between women and men is the burden of care women carry. Figures show that the moment men become fathers they start working lönger hours. The same is not the case for women. When they become mothers, they either stop working for longer periods of time or work part-time…“. Dass das Gender Pay Gap ein Ergebnis von Arbeitszeit, von mehr Arbeitszeit auf der Seite von Männern ist, weiß man in Brüssel also.
  • Richtig ist schließlich, dass das Gender Pay Gap ein statistisches Artefakt darstellt, d.h. es ist ein Ergebnis der Art wie es berechnet wird und in der Realität nicht zu finden.

Das alles sind Erkenntnisse, die man sich entweder im Internet und mit relativer Einfachheit besorgen kann oder auf die man durch etwas Überlegen selbst kommen kann. Manchmal reicht es auch, seinen gesunden Menschenverstand zu bemühen und sich das Gender Pay Gap in der Realität vorzustellen: Nachdem man alle so genannten Männer- und Frauenberufe und die öffentlichen Beschäftigungsverhältnisse, die ja jenseits jeden Verdachts der Ungleichbehandlung sind, ausgeschlossen hat, landet man z.B. bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, die in der Untersuchung des Statistischen Bundesamts als die Berufsgruppe mit dem breitesten Gender Pay Gap identifiziert wurden. Das Gap besteht nun darin, dass Steuerberater A und Steuerberaterin B für Steuerberatungsbüroinhaber C arbeiten und trotz gleicher Arbeit und gleicher Ausbildung, wie die metallzeitung feststellt, ungleich bezahlt werden. In die Praxis muss man diese Behauptung wie folgt übersetzen:

Beide, A und B, arbeiten 37,5 Stunden. Beide haben ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften mit der Note „sehr gut“ an der Universität Mannheim und im Alter von 29 Jahren und sieben Monaten abgeschlossen und nach dem Studium ein freiwilliges Jahr in der Altenpflege absolviert. Beide sind unverheiratet, teilen dieselbe Steuerklasse, kommen immer um die selbe Zeit ins Büro, bearbeiten pro Tag (oder pro Stunde) die selbe Menge von Steuerunterlagen, sind gleich häufig krank, gehen um die selbe Zeit zum Mittagessen (wo sie dasselbe Essen), machen exakt dieselbe Menge von Überstunden und gehen nur im Tandem zur beruflichen Weiterbildung. Sie haben beide einen IQ von 103,75, die selbe Auffassungsgabe, die selbe Fehlerquote, sind gleich beschlagen im Umgang mit Kunden und gleich effizient im Akquirieren neuer Kunden: Sie sind Klone, unterscheiden sich nur im Geschlecht und im Einkommen.

Diese Klon-Ideologie, die Illusion der Gleichheit, die bei der IG-Metall und anderen, die sich für die Vertreter von anderen halten, immer dann hoch im Kurs steht, wenn das eigene Einkommen nicht durch Gleichheit gefährdet ist, ist die Ursache dafür, dass immer noch versucht wird, den Ladenhüter „Gender Pay Gap“ an den Mann zu bringen. Dazu passt dann auch die von der metallzeitung angeprangerte vermeintliche Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass (professionelle?) Fussballspielerinnen weniger verdienen als professionelle Fussballspieler. Das zeigt: Bei der IG-Metall ist der simple Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage völlig unbekannt: Je höher die Nachfrage, desto höher der Preis. Und da richtiger Fussball, wie er z.B. in Bundesliga und Premier League gespielt wird, deutlich mehr Zuschauer in die Stadien zieht als Frauenfussball, verdienen männliche Fussballspieler als intensiver nachgefragtes Gut auch deutlich mehr als weibliche Fussballspieler, nach denen auch die gewerkschaftliche Nachfrage in nicht-WM-Zeiten bescheiden ist.

Über Michael Klein
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15 Responses to Gender Pay Claptrap: Wie die IG-Metall Ihre Mitglieder fehlinformiert

  1. Frank sagt:

    Dem bleibt nichts hinzuzufügen. Sauber auseinandergenommen!
    Sicherlich freut sich die „Metallzeitung“ über Leserbriefe. Die Adresse lautet metallzeitung@igmetall.de

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  3. Peter sagt:

    Zum Vergleich Frauenfussball und Maennerfussball bezueglich Einkommen waere noch anzumerken, dass die Maenner, die auf dem Niveau der besten Frauen Fussball spielen, rein gar nichts verdienen, da in den unteren Ligen kein Geld verdient wird.

    Im Tennis wird den Frauen fuer die deutlich schlechtere Leistung dasselbe Preisgeld ausbezahlt wie den Maennern. Auch da gilt; Maenner, die auf dem Niveau der besten Frauen Tennis spielen sind nicht gut genug, um daraus ein Einkommen zu generieren. Gleichstellung heisst beim Tennis also gleiches Einkommen fuer die deutlich schlechtere Leistung bei deutlich geringerem Zuschauerinteresse.

  4. Gorgon sagt:

    Das Werbe- und Vermarktungspotenzial ist beim Damentennis nicht ohne Relevanz auf bilateral ausgehandelte Entlohnungs-Verträge. -> Die (eigentlich „als kapitalistisch abzulehnende“) marktwirtschaftliche Organisation des Profi-Sports macht Gender-Unterschiede in diesem Fall geringer.
    Bei Steuerberaterinnen und Steuerberatern ist eine Frage, ob Frauen (im Durchschnitt) durch emotionalere und empathischere Beratung punkten, während Männer (im Durchschnitt) direkter ergebnisorientiert vorgehen. Das würde aber auf einen statistisch messbaren (relativen) Unterschied im biologischen Geschlecht hindeuten. Ein solcher sollte im sozialen Geschlecht („gender“) nach Zielsetzung der Gender-Gleichstromer nicht vorkommen bzw. sozialkonstruktiv überwunden werden. Ist das möglich? Vielleicht. Ist es möglich, ohne selbst Widersprüche in der Gender Mainstreaming-Debatte zu produzieren?

  5. Pingback: Institutionelle Brunnenvergifter « Kritische Wissenschaft – critical science

  6. dentix07 sagt:

    „Bei der IG-Metall ist der simple Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage völlig unbekannt:“
    Sofern sich die IGM seit 1988 (als ich selbst Mitglied war) nicht drastisch geändert hat – und das ist nach den obigen Ausführungen auszuschließen – kann ich der Aussage nur zustimmen.
    Bei uns ging es damals um die erstmalige Wahl eines Betriebsrates, und da kam die IGM-Vertreterin (!) doch tatsächlich mit alten Klassenkampf-Parolen!
    Ich hab‘ gedacht ich wär‘ im falschen Film!
    Nach dem Untergang (mhm, oder hat sich die BRD doch eher der DDR angeschlossen?) des „realexistierenden Sozialismus“ scheint man sich jetzt auf den Genderkampf zu spezialisieren, den Kampf des unterdrückten Weibes (ehemals Arbeiter) gegen den Ausbeuter Mann (ehemals Kapitalist)! Die „Klassen“ werden ausgetauscht, das Schema bleibt!

  7. Jörg sagt:

    Ich habe meine Konsequenzen gezogen und bin aus dem Verein (IG Metall) ausgetreten. Die drehen langsam durch – anstatt sich auf ihr Kerngebiet zu beschränken und gute Einkommen auszuhandeln, dilettantieren sie im Bereich der Geschlechterbeziehungen.

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  13. Jacopo Belbo sagt:

    Sehr geehrter Herr Klein,
    leider ist mir der Artikel auf dem Sie sich beziehen nicht bekannt. Aber auch ohne Kenntnis des Artikels stechen einige Fehler ins Auge. Entweder kennen Sie sich nicht aus, oder sie machen Falschaussagen wider besseres Wissen.
    Auf jeden Fall haben Sie offensichtlich eine festgefügte Meinung und lassen sich nicht auf die Argumentation derjenigen ein, die den Gender Wage Gap als Indikator sinnvoll finden. Stattdessen wiederholen sie Gebetsmühlenartig die Behauptung von der Gender Ideologie. Wo bleibt denn Ihr Anspruch an kritische Wissenschaft? (Ihr „Grundsatzprogramm“ S. 12)

    Sehr geehrter Herr Belbo, Ihr Kommentar ist mir zu lange, als dass ich ihn nachgeordnet kommentieren möchte, daher erlaube ich mir, zu intervenieren, und zwar indem ich gleich feststelle, dass derjenige, der behauptet, ein Konzept sei sinnvoll, den Beleg dafür anführen muss und nicht etwa umgekehrt, derjenige, der nicht überzeugt ist, sich auf ein Konzept „einlassen“ muss. In welcher hermeneutischen Welt leben Sie denn, in der man sich auf Konzepte einlassen muss, weil man deren Sinnhaftigkeit anders offensichtlich nicht vermitteln kann?

    Doch zum Inhalt:

    – Eine sprachlichk Kleinigkeit: Indikatoren werden von den statistischen Ämtern des Bundes und Europas nicht „festgelegt“, sondern berechnet anhand der erhobenen Daten. Ich nehme an, der Mangel an Präzision ist ihrer Lust an der Polemik geschuldet?

    Aha, die Bevölkerungsdichte wird also erhoben, denn da draußen in der Welt gibt es eine Bevölerkerungsdichte. Ist es nicht vielmehr so, dass die Indikatoren operationalisiert werden, also Bevölkerungsdichte als Anzahl von Einwohnern pro qkm? Ich hatte oben die hermeneutische Welt nur angenommen, hier haben Sie ihre hermeneutische Welt, besser ihre essentielle Welt gerade deutlich belegt. Es gibt für sie also ein Gender Wage Gap. Das ist schön für sie, hat für mich aber denselben Stellenwert wie die Behauptung, es gäbe Gott. Solange Sie nicht in der Lage sind, einen Indikator ordentlich zu operationalisierung und zu messen, ist er nicht existent, da nutzt es auch nichts, zu behaupten, er werde den Daten entnommen. Sie erinnern mich an einen naiven Induktionisten, der denkt, er können rein wahrnehmen was ist, und würde nicht selbst seine Annahmen und Theorien an die Welt herantragen. Nein, Herr Belbo, ein Gender Wage Gap gibt es nicht, es wird geschaffen, indem man zuerst das Konzept in die Welt setzt und dann das Konzept misst und genau hier setzt meine Kritik an, denn die Messung des Gender Wage Gaps ist methodoloischer Unsinn.

    – Der unbereinigte „Gender Wage Gap“ ist ein Indikator für die STRUKTURELLE Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und wird im internationalen Vergleich verwendet. Wie viele andere Indikatoren des internationalen Vergleichs wird er mit hochaggregierten Daten berechnet, die gewisse Ungenauigkeiten mit sich bringen. Interessant ist gleichwohl, dass Länder mit starken Gleichstellunspolitiken wie die skandinavischen Länder einen geringeren Gender Wage Gap aufweisen. Die kausalen Mechanismen werden noch untersucht.

    Dass die Daten hochaggregiert sind, habe ich nicht bestritten, dass Sie nunmehr behaupten ein Begriff „Gender Wage Gap“ messe einen anderen Begriff „Strukturelle Benachteiligungen“ ändert nichts am Problem: Man muss sagen wie man beides messen will, sonst ist es nur Wortgeklingel. Was sind gewisse Ungenauigkeiten für Sie? Und wenn wir gerade von kausalen Mechanismen reden, ich wette, es besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Größe des Gender Wage Gap und der Außentemperatur. Das kommt Ihnen jetzt lächerlich vor, gut, dann können Sie nachvollziehen, wie mir Ihr Beispiel vorkommt und solange Sie keine Theorie anführen können, aus der sich ableiten lässt, warum es ein Gender Wage Gap geben soll, wie es sich äußert und wie man es messen kann, und unter welchen Umständen die gesamte Theorie vom Gender Wage Gap falsifiziert ist, so lange halte ich überhaupt nichts von diesem Gender Wage Gap.

    – Falsch ist, dass „Der Gender Wage Gap vom Bundesamt auf 8 Prozent geschrumpft wurde“. Der (unkorrigierte) Gender Wage ist klar definiert und wurde auch vom Bundesamt so berechnet. Das Bundesamt hat allerdings ebenfalls den korrigierten Gender Wage Gap angegeben. Diese geschlechterspezifische Gesamtdifferenz in den stündlichen Einkommen lässt sich analytisch zerlegen in verschiedene Faktoren, wie zum Beispiel die Ausbildung – oder wenn Sie so wollen, das Humankapital, die Aufenhaltsdauer im Gastland, die Branche, die Betriebsgröße und so weiter. Dies hat das statistische Bundesamt ebenso wie EUROSTAT und viele andere Arbeitsmarktforscherinnen und -Forscher getan. http://epp.eurostat.ec.europa.eu/statistics_explained/index.php/Gender_pay_gap_statistics Heraus kommt der bereinigte Gender Wage Gap von zuletzt 8 Prozent in Deutschland. Da die Datenlage ziemlich umfassend ist, kann der „unerklärte Rest“ von 8 Prozent als Hinweis auf das Ausmaß von Diskriminierung interpretiert werden – zumindest solange es keine bessere Erklärung gibt, bleibt die Hypothese gültig. Meinetwegen können sie die Hypothese der freiwilligen Lebensstilwahl von Frauen vorziehen. Aber ehe sie nicht bessere Daten und Studien anbringen ist es eine logisch falsche Aussage, die erste Hypothese als „Ideologie“ zu bezeichnen.

    Jetzt machen Sie sich nicht lächerlich. Wenn ich von 23 % Varianz in einer multiplen Regression 15% durch intervenierende Variablen erklären kann, dann sind nur noch 8% übrig. Daran ändert auch keine Sprachakkrobatik etwas. Im übrigen fröstelt mich ihr Wissenschaftsverständnis. Wenn es tatsächlich so ist, dass nicht erklärte Varianz also etwas nicht beobachtetes als Diskriminierung zu interpretieren ist, weil es ihnen gerade so gefällt, wie wollen Sie dann meine Behauptung widerlegen, dass es nicht Diskriminierung sondern der Wille von Kublai Khan ist, der hier am Werk ist. Wir reden von nicht erklärter Varianz, wohlgemerkt, also dem statistischen Residuum, das ürbig bleibt, wenn man alle Erklärungen ausprobiert hat… Wenn Sie Recht hätten, wäre die Statistik gerade revolutioniert!

    – Aber auch bei den zur Erklärung herangezogenen Faktoren wie „Branche“, „Betriebsgröße“ und ähnliches lässt sich argumentieren, dass zumindest Teilweise Diskriminierung bei Stellenbesetzungen eine Rolle spielen. Dafür finden sich starke Hinweise z.B. in der Studie der Antidiskriminierunsstelle des Bundes http://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/Projekte_ADS/anonymisierte_bewerbungen/anonymisierte_bewerbungen_node.html

    – FALSCH ist ebenfalls, dass „der Gender Wage Gap verschwindet“ wenn die Überstunden oder insgesamt Arbeitszeiten berücksichtigt werden. Denn neuere Studien des IAB, die anhand von Mikrodaten unter Berücksichtigung der Arbeitszeiten berechnet wurden zu drastischeren Ergebnissen. http://www.iab.de/764/section.aspx/Publikation/k040722a01 Hier konnten nur zehn Prozent der Einkommensdifferenzen durch unterschiede im Humankapital erklärt werden. Sie werden sich ein neues Argument ausdenken müssen, um ihre aggressive anti-Gleichstellungs-Rethorik wissenschaftlich erscheinen zu lassen.

    Wie ich in meinem Nachtrag zum Gender Pay Gapnachgewiesen habe, ist das nicht FALSCH, sondern RICHTIG.

    – FALSCH ist ebenfalls, dass es um die „Gleichheit von Klonen“ ginge. Es geht um Gleichberechtigung, Chancengleichheit und gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit. Und dahin ist es noch ein weiter Weg. Ich empfehle in dieser speziellen Frage die Lekture zur systematischen Arbeitsbewertung. Finden Sie es wirklich angemessen, dass ein Lagerist mit Gabelstaplerschein (3 Wochen) fast ohne Ausbildung genau so viel verdient wie eine Bibliothekarin mit dreijähriger wissenschaftlicher Ausbildung? Das steht aber in einem interessanten Konflikt zu ihren sonst so bürgerlich-liberalen Programmerkärungen. Leistungsgerechte Bezahlung sollte ihnen doch ein Anliegen sein. Richtig ist vielmehr, dass die statistische Methode der Regression es erlaubt, in großen Datensätzen ex-Post die Variablen zu kontrollieren und so die Hypothese der (Un-)gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt zu überprüfen. Das sollte doch hervorragend in ihr Weltbild vom kritischen Rationalismus passen.

    Sie haben ein interessantes Verständnis von Gleichberechtigung und Ihr Beispiel ist wirklich ulkig, aber gut, finden Sie es richtig, dass Sie als Mitarbeiter in einem europäischen Amt mehr verdienen als die Frisöse um die Ecke, mit dreijähriger Ausbildung? Wenn ja, dann habe ich doch recht mit der Behauptung, dass das Gender Pay Gap ein sozialistisches Programm ist, das gar nichts mit Equity und alles mit Mangelverwaltung zu tun hat. Im übrigen sollten Sie sich, bevor Sie sich über liberales Gedankengut äußern, sicherstellen, dass Sie wissen, wovon Sie reden. Equity ist ein Konzept, das Gerechtigkeit als Proportionalität von input zu output definiert. Denken Sie einmal darüber nach.

    Ich gehe davon aus, dass Sie zu feige sind, den Kommentar frei zu schalten.
    Überraschen Sie mich. Ich bin gern bereit, diese Hypothese zu verwerfen.
    Aber ich habe den Text ja und kann ihn bei Gelegenheit woanders posten.

    Hier überschätzen Sie sich maßlos. Selbstverständlich schalte ich einen Kommentar wie den Ihren frei, schon aus erzieherischen Zwecken und weil er mir Gelegenheit gibt, die gröbsten Denkfehler richtig zu stellen. Ich hoffe, Sie waren nicht zu feige, hier mit Ihrem richtigen Namen zu posten.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jacopo Belbo

    dito

  14. @Jacopo Belbo

    Ich hoffe, in diesem einen speziellen Fall und allein in Ihrem eigenen Interesse, dass Sie zu feige waren, diesen Erguss an Unsinn mit Ihrem richtigen Namen zu unterzeichnen. Sie können sich dann beruhigen und sozusagen Gras über Ihren Ausfall wachsen lassen, denn:

    ein Kommentar, der mangels Argumenten versucht, eine Leserschaft durch ein argumentum ad hominem gegen denjenigen, der Argumente (auch in Form von Forschungsergebnissen) vorgebracht hat, die dem Kommentator ideologisch ein Dorn im Auge sind, zu beeinflussen, ist schlichtweg nicht ernst zu nehmen. Was, also, soll man zu einer Ansammlung belangloser Unterstellungen sagen, die durch nichts zu erhärten sind und nur den Groll des Kommentatoren zu seiner persönlichen psychologischen Erleichterung ausdrücken?

    Ich schlage vor, wir übergehen solch Belangloses einfach und empfehlen Ihnen ansonsten dringend, unser Grundsatzprogramm noch einmal zu lesen und insbesondere die Absätze in ihm zu verinnerlichen, die dort über kritisches Argumentieren bzw. über das, was ein Argument ist und das, was keines ist, zu lesen sind. Literaturhinweise zu Ihrer Weiterbildung finden sich dort auch – vielleicht verstehen Sie das dort Geschriebene nach abermaliger Lektüre (besser).

    Und bitte, bitte, tragen Sie Ihre Unkenntnis nicht so sehr zur Schau, denn es ist nicht schön, dieselbe mitanschauen zu müssen. So werden Indikatoren SELBSTVERSTÄNDLICH nicht einfach aus Daten „berechnet“, sondern ausgewählt bzw. festgelegt, was Ihnen schon deshalb hätte klar sein müssen, weil man, um etwas zu berechnen, festlegen muss, auf der Grundlage welcher Daten man berechnen möchte (und hier wird oft einfach nur der Macht der Gewohnheit gefolgt oder den technischen Beschränkungen entsprochen).

    Haben Sie eigentlich überhaupt irgendeine Ahnung von empirischer Sozialforschung? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass Sie nicht genug Ahnung von Dingen haben, um das Ausmaß Ihrer eigene Ahnungslosigkeit einschätzen zu können – und das wird nicht dadurch besser, dass man arrogant und provozierend auftritt (im Gegenteil; es wird so richtig peinlich, jedenfalls in meiner Wahrnehmung).

    Ein weiterer kleiner Hinweis, der vielleicht dazu geeignet sein könnte, Ihren Horizont zu erweitern, sei mir aber erlaubt:

    Auch, wenn Sie es sich nicht vorstellen können, so gibt es doch Menschen, die ihre Auffassung einer Sache klar vertreten und sie – anders als Sie – ARGUMENTATIV vertreten können, weil diese Auffassung ein ERGEBNIS der Beschäftigung mit allen möglichen Argumenten ist. (Ja, ich weiß, Sie wissen nicht, was ein Argument ist und können daher vielleicht nicht auf Anhieb folgen, aber ich muss hier darauf zurückkommen, und Sie können sich ja kundig machen.) Man nennt diese Menschen auch rationale Menschen. Bei ihnen funktioniert die Meinungsbildung in dieser Richtung.

    Sie sollten nicht von sich auf andere Menschen schließen, wenn Sie z.B. Herrn Klein unterstellen, er habe eine Meinung und müsse deshalb bestimmte Argumente unterschlagen; soweit ich weiß, gehört er zu den rationalen Menschen. Darüber, zu welchen Sie gehören, wage ich kaum zu spekulieren, aber ich vermute, dass Sie zumindest nicht zu denen gehören, deren Selbstbewusstsein durch ein angemessenes Urteilsvermögen beeinträchtig wird.

  15. Luc sagt:

    @Jacopo Belbo

    Auch wenn Ihnen Ihr Beitrag im Ergebnis zurecht von den Blogautoren um die Ohren gehauen wird, will ich in der Hoffnung, SIe schauen noch einmal vorbei, etwas zurückhaltender widersprechen.

    Wenn Sie anführen, der unbereinigte Gender Wage Gap sei „ein Indikator für die STRUKTURELLE Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt“, ist das zunächst nur eine Behauptung. Die sich insbesondere nicht dadurch verifiziert, dass man das Gender Wage Gap in vielen Ländern misst und unterschiedliche Ergebnisse rauskommen. Dann hat man gerade nicht bereits bewiesen, dass diese Erhebungen überhaupt eine Benachteiligung von Frauen messen.

    Egal ob bei der Berechnung 23 oder 8 Prozent herauskommen, die grundsätzliche Frage ist, ob die Schlussfolgerung, dies beweise Diskriminierung oder lege sie sehr nahe, methodisch schlüssig gezogen werden kann. Dafür ist Grundvoraussetzung, dass man so viele Faktoren wie möglich bennent und eliminiert, die zwar Einfluss auf unterschiedliche Einkommen haben, die mit Diskriminierung aber erkennbar nichts zu tun haben. Zum Beispiel mehr Überstunden (die besser bezahlt werden).

    Das hat das statistische Bundesamt getan, wie auch bereits in diesem Blog verlinkt (https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VerdiensteArbeitskosten/Verdienstunterschiede/VerdienstunterschiedeMannFrau5621001069004.pdf?__blob=publicationFile) und dabei die 23 auf 8 Prozent reduziert. Das bedeutet:

    1. Wenn man etwas über tatsächliche Diskriminierung erfahren will, ist der unbereinigte GWG völlig ungeeignet, denn die dort ermittelten Gehaltsunterschiede beinhalten noch haufenweise diskriminierungsfreie Faktoren wie z.b. die Berufswahl. Dass aber ein männlicher Rechtsanwalt mehr verdient als eine weibliche Krankenpflegerin ist nicht Ausdruck von Geschlechterdiskriminierung (und ob Krankenpfleger nicht viel mehr verdienen sollten ist eine ganz andere, hier nicht relevante Frage).

    2. Das statistische BA ermittelt einen „bereinigten“ GWG, sagt aber bereits in der Einleitung seines Berichts folgenden Satz:

    „Der ermittelte Wert ist eine Obergrenze. Er wäre geringer ausgefallen,
    wenn der Berechnung weitere lohnrelevante Eigenschaften – vor allem Angaben zu Erwerbs­
    unterbrechungen – zur Verfügung gestanden hätten.“

    Wenn Sie also in Ihrem Post ausführen, die Datenlage sei „ziemlich umfassend“ und man könne deshalb den “unerklärten Rest von 8 Prozent als Hinweis auf das Ausmaß von Diskriminierung“ interpretieren, „zumindest solange es keine bessere Erklärung gibt“ haben Sie insofern recht: es gibt eine bessere Erklärung. Dem statistischen BA fehlen wichtige Angaben, die die vorhandenen Daten diskriminierungsfrei beeinflussen und die 8% eventuell erklären könnten.

    Das Gender Wage Gap ist also auch bei 8% noch nicht frei von Faktoren, die mit Diskriminierung nichts zu tun haben. Wie hoch er wäre, wenn man denn endlich einmal alle diese Faktoren ausschließen würde, darüber können Sie spekulieren, aber mehr auch nicht. Nach momentaner Datenlage gibt es objektiv überhaupt keinen Zweifel: das Gender Wage Gap kann, ob 23 oder 8 Prozent, nichts über Diskriminierung aussagen, weil Diskriminierung eben nicht der einzige verbleibende erklärende Faktor ist.

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