Der Mythos der ausschließlich männlichen Gewalt

Unlängst hat die Friedrich-Ebert Stiftung eine “Expertise” veröffentlicht, in der in atemberaubend primitiver Art und Weise ein Zusammenhang zwischen Männern, Gewalt und Rechtsextremismus hergestellt wird. Das BMFSFJ hat gerade mit Stolz verkündet, dass Frauen, die vermeintlich Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, nunmehr ein Exklusivtelefon (zur zügigen Denunziation?) zur Verfügungen haben, “damit der Schritt aus der Gewalt einfacher und schneller wird”. Der 25. November 2011 hat einmal mehr als “internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen” Anlaß dafür gegeben, den Mythos, nach dem sich Frauen vornehmlich zum Opfer, weniger oder gar nicht (je nach politischer Ausrichtung) jedoch zum Täter eignen, zu zelebrieren. Gegen den entsprechenden Schwulst, der Frauen einerseits zum willfährigen Opfer stilisiert, dem die Natur keinerlei Möglichkeit an die Hand gegeben hat, sich gegen Gewalt zu schützen oder gar zu wehren und der anderseits in einem merkwürdigen Gegensatz zum Bild der “emanzipierten Frau” steht, das zumeist von denselben Frauenbewegten vermittelt wird, sind in jüngster Zeit zaghafte, langsam aber zahlreicher werdende und an der Realität ausgerichtete Einwände vorgebracht worden.

Walter Hollstein hat auf diesem Blog darauf hingewiesen, dass Gewalt kein Geschlecht hat, Peter Döge (2011) hat ein Buch geschrieben, das der Widerlegung des Mythos von der ausschließlich männlichen Gewalt gewidmet ist und der Betreiber des Weblog “Zum Mannsein geboren” hat nunmehr eine Fleißarbeit vorgelegt, die man nur bewundern kann. Für den Zeitraum 1989 bis 2011 hat er 100 Studien zusammengestellt, die sich allesamt mit dem Mythos der zur Gewalt nicht fähigen Frauen beschäftigen, 100 Studien, die diesen religiösen Mythos vom ewigen Opfer “Frau” nachhaltig zerstören.

Bemerkenswert an der Zusammenstellung ist zweierlei: Zum einen handelt es sich mit Ausnahme des von Gerhard Amendt verfassten Buches “Scheidungsväter: Wie Männer die Trennung von ihren Kindern erleben” ausschließlich um empirische Studien, die in den USA oder einem anderen angelsächsichen Land durchgeführt und veröffentlicht wurden, zum anderen ist die Wortwahl, mit der viele Autoren ihre Beiträge überschreiben, beeindruckend: “Exploring Taboos”, “Speaking about the Unspeakable” oder “The Last Taboo” sind nur einige der Titel, die deutlich machen, dass mit dem Genderismus Denkverbote einhergeben, die jeder bricht, der sich zu kritischem Denken berufen sieht. Nimmt man die Tatsache zum Ausgangspunkt, dass fast alle der Studien nicht in Deutschland erstellt wurden, dann muss man daraus schließen, dass das von Genderisten durchgesetzte Denkverbot in Deutschland zu einer geistigen Enge geführt hat, die entweder Wissenschaftler gar nicht erst auf Forschungsideen kommen lässt, die den Genderisten-Mainstream verlassen oder die Wissenschaftler, die trotz Gender-Indoktrination das Unaussprechliche zumindest denken, davor zurückschrecken lässt, eine entsprechende Forschung (a) zu beantragen, (b) durchzuführen und (c) auch zu verantworten.

Ein Beitrag unter den 100 Studien sei hier besonders hervorgehoben. Bereits im Jahre 2003 hat M. J. George von der St. Bartholomew’s and Royal London Hospital Medical School den “Invisible Touch” veröffentlicht. Darin diskutiert er eine Vielzahl von Studien, die sich mit Gewalt von Männern und Frauen beschäftigen und kommt dabei zu folgender abschließenden Einschätzung: “The fact that so many in society, including some academics, are so unwilling to accept the unilateral battering of men by women stems, in large part, from the deep and profoundly disturbing challenge such a fact poses to cherished male and female stereotypes” (George, 2003, S.52). Angesprochen ist das Bild von Männern, nach dem für Männer physische Gewalt zum normalen Leben gehört und sein Gegenpart, das Bild von Frauen als zu physischer Gewalt und gar Gegenwehr unfähigen Opfern. Bereits der gesunde Menschenverstand sollte eigentlich jedem vernunftbegabten Menschen den Schluss erlauben, dass Männer nicht geborene Schläger und Frauen nicht geborene Opfer sind. Wenn der gesunde Menschenverstand das aber sagt, dann ist es erklärungsbedürftig, dass sich der religiöse Imperativ von Frauen als reinen Opfern so hartnäckig in Deutschland hält.

Bei der Suche nach einer Erklärung für diesen Umstand, habe ich mich von Niklas Luhmann anleiten lassen und seiner Unterscheidung unterschiedlicher Diskurse, die in verschiedenen Teilsystemen der Gesellschaft geführt werden, die nichts miteinander zu tun haben und auch nicht notwendiger Weise mit der Realität übereinstimmen müssen. Davon ausgehend, habe ich in Google nach den Begriffen “Männer, Gewalt” und “Frauen, Gewalt” gesucht. Eine Web-weite Suche nach den Begriffen “Gewalt, Frauen” ergibt, was man erwartet hätte. Unter den ersten 10 Einträgen finden sich Einträge der Gewaltberatung Hamburg des Bundsministeriums für FSFJ, von Frauenschutzstellen und Frauennotrufe, was deutlich macht, dass der häufigsten Zusammenhang, in dem die Begriff “Gewalt, Frauen” vorkommen, Gewalt gegen Frauen ist. Interessanter Weise ergibt die Web-weite Suche nach den Begriffen “Gewalt, Männer” ein vergleichbares Ergebnis. Der häufigste Zusammenhang besteht in der Verbindung “Gewalt gegen Männer” Wird die Suche auf Nachrichten eingeschränkt, mit anderen Worten wird untersucht, in welchem Zusammenhang die Begriffe “Frauen, Gewalt” und “Männer, Gewalt” in der Berichterstattung der Medien vornehmlich stehen, dann ergibt sich das selbe Bild für “Frauen, Gewalt”, denn in Medien herrscht die Berichtserstattung über “Gewalt gegen Frauen” und somit das Bild von Frauen als Opfern vor. Für Männer ergibt sich im Vergleich zur Web-weiten Suche ein gänzlich anderes Bild, wenn die Suche auf Medien beschränkt wird. Gewalt wird nunmehr zur Männersache: Die Palette reicht von brutaler Gewalt, über das [natürlich aus zwei Männern bestehende] Schlägerduo bis zur unvermeidlichen “Gewalt gegen Frauen”. Männer als Opfer von Gewalt kommen in der Berichterstattung von Medien offenbar nicht vor.

Als Ergebnis der kurzen empirischen Analyse kann somit festgestellt werden, dass die oben beschriebenen Stereotype und der damit einhergehende Mythos von Männern als Schlägern und Frauen als Opfern, vornehmlich in Medien transportiert wird, was man einerseits als Versuch der Manipulation ansehen kann, andererseits als Realitätsverlust.

P.S. Neuere Entwicklungen zum Thema “häusliche Gewalt”, die das bestätigen, was ich in meiner Google-Suche nach “Männer und Gewalt” zusammengetragen habe, beschreibt das Weblog “Sons of Perseus”

Döge, Peter (2011). Männer – die ewigen Gewalttäter? Gewalt von und gegen Männer in Deutschland. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

George, M.J. (2003). Invisible Touch. Aggression and Violent Behavior 8(1): 23-60.

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3 Responses to Der Mythos der ausschließlich männlichen Gewalt

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