Organspende in der Schule macht Schule

Organspende soll nach dem Willen der Techniker Krankenkasse, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Bundesgesundheitsministeriums Schule machen. Deshalb hat sich das Trio entschieden, Schüler mit Informationen zum Thema Organspende zu versorgen, denn Organspende, so wird Bundesgesundheitsminister Bahr nicht müde zu behaupten, ist ein “Akt der Nächstenliebe”. Ein Akt der Nächstenliebe muss es auch sein, denn der, der spendet, ist nicht tot, wenn er spendet:

“Für die Organentnahme wird der Körper des Spenders mit einem Schnitt vom Brust- bis zum Schambein geöffnet. Erst jetzt erleidet der Hirntote durch systematisches medizinisches Handeln jenen Tod, der uns durch seine Zeichen als Herztod bekannt ist – beispielsweise indem vor der Entnahme des Herzens mehrere Liter der kardioplegischen (herzlähmenden) Lösung in die große Körperschlagader (Aorta) gegeben werden und so der Herzstillstand herbeigeführt wird. Wenn der Herztod eingetreten ist, wird in der Regel noch Gewebe entnommen: Augen, Knochen und selbst eine Häutung kann erfolgen”. (Bergmann, 2011, S.11)

Spontanbewegung bei einer hirntoten Patientin - Quelle siehe Bildnachweis

Weil Hirntod nicht gleich Herztod ist, der Herztod erst durch die Entnahme der Organe herbeigeführt wird, sieht Sabine Müller, Bioethikerin an der Berliner Charité “Organentnahme von Hirntoten als Tötung an”. Eingetretener Hirntod als Startkriterium der Explantation ist eine Festlegung, die u.a. die Bundesärtzekammer vorgenommen hat und die den Vorzug hat, dass die Entnahme noch frischer (oder noch lebender) Organe ermöglicht wird. So schreibt der Allgemeinmediziner Dr. Fritz Reutter in seinem blog: “Der Zwang, Organe möglichst frisch zu verpflanzen, verhalf dem ‘Hirntod’ zu seiner Bedeutung – Ende der lebenserhaltenden Maßnahmen und Startschuss für die Organentnahme. Immer lauter melden sich jedoch die Kritiker zu Wort: Hirntote leben noch”.

Ich will hier nicht die Diskussion aufnehmen, ob Hirntote noch leben oder nicht, aus meiner Sicht reicht der Verweis auf die Praxis der Anästhesie der vermeintlich Hirntoten, um irritierende Bewegungen und Reaktionen während der Entnahme der Organe zu verhindern:

“Trotz der juristischen Festschreibung als Leichnam ist nach wie vor der Umgang mit Hirntoten von Unsicherheit beherrscht, insbesondere bei Operationsschwestern und Anästhesisten. Sie sehen, wie der ‘überlebende Körper auf seine Öffnung und auf die kalte Nähr- und Konservierungslösung reagiert, die dem Spender vor der Organentnahme gegen Verwesungsprozesse eingeflößt wird und das Blut ausschwemmt. Um irritierende Reaktionen auf diese Eingriffe (wie Bewegungen, Hautrötungen, Schwitzen, steigender Puls und Blutdruck) zu unterdrücken, werden dem Hirntoten Schmerzmittel und muskelentspannende Medikamente verabreicht. Ein Großteil der Explantation findet unter Narkose statt” (Bergmann, 2011, S.12)

Und:

“Die Hirntoddefinition erfordert den kompletten Ausfall aller Funktionen des gesamten Gehirns, dennoch bleiben bei vielen dieser Patienten wesentliche neurologische Funktionen erhalten. … Es sei nicht ganz falsch, im Zusammenhang mit der Organgewinnung von einem ‘justified killing’ zu sprechen. … Sich daraus ergebende juristische Fragen, bis wann ein Mensch Objekt eines Tötungsdelikts ist, und bis wann er das Grundrecht auf Leben mit all seinen Schutzwirkungen genießt, scheinen unter der Prämisse des aus therapeutischen Gründen gerechtfertigten Tötens hinfällig zu werden” (Bergmann, 2011, S.13)

Aber:

“Organspende macht Schule”, so wollen es Techniker Krankenkasse, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und  Bundesgesundheitsministerium. Das Trio hat sich verschworen, um Schülern den frühzeitigen Abschied von eigenen Organen zu erleichtern. Nein, ich bin ungerecht, Bundesgesundheitsminister Bahr hat uns unterrichtet, warum es notwendig ist, bereits Schüler auf ihren Hirntod vorzubereiten und darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Körper dann möglicherweise für sie selbst (eben weil hirntot) nutz- und wertlos ist, nicht aber für andere: “Ich möchte daher”, so Daniel Bahr, “dass sich möglichst viele junge Menschen mit diesem Thema [Organspende] auseinandersetzen. Dass sie eine Entscheidung treffen und diese in einem Organspendeausweis dokumentieren”.

Wäre das bundesgesundheitsministerielle “Möchten” ausschließlich in der von mir zitierten Weise erfolgt, es wäre vielleicht noch erträglich. Aber so ist es nicht erfolgt. Es hat Vorsätze, einen normativen Rahmen, einen, der kaum eine  Wahl mehr lässt: “Bundesgesundheitsminister Bahr zu diesem Projekt [Organspende macht Schule]: ‘Organspende kann Leben retten. Sie ist ein Akt der Nächstenliebe. Jeder von uns würde bei einer schweren Organerkrankung hoffen, ein neues zu bekommen. Das kann aber nur gelingen, wenn es auch Spender gibt”. Diese altruistisch-verquasten Vorsätze stehen unmittelbar vor dem bundesgesundheitsministeriellen “Möchten”. Wie viel Wahlfreiheit würden sich die meisten Deutschen noch selbst zugestehen, wenn ihnen auf diese suggestive Art zu verstehen gegeben wurde, was die richtige Wahl ist – oder willst Du etwa durch Organverweigerung dokumentieren, dass Du nicht zur Nächstenliebe fähig bist? (Ist Herr Bahr eigentlich Spender?) Wie viel Wahlfreiheit nehmen sich wohl Schüler, also junge Menschen die leicht beeinflussbar und auf der Suche nach einer Selbstdefinition sind?  Schämt sich Herr Bahr eigentlich nicht, dass er sich zum Teilhaber an der Übervorteilung Jugendlicher macht?

Nein, er schämt sich nicht, denn dass “Organspende macht Schule” in die Schulen geht, hat genau den Grund, dass Jugendliche so leicht beeinflussbar sind (oder zunmindest als leicht beeinflussbar gelten). Dr. Elisabeth Pott, BZgA-Direktorin, verrät hier die ganze Karte: “Wir wissen aus unseren Untersuchungen, dass vor allem junge Menschen dem Thema sehr aufgeschlossen gegenüberstehen, wenn sie darauf angesprochen werden. Doch weniger als die Hälfte der 14- bis 25-jährigen ist gut oder sehr gut über Organspende informiert.” Und da Jugendliche die kleinen Naivchen sind, die sie nun einmal sind, muss man beizeiten informieren, damit die Jugendlichen auch die richtige Wahl in ihrem Organspendeausweis dokumentieren. Welche Form der Information man unter der Überschrift “Organspende macht Schule” zu erwarten hat und wie sehr sich Jugendliche in die Nächstenliebe-Ecke gedrängt fühlen, kann man sich angesichts der unverblümten Art, in der die Manipulation bereits in Pressemeldungen betrieben wird, gut vorstellen – sicherlich werden keine Zweifel am Hirntod geweckt.

Dieselben Politiker, die nicht müde werden, sich über den  Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in welcher Variante auch immer aufzuregen, haben ganz offensichtlich gar kein Problem mit dem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, wenn es um ihre  Zwecke der Nächstenliebe geht. Aber besondere Interessen erfordern besonderen Missbrauch. Zum “guten Zweck” kann man weitreichende Entscheidungen Jugendlicher über das eigene Leben auch bereits mit 16 Jahren zulassen, während dieselben Jugendlichen weiterhin als politisch unmündig betrachtet werden.

“Was heißt das eigentlich, das Recht über Leben und Tod? Natürlich nicht, dass der Souverän das Leben in der selben Weise anordnen lassen kann wie das Sterben. Das Recht über Leben und Tod lässt sich nur auf eine ungleichgewichtige Weise ausüben, und zwar immer auf Seiten des Todes. Die Wirkung der souveränen Macht auf das Leben ist erst von dem Moment an ausübbar, da der Souverän töten kann. Es ist letztlich das Recht zu töten, das tatsächlich die Essenz dieses Rechts auf leben un Tod in sich trägt: Ab dem Moment da der Souverän töten kann, übt er sein Recht über das Leben aus. Das ist wesentlich ein Recht des Schwertes. Folglich besteht keine wirkliche Symmetrie innerhalb dieses Rechts über Leben und Tod. Ebenso wenig handelt es sich um das Recht, sterben oder leben zu machen. Es ist auch nicht das Recht, leben oder sterben zu lassen. Es ist das Recht, sterben zu machen oder leben zu lassen” (Foucault, 2010, S.64).

Weitere Informationen zum Thema Organspende: Organspende ist gelebte Solidarität

Bergmann, Anna (2011). Organspende – tödliches Dilemma oder ethische Pflicht? Aus Politik und Zeitgeschichte 21-21/2011: 10-15.

Foucault, Michel (2010). Kritik des Regierens. Schriften zur Politik. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Bildnachweis:
Schattenblick: Spontanbewegung bei einer hirntoten Patientin; Quelle:  Turmel, André, Roux, Alain & Bojanowski, Michel W. (1991). Spinal Man after Declaration of Brain Death. Neurosurgery, 28(2), S.299.

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20 Responses to Organspende in der Schule macht Schule

  1. JC Denton says:

    “Ich will hier nicht die Diskussion aufnehmen, ob Hirntote noch leben oder nicht”

    Aber genau darum geht es letztlich. Sind Hirntote tatsächlich tot oder leben sie noch? Die Medizin scheint mir diese Frage recht eindeutig beantwortet zu haben: Der vollständige und irreversible Verlust der Gehirnfunktionen ist mit dem Tod gleichzusetzten, da das Gehirn Sitz unserers Ichs ist und nicht ersetzt werden. Auch wenn das Herz weiterhin schlägt oder der Körper zuckt, die Persönlichkeit des Menschen ist unwiderruflich verloren. Er ist tot, und niemand kann daran noch etwas ändern. Die Ausführungen von Frau Bergmann gehen insofern an der Sache vorbei.
    Was das Thema Organspende angeht, so halte ich die Aufklärung der Bevölkerung für eine gute Sache. Noch besser wäre es jedoch, wenn der Verkauf von Organen legalisiert und ein richtiger Organmarkt entstehen würde. Das wäre wohl die liberale Lösung des Problems.

    • Im 16. und 17. Jahrhundert hat die katholische Kirche die Frage, ob die Erde im Zentrum des Universums steht, recht eindeutig und für viele Zeitgenossen befriedigend entschieden. Dass u.a. Galileo Galilei anderer Ansicht war, hat keinen Zweifel gesät, sondern galt als Häresie. Möglicherweise wäre es für die katholische Kirche von Vorteil gewesen, am eigenen Dogma zu zweifeln. Aber Zweifel war nicht zugelassen, schon weil die eigenen Interessen durch Zweifel gefährdet worden wären. Zweifel an der Adäquatheit von medizinisch festgestelltem Hirntod will auch die Bundesregierung nicht zulassen, weil sie aus welchen Gründen auch immer ein erhebliches Interesse daran hat, dass Organe gespendet werden. Entsprechend wird heftig indoktriniert, und daran kann ich absolut nichts Positives erkennen.

      Was die Ausführungen von Frau Bergmann angeht, so scheinen sie mir einfach nur informierter als das zu sein, was Sie als “eindeutige Klärung durch die Medizin” bezeichnen. Vermutlich kennt Frau Bergmann Studien wie die folgende, bei der ein Patient, bei dem Hirntod diagnostiziert wurde, mehr als einen Tag nach der Diagnose “wieder lebendig” wurde. Offensichtlich ist die Diagnose “Hirntod” nicht so eindeutig, wie derzeit versucht wird, uns alle glauben zu machen:

      Objective: To describe a patient with transient reversal of findings of brain death after cardiopulmonary arrest and attempted therapeutic hypothermia.

      Design: Case report.

      Setting: Intensive care unit of an academic tertiary care hospital.

      Patient: A 55-yr-old man presented with cardiac arrest preceded by respiratory arrest. Cardiopulmonary resuscitation was performed, spontaneous perfusion restored, and therapeutic hypothermia was attempted for neural protection. After rewarming to 36.5°C, neurologic examination showed no eye opening or response to pain, spontaneous myoclonic movements, sluggishly reactive pupils, absent corneal reflexes, and intact gag and spontaneous respirations. Over 24 hrs, remaining cranial nerve function was lost. The neurologic examination was consistent with brain death. Apnea test and repeat clinical examination after a duration of 6 hrs confirmed brain death. Death was pronounced and the family consented to organ donation. Twenty-four hrs after brain death pronouncement, on arrival to the operating room for organ procurement, the patient was found to have regained corneal reflexes, cough reflex, and spontaneous respirations. The care team faced the challenge of offering an adequate explanation to the patient’s family and other healthcare professionals involved.

      Interventions: Induced hypothermia and brain death determination.

      Measurements and Main Results: This represents the first published report in an adult patient of reversal of a diagnosis of brain death made in full adherence to American Academy of Neurology guidelines. Although the reversal was transient and did not impact the patient’s prognosis, it impacted his eligibility for organ donation and cast doubt about the ability to determine irreversibility of brain death findings in patients treated with hypothermia after cardiac arrest.

      Conclusions: We strongly recommend caution in the determination of brain death after cardiac arrest when induced hypothermia is used. Confirmatory testing should be considered and a minimum observation period after rewarming before brain death testing ensues should be established.

      Webb, Adam C. & Samuels, Owen B. (2011). Reversible Brain Death after Cardiopulmonary Arrest and Induced Hypothermia. Critical Care Medicine 39(6): 1538-1542.

      Das Problem, das ich in meinem Beitrag angesprochen habe, ist übrigens nicht “die” Aufklärung “der” Bevölkerung als solche, sondern die Tatsache, dass diese Aufklärung unter klaren Vorgaben und in einer suggestiven Weise erfolgt, die den so “Aufgeklärten” kaum eine andere Möglichkeit lässt, als der verordneten Nächstenliebe anheim zu fallen.

    • @ J.C. Denton

      M.E. irren Sie in (mindestens) zweierlei Hinsicht:

      Erstens ist es einfach falsch zu behaupten, dass wir wüssten, wann genau der Wechsel vom Zustand “lebendig” zum Zustand “tot” eingetreten sei. Diese Frage beantworten zu wollen, würde voraussetzen, dass wir wüssten, worin genau beide Zustände bestünden und was genau sie voneinander unterscheidet. Wie die nicht enden wollenden Debatten um Euthanasie und den Umgang mit Embryonen zeigen, und ebenso die Kluft, die Angehörige der medizinischen Professionen in Sachen “Organspende” trennt, wissen wir genau das aber nicht, es sei denn, man wollte “Wissen” mit dem gleichsetzen, worin man mit einigen Leuten, die in ethischen Fragen dasselbe vertreten wie man selbst, übereinstimmt (mit vielen anderen jedoch nicht, die man dann entsprechend für unwissend erklären muss) oder wovon man persönlich überzeugt ist (wie Sie es anscheinend tun). Wenn Sie so genau (zu) wissen (glauben), dass ein Hirntoter tot ist, wenn seine “Persönlichkeit … unwiderruflich verloren ist” dann wissen Sie sicherlich auch ganz genau, ab wann z.B. ein geistig Behinderter über keine “Persönlichkeit” (mehr) verfügt oder dass Babys und Kleinkinder nicht lebendig sein können, da sie ja erst eine Persönlichkeit formen, aber noch nicht über eine verfügen. Ach ja, und dann kann man natürlich auch meinen, Leute, deren “Wissen” oder deren Gewissen ihnen etwas anderes sagt als mir, notwendigerweise keine “richtige” Persönlichkeit haben können, und dann landen wir (wie so oft bei solchen Diskussionen) im Totalitarismus.

      Das bringt mich auf den zweiten Punkt, in dem Sie irren: Es geht tatsächlich nicht um die Frage, ob Hirntote tatsächlich tot sind oder noch lebendig, sondern um die Frage, ob es Aufgabe eines Staates sein kann oder soll, seine Bürger im Rahmen einer Propaganda-Aktion mit seiner Version der “Wahrheit” zu überziehen, oder ob er vielmehr gerade als Garant dafür auftreten kann oder soll, dass Raum bleibt für unterschiedliche Überzeugungen und Gewissensentscheidungen – gerade in ethischen Fragen, die nun einmal nicht technisch zu treffen sind. Ich habe in dieser Frage eine ganz klare Position, und zwar die letztere. Daher finde ich es inakzeptabel, wenn der Staat, der selbstverständlich seine eigenen Interessen (samt des damit verbundenen Lobbyismus) vorantreibt und seiner eigenen Organisationslogik folgt, bzw. die entsprechenden staatlichen Institutionen als Prediger auftreten, um “Wahrheiten” in ethischen Fragen zu verkünden, in denen wir derzeit (m.E. völlig zurecht) nicht einmal religiöse Spezialisten wie z.B. die Kirchen für kompetent halten. Und diese “Verkündigung” dann auch noch bei Kindern anzubringen, weil der Propaganda-Erfolg bei Erwachsenen offensichtlich sehr zu wünschen übrig lässt, ist doch wohl der Gipfel der – naja, sagen wir Unanständigkeit. Wenn der Staat so gerne “aufklären” möchte, warum unterrichtet er dann nicht seinen erwachsenen Bürger über Angelegenheiten, die den Bürger betreffen, weil sie ihm staatlich aufoktroyiert wurden, wie z.B. über die derzeitige (negative) Rendite, die über ihre Lebenszeit Vollzeit-Erwerbstätige in der gesetzlichen Rentenkasse haben, und zieht daraus entsprechende Handlungskonsequenzen? Hat der Staat am Ende vielleicht ein Interesse daran, dass bestimmte Dinge nicht an die Öffentlichkeit kommen oder der Öffentlichkeit anders dargestellt werden als sie sich tatsächlich verhalten?

      In einem Punkt stimme ich Ihnen völlig zu: Die liberale Lösung für alle Probleme kann nur in einem offenen Markt bestehen. Das heißt aber gerade, dass der Staat sich ganz und gar auf seine Funktion als Garant der Einhaltung von freiwillig eingegangenen Verträgen und von Pluralismus und Meinungsvielfalt sowie dem Recht, Zweifel zu haben und seinem eigenen Gewissen zu folgen, beschränkt. Aufklärung (und sei sie noch so gut gemeint und noch so rationalistisch) ist nichts, dem man andere unterziehen kann. Wenn man in Schulen Kindern zwangsweise eine sehr einseitige Darstellung bezüglich ethnischer Fragen “verpasst”, dann ist das keine Aufklärung, sondern eine Form von Propaganda, die ich heutzutage in Deutschland nicht für möglich gehalten hätte. So kann man sich irren – es gibt anscheinend in Deutschland nach wie vor sehr viele Menschen, die wissen, was für andere gut ist, was sie hören und verarbeiten müssen und worüber sie wie zu entscheiden haben. Das macht (zumindest mich) einfach nur betroffen. Haben nicht auch Schüler ein Recht darauf, Aufklärung in ethischen Fragen gemäß ihres eigenen Entwicklungsstands, Tempos und Interesses zu suchen?

  2. Welche Informationen (nämlich keine bzw. Herz-Schmerz-Informationen) im Zusammenhang mit der Kampagne “Organspende macht Schule” in die Öffentlichkeit gelangen, kann man sehr gut beim WDR sehen. Im Beitrag zu “Organspende macht Schule” kommt nicht einmal im entferntesten ein Zweifel daran vor, dass an Organspende nichts problematisch ist, vor. Hier erweisen sich öffentlich-rechtliche Sender wieder einmal als optimale Erfüllungsgehilfen staatlicher Indoktrinations-Kampagnen.

    Anmoderation des WDR-Beitrags:

    “Organspender darf man schon mit 16 Jahren werden, doch es gibt nur wenige junge Ausweisbesitzer. Wir porträtieren einen Jugendlichen, der eine neue Leber erhalten hat – und weiter leben kann.” [Wo die Leber herkommt, wird nicht portraitiert…]

    So geht es weiter:

    “Nur wenige Jugendliche wissen, dass auch sie schon ein Organ spenden könnten, um das Leben eines anderen Menschen zu retten. Ein Organspendeausweis steckt wohl auch deswegen nur in wenigen Schülerportemonnaies. Junge Ausweisbesitzer gibt es nämlich wenige. Junge Menschen, die ein Organ brauchen, dagegen viele. Am Mittwoch (22.02.2012) startet daher die Kampagne “Organspende macht Schule” der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Techniker Krankenasse.”


    http://www.wdr.de/tv/aks/sendungsbeitraege/2012/kw08/0222/organspende.jsp?mid=553598

  3. AK-sieben says:

    Ethik, Moral und Religion möchte ich mal außen vor lassen. Bei der Diskussion um Organspende kommen mMn zwei Aspekte zu kurz bzw. werden gar nicht angesprochen.

    Seit Jahren lese ich immer wieder Berichte in Zeitungen, Magazinen etc. die für mich persönlich drei Wege zeigen auf dem der Mensch versucht Organversagen (so möchte ich es einmal nennen) zu “beheben”. Bei allen Wegen wird mir Angst und Bange, wenn ich die jeweilige Entwicklung weiter denke, ob der daraus entstehenden Konsequenzen.

    Der erste Weg ist ein “mechanischer” Ersatz des betreffenden Organs. Prothesen für Hände, Arme, Füße, Beine. Herzschrittmacher für Menschen bei denen das Herz nicht mehr so funktioniert wie es soll. Insulinpumpen (http://de.wikipedia.org/wiki/Insulinpumpe) für Zuckerkranke, Implantate für Hörgeschädigte, Chips für Blinde (www.wissenschaft-online.de/spektrum/leseproben/ZRENNER_Sehchips.pdf). Das könnte man fast beliebig fort führen.
    Hier sehe ich eine “Mechanisierung und “Elektronifizierung” des Menschen, mit dem Endergebnis (in der Zukunft) eine Mensch-Maschine zu erhalten. Für mich kein beruhigender Gedanke.

    Der zweite Weg ist der, Organe von Mensch A zum Menschen B zu transplantieren. Wie weit darf hier der Mensch, die Gesellschaft gehen? Ist hier nicht die Gefahr des Missbrauchs gegeben und sehr hoch anzusetzen? Die Diskussion über den Hirntod zeigt doch wie Verfahren wird, damit ein gewünschtes Ergebnis erzielt wird.
    Man denke jetzt nicht nur an den Empfänger, sondern an den Spender. Ist er wirklich Tod? Würde ich auf dem Tisch liegen, wie würde ich, mein Körper reagieren? Der Arzt sagt Hirntod mein Körper schreit Nein!
    Grausige Vorstellung.

    Ein neuer Weg wurde erst in jüngerer Zeit beschritten. Stammzellen und PID. Auch da kann man gespannt sein wohin dies führen wird.
    Auch wenn es jetzt sehr extrem klingen mag, ist dies nicht eine neuere, modernere Art des Kannibalismus?

    • @AK-sieben

      Ich denke, die Fragen, die Sie ansprechen, sind sehr wichtig, und sie sind unzweifelhaft ethische Fragen, auch wenn Sie im ersten Satz Ihres Kommentars ethische und moralische Fragen aussen vor lassen wollen. Gerade das macht sie so bedeutsam:

      Die Frage ist doch, wie wir uns Menschlichkeit vorstellen, also welche Mittel wir uns zur Erreichung welcher Ziele erlauben wollen, und die Möglichkeiten, die uns derzeit im Hinblick auf Lebenserhaltung bzw. -verlängerung zur Verfügung stehen, haben Sie ja dankenswerterweise genannt. Ich persönlich halte unter diesen Möglichkeiten die Nanotechnologie bzw. die “Mechanisierung” , von der Sie sprechen, für die bei Weitem am ehesten geeignete Möglichkeit, Menschlichkeit zu bewahren, denn mir scheint, dass sie das Mittel ist, das für andere Menschen als den Patienten und andere Lebenwesen die geringsten negativen Konsequenzen hat. Wenn sich eine “Mensch-Maschine” als der Entwurf erweisen sollte, der am ehesten zur Menschlichkeit fähig ist, dann hat sich die “Mensch-Maschine” m.E. sozusagen als der bessere Mensch erwiesen, und damit hätte ich überhaupt keine Schwierigkeiten.

      In der Diskussion um das Projekt “Organspende macht Schule” geht es ja eigentlich nicht um die Frage, ob Organspende “gut” oder “schlecht” ist, sondern es geht darum, ob staatliche Institutionen Kinder völlig einseitig “aufklären”, also indoktrinieren, dürfen. Für mich ist das eine Variante der Frage: “Heiligt der Zweck die Mittel?” Und selbst dann, wenn man der Meinung ist, dass Organspende als solche zunächst einmal “gut” sei, man also den Zweck für gut befindet, dann bedeutet das nicht notwendigerweise, dass man alle Mittel zur Erreichung dieses Zwecks akzeptabel finden muss.

      Aus Sicht der Kant’schen Ethik z.B. würde auch für eine “gute” Organspende das Mittel der Indoktrination von Kindern als inakzeptabel erscheinen, denn bekanntermaßen gilt Kant als kategorischer Imperativ, dass kein Mensch bloßes Mittel zur Verwirklichung fremder (nicht seiner eigenen) Zwecke sein darf, also nicht zum Objekt der subjektiven Interessen anderer Menschen werden darf. Und weil nicht einfach davon ausgegangen werden kann, dass eine Organsprende für jeden Menschen nach seiner eigenen Auffassung einen Zweck darstellt (also auch nicht davon, dass das bei allen Kindern oder ihren Eltern der Fall ist), muss eine Werbeveranstaltung in Sachen “Organspende” in staatlichen Institutionen als eine solche Instumentalisierung von Menschen gelten.

      Wer Propaganda in staatlichen Institutionen und auch mit Bezug auf Kinder befürwortet, muss sich also nicht nur fragen lassen, wie er die Wertigkeit seiner Zielsetzung begründet, sondern auch, auf welche ethischen Überzeugungen er die Wahl seiner Mittel gründet.

  4. JC Denton says:

    Sehr geehrter Herr Klein, sehr geehrte Frau Dr. Diefenbach,

    Zuerst einmal vielen Dank für Ihre ausführlichen Antworten, ich weiß dies zu schätzen.

    Herr Klein, die Frage des Hirntodes hat nichts mit religiösen Dogmen zu tun, und ich kann auch nicht sehen, dass Zweifel oder Kritik verboten wäre. Ihr Artikel ist ja das beste Gegenbeispiel, oder rechnen Sie ernsthaft damit, dass Ihnen wie Galilei irgendwelche Repressionen drohen, nur weil sie nicht auf Linie sind?

    Ich habe Frau Bergmanns Essay nicht gelesen, sondern beziehe mich auf die von Ihnen zitierten Passagen. Sie vertritt dort die Auffassung, dass erst der Herztod der “wahre” Tod ist, ein Hirntoter demnach noch lebt. Dies ist meiner Meinung nach medizinisch nicht haltbar. Der in dem Abstract beschriebene Fall ändert daran nichts. Er zeigt lediglich, dass auch beim Hirntod Fehldiagnosen möglich sind. Der Patient wurde übrigens nicht “wieder lebendig” (“Although the reversal was transient and did not impact the patient’s prognosis”).

    Frau Dr. Diefenbach, mir ist klar, dass wir uns in einem Grenzbereich bewegen und unser Wissen beschränkt ist. Doch abseits aller ethischen Diskussion muss die Frage, ob ein Mensch tot ist oder noch lebt, praktisch beantwortet werden, allein schon aus Gründen der Rechtssicherheit. Man braucht also ein Kriterium, das eine eindeutige Antwort liefert, auch wenn diese nicht 100 % philosophisch korrekt sein mag. Die entscheidende Frage für mich ist nun: Kann ein Patient, bei dem Zustand X eingetreten ist, wieder belebt werden oder nicht? Beim Herzstillstand lautet die Antwort “ja”, beim Hirntod “nein”. Das ist, soweit ich informiert bin, der Stand der medizinischen Wissenschaft, siehe http://www.organspende-und-transplantation.de/gedanken.htm.

    Es ist in der Tat nicht die Aufgabe des Staates, quasi religiöse “Wahrheiten” zu verkünden, die von den “Untertanen” geglaubt werden müssen. Ich denke, wir stimmen auch darin über ein, dass der Staat sich möglichst weit aus dem Bildungssektor (und anderen Bereichen) zurückziehen sollte. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass die Aufklärung durch Eltern, Medien und private Organisationen in der Regel nicht weniger einseitig ausgerichtet ist.

    • Ich glaube, es ist notwendig, den Bezug zum Artikel noch einmal herzustellen. Niemand hat bezweifelt, dass es möglich ist, Kritik am Kriterium “Hirntod” zu üben. Die Kritik, die in diesem Artikel vorgebracht wurde, richtet sich einzig und alleine gegen das Framing von “Organspende macht Schule” mit dem Organspende als Akt der Nächstenliebe dargestellt wird, zu dem es keine Alternative gibt. Gewöhnlich nennt man Behauptungen, die in den Raum gestellt werden und die in einer Weise geframt werden, die keine Kritik oder keinen Widerspruch zulassen bzw. beides im Vorfeld im Keim ersticken sollen, ein Dogma. Entsprechend verbreitet die Aktion “Organspende macht Schule” ein Dogma an deutschen Schulen. Sie sehen, die Analogie bezog sich auf die Indoktrination von Seiten des Staates, nicht auf mich (wie auch?).

      Sie haben eine Tendenz, die Zitate genau da abzuschneiden, wo es interessant wird. In der Tat ist der Patient nicht wieder auferstanden, aber: “Although the reversal was transient and did not impact the patient’s prognosis, it impacted his eligibility for organ donation and cast doubt about the ability to determine irreversibility of brain death findings in patients treated with hypothermia after cardiac arrest”. Da stellt man sich doch die Frage, was wäre gewesen, wenn man nachdem der vermeintliche Hirntod festgestellt wurde, den Guten nicht unterkühlt hätte?

      Die im verlinkten Artikel beschriebene Tatsache bedeutet schlicht und einfach, dass die Feststellung des Hirntods falsch sein kann. Wollen Sie es vor diesem Hintergrund auf sich nehmen, jedes Mal aufs Neue festzulegen, dass im vorliegenden Fall keine falsche Feststellung eines Hirntods erfolgt ist? Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich auch die Ärtze im berichteten Fall sehr sicher über ihre Diagnose waren. Und letztlich geht es auch nicht darum, welche Meinung Eltern oder wer auch immer zu Organspende verbreiten, es geht darum, dass sich ein Staat nicht einfach hinstellen kann und seine noch dazu falsche Heilslehre als einzig denkbaren Weg zum Heil erklären kann. Ich frage mich übrigens immer noch, wo der Vorteil all der Befürworter der Organspende ist, was die einzelnen Personen davon haben….

  5. Sehr geehrter Herr Denton,

    ja, ich freue mich auch darüber, dass wir hier die Gelegenheit haben, das Thema überhaupt zu diskutieren – darum genau geht es ja: eine Diskussion zu ermöglichen und eine “verordnete Wahrheit” damit in Frage zu stellen.

    Widersprechen möchte ich Ihnen vernünftigerweise auch nicht darin, dass man irgendein Kriterium dafür braucht, wann ein Mensch tot ist. Der Punkt ist, dass man nicht so tun soll, als wäre dieses Kriterium “die Wahrheit”; vielmehr ist es vereinbart, und die schlichte Tatsache, dass man es vereinbaren muss, zeigt, dass hier keine so überzeugende Macht des Faktums am Werke ist, die alle gleichermaßen überzeugen würde. Und wenn etwas vereinbart ist, dann ist es prinzipiell möglich, dass man es anders vereinbaren könnte oder eine Vereinbarung für einige Menschen akzeptabel ist, für andere aber nicht. Und das ist, wofür meines Erachtens Raum bleiben muss. Der Philosoph Peter Singer hat im Zusammenhang mit Euthanasie darauf hingewiesen, dass es nicht der Staat sein könne oder solle, der die letzte Entscheidung darüber haben, ob ein Leben beendet oder nicht beendet werden solle (Singer 2008: 435). Hierin kann ich ihm nur uneingeschränkt zustimmen, denn der Staat wird – schon um “Rechtssicherung” zu suggerieren, wie Sie schreiben – ein Kriterium für absolut erklären (müssen), so dass eben kein Raum für individuelle, verantwortliche Entscheidungen bleibt. Bürokratien haben eine natürliche Tendenz zur Schließung, weil sie ein latentes Legitimationsdefizit haben, und daher müssen Sie, um “Rechtssicherung” zu suggerieren, standardisieren und qualifizieren. Es gibt aber Fragen, denen man auf diese Weise nicht gerecht wird. Das ist gerade das Problem: Es gibt keine “philosophische Korrektheit”, die Sie mir anscheinend unterstellen möchten, sondern nur eine politische Korrektheit, und in Nazi-Deutschland war es z.B. politisch korrekt, auf die Rechtslage mit Bezug auf die Euthanasie von geistig Zurückgebliebenen oder Homosexuellen zu verweisen.

    Wenn der Staat mit einem Propaganda-Projekt “Organspende macht Schule” auftritt, dann suggeriert er – ebenso wie Sie es in Ihrem Kommentar tun – man hätte ja schon die beste aller möglichen (oder die einzig mögliche oder “vernünftige”?) Vereinbarungen getroffen, und alles weitere wird dann eben aus dieser für unumstößlich erklärten Prämisse abgleitet. Genau das wäre aber im Rahmen einer Aufklärung zu zeigen, dass die Prämisse, hier also ein bestimmtes Kriterium für Hirntod, einige Menschen haben, andere aber nicht, und was für die Prämisse spricht, aber auch dass sie schlichtweg falsch sein kann. Vernünftige und verantwortliche Entscheidungen kann man aber nur treffen, wenn man die Prämisse, ihre Implikationen und Gegenentwürfe und deren Implikationen geprüft hat.

    Wenn Sie persönlich das Kriterium für Tod in der Frage sehen, ob ein Patient wieder belebt werden kann, dann formulieren Sie eine Tautologie und damit einen völlig inhaltsleeren Satz: Dass ein Patient wiederbelebt werden kann, setzt voraus, dass er tot ist. Aber woher weiss ich, dass er tot ist? Das weiß ich, weil der gestorben ist, also nicht mehr lebt. Nur: Wann lebt ein Mensch nicht mehr? Ein solcher Umgang mit einem Thema ist zumindest logisch unkorrekt.

    Seien wir ehrlich: was man derzeit in Deutschland so über die “Freuden” des Organspendens liest, ist alles andere als dazu angetan, ein kritisches und damit verantwortungsvolles Urteil zu ermöglichen. Warum z.B. wird ständig auf die langen Wartelisten von Patienten verwiesen, die gerne ein Organ anderer Menschen (oder Tiere) in Betrieb nehmen würden, aber nicht auf Statistiken, die die Überlebensraten derer mit transplantierten Organen zeigen oder die Chance, die ein solcher Patient hat, dass das fremde Organ vom Körper abgewiesen wird, oder die Häufigkeit von durch die Transplantation und die erforderliche Unterdrückung des Immunsystems, also iatrogen, verursachten Erkrankungen (u.a. anscheinend häufig: Krebs). Warum wird nicht berichtet, dass man an jungen Spendern deshalb interessiert ist, weil ihre Organe eine größere Überlebens- und Funktionschance im Körper eines Patienten haben als die Organe älterer Menschen? Warum wird nicht davon unterrichtet, dass die Organe, die lebenden Spendern entnommen werden, deutlich größere Überlebens- und Funktionschance im Körper eines Patienten haben als Organe, die “non-living” oder “nicht-lebenden” Spendern entnommen werden? Und warum werden Letzere wohl so genannt (und nicht: “dead” oder “tote” Spender?). Die Liste der schwierigen Fragen und der Fakten, die durchaus zu widersprüchlichen Einschätzungen führen können, ist sehr, sehr lang, aber der Öffentlichkeit wird suggeriert, dass durch Organspenden “Leben gerettet” würden, von deren Dauern und deren Qualitäten wir nichts erfahren. Das sind faktisch relevante Fragen und nicht Fragen der “philosophischen Korrektheit”!

    Wer Aufklärung sucht oder anbieten möchte, muss diese Fragen stellen bzw. zulassen und beantworten. Wer dies unterlässt, um die “frohe Botschaft” der Organspende zu verbreiten, der betreibt Propaganda.

    Und schließlich: Wieso, glauben Sie, wird die Propaganda des Staates dadurch erträglicher, dass Medien oder nicht-staatliche Organisationen eine Sache ebenso einseitig darstellen. Wenn das so ist, dann ändert das an der Kritikwürdigkeit der Propaganda durch den Staat nicht nur überhaupt nichts, sondern stärkt gerade mein Argument: Wer Aufklärung wünscht, der sucht sie, und er wird Standpunkte, Äußerungen und Fakten zu dem, was ihn interessiert, an ganz unterschiedlichen Orten finden, die aus ganz unterschiedlichen Interessen formuliert und gesammelt wurden. Er muss dann nach seinem eigenen Wissen und Gewissen entscheiden, was für ihn und seine Lebenspraxis vernünftig relevant ist.

    Literatur, die im Zusammenhang mit meiner Argumentation relevant und für die Leser vielleicht von Interesse ist, ist u.a.:

    Berg,D. & Otley, C. C., 2002: Skin Cancer in Organ Transplant Recipients. Epidemiology, Pathogenesis, and Management. Journal of the American Academy of Dermatology 47: 1-17, quiz 18-20.

    Bloom, Roy D. et al. 2005: An Overview of Solid Organ Transplantation. Clinics in Chest Medicine 26: 529-243.

    Port, Friedrich K. et al., 2002: Donor Characteristics Associated with Reduced Graft Survival: An Approach to Expanding the Pool of Kidney Donors. Clinical Transplantation 74, 9: 1281-1286.

    Singer, Peter, 1994: Praktische Ethik. Stuttgart: Reclam

  6. JC Denton says:

    Herr Klein, die Aktion “Organspende macht Schule” macht unzweifelhaft Werbung für´s Organspenden. Wie sie aber auf die Idee kommen, dabei würde eine quasireligiöse Indoktrination stattfinden, der die Schüler bei Strafandrohung nicht widersprechen dürfen, leuchtet mir allerdings nicht ein.

    Ja, die Feststellung des Hirntodes kann falsch sein. Ärzte sind nun mal nicht allwissend und machen gelegentlich Fehler, dies lässt sich nun mal nicht vermeiden. Was die Befürworter der Organspende davon haben, sollte doch eigentlich offensichtlich sein: Je mehr Organspender es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein passendes Organ zu finden, wenn man selbst eins braucht.

    Frau Dr. Diefenbach, niemand behauptet, das Kriterium “Hirntod” für den Tod eines Menschen wäre die “Wahrheit”. Es gibt lediglich den gegenwärtigen Stand des medizinischen Wissens wieder. Es sind auch nicht die Bürokraten, die in diesem Zusammenhang Rechtssicherheit brauchen, sondern die Ärzte. Diese müssen nämlich eine Entscheidung treffen und sich für diese im Extremfall vor Gericht verantworten. Die Frage, ob eine intensivmedizinische Behandlung abzubrechen ist, stellt sich ja nicht nur bei potentiellen Organspendern. Es ist auch schlichtweg Verschwendung von wertvollen Ressourcen, die Körperfunktionen toter Menschen aufrecht zu erhalten, wenn klar ist, dass keine Aussicht mehr auf Genesung besteht. Ein Arzt muss entscheiden können, ob eine Weiterbehandlung sinnvoll ist, ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen, und dafür braucht es klare, nachvollziehbare Kriterien. “Philosophische Korrektheit” unterstelle ich Ihnen übrigens nicht, ich weiß auch gar nicht, was das sein soll.

    Dass ein Patient wieder belebt werden kann, setzt voraus, dass er noch nicht tot ist, außer sie verstehen die Formulierung “wieder beleben” wörtlich. Unter “Wiederbelebung” versteht man aber im allgemeinen die Wiederherstellung des Herzkreislaufsystems und nicht die Erweckung der Toten. 🙂

    Die Kritik von Ihnen beiden fasse ich mal wie folgt zusammen:
    1. Wir wissen noch nicht alles und dürfen daher keine vorschnellen Entscheidung treffen.
    2. Ärzte machen Fehler.
    3. Eine Organtransplantation kann nicht jeden Empfänger retten.
    Nichts davon überzeugt mich. Ich bin vollkommen mit Ihnen einer Meinung, dass der Staat nicht einseitig-propagandistisch informieren darf. Ob dies bei der Aktion “Organspende macht Schule” tatsächlich der Fall ist, kann ich nicht beurteilen.

  7. @denton

    Ihr zunehmend unerfreuliicher Ton und Ihre anhaltende Weigerung, auf Argumente von Herrn Klein oder mir oder auf die Befunde von Medizinern und Wissenschaftlern einzugehen, rechtfertigt es, glaube ich, in der folgenden Form auf Ihre Antworten einzugehen:

    Sie schreiben:
    “Herr Klein, die Aktion “Organspende macht Schule” macht unzweifelhaft Werbung für´s Organspenden. Wie sie aber auf die Idee kommen, dabei würde eine quasireligiöse Indoktrination stattfinden, der die Schüler bei Strafandrohung nicht widersprechen dürfen, leuchtet mir allerdings nicht ein.”

    Schade, dass Ihnen das nicht einleuchtet. Anscheinend sind Sie rationaler Argumentation nicht zugänglich, weil eine affektive Bindung an die “Autorität” bei Ihnen überwiegt; ich fürchte, in diesem Fall können weder Herr Klein noch ich (derzeit) etwas ändern.

    Sie scheiben weiter:

    “Ja, die Feststellung des Hirntodes kann falsch sein. Ärzte sind nun mal nicht allwissend und machen gelegentlich Fehler, dies lässt sich nun mal nicht vermeiden. Was die Befürworter der Organspende davon haben, sollte doch eigentlich offensichtlich sein: Je mehr Organspender es gibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein passendes Organ zu finden, wenn man selbst eins braucht.”

    Ich freue mich, dass Ihnen das inzwischen so vorkommt, als hätte es Ihnen von Anfang an offensichtlich vorkommen sollen. Was Sie aber anscheinend noch immer nicht verarbeitet haben, ist die Tatsache, dass man bei Kindern selbst ansetzt, um sie dazu zu bringen, sich bereit zu erklären, sich von ihren Organen zu trennen, weil Organe junger Menschen eine größere Wahrscheinlichkeit haben, im neuen Körper nach einer Transplantation angenommen zu werden, und weil man anscheinend meint, dass diese Tatsache unterschlagen werden muss und dass Erwachsene zu größerer Kritik fähig sind als Kinder, weswegen man Kindern einräumt, eine so bedeutsame Entscheidung selbst zu treffen, während man ihnen kein Wahlrecht gibt, weil man ihnen nicht zutraut, diesbezüglich eine kompetente Entscheidung treffen zu können, Wenn Ihnen das nicht seltsam vorkommt, dann kommt Ihnen vermutlich nichts seltsam vor, was Ihre “Autoritäten” beschließen.

    Und dann:

    “Frau Dr. Diefenbach, niemand behauptet, das Kriterium “Hirntod” für den Tod eines Menschen wäre die “Wahrheit”. Es gibt lediglich den gegenwärtigen Stand des medizinischen Wissens wieder.”

    Wenn Sie das nicht behaupten, müssen Sie zumindest angeben, was für das Kriterium, dem Sie sich anscheinend verpflichtet fühlen, weil Sie meinen, das sei der “gegenwärtige[e] Stand des midizinischen Wissens” sein, spricht. Es genügt nicht, wenn man behauptet, das sei halt “der Stand”, denn erstens mag das IHR Stand des Wissens sein, aber nachweislich nicht der vieler Mediziner, und darüber hinaus muss man die Profession der Mediziner nicht als letztliche Autorität in dieser Frage (oder irgendeiner anderen) akzeptieren. Wenn es so gute Gründe für das von Ihnen favorisierte Kriterium von “Tod” gibt, warum geben Sie sie dann nicht an und versuchen, jemanden mit diesen Gründen zu überzeugen, statt sich auf Leute zurückzuziehen, die für Sie Autoritäten sind und deren Einschätzungen Sie unfähig oder unwillens sind, zu hinterfragen.

    Weiter geht’s mit:

    “Es sind auch nicht die Bürokraten, die in diesem Zusammenhang Rechtssicherheit brauchen, sondern die Ärzte. Diese müssen nämlich eine Entscheidung treffen und sich für diese im Extremfall vor Gericht verantworten.”

    Ärzte brauchen Rechtssicherweil, weil die Bürokraten Ihnen bestimmte Folgen für Ihr Tun in der einen oder anderen Richtung androhen; sie brauchen sie – wie sonst auch niemand – nicht “von Natur aus”. Hier zeigt sich wieder, wie unvorstellbar es Ihnen zu sein scheint, den status quo zu hinterfragen.

    Und:

    “Die Frage, ob eine intensivmedizinische Behandlung abzubrechen ist, stellt sich ja nicht nur bei potentiellen Organspendern. Es ist auch schlichtweg Verschwendung von wertvollen Ressourcen, die Körperfunktionen toter Menschen aufrecht zu erhalten, wenn klar ist, dass keine Aussicht mehr auf Genesung besteht.”

    Ach ja, da sind wir wieder bei der Frage, die Sie sich so konsequent zu beantworten weigern:
    Was ist für Sie das Kriterium von “Genesung”, und welcher Zustand muss erreicht werden, damit Sie jemanden noch ein, sagen wir: Existenz-Recht einräumen? Diese Frage müssen Sie für sich beantworten, gerade weil sich Fragen der Euthanasie noch in vielen anderen Zusammenhängen stellen. Es genügt nicht, sich vor dieser Frage mit dem Verweis auf die Meinung anderer zu drücken, der man bequemerweise und gefahrlosen folgen zu können meint.

    Nach einigen Redundanzen schreiben Sie weiter;

    “Philosophische Korrektheit” unterstelle ich Ihnen übrigens nicht, ich weiß auch gar nicht, was das sein soll.”

    Das ist unlogisch: Wenn Sie nicht wissen, was “philosophische Korrektheit” sein soll, warum haben Sie dann diesen Ausdruck benutzt? Er kommt ja nicht von mir, sondern von IHNEN!

    Und weiter:

    “Dass ein Patient wieder belebt werden kann, setzt voraus, dass er noch nicht tot ist, außer sie verstehen die Formulierung “wieder beleben” wörtlich. Unter “Wiederbelebung” versteht man aber im allgemeinen die Wiederherstellung des Herzkreislaufsystems und nicht die Erweckung der Toten. ”

    Sie scheinen Spaß an Ihrer Unfähigkeit zu haben, in irgendeiner Weise zu zweifeln oder selbst zu denken: Hier steht eben gar nicht zur Debatte, was nach Ihrer Auffassung “im allgemeinen” unter etwas verstanden wird, und außerdem geht es in der ganzen Auseinandersetzung um HIRNtote – nach allgemeiner Definition 🙂 -, nicht um HERZtote; das ist Ihnen im Scheibfluss wohl entgangen. Im übrigen hatten Sie Praktikabilität eingefordert, und insofern ist es nötig, an einem gewissen Punkt Aussagen wörtlich zu nehmen oder sich zu fragen, was genau eine Aussage für die Praxis heisst. Also:. Was genau verstehen Sie denn nun unter “wieder beleben”?

    Dann:

    “Die Kritik von Ihnen beiden fasse ich mal wie folgt zusammen:
    1. Wir wissen noch nicht alles und dürfen daher keine vorschnellen Entscheidung treffen.
    2. Ärzte machen Fehler.
    3. Eine Organtransplantation kann nicht jeden Empfänger retten.”

    Was soll man dazu sagen? Solche Polemik ist, glaube ich, selbstredend und zeigt hinreichend, dass Sie nicht verstehen WOLLEN. Ich fasse meinerseits Ihre Position wie folgt zusammen:

    1. Sie wissen genau, was Tod ist und dass Hirntote immer “richtig” tot sind oder dass das das ist, was Leute sagen, die für Sie “Autoritäten” sind, weswegen Sie es unkritisch übernehmen.
    2. Deswegen kann es kein (medizinischer oder ethischer) Fehler sein, wenn man einen Hirntoten ausschlachtet, oder falls es einer ist, dann ist er halt vernachlässigbar, denn schließlich machen wir alle Fehler, und auf die Wahrheit legen wir keine Wert oder sie ist nicht erreichbar oder passt ohnehin nicht zur eigenen Ideologie.
    3. Eine Organtransplantation ist daher immer “gut”, auch wenn Fehler passieren können und wenn wir uns mit den Folgen für den Für-Hirntot-Erklärten ebenso wie für den Organnehmer nicht auseinandersetzen wollen.

    Schließlich:

    “Nichts davon überzeugt mich.”

    Ja, und?!? Möglicherweise sagt das etwas über Ihre Fähigkeit, sich mit Argumenten anderer Leute auseinanderzusetzen. Z.B. wie schätzen Sie aufgrund der medizinischen Befunde zu den Schwierigkeiten und Risiken der Organtransplantation für die Transplantierten deren Nutzen gegenüber den Risiken der “Für-Hirntot-Erklärten ein”? Wie auf alles andere haben Sie auch hierauf nicht geantwortet.

    Und:
    “Ich bin vollkommen mit Ihnen einer Meinung, dass der Staat nicht einseitig-propagandistisch informieren darf. Ob dies bei der Aktion “Organspende macht Schule” tatsächlich der Fall ist, kann ich nicht beurteilen.”

    Wenn Sie meinen, dies nicht beurteilen zu können (und Sie können es tatsächlich nicht, wenn Sie sich nicht mit Dingen beschäftigen möchten, die Sie bislang anscheinend nicht wussten), warum nehmen Sie dann in diesem blog Stellung, und zwar auf eine Weise, in der Sie auf das verweisen, was für Sie “Autorität” darstellt, also Rechtssätze und geduldige Worte auf Papier, aber gleichermaßen nicht auf empirische Befunde und auf ethische Argumente?

    Was genau war denn Ihr emotionales Anliegen, wenn Sie kein rationalistisches haben?

    Und sind Sie nicht der Meinung, dass, da zumindest Sie nicht beurteilen können, ob das Projekt “Organspende macht Schule” propagandistisch ist, es besser wäre, von solchen Projekten abzusehen? Unter Unsicherheit über die Existenz positiver Effekte sollte man vielleicht vor allem versuchen, negative Folgen zu vermeiden….

  8. Hans Meier says:

    Ich frage mich, welche Motive für die “Ersatzteil-Beschaffung Organspende” vorliegen, ist es die ausreichende Verfügbarkeit, um Erkrankten und Unfallopfern zu helfen
    oder brauchen ältere Menschen “Neuteile”? Deutlicher, wie groß ist die Nachfrage, wie hoch das Angebot, was kosten welche Organe im Handel und wie hoch sind die medizinischen Operationskosten?
    Ist die Einbeziehung von Jungendlichen in die Spenderliga der Ausweisträger eine Aufforderung sich nützlich zu machen, also auch – falls sie des Lebens überdrüssig, ihre Krisen nicht meistern können wollen aber immerhin viel “zum Ausschlachten” hinterlassen können – wie es hier Jemand, demaskierend formulierend auf den Punkt bringt, gewünscht?
    Und das in einem Land, wo Gentechnik als ethisch böse abgelehnt wird, also auch Forschung zur Zellbildung von Organen sich ins Ausland verlagert, weil es als “ein Versündigen an der Natur” betrachtet wird – alles klar ist ist ein nicht so weitreichender Eingriff in die natürliche Genetik, das geht bedenkenlos durch.

  9. payoli says:

    Danke für diesen Deinen ausgezeichneten Artikel!
    Immerhin, Ihr in Detschland müsst mit der Organ- Entnahme einverstanden sein. In Österreich muss man dagegen sein! D.h. ohne dezitierte Verweigerung wird jedermensch hemmungslos ‘ausgeschlachtet’!!
    Transplantation ist für mich einer der verrücktesten Auswüchse unserer Zuvielisation.
    Ärgerlich auch, dass Transplantationen nicht nur von den leicht vermeidbaren Erkrankungs- Ursachen ablenken und einfache Heilung vorgaukeln, dabei aber lebenslange Dauer- Patienten generieren ….
    In diesem Sinne paradise your life ! 😉

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  11. Ich möchte richtig stellen, dass das oben angeführte dritte Zitat nicht von mir stammt. Vielmehr habe ich zwei Professoren aus den USA als Befürworter der Transplantationsmedizin zitiert. Truog und Miller geben als Mediziner zu, dass die Hirntodvereinbarung nicht mehr aufrecht zu erhalten ist und fordern dennoch die Legitimation der Organgewinnung aus dem Körper von sterbenden Patienten. Daher sprechen sie von einem “justified killing”.
    Der gesamte Passus aus meinem Artikel in der Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” lautet:

    Speziell Transplantationsmediziner, die den Diskurs über die anfangs erwähnte Gruppe der non heart-beating donors anführen, verwerfen die Hirntodvereinbarung – allerdings nicht, um das Tötungsverbot, das mit der Organentnahme aus dem Körper eines noch lebenden Menschen überschritten wird, ethisch infrage zu stellen, sondern um es zu enttabuisieren. Mit einem Zirkelschluss fundieren sie die ethische Legitimation der Verwendung von non heart-beating donors mit der seit langem praktizierten Organgewinnung aus dem Körper von hirnsterbenden Patienten. So erklärten der renommierte Professor für Anästhesiologie und medizinische Ethik Robert D. Truog und der Professor für Bioethik Franklin G. Miller im Jahr 2008: “Die Begründung dafür, warum diese Patienten [Hirntote, A.B.] für tot gehalten werden sollen, war nie völlig überzeugend. Die Hirntoddefinition erfordert den kompletten Ausfall aller Funktionen des gesamten Gehirns, dennoch bleiben bei vielen dieser Patienten wesentliche neurologische Funktionen erhalten.”[25] In einem weiteren Artikel postulieren Truog und Miller eine Alternative zur “Tote-Spender-Regel” und fragen, wie es ethisch zu begründen sei, “Organe von hirntoten Patienten zu entnehmen, wenn sie nicht wirklich tot sind”.[26] Sie entbinden die Explantation vom Tötungsverbot und erklären: Es sei nicht ganz falsch, im Zusammenhang der Organgewinnung von einem “justified killing” zu sprechen. Nur würde diese Rhetorik die Transplantationsmedizin kompromittieren. Die “Tote-Spender-Regel” könne jedoch fallengelassen werden, ohne dass Transplantationsmediziner sich eines Verbrechens schuldig machten.[27] Sich daraus ergebende juristische Fragen, bis wann ein Mensch Objekt eines Tötungsdelikts ist, und bis wann er das Grundrecht auf Leben mit all seinen Schutzwirkungen genießt,[28] scheinen unter der Prämisse des aus therapeutischen Gründen gerechtfertigten Tötens hinfällig zu werden. Stattdessen beruht die hiesige Todesvorstellung weiterhin auf der Grundannahme, wie vom Professor für Neurologie Heinz Angstwurm verdeutlicht, dass es sich bei einem Hirntoten um einen “lebenden Zellbestandteil” handelt. Experimente an enthaupteten Tieren dienen als Indizien für diese Todesvorstellung. So sieht Angstwurm den Beweis darin, dass in dem “restlichen Körper” enthaupteter Katzen “intensivmedizinisch der Kreislauf erhalten wurde”.[29]

    Den ganzen Artikel hat die elektronische Zeitschrift “Schattenblick” (Mai 2011) abgedruckt:

    http://www.schattenblick.de/infopool/medizin/fakten/m2et0943.html

    Herzlich
    Anna Bergmann

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