Obdachlosigkeit – Ein “männliches Schicksal”

Ausgangspunkt dieses blog-Beitrags ist eine eMail, die mir ein Leser dieses blogs vor einiger Zeit geschickt hat. Darin berichtet er von einem Schriftwechsel mit der BAG Wohnungslosenhilfe e.V., dessen Ziel für ihn darin bestand, die Angabe der BAG, dass 74% der Obdachlosen männlich und 26% weiblich sind, zu verifizieren. Entsprechend hat er bei der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. nachgefragt – und wie es bei eMail-Wechseln mit Institutionen in Deutschland offensichtlich üblich ist, hat er keine Antwort erhalten.

Ich habe vor dem Hintergrund dieser eMail versucht, Daten zum Thema “Obdachlosigkeit” zu beschaffen, die nicht von der BAG Wohnungslosenhilfe e.V. stammen, um die Daten der Wohnungslosenhilfe unabhängig zu prüfen und etwas Licht in das Dunkel, das  “Obdachlosigkeit” in Deutschland einhüllt, zu bringen. Wie bei vielen wirklichen sozialen Problemen, also sozialen Problemen, die die Lebenschancen von Menschen beeiträchtigen, so gibt es auch bei der Obdachlosigkeit keine bundesweit erhobenen Daten. Das Statistische Bundesamt scheint zu sehr mit Fragen des Gender Pay Gaps beschäftigt zu sein, als dass es sich um das Problem der Obdachlosigkeit kümmern könnte.

Eine Suche nach Veröffentlichungen zum Thema Obdachlosigkeit in den einschlägigen wissenschaftlichen Datenbanken hat  eine überschaubare Menge von Veröffentlichungen zum Ergebnis, die wie so viele Themen, die sich mit sozialen Problemlagen beschäftigen, in den 1970er bis 1990er Jahren klumpen und danach weitgehend verschwinden, denn spätestens Mitte der 1990er Jahre hat der Genderismus die “wissenschaftliche” Forschung aufgezehrt. Seitdem finden sich in wissenschaftlichen Zeitschriften zwar Unmengen von Beiträgen über die angeblichen Nachteile von Frauen, im Beruf, im Privatleben, im Glücklichsein, im Kindererziehen, im Zugang zu Transferleistungen, bei der Hausarbeit, durch Rückenschmerzen, durch die Kosten von in-Vitro Fertilisation, durch Teilzeitarbeit, durch Arbeitslosigkeit, durch Umweltverschmutzung, Klimawandel und Globalsierung als ganzes, aber es finden sich kaum noch Texte, in denen soziale Probleme, die es wirklich gibt, analysiert, beschrieben und – ich wage es kaum zu denken – erklärt werden. Obdachlosigkeit macht hier keine Ausnahme. Und da Obdachlosigkeit zudem ein soziales Problem darstellt, das nach landläufiger Meinung vornehmlich Männer betrifft, kommt es Genderisten in ihrem Frauenbenachteiligungs-Rausch natürlich nicht in den Blick.

Eine Ausnahme von dieser Ignoranz gegenüber einem wirklichen sozialen Problem habe ich ausgerechnet in der Discussion-Paper Reihe des Intstituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg gefunden. Zwei Wissenschaftler der Universität Passau, Alexandra Kröll und Oliver Farhauer, untersuchen unter dem Titel “Examining the Roots of Homelessness” die Ursachen der Obdachlosigkeit, d.h. das, was sie dafür halten. Ihre Forschung begründen sie damit, dass Obdachlosigkeit eine extreme Form der Arbeitslosigkeit sei, die sich negativ auf das physische und psychische Wohlbefinden auswirke und eine vorzeitige Sterblichkeit mit sich bringe. So hätten Studien aus London ergeben, dass die Lebenserwartung Obdachloser (people sleeping rough) um rund 10 Jahre geringer ausfalle als die durchschnittliche Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung. Kröll und Farhauer sind der Ansicht, dass Obdachlosigkeit durch hohe Mietpreise verursacht wird und durch Langzeitarbeitslosigkeit zumindest mitverursacht wird, und testen diese Annahme auf der Grundlage von Daten aus dem Land Nordrhein-Westfalen und auf aggregierter Ebene, d.h. sie ordnen der Anzahl der Obdachlosen pro Verwaltungseinheit, die jeweilige Quote an Langzeitarbeitlosen zu, die entsprechende Anzahl freier Wohnungen und berechnen eine multiple Regression. Das Ergebnis: In Verwaltungsbezirken, in denen der Anteil der Langzeitarbeitslosen (an der Gesamtbevölkerung) hoch und die Anzahl leerstehender Mitewohnungen mit einer Fläche von weniger als 40 Quadratmeter gering ist, ist die Wahrscheinlichkeit, auf Obdachlose zu treffen, höher als in Verwaltungsbezirken, in denen der Anteil der Langzeitarbeitlosen und die Anzahl leerstehender Wohungen gering sind.

Obdachloser Mann

Kröll und Fahrhauer liefern eine robuste Aggregatdatenanalyse, sie liefern jedoch keine Erklärung für Obdachlosigkeit, denn von der Anzahl der leerstehenden Mitwohnungen unter 40 Quadratmeter bzw. dem Anteil Langzeitarbeitsloser bis zur Erklärung der Obdachlosigkeit von Martin F. ist es noch ein weiter Weg. Und, angenommen Männer sind häufiger von Obdachlosigkeit betroffen als Frauen, wieso, so müsste man vor dem Hintergrund der Ergebnisse von Kröll und Fahrhauer fragen, wirkt sich der Wohnungs-Leerstand und die Langzeitarbeitslosigkeit in einem Verwaltungsbezirk vornehmlich auf Männer und kaum auf Frauen aus? Das Diskussionspapier der beiden Autoren wirft somit mehr Fragen auf, als es beantwortet und beantworten kann, denn eine Differenzierung der Obdachlosen nach Geschlecht findet sich im Diskussionspapier nicht. Dies ist auch kein Wunder, denn Daten zur Obdachlosigkeit werden nur sporadisch erhoben, und da wo sie erhoben werden, werden sie zumeist nicht nach Geschlecht differenziert. Eine Ausnahme macht hier das Land Nordrhein-Westfalen, das in  seiner “Integrierten Wohnungsnotfall-Berichterstattung 2011” erstmals eine Aufgliederung nach Geschlecht vorgenommen hat. Ich berichte im Folgenden einige Ergebnisse aus der Berichterstattung, die mir freundlicherweise vom Statistischen Landesamt NRW zur Verfügung gestellt wurden.

Grundlage der Berichterstattung ist eine Erhebung des Landesamts, die  flächendeckend  alle kommunalen Ämter, die für die Versorgung Obdachloser zuständig sind, und alle Freien Träger, die sich um Obdachlose in NRW kümmern, einbezogen hat. Dass die angeschriebenen Ämter und Freien Träger nicht alle geantwortet haben, bedeutet, dass die im folgenden berichteten Daten in der Struktur für NRW aussagekräftig sind, in der Höhe aber zu gering ausfallen.

Im Jahr 2011 waren in NRW 16.448 Personen als obdachlos erfasst, 10.132 durch kommunale Behörden, 6.316 durch Freie Träger. Die folgende Abbildung zeigt die Verteilung der  in NRW gemeldeten Obdachlosen nach Alter und Geschlecht.

Die Abbildung zeigt eindrücklich, dass Obdachlosigkeit ein soziales Problem ist, das vornehmlich Männer und vornehmlich Männer im Alter zwischen 21 und 64 Jahren betrifft. Da Obdachlose, wie die oben berichteten Ergebnisse aus London zeigen (Daly, 1993), eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als die Restbevölkerung ist es nicht verwunderlich, dass Obdachlosigkeit in der Gruppe der über 64jährigen keine große Bedeutung mehr hat. 74,7% der Personen, die im Jahre 2011 in NRW obdachlos waren, sind Männer, 25,3% Frauen. Differenziert man nach Freien Trägern und kommunalen Ämtern, dann beträgt der Anteil der obdachlosen Männer, die durch Freie Träger erfasst werden, 81,8% bei kommunalen Ämter 67,7%. Obdachlose Männer ziehen somit die Unterkunft bei Freien Trägern der Unterkunft bei kommunalen Ämtern vor. Hinzu kommt, dass der Anteil von weiblichen alleinstehenden Obdachlosen mit Kindern und der Anteil von Paaren unter den Obdachlosen, die sich bei kommunalen Ämtern einfinden, deutlich höher ist als der entsprechende Anteil, der bei Freien Trägern Unterkunft sucht, so dass es interessant wäre zu erfahren, wie und wo die entsprechenden Personen durch kommunale Ämter und Freie Träger untergebracht werden. Die entsprechenden Daten liegen jedoch nur für Freie Träger vor. Es zeigt sich, dass die Mehrzahl der Obdachosen bei Bekannten (34,3%), in stationären Einrichtungen (28,3%), in Notunterkünften (9,3%), bei der Familie (7,6%) in ambulant betreuten Wohnungsprojekten (6,7%) oder in einer ungesicherten Ersatzunterkunft (2,2%) Unterschlupf finden.

Grenzt man nunmehr die Betrachtung auf die Obdachlosen ein, die dem öffentlichen Bild eines Obdachlosen entsprechen und entweder in stationären Einrichtungen, Notunterkünften oder ungesicherten Ersatzunterkünften Unterschlupf gefunden haben, dann stehen 1961 Männer (84,5%) 360 Frauen (15,5%) gegenüber, d.h. Obdachlosigkeit im “klassischen Sinne” ist ein soziales Problem, von dem überwiegend Männer betroffen sind, was erklären dürfte, warum das Problem so wenig Aufmerksamkeit in der medialen und politischen Öffentlichkeit findet. Dies führt mich zurück zur Armut der wissenschaftlichen Forschung, die fast schon eine Schande für die sozialwissenschaftliche Zunft ist, die – und ich wiederhole mich – vor Fixierung auf weibliche Geschlechtsteile, die eigentliche Aufgabe von Sozialwissenschaftlern, nämlich die Erforschung, Erklärung und Mitwirkung bei der Behebung wirklicher sozialer Probleme vergisst.

Karl Griese (2000). Obdachlosenasyl. Berlin: Dr. Köster

Eine Ausnahme stellt hier Karl Griese dar, der im Jahr 2000 seine Dissertation veröffentlicht hat, die sich mit den männlichen Insassen eines Obdachlosenasyls beschäftigt. Auf der Grundlage seiner qualitativen Analysen kann man nunmehr die Frage nach der Erklärung für Obdachlosigkeit, also dafür, dass sich vornehmlich Männer keine eigene Wohnung mehr leisten können, angehen. Am Ende seines Buches stellt Griese am Beispiel von 20 Einzelfällen den Weg in die Obdachlosigkeit dar, und in fast jedem der Fälle, steht die Obdachlosigkeit am Ende von Beziehungsproblemen, Scheidungen und den damit einhergehenden finanziellen Unterhaltsverpflichtungen, von Alkoholproblemen, deren Ursache unklar ist, die aber zum Ergebnis haben, dass der entsprechende Obdachlose seine Arbeit verliert und in die Obdachlosigkeit rutscht. Zwei Beispiele mögen hier zur Illustration genügen:

“1974 haben wir geheiratet und bald kam auch unsere Tochter. Dies ist jetzt auch schon 22 oder 23 Jahre alt. Muss also 7 oder 8 Jahre her sein, dass wir uns zuletzt gesehen haben. Meine Frau hatte ja gedacht, sie könnte mich ausnehmen mit Unterhalt, aber das war nichts”.

“Irgendwie hab’ ich das mit dem Tod meiner Eltern nie richtig verkraftet. Bereits als meine Eltern gestorben sind, gab das für mich so einen Knacks und dann hat mich nichts mehr in Kiel gehalten. Damals ging das schon los mit Alkohol. Ich habe aber immer gearbeitet, bis es dann körperlich nicht mehr ging. So 1982 war dann Schluss. Da kam dann auch die Scheidung. Da hab’ ich dann zuerst bei einem Freund gewohnt … jetzt bin ich schon über 10 Jahre hier [im Obdachlosenasyl].

Die Beispiele werfen die Frage danach auf, welche Bedeutung Frauen als Ursache für die Obdachlosigkeit von Männern zukommt, und sie werfen die Frage danach auf, in wie weit institutionelle Regelungen wie Unterhaltsverpflichtungen und Anschlussregelungen an das Scheidungsrecht, die Obdachlosigkeit von Männern zumindest mit verursachen. Beide Fragen, wie so vieles, was derzeit nicht in den politischen Mainstream passt, was nicht politisch korrekt ist, warten derzeit noch darauf, durch wissenschaftliche Forschung wieder-entdeckt und hoffentlich beantwortet zu werden.

Nachtrag

Ein ärgerlicher Fehler findet sich in der Veröffentlichung des Ministeriums Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW. Dort heißt es auf Seite 5: “Der Anteil der Alleinstehenden an allen wohnungslosen Haushalten liegt bei fast drei Viertel (72,4%), darunter waren alleinstehende Männer mit einem Anteil von 57,0% in der überwiegenden Mehrheit”. Die Tabelle, auf die sich die Angaben beziehen, zeigt, dass sich die 57% Männer auf alle Wohnungslosen, die kommunalen Ämter gemeldet sind, beziehen. Die Basis der Prozentuierung ist daher nicht, wie im Zitat behauptet, die Anzahl der Alleinstehenden an allen wohnungslosen Haushalten, die Basis sind alle wohnungslosen Haushalte. Wäre die Anzahl der Alleinstehenden Basis der Prozentuierung, der entsprechende Anteil für Männer betrüge 78,7% und nicht 57%. Solcher Art krude Fehler in einer offiziellen Publikation sind eigentlich nicht erklärlich.

Literatur
Daly, Mary (1993). Abandoned: Profile of Europe’s Homeless People. The Second Report of the European Observatory on Homelessness. Brussels: FEANTSA.
Griese, Karl (2000). Obdachlosenasyl. Beobachtungen in einem Wohnheim für obdachlose Männer. Berlin: Dr. Köster.
Kröll, Alexandra & Farhauer, Oliver (2012). Examining the Roots of Homelessness. The Impact of Regional Housing Market Conditions and the Social Environment on Homelessness in North Rhine-Westphalia Germany.
IAB-Discussion Paper 12/2012.
Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (2012). Integrierte Wohnungsnotfall-Berichterstattung 2011 in Nordrhein-Westfalen. Struktur und Umfang von Wohnungsnotfällen.

Print Friendly

Profile photo of Michael KleinAbout Michael Klein
... concerned with and about science

11 Responses to Obdachlosigkeit – Ein “männliches Schicksal”

  1. jck5000 says:

    Lieber Herr Klein,

    vielen Dank, dass endlich mal einer auf diese himmelschreiende Ungerechtigkeit aufmerksam macht. Wir wissen ja bereits, dass Frauen der Weg in viele Lebensgestaltungsbereiche durch das Patriarchat versperrt ist, aber dass nicht einmal die Obdachlosigkeit eine Möglichkeit ist; dass eine moderne und emanzipierte Frau offenbar nicht einmal in Ruhe und Frieden obdachlos werden kann, das geht ja nun gar nicht. Kann es denn wirklich sein, dass auch nach 50 Jahren Kampf für die GleichberechtigungIch Frauen sogar in solchen Bereichen systematisch diskriminiert werden? Das zeigt ja nur, dass die Gender-Mainstreaming-Bemühungen von Deutschland, der EU und der UN mal wieder auf voller Linie versagt haben.

    Vor diesem Hintergrund bleibt uns nur eines: Wir verstärken wir daher unsere Stimmen gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung gegen Frauen, den konsequenten Kampf gegen patriarchalische Herrschafts- und Denkstrukturen und rückständige Wertevorstellungen, die eine männliche Dominanz in jedem einzelnen sozialen Feld legitimieren. Wir müssen die Politik dazu bringen, auch diese Diskriminierung der Frauen als Mißachtung der Menschenwürde anzuerkennen und Frauen endlich die gleichen Voraussetzungen geben wie Männern, am sozialen und kulturellen Leben ihres Landes teilzunehmen. Beispielsweise dadurch, dass das unsägliche, sexistische Unterhaltsrecht endlich reformiert wird, damit auch Frauen der Weg is die Obdachlosigkeit breit offensteht.

    😉

    (Inspiriert durch das UN-Committee on the Elimination of Discrimination against Women, das Parteiprogramm der Grünen und beliebigem Geschwurbel aus dem Internet)

  2. Hallo Herr Klein. Habe gestern Nacht durch Zufall Nachtcafe von SWR geschaut. Moderator Wieland Backes. Das Thema: Mütter – wie glücklich sind sie wirklich! Die Sendung lief so gegen 1 Uhr a. m. So viel Dummheiten wie in dieser Nacht habe ich kaum gehört. Grausam. Wenn Sie mal Zeit habe anschauen. lg db

  3. wieczorama says:

    Guten Morgen, Herr Klein,
    ein Satz, mit dem sie auch meine Erfahrungen ausdrücken: “und wie es bei eMail-Wechseln mit Institutionen in Deutschland offensichtlich üblich ist, hat er keine Antwort erhalten.” Das Verhalten der Institiutionen haben sich die Sozialfirmen dann wohl abgeschaut und sind sooo sozial, dass sie nicht mal antworten können. – es sei denn mensch gibt sich als Spender aus. Also immer eine Spende in Aussicht stellen. Allerdings habe ich auch schon zwei positive Ausnahmen erlebt.
    -:¦:- -:¦:–:¦:- -:¦:- -:¦:- -:¦:- -:¦:-:¦:- -:¦:–:¦:- -:¦:-
    Die Obdachlosen kann niemand zählen und die obdachlosen Frauen am allerwenigsten, nur wollen das die “offiziellen” nicht einsehen, denn an dem was gezählt wird, orientieren sie sich auch bei der Vergabe und Beantragung von Geldern. Frauen leben häufig in verdeckter Obdachlosigkeit, also in Wohnungslosigkeit was dann der korrekte Fachbegriff wäre. Sie prostituieren sich und kriechen bei irgendeinem Kerl mit in die Einraumwohnung… Auch gibt es eine Menge obdachlose Frauen, die große Angst vor Männern haben und gemischte Einrichtungen nicht aufsuchen, es sei denn dort finden sie vertrauenswürdigen Schutz, z.B. ein Frauenfrühstück das so organisiert wird, dass sie auch unbehelligt von Männern wieder aus der Einrichtung weg gehen können.
    -:¦:- -:¦:–:¦:- -:¦:- -:¦:- -:¦:- -:¦:-:¦:- -:¦:–:¦:- -:¦:-
    Wegen des 2. Bildes
    https://sciencefiles.org/2012/05/homeless_.jpg
    wollte ich mal nach der Quelle fragen, wo es aufgenommen wurde, und ob ich es auch benutzen darf?
    -:¦:- -:¦:–:¦:- -:¦:- -:¦:- -:¦:- -:¦:-:¦:- -:¦:–:¦:- -:¦:-
    Ich wünsche ihnen einen guten Start in eine hoffentl sonniges WE und lasse freundliche Grüße da
    Fr. Wieczorek / Wieczorama (◔‿◔)
    Straßenseiten| Fotoblog | HP

  4. thomas says:

    Auf das Problem, dass sozialwissenschaftliche Forschung zu den Ursachen und Auswirkungen von (gegenwärtiger) Armut irgendwie inexistent ist, bin ich letztens ebenfalls gestoßen, als ich mich für meine Abschlussprüfungen in Dipl.Sozialpädagogik eben auf das (selbstgewählte) Thema Armut vorbereiten wollte. Die aktuellste Literatur zu dem Thema ist von 1998 gewesen (heißt schlicht: “Armut und Soziale Arbeit”). Darin allerdings auch ein Beitrag: “offene Armut ist männlich”, wo allerdings sehr stark psychoanalystisch vorgegangen wird: Männer wählen offene Armut deswegen so häufig, da das offene Ausleben der Obdachlosigkeit und der Armut letztlich dem “männlichen” Selbstbehauptungsbedürfnis diene, insofern man dadurch zeigt, dass man “etwas” noch selbst kann, wie wenig es eben auch sei. Ich finde diese Interpretation etwas gewagt, da die Erniedrigung durch Unmöglichkeit, sich selbst behaupten zu können, Frauen und Männern wohl gleichermaßen ins Fleisch schneiden dürfte, wenn die Konsequenz dieser Nichtselbstbehauptung Obdachlosigkeit heißt; der Beitrag versuchte darauf hinaus, dass es nicht mehr männliche Obdachlose gibt, sondern diese lediglich besser und häufiger sichtbar sind und das dies deswegen so sei, weil Männer eben Männer sind.

    Meine wissenschaftliche Literatur für die Prüfung musste ich mir aus Teilen der Soziologie (R. Castel/K. Dörre) und der Politikwissenschaft (Butterwegge) zusammensuchen, sowie teilweise aus so einer Art populärwissenschaftlicher Erlebnisberichte zusammestellen (“Deutschland dritter Klasse”) nebst dem Reichtums/Armutsbericht der Bundesregierung (dessen neuste Auflage übrigens seit mehr als einem Jahr überfällig ist!!!Ich kann mir fast denken, warum de so verschleppt wird…).
    Das war sehr ernüchternd und es ließ mich auch fragen, was die Sozialwissenschaftler eigentlich die ganze Zeit machen? Armut ist nun nicht erst seit gestern wieder ein aktuelles Thema.

    Insofern teile ich die im Text geäußerte Kritik an den Sozialwissenschaften voll und ganz. Diese Wissenschaften verspielen allmählich ihre Legitimationsgrundlage, nämlich fähig zu sein, den gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustand treffend analysieren und kritisieren zu können. Glaubt man den Sozialwissenschaften, so gibt es im Moment kaum sichtbare Auswirkungen von Neuer Armut (woorking poor), kaum Obdachlosigkeit und überhaupt scheint es ausserhalb von einigen Integrationsproblemen, einem etwas ungünstig organisierten Bildungssystem und dessen Verbesserung durch “frühkindliche Bildung” und “innovative Lenrmethoden” sowie einer teilweise himmelschreienden Benachteiligung von Mädchen und Frauen eigentlich keine Probleme zu geben – denn alles außerhalb dieser Bereiche ist schon fast Orchideengebiet.
    In diesem Sinne ist die Sozialwissenschaftliche Forschung gegenwärtig wohl auch von einer grassierenden Armut betroffen.

  5. sixstringsdown says:

    Ich hatte – man kann dies beim Nachlesen im Archiv ab 2008 nachlesen – bei Wikipedia diese zahlen unter dem Maskulismus – Artikel hinterlegt, als Nachweis für die faktische Existenz vorwiegend männlicher Problemlagen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:M%C3%A4nnerrechtsbewegung/Archiv/2008

    Herr Kemper, Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit, hat dies sofort gelöscht.

    Da ich selbst in diesem Bereich eine empirische Untersuchung zur politischen Partizipation von Wohnungslosen durchgeführt hatte, liegt mir diese Thema immer noch sehr am Herzen.

    Vielen Dank Herr Klein.

  6. Schwietering says:

    Hallo sixstringsdown,
    ich führe gerade eine explorative Studie zur politischen Partizipation von Wohnungslosen in Kassel durch. Dafür habe ich schon einige offene Interviews mit Wohnungslosen geführt und bin gerade dabei, diese auszuwerten. Es wäre für mich sehr interessant, die Ergebnisse Ihrer empirischen Umfrage zu dem Thema zu erfahren. In welcher Stadt haben Sie geforscht? Haben Sie qualitative oder quantitative Interviews geführt, bzw. wie sind Sie vorgegangen? Welche Schlüsse konnten sie aus Ihrer Forschung ziehen? Haben Sie Ihre Ergebnisse veröffentlicht und können mir sagen, wo ich diese einsehen oder erwerben kann? Für mein Projekt sind diese Ergebnisse mit Sicherheit sehr hilfreich, deshalb wäre es schön, wenn Sie mir schreiben würden (gerne auch per Mail: pol.partizipationsprojekt@gmx.de).
    Vielen Dank,
    Schwietering.

  7. snork says:

    Ja, wenn man nur in “wissenschaftlichen Datenbanken” recherchiert, dann entgeht einem schon mal George Orwell – Down and Out in Paris and London von 1933 (!)
    Da wird das schon sehr schön dargelegt, wie das kommt und was das bedeutet, für den obdachlosen Mann.

  8. Pingback: Koblenzer Forscher bringen das Wort “Mann” nicht über sich | Kritische Wissenschaft - critical science

  9. Pingback: Koblenzer Forscher bringen das Wort “Mann” nicht über sich | Journalistenwatch.com

  10. Pingback: Warum Frauen ein Kostenfaktor sind… | maskulinistblog

  11. Pingback: Schönwetter-Gleichheit | Rebellenmenschen

error: Content is protected !!
Profile photo of Michael Klein
Holler Box
Skip to toolbar