Furchtbare Juristen

Furchtbare Juristen, so lautet der Titel eines von Ingo Müller im Jahre 1987 publizierten Buches, in dem er die NS-Vergangenheit von Juristen untersucht, die sich nach dem Ende des tausendjährigen Reiches nahtlos an ihren jeweiligen Positionen in die nunmehr Rechtsprechung der Bonner Republik eingefügt haben. Müller sieht seine Aufgabe vornehmlich darin, die Kontinuität in z.B. Richterämtern – vom Richter unter dem Hakenkreuz zum Richter im Dienste des Grundgesetzes – aufzuzeigen. Die aus meiner Sicht viel spannendere Frage, wie diese Kontinuität individuell so nahtlos hergestellt werden konnte, lässt er leider außen vor.

Der Job von Richtern besteht darin, Recht anzuwenden, Recht, das Ihnen vom „Staat“ vorgegeben wird. Gleichzeitig gibt es die richterliche Unabhängigkeit, die dafür sorgen soll, dass Richter nicht stur den Gesetzestext anwenden, sondern sich als Person einbringen und die Verwantwortung dafür übernehmen, dass sie einen Rechtssatz auf einen konkreten Fall in der Weise anwenden, wie sie das tun. Richter, so kann man mit Kant formulieren, finden sich an der Schnittstelle  zwischen theoretischer und praktischer Vernunft, zwischen dem, was das gesatzte Recht vorgibt und dem, was der konkret zu beurteilende Fall erfordert. Damit wird Rechtsprechung zu einem subjektiven Unterfangen, das, wie dies im Königlich Bayerischen Amtsgericht üblich war, einen Richter erfordert, der den Gesetzestext an den von ihm konkret zu richtenden Fall anpasst – und nicht etwa umgekehrt, den zu beurteilenden Fall in die Worte des Gesetzestextes zwängt. Die Frage, warum Richter sowohl im Verlauf des tausendjährigen Reiches als auch in der Bonner Republik in Amt und Position verharren und ohne Aufmerksamkeit zu erregen, urteilen konnten, ist damit bereits beantwortet: Die entsprechenden Richter haben sich nicht als Person eingebracht, sondern sich als Sprachrohr der staatlich vorgegebenen Rechtssätze inszeniert. Man könnte Sie als moralisches Vakuum beschreiben, das immer genau die rechtlichen Schlüsse aus konkret zu verhandelnden Fällen zieht, die staatlich vorgegeben sind.

Am Freitag, den 28. September 2012 hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz des Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes, Karl-Hans Rothaug, entschieden, dass ein 12jähriges muslimisches Mädchen, das vom „ko-edukativen“ Schwimmunterricht befreit werden wollte, also nicht gemeinsam mit Jungen schwimmen wollte, an diesem Schwimmunterricht teilzunehmen habe und dies, wie im Handelsblatt zu lesen ist, damit begründet, dass man zwischen Religionsfreiheit und staatlichem Bildungsauftrag abwägen müsse. Die Abwägung ist zu Gunsten des staatlichen Bildungsauftrags ausgegangen. Die TAZ weiß zum selben Urteil zu berichten, dass Richter Rothaug zudem konkretisiert habe, dass der staatliche Bildungsauftrag sich auf das Vermitteln sozialer Kompetenz im Umgang mit Andersdenkenden richte, dem sich auch die Schülerin nicht entziehen dürfe. Entsprechend wird im Spiegel berichtet, dass das Erziehungsziel „Integration“ letztlich die Religionsfreiheit einschränke, und schließlich haben alle berichtet, dass der Richter voller Weisheit gesagt habe, die Schülerin müsse den Anblick eines halbnackten Jungenkörpers im Interesse der Integration hinnehmen.

Ich hätte die Aussagen in den verschiedenen Zeitungen gerne geprüft und das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshof gerne gelesen, aber leider ist der Hessische Verwaltungsgerichtshof noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen und leistet sich deshalb nur einen sehr spärlichen Internetauftritt, der sich zudem durch ein hohes Maß an Zurückhaltung (man könnte auch Geheimhaltung sagen) auszeichnet, was dazu führt, dass dem Geschäftsverteilungsplan nicht einmal die Namen von Richtern, die bestimmten „Geschäften“ zugeordnet sind, entnehmbar sind. Man arbeitet wohl lieber umbemerkt und nicht verantwortlich beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof.

Ich bitte die Leser dieses posts sich nunmehr für kurze Zeit von den Inhalten zu lösen, also nicht daran hängenzubleiben, dass es hier um eine muslimische Gymnasiastin geht, sondern mir in einem formalen Punkt zu folgen: Die 7. Kammer des Hessischen Verwaltungsgerichtshof stellt den staatlichen Bildungsauftrag und das sehr spezielle Ziel der Integration über die Religionsfreiheit und somit einen kollektiven Anspruch über individuelle Freiheit. Wer den Sprengstoff, der sich darin befindet, nicht gleich sieht, möge sich überlegen, wie die entsprechenden Richter wohl geurteilt hätten, hätte ein alleinerziehender Professor für Logik seinen Sohn vom Schulbesuch befreien lassen wollen, und dies mit der Indoktrination mit Feminismus, die an deutschen Schulen praktiziert wird, begründet. Wie hätten die Richter wohl die Klage eines evangelischen Priesters entschieden, der seinen Sohn nicht am Aufklärungskurs über sexuellen Missbrauch teilnehmen lassen will? Wie hätten die Richter entschieden, wenn ein katholisches, deutsches Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen will? Wie hätten sie im Falle eines Juden geurteilt, der nach den Rassegesetzen von 1935 aus dem Schuldienst entfernt wurde? Hätten Sie ihn wieder in den Schuldienst übernommen, oder hätten sie das staatliche Recht vor die individuelle Freiheit gesetzt? Hätten sie das Individuum vor ihnen beurteilt oder den Rechtssatz angewendet, der ihnen vorgegeben ist? Die Antworten auf diese Fragen zeigen abermals, warum sich viele Richter so nahtlos in die unterschiedlichsten Rechtssysteme einpassen können.

Nun doch zu den Inhalten: Richter Rothaug behauptet also, dass staatliche Bildung und damit vermittelte Integration wichtiger seien als individuelle Interessen oder in diesem Fall genauer: individuelle Antipathie. Er glaubt also, dass man das klagende Mädchen integrieren kann, indem man es dazu zwingt, gegen seinen Willen am Schwimmunterricht teilzunehmen? Nein, natürlich nicht, denn das wäre eine individuelle Erwägung, und es geht explizit nicht um individuelle Erwägungen, denn ginge es darum, Richter Rothaug wäre sich höchst lächerlich dabei vorgekommen, ausgerechnet Schwimmunterricht in der fünften Klasse als wichtigen Bestandteil des staatlichen Bildungsauftrags und als wesentlichen Bestandteil von Integration auszugeben. Hätte er Recht, dann wären alle Integrationsprobleme durch einmal in der Woche verpflichtendes und gemeinsames Schwimmen, also durch kollektiven Zwang zu lösen.

Aber es geht nicht um individuelle Erwägungen, es geht um das Prinzip, das Prinzip, das staatliche und kollektive Interessen über die Interessen des Einzelnen stellt. Von diesem Prinzip wird in keinem Fall abgewichen. Man fragt sich, was passiert wäre, wenn die Eltern des Mädchens regelmäßig eine Entschuldigung für ihre Tochter ausgefüllt hätten, um ihr die Teilnahme am Schwimmunterricht zu ersparen. Vermutlich wäre weder die Schwimmhalle eingestürzt noch hätte die Helene-Lange Schule in Frankfurt geschlossen werden müssen. Vermutlich hätte die ganze Angelegenheit nicht einmal über das Lehrerzimmer hinaus Aufmerksamkeit erregt. Aber nun, da die ganze Angelegenheit mediales Interesse gefunden hat, nun muss ein Exempel statuiert und der staatliche und kollektive Vorrang vor dem Individuum festgeschrieben werden. Entsprechend gilt in Deutschland: Der Staat hat einen Erziehungsauftrag, dem sich alle Schüler unterzuordnen haben. Und wenn morgen einer mit dem Segen „des Staates“ auf die Idee kommt, die Ideen der Kreationisten in Schulbücher zu schreiben und Darwin als angelsächsisch-neoliberalen Volksfeind zu bezeichnen, dann werden die Richter in Kassel die ersten sein, die das gegen den Naturwissenschaftler durchsetzen, der seinen Sohn aus der Schule nehmen will.

Bleibt zum Abschluss noch ein Meisterwerk von Empathie oder Sympathie zu kommentieren, das, je nachdem ob man mehr  Immanuel Kant oder Adam Smith zuneigt, von Philosophen als Grundlage der menschlichen Kooperation angesehen wird, am besten dokumentiert in Kants Imperativ. Bei den Kassler Richtern nimmt Empathie die folgende Form an: Im Schwimmunterricht wird soziale Kompetenz und Umgang mit Andersdenkenden eingeübt, dem darf sich niemand entziehen – auch keine Andersdenkende. Ich bin mir nicht sicher, ob die Richter den Widerspruch in ihrem eigenen Argument entdecken, wenn man ihn ihnen unter die Nase reibt, aber ich versuche es dennoch: Man kann Andersdenkende nicht dazu zwingen durch Kontakt mit Andersdenkenden anders zu denken, und dies als Einübung von sozialer Kompetenz bezeichnen, jedenfalls dann nicht, wenn man unter sozialer Kompetenz den Respekt vor Andersdenkenden versteht. Und da es nicht möglich ist, durch Disrespekt vor den individuellen Interessen von Andersdenkenden deren Respekt vor dem, was sie als anders ansehen, zu erreichen, sollte man davon Abstand nehmen, Andersdenkende zum Andersdenken zu zwingen.

Gelungene Integration Deutscher im Ausland?

Das, liebe Richter, nennt man Zwang, nicht soziale Kompetenz und das, liebe Richter, ist das Elend, das sich immer dann einstellt, wenn kollektive Ansprüche über die individuelle Freiheit  gestellt werden. Und da es den Staat nicht gibt und kollektive Ansprüche von bestimmten Akteuren, derzeit von Staatsfeministen formuliert werden, ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis wir wieder bei kollektiven Ansprüchen ankommen, unter die sich Individuen ordnen müssen, die schon einmal dagewesen sind. Sicher ist, dass es den Kasseler Richtern nicht auffallen wird, wenn die kollektiven Ansprüche an individuelle Unterordnung noch totalitärer, noch umfassender werden. Sie haben bereits gezeigt, dass ihnen die individuelle Freiheit nichts wert ist, denn, mal ehrlich, wenn bereits aus einer Befreiung vom Schwimmen ein prinzipieller Fall wird, der der Durchsetzung des umfassenden staatlichen Herrschaftsanspruchs über individuelle Schüler dient, dann ist eigentlich kein Fall denkbar, der das Individuum dem staatlichen Zugriff entrinnen sieht – deshalb ist die Bezeichnung „furchtbare Juristen“ auch heute noch (wieder?) verdient.

Women on Corporate Boards – A review

Deutsche Einleitung (German Introduction):
Nicht nur Politiker machen heftig Stimmung für eine Frauenquote in Vorständen, auch die Bücher, die sich um „Women in Boardrooms“ bzw. die Protegierung von Frauen in Aufsichtsräte ranken, schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Das im folgenden von mir rezensierte Buch „Women on Corporate Boards and in Top Management“ ist darüber hinaus das Buch, von dem die Britische Equality and Human Rights Commission, eine Institution, die u.a. der Förderung von Frauen gewidmet ist, sagt, es stelle den Stand der Forschung dar und sei deshalb die Grundlage der Aktivitäten der Equality and Human Rights Commission.

Fagan, Colette, González Menéndez, Maria C. & Gómez Ansón, Silvia (eds.)(2012). Women on Corporate Boards and in Top Management. European Trends and Policy. Basingstoke: Palgrave Macmillan, £46.80

While Viviane Reding the European Union’s Commissioner for Justice (amongst other things) muses about how a quota for women at corporate boards can be made legally binding, the book edited by Fagan, González Menéndez and Gómez Ansón seeks to provide a blueprint about the best way to increase women’s representation on corporate boards. In particular, the volume aims (1) to describe trends of and international differences in women’s representation at board level, (2) to depict different state policies and their influence on women’s representation at board level and it wants (3) to answer the question whether there is a business case which can be made for increasing women’s presence on corporate boards (p.8). These aims are descriptive in essence and, accordingly, it comes as no surprise that the 12 chapters of the book mainly consist of descriptions of legal regulation and women’s shares in the workforce and at corporate boards. Framed by an introductory chapter, a second chapter, which is meant to present the state of the art of research into women’s representation at board level, a third and methodological chapter which addresses rather briefly the problems attached to international comparison (which include mostly problems of semantic equivalence) and a concluding and summarizing chapter readers are – in the eight chapters in between – mainly informed about existing (or non-existing) regulation and women’s shares at board level in eight countries, i.e., Norway, Sweden, Finland, the United Kingdom, France, Spain, Slovenia and Hungary.

Selection of countries is – as the authors reassure us – not arbitrary and alludes to a weak attempt to emulate a most different country design as described by Dogan and Pélassy (1990): “… the eight country case studies included in the study were strategically selected on the basis of their different policy frameworks and trajectories with regards to models of promoting women’s employment and gender equality, with particular reference to different models of Corporate Governance and approaches to increasing women’s representation at board level” (Fagan & González Menéndez, 2012, p.246). This “strategic selection” refers to a rather crude criterion that contrasts countries with legal regulations forcing publicly listed companies to reach certain quotas of women in boardrooms such as Finland, Norway, Italy, France or Spain, with countries such as Slovenia or Hungary in which no legal action to increase women’s representation at corporate boards has been taken. Sweden and the United Kingdom constitute special cases insofar as a threat for introducing legally binding quotas to increase women’s representation has been issued, but quotas have not been introduced so far. Apart from a rather tiring account of numbers differentiated by gender, some of the chapters included in this volume come up with rather interesting results.

Teigen states that while the legal obligation to include 40% of women in boardrooms of Norwegian publicly listed firms showed that the required amount of women were available, they had “to be detected” (p.89). Korvajärvi (p.126) reports for Finland that the main problem and concern with the introduction of a legally binding quota for women in boardrooms has been the issue of competence, and he offers a circular solution to this problem, namely that mandatory inclusion of women in boardrooms will in the end give them the necessary experience which they lacked before entering the boardroom. Gonzáles Menéndez and Martínez González show for Spain what has been shown for Finland and Norway as well: Introduction of legally binding quotas make firms quite desperate to find suitable and able women who can be included on their boards. In Spain, firms had to search “outside the private sector” to find suitable female candidates (p.196).

Although largely ignored in the remainder of the volume, these results show quite clearly that introducing quotas will result in less able women being introduced in boardrooms because the number of capable women suited for a job as board members is insufficient (or to put it in more euphemistic terms, as used in this volume: able women will have to be discovered and drawn from all places in society. A fact which will give Human Resources Managers sleepless nights.). It is here that one has to ask what kind of justice the authors advance. Clearly to promote less able women into board rooms is a gross violation not only of the concept of equity but of meritocracy as well. However, both concepts (I will elaborate on this further) do not bother the authors assembled in this volume. They are only concerned with equal or almost equal shares between groups, with collective figures that socialist planners may find engaging, but enrage and upset all those individuals confronted with the results of such planning.

Bohman, Bygren and Edling (p.107) showed for the Swedish case that threatening legally binding women’s quotas forced Swedish companies to add women to their boards, but they did so by increasing board sizes. Teasdale, Fagan and Shepherd in their chapter about the United Kingdom offer a further aspect of equality which has not been addressed so far, when they report that women’s share in corporate boards varies with their share in the respective work force: “Our analysis of the top 150 public companies in the UK has shown that the representation of women on company boards tends to be greater in sectors where women constitute a sizeable proportion of the workforce” (p.148).

These results, interesting as they are, cannot be found in the conclusion of the volume. Instead the concluding chapter is mainly concerned with the question of how to increase women’s representation at corporate boards and comes to the not unexpected conclusion that “regulations help raise women’s presence at board level” (p.251). Also, it comes as no surprise that “mandatory quotas are generally more effective than voluntary recommendations” (p.251), since throughout the history of mankind it’s been much more effective to force individuals to do what they didn’t want to do, than leave it up to them to decide whether they’d do something they didn’t want to do. More interesting, though, is that in their concluding chapter Fagan and González Menéndez admit that there is no business case for the introduction of women’s quotas, or in their words: “The results from empirical studies are inconclusive about the link between women’s presence at board level and firm performance” (p.255).

This sobering statement is drawn from chapter 2 in which Goméz Ansón reviewed 26 studies that analysed the link between boardroom composition and firm performance. In the absence of clear evidence of a positive relationship between increased representation of women at corporate boards and firm performance, the claim for more female representation rests entirely on the issue of “equality”. Strangely enough, however, issues of justice and equity are not addressed in the volume edited by Fagan, González Menéndez and Gómez Ansón. That unequal shares must be the result of inequality, hence, a sign of injustice and discrimination, is taken for granted, best illustrated in the notion of “underrepresentation of women at corporate boards” (p.2). That the premise of discrimination against women in corporations is put into question by their own results must have escaped the attention of, e.g. Fagan and González Menéndez, which is all the more surprising as Fagan herself contributed an astonishing aspect of equity to the entire discussion by reporting that the share of women in UK boardrooms varies with the share of women in the respective workforce.

It is here that the entire argument of “underrepresentation” disintegrates for the first time: To treat all corporations equally by deploying mandatory quotas violates the principle of equity, because firms whose workforce consists of mainly men will have to introduce a 40% quota of women in their boardroom as will corporations whose workforces are more evenly divided between the sexes. Furthermore, to demand a quota of (say) 40% of women on boards assumes that candidates divide along the same share, i.e. that candidates consist of 40% female and 60% male candidates. However, as Catherine Hakim (2001, 1991) has shown in her research, while (depending on the country) about 10% to 30% of women are devoted to a career, about 40% to 80% hover between family and career, while about 10% to 30% are devoted to family and not to career. Because men have no choice between family and career, the pool of men who are willing to invest in their career and who want to advance in top management positions is bigger than the respective pool of women.

In its very nature the equality argument put forward by proponents of women’s quotas is a collectivist argument that defies equity and brushes aside individual differences. Since you cannot have distributional equality, which is the main aim of quotas and equity at the same time, the entire representation of women argument reveals itself as a gross injustice that tries to implement distributional equality by violating individual equity, by assuming that women and men share not only the same aspirations, by assuming that career input made by women and by men are of equal magnitude and, most importantly, by assuming that devotion to a career, ability and motivation are not influenced by gender. The latter assumption finds its imprint in odd statements that assume diversity, ideas and creativity in boardrooms increase as a mere result of more women being included in boardrooms. This, however, is a crude biological argument that claims women to be more resourceful and creative than men which, given historical evidence, has not much credibility. Finally, equality claims pretend to address women as compared to men. Board quotas, however, will benefit middle class women, not working class women. Consequently, board quotas will increase inequality between middle class women and working class women.

Nevertheless, the premise that underrepresentation must be the result of discrimination against women or a ‘glass ceiling’ in corporations which prevents women from advancing into the higher echelons of management is the foundation of the entire volume. Without this premise, the book becomes meaningless. It is most astonishing, though, that the ‘underrepresentation because of discrimination’ thesis is put forward but not backed up with evidence. This gives the entire volume the distinct smell of a religious catechism which you will tend to believe if you are a feminist. If you are a believer in and worshipper of feminism, the book will show you the extend of “discrimination”. If you are not a believer in feminism the book has nothing to offer. Science in its very essence is distinct from religious beliefs and, therefore, it is not surprising that recent research has proven the belief in widespread discrimination against women in corporations, a ‘glass ceiling’ preventing women from reaching the top of corporations, is wrong (Ochsenfeld, 2012). Nor does it come as a surprise that the collective myth of women being hindered from advancing in corporations is destroyed by referring to individual choices made, in most cases, by women who seek family life rather than board membership.

Epilogue

Markus Piscapore-Caruana, Corporate Communications Officer of the British Equality and Human Rights Commission, recently wrote a letter to Mike Buchanan, Chief Executive of the Campaign for Merit in Business in response to Mike’s Freedom of Information Act request.. One subject of the request was the request for evidence to support claims made by the Equality and Human Rights Commission (EHRC) according to which the introduction of women’s quotas in British listed companies would be a ‘good thing’ to do. Answering Mr. Buchanan’s question about the empirical evidence upon which the EHRC bases that claim, Mr. Piscapore-Caruana wrote: “We would wish to draw your attention to an authoritative new book, Women on Corporate Boards and in Top Management (Palgrave Macmillan, 2012), which was published in May 2012, after our own study by Cranfield University referred to in our previous email. Edited by Professor Colette Fagan of the University of Manchester and two Spanish academics, …, the book provided the most detailed review of the available evidence on the business case for gender diversity of which we are aware”. Mr Piscapore-Caruana goes on to state that this evidence does not prove a positive link and retreats to the position that more research is needed to provide evidence about the existence of a business case for a quota for women.

It is this kind of reasoning that one often encounters when lobbyists and ideologues try to argue their case. Results that are inconclusive at best, which means that they do not prove a positive relationship, are dismissed, and further research is proposed to prove that what has not been found so far is still there. While you can always dismiss evidence at hand and wait for future research to prove the contrary, the claim to do just this would be more convincing if it were accompanied by a suspension of all activity to bring a women’s quota into being. Activists would not want to harm business… or would they? However, while these activists are quick to dismiss evidence that proves their claims to be wrong, they never stop campaigning their cause, which leaves only the conclusion that they go ahead irrespective of empirical evidence, because they are not interested in what is good for business, but what is good for them, they are, to put it economically, interested in rent seeking1 only, rent seeking being defined by Gordon Tulloch as everything that has a “negative social impact” (Tullock, 2005, p.9), which simply means that rent seekers favour their own benefit at the expense of all others. Further proof of this reading of the truth behind the women’s quota movement is provided by the EHRC, a commission that has been established to foster human rights. However, by contrast to most philosophers from Thomas Hobbes to David Hume, and from John Locke to John Stuart Mill, the EHRC sees human rights not as a property owned by an individual. They regard human rights as a property awarded to groups only. Hence, it is not Mrs. Smith that has human rights, but women. Hence, if Mrs. Smith opts for family rather than career she has abandoned the human rights the EHRC strives for. To put it bluntly, the EHRC is a sad caricature of an institution for human rights, rather it is an institution that wants to advance collectivist definitions of how people belonging to groups are expected to live. This in its very nature is a violation of individual freedom of will and therefore the EHRC, while trying to foster human rights assigned to groups, violates human rights owned by individuals.

References
Dogan, Mattéi & Pélassy, Dominique (1990). How to Compare Nations. Strategy in Comparative Politics. Chatham: Chatham House.

Hakim, Catherin (2002) Work-Lifestyle Choices in the 21st Century. Preference Theory. Oxford: Oxford University Press.

Hakim, Catherine (1991). Grateful Slaves and Self-Made Women: Fact and Fantasy in Women’s Work Orientations. European Sociological Review 7(2): 101-121.

Ochsenfeld, Thomas (2012). Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten? Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64(3): 507-534.

Tullock, Gordon (2005). The Rent Seeking Society. Indianapolis: Liberty Fund.

Bildnachweis:
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Die Freiheit stirbt schrittweise

Mike Buchanan’s Dictionary of Quotations for right-minded people ist eine unschätzbare Quelle, wenn es um Zitate geht. Und weil ich dieses Mal zu träge war, Milton Friedman’s Capitalism and Freedom in die Hand zu nehmen und nach den Stellen zu suchen, die (Aspekte) der Bedeutung von Kapitalismus und unternehmerischer Freiheit für gesellschaftlichen Wohlstand besonders hervorheben, habe ich dieses unschätzbare Werk statt dessen in die Hand genommen:

  • „A society that puts equality – in the sense of equality of outcome – ahead of freedom will end up with neither equality nor freedom.“
  • „There is no place for government to prohibit consumers from buying products the effect of which will be to harm themselves.“
  • „The government solution to a problem is usually as bad as the problem“.
  • „Everywhere, and at all times, economic progress has meant far more to the poor than to the rich.“

Friedman Quotes in Buchanan, 2010. pp.143-144

Die Zitate sind hervorragender Ausdruck dessen, was man ein individualistisches Konzept von Freiheit, eine liberale Grundeinstellung nennen könnte. Diese Grundeinstellung kennt keine staatlichen Eingriffe in die individuelle Handlungsfreiheit, die die individuelle Selbstbestimmung über das zum Schutz von Eigentum und individueller Freiheit notwendige Maß hinaus beeinträchtigen. Sie kennt entsprechend keine staatlichen Eingriffe, die es es Menschen versagen, sich selbst zu töten, wenn ihnen danach ist, die es Menschen versagen, Nahrungsmittel zu sich zu nehmen und Verhaltensweisen zu zeigen, die sie selbst, nicht aber andere schädigen. Liberale haben für alle individuellen Handlungsweisen Verständnis, solange dadurch nicht Dritte in Mitleidenschaft gezogen werden. Dies unterscheidet Liberale von Verfechtern eines Staatsinterventionismus, deren vornehmliches Ziel darin besteht, Freiheit, wo immer sie sie antreffen mit Verweis auf einen eingebildesten Wert wie „Solidarität“ oder besonders beliebt, dem Schutz der Geschützen vor sich selbst, zu beschränken. Sei es die individuelle Freiheit , ungesund zu leben, sei es die Freiheit, einem Arbeitnehmer zu kündigen, weil einem dessen Nase nicht passt, sei es die Freiheit, auf Märkten alle Waren unbeeinträchtigt von staatlichen Vorgaben, Zöllen oder sonstigen Versuchen, freien Tausch zu unterbinden, zu handeln.

Die Beschreibung klingt wie eine Utopie in einer Zeit, in der der Ruf nach dem Staat und seinem vermeintlich wohlmeinenden Eingriff, zuerst in die Geldbörsen der Erwerbstätigen und dann in Form von welcher umverteilenden Hilfestellung auch immer, ein täglicher Begleiter ist. Von religiösen Praktiken, über Essgewohnheiten, Verpackungsaufschriften, Bananenkrümmung, über die Arbeitssicherheit, die Art des Zusammenlebens, die Zusammensetzung von Aufsichtsräten, den Einbau einer Rollstuhlfahrerrampe, die Anzahl der Zahnarztbesuche pro Jahr, bis hin zum korrekten Rentenalter und der Höhe der Nebenverdienste reicht die Zahl staatlicher Gängelungen, die Freiheit Schritt für Schritt einschränken und damit, mit der Freiheit, den Lebensnerv von Gesellschaften zerstören. Es ist dieser Lebensnerv in Form von vor allem unternehmerischer Freiheit, der für die Prosperität von Gesellschaften verantwortlich ist, denn so sehr sich sozialistische Gängelungsgesellschaften auch immer bemüht haben, außer ein paar „Helden der Arbeit“, haben sie nie sozialistische Idealbürger herbei züchten können, die dauerhaft für andere malochen ohne selbst dabei einen bemerkbaren Vorteil für sich erwirtschaften zu können.

Trotz aller historischen Belege für das Gegenteil, ist der Ruf nach dem Staat, die Hoffnung, durch staatliche Regelung, was auch immer zu richten, seit der Finanzkrise immer lauter geworden. Auch wenn sich Staaten und die Politiker an ihrer Spitze als noch so unfähig erweisen, eine wirtschaftliche Miniaturkrise, wie die Griechenland(-Portugal-Spanien)-Krise dauerhaft zu lösen, ist die Hoffnung in den guten Papa oder besser die gute Mama „Staat“ ungebrochen. Und weil der moderne Feind wieder aus Bonzen besteht, die in der Imagination der entsprechenden Aktivisten, Arbeitnehmer ausnutzen, Zigarren rauchen, Steuern hinterziehen, Solidarität verweigern und im Gegensatz zu den Aktivisten nur ihren eigenen Vorteil suchen, steht auch der Staatssozialismus, die Regulierung und Einengung von Wirtschaftsmärkten wieder ganz hoch im Kurs. Und dies, obwohl ein freier Markt die einzige Gewähr dafür ist, dass Wohlstand und Prosperität auch oder gerade die „Armen“ einer Gesellschaft erreicht, und obwohl es kaum mehr zählbare Beiträge darüber gibt, dass immer dann, wenn Staaten das Geschäft der Regulation übernehmen, Günstlinge wie die Pilze aus dem Boden schießen und versuchen, sich ihren Teil am Kuchen zu sichern, sich politische Gefallen zu kaufen, zuweilen Subventionen genannt.

Davon abgesehen gibt es ein einfaches logisches Argument gegen Planung, das vor allem in der Neuen Institutionen Ökonomie seit Jahrzehnten in allen möglichen Zusammenhängen belegt wird. Niemand, der eine Entscheidung trifft, kann alle Folgen seiner Entscheidung berücksichtigen (sonst wäre nämlich die Zukunft bekannt, was sie nicht ist). Ergo wird mit jeder Entscheidung (hoffentlich) das erstrebte Ziel erreicht, und es werden eine ganze Reihe unbeabsichtigter Folgen produziert – mache problemlos, manche nicht und daher regelungsbedürftig. Dies sichert nicht nur Juristen und Bürokraten aller Art eine ständig fließende Einnahmequelle, es führt auch dazu, dass die ursprüngliche Regelung eine ganze Reihe von weiteren Regelungen, um der unbeabsichtigen Folgen Herr zu werden, nach sich zieht, und ehe man es sich versieht, sieht man sich einem Regelungsmonster wie dem Sozialgesetzbuch gegenüber, von dem bereits vor nunmehr rund 10 Jahren der damalige Richter am Landgericht Leipzig Manfred Ommeln entnervt festgestellt hat, dass es aus einer Vielzahl von Verweisen auf nicht oder nicht mehr vorhandene Paragraphen bestehe und dass es nicht möglich sei, das Flickschusterwerk auch nur ansatzweise zu überschauen (Das war wohlgemerkt vor 10 Jahren). Und wenn Regelungen nicht mehr klar sind, versiegt individuelle Handlungsbegeisterung, denn man weiß ja nicht, welche gesetzlichen Folgen ein gewiefter Anwalt aus einem kaum mehr verständlichen Gesetzeswerk herausquetscht. Regelungen sind also der Tod der Privatinitiative, und wenn die Regelungen die wirtschatfliche Freiheit einschränken, dann sind sie auch der Tod des Wohlstands, denn Wohlstand lebt von unternehmerischer Initiative und unternehmerische Initiative lebt von unternehmerischer Fraiheit, davon, dass sie möglich ist.  Wie der neue Bericht „Economic Freedom of the World“ des Frazer Instituts belegt, ist die unternehmerische Freiheit in westlichen Staaten im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen auf dem Rückzug.

Deutschland belegt unter 144 untersuchten Nationen und mit Blick auf die den Gesamtindex „unternehmerische Freiheit“ noch Platz 31 ist aber mit Blick auf Teilbereiche, aus denen sich der Gesamtindex zusammensetzt, auf dem absteigenden Ast. Dies trifft insbesondere auf die seit 2003 wieder zunehmende Reglementierung von Arbeitsmärkten und Unternehmen zu. Zudem wachsen seit 2000 nicht nur die Staatsschulden, sondern auch die Staatsausgaben kontinuierlich an, so dass sich Deutschland im Teilbereich Staatsausgaben auf Platz 111 unter 144 Nationen und bei Arbeitsmarktegulationen auf Platz 112 wiederfindet. Das Ranking im Bereich Arbeitsmarktregulation setzt sich dabei u.a. aus (1) Regulation zu Kündigung, (2) Gewerkschaftsmacht und (3) Arbeitszeitbestimmungen zusammen und berücksichtigt somit im Wesentlichen die Variablen, die nach einhelliger Meinung von Ökonomen für das Vorhandensein von Arbeitslosigkeit und von Friktionen auf dem Arbeitsmarkt verantwortlich sind (z.B.: Blanchard, 2006, Nickell 1997, Nickell & Layard, 1999).

Unter der Überschrift „Staatsausgaben“ berücksichtigt der Bericht neben den Kosten von Regierung, die Höhe von Transfergeldern und Subventionen, die Größe und Anzahl staatlicher Unternehmen sowie die Top-Steuerrate für Einkommen und Arbeitsentgelte. Bereits heute, so zeigt die Analyse des Frazer-Instituts, findet sich Deutschland in der zweiten Hälfte der 144 untersuchten Länder (Z.B. findet sich Deutschland (Rang 111) bei den Staatsausgaben deutlich hinter der Schweiz (Rang 31) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (Rang 22), während sich Deutschland (Rand 112) bei der Arbeitsregulation in der Gesellschaft von Portugal (rRang 124), Senegal (Rang 129) und Togo (Rang 136) befindet) . Bereits jetzt ist der Exportkönig Deutschland was Staatsausgaben und die Arbeitsmarktregulationen angeht, international nicht konkurrenzfähig, und bereits heute geht viel Wohlstand durch die damit einhergehende Einschränkung unternehmerischer Freiheit verloren. Was damit auch verloren geht, zeigen die folgenden Abbildungen, die eine Reihe von Zusammenhängen abbilden, die eigentlich alle Fragen darüber, ob Sozialismus und die Einengung unternehmerischer Freiheit ein sinnvoll zu begehender Weg ist, beantworten sollten, denn:

  • Mit dem Ausmaß unternehmerischer Freiheit steigt das Durchschnitts-Einkommen.
  • Mit dem Ausmaß unternehmerischer Freiheit steigt das wirtschatfliche Wachstum
  • Mit dem Ausmaß unternehmerischer Freiheit steigt das Einkommen der ärmsten 10% einer Gesellschaft.
  • Mit dem Ausmaß unternehmerischer Freiheit steigt die Lebenserwartung.

Vielleicht sollte ich diese Abbildung als Wandposter zu Viviane Reding und anderen Kommissaren der EU schicken, damit sie es sich an die Wand hängen können und ab sofort nicht mehr so erstaunt tun können, wenn sie feststellen, dass die Wirtschaftskraft der EU durch Regulationen nicht erhöht wird, nicht zu vergessen die vielen Regulationsbegeisterten in Deutschland.

Literatur

Blanchard, Olivier (2006). European Unemployment: the Evolution of Facts and Ideas. Economic Policy (January): 5-59.

Gwartney, James, Lawson, Robert & Hall, Joshua (2012). Economic Freedom of the World 2012 – Annual Report . Vancouver: Frazer Institute.

Nickell, Stephen (1997). Unemployment and Labor Market Rigidities: Europe Versus North America. Journal of Economic Perspectives 11(3): 55-74.

Nickell, Stephen & Layard, Richard (1999). Labour Market Institutions and Economic Performance. In: Ashenfelter, Orley & Card, David (eds.): Handbook of Labour Economics. Amsterdam: North Holland, pp.23-98

Der Bundesrat im Geschlechtstaumel: Mittelschichtsfrauen sollen die Wirtschaft retten

Nun ist es also soweit. In seiner Sitzung vom 21. September hat der Bundesrat einen Gesetzesantrag beschlossen, dessen Ziel darin besteht, Unternehmen in der Wahl ihrer Aufsichtsratsmitglieder einzuengen, und sie zu zwingen, eine Frauenquote von zunächst 20% und später 40% einzuhalten, die den Ländervertretern im Bundesrat opportun erscheint (Wieso eigentlich 40%, wenn das Ziel Gleichberechtigung ist, wissen die Mitglieder des Bundesrates nicht, was „gleich“ bedeutet oder geht es gar nicht um Gleichberechtigung, sondern um rent seeking?). Der Vorstoß der Länder ist von langer Hand vorbereitet und hat in einem Gesetzesantrag von insgesamt 89 Seiten, in dem vor allem rechtliche Aspekte der neuen Regelung behandelt werden, seinen Niederschlag gefunden. Um den Antrag umzusetzen, ist es u.a. notwendig, das Aktiengesetz zu ändern (, um die Quoten zwingend zu machen), das Handelsgesetzbuch zu ändern (, um Unternehmen zu zwingen, die Geschlechtsverteilung auf Führungsposten im so genannten Lagebericht zu veröffentlichen), und es ist notwendig, das Körperschaftssteuergesetz zu ändern (, um Unternehmen, die die Quote nicht erfüllen, was durch den Lagebericht deutlich wird, dadurch zu strafen, dass Aufsichtsratsvergütungen nicht mehr steuerlich begünstigt werden und abgesetzt werden können).

Interessant an dem Gesetzentwurf ist für mich vor allem zweierlei: (1) die Begründung der Frauenquote erfolgt ausschließlich kollektiv. Die Vertreter der Länder im Bundesrat können sich offensichtlich nicht vorstellen, dass Individuen, also einzelne Frauen, und nicht Gruppen, also alle Frauen, Entscheidungen treffen, und (2) die darauf aufbauende und völlig an wissenschaftlichen Ergebnissen vorbeigehende Phantasterei darüber, was der Nutzen einer Frauenquote wäre und woran es liegen könnte, dass in deutschen Aufsichtsräten derzeit knapp 10% und nicht 40% Frauen sitzen. Besonders interessant ist hier die staatlich sanktionierte Verschwörungstheorie, die „group of middle-aged, business suit wearing men“, die Viviane Reding so gerne bemüht, wenn es darum geht, die Tatsache, dass eine Gruppe mittel- bis ziemlich alter Frauen im Kostüm versucht, eine Frauenquote für Mittelschichtsfrauen durchzusetzen und dabei so zu zun, als käme die Frauenquote allen Frauen zu Gute und nicht nur ihresgleichen.

Doch im Einzelnen.

Kollektive Begründung der Frauenquote

Bereits in der Einleitung des Gesetzesantrags der Freien und Hansestadt Hamburg (als könnte eine Stadt einen Gesetzesantrag formulieren) heißt es: „Der Anteil weiblicher Führungskräfte in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft ist gering: er liegt in Aufsichtsräten bei etwas mehr als einem Zehntel. Damit widerspricht die Rechtswirklichkeit dem in Artikel 3 Absatz 2 Satz 1 GG niedergelegten Gleichheitsgrundsatz von Frauen und Männern in eklatanter Weise“.

Bereits in der Einführung lernen wir dreierlei: (1) Wer auch immer diese Einleitung geschrieben hat, ist der Meinung, dass es weibliche Führungskräfte auch außerhalb von Spitzenpositionen gibt, was die Frage aufwirft, warum man dann weibliche Führungskräfte in Spitzenpositionen quotieren muss. (2) Wer auch immer diese Einleitung geschrieben hat, kann oder will nicht zwischen Chancengleichheit und Ergebnisgleichheit unterscheiden (, was erstaunlich ist, denn das entworfene Gesetz trägt den Titel „Gesetz zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern in Führungsgremien“ Man fragt sich also, ist hier Unfähigkeit oder Hinterlist am Werk). Das Grundgesetz regelt Chancengleichheit z.B. im Zugang zu Bildung, es regelt keine Ergebnisgleichheit, denn dies käme der Forderung gleich, dass alle Schüler die Schule mit Abitur und Note 1 verlassen müssen. Die Väter (!sic) des Grundgesetzes waren sich noch über die Unsinnigkeit einer solchen Forderung im Klaren, die Ländervertreter im Bundesrat sind sich der Unsinnigkeit ihrer eigenen Prämissen offensichtlich nicht bewusst. (3) Ein weiteres Problem mit Ergebnisgleichheit besteht darin, dass man notwendig über die Entscheidungen von Individuen hinweggehen muss, wenn man sie quotiert. Wer also sagt, dass Frauen 40% der Aufsichtsratsmitglieder ausmachen müssen, geht von einer Interessengleichheit bei Frauen aus, deren individueller Entscheidungsrahmen ist schlicht nicht vorhanden, denn, nach Ansicht der Ländervertreter gibt es nichts Erstrebenswerteres als die Mitgliedschaft in einem Aufsichtsrat für Frauen. Wie gut, dass die Ländervertreter so genau wissen, was andere wollen, und was für andere gut ist. Und dass sie so bar jeglichen Zweifels über ihr Wissen sind, zeichnet sie insbesondere als dogmatische Geister aus, die sich eben nicht vorstellen können, dass jemand etwas anderes wollen und attraktiv finden könnte als sie selbst.

Dabei hätten die Ländervertreter durchaus zu einem anderen Schluss kommen können, wenn sie gelesen hätten, was da auf den 89 Seiten steht, die sie gerade verabschiedet haben, was sie natürlich nicht haben, denn Politiker müssen schon entscheiden, sie können entsprechend nicht lesen und sich eine Entscheidungsbasis beschaffen. Z.B. wundert sich der Schreiber des Gesetzesentwurfs auf Seite 19, dass die Anzahl der Hochschulabsolventinnen deutlich über dem Anteil weiblicher Aufsichtsräte liegt. Wäre der Schreiber nun ein Individualist, der Achtung vor den Entscheidungen von Menschen hat, er würde sich fragen, ob viele der „Hochschulabsolventinnen“ vielleicht gar nicht in Aufsichtsräte gelangen wollen. Und wenn er diesen Gedanken geformt hätte, würde er vielleicht auf die Idee kommen, die betroffenen Frauen zu fragen, warum sie nicht in Aufsichtsräte gelangen wollen.
Interessanter Weise gibt es in Deutschland keine einzige quantitative Studie, die durchgeführt wurde, um die Motive von Hochschulabsolventen zu untersuchen, ihre beruflichen Aspirationen zu messen und die entsprechenden Aspirationen von männlichen und weiblichen Hochschulabsolventen zu vergleichen. Wer entsprechende Forschung sucht, muss ins Vereinigte Königreich blicken und lernt aus den Untersuchungen, die vor allem Catherine Hakim vorgenommen hat, dass rund 30% der Frauen die Familie der Karriere vorziehen, während 40% nicht wissen, ob sie lieber Familie oder Beruf den Vorrang geben sollen. Ledigliche 30% der von Hakim untersuchten Frauen waren bedingungslos auf eine Karriere ausgerichtet. Der Pool der weiblichen Führungskräfte ist somit um zwei Drittel kleiner als der entsprechende Pool, aus dem männliche Führungskräfte rekrutiert werden können. Eine Quote von 40% bedeutet entsprechend, dass Frauen eine dreimal so hohe Chance in eine Führungspositionen zu gelangen haben, als Männer. Gleichberechtigung made by Bundesrat.

Anstelle einer Suche nach den Ursachen der geringen Beteiligung von Frauen in Aufsichtsräten, die Frauen als vollwertige Entscheidungsträger und Verantwortliche für ihre Lebensentscheidungen annimmt, entmündigen die Quoteneiferer Frauen lieber, sehen in ihnen hilflose Wesen, die dabei zusehen müssen, wie sie durch böswillige Männer, „in einer hauptsächlich von Männern geprägten Unternehmenskultur“ (20) aus ideologischen Gründen am Aufstieg behindert werden. Diese unsinnige Behauptung einer „gläsernen Decke“ wurde zum einen gerade von Fabian Ochsenfeld widerlegt, zum anderen zeigt diese unsinnige Behauptung, dass diejenigen, die sie aufstellen, auch nicht die Spur einer Ahnung von Unternehmensprozessen haben.
Liebe Bundesratler, es mag ihnen unvorstellbar sein, aber zwischen Unternehmen herrscht Konkurrenz, Konkurrenz nicht nur um Marktanteile, sondern Konkurrenz um fähige Mitarbeiter, ja, so etwas gibt es, Mitarbeiter, die sich aufgrund ihres Humankapitals als besonders wertvoll erwiesen haben. Unternehmemn haben heute das Problem, dass Kopfjäger Führungskräfte „wildern (poaching)“, d.h. nicht das von Bundesratlern phantaisierte Verhindern des Aufstiegs fähiger Mitarbeiter ist Hauptanliegen der meisten Unternehmen, sondern das Halten, das Verhindern der Abwanderung der entsprechenden Mitarbeiter. Es ist nur bei Politikern so, dass man sie nicht wieder los wird. In der Wirtschaft sind fähige Mitarbeiter unabhängig von ihrem Geschlecht gesucht und entsprechend unsinnig erscheint die Argumentation der „Outsider“ aus dem Bundesrat.

Die Behauptung, nach der „weibliche Führungskräfte … Anreize schaffen“ (20) nämlich dafür, dass Hochschulabsolventinnen verstärkt nach Führungspositionen streben, hat einen so langen Bart und ist schon so oft als falsch erwiesen worden, dass ich nur auf das logische Problem hinweisen will, das in der Annahme besteht, alle teilten die Homo-Geschlechtsteilfixierung, die die Mitglieder des Bundesrats auszeichnet. Es soll Frauen geben, die Männer toll finden und umgekehrt (Ich finde z.B. Dr. habil. Heike Diefenbach toll und hoffe, umgekehrt ist das auch so…). Im Übrigen würde ich die Behauptung aufstellen, dass der gestiegende Frauenanteil unter deutschen Politikern einen erheblichen Einfluss auf die Politikmüdigkeit in Deutschland hat und dass Scharen junger Frauen den Jugendorganisationen von Parteien zulaufen würden, wird durch die Entwicklung der Mitgliederzahlen auch nicht bestätigt.

Phantastereien über den Nutzen einer Frauenquote

Am meisten ärgert mich der Sermon über die wissenschaftlichen Studien (20), die gezeigt haben sollen, wie vorteilhaft sich eine Frauenquote auswirken soll. Keine der angeblichen Studien hat eine Kausalität zwischen Frauenanteil und finanzieller Entwicklung oder Performanz der Unternehmen gemessen. Die meisten Studien sind unterirdisch schlecht. Das neueste Machwerk in dieser Tradition, eine „Studie“ von Credit Suisse versucht z.B. mit Balken- und Liniendiagrammen einen Zusammenhang nachzuweisen. Das mag Politiker beeindrucken, auf jemanden, der sich mit Statistik und Datenanalyse auskennt, wirkt ein solcher Beitrag eher peinlich.

Die einzige, wirlich die einzige Studie, die eine Kausalität messen konnte, weil die Autoren, Kenneth Ahern und Amy Dittmar, sich die Situation eines quasi-natürlichen Experiments in Norwegen nach Einführung der Zwangsquote zu nutze machen konnten, kommt zu verheerenden Ergebnissen: Die Qualität der Entscheidungen, die in Aufsichtsräten getroffen werden, ist nach Einführung der Zwangsquote dramatisch gesunken und als Folge sind Markt- und Buchwert in gleicher Weise eingebrochen, ersterer durch einen Vertrauensverlust bei Investoren, der durch die Entwicklung von zweiterem angetrieben wurde, denn der Marktwert ist gesunken, weil schlecht informierte Investitionsentscheidungen die Schulden erhöht und den Gewinn reduziert haben. Wer vor diesem Hintergrund noch behauptet, eine Frauenquote hätte eine positive Auswirkung auf die Entwicklung eines Unternemens, der sollte sich in institutionelle Betreuung begeben.

Eine neue Behauptung findet sich auch im Gesetzentwurf: Die Frauenquote entfaltet ihre angeblichen Wohltaten durch eine „höhere Meinungsvielfalt“ (20). Ja, das ist wirklich ein neues Argument, aber wie ein zerstrittener Aufsichtsrat sich positiv auf die Unternehmensentwicklung auswirken soll, ist mir nicht nachvollziehbar. Aber bestimmt kennen die Bundesratsmitglieder eine Vielzahl von Studien, die das belegen und können die Studien aus dem ff zitieren.

Nachdem ich den Gesetzentwurf des Bundesrates gelesen habe, schwanke ich zwischen zwei Erklärungen für das Zustandekommen dieses Entwurfes: Entweder, diejenigen, die ihn zu verantworten haben, sind Opfer struktureller Defizite, die es ihnen erlaubt haben, in politische Toppositionen aufzusteigen, ohne dafür die geistige Ausrüstung mitzubringen, oder es sind hemmungs- und gewissenlose Lobbyisten, die Frauen aus der Mittelschicht ohne Rücksicht auf Verluste einen Vorteil gegenüber dem Rest der Gesellschaft verschaffen wollen. Ich weiß nicht, welche Erklärung zutrifft und entsprechend will ich diesen post mit einer Forderung schließen, deren Umsetzung als Test dafür angesehen werden kann, welche der beiden Erklärungen nun zutrifft: Ich fordere eine Intelligenzquote für Bundesratsmitglieder, mindestens 40% der Bundesratsmitglieder müssen in einem Intelligenztest mehr als 100 Punkte erreichen.

Wissenschaftliche Lauterkeit? Was ist das? – Eine Bestandsaufnahme (einiger) deutscher Sozialwissenschaftler

Nicht zuletzt durch das im letzten post besprochene (Mach-)Werk von Brake und Büchner und die darin enthaltene Fehlrezeption unseres Beitrags „Bringing Boys Back In“ ist die Aufmerksamkeit von Dr. habil. Heike Diefenbach und von mir wieder auf eben diese Rezeption gerichtet worden. Während Dr. Diefenbach sich gerade thematisch mit den Nachteilen von Jungen im deutschen Bildungssystem auseinandersetzt und entsprechend nicht anders kann, als mit den Fehlrezeptionen konfrontiert zu werden, habe ich mich absichtlich und voller schlechter Vorahnung in die Welt von Google Scholar begeben, und einen ersten Sample von Fehlrezeptionen zu ziehen. Wir werden die highlights der deutschen Wissenschafts-Garde hier in einem regelmäßig ergänzten Tread auflisten und die „Wissenschaftler“, die denken, sie könnten unseren Artikel beurteilen, ohne ihn  überhaupt zu kennen, namentlich hier nennen. Zudem werden wir im weiteren Verlauf von Wissenschaftlerinnen berichten, die auf Drängen von Dr. habil. Heike Diefenbach nicht anders konnten als ein Erratum zu ihren Publikationen zu veröffentlichen, in dem sie ihre falsche Rezeption eines Textes, den sie offensichtlich gar nicht kannten, richtig stellen mussten.

Ein guter Anfang für den Gang durch die Niederungen unwissenschaftlichen Arbeitens und die Fakultäten und Instituten, an denen Positionsinhaber sitzen, denen Konzepte wie wissenschaftliche Lauterkeit gänzlich unbekannt sind, ist das (Mach-)werk von Brake und Büchner, in der unser Artikel falsch datiert und eben einmal in das Jahr 2001 vorverlegt wird. JCK5000, Kommentator in diesem blog, hat diese Fehldatierung zum Anlass genommen, um uns auf den Beitrag von Jürgen Budde „Interaktion im Klassenzimmer“ aufmerksam zu machen, in dem ebenfalls die Behauptung verbreitet wird, wir hätten „Bringing Boys Back In“ 2001 veröffentlicht (und noch mehr, aber dazu gleich). Da diese Fehldatierung ein guter Indikator für Personen ist, die uns zwar zitieren wollen, aber zu keinem Zeitpunkt ihre Nase in unseren Text gesteckt haben, habe ich mich auf den Weg gemacht, um die Verbreitung dieses Irrtums zu kartographieren. Hier nun das Ergebnis.

  • Die Geschichte dieser Fehlrezeption beginnt mit Waltraud Cornelißen aus dem DJI (Deutsches Jugendinstitut), die im Jahre 2004 in ihrer Funktion als Privatdozent in der Abteilung „Geschlechterforschung und Frauenpolitik“ am Deutschen Jugendinstitut ein kurzes Papier veröffentlicht hat, in dem Sie sich mit unserem Artikel auseinander zu setzen versucht und uns unter anderem Folgendes unterschieben will: „Den Ursachen für dieses schlechtere Abschneiden von Jungen wird nachzugehen sein. Erste Hypothesen hierzu stehen im Raum. So vermuten Diefenbach und Klein, dass die Feminisierung des Lehrerberufs Jungen Nachteile bei der Bewertung ihrer Leistungen und bei der Einschätzung ihrer Leistungsentwicklung bringt…. (Diefenbach/Klein 2001)“. Ja. Damit wäre die Quelle Fehldatierung und der Behauptung, wir würden die Feminisierung des Lehrerberufs, der Schule oder der Bildung beklagen, gefunden. Dumm nur, dass wir in unserem Artikel das Wort Feminisierung weder als Nomen noch seinen Wortstamm „Feminin…“ in irgend einem Zusammenhang benutzen. Wir haben auch keine Feminisierung, also keinen Prozess, beschrieben, sondern für einen Zeitpunkt einen Zusammenhang zwischen einem geringeren Anteil männlicher Grundschullehrer und einem schlechteren schulischen Abschneiden von Jungen gezeigt. Übrigens gibt es auch einen Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und einem im Vergleich zu Mädchen höheren Anteil von Jungen mit Hauptschulabschluss und einem im Vergleich zu Mädchen geringeren Anteil von Jungen mit Hochschulreife (Diefenbach/Klein, 2002, S.953). Aber dieser Zusammenhang hat Feministen nie interessiert.
  • Dass die Fehlrezeption unseres Artikels durch Cornelißen kein einmaliges Versehen, sondern darauf zurückzuführen ist, dass Cornelißen unseren Artikel entweder nicht gelesen oder nicht verstanden hat (oder einfach kein geeigneteres Feindbild verfügbar schien), zeigt sich daran, dass sie sieben Jahre später im Jahre 2011 immer noch der Ansicht ist, unser Artikel sei 2001 erschienen und wir sähen in der Femimisierung der Schule, von der wir wie gesagt überhaupt nichts geschrieben haben, eine Ursache für die Leistungsschwäche von Jungen, über die wir aber nicht geforscht haben. Da Cornelißen zumindest 2004 noch gewusst hat, dass wir Schulabschlüsse untersucht haben, muss der zwischenzeitlich gefallene Schleier des Vergessens wohl als Anzeichen von Demenz angesehen werden.
  • Bei Jürgen Budde, der sich im Dunstkreis von Hannelore Faulstich-Wieland bewegt, scheint die Fehlrezeption von Cornelißen am schnellsten auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. In einem Beitrag aus dem Jahre 2006, in dem er sich mit „Interaktionen im Klassenzimmer“ beschäftigt, behauptet er auf Seite 117, dass wir behaupten würden, die „Feminisierung der Schule“ sei eine Ursache dafür, dass „zahlreiche Jungen im Bildungssystem nicht mehr so erfolgreich sind“. Ich weiß gar nicht wo ich bei so viel Unsinn auf nur wenigen Zeilen anfangen soll und will es daher bei der monotonen Wiederholung belassen, dass wir das Wort Feminisierung und den damit angesprochenen Prozess in keiner Weise in unserem Artikel erwähnen und dass man Paneldaten benötigen würde, um zu untersuchen ob „zahlreiche Jungen im Bildungssystem nicht mehr so erfolgreich sind“. Aber vielleicht ringt Budde einfach nur mit der deutschen Sprache, und dafür, dass Budde Falsches von Cornelißen abschreibt und entsprechend auch unseren Artikel auf 2001 vordatiert, kann man ihn eigentlich nicht verantwortlich machen, oder? – zumal Budde sich als lernfähig erwiesen hat, denn zwei Jahre später, in einer Expertise für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (Budde, 2008), weiß er, dass unser Artikel im Jahre 2002 erschienen ist. Allerdings geht Lernen bei Budde offensichtlich immer auf Kosten von Wissen, denn er hat zwischenzeitlich meinen Vornamen vergessen und ist der Meinung, ich hieße Andreas Klein. Und obwohl Budde auch im Hinblick auf den Inhalt unseres Artikels hinzugelernt hat und einer der wenigen ist, der bemerkt, dass wir neben dem Anteil männlicher Lehrer auch die Arbeitslosenquote als erklärende Variable verwenden, ist er nach wie vor so von Cornelißen beeindruckt, dass er uns unterstellt, wir würden etwas unter dem Schlagwort „Feminisierung der Schule“ diskutieren.
  • Susann Busse ist ebenfalls der Meinung, unser Artikel sei 2001 erschienen. In einem Buch zum Thema „Bildungsorientierungen Jugendlicher…“, das im Jahre 2010 erschienen ist, lässt sie ihrer eigenen Einbildung derart freien Lauf, dass ich mich entschlossen habe, in die Fussstapfen von Dr. habil. Heike Diefenbach zu treten und eine Richtigstellung zu fordern, denn es geht einfach zu weit, wenn man von Personen wie Busse als Platzhalter für deren Phantasien missbraucht wird. So schreibt Busse: „Jungen finden durch die ‚Feminisierung des Schulalltags‘ – insbesondere in den schlechterbezahlten Schuldiensten, wie in Grund-, Haupt- und Sekundarschulen – immer weninger Anschlussmöglichkeiten an ihre männliche und jugendliche Erfahrungswelt (vgl. Diefenbach/Klein 2001)“ (Busse, 2010, S.225-226). Wahnsinnige sind dadurch ausgezeichnet, dass sie anderen etwas unterstellen und von dieser Unterstellung ausgehend sich phantastische Gebilde ausmalen. Es mag Busse trösten, dass der naheliegende Schluss ein Fehlschluss der Bejahung des Konsequens sein kann, aber dennoch muss ich darauf bestehen, dass wir weder von einer Feminisierung des Schulalltags schreiben noch in irgend einer Weise die Fabulation von männlichen und jugendlichen Erfahrungswelten bei uns zu finden ist. Aber, wenn Busse erst einmal am Fabulieren ist, dann brechen alle Dämme: „Wenn nun Diefenbach/Klein (2001) … die Förderung von Jungen fordern, verkennen sie das individuelle Wirksamwerden von gesellschaftlichen Strukturkategorien und die subjektive Verarbeitung von Zuschreibungen“ (Busse, 2010, S.230). Ich weiß nicht, was wir verkennen würden, schon weil es Worthäufungen ohne Sinn sind, hätten wir 2001 einen Artikel geschrieben, in dem wir die Förderung von Jungen fordern, aber wir haben im Jahr 2001 keinen Artikel geschrieben und in dem Artikel, den wir 2002 geschrieben haben, fordern wir keine Förderung von Jungen.
  • Auch beim Kompetenzzentrum (!sic) Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., einem Kostgänger des Bundesministeriums für alle außer Männer, hat sich die wissenschaftliche Lauterkeit bislang noch nicht sehen lassen. Entsprechend wird locker flockig formuliert: „Die Behauptung, dass der hohe Anteil von Frauen im Bildungswesen den Jungen Nachteile bei der Bewertung ihrer Leistungen und bei der Einschätzung ihrer Leistungsentwicklung bringt (Diefenbach/Klein, 2001), ist wenig wahrscheinlich“ (Chwalek & Diaz, 2008, S.12). Man soll nicht-Wissenschaftler ja nicht immer an wissenschaftlichen Kriterien messen, aber der zitierte Text aus einer Schriftenreihe reklamiert Wissenschaftlichkeit und deshalb: Wir haben haben nicht von „Frauen im Bildungswesen“ geschrieben, wir haben nicht von der „Bewertung der Leistungen“ von Jungen geschrieben und ob, das, was die Autoren sich vorstellen, dass wir geschrieben haben, wahrscheinlich ist, weiß ich nicht, da ich keine entsprechende Forschung kenne, weil es keine gibt. Dagegen halte ich es für hochwahrscheinlich, dass die Autoren mehr den opportunistischen Strukturen einer Förderung feministischer Zielsetzungen gehorchen, als dass es ihnen um die Realität ginge. Ich hatte diese Fehlrezeption ursprünglich Michael Cremers, Ralf Puchert und Elvira Mauz zugeschrieben, was ich nunmehr, nachdem mir eine an Dr. habil. Heike Diefenbach addressiert Email von Michael Cremers weitergeleitet wurde, richtigstelle. Mein schlechtes Gewissen gegenüber den drei zu unrecht verdächtigten Autoren hält sich jedoch in Grenzen, denn in seiner Expertise „Boys Day – Jungen Zukunftstag“ behauptet Michael Cremers (2012, S.23) wir hätten von der „Feminisierung der Schule“ geschrieben, was, wie ich mehrfach geschrieben habe, nicht stimmt. Spätestens ab Seite 29 der nämlichen Expertise scheint die Phantasie dann vollständig mit Michael Cremers durchzugehen. So behauptet er, wir hätten Jungen danach befragt, welche Kompetenz sie sich selbst zuschreiben (29, Fussnote 103), ist auf Seite 30 der Meinung, wir würden die fehlenden gleichgeschlechtlichen Vorbilder von Jungen in Grundschulen beklagen und schreibt dann richtig berichtete Ergebnisse konsistent einer Arbeit von Diefenbach und Kleine zu, die sich im Literaturverzeichnis nicht findet.
  • Völlig unbeholfen und offensichtlich mit statistischen Analysen nicht besonders vertraut schreibt Sabstian Möller-Dreischer, dessen Doppelnamen mich nicht im geringsten überrascht: „Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass mögliche Ursachen für die schlechten schulischen Leistungen der Jungen erziehungswissenschaftlich kontrovers diskutiert werden. Dass diese in einem Zusammenhang mit Bewertungen durch Lehrerinnen stehen und dass den Jungen männliche Bezugsgruppen fehlen, ist eine Hypothese. Heike Diefenbach und Michael Klein (2001) gehen davon aus, hier eine statistische Korrelation nachweisen zu können…“ (Möller-Dreischer, 2012, S.8). Woher Herr Möller-Dreischer seine Erkenntnis hat, die ihn im Jahre 2012 beim angeblichen Lesen eines Textes befallen hat, der nach seiner Ansicht im Jahre 2001 geschrieben worden sein soll, kann ich angesichts der ebenfalls zitierten Waltraud Cornelißen nur vermuten, dass man eine Korrelation entweder findet oder nicht, dass man entsprechend nicht davon ausgehen muss eine statistische Korrelation nachweisen zu können, das weiß ich. Herr Möller-Dreischer nehmen Sie sich ein Statistiklehrbuch von wem auch immer zur Hand oder besuchen Sie einen Volkshochschulkurs, und Sie werden bereits nach kurzer Zeit wissen, dass eine Korrelation das ist, was herauskommen kann oder eben nicht, wenn man zwei Variablen miteinander in Verbindung bringt. Das ist einfach so, keine Vermutung notwendig.

Die erste Welle, die sich mit der Rezeption unseres Beitrags beschäftigt und Autoren berücksichtigt, die ganz offenkundig nicht gelesen haben, was wir schreiben, soll damit ihr Ende finden. Was ich bislang zusammengetragen habe, ist ein erschreckenes Zeugnis fehlender wissenschaftlicher Lauterkeit und/oder Kompetenz. So genannte Wissenschaftler legen uns Worte in den Mund, die wir nie geschrieben haben, machen uns zur Zielscheibe ihrer Phantasien und ihres ideologischen Auswurfs, und damit sie bei ihrer ideologischen Onanie nicht gestört werden, lesen sie erst gar nicht, was wir geschrieben haben, denn sie benötigen lediglich einen Anlass um ihre Notdurft zu verrichten. Ich will dies gar nicht menschlich bewerten, aber wissenschaftlich: Die hier zitierten Autoren haben nach meiner Ansicht und nachweislich jede Berechtigung verloren, als Wissenschaftler aufzutreten, und für den Fall, dass sie an Universitäten unterrichten, sollten ihre Studenten darüber nachdenken, ob es nicht an der Zeit ist, die Universität zu wechseln.

Demnächst geht es weiter mit Autoren, die versuchen, uns zu diskreditieren, was notwendig ist, da man unsere Ergebnisse nicht diskreditieren kann.

Verzeichnis der Fehlrezipienten:

    • Jürgen Budde
    • Susann Busse
    • Doro-Thea Chwalek
    • Waltraud Cornelißen
    • Michael Cremers
    • Miguel Diaz
    • Sebastian Möller-Dreischer

Verzeichnis der Fehl-Schriften:
Budde, Jürgen (2008). Bildungs(miss)erfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen/männlichen Jugendlichen. Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Budde, Jürgen (2006). Interaktion im Klassenzimmer – Die Herstellung von Männlichkeit im Schulalltag. In: Andresen, Sabine & Rendtorff, Barbara (Hrsg.). Geschlechtertypisierung im Kontext von Familie und Schule. Opladen: Barbara Budrich, S.113-119.

Busse, Susann (2010). Bildungsorientierungen Jugendlicher in Familie und Schule. Die Bedeutung der Sekundarschule als Bildungsort. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Chwalek, Doro-Thea & Diaz, Miguel (2008). Neue Wege für Jungs – das Projekt. In: Cremers, Michael, Puchert, Ralf & Mauz, Elvira (2008). So gelingt aktive Jungenförderung. Bielefeld: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V., S. 5-21.

Cornelißen, Waltraud (2011). Gendergerechte Ansätze in der Schule: Ein Schritt zu mehr Geschlechterdemokratie? In: Krüger, Dorothea (Hrsg.). Genderkompetenz und Schulwelten. Alte Ungleichheiten – neue Hemmnisse. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Cornelißen, Waltraud (2004). Bildung und Geschlechterordnung in Deutschland. Einige Anmerkungen zur Debatte um die Benachteiligung von Jungen in der Schule. München: DJI.

Cremers, Michael (2012). Boys‘ Day – Jungen-Zukunftstag. Neue Wege in der Berufsorientierung und im Lebensverlauf von Jungen. Berlin: BMFSFJ.

Möller-Dreischer, Sebastian (2012). Zur Dynamik der Geschlechter in pädagogischen Berufen. Eine exemplarische empirische Untersuchung an männlichen Studenten der Rehabilitationswissenschaften/Sonderpädagogik. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Und wieder sind die Jungen schuld: Staatsfeminismus, Doing Gender und Kohlhammers Einführung in soziale Ungleichheit, die keine ist

In den vergangenen Tagen ist uns ein Buch aus dem Stuttgarter Kohlhammer-Verlag auf den Tisch gekommen, von dem auf dem Deckblatt behauptet wird, es sei eine Einführung in „Bildung und soziale Ungleichheit (was immer das auch bedeuten mag)“. Erschienen ist das von Anna Brake und Peter Büchner verfasste Buch in der Reihe „Grundriss der Pädagogik – Erziehungswissenschaft“ als Band 35. Das Buch zielt auf Studenten der Pädagogik und Erziehungswissenschaften ab, denen es einen Überblick über die wissenschaftlichen Befunde zu  „Bildung und sozialer Ungleichheit“ geben will. Wie ich in diesem post und in einem späteren post zeigen werde, ist das Buch alles andere als eine Einführung in „Bildung und soziale Ungleichheit“. Es ist eine ekklektizistische Sammlung von Forschungsergebnissen, deren Auswahl opportunistischen und ideologischen Motiven zu folgen scheint.

Den Verfassern des Buches mangelt es offensichtlich am notwendigen Überblick über die Forschungslandschaft, der notwendig wäre, um in die Forschungslandschaft einzuführen. Dem Buch fehlt jede bildungtheoretische Grundlage und jeder damit verbundene theoretische Anspruch. Es ist offensichtlich, dass die einzelnen Kapitel, wie ich im nächsten post darstellen werden, entlang einschlägiger Arbeiten verfasst wurden, aus denen sich die Autoren munter bedient haben, während sie mit der Preisgabe ihrer Quellen eher zurückhaltend sind, was sich kaum mit wissenschaftlicher Lauterkeit vereinbaren lässt und das Buch mehr als einmal hart an die Grenze zum Plagiat bringt. Dazu, wie gesagt, mehr im nächsten post. Im vorliegenden Post will ich mich weniger mit formalen Aspekten und mehr mit inhaltlichen Aspekten beschäftigen, und zwar am Beispiel von Kapitel 7: „Bildung und Geschlecht“ und aus dramaturgischen Gründen beginne ich mitten in diesem Kapitel und mit folgendem Zitat:

„Im ersten Teil dieses Kapitels haben wir gesehen, dass Jungen im allgemeinbildenden Schulsystem vielfältige Bildungsnachteile in Kauf nehmen müssen: Sie werden häufiger von der Einschulung zurückgestellt, seltener frühzeitig eingeschult, erhalten seltener eine Gymnasialempfehlung, stellen die Mehrheit der Schüler an Hauptschulen und verlassen deutlich häufiger die Schule ohne Abschluss. In vielerlei Hinsicht gelten Jungen deshalb heute als ‚Verlierer des Bildungssystems‘. Diefenbach/Klein (2001) haben in ihrem Beitrag ‚Bringing Boys Back In‘ einen Zusammenhang hergestellt zwischen dem geringen Bildungserfolg von Jungen und dem hohen Anteil von Frauen unter den Lehrkräften im Bildungswesen. Auch wenn Sie hier lediglich eine Vermutung formulieren, haben diese Überlegungen doch zu einer heftigen Diskussion über die Rolle von Lehrerinnen am Zustandekommen der Bildungsbenachteiligung von Jungen geführt“ (Brake & Büchner, 2012, S.215).

Nun, dann wollen wir einmal anfangen, aufzuräumen: (1) die Nachteile, die Jungen im Bildungssystem übrigens im Vergleich mit Mädchen, das darf man auch in einem Einführungsband (noch) ungestraft sagen, haben, sind deutlich gravierender als hier in an Belanglosigkeit grenzendem Ekklektizismus dargestellt: Jungen wird im deutschen Bildungssystem nachhaltig die Berufskarriere zerstört, indem sie frühzeitig auf Sonderschulen abgeschoben werden. Sie bevölkern in größeren Anteilen als Mädchen Hauptschulen, beendend ihre Schulausbildung deshalb viel häufiger mit einem Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss, und Jungen sind deutlich seltener an Gymnasien und Fachhochschulen zu finden als Mädchen und gehen entsprechend seltener mit einer (Fach-)Hochschulreife von der Schule ab. Das (2) liebe Autoren beschreibt Nachteile. Eine Benachteiligung, die von Nachteilen dadurch unterschieden ist, dass man etwas tun muss um zu benachteiligen, während Nachteile sich ergeben können, findet sich z.B. darin, dass Jungen wie die Berliner Element und die Hamburger Lau Studien gezeigt haben, bessere Leistungen als Mädchen erbringen müssen, um dieselbe Grundschulempfehlung zu erhalten, und sie zeigt sich darin, dass – wie Dr. habil. Heike Diefenbach (2007) auf Basis der Daten der PISA-Studien gezeigt hat -, Jungen schlechtere Noten erhalten obwohl sie bessere Kenntnisse haben als Mädchen. Unser (3) Beitrag „Bringing Boys Back In“ ist 2002 erschienen, nicht 2001 und darin formulieren wir keine Vermutung darüber, dass Jungen mit zunehmendem Frauenanteil unter den Lehrern schlechter abschneiden, wir weisen eine entsprechende Korrelation nach. Der Zusammenhang ist also keine Vermutung, sondern ein Faktum. Daran ändert keine Wortmagie etwas. Schließlich und  (4) ist unser Beitrag, in dem die schulischen Nachteile von Jungen vollständig, auf Grundlage offizieller Statistiken und somit so, dass es an ihnen nichts zu rütteln gibt, in Ausmaß und Dauer aufgezeigt wurden.

Obwohl die Autoren bereits in der zitierten Stelle die Begriffe „Nachteile“ und „Benachteiligung“ durcheinanderbringen und ganz offensichtlich für austauschbar halten, berichten sie im weiteren Verlauf von Ergebnissen, die letztlich zeigen sollen, dass keine Benachteiligung von Jungen im deutschen Schulssystem stattfindet. Und von all den alten Hüten, die vorgebracht wurden, um die Nachteile von Jungen nicht als Ergebnis einer Benachteiligung durch Lehrer, vornehmlich durch Lehrerinnen erscheinen zu lassen, haben sich die beiden Autoren ausgerechnet die „Feminisierungsthese“, der sie ein „sog.“ vorangestellt haben, damit dem Leser auch gleich klar wird, was davon zu halten ist und den „Doing-Gender“-Unsinn ausgesucht. Ich beginne mit dem Letzteren, weil der „Doing-Gender“-Unsinn durch Dr. habil. Heike Diefenbach in einem 2011 erschienenen Beitrag, den die Autoren eines Einführungsbuches, das den Anspruch hat, einen Überblick über die Forschung zu geben, kennen müssten, eindrucksvoll und dauerhaft (manche bevorzugen hier vermutlich: nachhaltig) aus der Welt geschafft wurde.

Der „Doing-Gender“-Unsinn ist ein typisch feministischer Erklärungsversuch, der nicht erklären, sondern Schuld an Missständen verschieben will: Nicht die Schule oder gar die Lehrerinnen sind schuld an den schulischen Nachteilen von Jungen, sondern die Jungen selbst, die ein Verhalten, das gewöhlich als „hegemoniale Männlichkeit“ (Brake & Büchner, 2012, S.221) bezeichnet wird, an den Tag legen sollen, das zu einer ganzen Reihe den schulischen Erfolg vernichtender Ergebnisse führen soll. Kurz: Doing-Gender behauptet, dass Jungen an ihren Bildungsnachteilen selbst schuld sind. Dass es sich hier um eine Behauptung handelt, die in keiner Weise belegt ist und auch kaum belegbar ist, hat Dr. habil. Heike Diefenbach in dem angsprochenen Beitrag und in eindrücklicher Weise dargelegt. Ich will die Argumentation hier gerafft widergeben. Um die Annahme, dass Jungen durch ihre spezifische Inszenierung „hegeomonialer Männlichkeit“ für ihre im Vergeich zu Mädchen schlechteren Bildungsabschlüsse selbst verantwortlich sind, zu begründen, wären die folgenden Belege zu erbringen (Diefenbach, 2011, S.356-357):

  • Es wäre zu zeigen, dass Jungen sich (1) in der Schule „hegemonial männlich“ verhalten und dass dieses Verhalten sich (2) negativ auf die schulischen Leistungen von Jungen (also z.B. die Beteiligung am Unterricht, die Kenntnis in Mathematik, nicht die Noten) auswirkt.
  • Sodann wäre (3) zu prüfen, ob das „hegemonial männliche“ Verhalten der Jungen tatsächlich vorliegt oder ob ihnen dieses Verhalten nicht vielmehr von den Lehrkräften, vornehmlich den Lehrerinnen zugeschrieben wird, denn auch Lehrkräfte sind ja nicht frei von Rollenerwartungen und, wie sich immer wieder zeigt, tragen Lehrkräfte die entsprechenden Rollenerwartungen an Schüler heran (Berg et al., 2005).
  • Da (4) „die erworbenen Sekundarschulabschlüsse … ein Ergebnis eines Filterprozesses [sind], durch den Kinder im Verlauf ihrer Schulkarriere gehen und an dessen verschiedenen Selektionsstufen, zum Beispiel bei der Grundschulempfehlung, ‚Leistung‘ unterschiedlich interpretiert und mit anderen Faktoren gewichtet wird“ (Diefenbach, 2011, S.357) müsste man, da viele Jungen bereits in der Grundschule in Sonder- und Hauptschulen abgeschoben werden, die absurde Annahme machen, dass die hegemoniale Männlichkeit bei Jungen im Alter von 6 bis 10 Jahren besonders intensiv und Schulkarriere hinderlich vorhanden ist, was – angesichts der Tatsache, dass Grundschulen zu rund 85% von Lehrerinnen bevölkert werden, nur den Schluss zuließe, dass sich erwachsene Frauen von Jungen zwischen 6 und 10 Jahren bedroht fühlen oder – wahlweise – zu dem Schluß führen muss, dass bereits in Grundschulen Erwartungen von Lehrpersonen an Jungen herangetragen werden, die dazu führen, dass Jungen-, nicht aber Mädchenverhalten als abweichendes Verhalten von einer (feministischen) Schulnorm eingeordnet wird.
  • Und selbst wenn Jungen hegemonial männlich sich verhalten würden: „die Schule hat dem Kind zu dienen, und nicht das Kind der Schule. Als Lehrperson sollten wir nicht danach streben, die Persönlichkeit der Schüler … zu verändern, sondern die Psychologie des Kindes muss Ausgangspunkt unserer pädagogischen Bemühungen sein“. (Guggenbühl, 2008, S.154). Wer den Doing-Gender-Unsinn vertritt, enthebt damit nicht nur das Schulssystem jeglicher Verantwortung, sondern macht es zu einer Anstalt der Umerziehung, in der männliche Kinder ohne Rücksicht auf Verluste in das Prokustesbett des Staatsfeminismus eingepasst werden.

Ich denke, nach dieser Zusammenstellung kann eigentlich niemand, der mit einem Normalmaß an Intelligenz ausgestattet ist und keine ideologischen Ziele verfolgt, noch am „Doing-Gender“-Unsinn festhalten, was mir die Möglichkeit gibt, auf die von den Autoren mit dem Zusatz „sog.“ versehene Feminisierung der Schule zu sprechen zu kommen. Wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes eindrücklich zeigen, sind 71% der Lehrer an deutschen Schulen weiblich. Entsprechend gibt es an der Feminisierung der Schule nichts zu rütteln. Wir haben aber – anders als die Autoren zu denken scheinen –  in unserem 2002 veröffentlichten Artikel „Bringing Boys Back In“ an keiner Stelle von einer Feminisierung der Schule geschrieben. Der Begriff kommt im gesamten Beitrag schlicht nicht vor. Wir haben vielmehr eine Korrelation zwischen dem Anteil weiblicher Lehrer und dem schlechten Abschneiden von Schülern aufgezeigt und einige Möglichkeiten angedacht, um diese Korrelation zu erklären. In mehreren nachfolgenden Beiträgen hat sich Dr. habil. Heike Diefenbach weitergehend mit der Frage der Erklärung unseres Befunds beschäftigt (Diefenbach, 2011, 2010) und sich unlängst gegen eine Männerquote ausgesprochen (Diefenbach, 2012), um die Nachteile von Jungen in der schulischen Bildung zu beheben. Dies hat einen einfachen Grund: Die Feminisierung der Schule ist nichts, was sich zwischen den Beinen von Lehrern abspielt, sondern ein Klima, das die  gesellschaftliche Wirklichkeit abbildet.

Die deutsche Gesellschaft existiert in einem vom Staatsfeminismus vergifteten Klima. Sie ist eine jungen- und männerfeindliche Gesellschaft, in der Jungen zu einer Randgruppe, wie Dr. Diefenbach sagt, geworden sind. Und wie alle Randgruppen, so sind auch Jungen selbst an ihrem Elend schuld. In diesem KLima sind Männer nicht bereit, an Schulen zu lehren und von den männlichen Lehrer, die sich an Schulen finden bzw. die dazu bewegt werden könnten, an deutschen Schulen zu lehren, wäre im derzeitigen Klima nicht zu erwarten, dass sie etwas anderes tun als feminisierte Rollenerwartungen selbst zu erfüllen und an Jungen heranzutragen.

Wer Zweifel daran hat, dass die deutsche Gesellschaft unter einer feministischen Dunstglocke vegetiert, der möge Kapitel 7 der „Einführung“ von „Bildung und soziale Ungleichheit“ in Gänze lesen. Das Kapitel beginnt damit, dass die Nachteile, die Mädchen einst, in den 1950er und 1960er Jahren im Hinblick auf Schulbildung und im Vergleich zu Jungen hatten, breit dargestellt werden und damit der Rahmen für die folgende Darstellung bereitet wird. Es geht weiter mit einer Tabelle über die Bildungsbeteiligung an deutschen Schulen, in der nur Anteile für Mädchen dargestellt sind und in der man sich die entsprechenden Anteile für Jungs selbs dazu denken muss. Es folgt die komplette Auslassung der zentralen Variable, um die sich in einem Schulssystem alles dreht, nämlich: Abschlüsse. (Was ist von einer Einführung in Bildung und soziale Ungleichheit zu halten, die die Variable unterdrückt, die für alle Ungleichheit hauptverantwortlich ist?), und es findet seinen Niederschlag im Zitat, das den Ausgangspunkt zu diesem post darstellt und in dem die Nennung von Mädchen vermieden wird, damit nicht der Eindruck entsteht, Mädchen hätten da Vorteile wo Jungen Nachteile haben. Mit anderen Worten, die Einführung ist keine Einführung für Studenten, sondern der Versuch einer Wegführung der Studenten von den gesellschaftlichen Tatsachen. Sie ist in keiner Weise empfehlenswert und sie ist, wie ich im nächsten post zeigen werden, nicht einmal das Ergebnis eigener Überlegungen und Kenntnisse, sondern das Ergebnis zusammengeglaubter Textteile, die von Kapitel zu Kapitel, je nachdem, welcher Artikel von welchem Bildungsforscher gerade ausgeschlachtet wird, anderen Kriterien folgen und der Einführung den Charakter eines gepanschten Weines und das unverkennbare Bouquet der Zweitverwertung unzitierter Originale gibt.

Literatur

Berg, Detlef, Scherer, Lukas, Oakland, Thomas & Tisdale, Timothy (2006). Verhaltensauffälligkeiten und schwache Leistungen von Jungen in der Schule – die Bedeutung des Temperaments. Bamberg: Professur für Psychologie mit schulpsychologischem Schwerpunkt.

Brake, Anna & Büchner, Peter (2012). Bildung und soziale Ungleichheit: eine Einführung. Stuttgart: Kohlhammer.

Diefenbach, Heike (2012). Gegen den kollektivistischen Aktionismus. In: Hurrelmann, Klaus & Schultz, Tanjev (Hrsg.). Jungen als Bildungsverlierer. Brauchen wir eine Männerquote in Kitas und Schulen? Weinheim: Beltz Juventa, S.125-143.

Diefenbach, Heike (2011). „Bringing Boys Back In“ Revisited. Ein Rückblick au fie bisherige Debatte über die Nachteile von Jungen im deutschen Bildungssystem. In: Hadjar, Andreas (Hrsg.). Geschlechtsspezifische Bildungsungleichheiten. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S.333-366.

Diefenbach, Heike (2010). Jungen – die „neuen“ Bildungsverlierer? In: Quenzel, Gudrun & Hurrelmann, Klaus (Hrsg.). Bildungsverlierer. Neue Ungleichheiten. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, S.245-272.

Diefenbach, Heike (2007). Die schulische Bildung von Jungen und jungen Männern in Deustchland. In: Hollstein, Walter & Matzner, Michael (Hrsg.). Soziale Arbeit mit Jungen und Männern. München: Reinhardt, S.101-115.

Diefenbach, Heike & Klein, Michael (2002). ‚Bringing Boys Back In‘. Soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Bildungssystem zuungunsten von Jungen am Beispiel der Sekundarschulabschlüsse. Zeitschrift für Pädagogik 48(6): 938-958.

Guggenbühl, Allan (2008). Die Schule – ein weibliches Biotop? In: Matzner, Michael & Tischner, Wolfgang (Hrsg.). Handbuch Jungen-Pädagogik. Weinheim: Beltz, S.150-169.

Bildnachweis:
Netzwerk der Soziologinnen an der LMU

Berauscht von Pressemeldungen: erbärmlich unkritischer Journalismus in Deutschland

„Journalismus hat … den … Auftrag eine Kritik- und Kontrollfunktion in der Gesellschaft wahrzunehmen: also Missstände aufdecken, Gegebenheiten hinterfragen und Kritik üben“ (Burkhardt, 2009, S.77)

Gestern (18. September 2012) hat Tagesschau Online eine Erfolgsmeldung veröffentlicht, die man wie folgt zusammenfassen kann: Seit 2009 gibt es die Aktion „Alkohol? Kenn dein Limit“, die vom Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) und dem Bundesgesundheitsministerium finanziert wird. Das Geld ist gut angelegt, denn die Anzahl der „Zwölf bis 17-jährigen, die mindestens einmal im Monat volltrunken waren, sank laut einer Studie binnen vier Jahren von 20,4 auf 15,2 Prozent“. Heureka! Aber: Mehr öffentliche Finanzierung ist trotz des Erfolgs notwendig, denn: „Bei den 16- bis 17-jährigen männlichen Jugendlichen, die am meisten trinken, besserte sich hingegen wenig. 45 Prozent haben sich in den letzten 30 Tagen in einen Rausch getrunken“. Gutes gibt es auch zu vermelden, denn „[i]hr Verhalten verändert haben den Angaben zufolge jedoch hauptsächlich Mädchen und zwölf bis 15-jährige Jungen“. Die Pressmeldung stellt im Wesentlichen drei Behauptungen auf:

  • Eine „Studie“ hat herausgefunden, dass eine Aktion gegen Alkohol eine Verhaltensänderung bei Jugendlichen erreicht hat, vor allem bei 12- bis 15jährigen Jungen und bei Mädchen.
  • Dieselbe Studie zeigt, dass der Anteil der Volltrunkenen unter 12- bis 17jährigen gesunken ist.
  • Schließlich zeigt die Studie, dass 16- bis 17jährige männliche Jugendliche weiterhin exzessiv trinken, weshalb weitere öffentliche Mittel zur Bekämpfung von übermäßigem Alkoholkonsum notwendig sind.

Wie ich nunmehr zeige werde, ist keine der Aussagen aus der Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, auf die sich die Tagesschau-Redakteure ausschließlich und der Einfachheit halber verlassen haben, richtig.

Verhaltensänderungen bei Jugendlichen

Die „Studie“, auf die sich der Bericht auf Tagesschau-Online bezieht, ist keine Studie, die es möglich macht, Verhaltensänderungen zu identifizieren. Es handelt sich bei der „Studie“, um eine: „[w]iederholte Repräsentativbefragung der 12- bis 25jährigen Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland in mehrjährigen Abständen“. Die Befragten werden nahezu jährlich aufs Neue zufällig ausgewählt und telefonisch befragt. Im Jahr 2011 wurden 5001 Personen befragt und die Ausschöpfungsquote betrug 60,9%, d.h. es wurden 8212 Telefonnummern zufällig ausgewählt und angerufen, um die 5001 Befragten im Alter von 12 bis 25 Jahre zusammen zu bekommen. Die selbe Übung wird von forsa, dem Institut das sehr gut an der Befragung verdient, in unregelmäßigen Abständen durchgeführt. Die Zufälligkeit der Auswahl der Befragten, soll sichern, dass die Befragten repräsentativ für die 12- bis 25jährigen in Deutschland sind. Diese Form der Querschnittsbefragung führt aber dazu, dass mit jeder neuen Befragung andere12- bis 25jährige befragt werden. Entsprechend kann man keinerlei Aussagen über Verhaltensänderungen machen, denn dazu wäre es notwendig, die selben Befragten über einen bestimmten Zeitraum hinweg, mehrfach zu befragen.

Auf diese Weise wäre es z.B. möglich zu untersuchen, ob und ggf. wie Jugendliche, die im Alter von 12 Jahren schon Alkohol getrunken haben, ihr Trinkverhalten mit zunehmendem Alter verändern. Und es wäre mit dieser Art der Panel-Befraung möglich, eindeutig zu klären, ob die Aktion von Bundesministerium für Gesundheit und PKV irgend einen Effekt auf die Jugendlichen und ihr Trinkverhalten hat. Aber das genau, wollen die Verantwortlichen offensichtlich nicht. Ihnen reicht eine in die Öffentlichkeit geworfene falsche Behauptung, nach der es (a) eine Verhaltensänderung bei Jugenlichen gegeben habe und (b) diese Verhaltensänderung auf die Aktion von Ministerium und PKV zurückzuführen ist (denn sie können sich darauf verlassen, dass sie mit Sicherheit nicht auf einen kritischen Journalisten treffen, der ihre Behauptungen hinterfragt oder gar prüft). Anders formuliert: die Steuermittel von Ministerium und die Versichertenbeiträge der PKV sind sinnvoll eingesetzt. Und forsa, forsa hat natürlich wenig Interesse an einer Panelbefragung, denn damit lässt sich weniger leicht Geld verdienen als mit einer fast jährlich und mit hohem Aufwand durchgeführten Querschnittsbefragung.

Der gesunkenen Alkoholkonsum und das weiterhin exzessive Trinken

Da die „Studie“ von forsa keine Panelstudie ist, kann also nichts über Verhaltensänderung ausgesagt werden. Aussagen können allenfalls dahingehend getroffen werden, wie sich Personen, die zum Befragungszeitpunkt 2011 12 Jahre alt waren, in ihrem Trinkverhalten von anderen Personen, die z.B. im Jahr 2009 12 Jahre alt waren, unterscheiden. Und weil forsa angeblich zu beiden Zeitpunkten eine repräsentative Befragung durchgeführt haben will, sollen die entsprechenden Aussagen repräsentativ für alle im Jahr 2011 und 2009 12jährigen sein. Ich habe in diesem blog schon öfter unsere, Dr. habil. Heike Diefenbachs und meine Vorbehalte gegen die vermeintliche Repräsentativität von Befragungen dargelegt und will es an dieser Stelle nur insoweit tun als wir anzweiflen, dass man mit telefonischer Befragung keine selektive Population erreicht, schon weil weder die Zeiten, zu denen man Jugendliche zu Hause antrifft, noch die Jugendlichen, die man zu Hause antrifft, Repräsentativitätskriterien gehorchen. Wir sind uns hier mit z.B. Andreas Diekmann einig, der schreibt: „Die Redeweise von der ‚repräsentativen Stichprobe‘ ist nicht mehr als eine Metapher, eine bildhafte Vergleichung“ (Diekmann, 2003, S.368). Überleitend zum nächsten Absatz noch ein Zitat von Schnell, Hill und Esser zur Repräsentativität: „Keinesfalls reicht bei sozialwissenschaftlichen Erhebungen der Nachweis, dass bestimmte Merkmale in der Grundgesamtheit mit der selben Häufigkeit vorkommen, wie in der Stichprobe aus, um zu beweisen, dass die Stichprobe alle interessierenden Merkmale in der korrekten Häufigkeit wiedergibt“ (Schnell, Hill & Esser, 1992, S.316).

So war es notwendig, dass forsa die erhaltenen Daten nach Alter (!sic), Geschlecht und Region gewichtet, also z.B. 12jährige, weil sie in der Befragung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung um den Faktor 1.5 seltener vorkommen, mit eben diesem Faktor multipliziert, so dass ihre Antworten 1.5fach zählen. Ein größeres Eingeständnis des Scheiterns als eine schiefe Verteilung im Hinblick auf Alter in einer Befragung die explizit 12- bis 25jährige addressiert, kann ich mir kaum vorstellen. Aber gut. Ich denke nicht, dass die Ergebnisse repräsentativ sind, forsa und seine Auftraggeber behaupten es (bislang ohne Beleg), aber das soll uns nicht weiter interessieren, denn die Behauptung, der exzessive Alkoholkonsum Jugendlicher sei im Verlauf der letzten vier Jahre, als von 2008 bis 2011 gesunken, ist schlicht falsch. Jeder Journalist, der sich die Mühe gemacht hätte, die Studie, die es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Download gibt, zu lesen, hätte dies sehr schnell bemerken können. Ein Blick auf den Teil der Studie, der sich mit Trends beschäftigt und auf die Daten für die Jahre 2008, 2010 und 2011, hätte genügt.

Hier eine Zusammenstellung der Ergebnisse für die Jahre 2008, 2010 und 2011.

Indikator 2008 2010 2011
Alkoholkonsum innerhalb der letzten 30 Tage: männliche Befragte 86,9% 82,8% 87,0%
Alkoholkonsum innerhalb der letzten 30 Tage: weibliche Befragte 70,6% 74,4 76,5%
regelmäßiger Alkoholkonsum 12-17jährige 17,4% 12,9% 14,2%
regelmäßiger Alkoholkonsum 18-25jährige 37,1% 34,5% 39,8%
Konsum für Erwachsene riskanter Mengen: 12-17jährige 8,6% 5,5% 5,9%
Konsum für Erwachsene riskanter Mengen: 18-25jährige 18,1% 15,6% 19,1%
6 und mehr Alkoholrauscherfahrungen im Leben: 12-17jährige 6,4% 4,7% 5,1%
6 und mehr Alkoholrauscherfahrungen im Leben: 18-25jährige 31,7% 27,9% 32,0%
Pro-Kopf-Verbrauch reiner Alkohol 12-17jährige 43,3gr 28,8gr 30,9gr
Pro-Kopf-Verbrauch reiner Alkohol 18-25jährige 82,3gr 75,2gr 84,1gr

Keiner, der in der Tabelle dargestellten Indikatoren zeigen für den Vergleich der Jahre 2010 und 2011 einen Rückgang. Alle zeigen einen Anstieg. Wollte man aus diesen Daten einen Rückschluss auf die Wirkung der im Jahre 2009 gestarteten Aktion von Techniker Krankenkasse und Bundesministerium ziehen, dann müsste man sagen: Die Aktion hat dazu geführt, dass Jugendliche wieder mehr trinken. Zum Glück für Ministerium und Krankenkasse ist die Frage, in welcher Weise sich die Aktion auf das Trinkverhalten von Jugendlichen ausgewirkt hat, mit den vorliegenden Daten aber nicht zu beantworten, weder im Positiven noch im Negativen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktion das Trinkverhalten von Jugenlichen beeinflusst hat, entspricht der Wahrscheinlichkeit, dass die Sonnenfinsternis im Jahre 2010 sich auf das Trinkverhalten ausgewirkt hat. Wollte man wirklich einen Effekt messen, man müsste ein Studiendesign wählen, dass nicht die Einkünfte von forsa maximiert und das zudem die Gefahr mit sich bringt, dass sich zeigt, dass Jugendliche die Aktion von Ministerium und Krankenkasse schlicht nicht beachten.

Entsprechend stellt sich auch die Behauptung, es seien vor allem die 16- bis 17jährigen Jungen, die keinen Rückgang im exzessiven Trinken zeigen, weshalb die Aktion mit mehr finanziellen Mitteln der Geschlechtstypik entsprechend ausgeweitet werden müsse, als das dar, was sie eigentlich ist: Ein plumper Versuch den Einsatz von noch mehr Steuergeldern und Krankenkassenbeiträgen zur Finanzierung von Aktion (Mitarbeiter und Material) und forsa zu rechtfertigen.

Zum Abschluss will ich den Lesern ein Bonmot, das Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr von sich gegeben hat, nicht vorenthalten. In der Pressemitteilung, in der der Erfolg der gemeinsamen Aktion, den ich hier hinterfragt und widerlegt habe, gefeiert wird, wird er wie folgt zitiert:

„Kinder und Jugendliche wachsen hierzulande in einer Gesellschaft auf, in der Alkoholkonsum weit verbreitet ist. Da sie sich stark an dem orientieren, was Erwachsene tun, ist es im Sinne der Prävention entscheidend, junge Menschen frühzeitig über die Sucht- und Gesundheitsrisiken von Alkohol aufzuklären“.

Im Klartext: Jugendliche sehen sich mit sinnlos saufenden Erwachsenen konfrontiert und müssen daher über die Folgen des sinnlosen Saufens aufgeklärt werden, z.B. in dem Ihnen ein sinnvoller Umgang mit Alkohol beigebracht wird etwa in Form des Schwenkens des Rotweinglases, Nase in das Glas stecken, den ersten Schluck kauen und dann die Flasche nachschütten. (Der letzte Zusatz war von mir, er lässt sich nicht unmittelbar aus Bahrs Aussage ableiten.)

Zum Abschluss noch ein Wort zum kritischen Journalismus in Deutschland: Zumindest auf Tagesschau Online ist er nicht existent.

Literatur
Burkhardt, Steffen (2009). Praktischer Journalismus. München: Oldenbourg.

Diekmann, Andreas (2003). Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt.

Schnell, Rainer, Hill, Paul & Esser, Elke (1992). Methoden der empirischen Sozialforschung. München: Oldenbourg.

Grundrecht gefällig? Wie wäre es mit Kultur?

Die SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag ist eine Fundgrube, wenn das Ziel darin besteht, sinnlose Anträge zu finden, die Geld und Zeit kosten, profilbildend in welcher Weise auch immer wirken sollen und ansonsten schlicht unnötig sind. Erinnern Sie sich noch an den Antrag der Gutmenschen aus der SPD, in dem sie sich um die so genannten „Trostfrauen“ aus Japan, Frauen, die im Zweiten Weltkrieg in Japanische Bordelle gezwungen wurden, gesorgt haben? Nun hat die SPD-Fraktion ein neues Tummelfeld gefunden und in einem Antrag verlangt, dass Kultur zum Bestandteil des Grundgesetzes werden soll. Artikel 20a GG, der bislang lautet:

„Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung“.

soll nunmehr ergänzt werden durch den Zusatz: „Er [also der Staat] schützt und fördert ebenso die Kultur…“. Das „fördert“ hat hier eine besondere Bedeutung, wie ich weiter unten noch darlegen werden. An dieser Stelle will ich mich auf „Kultur“ konzentrieren, Kultur, ein schillerndes Konzept, das als Begriff ständig auftaucht, dessen Definition sich aber mit dem Versuch vergleichen lässt, einem Stück Seife in einer Badewanne habhaft zu werden. Einer der bekanntesten Versuche, Kultur zu definieren, wurde 1952 von Alfred L. Kroeber und Clyde Kluckhohn unternommen. Auf Basis von mehr als 200 verschiedenen Definitionen von Kultur, die die Autoren gesammelt haben, haben sie die folgende Definition von Kultur vorgeschlagen: „Culture consists of patterns, explicit and implicit, of and for behaviour acquired and transmitted by symbols, constituting the distinctive achievements of human groups, including their embodiment in artefacts; the essential core of culture consists of traditional (i.e. historically derived and selected) ideas and especially their attached values; culture systems may, on the one hand, be considered as products of action, on the other, as conditional elements of future action” (Kroeber & Kluckhohn, 1952, S.181).

Diese Definition ist ziemlich breit und man muss nicht sonderlich intelligent sein, um zu sehen, dass bereits zwischen verschiedenen Gruppen innerhalb ein und derselben Gesellschaft unterschiedliche Verständnisse darüber zu finden sind, was unter Kultur zu verstehen ist. So sind Bayern der Ansicht, ein Biergarten gehöre zu ihrer Kultur, während Norddeutsche eher im Küstennebel kulturelle Selbstverwirklichung sehen. Personen aus der Mittelschicht sehen Kultur, wenn sie sich einen Kunstdruck von Júan Miro an die Wand hängen, für Personen aus der Unterschicht mag das Poster von Metallica den selben Zweck erfüllen. Kultur, das zeigen bereits diese wenigen Beispiele, ist immer auch ein Mittel der Differenzierung. Der Mittelschichtler, der über den Rotwein schwadroniert, versucht sich damit zu differenzieren, als besonders kultiviert und kultureller Kollege all der Mittelschichtler zu präsentieren, die ob ihrer Unkenntnis über den Prozess der Weinherstellung im Kauen von Tannin etwas besonders Wertvolles erblicken.

Kultur, so hat Geert Hofstede 30 Jahre nach Kroeber und Kluckhohn definiert, ist ein „programming of the mind“. Kultur besteht daher im Wesentlichen aus Erwartungen an das Verhalten anderer. Wer im vornehmen Restaurant sitzt, erwartet, dass sein Nachbar nicht in die Serviette schneuzt und seine Füsse nicht auf den Tisch legt. Abermals sind diese Erwartungen auf eine bestimmte Trägergruppe beschränkt. So werden Kunstdrucke an der Wand, eine distinguierte Lebensweise, die mit Symbolen angereichert ist, z.B. einer schrecklich geschmacklosen, aber mit persönlicher Note versehenen Brille oder dem unverzichtbaren Laufen mit hochrotem Kopf zur körperlichen Fitness von manchen als Ausdruck ihrer Kultur angesehen und von anderen, vielleicht sogar deren Nachbarn, mit dem Verweis gutiert, dass X wohl durchgeknallt sei. Kulturelle Inhalte sind nicht nur variabel, sie sind auch umkämpft, wie sich am Minarettstreit in der Schweiz ebenso zeigt wie an den Versuchen, Asylbewerberheime oder Treffs anonymer Alkoholiker im eigenen Wohngebiet zu verhindern.

Wenn nun Kultur so variabel und unklar ist, wie kann man dann ein Grundrecht auf Kultur fordern und deren Schutz und Förderung beschließen wollen? Die offenkundigste Antwort auf diese Frage hat zwei Teile: Zum einen erlaubt es ein Grundrecht auf Kultur zweifelsfrei zu bestimmen, was als Kultur gelten soll, zum anderen erlaubt es ein solches Grundrecht, Steuermittel für die Förderung der entsprechend bestimmten Kultur einzusetzen – und darum geht es, die eigenen Marotten als Kultur zu bezeichnen und mit dem Geld anderer finanzieren zu lassen. Die ernstere Seite der Marotte ergibt sich über die Möglichkeit, Kultur, ist sie erst einmal bestimmungsbedürftig, weil grundgesetzlich verankert, zu nutzen, um alles, was einem nicht passt, aus der „Kultur“ auszugrenzen, regelrecht als Unkultur zu brandmarken (man denke z.B. an die Diskussionen um Ohrlöcher und Beschneidung) und die eigenen Vorstellungen von Kultur zum Standard zu erheben. Aber natürlich schwebt der SPD nicht der Schutz der Arbeiterstammtische und deren Finanzierung aus Steuermitteln vor oder eine Bestandsgarantie für Arbeitersportvereine. Kultur besteht für die SPD aus Bibliotheken, Theater, Orchestern und Kinos.

Ja.

Angesichts der Probleme bei der Bestimmung von Kultur, wie ich sie oben beschrieben habe, ist die Bestimmung von Kultur durch die SPD-Fraktion eher, wie soll ich sagen, eng?; engstirnig?; langweilig?; interessengruppenzentriert?; mittelschichtlasting?; hausbacken? … Wie auch immer, die Definition braucht etwas Politur, denn Kultur ist „wichtig“: „Die Aufnahme der Kultur als Staatsziel unterstreicht die Bedeutung von Kultur für unsere Gesellschaft und stärkt die kulturellen Belange durch ihren Verfassungsrang in politischen und juristischen Abwägungsprozessen“. Sind Ihnen die „juristischen Abwägungsprozesse“ aufgefallen? Was, wenn nicht das, was als Kultur zu gelten und zu fördern ist, soll hier wohl juristisch abgewägt werden? Der Antrag der SPD-Fraktion ist also nichts anderes als eine Form von kulturellem Totalitarimus oder kulturellem Absolutismus – und das hatten wir auch schon mal… Und wenn man bedenkt, dass sich die SPD noch vor kurzem gegen eine deutsche Leitkultur ausgesprochen hat, dann wird dieser Widerstand angesichts dieses Antrags nunmehr verständlich, denn damals ging es um die Leitkultur, und das ist falsch, nun geht es um das, was die SPD als Kultur versteht, und das ist richtig.

Doch zurück zum Anfang: Kultur ist wichtig! Und weil dem so ist, hier noch ein paar Anregungen, von denen ich hoffe, dass sie in Artikel 20a des Grundgesetzes als schützens- und vor allem förderungsbedürftig aufgenommen werden:

  • Die bayerische Weißwurst muss als Kulturgut Verfassungsrang erhalten.
  • Die pfälzische Dampfnudel auch.
  • Innovationen sind bekanntlich wichtig, entsprechend ist ihnen Verfassungsrang einzuräumen.
  • Nicht zu vergessen, die SPD muss als Kulturgut geschützt und vor allem gefördert werden.
  • Deutsche Steckrüben werden von fremdländischem Mais verdrängt. Sie sind entsprechend zu fördern und zu schützen – oder umgekehrt: zu schützen und zu fördern.
  • Deutsche Musik ist zu schützen und zu fördern, z.B. durch eine Quote von 70%, d.h. 70% der Musik, die in Radio- oder Fernsehsendern gesendet wird, muss deutschen Ursprungs sein.
  • Deutsch ist übrigens alles, was von der SPD als „deutsch“ festgelegt wird. Dazu wird eine unter dem Schutz von Artikel 20a GG einzurichtende Deutschtumbestimmungskommission, die sich aus SPD-Mitgliedern des Bundestages bestückt (jedes davon in 10ter Generation deutsch, was durch die nachträgliche Bestimmung von „deutsch“ zu verifizieren ist), ins Leben gerufen und aus Steuermitteln finanziert.
  • Alle Archive, Gebäude, Zeitungen, Radiosender und Grundstücke, die sich im Besitz von SPD Bundespartei oder lokaler SPD Gliederungen befinden, gelten als Kultur und sind daher zu schützen und zu fördern.
  • Förderungswürdige Darbietungen in Kino, Theater und Oper werden vorab bestimmt, damit sie auch vor leeren Rängen stattfinden können.
  • Feminismus als US-amerikanisches Kulturgut ist als undeutsch und kulturfremd abzulehnen, und entsprechend sind alle Fördergelder zu streichen. Es ist eine deutsche Variante der feministischen Kultur zu entwickeln, die unter den Schutz von Artikel 20a gestellt werden kann und vorsieht, dass Frauen sich fortpflanzen (mit oder ohne Mann) und sich ansonsten durch staatliche Intervention in entsprechende, gewünschte oder vorgesehene kulturell vorgegebene Positionen verschieben lassen. Alles weitere regeln Landesgesetze.

Literatur
Kroeber, Alfred Louis & Kluckhohn, Clyde (1952). Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions. Cambridge: Cambridge University Press.

Bildnachweis:
University of Tennessee
Sommelier India

Ende einer Genderphantasie: Die „Gläserne Decke“ in Scherben

Mike Buchanan, der Chief Executive der Campaign for Merit in Business hat ein ganzes Buch geschrieben, in dem er die Behauptung, dass in Unternehmen angeblich eine gläserne Decke fähige Frauen daran hindert, in Führungspositionen aufzusteigen, analysiert. Seine langjährige Erfahrung als Manager in Unternehmen und aus der Psychologie entlehnte Argumente werden von Buchanan gekonnt in ein Netz aus Argumenten verwoben, das die Protagonisten eines „glass ceilings“ wie delirische Anhänger eines Kults aussehen lässt, der offensichtlich „high“ macht.

Während Mike Buchanan die Argumente, die für die Existenz eines „glass ceiling“ vorgebracht werden, gekonnt mit Logik, gesundem Menschenverstand, einem Spritzer britischem Humor und aus der Psychologie entnommenen Argumenten widerlegt, hat Fabian Ochsenfeld empirische Belege dafür geliefert, dass es eine gläserne Decke in deutschen Unternehmen nicht gibt, dass niemand fähige Frauen daran hindert, in Führungspositionen aufzurücken, wie dies die Anbeter der gläsernen Decke behaupten. Der Beitrag von Fabian Ochsenfeld, der unter dem seltsamen Titel „Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten?“ erschienen ist, wurde ausgerechnet in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (KfZSS) veröffentlicht und somit in einer Zeitschrift, die sich nicht gerade durch orginelle und nicht politischer Korrektheit gewidmete Beiträge auszeichnet. Dass der Text von Ochsenfeld es dennoch in die KfZSS geschafft hat, mag einerseits seinem seltsamen Titel geschuldet sein, andererseits ein Ergebnis der Angewohnheit vieler Reviewer, die Texte, die sie zu beurteilen haben, nur noch oberflächlich, wenn überhaupt zu lesen. Wie auch immer, da ist er, schwarz auf weiß und schwarz auf weiß ist jetzt zu lesen, dass alle, die behaupten, dass es eine gläserne Decke gibt, etwas behaupten mögen, was ihnen persönlich einen finanziellen Vorteil verschafft, aber doch nicht von dem verschieden sind, der auf dem mittelalterlichen Jahrmakt ein Krötenelixier verkauft, das diabolische und unsichtbare Warzen auf der Nase wirkungsvoll bekämpft, denn: eine gläserne Decke gibt es nicht.

Dabei haben die Genderisten ihre seltsame Phantasie über Jahre bemüht, um Sätze zu akkumulieren, die man dann als Theorie bezeichnet hat und die plausibilisieren sollten, dass es eine gläserne Decke in Unternehmen gibt, die geeignete Frauen von Führungspositionen abhält. Was haben wir nicht alles an Phantasien zu lesen bekommen:

  • Im Rahmen so genannter Diskriminierungstheorien wurde gemutmaßt, dass Personalchefs und Manager Frauen bei Rekrutierungs- und Beförderungsentscheidungen benachteiligen. Mit jeder Einstellung eines neuen Mitarbeiters und mit jeder Beförderung eines Mitarbeiters in eine leitende Position ist ein Risiko verbunden, denn man weiß vor der Einstellung bzw. der Beförderung nicht, ob der entsprechende (neue) Mitarbeiter die Fähigkeiten hat, die notwendig sind, um die neue Position auszufüllen. In dieser Situation, so die Vertreter der Diskriminierungsthese, würden Personalchefs und Manager die Ausfallwahrscheinlichkeit als Näherungswert Nutzen, um die Unsicherheit, die den jeweiligen Kandidaten umgibt, zu reduzieren. Die Gleichung ist dann einfach: Manche Frauen werden schwanger. Schwangerschaft ist Ausfallzeit, deshalb keine Frauen in wichtige Positionen rekrutieren oder befördern. Eine nette Phantasie und noch dazu ein Fehlschluss, den nur Kollektivisten machen können. Zum einen ist mir nicht klar, wie Ausfallzeit einen Hinweis auf Befähigung geben soll. Sie gibt einen Hinweis auf Motivation, da niemand annehmen wird, wer wenig Zeit im Unternehmen verbringt, ist hoch motiviert, aber das passt natürlich nicht zur Diskriminierungs“theorie“. Zum anderen liegt ein Fehlschluss vor, denn wenn manche Frauen schwanger werden, kann man nicht allen eine Schwangerschaft bzw. ein entsprechendes Ausfallrisiko zuschreiben. Man muss also individuell anhand der konkreten Person und nicht anhand ihrer Gruppenzugehörigkeit entscheiden, so, wie es in den meisten Unternehmen auch geschieht, aber das nur nebenbei.
  • Die Vertreter der ersten Frauenaufstiegsbehinderungsphantasie machen sich immerhin noch die Mühe, zu argumentieren. Dieser Mühe unterziehen sich die Vertreter der zweiten Frauenaufstiegsbehinderungsphantasie nicht. Sie konstatieren schlicht, dass Frauen diskriminiert werden, wenn es um innerbetrieblichen Aufstieg geht und dass Männerbünde verhindern, dass Frauen aufsteigen. Offensichtlich ist keine „Theorie“ unsinnig genug, als dass sie nicht von Viviane Reding transportiert werden würde: „Most companies have understood this and encourage diversity at all levels. Indeed, according to many studies, mixed-gender business teams perform better than all-male companies. To say it bluntly: in today’s environment, a group of middle-aged, business suit wearing men will not make the cut. A team of leaders that cannot relate to the background and daily lives of large parts of the population is simply not good enough“. Warum Manager das tun sollten, dafür bleibt Reding übrigens jede Erklärung schuldig, aber seit Ute Scheub uns erklärt hat, dass diese Topmanager eigentlich Topmachos sind, die sich einen „Stall voller Geliebter“ halten, ist zumindest deutlich geworden, welches Bild von Frauen Genderisten, die Frauen als willige Instrumente in den Händen von Topmachos sehen, haben.

Damit sind die Phantasien der Genderisten dargelegt: Arme fähige Frauen, die sich nicht zu helfen wissen, werden von bösen Machos (, die mit dem Stall) am Aufstieg gehindert, gar nicht erst rekrutiert oder in die Randbelegschaft abgeschoben, die bei keiner Beförderung berücksichtigt wird. Das ist die Phantasie. Nun zur Realität, wie sie Fabian Ochsenfeld für Deutschland beschreibt. Ochsenfeld verfolgt (nicht persönlich, sondern anhand eines Datensatzes) 1.780 männliche und 2.466 weibliche Hochschulabsolventen auf ihrem Berufsweg nach Verlassen der Universität. Die Daten entstammen dem HIS-Absolventenpanel, das im Jahr 1997 initiert wurde und im Jahre 2007 seine dritte Befragungswelle gesehen hat. In dieser dritten Befragungswelle identifiziert Ochsenfeld 42% der männlichen Absolventen des Jahres 1997 und 23% der weiblichen Absolventen des Jahres 1997 in dem, was er eine „erste Managementposition“ nennt (524), also in zumindest ansatzweise leitender Funktion. Der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Absolventen von (42-23=)19% ist das, was Ochsenfeld im weiteren Verlauf seiner Analyse und in methodisch nicht zu beanstandender Weise (z.B. rechnet er mehrere Modell, nicht nur logistische Regressionen und gibt die Güte seiner Modelle an) erklären will und erklärt, und zwar mit zwei Variablen:

  • der Wahl des Studienfachs und
  • der Entscheidung, sich fortzupflanzen.

Beide Variablen erklären den Unterschied in der Wahrscheinlichkeit, eine „leitende“ Position inne zu haben,  zwischen männlichen und weiblichen Absolventen von 19% fast vollständig. Dazu zusammenfassend Ochsenfeld: Der These von der gläsernen Decke „unterliegt die Vorstellung, dass die Unterrepräsentierung [von Frauen in Spitzenpositionen von Unternehmen] maßgeblich das Resultat einer betrieblichen Diskriminierung von Frauen sei … Diese Sicht der Dinge hat durch unsere empirische Analyse keine Bestätigung erfahren“. Hätte den Autoren an dieser Stelle nicht der Mut verlassen, den er bei der Konzeption seiner Analyse scheinbar noch gehabt hat, er hätte geschrieben, dass die These von der gläsernen Decke widerlegt wurde. Und weiter: „Die eklatante Unterrepräsentation von Frauen schon in ersten Managementpositionen konnte fast vollständig durch zwei Variablengruppen erklärt werden, die überbetriebliche Faktoren abbilden. Frauen ensteht ein deutlicher Karrierenachteil durch geschlechtsspezifische Muster bei der Wahl des Studienfachs am Übergang von der Schule zur Hochschule. Als noch bedeutsamer erwiesen sich die für Männer und Frauen sehr unterschiedlichen Folgen der Familiengründung. Elternschaft geht bei Frauen mit einer beinahen Halbierung der Wahrscheinlichkeit einher, zehn Jahre nach dem Examen eine Managementposition inne zu haben“ (527-528).

Ich weiß nicht, was Ochsenfeld dazu bewegt hat, seine Ergebnisse derartig verquer zu berichten. Herr Ochsenfeld, sowohl die Wahl des Studienfaches als auch die Entscheidung, seiner Fertilität zu frönen, ist eine individuelle Entscheidung! Niemand wird gezwungen Anglistik und Kulturwissenschaft zu studieren und niemand wird gezwungen, sich fortzupflanzen. Entsprechend entstehen aus beiden Entscheidungen keine Benachteiligungen, sondern es darf angenommen werden, dass beide Entscheidungen entsprechende Abwahlen zeigen: Wer Kulturwissenschaft studiert, wählt Ingenieurwissenschaft ab, und wer Mutter werden will, wählt damit die Führungsposition im Unternehmen ab. Man kann nicht beides haben, es gibt nur ein entweder oder: Entweder man will Karriere machen oder man will Mutter sein. Für Genderisten besonders tragisch ist hier die Tatsache, dass an dieser Entscheidungsstruktur nichts zu ändern ist, denn schwanger werden nun einmal Frauen und nicht Männer.

Allerdings zeigt sich an dieser Stelle, worum es Genderisten eigentlich geht, nämlich um krudes und plattes rent seeking: An die Stelle der Männer, die gut für eine Führungsposition geeignet sind, weil sie z.B. Wirtschafts- oder Ingenieurswissenschaften studiert haben, sollen Frauen treten, die Anglistik oder Kulturwissenschaft studiert haben. An die Stelle von Männern, die sich mit 100% ihrer Energie und ihres Engagements Karriere und Arbeit verschreiben, sollen Frauen treten, die durch ihre Wahl, Mutter zu werden, bereits gezeigt haben, dass sie andere Prioritäten in ihrem Leben haben. Dass Unternehmen und vor allem ihr Profit Schaden nehmen muss, wenn nur halbtagsmotivierte Mütter in Führungsetagen zu finden sind, ist offenkundig: Erfahrungsgewinne und Lernkurven setzen einen vollen Einsatz voraus, volles Engagement, aber diese Voraussetzungen sind in einer infantilen Gesellschaft wie der deutschen Gesellschaft „out“, hier sollen Frauen alles haben, Mutterschaft und Führungsposition, und zwar ohne vollen Einsaz, ohne volles Engagement und ohne die entsprechende Erfahrung…

Es wird spannend sein zu sehen, wie weit man die europäische und die deutsche Wirtschaft „abwirtschaften“ kann, bis deutlich wird, dass man nicht nebenbei etwas leisten kann. Die Ergebnisse aus Norwegen, die Kenneth Ahern und Amy Dittmar veröffentlicht haben, geben einen Vorgeschmack auf das Ausmaß der negativen Wirkung einer Frauenquote: Es geht munter bergab – und das ist es wohl, was Genderisten lieben: den Abschwung, wenn um sie herum alles nieder geht, dann scheinen sie in ihrem Element zu sein, wie der Elexierverkäufer im Mittelalter. Auch er hat am Leiden seiner Mitmenschen verdient.

Ochsenfeld, Fabian (2012). Gläserne Decke oder goldener Käfig: Scheitert der Aufstieg von Frauen in erste Managementpositionen an betrieblicher Diskriminierung oder an familiären Pflichten? Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 64(3): 507-534.

Bildnachweis:
Capitalogix

Buchanan, Mike (2011). The Glass Ceiling Delusion (the Real Reasons More Women Don’t Reach Senior Positions). Amazon.de

Alles schon mal da gewesen

Erinnern Sie sich noch an: „Deutsche, kauft nicht bei Juden“. Haben Sie schon von den vielfältigen Versuchen gehört, den Philosophen „Peter Singer“ daran zu hindern, einen Vortrag an der Universität Duisburg zu halten? [Singer selbst berichtet unter dem Titel „Wie man in Deutschland mundtot“ gemacht wird, im Anhang zu seiner Praktischen Ethik von den Vorgängen.] Erinnern Sie sich noch an den Militärhistoriker Martin van Creveld, der zunächst an die Universität Trier eingeladen und dann wieder ausgeladen wurde, weil sich „Widerstand“ gegen ihn formierte?

Alle diese Glanzleistungen deutscher Diskussionskultur haben eines gemeinsam: Sie werden von Personen getragen, die in der Regel das, wogegen sie sind, nur unter Schlagworten kennen, von Personen, die offensichtlich zu feige sind, eine inhaltliche und argumentative Auseinandersetzung zu suchen und die sich selbst für die Krone der moralischen Entwicklung halten. Zweifel an der eigenen Position, so überhaupt vorhanden, kennen diese Personen nicht, und noch weniger kennen sie Hemmungen, wenn es darum geht, andere zu diffamieren. (Wer sich die Mühe macht, Peter Singers Bericht zu lesen, wird feststellen, dass die meisten derjenigen, die Peter Singer niedergeschrieen haben, keinen seiner Texte/keines seiner Bücher gelesen haben. Sie haben sich vielmehr zur bereitwilligen Verfügungsmasse von Leuten gemacht, die aus welchen Gründen auch immer, ein Interesse daran hatten, Peter Singer mundtot zu machen.)

Jüngstes Beispiel aus der deutschen Diffamierungskultur, in der die fehlenden Argumente durch aufgeregte Aufrufe und Agitation ersetzt werden sollen, ist ein Aufruf mit dem Titel „Männerkongress unmöglich machen! Maskulisten demaskieren.“ Der Aufruf, der sich liest, als wäre er aus der Feder allseits bekannter Wikipedia-Autoren, ruft, wie die meisten seiner Vorbilder, dazu auf, sich gegen etwas zu wenden, vergisst aber anzugeben, warum er sich gegen das „etwas“ wendet.

So beginnt der Aufruf, der sich gegen einen Männerkongress unter dem Titel „Scheiden tut weh – Elterliche Trennung aus Sicht der Väter und Kinder“ richtet und somit gegen ein Thema, das mir zugegebener Maßen gar nicht am Herzen liegt, mit dem folgenden Satz:

„Da dieser Kongress reaktionären, homophoben, und antifeministischen Positionen und Personen, wie z.B. Gerhard Amendt und Eckhard Kuhla, ein Forum bietet, rufen wir hiermit dazu auf, sich am 21.9 den Protesten anzuschließen.“

Regelmäßige Leser dieses blogs werden sich schon denken können, was jetzt kommt: Liebe Aufrufer, einmal davon abgesehen, dass die Anhäufung von Adjektiven „reaktionär“, „homophob“ und „antifeministisch“ keinen Informationsgehalt hat und wenig über den Aufschrei kleiner Kinder, die den Boden beschimpfen, auf den sie gerade gefallen sind, hinausreicht, wolltet ihr ernstgenommen werden, dann müsstet ihr ein Argument angeben. Dazu wiederum wäre es im ersten Schritt notwendig zu definieren, was unter reaktionär, homophob und antifeministisch verstanden werden soll. Sodann müsste im zweiten Schritt geprüft werden, wie die Definition messbar gemacht, also operationalisiert werden kann, um im dritten Schritt zu prüfen, ob Gerhard Amendt und Eckhard Kuhla die nunmehr per Operationalisierung zusammengestellten Kriterien erfüllen, um somit berechtigt als „reaktionär“, „homophob“ oder „antifeministisch“ bezeichnet zu werden.

Ich will es einmal bei „homophob“ belassen, da ich nichts Schlimmes daran finde, „antifeministisch“ zu sein und „reaktionär“ seit den Tagen der Weimarer Republik (1919-1933!) seinen Reiz verloren hat (ich empfehle hier ein update, z.B. Globalisierungsbejaher oder Bankerfreund). Homophob definiert der Duden als die Homophobie betreffend. Homophobie wiederum wird als krankhafte Angst vor und Abneigung gegen Homosexualität definiert. Liebe Aufrufer, ich denke, es wäre angebracht, die Wortbedeutungen nachzuschlagen, dann festzustellen, dass eine krankhafte Angst etwas ist, was bestenfalls in klinischen Tests oder psychologischen Experimenten festgestellt werden kann, wenn es der Betroffene nicht für sich in Anspruch nimmt, sodann den Gedanken zu fassen, dass die Bezeichnung „homophob“ dann, wenn sie nicht zutrifft, mindestens eine Beleidigung, wahrscheinlich auch eine Verleumdung und somit einen Straftatbestand darstellt und endlich, die Bezeichnung zu entfernen und zu hoffen, dass sich noch kein Anwalt auf den Weg gemacht hat, um mit einer Abmahung leichtes Geld zu verdienen.

Das nächste, was mich an diesem Aufruf besonders negativ berührt hat, ist der erste Satz des zweiten Abschnittes:

„Wir können nicht tolerieren, dass unter dem Deckmantel des Mitgefühls gegenüber Kindern Protagonisten der antifeministischen „Männerrechtsbewegung“ eine Plattform geboten wird.“

Da ist er wieder: „Deutsche, kauft nicht bei Juden“. Nur sind die Juden derzeit „Protagonisten der antifeministischen Männerrechtsbewegung“. Und diese Protagonisten können nicht toleriert werden, sie sind erst einmal nur mundtot zu machen. Einerseits sind solche Aussagen einfach nur kindisch, andererseits, und deshalb habe ich den Vergleich mit dem Dritten Reich gewählt, muss man sie ernst nehmen, sind sie doch Ausdruck dessen, was  in der Psychologie und seit Milton Rokeach als Dogmatismus bekannt ist. Dogmatismus beschreibt im Anschluss an die von Adorno und seinen Mitarbeitern benutzte F-Skala eine autoritäre Einstellung, die sich durch „closed mindedness“ (Borniertheit) auszeichnet. Closed mindedness wiederum basiert auf einer breiten Basis von Unkenntnis und darauf, dass die entsprechenden closed minds nicht einmal im Traum darauf kämen, an einer ihrer schlecht bis gar nicht fundierten, von anderen übernommenen und rein affektiv getragenen Positionen zu zweifeln. Der zitierte Satz drückt diese closed mindedness in geradezu phänotypischer Weise aus.

Hinzu kommt die Verweigerung des Dialogs, die dazu führt, dass aus der closed mindedness eine geschlossene kultische Angelegenheit wird, die nur noch darauf aus ist, Menschen, die als zur Gegenseite gehörig wahrgenommen werden, zu schaden. Sie zu diskreditieren. Sie mit Adjektiven zu brandmarken. Ihnen die Menschlichkeit abzusprechen. Sie zu Aussätzigen zu erklären, mit denen man nicht spricht und bei denen Deustche nicht einkaufen. Die Übereinstimmungen zwischen dem Nazi Slogan und dem besprochenen Aufruf sind überdeutlich. Überdeutlich ist auch der Urheber des Aufrufs, der entweder die Wikipedia intim kennt und nutzt, um dort die Diffamierungen, die sich im Beitrag zu Gerhard Amendt finden, wortgenau zu übernehmen oder derjenige ist, der die entsprechenden Beiträge zu verantworten hat. Für letztere Annahme spricht die Wiederkehr unseres alten Bekannten Hinrich Rosenbrock im Aufruf, der genau das Schichsal nimmt, das ich ihm vor Monaten schon prophezeit habe: Er wird immer dann aus dem Hut gezaubert, wenn jemand Verleumdungen über andere ausgießen will, aber zu feige ist, seinen eigenen Kopf dafür hinzuhalten.

Apropos Kopf hinhalten. Der Aufruf ist von einigen feministischen Organisationen, daruter das Frauenreferat an der Universität Düsseldorf und das Genderreferat AStA FH Düsseldorf unterzeichnet. Beide sind zwar an Universitäten angesiedelt, haben durch die Unterstützung dieses Aufrufs aber deutlich gemacht, dass sie nicht einmal im Ansatz eine Idee davon haben, was universitärer Geist eigentlich ist oder dass sie keinen Wert darauf legen und ihn ganz bewusst mit Füssen treten. Sie wollen Diskussion, Auseinandersetzung und alles, was ihnen ideologisch nicht passt, unterbinden und haben entsprechend nichts an Universitäten verloren. Ich fordere daher die Universität Düsseldorf und die Fachhochschule Düsseldorf auf, die Finanzierung dieser wissenschaftsfeindlichen und die Meinungsfreiheit unterdrücken wollenden Organisationen einzustellen. Wer sich dieser Forderung anschließen will, kann mir eine Email schreiben.

Michael Klein
Dr. habil. Heike Diefenbach
Dr. Frank Münster
Holger Sulz
Stefan Trost
Klaus Ketterer

Klaus Ketterer hat zu seiner Unterstützung Folgendes geschrieben:

„Mit vehementer Zustimmung schließe ich mich Ihrem Aufruf an, die offenkundig von antidemokratischem und sexistischem Geist beherrschten Institutionen der FH Düsseldorf (hier: das AStA Genderreferat) und der Universität Düsseldorf (dort: das Frauenreferat) nicht mehr mit öffentlichen Geldern zu unterstützen, da deren Forderungen ganz offenkundig den Grundwerten unserer Verfassung und dem demokratischen Geist überhaupt zuwider laufen. Als vernunftbegabter und mit eigenständigem Denkvermögen ausgestatteter Mensch kann man nur „antifeministisch“ und „antimaskulinistisch“ sein, also „anti-sexistisch“ denken. Ich kenne Eckhard Kuhla und Prof. Amendt persönlich, und weiß daher, dass ihnen jede Form der oben angesprochenen ideologischen „-ismen“ fern liegt, weil sie im Gegensatz zu ihren Kritikern durch ihre Intelligenz an solchen Denkschemata gehindert werden. Wie stellt sich übrigens das Männerreferat der Universität Düsseldorf (dessen Existenz ich im Geiste der Geschlechter-Gleichberechtigung einmal unterstelle) und die Leitung der Universität Düsseldorf zu der antidemokratischen Hetze des dortigen Frauenreferats?“

Bildnachweis
Tapfer im Nirgendwo
RLV