Equal Pay Day – Funktionärsgebrabbel und Wirklichkeit

Wissen Sie, warum regelmäßig normale Tage oder ganze Wochen mit irgendwelches Symboliken überfrachtet werden? Da gibt es den Tag der Arbeit, den Muttertag, den Tag der Einheit, den Boy’s Day und den Girl’s Day, den Frauentag und das sind nur einige der besonderen Tage. Der volle Umfang der besonderen Tage bietet sich dem Auge des Betrachters auf den entsprechenden Seiten der UN, jener Organisation, die Blauhelme in Länder schickt, um dort zu sein, die Mandate vergibt, um UNRIC-DELänder, die keine Blauhelme wollen, zu überrennen, und deren Vertreter sich ansonsten mit Reden und Forderungen hervortun. Wen wundert es, wenn die Funktion einer Organisation sich weitgehend in Sprachübungen erschöpft, dass sich die Vertreter der entsprechenden Organisation als besonders kreativ im Erfinden sprachlicher Widmungen für “Tage” zeigen? Wer an diesem Talent der UN-Vertreter zweifelt, der möge einen Blick auf die “Liste der besonderen Tage” werfen. Hier finden sich u.a.:

  1. der internationale Tage des Radios (13. Februar)
  2. der internationale Tag der Muttersprache (21. Februar)
  3. der Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden (8. März)
  4. der internationale Tag des Glücks (20. März)
  5. der Welttag der Poesie (21. März)
  6. welttollwutder Welt Tuberkulose Tag (24.März)
  7. der internationale Tag der Mutter Erde (22. April)
  8. der Internationale Tag des Jazz (30. April)
  9. der internationale Tag gegen Kinderarbeit (12. Juni)
  10. der Tag des öffentlichen Dienstes (23. Juni)
  11. der internationale Tag der Freundschaft (30. Juli)
  12. der Welt-Tollwut Tag (28. September)
  13. der internationale Tag der menschlichen Solidarität (20. Dezember)

Fehlt was? Vermissen Sie einen Tag, z.B. den Tag der Fingerfarben, den Tag der Erfindung des Penicillin, den Tag der Karosserie und des Fahrwerks oder den Tag des Erwachens? Ist noch ein Tag ohne Widmung? Der 8. Mai zum Beispiel oder der 24. Dezember, aber halt, am 24. Dezember, da war schon was. Was nur? Man verliert so leicht den Überblick, bei all den besonderen Tagen des Jahres. Wie dem auch sei, trotz aller Tageswidmungen ist die UN für einen Tag nicht verantwortlich, nämlich den Equal Pay Day. Dafür will nicht einmal, wie es scheint, die UN die Verantwortung übernehmen. Wo der Equal Pay Day herkommt, kann man der in ideologischen Dingen wie immer bestens unterrichteten Wikipedia entnehmen.

Der Equal Pay Day feiert jährlich ein Goldenes Kalb, das vor einigen Jahrzehnten erfunden wurde und dessen bpwKern in der Behauptung besteht, dass Frauen trotz gleicher Qualifikation für die gleiche Arbeit weniger Lohn erhalten als Männer. Diese Behauptung, ein Mantra des Staatsfeminismus, hat dabei geholfen, unzählige Frauenfunktionäre in Lohn und Brot zu bringen und es hat mit dem Begriff “Gender Pay Gap” auch in Deutschland eine anhaltende Präsenz gefunden, wenngleich es in letzter Zeit Bestrebungen gibt, von Entgeltgleichheit zu sprechen. Ungeachtet seines Ursprungs ist der Equal Pay Day ein Fest, das sich Staatsfeministen in Deutschland nicht entgehen lassen können und so finden wir z.B. beim DGB eine traute Runde empörter Aktivistinnen, die die “Entgeltgleichheit endlich gesetzlich regeln” lassen will. (Ist Ihnen schon aufgefallen, dass der Staat als Regler an die Stelle von Gott getreten ist? Früher hat man die Kirche angerufen, um etwas zu regeln, heute den Staat, geändert hat sich indes die Zahl und Gruppe derer, die von den Regelungen profitieren…). Die ScienceFiles-Lesern gut bekannte Ingrid Sehrbrock (“unsere” Ingrid) hat sich dieses Mal Verstärkung geholt und gemeinsam mit Hannelore Buls und Edda Schliepack anlässlich des “diesjährigen Equal Pay Day” ein “RECHT auf Mehr” gefordert.

Wir haben auf ScienceFiles schon wiederholt gezeigt, dass es kein Gender Pay Gap gibt. Da aber manche sich entschlossen haben, begriffstutzig sein zu wollen und weiterhin versucht wird, das Gender Pay Gap in die Hirne der Bundesbürger einzuhämmern, so wie man früher versucht hat, die Erde als Scheibe und im Zentrum des Universums im Hirn von Menschen zu verankern, präsentieren wird hier abermals die gesammelten Beweise der Beiträge auf ScienceFiles, die bislang gezeigt haben, dass das Gender Pay Gap erfundener Unsinn ist.

Das Gender Pay Gap ist eine Erfindung

Unter Statistikern ist es bekannt, dass man mit Daten ziemlich leicht Artefakte erzeugen kann. Artefakte beschreiben z.B. Unterschiede auf Aggregatebene, die keinerlei Sinn tragen, die sich als bloßer Unterschied darstellen, wie ihn z.B. eine Statistik darstellen würde, die den Alkoholkonsum zwischen Deutschland und Ägypten vergleicht und aus der der Schluss abgeleitet werden würde, dass in Deutschland nur Säufer leben, weil der Pro-Kopf-Verbrauch im Vergleich zu Ägypten um ein Vielfaches höher ist. Da in Ägypten das Trinken von Alkohol zumindest in Öffentlichkeit verboten ist, käme vermutlich niemand, der bei Verstand ist, auf die Idee, ein Alk-Gap auszumachen und für Deutschland das Verbot von Wein und Bier zu fordern. Aber das Gender Pay Gap ist etwas anderes sagen diejenigen, die daran glauben, wie alle Gläubige, denen ihr Fetisch genommen wird. Deshalb will ich demonstrieren, wie einfach es ist, ein Pay Gap zu erfinden, in dem ich auch eines erfinde, das Nord-Süd Bundesland Pay Gap oder kurz: das Bundesland Pay Gap.

Bundesland Pay Gap

Die Abbildung zeigt die auf Bundesland aggregierten Bruttoeinkommen der Haushalte in den entsprechenden Bundesländern. Die Daten stammen vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (2009). Wie man sieht, bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern im Hinblick auf das Haushaltseinkommen. Ich habe die rot markierten Bundesländer zu südlichen Bundesländern erklärt und die blauen als nordliche angesehen und die durchschnittlichen Haushaltseinkommen für die beiden Ländergruppen der nördlichen und südlichen Bundesländer berechnet. Als Ergebnis habe ich für die südlichen Bundesländer ein monatliches Haushaltseinkommen von Euro 3396 und für die nördlichen Bundesländer ein solches von Euro 3134 erhalten. Das beweist die Existenz eines Bundesland Pay Gap (wenn man unterstellt, dass die meisten Haushalte ihr Einkommen durch Arbeit erzielen). Das Gap beträgt gut 8%! Ich hoffe, die “Existenz” dieses Bundesland Pay Gap wird ähnliche Reaktionen z.B. bei den Gewerkschaften nach sich ziehen, wie die “Existenz” des Gender Pay Gaps, da das Bundesland Pay Gap viel grundlegender ist als das Gender Pay Gap. Norddeutsche haben wie Süddeutsche zwei Hände, zwei Füße und ein Gehirn, entsprechend ist es unglaublich, dass sie, obwohl gleich ausgestattet, geringere Einkommen erzielen. Eine Ungerechtigkeit, die beseitigt werden muss!

So einfach ist es, ein Pay Gap zu konstruieren.

Dass derart konstruierte “Gaps” auf einer Reihe von Annahmen basieren, die letztlich nicht haltbar sind, weil nämlich die Grundgesamtheit zu diffus ist, als dass sich ein entsprechendes Pay Gap aufrecht erhalten ließe, haben wir erstmals in einem Beitrag vom 20. April 2011 gezeigt. Die Argumentation in ihrer leichten Verständlichkeit lautete: Wenn man zwei Gruppen vergleicht, in denen der Anteil halbtagstägiger, unerfahrener und zeitweise nicht verfügbarer und entsprechend motivierter Arbeiter unterschiedlich hoch ist, dann muss man sich nicht wundern, wenn unterschiedlich hohe Durchschnitssgehälter daraus resultieren. Da Frauen im Durchschnitt weniger arbeiten als Männer, entsprechend weniger Erfahrung haben, da sie weniger Wert auf eine Karriere legen, entsprechend weniger Motivation mitbringen und andere, in der Regel geringer bezahlte, aber einfacher zu verrichtende Berufe wählen als Männer, muss man sich nicht wundern, wenn die für Frauen aggregierten Einkommen einen geringeren Durchschnitt aufweisen als die für Männer aggregierten Einkommen. Wen das wundert, den kann man nur als dumm bezeichnen.

ss

Statistik-Grundlagen 2.Semester

Dass Beruf, Berufserfahrung, Ausbildung, Schulabschluss, Berufssparte usw. einen Effekt auf das Verdienst haben, hat man auch bei Eurostat, hauptverantwortlich für die Berechnung des Gender Pay Gap, bemerkt. Entsprechend ist die ursprüngliche Erfindung eines Gender Pay Gap als “unbereinigtes” Gender Pay Gap (22%) nach-spezifiziert worden und ihm ein bereinigtes Gender Pay Gap (8%) an die Seite gestellt worden, das wiederum eine Reihe der Variablen, von denen oben die Rede war, in Rechnung stellt. Über dieses “bereinigte” Gender Pay Gap haben wir bereits am 22. April 2011 berichtet. Damals haben wir darauf hingewiesen, dass dann, wenn man versucht, relevante Variablen zu berücksichtigen, die das Gender Pay Gap als die Erfindung, die es nun einmal ist, erklären, es nützlich wäre, alle relevanten Variablen zu berücksichtigen. Entsprechend haben wir am Beispiel der besser bezahlten Überstunden, von denen Männer mehr machen als Frauen, gezeigt, wie schnell das Gender Pay Gap verschwindet und wie schnell sich zeigt, dass Frauen tatsächlich nicht schlechter, sondern sogar besser bezahlt werden als Männer. Letzteres Ergebnis setzt voraus, dass man den Arbeitsaufwand, die Arbeitszeit in Rechnung stellt und somit ein Maß für Entgeltfairness, nicht Entgeltgleichheit berücksichtigt. Aber natürlich geht es Gewerkschaften nicht um Fairness, sondern um Gleichheit.

Schließlich haben wir in mehreren Beiträgen gezeigt, dass die Gehaltsunterschiede zwischen der Gruppe der Frauen und der Gruppe der Männer nicht auf die Diskrisminierung von Frauen zurückzuführen sind, sondern darauf, dass Frauen bestimmte Lebensentscheidungen treffen, die als Folge ein geringeres Gehalt nach sich ziehen. Während Frauen, so sie diskriminiert würden, dem Willen anderer unterworfen wären, sind sie also für ihr geringeres Durchschnittsgehalt durch ihre eigenen Lebensentscheidungen selbst verantwortlich. Die entsprechenden Beiträge:

Ich finde, wir haben bei ScienceFiles deutlich und selbst für begriffsstutzige Funktionäre nachvollziehbar gezeigt, dass es kein Gender Pay Gap gibt, das man, weil es durch Ungerechtigkeit entstanden ist, beseitigen müsste. Wer dies dennoch fordert, ist entweder dumm oder er versucht, sich einen Vorteil zu verschaffen. Dies sollte jeder, der die Reden zum “Equal Pay Day” zur Kenntnis nimmt, im Hinterkopf behalten.

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20 Responses to Equal Pay Day – Funktionärsgebrabbel und Wirklichkeit

  1. Sarah H. says:

    Sehr geehrter Herr Klein,

    ich bin sehr interessiert an Ihren Artikeln und sie scheinen mir auch sehr realistisch. Ich möchte diesem Thema kritisch gegenüberstehen, da ich wirklich daran interessiert bin die Wahrheit rauszufinden. Wie kommt es dazu, dass solch eine Grafik entsteht:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=575291742482012&set=a.307921372552385.84730.141612489183275&type=1&theater

    oder solch ein Artikel:

    http://www.sueddeutsche.de/karriere/equal-pay-day-zehn-gruende-warum-frauen-weniger-verdienen-1.1629745

    Hier wird ja sogar behauptet, dass die Frau einfach weniger verdient, weil sie eine Frau ist. Ich möchte gerne aufklärerische Arbeit an meiner Uni beitreiben und wäre Ihnen um Ihre Hilfe sehr dankbar.

    Sie würden mir sehr damit helfen, wenn sie mir erklären würden wie solche Zahlen wie im ersten Link zustande kommen. Das steht doch im Widerspruch mit folgendem Gesetz:

    http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/agg/gesamt.pdf

    Mit freundlichen Grüßen,

    Sarah

    • Abbildung 1 ist aus einem Projekt der Hans-Böckler-Stiftung, die auf Grundlage einer Umfrage errechnet werden, in deren Verlauf eine Unzahl interessanter Informationen erhoben werden, von denen man in den Presseveröffentlichungen der HB-Stiftung leider nichts erfährt. Ich wette dass dann, wenn man nach Berufserfahrung oder Position im Unternehmen (wird beides erfragt) kontrollieren würde, eine ganz andere Abbildung, als die, die sie verlinkt haben, herauskommt.

      Nun zu dem Blödsinn aus der Süddeutschen Zeitung:

      1. Frauen sind bescheidener als Männer = unbewiesene Behauptung, bei der mir nicht einmal eine Hypothese einfällt, warum das so sein soll. Wenn man die Ausgaben für Kleidung zur Grundlage nehmen würde, wäre dieser Behauptung schnell die Luft abgelassen.
      2. Rollenbilder, das Lamento von den “men clubs”, die Frauen nicht befördern, weil sie denken, Männer seien …, was auch immer. Dazu gibt es keine Forschung und abermals nur Behauptungen. Nimmt man jedoch die Ökonomie zur Hand und die Notwendigkeit für Unternehmen, in Humankapital zu investieren und die BEsten auf Positionen zu befördern, weil dann, wenn sie das nicht tun, die Besten abgeworben werden (Stichwort: poaching), dann ist die Behauptung nicht nur weltfremd sondern, ich will mal sagen, völlig uninformiert.
      3. Zufriedenheit – Wenn Frauen mit Ihrem Job zufrieden sind, z.B. weil sie weniger arbeiten müssen als Männer, dann stellt sich mir die Frage, wo die zitierte Frau Hinkel das Recht hernimmt, alarmiert zu sein.
      4. Falsche Jobwahl – Wenn ich mich entschließe, Maurer zu werden, verdiene ich weniger als wenn ich studiert hätte, um Professor für Soziologie zu werden (jedenfalls offiziell). Ist das nun die falsche Jobwahl? Wer hat das Recht, diese Jobwahl, die ich getroffen habe, vor dem Hintergrund einer Aggregatverteilung, die ihm nicht passt, zu kritisieren?
      5. Mangelnde Fortbildung – in diesem Absatz stehen vielen Behauptungen, für die es keine Belege gibt und was das Interesse an Weiterbildung mit dem Einkommen zu tun hat, ist mir nicht klar, schon weil Weiterbildung als Aggregatdatum viele Arbeitslose enthält, die natürlich ein Interesse an Weiterbildung haben sollten und die meisten Arbeitslosen nun einmal männlich sind…
      6. ungerechte Beurteilungskriterien = abermals nur Behauptungen, dieses Mal aber starker Tobak, was hat mein Engagement im Sportverein mit meiner Arbeit als Sachbearbeiter in der Univerwaltung zu tun? Wären Sie nicht verärgert, wenn jemand höheres Gehalt erhält als Sie, obwohl er schlechtere Arbeit verrichtet, nur weil er zweiter Vorsitzender im Sportverein ist?
      7. Berufspausen – jetzt kommen wir zur Crux. Das sind keine Pausen, sondern Ergebnisse von Lebensentscheidungen. Frauen entscheiden sich FÜR Kinder und damit GEGEN eine Karriere, denn um letztere zu machen, muss man sich nun einmal auf den Beruf konzentrieren. Wer anderes erzählt, lebt in einer anderen Welt oder ist öffentlich Bediensteter, der nichts zu tun hat. Niemand ZWINGT Frauen, sich für die Familie und gegen ihren Beruf zu entscheiden.
      8. Geringe Wertschätzung – Das ist kompletter Unsinn, denn in Pflegeberufen sind es nachweislich männliche Pfleger, die immer dann gerufen werden, wenn es etwas zu heben gibt.
      9. Dazu lesen Sie am Besten noch einmal meinen Artikel, denn dieser Unsinn ist es mir nicht wert, ihn noch einmal zu kommentieren.

      Ich komm’ nur auf 9 Gründe…scheinbar kann man bei der SZ nicht einmal zählen, auch ein Grund für das Gender Pay Gap

      Insgesamt ist der Beitrag ein Beispiel für zu viel Phantasie oder zu viel boshafte Energie.
      By the way, meine Argumente bleiben mein Eigentum, d.h. ich bitte um Quellenangabe.

  2. Sarah H. says:

    Hier ein besserer Link, falls sie auf den von Facebook nicht zugreifen können:

    http://www.boeckler.de/42502_42517.htm

  3. Sarah H. says:

    Keine Sorge, natürlich verweise ich auf deine Seite und den dazu passenden Berichte und auch auf deine Person.

    Zu 1:

    Also bist bist du der Ansicht, dass diese Zahlen falsch sind? Angeblich sind doch bei der Befragung alle Faktoren mit ein berechnet. Das heißt, ein falsches Ergebnis der Studie könnte nur durch falsche Angaben der Nutzer der Fragebögen entstehen?

    Ich habe viele deiner Artikel zur Entlohnung, wie auch zur Frauenquote gelesen und dadurch habe ich mich aufgeklärt gefühlt. Aber wenn ich dann solche Informationen sehe, wie auf der Seite der Hans-Bröckler Stiftung bin ich doch irritiert – da ja auch sie vorgeben, die Faktoren, auf welche auch du hinweist, mit ein berechnet zu haben.

    Diese Studien scheinen halt ebenfalls sehr klar mit ihren ‘Bildern’, wodurch sich dann viele Menschen wohl beeinflussen lassen.

    Was sind denn deine konkreten Gegenargumente gegn diese Studie? Was macht deine Studie glaubwürdiger als die des Hans-Bröckler Instituts? Schließen sich die Ergebnisse denn überhaupt gegenseitig vollkommen aus?

    Mir geht es darum, dass ich ca. einmal in der Woche das “Feministische Frauen und -Lesbenreferat der Uni Trier” besuche und ich somit in Verbindung mit den oben genannten Beiträgen gebracht werde. Ich finde das Thema echt komplex, da es mit so vielen gesellschaftliche, politischen und auch individuellen Hintergründen und Ursachen verknüpft ist, dass er es nicht einfach ist ein klares Bild zu gewinnen und zu bewahren, deshalb benötige ich sehr konkrete Angaben.

    Ich habe diesem Referat schon diesen Link zur Verfügung gestellt:
    http://www.iwkoeln.de/de/presse/pressemitteilungen/beitrag/beschaeftigungsperspektiven-von-frauen-nur-2-prozent-gehaltsunterschied-102500

    Daraufhin folgten, die Berichte, die ich dir oben gepostet habe. Ich finde es echt schade, wenn mit Fehlinformationen für eine Idee Werbung betrieben wird – denn das hat ja nichts mit Aufklärung zu tun. Unter anderem wurde auch dieser Link gepostet:

    https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10151355183982749&set=a.73469452748.75861.47930567748&type=1&theater

    Hier habe ich schon auf deine Seite verwiesen.

    Zu 2:

    1. Der Punkt Bescheidenheit finde ich auch schwachsinnig – wenn ich eine konkrete Vorstellung von etwas habe und diese anbringe, könnte ich das ja auch einfach als Durchsetzungsvermögen bezeichnen. Zudem ist es wie du sagst.

    2. Bei den Rollenbildern steht ja, dass dies das Fazit einer Studie über geschlechtsspezifische Lohndifferenzen, aussagt. Das heißt, hier wäre ja ein Beleg dafür gegeben, oder?

    3. Auch der Punkt Zufriedenheit hat ja mehr was mit der persönlichen Einstellung der Frau zu tun, die geändert werden kann.

    4. Auch die Berufswahl liegt ja in den Händen der Frau.

    5. Mangelnde Fortbildung – hier wird ja auch wieder eine Studie angeboten. Ich verstehe nun nicht was die Arbeitslosen damit zu tun haben. Ich meine, es geht doch hier darum, dass Frauen die Möglichkeit erhalten sich im Beruf weiterzubilden um so zu besseren Aufstiegschancen zu gelangen. Es wird behauptet, dass Frauen diese Fortbildungen meistens nicht vom Arbeitgeber finanziert werden, Männern aber schon eher. Die Studie, in der dies festgehalten wird, wurde nicht genannt.

    6. Wenige Stellenwechsel – auch ein persönlicher Entscheidungsgrund.

    7. Ungerechte Beurteilungskriterien – hier geht es ja darum, dass gesagt wird, dass Männer Vorteile durch eine ehrenamtliche Tätigkeit im Sportverein, beispielsweise, haben – Frauen jedoch in der Ausübung ehrenamtlicher Tätigkeiten durch die Arbeit für die Familie eingeschränkt sind und deshalb nicht davon profitieren können.

    8. Berufspausen – ja, ok, das Thema sehe ich ein bisschen kritisch – aber ok, ich ordne das jetzt vorerst auch einmal in den Bereich: persönliche Entscheidung.

    9. Geringe Wertschätzung – geht ja letztendlich auch auf persönliche Kompetenzen und Entscheidungen zurück. Aber natürlich ist die körperliche Belastung nicht die einzige, die bedacht werden soll, sondern auch die psychische und geistige. Nichts desto trotz ist die körperliche Anstrengung eines Müllmanns wohl höher, als die einer Krankenschwester.

    10. Hier beruft man sich ja wieder auf den ungereinigten Gender-Pay-Gap – was ja den Daten widerspricht, in welchen die Faktoren Bildungsstand, Teilzeitberufe, usw. mit ein berechnet wurden.Und auch der Wohnort ist letztendlich eine persönliche Entscheidung.

    • Marcel says:

      @Sarah
      Es ist lobenswert, dass Du der Sache auf den Grund gehen willst. Kritisches Denken ist heute dringend vonnöten. Leider kann man aus der Pressemitteilung vergleichsweise wenig entnehmen, weshalb ich auf gewisse Spekulationen angewiesen bin.

      Das Hauptproblem dieser Studie scheint mir darin zu liegen, dass zwar Berufe miteinander verglichen werden aber nicht Tätigkeitsprofile. Die Lohnstreuung innerhalb ein und desselben Berufes kann sehr gross sein. Deswegen reicht es IMHO nicht aus, Berufe miteinander zu vergleichen sondern man müsste das mit den konkreten Tätigkeiten tun, die wiederum zu Tätigkeitsprofilen zusammengefasst werden müssten. Nur dann ist eine Vergleichbarkeit zwischen ähnlichen Tätigkeitsprofilen wirklich gegeben.

      Kleines Beispiel: Wenn jemand Jurist ist, dann spielt es sehr wohl eine Rolle, ob dieser ein Richter an irgendeinem Gericht ist, als Staatsanwalt fungiert, als Anwalt in irgendwelchen juristischen Fachbereichen arbeitet oder als Rechtsberater (womöglich spezialisiert auf einen bestimmten Fachbereich oder geographischen Rechtsraum) in einem Unternehmen.

      Man kommt nicht darum herum, bei den untersuchten Mitarbeitern sehr detailliert nach ihren Tätigkeiten und den dazugehörigen Zeitaufwänden aufschlüsseln, um zu vergleichbaren Tätigkeitsprofilen zu kommen. Dazu müsste man wohl über eine längere Zeit hinweg systematisch die Arbeitsabläufe bei Mitarbeitern aufzeichnen. Mit einem einmalig verschickten Fragebogen wird man diesbezüglich keinesfalls zu aussagekräftigen Rohdaten kommen.

      Der Grad der Spezialisierung ist ebenfalls von grosser Bedeutung. Es ist beispielsweise ein Unterschied, ob jemand als Urologe arbeitet oder als Herzchirurg oder als Allgemeinmediziner, obwohl alle drei Ärzte mit Doktortitel und womöglich vergleichbarer Berufsausübungsdauer (und damit Erfahrung) sind.

      Ebenfalls ein Problem sind Berufe, in denen eine hohe Quote von Selbständigerwerbenden festzustellen ist. Bei Selbständigerwerbenden kann die Streuung bei der Lohnhöhe besonders gross sein, weil diese direkt mit dem Geschäftserfolg und dem damit verbundenen unternehmerischen Geschick und den Risiken zusammenfällt. Da kann sogar das Tätigkeitsprofil sehr ähnlich sein, aber die Lohnhöhe trotzdem stark variieren.

      Desweiteren sollten Führungsfunktionen gesondert berücksichtigt werden. Gerade Führungsfunktionen bringen deutliche Lohnvorteile mit sich, wobei noch erheblich ist, ob die Führungsfunktion in einem kleinen Betrieb oder in einem multinationalen Konzern wahrgenommen wird.

      Du siehst, Sarah, die Materie ist ziemlich komplex, wenn man sich genauer damit befasst. Man müsste also die böcklersche Originalstudie anschauen und wie akkurat dort die Erhebungen durchgeführt wurden, woraus dann wiederum die Graphik abgeleitet wurde. Ich bezweifle allerdings, ob in dieser Studie tiefgründig genug geforscht wurde, um zu einigermassen verlässlichen Lohnhöhenkorrelationen in Bezug auf die Geschlechter zu kommen.

      Insgesamt bezweifle ich aber aus prinzipiellen Überlegungen heraus, ob bei gleichen Tätigkeitsprofilen tatsächlich unterschiedliche Lohnhöhen zwischen den Geschlechtern herauskommen. Der allgemeine Kostendruck in einem freien Markt zwingt Arbeitgeber immer dazu, die Kosten möglichst tief zu halten. Wenn Frauen bei gleichem Tätigkeitsprofil und gleicher Leistung tatsächlich signifikant billiger wären, hätten clevere Marktteilnehmer als Arbeitgeber diese Einsparungsmöglichkeit längst ausgenutzt, worauf die Löhne der Männer (durch verringerte Nachfrage nach deren Leistung) schnell gesunken und die Löhne der Frauen (durch eine erhöhte Nachfrage nach deren Leistung) ebenso schnell gestiegen wären. Der Angleichungsdruck ist im freien Markt bei vergleichbaren Gütern/Dienstleistungen einfach immer da. Der freie Markt ist somit der beste Garant dafür, dass nach meritokratischen Grundsätzen heraus entlöhnt wird. Gewisse individuelle Unterschiede wird es aber immer geben.

      Nur in abgeschotteten Sondermärkten (z.B. Staatswirtschaft) können ideologisch begründete Lohnhöhen festgelegt werden, diese müssen dann allerdings um den Preis einer stetig erfolgenden Gewaltanwendung permanent gegen die Marktkräfte verteidigt werden – meist geschieht das über ein Abgabenregime, durch das der Bürger ohne direkte Gegenleistung ausgebeutet wird, woraus dann die subventionierten Gehälter und sonstigen Vergünstigungen der privilegierten Staatswirtschaftsprofiteure bezahlt werden. Hierin unterscheidet sich der Mafiaboss mit seinen Schutzgelderpressungen grundsätzlich nicht vom Staat mit seinem politischen Repressionsapparat, wenn man mal von den unterschiedlichen juristischen Formalitäten absieht.

      Ich hoffe, ich konnte Dir einige Denkanstösse geben. Ob diese eher praxis- und realitätsbezogenen Überlegungen aber beim mutmasslich stark ideologisierten Frauen- und Lesbenreferat der Uni Trier (deren Exponentinnen wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben dem freien Arbeitsmarkt ausgesetzt waren) nennenswerten Eindruck hinterlassen wird, wage ich zu bezweifeln. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Glück.

      • Harry says:

        “Bei Selbständigerwerbenden kann die Streuung bei der Lohnhöhe besonders gross sein,”

        Sie kann nicht nur, sie ist es.
        Die Fakten hierzu sind sogar durch die Kontrolle bei Wikipedia durchgelassen worden, s. in http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Pay_Gap Abschnitt “Erklärungsansätze”:

        “Die Erklärung der Einkommensunterschiede wird zusätzlich erschwert durch die Beobachtung, dass der Gender Pay Gap bei Selbständigen deutlich höher als bei abhängig Beschäftigten ist, obwohl hier Arbeitgeber als Quelle von Diskriminierungen ausscheiden. Die Analyse [9] berechnete auf Basis einer sehr großen Stichprobe für Deutschland ein unbereinigtes Gap von 44 % für Selbständige, von dem nur gut die Hälfte auf die bekannten Einflussfaktoren zurückführbar ist. Die Ursachen der verbleibend hohen Einkommensdifferenz von ca. 20 % konnten bislang noch nicht erklärt werden.”

        [9] Lechmann, Daniel S.J., und Schnabel, Claus (2012). What explains the gender earnings gap in self-employment? (PDF; 424 kB) Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Erlangen.
        http://doku.iab.de/externe/2012/k120402r07.pdf

        Das deutet stark darauf hin, daß bis dato wesentliche Einflußfaktoren auf das Einkommen entweder nicht als solche erkannt oder gar nicht oder nicht exakt genug erfaßt werden.
        Und zwar auch bei Angestellten, denn so verschieden sind die Tätigkeitsprofile zwischen Angestellten und Selbständigen wieder auch nicht.

        Nimmt man noch den Hinweis von Dummerjan März 22, 2013 um 12:54 zur Unterschätzung des statistischen Meßfehlers hinzu, dann steht man vor der unerfreulichen Erkenntnis, daß man alle publizierten Prozentzahlen eher als Schätzungen ansehen muß, die deutlich neben der Realität liegen können (in beiden Richtungen!).

        Jedenfalls liefern diese Schätzungen keine Grundlage für dirigistische Eingriffe.

  4. Sarah H. says:

    Oder habe ich das falsch verstanden? Welche Faktoren wurden denn bei der Berechnung der Lohnunterschiede beim Hans-Bröckler-Institut berücksichtigt – wie ich der Seite entnehmen kann, wurden hier die Faktoren ‘gleiche Arbeitszeit’ und ‘gleicher beruflicher Status’ mit einberechnet – welche Faktoren wurden nicht bei der Erstellung der Grafik beachtet oder wurden alle beachtet?

    P.S: Entschuldigen Sie, dass ich “Du” geschrieben habe. Das geschah unbewusst – ich wollte nicht unhöflich sein.

    Liebe Grüße,
    Sarah H.

    • Marco Meurer says:

      Hallo,

      es gibt das Gerücht, dass die Hans Böckler Stiftung ein Arm der Gewerkschaften ist, mit der Aufgabe, entsprechende Ideologisch mit entsprechenden Untersuchungen zu untermauern.
      Das Problem bei Statistiken ist, dass sie mit entspechender “Vorspannung” ziemlich leicht zu dem Ergebnis führen, welches gewünscht wird, wie dieser Artikel zeigt. Dazu muss nicht einmal böse Absicht vorliegen.

      Es wäre hier auch zu bedenken, dass z.B. bei einem/r Zahntechniker/in, Koch/Köchin oder gerade einem/r Versicherugnskaufmann/frau ein Teil der Vergütung stark von der zeitliche Flexibilität und dem Einsatz über die regulären Arbeitszeiten hinaus abhängen dürfte. Es gibt verschiedene Untersuchungen, dass z.B. Männer sehr viel eher zu Überstunden bereit sind, als Frauen und dies findet im Allgemeinen auch Berücksichtigung bei der Bezahlung, wird aber z.B. bei den Statistiken des Bundesamtes mal schnell unter den Tisch fallen gelassen.

      vg

  5. KaRa says:

    @Sarah: Hier noch einige Überlegungen zum Thema:

    1) Warum beschäftigen die Arbeitgeber noch immer Männer, wenn Frauen für fast 1/4tel weniger Lohnkosten die gleiche Arbeit leisten.
    Welcher Arbeitgeber ließe sich in der heutigen Zeit diesen Vorteil entgehen?

    2) Wieviele Personen ernährt eine Frau im Gegensatz zu den Männern mit ihrem Einkommen ?

    3) Warum klagen Alleinerziehende, das sie wegen der Belastung durch die Kindererziehung nicht (Vollzeit) arbeiten können, wenn sie zu 90% die Kinder zugesprochen bekommen?

    4) Unterhaltszahlungen werden dem Zahler als private Ausgabe, dem Empfänger nicht als Einkommen berechnet.( Wer ist den i.d.R. die empfangende Personenekreis?)

    5) Warum bekommen Frauen so wenige Gefahrenzuschläge? ( Anteil der Frauen bei tötlichen Arbeitsunfällen:ca.6%)

    @Michael:

    A) Kleine Korrektur in deiner Bundesländertabelle:
    Sachsen ist südlicher als Sachsen-Anhalt. http://www.mapsofworld.com/deutsch/deutschland/deutsche-bundeslaender-und-ihre-hauptstaedte-landkarte.html(Ich weiß, ist Erbsenzählerei)

    B) Das Bundesstatistikamt sollte vielleicht angeregt werden, ihre Pressemitteilungen zum Gender Pay Gap so zu gestalten, das der unbereinigte Gender Pay Gap nicht zuerst genannt wird.

    Gruß
    KaRa

    • jck5000 says:

      zu A.: Ich weiß sowieso nicht, wie man auf die Idee kommt, Sachsen (-Anhalt) und Thüringen zu Süddeutschland zu zählen. Nichtmal Aldi findet das 😉

  6. eskaef says:

    sorry, aber der artikel ist wirklich krude. du stellst ein “bundesland-gap” auf, stellst es als konstruiert dar und behauptest, rgendwelche erkenntnisse damit gewonnen zu haben. was du getan hast, passiert wahrscheinlich mehrmals in der woche in irgendwelchen vwl-kursen und ist keine neue erkenntnis und überhaupt nicht konstruiert, du hast einfach eine schon tausendmal durchgeführte rechnung wiederholt und bist zu einer realen tatsache gelangt:
    zwischen den südlichen und nördlichen bundesländern bestehen einkommensunterschiede, bzw. bip-unterschiede. das ist keine konstruktion von dir, sondern allgemein anerkannte tatsache. wie kommst du darauf, dass als von dir konstruiert zu bezeichnen und dann gegen das gender gap zu verwenden?

    Oh diese “sorry” Kommentare… Ich wäre vorsichtig damit, ein Verdikt über Artikel zu verhängen, die ich offensichtlich nicht verstanden habe. Wer den Text richtig liest, und ich schlage vor, Du machst das, findet sogar eine Überschrift, die darauf hinweist, dass ich ein Gap erfinde. Du hast mir hier einen schönen Gefallen getan, in dem Du das von mir erfundene Gap auch gleich über unterschiedliche Wirtschaftskraft in den Budnesländern hinwegerklärt hast. Genau das mache ich mit dem erfundenen Gender Pay Gap. Ich erkläre es über unterschiedliches Humankapital, unterschiedliche Lebensentscheidungen, unterschiedliche Arbeitsbereitschaft und Motivation und nicht zuletzt, unterschiedliche Berufswahl. Also genau wie Du das hier versuchst. Insofern ist der Ansatz mit den VWL-Kursen ganz gut, sofern Du in der Lage bist, die Transferleistung zu erbringen und ihn auf das Gender Pay Gap zu übertragen.

    außerdem steht in dem artikel, frauen würden nicht diskriminiert, sie seien aufgrund von Fehlverhalten für ihre Lage selbst verantwortlich. genau an der stelle willst du offenbar nicht weiterdenken und mal überlegen, WIESO Frauen im Schnitt anders handeln als Männer – weil Ihnen weniger Leistungs- und Durchsetzungsbereitschaft beigebracht wird, weil Familie immer noch Frauen-Schwerpunkt und damit Karriere schwieriger für sie zu erreichen ist, weil schlecht bezahlte Berufe (Erziehung, Putzen, Assistenzen/Sekretariate etc.)von der Gesellschaft immer noch als typisch weiblich angesehen werden und Frauen eher in diese gehen.

    Das, mit Verlaub, ist wie man hier sagt: rubbish. Sicher gibt es Rollenvorstellungen und Rollenmuster, die man Kindern vermittelt. Derzeit wird z.B. Jungen vermittelt, untertänig und schleimerisch zu sein, um nicht als Junge aufzufallen, also so, wie das eigentliche Rollenbild von Jungen ist, das man als abweichend deklariert hat. Nun haben wir eine Geschichte, die sich über Jahrtausende zieht und in der es immer wieder Rollenmuster gab und immer wieder Männer und Frauen, die dennoch etwas anders gemacht haben und ist der von Dir behauptete Determinismus erst einmal weg, dann bleibt Wahlfreiheit und die Erkenntnis, dass Männer und Frauen dann, wenn sie wollen, durchaus in eine Karriere investieren können und dass es immer wieder Frauen gibt, die Karriere machen, spricht dafür, dass es möglich und nicht durch Rollenbilder verboten ist. Wenn man aber die Rollenbilder als nicht deterministisch sieht, dann muss man, und die Forschung von z.B. Catherine Hakim bestätigt dies, konstatieren, dass viele Frauen sich bewusst für eine Familie und gegen eine Karriere entscheiden und, will man diese Frauen nicht entmündigen, dann wird man ihre Wahl wohl oder übel akzeptieren müssen. Damit komme ich zum letzten Punkt, der mich an Personen wie Dir immer fasziniert: Dein Menschenbild. Du denkst also, dass Frauen kleine Dummchen sind, die keinerlei Möglichkeit haben, sich in der Welt einzubringen und durchzusetzen, weil überall böse Männer sind oder deterministische Rollenbilder, die sie daran hindern. Nun, ich halte Frauen für vernunftbegabte und selbständige Wesen, die in der Lage sind, eigenverantwortlich zu handeln und entsprechend haben wir hier einen nicht überbrückbaren Dissens. Ich an Deiner Stelle würde daher über mein Menschenbild nachdenken und nicht darüber phantasieren, wie dumm und unfähig weibliche Menschen sein müssen, damit sie deiner Hilfe bedürfen. Wenn es Rollenbilder gibt, die man verändern muss, dann sind dies Rollenbilder, wie Du sie hast.

    Also wissenschaftlich, geschweige denn kritisch wissenschaftlich, ist dieser Artikel bestimmt nicht, eher eine Trotzreaktion mit nicht durchdachten und nichtlogischen Scheinerkenntnissen.

    Ich sehe keinerlei Hinweis, der mich dazu veranlassen könnte, diesen Satz zum einen Ernst zu nehmen und zum anderen nicht als eben die behauptete Trotzreaktion “aber Frauen werden doch diskrimiert” zu werten. Und ich sehe nicht, woher Du die Kenntnisse nehmen willst, um die Wissenschaftlichkeit bzw. die kritische Wissenschaftlichkeit von Texten zu bewerten. Am besten, Du liest unser Grundsatzprogramm, damit wir zumindest ansatzweise auf gleichem Level stehen. Da Du zudem so viel Wert aufs “Weiterdenken” legst, schlage ich, konstruktiv wie ich bin, vor, dass Du das nächste Mal, wenn Du versuchts, Dich mit mir zu messen, ein Argument vorträgst (z.B. in Form eines wenn dann Satzes, bei dem eine Bedingung für ein Explanandum angegeben wird…), ich habe heute nämlich keine Lust, auf dem Niveau von Behauptungen, wie Deinen, die einfach nur dahingesagt sind, zu verbleiben.

  7. Dummerjan says:

    DIe nicht erklärte Variation bei der Oxaca-Blinder-Zerlegung der Bruttostundeneinkommen von Frauen und Männern beträgt jeweils 21% (Männer) bzw. 28% (Frauen).
    Daher ist das Bereinigte Gender-Pay-Gap geringer als der statistische Meßfehler.

  8. jck5000 says:

    Derweil ist, wie uns die UN am heutigen “World Water Day” erklärt, die Lösung der Genderproblematik doch so einfach:

    >> Water cooperation is key to security, poverty eradication, social equity and gender equality*

    Vielleicht sollten wir zusammenlegen und allen Funktionären, die irgendwas zu Gender Inequality von sich geben, eine Flasche Wasser (ab 36 cent inkl. Pfand) zusenden mit dem entsprechenden Hinweis zusenden.

    Das mit der Oaxaca-Blinder-Zerlegung ist durchaus interessant. Da findet man dann schon beim Suchen schöne Sätze wie

    >> Es wäre somit nicht weiter erstaunlich, wenn sich unter Berücksichtigung inferenzstatistischer Kriterien viele bisherige Ergebnisse als Artefakte herausstellen würden**

    Das liest sich für mich so, als machen die üblicherweise _keine_ Inferenzstatistik, was die “Ergebnisse” statistisch recht wertlos machen würde – sie könnten auch gleich raten. Weiss da jemand mehr?

    * http://bit.ly/141EXwc
    **http://link.springer.com/book/10.1007/978-3-531-91799-3/page/1 – Seite 150.)

  9. Pingback: kulturblog.net – Equal Pay Day für Kulturberufe

  10. Harry says:

    Noch ein Nachtrag: wenn ich mir so meine Gehaltsabrechnung bzw. Steuererklärung ansehe, staune ich ja, wieviele Varianten des Begriffs “Bruttogehalt” es gibt. In allen Begriffsvarianten ist ein Bestandteil enthalten, der nach meinem Eindruck die die Gehälter von Männern systematisch als zu hoch darstellt: die im Bruttogehalt enthalten familienbezogenen Leistungen (nicht zu verwechseln mit dem Kindergeld, das kommt separat auf das Nettogehalt drauf).
    Im öffentlichen Dienst sind diese Leistungen in den Tarifverträgen geregelt, man kann ihre Höhe im Einzelfall also genau bestimmen. Im Endeffekt bekommt man aufgrund der Tatsache, verheiratet zu sein und x Kinder zu haben, einen Zuschlag, der mehrere 100 Euro ausmachen kann. Bei Verheirateten, die beide im öffentlichen Dienst arbeiten, wird der Ehegattenanteil jeweils hälftig an beide gezahlt und der kindbezogene Anteil an einen der beiden. Weil der Mann oft eine besser Vergütungsgruppe hat und der Zuschlag dort ggf. höher ist, dürfte das meist der Mann sein.
    Korrekterweise müßte man diese Zuschläge bei Gehaltsvergleichen herausrechnen, denn das sind Einkommen, die durch die Familie als solche erzielt werden und die in der Regel der Mann stellvertretend für die Familie kassiert. Genaue Berechnungen dürfen sehr schwierig sein. Im öffentlichen Dienst schätze ich den Gesamteffekt auf etwa 1-2% Gehaltsdifferenz. Ob und wie andere Tarifverträge solche Gehaltsbestandteile vorsehen, weiß ich nicht, noch schwerer einzuschätzen sind “freiwillige” Mehrzahlungen der Arbeitgeber. Daß nichts unversucht bleibt und auch Männer gerne mal auf die Tränendrüse drücken, hat schon vor rind 40 Jahren Gunter Gabriel in seinem Hitparadensong “Hey Boss, ich brauch mehr Geld” gezeigt (http://www.youtube.com/watch?v=pngkz48xwG0).

  11. Querdenker says:

    Die Diskussion über den angeblichen Gender Pay Gap vergisst noch den wesentlichen Aspekt, dass das Geldverdienen nicht gleichbedeutend mit dem Geldausgeben ist. Gibt es eigentlich Statistiken, die zeigen wieviel des selbst erwirtschafteten Geldes ausgegeben wird? Das ist nämlich der wichtigere Gesichtspunkt. Ich vermute einmal, dass Männer vielleicht über 70 % der Ausgaben ihres des Nettoverdienstes entscheiden, während Frauen vermutlich über 120 % entscheiden (nämlich das eigene Geld plus Geld des Mannes)

  12. Tatsächlich gibt es auch Beispiele für ein existierendes gender pay gap. Zumindest in Österreich, ich denke aber, daß dies in Deutschland analog verläuft.

    In Österreich “dürfen” Frauen auf eigenen Wunsch – im Unterschied zum Konskriptionsverfahren der allgemeinen Wehrpflicht für Männer – auch zum Heer, also Soldat werden.

    Als Berufssoldaten haben sie ebenso wie ihre männliche Kollegen gewisse körperliche Anforderungen zu erfüllen. Allerdings sind diese – aus Rücksicht auf eine geringere körperliche Leistungsfähigkeit etwas geringer. Das Gehalt jedoch ist gleich.

    Das bedeutet aber, daß ein Mann pro erbrachter Leistungseinheit bei genau derselben Tätigkeit geringer entlohnt wird als eine rau. Na, wenn das kein gender pay gap ist ….

    Allerdings wurde das Gender-Projektil noch nicht erfunden, im Ernstfall wären dann die weiblichen Soldaten höherer Gefahr ausgesetzt, außer – ja, außer – man entscheidet, diese niemals in Einsätze zu schicken. 😉

  13. Pingback: Gender-Voodoo und Gender-Pay-Gap | DiskursKorrekt im Tagesspiegel

  14. Pingback: Equal Fools Day – Tag des Jammers und des Mitleids | ScienceFiles

Bitte keine Beleidigungen, keine wilden Behauptungen und keine strafbaren Inhalte ... Wir glauben noch an die Vernunft!

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