11. Gebot: Du sollst über eine Satire lachen können (und nachdenken)

Deutschland 2013. Das ganze Land ist vom Staatsfeminismus infiltriert. Niemand wagt mehr, sein Haupt, geschweige denn, eine kritische Stimme zu erheben. Niemand? Nein. Im Konsum-Babel des Südens, dort, wo eine Kaufinger-Straße mehr Konsumanbeter anzieht als sonstwo in Deutschland, im H-manKonsumbabel des Südens, das berühmt ist für Lederhosen, Eliteunis, Fußball und Steuerverweigerer, in diesem Konsum-Babel regt sich einsamer Widerstand. Hadmut Danisch, einsamer Kämpfer gegen den Staatsfeminismus, Zyklop unter den Einäugigen, Goliath unter Titanen, Dinosaurier unter Echsen trotzt dem Zeitgeist, dem Staatsfeminismus. Er, der Monolith des Widerstands im Meer der Angepassten, er steht seinen Mann, einsam gegen die Brandung feindlicher staatsfeministischer Wellen.

Die Wirklichkeit ist natürlich anders: Ganz so allein, wie er sich gerne darstellt, ist der einsame H-man nicht. Ganz so originär, wie er glaubt, ist sein Kampf nicht. Ganz so herausragend ist seine nichtsdestotrotz verdienstvolle subversive Arbeit nicht. Und warum nicht? Weil er Opfer von friendly fire geworden ist, so erzählt er seinen Lesern. In den Rücken habe man ihn gestochen: Im Felde unbesiegt und nun der Dolchstoß in der Heimat spinnt er sich seine eigene Dolchstoßlegende zusammen. Er spinnt sie im Verlauf eines posts, der anmutet wie die reumütigen Memoiren eines begeisterten Ruderers, der es nie in den Achter der Schulmannschaft geschafft hat. Und seine Enttäuschung darüber, dass die Realität mit seinen Hoffnungen nicht schrittgehalten hat, hat ihn dazu bewegt, eine Legende zu stricken: Schuld sind andere, diejenigen, die ihn, unbesiegt im Feld, in der eigenen Heimat, da, wo er sich sicher fühlte, unter Freunden, in den Rücken gestochen haben, in für vierzig Silberlinge ans Kreuz verkauft haben.

Wie alle, die versuchen, ihre kognitiven Dissonanzen emotional zu bewältigen, ist H-man mit der Verteilung von Schuld und nicht mit Lernen beschäftigt. Das ist schade, würde er nämlich einen Schritt zurücktreten und mit Abstand betrachten, worauf seine Dolchstoß-Legende fußt, er könnte etwas lernen.

FestingerAusgangspunkt der Dolchstoß-Legende ist eine Satire auf ScienceFiles. Die Satire war natürlich nicht für H-man geschrieben, aber er hat es offensichtlich so aufgefasst. Die Satire hat offensichtlich so genau zur emotionalen Befindlichkeit von H-man gepasst, dass er alles, was er in Studium und Leben gelernt hat, alles, was er über ScienceFiles weiß oder doch wissen sollte, vergessen hat, er hat es vergessen für diesen einen kurzen Moment der Genugtuung, der kurze Moment, der sich einstellt, wenn er sich über Genderisten und ihren Unsinn aufregen kann.

Und weil ihn die Satire, die er als solche nicht erkannt hat, so emotional betroffen gemacht hat, hat er sie weiterverbreitet, sich öffentlich über diejenigen, die die Bühne der Satire bevölkert haben, aufgeregt. Dabei sind ihm wesentliche Merkmale von Darstellern und Darstellung, wie Erving Goffman wohl sagen würde, entgangen, wesentliche Merkmale, von denen man erwartet hätte, dass sie einem alten Kämpen wie H-man sofort auffallen.

  • Wie hat Mic Bartz, ein Stammleser der Facebook-Seite von ScienceFiles geschrieben: „Die gute alte Rubbish-Press“. Wer liest, der wird sehen. Rubbish-Press ist der Imprint, mit dem auf ScienceFiles Satiren immer kenntlich gemacht werden. Rubbish-Press ist nicht nur ein festes Logo, rp, sondern auch ein fester tag, der jedem, der es will, die Möglichkeit gibt, die Satire als solche zu erkennen. Wer demnach denkt, er sei von uns aufs Glatteis geführt worden, der hat offensichtlich nicht richtig gelesen.
  • Unter dem Rubrum Rubbish-Press und in Abweichung von allen anderen Texten, die nicht unter Rubbish-Press erscheinen, ist im gesamten Beitrag zum Geschlechterforscher, der Liebeslieder verbieten will, keine einzige Quelle genannt. Was sagt es über einen Text aus, wenn er auf einem Wissenschaftsblog unter Rubbish-Press erscheint und keinerlei Quellen benennt?
  • Das Fehlen jeglicher Quellen hat H-man ebensowenig davon abgehalten, die Satire für bare Münze zu nehmen, wie die Tatsache, dass ihm ein Geschlechterforscher und Theologe vor die Nase gesetzt wurde, den er mit Sicherheit nicht kennen kann, da es ihn nicht gibt. Den er im Internet nicht finden kann, da es ihn nicht gibt, und der sich aufschwingt, um für alle Homosexuellen zu sprechen.
  • Die ScienceFiles Variante von Lieschen Müller, die einem existierenden Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der TU-Berlin zugewiesen wurde, einer Universität, die H-man besonders gut kennt, weshalb er die nicht-Existenz von Anna Lisa Müller sofort hätte bestätigen können, tut sich damit hervor, dass sie den Sinn von Sexualität über Fortpflanzung definiert, die einzige Rechtfertigung von Sexualität im Fortbestand des Volkes verortet. Deutlicher kann man die NS-Ideologie, die im Mutterkreuz verewigt wurde, nicht darstellen. H-man hat es geglaubt und nicht einmal bemerkt, dass man als Homosexueller gewisse Probleme haben wird, Sexualität zur Fortpflanzung einzusetzen.
  • Der von mir besonders gemochte, nicht existente Thomas Schelle vom Geschlechterzentrum an der HU-Berlin tut sich durch blanken Rassismus und Sexismus hervor. Er verdammt Musik, die weitgehend black music ist, verbreitet das alte Stereotyp vom promiskuitiven Schwarzen, der mit seiner hegemonialen Muskelmasse zur Nemesis des „weißen Ängstlings“ geworden ist. Purer Rassismus und blanker Sexismus, von einem, der sich gegen Sexismus und Homophobie wendet. Man sollte meinen, das ist zu dick aufgetragen, als dass man es glauben kann. H-man scheint es dennoch geglaubt zu haben.
  • Nicht nur in Rassismus und Sexismus ist unser Thomas Schelle bewandert, er ist auch ein Kapitalismus-Kritiker par excellence und weiß, dass man Menschen, die durch Leistung zu einem Vermögen gekommen sind, suspekt behandeln und als Kapitalisten ansehen muss, selbst wenn sie im Slum aufgewachsen sind. Sicher haben Genderisten und Staatsfeministen eine anti-kapitalistische Haltung, schließlich sind sie allesamt Sozialisten. Dennoch würden sich nur wenige von Ihnen (bislang) offen gegen die Leistungsnorm stellen, da letztere nach wie vor von einer Mehrheit der Deutschen geteilt wird (Bericht des IfD in Allensbach: „Für 70 Prozent der Bevölkerung ist es eine wesentliche Komponente sozialer Gerechtigkeit, dass diejenigen, die mehr leisten, auch mehr verdienen“ (6-7)). Auch hier ist H-man eher bereit, die Realität der Genderisten als Normalität zu akzeptieren als das, was in Deutschland statistisch normal ist. Da unser Experiment darauf gezielt hat, die Normalitätsvorstellungen zu identifizieren, die Leser Personen, die ihnen als Personen des öffentlichen Lebens präsentiert werden, gegenüber haben, ist diese Abweichung besonders interessant, aber H-man hätte merken müssen, dass er auf der Seite der Gendersiten abweicht,und er hätte wissen müssen, dass Genderisten die Leistungsnorm nicht offen und ehrlich in Frage stellen.
  • Besonders deutlich fanden wir den Schluss der Satire. Hier steht offen, dass man (1) die Rechte von Vielen für die Rechte von Wenigen opfern müsse und dass (2) der beste Weg dazu über die Manipulation der Öffentlichkeit und über Druck führt, wie dies bei der Frauenquote auch erfolgt sei. Nur zur Erinnerung: Noch gibt es keine Frauenquote in Deutschland. Man kann wenig erfreuliches im Hinblick auf den deutschen Staatsfeminismus vermelden, aber das schon noch. Nichtsdestotrotz: H-man hat es geglaubt.

inattentive

Nicht nur H-man hat unsere Satire geglaubt. Viele haben Sie geglaubt, und das war auch so beabsichtigt, denn es ist das Ziel von Satire, zu prüfen, wie weit man die Realität überzeichnen kann, ohne dass die Satire völlig unglaubwürdig wird. Unser Zeil war es explizit herauszufinden, wie die mittlerweile rund 10.000 Leser der Satire die Realität in Deutschland wahrnehmen. Insofern sagt die Tatsache, dass Viele die Satire geglaubt haben, viel über die Realität in Deutschland aus. Auch H-man hält wie viele unserer Leser die Satire für eine Beschreibung der politisch korrekten Realität, für einen real gewordenen Wahnsinn, wie er einem täglich begegnen könnte.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Lesern ist er aber sauer, dass er es geglaubt hat. Sauer, dass die Satire so glaubwürdig war und er nicht gemerkt hat, dass es eine Satire war, weil ihm die Hinweise entgangen sind. Anstatt die Brisanz hinter diesen (seinen) Normalitätsvorstellungen zu erkennen, macht er seinem Ärger Luft und schimpf auf uns als diejenigen, die seine „Glaubwürdigkeit“ erschüttert haben. Ganz unversöhnlich ist er und kommt keinen Moment auf die Idee, sich zu fragen, warum er (wie viele andere auch) eine Satire geglaubt hat, die gerade er, bei genauem Lesen als solche und ohne Probleme hätte erkennen müssen. Die Antwort ist einfach: Er hat sie glauben wollen. Offensichtlich hatte er das Bedürfnis zu glauben, der Unsinn von David Thaler sei real. Und warum hatte er dieses Bedürfnis? Warum siegt seine Emotonalität über seine Rationalität, wenn es um einfache Urteile geht?

Auch hier ist die Antwort einfach:

Er schreibt: „Was die meisten halt nicht wissen ist, dass ich seit einem Jahr sehr intensiv, und auch fast jeden Morgen und jeden Abend in der U-Bahn, feministische (oder feminismuskritische) Literatur lese, um ein weiteres Buch vorzubereiten. Gegen das, was ich da täglich lese, ist das Zeug von Klein eigentlich »Kleinkram«, und gerade deshalb nicht als Satire erkennbar. Es ist keine Überzeichnung, es passt genau in die Realität. Was er vermutlich selbst nicht merkt.“

Offensichtlich und wie nicht anders zu erwarten, hat die Rationalität, die Realitätswahrnehmung von H-man darunter gelitten, dass er sich massenhaft und in offensichtlich masochistischer Absicht mit Schund vollliest. Wer sich regelmäßig mit Schmutz umgibt, bleibt nicht sauber. Wer Mengen von Gendermüll liest, leidet an Geist und Verstand, verliert alle Normalitätsmaßstäbe und über kurz oder lang das Gefühl für Normalität. Deshalb meine dringende Bitte an H-man: „Hör‘ auf diesen Schund zu lesen!“ Es ist nicht notwendig. Wer ein Gendermachwerk kennt, kennt sie alle. Und wozu sollte man den Schund überhaupt lesen, wenn nicht um sich selbst zu bestrafen? Es gibt wichtigeres und besseres im Leben als in der U-Bahn Genderliteratur zu lesen. Man kann in der selben Zeit auch gute Musik hören und sich seines Lebens freuen – das ist in jedem Fall besser für Verstand und Geist.

Anmerkung von Dr. Diefenbach: H-man soll sich z.B. einfach nach hübschen Passagierinnen umsehen, die die U-Bahn mit ihm teilen.